BERLIN Freitag 25. Oktober 1929 10 Pf. Nr. 502 B 250 46. Jahrgang ersosibeamlen trährend ihres 3)ienstes dem Zusammenslop zum Opfer fielen. Daladier Nachfolger Briands. Oer Vorsißende der Radikalen mit der Regierungsbildung Seiraui» Paris. 25. Oktober. Der Vorsitzende der Radikalsozialistlschen Partei D a lädier traf am Freitag vormittag gegen 11 Uhr beim Präsidenten der Republik ein, um über die R e u b i l d u n g des Kabinetts zu beraten. Räch etwa dreiviertelstündiger Unterredung mit dem Präsidenten verließ Daladier das Elyfee und erklärte, daß der Präsident ihn mit der Bildung des Kabinetts beauftragt habe. Er, Daladier. habe ihn gebeten, ihm Zeit zu lassen, sich mit seinen politischen Freunden zu beraten. Er werde ihn am Sonabend, 3 Uhr, über das Ergebnis dieser Beratungen in Kenntnis sehen. Daladier begab sich sofort nach Reims zurück, wo be- kanntlich der radikalsozialistische Kongreß weitertagt. * Präsident Doumergue bietet die Nachsolgeschast Briands dem Führer der zissernmäßig stärksten Partei an, deren Intervention im Ver- laus der Debatte, die den Sturz des Kabinetts Briand brachte, ent- scheidend war. Die Diskussion, die gestern aus dem Parteitag der Radikalen In Reims einsehte, hat übrigens zutagetrcten lassen, daß die Partei die Regierung übernehmen will. Man kann also ver- sichert sein, daß Daladier heute den Auftrag des Präsidenten der Republik annimmt. Man läuft keine Gefahr, sich zu täuschen, wenn man ankündigt, daß seine erste Sorge sein wird, die Be- tciligung der Soziali st en an der Regierung zu erlangen. Die Antwort der sozialistischen Kammcrsraktion wird ihrerseits von der politischen Orientierung der Kombination, die Daladier herzu- stellen sich bemühen wird, abhängen. Oie Sozialisten regierungsbereii. Der Kongreß der Radikalen in Reims beschloß am Donnerstag, jedes Zusammengehen mit den extremen und gemäßigten Rechts- Parteien abzulehnen. Eine zu der innerpölitischen Situation angenommene Entschließung enthält die Aufforderung an alle Links- Parteien, gemeinsam mit den Radikalen die Macht zu ergreisen. Im Falle einer Absage der Sozialisten wollen die Radikalen zu einer konstruktiven Oppositiynspolitik zurückkehren. Leon Blum er- widert heute auf diese radikale Aufforderung im„Populaire", daß die sozialistische Partei es ablehne, an einer von den Radi- kalen gebildeten Regierung aktiv teilzunehmen. Sie werde einer solchen Regierung jedoch ihre parlamentarische Unter- siützung angedeihen lassen. Maßgebend dafür seien die wiederholt von der Partei beschlossenen taktischen Richtlinien. Auch die Mög- lichkeit der Regierungsbildung durch einen Sozialisten, der unab- hängig von der Partei im eigenen Namen handle, könne nicht in Frage kommen. Es bliebe somit, erklärt Leon Blum zum Schlutz. nur noch eine Möglichkeit: die Regierungsbildung durch die sozialistische Partei selbst. Die Partei sei durchaus bereit, die Initiative zur Bildung der Regierung zu übernehmen. Sie sei ebcnso� bereit, der Radikalen Partei in der von einem Sozialisten gebildeten Regierung einen weiten Platz einzuräumen. Blum erklärt schließlich, davon über- zeugt zu sein, daß der Parteirat sogar soweit gehen würde, den radikal-sozialcn Ministern die Majorität der Ministerfitzc zur Verfügung zu stellen. � Rüstungen verschlingen die Steuern. Erst Abrüstung, dann paneuropa... Reims, 25. Okiober. Der Vorsitzende der Radikalen Partei, Daladier. sagte in seiner Parteitagsredp über den Gedanken der Vereinigten Staaten von Europa, m«n müsse, ehe dieses Ziel erreicht werden könne, in Europa erf» einmal abrüsten. Es scheine jedoch jetzt ein Wctirüslen zu Lande und eine Bestätigung der angelsächsischen Vorherrschaft aus dem Meere bevorzustehen. Von 1400 Franke» Steuern des Durchschnittssranzosen fänden 682 Franken für die Zahlung der Schulden und Pensionen, 225 für die Produktion und 262 für die militärischen Ausgaben Verwendung. In Deutschland scheine das Reichswehrbudget in verschiedenen Kapiteln der Ausrichtigkeit zu ermangeln. In Frankreich würden in diesem Jahre 10.5 Milliarden Franken für die Landesverteidigung ausgegeben, ungerechnet die in den übrigen Budgets versteckten Kriegsausgaben. Frankreich müsse sein militärisches Büdget in Einklang bringen mit dem gegenwärtigen Zustand in Europa, mit den von ihm unterzeichneten Verträgen und mit der wirklichen.»tili- tärischen Stellung der anderen Länder. Es müsse schon jetzt eine internationale Kontrolle aller Rüstungen eingeführt werden, bis in einer fernen, aber sicher einmal kommenden Zeit der Völkerbund eine gemeinsame Militärmacht schassen werde, die ihm allein zur Verfügung stehe, wenn nicht die Demokratie das neue Europa schale, dann werde es die internationale Finanz tun. Ein europäischer Staatenbund lasse sich nicht denken, ohne eine gewisse Solidarität der Finanzen der verschiedenen Länder. In diesem Sinne könne die Schassung der Internationalen Bank begrüßt werden. Aber dieses Institut scheine seine eigentliche Aus- gäbe der vereinnahmung und der Verwaltung der deutschen Zah- lungen und ihrer Weilerleitung an die Alliierten al» Nebensache zu betrachten und den internationalen Handel finanzieren. Absahmärkte erschließen, die Währungsschwankungen und die Gold- und Kapitalbewegung regeln zu wollen. Das wäre die Unterjochung Taropas und der ganzen Welk unker die Zmotnz. Vir Znker- luttlonale Zahlungsbank lasse sich nur denken, wenn ihre Tleulrali- tat und Unparleilichkeil durch eine vSlkerbundskonlrolk« garonNert werde. Künf Sechstel für den Krieg. Sheffield, 25. Oktober. Schatzkanzler Snowden hielt gestern auf einem Fest der Messerschmiede in Sheffield eine Rede, in der er Aufschlüsse in bezug auf das Budget gab. Mit einer Herabsetzung der Steuern in nächster Zukunft könne nicht gerechnet werden. Von der durch die einzelnen Steueraufkommen erzielten Gesamtsumme verschlängen die Amortisation der Schulden des letzten Krieges und die Kosten für die Vorbereitung eines möglichen zukünftigen Krieges fünf S e ch st e l. Eine baldige Herabsetzung dieses enormen Be- träges stehe nicht in seinen Kräften. Auf die Frage der Arbeits- losigkeit eingehend, warnte Snowden vor der Annahm« überellter und nicht ausgereifter Pläne, da diese Pläne notwendigerweise nur eine vorübergehende Wirkung haben könnten und im Grunde die Lösung des Arbeitslosenproblems nur i»»ch erschweren dürften. Die Schuldfrage von Nürnberg (Fortsetzung von der 1. Seite.) Schließlich wurden die unverletzten Reisenden mit einem Hilss- zug nach Nürnberg weiterbefördert. Einige sagten:„Jetzt gehen sie mit uns weit vorsichtiger um.* An den anliegenden Fabriken und Häusern waren alle Fenster besetzt mit Frauen und Männern, die mit Schweigen und Erschütterung den Zug an sich vorbeifahren ließen. Ein paar Menschen sind weniger.— Der Alltag geht weiter. sc Nach dem amtlichen Polizeiberichl dürste die Ursache des Eisenbahnunglücks in Reichelsdors in unrichtiger oder unklarer und mißvcr st ändl icher Besehlsausgabe des Fahr- dienst leiters von Reicheledorf zu suchen sein. Der(fahr. d i e n st l e i t e r wurde vorläufig verhaftet, von den Leicht- verletzten konnten bereits wieder sechs Personen aus dem Krankenhaus entlassen werden. Was ist mit(Schmidt? Das Gespräch mit Hindenburg. Das Bureau des Reichspräsidenten läßt erklären, uiß der Wortlaut der gestrigen Aeuherung des Reichs- Präsidenten zum Volksbegehren, wi« er durch WTB. verbreitet worden ist, authentisch und seine Veröffentlichung gewissermaßen vereinbart worden sei: dagegen sei zur Beröffent- Hchung der ergänzenden Mitteilungen des deutsch- natioirolen Abgeordneten Schmidt, Hannover, eine Ermächti- gung durch den Staatssekretär Dr. Meißner oder durch sonst ein Mitglied des Bureaus des Reichspräsidenten nicht erteilt morden, obwohl Abg. Schmidt, Hannover, diese ergänzenden Mit- teftuugcn telephonisch dem Staatssekretär vorgelesen hat. Es scheint also, daß zwar die Zustimmung nicht erteilt, aber auch kein Einspruch gegen die Veröffentlichung erfolg« ist. Die Richtigkeit der Mitteilungen des Abg. Schmidt, Hannover, an sich wird vom Bureau des Reichspräsidenten weder bestätigt noch bestritten. Inzwischen setzt der Nationalsozialist Emst von R e o e n t l o w in seinem.Fieichswart* auseinander, daß die moralische V e r- urteilungdurch den � 4 des Hugenberg-Begehrens den Reichs- Präsidenten Hindenburg genall so treffen sollte wie die Reichs- minister: „Unser Standpunkt ist klar dabei zuni Ausdruck gekommen: entweder— oder! Will man ein Gesetz solcher Art als notwendig betonen, so dürfen keine persönlichen Ausnahmen gemacht werden'... Bei diesem Anlaß sei auch ciilinal ganz deutlich zun: Ausdruck gebracht, daß es mit den Phrasen um Hindenburg nunmehr ein Ende haben sollte. Man überlasse diese doch de» Erfüllungsparteien, deren Präsident er geworden ist... Wir könneil die Betätigung der Würde des Reichspräsidenten in seiner Amtswaltung nur als ein t r a- g i f ch e s Moment und als einen schmerzlichen Kontrast empfinden, den» er hol sie in den Dienst einer unwürdigen Sache gestelll." Die Nazis find die Väter des 8 4! Sie wissen also, was mit ihm beabsichtigt war. Und sie werden besser wissen als Schmidt- .Hannover, wie man in„nationalen* Kreisen jetzt über Hindenburg urteilt. Kinder-Nevolie. Weil sie sich enttäuscht und betrogen fühlten. während einer Rlarkonelkenvorstellung in der Bock- b r a u e r e i in der A i d i c i n st r a ß e ist es am Donnerstag zu derartigen Tumnltszenen gekommen, daß die Polizei eingreifen mußte. Zu der Vorstellung, zu der der Unternehmer einen Saal in der Brauerei gepachtet hatte, hatten sich etwa 300 Zuschauer, zum größten Teil Kinder, eingesunieii. Di« Darbietungen, die äußerst schlecht waren und keineswegs den An- sprächen der jugendlichen Zuschauer entsprachen, gaben Veranlassung, gegen die weitere Vorführung zu protestieren. Schließlich nahm die große Schaar der Kinder eine so drohende Haltung gegen den Mnrionettenlünstler ein, daß er in ein Neben- zimmer flüchten mußte. Aon dem Oekonomen des Restaurants war inzwischen das Ueberfallkommando herbeigerufen worden, das dem Tumult ein Ende bereitete. Am Mittwoch abend spielte sich ein ganz ähnlicher Vorfall in den A l h a m b ra l i ch t s p1 e l e n in Schöne- b e rg ab. Auch dort waren die Kinder mit den Vorführungen nicht zufrieden, und als thnen dann sogar erklärt wurde, daß der an- gekündigte Hauptfilm nicht vorgeführt werden könne, kam es zu einem offenen Krakeel. Die Jugendlichen z e r- lrümmerten die Stühle und benutzten elektrische Glüh- birnen als Wurfgeschosse. Das Kinobüffett wurde zertrümmert und mehrere Scheiben zerschlagen. Auch hier mußte die Polizei ein- greisen. Tragödie in Chqrlottenburg.- Den Mann niedergeschossen. Im Hause Suarezstraße 19 in Eharlotlenburg spielte sich heute mitlag gegen 1 Uhr eine blutige Eisersuchtstragödie ab. Nach einem vorangegangenen Streit nahm die Zöjährige Frau de, Kaufmanns Hans F r a n ck Gift zn sich und feuerte dann ans ihren Mann hinterrücks zwei Schüsse ab. Eine Kugel drang ihm in den Rücken und blieb dicht unter dem herzen stecken. Beide wurden in bewußtlosem Zustande In das Hildegard. Krankenhaus gebracht. Das Motiv zur Tal Ist Elfersucht. Lustizskandal in Bochum. Achi Mchter lehnen Einschreiten gegen ein nationalsozialistisches Revolverblatt ab. Di« Sozialdemokratische Fraktion hat im Preu- ßrschen Landtag folgende.Kleine Anfrage* eingebracht: Di« Praktiken der Essener Aeitschrist„Das frei« Wort* sind zu verschiedenen Malen Gegenstand parlamentarischer Erörterung gewesen. Das Blatt ist eingegangen, nachdem fein Herausgeber Kirchner wegen Wechselfälschung und Betrugs in zahlreichen Fällen zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt worden ist. An Stelle dieser Zeitschrift chat sich eine neue aufgetan, deren Titel„Reue Front" lautet und deren Tendenz national- sozialistisch ist. Diese neue Zeitschrift treibt es noch ärger als ihre Vorgängerin. Insbesondere lebt auch sie vo'n der Jnseratenerpressung. Es werden über vermögende Leute Skandalgeschichten verfaßt. Bevor sie aber erscheinen, meldet sich bei den Detreffenden ein Jnseratenakquisiteur der„Reuen Front* und stellt gegen einen genügenden Inseratenaustrag Nichterscheinen des Artikels in Aussicht. Ein solcher Akquistteur erschien vor einiger Zeit bei dem Inhaber einer Bochumer Firma und er- klärte ihm, daß ein entlassener Angestellter der Firma Material über ihn geliefert hätte. Der Redakteur der„Neuen Front", Herr Wagner, Mitglied des Reichstags, sowie der Geschäfts- führer Boß seien auf solches Material besonders scharf. Es würden daher Angriff« ersolgen, doch gäbe es einen Weg, dem vorzubeugen. Der betreffende Firmeninhaber ließ sich jedoch nicht er- pressen, sondern beauftragte seinen Rechtsvertreter, Rechts- anwalt 5) ermann, Bochum, den Erlaß einer ein st- weiligen Verfügung herbeizuführen, durch die der„Neuen Front* die Veröffentlichung des Artikels untersogt werden sollte. Der Rechtsanwalt begab sich zunächst zum Landgericht, mußte dort ober die Erfahrung machen, daß zunächst der Beisitzer der zuständigen Kamnier, Assessor Hage mann, sodann deren Vorsitzender, Landgerichtsdirektor Schulte, jede Be- Das bedeutet im Vergleich zum Vorlage einen„Gewinn" von 577. Vera'' man aber das Ergebnis des Volksbegehrens zur Fürstenabsi!.„mig mit dem Versklavungsbegehren Hugenbergs, so ergibt sich,, daß im Jahre 1926 an neun Tagen 793 S26 Eintragende in Berlin gezählt wurden, während Hugenberg im gleichen Zeit- räum ganz« t44 091 Namen buchen konnte! Oer Mann an der Spitze. Dresden. 25. Oktober. Wie Hugenbergs Telegraphen-llnion erfährt, hat sich der ehe- malige König von Sachsen, Friedrich August, als einer der ersten in die Liste s ii r das Volsbegehrcn eingetragen. Das hat Hugenberg ehrlich verdient! Ludwigshafen a. Rh.. 25. Oktober. Die Einzeichnungen siir das Jnflationsbegehren sind in der '"Lsalz äußerst kläglich. Bis Mittwoch abend lagen folgende Ergeb- nisse vor: Bad Dürkheim 25, Frantenthal 17, Kaisers- l a u t e r n 259, Pirmasens 359, Speyer 68. Neustadt a. d. Haardt 147, Zweibrücken 213. In Ludwigshafen hatten sich bis zu dem gleichen Termin 232 Personen eingezeichnet. Börsenlärm lauter als Glockenläuien. Sechs Matter ohnmächtig aus Wallstreet getragen. New 0 v r f, 25. Oktober. Die beispiellose Lebhastigkeik der gestrigen Fondsbörse lockte derartige Menschenmengen an. daß ein besonderes Polizeians- gebot notwendig war. um den Straßenverkehr in der Umgebung der Börse freizuhalten. Die Zuschauergalerlen der Börse waren gedrängt voll: um möglichst vielen Eintritt zu gewähren, durften die Besucher nur zehn Minuten auf den Galerlen verweilen. Der aus dem Vörsensaal dröhnende Lärm hallte in den Seitenstraßen wider und übertönte zeitweilig das Glockenspiel der benachbarten Trlnity-Kirche. Zeder Börsenposten im Börsensaal war der Mittelpunkt einer sich wild bewegenden schreienden Menschenmosse. Zeitweise ermattete das Geschrei der Taufende von Stimmen, um dann nur noch mächtiger wieder anzuschwellen, wenn Gerüchie der Kursstürze in diesem oder jenem Papier sich im vörsensaal blitz- schnell verbreiteten. Zn der allgemeinen Ausregung brach ensechs Makler zusammen und mußten ins Krankenhaus gebracht werden._ Ner Aiieniäier ein Kindelkind. ?reuvenkuni>gebungen in ganz Italien gemeldet. Rom, 25. Oktober.(Aultria.) In ganz Italien fanden gestern Kundgebungen des Abscheus über das Attentat in Brüssel und der begeisterten Freude über die Unversehrtheit des Kronprinzen statt. Gewaltige Züge mir Fahnen und Musikkapellen bewegten sich überall, unter Vorantritt von Vertretern der Behörden, durch die Städte des Landes unter Hochrufen auf den König, die Dynastie, den Kronprinzen und das saschistisch« Regime. Bon allen Teilen der Nation wurden schäftigung mit der Sache ablehnten, wobei der letztgenannte erklärte: „Das mache ich nicht, ich lasse mich nicht von der„Neuen Front* durch den Kakao ziehen, gehen Sic zum Amtsgericht* Oer Rechtsanwalt ging zum Amtsgericht. Auch dort wurde er von einem Richter zum andern geschickt, weil niemand zusläitdig sein wollte. So erklärte ein Richter:„Nene Front"— gehöre unter den Buchstaben„N", er ober sei siir„F" zuständig, während der sllr den Buchstaben„N* zuständige Richter die Sache wiederum für eine„F"-Sache erklärte. Insgesamt nmßtc der Rechtsanwalt, obwohl er als Bochumer Rechtsanwalt mit den Verhältnissen beim dortigen Amts- und Laichgericht wohl vertraut ist, bei acht Richtern umhergehen, bis endlich der Amts- gerichtsrat Dinslage auf die Ankündigung des Rechts- onwalts hin, daß er die Dienstaufsichtsbeschwerde erheben �würde, wenn nicht bis zum andern Morgen eine Entschechung getroffen sei, eine solche im ablehnenden Sinne fällte. Dies« Entscheidung ist auf die eingelegte Beschwerde des Rechts- anwalts aufgehoben und von der Beschwerdekommer die einstweilige Verfügung erlassen worden. Hieraus geht hervor, daß durch die publizistischen Methoden der„Reuen Front* die Bochum er Richter offen sichtlich so eingeschüchtert sind, daß sie jeden Vorwond suchen, um sich i>er Beschäftigung mit diesem Blatt zu entziehen. Wir fragen daher: l. was gedenkt das Staalsministerium zu tun. um die Bochumer Gerichtsbehörden zu pslichlmäßigem verhalten gegenüber der Zeitschrift..Neue Front* zu veranlassen: . 2. was gedenkt das Staalsministerium weiter zu tun, um pslichl- gemäh handelnde Richter gegen die zu erwartenden Angriffe und Beleidigungen diese» Blattes zu schützen?' unzählig« Depeschen an das italienische Königspaor, den Krön- Prinzen und die Regierung gesandt, in denen das Verbrechen ge- brandmarkt und die Ergebenheit des italienischen Volkes gegenüber dem königlichen Haufe, dem D u c e und dem Faschismus zum Ausdruck gebracht wird. „Times" berichtet aus Mailand: Die Nochforschungen der Polizei nach der Herkunft de Rosas haben ergeben, daß er 1998 als Kind unbekannter Ellern von einer Hebamme im dortigen Findlings heim abgegeben wurde. Als Tag ssiner Geburt sei der 7. Oktober 1908 angegeben worden. Nach Verlassen des Findtingsheims wurde der Knabe von einer Frau in einem Vorort von Mailand als ihr Sohn erzogen. In Mailand war de Rosa der Polizei als Kommunist bekannt. Ein Wächter erschießt seine Krau. Tragischer Unglücksfall in der Trelieborger Straße. Ein tragischer Itnglückssoll, der leider wie so häusig aus unvorsichtige» hantieren mit einer geladenen Waffe zurückzuführen ist. ereignete sich heute früh in der Trelieborger Sir. 12 In Pankow. Gegen 7 Uhr kehrte der Wächter Wieds, der bei einer Ler- lincr Wachgesellschaft angestellt ist, von einem Dienst heim. Wie gewöhnlich schnallte er gleich den Revoloeffgurt ab und»ahm die Waffe heraus, um sie zu entladen. Die Pistole war jedoch noch entsichert; durch eine unglückliche Bewegung kam W. dabei dem Abzug zu nahe und plötzlich krachte ein Schuß. Die Kugel drang der jungen 25jährigen Frau Wiede, die dicht neben ihrem Manne stand, ins Gesicht. Mit einem Auftchrei brach die Geiroffene blutüberströmt zusammen. Wiede alarmierte sofort den nächsten Arzt, der die sofortige Ueberführung der Schweroer- letzten ins Pankower Krankenhaus anordnete. Es war leider keine Hilfe mehr möglich. Die junge Frau starb bald nach ihrer Ein- lieferung. Der unglückliche Schütze ist völlig zusammengebrochen. Wie lenkt man ab? Die„Jtoie Fahne" erfindet ein Angebot. Die von uns veröffentlichten Dokument« kommunistischer Funk- tionäre über den großen Leow sind für die KPD. gewiß peinlich, lassen sich aber durch ein- noch so große Sturzflut gewisser Schimpf- wobte nicht verlöschen. In ihrer Rat versällt die„Rote Fahl»e* auf einen Trick, dessen maßlose Albernheit die Größe ihrer Verlegenheit enthüllt: sie will ihren Lesern weiß machen, der„Vorwärts* Habs- ihr«in Schweigea ii gebot aus Gegenseitigkeit angetragen: Wir würden über Leow schweigen, wenn die„Rote Fahne* über Genossen Brolat den Mund hielte. Und rein wirft sich das Derleumderorgan mit sittlichem Pathos in die Brust:„Wir denken gar nicht daran, zu schweigen. Unentwegt und voll und ganz werden wir fortfahren...* Diese edle Geste krankt nur an dem Mangel, daß der„Vorwärts* niemals ein derartiges Schweigeangebot gemacht hat. Wir könnten uns ja vorstellen, daß die„Rote Fahne* sich ein solches sehnlichst herbeiwünscht, da sie wohl über ihren Leow noch viel genauer Bescheid weiß als wir. Aber unseren Lesern, die das, was wir schreiben, Wort für Wort und Satz für Sag kon- trollieren können, brauchen wir nicht erst ausdrücklich zu sagen, daß die Wunschoorstellungen der„Rolen Fahne* in unseren Aue- führungen auch nicht die kleinste tatsächliche Grund- läge haben. Es sind Erfindungen ratloser* Gauner, denen die Schlinge um den Hals liegt. Auch Kraftausdrücke wie„schmutzige Verleumdungen" können nicht von der Tatsache ablenken, daß Verfasser der von uns vir- öffcntlichien Schreiben ein K o m m u n i st in führender S t e i» l u n g ist. So bleibt denn lediglich der weinerliche Hinweis, daß alle Angriffe gegen Leow und Genossen„an dem proletarischen Ruf kommunistischer Funktionäre abprallen*. Diese Behauptung hat uns allerdings mit stiller Heiterkeit erfüllt, denn es geschieht so ungefähr alle acht Tage, daß irgend ein kommunistischer Funktionär von der„Roten Fahne* selber als Lump, Renegat und bestochenes Subjekt bespien wird, sobald er nicht vor der jeweiligen Zentrale kuscht. Die„Rote Fahne* muß sich schon etwas Ernsthafteres ausdenken, da wir es wohl verstehen können, daß sie sachlich nicht imstande ist, die Korruptions- Wirtschaft ihrer Führerklique zu decken. Fürst Bülow hat eine sehr ruhige Nacht verbracht. Der Zu- stand des Erkrankten ist jedoch noch immer ernst. Die Eisenbahn- Schlägerei. Oer Prozeß gegen lieichsbannerleute. L. R. Jranffurf a. 0., 25. Ottober.(Eigeilbencht.) Di« Verhandlung gegen die Breslauer Reichsbonnerleute zieht sich schleppend dahin. Der Vorsitzende, ein Mann von außerordentlicher Gründlichkeit, stellt endlos« Fragen, die zum Teil von anderen Zeugen bereits beantwortet oder deren Beantwortung sür den zur Last gelegten Tatbestand belanglos sind. Als erster wurde heute morgen der Poiizeioberwachtmeister aus Magdeburg, G l a tz a, veriwm-men. Er befand sich in dem Abteil 3. Klasse neben dem Abteil 2. Klasse, in dein sich der blutige Vorfall ain 12. August abspielt«. Eben hielt der Zug in Iakobsdorf, als sich di« Tür zum Abteil 3. Klasse öffnete, ein von Bült be- schmutzte? Aermel sich zeigte und jemand rief:„Reichsbanner- kam» roden, Ueberfall, Hilfe." Die Frauen begannen zu kreischen, die Kinder zu schreien. Die Frau d«s Zeugen klammerte sich an ihn und ließ ihn nicht aufstehen. Ein Krüninalbeamter meinte:„Kollege, bleiben Sie sitzen, wir haben da nichts verloren." Der Polizei- oberwachtmeifte? glaubte, es handele sich um einen Ueberfall von RolfrontloHech und OaUln, Xtdchenberger Strafe 73a, .{eiern da« 7es( ihrer diamantenen Of ochsteil. s«m« Frau zu dem Angeklagten Hahn auf der Station Sagau gesagt habe:„Das ist ja der junge Mann, der um Hilfe ge- rufen hat." Als nächster Zeuge folgt der Reichsbamrermann und Sanitäter Molchen. Als der Zug in Iakobsdorf plötzlich hielt, wurde der Angeklagte Jajchek in den Wagen hineingezogen. Er war sehr erichöpft und blutig. Der Zeug« zog ihm das Hemd ab und stellt« seft, daß er keine Wund« hatte. Auf Fragen konnte Iaschel über- Haupt nicht antworten. Der Schwächezustand war bald vorüber. Als der Zeuge fein blutiges Messer sah und es dem Transport- sichrer zeigen wollt«, riß Iaschek ihm dos Messer aus der.Hand imd warf es durchs Fenster. Der Zeuge Schumann, Transportleiter der Reichsbanner- leute hat auch geholfen, den Verletzten auszuladen. Dieser wimmerte immer wieder:„Ach, mein Arm, mein Arm." Als die Kameraden die Angeklagten Hohn und Stirn auf dem Bahnhof Sogan nicht allein zurülÄassen wollten, sagte Hahn zu ihnen:„Kameraden, regt euch nicht auf, wir gehen freiwillig mit, wir wollen die Sache klären und beweisen, daß wir nicht Messerstecher sind." Der Zeuge sagte: „Redet doch keinen Unsinn, die Kaeneraden haben blutbeslecktc Kleider und kommen als Täter in Betracht. Wenn sie hier nicht verhaftet werden, so geschieht es doch in Breslau. Der Transports ührer des Jungbanners und Iugendführer Kling er erzählt, daß Hahn ihm auf seine Frag«, was los fei, gesagt habe, daß sie etnen besseren Platz gesucht hätten und Stirn bei dieser Gelegenheit von einem Reisenden angefallen worden sei. Der Zeuge ist die ganze Zeit über bei dem Verletzten gewesen und hat sowohl in Jakobsdorf als auch auf der nächsten Station dringend darum ersucht, daß man für einen Arzt in Frankfurt/Oder sorge. Er hat sich anfangs dagegen gesträubt, daß der Zug weiterfahre, ohne kmß man dem Verletzten geholfen hätte. Ein unbrauchbares Kilmmoiiv. Von Hans Dauer. Man geht ins Kiiw, in die letzte Großfenfation der FUmkunft, in die„Frau im Mond". Recht schikanös gemocht— aber was ist das bloß für ein« stumpssinnige, jammerloppige, trottelige Liebes- geschichte, die in diese Angelegenheit der Weitraumforschung hinein- geschustert ist. Kaltschnäuziger Tratsch ohne«ine Spur innerer Wahrhaftigkeit, alberne Mache, Kitsch, Kitsch, Kiffch. Ordentlich die Wut bekommen kann man über diesen Zinnober, der einem da zu- geniutet wird, wenn man sich vergegenwärtigt, wie leicht es doch eigentlich die Romantanten und Regisseur« hätten, zu gediegenem Stoff zu kommen. Es gibt da außer den Geschehnissen der Film- Manuskripte noch die Geschehnisse des sogenannten Lebens, jenes merkwürdigen Seinszustandes, d«r ganz ohne Blendlicht und Regie- bemühungen zustande kommt, und wenn die Kinoleut« sich in diesem Leben ein wenig besser umsähen, so würden ste darin auch bezüglich des Verhältnisses der Geschlechter zueinander zuweilen tragsschen Stoff von solcher Feinheit und letzten Geschliffenheit aufftöbern können, daß ihnen der Kitsch sür eine Weile verginge. Wie hinreißend spannungsvoll und überströmend von subtilsten Nuancen ist doch die Geschichte vom Musiker Weber, der dieser Tage vom Schwurgericht III zu Moabit wegen versuchten Mordes zu drei Jahren Zuchthaus verurwilt würde. Sie ist schon durch den Gerichts- saal der Blätter gegangen, aber das- Kriminelle ist das minder Wichtige, und von bleibendem Wert ist das Menschliche. Der Mu- sikcr Weber also hatte seine Frau innig geliebt, als er si« heiratete, aber allmählich verwandest« sich fein« Zuneigung in Haß. Wieso, warum? Weil sie orgiastischen Abenteuern nachjagte oder mit anderen zu tändeln sich untersing? Nein, wir sind nicht bei Thea von Harbou, sondern mittep im Leben: weil sie ihm keine sauberen Kragen hinlegte. Das war's. Das machte es. Das vergiftete und zerräderte diese Ehe: die Bernachlässigung des Kleinen, Unbedeutsamen, das Hinwegsehen über die Notwendigkeiten des alltäglichsten Alltags, die stete, dauernde Pflichtverletzung im Winzigen, Mikro- skopsschen. Wie weiter? Heckt« er einen teuflischen Plan aus, rang er sich zu einem entsetzlichen Entschluß durch? Rein, er kommt eines Abends spät nach Hause und findet seine Frau schlafend vor. Plötz- lich« Eingebung. Er öffnet den Gashahn in der Küche— und jagt auf die Straße hinaus. Ein Mörder... aber keiner des Films mit Dämonie und stechendem Blick, sondern ein sanftmütiger Mörder des Lebens, einer, d«r vor seiner Tat flieht, der ihr nicht gewachsen ist, der sie mißbilligt, ein Mörder mit Herz, ein Spielball des aus den Fugen gegangenen Zlugenblicks. Deü Musiker Weber treibt es ball» genug wieder vor sein Haus. Er sieht, daß das KüSftnsenslcr weit geöffnet ist. Seine Frau hat alles entdeckt. Angst, Angst, Angst peitscht ihn auf die Straße zurück. Am Morgen erst wagt cr sich in die Wohnung. Seine Frau hat das Schlafzimmer abgeschlossen und schläft. Wieder packt ihn die Wut. Er leitet den Gasschlauch ans Schlüsselloch. Oeffnet den Hahn. So, jetzt wird Schluß gs- macht mit dieser Kanaille, Schluß für immer, immer, immer...? Schluß für immer? Nach zehn Minuten tut ihm alles leid. Genau genomincn liebt er die Frau ja eigentlich, und wen man liebt, den vergiftet man nicht mit Gas. Er nimmt den Schlauch von der Tür. Die Frau wacht auf. 0, welche Szene gäbe es jetzt iin Film! Großaufnahme eines von wildem Entsetzen zerfurchten Gesichts. Zwischentitel:„Das also ist die Liebe, die du mir am Altar schworst!" Aber Frau Weber sagt etwas anderes:„Du bist wohl verrückt ge worden?" Und sie denkt nicht daran, in Alaska oder Beludschistan Vergessen von allem Msnschenleid zu suchen oder, am liebsten, sich auf die Krater des Mondes hinausschießen zu lassen. Sie söhnt sich aus mit ihrein Mann imd verspricht ihm. es künftig an sauberen Kragen nicht fehlen zu lassen. Mindestens jetzt wäre im Film das bapp? end unvermeidlich. Der reumütige Gatte, die verzeihende Gattin: Neues Leben aus den Ruinen! Im Leben ist es anders. In»- Leben kommt drei Tage später Herrn Webers Schwiegermutter zu Besuch, ihre Tochter erzählt ihr alles. Die Schwiegermutter sagt: „Sofort Anzeige erstatten!" Die Tochler geht aufs Polizeirevier. Prozeß. Jetzt, wo es ernst ist, hat auch die Schwiegermutter sich die Sache anders überlegt. Auch sie flieht vor ihrer Tat, vor den» Rat zur Anzeige, möchte ihn ungeschehen sein lassen, bereut ihi». Sie und chre Tochter verweigern die Aussage... „Ja, was ist nun eigentlich los?" wird der Filmmann sagen Das ich doch kein Manuskript, das ist eine Schludere!, hierin sindct� sich doch keiner zurecht. 5)at cr sie nun umbringen wollen oder' nicht, liebt er sie oder haßt er sie, liebt si« ihn oder haßt sie ihn, ist die Schwiegermutter für oder gegen. ihn? Man muß kleinlaut ergänzen, daß sich nicht einmal der Richter im klaren über die Sache war. Er mußte, laut Gesetz, aus mindestens drei Jahre Zuchthaus erkennen. führte aber aus, daß er die gesetzliche Vorschrift für zu hart Halle und eine Milderung iin Gnadenwege befürworten wolle. Lauter Doppeldeutigkeiten alsv, nichts Gehauenes und nichts Ge- stochenes, immer wieder Zwielicht und Zwiespältigkeit, Zerrissenheit und Ungewißheit. Nein, ein Filmmotiv wird ans dieser zerfahrenen Sache niemals werden können. Fahrboockaiastrophe in Amerika. 54 Mann wahrscheinlich ertrunken. London, 25. Oktober. Ein großes Eisenbahnfährbool, das am Dienstag abend von Milmaukee abgegangen, lst bisher nicht an seinem vcslimmungs- ork angekommen. Räch Derlchlen aus Racine im Llaale Wlsconsln befürchtet man. daß da» Boot mit seiner gesamten Besatzung von 54 Mann im Sturm auf dem Michigansec untergegangen ist. Die Befürchtungen werden noch verstärkt durch eine Mitteilung der Süstenschuhwache. wonach Trümmer gesunden wurden, bestehend du» einer Schissskabine, verschiedenen nicht gezeichneten Reltungsgürteln und einigen Matratzen. Ebenso wurden bereit» einige Leichen gesunden. Als da» Zährboot, das mit einer Ladung Automobile unterwegs war, seine Fahrt antrat, herrschte ein furchtbarer Sturm aus dem Michigansee. Das neue arbeltsphysiologische Institut in Dortmund, das von der Gesellschait zur Förderung der Wissenschaft errichtet ist. wurde Dienstag eröffnet. Reichsnrinister Severlng betont« u. a., das Institut werde auch als wertvolles Hilfsmittel in den vielfachen Streitigkeiten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer dienen, ins- besondere im dicktbesiedellen Industriegebiet mit seinen mamiig- fachen Anforderungen, die es on beide Parteisn stelle. Als Direktor des neuen Instituts sprach Pros. Atzler über die Gefahren, di« Deutschland durch die Massenerzeugrmg entstehen. Die Arbeit des Instituts, die der Veiffolgung neuer wissenschaftlicher und technischer Ideen, der wissenschastlichen Durchdringung der Wirtschaft und ihrer Gesetze sowie der systematischen Erforschung der Arbeitsproblem« gelte, werde mit dazu bellmgen, diele Gefahren zu bannen. Weller für Berlin: Kichl. wechselnd bewölkt, mit einzelnen Regenschauern und frischen Südwestwinden.— Für Denlschland: Allgemein kühles und unbeständiges Wetter mit Regenschauern. Achtung. Typographia! Die Generaloersammlung am Sonntag beginnt n i ch t um 3 IHr. sondern schon um 2 Uhr. �Gchwarzwaldmädel." Mozartsaal. Der Typ eines gut inszenierten unk» gespielten Films ohne be- sondere Höhepunkte. Ein bißchen mondänes Parfüm, ein bißchen Erotik, ein bißchen Komik urll» recht viel Sentimentalität, die aller. dings nicht dick aufgetragen wird. Es ist die rührende Geschichte von dem Schwarzwaldmädcl, di« vor Jahren schon als Operette Tränenströme entfesselte. Der Fox. troll„Mädchen aus dem schwarzen Wald" lebt sogar heute noch. Ach, das arme, kleine Mädchen kommt nach Berlin und lernt einen in seinen Finanzen«rschütlerten Herrn kennen, dem sie aus die Beine hilft und von dem sie nachher oerlassen wird. Eine schmerzliche Angelegenheit. Hanni kehrt also in die heimischen Wälder zu einem liebenden, alternden Mann zurück, dessen drohendem Heiratsantrag sie entfliehen wollte. Der Regisseur Viktor I a n s o n, ein Patriarch auf dem Gebiete des Volksstücks und des Lustspiels, mischt virtuos die einzelnen, not- wendigen Elemeillc, bringt hinter einer tränenfeuchten Großaus- nähme komische Illlermezzi, zeigt prunkhofte Räume, ländlich stilles Milieu, glutende Umarmungen und ähnliche schöne Dinge, die ein braves Herz begehrt. Liane Haid spielt die Hanni, das Kind aus der stillen Ein- samkeit. Vor Jahren konnte sie diese Rollen. Damals etwa in den |„Schlagende» Wellern" war sie ein naturhaftes Temperament. Heute, ' nach einer Reihe auf Salon stilisierter Gestaltungen, stören falsche Töne. Unterstreichungen und Ueberbetonungen. Immerhin hat sie ! Szenen, die durch ihre Echtheit angenehm überraschen. Waller Janssen findet für den Domkapellmeister charakteristischen Au-- ] druck, und Louis Lerch ist der typische, moderne Liebhaber. Ein neues Gesicht zeigt Mildred W a y n e, Salondame mit zart angedeutetem Bompirehrgsiz._ F- 5. „Das Geheimnis der Höllenfchluchi." llfa-pavillon. Der Titel erinnert an die Schinöker, ai» denen die Jugend einst ihre Sehnsucht nach Abenteuern und ihr Bedürfnis on Helden- Verehrung abreagierte. Das amerikanische Filmpublikum, das zum Teil auch nur aus großen Jungen besteht, hat noch dieselben Bedürf- nisse. Sie werden auf etwas modernere Art befriedigt. Der Heid ist H o o t G i b s o n, ein zweiter Tom Mix. Er ist Polizei- kommissar weit hinten in Texas, wo die übliche Berbreclzer- und Schmugglerbande haust. Wie er allein— nur mit Hilfe eines Ge- fährren, der als Uebergefchnappter auftritt— die ganze.Sippschaft mrschädlich nmcht und in einem Spritzenwagen einsperrt und gleich- zeitig das junge Mädchen, das ihn auf den ersten Blick liebte, von dem„Schurken" befreit, das ist mit Humor und Schmiß gemacht. Fabelhafte Ritte, Bravourstück« aller Art täuschen darüber hinweg, daß hier ziemlich unmögliche Dinge vor sich gehen. Es geht olles sehr moralisch zu; die Schufte werden der Straße zugeführt, und es� fließt kein Tropfen Blut dabei— und das Publikum hat an dem erfindungsreichen, gewandten Kommissar dieselbe Freude— wie einst die Allen an ihrem Herkules und die Jugend von gestern an Karl Mays Heiden. Die Bösewichter»Verden mit Raffinement gemimt, und das saubere Mädchen der Ane l! h r i st y sucht natürlich zu sein. Boraus gingen«in neuer Tonfilm„Cafe Kölau", in dem Morgan und Vendow um die Wette Kalauer verzapften, und. ein indischer Burgenfilm mit herrlichen Bildern aus dem Wunderlande. �undfunkzensur. Im Berlage des„Deutschen Arbeite rsäng erbundcs ist«in Choicwerk„Der K r« U Z Z u g der Maschine"— Text von Lob o Frank. Musik von Artur Wolfs— erschienen. In dem Chorwerke koinmt der Will« des Proletariats wie über- -Haupt eines großen Teils des Volkes zum Ausdruck, einer kriegs- losen Zeit entgegcnzuslleben. Der„Berliner Volkschor" hat das Werk zur Uraufführung nngenonnne»» und für die Ausführung um 6. November die llebertragung durch die„Deutsche Welle" beon- tragt. Die Direktion der„Deutschen Welle" hat jedoch die Ueber- tragung mit der Begründung abgelehnt, daß„das Werk den für den'Rundfunk geltenden Richtlinien zuwiderläuft". Diese Begründung hat der Ueberwachungsausschuß benutzt, um die gegen die Entscheidung der Direktion der„Deutschen Welle" eingelegte Beschwerde zurückzuweisen. Während aber iminer- hin die Direktion der„Deuffchen Welle" erklärte, die Uebertragung nicht zulassen zu können,„um die Gefühl« nicht sozialpazisistisch ein- gestellter Hörerkreise nicht zu verletzen", heißt es m» Bescheid des Ueberwachungsausschusses,, daß für die Ablehnung maßgebend sei ,chie ganz einseitige und tendenziöse Eiirstellung sür eine bestimmte weltanschauliche Richtung". Das heißt also, daß man einer de- stimmten Weltanschauung huldigen muß, um vor den Herren Rund- funkzensoren Gnade zu finden. Die recht eindeutige Sprache des beanstandeten Werkes gegen den Wahnsinn des Krieges ist demnach den Gewaltigen des Rundfunks nicht angenehm. Aus Sorge, daß die Hörer von dem einseitig tendenziösen pazifistischen Werke zur Friedensgcsinnung des Proletariats bekehrt werden könnten, bewahrt der Rundfunk„seine" Hörer vor-dem.Lreuzzug der Maschine". Dieses Chorwerk von Loba Frank ist übrigens vom Sprech- und Bewegungschor der Volksbühne bereits vor Jahr und Tag im Theater am Bülowplatz ausgeführt worden. Film und Musik. Die Volksbühne will in ihrer Matinee am 27., 11.30 Uhr, im Theater am Bülowplatz die Möglichkeit künstlerischer Einheit für Film und Musik zeigen. Die Komponisten Max Bulling, Paul Dessau und Ernst Toch haben sür diese Veranstaltung zu den verschiedenartigsten Filmen passende Musik komponiert. Es gelangen Kulturfilme, Märchen- und Trickfilm« zur Aufführung. Eingeleitet wird di« Veranstaltung mit einer Spielmusik, geschrieben für Lieb- Haberorchester von Paul Hindeinith.(„Der Jäger aus Kurpsalz.") Unterlzaltungsmusiken von Teleman und Walter Goehr lösen die Filmdarbietungen ab. Hierdurch soll auf die Verwandtschaft zwischen der Gebrauchsmusik des 18. Jahrhunderts und der unsrigen hingewiesen werden. Ausführende sind das Alhambra-Kammerorchester unter Leitung von Paul Dessau. Prozesse um die Piscator-Bühue. Nachdem �Direktor Klopfer vom Theater ain Nollendorfplatz das Angebot Piscators, der für sein Schauspieler- Kollekllv zu einer Garantieabnahme von 400 Plätzen pro Abend durch oerschiedeire Abonnementorgcmi- sationen, darunter auch die Volksbühne, sich verpflichten wollte, als ungenügend zurückgewiesen hat, wird Piscator letzt für sich sowohl als für sein Kollektiv den Klageweg beschreiten. Es wird dabei steh nicht nur um den Einzelprozeß Piscators handeln, sondern auch um die Prozesse seiner Schauspieler, die nunrnehr von der Direktion Klopser einen Vertrag über die ganze Saison einklagen werden. Eine Schau pieür-ltachworstellilng von.Stempelbrüder' findet Sonnabend, 11'/« Uhr im Renaissance-Theater statt. Die Wohnungssrage in Frankfurt a.d. Oder. In dem Bericht über das Musikheim(in Nr. 400) ist ein Irrtum über die Woh- nungsfürsorge der Stadt Frankfurt a.d. Oder unterlaufen. Wie authentisch dargelegt wird, existiert dort- durchaus noch eine Woh. nungsnot: es gibt immer noch 6900 Wohnungsuchende, also fast 10 Prozent der Einwohnerschaft. Ebenso beruht die Mitteilung auf einem Mißverständnis,„daß es wirtschafllich.beinahe gleichgültig sei, ob»na» Etagen- oder Einzelhäuser baut". Eine Genossenschaft hat näinlich durch günstige Erledigung ihrer Hypotheken Ein- familienhäuser zu Altwohnungspreisen vermieten können— ein gleichwohl sehr beachtenswertes Beispiel tüchtiger Bodenpolitik. Daß es trotzdein noch nicht gelungen ist, die Wohnungsnot zu beseitigen, ist ein sprechendes Zeugnis für die Notwendigkeit, daß Reichs- und Staatsbehörden unermüdlich Mittel zum Hausbau bereitstellen sollen. P. F. Seh. Spielplavövderuog. In der StaaiSoper am Plah der Republik! Heute ffreitag infolge mehrfacher Srkrankunnen im Personal anstelle der ursprünglich angelllndizten.Drei französischen Einalter": Die Fledermaus'. Bühnenjubiläum. DaS Berliner Theater registriert die SV. Aus» fübrung der Kaisei-Revue.Zwei Krawatten', das Deutsche B o l k s l h e a t e r die Sä. Aufführung.Der beiden Veronefer*. Lerantwortl.»ür die Redaktion: Aolsgang Scheoarz, Berlin: Anzeigen: Td. SloSr Berlin. Beklag: Vorwärts Berlag w. m b s.. Berlin. Druck: Vorwärts Brrl. druckerei und Verlagoanltalt Paul Singer& Co.. Berlin SW SS. LindcnstraS- Hierzu 1 Beilage. Freitag, 25. 10. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 230 IWs Uhr Staais-Oper Am Pl.d.Republ. Vorst 71 20 Uhr Die Mnam Freitag, 25. 10. Slüflt. Oper ßismarckstr. Turnus 1 lO'a Uhr Staatl. Sdiaosph. am Gnutarmenmarkt A.-V. 204 20 Uhr Bans im Staatl.Schiller-'nieater.Chaiilti. 20 Uhr Der Kaufmann von Venedig Ti|l. t Torsten. S nl 87, Dir SmkvoiM«AD Unsere neuen Preise: ■eetentegi 5 Obr M Pf. bis 3 Bort Till. Vit i. Sonnt I Obr I bis( Bark Ctiarlle Rhrel. 3 Whlrlwindt, LongTack Sam etw | Tägl. 5 o.»» SomiLS.Sa. IK | Alu. E, 4. 8066 INTERNAT. VARIETE Grosses Scitauspielhaus S Uitr: Mustettm REGIE: JMm. CHBRELL 3 Sonntag nachm. nnget, halbe Pr. ROSE -THEATER"ÄS" Billettkasse: Alexander 3422. Täglich 8« Uhr; (Sonntags 57« und 9 Uhr) svs« fleieflftrie Jsaaxsai Sie zahlen für Rg.-Balkon(Seite) SO Pf., für einen guten Mittel- Rang 80 Pf., für Seitenparkett 1 Mk., für II. Parkett 1,20 Mk., fftr I. Parkett und Rang-Balkon Mitte I.SO Mk. Jeden Sonnabend 5 Uhr u. Jeden Sonntag 5« Uer. Schneewittchen. ICfiCB Hlttvodl S utr; Das tapfere SdiDeiderlein VolKsbtthne Theater enBiloBiiM1 8 Uhr FrQhlinos Erwachen Staat!. Sdiiller-Hi. 8 Uhr Der Rautmami von Venedig Staatsoper AmPl.d Republik 8 Uhr W fleilerniaiis MMn Itieatüf 0.1. Norden 12310 87. Uhr Der Kaiser y. Amerika von Bernard Shaw Reg: Max Reinhardt Khmmerspleie D.I. Norden 12 310 S'/j Uhr Der DovidersteMieiie Komödie von Qfraldy und Spitzer Regie: Gustaf Gründgens Die Komödie ] I Bismck.24H/7516 8 Uhr Koiporlage Komödie von Georg Kaiser Regie: Erich Engel Barsovsky-BlfiiDeR Theater in der KDnlggrEtier StreBe Täglich 87« Uhr Die erste mrs. setby mit Frltzi mastarv Komödienhaus Täglich 8'I, Uhr StriBliys Soppen sinii die besten mit Kurt Bois Direktion Dr. Robert Klein Dentsebes Künstler-Thea! Barbarossa 3937 87. Uhr Die andere Seite Berliner Mr OönhofflTO 87. U. Zwei Krawatten von Georg Kaiser Musik Spoliansky TUeat. rt. Wöstens Tägl. 87. Uhr Nariefla Uisikf. Oskar Siraos Käthe Dortcfa Michael Batuen Sonnab. 4, Stg. 2 u. 5 Friederike Lnstsplelhans Friedrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich 87, Uhr Grand Hotel Lustspiel tob Paul Frank Trianon-Th.'�r Keule 77« Uhr Premiere „Die Ballerina des K5nigsu mit Elisabeth Strickrodt, Neumann, JseleStrom, Seniler, Ludwig, Barden Sonnab 4, Stg. Z'b Aschenbrödel Sonntag 5 Uhr Johannlsfener Theai.aniRatih.Tor Kottbusser Str. 6 Tägl. 8 Uhr auch Sonnt. nachm. 3 U. Elite' sanier Der doppelle Ein Wehre'ord d. Lach." llvlni CASINO-THEATER Lothringer Strafe 37. IlOUl Täglich 37. Uhr 118111 wenagte Hoctizeitsnacmt und ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Lesen Gutschein für 1—4 Personen Fauteuil nur 1.25 M., Sessel 1.75 M., Sonstige Preise: Parkett u. Rang 080 M Renaissance-Theater Täglich 87« Uhr STEMPELBRÜDER Schauspiel von Duschinsky. Regie: Oust. Härtung. SUlimliU C 1. 0901 u. 3583/84. MWWW ZLu noch nieHHl� dagewesenen Preisen bringen wir Stores. Gardinen Bettdecken Künstler-Gardinen in besten Qualitäten von...... 2 25 an Halbstores in allen Webearten von.......... 1,75„ Bettdecken von........ 2�0„ Dekorationsstoffc von... 3,—. Einzelverkauf von 9—7 Uhr Spezial-Gardinen-Werkstätten S. Krüger Neukölln, Ber g-Strafje 07 2. Stock am Ringbahnhof Kein Laden! 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In den kurzen Pausen zwischen zwei Aufnahmen träumte sie manchmal von Paris, und als eine französische Gesellschaft im Nachbaratelier filmte, ließ sich Marianne dem französischen Star vorstellen und bewunderte die schöne, zerbrechliche Figur der Schau- spiclerin. Lyssander übersetzt« ihr Gespräch. Der Film: Maria und das Glück hatte nun auch ihre Heimat- slodt berührt. Der Vater beschrieb in einem seiner wöchenllichen Briefe den großen Erfolg. Die alten Weiber hatten natürlich in ihren Kaffeekränzchen über das leichtsertige Geschöpf Marianne Hull die Rasen gerümpft, die jungen Frauen aber, die Mädchen und auch die Burschen waren begeistert. Der Schlager vom weißen Flieder wurde jetzt nicht mehr gesungen, das Marialied war überall zu hören. Der Herr Bürgermeister hatte den alten Hull nach dem Rathaus kommen lassen und ihm zum Ruhme seiner Tochter, d«r auch der Rühm sür die Stadt sei, gratuliert. Dann schrieb-ine jung« Frau um Rot. Sie wallt« noch Berlin kommen, um beim Film ihr Glück zu machen. Ein Brief von einem Schulfreund erreichte Marianne. Der Schulfreund erinnerte sich plötzlich ihrer und bot um ein Bild mit Nwm«nszug. In seinen, Briese bemerkt« er, daß er gesund und ledig sei. Auch seine Gröhenmaß« gab er an. Der Brief eines Schulmädchens bestand eigentlich nur aus lauter Knicksen und bettelte um«in Autogramm. Marianne beantwortete diese Briese und erfüllte die Wünsche, soweit sie zu erfüllen waren. Nur an den Schulfreund, der be- dcutsam auf sein« breite Brust pochte, schrieb sie nicht. Sie hatte viel zu tun, die Neine Hull, sie tat es gern und sah das Ai«l. Die Arbeit an dem neuen Wiensilm war«ine Hetze. Gromp donnert« sein« Befehle. Die Komparsen zuckten zusonmvcn, wenn sie sein« Stimme hörten. Kretz und Lcmanfky feuerten di« Regie zur größten Eile an. Ihr Film sollte auf all« Fälle vor dem der„Luna' fertig werden. lind er wurde auch eher fertig. Bencke war viel zu sehr mit der „Lux" befreundet, un, ihr Produktionsprogramm zu stören. In süns Wochen hatte es Herr Gramp geschafft. Aus den veranschlagten 700 090 Mark waren 900 000 Mark Unkosten geworden, dber die beiden Direktoren waren gute Geschäftsleute und zuckten mit keiner Wimper. An manchen Tagen wurde zehn bis zwölf Stunden ge- arbeitet. Die Hetzarbeit macht« Mariann« erschöpft und launisch. Jur Li«b« hatte sie wenig Verlangen. Lyssander ertrug gelassen ihr« Launen und führt« sie an den wenigen spielfreien Togen aus der Stadt in die Landschaft hinaus, in irgendein klein« s Dorf, an irgendeinen stillen, verzückten See, in dem sich die herbstlichen Buchenwälder glühend spiegelten. Und scrn der Stadt, fern dem quälend«» Licht« der vielen Lampen fand Marianne die Ruhe. Sie fand den Frieden, war heiter und-hatte den Mann, der noch«iwnal so alt war wie sie, herzlich gen,. In den brem, enden Buchenwäldern, in den kleinen Dörfern und an den silbernen Gewässern war sie keine berechnend« Schau- spielerin mehr, der Scptembermond schimmerte wie der Mond ihrer Kindheit. Sie lacht« gern und verjüngte durch ihre überschäumend« Jugend auch Lyssander. Sie hatten sich lieb. An Georg dachte sie keinen Augenblick. Mit Kretz hatte sie manchmal lang« Unterredungen. Der klug«, alte Herr tat sehr väterlich und glossiert« überlegen den Filmbetrieb, trotzdem er doch in ihm ganz aufging und viel Geld dabei verdiente. Er hatt« sein Berhältnis mit einem bekannten Filmstar brutal abgebrochen, well sich die junge Dam« unersättlich zeigt« und mit hellen, Gelächter und wohlgepslegten Händen ein ganzes Vermögen in alle Winde verstreut«. Kreß suchte neuen Trost für feine späten Jahre. Manchmal hotte er brennende Augen Copz-i-IkM 1929 by„Der Bflcherkreis G. rn. b.H." Berlin SW61 uni» fahrig« Hände, wem, er mit Mariann« sprach. Aber er tot väterlich und besorgt. Er wartet« aus seinen Tag. Marianne lermc viel von der Technik des Films und viele Leute aus der FilmI» rauch« kennen. Diese Menschen kamen von überall her: aus der Konfektion, aus dem Warenhaus, aus der Architektur und Technik, sie waren olle vom Film besessen oder gute Kausleute. Sehr oft kamen auch Gäste in das Atelier und wurden vorgestellt und erwarteten, daß der junge Star irgendein inter- essantes, geschicktes und persönliches Wort sagte, wenn nichts mehr zu sagen war, ein süßes Lächeln aufsteckte. Marianne lernte mit der Zeit«in hinreißendes Lächeln. Jetzt erst erkannte sie, daß sie hauptsächlich durch die Musik, durch den Mariaschlager bekannt und berühmt geworden war. Dieser Sang hatte sie viel berühmter gemacht als der erst« Film. Den Komponisten lernte sie auch keimen. Das war ein junger, unge- schütter Mensch, der demütige Hundeaugen hatte und sich nicht zu benehmen wußte. Cr blickt« Marianne mit den galdenschimmernden Augen demütig an und küßte dann viel zu lange ihr« Hand., Einmal arrangierte Kreß eine Großaufnahme von ihr. Das Bild erschien in der nächsten Wache mit schmeichelhaftem Text in einer Fllmwochenschou. Sie verschaffte sich zehn Nummern davon, bewunderte sich selbst, las immer wieder den kleinen Text, ließ zwei Bilder rahme» und schickte sie an den Vater und an die Lola Lopez. Manchmal schien es ihr, als ob«in« höhere Gewalt hinter ihrem Aufstieg stünde, eine Gewalt, die sie leise und beharrlich aus dem Dunkel in das Licht schob. War es Lyssander? Nein, es war nicht Lyssander. Der Mann im Dunkeln war Daniel Kretz.(St hatte den Schlager schreiben lassen, er hatte ihr Bild m, Filmjoumal durchgedrückt. Die Zukunft lag schön und schimmernd vor Ihr. Nun war Berlin kein« Stadt der Raubtiere mehr. Mitten in dem neuen Film begannen die großen Veränderungen ihres Lebens. Durch Lyssander hatte sie schon die Süßigkeit eines von allen Sorgen befreiten Daseins erfahren. Ja, der Bater hatte recht. Si« befuhr auf dm, Meer« des Lebens die Erste Kajüte. Das Schiff schwamm in«inen silbernen Morgen hinein. Kein Sturm brauste. Auch die Haifische waren nicht zu sehen. Lyssander hatte ihr«ine herrliche Fünfzimmerwohnung am Reichskanzlerplatz oersorgt. Das Badezimmer war aus weißem Marmor, das Schlafzimmer ein schönheitstrunkencs Gedicht. Auch Kreß steuerte zu ihrem Glücke bei und schenkte ihr eines Tages zwei kleine, seidenhaarig« Pekinger Hündchen und erbat sich dasür ein Bild mit eben diesen Hündchen. Und auch dieses Bild erschien bald darauf in einer Filmzoitung. Manchmal erschauerte sie doch und dachte an die Geschichte vom Hans im Glück, der am Ende seines Weges nichts mehr in den Händen hatte. Sie vertraute Lyssander ihr« heimlichen Befürchtungen einmal an, aber Lyssander lachte und sagte: „Du bist kein Hans, du bist höchstens eine Hansi. Und der große Goldklumpen kommt erst.' � Und als ihr immer noch leise grauste, überhäuft« er sie mit Küssen und machte sie fröhlich. Er sührte sie lächelnd durch alle Zinmicr und lieh sich zum tausendsten Male oersichern, daß sie alles entzückend fände und ihn, nur ihn allein lieb«. Manchmal blieb er auch nachts am Reichskauzlerplotz. Di« gutgeschult« Dienerschaft respektierte in ihm den Hausherrn.« An einem der letzten Spieltage entdeckte sie die kleine Elsemann, die als Edelkomparse ein hübsches Wiener Mädchen darstellen durfte. Gritt lächelte ergebe», als sie von Marianne durch ein Kopfuickcu begrüßt wurde. In der Spielpause kam Gritt heran. Marianne schüttelte chre Hand und fragte, seit wann sie bei der„Lux" filme. „Ich arbeite ja schon eine ganze Woche mit", antwortete sie. „Ich weiß ja, kleine Leute übersieht man oder hat sie vergessen." „Unsinn, Gritt, ich habe doch mit dem Meister gesprochen, damit er schreiben soll. Und er hat ja auch geschrieben. Ziemlich spät, er hat den Kopf voll mit anderen Dingen... Haben Sie die Bilder zurückbekommen?" „Die Bilder? Nein, ich habe die Bilder noch nicht wieder- bekommen." „Das ist so eine Geschichte!" lachte Marianne.„Der Meister sammelt nämlich die Bilder der kleinen Mädchen. Er hat schon eine ganze Galeric. Slber da, ist nicht schlimm. Lyssander soll mit Gramp reden, daß Sie bei der nächsten Gelegenheit in eine Groß- aufnahm« mitkommen." Glaß, immer noch als Johann Strauß verNeidet. stelzte heran und begrüßt« Marianne. »Da ist ja der Schwerverbrecher!" sagte sie und lochte.„Sie werden wegen Unterschlagung angeklagt, Meister. Verantworten Sie ficht' „Angeklagt? Vor Ihrem Richterstuhl lasse ich mich gern an- klagen, schöne Marianne!" antwortete er „Das wollen wir sehen. Also, Angeklagter. Fräulein Eli'emann, das ist die junge Dame hier, hat Ihnen vor vielen, vielen Wochen ihre Bilder zur Ansicht gegeben. Heraus damit!" „Die Bilder, was für Bilder? Ah, ich entsinne mich, da- itt das Fräulein, der ich einmal sagte: Du sollst dir kein Bildnis machen... Verzeihung. Fräulein", er verbeugte sich.„Ich bringe die Bilder morgen mit." Er machte ein klägliches Gesicht und entschwand. Die Mädchen lachten. „Das sagt er immer, ich bringe sie morgen mit, wenn man ihn an seine Schandtaten erinnert. Lossen Sie dem alten Mann sein Vergnügen und seinen Trost, Gritt!" „Aber natürlich, gerne", antwortete sie. Dann sagte sie mit anderer, ganz erloschener Stimm«,„das wäre ja herrlich!" und..nein, das hätte ich damals nicht gedacht." „Ach so, wegen der Großausimhme?" erriet Marianne. „Das auch, aber ich dacht« noch an etwas anderes. Daß Sie so schnell berühmt sein würden! Damals im Filmcafe„Urania" auf der Friedrichstraße, als Sie so allein am Tisch sahen. Und dann sah ich Ihren ersten Film. Wundervoll, wundervoll! Und dann der Schlager. Das war viel auf einmal. Das Lied ist mein Lieblingslied geworden. Und dann noch der eine�Tag bei Her-n Hondt. Denken Sie noch manchmal daran?" „Ich werde den Hund nicht vergessen!" amwortetc sie. Ihre Augen funkelten. Si« hatte ihn doch vergessen, den Aribert Hondt. «r war ihr unwichtig geworden, aber nun sah sie ihn beinahe seit und leibhaftig vor sich. Die haßte ihn. Der plötzliche Haß«rsrtschte sie wie ein kaltes Bad. „Wir kleinen Mädchen können gegen den Herrn Hondt gar nichts machen", sagte Gritt und erriet Mariannes Gedanken.„Wir sind ihm ausgeliefert. Mein großer Bricher ist.mit seinem Freunde einmal zu Herrn Hondt gegangen, am hellen Tage aus? Bureau, und da haben sie. ihn furchtbar verdroschen." Sie lachte und dann seufzte sie beinahe im selben Augenblick, riskiert« einen Augenauischlog uich flüstert«:„Sie haben entsetzlich viel Glück gehabt!" „In dem Lied heißt es ja auch: Maria weiß, das ist das Glück!" antwortete sie eitel.(Fortsetzung folgi.) WAS DER TAG BRINGT. «uiiiiiiMiiiiniiiiiiimmmiiiiiiiiiimmiiiiuiiiiiiniainiiuiinuuniiimlwiiiiuiiiiiimmnmuimnninmiiiiiiiiiiiniiiniiinMiiiiiiiuiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiuiiunuiiiiiiiuimiiiiiiiiiiiniuiw Die Eisenbahn als sicherstes Verkehrsmittel. Out Hinblick auf die Eisenbahnunfälle der letzten Zeit weist der„Daily Telegraph" darauf hin, daß Eisenbahuunfäll« die Be- oölkerung eines Landes stets in die größte Erregung versetzten, während man über die niclcn und weit zahlreicheren Unfälle im Straßenverkehr gleichgültig hnuveglese und sie gewissermaßen als etwas Natürliches betrachte. Im Zusammenhang« damit veröffenl'- licht das Londoner Blatt einen Auszug aus dem soeben erschienenen Bericht der englischen Eisenbahngesellschasten über die Augunfälle des vergangenen Jahres und vergleicht damit die Zahl der Unfälle, die durch andere Verkehrsmittel hervorgerufen worden sind. Aus dem erwähnten Bericht der Eisenbahnverwaltungcn ergibt sich»un, daß im vergangenen Jahre erst aus 34,7 Millionen Reiseiche ein Toter kam. und auf 2,3 Millionen Reisende ein Berlctzter. wobei auch die geringfügigsten ZZerletzunge», wie etwa Hautabschürfungen und dergleichen mitgerechnet worden sind. Nur das plötzliche und Unerwartet« eines Eisenbahnui�lücks lasse die Bevölkerung er- schrecken, während andere Verkehrsunfälle kaum Beachtung fänden. So habe allein das letzte Wochenende in England 24 Tote ge- Freitag, 25. Oktober. Berlin. 16.05 Boehwcr; Technisclie Wocbenplanderei. ,6.30 Koneert. 1. R- Frenr; Lieder.(Hilde Ellicr, Alt Am flüiel: Brnno Beldler.Winkief.)— 3. Schumann: Zwei Romanzen für Oboe(Willy Siesismund).— 3. Reger: Lieder(Hiilge Cilger). 17.15 Dr. Cnlen;„Zehn Jahre Kriegsgräber-Fürsorge". 17.40 Unterheltungsmnsik. 19.00 Ministerialrat Dr. Ludwig Seelig:„PrtnBlsche TheSterpoiltik". 19.25 Das neue Buch. 19.40 Italienischer rnd amerikanischer Gesangsstil(Schallplatten-Konzert). 30.00 Wovon man spricht.(Redner nnd Thema werden durch Rundfunk de- kaontgegeben.) 30.30 Hahepnnkte ans„OroBen Opcrh". Nach den Abendmcldungen: Büdfurfk, 23.30 Abendnnterbaltuna, Kfinlgswusterhausen. 16.00 Stnd-Rat Janernlg: Die 57. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner In Salzbnrg. 16.30 Naefamittagskonzert von Leipzig. 17.30 Gerhard Kunze: Klima, Wetter. Volksgesnndhelt IS30 Dr. Weither Hofhnann: Das Tabakland Bulgarien. 18.30 F,njli«ch für Fortgeschrittene. 15.55 Rcg.-Rat' Hugemann: Das Teztilgewerbe. 19.31' Wissenschaftlicher Vortrag für Tierärzte. 7>! 30 1. Beethoven; Trio Cs-Dur, op. 70. Nr.?.— 3. Biahms: Trio C-Dur, • op_ 87.(Pornlsk-Trio.) fordert, ohne daß darüber viele Worte verloren worden seien. Wenn man sich nun vergegenwärtige, daß im Jähre 1928 die Zahl der auf englischen Bahnen Getöteten 46, und die der Verletzten 746 be- tragen Hab« und damit vergleiche, daß durch ander« Verkehrsmittel in der gleichen Zeit 6138 getötet und 164 838 verletzt worden seien, so müsse man zugeben, daß die Eisenbahn doch immer noch als das sicherste Verkehrsmittel in unserer Zeit betrachtet werden könnte. Stupide Rekorde. Daß Menschen Wetten eingehen, bei denen man sich fragt, ob die Wettenden noch ihren normalen Verstand haben, ist bestimmt Außer- gewöhnliches. Gewöhnlich kommen diese Neuigkeiten aus Amerika. Aber kürzlich hat doch auch ein Deutscher mit dem schönen Namen „Fernando" im Lunapark die Weltmeisterschaft im Tanzen aus- getragen, volle sechs Tag« und Nächte hat sich der Mann rundum gedreht. Ii, Wien hat«in„prosessionaler Pianist" den Rekord aus- gestellt, volle 83 Stunden Klavier zu spielen. Welchen Preis der Zuhörer, der die ganze Zeit mit Zuhören es ausgehaltei, hat, bc- kommt, wird nicht vermeldet. Auch ein Franzose, der gewettet hat, der- schnellste Bananenesser der Welt zu sein, hat sich diese Ehre kürzlich erworben. Er verschlang, wie man uns versichert, in 3 Minuten und 40 Sekunden 36 Bananen, von denen er auch selbst die Schale abmachte. Fürwahr ein Rekord! Und das Schönst« ist, daß er nicht einmal Leibschneiden von diesem Fraß bekommen hat. Mittelalter auch heute noch. In der spanischen Stadt Villarin de Campos wurde kürzlich auf Veranlassung des dortigen Stadtgeistlickzen ein Scheiterhaufen errichtet und darauf sämtliche Bücher des großen spanischen Dichters Galdos unter dem Läuten der Kirchenglocken öffentlich verbrannt. Selbst di« berühmten„Epifodies Nacionale'wurden aus der Stadt- btbliothek geholt uitb in die Flammen geworfen. Der Scheiterhaufen ist also noch immer kein Instrument der Vergangenheit. Kleine Riesen. Auch unter den Insekten, die wir im allgemeinen als recht kleine Tiere ansehen, gibt es Riesen und Zwerge Zu den Riesen gehören die Gespensterheuschreckcn, die eine Länge von 30 Zenti- meter erreichen und die, wenn sie in den Bäumen sitzen, von trockenen Zweigen nicht zu unterscheiden sind; da ist die Rebueeule. ein Schmetterling der amerikanischen Tropen, der ein« Flügelspannweite von 30 Zentimeter hat: da gibt es in Brasilien eine 7 Zentimeter lange Flieg» und ebenfalls in Südamerika die RIesenwanzs Be- lostoma, die 10,5 Zentimeter lang wird und deren Flügel etwa 18 Zentimeter spannen. Dies« Wanze, die im und am Wasser lebt, überwältigt sogar kleine Fisch«. Diesen kleinen Riesen sind die kleinen Zwerge geoen tiberzustellen: man hat Infekten gefunden, di« nur 0»? jr.�r fl,n* mB£sT£P< rumtäLL Spiele am 27. Okiober. Wenn es das Wetter will, sa finden am kommenden Sonntag die Serienspiele ihr« Erledigung. Am Bahnhof Stralau- Rummelsburg, auf dem Sportpla� in der Kynastftraße, stehen sich Llchienberg l und Luckenwalde V gegenüber. Für Lichtenberg gilt es. den Anschluß an die Spitze zu bek>al!«n. Die Luckenwalde? haben in den Spielen bewiesen, daß mit thnen zu rechnen ist. Im Neuköllner Stadion, Platz 7, tr«sfen sich der Freie Fußballvcrein Neukölln jinb Hoppegartcn. Auch für Neukölln gilt«s, den Anschluß an die Spitze zu halten. Nach dem Sieg der Neuköllner über chertha-Luckenwalde vom letzten Donntag dürften die Neuköllner als Spitzenanwärter der Abteilung gelten. Neuköllns Mannschaft darf dos Spiel gegen choppegarten allerdings nicht zu leicht nehmen. Im Köpenicker Stadion treffen sich die Sportvereinigung Schweif- sterne und Butab? die Techniker werden in den Schwcifsternen einen ernsthaften Gegner um die Abteilungsmeistersckzaft sinden. Weitere Spiele: Luckenwalde I gegen Luckenwalde III; Woltersdorf gegen Nowawes; Luckenwalde II gegen Weißensee: Karow gegen chertha-Luckenwald«: llaputh gegen Kloster Zinna; Werder 77 gegen Wansdorf; Vorwärts-Wedding gegen Trebbin.—. Zweite Mannschaften: Neukölln gegen choppegarten; Karow gegen Lichtenberg II; Schönow gegen Vorwärts-Weddiirg 3-- Im Gesellschaftsspiel bzw. Pflichtspiel stehen sich Germania und Saxonia auf dem Sportplatz in der Kissingenstroße in Pankow gegenüber. Hohen» lychen spielt gegen Reinickendorf und Altglietzen gegen Freie Scholle. * Der bundestrcue Fußballverein Saxonia feiert am Zki. Oktober sein einjähriges Bestehen. Nach großen Schwierigkeiten ist es gelungen, zwei Männer- und zwei Jugendmannschaften zu bilden. Der Verein Saxonia tagt jeden Freitag, 20 Uhr, bei Baganz, Goudystraße 3. Für die Fußballabteilungen und die Leichtathletik- gruppe werden noch Jugendliche und Männer aufgenommen. Gleich- zeitig bittet der Verein, all« gleichgesinnt«» Sportler und Partei- genossen am Sonnabend, dem 26. Oktober, recht zahlreich zum Stiftungsfest in den Casino-Festsälen, Pappelalle« 15, zu erscheinen. Eintrittskarten an der Kasse. * Im Berichten über Spiele von„Bu nd e Z tr e u e n gegen Ausgeschlossene" ist die KPD.-Presse groß. Damit will sie eine Sympathie der Bundesmitglieder für die Spalter vortäuschen und Mannschaften von Bundesvereinen zum Disziplinbruch ver- leiten. Die Berichte sind vielfach erlogen. Oft haben sich nur einige verhetzte Spieler den Ausgeschlossenen zur Verfügung gestellt. Diese haben dann von sich Leute hinzugegeben, und wieder war eine .Imndestreu«" Mannschast fertig. In anderen Fällen haben sich die Ausgeschlossenen bewußt als Bundesmitglieder ausgegeben und dadurch Spielmöglichkeiten erhalten. Hinterher gab es in der KPD» Press« Solidarilätsloblieder. Di« kommunistische Abstinenterrgruppe Essen arbeitete mit demselben Betrug, der sich im Wiederholung?- falle allerdings an ihr selbst rächte. Trotz Absage— man hatte die Betrüger erkannt— kamen sie nach Bielefeld, um zu spielen. Sie erhielten dort noch eine ordentliche mündlich« Belehrung und wurden unverrichteter Dinge wieder nach Haus« geschickt. Arbeiier~Wasserballspiele. jetzt auch im Lunabad. Jetzt ist es auch den Arbeitersportlern möglich, im Wellenbad L u n a p a r k ihr« Wosserballspiel« um di« Kreis« Meisterschaft auszutragen. Jeden Sonnabend werden dort die besten Berliner Mennschaften kämpfen. Erstmalig findet morgen um 21�2 Uhr ein Spiel zwischen Spandau und Weißensee statt. Beides sind sehr gut« Mannschaften, die sich einen schonen Kampf liefern werden. Wenn Spandau mit voller Mannschast antreten kann, sollten sie als Sieger hervorgehen, doch ist der alt« Bundes» meister nicht zu unterschätzen und tonn noch manchem Gegner eine unangenehm« Ueberraschung bereiten. Für alle Freunde des Berliner Arbeiterichwimms partes dürft« es sich empfehlen, diesen Kamps mitanzusehen. Mitglieder der Verein« des Arbeiter-Turn- und Sportbundes zahlen nur 0,60 M. Eintritt gegen Ausweis durch Bundesmitgliedsbuch. Gast« herzlich willkommen. „Soli" ruft zur Schnitzeljagd! Die Berliner bundestreu« Ortsgruppe von„Solidarität" ver- anstaltet am Sonntag, 27. Oktober, eine Schnitzeljagd. Alle Radfahrer und Motorfahrer des zweiten Bezirks find verpflichtet, an dieser Deranstaltung teilzunehmen. Sammelstart 16 Uhr in Groß-Ziethen im Lokal von Britz. Nach Schluß der Schnitzeljagd gemütliches Beifammenfeln. Dies« Schnitzeljagd ist die letzte Bezirke- Veranstaltung des Jahres. hleiue Vereinsfeste. Der FTGB.-Bezirk Stralau feiert am 26. Oktober im Restaurant „Tübbecke", Alt-Stralau 22. sein erstes Herbstfest. Da der Bezirk sich bei allen Parteioeronstaltungen zur Verfügung stellt, werden die Parteigenossinnen und-genossen gebeten, diese Veranstaltung zu unterstützen. Ebensalls am Sonnabend findet im Restaurant Kyff» Häuser, Derlin-Nicderschöneweide, Berliner Str. 91. die„Feier des einjährigen Bestehens" des Bezirks Oberspree der FTGL. statt. Programm: Musik, turnerische und gymnastische Vorführungen, Tanz. Saalcröffnung 181h Uhr, Eintrittskarte 1 Mk. Um zahl- reichen Besuch wird gebeten. Dem Boxer Rudi Wagner ist trotz seiner Niederlage durch Gühring nochmals das Recht zugestanden worden, an den Aus- lcheidungskämpfen zur Schwergewichtsmeisterschast teilzunehmen. Er soll bis zum 1. Dezember einen Kampf mit Schönrath austragen. Oer Arbeitersport im Wahlkampf. Ein Flugblatt, das sich an die Arbeikersporller weichet, ist in dieser Woche verkeilt worden: damit ist auch von der Sozioldemokrakischcn Partei der Sport in die Wahlbewegung ein- bezogen worden. Unsere Arbeltersporivereine wissen, daß sie an der Partei eine kräftige Stütze haben, deshalb kann auch von ihren ZNitgliedern eine aktive Stellungnahme erwartet werden. Eine große öfsentliche Wahlkundgebung der Arbeiter- s p o r t l e r findet Donnerstag, Zl. Oktober, 191- Uhr, im großen Saale de» Qehrervereinshauses am Alexanderplah statt. Reben einem Vortrag des Stadtverordneten Kreuziger wird den Besuchern das Leben und Treiben ans dem Lundessest des Arbeiter- Turn- und Sportbundes in Nürnberg vor Augen geführt durch Abrollen des Bundesfestsilms. Da kein Eintrittsgeld er- hoben wird, hat seder Sportler Gelegenheit zur Teilnahme. Die AutO'Tourisiik bringt Geld ins Land! Mit der raschen Motorisieriing der europäischen Länder Hot sich auch der internationale Auto-Tourism us stark c»I- wickelt und bildet heute einen nicht zu unterschätzenden Faktor im deutschen Frenchenvcrkehr. Nach amtlichen Zählungen wurde Deutsch- land in der Zeit vom 1. Juli 1928 bis zum 30. Juni 1929 von insgesamt 76 325 im Ausland beheimateten Kraftfahrzeugen besucht, und zwar passierten die Grenze 65 685 Personenkraftwagen, 3815 Lastkraftwagen und 6795 Motor- räder. Di« Hauptrelsemonate Juli und August stellen mit 10 013 bzw. 11 152 Personenkraftwagen naturgemäß das Hauptkontingent, aber auch der Mai und der Juni weilen 1929 mit 8920 bzw. 9354 Ein- gängen bereits eine starke Frequenz auf. Selbst der September brachte mtt 8140 Personenkraftwagen noch einen erheblichen Zu- ström. Daraus darf der Schluß gezogen werden, daß der Auto- reiseoerkehr in Deutschland van Mai bis September ziemlich im- verändert anhält und dazu beiträgt, die an sich kurze Reisezeit um einige Wochen zu verlängern. An diesem Reiseverkehr sind mit 19,2 Proz. die Niederlande am stärksten beteiligt; es folgen die Schweiz mit 15,1 Tschechoslowakei mit 12,6, Frankreich mit 11,4 und Oesterreich mit 10,8 Pro;,— Unter Anlehnung an schweizerische Berechnungoweisen ergibt sich, daß der internationale Tourismus Deutschland vom 1. Juli 1928 bis zum 30. Juni 1929 einen Betrag von etwa 50 Mill. M. zugeführt hat. Die Fremden- industrie hat ein Interesie daran, daß bei dem Ausbau des deutschen Straßennetzes, bei Verkehrsregelungen usw. auch auf Auslands- touristen Rücksicht genominen wird. Was der Sport bringt. Das ausgebliebene Geschäst. Aus dem Bundestag des Deuijchen Fußballbundes in Breslau wurde die Zahl der 16„Lehrspiele" mit Berufs spielermannschafteu nicht erhöht. Der österreichische Fußballverband ist darüber so erbost, daß er beschloß, keines dieser Spiele in Anspruch zu nehmen. Das bedeutet den Abbruch der bürgerliche» österreichisch-deulsche» Fußballbeziehungen. Die Oester- reicher sind im Sport erfahrene Geschäftsleute. Entweder sie machen lohnende Geschäfte oder sie verzichten. Schmeling soll für eine Million boxe». Der Philadelphiaer Boxkampsveranstalter Hermann Taylor gab bekannt, daß er Schme- ling 250 000 Dollar sür einen Fünszehn-Runden-Kamps mit einem angemessenen Gegner ist der von ihm gepachteten Convcntionhall in Atlantic City im Januar angeboten habe. Die Eonventionhall faßt 45 000 Zuschauer. Ungarn ermäßigt Sportsteucrn. In Ungarn scheint endlich die Einsicht durchzudringen, daß die Bestcuernug des Sports gemildert werden müsse. Der Landes-Körperkuliurrat hat beschlossen, die Körperkultursteuer um weitere 25 Prozent zu ermäßigen. Den Vereinen wird daher die Hälfte der bereits abizesiihrten Steuern zurückvergiitet werden. Bau von Radfahrwegen. Der Ausschuß für Gemeindcange- legenhcitcn im Preußischen Landtag hat solgenden Antrag gestellte „Das Staatsministerium wird ersucht, auf die Provinzial- und Gc- meindeverwaltungen dahin einzuwirken, daß sie in Fühlung unter- einander bei der allgemeinen Wegcbauvermoltung und Wegebauplanung sür das allmähliche Entstehen eines einheitlichen Rad- fahrwcgcnetzes über das gesamte Staatsgebiet Sorge tragen." Ein eigenartiger wettlaus. In Philadelphia wurde dieser Tage ein eigenartiger Wettlauf ausgetragen. Zehn der beste» Läufer hallen sich verpslichtct, mit zehn Rennpferde» um die Wette zu laufen, wer in einer bestimmten Stundenzahl die lü> laste Strecke schaffe. Leider ist das Ergebnis dieses eigenartigen Wettrennens nicht bekanntgeworden, nur über das Ergebnis des ersten Tages wird berichtet, daß der beste Läuser vor dem besten Pferde eine» Vorsprung von 8 Meterm hatte. ZlSB. B-zirk SftatloHrnButq. Sonnabend, W. Ott ober. 20 Ubr. Wil- «Itcbcrocrrammlunq oUcc ÄbtrNunarn bei Iamtn, Sopbie-Cliarlotte�Str. N, ticke Potsdamer Strahe.— Bezirk Süden. Lonnabcnd. 20. Ottober, 20 Uhr, Bezirlzvertammluna im Steukdllncr Bcrrinshaus, derma nnstr. 10. Bortraa über Äoamninalwahlrn und Ärbcitersvort, Etatutenberatunq. «rbeitcr-Athletendund, 4.«reis Berlin-Branbrnburq, e. B. Dem». Kreue des Arbciter-Äthlctenbnndes hat sich der«raft-Turnvercin Sparta IMO, Ncn- kijlln, anaeschlosscn. Ucbunqsabrnde im Gewichtheben, Rtnqen und Artistik ,it der Turnhalle Reukölln, Eibcstr. 11—12. Dicnsäaq, und greitaqs von 20 bis LZ Uhr ab. Ebenso hat sich die Percinigunq der Kraftsportfrcunde Trantturt a. d. Oder dem 4.«reise onqeschlokscn.. Dvst itttö Gemüse roi- und UlirsingKoni � 0.07 uieiOKoiu ptund 0.05 moiiren...... p»� 0.04 KociiDirnen• 0.25 BosKop-Aepiei.. ptuud 0.18 UieintrauDen.r.nc.. p,m>d 0.38 Konserven•odo» Honsum-oemüse.... 52-, Suppen-Ernsen....50 Ksroiien geschnitten. 0.38 30/60 spinal siangenspargei BMpargei d--. PllrSlClie balllamitctae. APriKOSOn t»li!orm»ch« SüSKirscuen mns.«. EPdDeepen..... stacueideeren... Piiaumen m« su«.. 52, 2.65 2.10 1.35 1.60 1.25 1.60 1.00 0.65 Holotiiolfoorctt Elersclinitinudein. � 0.42 EterDruchmaKinront. 0.42 Bonnen �...... 0,23 Bpuchpeia____... 0.18 lYliSChODSl...;;. 0.42 Kahaopuiuer..... 0.65 uihtoria-Erhsen. 0.24 Dosenmllcb»V-..0.50 Konfitüren Bonhon-mischung.«0°. 0.39 scnokoiadon-BPuch.. m 0.65 uoiimiicn-iiuBBruGh v.p<.0.38 spitzKüctien.../.Pfu.c 0.55 Biattepteig-Breizein 0.95 SahnetronDon.-..�6 0.18 Pralinen..»>«. 0.95 uoiimiichscnoKoiade � 0.25 Weine Vom Fall 1 Ltr. 5 Ltr. Aiiepietn.iappagonai.os 5.00 Insel samos.... 1.10 5.25 Feinst, Malaga roigoid 1,15 5.50 RQt-oouro-Portwein. 2.10 10.00 Eilige Beste Ufingen— mündliche, schritt- liehe n. telefonische — werden durch die Lebensmittel« Bestellannahme aulgenommen und wunschgemäß erledigt* Preise nur Freitag und Sennabend/ Verkauf soweit Verrat/ Mengenabgabe vorbehalten SrisweS Sießsw Kalbskamm....... 0.88 Kalbskeule........ 1.08 Schweinekamm u. Schuft 1.32 Schweineschinken und Blatt 1.30 Schweinekolelett....1.38 RUCkenlett, bratfertig....1.14 Hammelkeule...... 1.32 Hammelvorderffleisch 1.12 Schmorfleisch...... 1.28 Roastbeef mit Knochen., 0.98 KaBler.......... 1.2« Pökelrippchen...... 1.16 kSrfrter-Sketsw Ptund ichmorfielsch ohne Knochen.. I.SO Beastbeef mit Knochen..... 0.98 Suppaallelsch.......ab 0.72 Hammel vorderflcisch.... 0.88 Hammelkeule........ 1.10 Cuter, frisch.......... 0.38 Binderbacken ohne Knoche frisch 0.98 Schweinanieren, dänische.... 1.14 Wttd und Geskügei iviidraoout.... �-0.45 Hirschmatter... 0.90 Hlrsctilieuie.... 1.60 uiiidschweinhiiner P..d 1.05 uilldschwelnKeuie 0�1.50 UlildschweinrocKen �1.20 suppennühnep ��0.88 Bpatnohner... sia=k 0.95 Emen..... pt».*.<> 1.20 TaDhen i»«!««... Liaci, 0.95 AotgnliliisMsiMiiSHPllNl zv »vn PHsanlön viilisvv PPvissv Wursttvnren EPIieP-lI.BIllMPSI i-iuno 0.70 speckuiursi. 0.98 HausinaGbep-L8iierw.p>d.0.98 saiainiwurst....�1.65 DampiwüPSi____ Phn.d 0.85 uileoer iDQrstchen pm 1.10 �äuwerivnren und SleiiTnielsen Feiihiieltllhge � 0.38 Finndern.....«und 0.48 Bundaaie..... �0.28 stfiGKeniachs �..,.�„0.38 Fettheringe... 2�0.15 Beckwurst 6 stock, Dose 1.39 EfhawQrstchen s Paar. 0.95 Senf-, Essig-, Salsgurken, Mixed PlcklesDose0.95, 0.90 Käse und Kette Reinadepp zw«... stock 0.20 Margapine io«« und □ nund 0.50 stangenKdse 20�. Pfund 0.55. Rohscnmaiz.. pw-d 0.70 Braienschmaiz..»�0.78 TliSllGP VoUleiu Pfund 0,95 sieinhuscher v.ui.ti. pwn-. 0.98 Dan. schweizer. 0.82 Mdihereihliiiep Pwna 1.75 laielhdiier dlni«b« Pkund2.18 Spaltung um jeden preis. KPO. gegen ihre eigenen Mitglieder. Die Schuhmacher befinden sich gegenwärtig im ganzen Reich in einer Lohnbewegung. Die Kommunistische Partei hat aber an ihre Mitglieder, Vertrauensleute und Funktionäre in den Gewert- fchafte» den Ukas erlassen, überall austertarifliche Lohn- kämpfe zu entfachen, Kampfleitungen zu wählen und gegen die„Gen-erkschaftsbureaukratie" loszugehen. Nun befindet sich die Berliner Ortsverwaltung des Zentral- verbände? der Schuhmacher feit Jahren in den chänden der Kommunisten. Man darf diesen Komniunisten das Zeugnis nicht verweigern, daß sie stets bestrebt gewesen sind, auch die un- sinnigsten Parolen der KPD. durchzuführen. Immerhin schien auch diesen Kommumsten die neueste Porole, die direkt auf die A b- würgung des Kampfes hinausläuft, zu starker Tabak. Was geschah? Die KPD. organisierte gegen die kommunistische Ortsverwallung der Schuhmacher den Kampf. Die letzte Mitgliederversammlung wurde eingeleitet durch«inen Artikel der„Roten Fahne", der gegen die kommunistische Ortsver- waltung gerichtet war. Der Borsitzend« ch ö r tz gab zunächst einen Bericht über die Lage in der Berliner Schuhindustrie, aus dem her- vorging, daß im letzten Jahr die Anzahl der Betriebe von 127 auf 9?, die der Beschäftigten von 5l1ül> auf 4000 gesunken ist. Gleichzeitig stieg der prozentuale Anteil der jugendlichen und weiblichen Arbeitskräfte. Das Organisationsverhältnis hat sich nicht gebessert: es find nur 00 Proz. der Beschäftigten organisiert. Dann verteidigte sich chörtz gegen die Angriffe der„Roten Fahne". Di« Ortsveruxiltung führe ihre Kämpfe nachden Richt- linien der KPD. Aber er fiigtc hinzu: „Venn wir wissen, daß ein Kamps verloren gehl, dann kämpsen wir doch nicht, um Mißerfolge zu ernten. Rur geschulte Arbeiter können kämpsen und Erfolge erzielen." Cs ist ohne weiteres begreiflich, daß eine derartig«„sozial- f a s ch i st i s ch c" Ausfassung Hörtz verdächtig machen mußte und auch in der Versammlung bei den. unentwegten Nachbetern der kommu- mstischen Parolen den lautesten Unwillen erregt«. Hörtz beschränkte sich aber nicht auf die Verteidigung.(5r packte aus. Da war eine I u g e n dj e i te r i n angestellt,«in sechzehn- jähriges Mädchen. Diese führt« nun im Auftrag« der KPD. den Kampf gegen die Ortsverwaltung. In der Schuhfabrik„Ter na" war ein Streik, der erfolgreich durchgeführt worden ist. Nachdem die Forderungen bewilligt waren, gab die Jugendleiterin ein Flug- b l a t t heraus, in dem neu« Forderungen aufgestellt wurden und die Belegschaft aufgej ordert wurde, im Kampfe zu verharren. Diese Vertreterin der KPD., die sich selbst bescheiden„eine r e v 0- l u t i 0 n ä r e Kraft" nannte, berief ein« Versammlung ohne Wissen der Ortsoerwaltung«in, die auch von 13 �Personen besucht war und«ine lange Entschließung gegen die Ortsver- w a l t u n g annahm. In einer anderen Verlamnrlung der Jugend- scttian wurde dem Vorsitzenden chörtz di« V e r f a m m l u n g s- l e i tu n g entzogen. Fast täglich erscheine jetzt ein neues Flugblatt gegen die Orts- Verwaltung. Die abgesetzte Jugendleiterin erklärte dazu, daß diese Flugblätter pon der kommunistischen Jugend verösfentlicht werden. chörtz beschwor die Mitglieder,„im Gegensah zur„Raken Fahne" für die Einheit des Verbandes einzutreten, sonst werden im gegen- wärtigen Kanipf nur Niederlagen zu erwarten sein". Es gab natürlich einen fürchterlichen Krach. Der für die Himmel- fahrtsarbeit bei Leiser verantwortliche Vetriebsratsoorsitzende K l 0 c z i n erklärte u. a., daß die Gewerkschaften sozial- faschistisch verseucht seien. Für Hörtz und seine angestellten Kollegen der Ortsverwaltung sei die sozial« Frage gelöst. Sie kennen nicht mehr die Not ihrer Kollegen. Di« bisherigen Größen in Berlin, die Zolle r und Müller, wurden unter eisigem Schweigen angehört, und man warf ihnen die saftigsten Zwischen- rufe an den Kopf. Schließlich wurde abgestimmt. Mit 121 gegen 60 Stimmen— die sozialdemokratischen Mitglieder stimmten diesmal f ü r die Orts- Verwaltung— wurde«ine Entschließung angenommen, di« sich gegen Kampfleitungen und besonder« Lohnforde- r u n g e n und für die Absetzung der Iugendleiterin aussprach. Der Rest der Tagesordnung konnte dann nicht mehr erledigt werden. Die oppositionelle„Opposition" machte einen furchtbaren Radau. »» So wenig sympathisch uns verfchiedene Mitglieder der derzeitigen Ortsverwalwng find, in dem Kampf um die Einheit der Organisation werden die sozialdemokratischen Schuhmacher die Ortsverwaltung unterstützen müssen. Der Kampf, den die Schuh- mach«r mit den Unternehmern auszufechten haben ist s e h r s ch w e r. Wenn die KPD. den Unternehmern zu Hilfe kommt, ist es erst recht die Pflicht aller Mitglieder, die Einheit der Organisation hochzuhalten. Berufskundliche(Schulung im ZdA. Ziiesenandrang der Mitglieder. Die Gewerkschaften beschränken sich schon längst nicht mehr auf die reine gewerkschaftliche Schulung ihrer Mitglieder, sondern sind auch mit ebenso viel Eifer bemüht, die Berufskenntnisse ihrer Mitglieder zu erweitern. Das trifft auch besonders auf den Z e n t r a l v e r b a n d der Angestellten zu, der einen nicht unbeträchtlichtn Teil seiner Einnahmen dazu oerwendet, seinen Mit- gliedern den persönlichen Existenzkampf im Betrieb« durch berufskundliche Kurse, Vorträge usw. zu erleichtern. To unter- nimmt zum Beispiel die Berliner Ortsgruppe des ZdA. in diesem Winterhalbjahr zum ersten Male den Versuch, für mehrere Fach- gruppcn gemeinsame berufskundliche Vcranstal- t u 11 g« n zu treffen, um auf diese Art gleich einem größeren Kreis von interessierten Mitgliedern wertvolle Anregungen zu geben. Als erste dieser Veranstaltungen hatte der ZdA. vor kurzem nach dem Lehrervercinshaus eine gemeinsame Versammlung der Angestellten des Einzel- und Großhandels sowie der- Wirtschaftsgenossenschaften einberufen. Der große Saal war schon vor Beginn der Versammlung derart überfüllt, daß Hunderte von noch Einlaßbegehrenden wieder umkehren mußt«!!. Als Referent war der durch feine Vorträg« und Schriften bekannte Lektor der Universität München. Dr. Gernthcwohi, gewonnen worden, der als der beste Sachkenner auf dem Gebiete des Ver- kaufswesens gilt. Sr b«handea« tn sietna» vortr«?,„Rod«?«« tun st", die Mängel des heute allgemein üblichen Verkaujs-syftems, di« einmal in der ungenügenden Ausbildung des Verkaufsperfonals, zum anderen aber auch in der sozialen Lage der Angestellten selbst begründet sind. An vielen praktischen Beispielen zeigte er, daß jeder Kunde entsprechend seiner wirtschaftlichen und sozialen Stellung eine besondere individuelle Behand lung erfordert. Der moderne Verkäufer darf nicht eine schnbloiieninaßigc Ladendienerei zur Schau tragen, sondern muß vielniehr versuchen, sich ein Bild von dem häuslichen und persönlichen Leben eines jeden Kunden zu machen, um ihn dann entsprechend beraten zu können. Der Referent demonstrierte weiter, wie es oftmals im Interesse de? Käufers und Verkäufers viel besser ist, zu schweigen, als geschwätzig zu sein. Kurzum, es gab für jeden der Veriaininelten an diesem Abend Anregungen für die Bc- rufstätigkeit genug. Der glänzende Verlauf dieser Veranstalwiig hat jedenfalls be- wiesen, daß der ZdA. hinsichtlich der berufskundlichen Schulung seiner Mitglieder auf dem richtigen Wege. ist. Den Mitgliedern des Zentral- Verbandes kann nur empfohlen werden,, an den ähnlichen Vcranstal- tungen, die im Lause der nächsten Zeit auch für andere Fachgruppen folgen, regen Anteil zu nehmen. Ltebersiundensifeit im Lunapark. Vor dem IZeichsarbeitSgericht. Das Rcichsarbcitsgericht verhandelte in seiner letzten Sitzung in einer Lohnstreitsache gegen die Luna-Terrasfcn-Betricbs- G. m. b. H. in Berlin-Halenfee. Der Deutsche Verkehrsbund und der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter hatten am 29. Juni 1928 mit der Luna-Terrassen-Betriebs-G. m. b. H. einen Tarifvertrag abgeschlossen, der im Paragraph 5 über Gehaltsund Lohnzuschläge folgendes bestimmt:„Es werden Zuschläge für Sonntags- und Nachtarbeit von 23 Pf. bis 50 Pf. des jeweiligen Stundenlohnes gewährt." Die Beklagte zahlte aber ihren Arbeitern im Lunabad den Nachtzuschlag erst dann, nachdem die achtstündige Arbeits- zeit abgelaufen war. Der Kläger ist der Ansicht, daß der Zuschlag von 25 Proz. den Arbeitnehmern des Lunabodes zu zahlen fei, wenn sie.dien st plan mäßig nach 21 Uhr tät:g zu sein hätten, unabhängig davon, ob die tägliche Arbeitszeit von acht Stunden um 2l Uhr schon beendet gewesen sei oder nicht. Die Beklagte hat eingewendet, daß in den S ch l i ch t u n g s- Verhandlungen ausdrücklich darauf hingewiesen worden st', daß der R a ch t z u s ch l a g erst dann zu bezahlen sei, wenn die achtstündige Arbeitszeit abgelaufen sei. Das Landcsorbeitsgericht in Berlin hat der Klage stattgegeben und die Beklagte zur Zahlung des Lohnes verurteilt. Slus den Entscheidungsgründen ist folgendes zu entnehmen: Die Bestimmung des§ 5 des Tarifvertrages ist klar und ein- deutig. Sie besagt, daß für jede dienstplanmäßige Nachtarbeit, d. h. also für jede in den für eine bestimmt« Zeitperiod« auf- gestellten Plan vorgesehene Arbeit, die in dem Dienstplan nicht vorgesehen war, ein höherer Zuschlag zu bezahlen sei. Bei diesen klaren und eindeutigen Bestinimungcn des Tarifvertrages bedurfte es keiner weiteren Ermittlung. Um in dieser Frage eine grundsätzlich« Entscheidung herbei- zuführen, legte die Beklagte Revision ein. Als Vertreter der klägerischcn Verbände war Rechtsanwalt Genosse Dr. Froenkel, Berlin, erschienen. Er verlangt« Zurückweisung der Revision. Das Reichsarbcitsgericht kam zu folgender Entscheidung: Die Revision der Beklagten wird kostenpflichtig zurückgewiesen. Im übrigen schließt sich das Reichsarbeits- gepicht der Entscheidung der Vorinstanzen an. für die Zeit vom 25. bis 28. Okiober IC I NO- TA Fi PROGRAMM für die Zeit vom 25. bis 28. Okiober I mo\Q Pofsdamer Strafe 35 Die ffdele HcrrcnpaHIc mit Maria Paudler Qualen der Sebald(5 Akt«) Rheinstrafjc 14 KiMhe) Charlie« Karriere m. Ch. Chaplin Vo«el»rel mit Tom Mix Jugendliche haben Zutritc Odeon, Potsdamer Sir. 75 Narkose m. JackTrcror, Allr. Abel Erstens kommt es anders••• mit Rath Taylor Turmstra�e 12 Es fl Ilster i die Nacht mit LH Datforer Silberkdnigs letzter Steg mit Fred Thomson Alcxanderslr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet! Narkoie m. Jack T rrvor, AI fr. Abel Der Sohn de« goldenen We«ten« gnit Tom Mix 4 FrleeSrtchsomt M Die Kamera L'ntcr den Linden 14 Dirnentragddie mit Asta Nielsen Das wci�c Stadion Beiprogramm'_ e-Lichtspielc Unter den Linden 22(Passage) Das große Lichtspielhaus der City Beginn ab 2 Uhr Zentrum 6082 Die fidele Herrenpartic mit Kamper«. Plcba, Tr. T. Allen Grote« Beiprogramm Wcidenhof-Lichtsp. An der Weidendammbrücke Fricdrichstr. 126 Woch. 12, Sonnt, z U. Im Prater blöh'n wieder die Bgnme mit Fdllerer Herrn Arne« Schatz g■ tchgna'barg""�� Alhambra Schöneberß, Hauptstr. 30 BAhnenschau W.Füttcrer Im Film u. peVs. anwes. Im Prater blfth'n wieder die BSome Die verschwundene Frau Tiiania(Uf, Ä'eberg) Hauptstraße 49 Beginn ab 6J0 Uhr Der Weiterfoig: Die Ardse Noah Beiprogramm Jugendliche bahan ZMritt Friedenau Friedenauer Lichtspiele Katserallee III(hnndertelf) Wochentags b'h, Sonntags ab S Uhr Der Sohn der Taiga m. Lon Cheney Lästige« Beiprogramm Sonnt 3 Uhr: JugendvorsL-Tom Mix Kroncn-Liditspiclc Rhelnstr. 65 W. 6�0, 9, Sonnt ab S U. Sensation Im Wintergarten mit Clalre Rommen D. Terlleble Reporter(Lastsp.7 Akt) 1. Moabit> Arhishof-Lichtspiclc Film- and Bühnenscfaaa Perleberger Str. 29 und Stendaler Str. Im Prater blüh'n wieder die BSame mit Fütierer Dreimal Hochzeit Welt-Kino Alt-Moabit 99 Pal nnd Paladion als Kaaaihalcn Der Schrecken von Oklahoma Jugendliche haben Zutriet W CBarlottanbura Schlüter-Theater Schlüterstr. 17 W.6 30 U., 5.511,31). Jgdv. Das grüßte Opfer m. Iwan Pctrovlch Held aller MSdchentrfiame mit Lledike Im gelben Viertel von New York � JJ2I212I222IL—— P Atrium Beba-Palast Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Täglich 7, 9.15, Sonnt 5. 7, 9.15 Vater nnd Sohn* Aul der Bühne; Wilhelm Bendow Ri-Ro'Rn, Jazz-Symphoniker m««agil«» B Titania-Palast Steglitz, Schioßstr.S, Ecke Gutstnuthsstr. Sein bester Freund mit Harry Plel Auf der Bühne: Original Medinl-Trio Jugendliche haben Zutritt Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1—4 Beginn 6 U. Ea flfisterf die Nacht m. L, Dagovcr Was lat loa mit Naacttc? 1 MarlendorF Vf<» f i Marlendorfer i ia- L>1 Lichtspiele Chausseestraße 305 Stg. 3 Uhr Jiig.-V. Tranen am Abgrund m. Elga Brink Vogelfrei mit Tom Mix Bflhncnsdian SOddH g Th. am Moritzplatz Beginn; W. ab S Uhr, Stg. ab 3.45 Uhr Revolution der Jngend mit Mary Kid Die verschwundene Fran Filmeck Beginn: Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Die fidele Herrenpartie m.Kampers Bühne: In Vcrtrctong m A. Paulig Gute Bfihnencchan Luisen-Theater sJnnY's u: Reichenberger Str. 34 Bflhncnsdian Erpressung mit Anny Ondra Revue: Im Raoscfae des Harem Urania-Theater'"SoLe Wrangelstr. 11, Köpenicker Brücke Woch. 7, 8 und 9 Uhr. Stg. 3, 5, 7. 9 Uhr Kinder der Strafe mit Zille Wildwest-Zirkas Grofcc BObncnsdhaa W Neukölln W Primus-Palast Hermannpiatz Beginn 7, 9, IS U, Sonnt ab 4,45 U. Fat und Paladion als Kannibalen Aui der Bühne: Barlng Brother mit tanzendem Wunderzebra Harry AUlster Darsteller berühmter Menschen Jugendliche haben Zutritt Kuckuck Kottbusser Damm 92 Bflhnensd&aa Die Flocht vor der Liebe mit J. Jugo Die Jagd nach Pharaos Lenditer Stern, Hermanmiraije 49 Wochen t. ab 6 IS Uhr, Sonnt 4 Uhr Jenseits der Strafte mit Lissl Arna Die Fahrt ins Feuer m. Vilm« Banky Bühnen schau Pws.s>1ai rxi* Woch. 6i letzte 9,15 S�JCCClSlOr Sonnt 4, letzte 9,15 Kaiser-Frledr.-Str. 191 Bfihnenscbaa Die stärkere Madit(Die Nacht des Schreckens) mit Frifz Korfner Bclprogri Elysium/., b'A.gl. D. fidele Herrcnpartie m Kampers Meine Schwester and ich mit M. Christians Union-Theater Hauptstraße 3 Beg. Wtg. 8 U, Stg. S, IM D. grüne Monokel m Stuart Wcbba Qroftes Beiprogramm