B 249 46. Jahrgang BERLIN Donnerstag 24. Oktober 1929 erschei-t««,!»»,»« e r S o a» t a g«. �«», e t, e»» r e««: Die einsr-ltige Non?-rcille,eil. Luzleich Abendautgabe des.DorwürtS. BeiugSorett\,fFI fj f 1/-.". V.«0 Pf.. R-klam-»«!- 5 M. Lrmüß.zungen nach Tanf. beide Ausgaben SüPf. pro Woche. g�aM. pro Monat, i, ffj Clm{i i tXrtfl kfO flOK mm l6C>Ktlrf7>#H2A V o S f-b- ck k° a t.- DorwüttS-Verlag S. m. b.H.. «edattioo und expedition; DerlinSWSS.xindenstr.L/-------uiw«.i v V // P'W f rV%Arl TV Berlin Nr.»753«. Fernsrrecher: Dönhoff 292 bis 297 Täglich tausend weniger. Die pleite des Inflationsbegehrens. Die Eintragung in den Listen für dos ZZsrsklavungsbegehren hott« am 23. Oktober d. I. folgendes Ergebnis: Die Gesamtzahl der Eintragungen beträgt also nach acht Tagen nur 132 282! Noch nicht ein Prozent. Essen, 24. Oktober.(Eigenbericht) Im rheinisch-westsälischen Industriegebiet hat sich bis Dienstag abend nicht einmal ein Prozent der Wahlberechtigten zu dem Inflätionsbeg ehren bekannt. Es zeichneteii sich ein: Bochum 1489(288 394), Essen 2310(432 NW). Duisburg- .fMmbarn 3020(267 000), Hagen 737(105 000), Dortjnund 1310 (380 000), Mülheim 1490(87 000). Die eingeklammerten Ziffern geben die Zahl der Wahlberechtigten in den einzelnen Städten wieder Entscheidung der Nadikal-Gozialisten. L'enf? Parteitag.- Entschließung gegen die Nechte vorgelegt Paris, 24. Oktober.(Eigenbericht.) Im Vordergrund der französischen Ministerkrisc stehen heute die Namen Paul Boncvur, in zweiter Linie Daladier, Steeg und anderer radikaler Führer. Um die von der Rechten anfangs mit so großem Elan vorgetragene Ka�ididatur� T a r d i e u s ist es vor. läufig zieinlich still geworden. Gegenwärtig beherrschen die Links- Parteien das Feld, wenn auch vorläufig nur das Feld der Kom- b i n a t i o n. Die Möglichkeit einer neuen Belebung des Kartells der llebcrnahme der Regierung durch Sozialisten und Radikal- Soziale,. gestützt aus die wohlwollende Reutratität des Unken Zentrums ist in greifbare Röhe gerückt. Wenn auch jede Voraussage, dem objektiven Stand der Dinge nach und angesichts der beträchtlichen parteitaktischen Schwierigkeiten ver- früht war. Im Mittelpunkt der Diskussion steht natürlich der ra- dikal-soziali st ische Parteitag in Reims, der heute beginnt und dessen Dauer von den ursprünglich geplanten vier Tagen wenn möglich auf einen einzigen Vcrhondlungstag abgekürzt werden soll, so daß vielleicht schon morgen mit einer Klärung der Situation zu rechnen ist. Dem Kongreß wird eine Entschließungs- vorläge Chautemps unterbreitet werden, die jedes Zusammengehen mit den Rechts- und mittleren Rechtsparteien aufs schärfste ablehnt, die Sozialisten zu gemeinsamem vorgehen cufsordert und für den Fall einer Absage der Sozialisten ein weiteres Zlb- warten der Radikal-sozialistischen Partei vorsieht. Inzwischen ist der so-ialistische Parteirat für Sonntag nach Paris emberujen wop- den. Der sozialistische Abgeordnete Paul F a u r e erklärt heute im„Populaire". daß die Beschlüsse des Pariser Kongresses vom 11. Januar 1926 über die Taktik der Sozialisten aktueller denn je seien. Diese Beschlüsse besagen, daß die Partei bereit sei, die Rc- gierungsbildung auch allein mit UnterMßung der anderen Links- giuppcn zu übernehmen, wobei die Vertreter dieser Gruppen in die van den Sozialisten zu bildende Regierung eingeladen werden sollen. v.Zug-llnglück bei Nürnberg. Berliner Schnellzug fährt auf Münchener Zug. Ein schweres» Eisenbahnunglück hat sich heute vormittag in der Nähe von Nürnberg zugetragen. Der Berliner Schnellzug v 39 fuhr gegen 11 Uhr bei Rcichclödorf aus den O-Zug Frankfurt— M ü u ch c n. Nach den bisherigen Fest- stellunqcn forderte das Unglück unter den Reisende» 3 Tote 10 Schwerverletzte. Nähcrc Nachrichten stehen noch aus. Ein H i l s s- Zug der Reichsbahndircktion Nürnberg befindet sich an der Unglücksstättc. Wic uns von der Hauptverwaltung der Reichsbahndirektion Berlin zu dem Unglück mitgeteilt wird, ereignete sich der Zusammen- stoß in der Nähe der Station Reichelsdorf, das etwa 8 Kilo- meter von Nürnberg entfernt liegt, aus der Strecke Nürn- berg— München. Der O-Zug 39 war gerade im Begriff, aus der Station Reichels- dorf crüszufahren. Wahrscheinlich, so wird vermutet, insolg« Ueber- sahrens des Aussahrtssignals, fuhr O-Zug 39 dem durchsahrenden O-Zug 3S9 in die Flanke. RIehrere wagen wurden zertrümmert. Bahnpersonal und zahlreiche Reisend«, die unverletzt geblieben waren, machten sich sofort an das Rettungswert und bargen Tote und Schwerverletzte aus den Trümmern. Aus Nürnberg wurde sofort ein Sanitätszug an die Unfallstelle entsandt. Die Namen der Toten sind: Postossistent Auer aus München. Poftassistent Obermeier aus München. Postschaffner Stachel aus München. Unter den Schwerverletzten befinden sich der Heizer und Loko- invtivsührcr des O-Zuges 39. Bon den übrigen Schwerverletzten sind bisher nur die Personalien des Spaniers Mario Serrat bekannt. Sofort noch Bekanntwerden des Unglücks haben sich mehrere Beamte und Sachverständige von der Direktion Nürnberg an die Unfallstelle begeben, um über die Ursachen genaue Ermittlungen anzustellen. Gegen die fortgesetzte Beschlagnahme deutschen Pnoatcijicn- bims durch die englische Regierung veröffentlicht die„Times" einen Brief des Romanschriftstellers Gelsworthy. Neuer Bankkrach in Kopenhagen. Immer die gleichen Hintermänner. In Dänemark erregt einneuerBantkrach großes Aufsehen Es handelt sich um die Volksbant für Kopenhagen und Frederiksberg, deren Aktien an der gestrigen Börse einen heftigen Kurssall von 105 aus 85 und darunter erlitten. Man schloß daraus, daß die Bank große Verluste zu oerzeichnen haben mußte. Im Laufe des Mittwochnachmittag fanden eine Reihe von Besprechungen zwischen Direktion und Aufsichtsrat statt, denen am Abend eine Zusammenkunft mit Vertretern der Großbanten im Gebäude der Nationalbank solgte. An dieser Besprechung nahm auch der Handels- minister teil. Es wurde eine Erklärung veröffentlicht, wonach die Boltsbank aus ihren Engagements Verluste von etwa siinf Mit- lionen Kronen erlitten habe. Die Betrügereien bei den Gesellschaften, in denen die Bank engegagiert war, sind durch den Direktor Harald Plum, dem früheren Direktor der Transatlantischen Kompagnie, verübt worden, der bereits bei dem Krach der Landmannsbank eine unheil- volle Rolle spielte. Sie wurden entdeckt durch eine von der Privat- bant eingeleitete Revision. Plum hatte es verstanden, ein ganzes Netz von Gesellschaften zu schaffen, die all« gegenseitig engagiert waren. Um den Zustrom fremde», namentlich amerikani- schen Kapitals nach Kopenhagen zu fördern, wurde 1926 im An- schluß an die Boltsbank die Nordische Trust Kompagnie mit einem Kapital von vier Millionen gegründet. Dadurch gelang es Plum, vielerorts Eingang zu gewinnen und seinen Einfluß immer mehr geltend zu machen. Infolge der noch nicht vergessenen Millionen- verluste der Dänischen Landmannsbank, die einen internationalen Ruf besaß, hat dieser neue Bankskandal größte Aufregung in dänischen Wirtschastskreisen heroorgeruscn. Zum Kieler Vankskandal. Zu dem bereits heute früh gemeldeten Zusammenbruch der Kieler Bank teilt der Aussichtsrat der Gesellschaft jetzt mit, daß infolge Derschutdens der bisherigen Borstandsmitglieder die Kieler Bank größere Berluste erlitten habe und genötigt fei, Ihre Zahlungen einzustellen. Den bisherigen Vorstands- Mitgliedern ist die Leitung der Bank entzogen worden. Der Bank- verein für Schleswig-Holstein in Altona hat ein« Hilfsaktion sür die Einleger der Kieler Bank in die Wege geleitet., Max Holz in Nußland verschollen. Niemand weiß, wo er steckt. Vor der Großen Strafkammer des Landgerichts I stand heute die Berufungsverhondluiig gegen Max Hölz an, der vom Schösfcngericht wegen Nötigung und Körperverletzung �zu 100 M Geldstrafe verurteilt worden war. Es handelte sich hierbei um den U e b e r f a 1 l von Max Holz auf seinen früheren Freund Rabold. Gegen das Urteil hatten Hölz und Rabold, letzterer als Nebenkläger, Berufung eingelegt. Bei Aufnif der Sache heute früh war Hölz m ch t an- wesend. Rechtsanwalt Dr. Apfel erklärte, daß er Hölz die Borladung nicht habe zustellen können. Hölz sei vor mehreren Monaten zur Erholung nach Rußland gereist, seitdem habe er kein Lebenszeichen mehr von sich gegebe». Wichtige Zuschriften an die von ihm angegebene Adresse seien unbeantwortet geblieben, auch eine Hölz nahestehende Organisation habe über den Verbleib von Hölz nichts ermitteln können. Die Strafkammer verwarf die Berufung von Hölz. Rechts- anmalt Dr. Paul Leoi ertlärtc, daß auch Rabold seine Berufung zurücknehmen werde, falls Hölz auf weitere Rechtsmittel verzichte. Dr. Apfel konnte für Hölz dazu keine Erklärung abgeben. Warnung der TOOOOO. Oie Gewerkschaften Oesterreichs abwehrbereit. Der Bundesvorstand der freien Gewerkschaften Deutsch-Oesterreich» hielt am Dienstag eine Sitzung ab, in der S ch o r f ch über die politische Lage und die Gefahren für die Wirtschaft bc- richtete. 3n einer Entschließung wird erklärt, daß die Gewerkschaften mit der größten Enlschlckfsenheit sich gegen jeden Gc- waltstreich wenden, der die verfassungsmäßige Rechtsordnung und die Rechte der Arbeiter- und Angcstelllenschast anlastet. Sie fordern eine Erklärung der Bundesregierung sowie aller parlamentarischen Parteien, daß sie in keinem Falle den gesetzlichen Boden verlasien, jeden Putsch und jeden Staats st reich ablehnen. Am Mittwoch tagte eine Borständekonserenz der freien Ge- werkschaften. Am kommenden Sonn lag werden alle 49 Zentratverbände. die dem Bunde der Freien Gewerkschaften Deutsch-Oesterreichs angeschlossen sind, in Wien Konserenzen abhalten, um zur wirtschaftlichen und politischen Lage Stellung zu nehmen und die nötigen Maßnahmen zu tressen in dem Abwehrkampf gegen den Anschlag aus die Rechte der österreichischen ArbeiterNassc. Marin verlangt Mobilisierung. Auch gegen Saarräumung. Paris, 24. Oktober. Die Fraktion Marin hat zur politischen Lage Stellung genommen und einstimmig beschlossen, an ihrer bisherigen Haltung gegenüber der Räumung des Rheinlandes und des Saargebiets sestzuhalten. Die Agentur havas erklärt, daß die Ansicht der Fraktion dahin gehe, die Räumung der dritten Rheinlandzone nicht anzunehmen, bevor eine e r st e T r a n ch e der deutschen Schuld kommerzialisiert sei, und die Einführung eines neuen Regimes im S a a r g e b i e t vor dem für die Volksabstimmung festgesetzten Zeitpunkt nicht zuzulasse». Oer Fall Schutz-Qow. Kommunistische Verlegenheit. Oer Totschlag im Zuge. Reichsbannerleuie in Krankfurt a. d. Oder vor Gericht. Frankfurt a. d. 0-, 24. Oktober.(Eigenbericht.) Vor dem Landgericht Frankfurt a. d. O.— vor drei Berufsrichtern und sechs Laienrichtern(Schwurgericht)— begann heute morgen die auf zwei Tage berechnete Verhandtung gegen die Breslauer Reichsbannerleute, den 21jährigen Ar- beiter Herbert Stirn, den 20jährigen kaufmännischen Angestellten Günther Hahn, den 21jährigen Bäcker Otto Jaschek»nd den Tischler- gesellen Herbert Mascharek. Die Anklage lautet auf gemeinschait- liche Körperverletzung mit Todeserfolg. Den Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Ebert, die Anklage vertreten Oberstaats- anwalt Rothe und Staatsanwalt Dr. Wagner, die Verteidigung liegt in den Händen der Rechtsanwälte Dr. Friedensburg- Breslau, Dr. N e h a b- Frankfurt a. d. O., Dr. Cohn- Breslau und Dr. H i r s chb e r g- Frankfurt o. d. O. Der Borsall, der zur Anklage steht, ist noch in aller Erinne- rung: In dem Zuge Berlin— Breslau, auf der Rückkehr von der Verfassungsfeier in Berlin, entstand zwischen den Angeklagten und dem Fleischer Johannes Rademach er eine Schlägerei, in deren Verlauf Jaschek Rademacher einen Messerstich in den Ober- arm versetzt«, und zwar so unglücklich, daß er die Schlagader traf. Rademacher verblutete. Als erster Angeklagter schildert Jaschek die Ereignisse jener Nacht: Der Zug fuhr nachts vom Schlesifchen Bahnhof ab. Für die Reichsbannerleute waren drei Wagen zur Verfügung ge- stellt: diese waren überfüllt. Kurz hinter Fürstenwalde merkte Jaschek, daß Stirn nicht mehr im Wagen war. In Briefen stieg er wieder zu und erzählle, daß in einem Abteil 2 Masse e i n Mann nach ihm geschlagen habe. Jemand meinte, man müsse den Betreffenden zur Rede stellen. In Jakobsdorf stiegen Stirn, Jaschek, Mascharek und Hahn aus dem Wogen und begaben sich zu dem Abteil 2. Klasse. Das Abteil war verdunkelt, auf der Pank saß oder lag ein Mann. Stirn wandt« sich an ihn mit den Worten:„Eirtschuldigen Sie, weshalb haben Sie vorhin nach mir geschlagen?" Als Antwort faßte der Reifende Stirn an die Kehle und griff nach seinem Stock, der im Gepäcknetz lag. Jaschek vcr- setzte dem Reisenden«in paar Schlage ins Gesicht, während dieser auf Stirn einschlug. Jaschek griff ihm nun mit der linken Hand an die Kehle, der Reisende packte Jascheks Kopf und zog ihn fest an sich. Jaschek grisf jetzt noch seinem Messer, das an der linken Seite hing und stach nach dem Reisenden. Wohin er getroffen hat, weiß er nicht. Auch hat er nicht gemerkt, ob er blutete. Der Wagen blieb stehen, Stirn lief davon, er hiitterher, hört« noch Schimpfrufe und Pfeifen. Sie liefen den Zug entlang, Stirn rief:„Hier, hier", eine Hand zog ihn in das Wagenabteil hinein. Hier fragten ihn Samariter, was los fei, ob er nicht verletzt fei. Als er sein Messer betrachtete, war es blutig. Er übergab es zuerst dem Samariter, dann warf er es aus dein Fenster hinaus. Er wusch sich die Hände und wechselte sein blutiges Hemd. In Frankfurl a. d. O. wunde der Reisende ausgeladen. Kurz vor Sagan, wo Hahn und Stirn zurückgehalten wurden, jagte ihm ersterer:„Beruhige dich, sie wer- den dich nicht in die Sache mit hineinziehen." In Breslau wurden die Reichsbannerleute, darunter auch er, untersucht: man merkte nicht, daß auch seine Hose blutig war. Bei der Schwester zog er sich dann um. Auf die Frage des Vorsitzenden gibt der Angeklagte zu, daß er und Stirn vor der Abfahrt aus Berlin zwei Schnäpse und ein Glas Bier getrunken hätten. Jaschek zeigt, wie er sein Messer an der linken Seite trug, und es ergibt sich, daß das Herausziehen absolut keine Schwierigkeiten bereitet. Ein Geschworener will wissen, ob Stirn das Messer auch zum Schneiden von Lebensmitteln benutzt-'. Jaschek bestätigt dies. Stirn erklärt, er sei mit Jaschek seit Ostern 1928 befreundet und habe sich auch während der Berliner Tage die ganze Zeit an U?n gehalten. Da die Wagen überfüllt waren, so begab er sich mir Hahn aus die Suche nach einem freien Abteil. Sie setzten sich einige Augenblicks in ein Abteil dritter Klaffe, aber auch dieses Abteil war überfüllt, und so begaben sie sich in ein AbtAl zweiter Klasse. Hier sahen sie einen Menschen schlafen. Als Stirn den Wagen verließ, sah er, wie irgend jemand nach ihm ausholte. Ob der Mann ihn geschlagen hat, kann er nicht mehr sagen. Er kehrte nun zu seinen Kameraden zurück und erzählte hier, daß jemand nach ihm geschlagen habe. Als er dann später den Reisenden ansprach, sprang ihm dieser gleich an die Kehle und würgte ihn. Er bekam Nasenbluten und versetzte dem ihn Würgen- den einen Schlag gegen die Brust und einen anderen ins Gesicht. Er versuchte auch die Notbremse zu ziehen, konnte sie aber nicht fassen. Es folgt die Vernehmung der beiden letzten Angeklagten, Hahn und Mascharek. Wie zu erwarten war, hat die„Rote Fahne" auch von dem zweiten Schütz-Dokument ihren Lesern keine Kenntnis gegeben. Sie hält krampfhaft die falsche Vorstellung aufrecht, als ob der„Vorwärts", gestützt auf„erpresserische Gewährsmänner". einen„Verleumdungsfeldzug" gegen den in„proletarischer� Rein- heit" strahlenden L e o w unternommen hätte. Die„Rote Fahne" hat nicht den Mut. ihren Lesern die Wahrheit zu sagen. Wir kennen keine„erpresserischen Gewährsmänner"— es fei denn, daß das ehemalige Mitglied des Reichstags und der KPD- Zentrale Max Schütz damit gemeint sein soll. Dieser Max Schütz hat gegen Willy Leow alle die Beschuldigungen erhoben, die hier wiedergegeben worden sind, und er hat sie unseres Wissens bisher auch noch nicht zurückgenommen. Vielleicht ober tut er das noch! Es ist ganz auffällig, wie die„Rote Fahne" ihn schont, obwohl er doch der Urheber alles dessen ist, was die„Fahne" als Lüge und Verleumdung bezeichnet. Daß durch einen solchen Widerruf die Angelegenheit nicht aus der Welt geschafft werden könnte, oersteht sich von selbst. Das könnte nur durch Zeugen- Vernehmungen in oller Oeffentlichkeit geschehen. Wie sehr aber die„Rote Fahne" die Oeffentlichkeit scheut, geht aus dem Umstand hervor, dckß sie sich bis heute nicht dazu entschließen kannte, die Tatbestände der Affäre Leow ihren Lesern zur Kenntnis zu bringen. Die von uns veröffentlichten Dokumente haben sich als echt er- wiesen, und wir wollen auch verraten, waruni wir an ihrer Echtheit von vornherein nicht im geringsten zweifelten. Ueber Leben und 'Taten des großen Rotfrontführers Willi Leow werden seit Jahren innerhalb der KPD. sehr merkwürdige Geschichten kolportiert. Zum Beispiel wird erzählt, daß der Vertreter der Moskauer Exekutive den Ausspruch getan hätte:„Leow ist der größte Lump in der deutschen Partei." Das sind Dinge, die innerhalb der KPD. selbst herumgetragen werden, und zwar nicht von den ersten besten. Die„Rote Fahne" ist neuerlich dazu übergegangen, Ausruf« an alle zu erlassen, die aus dem früheren und frühesten Leben ihrer politischen Gegner etwa�Nochteiliges wissen. Wir denken nicht im entferntesten daran, zu ähnlichen Methoden zu greifen. Es ist uns auch gleichgültig, ob gerade Leow ein Lump ist oder nicht, denn aus einen Lumpen mehr oder weniger in der KPD. kommt es gar nicht an. Mag sich der Fall Leow wie immer aufklären, so bleibt doch nur zweierlei möglich. Entweder i st Leow ein Lump, und dann wird er gehalten, obwohl man weiß, daß er einer ist. Oder aber er ist keiner— dann wäre der Beweis geliefert, daß auch die Führer der KPD. vor Verleumdungen durch ihre eigenen Gesinnungs- genossen nicht sicher sind. Daß die Verleumdung für die Kommunisten die wichtigste Waffe ist, nicht nur im Kampf nach außen, sondern auch in ihren inneren Auseinandersetzungen, weiß man nicht erst seit heut«. Wenn ein Kommunist einen anderen einen Gauner nennt, so ist das nach der Logik der„Roten Fahne" ein Beweis— für„sozial- demokratifche Korruption". Vergebliche Mü.he! Der Fall Leow bleibt unter allen Umständen ein« innere Angelegenheit der kam- nmnistischen Korruptions- und Verleumderpartei. Zigeunerfchlachi am Gpandauer Bock. Vier Schwer- und elf Leichtverlehie. Die wandernden Zigeuner sind von jeher die unruhigsten Baste Berlins gewesen. Immer wieder geraten sie aneinander und es ist fast ein wunder, wenn es bei den Zusammenstößen keine Toten gibt. Zn der vergangenen Nacht kam es am Spandauer Bock zu einer wahrhasten Schlacht, die von 1 Ahr bis 3 Uhr dauerte. Auf dem Kampfplatz blieben 4 Schwer- und 11 Leicht- o e r l e tz t e. Auf dem Grundstück Sophie-Charlotte-Straße 8 wur- den vor 3 Wochen zwei Zigeuner st ämmen von dem zu- ständigen Polizeirevier Plätze zum Aufsahren der Wohnwagen an- gewiesen. In den Abendstunden waren mehrere Zigeuner und Frauen in einem Lokal in der Spandauer Straße 24a einge- kehrt. Hier hatte ein 34 Jahre alter Max Zimmermann aus der Spandauer Straße 28 mit den Zigeunerinnen jchön getan und da- durch die Eifersucht der Männer erregt. Er wurde tätlich nngegriffen und mit mehreren Messerstichen schließlich ins Wostend-Krankenhaus gebracht. Als die Gesellschaft zu ihrem Platze ging, waren all« mehr oder minder angeheitert. Jetzt gerieten die Männer untereinander in Streit. Kaum hatten sie die Tür der Umzäunung hinter sich geschlossen, da ging die wüst« Schlägerei auch schon los. Durch das Gebrüll der K ä m p f« r augelockt, fanden sich bald fast 100 Zuschauer ein, die durch die Zaunritzen und Astlöcher den Hergang der Schlacht aufnierksam verfolgten. Nach der Aussage der Augenzeugen solle» die Männer von den Frauen angegriffen worden sein. Mit allen möglichen Gegenständen gingen sie aufeinander los. Vom zllstän- digen Polizeirevier 125 und vom Nachbarrevier 132 wurden Po- lizeibeamt« herangeholt, um dem Getümmel ein Ende zu machen. Gegen 3 Uhr morgens war es geglückt. Drei f ch w e r v« r- letzte Zigeuner wurden auch nach dem Westend-Krankenhaus gebracht, find aber gleich wieder entlaufen, nachdem man ihnen Verbände augelegt hatte. Das Einsiurzunglück in Beuchen. Vier Arbeiter als Leichen geborgen. Der folgenschwere Einsturz einer Betondecke beim Neubau des uädtischen Hallenschwimmbades Ist nicht, wie zuerst berichtet, aus eine Bodensenkung, sondern allem Anschein nach darauf zurückzuführen. daß die B e r s ch a l u n g der eben fertiggestellten Decke zu früh abgenommen worden war. Nach dem Einsturz der Decke gaben auch die beiden Seitenwände nach und stürzten zusammen. Bald nach der Satastrophe erschien die Feuerwehr an Ort und Stelle, der sich die Grubenrettungswehr mit zwei Schncide- kolonnen anschloß. Die Unglücksstelle, die auch in den Abendstunden noch von einer großen Menschenmenge umlagert wird, ist in weitem' Umkreise durch die Polizei abgesperrt. Die noch unter den Trümmern begrabenen vier Arbeiter konnten im Lause der Nacht nur noch al, Leichen geborgen werden. Fünf Arbeiter sind schwer. aber nicht tebensgesährlich verletzt. 'Graf Zeppelin� heute wieder im Heimathafen. Um 11.20 Uhx überflog das Lustschiff„Graf Zeppelin" auf der RüLbHr von seiner Spanienfahrt— vom Elsaß kommend— Basel und nahm Richtung rhcinaufwärts, dem Heimat- Hafen entgegen. Oas konservative Schattenkabinett. Die Labourregierung vor Mißtrauensanträgen sicher. London, 24. Ottober. Die in politischen Kreisen mit beträchtlicher Spannung er- wartete Tagung des konservativen Schattenkabinetts fand am Mittwoch in den Räumen des konservativen Parteihauptquar- tiers in London unter Vorsitz Baldwins statt. Am Schluß der zweieinhalbstündigen Verhandlungen wurde nur folgender Bericht ausgegeben:„Im Hauptquartier der konservativen Partei fand heute eine unverbindliche Zusammenkunft zwischen Baldwin und seinen früheren Kabinettskollegen statt." Die Liste der Teilnehmer ist recht aufschlußreich. In ihr ist unter anderem Lord Birken- h e a d nicht aufgeführt, was die Bermuiung bestätigt, daß Baldwin den Begriff des konservativen Schattenkabinetts strikt aus diejenigen Persönlichkeiten beschränken wird, die dem Gesamtkabinett vor dem Rücktritt der Regierung angehört haben. Sir Austen Chamber- l a i n und der frühere Kriegsminister Worthington Evans sind so, obwohl beide Inzwischen nach der City abgewandert sind, Mitglieder eines engeren, und trotz der Parteirevolte in eigentlichem Sinne entscheidenden Parteiausjchusses geblieben. Ueber den Inhalt der Verhandlungen verlautet zuverlässig, daß die innen- und außenpolitische Lage erörtert wurde. Die Arbeitslose»frage stand naturgemäß im Mittelpunkt der Verhandlungen, doch ist über die Einbringung eines Mißtrauensantragcs gegen die Regierung nicht entschieden worden. Ob es hierzu kommt, wird davon ab- hängen, welchen Eindruck die konservative Partei von den Dar- legung der Regierung über die bisherigen Schritte zur Verringerung der Arbeitslosigkeit haben wird. Größere praktische Bedeutung wird einem M i ß t r a u e n s a n t r a g ohnehin nicht zu- , kommen, da es so' gut wie ausgeschlossen ist, daß bereits jetzt ein ernstgemeinter Vorstoß gegen den Bestand des Kabinetts Macdonalds von den Konservativen unternommen wird. Monarch Sialin. Alle prominenten sind in seinen Akten. Paris, 24. Oktober. Der bisherige Botschaftsrat an der Sowjetbotschaft. Besssdowski, erzählt im„Matin": Der persönliche Einfluß Stalins ist gegen- wärtig größer als der Lenins in stiner besten Zeit Stalin ist ein absoluter Monarch. Er hält seine Umgebung durch seine ideologische Ehrlichkeit und sein Talent als Organisator, durch das Märchen, daß fein Abgang die Katastrophe herbeiführen würde, und durch die Furcht in Schach. Dies« Furcht ist begreiflich. Das poli- tische Bureau der Dritten Internationale, dessen sich Stalin bedient, ist mit den Personalakten der hervorragenden Parteimitglieder angefüllt. Solange eine Persönlichkeit sich ruhig verhält, schlummert das Aktenstück. Beim geringsten Widerstandsoersuch jedoch fördert das Aktenstück Berichte zutage, die ausreichen, um die Ungnade, die Verbannung, zuweilen auch die Hinrichtung herbei- zuführen. Keine europäische Polizeidirettion besitze, so schloß Besse- dowski. so schöne aktenmäßige Unterlagen wie Stalin. Chinagenerale gegen Abrüstung. Zeng revoltiert, um seine Armee zu behalten. Die Nationalregierung der Chinesischen Republik erklärte zur gegenwärtigen politischen Lag«:. Die Nationalregierung hat, um ihr Ausbauprogramm durchzu- fuhren, beschlossen, ihr ständiges Heer ran 160 auf 80 D i v i- sioncn z u reduzieren. Dieser Entschluß wurde nach langen Konferenzen aller militärischen Führer, darunter auch Fengyuhsiong, getroffen. Aber als die Regierung begann diesen Beschluß durch- zuführen, hetzte Feng die Kwangfl- Armee zur Revolte auf, welche aber glücklicherweise binnen kurzer Zeit unterdrückt wurde. Daraufhin zog Feng seine Truppen zurück und zerstörte die Eisenbahn an vielen Stellen. Er sollte auf Beseht bestraft werden, aber auf seine reuige Erklärung hm wurde er rehabilitiert. Als vor einem Monat die Nationalregierung einen Kommissar zu den Nordwestprooinzen sandte, um die Reduzierung der Armee, welche i unter dem Kommando von Fengyuhsiong steht, vorzunehmen, hetzte Feng wieder Changfakuei und die Kwongsie-Generale zur Revolte auf, und die ihm unterstellten Offiziere stellten sich sofort auf seine Seite. Die Regierung hat trotzdem die Oberhand beholten. Rikschakuli gegen Straßenbahn. Peking, 24. Oktober. Im Ausammenhang mit den Unruhen und Zusammenstößen zwischen Rikschakulis und den Pekinger Straßenbahnführern sind ungefähr 1400 Kulis«inschlleßtiich-ihrer Gewertschastsführer- v««"- hastet worden. Es sind schärfe militärische Maßnahmen in Peking zur Ausrechierhaltung der Ordnung getroffen worden. D-r Straßcnbahnverkehr ruht in den Abendstunden vollständig und Patrouillen durchziehen die Straßen. Bon den insgesamt 90 vor- handenen Straßenbahnwagen sind 60 schwer beschädigt worden. Straßenbahnunglück in der Bülowstraße. Sieben Fahrgäste erheblich verletzt. heule früh gegen'-9 Uhr ereignete sich in der v ü l o w. st r a ß e ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen zwei Straßenbahnwagen derLinienSlundSZ. Sieben Fahrgaste erlitten dabei erhebliche Verletzungen. An der Haltestelle vor dem Hause Bülowstraße 20 hielten dicht hintereinander zwei Straßenbahnwagen der Linien 53 und 91. Unmittelbar dahinter folgte eine Straßenbahn der Linie 92. Als der Fahrer kurz vor der Haltestelle bremsen wollt«, oersagte plötzlich, nach seinen Angaben, die Bremse, und der Wagen prallte mit großer Wucht aus den vorderwagen aus. Der Zusammenprall war so heftig, daß auch noch der Straßenbahnwagen der Linie 53 in Mitleiden- schaft gezogen wurde. Zahlreiche Scheiben wurden zertrümmert. Sieben Fahrgäste hatten durch herumfliegende Glassplitter Vcr- letzungen im Gesicht und an den Händen erlitten. Sie wurden zum nahegelegenen Elisabcth-Krankenhaus gebracht, von wo sie nach Anlegung von Notverbänden in ihre Wohnungen entlassen werden konnten. Die schwerbeschädigten Wagen muhten aus dem Berkehr ge- zogen werden. Durch den Dorfoll trat eine Verkehrsstörung von fast halbstündiger Dauer ein. �oung-plan in(Sachsen. StresemannS Parteifreund„noch nicht schlüssig". Dresden. 24. Oktober.(Eigenbericht.) Der Sächsische Landtag lehnte am Mittwoch einen so- zialdemokratischen Antrag ab, in dein die Regierung ersucht wurde, ihre Vertreter im Reichstag anzuweisen, für die baldige Ratifi- zierung des Aoung-Pians einzutreten und der lügne- rischen Hetze der Rechtsparteien gegen den Joung- Plan in der gleiche» Form wie die Reichsregierung entgegenzutreten. Der eiste Teil wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Demo- traten, der zweite Teil gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Vor der Abstimmung erklärte der von den Nationalsozialisten abhängige oolksparteiliche Ministerpräsident Bün- g e r, daß sich die Regierung über ihre Stellungnahme zum Poung- Plan noch nicht schlüssig geworden sei. proiest von der Saar. Saarbrückener Stadlverordneten brandmarken das Ver- sklavungsbegehren. S«Abrücken, 24. Oktober.(Eigenbericht.) Die Ätodtverordnetenversammlung von Saarbrücken nahm am Mittwoch auf Antrag der Sozialdemokratie eine Entschließung an, die sich scharf gegen dos Volksbegehren richtet und die Sabotage der Rückgliederung der Saar durch Hugenberg an den Pranger stellt. In der Entschließung werden Reichs- und Staats- regieruna aufgefordert, gegen die Äatastropheupotitit Hugenbergs mit allen zu Gebote stehenden Mitteln vorzugehen. Orchester- und Solistenkonzerte. Konzertrundschau/ Bon Klaus pringsheim. Zurtwängler in der Philharmonie. Seit Jahrzehnten bilden die Philharmonischen Konzerte einen der höchsten Werte des Berliner Musiklebens. Sie sind es heute wie je; als höchsten Wert hat das Philharmonische Orchester sie in die G. m. b. ij. eingebracht, in die es nun also unter der Führung von Stadt und Reich umgewandelt ist. Den Segen dieser Sanie- rung und Stabilisierung wird Berlin, so hassen und erwarten wir, in vielen Dingen zu spüren bekommen: nicht zuletzt in der Beschäst:- gung des Orchesters, das nicht von neuem der Notwendigkeit preis- gegeben werden darf, ohne Wahl und Widerstand jeden Konzert- Antrag oder-Auftrag von privater Setts anzunehmen. Hier aber, in den Philharmonischen, konnte und sollte nichts anders werden. Ihr künstlerisches wie auch ihr gesellschostliches Bild steht einstweilen unerschütterlich fest, unerschütterlich, solange und soweit es die Oe- sellschast ist, aus der die Hörerschaft hervorgeht. Derändert, zum Nachtell, ist allein das Bild des Konzertsaales. Aus Schönheits- oder Sicherheits- oder Zweckmähigkeitsgründen ist der große Saal der Philharmonie während der Sommermonate gründlich renoviert worden. Für das ästhetisch-kritische Auge war am Anblick dieses Raumes, der nie für Konzertzwecke geschossen war, wohl nicht viel zn retten. Daß durch seine neue Anordnung und Einteilung für die Sicherheit der Besucher— etwa bei Feueralarm oder sonst einem Anlaß zur Panik— gar etwas gewonnen sei, scheint nicht glaub- Haft, trotz den rigorosen Formen, in denen der Bertehr geregelt und das Publikum„erzogen", in Wahrheit mehr beunruhigt als .zur Ordnung angehallen wird. Die Saalfrage wird für die Berliner Konzertverhällnifse immer dringender; sie empfiehlt sich von selbst der Aufmerksamkeit aller öffentlichen Stellen, deren Initiative zur Gründung der neuen G. m. b. H geführt hat. Furtwängler steht am Pult, erster Dirigent unseres ersten Konzertorchesters: hier ganz in seiner Welt und an seinem Platz, groß, überlegen, unangreifbar. Ein großes, schweres Programm: Bruckners Achte, die kolossalste seiner Symphonien: und ein Riesen- werk nach der Pause, dos B-Dur-Klaoierkonzert von Brahms. Kein Philharmonisches Konzert ohne großen Solisten: diesmal ist es Wladimir H o r o w i tz, fast knabenhaft jung und schon weltberühmt, dessen wunderbare Pianistenleistung mit Recht stürmisch gefeiert rmrd. Wie Furtwängler ein Wert wie diese Bruckner-Symphome aus der Tiefe seiner inneren Anschauung und Ueberzeugung in wahrhaft überwältigender Großartigkeit gestallet, wie er auch in de? Begleitung das Orchester führt, wie dies Orchester unter solcher Führung sich in die Höhe seiner Leistungsfähigkeit cnrporgerissen fühlt: das sind, summarisch zusamemngesaßt, wertvollste Grundtot- sachen des Berliner Musiklebens. Interessante Konzerte. ..Pacific 231" von Arthur Honegger, Orchesterkonzert von Paul Hindemith, Orchestcrsuit« von Igor Strawinsky,„Macbeth" von Richard Strauß, ein modernes, ein interessantes Programm in der Tat, mit dem Max Rudolf, Opernkapellmeister aus Prag, sich als Konzertdirigent sehr vorteilhaft einführt. So interessant, daß die Interessierten in Scharen m die Philharmonie drängen?»Daß Hunderle, die keinen Einlaß finden, zurückgewiesen werden müssen? So schien es. Aber dann erfuhr man, daß diesmal nur ein bißchen zuviel des Guten(oder Schlimmen) geschehen war, das Bild so all- gemeiner Interessiertheit, ein Bild der Ausverkaufthest— nun ja, dem arglosen Beobachter vorzutäuschen. Die unternehmende Konzertdirektion hatte Gutscheine in großer Zahl ausgesandt, die zum Besuch dieses Konzerts berechtigten: doch als die also Beglück- ten an der Abendkasse ihre Scheine einlösen wollten, erwies sich. daß ein Mäcen des jungen Konzertgebers uncrwartetcrweise einen großen Posten Eintrittskarten angekauft hatte, um auf die nicht minder bewährte Art den Saal zu füllen. Schlechte Regie! Darum aber kein Wort gegen den Dirigenten: es musiziert sich nun einmal nicht gut vor Leuten, die nicht da sind. Ein interessantes Konzert, interessant ohne den Reiz so ent- Hüllerischer Nebenumstände, danken wir der„I n t e r n a t t o n a l« n Gesellschaft für Neue Musik". Das ausgezeichnete Pro. Arte-Ouartett aus Brüssel, bekannt in der Musikwelt, neu für Berlin, spielt hier Werke jüngster Kammermusik. Drei Erstaufführungen, und von vier Streichquartetten sind drei den Kunst- lern gewidmet, die sie uns vorführen, Zeichen des hohen Der- trauens, daß sie mit gutem Grund in den Kreisen der schaffenden Musiker genießen. Als bei weitem stärkster Eindruck haftet das ISA vollendete vierte Quartett von Bela B a r t o k, ein urwüchsiges starkes Werk und gewiß eines der bedeutendsten Erzeugnisse der neuereil Kammermusik. Auch der Geiger Joseph S z i g e t i setzt sich für Neues ein: auch er vermag mit persönlichen Widmungen auszuwarten, darunter wiederum als wertvollstes Stück«ine Rhap- sodie seines Landsmannes Bela Bartok. Daß Szigeti unter dcn großen Btolinisten der Gegenwart zu den vornehmsten, künstlerisch ernstesten Erscheinungen zählt, bestätigt sich an diesem Abend von neuem. Viele von diesen„Großen" hoben sich in letzter Zeit hören lassen: der junge Meister Pehudi Menuhin, der reise Meister Henri Marteau, d?r virtuosisch blendende Franz v. Lecsey: das Interesse gilt in solchen Konzerten allemal mehr dem Spieler als der Musik. Aber in den Höhen der Musik, der Kammermusik, sind wir bei Arthur Schnabel, Karl F l e s ch und Gregor Pia- t i g o r s k y, die sich zu einem Trio verbunden haben und schon an ihrem ersten Abend im Beethoven-Saal die kunstempfänglichste Gemeinschaft versammelt finden. Festkonzert. Der Meinekesche Männerchor Berlin ksilll), Mitglied des DAS., veranstallet im Konzertsaal der Staatliche,» Hochschul« für Musik ein Festkonzert aus Anlaß des ZZjährigen Chormeister- jubiläums seines Dirigenten P. A. Joseph. Der zweite Teil des Programms zeigt den Chormeister als Komponisten. Lambinon und feine Quartettgenossen, deren Berdienstc um dt« Förderung und Erschließung der neueren Kammermusik unvergessen bleiben, bringen ein Streichquartett in C-Moll zur Uraufführung. Der Komponist, einst Humperdincks Meisterschlllor, beweist sich darin als Musiker von sehr solidem Können und musikantischcr Frische und Ursprünglichkeit. Es stünde gut, nämlich noch besser, um die Ar- beitersängerbewegung, wenn alle Chormeister solche Musiker- qualitäten besäßen. Jedenfalls erkennt man hier den ausgezetchne- ten Führer an den Leistungen der von ihm Gefiihnen. Dieser Chor singl mit einer rhythmischen Präzision, Sauberkeit der Intonation, Sorgfalt und Feinhell der dynamischen Stufungen, daß es eine herzliche Freude war, ihm zuzuhören. Nachruf auf Vruhn. Sein Pech mit den anständigen Juden. „Wahrheit"- Lruhn hat seine Stellung bei den Deutschnationalen aufgegeben, beileibe nicht sein Reichstagsmandat. Er hat schon manchen antisemitischen Parteien und Parteichen angehört. Warten wir ab. lvelche als nächste ihm Unterschlupf gewähren wird. Was ist schon gewesen? Ein kleines Malheur. Der groß« Iudenfresfer hat mit den Sklareks verkehrt, weil er— jo steht es wörtlich in der„Wahrheit"— sie„für anständige Juden ge- halten" Hot. Aus Freundschaft haben ihn seine anständigen Juden — auch das steht in der„Wahrheit"— besonders reichlich mit Inf«- roten bedacht. Wir können das alles' nur bestätigen. Herr Bruhn hat seit jeher ein« Schwäche für die anständigen Juden gehabt. Nur sein Maßstab für Anständigkeit war ein eigener. Für Herrn Bruhn war der An- stand eines Juden damit bewiesen, wenn dieser über erhebliche Mittel, über ein gutgehendes Geschäft, ein Kaufhaus, eine Fabrik verfügte. Gegen die unanständigen, das heiß ärmeren Juden tobte Herr Bruhn dagegen seinen zügellosen Haß aus. Den anständigen, das heißt mit Gütern gesegneten Juden aber war Herr Bruhn ein Schutzengel, ein Sillenwächter, eine G o u- v« r n a n t e! Selbstlos verfolgte er ihren Weg auf die Renn- plätze, in die Spiel säle, zu den kleinen Kokotten. Mit Argusaugen ließ Herr Bruhn sein« lieben, anständigen Juden bewachen, daß sie nicht vom Pfad der Tugend etwa abirrten. Und geschah dies doch, dann tat Herr Bruhn seinen seelischen Kummer über solch« Entgleisungen in den Spalten der„Wahrheit" kund, aus denen Kreditgeber, Kundschaft und Familie des Betreffenden erfuhren, daß Herr I. mit der kleinen Sowieso ein Derhälinis habe, auf Rennplätzen viel Geld verwette und auch in einem feudalen Spielklub kein Unbekannter sei. Doch Herr Bruhn war nicht nur sittlicher Hüter der anständigen Juden, er wies ihnen auch den Weg der tätigen Reue. Selbst- los stellte Herr Bruhn für Bußübungen der Geknickten seinen Inseratenteil zur Verfügung. War ein anständiger Jude reumütig, so zeigt« sich Bruhn in seiner ganzen väterlichen Barmherzigkeit und Großmut. Er ließ den Betreffenden sogar in Zukunft weiter sündigen, ohne irgendwie von ihm fürder Notiz zu nehmen. Nur die kleinen, die häßlichen, die miesen, die poweren Juden, deren Unanständigkeit sich schon aus ihrem Mangel an baren Mitteln klar erwies, die nicht in vornehmen Lokalen, sondern höchstens in Stehbierhallen sündigen konnten, die verfolgte der unerbittliche Zorn des Semitenfressers. So hat sich die Zweiteilung der Juden in anständige und un- anständige glänzend bewährt. Und wäre nicht der Fall Sklarek gewesen, so hätte das Märchen als echtes Märchen geendet: er lebte heute noch! Aber wer weiß? Was hier steht, haben jahrzehntslang in Berlin die Spatzen von den Dächern gepfiffen. Alle haben es ge- wüßt. Nur die D e u t s ch n a t i o n a l e Partei, die Herrn Bruhn,. den Beichtvater der anständigen Juden, zu ihrem Reichstagsabgeordncten macht«, sie hat nichts gewußt. Gar nichts! Es wird sich schon wieder eine Partei finden, die nichts weiß. .fonatbzn. Wählerversammlung im Wedding. Die Politik unftrer Gegner im Siodtparlament. In einer übersüllten sozialdemokratischen öffentlichen Wählerversammlung im Bezirk W e d d i n g sprach Stadt- verordnetenvorsteher Haß über„Die Politik n n s e r e r Gegner im Stadtparlament". Der starke Besuch der Der- sammlung.zeigte, daß die Sozialdemokratie auch im Wedding auf dem Vormarsch.ist und daß sich die Arbeiterschaft in einem immer stärkeren Maße van dem verantwortungslosen Treiben der Kom- munisten abkehrt. In ausgezeichneterweise verstand es der Redner, die Politik der Rathausfraktion darzulegen. Nach den Stadt- nercrdnctenwahlen im Oktober 1925, die ein« sozialistisch-kommunistisch? Mehrheit von wenigen Stimmen brachten, ist von uns aus »ersucht o»rdcn, d«:» Etat mit dieser, wenn auch nur schwachen Linksmehrhell zu verabschieden. Die Kommunisten haben sich bei den cmscheidenden Abstimmungen diesen Bestre?ungen versagt. und so waren wir gezwungen, mll der bürgerlichen Mitte zusammen- zugehen und eine Mehrheit zu suchen. Die Kommunisten sind Schuld daran, wenn die im Rathaus vorhanden« Linksmehrheit praktisch kaum in Erscheinung tritt. Die Phrase der KPD. von»„Geldfack- etat" der Stadt Berlin ist leicht zu widerlegen: Sl) Prozent aller Ausgaben der Stadt Berlin sind solche für soziale und kulturelle Zwecke. Wir werden dafür sorgen, daß unser Einfluß im roten Hause am 17. N o v e m b e r noch stärker wird, als er bisher war. Der Bersammlungsleiter konnte di« erfoeulichc Miiteilung machen, daß in den letzten Tagen über Sl) Neuaufnahmen innerhalb der Abteilung gemacht wurden.— An» Schluß der mit einem begeisterten Hoch auf di« Sozialdemokratie ge- schlossenen Versammlung erklärten ein« ganze Anzahl neuer Mit- streiter ihren Beitritt zur Partei. * Bei einer sozialdemokratischen Werbeoersammlung in Lichten- berg macht« Neichstagsabgeordneter Dr. Low enstein aus- qezeichnete Ausführungen über die„Entwicklung des Ge- fundhritswesens im Bezirk Lichtenberg". Er konme auf einige Institutionen hinweisen, die als vorbildlich bezeich- net werden können und die weit über die Grenzen Berlins all- gemeine Anerkennung gefunden haben: das neue Volksbad und da» Flußbad! Lichtenberg hat außer den Fürsorge- stellen für Säuglinge, S ch w a n g e?e usw., wie sie auch in den anderen Bezirken vorhanden sind, die Errichtung von einigen Spezialfürsorgestellen in den letzten 4 Jahren durch- führen können. Der Redner erinnerte u. a. an die Fürforgestelle für Nasenverftümmelte, an die für Irrenhausentlafsene, an die Pilz- beratungsstelle, an di« sportärztliche Beratungsstelle, an die soziale Krankenhausfürforge und an die Haustrankenpflege um einen Be- griff zu geben was unter sozialdemokratischer Führung geschassen werden kennte. Er schloß mir dem Wunsch, daß zum Wohle der gesamten Bevölkerung der 17. November der Sozialdemokratie einen durchschlagenden Erfolg bringt. Die vorgeführten Lichtbilder trugen dazu bei, die Anschaulichkeit der Ausführungen bestens zu unter- stützen._ Auf Arons Spuren? Die Verbreitung der Lichtbilder und der Personalbeschreibung des flüchtigen Notars Aron und feiner Frau hat gestern zu einer ersten Spur geführt. Es traf die Nachricht«in, daß man Aron und sein« Frau im Zuge Prag— Lundenburg— Wien gesellen habe. Von Berlin und Prag aus wurden Wien und andere Stationen sofort benachrichtigt, damit man die Flüchtigen, wo sie auftauchen, anhält. Ist Aron mit seiner Frau im Zuge geWieben, so müßte er um(5 Uhr 40 Minuten in Wien angekommen sein. Eine Benachrichtigung über seine Festnahme ist in Berlin ober noch nicht eingegangen. Möglich ist auch, daß das Paar den Zug unterwegs auf etiler Zwischerrstation oerlassen hat. „Madame Slolibri." ll.-T. Kurfürstendamm. Nach dem Drama„Madam Colibri" von Henry Bataille haben Joe May und Hans S z e k e l y'raffiniert dos Manuskript für einen sogenannten Publikumsfilm geschrieben. Natürlich können sie durch ihr Blendwerk arbeitenden und bewußt lebenden Menschen keinen Filminholt vortäuschen. Bei der„Madame Colibri" steh: immer die Lcbcnsgier vor der Pflickjt. Sie ist ein« reiche Frau, die sich jeden Luxus erlauben kann, doch ist ihr« Ehe liebeleer. Sie hat zwei Kinder, aber sie sind ihr kein Lebensinhalt, weil sie sehr begehrlich nach Bewunderung ihrer Frauenschönheit trachtet. Auf einer Redoute lernt sie einen jungen Menschen kennen und lieben. Trotzdem sie später entdecken inuß, daß es der Freund ihres Sohnes ist, geht sie, nach heftiger Familienszene, mit dem jungen Leutnant aty und davon. Als sie dann als Geliebte erledigt ist, weil die Jugend ihr Recht verlangt, kehrt sie nach Hause zurück. An der Wiege des Enkelkindes findet sich das GroßeUernpaär. Für die Zuschauer ist es sehr erfreulich, daß der junge Offizier, mit dem Madame durchbrennt, in Afrika in Garnison steht. Auf diese Weise bekommt man doch rechl schöne Landschastsbilder und interessante Lolkstypen zu sehen. Der Regisieur Julien Du vi- vier ist ein Betoner sinnlicher Lebensfreude. Seine Wvhnungs- einrichtungen sehen aus, als ob'sie für Möbelläger Reklame machen sollen. Der Maria I a c o b i n i— und das ist für diese Schau- spielerin außerordentlich wichtig— ist er ein vorzüglicher Regisseur. Sie hatte daher recht gute Moment«. Jean Dax schwankt zwischen verspätetem Theater und verfrühtem Tonfilm. Dieser Dorsteller kann nicht spielen, ohne zu sprechen. Das Premierenpublikum ging seufzend und voller Anteilnahme mit durch alle Stationen der Liebe. e. b. „Die Aacht nach dem Verrai." Kapital. All« Schauer und Schrecke» einer geheimnisvollen Kriminal» geschichte sind in diesem englischen Film losgelassen, an dem deutsche Künstler erheblich beteiligt sind. Ein Roman von dem bekannten O'Flaherty hat als Borbild gedient, aber so technisch vollkommen, so wundervoll in der Photographie, die alle Tön« des Düsteren, Verschleierten und Schummerigen meisterhast beherrscht, der Film geraten ist, dieser Stoff zieht nicht mehr. Ein Milglied einer irischen Geheimorganisation, Francis, hat einen Polizeichef erschossen. Er soll nach Amerika fliehen: zuvor aber entbrennt dine heftige Eisersucht in feinem Kameroden Gypo Nolan, der das gleiche Mädchen liebt. Er begeht Verrat an die Polizei: Francis wird erschossen, als er vor der Polizeistreife über die Dächer flüchtet. Der Ver- räter wird von der geheimen Feme zum Tode verurteilt. Aufregend werden feine Verfolgung, feine Flucht, feine Wiederkehr zur Ge- liebten geschildert Diese begeht gleichfalls Verrat an ihm, da man ibr einen Zwischenfall mit einem unglücklichen Mädchen, die Francis nstl Hilfe des Judaslohnes befreit hat. als Untreue dargestellt hat. Zu spät erfährt sie dcn Sachverhalt. Gypo wird aus der Treppe j von dem Führer der Organisation, nachdem er alle anderen durch seinen hypnotisierenden Blick eingeschüchtert hat. erschossen. Er kann aber noch in eine Kirche flüchten und dort vor seinem Tod« d!« Verzeihung von der Mutter seines Opfers erlangen. Die Spannungs- und Sensationsmomente weiß der Regisseur Artur R o b! s o n wirkungsvoll herauszuarbeiten. Die Darstellung unterstützt ihn auss beste dabei. Lars Hanson weiß aus dem Gypo eine interessante Figur zu gestalten: sein Augenspiel ist her- vorragend. Marwick Ward zeigt seine ganze kalte Uebexlegen- hcit, und auch Lya de P u t t i ist �ier viel besser als in ihren letzten Filmen, so absonderlich diese Rolle der Verschwörerin und Vielgeliebten nuch ist. Aber lohnt der ganze Aufwand? Tänze. Else A d a m i tanzi« im Schwechtensaal. Keine seelischen Ossenbarungen. Vieles mit dem Verstand konstruiert, nicht aus dem Herzen kommend. Leichtes, aber künstlerisch vornehmes Genre. Technisch gut gekonnt. Am stärksten in strammen, scharf abgesetzten Rhythmen(„Auftakt") in großen, schwimmenden Schwüngen(„An- dante"), in kraftvollen Spannungen und auftrumpsenden Sprüngen („Rote Melodie"), im flotten Marschtempo(„Die Fahne"), in einem schmissigen, elegant produzierten„Black Bottom". Eindruckzlos in der„Boise Lente", der dos Wertvollste, Letzte der Stimmung, die lyrisch« Zartheit, das Träumerische, Einlullende, Einwiegende ver- sagt blieb. Alles in allem: die Stärke der Adami liegt in Kraft, und Schwungentfaltung, im jugendlich Draufgängerischen. Aus der Pfleg« dieser Eigenart kann, wenn sie sich vor gewollter Kraftmeierei hütet, ein persönlicher künstlerischer Stil'errvachsen.� Im Phöbus-Palasi lernten wir die Tanzgruppe Hans W e i d t kennen, die aus Homburg nach Berlin übersiedelt ist. Durchweg ernstes Wollen, hochgesteckte Ziele, soziale Tendenzen. Zuweilen originelle, wirksame choreographische Ideen. So in dem Gruppentanz—„Wir marschier«»,, wenn auch dumpf und schwer"— und in dem Solo„Eine Frau". Wertvolle Elemente einer betont proletarischen Ausdrucksbewegung. Diese findet aber noch nicht den einheitlich zielsicheren Stil. Schwankt auf der Grenze zwischen natu- ralistischen und phantastischen Formen(„Tanz der alten Leute"). Ermüdet durch Monotonie(Gruppentanz„Schritte im Hof", Solo „Variationen über ein Kampsthema"). Verpufft ihre Wirkung durch das Fortissimo überhetzter Verkrampfungen, denen Gliederung und Staffelung mangelt(Solo„Tod des Andreas Kragler"). Immerhin: ein fympachtsches Streben nach neuen Ufern, ein energisches Wollen, eine Hoffnung. J. S. Ein angeblicher Leonardo, und zwar ein Frauenporträt, das unter ctnem Heiligenbild« steckte, soll in Wien entdeckt sein. Di- ganz« Sache klingt sehr mysteriös. Mit„echten" Leonardos ist sehr viel Schwindel getrieben worden, ist doch selbst ein Kenner wie W Bode mit der Florabüste(auch angeblich von Leonardo) hinein- gelegt worden. vorlrSge. Dr. Friedrich Wolf, der Verfaffer de»„Cyankali" spricht Freitag. 8 Uhr. im Stadibaiij. Berlin, KioilerftraBe über, Da« neue Geichlecht» Sonnabend, 8 Uhr. Lichtspielhaus Neukölln über.Dein Recht oui Gesundheit'. Tonntag, 6 Uhr. Herrenhaus über.Da» ScheimviS der Gesundheit'. vir kleisl-vreise für 1924. Wilbelm Bon Scholz, der diesjährige Ber luruenSmann der Kleist.Tlifluiio. bot- 2 Preise imd 3 ehrende Erwäbmmgen erteilt. Die Prelle find Eduard Remacher und Alfred Brust, die ehrenden Erwähnungen Peter Flamm, Erich Kästver und dem rumäullch-deutschcn Erzähler Oilar Waller Eifel zugefallen.« V Wie die Wellen gemacht werden. Gestern pro ansprucht die Anwendung des Terrors„auf bolschewistische Art"' als sin Privileg, das sie als fakrosant, als unantastbar erklärt. Mit der Lüge und dem Terror im Bunde will sie die Weltrevolution in Gang bringen und ihre Diktatur über das Proletariat wie über das Bürgertum stabilisieren. Die kommunistische„Opposition" in der Berliner Ortsgruppe des Deutschen Mewllavbeiteroerbandes wurde dazu getrieben, die Spaltung einzuleiten, nachdem die„Eroberung" nicht gelang. Die Gruppe der Rohrleger, die als die radikalst« gilt, sollt« mit der Spaltung den Ansang machen. Ihr Leiter Nieder- k i r ch n e r mußte seinen Ausschluß aus dem Verband provozieren, um«inen Schciirgrund zur Bildung einer kommunistischen Sonder- Organisation der Rohrleger zu haben. Dies« wurde gegründet gegen den Metallarbeiterverband. Gegen den Verband, trotz Tarisoertrag, trotz dessen Erklärung als allgemeiirverbindlich, wurde ein wilder Streik inszeniert. Dem Metallarbeiterverband sollten alle Rohrleger und Helfer abgejagt werden, um sie in die Niederkirchner-Bereinigung zu treiben. Durch den Streik wollten die Bekämpferdes Tarif- Vertrages einen besonderen T a r i f v e r t r a g erzwingen, ihr« Anerkennung als Vertrogsiontrahent der Rohrleger und damit die Ausschaltung des Mctallarbeiterverbandes. Diese kommunistische Aktion gegen die Gewerkschaften wurde deshalb als so ungemein wichtig gepriesen, weil es der erste Kampf nach Umstellung der Gewerkschastspolitik der KPD. sei, der als«in neuer Abschnitt in ihrer Taktik anzusprechen sei. Deshalb habe neben der KPD. vor ollen Dingen die die Moskauer Gewerkschaftsintcrnationale, ein so großes Interesse an dieser Aktion. Die Parole zur Streitwelle. Der wilde Rohrlegerstreik müsse ein Ansporn sein, in den Betrieben sämtliche Kräfte zur tatkräftigen Unterstützung auf den Plan zu rufen, um diese kommunistisch« Aktion zu unterstütz«» und überall in der Berliner Metallindustrie schleunigst Lohnkämpse her. beizusühren. Den Rcchrlegern sollt«» die Branchen der Dr«her, der Bau- schlosser, und so allmählich ein« nach der anderen solgen. Sämtlich« Branchen des Metallorbeiterverbandes müßten sich mit aller Kraft sür die Entsesselung von Lohnkämpse« auf der ganzen Linie ein, setzen. In der Frage der zu provozierenden Ausschlüsse aus dem Metallarbeiterverband dürfe es kein Abstoppen mehr geben. Die Former würden als erst« dieser Bewegung folgen', da- mit würde die Metallindustrie an ihrer empfindlichsten Stelle gc- troffen und könne in Berlin zum Erliegen gebracht, der Metall- arbeiterverband zerschlagen werden. Niederkirchner forderte auf, die allgemeine Lohnbewegung in der Berliner Metallindustrie alsbokd in Gang zu bringen, um den Unternehmern zu zeigen, daß der Deutsche Metallarbeiterverband nichts mehr bedeute und er besonders als Tariftonlrahcnt nicht mehr in Frage komme. In einer Bersommlung der„oppositionellen" Pertrauensleutc und Betriebsräte der Metallindustrie, am 23. September, wurden diese Parolen ausgegeben. * Die Rohrleger im Meiollarbeiterverband, die sich dem wilden Streik nicht anschlössen, wurden solange als„Streikbrecher" be- schimpft, bis die„Rote Fahne" samt der KPD. und der„Oppo- sition" diese infame Lüge beinahe selber glauben. Allein, die Drahtzieher hatten sich verrechnet. Sie hatten dar- auf spekuliert, daß ihnen fast alle Rohrleger und Helfer folgen und die Unternehmer bald nachgeben, mit ihnen oerhandeln und W machungen treffen würden. Aus Wut darüber, daß diese Spekulation, die bereits als erfolgreich noch Moskau gemeldet war, fehlschlug, setzte gegen die„Streikbrecher" die kollste Hetze und der brutalste Terror ein. „Wenn die KPO. die Macht hatte." Jetzt aber, nachdem dieses gemeingefährliche Treiben den Höhe- grod erreicht hatte und die Polizei zum Eingreifen gezwungen war. «oiits noch rnuht da die Wählerlisie einsehen! Die Auslege, stellen sind nur noch heule und morgen in der Zeil von 12 bis 19 Uhr geöffnet. Prüfe genau, ob dein Name richtig geschrieben ist und ob die Geburtsdaten genau stimmen. In einzelnen Bezirken sollen bis 16 Prozent falsche Eintragungen fest* gestellt sein. Am 17. November willst auch du deine Stimme für die Sozial, demokratische Partei abgeben! Sichere dir daher noch heute dein Wahlrecht, indem du sofort den Weg in die zusiindige Auslegestelle antrittst. kämpfen die Helden„gegen den Polizei, und Zusttzkerror"! � Die Parole:„Vertreibt die„Streikbrecher" von den Baustellen! wird ungeniert weiter propagiert und die„Protestwelle" in«chwung gebracht. Wie.ehrlich", der Protest ist. zeigte Heinz Reumonn. der in einer Versammlung am 22. Oktober erklärte: »wenn wir iüe Macht hälken, würden wir die llrich-Bande nicht nur einsperren, sondern an die wand stellen." Auch die würde der Terrorheld mit„an die Wand stellen", die sich erlaubten, dagegen zu protestieren. Weil aber Heinz Neumann mit seiner KPD. die Macht noch nicht hat. deshalb kündet er die Fortsetzung des Terrors gegen die freigewerkschaftlich organisierten Rohrleger an und zugleich eine Protestwelle gegen die Macht, die die KPD. noch nicht hat. Bolschewistische Art! Heute jubelt die„Rote Fahne": ..Die welle des Streiks in den entscheidenden Großbetrieben der Berliner Metallindustrie steigt dauernd an." Die bolschewistischen Wellenmocher scheinen nicht zu wissen, daß olle Wellen, künstliche„Wellen" zumal, immer wieder zusammen- brechen. Mitunter freilich erst dann, nachdem sie Opfer oer- schlungen hoben.__ welter für Berlin: Bei auffrischenden südwestlichen Winden stärkere Bewölkung mit zunehmender Niederschlagsneigung, mildere Nacht- und wenig veränderte Togestemperaturen.— Für Deutschland: Im Nordwesten sehr windig und unbeständig. Auch im mittleren Deutschland Wetterverschlechterung: nur im Südosten zeit- weise Heiler. Donnerstag, 24. Oktober. B e rji». 16.08 Ulrich Scherpin«: Dts Jafdlihr 1929. 16.30 Uoterhaltunesmusik. 17.30 Karl Diners von Dilteridorl(cest. 2C. Oktober 1799). 1. Sircichquartetl C-Dur Nr. C. 2. Aus den Lcbensetinnerunjen von Dinersdorf(Richard Derschinsky. Rezitation). 3. Streichquartett E$-Dur Nr. 5.(Brainier. Quartett). 1S.CS Prof. Dr. Tb. S. riatau; Von Stimm- und SprachstCrungea. 19.05 Kurt GroBmann: Jugend und Vfllkerversfthnung. 19.30 Anf r»ei Klavieren(Dr. Wilhelm Qrosr und Walter Kaufteann, auf tvel Flügeln). 20.00 Heitere ungarische Volksmusik. 21.00 Alte Meister. Dir.: Dr. L. Landshoft.(Berliner Funkorchesler.) 22.30 Funk-Tanrnoterflctt. AnscbiieBcnd bis 0.30 Tanzmusik. Pause: Bildfunk. K ö nTg s Wusterhausen. 16.(0 Prof. Dr. Panl Hildebrandt: Selbstverwal tmrg in der h Mieren Schul«. 17-30 Möller: Schönste Volkslieder des Auslandes. 18.00 Dr. Arndt: Die Schätze des Meeres. 18.30 Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55 Dr. Arland: Die Düngung der Gärten. 19.20 Dr. Moosberg: Grundlagen erfolgreicher Kundenwerbung im Einzelhandel. 20.00„Wenn de junge Wein blüht", Lustspiel von Biörostjerne Biörnson. Betnnttsoctl.<üt hie Behoftion: Sollqenq Säjinar,. Bttftit: injeiaen: Zh. Siecke, Berlin. Verlan: VorwZrf, Bering<5. m. b. H.. Settin. Druck: Verwärtz Bad». bruckeret und Berlagsanftaft Soul Sinnet& To.. Berlin S3B 68, Linden ltrnbe 3. Sietju 1©eilnae. Donnerst, 24.10. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 229 20 Uhr IntmziD Staats-Oper Am Pl.d.Republ. R.-S. 175 19", s Uhr Die Mns Donnerst., 2».10. Staut. Oper Bismarckstr. Turnus 1 20 Uhr Samson. und Dalila StaafL Sdianspti. am Bendarmenmarkt A.-V. 293 20 Uhr Wallenslelns Laoer Piccolomlnl Staat!. ScMlier-Theater.Cliarltb. 20 Uhr 2X2= 5 TiH. 2 Tonten. S aal 17, Blr Barbaraiaa S2M Unsen neuen Preise; WeOenlrgs 5 Uhr SO Pf. Iis 3 Mnrt IlOl. VI, a Snniiy llhr 1 Iis( Hart Charlie Rival. 3 Whlriaends, LonpTack San» SSV PLAZA I Tägl. 5 u. 819 Sonnt. 2. 5 n 8" | Alaz. E. 4. 8066 | INTERNAT. VARIETE Renaissance-Thsater l äglicfa ,/« Uhr Marien a uistk t. oskar Strass Käthe Do ruh Michael Bohaco Sonnab. 4, Stg. 2 a. I Friederike Lnstspielhaos Friedrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich 8-/« Uhr Grand Hotel Lustspiel von Paul Frank Lessing-Tbeater Norden 10846 Groppc hoager Sehatupielei Täglich SV« Uhr Cyankali I 218 von Friedridi Vau Trlaiion-TlLM�r 8V. Uhr Ulrti Tarsti Isig Das kämmt doeu alle Tage rar Riemann, r. Aknar, Landa, Kllader Sonnab 4,-Stg. 2-- Aschenbrödel Sonntag 5 Uhr Johannisfeuer zeigt sehenswerte Neuheiten in Mantel- u. Futterstoffen im Fenster und im Ausstellungsraum Reinickendorfer Str. 33/34 Direktion Or. Robert Klein Deatsehes Kdiistler-Theat Barbarossa 3937 8V< Uhr Die andereSeite Eerliner Ifieater DönhofI170 8V« U. Zum 50. Maie Ivel Iravatten von Georg Kaiser Musik Spoliansky Melropol-Tb. 8V. Uhr Lcbdr dirigiert Das Land des L&ehelns Vcr. Schw.n, Richard T.ober Sonntag 2 u. 5 Uhr Die Fledermaus msi.uilietili.Tsr Kottbusser Str. 6 Tägl. 8 Uhr aucn Sonnt. nachm. 3 0. Elite- sanier - Deraopptit« UvlBl„Ein Weit- re ord d. Lach.* Planeiartam •— am Zoe— 'erdig luduDüt,« itnli 6.5 Barbarossa 557' 16V« Uhr«erbst akudeam 3 tarnen- (ilmmal I8V» Uhr Bia an dt« Qranttn dar Walt 20V< Uhr Ritaal daa Starnmlichtaa Tägl. auSer Montags o. Mhtw. Erwachs. I Mk-, Kinder 50 PI Mittw.: Erwachsene 50 Pf, Kinder 25 Pf. Winrer ★ Garren* 8 anr» zntr. 3810 „Lieck, r" dl. Ton-S.naotlen und waitar. 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Es würde keinem Elternteil in den Sinn kommen, grundsätzlich die sittlichen Unterweisungen, dos Ein- schleichen von Gewöhnungen usw. in der Weise zu trennen, dah zu- nächst die Söhne den„Vortrag" des Vaters hören, sodann gesondert die Töchter. Es ist auch jedermann bekannt, dag die gemeinsame Erziehung der Geschlechter in Tausenden von cinklassigen D o r s- schulen in Deutschland wie im Auslande etwas Selbstverständ- liches und Unbeanstandetes ist. Schließlich ist es durchaus üblich, in höheren Schulen an kleineren Orten die Mädchen und die Knaben gemeinsam für die Universität oder eine Hochschule vor- zubereiten. Dennoch ist die sogenannte Koedukation noch immer ein umstrittenes Problem in solchen Städten, wo die g e- trennte Erziehung die Regel und die gemeinsame Erziehung umständehalber einmal die Ausnahme ist. So war erst vor kurzem diese Frage Gegenstand der eisrigsten Erörterung sn der Re i ch s- Hauptstadt, weil sich bezüglich des Ausbaues bzw. des Aufbaues einer Sammelschule durch das Mittel der„Koedukation" Diffe- renzen ergaben zwischen Schuloerwaltung und Schulaufsicht. Der Streit wurde bald friedlich ausgeglichen. Man darf bei der etwaigen Begeisterung für die gemeinsame Erziehung der Geschlechter nun freilich nicht so weit gehen, die Tat- fache zu leugnen, dag die Geschlechter bestimmte, nicht verwisch- bare Eigenarten haben. Im Gegenteil: der Geschlechtscharak- ter ist bei Mann und Frau auch in seelischer Beziehung recht ver- schieden. Ganz abgesehen von der starken Betonung des Geschlechts- Unterschiedes noch der Pubertät hat das weibstche Geschlecht als Eigenart die stark«, lebhaste Gefllhlsbetonung. Sie äußert sich darin, daß Gefühlsreaktionen viel schneller erfolgen als unter sonst gleichen Umständen beim Manne. Ferner ist zu beachten, daß die Phantasietättgkest bei der Frau stärker entwickelt ist als beim Mann. hieraus ergibt sich die Neigung der Frau, bei der Wiedergabe von Gehörtem und Erlebtem von der objektiven Wahrheit abzuweichen. Dabei soll keinesfalls behauptet werden, daß die bewußte Ab- weichung von der Wahrheit, also die Lüge, bei der Frau häufiger wäre als beim Manns. Aus der angedeuteten Eigenart der Frau erklärt sich auch ihre Borliebe für das Geheimnisvolle. Kartcnlegc- rinne», Geisterzirkel und„Wunderdoktoren" werden vornehmlich von Frauen ausgesucht. Andererseits ist die Frau dem Manne überlegen in der aufopfernde» Selbstlosigkeit. So selbstlos, wie es eine Frau am Krankenbette ist, kann sin Mann kaum jemals fein. Di« Frau im allgemeinen liebt nicht rein nüchtern« Dcnktätigkeit. Hier. bietet sie, von Ausnahmen abgesehen, weniger als der Mann. Wenn nun die aufgezeigten Unterschiede schon im volksschul- Pflichtigen Alter bestünden, dann freilich würde man es sich mit Recht überlegen, ob überhaupt-Knaben und Mädchen zusammen erzogen werden dürfen. In Wahrheit zeigt sich jedoch die Eigenart der Frgu bis z nm Beginn der Reife(Pubertät) sehr schwach. Prcscssor S p r a n g e r hat darauf hingewiesen, daß erst mit Bc- ainn der zwanziger Jahre in beziig auf rein intellektuelle Leistungen bei der Frau ein Erlahmen und Versagen eintritt. Welches ist nun die Meinung der Schulmänner bezüg- lich des Problems der gemeinsamen Erziehung der Geschlechter? Die Stellung ist keineswegs eine auch nur einigermaßen einheitliche. Das in der ganzen Welt anerkannte schulreformerische Wien ist in den geltenden Bestimmungen gegen die gemeinsame Erziehung, von Einzelfällen abgesehen. Infolge dieser Zersplitterung der An- sichten hat sich in Deutschland folgendes herausgebildet: 1. Gemeinsame Unterweisung und gemeinsame Erziehung der Geschlechter im Kindergarten. 2. Notfalls gemeinsame Unterweisung auch in der Grundschule. 3. Gesonderte Unterrichisaiistalicn für Knaben und für Mädchen für die oberen Jahrgänge. -l. Wiedervereinigung der Geschlechter aus den Universitäten und Hochschulen. Es ist jedoch noch nötig, einen Blick zu werfen auf die ge- schichtliche Entwicklung der Dinge. Ursprünglich wollte man das Bi'd der Familie auf die Schule übertragen, um eine gcgcnseitige Anglcichung der Geschlechter zu erzielen. Bold trat aber der Gedanke auf, durch die gemeinsame Erziehung und Aus- bildung die wirtschaftliche und geistige Gleichberechtigung der Geschlechter zu begründen. Insofern steht die Idee der Koedukation in einem gewissen Zusammenhange mit der Frauen- bewegung. Ihr Ziel war insbesondere die Zulassung der Mädchen zu den höheren Knabenschulen und zum vollen Universitätsstudium. Interessant ist ein Blick aus die Statistik. Alles in allem befanden sich In Preußen im Jahre lSSS reichlich 72 Proz. der Volks» schulkinder in gemischten Klassen, wurden also gemeinsam erzogen •und unterrichtet. 1906 waren es nur noch 63,80 Proz. Daraus er- kennt man die steigende Tendenz, die Geschlechter im volksschulpflich- tigen Alter zu trennen. Baden ließ l&OO die Mädchen zu den höheren Knabenschulen zu. Das war jedoch nur eine vorübergehende Mahnahme. Die Entwicklung ging vielmehr dahin, die Bildung?- stättcn für das weibliche Geschlecht so auszugestalten, dah die Mäd- che» dort die volle Reife für die Unive'-sttSt erwerben konnten. Gleichwohl hat sich die Koedukation an den höheren Schmcn erhol ten: denn in beschränktem Maße ist den Mädchen der Besuch cii.er höheren Knabenschule freigestellt, wenn an ihrem Wohnort bzw. in besten unmittelbarer Nähe keine gleichwertige und gleichartige An- stalt vorhanden ist. Sodann ist in den Fachschulen, Kunstschulen usw. der Gedanke der gemeinsamen Erziehung der GeschsechPr siegreich geworden. 1 Dr. Otto Seelmg. Erfahrungen Im Beruf wie im öffentlichen Leben steht die Frau heute gleichberechtigt neben dem Manne, und da? Vild hes tätigen Lebens zeigt ein Durcheinander der Geschlechter, wo vor Iahren peinlich strenge Trennung herrschte. Sollte man nicht glauben, daß dieses einmütige Zusammen arbeiten schon von Kind aus durch eine gemeinsam verbrachte Schul-. zeit angestrebt würde? Weit gefehlt. So selbstverständlich Mädchen und Knaben innerhalb einer Familie nebeneim ander aufwachsen, von einem Tische essen, in einem Hause wohnen, so selbstverständlich erfolgt die Trennung, so wie der Staat sich der unterrichtlichen und erziehlichen Aufgaben bemächtigt und die Pforten seiner Schulen ösjuet. Hie Knabenschule— hie Mädchenschule: lautet sein erstes Machtwort, und die Geschlechter scheiden und meiden ein- ander für acht der bedeutsamsten Jahre ihres Lebens. Haben die Geschlechter Geheimnisse voreinander zu verbergen, haben die vom Staat bestellten Erzieher hier Sonderaufgaben zu erfüllen, steht die sittliche Gesellschaftsordnung in Gefahr? Lehrer wie Lehrerinnen wechseln doch zwischen Knaben- und Mädchenhaus, die Lehrpläne beider Schulen gleichen einander wie ein Ei dem anderen(von den weiblich— allzu weiblichen Handarbeiten abge- sehen), und die Sitte ist ja auch durch das Durcheinander- leben in Straß« und Haus nicht erschüttert worden. Wozu also diese peinlich reinliche Scheidung? Hier tut sich jene Kluft auf, die größer oder geringer schon von jeher zwischen Schule und Leben geklafft hat. D i e g e s e l l sch a f t- l i che E n t wi ck l u n g drängt zur Aktivierung, zur vollmenschlichcn Betätigung der Frau: die Schule Höst starr an jenem schon leicht komisch gewordenen Frauenideal fest, desien Gemlltswerte aus Koch- kunst, Unterwürfigkeit und geistiger Beschränktheit zusammengesetzt waren. Vorerst sind es nur V e r su ch s s ch u l« n, die bewußt mit der ängstlichen Trennung der Geschlechter brechen und den natür- lichenGemeinschaftszustandfürdie acht Schuljahre wieder einführen. Kein einziger Jung« unter den Schulneulingen empfindet dieses Zusammensein als irgendwie sonderbar oder entwürdigend: die gesellschaftliche Verdammung, der Spott der Straße über die sogenannten Schürzenjäger besteht ja nicht mehr. Ja, der Lehrer erlebt es eines Tages, daß er die zwanglose Verteilung der Ge- schlechter in der Klasse von selber aufgehoben und bei jedem Jungen ein Mädel Äif der Bank findet: Wir haben uns eine Braut angeschafft. tlnterschieöe Die gleiche Harmlosigkeit herrscht in den ersten Schuljahren vor. Dann stellt sich, nach drei oder vier Iahren,«in anfänglich weniger bemerkter Unterschied stärker heraus, der dos verschiedenartige Der- halten im Unterricht betrifft. Gelegentlich eines Lehrgesprächs mit Achtjährigen über die Antriebskraft bei der Maschine kam er zum Ausdruck: Lehrer: Wozu braucht das Auto Wasser? Hanna: Zum Saubermachen.(Heiterkeit.) Lehrer: Davon fährt es doch nicht. L i s e l o t t e: Es braucht Wasser für die Reifen zum Füllen. (Große Heiterkeit bei den Jungen.) Ach nein, in die Reisen kommt ja Benzin rein.(Lautes Gelächter bei den Jungen.) Alfred: Das Auto braucht Wasser zum Kühlen. Zurufe derJu n gen: Die Mädchen wissen gar nichts von den Maschinen. Sie hören gor nicht zu. Eine liest, die andere malt, die dritte macht Handa.bcitcn, die vierte schnackt. Hanna: Wir sind ja keine Männer, wir brauchen das auch nicht.— Immerhin melden sich einige Mädchen, die ihr Geschlecht verteidigen: Rosa: Meine Mutter arbeitet aber doch an einer Maschine. Heinz: Meine Mutter hat an einer Falzmaschine gearbeitcr, meine Schwester auch. Walter: ZXe Frauen sitzen auch im Auto und steuern. Ein Junge zieht sehr verständig die Nutzanwendung für die Mädchen der Klasse: Oswald: D'ann sollen die Mädchen hier aber mit aufpassen. Wenn sie dann nachher keine Stelle zum Reinemachen finden, dann können sie nix anderes und kriegen auch keine andere Stelle. Folgerutigen Der Leistungsunterschied, der sich hier zwischen Knaben und Mädchen aufwt: tätige Anteilnahme, frisches Erfassen, namentlich technischer Dinge auf der einen Seite, passives, lediglich aufnahmen- des Verhallen auf der anderen— gibt zu denken und legt der Schule die Verpflichtung auf, auch die wesentlich anders geartete Aktivität der Mädchen sorgsam zu pflegen. Die Gemeinsamkeit der Geschlechter darf nicht st arres Prinzip werden, sondern muß immer einer gewissen Beweglichkeit unterworfen bleiben. Im Gruppen- oder Kursusunterricht der Oberstufe, der den Klassenrahmen sprengt und Wahlgemeinschaften zusammenführt, bieten sich leicht Gelegen- hellen, reine Mädchengruppen zu vereinigen, die für manche Fächer ja ohne weiteres dos Gegebene sind. Das Beieinander der Ge- schlechter bedeutet ja nicht nur das gleichzeitige Entgegennehmen des Unterrichtsstoffes(Koinstruktion): wesentlicher und ungleich schwerer sind die Aufgaben der gemeinsamen Erziehung (Koedukation). In die Augen springend ist ohne weiteres der sänftigende Ein- fluß� den die Gegenwart der Mädchen auf die rauhere Art der Jungen ausübt, wobei die Mädchen, nicht immer zu ihrem Schoden. ein gut Teil ihrer Zurückhaltung einbüßen. Bei Spielen im Ireie.i. bei Ausführungen und Ausflügen finden Lungen und Mädchen sich natürlich und ungezwungen zueinander und ergänzen sich in ihren Leistungen. Der gemeinsame Schlafsaal im Landheim erscheint im Hinblick auf das übrige Zusammenleben als etwas Selbstverständliches, worüber auch in der Elternschaft nie ein Wort der Kritik laut geworden ist: erst einem inspizierenden Regierungs- beamten blieb es vorbehalten, daran Anstoß zu nehmen. Wie sich damit dos äußere Bild des Schullebens dem Familien- leben angleicht, so soll auch das innere Bild eine entsprechende Umformung erfahren. Männlicher und weiblicher Einsluß durch die Lehrkräfte, Eltern als Gäste beim Unterricht, Müller und Väter als Teilnehmer bei Ausflügen, als Helfer im Ländheim, Frauen in sozialen Ausschüssen, in der Schulpslege: das Recht der Verehelichunz und der Mutterschaft auch für die Lehrerin— das sind lauter Einzel- forderungen, die mit auf den allgemeinen Grundgedanken der Koedukation lossteuern: Natürlichkeit in Geschlechts- frägcH, Entspannung im Pubertätsalter, früh• zeitige Erziehung zu Kameradschaft und Gefährt entuni. Carl Dante. Dr.£. Kühle, Heidelberg Die Sukunft der Nnivcrsitatcn Wir veröifrntllchrtt diesen wertvollen Beitraa zuvr'Thema der Hockt. schulresorw. ohne deshqld den Standpunkt des ÄUtoro in allen Teilen iu unterem eioenen»u machen. Die Ueberfüllung der Hochschulen, die allein im Somme�- scmester um weitere 11000 Studenten zugenommen hat, wirkt sich schon jetzt in einer ungewöhnlichen Uebcrlastung der Institute und der einzelnen Lehrer aus. Es gibt an den großen Universitäten Seminarien, die in drei, vier Teilkurse gespalten werden müssen, welche von Helfern und Asfistenien geleitet werden, weil es unmäg- lich ist, 200 bis 300 Studenten in einer einzigen Uebung unter- zubringen. Nur die besonders Begabten und Bevorzugten kommen noch in die unmittelbare Berührung mit dem Dozenten selbst. Mo ssenbe trieb droht mit einer Verflachung des wissen- selfästlichen Unterrichts als Folge und aus dieser Gesamtlage her- aus erwächst plötzlich eine Krise der Universität selbst. Es wird die Frage mit großer Vehemenz akut: Soll die Lehre von der Forschung endgültig gespalten werden. soll die ehrwürdige Jnstilulion der Universitas Literarum nnlergchen zugunsten einer Zweiheil von Forschungsinstitut und Fachschule? Und damit sind wir am Abgrund einer noch viel tieferen Frage, die nicht nur eine Frage der Tradition oder der Zweckmäßigkeit ist, der B i l du n g s s ro g e. Die Entwicklung der wissenschaftlichen Forschung, vor allem der naturwissenschaftlichen, hat in den letzten Jahrzehnten zu einer solchen Zlnhäufung der Anforderungen an das Können des einzelnen ge- führt, daß nur ständig fortschreitende Spezi alisi«- r u n g den gesteigerten Ansprüchen entsprechen konnte. Forschung?- institute für Teilgebiete sind längst in den verschiedenen Kaiser- Wilhelm-Instituten geschossen worden. Die Industrie hat für ihre Zwecke wissenschaftlich« Anstalten errichtet, die z. T. oußerordent- lichen Anteil am Fortschritt der Wissenschaften haben. Der Gedanke, diese Entwicklung bis zur letzten Konsequenz fortzuführen und end- güllig di« Forschungsarbeit vom akademischen Unterricht zu trennen, liegt also gar nicht so fern, es mag auch manchem Gelehrten reiz- voll erscheinen, die ganze Kraft srei zu haben für die Arbeit an der Quelle des Wissens, die Energie nicht mehr mit auf die Vorbereitung und das Abhalten von Seminarien verteilen zu müssen. Es mögen die Erfolge der schon bestebenden Forschungs- institute zu einem weiteren Verfolgen dieser Richtung verlocken. Ehe wir aber einer Tradition von einem Dreioierteljahrtausend den Rücken kehren, müssen wir uns über das klar werden, was wir a u f g e b e n. Was von einer Trennung der Lehre und der Forschung zu be- fürchten ist, haben die Philologen aus ihrer Satzburger Tagung mit allem Nachdruck ausgesprochen: Verflachung des wissenschastlicheii Unterrichts, weil der Höxer di« wissenschaftliche Erkenntnis nicht mehr aus erster Hand, sondern nur durch Mittler erhalten würde. Oberflächliche Routine würde gewonnen werden und die Unmittelbarkeit des Wissenschastserlebnisses verloren gehen. Es ist von hier aus geradezu die Frage zu stellen: Ist denn eine solche Trennung überhaupt praktisch durchführbor? Wenn schon di« Lehrerschaft der höheren Schule auf die Verbindung mit dem Erkennen selbst, nicht nur mit dem Erkannten, nie ganz verzichtet hat— wie viele Studienräie haben gleich- zeitig Lehraufträge oder Privatdozenturen an Hochschulen inn«! Um wieviel mehr würde das bei den Lehrern der neuen Fachschule der i Fall sein, die ihrer wissenschlOlichen Fähigkeit nach den jetzigen Univcrsitätsdozenten nahestehen müßten. Es würde nach kurzer Zeit sich ein Zustand ergeben, der dem heutigen in vieler Hinsicht gliche: Neb«n den reinen Forschungsinstituten würden gemischte aus den Fachschulen«ntstehen. Erkennen und Lehren, Wissen und Wissenmitteilen sind ihrer Uridee noch untrennbar. Sie waren es seit Jahrtausenden, und wenn heute Zweifel an der Verwandtschaft dieser beiden Farmen wissenschaftlicher Arbeit austauchen, so liegen sie eben begründet i n der heutigen Form des„Wissenschaftsbetriebes" an viel«» Hochschulen. So sicher es ist, daß die Aufgabe der Universitätsidee Aufgabe eines wesentlichen Teils des europäischen Kulturgedankens bedeuten würde, so erscheinen auf der anderen Seite doch g e- wisse Reformen am äußeren Rahmen des ljochschuliinterrichts notwendig. Um mit dem Handgreiflichsten zu beginnen: In einer Zeit, in der Arbeitsgemeinschaft, Loboratoriumsübung, Seminar die wichtigste Roll« im akademischen Unterricht spielen, scheint die alle Methode der cinstündigen Vorlesung völlig überholt. Wen hat in seiner Studienzeit nicht das sinnlose Hintereinande einer philosophischen, einer kunsthistorischen und einer mathematische, Vorlesung empfindlich gestört. Der Hörer wird aus einem Arbeitsgebiet herausgerissen, um in der nächsten Stunde in«in andere: mit ganz anderem Stoff und anderer Methode hineingezwängt z» werden. Oder aber: wie unangenehm sst das Zerreißen des Vor oder Nachmittags durch zwischen die Vorlesungen gestreute Pausen � stunden Auch die üblich« Länge der Kollegstunde ist den'bar ur l praktisch. Der rasche Ablauf der 4L M-nuten zwingt den Do-entr häufig, mitfen in einem Problemgebiet, mitten in einem matbemat schen Beweis abzubrechen. Lehrer wie Hörer müssen sich oft Tag manchmal eine Woche später auf dieselbe Situation von neuem ei: stellen. Welch ein Widersinn ist es ferner, wenn ein Dozent dur den jetzigen Brauch gezwungen wird, einen Stoff, den«r normaler weise In wenigen Vormittagen bewältigen könnte, i n Portionen von je einer Stunde auf die vierzehn Wochen eines ganzen Semesters zu verteilen. Dabei läßt sich nicht ein triftiger Grund dafür angeben, daß nicht mehrere Vorlesungen über zusammenhängende Gebiete, di« f�oman von fllax ßarfkel (2S. Fortsetzung) „Dar dem Russenfilm hat er seinen Biedermeicrfilm machen sollen. Sie wissen ja, meine Damen. Krinolinm, lange Möschen, di« Komik der Mode, wie sie uns Bufter Keaton so ausgezeichnet vorgespielt hat/ erzählt« Bencke,„unser Freund, der Regisseur, wie gesogt, kein Licht unter Lichtern, bemerkt« zu seinem Produktions- leiter, als davon die Rede war:„Biedermeyer, Biedermeyer, äh. ich kenne Biedermeyer doch gar nicht, muß ein neuer, unbekannter Mensch sein. Wir hoben ja schon den Petrojitsch verpflichtet." Der Produktionsleiter wurde beinahe ohnmächtig und übergab einem anderen Regisseur diesen Film. Und nun heißt der Unglückswurm unter uns Kollegen: Herr Biedermeyer!" Marianne lachte laut und fröhlich. Lola blieb stumni, bis ihr erklärt wurde, was in Deutschland unter dem Namen Biedermeier zu verstehen sei. Dann lochte sie auch und erzählte eine ähifliche Geschichte aus Hollywood, ausüben Anfängen des Films, bis sich die großen Macher der Gesellschaften ausgezeichnete Fachleute in allen Fragen vrschafften. Aus ollen Ateliers kam Gebrüll und Musik. Hämmer klangen. Die Arbeiter stürzten oder bauten an Dekorationen. Di« ganze Welt wurde noch einmal ausgebaut, die Geschichte verfälscht, die Gefühle verwirrt, die Verlogenheit großgezüchtet. Neger und Chinesen. Gentlemen und Tramps, Dienstmädchen und große Damen. Nonnen und Huren, arme Teusel und Millionäre, Paläste und Spelunken, Zuchthäuser und Kirchen: das alles war zu sehen, das alles wurde gedreht, das alles verwandelte sich in blendenden Film und wurde ebenso gefressen wie das tägliche Brot. Die Industrie wußte schon, was sie bauen und aufnehmen ließ. „Meine Damen, es war mir ein großes Vergnügen," sagte Bencke und verabschiedete sich, ich wäre sehr glücklich, zu wissen, ob die Damen heute abend etwas besonderes vorhaben. Ich würde mich mit Wollust anschließen." „Wir gehen zum Sechstagerennen!" „Dann auf Wiedersehen!" Marianne und Lola spazierten nach der Lustjacht zurück. Die Szene zwischen Mister Kould und Johann Strauß war zu End«. Die Lampen und Quecksilbersäulen verlöschten. Lyssander küßte den Damen die Hände, und bald saß er mit ihnen und den Stars und Regisseuren in der Künstlerklause zu- sammen. Einige Schauspieler hatten sich schon abgeschminkt, die anderen kamen mitten aus der Arbeit und bevölkerten als Bauern- burschen, Offiziere, Arbeiter oder Lebemänner den Raum. Zwischen ihnen saßen geschminkte Kokotten, kleine Lodenmädchen, heroische Damen. Am Nachbartisch hockte ein ungarsscher Regisseur mit einem Produktionsleiter zusammen und Lola hörte, wie er beschwörend sagte: .Ln Loyern, da ist noch urwüchsige Kraft, Herr Direktor. Mit den Bergen und den Bauern, d!« da unten herumstehen, mache ich Ihnen einen Film, einen Film, sage ich.«inen Schlager, ein großes Geschäft!" „Ich werde mir die Sache überlegen. Bringen Sie ein Expose, dann werden wir weiter sprechen," antwortete der Produktionsleiter. Die Stunde Pause ging schnell vorüber. Dann begann die Arbeit. Die Lampen und Ouecksilbersäg�n flammten, die Musik häm- jetzt vielleicht stundenweise parallel nebeneinander herlausen, auf wenig« Vor- oder Nachmittag« zusammengedrängt, in den ver- schiedenen Abschnitten des Semesters nacheinander abgehalten würden. Die Vorteil« eines solchen Verfahrens sind ohne weiteres einleuchtend. Der Dozent würde ganze Tage der Woche für sich allein gewinnen. ohne seine Forschungsarbeit an wichtigen Stellen um einer einzigen kollegstunde willen unterbrechen zu müssen. Der Student würde in der mehrstündigen Beschäftigung mit einem einzigen Gebiet sein Gedächtnis schonen und seine Kon- zentrationssähtgkeit schärfen können. Die Frage, ob die Form des Vortrages selbst, die Vorlesung vom Käthe, der herunter, nicht auch überlebt sei, soll hier nicht unter- sucht werden. Sicher ist, daß die Lorlesung an Bedeutung immer mehr hinter den verschiedenen Formen der A r b e i t s g e m e i n- s ch a s t zurücktritt und an ihrer Stelle häufig das Buch benutzt wird. Nicht zuletzt aus den oben besprochenen Gründen. Sicher ist aber auch, daß die lebendige Form der Rede, der gute Vortrag auch dem besten Buch an unmittelbarer Wirkung überlegen sein sollte. Wo liegt also die Zukunft der Universitäten? Zunächst muh der lawinenartig anwachsende Zustrom der Studierenden durch Einschränkung der Bcrechtigunysforderungen ein- gedämmt werden. Staat und Berussoerbände müssen hier zu- sammenwirten. Eine weitere Frage ist die Umgestaltung der Unterrichtzform, abseits von allem bisherigen fälschen Traditionalismus und allem Geltungehadcr der Fakultäten. Schließ- sich aber muß die O e f f e n t l i ch k e i t in einem ganz anderen Aus- maß als bisher an dem Wohlergehen, der Universitäten interessiert werben. Schließlich sind es nicht nur die studentische Politik und ihre Auswüchse, welche die Allgemeinheit angehen. Die Universität ist die Trägerin der Wissenschast und des Fortschritts, sie ist die ständig fließende Quelle, aus der gerade bei uns in Deutschland mehr als i» irgendeinem anderen Lande Pildungs, und Kulturwerte in zahl- lasen Kanälen bis in all« Schichten des Volkes getrogen werden. Die Zukunft der Universitäten ist darum die Zukunft unserer Kultur. Copyright 1929 by„Der Bücherkreis O. m. b. H." Berlin SW 6t inerte, die Komparsen marschierten, tanzten, tafelten und waren Hintergrund, die Regisseur« brüllten, die Architekten entwarfen indische Tempel, russische Blockhäuser, Berliner Spelunken, Ge- schästigkeit und Geschäft erfüllte die Werft. Die Telephone klingelten. die Presse schickte ihre Berichterstatter, sie küßten den Stars die Hände und machten ihr« Notizen, aus dem großen Maschinenhaus klang der hymnische Lärm der großen Umformerstation, die den elektrischen Wechselstrom in Gleichstrom verwandelte, die Portiers bewachten wie bissige und verdrossene Soldaten die enge Tür zum Glück, die Tür noch den Ateliers: aus verstaubien Fassaden und Giebeln wurde ein Lustschloß errichtet. Lola war mit Mister Guerra, der plötzlich behutsam auftauchte, nach Berlin gefahren. Kreß verhandelte mit Lemansky, und Mar!- aitne entfaltete in einer neuen Szene ihre großen Talente. Und am Abend traf sich die ganze Gesellschaft zum Sechstagerennen im Sportpalast. Auf der Potsdamer Straße huschten die Autos und Taxis. Es war viel Betrieb, Unruhe, Stockung und langsames Fluten der unzähligen Wagen. In Berlin gab es zweihunderttausend Arbeits- lose, die Selbstmorde häuften sich, aber von all dem Elend in der Viermillionenstadt war in der großen Arena nichts zu spüren. Oben auf den Rängen hing dos Volk, die sportbegeisterte Jugend und hatte ihre Lieblinge auf der lichterhellten Bahn. Ein berühmter Boxer, der aus Amerika gekommen war und mit gewaltigen Schwingern anderem Faustkämpfern den Lorbeer von den buckligen Stirnen hieb, gab den Startschuß und schickte die Fahrer auf die große Reise. Sechs Tage und sechs Rächt« ging die Fahrt. In der dritten Stunde begannen die ersten Vorstöße. Die Ränge explodierten. Zehntausend Menschen rasten vor Begeisterung. Aus der Meute schoß ein kleiner, flinker Fahrer mit feuerrotem Trikot, gewann plötzlich Boden, lag zehn Meter, zipanzig Meter. dreißig Meter und dann, angefeuert von seinen Anhängern, hundert Meter vor den anderen, die oerzweifeft und krumm auf ihren Rädern saßeit und nichts als zuckende Tretmaschinen waren. Der Ausreißer wurde gut abgelöst, sein Partner jagte weiter und hatte das gesprengt« Feld beinahe erreicht, als ein großer, hagerer Fahrer ge- waltig in die Pedale trat. Es war als ob ein« blau« Flamm« über die Kurven rase um das rote Feuer da vorn einzuholen. Und der Mann in dem blauen Trikot holt« den Mann mit dem roten Trikot rasend ein. Neuer Beifall erschütterte das Haus und in der Lawine des Beifalls holten die anderen Fahrer das Feld auf und um- schlössen mit ihren bunten Trikots den roten Rodler. Wie in den Kulissen der Filmateliers hingen gleißend« Lampen in der dampfenden, erhitzten und donnernden Halle. Sie strahlten gleichmütig über allen Jagden, über ollen Stürzen, über allem Geschürt und allen PrSnrten. erfaßte alle Taucher. Es mar, als sausten auch sie mit um die Bahn, als läge die Seligkeit der Erde darin, zu fahren, zu fahren, vorzustoßen, nicht zu ermatten und unter dem prasselnden Beifall vieler Taufender eine Runde zu gewinnen. Lyssander und Marianne, Lola Lopez und Mister Guerra, Bernhard Glaß und fein Freund Bencke saßen in einer Loge und waren' auch vom Fieber der Fahrt erfaßt. Heber ihnen, in den Rängen, hing immer noch das Volt und schrie, höhnte, pfiff gellend oder klatschte Beifall. Und die Fahrer kreisten und flogen ihre Runden, bei den Spurts traten sie heftiger an und häuften Punkte. lvianchmol lächelten sie verzerrt, manchmal winkten sie mit der Hand oder tranken mitten in der Fahrt und warfen die blechernen Flaschen den Helfern zu. Von allen Fahrern tat sich in dieser Nacht ein baumlanger Italiener vor, der Mann mft dem blauen Trikot, der den roten Ausreißer eingeholt hatte. Der Jtaliano war der Liebling der Ränge und der Legen, und als er nach Mitternacht eine Runde gewann— sein Borstoß war blitzschnell und nicht zu berechnen—, da brüllten auch die Filmleute in der Loge wie die Metallarbeiter, Buchhändler, Laufburschen und Sportler in den Rängen: „Spaghetti! Spaghetti! Spaghetti!" Der Italiener, der«inen ganz anderen Namen hatte, winkte lachend mit der Hand und zeigte sein schimmerndes Gebiß. Er ließ sich dann von seinen Helfern vom Rode heben und nach der Kabine führen. Uekier der Kabine saß aus der Brüstung des Innenraumrs seine schöne Frau und warf ihm ein« Ros« zu. Cr hob sie auf und küßte sie. Die Fahrer waren ermattet und traten ihre Runde. Diese ruhige Fahrt benutzte ein Belgier zu einem Vorstoß. Er hatte schon hundert Meter gewonnen, da stieß ein junger Franzose vor, wieder raste der Beifall, der Italiener kam aus seiner Kabine und löste ab. aber schon hatte der Franzose den Belgier eingeholt und das Feld herangeführt. Die Fahrer saßen müde aus ihren Rädern. Die Runden rollten sich rhythmisch ab, die Fahrt wurde gemächlicher, bis die Zuschauer«in Schauspiel sehen wollten und die Fahrer mit Hohn und gellen Pfiffen aufhegten und vorwärtstrieben. Aber diesmal kam kein Vorstoß. Diesmal kam ein Sturz. Lvla Lopez hatte ein« Prämie von 100 Mark gestiftet, um die sich vor ollem der Italiener bewarb, der„Spaghetti" gerufen wurde. Aber er hatte einen Nebenbuhler. Der kleine Belgier wagte mit ihm die Wettfahrt und in der Kurve stürzten die beiden Fahrer, daß das Rennen neutralisiert werden mußte. Spaghetti kam gut davon, aber der Belgier renkte sich das Schulterblatt aus und muhte aus- scheiden. Lola Lopez weinte über den Sturz und gab sich selbst die Schuld. „Die verdammt« Geld", sagt« sie seufzend und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht,„ich wollt« stiften Glück und haben gestiftet Unglück!" Sie blickt« Bencke flehend an und ließ sich gern von ihm trösten und davon überzeugen, daß sie kein« Schuld habe. Aber sie war unruhig und wollt« ausbrechen. Auch die anderen verließen den Sportpalast, und als sie auf der Straße waren und sich an ihren Autos verabschiedeten, hatte sich die kleine Lola Lopez wieder in der Gewatt. „O, Berlin sein doch«ine große Stadt", sagte sie,„Deutschland sein ein sehr interessant Land. Ich fahren morgen früh mit Mister Guerra nach Paris und werde bald schreiben meine Freunde von lfte/ Sterngemeinschast. Ich bleiben in Paris ein ganzes Jahr und würde sein glücklich, wenn Sie kämen auf Besuch. Marianne, das würde sein sehr schön."(Fortsetzung folgt.) «« FÜR DEN KLEINGÄRTNER. wiiauniiuinininiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiininnimmniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuitmmiiiimiiniiiiiuiiinmiiniiiiiimHiinniiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiuiiiinimiiiuiiiiiuuuliiiiiiiiiiiiinuiuimniiiiuiiiiinimiiiiD Originalsaat und Absaat. Es wird dos Streben jedes Samenzüchters sein, bei der Saat- gutgewinnung das denkbar Bollkommenste, zu erzielen. Glaubt er eine zllchterischc Verbesserung erzielt zu haben, so muß er sie vor allem beständig machen—„sortensest"—, ehe er sie an den Markt bringt. Dies geschieht im Zuchtgarten, dessen Pflanzen steter Beob- achtung unterliegen. Erst wenn genügend, nach allen Richtungen hin erprobte Nachkommenschaft vorhanden ist. wird der so erhaltene Samen der seldmäßigen Prüfung unter, zogen. So kommt die neue Saat oft erst nach Ähren in den Handel. Begreiflich ist. daß der ursprüngliche Züchter auch weiterhin seiner Züchtung erhöhte Aufmerksamkeit zuwendet. Aber ebenso begreiflich ist, daß der Be- iverber solcher Originalsaat nicht die gleiche Sorgfalt ausbringen kann. Boden. Klima. Düngung, Pflanzung, Ernte, Ausdrusch, dann aber auch die Einflüsse benachbarter Anpflanzungen, beeinflussen da? Ergebnis— nicht gleich das erste und zweitemal in einschneiden- der Weis«, aber je länger je mehr. Gerade die Eigenschaften der hochgezüchteten Pflanze, die sie besonders wertvoll machen, gehen auch am ersten wieder verloren, wenn die Lebensbedingungen andere geworden- sind. Man wird daher zu rechter Zeit wieder zur Originalsaat greisen müssen und sich hüten müssen vor dem Glauben, bei Abgabe von Absaaten, die über die dritte hinausgehen, alle guten Eigenschaften der Originalsaat verbürgen zu können. D. V. Tomatenwünsche. Es sind jetzt eine ganze Zahl neuer Tomaten ausgekommen. Auf einer Privaikonkurrenz wurden jüngst nicht weniger als sechzehn Tomatensorten geboren. Wir lesen da u. a., daß eine Kreuzung „Bonner Beste und Tuckswood" am besten beurteilt wurde, daß aber auch die beiden Einzelsorten gut bestanden. Ebenso wird Lukullus Treib geschätzt. Wenn wir nun in einein Preisper- zcichms lesen, daß Sorten mie Lukullus Treib und Tuckswood Aus- lese das Vierfache älterer Sorten kosten, so spricht ein solcher Preisunterschied natürlich für die Verbreitung mit. Inter- essant war auch«ine Notiz aus dem nahen Odergebiet, daß die hier sehr geschätzte Tuckswood— von der bei jener Konkurrenz eine Sorte als„Stamm durch Individualauslese aus holländischer Saat gewonnen" bezeichnet wurde— im holländischen Gemüse- anzuchtgebiet nicht sehr häufig anzutressen sei. Eine nicht zu große, gehaltvolle, gut aussehende glatt« Frucht ist das Ideal für den Verzehrer— daß sie auch ein« frühe reich« Ernte ergibt und nicht zu empfindlich sein darf, ist der Wunsch des Züchters. Das gegenwärtige Interesse an Tomaten wird sicher bald die Ideolpflanze schaffen und sie im Preise auch dem kleinen Manne ztigänglich machen. P. D. Abgetriebene Hyazinthenzwiebeln. Daß«ine getriebene Hyazinthenzwiebel im Herbst im Garten noch einen schwachen Blütentrieb bilden kann, ist eine Tatsache, die nicht allen Blumenfreunden bekannt ist. Nachher geht die Zwiebel aber ein— sie bildet Brutzwiebeln und lebt in diesen weiter. Man wird diese Brutzwiebeln weiter kultivieren und erhält dann im dritten Jahre wieder«ine blühbare Zwiebel. Die käuflichen Hyazinthenzwiebeln sind durch Mastkultur und durch Abschneiden der sich während zweier Jahre zeigenden Blütentriebe zum üppigen Blühen vorbereitet. Eine Anwartschaft auf alljährlich sich wieder- holendes Blühen erwirbt man jedoch durch den Kauf nicht,?. 1). Der Frostspanner. Zu den gejährlichen Schädlingen der Obstbäume gehören die Frostspanner. Der Name rührt davon her. daß die Männchen um die Zeit der ersten Fröste schwärmen. Sie können fliegend aus den Baum gelangen: die nur mit Flügelstummeln versehenen Weibchen müssen dagegen vom Boden aus den Stamm hinauskriechen. Hier- auf stützt sich ihr« Bekämpfung: man verlegt ihnen den Weg durch de» Klebgürtel. Man muß aber aufpassen, daß die Frostspanner- weibchen nicht in den Ritzen der Rinde unter dem Gürtel durch nach oben schlüpfen, was namenllich dann eintreten kann, wenn der Baum nicht ordenllich geglättet ist(was beim älteren Baum ost kaum möglich ist). Man kann sich dadurch helfen, daß man den Stamm durch ein« Lehmschicht abschließt. 1'. V. Würmer sind Todfeinde des Geflügels! Sehr oft kann der Kleintierhalter die scheinbar merkwürdige Beobachtung machen, daß seine Hühner trotz sorgsamster Pslege. größter Sauberkeit der Ställe und bestem Futter abmagern, trübe Augen bekommen und wenig Neigung zeigen, sich zu bewegen. Mit- unter beginnen die Tiere sogar zu taumeln. Die Ursache eines der- artigen Derhaltens gut gepflegter Tiere sind fast immer Würmer, die mit dem Futter in den Körper gelangten. Dort reizen die gc- jährlichen Parasiten die Darmschleimhäute, indem sie sich daran fest- saugen, und zwingen die befallenen Hühner zu einer erhöhten Blut- abgab«. Geschieht in diesem Stadium nichts von feiten des Klein- tierhalters, so bohren sich die Würmer in die Darmwände ein und verseuchen durch ihre giftigen Ausscheidungen den ganzen Körper des befallenen Tieres, das infolgedessen sehr bald eingeht. Der�Vlein- tierhalter wird daher gut tun, db und zu Kotuntersuchungen auf d.nn Keflügelhof vorzunehmen. Bei dem geringsten Verdacht, daß seine Hühner von Würmern befallen sein könnten, hat er dann ynoerzüg- lich einzuschreiten. Denn nicht fetten kommt es vor, daß auch die Geflügeltuberkulose und die Cholera durch Würmer verursacht wird. G. B. Nicht zuviel Regenwürmer füttern. Bekanntlich stellt der Regenwurm für da, Geflügel, besond-rs aber für die Hühner, ein« sehr leckere Mahlzeit dar und der Ge- flügelhalter oerspricht sich von dem Regenwurmfutter meistens eins erhöhte Eierproduktion. Diese Annahme ist aber nur bedingt richtig: denn so vorteil- Haft der Regenwurm für die Eierproduktion ist, wenn man ihn in kleinen Mengen dem Körnerfuller beimischt, so nachteilig wirkt ssch ein Zuviel in dieser Hinsicht aus. Ganz abgesehen davon, daß hie Hühner sich die Regenwurmspeise bald überfressen, bekommen die Eier schließlich einen fauligen Geschmack und werden dadurch un genießbar. Allzuviel des Guten ist also auch hier wieder einmal ungesund. G. B. Uhr, und am Sonntag, 9 Uhr, in Friedrichsfelde ab. Mitglieder der sozialdeinökratischen Partei und der Gewerkschaften sind auch als Gäste gern gesehen. Auskunst erteilt die Geschäfts- stelle: Stefan Bnimirski, SW 19, Kommandantenstr. 77, Merkur 7752. ver ADAC, antisemitisch! Nette Neutralitat! Die Ortsgruppe Annaberg Les Allgemeinen Deut- sch e n A u t o m ob il- C lud s hat den Beschluß gefaßt, künftig Juden als Mitglieder nicht mehr aufzunehmen, und die Münchener Hauptstelle hat dem zugestimmt. Damit ist«in er- neuter Beweis für die parteipolitische Einseitigkeit des ADAC, er- bracht, die sich kürzlich auch in dem Besuch einiger Ortsgruppen beim Ex-Kaifer in Doorn zeigte. Aus dieser Einstellung heraus wird auch der unfaire Kampf vcrftäiMich, den der ADAC, gegen den jungen Deutschen Auto-Club führt, der sich nicht nur in seinen Abzeichen, fondern auch in seiner ganzen Betätigung zur Deutschen Republik und Verfassung bekennt. Die deutschen Reichsbehörden, die dem ADAC, so überaus hohe Subventionen gewährten, und die große Anzahl von Kraftwagenbcsitzern, die heute noch bei ihm find, ohne aber die-Intoleranz de« Annaberger Beschlusses mitmachen zu können, haben allen Anlaß, zu über- prüfen, ob der ADAC, noch ihre Unterstützung verdient. dies« Reisen ermöglichen, das Reichsbanner sieht auch hier große Ausgabengebiet«. Der Republikaner soll seine Heimat sieben lernen, soll sich die Naturschönheiten erwandern, soll mit seinen Brettern hinaufklettern in die Berge und über deutsches Land fchnien. Die Wintersportabteilung des Reichsbanners hat seit Jahren billige Fahrten zusammengestellt und ist auch in diesem Jahr« mit einem ausgezeichneten Sportprogramm herausgekommen. Der Deutsche Wintersportvcrband ist gegründet worden, um alle republikanischen Wintersportler und Vereine zu sammeln, den reaktionären Vereinen soll eine Front der Republikaner entgegengestellt werden. Zum Abschluß des Abends wurde der Film„Ski-Heil" vorgeführt, der den Zuhörern wundervolle Aufnahm«» aus den Wintersportplätzen zeigte. Tirol, bayerische Alpen, die Welt der Gletscher zogen am Auge des Zuschauers vorbei. Der Vorsitzend« der Reichsbanner- wintersportabteilung. Breslauer, konnte den gelungenen Abend mit einer herzlichen Ansprach? schließen. Ist das noch 8port? So fragt bei der Bespreäiung des Spiels bester b ü r g c r- l icher F u ß ballma n n s cha s i« n die„Frankfurter Zeitung" Belm Treffen der Spielvereinigung Fürth und des Fußballklubs Nürnberg in Nürnberg hatte der Schiedsrichter nicht weniger als „insgesamt 87 Strafstöße, ohne die vielen Signale bei anderen Verfehlungen" zu verhänget!. Außerdem hatte er drei Spieler wegen unfairen Spiels vom Platze zu verweisen.„Das beweist," so schreibt die„Frankfurter Zeitung",„welchen Charakter dieses Spiel trug und wie wenig die Geftindheit des Spielers auf der Gegenseite geachtet wurde." Rohes und unsaires Spiel sind immer wieder Kennzeichen bürgerlichen Sportbetriebes. Wir meinen nicht, wie die genannte Zeitung, daß bürgerliche Meisterichasien sich sportlicher, sondern daß gerade sie sich am wenigsten sportlich betragen. Denn dort, wo gut bezahlte gegen besser bezahlte Leute spielen, iomnir notwendig die Jagd noch dem persönlichen Vorteil vor allem anderen. Wenn Gesundheit und Freud« am Spiel sowieso kaum Leitsterne bürger- lichen Sportbetriebes find, beim Spiel uni persönlichen Profit der Spieler wird sie auch die„Frankfurter Zeitung" vergeblich suchen. Doch es geht auch anders„Aber jo schlimm ist es mit dem Fußball- spiel nicht," heißt es im gleichen Bericht,„man kann auch sehr anständig spielen, das beweisen viele einwandfreie Treffen und die Spiele der Arbeiterfportler zur Genüge." Wir sind nicht stotz auf eine Anerkennung bürgerlicher Kritik. Wir stellen sie nur fest, damit dem Arbeiter das Entsetzen guter bürger- licher Blätter über rohen bürgerlichen Sportbetricb auss neue be- weise, daß gesunder und einwandfreier Sport nur in den Zlrbeiter.- sportveveinen betrieben wird und betrieben werden kann. Letzter Renntag im Sportpalast. Am Sonntag ist im Sportpalast der letzte Renntag für Berufsfahrer vor dem 22. Berliner Sechstagerennen. Dreizehn erstklassig« Mannschaften werden ein Dreistunden-Rennen bestreiten. Die Sportpalostdirektion hat bis jetzt von den Ausländern die beiden belgischen Mannschaften Pognoul— Depaux und Goossens— Denecf verpflichtet. Don den deutschen Fahrern erscheinen». a. Miethe— Hürtgen, Tietz.Junge, Kroll— Dorn, B. Wolke— Göbel, Bragard— Meyer, Ioksch— Stübecke, Feder— Weyer und Ehmer, der, da sein Partner Kroschel einer Verpflichtung nach Stuttgart nach- kommen muß, mit Bufchenhagen fahren wird/am Start. » Der iiolienrsche Strahenmeister Alsredo B i n d a unternahm aus der Mailänder Simplon-Bahn zwei weitere Angriffe auf den am 18. Juni 1914 in Paris von Oskar Egg mit 44,247 Kilometer aus- gestellten Stundenweltrekord ohne Schrittmacher. Beide Versuche schlugen fehl! Dafür konnte Binda jedoch den Eggchen 10-Kilo- meter-Weltrekord um 7 Sekunden auf 15 Minuten 33,8 Se- künden oerbessern. Wintersport— Volkssport. Die Wintersportabteilung des Reichsbonners hat ihre diesjährig« Winterarbeit mit einem Vörtragsabend begonnen. Im Bllrgersoal des Rathauses versammelten sich all die Sportler, die schon jahrelang gemeinsame Fahrten in die Wunderwclt der schneebehongenen Gebirge machen. Zuerst sprach der Präsident des neugegründeten Wintersportverbandes, Dr. Dietzcl-Weimar. Winter- spart muß Volkssport werden, so war seine Forderung, er darf nicht ein Vorrecht der Begüterten sein, die Berglandschaft im Winter auf- suchen zu- können. Gemeinsame Fahrten werden auch dem Arbeiter Lukrative Wellmeisterschaslsfpiele! Dieser Tage finden in C h i t a g o die Kämpfe um die Weltmeisterschaft im Baseball- spiel statt. Jeder Spieler der siegenden Partei erhält eine Eni- schädigung von 6900 Dollar, während jeder der unierliegenden Mannschaft 4600 Dollar bekommt. Diese Zahlen wurden bereits vor den Wcttkämpfen in der amerikanischen Presse veröffentlichl. Sie werden errechnet nach der Zahl und dem Preis der verkauften Eintrittskarten. SPD.'Sporkler des Kreises Tiergarten. Montag, 28. Okiolier, 20 Uhr, wichtige Fraktionssitzung aller Genossen, die Mitglied eines Sport- oder Kulturvereins find, im Lokal Liebsch, Wilhelms- havener Str. 46, Ecke Birkenstraße. Arbeiter-Radfahrer-Verein Groß-Berlin. Sonnabend, 26. Ok- tober, 20 Uhr, 19. Stisiungssest in Treptow, Parkstr. 2. Sonntag, 27. Oktober, 13 Uhr, Katerbummel nach Spindlersfeld bei Budach. Start: Waldemarftraße-Ecke Marianneiiplatz.' Gäste willkommen. rour>ftc«»crti».Di« KatnHttunit", Zentral« Wien. Abt. Idarlotte». bnrfli Donnerstag,-t. Oktober, 21,25 UI>r. Ladeabend. lZreitag. 25. Okiober. 20 Uftr. SiJtecftr. 30. Borirah:.Im Wekle»»ildts Neues". Sonntag, 27. Ok- tober, Brieselang— Nauen.— Abt. Südost: Ireiiag. 25. Oktober, 20 Ubr, Britler Str. 27, Vortrag:„Tiere der üeiingt"«mit uichibilbern). Referent: Kditscha».— Abt. Treptow: Ircitag. 25. Oklobcr, 20 Ubr, Elscnstr. 3. Vor. trag:„Die Neiigion in der Äarikalur". Referent: Dr. Max Schütte.— Abi. Ncnlölla: Ireitag, 25. Oktober,'20 Ubr, IZIugbaienstr. W. Lichtbildervortrag: »Lcrilttesaqbcn— Salzburacr Lank»— Tirol".— galtbootabteilung: Ire!» lag, 25. Oktober. 20 Ubr. Vristcr'Etr. 27. DIsIusiionsabcnd.— Abt. Äcdbing: Freitag, 25. Oktober. 20 Ubr. öeestr. 84. Ungezwungen.— Abt.«rig: grei- tag. 25. Oktober, 20 Uhr. Chausseellr. 4«. Lichtbildervortrag.- Pdotoacmein- Ichaft: Montag. 2». Oktober. 20 Ubr. frankfurter-Allec 507. Bon Ler- grökerungspapiereu..._ 13. Bezirk Tcmpelbok. Donnerstag, 24. Oktober, mllfsen die Vereine d:e flugbliltter kür die filmvorftkbrung und den Vortrag adbole» mm Genossen Kiedrich. TcmpeNiof. Wrrderstr. 10. Arbeiter-Rad. und NrastfabrerBnnd„Soliderltat", Ortsgruppe Grost- Berlin. Scschäftastellc Robert Rolbbartli. SW. kl. Schöneberger Str. ll-u Bundesgenosse Otto Lildcbrandt, 0. Abt.. ist am 21. Oktober verstorben. Einilscherun« Sonnabend, 20. Oktober, 44V: Uhr,«rcnlatbrmm Gcrichtstrake. Danner mitbringen, freitag, 25. Oktober, 20 Ubr, Mitgliederversammlung 1 de» 1. LeUrks im Gcwertschattsbaus, Ohne Mitgliedsbuch und unterschriebenen Revers kein Zutritt, fahrten am Sonntag,-dein 27. Oktober: 4. Abt. 43 Ubr Vapcnbcrge. Start: Blllowstr. 55. � 2. Abt.: 8 Uhr Votsdam-Nedlitt-Rümer. schanze. 45 Uhr-Iichelswerder. Alter freund. Start: Liobenstaufenplatz. Nor- uialubr.— 5. Abt.: 40 Uhr Abfahren verbunden mit Echnifteljagd. Start: Landsberger Vlaü.—». Abt.: 42 Uhr. Ziel am Start Stolvischc Str. 30.— ». Abt.: 43 Ubr Ahrensfelde. Start: Triftstr. 03.— 4«. Abt.: 43 Uhr. Start: Brter-.burqer Str. 5.— 2. Bezirk: Echniticliagd. Pflichttour nach chi-o,,. Gielde». Alle anderen fabrien fallen aus. Start: 8 Uhr an den bekannten Stelle». — Motpefabrer. Abt.«rcuzberq. 41 Uhr Birkcnwcrdcr, Java». Stark: Baltc». »last— Abt. friedrichahain: 8 Uhr Titfenfee. Start: Landsberger Plast.— Motoefahreeabteilungen de» 2. Bezirk«: Bezirksschnisteliaqd nach«rost-Zietb--». Pslichttour. All« anderen fahrten falle» aus. Start:» Uhr an de» �°�frei«' Schwimmer chh-rlottenburg. Die für Dienstag, 2g. Oktober, festgeiesttc Sün-immwartejistung und Meldeeröffnung findet nicht an diesem Tage, sondern Mittwoch, 50. Oktober, statt. Badcobendc: Montags lst-2v Uhr, Donners. tags 20-ch4 Uhr Badeanstalt krumme Str. 40. freie Turnerschaft»«H-Beelin, Bezirk Pankow. Die für Donnerslag. 24 Oktober, ongefestte fmiktionilriistu»« findet wegen der Wahlversammlung der Partei nicht statt. Sonntag. 27. Oklabcr. findet von dem Bezirk Pankow der fTDB. eine fnchaiagd statt. Treffpunkte: Manner T/t Uhr, fronen 8 Uhr Panlow-Rorddahn. Nachzügler 1 Uhr im Kleine» Seepavillo» Tegel. Eine Stunde frohst»n. Arbeiter Sportlerinnen treiben gymnastischen Ulk während einer Spielpause � töefchäft#'Jttseigsr � föezirtz Jlorden-Csten. Malerbütte Berlin e.m.b.H. VORMALS MALEREIGENOSSENSCHAFT GEGRÜNDET 1812 N018, LANDSBERGER ALLEESS-SS FERNSPR. 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