BERLIN Montag 28. Oktober 1929 10 Pf. Nr. 506 B 252 46. Jahrgang Erschetottigltch«»lerGoiatag«. Zugleich Adendausgabe des.Vorwärts'. TejugSpreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche.»FvM. pro Monat. Redaktion und Erpedition; Berlin SW 68. LindenSr. 0 » e i g e n»» e i«. Die einspaltige VonpareilleieN« Vf.. Keklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. ftscheckkont»: DorwärtS-Derlag G. m. b.H.. Berlin Nr.«7536, Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Sozialistische Wahlsiege. Deutschnationaler Zusammenbruch in Baden.— Sozialdemokratische Erfolge in der Tschechoslowakei. Die Wahl in Baden. Karlsruhe» 28. Oktober. �Eigenbericht.) Die Badischen Landtagswahle», die am Sonntag statt- fanden und völlig ruhig verlaufen sind, führte» zu eiuer katastrophalen Niederlage der Deutsch- nationalen Volkspürtei. Zentrum und Sozialdemokratie vermehrten ihre Stimmen gegenüber der letzten Landtagswahl beträchtlich. Die Nationalsozialisten konnten ebeufalls eine« großen Erfolg verzeichnen. Ab- gegeben wurden insgesamt N32 K7N Stimmen. Davon entfallen auf die einzelnen Parteien: Die Zahl der Landtagsmaudate beträgt künftig 88 gegen 72 in dem bisherigen Landtag. An Mandaten er- halten: Zentrum 34(->-«), Sozialdemokraten 18 (4- 2). Deutschnatiouale 3(— 5), Deutsche Volkspartei 7 (bisher 7). Demokraten S(bisher 6), Wirtschaftspartei 3 ( f 1), Kommunisten 5(+ 2), Linkskomm u nisten 0(bisher 1), Nationalsozialisten«(bisher 0), Bauernpartei 3 (+ 3). Christlich-Soziale 0, Bolksrechtspartei 0, evangel. Bolksdienst 3. * Hitler frißt H u g e n b e r gl Das ist das hervorstechendst« Ergebnis der badischen Wahl. Unter den Fittichen der Jwflotions- begehrenspolitik haben sich die Hitlerleute ausgebreitet. Ihrer maß- los hetzerischen Agitation waren die Deutschnationalen nicht ge- wachsen. Die Deutschnationale Volkspartei hat die Quittung fiir den Hugenbcrgkurs. Hugenberg hat die Wähler den Nationalsozla- listen zugetrieben. S0 000 Stimmen und 5 Mandate ver- Kürst Bülow gestorben. Der frühere deutsche Reichskanzler Fürst Bülow ist am Montag früh in Rom gestorben.(Näheres 3. Seite.) l o r e n, trotz stärkerer Wahlbeteiligung, während die National» sozio listen 50 000 Stimmen und S Mandate gewinnen! Die Sozialdemokratie führte den Kampf gegen links und rechts, sie war gleichzeitig zu schweren AusÄnandersetzungen mit den Koalitionsparteien gezwungen. Leider vermocht« sie nicht, ihre Stimmenzahl von der Neichstagswahl 1828 zu halten. Die bisher in Raden bestehend« Weimarer Koalition oerfügt nach wie vor über eine absolute Mehrheit von 58 gegen 30 Stimmen. Slllcrdings hat sich das Kräfteverhältnis im Bergleich zu früher etwas zugunsten des Zentrums verschoben. So- zialdemokraten und Demokraten besitzen 24 Mandate gegen 34 des Zentrums. Im alten Landtag war das Verhältnis 22 zu 28. Ob die Dolkspart« künftig an der Regierung beteiligt wird, dürste von den Beratungen der kommenden Tage abhängen. Sieg in der Tschechoslowakei. Starker Mandatsgewinn der deutschen und tschechischen Sozialdemokratie. V. Leb. Prag, 28. Oktober.(Eigenbericht.) Das heutige Ergebnis der Neuwahl der deutsch-tschechischen Republik ist ein großer Sieg der Sozialdemokratie. Er übertrifft sogar die optimistischen Erwartungen, die von miserer Partei ollgemein gehegt wurden. Das gilt ganz besonders für die kfchechifche, aber auch für die deutsche Partei, und beide ernten die Früchte ihrer jahrelangen aktiven Zusammen- arbeit in der Opposition gegen die tschechisch-deutsch-slowakische Dürgerblockregierung. Die hauptsächlichen Leidtragenden dieser Wahl sind die Kam- munisteu. Sie such neben den Deutschnationalen die eine Oppo- Bessere Damen. »Ich habe mich auch an der Abstimmung beteiligt!" »Wie, an diesem Volksbegehren?" .Aber nein, Liebste, bist du komisch! Natürlich an der Abstimmung der.Oamenzeitung', ob in diesem Winter die Nocke lang oder kurz getragen werden." sitionspartei, die entscheidend geschlagen worden ist. DI« Kommu» nistische Partei, die die auf dem ganzen Gebiet« der Republik lebenden tschechischen, deutschböhmischen, norddeutschen und vol- nrschen Kommunisten umfaßt, war mit 41 Mandaten die zweit- stärkst« Partei im Lande und rangiert« dicht hinter den tschechi- schen Agrariern. Sie dürfte rund 140 000 Stimmen verloren haben und vermutlich an die dritte Stelle herunlerrücken. Das ist nicht zuletzt eine Folge der inneren Zerwürfnisse der bolschewistischen Führerschaft. Von den Parteien der bisherigen Regierungskoalition haben sich di�tschechischefl Agrarier gut behauptet und dank der Unterstützung der Hausbesitzer in den Städten sogar einen erheblichen Gewinn zu verzeichnen. Sonst weist der bisherige Bürgerblock nur Verluste auf. Das gilt auf tschechischer Seite vor ollem für die Klerikalen uni> auch für die chauvinistischen National» demokraten. auf slowakischer Seite für den slowakischen Volks- Parteiführer Hlinka und auf deutscher Seite für die Christlich- Sozialen und die Sewerbepartei, weniger aber für die deutschen Agrarier(Bund der Landwirte). Nicht minder interesiant ist auf deutschböhmischer Seite die Erscheinung, daß die Deutschnationalen zugunsten der Hakenkreuzler verlieren: also auch in den Sudeten- ländern frißt Hitler Hugenberg auf. Sowohl bei der tschechischen wie auch bei der deutschen Partei ist man mit dem vorläufigen Erfolg überaus zufrieden. vi« tschechische Partei wird jetzt die zweite Stelle erlangen. Hinter ihr, in bedeutende� Abstand, folgen die tschechischen National- sozialisten, die wohlgemerkt keine Hakenkreuzler sind, sondern nß sozialpolitischer Hinsicht eine durchaus brauchbare Partei, die alle» dings leider in nationalpolitischen Fragen noch immer stark chauv'> nistrsch ist. Die tschechischen Nationalsozialisten standen während der Wahl unter der Führung von B e n e s ch, der dauernd als Außen- minister der Regierung angehört hat, während seine eigene Partei zusammen mit den Sozialdemokraten in der Opposition stand. Auch die tschechischen Nationalsozialisten haben sehr gut abgeschnitten, aber bei weitem nicht so gut wie die Sozialdemokraten. Einen besonders schweren Ansturm hatte die Benesch-Partei von der abgesplitterten Stribny-Gruppe, den eigentlichen F a s ch i st e n, auszuhalten. Sie hat zwar den Ansturm abgewiesen, indessen dürften die Faschisten mit drei Abgeordneten, darunter dein berüchtigten General Gaida, in das neue Abgeordnetenhaus einziehen, da sie in Prag allein mit 38 000 Stimmen einen gewissen Erfolg erzielten. Diese Stimmen, haben die Faschisten in der Hauptsache den nationalistischen Halb- saschisten der Nationaldemokratischen Partei(K r a m a r s ch)«6- genommen. Noch liegen verschiedene Ergebnisse aus den entfernteren Provinzen nickst vor. So fehlt einstweilen noch ein Teil der Slowakei und selbstverftänd- lich aus dem weit abgelegenen Karpothenrußland. Ueberdies war die telephonische Verbindung nach diesen Provinzen die ganze Nacht durch schwere Unwetter unterbrochen. Auch heute, am tschechi- schen Nationalfeiertag, laufen die Ergebnisse sehr langsam ein und dürften erst am späten Nachmittag endgültig folgen. Nach den bisherigen Ergebnissen dürste di« deutsche Sozial- demokratie, die 102 000 Stimmen, d. h. rund 20 Proz., gewonnen hat, von 17 aus"20 Mandat« steigen, die tschechische rechnet mit «wem Zuwachs von 7 bis 8 Mandaten, also von 29 auf 36 oder 37. vielleicht auch mehr, je nach ihrem Abschneiden in den Agrarbezirken in der Slowakei. Die Kommunisten hoben sowohl an die tschechische wie an die deutsche Partei stark verloren. In ihren nordböhmischcn Hochburgen Reichenberg und Asch sind sie von den deutsche» Sozial- demokraten endlich wieder überholt worden. Ihre Mandatsverluste hängen nicht zuletzt davon ab, wie sie in der Slowakei abgeschnitten haben, wo sie dank der allgemeinen Rückständigkeit festen Fuß gefaßt hatten. Die bisherige Regierungskoalition, die schon durch den Tuka- Prozeß und den Absall der Slowaken auseinavdergesallen war. ist jetzt vollständig erledigt. Es müssen neue Wege zur Bildung der Regierung beschritten werden. Sicher ist die Rückkehr der Nationalsozialisten ins Kabinett, und auch fiir die tschechische Sozialdemokratie dürfte die Stund« geschlagen haben, wo sie wieder mit tschechischen Agrariern und den Nationalsozialisten In der Regierung zusammen sitzen wird. Freilich mischen sich in den Jubel des Sieges auch die Sorgen um die künftige Umgestaltung der Regierung. Die tschechische Partei möchte, wenir irgend möglich, nur zusammen mit der deutschen Partei, mit der sie gemeinsam in fruchtbarer Oppo- sition gestanden hat, in die Regierung eintreten. Die Voraussetzungen sind dafür zweifellos unvergleichlich günstiger als früher. Aber noch find erhebliche Schwierigkeiten, besonders nationalpolitischer Art, zu überwinden. Darum dürften die langwierigen Verhandlungen zwischen der deutschen und der tschechischen Parteileitung unverzüglich aufgenommen werden. Einzelergebnisse. Nach grober Schätzung gewinnen die tschechischen Agrarier 88 000 Stimmen und besitzen jetzt insgesamt l 058 000 Stimmen; die tschechischen Sozialisten gewinnen 303 000 Stimmen, im sind fast 50 Proz. und besitzen nun 934 000 Stimmen. An dritter Stelle stehen die K o m m u n i st e n mit 796 000 Stimmen, sie haben einen Verlust von 137 000 Stimmen zu verzeichne». Nun folgen die tschechischen Nationalsozialisten mit 675 000 Stim- men, das ist ein Plus von 66 000, die deutschen Sozialdemo- kraten mit 513 000 Stimmen, das ist ein Plus von 102 000; dann kommen die deutschen Agrarier und die deutschen Demokraten mit 428 888 Stimmen. Die Verluste lassen sich derzeit zifsernmäßig noch nicht feststellen. Die Christlich-Sozialen und die Gewerbepartei haben 314 000 Stim- men, das bedeutet ein ungefähres Minus von 50 000, die slowakischen Klerikalen erhalten 490 000, gleichfalls ein Minus von 50 000, die tschechischen Klerikalen 611000, was ein Minus von 80 000 bs- deutet, die deutschen Nationalsozialisten 203 000, dag ist ein Plus von 35 000. die tschechischen Nationaldemokraten 254 000, das heißt ein Minus von 30000, Das Produkt der Angst. Jämmerliche Ergebnisse des VerstlavungsbegehrenS. Die Einzeichnungsziffer für dos- Volksbegehren«r» leichte am Sonnabend In Berlin den niedrigsten Stand während der ganzen Einzeichnungszeit. Es' trugen sich nicht mehr als rund Sülio Personen etil. Am Sonntag entfalteten die Volksbegehrler eine ungeheure Propaganda und schleppten zu den Wahlämtern, wer nur aufzutreiben war Es zeichneten sich jedoch nur 26 000 Personen ein. Im eiozelnen gestalbeten sich die Eintragungen am 26. und Vitt ihrem kläglichen Zuwachs von Sonnabend und Sonntag haben die Jnflctionsbegehrer in Berlin es jetzt auf rund 190 007 Einzeichmingen gebracht, d. h. auf knapp K Proz. der Wählerziffer. Danach dürften sie auch in Berlin bei weitem nicht die für sie nötigen 10 Proz. erreichen, ganz zu schweigen von Ueberschüssen zum Ausgleich für die noch viel schwächere Beteiligung in West- und Süddeutschland. Ein paar Vergleichszahlen: Am Zipciteu Einzeichnungssonntag «rsolglen in Berlin für die Fürstenenteignung 217 OOÖ Eintragungen, für das kommunistische Panzerkreuze rbegehren 67 000. Interessant ist, datz in beiden Fällen die Ziffern des ersten Eintragungssonntags (165 000 b.zo. 37 000) erheblich überboten wurden, während die Jnflationshegehrer mit ihren küminerlichen 26 000 die Ziffer ihres ersten Sont?kdgs nur gerade gehalten Hobe». Beachtenswert ist auch, dah sich am letzten Eintragungs- Sonnabend für die Fürstenenteignung in Berlin 80 000 eintrugen, also genau zehnmal so viel als für Hugenberg. Diese 8000 vom Sonnabend charakterisieren übrigens trefflich das nationale Publikum. Am Sonnabend war das Wetter schlecht. Offen- sichtlich hat der Regen die Leute, die„siegreich Frankreich fchiagen" wollen, verhindert, zur Einzeichmxng zu gehen! „Unser Ebert." Hugenbergs Flugblatt 7tr. 59. Dieses Flugblatt läßt der Reichsausfchuß der Jnflations- begehrer auf den Straßen Berlins verbreiten: Rr. 39 Unser Reichspräsident Friedrich Ebert erklärte bei Eröffnung der Nationalversammlung in Weimar am 6. Febniar 1919: .Aus dem Gefühl der Erschöpfung bei unseren Gegnern entspringt ihr Bestreben, sich schadlog zu holten am deutschen Volke. Dies« Rache- und Bergcwaltigungsplän« fordern den schärfsten Protest heraus. Das deutsche Volk kann nicht auf 20, 40 oder 60 Jahr« zum Lohnsklaven anderer Länder gemacht werden." Darum, deutscher Arbeiter, trage dich ein zum Volks- begehren! Die Listen liegen aus vom 16. bis 29. Oktober 1929. „Unser Ebert", so sagen mit Viedermannsmiene die Hugenberg- l'mge und Hitlerhubcn, die Gesinnungsfreunds der Verleumder und Ehrabschneider, deren ruchlose Hetze Ebert in den Tod getrieben hat! „Unser Ebert", so heucheln die, die den lebendigen Ebert den „Landesverräter" titulierten, den„Schnapsler Ebert", den„Sattler- gesellen" höhnten. „Unser Ebert". So verächtlich seine wahre Gesinnung ver- stellen kann nur das niederste Pack, dem das Wasser bereits an der Kehle steht. Aber die Verzweiflung der Jnflotions- begehrer scheint selbst an den Grenzen des elementarsten Anstandes nicht mehr Halt zu machen. Spätherbst auf dem Arbeitsmarkt. Zunahme der Arbeitslosigkeit in Berlin und Brandenburg. Im Bereich des Landesarbeitsamtes Brandenburg(Berlin. Brandenburg, Grenzmark) ist in der Berichtswoche vom 14. zum 19. Oktober zum ersten Male eine sehr erhebliche Ver- fchlechtcrung auf dem Arbeitsmarkt eingetreten. Nicht nur die .sohl der Arbeitsuchenden wuchs in der Berichtswoche um «849 Personen, sondern auch die Zahl der Unter st ützungs- bezieher stieg um 3602 Personen an. In erhöhtem Umfang setzt« der Zustrom'Arbeitsuchender aus der Landwirtschaft und den Ziegeleibetrieben ein. Hierdurch wurde der Arbeitsmarkt um so mehr belastet, als anderweitige Beschäs- t:gung»Möglichkeiten nur in ganz unzureichendem Maße vorliegen. Auch die Metallindustrie setzt« in der letzten Woche Arbeitskräfte frei. In der Textilindustrie blieb die Lage im allgemeinen unverändert. Andererseits entlasteten die saisonmähig einsetzenden Vetriebseröfsnungen der Zuckerfabriken den Ardeitsmorkt in den Gebieten des Rübenbaues. Gänzlich un- zureichend blieben die von der Landwirtschost erwarteten Bau- a u f t r ä g«, so daß auch eine größere Anzahl Bauhandwerker zur Entlastung kam. In Berlin blieb di« Beschäftigungslage für Maurer und Töpser noch gut und für Zimmerer war sogar ein« leichte Besserung zu verspüren. In diesen Berusszweigen dürft« der günstige Beschäftigungsgrad noch länger« Zeit anhalten. Die Zahl der Arbeitsuchenden stieg in der Berichtswoche um 6.349 auf insgesamt 224 287, also um 3,15 Proz. gegenüber einer Zunahm« von 1,87 Proz. in der Vorwoche. Auf Berlin entfielen >88 236 Arbeitsuchend«, der Rest aus die Provinzen Brandenburg und Grenzmark. Die Zahl der Hauptunter st ützungs- Die Entscheidung in Paris. Sozialistische Fraktion für I�egiertingsbeteiligung.— Heute Nationalrai. Paris, 28. Oktober.(Eigenbericht.) Die Links- und Rechtspresse ist sich einig darin, die von der Mehrheit der sozialistischen Kammergruppe gestern getroffene Eni- schetdung so zu charakterisieren: In der Tot würde di« inner- politische Entwicklung Frankreich eine ganz neue Richtung nehmen, wenn der gestern nacht dringlich einberufene Nationatrat der Sozialistischen Partei die von der Porlamentssraktion ausge- fprochen« Annahme der Beteiligung an dem Kabinett Doladier de- stätigte. Im allgemeinen wird angenmmnen, daß auch im Rotionalrat eine Mehrheit dafür gefunden wird: aber absolui sicher ist das nicht. Denn schon hat der Generalsekretär der Partei, Paul Faure, den gefaßten Beschluß öffentlich verurteilt. Den Statuten der französi- schen Partei gemäß wird nach„Mandaten" abgestiimnt: das heißt nach einem Proporz fy st em, das nach den verschiedenen Ten- denzen eine der in den Föderationen vorhergegangenen Abstimmung entsprechend« Stimmeirzahl sichert. Föderationskongresse konnten jedoch diesesmal infolg« der sich überstürzenden Ereignisse nicht ein- berufen werden, und da das System der imperativen„Mandate" einstweilen noch besteht, gegen das feit Iahren ein Tell der Partei scharf angekämpft hat, müßten die Delegierten zum Nationatrat, wenn sie sich an den Buchstaben der Statuten halten wollten. eigentlich aus Grund der letzten Beschlüsse ihrer Föderationen gegen die Regierungsbeteiligung stimmen. Diese„letzten" Be- fchlüsse datieren jedoch vom Jahr« 1926: in der Zwischenzeit Hot sich di« Sachlage gründlich geändert. Zum ersten Male ist ein ganz präzises Angebot zur Beteiligung an eine Regierung erfolgt. Mitglieder des sozialistische» Fraktions- Vorstandes, die am Samstagabend der Unterredung mit Da lädier beiwohnten, haben uns erklärt, daß die von dem radikalsozialistischen mit der Regierungsbildung beauftragten Partetpräfidenten ge- machten programmatischen Erklärungen die Annahme des Eintritts in die Regierung beinahe selbstverständlich erscheinen ließen. In der Tat hat Daladier sowohl was die auf dem Fuße völliger Gleichberechtigung zwischen den Sozialisten und den Radikalen zu erfolgende Verteilung der wichtigsten Ministerposten betrifft, als auch in bezug auf d:« auswärtige Politik und die inneren Reformen den sozialistischen Forderungen gegenüber das weiteste Entgegenkommen gezeigt. Selbst ein Gegner der Beteiligung, wie Leon Blum, hak in der gestrigen Sitzung zugegeben, dah eine Ablehnung des Beleili- gungsangebokes unter den gegebenen Umständen vor der öffentlichen Meinung schwer zu verkrclen wäre. Von den 101 Mitgliedern der Fraktion waren nur 50 an- wesend, da die anderen, unter denen sich«ine groß« Anzahl von Landbürgermeistern befinden, die den Sonntag zur Rege- lang ihrer Gemeindeangslegenheiten zu benutzen pflegen, wie ge- wohnlich Ende der Woche in di« Provinz gereist waren. So kommt es, daß der Beschluß, zum Eintritt in die Regierung zuzustimmen, nur mit 36 gegen 12 Stimmen gefaßt wurde. Aber die namentliche Abstimmung hat unzweideutig erkennen lassen, daß, wenn sämtliche Mitglieder der Fraktion hätten anwesend sein müsien, derselbe Beschluß mit ungefähr 75 gegen 25 Stimmen gefaßt worden wäre. Im Interesse der Gesamtentwicklung der französischen Politik und auch im unmittelbaren Interesse der sranzöstschen Partei muß man Hosjen, daß die Tagung des Nationalrots nicht zu einem Konflikt zwischen den Parteiinstanzen und der Fraktion führt. Ohne zu Übertreiben, kann man sogen, daß dieser Konflikt gegenwärtig die letzt« Hoffnung der reaktionären Elemenle bildet, die durch den Beschluß der sozialistischen Fraktion in der unan. genehmsten Weise überrascht worden sind. Di« Besprechungen zwischen Daladier und dem sozialistischen Parteivorstand werden heute nachmittag weitergeführt werden. Eine der ersten Folgen der pranzipiellen Bereitwilligkest der sozialistischen Fraktion, sich an der neuen Regierung zu beteiligen, besteht in der Erklärung B r i a n d s, daß nun auch«r geneigt sei, in einer„Regierung der geeinigten Linken", die er selbst schon einmal im Jahre 1925— leider ohne Erfolg— zu bilden versucht habe, seinen Posten als Außenminister zu behalten. Die Radikalen für Frauenwahlrecht. Paris. 28. Oktober.(Eigenbericht.) Der Parteitag der Radikalen in Reims ist am Sonntag mit einer feierlichen Programmerklärung zu Ende gegangen. Auf dem Gebiete der Außenpolitik verlangen die Radikalen die Fortsetzung des Freundschaftsverhältnisses zu England und der Annähe- rungspolitik an Deutschland, die Einführung der Schiedsgerichtsbarkeit und den Abschluß von Zollverträgen als erste Etappe für die Vereiniglen Staaten von Europa. Auf innerpolitischem Gebiet wird gefordert: Reorganisation des Heeres, Beschränkung der Heercsausgaben, Ermäßigung der indirekten Steuern. Ausbau der direkten Steuern. Ausbau der Sozialgesetzgebung und Ratifizierung des Washingtoner Wkpmmens. Die Gewerkschaften sollen offiziell anerkannt und im Rahmen des Wirtschaftsrates am staatlichen Leben mitwirken. Endlich verlangt die Radikale Partei die Erklärung auf Zuerkennung des Wahl- rechts an die Frauen. e mp fänger in der Arbeitslosenversicherung stieg von 103 975 auf 107 425 Personen und in der K r i s e n u n t e r st ü tz u n g von 21 298 auf 21 450 Personen. Die Gesamtzahl der unterstützten Arbeitslosen im Bereich des Laudesarbeitsamtes Brandenburg erhöht« sich von 125 273 auf 128 875 Personen. Die Beamtenhetze. Ein Oesperado-Angriff auf vie Republik. Seitdem klar geworden ist, daß das sogenannte„Volksbegehren" mit einer katastrophalen Pleite enden wird, beschäftigt sich di« Hugen- berg-Presie säst nur noch mit der Warnung, die die Regierung gegen die Beteiligung von Beamten an dem Treiben erlassen hat. In welcher Weise das geschieht, zeigt«in Artikel des Herrn v. M ede m im„Tag". Da wird zunächst geschildert, wie während der Ruhr- besetzung Deutsche von französischen Soldaten in Häusern geschleppt und mißhandelt wurden, während die Draußenstehenden das Weh- gefchrei der Geschlagenen hörten, und dann heißt es weiter: Ich habe den Terror während der russischen Revolution kennengelernt, Hobe in den Gefängnissen Rigas gesehen, welcher Bestialitäten Menschen fähig sind. Ich stand lm Terror der französischen Besatzung nn Ruhrgebiet: die Methoden waren nicht so blutrünstig, aber raffinierter in den Quälereien. Während des Volksbegehrens nun erleben wir in Deutschland den seelischen Terror, die Methode, den Willen und den Charakter eines deutschen Menschen in der Gewissensqual der Sorge um die wirtschaftliche Existenz seiner Familie sich zermürben zu lassen. Im Ziel ist es überall dasselbe: Gewalt wird an die Stelle des Rechtes gesetzt. Die Würde und die Fre i-h eit eines Menschen werden verächtlich dem Anspruch der Macht geopfert. Herr v. Medem meint damit natürlich nicht di« armen Land- a r b ei t e r in Pommern und Ostpreußen, die von seinen Kameroden mit der Hungerpeitsche in die Eintragungsliste getrieben werden. sondern die Regierung, die es sich nicht gefallen lassen will. daß ihre Beamten sie als«ine Gesellschaft zuchthauswürdiger Landes- Verräter hinstellen! Das moralische Pathos der Modem und Genossen ist nicht nur deshalb erheuchelt und erlogen, weil sie selber tun, was sie der Regle- rung mit Unrecht vorwerfen, sondern auch deshalb, weil sie selber noch nie prinzipiell zu den Ausfassungen standen, zu deren Verteidigern sie sich jetzt aufwerfen. Sie haben niemals auf dem Stand- punkt gestanden, daß der Staatsbürger im allgemeinen und der Beamte im besonderen ein völlig schrankenloses Recht auf Meinungs- freiheit besitzen soll.„Würde und Freiheit der Menschen dem An- spruch der Macht zu opfern" Ist i h r Prinzip.„Würde und Freiheit der Menschen" existierten nicht unter dem alten System, das sie heute noch verherrlichen sie existieren nirgends, wo sie jetzt noch die Macht haben— stehe Pommern! Was die Treiber der neueren Beomtenhetze erreichen wollen, ist klar. Sie wollen von der Blamage ablenken, die sie beim söge- nannten Volksbegehren erlitten haben. Sie wollen die Selbst- kritik im deutschnationalen Lager drosieln, die sich infolge dieser Blamage und der soeben in Baden erlittenen katastrophalen Wahl- niederlag« zu regen beginnt. Sie wolley aber vor allem auch die\ Grundlagen der Republik untergraben, indem sie den Geist der Verhetzung und Zersetzung in ihren Beamtenkörper hinein- tragen. Ein Gonniag der Massenerschießung. Di« Tsche'a mordei 1» Personen Riga. 28. Oktober. Aus Moskau wird gemeldet, dah in Rußland wiederum 18 Personen„wegen konterrevolutionärer Tätigkeit" erschosien worden sind. Polizei und Alien iate. Erklärung des Polizeipräsidenten. Der Polizeipräsident teilt mit: Di«„Rote Fahne" behauptet seit einigen Tagen, daß der Pol'- zeiprästdent von dem bevorstehenden Attentat auf das Reichstags- gebäud« bereits am 22. Juli, also 40 Tag« vor dem Bombenanschlag, genau unterrichtet worden wäre, da zwei Kriminalbeamten detaillierte Angaben über den Bombenanschlag gemacht worden seien. Diese Behauptung ist falsch. Die Polizei hat niemals auch nur den geringsten positiven Anhaltspunkt für ein geplantes Attentat auf den Reichstag erhalten. Am 20 Juli erschien bei der Abtellung I.-V ein gewisser Fritz Lessenthin, der zu dieser Zeit aus der SA. der NSDAP, entfernt und bei dieser Gelegenheit mißhandelt worden war. Aus Rache wollte er Angaben Über SA. der NSDAP, machen. Er sprach Über die Attentktte in Schleswig-Hvlstein und brachte diese mit einem ihm bekannten Roßteutscher, dem Vorsitzenden der Ber- liner Ortsgruppe des Bundes der Freunde Schlagetsrs, in Der- bindung. Irgendwelche positiven Angaben über die bereits erfolgten oder Über etwa bevorstehende Attentate hat er dabei nicht gemacht. Er erwähnte lediglich, daß Ende 1928 oder Anfang 1929 von Roz- teutscher, Timm und Genossen gelegentlich theoretischer Erörterung zum Ausdruck gebracht worden sei, wenn Bombenanschläge ausgeführt werden sollten, dann müßte man staotswichtige Betriebe lahmlegen. Aehnliche Mitteilungen und Andeutungen erhielt di« Abtei- lung IA zu dieser Zeit auch von zahlreichen aperen Personen, und auch in der Presse wurden Mitteilungen darüber gemacht, ohne daß jedoch nähere Anhaltspunkte für die Behauptung erbracht wurden. Trotzdem ist die Abteilung IA den Angaben des Lessenthin und auch den übrigen Mitteilungen pflichtgemäß nachgegangen. Schulen der Republik. Räch Goslar Oessau. v�jsau.£6 Oktober.(Eigenbericht.) 2Iuf Anordnung des Direktors des hiesigen Realgymuassums waren Mitte Oktober an verschiedenen tSellen der Schulen zw.. Plakate mit„Stresemanns Vermächtnis" angeln>->yt wareon. Die Plakate wurden kurze Zeit darauf bespuckt uno zerfetzt in dem Papierkorb eines Klassenzimmers der Oberteptia gefunden. Die Täter konnten bisher nickt festgestellt werden. Im Zusammenhang mit diesem Vorfall stellt das lv"-'' ..Volksblatt für Anhalt" fest, daß in den oberen Klassen der .,oyeren schulen Dessaus regelrechte Schulortsgru»,prn Hakenkreuzler bestehen. Die Mitglieder dieser Gruppen bc- sitzen Mitgliedskarten und haben Mitgliedsbeiträge zu zahlen. Das Blatt behauptet ferner, daß in den Schulen sogar während oes Unterrichts Flugblätter verbreitet werde?!. Da» Amvachsen Gdingen». Die Einwohnerzahl Gdingens ist seit dem Jahr« 1920 von 400 aus 32 000 angewachsen. Kein Flollenlag In Amerika. Der Geburtstag Rovsevelts, der in den Vereinigten Staaten ollgemein als Flortemag gefeien wird, wird diesmal auf Zln?r»niunq des Präsidenten Hoover nicht für Kuirdgebungen zur Verstärkung der aincrikainschen Flotte ausgenutzt. Hoooer hat der Flollenliga und allen ähnlichen Vereinigungen zu verstehen gegeben, daß diesmal in den Festreden alle Stärken- vergleiche unterlassen und statt dessen die Flottenabrüstung m den Vordergrund gerückt werden soll. Gasunglück im Tanzsaal. 20 Personen durch GaSeinatmung vergistel. Ein schweres Gasungluck, verursacht durch einen schadhaften Gasofen, rief gestern unter Vereins- gasten in den Gcrmauiafälen eine Panik hervor. 2 0 Personen, die bewuhllog geworden waren, muhten ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. ' Am Sonntag abend veranstaltete der Verein Landsmann- schast Ziesar in den Germaniasälen in der Chausseestrahe«m Tanzvergnügen. Einige Festteilnehmer bemerkten plötzlich Gas- geruch. ohne daß es zunächst gelang, die Ursache zu klären. Etwas später sanken mehrere Personen bewuhtlos zu Loden, andere klagten über starkes 11 ebelsein. Das Rettungsamt irnd die Feuerwehr wurden daraufhin sofort alarmiert. Die Erkrankten wurden in einen Nebensoal gebracht und dort von Zlerzten und Samaritern mit Sauerstoff behandelt. Dle Mehrzahl der Gas- vergisleien erHolle sich schnell wieder. Fünf Personen dagegen, eine Frau Charlotte Linke aus Oranienburg, Berliner Strohe 33, die Schülerin Thea L ä r w a l d aus Neukölln. Weichsel- platz 2, Paul Kunze aus der Weserstroh« 35 in Neukölln, Frau Minna Linke aus der Rödernstrah« 48 in Lichtenberg und Kurt Kops«ms der Flvroftraß« 35 in Mohlsdorf, deren Zustand sich als ernst erwies, wurden ins Virchow-Krairkenhaus gebracht. Von der Feuerwehr wurde sofort eine Untersuchung eingeleitet. Dabei stellt« sich heraus, dah der Hahn eines Gasofens halb gc- ösfnel war und so im Lauf« des Abends erhebliche Gasmengen im- rehindert ausströmen konnten. Die von der Polizei eingeleitete Untersuchung Hot ergeben, dah der in der Mitte des Saales befindliche Gasofen gar nicht in Betrieb war, und daß durch bisher nicht geklärt« Ursache sicherlich versehentlich von unbekannter Hand der Hahn aufgedreht worden ist. Da infolg« von Renovierungsarbelten das Abzugsrohr vorübergehend abgenommen worden war, strömt« dos Gas in den Saal. Wie der leitende Arzt des Virchow-Krankenhauses den Gas- merken heute morgen mitgeteilt hat, Handell es sich bei allen fünf in das Krankenhaus eingelieferten Personen nur um leichte Gasvergiftungen, so dah die Möglichkeit besteht, einzelne der Erkrankten heute wieder zu entlassen. (Selbfimord des Konkursverwaliers. Oefroudant Lohn hat sich in Töplitz erschossen. Lrcslau, 28. Oktober. Der flüchtige Konkursverwalter Cohn hat nach Meldungen, die auch bei der Breslauer Kriminalpolizei vorliegen, in civem Sanatorium bei Tcplih- Schönau Selbstmord durch Erschießen verübt. Cohn befand sich in Begleitung seines Schwiegersohnes auf der Reis« von Prag nach Breslau, nachdem ihm bekanntlich die Brcslauer Staatsanwallsthaft freies Geleit zugesichert hatte. Ein Breslouer Kriminalkommissar ist zur Festcstlli'.ng der Persönlichkeit des Toten nach Teplitz-Schönau abgereist. Wie dazu bekannt wird, ist inzwischen auch Frau Cohn am Sonntag nachmittag im jüdischen Krankenhaus Breslau a n d e n Folgen eines Selb st Mordversuchs ge starben. Hastbefehl gegen Giadtinfpektor. Sin Deutschnationaler feines Amtes enthoben. Gegen den 35 Jahre allen Stadtinspektor Joseph Stöcke! aus Köpenick war Haftbefehl wegen Unterschlagung im Amte und llr- künde nfälschung erlassen worden. Stöckel, der berells seit einiger Zeit gesucht wurde, wurde am Sonntag von Kriminalbeamten in der Reichenberger Straße ermittelt und festgenommen. Er wird der Staatsanwaltschaft zugeführt werden. * Der deutfchnationo!« Direktor Lettow der Berliner Müllabfuhr ist seines Amtes wegen Unregelmäßigkeiten im Dienste enthoben worden. Lettow hat rerschieden« Finanzierungen durchgeführt, zu denen er nicht berechtigt war. U. a. gewährte er einem Betrieb ein Dorlchn von 1,1 Millionen Mark, ohne die Genehmigung des Aus- sichtsrales eingeholt zu haben. Gegen Lettow schweben bereits feit längerer Zell wegen anderer Dargänge bei der Staatsanwaltschaft I in Berlin Ermittelungen, die bisher noch nicht abgeschlossen sind. • Stadtrat Dezner vom Bezirk Prenzlauer Berg und Stadtrat Gäbel haben am Sonnabend bei Bürgermeister Scholtz die Er- ösfnung des Disziplinarverfahrens gegen sich beantragt. Dieses Per- fahren soll ihnen Gelegenhell gedeih sich gegen die Vorwürfe, die gegen sie erhoben wanden sind, zu rechtfertigen. Bürgermeister Scholtz hat die beiden Gesuche an den Oberpräfidenten der Provinz Brandenburg und vvn Berlin weitergeleitet. Sinowjew von Leningrad nach Moskau gerufen und aufgefordert worden, sich in Gegenwart Tschitfcherins zu äußern. Sinowjew habe eine sehr besorgte Miene ausgeletzt. den Brief lang« studiert und dann erklärt, daß er sich nicht erinnere ein derartiges Schriftstück diktiert zu hoben. Doch habe er hinzugefügt, daß das Dokument so geschickt abgefaßt sei und so genau den allgemeinen Richllinien der Dritten International« für England entspreche, dah er es. wenn man es ihm vorgelegt hätte, unterzeichnet haben würde. Tschitscherin und besonders der(verstorbene) Leiter der Tscheka, D s e r j i n s k i, hätten versucht, �mehr Aufklärung zu erhalten. Sinowjew habe es ober abgelehnt, weitere Erklärun- gen abzugeben. Damals sei er die einsluhreichste Persönlichkell des Politbureaus gewesen, und er habe die Unterredung brüst abge- brachen mtt der Erklärung:„Ich habe nichts unterzeichnet. Punktum."' Trotzdem Habs die Tscheka drei Sekretäre der Dritten Internationale, darunter die PrivatsekretSrin des Vorsitzenden, die den beanstandeten Brief Sinowjew? zur Unterschrift vorgelegr habe, erschießen lassen. Sinowjew sei nicht«inge- schrttten, um sie zu retten. Hinrichtungen in Kautasien. Moskau, 2«. Oktober.(Sowjetogentur.) Die staatliche politische Verwaltung hat im Nordtaukasus eine große monarchistische Organisation entdeckt, die ihre Ziele unter der Maske einer religiösen Sekte versteckte. Die Organ.sotion bereitete einen bewaffneten Aufstand vor und wirkte den Regierungsmaß- nahmen aktiv entgegen. Sie vereinigte die Ueberrest« weiß- gardistischer Banden und besaß eine geheime Zentralstelle, Rat der Zwölf genannt, die sich in einem einsamen Dorf im Bezirk Sotschi an dem zentralen kaukasischen Gebirgszug befand, sowie ein Netz von Zweigstellen. Die Führer der Organisation, die Brüder G r i g o r o w i t s ch, in der Zarenarmee Oberst bzw. Stobprittmeister, sowie die Mitglieder des Rates der Zwölf wurden zum Tode oer> urteilt, die übrigen Teilnehmer zur Internierung in einem Kon- zentrationslager auf fünf bis zu zehn Iahren. Die Todesurteile sind bereits vollstreckt. Türkischer Terror. Blutjustiz gegen jede Opposition. Staurbul. LS. Oktober.(Eigenbericht.) Ei» junger Mann von nicht einmal 18 Jahre», der kürzlich unter dem Verdacht, sozialistische Flugschriften z« besitzen, verhaftet worden war, ist jetzt„wegen versuchte« Umsturzes der Verfassung" zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Sin Geistlicher, der wegen etner Kritik an der Religionspolitik der Regierung zwei Jahre Gefängnis' erhalte« hatte, wurde von der Berufungsinstanz in Angora zu 7 Jahren Zuchthaus verurteilt. Ein Geistlicher, der einem Kollegen eine verbotene ägyptisch,- Zeitung zum Lesen übermittelt hatte, wird sich dies?- Tage in Gmyrna ebenfalls wegen Hochverrats- verantworten habe»! Künf Tote bei einem Autounglück. Vom Schnellzug erfaßt. Zürich, 28. Oktober. Beim Bahnhof St. L e o n h a r d t bei Sitten ereignete sich ein schweres Autoukiglück. Infolg« nicht geschlossener Schranke wurde«In vollbesetztes Auto vonbemSchnellzugLausanne- Mailand erfaßt und vollständig zertrümmert. Die fünf Insassen, die von einer Taus« kamen, wurden mit dem Täufling auf der Stelle getötet._ Roß am 31 Oktober in R emerbaven. Oberbürgermeister Dr. B ö ß trifft am 31. d. M. in Bremer- Häven ein. Dort wird ihm das amtl'che Mctei'ol über die Be- stechungsaffären in der Stadtverwaltung zu? stellt werden. Wie bereits mitgeteilt, wind sich der Oberbürgermeister in der am 7. Ro- vember stattfindenden Stadtverordnetenversammlung zu der Sklarek-Affäre äußern._ Todesopfer des Gmowjew-Briefes. Ein Bericht Ressedowflys. Paris. 26. Oktober. Der ehemalig« Sowjetdiplomal Dessedowsky setzt im..Matin" sein« Enthüllungen fort. Er beschäftigt sich heut« mit dem S-nowjew- Brief, der seinerzell so große Folgen in England gehabt hat. Es habe damals der Plan bestanden, die revoluttonär« Propaganda zu verstärken und eine Kampagne einzuleiten, die auf die Z e r s e tz u n g der englischen Arbeiterparte! abzielte. In diesem Augenblick Hab« sich der Zwischenfall mit dem Emowjew-Prief ereignet. I» Moskau sei die Erregung groß gewesen. Do» Polit- bureau sei auf Ersuchen Tschitschertns zusammenberufen. Bülow gestorben. Oer Ausklang des Kaisertums. Ter ehemalige deutsche Reichskanzler Fürst von BLlow ist heute morgen im Rom im Alter von 81 Jahren gestorben. Mit BernhardBülowist einer der Sterne aus dem Zeitalter Wilhelms II. still versunken. Einst mit Ehren und Auszeichnungen überhäuft, vom„niederen Adel" in Den Grafenstand„erhoben" und schließlich gar zum Fürsten mit dem Titel Durchlaucht gemacht, kennzeichnet Bülow in seiner diplomatischen und politischen Laufbahn wie kaum ein anderer das System, in dem er wirkte, seine Erfolge errang und sein plötzliches Versinken von der Schaubühne der Oeftentlichkeit still ertragen mußte. Von den vielen Kanzlern und Ministern, die unter Wilhelm durch eine geheime, unkontrollierte Stelle plötzlich ans Licht gezogen und ebenso plötzlich beseftigt wurden, war Bülow zweifellos einer der Fähiasten, vor allem in der Kunst der Anpassung. Als er 1897, damals Botschafter in Rom, nach Berlin berufen wurde, um die Leitung des Aus- wältigen Amtes zu übernehmen, war auswärtige Politik für die Mehrheft des deutschen Volkes und seiner Vertreter im Reichstag noch ein Geheimbuch mit sieben Siegeln. Rur wenige der Parlamentarier befaßten sich mft den Fragen der sogenannten hohen Politik. Aber auch ihnen war ein tieferes Eindrinsien in die Dinge erschwert durch die Geheimnis- krämerei, die das amtliche System beherrschte. In dieser Zeit konnte der schwertklirrende Chauvinismus sich in Reinkultur entwickeln, die„schimmernde Wehr" funkelte in allen offi- ziellen Kundgebungen und die Alldeutschen hatten gute Tage. Für solche Zeit war Bülow als Außenminister wie ge- schaffen. Durch seine römische Tätigkeit daran gewöhnt, auch andere als nur amlliche Meinungen zu hören, erschien er in der Berliner Umgebung fast wie ein Modernist, während er doch nur die andere Nummer emes alten Fadens darstellte. So weltmännisch er sich zu geben pflegte, so zynisch witzelnd er die schwierigsten Dinge zu meisten, suchte, so wenig kazn er innerlich los von den Vorstellungen der preußischen Herren- käste, der zu dienen seine Lebensaufgabe geworden war. Besonders als er nach des alten Hohenlohe Abgang das Reichskanzleramt übernahm und sich nunmehr auch mit der Innenpoliük beschäftigen mußte, kehrte er öfter, als ihm seines Rufes wegen lieb sein mochte, den Pferdefuß preußi- scher Rückständigkeft heraus. Geflügelt wurde fein gehässiges Wort über die russischen Revolutionäre, die vor der Ver- folgung des Zarenwms zeftweilige Zuflucht in Deutschland suchten und hier nun hilflos den Schikanen einer einseitig dressierten Polizei ausgeliefert waren, das infame Wort von den„Schnorrern und Verschwörern, den Mandelstamm und Silberfarb", das den antisemftischen Ohren der konservativen Edelinge noch lange wie Glockenton nachklang. Indessen stand Bülow in einer Zeitenwende. Auch gegen seine Absicht und Neigung war er genötigt, Kon- Zessionen an neue Strömungen im Volke zu machen, mit anderswerdenden Verhältnissen zu rechnen und so den Uebergang vom halbabsolutistischen zum parlamentarischen System vorzubereiten. Für die Geschichte der deutschen Politik ist es nicht ohne Interesse, daß dieser langjährige Günstling Wilhelms H. der Kanzler wurde, der zum ersten Male nach parlamentarischen Mehrheiten Umschau halten mußte, um sein ferneres Regieren zu ermöglichen. Wirklich gelang es ihm bei den Hottentotten-Wahlen von 1997, unter gekaufter Assistenz des berüchtigten Reichslügenverbandes gegen die Sozialdemokrane sich eine Mehrheft zu schaffen, die als der„B ü l o w- B l o ck" bekannt geworden ist. Sie band die Konservativen und Nationalliberalen mft den Freisinnigen zusammen. Die be- sondere Art dieser sonderbaren Koalition hat der alte Frei- sinnige Albert Träger treffend umschrieben als die„P a a- rung von Kaninchen und Karpfen". Aber mochte auch Bülow so wenig wie die Konservativen an die Tragweite dieser Blockbildung denken: tatsächlich war sie die Einleitung einer neuen parlamentarischen Praxis, die so oder so zum parlamentarischen System führen mußte. An der Parlamentsecke oder vielmehr an seiner Stellung zum und im Reichstag ist Bülow schließlich gescheitert. Der Kaiser, dessen erklärter Liebling der lächelnde Kanzler lange Zeit gewesen, hat ihn plötzlich in Ungnade sinken und in dieser Ungnade ihn auch scheiden lassen. Wichelms Selbst- Herrlichkeit konnte ein parlamentarisches Feigenblatt nicht er- tragen. Und da Bülow zeitwellig so tat, als wolle er dies Requisit parlamentarischer Gepflogenheiten vor den kaiser- lichen Mmid binden, so mutzte er abtreten und seinen Lebensabend fern von der Stadt seiner Triumphe vertrauern. Es war im Jahre 1908, als Wilhelm II. durch Veröffent- lichung seines bekannten„Interviews" im englischen„Daily Telegraph" das amtliche und nichtamtliche Deutschland plötz- lich aufschrecken ließ. Als in der Presse wie im Reichstag eilt Sturm der Empörung gegen den schwätzenden Zollern losbrach, wie er in solcher Einmütigkeft kaum je erlebt worden war. Damals tat Bülow, was ihm Wilhelm nie verzieh: Er redete dem Kaiser zu, sich in Zukunft mehr zurückzuhalten und erklärte dem Reichstag, der Kaiser habe es ihm in die Hand versprochen! Selbst die Konservativen hatten durch Heyde- brand ihre schweren Sorgen um die Redelust ihres Königs vortragen und bitten lassen, daß der Kaiser sich an die Kan- dare feines Kanzlers nehmen lasse. Aber es war noch kein Jahr verflossen, als Wilhelm be- reits wieder flott darauf los redete. Und Bülow, Konservative und Nationalliberale fanden das alles ganz in der Ordnung. Trotzdem waren Bülows Tage gezähll: Die Paarung von Kaninchen und Karpfen ging an der Finanzvorlaae von 1909 in die Brüche: an ihre Stelle trat der„schwarzblaue Block", denn das Zentrum hatte sich geschickt an die Seite der Kon- servatioen geschoben und die Freisinnigen verdrängt. Bülow mußte noch dies Steuerbündel mft feinem Namen decken, dann aber war seines Bleibens nicht länger. Bon Wilhelm gemieden, im Bolk ohne Stütze, im Reichstag erledigt, trat er 1909 in den Ruhestand, den er abwechselnd in Klein-Flott- deck bei Hamburg und in seiner römischen„Villa Malta" verbrachte. Rur einmal trat er noch wieder amtlich hervor. Als 1915 auch Italien, der Dreibundpartner, sich anschickte, in den Krieg gegen seine früheren Verbündeten zu treten, wurde Bülow als außerordentlicher Botschafter nach Rom geschickt, um durch Verhandlungen diese Gefahr abzubiegen. Wie be- kannt, ist diese Mission Bülows gescheitert. So blieb Bülow trotz gewisser Begabungen für die Politik des kaiserlichen Deutschlands verloren. Als wäh- rend des Krieges sein Name einmal als Kanzlerkandidat wieder auftauchte, wurde er abgelehnt. Gegen Ende des Krieges suchte er gar die Sozialdemokratie für s i ch' z u interessieren. Durch seine Bertreter ließ er versichern, daß er der gepriesene Mann fiir die Friedensverhandlungen sein würde dank seiner Beziehungen und seiner diplomatisch-technischen Kenntnisse. Jedoch blieb dieser Liebe Müh umsonst. Die neue Zeit erforderte neue Personen und neue Zielsetzungen. Zwanzig Jahre hat das umstrfttene Talent dieses Mannes aus der Kaiserzeit brachgelegen. Das persönliche Regi- m e n t konnte es nicht mehr verwerten, nachdem es einmal, selbst wider Willen, an den Grundlagen dieses Regiments zu rütteln gewagt hatte. In einem parlamentarischen Staate wäre ein Mann von der Art Pulows nicht endgüllig abgetreten, sondern hätte als Abgeordneter gesucht, im Volk und im Parlament neue Mehrheiten zu bilden und so seine Ansichten im Staate wieder geltend zu machen. Die Tradition der Kaiserzeit kannte nur einen Aufstieg und ein Versinken. So wurde Bülow in mehr als einer Hinsicht Symbol des Ausklangs der Kaiserzeit. Er leitete den Uebergang zum parlamentarischen System ein, aber er selbst konnte dies neue System der Selbstbestimmung nicht mehr aktiv mitgestalten. In anderer Umgebung und unter anderen Borzeichen wäre er vielleicht bis in fem hohes Alter ein wertvolles Rad im politischen Getriebe geblieben. So aber starb er als trauernder Rest endgültig vergangener Zeiten. Theater/ Ulm/ Musik. Theaier am Gchiffbauerdamm. Matinee:„Schlafstelle". Hanns M i n n i ch s Stück zeigt das Elend eines Armcn- quartier». Die Szene ist dunkel, man sieht nur die Konturen eines Raumes. Es ist vor Tag. Schlaftrunkene Worte und Seufzer fliegen auf, Gier und harte Träume peinigen diese Menschen. Der Schlafbursche Gustav schleicht zur vierzehnjährigen Paula. Trost- loses Grau des Morgens in diesem Zimmer! Menschen und Gegen- stände werden sichtbar. Der Vater sucht schon lange Arbeit, er ist im Grunde ein braver Kerl, ober die Mühle der Arbeitslosigkeit zcrmahlt seine Knochen: er trinkt. Die Mutter ernährt die Familie, soweit man hier von„ernähren" sprechen kann. Tag und Nacht plagt der Hunger diese Menschen. Die altersschwachen Großeltern liegen in ihren Betten und es ist ihnen beschieden, zwei zerstörte Generationen aus ihrem Blute zu sehen, die dem Nichts entgegen- treiben. Die zwei Knaben, August und Peter, tragen den Stempel der Verrohung im Gesicht. Auch Gustav, der Schlafbursche, sucht Arbeit. Er hat es um so nötiger, Geld zu verdienen, da sich Paula Mutter fühlt, Paula, die Vierzehnjährige! Sie lieben einander. Aber kein Weg, den sie gehen könnten, zeigt nach oben. Verbrecher oder Zuhälter könnt« Gustav werden, ehrliche Arbeit ist nicht zu finde«. So gehen Paula und Gustav, da sie nicht leben dürfen, miteinander in den Tod. Diese Vorstellung des unter Granachs Leitung stehenden „November. Studio" war erschütternd. Tief ergreist uns der Weg dieser zwei jungen Menschen. Durch erstickend enge Straßen. an rötlich glimmenden Laternen vorbei, unter denen Straßendirnen ihrem Gewerbe nachgehen, durch Kneipen, in denen sich das Elend betäubt, führt der Weg der beiden. Am Ziel erwartet sie der C» löser Tod. Franz Flachslanders Bühnenbild schuf«ine Atmosphäre konzentrierten Elends. Autor und Darsteller verdienen fast restlose Anerkennung. Die Arbeit der Kollektivregie ist ganz« Arbeit, aber kommunistisch tendenziös. Wo Tendenz allzu fühlbar wird, muh Opposition entstehen. Wozu also?! As« T r a u t s ch o l d, eine große Tragädin. Ihre Paula ist ein armes, zerbrochenes Kind, in dessen Seele heiße Sehnsucht nach Le- freiung verzehrend brennt. Hin- und hertaumelnd zwischen Gut und Bös«, ein Werkzeug der grausamen Welt. Der Gustav de» Erik Ode glaubwürdig und auffallend durch ein« wirksame Oeko- nomie der Bewegung. Ihn treibt das Spiel, so wie ihn da» Leben treiben würde. Die Gounertype Paul Bildts glänzend. Max Schreck und Mathilde S u s s i n als Großeltern lösten ihre schwere» Aufgaben gut. Das Stück schreit nach einer Abendaufführung. Der Beifall kam im ersten Teil der Aufführung oft«twa» vn- erwartet. Fleißige Hände waren am Werk«. Alexander von Sacher-Masoch, Giädtefilme. Bor dreißig, vierzig Iahren ging man ins Panorama und sah sich hübsch kolorierte Städte- und Landschaftsbilder an. Man faß dabei auf feinem Stuhl und guckte durch Gläser in das beleuchtet« Innere des Apparates. Wenn ein neues BUd kam, gab es einen Knax.� Aber man hatte Zeit genug, alle Herrlichkeiten gebührend zu würdigen. Heute besorgt die Kenntnis und den Genuß der gleichen Dinge der Film. Mit dem Kennenlernen hapert es frellich manchmal, denn die Bilder huschen gar zu rasch vorüber, und nur zu oft möchte man sagen: verweile doch! Das war auch Sonntag der Eindruck, als im Zusammenhang mit der sehr sehenswerten Aus- stcllung Film und Foto, die bis zum 17. November im Licht- Hof des früheren lkunstgewerbeinuseums gezeigt wird, im C a p i t o l «me Auswahl bemerkenswerter Städtefilme vorgeführt wurde. Es gab Gelegenheit, interessante Vergleiche anzustellen. Die Film« von Paris und insbesondere Athen begnügten sich noch im großen und ganzen, beliebte Schaustücke und berühmte Sehenswürdigkeiten— inenn auch in bewegter Form— aneinander zu reihen. Aber man ging doch schon darüber hinaus und gab dazwischen lebendige Aus- schnitte aus dem Leben. In viel höherem Maße war der Versuch bei dem Moskau film geglückt, die Stadt als bewegten Organis- mus zu schildern. Di« Bilder aus dem russsschen Echan ghyi- Film vermittelten vollends die unmittelbarsten Eindrücke aus dem liebei, der Straße, aus der Arbeit des Volkes. Den Höhepunkt dieser filmischen Entwicklung bedeutet vorläufig Ruttmanns Berlin, die Symphonie einer Graßstadt. Hier ist dfr Ansichtskart« völlig überHoll. Alles ist bewegter Rhythmus. Wie die Großstadt erwacht, wie die Zhirve der Arbeit anschwillt und der Abend mit seinem Lichterglanz wieder in die Na cht versinkt, das ist rein filmisch«in- gefangen. Taufende kleiner Ausschnitte aus dem Alltag, die doch nicht jeder sieht, tauchen aus dem Hasten und Drängen auf. Ja, dos ist das Leben der großen modernen Stadt, von außen gesehen. In«onntagoorführungen sollen weitere interessante alt« und neue Filine im Capital gezeigt werden. Eine andere Serie, die man als Entwicklungsgeschichte des Films bezeichnen könnt«, läuft in der Kamera„Unter den Linden". r. Kammermusik und Mlmmusit. Volksbühne. Auch Fjlnre sind gezeigt worden im ersten Mittagskonzert der Volksbühne: aber Fiime nicht um ihrer selbst, sondern um der Musik willen, die sie beglestet. a m m« r ni u s i k und Film- musik" hieß das Programm: es galt den jüngsten Bemühungen der Filmmusik— richtiger: Bemühungen um Filmmusik— in ihrem organischen Zusammenhang mit den Formen und Arten von Musik, aus denen sie sich entwickelt. HindemitHs Spielmusik für Liebhaberorchester„Ein Jäger aus Kurpfalz", eine„Tafelmusik" des allen Georg Philipp Thelemann, eine„Unterhaltungsmusik" des talentvollen jungen Walter Eoehr umrahmten den Filmteil der Vortragsfolge' Gsbrauchsmufik für Kammerorchester— dos muß auch unsere Filmmusik sein, um ihren Zweck zu erfüllen, dem sie noch immer vorenthallen bleibt. Filmmusik— man weiß und kann sich täglich überzeugen, daß es bei uns elend um sie bestellt ist. Und es wird nicht besser werde», solange ihr« Beschaffung nicht aus dem Verontwortungsbezirk des Filmtheaters in den Bereich der Produktion und tn das Stadium der Produktion verwiesen wird; solange nicht der schafsende Musiker. der Komponist an die Stell« des„Illustrators" tritt, des Illustrators mit seinen künstterisch indiskutablen Behelfsmethoden, der hastig zusammengesuchten, zusammengeflickten Musik. An den schaffenden Musikern liegt es nicht, daß sie ausgeschlossen bleiben. Sie sind willig, ain Ausstieg der Filmkunst ihren Anteil, zu haben: die Besten sind besten Willens. In einer„Gesellschaft der Filmmusikautoren Deutschlands" haben sie sich organisiert, bereit, es zu werden, wenn der Filin sie ruft. In einem zweibändigen„Handbuch der Film- musik" haben zwei Fachspezialisten, Hans Erdmann und Giuseppe Becce, alle Erfahrungen und theoretischen Erkenntnisse ihres Ge- bietes niedergelegt. Musik und Musiker sind für den Film bereit: wann wird der Film bereit sein? Es war besonders dankenswert, daß die Volksbühne in sicht- barster, wirksamster Weis« das Thema„Filmmusik" zur Diskussion gestellt hat. Doppelt dankenswert, weil das Programm so beschaffen war, daß es dem Zuschauer oder Zuhörer nicht nur Einblick in die heutige Situation, sondern künstlerische Anregung und reiche Ab- wechsiung bot. Fünf kurze Filme—„Kurzfilme", um es in der heutigen Sprache zu sagen— wurden vorgeführt: als Uraufführung ein Kulturfilm der Höllerir.g-Produktion„Ernte": ein sehr reizvoller Puppenfilm, von Stareivitsch ,/ver verzauberte Wold": zwei lustige Trickfilme und«in nicht ganz so lustiges Lustspiel, dessen Tricks darin bestehen, daß die Menschen, von denen es handelt, nur vom Knie Bie Totenmaske von Arno 3io\s> Aufgenommen ran Sfldhauer Xarmld gfenfleiu abwärts zu sehen sind. Dazu Musik von Max Butting, Paul Dessau, Ernst Toch, dessen Komposition der.Kinderfabrik" der musikalisch wertvollste Bestrag des Programmes war. Doch auch die anderen: gute Namen, gute Musiker� und sie heben die Dorführung in das Niveau ihrer Kunst, indein diese sich allemal dem Stil des Films anpaßt, mit dem sie sich verbindet. Und hohes Niveau wahrte auch die Ausführung, die dem Alhambra-Orchefter unter Leitung von Herrn Paul Dessau anvertraut ivar. R.?. Notwendiger Protest. Am Sonnabend wurde das Abendprogramm des Berliner Rundfunks unterbrochen zugunsten von etwas, das als Tolenseier für Arno Holz angekündigt wunde. Was dann folgte, war weder Feier noch erhebend. Man mag den VcranftoUern zugute holten, daß das Ganz« extemporiert war. Immerhin empfindet man es schon als geistig« Armut, wenn der Sprecher— in diesem Falle FelixHollänber — statt einer Red« den gleichen Artikel verliest, den der Zuhörer zwei Stunden vorher bereits in einem Nachinittagsblatt zur Kenntnis genommen hat. Nicht einmal mit Freude zur Kenntnis genommen hat. Denn der Artikel wie die übereinstimmende Rede bekunden nur, daß ihr Berfosscr non d c m Arno Holz, den es zu ehren galt, nämlich von den, großen Dichter Zlrno ijalz— der Mensch steht auf einem anderen Blatt— so gut wie nichts begriffen hat. Wehden„Phan- tafus" nnt einem Satz abtut, wer Wichtigstes mit Stillschweigen übergeht und das Drama„Ignorabimus" nicht eimnal dem Namen nach zu kennen scheint, der soll nicht vorgeben, von dem ins Uncnd- liche strebenden Arno Holz irgend etwas zu wissen und zu verstehen. Selbst wenn der Nachrmer einmal— wie gütig!— eine Aufführung von„Sozialaristokraien" durchgesetzt hat. Gewiß: Totenehrung darf nicht in Lobhudelei ausarten. Aber Arno Holz bedarf keiner gequälten Lobsprüche, um gewürdigt zu werden. Was wir von einem Nekrolog verlangen dürfen, ist liebende Einfühlung und inniges Verständnis. Felix Holländer liebt Arno Holz nicht. Das- ist seine Sache. Der Dichter Arno Holz kann nur geliebt werden im Sinne des Goethefchen:„Den lieb ich, der Unmögliches begehrt." Erklärlich, daß einem Felix Holländer die Fähigkeit, in diesem Sinne zu lieben, abging. Als Nicht-Liebender, als kritisch Stichelnder, als kalter Nichtbegreifer durfte er sich aber nicht als Sprecher eines Nekrologs uns aufdrängen, der nur eins bewies: daß das ewige Pech des armen Arno Holz selbst mit seinem Tode nicht aufgehört hat. ' Erich Kuttner. vi« ZIlusikableiiung des ZeatrallnslUafs'i>r Erz'ehung und Iln'rnicht «eranftaltet beute. 20 Ubr, im K rohen Saal deZ ZennafinflitutS. P äs- dcimei: StraHe 120. einen Vortrag von Paul Better, Intendant de» StadttheatcrS Wiesbaden, über O p er und Overntheater in der Ncqcnwart. Eintrittskarten zum Preise von Mk. I.— sind in der lAeichäslSslelle des ZenlralinstilutS sowie an der Abendkasse«rtjätttich. Willy Au chhoff lieil flu!®nl«>una der Volksbühne e«. im SV.. 2« Mr. im tPili iicriflfll de« SUlliau1?«, Eingflnq Nöiiigurahe. au«?o'!ajei»SktS Werke»/ Einlfltzklnoe» 8.60 Bck. i» den?kik,u!»üelle>, der»»ikSbüane. Eine Schau p«ter-llochlnerstellanq»in„Di«?aud deS LäckelnS, im M«lro.pot-Tbealer findet am Lt.. nachts t2 Ubr. zupunsten der Bühnengenossenschast stall. Karten imBeziikSoerbandKeithstr. Ii fssimmerlö). vie zweite diesjährige Tanzmalinee der volketühne E. 0 bringt Vor- sübrungcn von Harald Kreutzbcrg und Nvoune Georg i. Sie findet am Soüntag. dem 3. November, vorm. llst, Ubr, im T beater am Bülowplatz statt. LoSplühe für Mitglieder der Volksbühne ISO Mk. in den Verkaufsstellen der Volksbübne, feste Plätze für Nichtmit- glieder t,—, 3,— und 2,— SRI. bei Wcrtheim und an der Theaterkasse. Die neue Kölner ilniverfltöt. Feierliche GrunSsteinlegvng.— Otto Braun über dos akademische Proletariat. Köln, 26. Oktober.(Eigenbericht.) Heut« wurde in Anwesenheit des preußischen Ministerpräsi- denten Dr. Braun und des preußischen Kuttusministers Dr. Becker der Grund st ein für das neue Universitäts- g e b ä u d e gelegt. Der preußische Kultusminister Dr. Becker sagte u. a.:„Möge hier stets lebensnahe Wissenschast betrieben wsvden. Die Zeiten find vorüber, in denen die Tätigkeit des Gelehrten sich in stiller wissenschaftlicher Arbeit hinter KUostermauern vollzog. Denn der moderne Gelehrte muß seine wissenschaftliche Erkenntnis immer wieder nachprüfen an dem gewalttgen Strom des lebendigen Lebens. Das Hauptproblem für den heutigen Forscher und Lehrer ist die Berbindung von Wissenschaft und Leben." Als erster nahm dann Ministerpräsident Dr. Braun den Hammer und tat die üblichen drei Hammerschläge. Er würdigte den freien Geist der rheinischen Demokratie und die so- ziale Gemeinschaft in der deutschen Republik. Anläßlich der Grundsteinlegung fand ein städtischer Empfang statt, bei dem Ministerpräsident Dr. Braun in einer Ribe die Frage anschnitt, wo heute die Ueberzahl der Akademiker unterzu- bringen sei. Die Rationalisierung der Wirtschaft habe eine Bcr- Minderung der Zahl der in Frage kommenden Stellen herbeigeführt. und es bestehe heute die Gefahr der Schaffung eines großen akademischen Proletariats, wenn die Unioersi- täten und Hochschulen weiterhin das Studium erleichterten und uitter- stützten. Rur die Tatkräftigsten würden nach Beendigung ihres Stu- diums de» Weg finden, während der Rest verbittert vor dem Leben stehen bleib« und dt« Schuld für ein verfehttes Leben gern anderen zuschieb«. Di« letzteren seien als Staatsbürger schwierige Menschen. Deshalb müßte sich«me verantwortungsbewußte Regierung«rnsthast mit der Frag« befassen, wie der Zustrom zum Studium einzu- dämmen sei. Verlin mit Kartoffeln überschwemmt. Die Güterbahnböfe völlig verstopft. Dl« Bertiner Güterbahnhof«, hauptsächlich der Nord- und Ostbahnhof sind infolge der starten Kartoffelliefe- rungen, ebenso wie im vorigen Jahre zu der gleichen Zeit. wieder völlig o e r st o p f t, da es bisher nicht möglich war. bei der Entladung der Waggons das gleiche Tempo wie bei dem Anrolle» der Kartoffeltransporte zu hatten. Es haben sich deshalb auf den Berliner Güterbahnhöfen in der letzten Woche wieder recht erheb- liche Mißstände herausgebildet, die die Reichsbahndirektion genöttgt haben, gelegentlich einer Besprechung mit dem Einheitsverband der Kartoffelgroßhändlcr ein« Heraussetzung der Standgeldgebühren anzudrohen, falls die Entladung der Waggons nicht schneller oonstatten gehen würde. Am 22 d. M. standen auf den Berliner Güterbahnhöfen 820 Waggons mit Kartoffeln, van denen bereits 56? standgeld- pflickstig waren. In den letzten Tagen hat allerdings der Wtrans- pari etwas besser funktioniert, denn vorgestern waren nur noch 731 Waggons, davon 462 standgeldpstichtig, vorhanden. Di« Gründe für den Kartoffelüberfluß in Berlin sind darin zu suchen. daß die Landwirtschaft infolge des allgemeinen Kapttalmangels Geld braucht und die Ernte so schnell wie möglich zu verkaufen bestrebt ist. Hinzu kommt noch, daß infolg« der günstigen Witterung- die Erntearbeit ohne Verzögerung durchgeführt werden konnte. Auch im Kartoffelgroßhandel herrscht Geld- knappheit, so daß die Firmen nicht wie früher in der Loge sind, groß« Vorräte zu halten, um so weniger, als auch die Ber- braucher ebenfalls aus finanziellen Rücksichten davon abgegangen sind, größere Kartoffelmengen schon jetzt zur Einkellerung zu kaufen. Amerikanische Doltshochschüler in Berlin. Besichtigung des„Vorvarts"-Hauses. Unter der Lettung von Dir. Soven Mathiasen von der Volks- Hochschule in Henrysville(Pensyloanien) ist eine Gruppe junger amerikanischen Arbeiter und Angestellten zum Sttldium der deut- scheu Arbeiterbildungsbewegung am Anfang dieser Woche in Berlin eingetroffen. Die Reisegesellschaft besuchte auch das„Vorwärts"- Haus, wo sie als willkommene Gäste überoll freudig aufgenommen wurden. Mit Unterstützung des Reichsausschusses für sozio- l i st i s ch e B i l d u n g s a r b e i t war ein Programm für die Per- lincr Tage ausgearbeitet worden. Großes Interesse fonden die Besichtigungen der st ö d t i s ch« n Betriebe, des Straßenbahnhofs Müllerstraße mit der modernen Fahrschule, und vor ollem des Kraft- werks K l i n g e n b e r g. Die Besichtigung des Reichstags, die durch die Karl-Schurz-Bereinigung eingeleitet worden war, war mit instruktiven kurzen Dortrögen verbunden. Genosse Horst Plenz(Leipzig), der deutsch« Führer'der Gruppe, gab eine Ueber- sicht über die deutsche Reichsoerfassung und Genosse Wolf- gang Schwarz erläuterte die Stellung Deutschlands zum H o u n g° P l a n. Weil er auf den Staat eine Wut hatte. Erst links, dann rechts und jetzt gar nichts.\ Wegen Vergehens gegen den 8 8 des Republikschutzgesetzes hatte sich der 25jährige Arbeiter Walter E. vor dem Sch äffen-- gericht Berlin-Mitte zu verantworten. Cr hatte am 20. Juli, als in der Beusselstraße ein Reichsbannerzug auf- gelöst und dabei«in„Hoch" auf die Republik ausgebracht wurde, laut gerufen„Pfui Deibel!" Vor Gericht sagte der Angeklagte, er habe das Reichsbanner und nicht den Staat ge- meint, im übrigen habe er aber auf den Staat ein« Wut g e h ach t, weil er sein« Rente nicht bekommen habe, außerdem sei er angetrunken gewesen. Er sei früher Rotfrontkämpfer gewesen, dann Nationalsozialist, und jetzt mache er über. Haupt nichts mehr mit. Das Gericht verurteilt« den AngcNagie» zu zwei Woche» Gefängnis mit Bewährungsfrist. SJefler für Berlin: Messt bewölkt, einzeln» RegeiifSll,,„och ziemlich kühl.— Jfir Deutschland: Im Westen vielfach Regensülle, nn Osten noch meist trocken mit Nachrfrostgefcchr. fc« W__ Achtung, SPF.-tS-n-eir.bcartcitct! abend 7 lld» iu bell m Musikerfälea, ltaifcr. Wilhelm. Sie. 31,«eifammlaua alle» 3®®.. g Semeiodeaetetter. Ttabtiat Senoss« Szemillaii sveicht über„Die---> iZ Somw-nalw-hleu u»b die städtifchell«rbeitnehmee-, zahlreicher Be. W such wird erwartet. Der Fia«tloll»»»rit»llb. tfleifoge Montag« 28. Oktober 1929 BprttbmO i/»k Ibuxtrü Herberge zur Heimat Ein Abend unter Kunden „Komm mtt, wir wollen uns Abendbrot holen"', soote der jüngste Kunde in der Herberge, ein munterer Bursche von kaum 20 Jahren, der in der geschenkten, großkarierten Hos«, die ihm viel zu weit ist, nur noch knabenhaster erscheint. Er«st ein« Kriegs- waise, sein Bater ist vor Verdun geblieben, die Mutter hat das kleine Anwesen im Mansseldischen bald verlausen müssen, er kam zu einem Friseur in die Lehre, aber es nrachtc ihm keinen Spaß, den Helmstedtern die Haare zu schneiden. In Magdeburg geht der gute Anzug sür ein paar Kinobilletts und sür die Schulden beim Budiker drauf. Es folgen Gastrollen in sächsischen Porzellan- und Konservenfabriken, in einer pommerschen Dampfmllhle taucht er auch aus, ober überall sind ihm die Sack« zu schwer. Ein« Keilerei bringt ihm die ersten acht Tage Gefängnis ein.(»Du mußt immer einen guten Eindruck vor dem Richter machen", meint er aus Erfahrung.) Und dann ist er auf der L a n d- st r a ß e. Was er noch zu lernen hat, bringen ihn, die alten Speck- jägcr in den Herbergen bei. Wie wir zum Abendessen kamen Wir pilgern zu dem Krankenhaus der Stadt, knöpfen lins die Jacken zu, dieweil wir durch den schönen, herbstlichen Garten gehen, es ist uns peinlich, daß auf dein Flur die Steinfliesen bei jedem Schritt dröhnen, um so leiser klopfen wir an die weißlackierte Tür des Meldczinrmers.„Run haben wir Ihnen einmal etwas gegeben, und gleich kommen Sie alle Tage, das geht natürlich nicht", wehrt die Schwester ob. Wir senken betrübt den Blick. Aus dem Bußboden tänzelt eine Staulrfaser. die sich in die blinkende Sauberkeit des Krankenhauses verirrt hat und nun nicht weih, wo sie hin soll. Die Lipp« ist etwas nach oben geschoben, warum die rechte Hand die linke festhält, wissen wir selbst nicht.«Ich werde sehen, ob noch etwas da ist, fegen Sie sich solange auf die Bank da", besinnt sich die Schwester. Wir atmen auf, mein nsuer Freund plinkert mit einem Auge und nieint:„Wir müssen dann schnell noch ein paar Wurstecken holen." Zwischendurch kommt ein« jung« Frau mit einem kranken Kind, das stöhnt manchmal. Der junge Kunde flüstert mir ins Ohr:„Ein hübsches Weib", als er noch m«hr erzählen will, bringt die Schwester c-iic weiße und ein« blau« Tüte. Mit einem energischen„So, da haben Sie", steckt sie uns die Tüten in die Kzande. Kaum ist die Tür ins Schloß gefallen, sagt mein Fechtbruder:„Butter- st u l l e n." Er«miß das im Griff haben. An einer Ecke mutz ich warten� Die Kleinstadt ist froh über- ihren Feierabend. Ein Mädchen trifft sich mit ihrem Freund, eine Frau sragt ihren Mann, was er morgen lieber ißt, Milchreis oder Wirsingkohl, ein lahmes Auw wird abgeschleppt und drei Kinder hören zu spielen auf, weil sie Hunger haben. Es dauert lange, bis der klein« Mann wiederkommt. Er n lacht ein nachdenkliches Gesicht, spricht auch nicht weiter, geht mir nur immer einen halben Schritt voraus, vielleicht kann er so besser Ausschau halten. Plötzlich sagt er:„Das hat hier keinen Zweck mehr. Das ist olles zu überlaufen. Jetzt werden die Schlächter auch schon mißtrauisch. Bei einem habe ich mir alle acht Tage meine Wurst holen können, heute schmeißt er mich bald hinaus und tobt, er kenn« uns Brüder schon, er gibt nichts mehr, wir handeln doch bloß mit der Wurst in der Herberge. D i e Kunden verderben sich selb st alles." Gespräche Obwohl der kleine Raum der Herberg« schon längst überfüllt ist, kommen immer neue Leute zur Tür hereingepoltert. Vor dem Ladentisch des Herbergsvaters ist dos Gedräng« am größten. Jenem Ladentisch, der alles zugleich ist: Kontor, Kasse, Registratur und Arbeitsnachweis, wo man das Kommen und Gehen der Kunden zu Statistiken verarbeitet, die schmierigen Flebben immer etwas argwönijch prüft, ihnen Federhalter und Tinte borgt und Schlafwarken gibt. Jenem Tisch, der noch den R« st a u r a t> o n s- betrieb der Herberg« tragen muß: vier Reihen umgestülpte Tafien, zwei Stapel Teller, einen Korb mit Schrippen, eine Kiste mit Schnecken, einen Topf voll Rollmöpse und noch einen voll Brat- Heringe. Nur die Kaffeekanne tanzt aus der Reihe, sie hat sich aus einem kleinen Gasherd unter dem Regulator einen Platz gesucht. Und damit der Tisch voll werde, hat man die H e r b e r g s- b i b l i o th e k noch mit hinaufgestellt, ungefähr Hundert Bände, von irgendwem gestiftet, in der Mehrzahl alte Jahrgänge der Garten- laude. Auch viel religiöse Literatur, nicht weniger zerlesen. Dienst hat heut« abend der Vizebost, es soll ein Adliger sein, sagen die Kunden. Er versucht den Lärm mit einer kleinen Klingck, wie sie die Bollejnngens haben, zu übertönen und rufl, als der Krach etwas abgenonunen hat:„Nummer 18. 24, 30 und 41. Alle hier? Rauf zum Baden!" Vier Mann ziehen ab. aber es wird nicht leerer.> Uni den Wassereiiner, an den ein Becher gekettet ist und der sed« Biertelstunde neu gefüllt werden muß. hat sich eine laiuen- tierende Gruppe gebildet.„Wie soll man jetzt nach Berlin kommen, drei Tage haben sie mich«in gebunkert und eben erst lausen lassen. Aus einem Gut bei Torgou soll ich Hühner ge- stöhlen haben, dabei habe ich im vorigen Jahr in Dresden im Krankenhaus gelegen. Helen unsereins einfach aus der Herberge ab, die alt- Bande", schimpft ein etwa Löjähriger Sachse. Er beruhigt sich ai v: bald und meint fast ausgesöhnt:„Auf eine Art sind sie ja anständig gewesen. Als ich sagte, ich habe kein Geld und keine Bleibe, hat man mir 5 Mark gegeben. Wo ist denn die Chaussee nach Berlin, vielleicht kriegt man da noch ei« Auto. Ich sollte schon gestern bei Sonnemann sein." Damit das Schimpfen nicht abreißt, fängt ein anderer an:„Was fall man nun bloß anfangen, der gibt mir keine Schlaf- mark«. Weil ich die Arbeit beim Bauern nicht angenommen habe." Die Umstehenden wackeln bedächtig mit den Köpfen, runzeln die Stirn, sie scheinen aber auch keinen Ausweg zu finden, bis einer sogt, was alle denken:„Gott, es ist ja noch warm, schlägst dir, mal draußen«ine Nacht um die Ohren."„Wozu denn", antwortet der Abgewiesene,„ich habe heute nsitiag meinen alten Chef getrosfen, der hat gesagt, ich kann bei ihm wieder anfangen. Was will he iut der alte Äown, ich Hab« doch Arbeit". ,/)ast du Schmöker zu tauschen?" fragt einer dazwischen. „Zeig mal her", ruft mein Bekannter über den Tisch„Ach, du hast ja nichts zum Lesen", winkt der Mann mit den, Schmöker ab. Eben kommen rot wie die Krebse, pustend und schwitzend die gebadeten Speckjäger zurück, vier neue marschieren ob, einer trägt seine Stiefel in der Hand. Das Postami der Heimailosen An den Tischen vorm Fenster wird nicht so laut gelärmt. Unter den Bildern Wilhelms I. und Bismarcks beschmiert sich ein Kunde ein Stück Brot mit Mostrich, einer zerschneidet ein« Gurke, der dritte putzt seine Brill«, er will die Aeitungsbeiloae lesen, in der das Brot eingewickelt war, dxr vierte stopft sich behutsam eine Pfeife, vorsichtig wird jeder Tobakskrümel wieder in die Blech- schachte! gestreut, zwei Artisten streiten sich um 91a stellt und einer pfeift:„Es war einmal ein treuer Husar, er liebt sein Weib ein ganzes Jahr, ein ganzes Jahr, und noch viel mehr, die Lieb' nimmt gar kein Ende ntehr." Er muß wohl gerade an Karneval denken, an«ine Frau, die ihm mal Wer den Weg lief, ober der Traum ist nur kurz, barsch bimmelt der Bost:„H i c r w i r d nicht gepfiffen, wie oft soll ick) das noch sagen!" „Denn nicht", brunnnt er, zieht die Hände aus den Hosen- toschen, stützt sie breit auf den bekleckerten Tisch und erhebt sich. Er geht zur gegenüber liegenden Wand, wo ein Glaskasten hängt. Dieser Glaskasten ist das Postamt der Herberge. In drei Reihen übereinander stehen Briefe, lange, schmale, groß«, kleine und Postkorten.„An Herr Max Lorenz, Arbeiter, Herberge zur Heimat." Ein« Postkarte ist' umgefallen, so daß man die Tcxtscite lesen kann: .Lieber Adolf! Ich will Dir bloß mitteilen, daß Willi Wenzel auf Wanderschaft gegangen ist. Er will Dich aufsuchen, aber laß Dich nicht mit ihm ein. Denke daran, wo? ich Dir damals erzählt habe. Ich bin immer noch in der Ziegelei. Frieda läßt schon grüßen." Die Post karte kann Adolf nicht erreichen, wer weiß, wo Adms jetzt ist, es geht der Karte aber nicht allein so, neben dem Kosten hängt eine lange Liste von Briefen, die all« jemand suchen. Der Pfeifer liest die Liste bis zu End«, holt einen Zigaretten- stumm el vor, zündet ihn an, doch er hat nichts davon, irgend- etwas liegt in der Luft, er schnuppert, ach so, in der Küche brät jemand Fletsch. Gut Habens die Leute. Es hängt noch ntehr an dieser mit dunkelbrauner Oel färbe be- strichelten Wand, die in dem matten Lampenschein so speckig glänft. Ein Aufruf des Berliner Polizeipräsidiums, den Frauenmörder von Schildhorn finden zu helfen, der hängt schon lange da, die Guttempler haben ein Gedicht angeschlagen, das vor dem Alkohol warnen soll. Wenn ich man einen Schnaps hätte, denkt der Mann, dann könnte ich ein wenig das Elend runterspülen, uitd ein blaues Emailschild fordert alle israelitischen Herbergs- besucher auf, schnell nach Hamburg in die Eimsbüttel«? Straß« 14 zu kommen, wo die Jüdische Mission für Arbeit sorgen wird. Wie weit ist Hamburg... „Was willst du für den Mantel haben, 15 Groschen?" wird ein alter buckliger Kunde gefragt, der keine Jacke hat, dafür einen zerlumpten Soldat enmanlel. Gespannt warten die anderen aus Antwort, aber der Bucklige zeigt ihnen nur«inen Vogel. Etwas angeärgert wackelt er durch die Stube zu dem Wassereimer hin, kratzt das letzte lau gewordene Wasser zusammen, trinkt mit weit nach hinten gebeugtem Kopf, sieht sich dann um und geht auf vier Männer zu, die abseits für sich sitzen. Einem mit blonden Schnurr- bart legt er seine dürre Hand auf die Schulter und spricht: „Die Raben schrei'n, lind fliegen schwirrend flugs zur Stadt, Bald wird es schnei'n, Weh dem, der kein« Bleib« hat." Di« vier haben es mir nicht verstanden, es waren polnisch« Wanderarbeiter. Fritz Köhler. Das Antlitz der Ruhr Nachwort zur Gruga Die„G r u g a",„Große ruhrländische Gattenbauausstellung", die die Stadt Essen im Mai eröffnete, schließt in wonigen Tagen ihre Pforte». Man Hot sich mit dieser Ausstellung auf ein Bodürf- nis besonnen. Eine Täuschung bildete jedoch der Name: richtiger wäre„Programmatische", denn tatsächlich war die„Gruga" nahezu der einzige grüne und blühende Garten im ganzen Ruhrland. Als weltbekannt« Waffenschmiede ist Essen groß geworden. Die Stadt zählte im Jahr« 1830: 5400 Einwohner. Heute nach hundert Iahren hat sich diese Zahl verhundertfacht und beträgt(nach der Umgemeindung am 1. August) n u n 6 45 00 0 Einwohner. Das ist«in« gewallig« Entwicklung. Die Be- deutung als Stadtmittelpunkt selbst ist unvergleichlich, wenn man die sich auf Essen tonzentriert« Umgebung mit einschließt. 3n einem Radius von dreißig Kilometer um Essen leben 4 230 000 Menschen. Wollte man die übrigen gewaltigen enganschließenden Industrie- städtc mit ausführen, so wäre leicht zu errechnen, daß ungefähr ein Viertel von Deutschlands Gesamtbevölkerung hier ansässig ist. Diese bicnenhaufcnartige Menschenmetropole ist ein Problem geworden. Man hat draußen im Reiche schon recht lange menschen- würdigere Lebensbedingungen in der Gegenüberstellung, wo hier die sozialen Notwendigkeiten erst nach vielen Ueberwindungcn Fuß fassen und nur langsam zur Entwicklung gebracht werden können. Auftrieb können die Millionen Arbeitshände sein, voller Rastlosigkeit im Symbol der Friedens- und Kulturarbeit. Manches in dieser Richtung ist„umständehalber" anders geworden. Wo früher Kanonen und Granaien erzeugt wurden, produziert man heute kulturelle, verkehrstechnische und landwirtschaftliche Maschinen, Stahlhäuser, Stahlmöbel usw. Nicht am einzelnen ist das Wohlergehen schätzenswert, wenn es der Gesamtheit am Wohlergehen mangeln muß. Diese Erkennlnls gewinnt Beachtung und wird, gewiß unfreiwillig, von der Industrie kommerztalistert, in spekulative Regie genommen. Die projektierten und teilweise schon lausenden großen gemein- nützigen Programme bringen fette Aufträge, die sich die Kapital» Herren nicht entgehen lasten wollen, wenn sie schon lieber den patriotischen Kult des Waftenschmiedens weiter üben möchten. Vieler Lebensnotwendigkcitcn muß hier die Allgemeinheit entsagen, da ist doch wirklich ein« volkswirtschaftliche Produktion wichtiges Arbeitsfeld. � Die kommunalen Körperschaften und hier vor allem die sozialen Parteien arbeiten an dem Ziel, der großen Rot des ungesunden Lebe«? ln diese« öde« und menschenunwürdigen Ruß. und Sohleorevler zu begegnen. Eine kaum übertriebene Wahrheft ist folgendermaßen festgehalten: „Gehl man eine Viertelstunde durch die Straßen, so hat mau von purem Dreck ein komplettes Brikett in der Tasche." Schlimm steht es um die Wohnungen in den Proletorieroierteln, die man kaum beschreiben und noch weniger bewohnen kann. Ganze Straßen- züge sind von alten verlassenen Kohlenschöchten unterwühlt, die zusammensinken und an den Häusern nun nach hundert Jahren hat sich dies« Zahl verhundertfacht und „Bergschäden" anrichten. Der Ruhrkohlenverband muß nun an- dauernd an der Behebung dieser Schäden arbeiten: oftmals sind ganze Häuserfronten buchstäblich geborsten. In allen Winkeln sitzt dcx Schmutz der Fabriken und Zechen, und die �Znd�jtrie» spar gel n" wehen Tag und Nacht ihre stickigen dunstigen 91auch- sahnen umher. Kein Wohnfenster kann geöffnet werden: überoll sucht Ruß und Lärm Einlaß: bei Millionen Menschen, in die Lungen, in das Leben. Und die Millionen könnten tätig sein, rs abzuwenden. Neue Wohnblocks entstehen gegen das Ruhrtal hin, die dem Erfordernis besseren Wohnenz entsprechen und die vor ollem weitab von den rußspcienden Werken gelegen sind..Doch ist es auch hier wie in ganz Deutschland und nicht wie in Wien. Der Ruhrkumpel darf darin nicht wohnen, weil er die Miete nicht verdienen kann. Müde nach der Untertagcschicht, der Arbeit im Schacht, den leeren Henkelmann und die typische Kaffeekanne umgehängt, kehrt der Kumpel seiner alten, anwidernden und eingcwinkolten Behausung zu, dumpf in ihm wirkt es wie die Gewalt des Unabänderlichen. Musterhäuscr, Mustergärten: der erste Schrei aus anderer Welt. Er klingt herein in das dunstgrau«, Maschinen- dröhnend überstellte Dasein und findet an gebeugter mißtrauischer Gewohnheit der werkhaft geschnittenen und nicht mehr leben?- wissenden Gedanken ein zweifelndes Echo. Ja, so ein liebes Plätzchen zum Ausruhen, zur Erholung— als Heimstätte. Draußen. knapp vor den Toren Essens, hat Krupp sein privatparadtes: Ein ganzer wunderschöner Berg ist sein, stundenlange Parks und subtropische Kulturen, botanische Anlagen— und unten stießt in der schönen Landschaft die gerade hier liebliche Ruhr und be- grenzt den Herrschersitz mit dem schlichten Namen: Billa Hügel: Der Stadtwald daneben ist vollständig mit Stacheldrpht eingesäumt und nur die Wege sind osscngelasscn. Nun noch die großartig vor- spiegelnde„Gruga" und die der Jndustriebevölkerung fremde Welt ist aufgezahlt. Karl Henckell, der vor einiger Zest verstorbene soziale Dichter, schrieb in seinem„Buch des Kampfes" den„Traum des Großstadtjungen" und seine Worte möchte ich mit der Bedeutung der„Gruga" in Verbindung bringen: Gelbe, rote Tulpenflammen! Armer Schulbub starrt und staunt.., Träumt: ans Paradiesen stammen solche Blumen. Träumt tu-j» raunt..« Wenn dort Jesus stände, wo der Schutzmann steht, sollet ich die Hände einfach zum Gebet: .Lieber Jesus, eine einzige für mich! Da die große, feine!" Und er täts und pfückte sie mir sichertrch. Ein Gewissen siegt in der„Gruga" und kam» Weg sein, Ziel: für das Leben gebannter Menschen, die ohne Raum und ohne Rost in der Hölle ungesundester Arbeft wirken und wohnen— in Generationen gefangen sind. Ein Viertel der deutschen Bevölkerung ist hier zusammen- geballt— fünfzehnhundert pro Quadratkilometer— zu einem Schindacker, der keine Blüten zeigt, kein Grünen-- und das ist das Traurigste: Diese Mensche» haben vergessen müssen, daß ihnen des Geschenk des crdschöncn Lebens fehlt. Und wenige»or lämpseu noch zag gegen diese» Schicksal. Wilhelm Beisel. f�oman von fTlax ßarfkel (31. Fortsetzung.) Jeden Morgen kamen mit der Post viel« Brief«, in denen um Bitder oder Autogramme gebettelt wurde. In mancheri Briefen tmer war auch das tragische Gesicht unserer Zeit sichtbar. Biete Briefe waren nichts als Bekenntnisse, Ausschreie und manchmal wie Gebete. Aus dem Dunkel kamen diese Brief«, von ileinen, gequirlten Leuten, denen der Film Offenbarung und über die Offenbarung hinaus Wirklichkeit war. Sie hatten sich selbst verloren, dies« Briefschreiber, sie lMtten oll« Maßstäbe verloren und wollten nun von dem geliebteir Menschen, der als Star jaden Abend an der weißen Leinwand aufstieg, Trost und Hilfe haben. Fremde Frauen berichteten von ihrenr�zcrrütteteii Leben und von ihrer Sehnsucht, junge Männer beichteten von hoffnungsloser Liebe ober von ihrem brennenden Ehrgeiz, Sonderling« fragten nach dem»sinn des Lebens. Manchmal kamen auch Bettelbriefe oder schwärmerisch« Hymnen van Gymnasiasten oder Bachfischen. Wie arm und wie elend waren doch die Menschen, wie entfetzlich einsam waren sie! Sie flüchteten aus der Wirklichkeit und ver- trauten einem schönen, stummen Schotten ihr Leid an. Film war wieder Schöpfung geworden. Eine neue, eine bessere Zeit entstand und rollte wie auf einer goldenen Kugel über der verdunkelten Erde. Und aus Not und Sehnsucht kamen dies« Briefe und stießen nach jenem goldenen Ball vor. umschwärmten ihn wie schreiende Bögol- schwärme. Der Star, der in seinem Lichffpiel siegte, sollte auch in der Wirklichkeit helfende Schwester sein. Marianne hatte oft Angst vor jenen Briefen. Sie war nicht herztos und schickte den Einsamen und Ber- zweifetten immer ihr Bild mit freundlichen Worten. Was konnte sie, die Neunzehnjährige, anderes geben für das graue Dasein als eben ein schönes Bildnis? Ja, sie war berühmt geworden. Die Briefe der unbekannten Menschen aus der Tiefe wogen d!« Anwürfe der Arbeiterpresse tausendfach auf. Das Boll will die Träume, das Volk hungert nach Gerechtigkeit und Glück, es hungert nach Klarheit und Verklärung, nach dem Stege der Gerechtigkeit. Und in den Filmen war ja Glan.; des Glücks, war sa Sieg der Gerechtigkeit. In den Filmen war cht die Lösung aller quälenden Fragen da. Im Film leuchtete ja im guten Ende die Erlösung. Das Laster wurde geschlagen, das Unrecht beseifigt, die Armut erlöst. Als Marianne mit ihren Gedanken so weit war, stand sie auf, halte noch einmal den„Abend" aus dem Papierkorb und studierte zum zweiten Male die lächerlichen Verse. Was wußte der fogenamtte Dichter vom Leben und vom Hunger nach Gerechtigkeit? Sie lochte und übergab die Zeitung wütend dem Feuer und wartete, bis die Flammen diese Verse sraßen. Dann klingelte dos Telephon Flora meldete sich an. Und als st« die verzagte Stimme der allen Freundin härte, wurde ihr Herz aufgeragt. Ihre Worte überstürzt«!» sich, als sie antwortete. Ja. Flora war auch eins Stimme aus dem Dunkel. Ja, Flora war auch ein Schrei aus der Einsamkeit,«in beschwörendes Bitten. „Flora, Flora, Herrgott, Flora", antwortete sie atemlos,„Flora, ich habe schon immer auf dich gewartet. Natürlich, natürlich, du sollst sofort kommen. Ja, komme doch schnell. In einer Stunde bist du da? Nimm doch ein Auto. Du hast kein Geld? Armes Tierle. warum hast du nicht früher angerufen? Für dich war ich immer, immer zu sprechen!" Sie legte den Hörer aus die blinkende Gabel. Flora, Flora, dachte sie. Die Schwärmerei der frühen Jahre stieg in ihr hoch. Der Modesalon. Das Stadttheater, die kleine Bühne in Konstanz, der junge Maler. Wo wird der junge Maler sein? Der sommerliche Bodensee mid die schimmernden Alpen. Und dann die Briefe Floras aus Nürnberg. Ihr Besuch in Berlin. Das was die Käthe Kollwitz für die Kunst, das will ich für das Theater sein. Flora ist in Berlin. Bei Herrn Hondt die vor- geschobenen Proben. Hondt, dieser Hund, war an Floras Elend schuld. Es wurde hohe Zeit, daß dieser Hund geduckt wurde! Das Mädchen kam und meldete: „Gnädige Frau, eine Dame vom Modesalon Herzfeld« wartet und bittet um eine Unterredung." Aber sie wallte jetzt nichts mit dem Modesalon zu tun haben. „Ich bin beschäftigt", sagte sie.„und ich bitte morgen um einen neuen Anruf." „Sehr wohl, gnadige Frau", antwortete das Mädchen und ging. Nach einer kleinen Weile tot es Marianne leid, daß sie die Vertreterin weggeschickt hatte. Sie rief bei dem Modesalon an imd verabredet« einen neuen Besuch am kommenden Tag. Sie war unruhig und schämt« sich ihrer Gefühle. Dann unterdrückte sie ihr Herz. Was soll und kann man mit Flora mache», dachte sie. Sie erinnerte sich kühl des Spiels bei Hondt. Lächerlich, Flora war keine Schauspielerin für den Film. Was koirnte man aber für sie tun? Flora verstand etwas von Kostümen. Vielleicht konnte man sie in der Filmgarderobe unierbringen? Die Stund« tappte mit bleischweren Sohlen. Endlich kam das Mädchen wieder und meldete: „Eine junge Dame möchte gnädige Frau sprechen Sie sagt, sie hÄte sich telephomsch angemeldet." ,�!ch laste bitten," antwortete Marianne damenhaft. Als das Madchen verschwunden war. stand sie auf und ging Fkora entgegen. An der Tür traf sie mit ihr zusammen. Flora sah elend aus. Marianne nahm sie in ihre Arme. „Flora, Flora, guten Tag, Flora! Wie geht es dir?" Flora riß sich zusammen. Copyright 1929 by„Der Bflcherkreis Q. m. b. H." Berlin SW 61 1 „Gut, Mariann«, gut. Ich bin Tänzerin geworden!" „Ja, die kleine Gritt Eisenmann hat mir alles erzählt, Flora... Aber komm, wir wollen olles in Ruhe besprechen." Flora ging behutsam an den schon gedeckten Tisch. Ihre Füße rvaren schwach. SiV hatte Hunger und war durch die endlose Stadt gelaufen. Ihr Gesicht war eingefallen. Nur die Augen sunketten noch fanatisch. Marianne betrachtet« die aste Freundin. Sie sah in ein fremdes Gesicht. Dann klingelte sie dem Mädchen. Das Mädchen kam und brachte Tee. Flora sah sich in dem schönen Zimmer um. In ihrer Stirn standen steile Fallen. „Gut wohnst du hier, Marianne," sagte sie dann.„Dos hat wohl viel gekostet?" „Ja, es war nicht billig," antwortete sie und wurde ärgerlich. Ihr Hekz gefror. Aber dam? war sie aufmerksame Hausfrau und sagte:„Lang zu, Flora, laß dich nicht nötigen." Flora ließ sich nicht nötigen. Sie trank mit geschlossenen Augen ihren Tee. Sie nahm ein Stück Backwerk und aß gierig. Sie aß und trank schweigend. Die steilen Falten auf der Stirn oerschwanden. Die Augen wurden ruhiger. Dann aber ließ sie sich gehen und begann haltlos zu weinen. Ihr Körper schüttelte sich. „Flora! Flora!" rief Marianne. Sie schluchzte immer noch. Dann aber hob sie dos verweinte Gesicht. Aller Hochmut, aller Stolz war gewichen. Der sonst herrische Mund zuckte hilflos. Kindlich war das Gesicht und erschütternd. Mariann« ergriff Floras kalt« Hand, streichelte sie und sagte: „Nicht mehr weinen, Flora. Es wird schon alles wieder gut werden. Erzähle nun, was dich quält." Und als Flora erzählen wollte, schob ihr Marianne den gefüllten Teller zu, goß neuen Tee ein und wartete. Flora trank und oh, und mit vollem Munde begann sie zu erzählen: „Ach, Marianne, alles quätt mich. Berlin quält mich, die Tänzerei quält mich, ich quäle mich selbst... Ach, Marianne, ich will nach Haus«! Du host es gut. Du host gesiegt. Aber ich? Ich habe alles, alles verloren!" „Verloren, was hast du verloren, Flora?" fragte Marianne leise. „Alles. Den Glauben an mich habe ich verloren. Ich kam, um in Berlin die Welt auf den Kopf zu stellen. Weißt du noch, was für Sprüche ich am Anfang gettopft habe? Der Zuckmeyer hatte mir in einem seiner Stück« eine klein« Roll« verschafft, ich war stolz und glücklich, nun geht's aufwärts, nun werde ich bs- kannt, dachte ich. Ja, aber anderen Tag wurde ich entlasten. Ich sei zu dramalisch, sagte der Regisseur. Ich war noch einmal beim Zuckmeyer, aber der konnte mir auch nicht weiter Helsen. Dann wollte ich zum Film. Wir waren auf der Börse, und als ich die vielen Mädchen sah, wurde mir Angst und Bange. Ich nahm den Kampf aus. Und ich habe auch gekämpft und hätte mich für ein Butterbrot verkauft, wenn ich Arbeit bekommen hätte. Aber kein Mensch wollte mich nehmen. Und dann waren wir auf der Börse. Da kam der Herr Hondt. Wir gingen zur Probe. Da spritzte die Gritt dazwischen. Und aus war es mit dem Spiel. Und dann bin ich noch einmal zu Herrn Handt gegongen. Ich wußte ja keinen anderen Weg. Marianne, ich habe viel gelitten, ich habe geweint und geheult, aber es hat mir nichts genutzt." „Worum bist du nicht zu mir gekommen, Flora?" „Aus Stolz und dann: ich war ja die Aeltere. Ich hätte dir helfen sollen und nicht du mir, Marianne. Du hottest ja selbst keine Arbeit, du mußtest selbst für dich sorgen.. 2lber am Abend tanzen und am Tage hungern, das ist nicht gut. Zuerst dachte ich: Tanz am Abend und Lernen am hellen Tag, das geht, und ich brauchte nicht«wig«in Girl zu sein, brauchte nicht ewig die alten, dummen Schlager zu singen und bei den Gästen bis in die späte Nacht zu sitzen. Am Tag war ich dann müde und einsam, war verzweifett. Zuerst versucht« ich zu lesen. Toller, Tolstoi, Hamsun. Aber ich verstand die Geschichten und die Gedichte nicht mehr. Die Dichter waren für mich gestorben, Marianne. Es war grauenvoll... Jetzt bin ich so müde und so elend und möchte nach Hause.. Der Kunstmaler aus Konstanz hat mir geschrieben. Ich soll für immer zu ihm kommen. Und ich will für immer zu ihm gehen. Da brauche ich wenigstens nicht jeden Abend bis in die späte Nacht hinein zu fingen und zu springen. Da habe ick) Ruhe und Frieden." „Arme Flora," sagte Marianne und seufzte,„und aus den Herrn Hondt hast du keinen Haß?" „Nein," antwortete sie,„ich habe auf Hondt keinen Haß. Ja. zuerst habe ich ihn wohl gehaßt, wenn ich die Beine warf und die dummen Texte singen mußte und meine geliebten Dichter vergoß, aber das ist vorbei. Der Hondt ist ein« all« Hyäne, weißt du. In Berlin ist viel Aas. Und um Aas sammeln sich die Hyänen. Auf Hondt habe ich keinen Haß mehr. Vielleicht bin ich zu inude dazu. Und weißt du, wenn ich Geld hätte, würde ich noch heute Abend aus dem furchtbaren Berlin fliehen. Am Bodeniee ist jetzt Wein- lese.. „Wenn du willst, kannst du noch heute Abend nach dem Boden- see fahren, Flora," sagte Marianne.„Ich muß hierbleiben. Ich bin gern in Berlin. Berlin ist schrecklich und gewaltig, schrecklich für die Unterlegenen, herrlich für die Sieger. Besuche doch auf der Reife meinen Boter, Flora, erzähle ihm von mir, er wird sich freuen. Und grüße deinen Kunstmaler schön. Und ich will schon dafür sorgen, daß Hondt kein« kleinen Mädle mehr quätt." „O Marianne!" rief Flora.„Heute kann ich nach dem Boden- se« fahren? Laß dich küssen!" Sie stand auf und küßte Marianne. „Bleibe du in Berlin," sagte sie dann,„du hast gesiegt. Aber ich gebe auch mich noch nicht verloren. Die ganze Welt ist ja wie eine Bühne, auch m Konstanz. Und überall wird ein Schauspiel: Das Leben, aufgeführt. Wie freue ich mich auf den See! Die Gletscher der Alpen schimmern! Marianne, ich bin ja so glücklich! Und mein Maler soll es gut haben bei mir. Unser erstes Mädl« joll Marianne heißen. Aber nach Berlin darf sie nicht fahren. Und deinem Bater singe ich das Lied von Maria und ihrem Glück vor!" (Fortsetzung folgt.) IVAS DER TAG BRINGT. wiiiaiiimmiiminiuimtiraiiiiuiiininiiiiiiiimmininnninninnminHmiiuimiimiiiiniiiinmimiiiimninimiiiiinimiiniuniuinniniuuimniiiiniiiuiiiiiuiiiiiiiiiiimiiiiiiimiiiiinii Eine„Hexe*' ermordet. In Kalamazoo im nordamerikanischen Staate Michigan wurde eine 73 Jahre alte Insassin eines Allenheims von einem SZjährigen verheirateten Manne mit einem Bleikolben und einem Hammer niedergeschlagen, well sie seine Familie angeblich behext habe. In der Gerichtsverhandlung gab der Mörder an, er habe gefürchtet, daß die Frau mit ihrem„bösen Blick" ihn und seine Angehörigen töten werde, denn sie habe auch den Tod seiner Mutter vor zwei Jahre» und den Tod seines Vaters vor 13 Jahren verursacht. Er ver. mutete, daß die Frau ihren Blick auf seine 17 Jahre alte Tochter werfen würde. Als die Frau eines Nachmittags bei seiner Familie zu Besuch war und erklärte, daß sie warten wolle, bis die Tochter nach Hause käme, wurde ihm die Vermutung zur Gewißheit. Die Tochter kam gegen 7 Uhr abends und wurde wieder fortgeschickt, während der Mann die alt« Frau, die am Eßtisch saß, hinterrücks ermordete. Seine Frau, die bei der Bluttat zugegen war, erklärte, daß die„Hexe", ehe sie vor fünf Iahren in das Altenhcim kam, ihr gesagt habe, sie besitze die Gewalt, jede Person, wenn sie es wünsche, sterben zu lasten. Seit 25 Iahren habe sie alljährlich über 100 Menschen in den Tod gewünscht. Sie habe eine lange Liste gehabt mit den Namen der dem Tod« Geweihten sowie derjenigen, die sie bereits geopfert hatte. Ihre Tochter sei fest ellichen Wochen kränklich ge- wesen, und als die„Hexe" erklälte. daß sie bleiben wolle, bss die Tochter nach Haufe käme, habe sie sich mit ihrem Manne verständigt, daß die Frau beseitigt werden müßte, um die Tochter zu retten.. Sowjets fordern den Suff. Welchen Umfang die Alkohoiseuche heute wieder unter der russi- schen Arbeiterschaft angenommen hat, läßt ein Bericht der Mos. k a u e r„P r a w d a" vom 18. August erkennen. Nachdem gesagt worden ist, daß die Sowjetregierung auf Anraten des staatlichen Planausschusscs zur Durchführung des Fünfjahresplans keine Einschränkung der Branntweinerzeugung sestge- setzt hat, werden die Wirlungen des AUoholleufels m Arbeiterzen- treu geschildert. Di« Folge waren Kinderdemonstrationen gegen den staatlich geförderten Fuselkonsum. Die „Prawda" schildert diese Gegenkundgebung wie folgt: „Die Antialkoholbewegung der Kinder trat spontan, aber durch- weg geschlossen auf. Die ersten Stroßenkundgebungen der Kinder gegen die Trunksucht waren im Donezbecken und im Bezirk Wo. logda. Kaum drang die Kunde davon in die Zettungen, als sich auch schon ein Strom von Kundgebungen der Kinder gegen die Trunksucht der Eltern und den Wkoholismus über das Land ergoß. In kurzer Zeit wurden solche Kundgebungen in mehrals hundert Städten veranstaltet, und fett der Zeit wiederholen sie sich häusig bald hier, bald dort. Tavsendkäpsige Ansammlungen von Kindern bilden sich an den Zahltagen vor de« Fabriktoren, vor den Kneipen, vor den Kchnapsverkanfsstellen, wobei die Kinder mit aller Energie ihre Väker zu beeinslnsten versuchten. An einigen Orten kam es zu Ausschreitungen, Kinder schlugen die Fensterscheiben in den Läden der Spritzen- trale ein. In den Arbeiterzügen am 7. Siovember ISN zum Jahrestag der Oktoberrevolution konnte man fast in allen großen Zentren einen Aufmarsch von Kindern beobachten, die Transparente mtt den Inschriften„Nieder mit dem Branntwein!", „Gegen die bctrukcnen Bäterl" usw. trugen." Ein Eisberg mit Butterblumen. Ein Fischerboot sichtete nach einem Bericht aus Kordooa in Alaska bei seiner letzten Fahrt einen Eisberg, der über und über mit blühenden Butterblumen bedeckt war. Man nimmt an, daß durch Infekten der Blumensamen gelegentlich aus den Eisberg im vorigen Sommer gebracht worden ist, wie ja auch die Schnee- stürme immer genügend Sand mttführen. Das Boot hat eine große Anzahl von diesen Eisblumen mtt in den Hafen zurückgebracht. Amerika... Der vor einigen Tagen in San Franziska verstorbene Millionär Samuel Andrews, der als großer Hypochonder bekannt war, be- stimmte ln seinem Testament, daß alle Männer, die an seinem Be- gräbnis teilnehmen würden, einen neuen Gehrock erhalten sollten. Der Andrang war so gewallig, daß nicht nur sämtliche Schneider- firmen San Franziskas, sondern auch die der umliegenden Städte Tag und Nacht arbeiten mußten, um olle Aufträge erledigen zu können... Negeruniversität in Afrika. In der Hauptstadt des unter englischem Protektorat stehenden Uganda-Landes, in Kompato, wurde vor einigen Togen die erste afrikanische Negeruniversität eröffnet. Di« Vorlesungen werden in suahelischer Sprache, dem emgeborenen Dialekt Mittelasrikas, ob- gehalten. Die Lehrbücher sind ebenfalls in Suaheli gedruckt. Vorerst haben sich für das erste Semester über 300 Neger immatrikulieren lassen. Technisierte Bettelei. Neugierig stiert man die Litfaßsäule a», denn sie tönt. Sie tönt nicht nur, Musik dringt aus ihr, laut und rein. Und jetzt Gesang. Ein heller Sopran ist es. Man denkt augenblicks an das Erlebnis der Äindhett, das Wunder der summenden Telegraphen- stanzen. Was wußte man von der Resonanz der Drahtschwin- gungen. Eine famose Idee der Werbesäulengesellschaft, denkt man weiter, eine Sekunde oder zwei. Ein Mittel ersten Ranges, den Blick zu� fangen. Dann plötzlich sieht man dicht neben der Säule den unscheinbaren Mann, sieht den unscheinbaren Kasten zu seinen Füßen, merkt, daß dieser der Tongeber ist. Ein Radiokoffer. Gestern noch eigener Wunsch, eioener Traum. Heute im Dienste der Bettler. Tempo der Technik. Tempo in der Entwicklung des Hand- werkszeuges. Ersetzen von Handarbeit durch maschinell« Verrichtung bis zur letzten Konsequenz. Auch bei den Straßenbettlern. Bor- gestern noch primitive Drehorgel, gestern Grammophon, heute Radio mit modernstem Empfangsgerät. Gänzliche Technisierung des Straßenbettels: Auf laufendem Band eilen Geldbörsen vorüber, durch eine kleine Schattung hervorgezauberte Töne entlocken ihnen Scheidemünzen. Auf besonderen Wunsch— von 20 Pfennig an— fremdländische Sender. So geschehen in Berlin, wo sonst? Am Kurfürstendamm. Wo sonst! (J�rtrjnclo/flLel Schüler ringen in Berlin. Der Stadtekampt gegen Magdeburg. Di« sehr rührige„Frei« Sportvereinigung Tegel 18 3 9" Halle zu einem Schülermannschaftskampf im Ringen die prächtige erst« Schülermannschaft des Kreismeistervereins „A t l a s" aus Magdeburg- Neustadt verpflichtet- Die spannen- den und sportlich hervorragenden Kämpfe wurden gestern im„Alten Krug" in Tegel vor einem zahlreichen sportlich starkinteressierten Publikum äußerst flott ausgetragen� und ergaben oft war« Rekord- zeitsn. Die erst« Runde sah bereits die Berliner mit 11:7 in Führung, in der zweiten Runde aber Hollen die gut disponierten Gäste mächtig auf, so daß das Endresultat 19; 17 recht knapp für Berlin lautete. Auf beiden Sellen waren die.jüngsten" der Molle mll großer Begeisterung am Werk— noch in den kurzen Pausen 'var die Matte stets dicht belagert von sportfroher tummelnder Ougend. Mägen die Kämpfe dazu beitragen, um die Reihen der Jugend im Arbeiter-Aihletenbund zu stärken- Nach den Kämpfen folgten drei Iugendwettkämpf« und der Kampf der ersten Tegler- Männermannschaft gegen ein« kombinierte Mannschaft aus den Vereinen Alt-Wedding, Lichtenberg-Friedrichsfclde und„Einigkeit". Rcfultat 6: 6. Im ersten Gang des Schülerkampfss erlag der Magdeburger Slbel gegen Kolbe-Tegel nach fast 4 Minuten stärkster Gegenwehr durch Eindrücken der Brücke: der zweite Gang endete mit einem Unentschieden- Zoschke-Tegel konnte seinen Magdeburger Gegner Fuhr bereits nach 23 Sekunden entscheidend besiegen und im zweiten Gang nach 14 Sekunden durch einen fabelhaften Ausheber. Di« ersten Punkt« für Magdeburg holte Wien im Kampf mll Schill: der erste Gang blieb gut offen, in der zweiten Runde siegte Wien«nt- scheidend nach 1 Minute 27 Sekunden. Biese-Tegel entledigte sich des Magdeburger Zinke im ersten Treffen schon nach 23 Sekunden, im nächsten Gang glückte es d«n> Gast, bereits nach 20 Sekunden den Ausgleich zu schaffen. Einen schönen Doppelerfolg erzielte der Tegler Kallus über Ziege-Magdeburg: im ersten Treffen nach 39 Sekunden und im Schlußgong nach 14 Sekunden durch Schleuder- griff. Ein Kabinettstück schöner Ringkunst zeigten Waldmaim- Magdeburg und Krüger-Tegel, beide Gänge blieben jedoch ohne ein Resultat. Genicke-Magdeburg beherrschte den Tegler EH nistensen ausgezeichnet und siegt« im ersten Gang nach 1 Minute 15 Sekunden und im Schluß treffen nach 37 Sekunden Kampfdauer, chinze- Magfceburg und.Hinkler-Tegel hielten ihr«rstes Debüt völlig offen, die Punkt« holte im folgenden Gang der Magdeburger nach 2: Ob Minuten.■ Der erheblich leichter« Tegler Richter erlog in beiden Gängen dem Magdeburger Sommer, im ersten Gang noch in der 1. Minute und im Schlußgang noch 4:öä Minuten durch einen Uebcrstürzer. Resultate der Männer: Spliestoßer-Lichtenberg und Willbredt- Tegel rangen ohne Resultat. Federgewicht: Müller-Einigkell siegt über Reichelt-Iegel nach 2:ö4 Mimllen: Leichtgewicht: Putzke-All- Wedding und Burghardt unentschieden. Mittelgewicht; Binder- Lichtenberg besiegt Kohlmwm-Tegel nach 1 Minute 10 Sekunden und der Halbschwere Gall-Tegel entledigt sich Müller-Lichteitberg in 1 Minme 38 Sekunden. Schwergewicht: Höhne-Tegel wirst Bröcker- Lichtenberg in 4 Minuten 42 Sekunden. G. M; Arbeiter- Hockey. Spieluni&hige Platze. Troß des schönen Herbstwellcrs am Sonntag waren einige Plätze insolge des Dauerregens am Sonnabend spielunföhig. So siel das Spiel des S. V. Moabit gegen Freie Turnerschaft Groß-Berlin-Nvrd- ring au?. Ein auf stark verkürztem Spielfeld ousgetrogeues Ge- sellschaftstreffen endete 3:2 für Nordring I. Das Spiel zwischen Tennis-Rot I und Freie Turnerschoft Groß-Berlin-Ostring I konnten letztere 6: 0 für sich entscheiden. Aber verdient war diese Torzahl nicht. Beide Mannschaften zeigten ei» sehr lasches Spiel und sine Zerfahrenhell, wie man sie nur schr selten zu sehen bekommt. Und das trotz der guten Verfassung des Platzes. Bei Tennis-Rot macht sich die Verkehrtheit der Mannschaftsaufstellung bemerkbar, der Mittelstürmer paßt in die Verteidigung besser hinein. Frei« Turnerschaft Groß-Berlin-Nordring II und der Athletik- Sport-Club l zeigten, stark behindert durch den etwas nassen Boden, ein gutes Spiel. Die bessere Mannschaft war die des ASC., was sie auch zahlenmäßig durch da»«in« Tor ausdrücken konnte. Das Spiel fand bei dem Stande von 1: 0 für den ATE. unverständlicher- weis« ein frühzeitiges Ende.— Von den übrigen Spielen fanden noch statt: Tennis-Rot II und Athletik-Sport-Elub II 0: 10 und im freien Spiel siegten FTGB. Ostring gegen Tennis-Rot 6: 0.— er. Großmacht„Solidarität". Ein Arbelier-Hadsporlfilm! 320 000 Mitglieder zählt der Arbeiter-Rad- und Kraftsahrerbund „Solidarität". 325 000 Exemplare beträgt die Auflag« der Bundes- zeitung. Zahlen, die für sich sprechen und die beweisen, daß„Soli- darität" eben die größte radsportliche Organisation der Welt ist! Ein Film, hergestellt von der Deka-Gesellschaft, legte bei einer Uraufführung im Admirals-Easino Zeugnis ab von der Arbeil dieser Machtorgonisation. Die Meisterschoststage. die, in aller Er- innerung, Anfang Juli in Berlin stattfanden, sind im Bild fest- gehalten. Wir bekommen einen Jlueschnitt aus den vielen Weit- bewerben zu sehen, verfolgen die Fohrer auf der Bahn, auf der Straße und bewundern noch einmal das klassische Gefchicklichkeits- und Kunstfahren der Arbeiterinnen und Arbeiter, die trotz karger Freizeit im sportlichen Spiel chre Körper stahlen für die große Sack-' der Arbellerfchaft. Daneben gibt der Film Momente aus dem bundes- eigenen Fahrradwerk„Frisch aus" wieder, das das Maschinen- Material für die Mitglieder, überhaupt für die Werktätigen liefert. Auch der Motorradbau, den das große Werk mit ausgenommen Hot, wird uns vor Augen gesühn. Alle- in allem eine Filmreportage, die bei den Arbeitersportlern gebührende Anerkennung finden wird.— te. Arbciier'Sdiadi in Pankow. Die Werbeveranstaltung der neugegründeten bundestreum S chachabtellung Pankow der Freien Arbeiter�Schachvereini- gung Groß-Berlin hatte starken Erfolg. Der Freundschastskampf mit der Abteilung Treptow wurde an 17 Brettern ausgetragen, ein Be- weis für das rege Interesse, das das Schachspiel in Pankow gefunden hat. Zahlreiche Gäste beteiligten sich an der Veranstaltung, die mit einem Blitzturnier ihren Abschluß fand. Verschiedene Gäste traten der Abteilung als Mitglied bei. Die Abteilung Pankow spielt jeden Dienstag 20 Uhr bei Kober, Berliner Ecke Prinz-Heinrich-Straße und erwartet weitere rege Beteiligung der Pankowcr Schachspieler. Konferenz in Leipzig. Leicfaiaihketiscfaer Rcchensdiattsbericht. Nach langer Paus« tagten am 26. und 27. Oktober 1929 der Bundessportausschuß und die K r e i s s p o r t w a r t e des Arbcllsr-Turn- und Sportbundes in der Bundesschule in Leipzig. Dem Bericht des Bundessportwartes Bühren ist zu ent- nehmen, daß die Leichtathletikbewegung im Arbeiter-Turn- und Sportbund große Fortschritte gemocht hat. Di« Erkenntnis des Massensportes dringt überall durch, die Hebung der Durchschnitts- leistungen ist die Folge. Im Jahre 1928/29 ist der Bund an 22 internationalen Leichtathletikwettkämpfen beteiligt gewesen. 13 bundesoffene Wetrkämpie fanden statt. Der technischen Funktionär- ousbildung wurde die größte Aufmerksamkeit geschenkt. Zu ollen Kursen an der Bundesschule wurde Leichtathletik mit gelehrt. 23 Leichtathletikkurse mit 570 Teilnehmern wurden abgehalten. Ein Prot« st gegen die Spaltungsarbeit der Kommu- nisten fand durch Annahme einer Entfchließimg seinen Nieder- Wog. Der Bericht über im- verflossene Bundesfest in Nürnberg zeigte den Erfolg der Schulungsarbeit. Vollste Zufriedenheit mit der Abwicklung der Wettkämpfe, Tätigkeit der Kampfrichter sowie der örtlichen Ausschüsse wurde festgestellt. Mit dem Bericht über die Olympiade erklärte man sich einverstanden und wünschte diesem Weltsest viel Erfolg. Die Ausschcidungskämpfc zur Olympiade sollen in den Kreisen stattfinden. Die Bundcsmcister- f ch a f t e n 1931 abzuhalten, wurde wegen der Olympiade a b g e- lehnt. Die Beratung der Wettkampfordnung nahm einige Stunden in Anspruch. Eine große Anzahl Bestimmungen wurden geändert. Bollständig geändert wnrde das Berechnungssystem der Mehrkampfwertung. Die bisherige Wertung nahm zu wenig Rück- sicht auf die mittleren Leistungen, während die besseren Leistungen in der Punktzahl zu gut erfaßt wurden. Man«inigte sich auf die vom internationalen Leichtathletikausschuß beschlossene Mehrkampf- wertung, bei der jede Leistung mit Punkten bewertet wird. Die Berechnungstabellen sollen mit der Wettkampfordnung in einem Heft vereinigt werden. Der Bundessportausschuß wurde einstimmig wieder- gewählt. Er besteht aus folgenden Mitgliedern: Lippert(Berlin), Rietschel(Bremen), Paschke(Zeitz i. Thür.), Burmester(Frankfurt a Main), Freund(Wien). Mit einer Besichtigung des Bundesschul- sportplatzes fand die anregende Tagung ihr Ende. BerelnsoorfidSekonfer«� die gm grÄßten Teil«m komimmistisch eingestellten Vertretern besucht war, nahm mit Entrüstung von dem Verhalten der KPD. Kenntnis mch beschloß gegen mir 3 Stimmen folgende Entschließung: „Die am 27. Oktober tagende Bereinsvorständekonserenz des 6. Bezirks ist mit der Handlungsweise Raschs innerhalb des Bezirks einverstanden und verurteilt auf das schärfste die Handlungsweise der KPD. und die Schreibweise des.Klassenkampf". Dies« Niederlage ist die schwerste, die die KPD. jemals in einer Zlrbeitersportorganisation im Halleschen Bezirk erlitten hat. Die KPD. mordet sich selbst! halle, 28. Oktober.(Eigenbericht.) Im Bezirk Halle des Arbeiter-Turn- und Sportbundes, der noch zu Beginn dieses Jahres einen Kommunisten als Bezirtsleiter gewählt hatte, erlebte die Kommunistische Partei am gestrigen Sonntag«ine schwere Niederlage. Der Bezirksleiter Wilhelm Rasch, ein atter Arbeiterturner, war von der KPD. aus der Partei ausgeschlossen worden, da er sich geweigert halte, die Richtlinien der KPD. im Arbeitersport durchzuführen. Zu diesem Aus- schluß nahm gestern eine Vereinsvorständckonferenz des Bezirks Stellung. Rasch teilte dabei mit, daß er von seiner Partei vor dir Alternative gestellt worden sei, entweder die Richtlinien der KPD. im Spork durchzuführen oder ausgeschlossen zu werden. Rasch zog die Zugehörigkeit zum Arbeiter-Turn- und Sportbund vor. Di« Manihey'Schön! Sieger der„3 Stunden" im Sporipala&t. Gestern gab es im Sportpolast noch als Vorprüfung für das 6-Toge-R«nn«n ein von dreizehn Mannschaften besetztes 3°Stunden°Rennen, das recht bewegt verlies und den ver- dienten Sieg eines Paares brachte, das immerfort wühlte und nur zum Schluß müde wurde: Manthey-Schön. Beide Fahrer fuhren mit unechörter Wucht, fühlten sich so stark, zehn Minute» vor Schluß trotz Rund« n vo rs p ru n g noch einmal vorzugehen. Ein Wagnis, das bald den Sieg gekostet hätte. Ioksch leitete in der 43. Minute die Vorstöße ein. Sein Partner Stübecke, der sich ebenfalls in Form befand, ging gut weiter, verfolgt von Buschenhagen, der mit Ehmer fuhr. Beide Mannschaften über- rundeten das Feld. Bald aber schloffen auch Hürtgen-Miethc, Lehmann-Wissel und später auch noch Carpus-Bragard und Manthcy-Sckiön zur Spitze auf, die nun aus sechs Mannschaften bestand. 42,930 Kilometer war das Stunde uergebnis. Vis zur 78. Minute blieb es ruhig. Da versuchte Depauw vom Felde zu lonunen. Koch war stärker und ging mit Schön, dessen wuchtige Fahrweise gebührende Anerkennung fand, allein los. Da Kochs Partner, Lairgardt, vollkommen versagte, jagt« Schön allein um die B a h it. Manthey war immer auf dem Posten und nach rundenlanger Hätz hatten die beiden das gesantte Feld überrundet, also die Spitze erobert. Kleincrc Vorstöße, die einmal Goossens er- möglichtcn, eine der Verlustrunden abzustraßen und andermal Llroll-Dorn und KochLongakdt je«ine weitere zuschrieben, beschlossen die zweite Stunde. Kroll-Dorn, die wie Koch-Longardt, drei Runden zurücklagen, gaben auf. Bald folgten auch Goossens-Dencef. Goossens war gestürzt und mußt« auf Weiterfahrt verzichten. Ju Beginn der dritten Stunde verloren die schwach fahrenden Belgier Pagnoul-Depauw, sowie Koch-Longardt und Feter- Weyer abermals eine Runde... Schließlich ließ das Feld Koch-Longardt ein« Runde wteder aufholen. Es fehlten mir noch 10 Minuten bis zum Schluß. Pagnoul wollte davon: Manthey. der es wirklich nicht nötig hatte, den um drei Runden zurückliegenden Belgier zu ver- folgen, setzte nach. Sosort war auch Hürtgen mit Buschenhageu am Hinterrod da. Wild jagten die beiden hinter Manthey und es schien, als sollten Manthey-Schön noch geholt werden, als Manthey zu Fall kam. Die Belgier verloren zwei, vier weitere Mannschaften je eine Runde. Auch Hürtgen erreicht« nichts, da Buschenhagen fast nur das Hinterrad dieses wirklich bravourösen Fahrers fuhr! Manthey war bald wieder auf dem Rade, um mit Schön den gc- fährdeten ersten Platz siegend zu verteidigen. 1. RQ»td-q-Sck°». 126,350 Silornctcr,£6 Punitc:«Ine Runde Ulktict: 2. Ei>mer,Juschcnl>agc».»8 V.: 3. Ledmanzi-Wiilel. 40 P.: 4. Stlrtgcn-Mictlu. U P.: zwei Runden.turi>j Uhr, findet bei. Krüger, Puttitzstr. 10, eine Vereins- vorständckonferenz aller Groß-Berliner Ftißballvereine statt. Am Sonnabend, dem 26. Oktober, sind vom Lokal Siewert, Lichtenberg, Kant- Ecke Schillerftraße, von 19 Uhr ab, die Plakate zum Spiel Luckenwalde— Berlin abzuholen. Die Vereine des 1. Bezirks müssen bestimmt erscheinen. I. A.: Schellcr. Die SPD.-Arbeitersporiler des 2. Kreises werden gebeten, heute 19iz zlhr zu einer Fraklionssitzung bei Liebfch, Wilhclmshavener Straße 46 Ecke Birkenstraße, zu erscheinen.- Schutz der markischen Heimat! Natursudier protestieren gegen Terrainspekulanten. Der„Dolksbund Naturschutz" und der Touristenoerein„Die Naturfreunde" Hatten zu einer Kundgebung gegen die Be- schränkung der Ziele der Wochenend-ErHolung, für Freigabe der Seen und Seeufer und zur Bekämpfung der plan- losen Siedlung und Vernichtung unserer Wälder aufgerufen. Dr. H. Klos«, der Kommissar für Naturdenlmalpflege in Brandenburg, gab ein erschütterndes Bild über die Auswirkungen der Terrainspekulation der letzten Jahre. Der Sonntag sei heute längst nicht mehr ausreichend, sagte der Referent in seinem Dortrag, um die Zermürbung der Nerven, die das gesteigerte Tempo unserer Zeit mit sich bringt, auszugleichen und dadurch ging der gehetzte Großstädter immer mehr dazu über, nicht nur den Sonntag, sondern auch den Sonnabendnachmittog für seine Erholung auszunutzen. Es entstand dos Wochenende. Noch ein anderes Moment trug zu dieser Entwicklung bei. Während früher Staub und Schmutz, Stroßenlärm und MotorgeNapper unsere Nerven kaum beeinflußten und kurze Spaziergänge schon in benoch- barte Felder und Wälder führen konnten, ist bei der heutigen Zu- sammendallung der Menschen in Großstädten dies« Möglichkeit nur sehr wenig gegeben, so daß am Werttag« praktisch nirgends Erholung gefunden werden kann. Heute ist die Arbeitsintensität derart gestiegen, daß in acht Stunden weit mehr geschafft wird, al« früher in 14 Stunden. Der Mensch braucht Erholung, braucht Auffrischung seiner Neroenkräfte, braucht seelische und geistige Entspannung. Kapitalistische Kreise verstanden es ausgezeichnet, sich diese Strömungen dienstbar zu machen. In den Tageszeitungen erschienen Inserate, die besonders zum Kauf von Wassergrundstücken anregten. Nun liegen jedoch die Haupterholungsplätze der Groß« städter am Wasser. Einige Zahlen mögen dos beweisen:�» fuhren an einem Sonntage.zu 11 typischen Seeufer-Zugongsbahnhöken 450 000 Großstädter, obwohl die Bahnfahrt an solchen Tagen durch- aus kein« Erholung ist. Durch diese Zusammenballung an bestimmten Orten wird dem einzelnen kaum wirtliche Erholung gegeben. Zu- wellen wird der Ausflug gar nicht mit dem Bewußtsein des Er- holungsuchens gemacht, sondern man„aalt" und amüsiert sich draußen, kocht Kaffee und kneipt. Doch darf nicht übersehen werden, daß hier durch die wandernde Jugend eine ungeheure Crziehungs- arbest geleistet worden ist. Die„wilden" Wanderer mll ihren phantastischen Kleidungsstücken haben merklich abgenommen, durch Ausstellung von Papierkörben sind die Wälder nicht mehr ganz so oerunre'migt— trotzdem bleibt noch viel zu tun. Trotz all dieser üblen Begleiterscheinungen haben wir ein Recht auf die Cr- Haltung unserer Heimo l. Innerhalb der Großstadt ist der Grünflächenschutz schon recht wirksam durchgeführt worden. Aber auch hier heißt es um jeden Baum, um jedes tlein� Stückchen Grün zu kämpfen. So muh auch um die Erhaltniig der Uferwege gekämpft werden. Das Hauptübel bleibt jedoch die T e r r a i n s p e k li l a t i o». Seeufer- und Hochwaldparzellen sind die gesuchiesten, vor allem die ohne Uferpromenade. Der Erfolg dieser Propaganda war unge- heuer, man riß sich förmlich um die Wasserparzelle». Warum denn wandern, wenn jeder seine eigene Wochenendparzelle hat, wozu nach Swinemünde, wenn man vom Wochenendhäuschen ins Wasser springen kann! Wenn man sich jedoch eine Karte der Umgebung Berlins vornimmt und alle angebotenen Wald- und Wasserparzellen einzeichnet, so ergibt sich, daß die schönsten und gern besuchten Wandergebiete, besonders die Seen, von diesen Grundstücksspeku- kanten oerkaust werden. Der Erfolg einer derart unoernünstigen und ungehemmten Wocheiiendparzellierung würde der sein, daß die wenigen Seen, die ösfentlichen Körperschaften gehören, sich bedenk- lich schnell dem Aussehen des Grunewalds nähern würden. Recht schnell wäre«s auch mit der Einsamkeit vorbei. Auch hier wllrd.' die Technik mit Rundfflttk und Koffergrmnmophon siegreich ein- ziehen. Die Schilfgürtel der Seen wären bald vernichtet und damit auch die Bogelwelt. Uferstraßen müßten dem Llutouerkehr entzogen bleiben, besonders schöne Seen müssen gänzlich»nbebaill bleiben, da sonst die ursprüngliche Natur verschwinden würde. Sorgen wir für«ine endgültig« Landesplanung, damit grundsätzlich der Terrainspekulotion bestimmte Gebiete entzogen bleiben. Es gibt genug andere Gebiete, wo gesiedelt werden kann. Fordern wir die Vermehrung der Naturschutzgebiete, sogar von solchen, die nicht betreten werden dürfen, damll auch Vögel und Waldtiere uns erhalten bleiben, denn der Zauber der unbe- rührten Landschaft liegt darin, daß sie nicht nur körperliche, sondern auch seelisch-geistige Erholung gibt. Schützen wir auch Standort: selten gewordener Pflanzen, wie Wonisröschen und Leberblümchen. Enzian und Knabenkraut, Wasserrosen und Graslilien. Der Kampf, der hier gekänrpft werden muh, ist sehr schwer, da überaus kapitalkrästig« Interessentenkreise gegen uns stehen. Unser Kampf kommt dem Doltswohl und der Volk-erholung zugute, der Kampf der Gegenseite nur wenigen Begüterten. Die mll lebhaftem Beifall ausgeuommenen Ausführungen fanden ihren Absckssuß mit der Annahme einer entsprechenden Entschließung. Etzel, Die Männer ohne Schlaf! Sie arbeiten in Schlafwagen. Für das gewerbliche Personal der.,M i t r o p a", dazu gehören auch die Schlafwagenschaffner, ist mit Wirkung ab Z. April ein neuer Tarif abgeschlossen worden. Der Schlichtungsaus- fchuß Kroß-Berlin, unter Vorsitz des Gewerberats Körner, führte hier auf Veranlassung der Mitropa-Direktion und der ch r i st l i ch e n Ts- w e r k s ch a f t deutscher Eisenbahner unter schärfstem Widerstand der am Tarif beteiligten Gewerkschaften—„Zentralverband" und „Deutscher Verkehrsbund"— zum erstenmal den Vereitschafis- dienst ein. Bei den Schaffnern wirkt sich dieser„Bereitschastsdienst" oder die 2�-stiindige„Ruhe", wie man chn nennt, geradezu katastrophal aus! Auf einzelnen Bahnhöfen wird feit Einführung des neuen Tarifes genau 50 Proz. mehr Dienst geleistet als vorher. Man hat aus- gerechnet, daß ein Teil der Schaffner, einschließlich der Pansen, Bor- und Nacharbeiten(letztere werden uns nicht als Arbeitszeit an- gerechnet, zu ihrer Leistung aber werden wir gezwungen� 350 bis 400 Stunden Dienst im Monat machen. Es klingt phantastisch und doch ist es der Fall. Wie lange noch soll dieser Zustand dauern? Es ist einfach unmöglich, was die Direktion von den Schaffnern verlangt. Laut Tarif werden pro Nacht 2% Stunden als Dienst nicht angerechnet. Der Schaffner hat„Pause". Wie sieht es nun in Wirklichkeit aus? Der Schaffner, welcher in seiner„Pause" auch schlafen könnte— er weiß nur nicht woi denn meistens sind die Wagen voll besetzt, und schließlich kann kein Mensch auf Kommando schlafen— empfängt Reisende, läßt andere aussteigen und macht feinen Dienst genau so wie in der übrigen Zeit.— Eine sogenannte Bereitschaft ist eben im fahrenden D-Zug unmöglich. Wenn nun wirklich mal ein Schaffner beim„Dösen" angetroffen wird, so hat er noch lange nicht geschlafen. Das Bewußtsein und die Vcr- antwortung lasse» einen festen Schlaf nicht aufkommen. Man sehe sich heute unsere Schlafwagenschaffner an. Wie sehen sie aus? Entnervt«, überreizte Menschen! Uebermüdet, mit cnt- zündeten Augenlidern laufen sie herum. Nirgends Ruhe, nirgends Rost. Nur eine Sehnsucht hat der Schaffner— sein Bett! Während er früher acht bis neun Reisen im Monat machte(frllh«r war er auch billig; denn er war hauptsächlich auf Trinkgelder angewiesen), muß er j e tz t 11 b i s 1 3 R c i f e u, das sind 22 bis 26 Nächte im Monat Dienst leisten. Also'nur vier bis sechs Nächte bleiben ihm im Monat, die er zu chaufe im Bett verbringen kann. Unterwegs, a m T a g e, kann nur sehr wenig geschlafen werden. Die meisten Mitropa-Ouartiere liegen so ungünstig, d. h. es herrscht ein derartiger Lärm, daß nur noch«in Mensch mit eifernen Nerven dort Ruhe findet. Auch wird es den meistern Schaffnern unmöglich sein, in wenigen Stunden, die ihnen am Tage bleiben, ungestört zu Hause zu schlafen. An ein geregelles Familienleben ist überhaupt nicht zu denken. Es ist ein ewiges cherumzigeunern! So manche gute Ehe geht dabei in die Brüche. Für Familienfeiern oder kullurelle Bedürfniste bleibt überhaupt kein« Zeit. Der Schaffner ist ein Sklave seines Berufes. Einen festen Fahrplan oder Turnus gibt es nicht. Einen freien Tag, d. h. einen ganzen freien Tag, kennen die Schaffner seit fünf Monaten nicht mehr. Die Krankenkasse der„Mitropa" Hot es sicher schon zu spüren bekommen und wird es im kommenden Winter noch mehr merken, daß die Schaffner fetzt einfach zufchonden gefahren werden. Das kann doch umnöglich im Sinn« der Mitropa-Direktion liegen. Das schlimmste ist, daß jetzt, nachdem durch Einführung der Pausen, die den Schaffnern pro Nacht 2% Stunden seiner Arbeitszeit rauben, von der Direktion verlangt wird, die Schaffner sollen noch Ueberslunden machen. Diese Ueberstunden sind nämlich sehr billig. sie wenden mit 24 bis 26 Pf. bezahlt. Den einzelnen Abteilungen sind genau ausgerechnete Arbeitspläne für die Schaffner zugeteilt worden. Bei Krankheits- oder Urlaubsfällen, beim Einlegen von Verstärkungs- oder Sonderwagen muß, weil nicht genügend Personal vorhanden ist, mehr gefahren werden. Der Schaffner ist heute, nach Einführung des festen Lohnes, teurer als früher und wird deshalb von der Firma bis zum äußersten ausgenutzt, trotzdem er nicht im entferntesten seinen Leistungen ent- sprechend bezahlt wird. Zurzeit laufen verschiedene vom Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Cafe-Angestellten angestrengte Prozesse, um dies« menschenunwürdigen Zustände zu beseitigen. In Güte ist bei der heutigen Einstellung der Direktion nichts zu erreichen. An den Tchassnern aber liegt es, der Direktion zu zeigen, daß sie nicht länger als Sklaven leben wollen. Deshalb: hinein in den Zentral- o e r b a n d der Hotel-, Restaurant- und Eafe-Angestelllen! Bankenfusion und Reichsarbeiisministerium. Wie der Allgemeine Verband der deutschen Bankangestellten mitteilt, wurden im Versolg der gemeinsamen Intervention der An- gestelltenverbänide im Reichsarbeitsministerium Verhandlungen zwischen dem Reichsarbeitsniinisterium und den Bankleitungen ge- pflogen Nachdem die B a» k l e i t u n g e n nunmehr ihre Stellung- nähme zu dem bekannten Abwehrprogramm der Ange- stelltcnorganisationen schriftlich festgelegt haben, ist a ni Donnerstag, dem 31. Oktober, im Reichsarbeitsniinisterium «ine gemeinsame K o n s e r e Ii z der beteiligten Organisationen, um zu der neuen Situation Stellung zu nehmen und den Versuch zu inachcn, zwischen den beteiligten Kontrahenten ein Einoernehmen yerbeizufiihretr! Die Tatsache, daß die Banken das Neichsarbeitsininisteriu!» ersucht haben, die Antwort der Bauten den Angcstelltenorgani- sationen vorher nicht bekanntzn geben, wird voni Allge- meinen Verband als ungünstiges Omen betrachtet. Könnten die Vorschläge der Banklcitungen sich sehen lassen, so würden die Banken jedenfalls keine Veranlassung haben, die Angestelltenorgoni- sationen über die Absichten der Banken einstweilen im Dunkeln zu lassen. Ausbau der Krankenversicherung. Ihre Modernisierung geplant. Jin Reichsarbeitsministerium findet demnächst eine Besprechung über den Ausbau der Krankenversicherung statt. Dafür sind in einem Ref�rentenentwurs Grundsätze aufgestellt, die der Besprechung als Unterlage dienen sollen. J&in Gesetzentwurf liegt noch nicht vor.) Es soll geprüft werden, inwieweit der Kreis der Ver- sicherten und das Ausmaß d e r L e i st u n g e n den sozialen Beidürfnissen"besser angepaßt, veraltete und unzweckmäßige Vor- schriften beseitigt und Ersahruugen der Praxis für die Gesetzgebung oerwertet werden können. Insbesondere soll der Famikienschutz der Krankerwe rsiche« rung durch verschiedene Maßnahmen(Kraukenhilfe für Familien- angehörige, Familienzulagen zum Kranken- und Hausgeld) ver» bessert werden. Der zweite Teil her Erörterungen wird sich mit dem Aufbau der Krankenversicherung befassen. Bei der Neueinrichtung von Krankenkassen soll der Wille der beteiligten Versrcher- ten und ihrer Arbeitgeber mehr als bisher zur Geltung kommen. Eine Stärkung der Selbstverwaltung versprechen sich die Grundsätze durch neuartige Gemeinschaftseinrichtungen. Für das ganze Reich fall e i n H a u p t a u s s ch u ß für Krankenversichc- rung gebildet werden, in dem die wirtschaftlichen Vereinigungen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer, die Verbände der Kronkenkassen, die Aerzteverbände und die soziale Medizin vertreten sind. Der Hauptausschuß soll für die Durchführung der Kranken- Versicherung Richtlinien aufstellen. Für die Verbindung zwischen der Krankenversicherung und der Invaliden- und Angestellten- Versicherung auf dem Gebiete der Krankheitsverhütung und sozialen Hygiene sollen bczirkliche Kronkenkassenverbände sorgen. Auch die S p i tz e n v e r b ä n de der Krankenkassen soll«, öffentlich-rechtliche Aufgaben erhalten, insbesondere den neuen Hauptausschuß unterstützen. Montas, 28. Oktober. Berlin. 16.05 Stande mit Büchern.„Gestalten ans dem deutschen Katholiiismns".(Am Mikrophon; Dr. Hans Grunde!.) 16.30 I. Beethoven: Sorate pathdtique, op. 13.(Ivan Cnje!, Flflffel.)— 2. Lieder.— 3. Bart6k: a) Sonatina; b) Alletro barbaro(Ivan Engel). d. Lieder., 17.30„Der Tanr ins Dunkel", Roman von Leo Lania. Brnchstücke, gelesen vom Autor. 16.00 Unlerhaltungsmnsik. 18,45„Stationen". V.: Nach der Einschulung. 19,15 Dr. Anton Meyer: Der Wein and seine Landschaft. 19.35 Hans Horbat, Geverkschaftsbund der Angestellten: Die soziale Lage der Angestellten. 20.00 Prof. D. Dr. Becker, preuß. Minister Hr Wissenschaft. Kunst und Volksbildung; Die geistige Krise der Gegenwart. 20.30 Musik ans den Alpen. 20.53 Goethe.(Am Mikrophon: Leontine Sagau.) 21.05 L. van Beethoven. Quartett Nr. 8. B-Dur, op. IJB./ 22.30 Funk-Tanzunterricht. Anschließend bis 0.30 Tanzmusik. Wahrend der Pause: Bildtunk. Königs wusterhaaseB. 17.30 Dr. Mag Tau. Wolfgang von Einsiedel; Lebendige Bücher. 18.00 Dr. Jahnfce: Gutes Deutsch für jedermann. 18.30 Englich für Anfänger. 18.55 Dr. Ablgrimm: DOngemittellehrgang. 19.20 Maurermeister Przybilski; Werkstoife des Manrers. 20.30 Unterhaltungmusik. f¥*ark(fe, tiocheleganta Herren- Anzug-Stoff Koch t Seeland Gertraudtenstr. 20 1 21 ffl'kfrc" 18 «ctontmortl.'ilt die Sebaftion: Woltnaag Schwarz, Berlin: Anzeigen: Th. S lacke. Berlin. Brrlag: Porwärle Verlag E. rn. b. s.. Berlin. Druck: Varwans Buch. druckcre! und Lerlagsanstatt Paul Singer 6- Ca.. Berlin LW 6«. Lindenstraße Z. Hierzu l Beilage. XIiea.lcc, Lldtlspicle usw. Montag, 23 10. Slaats-Oper j Unter d. Linden A.-V. 233 191* Uhr Staais-Oper Am Pl.d.Republ. Vorst. 172 2U Uhr Diebeinlidie Montag, 28. 10. Slädt. Oper Blsmarckstr fy Uhr Oejdilojseoe Mellunz Slaafl. Sthausph. am Gendarmenmario R.-S. 55 20 Uhr Stoatl.SebllMeatep.Cliarltli. 20 Uhr Der RaDimann von Venedig CASINO-THEATER Lofhringcr Strafte 37. Ifeii! rsgiidh a:< Uhr Heu! vertagte HoctizeHsnacnti und ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser: Gutschein für I—« Personen Fameuil nur 1.25 M.. Sessel 1.75 M., Sonstree Preise: Parkett u. Rane aao M. Grosses Schauspielliaus 8 Uhr MüMlM REGIE: CHARELl 3 Sonntag nachm. ungek., halbe Fr. Renaissance-Theater Tigltdi»-/, Uhr STEMPELBRUDER Schauspiel von Duschinsky. Regle; Gust Härtung. Sfemplntz«, Oft« i.»1�4. Till. 2 VantcIL S-mI»'/- Dir latlarttsa 1251 Dasers seiiea Preiu; WaclMtin 5 Dir U Pf. Sil 3 Mark 71,1. I'/:» Saaat. I Dir 1 Iis i Mark Reichshallen-Theater Abends|jFj Sonntag nadim.| S| Immer noch; „Bei de Stettiner" ulkige Fest-Revue! 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Lessing-Theater Norden 10846 Gruppe fnnger Scfaaasplcler Täglich 8»/« Uhr Cyankali I 218 von Frledridt Well Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich Vit Uhr Max Adalbert als Nanle am Flügel Rudolf Nelson Heule 3Vs Uhr Kloblenle Denlsdiei Theater D.I. Norden 12310 Vit Uhr Der Kaiser v.Amerika von Bernard Shaw Reg; Max Reinhardt Kammerspiele D.I. Norden 12310 gfj Uhr Der llowMerstehlielie Komödie von Gdraldy und Spitzer Regie; Gustaf Qründgens Die Komödie )1 Bismck.2414/7516 8 Uhr Kolportage Komödie von Georg Kaiser Regie: Erich Engel ROSE •THEATER 6ÄBi«" Blllettkasat: Alexander 3422. Täglich 8« Uhr; (Sonntags 5Vi und 9 Uhr) Dies leldmtes ledsn Ultfwodi 3 Uhr-. Das tapfere SdiBeiderlein >edon Sonnsbend 5 Ubr u. Jaden Sonntag 2ao Ubr Frau Holle VOlKsbUlme riiääHr DDiSülowpliti 8 Uhr Frühlings Erwachen Staitl.SdiillH-Tk 8 Uhr Der KaofiDBu top Venedli StaaiuperanPliR derBapiUU 8 Uhr Die heiolidie Theattr am {dtinhaoerdanig 8Vi Uhr KelaHene indcl Tdeat. d. Westens Tägl.«>., Uhr Nariella Unslk v. Oskar Siraos KAihe Dorsch Michael Bohnen Sonn ab. 4, Stg. 2 u.5 FriederUte Planetartnra — am Zoo-mmm Verlüj. iaiAiailbaitritrü B. S. BarbarossaäSTg 16 bis 19 Uhr Ue BildaraussteMung I9bls]9l/j Uhr Dar Ahendhimmal 20-. Uhr Dal WtlUII im UcbthIM icber Act liefert ptelBort Psnl Golletz Dorm. Roben Meyer Mari um mj traft c 3 ffide Naunynstruge Amt Mortftpl 10303 oet ona MUigr Nur sross-Beriln DÜB Horchwerke Akt.- Ges. 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