Morgenausgabe Nr. 503 A 253 46.Jahrgang આ છે રામ Böchentlich 8531, monatlich 3,60 m. un vorans zahlbar, Boftbezug 4,32 m. einfchließlich 60 Bfg. Postzeitungs- und 12 Bfg. Boftbeftellgebühren. Auslands abonnement 6,- m. pro Monat. * Der Bormårts" erscheint mochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend". Illustrierte Beilagen Bolt und Zeit" und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wissen"," Frauenftimme". Technif". Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts" Vorwärts Berliner Bolksblatt Sonnabend 26. Oftober 1929 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die taipattige Nonpareillezetle 80 Pfennig. Refiamezeile 5.- Reichs mart. Kleine Anzeigen das fettge Drudte Wort 25 Pfennig( guläffig gel fettgedruckte Borte), jedes weitere Bort 12 Bfennig. Stellengesuche das erste Bort 15 Bfennig, jedes mettere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben ablen für zwei Worte, Arbeitsmark Jeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeils 40 Pfennig. Anzeigenannahme imhaupt. efchäft Lindenstraße 3, mochentäglich von 8 bis 17 Ubr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts Verlag G.m.b.H. Daladier beauftragt. 101 Beteiligung der Sozialisten zweifelhaft. Paris, 25. Oktober.( Eigenbericht.) Der radikale Parteiführer Daladier ist vom Präsident der Republik mit der Neubildung der Regierung beauftragt worden. Er hat sich, wie üblich, 24 Stunden Bedentzeit ausge beten und ist sofort nach Reims zurückgekehrt, um mit der Leitung der radikalen Partei den Feldzug zur Bildung der neuen Regie: rung zu beraten. Man fann annehmen, daß er sich bald an die fezialistische Partei mit der Aufforderung zur Teilnahme an der Regierung wenden wird. Inzwischen hat sich Daladier durch eine große Rede in Reims zahlreiche Sympathien bei der sozialistischen Parlamentsfraktion verscherzt. Er hat erklärt, daß in einer Linksregierung die radikale, als die stärkste Linkspartei, und nidyt die Sozialisten die Führung übernehmen müßten und hat damit das von den Sozialisten vorge schlagene Kabinett Paul Boncour torpediert. Infolgedessen traten in der Fraktionsfigung der Sozialisten am Freitag vormittag mehrere Redner dafür ein, jede Aufforderung Daladiers zur Teilnahme an seinem Kabinett abzulehnen. Boncour beschwor die Fraktion, sich bei einer so schwer wiegenden Entscheidung nicht von persönlichen Verstimmungen leiten zu laffen. Auf dem Spiele stehe die Zukunft der franzö= fifchen Demokratie, die durch eine sozialistische Politik der Negation ernstlich gefährdet werde. Sollte die sozialistische Partei die Beteiligung an einem Kabinett Daladier ablehnen, dann bliebe Daladier nichts anderes übrig, als eine Minderheitenregierung zu biben. Er müßte fich dann um die Unterstützung der radikalen Linken, der republikanischen Sozialisten" und der fleineren Gruppen des finfen Zentrums bemühen. Diese Gruppen fönnten ihm aber im Höchstfall nur 220 von den 612 Stimmen der Kammer fichern. Allerdings wäre die Stellung des Kabinetts Daladier faum schlechter als die des Kabinetts Briand, da es zumindest in allen außenpolitischen Fragen, die jetzt in erster Linie zu regeln sind, der Unterstützung der Sozialisten sicher sein könnte. Reaktion nutzt Attentat aus. Brüffeler Echo in französischer Hehpresse. Paris, 25. Oftober.( Eigenbericht.) Das Affentat des italienischen Studenten De Rosa auf den italienischen Kronprinzen hat zu einer neuen Hehe der franzöjijchen reattionären Preise gegen die antifaschistischen Emigranten in Frankreich gegeben. Die nationalsozialistische Liberté" verlangt, daß man alle antifaschistischen Vereine, Jeitungen, korrespondenten und gesellschaftfiche Vereinigungen unter Polizeiaufsicht ftelle! Antifaschistenjagd in Belgien. Brüssel, 25. Oktober.( Eigenbericht). Im Zusammenhang mit dem Attentat wurden 31 italienische Antifaschisten verhaftet. Der italie nische Botschafter erklärte einem Journalisten gegenüber, de Rosa habe absichtlich in die Luft geschossen. Dagegen foll de Rosa selbst ausgesagt haben, daß er die Absicht gehabt habe, den Prinzen zu töten, Der Verfassungskampf in Wien. Regierung fagt: nur auf gesetzlichem Wege. Chriftlichsoziale, drei Sozialdemokraten und je ein Vertreter der Großdeutschen und des Landbundes angehören. Der Ausschuß hat die Vorlagen im einzelnen durchzuberaten. Die starten Abhebungen von Bant- und Spartassenguthabea in| hätten. Schließlich wurde ein Unterausschuß gewählt, dem drei ganz Deutschösterreich haben die Bundesregierung zu der Erklärung veranlaßt, daß die Verfassungsreform ausschließlich auf dem gefeglichen Weg durchgeführt, und jeder Versuch gewaltsamer Störung der Ruhe und Ordnung erstickt werden würde, wozu die Machtmittel des Staates auch ausreichten. Angeblich wegen Verbreitung von falschen Nachrichten, die zur Erschütterung der Währung geeignet seien, hat man in Wien die Rote Fahne"( fomm.), den ,, Abend"( foz.) und den„ Tag"( dem.) beschlagnahmt. Nach dem Gesetz müßte daraufhin Anklage erhoben werden, doch ist das schon nach den Konfiskationen im Juli 1927 nicht geschehen. In seiner Rede im Nationalrat hat Bürgermeister Seitz erklärt, daß die Sozialdemokratie im Staat und in der Hauptstadt bereit sei. über eine personale Trennung der Stadt- und der Wiener Landesverwaltung zu verhandeln, etwa so, daß nicht mehr der Gemeinderat zugleich Landtag sei, diefer vielmehr besonders gewählt werde, Landeshauptmann und Landesräte aus seiner Mitte ernenne. Wien gebe jed h seinen Charakter als gleichberechtigtes Land unter feinen' nständen auf. Die Beratung im Ausschuß. Wien, 25. Oftober.( Eigenbericht.) Im Berfaffungsausschuß des Nationalrates brachte Dr. Bauer die Beunruhigung der Bevölkerung, die sich in den Abhebungen bei den Banten äußert, zur Sprache. Die Bevölkerung befürchte teine genügende Sicherheit zu haben, daß der Verfassungstampf auf legalem Wege durchgeführt werde. Bauer schlug deshalb vor, diese Frage nur nach der Verfassung zu entscheiden und, falls im Barlament teine Zweidrittelmehrheit zustande käme, Neuwahlen auszuschreiben. Weiter schlug die Oppofition eine feierliche Erklärung des Inhalts vor, daß die Regierung und ihre Organe jedem gewaltsamen Umfturz gesetz mäßig entgegentreten würden. Schließlich wurde noch der Vorschlag gemacht, als ersten Gegenstand der Verfassungsreform die innere Abrüstung zu behandeln und sie mit einer Auflöfung aller Selbstschusverbände einzuleiten. Die bürgerlichen Parteien erwiderten auf diese Borschläge mur ganz allgemein, daß sie sich bereits wiederholt für eine gefeß mäßige Verabschiedung der Verfassungsvorlagen ausgesprochen Kämpfe im Ostjordanland. Neue Kämpfe in Palästina. Haifa, 25. Oktober.( Eigenbericht.) Aus Transjordanien werden zusammenstöße zwischen Beduinen und englischen Panzerautos gemeldet. In Jerusalem herrscht start nervöse Stimmung. Die Franzosen haben Truppen an der syrisch valästinensischen Grenze konzentriert und Befestigungen angelegt. Der englische Oberkommissar in Jerusalem hat die Regierung in London gebeten, die Truppen bis auf weiteres in Palästina zu belassen. Die Lage wird von den amtlichen Stellen als außerordentlich ernst bezeichnet. Rußland will angreifen. So behauptet China. 1 Bostschedkonto: Berlin 37 536. Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstr. 3. Phantasien und Tatsachen. Ueber Parteibildungen und Parteiumbildungen. Von Rudolf Breitscheid. Was eigentlich in Wirklichkeit hinter den Meldungen von Barteiumbildungen und Parteibildungen steckt, ist schwer fest= zustellen. Offenbar sind es im wesentlichen jüngere Elemente aus verschiedenen bürgerlichen Lagern, die gewisse Vorbe= sprechungen führen, und zu ihnen mögen sich auch ein paar Persönlichkeiten älteren Jahrgangs gesellt haben, darunter solche, denen es aus fachlichen Gründen um eine Berringerung der Parteienzahl zu tun ist und andere, die bisher nirgendwo politisch festen Fuß gefaßt haben und deren Führerehrgeiz jezt Morgenluft wittert. Ob bei diesen Bemühungen etwas herauskommt, wird sich erst entscheiden, wenn das Volksbegehren und eventuell der Boltsentscheid erledigt sind, und wahrscheinlich wird dann das Ergebnis in feiner Weise den hochgespannten Erwartungen entsprechen, die von den optimistischen Umgestaltern des politischen Lebens in Deutschland gehegt werden. Was will man überhaupt? Es wird einmal wieder von der großen liberalen Partei gesprochen, deren Kern von den Demokraten und den Volksparteilern gebildet werden soll. Schön, aber läßt sich ohne weiteres vermuten, daß diejenigen Deutschnationalen, die vielleicht geneigt sind, sich von Hugenberg loszulösen, mit den Demokraten verschmelzen lassen? Ein Gebilde, das so zustande käme, dürfte wenig Aussicht auf Dauer haben; es trüge die Keime des Zerfalls von vornherein in sich. Andere denken auch an die Möglichkeit der Schaffung von zwei neuen Gruppen, einer liberalen, bestehend aus den Demofraten und dem linken Flügel der Volkspartei und einer konservativen aus den Rechtsvolksparteilern, einem Teil der Deutschnationalen und vielleicht den Mittelständlern und den christlichen Bauern. Aber wie gesagt, das alles sind einstweilen Ideen und Bhantasien, und wir für unser Teil können jedenfalls in aller Ruhe abwarten, was der freisende Berg schließlich gebären wird. Uns intereffiert mehr die Begründung, die all diesen Bestrebungen von volksparteilichen und dem Zentrum angehörenden Rednern und Schreibern gegeben wird. Die Mitte, so heißt es, ist heute zu start an die Sozial= demokratie gefettet. Sie hat nicht mehr die Möglichkeit, auf diesen Koalitionspartner einen Druck durch die Drohung mit einer Abschwenkung nach rechts auszuüben, solange auf der Rechten die ,, nationale Opposition" eben im Sinne Hugenbergs und Hitlers verstanden wird. Die ,, marristisch e" Machtstellung muß gebrochen werden, und wenn nun auch nicht alle daraus den Schluß ziehen, daß der Sozialdemokratie überhaupt die Regierungsund Koalitionsfähigkeit abzusprechen sei, so sind sie sich doch einig in dem Wunsch nach Wiederherstellung der Möglichfeit eines Bürgerblocks. Dabei haben sich allerdings die Befreier von den ,, roten Ketten" die tatsächliche Kräfteverteilung im Parlament nicht recht klar gemacht, und deshalb ist es recht zweckmäßig, daß der volksparteiliche Abgeordnete Cremer den Leuien, die neue Parteien mit dem Rechenstift zusammenaddieren, nüchtern auseinanderseßt, wie der heutige Zustand nicht verändert werde, wenn man den Versuch machen wollte, den zu einer staatspolitischen Haltung geneigten Teil der Deutschnationalen von deren Reft zu trennen. Der gegenwärtige Zustand kann nur dadurch überwunden werden, daß die Deutschnationale Partei in sich selbst den notwendigen Läuterungsprozeß vollzieht und die ungestümen und furzsichtigen Kräfte abschüttelt oder zurückdrängt, die sich zur Zeit ihrer Führung bemächtigt haben." Diese Gesundungskrise, so fährt Cremer fort, könne durch gutes Zureden und durch Annäherungsversuche von der Deutschen Bolkspartei her nicht beschleunigt, sondern wahrscheinlich nur hintangehalten und ver schleppt werden. Die legten Worte sind nicht nur an die Adresse des Herrn von Kardorff gerichtet. Beispielsweise wird sie sich auch Herr Kaas merken können, und ebenso werden sie mit Nugen Die Chinesische Gesandtschaft ersucht uns, mitzuteilen, daß fie gewisse demokratische Zeitungen lesen, die die Krisentreibereien amtliche Nachrichten erhalten hat, wonach die Sowjetstreitkräfte an durch mehr oder weniger deutliche Sticheleien gegen der mandschurischen Grenze, die bereits wiederholt versucht haben, die Sozialdemokratie und einzelne ihrer Minister chinesische Garnisonen zu überfallen, aber bisher stets zurüd- unterstützen. Das wesentlichste aber an den Cremerschen Ausgeschlagen werden konnten, im Begriff st- hen, einen Angriff auf führungen ist die kühle Feststellung, daß, wer die parlamenta breiter Front zu unternehmen. Das sogenannte Rote Muster- rische Mehrheitsregierung will, sie einstweilen nur mit der forps V. Armeekorps- murde nach Davoli entfandt( Unter Sozialdemokratie haben kann, denn bis die Deutschnationale station 86) und nach Omufaitu, um das 7. Armeekorps zu ersetzen, Partei in ihrer Gesamtheit den Läuterungsprozeß vollzogen das bisher in diesen Garnisonen stand. o sho hat, wird noch einige Zeit dahingehen. General Tschanghsüliang, der Oberkommandierende der Nordwest- Armee, hat Befehl erhalten, sich an die Front zu begeben, um die nötigen Verteidigungsmaßnahmen zu treffen. Die chinesische Nationalregierung bleibt sich bei diesem Schritt ihrer Berantwortung und ihrer Pflichten als Mitglied des Böllerbundes und als Signatarmacht des Pariser Kriegsächtungsvertrages bemußt, fühlt aber die Pflicht, ihr Land aus Notwehr zu verteidigen. Die chinesische Regierung perfündet der Welt, daß, falls der Frieden im Fernen Osten getrübt würde, die Sowjetregierung allein die Verantwortung dafür zu tragen hätte. Das heißt also, daß die Machtstellung" der Sozialdemo fratie erhalten bleibt? Wenn man so will, ja, und wer sich daran stößt, der hätte zunächst den Nachweis zu erbringen, wann und wo wir diese Position in einer der Allgemeinheit abträglichen Weise ausgenutzt haben. Aber es heißt doch auch noch etwas anderes, nämlich, daß die Sozialdemokratie eben= falls gebunden ist, um der Berfassung und um der Arbeiterinteressen willen solange als irgend möglich eine Politik des Ausgleichs mit denen zu versuchen, die gewillt sind, mit ihr gemeinsam zu regieren. Sie wird die Berantwortung nicht auf sich nehmen, einen Austand zu schaffen, in dem eine tcagfähige parlamentarische Regierung nicht gebildet werden kann. Sie fordert nur von den anderen, daß sie ihre leichtfertige Spekulation auf andere Möglichkeiten aufgeben, da'ein fruchtbares Ausammenarbeiten doch nur denkbar ist, wenn Aentrum und Volkspartei auf ihre Klagen über Vernachläss:» gung und auf ihr Schielen nach etwaigen anderen Bundes- genossen verzichten. Es muß bei ihnen der ernste, nicht immer wieder durch Anbiederungsversuche an die Rechte in Frage gestellte Wille zur Verständigung vorhanden sein. Sonst kann nicht mehr regiert, sondern im besten Falle nur fortgewurstelt werden. Sonst hat es auch kaum einen Sinn, das große Problem der Finanzreform überhaupt in Angriff zu nehmen, von dem Cremer sagt, es werde derPrüfsteinfürdenBestand der Regierung und die Beteiligung der Volkspartei an ihr fein. Di« Sozialdemokratie sieht die Notwendigkeit einer Finanzreform«in. Sie teilt nicht die Illusionen derer, die zum Teil von ganz falschen Voraussetzungen über die durch den Voung-Plan ermöglichten Ersparnisse ausgehend von ge- waltigen Steuererleichterungen träumen. Sie wird sich ge- wissen Anregungen wie der einer Art von Kopfsteuer ent- schieden widersetzen. Aber sie ist bereit, innerhalb der Koalition nach Wegen zu suchen, die zu einem Ausgleich der verschiede- nen Wünsche führen. Ob das Ziel zu erreichen ist, muß ab- gewartet werden. Aber das Werk überhaupt zu beginnen hat nur«inen Zweck, wenn die Sicherheit besteht, daß die Be- teiligten wenigstens die ehrliche Absicht haben, es ganeinsam zu erledigen, und wenn die bürgerlichen Parteien von ihren offenen und oersteckten Drohungen mit anderen Kombinationen ablassen, Kombinationen, deren Realisierba» keit wir noch dazu nicht sehen. Arm in Arm mii dir... Auftreten von Hilgenberg und Hitler in München. Hugenberg und Hitler sehen sich veranlaßt, in München dem Lolkibegehren einen Austrieb zu geben. Zu dem Zweck halten st« im Zirkus ein« Versammlung ab. Das Münchener Hugenberg-Organ spielt die Rolle de« Anreißers: „Daß beide Männer bot der Kundgebung Seite an Seit« stehen, stellt offenkundig gleichgerichtetes Streben von Parteien dar, die im einzelnen lnanche voneinander verschieden« Sedanten hegen, die aber einig sind, wenn es um die Rettung des deutschen Vaterlandes vor Fremdherrschaft gcht. Zugleich ist der Vorgang ein Symbol der Einheit von Nord und Süd. Die angestrengte Tätigkeit der beiden Führer in diesen Wochen hat an keinem anderen Ort« Deutschlands ein Zusammentreffen der beiden ermöglicht. Nur München wird dieses Erleb- nis geschenkt." Die Ringkämpfer, die den Zirkus gemietet haben, muffen zurück- treten, dafür treten auf Hugenberg und Hitler. Es scheint, daß d i e Ringkämpfer das beste Geschäft machen, denn sie be- kommen für den Abend den Betrag von S0l>0 Mark. Da» ist der Betrag, den sie bei vollbesetztem Hau, einnehmen, bar bezahlt. • Hugenberg hielt bei diesem Auftreten Seite an Seit« mit Hitler ein« seiner üblichen Reden. Der Schluß lautet« nach dem Bericht von TU.: „Aber wir werden auch von innerer Politik sprechen. Das Volksbegehren ist nicht der ganze Inhalt und das End«, sondern nur der Anfang unserer nationalen Offensive. Dem Volksbegehren folgen zunächst die Kommunalwahlen. dann die Tagungen der Parlament«. Zentrum und Deutsch« Dolkspartei fammern darüber, das Volksbegehren habe eine tiefe Kluft zwischen den bürgerlichen antimarxistischen Parteien auf- getan. Nicht wir haben das getan, sondern diejenigen, die all die Iah« hindurch mit der Sozialdemokratie zusammen regiert haben. Mit dem Hilfsdienst, den sie beim Volksbegehren dem Marxismus geleistet haben, ist ihr« Rolle als dessen Mitläufer in ein wahrhaft bengalisches Licht gerückt worden." Der Redner schloß u. o. mit einem Appell an die Bayerische Voltspartei, von der er sich nickst denken könne, daß sie auf christ- licher Grundlage fußend lange in der gegenwärtigen Gemeinschaft im Reich aushalten könne, und verwies auf die angekündigt« Ber- «altungsreform als Folg« des Poung-Planes, die in der Sprechweise der heutigen Regierung Unitaristerung bedeute." Nun hat auch Bayern das„Erlebnis Hugenberg" gehabt, und wir nehmen wohl nicht mit Unrecht an, daß sofort die Münchener Eintragungsziffern zurückgehen werden. t Zeugniszwang gegen die presse. Zwei Monate Hast wegen Wahrung des Nedattions- geheimnisses angedroht. tiiel, 25. Ottober. Die Meter.Neuesten Nachrichten" hatten vor einiger Zeit Mit- teilungen über die Schiebungen beim Marinesperrdepot in Kiel gebracht, die von amtlicher Seite als unzutreffend bzw. übertrieben bezeichnet worden waren. Da nach Ansicht der Justizbehörden die Angaben der Kieler.Neuesten Nachrichten" au» den Akten abge- schrieben worden waren und somit ein Eingriff in ein schwebendes Verfahren vorlag, wurde ein.Disziplinarverfahren gegen Unbekannt" eingeleitet, In dem ein Mitarbeiter der Kieler.Neuesten Nachrichten" ol» Zeug« geladen wurde. Er wurde, wie er angibt, nach dem Namen de» Beamten, von dem er die Angaben erhallen habe, gefragt, berief sich ober auf das Redak- tiansgeheimnis und stellte anHeim, den verantwortlichen Redakteur der Kieler»Neuesten Nachrichten" z» laden. Nach dem Bericht der Kieler.Neuesten Nochrichten' habe man nun ihrem Mitarbeiter mit Zwangsmaßnahmen, wie hohe Geldstrafen und Haft bi» zu sechs Monaten gedroht. Als er jedoch eine Anssag« entschieden ablehnte. sei er zwar vorläufig entlassen, zwei Tag« später jedoch erneut geladen worden, wobei ihm«in Beschluß verkündet worden sei. wonach er zu 50 M. Geldstrafe und.zur Erzwingung des Zeugnisses" zu zwei Monaten Hast verurteilt wurde. Der Zeuge habe eine Woche Bedenkzelt. Die Hoststraf, soll« fort, falls der Zeug« dann bereit sei. auszusagen. Di« Kieler.Neu- esten Nachrichten" überschreiben Ihren Bericht mit„Unglaubliches Vorgehen der Kieler Justizbehörden". Schlechte Aussichten! Oas bisherige Ergebnis des Hugenbergfchen Znflationsbegehrens. Die Eintragungsfrist für das Hugenbergsche Iivflations begehren geht zu Ende. In allen deutschen Städten sind die Hoffnungen des Hngenberg-Ausschuffes enttäuscht worden. Demgegenüber verweist dieser Ausschuß auf die E r g e b- nisse des flachen Landes. Aber auch auf dem flachen Lande wachsen die Bäume der Inflationsbegehrler nicht in den Himmel! Eine Ausnahmestellung nehmen die o st e l b i s ch e n Provinzen«in, die der Sitz der Großagrarier sind. In Pommern haben sich bisher von 1 200 000 Wahlberechtigten rund 350000 eingetragen. Bei der letzten Reichstagswahl erhielten die Parteien des Inflationsbegehrens in Pommern rund 390000 Stimmen. Das Bild im übrigen Deutschland ist jedoch ganz anders! Ss liegt u. a. das Einzeichnungsergebnis im Wahlkreis D ü s so l d o r f- O st bis einschließlich 23. Oktober vor. Dort haben ssch von 1 455 000 Wahlberechtigten bis zu diesem Zeit- punkte 12 8 6 6 eingetragen. Die Inflationsparteien erzielten dort bei der letzten Reichstagswahl 146000 Stimmen! Wir geben im folgenden eine Aufstellung über die Wahl- kreise Pommern. Groß-Berlin, Hamburg. Düsseldorf-Ost. Köln und Schleswig-Holstein. die sich in ihrer Gesamtheit bis ein- schließlich 23. Oktober überblicken lassen. «ahlberechtts,:-ln.r-sung.n- Groß-Berlin.. 3 100 000 132000 480 000 Pommern... 1200 000 350 000 390 000 Hamburg... 830 000 11000 9S000 Düsseldorf-Ost.. 1 455 000 12 86« 14S000 Köln..... 990 000 8 100 55 000 Schleswig-Holstein 994 000 48132 213 000 Zusammen 8 569 000 562 093 1 383 000 In diesen sechs Wahlkreisen zusammen erzielten die Par- teien de« Hugenberg-Begehrens bei der letzten Reichstagswahl 16 Proz. der Wahlberechtigten, bis einschließlich 23. Oktober aber betragen die Eintragungen erst 6,5 Proz. der Wahlberechtigten. Die Zahl der Eintragungen müßte in den letzten Tagen gewaltig wachsen, wenn die nötigen 4,1 Millionen noch zu- sammenkommen sollen! Die Emiragungen in Berlin. Es werden nicht mehr. In Bertin bewegten sich die Einzeichmmgen auf denselben Niveau wie oni Vortag«. Es zeichneten sich ein: Kreuzberg... Lichtenberg.. Friedrichshain. Prenzlauer Berg Wedding... Reinickendorf.. Neukölln... Der Terror öer Großagrarier. Ei» pomy,«rsch«r Landarbeiter hat an das Reichsministerium des Innern folgenden Brief über die Terrormaßnahmen der Agrarier gerichtet: „Hierdurch mache ich Ihnen die ergebene Anzeige, daß es sich diesmal nicht um ein Volksbegehren, sondern um«inen Volks- betrug größter Art handelt- Es ist traurig, daß solche Vestim- mungen bestehen. Wir Landarbeiter kommen dadurch in große Verwirrung. Wir werden gezwungen, das Volksbegehren zu unterschreiben, trotzdem wir alle dagegen sind. Es kommt der Gutsbesitzer. Bei den Alten fängt er an:„Haben Sie schon unterschrieben?"„Nein!"„Na, dann gehen Sie man hin. denn je eher, je besser!" Den anderen Tag fängt er bei den Jüngeren an: ,F>aben Si« schon unterschrieben?"„Nein!"„Na, dann unterschreiben Sie man. Ich weiß ganz genau, ich habe ein paar Aufwiegler in meinem Gut, die werde ich mir schon merken." Dann bekommt einer nachdem anderen A n g st und es wird unterschrieben, weil man gezwungen wi r d. Dann noch andere Fälle. Es gab am Sonnabend Tage- lohn. Da nimmt d«r Rechnungsführer die Liste vor:„Na, dann unterschreibt man g l e i ch." Die meisten wissen gar nicht, worum es sich handelt. Wenn noch einer was jagt, dann sagt er:„Wenn Sie nicht unterschreiben, dann werden Sie ge- kündigt und wir geben Ihnen so ein Zeugnis, daß Sie in der ganzen Provinz keine Arb«>t bekommen." Also das>st jetzt unsere Losung. Also wir müssen unterschreiben. Also darum bitten wir den Herrn Minister, diese Zustände dach ganz abzuschaffen, damit wie endlich mal Ruhe bekommen. Wir können schwören. daß dies alles Wahrheit ist, und werden, wenn dieser Volksbetrug nicht zustande kommt, die Sache an die Oefsentlichkcit bringen. Jetzt können wir es nicht, weil wir sonst raus- geschmissen werden. Dann werden wir. auch noch Namen neimen von denen, die da sagen:„Die Bande muß runter, jetzt ist die Zeit da, auf die Regierung gemeint" Sehnsucht nach Nummer zwei! Die.Deutsch« Tageszeitung" veröffentlicht ein Schema über den Gang von Volksbegehren und Volksentscheid, das folgendermaßen endet: „Volksentscheid— Abgelehnt— erneutes Volksbegehren nach Iahresfri st." Bei der Begeisterung, die die.Deutsch« Tageszeitung" bisher für das Hugenberg-Begehren gezeigt hat, ist sicher richtig, daß sie ein zweites Hugenberg-Begehren gar nicht er- warten kann! Im übrigen ist in diesem Schema eine Eoentualllot zartfühlend unberücksichtigt geblieben— daß nämlich bereits das Volksbegehren scheitern kann' Oas sotten Deutsche weiter erdulden! Di«„Kreuz-Zeitung" teilt mit Entrüstung eine schwere Aus- schreitung eines Besatzungssoldoten mit, der eipen Raubüberfall auf einen Deutschen verübt und ihn lebensgefährlich verletzt hat. Ueber- schrift:„Das müssen Deutsch« am Rhein erdulden!" Jawohl— und die Kreuz-Zeitung samt der ganzen Hugenberg-Clique wünscht, daß sie es noch weiter erdulden sollen! (Sabotage. Widerspenstige deutschnationale tondräte. Ein« Reih« preuhifcher Landräte Hot die von den preußischen Oberpräsidenten herausgegebenen Aufruf« gegen da» V o l f s begehren nicht u nt e r z« i ch n« t und die an sie ergangene Aufforderung zu? Unterzeichnung ausdrücklich ob- gelchnt. P o m m e r N stellt auch diesmal wieder dos Gros der Sa- boteure. Ihm folgen S ch l« f i e n und Ost preußen. Di« Landräte sind politische Beamte. Sie Hoden die Pflicht. die Politik ihrer Regierung zu vertreten. Wer das nicht in der erforderlichen Weife tut oder sich gar offen gegen diese Politik auflehnt, kann ohne weiteres und ohne nähere Begründung seines Amtes entHoden werden. Dieser Fall ist bei allen Landräten gegeben, die sich trotz ausdrücklicher Aufforderung ge- sträubt haben, die Ausrufe ihrer vorgesetzten Instanzen zu rmtcr- zeichnen.* Versklavung oder Areiheil? Der Deutsche Republikanische Reichsbund hat unter diesem Titel eine kleine Broschüre, uersaßi ran A. Saternu», herausgegeben, die kurz aber instruktiv den allmählichen Abbau der RepamiionÄost schildert, die Vorteile des Boung-Plane» gegenüber dem Dawes-Plan herausarbeitet und sich mit den Segner» de» Poung-Plan» auseinandersetzt. Die Broschüre. die 20 Psemlig kostet, enthält in aedrängtester Form da» wichtigst« Material zur Information über de» �oung-Plaa, Der relegierte Elfjährige. Wie es an einem löniglichen Gymnasium zuging. Der preußische Kultusminister hat ivegen der Besudelung der Reichsfarben durch die Goslarer Prinmner und Sekundaner mit erfreulicher Energie, aber keineswegs übermäßiger Strenge durch- gegriffen. Wurden doch die schuldigen Schüler nicht einmal relegiert, sondern nur mit der Androhung der Relegation bestraft. Trotzdem haben die Deutschnationalen und ihre Verbündeten im Landtag ein ungeheures Geschrei über„Terrorismus" erhoben. Wie war es früher? Ein ehemaliger Besucher des Königlichen Wil- Helms-Gymnasium» in Berlin sendet uns darüber folgende Erinnerung aus semer Schulzeit: „In den neunziger Iahren ereignete sich einmal am Königlichen Wilhelms-Gymnosium zu Berlin in einer Quinta etwas schlecht- hin Entsetzliches: Ein elfjähriger Schüler hatte etwas auf das Löschblatt seines Diktatheftes gekritzelt und wurde von seinem Nach- barn beim Klassenlehrer angezeigt. Der Klassenlehrer konfiszierte dos Löschblatt und entdeckte darauf einen staatsverbrecherischen Text wie etwa„der Kaffer ist dumm", oder„der Kaiser ist ein Esel". Der Elfjährige hatte das für einen Witz gelMllen. er war keineswegs von irgendwelcher umstürzlerischen Gesinnung infiziert, sei»« Eltern waren wohlhabende und— wie in damaliger Zeit sclbstoerständ- tich— durchaus monarchisch gesonnen« Leute. Der Klassenlehrer aber bemerkte mit Entsetzen in dieser Kritzelei eines Kindes den verbrecherischen Tatbestand der Majestätsbeleidigung. Eine jo ruchlose Tat tonnte er aus«igeitcm nicht sühnen. Also: mit dem Uebelläter zum Direktor. Direktor des Königlichen Wilhelms. Gymnasium aber war niemand anders als der Prinzenerzieher der Hohenzollern, Bernhard Kübl«r,«in wahre« Prachtexemplar an Byzantinismus. Gtr«der«i und Speichelleckerei. Dieser„Päd- ogog,'. dem es sofort um seine Prinzenerzieherschait hangt«, raste über den Frevel unh. verhängte ohne Zögern gegen den Elfjährigen die schimpflich« Relegation. Äe Sache wurde auch dem Ministerium gemeldet, da, natürlich diese Maßregel vollkommen billigte und damit erweUert«. daß derichuldig« Elfjährige an keiner preußisch«» höheren Lehranstalt mehr aufgenommen werden durfte. Er. den seine Eltern für da» Studium bestimmt hatten, mußte Kaufmann werden. So tobte sich in der„guten alten Zeit" der Hohenzollern-Byzantiniemus aegen ein elfjähriges Kind aus. weil es ohne jede» Der- ständnis für den Sinn der Handlung«in paar törichte Wort« auf ein Löschblatt gekritzelt hatte." Dt« L«ut«, die für dieses System durch» Feuer gingen, b«. schweren sich heut« über Terrorismus. Ist« nicht zum Lachen?! Rasch entlarvter propagandaschwindel. Kein französischer Schritt in der Stahihelmangelegenheit. Zu der Meldung der„Ostpreußischen Zeitung" über die angeb- lichen Gründe des Stahlhelmverbotes im Rheinland und in Westfalen wird von zuständiger Seite ausdrücklich festgestellt, daß von keiner sranzösischeu Seite, weder amtlich noch privat, ein Ersuchen bei deutschen amtlichen Stellen eingegangen sei, den Stahlhelm im Rheinland und in Westfalen auszulösen oder zu verbieten. Es sei auch weder von» Batschaster von Hoesch noch von einem anderen Mitglied der deutschen Botschaft in Paris ein Bericht beistt Aus- wärtigen Amt in dieser Angelegenheit eingegangen. Vierzig Jahre Volksstimme. Ein Lvbliäum der Krankfurier Arbeiterbewegung. Frankfurt a. M.. 25. Oktober.(Eigenbericht) Die Frankfurter Sozialdemokratie feiert am Sonntag das vierzigjährige Jubiläum ,hres Parteiorgans, der „B o l k» st i m m«". Gleichzeitig wird die feierlich« Einweihung eines neuen in seiner Einfachheit vorbildlichcn Verwaltungsgebäudes der„Volksstimme" vorgenommen. Das Gebäude liegt gegenüber der Universität, in belebtester Vtrkehrsgcgend und läßt an architek» tonischer Schönheit und betriebsmäßiger Zweckmäßigkeit nichts zu wünschen übrig. Riesig« Maschine», insbesondere eine 80-S«iten- Fünfsorbendruck-Rotottonsmaschine, sind neu angeschafft worden. In rasendem Tempo produziert diese Fünffarbendruckmaschine in ein«r Stund« 32 000 fertige Z-itungsexemptgre. Ein« 160 Seiten starke reich illustriert« Jubiläums- »ummer wird von der Größe und Bedeutung des Erreichten Zeugnis ablegen. Ein von dem Maler Thesing stammendes Bild schmückt in Vierfarbendruck die Titelseite. Beiträge führender Sozialisten Deutschlands, der Internationale und insbesondere der vielen aus der Frankfurter Arbeiterbewegung hervorgegangenen Führer geben ein Spiegelbild d«r Kämpf« und Erfolge der Sozial- hemokratt«. Ministerialdirektor Dr. Dilthey im Reichsministerium für die besetzten Gebiete, Hot wahrend eines Urlaubs, den er bej seinen Verwandten in Sucemin bei Stargord verbrachte, einen schweren Jagdun fall erlitten, der zum alsbaldigen Tode führte. Die deutsche Abordnung zu de« Saaroerhandlungen hat wegen der unklaren Lage in Pari» ihre Abreise vorläusig aufgeschoben. Dreiste Zumutungen. Oer Iieichsverbaad der Deutschen Industrie gegen Eisen- bahnergewertschafiea und Konsumvereine. In«in« Dorstandssitzung d«, Reichsoerbandes der Deutschen Industrie, der gegenwärtig in Saarbrücken tagt, wurde eine Entschließung gefaßt, die die deutsche Oeffentlichkeit auf die„wert. würdig« Tatsache' hinweist, daß die Reicheregierung zu den Der. Handlungen über die Umgestaltung de» Eisenbahngesetzes den Re> gierungsvertretern vier Vertreter der Eisenbahnerge. werkschaften beigeordnet habe. Die Reichsbahn sei weder eine Einrichtung der Eisenbahnbeamten oder Eisenbahnarbeiter nach der Verfrachter. Der Vorstand des Reichsverbandes erhebt schärfsten Einspruch dahin, daß die Reichsrcgierung Eisenbahnergewerkschoften die Möglichkeit der Vertretung einseitiger Sonderinter- essen(!) geschaffen habe und verlangt von der Reichsregie» rung die Zurückziehung der Vertreter von den Ver- Handlungen, um die Derhandlungsführung objektiven Vertretern der Reichsregierung ohne gewerkschaftliche Kontrolle zu überlassen. Gleichzeitig erhebt der Reichsverband„ernsten und grundsätzlichen' Widerspruch, daß die Zündholzfabriken der zentralen Konsum- z e n o s s e n s ch a s t en bei der Einrichtung«ine» Zündholz- Monopols«ine Sonderstellung erhalten sollen, die den Konsum- fabriken«in« Sonderentwicklung sicher«. Wir wollen uns gegenüber diesen Entschließungen damit be- genügen, sie als eine seltene Dreistigkeit zu bezeichnen. Wir »erweisen auf die„merkwürdige Tatsache', daß gelegentlich der Pariser Delegationsoerhandlungen über den Doung-Plan„zu- fällig' zwei Reichsbahndirektoren in Paris waren, um die Fassung des Doung-Planes hinsichtlich der Reichsbahn gewiß nicht gegen das Interesse der deutschen Unternehm« zu beeinflussen. Bei den gegenwärtigen Pariser Verhandlungen sind neben den Reichsbahn» delegierten auch Derwaltungsratsmitglieder d« Reichsbahn tätig. Ue anerkanntermaßen das Unternehmerinteresse bei den Derhand» lungen wahrzunehmen hoben. Die Reichsbahn selbst verhandelt in Paris als Arbeitgeber jener 700 000 Reichsbohnarbeiter und beamten. die durch die bisherige Ordnung sozialpolitisch unt« ein Sondergesetz gestellt waren. Ausgerechnet diese 700 000 sollen aber »on der Beeinflussung des zukünftigen Eisenbahngesetzes ausge- schloffen sein. Es ist schwer, für die Forderung des Reichsverbondes der Deutschen Industrie, daß die Reichsregierung die Eisenbahner. »ertreter zurückzurufen habe, einen parlamentarischen Ausdruck zu f»den. Für den Vorstoß gegen die Konsumgenossenschaften gilt ähnliches. Es ist das Wesen der Konsumgenossenschaften, daß sie. laut Gesetz und Verfassung berechtigt sind, den durch ihre Mitgliederfamilien geschaffenen Markt selbst zu bellefern. Dem dient auch die wahrscheinliche Anordnung für da» kommend« Zündholz- inonopol, daß dem voraussichtlichen Wachstum der Konsumvereine 'ine entsprechende Produktionsgaraniie zugeordnet wird. Bon einer Sonderstellung und ein« Sonderentwickkung kann also nicht die Rede sein. Polen liquidieri weiier. Wer für Deutschland optiert hat, ist schlecht dran. Warschau. 28. Oktob«. D«..Staatsanzeig«' veröffentlicht weiter« Liquidationsbeschlüsse gegen deutsches Grundeigentum. Betroffen werden diesmal drei Bauerngüter in den Kreisen Birnbaum. Ezarnikau und Schwetz, oeren BesjAer nach Abzug der Kosten des Verfahrens unß Derrech-. nung der chypothetenfchulden mit S100 bis 11 500 Zloty„entschädigt' werden. Bon dem Großgrundbesitz de» Grafen Fink von Fintenstein im Kreis« Lübau wird di« Wasserfläche de» Karassee» im Umfang von 237 Hektar liquidiert, wofür etwa 30000 Zloty gezahlt werden. Vi« Sozialisten für Minderheitenschutz. Warschau. ZS. Oktober.(Eigenbericht) Am Donnerstag befaßt« sich in Warschau«ine Konferenz de? Führ« der polnischen, der deutschen und der jüdischen Sozialisten („Bund') mit der Frag« einer engeren Zusammenarbeit. E» wurde beschlossen, oll« zu Gebot« stehenden Mittel zu benutzen, um«ine Festigung d« Diktatur in Polen zu v« r hi n d e r n. Die angenom- meru: Entschließung wendet sich ferner gegen die von der Regierung »ingeschlagen« Politik d« Unterdrückung der Minder. heitsvölter und betrachtet alz«ine der Hauptaufgaben de» polnischen Sozialismus«in gemeinsame» Programm zur Lösung der Minderheitenfrage in Polen. Ein Gtraßenredner erschossen. Warschau. 2S. Oktob«.(Eigenberichl.) 3a Lod» versuchte ein junger Sommunlst. vor ein« Fabrik die Zustände I« Sowjettußland zu verherrliche». Plötzlich fiel aus d« Menge ei« Schuß, der den Redner tödlich verletzte. Ver Täler kounke bisher nicht ermitielt w«den. Die Verfolgung der presse. Katkovitz. W. Oktob«. Di« Donnerstagausgaben der„Polonia'. der„Gazeta Robotnitza' (poln..soz.) und de,.Kurs« Slonski' wurden wegen der BerSssentlichung eine» Aufrufs zu einer Demonstration gegen die Unter- drückung der Pressefreiheit, die von den Korfantisten. der nationalen Arbeiterpartei sowie den Sozialdemokraten«inberufen worden war. beschlagnahmt. Auch dt« heutige Ausgab« der„Polonia' wurde v»sen des Kommentar» zur gestrigen Beschlagnahm« vom Zensor zurückgehalten.__ Die Reparationen an Amerika. Sie werden ebenfalls herabgesetzt. Washington. 25. Dktob«. Im Staatsdepartement wurde heut« zu d«n Berliner M«l- düngen über Dechanülungen hinsichtlich einer Reuregelungder deutschen Reparationszahlungen an di« Per. einigten Staaten erklärt, daß es sich bei diesen Bechandlungen vm pen Entwurf eines Vertrage» zwecks Herab» s- tz u n g der von Deutschland zu leistenden Zahlungen handele und zwar entsprechend dem am 1». Mai d. 2. bei einer Kons««nz im Weißen Hau» gesoßten Beschluß, die amerikanischen An- I p r ü ch e im prozentualen Verhältnis zu der von den Alliierten zugestandenen Herabsetzung der deutschen Reparationszahlungen zu ermäßigen. And« Besprechung vom IS. Mai d. I. hatten außer dem Präsidenten und den Mitgliedern de« Kabinett» auch die Parteisühr« de, Bunde-klmgresse» teiigenomoem._: Goslarer Gchulzustande. »Seil dir im Siegerkranz...!' ,DieS Kind, kein Engel ist so rein� Reform des Schlichtungswesens. Die Verhandlungen der Gefellschast für soziale Reform. Unter zahlreicher Beteiligung begannen am Donnerstag, dem 24. Oktober, in Mannheim die Beratungen der 11. Hauptversamm- lung der Gesellschaft für soziale Reform. Nach den Begrüßungsansprachen begann'die Beratung de» 1. Verhandlungsgegenstandes'.„Die Reform de» Schlich- t u n g s w e s e n s.' In einer tiefgründigen Untersuchung beleuchtete al» 1. Referent Genosse Dr. Hugo Sinzheimer vom sozia- listischen Standpunkt aus die Funktion de» Schlichtungswesen» in der Wirtschafts, und Sozialversicherung. Die Wirtschaft ist keine private Angelegenheit der Unternehmer mehr, sondern in wachsen- dem Maß« ein« emiirent öffentliche Angelegenheit. D« soziale Dolksstaat darf die Fragen der Arbeitsverfassung und damit auch der Lohngestaltung, die für die Lebensbedingungen von rund 20 Millionen Arbeitnehmern von ausschlaggebend« Bedeutung sind. nicht dem freien Spiel d« Kräfte überlassen. Seine Zlufgobe ist es, die privatkapitalistische Wirtschaftsverfassung in immer stärkerem Maße mit sozialen Elementen zu durchsetzen. Dazu zwing« ihn auch die monopolistisch« Entwicklung der Wirtschaft. Die Aufgab« de» Schlichtungswesens sei ein« dreifache: die Friedens- f u n k t i o n, d. h. die Einschränkung von Arbeitskämpfen: Dienst an der Arbeitsverfassung, die sich äußert bei der Hilf« für das Zustandekommen von Gesamtvereinbarungen, also insbeson- dere von Tarifverträgen und seine lohnpolitischeFunktion, die auch die. sozialen Ersord«nisse berücksichtigt. Dadurch wird das Schlichtungswesen zu einem wichtigen Faktor beim Aufbau de» kollektiven Arbeitsrecht». Aus diesen Aufgaben ergäbe sich di« Notwendigkeit der Beibehaltung der Verbindlichkeitsertlärung von Schiedssprüchen und al» weitere Konsequenz das Erfordernis, daß e» im Schlutyungsysrsahren zu einem Schiedsspruch kommen muß. Da» letzte Erfordernis ist durch die Entscheidung des Reichsorbests- gerichts, das den Vorsitzenden der Tchlichtungsausschüsse praktisch die Möglichkeit nimmt, nötigenfalls allein einen Schiedsspruch zu fällen, sehr erschwert. Hier wgre der einzige Punkt, wo eine Reform ein- zusetzen hätte. Sinzheimer wies aus die Vorgänge in Oesterreich hin. wo die Soziolreaktion mit Hilfe der Heimwohren versucht,«in« Ent- Wicklung im ungünstigen Sinn« für die künftige Entwicklung der Sozialpolitik auch für Deutschland herbeizuführen. Der zweite Referent, Professor von Beckerath. b«. schäftigte sich mit den aus der Schlichtung«gebenden ökonomischen Problemen. Im Gegensatz zu Sinzheimer behandelte er die Frage vom indioidualistisch-kapitalistischen Standpunkt. Nach seiner Auf- fassung müsse sich der Staat im weitesten Umfange von der Ein- flußnahme auf die Lohngestaltung fernhalten und die Regelung den Machtverhältnissen der Arbeitsparteien, also Gewerkschaften und Unternehmerorganisationen, überlassen, weil sich auf diese Weise auch am besten die ökonomischen Marktgesetze durchsetzen. Beckerath lieferte die theoretische Begründung für die Forderung d« Unter- nehmer nach Abbau des Schlichtungswesens. In der Aussprache vertraten Dörpel vom ADGD. und Schweitzer vom AfA-Bund die freigewerkschastlichen Auf- fassungen, die sich grundsätzlich mit den Darlegungen Sinzheimers deckten. G r a u e r t und Overbeck vertraten die Auffassungen der Unternehmer. Der letztere verstieg sich in seiner scharfmacherischen Rede zu der Behauptung, daß die sozialen Gegensätze durch Arbeits- kämpfe überbrückt werden. Der Vertreter der christlichen Gewerk- schasten, Otto, wies demgegenüber zutreffend darauf hin, daß sich in dies« Grundtendenz die Unternehmer mit den Ausfassungen der Kommunisten treffen. Professor H o e n i g e r machte insbesondere darauf aufmerksam, daß auch unter dem Hilfsdienstgesetz«in noch stärkerer Zwang vorhanden war. wie ihn jetzt die Verbindlichkeite- erklärung darstellt. Don den weiteren Diskussionsrednern ist noch hervorzuheben die Rede des Ministerialdirektors Sitzler vom Reichsarbeitsministerium. Er wies insbesondere auf die Berücksichtt- gung der sozialen NotwendigkeUen hin» die da» Schlichtungswesen zu«füllen Hab«. Dos Reichsarb eitsmimsterium arbeitet zurzeit an ein« Denkschrift für den Reichstag, die den gesamten Fragen- komplex behandelt. Nach seiner Auffassung hat sich da» Schlichtung?- wesen bewährt, so daß kein Grund zu seiner Beseitigung oder Ein- schränkung besteht. In seinem Schlußwort setzt« sich S i n z h e i m e r mit glänzender Dialektik mit seinen Gegnern auseinander. Er zeigt« insbesondere. daß mon sich unter den ökonomischen Marktgesetzen. di« angeblich dos Lohnniveau bestimmen müßten, gar nichts Konkretes vorstelle« kann. Oer Wert der Sozialpolitik. Mannheim. 25. Oktob«.(Eigenbericht.) Di« Tagung b«r Gesellschaft für Sozial« Re* form beendete am Freitag ihre Veratungen. Di« Aussprach« über den Dortrag von Professor Briefs„Der wirtschaftliche Wert der Sozialpolitik' war beherrscht von programmatischen Aussühnin- gen der Vertreter der wirtschaftlichen Spitzenorganisationen. Spliedt vom Allgememen Deutschen Gewerkschaftsbund betonte. daß di« Arbeitslosigkeit nicht nur durch das Mittel der geldlichen Unterstützung, sondern auch durch Arbeitszeitverkürzung und vor allem durch Abschaffung d« unsinnigen Ueberstunden bekämpft w«- den müsse. Di« S-Tage-Arbeitswoch« sei kein« rein« Utopie mehr. Zu lösen sei auch noch die Frage d« Attersversorgung der arbeit»- unfähigen und invaliden Arbeiter. Die deutsch« Arbeiterschaft habe im letzten Jahrzehnt bewiesen, daß sie sich mitverantwortlich fühle für di« Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Für die Arbeitgeber« schast gab Dr. E r d m a n n die Erklärung ab, daß di« Nottoendigkeit d« Sozialpolittk von d« Arbeitgeberschaft anerkannt«erde. D« Streit gehe nur um ihr« Grenzen und Ziel« und richte sich gegen ihr« mißbräuchliche Benutzung. D« Vorsitzende v. Nostiz konnte in seinem Schlußwort fest- stellen, daß aus der Tagung niemand den wirtschaftlichen Wert d« Soziatpolitik grundsätzlich bezweifelt Hab«. Kauiskys Dank. Genosse Karl Kautskq schreibt uns: In noch höherem Maße als mein 70. veranlaßt« mein 7ö. Ge- burtstog zahlreich« meiner Kameraden und Mitkämpfer, mir in freundschaftlicher Weis« die' Anerkennung meine« Wirken» auszu- sprechen in Artikeln. Büchern, Telegrammen. Wie vielen Jubilar«« ergeht es auch mir: so gern ich möchte, ich bin außerstand«, jedem der mir seine Sympathie kundgab, besonders persönlich zu danken. Ich muß meine Genossen und Freunde bitten, auf dem Wege der Press« meinen herzlichsten Dank für die mich überwältigend« Fülle der Ehrungen entgegenzunehmen. Ich fühle mich durch sie um so mehr erhoben und beglückt, als man mich rächt wie«tn« Ruin« bekränzte, die als Usberbleibsel«ner vergangenen Pracht tn die Gegenwart hineinragt, sondern al»«in« immer noch lebendig« Kraft im Körper der Partei anerkannte, di« an der Gestaltung der Gegen- wart und Zuksinst mitwirkt. Dos spornt mich an, mit verdoppeltem Eifer nach dem Fest« wieder an di« Arbeit für die große Sache zu gehen, der ich mein Leben geweiht habe. Hoffentlich wirb es mir vergönnt fein, da» Buch zu vollenden, da« mich jetzt beschäftigt, eine historisch« Unter- svchung über die Wechselwirkungen zwischen Krieg und Demokratie. über die Einwirkungen de, Krieges auf die Demokratie und der Demokratie auf den Krieg. Gelingt mir die Lösung dieser großen Aufgab«, dann hoff« ich. damit am besten meinen Dank für alle di« Liebe abzustatten, die mir in diesen Tagen so reichlich zuteil wurde. Mit herzlichstem Gruß und Handschlag * jnn sRxuxsiij. Wien. 21. Oktober 1929. Die Börsenpanik in Rew �ork. 500 Polizisten oukgeboten! Rem Jork. 25. Oktober. Auch heute bot sich im vörsendislrikt. in Wallstreet. Broadstreet und den angrenzenden Straßen ein buntbewegtc» Bild. In de» Straßen und Bureaus der Maklerfirmen drängte sich die Menge Kopf an Kops. Zur Verstärkung der Polizeiabtellung von fünfzig Polizisten und sechzig Geheimbeamten, die sür gewöhnlich de« Dienst im Börsendistrikt versieht, hotte polizeiches whaleu vierhundert Polizisten, hundert Seheimbeomte und«ine größer« Abtetlooa berittener Polizei abkommandiert. Der Polizei- ches hat die Maklerfirmen, die sämtlich gezwungen sind, zahlreiche Hilfskräfte anzustellen, dringend ermahnt, die abzuliefernden Wert- popiere nur zuverlässigen Bote» anzuvertrauen, da die Gefahr bestehe, daß die Lage von Dieben aosgeuußt werde. Es kam jedoch ,u keinen Ruhestörungen und es wurde« bisher such kein« größeren Diebstähle gemeldet. Das Ruhegehalt für ReichsardeUsmiulsters Dr. vrouu». per Reichsrat hat in ferner Donnerstogfiizung genehmigt, daß dem früheren Reichsorbeitsminifter Dr. Braun» ein« längere al» di« gesetzlich« Dienstzeit auf das Ruhegehalt angerechnet werden soll. Bon zuständiger Stelle wird hierzu mitgeteilt, daß diese Anrech- nung auf Antrag der Reichsregicrung beim Reichsrat auf Grund des Artikels 52 des Reichsbeonttengesetze» erfolgt und dem Reich»- arbeitsminister die früher im Kirchendienst zugebrachten Jahre aus die Dienstzeit angerechnet worden seien. Ver letzt«'belgisch« Soldat ta Deutschland wird Aachen am SS. November Verlagen, 3 Am 22. d. M. riß ein plötzlicher Tod unseren lieben Vater, Großvater und Bruder, den Instrumentenmacher Hermann Thiedecke im 66. Lebensjahre aus einem unermüdlichen Leben. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Margarete Raddatz, geb. Thiedecke. Berlin SW 29, Mittenwalder Straße 56. Die Trauerfeier findet am Montag, dem 28. d. M., im Krematorium Baumschulenweg, Kiefholzstr. 221, statt. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Rollege, der Gürtler Paul Schollbach geboren am 15. November 1882, am 23. Oktober geftorben ist. Einäscherung am Montag, dem 28. Ottober, 17 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Ehre seinem Andenken! Rege Beteiligung wird erwartet. Die Ortsverwaltung 70 PF CASINO- THEATER Lothringer Straße 37. Neu! DEMARRICT Neu! Täglich 814 Uhr 100 Vertagte Hochzeitsnacht! MARK und ein erstklassiger bunter Teil. Quittungs-, RabattFür unsere Leser: u.Reklamemarken Gutschein für 1-4 Personen Fauteuil nur 1.25 M., Sessel 1.75 M., gegen Nachahmung Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M gesetzl. gesch. fertigt seit 45 Jahr als Spezialität. Conrad Müller Leipzig Schkeuditz Am 23. Dktober verschied nach furzer schwerer Krankheit meine liebe Frau Ida Kujanski Dies zeigt an Karl Kujanski. Die Beerdigung findet am 28. DItober, 15.45 Uhr, auf dem 8entralfriedhof Friedrichsfelde statt. Bandonionlager, Bianoaffordeons, Fachberatung, Abzahlverkauf, Unter. richt. Aderstraße 38. Theater, Lichtspiele usw. Sonnab., 26. 10. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 231 20 Uhr Rigoletto Sonnab., 26. 10. Städt. 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Es muh ober gesagt werden: an dem Ausgang des verhängnisvollen Abends trägt der Verstorbene Rademacher ein gerüttelt Wah von Schuld. Wäre nicht e r durch tragische Verkettung von Ilmständen das Opfer geworden, zweifellos hätte dann der eine oder der andere der jungen Reichsbonnerkameraden sein Leben verloren. Nicht umsonst sagten zwei Zeugen von dem Getöteten, daß er ohne weiteres imstande gewesen wäre, drei von den vier Angeklagten durch dos Kupeefenster zu werfen— solche Kräfte besah er, und sie fügten hinzu: er war im trunkenen Zustand ein Messerheld, er suchte Händel, war kaum zu bändigen und für die Umgebung eine Gefahr. Rodemacher war am 12. August a n° getrunken. Im Gegensatz zu Radcmacher schnitt der Angeklagic Iaschek als Mensch vorzüglich ab. Viel Kopsz«rbrcchcu verursachte dem Gericht die Frag«, aus welchem Grunde die Angeklagten in dos Kupee, in dem sich Radsmacher befand, gegangen waren. Jedenfalls nicht bloh, um diesen zur Rede zu stellen; das sollte nur nebenbei ge- schehen; die Hauptsache für sie war, auf bequemen Plätzen die Rocht zu verbringen. Unter keinen Umständen dachten sie auch nur entfernt an di« Möglichkeit eines blutigen Zlusgangcs; niemand war bestürzter als sie selbst. Hätten sie geahnt, mit wem sie es zu tun bekommen sollten, sie hätten es bestimmt unterlasse� den Mann zur Rede zu stellen. Iaschek versetzte den Messerstich als er sein.?« Freund in groher Bedrängnis sah und seinen.Kopf in der eisernen Umklam- m e r u n g des überstarken Fleischers fühlte. Der K r i ni i n o l a s s i st e n t, der den Angeklagten Iaschek vernommen hat, bestätigte, daß der Breslaüer Reichsbannermann die Polizei in ihren Ermittelungen tatkräftig «nter stützt und auch den Iaschek herbeigeholt hat. Dieser leugnete anfangs, mar aber hinterher geständig, weint« und schien ganz gebrochen; das Geschehene tat ihm wirklich leid. Er erklärte, daß er sowohl wegen des besseren Platzes mitgegangen fei, als auch aus oem Wunsche heraus, seinen Kameraden beizustehen. Polizeibeamter Müller erklärte, daß Hohn sich selbst als Beteiligter gemeldet habe. Hahn gab auch ohne weiteres sein blutiges Hemd heraus und beruhigte seine Kameraden. Wer war Rademacher? Nun erfährt man endlich auch etwas Über die Persönlichkeit des ums Leben gekommenen R a d e m a ch e r. Der Gastwirt Bach- oxinn und der Rcichslmnncrntann Albert Gertik aus Glogau wissen viel über ihn zu erzählen. Beim Gastwirt hat Rodemocher äster verkehrt. War er nüchtern, so war. ihm nichts anzusehen, im b e- trnni kenen Zustande aber mar. er gefährlich. Er besah- geradezu immense Kräfte. Ein 32 Zentner schweres Auto konnte er mit Leichtigkeit zur Seite wersen, wenn er es hinten anfaßte.„Wäre er mit de» oier Angeklagten fertig geworden?" fragte der Verteidiger Dr. Hirschberg.„Drei von ihnen hätte er ohne weiteres durch dos tzupeesenstcr hinausgeworfen," lautete die Zlntwort. Gertik konnte Rademacher sehr gut; er stand politisch auf der rechtsradikalen Seite, ohne Mitglied einer Organisation zu sein. Wenn er betrunken war, muhte man sich vorsehen. Zlls ihn eines Tages auf der Straße ein Fußgänger unoerhofst anstieß, beschimpfte er ihn trog dessen Entschuldigung in gemeinster Weise und lies ihm mit erhobenem Messer noch. Hatte der Zeuge ihn nicht fortgerissen, die Sache wäre schlecht aus- gelaufen. Ein andermal fiel er über zwei Reichsbannerleute her und verwickelte sie in eine Keilerei. Auch die Gastwirtsinhaberin Fuchs weiß einen itzorsall zu schildern, bei dem Rademacher auf einen Mann mit einem Messer losgegangen sei. Seinen Kost- gonger bedrohte er mit einer Kosseekanne, weil, er von ihm das Kostgeld verlangt«. Der Vorsitzende stellt« schließlich aus den Akten fest, daß der Verstorben« viermal wegen Diebstahls bestraft mar; darunter einmal wegen Koineradsäsostsdiebstahls und ein andermal kamen noch Eigentumsoergehen auf Angehörige im Dienste hinzu. Im Juli 1924 erhielt er eine Straf« wegen fahr- lässiger Tötung während einer Autofahrt.?lls er hie Strafe verbüßen sollte, mar er drei Jahre lang unauffindbar. Der Sanitäter Skoppin, der dem Verletzten auf dem Wege von Iolabs- darf bis Frankfurt a. d. O. Hilfe geleistet hatte, bezeugte, daß Rade- mocher stark nach Alkohol roch. Er hotte seinem Käme- raden Lehmann bald nach der Rückkehr in Breslau davon Mit- teilung gemacht. In ganz anderem Licht« als der Verstorbene steht der An- geklagte Iaschek. Die Frau seines Arbeitgebers, die rechts steht, schildert ihn als äußerst ruhigen, willigen und freundlichen Menschen. Er weigerte sich eines Tages, ein Huhn zu schlachten. Iascheks Arbeitgeber wollte nicht glaichen, daß er jemanden mit dem Messer gestochen haben könnte. Auch die Schwester des Angeklagten stellte ihm das beste Leumundszeugnis aus. Wenn es irgendwo einen Streit geben sollt«, so ging er stets davon. Ein eben so gutes Zeugnis stellte der Arbeitgeber Pfeiffer dein An- geklagten M a l f ch a r e k aus, der bei ihm 4H Jahre gearbeitet hat; dieser ist auch bereit, ihn wieder einzustellen Margen wind die Beweisaufnahme geschlossen; das Urteil ist in den Nachmittagsstunden zu'erwarten. Die Eisenbahnkataflrophe. Die Prüfung der Schuldfrage. München, 25. Oktober.(Eigenlxricht.) Die vorläufige Untersuchung über die U r s a ch c d e s E i s e n- bahnun glück? bei Nürnberg ist bereits abgeschlossen. Als Ergebnis wird bohnamtlich mitgeteilt, daß das Unglück auf vorschriftswidrige Fahr dien st leitung und auf Ueberfahren des Ausfahrtsignals durch den München— Berlin I'-Zug 39 herbeigeführt wurde, ohne daß für dieses Ueberfahren ein ausdrücklicher schriftlicher Befehl vorgelegen hob«. Die g e- r i ch t l i ch« Untersuchung ist bereits im Gange. Die Prüfung der Schuldfrage Hot folgeichen Sachverhalt ergeben: Der von München kommend« O-Ziig war vor dem Bahnhof Reichelsdorf, den er fahrplanmäßig ohne an- zuhalten hätte passieren müssen, wegen der hinter der Station Reichelsdors beginnenden Gleisarbeüen und der damit verbundenen Eingleisigkeit der Strecke angehalten morden, und zwar ordnungsgemäß durch" Stellung" des Einsah rtsigintls auf Halt. Ebenso war auch das Ausfahrtsignal auf dem Bahnhof Reichels- dorf ouf.Haltstellung gebracht worden. Der Lokomotivführer des von München kommenden Zuges hat mm am Einfahrtsignal von Reichclsdorf folgenden Befehl erhalten:„v 39 hat an dem auf Holt stehenden Einfahrtssigrm! vorüber und im Bohnhofsgleis ein und durchzufahren". Der Zug fuhr aber nicht nur an dem Emfahrtstgnol, sondern an dem ebenfalls auf Halt stehenden Aus- fahrtsignal vorüber und stieß so hinter Reichelsberg an der Weich« zum Ucberholungsgleis auf den von Nürnberg kommenden v-Zug-. Die Verhaftung des Fahrdienstleiters Linhubcr» der Station Reichelsdors erfolgte, um der Gefahr einer Verdunkelung vorzubeugen. Es soll verhindert werden, daß sich Linhubcr und der'Lokomotivführer Maurer des O.Zuge? 39 auf außergerichtlichem Wege miteinander verständigen können. Mauerer befindet sich als Leichtverletzter im Nürnberger Kronkenhaus. Schwanzlose Flugzeuge. Probeflüge in Tempelhof. Vor einem großen Kreis von Interessenten und Pressevertretern fanden gestern ouf dem Flugplatz T e m p e l h o j Flüge mit schwanzlosen Flugmaschinen statt. Di« Tragflächen dieser Maschinen sind in Pfcilspitzensorm angeordnet, deren äußerer Winkel etwa 110 Grad beträgt. Das sonst am Schwanzende befindlich« Seitenfteucr sitzt hier an den F l Ü g e l e nd e n. Bei dem Modell der Rhön-Rositten- Fluggesellschaft wird auf ein Fahrgestell verzichtet. Ein DKW.-Motor ist hinter dem Führersitz eingebaut und gibt dem Flugzeug in 1000 Meter Höhe eine Geschwinidigkeit von etwa 120 Kilometer. Durch den Verzicht auf dos Fahrgestell ist der Start zwar nur mit Hilfe einer Katapultvorrichtung möglich, verringert aber ver- Hunden mit der durch die Schwanzlosigkeit erzielten Einheit von Trag- und Steuerflächen den Luftwiderstand erheblich, so daß eine größtmögliche Flugleistung erzielt wird. Unter ähnlichen Gesichtspunkten wurde von Langguth das erst« eigenstabile schwanzlose Flugzeug hergestellt, die sich in der Luft ohne Betätigung des Steuers von selbst stabilisiert, so daß ein Fliegen nicht viel schwieriger als Autoftenern ist. Und wie der Erbauer versichert, von jedem noch kurzer Zlnweisung erlernbar ist. Beide Flugzeuge zeigten in gut gelungenen Probeflügen ihre Verwendbarkeit. Elends-Wohnungen. Es kommt natürlich auch bei feudalen Leuten einmal vor, daß sich nn Hause unliebsame Schäden bemerkbar machen, die in hygienischer oder allgemein gesundheitlicher Beziehung das Mißfallen der Bewohner erregen. Aber bei den armen Teufeln kommt weist zuviel derlei auf einmal zusammen, und so oerdichtet sich der gegen- fettige Haß zwischen Mieter und Hauswirt bis zur Unerträglichkeit. Im Haufe WettinerKorsolZin Neu-Tempelhof Hausen mehrere Parteien unter mehr als primitiven Umständen. Das völlig ver- wahrloste Haus wurde vom neuen Pächter vor einigen Iahren trotz feiner Wackligkeit und Klapprigkeit zum Wohnhanse umgewandelt. Da sitzt kein Fenster und keine Tür mehr richtig, da gibt es Fenster, die stntt der Scheiben nur ein paar lose zu- sammengefügte Balken besitzen und die darnberliegenden Wohnun- gen mit dem genügenden Luftzug und der Feuchtigkeit versorgen, durch die morschen Decken tropft der Regen und die Leute müssen bei schlechtem Wetter wie weiland Spitzwegs„armer Poet" cntrveder den Regenschirm oder den Waschzuber als Regentonne aufstellen: dazu versagt« vor mehreren Tagen die Wasserspülung und sie mußten tagelang warten, bis die Sache wieder in Ordnung gebracht wurde. Vor ihren Fenstern hoben sie statt eines blühenden©Örtchens eine Müll- undAbsailgrube. in der sich Ratten und anderes Getier prächtig entwickeln und ihnen, sobald sie Eßwaren im Hause haben, auch gelegentlich Besuch abstatten. Eine große Autoreparaturwerkstatt sorgt den ganzen Tag für den nötigen Spektakel,«in Teppichrcinigungsinstitut jür den nötigen Staub und Schwefelgestank. Die Wohnungen sind teuer, trotz ihrer ganz unzulässigen Besehasfenheit, ein jeder räjonmert und frißt tagaus, tag- ein Gram und Aerger in sich hinein, denn wo sollen sie hm. Auch diese Frage tritt in nächster Zeit ernsthast an sie heran, denn der ganze Krempcl soll nun endgültig dem Erdboden gleichgemacht wer- den. Einer der Mieter hat schon eine Abfindung bekommen und mutzte heraus; natürlich kann er keine neue Wohnung finden und nun beneidet er heimlich noch die„giücklichen" anderen in seinem srüheren Elendsquartier. Einer unserer ältesten Leser, Karl Peter?. Fichtenau, AiSmarckstr. ZS, begeht Keule seinen 70. Geburtstag. Am 9. Oktober konnte seine Gattm die gleiche Feier begehen. Mann 7 f r i« d, der zu den besten Dreijährigen zählt, 26 000 Mark(den Zuschlag erhielt Dr. Weber), der dreijährige Fuchshengst Wilpold 1400 Mark, die dreijährige braun« Stute Gunhilde 1100 Mark, die dreijährige braune Stute Leutstetten 1200 Mark, die dreijährig« braune Stute Sonate 1400 Mark, der zweijährige braune Hengst Gulbrand 3000 Mark, die zweijährige braune Stute Godila 1200 Mark, die zweijährig« braune Stute Hoheit 2900 Mark, di««in- jährige braune Stute Odilon, die einen Selbstkostenpreis von 13 500 Mark zu verzeichnen hatte, erzielte nur 10 000 Mark. Die einjährige braune Siute Pati 42Ö0 Mark, der sechsjährige Zu öl- Hengst Senow 800 Mark, di« vierjährige Fuchsstute Ferne 1400 Mark, die vierjährige braune Stute Windspiel 1000 Mark, der vre'- jährige Fuch-Hcngst Funker 4000 Mark, der dreijährige Fuchsheugst Stilicho 2400 Mark, die zweijährige braune Stute Roswitha 5100 Mark, der zweijährige Fuchshengst Wegwart 800 Mark. Zum Schluß kam der vorjährige Derbysieger und Sieger im Union, und anderen großen Rennen, der bekannte vierjährige Hengst Lupus unter den Hammer. Er erzielte 27 000 Mark und wuttze von Spinnereibefitzer Dilthley erworben. Was die Sklarek-Llniersuchung bisher ergab. Eine Darstellung des OderregierungSrats Tapolfki. vberregierungsrat Tapolfki, der vom Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg und von Berlin mit Difziplinarumersuchungen im Sklarek-Fall beauftragt worden ist, erklärte vor der Presse über den Stand der Untersuchung etwa folgendes: Zu de» aktuellen Geschehnissen„Wovon man spricht" wollte Arnold Zweig Stellung nehmen. Politik, die gegenwärtig den ergiebigsten und wichtigsten Gesprächsstoff liefert, mußt« bei seiner Betrachtung freilich ausschalten. So versuchte Zweig, den Halsmonn-Prozeß, den Besuch der Coiett« in Berlin, di« Shaw- Premiere bei Reinhardt und das Schreiben Einsteins, mit dem der Gelehfte sich wegen der Indenfrage in Po lastino an England wendet, unter den einheitlichen Nenner Menschen- und Völker- Verständigung zu bringen.—„Höhapunkteausgroßen Opern" nannte sich die Berliner Abendveranstaltung. Unter der Leitung von Manfred Gurlitt wurden Opermiurlschinite ä-usg.'- führt. Bei vielen Darbietungen tonnte man allerdings darüber streiten, ob sie wirkliche Höhepunkt« der Werk« waren In „R i e n z i" ist zwar der Kampsaufruf Rienzis die typische Szene der französischen„Großen Oper". Der musikolischs Höhepunkt der Oper dürfte aber im vierten?lkt liegen. Auch Hatövys„Jüdin" hat den niiusik all schon Schwerpuiikt im r>!«rt-n Akt, nicht im zwckteii. Hörer, die die Opern nicht kennen, müssen sie nach den dargebotenen „Höhepunkten" zun, Teil für konventchneller und au'-drucksärmer halten, als die Werke es in Wahrheit Und. Di« Aufführung wurde von den trefflichen Solisten Berta Kiurina. Josef S w m i d t und Eduard Erhard gestützt.— Amerikanische und italienisch« Musik brachte ein Schallplattenkonzert am Abend. Di« Ausrvuh! war zu primitiv, um irgendwelchen Wert zu haben.— lieber „preußische Theaierpolirik" sprach Ministerialrat Dr. Ludwig S c o l i g. Er zeigte, wohin das Streben der deutschen Kulwr- Politik geht: sozial« ÄuUur pflege zu treiben. Te«. Man müsse zwei verschiedene Komplexe unte> scheiden: Den Abschluß der Monopolverträge durch die Stadt mit der Firma Sklaret und die Bevorschussung der Firma Sklaret durch di« Stadtbank. Die äußeren Tatsachen seien folgende: Seit 1925 hätten die Stlarets auf Grund ihres Monopol- Vertrages bei der Stadtbank Kredit« aufgenommen. Nach den Satzungen der Stadtbant fei die Gewährung der Kredite nur auf Grund von Sicherungen möglich. Dies fei auch durch Abtreten der Forderungen an die Stadtbank geschehen, die di« Firma Sklaret an di« Stadt Berlin gehobt habe. Die Originalrechnungen seien der Stadtbant übergeben worden. Später sei auch der Brauch entstanden, da die Firma Sklaret für vollkommen sicher gehalten worden sei, nicht nur Originalrechnungen, sondern auch Kopien der Stadtbank zu übergeben. Der Lorstand der Stadtbonk habe erst im August 1929 davon erfahren. Er Hab« aber an dem bis» herigen Verfahren nichts geändert. Das sei ein D i e n st v e r- gehen schwerster Art, zumal es an zahlreichen Warnungen nicht geiehlt habe. Die leitenden Stadtbantdirettoren hätten sich von den Sklarets unzweifelhaft Dergünstigungen zukommen lassen. Es fleht allerdings nicht fest, daß dies kausal mit ihrem Verhalten gegenüber der Firma Sklaret sei. Die Aussicht über di««vladtbank führe der Kreditausschuß, der alle_ Sklarck-Kredite auf Grund.- der. Vortrage der Direklören�ber Stadtbank genehmigt habe. Auch dieser Ausschuß habe seine Pflicht oersäumt. Die nächsthöher« Instanz bei der Stadtbank sei der B e r w a l t u n g s r a t. Dieser habe sich jahrelang nicht um die Kredite gekümmert, wie es fein« Pflicht gewesen wäre. Dem Lorsigenden dieses Vcrwaltungsrotes, Stadtkämmerer Dr. L a n g«, sei bekannt gewesen, daß die Firma Sklaret Anfang dieses Jahres bereits Kredite in Höhe von 7 Mit- lionen Mark aufgenommen hatte: er habe jedoch daraufhin nichts veranlaßt. Bekanntlich hat auch Stadtkämmerer Dr. Lange bereits vor mehreren Tagen das Disziplinarverfahren gegen sich selbst veranlaßt. » Bekanntlich hat sich jetzt herausgestellt, daß die drei Stlarets durch chren Verteidiger Dr. Pung« Lebensmittel und Gebrauchs- gegenstände entgegen den bestehenden Vorschriften erhalten haben. Diese Aerbindung Ist zweifellos unzulässig gewesen, oder di Zu- steckung von Genußmitteln ist immerhin als harmlos zu verzeichnen gegenüber dem Verdacht, daß auf eine noch nicht geklärte Wciso es den Sklareks. namentlich Max Sklaret, möglich gewesen sein dürfte, Urkunden zu verfälschen oder, wie der juristische Ausdruck lautet,„schriftliche Lügen" im Gefängnis herzustellen. Ende voriger Woche wurde ein« Persönlichkeit vernommen, die mit den Slloreks gesellschaftlich viel verkehrte, bei ihnen auch Anzüge ge- kauft hat und zum engeren Kreis der Freunde Sklareks gehört hat. Diese Persönlichkeit mußt« auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft ebenso wie ander« Zeugen oder Beschuldigte Q uittungcn über Anzüge oder ander« Sachen beibringen, di« in der KBG. verkaust, in Wirklichkeit aber von anderen Firmen hergestellt waren. Einige dieser Quittungen, die.-der Staatsanwaltschaft und den mit der Unterfuchungsbehörde zufammenarbeitenden Polizikom- missaren vorgelegt waren, trugen das Ausstellungsdatum 19Z7., Bei der Staatsanwaltschaft hott« man aus ganz bestimmten Gründen den Verdacht, daß die Quittungen nicht vor zwei Jahren, sondern vielleicht erst in allerletzter Zeit hergestellt worden sind. Die Staats- anwaltschast hat durch G«richtotechniker d'e in Frag« kommenden Quittungen untersuchen lassen, doch liegt da» endgültig« Resultat noch nicht vor. Di« Ermittlungen gehen aber inzwischen weiter, auch nach der Richtung, ob die Unterschriften auf d«n Quittungen mit der Handschrift der drei Brüder genau überein» stimmen. Oie Postwurfsendung. Unter der schönen Ueberschrift„Die Reichspost als Tribut- lronirnkr" ärgert sich die„Dculsche Zeitung" weidlich darüber, daß eine Bekanntmachung der Reichsregierung über die wahr« Natur des Inflationsbegehrens allen deutschen Haushaltungen als„Postwurfsendung" zugestellt werden wird: denn das wider- spreche der Vorschrift, doß politifchc oder konfessionelle Streitschriften nicht als Wurfsendung verschickt werden könnten. Hier handelt es sich ober nicht um ein« private Derfenduna,(ondem um einen Akt des Hoheitsträgers, nämlich des Reiche? selbst. d Wuflenqual MlEN APOTHEKEN UND DROGERIEN ERHÄITUCH Sonnabend 26. Oktober 1929 Unterhaltung und ÄNissen Seilage des Vorwärts John galstvorthy: dt In einem jener Winkel unseres Laiides, wo gewöhnlich die ganze Atmosphäre vom Rauch der Fabriken verdunkelt ist, war heute die Finsternis geschwunden. Ein frischer Wind hatte den schwarzen Himmel reingesegt oder oieUnchr das Dach der Hölle gesprengt und trieb lange Züge von gelblichen Wolken über das vom Dunst noch leicht oerschlsicrt« Blau des Firmaments, Sogar die Sonn« schien, blaß und kraftvoll schaute sie oerwundert herab. Und unter den Sonnenstrahlen, die so selten den Rauch durchdrangen, sah es aus, als wenn die kleine Stadt mit ihren Schlackenhaufen und den hohen Schornsteinen zu neuem Leben erwachte. In den ineinandermün- denden Höfen und Gäßchen, wo die Frauen arbeiteten, stieg von jeder kleinen Esse Rauch auf, der sich in der Höhe ungewöhnlich rasch verzog: auch die Frauen fühlten sich in leichter, gehobener Stim- mung. denn der Sonnenschein war bis in die Gäßchen gedrungen und erhellte die dunklen, rußgeschwärzten Balken der Dächer über ihnen und über den kleinen offenen Schmiedefeuern, ihren täglichen Arbeitsgenossen. Seit sieben Uhr schon waren sie fleißig. Ihre Füße setzten die ledernen Lungen des Blasebalgs in Tätigkeit, der die kleinen Kohlenhaufen zur Glut entfacht«: ihre Hände hielten einen dünnen Cisenstab in« Feuer, bis sich das rotglühende Ende zu einem Haken krümmen ließ, während sie es mit dem Hammer bearbeiteten: mit der Zange bogen sie es zu dem Glied einer Kette, worauf sie den Ring zusammenhämmerten und ohne einen Augenblick auszu- setzen, schoben sie den Eisenswb wieder in die Glut. Und bei der Arbeit schwatzten und lachten sie— ab und zu vernahn, man auch einen Seufzer. Alle Altersstufen und Typen schienen vertreten zu sein, von einer, die so braun, kräftig und gesund aussah wie eine provenzalische Bäuerin, bis zu dem müden, blassen, schwindsüchtigen Ding, von alten siebzigjährigen Frauen mit dünnem, unordentlichem Grauhaar bis zu fünfzehnjährigen Mädchen. In den Hütten arbeite- ten gewöhnlich«in«, höchstens zwei: in den größeren Schmieden dagsgen brannten vier, selbst fünf kleine Feuer und vier oder fünf ruhige Blasebälge waren in Bewegung, und kein Augenblick ver- g-ing, ohne daß ein rotglühender Haken als neues Glied zu der wach- senden Kette gefügt ward, kein« Sekunde oerstrich, ohne daß ein lsichter Rauch aus den Essen durch das dunkle Gebälk zur Freiheit emporstieg, gleich wie die Frauen am Feuer zwischen den schmutz!- gen. weißgetünchten Wänden langsam ihr Leben aufzehrten, Aber heut« bei dem weihflimmernden Sonnenlicht lag noch etwas Besonderes in der Luft: da» Fieber der Erwartung! Und um zwei Uhr schlug die Stund« der Erfüllung. Das Schmiedefeuer wurde gelöscht und aus Höfen und Gäßchen eilten die Frauen her- vor, in ihren zerlumpten Arbeitskitteln oder in den Sonntagsklei- der«, die nicht viel besser waren: in Hauben, Hüten oder barhäuptig: mit Kindern auf dem Arm und Kindern unter dem Herzen strömten sie nach der Hauptstraße und stellten sich dort hinter der Musikkapelle auf. Ein seltsamer Schwärm— geschwätzig wie Elstern und bunt wie Eichelhäher; schwarzweiß, braun, grün und grau gesprenkelt. So liefen sie schwatzend und lachend scheinbar ziellos durcheinander: 'Tausende und aber Tausende von abgerackerten, durchfurchtet, Gö- sichtern, denen die schwere Heimarbeit und der Hunger ihkeil Stempel aufgedrückt hatten, aber kaum eins, das Brutalität oder Gemeinheit verriet. Offenbar war es nicht so einfach, Vnital oder gemein zu sein bei einem Lohn, der kaum dazu ausreichte, Leib und. Seele zufanunenzuhalten. Mehr als tausend inenschl'chc Wesen, die sich am ärgsten plagten und am schlechtesten bezahlt wurden. Neben dieser selssamen, aufrührerischen Bersammlung. die, von einem Geist beseelt, im Begriffe war, einen Protestumzug gegen ihre elenden Lebensbedingungen zu veranstalten, stand auf dem Pflaster «ine sunge Frau, in ärmlichen Kleidern und ohne Hut, deren Gesicht mit den dunklen Augen, den hervorstehenden Backenknochen und dem struppigen Haar doch einer gewissen Schönheit nicht entbehrte. Sie gehörte nicht zu ihnen: aber wie durch eine Ironie des Schicksals war sie die einzige, in deren Blick der Geist des Aufruhrs funkelte, ein stolzer, unsteter, fast leidenschaftlicher Blick war es— ein Blick der Rebellion. Aus all den tausend anderen Gesichtern sprach keine Verbitterung, keine Erregung, nicht einmal Enthusiasmus, sondern zum Teil zeigten sie ruhige Gleichgültigkeit, zum Teil die lebhaste Erwartung von Rindern, die zu einem Feste gehen. Die Musik fing an zu spielen und der Zug setzte sich in Ve- wegung. Man lacht«, schwatzte, ließ die Baimer wehen und versuchte Schritt zu halten und allmählich nahmen alle Gesichter den gleichen Ausdruck an: die Zukunft existiert« nicht, nur die Gegenwart— die glückliche Gegenwart, zu den Mißklängen der' Blechmusik einhcrzu- marschieren und auch eine ungewöhnliche Gegenwart: dieses Ge- lächter, diese Bewegung der Meng« unter sreiein HifNinel! Wir übrigen— etwa ein Dutzend Außenstehende, ebenso wie die groß« Dame mft den grauen Haaren, die sich für das Volk interessierte— niarschierten zusammen mit den wenigen hilfsbereiten Leuten, die den Zug in Ordnung hielten. Ein wenig selbstbewußt, versuchten wir unter den Augen der Zuschauer eine gewisse, aber nicht allzu auffallende Strammheit zu zeigen. Diese Zuschauer, fast alle Männer, billigten den Umzug, wie es hieß, obwohl ihre Ge- sichter, bleich von der schweren Arbeit in Schmieden und Werk- stätten, ganz gleichgültig aussahen. Stillschweigend stimmten sie' diesem ungewöhnlichen Ereignis zu, als verwunderten sie sich, daß die Fronen auf eigene Faust vorgingen; wunderlich, beinah- gefährlich schien es ihnen. Zwar gingen einige schwerfällig nebenher zwischen dem Zug und den kleinen, trostlosen Hütien und schmutzigen Fabrikschuppen und einer oder zwei begleiteten ihr« Frauen, um den Säugling zu trogen. Dann und wann kamen auch bessere Leute vorbei, eine Dame, ein Beamter, ein Eisenhändler; sie�reßten die Lippen zusammen und gaben sich das Ansehen, als nähmen sie keinerlei Notiz von dieser Verkehrestörung und hielten die ganze Angelegenheit nur für einen schlechten Scherz, den man schon ßst-rs inszeniert hatte. Unter Gi�ächter und fnrtwährcradem Hin- und Herreden zog die bunte Sdter weiter, stieß und schob sich vorwärts in jener ielt- somen Verzückung, von der man sich willenlos treiben läßt, glück- selig, im Sonnenlicht hinter der mörderischen Musik herziehen zu könnan, ohne sich recht darum zu kümmern, wohin und wozu. Jedes- mach wann die Kapelle ihr Spiel unterbrach, sahen die Reihen bald so schlecht und unordentlich aus wie die zerschlissenen Fahnen und Gewänder der Frauen: aber nicht ein einziges Mal riß gänzli be Zuch?losigkcit ein, als wüßten sie, tuß sie die eigentlichen Hüter angeborener Menschenwürde waren, gerade weil sie zu den Arm- faligjten der Christenwelt gehörten. Jq der allerersten Reihe marschierte«tu hochaufgeschossenes, junges Mädchen ohne Hut, zart und schlank wie sine Tanne, mit blondein, schmutzigem Haar, dessen Rock und Bluse rückwärts etwas offen standen; unausgesetzt wandte es sein hübsches Gesicht und den hübschen schlanken Hals von einer Seite zur anderen; man konnte sehen, wie es seine schönen blauen Augen voll Wildheit nach allen Seiten schweifen ließ, als ob es fürchtete, sich die Freude am bloßen Vorwärtsschreiten zu verderben, wenn es sich zu lange dem geheimen Genüsse eines Augenblicks hingab. Der Geist unseres Marsches schien aus diesen nimmermüden Augen des blassen, glücklichen Mädchens zu strahlen und sich den verzückten Frauen mitzuteilen. Hinter ihin marschierte ein kleines altes Wciblein, von dem es hieß, daß es schon seit vierzig Iahren Ketten schmiedete— und seine schwarzen Schlitzaugen funkelten, während es ein Band im Wind« flattern ließ, und außer sich vor Freude war es über dies« Welt. von der es einzig und allein die humorvolle Seite sah. Unaufhörlich lief es auf eine der Führeriiiiren zu, um ihr klarzumachen, wie dos Dasein über all« Maßen herrlich sei. Und jedesmal, wenn es so redete, brach die Frau neben ihm, die ein schweres Kind trug, in schallendes Gelächter aus. Eine Stunde lang wand sich der Zug planlos durch die melan- cholsschc Straße, bis er bei einem Schlackenhaufen anlangte, den man zur Rednertribüne erkoren hatte. Langsam zog das bunt zusammengewürfelte Regiment in dieses öd« Amphitheater«in, von der blassen Sonne beschienen. Und wie ich zusah, kam ein« seltsame Vision über mich. Es schien mir, als ob über jeder armseligen Frauengestalt ein« kleine gelbe Flamm« schwebte, ein schwacher, slackernder Schein, der nach aufwärts strebte, den aber der Wind zurücktrieb. Dielleicht war es eine Täuschung des Sonnenlichts? Oder war das Leben in ihren Herzen, der unvergängliche Atem der Glückseligkeit aus»inen Augenblick dem Gefängnis entflohen und flammte auf, vom Winde hin und her getrieben? Mit unglaublicher Geduld standen sie schweigend da und freuten sich am Klang der Worte, die von der Tribüne kamen, ohne aus den Sinn zu achten. Wenn sie auch nicht recht wußten, wozu sie hergekommen waren, und auch nicht daran glauben wollten, daß ihnen der Umzug helfen würde; wenn auch ihr« Demonstration nicht all das für die Welt bedeutete, was ihnen die Redner klarzulegen versuchten: wenn sie selbst auch nur die armseligsten, geringsten, ungebildetesten Frauen im Land« waren— so schien«s mir doch, daß ich in jenen ernsten, zerlumpten Gestalten, so voll von vollem Vertrauen, solche Schönheit sah, wie ich sie noch nie zuvor geschaut. AU die vollendete Herrlichkeit der Dinge, die Menschen ersonnen, die vollkommenen Träume der Aestheten, die P Hantostegebilde der Romantik schienen wie nichts im Vergleich zu dieser Offenbarung unverfälschter Güte, die einfachen Letten eigen ist. Gerdland; ülOtUlS 3 Vli ....... siebenundzwanzig Akte«ms dem Lööben eiller mongdärnen Frau. Dargestellt von den Damen Lya Carenjo und Paula Odeo. Mit bengalischer Beleuchtung. Ein Rausch der Erotik und Ekstase. Ein Rausch von Liebe und Sünde. Erstmalig in Europa, erstmalig in Deutschland, erstmalig in Berlin, erstmalig auf diesem Vergnügungspark!-- Rudo, der Kraftmensch, das Entfeflelungsphänomen, dem es gelingt, sich aus den so gefürchtelen Stahlhandsesscln der Berliner Kriminalpolizei zu befreien. Das soll ihm erst mal einer nachmachen, mein« Herren! Aber in der achten und neunten Abteilung da sehen Sie Ilona, das Weib mit dem Feueratem, die Frau, deren Atem Menschen und Tieren den sicheren Tod bringt, aber trotzdem nicht unhygienisch ist. Das ist die Frau, deren Rachen Feuer speit, das ist die Frau, deren Wiege im heißen Ungarnlande stand. Deshalb ist sie auch so feurig. Treten Sie näher, meine Herren, denn ich kann Ihnen noch etwas verraten: Ilona tanzt auch. In wilden Zuckungen bewegen sich ihr Bauch und ihre Brust. So hat sie es am Hofe des Mahara- dschah von Beludschistan gelernt. Ja, dieser Wüterich, dieser lüsterne Rohling hat sie zu seiner Lüüllüüblingsfrau erkoren Man steht inmitten der Menschen, die sich vor der Rummelplatz- bude angesammelt haben. Man steht und hört die schwülstigen Worte der greisen Frau, deren bellende, heisere, kratzende Stimm« die Menschen dieses Rummelplatzes anlocken soll, der„Variete- Vorstellung" beizuwohnen.. Es ist schon spät. Ein feiner Regen rieselt hernieder. Rur vor dem Glücksrad stehen noch einige Frauen und junge Burschen. Die Boxerbude und die Elskonditorei sind schon vernagelt, denn es ist Herbst und es ist schon empfindlich kühl. Ab«r hier vor dieser Bude scharen sich die Menschen, vor dieser Bude, vor deren nackten, traft- los grauen Bretterwänden grcllbuittc Plakate blaken, vor der eine rote Funzel die zerhärmtcn, armseligen, hungrigen, olles besagenden Gesichter der Künstler mit ihrem schwülen Schein beleuchtet..... „Nehmen Sie Anteil, treten Sie ein.. Ach, nur sehr wenige treten ein, nur sehr wenige reizt diese Vorstellung. Schon wird die Tür geschlossen, da besinnt man sich auf die hungrigen, blassen Augen des Wunderweibes Ilona, aus ihren mageren, unterernährten Körper, der eben auf der Schau, jener Brettsrplanke vor der Bude, zur Schau gestellt wurde. Und man zahlt zwei Groschen und tritt ein. Rudo, der Kraftmensch, läßt sich fesseln, seine«ntkrästeten Muskeln schlackern, während er sich abrackert, sich zu befreien. Die siobenundzwanzig Akt« aus dem Leben einer„mongdärnen" Frau erregen das Gelächter, den Spott und bissige, hämische Bemerkungen der Zuschauer. Diese lebenden Bilder, von der alten, verhutzelten Frau mit der bellenden, sägenden, krächzenden Stimme angesagt, dies« lebenden Bilder, von den Damen Lya Carenjo und Paula Odeo dargestellt, sind in all ihrer primitiven Einfachheit, in all ihrer grauenerregenden Gemeinheit, durch die Billigkeit dieser Dar- stellung direkt ergreifend. Denn das weiß man plötzlich: daß diese Artisten eine Familie sind: Vater, Mutter und Kindex. Man weiß, daß dieser Kraftmensch, der wahrscheinlich ein abgebauter Bureau- angestellter ist, der Vater, diese greise, verhutzelte Frau die Mutter, und diese beiden Mädels die Töchter sind...... Aber nun: Ilona l Alles fetzt sich zurecht. Das ist ja die Attraktion, die Sensation, um derentwillen man hier hereingegangen ist. So gefährlich ist nun der Alem dieser Frau wahrhaftig nicht. Höchstens unappetitlich. Höchstens peinlich. Höchstens Mitleid- erregend. Wenn man sieht, wie diese sicher tuberkulöse Frau nach langen, zeremoiiiellen Vorbereitungen Benzol schluckt, um«s dann in einer großen Flamme wieder von sich zu geben, so beschleicht einem ein kleines Grauen. Dann tanzt sie. Diese Hüpfereien auf den nackten Brettern, die hier die Welt bedeuten sollen, dies« Hüpfereien nach irgendeiner piepsenden, jammernden Melodie wirken so unsagbar traurig, jo namenlos schmerzlich, weil man ahnt, daß Ilona nicht zu dieser Familie gehört, daß sie nicht den roten Wohnwagen der Artisten bewohnt und nach der Vorstellung einsam die dunklen Straßen ent- lang wandern wird.... Sie tanzt, aber ihr Tanz ist ein Elends- tanz, ein Tanz um die Sichel des nahen Todes(die roten, hektsschen, tuberkulösen Fkecke auf dem leickienblassen Gesicht zeugen davon...) lind dann ist's au?. Und man geht. Man überquert den großen, gähnend leeren Rummelplatz. Dann gebt man hinaus aus die Straße. Man wartet ein Weilchen auf den Autobus, der durch digse nordöstlichen Gefilde nach dem Westen fährt. Aber da wartet noch jemand: eine Frau. Eine Frau mit einem blassen Gesicht, mit trüben, matten Augen, um deren Schultern ein billiger Pelzkragen liegt. Es ist Ilona. Sie bläst ihren Atem in die getrampften Hände. denn es ist kalt. Und der Regen rinnt hernieder. Dann kommt der Autobus. Man steigt«in. Man sitzt der Frau mit dem Feueratem gegenüber. Man will ihr etwas Gutes sagen, will sie fragen, ob man wo« für sie tun kann. Aber man schweigt vor dieser namenlosen Einjamkeit, vor diesem Elend rmnatwnr. Autorennen In der Wüfte Do» Kamel gehört als Transport» und Verkehrsmittel unlöslich .zum Orient. Das Kamel ist dort unten in Sonne und Sand das Arbeitstier, es ist der Tröger aller Lasten und über den Haus- gebrauch hinaus ist es für den Europäer ein Stück Romantik des Morgenlandes. Nach Ueberlieferungen der islamisch m Völker wählte Adam, der erste Mensch, den Ruhm für sich und seine Nachkommen. denn er wählte aus alle den Gedanken, die Gott ihm zeigte, für sich das arabisch« Pferd. So kamen die Menschen zum Pferd, und di« Araber zu ihrer Pferdezucht, aber die Engel, die Boten Gottes, die bekamen von Gatt selbst das Kamel verehrt. Und die Völker de« Orients sind stolz aus das Können des arabischen Pferdes und sind froh über die Duldsamkeit des Kamels. Das Kamel lebt nicht nur in seinem ganzen tierischen Sein im Orient, es lebt auch als Symbol im Wortschatz und in den Sprichwörtern der Völker. Sagt doch «in türkisches Sprichwort:„Der Tod ist ein schwarzes Kamel, das vor jeder Tür Hall macht." Kamelrennen gab es schon zu Zeiten Mohammeds und sie haben sich erhalten bis auf den heutigen Tag. Kameltämpfe aber zog man erst in neuerer Zeit auf, als man schon etwa« von europäischem Sensationshunger verspürt hatte. Die alten verwitterten Karawanenführer, die so«ingetrocknet dreinschauen wie die Mumien aus den Pharaanengräbern, rechnen nach Kamelstunden. Da» heißt, sie schätzen jede Entfernung nach der Zahl der Kilometer, die ein Kamel in einer Stunde zurücklegt. Dann aber kamen Mtzlich unh unerwartet ein paar auf Technik eingeschworene Franzosen, bauten Raupenwagen und gingen auf Wüstenfahrt. Die Durchquerung der Sahara mit dem Automobil sollte gelingen, vielerorts standen lebende Wegweiser, jede Oase sandte Patrouillen entgegen und jedes Fort stellte Dorpostenkettcn aus. So schafften es die Raupenwagcn zum Wohle der französischen Autamobilindustric und für Frankreichs Kolonialinteressen. Sannen» käfer hieß eins dieser siegreichen Automobile, und Sonnenkäfer ist setzt ein in Paris sorgfältigst bewahrtes und oielbestauittes Heiligtum der Nation. Doch diese Raupcnwagen sind nicht nur die Vorläufer der Trans-Sahara-Bahn, sie sind auch die technisch« Opposition gegen die Kamelleistung. Bisher war es einzig und allein Kamel- schicfsal, ruhelos durch die Wüste gejagt zu werden. Doch jetzt werden bald schmucke Brüder der Raupenwagen aus lustige Raserei durch die Wüste sausen: denn man baute inzwischen in der Sahara Automvbilstraßen, so lang, daß man von Berlin nach München auf ihnen hin- und zurückrelstn könnte. Ueber diese Straßen ober werden nun die Automobilreifen jagen, sie werden dl« große Zerreißprobe bestehen in Rennen, zum Triumph der Rekordfexerei. Und nun wissen wir, das Kamel wird in weiter Zukunft über- ftSssig. Ein Stück unserer Romantik ist bedroht. Wir können nicht an die ausgebauten Automobilstraßen denken, ohne an die Kameb- süße zu denken, di« ohne Eindrucksspur über den Sand dahin» schreiten. Das Kam«! ist ein Tier ohne Freundlichkeit und doch ei» Wesen voller Seele. Das Lama ist steile Linie, das Pferd ist Gong» werk, das Kamel ist Ausdruck. Die Kamele haben große vorwurf»- voll« Augen, ganz gleich, ob sie im Zoo eine dicke Dame tragen. deren kunstseiden« Schlüpser neckisch sichtbar werden, ob ein oerdienst- voller, halbverhungerter deutscher Gelehrter aus ihrem Rücken hockt oder ob«in leberkranker Engländer sich aus ihnen nach einem Wüstensanatorium transportieren läßt. Die Kaniele bleiben Aus? druck, wenn sie in Bagdad mit schlecht gestauter Ladung die Straßen versperren oder in Teheran am Weg« liegen und Mehlkloß« kauen. Die Kamele sind interessant, ob sie sich in einer Oase Sandflöh« ab» suchen oder ob sie in einem Zoo wegen Räude das Fell verlieren. Hinzu kommt neuerdings noch die Entdeckung ihrer Stimm«. Bicher hatte man nur das Löwengebrüll poetisch ausgewertet und dann und wann erzählt, daß auch Elefontenschreie di« Erde erzittern machten. Doch inzwischen kam der Tonfilm, und da erlebten wir den Triumph der Kamelstimme. Der Schrei des störrischen Kamels war wirkungsvoller als Conrads Beidts Organ. Das besteht immer noch aus Mundaufmachen und Grammophonplattengeräuschen, aber das Kamel brüllt, daß die Parkettsessel bibbern. Jetzt aber jagen Automobile durch die Sahara. Ihre Hupen» töne werden sich vermehren, die Komelstimmen werden abnehmen. Die Technik legt Seen trocken, leitet Flüsse um und macht die Wüst« zur Autombilstroß«. Die Technik siegt und unter anderen ver- wandelt sie das einst so brauchbare Schiff der Wüst« in einen stundenweise enilohnlen Tonfilmstatisten. Ein neues submarine» Gebirge wurde von dem Expedttions» schijs„Carnegie" aus dem Grund« des Stillen Ozeans entdeckt C« erhebt sich zu einem 3000 Meter holzen Kamm, der noch 1000 Meter -i nter dar Meeressläch« liegt. Diel« Bodenerhebung wurde mit dem Echolot festgeslelll, das es erlaubt, vom Schiff aus von Minute zu Minute die Tiefe zu messen, ohne daß das Fahrzeug deshalb, wie in frülxren Zeiten, jedesmal anhalten müßte. Geschwindlakelt der Eisenbahnen. Die Eisenbahnen hatten in ihren Ansängen eine Geschwindigkeit von 16 Kilometer in der Siuirde. Heule legt ein Schnellzug in Deutschland und Frankreich bis zu 88 Kilometer zurück. In England gibt es Züge, die eine Geschwindigkeit von IM Kilometer haben; in den Dereinigten ......*— Kaaneter Gc........ Staaten gibt«s sogar Züge wit III Geschwindigkeit. Volksdienst gegen Kapitalrente. Der Kampf um die öffentliche Wirtschaft.- Verteidigt fie am 17. November! Bei dem Kampf um die wirtschaftliche Betätigung der öffent. lichen Hand, der in Deutschland zurzeit wieder einmal mit großer Heftigkeit geführt wird, begegnen wir einer merkwürdigen Tatsache. Persönlichkeiten, die nach Herkunft, politischer Stellung und Weltanschauung ganz in der Bourgeoisie murzeln und absolut auf dem Boden der privaten Eigentums- und Wirtschaftsordnung stehen, verteidigen leidenschaftlich die öffentliche Wirtschaft gegen unberech tigte Angriffe. Eine große Anzahl ausgesprochen redyts gerichteter Bürgermeister sowie einzelne weitblidende Kommunalpolitiker der Mittelparteien, politisch Gegner der Sozialbemotratie, finden sich in der praktischen Arbeit für die öffentliche Wirtschaft mit uns zusammen. So wenig mun verkannt werden darf, daß auch heute noch bei manchen Förderern der öffentlichen Wirtschaft das Streben eine Rolle spielt, ihren persönlichen Machbereich bzw. den Einflußfreis der ihnen unterstellten Refforts zu erweitern, so kann man doch feinesfalls behaupten, daß dies bei den Anhängern der öffentlichen Wirtschaft außerhalb unserer Reihen das vorherrschende Motiv ist. Diese Menschen und diese Gruppen haben sich vielmehr und das ist die einzige mögliche Erklärung vor der Tatsachenwelt der öffentlichen Wirtschaft gebeugt, sie haben den bei ihnen durchaus verständlichen inneren Widerstand und das Mißtrauen, die fie ursprünglich gegenüber der öffentlichen Wirtschaft hegten, aufgegeben, weil ihnen in der praktischen Arbeit die eminente gesamt: gegeben, meil ihnen in der praktischen Arbeit die eminente gesamt wirtschaftliche und soziale Bedeutung der öffentlichen Wirtschaft im heutigen Deutschland aufgegangen ist. Die öffentliche Industrie- und Berkehrswirtschaft. Ein paar eindrucksvolle Zahlen über den Umfang der öffentlichen Wirtschaft in Deutschland hat der Duisburger Oberbürgermeister Dr. Jarres auf der Städtetagung gegeben. Er hat ben derzeitigen Wert kommunaler Betriebsvermögen auf rund 8 Milliarden geschätzt. Das Gesamtvermögen der öffentlichen Hand ist in einer früheren Schäzung auf 52 Milliarden oder etwa ein Fünftel des Boltsvermögens, der Gesamtumsatz der öffentlichen Unternehmungen, Reichsbahn und Reichspoſt eingefchloffen, für 1925 auf 10 milliarden geschätzt worden. Seitdem dürften sich sowohl das Anlagevermögen wie der Umsatz der öffentlichen Wirtschaft nicht unbeträchtlich erhöht haben. Für die Gesamtzahl der in der öffentlichen Wirtschaft Beschäftigten gab Dr. Jarres eine Ziffer von 1,5 millionen an ,. die uns allerdings, sofern Reichsbahn und Reichspost einbegriffen find( zurzeit allein 1,1 Million Beschäftigte), erheblich zu niedrig gegriffen scheint. Ein paar Angaben sollen die Bedeutung und Einfluß der öffentlichen Wirtschaft im einzelnen beispielmäßig zeigen. Auf induStriellem Gebiete beherrscht das Reich fast vollkommen die Aluminiumproduktion und hat neuerdings auch durch die Ausbehmung der Stahl- und Walzwerksanlagen der Deutschen Werke und durch den Erwerb der Hälfte der Aktien der Rheinmetall 2.-G. eine gewiffe, wenn auch noch immer recht bescheidene Stellung im Rahmen der Großeisenindustrie( ungefähr 5 Broz. der deutschen Stabeisenproduktion) gewonnen. Im Steinfohlen-, Kalibergbau, neuerdings auch im Brauntohlenbergbau zur Sicherung von Kraftquellen zur Energieerzeugung haben die staatlichen Gesellschaften teils die alten Positionen ausgebaut, teils Bedeutsame Neuerwerbungen vorgenommen. Die Führung der Energiewirtschaft liegt heute bereits bei den öffentlichen Körperschaften. Die fünf größten staatlichen Landesversorgungsunternehmungen die Elektro- Werte, die Breag, die Sächsischen Werke, das Bayern- Werk und das Baden- Werk hatten bei einem Attienkapital von 800 Millionen Mart im vergangenen Jahre eine Stromabgabe von 4,2 Milliarden Kilowattstunden, das sind mehr als 25 Broz. der gesamten Stromabgabe der öffentlichen ElektriBitätswerke. Rund 85 Broz. der gesamten Basserabgabe entfallen auf kommunale Wassermerte und fast 50 Proz. der Stromerzeugung entfällt auf die fommunale Elektrizitätswirtschaft. Die Abgabe von Communalem Gas mertsgas befrug im Jahre 1927 rund 81 Bros. der Gesamtausgabe, einschl. der gemischtwirtschaftlichen Werke mehr als 92 Proz. Von insgesamt 259 Straßenbahn betrieben der Städte mit mehr als 20 000 Einwohnern befanden sich nur noch 29, zumeist fleineren Umfangs, in reinem Privatbefiß. Die Klein bahnen befinden sich zu rund ein Drittel in direktem kommunalen Besiz. Im Hafen und Lagerhausbetrieb ist ein ständiges Bordringen fommunaler Berkehrsbetätigung festzustellen; so befinden sich zum Beispiel von den 35 größeren deutschen. Rheinhäfen allein 25 in fommunalem Besitz. U So find zum Beispiel die Reichsbahn und einzelne Unternehmungen des Reichskonzerns der Biag so überragend von pri vatem Industries, Bant- bzw. Elektrofapital beeinflußt, daß fie fich in ihrer Wirtschaftsführung überwiegend von privatwirtschaftlichen Gesichtspunkten leiten lassen. Auch die preußischen Berg merfsgesellschaften haben sich unseres Erachtens in ihrer Breispolitik, Lohnpolitik und hinsichtlich der Publizitätsgewohnheiten allzu start an die Wirtschaftsauffaffung des prinaten Bechenfapitals affimiliert. Auf der anderen Seite darf nicht verfannt werden, daß mir auch bei staatlichen Unternehmungen, wie etwa bei der Breu Bifchen Elettrizitätsgesellschaft, bei den Sächsischen Werfen und den anderen staatlichen Betrieben des Freistaates Sachsen, die in ihrer Entstehung und ihrem Ausbau zum Teil non der fächsischen Landesstelle für Gemeinwirtschaft beeinflußt wurden, auf weitschauende gemeinwirtschaftliche Einstellung treffent. Aber am sichtbarsten und ausgeprägtesten ist diese jedoch in der Rommunalwirtschaft. Auf diese kommunale Wirtschaft trifft wirklich die Charakterisierung zu, die in einer foeben erschienenen miffenschaftlichen Preisarbeit von der öffentlichen Wirtschaft im allge meinen gegeben murde: Die privaten und meist auch die gemischtmirtschaftlichen Internehmungen verfolgen Gewinnabsichten, find von privatwirt ichaftlichen Rentabilitätsrücksichten beherrscht und verfolgen das Ziel, bei hohen Preisen Erträge oder Renten in privatmirtschaftlichem Sinne abzuwerfen. Die öffentlichen lluternehmungen dagegen fönnen wohl der Form nach Erwerbsgebilde sein und auf Ertrag aufgebaut fein, fie find aber dem Wesen nach Veranstaltungen zur Bedarfsdedung unter Verzicht auf eine privatwirtschaftliche Rente und verfolgen das Ziel, bei niedrigen Preisen eine reichere Berforgung herbeizuführen und dadurch der Gemeinwirtschaft zu dienen. Es steht also der Dienst mille dem Rentenwillen gegen über. Eben weil in der Kommunalwirtschaft am deutlichsten ein neues Wirtschaftsprinzip und eine neue Wirtschaftsgesinnung zum Ausdrud fommen, wendet sich der Hauptangriff des Großfapitals gegen die Kommunalwirtschaft. Die Stellungnahme der Privatmirtschaft zur Birtschaftsbetätigung der öffentlichen Rörperschaften, insbesondere Das Börsenchaos in New York. In Deutschland wachsende Geldflüffigkeit.- Folgen für Wirtschaft und Banken. Noch liegen aus New York Leine Meldungen darüber vor, ob dem schwarzen Donnerstag noch ein schwarzer Freitag gefolgt ist. Folgender Bericht ergänzt aber den Eindrud tollster Aufregung und Berwirrung, den die bisherigen Meldungen über die Wirkungen des New- Yorker Börsenfrachs schon hervorgerufen haben. Die Gegend um Wall Street, heißt es da, wurde in der Nacht von Donnerstag auf Freitag ein Bild äußerster Geschäftstätigkeit. llngefähr 50.000 Angestellte Don Börsenfirment arbeiteten die Nacht hindurch, um bis zum Beginn der Freitagbörse einigermaßen Ordnung in die Geschäftsabschlüsse zu bringen. Die ältesten Besucher der New- Yorker Börse vermögen fich feines Tages zu erinnern, der ein solches Gedränge im Börsengebiet mit sich brachte wie der Donnerstag. Für Freitag hat die Bolizei umfassende Maßnahmen getroffen, da bei Fortsetzung der Berkaufsbewegung Ruhe störungen erwartet werden und sich bereits am Donnerstag zahlreiche Elemente bemerkbar gemacht haben, die inmitten der nervösen Massen im Trüben zu fischen versuchten. Man wird gewiß die Börsenvorgänge in New Yorf meitgehend auf den Hauffetaumel zurückführen müssen, der fast durch Jahre hindurch das gesamte Finanzgeschäft in den Vereinigten Staaten beherrscht hat. Weil auf der anderen Seite die amerikanische Induſtrie gleichzeitig eine glänzende Konjunktur, die amerikanische Finanz glänzende Spekulationsgewinne hatte, ist nicht ohne weiteres eine tiefgreifende Rückwirkung auf das ameritanische Wirtschaftsleben durch den Börsentrach zu erwarten. Frei lich wäre ein Rückschlag in der amerikanischen Konjunktur auch für die gesamte Weltkonjunktur von den weittragendsten Folgen. Die Stimmen mehren sich aber, die eine internationale Finanzfrisis Die wachsende Bedeutung der öffentlichen Bankinstitute im Anschluß an die New- Yorker Börsenverluste für möglich halten. im Rahmen der gesamten Kreditwirtschaft geht daraus hervor, daß Wir haben selbst schon gesagt, daß man die Beunruhigung der euroEnde 1927 die Bilanzsumme aller öffentlichen Bant- päischen Kapitalmärkte und die sich häufenden Zusammenbrüche in institute bereits 12,7 milliarden gegenüber 16,1 Mit Europa faum außer Zusammenhang mit den großen New- Yorker liarden sämtlicher privaten Kreditbanken betrug, also nur u m Börsenereignissen betrachten darf. 20 Proz. hinter der Bilanzsumme der privaten Kreditbanken zurückstand, ferner daraus, daß die Sparbildung, die bei den Spartassen erfolgt, etwa ein Biertel der gesamten deutschen Sparbildung ausmacht. Die Fortschritte im Woh nungsbau sind in erster Reihe der Förderung durch die Komminen zu verdanken. Rund 91 Proz. aller in der Nachkriegszeit erstellten Wohnungen find nach Angaben, die gleichfalls von Dr. Jarres gemacht murden, mit Hilfe städtischer Wohnbaumittel finanziert worden. Die kommunalen Werke ergaben im Jahre 1925 einen Reftoüberschuß von 317 Millionen, deften damit 8,2 Proz. des kommunalen Zuschußbedarfes. Diese hohen Erträge fonnten danf der ausgezeichneten Betriebs: Diese hohen Erträge fonnten danf der ausgezeichneten Betriebs führung herausgewirtschaftet werden und dabei fonnten die Werks tarife nicht unerheblich unter dem Niveau der von den privaten Werken berechneten Tarife gehalten werden. Seit 1925 find die Erträgnisse der Betriebe hauptsächlich durch weitere Rationalisierung noch weiter ganz erheblich gesteigert worden( nach Erhebungen für 42 größere Städte nahezu verdoppelt), so daß die Städte mit über 200 000 Einwohnern wieder nach Angaben von Dr. Jarres im Jahre 1928 in ihren Betrieben Ueberschüsse in Höhe Don fast 20 Bro3. erzielen konnten. Mit diesen nüchternen Angaben sollte ein Bild von der Mannig faltigkeit, dem Umfang und der eminenten sozialen Bedeutung, die die öffentliche Wirtschaft in Deutschland gewonnen hat, gegeben merden. Kun treffen wir durchaus nicht gleichmäßig bei allen Unternehmungen der öffentlichen Hand auf eine Wirtschaftsführung und Wirtschaftsgefinnung, die der gemeinwirtschaftlichen Zielfehang der öffentlichen Wirtschaft entspricht. Die nächste Birtung in Europa ist aber, wie schon in New Yort auch, neben der Besserung der Märtte für festverzinsliche Anleihen eine allgemeine Geldverflüssigung und Geldverbilligung, die auch als Antriebskraft für eine innere Befferung der Wirtschaftssituation in Deutschland wirken kann. Der Wochenausweis der Reichsbant zum 23. Oktober läßt eine sehr geringe Inanspruchnahme der deutschen Zentralbant erkennen. Die Wechselbestände haben nach einem Rüdgang um 100,9 Millionen auf 1981,5 Millionen einen seit langem nicht mehr erreichten niedrigen Stand. Die fremden Gelder auf Girokonto zeigen gegen die Borwoche eine Zunahme um faft 25 Broz. Der Umlauf an Reichsbanknoten ist mit 4,11 Milliarden felten niedrig. Demgegenüber find die Goldbestände nach einer Bermehrung um 7,1 Millionen auf 2219 Millionen und die Deckungsdenisen nach einer Bermehrung um 1,6 Millionen auf 353,9 millionen sehr hoch. Die umlaufenden Roten find durch Gold allein in der britten Oftoberwoche mit 54 Broz, durch Gold und Deckungsbevisen zu fammen mit 62,6 Broz. rekordmäßig überbedt. Die Entmidung in New York fann zu einer Distontermäßigung führen. Da auch London jetzt sehr erleichtert ist, tritt eine Diskont armäßigung für die Reichsbank wieder in den Bereich der Möglichkeit. Dies in Berbindung mit den ver befferten Anleihebedingungen im Ausland und im Inland fann für die weitere Wirtschaftsentwicklung in Deutschland fich günstig aus mirfen. Wie weit die deutschen Banken diese Entwicklung fördern fönnen, hängt von den Verlusten ab, die sie und ihre Kundschaft erleiden merden. Ende September hatte sich die Geldflüssigkeit bei den deutschen Banten noch der von der Reichshant veröffentlichten St tist if wieder vermehrt. Bei den Berliner Großbanken waren gegenüber Ende Auguft die fremden Gelder insgesamt von der Kommunen, ist nun verschieden. Die primitivfte An schauung, die öffentlichen Körperschaften sollten nur die Zuschuß betriebe übernehmen und alle Erwerbsunternehmungen der Privat wirtschaft überlassen, wird heute ernsthaft faum noch vertreten. Die Resolution der Spizenverbände der Wirtschaft von 1926 verlangte Berzicht der öffentlichen Wirtschaft auf ein weiteres Borbringen und Aufgabe derjenigen Wirtschaftsbetätigung, bei der die öffentliche Wirtschaft unmittelbar in Konfurrenz mit privaten Firmen tritt. Nicht ganz so weitgehend, aber noch immer sehr start einschränkend, mar die Forderung, die vor der deutschen Gruppe der Internationalen Handelskammer Geheimrat Brecht auf der Amsterdamer Tagung stellte: ,, Mit einem großen Teil der vorhandenen Wirtschaftsbetäti gung der öffentlichen Hand fönne sich die Privatwirtschaft unter gewissen Boraussegumgen( steuerliche und sonstige Gleichstellung. D. Red.) abfinden, aber die Tendenz, die wirtschaftliche Betäti gung der öffentlichen Hand über das wirtschaftshistorisch und durch das wirkliche Staatsinteresse gegebene Maß noch weiter auszudehnen, muß grundfäßlich bekämpft werden." Maffenbedarf muß öffentlich gededt werden. Es tann fein Zweifel darüber bestehen, daß für die Arbeiter fchaft im voltswirtschaftlichen Interesse auch diese Einengung politisch und sozial un annehmbar ist. Wir können aber auch teine Stellungnahme afzeptieren, wie sie von bürgerlichen Kom munalpolitikern häufig geäußert wird, daß das Arbeitsgebiet zwischen öffentlicher und privater Wirtschaft grundsäglich oder auf empirischem Bege aufgeteilt werden soll. Hier scheidet fich der Weg des Sozialisten von dem des bürgerlichen Kommunalpolitikers, mit dem er in vielen Fragen sachlich ausgezeichnet zusammenarbeiten wird. Grenzen zwischen privater und öffentlicher Wirtschaft lassen sich von vornherein nicht absteden; überall dort, wo es das Lebensinteresse der Massen verlangt, wird der Sozialist danach streben, den Maffenbedarf auf tollektivem Wege zu decken. Es wird sein Ziel sein ,. mit der wachsenden politischen Macht der Arbeiterklasse das Feld der öffentlichen Wirtschaft auszudehnen und diese mit einem neuen, gemeinwirtschaftlichen Geifte zu erfüllen. K. Mn. 10,54 Milliarden auf 10,82 milliarden erhöht. Die Berwendung dieser Gelder erfolgte überwiegend für Wirtschaftszmede. Die Wechselbestände stiegen von 2,55 Milliarden auf 2,65 Milliarden, die auf lagernde und schwimmende Waren gewährten Vorschüsse Don 1,62 Milliarden auf 1,68 Milliarden, die laufend gewährten Kredite von 5,14 Milliarden auf 5,23 Milliarden. Nur die für Börjenzwede gewährten Kredite, zeigten einen Rüdgang, und zwar von 657 Millionen auf 643 Millionen Mark. Es ist mit Sicherheit zu erwarten, daß die gegenwärtige Flucht aus der amerikanischen Spefulation viel Geld nach Europa und damit auch in die deutschen Banken zurücführen wird. Freilich ist noch sehr ungewiß, ob die New- Yorker Vorgänge nicht auch bei den deutschen Banten unangenehme Bir fungen hinterlassen und damit die volkswirtschaftlich günstige Wire fung der Geldverflüssigung einschränken werden. Emelfa und Phöbus. Die Münchener Lichtspielkunst A.-G.( Emella) und die höbusFilm- A.- G., die Theatergesellschaft der Emelfa, haben ihre Generalversammlungen abgehalten, in denen die Abschlüsse für 1928, bei der Phöbus auch für frühere Jahre, genehmigt wurden. Die PhöbusFilm- 2.- G. wird umgetauft und heißt in Zukunft„ EmelkaTheater- 2.- G." In den Aufsichtsrat der beiden Gesellschaften find mehrere Vertreter des Reiches eingetreten, die entsprechend der Reichsbeteiligung bei der Emelta ind der alten Phobus die Kontrolle ausüben follen. Textilfabriken als Händler. Das Schicksal des Berliner Gimon- Konzern. Die persönlichen und geschäftlichen Ereignisse bei Gebr. Simon, Berlin, einem der größten deutschen Textilhandelshäuser, find noch in frischer Erinerung. Wie die Textilwoche" jetzt über das fünftige Schicksal dieser Firma erfährt, ist die Liquidation der alten Firma beschlossen worden. Dafür soll unter Beteiligung der Disconto- Gesellschaft und einer Anzahl deutscher und elsässischer Zegtilfabriken eine neue Gesellschaft Gebr. Simon- Tertil 2.-G. mit 6 Mill. Mt. Rapital gegründet werden. Die beteiligten Tertilfabriken werden also Attionäre der neuen Handelsfirma, so daß die neue Gebr. Simon Werkhandelsfirma geworden ist. ihre Unabhängigfeit endgültig verloren hat und eine Mittagsblattes über ein Zigarettenmonopol wird mitgeteilt, daß im Sein Zigarettenmonopol. Zu der Nachricht eines Berliner Reichsfinanzministerium über einen Referentenentwurf für ein 3igarettenmonopol nichts bekannt ist. Der Großbetrieb ist das Zentrum der Krise der Landwirtschaft. Das zeigt wieder die lehte Veröffentlichung der preußischen Statistischen Korrespondenz über die 3wangsversteigerun gen im Jahre 1928. Gegenüber 1913 hat sich insgesamt die Bahl der landwirtschaftlichen Zwangsversteigerungen in Preußen Don 504 a 755 erhöht. Dabei hat sich die Zahl der 3mangsver steigerungen bei Gütern non über 200 ettar, also ausge prochener Großgüter, fast perfünffacht, während bei den Betriebsgrößen bis fünf Heftar feine Bermehrung, bei Betriebs. größen von 5 bis 100 bzw. 200 Hektar nur eine Berdoppelung bis gejamt gegenüber 1913 von 13 165 Hettar auf 39 241 Heftar perBerbreifachung eintrat. Die zwangsversteigerte Fläche hat sich ins. mehrt, wobei allein die zwangsversteigerte Fläche der Betriebe über 100 Heftar von 8111 auf 27 821 Heftar geftiegen ist. fordert von der Stadtverordnetenversammlung die Zustimmung zu 33- Milionen- Anleihe für Breslau. Der Magistrat von Breslau einer Anleihe von 33 Millionen Mart, die im Inland oder Ausland aufgenommen werden soll. Ihr Erlös foll zur Abdeckung emnes 3mischentredits von 15 Millionen und zur Finanzierung be reits beschlossener Bauvorhaben dienen. Amerifanische Flugzeugaufträge. Das amerikanische Kriegsministerium hat einen Auftrag für den Bau von 66 Flugzeugen und 72 Flugzeugmaschinen im Werte von 1600 000 Dollar vergeben. Nr. 50346. Jahrgang Parteinachrichten Einfendungen für diese Rubrik sind Berlin E 68, Lindenstraße 3, 2. Beilage des Vorwärts comesend, 26. Oftober für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat 2. Hof, 2 Treppen rechts, zu richten 7. Areis Charlattenburg und Spondon. Juristische Specchitunde heute, Connabend, 26. Ottoher, von 17-18 Uhr, im Jugendheut Rosinenftr. 4. Gc legenheit, zum Rizchenazstzitt! 8. Kreis Wilmershorf. Sonntag, 27. Ditaber, um 18 Uhr, im Bittoriagarten, Bilbelwsone 114-115, Sausangestellterball. Alle Genoffen werden gebeten, fich recht zahlreich baran zu beteiligen, 13. Kreis Tempelhof. Alle Geroffen mit ihren Angehörigen merben gebeien, am Sonntag. 27. Oftober, bas Konzert der Gesangsgemeinschaft Vortschor Tempelhof Mariendorf im Parkreftaurant in Cubende recht sahíreich a besuchen. Beginn pünktlich 18 Uhr. 33. Abt. Heute, Sonnabend, 26. Offober. Die Bezirksführer ho'en die Eintrittstarten heute vom Saffierer, Genossen Vaul Ben, in der Zeit von 15-19 Uhr baw. morgen, Gonntag, 27. Oktober, von 10 Uhr ab. Eventuell Bertreter schicken. 39. Aht. Adtung. Bezirksführer! Der Rest der Flugblätter ist heute von 15-17 Uhr aus der Lindenstr. 3, 3. Sof. Expedition, abzuholen, 82. st. Steglik. Ne Neuanmeldungen find umgehend den Bezirksfaffierern und von diesen an den Saupikasjerer, Friz Jändke, Zimmermannfte, 17. Gartenhaus. abzuliefern. Bis zum 28. Oftober muß der Abteilungsleiter im Befize der nachl der Neuaufnahmen sein. Lichtenberg. 115. t. 19 Uhr bei Eeipfe, Rronpringen str. 47, gemüfliches Beifammensein mit den Rameraben bes Reichsbanners, Traneplak. Genossen sind berslicht eingeladen. 116. Abt. Ab 17 Uhr im Lokal Morr, Reue Bahnhofstr. 28, michtige Flugblattverbreitung. 120. st. Frichrichsfelbe. In Zemvels Feftiaal Stiftungsfeft. Reichbaltiges Brogramm. Tan, bis früh 5 Uhr. Eintritt 1 R., einschließ lich Zanz unb Stener. Gäfte find herzlichst willtommen. Sie Petershagen. 20 Uhr öffentliche Wöhlerneriammlung im Forsthaus, Bellevue ftraße. Bortrag des Genoiſen Stadtrat Fischer- Strausberg über die bevorstehenden Wahlen. Freie Ausspreche. Morgen, Sonntag, 27. Oktober. Eichmalbe. 9 Uhr vom Lofal Zindner, Bahnhofftr. 12, aus michtige Flugblattverbreitung. Jedes Barteimitglied hat sich zu beteiligen. 21. Abt. Frauenveranstaltung. Conniag, 27. Oktober, vormittags, Besichtigung der kommunalen Einrichtungen des Bezirts Bedding, unter Führung des Genossen Stadtrat Rulisch. Treffpunkt pünktlich 9 Uhr am Jugendheim See- Ede Turiner Etraße. Auch Genossen können fich an der Führung beteiligen. Jungjozialisten. Gruppe Wedding- Gesundbrunnen: Morgen, Gonntag, 27, Oktober, Landagitationsfahrt nach Aremmen. Erscheinen aller ist Pflicht. Die Arbeilerjugend beteiligt sich daran. Treffpunkt pünktlich 84 Uhr Bahnhof Gefund brunnen, Eingang Badstraße. Gruppe Reukölln: Morgen, Sonntag, 27. Oftober, Fahrt. Treffpunkt 7 Uhr Ringbahnhof Neukölln. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß- Berlin. Gruppe Auguft Bebel, Note Follen: Am Conntag Treffpunkt zur Fahri nach Fallenfee 7 Uhr Bahnhof Butlikitraße. 60 Bf. Fahrgeld mitbringen. Jungfalten: Ebenfalls am Sonntag Fahrt nach Finkentrug- Briefelang. Bir treffen uns um 8% Uhr Rleiner Tiergarten( Denkmal). 50 Bf. Fahrgeld mit. bringen. 17. Rreis Lichtenberg: Sonnabend, 26. Oftober, 19 Uhr, ElternverfammTung der Gruppe Neu- Lichtenberg im Jugendheim Hauffstraße. Kreis Prenzlauer Berg: Achtung! Der Kreissingeabend fällt heute, Sonnabend, aus. Die Rinder aller Gruppen treffen fich dafür pünktlich 15% Uhr nor dem Bezirksamt. Die Sunde- und Safenfahrt findet am Sonntag, 3. Nonember, ftatt. I Oeffentliche Wählerkundgebungen Morgen, Sonntag, den 27. Oftober: Charlottenburg. 3wei öffentliche Wählerversammlungen. 1. Bormittags 10 Uhr im Lokal Zum Nußbaum", Sonnabend, 1929 Warschauer Biertel, Rote Fallen: Schulaula Friebenstr. 31, Beginn 20 Uhr, Werbefeier. Mufif, Resitationen, Festrede, Lieder zur Laute, Aufführung: Der Weltverbefferer" u. a. m. Werbebezirt Dien: Deffentliche Sungwählerfundgebung am Montag. 28. Oftober, 19 Uhr, in Echmidts Gesellschaftshaus, Fruchtstr. 363. Bie muk die Stellung der Jungwähler zur Kommunalwahl fein?" Etadtverordneter Bruno Theck, Ludwig Diederich. Es sprechen: Inhaber Last, Straße 12, 2m Berbindungskanal. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Referent: Stadtrat Karrer. 2. Bormittags 10 11hr im Lokal zur Olympiarennbahn", Inhaber Brettschneider, Königsdamm. Referent: Walter Reinhold. Tagesordnung in beiden Versammlungen:..Der Kampf um die Kommune und die Kleingärtner." Wählerinnen und Wähler, erscheint in Massen! Geburtstage, Jubiläen usw. 92. Abt. Neukölln. Unser Jangjähriger Parteigenoffe und Bezirtsführer Robert Jenaste und Frau, Berthelsbarfer Str. 13, feiern am 26. Dito, ber bas eft der filbernen Sodzeit. Bir gratulieren beralicht und wünschen ihnen weiterhin Gesundheit und Wohlergehen. -111. Abt. Bohnsdorf. Unserem alten braven Genoffen und Reichsbanner fameraden Sermann achter und feiner Ehefrau zur Silberhochzeit die herzlichsten Elückwünsche. 124. bt. Mabisborf. Unserem alten Freund und Rampfgenosen Wilhelm Kurz, Sönower Str. 177, au seinem 78. Geburtstage die herz. lichsten Glückwünsche. SH SEJ Sozialistische Arbeiterjugend Gr.- Berlin Einsendungen für diese Rubrif nur en bas Jugendfefretariat Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Singfreis! Erste Zusammenkunft am Montag, 28. Ottober, 19% Uhr, int Jugendheim Lindenstr. 4, vorn 1 Tr. Alle bisherigen Mitglieder müssen ecicheinen! Genosfinnen und Genossen, die dem Gingfreis" beitreten wollen, fönnen ebenfalls fommen. Deffentlice Wahlfundgebung der Arbeitersportler am Donnerstag, bent 31. Ottober, 19% Uhr, im großen Gaal des Lehrervereinshauses, Alexanderpiak. Bundesfestfilm von Nürnberg, Vortrag des Stadtverordneten Gen, Kreuziger. Eintritt frei. Berichtsbogen stehen noch immer aus und müssen sofort eingesandt werden! Heute, Sonnabend. Schönhauser Vorftadt: Treffpunkt zur B.- B.- Mitgliederversammlung um 19 Uhr Bhf. Schönhauser Allee. Werbebegir! Mitte: Seim Elifabethkirchstr. 19: W.- B.- Borftandsfkung. Berbebezir! Prenzlauer Berg: Seim Danziger Str. 62: 8.- B.- Mitglieder persammlung mit Vortrag Der Kampf um die Rommune". Otto Fauft. Die Abteilungen beteiligen fich geschlossen. Mitgliedsbücher find Referent Genosse mitzubringen. Parteigenoffinnen und genossen find freundlichft eingeladen. Morgen, Sonntag. Rottbuffer Zor: Fahrt. Treffpunkt 7 Uhr Roitbuffer Tor. Werbebezirk Wedding: Alle älteren Genoffiunen und Genossen beteiligen sich an der Werbefahrt der Jungfozialisten nach Rremmen. Treffpunkt 8. Uhr Bhf. Gesundbrunnen. Tas Seim im Lebigenheim Schönstedtstr. 1 ist wieder jeden Sonntag von 18-22 Uhr geöffnet. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin S. 14. Ecbaftianstr. 37/38, Sof 2 t, Sonnabend, 26. Oftaber. Neufölla- Briz: 19 Uhr Bffichtantreten Endhaltestelle Rudow. Marsch nach Schönefeld. Ruberriege: 191 bis 21 Uhr Saftenridern in den Ruderanlagen der Berliner Turner. fchaft, Strafau, Tunnelstr. 4. Anschließend Fahrt zum DWB.- Bergnügen. Sonntag, 27. Diteber. Wedding( Ortsverein)): Antreten 7½ Uhr bei Simann zur Autofahrt nach Sennigsdorf- Schwante. Meldungen durch die Bloc Teiter. Fahrpreis 1 M. Friedrichshain: 13% Uhr Antreten fämtlicher attinen Stameraden und das Junakannet mit ufit und Fahnen auf den Rameradfdaftsfammelpläten. Pflichtveranstaltung. Charlottenburg: Autofahrt nach Nauen. Abfahrt 7 Uhr Edenpalaft. Kameradschaft Eptee: Ecalfchuk zur EPD. Bersammlung im Restaurant Rum Mußbaum", Blökenfee, Straße 12, 10 Uhr. Kameradschaften Pathaus und Poo: Ecalschut SPD.- Rundgebung, Lotal ur Oinmpia- Rennbahn", Königsdamm, 10 Uhr. Kreis Süben: Orts pereine Kreuzberg. Tempelhof, Neukölln, Treptow stehen 13% Uhr moridi bereit auf dem Laufiker Blat. Tempelhof( Ortsverein): Pflichtantreten 121 Uhr Bhf. Tempelhof zum Aufmarsch des Kreises Eiden. Rentöln- Brik: 15 Uhr Pflichtantreten Laufiker Blak zum Marsch durch den Bezirk Kreuzberg. Lichtenberg: Die gesamte Jungmannschaft pünktlicy 8 1hr Bhf. Friedrichs felde. Wanderfahrt nach Tiefensee- Strausberg. Banderkleidung. Tagesproviant mitnehmen. Reinidendorf- West: Statt 6% Uhr erft 71 Uhr n. treten Verkehrs! otal sue Autowerbefahrt nach Osthanelland. Fahrt foftenios. Bilichtveranstaltung. Ruberriege: Bootshaus- Uebungsfahrten und Sandball. Spiele. Sanitätsabteilung: Antreten sämtlicher dienstfreien Sanitätskameraden 9 Uhr hf. Seerstraße. Reinidendorf( Kameradschaft): Bflichtfahrt nach Dit. havelland. Antreten 6% Uhr Echarnweber. Ede Eichbornstraße. Fahrt frei. Reiner darf fehlen. Freireligiöse Gemeinde. Eonntag, 11 Uhr, Tappclallee 15, Bartrag der Frau Maria Krische: Ehe und Familie im Tierleben". Harmonium: Nocturno aus Martha"( Flotor). Gäste millkommen. Republikanische Rednervereinigung. Montag, 20 Uhr, Bortragsabend mit Diskussion im Alten Askanier". Anhaltstr. 11. Es spricht Fri. Joffe über Aufhebung des§ 175". Gäste willkommen. Deutsche Gesellschaft für Bilzkunde. Pilzerturfionen finden ftatt: Gonne tag, 27. Oftober: Bon Midendorf über die Lienewißfeen bis Saputh. Ab fahrt: Charlottenburg 9.20, an Michendorf 10.05. Führung: Studienrat Sennig. 3. November: In den Wildpark. Abfahrt Potsdamer Fernbahnhof 9.25, an Wildpark 10.06. Führung: Studienrat Schäffer. 10. Roventber: Nach Rüdersdorf. Abfahrt: Friedrichstraße 8.29, an Friedrichshagen 9.03. Bon dort mit der Elektrischen Bahn bis Ralfberge( Rirche). Gäste milffommen. Die Führungen sind kostenfrei. Esperanto- Gesellschaft Charlottenburg. Montag, 28. Oktober, 20 Uhr, Ro ditorei Wolter, Charlottenburg, Bismardite. 114( Rnie), Klubzimmer, Uebungs. und Konversationsabend. Der Junge Chor, Berlin. Am Sonntag, 27. Oftober, fingen wir in der Seilstätte am Grabowfee. Wir fahren mit der Zuge 8.02 ab Stettiner Bahnhof bis Lehnik. Recht zahlreiche Beteiligung erwünscht. Arbeiter Abftinerten- Bund, Gruppe Kreuzberg: Connabend, 26. Oktober, 20 Uhr, Schule Bergmannstr. 63, Vortrag des Genossen Dr. med. Bornstein: ,, Sngienische Tagesfragen" mit Fragenbeantwortung. Welterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle Berlin und Umgegend ( Nachdr. verb). Wollig, vereinzelt Regen, etwas fühler. Für Deutschland: Im Besten Aufbeiterung mit Nachtfrostgefahr, in Mitteldeutschland wollig, stellenweise Regen, im Dsten Bewöltungszunahme. Etwas über Seiferkeit und Sustenqual. Es ist in der Tat fo: Bei Suften. qual hilft Dr. C. Colbáns Em- eu- tal"! Biel tausendmal murde das feft. gestellt. Wenn Sie des vorzügliche Präparat noch nicht tennen sollten, 10 gehen Sie, bitte, in die nächste Apotheke oder Drogerie, Sie werden es dort unt wenige Pfennige laufen können. ** Wir Vir wissen's! Den Mantel, der nach 100 Mark und mehr aussieht und doch nur 80 Mark kostet, begehrt jeder. Das sind unsere Mäntel, die dem Bestreben entspringen, Ihnen ↓ immer höheren Wert für Immer weniger Geld zu bieten. Hier zeigen wir Ihnen zwei Mäntel zum Preise von 59 Mark. Mäntel, deren Wert jeder ohne weiteres nach Stoff, Verarbeitung und Sitz auf 80 Mark und mehr schätzen würde. Machen Sie doch einmal die Probe auf's Exempel und lassen Sie sich bei uns einen solchen Mantel zeigen. Es geschieht ohne auch nur die geringste Verpflichtung Ihrerseits. Aber je genauer Sie ihn prüfen, umso lieber werden Sie ihn für sich haben wollen. Wenn Sie Ihren neuen Wintermantel wirklich preiswert kaufen wollen, dann Der elegante hochmoderne Paletot mit Samtkragen. 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Dem Bericht der Kommissionsmehrheit lag eine Minderheitenbemertung der Unternehmergruppe bei, in der die im Mehrheits bericht verlangte Befragung der Regierungen aus juristischen, tedy nischen und wirtschaftlichen Gründen abgelehnt wurde, da juristisch im Teil 13 des Friedensvertrages nur vom Achtffundentag in der Industrie, aber nicht von der Schiffahrt die Rede sei, und daß eine internationale Regelung der Arbeitszeit des See. fchiffahrtspersonals eine technische Unmöglichkeit und mirtschaftlich untragbar sei. Da diese Bemerkungen dem Merkblatt an die Regierungen beigegeben wurden, gaben die Arbeitnehmer eine Gegen ertlärung ab, die die Einwände der Arbeitgeber widerlegt. Auch diese Erklärung wird den Regierungen zugeleitet. Das Mert blatt murbe mit 71 Regierungs- und Arbeitnehmerstimmen gegen 20 Unternehmer, die llebernahme auf die Tagesordnung mit 76 gegen 4942986 Mitglieder im ADGB. Nach der Statistit des Allgemeinen Deutschen Gewerkschafts. bundes über die Mitgliederbewegung hatten die ihm angefchloffenen 35 Verbände am Ende des zweiten Vierteljahrs 1929 zufammen 4942 986 Mitglieder. Die Mitgliederzahl befrug Ende 1928 4 866 926 und am 31. März diefes Jahres 4 878 235. 3m ersten Halbjahr 1929 hat sich also die Mitgliederzahl um 76060 vermehrt. Abwehr der Buchdrucker. Bier fommunistische Drahtzieher ausgeschlossen. Im Buchdrudgemerbe entfalten die Kommunisten in der # 17 Stimmen angenommen. Die deutschen Reeder ftimunten jedesmal mit den übrigen Unternehmern dagegen. Die Debatte ftand mehr im 3eidhen bes Endzieles als des gegenwärtigen Stadiums der Vorarbeit. Nur einige Regierungs. pertreter, darunter England, pichen der Frage, was man schließ lich erreichen molle, aus. Die Unternehmer mußten sich vom Bericht erstatter ber Kommiffion leichtfertige und irrige Auslegungen der Achtffundentag- Artikel des Friedensvertrages nachweisen lassen. Daß der Achtstundentag wirtschaftlich tragbar sei, legte der franzöfifche Regierungsvertreter auf Grund der Erfahrungen Frankreichs, das seit 1919 den Achtstundentag gefehlich in der Handelsmarine eingeführt habe, überzeugend dar. Auch in Deutschland existiert die Handelsmarine meiter, trotzdem von 52 000 Seeleuten höchstens 8000 auf Schiffen fahren, für die der Achtstundentag nicht vorgeschrieben ist, eine Tatsache, die der deutsche Reedervertreter mit feinem Worte abwehrte. Die Reeder lehnten jede Arbeitszeitregelung und namentlich den Acht stundentag für die Seeschiffahrt ab, die Arbeitnehmer betonten demgegenüber, daß das Ziel der begonnenen Arbeit eine Arbeitszeitregelung durch ein internationales Abkommen Arbeit eine Arbeitszeitregelung durch ein internationales Abkommen auf der Grundlage des Achtstundentages sein müsse. Die Konferenz wird heute geschlossen. über die Streifabmürger" eine der üblichen niederträch tigen Berleumdungen gegen den Baugenertsbund. Die sofort über sandte Berichtigung ist pon dem Blatt bis heute noch nicht gebracht Die Berichtigung hatte folgenden Wortlaut: worden. ,, Es ist unwahr, daß der Baugewerksbund mit dem Geschäftsführer von Tick. Chauffeestraße, mährend des Streifs oder fonstmann ständig oder auch nur überhaupt in Verbindung geftanden hat. Es ist unwahr, daß von dem Geschäftsführer von Tiez, Chausseestraße, beim Baugewerksbund oder auch von einer anderen Stelle mährend des milden Streits auf dem Liez- Neubau Arbeits. fräfte pom Baugewertsbund angefordert worden sind. Es ist unwahr, daß der Baugenertsbund Arbeitskräfte nach dem Liek Neubau in der Chauffeestraße in der Zeit des wilden Streits geschickt hat " I taunen Die Zoiletten find den Arbeitslosen ebenfalls ver. fperrt. Drdnung fann erst dann geschaffen merden, menn hiefer Arbeitsnameis famt, den übrigen nerjómindet. Sie sind überflüffig! Am Montag ist endlich eln äffentlicher Facharbeiternachweis für Friseure, Beffetftr. 22. eröffnet morden( Fernsprecher: Dönhoff 6427 bis 16 Uhr), der eine unparteiische Bermittlung garantiert. Die ftellungslosen Friseurgehilfen haben es in der Hand, durch Benugung dieses Arbeitsnad meises den Jamungsnach meis auszuschalten. Bir bitten aber auch alle mit der Arbeitnehmerschaft befreundeten felbständigen Friseure dringend, fortab im Bedarfsfalle nur den neuen Facharbeitsnochmeis zu benutzen, um zu einer Gesundung der unhaltbaren Berhältniffe beizutragen. Die unorganisierten Gehilfen aber müssen endlich begreifen, daß alles Schreien in der Not nicht hilft, sondern nur der gemeinsame Zusammenschluß im Verband, der im Gewerkschaftshaus zu finden ist. Wer hat die Polizei gerufen? Die Opposition bei den Zabatarbeitern. Am 23. Ottober fallte die regelmäßige Mitgliederversammlung der Zahlstelle Berlin des Deutschen Tabafarbeiterverbandes abgehalten merden. Es sollte berichtet werden über die Vorkommnisse in der letzten Zeit und über die Quartalsrechnung. Die Opposition" forderte die Mitglieder durch Handzettel auf, zum Bersammlungslokal hinzugehen und die Reformisten und„ Sozialfaschisten" aus dem Saal zu jagen. Es war daher nicht möglich, die Bersammlung in Ruhe zu Ende zu führen; eine gut organisierte Störungstolonne machte einen derartigen 2ärm, daß es meder dem Borjizenden Nedes noch dem Geroffen ufung vom Hauptvorstand in Bremen gelang, den Radau zu übertönen. Bernünftige Mitglieder, die um Ruhe baten, murten mit Tätlichkeiten bedroht, also die rein bolschewistische Art, mie sie die Rote Fahne" empfiehlt. Interessant aber war folgender Vorfall: Während des größten Lärms fomen aus der Versammlung Rufe, daß die Refor mi sten die Polizei holen wollten. Tatsächlich erschienen auch auf der Treppe Polizeibeamte. Von einem unserer Genossen befragt, erklärten sie, daß fünf Männer in einem Auto nach dem Beriammlungslokal gefahren seien und das Jahrgeld nicht bezahlt hätten, fie, die Schupo, sei deshalb von dem Chauffeur ge rufen worden, um die Leute festzustellen. Es waren wirklich fünf Mann von der„ Opposition", die sich vorher Mut ge= trunten hatten und dann fein Geld mehr für die Fahrt übrig hatten, so daß einige ihrer Freunde das Geld auslegen ichnell aufklären. Dh das den Drahtziehern ermünscht war, jci dahingestellt. legten Zeit eine ftrupellose Agitation, um die Mostauer Die KPD. Schnorrt bei Geschäftsleuten. mußten. In diesem Falle ließ sich das Erscheinen der Polizei recht Barofen zur Durchführung zu bringen. Rüdfichtslos merden bie Arbeitslosen zu milden Bersammlungen zusammenberufen und gegen den Buchbrucerrerband aufgepeitscht. Die pom Berliner Gaunarſtand der Buchbrucer auf Wunsch der Arbeitslofen am Dienstag, dem 18. Ottober, nach dem Gemertschaftshaus einberufene Ber fammlung der arbeitslosen Buchdrucker murde non ben Rommunisten gesprengt. Gegen nier Mitglieder des Berbandes murde daraufhin wegen verbandsschädigenden Berhaltens auf Bejchluß des Bauporfiandes der Ausschluß beantragt. Ette fehr start besuchte außerordentliche General verfammlung der Berliner Buchbruder, bie am Freitag im Gemertschaftshaus tagte, nahm zu den Ausschliffen Stellung. Der Gauvorfigenbe Braun führte aus, daß die fommunistische Mühlarbeit sich schon einige Jahre bemerkbar macht. Durch die gegen martige Arbeitslofigkeit tritt diefes Treiben jest besonders bernor. Gs haben sich in der legten Zeit Zustände im Organisationsleben herausgebildet, die zu einer fdmeren Schädigung des ge samten Berbandes führen müffen. Der Rebner idilberte eingehend die Vorgänge in der Erwerbslosenversammlung, in der einzelne Kommunisten Mitglieder des Gauvorstandes jogar tätlich anzugreifen versuchten. Brqun fonnte an hand authen. tischen Materials feststellen, daß die Kommunisten die 3ufam men= fassung der Erwerbslosen zum massenstreit für die Dittatur des Proletariats und zum Schutz der Spmjetunion erftreben. Für den„ Deldenfampf". Die KPD. führt ihren Heldenfampf gegen den Deutschen, Metall. arbeiterverband in Berlin mit Hilfe der abgespaltenen Rohrleger nicht nur mit Meffern, Snüppeln und Schlagringen, fondern auch mit geschnorrien Geldern von Pripatunternehmern. Bor ums liegt ein Schreibender PD... n die werten Geschäftsinhaber". Das Schreiben ist vom 18. Oftober datiert. Es wird darin gebeten, den Rohrlegerstreit durch milde Gaben, Kohlen, Bebensmittel uf. zu unterstützen. Hinzugefügt wird, daß in den nächsten Tagen Beauftragte der Kommunistischen Bestei diele milden Gaben abholen werden und daß das Ergebnis ber Sammlung befanntgegeben würde. Unterschrieben: Sochachtungsnol Kommunistische Partei Deutschlands, 4. Berpaltungsbezirt." " Die D. hat in ihrer Sammelattion bei den fleinen Geschäfts: leuten, wie bei der Berbung von Inseraten für ihre Preffe, bereits eine ziemliche Uebung. Wer nicht zeichnet, mird zwar nicht gleich an die Band geftelt", aber dann so bearbeitet, daß er zahlt, um in den kommunistischen Straßenzellen nicht empfohlen" zu werden. Im Fechten" sind die APD.- Helden groß. Die gestörte Bersammlung zeigt, daß es in den Reihen der Tabatarbeiter Leute gibt, benen absolut nichts am Gedeihen der Gewerkschaft liegt. Der Hauptnorstand wird sich alsbald mis dem Treiben der Opposition befassen müssen. Rauch und Schnupftabat- Konflitt. Die Unternehmer wollen Löhne und Ferien abbauen. im Donnerstag murde in der Rouch und Schnupftobafindustrie über die nom Deutichen Tabafarbeiterverband gingereichten ordem rungen perhandelt. Die Unternehmer lehnten nicht nur jedes Ent gegenfommen ab, sondern machten auf die Aufforderung der Bertreter des Tabatarbeiterverbandes hin unglaubliche Gegenvorschläge. Die Unternehmer wollen eine Lohnfürzung von 9 bis 14 Pf. dic Stunde bei den Lebigen vpn 22 bis 24 Jahren, einen 2 b bau der Ferien und Einführung gestaffelter Ferien, schließlich noch die Herapiegung des Zuschlages von 50 Prog. auf 40 Proz. für die Drie der Sonderklasse. Nach diesen Brovokationen mar jedes peitere Verhandeln politifen Arbeitsvermittlung im Friseurgewerbe.medips. Heute wird im Reichsarbeitsministerium ein EinigungsDer Buchdruderperband dürfe nicht zum Tummelplag politischer Römpfe werben. Gegen diejenigen, die fortgelegt die Organisation schädigen, müsse endlich mit allen ftatutarischen mitteln borgegangen merden. Broun fand bei seinen Ausführungen die lebhafte Zustimmung der überwiegenden Mehrheit der Bersamm hung. Facharbeitsnachweis Beffelftr. 22. Im Berliner Friseurgewerbe mit seinen mehr als ein Dugend Innungen herrschen auf dem Gebiete der Arbeits permittlung geradezu standaläse mißstände. Neben vier Arbeits nachweisen der Berufsverbände bestehen mindestens Dier Bintelnachweise, während die ganz billigen Gehilfen durch die Morgenpost" gesucht werden. Die im Saal anpejenden Kommunisten und die zum Rabaumachen Die organisierte Gehilfenschaft hat seit einem Jahrzehnt hinbeorderten Tribünenbesucher suchten wiederholt die Bersammlung versucht, durch Schaffung eines paritätischen Facharbeits: 3 stören. In der Aussprache murde zunächst den zum Ausnahmeises den Misständen abzuhelfen. Allein die Bertreter schluß stehenden Mitgliedern das Wort zur Berteidigung gegeben, ber Innungen haben wiederholt erklärt, daß fie erst bann ihre mas von einigen wiederum zu Beschimpfungen besonders des Bay Sonbervermittlung zugunsten eines einheitlichen Arbeitsnachweises norstandes ausgenutzt wurde. Der größte Teil der nachfolgenden aufgeben, menn sie dazu gefeßlich gezwungen werden. Redner forderte energische Abwehr des Barbandes und Ausschluß der fommunistischen Drahtzieher. As nach Schluß der Debatte die Abstimmung vorgenommen werden sollte, suchten dies die Kommunisten zu verhindern. Es gelang ihnen jedoch nicht. Mit großer Mehrheit murden folgende Mitglieder megen Schädigung der Organisation aus dem Berband ausgeschloffen: Shiller, Beber, Peters, Berendt. Das Abstimmungsergebnis rief bei den Kommunisten stürmische Protestrufe herpor. Zur Klarstellung. Bom Baugenertsbund mird uns geschrieben: Die ,, Rote Fahne“ vom 24. Ottober benugt eine von ihr selbst hervorgerufene Personenverwechslung, um den Kollegen Druge müller in gemeinster Weise zu beschimpfen. In der General Bersammlung der Baugemertschaft Berlin mar darauf hingewiesen morden, daß der unter den Kandidaten der KPD. zur Stadtperordnetenneriammlung genannte Georg Road, zmeiter Borsigender des fommunistischen Jugendverbandes, erst seit dem 15. Dezem ber 1928 organisiert sei und nur einen Beitrag entrichtet habe. Demgegenüber bemerkt die Rote Fahne", daß Road schon seit dem 12. November 1925 organisiert ist. Das ist richtig. Die Verwechslung entstand dadurch, daß n. als Bauarbeiter bezeichnet wurde, und nicht als Spanner, welchen Beruf er erlernt hat. Die Bermechslung ist also durch die Rote Fahne selbst hervorgerufen morben. Auf der Kandidatenliste der KBD. find Schloffer und Schriftseher auch nicht schlechthin als Metallarbeiter bzw. Buchdruder aufgeführt. Da Noad feineswegs aus besonderer Tätigkeit für die Organisation befannt ist, tannte niemand erraten, daß der Spanner Road gemeint ift, zumal Der weitere Kandidat Julius Warnopili ebenfalls als Bauarbeiter bezeichnet wurde, der gar Ichon seit dem 21. Juni 1928 organisiert ist. Wir stehen allo gar nicht an, unfere Behauptung ohne besondere Aufforderung richtigzustellen. Ganz im Gegensas zur Roten Fahne", bei der 2fnftänbiafeit ein Frambmort ift. Der Junungsnachweis in der Ohmstraße spielt feit Jahren eine besonders unliebsame Rolle, zumal seitdem er von dem sehr ner vöjen Herrn Gärtner geleitet wird, der ohne Gummifnüppel, Schupa und Ueberfallfommando mit seiner Bermittlung nicht zurecht tommen tann. Am Donnerstag berichtete IB.: .3m Hause Ohmstraße 2, der Ede der Köpenider Straße, me fich die Geschäftsstelle der Friseurinnung befindet, tam es heute normiffag gegen 11% Uhr in dem ebenfalls dort untergebrachten Arbeitsnachweis zu unliebjamen Szenen. Mehrere hundert arbeitslose Frifeure, die fich dort angefammelt hatten, behaupteten, daß der Leifer des Arbeitsnachweises bei der Bergebung der offenen Stellen mehrere Gehilfen be. vorzugt habe. unternommen. Arbeiterregierung und Bergbau. Schwierige Lösung. London, 25. Oftober. ( Eigenbericht.) Die Bertreter des Bergarbeiterperbandes hetten eine zipeiftünbige Unterrebung mit dem Stoblenfomitee des Robinetts, den Ministern für Wirtschaft, Bergbau und Arbeitsbeschaffung. Die Bergarbeiter wurden mit den Einzelheiten der geplanten Gesezgebung befanntgenacht. Die Pläne der Regierung haben im pesentlichen bereits jeste Gestalt angenommen. Die Hauptschwierigkeit liegt darin, pon Sen Unternehmern eine Zuficherung der Aufrechterhaltung der gegenmärtigen Löhne für den Fall einer halbstündigen Kürzung der Arbeitszeit zu erhalten. Die Bergarbeiter merden sich mit den Blänen der Regierung auf einem außerordentlichen Berbondstag am 5. November in London befallen. Ale Anzeichen beuten darauf hin, daß die Pläne der Regierung pon einem er heblichen Teil der organisierten Bergorbeiter als ungenügend empfunden werden, so daß auf dem Berbandstag mit heftigen Auseinanderlegungen zu rechnen ist, ld us Der englische Eisenbahnerlohntonflikt. Das zwischen den Eisenbahngemerfiaften und den pier großen Eisenbahngesellschaften ch geschlossene Lohnablommen, das die Beibehaltung der im Auguft 1928 erfolgten Lohntürzung pon 2% Broz. bis zum Mai 1930 vorEs fam zu Schimpfereien, die schließlich in Zäflich- fieht, ist am Freitag durch die Gewerkschaften mit 45 gegen 35 Slimmen gebilligt worden. Der Lohntonflitt tann damit als beendet feiten ausarteten. Dabei wurde einer der Räume de gelten. moliert und die gesamte Einrichtung zerschlagen. Da man der Ruheftörer nicht Herr werden fonnte, rief man die Polizei herbei, die die Menge zerstreute und die Ord. nung wiederherstellte." Das ist nicht der erste Fall einer derartigen Szene und nicht der legte, solange nicht wirklich Ordnung geschaffen wird. Auf unserer Redaktion erschienen am Donnerstag dret unorgani fierte Gehilfen, die uns von dem Vorfall berichteten. Der eine davon ist seit 21 Wochen arbeitslos, der andere seit Pfingsten und der dritte seit sieben Wochen. Sie bekommen feine Ermerbslosenunterstüßung, da die Borbedingungen nicht erfüllt sind. Die Zahl der Aushilfsstellen ist durch Einführung der vail ständigen Sonntagsruhe start zurückgegangen. Die wenigen Stellen vergibt der Inmungsvermittler nach Gunst, da er lediglich den Wün ſchen der Innung zu folgen hat und andere Verpflichtungen für ihn nicht bestehen. Der Raum, in dem die Arbeitslosen sich aufhalten, ist viel zu flein und taum zu lüften. Wird einer der ausgehungerien Ge Am 20. Dttober brachte fie unter der lleberschrift Tatsachenhilfen ohnmächtig, fann er faum einen Schlud affer be SPD.- Holzarbeiter. Monteg. 28. Oktober, 19 Uhr, in Alubbens, Dbmftr. 2, pintige Versammlung aller SPD.- Solzarbeiter. Genehe Kronz Künstler spricht über Arbeiterschaft und Kommunalwahlen". Es ist Blicht aller Geneffen, diese Bersammlung zu besuchen. Parteiausweis ist mitzubringen. Der Werbequsichuk. Freie Gewerkschafts- Jugend Berlin. Sprech und Bewegungschor: Seyte Mitwirkung beim Stiftungsfest des Deutschen Bekleidungsarbeiterverbandes im Eqalbau Friedrichshain. Rollzähliges Erscheinen ist Vilicht. Noiung! Morgen, Sonntag, um 13 Uhr. Sugendparstellung im Thegter am Billpmples: Dantons ToD". Sarten zum Breife von 90 f. find in der Jugendzentrale noch au haben. Um 18 Uhr Sprechgarprobe im Jugendheim des Deutschen Berlehrsbundes, Gomezlicaftsbaus. Enacluier 24-25. Berantwortlich tij Politik: Dr. Curt Gener: Bittichaft: 6. Klingelhöfer; Gompertschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: R. S. Diser; gofales und Sonstiges: Faik Raritäbt: nzeigen: h. Glode; fämtlich in Berlin. Berlaga Bozmaris Berlag Gm. d. S., Berfin Drud: Bormärts Sudbruderet unb Berleasenftalt Baul Ginger u. Co., Berlin S. 68, nbenizaße 3. Sieran 2 Beilagen wub, Unterhaltung nub Biffes