Morgenausgabe Nr. 507 A 255 46.Jahrgang Böchentlich 85 31. monatlich 3,60 im voraus zahlbar. Boftbezug 4,32 m. einschließlich 60 Bfg. Postzeitungs- und 72 Bfg. Bostbestellgebühren. Auslands abonnement 6.-M. pro Monat. * Der Borwärts erscheint mochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend" Illustrierte Beilagen Boll und Zeit" und„ Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Bissen". Frauen ftimme". Technif". Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts Vorwürts Berliner Bolksblatt Dienstag 29. Oftober 1929 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die eta pattige Ronpareillezetla 80 Pfennig. Reklamezeile 5.- Reichs mart. Kleine Anzeigen das fettge brudte Wort 25 Pfennig( zulaffig smet fettgedruckte Borte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengefuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes wettere Bors 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme im Haupt Geschäft Lindenstraße 3, wochentäglich con 8 bis 17 Ubr Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts: Verlag G. m. b. H. Regierungsfrise in Prag. Sofortige Folgerung aus der Wahlniederlage. Bereits am Wahltag hat Ministerpräsident Udrzal im| Namen der Regierung dem Präsidenten der Republik die Demission mit einem Schreiben überreicht, in dem es heißt: Heute werden die Wahlen für die gesetzgebenden Körperschaften corgenommen, die auf Grund der Verfassung nach Auflösung der Nationalversammlung von der Regierung angeordnet wurden. Im Hinblid darauf hat die Regierung beschlossen, ihre Demission zu überreichen. Präsident Masaryk hat die Demission der Regierung angenommen und das Kabinett und die übrigen Ressortminister mit der Fortführung der Regierungsgeschäfte betraut, solange die neue Regierung noch nicht gebildet ist. Das Wahlergebnis. Prag, 28. Oktober.( Eigenbericht.) Auch in der Tschechoslowakei besteht der Proporz mit großen Wahltreifen und gebundenen Listen, doch werden die Reststimmen 3'weimal durchgezählt und verteilt, so daß zunächst bisher nur 182 von den feststehenden 300 Mandaten besetzt sind. Aus KarpathoRußland fehlen die Ergebniffe aus drei Distrikten. Ein Bote, der das Bahlresultat aus Volova zu übermitteln hatte, soll auf dem Wege ertrunten sein. Auf Grund der bisher vorliegenden Ergebnisse vertellen sich die Stimmen und Mandate wie folgt: Parteiz Tschechische Sozialdemokraten Deutsche Sozialdemokraten Nationalsozial( Benesch) • Kommunisten Tschechische Agrarier Deutsche Agrarier Deutsche Christlichsoziale Tschechische Klerifale Slowakische Klerikale Ungarische Christlichsoziale Jüdisch- polnische Liste Nationaldemokraten Tschechische Gewerbepartei Liga gegen gebd. Listen Deutschnationale. Hakenkreuzler.. • Stimmen Mandate . ( in Klammern die Ergebnisse von 1925) 936 000( 631 000) 39( 29) 513 000( 411 000) 21( 17) 767 000( 609 000) 32( 28) 752 000( 931 000) 29( 40) 1 100 000( 970 000) 46( 46) 396 000 16( 348 000( 15 25( 31) 18( 23) 624 000( 691 000) 403 000( 489 000) 257 000( 104 000( 0 360 000( 285.000) 291 000( 285 000) 72 000 9 4( 15( 13) 12( 13) 3(-) 189 000( 240 000) 7( 10) 205 000( 168 000) 8( 7) Die bisherigen deutschen Regierungsparteien ver zeichnen einen Verlust von etwa vier Mandaten. Die Kommunist en büßten rund 190 000 Stimmen ein. Spät abends wird das nichtamtliche Gesamtergebnis gemeldet; die Mandatezahlen sind nach dem Obengesagten wohl voraus berechnet. Im ganzen wurden 7 386 019 Stimmen abgegeben gegen 7 103 913 im Jahre 1925. Mandate( 1925 in Klammern): Deutsche Sozialdemokraten 21( 17), Deutsche Landwirte 16( 16), Deutschnationale 8( 10), Deutsche christlichsoziale und Gewerbepartet 14( 16), Hakenkreuzler 8( 7), Tschechische Sozialdemokraten 40 ( 31), Tschechische Nationalsozialisten 31, Gruppe des früheren Die Räumung der zweiten Zone.| Bis 30. November beendet. Koblenz, 28. Oktober. Das französische Armeesberkommando in Mainz hat dem Generaldelegierten der Reichsvermögensverwaltung auf Anfrage die Reihenfolge des Abtransports der noch in der zweiten Besatzungszone stehenden Truppen mit geteilt. Die letzten Uebergangskommandos werden bis 30. November abgerückt sein. Düren und Jülich frei. Köln, 28. Oftober.( Eigenbericht.) Am Montag vormittag ist aus Düren der größte Teil der französischen Truppen abtransportiert worden. Ein Abwicklungsfommando von 150 Mann bleibt vorläufig in der Stadt. Die Freigabe der beschlagnahmten Gebäude ist bis auf das Militärlazarett, das am 28. November freigegeben wird, erfolgt. Die vollständige Räumung der Stadt wird bis zum 30. November durchgeführt sein. Auch in Jülich hat heute morgen der Rest der belgischen Besatzung in Stärke von 13 Offizieren, 60 Unteroffizieren und 374 Mann des 4. Pionierregiments mit der Gendarmerie die Stadt verlassen. Sie ist damit vollständig frei von fremden Truppen. Die 4. Pioniere merden einstweilen in Aachen untergebracht. Von hier aus werden fie am 30. November verladen, Generalstabschefs Gajda 3, Tschechische Nationaldemokraten 14( 13), Tschechische Kleritale 25( 31), Tschechische Agrarier 45( 45), Tschechische Gewerbepartei 12( 13), Slowakische Boltspartei( Hlinka) 17( 23), Ungarische christlichsoziale und Nationalpartei 10, PolnischJüdische Partei 4, Kommunisten 30( 41). Rot- Grüne Koalition in Sicht. Prag, 28. Oftober.( Eigenbericht.) Postscheckkonto: Berlin 37 536. Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depofitenfaffe Lindenstr. 3. Die letzten Krämpfe. Das Inflationsbegehren im Berenden.- Nummer Zwei angekündigt. Amtlich wird mitgeteilt: Der Reichsausschuß für das deutsche Bolfstegehren hat beim Reichsminister des Innern den Antrag gestellt, die Eintragungsfrist für das Boltsbegehren zu verlängern. Der Reichsminister hat feinen Anlaß gesehen, dem Anfrage des Reichsausschusses zu entsprechen. Der Hugenberg- Ausschuß hat um Fristverlängerung ges beten. Diese Bitte ist völlig ungesetzlich und widerspricht dem Sinn des Volksbegehrens. Schließlich könnte jede Partei, die ein Volksbegehren riskiert, angesichts der Pleite um Frista verlängerung nachsuchen, bis die fehlende Anzahl von EinNachdem jetzt bis auf geringfügige Reste das Wahlergebnis vorzeichnenden ins wahlmündige Alter hineingewachsen ist! Die liegt, zeigt sich deutlich, daß der Bürgerblod geschlagen ist. Bitte um Fristverlängerung ist das komplette Gingeständnis Er wird auf keinen Fall zurückkehren. Dafür spricht nicht nur der des Fiaskos des Hugenberg- Begehrens. Rückgang der meisten seiner Parteien, sondern es sind auch die Gegenfäße innerhalb der bisherigen Koalition zu start, als daß sie fich in abjehabrer Zeit zusammenleimen ließe. Dagegen erscheint die Bildung einer sogenannten rof- grünen Koalition wahrscheinlich. Sie entspricht dem deutlich bekundeten Willen der Arbeiter- und der demokratischen Bauernmaffen. Die Nationalfoziale Partei( Benesch) wird den Eintritt in die Koalition allein faum vollziehen wollen, sondern nur gleichzeitig mit den eigentlichen großen Siegern dieser Wahlen, den tschechischen Sozialdemokraten. Letztere wiederum legen den größten Wert darauf, den Uebergang von der Oppofition zur Koalition nicht allein, sondern nur gemeinsam mit den deutschen Sozialdemokraten zu vollziehen. Hier beginnen allerdings Schwierigkeiten, die zwar feinesmegs unüberwindlich scheinen, aber groß genug sind. Die deutschen Genossen dürften in ihrer Mehrheit, nachdem die letzten Jahre eine merkliche Entspannung der deutschtschechischen Beziehungen gebracht haben, durchaus geneigt sein, über einen Eintritt in die Regierung mit den übrigen Parteien, vor allem mit den tschechischen Genossen, zu verhandeln. Sie werden aber nicht den Fehler wiederholen, den die deutschen bürgerlichen Parteien bei ihrem Eintritt in die Bürgerblockregierung begangen haben und den die deutschen Sozialdemofraten diesen stets vorgehalten haben, nämlich bedingungslos in die Regierung einzutreten. Sie werden sich vielmehr vorher über ein Regierungs programm zu verständigen suchen und dabei gewisse Wünsche und Forderungen, teils budgetärer, teils fulturpolitischer Art, anmelden. Leitende tschechische Genossen zeigen durch aus Verständnis für die Notwendigkeit solcher Verhandlungen; die Bereitschaft, den deutschen Wünschen möglichst entgegen zukommen, besteht ebenfalls. Es wird sogar versichert, daß selbst von der Benesch- Partei trotz ihres chauvinistischen Einschlages ernsthafter Widerstand nicht zu befürchten sei, weil die tschechischen Nationalsozialisten die Notwendigkeit einer Hinzuziehung der deutschen Sozialdemokraten anerkennen. Unter diesen Umständen steigen die Aussichten einer rot- grünen Koalition, die aus folgenden Parteien bestehen würde: Tschechische und deutsche Sozialdemokraten, tschechische Nationalfoziale, tschechische und deutsche Agrarier. Freilich muß mit langwierigen Vorverhandlungen gerechnet werden, ehe dieses Ziel, das die einzige logische Folge dieses Wahlergebnisses ist, erreicht werden kann. Börsenkrach geht weiter. Schwarzer Montag an der New- Yorker Börse. New Yorf, 28. Ottober. Sehr schnell ist an der Effektenbörse auf den schwarzen Donnerstag ein schwarzer Montag gefolgt, dessen Ursachen zum Teil in den Auswirkungen des lehten Kurseinbruches zu suchen sind. Bei wiederum sehr großen Umsätzen gaben die Kurse bis zu 45 Dollar nach. Im Verlaufe der Börse einsetzende Stützungs versuche der Banken erwiesen sich als erfolglos. Die Arbeitslosigkeit steigt! Zunahme 38 000 Unterstützte in der 1. Oftoberhälfte. In der ersten Oktoberhälfte ist die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung von 749 000 auf 784 000, d. h. um rund 35 000 oder 4,7 Proz. gestiegen. Die Zunahme befchränkte sich wieder ausschließlich auf die Männer und belief sich bei diesen auf 36 000 oder 6,3 Proz. Bei den Frauen fand auch dieses Mal eine wenngleich sehr geringe Abnahme( um rund 700 Personen) statt. Von dem Anstieg der Hauptunterstützungsempfänger in der rifenunterfühung wurden sowohl männ. liche wie weibliche Unterstützte betroffen. Sie wiesen zusammen eine Zunahme um 3000 Personen oder 2 Proz. auf und erreichen damif eine Zahl von 165 000. reitet, mit dem sich der Reichsausschuß aus der katastrophalen Sie ist aber noch mehr: hier wird der Dreh vorbes Pleite herauszufügen gedenkt. Zur Begründung seiner Bitte hat der Hugenberg- Ausschuß auf die Tatsache verwiesen, daß ein materielles Urteil des Staatsgerichtshofs zur Beamtenfrage nicht vorliege, er hat behauptet, daß breite Volksschichten praktisch ihres Stimmrechts beraubt worden seien. Die Hugenberg- Leute beginnen beizeiten mit dem Terrorgefchrei, obmohl der Hugenbergiche ,, Lokal- Anzeiger" eben erst versichert hat, daß die Erklärungen der Regierungen über Beamtenpflicht und Hugenberg- Begehren weiteste Kreise, die sonst dem Boltsbegehren gegenüber gleichgültig oder ablehnend geblieben", zu den Einzeichnungslisten geführt hätten! Sie wollen schreien: nur der Terror ist schuld, wenn die Pleite eingestanden werden muß. Eine flägliche Ausrede von Leuten, die systematisch auf den Agrarierterror auf dem platten Lande spekuliert haben, und die skandalöse Fälle brutalsten Terrors auf dem Gewissen fie, daß sie nun nach der Schuld bei anderen suchen, nicht bei haben. Ihre Niederlage ist da, und es ist, charakteristisch für sich selbst! Sie suchen immer nach der Schuld der anderen seit dem Zusammenbruch von 1918. Das ist der Dreh Nummer 1, und Nummer 2 folgt sofort. Herr Franz Seldte, Mitglied des Präsidiums des Hugenbergschen Reichsausschusses, hat in Magdeburg eine Erklärung abgegeben, worüber folgendes gemeldet wird: In seiner Rede bei einer Rundgebung für das deutsche Volks begehren in der Magdeburger Stadthalle erklärte der 1. Bundes führer des Stahlhelms Franz Seldte, der Reichs ausschuß für das Volksbegehren habe freudig die Kampsidee des Stahlhelms aufgenommen und einstimmig beschlossen, daß sein Präsidium auch nach dem Volksbegehren zus sammenbleiben werde. Der Angriff werde weitergetragen. Es werde sofort eine neue Aktion eingeleitet in einer Form, die man selbst bestimmen werde." Volksbegehren Nummer 2 gefällig? Vielleicht das berühmte zurückgestellte Stahlhelmvoltsbegehren, das zwar keinen§ 4 enthält, dafür aber die Infinuation daß im Deutschen Reichstag eine ertledliche Anzahl gemeiner Vera brecher fäße? Oder was sonst für eine neue famose Aktion, hinter der die Pleite von Volksbegehren Nummer 1 vers schwinden soll? Das soll also nun so weiter gehen. Der famose Hugenberg- Ausschuß will zusammenbleiben und das Geschäft meiter fortsetzen. Arme Deutsch nationale! Sie sollen auch für die Zukunft das gehorsame Fußvolt für das Triumvirat Hitler- Hugenberg- Seldte bleiben, das Rohmaterial für den berühmten Block des Herrn Hugenberg. Wie ihnen das bekommt, haben die badischen Wahlen gezeigt: zwei Drittel der Stimmen und fünf Mandate eingebüßt! Und menn die Deutschnationalen ansehen, wie die Zeitungen ihres Parteivorsißenden diese katastrophale Niederlage tommentieren, so werden sie mit Schaudern auf das famose Wirken des Triumvirats blicken. Der„ Lokal- Anzeiger" verzeichnet diese Dezimierung der Deutschnationalen unter der Ueberschrift: Erfolge der Rechten in Baden. Er geht über die deutschnationale Niederlage mit eleganter Handbewegung hinweg: ,, wenn auch die deutschnationale Partei an Stimmen abgeben mußte, so ist die Rechte insgesamt, vor allem durch den in dieser Höhe überraschenden Gewinn der Nationalsozialisten stärker ange= machsen als die übrigen Gruppen". Das letztere ist zwar ein echter Hugenberg- Schwindel aber diese Art der Stellungnahme ist bezeichnend für die Hugenbergschen Absichten. Es hat wohl noch feinen Parteivorsißenden in Deutschland gegeben, der die Niederlage der eigenen Partei als einen Erfolg feiert, der die Tatsache, daß eine andere Partei der eigenen zwei Drittel der Wähler meggerissen hat, als hocherfreulich begrüßt, und in seinen Zeitungen glorifizieren läßt! Der Brei Deutschnationale Boltspartei" scheint den Vorfizenden dieser Partei nur noch sehr wenig zu interessieren! Die Lage der Deutschnationalen ist wahrhaftig nicht beneidenswert: erst die Pleite des Hugenberg- Begehrens, dann die Fortsetzung der nationalsozialistischen Zellenbildung unter dem Regime Hitler- Seldte- Hugenberg! Es beginnt die Rebellion der Deutschnationalen, die mit Entsetzen sehen, in welche Katastrophe sie Hugenberg geführt hat. In einer Versammlung in Stettin hat Herr SchlangeDie Bombenfabrik entdeckt. Schöningen, einer der von Hugenberg gemaßregelten Verfertiger der in Schleswig- Holstein verwendeten Höllenmaschinen festgestellt. Männer des Westarp- Flügels, den Kampf eröffnet. In vorfichtigen Andeutungen polemisierte er gegen Hugenberg, indem er die Notwendigkeit einer geschlossenen und festen deutschnationalen Partei betonte: ,, Sie wird nur dann lebensfähig sein, wenn sie großzügig und kraftvoll alle die an sich zieht, die erfüllt sind pom ernsten nationalen Billen, und wenn sie ihre Politik aufbaut ohne Oppor tunismus und ohne übertriebene radikale Bestrebun gen auf einem Wirklichkeitssinn, der die Dinge richtig schätzt und der auch zu den Machtfaktoren des politischen, fulturellen und mirtschaftlichen Lebens die richtige Einstellung ge= minnt. Wir haben feine 3eit, unsere Kräfte in Demonstrationen zu erschöpfen! Bor meiner Seele steht das Wort unseres toten Helfferichs, der zugleich der größte Idealist und politische Realist war: Sagen Sie dem Volke die Wahrheit, das ist die beste Politik." " Wenn Helfferich heute noch lebte, würde auch er den YoungBlan als untragbar und unerfüllbar bekämpfen. Welche For men Helfferich in diesem Kampfe gewählt hätte, entzieht sich meiner Beurteilung. Aber die Formen des Kampfes sind bei uns Deutschnationalen Sache des verantwortlichen Füh rers, und das Recht, diese Dinge zu fritifieren, fann nicht jedermann zugestanden werden. Auch dann nicht, wenn ihm Einzelheiten hier und da nicht ganz gefallen. Im Kampf um den Young- Plan und das Deutsche Freiheitsgesch" ist besonders der§ 4 des Gesezes nach Inhalt und Fassung umstritten. Es geht selbstverständlich nicht an, daß sich die Deutschnationale Boltspartei durch die Kritik der Gegner abdrängen lassen darf von unserem Reichspräsi denten, dem wir in nicht zu überbietender Treue ergeben sind. Es gilt aus der Verranntheit und aus dem politischen Irrgarten her aus den Weg zu finden, der schnell und am besten zur Rettung Deutschlands führt." Das ist in jedem Sage eine Abkehr von Hugenberg und feinem Reichsausschuß, ein Vorspiel zu den Auseinandersegungen, die den Deutschnationalen jezt bevorstehen. Das Hugenbergsche Boltsbegehren liegt in den letzten Krämpfen die Krämpfe der Deutschnationalen Volkspartei beginnen. Das politische Gebilde, das sie einst darstellte, eriftiert nicht mehr. Der Amoflauf des großen Mannes Hugenberg hat es zerschlagen, die um Hitler haben den Brofit aber Hugenberg gelüftet es bereits nach neuen genialen Taten. Wenn das so weiter geht! Die Ergänzung des Reichskabinetts. Lerbindliche Vorbesprechungen. Zu den Erörterungen über die Umbildung der Reichsregierung erfährt die Telegraphen- Union aus Zentrumstreifen, daß vor einigen Tagen zwischen dem Reichskanzler und dem Zentrums. abgeordneten Brüning eine Unterredung stattgefunden hat, die indeffen rein privater Natur war und feinen offiziellen Charakter, hatte. Dabei ist die Frage erörtert worden, ob es möglich sei, einen foalitionspolitischen Ausgleich in der Weise vorzunehmen, daß die Deutsche Bolkspartei das Außenministerium und das Justizminifterium, das Zentrum das Berkehrsministerium und das Wirtschaftsministerium erhalten soll. Bestimmte Bor. schläge sind aber in dieser Richtung nicht gemacht worden. Die Zentrumsfraftion selbst ist nicht in Berlin versammelt und hat sich mit diesem Broblem noch nicht beschäftigt. Wie verlautet, hat der Reichskanzler inzwischen dem stellver tretenden Borfigenden der Deutschen Volkspartet von der Unterredung mit Dr. Brüning Mitteilung gemacht. Die Reichstagsfraktion der Bolkspartei hat am Donnerstag eine Sitzung. Eine Hugenberg- Lüge. Das Landeskriminalrat IA Berlin teilt mit: Am 26. Oftober 1929 find in Hamburg- Altona durch Beamte der Landes1929 find in Hamburg Altona durch Beamte der Landestriminalstelle IA Berlin folgende Personen vorläufig festgenommen worden: 1. der Kunstmaler Herbert Schmidt, am 2. März 1906 zu Blankenese geboren; 2. der kaufmännische Angestellte Harro Schmidt, am. 12. Ottober 1907 zu Blankenese geboren; 3. der Kaufmann Erwin Kapheng ft, am 2. März 1907 zu Hamburg geboren. Herbert Schmidt ist geständig, mit dem zurzeit flüchtigen Elef trotechniker Alfred Raphengst am 25. November 1903 zu Hamburg geboren, wohnhaft zuletzt Altona- Othmarschen, die bei den beiden Anschlägen in Schleswig- Holstein verwendeten Sprengförper mit Beitzündung angefertigt und außerdem den Anschlag auf mit Zeitzündung angefertigt und außerdem den Anschlag auf das Landratsamt in Riebüll mit Raphengst durchgeführt zu haben. Der flüchtige Alfred Kaphengst, der auch einen Baß auf den Namen Carstens besigt, wird wie folgt beschrieben: Etwa 1,72 Meter Namen Carstens besigt, wird wie folgt beschrieben: Etwa 1,72 Meter groß schlanke Gestalt, blaffe Gesichtsfarbe, hellblonde Haare. Er ist furzsichtig und trägt eine Hornbrille. Harro Schmidt und Erwin Raphengst haben von der vorgeschilderten Tätigkeit von Herbert Schmidt und Alfred Kaphengst Kenntnis gehabt und sich daher nach § 13 des Sprengstoffgesetzes von 1884 strafbar gemacht. Der an Ort und Stelle weilende Untersuchungsrichter, Landgerichtsdirektor Dr. Masur, ist zurzeit mit der Nachprüfung der Borgänge zwecks Entscheidung über Erlaß eines Haftbefehls bea schäftigt. Hatten die Bombenattentäter Berbindung mit Ehrhardt? Hamburg, 28. Oftober. Zu den erneuten Verhaffungen in der Bombenangelegenheit meldet der„ Hamburger Anzeiger", daß die Verhafteten ebenso wie die Bombenattentäter dem sogenannten Ehrhardt- Kreis angehören. Nach Ermittlungen des Bombendezernats bei der Altonaer Polizei habe dieser Kreis augenscheinlich weitere Attentate geplant, um die bisher verhafteten Attentäter zu entlasten. Die Kreise um die Bombenattentäter hätten in legter 3cit befondere Aktivität entfaltet und seien u. a. in der Reitschule in Neustadt im Kreise Oldenburg fürzlich zu einer Konferenz zusammengekommen, an der die Brüder killinger, die an dem Erzberger- Mord beteiligt waren, feilnahmen. Die Berbindung der Berhafteten zur Landvolkbewegung unmittelbar sei bis jetzt noch nicht nachgewiesen, ebensowenig lägen schon definitive Anhaltspunkle für Beziehungen zu Kapitän Ehrhardt selbst vor. Die Hugenberg- Pleite. Es will nicht mehr werden. | Der zweite Eintragungssonntag hat die Hoffnungen| Runderlaß des Ministers des Innern vom 4. Ottober ist ausdrückih derer um Hugenberg nicht erfüllt. Der erwartete große Auf- gesagt:„ Eine in die Eintragungsliste abgegebene Unterschrift kann ebensowenig zurückgenommen werden, wie bei einer Wahl die ct= schmung am letzten Eintragungssonntag ist ausgeblieben. Inflationsbegehrler auf das platte Land erfüllen sich nicht in Das Bild wird immer flarer, auch die Hoffnungen der folgte Stimmabgabe zurückgezogen oder geändert werden kann." Inflationsbegehrler auf das platte Land erfüllen sich nicht in Bei reiflicher Ueberlegung vor Leistung der Unterschrift hätte sich dem Maße, wie sie angenommen hatten. mancher Gewissenskonflikte erspart. So war die Ziffer von 350 000 Eintragungen in der ersten Woche für Pommern zu hoch. Der Stand der Eintragungen für Bommern war nach behördlichen Mitteilungen am Sonnabend erst höchstens 250 000. Im Rheinland sind am Sonntag die Eintragungsziffern noch zurückgegangen. In den Großstädten sind die Einzeichnungen im selben langsamen Tempo weitergegangen. Einzeichnungen in Berlin. Hugenbergs, Refordstand". Der Auftrieb an Dummen in München. Freudestrahlend meldet der Lokal- Anzeiger", daß in Nachwirkung der Hugenberg- Hitler- Bersammlung" in München die Einzeichnungen am Sonntag den Reford von 3800 Am Montag, dem vorlegten Tage der Einzeichnungsfrist, erreicht habe. Die sicherlich herzliche Freude der Lokal- Anzeiger" trugen sich ein: Friedrichshain Prenzlauer Berg 4 Wedding Reinickendorf Lichtenberg 28. 10. 27. 10. 1365 1181 1411 1346 1016 1134 1182 1093 557 628 Vorher überlegen! Unterschrift zum Boltsbegehren fann nicht zurüdgezogen werden. In den letzten Tagen mehren sich die Fälle, daß Personen, die sich in die Liste zum Boltsbegehren eintragen ließen, nachträg lich diesen unüberlegten Schritt bedauern und ihn zurüd nehmen wollen. Das ist aber leider nicht möglich. In dem Vögler für Inflation. Leser über diesen gigantischen Hugenberg- Reford, der alle Weltreforde perdunfelt, wird aber einige Zeilen später durch die g'schämige Eröffnung getrübt, daß die Gesamtzahl der Eintragungen in München bisher 21 424 betrage, was noch nicht 5 Proz. der Wählerschaft sind! Der sonntägliche Refordstand" infolge der 5.-u. Maulaufreißerei von 3800 niacht bei einer Münchener Gesamtwählerschaft von rund 420 000 jage und schreibe 0,9 Proz. affa noch nicht ein Hundert stel, der Wählerschaft aus. Der Lotal- Anzeiger" überschreibt jein Siegesbulletin mit der pielverheißenden Zeile: Auftrieb in Mün dhe n." Das Wort Auftrieb" kommt in der deutschen Sprache gemeinhin in Berbindung mit dem Viehhof in Schlachtviehberichten vor. Diese pflegen einen starken Auftrieb an Ochsen, Hammeln, Schafen usw. zu melden. Ein Aehnliches und Sinnverwandtes hat zweifellos auch dem Lokal- Anzeiger" vorgefchwebt, als er den Auftrieb" an Hugenberg- Wählern in München notierte. " es auffällig, daß eine Kopie ohne die entscheidenden Abänderungen sich bei dem Personaldirektor befindet. Der volksparteiliche Abgeordnete geht zu Hugenberg. Der Aufsichtsrat hatte aber auch nicht die Möglichkeit, zu demerken, daß derartige Beträge gegen seinen Willen dem Konto von Der volksparteiliche Reichstagsabgeord nete Generaldirektor Bögler hat sich für das Gontard gutgeschrieben worden sind. Herr von Gontard hatte nämHugenbergsche Inflationsbegehren eingezeichnet, er hat gleichlich Anweisung gegeben, daß diese Beträge nicht auf Gehaltstonto, sondern auf ein unverfängliches Fabriteinfüh zeitig eine Reihe von Aufrufen für das Inflationsbegehren rungston to gutgeschrieben wurden. Die gesetzliche Lehnsteuer unterzeichnet. Sein Bekenntnis zur Hugenberg- Front ist in unterzeichnet. Sein Bekenntnis zur Hugenberg- Front ist in der rheinisch- westfälischen Schwerindustrie peinlich aufgeist nicht abgeführt worden. Herr Geheimrat Sagen bestreitet entschieden, eine Zahlungsanweisung gegeben zu haben; die von ihm fallen. Am peinlichsten wird Herr Luther berührt sein, der, abgezeichnete Anweisung war, wie aus dem Urtegt hervorgeht, gestützt auf Vögler, für den Vorsitz der Volkspartei fandi lediglich eine Buchungsanweisung Keine amfliche Wahlfälschung in Effen. Dieser Tage verbreitete Hugenbergs Telegraphen- Union eine Meldung der Rheinisch- Westfälischen Zeitung" über eine Amtliche Fälschung an einer Boltsbegehrens eintragung". Danach sollte die Eintragung eines Volksbe gehrlers in Essen von einem Beamten des Wahlbureaus furz nach der Einzeichnung ausradiert worden sein. Die ganze deutschnationale Bresse fiel über diese Nachricht her. Man verzeichnete fie in großer Aufmachung unter dem Titel„ Sogar mit Liſten fälschung wird gearbeitet", Amtlicher Betrug" und unter ähnlichen Schlagzeilen. Inzwischen hat der bürgerliche Oberbürgermeister der Stadt Effen der Rheinisch dierte. Westfälischen Zeitung" folgende Richtigstellung zugehen laffen: = ,, Unter Bezugnahme auf Ihre Mitteilung in der heutigen Morgenausgabe unter der Ueberschrift Amtliche Fälschung an einer Boltsbegehreintragung" teile ich Ihnen mit, daß die Eintragung des Herrn Montanus irrtümlich zugelassen war, bevor die vorgeschriebene Prüfung vorgenommen worden war. Die erst nach der Gintragung vorge nommene Nachprüfung ergab, daß Montanus nicht in der Wählerliste aufgeführt stand. Das hatte darin seinen Grund, daß Montanus, obgleich er nach Aussage seiner Mutter bereits über drei Jahre ortsansässig ist, sich erst vor wenigen Tagen polizeilich angemeldet hat. Es mußte ihn deshalb aufgegeben werden, fich im Wahlbureau einen ord: nungsmäßigen Wahlausweis zu beschaffen. Dies ist aber abgelehnt worden, worauf der Listen führer die Eintragung ausradierte. Die Besettigung der zu unrecht erfolgten Eintragung hätte nach ber Uebung bei den sonstigen Wahlen nicht durch Radierung, son dern durch Durchstreichen des Namens erfolgen müssen, zugleich mit der Aufnahme eines Vermerts über den Grund der Streichung. Bon einer amtlichen Fälschung an einer Volts= begehreintragung fann selbstverständlich keine Rede sein." Die Darstellung des Essener Oberbürgermeisters ist der Rhei nisch Bestfälischen Zeitung" am Sonnabend übermittelt und von der Effener Boltszeitung", einem Zentrumsblatt, in deren Sonntagsausgabe vom 27. Oftober veröffentlicht worden. Der Hugenbergsche Presseapparat hat bisher diese Richtigstellung nicht wiedergegeben. Der Direktor. Die Aufwandsentschädigung des Herrn Paul von Gontard. In dem bekannten Landesverratsverfahren des Oberlagerverwalters Walter Bullerjahn hat die Berteidigung in ihrem Wiederaufnahmeverfahren sich dagegen gewandt, daß der frühere Generaldirektor der Berlin- Karlsruher Industrie werke A.-G., Paul von Gontard, vor dem Reichsgericht nicht vernommen wurde, sondern lediglich sein Zeugnis durch Dritte übermittelt worden ist. Das Reichsgericht hat in dem Urteil gegen Bullerjahn festgestellt, daß dieser ungenannte Zeuge untadelig und über allen Zweifel erhaben sei; auch sei er an der Sache vollkommen unbeteiligt. Ein Zivilprozeß, der bei dem Landgericht III zurzeit anhängig ist, beleuchtet die Persönlichkeit des Herrn von Gontard in ungünstiger Weise. Herr von Gontard hat im Jahre 1928 die Berlin- Karlsruher Industriewerke A.-G., deren Generaldirektor er war, gegen seinen Willen verlassen. Er klagt gegen die Firma auf Herausgabe seines buchmäßigen Guthabens in Höhe von 650 000 m. für Aufwandsentschädigungen. Die Be: linKarlsruher Industriewerke bestreiten diese Forderung, obwohl tatfächlich auf dem Konto des Herrn von Gontard dieser Betrag steht. Er soll aber unrechtmäßig dem Konto gutgebracht worden sein. Herr von Gontard macht geltend, daß der stell. vertretende Geheimrat Louis Hagen am 25. März 1925 eine Anmeifung über 310 000 m. für Aufwandsentschädigungen ausge schrieben habe. Diese Anweisung ist auch von Herrn Hagen ge. zeichnet. Jedoch stellen die Berlin- Karlsruher Industriemerfe die ungeheuerliche Behauptung auf. daß in der Urkunde zwei ent ten Buchungsanweisung eine Zahlungsanweisung gemacht haben. Daß Herr von Gontard bestreitet, irgend etwas mit dieser Umände. rung zu tun gehabt zu haben, ist selbstverständlich. Immerhin ift Das Landgericht III hat jetzt die Direktoren Nathan, Urbig und Schwabach geladen, die befunden werden, daß nach dem Status der Gesellschaft derartige Beträge überhaupt nicht zahlbar waren, wie das die Bilanz beweist. Protest gegen die geistige Folter. Eine Erklärung zum Fall der Kieler Neuesten Nachrich'en. Biel, 28. Oftober. Der Landesverband Schleswig- Holstein im Reichsverband der deutschen Preise veröffentlicht, veranlaßt durch die Mitteilungen der Kieler Neuesten Nachrichten über das Vorgehen der Justizbehörden gegen einen Mitarbeiter des Blattes, folgende Erflärung: ,, Der Landesverband Schleswig- Holstein im Reichsverband der deutschen Bresse spricht seine Entrüstung darüber aus, daß die Drohungen mit 3wangsmaßnahmen zu veranlassen, seine berufliche Kieler Justizbehörde versucht, einen Kieler Journalisten durch Drohungen mit Zwangsmaßnahmen zu veranlassen, seine berufliche Verpflichtung zur Wahrung des Redaktionsgeheimnisses zu brechen. Gegen die Anwendung dieses geistigen Foltersystems, das sich mit modernen Rechtsanschauungen nicht verträgt, erhebt der Landesverband den allerschärfften Proteft." Gegen die Verfügung der Kieler Justizbehörde ist von der 3eitung inzwischen Beschwerde eingelegt worden. Die Galfin des verstorbenen Reichsaußenministers, Frau Kate Stresemam, bittet uns um Beröffentlichung folgender Beilen: Un läßlich des Hinscheidens meines geliebten Mannes, des Reits. ministers Dr. Gustav Stresemann, find mir aus weiten Kreisen bes gedacht haben, persönlich zu antworten, wie ich es gern möchte. Ich bitte deshalb, denen danken zu dürfen, die mir und meinen Söhnen ihre Anteilnahme bekundet haben. Sajed zum Tobe und zwei weitere zu zehn Jahren scheidende 3usäße gemacht worden sind, die aus der gewu zuteil geworden, daß ich nicht in der Lage bin, allen, die meiner Wegen der Pogrome in Palästina wurden zwei Araber, in 3 wangsarbeit, ein Araberführer, der Scheich Taleb Martah, als Anstifter der Angriffe gegen Hebron zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. 40 Jahre Kampf. Das Jubiläum der Frankfurter Bolfsstimme". Frankfurt a. M., 28. Oftober.( Eigenbericht.) Zur Feier des 40jährigen Jubiläums der ranfurter Bplist immme" und der Einweihung des prächtigen Neubaues veranstaltete die Frankfurter Sozialdemokratie in Berbindung mit den Gewerkschaften, den Kulturrerbänden und dem Reichsbanner einen großen Demonstrations 3ug. Unter roten und schwarzrot. goldenen Fahnen zogen viele Tausende von Frankfurter Arbeitern an dem schönen Neubau in der Bockenheimer Landstraße vorüber. Zehntausende säumten die Straße. Die Kundgebung fand ihren Abschluß in einer Bersammlung im Hippodrom, wo Philipp Scheidemann zu den Massen sprach. Am Vorabend pereinigte eine gesellige Zusammenkunft alle tätigen Genossen. Bom Parteivorstand waren Otto Wels und Landtagspräsident Bartels erschienen. Wels führte in seiner Ansprache aus:„ Wir feiern hier ein Fest, dem der Parteivorstand seine Glüdwünsche entbietet, er repräsentiert die ganze Sozialdemokratische Partei. In der legten Zeit mehrten sich zehnjährige Jubiläen. Die Boltsstimme" aber ist eine alte ämpferin, die fchon seit 40 Jahren im Rampf für den Sozialismus steht. Unser Ziel ist es, die„ Boltsstimme" und die gesamte deutsche sozialdemokratische Presse zu einem Organ zu gestalten, das nach dem Wort Lassalles die schneidigste und glänzendſte Waffe im Emanzipationskampf des Proletariats wird, denn der Kampf, den wir heute führen gegen die Radikalen von rechts und links, it nicht leichter, sondern schwerer geworden." Unter den Anwesenden wurde besonders der Staatspräsident a. D. Ulrich ge= felert, der vor 40 Jahren der erste politische Redakteur des damals noch für Offenbach und Frankfurt a. M. gemeinsamen Partet organs war. す Die Boltsstimme" ist am Sonntag mit einer 128 Seiten starten Festnummer erschienen, zu der eine große Anzahl bedeutender Perfönlichkeiten des öffentlichen Lebens Beiträge beigesteuert haben. Die Nummer zeigte zugleich die technischen Möglichkeiten des neuen Druckereibetriebes. Ein„ Landvolk" Prozeß. Die Tumulte in Neumünster vor Gericht. Neumünster, 28. Oftober. Der große Prozeß, der die Klärung der blutigen Vorgänge bei der Landoolittundgebung am 1. August bringen soll, hat heute begonnen. Zur Sicherung der Verhandlung, die voraus. sichtlich drei Tage in Anspruch nehmen wird, ist eine halbe Hundertschaft Schupo aus Kiel eingetroffen. Das Interesse des Bublikums ist nicht so groß, wie man erwartet hatte. Insgesamt find 107 Zeugen geladen. Als Berteidiger für alle Angeklagten fungiert Rechtsanwalt Lütgebrune- Göttingen. Neue Vorstöße der Großagrarier. Anträge der grünen Front im Reichstag. ,, Unfer slambing„ Unser Ebert" LANDESVERRATER EBERT SCHNAPS BUDIKER EBP SATTLER GESELLE EBERT LANDES VERRA 1925 SCHIEBER FREUND EBERT! 畫 Die 3nflationsbegehrer verbreiten ein Flugblatt mit der Ueberschrift ,, Unser Reichspräsident Friedrich Ebert". UNSER LIEBER REICHSPRÄSIDENT EBERT 1929 Stalins Außenpolitif. Frankreich und die Sowjets. Bessedowski, der ehemalige erste Sowjetbotschaftsrat in Baris, erzählt im ,, Matin" und in dem Blatt Miljukows Amüsantes über Stalins Außenpolitik gegenüber Frankreich, darunter folgendes: Als Bessedowski im Oktober 1927 aus Totio nach Mostau gerufen wurde, um den Posten in Paris zu übernehmen, gab ihm Stalin eine Audienz. Es sei, sagte er u. a., für die Sowjetregierung cin harter Schlag, daß es unmöglich war, Ratowski in Paris zu halten. Man habe diesem mehr als einmal gefagt, daß er feine Aktivität in Paris herabmindern müsse; er habe es aber nicht getan. Der von uns fürzlich angekündigte Angriff der Großagrarier auf die Reichsregierung zur Erzielung neuer Subventionen für die Landwirtschaft und zur Beeinflussung der deutschen Agrarpolitit zu gimsten der Großagrarier ist jeßt erfolgt. Die Deutschnationale, die Christlichnationale Bauern und Landvolfpartei und die Deutsche Bauernpartei haben im Reichstag pier übereinstimmende 2nträge eingebracht, deren geistiger Vater der Präsident des Deutschen Landwirtschaftsrates, Dr. Brandes, sein dürfte. Der Kernpunkt der Anträge ist die Erhöhung des Zolles auf Futtergerste und ein Zuschuß von 20 millionen Mart zur Förderung des Roggenerports und zur Berbilligung des befenders für Futterzmede bestimmten Roggens. Der betrunkene Angsthase Tschitscherin habe durch seine Intrigen zu Ratowffis Fall beigetragen. Frankreich mit der Stabilisierung des Franken wieder zum Finanzund Kreditzentrum der Welt werde; dadurch erhalte die Frage der Regulierung der Schulden entscheidende Bedeutung. Nur so werden langfristige Finanzoperationen in Frankreich möglich werden. Der Erfolg dieser Denkschrift war, daß Bessedowsfi im Oftober 1928 nach Moskau berufen wurde und hier vor Stalin erscheinen mußte. Der Allgewaltige erflärte ihm, daß seine Dentschrift nichts anderes als menfchemistisches Geschwät sei. Es handle sich nicht um einen Gewinn von 50 Millionen Rubel durch Kreditperbillt= gung, sondern um die grundsätzliche Linie in der Schuldenfrage. Wenn Rußland den Franzosen seinerzeit die Regelung der Schuldenfrage vorgeschlagen habe, so nur gewissermaßen als Löfegeld vom drohenden Krieg. Das war ein Manöver. Vollständig ausgeschlossen sei ein ständiges Busammenarbeiten mit der tapitalistischen Welt. Was tut's, fagte Stalin, daß wir bei den anormalen Krediten überzahlen, dafür er halten wir die vollständige Selbständigkeit unseres Birt fájaftssystems im Kampf mit der fapitalistischen Umfreifung aufrecht. Die Eurafristigen Warenfredite brauchen wir nicht, und mir werden fie auch nicht bekommen. Ein richtiger Belschewit muß zu manöverieren perstehen. Er muß wissen, daß der einzige Zwed dieses Manövrierens das Abwarten des Augenblicks ist, der für günstigsten ist das ist eben die Periode des neuen Aufschwunges eines revolutionären Krieges. Erst von Litwinow habe man erfahren, daß Tschitscherin sein Gespräch mit Herbette, aus dem hervorging, daß Frankreich im Falle der Nichtabberufung Rakowskis mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen drohe, falsch niedergeschrieben habe. Da mals habe man, um Rakowski nicht aufzugeben und den Bruch mit Frankreich zu vermeiden, sich bereit gezeigt, die Schuldenfrage mit Frankreich zu regeln. Da Rafowifi doch nicht zu retten gewesen jei und ein Abbruch der Beziehungen überhaupt nicht gedroht habe, müsse man sich jetzt aus der Affäre ziehen, falls die Fran zojen versuchen sollten, wegen der Schulden zu verhandeln. Sowohl aus politischen Motiven wie auch aus Geldmangel tönne man an die Franzosen nicht zahlen, um so mehr als Paris die Beden 3usammenstoß zwischen den beiden Systemen am deutung als finanzielles Zentrum verloren habe. Man müffe versuchen, die Franzosen durch politische Zugeständnisse zu ge winnen, etwa durch eine Berbesserung der Beziehungen zu Bolen oder durch endgültiges Abtreten Bessarabiens an Rumänien! Im Sommer 1928 schrieb Bejfedewsti in einer Denkschrift über die französisch- russischen Beziehungen nach Mostau, daß Die Gemeindewahlen in München. Deutschnationale Sorgen und Lügen. Belledowifi versuchte seine Argumente porzubringen, hat aber damit wenig Erfolg. Litwinom aber fagte ihm por seiner Ab. reise nach Paris: Auf Frankreich pfeifen wir eigentlich",- er fagte es auf ruffisch drastischer:„ Auf Fronfreich spuden mir eigentlich. Diese Anträge der grünen Front sollen der Hebung der Roggenpreise dienen, also ausschließlich den Interessen der östlichen Agrarier, und zwar im mesentlichen auf Kosten der schweinezüchtenden Landmirtschaft des Westens. Unbefümmert darum, daß eine gleichzeitige Aus München wird uns geschrieben: Der Münchener Senfung der Steuern gefordert wird, werden aus Steuermittein 20 Millionen Mart verlangt, während heute noch kein Mensch Boden wird für die Deutsch nationalen immer steiniger. weiß, wie der Reichshaushalt dieses Jahres balanciert werden soll. Auf dem Wenigen, auf dem sie noch zu weiden hatten, sind die Für die Förderung des Kartoffelabsatzes und der Kartoffelver. Nazis rudelweise eingebrochen, so daß das bisher schon wertung werden nicht weniger als 7 millionen Mart jährleine Häuflein deutschnationaler Stadträte am 8. Dezember, dem Ich verlangt, eine Forderung, die nicht mur unangemessen ist, weit Tag der Gemeindewahlen in Bayern, faft ganz einzufchrumpfen für den Abjazz der dreimal wertvolleren Milchproduktion jährlich droht. Das war für die Leitung des Münchener Industriellenver nur anderthalb Millionen zur Verfügung stehen, sondern auch des bandes, die hauptsächlich aus Rechtsradikalen besteht, schon por halb, weil ohnehin der Kartoffelbau jährlich durch das Branntwein Monaten Veranlassung, Versuche zur Bildung eines antimargistischen monopol mit zahlreichen Millionen subventioniert wird. Blocks zu machen, der alle bürgerlichen Parteien auf einer gemeinlamen Kandidatenliste perschmelzen sollte. Dieser Plan, der bie Deutschnationalen vor der öffentlichen Biamage bewahren wollte, fand aber nirgends richtige Gegenliebe. Die fümmerlichen Reste der Demokraten, Deutschen Volkspartei und Wirtschaftspartei fanden einer Wahlgemeinschaft Bürgerliche fich inzwischen zu Mitte" zusammen und die Bayerische Boltspartei als zweistärkste Rathausfraktion übte gegen den deutschnationalen Vorschlag von Anfang an paffive Resistenz. Würde diesen Forderungen der grünen Front entsprochen, so münde das neue Liebesgaben für die Roggenwirtschaft der Großagrarier bedeuten, in einer Zeit, wo ohnehin der deutsche Steuerzahler in faum mehr vorstellbarer Weise zugunsten der Agrarier belastet ist und in der sich die Aussichten für die Roggen mirtschaft immer mehr verschlechtern. Es ist taum zu erwarten, daß sich im Reichstag eine Front bilden kann, die diesen neuen überspannten Forderungen auch nur entfernt zustimmen wird. Polen und seine Nichtpolen. Deu schenverfolgung in Westpolen. In Westpolen ist die große Bolizeiaktion gegen die„ deutsche Gefahr noch immer im Gange. Eine Anzahl Pfadfinder sigen in Saft, andere werden gesucht, Haussuchungen bei ihren Eltern werden hierzu und zur Erfassung von Anflagematerial veranstaltet, quh Berhaftungen deutscher Vereinsfunktionäre sind gemeldet wor ben, neuerdings die des Beamten beim Bromberger deutschen Sejmbureau, des Danziger Bürgers Günther von Rügen. Schulrat Dr. Heideld, Dr. Burchardt und Mielke werden welter in Haft gehalten. Der Leiter des Minderheitsschulpesens in Oftoberschlesien, ein Serr Mangold, hat angeordnet, daß in den Lehrerkonferenzen der deutschen Schulen nur polnisch gesprochen werden darf! Auf einer Delegiertentagung des Westmarfenvereins in Ratio. wizz sagte der Wojewode Graczynski, der Westmarkenverein habe sehr erfolgreiche Arbeit geleistet, es sei sein großes Ber dienst, daß die Anmeldungen für die deutsche Minderheitsschule jo start zurückgegangen feien! Aus Rache erfanden die Deutschnationalen nun eine Wahl= lüge und behaupteten, von Abmachungen zwischen Bayerischer Boltspartei und Sozialdemokratie 3u wissen, die auf einen schwarzroten Blod im neuen Münchener Stadtparfament abzielen und schon zu den fonkreten llebereinDie weißrussische Geimfraktion hat an das Generalsekretariat des Bölferbundes eine Dentschrift gerichtet, in der über die Bedrudung der weißrussischen Bevölkerung Bolens auf schulpolitischem, firchlichem und wirtschaftlichem Gebiet Klage geführt wird. Börsenmanöver der Reaktion. Gegen die Einigung der Linken in Frankreich. Paris, 28, Oftober.( Cigenbericht.) Dalabier befragte am Montag, den er als Tag des Abmartens bezeichnete, zahlreiche Fachmänner über die Finanzlage des Landes. Die Reaktion hat mit den bunkelsten Manövern begonnen. Die Rationalisten nahmen mit Recht an, daß fie bei einer Einigung. der Linten für lange Zeit von der politischen Macht lassen müssen, daher wurden an der Börse wieder ganz ähnliche Bersuche zur Inszenierung einer Panit und zum Kursbruck gemacht mie 1925, als die Linksregierung drohte. Auch durch Aus= prengung tendenziöser Gerüchte verfuchen die Drahts zieher der Reaktion, die Einigungsbestrebungen der Linksparteien su torpedieren. Der Nationalrat der Sozialistischen Partei beginnt feine Beratungen erst abends. Das Ergebnis der Ab. ftimmung dürfte alfo erst spät in der Nacht zu erwarten sein. Neben der Diplomatie. Chiffreschlüffel geftoblen, der Dieb von Sowjetbotschaft begaunert. Baris, 28. Oftober. Die russische Flüchtlingszeitung Neueste Nachr." berichtet, der in der italienischen Botschaft in Berlin gestohlene Chiffriercode fei der Sowjet botschaft in Paris vor einigen Monaten für 5000 Dollar angeboten worden. Der Betreffende sei von dem kommen geführt hätten, der Sozialdemokratie den ersten Bürger meister zu sichern, mofür das jeßige Stadtoberhaupt Dr. Scharnagl von der Bayerischen Volkspartei auf die sozialdemokratische Unter ftügung in feiner angeblichen Aspiration auf die bayerische Minister- schefiften 3annowitsch empfangen worden. Jannowitsch präsidentschaft rechnen fönnte. Diese Wahllüge wurde in den letzten Monaten von der Rechten cifrig folportiert. Sie ist aber inzwischen durch den Oberbürgermeister Dr. Scharnagl gründlich zerstört worden. In einer Wahlversammlung seiner Barter verwies er die deutschnationalen Be hauptungen in das Reich der Fabel und reklamierte nach wie vor ben ersten Bürgermeisterposten in München für seine Partei. Nach feiner Auffassung wäre es ein Berrat der Bayerischen Volkspartei an ihren fatholischen Grundsägen, wenn sie die Hand bazu böte, daß in dem überwiegend fatholischen München ein Sozialift erfter Bürgermeister würde. Die Legende pon feiner mit fozialdemokra tischer Hilfe angestrebten Ministerpräsidentschaft bezeichnete er als eine gemeine Unterstellung. Die Neuordnung der Dinge im Münchener Rathaus hängt aus. fchließlich vom Ausfall der Wahl ab. Die Münchener Sozialbemo fratie, die mit 17 Stadträten bisher die weitaus stärkste Fraftion im Rathaus war, geht selbstverständlich ohne jebe Berbin dung mit anderen Parteien in den Wahlkampf und hat die berechtigte Zuversicht, daß es ihr gelingt, die bisherige Herrschaft des reaktionären Bürgerblods zu brechen. erklärte, er müsse den Code erst prüfen, ließ den Befucher 1½ Stunden warten und photographierte mährend dieser Zeit den gangen Schlüffel Seite für Seite. Er gab ihn dann zurück mit der Bemerkung, daß er ihn nicht für authentisch halte. Der ehemalige Somjetdiplomat Bessedomsti erflärte, über die Richtigkeit dieses Berichtes befragt, daß der Chiffreur der Sowjetbotschaft bereits feit einiger Zeit alle durch die russischen Agenten abgefangenen Depeschen entziffere. Die Sowjetbotschaft hätte sich übrigens im Juni auch den vom englischen Rolonialamt benügten Geheimcode verschafft. Leg Frieders. Die Defterreichische und die Deutsche Biga jür Menschenrechte e, 23. sowie Justizrat Dr. S. Löwenstein, Justizrat Dr. M. Druder( Leipzig) und Dr. Richard Breßburger ( Wien) haben an den Deutschen Reichstag eine gemeinfante Refillon eingereicht, in dem fie unter Hinweis auf die beabsichtigte öfterreichisch- Deutsche Rechtsangleichung dafür eintreten, daß der Reichstag bejchließen wolle, daß die Rechtsfolgen aus Urteilen, deren Grundlage der im Entwurf des neuen Strafgeleges nicht mehr strafbare Tatbestand des fahrlässigen Falscheides im Berordnungs mege unverzüglich aufgehoben werden müsse. Man will auf diese Weise erreichen, daß der Fall Frieders aus der Welt geschafft wird. Die Etappe der Maffenfämpfe. Was hinter der JAH. steckt. Die KPD. braucht Tamtam und Mamaut, Zeiten zielsicherer, ruhiger Entmidlung würden fein Betätigungsfeld abgeben für die rund zweitausend bezahlten Agenten Mostaus in Berlin. So wurden zuerst im Baugewerbe die Feuerchen an gezündet, aber die große Entlastungsoffensive" für die ins Berderben geführten Rohrleger scheiterte an der gefunden Ueberlegung der Berliner Bauarbeiter, für eine einmalige Wirtschaftsbeihilfe von 20 m. nicht erst fünf, sechs Wochenlöhne den Parolen Der KPD. zu opfern. Der frisch zugereiste Friedrich erwies sich als ein untalentierter Feuermacher. Seine einzige Heldentat war, seinerzeit Hunderte von Tiefbauarbeitern bei dem von der KPD. angezettelten und natürlich verlorengegangenen wilden U- BahnStreif brotios gemacht zu haben. Jezt hat man wieder auf die Metallarbeiter zurückgegriffen. Wie schon so oft, sollen sie auch diesmal vor den ver fahrenen KPD.- Karren gespannt werden und die Kastanien aus dem Feuer holen. Bis jetzt haben sich die Metallarbeiter ziemlich abgeneigt gezeigt. So gingen, wie erinnerlich, die Eisenformer trotz allem Geschrei der„ Roten Fahne" und ihrer ver antwortungslosen Hintermänner ruhig zum Schlichtungsausschus and beschieden sich mit der damaligen 5prozentigen Lohnerhöhung. Und einige Zeit später lachten die Werkzeugmacher im stillen darüber, als sie am Tage nach der Beendigung ihres großen Streits von der Roten Fahne" aufgefördert wurden, wild weiter zu streifen. Auch der gewiffenloseste KPD.- Stratege mußte schließlich ein fehen, und die Rohrlegerattion hat es mir bestätigt, daß an den festgefügten Branchen der Metall- und Bauarbeiter die Feuerchen nicht zu entfachen waren. Man steckte deshalb im Karl- Liebknecht- Haus die Köpfe zusammen und überlegte, in welchen Betrieben noch einiges aus den kommunistischen Glanzzeiten übrig geblieben war, und erinnerte sich: 2. 2pe we und C. Lorenz, die beiden treuen Resolutionsfabriken. Jede KPD. Attion auf gemertschaftlichem Gebiet, dem Teil des proletarischen Klassenfampfes, der an die Führung die größten An fprüche an Erfahrung und Berantwortungsbewußtsein ftellt, beginnt mit einem riesigen Betrug. Obwohl die bosschemistischen Drahtzieher ganz genau wissen, daß sie über feinen roten Pfennig für die Finanzierung eines Kampfes verfügen, gaufeln sie den be törten Arbeitern vor: Wenn es brenzlich wird und der Magen fnurrt, dann wird die JAH. zur Stelle sein. Dieses Märchen in die Welt gesetzt zu haben, dafür gebührt dem Herrn Münzenberg die Krone. Er schrieb am 14. Februar 1929 in der Roten Fahne": In der Zeit gesteigerter mirtschaftlicher Kämpfe muß die JAH. die Hauptaufmerksamkeit ihrer Interessen fonzentrieren auf die richtige und gute Durchführung von Hilfsaktionen für die an den Kämpfen beteiligten Arbeiter." Am Schluß seines Artikels redet er von der Schaffung eines Kampffonds zur Unterstützung der großen wirtschaftlichen Kämpfe, die Berbesserung aller Methoden zur raschesten Organisierung und breitesten Hilfe bei Ausbruch von großen wirtschaftlichen Kämpfen und die politisch- gewerkschaftliche Schulung ihrer Mitglieder und Funktionäre". Das letztere würde eigentlich den noch recht jugendlichen Männern in der JAH.- Leitung am besten anstehen. Die Arbeiter müssen beim Lesen solcher Sätze natürlich annehmen, dort könnte man eigentlich ohne zu säen, ernten. Nun, die größten Hilfsaktionen" der JAH. bestanden bisher lediglich aus 100 Broten, 20 Pfund Erbsen, 10 Pfund Sped und 5 Bfund Zucker, nicht zu vergessen die Brandrede des JAH.- Agenten, von der die Uebermittlung dieser Güter regelmäßig begleitet ist. Mehr kann je di JAH. aber auch gar nicht leisten. Diese sagen hafte Organisation hat in Berlin, hoch gerechnet, 5000 Mitglieder, von denen jedes 50 Pf. pro Monat zu zahlen hat. Das macht 2500 m. im Monat, die natürlich noch nicht zur Dedung der Kosten des immensen Apparates ausreichen. Bon irgendeinem Kampffonds" fann schon gar feine Rede sein. Die Gelder, wofür man die Brote und die Erbsen kauft, werden erst jedesmal, wenn der Laden schon brennt, zusammengefochten Da die JAH. nicht die einzige Zweigstelle der KPD. ist, die von Beit zu Zeit Klinken puzen geht, fann man sich ausrechnen, wieviel Groschen und Sechser bei derartigen„ Sammelaktionen" zusammen kommen. Jedenfalls nicht soviel, um Massenkämpfe, in deren Tausende oder gar Zehntausende wochenlang streifen, wirksam zu unterstützen. Auf der anderen Seite wird sich der Münzenberg: Konzern hüten, die lleberschüsse seiner Berlags, Zeitungs- und Filmunternehmungen etwa dem ,, Kampffonds der JAH." zu überweisen. So sieht es in der Etappe der großen„ Durchbruchsschlachten aus. Grund genug für jeden Arbeiter, allenthalben den kommunistischen Spuf zu verscheuchen. Klassenkampf in England. 150 000 Wollarbeiter vor der Aussperrung. Der seit Jahren angehäuite Sonfliftstoff in der englischen Tertil industrie bringt jetzt turz hintereinander eine Entladung nach der anderen. Drei Wochen lang maren im August 500 000 Baummollarbeiter in Lancashire ausgesperrt, meil fie die millkürliche 12½ prozentige Lohnkürzung der Unternehmer nicht tampflos hinnehmen wollten. Durch diesen von den Textilmagnaten provozierten Arbeitskampf gingen 72 Millionen Arbeitsstunden verIoren. Der Lohnausfall für die ausgesperrten Belegschaften überstieg 60 Millionen Mark. Der Ruhm der Baumwollkönige in Lancashire, die mit Hilfe cines Schiedsspruches wenigstens die Hälfte ihrer beabsichtigten Lohn fürzung durchzusehen vermochten, hat die englischen Bollmagnaten in Yorkshire nicht schlafen lassen. Die Unternehmer dieser Industriegruppe haben, wie mir bereits berichteten, ihren Belegschaften eine 2ohn fürzung von 8 bis 9 Pro3. zugemutet. Das bedeutet für die männlichen Arbeiter einen wöchentlichen Verdienstausfall von 4,70 m. und für die Arbeiterinnen einen Ausfall von 2,80 M. Der Wocheniohn der Arbeiter würde damit auf 51,80 m. und der der Arbeiterinnen auf 32,20 m. finten. Mit überwältigender Mehrheit haben sich die Gewerkschaften der englischen Wollarbeiter gegen die Zumutungen der Unternehmer gewandt und befchloffen, in allen Betrieben, die eine Lohnkürzung durchzusetzen versuchen, die Arbeit einzustellen. Diese neue Attacke des englischen Wollkapitals ist auch als ein politischer Borstoß egen die Arbeiterregierung anzusehen. Schon seit Jahren führen die Textilmagnaten von Yorkshire einen regen Propagandafeldzug für einen Schuẞ33011 auf Bollwaren. Unter Ausnutzung der schweren Arbeitskrise und mit der erpresserischen Drohung, den noch beschäftigten Arbeitern die Löhne bis zu 25 Broz. zu türzen, war es ihnen Anfang d. I. gelungen, bei den Gewerkschaften eine kleine Mehrheit für. den Schußzo II auf Wollfabritate durchzubrüden. Diese Entscheidung der britischen Wollarbeitergewertschaften, die auch bei der ausländischen Gewertschaftsbewegung Aufsehen erregte, läßt jedoch nicht den Schluß zu, die englischen Gewerkschaften verfolgten schutzöllnerische Tendenzen. Für die immerhin bedauerliche Stellungnahme der Wollarbeiter, die auch von Philipp Snowden scharf fritisiert wurde, mar in erster Linie die auf den Gewerkschaften schmer lastende Dauertrife im Bollzentrum Don Yorkshire entscheidend. Die tonservative Regierung Baldwins hatte es kurz vor den Bahlen nicht mehr gemagt, den Zollforderungen der Wollindustriellen nachzugeben. Jezt, unter der Arbeiterregierung, halten die Wollmagnaten Yorkshires ihre Zeit wieder für gekommen. Die Arbeiterregierung hat in ihrem Regierungsprogramm vom Juni d. I. unzweideutig festgestellt, daß an die Einführung neuer Industriezölle gar nicht zu denken sei. Ausdrücklich wurde in der Parla mentsdebatte darauf hingewiesen, daß für die Wollindustrie Zölle überhaupt nicht in Frage fämen. Snowden, der schon im Januar d. J. die Erpressermethoden der Wollherren auf das schärfste gebrandmarkt hatte, hat der englischen Deffentlichkeit haargenau nachgewiesen, warum die britische Wollindustrie aus ihrer Dauertrije nicht heraustäme. Die Rationa lifierungsscheu der Bollunternehmer könne faum übertroffen werden. Riesengewinne aus den ersten Nachkriegsjahren seien zielund zwecklos verschleudert worden, während die technische Einrichtung der Werte mehr und mehr verfiel. Unter diesen Umständen sei es fein Wunder, wenn die britische Ausfuhr mehr und mehr zurückgegangen sei. Bon den Gewertschaften ist nachdrücklich darauf hingewiesen worden, daß nicht allein die Exportverluste an der Krise schuld seien, sondern zugleich der ständige Rüdgang des Inlandkonsums. Der Verbrauch in England, der vor dem 1 Kriege 850 Millionen Pfund befrug, ift feit 1925 ununterbrodjen bis auf 650 Millionen Pfund gesunken.. Wenn die englischen Tertilmagnaten durch brutale Attacken auf den Lebensstandard der werftätigen Massen die Inlandskaufkraft in England weiter drosseln, so werden sie mit derartigen Maßnahmen die Textilkrise bis ins Unerträgliche steigern. Der Berdienst ausfall bei den 500 000 Baumwollspinnern beträgt infolge der vorgenommenen Lohnfürzungen annähernd 4 Millionen Mark monatlich, während die beabsichtigte Lohndrosselung bei den 150 000 Wollarbeitern und Arbeiterinnen mehr als 2 Millionen im Monat aus machen würde. Bei der Berbohrtheit der Wollmagnaten ist auf eine Beilegung des Konflikts faum mehr zu rechnen, so daß in kürze ein neuer riesiger Arbeitstampf England erschüttern wird. R. B. fichtigt werden. Sie lehnt jede Internationalisierung und Privati fierung der Saargruben ab. Die frei organisierte Saararbeiterschaft wiederholt ihren des öfteren geäußerten Wunsch, möglichst bald im deutschen Staatsund Wirtschaftsverband aufzugehen. An die Regierungss stellen des Reiches richtet die Konferenz das Ersuchen, bei erfolgversprechenden Rückgliederungsverhandlungen gleichzeitig Verhandlungen unter 3uziehung von Vertretern der Arbeitnehmer zur reibungslosen Rüdführung ohne längere Uebergangszeit in die deutsche Reichs- und Landesgesetzgebung vorzunehmen." Junferrebellion und Ausländerfontingent. Erst Arbeit für Deutsche! In den nächsten Tagen beginnen die Verhandlungen zur Fests setzung des Kontingents ausländischer Wanderarbeiter für 1930. Die Landarbeiter, vor allem die im Deutschen Landarbeiterverband organisierten, vertreten die Auffassung, daß das neue Kontingent erheblich niedriger sein fann als das für 1929. Für das laufende Jahr hatte man den deutschen Landwirten 114 000 ausländische Wanderarbeiter zugebilligt. Dazu kamen noch über 25 000 ausländische Arbeiter, Inhaber eines sogenannten Befreiungsscheines, der jedoch nur zur Arbeitsannahme in der Landwirt schaft berechtigt. Die Gesamtzahl der ausländischen Banderarbeiter, die in diesem Jahr in die Landwirtschaft strömten, betrug mehr als 139 000. Das ist viel zu viel, wie die Feststellungen der Arbeitsämter deutlich zeigen. Wir haben genügend deutsche Landarbeiter im Lande. Sie. müssen zu erst beschäftigt werden. Sieht man sich die Angaben der Landesarbeitsämter über die Lage des landwirtschaftlichen Arbeitsmarktes an, dann muß man sogar zu der Auffassung kommen, daß selbst in den Zeiten des größten Bedarfs in Deutschland noch zu Danach viel deutsche Landarbeiter vorhanden waren. waren Anfang August 21255 männliche und 4071 weibliche arbeitslose Landarbeiter, also insgesamt 25 326 arbeitsuchende deutsche landwirtschaftliche Arbeitskräfte vorhanden. Besondere Zurüdhaltung ist bei der Zuteilung ausländischer Landarbeiter nach Pommern am Playze. Den Anlaß dazu haben in diesen Tagen die pommerschen Landwirte ſelbſt ge= geben. Sie haben bis jetzt über 1000 deutschen Land= arbeitern gekündigt, in der Hauptsache Leute, die auf verbindlich erklärter Schiedssprüche zustehen. Sie müssen für Zahlung der Lohnsäge bestanden, die ihnen auf Grund ihre Rebellion gegenüber einwandfreien Entscheidungen der Arbeitsgerichte, für die hochmütige und brutale Art, in der sie die Durchführung der für verbindlich erklärten Schiedssprüche hindern, einen Dentzettel bekommen. Sollen die grünen Anarchisten in Pommern für ihr Treiben bei der Festsetzung des Ausländerfontingents noch belohnt werden? Eine solche Belohnung wäre die Erfüllung ihrer Forderung auf 20 000 ausländische Wanderarbeiter. Nicht ein einziger ausländischer Wanderarbeiter dürfte ihnen, streng genommen, bewilligt werden. Keine fremde Arbeitskraft, solange sie nicht die Kündigung zu rudnehmen und die Schiedssprüche durchführen. Wer die einheimischen Arbeitskräfte zu Tausenden auf die Straße wirft, hat fein Recht, fremde zu fordern. Achtung, Tabafarbeiter! Die Opposition hat zu heute, Dienstag, eine Versamm fung einberufen Sie will darüber beschließen lassen, ob der refor mistischen Gewerkschaft noch weiterhin Beiträge gezahlt werden. Die Verbandsmitglieder werden darauf aufmerksam gemacht, daß es sich hier nicht um eine Versammlung des Verbandes handelt. gliedsbuch abzugeben, wie es in der Einladung verlangt wird. Insbesondere möchten wir unsere Mitglieder warnen, ihr MitDen Mitgliedern wird in den nächsten Tagen in Betriebsversammihren Radau vereitelte. lungen der Bericht gegeben, dessen Erstattung die Opposition durch Deutscher Tabatarbeiterverband, Zahlstelle Berlin. überfüllten Saal der Pharus- Sale in der Müllerstraße sprachen Die Werbeaffion in den Berkehrsbetrieben hat eingesetzt. Im por den Verkehrsarbeitern des Bezirks Wedding Genosse Emil Barth über die Stadtverordnetenmahlen und Genosse Hille, Sektionsleiter im Verkehrsbund, über den Stand der größere Anzahl neuer Borwärts"-Abonnenten geben Zeugnis für den ausgezeichneten Berlauf der Versammlung. Beide Referenten der Verkehrsarbeiter. sprechen im Laufe der nächsten Tage in fünf weiteren Berjammlungen Forderungen im Braunkohlenbergbau. Lohnbewegung. Mehrere Aufnahmen für die Partei und eine 3m mitteldeutschen Revier. Die Arbeiterorganisationen für den Braunfohlenbergbau haben dem Arbeitgeberverband am 25. Oktober die Kündigung des 2ohntarifvertrages übersandt. Dem Kündigungsschreiben wurden folgende Forderungen beigefügt: 1. Erhöhung der tariflichen Durchschnittslöhne aller Lohnreviere unter besonderer Berücksichtigung der Löhne der Jugendlichen und Arbeiterinnen um 1 m. je Schicht. 2. Berringerung der Spanne zwischen Kern- und Randrevieren auf 10 Broz. 3. Streichung der Lohngruppen E X und E XI sowie der Bon und Bislöhne. 4. Aenderung der Lohnklaffentafel. 5. Hirschfelde wird dem Kernrevier I zugeteilt. 6. Gewährung von unbezahltem Urlaub bei Kursusteilnahme. Lohnbewegung im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau in ein afutes Mit der Ueberreichung der genannten Forderungen tritt die Stadium. Die Belegschaften haben nunmehr zu zeigen, daß sie geschlossen hinter den Forderungen ihrer Organisationen stehen. Bergmann Seestraße! Mittwoch, 16 Uhr, bei Rroll, Utrechter Ede Hennigsdorfer Straße, wichtige Frattionsverfammlung. Bollzähligen Besuch erwartet Der Fraktionsvorstand. Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Arbeitnehmer des Magistrats Berlin( Zentralverwaltung). Bersammlung aller sozialdemokratischen Arbeiter, Angestellten und Beamten der Stadt Berlin am Freitag um 19% Uhr in Haverlands Festfälen, Neue Friedrichstr. 35, Eingang Rochstraße( Bahnhof Alexanderplaz). Es spricht Genosse Stadtverord neter Saß über das Thema: Die Bedeutung der Kommunalwahlen filr die städtischen Arbeiter, Angestellten und Beamten". Erscheinen aller bei der Stadt( einschließlich Bezirksämter) beschäftigten Vartei genoffen ist bei der Wichtigkeit der Veranstaltung Pflicht. Sympathifierende find ebenfalls eingeladen. Deutscher Solzarbeiterverband, Bodenleger! Bersammlung am Mittwoch, dem 30. Ottober, 17 Uhr, im Verbandshaus, Rungeftr. 30. Tagesordnung: Bericht über die Lohnverhandlung. Freie Gewerkschafts- Jugend Berlin. ADGB.- Kundgebung im Saargebiet. Draanitation der Arbeitsämter" Gewerkschaffen zum Reparationsproblen.. Saarbrüden, 28. Oktober. Die Ortsausschüsse des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes hatten am Sonntag eine Konferenz der freien Gewerkschaften nach Saarbrüden einberufen, die stark besucht war. und Bezirksleiter Julius Schwarz vom Verband der BergbauEngelbert Graf sprach über das Reparationsproblem, industriearbeiter behandelte die Frage der Saarrüdgliede. rung. Nach einer fachlichen Aussprache wurde eine Entfchließung angenommen, in der es u. a. heißt: ,, Die am 27. Oftober in Saarbrücken tagende Bezirksfunktionär tonferenz des ADGB. des Saargebietes begrüßt die im Intereise des Weltfriedens gelegene Berständigungspolitik zwischen Frankreich und Deutschland und die damit verbundene Räumung des besezten Gebietes und die Verhandlungen über die Rüdgliederung des Saargebietes. Die Konferenz bringt zum Ausdruck, daß die Saarverhandlungen jedoch nur zur Befriedung beider Völker bei ragen, wenn das Saargebiet restlos unter Reichs- und die Saargruben unter preußisch- bayerische Berwaltung zurüdgegeben und die wirt schaftlichen Interessen beider Staaten durch Handelsverträge berüc Seute, Dienstag, 19% Uhr, tagen folgende Gruppen: Spandau: Gruppenheim, Städt. Jugendheim, Lindenufer 1. Liederabend. Frankfurter Allee: Städt. Sugendheim Litauer Str. 18. Bortrag: Die" Ren- Lichtenberg: Jugendheim Gunterftraße 43. Bortrag: Die rumänische Gemertschaftsbewegung". Bandsberger Blog: Jugendheim Dieftelmenerstr. 5. Wir sind in der Gruppe Frankfurter Allee. Lichtenberg: Jugendheim Doffeftr. 22. Vortrag: Was geht in der Arbeitslojenversicherung vor?" Treptow: Gruppenheim, Schule Wilden bruchstr. 53-54( Sortzimmer). Wir lefen aus Jad Londons Werken. Sumboldt: Jugendheim Graun. Ede Lorkingstrake. Lichtbildervortrag:„ Urfere Streufandbüchse". Mariendorf: Jugendheim Mariendorf, Dorfstr. 7( Alte Schule). Bunter Abend, Jugendoruppe des Zentralverbandes der Anaeftellten Heute, Dienstag, finden folgende Beranstaltungen statt: Lichtenberg: Jugendheim Gunterstr. 44. Bortrag:„ Ein Arbeitstag im Barlament". Referent: Wilhelm Lewinstt. Nordwest: Jugendheim Lehrter Str. 18-19. Bortrag: Unternehmungen der Arbeiterschaft: Voltsbühne, Konsum, Arbeiter bant". Referent: Heinz Mann. Uebungsabend des Sprech- und Bewegungschors ab 20 Uhr in der Turnhalle der Schule Baruther Str. 20. Hallenschuhe mitbringen. Berantwortlich für Politit: Dr. Curt Geyer: Wirtschaft: G. Klingelhäfer; Gewerfichaitsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: R. H. Döscher; Lokales Berlag: Forwärts- Berlag G. m b. 5. Berlin und Sonstines Frik Raritädt: Anzeinen: Th. Glode: fämtlich in Berlin. Drud: Vorwärts- Budbruderei und Berlagsanstalt Ban! Singer u. Co., Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". Nehmen Sie rechtzeitig Reichels Huftentropfen, die fofort Die Uebergangszeit ist für Ihren Hals besonders gefährlich. schleimlösend und reizmilbernd wirken. Fl. Mr.-, 80 und 1,50 in Apothefen und Drogerien erhältlich, aber echt mir mit Marte Medico". Nr. 507* 46. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts OienSkag, 29. Ottober 4929 Das 17. und 18. Jahrhundert kennzeichnet sich durch höfischen Prunk, der auch für das reiche Bürgertum maßgebend war. Unsere Zeit weiß nichts mehr von diesen Dingen; ihr Aeußeres beruht aus anderen wirtschaftlichen Borausseßungen Damals bekleidete man die Wände von Prachtzimmern mit herrlichen gewirkten Bild- gobelins. heute genügen auch Papiertapeten mit geschmackvollen Mustern. Di« Rest« von jener Pracht kann man nur noch in Museen bewundern, wo sie— wie auch auf jeder Kunstaktion— die Freude des Fachmanns erregen. Denn die Beurteilung der alten Gobelins bedingt ein großes Kunfwerständnis wie sie auch nur durch viel Fleiß und in jahrelangem Mühen hergestellt werden tonnten. Trotzdem wurde gerade diese schwierige Arbeit nieist von armen Frauen verrichtet. Die königlichen oder biblischen Szenen und auch die galanten Liebesszenen, die auf den Bildern dargestellt sind, möge« mit unzähligen Tränen und Seufzern gewebt worden sein. Altberliner Kunstgewerbe. So mrr ist es verständlich, daß in Deutschland die Gobelin- weberei nvn schon fast ZOO Jahre nicht mehr betrieben wurde, obwohl sie vorher ebenfalls eine Blüte hatte, die bis zur Gotik hinab zu verfolgen ist. In Frankreich aber webt man noch an den berühmten Orten der Jahrhunderte alten Manufakturen weiter; hier sind jedenfalls noch billige Arbeitskräfte vorhanden. Bor etwa 40 Fohren glaubte der Besitzer eines Berliner StickereigeschSftes, W. Ziefch, diese vornehme Art der Kunstweberei wieder auf- nehmen zu müssen. Nach jahrzehntelangen Versuchen war es ihm gel>;ngen, die alte verlorengegangene Technik der bildmäßigcn kjimbwcbfTCi so zu vervollkonnnncn, daß seine Erzeugnisse den alten Originalen glichen und die Arbeiten auf der Berliner Ge- Werbeausstellung 1896 Bewunderung erregten. Diese eigenartige Werkstätte existiert noch; ja, sie befindet sich noch i» vollem Betrieb, wenn auch' unter anderen Voraussetzungen als zurzeit ihrer Gründung. Wenn man den Berliner Südosten besucht, so fällt die etwas iteljleniene Gediegenheit ins Auge, die von den Häusern und den Gas chättsinhaibern ausgeht. Hier sitzen noch die ältesten Berliner Han dw« r kersa m il i e n und man trifft manches Berliner Original. Hier, am Bcthanieirufer, ist auch die Firma W. Ziefch u. Co.,„früher Hof-Kunstwebcr", zu finden. Durch«inen bohen Haiistorbogen gelangt man in einer,, freien Hof, auf dessen Rückseite sich ein dreistöckiges Alelicrgebäude befindet. In den Ge- jchästs- und Lagerräumen ein Parterre ist wohl seit Bestehen kein Möbel and kein Stuhl verändert worden. Alles spricht vom stillen Geist vergangener Zeiten. Man hat mehr das Gefühl, als ob man in ein Museum tritt, dessen Zlbstellrämne ein buntes Durcheinander zeigen. An den grauen Wänden hängen verstaubte Kartons mit kiinstlerischem Darstellungen, die aber eine solche technische Voll- «ndung verraten, daß man trotz des veralteten Sujets ungemein gefesselt wird. In den Lagerräumen nebenan sieht es aus, als hätten die Packer eben die Teppiche zusammengerollt. Ucker Kisten und Stellagen liegen und hänge» die kostbarsten farbigen wand- leppiche und überall sind wieder Kartons in Riesenausmaßen auf- gehängt, die mit Kohlestift oder in Farbe getönt, sonderbare Bilder von jagenden Rittern, von Königen auf Pferden mit Gefolge oder Städtebilder darstellen. Kleinere Stücke unter Glas und Rahmen sind gemalte Kopien berühmter wertvoller Kunftwirkereien aus der Gotik und der Renaissance, die der Besitzer, als er die Stücke zur Reparatur erhielt, zu seiner eigenen Freude genau abkopieren ließ. Die Arbeit der Restaurierung, Im ersten Stock ist es dafür viel l>ustiger. Hier ist wenigst«»« Leben, wenn auch ein wenig gedämpft. An langen Arbeitstafeln fitzen fleißige Stickerinnen, und Männer in weißen Kitteln gehen umher. Sonderbare aufrechtstehende Webstühle springen hin und her. In diesem Arbeitsraum werden die Gobelins hergestellt. Es sind keine neuen, denn Aufträge aus neue Gobelin» gibt niemand mehr, obwohl das sehr zu � bedauern ist. Wie man in früheren Zeiten Ereignisse, Sitten und bestimmt« Feste in einem Hand- gewirkten Bild festhielt, das an sichtbarster Stelle eines Rathauses oder auf dem Schloß aufgehängt wurde, so könnte vielleicht auch unsere Zeit Ereignisse in dieser würdigen Form eines dauernden Dokuments für die Nachwelt überliefern. Aber da spielt wohl auch der Kostenpunkt«ine große Rolle. Man beschränkt sich in dieser Werkstatt inehr auf das„Restaurieren" alter Gobelins für Museen und Kunsthändler. Meist sind gerade die wertvollsten alten Stück« in einer Verfassung, dckß man sie nicht mehr als Bild, sondern als Lappen ansprechen muß. In Unkenntnis ihres Wertes hat man sie, nachdem sie von Motten oder Staub zerfressen waren, aus den Kirchen und Schlössern genommen. Wandteppiche von ZO bis 50 Ouadratmekern sind oft bis auf wenige gute Teile verdorben und hängen nur noch lose in ihren Ketten; die Zeichnung auf dem Beim Stopfen eines alten Gobelins. Grund der Kette ist nur noch schwach in den Konturen erkennbar. Aber sin Kenner hat den hohen Wert des Stückes festgestellt, und ei» Künstler Hot aus den Fragmenten die Zeichnung' wieder er- gänzt. Auf weißem Karton wird mm das ganze Bild genau kopiert, bis auf die Zahl der Kettenfäden muß dos Maß scharf stimmen. Auf einem zweiten Karton wird das Bild dann farbig ausgelegt. wobei die Farben von den noch erhaltenen Resten bestimmt werden. Der zerrissen« Gobelin wird auf langen oder ausrechtstehenden Rahrnentaseln wie ans einem sti et rahmen aufgespannt. Der sackige Karton wird auseinandergeschnittcn und die Stickerin erhält nun einen Teil der Zeichnung, z. B. den Fuß eines Pferdes. Eine andere ackeitet an der ornamentalcn Bordüre. Zuerst werden die zerrissenen Kettenfäden neu geknüpft, dann werden sabriae Fäden um diese Kette geschlungen und mit dem Kamm angedrückt� so daß die Kette vollständig bedeckt ist. In nimmer ermüdender Geduld schlingen die fleißigen Hände der Arbeiterinnen Faden an Faden. Andere sind unterwegs vom Tisch zu dem großen Wandschrank, wo hinter Glas viele Tausend« von Wollzöpsen in allen Farben liegen, wobei jede Farbe in allen Nuancen vertreten ist. Immer bei jedem einzelnen Faden, der oft nur milliineterweisc Anwendung findet, vergleicht das Aug« und die Hand die Farbe mit der Vorlage, eine mühevolle, unsagbar kunstvolle Arbeit. Wie der Maler aus seiner Palette die Farben mischt, muh hier die gelernte Arbeiterin im gefühlsgemäßen Emleben die richtige Form und Farbe bestimmen, denn Awischentöne und Schattierungen sollen den Figuren plastisches Leben verleihen. Zuletzt, weim alle Schäden beseitigt sind, kaim man den Gobelin als neu ansprechen, ein Kunstwerk ist wieder für Jahrhunderte gerettet. Gelbstmord eines Bankiers. Als Flocht vor dem finanziellen Zusammenbruch. Gestern wurde der 46jährig« Bankier Max Eunow im Schlafzimmer seiner Wohnung. Pariser Straße 32. lol ausgesunden. Cunow halte seinem Leben durch einen Schutz in die Schläfe freiwillig ein Ende geseht. Eunow war Mitinhaber der Berliner Bank und der Getreidefirma I. Eunow. Er war verheiratet und bewohnt« in der Pariser Straße eine große, luxuriös eingerichtete Wohnung. Zurzeit ist die Frau des Bankier verreist: ihre Ab- Wesenheit benutzte der Ehemann, um in den Tod zu gehen. In einem an seine Frau gerichteten Abschiedsbrief machte er von seiner schlechtem finanziellen Lag« Mitteilung, so daß er jetzt den einzigen Ausweg darin sehe, zur Waffe zu greisen. Wie es heißt, soll Eunow durch unglücklich« Spekulationen an der Börse große Summen verloren haben. Eunow hat vor einiger Jett bereits einen Selbstmordversuch unternommen, der jedoch miß- glückte. �stekordverkehr im September. 21 Prozent Zunahme bei Stadt« und Vorortbohnen. Aus den Stadt-, Ring- und Borortbahnen wurden— wie die Reichsbahndirektion Berlin mitteilt— im September 42,41 Millionen Personen befördert. Verglichen mit dem gleichen Monat d-'s Vorjahres, der eine Besördeningsziffer von 35,02 Millionen Pc.- sonen aufwies, ergibt sich eine Steigerung von 21,1 Proz. Das ist die stärkste monatliche Verkehrszunshme seit Einführung des elektrischen Betriebes. Gegenüber dem August v. I., in dem 39,47 Millionen Personen die Stadt-, Ring- und Vorort- bahnen benutzten, ergibt sich ein Zuwachs von 7,6 Proz. Die Berliner Verkehrs-A.-G. beförderte mit ihren drei Verkehrsmitteln insgesamt 125,6 Millionen Per- s o n e n; mit diesem Ergebnis wurde die Zahl des September 1928 gleichfalls übertroffen, und zwar um 8,1 Millionen oder 6,9 Proz. Die Straßenbahnen beförderten 79,73 Millionen(im Sep- tember 1928; 77,1 Millionen), die Autobusse 24,26 Millionen (im September 1928: 19,3 Millionen) und die Schnellbahnen 21,6 Millionen(im September 1928: 21,2 Millionen) Fahrgäste. JofäjvxTtcmiromii 15] f fäifdam. IbyarCscßisn CopT'iß� by BUdiergilde Gutcnbcrg. Berlin. „Wir find auf dem Posten!" riefen die Kosaken. Mein Großvater stand auf. Er war auch jetzt noch ruhig. „Gott wird dich strafen. Michael.. „Der straft mich schon seit geraumer Zeit. Georg," und er gab ihm die Hand.„Na, geh nur in Frieden und kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten!" Mein Großvater schied schlecht gelaunt, nachdem er erst noch an mein Bett getreten war. Als er jedoch sah, daß ich mit geschlossenen Augen unter der Decke lag, schloß er die Türe auf den Fußspitzen hinter sich. Als er fort war, wurden die Kosaken lebhafter. Andreas Pitor winkte Schweigen. „Ahnt dieser Georg etwas?" „Ich schätze ja," antwortete Joses Paczal vom Kamin her.„ich glaube, daß dieser Lümmel, der hier im Bell liegt, ihm einiges erzählt hat..." „Der Kerl hat feine Strafe erhalten," jagte der Ober- kosak.„Nun. und wenn sie es erfahren? Fürchten wir uns denn etwa?" Er stellte sich in die Mitte des Zimmers, in hochmütiger Haltung, während er auf seine verwundeten Krieger herab- „Fürchten wir uns denn? Auf wessen Seite ist das Recht?".- Die Kosaken antworteten gleichzeitig: „Wir fürchten uns nicht! Denn wir find im Recht!" Alle hatten bereits ihren Lohn erhalten. Der Oberkosak steckte seine doppelte Gebühr in die Tasche und gab Josef Paczal einen Gulden. Im alles verdeckenden Qualm saßen die Kosaken kriege- risch da. einzelne lächelten mit großer Ueberlegenheit, ander« rekelten sich in ihren Stühlen oder wärmten ihre breiten Schultern vor Sem Kamin. Sie tranken, rauchten. Der Oberkosak setzte sich wieder aus den Ehrenplatz und es folgte ein kurzes Schweigen. Und da sie ihre Zähne aufeinanderpreßten, zeigten die Pfeifen- stiele nach oben, so, daß des Oberkosaken Pfeife zu sprühen begann und die Funken durch die Löcher des Deckels auf seinem fetzenumwundcnen Schädel niederzischten. Er kümmerte sich nicht darum. Andreas Pikor ergriff das Wort: „Und jetzt würde ich gerne wissen, wie diese Sache mit den Gendarmen oerlief?" „Wie sie verlief?" fragte der Obcrkosat aufgeblasen zu- rück und sah bewundernd von einem seiner Leute auf den anderen.„Wie gewöhnlich. Sie fielen uns an, wir warfen sie nieder...", Freilich, freilich: Die Kosaken hatten es leicht, denn sie hielten zusammen. Aber wer hätte es auch gewagt, sich ihnen ernsthaft zu widersetzen?! Die Gendarmen versuchten es, aber sie zahlten ordentlich drauf. Ich vernahm, unter der Decke liegend, zitternd vor Angst, wie dieses letzte Abenteuer verlaufen war. Die Kosaken hatten in einer unwirtlichen Ecke der Verhovina die Waldrodung übernommen, in irgendeinem staatlichen Forst und in ihrer Nachbarschaft fällten die Rußnyaken die Bäume. Nachdem sie die übernommene Arbeit ausgeführt hatten, wollte ihnen der Oberförster nicht mehr zukommen lasten, als den Rußnyaken. Die Kosaken vertraten den Standpunkt, daß die Abmachung vor Uebernahme der Arbeit eine andere gewesen sei und daß sie im übrigen auf die Rußnyaken pfiffen. Hier begann die Meinungsverschiedenheit in erster Linie natürlich mit den Rußnyaken. Bon beiden Seiten blitzten die Aexte, aber der Oberkosak und seine Leute lachten nur über die Un» Verschämtheit der Rußnyaken. Sie traten sie mit den Stiefeln vor den Hintern, daß sie den steilen Berg in Windeseile hinabfuhren. Drunten im Tale kam irgendwie die Nachricht auf, daß die Kosaken gegen den Oberförster, gegen alle Herren «nd gegen den Staat revoltierten. Der Oberförster bat um Hilfe zur Niederlegung des Streiks. Dann kamen die Gen- darmen. Ach, wären sie nur nicht gekommen! Denn die Kosaken gingen ihnen entgegen... Mit Aexten und Kipfen. Der Alte mit der Deichsel, wie gewöhnlich, und er brüllte weitschallend: Um die Ehre, Kosaken! Dann kämpften sie! Di« Gendarmen wurden arg bedrängt, aber auch von den Kosaken rann das Blut. Sie rangen bereits zwei Stunden hochdroben am Berg im Schnee. Das Blut strömte aus den Kosaken, ober auch Gendarmen lagen und jammerten schon acht an der Zahl. Josef Handura wurde ins Bein geschosten, ein anderer Kosak erhielt einen Stich in den Nacken und die Verhovina dröhnte vom großen Geschrei. Der Oberkosak schwang seine Deichsel immer im dichtesten Haufen: Um die Ehre, Kosaken! Sein Haar war schon blutig, denn er hatte schon etwa vier Kolbenhiebe auf den Kopf erhalten, aber der Alte ließ nicht locker. Als ihm das Blut in die Augen rann, schlugen ihn die Gendarmen von hinten nieder, legten ihn in Ketten und warfen ihn gefesselt auf einen Wagen. So brachte man ihn vor den Oberstuhlrichter... Der Oberkofak schnaubte einmal kräftig: „Nun, sie stecken mich ins Loch, das ist nicht zu leugnen. Aber als sie mich vor den Richter brachten, sagte ich ihm offen ins Gesicht, daß wir nicht streiken, daß wir nur die Bezahlung forderten, die uns gebührt. Na," und er sah sicgesfroh van einem zum anderen,„und was war die Folge? Der Richter sagte, das Recht sei auf unserer Seite, wir erhielten den vollen Lohn und jetzt sind wir hier!" „Und wegen der Gendarmen wird es keine Folgen geben?" erkundigte sich Andreas Pikor vorsichtig, der wegen seiner schwachen Beine nicht mehr an den Unternehmungen der Kosaken teilnehmen konnte, aber— als pensionierter Kosak— stolz auf das Verhalten seiner Freunde war. „Wegen der Gendarmen?" fragte der Oberkofak zurück. „Das ist möglich. Sie haben dort unsere Namen gründlich in ein großes Buch eingetragen, wir werden unsere Zeit ab- sitzen, wenn es vot Gericht kommt. Aber wir haben ihnen wenigstens gezeigt, wer wir sind.. ,. Habe ich recht?" Und seine alten Augen blitzten vor Freude. Die Kosaken nickten beifällig. Der Oberkosak hielt einen Finger hoch. Gleich em,,und Schweigen. „Wir werden auch mit Brugos abrechnen, mit diesem Gewürm, wenn wir zueinanderstehen. Denn viele haben sich schon gegen uns oerschworen und es folgen vielleicht schwere Z.eiten für uns.. Alle murmelten beifällig und tranken auf den Alten und auf die Einigkeit. Im beißenden Qualm wuchsen ihre Gestalten und sie schienen größere Menschen zu sein als gewöhnliche Sterbliche. ... Nach einer langen, langen Weile wachte ich auf und hörte, wie sie die Herren schmähten und beschimpften. Um diese Zeit wankten sie bereits vor Trunkenheit. Und torkelnd, mit schweren Füßen, taumelten sie in die Nacht hinaus. Der Oberkosak blieb in der Stube allein. (Fortsetzung folgt.) Gegen die Schulzerstörer! Verbrecherische Erpressermethoden der Kommunisten. fm 19. Oktober berichtete der„ Abend" ausführlich und fachlich über die Diphtheriefälle in der 223. Gemeinde shule. Es wurde nachgewiesen, daß der Leiter der Schule, unser Genosse Hennice, alle auch nur möglichen Maßnahmen gegen genügte nur seinen Pflichten als Leiter der Schule, wenn er hier gegen einschritt. Einige der kommunistischen Lehrer aber nerfuhren so: Der Schulamtsbewerber Erwin Klest läßt seine Kinder im Unterricht ein„ Lumpenlied" fingen, das wie folgt beginnt: ,, Kein Lumpenpad, auf das der Bürger speit." Derselbe Herr Klest schloß seine Rede bei der Schulentlassungsfeier seiner Stlasse mit den Worten: Haupthahn am Gasmesser im Keller nicht geschloffen mar, una durch Unbekannte der unmittelbar am Gasofen befindliche Hahn ganz oder teilweise geöffnet worden ist, fonnte das Gas ungehindert in den Saal hineinströmen. Die von den Gaswerfen vorgenommenen Ermittehimgen haben weiter ergeben, daß Gasleitung und Gasofen in Ordnung sind, so daß das Ausströmen des Gases nur auf ein unbefugtes Deffnen des Hahnes am Gasofen zurüdgeführt werden kann. Der Gasofen ist schon seit vielen Jahren Schäden niemals bemerkbar gemacht. in Betrieb und es haben sich bisher irgendwelche Mängel oder die Bermehrung der Krankheitsfälle seinerzeit ergriffen hatte. Schlips am Hals, fein Geld tim Sad. Bir find ein schäbiges Keine Urkundenfälschung im Gefängnis. " Wenn die Kommunisten jetzt in der Roten Fahne" schreiben, die erfolgte norübergehende Beurlaubung des Genossen Hennicke jei ein Beweis für seine Schuld, so sprechen sie die bewußte Inwahrheit. Das Ziel der Mosfaujünger ist, Reftor Hennide unter allen Umständen von der Leitung der Schule zu entfernen. Mit welchen Methoden dabei gearbeitet wird, zeigen wiederholt erpresserische Drohungen, den Rektor„ talt zu machen". So heißt es in einem Briefe: و" Herr Hennide, wir raten Ihnen und Herrn Lange, gehen Sie beide freiwillig, soust passiert ein großes Unglüd. Sie können bzw. werden falfgemacht..." " Dieses Treiben gab in erster Linie dem Genessen König vom Brorinzials hulkollegium Veranlassung, Rektor Hennicke nahezulegen, bis zur endgültigen Erledigung der Untersuchung Urlaub zu nehmen, Mit dem Geschrei von dem Sturz der Säule der Sozialdemokratie", den die Rote Fahne" jest anstimmt, ist es also wieder einmal nichts, In einer Sigung der beteilgien Personen am 21. Oktober 1929 ist nochmals ausdrüdlich festgestellt worden, daß gegen den Reftor der 223. Gemeindesdule teinerlei Vorwürse erhoben werden können. Doch um die Gesundheit der Kinder geht es den Kommunisten nicht, es geht ihnen lediglich um die Beseiti gung des Genossen Hennice. Und warum? Weil er die fommu= nistische Parteiagitation des Elternbeirats und eine fommunistisch anarchistische Belle im Lehrerfollegium lahmgelegt hat. Für die Tätigkeit der fommunistischen Mitglieder des Elternbeirats ein Beispiel: Anfäßlich einer Ausstellung in der Turnhalle der Schule im Dezember des vorigen Jahres schmückten sie den Raum mit zahlreichen Fahnen der KPD. und des Rotfront tämpferbundes. Das durfte Rektor Hennicke nicht dulden. Er ,, Und ich erwarte von Euch, daß Ihr bei der kommenden prolelarischen Revolution auf den Barrikaden die ersten seid." Der Füllfederhalter Dr. Punges. Die Justiz preffe stelle teilt mit: In der Straffache Silaret war der Berdacht entstanden, daß zwei von einem Beschuldigten überreichte Urfunden, die ein Datum aus dem Jahre 1927 trugen, von einem der Brüder Stlaret nicht zu diesem Beitpuntt, sondern erst fürzlich, wahrscheinlich erst im Gefängnis, ausgestellt worden seien. Zur Prüfung dieses Verdachtes war es erforderlich, alle die Füllfederhalter and Tinten zu untersuchen, mit denen möglicherweise die vermutlich unrichtige Urfunde im Gehatte Rechtsanwalt Punge seinen Füllfederhalter freiwillig ausgebändigt. Die Nachprüfung der Tinte dieses Füllfederhalters durch den Sachverständigen Prof. Dr. Brüning hat jetzt ergeben, daß sie nicht dieselbe Zinte ist, wie die für die Herstellung der genannten Urfunden verwendete. Die chemische Untersuchung der von Rechtsanwalt Bunge ohne Wissen der Gefängnisverwal tung eingebrachten, Gegenstände hat nichts für Rechtsanwalt Bunge Belastendes ergeben. Ein anderes Mitglied des Lehrerfollegiums, Fräulein M., fah ihre Aufgabe darin, die Kinder während der Unterrichtsstunden zum Grabe Karl Lichtnechts zu schiden. Die Konrettorin, Fräulein Rupert, erklärte eines Tages, als ein Mädchen fragie, ob sie nicht des Todes des ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert gefängnis hergestellt sein konnte. Zur Unterstützung dieser Prüfung benten wolle:„ Wir feiern nur die Arbeiterführer, die cines gemalt famen Todes gestorben sind." In ähnlichem Sinne arbeiteten auch Schulamtsbewerber Zill und die Lehrerin Fräulein Lutter. Wie wir erfahren, waren diese Borfommnisse dem damaligen Direktor des Provinzialschulfollegiums befannt. Unseres Erachtens wäre feinerzeit ein energisches Durchgreifen der Behörden dosu angeban gewesen, die fommunistische Agitation in: Reime zu erstiden. Da das unterblieb, konnte bei den Kommunisten der Eindruck entstehen, daß Reftor Hennice nicht in Erfüllung seiner Amtspflichten, sondern lediglich in privater Stellungnahme handelte, als er die fonimus nistische Agitation unterband. Jetzt richtet sich die But ter KPD. gegen Hemmide und die übergroße Mehrheit des Lehrerfollegiums, die ihn bei seinen Maßnahmen, die im Interesse der Schule und der Kinder erfolgten, unterstützt hatten. Es ist nicht das erſtemtal, daß verantwortungslose Kommunisten Kinder für ihre Parteigeschäfte mißbrauchen. Wir wissen natürlich nur zu genau, daß der Kampf dieser Parteifanatiker lediglich darauf gerichtet ist, den Sozialdemokraten Hennide zu treffen., weil sie die 223. Gemeindeschule zu einer Zelle ihrer boljchewiftischen Agitation- machen möchten. Jugendhaus Kreuzberg. Eine vorbildliche Stätte der Jugendwohlfahrt. Sm Berwaltungsbezirt Kreuzberg ist jetzt das Jugendhaus Kreuzberg auf dem Bezirksamtsgrundstück Yordstraße 11 fertig ausgebaut. Bei einer Besichtigung, die das Bezirksamt für die Bezirkskörperschaften und für Frauen und Männer aus der Jugendwohlfahrtspflege des Bezirks am Montag veranstaltete, tonnie man an dem gelungenen Wert seine Freude haben. Das alte Fabrikgebäude, das zum Jugendhaus umgestaltet worden ist, hat das nicht schöne Aeußere noch behalten müssen. Aber das Innere macht bei aller Einfachheit der Ausstattung einen so freundlichen Eindruck, daß dieses Jugendhaus wie ein Schmud tä st chen wirft. Die Ferligstellung des Lehrlingsheims, das am 1. November eröffnet wird, ist der Schlußstein des ganzen Bertes. Eröffnet wurden in diesem Haus bereits im Februar 1927 trippe und ein Montessori- Kindergarten, im Juli ein Jugendheim, im Februar 1929 eine Säuglings 1929 eine Säuglingsfürsorgestelle. Vom Säugling bis zunt Lehrling werden im Jugendhaus Kreuzberg alle betreut. Alle Formen jugendfürsorgerischer Arbeit findet man hier, gesundheitliche, erzieherische und wirtschaftliche Fürsorge. dem Kriege hatten, versäumt hat. Was damals unterlassen dem Kriege hatten, versäumt hat. Was damals unterlassen wurde, muß jezt in der Zeit drückenden Geldmangels unter großen Schwierigteiten nachgeholt werden. Bei der Besichtigung der einzelnen Abteilungen, die in dem Jugendhaus untergebracht sind, äußerten die Besucher immer wieder ihre Befriedigung und Freude über die Schönheit und Zweckmäßig feit des hier Geschaffenen. Die Säuglingstrippe( Liege- und Lauffrippe) tann 21 Säuglinge und 22 Kleinkinder aufnehmen. Gärten zu Liegeturen in Luft und Sonne und zum Spiel im Freien sind vorhanden. Der Montessori- Kindergarten nimunt 30 Kinder auf. Auch sie werden im Freien spielen fönnen. Die Inanspruchnahme der Säuglingsfürsorgestelle ist so start, daß ihr im September rund 1100 Kinder zugeführt wurden, 426 Säuglinge und 672 Kleinkinder. Das Lehrlingsheim hat Raum zur Unterbringung von 29 Lehr: heim, das jetzt drei Räume benutzt, ist eine spätere Erweiterung lingen, denen es das elterliche Heim ersetzen soll. Für das Jugenddurch Anbau geplant. Das Gasunglück im Tanzfaal. Eine Erfläruna der Städtischen Gaswerke. Das Befinden der bei der Gasausströmung in den Germaniajälen ertranften fünf Personen, die im Birchow- Krankenhaus daniederliegen, hat sich soweit gebeffert, daß teinerlei Gefahr mehr besteht. Die Erkrankten werden jedoch noch einige Tage im Krankenhaus verbleiben müssen. In seiner die Gäste begrüßenden Ansprache wies Bürgermeister Genosse Dr. Herz auf diese in dem Jugendhaus verwirklichte Zusammenfassung der Jugendwohlfahrtsarbeit hin. Er betonte, daß die Bezirksförperschaften mit einer gewissen Genugtuung auf das jetzt jertige Bert blicken können. In dieser Zeit der Skandale solle man nicht übersehen oder vergessen, was in der Gemeinde Berlin auf dem Gebiet fozialer Arbeit in ehrlicher and treuer Pflichterfüllung geleistet wird. Nie mand habe Anlaß, sich die Freude an der Mitarbeit in der GeVon den Städtischen Gaswerten, die fofort eine meindeverwaltung trüben und den Willen zu solcher Mitarbeit genaue Untersuchung über die Ursachen des Unguides vor= nehmen zu lassen. Der Bürgermeister, schloß mit dem Wunsch, daß nahmen, wird hierzu noch folgendes mitgeteilt: In dem im 2. Stock im Jugendhaus Kreuzberg eine Jugend heranwachsen möge, die, werk befindlichen sogenannten„ Hochzeitsjaal" der Germaniafäle ist ein Gasofen als 3usazheizung zu der vorhandenen umflossen von Licht, Luft und Liebe, an der Herbeiführung einer besseren Zukunft zu arbeiten vermag. Nach ihm nahm Stadtrat Dampfheizung aufgestellt. Dieser Saal ist fürzlich renoviert worden. Aus diesem Grunde ist der von dem Gasofen zum SchornGenoffe Zachow das Wort, der Dezernent für das Wohlfahrtsstein führende Abzug vorübergehend entfernt und noch nicht wieder wesen des Bezirks. Er erinnerie daran, wieviel auf dem Gebiet angebracht worden. Der Gasofen ist, wie ausdrücklich festgestellt sozialer Arbeit die frühere Stadtverwaltung, die wir vor wird, am Sonntag nicht im Betrieb gewesen. Da der Das Bezirksamt Lichtenberg teilt mit: Gegen Stadt rat Preindl ist vom Bürgermeister des Bezirks ein Diszipli narverfahren beantragt worden. Es schwebt aber fein, Ber fahren gegen Stadtrat Stimming, den Stellvertreter des Bürgermeisters oder gegen den Bürgermeister selbst. In dem Disziplinarverfahren gegen Stadtrat Preindl spielen Beschuldigungen gegen Stadirat Stimmning eine Rolle, die unter anderem den Hauslauf des Stadtrats Etinaming zum Gegenstand haben. Entscheidung der Stadtverordneten gefordert. Bei Bürgermeister Scholz fand eine Besprechung statt, die sich mit der Forderung des Oberpräsidenten wegen der Abberufung der Stadtverordneten Bunge, Mühlmann und Rosenthal aus dem Kreditausschuß der Stadtbant beschäftigte. Der Aussproche wohnte auch Stadtverordnetenvorsteher a B bei Zunächst wurde in dieser Sigung der Sachverhalt festgestellt, der der Forderung des Oberpräsidenten zugrunde liegt, worauf die drei Stadtverordneten Bunge, Mühlmann und Rosenthal übereinstim= mend erklärten: Für uns liegt feine Veranlassung vor, das uns von der Stadtverordnetenverfammlung übertragene Amt niederzulegen. Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen unsere Pflicht getan und immer im Einverständnis mit dem gesamten Kreditausschuß gehandelt. Wir wünschen, daß die Stadtverordnetenversammlung über die gestellte Forderung unseres Ausscheidens aus dem Kreditausschußz die Entscheidung fällen foll." Die Geschäfte des deutschnationalen Direktors Die Stadt erleidet feinen finanziellen Schaden. zu der Amtsenthebung des deutschnationalen Direktors Letto w von der Bemag, Berliner, Müllabfuhr A.-G., teilt das Nachrichtenamt der Stadt Berlin mit: T T Zwischen der Bertiner Müllabfuhr A. G. und der Vittoria Part- 2. G. schweben seit längerer Zeit BerhandUnterbringung von Pferden für die Bespannung von städtiſchen lungen über den Ankauf des Grundstücks. Monumentenstr. 33/34, das im Besitz der Bittoria- Part- 2.- G. ist. Das Grundstück dient zur Müllwagen. Bevor die Verhandlungen zum Abschluß famen, hat Direttor Lettow von der Bemag an die Biftoria- Bart.- A.- G. eine Abschlagszahlung auf diesen evtl. zu tätigenden Grundstückstauf geleistet, ohne zuvor die Genehmigung der zuständigen Stellen einzuholen. Bei der regelmäßigen Kontrolle der Geschäftsführung der Bemag durch den Direktor des Stadtreinigungsamtes als Beauftragten des Magistrats sind die unrechtmäßigen 3ahlungen festgestellt worden. Der Beauftragte des Magistrats hat sofort beim Vorfizenden des Aufsichtsrats Anzeige erstattet, der seinerseits sofort eine Sicherung für die Bemag durch die Eintragung einer Sypothet auf das Grundstück Monumentenstr. 33/34 veranlaßte. Der Stadt ist mithin ein Schaden aus der unrechtmäßigen Zahlung nicht erwachsen. Es hat sich außerdem herausgestellt, daß Direktor Lettow auch in einigen anderen schwebenden Geschäften Borauszahlungen ohne Genehmigung geleistet hat. Auch in diesem Falle sind sofort Maßnahmen zur Sicherung der Bemag gegen Schaden getroffen worden. Der Verwaltungsaussauß des Aufsichtsrats der Bemag hat den Direktor Lettow seiner Funktionen als Borstandsmitglied der Gesellschaft enthoben. Beleuchte besser mit innenmattierten OSRAM Lampen OSRAM 220V 40 Befrage die Verkaufsstellen. OSRAM Der Absturz vom Matterhorn. Freispruch der Jugendführer in der Berufungsinfianz. In der Berufungsverhandlung gegen den Zeichenlehrer Behm und Sportstudenten Eichler, die durch Fahrlässigkeit den Tod des Schülers Brahm, der im Juli v. J. vom Matterhorn abstürzte, verschuldet haben sollten, fam die Vierte Straftammer des Landgerichts II jetzt zu einer Einstellung des Verfahrens aus juristischen Gründen. Nach der zweitägigen Beweisaufnahme, in der 21 3eugen und verschiedene namhafte Sachverständige über die Führer: qualitäten der Angetlagten vernommen wurden, beantragte der Staatsanwalt die Berwerfung der Berufung des Angetlagten Behm, der in erster Instanz zu fechs Monaten Gefängnis verurteilt worden war, und gegen Eichler, der Pamals freigesprochen wurde, cine Gefängnisstrafe von einem Monat. Nach längerer Beratung verkündete Landgerichtsdirektor Linde den Beschluß des Gerichts, das Verfahren ein: zustellen. Zur Begründung wurde ausgeführt, daß nach fchweizerischem Recht fahrlässige Lötung ein Delift sei, das nur auf Antrag eines Angehörigen des Getöteten verfolgt werden fönne. Nun hat der Bater des getöteten Schülers, Sanitätsrat Brahm, in jeiner Zeugenvernehmung erklärt, daß ihm an der Bestrafung der Angeklagten nichts mehr läge. Auf ausdrückliches Befragen des Vorsitzenden nahm der Boter den Strafantrag auch formal zurüd Durch diese Tatsache fonnte die in der Schweiz begangene fchrlässige Tötung auch in Deutschland nicht mehr straf redlich verfolgt werden, so daß der Einstellungsbeschluß crfolgen mußte. Die Kosten wurden der Staatstaffe auferlegt. Drei schwere Bauunfälle. Drei Arbeiter schwer verletzt. ten Gestern nachmittag ereignete sich in der Wilhelminen= hofstraße 32 in Oberschöne weide ein schwerer Bauun: fall. Zurzeit wird dort ein Ladenumbau vorgenommen. Durch die Erschütterungen vorüberfahrender Laftfahrzeuge löften sich plötz ich gegen 14.30 Uhr mehrere Bersteifungen und ein Teil ciner massiven Mauer stürzte frachend zusammen. Der Maurer Friedrich Peters aus Fredersdorf wurde von niedersausenden Mauerteilen getroffen und schwer verletzt. Die 31 Silfe gerufene Feuerwehr brachte den Berunglückten in das Elisabeth. Hospital. Ein weiterer schwerer Unfall trug sich auf cinem Bau in der Neuen Promenade 7 zu. Der 23jährige Maurer Ernst Schulz aus der Hermannstraße 7 in Neukölln, der auf einem Gerüst in der Höhe des zweiten Stockwertes beschäftigt war, verlor den Halt und stürzte fopf über in die Tiefe. Sch. erfitt schwere Kopfverlegungen; bewußtlos wurde er durch das Städtische Rettungsamt ins Birchow- Krankenhaus gebracht. Der dritte lnfall ereignete sich an einer Bahnüberführung des Bahnhofs 300. Beim Besteigen einer Leiter stürzte der 3jährige Maler Alfred Meißner aus Buchholz infolge Sprossenbruches aus beträchtlicher Höhe ab. Dem Berungiüdten wurden beide Beine gebrochen. M. fand im AchenbachKrankenhaus in der Wilmersdorfer Straße Aufnahme. Harakiri in geistiger Umnachtung. Ein 81 jähriger Gelbstmörder. Auf eine gräßliche Weise hat am Sonnabend der 81jährige Arbeiter Michael Klomiti in Hirschberg( Kreis Osterode) Selbstmord verübt. Er stieß sich hinter verschlossenen Türen in seinem eigenen Hause ein Schlachtmesser in den Leib und schlitzte sich damit den Bauch auf, so daß die Eingeweide heraustraten. Da ihnt das Schlachtmesser zu stumpf zu sein schien, wütete er mit einem Rasiermesser weiter gegen sich. Der sofort herbeigerufene Arzi Ionnte, nachdem man die Tür gewaltsam geöffnet hatte, dem Unglücklichen nicht mehr helfen, der nach etwa eineinhalb Stunden starb. Der Selbstmördet litt in letzter Zeit an Verfolgungswahn. Eine Zufchrift aus Freidenkerkreisen. Meidet die Versammlungen der Opposition. Uns wird geschrieben: Die Bolichemisten versuchen in der letzten Zeit, da sie die Hoffnung aufgegeben haben, den Freidenferverband zu erobern, einen eigenen Laden aufzuziehen. Das gelingt ihnen nicht in dem Maße, roie sie es erhofft haben, da der Prozentsaz der Eingefangenen selbst in ihrer Hochburg am Wedding gar zu lächerlich gerina ist. Deshalb fuchen fie in der letzten Zeit überall Berjammlungen aufzuziehen und die Freidenfermitglieder mit allerhand Lügen und Berleumdungen gegen die Leitung des Freidenferverbandes aufzuheizen. Zu diesem Zweck findet auch am ntorgigen Abend in Bankom in einem Lofal in der Schloßstraße eine durch Plakate an den Litfaßsäulen inberufene Versammlung der Opposition statt. Dort jucht man die Behauptungen eines Artikels, der am Sonnabend in der Roten Fahne" ftand und die Ueberschrift trug Freidenferbureaukratie broht mit der Hungerpeitsche" weiterzuverbreiten. Der Artikel behauptete, daß der Unterzeichnete in der Gruppenleitersitzung der Freidenter am 18. Oktober folgendes ungereimte Zeug gesagt haben foll: Aue diese Leute, die den Berband herabsetzen, find Gesindel, Lügner, Mameluken. Die hungerpeitfde müßte man gegen sie nehmen. Sie sind Hunde, die, wenn sie nicht parieren, eins übers Fell friegen. M Diese Behauptungen in dieser Form hat sich das Kommunisten blatt aus feinen schmuhigen Fingern gelogen. Sie braucht diefen qufgetragenen Schwindel für ihre Spaltungsversammlungen. Wahr ist, daß in der Gruppenleiterfikung nach einem Bericht über die Werbeveranstaltungen( Umzüge, Bersammlungen und Aufführung der Revue Es werde Licht") von mir und anderen Genossen auf das schärfste die vollendete Sprengung der Moabiter Beranstaltung und der Sprengungsverfuch der Kreuzberger Ver: anstaltung in den Kammerfälen verurteilt wurde. Dabei sind dem Moabiter fommunistischen Gruppenleiter Berg, dem technischen Arbeiter im Liebknecht- Haus", der zweifellos auch den Schwindelbrief zusammengeschmiert hat, schwerste Vorwürfe wegen seiner Intätigkeit und Begünstigung der Versammlungsiprenger gemacht worden.( Das Ausschlußverfahren gegen Berg ist beantragt.) Ich habe dabei die Drahtzieher, die die armen verhetten jungen Menschen nicht zum freien Denken, sondern zum Kadavergehorsam, zur Hundedemut und zu Mameluten erziehen, als Ver= brecher am freien Geifte, an der Solidarität des Brole. tariats gekennzeichnet und zur energischen Abwehr, genau so wie in den Kammerfälen, geraten. Die Ausdrücke Hungerpeitsche" oder hundepeitsche" sind in der Bersammlung überhaupt nicht gefallen, Jene Sorte Bolschemisten, gegen die sich meine ganzen Ausführungen richteten, scheinen aber genau zu ahnen, welche Infirumente für sie die passendsten sind. Carl Hchschold. Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß jeder Sozialdemo frat Bersammlungen fernbleibt, die von gewiffenlosen Heßern lediglich zu persönlichen Berleumbungen benutzt werden. Die nächfte Stadtverordnetenversammlung findet am Donners tag, dem 31. Oftober 1929, ftatt. Der Beginn ist pünktlich um 16% Uhr. Wenn wir Flügel haben. Der Himmel schüttet den Regen. Dieser Himmel, grau und zerknittert mie Badpapier. Aber die Lust ist nicht hart, die Lust ist gelinde, wie ausgehaucht. Aus einem Schuppen flingt Hämmern. Bämm und bämm. So merkwürdig hohl. Und plöglich flafft eine Schiebetür auseinander. Ein dunkles Loch, ausgebranntes Auge, stiert über den verregneten Flugplatz. IDs." ,, Guten Morgen, mein Lieber. In einer halben Stunde gehts In einer halben Stunde. Teufel, das wird ein Hauptspaß. So über Berlin hinwegzufegen, über dieses verregnete Berlin, das noch verschlafen ist. Aber nun erst umziehen. Denn, bei Gott, ich fliege nicht gern mit allem Komfort. Nicht geruhsam zurüdgelehnt in einen Rabinen fessel, die Zeitung vor mir, umgeben von der trauten Sorgfalt eines Luftboys. Wir nehmen eine offene Kiste des Sturm vogels", in der einem noch der Wind um die Nase pfeift. Ppph. Ppph. Frei! Ein Dröhnen und Singen. Nun ab. Vor uns stehen noch Bäume und drohen. Wir springen über sie hinweg. Sehr einfach. Bir tänzeln erst ein bißchen, jegt eine fanfte Berneigung, wir hangen in der Kurve und schon hascht ein Blick nach Berlin, das heranrüdt wie auf einer Drehscheibe. Aber wie sieht dieses Berlin heute aus. Aucs ist verwischt. Unter uns der Potsdamer Platz. Auf ihn zu friecht ein Heer von Raupen, die Straßenbahn. wir flettern, brummt er vor Behagen. Der Motor spricht. Mant muß nur genau zuhören, dann versteht man schon, was er sagt. Sieh: du donnerst durch die Luft. Du hast Flügel und dein Herz bebt. Du siehst die Sonne und unter dir die Erde oder die Wolken. Das Flugzeug schwanft, legt sich in die Kurve, der Wind fällt dich an, und du mußt jauchzen, weil du dich stark fühlst und jung. Weil bu berauscht bist von Lust und Sonne. Mit einem Male erblicken mir wieder die Erde. Die Wolfen verziehen sich. Wir machen fehrt. Unter uns blüht uns alles entgegen. Der glänzende Schienenstrang, eine Rauchsäule, cin See. Bir eilen zurück, zurück nach Berlin, das jezt munter ist, zurüd nach Berlin, das wir schon fühlen, che mir es sehen. Und nun stürzt es uns entgegen. Erst als ein dunkler, vera wischter Fled, der auseinanderfließt; dann fprießen Häuser empor. blinkende Dächer. Es ist als wenn dieses Berlin Fangarme befäße, mit denen es nach uns tastet. Eine Rauchwolfe steigt empor, und noch eine. Berlin, das arbeitsfreudige Berlin feuert erst seinen Salut ab, che es uns in seine Arme nimmt. Wir freisen über dem Flugplatz. Socben steigt eine Berkehrsmaschine empor. Aus dem Westen tommt eine, dann eine aus dem Dften. Bir rollen über die Erde. Wir steigen aus. Aus den Schuppen flingt Hämmern. Ein Auto noht und bringt Fluggäste. Lachend steigen sie in die Maschine, die sie wegträgt, über Wälder, Fiüffe und Berge. In eine jerne Belt. Bir flettern. Berlin stellt sich schräg. Kleine schwarze Bunfte, Fußgänger torfeln durcheinander. Der Tiergarten. Charlottenburg. Im Flugzeug zur Welt gekommen. Noch ein kleiner 2lbstecher gefällig? Nein, bloß meg. Adschüs. Wir flettern. 500, 600. Sjojö, durch die Wolken, durch den Dunft. Das Knattern des Motors verflingt gedämpft. Wir gleiten über den Wolken dahin, über dieses herrliche, zerflüftete Wolfengebirge, auf das aus blauem, so unwahrscheinlich blauem Himmel die Sonne scheint. Wir haben nichts mehr mit euch da unten zu tun. Bleibt allein in eurer verregneten, tristen Landschaft. Bleibt allein. Wir sind frei. Wir fliegen. Und nun erst fühlt man den Pulsschlag des Motors. Dieser Motor singt. Man muß nur genau zuhören. Manchmal, wenn Hy. Wo. New York, 28. Otlober. Wie aus Miami gemeldet wird, ist dort gestern in einem großen Transportflugzeug, das in etwa 400 Meter Höge über der Stadt freiste, ein Mädchen zur Welt gekommen. Man trägt sich mit der Abficht, ihr den Namen Aerogene zu geben. Ein Vortrag Dr. Wynelens. Der Gründer der Freien Schulgemeinde Widersdorf, Dr. Gustav Byneten, bricht in Berlin am Freitag, bein 8. November, abends 8 Uhr, in der Stadthalle( Stadthaus, Klosterstraße), über.Staat und Geist( Seulur/ Justiz/ Erziehung u. a.). Was sagt der Bär? R Josetti ALBUM KON LINON AIMI JOSETTI JUNO Auf der Bilderbörse Andreasplatz" stehen die begehrten Juno-Bilder hoch im Kurs. Der rege Tauschverkehr gibt diesem Stadtbild ein besonderes Gepräge und ist der lebendigste Ausdruck des Jnteresses Aller für: Josetti Juno Berlins meistgerauchte 48 Cigarette Ein Schulmuseum in Nerlm-Itord. Die Stadl Verliu müerhält im Schulhause Stall« schreiberstr. 54 ein Schulmuseum, das besonders für die Lehrerschaft bestimmt ist und Hilfsmittel zu theoretischer Weiterbildung bietet. Ein Schulmuseum anderer Art ist im Schulhause Duuckerfir. 64 entstanden, eine Sa««. lang von Anschauungsmitteln hauptfächlich au» Heimatkunde. Naturkunde. Völkerkunde. Geschichte, geeignet zur Belehrung der Schuljugend und muh Erwachsener an« weiteren Kreisen der Bevölkerung. Di« Hauptmasse der hier zusammengetragenen Gegenstände ist dem G e mei»des chulr et to r Roß zu danken, der vor einer Reihe von Jahren diese Sammelarbeit begann und nachher die ganze Sammlung der Stadt Berlin schenkte. Anfangs war er im Sammeln nur von seinen Schülern unterstützt worden, denen die Sache begreiflicherweise Freude machte. Nach der Uebernahme des reichhaltigen Sammlungsergebnisses durch die Stadt entstand ein„Verein der Freunde und Förderer der Rektor-Roß-Stiftung", der sich die Aufgabe stellte, die Sammelarbeit durch planvolle Mit- Wirkung auszubauen. Am Sonntag feiert« das Museum das fünf- jährige Bestehen, und Rektor Roß selber zeigte bei dieser Gelegen- heit den Gästen, was das von ihm gegründete Schulmuseum birgt. Daß neben vielem Wertvollen auch allerlei belangloser Kram an- genommen werden muß, ist ein Uebelstand, der sich schwer ver- meiden läßt, wenn eine Sammlung aus Hergabe von Geschenken rechnet. Es droht da immer die Gefahr, daß das Museum zu einem Raritätenkabinett wird. Die Mitwirkung eines Vereins von För< d«ern erleichtert aber die Aufstöberung manchen Gegen- ftandes, der wert ist. erhalten zu bleiben. Wie uioles mag, rwHl den Wert niemand ahnt, achtlos beiseite geworfen werden und vielleicht im Müllkasten enden! Unter den Kriegs« andenken, an denen es in diesem Museum gleichfalls nicht fehlt, finden wir auf schwarzweißrot umrghmtem Plakat den Aufruf, mit dem Wilhelm II. bei Kriegsausbruch das deutsche Volk mahnt«, in die Kirche zu gehen und zu beten. Es ist gut, daß man auch so etwas gesammelt und öffentlich ausgehängt hat. Wie hohl wirkt heute jener Phrasenschwall! Das Museum kann in den Winter- monaten Oktober bis März an jedem 1. und 3. Sonntag des Monats(nnt Ausnahme der Ferienfonntage) bofucht werden. „Die Verllner saufen nur!" Ein Poiizeibeamter teilt uns mit: Kürzlich saß ich in der Stadt- bahn. Auf dem Bahnhof Tiergarten bestiegen eine Dame und ein Herr den Stadtbahnzug. Obwohl Platz vorhanden, setzte sich der Herr neben mich auf die Bank. Ehe der Zug sich überhaupt in Be- wegung setzte, überfiel er mich mit diesen Worten:„Was sagen Sie dazu, Herr Wachtmeister, daß der Stahlhelm im Rhein- land und Westfalen verboten ist?" Ich antwortete:„Diese Maß- nghme erfolgt zu recht und ist zu begrüßen." Er sagte:„Ich bin Mitglied des S ta h lh e l m s.- Wir werden uns diese Maß- nahine nicht gefallen lassen." Hierbei entfaltet« ich die Morgenaus-- g»be des„Vorwärts" und deutete auf die Gründe hin, die dem Minister Veranlassung gaben, in den beiden Provinzen den Stahlhelm zu verbieten. Der Herr sagte nun:„Die Stimmen für das Volksbegehren sind schon aufgebrocht und der Volksentscheid wird auch zugunsten der Antragsteller aussallen." Ich dachte bei mir„übertriebener Optimismus". Er fuhr fort:„Sie muffen nur einmal noch dam Rheinland kommen und nach Westfalen. Ich bin Braumeister, alle Brauereien liegen still, was meinen sie, was für' oe- Rot unter der Bcvätkerung herrscht." Er verlangte>dann, daß dos Reichsbanner auch aufgelöst werden müßte. Jetzt konnte ich mir ein Lächeln nicht verbeißen und erwiderte:„Wie kann man eine Bereinigung verbieten, die nicht nur die Republik achtet, sondern gegebenenfalls auch noch vor Angriffen schützt?" lieber diese meine Ausführungen anscheinend sehr ärgerlich, sagte der Herr:„Es ist nur gut, daß Berlin nicht das Deutsch« Reich ist. „Aus der Welt des Film� heißt das«onntaqabend- pragramm. Dr. B e c c e gibt mit seinem Terraorchester verklungene Begleitmusiken zu Großfilmen aus der Vorkriegszeit und stellt dazu im Gegensatz moderne musikalisch« Unterstreichungen filmischer Vor- gange. Dos Orchester ist ausgezeichnet, und deshalb langweilt sich der.ftörer bei den musikalffchsn Vorträgen nicht. Anders dagegen liegt der Fall bei dem sprachlichen Teil. Das Verlesen alter und neuer Filmszenen bedeutet keine interessierende?lbendl>eranstaltung. Bor einiger Zeit löste Walter Gronoslay sin Filmmanuskript durch Verteilung der Stimnicn. durch Steigerung des Tempos in«in dramatisch spannendes Geschehen aus. da» durchaus im Akustischen verankert war. Hier jedoch, bei einer schlichten Vorlesung, geht jede Wirksamkeit verloren. Die Veranstaltung hätte vielleicht am Nach- mittag gewirft, reicht aber keineswegs für ein abendfüllendes Pro- gramm aus. In den Mittagsstunden singt die Koloratursängerin Cläre Probst-Nitschkc die große Traviata-Ari« und die Glöckchenarie airs Delibes'„Lakme". Es ist eine Stimme, die die Koloraturtechnik, außer in den höchsten Lagen, beherrscht, die aber noch nickt zu dramatisch«rqreiiendem Ausdruck gelangt ist. Im Grunde läßt die Stimme kalt. Jtllfred Kerr umspielt mit geist- reichem Witz und geschlifiener Sprache die neuesten Tagesereignisse auf literarischem und kulturellem Gebiet. Er betrachtet sie von hoher Wart« aus, während der Conferencier Paul Nikolaus am Vormittaa mehr Witze um der Witze willen macht. Allerdings find diese Witze außerordentlich treffend. Leo Heller bringt Gemütvolles in einer kurzen Borlesung aus dem Berlin der kleinen Leute. Leo L a n i a liest am Montag Kapitel aus seinem Roman „Der Tanz ins Dunkle", der das Leben der verstorbenen Tänzerin Anita Berber behandelt. Es ist kaum ein Roman, soweit man nach den vorgelesenen Bruchstücken urteilen kann, sondern eher eine stärker als«ine dichterische Variation darüber. Jedenfalls scheint hier ein geglückter Versuch dieser dichterischen Reportage oorzu- liegen.— Karin E b c l b e r � singt nachmittag unter anderem Lieder von Hugo Wolf. Il,re Stimme ist schmiegsam, dunkel und getragen, ihr Vortrag beseelt und zart. Nur die Technik kommt noch nicht mit dem Willen zum Ausdruck mit.— Der preußische Minister Dr. Becker spricht über„Die geistige Krise in der Gegenwart". Das Ende des rein physikalischen Well- bildes verkündet Becker am Beginn seiner Aussührungen. Er gibt darauf eine Kritik der modernen Geisteswisseiischast, die heute durch die Fülle der Erscheinungen noch zu keiner definitiven Form gekommen ist. Geistreich im Detail kommt Becker zu keinem ent- scheidenden Resullat. Nach dem Sinn des Lebens streben, auch wenn man ihn nicht kennt, das bleibt der Weisheit letzter Schluß. Hamlet ist noch nicht gestorben, wie Becker behauptet. Eine Kritik an der Zeit, aber kein Aufweisen von Wegen ins Neuland, ein gcistes- wiffenschaftlicher Eklektizismus, gekleidet in eine faszinierende Sprache.— Dr. Ludwig Stein hält«in« Gedächtnisrede auf den verstorbenen Grase« a Bülow. F, 5. Unschuldig im Gefängnis. Oer Hauptbelastungszeuge war der Dieb! Daß der als Dieb verurteilte Ernst Müller unschuldig eine sechsmonatige Gesängnlsslrafe»erbüßt hat. stellte soeben da» Schöffengericht Lerliu-Mittc in einer Der. Handlung gegen den Schloffergesellen k oretz ki fest. Der Sachverhalt des Prozesses, der schon mehrere Instanzen b� schäftigt hat. ist folgender: In vergangenen Jahren wurde der Wirtin des Ernst Müller ein« golden« Uhr und ein Opernglas zu einer Zeit gestohlen, in der Koretzki bei seinein Freunde Müller zu Besuch wan K. wurde wegen Diebstahls vor dem Amtsgericht Berlttr-Mitte angeklagt. In der Verhandlung belastet« er seinen Freund Piüller, der als Zeug« vernommen wurde, so stark, daß die Anklage auch gegen diesen erhoben wurde. Trotz der Be- teuerungen Müllers, daß er unschuldig sei, kam das Gericht damals zu der Ueberzeugung, daß beide Freunde gemeinschaftlich gehandelt hätten und verurteilte beide wegen Diebstahls zu j e sechs Monaten Gefängnis. Beide Angeklagten legten Berufung ein. Unglücklicherweise erreichte Müller die Zu- stellungsurkunde zu der Berusmrgsoerhandlung nicht, da er aus- wärts auf Arbeit war. In seiner Abmefenheit wurde seine Berufung verworfen. Kurze Zeit später wurde er oerhaftet und oerbüßte die rechtskräftig gewordene Strafe von sechs Monaten Ge- fängnis. Die Berufungsverhandlung gegen K. fand auch nicht statt, da die Strafkammer die Verhandlung gegen ihn wegen eines Formfehlers an das Amtsgericht zurückverwiesen hatte. Gestern beschäftigte sich nun das Schöffengericht Berlin-Mitt« mit diesem Falle. Der Angeklagte Koretzki hatte zu seiner Entlastung eine An- zahl Zeugen geladen, deren Aussagen ober ein wesentlich anderes Bild ergaben, als das erst« Gericht festgestellt hatte. Sämtliche Zeugen entlasteten nicht den Angeklagten Koretzki, sondern seinen Freund Müller, der inzwischen schon seine Strafe abgeffen hat. Die Beweisaufnahme ergab einwandfrei, daß K. die Uhr und das Glas tn einem Moment gestohlen hatte, als Müller nicht im Zimmer war. Der Staatsanwalt bedauerte in seinem Plädoyer, daß die Staatsanwallschaft nicht schon früher Kenntnis von diesem Sach- vorholt gehabt hatte, so daß st« versäumte, rechtzeitig Berufung� gegen das Urteil einzulegen. Er empfahl dem Zeugen Müller, Entschädigungsansprüche für unschuldig oerbüßte Straf« geltend zu machen. Das Gericht verurteilt« K. zu derselben Strafe wie das vorige Mol, zu sechs Monaten Gefängnis. In der Urteils- begründung sprach der Vorsitzende aus, daß er aus prozeffualen Gründen leider keine härtere Strafe gegen den Angeklagten oerhängen konnte, der so rücksichtslos seinen Freund unschuldig ins Gefängnis gebracht hotte. Oer harmlose Boxer. Der Boxer Alfred Hein, der im vergangenen Herbst allabendlich in Bors und Luruslokalen auftauchte, und dort ständig Lärm- und Tumultszenen hervorrief, stand jetzt vor dem Amtsgericht Eharlottenburg. Der Angeklagte war eines Nachts in der „Kamille-Bar" verhaftet worden, als er die Inhaberin, oie Bardamen und die Musiker wieder mit Totschlag und Mißhan)- lungen bedrohte. Der Strafbefehl gegen ihn lautete wegen Be- drohung, Nötigung, Körperverletzung und Betrug aus zwei Mono:? Gefängnis. Der Angeklagte, der gegen diesen Strafbeschl Einspruch erhoben hatte, wies vor Gericht nach, daß sein« Vor st raten die im Strasregister standen, nicht ihm selbst galten. Als er noch Matrose war, wären seine Papiere gestohlen worden und diiser Dieb sei auf seinen Namen wiederholt bestraft wovden. Recht?- anwalt Dr. Fuchs erklärte dem Gericht, daß der Angeklagte er Ii durch einen besonderen Unglücksfall auf die schief« Bahn geraten sei. Als Freund der Frau Pussy Uhl er- hielt er von einem Nebenbuhler, dem Flieger B e e s e, der die Uhl später tötete, einen Schuß in die Schüller. Daraufhin mußte er seine Boxerlausbahn aufgeben und fing an zu trinken. Die unter Anklage stehenden Straftaten hätte der Angeklagte nicht so schlimm gemeint, da er fast immer betrunken gewesen wäre. Das Gericht erkannte auf eine Geldstrafe von 100 M. Die Berliner saufen ja nur." Dieser letzte Satz war sür mich das Interessanteste. Ein Braumeister beklagt sich,'daß er nichts zu tun hat,. Schuld hieran trägt für ihn die Regierung, er schimpft aber auf die Leute, die sein Bier trinken. Da kam mir der Gedanke, daß dieser Herr bestimmt nicht wußte, was er eigent- [ich will! Hierin hat der Beamte ohne Zweifel recht! Cin Verband der Inflationssreunde. Der Deutsche Po st verband, der einen großen Teil der „gehobenen mittleren" Postbeamten umsaßt, hat bei dem Deutschen Bcamtenbund, seiner Spigenarganisativn, Protest dagegen«ingelegt. daß der Deutsche Beamtcnbund die Beamtenschaft gegen das Volksbegehren aufgerufen hat. Auch hat der Deutsche Post- verband«s abgelehnt, feine Mitglieder vor der Teilnahme. am Volksbegehren zu warnen oder, wie andere Bcomtenoerbände es getan hoben, auf die Stellungnahme des Deutschen Bcamtenbirndes uysdrücklich hinzuweisen oder' den Aufruf der Reichsregierung ab- zudrücken. Diese Haltung wird verständlich, wenn man erfährt. daß der überwiegende Teil der Vorstandsmitglieder deutsch- national und völkisch ist, und daß der Generalsekretär des Deutschen Postverbandes, der frühere deutschnationole Reichs- tagsabgeordnete Vogel, Mitglied des Reichsausfchuffes für das sogenannte deutsche Volksbegehren ist. Siegreich wolln wir Frankreich schlagen... In einem Kolbergcr Blatt schreibt det Gutspächter Schimmel- Pfennig über das Volksbegehren unter anderem: „In dem Augenblick, wo sich das deutsche Volk gegen Frankreich erhebt, und den Kampf aufnimmt gegen Er- preffung und Tribute, ist es mit der Herrschast der internatio- nalen Pazifisten in Deutschland nämlich vorbei. Deshalb sehen die Machthaber von heute in unserem Freiheitskampf, der durch das Volksbegehren eingeleitet wird, die große Gefahr. Sie iardern den Pariser Tributplan, um unter Frankreichs Schutz ihr Regiment in Deutsch- land zu sichern. Wir aber wollen eine andere außenpoli- tische Orientierung, die ihre Spitze bewußt gegen Frankreich richtet und so den deutschen Rhein und— so Gott will— auch einmal das Straßburger Münster wieder freimacht." Reoonchepropaganda im Zeichen des Hugenbergschen Ivfla- tionsbegehrens! «-Wir kommen uns heute wie Wahnsinnige vor.- Der Verein derer um Kapps Finanzminister Bang. Herrn Bac m eister u. a.. der sich Bund sür Nationalwirtschaft und Werlsgemeinschaft nennt, traf sich im R h e i n g o l d zu einem Vor- trag des deutschnationalen Stadtverordneten und republikanischen Pensionscinplängers Major a. D. Merkel über den„Sklarek- Skandal", lieber den Dortrag selbst ist wenig zu berichten: Er war «ine Sammlung von Plattheiten, eine plumpe Wiederholung des oft vergeblich gemachten Vevsuches, Sklarck-Skandal'und G e meinwirtschaft zu identifizieren. Der Redner hat auch nicht einen Hauch davon gespürt, daß bei der Privatwirtschaft der persön- liche Prosit, bei der Gemeinwirtschaft aber der allgemeine Nutzen im Vordergrund zu stehen hat. Wie anders als aus solcher vollkommenen Hilf- und Verständnislvsigkeit kann man sich erklären, daß Herr Merkel es der Kommune zunHVarivurf macht, wenn sie im harten Winter 1028/20 sich erfolgreich bemühte, für die frierende Bevölkerung Kohlen selbst unter finanziellem Schaden zu beschaffen? Zum Schluß bekannte sich der königlich preußische Major ausdrücklich gegen die Republik und zur Monarchie. Das Publikum� ein Tisch biederer Wirtschaftsporteiler. behäbig, beguem, beim Glase Bier da der«lübtempe— ein mtatt gortkchritt. Di» Oavam» Lam»««. IZ bis 100 Watt,«erden fest nicht Mkdr außen, sonder» inne» mctttcrt. Segen ihrer glatten«iihenflädje verschmutzen sie nick acht und sehe» uß.°' am lag««i« auch abend?, wenn Ii« leuchten, schöner aus. Auß-rvem Hobe» lie eine gleichmäßige Lichtverleilung. wodurch störende Lichtfleck« auf den Lainoenschirwen und»hstllen vermieden werden. Deshalb sollten die neue» rgoenwattierttn Oeram-Samven al» bessere Lichtauellc auch an die Stelle jeher Glühlampe aus Älarglas rrcten. s fe raue und Wäscfic, die lange Zeit gelegen hat oder durch falsche Behandlung unansehnlich geworden ist, wird wieder frisch und schön durch Aufkochen mit Sil. Sil wird in kaltem Wasser aufgelöst und die Wäsche einmal eine gute Viertelstunde in der Sil- lauge gekocht. Tu m RIp Rr. 50746. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Städtenot und Volkswohlfahrt. Finanzforgen der Kommunen und das Schicksal der Werke. Bir dürfen uns feiner Täuschung hingeben: die deutschen Kommunen werden heute von schweren Sorgen bedrängt, und das Privatfapital fucht sie auf einen Weg zu drängen, der seinen Profiinteressen und seiner Abneigung gegen die öffentliche Wirtschaft entspringt. Wie sind die Kommunen in diese Situation geraten und welche Möglichkeiten gibt es, den drohenden Gefahren auszu weichen? Zehn Jahre Krieg und Inflation haben der Kommunalwirtschaft schwere Wunden geschlagen und fie in ihrer Entwicklung gehemmt. Die Volkszahl der Städte wuchs, aber die Ausrüstung der Städte fonnte diesem Wachstum nicht folgen. Der Ausbau der Verkehrsmittel, der Straßen, der Ber sorgungsbetriebe, der Wohlfahrts- und tulturellen Einrichtungen aller Art und nicht zuletzt der Wohngelegenheiten blieben weit hinter diesem Wachstum zurück. Der Heißhunger ist wahrlich nicht verwunderlich, mit dem sich die Kommunen bei der Wiederkehr normaler Wirtschaftsverhältnisse auf den in- und ausländischen Kapitalmarkt ftürzten, um die flaffenden Lüden auszufüllen, die Krieg und Inflation in ihre Bersorgungstätigkeit geriffen hatten. Eine fieberhafte Investitionstätigteit begann, in der, es galt, die schweren Berfäumniffe von zehn Jahren nachzuholen. lleberblicken wir heute das Ergebnis dieser Investitions periode, so können wir den Städten im allgemeinen das Zeugnis ausstellen, daß fie ihre schwere Aufgabe zufriedenstellend gelöft haben. Fast überall wurden die Verkehrsmittel und Straßen, Gas, Wasser- und Elektrizitätsanlagen dem Raum und Bolfswachstum der Städte angepaßt, wurde Hervorragendes, wenn auch freilich noch immer nicht in ausreichendem Umfange, von den Kommunen | Mittel, die kurzfristigen Verbindlichkeiten zurückzuzahlen. Wenn allo tie Ronfolidierung nicht gelingt, werden um günstigsten Fall diese Kredite von den Gläubigern stillschweigend durch fortdauernde Pro longation in langfristige Kredite verwandelt; oder aber die Glön biger brängen darauf, daß ihre Forderungen auf irgendeinem Wege befriedigt werden. Und das ist der kritische Augenblid für eine Kommune, die in eine solche Situation gerät. Wie soll sie fällige turzfristige Schulden zurückzahlen, wenn ihr der Weg der Konsolidierung, also der Aufnahme langfristiger Anleihen, versperrt ist: im Inland durch den anhaltenden Kapitalmangel, im Ausland durch die Beratungsstelle, aber schließlich auch durch die augenblickliche Unfähigkeit und Unluft des Auslandes, Kapital in Form von Anleihen abfließen zu laffen. Bielfach müffen sich die Kommunen dadurch helfen, daß sie schwere 3insopfer auf sich nehmen, um ihre alten, kurzfristigen Schulden zu prolon gieren oder durch neue abzulösen. Bielfach droht aber nichts anderes übrigzubleiben als ein Ausweg, auf den das Privattapital die Kommunen planmäßig zu drängen sucht: die Entfommunalisierung von Betrieben. Der Direktor der Deutschen Bant Kehl war es, der, nachdem Schacht schon seit Jahren burch seine Attade gegen die Kommunalmirtschaft ben Boden geebnet hatte, auf der Tagung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie in Düsseldorf diese Parole ausgab, und es ist charakteristisch für die Einstellung des Bürgerfums zur Kommunalwirtschaft, daß nicht bloß volksparteiliche Organe wie die Kölnische Zeitung" diese Barole freudig aufgriffen, sondern auch ein Blatt wie die Frankfurter Zeitung", das die Anregungen Kehls für diskutabel fand. Dienstag, 29. Oftober 1929 Balf muß alle feine Kräfte onspannen, um diese Bestrebungen zu vereiteln. Es muß darauf hingearbeitet werden, daß die Finanzreform den Kommunen né u e Einnahmequellen zu denen freilich eine kommunale Kopfsteuer nicht gehört erfchließt, um sie jo von dem Druck zu befreien, der heute auf ihnen lafter. Der Wahltag des 17. November entscheidet auch über das zufünftige Finanzschicksal der Kommunen. Je größer die Stimmenzahl der Sozialdemokratischen Partei, desto mächtiger die Sicherung. daß die Errungenschaften der Kommunalwirtschaft nicht dem Privatkapital preisgegeben werden, desto stärker und wirkungsvoller auch der Druck auf die gesetzgebenden Körperschaften, um diese zu zwingen, den kommunen auf dem Wege der Finanzreform beizuspringen und ihre finanzielle Situation zu erleichtern. Wie lebt der Arbeiter? Erhebungen des Statistischen Reichsamts. Die Haushaltsstatistik von Arbeitern und Angestellten ist eine ebenso wichtige als bisher nur offiziell nur unzulänglich gepflegte ebenso wichtige als bisher nur offiziell mur unzulänglich gepflegte Erkenntnisquelle für die Wirtschafts- und Sozialpolitit. Das Statio stische Reichsamt hat nach einer Pause von nicht weniger als rund zwanzig Jahren wieder eine derartige Erhebung durchgeführt, deren offizielle Beröffentlichung uns noch nicht vorfiegt, über die aber bereits einiges Material bekanntgegeben wird. Die Erhebung murde voll durchgeführt bei 2036 Haushaltungen, und zwar bei 964 für Arbeiter, 559 für Angestellte, 509 für Beamte und 4 für sonstige Haushaltungen. In den erfaßten Arbeiterhaushalten verdienten 45,9 Pr 03. Kinder betrug im Durchschnitt 16,6 Proz. des gesamten Familiender Ehefrauen mit. Das Arbeitseinkommen erwachsener einkommens. Bon den Buchführern hatten 253 Gartenland, Geflügel Kinder betrug im Durchschnitt 16,6 Proz. des gesamten Familienoder Kleintierhaltungen; davon arbeiteten 192 mit einem lleberUnter den Verbrauchsausgaben stehen die Ausgaben schuß, 61 mit einem Verlust. im Wohnungsmesen geleistet und doch der Wohlfahrtsaufgaben, die sonst den Interessen der Kommunen verständnisvoll gegenübersteht, für Nahrungs- und Genußmüttel an erster Stelle, und zwar mit durch die Not des Krieges und der Nachkriegszeit vergrößert worden waren, nicht vergessen. Die kommunale Demokratie hat sich im Wirtschaftsaufbau also glänzend bewährt. Aber freilich, es mußten dafür auch schwere Opfer gebracht werden. Die Kommunen waren, da ihre Finanzautonomie aufs äußerste eingeschränkt war, vielfach gezwungen, ihre Werks tarife als Steuerquellen zu benutzen und trotzdem einen großen Teil ihres Finanzbedarfs, der allerdings im wesentlichen produktiven Charakter trägt, auf dem Geld- und Kapitalmarkt zu befriedigen. Es ist bekannt, wie ihnen auch dieser Weg erschwert wurde: In einer Zeit, in der der innere Kapitalmarkt nicht leistungsfähig genug war, den Kapitalbedarf der deutschen privaten und öffentlichen Wirtschaft zu decken, wurde den Kommunen die Beratungsstelle in den Weg gestellt, deren wichtigste Funktion es war, ihnen den Weg zum ausländischen Kapitalmarkt abzusperren. Es blieb also den Komumen, wolten fie nicht ihr Gemeinwesen der Berwahrlosung und der Verfünumerung preisgeben, nichts anderes übrig, als zu wesentlich höheren Zinsen inländische Anleihen aufzunehmen oder, soweit auch dieser Beg nicht gangbar mar, fich turzfristig zu verschulden. Und so schmollen denn von der Zeit an, da die Beratungsstelle ihre unheilvolle Tätigkeit aufnahm, die furzfristigen Schulden der Rommunen immer mehr an. Schon Ende März 1928 hatten die furz- und mittelfristigen Schulden( mit bis fünfjähriger Fälligkeit) der Gemeinden über 10 000 Einwohner die Höhe von 1145 Millionen Mart erreicht, was rund einem Biertel ihrer gesamten Schulden einschließlich der Altverschuldung entsprach. Seitdem aber hat sich die Situation auf dem Kapitalmarft noch wesentlich ver schärft. Die Aufnahme von Auslandskrediten ist völlig ins Stocken geraten und die Ausgabe langfristiger inländischer Anleihen nahezu unmöglich geworden. Die Situation der Kommunen wird so immer schwieriger. Einerseits ist ihr Investitionsbedürfnis noch lange nicht gefättigt. Der Wachstumsprozeß der Städte geht weiter, stößt aber auf immer größere finanzielle Schwierigkeiten, so daß sich die Städte zu ra difalen Einschränkungen ihrer Bautätigkeit genötigt sehen, wie erst kürzlich die Stadt Berlin. Und man muß in dieser Situation trog der bedauerlichen Rückwirkungen auf den Arbeitsmarit folchen Entschlüssen der Kommunen Verständnis entgegen bringen. Andererseits haben die furzfristigen Schulden die unan genehme Eigenschaft, nach dem Ablauf turzer Zeit fällig zu werden. Aber da die Kommunen einen großen Teil dieser Schulden nur in der Absicht aufgenommen, fie bei günstiger Gelegenheit durch lang fristige Anleihen abzulösen, verfügen sie vielfach nicht über die Die Begründung die diesen Bestrebungen gegeben wird, ist einfach: Wenn ein Brivatunternehmer sich zu stark bei einer Bank verschuldet hat, so pilegt die Bank die Konsolidierung seiner Verpflichtungen auf dem Wege anzustreben, daß sie auf die Umwandhung des Unternehmens in eine Aktiengesellschaft drängt oder, wenn das Unternehmen schon die Form einer Aktiengesellschaft befigt, auf die Ausgabe neuer Attien( soweit nicht die Ausgabe von Obligationen zweckmäßiger erscheint). Auf denselben Weg drängt nun das Finanztapital heute auch die Kommunen. Sie sollen ihre Werke in ge= mischtwirtschaftliche Unternehmungen uniwandeln und mit dem Kapital, das sie durch die Abstoßzung von Aktien an die Privatwirtschaft hereinbringen, ihre Schulden bezahlen oder gar ihre Berke ganz dem Privatfapital ausliefern. Die Deutsche Bergmertszeitung", das Organ der Schwerindustrie, ließ sich von amerikanischer Bankseite" versichern, daß das amerikanische Finanztapital" einer dauernden Interessennahme an öffentlichen deutschen Berken der Kraftwirtschaft und Stromversorgung" nicht abgeneigt wäre. Wie man sieht, hat das Brinattapital teinen schlechten Gez schmad und möchte sich die fettesten Biffen heraussuchen, unt an ihnen möglichst viel zu profitieren. Was ist zu tun? Wie man weiß, mußten sich schon einige deutsche Städte dazu entschließen, ihre Kraftmerte an gemischtmirtschaftliche Unternehmungen abzustoßen bzw. in Berhandlungen darüber einzutreten( jo jetzt in Meißen und Bonn). Aber im allgemeinen märe soweit es sich nicht um die Bereinigung mit anderen öffentlichen Betrieben handelt, wie bei dem Preußen- Frankfurt- Berfrag die Beteiligung fremden Kapitals an tommimalen Betrieben oder ihre Abtretung an gemischtwirtschaftliche Unternehmungen nur als äußerster Ausweg zu beschreiten und auch dann nur unter der Voraussetzung, daß die Interessen der Kommunen und der Verbraucherschaft wirklich ausreichend gewahrt werden. Wirkliche Abhilfe aber fann nur auf zwei Wegen kommen: Erstens muß die Beratungsstelle, deren Wirksamkeit bedauerlicherweise bis zum Ende dieses Jahres verlängert wurde, mit Ablauf dieser Frist endlich beseitigt werden, damit den Kommunen der Anleiheweg wieder geöffnet wird. Zweitens aber müssen die Kommunen auf dem Wege über die Finanzreform von ihren Finanzforgen entlastet werden. Die Bestrebungen der bürger. lichen Finanzpolitiker find offen oder versteckt darauf gerichtet, die Finanzreform zu einem Druck auf die Kommunen zu benutzen, um sie zur Sentung ihrer sozialen Ausgaben zu zwingen. Eine solche Politik mürde sich in der heutigen Situation der Kommunen geradezu katastrophal auswirken. Das arbeitende 47,9 Broz. in der untersten, mit 14,5 Broz. der Ausgaben in der obersten Einkommenstufe. Die Berficherungsausgaben betragen m Durchschnitt 7,9 Proz. der Gesamtausgaben. Wie verschieden die gleiche Ausgabenart das Ge jamteinkommen belastet, dafür folgende, Ziffern: In der untersten und in der obersten Stufe der Haushaltsrechnungen betrug die Wohnungsmiete im Durchschnitt 270 bzm. 440 M.; vom Einkommen find das in der untersten Stufe 11,9 Proz., in der obersten Stufe nur 8,8 Proz. Heizung und Beleuchtung betrugen rund 98 bzw. 142 M., das sind 4,3 bzw. nur 2,8 Proz. Verkehrsausgaben betrugen rund 25 bzw. 74 m., oder einmal 1,1 und dann 1,5 Proz. Bekleidung und Wäsche erforderten in der untersten und obersten Stufe 237 bzw. 732 m., das sind 10,4 bzw. 14,6 Proz. Schon diese wenigen Angaben lassen erkennen, daß die Er hebungen des Statistischen Reichsamts wieder recht mertnelle Einblicke in die Lebensführung der arbeitenden Massen gestatten. Wir werden, sobald uns die Publikation vorliegt, darüber noch ausführficher berichten Millionenverluste bei Gothaer Waggon. Fast das gesamte Kapital verloren. Während die Mehrzahl der deutschen Baggonperte die Krise der Stabilisierungsjahre längst überwunden hat und bereits wieder eine hohe Dividende auswerfen fann, ist die Gothaer Waggont= fabrit seit vier Jahren aus den Schwierigkeiten nicht mehr herausgekommen. Schon 1926 war die Gesellschaft gezwungen gewesen, drei Biertel ihres 7,5 Millionen Mart Kapitals zusammenzustreichen und zur Weiterführung des Betriebes das Kapital von 1,8 auf 7,0 Mill. Mt. wieder zu erhöhen. Die Umstellung der Produktion auf den Automobilbau war jedoch ein Schlag ins Wasser. Der Automobilbau( Diri und Cyklon) stellte hohe Anforderungen an die Finanzen des Unternehmens, so daß eine neue Kapital. erhöhung um 3,0 auf 10,0 Mill. Mr. durchgeführt wurde, ohne daß aber eine Wirtschaftlichkeit des Betriebes erzielt werden konnte. Der jetzt erst veröffentlichte Abschluß für das am 30. Juni beendete Geschäftsjahr 1927/28 meist einen Berlust von rund neun Millionen aus, so daß die Verwaltung der Generalversammlung eine neue, weitaus schärfere Sanierungsaktion durch Zusammenlegung des Kapitals von 10 auf 1,0 Mill. Mt. vorschlagen muß. Neun Zehntel des Aktienkapitals find also verloren. Die Höhe des Berluftes wird mit Betriebsverlusten aus der Umstellung TEEKANNE Preisausschreiben Preise: 1 Preis in bar RM 1000.1 Preis in bar 500.1 Preis in bar 4001 Preis in bar 300.2 Preise in bar je RM 200.-„ 400.10 Preise in bar je 40 Preise in bar je 100." 99 1000.50.-, 2000.• 99 3400.2750.6000.2250.54 200 Porzellan- Teeservice für 6 Personen 250 Porzellan- Teeservice für 2 Personen 2000 Porzellan- Teekannen Kompletta" mit Zugsieb 2250 Porzellan- Teetassen aus Eierschalen Porzellan Erhöhung der Preise oder andere Einteilung bleibt vorbehalten. tee Preisfrage: Welche Vorteile hat Tee, frühmorgens genossen, Bedingungen: gegenüber anderen Frühstücksgetränken? Gewünscht und bei der Bewertung besonders berücksichtigt werden reklame technich verwendbare Anregungen. Argumente oder Mitteilungen über die Bekömmlichkeit von Tee Marke Teekanna Lila" als Morgengetränk. Einfluß auf körperliches und geistiges Wohlbefinden. Ersparnis im Haushalt usw. Die Be antwortung kann auch in Form treffender Schlagwort- Texte, in Versen usw erfolgen. Der Umfang soll 100 Silben nicht überschreiten. Alle Einsendungen müssen auf efner Postkarte erfolgen, die auf der Vorderseite außer der Anschrift Teekanne Co.". Dresden- A. 1. Schließfach 374 die genaue Adresse des Absenders und die Bezeichnung Die vom Preisgericht gefällten Entscheidungen sind endgültig. Teekanne Preisausschreiben tragen muß. Die Einsendungen müssen bis spätestens 15. November 1929 eingegangen sein. Die Beteiligung steht jedermann frei. Unmittelbare und mittelbare Angestellte der Teekanne Co. sind von der Beteiligung ausgeschlossen. Irgend welche Rechtsansprüche sind ausgeschlossen. Die Preisverteilung erfolgt sobald wie möglich nach dem Schlußtage der Einsendung. Von dem Ergebnis dieses Preissusschreibens werden alle Beteiligten durch Anzeige oder unmittelbar verständigt. Das Preislrichter- Amt haben nachstehende Herren übernommen. H. Kaspar. Schriftsteller und Werbefachmann, Fritz Müller. Vorsitzender des Deutschen Reklame- Verbandes. Ortsgruppe Dresden, Gunther Toepfer. Geschäftsführer der Annoncen Expedition Rudolf Mosse, in Dresden. 20.000REICHSMARK Eisenacher und Mylauer Werte sowie mit Bilanzverluften aus 1 ent Verkauf des Digi- und Cyklonwerkes begründet. Die Stamm betriebe, die Waggonabteilungen in Gotha, sind zurzeit be friedigend beschäftigt. Färsprecher der Entfommunalisierung. 3m Lahmeyer- Bericht.- Bei Dividendenerhöhung von 10 auf 12 Proz. Oeffentliche Wählerkundgebungen Heute, Dienstag, den 29. Oftober: Frauenveranstaltungen. 4. Krcis Prenzlauer Berg. Seu'e, Dienstag, 29. Oktober, 19% Uhr, bei Klug, Danziger Str. 71, Funfitonärinnenfibung. Abrechnung der vertauften Rarten für den 30. Ottober. Außerdem wichtige Tagesord nung. Mittwoch, 30. Oktober, 1912 Uhr, im Saal des Bezirksamtes, Danziger Str, 64, Film- und Bortragsabend: Rote Jugend im roten Wien". Ansprache der Genoffin Räthe Rern. 47. Abt. Seute, Dienstag, 29, Oktober, 19% Uhr, in der Schule Waldenfer ftraße 77, Vortrag: Wohlfahrt und Rommune". Referentin: Bezirksverordnete Erna Kresse. 52. Abt. Charlottenburg. 19½ Uhr in der Aula der FFFFFFFLES LTDA POT NOTEBO 35. Gemeindeschule, Kamminer Str. 17, Thema: Die Sozialdemokratie im Wahlkampf um die Kommune. Die Elektrizitäts- 2.- 3. vorm W. Lahmeyer u. Co., FrantReferent: Stadtverordneter Dr. Siegfried Kawerau. urt am Main, tann für das am 30. Juni abgeschlossene Betriebsjahr 9. Kreis Wilmersdorf. 19% Uhr in der Johann- Georg 1928/29 eine um fast eine Million erhöhten Geschäftsgewinn von rung 5,4 mil. Mark ausweisen. Aus dem von 2 auf 2,44 mill. Sälen in Halensee. Referent: Georg Wendt, M. d. R. Mart gestiegenen Reingewinn wird eine Dividende von 12. Kreis Steglit. 20 Uhr in der Aula des Gymnasiums, 12 Pro3. gegen 10 Broz. in den letzten beiden Jahren gezahlt. Die Leistungen der Elektrizitätsunternehmungen sind im Berichtsjahr durchschnittlich um 16 bis 17 Proz. gestiegen, so daß der Stroma bsag auf mehr als 470 Mill. Kilowattstunden anwuchs. Da die Verwaltung im Geschäftsbericht darauf hinweist, daß sie besonders bei den von ihr fontrollierten Berkehrsunternehmungen 85. starte Rüdlagen zur Erneuerung geschaffen, also eine ent sprechend vorsichtige Dividendenpolitik getrieben habe, so tommt in dem ausgemiesenen Reingewinn der tatsächlich erzielte Ertrag zweifellos nicht zum Ausdrud. Das Interessengebiet der Gesellschaft hat sich, wie der Zuwachs bei den Wertpapieren und Beteiligungen pon 26,8 auf 28,1 Mill. Marf zeigt, im legten Berichtsjahr weiter ausgedehnt, worunter in erster Linie die Beteiligung an der Amsterdamer Finanzierungsgesellschaft für elektrische Unternehmungen fält, Dem Lahmeyer- Ronzern geht es also sehr gut. Dennoch macht er die Mode mit, in feinem Geschäftsbericht gegen die öffent. fiche Wirtschaft Ioszuziehen und die Enttommunalisierung öffentlicher Elektrizitätswerte zu fordern. Die Ueberschüsse der Rom munalwerte scheinen dem Lahmeyer- Konzern, da diese Ueberschüsse wesentlich Bosten der städtischen Haushaltrechnungen darstellen, ein Argument gegen die These zu sein, daß öffentliche Werke dem Allgemeinwohl dienen. Sollen die Kommunen die Steuern erhöhen, wenn sie auf diese Einnahmen verzichten? Der Bericht gibt den Kommunen weiter den freundlichen Rat, auf die mit den öffentlichen Werken verbundenen Risiken zu verzichten und sich von der immer stärfer steigenden Schuldenlast frei zu machen, mit anderen Warten also, die öffentlichen Werte dem Privatfapital auszuliefern. 131. Heesestr. Deffentliche Versammlung der Beamten und Lehrer. Thema: Was erwarten die Beamten von den Kommunalwahlen? Referent: Albert Falkenberg, M. d. R. Abt. Tempelhof. 19% Uhr in der Aula der Boltsschule, Wittelsbacher Rorso 48. Referentin: Stadtverordnete Minna Todenhagen. Morgen, Mittwoch, den 30. Oftober: 84. Abt. 2antwis. Mittwoch, 30. Dltober, 20 Uhr, in 2chmanns eftfälen. Railer- Wilhelm- Str. 29-31, Vortrag: Die fosialen Aufgaben der Rommune", Feferentin: Eezirtverordnete Ella Kan. 108, Abt. Friebridshagen, Tonnerstag, 31, Ottober, 20 Uhr, im Stadttheater, am Markiplak, öffentlicher Frauenabend. Es fpricht der Genosse E. Mülle über die Fürsorgetätigteit der Stadt Berlin. Vor dem Vortrag werden die Kinderfreunde" einige Lieder und Gedichte zu Gehör bringen. Bezirksauschuß für Arbeiterwohlfahrt. 3. Kreis Webbing. Die gofe der Arbeiterwohlfahrt tönnen in Empfang genommen werden bei Genoffen Razlaff, Pantstr. 78. 9. Areis Wilmersdorf. Die Bertrauensobleute der Arbeitera ohlfahrt werden gebeten, sich umgehend die gofe ber Arbeiterwohlfahrt bei ihren Abteilungsleitern sum Bertrieb abzuholen. Außerdem find Lose bei der Arcisleiterin, Genoffin Gök, Kurfürstendamm 92, zu haben. Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lererinnen Deutschlands( ASL.), Drisgruppe Berlin Fachgruppe der Lehrer an höheren Schulen. Bichtige Bersammlung heute, Dienstag, 29. Diteber, 19% Uhr, im Vortrag: Neuestes zu unserer Stellung gegenüber dem Philologenverbande. Abt. Niederschönhausen. 20 Uhr im Lokal Sans, sanischen Gymnasium, 3, 14, Safelite, 2-5( am U- Bahnhof Jufelbrüde). souci, Nordend. Referent: Stadtverordneter Heinrich Schäfer. 91. und 94. Abt. Neukölln. 19% Uhr im Lotal Bergschloß höhe, Karlsgartenstraße 6/11. Referent: Hermann Harnisch, M. d. L. Oeffentliche Frauenkundgebung! 3. Kreis Wedding. Mittwoch, den 30. Oftober, 19% Uhr, im großen Pharussaal, Müllerstr. 142, öffentliche Frauenfundgebung. Die sozialen und wirtschaftlichen Aufgaben der Stadt Berlin". Referenten: Stadtverordnete Minna Todenhagen, Stadtverordneter Friz Brolat.- Vorführung des Films ,, Wirken und Schaffen der Sozialdemokratie im Bezirk Ledding". Lahmeyer wird vom Rheinisch Westfälischen Elettri Wählerinnen und Wähler, über, die das RWE, wegen Kreditschädigung öffentlich anklagte, die erscheint in Massen! 3itätswert beherrscht, das kürzlich noch der Stadt Bonn gegen. tommunale Selbsterzeugung für unrichtig erklärte. Man braucht sich also über den merkwürdigen Zungenschlag bei Lohmeyer nicht zu wundern. Das RWE, und seine Tochtergesellschaften sollen vorsich tig sein; fie figen im Glashaus und sollen nicht mit Steinen Parteinachrichten, werfen. Fusion im Baugewerbe. Seilmann und Littmann M.-G. Aftiengesellschaft für Bauausführungen- Berlin. Die Heilmann u. Littmann Bau- und Immobilien 2.-G. München- Berlin, will eine neue Ausdehnung ihres Konzerns durchführen. Die A.-G. für Bauausführungen, Berlin, soll mit der Heilmann u. Bittmann 2.-G. verschmolzen, durch Rationalisierung Der Betriebe, geeignete Arbeitsteilung und Zusammenfassung der Filialen fall mit der Senfung der Unkosten eine Verbesserung der Rentabilität herbeigeführt werden. T Die Heilmann u. Bittmann 2. G. steht felt brei Jahren in einem starten Ausdehnungs- und Rationalisierungsprozeß. Seit 1927 hat sie sich eine große Anzahl von Terraingesellschaften angegliedert, ihr Rapital auf 15 millionen Mart erhöht, die Zahl der Angestellten und Arbeiter auf 2700 erweitert. In den beiden lehtan Jahren wurden 8 Bros. Dividende verteilt. Die Gesellschaft perfügt üher mehr als 3 Millionen Quadratmeter Baugrundstüde, darunter feit neuerer Zeit sich auch beträchtliche Gebiete in Groß- Berlin be= finden. Die 2. 8. für Bauausführungen ist meniger Grundstüids als eigentliche Bauunternehmung. Sie ist an drei meiteren Baugesellschaften beteiligt, verfügt über ein Attienkapital Dan 2.5 Millionen Mark und hat zuletzt eine Dividende von 6 Proz. pericift. Konsumaufstieg. GCG. 41 Millionen Mehrumfah. Der Gesamiumfag der Großeinkaufs- Gesellschaft Deutscher Ranjumpercine in ben ersten bret Bierteljabren 1929 betrug 335 210 480 02. ober 41 937 600 m., gleidh 18.89 Prog. mehr als in der gleichen Zeit des Borjahres. Un Erzeugnissen aus den eigenen Vrpduttionsbetrieben wurde in der Zeit van Januar bis einschließlich September b. 3. ein Umfag von 87 824 300 Mart erzielt, der Webrumfah beträgt gegenüber der gleichen Zeit des Borjahres 11 990 984 m. oder 15.81 Bros. Die Berlagsgesellschaft Deutscher Konsumvereine er reichte in der gleichen Berichtszeit einen Gesamtumfag van 14 329 889 Mart pber 2983 594 m. mehr als in gleicher Zeit des Vorjahres. Bam Gesamtumfaz entfielen auf die Erzeugnisse der Druckerei und Bapierwarenfabrit 9 726 954 m.( mehr 1 594 216 M.), auf das Verficherungswesen 4532 607.( mehr 1409 219 m.) und schließlich auf das eigene Elektrizitätswert 70 278 M. P G Optimismus in der Bergwertsmajchinen- Industrie. Bei dem Bergwerksmaschinenunternehmen, ber Schüchtermann und Kremer Baum 2.-G. in Dortmund, die vor zwei Jahren aus der Verschmelzung von drei gleichgerichteten Unternehmen entstand, hat sich die Berfchmelzung bezahlt gemacht. Schon im ersten Ge fchäftsjahr fonnte eine Dividende von 6 Braz, aufgezabit marben, bie auch für das jetzt abgefchloflene Geschäftsjahr 1928,29 beibehalten wird Die Erträge des letzten Jahres find trog der Stabilisierten Dividende ganz erheblich gestiegen. So wuchs der Bes triebsgeminn um faft 12 Brez. qui 793 000 Mart, so daß bei faft unperändert ausgewiefenein Reingewinn die bich rei, bungen um faft 35 Broz, auf rund 386 000 art heraufgelegt werden konnten. Nach dem Gefchäftsbericht verfügte bas Unternehmen während des abgelaufenen Betriebsjahres durchschnittlich über einen Auftragsbeftand für drei bis pier Monate Beschäftigung im Bergwerksmaschinenbau. Die Zukunft wird im Hinblick auf die aroßen Baupläne der Ruhrдechen und im oberschlefilchen Renier für die Industrie der Robleaufbereitungsmaschinen sehr günstig beurteilt. Das Unternehmen erwartet daher für des neue Geschäftsjahr einen bäheren Auftragseingang. England für Zollfriedenskonferenz. Die englische Regierung hat auf ble Anfrage bes Bölferbundsfetretariats, ob fie bereit sei, an einer Bellfriedensfonferens, teilzunehmen, als erfte eine Zulage erteilt. In der Antwort wird gleichzeitig die Wichtigkeit ber Tagung belambers hervorgehoben und mitgeteilt, daß sich die enelische Regierung durch ihren Handelsminister Graharn vertreten laffen werde. Einsendungen für diese Nubrik sind Berlin SW 68, Lindenstraße 3. für Groß- Berlin ftets an das Bezirfefefretariat 2. Sof, 2 Treppen rechts, zu richten. 4. Kreis Brenzlauer Berg. Mittwoch, 30. Olipber, 20 Uhr, Turze wichtige Besprechung des Kreisporligenben und Sreistafficrers mit allen stel Tungsleitern im 2pfal Alua, Panaiger Str. 71. Dis breffen der Geneffen, malche Transparente orbaiten, find mitzubringen. 3. Sreis Friedrichshain. Atung, Preibenter! Mittmod. 80. Dliebe, 19% Uhr, finbet eine reismitgliederversammlung der EVD.Freidenter in Samibts Gesellschaftshaus, Fruchtstr. 26a, ftatt, Bartelbuch und Frei denkerbuch legitimiert, Mittwoch, 30. Dtober, 18 Uhr, außerordente liche Bezirksverfammlung im Rathaus, Stabtverorbuetenfisungsiaal. Tribünenforien ab 18 Uhr beim Genoffen felig fifcher, Eingang Spandauer Straße, 7. Areis Charlottenburg. Mittwoch, 30. Dtober 10% be, in ber Schulaula der weltlichen Coule. Pestalozzifier 40( amen der Wilmersdorfer und Reifer, riedrich- Straße gelegen), Elternabenb ber Freien Schulgemeinde, Lichtbilderportree bes Genpffen Mäder Berliner Schuflandheime 9. Kreis Wilmersdorf. Mittwed, 30, Qober, 20 Uhr, bei Shlenfeld, Uhland ftraße Ede Ginkelstraße, Sigung bes engeren Kreisporstandes mit olen Abteilungsleitern. Aeußerst michtige Tagesordnung. 19. Kreis Bantom. Mittwoch, 80. Dpber, 10 Uhr. Berfammlung aller SBD. Freidenfergenossen im Türtifchen Belt, Breite Str. 14. Parteibum ift parauzeigen, Freitag, Ropember, 12 Uhr, jm ürlichen Belt, Breite Str. 14, Arcisporstarbsfihung, mit allen Abteilungsleitern. Sebe Abteilung muß unbedingt pertreten fein. Sämtliche Beamten, Behörden. angestellten und Behärbenarbeiter ber S. treffen fich am Freitas, bem 1. Ropember, 20 Uhr, im Sürtischen Rett, Breite Str. 14, aur Wohlner anstaltung. Referent: Stabtrot Genaffe Burtbarb foricht über: Die fammungle Arbeit her 609, im Berwaltungsbezirk Paulow". Gofte will tommen. Der Fraktionsvorstand, Heute, Dienstag, 29. Oftober: 8. t. 20 Uhr bei Ridert, Steinmekte, 36a, Sisung der Weihnachtstem miffion, Berireter der Jugend und Kinderfreunde müjien erfcheinen, 32. Abt. Achtung! Die Bezirksführer holen bei ben Gruppenführern Cintritts tarten flir den 10, Nopember ab. Die Genoffinnen und Genaffen müffen zur Demonstration am 2 Rippember eingeladen merden, Treffpunti 1714 Uhr am Ostbahnhof. Die Genoffen werden gebeten, ihre Rinbee heute, Dienstag, 17 Uhr, zur Uebungsfiunde nach bent Schulhof, Happenfit, 84, au fchiden, Mittwach, 30. Oftober, in Schmidts Geefüfchaftshaus, rugt ftraße 36a, Freidenferverfammfuna, Affe Genaffen milffen erfcheinen. 33. Abt. Die Bezirtsführer Confcher, Bayl, Schmidt, Sitting, Mitter, hafen haute, Dienstag, wichtiges Material vom Genessen Paul Ben, Gogicz fraße 1, ab 34. bt. Die Eintrittskarten zum 10. November find umgehend nom esta! Copiner Str. 10, abzuholen, 86, Abt. Marienbart. Die Bezirtsführer holen fich Bandasitet und unblätter am Mittwoch, bem 80. Oftpher, 18 Uhr, von der befannten Stelle ab. Am Donnerstag, bem 31. Otober, ab 18 Uhr, Berteilung. Die Genaffen vom 1. 3. unb 7. Bezirk perteilen pom gatal Neumener, Sineberger Gde Salferfirage, ous, lle übrigen Bezirte pen Niendorf, Chauffee traße 10, aus, 116, bt. Sitenberg. 80 Uhy hei More. Neue Bahnhoffie, 28, wichtige Funtfionärfisung. Die Betriebsvertrauensfeute haben ebenfalls au erscheinen, Mitgliederversammlungen und Zahlabende morgen, Mitwod), 30. Oftober: 11. bt, 20 Uhr bei Berger, Cepekamfte ,, 91, gde Rennwitraße. Borirani Pos Behnungsbauprogramm bez slabt Berlin. Ref. Stadtpersonates Brune Sroufe 28. b. 1916 Uhr in den Bereting entfen, Schönhaufer fee 90. Borirag Der Kampf um die Arbeitsfafenvernicherung", Heferenti Auri Alemann. Achtung! Die Mitgliedsblicher find aur sonirode mitzubringen, 31. Abt. 20 Uhr bei Golfamidt, Stefpifche Str. 86. Funtionerfikuna. 33. Abt. 19% Uhr in Schmidts Gefeufchaftsbaus, fruite, aba, Berfamm lung aller SVD.- Freibenter. 38. Apt. Die Parteigenpffen beteiligen fich nach Möglichkeit an der gm Mitt wad um 20 Uhr stattfindenden Versammlung der treten Sulgemeinde in der Aula Dieftelmenerstr. 5-6. 40. Abt. Achtung! Die für Dienstag, 29. Oftober, angegebene Mitglieberger fammlung, in welcher Stabiperorbuetenvorsteher Johannes Saz sprechen wird, finbet nicht am Dienstaa, iaubern erit am Mittwoch, bem 30. Di fober, 191 Uhr, im Lokal„ Schultheis om reuzberg", Biterjelber Str. 11, ftatt. Die Abteilungsmitglieder werden gebeten, hieles au beachten. 54. bt. Charlottenburg. 30 Uhr im Jugendheim, Rosinenfie, 4. Kuntionärfituna. 77. Abt. Schöneberg. 191 Uhr bei Will Martin- Luther- Str. 69, Vortrag: Enzialbempiralle unb Rommunalpolitit". Heferent: Augun Riemann. 87. bt. Darienfefbe. 30 he bei Schuster, Sirchftr. 68, Mitatiegerversamm Tung, finnungsfreunde unb erwärts" Defer haben Sutriff. 83. bt. imterfelbe, 20 Uhr bei Rattum, Bäteftr. 7, Tagesordnung:„ Die beporstehende Sammunalwahl" Barteiengelegenheiten, Berfchiedenes infere Bibliothet fann am 3. Milliped und am 3. und 4. Montag bei Schmidt benut werden. 84. Abt. Fantwig, 20 he bei Schmann, Reifer Bilhelm- Str. 29-31, Funks tionärligung Neuteun. 01. t. 18 he bei öfter Materialgusgabe. 91. urb 04, bt. 191 he bigilungsverlammlung im fotel Baraidhloshche, Rarisaar en ftrane 6-11apirant Unfere Arbeit in der Sommune", Referent: Ser mann Sarnif. M. B. 8. Sampath fierenbe unb erwärts".Leser find eingefaben, 99. b. Brig Budow, 194, Uhr im fatal Beder, rib, Chauffecfts, 97. Berr trag: Die En albemofraile in den Kommune. Referent: Stab verord. Reter Siegbert Roepn. 101. 6. reptow. e Bezirksführer Tommen au einer Zursen, migtigen Befpregung um 10 Uhr nünftig in der„ Borwarts-Spedition, Grgez ftreke an, aufammen. Riemana fehfel 127. Sohenschönhaufen. Bert Belke Taube", Gieblung ber Rjaber reiden. 10 2hr, Solat Mukta. Dingelitebler Str. M, Mitaliebarnesjamme tung. Bastrager Rompf um bie Rommune"," Cieblungspolitik und Wohnungsbau Melerent: Stabinerorbraler Fermann Sempert, Le Ge noffinnen unb Genoffen, Berwärts"-Sefer und Campatbinierende finb ba A eingelaben. 134. bt. Bum 20 Uhr bei Göpfert, Am Bahnhof, Borstandsfibung mit fämt. fichen Hunttionären. Jungfozialisten. Gruppe Tempelhof- Mariendorf. Seute, Dienstag, 29. Oktober. 20 Uhr, im Jugendheim Germaniaftraße, Eingang Gökstrake, Gruppenversamm.ung. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Besiz! Brenzlauer Berg. Gruppe Biler Adler, Seute, Dienstag, 29, D. tober, 19% Uhr, Helfertigung. Danziger Str. 62. Geburtstage, Jubiläen usw. 6. Abt. Bezir! 502. Unferem Genoffen Gustav Deblik au seinem 60. Ge burtstage bie beralisten Glückwünsche, 72. Abt, Wilmersdorf. Unferem verdienten Genoffen, bem Begietsverordneten Gottlieb Sek, und seiner lieben Frau Die herzlichsten Glückwünsche zur Silberhodaeit. Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation in verfierben, Chre seinem Andenken. Die Einäicherung hat bereits am 42. Abt. Unser Teber Genoffe Sermann Thiebede, Mittenwalder Str. 36. 28. Oftober stattgefunden. SEJ Sozialistische Arbeiterjugend Ør.- Berlin Ginsendungen für diefe Rubrif nur an das Jugendfelretariat Berlin GB68, Lindenstraße 3 Wanderleiter- Konferenz. Mittwoch, 30, DItober, 20 Uhe, im Jugendheim Lindenste, 4, p. 1. Bartrags Jugendherbergen und Serbergseltern". Referent: Serbergsvater Alfrid Curzaleti von der Jugendherberge Neu- Behlefans. Sebe Abteilung muß per. treten fein. Deffentliche Wahlfundgebung der Arbeitersportler am Donnerstag, dem 31 Ottober, 19% Uhr, im großen Caal des Lehrervereinshaufes am Alexanderplek. Bunbeseftfilm von Nürnberg. Lortrag des Etadtverordneten Genossen Kreuziger, Eintritt frei. PRIC Rojen Heute, Dienstag, 29. Oftober 19% Uhr: Rölln jcher Bart: Seim Baisenstr. 18. Mitalicbezverfammlung. thaler Borstadt: Echule Elisabethkirchstr. 19. Mitgliederversammlung, Westen II Beim Bitlauftr. 88. Bortrag: Gemeinichaftsleben auf Wahrten", Brunnenplay: Weltliche Schule, Tank Ede Wiesenstraße, Vortrag: Revolution pher Evolution?" Gefurbbrunnen 1: Schule Gotenburger Str. 2. Boriras: Sichtung". Unfere Aleidung". Schillerpart: Schule Schöningstraße, Bor rog: Arbeiters Webbing: beim Turiner Ede Seeftraße. Bortrag: Arbeiter jugend und Serbergswert". Bebbing( R.): Schule gütticher Str. 4. Borttag: Gemeinschaftseraichung", Webbing Norb: Turiner Ede Geestraße. Borirag: Bir und die Gemerfichaiten". Arnswalber Blas: Seim Raften. burger Ede Wehlauer Straße. Bortrag:„ Grundfäße des Sozialismus". I.= Rotbolt 1: Sejm Danziger Str. 62. Corirag: Aufgaben der Arbeiterschaft in her Sommune". Wörther Blast Soute Seilanienallee 82. Bortrag: 3nter nationaler Rinderschus", Friebridsboin: unlipnärisung im Jugendheipt. Stralauer Biertel: Seim Cokleritr, 61. Suntsionärisung, Selenheide: Seim Malferioris. 0. Coriraat Fopfeteukend".-Südmeft; Seim Linden ftraße 4, Portran Sosiales Wandern" Bir beteiligen uns morgen, Mitts was, en der Beteranenfeier ber 40, Abteilung im Sipoli"( reuzberg). Stoneberg IV(...) beim Souvifte, 15. Rifle Abend, Charlottenburg: Seim Charfsttenjte. 4, Berican: Mufcaben bes 7. Besitis, Pahlem( R): -Mazien Selm Zehlendorf, Bahnhofftr. 3. Vortrag:" Die Internationale dorf: Schule Porifte. 7. Oprirea Panzerfreuzer". Stealik: Matterengruppe. Seim bred fir. 47. Tanespolitische Fragen, Brik 1: Seim Rathaus, Chauffeefte 48, Bortrag: Berliner Sumor". Neukölln 1: Seim Flughafen fte. 68. 10 Minuten.Meferate, Neutra IV: Beim Schjertefte, 44, 10- MinutenDieferate, Mentin V: Seim Böhmische Str 14. immer, 2. Bortres: Sommunalpoliti!". Referent; Gufte Barief. Mentolin VI; Seim Treptower Cirage 05-06. Geener- benb, III,== Meulölln VII: Soule Raifer- FriedrichStraße, Vortrag: Proletar fche Maler". Reukölln Vill Schule Rütigke Bimmer 28, Fortran Sosialisten. Kommunisten, Anarchisten uim, fan IX: Soule Diarierborier Men. Vortrags Sexuelle ragen", Neufan X(); Seim Bergür. 29. Paum III. Portrea: Bas mollen me sten Fallen" Aprenid: Seim Dahlwiger Straße. Milaliederverfammfung. Micberschöneweibe: Schule Berliner Sir, 31 Wunttionärfisung. Sermsdorf; Seim confiraße, Vortrga:„ E und Partei". Berbebegiet Martow; Seim Görid ftr. 14, BerhebesirtamitalieperverfammTune. Vortrag Sommunalwahlen und Arbeiterfchaft". Referent Gepra Albrecht. Berbebezitt Zeltowtonal: Der Bildungsturfus beginnt nicht beute, fondern erst Dienstaa, 3. November. 77210 TEXT TE Werbebesist Prenafener Besa: Sonntag, 3. Povember 18 Uhr, findet in der Soulaula, felmit. 49, pie internet'onate eier Nieder die Grenzen ftatt. Aus beni ropramm: Muff, Mesitationen, Anferade der Genaffin Mathithe Burm, MD. M. Eurecher, Bienaufführung, Szenen aus i valen vim. Cint 80 Sie Sartén find bei ben Gruppenfuafondren erhältlich. Familie vete Fahnen und Srithahner muffin resitis mife gebracht werden. intristarten, die bis zum 3. November, 17 Uhr, nicht abgerechnet sind, müssen bezahlt werden. Borträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Golb Gefättstelle: Brefin@ 14 Sebaftienlit 87/88 Sai?? z. Canto Brisverein). Spoziter und Juustomeraben 80. Prieber. 2014 Uhz, in ber Turnhalle Modantiirake, Training. Sanitätsabteilung: Anmeldungen für Sanitateturle Donnerstag, 31. Doher pon 20-21 Uhr im Gavbureau, Tempelhof Orionercin), Pienstean. 29 pl. laber, 1914 hr Geoffous in Neuempelhof, Foltsfmuie, Wittelsbacher Morfo 48 Webbing( Ortsperein), Wittmed, 80, Diteber, 19 Uhr, Gealous Hir bie öffentliche Frauenperfammlung der EPD. in ben Pharusfälen, Müllerftraße 14. Berliner Rither- lub übt jeden Dienstag, 20½ Uhr, im Clubhaus OhmStraße 9. Spieler und Gäfte willkommen. Ein neuer Elperantaturfus für Anfänger, veranstaltet von ber fperante Gesellschaft Charlottenburg, beginnt mach, 30. Ottober. 20 Uhr, in her Raiser- Friedrich- Echufe, Anefebedftr. 24( Caalgunplak). Anmeldungen abends. Longe low English Debatin Club. Mittwoch 20 1/ hr: Zahnärztehays Bülowstr 104. Guttmannsaal: Prof. Wendlandt Lives of Great Men: Benjamin Disraeli( Lord Beaconsfield) Sport. Rennen zu Mariendorf am Montag, dem 28. Offeber. 1. Rennen. 1. Gitelfeit S. Schröder). 2. lauhrumpf Worgar. Toto: 53:10. Plag: 12, 10: 10, Berner liefen: Rata organa, cania 2. Rennen. 1. 2ornzieber( auk ir.), 2. abrenheit, 3. Galgaffe. Teto: 36:10 Plat: 22, 14, 16 10, Ferner liefent Buide the Great, Gretel, Fehrbellin, Morgengruk I, heurefa, 3, Rennen, 1. Mapbia( Raub ir), 2. Ripplede, 8. Billes. Tate: 37:10. Blaz: 26, 28, 21:10. Ferner liefen: Nonne, Alpenfeuer, Celtstrap. Bigfter. 4. Mennen 1. Seinrich( Neuenfeld), 2. Barmenia, 3. Lanes Tuffy. Zete: 31:10. Blat: 14, 15: 10. Werner lief: Linbowgold 1. disqu 5 ennen 1. Marie Luise( S. Stauppet), 2. Lindenmilin T, 3. Lehtab Polo, Toto: 63: 10, lag: 24, 44: 10. Gerner lieten: Trotteur, Fels, Britton. 6. Mennen. 1. Beate(. Hellwig). 2. Freiberg. 3 Beata aff. ple: 28:10. Blas: 16, 86, 42:10. Ferner tiefen: Siegesabler, Beter Hall, Baron Gabler, Wagner, Dienstag 29. Oftober 1929 Unterhaltung und Wissen Fritz Miller- Partenkirchen: Schwarz und weiß Es war feine lustige Zeit. Das war die Zeit, wo Vaters Bart das Grau verlor und plöglich weiß geworden war, schlohweiß. Beilage des Borwärts geschaltet, und das Gefahrenmoment vielleicht vergrößert. Die Zugbeeinflussungsvorrichtungen müssen also absolut unfehlbar sein, sie müssen bei jedem Wetter, auch bei Regen, bei Vereijung, bei Schneewehen funktionieren, Das sind Ansprüche, die bisher noch nicht in im Kampfe liegen an den Schläfen mit der Mutter Hand. Und wer pollem Maße erfüllt sind. dann siegte.. menn, Oh, Vater war noch stattlich, äußerst stattlich. Fest und aufrecht ,, Es wäre teine schlechte Stellung gewesen, Mutter. Und er hätte schritt er hin. Seinen Rücken hatten sie ihm nicht verbiegen können, ich sah es deutlich, Mutter weil der nicht verbiegbar mich genommen die Entlassung. Das war's ja gerade wenn nicht der Bart der weiße Bart du weißt schon, Mutter." war, deshalb hießen sie ihn gehen. ,, Water," hörte ich der Mutter Stimme zögernd, Bater, wenn du einmal ,, Man kann es ihnen nicht verdenken, Mutter. Sie wollen junge Leute haben, Leute, welche teine weißen Bärte-" Fünfzehn Jahre war's so recht gewesen. Die rechte Hand war Bater in der Gießerei. Kein Guß und feine Form, zu der nicht Bater erst sein Ja und Amen hätte sagen müssen. Und sie hätten ihn den Jahren nach den Alten" heißen können. Sie taten's nicht. Er blieb zu straff dazu. Straff und gütig. Da saß der Haken, Dem neuen Generaldirektor war er viel zu gütig gegen solche, die ihm unterstanden. Immer sorgt er erst für diese," hieß es ,,, wo bleibt da das Werksinteresse." Das geht nicht länger," sagte der Direktor, das ist eine Schlamperei, verstehen Sie, eine Schlamperei!" Alles Frühere war eine Schlamperel beim neuen Generaldirektor. Die Urlaubslänge der Beamten eine Schlamperei. Pensionsberechtigungen eine Schlamperei. Schlamperei waren Vaters Brämien an die Guẞarbeiter. Und da Vater fest blieb, war sein Werk zu Ende in der großen Gießerei. Ein Fünfzehnjahreswert zu Ende in der Gießerei das ist nicht dasselbe, wie wenn man einen Federhalter hinlegt, um an ein anderes Pult zu gehen. Bureaubeamte haben es da leichter als ein Gießermeister. Bureaubeamte senten teine Wurzeln in das Haupt buch oder in das Tintenfaß, bei dem sie gerade stehen. Sie permachsen selten mit dem einen Pult auf Leben oder Sterben. Anders ift dies in den Hallen einer Gießerei. Hier senkte Bater seine besten Wurzeln in den Sand der hundert Formen. Hier verwuchs er mit den rotgeschrichenen Hölzern. Hier schweißte Feuersglut und silbern rinnendes Metall den Mann zum Bert an Ort und Stelle. Hier badte er zusammen mit dem Eisen und ward wie es, starr und treu und fest. Wer aber sagt, die eine Gießerei sei wie die andere, die blauen Flämmchen, die unterm eingelaufenen Gußstück mit den Zungen in die Berkstatt leden, jeien immerfort dieselben, ba und bort- ei, ber ift noch in teiner Gießerei gewesen. Der hat keine Ahnung, mię es tut, wenn man den Menschen von dem Werte trennt, an das er muds. Der weiß auch nicht, wie's Bater da zumute war, als er zum tegten Male die enge Tür beim Pförtner streifte, durch welche täglich tausend Menschen gingen, tamen, wieder gingen, wie Flut und Ebbe an den Meerespforten. Der weiß das so wenig wie wir Kinder damals, als der Bater beinah über Nacht mit einem weißen Bart am Zische faß. Unfer Jüngster flatschte in die Hände. ,, Seht, ach, seht doch, Vaters Bart ist weiß geworden!" Mutter fagte nichts und blickte immerzu in ihren Suppenteller. Mber Bater scherzte; Wir hatten neulich weißes Feuer in der Gießerei, versteht ihr, bas hat ihn so weiß gemacht, den Bart." Oh, weißes Feuer!" sagte poll Bewunderung unser Jüngster, ,, meißes Feuer..." Und seine Augen träumten wie im Märchen in die Beite. Wir haben Vaters weißes Feuer nie vergessen. Ich aber war der Aelteste und sah in Baters Aug' was fladern, was sonst nic darin war: die Sorge. Die Sorge, die ihm jetzt mit Mutter um die Wette übers Haar strich. Die Mutter übers Haupthaar, und die Sorge um den Bart. Wober es schließlich tam, daß Baters Kopfhaar schwarz blieb, schwarz und wellig, wogegen der Sorge meißes Feuer immer lichter um den Bart des Vaters lohte. Und jedesmal, menn Bater von einem pergeblichen Bewerbungsgang vom Bahnhofe tam, schien das weiße Feuer weiter an den Wangen aufgeloht zu haben. Nicht lange mehr, dann mußte es " Weißt, Bater, sei nicht böse, aber wenn du einmal ausnahms weise ich glaube, es gibt da ein ganz unschädliches Färbemittel, ,, Mutter, ich hab mein Lebtag nie geflunkert. Soll ich jetzt in meinen alten Tagen..." Bater Es gibt sehr verschiedene Arten und Systeme der ZugbeeinEinmal faß ich länger über meinen Auffah, als ich sollte. Da fluffung. Teils versucht man es auf mechanischem Wege, indem bei Haltsignal eine Fahrsperre sich zwischen den Schienen hebt, bie hörte ich im Nebenzimmer Baters Stimme: einen Bremshebel auslöst. Teils versucht man es auf elettromagnetischem Wege. Das Halte signal schaltet einen efefir fen Magneten ein, der seine Wirkung auf die vorüberfahrende Lokomotive und ihre Luftdruckbremse ausübt. Neuerdings versucht mon es durch optische Methoden. Aber alle diese Einrichtungen befizen noch Mängel und sind noch nicht zur Vollkommenheit entwickelt. Die mechanische Vorrichtung bremst den Zug erst am Haltefignai. Er rutscht also bei großer Geschwindigkeit um ein erhebliches Maß darüber hinaus. Trogdem hat man diese Fahrsperre auf den Stadt und Borortbahnen in Berlin und Hamburg bereits eingeführt und für diese Strecken, die keine allzugroße Geschwindigkeit ausweisen, hat sie sich auch gut bewährt. Auf allen Schnellzugsstrecken aber find wir noch im Bersuchsstadium. Die elektromagnetische Zugberin fluffung ist bisher versuchsweise bei 44 Lokomotiven und auf Strecken von etwa 2000 Kilometer Länge eingeführt. Eine verblüffend einfache Lösung ist die neue optische Bugbeeinflussung, die ihre physikalische Grundlage in der Einwirkung des Lichtes auf eine Silenzelle befiẞt. Ein von der Lokomotive dauernd in veriltaler Richtung ausstrahlender Lichtstrahl wird durch einen außerordentlich) fein entwickelten Spiegel im Haltefignal auf einen bestimmten Punkt der Lokomotive mit Millimetergenauigkeit zurückgeworfen und be lichtet die Silenzelle. Im Augenblick der Belichtung schließt dieie den elektrischen Strom, der durch einen Magnetschalter eine Notbremseinrichtung betätigt. Auch mit diesem Apparat wurden Berfuche vor allem im Direktionsbezirk München durchgeführt. Er hat sich selbst bei Regen, Schnee und Nebel bewährt. Vielleicht werden wir nicht mehr allzu lange auf die endgültige Beantwortung unserer Fragen durch die Tat warten müssen, vielleicht wird unser maschinenspelendes Zeitalter auch den Apparat erfinden, der die Maschinen bändigt und unter vollständiger Kontrolle hält.. K. A. Schilling, Da war ich ganz leise durch die Küchentüre auf den Gang geschlichen. Wie im Traume ging es treppenabwärts. Und dennoch weiß ich heute noch wie damals nein, heute noch viel deutlicher als damals- was für Gedanken mir bei jedem Treppenabsatz durch die jungen Schläfen gingen. Das war also die Sorge. So jung ich war so jung leise knisternd stieg es mir im Innern aufwärts- das weiße Feuer das weiße Feuer... Dann kam ein Tag, da Vater sich zu Tische setzte, nein, da Bater die Türe öffnete, und ich mir dachte: ,, Das ist doch nicht des Baters Griff. So drückt der Vater feine Klinke nieder so zögernd und so lautlos?" Aber dennoch war er's. Inficher ging er zu dem Mittagstische. An eine Ede stieß er sich. Unseren Augen wich er aus. Seine schauten bittend in die leere Luft. Warum warum-? Blöglich sah ich's: Vaters Bart war wieder schwarz geworden. Bon einem glänzenden, von einem aufdringlichen Schwarz starrte Vaters Bart. Und dann war's wieder, daß unser Jüngster in die Hände patschen wollte. Ich hörte ihn im Geist schon schreien: ,, Seht, ach, seht nur, Vaters Bart ist wieder schwarz geworden!" Ich aber hob den Blick zum Jüngsten und sah ihn an drohend, stumm. Da schwieg er. Da lohte es wieder weiß über unseren Mittagstisch. Da legte es sich schwer und ehern über diesen Tisch. So schwer und ehern, wie sonst nie vorher und nie danach. Denn am nächsten Mittags tische doch halt, ich muß ja erft pom Abend vorher was erzählen. Also, da es schon dunkel wird, hören wir des Baters Tritte auf dem Gange, fest und voll. Wieder geht die Klinke an der Türe abwärts, aber gar nicht zögernd. Ja, das ist wieder Vaters rechter Griff Eine neue Schwangerschaftsdiagnose 3ur Feststellung der Schwangerschaft hatten por einiger Zet: die beiden Forscher Prof. Dr. 3ondek und Prof. Dr Aschheim eine neue Methode angegeben, welche sich auf dem Vorkommen cines beftimmten Stoffes im Urin aufbaute. Um die Angaben der Gerscher zu prüfen, übersandte ihnen die Frauenklinik Berlin ohne Angabe irgendwelcher Krankheitszeichen von 48 Patientummen Urin proben. Bondet und Aschheim sollten nun phne die geringsten Kenntnisse der Patienten sagen, ob in den einzelnen Fällen woll eine Schwangerschaft vorliege oder nicht. In 47 von den 48 Fällen trafen die Antworten das Richtige! In nur einem Fall war die Antwort falsch. In einem anderen Fall, bei dem 3. und 2. ihre Brobe als negativ bezeichneten, handelte es sich wohl um eine Schwangerschaft, die Frucht war aber bereits abgestorben. Nicht in einem einzigen Galle reagierte der Urin mit pofitipem Ausschlag bei Nichtschwangeren. Dabei ist von größter Wichtigkeit. taß auch bei allen Frühschwangerschaften die Untersuchung das richtige Ergebnis erbrachte, daß immer einige Zeit später von den bestehenden alfachen bestätigt wurde. Wenn man bedenkt, mit welcher Sicherheit diese Probe ausgeführt werden fann, so kann die Entdeckung der beiden Forscher gar nicht hoch genug bewertet werden. Denn fie die Fehler von 2 Brozent, wie sie von Zondet und Aichheim auch fchon früher angegeben wurden, sind so minimal, daß sie praktisy faum ins Gewicht fallen. Auf geht die Tür. Barer steht im Zimmer, breit und aufrecht. Schneeluft hat er mitgebracht von draußen. Sie weht von feinem Mantel, frisch und zuversichtlich. Gleich wird er sprechen. Ja, so benten wir, Und wie ein zweiter Sturmwind fahren mir jegt über Bater her, wir, die Mutter und die Kinder: " Bater, was gibt's neues?" ,, Bater, rede dach, was ist?" Aber Bater, wie magst du uns nur so lange zappeln lassen!" Bater aber sagt mit seiner alten Ruhe wieder: 44 ,, Aber Kinder, laßt mich doch erst perschnaufen.. So- jest den Mantel ab... Go und jetzt den Hausrod on Da jeh ich, wie es heiter über Mutters Züge blißt: ste drängt nicht mehr, sie weiß genug. Und so mar es auch. Bater hatte wieder eine Stelle. Bater hatte wieder eine Gießerei, Noch größer als die erste, Und nach einer Beile hatte er in diese doch noch seine Wurzeln gejenti... Was soll ich noch erzählen, Wie? Der Bart? Der schwarze Bart? Ach soja, der ist langJam wieder weiß geworden ja- wieder weiß wieder weiß doch von der Sorge nicht... Automatische Zugbeeinflussung Warum gibt es in unserem Zeitalter der Technik immer noch Eisenbahnunfälle, die auf das Versagen der menschlichen Aufmert famkeit zurückzuführen find? Warum haben wir noch immer feinen Apparat tonftruiert, ber, zuverlässiger als die manchmal verjagende menschliche Aufmerksamkeit, diefe bei der Beobachtung der Cifen babnjignale ersetzt? Wann endlich werden wir unsere Eisenbahn mit Einrichtungen ausrüften, die jeden Unfall, der durch Ueberfahren ven Signalen entsteht, vollkommen ausschließen? Das wären die Fragen, die mahl die ganze Deffentlichkeit bei dem legten furcht baren Zusammenstoß in der Nähe Nürnbergs ebenso bewegten, mie noch gar nicht lange zuvor bei dem großen Eisenbahnunglück res Baris- Brüssel- Erpres in Belgien. Für den Bruchteil einer Gefunde nur batte pamals die Aufmerksamkeit eines Lokomotiv. führers verjagt; die Feige waren 10 Tote und mehr als 30 Schwer verlegte. Diese Fragen stellen wir immer wieder, wenn durch Ueberfahren eines Saltfignals fich ein Unfall ereignet; auch dann, wenn ein Berschulden nicht den Lokomotivführer, sondern den Signal: märter treffen sollte Milliarde passieren im ganzen Jahr 20 Irrtümer, benn zwanzig größere oder kleinere Unfälle hat man durchschnittlich in den feßten brei Jahren registriert, deren Ursache im Ueberfahren von Halt brei Jahren registriert, deren Ursache im Ueberfahren von Halt signalen zu suchen war. Das ist in der Tat erstaunlich wenig und zeugt faft für den Menschen gegen das Material und gegen bie Maschine, denn ob in einer Milliarde Fällen nicht auch die Maschine zwanzig Bersager aufzuwelsen hat, das müßte bei allem Bertrauen, das wir zu unseren technischen Apparaten haben, doch erst noch bewiesen werden. In der Tat, die Ausbildung des Reichsbahn: perfonals und das Verantwortungsbewußtsein unserer Bokomotivund Zugführer ist vorbildlich. Der Dezernent im Reichsverfehrs ministerium hat recht, leise über das Erstaunen zu lächeln, das diese Ziffern bei seinem Zuhörer auslösen. Immerhin, so schnell bekennen wir uns nicht geschlagen, Eben diefe zwanzig Unfälle sind es ja, die unsere Frage nach dem„ Warum?" und dem„ Wann endlich?" hervorgerufen haben. Diese zwanzig Unfälle bedeuten vielleicht einige Dußend Tote und mehr als hundert Berletzte, " Europas erster geographischer Tierpark Der erste große geographische Tierpart, in dem die Tiere nicht in Käfigen und engen Gehegen gehalten werben, sondern nach ihrem geographischen Vorkommen in ganzen Ziergemeinschaften fich frei bemegen, ist jetzt zu Hellabrunn bei München geschaffen worden. In der Wochenschrift Die Umschau" schildert Dr. Frichinger diese wundervolle Anlage, die dem Besucher Eindrücke und Bilder vermittelt, wie er fie niemals im Zoologischen Garten erleben fann. Da sieht man 3. B. in der Abteilung„ Der deutsche Hochwald" ganze Rudel von Rotwild fich tumpeln, während sich in dem Gehege Waldgelände" Rehe und Hasen, Kraniche, Fasanen, schwarze und weiße Störche frei bewegen, Auf dem Terrain„ Grönland" find Renntiere und Seehunde mit verschiedenen Gänsen und Möwen friedlich vereint. Die„ südamerikanische Steppengemeinschaft" idlicht die Tiere der füdamerikanischen Bampas zusammen, wilde Lamas und Alpacas, Bampasbasen, Wasserschweine, Strauße, Hirtenvögel, biffe usw. Die packendsten Szenen bieten sich aber in den beiden Abteilungen Afrikanische Wildsteppe" und„ Affenland" dar. In dem Wildsteppengebiet, das auch eine Wildtränke hat, befinden sich Trupps galloppieren, während sich Marabus in behaglicher Ruhe jonnen und Scharen von Kranichen, Perthühnern und Störchen hin und herziehen. Im„ Affenland" fummeln sich 150 Affen auf einer weiten Fläche oder bocken, wie die Baviane, auf Felien. Da sind 90 Mantelpavione, 10 Bärenpaviane, 25 Drills und Mandrills. von Zebras, Antilopen Gnus und Wildefel, die munter herumZum ersten Mate sind auch die Haustiere der einzelnen 3onen in Gruppen vereinigt. Die europäischen Haustiere, so die Steppenrinder und bie idswedischen hornlosen Rinder, Heidschnucken und andere Schase, haben ihr Gebege neben den afrikanischen und afiatiichen Haustieren, den Dromedaren und Wafferbüffeln, den Kamelen, ichen Haustieren, den Dromedaren und Wafferbüffeln, den Kamelen, Bals und zahmen Zebus. Eine besondere Gruppe bilden die Zwerghaustiere, so die Bonies, die Zwergesel von Ceylon, Zwergziegen Tierparkes ift ein Museum, in dem die Tierwelt der Vorzeit in schönen Zusammenstellungen vorgeführt wird; außerdem finden fich hier biologische Bilder aus dem Tierreich. So eröffnet der Tierpart Hellabrunn ganz neue Wege der Tierpflege und des Tierstudiums. aus Kamerun usw. Cine dritte Besanberheit des geographischen = m Wir haben deshalb versucht, quf diese Fragen einmal von der zuständigen Stelle im Zentralamt der deutschen Reichs behn eine befriedigende Antwort zu erhalten. Es ist feltfam, wie ebärden auf solche Fragen reagieren, Zunächft fühlen fie immer Hi Berpflichtung, nachzumeijen, daß eigentlich die Frage überhaupt nicht berechtigt ist, und zum Beweis dafür marschieren hann Zahlen auf. In der Lat erschüttern uns diefe Zahlen zunächst erheblich in der gemachten Empörung, mit der wir unsere Frage gestellt haben. Die Reichsbahn befigt auf ihrer Streckenlänge von mehr als 53 000 titometer über 92 000 Signale. Brgendeiner pon den wüten den Statistikern hat ausgerechnet, daß die 3üge der Reichsbahn in einem Jahre insgesamt eine milliarde mal an einem Signal porbeijahren. Nachrechnen fann das feiner affo tun wir gut, es zu plauben. Eine Milliarde mel bliden die Lofomotipführer per Reichsbahn alle zusammen natürlich auf das Signal, um feftzuftellen, ob grünes oder rotes Licht aufleuchtet, ob der Hebelarm gen Himmel oder quer über die Schienen weist. Und bei dieser 2837 Selbstverständlich, so beginnen alle Dezernenten alter Mini fterien, die eine unangenehme Frage zu beantworten haben, jelbit verständlich macht die Reichsbahn seit Jahren ernsthafte Berjude mit der automatischen Signalficherung. 3 ug beeinflussungs, norrichtungen", to beißt biefes Rapitel im Schriftengang der Reichsbahn. Es gibt fchon Streden mit Bugbeeinftullungsvorrich tungen nämlich etwa 20 000 Allometer, alfo nicht viel mehr als 50 Brezent des Streckennetzes, Aber mit diesen Bugbeeinfuffungs vorrichtungen ist es eben feiber nicht so einfach. Sie fönnen leicht eine neue Gefahrenquelle für die Reichsbahn werden. Man muß bedenken, daß in dem Augenblid, in dem die Reichsbahn ihre Signale mit automatischen Bugbeeinflussungsvorrichtungen versteht, in ganz natürlicher Folge die Aufmerkjamfeit der Lokomotivführer finken muß. Das ist nun einmal menschliche Eigenschaft, daß nach Einführung einer bestimmten Sicherung, bie ja in allen Fällen funktionieren soll, die Aufmerksamkeit sich erheblich vermindert. Benn affo die Bugbeeinfluffungseinrichtung einmal verjagt, wenn fie nicht unfehlbar ist, so ist ohne Frage eine neue Gefahrenquelle ein| farten angetroffen. Zweieinhalb Millionen blinde Ballagiere, Aeußerst günstige Reifemöglichfelten scheinen auf der indischen Renira'bahn zu herrichen. Im Laufe des Jahres 1928 murden in den Zügen mit erfter Staffe eima ameieinhalb Millionen Pallaglere ohne Fahr Theater, Lichtspiele usw. Dienstag, 29. 10. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 234 20 Uhr André Dienstag, 29. 10. Städt. Oper Bismarckstr. Turnus II 19 Uhr Chenier Don Carlos Staats- Oper Staatl. Schausph. Am Pl.d.Republ. Vorst. 73 19% Uhr am Gendarmenmarkt A.-V. 207 20 Uhr Hoffmanns Die Weber Erzählungen Staatl. Schiller- Theater, Charlth. 20 Uhr 2x2= 5 SCALA Tägi. 2 Vorstell. 5 und 82 Uhr Barbarossa 9256 Wochentags 5 Uhr 50 Pf. bis 3 Mark Tägl. 82 u. Sonnt. 5 Uhr 1 bis 6 Mark Letzte Tage! Charlie Rivel, 3 Whirlwinds, Long Tack Sam usw 5 PLAZA Tagl. S u. 815 Sennt. 2, 5 u. 8 18 Alex. E. 4.8066 INTERNAT. VARIETE Grosses Schauspielhaus 8 Uhr: 3 Musketiere REGIE: 3 CHARELL Sonntag nachm. ungek., halbe Pr. Renaissance- Theater Täglich 8 Uhr STEMPELBRUDER Schauspiel von Duschinsky. Regie: Gust. Hartung. Steinplatz C1. 09 01 u. 2583/84. Deutsches Theater Lustspielhaus D.1. Norden 12 310 Friedrichstr. 236 814 Uhr Der Kaiser v. Amerika von Bernard Shaw Reg: Max Reinhardt Bergmann 2922 Täglich 8 Uhr Grand Hotel Lustspiel von Paul Frank Volksbühne Theater am Bülowplatz 8 Uhr Frühlings Erwachen Staatl. Schiller- Th. 8 Uhr 2x2= 5 Staatsoper am Platz der Republik 712 Uhr Hoffmanns Erzählungen Theater am Schiffbauerdamm 814 Uhr Gefallene Engel Trianon- Th Merkur 814 Uhr 2391 Die Ballerina des Königs" mit Elisabeth Strickrodt, Leumann, Strom, Semier, Ludwig, Harden Direktion Dr. Robert Klein Deutsches Künstler- Theat Barbarossa 3937 8 Uhr Die andere Seite Berliner Theater Dönhoff170 81 U. Zwei Krawatten von Georg Kaiser Musik Spoliansky Theat. a. Westens Tägl. 8 Uhr Marietta Musik v. Oskar Straus Käthe Dorsch Michael Bohnen Winter Garten* 46 8 Uhr Zentr. 2819 Rauchen erlaubt Letzte Tagel Linder" die Ton- Sensation und weitere Attraktionen. Heute zu Ticks: billige und gute Lebensmittel einkaufen Wurstwaren Dampfwurst. Sülzwurst... Pid 95PT. PIA 98PL Hausm.- Leberwurst Pid. 1,05 Fleischwurst. Jagdwurst........... Corned beef me. - Mengenabgabe GEMUSE UND OBST Kohlrüben Möhren gewaschen.......... Weisskohl.. Ptd 4PL, ESS- u. Kochäpfel Pia 5PL Schweizer Essäpfel. Ptd. 5Pt. Goldparmänen... 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