Morgenausgabe Rr. 501 A 252 46.I Berliner Vottsblatt Frettag 25. Okiober 1929 Groß-Äerlin tO Pf. Auswärts 15 pf. SU• t n 1 1• 1 1 1 o• oionparctflcarfto §0 Pfennig. Reklame�eile 5— Reich»- narf.„Kleine Anzeige»' da« tettge» druckt» Wort 25 Pfennig(zu.'Sssig zwei settgedNIckl» Worte), jede? weitere Wort \2 Pfennig. Stellengesuch« da« erst» Wort tS Pfennig, jede« wettere Dort 10 Pfennig. Worte ude» iS Buchstaben zählen für zwei Worte Ardeitsmorlk» Seile 60 Pfennig. Fomilienanzeigen Zeil« 40 Pfennig. Anzeigenannahme im5)aupt- «eschäft öindenslrofje 3. wachentäglich von 6'., bi» l« Uhr. Sentvalossan der GozialbemoSeatilOen Vartei DeMchiands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292— 297. Tclegramm-Zlbr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 87 öZv.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, slngestellten «nd Beamten, Wallstr.kö. Dilkmilo-Gesellschass, Deposifenkasse Lindenstr 8. Erklämng Hindenburgs. Oer Reichspräsident beharrt bei seinen Erklärungen. Tas Wolffbureau teilt mit: I» einer Unterhaltung, die der Reichspräsident am Donnerstag mit dem deutsch nationalen Reichstagsabgeordne» te» Schmidt-Hannover hatte, erklärte der Herr Rcichspräfident auf eine Anfrage: „Er stehe nach wie vor dem Volksbegehren als solchem in voller Neutralität und Uupartei- lichkeit gegenüber. An dieser seiner grundsätzlichen Haltung, wie er sie in seinem Schreiben an den Reichs- kqnzler vom IS. d. M. dargelegt habe, ändere auch die Aeusterung nichts, die er in seiner Besprechung mit dem Reichskanzler am 18. d. M. getan habe." * Tie Erklärung vom 18. Oktober lautet: Im Laufe des heutigen Vortrags des Reichskanzlers nahm der Herr Rcichspräfident Gelegenheit, de« 8 4 d e s Volksbegehrens, der Reichskanzler und Reichs- minister, die den Yonng-Pla» oder ähnliche Verträge abschließen, unter die Anklage des Landesverrats stellt, als einen unsachlichen und p e r s ö«- licheu politischen Angriff zu bezeichnen, de« er bedauere und verurteile. Der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Schmidt- Hannover läßt zu dieser Erklärung durch die Telegraphen- Uftiori.„Bemerkungen" verbreiten, in denen er die'Worte des Reichspräsidenten zu interpretieren versucht. Diese Bemer- kungen lauten: .Li« Stellungnahme des lzerrn Reichspräsidenten vom 18. dieses Monats entsprang lediglich ritterlichen Motiven. Die Behauptung der Linkspresse, daß der Herr Reichspräsident gegen das Volksbegehren sei, widerspricht also den Tatsachen. Jedes Hereinziehen seiner Person in den Kampf gegen das Volksbegehren ist ein Verstoß gegen seine ausdrückliche Willens- Meinung. Aus der Erklärung ergibt sich auch die Bestätigung unserer Ausfassung, daß der Herr Reichspräsident den reibungslosen Kgmpf der Abstimmung unter Wahrung aller verfassungsmäßigen Rechte gewährleistet sehen möchte." Der krampfhafteste Jnterpretationsversuch kommt nicht um die Tatsache herum, daß sich Hindenburg„aus ritterlichen Motiven" gegen die schamlose und verleumderische Beschuldi- gung des Landesverrats gegen die Reichsminister gewandt hat, daß er sie und den berüchtigten§ 4 dieses Volksbegehrens bedauert und verurteilt. Dieser unberufene Interpret merkt nicht, wie er sich und seinen Freunden mit dieser Betonung der ritterlichen Motive ins Gesicht schlägt! Dieser berüchtigte Paragraph 4 mit seinen Anwürfen gegen die Reichsminister ist der Ausgangspunkt der Agitation gegen die Republik, er hat dem Hngenbergschen Volks- begehren das politische Gesicht eines Aufruhrs gegen die Staatsautorität gegeben, er ist der Kern dieses Begehrens und der Agitation— und dieser Kernpunkt hat den Reichs- Präsidenten veranlaßt, bei Wahrung seiner betonten und strengen neutralen Haltung gemäß seiner verfasiungsmäßigen Stellung aus ritterlichen Motiven seine Stimme dagegen zu erheben. Der letzte Satz der„Bemerkungen" des Herrn Schmidt enthält einen dreisten Versuch, den Reichspräsidenten gegen die Reichsregierung auszuspielen, und eine Insinuation gegen die Reichsregierung dazu. Herr Schmidt versucht, der Reichs- regierung zu unterstellen, daß sie den reibungslosen Verlauf der Eintragung störe und daß sie die verfassungsmäßigen Rechte nicht gewährleiste. Diese Unterstellung ist ebenso niederträchtig wie der§ 4 eamtenfrag«,' der Beamtengesetze mahnt! Der unberufene Interpret will einen Gegensatz zwischen der Reichsregierung und dem Reichspräsidenten konstruieren,.um den Reichspräsidenten in den Kampf um das Volksbegehren hineinzuziehen. Dieser Jnterpretationsversuch steht in einem lächerlichen Gegensatz zu dem ausdrücklichen Wunsche des Reichspräsi- deuten, er ist ein dreister und plumper Versuch, der zusam- menbrechenden Hugenberg-Front in letzter Stunde noch etwas Auftrieb zu geben. Und ein nutzloser Versuch obendrein! Dieser zum Scheitern verurteilten Aktion, deren Fiasko heute schon feststeht, hilft auch der frechste Jntcrpretationsschwindel nicht mehr auf die Beine! Sozialisten und Regierungsbildung Keine grundsätzliche Ablehnung.— Man wartet die Neschlüsse von Heinis ab. Varl«, 24. Oktober.(«igcnberlchL) Der Präsident der srauzösischcu Republik empfing am Donnerstag n. a. den Vorsitzenden der soziallstischen kaminersraktion. Leon Blum, zu einer längeren Unterredung über die Reu- bitdvng der Regierung. Blum hat dem Präsidenten der Republik im Verlans der Ve- sprechung zu verstehen gegeben, daß säe den Fall eines Auftrages zur Reubildung der Regierung an einen Sozialisten— in der Unterredung wurde der Zlame Paul Boncour genannt— die Sozialistische Partei ihre porteilagsbeschtüsse hinsichtlich der Ve- »eiligung au einer Regierung keineswegs mit Bestimmtheit wieder in negativem Sinne auslegen würde. Die Se- hanptung der bürgerlichen Presse, daß es sich Im verlaus der Unterredung nur um die Person Paul B o n c o u r s und nicht um die Beteiligung der SoziaNstischcn Partei an der Regierung gehandelt Hobe, ist falsch. Boncour hat am Donnerstag in einer Sitzung der sozialistischen Fraktion ausdrücklich erklärt. daß er sich unter keinen Umständen als„über den Parteien stehend" zur Kabinettsbildung bereit erklären würde. Politikern, die in diesem Sinne an ihn herangetreten seien, habe er ebenfalls erklär», daß er sür seine Person entschlossen sei. nur im engsten Einvernehmen mit der sozialistischenFrakkionzu handeln. Blum dürste den Präsidenten der Republik im gleichen Sinne unterrichtet haben. Dre Präsident der Republik wird in keiner Richtung irgendeine Entscheidung tressen, bevor nicht der radikale Kongreß, der am Donnerstag in Reims zusammentrat, zu einem entscheidenden Beschluß gekommen ist. Aber selbst sür den Fall einer Berufung Pont Boncours würde stch die sozialistische Fraktion endgültig erst entscheiden, wenn sür die künstige Außen-, Wehr, und Sozlalpolltit vou den als Koalitionspartner in Betracht kommenden Parteien b e- stimmte Garantien gegeben worden sind. Oer Parteitag der Radikalen. Paris, 24. Oktober. In R- i m» würbe heut« b«r Parteitag der Radikalen eröffnet. Der Vorsitzende, Abg. Daladier, erklärte in seiner Eröffnungs- red«, die Radikal« Partei wolle ihr Ideal des sozialen Fort- schritt», der Laien Politik und der internationalen Verständigung, das der Erfahrung und den Gesetzen der Vernunft entspreche, oerwirklichen. Die Radikale Partei, die 192, 33 Bezirksverbände zählte, habe nunmehr deren 87, aus dem Partei- tag in Reims seien nicht weniger als 1000 Ortsausschüsse vertreten. Di« Partei sei in letzter Jett besonders durch den Eintritt junger Kräfte verstärkt worden. Nach Beendigung seiner Rebe wählte der Kongreß ohne Wider- spruch den Abgeordneten Daladier wiederum zum Präsi- deuten der Partei auf zwei Jahre. Montag sozialistischer Nationalrat. Der Nationolrat der Sozialistischen Partei wird nach dem „Temps" erst am Montag, zusammentreten, um über die Frage der Beteiligung der Sozialisten an der Regimmg zu beraten. Oer Krach der Kieler Bank. Aerhafinng der Direktoren. Asel. 24. Oktober. wie die Zustizpresiestelle beim Oberlandesgericht kiel mitteilt, sind dle beiden Direktoren Glahn und Zacobsen der Kieler Bank. die. wie gemeldet heule Ihre Zahlungen eingestellt hat. heule abend aus Anordnung der Slaatsanwoltschast unter dcm dringenden verdacht der Bilanzverschleierung vorläufig fest. genommen morden. Von Amerika aus gesehen. Oer Sozialismus unserer Zeit im amerikanischen Urteil. Von Sstnrtott LtrSbvl. � Unter dem Titel„TKs So�iaUsm of our Times"(Der Sozialismus unserer Zeit) hat die„League for ludustrial Democracj" ein Sammelbuch veröffentlicht, das sich die Ausgabe gestellt hat, die Probleme des zeitgenössischen Sozia- lismus zu behandeln. Aber, so heißt es in der Einführung des von Harry W. Laidler und Normann Thomas heraus- gegebenen Sammelwerks, das Buch sei frei vom a m e r i- kanischen Gesichtspunkt aus geschrieben und be- dürfe deshalb des Denkens und der Erfahrung der anderen Länder. In dieser Begrenzung liegt zugleich ein Vorzug. Denn wir erhalten in diesem Buch ein Bild des amerikanischen Lebens und den geistigen Reflex, der sich davon im Gehirn und im Gefühlsleben der repräsentativsten amerikanischen Sozialisten spiegelt. Die Sozialisten, die in dem Buche zum Wort kommen, ehören den verschiedensten Richtungen an. Wir begegnen ort Männern, die G o m p e r s für den klügsten„sozialisti- scheu" Taktiker halten und seine gewerkschaftliche und politische Taktik für die den amerikanischen Bedingungen angemessenste und darum rationellst« Form des„proletarischen Klassen- kampfes", und anderen, die stark mit kommunistischen Auffassungen sympathisieren. Die große Mehrheit der an der Diskussion Beteiligten steht Zwischen diesen Extremen und setzt sich aus Gewerksäzastlern und Sozialisten zusammen, deren Äuffasinngen sich im wesentlichen mit denen des euro- päischen Sozialismus decken. Darunter befinden sich auch Persönlichkeiten, die durch ihre Schriften auch dem deutschen Sozialismus näher bekannt geworden sind, wie H i l l q u i t und B o u d i n. Von europäischen Sozialisten sind nur zwei an der Aussprache beteiligt: K a u t s k y und d c M a tu Das Buch zerfällt in vier Hauptabsckmitte:„Was die Sozialisten wollen",„Der Sozialismus im Licht der amerika- nifchen und russischen Entwicklung",„Taktik und nächste tochritte" und„.Sozialistische Theorie". In dem der Theorie gewidmeten Abschnitt, der die gute Hälfte der 375 Seiten des Buches einnimmt, werden hauptsächlich die materialistische Geschichtsauffassung, die Krisentheorie und die Marrsche Werttheorie behandelt. Die Beitröge des Buches bestehen in der Hauptsache aus Vorträgen und schriftlich erstatteten Referaten, die im Juni 1928 in Eamp Taminent auf einer der periodischen Aus- sprachen der Liga für industrielle Demokratie gehalten worden sind. Auch aus der Diskussion wurde der wesentlichste In- halt wiedergegeben. Es kam so ein ungemein lebhaftes und fesselndes Werk zustande, das gerade auch den europäischen Sozialisten interesiieren muß. Was es besonders auszeichnet, ist der Mangel an Pedanterie und zünftlerischer Ausdrucks- weife auch bei der Behandlung schwieriger Themen. Und das verdient ein besonderes Lob. Denn ökonomische und geschicht- liche Probleme lasten sich bei aller Gründlichkeit auch in ge- meinverständlicher und anregender Form behandeln, wenn sie nur derjenige, der über sie schreibt oder spricht, selbst gründ- lich beherrscht. Nicht so erfreulich ist das, was mir über den amerikani- scheu Sozialismus selbst erfahren. So wurde es als paradox bezeichnet, daß zur gleichen Zeit, wo der Sozialismus als geistige Kraft und als sozialer Faktor in der ganzen übrigen Welt einen Aufstieg nahm, die sozialistische Orqani- sation der Vereinigten Staaten an Boden verlor. Die Mitgliedschaft der Sozialist Party, die vor dem Krieg die 106 006 überschritt, ist wesentlich gesunken. Sie war immer stark fluktuierend, aber der Zugang überstieg doch ehemals den Abgang. Seit Jahren ist es umgekehrt, und namentlich ist es betrübend, daß in der letzten Dekade das jüngere Element noch mehr zurückgetreten ist. Das Treiben der Kommunisten, die sich auch drüben in Pfeudo- Radikalismus überschlagen und der politischen und gewerk- schaftlichen Bewegung genau so übel mitspielen, wie in Europa, hat zu diesem Rückgang sein Teil beigetragen. Auf der anderen Seite hat das Fehlen einer klaren Abgrenzungs- linie zwischen Sozialismus und bürgerlichen Parteien die po- litische Verwirrung begünstigt. Wie man sich im proletarischen Lager 1924 sür La Folette einsetzte, so 1828 für Al Smith. Laß unter solchen Umständen der Sozialismus keine Partei- bildende Kraft gewinnen konnte, ist nur zu erklärlich. Dabei hat der Sozialismus beachtenswerte Einzelerfolge oufzu- weisen, beispielsweise in Milwaukee, das unter sozialistischer Verwaltung„in 18 Iahren aus einer der schlechtest verwalte- tcn Städte der Vereinigten Staaten zu einer der bestverwal- teten geworden ist." An Erklärungen für die Stagnation des Sozialismus in den Vereinigten Staaten fehlt es nicht. Sie sind technisch das industriell entwickeltste Land und sollten deshalb, so könnte man glauben, die fortgeschrittenste und bestorganisierte Ar- beiterbewegung haben. Aber die Arbeiterschaft zerfällt ja selbst, ganz anders, als in England oder Deutschland, in die verschiedenartigsten Elemente. Da stehen den Amerikanern von Geburt die Zugewanderten gegenüber, dem sozial höher stehenden Teil der Arbeiter die Eingewanderten. MM aus den italienischen Thronfolger. Am Tage der Verlobung in Brüssel.— Prinz unverlehi.— Täter verhastei. Brüssel, 24. Oktober. Auf btn Kronpriuze« von Italien wurde heute vormittag, als er am Grabe des Unbekanuteu Soldaten erschien, ein Revolverschuß abgegeben. Der Prinz blieb unverletzt. Der Tater wurde v e r» haftet. Der Prinz war in Brüssel zwei Tage zuvor eingetroffen, um sich mit der Prinzessin Marie-Ios6 zu verloben. Di« Verlobung war am Vormittag im Amtsblatt offiziell bekanntgegeben worden. Wie der Anschlag geschah. Brüssel. 24 Oktober. lieber das Attentat auf den italienischen Kronprinzen werden folgende Einzelheiten berichtet: Zn dem Augenblick, als der Prinz am Songrehplah sein Auto verlieh, lief ein mit einem Revolver be. waffneter Unbekannter aus der Menge auf ihn zu. Ein Polizist stürzte sich auf den Angreifer und schlug ihm in dem Augenblick aus die Hand, als er einen Schuh abgab. Die Kugel schlug aus das Pflaster ans ohne jemand zu verletzen. Der Täter wurde sofort verhastet und trotz seines Widerstandes auf das benachbarte Polizei- revier gebracht. Das Pubfikum bekundete nach einem Augenblick der Verblüffung feine Empörung und bereitete sodann dem Prinzen Humbert eine begeisterte Ovation. Dieser halte sich inzwischen mit grosser Ruhe an dos Grab de. Unbekannt ca Solda- len begeben, um einen Lorbeerkranz niederzulegen. Der Töter ist Im Zahre tS08 in Mailand geboren and heißt Fernando de Rosa. Bei seiner polizeilichen Vernehmung erklärte er, er sei Student und heule mit dem Rachlzug aus Paris in Brüssel angekommen. Er habe beabsichtigt. als Protest einen Schuh in die Luft abzugeben. Er wurde sofort dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Der König von Belgien hat sich, sobald er von dem Attentat Kenntnis erhielt. In die italienische Botschaft begeben, in der der Prinz wohnt. * Der Kronprinz Umberto trägt den Namen seines Großvaters, der im Jahre 1900 von einem italienischen Anarchisten ermordet wurde. Wir stehen nicht auf dem ge» mütvollen Standpunkt, der nach dem mißglückten Anschlag eines Maurergehilfen auf das Leben des jetzigen Königs Victor-Emanuel III. im Jahre 1911 öffentlich verkündet wurde, daß„Attentate die berufliche Gefahr der Monarchen sind, ebenso wie das Abstürzen vom Gerüst die berufliche Gefahr der Maurer ist". Dieser kaltschnäuzige Ausspruch fiel damals aus dem Munde Benito Musso- l i n i s, der als extrem-reoolutionärer Sozialist den Aus- schluß zweier namhafter aber gemäßigter Führer der Partei, Biffolati und Bonomi beantragte und durchsetzte, weil sie dem König zu der glücklichen Ueberwindung des lebensgefährlichen Anschlages gratuliert hatten! In diesem Fall ist der Revolverschuß auf den italienischen Thronfolger um so sinnloser und bedauerlicher, als er diesem höchst bedeutungslosen jungen Mann zu einer unverdienten Popularität verhelfen wird. Diese Volkstümlichkeit wird in weiten Schichten des italienischen Volkes durch sentimentale Gesichtspunkte noch gesteigert werden, weil das Attentat am Tage seiner Verlobung mit der Tochter des belgischen Königspaares erfolgt ist. Das faschistische Regime, mit dem der Kronprinz auf viel besserem Fuße steht als sein sozusagen regierender Vater, wird natürlich den ausschließ- lichen Nutzen aus diesem individuellen Terrorakt ziehen. Darüber hinaus steht zu befürchten, daß Mussolini diese Tat seines allzu gelehrigen Schülers mißbrauchen wird, um eine neue Welle der Verfolgung Unschuldiger aus» zulösen. So läßt sich unter jedem Gesichtspunkt die Handlung des Studenten de Rosa nur verurteilen, es sei denn. daß man sich auf den brutalen Standpunkt des Mussolini von ehedem stellt. Für die belgische Königsfamilie bedeutet freilich dieses Attentat am Verlobungstag, obwohl es glimpflich verlaufen ist— der Täter selbst behauptet allerdings nachträglich, er habe nur eine unblutige„Protestdemonstration" beab- sichtigt—, ein unheimliches Warnungszeichen. War das Leben italienischer Könige in dem klassischen Lande des Anarchismus sowieso immer gefährdet, so dürfte an» gesichts des s ch r a n ke n l o s e n Terrors, der in Italien seit sieben Iahren herrscht, diese Gefahr«her größer als ge- ringer geworden sein. Oer Täter ein Sozialist? Brüssel. 24. Oktober.(Eigenbericht.) Der in Brüssel im Zusammenhang mit dem Attentat q u f den italienischen Kronprinzen verhaftete Student heisst d e R o s a und ist ein junger Sozialist, der vor ungefähr 15 Monaten Italien verlassen hat. Er wurde vor zwei Iahren in Turin unter dem Verdacht, mit den italienischen sozialistischen Emigranten in Paris in Verbindung zu stehen, verhaftet, aber wegen Mangel an Beweisen wieder freigelassen. Kurze Zeit darauf gelang es ihm, über die Alpen nach Frankreich Kr entfliehen. In Paris studierte er an der Rechtsfakultät der Univer» sität. De Rosa ist M i t a r b« i t e r d e s„A o a n t i*. das Wochenorgan der Italienischen Sozialisten in Paris. Er reiste nach Brüssel. olme einen einzigen seiner Freunde von seiner Absicht zu vee» ständigen. In der Brüsseler reaktionären Press« hat infolge d« miß- lungenen Attentats eine wüste Hetze gegen die italieni» schen Emigranten eingesetzt, deren Ausweisung ver» langt wird. Demgegenüber unterstreicht der sozialistische„Peuple" unter Mißbilligung des Attentats, daß die in Belgien ansässigen Italiener nichts mit dem Attentat gemein haben und nicht für die Tat eines einzelnen zu diesem Zweck eigens aus dem Auslande gekommenen Italieners büßen dürfen. Die ausländerfeindliche Bewegung wird übrigens noch dadurch geschürt, daß am Donnerstag ein Löjähriger russischer Student der Universität L ü t t i ch namens Rikola Gorin den Pr»- fessor der Naturwissenschaft Bertrand durch einen Revolver» schuh tötet«, weil er ihn beim Examen hat durchfallen lassen,•" Die e'me niedriger« Leben shastung besäße«. Dazu komme« dt« Unterschiede zwischen den Eingewanderten selbst, ob sie aus West- oder Osteuropa stammten, aus germanischen, romanischen oder slawischen Ländern. Ueberall Grenzen, die durch die Sprache, den Lebensstandard, die Kulturhöhe, die Lebens- gewohnheiten oder auch nur durch nationale Vorurteile ge- zogen sind. Dazu treten noch die Rassenvorurteile, die den schwarzen, farbigen Arbeiter nicht als Ebenbürtigen anerkennen wollen. Zu alledem kam und kommt, daß in Amerika die Kluft zwischen den gelernten und ungelernten Arbeitern tiefer war, als in Europa, und nicht durch die sozio- iistische Idee einer einheitlichen, allumfassenden Klassenbewe- gung des Proletariats überspannt wurde. So wurden die Gewerkschaften oftmals zünstlerisch und exklusiv und züchteten einen Gruppenegoismus, der ein Hindernis mehr war für die proletarische Einheitsbewegung. Der Verschmelzungs- und Vereinheitlichungsprozeß des amerikanischen Proletariats wurde noch oerzögert durch die nun schon lange andauernde Prosperitätsperiode, die in den Vereinigten Staaten dem Kriege gefolgt ist. Im Jahre 1927 behandelte die for Industrial Dernoeraev" gerade dies Thema der Prosperität. Man setzte ein Fragezeichen hinter die von der Bourgeoisie gepriesene „Prosperity". Denn zahlreiche Arbeiterschichten und auch die Farmer hatten damals durchaus keinen Anteil an der be- haupteten Wirtschaftsblute, die nur einzelnen, allerdings wichtigen Industrie- und Handelszweigen der Finanz zugute kam. Trotzdem: in dem jetzt erschienenen Buch der Liga wird die amerikanisch« Prosperität im ganzen als unbestreitbare Tstsache behandelt. Der amerikanische Wirtschaftsaufschwung existiere wirklich, die Löhne seien faktisch gestiegen, sogar als Reallöhne. Und wenn auch die Totallohnsumme gegenüber dem Werte der Nationalproduttion nachweislich nicht größer geworden sei, so ändere das nichts an dem Faktum der höheren Löhne, der verbesserten Lebenshaltung, des ge- wachsenen Komforts der amerikanischen Arbeiterschaft. So- lange die Arbeiterschaft, wenigstens ihr intelligentester, tat- kräftigster Teil, allem Anschein nach die Aussicht habe, auch innerhalb des kapitalistischen Systems seine Klassenlag« zu »erbessern, vielleicht sogar aus der Arbeiterklasse in die Be- sitzerschicht emporzusteigen, sei sie für eine sozialistische Klassen- Politik nur schwer zu gewinnen. Trotzdem ist der amerikanische Sozialismus durchaus nicht entmutigt. Alle Stimmen unseres Buches be- weifen das. Und nicht nur deshalb, weil, wie Hillquit und andere hervorhöbe«, die amerikanische Prosperität vielleicht nur ebenso eine vorübergehende Kriegsfolgeerscheinung ist, wie umgekehrt die Wirtschaftskrisen Eurooas durch den Krieg verschuldet sind. Denn man ist sich darüber durchaus nicht «■nig. ob der moderne Kapitalismus an jenen inneren Widersprüchen zugrunde gehen muß. die seinerzeit Marx für den Kapitalismus einer weit unentwickelteren Form oufgedeckt hat. viele amerikanische Sozialisten trauen dem Kapitalismus von heute und morgen eine solche Anvassungs- fähigkeit zu, daß er möglicherweise auf absehbare Zeit schwere Wirtschaftserschütterungen vermeiden, ja, den proletarischen Massen einen weiteren Ausstieg ermöglichen werde. Aber, ob- wohl man jede Zusammenbruchstheorie ablehnt, setzt man nleichwohl in die wachsende Klasseneinsicht der amerikanischen Arbeiter volles Vertrauen. Denn das kapitalistische Wirtschaftssystem enthalte andererseits soviel Schwächen, Widersprüche, Hemmungen »nd Ungerechtigkeiten, daß der Sozialismus imstande sein müsse, nicht nur in der Kritik, sondern auch in der Praxis seine lleberlegenheit zu beweisen. Schon werde die Schaffung einer sozialen Gesetzgebung, einer gesetzlichen Kranken-, Alters- und Hinterbliebenenoer- ficherunss unter den Massen als immer dringlicher empfunden. nicht mmder die einer staatlichen Arbeitslosen- Versicherung. Das gleiche sei der Fall mit der Per- staatlichung und Munizipalisierung.der Eisenbahnen, der Straßenbahnen, der Kraftversoraung »nd anderer Betriebe. Der Sozialismus müsse und könne bier Schritt für Schritt dem privatwirtschaftlichen System Boden abgewinnen und den Massen selbst die Richtigkeit und Notwendigkeit der Gemeinwirtschaft beweisen. Die mit soli- barischerem Klassengeist zu erfüllenden Gewerkschaften, die Genossenschaften und eine starke e i n h e i t- liche sozialistische Partei müßten das Rückgrat dieser sozialistischen Betätigung werden. Um aber all diese Aufgaben erfüllen zu können, fordert man schärfste Einstellung der sozialistischen Bewegung auf die Probleme der G e g e n w a r t. Nicht daß man die Theorie mißachte und einer flachen Gelegenheitspolitik das Wort rede: im Gegenteil, man weiß und betont, daß ein erfolgreicher Sozialismus von einer großen Idee beflügelt sein muß. Aber man fordert das Studium des heutigen Kapitalis- mus. lebendigen Marxismus statt des Streits um marxistische Formeln, die vor 60 Iahren gefunden wurden. Mit einem solchen Arbeitsprogramm scheint uns der amerika- nische Sozialismus in der Tat auf dem rechten Wege zu sein, um in absehbarer Zeit wirklich«in« stark«, gesunde sozialisti- sche Bewegung zu schassen. Bülow im Gierben. Bewußtlos durch Gehirnschlag. Rom, 24. Oktober. In dem Befinden des früheren Reichskanzlers Fürsten B ü I v rn ist am Donnerstag«tue Verschlechterung einge- treten, die zu ernsten Befürchtungen Anlaß gibt. Bon den behan- d«Inden Aerzten, den Professoren Nazzari und Machiofav!, wird mit- geteilt, daß sich am Donnerstag«ine Herzlähmung mit hef- tigen Atembeschwerden eingestellt Hobe, ym Laufe des Nachmittags hat Fürst Bülow das Bewußtsein verloren und bs? zum Abend nicht wiedererlangt. In der DUla Malta wird nicht mehr mit dem Aufkommen de» Patienten gerech- nrt. Entgegen den bestimmten Abl«ugnungen, die in den letzten Tagen au» der Umgebung des Fürsten der Presse mitgeteilt wurden, liegt nunmehr ein vom Professor Nazzari gezeichneter Bericht vor, «ach dem Fürst Bülow bereits am 15. dieses Monats einen G e- Hirnschlag mit Lähmung der rechten Seite erlitten hat. ?om. 24. Oktober. Fürst Bülow wurde von einem neuen Schlagansall ge- l rossey. der eine Lähmung verschiedener innerer Organe verursachte. Ma, befürchtet, der kranke werde die Rächt nicht überleben. Elemeareau» Kräfte lassen nach. Die Aerzte haben es für not- «endig erachtet, Elemenceau, der eine schlechte Nacht »erbracht hat,«ine Kampfer et nspritzung zu machen. Elemenceau hat zwar sein« Post durchsehen können, jedoch hat er an, Anraten der Aerzte davon abgesehen, heute zu arbeiten. Oer Hakenkreuz-Vegierungsrai. Vom Amt suspendiert. Reichsfinanzminlster Dr. Hilferdlng hat den national- sozialistischen Regierungsral Dr. F a b r i c i u» vom Landes- finanzamt Berlin mit sofortiger Wirkung vom Amt« suspendiert. « Gegen Fabricius war bereits wegen hämischer Angrisse in völkischen Zeitungen auf die Republik das Disziplinarver- fahren eingeleitet und seine sofortig« Strafversetzung an- geordnet worden. Das aber hat diesen Herrn nicht abgehalten, ssch weiterhin in der gehässigsten Weise zu betätigen. Auf Anordnung der Reichsregierung ist am 22. Oktober«in Teil des Aufrufes des Reichsausschusses der Deutschen Dolkspartei vom 50. September 1929 als„S t r e s e m a n n s Vermächtnis" in den Dienst- gebäudcn angeschlagen worden. Das geschah, weil ssch dieser Teil des Aufrufes gegen das Dolksbegehren des Reichsausschusses richtete. Herr Dr. Fabricius hat diesen Anschlag eigenmächtig abgerissen und der Aufforderung des Präsidenten des Landesfinanzamtes, das Plakat wieder anzubringen, zunächst keine Folge gAeistet. Er hat sich außerdem über die Zu- mutung, das Plakat eigenhändig wieder anzubringen, beim Präsidenten des Landesfinanzamtes beschwert. Das hat diesen tapferen Herrn schließlich doch nicht gehindert,— als ihm das Un- zulässige seiner Handlungsweise klargemacht wurde und er fürchtete, zur Rechenschaft gezogen zu werden,— das Plakat später selbst wieder«inzubringen. Seinen Driefwechsel mit seinem vorgesetzten Präsidenten über den Dorfall, der in fveckxem Tone abgefaßt ist und die deutliche Absicht verrät, sein bisheriges Toeiben fortzusetzen, hat dem Reichs- sinanzminister Veranlassung gegeben. Dr. Fabricius sofort seines Amtes zu entheben. Es kam hinzu, daß Fabricius diesen Briefwechsel unter den höheren Beamten seine» Amtes hat zirkulieren lassen. Wir begrüßen den Entschluß des Reichssinanzminister». Ein Beamter, der von der Flagge de? Republik nicht ander» als von schwarzrotgelb spricht, der die verantworttichen Träger der Re- gienmgsgewoll in der hämischsten Weise beschimpft, kann im Dienst der Republik nicht geduldet werden. Das Gat aber auch die Schüler sc» scharf gerügt, daß ein sozialdemokratischer Stadtrat ihm sagte, s o ausfallend hätte er gsgsn die Schüler nicht werden sollen.(Hört, hört! recht?.) In anderen Schulen soll ebenso mit den Schleifen verfahren worden sein wie in Goslar. Warium ist der Minister in diesen Fällen nicht ebenso vorgegangen? Es ist besonders zu verurteilen, daß der Minister mtt den Schülern auch die Eltern straft. Wir ersuchen den Minister dringend, seine Maßnahm« zurückzuziehen. Kultusminister Dr. Becker: Di« tief bedauerlichen Vorgänge in Goslar haben di« deutsche Oefsenllichkeit ungemein erregt. Di« groß« versassuirgstreu« Mehr- Heft des Volkes hat sich mit Recht gefragt, wi« es noch zehn Jahren Republik hat möglich fein können, daß di« verfassungsmäßigen Symbole des Reiches von der gebildeten Jugend einer Stadt am Geburtsfeft unseres Staate« in aller O«ff«ntlichkeit be- schimpft werden konnten. Wo Vorgänge wie in Goslar möglich sind, haben dl« zur stoalrbüroeilichen Erziehung berufenen Slellen eben einfach versagt. Von dieser Feststellung kann keine Dialektik und kerne Robulistik etwas wcgdiskutieren. Di« Republik hätte sich einfach selber auf- gegeben, wäre mit Recht dem Spott d«r Republik- gegner ausgesetzt gewesen, wenn solch« beispiellose» Vorgänge nicht mit energischen Maßnahmen geahndet worden wären.' lind nun setzte die Erregung aus der anderen Seit« ei». Di« Vorgänge wurden weiter bagatellisiert, man sagte, es werde mit Kanonen nach Spatzen geschossen. Ich überschätze di« Ereignisse nicht, ich nehme sie aber ernst. Ich weiß, daß die über- wiegende Mehrheit unserer höheren Schulen nicht reaktionär ist. Schön die loyale Haltung des Philologen verbände? beweist das. In kleineren Städten vor allem liegen di« Verhältnisse allerdings häufig noch anders: dort ist der gesellschaftlich« Boykott gegen republikanische Lehrer noch«in beliebtes Kampfmittel. Durch diese republikanischen Kreise ging ein Zlusaimcn, als im Falle Goslar so energisch durchgegriffen wurde. Die Regierung wird im Wiederholungz- fall« in gleicher Weise von ihren Machtmitteln Gebrauch machen. Das mögen sich alle Beteiligten gesagt sein lassen. Die Regierung hat nichts zu verheimlichen und nichts. zu beschönigen. Nach diesen grundsätzlichen Bemerkungen verliest der Minister den bekannten Erlaß ocmr 13. September, der den betroffenen Goslorer Schulen das Recht zur eigenen Abnahme der Rette- Prüfung bis auf weiteres cntzieht und gibt dann eine ergänzende Darstellung zu den Tatbeständen. Er schildert noch eiranol die bekannten Vorfälle, das Abreißen, mit den Füßen- treten und Beschimpfen der Reichsfarben, geht dann zu den Schulstrasen über, die über die beteiligten Schüler verhängt wurden und begründet dann dos weitere Boraehen des Ministeriums, das zu dem erwähnten Erlaß geführt hat. Der Minister ließ den«achverl>at an Ort und Stell« durch zwei Kommissare in allen Einzelheiten unter pädagogischen Gesichts- puntten untersuchen. Das Ergebnis war die Beuneilnng des Falles als eines schweren pädagogischen Dersagens der Schule. Der Minister gibt zur Kennzeichnung des Goslarer Milieus einige Beispiel« inieressanter Schülerousscigen. Ein Oberprimaner sagte, er könne e» mit seiner Ucberzeugung nicht vereinbaren, mit einem derartig geschmückten Kranz durch die Stadt zu gehen. Ein Unterprimaner gibt zu, daß er auf dem voden liegende Schleifen zur Seile gestoßen und dabei da? Bewußtsein gehabt habe, dadurch die staatlichen Aarbeu zu ocrunglimpsen. E>n Obersekundanec. Die Verbindung der Kränze mit der schwarzrotgoldenen Schleisc faßten wir al» eine Herausforderung aus. Die Slaotssorm achten zu müssen erschien mir als Angehörigem einer höheren Schule nicht notwendig. Ein anderer Obsrsekundaner: Ich habe die Farben Schwor, ro». pc-ld an sich(ästhetisch) wie auch als Ausdruck einer politischen lleberzeugung nicht gern. Ein Unterprimaner: Nicht di« Reich». snrben zu beschimpfen beabsichtigten wir. da wir zugleich in ihr eine Vortelfahne sahen. Ein Obertertianer: Zch kann die schwarzrotgoldene Fahne nicht anerkennen, weil ich im Zung- st a h l h c l m bin. Ich sehe in Ihr die Farben des Reichsbanners. Ein Unlerlerkianer: Die schwarzrotgoldene Fahne ist doch auch Varteisohoe. Ein Quintaner:?ch mag die Farben nicht leiden, meine Eltern sind auch schwor zw eißrot. Bezeichnend ist. daß eine ganze Reihe von Schülern wid Schülerinnen aussagen, sie hätten zwar von sich aus nicht ent- fernen wollen, hätten sich aber dem allgemeinen Zwang nicht entziehen können und dem Vorwurf der Feigheit nicht aussetzen wollen. Da haben eben die Lehrer versagt. Ich kann nicht gegen jeden Lehrer, sagt der Minister, einen Schul- rot stellen: ich will auch von Zuträgereien und Bespitzelungen nichts wissen, aber dann muß ich in der Beurteilung der Lehrer mich an die Resultate halleir Wenn Oberprimaner schwarzrotgold nur als Reichxbannrrsarben kennen, dann hat die Schule nicht Ihre Schuldigkeil getan. Der Minister wird wiederholt durch laute Zurui« von rechts unterbrochen. Als er sagte, die Goslarer Borgäng« hätten ihn aufs tiefste erschüttert, brachen Zlbgc ordnet« der Rechten in lautes Gelächter aus. Er wandte sich an den amtierenden Vizepräsidenten n. Krieg mit der Bitte, ihm Ruhe zu verschassen. Der Vizepräsident ersucht« die Abgeordneten wiederholt, die Plätze einzunehmen. Ms der Lärm rechts nicht nachließ, wurde von liirks gerufen:„Das ttt Koch, der»st wieder betrunken!' Aus den Rat eines sozialdemokratischen Abgeordneten verließ Minister Dr. Becker schließlich seinen Platz am Regierung»- tisch und stellte sich an das Rednerpult in der Mitte mtt den Worten:„Mir liegt daran, gut verstanden zu werden, denn(nach rechts) es handelt sich hier nicht um ein Karnevals- fest, sondern um eine ernste politische Anoelegenhett!* Der amtierende Präsident, so erklärt er kurz daraus, sagt mir eben, der Ausdruck„KarnevolMcst* entspreche nicht den Ge- wohnheiten dieses Hauses. Ich darf aber wohl liitten, daß ich Gelegenheit linde, in Ruhe zu sprechen. Nach diesen von der Linken mit Belfall aufgenommenen Bemerkungen kann der Minister ohne größere Störungen seine Rede beenden. Seine Zlusflhrunge» werden von den Reziertmynpartoien wft großem Beifall aufgenommen. Auf die deutfchnotionale Interpellation erwidert der Minister, die Preffenachrichten über feine Maßnahmen gegen Goslar treffen in dem von ihm geschilderten Umfange zu. Das Skaalsminiflerimn billige das Vorgehen des Suttusminiflers. Eine Schädigung der Stadt Gosfor fei bei der Sachlage leider «cht ganz zu oermeiden gewesen: ein Eingreifen in die Elternrechte habe nicht stattgefunden. Eine Kritik an der Lehrerschaft sei leider wnpermeidbor gewesen Zluf die Kleine Anfrage der Wirtsehasts- parte! antwortet der Kulwsustnister u. a., daß die Staatsregierung gern bereit fei, gemeinsam mit der Stadt Goslar zu erwägen, wie die eventuellen wirtschaftlichen SclMigungen auf ein Mindestmaß beschränkt werden könnten. Schließlich teilt er auf die Anfrage Kube (Nationalsozialist) mit, daß eine Hereinziehung von Parteifragen in die Goslarer Zwischenfälle nicht erfolgt sei. Auf Kubes Frage, ob ihm bekannt sei. daß die preußischen Farben schwarzweiß sind, stellt er die Gegenfrage, ob dem Abg. Kube bekannt wäre, daß die siieichsfarben schwarzrntgold sind.(Beifall bei den Regienings- Parteien.) Auf die Frage, wer veranlaßt habe, daß die Sportkränze mit den schwarzrotgoldenen Farben zu schmücken sind, erwidert der Minister dem Abg. Kube:„Es tut mir leid— das Stodtamt für Leibesübungen in Goslar!"(Heitertest und Icbljaftcr Beifall bei den Regierungsparteien). Abg. Dr. weifemonn(Dnat.) bezeichnet den Erlaß des Ministers als einen Verstoß gegen die Verfassung. Die Elternschaft hob« das Recht, die Kinder in dem„gut vaterländischen Geist" zu erziehen, der in Goslar herrsche. Das Goslarer Gymnasium sei im Vorjahre wegen seiner vorzüglichen pädagogischen Leistungen gelobt worden. Das Vorgehen des Ministers werde für die Stadt Goslar die Folge haben, daß die Gewerbesteuer um 100 Proz. erhöht werden muß. (Lochen links.) Mit dem vom Minister eingesetzten Prüfungsaus- fchuß werde man entweder Märtyrer schaffen oder Heuchler. Abg. Leinert(Goz.): Dos Lachen der Rechten bei der Bemerkung des Ministers, daß er über die Vorgänge in Goslar erschüttert gewesen sei. hat den rolligen Mangel an Staatsgesinnung der Reckten be- wiesen. Die eingebrachten Anträge, die ganze Angelegenheit Nock) einmal nochzurpüfen und den Erlaß zurückzuziehen, lehnen wir feldstnerstöndlich ab. Die Ansicht des Ministers, daß endlich einmal ein Txempel staliiiert werden müsse, war durchaus berechtigt, wir sind der Meinung, daß man schon viel früher hätte durchgreifen müssen. Ich erinnere nur an die Demonstration von 400 Schülern vor dem Lokal des sozialdemokratischen Blattes in Potsdam, das die Ber- fossungsfeier abfällig kritisiert halle und an die Kriegsspiele von Schülern in Rortchausen in Anwesenheit der Lehrer unter schwarz- weißroter Flagge.(Hört! hört! links.) Bei den Vorgängen in Goslar liegt die Verächtlichmachung der Republik in klar zu Vage, daß es nichts zu leugnen gibt. Wie kann man davon reden, daß die Schüler von den fchmarzrotgoldenen Schleifen überrascht worden sind! Das Goslarer Gymna- fium ist nichts anderes als ein nationalistisches Treibhaus.(Zurus des Abg. Adolph Hofimann: Schon mehr ein Mistbeet!) Welcher Geist in der Schule gepflegt wurde, beweist eine Eingabe der Vereinigung früherer Schiller des Gym- nasium?. die die Schuld an den Vorgängen auf die Ueberrafchung der ahnungslosen Schüler mit den schwarzrotgoldenen Schleifen schiebt und dafür das Stadtamt für Leibesübungen verantwortlich macht. Solche Ansichten frübcrer Schüler des Gymnasiums sind ein Beweis der Schuld des Lehrerkollegiums, das es u. a. auch geduldet hat, daß Turnspiele mit dem Stahlhelmabzeichen i__ i abgehaSe» mnibea. Das ist zwar von dem Direktor gerügt worden. dieser aber hat es Unterlast«, nachzuprüfen, ob feinen Anordnungen Folge geleistet wird. Ich kenne die wahr« Gesinnung des Direktors nicht, ober er hätte läng st abgesetzt werden müssen. Für den mohren Geist der Schule spricht die Tatsache, daß man zwar das Bild von Hindenburg aufhängen Ueß, aber in Gcneml» -ildmorschalluniform, neben Tirpitz. Vom Reichspräsidenten Ebert ist jedoch kein Bild zu finden!(Hört! hört!) Der Gefchichtslehrer ist sogar Vorsitzender de» Stahlhelms und des Sriegervereins. Dementsprechend sehen auch seine Aufsatzthemen aus. Der Minister sollte sich einmal diese Aufsätze koinmen lasten und durchsehen, er würde Wunder erleben. Die«schulbibliothek kennt kein moderne- Buch Es ist schließlich kein Wunder, wenn ein erheblicher Prozent- satz der Schüler nicht versetzt werden konnte, wenn die Lehrer mehr sür den Stahlhelm als für die Schule tätig s i n b. Hier zeigt sich klar, was von solchen Lehrern an den Schülern gesündigt worden ist. Der Fall Eoslar ist symptomatisch. Es wäre interessant, wenn uns der Minister einmal milleilen würde, wie es an anderen Schulen aussieht. Eine Zurücknahme des Erlasses kann nicht in Frage kommen. Die Versetzung solcher Lehrer kann nur heilsam wirken. Ich mache in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, daß auch der Oberstudiendirektor Czwalinna in Gumbiniien einen Aufruf für dos Volksbegehren unterzeichnet hat, ebertfo der Gymnasialturnlehrer P u k i e s, der zugleich Kreisführer des Stahlhelms ist.(Hört! hört! bei den Regierungsparteien!) Ich will nicht hoffen, daß der Minister schwach wird.(Der Minister schüttelt mll dem Kopf.) Er würde dann den stoatsseiad- lichen Tendenzen Vorschub leisten. Leider ist der größte Teil der Lehrer an den höheren Schulen noch schwarzweißrot. Aber die Langmut des Volkes ist zu Ende. Möge der Fall Goslar eine Warnungstafel sein: Lernet, ihr seid gewarnt!(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Grebe 95 Räucher waren Fettbücklinge 0.40 0.48 Kiefer Bücklinge I 0.50 Makrelen•.. riund 0.50 Flckndern■.. Pfund 0.52 Sprotten... Ptod 0 72 Spickaale. Pfm>d2.85-n Lachs i SiOck.,P(d. 1.45«n Bundaale billigst El- L KocUpfss! 3 pm. 0.25 Tafeläpfel pm- 0.12 0.18 Jägeräpfel.. Pf-°d 0.24 PitloreiblnN 2 Pf-.d 0.25 Graubirnen 2 Pfo«d 0.35 Tafelbirnen pXaa 0.20 Weintrauben 0.32 0.38 Bananen..- pm-m 0.45 Winterkartoffeln..... Zusendung la CiroB BerBn per Möhren r*wnschen. 0.05 Weißkohl noi«� Pfd. 0.05 Rotkohl HeM.. Ptd. 0.08 Wirsingkohl noi»«. 0.08 Blumenkohl xapt» 0.15»» Zwiebeln 3 P'-md 0.20 Sellerie... Pfand 0.22 Schwarzwurzeln 0.35 ..... Zentner tob 3.25■-> Zentner 0.40, Sackpfond 0.40 Käse u. Fette Ramadou..stock 0 24 Camembert»onfefi. Halbmond. Schachtel U.ckö tröffe Schachtel, n CQ S Portionen u.oo Emmsnthaler*ou- tett, Schacht. 6 Portion. U.75 Limburger 0.58 u. 1.10 HolländerPM 0.75■. uo Edamer«d. 0 78». 1.10 Tilsiter«m». Pfd. t. 0.95 Steinbuscher votuwf i.io Münster«olUetl. Pfand 1.15 Schweizer, d-a..?td. 0.95 wotlfett. Pfand von|,28 Margarine.. Pfund 0.50 Kokosfett 1 PId.-TatelO.50 Schweineschmalz 0.72 MolkereibutterPtund 1.82 Grasbutter..Pfand(.92 Tafelbutter... Pfd. 2.10 DBi). Butter billigst Konserven J/i Dose Br.- n. Schnittbohn. 0.57 Haushait-Gemüse 0.80 Leipziger Allerlei 0.90 Gem. Gemüse Min.. 1,50 Junge Erbsen... 0.70 Jg. Erbsen sehr fem>.45 Karotten eesoat»«, 0.42 Jg. Karotten uem« 0.30 ..... 0.55 ift Dose Bruchspargel«mrk 2.80 Stg.- Spargel atan- 2.85 Pssaumen...... 0.62 Saure Kirschen«.«�»1.45 Heidelbeeren.... 0.90 Aprikosen kallforn.|.60 Senfgurken..... 0.78 Oelsardines: 0.36 0.45 Spinat........ 0.55> Heringe urwit.urMutH 0.68 Konfitüre v. etmer Pflaumen 0.92 Orange 1.05 Aprlkos. 1.10 Kirsch 1.20 Erdbeer 1.40 Ananas 1.40 Dampfwurst. Pfund 0.95 Sülz- u.Rotwurst pm. 1.10 Wien. Würstchen pm. 1.20 Kausm.Leberwurst 1.25 Fleischwurst Pftmd 1.25 Mettwurst(ßr. ah). 1.45 Jagdwurst.. Pfand 1.45 Filet- u.Schinkenw. 1.65 Tee-u.Landmettw. 1.75 Feine Leberwurst- 1.80 Zervelat u. Salami 1.80 Speck fett 1,35 Blaser 1.65 Schinkenspeek pm 1.95 Kihldt. tenlliilr Ar. Dfrlbil; Land!eberwur8tPid.0.95 Knoblauchwurst pm. 1.15 Polnische WurstPM. 1.45 Bierwurst...Pfund 1.45 Konfitüren Olympia- Kakao pm- 0.90 Spitzkuchen. Pfund 1.30 Dominosteine Pfood 130 Relief-Schokolade Schmelz• cn i>fund>.SU V0II-| MA milch I vv Kaitee eigene Uös.erej Konsum-Misch. pf-t. 2.10 Haushalt-Misch-Pfd 2.60 Sonder-Misch.pfund3.00 Olympia Misch, pm- 3.40 Giobus-Misch. Pfund 3.80 Residenz-Misch.pfd 4.20 Tee Ceyion II- v. Pfund|.25 Indien..-. 4. Pfund 1.55 China p-und 1.70 Ceyion.- piu. d 1.85 Darieelinn•'«Pfund 2.00 Geflügel u. Wild Tauben............ sack von 0-68 as Suppenhühner umsc.. ptuod von 0.88*» Ganse.»».........PfmM von 0.98» Junge Brathühner..pmad ro. 1.10 an knien..............pmad wo« 1.23 an Rebhuhner torUndltch«... Stück rom 1.10 an Hirsch u. Wildschwein billigst Fische Dorsdt L.......... piunü 0.15 0.28 Bratsdsollcn....... rtund 0.15 0.30 Schellfisch....... pmnd 0.15 0.40 Goldbars ohne Kopf........ Plund 0.34 Kabeljau ohne Kopf, ganze Flache, Pfund 0.46 Zander gefroren........ Pfund von 0.58 an Grüne Heringe fet«, 3 pmad 0.55 0.75 Lebende Karpfen... pmnd von 1.15 an Lebende Schleie....pmndvoa 1.25 an Fischfilet billigst Wein vom Faß Ronetten-Apfelwein süddeutscher....... Uler 0,55 Johannisbeerwein stto. k.st»?........ uicr 0.80 Tarragona und Tafeirolwein....... uter 1.10 Muskateller und Wermut„Evisa"...uter 1.40 1928 Maikammerer»uter piaizwein.,...uter 1.15 Deutscher Weinbrand„3 Kronen"...uter 4.60 1928 Wöiisteiner mtid............... 0.83 1928 Gleiszefler Kirchberg«uter Ti»chv.ein..095 !928 Dittelsheimer Kloppberg-um ßheinhcas«|.|0 1922 Chat La Groiet Uebtchn Borceaux,... 1,45 1927 Mandeler Rosengarten<>->»- bmmtp... 1,45 1928 Edigerer Sonnenseit spritziger Moact.. 1.60 1927 Niorsteiner Damtal wurzig. kemt?.... 2 00 Preise für V» Fiasche*ohne Glas Neue Preisliste wird auf Wunsch zugesandt Jix. SOI* 46. Jahrgang *1. 39d((igc SJottDorf� Freitag, 25. Oktober 4929 Eisenbahnkatastrophe in Bayern. Bisher 4 Tote, 46 Schwer- und 66 Leichwerlehie. DU Eisenbahnkatastrophc. Wc sich bei Relchelsborf utrroeif Nürnberg— also wieder in Bayern— zugetragen hat, ist ein« der schwersten, die in den letzten Jahren zu verzeichnen ist. Leider ist sie schwerer, als die ersten Meldungen berichten tonnten. Die Zahl der T o t e n hat sich von drei aus vier, die der Schwerverletzten von 10 aus l6 erhöht. Außerdem haben Sb Personen leichte Verletzungen erlitten. Unter den Toten und Schwervertehten befindet sich kein Berliner. Unter den Leichtverletzten werden folgende Berliner und Potsdamer Namen genannt: Geheimer Justiz. rat S a l o m o n und Frau Margarete E r z e l l i h e r sBerlin). Sally Priwin sLichterfelde). Schilling und Ehefrau(Spandau), A l t e n h o r st(Treptow), Margarete Schramm(Tegel). Malter B i l» und Elsriede S ch o w a(Potsdam). Nach den bis- herigen Feststellungen ist da» Unglück durch die m i fz v e r st ö u d- liche Auslegung eines Befehl» entstanden. Für den aus der Richtung Nürnberg kommenden V-Zug war da» Einsahrtssignal zur Station Reichelsdors frei, während da» Aussahrtssignal sür den Münchener V-Zug noch gesperr» gewesen sein soll. An der Unglück». stelle werden seit längerer Zeit Gleisarbeiten ausgesührt, so daß der Betrieb an dieser Steve zurzeit eingleisig durchgeführt wird. Einer der beiden zufällig mitfahrenden Aerzle, Dr. Spahe-Erlangen, er- klärte, er habe den Eindruck gehabt, daß da, vahnpersonal noch der Katastrophe völlig den Kops verloren habe. Niemand Hab« gewußt, was zu tun sei. In höchster Erregung habe man da» Notwendigste zu tun vergessen. Erst das Zugreise« von geistesgegen- wärtigen Fahrgästen und Reichelsdorfer Eniwohnern habe die erste Hilfe ermöglicht. Taufende von Menschen drängen sich um die Unglücksstelle bei Reichelsdorf, die ungefähr 300 Meter vor der Station liegt. Dem Beschauer bietet sich ein Bild grauenhafterBerwüstung. Die beiden Lokomotiven sind ineinandergefahren. Die Gleise sind stark verbogen und in die Erde gedrückt. Der Tender der von München kommenden Lokomotive Hot das Dach des Post- Wagens weggerisien. Der Packwagen de» Münchener Zuge» ist völlig zertrümmert. Der hinter dem Packwagen des Nürnberger Zuges sich befindende Personenwagen zweiter Klasse wurde teilweise eingedrückt. Die folgenden Wagen sind weniger beschädigt. Es war ein großes Glück, daß die Züge nicht in voller Fahrt fuhren. Der Münchener Schnell- zug hotte in Schwabach Verspätung erlitten und fuhr bei dem Unglück in einer Schnelligkeit von nur etwa Iv-Stun- den»Kilometern. Der von Nürnberg kommende Zug fuhr schneller. Nach dem Zusammenstoß brach unter den Reisenden eine furchtbare Panik au». Alles suchte so schnell wie möglich ins Freie zu gelangen. An dem Rettungswert beteiligten sich zunächst die unverwundet ge- blieben en Mitreisenden und' die Reichelsdorfer Bevötkernng: die in Scharen an der Unglücksstelle eingetroffen war. Die erste ärztliche Hilfe wurde von zwei zufällig mitfahrenden Aerzten geleistet. In seinem völlig zertrümmerten Führerstand war der Lokomotivführer des Nürnberger Zuge», Beer, der schreckliche Verletzungen am Untertekb erlitten Hot, eingeklemmt. Die Rettungsmannschaften mußten den Unglücklichen mit Schneidebrennern aus seiner furcht- baren Lage befreien, doch hatte er so schwere Verletzungen erlitten, daß er wenige Minuten, bevor man ihn bergen konnte, verstarb: er ist da« vierte Todesopfer. Bereits um 11.10 Uhr konnte in Nürnberg der erste Hilfszug abgefertigt werden. Die freiwillige Sanitötswache in Nürnberg»nd die Ardeiterfamariter von Nürnberg, Zirndorf, S ch w a b a ch und Roth trafen alsbald an der Unfallstelle ein und nehmen sich der verletzten an, Ein Glück war es, daß der hinter dem Packwagen des Münchener Zuges folgende Wagen zweiter Klasse Rom— Berlin-Anhalter Bahnhof mit nur vier bis fünf Personen besetzt war. Usber die Ursachen des Un- g l ü ck s liegen bis zur Stunde amtliche Angaben noch nicht vor. Nach Beobachtungen an der Unglücksstelle läßt sich feststellen, daß der Nürnberger Zug freie Einfahrt in die Station hatte. Der die Station Reichelsdorf in gemäßigtem Tempo passierende Münchener Zug stand bei dem Zusammenprall etwa nüt der Mitte unter dem Signalmast, dessen Arm wagerecht liegt. Es dürfte lange Zeit dauern, bis die Trümmerftätte geräumt sein wird. Zurzeit müssen die Züge umgeleitet werden. Der Packwagen des Münchener Zuges ist vollständig demoliert. Seine rechte Seite ist heruntergeklappt, wie ein Deckel, der sich um ei» Scharnier drehen läßt. In dem vorderen Teil liegt zur Hälfte der Tender, hierdurch erklärt sich auch die große Zahl der Verluste unter den Münchener Beamten. Eine neue Bestechungsaffäre. Unternehmerin und vier Beamte festgenommen und gestandig. Einer umfangreichen Bestechungsaffäre ist die Dienststelle B Z der Kriminalpolizei in Pankow auf die Spur gekommen. In die Angelegenheit sind die Inhaberin der Tief- b a u f i r m a K l o ß in der Schloßstraße in Pankow, Frau Martha Kloß, und vier Beamte verwickelt, und zwar der Obersekrelär S n e i s se l, der abgebaute und später im Kloßscheu Betriebe angestellte Magislraksobersekretär Franz Groß, der Telegraphen- obersekretär L e b r a m und der Telegraphenvbersekrelär Köditz. Die fünf Personen sind bereit» dem Untersuchungsrichter vorgeführt worden. Die vier Beamte haben zum größten Teil die ihnen zur Last gelegten Berfehiongen zugegeben. Belastet erscheint ferner Baurat Arnold vom Vetriebsamt Stettiner Bahnhof insofern, als dessen Frau von Frau Kloß Gelder mit Wissen ihres Mannes genommen haben soll. Im ganzen sind bisher 20 Personen vernommen worden: sie sind sämtlich, mit Ausnahme von Frau Stoß und den zuerst genannten vier Beamten, wieder entlassen worden. Schon früher waren bei der Kriminalpolizei anonyme und namentlich unterzeichnete Anzeigen gegen den Betrieb eingegangen, doch verliefen die Untersuchungen stets ergebnislos. Vor drei Wochen wurde wieder eine anonyme Anzeige erstattet und Kriminalkommissar Mieleng stellte jetzt eingehende Beobachtungen an. Sie hatten den Eriolg, daß ein ganzer Rallenkönig von Bestechungen und Durchstechereien ans Licht gezogen wurde. Am schwersten belastet erscheint die ZOjährige Witwe Martha Kloß, Alleininhaberin des Tiefbau- Unternehmens Franz Kloß in Pankow. Anfänglich, nach dem im Frühjahr dieses Jahres erfolgten Tod ihres Mannes, sehr ungewandt in der Gsschäftsführung, mochte sie die Bekanntschaft des B a u- rat» Arnold vom Betriebsamt der Eisenbahn am Stettiner Bahnhof. Arnold hatte eine schwerkranke Frau. Frau Kloß gab nun der Leidenden wiederholt Geld für Kuren und unter- stützte sie. Der Mann selbst nahm kein Geld, wußte aber, daß die Kurrechnungen und andere Zuwendungen von Frau Kloß de- stritten wurden. So sichert« sich Fraü Kloß sein Wohlwollen. Außer zu dem Baurat knüpfte sie auch Beziehungen zu dem 33 Jahre alten Obersekretär K n e i s s e l aus Schmargendorf an..ff. war so begütert, daß er nach dem Tode des Franz Kloß der Witwe 14 000 M. auszahlen konnte. Frau Kloß übereignete ihm später sozusagen als Gegenleistung 20 000 M. Wenn ein« Entziehung der Aufträg« oder ander« Schwierigkeiten drohten, war Kneissel stets bereit, leinen Einfluß zugunsten der Frau Kloß geltend zu machen und ihr die Lieferungen und Aufträge wieder zuzuschanzen. verschiedene Beamte, die au» dem Dienste abgebaut worden waren, stellte Frau ftloß in ihrem Betrieb ein und bewahrte sich so die Verbindung mit den amtlichen Stellen. Rom Magistrat in Pankow waren ein Tiesbauingenieur G e f f e l m a»» und«in Obersekretär Groß abgebaut worden. Groß wurde von Frau Kloß sofort eingestellt. Auf unerklärliche Weise wurden eines Tages der Firma Kloß vom Magistrat 6000 M. überwiesen, obwohl kein Auftrag ausgeführt worden war. Von diesem Geld« sollte Frau Kloß an Gesfetmann und Groß je 1300 M. zahlen und den Rest von 3000 M. für sich behalten. Geffelmann hat das Geld auch in feinem Bureau von Frau Kloß erhalten: Groß bekam nur ZOO M. in bar und die Anstellung. Er drängte jetzt auf Zahlung des Restes von 1200 M. Mit m die Angelegenheit verwickelt ist außerdem der Obersekretär i. R. j S ch a f f r a n und dessen Freund, der Telegraphenoberfekretör Leb ra m. Bei den Vernehmungen kam auch zur Sprach«, daß der Kreis der Beteiligten Zusammenkünfte in Dergnügungslokalen ver- anstaltet hat, bei denen Frau Kloß die nicht klein« Zeche bezahlte. Es war auch bekannt, daß Frau Kloß eine« vielsagenden Hände- druck austeilt«. Beim„Gutentag- und..Gutenweg" ließ sie in die Hände der Begrüßten stets einen Fünfzig- oder Hundertmarkschein gleiten. der auch willig genommen wurde. In diese an sich unerfreuliche Sache spielt ober auch eine heitere Episode hinein, die eben- falls zur Sprache kam. Bei einer Versammlung der Aufseher war ein neuer Mann dabei, der die Praktiken der Frau Kloß noch nicht kannte. Jeder der anderen erhielt mit dem Händedruck eine« Fünfzig markschein. Dem„Neuen" steckte die Frau einen Hunderter zu.. Er wußte das nicht, mach te die Hand zu früh a u s und das Scheinchen flatterte zur Erde, von den weniger Be- dachten mit„Stielaugen" betrachtet. Eine rühmliche Ausnahme in dem Wust von Korruption und Destechung machten lediglich ein Eisenbahnobersekrc- t ä r und ein O b e r b a h n m e i st e r. Ihnen sandte Frau Kloß durch Post s« 500 M., die beiden Beamten ließen aber das Geid postwendend zurückgehen. Wie hoch der Schaden ist, der durch minderwertige Lieserungen und durch U eb« rte u e rnng angerichtet worden ist, ist Gegenstand der Untersuchung bei den bcjrosfenen Behörden.. Hastentlaffung in der Bombenaffäre. Noch Tatverdacht, aber nicht Fluchtverdacht. In der Voruntersuchungssache wegen der Spreng st oss- a l t e n t a t e ist gestern eine weitere Gruppe von Angeschuldigten, die sogenannte Ruhrzruppe, Anton Groß und Kurl Rudorfs, au» der hast entlassen worden, da bei dem heutigen Stand der Untersuchung zwar ein Tatverdacht auch jetzt noch besteht, aber sowohl Verdunkelungsgefahr wieFluchtverdachk nicht mehr begründet erscheinen. Bei dem Angeschuldigten Fritz Reling. bei dem stärkere Verdachtgründe vorliegen, ist die Freiheit i von einer Sicherheitsleistung von 30 000 IN. abhängig gemacht worden. 7ofajv\7 Rnuchfängen oder aus dem Vorhaus, wenn die äußere Tür jäh zugeschlagen wurde. Am fünften Tage tauchte mein Onkel wieder auf. Er kam mit guten Nachrichten. Daheim war alles in Ordnung. Nur von meinem Vater war keine Nachricht, der noch im Herbst mit den Kosaken in die Wälder des Vihorlat vorge- dningen war. Mein Onkel erzählte, daß er die Heimkehr dreimal oersucht hatte, aber der Sturm habe ihn bereits am Ende des Dorfes in den Graben geworfen, so daß er gezwungen war, umzukehren. Beim dritten Male war er schon ein« Viertelstunde vom Dorfe entfernt, man konnte keine zwanzig Schritte weit selzen, die Landstraße verlor sich unter seinen Füßen, und alles war beißender Wind und große, weiße Ferne. Er glaubte schon, er hätte sich in die weiße Welt verirrt, aber zum Glück hörte er Hundcgebell und fand irgendwie ins Dorf zurück. Bei diesem dritten Ver- such schien es ihm, gerade als er umkehrte, daß er unweit der Landstraße in jener Gegend, wo die Ländereien des Grafen aufhören, zwei Wölfe sah, die einen sich wehrenden Menschen mit gierigen Mäuleru angriffen. Der Mann und die Wölfe verloren sich in der weißen Unendlichkeit, dann tauchten sie wieder auf. aber nur zum Teil. Er schrie mit vollen Lungen in jene Richtung, aber der Wind trug seinen Schrei fort und die zwei Wölfe zerrten an jenem hochge- wachsenen Kerl herum, der— in Ermangelung eines Stockes — mit den Füßen in sie hineintrat. Sein Hosenboden war schon erheblich zerfetzt. Er erinnerte sich noch, daß die Ge- stalt augenscheinlich sehr eng anliegende Hosen hatte, wie sie die Soldaten zu tragen pflegen, und meinte, daß die zwei Bestien aller Annahme nach Josef Pac�al in der Arbeit hatten. Er wollte ihm mit der Axt zu Hilfe eilen, denn die Bestie hatte Josef wieder beim 5)intern gepackt. Josef drehte sich um, versetzte ihr einen Tritt, daß sich das Untier viermal überschlug, aber dann verlor sich alles im Schneegestöber, so daß er weder Josef, noch die Wölfe sehen konnte. Er flüchtete dann ins Dorf zurück. Es'fchien wahrscheinlich, daß Josef von den Wölfen gefressen worden war. Josef Paczal war jedoch auch diesmal mit heiler Haut davongekommen. Am dritten Tage erschien er bereits in seiner überlegenen Art in der Werkstatt. Aber das hatte eine Vorgeschichte. Als nämlich mein Onkel Josef Paczals Abenteuer mit den Wölfen erzählte, entfuhr es mir gegen meinen Willen: „Gott sei Dank.. Mein Großvater sah mich befremdet an, und als er meine Verlegenheit gewahrte, fragte er mich gründlich aus. Als er erfuhr, daß der Oberkosak Josef zum Brandlcgen ge- düngen hatte, wurde er sehr erregt. Eine geraume W�le ging er im Zimmer auf und ab mit rückwärts verschlungenen Armen. Dann blieb er vor seinem Sohne stehen. .-.. Sortsetzun, folgt) Immer Hetze gegen Stadt Berlin! Eine Anfrage der deuifchnationalen Siadiverordneien- ein(Skandal. In der Stadtverordnetenversammlung wurde gesU'rn die t) etza rbeit gegen die Stadtoerwalrung ein- mal sehr wirtsam beleuchtet. Eine Anfrage der Deutsch- nationalen hatte die unbewiesene Behaupwng aufgegriffen, daß die städtische Baugesellschaft.Primu," einen Teil ihrer Tischlerarbeiten an amerikanische Firmen vergeben habe. Noch ehe in der Stadtverordnetenversammlung die Sache zur Verhandlung kommen konnte, begann unter Hinweis aus dies« An- frage die schwarzweißrot« Presse die übliche Hetze. Na- türlich, da sah man wieder, wie unter der Herrschaft des.roten' Magistrats gewirtschastet wurde! Gestern gab Stadtrat Genosse C z e m i n s k i den Fragestellern die verdient« Antwort. Nicht an amerikanische, sondern an Berliner Firmen hat die Bau- gcsellschaft.Primus' die Arbeiten vergeben. Das ist auch in Heber- einstimmig mit einer von Czeminski gekommenen und allen städti- schen Gesellschaften zugegangenen Berfügung, mit Rücksicht aus die große Arbeitslosigkeit die Arbeiten möglichst an Berliner Firmen zu vergeben. Die Antwort Tzeminstis wirkte wie ein« den Deutschnationalen verabreichte kräftige Maul- schelle. Sie verloren darüber die Sprache so vollständig, daß sie auf jede Debatte über die Magistratsaustunft verzichteten. S o wird's gemacht! Man sdieut sich nicht, unbewiesene Be- hauptungen als Anfrage in die Well hinauszuposaunen, statt sich zunächst mal bei der zuständigen Verwaltung zu erkundigen. Die deutschnationale Presse nimmt das als Signal, mit der gewohnten Hetze loszulegen, die dann ihr« Wirkung tut. Stellt sich nachher heraus, daß die Sache nicht stimmt, dann hat man nicht mal ein Wort des Bedauern». Einen Skandal mag sich mancher von dieser Anfrage oersprochen haben—«in Skandal war die Anfrage selber. O Zehntausend omerlkanische Türen sollte die städtische gemein- nützig« Baugesellschoft„Primus' bei ihren Bauten verwendet haben. Die Deutschnationalen nahmen, ohne auch nur die geringste Nachprüfung vorzunehmen, diese vorgebliche Schädigung des Berliner Handwerks zum Anlaß, eine krastgefchwollene An- frage einzubringen. Gestern sagt« nun Sladlral Genosse Czeminski den Deutschnationalen, was an den amerikanischen Türen Wahres ist. Die„Primus' hat nur 6500 Türen bestellt. (Höhnisches Lachen bei den Deuts chnationolen.) Alle diese Türen sind von gukberlinlfthen Tifchterfirmen angefertigt worden. (Hört, hört bei den Soz.) vi« anderen in Betracht kommenden Baugesellschasten haben ebenfalls erklärt, niemals Türen aus Amerika verwendet oder in Amerika bestellt zu haben. (Erneutes hört, hört bei den Soz.) Stadtrat Czeminski hat außer- dem an die städtischen Baugesellschasten eine Rundverfüaung erlassen, nach der Holzarbeiten nur vom einheimischen Handwerk anzufertigen sind, weil gerade in diesem Gewerbe große Arbeitslosigkeit herrscht: auch die Richtlinien für die Bau- gesellfchaften haben in bezug auf alle Arbeiten ähnliche Be- sttmmungen. Aber der Stadtrat zeigte auch die mit der Anfrage verbunden« Absicht: Eine gewisse Press« hat die durch nichts gerecht- fertigte Anfrage dazu benutzt, völlig unqualifizierte Angriffe gegen den Magistrat zu richten. Man sprach von neuen Skandalen, die die Stadt erschütterten! Dies« Feststellungen des Magistratsvertreters nahmen den Deutsch- nationalen alle Freude an ihrer Anfrag«, sie waren sehr betreten, schwiegen ssch in allen Tonarten aus und verzichteten sogar auf eine Besprechung. Das ist deusschnakiouale Kommunal polllik! Di« Uebernahm« einer Zinsgarantie für die Vollendung de» Mittellandkanals gab den Deutschnationalen Veranlassung. die Durchführung de» Mittellandkanals durch Berlin abzulehnen. Di« Kosten für Drückcnumbauten usw. seien zu hoch. Sie mußten sich allerdings sagen lassen, daß die Durchführung längst beschlossen ist. Genoste Thomas erklärte die Durchführung des Kanals als eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Der Umbau der MühlendamnÄschleuse und einiger besonders niedriger Brücken(vberbaunibrücke!) sei bereits jetzt nicht mehr zu umgehen. Selbst die 600- und 700-Tonnenschiffe kämen schon nicht mehr durch die Schleuse und die Brücken, wie soll das erst bei den zukünftigen 1000-Tonnen-Schifsen werden? Die Sozialdemokraten werden die Zinsgarantie genehmigen. Stadtrat Hohn(Dem.) setzte dem Kommunisten Lange— dem derzeitigen einzigen Fraktion-- redner der Kommunisten— den Kops zurecht. Lange hatte aller- lei Unsinn über die städtischen Hafenanlagen hinausgeschmettert. Lange log frech, daß die Aufsichtsräte in der Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft, soweit sie städtisch« Beamte ober Ehren- beamt« seien, Tantiemen in die Tasche steckten. Stadtrat Hahn mußte das selbstverständlich richtigstellen, daß näm- lich kein städtisches Aussichtsratsmitglied Tan- tiemen erhall, sondern daß diese Gelder sofort der Kämmerei- lasse überwiesen werden. Die diesbezügliche schriftlich« Ab- m a ch u n g zwischen der Gesellschaft, den Aufsichtsräten und der Stadt lautet wörtlich:„In Rücksicht auf den Gemeindebeschluß vom 27. November 1927 werden wir im Interesse einer einfachen Er- ledigung die Aufsichtsratsvergütung für das Geschäftssahr 1928 im Betrag« von 1000 Mk. an die S ta d t h a u p t k a f s e direkt abführen.'— Bisher lieferten die städtischen Aussichtsräte die Tantiemen selbst an die Kämmereikasse ab. De» weiß jeder SommunalpoNkiker. nur Herr Lange braucht das nicht zu wissen! Auch Genosse Thomas konnte den Kommunisten noch einiges über die„Behala' mitteilen: die„Behala' hat hohe Mittel in den Ausbau der Häsen gesteckt und auch für die Heranziehung des Schtffsverkchrs nach Berlin getan was möglich war. Noch mehr. Auch in sozialer Hinsicht ist die„Behala' beachtenswert: die Arbeiter haben 6 5 Mark Durchschnittslohn, sie sind während des schweren Winters durchgehalten worden: wer im Winter seinen Urlaub nahm, bekam eine Gratifikation von 10 M. Der Manteltarif sei mindestens so gut, wie der anderer städtischer Betrieb«. Bis jetzt sei in der„Behala' noch kein Streik gewesen, Lohnbewegungen würden mit den Gewerk- schasten in Form von Tarisverträgen erledigt, nicht einmal das A r b e i t s a« r i ch t fei in Anspruch genommen worden. Da- sollten sich die Kommunisten für ihre eigenen Betrieb« merken.— Di« Zinsgarantie wurde bewilligt.— Eine Reih« Borlagen wurden nach teilweis« größeren Debatten erledigt. Für das Bertiner Abendgymnasium wurden 32 000 M. bewilligt, ebenso die Kosten für den Neubau de» Stadtsuhrparts am Stralauer Platz. Die Debatte darüber rief den Wirtfchastsporteiler Tilgner auf den Plan, der die Mehrkosten für den Neubau ablehnt« und im be- (ortberen natürlich gegen den städtischen Fuhrpark loszog. Herr Tilgner hat besonderen Anlaß dazu: Er ist nämlich im Privatleben Spediteur: aber das beeinflußt ihn als Stadtverordneten natürlich nicht! Stadlbnural Adler konnte auch gegenüber diesen Angriffen städtische Einrichtungen in Schutz nehmen. Der städtische Fuhrpark arbettet nach seiner Rationali- sierung mit U e b e r s ch u ß, er sei hervorragend im Stande. Zlber es ist Wahlzeit und da muß eben alles herhalten, um bürgerliche Propaganda zu machen. Dabei geht alles hübsch durcheinander. Der Wirtschaftsparteiler beschwerte sich darüber, daß der Stadt- fuhrpark dem Magistrat zu hohe Kilometergelder bei der Gestellung von Automobilen anrechne, der deutschnationale Broschüren- schreiber Merkel rügte, daß der Stadtfuhrpark die Tarife privater Unternehmer unterbiete. Was richtig Ist, kann sich der Wähler selbst aussuchen!— Der Antraq wegen der Benennung einer Straße nach dem verstorbenen Reichsaußenminister S t r e s e, mann wurde einem Ausschuß überwiesen, wie auch der Dring- lichkoitsantrag der sozialdemokratischen Fraktion über die Gewährung von W i n t« rb« i h l 1 s« n an Erwerbs» los« und Unterstützungsempfänger. Ziiesenexplosion in Hollywood. Mlmwerke in Flammen.— 50 Millionen Dollar Schaden. Rew Bork. 24. Oktober. Zrn Laboratorium der Vereinigten Film- werke in Hollywood ereignete sich eine Riesen» explosiou» wodurch das gesamte Laborato- rium»er st Srt und etwa eine Million Meter unentwickelter Filme vernichtet wurde, dar- uuter mehrere Meisterfilme. Eine Person wurde auf der Stelle getötet und viele schwer verletzt. SO Ar» b e i t e r wurden bei der ersten Explosion auf die Straße geschleudert. Insgesamt ereigneten sich vier Explo» sionen nacheinander. Das Feuer breitete sich aus und er- faßte auch das Laboratorium der Eastmau Codak» Werke, das von allen FUmproduzenten benutzt wurde. Unter den vernichteten Filmen soll sich auch Fairbanks „Taming shrew" befinden. Man schätzt den Schaden auf SO Millionen Dollar. Auiobus fährt gegen Ehauffeebaum. M«r Fahrgäste schwer verletzt. Gestern nachmittag wurde ein Autobus der Linie 39 von einem schweren llusall betroffen. Der wagen fuhr in Iriedrichsselde gegen einen Bann, und wurde stark beschädigt, vier Fahrgäste erlitten schwer« Verletzungen nnd mußten ins Lichlenberger Hubertuskrankenhaus übergeführt werden. Der von dem Unfall betroffen« Autobus verkehrt auf der Strecke Friedrichsfelde— Mahlsdorf als Anschlußlnüe der Straßenbahnen 60 und 70, die in der Schloßstraße in Friedrichs- felde enden. Kurz vor dem Grundstück Alt-Friedrichsfeld« 58 will der Führer des Autobus plötzlich bemerkt haben, daß die Steuerung nicht richtig funktionierte. Bevor er sein Fahrzeug aber noch zum Halten bringen konklte, war der Unfall schon geschehen. Der Autobus geriet zu weit aus die rechte Straßenseite und fuhr mit großer Wucht gegen einen starken Baum. Der Schutzrohmen am Kühler wurde völlig eingedrückt und die Achse schwer beschädigt. Die Scheiben gingen in Trümmer. Die erschreckten Fahrgäste wurden von den Sitzen geschleudert: vier von ihnen, eine Frau Selma Hinze au» Mahlsdorf, Am Lupinenfeld 8, Frau Luise B a n d o n i n au» der Kleinen Andreasstrvße 10, Frau Anna Streb«low ans der Adolfltraß« 29 in Kaulsdorf und ein Wilhelm L o s i n s t i au» der Kurfürstenstraße 48 in Mariendorf, erlitten so schwer« Verletzungen, daß sie durch Rettungswagen der Friedrichsfelder Feuerwehr ine Hubertuskrankenhaus gebracht wer- den mußten. Ein« Untersuchung über die genauen Ursachen des Unfalls ist sofort eingeleitet worden._ Das Geheimnis der Wohnlaube. Eisfabrik, Fleischerei und Dunggrube nahe beieinander. Unglaublich« Zustände kamen an, Licht, als ftrimiual- beamte gestern ein Laobeugelände hinter dem Dahn- Hof Weißensee einer Streife uulcrzogen. Vicht nur, daß dort alle» den hygienischen Anforderungen widersprach, man entdeckte dort auch ein umfangreiche» Lager von Diebe». beute. Auf dem ziemlich abgelegenen wenig betretenen Gelände be- findet sich u. a. ein Fachwerkbau, eine festere Laube, in dem allerlei Betriebe sich«inquartiert haben. Bis vor vierzehn Tagen wurde dort z. B. ein« Speis«ei»fabrik betrieben, die dann aus Mangel an Zuspruch die Herstellung aufgab. Der Betrieb befand sich in einem ehemaligen Stall, nur drei Meter davon ent- fenit ist eine Dunggrube, zu der durch den Stall die Leitung führt. Weiter befindet sich dort eine F 1 e 1 s ch e r« i l Als die Kriminalbeamten der Dienststelle C. 2 den Inhaber darauf auf- merksam machten, daß da» Fleisch übel röche, erklärte er,«« werde nur„mürbe'. Der dritter im Bund« auf dem Gelände ist ein Schuhmacher Lehmann, der Motorräder fabriziert. Bei ihm hauste ein gewisser Billet, der der Kriminalpolizei als g e w e r b s- mäßiger Motorraddieb bekannt ist. Die Annäherung der Beamten war bemerkt worden. Zwei Männer, die mit einem Handwagen das Gelände gerade verlassen wollten, sahen die Be- ontten herankommen und riefen sofort:„Türmt, die Bullen kom- menl' Der geschmackvolle Zuruf kam aber zu spät, die„Bullen' waren so dicht dran, daß der Fluchtweg versperrt war. Eine Durch- suchung des lieblichen Ort«, förderte«ine Unmenge Diebesgut zu- tage, so daß ein 5-Tonnen-Lastkrvftwayen gestrichen voll geladen werden konnte. E» waren Teile von ausgeschlachteten Motor- rädern, Radioapparate usw. usw. Ueber die Herkunst dieser Sachen braucht man nicht im Zweifel zu sein. Alles ist aber schon stark verändert, Fabrikzeichen und andere Merkmale stnd sorgfältig ausgefeilt. Woher all« die gestohlenen Räder und anderen Sachen stammen mögen, ist noch nicht geklärt. Lehmann und sein« Helfers- Helfer sind vortmistg tn Gewahrsam genommen worden. Autounfall Generalmajors von Hammersiein. Gestern abend ereignete sich auf der Charlottenburger Chaussee, etwa 300 Meter westlich der Siegesallee, ein Autozusammenstoß, bei dem der Generalmajor von Hammer- ste i n aus dem Reichswehrministerium erheblich verletzt wurde. Ein in Richtung Brandenburger Tor fahrender Privatwagen geriet auf dem Asphalt, der durch den niederfallenden Tau schlüpfrig geworden war, beim Ueberholen eines Autobus ins Schleudern. Der Wagen geriet dabei auf die linke Straßenseite und stieß dort mit dem aus entgegengesetzter Richtung kommenden Reichswehrauto zusammen. Während das Reichswehrauto nur leichte Be- schädigungen aufwies, wurde der ander« Wagen so schwer be- schädigt, daß er abgeschleppt werden mußte. Generalmajor van Hammer st ein erlitt starkblutende G e s i ch t s o e r- l e tz u n g c n. Nach Behandlung in der Charit« tonnte er in seine Wohnung gebracht werden. Zwei Insassen des angefahrenen Autos wurden leicht verletzt, sie konnten nach Anlegung von Notverbänden auf der Rettungswache entlassen werden. Hammersteins Name wurde aus Anlaß der Fememord- prozess« häufig genannt. Er ist«in Schwiegersohn des vom Kapp. Putsch her bekannten Generals von Lüttwitz. rott»I«nzt-r.u» JJtnfoio. Tie Arbeiterjugend hält ab heute wieder regelmäßig ihren Loltstanzkurtus jeden Freitag in Panlow, Schule Kaiser.Friedrich-Ttratze in der Turnballe, ab. ES beginnt gleichzeitig beute an derselben Stelle ein AnjängertursuS. Bitte erscheint alle. Maßnahmen des Oberpräfidenten. Einleitung von Disziplinarverfahren in der Sttarek-Affäre. Der Oberpräsident von Brandenburg und B e r l i n hat heut«, mW der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, gegen den Stadtkämmerer Dr. Lange, den Stodttat Busch, die Stadtban kdir« ktoren Dr. Lehmann und Zetzel das förmliche Disziplinarverfahren«ngeleitet. Ferner hat der Ober- Präsident den Magistrat Berlin ersucht,«inen Beschluß der städtischen Körperschaften herbeizuführen, wodurch die drei Stadtverordneten Rosenthal, Mühlmann und Bunge aus dem Kreditausschuß der Stadtbank abberufen werden. Sämtliche Maßnahmen beruhen auf Feststellungen, daß die Ge- nannten bei der Kreditgewährung an die Firma Sklarek, Kleidervertriebsgesellschast, nicht die pslichtmäßig« Sorg- sali bei der Wahrnehmung der ihnen übertragenen Aufgaben be- obochtet haben. Im Verlaufe des gestrigen Haftprüfungstermin» für den Buch- Halter Lehmann hat Staatsamvoltschaftsrat Dr. Weißenberg bereits mitgeteilt, daß die Staatsanwaltschaft nun doch zu der Ueberzeugung gekommen sei, daß der Fall Sklarek sich ohne D o r- Untersuchung nicht durchführen lassen werde. Wie wir hören, stnd Inzwischen auch Verhandlungen mit den Verteidigern angeknüpft worden, die ihre Zustimmung zu der Umstellung des Unter- suchungsverfahrens bereits erteilt haben. Bei dem ungeheueren Umfange des Stoffes wird man jedoch sehr wahrscheinlich hier zum ersten Male auch die Voruntersuchung unterteilen müssen. » In der Ermittlung�ache Sklarek hat der Vernehmungsrichter des Amtsgerichts Charlotte nburg ,in dem heutigen Hastprüfungs- termin beschlossen, den beschuldigten Buchhalter Lehmann mit der weiteren Vollstreckung der Untersuchungshaft zu verschonen, wenn er ein« Sicherheit von 16 000 M. leistet und sich täglich bei der Polizei meldet. Die zuständige Stelle. Es ist in Zeitungen die Behauptung ausgestellt worden, der Stadtkämmerer Dr. Lang« habe den Klagen der Bezirke über die schlechte Beschaffenheit der von Sklareks gelieferten Waren nicht Geltung verschafft, sondern nur immer schriftlich auf die bestehenden Verträge hingewiesen. Als Beispiel wird ein Schreiben vom 26. Oktober 1928 angeführt, das der Kämmerer persönlich unterschrieben habe. Es liegt hier— wie dos Städtische Nachrichtenamt mitteilt— ein« Namensoerwechslung vor. Das betreffende Schreiben ist ein Rundschreiben des Magistrats an die Bezirksämter, das nach den geltenden Best immun- gen über Rundverfügungen vom Stadtsyndikus Lange gezeichnet worden ist. Dem Kämmerer sind Klagen über die Beschaffenheit von Waren der KBG. niemals persönlich vorgelegt worden, ste wurden vielmehr von der zuständigen Dienststelle bearbeitet. Diese zuständig« Dienststelle unterstand dem kommunisttschen Stadttat G a e b e l. Oer Breslauer Korrupiionsftandal. Die Jehlsumme hat sich auf 400 000 Mark erhöht. Breslau. 24. Oktober. Nach den wetteren Feststellungen der Stoatsanwaltschaft m der Angelegenheit des flüchtigen Konlursverwalters Cohn hat sich, wie die Iustizpressestelle mitteilt, der Fehlbetrag um etwa 100 000 Mark auf 400000 Mark erhöht. Die Rohüberprüfungen der Bücher sind beendet, doch sind noch ein« Reihe von fragwürdigen Posten zu klären, Insbesondere ist die Höhe der Bankschulden fest- zustellen. Man vermutet, daß der Konkursverwalter Cohn angesichts der mustergültigen Führung der Bücher selbst davon über- zeugt war, daß seine Vermögenswerte ausreichende Deckungen für die Unterschlagungen— denn solch« stehen nunmehr als er- „l'elniese» SIs rukig noch ein© Tasse, es Ist Ja Kaffea Hag. dar coffeinfreia Bohnenkaffee. Er greift Ihr Herz nicht an. Selbst vor dem Schlafengehen können Sie Kaffee Hag noch in stärkstem Aufguß trinken, ohne Schlafstörung befürchten zu müssen. Kaffee Hag ist das bevorzugte Getränk aller Geistesarbeiter. Das große Paket kostet RM. 1.90, das kleine Paket 95 Pfennig.** Der Prozeß von Krankfurt. Die Reichsbannerleuie waren die Angegriffenen. wiesen fest— Ketm. N««achforfchimg«, nach dem gtrttegww Cohns waren bisher erfolglos. Di« Breslauer Staatsanwaltschaft hat heut« nachnrittag gegen den Inhaber der Jnstallationsfirma Wi«rtz, Kaspar Wiertz, einen Haftbefehl erlassen, weil ein dringender Verdacht des Konkursverbrechens b«st«ht. Daraufhin wurde Wiertz von der Breslauer Kriminalpolizei in Haft genommen und ins Polizei- gefängnis gebracht. Die Ehefrau des flüchtigen Breslau«? Kontursverwalters Cohn hat heute einen Selbstmordversuch urrternommen, indem sie eine starte Dosis eines Schlafmittels zu sich nahm. Sie ist i» besiraumgsloscm Zustande dem Krankenhaus zugeführt worden. Kackeizug der Fünftausend. Große Wahldemonstration in Neukölln. Die Neuköllner Sozialdemokratie zeigte mit einem« i n d r u.r übrige Teil des Ufers als Naturschutzgebiet wieder befestigt und angepflanzt werden müßte. Wenn ErzieHlmg und Hinweise gar nichts nützten, müßten exemplarische Strafen für die Uebertroter der Verbote ein- geführt werden. Es gehe nicht an, daß Autobesitzer, die abseits vom Weg« im Grunewald parken, nur ni i t l M. S t r a f e belegt würden, eine Strafe, die diese Kreis« nicht fürchten. Der Redner schloß mit dem sehr treffenden Hinweis, daß aller Natur- schütz nichts nütze, wenn nicht die Graß, Berliner Beoölke- r u n g selbst an de? Ausgabe mitarbeite, um die gefährdete Landschaft aus eigenem Wollen und Verständnis zu schützen. Außerdem sprach noch Prof. Walter Saure über Er- ziebung zum N o t» r s ch» tz jind betonte den ethischen Wert der Naturbetrachtung. Der große Schrei der Städte nach der freien Natur würde insbesondere von den arbeitenden Klassen ausgestoßen. Oeflentnche Wählerhundgebungen Heute, Freitag, den 25. Ottober: 1. Kreis Mitte. Oeffentliche Beamtenkundgebung um 193* Uhr im Hackeschen Hof. Rosenthaler"Str. 40/41. Stadtverordneter, Rektor Hans Woywod, spricht über das Thema:„Die Bedeutung der Kommunalwahlen für die Beamten." Alle parteigenössischen Beamten müssen erscheinen. 3. Kreis Wcdding. Iungwählerversammlung um 20 Uhr in der roten Schule, Gotenburger Str. Referenten: Stadtrat Henke und Stadtjugendpfleger Hensel. Jugend, es geht um eure Angelegenheiten! Sympathi- sierende sind eingeladen. Gonntag, den 27. Ottober: Charlottenburg. Zwei öffentliche Wählerversammlungen. 1. Vormittags 10 Uhr im Lokal„Zum Nußbaum". Inhaber Last, Straße 12, Am Verbindungskanal. Referent: Stadtrat Karrer. 2. Vormittags 10 Uhr im Lokal„Zur Olympiarennbahn", Inhaber Brett- fchneider, Königsdamm. Referent: Walter Reinhold. — Tagesordnung in beiden Versammlungen:„Der Kampf um die Kommune und die Kleingärtner." wahterinnen und Wähler, erscheint in Massen! Diese, fo meinte der Redner, hätten weniger eine Führung nötig iftch wüßten sich selbst zu helfen. Ader gerade die besseren Schichten listen an einer Verbildung der Lebensformen, wobei nicht zuletzt die höheren Schulen mit Schuld tragen. Der Natur- lundeunterricht schließt hier schon mit der Quarta, statt al» lebendiges Lehrgebiet bis zur Beendigung der Schuljahre weiter- geführt zu werden. Die Jugend oeriuche sich selbst zu helfen, wie die Entwicklung des Jugendwanderns beweise. Bei dem Preisausschreiben über Pslanzenschutz hätten sich von den ltzX) Berliner Schulen nur 100 beteiligt. Dabei wären die Kenntnisse über Natursormen, über Pflanzen, Gehölze und Tiere viel wichtiger als das Erlernen von trocknen Zahlen. Zm llasino Ihealer ruft allabendlich ein froher Schwank von Franz Arnold und Ernst Bach„Die vertagte Hochzeitsnocht" wahre Lachstürmc hervor. Und man muß schon anerkennen, daß unter der Leitung Viktor L i tz e k s alles flott Über die Bretter wirbelt, jeder Mitwirkende bemüht sich, zu gefallen. Um was es sich dreht? Dobermanns, bie in Futtermittel engros machen, haben zwei Töchter. Zwei Mädchen, die nur allzugern im Hasen de? Ehe einlausen möchten. Aber erst nach vielen Berwechslungen und Miß- Verständnissen können sie ihre Gatten erringen. Madam« Dobcr- mann wird von der Emmy L o n e k gespielt. Fröhliche Augenblick« gibt es, wenn sie ihren Schwiegersöhnen„Moralpauken" hält, und die Schwiegersöhne— Adolf Hille brandt und Viktor L i tz e k— wiederum versuchen, alle Mißverständnisse miszuklären. Beide haben auch mit Angela Scheerer und Edith Litzek— Dobermanns Töchter— zwei gute Gegenspieler gesunden. Ewald F i st e r mimt in gelungener Weise den braven Ehrgatten und Vater Dobermann. der nie um Ausreden verlegen ist und im übrigen einen„Seiten- sprung" durchaus zu würdigen weiß. Hans Berg verkörpert den „jovialen Onkel", der noch eimual jung wird, als er den„Abstecher" seines Schwagers unterstützen kann. Bleiben noch Frieda Waller und Emmi) Weidlich, die im lustigen Kreis« das derb-komische Moment gut herauszuarbeiten vermögen.— Ein bunter Teil, der auch ein dankbares Publikum fand, leitete den Abend ein. Zpsrt. Rennen zu Grunewald am Donnerstag, dem 24. Oktober. t. Rennen. 1. LicbeStraum l«. Moritz), 2. Tottor Mabuse. S.»ilt Toto; 33: 10. Platz: 12, 12, 12; 10. Ferner liefen: Falter, Kobalia, Euterpe, Gdsu. 2. Rennen. 1. Sgmont(ft. Schüller), 2. Tieft». 3. Tonntagmorgen. Toto: 20:10. Platz: 12. 16, 24:10. Ferner liefen: Alttnene, MUhridate?. Midoard, PerituS. Lötz! kqes.). Dirlchan. Zarenkrone, Marchetta. 3 Rennen. 1. Llberator(Grabsch). 2. TolleonI, Z.«erol'lein. Toto: 48:10. Platz: 15, 12. 25:10. Ferner liefen: Tongola. Fenelon. Ottober. Zaharet. Virgil. Matador. Graf Leister, Moira. Erika, Meiamorphole. 4 Rennen. 1. Modewelt,«.»» JO*> Edamer Käse Pfd«0%«■•« 30% Kochkäse............ I-Pfd.-De. Harzer Käse...... i Pfd. Falut Wild u. Geflügel \Mld-Ragout............. Pfd. 0.80 Hirschilätter..... Pfd. 0.98 Schneehühner............Stck. 8.00 Junge Hasen hn Fell....... Pfd 8.t0 Rebhühner............ St-k. an 8.80 Vmramnä tu. ah mllan ScmUcimiluii i 9.80 0.88 0.80 0.90 •30 8.80 9.00 0.80 8.80 8.80 0.80 8.00 0.00 0.88 0.08 Ur. Ltr. Ur. Ur, Ur. Ur. Ur. Ur. Ur. Ur. Apfelwein............ Frankenweiler Stahlbühl St Martiner(Wmfwtin). Wintringer(Momlwtn).. Niersttiner Domtal... Tarragona........... Malaga.............. Mushat.............. Douto Portwein....... Johannisbeerwein...... St. Marirner Berg.........Fl. 1925er Wachenhtimtr H.ld*nht/, FL 1927 er Niersttiner Domtal. Pfd. 8.80 Bücklinge................ Pfd. 0,02 LMdcsh�m�ejnäuAcr���T�rE�M Frische Elutr oder Leberwurst Pfd. O.SS Dampfwurst.......... Ffd. S-ee 0.00 Wiener Würstchen........Pfd. 8.88 Fleischwurst.............. Pfd. 8.88 Jagdwurst................PM. 8.88 Speckwurst.............. Pfd. 8.08 Leberwurst(Hausm.). Pfd. e.te 8.80 GuisUbmourje........... Pfd. 8.00 Streuhmettwurst t B«...... Pfd. 8.00 Filetwurst............... Pfd. 8.00 Zervelat und Salami..... Pfd 8.08 Hockwurst(Braunschw.),, pfd 8. 88 Zervelatwurst L FetUarm....Pfd 8.88 Zervelatwurst Braunjehw.),.» Pfd. S.SO Geh- Schinhen........... Pfd 8.00 Kasseler u. Schweinebraten. pfd 2.£0 R i) t Suppen-Frikassee-Hühner Pfd an 0.9S Tauben............... stA. an O.SS Birkwild............ StA. r oo 8.30 Junge Gänse.......... Pfd. an 0.98 Masteiü�n������pfdjcnll.20 8 D*9» m m 4 nssch allar» ttoutitmiU Wild u. Geflüge Ü-RAUNMOP HPRMANNPl AT7 rDFP KARSTADT; R ALINUOP ttmdtttllm 1 Jtr. 501* 46. Jahrgang 2. Beilage des Norwäris Kre!iog, 25. Oktober 192S Börsenkrach in New ssork. Kommt eine internationale Finanzkrisis?— Verbesserte AnleiheauSsichten. Die New�lorkcr Börse, auf der nun schon seit drei Wochen ire Aktienlurs« stark rückgangig sind, hotte am Montag und am Dienstag zwei schwarze Tage. Die ZlkticNumsäize, die durch die massenhaften Verkäufe erfolgten, waren riesenhaii. Eine Anzahl von führenden Papieren verlor bis zu 100 P unkten und nran spricht von Kursverlusten im Betrage von 4 bis K Milliarden Mark. Sehr groß sollen auch die Verkäufe des Auslands gewesen sein, mit anderen Worten Europas, dos bekanntlich an der New- Horker Börsenspekulation im Lause der letzten Monate sich sehr stark beteiligt hat. Man gewinnt sehr stark den Eindruck, daß die jetzt non N?w Nork ausgehende Beunruhigung des interna.ionalen Kapitalmarktes der Vorläufer einer internationalen Finanzkrisis ist, so daß auch die Vorgänge auf den europäischen Börsen zum großen Teil durch die Erschütterung in New Pork erklärlich sein dürste. Es ist auch wahrscheinlich, daß die in den letzten Tagen sich stark häufenden Zusammenbrüche von Banken mit Rückwirkungen der Ncw-Porker Ereignifle zusammenhängen. Insbesondere die deutschen Banken sind sehr stark mit Kapital in New �ork engagiert und das Ausmaß, in dem sie chrer deutschen Kundschaft zur Berfügung stehen können, muß sich bei der zunehmenden Anspannung auf den internationalen Märkten verringern. Auch die Berliner Börse mar durch die Vorgänge in Rem Park, durch!)k Bankzusamme!!- brüchc in Kiel und Kopenhagen beunruhigt, so daß die Aktienbaisse sich weiter fortgesetzt hat. Die nächste Auswirkung ist in New York freilich eine starke Verflüssigung des Geldmarktes, die sich ganz naturgemäß aus den maflenhaiten Aktiemierkäuscn ergibt. Die Folgeerscheinung ist«ine weitere Verbesserung des sogenannten Bondsmarktes,"so daß sich die Allleiheaussichten auf dem New-'gorker Kapitalmarkt immer günstiger gestalten. Es mehren sich auch in New Dork die Slimirnm, die die Zeit sür eine Diskont- ermäßigung für gekommen erachten. Damit verbesiert sich auch für Deutschland die Möglichkeit, nicht nur private und öffentliche Anleihen im Ausland überhaupt unterzubringen, sondern auch zu billigeren Lätzen. Roileidendes Textilkapital. Gladbacher Wollindustrie verdient in drei Iahren 50 proz. ihres Kapitals. Die Sladbachcr Wollindustrie A.-<8. 2. Josten in München-Glodba ch, die imnier sehr schnell bei der Hand ist, der Lohndifserengeu die Belegschaft auszusperren, gehört zu den rentabel- ften Werken in der deutsche!». Wollindustrie. Wie schon andere Abschlüsse. van Wollunternehinungcn zeigten. beweist auch das jetzt verösfentlicht« Goschastsergebnis dieser Gesell- schaft für 1928/29, daß im Gegensatz zum allgemeinen K o n j u n k- turrückgang in der Textilindustrie die. Wollsabriken hiervon verhältnismäßig wenig, betroffen wurden. So konnte auch die Gladbacher Wollindustrie A.-G. chre Werke im letzten Jahre gleichmäßig beschäftigen.und bei verringerten Betriebsunkosten einen etwas erhöhten Rohgewinn von 3 Mill. Mark ausweisen. Da zugleich auch die Sozialabgaben sich um 7 Proz. senkten, ist das verbesserte Geschöitsergcbniis offenbar mit verringerter Belegschaft erzielt worden. Die � Dividende bleibt bei fast gleichem Reingewinn von ööZOOO M. mit 11 Proz. gegenüber dem Vorjahr uirverändert. Aber wie schon in den letzten Jahren neben den sehr hohen Dividenden von 1254 und 11 Proz. Sonderrücklagen vom Reingewinn in Höh- von LEO 009 und 150 000 M. gemacht werden konnten, so werden auch diesmal weiiere 100 000 M. in die Reserven gesteckt. Allein der ausgewiesene Reingewinn des Unternehmens beträgt in den letzten drei Zähren über 2 ZNill. Mark, jo daß die Gesellschaft in dieser Zeit mehr als 50 Pro;, ihres Kapitals verdient hat. Bon Geldmangel ist unter diesen Verhältnissen natürlich keine Red«. Während Bankguthaben von 1.27 Mill. und sonstig« Forderungen in Höhe von 1,47 Mill. Mark vorhanden sind, belausen sich die gesamten Schulden nur ans 0,98 Mill. Mark. Allein die offenen Reserven erreichen jetzt mit 800 000 M. 20 Proz. des Aktienkapitals.— Di« Delegjchajt hat von diesem goldenen Segen bisher nichts zu spüren bekommen, ma» hat sie im Gegenilleil gleichfalls im vergangenen Herbst aus die Siraß« gesetzt, als sie sich gegen die Kürzungen ihrer Akkordlöhne zur Wehr fetzten. Diese willkürliche Freisetzung von Arbeitskräften wurde von den Unternehmern mit der„Notloge" im Glodbachcr Revier begründet. In solcher „Notlage", wie die Glodbachcr Wollindustrie möchten sich wohl viel« Textilarbeiter befinden. Konsumvereine im Gepiember. Nach der Wochenumsatzstatistik des Zentralverbandes Deutscher Konsumvereine, die etwa die Hälfte der Mitglieder und einen Zeit- räum von fünf Wochen umfaßt, habe« sich im Monat September die durchschiiutliche.n Wochenumsätze je Mitglied gegenüber dem Monat August von 3,78 M. aus 9,18 M. erhöht. Di« Zunahme in der entsprecheirden Zeit des Vorjahres betrug 33 Pf., in der entsprechenden Zeit des Jahres 1927 84 Pf. Gegenüber dem September vorigen Jahres ist der Durchfchnittsumfatz pro Kopf von 8 HO M. auf 9,18 M. oder um mehr als 10 Proz. gestiegen. Unverkennbar ist freilich, daß die große Arbeilslosigkcit im Jahre 1929 das Tempo der Zunahnie gegenüber den früheren Jahren sehr erheblich verringert hat. Während von Januar bis September 1927 eine Zunahme pro Kopf und Woche um 137 Pf. erfolgte, in derselben Zeit 1928 noch eine Zunahme um 85 Pf., ist der wöchentliche Pro-Kops-Umfatz von Januar bis Sep- tember 1929 nur um 29 Pf. gestiegen. Der Einfluß der Konjunktur ist deutlich. Auf der anderen Seite ist es klar, daß in den Ausbau- jähren nach der Inflation die Umsätze schneller steigen mußten, als sie heute, nach Wiederhelstellung normalerer Verhältnisse, wachsen können._ Mit 10 Millionen Schulden zahlungsunfähig Wie die„Frankfurter Zeitung" meldet, hat die größte Wo II- deckenfabrik des'europäischen Kontinents, die deutsche Firma Gebrüder Zöppritz in Mergelstetten, ihre Zahlungen eingestellt. Die Schulden sollen etwa 10 Millionen Mark betragen Di« betelligten Banken sind unter der Führung der Württemberg!- schen Notenbant in Stuttgart darum bemüht, den Betrieb fortzu- führen. Nur 50 Proz. der Forderungen sollen gedeckt sein. Vorwärts mit polen? Die neuen Wege Lauschers. Polnische Blätter erwarten nach vor Ablauf dieses Zahrcs eine Beendigung des Zollkrieges und den Abschluß eines provisorischen Abkommens. Deutschland und Polen konnten im Juli dieses Jahres das traurige Jubilänm eines vierjährigen Wirtschafts- k r i e g e s begehe». Der Weg dieser vier Jahre ist gepflastert mit .Kompfzöllen, Einfuhrverboten und allen nur erdenklichen Schikanen, die in einem Wirtschaftskrieg zwangsläufig zur Anwendung kommen. Wenn der gegenseitige Handelsverkehr sich trotz aller Drossclungs- maßnahmen der beiden Regierungen in den letzten beiden Jahren auswärts entwickelte, so ist dies ein unwiderlegbarer Beweis dafür, wie stark die natürlichen wirtschaftlichen Kräfte in Deutschland und Polen sind, die auf gegenseitige Er- gänzung hindrängen. Im vergangenen Monat ist Dr. Hermes, der die VerHand- lungen mit Pole» seit den, Januar 1927 führte, zurückgetreten, da er sich offenbar selbst nicht mehr der Totsaehe verschließen konnte, daß unter seiner Leitung die Verhandlungen auch künftig nicht vom Fleck kommen würden. Inzwischen hat der deutsche Gesandte m Warschau, Ulrich Rauscher, die alten Fäden neu geknüpft und die Verhandlungen wieder aufgenommen. Rauscher fand bei der Uedemahme der Leitung eine derart verworrene Lage. vor, daß er gänzlich neue Wege beschritt, um zum Ziel zu gelangen. Wöhrend die deutsch-polnischen Hondelsvertragsverhandlungen bisher darauf abgestellt waren, ein Abkonmien auf möglichst um- fassender Grundlage abzirschtießen, ist Rauscher dazu übergegangen, auf der Grundlage eines sogenannten„kleinen Vertrages" zu eitrigen. In diesem Abkmnmen soll die so heiß umstrittene Frage der Höhe der einzelnen Vertragstarife vollkommen beiseite gelassen und einer künftigen Regelung vorbehalten werden. Dagegen sollen sich beide Länder die gegenseitige M c i st b e g ü it st i g u n g zuerkennen, das heißt, alle Zugeständnisse, die Deutschland oder Polen irgendeinem anderen Lande aus zollpoliiischem Gebiete ge- macht hoben, würden damit automatisch auf den deutsch-polni- 1 schen Hairdclsoerkehr Anwendung finden. Borbedingung für dieses Abkommen wäre der sofortige Abbau der gegenwärtig noch bestehenden Kampfzölle und Einfuhrverbote. In diesem Abkomme» soll zugleich eine völlige Klärung der Riede rlassungs- sragen geschaffen werden, die sür Kausleute, Reisende, Ingenieure und Facharbeiter als die Pioniere des internationalen Wirtschafts- Verkehrs natürlich von ausschlaggebender Bedeutung sind. Außerdem wird Deutschland den Polen ein festes Kontingent für die Ein- fuhr von Steinkohle zugesiehen, dessen Höhe wiederum von polnischen Zugeftöndnisien abhängig sein wird. Diese deutschen Vorschläge, die auf die Initiative der Reschs» regiening znriickzuführe» find, haben bisher eine sehr geteilte Ausnahme in Polen gesunden. Die der„Oberstengruppe" nahestehende Presse bezeichnet die Vorschläge Rauschers kurz als„Nansens", während ander« Re- giemngsblatter in ihnen eine durchaus tragbare Verhandlimgsgmich- lag« sehe». Unter anderem wird in Warschauer Kreisen darauf hingewiesen, daß wohl die deutsche I n d u st r i e von der Meist- begünstigiing in Polen sehr stark profitieren könne, die Pall.m in- zwischen andereii Staaten gewährt habe. Da die Viehaussuhr noch durch die deutschen vcterinär-polizeilichen Bestimmungen gehemmt sei, käme als A k t i v u m für Polen mir die Butter- und Eier- ausfuhr sowie das Kohlenkontingent in Frage, wodurch ober toi» Ausgleich für die polnischen Zugeständnisse geschaffen werde. Auf deutscher Seite wird daraus hingewiesen, daß die p o l n i- scheu Zölle, auch die bisherigen Vertagszölle mit anderen Ländern überspannt seien, daß auch bei Gewährung der Moeftbegünsii- gimg an einen normalen Export deutscher Industriewaren noch nicht gedacht werden kann. Man erwartet daher für das deutsche Entgegenkommen in der Kohlenfrage polnische Zuzeständ- nfise auf anderen Gebieten. Schließlich wird in Polen Rauschers Bor- schlag auch noch dahin ergänzt, in diesen„kleinen Vertrag" bereits ein Einsuhrtontingent für Schweine aufzunehmen. Stehen also noch eine Menge Einzelsragen auch bei diesem provi- sorischen Abkommen zur Diskussion, so liegt eine schnelle Einigung doch durchaus im Bereich der Möglichkeiten. Polen uniß aber beachten, daß die Fortsetzung einer rigorose,» Liquidation deutschen Eigentums, wie sie noch bis zum heutigen Tag betrieben wurde, einer raschen Verständigimg nur hinderlich sein kann. „Dedisko" in der Wellfinanz. Internationale Auswirkungen der deutschen Großbankenfusion. Durch die Verschmelzung der Deutschen Bank mit.der Disconto- Gesellschaft ist ein Finanzinfliwt entstanden, das nicht nur gegen- über den andern deutschen Großbanken einen enormen Borsprung hat, saudern auch in der internationalen Bankenwelt einen hohen Rang einnimmt. Aus einer Gegenüberstellung, die kürzlich das Bankhaus Gebr. Arnhold anfertigte, ergab sich, daß die neue Groß- bank sowohl hinsichtlich ihres Eigenkapitals(Aktienkapiral und Re- serven) als auch ihrer Kreditoren(Fremdkapital) den amerikanischen und englischen Großbanken ziemlich nahekommt und die beiden größten französischen Banken sogar ganz erheblich überragt. Der Zusanmienschluß wird sich im internationalen Bankgeschäft auch darin auswirken können, daß der ansehnlich.« A u s- landsapporat, über den die Deutsche Bank wie die Disconto- Gesellschaft verfügen, nunmehr vereinheitlicht werden kann. Es handelt sich hierbei vorwiegend um die folgenden Interessen: Deutsche Bank Holland: Filiale in Amsterdam. Oesterreich: Enge Geschäftsverbindung mit dem Wiener Bank- verein, der drittgrößten Bank Wiens Kontrolle über die Haupt- bank für Tirol und Vorarlberg. Bulgarien: Fckiale in Sofia. Danzig: Polen, Spanien: Südamerik. Staaten: D i st onto- Gesellst oft Kontrolle über die Han- delsmij H. Albert de Bary S: Go, deren Aktien- kapital ViMill. Holl. Gulden beträgt. Kontrolle über die Bank Ephrujsi& Co., die vorwiegend im internationolen Finanzierungsgeschäft tätig ist: sie arbeitet mit der American Founders Cor- poration zu ammen. Kontrolle über die Kredit- bank in Sofia, die mehrere Filialen in Bul- garten hol. Gefchäftsbezichung zur Danziger Allgemeinen Ver- kehrsbank Filiole in Kaltowitz. Filialen in Danzig, Langfuhr und Zoppot. Filiale m Kattowitz Filialen der Deutsch' UeberseeischenBonkin Madrid, Barcelona und «evilla Kontrolle über die mit 30 Mill RM. Aktienkapital arbeitende Deutsch-Uebe'r- seeische Bank, die in Argentinien, � Brasilien, kapital 20 Mill. Milrcis be- Ehile, ilruguay, Peru und trägt, d. h., etwa 10 Mill. olioien arbeitet: sie Hot RM; sie hat insgesamt ö Kontrolle über die Brost lianisch- Deutsche Bank «B a n c o B r a s i l c i r o A I e in a o), deren Aktien- Türkei: etwa 25 Filialen: ihr lim saß beträgt 40 Milliarden RM, die Zahl ihrer An- gestellten im Ausland un- gefähr 2000 Filiale in Konstantinopel. 'Niederlassungen. Japan und Starkes Interesse an der Deutsch-Asia tischen China: Bank in Schanghai, die unter Führung der Disconto- Gelellschaft steht Ihr Aktienkapital beträgt�!, 6 Mill Haikwan Taqls, d h rund 7 Mill RM. Sie bes-izr 5 Filialen in China, 1 in Japan und 2 in Deutsch. land(Hamburg und Berlin). Nicht alle diese Institute hckben in den letzten Jahren mit guten Gewinnen gearbeitet, med die Disconto-Gesellschaft mußte z. B. die seit 34 Jahren bestehende Bank von Chile und Deutschland(Banco de Chile y Aemania) auflösen. Die Deutsch Asiatische Bank hat durch ein« Anzahl Boschlagliahmungen in den Kriegs- nird ersten Nach- kriegsjahren stark gelitten und tomrte erst im vergangenen Jahr nach vierzehnjähriger Pause wieder erstmalig Bilanz- und Gewinn- � abrechming ausweisen. Wahrscheinlich wird die Vertretung der beiden Großbanken in einigen Länden, rammehr einheitlich organisiert werden, so z. B. in Holland, Polen und Brasilien. Aus jeden Fall werden die jetzt gemeinsam beherrschten Auslandsbanken ein« erheblich größere Kapitalkraft haben und auch in der Finanzierung des deutschen Außenhandels eine.größere Rolle spielen können als bisher. ih. Glanzgewinne bei Hoesch. Die Blüte der Montankonzerne. Der Aussichlsrat des Stahl- und Zechenkonzerns H o e s ch-> K ö l n- R e u e s s e n hat beschlossen, die Dividende für das am 30. Juni obgeschloffene Betriebsjahr beim Stahlwerk Hoesch von (5)4 aus 7 Proz. und bei Köln-Ncucssen von 7 auf 714 Proz. zu erhöhen. Der starke Aufschwung der Montankonjunktur seit dem Frühjahr ivar also derart wirksam, daß nicht allein die Folgen der vier- wöchigen Stillegung der Stahl- und Hüttemverke im November 1928 sowie der ungünstige Einfluß der Kältewelle aus- geglichen, sondern noch weit höhere Gewinne als in dem sehr guten Stahljahr 1927/28 erzielt werden tonnten. So hat sich der R o h g e w i n n einschließlich der Abschreibungen von 17,4 Mil- lioncn auf 20,7 Millionen Mark, also um rund 20 Proz., erhöht. Die Abschreibungen auf die Anlagen wurden von 9,l Millionen auf 10,6 Millionen Mark, also um 16 Proz.. heraufgesetzt, und trotz dieser verstärkten Abschreibungen liegt der ausgewiesene Rein- gewinn mit 10,1 Millionen Mark noch um 23 Proz. über den Gewinnen des letzten Jahres. Der Leiter des Konzerns, Generaldirektor Springorum.der auf der letzten Generalversammlung End« Dezember neben starken Zsusfällen gegen die Sozialpolitik wörtlich erklärte, daß der Schiedsspruch Scvcrings tiefe Bitterkeit in den Reihen der Ruhrunternehmer ausgelöst habe, wird bei derartigen Glanz- gewinne» nicht mehr behaupten wollen, daß die Rentabilität der Schwerindustrie durch sozialpolitische Mahnahmen untergraben werde.— Nach Bekanntgab« des Geschäftsberichts und der Bilanz kommen wir auf den Abschluß des Unternehmens noch zurück. Die deutsche hacksruchlerule 1979. Nach den im Statistischen Reichsamt zusammengestellten vorläufigen Schätzungsangaben der Saatenstands- und Ernteberichterstatter wird die diesjährige deutsche Ernte an Spätkartosfeln aus 35,9 Millionen Tonnen ver- anschlagt. Emschließlich Frühkartoffeln ergibt sich ein Gesamt- ertrag der neuen Kartoffelernte von rund 38,5 Millionen Tonnen gegenüber 41,3 Millionen Tonnen im Vorjahre. 2ln Zucker- rüden wird die neue Ernte aus rund 10 Millionen Tonnen, on Runkelrüben auf 21,2 Millionen Tonnen gelchätzt gegen 11 Mil- lionen bzw. 2?,6 Millionen Tonnen bei der Ernte 1928. Krupp jchränkk du. Wegen mangelnder Beschäftigung Hot der Ärupp-Konzern Einschränkungen vorgenommen, wodurch etwa 900 Arbeiter zur Entlassung kommen. Hausfrauen! Bedient Euch im täglichen Kampf gegen Staub u. Schmutz unserer ausgezeichneten GECs-Putz- und Reinigungsmittel GEfi-Amo-Potz- n.-Scheuer- Pulver........ 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Oktober 1929 Unterhaltung und Wissen Vellage des Vorwärt« Alexander mn Sacher-Wafoch: 3}CT SctlfttSB lld* W?nii der flcrbftfturm in den Kiminen seinen warnenden Ge- sang anhebt, gelbes Blattwerk und kotgrausn Regen gegen die Scheiben wirft und an den Abenden die Wolken gegen den Sturm lausen in verkehrter Richtung, dann muß ich an jenes chaus am Dorfrand denkem Abgerückt von dem festgefügten Zug der Dorfstraße, ein- sam in sich gekehrt, lag dieses Haus an der Römerstraße. Die roten Lichter, die in der Dämmerung auf den Graten der Muntje und auf dem fernen Gipfel des Tarka standen, spiegelten sich in den vier Stückchen Glas seiner Front. Dieses Gebäude war uralt und dr« großen Quadratsteine seiner Grundmauern stammten vielleicht noch aus der Römerzeit. Di« Fenster waren klein und standen wie Schießscharten in den Mauern, ein durchlöchertes Schindeldach saß wie ein schief ausgesetzter Hut darauf.?sdes Jahr nahm der Herbst- stürm einen Teil des brüchigen Daches init sich fort und die Schin- dein tanzten oft kilometerweit über die Straßen und Felder. Das Haus verfiel von Jahr zu Jahr und nie sah ich jemanden mit seiner Ausbesserung beschäftigt. Dennoch war es bewohnt, wenn auch nicht ständig, so doch mehrmals im Jahre. Seins Bewohner kamen ohne Anmeldung, über Nacht waren sie da, pflanzten ihren großen, kupfernen Kess'l im Hofe auf, unter dem die gestohlenen Holzscheite lustig prasselten. Bunt geflickte, farbige Wäsche flattert« auf den Enden des Maulbeerbaumes, nackte, braune Kinder purzelten über den Fahrweg vor dem Haus rind an den Abenden erklangen die Geigen. Seit ich zurückdenken kann, war das Haus die Wohnstätt« fahrender Zigeuner, vom Dorf ihnen überlassen durch das unver- briefte Recht der Gewöhnung. Jahr um Jahr tauchten neu« Ge- sichter auf und verschwanden im Frühling oder im Herbst, über Nacht, wie sie gekommen waren, fortgetrieben von unbekannter Sehnsucht. In jenem Frühjahr, als der Schatz der Armen gefunden wurd.', meldeten sich die Hausbewohner— wieder fremde, nie gesehene Ge- sichter— erst im März. Der Tag war klar, weiße Wölkchen hingen reglos im blauen Tuch des Himmels und von der Ebene stiegen terzengerade Rauchfahnen in die Lust. Aus der Fern« leuchteten die SchneegipfÄ der Muntje herüber. Diesmal führten die braunen Kerle im Stroh ihres Placheuwagens einen Schwerkranken mit sich. Wie ein Lauffeuer verbreitete es sich im Dorf, dieser kranke, alte Zigeuner sei niemand trnd.'rs als Piderka, der vielgerühmt«, berüchtigt« Geiger, dessen Fiedel nach vor einem Jahrzehnt die Bet- jarsn und das Raubgesindel anfeuerte, vor ihren unrechtlichen Kämpfen gegen Ponduren und Gendarmen. Aber das mußte nicht wahr sein, denn niemand sah den alten Kerl genauer und im übri- gen gab es auch keinen im Dorf, der Piderka jemals gesehen hatte. Im April starb der Alte und sie begruben ihn nächtlicherweile im Fichtengehölz hinter dem alten Haus, steckten einen alten Besenstiel in dos Kopfende des Grabes und banden einen Fiedelbogen daran, so daß das Ganze nun doch aussah wie ein Kreuz. Unabsichtlich, wie ich glaube, denn als der Pfarrer spät genug von der Sache erfahren hatte, war die Zeremonie schon lange vorbei und der Frühlingsregcn prasselt« schon viele Tage hindurch auf den fremde» alten Mann nieder. Ein(wahrscheinlich gestohlenes) Ferkel war geschlachtet worden, und als der Spießbraden über der Glut lustig brutzelte und zischte, saßen die Mores, Rares und das übrige Gesindel mit unter- geschlagenen Reinen beim Leichenschmaus, wiegten die Bäuche hin und her und lachten. Denn e» ziemt, dos Leben zu leben im An- gesicht des Todes. Daß mit Piderkas Heimgang die Auffindung des Schatzes eng verknüpft war, sickerte erst allmählich durch und die Dörfler glaubten anfangs nicht fo recht an seine Existenz. Erst als sich Anfang Mai ungewöhnliche Mengen von Landstreichern und Gesindel in den nahen Wäldern des Sarko zusammenrotteten, gewann das Gerücht den Anschein der Wahrscheinlichkeit. In diesen Frühlingsnächten brannten neben den Feuern der Hirten auch die Feuer der Zigeuner auf den Bergrücken. Das Haus an der Römer- straße schien eine Art Hauptquartier geworden zu sein und nie wur- den in der Umgegend so viel Hühner, Enten und Schweine gestohlen wie in diesem Frühjahr. Als auch die Anzahl der herrenlosen Dorf- kötcr immer geringer wurde, wußten die Bauern, was von der Sache zu halten fei und säuberten die Gegend mit Hilfe der Orts- gendarmen in wenigen Tagen. Aber man wußte bereits viel davon, welcher Art und Herkunft der Schatz der Armen fei. Es waren Jahrzehnte gesammelte Spar- nroschen der Jettler und Landstreicher und ein Teil der Diebes- beute vegabundierendsr Zigeunsrgenerationen. Dieser Schatz ging von Hand zu Hand und war wohl in den letzten Jahren verschollen oewesea, sein Hüter war unbekannt und nur die Legende, die sich um ihn oussparmte, wie ein leuchtendes, für alle fahrenden Z/g«»n.'rfamilisn unerreichbares Symbol der Freiheit und der Heimkehr in oin ncrpe'scnes Land, lebte fort. Dieser Schatz be- deuirte mehr als Freiheit eines unbändigen, in alle Völkerschaften verlorenen Siainmes, es bedeutete den verlernten» vergessenen Be- griff Heimat. So dach-en es sich die vielen hundert Bettler und Zigeunerhäuptlinge, daß durch die Macht des Geldes einst diesem abenteuerlichen, aber glücklose» Leben ein Ziel gesetzt werden solle in Ihren Kindern und Kindeskindern. Und der Mann, der den Gcdai ken der Schatzhäufung zuerst hatte, war gewiß ein Phon- last, denn wer vermochte die Sandkörner wieder zu sammeln, die der Frühlingssturm in alle Winde zerweht hat. So stand es um den Schatz. Hört weiter seine Geschichte: Nachdem die Bauern und Gendarmen die Gegend von der Zipeunerplagc befreit hatten, trat Ruhe ein. Nur das Haus an der Römerftraß« war nach wie vor bewohnt. Hierher war man nicht vorgedrungen, man war es gewohnt, daß hier abenteuerliche Ge- s'llen hauste» und ließ sie gewähren Ich war damals«in Knabe und dos seltsame Haus zog mich mächtig an. Oft log ich in der Dämmerung viele Stunden lang im nahen Malsseld verborgen und beobachtete das Leven und Treiben vor und hinter dem alten G'- bände. Mütter säugte», am Boden kauernd, ihr« Kleinen, Männer und Weiber rvuchten aus langstieligen Pseisen, die sie sich aus Maisstengeln geschnitten batten, und die Musikanten der Gruppe mochten sich mit ihren Zimbeln und Geigen zu schaifen. Ein Gewirr v"» junge", blanken und uralten, faltig.'» Gesichiern. Hier b-ob- ackieie ich Kira. die Urahne der Sippschafl. die nfi lange Zeit bin durch unbew'pbch dasaß und a'f ein.' R- h? sHmieriaer Kai ten mederstorrte, die auigescklage» vor ihr im Sande lagen. Kira trieb sich auch manchmal im Dorfe herum und wahrsagte den Leuten aus der Handfläche oder aus den Karten. Zwei Gestalten waren do. in denen ich die Hauplperfonen vermutete. Ein vierschrötiger, krumm. beiniger Baßgeiger Bulbu und ein junger, lattendürrer Kerl, der Klarinettist, ich entsinne mich nicht mehr auf seinen Namen. Die beiden zogen jeden Abend in die zwei Stunden entfernte Stadt Koran hinüber, wo sie in der Kapelle des Gasthofes„Zum schwarzen Adler" spielten. Sie besaßen beide gemeinsam nur einen Frack, und dieses Kleidungsstück war ein Gegenstand täglicher Zer- würfnisse. Bulbu schien aus irgendeinem unbekannten Grunde mehr Anrecht auf den Frack zu besitzen als der Klarinettist, der letztere hingegen behauptete innner wieder, er sei viel mehr den Blicken der Gäste ausgesetzt als Bulbu, der jetzt als Baßgerg.-r doch nur im Hintergrunde, einem versteckten Platz, innehabe. Immer wieder lauschte ich an den Abenden, im Maisfelde liegend, gespannt auf das Ergebnis des Frackkampfes. Denn oft gelang es dem Klari- nettisten, Bulbu unter schrecklichen Flüchen und Verwünschungen den Frack für einen Abend zu entlehnen. Bulbu war ein ver- schlosiener, finsterer Kerl, und man hätte nie so früh vom Berbleib des Schatzes gehört, hätte der Klarinettlist keine Schwäche für Korn- schnaps gehabt. Um es rund herauszusagen, er trank unmäßig und plauderte in seiner Trunkenheit einen Test seiner Geheimnisse aus. Einmal brachte ich ihm Zigaretten, denn ich war längst mit ihm bekannt geworden, und als ich mich dem Haus« in der Dämmerung näherte, hörte ich schon von weitem Bulbus tiefe, ruhige Stimme und das kreischende Geschrei des Klarinettisten. Der Frackkampf war in vollem Gang«. Aber der Klarinettist hatte wieder einmal einen sitzen. Er schrie gerade:„Und ich sage dir, er ist ein Schuft, er wird den Schatz nie wieder herausrücken!" Bei meinem Anblick verstumniten sie jäh. Bulbu rieb sich ver- legen das unrasierte Kinn, auch der Klarinettist schien sehr er- schrocken und dienerte beim Anblick der Zigaretten mit falschem Grinsen:„Küß die Hand, süßes Herrchen, du hast ein Herz für den armen, alten Zigeuner." Was ich hier gehört hatte/schien mit den Gerüchten übereinzu- stimmen, die im Dorf im Umlauf waren. Es hieß, daß die Zigeuncrstämme, die ein Anrecht auf den Schatz zu haben glaubten, darüber in Streck geraten feien, ob er verteilt werden solle und in welchem Verhältnis. Wenige erinnerten sich seiner eigentlichen Be- stimmung. Und da sie nun nicht darüber einig werden konnte», hätten sie auf Bulbus Rat das Geld irgendeinem Magistratsschrci- der der Stadt Karan zur Aufbewahrung gegeben, so lange, bis sie sich geeinigt hätten. Man konnte nicht wissen, wieviel Wahrheit in diesem Gerücht steckte. Aber wenn ich heute zurückdenke, scheint mir von der ganzen abenteuerlichen Begebenheit vieles wahrscheinlich... Im Herbst stand das alte Haus verlassener denn je am Dorf- rand. Sie waren fortgezogen samt dem ernsten Bulbu imd den: leichtfertigen Klarinettisten, über Nacht, wie sie gekommen waren. Jahre später, als ich in der Stadt Karan die Lateinschule besuchte, hotte ich zum letzten Male vom Schatz der Armen. Es war Sonn- abend und im bunten Gedränge des Wochenmarkttages war es mir, als sähe ich ein bekanntes Gesicht. Der Mann war lang und dürr, ein abgeschabter Frack schlottett« aus seinem Leibe und er schwankte beim Gehen hin und her. Es war der Klarinettist. Ich rief ihn an. Offenbär erkannte er mich nicht, denn er war natürlich stockbetrun- ken. In diesem Augenblick brauste auf dem Fahrweg ein Herr- liches Viergespann vorbei. Ein Husar mit reich verschnürtem Rock sah auf dem Kutschersitz. Im Wagen saß ein kleiner, kahlköpfiger Herr, den Blick stolz geradeaus gettchtet. Diesen Herrn kannte ich vom Hörensagen. Es war ein früherer Magiftratsbeancker, der vor etwa einem Jahre durch eine amerikanische Riesenerbschqft un- vermutet ein steinreicher Mann geworden war. Sein Bild ging damals durch alle Zeitungen. Der Klarinettist starrte dem reichen Gespann und seinen, Besitzet* nach wie einem Gespenst. Er hob den Arm und drohte wild hinter- her. Die umstehenden Bauern schienen den besoffenen Kerl zu kennen, denn sie zwinkerten einander zu und lachten. Der Klarinettist ergriff zufällig meinen Ann, rüttelte mich und zeigte auf die Staubwolke, die schon dem Ende der langen Straße zurollte: „Schau, Domnule". sagte er,„dort fährt der Schatz der Armen!" fflenriß Slettflen: �>OfC Hilf Cid* Peking, 1929. In der Dämmerung fahre ich über das Glacis, da» sich zwischen dem Gesandtschastsviertel und der kaiserlichen Stadt erstreckt. Ein toter Mann liegt auf den Straßenbohnschienen und viele Menschen stehen auf einem Haufen, um ihn sich anzusehen. Der Rikschakuli erklärt: ein Soldat, der draußen am Straßenbahnwagen gehangen und den Griff losgelassen hatte. Beim Fallen wurde er getötet. „Run bleibt er vorläufig hier liegen", sagt mein Begleiter. „Niemand wagt ihn anzufassen und noch weniger zu sagen, er kenne ihn... aus Angst, er müsse die Begräbniskosten tragen!" „Aber die Polizei muß ihn doch wegschaffen", meine ich.„Man läßt doch«ine Leiche nicht mitten auf einer so stark befahrenen Straße liegen!" „Die Polizei mischt sich nicht gern in solche Dinge. Der Tod ist eine Privatsache. Vor ein paar Jahren wurde ein Mann er- schössen, als er im Rikscha am„Grand Hotel de Peking" vorüber- fuhr. Der Rikschakuli lief gleich davon, er wollte nicht in die Ge- schichte hineingezogen werden! lind die Leiche blieb in dem ver- lassenen Rikscha gerade vor dem Eingang zu Pekings vornehmsten Hotel drei Tag« lang sitzen." Zwei Tage später fahre ich wieder über das Glacis, diesmal bei hellem Sonnenschein. An der Stelle, wo der Soldat von der Straßenbahn gefallen war, dicht neben den Schienen, steht ein Sarg, der ärmlichste, der zu haben ist, aber doch ein Sarg. Der Dcckel ist mit fünf dicken Feldsteinen beschwert. Bermutlich hat die Polizei das Geld für den Sarg verauslagt. Aber den Toten zu entfernen, fällt den Behörden nicht ein. Sie warten ruhig ab, ob sich nicht irgendwelche Angehörigen melden. Ach, ein"chinesischer Soldat in Peking hat keine Angehörigen. Meist kommt er aus einer ganz anderen Provinz, tief aus dem Süden. In vielen Fällen ist sein Zivilberuf das Räuberhandwerk gewesen. Der Sorg bleibt auf dem Glacis eine Woche lang stehen. Die Straßenbahn streift ihn fast im Vorbeifahren. Di« Automobile der Generäle fahren mit ihrem weißen Laternenschein im Dunkeln darüber... einen Augenblick taucht er aus der Nacht auf mit seiner schmutzigen Firnisschicht auf dem armseligen Holz und den fünf Feldsteinen auf dem Deckel. Tausende von Menschen gleiten gleichgültig im Strome dahin. Aus den Kabaretts hört man Balalaika und das Siampfen russischer Kosakenstiefel. Im„Pavillon" singen und stepen die amerikanischen MarinefoldaBn. Keiner denkt daran, dem Soldaten ein Begräbnis zu geben und seiner ruhelosen Seele Frieden zu schassen... die irrt auf den Schienen umher und mein Rikschakuli dreht den Kopf nach der anderen Seite, wenn wir an der Stelle vorbeikommen. Heute ist der Sarg plötzlich verschwunden. Wahrscheinlich hat man die Straßenbahngesellschaft gezwungen, die Begräbniskosten zu tragen. Der tote Mann war ja ein Verkehrshindernis... Ein hochstehender Offizier wurde voriges Jahr getätet, während er im Rikscha durch die Hatamenstraße fuhr; er stieß mit einem Straßenbahnwagen zusammen, die Schuld daran trug der Rikscha- kuli. Nichiedestoweniger verlangten die Hinterbliebenen Schaden- erjatz, viele tausend Dollar, von der Straßenbahngesellschaft. Als dies« sich weigette zu zahlen, begab sich die ganze Familie an die Stelle der Hatamenstraße, wo das Unglück passiert war. Witwe und Nebenfrouen, Söhne und Töchter, Enkel und Urenkel, sämtlich >n Sack und Asche gekleidet, knieten schluchzend auf den Schienen nieder. Und da blieben sie liegen. Aller Berkehr stockte drei Stunden lang. Und sie kamen Tag für Tag wieder, bis die Straßen- bahngesellschaft mit der Entschädigung herausrückte. Es war eben nichts anderes zu machen, aks zu bezahlen. Mit jedem Tage blieb die Familie länger auf den Schienen liegen. Weiterzufahren wäre Massenmord gewesen, und die Hatamenstraße ist eine der Hanptver- Ichrsadern: Das Leben in Peking drohte zu zerfallen. Als die Anfupartei an der Macht war, wohnten viele Minister in den westüchen Bergen. Um die Berbindung zu erleichtern, wurde ein« funkelnagelneue Automobilstraße zwischen Peking und den Bergen angelegt, und eines Tages überfuhr das Auio des Verkehrs- minister»«in klewes Mädchen. Ei« starb und die Eltern verlangten SlXX> Dollar Schadenersaß. Der Verkehrsmimster fand den Betrag irrsinnig hoch und die Eltern stellten nun den Sarg mit der Leiche des kleinen Mädchens mitten auf die Straße, genau auf die Stelle, wo es getötet worden war. Hier blieb er zwei Monate stehen. Der Berkchrsmmister hatte selbst die Straß« anlegen lassen, aber er wogt« nicht, Macht anzuwenden, um den Sarg zu entfernen. Die Autos setzten ihre Geschwindigkeit herab und bogen aus. Es mof gerade Sommer, und die Leiche stank fürchterlich. Schließlich konnte deswegen niemand mehr fahren. Di« Straße lag öde da... Um überhaupt diese Strecke benutzen zu können, die auf sein eigenes Machtgebot hin angelegt worden war, sah sich der diktatorische Minister schließlich genötigt, zu zahlen, was die Eltern verlangten. Das kleine tote Mädchen war auf die Dauer die stärkere gewesen. Erik Palm: gltl (Aus dem Schwedischen von Age Aveirstrup und Elisabeth Treitel.) Es war einmal ein Mann, der zur richiigen Auffassung von allem gekommen war. Darum kaufte er sich einen guten, aber preiswerten Revolver, verriegelte die Tür und steckte sich ein« letzte Pfeif« an. „Der Mensch hat immerhin ein gewisses Ewigkeitsbedürfnis, eine Sehnsucht in der nächsten Generation fortyuleben", dachte er und setzte sich hin und schrieb«in paar Abschiedsbriefe an feine Freunde. Es waren schöne und gut« Briese, denn«r fühlte sich über das Alltägliche erhoben, und mit gewissem Versasserstolz und Mättyrcrselbstgefühl unterschrieb und versiegelte er sie. „Ich werde sie selber einstecken", dachte er und ging zum nächsten Briefkasten. Als er die Briefe gegen das Blech fallen hätte, hatte er ein Vorgefühl seines eigenen Begräbnisses. Still kehrt« er i» sein Zimmer zurück. Es hatte ja weiter keine Eile, fand er, und genoß fast die Stimmung. Während der Mann unten gewesen war, war der Briefträger bei ihm gewesen, und als er zurückkam� steckt« eine kleine Post- amveisung im Brief losten. Es war weiter kein großer Betrag. aber er reichte immerhin aus, um dem Mann«ine neue, absolut richtige Auffassung von allem zu geben. Und als er noch«in paar Pfeifen geraucht hatte, legte er den Revolver etwas beschämt in einen Kasten, ging in«ine Kneipe und fand alles sehr ulkig. Und dann kam er schließlich wieder nach.Hause, ging zu Bett und schlief gut, wacht« gestärkt und fröhlich auf und dachte weder an die Brief«, noch an ein« richtige Zluffassung von allem. Plötzlich klingelte es ungestüm an der Tür, und als er an*- machte, stand sein bester Freund draußen, in Begleitung eines Schutzmannes. Der Freund wäre beinahe auf den Rücken gefallen. „Du lebst?!, rief er.„Was soll denn das bedeuten?! Soll das ein Witz sein?" „Ja, soll das«in Witz fein?", echote der Schutzmann. Der Mann wurde sehr verlegen und wußte nicht recht, was er sagen sollte. „Nein, ein Witz mar es wahrhaftig nicht. Aber es ist nichts draus geworden. Ich habe es mir überlegt." ..Sooo", sagte der Freund ziemlich külst. ,,Na, das ist ja erfreu- sich. Aber du hättest einem auch die Aenderung mitteilen können, dann hätte man sich nicht umsoyst zu bemühen brauchen. Man muß doch wissen, was Mtan will." „Lassen Sie dasl", warnte der Schutzmann.„Es könnte schlimm enden." „Na, dann kann ich ja wieder gehen", fubr der Freund fort. Er war ziemlich verärgert. Er hatte näml'ch schon eine aus- gezeichnete Idee zu c nein Nachruf. Ter Freund und der Sctutzmann entfernten sich, aber der Mann ging hin imd erschoß sich, denn er war wieder mal zur richiia-' Auffassung von allem gekommen. Außerdem war das Geld von � Postanweisung zu Ende. Der Freund schrieb einen sehr sympathischen Nachruf. Cfcftntutsats fit tiefe SstfH And »etil» s»«8, Sindeastr-Ze 3, parieinachnchten ffMk für Groß-Verlm stet» e» de»»eilrtefdreteriol i. Hof, 2 Treppe» recht», zurichte» t. Kteie Prenzlouer Set». Der ftutfue der©eitefün Dr. Doro aliftische und sozialistlfche Wirtschaftspolitik" findet an, 2S. Oktober, fanbern erst am ifreitoa. I. November... i!. aiet» Friedrich» Hain. Achwna. Abtrilunosleiter! Die Eintritts heute um A Uhr von der bekannten Stelle abzuholen. nten find heule. Freilag. 25. Oklober. •'S. Abt. DhoÄotteuiur«. Sämtliche Funktionäre troffen sich heute um Uhr bei Sur. Huttenftr. SK. Wichtille Abteiluilgeanselesenheiten. Morgen. Sonnabend. 26. Oklober. ■■■«- Abt. Alarieadorf. Die Genossen werden ersucht, sich recht zahlreich an dem moraiaen Konzert des Bollschors im Parkrestaurant Lildende zu beteiligen. Die Abteilunasleitun». 117. Abt. Lichtende rg. Alle Genossinnen und Genossen sowie„Borwärts�.Leser werden gebeten. um 10 Uhr im Lokal des Flulldates, KSvenieker Thaussee, zu erscheinen. 173. bi» 13». Lbt. Pa»k-«. �um Umzug mit Musik durch Pankow treffen sich alle radsobrenbeu Genossen und Senotsinnen um l'li Uhr auf dem Markt. plah. Türkisches Feit. 13k. Abt. Niederschänhanfen. Di« Bezirk-rllhrer holen die Handzettel abend« vom Genossen.-Herbert Seider. Kaiser-Bilhelni�tr.»2. bei Weqner, ab. Sämtliche Genossen mit Fahrrädern treffen sich um 18 Uhr ebendort. Zungsozialisten. Gruppe«etbi»«,Ge!ie»dbr»»»e»! Heute, Freitag. l»i-i Uhr. t» der»«teil G-Hille, Gotenburger Strohe. Znngwählerversgmmluug. Referenten: Stabtrat ideale»nd Stabifugendpfleqee Hensel. Da» Erscheinen allee Mitglieder um 1» Uhr ist Pflicht.— Am Eonntag, 27. Ottaber, machen wir mit der ArbeUee. fugend eine kaudoqttationssahrt nach Kremmen. Tresspnnlt llhi Übe Bahnhof «efundbrunnen, Eingang Badstrasie. Alle müssen erfcheiaen. Gruppe Schoneberg: Heute. Freitag. 20 Uhr. im Jugendheim Hauptstr. lZ, Schwaben lanbzimmer, Deltpolitticher Znformationsabend. Sonntag. 27. Okto. Her, Fahrt. Näheres in der Gruppe. Geburtslage. Jubiläen usw. ». Abt. Neukölln. Unserem Parteinetera»»od Funktiouäe Ott» P,» i i> »od feiuer Feau, Weserstr. 4», gratuliere» wir»och»achtraglich herzlichst zu ihrem Fest der Silberhochvit imd»Saschen ihnen weiterhin Gesundheit und Nohleegehe». 128. bi» 130. Abt. P»ui»u>. Unserem liebe«, über drei Zahrzehate arwerl, ütaftlich und politisch unermüdlich tätigen Genossen Susta» Barthel, tRSHlenstr. tZ, nebst seiner treuen Mitkämpferin die herzlichsten Glückwünsche zur Silberhochzeit. | Sterbetafel der Groß> Berliner Partei- Organisation| 28. Abt. Am Montag, ZI. Oktober, verstarb unser Genosse Otto Hilbe. brand. Wörther Str. 8. an den Folgen einer Sriegsvrrlctzunz. Ehre seinem m«otawSeu*.». öftober, Uhh«Sa. w Hamtf __ r bitten um rege Beteiligung. ____ Montag, SL Oktober, verstarb unser Genosse S e I m u t b Saemerow, Landsberger Str.»0. Ehre seinem Andenken! Einüscherung heute. Freilag, 2S. Oktober. 1« Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Wir bitten um rege Beteiligung. 47. Abt. Am 22. Oktober verstarb unsere Genofstn Mathilde Reichardt. Muskauer Str. ZL Ehre ihrem Andenken! Einäscherung am Sonnabend, Ä>. Oktober. IS Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Um rege Beteiligung wird gebeten. �«SoziallstischeArbeiterjllgendGr.-Verlin Einsendungen für diese»übest nur an da« Fugendsttertgekot I Berlin GDSS, etndenstraße 3 Karten für.Danton, Tod", gespielt am kommenden Sanntag, 15 Uhr. in der Volksbühne, stnd im Sekretariat zu haben. Karte zu 90 Pf. Abteilungsleiter, sargt dafür, daß die noch ausstehenden Abrechnungen von der lL-Iahr-Feier und Ebert-Heim-Marken vorgenommen werden! Heule, Freitag. IgzH Ahr. Arkonaplah: Schule Gllsabethkirchftr. 19:„Geschlechtskrankheiten".— Kill- nischer Park: Heim Waisenstr. 18:„Die Ursachen her deutschen Revolution".— Rosenthaler Porftadt: Heim Fehdenicker Str. 25:„DagespolitKche Umschau".— Feiltrnm: Heim Landsberger Str. öv:.TagespoMifche Umschau".— Hansa: Heim Bochumer Str. 8d...Kommunolwahlen.— Moabit I: Schule Waldenser, n. ra sie 19—29:..Gewerksichofts-Internationale".— Moabit Ik: Seim Lehrter Straße 18—19:»Warum Gewerkschaften?"— Arnswalder Plag: Heim Rasten- hurger Ecke Wehlauer Straße:„Grundssäjze des Sozialismus". 1. Teil.— Falk- plall II: Heim Sonnenburger Str. 29:„Alkohol und Nikotin".— Kelmholhplajz: rosse» bedriklae» sich a««wuito» s» der Werbefahni der AunghozmMten naH Kremmen. TreffpuÄt 8 Uhr Bhf. Sefundbrwnnen. Werbebezirt Kreuzberg: Beginn des Bildungskursu» im Heim Wassertorz straße 9.„Einführung in den Sozialismus." Referent Genosse V. sinlko. » Werbebezirk Mitte: Margen, Coniuzhent. W.-P.-Vorstanhssißung im Heim Elifabethkirchstr. 19. Werdebezirl Prenzlauer Berg: Morgen, Sonnabend. W..B.-Mitgliede:ver. fammlung im Heim Danziger Str. KZ.„Der Kampf um die Kommune/' Rc» ferent Genosse Otto Faus. Die Abteilungen beteiligen stch geschlossen cm der Versammlung. Mitgliedsbücher stnd mitzubringen. Parte, genvisinnen und Genossen snrd freundlich eingeladen. Vorträge, Bereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold'. ieschättsNelle: Berlin S. 14. Sebastiaksir. Z7/SL, öo' 2 Tr. Oä Freitag. 25. Oktober. Eharlottruburg: 20 Uhr Iugendversamm? unz 8t»-w im Edenpalait. Friedrichshai»: Kam. Helmut Saemerow. Landsberger Straße 99, ist pisblich verstorben, Einäscherung 19 Uhr Krematorium Gerichtstraße. Um rege Beteiligung wird ersucht. Neukvlln-Briß. 3. Kameradschaft: 29 Ubr Kameradschakisveriaminlung bei Kinzten. Tbomasstr. A. Köpenick sOrts» oerein), Svortabteilunq: Der Sporr beginnt an diesem Freitag erst um Ätsiz Ulm bis 21-!. Uhr.— Sonnabend, 2«. Oktober. Reukölln-Brih: Pflichtantreien ....... im DanziWWWVMW» ..Warum freie Gewerkschaften?" Referent Dr. Kucharikv.— Wörther Plast: Schule Kostanienallee 82:„Der Feppelin als Mittel zur Völkerverständigung". — Anbreasplast: Seim Brommpstr. I:„Sozialismus und Kirche".— Stralouer Viertel: Seim Gsßlerstr. kl:„Sozialismus und Religion".— Warschauer Viertel: Heim Litauer Str. 18:„Sexuelle Fragen".— Warschauer Viertel, 3t. F.! Heim Litauer Str. 18:„Was wollen die Rationalsozialisten?"— Schöaeierg I; Heim Hoimlstr. 15:„Delriebsrätefragen".— Schöneberg U: Seim Hauptstr. 15: Sumoristischer Vortrag.— Schöneberg IV, R. F.: Heim Hauptstr. 15:„Stadtverordneten mahlen".— Gharlottenburg: Heim Rosinen- strasie 4:„Dc- Kampf um die Jugend".— Eharlottenbueq-Süd: Seim Snbel- straße 2:„TAI. und Kommunalwahlen".— Dahlem. 91. F.: Seim Kehlendorf, Bahnhofstr. 3:..Danvkratie oder Dikiatur?"— Martendorf: Sein: Dorfstr. 7: ..Kommnnalwahlen".— Schöueberg Nl: Seim Tergftr. 29: J5a.d London".— Neukölln VI: Seim Treviower Str. 96:..Seitere Geschichten".— Banmsckmlrn- weg: Heim Ernltstr. 19: Kommunolwahlen".— Niederfchönewelde: Schule Berliner Str. ZI:„Ardeitsrechtliche Fragen".— Treptow: Heim Elsenstr. Z: Versammlung.„Sozialistische Kommunalpolitik." Referent Stadtverordneter Genosse Eichberg. Alle Gruppenveranitaltungeu fallen aus.(Die Funktionär- konserenz am 26. Oktober findet nicht statt.) Werve bezirk Weddtng: Beteiligung an der Iunowäblerversammlun« in der Schule Gotenburger Str. 2.— Aeltrtengruppe fällt an». Alle älteren Gr- 29 Uhr im Stadtibrater. Friedrichstr. 112, Familienabend. Lichtbildervortrag: „Geltreise dc» Fcppeiiv.". Bundeaverfossungsieier 1929. Anschl. �anz.— Sovn- tag, 27. Oktober. Spandau: Antreten zur Propaqaickmfabrt L'o llhr Ra'Imus» vorplast, Staaken 9 Ahr Falk-nhagenrr Chaussee. Pflichtveranstaltung. Treptow tOrtsverein): Pflichweranstaltung Kreis Süden. I3hi Uhr Lausister Plast. Abfahrt Schöneweide 12.59 Uhr. Alle Handballspieler stnd um 8 Uhr bei Wink, ler. Oberschöneweide. Wuhelminenhof- Ecke Sailoßparkstraßc. II. Zstanvilliatt spielt von 9—19 Uhr gegen Weißensee. Neue Spiele: willkommen. R-inicken» darf iOr'sverein): Morgens 7>/, Uhr Antreten für Reinickendorf-Oft, Bosrnthal. Zielidenzstraße Ecke Schönhol, er Weg. Vi llhr Reinickendors.Wrsr, Wittenau. Sportrrstaurant Scharnwederstraße. Tegel. Sermsdorf, Borsigwalde 8 Uhr ig Tegel. Berliner Ecke Hauptstraße, zur Autofahrt. Pünktliches Ericheinrn Pflicht. »eichskartrll Republik. Sonntag, 27. Oktober. Soortplast Frirdrichsfelde: ?on 9—12 Uhr schießen die Ortsvereine Reinickendorf und Wedding, von 12—17 Uhr Kreuzberg und Prenzlauer Berg. Dir folgenden Tage bis ein» schließlich Freitag bleiben den genannten Ortsvereinen ebenfalls frei. Steglitz fOrtsverein)): 19—12 Uhr Uebung-schießrn im Lichterfelder Schüstenhaus. Arbeiter, Sa mariter-Bund.«, B., Kolonne Berlin. Geschäftsstelle: N. 24. Große Samburgcr Str. 2V. Telephon: v 1 Norden ZZw. Die Abteilung Prenz- lauer Dera hat am 26. Oktober, 19 llhr, eine Mitgliederversammlung in der Schule Kostanienallee 81—83. überaidt man nur dem Nackwet« de« Deullchen Mustkeroerbandes, Berlin. Kem» mandantenstr 61,64. Tönhoff Z27l-.» Ge!chäst»zelt 9-5. Sonntags 19—2 Uhr. Aul Wunsch: Bertrrterb-such -AT 0ßft\o tffaktäUffrSik■ Vwrkauf soweit Vorrat— Monden ebgeü,« vorboheltoM 1« W Gemüse und Obst Möhren n Kohlrüben._ WeUtfcofal... Roikohl...... Wirtin gkohl Spinal.......... Zwiebeln____________...» Kartoffeln............... to Kochbirnen............. �....3 Em- u. KochSpfel«nw... 3 Fr an»öi. Wein... Nene Paranfiue.. Amertk. Gravenilehter... Goldparmänen ..«a. 5pf. ..nd.4Pf. ..m 5pf. .JM.7pt . m 7pf. m ISpt. Kd. SOPf. pick. S4pl Pfd. 15Pf. pick. ISrf. pia 58p f. TM«2Pf. PIA 30PI. 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Der Deutsche Metallarbeiterverband führt eine genaue Kon- trolle über die Rohrleger und Helfer, die zu den Bedingungen des von ihm mit dem Arbeitgeberoerband vereinbarten Tarifvertrags arbeiten. Anfang dieser Woche ergab die Zählung folgendes Bild: In den Betrieben des Arbeitgeberverbandes arbeiten zur Zeit etwa 3420 im Metallorbeiterverband organisierte Rohrleger und Helfer. Hierzu kommen noch 20S Arbeiter der ringfreien Ha wag und 232 Arbeiter der gleichfalls nicht dem Arbeitgeber- verband angeschlossenen Firma R e t t i g. Noch den Angaben Nieder- kirchners arbeiten 900 seiner Anhänger in Betrieben, die die Forde- rungen der.LZereinigung' anerkannt haben. Somit stehen rund 4700 Rohrleger und Helfer zurzeit in Arbeit. Beim Facharbeits- Nachweis für das Berliner Rohrlegergewerb«, wo sämtliche Rohr- leger und Helfer verzeichnet werden, sind rund 5200 Rohrleger und Helfer eingetragen, so daß demnach nur noch etwa 500 Rohrleger und Helfer streiken würden. Dabei hoben wir nicht in Rechnung gestellt, daß in der vorgerückten Jahreszeit bereits E n t l a s s u n- gen vorgenommen werden, so daß es nicht sicher ist, ob es sich bei den Rohrlegern, die nicht in Arbeit stehen, um Arbeitslose oder um Streikend« handelt. Dos ist der Stand der„Durch- bruchschlacht'. • Nun zu ihrer Führung. Die oerschämte und unverschämt« kommunistische Presse tut sehr empört, weil die Streikleitung eingelocht wurde. Sie schreit über„Terror'. Wir hoben Einblick ge- nommen in weit über hundert Protokolle des Metallarbeiterver- bandes über U eberfälle auf organisierte, zu Tarifbedingungen arbe!- terck»« Rohrleger und Helfer durch Anhänger der verhafteten Streik- leitung. Aufs Geradewohl greifen wir folgende Fäll« heraus: Am 11. Oktober wurde der Rohrleger Rudolf W., wohnhaft in Neukölln, gegen Uhr beim Berlassen seiner Wohnung vor dem Hause von mehreren Personen überfallen und mit Schlagringen derart zugerichtet, daß sein Anzug über und über mit Blut bedeckt war. Ueber die Verletzungen liegt ein ärzt- liches Attest vor. Der Derletzt« klagt heute noch über Schmerzen in der Stirn-, Kops, und Nasengegend. Die Rowdys sind unerkannt entkommen. Der Verletzte ist bereits am 13. September auf einer Baustelle in Charlottenburg überfallen worden. Di« damaligen Täter D ä h n und Weiß sind polizeilich festgestellt und bereits abgeurteilt worden. Am 3. Oktober um 14 Uhr wurde der Monteur Willi M. aus Potsdam auf der Baustell« am Poststadion in der Lehrter Straße von einezn Rollkommando in Stärke von 25 Mann iebersallen, mit Hämmern und Lötlampen geschlagen, mit dem Kopf auf die Werkbank gestoßen, schließlich zu Boden gerissen und dann noch mit Fußtritten und Schlägen auf den Rücken traktiert. In Attesten der Rettungsstelle Moabit und eines Pols- damer Arztes werden die schweren Verletzungen bescheinigt. Der Verletzte klagt ebenfalls noch über Schmerzen im Rücken und im Kopf und muh sich wahrscheinlich einer Operation der Schädel- decke unterziehen. Als einer der Täter wurde der Rohrlegerhelser Willi D o b r u n z, Berlin, Pettenkoferstraße 10, festgestellt. Am 10. Oktober erschienen in der Baubude der Firma Degen auf dem Neubau des Alhambro-Hotels am Kurfürstendonnn vier Mann, die nach dem Rohrleger Paul M., wohnhaft in Friedenau, fragten. Di« Firma Degen hat die Forderungen der Niederkirchner- Vereinigung anerkannt. Als sich M. meldete, wurde er gefragt, ob er die 20 Mark wöchentlich für die streikenden Niederkirchner-Rohr- leger abführen wolle, was M. verneinte. Daraufhin wurde er von den vier Mann angegriffen, ihm das Nasenbein zer- schlagen, beide Augen blaugeschlogen und der Kops mit einem � harten Gegenstand„bearbeitet'. Als Mitbeteiligt« wurden der Heizungsrohrleger Otto Müller, wohnhaft An der Fischerbrücke in Berlin, und der Rohrleger Eduard Buttler aus der Wich- lischstraße 27 in Lichtenberg festgestellt. Am 10. Oktober wurde der 65 Jahre alte Monteur Rudolf H-, wohnhaft im Norden Berlins, als er des Morgens zur Arbeit gehen wollte, in der Nähe der Straßenbahnhaltestelle Schul- Ecke Prinz- Eugen-Straße von etwa 30 Mann überfallen und mit einem scharfen Gegenstand und durch Fußtritte schwer miß- handelt. Seine Brille ging bei diesem„Heldenkampf' in Trümmer. Unterhalb des blutunterlaufenen rechten Auges hat er eine tiefe, scharfkantige Wunde. Da keine Polizei in der Nähe p>ar, tonnten die Rohlinge unerkannt entkommen. Am 8. Oktober, vormittags 11'ch Uhr, wurden der Rohrleger- Helfer Alfted N. und der Rohrleger Johann A. auf der Baustelle der Ha wag in Lichtenberg von 8 bis 10 Mann über- fallen und in unbeschreiblich roher Weise so mißhandelt, daß sie den Bau verlassen mußten. Der Rohrleger A. erhielt durch Messer- stich« so schwere Verletzungen, daß er nach dem Hubertus-Kranken- haus in Lichtenberg geschafft werden mußte. Später gelang es, einen der Täter polizeilich feststellen zu lassen. Schließlich sei noch an den feigen Uebersall auf den Rohrleger- Helfer Erich B. aus der Uhlondstraße 62 erinnert, der im„Vor- wärts' vom 19. Oktober bereits mitgeteilt wurde. B. liegt immer noch infolg« der Messerstich«, die anscheinend die Lunge ge- troffen haben, lebensgefährlich im Krankenhaus Weißensee danieder. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus mehr als hun- dert ähnlichen Fällen. So wird die„Durchbruchschlacht' geführt. » Und nun die Finanzierung. Wer 20 Mark von seinem Lohn an die„Vereinigung' abgibt, ist ein kommunistischer Held und darf somit— obwohl er arbeitet— an der Durchbruchschlacht teilnehmen. Wer sein Geld behält, ist ein„faschistischer Streik- brecher" und wird„auf bolschewistische Art'(siehe oben) behandelt. Also 900 Durchbrucharbeiter liefern wöchentlich je 20 Mark ab. Das ergibt die hübsche runde Summ« von 18 000 Mark wöchentlich. Außerdem wird gesammelt. Wir haben errechnet, daß min- destens 80 000 Mark jede Woche eingehen müssen, wenn nur ein Zehntel der Berliner Arbeiter der KPD. folgt. Das ergäbe rund 100 000 Mark die Woche. Dazu kommen die außerordentlichen Spenden.(Die Sklareks sind freilich jetzt etwas behindert.) Die Berliner Zimmerer gaben 25 000 Mark. Etwa 500 Rohrleger sind noch zu unterstützen. Wenn jeder Rohrleger im Durchschnitt 30 Mark die Woche Streikunter- stützung bekommt, so macht das die Woche 15 000 Mark. Da die „Durchbrucharbeiter' allein 18 000 Mark aufbringen, kann man sich ausrechnen, wieviel auf dem Wege von der Sammlung bis zu den Rohrlegern bei der KPD. und deren Bonzen hängen bleibt. Dabei noch eine Bemerkung. Der russische Metall- arbeiterverband tut kund und zu wissen, daß er für die große„Durchbruchschlacht" durch Sammlungen 10000 Rubel aufbringen wird. So etwas von Schäbigkeit gibt es wohl nicht mehr. Aus der We st entasche könnte eine so große Organisation die Rohr- leger aushalten. Das ist bolschewistische Solidarität? „Durchbruch!" 500 von mehr als 5000 sind arbeitslos und werden als Streikende deklariert. Sie fallen über organisierte Ar- beiter her und mißhandeln sie in unglaublich roher Weise. Dafür werden Riesensummen verausgabt. Durchbruch? Die erste Silbe scheint mindestens überflüssig. Seeschiffahrtskonferenz kommt langsam voran Kritik der Arbeitervertreter. Gens, 24. Oktober.(Eigenbericht.) In der Donnerstagsitzung der Seeschiffahrtskonferenz kam der Unmut der Arbeiterfraktion wegen des Boykotts der Reeder verschiedentlich mit berechtigter Schärfe zum Ausdruck. Sowohl bei der Behandlung der Krankenversicherung der Seeleute in der Donnittagssitzung wie bei der Debatte der seemännischen Fragen im Berichte des Direktors des Arbeitsamtes nagelten die Arbeiter- Vertreter, u. a. Köhler, der Leiter der Reichsabteilung der See- leuie im Deutschen Verkehrsbund und Voß wiederholt die offene und geheime Ablehnung der seemänifchen Sozialgesetzgebung durch die Reeder fest. Die Reeder schwiegen und überließen es T h o m a s, sich mit der Kritik auseinanderzusetzen. Köhler führte u. a. aus:„Die erste Phase dieser Konferenz hat genau die wahre Natur der Schwierigkeiten gezeigt. Wir haben seit 8 Jahren eine wahre Sisyphusarbeit zu leisten. Die Ursache der Ergebnislosigkeit liegt zweifellos an einem gewissen schlechten Willen auf der Seite der Reeder. Wir Arbeitervertreter halten es für notwendig, zu überlegen, ob die Zusammenarbeit in der Kommission fortgesetzt werden kann und ob es nicht besser wäre� die maritimen Arbeiten in das Ganze der internationalen Arbeitsorganisation einzugliedern und auf maritime Sonderkonferenzen zu verzichten." Thomas wies darauf hin, daß er die Reeder nicht zwingen könne, die internationalen Abkommen zu ratifizieren, daß aber im übrigen die Abkommen des Arbeitsamtes noch mehr ratifiziert würden als die des Völkerbundes. Er bat die Arbeiter inständig, nicht das schlechte Besspiei der Reeder nachzuahmen. Die Frage der Aufhebung der besonderen Seeschiffahrtskonferenzen ließ er un- beantwortet. Der Bericht der Krankenversicherung der Seeleute .sieht mehr Verpflichtungen der Reeder für die Fürsorge auf den Schiffen erkrankter Seeleute und die Fassung allgemeiner Kranken- versicherungsbestimmungen für die Seeleute überhaupt, vor. Die Tendenz des Merkblattes zeichnete am besten der Präsident der Kommission, der deutsche Ministerialdirektor Grieser mit den Worten:„Es galt eine mittlere Fassung zu finden, die für all« Mitgliedsstaaten bei internationalen Arbeitsorganisationen an- nehmbar war." Die Reeder ließen erklären, daß sie nationale Regelung einem internationalen Abkommen vorzögen und stimmten in ihrer Mehrheit gegen den Entwurf des Merkblattes. Das Merkblatt wurde in der Kommissionsfassung angenommen. Am Schluß behandelte die Vollsitzung noch einige Resolutionen, von denen eine indische Entschließung, die die Koalitionsfreiheit der farbigen Seeleute sichern soll, abgelehnt wurde. Viele Regierungsvertreter, darunter die Vertreter Deutschlands und Englands, enthielten sich der Stimme, während die Arbeiter für die Resolution stimmten. Konfltki im Einzelhandel. Oer Schiedsspruch von den Arbeltern abgelehnt. Der Lohnvertrag für die H and e l s a r b e i ter im Berliner Einzelhairdel war vom Verkehrsbund zum 4. Oktober gekündigt und eine zehnprozeniige Lohnerhöhung gefordert worden. Wie von uns bereits mitgeteilt, lehnten die Unternehmer jede Verhandlung ab, so daß der Schlichtungsausschuß eingreifen mußte. Während in den früheren Verhandlungen vor dem Schlich- tungsansschuß der Berliner Einzelhandel mit den gesamten Prominenten erschien, hatten sie diesmal nur den Syndikus des Berliner Arbeitgeberverbandes und zwei Vertreter der Firma Wertheim entsandt. Auch dies« Herren lehnten die Ford«- rungen der Einzekhandelsarbeiter mit der Begründung ab, daß sich der Berliner Einzelhandel zurzeit in einer geradezu„katastrophalen Lage" befände. Demgegenüber wurde von den Mitgliedern der Lohnkommission, die in den Betrieben stehen, der Beweis erbracht, daß die Warenbestände der Lager während des letzten Geschäfts- jahres mehrmals umgesetzt worden sind und sich z. B. auch die Finna Karstadt für dieses Jahr gegenüber ihren Aktionären zu einer Zahlung von' 12 Proz. Dividende ver- pflichtet hat. Der Schlichtungsausschuß fällte schließlich«inen Schieds- f p r u ch, wonach in Zukunft alle Arbeiter durch die Beseitigung des sozialen Zuschlages für Verheiratete einen Einheitslohn erhalten sollen. Demnach würde der Lohn für die verheirateten Handelsarbeiter um 1 M. pro Woche auf 47 M. und der für die ledigen Arbeiter um 2 M. pro Woche ebenfalls auf 47 M. erhöht werden. Für die jugendlichen und weiblichen Arbeitskräfte sieht der Schiedsspruch die gleiche prozentual« Lohnerhöhung vor. Das Abkommen soll vom 19. Oktober bis zum 3. Oktober 1930 gelten. Zu diesem Schiedsspruch nahmen am Dienstag im Großen Saal des Gewerkschaftshauses die im Verkehrsbund organisierten � WM iHiiiiiiuyiirniii Vom 25. Okt. bis 3. Nov. Damen-Spangenschuh.m. �90 Laufabs., strapazierfähig � Damen Lack• Spangen. schuh, hübsches Modell mit Laufabsatz....... Damen braun Boxkalf- Spangenschuh,festerAbs. Damen Lade- Spangenschuh, m. schw. Wildleder- Kombination, Irotteur- u. LXV.-Absatz........ Herr.-Halbschuh, schwarz �90 Rindbox, ein Schlager.. Herren- Stiefel, schwarz Q9 Rindbox, strapazierfähig" Domen zweifarb. 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Sollten diese Verhandlungen scheitern, werden die Belegschaften der einzelnen Betriebe über die weiteren Maßahmen zu entscheiden haben. Erfolg im Kartoffelgroßhandel. bindender Schiedsspruch. Wie im„Vorwärts' bereits mitgeteilt wurde, waren die Der- Handlungen mit dem Verein Berliner Aartoffelgrofj- Händler über den Neuabschluß des Lohntarife» für die Arbeiter dieser Gruppe gescheitert, da die Unternchmer jede Lohn- erhöhung glatt ablehnten. Auch die Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß verliefen ergebnislos. Den Be- mühungen des Vorsitzenden des Schlichtungsausschusies gelang es jedoch, die Parteien zu bewegen, sich einem bindenden Schiedsspruch zu unterwerfen. Dieser Schiedsspruch bringt für alle Arberter, Kutscher und Kraftfahrer rückwirkend ab 1. Oktober«in« Lohnzulag» von drei Mark pro Woche und für die Aushilfsarbeiter von 10 Pfg. pro Stunde. Di« Löhne betragen demnach ab l. Oktober für die Arbeiter und Kutscher K8 Mark und für die Kraftfahrer 78 Mark pro Woche und für die Aushilfsarbeiter 1,60 Mark je Siunde. Darüber hinaus wurde festgelegt, daß mit Rücksicht auf die erhöhten Anforderungen, die an die Arbeiter in der Zeit vom 1. Oktober bis 30. November gestellt werden, für diese Zeit neben dem Tariflohn ein« Zulage von sieben Mark pro Woche gezahlt werden muß. Da« Abkommen gilt bis zum 31. März 1931. Es ist zu bemerken, daß sich nach diesem erfolgreichen Abschluß de? Lohnbewegung auch die letzten noch unorganisierten Arbeiter im Berliner Kartoffelgroßhandel restlos dem Derkehrsbund an- schließen werden. Vekleidungsarbeiter für ltnierstühungen Ergebnis der Berliner Urabstimmung. Am Dienstag fand ln zwölf Abstlmmungstokalea die Urabstimmung über die Einführung der Znvalidenvnterstüßung und Au»- skeuerbeihilfe stall. ZÜr Einführung Znoalldenunlerstühung und Aussleuerbeihilfe wurden abgegeben 1826, dagegen 1241 Stimmen. Die Berliner Bekleidungsarbeiter hupen somit in ihrer Mehrheil für die Einführung der ÜnvalidenunterstÜhung und Aussteuer- beihilse gestimmt. Die Verhandlungen über den Heuabschluß des Lohnlarise» für die Arbeiter des Berliner Allmelallhandel» sind infolg« de« Wider- standes des Arbeitgeberverbandes de» Großhandels geschei- tert. Der vom Derkehrsbund angerufene Echlichtungsauo» s ch u ß hat nunmehr am 19. Oktober«inen Schiedsspruch cfällt, wonach die Löhne rückwirkend ab 1. Ottober von S3 aus ge 56 Mk. pro Woche erhöht werden sollen. Da» Lohnabkommen soll bis zum 31. März 1931 laufen. In der Versammlung der Arbeiter des Allmetallhandels am 22. Oktober wurde die anderthalb- nähme der Unternehmer steht noch au». Für da» technische Bühnenpersonal, da» fast restlo» im Der- tehrsbund organisiert ist, war der Lohntarif zum 30. September gekündigt und ein« ISprozentlge Lohnerhöhung orfordert worden. Die Verhandlungen mit den Theaterdirettionen führten zu keinem Ergebnis. Auch der Schlichtung»ou»schuß machte sich die Argumente der Theaterdlrettvren zu«igen und verlängert» durch Schiedsspruch den bestehenden Lohntarif bi» zum 31. Dezem- ber d. I. Da die Loa« der Berliner Theater im Augenblick tatsäch- lich nicht sehr rosig ist, haben sich die Bühnenarbeiter notgedrungen mit der Entscheidung des Schlichtungsausschusies abgefunden. Lohnforderungen der Seelenle. Der Deutsch« Der kehr»« bund, Reichsobteilung Seeleute, hat. da die Heuertarlfr für die Großschiffahrt am 31. Oktober ablaufen« den Reedern Lohnforderungen unterbreitet. Darin wird für die voll- ch argen eine Aufbesierung pro Monat in Höh« von 2Z Mark, eine Ueberstundenvergütung von 30 Pf. pro Stund« und ein Pauschalbetrag von 15 Mark gefordert. Oemonfirattonsstrett lm belgischen Bergbau. Brüssel. 24. Oktober.(Eigmbericht.) Am Donnerstag wurde in den belgischen Bergbaurevieren ein großer Demonstrationsstreit der Bergarbeiter durchgeführt. Die Arbeit in den Gruben ruhte vollständig. Im Bezirk Borinag« lag auch die Großindustrie still. Im neuen Lim- burger Kohlenrevier, wo die christlichen Arbeiter stark vertreten sind und auch sehr viele unorganisierte ausländische Arbeiter beschästigt sind, beteiligten sich ebenfalls über 70 Proz. der Arbeiter an dem Streik. Die Bergarbeiter forderten Erhöhung der Alters» rent« und Lohnzahlung während der Ferien. bn«rbelte».«»aestelt«, an» Beamten des Bezirksamts Weddinq. greiinfl. 25, Oktober. IS'/i Uhr, Im Saal« der Löivenbranerei, Hochstr. 2. Versammlung. 1. Ansprache de» Dltrgcr. Meisters Leid. 2.»Berliner Kommunalpolitik'. Referent lkolleg« WenM, M. d. R. Alle beim Betirksomt Wedding beschllstigten Ardeiter. An- aeslellten und Beamten sind ,u dieser Versammlung freundlichst ein- jjs ckrschetne« unbedingt ersortü-rU-� Deutscher Werkmei lteraerb« n d. ScfAStoRcOe Begirk X. f HreteGewertschafts-Zugenb Berlin. beut«, lsreita«. 10V4 Uhr. tagen die Sruppen: Sh-rlottenbuig! Jugend. heim Spreestr.«. Volkslied und Bolkstang.— geppelinplaj,! Jugend- heim de« Bekirkoamt, Wedding, Turiner Ecke Seestrahe lEtngang Turin«- Straft«). Vortrag:.Etwa» von der Wetterkunde".— Bermanuplag: Jugendheim Sanderstr. II. Eck« Sobrechj strafte. Vortrag:»Die Trau Im vro. duktion-proteft".— Süden. SLdmesteir!«ruppenheim Wassertorstr. 9, vorn Part. Vortrag:»Die Arbeitslosenversicherung".— Banmschnlcn»«g: Iugendhcim Noumschuleiuveg, lkrnststr. 19. Bunter Aient.— Siordrtng: Jugendheim Sonnenouvger Str. 20. Vortrag:.B»b und Mädel".— Achtung! Heute Siftung der jtunltkoimnission und der I. und Z. tkreisleiter im Zimmer 7 der Iugendgentrale. Sngelufer SS— ZS. )uaendamppe desIentralverbanstes der Anaestellten leim moderne Erglehung reitvg. finden folgend« Beransw Hungen statt: Sä rckftr. 11 fsUmmer», 2. Hof. Quergeb. 1 Tl.). ina? t...Da» Liind. Referent Racho«. Südwest: Zugend. Vortrag über // 30 Freitag, 25. 10. S(aats-Oper Unter d. Linden A.-V. 220 >»>.-, Uhr Staals-Opar Am Pl.d.Republ. 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Brettl« Doa groSe Oktobor-Progremml Falknar-Orehontar— Taa Renaissance-Theater Täglich BV« Ubr STEHPEIBRUPER Schauspiel von Duschinsky. Regle: Oust Härtung. Slelnmatr C 1. 0991 n. 2593/94. Lessing Norden 10846 Gruppe faager Schanaplelcr Täglich 8Vi Uhr cyankall I 218 von FrloOrtdi»o» Pianetammi — an» Zoo— loa«. JüdioiMla!ln9> B.S Barbarossa 5278 14V« Uhr l8Vc Uhr Ms sa«, Graaita dar»alt 20V. Uhr Mhwl 9s« Sttrnanlielitn Tägt.suSer Montags u. Mittw. Erwachs. I Mk, Kinder 50 Pt Mittw.: Erwachsene 50 PL. Kinder 25 Pf. Netropol-Tli. 9 S'A Uhr Lmir dirigiert Dm Land des LSchelns Vera Scbwars, Richard Tanbcr Sonntag 2 u. 5 Uhr Oit Fiefltniiis Kleines Theal, Merkur 1624 Täglich 8V. Uhr Max Adalbert als Nantc am Flügel Rudolf Nelson Elnbeitsverband d. Eisenbabner Denucblands.OrUgroppe Berlin In Erfüllung rinrr Iniuriani Pflicht teilen wir der Milgltrdfchait da» im «iler von 45 Jahren erfotgt» Adieden den Kollegen Paul Qeuscl» Reichsdahnfefretär im RAM. Berlin. mit. Der Tod erfolgte am ZI.Vtioder. Ehre feinem Andentenl Die Cindfcherung fiirdet am 28 Ol- toder. nachm 4 Uhr. im Krematorium Gerichtsiraße statt. Um recht zahlreich» Beteiligung ersucht VI« OrtsrcrvaUaag Unsere Jiauptpreistcujen; Ulster M 39.- 48.- 65.- 55.- 95.- Paletot M 42.- 55- 72.- 95.- 110.- isderr&mkk*. 3 er /in• Vertraue/ fcns/ro0c 8-9 Ander Pcfnkirchc Erfolge sozialdemokratischen Wirkens. Unsere Arbeit im Bezirk Weißensee/ Von Stadtrat Müller. wir sehen mit dem nachstehenden Aussah unser« Bericht« über die Arbeit der Sozialdemokratie tu de» Bezirke» fort. Ueberau wo die Sozialdemokratie maßgebliche» Einfluß in der Sommunalpolltlk gehabt hat, kann sie»oll Freude und Stolz aus die Erfolge ihrer zShe» Ausbauarbeit hinweisen. Die Wähler werden diese Tätigkeil, besonder» l» Berlin, wo oft unter schwierigsten Verhältnissen gearbeitet werden mußte, wohl zn würdige» wissen und am 17. November der Lift« 1 ihre Stimm« geben! •uiN D-zirk Weißens ee sind die chomalig selbständigen Gemeinden Weißensee mit 841 Hektar, Hohenschönhausen mit 9« Hektar. Malchow mit 1044 Hektar, Wartenberg mit»21 Hektar und Falkenberg mit 1027 Hektar, zusammen 4S38 Hektar Fläch« vereinigt. An der Einwohnerzahl gemessen, ist der Bezirk Weißen» se» der zweitkleinste. Infolge einer weitervoraussehenden groß- zügigen Bodenvorratswirtschaft de» Bezirksamts, die die Bodenpreis« reguliert« und den Wucher ausschaltet«, sind gerade in den letzten Iahren groß« Neubousiedlungen entstanden. Augenblicklich find rund 2000 Wohnungen i« Vau, durch.städtische und gemeinnühige Gesetlschafteu ruod 1400. der Rest verteilt sich ans verschieden« privat« Bauunternehnumgn«. Die Wohnungen liegen fast durchweg an Grünanlagen oder ent, halten in, Innern gut gepflegte Part- und Gartenanlogen. Der Bezirk, der bei der Eingemeindung nicht ganz»8000 Einwohner zählt«, hat setzt ein« Einwohnerzahl von über 08 000: ats» eine Zunahm« von über 10 000 Einwohnern zu oerzeichnen. Aufbauarbeit für unsere Kinder. Im Schulwesen waren die Verhältnisse sehr tnmrig de» stellt. Die Gebäude waren in baulicher Beziehung sehr lchlecht und hotten auch keinerlei Nebenräume für Physik, Chemie, Werkunter» richt usw. Auch mußten fast all« Schuten— wegen Manget an eigenen Hallen— die Z c n tra l tu r» h a ll« an der Pistorius» stroße benutzen. Aus den, Schulgrundstück in der Langhans-, Roelcke» stroße wurde in, Jahr« ISSö/26 eine übereinandertiegende moderne Doppelt im, Hall« mit einem Kostenaufwand von rund 200 000 Mark errichtet. Nach Fertigstellung dieser Arbeiten«urd« an der Part», Pistorius-, Tassostraß« ein Neubau für da» Lyzeum, Oberlyzeum und die Mittelschule, der eine geräumige, geschmackvoll« Aula, ebenfalls eine D o p p el t u rnh alt« und divers« Neben- räume enthält, ausgeführt. Di« Baukosten hierfür beiiesen sich auf rund 1.4 Millionen Mark. Für die Berufsschule wurde«ine acht- klafsige moderne Schulbarack« an der Thartottenbuvger Straße und für die Siedlung der kinderreichen Familie«ine oierklasfige Schul» barocke errichtet. Augenblicklich ist«in« neu« Bolksschule an der Park-, Amalienstroß« im Bau. DI« Arbeiten sollen sb ge- fördert werten, daß die neuen Räum« spätesten» am 1. Oktober 1080 in Betrieb genommen werden können. Die Plän« für den Neubau einer Berufsschule sind bereits fertiggestellt: ebenso sollen noch die vorhandenen Schulgebaud« durch Anbauten ver- größert werden. Im Bezirk sind b>» setzt vier Dauertolont»» vor- Händen, für das nächst« Etat»fahr ist der Ausbau einer wetteren Kleingartendanerkoloni« vorgesehen. Die alte Billa aus dem Grundstück Amalienstraße 1 wurde völlig renoviert und zu einem Altersh«im eingerichtet: sie bietet jetzt für 38 alt« Personen «inen schönen ruhigen Lebensabend. Auf dem Grundstück Charlottenburger Straße 7/8 ist mit einem Kostenaufwand von rund 160 000 Mark ein„Hau» der Kinder", über da« der „Vorwärts' kürzlich ausführlich berichtet«, errichtet worden. Hier sind die Säuglingskrippe, der Kindergart«» und der Kinderhart in neuen und modernen Räumen untergebracht. Auch da» Ferien- h«im Birkholzaue ist durch Umbau vergrößert worden, so daß jetzt 60 Kinder zur gleichen Zeit dort untergebracht werden können. Lust und Sonne für die Lugend. Der Bezirk besitzt zwei große Sportpläßei„Renn- bahn" und„Fauler See". Besonder» der letztere ist mustergültig eingerichtet. Die Seebadeanstalt ist vor einigen Iahren stark erweitert und mit modernsten Einrichtungen, wie Trainings- bahn. Startsprunganlog« und Sprungturm von 10 Meter Höh« versehen worden. In diesem Jahre ist im Orantesee tn Hohenschönhausen ein« F reibadeanlag« geschassen, die bereits 120 000 Besucher aufweisen konnte: ein Beweis dafür, wie dringend nötig dies« Einrichtung war. Auch ein Hallen- s ch w i m m b a d ist für da» nächst» Jahr in Aussicht genommen. Di« öfsinttiche Straßenbeleuchtung, besonders in den Hauptverkehrsstraßen, ist sehr stark verbessert worden: si« beträgt jetzt gegen Friedenszelt 140 Proz. bei Da» und 112 Proz. bei Elektrizität. Auch der städtisch« Fuhrpark wurde mtt den modernsten Reinigungsmaschinen und Sprengwogen ausgestattet. Neben einer großen Anzahl von Kanalleitungen und n« ge- pflasterten bzw. asphaltierten Straßen ist vor ollen Dingen di« Neuregulierung der Hauptverkehrsstraße, der Berliner Allee, hervorzuheben. Sie hat zwei Richtungsfahrdämme in Stampf» bzw. Rauhasphalt und für die Straßenbahn einen mittleren, eigenen Bahnkörper w Rasenstreisen. Di« Berliner Alle« hok nl» HauptausstMratze nach Stettin für den Dertehr groß« Bedeutung. Der Reubau einer Feuerwache ist ebenfalls für das nächst« Jahr in Aussicht genommen. Der Kostenaufwand beträgt 750 000 Mark. Nach Fertigstellung des Gebäudes soll die bi»her bestehende freiwillige Wehr aufgelöst und eine Derufswach« ein- gerichtet werden. Di« ebenfalls zum Bezirk gehörenden drei ehe- maligen Landgemeinden Malchow, Wartenberg und Foltenberg Nur sieben Stunden bleiben noch für die Einsicht In die Wühler- listen. Die Anslegestellen sind nur noch heute tn der Zeit von 12 bis 19 Uhr geöffnet. Du verlierst dein Wahlrecht wenn dein Name nngenau geichrieben ist oder die Geburtsdaten nicht genau eingetragen sind. In einzelnen Bezirken sollen bis 10 Proz. talsdie Eintragungen festgestellt sein. Die Sozialdemokratie rechnet auf dich! Gehe deshalb heute beslimmt In die zustündige Anslegestelle, am dir dein Wahlrecht zu sichern! Am 17. November kommt es auf Jede Stimme an! sind mtt Wasserleitung und elektrischem Licht und mit ei nein Stvaßenpstaster versehen worden. Malchow ist mit dem Autobus 38 und Wartenberg und Faltenberg mit dem Autobus 40 an dos Groß-Berliner Verkehrsnetz angeschlossen. Infolg« seiner günstigen Lage zur Zentral« Ist der Bezirk Weißens«« sehr entwicklungsfähig. Bringt der Wahltag der Sozialdemokratie, die für alle hier geschitberten Fortschritt« verantwortlich zeichnen kann, neuen Erfolg und neues Vertrauen der Wahler, dann wird der Bezirk entsprechend seiner Ardeiterbevölkerung sein« sozial« und kulturelle kommunalpolitisch« Arbeit weiter fortfetzen können. All« Parteien des Bezirk» müssen di« vom Bezirksamt unter sozialdemokratischer Führung geleistete Arbeit anerkennen. Auch der größte Teil unserer Bevölkerung— dessen sind wir gewiß— wird an, 17. November unseren Einfluß stärken, und die List« 1, Sozialdemokraten, wählen. Kommunistische„Siedlungspoliiik". Die Kommunisten suchten sich kürzlich di« Sledlungsgenossen» schast.Kinderreiche Familie�, als neues Betätigungsfeld Zunäd' aus. Zunächst wurde durch ailerlei Terrorakt« ein« Mehrheit zusammengebracht, di« in einer nicht ordnungsmäßigen General- »ersammlung einen kommunistischen Aussichtsrat und Dorstond wählte. Wer nun nicht so wollt«, wie die Kommunisten, wurde au» der Siedlungsgenossenichaft ausgeschlossen. Mai, versucht« sogar Andersdenkenden vis Miete zu erhöhen. Ein Teil der Siebler ließ sich die Bevormundung nicht gefallen und klagt« beim Landgericht auf Ungültigerklärung der Generaloersamm- lung. Der Prozeß ist jetzt tn der ersten Instanz durchgeführt worden und hat mit einer Niederlage de« kr" ÜH? chaft ausgeschlossen. Man !omm u n, st i s che n legen ein Mitvorstand«» geendet. Nicht nur der Ausschluß gegen glied der Genossenschaft wurde für rechisunwirksam erllört, auch die Generalversammlung wurde nicht anerkannt. Noch diesem Urteil sind alle getätigten Verträge seit März 1S28 ungültig. Auch alle Vereinbarungen mit Bchörben und Unternehmern sind dadurch hinfällig, weil sie mit einem Vorstand und Aufsschtsrat getroffen wurden, der nicht ordnungsgemäß gewählt wurde. Die Siedlungs- genossinschaft, die zum größten Teil mit öffentlichen Geldern ar- beit«. ist durch vi« unsinnige Taktik der Kommunisten f a st ruiniert worden. Auch die Revistonsbeamten haben schon gegen di« Buchführung, die nur mit Bleistift erfolgt«, Einspruch erhoben. E» wäre an der Zeit, daß sich die DeHörden einmal dafür inter- »ssierten. ob in der Gescilschaft olles ordnungsgemäß verwaltet worden ist. Die Genossenschaft wird setzt auch«Ine ganz« Reihe Entschädigungsklagen für ihre unsinnigen Beschlüsse zu gewärtigen haben. Warum erzählt übrigens die„Rote Fahne" nie von den großen Erfolgen dieser rommunlstischen Leitung. vielleicht, man könnt« nur zu leicht nachweisen, baß di« wenigen erbauten Wohnungen erheblich teurer sind, als die zu gleicher Zeit von anderen gemeinnützigen Unternehmungen erstellten WohnstSNen?_ Neue Slraßenbahuverbladung. Ab 21. Ottober diese» Jahres wurde der Betrieb durch die Roßstraß«, Reue Rohstraße. Dresdner Straß« wieder aufgenommen. Von diesem Tage ab verkehrt die Straßenbahnlinie 132 von d»r Hedwigstirch« ab über Werderscher Markt, Schloßplatz, Breite Straße, Roßstraße. Reu« Roßstraße, Prinzenstraß«. Moritzplatz. fürchtet sie Mieten der Eiraßenbahn-v-Züge. Leder Zug faßt 165 Personen. Di« Berliner Derkehre-Aktiengesellschaft nimmt demnächst zwei neuartige Straßenbahnzüg« in Betrieb. Es handelt sich um einen Straßenbahnzüg, der nach Art der D- Z u g- W a g e n durchgebildet ist. d, h. zwei vollständig« Straßenbahnwagen sind durch ein Mittelteil miteinander verbunden. Diese Anordnung bringt groß« Vorzüge bei der Verkehrsabwicklung mit sich, die Fahrgäste können an verschiedenen Stellen des ziemlich langen Zuge« aussteigen und sich dann der Besetzung des Wagens ent- sprechend im Innern verteilen. Der Wagenzug kann insgesamt 165 Personen ausnehmen. E» sind 60 Sitzplätze vorhanden, die sich auf den Vorder- und Hinterwagen gleichmäßig verteilen. Jeder Wagen bietet außerdem Raum für 34 bzw. 36 Stehplätze, weitere 35 Stehplätze sind in dem Mittelteil vorgesehen. Die Wagen laufen auf je zwei Achsen, weih- rcnd der Mittelteil zwischen ihnen eingehängt ist. Er ist außerdem mit den beiden Wagen gelenkig verbunden, so daß der Zug bequem durch die Kurven fahren kann. Die Gesamtlänge des Zuges betrögt 13.15 Meter. Sein Leergewicht ist 27,5 Tonnen, während er voll- besetzt über 80 Tonnen wiegt. Es arbeiten vier Motoren mit je 35 Kilowatt, also mit einer Gesamtleistung von 140 Kilowatt gleichzeitig. Auf je eine Tonne Beiriebsgewicht entfällt demnach eine Zugleistung von 3� Kilowatt. Die Auhentüren schließen zum Teil mechanisch. Diese Einrichtung wird dazu beitragen. auch bei dieser Wagentype das sehr häusig mit schweren Unfällen verbundene Zlus- und Abspringen während der Fahrt zu verhindern. Di« Gesamtordming des Zuges bringt nicht un- erhebliche Belriebsvortelle mit sich, in dem da« R a n- g i« r e n an den Endhaltestellen wegfällt: Der Fahrer wechselt einfach den Führerstand und begibt sich wie z. B. auf den U-Bahnen an den Führerstand am anderen End« de» Zuge». Femer ermöglicht die vechättnismäßig hohe Zugleistmig der eingebauten Motoren eine höhere Reisegeschwindigkeit als bei den älteren Wagen. Die Ansohrgeschwindigkett ist größer und der Bremsweg beim Halten kürzer, ohne daß di« Sicherheit darunter leidet. Im Gegenteil, der Zug ist bei Unfallgefahr schneller zum Stehen zu bringen. Es sind drei von einander unabhängig« Bremsen vorhanden. Di« Wagen werden in der nächsten Zeit aus der Linie 177(Teltow— Dahnhof Zoologisch«? Garten) in Betrieb genommen. Bau von Nadfahrwegen. Einheitliches Wegenetz für ganz Preußen gewünscht. Der Ausschuß für Gemeindeangelegevheitrn im Preußischen Landtag hat folgenden Antrag gestellt: „Da- Staatsministerium wird ersucht, auf die Prooinzial- und Gemeindeverwaltungen dahin einzuwirken, daß sie in Fühlung unter- einander bei der allgemeinen Wegebauverwaltung und Wege'mu- Planung für das allmähliche Entstehen eines einheitlichen Radfahrweg« netze» über da» ganze Staatsgebiet Sorge tragen." � Dieser dankenswerten Anregung ist voller Erfolg zu wünschen. Die großartigen Beispiele, die Magdeburg und Stettin mit ihren weit ausgebauten Radsahrwegen der Oeftent- lichkelt gegeben haben, mögen anspornend wirken. Grund stücksankauf fiir den Markthalleu-Nrubau. Der Stadt Bettln ist ein in Nord-Chattottenburg gelegenes Grundstück von etwa 8761 Quadratmeter Größe zum Preis« von 8 M. pro Quadratmeter für 70088 M. rechtsverbindlich zum Kauf angeboten worden. Auf diesen Kaufpreis sollen in Auswettungs- Hypotheken 26 600 M. übernommen werden. Der Rest ist bar zu zahlen. Dieses Grundstück wird für die Erbauung der«euen Markthalle benötigt. Der Magistrat hält den gesovdetten Kaus- preis für angemessen»nd hat deshalb im Einvernehmen mit dem Grundeigentumsausschuß d«m Ankauf dt» Geländes z u g e- stimmt. In einer Vorlag« bittet er di« Stadtverordnetenversamm- lung, dem Ankauf de« Terrain» an der Straß« 60 und 61 zuzu- stimmen. „Kart Marx-Schule" in Berlin. Wa« sozialistische Aufbauarbeit in der Gemeinde bedeutet, be- wie»«in Bottrag, den Studienrat Genosse Alfred E h r e n t r e i ch im Auftrage der Weltsugendliga vor einer gespannt lauschendeu zahlreichen Zuhörerschaft hielt. Da» Thema de» Abends lautete: Organisation und Arbeitssormen in der Aufbauschule Neu- k ö ll n. Der Redner verstand es dl« allmähliche Entwicklung und die heutig« Arbeit dieser sozialistischen Mammutschule mit etwa 10000 Schülern und nahezu 100 Lehrern eindrucksvoll zu schildern. C» ist ein gute» Zeichen sür den Geist der Schule, daß si« in Kürze den Namen„Ka rl- M a rx- S ch» l e' tragen wird. vi« neue Verkehrstart« der BVG. für den Wink? 1020/30 ist jetzt erschienen und zum Preise von 10 Pf. bei den Straßenbah»- und Omnibusschaffnern und den Betriebsaufsehern sowie auch an den Fahrkartenschaltern der Untergrundbahn erhältlich. Die Karte enthält alle neuesten Betriebsänderungen und Ver- k« h r s o e r b e s s e r u n g en. Di« im Plan bis Neu-Westend ge- zeichnet« Autobuslinie A. 7 verkehrt bis auf weiteres nur bis Reichstanzlerplatz. In der ansprechenden Ausführung wird die Aertehrskatte mit dem dazugehörigen Beiheft Fohrpläne und Straßenverzelchnis— jedem Benutzer der Verkehrsmittel der BVG. «in wettvoller Führer sein. SO Cjuf Aus der Arbeit der Bezirke. Ltm die(Schule in der Andreasstraße. 5. Bezirk— Friedrichshain. 2Iu| Antrag der Kommunisten fand am Freitag eine außer- ordentliche B ez i rt s v e rsa mmlu n g statt, die nicht weniger als 22 Tagesordnungspunkte, darunter allein 18 Anträge der Kommunisten, behandein sollte. Bei Beginn der Sitzung beantragten die Kommunisten in zwei Dringlichkeitsanträgen die Borgänge an der weltlichen Schule in der A nd r e a s st r a ß e zu beraten. Begründet wurden die An- träge durch den kummunistischen Bezirksverordneten Schindler. Es war für unseren Genossen Theek ein leichtes, den Koinmu- nisten nachzuweisen, daß der zur Versetzung gekommene Lehrer .Klähn bisher an jeder Schule Kinder und Eltern verhetzte und dadurch jede geregelte Schularbeit un- möglich i nacht«. Eine Behörde könne es sich auch nicht gefallen lassen, daß ein krank geschriebener Lehrer diese Zeit benutzt, um kom- munistische Hosagitation zu treiben. Wie wenig die Kom» munisten trog ihres Geschreis und ihrer Parolen Eindruck auf die Elternschaft machen, zeige die Beteiligung an dem sogenannten passiven Widerstand. Nur rund 49 Kinder sind ohne Schul- bücher in die Schule gekommen und die S chu Ist r e i k p a ro l e ist trotz Streikposten, Flugblätter usw. nur von 57 Kindern von etwa 339 befolgt worden. Hierbei befinden sich noch allerhand Jungen, die die günstige Gelegenheit benutzt haben, einmal die Schule zu schwänzen. Auch der Elternbeirat oerurteilt das Treiben seiner kommunistischen Bor sitzenden. Die überwiegende Mehrheit der Eltern ist nicht gewillt, sich die Schule zerschlagen zu lassen. Setzen die Kommunisten ihr Treiben fort, dann werde auch die überwiegend sozialdemokratische Eltcrnschast den kommunistischen Terror mit entsprechenden Mitteln zu brechen wissen. Die Zeit war bereits vorgeschritten, als die Dezirksversammlung in die eigentliche Tagesordnung eintreten konnte. Zunächst be- schwerten sich die Kommunisten darüber, daß der Bürgermeister, Genosse Mielitz, die Aufstellung der Plastik„Proletarier" abgelehnt habe. Bürgermeister Mielitz wies in der Beantwortung der An- frage darauf hin,>daß die Kommunistische Fraktion die Aufstellung eines bedeutenden Kunstwerkes von Professor Lederer in Ge- meinschast mit den Deutschnationalen abgelehnt habe. Bei einer solchen Haltung sei nicht anzunehmen, daß die Kommunisten nun mit einem Male der Aufstellung eines anderen Denkmals ihre Zu- stinimung geben würden. Durch eine weitere Anfrage wollten die Kommunisten Auskunst über den Fall eines Wohlfahrtsvorstehers im Bezirk Zluskunft hoben, der angeblich seine amtliche Eigenschaft dazu benutzt habe, Arbeiterinnen.geschlechtlich zu mißbrauchen". Stadtrat Genosse Mann gab die Erklärung ab, daß die Beziehungen des Be- schuldigten zu den beiden Frauen nur privater Art waren, daß weiterhin die eingehende Prüfung ergeben habe, daß den Frauen keine erhöhte Unterstützung oder sonstige Zuwendungen gegeben worden sind. Der Vorsteher habe sofort sein Amt zur Verfügung gestellt und damit sei die Angelegenheit amtlich erledigt. Mit er- treulicher schärfe nagelte dann unser Genosse Buchmann die Dreckschnüffelei des Schindler fest. Jedem religiösen Denken Freiheit. 7. Bezirk— Eharlottenburg. Die Bezirksversammlung verabschiedete zunächst ohne Debatte eine Vorlage betr. den Bau von fünf Arbeiterdoppel- Wohnhäusern in Sommerfeld und den neuen Fluchtlinien- plan der Hardenbergstraße zwischen Joachimsthaler Straße und Auguste-Biktoria-Platz. Erstaunlich schnell wurde eine Anfrage wegen der Bau- arbeiten in der Kantstraße erledigt. Man nahm die Er- klärungen des Bezirksamts zur Kenntnis. Dann schien ein parlamen- tarisches Gewitter aufzusteigen: der Fall Sklarek. Drei Anfragen, umfassende Beantwortung durchs Bezirksamt— und keine Debatte! Immerhin war aus den Aussührungen des stellvertretenden Bürger- Meisters allerlei von Interesse: in den Iahren 1925 bis 1929 hat das Bezirksamt(Jugendamt, Wohlfahrtsamt und andere Stellen) von den Sklareks für 994 299 M. Ware bezogen, für 26 999 M. liegen noch unbezahlte Rechnungen vor, die bei der Liquidierung verrechnet werden müssen. Allein in den Jahren 1928 und 1929 liegen aber für 589236,28 M. gefälschte Rechnungen und Auf- träge vor, die aber nicht durchs Bezirksamt gegangen sind, sondern direkt an die Stadt Hauptkasse. Der Magistrat bittet aber die Bezirksämter, um die Stadt nicht noch mehr zu schädigen, weiter bei der Kleider-Verwertungsgesellschaft zu kaufen: er garan- tiert für einwandfreie Ware, billige Preise und dafür, daß keine neue Ware nachgeliefert wird. Die Erklärungen waren so erschöpfend, daß sich die Parteien mit dieser Auskunft begnügten. Desto eifriger wurde die Beteiligung bei der Angelegenheit der Werbeumzüge des Freidenkeroerbandes. Prälat Lichtenberg betonte eifrig und eifernd, wie sehr die Gefühle religiös gestimmter Menschen oerletzt seien. Herr Oberpfarrer Richter, der so gern seine Orden zur Schau stellt und den „Doorn"igen Pfad der Tugend und Monarchie wandelt, erzählte eine Geschichte von einem sterbenden Freidenker, dem er im Lazarett qeholfen. Das Bezirksamt sekundierte in der Person des Stadtrats Dr. Badtke. Genosse Kotz enstein wehrte entrüstet die An- griffe der pharisäischen Ankläger ab und betonte das Recht auf Meinungsfreiheit. Genosse Gebert wies gegenüber all diesen Schalmeienklängen auf bittere Erfahrungen mit der Kirche in Frie- dens- und Kriegszeiten hin und unterstrich den Unterschied zwischen Kirche und Religion. Die Sozialdemokratie ge- währe jeglichem religiösen Denken Freiheit. Nach langer Debate, in die dann immer wieder Grobheiten der Kommunisten und Entrüstungsrufe der Rechten sich mischten, kam ein Antrag der bürgerlichen Parteien mit knapper Mehrheit zur Annahme, der im Sinne der Beschwerde bei der Polizei vorstellig zu werden oerlangt. Kommunistische Verleumder! 14. Bezirk— Neukölln. Nun hat auch die Neuköllner Bezirksoersarnmlung ihr« Debatte über den Sklarek-Skandal gehabt. Der eingesetzte Ausschutz hat in vier Sitzungen Untersuchungen angestellt und, wie der Be- richterstatter Genosse Fritsche mitteilte, Unregelmäßigkeiten des Bs- zirksamts nicht feststellen können. Di« Schuld an den ganzen Borkommmssen trifft die Stadt- ba n k, die bedenkenlos die gefälschten Lieferscheine bezahlte. Neu- kölln war auf Grund des Vertrags und vieler besonderer Hinweis? des kommunistischen Stadtrats Gäbet gezwungen, dort zu kaufen. Auch auf die Presse hatte das Bezirksamt keinen Einfluß. Ja, ein famoses Schreiben von Gäb?l zwang das Bezirksamt, über Bedarf einzukaufen und da die Sachen im eigenen Lager nicht untergebracht werden konnten, sie bei der KBG. bis auf Abruf zu belassen. Der Borwurf, daß ein Beamter schon vor zwei Iahren sich geweigert habe, einen Vorschuh zu zahlen, treffe zwar zu, aber aus Grund des Vertrags mutzten Vorschüsse gezahlt werden, was dem Arbeiterbildiingsschule Heule, Freitag, abends 7V, Uhr; Beginn des zentralen Kursus Dr. Alfred Braunthal;«.Die Elemente vo'lverjournalisten können wir keinen Glauben schenken. Dann ereignete sich der bereits im gestrigen Moraenblatt er- wähnt« Zwischenfall, der zur Auslrebung der Sitzung führte. Die sozialdemokratische Fraktion verließ als Auftakt zur Wahl unter einem begeisterten Hoch auf die Sozialdemokratie den Sitzungssaal. Wir Wösten wecken... Werbekundgebung und Feierstunde in Friedrichshagen. Die Friedrichshagener Parteigenosien veranstalteten eine öffentliche Werbekundgebung. Der Veranstaltung, die einen guten Besuch aufwies, wurde der Charakter einer Feierstunde gegeben. Eingeleitet wurde sie mit einigen klassischen Musikstücken der Kapelle R a u. Danach brachte die Schauspielerin Genossin John zwei Gedichte:„Volk, du b e f i e h l st" von Ernst Preczang und„Marschier' mit uns" von Bruno Schönlank zu Gehör. Im Mittelpunkt der Deranftaltung stand ein Vortrag des Reichstagsabgevrdneten Ge- nassen Fritz Eberl über das Thema:„Wir wollen werben. wir wollen wecken/' Genosse Eberl wies auf kte Berfolgun, gen hin, denen die Partei ausgesetzt war und die sie siegreich über» standen hat. Damit sei bewiesen, daß sie eine gerechte Sache ver. tritt. Der Redner erinnerte besonders die Frauen daran, daß es einzig und allein die Sozialdemokratische Partei war, die den Frauen das aktive urtb passive Wahlrecht g-geben hat. Man müsse Bergleiche mit früher anstellen, um den gewaltigen Wandel zu erkennen, der in Deutschland dank der Arbeit der Partei einge- treten ist. Das Volk habe längst erkannt, daß seine Feind« nicht im Lager der Befürworter des Poung-Planes, sondern im Lager derer sitzen, die 1917 die Sozialdemokraten wegen der Propagierung des Gedankens des Berständigungsfriedens aufhängen wollten. Die Er- oberungspolitik sei Wirklichkeit geworden, ober im umgekehrten Sinne, als sich das unsere Imperialisten vorgestellt haben. Das Voltsbegehren verfolge einzig und allein den Zweck, der R c- publik den Garaus zu madien. Das werde nicht gelingen. Die Arbeiterschaft Hab« in ihrer großen Mehrheit längst erkannt, daß es keinen Zweck hat, Negationspolitik zu treiben und abseits von allen Stoatsgeschäften zu stehen. Zur Kommunol�wahl übergehend, stellte der Redner fest, daß die Partei trotz Sklarek- Skandal und trotz aller Beschimpfungen und Berunglimpsungen die Entscheidung der Wähler nichtzu fürchten hat. Die kommunal- politisch« Arbeit der Partei mit ihren großen Erfolgen, besonders in Berlin, spreche für die Partei. Der Gegner mllsie gefragt werdcn, was aus Berlin ohne die intensive kommunale Mitarbeit der So- zialdemokmtifchen Partei geworden wäre. Die Ausführungen lösten stürmischen Beifall aus. Den Abschluß der Veranstaltung bildeten zwei weitere Musikstücke und Schlußwort« des Abteilungsleiters Ge- nassen Engel. Die Sozialdemokratie bauiWohnungen Ein Neferat über die Neubautätigkeit. Im Kreise der Weddinger Parteigenossen sprach am Mittwoch Stadtverordneter Genosse Franz G u t s ch m i d t über die Neubautätigkeit der Stadt Berlin. Di« Sozialdemokratie hat gemÄnsam mit den G e- w e r k s ch o f t e n die Initiativ« ergriffen und die Neubautätigkeit durch Gründung von gemeinnützigen Gesellschaften ge- fördert. Während Deutschnationale und Kommunisten nur kritisieren und nörgeln, haben wir tatkräftig gearbeitet. In ollen Stadtbezirken konnten Wohnungen zu verhältnismäßig erschwinglichen Mieten erstellt werden. Wenn diese Arbeit nicht erfolgreicher war, so ist daran die Finanzlage schuld,' die es nicht gestattet, für den Wohnungsbau größere Mittel für Hypotheken zur Ver- fügung zu stellen. Daß die Sozialdemokratie auf dem richtigen Wege ist, beweisen die Stimmen von rechts und links, die mit Angst und Sorge die erfolgreich« Politik der Sozialdemokratie verfolgen. Im Anschluß an das Referat, das stürmsschen Beifall auslöste, wurden die Filme„Freie Fahrt" und„Großsiedlung Britz" vorgeführt. In den glänzend zusammengestellten Film- bändern erhielten die interessanten Ausführungen des Referenten eine vorzügliche Ergänzung._ Selbstanschlußami Cornelius. Inbetriebnahme am 21. Oktober. In der Nacht zum 27. Oktober wird die neu« Ferrtsprech- oermitttungsstell« für Selbstanschlußbetrieb Cornelius eröffnet. Ihr werden Teilnehmer der alten Bermittlungsstellen Kurfürst. Lützow. Nollendorf und Stephan zugeteilt. In derselben Nacht wird auch die Fernsprechvernnttlungsstelle Friedrichs- Hägen unter Beibehaltung ihres Namens vom Handbetrieb auf den Selbstanschlußbetrieb umgestellt. Di« Teilnehmer von Cornelius und Friedrichshagen werden in der Lag« sein, durch Drehen der Nummernscheibe ihres Apparates alle anderen Selbstonschluh- teil nehmer unmittelbar zu wählen. Sie erreichen einen Teilnehmer, der an eine Vermittlungsstelle ohne Selbstanschlußbetrieb an- geschlossen ist, durä, Wählen des Rufzeichens der in Frage kommenden Bermrtllungsftelle und durch Ansage der Nummer an die sich meldende Beamtin. Alle Teilnehmer sparen Zeit und Verdruß, wenn sie vor jedem Anruf eines Teilnehmers der Vermittlungsstellen Kurfürst, Lützow, Nollendors und Stephon im Fernsprechbuch nachsehen, ob der ge- wünschte Teilirehmer etwa an die neue Vermittlungsstelle Cornelius herangeführt worden ist. Die Teilnehmer der Vermittlungsstelle Friedrichshagen erhalten sämtlich neues Rufzeichen und neue Nummern. Es ist daher ratsam, vor jedem Anruf eines dieser Teilnehmer die neu« Anschlußbezeichnung im Fernsprechbuch nachzuschlagen. Ei« Werbe-Postamt in Berlin. Mitte November wird In Berlin, Unter den Linden, ein Post- amt eröffnet werden, dos besonders freundlich ausge- stattet ist und auf besonderem Wunsch des Reichspostministeriums als Werbe-Postamt im Interesse der Fremdenoerkehrswerbung er- richtet wurde. Das Postamt, das in der Anordnung seiner Schalterstellen besonders glücklich gegliedert ist, besitzt einen direkt n Ferndrvcker und ein« Rohrpostleitung nach dem Haup: telegraphenamt. 18 Mark der hochelegante Herren- Ulster-Stoif Koch& Seeland Gertraudtensir. 20121