BERLIN Sonnabend 26. Ottober 1929 10 Pf. Nr. 504 B 251 46. Jahrgang erscheiattäglich anterSonntag». Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. proWoche. S,60M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW es. Lindenür.S NielgenpreiCDie einspaltige Nonpareilleieil» so Pf.. Aeklam«icilt SM. Ermäßigungen nach Tarif. »stscheckkoat«: Vorwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr.»7S3S. Fernsprecher: Dönhoff 2S2 bi« 29? MesenbeAechung aufgedeckt. Ein Vaurat der Z�eichseisenbahn verhafiet. Der Veflechrmgsskandal der Tiefbansirma M. Klos; ln Pankow zieht Immer welkere Kreise. Kriminalkommissar Mielenz. der die Untersuchung leitet, hat sich in der ver- gangenen Nacht zu einer aufsehenerregenden Verhaftung ent- schließen müssen. Der Reichsbahnrat U r n o l dt. der Leiter des Eisenbahnbetriebsamtes VI. Sletliner Bahnhof, wurde in seiner Wohnung in der Grolmannslraße ln Eharlottenburg unter dem dringenden Verdacht der aktiven und passiven Bestechung festgenommen und in, Polizeigefängnis gebracht. Reichsbahnrat Arnoldt oergab für das Clsenbahnbctriebsmnt VI die T i e f b a u au f t r ä g«. Zwischen der Reichsbahn und der Firma Klojz bestanden Verträge, die ordnungsgemäß liefen und die Arnoldt von seinem Vorgänger übernommen hatte. Außerhalb dieser ver. träge hat nun Arnoldt mit der Firma Kloß Abmachungen getroffen. wodurch die Tiesbaufirma große vorteile erzielte. Bereit, vor einigen Tagen war 5ttoß sestgeiiommen und nach dem Polizeipräsi» dium gebracht worden. Bei seiner Vernehmung bestritt er, irgend» welche finanziellen Vorteile gehabt zu haben. Da man ihm zunächst nichts nachweisen konnte, war A. wieder auf freien Fuß gesetzt. In. zwischen war es der Kriminalpolizei gelungen, so viel belastendes Materiol gegen den Reichsbahnrat Arnoldt zusammenzutragen, daß man in der vergangenen Nacht zu seiner Verhaftung schreiten konnte. A. bestritt zunächst, als ihm dann aber nachgewiesen werden konnte, daß er wiederholt beträchtliche Summen von der Tiefbausirma Kloß erhalten habe, gab er einen Teil der Verfehlungen zu. A. wurde nach Moabit gebracht und dem Untersuchungsrichter vor» geführt. Erst glaubte man, daß A. sich nur der passiven Bestechung schuldig gemacht habe, jetzt konnte ihm aber auch aktive Bestechung nochgewiesen werden. Er hat mehrfach Geld für die Kurkosten seiner kranken Frau erhalten. Außerdem hat er selbst ansehnlich« Geld- betrage in Empfang genommen. Weiter ist erwiesen, daß sich A., wenn er sich auf Reisen befand, von der Firma Kloß auf tele- graphischem Wege Geld schicken ließ. Wie es weiter heißt, hat der ilntersuchungsrichter gegen weitere vier in der Bestechungsassäre verhaftete Beamte Haftbefehle erlassen. Es hat den Anschein, daß noch andere Personen, Beamte der Eisenbahn, der Post und des Magistrats, von der Firma Kloß Zuwendungen erhalten haben, und xs ist daher mit weiteren Verhaftungen zu rechnen. Auch ein Oberpostinspekior. In seiner Wohnung in der Albrecht st raße 30 zu Steg» l i tz wurde der 42 Jahre alte Oberpostinspektor Alfred Stiebitz von der Kriminalpolizei festgenommen. Ihm wird ebenfalls Ve. stechung im Amte zum Vorwurf gemacht. Stiebitz war mit der Ver. gebung und Ucberwachung von Aufträgen betraut, die stch auf Kabel- Verlegungen bezogen, die nicht von der Post selbst ausgeführt, sondern .hoch- und Tiefbausirmen übertragen werden. Schon seit einiger Zeit waren Gerüchte durchgesickert, daß bei Vergebung dieser Auf- träge nicht alles in Ordnung zugegangen und daß e i n i g« F i r m e n in merkwürdiger Weise bevorzugt worden seien. Stie- biß, der sofort einem eingehenden Verhör unterzogen wurde, hat zugegeben, Summen von 890 bis lOOO Mark für seine Gefälligkeiten von den Firmen erhalten zu haben. Die Oberpostdirektion hat eine Untersuchung zur vollen Klärung dieses neuesten Skandals eingeleitet. Anmaßung der„Industrie". Das Eisenbahnpersonol soll brüskiert werden. Der Vorstand des Reichsverbandes der Deutschen Industrie hat auf seiner Sitzupg in Saarbrücken gegen die Vertretung des Eisen- bihnpersonols durch die Gewerkschaften bei den pariser Reichsbahn- Verhandlungen in einer Entschließung scharf Stellung genommen. Die Reichsbahn sei weder eine Einrichtung der Eisenbahnbe- amten oder der Eisenbahnarbeiter noch der Verfrachter.„Um so mehr erhebt der Vorstand schärfsten Einspruch' dagegen, daß die Reichsrcgierung den Eisenbahnergewerkschaflen die Möglichkeil der Vertretung einseitiger Sonderinteressen geschaffen hat und er er- sucht die Regierung, diese Vertreter alsbald von den VerHand- lungcn zurückzuzielien. um die Verhandlungsführung objektiven Vertretern der Reichsregierung ohne gewerkschaftliche Kontrolle zu überlassen." Will die„Industrie", daß nur Vertreter der Reichsbahngesell- schast in Paris mitsprechen dürfen, die in Paris«inen ganzen Stab von Vertretern hat? Vei den Berhandlungen wer- den wichtig« Personalfragen wie?lrbeitszeit usw. erörtert. Es ist selbstverständlich, daß die Personaloertreter pei der Regelung der Personalsragen herangezogen werden, Daladier lädt die Sozialisten ein. parieiausschußsihung am(Sonntag. Paris, 26. Oktober.(Eigenbericht.) In der französischen Ministerkrise ist seit der Berufung des Präsidenten der radikol-sozialen Partei zur Bildung der neuen Regie- rung kein« entscheidende Aenderung eingetreten. Die radikale Zkammerfraktion Hot sich Freitagnacht nach Schluß der zweiten Plenarsitzung des Kongresses in Reims vereinigt und Daladier for- Arno Stols, ist in der Nacht zum Sonnabend gestorben. (Siehe auch 3. Seite.) mell b e a u s t r a g t, der Aufforderung des Präsidenten der Repu- blik Folge zu leisten und als ersten Schritt eine Einladung an die sozialistische Partei zwecks Beteiligung an der Regierung ergehen zu lassen. Dieser Schritt wird heute früh erfolgen. Er wird aller Wahlschein- lichkeit nach die Einberufung des außerordentlichen National- rates der sozialistischen Partei für morgen, Sonntag, zur Folge haben. Da auch Daladiers Verhandlungen mit den übrigen Links- Parteien von der Entscheidung der Sozialisten abhängig sind, so ist eine entscheidende Wendung der inncrpolitischen Situonon nicht vor Montag zu erwarten. Das Organ der sozialistischen Partei, der„Populairc" nimmt heute«ne abwartende Stellung ein, dach erklärt Paul Faure, daß, ob die Sozialisten nun aus den Bänken der Opposition oder der Regierung säßen, es eine Sache gebe, in der ihre Politik keine Aenderung erfahren werde, nämlich in dem mit aller Energie fo-t- gesetzten Bestreben nach einer unmittelbaren Berwirtlichung der sozialistischen Forderungen. Niemand, und auch der Kongreß von Reims nicht, habe das Recht, sich über diesen Punkt Irgendwelchen Zweifeln hinzugeben Einige Blätter der großen Inforniotionspresse. so der„Petit Parisien" und der„Matin", wissen übrigens zu berichten, daß am Freitag in Reims im radikalen Lager einer Kombinotion Paul Boncours gegenüber eine weit weniger ablehnende Stimmung geherrscht Hobe als noch am Vortage. Ein Teil der Radikalen soll bereit sein, für den Fall, daß die Kombination nicht zustande kommt, ihre Unterstützung jeder anderen Linksregisrung zuteil werden zu lassen. In den radikal-sozialistischen Organen selbst ist jür dies.' Tendenz keinerlei Bestätigung zu finden, Briand läßt durchblicken. Paris. 26. Oktober. Wie Havas berichtet, soll Daladier vor seiner Abreise nach Reims Briand besucht und ihn gefragt haben, ob er eventuell bei der Bildung der Regierung auf ihn rechnen könne. Briand soll sich seine Antwort vorbehalten haben, aber doch durchblicken lassen, daß es im Interesse der geplanten Koalition angebracht wäre, wenn das Außenmimstcrium einem anderen Politiker anvertraut werden würde. Kulistreit stört den(Straßenbahnprofit. Jranzöfischer proiefi in Peking— 1200 Kulis interniert Peking, 26. Oktober. Der französische Gesandle ist bei der chinesischen Regierung wegen der in Peking ausgebrochenen Unruhen vorstellig gc- worden. Er wie» daraus hin, daß durch die Unruhen in Peking die französischen Interessen stark geschädigt seien, weil die Rikscha- Kulis die Arbeit der Pekinger Straßenbahn unterbrochen hätten, an der französische Banken interessiert seien. Die sronzösische Regierung hoffe, daß die chinesischen Behörden Maßnahmen ergreisen würden, um die Ruhe in Peking wieder- herzustellen. Die chinesische Polizei hat das Mitglied des Vollzugsausschusses der kommunistischen International e, Schenschsiju. verhaftet; er leitete den Aufstand der Rikscha-kulis. Schenschsiju wurde zum Tode verurteilt. In Peking sind über 1200 Rikscha» KnN, verhaftet und in ein Znternierungslager gebracht worden. Bürgermeister(Schneider diszipliniert. Wie der amtliche preußische Pressedienst mitteilt, hat der Ober- Präsident von Brandenburg heute gegen den B ü r g« r m e i st e r Fritz Schneider vom Bezirksamt Beriin-Mittc das Disziplinarverfahren crösfnct und die Suspension vom Amt verfügt._ Strafanträge in Frankfurt. Oer Staatsanwalt verlangt schwere Gefängnisstrafen. L. R. F r a n k s u r l a d. 0� 26. Oktober.(Eigenbericht.) Zn dem Prozeß wegen der Eisenbahn schlägerei mit Todessolge beantragte Oberstaolsanwalt Rothe für üaschek unter Verweigerung mildernder Umstände 4 Jahre Gesängnis, für Stirn und Hahn unter Zubilligung mildernder Umstände je 2 Jahre Gesängnis, für letzteren wegen unbefugten wasfenbesihes außerdem noch drei Monate Gefängnis, für Malscharek wegen veleiligung an einer Schlägerei, die den Tod eines Menschen zur Folge hatte, 6 Monate Gefängnis. Zum Fall(Schüh-Leow. Was die Rechtskommunisten zu ihm sagen. Zeit- Zum Fall Schiitz-Leow schreibt die rechtskonunuuistische schrist„Gegen den Strom": „Dos Bild, das sich hier ergibt, ist äußerst trübe. M a r Schütz ist selbst durch und durch korrupt. Lcow m- handelt mit Leuten, die die„Rote Fahne" als Erpresser bezeichne' Das Ergebnis dieser Verhandlung wird verschwiegen. Es entsteht der Eindruck, daß hier Enthüllungen gegen Enthüllungen in Caj>-s ausgetauscht werden und daß man gegenseitige Bertuschung treibt. Was die„Rote Fahne" vom Verhalten Leows erzählt, zeugt von äußerst schlechtem Gewissen. Nicht erst seit heute worden gegen Leow Vor- würfe erhoben. Sie können nicht durch Beschlüsse und Redens- arten entkräftet werden, sondern nur durch die rücksichtslose Offenlegung alles Materials, das zu diesem Fall vorliegt. Nicht nach der Methode des Falles W I t t o r f dürfen die Kornip- tionsanklage» behandelt werden, sondern nur durch öffentliche Klärung vo» Voramrf«i, dig öjjeutlich erhoben Mrdes." Das Volk f Eintragungsziffer kläglich.— Eintragung hatte am 25. Oktober d. I. folgend:« Ergebnis Bezirk Mitte........ 790 Tiergarten........ 1 022 Wedhing......... 515 Prenzlauer Berg...... fiOR Ariedrichshain....... 559 Kreuzberg......... 1 010 Charlottenburg....... 1 242 Spandau......... 235 Wilmersdorf........ 894 Zehlendorf........ 329 Schöneberg........ 1 140 Steglitz........ 919 Tempelhof........ 216 Neukölln......... 403 Treptow......... 216 Köpenick......... 234 Lichtenberg........ 392 Weißensee......... 133 Pankow......... 392 Reinickendorf........ 229 Zusammen 11 484 Die Gesamtzahl der bisherigen Eintragungen in Berlin beläufr sich also nach zehn Togen auf 155 575 gegen 874 407, hie beim Fürstenabkommen im gleichen Zeitraum gezählt wurden. Sechs von SOOO! Löban, 26. Oktober.(Eigenbericht.) In dem hochindustriellcn Neu-Gersdorf in der Oborlausitz, dos bei den letzten Landtagswahlen 8182 Wahlberechtigte hatte, find bis Freitag abend sechs Ein Zeichnungen erfolgt! Noch nicht die Halste 1 kiel. 26. Oktober. Bis zum 24. Oktober haben sich in der Provinz S ch l c s- w i g- ch o l st e i n noch den bisherigen Zählungen 47 120 Personen in den Eintragungslisten zum Volksbegehren eingetragen. Die Zahl der Stimmberechtigten nach den letzten Reichstagswahlen beträgt 993 610. Bisher ist also noch nicht die Hälfte der not- wendigen zehn Prozent der Stimmberechtigten erzielt! Oer frondierende Bezirkshäuptlmg. Oisziplinarverfahren gegen Bürgermeister Berndt. Die Erklärung des preußischen Staalsministerlums über das VerHollen von veomlen zum hugenbcrg-Begehren war vom Berliner Vlagistral auch den städtischen Beamten dienst- l i ch zur Kenntnis gebracht worden. Der Bezirksbürgerrneister B erndt von Schöneberg hat sich geweigert, der Anordnung des Magistrats zu solgeu und die Warnung an die Beamten weiterzugeben. Diese Weigerung hat er schrisllich begründet und die Begründung schleunigst an die Hugenberg-Presse zur Berössenllichung gegeben. Bürgermeister Scholz hat daraushin den Oberpräsidenten um Einloilung eines DisziplinarversahrensgegenBerndt ersucht, wie wir hören, ist diesem Antrage stallgegeben und das Disziplinarverfahren eröffnet worden. Berndt glaubt, daß ihm nichts geschehen könne, da er deutsch- nationaler Reichs tagsabgeordneter und daher immun ist. Es wäre aber noch schöner, wenn ein Beamter, der gleichzeitig Abgeordneter ist, nun einfach dienstliche Anweisungen nicht ausführen egehrt nicht. Zin renitenter Bürgermeister. wollte. Ein Bürgermeister, der ein so böses Beispiel gibt, mag Abgeordneter bleiben, wenn er Wühler findet, aber in dein Kommunal- dienst ist er unmöglich. Hugenberg-Pleite in München. Hitler drückt ihn an die Wand. München, 26. Oktober.(Eigenbericht.) Der jämmerliche Mißerfolg des Jnflationsbegeh- r e n s selbst in München kann auch durch die Versammlung nicht mehr aufgehalten werden, die Hugenberg und Hitler am Freitag abend im Zirkus veranstalteten. Eine große Reklame füllte zwar den Zirkus mit 8000 Menschen. Die Deutschnotionalcn, verkörpert durch einig« hundert Stahlhelmer, spielten aber so gut wie kein« Rolle. Die Trennung kam auch dadurch zum Ausdruck, daß Hitler und sein Stab nicht auf der Tribüne neben Hugenberg saßen, sondern unten am Rang der Manege, direkt neben Tirpitz. Die kurz« Rede Hugenbergs brachte eine große Enttäuschung, da der Inflationsgewinnler seine Worte eintönig von einem Manuskript ablas und seine Depression über das katastrophale Ausmaß der Niederlage seines Volksbegehrens kaum verbergen konnte. Sofort nach Beendigung seiner halbstündigen Vorlesung ver- ließ er mit seinem Anhang den Zirkus, worauf Hitler seine Leine mit einer neuen Berbrecherred« entschädigte, die sich in wüsten Be- schimpfungen der Reichsregierung erschöpft«. Gegen 11 Uhr war der ganze Spuk zu Ende. Gleichzeitig hatte auch die S o z i a l d e m o- krotische Partei' drei überfüllte Versammlungen gegen die Putschisten des Volksbegehrens abgehalten Auf der Straße wurden später Reichsbanncrleute von Hitler-Rowdys üben'allsn, wobei es insgesamt 5 Verletzte gab. Bis Freitag abend hatten sich in München von 46 5 009 Stimmberechtigten ganze 1 5 800 in die Stammrolle der Daw'S'Zlnhänger eingetragen. Messerstiche nach Hugenberg-Verfammlung. München, 26. Oktober. Nach Schluß da gestern abend abgehaltenen Versammlungen des bayerischen Landesausschusscs für das Velksbegehren und der Sozial- demokratischen Partei, die vollkommen ruhig verlausen sind, kam es an der Hackerbrücke zu einem Zusammenstoß zwischen Reichs- bannerleuten und Srahlhelmern, wobei zwei Reichsbanner- leute durch Messerstiche verletzt wurden. Die an der Rauferei Beteiligten wurden festgenommen und zur Polizei ge- bracht. Hugenbergs Bayernsieg. Hugenberg, der hat in München Bor hem Bayernvolk geredt'.— Motto-„Nur ein Viertelsttindchen ?lufgewacht. eh' es zu spät!" Marschmusik und Tuchgebaumel Hat die Menge stnnbetört. So daß vor Begeisterungstaumel Selten man ein Wort gehört. Doch dies störte nicht die Braven Denn sie wußten ohnehin, Daß Export von deutschen Sklaven Sei des Poung-Plans tieferer Sinn. Kriegsgeschrei und Racheschwüre, Greller Fackeln Widerschein!— Als die Massen aus der Türe. Trugen zwei sogar sich ein. Jonathan. Zweierlei Nichterehre. >iepubllkanifche Nichter beleidigt— Geldstrafe, monar» chistifche Nichter beleidigt— Gefängnis. Wir berichteten jüngst über einen Prozeß gegen den Direktor des Heeresverpflegungsamtes Waldemar Müller Dieser man- archistische Beamte hatte in einem öffentlichen Lokal die republi- tanische Verfassung beschimpft, indem er erklärte, er spucke auf die Republik. Ferner hatte Müller den ihn feststellenden Polizeiwacht- meister als„Lumpen" tituliert und schließlich noch über den R c- publitanischen Richterbund geäußert: Es ist«ine Schande, daß es in Deutschland einen Repu- blikonischen Richterbund gibt. Das sind alles Juden, Lumpen und Schurken, vor denen man keine Achtung haben kann. Vor dem Großen Schöffengericht Berlin-Mitte erhielt Müller wegen Republikbeschimpfung 500 Mark Geldstrafe, wegen Beleidigung des Wachtmeisters und der republikanischen Richter, für die der Vorstand des Republikanischen Richterbundes Strafantrag gestellt hatte, zusammen 300 Mark Geldstrafe. Die Bezeichnung der repu- blikonischen Richter als Lumpen, Schurken usw. wurde also mll 150 Mark in bar geahndet. Ganz anders verhiell sich jüngst das Liegnitzer Gericht, ver- treten durch den Einzelrichter Amtsgerichtsrat Kunze. Hier war angeklagt der Redakteur der Bunzlauer„Volksstimme", Genosse Matthies. Gegenstand der Anklage bildete ein Artikel unseres Bruderblattes, der die sehr aktive Teilnahme Bunzlauer Richter an einer öffentlichen Versammlung kritisierte, in der gegen den Bürgermeister wegen seiner sozialistischen Einstellung gehetzt und eine Rc- sokution gefaßt wurde. In dem Artikel stand der Satz: „Was ist der Eid auf die Verfassung, wenn es Grundsatz wird, daß diejenigen, die die demokratische rFeiheit töd- lich schmähen, unter Berufung auf die Demokratie einen schmäh- l i ch e n Mißbrauch mit ihren staatsbürgerlichen Pflichten treiben?" Fernex sagte der Artikel, daß durch Teilnahme der Richter an der Versammlung und Zustimmung zu der Resolution„d e r Richter st and herabgewürdigt" worden sei. Wegen des Artikels hatte ein Richter namens I ä s ch k e Privatklage angestrengt. Der Angeklagte erhielt mit der Begründung, daß die Teilnahme an der Versammlung verfassung-jmäßiges Recht der betreffenden Richter gewesen sei, eine Gefängnisstrafe von drei Monaten. Er ist nicht vorbestraft.' Nehmen wir das gleiche zugunsten des Herrn Waldemar Müller an, so ergibt sich die Gleichung: wüslesle Beschimpfung republikanischer Richter �lSOMack Geldstrafe. Sachliche, wenn vielleichl auch über das Ziel hin- ausschießende Krilik an dem Verhallen reaktionärer Richter~ drei Monate Gefängnis. Woraus man wohl entnehmen muß, daß es in Deutschland zwei verschiedene Sorten Ehre gibt: eine wohlfeile republi- konische Ehre und eine teuere Monarch! st is che! Schluß mit den Zwangsliquidationen. Llm die Freigabe deutschen Eigentums in England. Von allen früheren Kriegsgegnern hält England allein noch an dem System der im V e r s a il l e r V e r i r a g festgelegten Beschlag- nähme und Liquidation deutpizen Privateigentums fest. Allerdings häufen sich seit der Unterzeichnung des Poung-Planes die Stimmen in der Oeffentlichkeit, die endlich ein Ende dieser Gewaltpolitik fordern. So richtet der liberale„Manchester Guardian" einen Appell an die Regierung, die Liquidationen unverzüglich einzustellen und eine freie Regelung der ganzen Frage mit Deutschland zu treffen. Deutsch- land besäße auf den Liquidations-Ueberschuß von 300 Millionen Mark ein moralisches Anrecht. Auch der bekannteste englische Publizist JohnGnlsworthy. lowie der ehemalige liberal« Handelsminister Viac Pherson melden sich jetzt zum Wort. John Galsw-orthy erklärt die englische Liquidationspolitik für einen Rückfall in die Barbarei und verlangt, daß jetzt endlich den Deutschen der Liquidationsüberschuh zurückgegeben wird. Mac Pherson kündigt an, daß er die Freigabefrage schleunigst erneut im Unterhaus zur Sprache bringen werde. Gegen die Auffassung des englischen Schatzamtes, daß der Liquidationsüberschuß Deutschland auf die alte 132-Milliarden- Rechnung gutgeschrieben werden soll, wendet er ein, daß dann dieser Ueberschuß„eine zusätzliche Reparation auf Kosten von deutschen Privatleuten darstellen würde, deren einzige Schuld darin Gestanden hat, daß sie England ihr Eigentum anvertraut hatten." Mit der Freigabe werde England„einen guten geschäsltichen Schlag führen" und sein geschäftliches Ansehen wiederherstellen. Die Volkspartei diskutiert. Drei Nichtungen: Kardorff, Echmid, Eremer. Während zwischen deutschnationalen Persönlich- leiten und Vertretern des rechten Flügels der Deutschen V o l k s p a r t e i Gespräche hinter den Kulissen geführt wer- den, um die Grundlage für eine Annäherung zu schaffen, zeigen Reden und Aufsätze volksparteilicher Führer vor den Kulissen die Gegensätze, die nach dem Tode Stresemanns in der Voltspartei klaffen. Herr vonKardorff hat in einem Aufsatz die sofortige Annäherung an die Deutschnationalen vertreten, damit ein neuer Rechtskurs in Deutschland eingeleitet werden könne. Staatssekretär S ch m i d hat sich als Führer für einen ausgesprochen schwerindustriellen Kurs der Volkspartei in Er- innerung gebracht.. Gegen beide wendet sich der volksparteiliche Abgeordnete Dr. C r e m e r im„Berliner Börsen-Courier". Im Gegensatz zu K a r d o r f f empfiehlt er äußerste taktische Zurück- Haltung gegenüber den Deutschnationalen: „Ein politischer Kurswechsel hängt von dem Vorhandensein einer Deuts chnationcilen Partei ab, die ein anderes Gesicht zeigt, als dos des Herrn Hugenberg und bereit ist, die Rolle einer tanservotiven Partei auf dem Boden der Rc- publik zu spielen, während die gegenwärtige deutschnationalc � Führung«s von sich weist, diesen Boden auch nur zu betreten.! Die Gesundungskrise, die dort im Werden ist und vielleicht mtt dem Zusammenbruch der an das Volksbegehren geknüpften Hoffnungen schneller zum Ausbruch kommt, kann durch gutes Zu- reden und Annäherungsversuche von der Deutschen Aolkspartsi her nicht beschleunigt, sondern wahrscheinlich nur hintan 'ehalten und verschleppt werden." Zur Führerfrage in der Volkspartei äußert ch Eremer sehr deutlich. Er lehnt den Gedanken eines Direktoriums stritte ab. Mit deutlicher Spitze gegen Staats- fekretär S ch m i d weist er auf Scholz hin: „Es ist selbstverständlich, daß man in den Kreisen der Deutschen Bolispartei in erster Linie an den glücklicherweise auf dem Wege der Genesung befindlichen R e i ch s m i n i st o r a. D. Dr. Scholz denkt, wenn man die Führersrage erörtert, an einen Mann, dessen stootspolitisches Pflichtgefühl vielfach in der Oessent- lichtest verkannt worden ist, obwohl die Polstik Dr. Stresemanns, wie den Wissenden bekannt ist, keinen energischeren Bundesgenossen in Partei und Fraktion gesunden hat als ihn." Was die Bestimmung des künftigen Kurses der Volks- partei anbelangt, so will Eremer die Entscheidung von der künftigen innerpolitischen Entwicklung abhängig machen. Diese Entscheidung wie die Entscheidung über einen neuen bürger- lichen Zusammenschluß hält er heute noch nicht für opportun. „Ein solcher Moment kann sehr wohl in einem nicht fernen Zeitpunkt hervortreten, insbesondere dann, wenn die not- wendige Finanz- und Wirtschaftsreform sich an Wider- ständen festlaufcn sollte, die ihr von der Sozialdemokratie bereitet werden, oder wenn die staatspolitische Entwicklung durch um sich greifenden Radikalismus auf der Rechten in ihren Grundfesten gefährdet würde." Kardorff, Schmid und C r e m e r sind drei Repräsentanten für die in der Volkspartei miteinander ringenden Richtungen._ Oer Vampyr von Düsseldorf. Neuer lleberfall auf eine Frau. Gestern abend gegen acht Uhr wurde ein« etwa dreißigjährige Frau M e n r e r im Stadtteil Flingern, als sie von der Arbeit nach Hanse zurückkehren wollte, ans dem Hellweg von einem noch unbe- kannten Täter angesprochen und zu Boden geschlagen. Die Bertehte weist schwere wunden am Kopse aus und mußte sofort ins Krankenhaus gebracht werden, wo sie operiert wurde. Sie schwebt in Lebensgefahr. Die Mordkommission, da» Ueberfall- kown-avdo und der Stooteonwalt eilten sofort an Ort und Stelle. Eine Durchsuchung des Geländes blieb ober ohne Erfolg. Ein weiteres Telegramm meldet: Wenige Stunden nach dem beretts gemeldeten, im Staddteil Flingern verübten Mordübersall auf die 30jährige Frau Meurer wurde um die Mitternachtsstunde eine Frau Wanders, Angestellie einer Speisewirtschaft, im Hofgarten mit stark blutenden Kopfwunden bewußt- los o u f g e f u n d e u. A's sie da? Bewußtsein wiedererlangt hatte, gab sie an, daß sie aus dem Heimweg durch den dunklen Hos. garten von einem Wegelagerer, der sich hinter einem Baum versteckt gehalten haben müsse, von hinten niedergeschlagen worden sei. Kinanzphantasien. Quaatz und„DAZ.* Der deutschnalionale Reichstogsabgeordnete Dr. O U a a tz hielt gestern eii»e Rede, in der er, laut„Lokol-Anzeiger"-Berichr, die Be- hauptung aufstellte, der Reichsfinanzminister sec, um seinen Geld- bedarf zu befriedigen,„selbst an fremde Eisenbahnen schon heran. getreten". Diese Behauptung ist nicht neu, sie ist auch schon in der Form aufgetaucht, daß den fremden Bohnnen für die angeblich beanspruchten finanziellen Leistungen t a r i f a r i s ch e Ve r gü n st i. (jungen zugesagt worden seien. Wahr ist allerdings an dieser Geschichte kein Wart. Die„DAZ." lx-jchästigi sich mit dem kommenden Rachkragseiat für das laufende Rechnungsjahr und bemängelt, daß er nicht alsbald dem Reichstag vorgelegt werden soll. Sic vergißt dabei, daß die Gestaltung des Nachtrogsetat von der Annahme des Poung- Plans abhängt, über deren Ausführung die Verhandlungen bekannt- lich noch nicht abgeschlossen sind. Oer neueste Schwindel. Das Attentat auf den Neichotag. Zu den Behauptungen der„Roten Fahne" daß die Polizei auf die Absicht eines B o m b c n a t t e n t a t e s gegen das Reichstagsgebäude vorher aufmerksam gemacht worden sei, aber nichts dagegen getan hätte,-erklärt das Polizeipräsidium, daß die- Polizei jeder Anzeige und jedem Fingerzeig auf irgend- welche nerbrecherischen Pläne stets mit allem Eifer nach- gegangen fei. Von dem Plan eines Attentats auf den Reichstag habe die Polizei nicht einmal eine Andeutung erhalten. �9 Todesurteile in drei Tasen. Im Lande, wo die Todesstrafe abgeschafft ist. Moskau, 26. Oktober In den letzten drei Tagen find durch die GP11. 19 Todesurte-le ausgesprochen worden. Die Todesurteile werden damit begründet, daß in der letzten Zeit die gegensowjelist'std« Bewegung stark zu, genommen habe. Die Verurteilten hätten sich mit reichen Bauern in Verbindung gesetzt, um mit deren Hilfe einen gegen die Sowjets gerichteten Verband zu gründen.(!) Wie weiter gemeldet wird, werden im Laufe des Sonnabends im Astrachan-Prozeß weiter« zehn Todesurteile erwartet Außenminister Dr. Ivang hat den Großmächten ein« neue Note übermittelt, in der China mitteilt, daß am 1. Januar 1930 fäimlickv Vorrechte der Ausländer in China abgeschasft werden. Arno Holz/ Oer Kunstrevolutionär. 8«jte fntt ist Arno soll im S7. Lobrn«. iollt tinem Slitctnlcikcn erlegen. „2lit einem ersten blauen Frühlingstag meiner Königlich preußischen privilegierten Apotheke zum Schwarzen sAdler bin ich geboren. Vom nahen Georgenturin, über Ken Dtartt der kleinen, weltentlegenen Ordensrirterstadt, .zwischen dessen buntlich rundholprigem Pflaster noch Gras wuchs, durch die geöffneten Fenster• läuteten die Sonntagsglocken. Niemand„ahnte" was Zu Mittag ib's Schweinebraten und geschmorte P- i.* zum Kaffee war ich da. Noch heut, so oft sie's mir erzählt. lacht mein« Mutier." So schildert Arno chol.z, das„Sonntagskind", seine Geburt. Wie hätte er sein Ende geschildert? Dieses Ende eines Leb«ns voller Arbeit, voller Kämpfe, voll jauchzender Hoffnungen und herbster Enttäuschungen? Jeder gebildet« Deutsche kennt den Namen Arno Holz, aber es gibt nicht viel«, denen sich mit diesem Nomen ein lebendiger Begriff verbindet. Di« modernen Literaturgeschichten erzählen ausführlich von dem bahnbrechenden Wirken des Mannes, ober die Cliquen und Klacken, die die literarischen Moden machen, haben ihm stets so wenig Wohlwollen entgegengebracht wie er ihnen. Während für gefällige Talente die Retlametrommel gerührt wurde, lautete ihm gegenüber die Parole: Totschweigen. Manche Größe von bescheidenem Mittel- maß wurde von den Maßgebenden als überragende Leuchte gefeiert, während man übersah, daß sie sich erst aus den Schultern von Arno .er»n 1 Beilage. Ti|l.! VinttlL 5 ml>'/- Dir Baibantu 1261 Unsere neuen Preise: Vecteet:|)s 6 Ukr SO Pf. bis 3 Kerb Till. IV:• Soont i Ubr 1 bll 0 Herb Cbirlle Rtve1, 3 Whir'wnnde. 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Sonnt» 3*- und» Uhr. ) Barnowsky Theater in der KBniggrätzer Straße Täglich 8Vt Uhr Die erste mrs. seiby mit Fnizi maasary Komödienhaus Täglich SM, Uhr Ißibbyi loppea siDd die besten mit Kurt Bois Direktion )r Robert Klein Dealsehes Iflnsller-Theal Barbarossa 3937 HVe Uhi Die UDdere Seite Berlioer Theater Tönhofmo 8Ve U. Zwei Krawadtn von Georg Kaisei Musik Spolianskv Melropol-Tü. 8-/4 Uhr Lebar dirigiert Das Land des Lächelns Vera Schwarz, Richard Tauber CASINO-THEATER tothrin�cr Sirahc 37. Neu! TSglicfa SV« Uhr Neu! wertagte Hochzeltsnachtl und ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Outschein tür I—« Personen Fauleuil nur 1.23 M., Sessel 1.75 Sonstige Preise: Parkett u. Rang(k80 M ROSE •THEATER 6rs,MTer Billcttkasse: Alexander 3422. Täglich 8" Uhr (Sonntags 5'/» und-9 Uhr) DI« Iddaie Jsabell Sie zahlen(Gr Rg.-Balkon(Seite) 50 Pf., für einen guten Mittel- Rang 80 PI., für Seilen parket. 1 MR., für II- Parkett 1.20 Mk. für I. Parkett und Rang-Balkon Mitte 1,W Mk. fad an Sonnabant( Uhr >i. Jeden Sonntag 2V Unr Schneewittchen. laden Ulttvodi 5 UPr Das tapfere Sdiueiderleln Lessing- -Thesler Norden 10846 Gruppe fonger Sdaauspieler Täglich SV« Uhr Cyankali # 218 von Fnedrta well Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich SV. Uhi Max Adalbert als Nenle am Flügel Rudolf Nelson Prankkurler Allee 313-314 Ab Freitag, 25. bis Montag, 28. Oktober: Film: Die fideie Herrenpartie Bühne: Die groBe filazarofl-Sdiai (Hauptmotive aus Zigeunerbaron) Beginn der Vorstellungen: Wochentags 6 Uhr, Sonnabends 5 Uhr Sonntags 3 Uhr. Lasispieibius Friedrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich»>/, Uhr Grand Hotel Lustspiel von Paul Frank Montag, den 28. Oktobei na tu ib. 4 Uhr föetlage Sonnabend, 26. Okiober 1929 IprÄbpnd StialcuilGaJZe dti Z)as neue China:„HUAN HUA KANG a ff Szene aas dem Drama„Der gelbe Blumenhügel Während der Wirtschaftskampf im modernen China und der politische Umwandlungzprozctz auch in Europa mit Interesse verfolgt wird, kennt man von der kulturellen Entwicklung so gut wie gar nich'.s Und doch Hot China auch in dieser Hinsicht mit der alten Aeit gebrochen Die Probe aus L u Thuns Novelle„Die wahre Geschichte vom Zduli Ah-Q(Unterhaltung und Wissen Nr. 483 und 431 des„Vorwärts") zeigte bereits den Durchbruch zum Gegen- wärtigcn und Naturalistischen in der modernen chinesischen Litera- tur. Wir veröfsentlichen an dieser Stelle die Eingangsszene aus einem chinesischen Drama, das— in China seit Iahren mit stürm'- schcm Erfolg gespielt— seinen Stöfs mit kühnem Griss der politi- scheu Gegenwart entnimmt. Es handelt sich um die Erhebung der Jweiund'siebzig kurz vor Ausbruch der Oktoberrevolution, die un'er dem gelben Blumenhügel bei Kanton ihr Grab fanden. M: >> „Der gelbe Blum enhü gel" ist denn auch der Titel dieser sünsaktigen Tragödie, deren Uebersetzung aus dem Urtext Franz K u h n und deren Nachdichtung Axel A r h e u s besorgt. *** Futschou. Im Hause des Kio Min. Personen der ersten Szene: Kio Min. M a n T s ch- n, seine Frau. L i u, sein Freund. Man T s ch e n: Du siehst mich ja so verliebt an... Kio Min: Du Liebes, du Gutes du, ich hob dich so lieb. Man Tschen: Wir haben doch schon ein großes Kind. Kio Min. und du redest immer noch so verliebtes Zeug. Kio Mi n: Laß mich dich ansehen! Wie lange konnte ich's nicht— die ganze Zeit in Tokio! Man Tschen(rückt ein bißche» von. ihm- weg): Ach. Tokio. ... Du sogst. Du liebst mich... und bist kaum einen Monat nach unserer Hochzeit weggesähren, ohne ein Wort, heimlich... Kio Min(unterbricht sie): Aber wieso denn heimlich? Ich hatte dringende Geschäfte. Man Tschen: Männer haben dann immer Geschäfte, ich weiß. Aber daß du nur sehr weh tun würdest, daran dachtest du nicht und auch nicht an deinen alten Vater? K i o M i N(verlegen lachend): Mit Vater, das war sehr komisch. Der Alte reiste mir nach Amoy noch, findet mich nicht, und als er zurückkommt, wer macht ihm die Tür aus? Ich! Man T sch e n: Lache du mir noch darüber, ober du hättest damals den Alten sehen sollen— halb zu Tode hat er sich geängstigt! Kio Min: Ich weiß, es war häßlich(wird ungeduldig). All dies Drum und Dran! Ich kann's doch nicht ändern, daß ich für die groß«, heilige Sache leben muß! Seit zehn Jähren.., Man Tschen: Kio Min. was bedeutet das...?. Kio Min: Erschrick doch nicht gleich!(wirf, sich auf einen Stuhl): Ich nwg nicht mehr darüber sprechen. Ihr versteht mich doch nicht. Immer, wenn ich wiederkomme, dieses Gerede! Am besten, ich komme überhaupt nicht wieder! Man Tschen: Du willst wieder weg von Frau und Kind? Kio Min: Nein, nein, nein! Gerede w-nl ich euch besitzen will, darf ich mich durch nichts von meinen Dingen abbringen lassen! M a n T s ch c n: Ich verstehe nichts von alledem. Warum ist fö? fi i 0 Min: Wieso? Wieso? Immer dieses Gefrage. Weil wir letzt gar nicht uns gehören, sondern den Fremden! M a n T s ch e n: Ich Hab solche Angst um dich... K i o M i n: Du glaubst schon wieder, die Kio min tang bedeutet weiter nichts als Mord und Totschlag. Natürlich bin ich dabei, wenn es ans Befreiungswerk gehl, aber wer denkt da gleich ans Sterben? Du weißt, ich habe in Tokio nur Philosophie und Logik studiert und Vi« die Soldatenspielcrei mitgemacht. M a n T s ch c n: Ich weiß nicht, ob ich dir glauben soll, Kio Min. Du bist so gesühlsroh... K i o M i n: Gesühlsroh? Ich tue dos alles nur, weil ich fühle. Man Tschen: Das ist alles so rätselhaft. Kio Min: Gar nichts ist röts-lhaft dabei. Vertrau mir. Man Tschen, ich habe alles jahrelang durchdacht und ich weiß genau, wie es kommen muh. Man Tschen: Verzeih mir, Kio, aber es ist so schwer, dich zu verstehen. K i o M i n: Du wirst mich noch einmal verstehen. Du denkst in diesen Dingen zu sehr mit dem Herzen. Man Tschen: Vielleicht ahne ich, was du meinst Aber je deutlicher ich sehe, um so mehr habe ich Angst um dich,(plötzlich): Du willst die Revolution! Kio Min: Aber Liebes, du weißi doch, was die Ausländer von uns sagen: die Chinesen sind gute Theoretiker aber Ichlechte Praktiker. und ich bin doch ein Chinese! Man Tschen(streicht ihm traurig lächelnd über das Haar): Das klingt ja etwas beruhigend. Aber ich glaube, du sogst mir nicht die Wahrheit, du warst doch sonst nicht feig«. Kio Min: Wenn i ch feige bin. dann waren es unsere Eltern erst recht! Man Tschen: Laß das bloß nicht den Vater hören! Kio Min: Warum? Wären die damals mutiger gewesen, hätten wir nicht dreihundert Jahre lang die Fremdherrschast tragen Man Tschen: Ich sag« nicht, daß du feig« b i st, ich' wundere mich nur, daß du jetzt so feige sprichst Ich will nur, daß du endlich zu mir offen bist. Kio Min. wo kommst du her? Kio Min(etwas unsicher): Aus Tokio, woher sonst? Man Tschen: Während der großen Ferien hattest du kein« Zeit zu kommen. Ilicki gerade letzt... Kio Min: Die Universität hatte wegen der Kirschblüte ge- schlössen. Da bin ich mit einigen japanischen Freunden noch Schaag- Hai gefahren, um ihnen den chinesischen Frühling am Hsi-Hu-See zu zeigen. Von da habe ich einen Abstecher zu euch gemacht. Man Tschen: Du warst in Schanghai? Wie kommt denn der Stempel vom Hongkong-Palace-Hotel auf deinen Koffer? Kio Min: Was du alles siehst! Ich bin eben über Kanton gefahren! Man Tschen: Warum hast du denn einen Umweg über Kanton gemocht? Kio Min: Warum? Darum! Kann ich nicht reisen, wohin ich will? (Aufs äußerste erregt, will Kio Mir. herausstürzen, prallt aber in der Tür mit seinem Freunde Liu zusammen, der eintreten will.) L i u: Kio, alter Junge, wieder im Lande? Guten Tag, Frau Man Tschen(überreicht ihr Blumen). Man Tschen: Schon wieder eine Aufmerksamkeit? Sie verwöhnen mich so. Kio Min: Du bleibst natürlich zum Essen, lieber Freund!— Man Tschen. bitte, laß etwas herrichten. (Man Tschen geht ab). Kio Min: Warst du oft hier, als ich fort war? L i u: Hin und wieder, dein Vater plaudert gern mit mir. (lejfe): Was Neues aus Tokio? Warst du mit Kwang Tschen zu- sammen? K i o M i n: Ja.(Sie setzen sich zusammen.) Ich bin mit ihm nach Hongkong gereist. Aus einen Brief von Huang Ko Kiang und Tjchao Po Hisiän hin haben wir in einer Sitzung beschlossen, daß Kwang Tschen sofort nach Hongkong fahren sollte, um die Leitung der Sache in Kanton zu übernehmen. Ich selbst sollte in Futiän olles vorbereiten, aber bei meiner Ankunft in Hongkong bestand Huang Ko Kiang daraus, daß ich ihm bei den Vorbereitungen in Kanton helfe. Jetzt ist alles fertig in Kanton, und ich bin hierher- gekommen, um euch zu verständigen. Liu: Ursprünglich sollte es doch in Tünnan losgehen. K i o Min: Pünnan liegt zu weit ab. Wir haben uns auf den ausdrücklichen Wunsch Suiiyatsens auf Kapton geeinigt. Gewiß, in Schanghai, Hantau, Nanking und Hunden anderen Plätzen ist unsere Organisation auch fertig, aber nirgends jo stark wie dort! Kanton ist am wichtigsten! Haben wir Kanton, ist das andere ein Kinderspiel. Vor allein steht dort das Militär auf unserer Seit«. Ganze Regimenter rekrutieren sich aus unseren Leuten. L i u: Endlich, endlich! Glaube mir, hier habe ich es auch ge- schafft. Kio Min: Wieviel sind es? Liu: Etwa sechshundert, die mit uns durch dick und dünn gehen.. Kio Min: Glaubst du, daß sie mit nach Kanton kämen? L i u: Sofort! Kio Min: Dann verständige sie. Aber wir müssen bis Mitte des Monats in Kanton sein. (Man Tschen tritt unerwartet ein) Man Tschen: Ihr wollt nach Kanton? Ki o Min(sehr verlegen):... Ja... natürlich noch Kan- ton. Da... ist ein Schausliegen, das ein französischer Flieger veranstaltet. Man Tschen: Schaufliegen?— Bitte, Herr Liu, was ist in Kanton los? L i u: Wie Kio sagte, ein Schaufliegen... ich fahre auch hin. K i o M i n: Ja, Liu kommt auch mir. Man Tschen(zwischen beiden): So, so... ein Schauflug? ... Dos ist nicht wahr! K i o M i n: Du bringst einen ja mit deinem ewigen Argwohn zum Rasen!(Wütend ab.) M a n T s ch e n(nach einer kleinen Pause): Jetzt läuft er wieder weg, ich wollte ihm ja gar nicht weh tun. Ich habe solche Angst um ihn! Liu, Sic müssen mir sagen... sein ganzes Wesen ist gegen früher verändert. Sonst war er so sorglos und froh... und heute? Sie haben ja selbst gesehen! Und dann lügt er. Erzählt etwas von Kirschblütenferien, aber die dauern nie länger als drei Tage, das weiß ich. Und drei Wochen ist er schon von Tokio fort. Cr sagt, er wäre über Schang» Hai gefahren, und ich finde an seinem Koffer den Stempel vom Hongkong-Palace-Hotel. Liu, was wollen Sie in Kanton? L i u: Aber ich bitte Sie, Man Tschen, wir wollen uns den Schauflug ansehen. Man Tschen: Und was ist mit den sechshundert, die auch mitkommen sollen? Liu: Sie haben gehört? M o n T s ch e n: Ja, ich habe gehört, und ich will, daß Sie mir jetzt endlich die Wahrheit sagen. (Liu schweigt.) Man Tschen: Fürchten Sic nicht, daß ich etwas verraten werde, Liu. Ich schwöre Ihnen... (Liu schweigt immer noch.) Man Tschen: Mißtrauen Sie mir? L i u: Das nicht, aber... Man Tschen: Nicht aber! Verstehen Sie mich doch! Die entsetzliche Ungewißheit quält mich....(plötzlich): Ihr wollt jetzt losschlagen? Liu(zögernd): Ja. Man Tschen: Und darum d!« Reise nach Kanton? Liu: Ja. Man Tschen: Ich danke Ihnen,(sie weint.) Liu(noch einer Pause): Sic müssen nicht weinen, Frau Moni Tschen. Man Tschen: Nein... natürlich... nichts ist schlimm, gar nichts... ich... bitte, gehen Sie jetzt, Liu... ich muß jetzt allein sein. (Liu geht leise ab.) Man Tschen: Ich muß jetzt... ganz allein sein... (Sie fällt weinend und ein Gebet stammelnd vor einem Bildnis der Kwannon nieder. Der Vorhang schließt sich ganz langsam.) Ton der anderen Seite gesehen... Punkts sozialer Fürsorge gilt Neuseeland als dos leuchtende Vorbild. Jede Dicnstbotenstub«, jede Schusterwerkstatt wird gefundheitsaintlich inspiziert, ob sie hell und luftig genug ist; es wird strenge darauf geachtet, daß sich niemand überarbeitet und jeder so viel Lohn bekommt als irgend möglich. Neuseeland ist ein Arbeiterparadies, der Garten Eden der Haus- angestellten. Mein Weg führte mich von da nach einem anderen Insel- Paradies: Samoa. Ich nächtigte unter den Palmfoserdächern der Eingeborenen und wandelte im üppigen Grün, bis ich müde und hungrig war, dann kehrte ich ein. Und wo immer ich eintrat, war ich willkommener Gast. Am Wege winkten Bananenbüsche voll reifer Früchte und Kokospalmen mit Kugeln voll erfrischender Milch:— bald hotte ich vergessen, daß es so erwas wie Geld und Geldsorgen gibi aus dieser Erde, und Not und Plage. Einmal machte ich Mittagsrast in der Holzsäulenhalle eines Häuptlings, der, so schien mir, von unserer so hochgepriesenen Kultur beleckt war. Und als ich ihn frage: richtig, er hat schon eine Reise gemacht— nach Neuseeland. „So, so," sagte ich,„und wie hat es Ihnen denn in Neu. seeland gefallen?" „Wunderbar," rief er begeistert aus.„Diese Villen und die Fabriken... diese Kaufhäuser.. Eisenbahnen... Schaf- Farmen... wunderbar! Aber eines hat niederschlagend auf mich gewirkt..." „Was ist dos?" fragte ich gespannt. „Ach." sagte der Samoaner Und seufzte,„ach, dieses entsetzliche sozial« Elend! Es schnürt mir das Herz zu- sammen, wenn ich daran denk«..." beb«. Schlädüereien in Dänemark Von sachverständiger Seite werden wir darauf aufmerksam ge- macht, daß dem Genossen Simon in seinem Bericht über die Studienreise durch Dänemark(„Abend" vom 7. August 1328) bei der Schllderung einer Großschwcineschlächterei einige Äußerungen unter. laufer. sind, die da- betreffende Unternehmen scheinbar sehr herab- setzen Dos war. wie uns Genosse Simon versichert, durchaus nicht die Absicht dieser Zeilen. Seine Kvitik bezog sich keineswegs auf die Behandlung und die Verarbeitung der Produkte, noch auf die tierärztlich« Kontroll«, sondern lediglich aus einige sozial- hygienische Maßnahmen, über die er bei seinem kurzen Besuch keine aussührlichen Auskünfte erhalten konnte. Jßerlin, JHexanderplais" Franz Biberkopf wird aus dein Tegeler Gefängnis entlassen und will„anständig" werden. Ida hatte er in„Rasche" tot» geschlagen i dann vier Jahre hinter den roten Mauern: das liegt bald hinter ihin. Aber es ist ichiver, als Zeitungshändler zwischen dem„Alex" und dem Rosenthaler Platz sein Auskommen zu finden. Lange weigert er sich,„Obst" zu handeln: lieber nimmt er seinem Freund Rcinhold alle vier Wochen eine Lina oder Cilly ab. Ja, dos tut er lieber. Aber schließlich möchte er doch einmal ein bißchen mehr Geld bekommen. Zwanzig Märker oder so. Er glaubt wirk- lich, daß„der Verein" Obst handelt. Ahnungsvoll entdeckt er, daß sie in einem Konfektionsladen einbrechen. Aber er muß Schmier« stehen. Sein„bester" Freund Reinhold wirft ihn, als sie sich ocr- folgt sehen, aus dem Auto. Franz« verliert einen Arm. Der Krüppel wird Zuhälter, Lude. Und er ist so glücklich mit seiner Mieze; bis Reinhold sie ihm totmacht. Die„Bullen", die Kriminal, glauben ihn mitbeteiligt. Aber er war es ja nicht. Rcinhold war es doch. Der kriegt dann auch 13 Jahre, aber nur weil ihn Franze, unser gutes Franzeken,„schont". Der war in Buch zur Beobachtung. Da hat er in freiwü>i'gsr Hungerkur mit dem Tod« abgerechnet; als neuer Mensch entrinnt Franz dem Schicksal des Einsamen. „Er ist Hilssportier in einer Fabrik. Was ist denn das Schick- sal? Eins ist stärker als wir. Und wenn wir zwei sind, ist es schon schwerer, stärker zu sein als ich. Wenn wir zehn sind, noch schwercr. Und wenn wir tausend sind und eine Million, dann ist es ganz schwer. Ader es ist auch schöner und besser, niit anderen zu sein. Da fühle ich und weiß ich alles noch einmal sc, gut. Ein Schiff liegt nicht fest ohne großen Anker, und ein Mensch kann nicht sein ohne viele ander« Menschen—" „Berlin Alexonderplätz." Börsen-, Diehmarkt-, Wetterberichte, Elektrische Bahnen, Autobusse, nackte Tagesereignisse und Tatsachen, herrlich ungeschminkte Dialoge, Leben, Schicksal, Tod sind m diesem Buch, zu dem wir bedingungslos ja sagen. In einer Zeit, in der der Präsident der preußischen Akademie der Dichtkunst. Herr Walter von Molo, für Firma Ullsteins „Grüne Post" Retlame macht:„Die Grüne Post" hat das geschaisen, worum die Dichter sich so lange allein bemühten, was sie mit ihren Werken herbeizwingsn wollen- seelische Einigkeit aller Deutschen, den Weg zur Einigkeit aller Menschenseelen auf unserer Erde"(vgl. „Vossische Zeitung" vom 23. Oktober 1323 Literarische Umschau, 4. Seite)— verbirgt sich die Gestalt des Dichters?llfrcd Döblin hinter der Anonymität seiner Leistung ü Berlin Zllexanderplatz.") Nut ein Bedenken muß notiert werden: Für 3.33 Mark ist dieses Buch für unsere Arbeiter zu teuer. /. P. M. *) Alfted Döäün„Berlm Alexanderplatz"(Perlag& Fischer). Vornan von fllax ßarlkel (30. Fortsetzung.) »Entsinnen Sie sich auch noch der dicken Frau Moller, die in, (5ase„Urania" und mit bei chondt mar?" „Di« gute, dicke Frau Möller! Ich werde mit Lyssander sprechen, daß sie«ine kleine Rolle bei uns bekommt", rief Marian««. „Die Frau Möller spielt jetzt eine Hauptrolle", erzählt« Sritt. „Sie hat geheiratet." „Keiheiratet? Sie wollte einmal die Welt umarmen. Und wen umarmt s!« jetzt, Gritt?" „Einen Straßenbahnschafsner!" Marianne schloß die Äugen. „Und wissen Si« nichts oon der Flora?" fragt« sie zögernd. „Die Flora, die Flora, ach, der Flora gehts nicht besonders gut", sagte Gritt seuszend.„Sie tritt in einem Tingeltangel als Tänzerin auf. Als Girl, als Texasgirl. Der Herr Hondt hat sie damals vermittelt. Ihr geht es auch nicht besonders ggt. Sie sieht schlecht aus, die Flora. Ich sehe sie manchmal. Soll ich ihr einen Gruß bestellen?" „Hören Sie, Gritt," begann Marianne energisch.„Hören Sie, Gritt, wir müssen etwas für die Flora tun. Was ist das für ein Unsinn: Flora als Texasgirl! Ich werde dafür sorgen, daß sie bei uns Arbeit bekommt. Warum hat sie sich iricht bei mir gemeldet? Eines Tages war sie plötzlich verschwunden. Sagen Sie doch der Flora, sie soll in den nächsten Tagen mal anrufen. Hier ist meine Adresse. So geht das nicht weiter. Wir müssen der Flora helfen. Abgemacht. Gritt?" Sie redete siili in großen Eifer hinein, um ihr sc�echles Ge- wissen zu betäuben. Damals, als in der schrecklichen Stunde der Mond ihrer Kindheit umerging und als der Gesang der Nachtigallen erstarb, damals, als sie den Weg zur Höhe ganz klar vor sich liegen sah, damals hatte sie alle alten Freunde geopfert, den Georg und die Flora, aber nun war sie oben, nun stand sie aus der Höh«, nun hatte sie gesiegt und durste mitleidig sein. Ja, sie wollte auch der Gritt helfen. „Abgemacht," sagte Grilt.„Abgemacht. Und ich bin froh wegen der Großaufnahme. Ein wenig Licht können wir armen Würmer da unten immer gebrauchen. Und der Meister soll ruhig sein« Bilder behalten, wenn es ihm Spaß macht. Mit der Flora werde ich sprechen. Sic wird glücklich sein.... Ick) danke herzlich, gnädige Frau!" Diese Anrede verwirrte Marianne und machte sie rot. Sie winkte mit der Hand und lieh die kleine Gritt stehen, die kleine Gritt, die kluge Gritt die aus einem sentimentalen Gefühl heraus die Ge- schichte mit dem Bruder, der Hondt züchtigte, erfunden hatte. Ma- rianne ging nach der Garderobe, kleidete sich um, wurde ge- schminkt und stand bald darauf im prasselnden Licht einer Aufnahme. Die groß.« Szene mit Lyssander wurde gedreht. Der herzige Erzherzog Franzi war vom Kaiser in die Ber- bannung geschickt worden. Der Herr Musikant Johann Strauß stand vor der Luxusjacht und spielte ein rührendes Lied. Mister Gould halte sich zu erkennen gegeben und schmückte jetzt aus der Jacht seine schwer errungene Schönheit Marianne mit erlesenem und blitzendem Schmuck. Er brachte Perlen und Edelsteine, und als er dein Mädchen ein Brillantenhalsband umlegte, kam ihr sen« Minute in den Sinn, als sie vor dem Juweliergeschäft in der Iriedrichstraße als kleines Mädchen stand und von Lyssander zum eistenmal angesprochen wurde. Und auch daran dacht.' sie, daß er damals gesagt hatte: Brillanten sind gefährlich. Und nun lag sie an seiner Brust, war seine Geliebte, und als die falschen Stein.' feurig funkelten, fragte sie leise mitten in der Aufnahme: „Warum sind Brillanten gefährlich, lieber Freund?" Dabei lächelte sie ihn, wie das Drehbuch vorschrieb, selig und verklärt an. Er lächelte sieghast zurück und stüsterte: „Gefährlich? Für dich sind sie nicht mehr gefährlich, Liebling. «ic sind nur für die kleinen Mädchen gefährlich, die arm und allein auf der Friedrichstraße laufen und keilten Freund haben." Und als er sie küßte, küßte er sie nicht als Mister Gould oder Joseph Wutzclinoser, er küßte sie als Eugen Lyssander. Diese weni- gen Meter Film wurden bei allen Aufführungen große Sensation. Die kleinen Mädchen weinten vor Rührung und Glückseligkeit, sie sehnten sich heftig aus dem Jammer der Armut und Arbeit fort, sie sehnten sich auch nach dem reichen und schönen Freund, der sie endliä) einmal erlösen würde. Marianne Hull war schon erlöst. Dann kam der letzte Aufnahmetag. Daniel Kreß hatte gut vorgearbeitet. Die große Halle donnerte. Viele hundert Komparsen waren aufgeboten, Volk aus Wien, das sich am Ufer der Donau tust. wandelnd erging und der Jacht zujubelte, die nun die Anker lichtete und Marianne entführte. Gramp brüllte seine Donnerworte, die Sonnensysteme der Lampen verschütteten nicht» als Licht, di« Jacht bewegte sich, das Volk jauchzte. Diese Ausnahme war eine tech- nische Meisterleistung und hatte viele Gäste und Journalisten in das Atelier gelockt. Bernhard Glaß empfing sie als Pressechef. Daniel Kreß war oon bezaubernder Liebenswürdigksit, Herr Lemanjkq lief wie«in finsterer Scheich umher und heiterte sich erst auf. als Dolora auf- tauchte. Als die Lampen endlich erloschen und die große Hall« im leeren Tageslicht dämmerte, als sich die Komparsen verzogen hatten und nur noch die Götter und Halbgötter da waren, h:elt Daniel Kreß eine kleine Ansprache und lud seine Gäste zu einem kleinen Imbiß ein. Inmitten der Kulissen wurde eine Tafel improvisiert, drei Saxophonbläser und«in Klavierspieler waren plötzlich zur Couvrlßb« 19« by„Der Bücherkreis O. m b. H." Berlin 5W6I Stelle, es gab Wein aus Burgund und Wein von der Mosel, Ge- lächter schallte durch die hohe Halle, Reden und Ansprachen wurden gewechselt, auch Herr Gramp ergriff das Wort und er sprach auch jetzt noch, als gäbe er seinen Komparsen Befehle. Ein junger Mensch von der„Illustrierten" wollte ein« Groß- aufnahm« von Marianne haben. Für diese Großaufnahme hatte schon vorher Kreß gesorgt. Marianne hatte die Gunst der Stunde wohl begriffen und sich in das richtige Licht gestellt. Auch jetzt an der Tafel fand sie für alle Besucher ein freundliches Wort oder ein süßes Lächeln. Lyssander strahlte, und auch Glaß vergaß seine Glossen. Am nächsten Tage standen einige pompöse Artikelchen über das improvisierte Jubelfest in der Presse. Die Lustjacht wurde be- schrieben, die laute Stimme des Herrn Gramp reizend glossiert, Lyssander, Kretz und Glaß wurden nicht vergessen, auch über das Bolk der Komparserle waren einige Zeilen zu finden, aber der .Haupttext beschäftigte sich doch mit Marianne Hull. Und nun war das Spiel aus. Herr Gramp wandt« sich neuen Aufgaben zu. Mariann« reiste mit ihrem Freund Lyssander acht Tag« in den .Schwarzwald. Als sie wieder nach Berlin kamen, wurde die Ur- OAsführung des neuen Filmes an allen Plakatsäulen angezeigt. Und es war durchaus kein Zufall, daß in derselben Woche die „Illustrierte" Mariannes Bild auf der ersten Seite bracht«. Dos Bild war schön und zeigte ein rührendes Mädchen aus dem Volte, eine blonde, hilflose Schönheit, die scheu und wie unter heimlichen Tränen lächelte. Unter dem Bildnis stand in guter Ausmachung: Das schön« Deutschland. Di« Filmschauspielerin Mariann« Hull.- Di« Premiere fand in demselben Theater statt, in dem der erste Film herausgekommen war. Die Premiere war ein großer Erfolg. Eine Zeitung schrieb, die Hull sei«In Edelstein in der Krone Deutschlands, die Industrie habe an der Hull den schon lange ge- suchten Star. Di«� Industrie fei oerpslichtet, die schön« Hull nicht wie die anderen Schauspielerinnen nach Hollywood entweichen zu lassen. Kreß hatte einem ihm bekannten Kritiker von Anfragen aus Amerika erzählt. Davon war kein Wort wahr, aber der junge Mensch fühlt« sich verpflichtet, an das Gewissen der deutschen Film- gesellschaften zu appellieren. In diesen Freudenbecher stürzten doch einige bittere Tropfen. Die große Presse war des Lobes voll, aber im„Abend" erschien ein Gedicht, das sich gegen die Verlogenheit der Filme im allgemeinen wandte. Dieses Gedicht hatte Lemansty, der für die Dolora King war, anonym an Marianns geschickt Nun saß sie in ihrer schönen Wohnung und studierte mit gerunzelten Brauen die Derse, di« sich „Filmbericht" nannten und erzählten: Bor der schimmernden Leinwand sitzen stumm Im verdunkelten Kino die armen Loute Was sie da sehen ist meistens verlogen und dunnn: Verlogen und dumm sind viel Dinge heute. Was sieht man? Das winmiernde Leid der Frau T! Den Rhein, den Wein, das olle Geschlapper, Ein Cowboy zeigt seine verblüffenden Tricks, Ein Lustspiel hebt sein« armselig« Klapper! Zehn Mädchen— ein Nachbar sagt ehrfürchtig:„Gerl" Beschließen das Bild und zeigen die Beine. Ein Tänzer tritt auf, ein herzloser Kerl. Ein Fräulein singt später:„Ach, war ich die Deine!" Und tief iw Parkett, im Dunst und Gewühl, Da sitzt graues Volt und will sich erwärmen, Ist edel und darf im verruchten Gesühl Bis in den Salon im Vorderhaus schwärmen. Die Technik grinst lauernd durch allen Verzicht. C» kreiselt der Abend im leeren Dergnügen. Der Schlaf kommt langsam, ein schweres Gewicht. Der Tag ist brutal und zerstört alle Lügen. Dieses Gedicht gefiel Marianne durchaus nicht. Sie fühlte sich beleidigt, obwohl kein Wort dann gegen ihren Film gesagt wurde. Ihr Spiel spielte ja an der Donau, ihr Film war ausgleichende Gerechtigkeit: ein armes Mädchen kam aus dem Elend, ließ sich nicht verführen und ergab sich dem richtigen Mann. Sie kam aus dem Elend und hatte es schließlich gut. Und dann oerbanden sich in ihr noch aus der Schulzeit her mit dem Begriff Gedicht nur schöne und erhabene Gefühle. Ein Gedicht sollt« trösten. ein Gedicht durfte nicht beleidigen Ein Gedicht war für sie bis jetzt wie eine wohlgestaltete und leuchtende Blume gewesen. Sie oer- achtete den Verfasser der Sudelei und warf die Zeitung in den Papierkorb. Sie las noch einmal die lobeirden Besprechungen der anderen Press« und starrte entzückt auf das Bild in der „Illustrierten". Dann klingelt« das Telephon. Ein« fremde Stimme meldete sich. „Gnädigste", hörte sie ergeben fragen.„Gnädigste, darf man Sie eine Viertelstunde Ihrer kostbaren Zeit berauben? Hier ist der Modesalon Herzfeld. Wir würden unsere Vertreterin schicken und bitten im Voraus um Entschuldigung und um gütigen Empfang." „Um was'handelt es sich denn?" wollt« sie wissen. „Um die ergebene Bitte, Gnädigste, ob Sie bei Ihrem nächsten Film ein Gesellschaftskleid von uns tragen wollen." „Ich erwarte Ihre Vertreterin", sagte sie und hängte ab. In der letzten Zeit war sie schon manchmal von großen Firmen mit den sonderbarsten Angeboten bestürmt worden. Mit einer Fabrik kosmetischer Artikel hatte es begonnen. Dies« Fabrik bot sehr darum, doch zu bestätigen, daß ihr« Mandeloiivcreme die beste von der Welt sei. Eine kleine Dose in kostbarer Ausstattung lag diesem Schreiben bei. Dann kann ein Seidcnhaus und wollte die Erlaubnis haben, erwähnen zu dürfen, daß die junge, schöne und berühmte Filmschauspielerin Marianne Hull mit Vorliebe die echie Goldbachseid- trüge. In der Anlage wurde noch gesagt, daß die Firma einige handschristliche Zeilen deniemsprochenü honorieren wolle und um die Angabe ihrer Lank bitte. Von einer Zigaretten- fabrik kamen tausend Zigaretten einer Spezialmark«. Sie lagen in einem silbergetriebenen Kasten. Es wurde gebeten, mit einigen lobenden Zellen über die Güte der Sendung zu quittieren. In einer Boulevardzeiwiig, die mit Borliebe aus dem Schutt- Hausen exklusiver Standalgeschichten wühlt« und in Sentimentalität machte, erschien in großer Aufmachung die rührende Erzählung einer Unterredung, die ein Reporter mit dem alten Hull gehabt hatte. Darin wurde viel von Mariannes Kindheit erzählt, von ihrem Schwärm für» Theater, die Stube mit den exotischen Andenken wurde beschrieben, der Nein« Götze aus Ehina wurde erwähne und als Talisman gepriesen und am Schluß behauptet« der Reparier, Marianne habe schon in ganz jungen Iahren zum Zirkus gehen wollen.- Durch diesen Bericht erinnerte sich Mariann« an den kleinen Götzen.Sie stand aus und suchte ihn. Aber er blieb verschwunden. Sie mußte ihn irgendwo verloren haben. Das war vor einigen Tagen geschehen, und heute morgen war das ernsthafte Angebot von einem großen Zirkus gekommen, der sie zu einer Tournee durch ganz Deutschland verpflichten wollte. Aber sie ließ sich nicht verpflichten und schrieb ab. Gestern hatte der Komponist des Marlaschlagers vorgesprochen Er brachte einen neuen Song mit und bat, ihn Mariann« widmen zu dürfen. Sie ließ sich diese Widmung gefallen.(Forlsetzung folgi.) Rätsel-Ecke des„Abend". wuiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiniiuiiiiuiiuuiniiiuiiiniuuuuiiuiiiiiiimiuiiuiuiiiiuuiiiuusiniHiiujuiimutiuuimiuiuaiflniuinniniiiniuunmuiiuiiiiuiuiniu» Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Norweg. Komponist: 5. Hautüssnung: 6. Behältnis; 10. Heilkundiger: 11. Kammlinie eines Gebirges: 12. Nagetier: 14. Name eines griech. Buchstaben: 15. Erdschicht: 20. Streit: 21. Wasserbehälter: 22. Wasserpflanze: 23. staatl. Einrichtung: 26. Blutgefäß: 27. Qual: 28. Prosadichlung.— Senkrecht: 1. Tropfsteinhöhle: 2. Waldtier: 3. Stammutter; 4. Strom in Asten: 5. Seeräuber; 7. Muse: 8. Steinsarg: 9. Fahne: 13. Krank- heitsslost: 14. ital. Dichter: 16. Mittelmeerinsel: 17. Schiffseigner; 18. Teil des Brustkorbes; 19. Reinigungsgegenstand: 24 latein. Wort der Zustimmung; 25. belg. Bad. l*. Zoologisches. Aus den Silben af an der bi bock« fe gcr Hund il lo mal mur pc pir reh sc« scl ta ti ti tter tis sind die Namen von 10 Säugetieren zu bilden und so untereinander zu stellen, daß die Anfangsbuchstaben, von oben nach unten gelesen, ein werwollcs > Pelztier nennen.»ix Silbenrätsel. Aus den Silben bahn bau der chra da de del di« e e ed ei er eis sel sin geld gen gu haue hi la le Ii Iis lo m« mi mus nc neu nep ncw ni no ra rad re ro sa sau se si ts ter tio tor tun un wa warn werb wig york sind 20 Wörter zu bilden, d.'rcn Anfangs- und Endbuchstaben, beide van oben nach unten gelesen, «inen Sinnspruch ergeben.— Di« Wörter bedeuten: 1. Indianer- behau jung. 2. biblisch- Person: 3. Krankheil: 4. Umsturzleh e: 5. Wohltätigkeitsanstalt: 6. Wassernixe; 7. Sportplatz: 8 regelnde Verfügung: 9. Speicher; 10. Gebäck': 11. Gebirge; 12. Stab: in Amerika: 13. spanischer Tanz: 14. Taktmesser: 13. Teil des Ge fährts: 16. norddeutsche Sagensammlung: 17. Körperteil; 18. Zweck der Arbeit; 19. weiblicher Vorname: Ä). Meeresgott. si. Rösselsprung. (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auslösung der Rätsel aus voriger Rümmer. Spiralenrätsel. ZSagerecht: 2. Ale; 3. Sieb: 6. N'guss: 8. Amerika; 9. Kirgisen; 11. Landsberg. 12. Infanterie; 14 W!l- helmehöh; 15. Turteltaube.— Senkrecht: 1. Er: 2. Aas; 4 ßaub- 5. Peter: 7. Afrika: S. Arsenik; 10. Graupeln. 11. Lombaidei- 13. Harzgerode: 14 Wassersucht. Geographisches Silben-Schieberötsel: 1 Schles- wig: 2. Dalmalien: 3. Mueden: 4. Pittsburg: 5 Wartdura- 6. Engadin; 7. Karlsbad: 8. Breslau; 9. Aetna.— Stuttgart � Wiesbaden. Magilches Quadrat: Bett. Efeu. Test. Tula. Füllrätsek: 1. Beresina: 2. Obergarn: Z. Uebetmu*- 4. Herberge; 5. Feldberg; 6. Schieber." � Nr. 504 46. Jahrgang Sonnabend 26. Oktober 1929 Ottomar Mergenthaler. Einer der grohten Fortschritte in der Vuchdruckerknnst stellt die Setzmaschine dar. Jahrhunderte hindurch war die von Guten-' t-erg ongeffeben« Methode des Setzens, d. h. des Zujammcnfügens einzelner Typen zu Worten und zu Zeilen, aus denen sich dann die Sätze aufbauten, unverändert geblieben. Während die Buchdruck- presse längst zur Schnellpresse entwickelt war. war es trog ange- strengtester Arbeit zahlreicher Techniker nicht gelungen, die chand- arbeit des Setzers durch die Maschine zu ersetzen und so ihren Nutz- efsekt zu vervielfachen. Die Arbeit des Setzers besteht ja nicht nur darin, daß er die einzelnen Typen dem Setzkasten entnimmt und sie zu Zeilen zusammenfügt, soitbeni auch darin, daß er die Buchstaben nach dem Gebrauch wieder richtig ablegt, d. h. jeden einzelnen in dos ihm zugehörig« Fach bringt. Erst dem genialen Otto mar Mergenthal«? blieb es vorbehalten, dieses Problem durch die Konstruktion einer auch verhältnismäßig billig herzustellende» Maschine zu löten. Zur gleichen Zeit mit Mergenthaler hotte der amerikanische Ingenieur Paiq« das Problem ebenfalls gelöst, allein seine Maschine wurde viel zu teuer und war viel zu kompliziert, als daß sie für den praktischen Bedarf in Frage gekommen wäre. Merzen- ihaler, der am tt. Ma! zu chachtel bei Mcrgentheim im Württembergischen als Sohn eines Lehrers geboren war. hatte zu. nächst eine Ausbildung als Uhrmacher erhalten. Nach Beendigung seiner Lehrzeit war er Im Jahre 1872 zu Verwandten nach Amerika gereist. In Washington hatte er Arbeit als Elcktromechaniker ge- funden, und hier hatte er Gelegenheit, an einer Bersuchsmoschine mitzuarbeiten, die als ein mißglückter Versuch der Lösung des Setz- Maschinenproblems bezeichnet werden kann. Vor allem Matrizen, Stahlstempel sollten Buchstaben in einen Pappestreifen drücken, und mit Hilfe dieses Streifens sollte dann der gewünschte Satz abgegossen werden. Nach zahlreichen Versuchen kam Mergenthaler auf den Gedanken der grundsätzlichen Konstruktion der heute noch üblichen Linotype-Setzmaschine. Er hatte sich von der Vorstellung frei ge- macht, daß, man zur Konstruktion einer Setzmaschine die Arbeit des Setzers nachahmen müsse. Seine Maschin« bestand aus einem mit Kanälen versehenen Magazin, in dem die Matrizen untergebracht waren, die dann zum Zusammenstellen der einzelnen Zeilen dienen sollten Durch eine Klaviatur, die äußerlich an die Tasten der Schreib- maschin« erinnert, werden mit einem leichten Fingerdruck die jeweils benötigten Matrizen aus dem Magazin herausgeholt. Sie fallen durch eigene Schwerkraft in einen Sammler, und zwischen jedem Wort wird ein sogenannter Ausschlußkeil mit Hilfe der an der Klaviatur angefügten Ausschluhtaste eingefügt. Dann wird durch einen Hebeldruck die sertig gesetzte Zeil« in eine an einem Giehrad befindliche Gießform gebracht. Die Ausschlußkeile pressen die Matrizen dicht aneinander. Ein Kolben preßt das hinter dem Gießrad in einem Giehtopf befirchliche Metall in die Gießform. Das Gießrad macht eine Umdrehung, bei der die Zeil» auf Höhe beschnitten wird, und eine Ausstoßplotte stößt die gegojsene Zell« durch zwei Messer hindurch, die ihre Stärk« beschneidet. Sie gleitet als- dann in einen Sammler. In der Zwischenzeit hat ein Hebel die Matrizen«rgrisfen, und drei Schrauben ohne Ende befördern sie in das Magazin zurück. Ein« sinnreiche Konstruktion sorgt dafür, daß jede Matrize genau in das für si« bestimmte Fach fällt. Ein anderer Hebel beförderte gleichzeitig die Ausschlußteile an den für sie be- stimmten Platz. Und auch der Setzer konnte» ohne das eben be- schliebene Spiel abzuwarten, bereits wieder ein« neu« Zeil« vollenden. Eine solche Maschin« ersetzt vier bis fünf Handsetzer. Alle groß. städtisch« Zeitungen und auch zahlreiche kleiner« Druckereien benutzen dieses Maschinenwunder zur Förderung ihrer Arbeit. Heute hat die Setzmaschine eine unerhörte Vollendung erfahren. Es gibt Maschinen, die vier Magazine übereinander kragen, die alle von der einen Klaviatur bedient werden. In Deutschland wurde sie zum ersten Male auf der Berliner Gewerbsausstellung im Jahre 183« gezeigt. Das Mißtrauen, das ihr anfänglich entgegengebracht wurde, konnte sie alsbald überwinden. Mergenkhaler selbst, der genial« Konstrukteur dieser Moschin«, hat entsetzlich unter der Ueberarbeit gelitten, zu der er seinen schwachen Körper immer wieder gezwungen hatte, um die zahlreichen Hindernisie zu überwinden, die der Vollendung und der Einführung seiner Maschine entgegenstanden Er ist im Alter von 46 Jahren am 8. Oktober 18stst, vor nunmehr 30 Iahren, an den Folgen dieser Ueberanstrengung In Baltimore gestorben. An seinem Geburtshaus« in Höcht«! wurde vor einiger Zeit«ine Gedenktafel angebracht. Seine Maschine aber ist!n mehr als 30 000 Stück über die ganze Erde ver- breitet. Sie olle künden den Ruhm des einfachen wllrttembergischen Uhrmachers. IVillz- Mödus. Schutz gegen Rost. Bei eingehenden Untersuchungen über die Verhinderung von Rosterscheinungen an Klemmrollen und Reibflächen wurde fest- gestellt, daß man die Korrosion unterbinden kann, wenn man dem Schmieröl etwa 30 Proz. Zintoxyd zusetzt. Im Betrieb überzieht sich die Fläche, die vordem Verrostungen ausgesetzt war, mit einer außerordentlich feinen Schicht von metallischem Zink, die auch nach längerer Zell unverändert bleibt. Ausgedehnte Untersuchungen im National Physika! Laboratory haben die Richtigkeit bestätigt. Die Dicke der Zinkschicht betrag« etwa 0,0004 Millimeter, so daß sie auch unter dem Mikroskop nicht sichtbor wird. Di« Wirkung dieses Roftschutzoerfahrens ließ sich nicht durch den von «lektrolytischen Ucberzllgen aus Kobalt bzw. Ehrom ersetzen, weil diese in ganz kurzer Zeit obgeschliffen wurden. Man neigt zu der Annahme, daß sich der Zinlüberzug auf clektrolytischem Wege tontlnuirlich erneuert, jedoch hat ma» in dem Oel kein« Spur von metallischem Zink entdecken können.— Kadmium wird in von Jahr zu Jahr steigendem Maße als Rvstschutz angewandt. Bei dem Udylite-Vcrfahren werden Eisenwaren zum Zwecke des Rostschutzes elektrolytisch mit Kadmium überzogen. Bei dem galvanischen Eadalytc-Lersahren wird«in silberglänzender .Kadmiumüberzug erzeugt, sie wird bei den galvanischen Ver- chromungen Kadmiumüberzüge als Grundlchicht angewandt. Setzt man Kadmium in kleinen Mengen Silberlegierungen hinzu, so werden diese noch Heller und bsmerkenewert vor dem Anlaufen geschützt. Goldlegierungen erhalten durch Kadmiumuberzug erzeugt, ebenso werden bei den galvanischen Der- Aluminium durch Zusatz von Kadmium an Glanz und wird widerstandsjähigcr gegen Rost. Kupferlegicrungen mit geringem Kodmiumgehalt verfügen über erhöhte Festigkeit bei gleichbleibender elektrischer Leitfähigkeit. Katapult und Stausegel In letzter Zeit sind die großen Reedereien dazu übcrgcgaugen, ihren Schiffen Flugzeuge beizugeben, die zu Rundflügen während der Reise und zur Postbcförderung vor der Ankunft des Schiffes zu vermeiden, daß die Flugzeuge an der Bordwand des Schiffes beschädigt wurden. Bei unruhigem Wetter war es überhaupt uu möglich, die Flugzeug« wieder an Bord zu bekommen. Von Bord des Dampfers„Lützvw" des Norddeutschen Lloyd wurden nun erfolgreiche Berjuche mit einem Stausegel unternommen, das nach seinem Konstrukteur Kiwullsches Staufege! genannt wird. Am Heck des Schiffes ist in Deckhöhe ein auf das Wasser herab- zulassendes Schleppsegel airgebracht, das auf dem Wasser nach- ichleist und durch den Wasserdruck bei sahrendein Dampser stramm gehalten wird. Das Flugzeug landet zunächst auf dem Wasser, fährt mit Molorenkrast auf das Stausegel herauf, und wird dann auf diesem cmpmgewunden. In die Mitte der Segelbahir sind Hotzswsen eingenäht, so daß sich Menschen ohne Gefcchr auf dem gespannten Segel bewegen können. Auch für den Start von Flug- zeugen ist das Staufegel hervorragend geeignet, wodurch vielleicht die immerhin recht komplizierte uird kostspielige Katapultanlage bei zukünftigen SchiffÄxriiten vermieden werden kann, wenn die Kon- .S»« Jlugaeuff.lande!" auf dem Staufegel. im Hafen dienen sollen. Der Abflug der Flugzeuge wird durch eine Katapullanlago bewirkt, bei der das Prinzip des Armbrust- fchießens zur Anwendung komint. Die Katapultanlage auf der „Bremen" Ist 27 Meter lang, sie ist uin einen Zapfen drehbar und kann nach beiden Seiten des Schiffes ausgeschwenkt werden. Das Flugzeug steht auf einem Startschlitten, der durch eine Preßluft- anlage vorwärts geschnellt wird. Di« Geschwindigkeit des Schlittens ist so groß, daß schon nach einer Strecke von 20 Meter das Flugzeug genügend'Auftrieb erhält, um sich mit Hilfe seines lausenden Propellers selbst in der Lust zu l)olten. Si« beträgt nach etwa 20 Meter etwa 00 Kilometer je Stunde. Die Anlage wird durch Fernsteuerung iu Tätigkeit gesetzt. Durch Blockierung der einzelnen Bedienungshebel können die einzelnen Handgriffe nur in der notwendigen Reihenwlge ausgeführt werden, wodurch Fehl- starts ausgeschlossen sind. Der Schlitten wird nach etwa 20 Meter zurückgelegter Strecke automatisch abgebremst. Während also der Start des Flugzeuges nur verhältnismäßig geringe Schwierigkeiten bietet, ist das Llnbordholen des Flugzeuges außerordentlich schwierig. Ski dem Manövrieren auf den Wellen war es selbst bei geschicktester Bedienung nicht immer ©a» fKIreullJrhe Staufegel am Weck des Srfifffe*, struktion des Staufegels weiter ausgebaut wird. Die von uns ver- öffentlichten Bilder zeigen die Versuche mit dem Staufegel am Dampfer„Lützow" des Norddeutschen Lloyd. IT. I» DleTedmlk drildit derzeit den Stempel auf... Berufsschule und Arbeitersdiaft Sie Technik fordert eine geschulte Arbeiterschaft. Umgekehrt wtrb aber nur eine geschulte Arbeitcrschost da« Erbe des Kapitalismus an- treten könne». Saher ist das Problem der Berufsschule auf dos engst« mit der technischen Entwicklung verknstpst. Wir geben im folgenden einem gachmann m diesem allgemein Interessierenden Thema das Wort. Immer war die Bildung ein Monopol der besitzenden Klassen, immer haben vor ihrer Pforte zwei Erzengel gestanden, die jeden zurückwiesen, dessen Herkunft oder Geldbeutel ihn nicht genügend legitimierte. Der Arbeiter, der sich aus politischen, gewcrkschaft- lichen oder persönlichen Gründen geistiger Slrbeit zuwandte, war gezwungen, sein» ganze Spannkrast, oft noch zermürbender Fron- arbeit im Dienst« des Alltags, aufzuwenden, um die Lücken seines Wissens auszufüllen. Und wenn auch mancher von ihnen zu erstaun- licher Beherrschung selbst wissenschaftlicher Gebiete, zur Erkenntnis rein theoretischer Zusammenhänge gelangte, so kann man mit Sicherheit annehmen, daß ihre Leistungen noch größer gewesen wären, wenn ihnen die Vorarbeit in derselben Weise erleichtert worden wäre wie den Kindern der besitzenden Stände. Demr auch geistiges Arbeiten muh systematisch geschult sein wie ein Handwerk. So mußte wohl mancher begabte Arbeiter trotz eifrigem Bemühen im Zustand gefährlicher Halbbildung stecken bleiben, vielfach sogar das Rennen aufgeben. Doch was da lebt, muß sich regen und entfalten. Schlummernde Kräfte, latente Energien drängen zur Tat, zur Bewegung. Die Technik drückt der Zeit den Stempel auf, in ihrem Gefolge schrecket die Freiheit. Dem Landbau mögen Hörige genügen, die Industrie muß si« befreien. Wem werlvolle Maschinen anvertraut werden, der muß sie oerstehen, um sie zu beherrschen. So werden geistige Kräfte entfaltet, und der Kapitalismus selbst;miß dem Arbeiter das geistige Rüstzeug liefern, ihn zu bekämpfen. Selbst die weitestgehende Arbeitsteilung führt zur Zusammenfassung und schließlich zum gewerkschaftlichen Zusammenschluß. Auf diesem Weg» werden politische Freiheiten, wenn auch mühsam, errungen, Menschenrechte werden ausgerufen, Vorrechte fallen, auch das Bildungsprivileg der Saiten, die Schule wird Gemeingut des ganzen Volkes, sie wird zur Staatsschule, der Wegbereiter einer besseren Zukunft. Deutlich ist dieser Weg in unserer Reichsoersassung zu erkennen. Einige Sätze: 1. Art. 143. Es besteht allgemeine Schulpflicht. Ihrer Erfüllung dient... die Volksschule... und die anschließende Fortbildungs- schule bis zum vollendeten 15. Lebensjahre. Der Unterricht und die Lehrmittel.. find unentgeltlich. 2. Art. 146. Für die Aufnahme eines Kindes in eine bestimmte Schule find feine Anlage und Neigung, nicht die wirtschaftliche und gesellschaftlich« Stellung... seiner Eltern maßgebend. 3. Art. 146 Für den Zugang Minderbemickclter zu den Mick- leren und höheren Schulen sind... öfsenckiche Mittel bercitzu- stellen, insbesondere Erzichungsbeihilfcn... bis zur Beendigung ihrer Ausbildung. Wie man sieht, die Voltsbildung ist auf dem Marsche. Aber leider! Das Papier ist geduldig, aber die Wirk- lichkeit sieht doch wesentlich anders aus als die verheißenden Worts der Reichsversassung. Wo ist das einheitliche Reichsschulgesetz, wo ist die Berufspflicht allgemein durchgeführt, wo sind die Erz i e h u n g s b e i h i l s c n, wo ist'die Lchrmittel-, ireiheit? Die Bildungsfreiheit- in allen Ehren, aber diese Freiheit bleibt solange platonisch, als die wirtschaftlichen Verhältnisse ihre Durchführung nicht gestatten. Der begreifliche Wunsch proletarischer Eltern, ihre Kinder über sich selbst hinauszuheben, scheitert an der Unmöglichkeit, auf den Verdienst der Kinder zu verzichten, nicht minder an der zweiten, trotz kleiner Erziehungsbeihilsen, jahrelang für die Erhaltung dieser Kinder während der Ausbildung sorgen zu müssen. So bleibt der Arbeiterschaft kein anderer Ausweg, als ihre Kinder in die Berufsschule zu schicken. Deshalb ist sie die Schule des arbeitenden Volkes. Deshalb mutz die Arbeiterschaft erkennen, daß diese Schule ihres ganzen, geradezu hingebenden Interesses bedarf, weil sie für die Arbeiterjugend die letzte Bildung?- ftättc, die letzte Möglichkeit bedeutet, lebenswichtige Kenntnisse zu erlangen, sich vorzubereiten für den Kampf ums Dasein, die Fähig- ketten zu entwickeln für den Diensten der Gemeinschaft. Denn der Sinn der Berufsschule liegt nicht in der Erlangung abfrogbarer Kenntnisse, nicht in der gcdächtnismäßigen Pflege eines unverbundencn Gemenges an sich wissenswerter Stoffe, er liegt viel- mehr darin, das aus der Arbeit stammende, werkhafte Können mit naturkundlicher Erkenntnis zu durchdringen, um durch die aus solcher Uebung entwickelte Denkfähigkeit das gesellschaftliche Leben ohne Scheuklappen beobachten und beurteilen und an seiner Entwicklung mitarbeiten zu können. Der in der ncuzeitigen Pädagogik so sehr betonte Arbeits- fchulgedank« hat seine stärksten Wurzel» in der Berufsschule. Die Arbeit die Quelle der Erkenntnis. Nebenbei: für Kenner der ökonomischen Geschichtsauffassung ein erneuter Beweis, wie Ideen sich auf wirtschaftlichem Untergrund wandeln. Die Arbeit, das Produkt des Arbeiterstandes, hat der Erziehungswissenschaft neue Wege gewiesen, und wenn die Reichs- Verfassung im Art. 148 so weit geht, den Arbeitsuickerricht als Lehr- fach anzuordnen, so drückt sich darin die endlich erkannte Bedeutung des Arbeiterstandes aus. Die Berufsschule würde sedoch nur halbe Arbeit leisten, wenn sie nicht auch den anderen Forderungen: sittliche Bildung, staats- bürgerliche Gesinnung, persönliche Tüchtigkeit, gerecht würde. Der Unterricht allein wäre bedeutungslos, wenn er nicht gleichzeitig erzieherisch wirkte. Die Schwierigkeit dieser Aufgabe ergibt sich schon daraus, daß der Berufsschule höchstens acht Stunden in der Woche zur Bersügung stehen. Sechs Tage in der Worhe untersteht der Lehrling den unberechenbaren Einflüssen der Werkstatt, der Familie, der Straße, der Umwelt. In wieviel Fällen mögen Meister, Ge- sollen, Eltern, Freunde die eifrigsten Bemühungen ger Schule durch- kreuzen! In wieviel Fällen bedeutet der Schulbesuch eine Wirtschaft- lichc Schädigung des Schülers, da er eine» Tagesverdienst verliert! Wie oft ist der Jugendliche in Zeiten der Arbeitslosigkeit der einzige Ernährer der Familie! Trotz alledem darf die Berufsschule nicht die Errungenschaft preisgeben, daß Abend- und Sonntagsunterricht verboten ist. Die Arbeiterschaft muß diesen Verlust solange tragen, bi» die berechtigte Forderung: Bezahlung des Schultages durch- gesetzt ist. Daun wird auch die Schule selbst mit ihrer keineswegs leichten erzieherischen Aufgabe leichter fertig werden, wem, sie nur selbst an die Durchführbarkeit ihres Wollens glaubt. Wen» dieser Glaube auch die Arbeiterschaft durchdringt, dann-wird die Berufsschule de» Zweck erfüllen, Ttujeu zu ihrem Aufstieg zu sein Aufruf! Arbeitersporflcr in Stadt und Land! Am Sonntag, 17. November, wird das Volk wieder einmal an die Wahlurne gehen, um sich neue Ge» meinde-, Sreis- und Provinzialver- tretungen zu wählen. Es ist nicht nur das Recht, sondern die Pflicht jedes Arbeilersporllers, auch wenn er das wahlfähige Aller noch nicht erreich! hat, aktiv am Wahlkamps teilzunehmen. Es geht um unser aller wohl! Arbeite jeder nach bester Ueberzeugung mit, damit er nach der Wahl seinen Sportgenossen frei ins Auge schauen kann und Freude am eigenen Werk empfindet. I c d e r stelle sich der Sozialdemokralischen Partei zur Ver- s ii g u n g. Wir fordern aus, die üblichen Sportveranstallungen so zu legen, daß innerhalb der nächsten Wochen die Wahlversammlungen und veranstallungen von unseren Sporlgenossen besuch! werden können. Der 17. November aber ist in der ganzen Provinz Brandenburg, in der Grenzmark und in Berlin s p o r l f r e i zu halten: alle Sporlgenossen stellen sich der Partei am Orte zur wahlarbeil! Di« Politik in der Gemeinde berührt den Cin.zelmenschen am stärksten, trotzdem aber stich die'Beteiligungen an den Gemeinde- wählen stets schwächer wie die bei Reichsiogs- und Landtagswahlen. Arbeitersportler, seid aus der Wacht! Es gibt in der modernen Kam- niunolpolitik kaum einen Vorgang, der nicht in irgendeiner Be- Ziehung zur Leibesübung stände, Jugend- und Wohlfahrtsamt, Ver- maltung der Bäder, Amt für Leibesübungen, Schule und Fürsorge- aint— diese Stellen haben wieder Verbindungen mit vielen aicheren. Eine Begrenzung für das Gebiet Leibespflege gibt es nicht, d i e V a l k s g c s u n d h c i t steht heute überall hoch im Kurs und ist ein« ernste sozialpolitische Angelegenheit. Die ausgeführten Aemtcr haben zu entscheiden über die Beihilfen und andere Unter- slützungen, durch diese Aemter gehen fast alle unsere Anträge. Aus- schlaggebend für die Besetzung dieser Aemter ist die zahlenmäßige Stärke der Partei in Gemeinde, Kreis und Provinz. Heut« herrscht säst überall noch das Pastoren- und Lehrertum, die mehr oder weniger versippt oder verbunden sind mit allen ausgesprochene» Arbeiter- feinden. Selten, sehr selten nur findet man hier einen Arbeiter oder sogar einen Arbeitersportler. Das muß anders werden. Es muß die Pflicht aller Arbeilersportler sein, sich an den Provinz-, Kreis- und Gemeindewahlcn zu beteiligen.. Es mögen die Worte des Genossen Karl Schreck Beachtung finden, die er auf dem Parteitag in Magdeburg sagte:„Bei den k o m m enden Gemeindewahlen müßten es gerade Sportler fertig bringen, die schlafmützigen Proletarier aufzurütteln. Sport und Körperpflege sind für die Arbeiterklasse von. s o z i a l k u l t u r e l l e r L e- d e u t ii n g!" Die bürgerlichen Parteivertreter sorgen in erster Linie sür die bürgerliche Sport- und Kulturbewegung. Die Kommunisten geben sich immer den Anschein, als ob sie großes für die Arbeitersportler tun und stellen sehr schöne Anträge. Aber sobald sie zum Etatabschluß zur Abstimmung stehen, müssen sie laut Parteibeschluß den Etat ab- lehnen und somit auch ihre selbst gestellten Anträge. Es bleibt für die Arbeiterjportlcr tatsächlich nur eine Partei, die es ernst meint mit ihrem Eintreten für den Arbeiter- spart, und das ist die Sozialdemokratie! Arbeilersportler an die wahlarbeil! Für die Sozialdemokratie! Arbeilec-Sporl und kullurkarlell der Provinz Brandenburg— Grenz- » mark und Berlin. Robert Oehlschlager, Vorsitzender. Das schwanzlose Flugzeug. Oben: Schwanzloses Flugzeug der Rhön-Rossiüen Segelflug-Gcscllschafi mit 8 PS Hilfsmotor.— Unten: Erste» „eigenstabiles", schwanzloses Flugzeug der Langgutb u. Friedmann Flugzeugbaugesellscbaft Berlin, mit SO PS Motor. MhYiCUcOÜUi/ Die Spiele am Sonnlag. Nach der Ruhepause am vergangenen Sonntag werden morgen! die Serienspiele wieder sortgesetzt. Im 1, Bezirk spielen in! der 1. Gruppe Fürstenivalde gegen Mahlsdorf in Fürsteuwalde, und Erkner gegen FTGB.-Südvst in Erknikr. In der 2. Gruppe spielen ASC. gegen Baumschulenweg um 1Z Uhr im Plänterwald, Strausberg gegen Wildau in Strausberg und FTGB.-Zldlershof gegen FIGB.-Stralau um 10 Uhr in Avlershof. Im 2. Bezirk spielen in der 1. Gruppe nur Friedrichslhal gegen Velten in Friedrichsthal. In der 2. Gruppe empfängt FTKB,-Pankow um 1Z Uhr Velten 2 in Pankow, Kifsingenstraßc, FTGB.-Rordring fährt nach Sleiiisurth. Bei den Francn spielt nur Velten gegen tvTGB.-Norden 1 in Velten, Im 3. Bezirk empfängt in der l, Kruppe Brandenburg 1. Zlbteilung FTGB.-Wedding. In der 2, Gruppe spielen Rathenow gege». FTGB,-Spandau in Rathenow und Ketzin gegen FTGB,-Mitte in Ketzin. Im 4. Bezirk spielt FTGB.-Süden gcgeii� Schöncberg um lü Uhr aus dem Urbanplatz. Trebbin empfängt FTGB.-Neukölln. Bei den Frauen spielt Süden gegen-chöncbcrg um 11 Uhr auf dem Urbanplatz, und Luckenwalde 1. Abteilung gegen Schöneberg 2 um 11 Uhr in Luckenwalde. Die wichtigsten Gesellschaftsspiele sind: Nauen gegen FTGB,-Nordost in Nauen: Drewitz gegen Berlin Xll in Drewitz: Ihlendorf gegen Norden Z um 1Z Uhr in Zehlendorf: Hennigs- darf gegen Bornstedt in Hennigsdorf und Schönow(Fraiien) gegen FTGB,-Südost in Schönow. Drei Ic. o.'s im„Ständigen Ring". Der gestrige Kampfabend im„Ständigen Boxring" »ahm einen äußerst harten Verlaus: drei Kämpfe endeten durch k.'o. Der� Abend wurde mit einem Qualisikationskampf im Leicht- gewicht zwischen Hans Neumann(Berlin) und Ernst Eibisch(Chem- nitz) eingeleitet Beide zeigten noch nicht viel und man urteilte unentschieden. S.kibinski-Dortmund(72,2) siegt« über Walter Pönisch- Leipzig(70,6) nach Punkten. Pönisch mußt« in der fünften Runde mehrmal? wegen Haltens verwarnt werden. In dem daraus fol- genden dritten Kampf gab es den ersten k, o. Erich Brandl-Berlin (76,4) wurde von Hans Faust-Franksurt a. M.(78,8) so zusammengeschlagen, daß Brandls Sekundanten in der vierten Runde das Handtuch warfen. Brandl machte in der ersten Runde einen sehr guten Eindruck, ließ aber bald wider Erwarten sehr nach. In dieser Verfassung fpllt« sich Brandl dem Berliner Borpublikum nicht so bald wieder zeigen. Emil Scholz-Breslau(86,� siegte gleichfalls über Edu Hülsebus-Bremen(77) in der vierten Rund« durch k, o. Hiilscbus erlag vor allen Dingen dem Uebergewicht, das fein Gegner mit in den Ring brachte. Der letzte Kampf sah Otto Lauer- Saarbrücken(67,2) über Vandevelde-Lclgicn(66) als K.-o.-Sieger. Das Treffen war bis zur dritten Runde noch ziemlich offen, als der Belgier auf einen kurzen Linken und Rechten über die Zeit zu Boden mußte. Anders als in Zürich. Eine verpuffte Wclfmcisfcrschufts-Rcvandic! Im Mittelpunkt der gestrigen Veranstaltung des Bundes Deutscher Radfahrer im Sportpalast sollte eine neue Revanche der ersten vier der Züricher Weltmeisterschaft Mazairac- Holland, Cozens-England, Gcrwin-Dänemark und Malatesta-Äalien stehen. Der ganze Wettbewerb bildete eine zahme Angelegenheit. D«r Titelinhabcr Mazairac erschien krank am Start, wußte außerdem die Bahn nicht recht zu fahren und konnte sich so nicht durchsetzen. Auch Eozens fuhr schwach, dagegen waren Malatesta und Gerwin frisch und munter. Nach Erledigung der sechs Zweierläufc«s startete jeder gegen jeden— stand das eigentliche Resultat schon fest; Malatesta hatte sich den ersten Platz vor Gerwin. Mazairac und Eozens errungen, Doch das Programm sah noch zwei weitere Läufe vor. Zunächst kam ein Endlaus um den dritten und vierten Platz. Hierbei wurde Mazairac nun auch nach den dritt«n Platz an Enzens los. Zum Endlauf um den ersten und zweiten Platz legte Malatesta, der ja nach der Punktcwertung der einzelnen Zweierläufc bereits gesiegt hatte, mit Recht Protest ein! Worauf der Rcnnausschuß den Endlauf zum „Hcrausforderungsmatch Gerwin— Malatesta" stempelte. Und dieses Match war das einzige interessante Moment der ganzen Revanche. Ueberlegen fertigte der Italiener den Dänen ab. Die vier Ausländer trafen dann noch im Verlaus des Abends in einem Verfolgungsrennen Deutschland— Ausland auf die Eon- cordia-Meisterschaftsmannschaft Patzak, Schulz, Schimming und Manthey. Die Deutschen siegten mit 70 Meter Lorjprung. Zum S t u n d e n- M a n n s ch a f t s b e n n e n trat Mazairac, der mit Eozens fahren sollte, nicht mehr an. Der Engländer fuhr nun mit Gerwin. Beide vermochten, da für lange Rennen nicht gceig- net, nichts auszurichten und verschwanden nach etlichen Verlustrunden von der Bahn. Das Rennen selbst bildete eine einzige Hätz, die die Lreslauer Haller-Hoffmann am besten meisterten. In gleicher Runde landeten nur noch Manthey-Bauers, die ihre Verlustrunde mit einem gut angelegten Vorstoß wieder wettmachen konnten. In einer Stunde wurden 11480 Kilometer zurückgelegt! U. 1. 2oiii: I. M-IalkNa: 2. Äüuairac: l 2 Lauf: 1. lS«nsin; 2.(Jontiiä: Iii Länacn. 3. Lauf: I Mazairac: 2. Coirus: 1 Bbnpf. 4. Lauf: 1. Malatcsia: 2. Gcrwin: 3 Lanaen, ö. Laiik: I.®rcn>in. 2. Mojoirac: 1 Liinqc. 6. Lauf: l, Malatesla: 2. Cfostnä: 2 Lijoae». Um tum driltcn Plan: 1, Saccus: 2, Mazairac: 1 Limflc. Um bcn etftcn Pia»: 1. Malaicfta: 2. Äcrwin:>z Liinac. Gesamt: I, Mafatcsta: 2. Gerwin: 3, Sa- :ens: r. Ma-airac,— T>crf»li>u»a.renren: Deutschland acw'nnt mil 70 Meter Parspruna.- Varaabefabre»! 1. Becker(40 Mrtcrl: 2. Bader 130 Retert: :l Lcdmann<110 Meter).— Pualtefahrca: I, Gränin«. 12 Punkt«: 2,«r«am, 0 Punkt«: 3. Eaocrt. 8 Punkte.- StnnIxn.MaansiSaft.tab««»: I.,Sall-r- Saffmanir lBrcsIau).«,180 Kilometer. 25 Punktc: 2. Mantden-Bauer? tBcr- linl 21 Punkte, ein« Bund« ,urilck: 3, Ztt1»seId.«!I!an(Dortmundt. 81 Punkt«: 1 Gonael-Gold tBkrlin). 0« Punkte: S, Echul,-Schimmina tBerlinl. S5 Punkt«: Ii Kränina-Padok sBerlin). 29 Punkte: 7. Echnidler-Trauden fJtölitl. 19 Punktc: S, Pankc.Puttkammeraufter. frf. n n t rtid n n ft r oru. BoiwSrtf.fflefcMaa z. Di» M-Nv statt»um PfliKIkpiel nach Schönow kSIirt mit ium.Zua izz>9 Ukir ab Sesunddrunn»n bi»?Zkp»rniit, Zkn bart bt, S»luu>w.«iich«. Umii-id-Iakal. gWn AittMtlaltiiritci«»reu,b«ra. Pb-ioaemrinschaki, Canutaa,?7