Morgenausgabe flr. 509 A 256 46. Jahrgang WöchoUllch 65 monatlich 6,60 in km voraus zahlbar. Postbezug 4«ZZ M. »wschltetzlich öO Pfg.Postzeituags» 72 Pfg. Postbestellgebührea. Ausland»' abonnement 6.— M. pro MoNal. Der«SDnv&rts* erscheint wochentüg. kch zweimal. Sonntags und Montags atumal. die Abendausgaben für Berlin und tm Handel mit dem Titel.Der Lbend-, Illuftriene Beilagen.Doli «nd Zeit" und.Ainderfreuno". Ferner .Unterhaltung und Wissen"..Frauen» stimme"..Technik"�.Blick in die vücherweU" und.2ugend»Lor»Srt»* Vevttnev Vvttsblatt Mittwoch ZV Okiober 1S2S Groß-Äerlin 1V pf. Auswärts i 5 pf. t q• NonpareillezcN, zetl» ö— Reich»-' XHe««» s p a t t i W Pfennig. ReName�etle mark„Kleine Anzeigen' das iettge. druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zroe« fsttgedruckte Worte), jedes wettere Wori 12 Pfennig. Stellengesuch» dos erst» Wort 15 Pfennig, jedes wettere Wort Ii) Pfennig. Worte üb« 15 Buchstaben gafalen für zwei Worte. Arbeitsmarck» Zeile 60 Pfennig. Familienanzetgen Zeil« 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt« O«ichöjt Lindenftrabe S. wochentäglich voll BVs bis 17 Uhr, Jentralovsan der Sozialdemokratischen ISavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhofs 2S2— 297 TeIegramm»Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 37936.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten tmd Beamten, Wallstr 65. Diskonto-Gesellschaft, Depositenkasse Lindenstr. 8. Hugenberg durchgefallen. Klägliches Ergebnis des Inflationsbegehrens. Gegen Mitternacht waren aus Orten und Kreisen mit insgesamt 11 175 000 Stimmberechtigten 603 138 Eintragungen gezählt. Der Durchschnittssatz der Eintragungen in diesen Orten ist 5,4 Prozent. Wenn auch die Ergebnisse vom stachen Lande diesen Durchschnittssatz noch etwas nach oben vcr- schieben werden, so kann doch jetzt schon angenommen werden, daß die für das Zustandekommen des Volks- begchrcns notwendige Eintragungszisfer nicht er- reicht worden ist. In B er l i n sind rund 240 000 Eintragungen erfolgt. Das sind 7,6 Prozent der Stimmberechtigten. noch nicht die Hälfte der Stimmen, die die Parteien des Jnflationsbegehrens bei der letzten Reichstags- Wahl erreicht haben. In Hamburg beträgt die Zahl der Ein- 'tragungcn etwa den dritten Teil der Stimmen der Bolksbegchrenspartcicn bei der letzten Reichstags- Wahl. Oer lehie Tag m Berlin. Am Dienstag, dem letzten Tage, trugen sich in Verlin em: >. 29- 10. 28. 10. Neukölln»»,». 1213 Friedrichshain 1440 Prenzlauer Berg.,». 1639 Wedding. 1262 Reinickendorf...... 644 1066 1369 1411 1182 557 Die Gesamtzahl der Eintragungen in Berlin wird rund 240 000 betragen, das sind 7.6 Pro z. der wahlberechtigten. Die Stimmenzahl der Parteien des Znslationsbegehrens bei der Reichstagswahl im Mai 1928 betrug 513 000. noch nicht die hälft« ihrer Wähler hat sich eingezeichnet! Wahlkreis Düsseldorf Ost. R armen. 29. Oktober. Räch dem vorläufigen amtlichen Gesamtergebnis haben sich im Reichstags-wahlkreis Düsseldorf- Oft von 1465 384 Wahlberechtigten 29 280 in die Listen zum Volksbegehren eingetragen. Bolksstaat Hessen.* Frankfurt a. M., 29. Oktober. Zm ganzen Volksstaat Hessen haben sich von 913 867 S kimmberechtigten 27 586 sür das Voltsbegehren eingezeichnet. Einzelergebnisse. Hvgenberg-Ziasko in den Städten. Von endgültigen Einzeichmingsergebnisien liegen bisher vor: Stadt Stuttgart.... Stadtkreis Schneidemühl Insel Helgoland.... Rostock und Warnemünde Schwerin...... Frankfurt am Main.. Chemnig...... München Trier Düren..... Koblenz-Stadt». Krefeld.. Duisburg. Dortmund.... Mühiheim...» Landkreis Solingen Hamburg Stadt u. Land Stadt Essen.... Bochum..... Dresden. Hannooer. »» •» k i» • k Eintragungen . 9107 . 2160 128 . 8 993 . 4 274 . 6 500 . 46 936 . 28 550 117 , 107 k 682 . 2 978 . 8 017 . 4 340 . 3 588 . 1418 . 35 630 . 6 545 . 5 509 . 28215 . 8360 Stimmberechtigte 266 000 25 700 1789 ' 58 615 33 374 425 000 239 000 464 000 40 000 26 000 42 000 103 000 268 000 365 000 87 500 99 000 880 000 164 000 137 000 486 000 323 000 Die Krise in Frankreich. Das Rein der Sozialifien.— Weitere Bemühungen Daladiers. Paris. SS. Oktober. tEigenbericht.j Ter ausserordentliche Delegicrtentag der Sozialistischen Partei beschloh am Dienstag das AngebotDaladierS mit 15S0 gegen 1451 Stimmen abzulehnen. Die Sitzung nahm einen recht lebhaften, stellenweise stürmischen Verlauf. Als erster Redner sprach Bracke. Ab- geordneter des Departements der Seine, aus programmatischen Gründen gegen die Annahme. Ihm folgten mehrere Redner s ü r das Angebot Daladiers. Laroches. der Deputierte von Puy-de-Dome, der in der Palamentsfraktion gegen die Beteiligung gestimmt hatte, erklärte sich auf Grund der Umstände, unter denen ein Eintritt in die Regierung erfolgen sollte, für die Entsendung sozialistischer Minister in ein Kabinett Daladier. Aehnlich äußerte sich Tellier, der erklärte, die Tatsache, daß Daladier die Forderungen de? sozialistischen Gewerkschaften restlas in sein Regie- rungsprogramm aufgenommen habe, verpflichte die Partei geradezu, die Macht mitzuergreifen. Paul Voncour führte aus, es handele sich nicht um ein Problem der Doktrin, sondern um eine aktuelle taktische Frage. Auch die Gegner der Beteiligung erklärten sich zur Uebernahme der Macht bereit, wem? der Sozialistischen Partei eine dominierende Rolle an der Regierung gesichert werde. Das aber sei es gerade, was Daladier anbiete, nicht nur Eintritt, sondern gemeinsame Uebernahme der Macht. Es sei daher zu verlangen, daß die Partei ihrer Parlamentsfraktion Vertrauen schenke, auch wenn sie auf die Regierungsbank übersiedle. Wenn schließlich der Versuch nicht gelinge, bliebe immer noch der Weg der Demission offen. Gerade er, Paul Boncour, habe mit seinem Verzicht auf sein Am: als Völkerbundsdelegierter gezeigt, daß er sich nicht an die Macht klammere und sip wegzuwerfen wisse, weip es feine lieber, zeugung fordere. Gelinge der Versuch, so sei für die Demokratie U n a b f e»- bares gewonnen: mißlinge er. so sei immer noch nichts verloren. Leon Blum erklärte sich überzeugt, daß der Versuch, von dem Zkoncour gesprochen habe, iu der Kammer oonvornhereinzum Scheitern oerurteilt sei. Dann aber habe der Sozialismus durch seine folgenschwere Abweichung von der Parteidoktrün nicht nur nichts gewonnen, sondern selbst auch einem reaktionären Kabinett die Wege geebnet. Es folgte die Abstimmung, deren Ergebnis mit großer Span- nung aufgenommen wurde. Daladier gescheitert.— Kommt Briand wieder? Paris, 29. Oktober.(CigenberühL) Daladier, dessen Bemühungen um die Konstituierung einer ausgesprochenen Linksregierung nach der Enlfcheidung des sazia- listischen Delegiertentages aussichtslos geworden sind, hat den ihm erteilten Auftrag am Dienstag abend an den Präsidenten der Republik zurückgegeben. Zeht dürfte zunächst B r i a n d. und falls er wiederum ablehnen sollte, ein mehr nach der Mille ten- dierender Politiker der radikalsozialen Partei mit der Kabinettsbildung beauftragt werden. Die sozialistische Kammersraktion hat am Dienstag abend beschlossen, innerhalb der nächsten zwei Monate die E i n- bernsuag eines außerordentlichen Parteitages zu fordern. Daladier fetzt feine Bemühungen fort. Paris. S». Oktober. Wie in später Nachtstunde gemeldet wird, setzt Daladier nach einem Gespräch mit Briand seine Be« mühunge« um die Regierungsbildung fort. Er wird am Mittwochmorgen abermals dem Präsi- deuten der Republik einen Besuch abstatten. Mongolische rote Truppen haben die chinesisch« Grenzwache geschlagen und sind 60 Kilometer tief in chinesisches Gebiet ein- gedrunocn. Die Mongolen haben vier Städte besetzt und drohen, gegen H a i l a r vor, zugehen. Verstärkungen haben die Mongolen wieder zurückgeschlagen. Awei mongolische Flugzeuge haben Bomben über Hailar abgeworfen. Der pariser Beschluß. Mehrheit gegen Koalitionspolitik. Politische Entscheidungen ausländischer Bruderparteien sollen stets mit Objektivität, aber auch mit Offen- h e i t gewürdigt werden. Die traditionelle Pflicht der inter- nationalen Solidarität darf nicht zu einem Mangel an Aus- richtigkeit führen. Wir würden gegen das Gebot der Offen- heit verstoßen, wenn wir hier verschweigen würden, daß der gestrige Beschluß des Nationalrats der Sozialistischen Partei Frankreichs in weiten Kreisen der deutschen Sozialdemokratie Enttäuschung hervorrufen wird. Wir unterschätzen keineswegs die Schwierigkeiten und Bedenken, die gegen«ine Entscheidung im Sinne der Re- gierungsbeteiligung sprachen. Wir wissen, daß einmal das Schwergewicht einer antiministeriellen Tradition stärker in der französischen Partei ist als in den meisten übrigeik Ländern. Wir verkennen nicht, daß die Mehrheit, auf die sich das von Daladier in Aussicht genommene. Kabinett hätte stützen müssen, recht unsicher gewesen wäre: sie wäre auf die Stimmen der sogenannten Radikalen Linken, der Loucheur-Gruppe, angewiesen gewesen, die noch unzuver- lässiger ist als ein Teil der Radikalen Partei. Wir unter- schätzen nicht die Macht des Finanzkapitals, die in Frankreich ganz besonders gefährlich und bösartig ist, wo mit Hilfe einer von den Banken völlig abhängigen Presse panikartige Bewegungen unter den Sparern entfesselt werden, um mißliebige Regierungen zur Strecke zu bringen. Wir verkennen nicht die starke Belastung, die die französische Kolonialpolitik für unsere Genossen in einer Koa- lltion bedeuten würde: sie müßten, da eine Räumung Ma- r o k k o s praktisch einfach undenkbar ist, die Verantwortung für eine Politik scheinbar tragen, die sie seit Jaurös' Zeiten stet» bekämpft haben; ebensowenig könnten sie eine Preis- gäbe des Völkerbundsmandats über Syrien durchsetzen, zu- mal das faschistische Italien nur auf den Augenblick wartet, wo es an Stelle Frankreichs diese imperialistische Aufgabe im Rahen Osten übernehmen könnte. Durch die Aufzählung aller dieser Gründe— und es gibt sicher noch mehr— erfüllen wir die Pflicht zur Objektivität, die die Voraussetzung einer offenen Kritik darstellt. Demgegenüber muß aber ausgesprochen werden, daß die französischen Sozialisten als Aktivposten in der europäischen Politik abzuschreiben wären, wenn sie aus doktrinären Gründen jedes noch so vorteilhaftes Koalitionsangebot grundsätzlich ablehnten. Die Kritik, die sie itfs Oppositionspartei an der Politik der bürgerlichen Re- Gerungen üben, ist gewiß sehr nützlich und mit ihren 100 Mandaten sind sie sogar in der Lage, zusammen mit der bürgerlichen Linken ein Kabinett zu stürzen. Aber wenn im Endeffekt, wie das schon dreimal in den letzten Jahren ge- schehen ist, eine noch reaktionärere Regierung ans Ruder kommt als die soeben gestürzte, dann ist damit der französi- schen und der europäischen Demokratie alles eher denn gedient. Die französische Partei lehnt— mit Ausnahme des rein doktrinären Flügels um Z y r o m s k i— die Koalitionspolitik nicht grundsätzlich ab. Die Führer der jetzigen Parteimehrheit, L 6 o n Blum und Paul Faure haben betont, daß sie bereit wären, in eine von Sozialisten geführte und in ihrer Mehrheit aus Sozialisten gebildete Regierung auch einige Vertreter der bürgerlichen Linken aufzunehmen. Die Sozialisten sind aber in der Deputiertenkammer— vom Senat gar nicht zu reden— wesentlich schwächer als die Radikalen. Sie verfügen in der Kammer nur über 101 Mandate, also nur über weniger als ein Sechstel der Stimmen. Die Lage ist also doch anders als in England oder in Dänemark, wo den Sozialisten nur verhältnismäßig wenige Stimmen zur Mehrheit fehlen. Im übrigen sind es keineswegs nur Gründe der Doktrin, die die Gegner der Regierungsbeteiligung bewegen. Diese mögen bei den Schülern Jules Guesdes maßgebend sein, aber bei vielen anderen spielen auch lokale politische Er- wägungen die entscheidende Rolle: dort, wo sich der Wahl- kämpf hauptsächlich zwischen Sozialisten und Radikalen, auch in der Stichwahl, abspielt, ist man gegen ein Zusammen- arbeiten mit den Radikalen im Kabinett; dort, wo dagegen das„Kartell der Linken" bei den Wahlen spielt und gegen die Reaktion oder die Kommunisten den Ausschlag gibt, ist man für Koalitionspolstik. Das gilt natürlich für beide Flügel der Partei. Wir wünschen von Herzen, daß der gestrige Beschluß unserer französischen Genossen weder für ihre eigene Partei. noch für die europäische Politik nachteilige Rückwirkungen zur Folge habe, Neue Beschlüsse der Fraktion. Mehrheit und Minderheit tagten vorübergehend getrennt. PariS. 29. Oktober. Die 64 Mitglieder der sozialistischen Kavtmer- sraktio«. die gestern an den sozialistischen Nationalrat eine Kundgebung im Sinne der Beteiligung an der Re» gierung gerichtet haben, find heute nachmittag zu einer Sitzung zusammengetreten. Zu Beginn der Beratungen wirkte die Enttäuschung über den Entschluß des Nationalrates noch nach, und es wurde tatsächlich von einer Seite der Antrag gestellt, diesen Beschlutz zu ignorieren. Aus Anraten einiger Abgeordneter hat man sich au» dahin geeinigt» nichts zu unternehmen, was gegen die Parteidlsziplin v e r stö tz t und einen Bruch inner- halb der Partei herbeiführen könnte. Die Anhänger der Beteiligung haben deshalb be- schlössen, gemeinsam mit den Gegner« der Beteili» gung, die ihrerseits eine Sitzung abgehalten hatten, darüber zu berate«, welche Stellung man zu dem Be» schlutz des Nationalrates einnehmen wolle. I« dieser gemeinsamen Sitzung wurde mit 42 gegen 14 Stimme« ein Antrag angenommen, der den Beschlutz des National- rates mit Bedauern verzeichnet, weil er den funda- mentale» Regeln und dem wahren Interesse der Partei und der Demokratie zuwiderlaufe. Der Antrag fordert die Einberufung eines Rationalkongresses der Partei für de» 25. November, der zu der dem Ratio- nalrat unterbreiteten Frage Stellung nehmen soll. Autzerdem wurde einstimmig ein zweiter Antrag an- genommen, der den Dank für DaladierS Ange- bot zum Ausdruck bringt und für die Unter» stütznng der Regierung Daladier eintritt. Enttäuschung auf der Linken. parle. 29. Oktober.(Eigenbericht.) Der außerordentliche Delegiertentag der sozio- listischen Partei lehnte mit 1SS9 gegen 1459 Stimmen die von der Fraktion mit 36 gegen 12 Stimmen beschlossene Beteiligung an einem Kabinett der oereinigten französischen Linkspartelen ab. Dieser Be- schloß hat dl« hochgespanten Hosfmmgen, die man in den sranzö- fischen Linkskreisen auf die Bemühungen Daladiers um die Wieder. Herstellung einer demokratischen Einheit gestellt hatte, zunichte gemacht. Di« Entscheidung stand von Ansang an aus des Messers Schneide. Meldungen aus der Provinz hatten keinen Zweifel dar- über gelasien, daß, wie in der Parlamentsgruppe auch In den lokalen Osganifationen, unter dem Eindruck derbesonderenUmstände und in Anbetracht der für die sozialistische Idee schlechthin auf dem Spiel« stehenden Interessen, der Gedanke einer aktiven Beteiligung an der Leitßng der französischen Politik seit Ausbruch der Krise stark an Boden gewonnen hatte. Noch am Montag schien die An- nähme berechtigt, daß die oberste Instanz der Partei der Mehrheit der Fraktion aus dem von ihr eingeschlagenen Wege folgen und es der Parlamentsgruppe durch«in zustimmendes Votum ermöglichen würde, gemeinsam mit den Parteien der bürgerlichen Sinken die Negierung zu übernehmen. In den Reihen der sozialistischen Fraktion hat die Entschei- trnng des Delegiertentages starke Enttäuschung und Erbitterung ausgelöst. Entgegen Lson Blums Warnungen, der auch diesmal wieder alles vermieden sehen wollte, was dt« Entschließung -de« Kongresses beeinträchtigen könnte, hat der Parteioorstand am Montag auf Antrag Faures einen Beschluß angenommen, der der Fraktion die schärf st«Mißbilligung ausspricht. Unter dem Eindruck dieser Resolution sollen zahlreiche Delegiert« aus der Provinz gegen die Beteiligung gestimmt haben. Außerdem Hot man«s einer starten Minderheit au» der Föderation des nordlichen Industriereviers, die für die Beteiligung stimmen wollte, unter Berufung auf ein seit langem hinfälliges Reglement oer- wehrt, ihre von der Mehrheit ihres Bezirks abweichend« Meinung ,ur Geltung zu bringen. Unter Führung R e n a u d e l s hat«in Teil der Fraktion gegen diese Prozedur bei dem Parteivorstand der Sozialistischen Partei formelle Verwahrung eingelegt. DieLösungderKriseist durch die Entscheidung des Partei. iages in weite Ferne gerückt. Neue Börsenpanik? Abermals Kursstürze in Jim Öorf. New Aork, 29. Oktober. fEigenbericht.) Di« wilde Panik auf der New- orker Börse, die auch auf die Börse» Europas nicht ohne Rückwirkung geblieben ist, hat au» DienStag znueneuwilbenBer- kaufSexzesse« geführt. Zu Beginn der Börse lagen Berkaufsantrage für 25 000 bis 50000 Papiere vor. Im weitere» Verlauf der Börse wurde ein Paket von 117 000 Aktien der öffentliche« Betriebsgesellschaft von New Dork auf den Markt geworfen, das grötzte Aktien- Paket, das jemals in New Bork zum Berkauf gebracht worden ist. Dje Transaktionen der ersten halbe» Börsen» stnade erstreckten sich auf nichtwenigerals3 359 800 Papiere. Im weitere» Verlauf der Börse stellte sich eine leichte Beruhigung ein. Verfaffungsberatung in Wien. Die Wahl des Bundespräsidenten. M-a. 29. Oktober.(Eigenbericht.) Im Unterausschuß des Derfassungsausschusies forderten die Sozialdemokraten zu den Bestimmungen über die Wahl des Bundespräsidenten, daß entweder die Wohl durch das Parka- ment beibehalten oder sonst die reichsdeutsche Bor- schrift eingeführt werde, nicht aber die von der Regierung vor- geschlagen«, sinnlose Kombination von Wahl durch das Boll und Entscheidung durch das Parlament. Di« Dorloge will die Er- nennung der Regierung durch den Bundespräsidenten an die Stell« ihrer Wahl durch den Nationalrat setzen, ohne auch nur oorzu» schreiben, daß die Regierung sich dem Nationalrat v o r st e l l e n und sein Vertrauen haben müsse! Die Sozialdemokroien forderten selbstverständlich dies« unerläßlich« Ergänzung. Am Mitt- woch wird das vorgeschlagene Notverordnungsrecht dcs Bundespräsidenten beraten, das die Sozialdemokrat-'' �och den Erfahrungen mit den altöstereichischem§ 14 ablr. Die Gklarek-Llntersuchung. Oeuifthnaiionale und Kommunisten wollten Stadtrat Gabel schonen! Hastbefehl gegen Bombenfabritanten. Llnd Steckbrief gegen einen Flüchtigen. Zu der Voruntersuchung wegen der Sprengstoff- attenlate hat gestern der Untersuchungsrichter, Landgericht». direktor Masur, der sich zurzeit zur Vernehmung in Altona befindet, H a s l b« s e h l gegen Herbert Schmidt und Alfred Kapphengst aus Grund der Paragraphen S bis 7 de» Sprengstossgesehe» erlösten. Schmidt ist, wie bereit» gemeldet, geständig, von dem Lombenaltentat Kenntnis gehabt und an den Lombenatlentatea in Niebüll«eilt- genommen zu haben. Er befindet sich in Haft. Alfred Sappheugst wird beschuldig«, Bomben hergestellt zu haben. Gegen ihn wurde ein Steckbrieferlassen, daer flüchtig ist. Zm übrigen gehen die Ermittlungen weiter. Oer prager Senat. Ohne Deulschnationale. Prag, 29. Oktober.(Eigenbericht.) Bei der S« n at s w a h l haben die Deutschnationalen in keinem Wahlkreis die Wahlzohl erreicht. Im Wahlkreis Jung- Kunzlau(Nordbohmen) erhielten sie nur 44032 Sti Minen bei einer Wahlzahl von 4893!, im Wahlkreis Laun(Westböhmen) nur 46219 bei 47 783. In den übrigen Wahlkreisen konnten die Deutschnatio. näcn die Wahlzahl nicht einmal annähernd«Neichen. Infolgedesien erhalfen sie Im Senat, wo sie bisher fünf Sitze hatten, überhaupt kein Mandat, obwohl sie 167 539 Stimmen aufbrachten. Di« Man- dat« werden im dritten Skrutinium auf die Minderheiten aufgeteilt. Di» deutschen Sozialdemokraten werden im Senat min- bestens 10, die t I ch« ch ts che n Sozialdemokraten mindesten» 18 Mandate haben. Zm ungarischen Hungerstreik gestorben ist der Kommunist Alexander Löwo trotz künstlicher Ernälstung. Zur Feststellung der unmittelbaren Todesursache wird die Leiche obduziert. In Ungarn werden seit Jahren die Strafanstalten nicht geheizt und ti« Untersuchungshäfrlinge als Sträfling« behandeli. Der Mazedonlersührer ZUschesf wurde zu Sofia in seinem Bett erschossen, der Täter ist entkommen. Zwei andere Mazedonier, die nngeklagt waren, vor einigen Wachen in Warna einen ähnlichen Mord begangen zu haben, wurden unter dem Jubel des Sofioter Gerichtspublikum» freigesprochen, well sie ihr Alibi erbracht hätten. In der heutigen 1. Sitzung des preußischen Untersiichungsaus« schusies über dje Mißwirtschaft der Stadt Berlin(Sklarek-Ausschuß) ging es sehr lebhaft zu. Der Leiter de» Anschaffungsamtes der Stadt Berlin Obermagistratsrat Schalldach hielt einen langen Vortrag über die Kleideroertriebs-Gesellschaft und das Anschaffungs- amt, der ergab, daß diese beiden Stellen unter dem früheren Direktor K i e b u r g unwirtschaftlich, vielleicht sogar korrupt gearbeitet haben. Sobald aber Magistrat und Stadtverordnete davon Kenntnis er- hielten, ist Kirburg fristlos entlassen und— seit mehr als zwei Iahren— eine ordentliche und saubere Derwal- tung eingeführt worden, die mit erheblichen Ueberschüssen arbeitet. Der volksparteiliche Obermagistratsrat legte dann in über. zeugendster Weife dar, daß ein solches zentrales Anfchaf- fungsamt in einer Kommune wie Berlin überhaupt nicht entbehrtwerdenkann. Der Angriff auf die öffentliche Wirt- lchast war schon im Keim erstickt worden. Interesiant war auch di« Mitteilung Schalldod)?, daß die Vklarek-Berträg« dem Anschaffungsamt völlig entzogen waren und daß von d«e fünfjährigen Verlängerung des Sklorek-Dertroges weder er noch der Oberbürgermeister Böß eine Ahnung gehabt hätten, bis sie es buch Zufall drei Monate später erfuhren. » Die„Cnthüller'- Partelen waren sehr betreten. Der deutsch- national« Pastor Koch sucht« sein« Position zu verbessern, indem er entgegen aller Praxis der Untersuchungsausschüsse allerlei neu« Beweisanträg« in öffentlicher Sitzung stellte, und der kom« munistische Dorsitzende Schwenk ließ über dies« Antrüge trotz des Protestes der Sozialdemokraten abstimmen. Die Sozialdemokratie gab daher die Erklärung ab. daß sie Herrn Schwenk nicht gerade für. einen glücklich gewühlten Vor- sitzenden ansehe. Sei er doch Alllglled des Sreditausschusses der Stadtbaak und Hab« treu und brav noch vor wenigen Monaten der Erhöhung des Sllarek-Kredites von 7 auf 19 Millionen Mark zugestimmt. In der anschließenden nichtöffentlichen Sitzung wollten dann die Kommunisten Rache nehmen: Ihr Abg. Ka s p e r enthüllte, daß Genosse heilmann versucht hätte, den Disziplinaruntersuchungsrichtee im Fall Sklarek Oberregierungsrat Tapolski zu be-- einflussen: er hätte sie noch morgens beide zusammen im Auto fahren und verhandeln sehen. Der Kolpar hatte sich zu seinem Pech oersehen: es war nicht der deutsche nationale Oberregiertzngsrat Tapolski, sondern Stadtrat Reuter gewesen, mit dem Genosse heilmann Im Auto ge-> fahren war. Mit Tapolski hotte er seit über einem Jahr kein Wort gesprochen. Reuter und Tapolski sehen sich übrigens ungefähr so ähnlich wie Pot und Potachon. heilmann nannte Pen Kasper einen elenden Verleumder, und der deutschnationale Pastor Koch regte sich darüber sehr auf und verlangt« vom Vorsitzenden S.ch w e.n k einen Ordnungsruf.. V Das war abez nur das äußer« Darspiel: der innere Kern motz ein gemelosamcr Protest der kommuuislen und Deutschnatio- uäleu dagegen, daß mau am Douoerstag de» tzxkommunlstsschen Stadtrat Säbel über die SNarek-Geschäfle vernehme. Es wurden alle möglichen und unmöglichen Gegenvorschläge gemacht, wen man lieber oernehmen solle, und man verschanzte sich schließlich sogar dahinter, daß Gabel in diesen Tagen dem Oberregierungsrat Tapolski zur disziplinarische» Vernehmung zur Verfügung stehen müsse. Aber dos Strampeln half nichts; die„terroristische" Weimarer Mehrheit setzte ihren Willen durch: der Mittwoch steht den deutsch- nationalen Enthüllern zur Verfügung, aber am Donnerstag wird Herr G ö bel gehört. Thüringen vor Wahlen. Ltmdiagsavfiösung endgültig beschlossen. Veitnar. 29. Oktober. Der Landtag von Thüringen nahm heute nachmittag den Antrag der Sozialdemokraten, den Landtag am 7. Dezember aufzulösen, bei Stlmmeathallung der kam- munisten mit den Stimmen aller übrigen Parteien an. Eine Entschließung, die Landtagswahlen am 8. De- zember stattfinden zu lassen, fand einstimmige Annahm«. Die Rechnungsprüfung. Beratung im BeichShauShaltSaoSfchuß. Die parlamentarischen Arbeiten im Reichstag kommen allmählich in Gong. Auch der Ausschuß für den Reichshaushalt hat am Dienstag seine Beratungen wieder ausgenommen. Um diese Beratung vorzubereiten, ist sein Unterausschuß für die Rechnungsprüfung bereit» feit einigen Togen mit den«nt- sprechenden Vorarbeiten befaßt gewesen. Auf der Tagesordnung standen neben einer Anzahl von Wün- scheu verschiedener Reichsressort«, denen ohne längere Debatte zu- gestimmt wurde, die Feftstellung des Berichts des Rechnungsunter- ausschusse» über Mitteilungen. Denkschriften und Bemerkungen des Rechnungshofes de» Deutschen Reichs zu den Reichshaushaltsrech- mmgen 1918 bis 1924, sowie der Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung der Rsichshanshaltsordnung. Die Beratung de» letzteren Entwurfs, die sich oller Loraüssicht nach längere Zeit' hinziehen wird, wurde bis Mittwoch vertagt, da der Reichsfinonzminister Dr. hilferding beabsichtigt, am Mittwoch diese Verhandlungen mir einer längeren Rede einzuleiten. Wa, den Bericht des Rechnu n g s Unterausschusses betrifft, so hat, wie anerkannt werden muß, da, Reichsfinanzmimste- rium sich bemüht, den mehrfachen Wünschen de, Reichshaushalte« ausschusse» auf beschleunigt« Vorlegung der Reichshaushaltsrech. nungen zu entsprechen, so daß nunmehr auch die Reich»hau»halt»> rechnung für dos Rechnungsjahr 1928 bereit» vorliegt Mit der Prüfung dieser letzteren, sehr umfangreichen, zwei dicke Bände süllenden Rechnungslegung ist der Unterausschuß noch befaßt. Da- gegen log der Bericht des Unterausschusses über die Prüfung der Rechnungen der Jahre 1918 bis 1924 dem Plenum des.Haushalts- ausschusses zur Genehmigung bereits vor. Auch in diesem Bericht wurde wieder bei einzelnen Reichsressorts eine große Zahl Ueber- schreitungen von Bestimmungen der Reichshauzholtsordnung und von etotsrechtlichen Unregelmäßigkeiten festgestellt und Wege zur Verhinderung solcher Mißstände vorgeschlagen. Ebenso wird mit Nachdruck daraus hingewiesen, daß bei den jetzt im Gang befindlichen Verhandlungen über die Poung-Gesstze von der Rcichsrcgierung darauf hingewirkt werden müßte, daß dem Rechnungshof unter allen Umständen wieder wie früher das volle Prüfungsrecht an der Reichsbank und der Reichsbahn«ingeräumt werde. Trotz der besonderen Rechtsstellung dieser beiden Gesell- schaften sei eine solche Kontrolle des Rechnungshofes nicht nur zu- lässig, sondern auch geboten. Insbesondere sei bei der Reichsbant di« Kontrolle deshplb notwendig, weil das Reich am Gewinn der Reichsbank beteiligt ist, zurzeit aber keine Stelle vorhanden ist. die unabhängig prüft, ob der dem Reich zustehende Gewinnanteil ord- nungsmäßig berechnet und restlos abgeführt ist. Der vom Abg. che ini g(Soz.) erstattete Bericht des Unterausschusses wurde ein- stimmig genehmigt und wird demnächst dem Plenum des Reichstags zugeleitet werden. Die Moral wird gerettet! Reaktionäres im Gtrafgesetzentwurf. Im Strasrechtsausschuß des Reichstags bekämpften die sozial- demokratischen Vertreter sehr heftig den§ 300(Verbreitung von u n> züchtigen SchriftenundAbbildungen). Ein« Mehrheit sür ein« einheitlich« Formulierung kam nicht zustande, der Paragraph wurde abgelehnt. Der Ausschuß beriet dann die ßs 301 und 302. di« den chandel mit„Sachen zu unzüchtigem Gebrauch"«inschränken sollen. Ei handelt sich dabei um die rückständig« Auffassung des Entwurf», daß sowohl jeder außerehelich« Berkehr, als auch jeder Präoentiooerkehr unsittlich sei. Di« Strafandrohung bezieht sich sogar aus den össentlichen Handel mit Mitteln zur Beihütung der Geschlechtskrankheiten. Leide Paragraphen wurden trotz heftiger Bekämpfung durch di« sazialdemokratischen Vertreter angenommen. Auch in diesem Punkt« ist der neue Strafgesetzentwurs von vornherein rückständig. 3000 deutsche ZNennonIlen au» Kibirlea haben nach wochen» langem Lagern bei Moskau die Erlaubnis erhallen, nach Kanada auszuwandern. Die kanadischen Behörden wollen nicht den ge- samten Transport Moskau— Konada finanzieren. Trotz dieser Er- schwerung dürfte d>« Ausreise dieser Tag« beginnen. per peklnger Rikschakulistreik ist � nach amtlicher Meldung beendet. Die Straßenbahn fährt unter Soldotenschutz. In Altona. Zur Aushebung der Bombenwerlstatt. Die Polizei:»Ei, was seh' ich? Trotz aller Not gibt es noch Leute bei uns, die A ombengeschäfte machen!' Dem Rebellen Arno Holz. Voll Lrtcli Kuttner. Mein Staub verstob: wie ein Stern strohll mein Gedächtnis. (Endgeilen des»Phantasus".) Der Dichter Arno chol�. der heute der Flamme übergeben wird, hat fanatisch an seinen Nachruhm, an seine ewige Be- deutung für die Literatur geglaubt. Vielleicht war ihm dieser Glaube Ausgleich für ein Schicksal, das ihm alle irdischen i Gaben karg bemaß. die es geringeren Geistern freigebig spendete. Müssen wir am Grabe des Dichters auch diesen letzten Trost verneinen, oder dürfen wir ihn zugestehen? Der 22jährige Arno Holz erblickte die höchste Aufgabe des Dichters darin, ganz Gegenwart, ganz Zeitgeist zu fein: modern sei der Poet, modern vom Scheitel bis zur Sohle!. Sargen wir auch schon mit ihm ein Stück Literatur- geschichte ein? Oder bleibt dieser bizarrste, dieser endloseste aller deutschen Dichter auch für die Ueberlebenden-- nehmt das Wort ohne den häßlichen Beigeschmack nach Konfektion— ,, mobern"? Die Frage nach dem Unsterblichen eines Dichters läßt sich nur beantworten aus seinem Verhältnis zu den großen Strömungen, zu den lebendigen Kräften der Gegen- wart und Zukunft. Das bedeutet im 20. Jahrhundert— mag das Bürgertum uns überheblich fchelten— in allererster Linie: aus seinem Verhältnis zum Freiheitskampf der a r b ei t enden Menschheit. Auch an der Bahre, zumal eines Fanatikers der Auf- richtigkeit. wie Arno cholz, soll man nicht färben und ver- tuschen. Es hätte keinen Zweck, den toten Arno Holz um- zulügen in einen allzeit gestnnungstreuen Kampfdichter des Proletariats. Es wäre vergebliches Beginnen, den Dichter in einen Politiker, den schöpferischen Gestalter in einen Partei- mann umzudeuten. Arno Holz war Künstler, und die Kunst ist allzeit letztes Ziel seines Ringens geblieben. Aber dieses, sein eigenstes Gebilde, hatte vielfache Schnittpunkte und Be- rührungsflächen mit den sozialen und politischen Strömungen der Zeit. In den Kristallflächen seiner Dichtung brachen und spiegelten sich die Lichter der Umwelt. Und darauf— auf die Verknüpfung der Dichtung mit dem Lebendigen rings- um— kommt es entscheidend für die Frage an, ob einer nur ein Wort- und Versartist gewesen ist öder ein Mann, der sein Zeitalter bewegte und vorwärts trieb. Von dieser Art war Arno Holz, denn in ihm wirkte eine unermüdliche Rebellennatur. Sie fand ihr erstes Kampfziel— vor anderthalb Menschenaltern— in der Literatur eines muffligen Spießbürgertums. Das gehörte alles zusammen in den achtziger Iahren: die Stuckornamentik un- ästhetischer Protzenbaisten, die Plüschgarnituren in guten Stuben und die Muschelaufsätze, die Trumeaus und Etageren, und auf den Etageren die in Goldschnitt gebundenen Lyrik- bände harmloser Dichtergeschöpfe, die den Lenz, den Wein, den Rhein, die Löaelein und das Abendrot belangen. Das gehörte alles zum Milieu des gesättigten Spießbürgers, der in seiner häuslichen Bequemlichkeit nicht gestört werden will durch Erinnerungen an das Massenelend und die Massen- Ausbeutung, auf denen sein« Behaglichkeit letzten Endes muht ■ In dieses Idyll brauste und pfiff die Kunstrevolution der achtziger Jahre. Rur die Aeltesten von uns haben sie per» lönlich erlebt. Die Jüngsten begreifen vielleicht nicht einmal, charum das eigentlich war. Ihnen ist fast unausdenkbar, daß damals den Menschen erst ins Ohr gescbrien werden mußte, Kunst ist nicht ein gegenwartsfernes Dinq an sich, nicht ein Zurückträumen in eine verlogen-idealisierte Ver- gangenheit, sondern die Kunst lebt und wirkt im Kampf und Ringen der Gegenwart. Heute ist es fast umgekehrt. Wenn heute die Piscatoren jedes Drama, ehe sie es aufführen, erst auf den Leisten ihrer Leitsätze schlagen und an den Thesen der Komintern linier- treu zurechtstutzen— dann muß man umgekehrt betonen, daß Leitartikel und Dialogfasiunq noch keine Dramen, daß ge- reimte Parteiprogramme keine Lyrik sind. Diese auf Maschinen gequälte Kunstrevolution wirkt unendlich nüchtern und vedantisch. gemessen an dem hinreißenden Rhythmus und Sturmschritt, in dem die Kunstrevolution der Naturalisten vor vierzig Jahren heranbrauste. Damals sang Arno Holz: Ich pseif auf euern Fahneneid ich pfeif auf eure feigen Possen! Im schwarzen SchulÄuck un-srer Zeit sind mein« Verse rot« Glossen! Das war noch alt« Form. Zunächst revolutio- nierte der unsichere Anfänger erst den Inhalt:„Ihr sollt nicht fortschau'n, ihr feiqen Spießer, von dem Unheil, das ihr anqerichtet habt. Ich zwinge euch, es anzufeh'n. Centimen- tales Mitleid wird nicht angenommen. Anklage und Haß ffssen euch ms Ohr gellen."— Aber mit dieiem Haß erMächst für den Dichter eine neue Liebe, erschließt sich eine neue Schönheit. Mit der Liebe zu den Armen und Getretenen ent- deckt der Dichter, daß auch Mietkaserne und Hinterhof, daß auch Malchin« und Aipbalt für das Dichterauae ihre Schön- bsit haben. Indem er sich in die Tiefen der Großsiadt ver- i-ntt. bemerkt Holz, daß auch in diesen Dingen Poesie ist: die Geburtsstunde des Naturalismus hat g-schlagen. Damit schuf sich ein neuer Kunstinbalt. sein« neue Kunst form Wesentlich: Form und Inhalt standen in imtjgenj Zusammenhang, ließen sich nicht voneinander trennen: Hatte der Naturalismus sich aufgebäumt gegen e ne iüßlich verlogen«, afterkünstlerische Weltbetrachtung, so mußte er selber den Blick fest auf die rauhe Wirtlichkeit und damit aus da? mannigfache s o zi a l.e Elend richten. Aber h er ist Arno Holz, der Bahnbrecher des Naturalismus, merk- würtJig hinter i,inen Nachfolgern, zumal hinter deren Be- l-eutendstem, hinter Gerhart Hauptmann. zurückge- 'ieben. In feinen Iuqendgedichten. den„Liedern eines Mo- d rnen". wie er sie selbstbewußt nannte, fchwinqt der soziale llnterton noch allenthalben mit Hier finden sich die Verse, d'« nun auch in den Kreisen der Nnt-rdrückten und sozial Mißhandelten selber zündeten. Diese Gedichte erweckten in der gegen das Sozialistengesetz rebell:erenden Arbeiterschaft das Gefühl der Kameradschaft, der geistigen Verbundenheit mit diesem Kunstrebellen. Rannte der fugendliche Dichter Arno Holz gegen die Hvfdichter der Hohenzollern an, stritt er aeqen das feigegoistische Bürgertum, schrie er das Elend kahler Mansardenstuben hinaus, so fühlte das Proletariat feinen eigenen Herzschlag in diesen Versen pochen. Wunder- bar kurz und packend hat Arno Holz das letzte Wort aller Rebellion ausgesprochen, in einem nur acht Zellen mmfassen- den Zwiegespräch zwischen Paul und Bruder Peter, der gegen den Zeitgeist nach Kruppschen Hinterladern schreit: Doch Paul kann Peter nicht beseh'n, weil der sein Lebtag nur gelungert. und meint, als wäre nichts gescheht: Du, Peter, hast du mal gehungert? Der Dichter Arno Holz hat— auch hierin dem Prole- tariat verwandt— den Hunger während der meisten Zeit seines Lebens gekannt. Trotzdem ist er den Weg des prole- tarischen Kampfdichters nicht weitergegangen. In ihm war jenes ungesättigte, unstillbare Verlangen, theoretische Forde- rungen restlos zu erfüllen, jenes schlechthin Deutsche, das ihn trieb, Schöpfer eines nicht mehr zu überbietenden Kunststils werden zu wollen. Der Jagd nach diesem Idol hat er sein Leben geopfert. Seine Werke wurden Monstra, Dickichte, Labyrinthe. Freilich Labyrinthe, in denen der Wanderer immer wieder überrascht vor ungeahnten Schönheiten steht, in denen der Lyriker, der Prophet, der Satiriker, der soziale Ankläger Holz sich in wechselnden Gestalten zeigen. Mitten in zarteste Lyrik sind da plötzlich hineingestellt urrealistische Berliner Großschnauzen, die mit derber ivchlagfertigkell m eine Situation das richtige Wort hineinkoallen. Bolksliebe, derber Volkshumor, stachelige Satire finden sich im„Phan- tasus" wie in der„Blechschmiede" oftmals eingestreut. Braunkohle finanziert Hakenkreuz! Ävf Kossen der VrttefiverbraNche� von«aferMchleler Seile wird»«» gefchriHem Da, Ollelbische Sraunkohlevsyndikol Hot in den Uhken Jahren der Veulschnalionalen Partei, dem Slahfhelm und der N a l l o n a l s o z i a l i sl i s ch e n Partei große Geldmiltel zur Verfügung gestellt. Die Summe dürste sich insgesamt aus 3 0 0 0 0 0 Mark jährlich belaufen. Als Verbindungsmann zwischen den subventionierten Parteien und dem Ostelbischen Vrauvkohlen. synditol fungiert'ein Oberleutnant o. V. Sersten. D>e Veutschnattonale Partei Hai sich für ihre Sitbven. tiooierung dadurch erkenntlich zeigen müssen, daß sie den früheren Regierungspräsidenten von Gersdors. den Bergwerk«- direktor Leopold und Herrn Rademacher au aussichtsreiche Stellen deutschnalionaler Wahllisten stellte. Zn der deulschuago. nalen Fraktion des Preußischen Landtag» sitzt als Vertrauensmann des Syndikate» der Geschäftsführer de» Mitteldeutschen Sohlen- syndlkatez Dr. M o l s s. Die an die Putschisten gezahlten Beträge laufen über einen besonderen Fond, des Brallukohlensyndikat». Sachsens Arbeiterseiertage. Sturm im Landtag. Dresden, 29. Oktober.(Eigenbericht.) In der Dienstagsitzung des Sächsifchen Land- t a g e s kam es zu st ü r m i s ch e n S z e n e n. Bor Beginn der Sitzung oerlos Abg. Edel(Soz.) einen Protest seiner Fraktion gegen das gefchästsordmingswidrige Verhalten der Mehrheit des Rechtsausschusses anläßlich der Berawng der Vorlage über die Aufhebung des Mai. und November-Feiertage». Die so- zialdemokratisch« Fraktion wandte sich insbesondere dagegen, daß den Berichterstattern der Minderheit für die Fertigstellung ihrer schrist» lichen Berichte nicht die nötige Zeit gelassen werde. Trotz dieses Pro- testes schlug die Mehrheit des Landtagsvorstandes vor, die Borlag« über den 9. November und den 1..Mai aus die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Landtags am Freitag zu setzen. Als die Tagesordnung im Landtag bekanntgegeben wurde, er« hoben die sozialdemokratischen und kommunistischen Redner gegen dieses Vorgehen schärfsten Protest. Die sozialdemokratischen und kom-' munistische« Redner, die zur Geschäftsordnung sprachen, insbesondere die Abgeordneten Edel, Kautsch und Liebmann, warfen der Mehrheit vor, daß ihr Verhalten ein« Beugung der Geschäfte ord- n u n g und einen Bruch von Recht und Gerechtigkeit bedeute, well es den Berichterstattern der Minderheit unmöglich gemacht werde, ihre fchristlichen Berichte, auf deren Erstattung sie nach der Geschäft»-> ortmung ein Recht haben, so rechtzeitig fertigzustellen, haß sie bei der Beratung im Plenum vorliegen könnten. Da die E n t r ü st u n g»- rufe immer lauter wurden, unterbrach der Präsident des Landtag», Meckel(Soz.), der sich nicht mehr oerständigen konnte, die Sitzung. Als nach etwa einer halben Stund« die S.tzung wieder begann, setzte die Geschäftsordnungsdebatte von neuem ein. Es sprachen nur Der- treter der Linken. Kein Vertreter der bürgerlichen Parteien wagte die Methoden der Mehrheit zu rechtfertigen. Auch jetzt wurden die Entrüstungsrufe der Linken immer lauter, so daß schließlich der Präsident die Sitzung schloß, ohne daß über die Tagesordnung der nächsten Sitzung ein Beschluß herbeigeführt werdm konnte. Doch der Dramatiker Arno Holz hat den von ihm geschaffenen Realismus auf das Proletariat nicht ange- wendet. Von den drei Dramen, die er allein«rschuf, spielt -eins in der Sphäre der Wissenschaftler, eins in der Sphäre der Künstler, und fein Lustspiel„Sozialaristokraten" ver» spottet die Hohlheit einer sich revolutionär maskierenden lite- rarifchen Spießercliqu«. Er, der der Dichtkunst den Weg ins soziale Milieu wies, vermied selber, diesen Weg zu nehmen. Das ist wohl der letzte Grund, warum sein auf» gehendes Gestirn so bald vom Ruhme Hauptmanns ver- dunkelt ward. Von Hauptmann wird die West in fünfzig Iahren wissen, daß er„Die Weber" schrieb, den„Florian Geyer" und den „Biberpelz". Auch bei Holz wird das Revolutionär« sein Un- st e t b l i ch e s sein. Zeitgesegnetö Feinschmecker der Lite- ratur— falls es die im Jahre 2000 geben wird— werden freilief) auch dann noch ihr unerschöpfliches Vergnügen an den- Dinosaurierkindern der Holzschen Muse haben. Die Masse des Bolkes aber, die Arbeiterschaft, wird in dem Dichter Holz den Mann grüßen, der als unbekannter Jüngling den Mut fand, der den anerkannten Literaturgrößen seiner Zeit ob» ging, nämlich in eine Welt des Elends und der Ungerechtig- keit seine Anklage htnauszuschreien: Wein Herz schlägt laut, mein Gewissen schreit, «in blutiger Frevel ist diese Zest! Llnierhausbeginn. Vor großen Entscheidungen. London, 29. Oktober.(Eigenbericht.) Das Unterhaus trat am Dienstag nach dreimonatiger Pause zu einer der wichtigsten Sessionen zusammen, die tos britische Parlament seit langem erlebt hat. In Abwesenheit Maodonalds, der aus der Rückreise von Kanada ist, liegt in« Führung der Arbeitersraktion in der Hand Snow- d e n s, der beim Eintritt in den Sitzungssaal van der Fraktion und einem Teil der Liberalen lebhaft begrüßt wurde. Alich Hender- so», dessen Führung in der Außenpolitik als einer der stärksten Aktivposten der Arbeiterregierung detrachtet wird, fand lebhafte Be« grüßung. Aus dem parlamentarischen Auftakt, dem lebhasten Frage- und Antwortspiel zwischen Regierung und Opposition ging hervor, daß die Sitzungsperiode im Zeichen der Arbeitslosenfrogs stehen dürste. Es lagen neun Kleine Anfragen an Thomas, den Minister für Arbeitsbelchassung, vor. Der Lord-Großsiegelbewahrer— Thomas''offizieller Titel— schnitt diese Fragen mit den Worten ob, daß er zu Beginn der nächsten Woche eine Erklärung über die Arbeitslosenpolitik der Regierung abgeben werde. Man ist sich in der Arbeiterpartei wohl bewußt, daß vom Inhalt dieser Regierungserklärung in großem Maße die Wirksamkeit der Taktik der gegenwärtig stark deprimierten Opposition und vielleicht sogar das weitere Schicksal der Regierung abhängig sein wird. Snowden, der als stellvertretender Ministerpräsident sprach,«ntmickelt« das Aktionsprogramm der Regierung bis Weihnachten. Ms sein« wichtigsten Punkte bezeichnete er den Gesetz- entwuvf zur Verbesserung der Witwen- und Waisen- Versorgung, das Arbeitslose.nve rsicherungs» und das Fa bri kg ese tz sowie all« Abänderung santrägezum Gewer rfchastsgesetz der konservativen Regierung. Im übrigen war die erste Sitzung im wesentlichen von Ankündi- gungen der Minister über bevorstehende gesetzgeberische Maßnahmen ausgefüllt. Der Arbeitsmimster, Frau B o n d f i eld. teilte mit. daß das Arbeitslofenversicherungsgesetz nnt größter Beschleunigung vor- gelegt werden wiid, ähnlich sprach Bergbauminister Turner.' Akademischer Heimwehrierror. v■ Wien, 29 Oktober Die sozialistischen Studenten brachten an dem Kiosk vor der Technischen Hochschule(den ihnen die G e m c in de Wien bewilligt Hot, weil die.Hhkcnkr�uzkdr an der Hochschule Anschlage der sozialist-. schen istudenten iiicht zusicßen) einen Anschlag an, in welchem sie für den B ü r g x r f r i e d e n. für Demokratie und gegen Faschis- mus und Reaktion eintreten sowie die Heimwehr angreifen Gestirn haben die Heimwehrstuhevten den sozialistischen Studenten hcn Eintritt in die Hochschule zu oerwehren versucht. Es kam zu kleineren Plänkeleien, die vormittags die Sperrung der Hochschule zur Folge hatten. Di« Heim wehrstudenten zogen hierauf vor die Universität. In den Gängen der Universität kam es zwischen ihnen und sozialdemokratischen Studenten zu Tätlichkeiten, wodurch die Vorlesungen unmöglich gemacht wurden. Die Heimwehrstudenten sind zu ihrer Aktion durch ein« Red« des Universitätsrektors Gleichspach. der vor einige» Tagen zum Eintritt in die Heirnwehr ausforderte, ermuntert worden J Die verratenen Rohrleger. Die„Ourchbruchschlachi" zusammengebrochen. Die grofje„Vurchbruchschlacht" der kommunistischen Parlei Ist nunmehr ossiziell erledigt. Gestern nachmittag tagten im Moabiter Gesellschaftsbaus die Rohrleger, die leichtgläubig genug gewesen sind, der kommunistischen Partei aus den Leim zu kriechen. Rachdem die Streikleitung über den Stand des Streiks berichtet hatte. wurde der Streik in Anbetracht der verzweifelten und ausstchlslosen Situation als abgebrochen erklärt. Hier braucht man die Verräter nicht lange zu suchen. S i e sitzen in der Zentrale der Kommuni st ischen Par- te i. Was konnte es schon für die Kommunistische Partei Deutsch- lands bedeuten, die paar hundert Rohrleger, die noch übrig geblieben waren, über Wasser zu halten. Aber nachdem die gut- bezahlten Handlanger Moskaus in der Zentrale der KPD. fest- gestellt hatten, daß mit dem Rohrlegerstreik kein politisches Geschäft mehr zu machen sei, waren die Rohrleger für die KPD. erledigt. Und nun bohrte die Bezirksleitung der KPD. bei den Rohrlegern und drängte unausgesetzt auf Abbruch des Streiks, während gleichzeitig die kommunistische Presse von der „siegreichen Durchbruchschlacht" flunkerte. Der Streik war vom ersten Tage an verloren. Das wußten die Macher in der KPD. ganz genau. Er war schon deshalb verloren, weil die Rohrleger, die sich von. der KPD. oer- leiten ließen, nur mehr eine kleine abgespaltene Gruppe bildeten und nicht mehr die-Millioneiwrganisation des Deutschen Metallarbeiterverbandes hinter sich hatten. Hinter ihnen stand nur das Schwindel gebäudc der KPD Hinter chnen stand nur die IAH. mit ihren bei den.werten Geschästsle.iten" zusammengeschnorrten Erbsen und Kartoffeln. Die KPD. hat die Rohrleger aus ihrer Gewerkschaft heraus- gelockt, in einen aussichtslosen Streik hineingehetzt und hat sie jctzt schmählich oerraten. Daraus werden nicht nur die Rohr- leger die nötige Nutzanwendung ziehen. Die Arbeiterschaft hat v o r den Rohrlegern den Schwindel durchschaut. Noch in der vorigen Woche versucht« die KPD., die Metallarbeiter mobil zu machen. Die Bersammlungen waren jämmerlich besucht. Zwanzig bis dreißig Per- fönen„füllten" die Säle. Die Arbeiter haben den kommunistischen Schwindel satt. Vom kommunistischen Kn'egsschauplah. Die Streikwelle verebbt.- Es wird weiter gespalten. Bei L o e w e haben die aus der Arbeit herausgelockten Arbeiter die Wiederaufnahmeder Arbeit beschlossen. Als„Erfolg" bucht die„Rote Fahne" die Maßregelung von zwei Arbeitern. In der andern Hochburg der KPD., bei L o r e n z, wo das kommunistische Schundblatt wiederholt den allgemeinen Streit proklamiert hat, ist es nicht gelungen, die Getreuen Mos- laus, die sonst für jede kommunistische Resolution unbesehen stnn- rnen, zur Niederlegung der Arbeit zu oeranlassen. Nur zwei Neben- werke traten in den von der Zentrale der KPD. angeordneten Streik. Di« revolutionären Mauldrescher des Hauptwerks rührten sich nicht./ Dieser Heldenmut, der darin besteht, andere zu bespeien, sich selbst. aber in Sicherheit zu bringen, ist ja nicht ein besonderes Merkmal der Kommunisten bei Lorenz. Es ist aber ganz gut, wenn sich diese Maulhelden und mit ihnen die KPD. von Zeit zu Zeh blamieren. Mit Unternehmern anzubinden, ist schließlich auch riskanter, als zu 20 oder 30 Mann über einen organisierten Metallarbeiter herzufallen. Die ,.Z« nl ra lstrei k leitu ng" der arbeitslosen Rohrleger kündigt ausdrücklich, an, daß der„Hdidentamps" mit Knüppeln, Messern und Schlagringen gegen organisiert« Arbeiter weitergeführt werden soll, vorausgefetzt natürlich, die Helden befinden sich in der über- s wiegenden Mehrzahl und es besteht keine Gefahr, daß sie erwischt werden können. Dos sind die bolfchcwisttschen Erziehungs- m e t h o d c n, die zur Ucbcrwindung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung führen sollen! Jni übrigen geht die Spaltungsarbeit weller. Gestern abend wurde der Versuch gemacht, nochmals die Tabakarbeiter vor den kommunistischen Wagen zu spannen, nachdem ein erster Versuch erfolglos geblieben war. Mll Hochdruck wird bei den Schuhmachern gearbeitet. Der kommunistischen Ortsverwallung wird besonders angekreidet, daß wir den Mitgliedern der Sozialdemokratischen Partei im Zentral- verband der Schuhmacher empfohlen haben, gegen die Spalter Frontzumachen. Bezeichnend für die Schwäche der KPD. ist die Tatsach«, daß ihr . offizielles Blatt es bisher noch nicht gewagt hat, ihren Lesern die Ablehnung der kommunistischen Entschließung mitzuteilen/ Das Blatt hält es fiir unerhört, daß der Bevollmächtigte der Berliner Ortsverwaltung sich nach den Beschlüssen der Generalversammlung und nicht noch den Befehlen der KPD. richtet, besonders wenn sie von einer sechzehirjährigen„revolutionären Kraft" überbracht werden. Und nun geht es auch bei den Buchdruckern losl Zwar hat das Bostchewistenblall mitgeteill, daß der Ausschluß der kommunistischen Radaubrüder nicht gelungen und die Generalversammlung der Buch- drilcker ausgeflogen sei. Nichtsdestoweniger müssen die überraschten Leser des Blattes einen Bericht über sich ergehen lassen von einer angeblichen„Kundgebung der graphischen Arbeller Berlins", die gegen den Ausschluß der vier Versammlungssprenger protestierte und gleichzeittg die üblichen Delegiertenwahlen zum kommunistischen Spaltungskongreß vornahm. Was den Kommunisten nicht gelungen ist bei den Metall- arbellern, wird ihnen erst recht nicht bei den ausgezeichnet organi- sierten Buchdruckern gelingest. Jetzt, wo die Kommunisten die Maske fallen lassen, wird jeden, Buchdrucker klar werden, wohin die Reise geht. Und wenn es gegen ihre Organisation geht, da machen die Buchdrucker nicht mehr mit. Kundgebung der Fusionsopfer. Protest der Angestellten. Die Fusion der Deutschen Bank und der Disconto-Gcsell- schaft, die gestern in den Generaloersammlungen der beiden Danken endgüllig vollzogen wurde, stand am Abend des gleichen Tages noch im Mlltelpunkt der öffentlichen Kundgebung, die der Allgemeine Verband der B anlange st eilten nach den e r ni a nio s älen einberufen hatte. Die Verbandsvorsitzenden, Genossen Marx und Emonts, zeigten an dem Verlauf der beiden Generalversammlungen, daß diese. Fusion mll dem Abbau von Tausenden von An ge stell- ten, besonder» der unteren Besoldungsgruppen, verbunden werden soll,'während man an dem übersetzten Apparat der leiten- den Angestellten so gut wie keine einschneidenden Veränderungen vornehmen will. Darüber täuschen auch nicht die Erklärungen der leitenden Direktoren der beiden Banken hinweg, wonach auch durch Abbau oder Absindung verschiedener leitenden Angestellten Einsparungen erzielt werden sollen. Die Aiigestclltenossgonisatioiien hatten es nicht unterlassen, den Generalversammlungen auch Rationalifierungsvor- s ch l ä g e zu unterbreiten, die aber bei den meisten Aktionären keine Gegenliebe fanden. Beide Referenten führten den etwa.2000 versammellen Bank- angestellten mit aller Deutlichkeit vor Augen, daß es während des Fusionsprozesses des st raff st en gewerkschaftlichen Zu- s am m c n s ch l u s s e s der Angestellten bedarf, um die Bank- gewaltigen gebührend in die Schranken weisen zu können. Ohne Diskussion stimmte die machtvoll verlaufene Kundgebung gegen sechs Stimmen einer Entschließung zu, in der die Genug- tuung ausgesprochen wird über das einheitliche Vorgehen oller Angestelltenorganisaüonen und der Aufstellung gemeinsamer Forderungen. In der Entschließung heißt es zum Schluß: „Die versammellen Bankangestellten geloben, auf die strikteste Jnnehaltung der gesetzlichen und tariflichen achtstündigen Arbeitszeit, itzsbesondere in den vom Abbau bedrohten Groß- bankbetricben zu achten und jede Ueberschreitung der Arbellszeit den zuständigen Betriebsräten und der Organisation sofort zur Kenntnis zu bringen, damit zu dem von Bankenfelle geplanten Abbau van lausenden Berufskollegen nicht noch durch die eigene Schuld der?lngestellten weitere Kollegen dem Abbau zum Opfer fallen. An Parlament und Gesetzgeber richtet die Versammlung die Auffordcrung, mit größtmöglicher Beschleunigung«ine Gesetzes- vorläge einzubringen, die die Unternehmer zwingt, die bcrufs- los werdenden älteren Angestellten wieder in die Betriebe auf- zunehmen." Aufstieg trotz Krise. Generalversammlung der Maschinisten und Heizer. In der Delegierien-Generalversamnilung der Maschinisten und Heizer erläutert« Genosse Ruckstuhl den gedruckten Kassenbericht und stellte fest, daß rein technisch unter Zugrundelegung der Bellrags- marken ein« Zunahme von rund 300 Mitgliedern zu verzeichnen ist. Dementsprechend sind auch die Einnahmen gestiegen. Die größten A u s g n be n im abgelaufenen Quartal verursachten Erwerbslosen-, Kranken- und Jnvaliderantterstützungen. Bei der Jnoalidenunterstützung steigen die?lusgaben von Quartal zu Quartal. Ein Beweis, daß die Jnvalidenunterstützung sich segensreich auswirkt. Auch die vom Wirtschaftsbezirk eingeführte freiwillig« Sterbekasse hat an Mitgliedern zugenommen. Bei einem Eintrittsgeld von 20 Pf. unh Bestrgg.se St.erhefM.M Pf. beträgt das Sterbegeld noch vierjähriger Mitgli�schaft Ay Mark.•- f- 9lnch eingehender Distussian wurde dem Kassenpersonal ein- stimmig Entlastung erteilt. Ein Antrag des Bezirksvorstandes, zwecks Unterstützung der er- werbslvsen, kranken und invaliden Kollegen zu Weihnachten eine Extraweihnachtsinarke zu 1 M. herauszugeben, wurde fast einstimmig angenommen. Jeder in Arbeit stehende Kollege ist vor- pflichtet, mindestens eine Marke zu kleben. Den Geschäftsbericht vom 3. Quartal gab R e i n e f e l d. Die Lohn- und Tarifbewegungen in den einzelnen Betrieben haben im allgemeinen eine Erhöhung der Stundenlöhne gehracht: in einem Fall konnte zum erstenmal Urlaub erwirkt, in einem anderen Fall der Urlaub verlängert sowie auch eine Verkürzung der Arbeitszeit herbeigeführt werden. In einem großen Betriebe (MTW.) wird augenblicklich noch der Kampf um die Einführung der sagenannten vierten Schicht(Ablösungsschicht) für die Schichtarbeiter geführt. Der Redner ging dann weiter auf den Kamps der freien Ge- werkschaften gegen die Verschlechterung des Arbeitslosenverficherunzs- gefetzes ein und bracht« zum Ausdruck, daß nur durch die Macht des Allgemeinea Deutschen Gewerkschastsbunde� und der Sozialdemo. kratischen Porlei die von den Unternehmern beabsichtigte Verschlechte- rung in ihren HaUptzügen abgewehrt werden konnte. Vor dem Arbeitsgericht wurden die Interessen der Mitglieder in jedem Fall von der Organisation gewöhn. Bei der Erörterung innerer Verwaltungsfragen wurde mitgeteilt, daß der Kollege Wilhelm Müller als Sekretär in den Häuptoorstand berufen ist. Starte Arbeitslosigkeit. Bei den Sattlern, Tapezierern und portefevillera. Unter welchen schwierigen Umständen der Verband der Sattler, Tapezierer und Porteseuiller gerade im letzten Quartal seine Lohn- und Tarifbewegungen zu führen hatte, zeigte der Bevollmächtigte, Genosse O st e n, in der Generalversammlung am Donnerstag im Gewerkschaftshaus an einem kurzen Rückblick auf die Beschäftigungs- lag«. Die letzte Monatsstatistik des ADGB. weist für den Verband der Sattler. Tapezierer und Porteseuiller eine A r b« i t s l o s i g- keit von 21., Z Proz. seiner Mitglieder aus. Die Organisation stand also im vorigen Monat mll der Arbeitslostgkell ihrer Mitglieder innerhalb des ADGB. an zweiter Stelle. Wenn es trotzdem gelang, sämtlich eP arifbewegungen im 3. Quartal erfolgreich zu beenden, so ist das ein Beweis für die Stärke des Verbandes. Genosse Osten schilderte kurz den Verlaus der Lohnbewegungen in den einzelnen Bronchen, die in ihren Erfolgen denen anderer Organisationen in keiner Beziehung nachstehen. Trotz der ungünstigen Arbsitsmqrktlage ist die Entwicklung der Finanzen der Organisation als gut zu bezeichnen. Das Lokalkassenvermögen erhöhte sich im Lauf« des 3. Quartals um rund 0000 M. auf 127 470 M. Auch der Mitgliederbestand ist stabil geblieben. Die Berliner Ortsverwaltung zählle am Schluß des Berichtsquartals 5018 Mitglieder. Mit einem Appell an die Versammelten, die vom Vorstand eingeleitete Werbeaktion rege zu unter- stützen, schloß Genosse Osten seinen Geschäitsbericht, gegen den in der Diskussion kein Redner etwas einzuwenden hatte. Die bei den Sattlern arg ins Huhemcsscn geratene„Opposition" versuchte diesmal auf eine„populäre" Art, in der Versammlung einen Resonanzboden zu finden. Der entthronte Bronchenleiter der Tapezierer, Hegen bort, brachte verschiedene Anträge ein, die auf eine Herabsetzung der Lokalzuschläge abziellen. Er versuchte den Nachweis zu erbringen, daß es nicht notwendig sei, von Jahr zu Jahr das Lokalkassenoermögen zu vergrößern. Nach feinem Vorschlag würde trotz der Beitragssenkung der Lokal- lasse noch in jedem Quartal ein kleiner Ueberschuß verbleiben. Es war nicht schwer, dem Antragsteller nachzuweisen, daß ein- mal seine Berechnungsgrundlage falsch war und daß infolge des Zlusboues der Unterstü'tzimgseinrichtungcn, wie sie der letzte Ler- bandstag beschlossen hat, auch der Lotalkasse in Zukunft größere Aus- gaben erwachsen. Der Antrag Hegcnbarts aus Scdkung der Lokal- zuschlage wurde aus Beschluß des großen Teils der Generalvcr- saMmlung der Ortsverwaltung als Malcriol überwiesen; die übrigen Oppositionsonträgc verfielen der Ablehnung. Die übliche Mache. �0 von 1000. Uns wird geschrieben: „Welchen Wer) kommunistische Resolutionen haben, dafür hat die Betriebsversaimnlung der Firma Fritz Werner-Mariemeldc vom Freitag einen neuen.Beweis geliefert. So wurde in der Bersamin- lung eine Resolutton eingebracht, die besagt:„Gegen die Zörgiebel- Polizei— Für die Freilassung der Streikleitung der Rohrleger". Zu dieser Resolution wurde der Zusatzantrag gestellt:„Diese Resolution wurde von der 1000-Mann-Delcgschait mit... Stimmen angenommen."' Diesen Zusatzantrag lehnten die Kommunisten ab, denn sonst wäre die Resolution für die„Rote Fahne" u n b r a u ch- bar gewesen. Di« Versammlung selbst war von 130 Kollegen besucht, so daß sich der kommunistische Betriebsratsvorsitzend« veranlaßt sah, die Be- suche? zu befragen, ob es Zweck habe, die Versammlung abzuhalten. Die Diskussion stand auf so„geistiger" Höhe, daß ein Teil der Kollegen die Versammlung verließ. In der Abstimmung wurde die Resolution mit 70 gegen 40 Stimmen angenommen. Der Zusatzantrag verfiel der Ablehnung. Selbst ein Teil der kommumstisch eingestellten Kollegen glaubte diesen Antrag nicht ablehnen zu können: sie ent- hielten sich der Stimme." » So sieht es also in den wenigen Großbetrieben aus, in denen der kommunistische Einfluß überragt. Nicht einmal zur Annohme einer Resolution langt der.„Heldenmut". Was freilich die Regisseure im Karl-Liebsnecht-Haus nicht hindert, von einem„Proteststurin" und einer„Streikwelle" zu flunkern. Die übliche Mache. Noch eine„Ourchbruchfchlacht" verloren. Kommunistischer Vergarbeiterstreik zusammengebrochen. Brüx, 20. Oktober. Die Lage im hiesigen Revier ist. heute so, daß man den von den Kommunisten hervorgerufenen Streik als völlig zusammen.- gebrochen betrachien kann. Es wird heute aus allen Schächte» mll fast voller Belegschost gearbeitet. Der in Bruch(in jedem Sinne; Bruch heißt ein Oll im nordböhnö'chen Bergbaurevier) be- sindlich« Streikausjchuß wurde von der Bezirksbehördc a u f ge l ö st. Oer Kriseurtarlfvertrag verbindlich. Der zwischen den 14 Innungen des Berliner Friseurgewerbes und dem Arbeitnehmeroerband des Friseur- und Haargswerbcs, Zweigoerein Berlin, am 12. Juli abgeschlossen« Tarifvertrag ist mit Wirkung ab 1. Oktober 1020 innerhalb der Stadtgeincinde Berlin für allgemeinverbindlich erklärt worden. . Das bedeutet, daß auch die diesen Innungen nicht angeschlossenen Selbständigen nach dem Tarif zu zahlen haben und auch die unorganisierten Gehilfen und Gehilfinnen die Tariflöhne beanspruchen und eventuell einklagen können.. Die richtige Antwort. In dem bolschewistischen Schundblatt wurden gegen den Betriebsrat des Kraftwerks Klingenberg die übelsten Ber- leuniduirgc» erhoben. Die Betriebsversammlung hat nunmehr ein- stimmig folgende Entschließung angenommen: „Die Betriebsversammlung des Kraftwerkes Klingenberq pro- testiert aus das schärfste gegen die Verleumdungen in der„Roten Fahne". Sie steht geschlosien hinter ihrem Betriebsrat." z>it zrriq.wcrischaNlick« I»q«»d»e»tralt de, Oet«n»schulle» Berlin de» Allqemcinen Tculiche» S«i>»ertschalt,bn»de, veranslaltet am connta«, dem 3 Slaonnbct lieft, im fttoSen caai dcs Gcwertlchaflskauses, Enaeluscr U 25, einen-Mttnft;.Finnland das Land der ftZftftv-5cen". im Licktdild und Sesan«. Mitwirtende: Baal Olberq, Olli Suolaljti finBt sinnische»nd karelische Bolls- Iiedcr.,nr Nantele. Laalcrijsshim« 19 Ul>e. B-Vinn Uhr. Unkosten- drtlrafl 30 Pfennig. tFreieGewertschafts-Iugend Berlin. Heute, Mittwoch. Uhr, tagen die Gruppen: NeuüUl«: Jugendheim Bergstr. 29(Hof). Vortrag: Zwecke und Uele der ftGI."— Süden. Südwesten: Gruppenheim. Städt. Zügendheim. Porckstr. U fFnbritpebäude). Plaudereien und Lichtbilder von den lscrienfahrten unserer Ititglicder.— stentr»m: Jugendheim Aehden�cker Str. 24—25. Lustiges Mpnats. ende.— Veißensce: GrupvenHeim Geihensee. Parkst?. 36. Loienspieiabend. Rordriag: Jugendheim. Schule Sonnen burger Str. 20. Bortrag:„Aapitalis- mus und Imperialismus". ß%. �»uoendoruppe des Zeviralverbandes der Anaestellten Keule. Äti'twoch. finden folgend« Veranstaltungen statt: Sesnnd- " brunoe»! Zuaendheim Sckiilnsledlsrr. l(Ledigenheim 5 Tr.l. Bortra«: „Das Arbeitsrecht". sArveitsrcchtüchc Plaubcrei.l Referent: Werner Dechrr. �»- Osten: Iugcildhrim der Eckiule Litauer Ell. 18. Ausfvrache:„Berkaus und BerlAuscr":— Aorbolt: Zngendhriul Daiijlaer Str. t>2(Baracke 3). Bor» fvaa:»Lehrlingsschule und Bcrus-ausbilduna". R-scrent: Walter Efchbach.— Stralon:.Augendheim der Schuir ibohlerslr.«l. Bortrag: Internationale Tewerkschaslsbewigung". Refereut: Ollo Lamm.— Reutölln: Jugendheim Böhlst'sche Ltr. l— I. Ecke«anner Slrastk. Bortrag:„An Rirdorf ist Bkullle". — Sudost: Jugendheim Wrangelstr. 128. Lich'bildcrvortrag:„Der Dampfer Columbus". Referent: Georg Seilbrunn.— Spundau: Iugrndheim Linden. ufer l. Au-spracheabend:„Jugend und Alkobol".— Potsdam. Rowawc«: Iugendberbcrgr in Rowawcs. Priesterstrahe. Vortrag:„Die Stellung der Gr. wcrkschaslcn m girchc, otaat und Gesellschaft". Referent: Willi Derkum. Pcrantmortlich für Bolltit:?r. sturt«-ner: Wirtschaffl 9- stliugelhSser: Gewerkschaftsbewegung: Z. Steine«: IZeuillelon: st. K. DSscher: Lokale» und Sonstiges Arid starstädt: Aneeiaen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts-Berlag®. rn b. S. Berlin Droit: Borwärls-Buchdruckeret »nd Verlaosanstalt Bau! Singer u. To.. Berlin SW 68. Lind-nstraste 8. Sur»« 2 Beilagen.„Blick in die Bütherwell" und �laterhaltung uud Wistcu". Das Gesundheifs- wasserl riebingtr Versandslelle, Berlin SV II ScMnebcrger Sir. 16a. Tel. LUtzov 8360-61 Tir. 509» 46. Zohrqana*li* Miktwock, 30. Oktober 1929 Her werdfencfe Cpcxzsiezzplezf�. „Die Erde war wüst und leer", erzählt die biblische Schöpfungsgc- schichte. Wüst und leer ist seit langem auch der in Berlin» S ü d o st gelegene Oranienplatz, auf dem es früher einmal ganz nett und ordentlich aussah. Aber er wird min nicht mehr lange so wüst bleiben Schon vor einer Reche von Johren hatten die Untergrundbohnbauten an der Dresdener Straß« einen Teil des Platzes zerstört. Dann kam neu« Un- ordnung infolge der Zuschüttung des !tuisenstädtischen Kanals und des Ab- bruchz der Oranienbrülte. Auf dem Gelände des zugeschütteten Kanals entsteht eine Schöpfung des Garten- künstlers, ein« Grünanlage, die der Bevölkerung des an Grünflächen wirklich nicht reichen Südostens sehr willkommen sein wird. Im Zusam- menhang mit diesen Arbeiten wird auch der Oranienplatz wieder in Orb- nung gebracht werden und ein freundliches Aussehen �angc erholten. genug haben die Bewohner der Nachbarhäuser unter der Staubplog« gelitten. Dafür werden sie, fertig sein wird, es um so bester hoben. wenn d!« Grünanlage Neue Echiffskaiastrophe in LlGA. «Schiffsuntergang auf dem Michigansee.— 20 Tote. New Vort, Zg. Oktober. Infolge de» starken Sturm» ist auf dem Michiganse« der Dampfer„TD i» c o n s i o" gesunken. Da» Schifs hatte 60 Personen an Bord, von denen 20 um» tebeo gekommen sind. Aus die SOS-Rufe der..Wisconsin" waren Hilfsschisse herbeigeeilt, die jedoch wegen de» hohen Seegangs nur schwer an die llnsallsielle gelangen konnten. Milde Sirase für reuigen Sünder. «kr half seinem Voter in der Ttoi. Durch ein reumütiges Geständnis erwirkte sich der zwanzig- jährige kaufmännische Angestellte Sch. beim Amtegerichtsrat Dr. Wrsettbe.g in der Verhandlung vor dem Schöffengericht L e r l i n- lvt i t t e ein mildes Urteil. Der Angeklagte war befchutdigt, als Vertreter von Fir- wen Geldbetröge kassiert und für sich verbraucht zu habe». Er vxir seinerzeit oerhaftet und dann sreigelassen worden. Bor �Ger-cht mochte er nun dos überraschende Geständnis, daß er noch seiner Freilassung noch in sehr erheblichem Maß«, weit über die Anklagepunkte hinaus, in vielen Städten Deutschlands in d?! sei den Weste Betrügereien verübt hat, durch die er Zehn- t g u s.e n d c von Mark vereinnahmt bot. Sch. stäm.nte aus guter Familie und besucht« die Aandelshochschul«, mußte das Stu- diom aber abbrechen, weil die Familie durch das Siechtum des Sraters in Not geriet. Die Familie führte große. Aus- wzrtungs>prozesse, die viel Geld verschlangen. Trotz seiner Sst-gend bat der Angeklagte die Mittel für die Prozesse und auch für den Krankenhausousentbolt seines Vaters allem auigebrocht. Er legte dem Gericbt die P o st q u i t t u n g e n vor, um zu beweisen, ' daß er alles Geld, das er erübrigen konnte, nach.ihansc geschickt baüe, um seinem Vater über die schlechten Zeiten hm wegzuhelfen. Totsächlich Hot dieser mich die Prozesse inzwischen gewonnen, und cs gebt ihm seht wieder gut, so daß der Angeklagte versprechen konnte, nach Kräften den angerichteten Schaden wieder gut zu machen. Das Gericht nahm eine fortgesetzte Handlung an und«r- konnte auf zwei Monate Gefängnis, davon wurde ein Monat auf di« Untersuchungshaft angerechnet und f ü r den Rest Bewährungssrist bewilligt. Auch der Haftbefehl wurde aufgehoben. Aus Anroten von Rechtsanwalt Themal nahm der Angeklagte mit Freuden die Strafe sofort an. Wir denken nicht daran, das Urteil zu„schelten", denn es eröffnet einem bürgerlichen jungen Menschen, der immerhin recht kräftig gestrauchelt ist. trotzdem den Weg zur Rückkehr in ein«hr- bar«? Leben. Wünschen wollen wir indessen, daß dasselbe große Verständnis und d i c s e l b« Milde auch den jungen Menschen des Proletariats entgegengebracht wird, die aus Not, aus Verzweiflung und aus Gefetzesunkcnntiris straucheln.___ Konstantinopel-Berlin in neun Stunden. Das Arado-Speziolposstlugzeug der DeutschenLufthansa, das am Freitag in etwa elfstündigem Flug ohne Aufenthalt Post von Berlin nach Konstantinopel gebracht hatte, ist Dienstag morgen um 4 Uhr im Flugplgtz San Stefano bei Konstantinopel zum Röcksluge nach Berlin gestattet. Die etwa 2000 Kilometer lange Strecke wurde in überraschend kurzer Zeit bewältigt. Nachdem das Flugzeug schon um l0.2ö Uhr über Wien gesichtet worden war, landet« es um 13.10 U h r in strömendem Regen im Flughafen Tempelhos, also noch einer Flugzeit von nur neun«tun- den, was einem Geschwindigfeiisdurchschrritt von mehr als 210 KU»- meiern m der Stuniw entspricht, liieses Unternehmen stellt bekanntlich ein« Vorbereitung für einen für das kommende Jahr geplanten regelmäßigen, Lustpostverlehr näch. Konstantinopel dar. Zuiterfabrit niedergeHranni. Güstrow, 29. Oktober. In der letzten Nacht wurde die hiesige Zuckerfabrik A.-G. durch Feuer fest völlig eingeäschert. Die Maschinen, Einrichtungen und Logerungen von Zucker und Sirup usw. sind fast ganz ver- n i ch t e t. In der feit dem 13. Oktober in vollem Betrieb stehenden Fabrik wurden etwa 275 Arbeiter und Angestellte be- s ch ä f t i g t. Noch den bisherigen polizeilichen Ermittlungen ist das Feuer in dem Aufbewahrrmgskeller für Versand aufgekommen. Mitten im Wahlkampf. Die Lichtreklame im Dienste der Partei. Knapp drei Wochen trennen uns noch von dem Tag, an dem die Berliner Bevölkerung die Entscheidung über die zukünftige Politik der Reichshauptstadt zu fällen Hot. Ueberoll in den Ge- meinden hat der Wahlkampf mit großer Intensität eingesetzt, mit ganz besonderer Scharfe aber in Berlin, mo das Privatkapital mit allen Mitteln gegen eine erfolgreiche öffentliche W i rt s ch o f t könipst. Die Sozialdemokratische Partei kann für sich in Anspruch nehmen, auch in diesem Wahlkampf führend zu sein. Sie verdankt diese ersolgverheißende Stellung wiederum in erster Linie der ansopfornden, freiwilligen und zähen Agitation?- arbeit der vielen ungenannten Funktionäre und Mitglieder. Die Grundlage aller Parieierfolge ist die immense, oft so schwierige Kleinarbeit, die jeder Sozialdemokrat freudig für dos gemeinsame Ziel leistet. Welches Zlusmaß diese Arbeit in einem modernen Wahlkampf erreicht, zeigt die Tatsache, daß die vom Bezirksverbond Berlin herausgebrachten, durch zahlreiche Jllustra- tionen besonders lebhaft gestalteten Flugschriften allein in einer Aufloge von über vier Millionen Exemplaren in Groß-Berlin verbreitet werden. In überaus geschickter und wirkungsvoller Weise hat man auch die Lichtreklame in den Dienst der Werbung gestellt. In den wichtigsten Verkehrs, Zentren fordern große Transparente die Ver- liner ans, ihre Stimme am 17. November für die Sozial- d e m o k r a t i e in die Wagschale zu werfen. Am Potsdamer Plah ist am Eckhause des Cafe Iosty eine 5'A X 3 Meter große Leinwand f l ä ch e mit der Aufschrift:„W ö h l t am 17. November Liste 1 Sozialdemokraten" angebracht. Diese, vom frühen Abend bis in die späte Nacht tageshell beleuchtete Fläche zieht nicht nur die Blicke aller Passanten des Platzes aus sich, sondern ist bis weit in die Leipziger Straße hinein sichtbar. Gehen wir ein Stück die Königgrätzer Straße in Richtung des Anhalter Bahn- Hofs hinauf, so sehen wir hoch auf dem Dach de? Europa- Hauses die große Leuchtschrift aufflammen, die gleich- falls die Vorübergehenden mahnt, am 17. November für die Sozialdemokratie zu stimmen, und die an jedem Abend dreihundertmal aufleuchtet. Am prächtigsten und eindrucksvollsten ist jedoch die Wirkung am hermonnplah in Neukölln. Solch einer Werbung kann sich kein Passant entziehen. Auf dem Dach des Hauses Koiser-Friedrich-Straße 248, an der Eck« Kott- busser Damm, erstrahlen bei Eintritt der Dunkelheit drei gewaltige, hell leuchtende Buchstabenreihen. Abend für Abend rufen sie der arbeitenden Bevölkerung Neuköllns zu: WaKtt am 17. Kovember Liste 1 Soslal�Semeilcratei« Die beiden oberen.Reihen werden von weißen Leuchtkörpein gebildet, während die unterste Bicchstabenrechc in rotem Lichr geholten Ist: Jeder einzelne Buchstabe ist über 1,20 Meter Hoch. Dir Schrift selbst nimmt eine Länge van zirka 14 Meter ein. Auf dem Hermannplatz herrscht des Abends beinahe Tages- helle. Wenn in den Hauptverkehrszeiten das große Warenhaus die Käufer aufsaugt und gegen Verkanfsschluß die Besucher das gewaltige Haus verlassen, kann man stets zahlreiche Gruppen von Menschen beobachten, die lange interessiert auf das Dach des Hauses schauen, von dem das Licht in dic Nacht hinausruft: Wählt am II. November Liste 1 Sozialdemokraten. Taf-aim T�rmarorru■: lej Cäuatam Ungczruc/yin UVL(y/o.vAnr/or-unnS�fßr�MsjV�. CopTrigbt by BiiAergild« Gatenb-rg, Berlin. Nachdem draußen jeder menschliche Lärm verklungen war, trat er vorsichtig zur Türe und untersuchte das Schloß. Dann nahm er die Hängelampe herunter und trat an mein Vett. Als er sich jedoch überzeugt hatte, daß ich schlief, trat er aus den Fußspitzen zur Ofenbank, stellte die Lampe darauf. breitete seinen Pelz davor aus und setzte sich darauf. Dann sah er sich noch einmal um. ob ihn niemand im geheimen beobachtete. Ich lugte mit stockendem Atem unter der Decke hervor und konnte mir nicht vorstcUen, was der Alte vor hotte? Der Oberkosat tat jetzt das folgende: Er knöpfte seine Weste auf und dann sein Hemd. Man konnte seine grau behaarte Brust sehen. Und dann band er von seinem Halse einen schmierigen Beutel herunter, der ihm aus die Brust herabbaumelte. Es war ein gefüllter Beutel. Jetzt legte er den Beutel vor sich hin auf den Pelz und leerte ihn mit einer sähen Geste. Ein ganzer Haufen Silbermünzen kollerte klingend daraus hervor. Fünfkronenstücke und Gulden. Lange, sehr lange betrachtete er dos Geld, während er unverständliche Worte vor sich hin murmelte. Ich konnte den Alten gilt beobachten, weil die Lampe sein Gesicht von der Seite erhellte. Sein Haar siel chm, aus dem Verband hervorbaumelnd, über die Augen, seine schnabel- förmige schmale Nase hob sich scharf ab im ungewiffen Licht, und le'ne kseinen. schwarzen A-uglein beäugten mit ein-m verschlagenen Ausdruck das Geld. Von diesem Beutel und dem Silbergeld hatte ich schon früher einiges durch mein- Großmutter' erfahren, aber auch sie wußte nicht mehr, als daß der Alte ihn auf seiner Brust trug und eifersüchtig vor jederi mann verbarg. An den Sonntagmorgen, an welchen es feine Gewohnheit war, sich bis zum Gürtel zu waschen, jagt« er olle aus dem Borderbaus und sei, laß sich«in. damit niemand den Beutel sähe, wenn er ihn herunternahm, lieber dieses Geld waren vielerlei Geschichten im Umlauf und niemand wußte, wie stark die Summe war. Bor Iahren hatte es sich «eignet, daß der Alte— von einem Markt aus Nagymihaly heimkehrend—, den Beutel in seiner Zerstreutheit in den Aermel seiner Jacke steckte und als er daheim angelangt war, nicht mehr vorfand. Er brüllte erbittert auf, warf sich gleich wieder aufs Pferd und raste aus dem Dorf wie der Wind. Bold darauf erblickte er im Graben neben der Landstraße einen Wonderburschen, der gerade friedlich das gefundene Geld zählte. Der Alte sprang ab, nahm das Geld an sich und verabreichte dem Burschen gleich dort im Stehen einige Ohr- feigen. Nicht ein Gulden fehlte. Und jetzt glänzten die geheimnisvollen Münzen im gelben Licht der Lampe. Der Oberlosak starrte sie an, mit einem langen, schweren Blick. In gewissen Pausen brummte und seufzte er. Ich achtete mit angehaltenem Atem auf alle seine Bewegungen. Nach einer geraumen Weile regte er sich und holte aus dem Aermel feiner Jacke eine verkorkte Flasche und ein Stück Zeug hervor. Er nahm behutsam einen Gulden auf, träufelte aus der Flasche irgendeine Flüssigkeit darauf und begann ihn mit dem Zeug zu reiben, mit großer Geschwindigkeit. Nach kurzer Zeit hielt er das Geld vor die Lampe: Das Gulden- stück sprühte und glitzerte. Das währte weiß Gott wie lange. Der Oberkosak hoste der Reihe nach die Fünfkronenstücke und Gulden hervor, rieb sie und legte sie dann zurück in den Beutel. Vorher spuckte er aber darauf, damit sich das Geld auch vermehre. Manch- mal seufzte er unwillkürlich auf, während sein verbundener Schädel erbebte: ,.Ho, hv... sckzwer ist das Los der Armen..." Ich tonnte es nicht bis zu Ende abwarten und schlief wieder ein. Aber über da?, was ich>n dieser Nacht gesehen hatte, wagte ich zu niemandem zu sprechen. Am nächsten und am folgenden Tage war das Haus wieder voll. Die Kosaken berieten. Es handelte sich um irgendeine neue Unternehmung. Und am dritten Tag« brocken sie mit dem ersten Hahnenschrei mit dreißig Wagen auf und raffelten unter großem Lärm und Geklirr aus dem Dorf«. Den ersten Wagen lenkte der Oberkosak, denn auch diesmal führte er die Unternehmung. Es verstrichen mindestens zwei Monate, bis sie wieder heim fanden. Natürlich unter dröhnendem Gesang. Wie ge- wohnlich. Während dieser Zeit hatten die Kosaken, wie wir später erfuhren, ununterbrochen qefnlzrwerkt. Denn sie verrie'en ihr- Pläne niemals nor Beginn der Ausführung, damit nie- mand sie durchkreuzen könne. Auch diesmal hatten sie dos Dorf so geheimnisvoll verlassen wie gewöhnlich. Aber auch von dieser Unternehmung gelang es uns, manches zu er- fahren. In diesen zwei späten Wintermonaten übernahmen die Kosaken schweren Fuhrwerkerdienst von Ujheln bis Szärnyeg. Auf dem Gipfel der Szärnyeger Berges hatte irgendeine aste gichtbrüchige Gräfin vor drei Jahren ein Schloß aufgebaut. Sie selbst lebte in Wien und sah sich das Schloß erst dann an, als es schon fast unter Dach stand. Da sie aber keinen Gefallen daran fand, befahl sie in ihrem großen Zorn, man solle das Ganze wieder abtragen und von neuem damit be- ginnen, aber diesmal so, wie sie es wollte. Die Baumeister machten sich darauf in kopfloser Hast über die neuen Pläne, da es jedoch gerade bärenmäßig kalt war, fanden sie keine Fuhrweser, die sich bereit gefunden hätten, die ungewöhnlich lange Strecke zu fahren. Nun, wenn sich keine fanden, die Kosaken waren da! Sic hörten irgendwie von der Sache, noch während sie in den Wäldern der Ver- hovina mit den Baumstämmen rangen und eine Woche später knirschten ihre schmalen Wagen bereits über die schneever- wehte Landstraße von Ujhely bis Szärnyeg. Und kämpfend mit dem Sturm und mit der Kälte trabten ihre mageren Pferdchen von früh bis spät emsig vor den mit Ziegeln be- ladenen Wagen. In dieser Zeit kam selten eine Nachricht von den Kosaken. Manchmal erzählte irgendein verirrter Wanderer, er habe sie gesehen, wie sie neben ihren Wagen daherstampften und mährend sie die dampfenden Pferdchen bitter antrieben, ihre Lowmfellhandfchuhc zusammenschlugen in der Käste. In einem anderen Falle machten sie mit etwa sechs Wagen vyr dem Wirtshaus in Belejt holt und begannen mit den Slamakcnbnrschen zu raufen. Aber das waren eher sagen- hafte Gerüchte. Inzwischen begann auf der Ebene der Latorca der Früh« lingswind aufzuwachen. Auf einmal— von einem Tage zum andern—, sprangen die Wildwasser auf und glänzten wie Spiegelflächen in der Sonn?. Die runden Wäldchen aus den runden Hügeln nahmen eme slaumtg gelb- Farbe a» und dic fernen Berge erhielten blaue Streifen, lieber dem Kirchturm kreiste lange ei« Storchen paar. Die drei Esikosburschen des Oberkosaken trieben beim ersten wärmeren Wind die Herd? auf die Ebene von Nezpest b-naus, während sie mit ihren Hetzpeitschen knallten. Das Dorf atmete auf und dic Menschen in den Höfen und in den Gärten begannen sich zu regen. Und sie überfluteten die Wiesen wie die Ameisen._____.(Fortsetzung folgt.) t Antrag der Staatsanwaltschaft. Eröffnung der Voruntersuchung gegen die Gebrüder Sklorek In der Strafsache gegen S k l a r e k und Genossen hat die Staatsanwaltschaft I Verlin heule die Eröffnung der vor. Untersuchung beantragt gegen solgcnde Personen: 1. die Gebrüder Max. Willy und Leo Sklarek wegen Betruges. schwerer Urkundenfälschung, Bestechung und Kou. kursverbrechens, 2. gegen den Buchhalter Max Lehmann wegen Beihilfe zum Betrug, zur schweren Urkundenfälschung und zum Konkursverbrechen, Z. gegen die Stadtbankdirektoren Schmitt, hoffmann und Schroeder wegen passiver Ve- slechung und Untreue, 4. gegen Kleczewski. weill, wende, Loewenstein und die Ehelente B! o r i h und Adele war- schauer wegen Beihilfe zum Betrug. Dem Landgericht I Berlin ist als weiterer Untersuchungsrichter Landgerichtsrat Rosemann zugeteilt worden. Durch den verteilenden Untersuchungsrichter ist ihm die Bearbeitung der Sache gegen Sklarek und Genossen übertragen worden. Das Ermittlungs- »erfahren gegen die übrigen Beschuldigten wird von der Staatsanwaltschaft I selbständig fortgesetzt. Reben dem stoateanwalt. lichen Ermittlungsverfahren läuft das Disziplinarverfah. r e n gegen einzelne Beamte der Stadt Berlin. Nach Presse- Meldungen soll Rechtsanwalt Puppe als Verteidiger des Buch» Halters Lehmann beantragt haben, Oberbürgermeister Böß als i Zeuge über den Ankauf der Pelzjacke zu hören. Ein solcher Antrag � ist bisher bei der Staatsanwaltschaft nicht eingegangen. Aürgermeifier Gcholtz fährt nach Bremerhaven. Heute nachnrittag wird Bürgermeister S ch o l tz nach Bremen abfahren. Nach seiner Ankunft in Bremerhaven wird der Bürger- meister mit einem Dampfer des Norddeutschen Lloyd der„Bremen' «ntgensahren und an Bord der„Brem« n" gehen, um den Oberbürgermeister zu mformieron. Gleichzeitig wird Herr Scholtz dem Oberbürgermeister einen längeren Bericht überreichen, in welchem die schwebenden Angelegenheiten(Stadtbank, Sklarek, Bcrliiw Anschafsungsgesellschast) behandelt und die persönlichen Angriff« auf den Oberbürgermeister beleuchtet werden. Bürger- ; meister Scholtz wird so nach Berlin zurückfahren, daß er noch reicht- zeitig zur Stadwerordnetensitzring gelangt. Gtrafantrag und Widerruf. ' Wie wir berichteten, sind von der„Roten Fahne' und»am �.Tempo" wiederholt im Zusammenhang mit der Sklarek-Affär« Genossen genannt worden, die mit diesen Dingen nicht das geringste zu tun haben. Die Genossen Flatau, Krille und 23«blitz hatten außer den schon früher genamiten Genossen imd Genossinnen sofort dos gerichtliche Berfahren gegen den verantwortlichen Redakteur-der„Roten Fahne" cingereicht. Eine Einigung vor dem Schiedsmann ist in diesem Falle von den genannten Ge» Nossen abgelehnt worden, so daß das gerichtliche Berfahren offiziell weitergeht. Der verantwortliche Redakteur des„Tempo' hat in der ersten Verhandlung, die auf Grund des Älageantrages des Genossen Flatau sta-tttand, von sich aus als Ausgleich eine iveröffentlichung im„Tempo" vorgeschlagen, m der das B e da u e r n über die früher« auf den Genossen Flatau bezügliche Verösfentlichung ausgesprochen ist. Diese Berösfemlichung ist m Nr. 250 des„Tempo" vom 25. Oktober d. I erschienen. Sie bringt das Bild des Genossen Flatau, welches früher veröffentlicht wachen war und darunter folgende Erklärung: „Zu dem obigen in Nr. 235 des„Tempo" vom 8. Oktober 192ä unter dem Titel„Die Herren nach der letzten Sklarekmodc" veröffentlichten Bild stellen wir, wie schon in Nr. 256 des„Tempo" betont, noch einmal fest, daß Herr Stadtverordneter Flatau in keiner Weise mit der Stlarek-Affäre in Verbindung zu bringen ist. und sprechen nochmals unser Bedauern über die'Beröffent- ftchung aus." * Der Inhaber der Firma Max Fluß. Berlin. Rosenthaler Str. 58, irilt un» mit: „Das nationalistische Blatt„Der Angriff* verbreitet die Be- lzruptung, daß meine Firma, Max Fluß, Berlin. Rosenthaler Straß« 58, ähnlich wie die Gebrüder Sklarek einen Monopolvertrag aus Lieserung von Eisenbahnerkleddung mit der Berliner Eisen- bahndirekiion habe und daß die Gebrüder Sklarek an meiner Finna als stille Teilhaber maßgebend beteiligt seien. Diese Behauptung weise ich als frei erfunden und verleumderisch zurück. Ich lzabe niemals Lieferungen, geschweige denn Monopolverträge für die Berliner Eiseiib-ahndirektion gehabt. Keiner der Gebrüder Sklarek ist— weder direkt noch indirekt— in irgendeiner Weise bej meiner Firma beteiligt oder beteiligt gewesen. Ich habe all« Schritte zur zioilrechtlichen uiw strafrechtlichen Verfolgung üies«r hetzerischen Angriffe ringele tet und warne ausdrücklich vor jeder W-titeroerbreitamg derartiger unwahrer Behauptungen." � Ehemaliger Bürgermeister verurieili. Wegen llnkerfchlagung drei Jahre Gefängnis. Nach sechstägiger Verhandlung fällt« am Montag abend die Große Strafkammer Limburg das Urteil gegen den wegen Unter- schlagung von 14125 M. Erwerbslosen- und Unter- stützungsgeldern sowie wegen Urkundenfälschung im Amte angeklagten früheren Bürgermeister von Ztiedcr- Hadamar, Diesen- dach, das Urteil. Es lautete aus drei Jahre Gefängnis und 3000 M. Geldstrafe oder im N-ichtbeit-reibungsfMe weitere 150 Tage Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte drei Jahre Zuchthaus und 8000 M. Geldstrafe beantragt. Gelbstmordversuch eines Nankdirekiors. Der Direktor der zusammengebrochenen Dodenkreditanstalt. Wien. 20. Oktober. In der vergangenen Nacht hat in einem Wiener Hotel der ÜtOj ährig« ehemalige Direktor der Bodenkreditanstalt, Karl Graf, «inen Selbstmordversuch verübt. Er brachte sich einen Re- » o l o e r s ch u ß in die rechte Schläfe bei und wurde schwer oerletzt ins Krankenhaus gebracht. Graf, der nach dem Zusammenbruch der Vodenkreditanstalt abgebaut wurde und eine Abfindung erhielt, hatte wiederholt zu Bekannten geäußert, er werde den Zusammen- hruch des Instituts und feine Sie!l u ngs l o s i g k e i t nicht übe rieben. * Gestern nachmittag hat der SOjohrig« Bankier, Kommer�ienrat Richand Heinemann, in seiner Wohnung Bayerische Straße 4. Selbstmord durch Erschießen verübt. Heinemann, der Unter den Linden 56 ein größeres Büro unterhielt, kehrte gestern mittag in sein« Wohnung zurück."Dabei kam es zwischen H. und seiner Frau zu schweren Streitigkeiten. Der Mann nahm sich die Auseinander- setzung fo zu Herzen, daß er den Entschluß faßte, freiwillig in den Tod zu gehen. H. begab sich in sein Arbeitszimmer, wo er sich erschoß. .'i Zill Ii_ iiIllDiS {'in llcbeljlnnd auf dem Bahnhof Adlershof. Die in regelmäßigen Abständen vorgenommene Verkehrs- Zählung auf den Stadt-. Ring- und Vorortstrecken müßt« der Eifenbahnverwaltung dach gezeigt haben, in welch gewaltigem Maße der A r b e i t e r o e r k c h r besonders nach A d l e r s h o f zugenommen hat. Auf dem früheren Flugplotzgelände sind Dutzende von Betrieben mit Tausenden von Arbeitern herausge- zogen. Die in diesen Betrieben beschästigten Arbeiter wohnen zu 90 Proz. in Berlin. Desgleichen sind große Häuserblocks neu erbaut, mit vielen Hunderten Bewohnern, die wiederum ihre Ar- bciisstellen in Berlin haben. Für alle diese Ardeitsmenschen wäre es eine Zeitersparnis und Erleichterung und würde mit Freuden begrüßt werden, wenn der Ausgang noch der Rudower E h a u s s e e geöffnet werden würde. Auf mehrfach gemachte Eingaben an die Eifenbahnverwaltung wurde erwidert, daß ein Bedürfnis nicht vorliege und daß dadurch Kosten in Höhe von jährlich 24 000 Mk. entstehen würden. Diese Antwort ist völlig falsch und muh ohne genaue Prüfung und Kalkulation erteilt worden sein. Vielleicht ist e- möglich, daß auch das Bezirksamt Treptow oder die Vezirksversammlung in dieser Angelegenheit Scknitte unternimmt. Viele tausend?lrbeiter, Arbeiterinnen und Angestellt« würden einem Erfolg dankbare An- erkennung zollen. Vlehr£idü!— Weniger SiacheldralU! Von dem einen gibt's zu wenig im Märkischen Museum, vom anderen zuviel auf S ch i l d h o r n. Das Märkische Museum ist eins der schönsten in Berlin; der Bau, die Anlage, die Der- Wendung alter Teile und Motiv« um Gebäude, die Möglichkeit tosten- und aufsichtsloser Besichtigung und die Schätz«, die jedem Berliner und jedem, der für das Werden einer Stadt Sinn hat. viel geben— Schöneres und Reichhaltigeres ist kaum zu finden. Bloß es ist nur ein Drittel zu sehen: die Räume sind so finster, daß man sogar am Vormittag das meiste nicht erkennen kann. Künstliches Licht gibt es nur in zwei Sälen, in den anderen würde e» den architektonischen Eindruck stören. Deshalb gibt es nicht einmal die indirekte Schaukastenbeleuchtung. Deshalb beklagen alle Besucher, daß sie, nicht wenigstens eine Taschenlampe mitgebracht hoben! Rücksicht auf die Architektur zum Schaden der Besucheraugen, zum Schaden der Sache scheint falsche Pietät. Auch gibt es heute genügend Möglichkeiten, Lichtquellen so anzubringen, daß sie nicht stören. Und Schildhorn. das nächste Ausflugsziel, ist feit neuester Zeit auf kunstvolle Art mit Stachel- und anderem Draht in ein Labyrinth verwandelt. Soll es Naturschutz sein? Es ist 'Raturverschandelung. Soll es Menschenschutz vor„Ab- stürz' sein? Es ist Unsinn und nur Reklame für die Zaunfabrik. Wenn da schon irgend ein Amtsschimmel ein Brett vor dem Kopf hat— den Ausflüglern braucht er dann doch nicht die Aussicht mit Draht zu versperren. Wo kann man des WachlsQeld deponieren? Der jüngst gemeldete Raub von 140 000 M. Lohngelder läßt die Frage aufkommen: muß es sein, daß so große Summen über Stacht unbewacht in leicht zugänglichen Bureauräumen liegen? Ge- wiß macht die Füllung der Lohntüten mit dem jeweiligen Lohn- betrage Arbeit und erfordert Zeit— aber sie dürfte doch bei richtiger Einteilung und Anforderung resp. Bereitstellung pastenden Geldes am Lohntage zu leisten sein. Das Geld über Rocht einer Bank anzuvertrauen ist zweifellos das Richtige, aber es fehlt wohl der Weltstadt Berlin eine Bank, die dann ihre Pforten öffnet. wenn die anderen Banken die ihren schließen. Eine solche..Zluf» Hebe'-Bank herzustellen sollte Ehrenpflicht der Gesamtheit der Banken sein. Spät eingehende Geldbeträge sollten ihr zugeführt werden; dann aber werden auch in der Nacht, z. B. in den Markt- hallen, Geschäfte getätigt, deren Erlös der Verkäufer auf seinen vielleicht einsamen Heimweg mitnimmt. Auch ihm dürfte die Mög- lichkeit, dos Geld gleich in der Nacht zu deponieren, willkommen sein. Berliner Hochstapler verhastet. Durch Betrug über dreiviertel Mittionen Mark erbeutet. von der Kriminalpolizei wurde der 61 Jahre alle Kauf. mann Eugen Joseph Margolin festgenommen, der au» Staniriau tn Galizien flammt und in der Kossteiner Str. 13 wohnte. Er wird de» Betruges, der Wechselfälschnng und schmerer Urkundenfälschung beschuldigt. Der Kaufmann Margolin war bereits vor 20 Jahren einmal der Mittelpunkt einer großen Betrugsasfäre. Im Jahre 1908 betrieb er in Berlin ein Immobilien- und Hypothekengeschäft, das allmählich eins der erfolgreichsten wurde. Trotz großer Ge- winne, die er dabei erzielte, geriet Margolin in Schulden. Damals entdeckte man, daß er eine V i« r t e I m i l l i o n an sich gebrocht hatte. Die Leidtragenden waren zwei Mitglieder des Adels und Personen des Mittelstandes. Margolin war geflüchtet, vorher hatte er das Gerücht ausgestreut, daß er nach Amerika wolle, doch war das nur ein Derschleierungsmanöver. Totsächlich war er nach Holland gereist und dort verlor sich seine Spur. Als die Berliner Kriminalpolizei Bilder und Steckbriefe an die Hauptstädte aller Länder sandte, wurde er in der Maske eines holländi- schen Barons in einem vornehmen Hotel in Petersburg mit seiner Geliebten ermittelt, festgenommen, ausgeliefert und abge- urteilt. Die Betrügereien, die ihm jetzt wieder vorgeworfen werden, be- wegen sich auf der gleichen Linie wie die von vor 20 Jahren. Sein« Kunden kamen aus denselben Kreisen wie damals. Begüterte und Minderbemittelte, die der Gewinn lockt«. Margolin bewohnte jetzt in der Kufsteiner Str. 13 im hohen Erdgeschoß ein» elegant ringe. richtete Wohnung. Im Hause galt er als Biedermann und keiner traute ihm eine solche Vergangenheit zu, geschweige denn, daß er sich jetzt wieder schuldig gemacht habe. Das ehrwürdige Aussehen des alten Herrn und sein ruhiges bestimmtes Auf- treten hat alle, die mit ihm zu tun hatten, geblendet. Sie ver- trauten ihm ihr Geld an und sind schmählich enttäuscht. Einer der Austraggeber Margolin? verlangt« jeftt ein« Abrech« nung über ein« Summe von 200 000 Mark. Als Margolin diese immer wieder hinauszögerte, schöpft« der Geldmann Verdacht und beauftragte den Bankdetektio Martin Knopf mit der Heber« Prüfung. Dieser erkonnte bald den Betrug und erstattete bei der Kriminalpolizei Anzeige. Die Untersuchung wird durch die Beamten der Dienststelle v. 1 geführt. In der Wohnung Margo. lins wurde ein« Durchsuchung vorgenommen und die gesamte um- fangreiche Geschäftskorrespondenz beschlagnahmt. Di« Durchsicht ergab soviel belastendes Material, daß er festgenommen wurde. Seine Vernehmung zog sich bis in die Morgenstunden des Dienstag hin. Cr mußte mehrere Wechselfälschungen zugeben und daß einige Börsengeschäft« unreell gemacht worden waren Nach vorläufiger Schätzung beläuft sich der Schaden, den er angerichtet hat, auf 750 000 Mark bis eine Million. Keine Parteipolitik in weltlichen Schulen Tagung des Bundes der Freien Gchulgesellschast. Sonntag vormittag trat der Bezirk Groß-Berlin des Bundes der Freien Schulgesellschaft in den Union-Sälen, Berlin. Greifs- walder Straße, zu einer außerordentlichen Dertretertagung zu- sammen. Nachdem man dem kommunistischen Vertreter Dr. Ausländer das Mandat abgesprochen hatte, beschäftigte sich die Konserenz mit dem Fall des kommunistischen Lehrers Klähm Folgende Entschließung wurde angenommen: „Der außerordentliche Vertretertag des 2?ezirtsverbandes Groß-Berlin wendet sich gegen die Versuche parteipolitischer Zer- setzung der weltlichen Schulen. Er brandmarkt die Ausnutzung von Kindern zum Zweck« parteipolitischer Propaganda, die unter dem Schutze parlamentarischer Immunität(es waren hetzerische, von Pieck bzw. Gohlke unterzeichnete Flugblätter in den Schulen, auch in Spandau, oerbreitet worden) von Abgeordneten Unwahr- beiten, Entstellungen und Verleumdungen gegen die weltlichen Schulen verbreitet. Der außerordentliche Vertretertag fordert all« Mitgkiedr der freien Schulgesellschaften, sowie Eltern und Lehrer der weltlichen Schule auf, diesem verderblichen Treiben mit aller Energie entgegenzutreten." Es wurde ferner beschlossen, zur Untersuchung der Vorgänge an der 125. und 231. Gemeindeschule«inen Untersuchungsausschuß einzusetzen und gegen die Mitglieder, die durch ihr Verhalten die weltliche Schulbewegung schädigten, das Slusschlußperfahren«in- zuleiten. Gegen Verfsrgungs-Verfchlechterungen und sozialen Abbau. Aus dem Gautage des Reichsbundes der Kriegs- b«schädigten, Gau Berlin, sprach am Sonntag, dem 27.'Ok- tober d. I., im Stodtoerordnetensitzungssaal des Rachauses zu Berlin Borfiizender Pfändner über die nach Berabfchisdung des ?> o un g- Planes zu erwartende Reichsfinanzrsjoim. Die 2� Millionen Vsrsoraungsbcr echtigten erwarten von dieser Reform die dringend notwendig« Verbesserung der Lage der minder- bemittelten Bevölkerung und der so oft auch von Regierung ssritc ol» berechtigt anerkannten Verbesserung der Bersor- gungsgesctz gebung. Di« Zahl der Veriorgungsbereck�igten ist höher als die Zahl der Arbeitslosen, die gegenwärtig die Oeffent- lichkeit so stark beschäftigt. Die von den Kriegsbeschädigten und -Hinterbliebenen gebrachten Opfer dürsten nicht in ZZergestriiheit geraten. Die Kriegsbeschädigten würden aufs schärfst« gegen jeden Versuch der Drosselung der ZZersorgungsausg.rben und sonstigen Einschränkungsmaßnahmen protestieren. Die Vertreter von 15t»a Berliner Kriegsopfern rufen die Oeffenrlichkeit auf, sie in diesem Protest aus das nachdrücklichst« zu unterstüizen und ibren berechtigten, dem Reichstag« und der Oeftentlichkest unterbreiteten Forde« rungen Gehör zu v'eiscliasfen. Entsprechende Entschließungen fanden einmütig Annahme. Di« Schwerbeschädigtenvermittlung beim Ma, gistrat In Berlin war Gegenstand lebhafter Erörterungen. Es gmga nicht an, daß die arbeitsuchenden Schwerbeschädigten im über- füllten Wartermrm täglich stundenlang mit bedauernswerten tuberkulosekranken Leidensgenossen zitsammenge- pfercht seien. Der Magistrat wurde um schnellste Abhilfe dieser Zustände ersucht._ „Ist Politik lehrbar?' wird von Professor Dr. L i t t e n-Königs« berg und„Bauernpolitik des Bolschewismus" von Geheimrot G. C l e i n o w in öffentlichen Vorträgen am Mittwoch. dem 30. Oktober 1929, 20 Uhr c. r., im großen Hörsaal der Deutschen Hochschule für Politik, Schinkelplatz 6, behandelt. Eintritt frei. Das Volksblldungsamt Wilmersdorf veranstaltet zwei Licht« bilder vortrage: Mittwoch, 30. Oktober, 8 Uhr, Ehefredakteuc Mar Geifenheyner. Telnehmer am Weltfluge, über„Welt fahrt mit dem Graf Zeppelin'. Donneretag. S1. Oktober, 8 111)?, Forfchungsreisender Dr. Arthur Berger:„In Afrikas Wildtamm e r n", mit über 100 farbigen Lichtbildern. Eintrittskorten 1,50 und 1,— M. für den ersten Borirag. 1,— M. und 50 Pf. für den zweiten Vortrag im Voltsbiidungsamt, Bote u. Bock und Theaterkasse Wertheim. Sprechchor für Vroletarisch« Feierstunden. Uebungsstunde Donnerstag, den 31. Oktober, abends 7'Z Ulir. in der Schule Wein-- meisterstraße 16/17.?llle Mitglieder müssen erscheinen. Die Lerliver komm Ist», Hit Nalvrdealmalpftege i-cranswliet am Freitag, dem I.Noocmber 192!), 20 Uhr. den zmeiten Ächlbüdvortraz über»iatur« schütz. Infolge der starken Beteilkgung findet dieser Vortrag nicht, wie vor- geiehen, im Märkischen Museum, iondern in der Stadtdall« Im stadthau« Berlin, Eingang Klosteritrahe, statt. Studienrat Dr. 7i agier spricht über:.Der hohe Fläming und seine Rummeln.� Eewerb«. lote und sonstige UnterftützunzSempsängei: mit amtlichem Ausweis Hab« Iiclen Zutritt. Ob man sich Liköre selbst machen kann? Das sagt Ihnen Dr. Reichels Rszeptbüchlein. Es enthält außerdem wichtige Kniffe zyr Bereitung guter Bowle«, herrliche Rezepte für Bor-GetrSnk», guten Grog und vieles mehr. Umsonst zu haben in Drogerien und Ap». cheken. Otto Reichel, Berlin SO., Eisenbahnstr. 4. TJr. 509* 46. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 30. Oktober 4919 m Riesenbank und Angestelltenlos. Zur Verschmelzung der Oeuischen Bank mit der Nisconto-Gesellschast. Die Generalversammlungen der Aktionäre der Deutschen Bank und der Disconto-Gesellschaft haben die Verschmelzung dieser beiden größten deutschen Privatbanken gestern auch formell bc- schlössen. Praktisch ist es so, wenn der Name auch weiterlebt, daß die 80 Jahre alt gewordene Disconto-Gesellschaft verschwindet. Das kommt auch darin zum Ausdruck, daß die bekanntesten Führer der Disconto-Gcsellschaft, die Herren Salomonsohu, Urbig und Russell, in den neuen Vorstand der Vereinigten Banken nicht über- gehen werden. Di« Verschmelzung soll ein großzügiger Akt einer allzu lang hinausgeschobenen Vereinheitlichung im deutschen Bankwesen sein. Die Zukunft muß freilich erst erweisen, was daran Wahres ist: denn bisher war im großen und ganzen alle Ralionalisierung in Deutschland nicht geleitet von Volkswirtschaft- lichen Gesichtspunkten, sondern von dem Gesichtspunkt des privaten Profits und des persönlichen Vorteils derer, die sich Wirtschafts- führer nennen. Sicher aber ist, und das ist ebenfalls eine allgemein« Er- scheinung in der bisherigen Rationalisierung, daß auch bei dieser Verschmelzung die Hauvtlast zunächst von Taufenden von Ange st eilten getragen werden muß, die ihr ganzes Leben lang den Instituten gedient haben, und die mit ihren Familien jetzt dem nur durch Wohlfohrtsakte gemilderten Nichts gegenübergestellt werden. Es ist deshalb gar kein Zufall, daß die beiden Generalversammlungen der verschmolzenen Großbanken beherrscht waren von Angestelltendebatten. Es ist das nur ein Zeichen dafür, daß sich auch die Kapitalisten der ungeheuren Ver- antwortung nicht entziehen können, die mit einer Rationalisierung verknüpft ist, bei denen volkswirtschaftliche und soziale Gesichts- punkte erst berücksichtigt werden, wenn ihnen die Berücksichtigung aufgezwungen wird. Herr Wassermann von der Deutschen Bank sprach rückhaltslos aus, daß«ine Rationalisierung im Bankwesen im volkswirtschaftlichen Sinne bisher noch nicht « r f o l gt sei. Die Notwendigkeit der Zusammenfassung illustrierte er privatwirtschastlich durch die Feststellung, daß im Jahr« 1913 das Angestelltendurchfchnitisgehalt von 3408 Mark der Deutschen Bank einen Gewinn von 4984 Mark gebracht habe; das sind 14S Proz. des Beamteneinkominens gegenüber nur 40 Proz., die im Jahre 1928 erziell worden sind. Wenn hier auch zu Unrecht immer noch die Direktoren- und Prokuristengehälter mit eingerechnet sind. so läßt in der Tat, die Gleichheit der Vergleichsgrundlage voraus- gesetzt, Wassermanns Feststellung erkennen, daß das heute in Deutschland mögliche Bankgeschäft im Vergleich zur Vorkriegszeit stark übersetzt ist. Gesteht so Herr Wassermann das eigene Verschulden der deutschen Bankführer ein, so ist es um so merkwürdiger, daß Herr Wasserniann die in der ösfent- lichen Verwaltung nach seiner Meinung unterlassene Rationalisierung für die heute notwendige Zusammenfassung im Bankwesen verantwortlich machen will. Herr Wassermann warnte vor dem Optimismus, daß die Bildung der Riesenbank, das dieser Akt in der Rationali- sicrung im deutschen Bankwesen zu einer Verbilligung der Kredite führen könne. Herr Wassermann hätte sagen können, daß in der Tat durch die gedankenarme langjährige Hinaus- schiebung der Vereinheitlichung im deutschen Bankwesen bisher schon eine Kreditverbilligung durch Verringerung der Zinsspanne unmöglich gemacht worden ist in einer Zeit, in der die Volkswirt- schaft nichts so dringend notwendig gehabt hätte, wie eine möglichst kleine Zinsspanne und möglichst geringe Verwaltnngs- und Apparatkoftcn in der Bankwirtschaft. Herr Wassermann erklärte es ehrlich als das Hauptziel der Verschmelzung, an Personalgehältern zu sparen. Diese Pcrsonalerspanns sei eine der größten und greifbarsten Vor- teile der Fusion. Mehr Menschen in einem Betrieb« zu be- schäftigen als das Geschäft erfordere, sei eine verschleierte soziale Steuer. Leider aber Hot man es auch in der Deutschen Bank und besonders in der Disconto-Gesellschaft bisher schon nicht anders verstanden, als daß man so' wenig Personal als möglich beschäftigte, dafür aber die schon Jahre hindurch die Angestellten in dauernder Verzweiflung haltende Abbauangst dazu benutzt, Ueberstundcn auf Neber st unden aus den Angestellten herauszupressen. Herr Wassermann gab das Versprechen, daß auch bis zur höchsten Spitze hinauf gespart werden solle. Man hörte die konkrete Angabe, daß statt bisher 30 Vorstandsmitgliedern in beiden Banken der neue Vorstand nur 12 Mitglieder haben solle. Es sollen 136 Direktoren und 167 Prokuristen abgebaut werden. Aber wir vermuten mit einigem Recht, daß die stellvertretenden Vorstandsmitglieder nicht mitgezählt sind, und daß es sich bei den abzubauenden Oberbeamten um Fitiallciter handelt, deren Filialen geschlosien werden. Aus Gerechtigkeitsgründcn hätte Herr Wasier- mann der Oeffcntlichkcit und den Angestellten sagen sollen, wie hoch die Abkehrgeldcr und Abfindungen sind, die nicht mir die Direktoren und Prokuristen, sondern vor allem auch die ausscheidenden Vorstandsmitglieder erhalten werden. Die Angestelltengewerkschaften kämpfen für ihre Mitglieder. Sowohl in der Deutschen Bank als In der Disconto-Gesellschaft kämpften die Vertreter der Angestelltengewerkschaften, besonders des freien Allgemeinen Verbandes der Bankangestellten, um das Gehör der Generalversannnlung und der Oeffentlichkeit für das Schicksal der 5000 bis 7000 abzubauenden Angestellten, hinter denen weitere 15 000 bis 20 000 Familienangehörige stehen. Di« Genossen Emonts und Marx führten den Nachweis, daß die Personal- kosten für die behauptete ungenügende Rentabilität im Bankgeschäft nicht verantwortlich gemocht werden können. Noch heute verdienen rund 10 Prozent der Bankangestellten weniger als 100 Mark im Monat, 34 Prozent verdienen bis 200 Mark, 25 Prozent 200 bis 300 Mark und IS Prozent 300 bis 400 Mark im Monat. Die Bonkverwaltungen selber können nicht bestreiten, daß das Gros der Bankangestellten h«ute noch nicht di e Realgehälter der Vorkriegszeit bezieht. Di« Versammlung der Aktionäre und die Vertreter der Presse tonnten sich den Schilderungen der drohenden Not der zu entlasten- den Angestellten nicht entziehen. Gerade die ältesten und besten Kräfte werden möglicherweise jetzt abgebaut, weil sie die teuersten sind, Arbeitskräfte, di« in der Vorkriegszeit ausgebildet wurden, im Krieg« Doppelarbeit geleistet haben, während der Inflation über- lastet wurden, und jetzt bei der Umstellung seit 1924 die schwerst« Arbeitslast zu tragen hatten. In erster Linie müssen jene Doppel- Verdiener abgebaut werden, die als pensionierte Offiziere und Staatsbeamte vielfach bei den Zentralen und den Filialen Unterschlupf gesucht und gefunden haben, teilweise aus Gründen, die keineswegs geschäftlicher Natur waren. Das Ueber st unden- s y st em wurde gebrandmarkt, das nur durch die Angst vor dem Abbau möglich war, und es wurde an di« Notwendigkeit de» Sieben st undentages angesichts des heutigen Hetzbetriebes er- innert, nachdem der Siebenstundentag selbst schon in der Vor- kriegszeit für notwendig gehalten wurde. In der Generalversammlung der Deutschen Bank st e l l t e G e no s s e Marx vom Allgemeinen Verband zu der vorgesehenen Statutenänderung Anträge von allgemeiner Bedeutung. Er be- ontragt« die Begrenzung der Vorstandsbezüge auf bestimmt« Summen, ebenso derjenigen der Aüjsichtsratsmitglieder. Für die Betriebsräte verlangte er, daß si« auch an den Ausschüjfen teilzunehmen haben, die von den Aussichtsräten gebildet werden und in denen man nach Möglichkeit alles den Betriebsräten verschweig:, was diese nach Gesetz und Recht wissen müßten. Cr forderte weiter, daß die Bankbilanz von esner unabhängigen Revisionsgesellschaft zu prüfen und erst dann der Generaloersammlung vorzulegen sei, eine auch für die Reform des Aktienrechts sehr wichtige Forde« rung. Um die Publizität zu erhöhen und die tatsächliche Be- lastung durch Personalkosten klar in Erscheinung treten zu lassen, forderte Marx schließlich die Trennung der persönlichen Zl u s g a b en in der Gewinnrechnung für die Vorstandsmitglieder, Direktoren, Prokuristen und Tarifangestellten. Selbswerstöndlich wurden von der Generalversammlung der Aktionäre alle diese Anträge abgelehnt. Daß sie aber gestellt wurden, beweist, daß die Gewerkschaften heute wahrlich mehr Fingerspitzengefühl für wirtschaftliche Notwendig- leiten haben als die Aktionäre, die in der bürgerlichen Presse nicht genug über die Willkür der Verwaltungen und Generaldirektoren klagen können. Der mutige Kampf der Gewerkschaftsvertreter für.ein besseres Schicksal der bedrohten Angestellten muh seine Früchte tragen. Die Gewerkschaften haben als Aktionäre austreten müssen, um überhaupt das Wort nehmen zu dürfen und der Oessent- lichkeit die Forderungen der Angestellten vortragen zu können. Sie scheuen auch das Parkett der Generalversammlungen der Aktionäre nicht mchr, um für das Schicksal ihrer Mitglieder zu kämpfen. Möge das endlich in den leider noch immer zum großen Teil sehr rück- ständigen Angestelltengehirnen, di« den Weg zur Organisation innner noch nicht gefunden haben, erkannt werden. Die Regierungen müssen ihrerseits dafür sorgen, daß in dem sozialen Staat, der Deutschland geworden ist, die Angestellten der ftrstomerten Banken nicht allein die Opfer des Rationalisierungsaktes im Bankwesen zu tragen haben. Börsenkrach und kein Ende. Ohnmächtige Banken.— Ziiesenhaste Verluste.— Oie drohende Finanzkrisis. Das Gewitter an der New-Dorker Börse hat weiter gewütet. Dem schwarzen Donnerstag der vorigen Woche ist ein schwarzer Montag gefolgt, und es sieht so aus, als ob auch noch ein schwarzer Dienstag folgen werde. Das in der vorigen Woche gebildete l Bankenkonsorlium, das weitere Kursstürze durch Aufkauf von Aktien verhindern wollte, war ohnmächtig. Sie scheinen schon so voll- gekaust zu sein, daß sie weitere flüssige MsttA nicht mehr riskieren oder solche Angst vor wetteren Kursverlusten haben, daß sie nicht mehr kaufen wollen. Es werden phantastische Verluste ge- nannt, die durch den Kurssturz eingetreten sind; für den Montag allein 10 Milliarden Dollar, für den Montag und den vorigen Donnerstag zusammen 14— 16 Milliarden Dollar und für die seit September eingetretene Aktienbaisse insgesamt Verluste von 30 Milliarden Dollar. Wir sind in Deutschland gewöhnt, mit Milliardenz iffern zu rechnen, wir haben es gelernt durch den Poung-Plan, aber die Summe von 30 Milliarden Dollar ist das Drei- bis Viersache der Gegenwartsschukd, die Deutschland nach dem Noung-Plan zu zahlen hätte. Die Wirkung der Ilew-Zorker Vorgänge aus Europa ist unverkennbar. Auf die Berliner Börse ist die Wirkung nicht zu stark gewesen. Lae gestrige Börse hat in den ersten Stunden noch recht beträchtliche Kursverluste gebracht, und zwar gerade bei den internationalen Papieren, wie der Allgemeine Kunstseide Unie, Siemens u. Halske, Rheinisch-WestsAisches Elektrizitätswerk, Salzdetfurth, 3. G. Farben und anderen. Aber«m weiteren Verlauf der Börse sind die ein- getretene« Verluste zur guten Hälfte wieder aufgeholt worden, und einige Märkte, wie der der Montan- und der Bankaktien, wurden überhaupt nicht schr stark beeinflußt. Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, daß man in Deutschland allgemein zu begreifen begimit, daß die Bewertung der deutschen Industrieaktien an sich schon zu niedrig ist und der Kauf von Industrieaktien auf lange Sicht ein ganz gutes Geschäft werden muß. Freilich kann auch diese Aussicht nichts nützen, wenn man eine allgemeine Finanzkrisis internationaler Art erwartet. Ob dies« Finanzkrisis kommt, ist immer noch ungewiß. Ausgehen mußte sie von den Vereinigten Staaten. Präsident H o o v er hat über persönlich erklärt, daß nach seiner Ansicht krisen- haste Rückwirkungen auf die amerikanische Wirtschast nicht zu be- fürchten seien. Eine derartige Prophezeiung hat naturgemäß aber ihre Grenzen. Und hier wird die Frage wichtig, wieviel Verluste bei den Kursstürze« latsächltch eingetreten sind. Von 10, 16 oder 30 Millionen Dollar als Effektivverlust kann natür- lich niemals die Rede sein. Das sind Schätzungen für Augenblicksverluste, die nicht berücksichtigen, daß solche Verluste bei der Speku- lationshausse mit einkalkuliert worden sind und daß die Banken bei ihren Kreditgewährungen auf Aktienunterlage sich ja immer einen großen Spielraum für möglicherweise eintretende Verluste lasten. Treten aber schwere Bantverliufte bei derartig gewährten Krediten ein und werden solche Verluste in einem Kapitalland wie Amerika allgemein, dehnen sich solche Verluste in der ganzen Weltfinanz aus, so ist natürlich der Eintritt einer Finanzkrisis möglich. Echte Verluste treten bei solchen Leuten ein— meistens ist es das neben der Geschäftsspekulation herlaufende kleine Sparpublikum—, die den Spekulationsgcwinntaumel mit- machen, zu spät ober in die Haustdkutsche einsteigen und in aller Regel auch wieder zu spät aussteigen. Dann ist weiter bei diesen Verlusten zu berücksichtigen, daß der Baiste ja wieder eine Hausse folgt und daß wieder Hausiegewinne gemacht werden, wenn auch vielleicht nicht in derselben Hand. Ernst ist freilich die Gefahr— sie liegt in Deutschland heute schon weitgehend vor—, daß die Kurse zu t i e s s« n k e n und die Rentabilität der Aktien, gemessen an der Dividende, so hoch wild, daß kapitalkräftige Ausländer für ein Butterbrot große Pakete und schließlich ganze Industriezweige kaufen können. Für die deutsche Wirtschast ist selbstverständlich die Entwicklung auf internationalen Kapitalmärkten von allerhöchster Bedeutung. Deutschland ist ein kapitalsuchendes Land, und wenn auch der An- leihczustrom nach Deutschland durch einen Börsenkrach auf dem aus- ländischen Aktienmarkt oerstärkt werden kann, so kann doch eine zu starke Senkung der Aktienkurse von inländische» Unternehmungen auch den Kredit der deutschen Wirtschast beeinträchtigen. Im Banken- systcm können Schwierigkesten eintreten, die die Kreditversorgung der Wirtschaft gefährden. Und so ist das brennende Interesse offen- bar, mit dem auch die deutsche Wirffchaft die Borgänge auf den internationalen Kap�almärkten verfolgen muß. Heute istWeltfpcrtag! Sinkende Umsätze im Texlileinzelhandel. Nach Mitteilungen des Reichsbundes des Textileinzelhandels ist der S e p t e m b e r u m s a tz wahrscheinlich infolge des warmen Septemberwetters— wertmäßig mit 90,3 Proz. des vorjährigen Septemberumsatzes gesunken. Sonic und SparkafTe aller Arbeitnehmer ist die Bank der Arbeiter Angestellten und Bea mten A.-G. Ober 5 Millionen Gewerkfchaftsmitglieder mit ihren Organifationen ftehen hinter der Arbeiterbank/ Kapital und Einlagen über löOMillionen Reichsmark/ Eigene Sparkaffe Ltm den Bestand der Eisentariette. Schwierigkeiten mit Krupp. In Düsseldorf Haben jetzt zwischen den maßgebenden deut- schen Eisenkartellen, der Rohstahlgemeinschaft, dem sog?- nannten �-Pradukt-Verband, dem Stabeisen- und dem Grobblech- verband entscheidende Verhandlungen über die Zukunft dieser Kartelle stattgefunden. Es wurde beschlosten, sämtliche Verbände einheitlich zum 31. Januar 1930 zu kündigen. Die Arbeiten zur Verlängerung bzw. Erneuerung der Verbände vom 1. Februar ab sollen sofort in Angriff genommen werden. Die Verlängerung der Verbände muß bis zum 20. Dezember erfolgt sein, widrigenfalls für die ein- zelnen Mitgliedswerke der Verkauf freigegeben wird. In der Sitzung der Rohftahlgememschast ist die Forderung des Krupp-Konzerns auf Erhöhung feiner Rohstahlquote noch nicht verhandelt worden. Offenbar wollte man den Schwierigkeiten, die sich einer Lösung dieser strittigen Frage entgegenstellen, in der Hauptversammlung aus dem Wege gehen und hat die Beratung auf eine Kommission abgeschoben. Eine Erneuerung bzw. Verlängerung der bestehenden deutfchen Effenverbände ist nach dem Verlauf der Düsseldorfer Verhandlungen so gut wie sicher anzunehmen. Diese Taffache ist für die Eisenindustrie Europas, ja der ganzen Welt, von größter Bedeutung, da eine Sprengung der deutschen Kartelle automatisch sämtliche internationalen Eisenkartelle (Internationaler Rohstahlkartell, Weltröhrenkartell, Weitschienen- kariell) zum Platzen bringen würde. Ltmsahsteigerung bei der AGG. Das am 30. September abgeschlossene Betriebsjahr 1928'29 hat, wie wir erfahren, dem AEG.- Konzern eine weitere Steige- rung des Umsatzes gebracht. Im letzten Jahr wurde die Umsatz- höhe mit 500 Millionen Mark angegeben. Auch der Bestand an Auslandsaufträgen hat sich in verschiedenen Abteilungen erhöht. Bei den der AEG. nahestehenden Unternehmungen, wi« Osram und T e l e f u n k e n, ist ein gleicher Auffchwung festzustellen.— Die seit Iahren anhaltende Elektrokonjunktur, von der die Berliner Großkonzerne Siemens und AEG. natürlich am stärksten profitierten, hat sich also im letzten Betriebsjahr nicht nur gehalten, sondern sogar noch verstärkt. Nutznießer der vraunkohlentonstmktur. Die Maschinenliese- ranten für den Braunkohlenbergbau und die Brikettindustrie kommen bei der seit Iahren anhaltenden Hochkonjunktur in dieser Industrie nicht zu kurz. So kann die am Rande des miiteldeuffchen Braun» kohlenreviers sehr günstig gelegene Zeitzer Eisengießerei und Maschinenfabrik A.»G. auch für 1928/29 wieder die hohe Dividende von 10 Proz., wie in den letzten Jahren. zahlen. Das Unternehmen, das hauptsächlich Maschinen für Brikettfabriken und die Braunkohlenförderung herstellt und auch den ge- samten Bau sowie Einrichtung von Brikettfabriken übernimmt, ist das ganze Jahr über gut beschäftigt gewesen. Auch die künftige Entwicklung wird bei dem anhaltend starken Bedarf an Briketts und dem enffprechend notwendigen Ausbau der Brikett» Industrie günstig beurteilt. Reben der Ivprozentigen Dividende wer» den aus dem Reingewinn von 0,45 Millionen Mark, wie in den letzten Jahren, Rückstellungen für Reserven vorgenommen, in die in den letzten drei Jahren über 110 000 Mark geflossen sind. Auch die gesamten Unkosten der Betriebsumstellung und Werksausbauten der letzten drei Jahre, die annähernd eine dreiviertel Million ersor- derten, konnte di« Gesellschaft aus laufenden Einnahmen „über Betrieb"' be, zahlen. Zurzeit werden bei dem Unternehmen etwa 1000 Mann beschäftigt. Das deutsch« Handbuch der Rationalisierung. Da« Reichs» kuootorium für Wirtschaftlichkeit wird in allernächster Zeit, vermutlich November/Dezember, das von allen Wirffchaftskreisen erwartete„Handbuch der Rationalffierung" herausbringen. Oeifenlllclie WählerKundgebungen Heute, Mittwoch, den 30. Ottober: S1. und S4. Abt. Neukölln. IS� Uhr im Lokal Berg- schloßhöhe, Karlsgartenstr. K/11. Referent: Hermann Harnisch, M. d. L. 131. Abt. Niederschönhausen. 20 Uhr im Lokal„Sans- fouci", Nordend. Referent Stadtverordneter Heinrich Schäfer. Donnerstag, den 31. Oktober: Wahlkundgebungen der Arbeitersportler um 19)4 Uhr im großen Saal des Lehrervereinshauses, am Alex- anderplatz. Bortrag und Filmvorführung. Referent: Stadtverordneter Max Kreuziger. Freitag, den 1. November: Einheitsverband der Handel- uhb Gewerbetreibenden und freien Berufe. Ortsgruppe Berlin. 20 Uhr im Lehrervereinshaus(Kleiner Festsaal, 1. Stock), Berlin C. 2. Alexanderplatz, öffentliche Versammlung. Tages- ordnung: 1. Die Bedeutung der bevorstehenden Kom- munalwahlen für die Kleinhandel- und Gewerbetreiben- den. Referent: Koll. Fuchs. 2. Verschiedenes. Wälslerinnen uwd Wähler, erscheint In Nassenl Oer Wahltag naht! Zmpofante Oemonstration im Bezirk Kreuzberg. Die Sozialdemokratie hat bei ihrer Wahlarbeit jetzt überall auch mit Straßenaufmärschen eingesetzt. Im Bezirk Kreuzberg hatten da» Reichsbanner und di« Partei zur Demonstration aufgerufen. Am Lousitzer Platz sammelten sich die Demonstranten. Das Reichsbanner mit seinen Kapellen und Fahnen, die Parteiabteilungen mit ihren reich ausgeschmückten Bannern. Der Zug war bald formiert, die Spitze nahm der Orts- oerein Kreuzberg des Reichsbanners, dann folgten die Ortsvereine Treptow und Tcmpelhos. Die Parteimitglieder schloßen sich an, und den Schluß des Zuges bildete der Ortsverein Neukölln des Reichs- banners. Vom Lausitzer Platz wurde zuerst das Reichenbergcr Viertel durchmarschiert, dann ging es zur Kottbusser Brücke, in die Gegend um das Hallesche Tor und zum Biktoriapark. Ueberall in den Straßen waren die Fenster dicht besetzt, überall winkten An- Hänger und Freunde. Im Biktoriapark nahmen die Demonstranten Ausstellung. Richard Borth sprach zu den Versammelten, zu denen sich auch viele interessierte Spaziergänger gesellt hatten. In trefflichen Worten umriß der Sprecher die Ausgaben der Sozial- demokratie. Mit der Ausforderung, die Arbeit der Partei zu unter- stützen und am 17. November sozialdemokratisch zu wählen, schloß der Redner unter starkem Beifall seine Ansprache. Ein Hoch auf die Sozialdemokratie schloß die Zkund- gebung._ Heirai aus Vöswilligkeii? Lim leine Alimente zahlen zu müssen. Der Bezirksfürsorgeverband des Jugendamtes Tiergarten hatte beschlossen, den Kaufmann Fritz G. für die Dauer der Fürlorge- bedürftigkeit seines außerehelichen Sohnes in einer öffentlichen Arbeitsanstalt unterzubringen. G- hatte sich hartnäckig seiner Alimentationspslicht entzogen. Obwohl«r auch nach dieser Androhung nur jfelegentiich ganz geringfügige Beträge gezahlt hatte, kam die drakonische Maßnahme des Jugendamtes zunächst nicht zur Ausführung, wohl aber jetzt, nachdem G. die Erklärung abgegeben hatte, daß er nicht mehr imstande sei, für sein außereheliches Kind zu sorgen, da er inzwischen geheiratet und nunmehr für Frau und ein eheliches Kind zu sorgen hätte. Darauf beschloß das Jugendamt, daß G. jetzt in ein Arbeitshaus untergebracht werden solle, um dort den Unterhalt für sein uneheliches Kindzu verdienen. Gegen diesen Beschluß wurde Beschwerde eingelegt und mündliche Verhandlung beantragt, die gestern vor dem Bezirksausschuß statt- fand. Das Jugendamt stellte sich auf den Standpunkt, daß G. a u s Böswilligkeit geheiratet habe. Es wäre unzulässig. daß er sich verheirate, um sich seiner Verpflichtung gegen das uneheliche Kind z u entziehen. Er hätte eist für diesen sorgen müllen. Rechtsanwalt Dr. Reiwaid vertrat den Standpuntt, daß die Ausführung des Beschlusses des Jugend- amtes nach der Berheiratunq des G. direkt unsozial sei. Wenn G. setzt für das uneheliche Kind im Arbeitshaus arbeiten müsse, so würde es dahin kommen, daß die Frau und das eheliche Kind verhungerten. Die Voraussetzung für die Unter- bringung im Arbeitshaus fei nach der Heirat nicht mehr vorhanden. Die Heirat stelle niemals eine Döswilligkeit dar. Die Familie sei mm elmnai da und der Voter habe für sie in erster Reih» zu sorgen. Der Bezirksausschuß lchnte es ab. d,e Frage zu entscheiden. ob das eheliche oder uneheliche Kind bei der Berücksichtigung der Alimentationspflicht den Vorzug habe. Der Beschluß de, Jugend- amtes wurde aufgehoben, da anerkannt wurde, daß«in« Notlage entstanden, fei.,__ Achtung! kaulsdorfer Siedler! Da Material über das Be- käbefti ngsve nähren der Bewag ist m der Redaktion des„Bor- wärts* einzusehen._ Sport. Rennen zu Strausberg am Dlenskag. dem 29. Oktober. t. Rennen, t. Mucker(Walter Heuer), 2. varfutz(C. Schmidt), 3. Eanoulsi(Schuller). Toto: 41:10. Platz: 12,11:10. Ferne: lief: Gebhardt. 2. R e n n e n. 1. Satrap(Soardt). 2. Nudwe(Lüder),». Mimi (Kränzlein). Toto: 4K: 10 Platz: l7. 17. 24:10. Ferner Neien: Don Jose. Ordensregel, Donar, Carmenta, Leubelstng, Heliodor, Eallina, Elias, Funker, Maikrone. «. Rennen. I. Trumpskönig(Hauser). 8. Marth(Tnnnpsdeller). 3. Paradenia(SB. Schmidt). Toto: 48:10. Platz: 21, 28, M: 10. Ferner liefen: Waff ermann, Oralor, Richtlinie, Turnet, Fruftra, Schwertlilie. Karissiina, Feuermal. Tramtner, Klarinette, Steinhäger. 4. Rennen, l. Black Bridge(F. tiiidee), 2. Stichelet(Wolter Heuer), 3. Girigare XVI IWeth). Toto: 75:10. Platz: 80, 32, 35:10. Ferner liefen: Tietr. v. Bern. Boglar, Eaiter Ltlh. California(S), Heimalliebe, Infant II, Fonta(4). Ballast(ges.>, Octava, Legende, Genius. 5. R e n n e n. l. Laxenburg(H. Lewicki). 2. Eiche(28. SchmidN. 3. Gezireh(Walter Heuer). Toto: 19:10. Platz: 13, 14, 18: 10. Ferner liefen: Nettelbeck, Gerold, Trixi, Faullinus. Panzer. S. R e n n e n. 1. Lefels(Grabich>, 2. Mirim(Kraft), 8. Florian(Pfirtke). Toio: ll7: 10 Platz: 31, 87, 37, 17; 10. Ferner liefen: itlmerSsoort. Severus. Griiettchen. Rosenherzog, Genifta, Faltner, Perianber, Chtvieo, Burggras, Lieblos, Horatw»._ Vorträge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Ötold". SefAa«t»fttllt: Berlin S 14 SebaRlanftr. 87/88. So«? Tr Wedding. MitNooch. 80. Oktober. 19 Uhr. Saalschutz wr die ijffent- Itche stzrauenversanimlun« der SPD. in den PharussSlen, Müller. strafte 142.— Ziergarten,«ameradschakt Sanfa. Donn-rstaa. ZI. Olloarr, Komeradschaktsversommlung bei TriUnper. fflen»bur«et Str. 8. Bortraa:„Hon der Armenfllrforge zur Erroerb-Iofenverstcherung. � JtBpenia. FreUag, 1. November, 20 Uhr. Versammlung der Kameradschaft im kleinen Saal des Stad'heaters Köpenick, stamerad Dr. Mischler spricht über„Dir Vorgänge in Oesterreich".— Bahnndorf»,» Srstrnn. Abfahrt 10,8? Uhr mit Linie 80 nach Köpenick.— Itepfon(Ortsverein). Mittwoch, 80. Ok ober, 1914 Uhr, Zusammenkunft des Iungianner» in Treptow, WildenhruchstraKe, Schule. Jugend- arbeit im Neichsbanner.— Mitte. Spielmannazua itdtlt Donnerstag von 20 bis 22 Uhr Kegelbahn Sewerkschastshau». Kameraden, welche lich daran beteiligen wollen, melden sich dort.— NenkSllv-Bri». Donnerstag. 81. Ok- tober, Iunadanner, 20—22 Uhr. Sportabend Walter-Rathenau-Schute, Voddin- s! ratze._ Deutscher chsvernnta-Bnnd, Ortsrupoe Bern», jfvettaa, 20 Uhr, Konditorei Dobrin, Hackefcher Markt. Arbeiter-Abstinenten-Bnad, Truppe Kreuzdero. Mittwoch. 80. Oktober. 20 Uhr, geschlossene Mitgliederversammlung. Dee wichtigen Tagesordnung, wegen zahlreiches Erscheinen erforderlich. Alkoholfreie Gaststätte, Marlieincke- platz 8- 4. Sozialwissenfchaftliche Bereinigung. Donnerstag, 81. Oktober. 1914 Uhr, spricht in Ewalds Vereinshaus, Skalitzer Str. 120(am Ko'tbusser Tor), Gr» nosse Alirad Senke, M. d. 91.. Ober:.Hugo Saale und Karl Kautskn, zwei Vorkämpfer der Arbeiterbewegung". Mitgliedsbücher bestimmt mitbringen. Käste willkommen. Die Schaitnereiaignng Wikmeeedaef aeranstaktet au» Anlatz ihres jehn- läbrigen Bestehen» am Sonn'ag, dem 8 November 1929. 18 Uhr,!m Viktor a- Garten, Wilmersdorf. Wilhelmsaue 114—115, unter Leitung des Verbands- Vorsitzenden Schachmeister Post ein Blitzturnier ia drei Klassen. Abends geselliges Beifammenfein. Gegen üblen Mundgeruch.„Ich will nicht versäumen. Ihnen Mitteilung zu machen, daß ich seit d«m Gebrauch Ihrer Zahnpaste „Ehlorodont" nicht mir reine weiß« Zähne besitze, sondern auch den bei mir sonst üblichen Mundgeruch verloren habe. Ich werde Ihr„Chlorodont" aufs beste empfehlen." Gez. E. G., Miiaz.— Ueberzeugen Si« sich zuerst durch Kauf einer Tube zu 60 Pf., große Tube 1 Mk. Chlorodont-Zahnbürsten 1,25 Mk., für Kinder 70 Pf. Chlorodont-Mnudwasser 1,25 Mk. Zu haben m allen Chlorodont- Berkaufsstellen. etnlcnboBgen für dies, Rubrik sind Berlin SW M, Liudruslraß- Z. T parieinachrichien für Groß-Vertin stet»«» da» Bezirkafekretariat 2. Hof, 2 Treppe» recht», zu richte». Achtung, Abteilungsleiter? Bis zum Freitag, dem 1. November, mutz das Re- sultat der Werbewoche unter allen Umständen an das Bezirkssekretariat. Lindenstr. S, Bureau Fischer, ein» gesandt sein. Resultatkarte benuben. Der Bezirksvorstand. Achtung. Kassierer? Von den Eintrittskarten zur Revolutionsfeier am i>. November sind noch einige Hundert an der Kasse des Bezirkssekretariats zu haben. Abteilungen, die noch Be» darf daran haben, müssen sich recht bald damit eindecken. I. A.: Alex PagelS. » Z». kreis Panks». Stute, Mitt»-,». 50. Offobtt, 20 Übt, i» TLetischen Stlt, breite 6lrofic, SiSur.q des Biliunasausschusse». 20. Nreis Remukendoes. Morgen. Donnerstag, 31. Okiober. l9>4 Übe. im Poiksbans Ccharnwebcrstr. 114, Siflung des Kreisvorstandes mit Ab- teilungsintern. Heute, Mittwoch, 30. Oktober: «.«bt. Die Be�irksfiibrer müssen umgebend die Sandsettes Sur Wablerver. sanrmlung am ö. November von Dobroblaw, Swinemünder Str. ü, ad. holen. 55. Abt. Charlotteabu«.«. SvWpe. 20 Uhr Zab labend bei Schud, Wallstr. 99. Lio'tblidervortrag. 78. Abt. LchSneberg. Seut» siott der Mitgliederversammlung um IVA Uhr flahlabende in den bekannten Lokalen. Sichtig, Partei, und Werde- angelegenbelten. Donnerstag, 31. Oktober, 20 Uhr, bei Natho, Prinz- Scorg»Str. 10, wichtig« ssunki onärsittung. »1.«dt. Bitdunqsircis jüngerer Parteigenossen!0H Uhr Restaurant Klabe. Lanilrrnstrabe. Arbeitsgemeinlchast Engels. Bortrag:»Bon der lltapie »» L!? Wissenschaft". Pünktliches Erscheinen wird erbeten. >3. Äbt. Reuköllu. Die Landagitation findet bestimmt am Sonntag, dem 3. November, per Auto statt. Treffpunkt 1% Uhr bei Schauer, Treptower Ecke Wesrrstrasse. Die Bezirkskllhrer laden die gemeldeten De nassen ein. Auto hält in der Siedlung. 110. Abt. Eriinau. 20 Uhr bei Werner. Kopenicker Str. 125, wichtig« Bar- stand»ssdun«. 119. Abt. Lichtenberg. 20 Uhr bei Sepp, Noederstrasse. Gruppe nHahlabend. Thema:„Was ist Kapitalismus?" Referent: Dr. Sehbert. Morgen, Donnerstag. 31. Oktober: 8. Abt. 20 Uhr im Nationalhof, Bülowstr. 87. wichtige isunktianZrstdunq. 58. Abt. Charlottenburg. 20 Uhr bei Siein, Passauer Str. 35, erweiterte Tunktionärsttmng. Einteilung der Wahlarbeit. 85. Abt. Tempelhof. 20 Uhr im Lokal Loaaow. Kaifer.Wilhelm. Ecke Trietrich. ivranz-Strahe,?ahsobnid des 3. und 4. Bezirks. 108. Abt. Köpcnich. is>a Uhr bei Stippelohl, Schönerlinter Str. 5. Eiimng liimtlicher gunktionäre. 132. Abt. Blankenburg. 20 Uhr bei»lug. Dorfstr. 2, ssunktionArsshung. Arauenveranftaltung. ». Kreis vllmeradorf. Dl« Sandzettel kür unser« Krauenkundgedung am 10. November find»vn der Geuosssn Schwerin, Uhlandstr.«0—41, ad. zuholen. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde. Grob-Beill». Is-Ilen. Singstunde findet am geeita«, dem t,«»»«Mir,, i» der Zelt»au 17—10 llhe i» der Aula Welnmristerstr. 15 sNah« Alerauder- plah» statt. Di« Roten-chalken.Sruppe» kämme» mit de» Selfer». Kreis Wilmersdorf. Unsere Gruppenabend« ssnd: Skate Kalke»! Kreitag» von 171h bis 19H Uhr. Zungsalien: Dienstags von l7>h bis 19 Uhr. Kükeu: Montags und Donnerstag» von 17 bis 19 und 101h bi» 181h Uhr. 2.«ud 3. Ro- vembee: Semcinfam« Fahrt nach Brieselang. 8.N»veiud«e. Ztot« galkev: Revolutionsfeier. Bericht des Genossen Schüler. j Sterbetafel der Groß-Berliner Partei- Organisation� 79. Abt. LchSueberg. Unser«enosse August Simon, Sohenfriedberastr. 19, ist im Alter von 67 Jahren plöglich verstorben. Ehre seinem Andenken. am Donnerstag, dem 51. Oktober, 10 Uihr. im Krematorium Wir. bitten um rege Beteiligung. '-Weft. Unser Genosse Gustav Lehmann ist oerftvrben. Einäscherunl Bilmersdw �.______. 137. Abt. Rrinlckrndvrb Ehr«� seinem Andenken. Einäscherung am Donnerstag.' dem in. Lktöber, richtstrah«. Wir bitten um reg« Beteiligung. 18 Uhr. im Krematorium(Bcrii reu» beute Mittwoch. 30 Hit, im Jugendheim Linden- »:»Jugendherberge und Serbergeeltern". Referent: See- irzalaki von der Jugendherberge Reu-B«HIefanz. Jede Werbe bezlek Prenzlaue» Berg! Das Bezirksamt Brenz'.— Berg beabstchtlgt Anfang November einen Smrockenkursu» drirchzufsthren teressenten kbnnen ssch werktäglich von 8— l51h Uhr im Zugendami. Dan,»er Str. 52, Z.«, w-'d-n. Die WuM�monstra« on mit der Par'et findet am Sonntag, dem 10. November, statt. Treffpunkt 121h Uhr Arnswatder Pfad. Di« Abteilungen ba'i-n stch diesen Tag frei. Die Abtcilunasletter müssen umgebend die Namen der Genossinnen und Genossen bei Erich Strauft, N.. Tresckowstr.«4, an- melden, die an der Propagandafahrt am 16. November teilnehmen. llellrrderlcht der äffeullichen welterdienststell» Serlin und Umriegend fRuchdr. verd). Unbeständig und kiibl mit sortgelehtrr Neigung zu Regen« Ich.iueln.— Jüt r eui'chland: Im Dilrn noch vielfach regueriich, im übrigen Reiche veränderlich und ziemlich kbbl mit treitverbreiteten Zchcluern. Oos K'.nderparad.es bei Karstadt. Lm Karstadt. Hermernnplob, ist entt dichtes Schlanssestehen von Müttern mit ihren Sprößlingen. Geduldig warten sie und schieben sich dann im Gleitschritt cm die Herrlichkeit heran. Im Berkaufsbeller hat Wilhelm Busch mit seinen deiden lustigen Trafornten Max und Moritz sein« Zelte ausgeschlagen und jede liPil u/iiriii ycffiuiwwuti» � � �_______ f_____ sie die Gctroicesacke aufschlitzen und der nun hinter sich eine Korn« straße zieht, und schließlich die bedauernswerte H-rusirou, der sie die knusprig gebratenen Hühnchen durch den� Schornstein enlsührten. Das olles erregt viel Freude bei der kleinen Gesellschaft. Dann geht es nach dem H a u p t s p i e l wa r e nl a g« r, das ein« ganz ungeheuere Auswahl an Spielzeug für jedes Aller, für jeden G«- schmatf und vor allem auch für jeden Geldbeutel bietet. Unzählig« Wünsche formen sich in den kleinen Herzen; Vater und Mutter werden bedrängt, Gedächtnis und Geldbörse bereit zu hatten, um zur gegebenen Zeit das Gewünschte zu schenken. Da begegnet man so manch iorgewuollein mütterlichen Blick, der betagt:„Wie gern«. aber erst können!" Der kleine Bitisieller an der Hand oder aus dein Arm, der merkt von all den schweren Kämpfen nichts, der hofft nur und wünscht und wartet... Und freut sich jedenfalls im, Augenblick all des Schönen, das er zu sehen betamnt vke Oenossen Schaft .WohuangsgeBoweiuchaii Svaltep- mander Strafe' e. O. m. b. H. tu Berlin N 55, ist durch Beschluß der Generalversammlung vom 9. August 1929 autgelöst Gläubiger werden ersucht, sich zu meiden Die Liquidatoren: R.Gaede, N 64, Türke»- «trage 21, W. MnmraaUhey, N 20, Grünihaler Strasse 12, F. Pistolla, N 65, Genier Strasse 58, R. Schmidt, N 65, Lauemfearger Strasse 5. SozialisttscheArbelterjllgendGr..Verlin Elnsendunsen für dies» Zkubetk mie»» das Algeadsekeelaetat Berlin GW 58, rmvenstrab« 5 Wanderleiter. Konferenz heute MtttweG, stresse 4, v. I. Bortrog: bergsvoter Alfred Snrzgl Abteilung muss vertreten lein. Bczirl»vorsta»d»stssung morgen, Donnersteg. 191h Uhr. im Sekretariat. v-fseulliche Wahlkundgebung de»«rbeiterfpneller morgen, Donnerstag. 19>h Uhr. im grossen Saal de» Lehrervereinshause, am Alerandervlass. Bundes- festfilm von Nürnberg. Vortrag de» Stadtverordneten Genossen Kreuziger. Eintritt frei. Abrechnung der Betträg» usw. heut« zwischen 17 und 18 Uhr. Bericht»- bogen vom M. Quartal stehen noch au» und müssen safart abgeliefert werden. heute. Mittwoch. 30. Oktober, 1S� Uhr: Moabit NI: Seim Lehrter Str. 18—19. Vortrag:.Geschichte her Arbeiter- sugendbeweguna".— Westen I fR.-K.I: Selm BÜlowstr.«8. Mitgliederver- fammlung.— Rveden: Selm Lorssing. Ecke Graunftrass«. Bortrag:„Ein Tag im Gesängnls.— Falk» lad Ii: ssunktionärssssung beim Genossen Besch. Driesencr Str. 29.— SodenfchSnhanse»! Schule Dingelstedter Strasse. Uvton Sinclair.— Petersburg«« Viertel: Selm Tilstter Str. 4. LuMges au,„Alt- Berlin".—«eichrnberqer Viertel: Seim«risser Str. 27-50. Bortrag:„Rom- muneiwahlen.— Südwest: All«(hgnssstn beteiligen ssch an der Veteranen» Teier der 40. Abteilung Im„Tivoli" fkrruzbergl.— Tempel Hof: Lnzeum Germania str. 4—8. �Zille".Ab«nd mit Li-btbildern.— gfalkenbeea: Seim auf dem Kutehof, Eartenstadtstrasse. Vortrag:„Wir und die Natinnaifozialiftrn". — Ikriedrichsielde: IZahrrenerlebnisse.— Kanlsdaet: Schule Adolfftr. 25. Tahrtenerinnerungen.— Neu-Lichteubrea: Seim Sauftftrass«. Vortrag:„Rück- blick gui unsere Gruppenarbezt".— Wirt her Plass: Schul« Sonneuburger Strasse 90. Vorstandsssssung.— Teaullurte« Viertel: Wir besuchen da» Mund- harmonTalonzert im Saalbai: ffr!edrich»hain. Treffpunkt 19 Uhr vor dem Seim. TSG. Reulißn: Seim Bergftr. 29. 19 Uhr wichtlae Mitgliederverfamm- lung. Anschliessend Vortrag de» Genossen Lewp llder..dShere Schüler und Arbeiterschaft". ßMeiMlaMeMleM Zrollaa. den 1. Ilouamber, abend» T Ahr. In d«, Sophien-Sälen Sophlenstratz« 17 1« Branchen- Versammlung der Rohrleger und Helfer Tagesordnung 1. Situationsbericht. 2 Verband», und Branchenbericht. 5. Berfchiedenes. gutritt haben nur diesenigen Kollegen. die ihr Buch der Verwaltung zur Kontralle vorgelegt haben. vir Ortrvenralhmg Verkäufe Tapete». Szillat. Koloniestrasse 8. -------- II Deutsches Tevvichhau» Smil Lefdvre leit 1882 nur vrauien Masse 158. keinerlei Beziehungen zur ähnlich klingenden ssirma. Man achte aut Lornamen Emil» htadei «chtaKimM«, Speiseoimmer Nostizstrasse 57. nur Tischleret Wocheueud-Ehaiselangue» 24.—, 30,—, 5-—-.. Lavpelalle« nur 12: Lankow. EchMldtstrasse 1 W-cheueudbetten. komplett 24.- Vavvelalle« nur 12: Lankow. 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Salamander weicht nicht um Haaresbreite davon ab, nur das beste Material und die beste Arbeit zum Satamandev Schuh m verwenden, Und wenn alle anderen, um billig zu erscheinen, ander Qualität sparen wollten, so bleibt1 Salamander doch dabei, daß nur ein Schuh von untadeliger Qualitcüt überhaupt biliig sein kann, well nur er dem Träger das hält, was er im# Schaufenster verspricht. DieseSchuhe von höchster Qualität verkauft Salamander zu Preisen, wie sie nur die größte und leistungsfähigste Fabrik, die ihren Umsatz ständig steigern will. herauskalkulieren kann. Wenn man Qualität und Preis vergleicht, dann ist der Salamander-Schuh der billlgsle. überall im Reich wird der Salamanderschuh zum gleichen Preis verkauft, der von der Fabrik festgesetzt ist. Jeder Salamandersdiuh trögt auf der Sovile zwei Wahrzeichen: den Stempel, der den Preis an- zeiof und die Schutzmarke, die den höheren Wert garantiert. I Mittwoch 30. Oktober 1929 Unterhaltung unö ÄVissen Vellage des Vorwärts Andrei Sobolj: ß}lC Das war im März 1920. Wir sah«, im Dienstwaggon. Mir gegenüber saß öer Marinekomm,issar. Wir verfolgten die geschlagenen Freiwilligen, die zmn Meer mit englischen Schissen zurückflutetem Unser Zug bewegte sich durch die noch mit Schnee bedeckte Land- schost. Auf jedem Schritt und Tritt stießen wir aus Barchen, uberall mar der Schienenstrang ausgerissen, so daß der Zug oft stehen bleiben mußte. Man schoß von vorn, von rückwärts, von der Seite, und man wußte nicht, wo der Tod einen ereilen würde. Der Marinekonmiissar führte den Zug, und ich, der als Zivilist zufällig mitfuhr, folgte«hm blind. Bis zum spaten Abend diktierte der Kommissar die Befehle. „fjore einmal," sagte der Kommissar zu mir, �dort hinter der March schläft mein Gehiiise. Du wirst ihn morgen kennen lernen. Er wird morgen den Dienst wieder antreten: er war die letzten Tag« krank. Schau ihn dir an. Und jetzt werde ich dir sein« Ge- schichte erzählen: sie wird dich als Schriftsteller interessieren. Morgen, wenn du ihn sehen wirst, wivst du verstehen, weshalb er den Zunamen.�hctman"«chielt. Er— der früher« Schlosser aus Motowilicha, der in der Revolution an der Spitze eines Regimentes stand. Scheinbar weht im Ural eine andere Luft. Nur dort können Menschen mit solch einem Herzen leben. Und dann wirst du verstehen, daß so cm Mensch das sibirische Zuchthaus mit all seinen Schrecken, Flucht aus den Bleiwsrken. ertragen konnte. In der Revolution war er immer an der gefährlichsten Stelle. Er sprach wenig, man sah ihn fast gor nicht lachen oder weinen, ober dabei war er nicht hartherzig. Und zu jener Zeit waren die Herzen der Menschen hart wie das vertrocknet« Soldatenbrot. Di« Menschen kannte damals nur ein Gesetz: Aug« um Aug«, Zahn um Zahn! Als wir Woronefch besetzt hatten, da wurde Hetman zum Leiter der Tscheka ernannt. Er nahm schweigend den Posten an und ging, ohne ein Wort zu verlieren, vom Feld direkt ins neue Amt. Der Tod senste damals die Menschen auf blutiger Flur nieder. die Menschen brachen wie die Strohhalm« im Sturm zusammen er ging— zwischen Tod und Leben— aufrechten Ganges. Kurze Zeit darauf wurde aus der Zentrale eine Genossin zur Tscheka kommandiert. Das war ein zwanzigjähriges Mädel— Natascha Toropowa—, groß, schlank, mager, und es schien fast, daß sie unter der Last der Arbeit zusammenbrechen würde, aber sie war ein« zähe Natur. Damals wurde die Gruppe des Obersten Prochomenko beobachtet. Natascha schlief zwei Wochen nicht und deckte die Verschwörung auf. Sie war nicht hübsch, hatte schielende Augen, machte«inen unscheinbaren Eindruck, aber wenn«in Lächeln über ihr Gcsichtchen huschte, so entzündet« dieses Lächeln die Herzen der Männer. Der Mensch verlor den Faden und konnte sich nicht mehr orientieren. Ich begriff, daß der Hetman der erst« sein wird, der den Faden verliere» wird. Ich konnte damals noch denken, die anderen hatten es längst verlernt. , Sie wurde fein. Das alles spielt« sich vor meinen Augen ab. Der Hetman opferte ihr seine ganze Sehnsucht nach Liebe und Glück. Wenn ich die Augen schließe, so sehe ich sie beide vor mir m angestrengter Arbeit. Sie beide— sie, die zarte Frau, und ihn, den breitschultrigen, starken Riesen. Ab mrd zu konnten sie sich ein Stündchen Ruhe gönnen. Ich schließe die Augen und hör« den Hetman singen. Ein Jahr lebten wir Tür an Tür, sahen beide dem Tod ins Angesicht, und ich wüßt« nicht, daß das Wolgalied sein Lieblingslied war. lind eines schönen Tages hörte ich, wie Natascha zum Hetman sagte: J3ch werde mich jetzt ein wenig auf den Diwan legen, aus- ruhen, und du singst mir mein Lieblingslied." Dabei lächelte sie ihn an, schüttelte den blonden Bubikopf und er— der Mann, vor dem alle Menschen zitterte»— rourdc weich wie Wachs. „Mein Hctman... mein... mein... du guter, du starker ... Ich bin deine Fürstin, deine Perserin, lieg in deinen mächtigen Armen. Wirst du mich in die Wellen werfen? Ich weiß es nicht. Liebst du mich? Liebst du mich?" Das waren die Gespräche in der Nacht. Aber am Tage sagt« sie mir geschäftsmäßig-trocken: „Nehmen Si« ein Beispiel vom Hetman. Das ist ein Arbeiter der Renolittion. Nur mit solchen Arbeitern kann die Revolution den Sieg davontragen. Ich bin glücklich, daß ich mit ihm arbeiten kann!" Ich will es vergessen, aber in meinen Ohren klingt noch das Gespräch mit dem Hetman, in der Nacht, als sie im Boot in seinen Armen lag. „Du bist stärker als alle. Ich liebe deine Locken. Ich liebe dein« grauen Augen. Schau mich an, du mein Herzallerliebster. Mein Schatz! Du bist wie der Stenjka Rasin im Liede. Es ist so gut, in deinen Armen zu liegen und sich von den Wellen im Boot tragen zu lassen. Ich liebe dich!" Dann übersielen uns die Freiwilligen, drei Tage war die Stadl «m Besitze der Gegner, und dann eroberten wir sie wieder zurück. Damals fiel in unserer Hand das Geheimarchiv der Freiwilligen. Es war gegen Abend. Natascha saß unten im Kabinett und oerhörte die Verhafteten, der Hetman arbeitet« in seinem Zimmer. Da begann der Telegraphenapparat zu arbeiten. Der Hetman stand auf und ging zun« Morseapparat. Er beugte den Kops und las auf dem weißen Streifen die Wort«: „Laut Dokumenten, die wir vorgefunden hoben, ist es klar, daß die Agentin der Tscheka, Natascha Toropowa, mit der Fürstin Murawlina identisch ist. Si« ist ein Geheimagent des Generals Rewski. Man hat einen Rapport der Murawlina vorgefunden. In diesem Rapport wird dse Aufstellung unferer Truppen verroten. Es wird daher angeordnet, daß..." Der Hetman riß den Streifen ab, lehnte sich cm die Wand, ließ den Kopf sinken. Es klopfte, und Natascha trat ins Zinnver. Er schaute sie an und sagte: „Natascha, ich habe ein wenig Kopsweh. Wollen wir nicht«in« Bootspartie machen? Zwanzig Minuten, bis das Kollegium ver> sainmelt rst?" Sie stiegen ms Boot, fuhren wir gewöhnlich, bis in die Mitte des Flusies. Natascha legte«hr Köpfchen äuf seine Knie und lag still und schweigsam da. Dann öfinet« sie die Augen. Der Hetman schaute sie an und sagte bloß:„Fürstin!" Sie lächelte vor sich hin. „Fürstin Murawlina!" Da schrie st« auf, wollte ihn mit dem Ellbogen zurückstoßen, sich seinen Armen entwinden, aber er hielt ihr mit eiserner Hand den Mund zu, hob ihre schlanke Gestalt in die Höhe und warf sie dann in mächtigem Bogen in den Fluß.., Ein Aufschrei, und sie verschwand in den Wellen... Wo er sich die zwei Tage aufgehalten hat, dos weiß ich nicht, aber als er ins Amt kam, ließ er sich abkommandieren. Ich habe ihn später im Fell« als einfachen Soldaten getroffen, er suchte den Tod, aber der Tod schonte ihn. Seit jenem Tag« hat er das Lachen verlernt. Er kann die Fürstin Murawlina bis zum heutigen Tag« nicht vergessen. tBrnchtiirte Ucbcck'tnnq n«n Maurice SIrschmmin.) 3)ie SPolarfahrt des„SBeppelin" Die arktische Erpedition des„Graf Zeppelin", die unerwartet»? weise auf den Widerstand der Besatzung des Luftschiffs gestoßen ist, soll unter Führung von Fridtjof Nansen stehen und von einem großen internationalen Stab« von Gelehrten begleitet sein. Es ist die erste systematisch ausgedehnte wissenschaftliche Forschungsarbeit. die von der„Internationalen Gesellschaft zur Erforschung der Arktis mit Zeppelinen" unternommen wird. Nanfen ist Präsident dieser „Aeroarctic", und die hervorragendsten Fachleute in den an der Polarsorfchung hauptsächlich interessierten Böllern leiten die Aus- schüfst: so ist Professor Albrecht Penck Vorsitzender der Geographischen Kommission, V. Bjerknes Vorsitzender der Aerologisch-Meteorolo- gischen Kommission, Helland-Hansen Vorsitzender der Ozeanographi- schen Kommission, der Zeppelin-Kapitän E. A. Lehmann Vorsitzender der Technischen Kommission, H. Sverdrup Borsitzender der Aus- rüstungstommission. Der Plan, der de» Forschungsarbeiten zugrunde liegt, ilt folgender: Der„Graf Zeppelin" soll Anfang April 1930 in Friedrichshafen für eine etwa dreiwöchige Fahrt aufsteigen. Er sollte zuerst nach Leningrad fahren, doch hat der Forfchungsrat den Plan geändert, und als Ziel ist Vadso in Nordnorwegen bestimmt, wo die norwegische Regierung esnen Luftschiffmast errichtet. II. a. werden dort M bis 40 Polarhund« an Bord genommen, ein Geschenk der Sowjetregierung. Die dort beginnend« eigentliche Arktisfahrt setzt sich aus drei Einzelflügen zusammen, auf Routen, die, nach Vorschlägen von W. Bruns, von Nansen und dem Far- schungsratc der Aeroarctic festgelegt wurden. Von Vadso geht demnach die Fahrt nach Franz-Jofes-Land, von dort in die Nähe der grönländischen Nordküste. Dort will man mit Hilfe von Echo- lotungen aus der Luft die genaue Grenze zwischen Tiefsee und Flachsee, den sogenannten Schelfrond, bestimmen. Zu diesem Zwecke ist eine besondere Apparatur konstruiert, die an einem etwa 100 Meter langen Kabel vom Lustschiff herabhängt. Sobald der Zeppelin bei seiner Fahrt offene Wasserstellen antrifft— und diese sind nach Sir Hubert Wilkins' Bericht etwa alle 30 bis 50 Kilometer anzutreffen— senkt er sein« Apparatur in das Wasser und mißt nach dem Verfahren der Echolotungen die Meerestiefe. So will man feststellen, wie weit der heute noch unbekannte Schelsrand in das Gebiet-wischen Amerika und dem Nordpoi hineinragt und ob dort überhaupt die Wahrscheinlichkeit des Vorkommens noch un- bekannten Landes gegeben ist. Nachdem die Expedition den kanadischen Schelsrand ausgelotet hat, wird der Zeppelin über Kap Barrow nach Fairbanks im Innern von Alaska fahren, das Jnlandtlima und sehr günstige Wind- Verhältnisse hat. Dort wird von der amerikanischen Regierung«m Ankermast errichtet und ein Lager von Betriebsstoffen(Wcissebstass, Blaugas. Benzin usw.) niedergelegt werden. Das Lufischiff soll dort 5 Tage bleiben und dann zu einer Schlesseirsahrt starten. Sie dient der ozeanographischen und geographischen Erkundung der un- bekannten Teile der Arktis zwischen Kap Barrow und dem Pol. Der Kurs soll nach dem vermuteten Andresew-Land führen. Für ozeanographische Serienmessungen, die bis zu etwa 1500 Meter Tiefe führen soll, zeht das Luftschiff auf eine offene Wasserjläche nieder und wird an deren Rand verankert. Es bleibt dann mehrere Stun- den lang an dieser Stelle liegen, um den Ozeanographen die Vor- nähme einer Serienmessung zur Bestimmung der Temperatur und des Salzgehaltes in den verschiedenen Meerestiefen zu ermöglichen. Diese Serienmessungen sind nach Nansens Ansicht von besonderer wissenschaftlicher Bedeutung, weil eine solche Reihe von Messungen genügt, um Klarheit zu schassen, in welcher Weist die Wassernüssen dieses Teiles der Arktis mit denjenigen in dem Gebiete Nordpol- Spitzenbergen-Franz-Josef-Lcrnb zusammenhängen. Zu gleichem Zwecke soll das Luftschiff das Gebiet der Jnnerarktis zwischen den Neusibirischen Inseln und der Wrangel-Jnsel durchforschen. Wird in dieser Gegend neues Land entdeckt, so werden seine Grenzen bestimmt und auch hier aerogeodätisch vermessen werden. Dann geht die Fahrt nach Fairbanks zurück. Nach etwaiger fünftägiger Ruhepaust soll dann das Lustschiff die Rückfahrt nach Norwegen antreten. Aus der Rückfahrt ist die .Hauptausgabe wiederum die Vermessung des Schelfrandes. diesmal des asiatischen. Außerdem aber soll die Ausdehnung des nur an stiner Ostküste teilweise bekannten Nikolaus-II.-Landes(Sewernaja Sem! ja) festgelegt werden. Während der ganzen Fahrt wird das Eis in gewissen Abständen photographiert. Der Charakter des Eises läßt wichtige Schlüsse zu aus das Vorhandensein von Meeres- strömungen oder Landnähte, die Einflüsse der Gezeiten usw. Zu diesem Zweck« und für die Zwecke der aerogeodätischen Landesver- Messung wird die Expedition viel« Kilometer Film mitnehmen. Für die erdmagnetischen, luftelektrischen, deologischen und aerologischen Untersuchungen sind z. T. neu« Spezialapparatc im Bau. Das Luftschiff erhält eine vollständige Polarausrüstung, um für alle Fälle gerüstet zu sein: Lebensmittel für über 100 Tage. Polar- tle ö'inz, Schlitten, Zelte, Hunde, mehrer« Kiirzwellenstidderapparale, Kajaks, Gewehre, Munition usw. Nach einem bestimmten Orga- nisationsplan wild für den Fall einer Katastrophe der funkentele- graphische Verkehr mit den um die Arktis herumliegenden Funk- stalionen organisiert werden. Während der ganzen Fährt, die fast 10 000 Kilometer über unbekanntes Gebiet entlangführt, wird das Luftschiff in ständiger Verbindung mit den Funkstationen von Spitz- bergen, Kap Barrow und Leningrad bleiben. Von wichtigen geo- graphische» Beobachtungen wird man schon während der Expedüio» mit Hilst eines Kurzwellensenders funkentelegraphisch gesandte Bilder übermitteln können. Neben diesen wissenschaftlichen Untersuchungen soll auf der Fahrt festgestellt werden, ob das Luftschiff ein brauchbares arktisches Trans- port- und Verkehrsmittel ist. Mit den bisher bekannten Bcförde- rungsmitteln in die Arktis vorzudringen, den Seeschiffen und den Hundeschlitten, ist es ja nicht gelungen, alle die vielen Probleme der Polarforschung zu lösen. Nun soll das Luftschiff einen wichtigen Schritt weiter bringen. Probefahrten werden die Expeditions- teilnehmer mit den Verhältnissen an Bord eines Luftschiffes vertraut machen und die Frage nach dem zweckniäßigstcn Einbau der Jnftru- menie und deren sicherem Arbeiten klären. Für die Sicherung eines eventuellen Eismarsches werden bei „Telestmken" vier Kurzwsllenstnde- und Empfangsapparat« gebaut. Sie entnehmen ihren elektrischen Energiebedarf einem kleinen Gene- rator, der mittels einer Treteinrichtung angetrieben wird.„Tele- funken" wird durch einen Funkvffizier in Friedrichshasen Unter- richtskurfe abhalten lassen, an denen möglichst viele Mitglieder der Besatzung und der Expedition teilnehmen sollen, um diese für den Notfall mit der Bedienung der Kurzwellensendegerät« und mit dem Abhören funkcntelegraphischer Morsezeichen vertraut zu machen. Außerdem sollen im Winter für Besatzung und Expeditionsteil- nehmer Skikurse eingerichtet und die Teilnehmer im Ziehen von schwer belasteten Schlitten trainiert werden. Di« Forschungsocsell- schost hofft, ihr Programm so zu lösen, daß sie in Zukunft mit der Bereitstellung weiterer Luftschiffe zur Erforschung unbekannter Teil« des Erdballes rechnen kann. Sin känlilicher Wagarafall Ein««cht amerikanische Idee: Um die Wirkung der Ablenkung von Wasser zum Zweck« der maschinellen Ausnutzung in aller Ruhe studieren zu können, hat man ein genaues Modell des Niagarafalls gebaut. Der Plan zur Ausnutzung der ungeheuren Wasserkräfte des Niagarofolles ist schon alt: bereits 1757 wurde die erste Säge- mühle mit etwa 20 Pferdekräften dort betrieben. Dieser Versuch und die folgenden Pläne erwiest» sich jedoch als so wenig erfolg- reich, daß erst einmal über«ine Million Dollar an Experimenten verloren gingen, bis in den achtziger Iahren des vorigen Jahr- Hunderts größere Versuche unternommen wurden: 1881 lieferten durch Wasserräder betriebene Dynamos bereits 2000 Pjerdekräfle, die zur Erzeugung von Elektrizität Verwendung fanden. 1928 wur- den riesig» Turbinen seriiggestellt, die bis zu 70 000 Pferdekräften leisten. Die Wasserzufuhr wird durch Tunnels aus Stahl und Zemert geregelt, durch die in einer Sekunde 300 000 Liter Wasser strömen. Durch diese Tunnels geht etwa ein Viertel der gesamten Wasser- meng« der Niagarafälle hindurch, und zwar fast 1600 Kubikmeter Wasser in der Sekunde: die Wassermenge der Fälle betrug vorher- etwa 5650 Kubikmeter in der Sekunde. Die erzeugte Strommenge von 500 000 Pferdekräften reicht aber bereits heute kaum noch aus. Die Niagara Fall. Company versorgt ein Gebiet von einer Breite von 160 Kilometer und einer Länge von 500 Kilometer mit Strom — also eine Fläche von 80 000 Quadratkilometer. Um den Ansprüchen der Abnehmer, unter denen sich u. a. die Städte des westlichen Teiles des Staates New Park befinden, zu genügen, plant man jetzt, etwa die Hälfte des gesamten Wassers abzuleiten. Dadurch würde aber das Aussehen der Fälle, die zu den schönsten Naturdenkmälern Nordamerikas gehören, erheblich leiden. Um nun Technik und Naturschönheit miteinander vereinen zu können, hat man das bis in die kleinsten Einzelheiten genau nachgebildet« Modell gebaut: man hat tatsächlich bereits einen ProbewasstrfaU angelegt, bei dem durch Einschaltung mehrerer künstlicher Inseln das prachtvolle Naturschanspiel völlig ungestört bleibt, obwohl die Wasserablenkung verdoppelt ist. SOie SUeile Sonnenfinflentis Da am 1. November wieder eine Sonnenfinsternis stattfindet, so liegt die Frag« nahe, wann sich wohl die älteste bekannte Sonnen. sinsternis ereignet haben mag. Im„S ch u k i n g", einem uralten' chinesischen Geschichtswerk, besitzen wir die Quelle, die uns von dieser Sonnenfinsternis berichtet. Im fünften Regiernngsjahr« des Kaisers Tschungkhang. jo rerrb darin erzählt, lebten die beiden wgendloien Hofastronomen H i und H o. Sie kiinvrnertrtr sich nicht um ihre Pffichten, versenkten sich unordentlich in Wein und vernachlässigten vollständig chr Amt der Himmelsbebbachrung. Da, im letzten Herbsimonat. geschch plötzlich«rwas Unerwartetes. Die Sonne oerfinsterte sich. Furcht und Schrecken entstand unter den Menschen. Der besitzende Mann jagt« aus Angst um seine Besitztümer umher, und die einfachen Menschen liefen ans Furcht um ihr Leben durch die Straßen. Die Astronoinen Hi und Ho aber hörten und wußten nichts davon. Der Kaiser lieh diese beiden Sternkundigen hinrichten, da sie sich wol/ um Wein und andere Genüsse, aber nicht imi ihre astronomischen Beobachtungen gekümmert hatten, so daß Unruhe und Schrecken im Volk« entstanden mar. So ungefähr berichtet die alte chinesische Ehronik. Der Astronom Oppolzer hat nun besondere Untersuchungen über diese-aonnensinstcrnis, die erste, die in den Annalen der Völker überhaupt erwähnt wird, angestellt. Er entdeckte dabei, daß innerhalb der Zeit von 2193 bis 1914 v. Chr. nur eine Der- sinsterung der Sonne stattfand, die der Ueberkieserung eckt-che n könnte. Diese ereignete sich am 22. Oktober 2137 v. Chr. An diffein Tag« fand also aller Wahrscheinlichkeit nach die älteste bekannte «onnenfinisternis statt, die den beiden Astronomen Hi und Ho dcn Kopf gekostet hat. Die Eisbären. Der Bozcner Architekt und Filmschauspieler 2u>>~renker beteiligte sich an einer Filmreise nach den Nord- polarlandern. Entgegen unge, zählten prahlerischen Erzählungen erlogener Iaadabcnteuer berichtet Trenker, daß die Eisbären out- mutige, neugierige" Tiere seien, die„von Puloer und B ei nichts wissen und dcn, Jäger ahnungslos ins Korn lausen".„Mic ocii-I ':cl£r unfiIcich« Kamps nicht und ich habe daher nie aus Tiere geschayen. Hier wird also bezeugt, daß das Töten der in jenen Gegenden völlig unschädlichen Eisbären nichts als ein oemeine,- Roheitsakt ist."