Morgenausgabe Nr. 511 A 257 46. Jahrgang Wöchestlled SS Pf, monatlich Z.Sl) TL ün voraus zahlbar. Postbezug iJS2 M. einschließlich 60 Pfg. Postzeitungs-»-.d 72 Pfg. Postbestellgebühren Auslands- abonnemem 6.— M. pro Monat. Der„fJorwärt� crscheim wochentäg« Uch zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin »nd im Handel mit dem Titel �Der Abend". Illustrierte Beilagen„Doli und Zeit" und �kinderfreund". Ferner .Unterhaltung und Wissen".»Frauen- mmme'.Technik'.Blick in d,e Vücherwelt' und.Iugend-Vorwarts' � G A erltaet* Vowsblatt Vcnnerstag 31. Oktober 1929 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Die• I■ t P« 1 1 1 g« SkonparelllezeN» 10 Pfennig. Retlame>eile 5.— Reichs- mark.„Kleine Anzeigen' da» iettge» druckte Wort 25 Pfennig tzulässig zwei fettgedruckte Worte), irdes weiter» Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort IS Pfennig, jedes weitere Wort tv Pfennig. Worte übe» 15 Buchstaben -ähken für zwei Worte. Arbeitsmartt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeil» «0 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- «eschäst Lindenstraße 3. wochentäglich ovo 8»/. die 1? Uhr. Äetttvawesa« der �Sozialdemokratischen Kartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292—29? Telegraurm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postsck)«ckkonto: BerRn 37 536.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65. Ditkonto-Gesellschaft, Deposttenkasse Lindenstr. 8. Es langt nicht bei Hugenberg. Endgültiges Ergebnis erst heute zu erwarten. DaS endgültige Ergebnis des Hugenbergscheu In» flntiousbegehrens ist immer«och nicht festgestellt. Gestern abenb lagen aus 24 Wahlkreisen mit 24 452 822 Stimmberechtigten 2 070 374 Eintragungen vor. Der Tnrchschnittssatz beträgt 8.5 Prozent der Stimmberechtigten. » Die Einzeichnungen verteilen sich im einzelnen: Ein- Stimm- m. tragungen berechtigte � ä' Berlin........,. 242 713 3 167 378 7,66 Westfalen-Süd....... 50341 1 601 821 3,14 Leipzig...... 80 925 917 989 8,9 chessen'Darmstadt...... 27 735 913 361 3,04 .Hamburg......... 35 630 887 319 4,02 Oppeln»)....... 55957 721581 7,74 Düsseldorf- West. �...... 35462 1 110674 3,16 Düsseldorf-Ost 29280 1454383 2,08 Pommern< Schätzung).... 382 000 1 200 000 32,0 Äoln-Aacheii........ 18 928 1 436 372 1,32 Westfalen-Süd....... 15 341 1601821 3,4 Koblenz- Trier...... 9 687 776 322 1,25 Magdeburg(Teilergebnis)... 170840 1095 723 15,59 Pfalz(Teilergebnis)..... 4 629 242 703 1,91 Dresden-Bautzen...... 46 662 669 909 6,97 Schleswig-Holftem...... 139 743 1 041 380 13,42 Liegnitz....... 97536 779515 12,51 Chemnitz-Zwickau...... 198 513 1 273 364 15,59 Württemberg(Teilergebnis).. 17 735 396 347 4,48 Frankfurt-Oder(Teilergebnis). 29412 265 432 11/18 Breslau(Teilergebnis).., 88 570 800 000 11,57 Merseburg(Teilergebnis)... 15 819 102 080 15,5 Weitfalen-Nord(Teilergebnis). 2 904 168 920 1,62 Südhannaver-Braun schweig.. 108 032 1 083 426 10,0 Ostpreußen........ 166 000 745 000— Insgesamt.... 2070374 24452 822 ») Tinige Dörfer und die SImunen der Stadt Oppeln fehlen. 8,5 In dieser Zusammenstellung fohlen noch völlig die Wahlkreise: Thüringen, Weser-Ems, Osthannover. Oberbayern- Schwaben, Niederbayern, Franken, Baden, Mecklenburg. Dolksschädling Hugenberg. Er verleumdet weiter und beschuldigt die Beamten der Wahl« fälschung. .Herr Dr. Alfred Hugenberg, M. d. R.. nimmt in den Mitteilungen der Deutschnotionalen Dolkspartei Stellung zum Ab- schluß seines Inflationsbegehrens. Er fragt:„Ist die Schlacht gewonnen oder verloren?" Sie i st verloren, rechnerisch, politisch uird moralisch! Sie wäre auch verloren, wenn die zur Herbeiführung des Volksentscheids nötige Stimmenzahl crnncht worden wäre. Es gibt sehr viele Politiker der Linken, die es ge- wünscht hätten, daß dieses Ziel erreicht worden wäre, damit der Hugenberg-Block noch einmal seine Einflußlostgkeit und seine Schwäche im Volksentscheid hätte zeigen müssen! Herr Dr. Alfred Hugenberg ober hat für das Politische keinen Sinn und noch weniger für das Moralische. So hält er sich an das Rechnerische, und so schreibt er: „Ist die Schlacht gewonnen oder verloren? Der sozialistische Reichsinnenminister will es uns erst am g. November verraten. hoffentlich wird inzwischen nicht allzu sehr retuschiert." „Aber wir haben den Kampf aufgenommen und hoffen Gutes von ihm für unser Land und Volk— einerlei, was die Organe des Reichslnnenminiftcrs beim Volksbegehren herausrechnen.". Er hat keinen Sinn für die ungeheure Niederlage, die er er- litten hat, alles was er zu sagen weiß. ist. daß er gegen Regierung und Beamte den Vorwurf der Wahlfälschung erhebt. Herr Dr. Alfred Hugenberg hat mit der Verleumdung begonnen, als er die R e i ch s m i n i st e r als La n d e s v- r r ä t e r bezeichnete. Er setzt dos traurige Gewerbe der Verleumdung fort, indem er viele Tausende von Beamten, die amtlich an dem Volksbegehren gearbeitet haben, als Fälscher und Betrüger bezeichnet! Es ist das erstemal in Deutschland, daß der Vorwurf der Wahlfälschung gegen Regierung und Beamte erhoben wird. Herr Dr. Alfred Hugenberg hat das traurige Verdienst, der erste zu sein! Dieser Vorwurf wird erhoben von dem Führer eines Blocks, dessen drastische Niederlage über alle Maßen vor den Augen des ganzen Volkes offen liegt, und dem keine dümmere Ausrede für seine Niederlage einfallen wollte! Jedes Wahlgeschäft steht in Deutschland unter öffentlicher Kon- trolle. Zehntausende von Beamten und Privatpersonen wirken mit tr: Vertrauensleute aller Parteien. Wir sind sicher, daß eine gewallige Zahl deutschnationoler Be- amien und Ehrenbeamten auch diesmal Mitgewirkt haben. Sie alle haben die Möglichkeit der Kontrolle. Die Liste der Einzel- ergebnisse wird veröffentlicht— jede„Retusche" müßte sofort fest- gestellt werden. Wir legen dies dar, nicht um des Herrn Hugen- berg willen, sondern um der Ehre und des Ansehens Deutschlands und seines Beamtentums in der Welt willen. Denn es ist das erstemal, daß ein so ungeheuerlicher Vorwurf gegen das deutsche Beamtentum erhoben wird— noch dazu von jenen Leuten, die sich geflissentlich als die Freunde der Beamten- schaft aufspielen, und die jetzt die mit dem Volksbegehren amtlich befaßten Beamten eines Vergehens nach Z 108 des Strafgesetzbuches verdächtigen, der Gefängnis bis zu drei Iahren nnd Ehrverlust androht! Herr Dr. Alfred Hugenberg hat vor einiger Zeit mit unwahren Behauptungen den deutschen Kredit und die deutsche Währung zu untergraben versucht— jetzt sucht er den Glauben an die Integrität des deutschen Beamtentums zu erschüttern. Es gibt kein« niedrige Verleumdung gegenüber dem eigenen Laiide, die dieser Mann in seinem Haß und in seiner Feigheit vor der lieber- nähme eigener Verantwortlichkeit nicht gebrauchen würdet Herr Dr. Alfred �ugenberg ist Reichstagsab- geordneter. Er spricht nie im Reichstag, weil er zu seig« ist, um seinen Gegnern Aug' in Auge gegemiberzutreten. Er bekommt Herzottacken, wenn es sich um entscheidende Abstimmungen handelt, bei denen Verantwortung für das Schicksal des Volkes übernommen werden muß. Aber das Mandat ist ihm gut genug, um unter dem Schutze der Immunität dos traurige Gewerbe des Verleumders zu betreiben. Dieser Mann— ein notorischer Verleumder— ist der Führer, der Vorsitzende der Deutschnationalen Volkspartei. Eine Partei, die auf ihre Ehre häll, müßte ihn schleunigst davonjagen! Hiiler-Kustiriit für Hugenberg. Beschuldigungen gegen die Deutschnationalen. ZNünchen, 30. Oktober.(Eigenbericht.) Di« Pleite des Inflationsbegehrens ist kaum be- endet, und schon erhält Hugenberg von Hitler prompt einen Fußtritt. In einem Nachwort zu der oerkrachten Aktion schreibt der„V ö l k i s ch e Beobachter": „Die Mitglieder der nationalsozialistischen Partei haben Zweifel- los ihre Pflicht getan. Demgegenüber stellen wir fest, daß die Deutschnationale Partei und der Stahlhelm lange nicht die notwendigen Anstrengungen gemacht haben. Wir mußten erleben, daß große Teile der Deutschnationalen gegen die energische Führung wochenlang rebellierten, daß sie de- und wehmütig darauf schauten, was Hindenburg sagen würde. Die Forderungen des Volksbegehrens waren nationalfozia- listische Parolen, gegen die die Deutschnationalen und der Stahlhelm sich jahrelang gesträubt haben. Wir denken gar nicht daran, Hugenberg oder die Deutschnotionalen zu fressen, wie der „Vorwärts" schreibt, wohl aber ist es klar, daß, wenn die Demo- traten unter den d e u t s ch n a t i o n a l e n Parlamen- t a r i e r n erneut die Oberhand gewinnen sollten wie 1924, wir die besten der Deutschnotionalen zur offenen Revolte rufen werden." Das Münchener Hugenbergblall hat angesichts dieses Fußtritts von nationalsozialistischer Seite völlig die Sprache verloren. Es tut so, als ob es überhaupt niemals ein„Freiheitsgesetz" ge- geben Hölle und vermerkt lediglich an versteckter Stelle einige sorg- sättig ausgesuchte Ergebnisse, die die Pleite Hugenberg? verschleiern sollen. Die Aufkösung der Gutsbezirke. Am 11. Januar d. I. hatte das preußische Staatsministerium dem Staatsrat ein« Denkschrift über die Durchführung der Auflösung der Gutsbezirle vorgelegt mit einer Gesamtübersicht, in der die zahlenmäßigen Angaben über die am 1. Januar 1929 vorliegen- den Ergebnisse enthalten waren. Nachdem die Arbeiten in der Zwischenzeit weiter fortgeschritten sind, hat das Staatsministerium dem Staatsrat eine Ergänzung zugchen laflen, in der die damalige Uebevstcht auf den Stand vom I. Oktober d. I. gebracht ist. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, ergibt sich daraus, daß mit Ausnahme von 80 Gutsbezirken, deren Auflösung jedoch nur«ine Frage der Zeit ist— es handelt sich um zurzeit in der Besiedlung befindlich« Güter, um Truppenübungsplätze u. a. m.—, ven den bisherigen 11 894 Gutebezirken mil einer Einwohnerzahl von 1 458 888 und einer Fläche von 8 470 847 Hektar künstig nur noch 201 Gutsb«z!rte endgültig bestehen, Nach dem Nohrlegerstreik. Eine kommunistische Niederlage. Eine der bedeutendsten Errungenschaften der Arbeiter- schaft seit der Revolution und infolge der Revolution ist das kollektive Arbeitsrecht. Die Grundlage des kollek- tioen Arbeitsrechts ist der kollektive Arbeitsvertrag. Der Ar- beiter steht dem Unternehmer nicht mehr als Einzelperson gegenüber. Der Unternehmer kann nicht mehr bei schlechtem Geschäftsgang die Löhne herabsetzen und die sonstigen Arbeits- bedingungen verschlechtern. Der Unternehmer ist an den Tarifvertrag gebunden, den die Gewerkschaft mit der Unter- Nehmerorganisation abschließt und der vom Staate garan- tiert wird. Die Unternehmer haben wiederholt die größten Anstren- gungen gemacht, um dieses kollektive Arbeitsrecht wieder zu beseitigen. Es ist nicht notwendig, in diesem Zusammenhang auf die Gründe einzugehen, die die Unternehmer veranlassen, gegen das kollektive Arbeitsrecht und besonders gegen den Tarifvertrag anzukämpfen. Wir wissen auch, daß das kollektive Arbeitsrecht in seiner heutigen Gestalt dem Unter- nehmertum noch Angriffsflächen bietet. Jedenfalls ist der Tarifvertrag eine Errungenschaft der Arbeiterschaft, die den Unternehmern höchst unbequem ist. Wenn das Unternehmertum gegen den Tarifvertrag Sturm läuft, wenn besonders die Schwerindustrie vor Jahresfrist den Versuch machte, durch einen Gewaltstreich das kollektive Arbeitsrecht wieder zu beseitigen, so ist das bei der reaktionären Einstellung des deutschen Unternehmertums nicht weiter verwunderlich. Es blieb der Kommunistischen Partei vorbehalten, den Kantpf gegen das kollektive Arbeits- recht, den Kampf gegen den Tarifvertrag zur„revolutionären Tat" umzumünzen. Noch in ihrem Retrolog zu dem Rohrlegerstreik schreibt die„Rote Fahne":„Die Rohrleger führten einen bewußten Kampf gegen einen bestehen- den, von der Gewerkschastsbureaukratie und den Unter- nehmern abgeschlossenen Tarifvertrag." Das war die Aufgabe, die die Kommunistische Partei den Rohrlegern gestellt hatte. Und das ist das Programm, das von Moskau den Arbeitern vorgeschrieben worden ist. Nun sind sich selbst die kommunistischen Rohrleger be- wüßt, daß dieses Programm eine Schädigung der Ar- b e i t er k l a s s e und eine Schädigung ihrer eigenen Inter- essen darstellt. Dem Beschluß, der den Abbruch des Streiks erklärt, stellen die kommunistischen Rohrleger folgenden Passus voran: „Der Streik um die Anerkennung des von der„Bereim- gung der Rohrleger und Helfer" aufgestellten Tarifvertrages wird in organisierter Form afrgedrochen." Die Rohrleger haben also gegen den Tarifvertrag ge- kämpft, um einen anderen Tarifvertrag durchzusetzen. Nun wird niemand behaupten wollen, daß der allgemeinverbind- lich erklärte Tarifvertrag für das Berliner Rohrlegergewerbe schlecht ist, daß die dort festgelegten Löhne hinter den Spitzen- löhnen des Berliner Baugewerbes zurückbleiben. Gesetzt den Fall, es wäre der kommunistischen Vereinigung gelungen, mit dem Arbeitgeberverband einen neuen Tarifvertrag ab- zuschließen, evtl. hätte es sich wiederum nur um einen Tarif- oertrag gehandelt, der von einer„Gewerkschastsbureaukratie" mit den Unternehmern abgeschlossen worden wäre. Wenn die Kommunistische Partei die Arbeiterschaft also auffordert, gegen die bestehenden Tarifverträge zu kämpfen. so arbeitet sie damit nicht nur den Unternehmern in die Hände, sie begeht gleichzeitig an den Arbeitern einen schimpflichen Betr ug. Wie das Beispiel des Rohr- legerftreiks zeigt, handelt es sich dabei praktisch nicht um die Beseitigung der Tarifverträge, sondern um den Kampf der Kommuni st ischen Partei gegen die freien Gewerkschaften. Auch damit arbeitet die Kommunistische Partei ganz im Sinne der Unternehmer. Genau wie die Unternehmer und die Gelben, spricht die„Rote Fahne" in ihrem Schlußwort von dem„Monopol der reformistischen Gewerkschastsbureaukratie, Tarifverträge mit den Unternehmern abzuschließen". Run handelt es sich freilich nicht um ein Monopol der„Gewerk- schaftsbureaukratie", sondern um ein Monopol der gewerk- schaftlich organisierten Arbeiter, die über Annahme oder Ab- lehnung eines Tarifvertrages entscheiden. Gegen die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter rufen die Kommunisten die„revolutionären Unorganisierten" auf. Sie setzen die mit Hilfe der Unorganisierten gewählten kom- munistischen Betriebsräte in Bewegung, um von Betrieb zu Betrieb die Arbeiter zu Streits zu veranlassen mit dem Ziel, außertarifliche Abmachungen durchzusetzen. Das ist genau dasselbe, was die Unternehmer wünschen und die gelben WSrkoereine gern möchten. Vom Unter- nehmer st andpunkt aus ist ein derartiges Vorgehen durchaus begrüßenswert. Denn welche Macht steht hinter diesen kommunistischen Betriebsräten? Was es mit der Macht der Kommunistischen Partei und der IAH. auf sich hat, das haben nicht nur die Rohrleger zu fühlen bekommen, sondern auch die Bauarbeiter, die auf Veranlassung der Kommunisten auf einigen Baustellen Zur Unterstützung des Rohrlegerstreiks die Arbeit niedergelegt haben. Können diese kommpnistischen Betriebsräte sich aber wenigstens aus ihre Kollegen in den Betrieben verlassen, die sie gewählt haben? Das Beispiel des Deter ist kein Aus- nahmefall. Kann sich aber wenigstens die Kommunistische Partei auf diese Betriebsräte verlassen? Wir zitieren hier die„Rote Fahne": „Aiveisellos fehlte ihnen der Mut und die Aus- d a u c r, die ersorderlich sind, um die reformistischen Kräfte zu überwinden. Anstatt systemattsch und hartnäckig als Belriebsräte zu wirken, versagten sie."—„Wir wollen hier nicht einzelne Beispiel« anführen. Es genügt, darauf hinzuweisen, daß in mehreren Betrieben Teile der Belegschaften, die bei den letzten Betriebsräte- wahleü den revolutionären Betriebsräten ihr Vertrauen schenkten, heute enttäuscht sind." So sehr man in der Kommunistischen Partei zu Ueber- treibunqen neigt, hier kann man wohl sagen, daß der Per- süsser hinter der Wahrheit beträchtlich zurückgeblieben ist. Der ganze umfangreiche Apparat der Kommunistischen Partei arbeitet seit Monaten mit Hochdruck, um mit Hilfe der„revo- lutionären Stützpunkte" in den Betrieben Kämpfe zu ent- fesseln. Das Ergebnis ist jammervoll. Die sichersten Hochburgen der Kommunistischen Partei versagen, wenn es sich darum handelt, nicht nur Resolutionen gegen„Sozial- faschisten" durch Handaufheben anzunehmen, sondern gemäß den Anordnungen der Kommunistischen Partei die Arbeit niederzulegen. Es zeugt von einer erschreckenden sittlichen Perlotterung, fortgesetzt andere als„Verräter" zu brand- marken, weil diese also Gebrandmarkten sich weigern, auf Geheiß der Koinmuniftischen Partei selbstmörderische Kämpfe zu führen, gleichzeitig aber sich selbst vom Kampf zu drücken. Kann man es im Grunde diesen Arbeitern verargen, wenn sie sich weigern, auf Befehl der Kommunistischen Partei die Arbeit niederzulegen? Die Arbeiter wissen, daß der Arbeits- markt infolge der Rationalisierung gegenwärtig mit Arbeit- suchenden überflutet ist. Heute einen Kampf zu führen, dazu bedarf es außerordentlich starker Organisatio- n e n, die nicht nur in einem Betriebe und an einem Orte die Arbeiter in der Hand haben, sondern im ganzen Reiche, und die darüber hinaus durch ihre internationalen Verbin- düngen gesichert sind. Solche Organisationen müssen auch finanziell stark fundiert und durch ihre Verbin- dung mit den anderen Gewerkschaften eventuell auch in der Lage sein, einen Totalangriff der Unternehmer bestehen zu können. Solche Kämpfe, auch während einer ungünstigen Wirtschaftslage, können nur die freien Gewerk- s ch a f t e n mit Aussicht auf Erfolg führen. Aber auch diese werden nach Möglichkeit im Interesse der Arbeiterschaft sich den günstigsten Zeitpunkt zur Führung von Wirtschafts- kämpfen aussuchen. Die Kommunistische Partei aber sucht sich den u n- günstigsten Augenblick aus, um die Arbeiter gegen die Gewerkschaften und gegen die Tarifverträge in den Kampf zu führen. Gerade in dem Augenblick, wo der Tarifvertrag, der natürlich immer nur ein Kompromiß ist und niemals einen Jdealzustand herbeizuführen vermag, zum Leidwesen der Unternehmer sich als Schutzwall bewährt gegen die Ver- jcdlcchterung der Lohn- und Arbeitsbedingungen, gerade einen solchen Augenblick suchte sich die Kommunistische Partei aus. um die Arbeiterschaft aufzufordern, gegen die Tarifver- träge und gegen die Gewerkschaften zu kämpfen, die diese Tarifverträge schützen. Aber wenn die Gewerkschaften die Möglichkeit haben, sich einen günstigen Zeitpunkt zur Führung von Kämpfen auszusuchen, die Kommunistische Partei hat diese Mög» I i ch k e i t nicht. Sie hat den Befehl erhalten, die G e- werkschaftcn zu spalten und die Spaltung einzu- leiten durch außertarifliche Lohnkämfe. Diesen Befehl gibt sie weiter. Bei den Rohrlegern lagen die Bedingungen zur Ausführung des Befehls denkbar günstig. Der Streik ist zu- scmmcngebrochen. eben well hinter ihm nichts weiter stand als die Kommunistische Partei. Die Kämpfe, die diese Partei führt, enden ausnahmslos mit Niederlagen. Der Kampf der Rohrleger b e st ä t i g t nur diese alte Erfahrung. Llm die Macht des Kinanzministers. Aera!ung der Novelle zur iNeichShaushaltSordnung. In der Mittwochsitzung des Ausschusses für den Rcichshaushalt wurde nach Abschluß der Debatte über die Kassenlage des Reichs und die kommende Finanzreform die Beratung der Novell« zur Neichshaushaltsordnung aufgenommen. Der M-tbcrichterstatter Dr. Schreiber(Z.) nahm eine kritische Stellung zur Vorlage ein. Die Stellung des Reichsfinanz» Ministers sei ctatsrcchtlich sehr stark; sie noch mehr zu verstärken, könne leicht dazu führe», die Stellung des Parlaments zu schwächen. Auch dürfe die Elastizität der Verwaltungsressorts nicht leiden. Dem Abgeordneten st e r g t(Dnat.) erschien die Beratung der Novelle als unzeitgcinäß. Seine Freunde ständen dem Entwurf im ganzen ob- lehnend gegenüber. Abgeordneter Bernhard(Dem.) wies darauf hin, daß von außerhalb des Reichstags stehenden großen Industrie- und Bankorganisationen vielfach ein sogenannter Finanzdiktator verlangt werde. Dies Verlangen fei abzuweisen. Der Reichstag dürfe sich nicht„al>danken lasien". Die Notwendigkeit zu einer gründ- lichcn Reform der Reichshaushaltordnnng liege vor. Diese Not- «cndigkeit ergebe sich klar aus den Arbeiten des Rechnungsunter- ousschusses. Dabei müsse unter allen Ilmständen sichergestellt werden, daß der Reichstag in der Lage bleibe, die Entscheidung des Reichs- sinanzministere zu revidieren. Abgeordneter Dr. C r e m e r(D. Vp.) erörterte die Idee, die ganz« Aufstellung de» Haushalts aus den: Finanzministerium herauszunehmen und einen besonderen H a u s h a l t s in i n i st e r zu bestellen, der auch die Anleihegebarung, die Kassengeborung, die Reichzschuldenverwgltung und dergleichen zu betreuen haben würde. Diesem Vorschlage des Abgeordneten Dr. Cremer trat Reichs- finanzminister Dr. H i l f e r d i n g entgegen und bezeichnete ihn als undurchführbar. Wie solle der Etatsminister seinen Etat, der nur Auszaben enthält, begründen, wenn er nicht gleichzeitig auch bestimmen kann, wi« die Ausgaben gedeckt werden sollen! Um- gekehrt sei es dem Steuerminister unmöglich festzustellen, welche Einnahmen vorzuschlagen sind, wenn er sie nicht selbst mit den Aus- gaben in Einklang zu bringen hat. Die Notwendigkeit der Stärkung der Stellung des Finanzministers habe sich durch die Schwierigkeiten der ganzen Finanzsituation in der Nachkriegszeit ergeben. Später werde einiges fortfallen können, was fetzt verlangt werden müsse. Abgeordneter H e I n i g lSoz.) hält eine Reform der Haushalts- ordnunz für außerordentlich dringlich. Die Dorschläge der Unternehmerverbände auf Einsetzung eines Budgetdirektors be- ruhten aus falsch verstandener Uebertragung amerikanischer Verhält- Nach Daladier(klämentel. Wie ein„Mißverständnis" Bn'ands Daladier scheitern ließ. Paris, 30. Oktober.(Eigenbericht.) Der Präsident der Republik beauftragte(wie schon im größten Teil der Abend-Ausgabe mitgeteilt) am Mittwach den radikalsoziale« Senator Cl-mentel mit der Neubildung des Kabinetts. Eltmentel nahm den Auftrag an. Die Chancen Clernentels, der dem rechten Flügel der Radikol- sozialen angehört, werden s e h r-v e r s ch i e d e n beurteilt. Man er- innert sich in Frankreich noch sehr lebhaft daran, wie Clementel als Finanzminister Herriots durch die heftigsten Angriffe im Senat seinen eigenen Chef und Parteigenossen zu Fall brachte. Infolge- dessen erfreut er sich im Lager der radikalsozialen Linken keiner allzugroßen Beliebtheit. Schließlich kann kaum ein Zweifel darüber bestehen, daß ein Kabinett Clementel eine ziemlich beträchtliche Dehnung des elastischen Begriffes der„republikanischen Konzen- tration" nach den gemäßigten Rechtsparteien hin bedeuten würde. Di« Verhandlungen Daladiers haben übrigens ein seltsames politisches Nachspiel gehabt, dessen Hintergründe noch nicht ganz zu durchschauen sind. Es handelt sich um die kontroverse Daladier— Driand. die am Mittwoch früh nach einen zugespitzten Charakter zeigt«, in- zwischen aber, nach den durchaus loyalen Erklärungen Briands sich eher aus einem Mißverständnis herzuleiten scheint. Daladier hatte in seinem in der Mittwochnocht der Presse übergebenen Kommunique mit ziemlicher Deutlichkeit Briand beschuldigt, daß e r es gewesen sei, der die Bildung seines Kabinetts durch einen „D o l ch st o ß" zu Fall gebracht habe. Diese ErNärung wiederholte Daladier am Mittwoch früh in äußerst scharjer Form. Er führte aus, er habe sich am Dienstag wiederholt sehr ausführlich mit Briand beraten und diesem mitgeteilt, daß er ein Kabinett der bürgerlichen demokratischen Parteien und des linken Zentrums zu bilden gedenke. Briand habe ihm seine Zusage für die Uebernahme des Außen- Ministerpostens zwar bestätigt, ihm aber gleichzeitig angeraten, sein Kabinett weiter rechts(also in der Richtung der von Tardieu propagierten„Republikanischen Union") auszudehnen. Das habe Daladier getreu seinen bekannten Prinzipien auf das strikteste ab- gelehnt. Als er zuletzt Briand verließ, habe er den Eindruck gehabt, daß Briand an dieser Erweiterung der Majorität nach rechts festhalte, und daß daher eine Deiständigung unmöglich sei. Er habe sich daraufhin entschlossen, dem Präsidenten der Republik seinen Verzicht auf die Kabinettsbildung mitzuteilen. Kurz darauf hätte ihn jedoch ein Abgesandter Briands ausgesucht und ihm mitgeteilt, daß Briand seine Zustimmung ohne Bedingungen aufrechterhalte. Daraufhin habe sich Daladier wieder an die Arbeit gemacht, bis ihn ein Havas-Kmrtmumqus ereilte, in dem Briand erklärte, er werde Daladier„für den Fall der Bildung eines Kabinetts der Republikanischen Union" unterstützen. Cr, Daladier, habe darin ein neues Manöver Briands erblicken und daraus die Konsequenzen ziehen müssen. Briand hat zu dieser Darstellung am Mittwoch seinerseits eine lange Erklär» ng abgegeben. Mit der überlegenen Ge- lasienheit des alten Politikers tritt er den Ausartungen dieser Po- lemik entgegen und erklärt nochmals aufs ausdrücklichste, daß Pa- lädier in jeder Phase der Verhandlungen sein« unbedingt« Unterstützung gefunden hafte. Was das verhängnisvolle Havas- Kommunique betreffe, fo Handel« es sich lediglich um ein« unglückliche Verkettung von Umständen. denn Briand habe die Erklärung gar nicht selbst geschrieben, son- dern das seinem Sekretär überlassen, der dann auch versehentlich das fatale Wort„Republikanische Union" ongewaicdt hätte, ohne dadurch einen Vorbehalt Briands zum Ausdruck bringen zu wollen. Briand teilt weiter mit, daß e r es gewesen sei, der Da- lädier zu der Aussprache mit dem Exekutiv-Komitee der sozialistischen Parlamentssrattion bestimmt habe, die dieser zunächst ab- lehnen wollte. Diese ganze Verkettung von Mißverständnissen gewinnt ein ge- radezu tragisches Gesicht, wenn man erfährt, daß Briand sich davon überzeugt erklärt, daß das von Daladier am Dienstag knapp vor Mitternacht ferliggestelltc Kabinett, das durch einen kleinen Fehler zu Fall kam, seiner Ansicht nach durchaus lebensfähig gewesen wäre. Clementel ist optimistisch. Paris, 30. Oktober. Senator Cl6menlcl hat heute abeud dem prSfldculen der Republik mitgeieilt, daß er den Auftrag zur kabinetlsbildung de- fiultiv annehme. Er erklärte presieverlrelern, er hoffe, feine Vorbesprechungen morgen zum Abschluß bringen zu könnem Er werde morgen abend um 6 Uhr dem Präsidenten der Republik über den Stand der Verhandlungen berichten. Briand erklärte Vertretern der presse, daß er Elemenlel dos versprechen gegeben habe, in sein Kabinett einzutreten. Briand hat übrigens heute nachmittag mit Herriol. Loucheur. Danielou und Henri pathö konferiert, höchstwahrscheinlich um die Möglichkeit für die Bildung eine» Konzentrationskabinelts zu prüfen. Die Entscheidung der radikalen Parlamentsfraktion über das von Elementes zu bildende Kabinett ist, obwohl die Senats- und Kammerfraktion Sitzungen abgehalten haben, noch nicht endgültig gefallen. Die Senats fraktton hat einen Antrag Soutie angenommen, in dem es heißt, die radikale Senatsfraktion wünscht eine prompte Lösung der Krise und erklärt, daß sie eine Regierung unterstützen wird, die entschlossen ist, das viert europäischer Annäherung fortzusetzen und eine Politik des Laizismus, der sozialen Aktion und der republikanischen Verteidigung zu betreiben. hierüber ist der K a m m e r s r a k k i o n Bericht erstattet worden. St« hat aber bis jetzt keine Stellung genommen und erklärt, daß sie sich erst endgültig entscheiden werde, wenn Eldmenlel feine Beratungen zur Bildung des Kabinetts beendet habe. Ausfallend Ist, daß der Vorsitzende der Kammersraklion Daladier ausdrücklich erklärt, kein Mitglied der Partei, wenn es nicht aus- geschlossen werden wolle, dürfe an einem Konzentralionsmintsterium teilnehmen, ohne vorher die Genehmigung der Partei erhallen zu haben. Er erinnerte ausdrücklich an den Beschluß des Partei- tazes von Reims. Es scheint ober, daß nicht olle Mitglieder der kammerfraktion mit der Haltung Daladiers einverstanden sind. Also ist unter den gegebenen Umständen die Frage, welche Hat- tung die Radikalen zu einem Konzentraliouskabinett unter dem Vor- sitz doji Clementel einnehmen werden, noch vollkommen u n e n t- schieden. Al» ein gewisser Fingerzeig konnte das heute in den Wandelgängen verbreitete Gerücht angesehen werden, daß selbst die Radikaleu. die für die Beteiligung an einem solchen Ministerium eintreten, den Ausschluß der Gruppe Mi�ria und der Gruppe Magiuat für notwendig erachten. Dadurch würde dtc Basis des neuen Kabinetts ziemlich schmal werden, so dtfjj es bei allen wichtigen und besonders bei außenpolitischen Fragen aus die Anter st ützung der Sozialisten angewiesen wäre. Eine Kulturschande abgeschafft! Gtrafvorschristen über das Konkubinai werden aufgehoben. Der Strafgesehausschuß des Reichstag, beriet gestern zunächst einen sozialdemokratischen Antrag, in dem die Reichsregierung ersucht wurde, im Einführungsgeseh zum Strafgesetzbuch die landesrechtlichen Strosvorschriften über dos Kon- kublnat aufzuheben. Zur Begründung dieses Antrags wies Abg. Rosenfeld(Soz.) darauf hin, daß das neue Strafgesetz das außereheliche Zusammen. leben von Mann und Frau bereits dadurch anerkenn«, daß es „Lebensgefährten" besonders schütze. Infolgedessen sei es nicht mehr erträglich, ein außereheliches Zusammenleben von Strafe bedrohen zu lassen, wie das in Bayern. Württemberg. Baden und Hessen noch heute geschehe. Leider geh« die Polizei auch gegen Konkubinate immer noch mit Perwaltungs st rasen vor. So habe z. B. die Polizeibehörde in Chemnitz geradezu einen Trennungsbesehl erlassen, in dem zwei miteinander lebenden Personen das gegenseitige Besuchen, das Wohnen unka Nächtigen Im selben Hause sowie das Betreten der gegenseitigen Wohnungen sogar untersagt wurde.(Heiterkeit.) Solche mit den heutigen Anschauungen unvereinbaren Polizeimaßnahmen sollten unmöglich gemacht werden. Obcrrcichsanwalt Ebermcyer erklärte sich mit der Annahme des sozialdemokratischen Antrags einverstanden. Würde er durchgeführt, so sei selbstverständlich, daß die Landesbehörden oult nicht mehr mit Polizeimaßnahmen gegen Konkubinate vorgehen können. Lei der Abstimmung wurde der sozialdemokratische Antrag mit den Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten, Demokraten und Volkspartei gegen die Stimme des Abgeordneten Emminger(Bayerische Volksporlei) bei Stimmenthaltung des Zen- trums und der veulschnallonalen angenommen. nisse. Dort dürften die einzelnen Ministerien ohne Haushaltsplan selbständig ihre Ausgaben machen, und deshalb sei dort ein Budget. direktor nötig. Im Gegensatz zum Abgeordneten Hcrgt stehe er auf dem Standpunkt, daß die Grundsätze, welche in den letzten Jahren schon in den Etatsgesetzen festgesetzt worden seien, nunmehr als Crfahrungsgut in die Rcichshaushaltsordnung übcrnonnnen werden mühten._ paier Raymundus. Der„kaiholische" Helfer Ver Hugenberg-Zront. Don dem sagenhasten Pater Raymundus. über dessen Geschästemacherci ,al s Katholik für das Inflations- begehren wir berichteten, weiß die„Kölnische Volks- zeitung" noch folgendes zu melden: „Auf dem letzten Kölner Reichsparteitag des Zentrums verwies der Vorsitzende der rheinischen Zentrumepartei einen Herrn>m Eeistlichentlcid aus dem Verhandlungssaal, weil er sich zu Unrecht darin befand. Cr hatte einen Ausweis vorgewiesen, der auf den Namen«ine« anderen Geistlichen lautete. Er hatte sich aber im Saa.e ausfällig gemacht, weil er über den Verlauf der Verhandlungen nach auswärts telephonische Berichte gegeben hat. Dieser Herr, der also unter einem Namen auftrat, der ihm nicht zukam, und der sich in den Delegiertcntag einer Partei einsihlich, die er auss heftigste bekämpste, war Herr Pfarrer o. D. König aus Honiwf." Auf diesen Kronzeugen können der Reichsausschuh und die deutschnationale Presse stolz sein!. Ltnfruchibare Verfassungsberaiung. Die Schober-Mehrheit kommt nicht entgegm. Wien. 30. Oktober.(Eigenbericht.) Die Beratung Im Derfasiungs-Unterausschuß verlaust auch weiter unfruchtbar, weil die Mehrheitsparteien auf den Bcst'.m- mungcn de? Entwurfs beharren, die für die Sozialdemokraten unannehmbar sind. Das gilt besonders für das R o t v e r- »rdnungsrecht des Bundespräsidenten. Die Sozialdemokraten würden höchstens ein Rotocrordnungsrecht des H a u p t a u s- s ch u s s e s des Nationalrot»(Aelteftenrat) zugestehen, aber auch nur für die Zeit zwischen der Auflösung und der Neuwahl. Der Be- richterstatter hat im Namen der Rcgieruagz Parteien eine Reihe Vorschläge eingebracht, dl« die Vorlage noch verschlechtern oder vetballhorncn, besonders in bezug auf hie Festsetzung der Tagungszeit des National- rats und auf das Recht, ihn einzuberufen. Der Heraufsetzung des Wahlalters von 20 auf 21 Jahr« stimmen die Sozialdemokraten nicht zu, sie haben sich aber damit einverstanden erklärt, daß die Wählbarkeit nicht mehr mit dem 24-, sondern erst mit dem 2?. Jahr eintreten soll. Die Sozialdemokraten lehnen die Bestimmung ab. daß zur Verfassungsänderung nicht mehr die Zwei- drittelmehrheit erforderlich sein, sondern einfach« Mehrheit mit darauffolgender Volksabstimmung genügen soll. Konkurrenz im Bombenwerfen. Oeutschnationaie und Wirtschastspartei raufen um die Ehre. ?'m Sklarel-Untersuchungsausschuh sollte am Mittwoch die große deutschnationale Bombe platzen: es sollte der Nachweis gefschvt werden, daß die deutschnationalen Stodwerord- neten schon vor Iahren die Brüder Sdlarek enthüllt hätten, daß aber d-e böse Mehrheit von Magistrat und Stadtverordneten all ihre Angaben und Tatsachen einfach in den Wind geschlagen hatten. D i e Bombe erwies sich als Windei. Die beiden�vernommenen Zeugen, Dr. L ü d i ct e, Vorsitzender der Berliner Stadwerordnetensraktion und Landtagsabgeordneter der Deutichn-ationalen, und Merkel, deutschnationaler Stadt- rerordncter, Berus Major a. D., verlosen stundenlang Strafanzeigen, die sie im Jahre 1327 und 1928 an die Staatsanwaltschaft gerichtet haften. Es ist darin mit keinem Wort von Sklarek und ebenso mit keinem Worte von Direktor Kieburg die Rede: die Strafanzeigen richten sich vielmehr gegen ein paar untergeordnete Ein- k ä u i e r der Berliner Anschaffungs-Gesellschait, die angeblich von den Lieferanten Schiniergelder genommen oder bei den Lieferungen ihre Angehörigen bevorzugt haben. Auf«indringliches Befragen der 'Ausschußmitglieder gaben die Zeugen an, daß sie von diesen Straf- anzeigen weder dem Oberbürgermeister, noch dem M a- g i st r a t. noch dem deutschnationalen Mitglied im Au nichts rat des Anschaffungsamtes Mitteilung gemocht haben. Erst die Staatsanwaltschast gab dem Oberbürgermeister Kenntnis von den erhobenen Beschuldigungen. Deswegen wurde nun die Staatsanwaltschaft heftig angegriffen: aber der Vertreter des Justizministers Oberjustizrat Damm er- i. idertc mit Recht, es wäre ein ganz ungewöhnliches Vorgehen ge- rcejcn, wenn man von den angeblichen oder wirklichen Verfehlungen untergeordneter Angestellter nicht dem Chef der Behörde Mitteilung aemacht hätte. Der Oderbürgermeister hat dann eine Unter- s u ch u n g angeordnet, die nichts ergab. Die Staatsanwalt- schaft-hat ermittelt, daß die Beschuldigungen auf die Angaben e�nes ausgeschiedenen Angestellten der Anschaffungs- (hefellschaft zurückgehen, aber nicht erweisbar feien. Das Landgericht hat dann durch Beschluß die Anzeigen zurückgewiesen und das Verfahren eingestellt. Auf Vorhalt erwiderte der Z e u g e Merkel, es sei ihm auch gar nicht auf die einzelnen Angestellten angekommen, die übrigens inzwischen säizftlich längst ausgeschieden sind, sondern um einen Stoß gegen das ganze System. Nach dem VSjährigen demokratischen Stadtverordneten Braun, der nicht viel zu sagen wußte, wurde der wirtschaftspartei- Ii che Stadtverordnete Hake als Zeuge vernommen, der mit feierlich erhobener Stimme dreimal Verwahrung dagegen ein- legte, daß die Deutschnationalen irgend etwas gegen den Sklarek-Skandal unternommen hätten. Er ollein, der Schneider- Obermeister Hake, habe schon vor zwei Jahren die Monopolstellung und die schlechten Lieferungen der Sklarets In öffentlicher Stadt- vcrordnetensitzung angeprangert. Aber er habe nicht wie die Deutsch- nationalen jetzt ein Triumphgeheul angestimmt, daß seine Befürchtungen weit über Erwarten hinaus gerechtfertigt worden seien. Herr L'aka hielt dann einedonnerndeKandidatenredegegen die„Vertsuerungsmaschine" des Anschaffung», a m t e s. Das Anschaffungsamt habe sich in einzelnen Fällen von Lieferanten bis zu 45 Proz. Rabatt bewilligen lassen. Der Schmerz, daß die Stadt im großen einkaufen kann und das ausnutzt, war nicht für alle Mitglieder he?. Ausschusses überzeugend. Abek-jedensalls hatte die Wirtschaftspaktes ihr� Bomb« etwas ge* Ichickter geworfen als die DeMch»ätwiiäl«y.-Wenn lHugenberg im HiLer verliert, warum nicht Könnecks an- Ladendorff-? Die achtstündige Sitzung endete in stürmischer Heiter. keit. Der Zeuge Hake produzierte sich in der Beantwortung von Fragen. Es ging etwa eine Stunde lang so zu: Ausschußmitglied: Woher wußten Sie, daß die von Sklarek gelieferten Waren minderwertig waren? Zeuge Hake: Ich habe doch eine Hofe selbst als Sachver- ständiger geprüft. Die Hose war zur Bekleidung für einen Mann ganz ungeeignet.(Zuruf: Für Damenbekleidung auch?) Mit der Bekleidung der Damen hat sich der Bezirksverordnete Perl befaßt. Ein Ausschußmitglied: Hot die Stadtverovdnetenoer- iammlung nicht auf Grund Ihrer Anträge einen Prüfungsausschuß eingesetzt? Zeug« Hake: Rein, nur einen Ausschuß �ur Abschaffung der Anschasfungsgesellschost. Ein Airssch-iß für die Hofe ist niemals eingesetzt worden. Am Donnerstag wird es etwas emster werden: man wird Bürgermeister Kahl, Stadtrat Gäbel und viele andere über die Sklarek-Perträge hören. Die Beisetzung von Arno Holz. Gestern mittag war im Wilmersdorfer Krematorium die Ein- fjschzriing von Arno Holz. Unter Blumen der Sorg. Aus dunklem Becg-Af beiiszeii wird verkürzt. Durch die britische Arbeiterregierung. London. 30. Oktober,(t�igenbericht.) Tie Regierung hat den Vertreter« deS Verg- orbciterverbandes ihre Entwürfe für die V e r t ü r- zung der Arbeitszeit im Kohlenbergbau und die Reorganisationspläne der nächsten Zeit übermittelt. Tic Exekutive des BergarbeiterverbaudeS wird die Vor» schlage der Regierung am DonnerStag prüfen. Nussisch-chinesischer Bankstreit. Deutsches Eingreifen. Der„Ost-Expreß" erfährt von der Garantie- und Kreditbank für den Osten(Garkrebo) in Berlin folgendes: Diese Dank, 1923 als Tochterunternehmen der Russischen Staatsbank gegründet, unter-- hielt bereits seit langen Iahren Korrespondentenbeziehiingen zur Fern- östlichen Bank. Mitte 1928 eröffnete die Garkrebo der Fernöstlichen einen laufenden Kredit. Als sich die Verhältnisse zuspitzten, entsandte die Garkrebo ihren Direktor Schulz nach Eharbin, wo er seit Ansang September dieses Jahres ist. Er traf mit der Fernöstlichen ein Abkommen über die Abdeckung des Kredit«. Nach den letzten Meldungen aus Eharbin suchen die Chinesen ine Durchführung diese» Abkommens zu verhindern, was von der Bank darauf zurückgeführt wird, daß die Hauptschuldner chinesische Behörden sind, denen daran gelegen ist, das Inkasso durch Dritte zu verhindern. Di« Garantie- und Kreditbank für den Osten hat sich als Firma deutschen Rechts an das deutsche Auswärtige Amt mit dem Ersuchen um Eingreifen gewandt. Das Auswärtige Amt hat den deutschen Gesandten in Peking angewiesen, die crsorderlichen Schritte zu unternehmen. Der Gesandte wies den deutschen Generalkonsul in Eharbin, Stobbe, an, einzugreifen. Kortschriiie mit polen? Der Abschluß des Kleinen Handelsverlkags. Generallandschaftsdirektor von Hippel, Königsberg, hat sein Amt als landwirtschaftlicher Generalsachverstän. d! g« r für die deutsch-polnischen Handelzvertragsverhandlungen niedergelegt. Diese kurz« Mitteilung von dem Desinteresssment eines oftagrarischen Sachverständige!', läßt darauf schließen, daß die jetzt von dem Gesandten Ulrich Rauscher geführten Haiidclsvertragsverhand- lungen Fortschritte gemacht haben, wenn auch vielleicht in dem Sinne, daß sie den unerfüllbaren Forderungen der deutschen Agrarier nicht voll entsprechen. Türkischer Faschismus. „Nationale Diktatur" gegen Arbeiter. Slambul, EnÄe Oktober. �Eigenbericht.) Der deutsche Faschismus von Hugenberg bis Hitler ver- spricht dem deutschen Arbeiter für die Zeit nach dem großen Besreiungskomps gegen den„Tributplan" eine bessere Zu- lunft. Was van den Versprechungen der Faschisten zu halten ist, zeigt die Schilderung unseres Stambuler Korrespondenten über die Lag.» der Arbeiterschaft in der Türkei. D. R. Seit Jahren sind iveder auf den internationalen Kongressen der sozialistischen Parteien noch auf den Tagungen der Gewerkschaften Vertreter der türkischen Arbeiterschaft erschienen. Die Erklärung dasür ist einfach: Pässe für Auslandsreisen werden türkischen sozio- listischen Arbeiteroertretern oder Personen, die im Verdacht des sozialistischen Bekenntnisses stehen, nicht bewilligt. Es gibt heute in der Türkei wohl einzelne Soziallsten, aber keinen sozialistischen Ab- geordneten in der Kammer, es gibt keine sozialistische Zeitung, keine sozialistische Organisation. Die Stimme der türkischen Arbeiter ist in der Internationale nur deswegen nicht zu boren, weil sie sich heute nicht erheben kann, weil die türkische Arbeiterschaft unter dem Regime Kemals stumm gemacht worden ist. Die türkischen Gewerkschaften sind aufgelöst. Eine Arbeiter- hilfskosse, in die all« Handarbeiter Einzahlungen leisteten und die zur Unterstützung streikender Gruppen dienen sollte, wurde als letzte Arbeiterkasse im Sommer 1927 aufgelöst. Seitdem kommen nur j)icr und da die Arbeiter einzelner Industriezweige unter polizei- licher Beaufsichtigung zusammen, um Lnhnfragen zu be- sprechen, ohne daß jedoch dabei irgendwelche politische Meinung ge- äußert werden darf. Zwei Talxikarbeiterinnen, die in einer solchen Versammlung den gleichen Lohn zu fordern wagten, wie ihn die Männer erhalten, wurden wegen„aufreizender Rederf" wochenlang ins Gefängnis geworfen: denn die Profite des staat- bchen Tabakmonopols waren in Gefahr. Nur dort, wo es sich uni ausländische Korizessionegcsellschasten— Elektrizität. Straßenbahnen— oder um der Regierung mißliebige Unternehmungen handelt, hat man Streiks gestattet, sogar unterstützt! So berichtete im Sommer 1928 die amtliche Nachrichtenagentur regelmäßig über den Stand des damaligen Straßenlxchnerstreiks. Sie wollte damit gleichzeitig den Eindruck erwecken, als ob es in der Türkei noch so etwas wie Koalitionssreihest und Streikrecht gäbe. Die WirMchkeit sieht ganz anders aus. Der türkische Arbeiter lebt seit Iahren in einem Zustand völliger politischer und wirtschaftlicher Rechtlosigkeit. Die Türkei kenist keine Beschränkung der Arbeitszeit, keine Kran- ken- und Unfall- oder Invalidenversicherung, von der Arbeitslosenversicherung ganz zu schweigen. Es gibt keine Schlichtungsousschüss«, keine Arbeitsgerichte. Die Arbeitszeit beträgt durchweg 11 bis 12 Stunden, während der Erportsaison in Smyrna sogar bis zu 16 Stunden. Der Durch- schnittslohn pro Kopf und Tag betrögt für ungelernte Arbeiter 2 Mark, für gelernte gelegentlich bis 4 Mark. Dabei sind die Lebenshaltungskosten in den größeren türksschen Städten mindestens ebenso hoch wie in Deutschland. Nur bei ganz schweren Arbeiten, z. V. bei Eisenbalmbauten in solchen Abschnitten, wo die Arbeiter Haid im Wasser arbeiten müssen, sind die Löhne etwas- höher. Frauen erhalten nur die Hälfte oder bis zu Zweidritteln der den Männern gezahlten Löhne, Kinder nur ein Viertel, und von i den türkischen Arbeitskräfte» dürften lö bis 20 Proz. Kinder unter 14 Iahren sein. Die Entrechtung der Arbeiter ist Kemals Dank für ihre Hilfe im Krieg gegen Griechenland und die westeuropässchen Groß- mächte. Die türtische Arbeiterschaft hielt damals unbedingt zu Angora, weil sie vom Despotismus des Sultanats los wollte und glaubte, daß die Kcmalistcn die versprochene freie und domo- kratischc Türkei schassen würden. Die Arbeiter feierten den Siez der Kcmalisten als ihren Sieg. Tatsächlich konnte sich ihre Be- wegung auch während des ersten halben Jahres nach dem ersten Sieg zum erstenmal frei«istsaltcn. Dann aber kam der Rück- schlag. Wohl gewährt die Verfassung feierlich die Freiheit der politischen und wirtschaftlichen Koalstton. die Freiheit der Rede, der Versammlung, der Presse und alle Freiheiten, die für wirklich demokratisch regierte Länder Selbstverständlichkeiten sind: allein im Wege von Verordnungen sind alle diese Frei- Helten wieder illusorisch gemacht worden. Alle verfassungsmäßigen Freiheiten stehen heute nur noch auf dem Papier. Jeder Sozialist.! der sich als solcher zu bekennen wagt, wird kurzerhand zum Kommunisten gestempelt und als solcher gerichtlich verfolgt. auch wenn er nicht die geringste politische Aktion unternommen hat. Die türkische Sozialistenverfolgung kann sich durchaus neb vi der Mussolinis sehen lassen. Gegen türkische Sozialisten sind seit 1922 Jahrhunderte Gefängnis und Zuchthaus»er. hängt worden, unendlich mehr Freiheitsstrafen als gegen die beut- scheu Sozialisten wählend der Gesamtdauer des Sozialistengesetzes. Zerrüttung der Organisation, die Verwirrung der Mstglioder, und das in einem Augenblick, wo die innere Geschlossen- Heu nötiger ist als je. Aniwori der Mansfelder Arbeiier. Auf die Provokation der Mansfeld A.-G. Die Mansfeld A.-G. hat kürzlich das Meh rarbeitsab kpmmen und den Lohntarif gekündigt, um die Lohn- und Arbeitsbedingungen zu verschlechtern. Die Herren der Mansfeld A.'-B. verlangen u. o. eine halbstündige Verlängerung der Arbeitszeit und sechsprazenlige Lohnkürzung. Die Arbeiter denken nicht daran, sich durch das „forsche" Borgehen des Herrn Generaldirekiors H e i n o l d ein- schüchtern zu lassen. Die Organisationen haben gemeinsam mit den Funktianaren beschlossen, der Mansfeld A.-G. jolgendc Antwort Z" geben: l. Durchführung der im Z 3 des Manteltarifvertrages fest- gelegten Arbeitszeit. 2. Erhöhung der Tariflöhne� für Arbeiter und Ar- beiterinnen über 21 Jahre um 1 M. je Schicht Für jugend- liche Arbeiter und Arbeiterinnen von 18 bis 20 Iahren um 0.80 M. Für jugendliche Zlrbcitcr und Arbeiterinnen von 14 bis 17 Jahren um 0,60 M. 3. Bei den Von- und Bislöhnen erhöhen sich die Vonlöhne um 20 Proz. der Spannung. Es kann keine Rede davon sein, daß Mansfeld nicht in der Lage wäre, höhere Löhne zu zahlen. Die wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse der Mansfeld A.-G. haben sich in den letzicn Jahren außerordentlich günstig entwickelt. Die Herren van Mansseld dürfen versichert sein, daß die Arbeiter ihre berechtigten Forderungen mit aller Energie vertreten werden. Der kommunistische Schwindel entlarvt. Von Ser Ourchbruchschlacht zum Vorpostengefecht. Zehn Wochen lang führten einige hundert Rohrleger für die KPD. ein«„D u r ch b r u ch s ch l a ch t". Zehn Wochen lang wurde„aus bolschewistische Art" bei organisierten Arbeitern für die „Durchbnichschlacht" der Klingelbeutel und gegen organisierte Ar- beiter der Knüppel geschwungen. Bauarbeiterstreiks wurden von der KPD.„ausgelöst" und abgewürgt. Alles für die„Durchbruch- Jchlachl". ......... lind wie überschreibt die„Rots Fahne" die-Setchenred« auf die Durchbruchschlacht?„Heroisches P o r p o st e n g e f e ch t." Also mir ein Vorpostengesccht? Woraus sich wohl ohne weiteres er- klärt, warum das kommunistische Abendblatt lieber sexuelle„Pikan- tericn" veröffentlichte, als ihrem Leserkreis klarzumachen, daß sie einen Stundenlohn jede Woche für das„Vorpostengefecht" abzuführen hoben. „Unbesiegt sind die Rohrleger in die Betrieb« gegangen," heißt es in der erwähnten Leichenrede. Einige Jollen weiter unten ober:„Die Rohrleger werden in die Betriebe zurückgehen." Da- neben kann man wieder lesen:„Der Kamps wird nunmehr um die geschlossene Rückkehr in die Betriebe gesührt werden." Vor einer so glorreichen Führung verstummt jede Kritik. Das ist wohl der„eherne Schritt der Arbciterbatoillone", wie auf der- selben Seit« zu lesen ist. Wobei man freilich gleich hinterher die „leninislijche" Taktik versetzt bekommt,„daß sich ein Barposten(die Rohrleger) in aller Ordnung zurückzieht, wenn er auf das Gros des Gegners stößt". Nun hat die KPD. die Rohrleger zehn Wochen long„auf dos Gros des Gegners" stoßen lassen. Woraus sich wohl die„Angst der Bourgeoisie" erklärt, von der das Blatt fabelt. Wie nennt man eine„Führung", die einen„Borposten" zehn Wochen lang sich zerreiben läßt? Vorposten! Wo hat denn das Gros der KPD. während dieser zehn Wochen gesteckt? Und wo steckt es denn heute? Wo sind die „revolutionären Unorganisierten" und die kommunistischen Betriebs- röte? Und wo steckt die„revolutionäre" Kampfleitung? Arbeiislosigkeit wächst weiter. 830 ovo Arbeitslose Ende Oktober. In der Woche vom 21. bis 26. Oktober hoben sick) nach dem Bericht der Reichsanstalt die ungünstigen An- zeichen für ein baldiges Saisonende v e r st ä r k t. Die Kurve der Arbeitslosigkeit stieg etwas schneller an, der Kreis der Berufs, der von der jahreszeitlichen Verschlechterung erfaßt wurde, hat sich ver- aräßcrt. Die Landwirtschaft entließ Hilfsarbeiter, der Baumarkt glitt langsam weiter ob; Metallwirtlchaft und Holzgewerbe sind in Mitleidenschaft gezogen. Die Saisonausnahmcsähigkeit einiger Ver- brauchergütermdustrien fällt dagegen kaum is Gewicht. Dt« Arbeitslosenversicherung dürfte mit rund 830 000.Hauptunterstützungs- empsängern am Wochenende belastet sein. Zwangsinnungen als Erpresser. Im Kampf gegen das Tarifrecht. Der Kamps der Inirungsmeister des Holzgewerbcs gegen eine tarifliche Regelung der Lehrlings Haltung gebt nach Wochen- und monatelangen Differenzen und Streiks allmählich zu Ends. Im Reich stehen im ganzen noch etwa 1000 Tischler im Streik, 600 in Niedersachsen und 400 im Breslauer Bezirk. Fast überall haben sich schließlich wohl oder übel die Tischlermeister zum größten Teil dazu bequemt, die Forderungen der Streikenhen zu erfüllen. In Hannover arbeiten von den rund 700 in Streit getretenen Tischlern bereits 500 unter dem neuen Tarif. Das paßt den Tischlcrzwongsinnungen natürlich sedr wenig in den Kram und sie grijscn daher mit einem geradezu lknndalösen Rundschreiben in den Kampf ein. In dem Schreiben wird -'tgeteilt, daß die außerordentliche Generalversammlung der Tischler- zwangsinnungen Hannover und Linden beschloffen habe, alle Ar- beiter, die während des Streiks versuchten. Arbeitswillige durch Drohungen oder Anwendung von Gewalt an der Aufnahme oder Fortsetzung der Arbeit zu oerhindern, nach Beendigung des Arbeits- kampfcs unter keinen Umständen wieder ein zu- stellen. Dlc Innungen hätten dos Recht, diejenigen Arbeitgeber, die gegen diesen Beschluß oerstoßen, in eine Geldstrafe bis zur Höhe von 200 Mark zu nehmen. Diese Strafen würden unweigerlich in jedem Falle eingezogen werden. Die Zlrbellgeber müßten dasür sorgen, daß die Namen der Leute gemeldet werden, die durch Gewalt oder Drohung die Arbestswilligen.bcliindcrn. Die Innungen würden ein namentliches Verzeichnis hierüber anlegen und ihren Mitgliedern zustellen. Die Streikposten sollten möglichst unbeobachtet phatographicrl werden. In einigen Fällen sei das berests mit Erfolg versucht worden. Auf diese Weise könne man die Namen der Leute einwandfrei feststellen. Dieses Rundschreiben der Innungskrauter bedeutet nichts an- deres als die Wiedereinführung der Schwarzen Listen. Man darf darauf gespannt sein, was die Aufsichts- behörden zu dieser Erpressung durch Zwangsinnungen zu sagen haben. Auf dos Reichsarbeitsmini st erlum haben die In- nungskrauter einen förmlichen Sturmangriff unternommen, um die maßgebenden Stellen davon abzuschrecken, daß sie für die tarifliche Regelung der Lehrlingsverhältnisse Hilfe leisten. Zu gleicher Zeit führen sie eine tolle Komödie aus, um sich ,st o r i f u n f ä h i g" zu machen unh auf diese Weise die tarifliche Neuregelung der Lehr- lmgsverhältnissc(Entschädigungen und Ferien) unmöglich zu machen. In der Frage der Tarissählgkeit der Innungen ist daher bei dem Reichsarbeitsgericht bereits ein Rechtsverfahren anhängig. Man steht, daß ein« Reu-egelung der Innungsgesetz, g e b u n g und der Tarifvertragsordnung dringend not- wendig sind. Das Versteckspicl der Inniiiigskrauter bei der Vollmachtserteilung an den Arbcitgebcrverband für Tarisabschlnssc muß aufhören. Ebenso geht es auf die Dauer nicht an, daß die gleiche Staatsgewalt, die den Unternehmer zur Mitgliedschaft in eine Kampforganisation zwingt, wie das bei den Innungen der Fall ist, den?l r b e i t e r n, die der Organisation fern bleiben und die Interessen ihrer Kollegen schädigen, noch besonderen Schutz gewährt. Hier muß einmal Wandel geschaffen werden. Kein Abbau des Verufsbeamieniums. Erklärung des Reichsposlmimsters. WTB. meldet: Neuerdings werden wieder Gerüchte ver- breitet, wonach die Deutsche Rcichspost«inen allgemeinen Abbau des Berufsbeamtentums plane und bereits Maßnahmen in dieser Richtung vorbereite. Hierzu erklärr der Reichepostminister, daß an allen diesen Gerüchten kein wahres Wort ist. Er werde auch weiterlsin für die Erhaltung des Lerufsbeamtentums eintreten, dos die Deutsche Rcichspost zur Er- füllung ihrer Aufgaben nicht entbehren kann. Die Zersehung bei den Schuhmachern. Oer Kampf der KPO gegen die Gewerkschaft. Di« Kündigungsfrist des Lohnabkommens in der Schuhindustrie ist heute a b g e l a u s c n. Ein neues Lohnabkommen ist noch nicht abgeschlossen worden. Statt all« Kräste sür den vom Hauptoorstand eingeleileten Lohnkampf zu sammeln, kämpft in den Berliner Schuh- betrieben die sogenannte„Opposition" gegen die kommu- nistische Ortsverwaltung. Auch in dieser Woche wurden wieder von der„alten Iugendleilung" gedruckte Flugblätter, die zu Sondcrzusanmienkünften ausrufen und die Ortsvcrwaltung an- greifen, verteilt. Die kommunistische Ortsv«rma.'tmig hat zwar früher bewiesen, daß sie gegen sozialdemokratisch« Mitglieder scharf vorgehen konnte. Diesmal fehlt es ihr ober an Energie. Sie hofft vielleicht, sich das Wohlwollen der Bonzen in der KPD. noch einmal zu erkaufen. Sie wird bitter enttäuscht werden. Erreichen kann sie höchstens die Anschluß an den Gesamtverband. Veschiuß der Verufsfeuerwehrmänner. Der Verband Deutscher Dcrufsfeuerwehr- m ä n n e r hat am Mittwoch auf einer Reichsvcrtreterkoisserenz im Berliner Gcwerkschaftshaus zu der Frage des Anschlusses an den G c s a m t v e r b a n d der Arbeitnehmer össentlicher Betriebe des Personen- und Warenverkehrs Stellung genommen. Roch einepi sehr instruktiven Referat des Vorsitzende» G r o l l in u s und nach einer gründlichen Auesprache— es beteiligten sich an"chr 24 Ber- treter aus dem Reich sowie 3 Gaste des Gesamtverbondes— wurde einmütig der Anschluß an dcn Gcsamtverbond gutgeheißen. Der Verband Deutscher BerufsseuerwehrMänner wird nunmehr zum 13. Dezember einen Verbckndstog einberufen, auf dem die endgültige Beschlußfassung erfolgen wird. Sympathiestreik ist kein Tarifbruch. Leipzig, 30. Oktober.(Eigenbericht.) Die Kammgarn-Spinnerei T i t t e l u. Krüger in Leipzig fichrte Klage gegen den Deutschen Textilarbeiter- verband und dessen Sekretäre auf Schadenersatz in Höhe von 25 000 Mark sür«i»e,i angeblichen Schaden van zwei Millionen Mark. Das Landgericht Leipzig sowie dos Obcrlandgericht Dresden wiesen die Klägerin ab. Dieses Urleil wurde von dem sechsten Zivilsenat des Reichsgerichts am Mittwoch bestätigt.- Die Arbeiter des Norddeutschen Wollgarn- Spin ncrci-Kon zerns führten vor Monaten in ihrem Hauptbetrieb D e l m e n h o r st das Leistungslohnjystein ein. Die zu dem Konzern gehörenden Spinnereien E i s e n a ch und Langensalza traten daraufhin Ansang April 1927 in den Streik. Am 25. April 1927 schloß sich die Arbeiterfchoit von Tittel u. Krüger diesem Streik«bcnsalls an, um die- Forderungen ihrer Arbeitsgenosscn durchzusetzen, obwohl nach dem Tarifvertrag zwischen der Arbeiterschaft und Tittel u. Krüger, vor Ablauf der Lauszcit keine neuen Forderungen ausgestellt werden konnten. Die klagende Firma stützte sich nun daraus, daß ein Bruch des Tarif- Vertrages durch den TeMarbeiteroerband und damit ein Wen- widriges Handeln vorliege. Die Gerichte kamen jedoch zur Ab- Weisung der Klage, weil durch den Sympathiestreik der Arbeiterschaft keine neuen Forderungen durchgesetzt werden sollten, sondern nur eine Unterstützung der streikenden Arbeiter bezioeckr wurde, deren Tarifvertrag abgelaufen war._ Aufgehobene Sperre, lteic uns der Zcntralverband der Hotel-. Restaurant- imd Cafe-Angestellten mitteilt, sind die Disserenzen mit der Großdestillation Max H i o b, Kastanienallee 30/51, beigelegt. Die Sperre über diesen Betrieb wird hiermit ausgehoben. Die Brüsseler Taxichausseure sind Mittwoch morgen in den Generalstreik getreten Peranlossunq dazu gab ein Zwist zwischen den großen Taxigescllschaftcn lind ihren Ehousseuren. ��reieGewerkfchafis-Iugend Verlin. Seulf, yornursiaa, WH Übt. tagen die Srunven: Lichienberq:«reis- mödchenadend im Inqendlieim grankiurter Allee 307.— Ren-Lichten- betfl; Ärcii-mädchc,'.abend im Iugendbeim granlfur'er Allee N7.— fienrUbtiinricc; Zuaendbe m,? Ott Schule. Eolenburgee Straft«. Vortrag:„Die am.-rilanifdic Gewerkschastsbetvoguna".— Schönewclde: 5ugendlieim Oberschöne- weil)-, Laukencr Sir. 2 sobcrc« bintrrez Zimmcri. j-eimbelorechung und Lese» abend..Berliner bumor."— Köpeniil! cbrurpenbe'M. Zugcndbeim, Gritnauer Strafte ö. rtuuref-rate.— Moabit: Städt. Iugcnbhcim Lehrter Str. 18— W. Vortrag:„Nie wieder Krieg".— Sütoltca: Grui-pcnbeim Veichenberger Str. 66 sFeuerwehrhaue). Vortrag:.Die Vauschgisle".— Tempelhof: Srubpenheim, Ln-.cum Germaniastr. 4—6. Vortrag:»Äuiaaben der ssGll.— Wcbd'-q: Stadt. Iilgcndbe'm Ortbsir. 40. Vortrag:„?ugenb und scruelle fttogt".— Olt- liei,: Kreismädchenadenb im Jugendheim Frankfurt er Allee 307. �uoendoruppe desZentraiverbandes der Anaeftellten 4??* A?ute. Donnerstag, finden folgende Veranstgltungeit statt: Pankow- Rede rschöo hauten: Jugendheim Körschstr. 44(groftes ßinuner). Bor. trag:„Mensch und Maschine". Veserent: Kurt Meyer.— Treptow: Iugend- hchm der Schule ZSilbenbruchstr. öS, Zugang von der Eraeftstrafte in Treptow). Arbeitsqemcinschast:.Abteilung Lager". Leiter: Georg löeilbrunn.— Schöne- bcrg: Iugtndheiin Sauptstr. lä(Lnfgebäudt,?HIlringen,imm-r). Liederabend im Klavierz tnmer des He'ms.— Eumnastiktursus der Iugenddeöirkc Osten, Stralau, Lichtenberg im Pestalosgi-Ltueum, Lichtcnberg. Veraniworili»«llr Politik: Dr. Kurt Sepert Wirtschaft: 9.»lingrlheler! Dcwerkschaitsbewegung: I. Steiner: Feuilleton) Zt. s. Döscher, Lokale, und Sonllig.-s grih Karstädt: Arteigen: Th. Slotke: sämtlich in Berlin. Lcriag: Vorwärls-Verlgg S. m d. V Berlin frutt; Lorwärts-Buchdruckcrek und Verlaosaustalt Paul Singer u Co..-Verlin SW 08. Lind-ostrafte 3. erztl 2 Pellagen..Unterhaltung und Wissen" und„Zugend-Vorwärts".) Mark ffgf hochelegante Herren- Ulster-Stotf Koch& Seeland Gertraudtenstr. 20,21 KUW» ?!r. 511» 46. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 31. Ottober 1929 tBadeanftaU und Schöueberg bekommt endlich seine groho Bad«wstolt, die diesem reichdevölkerten Bezirk seit langem fehlte. Das.fou« ist im Rcchbou fertig, wird aber trotz seiner großen, reichgegliederten Banmasse mit hohem Turm von wenigen beachtet sein: denn der Bauplatz liegt inmitten des 5?äuser- mertels Eisenachex. Haupt-, 3)? tt h l« n• und B e l z i g« r £ r r c ß c und entzieht sich den Lurlen der Vorübergehenden. Nur van der Belzicjer Straße aus, zwi- ichen der Hvhenzollenischule und ihrer Turnhalle durchblickend, hat n an eine Ansicht des imposanten Vmics. In klaren, einfachen und Hlm Aweck dienenden Formen er- hebt sich her Turm, der als Bassin- >räger gedacht ist. In vielfacher I-reiv.anderjchachtelung gliedern sich an ihn die übrigen Bauteile. Das ganz« Gebäude ist mit Eisenklinkern vr blendet. Die Badeanstalt wird ■'.n förmiges Schwimmdecken vonZZ�XlZMeter bckovnnen. das von beiden Ge- lchlechtern als Familienbad benutzt werden soll. 1800 bis 2000 Badende kann dos Becken im Lauf« des Tages aufnehmen. 20 Brausen. IS Wannenbäder für Männer. 10 Brausen und 20 Wannen für Frauen sind vorgesehen. Die Umkleideräume des Schwimmbades werden für sich unter- gebracht, sind nach Geschlechtern getrennt, die Teile lassen sich jedoch je nach Bedarf vergrößern bzw. verkleinern. Auf gleicher Höhe mit dem Schwimmbecken wird das Sonnenbad liegen,«ine Neuerung, die sicher viel Anklang finden wird. Besondere Bedeutung bekommt das Bad natürlich für die Schöneberger Schulen, die zum großen Das Risse-Haus Beiziger Str. 47. Der Neubau der Badeanstalt. Teil in der Näh« liegen, so daß Klassen wahrend einer Turnstunde das Bad benutzen können. Auch eine medizinische Abteilung mit 40 Bädern ist vorgesehen. Man hofft das Bad Ende März 1930 fertigzustellen und am 1. April 1930 eröffnen zu können. 1100 000 Mark sind für den Bau veranschlagt, die auch nach den bisherigen Ergebnissen ausreichen werden. Der Beginn des Baues stand unter keinem guten Stern. Das Slusheben der großen Sandmassen beim Badeanstaltbau soll die Ursache gewesen sein für das Nachgeben der Fundamente des Hauses Belziger Straß« 4 7. Dieses Haus ist auf sumpfigem Baugrund errichtet, seine Fundamente ruhen auf P f a h l- r o st e n, die vielleicht infolge Grundwassersenkung nicht mehr intakt sind. Natürlich besteht die Möglichkeit, daß der fehlende Druck der Sandmasscn des benachbarten Baues ein verstärktes Nachgeben der Pfähle zur Folge hatte. Schäden, Riss« in den Mauern, absallender Putz usw. zeigen sich jedoch schon seit 10 Jahren. Die Leidtragenden sind jedenfalls die Mieter des Hauses, die Pfingsten dieses Jahres. wie wir seinerzeit berichteten, alle ihr« Wohnungen räumen mußten, weiter die Schüler der Hohenzollernoberrealschule, deren Schulhof und Turnplatz oerkleinert ist: denn die Polizei hat den gefährdeten Teil gesperrt, und der Besitzer und die Benutzer des Tennisplatzes. der an der anderen Seite des Hauses liegt und ebenfalls gesperrt ist. Das Haus ist inzwischen durch mächtige Stützpsähle gestützt,«in Zaun mit Warnungstafel oerhindert ein Betreten. Der Polizeiposten, der in der ersten Zeit diese Schutzmaßnahmen überwachte, ist jedoch längst eingezogen. Vergebens sind alle Anfragen der Mieter, die gern ihre alten Wohnungen wieder beziehen möchten, der jetzige Zustand scheint konstant zu sein: denn die Neufundamentierung wird so ungeheure Summen oerschlingen, man spricht von 250 000 Mark, daß ein Ausbringen durch den Hausbesitzer unmöglich erscheint. Zieht man andererseits die Schäden in Betracht, zu denen immer noch eine Gefährdung der Schüler hinzutritt, fo muß nachdrücklichst ge- fordert werden, daß eine Aenderung eintritt. Entweder Stützung der Fundamente oder aber Abbruch der die Nachbargrundstücke gefähr- denden Ruine. Lunger Wegelagerer verhaflöt. Postbote als erfolgreicher Kriminalist. Durch die Aufmerksamkeit eines Briefträgers war es der Polizei möglich, in einer Laubenkolonie in der Nähe des Bahnhofs Biesdorf einen ISjährigen jungen INenschrn zu verhasten, der nach seinem eigenen Geständnis in diesem und dem vergangenen Zahr in den Abendstunden Mäd-.hei' und Frauen angefallen hatte. Im vergangenen und in diesem Jahre wurden in der W u h!- Heide zwischen dem Bahnhof Biesdorf und der Pflege- an st alt Wuhlgarten in mehreren Fällen Frauen und Mädchen, die allein gingen, von einem jungen Bursche» angefallen. Der Uebeltäter versuchte sie zu Boden zu reißen und zu v c r g- »alt igen. Dank der kräftigen Gegenwehr und der lauten Hilferufe der Angefallenen war es aber immer nur bei einem Derfuch geblieben. Alle Nachforschungen, auch mit den Hunden, blieben zunächst erfolglos. Da ereignete sich vor einigen Tagen ein neuer Ueberfall auf eins Frau. Ein Briefträger, der zufällig des Weges kam, sah einen jungen Burschen davonlaufen und nahm die Verfolgung auf, konnte ihn aber nicht mehr ein- holen. Er merkte sich aber das Laubengelände, in dem der Bursche verschwunden war. Man hatte auch«ine ungefähre Beschreibung erlangen können. Kriminalbeamte der Dienststelle E: 4 forschten auf dem Laubengelände nach und stellten dort einen 18 Jahre alten Maschinenbauer Hans W. Die Eltern des Hungen Tunichtsguies wohnen in Berlin, habsn aber auf dem Gelände«ine Laube. Unter der Vorspiegelung, daß er draußen schlafen wolle, um etwaige Einbrecher zu verscheuchen, hatte Hans sich dort häuslich eingerichtet. Don seinem wahren Treiben wußten die Eltern nichts. Meist allein, mitunter mit ein paar Freunden, lauerte W. den Frauen und Mädchen auf und belästigte sie. Er ist in vollem Umfange ge- ständig und gibt selbst zu. daß-r im Sommer 1928 und jetzt s o viele Ueberfälle dieser Art oerübt hat, daß er sich auf Einzelheiten nicht mehr besinnen kann. Mit ihm hat mau end- lich den Burschen unschädlich gemacht, der i» der Gegend starke Beunruhigung hervorgerufen hatte. W. ist dem Untersuchungs- richtsr zugeführt worden. Der junge Mensch gibt also zu, daß er sehr viele Uehersölle verübt hat. Die ganze Gegend war monatelang m Unruhe. Ein Postbeamter muß erst den Kriminalisten spielen. W o aber, jo muß man nun doch fragen, war die Polizei? Autounglück auf der Heerstraße. Oer Führer des Wagens getötet. Gestern abend ereignete sich ans der Heerstraße ein schweres Autounglück, das ein Todesopfer forderte. Der S7jährigc Gostwirl Karl Schmidt ans der Planeten st raße 1 In Neukölln befand sich mlt seinem Wagen auf dem Heimweg, vor dem Grundstück Heerstraße S. wollte Sch. ein vor ihm fahrendes Auto überholen. Dabei verlor Sch. infolge der hohen Fahrgeschwindigkeit die Gewalt über seinen Wagen. Er fuhr aus den vüvgersteig und prallte mit ungeheurer Wucht gegenelnen Lichlmasl. Da» Auto wurde völlig zertrümmert. Schwer verletzt wurde der verunglückte von nachfolgenden Automobilisten unter den Trümmern hervorgezogen. Zm Krankenhaus erlag der Verunglückte feinen Verletzungen. Kurz nach Bekanntwerden des Unglücks war das Gerücht von einem Drahtsellaltentat verbreitet. Eine Untersuchung ergab solgendes: An der llnglücksstelle war am Nochmittag ein tichtmost abmontiert morden. Ein Stück Drahtseil lag teilweise ans der Fahrstraße. Beim Ueberholen des anderen Wagens geriet Schmidt dicht an die Bordschwelle und das Drahtseil verwickelte sich in einem Vorderrad. Dadurch überschlug sich das Aulo und prallte gegen einen anderen Lichtmast. f %färvx7:b-n.?«r Betrug lag auf der Hand. Der Staore�nVoU griff ein. Var dem Schöffengericht Berlin-Mitte hatten sich oulzberger und Markos zu verantworten, lfreiherr von Oppenheim, von A r n/j f., Bcnticr F r i c d d c i m, Baron von Triftschlcr warennem anderen als dein Wohnbezirk oder in einer anderen Stadt tzaz Wahlrech! auszuüben. // „Gfchnaftzttalent"-„F!aSenmitSchtagfahns Alles lei Nettigkeiten aus einem Lttcraienprszeß Premiers ln Moabit. Auf der Anklagebank, auf den Berichi- erstatter-, Zeugen- und Zuhörerplätzen— Journalisten, Schrift' fteller. Kritiker. Scharf« Worte, Geistesblitze und Wortverren- künden schwirren durch die Luft. Gegenseitige Beleidigungen und Jlnzügsichfetien. Der Wiener Schriftsteller Karl K r a u tz klagt acgeg den Ghcsredoktour des„Berliner Tage.blo'ts", Theodor D-chlf. Dieser wiederum klagt gegen Krautz. Im Mittelpunkt t>«ht der Theaierkritikcr Alfred Kerr. Was ist los? � Sari Kraust hatte In feiner Zeit schritt..Die Fackel" sich die ?heatcrkritik vorgenommen! unter anderem zitierrc er einen Artikel oes Berliner Kritikers Pempieri in der„Präger Preise". Mari- milian Horden, hiest es da. habe auf seinem Sterbebett« unter Berufung auf ei» Gespräch mir Mar Reinhardt behauptet. Alfred Kerr sei Theaterkritikcr des„B. Z." nur unter l«r Bedingung geworden, dast er von nun an gegenüber Rein- Hardt eine günstigere Stellung einnehmen würde: seine Kritiken bätten sich von diesem Augenblick ab ganz ousterordenilich geändert. Das„Berliner Tageblatt", meinte Kraust, habe auf diesen Vorwarf neschwiegcn. Theodor Wolf bezeichnete in einer?io!iz unier der llebcrschriit„Das Vrrlcumdungsparadies" die B. Häuptling Kraust' als„einfache Lüg e". Worauf disier mit dem Ausdruck .frecher Schwindel" antwortete. So entstand Klage und Widerklage. Theodor Wolf erklärte vor Gericht, dast die Behaup- tung der„Fackel" von der ersten bis zur letzten Sitbc unwahr fei. Kraust unternahm es, den Wahrheitsbeweis zn sührcn. Er zirierte K e r r s Kritiken im„Tag", in denen er Max Reinhardt em„G s ch n a s e l t a l c n t" nannte und seine-sb ik spearc-In' szenicrung als„Fladen mit Schlagsahne" bc-e'chwi'. Alfred Kerr als Zeuge meinte, dast e r es ngentlich gewesen sei, ber Reinhardt„g'e m acht" habe und dast seine unireundlichen Kritiken nur den Shakespeare-Inszenierungen gegolten hatten. Direktor Reinhardt bestritt, sich mit Horden je über einen etwaigen Gosinnungswechset Kcrrs unterhalten zu haben,«m übrigen habe er Ksrrs Kritiken stets als unfreundlich empfunden Di« Dergleichsverfuchc des Vorsitzenden zerschellten an dem Wer sorgt für Arbeiterschuh? Zwei Todesfälle am Reubau Krafiwerk„West". Man schreibt uns: Unweit des alten Exerzierplatzes Hafelhorst, etwa in der Höhe des„Tchw-arzsn Weges", baut die Bewag ein neues Elekiriziiots- werk, das der Stromversorgung Berlins dienen soll, das G r o st- krafiwerk„W c st". Schon ragen gewaltige Eifenikekettc auf der Baustell« empor. Bauarbeiter soft aller Gruppen sind dabei, den Riesenbau zu gestallen. Man kann aber kaum über Kraitrverk West etwas berickstcn, ohne an Großkraftwerk Kliirgenberg zu denken, bei dessen Bau sich leider so viele und schwere Unfälle ereigneten. Die Bauleitung der Bewag, haj in Voraussicht der Gefahren, die ein solches Bauwerk mit sich bringt, vorbeugende Maßnahmen getroffen. So sind ständig drei Arbeiterschutzkontrol- l e u r e dort stationiert, und kür leider min einmal eingetretene Un- fälle steht ein vorbildlicher Verbandsraum mit vorzüglich aus- gebildetem Personal zur Verfügung.— 2lm 14. Oktober er- ->gncte sich der erste Unfall mit tödlichem Ausganz. Ein Schlosser, der hei der Eifenmontage beschäftigt war, läuft über einen freiliegenden Eisenträger, stürzt ab, fällt etwa 4 Meter tiefer auf ein Schutzgerüst, und stirbt an den Folgen der Verletzung.— Am 18. Oktober, nachmittags 2 Uhr, verunglückte der 41 Jahre ölte Einschaler Chundy aus Ehorlottenburg tödlich. Räch der Zlugen- fcheinnahme konnten wir feststellen, dast dieser Unfall nicht vorzukommen brauchte. An der vstseit« des Schalthaufes sind die Seitenflügel mit Zomack-LeichtfteiN' Decken abgehackt die durch die Firma Hocfchen und Peschke hergestellt wenden. Die eine Hälfte des Daches ist noch eingeschalt, während die andere.Hälfte schon aus- gefckurlt ist. Echunda läuft mit einer Lost Sckiolbrefter über dieses Dach, die Koppe bricht«in, und er stürzt b bis 7 Meter tief ob. Nach zwei Stunden trat der Tod«in. Warum jperrts die Firma den ausgeschalten Teil des Daches nicht ab? Und wenn schon ein Teil des Daches begangen werden mußte, warum wurde dann nicht wenigstens ein Gang ahgebrettert? Man wird uns sagen wollen, die Decken staraden schon drei Wochen und mußten eine solche Belastung aushallen! Hier aber kämme» uns die größten Zweifel. Richtig ist es schon, daß nach drei Woche» die Decke abgebunden haben mußte, also bleibt mir noch der Schluß offen, daß die Docken entweder aus fchlechicin Material hergestollt wurden, oder unsachgemäß gearbeitet worden ist. Am 23. Oktober war eine Kommission des statischen Bureaus der Stadt Belli» auf der Baustelle, die eine Prüfung der Angelegenheit vorgenommen hat, was dabei herausgeloniinen ist, missen wir nickst. Vom Blick- seid des Bauarbeiters betrachtet, sieht die Sache so aus: Für gutes Geld Hot die Bewag keine gute Arbeit geliefert b c k o m m c n. Oder ist dem Stariker, der die Baupläne geprüft Hot, ein„Rechenfehler" unterlaufen? Es will scheinen, als ob der gute Vorsatz der Bauleitung auf unbedingte Vorsicht und strengst« Handhabung der Schuyvorschrislen zugunsten einer schnelleren Fortführung der Arbeit vergessen wird. Die große 4ö Meter hohe Halle, die die Kesselanlazcn aufnehmen soll, ist ohne eine einzige innere Schutzabdeckung von oben bis unten ofsen. Do? ist sträflicher Leichtsinn, eine glatte Umgehung der Schutzvorschristenl Hoch oben in 4ö Meter Höhe liegen einige Bretter, ein sogenanntes Oiietergerüft, darauf eine FolÄfchiniede und einige Arbeiter, nirgends«in Schlitz nach den Seiren gegen Absturz, nirgends eine Sicherung zum Schutz« derer, die darunter arbeiten, gegen herabsovende Ge�nstöndel Zwei Tote in einer Woche! Diese traurigen Ereignisse müssen der höheren Bauaufsichtsbehörde Veranlassung geben, für eine schärfere Durchführung der Schutzbestimmungen zu sorgen! i diolcktilchcn Starrsinn der Parteien. Das Publikum kam dabei auf seine Kcssten. Das Urteil ist auf Dienstag, den November, um 12 Uhr vertagt worden. Die zweite Aussührirng findet voraussichtlich gleichfalls vor ausverkauftem Hause in der Berufung-- instanz statt. Ein Fahrdamm stürzt ein. Am Mittwoch abend stürzte in der Floraftroße in Pankow, verimfttich infolge eines Wasserrohrbruches, ein Teil des asphaltierten Fahrdanmics«in.— Em schwerer Lastzug hatte die «traße vor dein Grundstück Flomstr.<1 gerode passiert, als un- nnttelbar darauf die Asphalldecke in einer Länge und Brefte von mehreren Metern einbrach. Das etwa 30 Ouadrat meter große Loch im Fahrdamm hat ein« Tiefe von 114 Meter. Die Feuerwehr konnte die genaue Ursache des plötzlichen Einsturzes bischer nicht klaren. Wahrscheinlich ist ein kleineres Wasserrohr geplatzt und durch die foridauerndc UnterspülUng gab die Asphaltdecke schließlich nach. Die Unfallstelle wurde von der Polizei ab- gesperrr und der Verkehr in beiden Richtungen umgeleitet. Arbeiter der Städtischen Wasserwerke werden heut« vornrittag nach der Urjache der Erdsenkung forschen. B'.e Graliswage. Di« Erzeuger von Hauswirtschaftsgegenständen haben es nicht leicht. Deshalb ließ man ein« Wage konstruieren, und an der Stelle. wa man bei ollmodisch indiskreten Wagen das Gewicht ablesen kann, eine mechanische Bilderreklame einbauen. Wie bei den Straßenuhren in Frankreich klappt in regelmäßigem Ab- stand ein Bild herum, und es crschcint das neue, auf dem genau so — wie bei dem vorangegangenen— vier andere Fabrikate her gleichen Firma graphisch dargestellt sind. Die Spetulatian war richtig. Für„umsonst" muß man sich doch schnell einmal über den augenblicklichen Stand seines Gewichts informieren. Man stellt sich direkt on. Menschen, die sicherlich im allgemeinen gar kein sieson- deres Interesse für ihr eigenes Gewicht haben. Dte Passanten, die sich sonst so gebärden, als ob sie gar keine Zeit haften, müssen doch schnell von dem'Angebot Gebrauch machen! vi« Ausstellung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräbersiirsoege in der Nauen Wache am Zeughaus bleibt bis Sonntag, den 3. November, einschließlich von 10—20 Uhr. Eintritt frei. der»..Oktniher epehis los! Sr«r Plakate den Nachtwächter beaustragt. Der Mann hat tagsüber viel Schlaf, nachts aber viel Aeit und klebte daher nachts die Wahlplakate an. Wie groß war aber die Wut der Kommunisten, als sie früh ihr« teuren Plakats fast alle mit d e r u a d e d r u ck t e n Seite nach oben oder verkehrt angeklebt fanden, denn im Oertchen gab es natürlich nacht« kein« Beleuchtung, und der biedere Wächter arbeitete nur nach dem Erfühl. ■ Cchtgaiiäc afllichen An statt. Die Besonderheit der Lehrgö gc der Slaotlichen Hauplslelle für den naturwisien. Ichaftlichen Unterricht finden auch im kommenden Winterhalbjahr »MW'ehrgänge oeffeiilliche WShierKundgebungen Heute, Oonnerstag, den 31. Okiober: Wnhlkundgcbung der Arbcitersportler um 19t? Uhr im großen Saal des Lehrervereinshauseg, Alexander- straße 41. Vortrag und Filmvorführung. Referent! Stadtverordneter Max Kreuziger. Morgen, Freitag, den 1. November: Wcitzenscc 18. Kreis. 19� Uhr in der Stadthallc. Pistoriusstraße. Referenten: Dr. Kurt Löwenstein. M. d. R., und Rektor Zwölfer. 104. Abt. Nicdcrslhöncweidc. 19� Uhr in der Aula der Mädchenschule, Berliner Str. 31. Referent: Stadtrat Ernst Reuter. 138. Abt. Hermsdorf. 20 Uhr im Lokal Lindengarten. Berliner Str. 133. Referent: Stadtverordneter Adolf Döhnert. Einhcitsbcrbnnd der Handel- und Gewerbetreibenden und freien Berufe. Ortsgruppe Berlin. 20 Uhr im Lehrervereinshaus(Kleiner Festsaal, 1. Stock), Berlin C. 2. Alcxanderplatz, öffentliche Versammlung. Tages- ordnung: 1. Die Bedeutung der bevorstehenden Kom- munolwahlen für die Kleinhandel- und Gewerbetreiben-. den. Referent: Kall. Fuchs. 2. Verschiedenes. Sonnabend, den 2. November: 5. Kreis Friedrichshain. 17K Uhr Straßenkundgebung. Aufstellung Küstriner Platz in der Straße am Ostbahn- Hof. Slbmarsch pünktlich 18 Uhr. Alle Parteimitglieder werben für diesen Umzug! tt. Kreis 51reuzbcrft. 18 Uhr Antreten zum Propaganda- umzug mit Musik auf dem Lausitzer Platz. An- schließend Kundgebung unter freiem Himmel. Re- ferent: Karl Litke, M. d. R. Pankow. 17� Uhr Propagandaumzug mit Fackeln und zwei Musikkapellen durch den Ort. Treffpunkt: Prinz- Heinrich-Straße Ecke Berliner Straße. Lokal Kober. Alle Parteimitglieder werben für diesen Umzug! Martendorf. 19'A Uhr in der Aula der Oberrealschule, Rathausstraße Ecke Kaiserstraße. Referent: Stadt- verordneter Ernst Arndt. Lichtenrade. 19!! Uhr im Lokal Dreißig, Buckower Weg 61. Referent: Stadtverordneter Franz Käming. Männer iin«i Frauen« erscheint in Massenl ! nicht Vorträge geheilten werden, sondern daß der Nachdruck unbe- dingt in die praktisch. technische Arbeit des Kurfustell- nehmers selbst gelegt wird. Diese sollen solche neueren Appasate und Wörsuchsanordnungen kennen und benutzen lernen, die im Schul- Unterricht--------:—-1 A... Potsdamer Straße 120. Jugend und Politik. Die„Lupe" veranstaltete kürzlich«inen ihrer Diskusiions. abende. Das Thema„E n t p o l i t i f i« r u n g der Jugend"?* behandelte Genosse Pros. Paul Oe streich. Er stellte fest, daß heute eine„Entpolitisierung* der erwerbstätigen und der lernenden Jugend sie nur scheinbar von der Politik fernhalte, in Wirklich- keit aber die Jugendlichen zu jeder Art politischen Mißbrauchs um so geeigneter mache. Wirklich ehrliche Diskussion poliiischer Probleme, ehrlich« politische Ueberzeugung, aber Kampf gegen jede verantwortungslose Fanolisierung könne allein die Iugenbliche» zu wahrhaft politischen Menschen erziehen, an d«ren Mangel Deutschland leidet. Die Jugend ist, ohne daß es verhindert werden kann, im Erwerbsleben und in der Schule, durch Aeitunz und Radio Objekt der Politik. Es müsse dahin gestrebt werden, die Jugendlichen auch zu verantwortungsbewußt handelnden politischen Subzetten zu erziehen. Ein Märchenbuch für das König skiod. Der polnische Außen- minister Aaleski, der sich jetzt noch Bukarest begeben hat, über- bringt dem siebenjährigen Konig Michael von Rumänien ein Go- schenk der polnischen Regierung. Es ist das Märchenbuch einer polnischen Dichterin„Die Heiuzetmänuchen und das Waisenkind*. Vorträge, Vereine undVersammlungen. G welche lich daran beteiliaen wollen, melden Reichsbanner.Schwarj-Roi-Gold'. (Stidläftsfieltt: Berlin S. U, Sebastiansir. tTISS. ch»> S Zt D»ilnor,taa, 31. Oltobcr. Ritte, Sviclinanne,»« ildt jeden?>««- n-r-tag von 20—23 Ufit»«aeidadn fficatclfdwftliSau».«««««den. sich dort. RenrMn-Brid. Aina l«. Bodbinstroi». ....«am,rad Pater. Pavpelallec, Lsdiecnbcim. Jode gamerodschast entsendet«inen Vertreter.— g»eita«, t. Zlooembcr. griedrichodaia. Iunadanner. 20 Udr Turndallc R-meler Etrnke 24. Schön«weide- Zoban»i,thol. lg>,z Uhr Sanlschi-» in Nirdrrlchiivc, weide, Mädchrnlchul«. des ixe SPD.«lle Anvieroden. di» nicht«inaeleüt sind. mllnen dort erscheinen. Zicluickendors-Vest iSamtradschafN. 20 tllir AoMerod- tchastoversommlu»« im Veriedrsioial. Portrait-..Tie volitisch« Laoe". iltor- stand 10 Ulir. Erliüemen Pflicht.— Toonadend. 2. Jlootm'd«». iOrtsverein). ttameradschast Lichtenrade. Soalschu» in der Listkolonie. Trefs. .cheinrich-Ätrosie. Bundeskleiduna. Erscheinen Pflicht. Mitoliedcrvcrsammlitni, in Witleo Woldschlößchen. fft, Wald». 20 Mir scheinen Pflicht. ikwie Arbeitcr-Gsoeranto. Verein, a»na®««sin, fbruuof Osten. 20 Mr im gnaentchein»-Jim Ostbabndok 17, Sruppenabeird und Aurfus. Svrachqeuossen besucht unsere �nsammenlllnste,______ Ulelierberichl der ossenlilchen weltcrdieostftillc Seriin und Umgegend s?!achdr. verb.). Zunächst noch veränderlich mit" einzelnen Schonern und Sibkükilun!,.— Aür Oevsschlaud i Im Osten vielfach rcgneriich. im Westen all- mähliche Äusheiieiung mit Nachisrostgesahr, in MMeldeuIschland veränderlich. mmmtmmmmmmmmmmmmmmm...... AtUataiw im Saustaa« Uro, Gebr.. Swinemändee«tr. 0«.» t. Noveutdcr beginnt im Varcnliaus Um, Gebr., dies« »eraastaltuuo. die den Vustakt neben soll fitr das ZSSeibnächisqrüWlst.■ immer ndder rückt. Jeder Artikel eina Lcistuna.?n den Preislaacp O�äg. I.tv. 2,!>e. ZdO. 400 Mark. Neu r�nzerichtct ist der Eririswunasraum im 2. St»ck mit gilnsslerkonzert ab!S>r Sie erbauen dort schon siir 10 Pf. ein« Tastr auteu Bodnenlaisee mit Milch und Zucker, oder belegt« Beiitchen nach Badl.?ie Svielmarenaueiiellunq im 4. Stock ist«roisaei. Aachorirma» ab 4 Ul>r..Moriane.tten.Ziheater".(J Vors-elluna-n.) Kinder müssen de» großen Unirange, wegen in Begleitung Erwachsener kommen. Im Norden der bmigen «di Nut feinste Qaaliiäien Apr�lweln, herb,«ur Bowle. Liier 0,60 Apfelwein,«tiß, la., Liter 0.75 Jobanniftbcer',»üß, daS Beste Liter 0.80 Klrsebweln,»SN. das F�lpste.•... Liter 1.10 Krdbeerweln,«äßt da» Be»te.«»».. Liter 1.45 tarroarona, ecb.t,»SN»»»» Liter 1.35 Malaga, echt,» SO,«fold Liter 1.60 torfecbenweln, eeßt,»Si�, hell..... Liter 1.40 �epslnweln« echt, für•••• Vs Litet 1.30 Ooijro Portwein, echt, dd" Feia»te.. Liter 2. so »asano. echt,»iiß, das peinut*..... Liter 1.00 Werptatb, für Kranke..••••••• 1*85 Kcbter wefBcr Bordeaux, Fl- 1 45 Kehter roter Burgrander. j.•«» Fl. 1.25 v.poptg:el»t 32 Liter 2.75, FI- 2.25 Vqnavßt 35-/0*.......... Liter 3.30, Fl. 2.65 �Vclnbpand Verschnitt Liter 3.60, Fl. 2.80 Weinbrand, echt,•••Stern. V Liier 4.40, Fl. 3.40 l.fköre, da» Feinst« bis 38? g. Liter 5.S0, Fl. 4 05 Preise verstehen sich of1*** Gles••• [»T'Wtxtiii Kostproben reNTnflöQB—"rafe KcuplüewiiaU; BERLIN N. Brunoemir. 42 Berlin Pf,......... MtillerstroßO 144 Berlin Pf.......... ChansseestraB® Berlin Pf.......... Prenslancr 5° Berlin O.......... Koppenstraße Berlin v., Petersburifer 5tfaß* SO Berlin SO.Grünauer StraßC I5 Berlin SO......... Köpenicker Stroc« 1�1 Berlin TV....... Martln-Lutherstr110® Steglitz».......... SebloBstraße 121 üloablt........, Wilsnocker Straß? Pankow........, TVolIankstraße 08 SchBnebersr........Kolonnenstraße S" Tempelhof........Berliner Straße 153 Lichtenberg....... Wismarplats 1 Charlottenbarar...., Wilmersdorfer Str. 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Was die Hannover-Anleihe lehrt.— Was durch Schacht versäumt wurde. Wieder«ine deutsche Anleihe in Amerika! Di? erste seit vielen Monaten. Es sind eigentlich sogar zwei deutsche Anleihen in Amerika geschlossen, die eine von beiden, obwohl eine Anleihe einer deutschen Gesellschaft, tonn aber, vom Standpunkt des internatio- nalen Kreditmarktes gesehen, nicht ohne weiteres als deutsche Anleche betrachtet werden. Wir meinen die Anleihe der Hansa- Dampsschifsahrt-Gcsellschast. Eine solche Gesellschaft, die den intcr- nationalen Verkehr bedient und einen beträchtlichen Teil ihrer Einnahmen nicht in deutscher Wahrung bezieht, trägt auch den Eho- rakter einer internationalen Gesellschaft, so daß der Erfolg einer solchen Anleihe noch keine Schlußfolgerungen über die Chancen der deutschen Anleihen zuläßt. Dazu kommt noch, daß die Anleihe der Hansa mit dem Bezugsrecht auf die Aktien ausgestattet ist— eine jetzt besonders bevorzugt« Form der Anleihen, da sich in der letzten Zeit das Interesie des amerikanischen Emifsionsmarktes immer stärker von den festverzinslichen Etnissionen zu den Aktien verschob. Die andere Anleihe, nämlich die der Stadt Hon- n o o e r, wird dagegen in Amerika natürlich ausschließlich als eine deutsche Anleihe angeschen, und sie stellt eine Anleihe, also eine festverzinsliche Emisiion im genauen Sinne dar. Nach den New- Dorker Meldungen hat di« Anleihe der Stadt Hannover einen glänzenden Erfolg gehabt. Di« hannoversche Amerikaanleihe kann bahnbrechende Bedeutung haben. Es wäre gewiß voreilig, auf Grund dieser Tatsache allein schon jetzt eine große Wendung auf dem amerikanischen Kreditmarkt, nämlich die Wendung zugunsten der ausländischen und insbesondere der deutschen Emissionen zu sehen. Man muß vielmehr auch weiter mit groß«« Schwierigkeiten in der Beschaffung des langfristigen Geldes rechnen. Der Erfolg der hannoverschen Anleihe zeigt aber, daß der Abschluß bestimmter Anleihen in Amerika auch in sehr schwierigen Zeiten nicht ausgeschlossen ist, und dgß solche Anleihen sür die deutsäpn Schuldner viel billiger sind als dos ständig kurzfristige Pumpen. Jetzt ist die Jahreszeit(von Oktober an), in der sich die Auf- nahinesähigkeft des amerikanischen Marktes für die Emissionen stark zu erhöhen pflegt. Gewiß ist die allgemeine Krcditlage durch di« letzte.. T"'« stürze in New sstork undur 6? sichtig go- worden. Man kann noch nicht genau übersehen, wie sich diese ihrem ilmiang nach geradezu scmastischen Erschütterungen der Börse aus- wirken werden. Wen» aber nicht alle vernünftigen Erwägungen versagen, so werden diese Ereignisse eine gewisse Abkehr von den spekulativen Aktieirkävfen und eine Zunahme dcsInteresses für die festverzinslichen Anleihen bewirke» müssen. Ee muh deshalb Schluß mit der künstlichen Sperre für d>c kam m un a l c n Anleihen gemocht werden. 2 657 3 059 4 466 3 169„ 2 030„ 1 399 Will. Dollar 1 400, Die Ernke der Politik Schachts. Mit seiner gegen die kommunalen Anleihen gerichteten Politik hat Herr Schallst im Jahre 1 927 die wirtschgstliche Entwicklung Deutschlands auf das Schwer st c geschädigt. Damals wurden die günstigsten Möglichkeiten sür die Umwandlung der kurz- fristigcn kommunalen Verschuldung verpaßt. Der Markt war für festverzincliche Anleihen und insbesondere sür die tommunalen An- leihen außerordentlich günstig. Es wurden ausgegeben: Langfristige Obligationen der amerikanischen privaten Gesellschaften 1924.......... 2 319 Will. Dollar 1925........ 1926........ 1927........ 1928........ 1929(9 Monate).... Amerikanische kommunale Anleihen: 1924.......... 1925.....•..... 1926.......... 1365 1927.......... 1 506, 1928.......... 1 415„ 1920(9 Monate)...... 927„„*) *) Gegen 995 in 9 Monaten 1928 und 1X78 In 9 Monaten 1927. Voraussicht war möglich. Man wird vielleicht erwidern, daß es jetzt erst, wo die Möglich- keit des Vergleichs mir der späteren Entwicklung vorhanden ist, klar werden konnte, daß di« Situation von 1927 besonders günstig war. Dieser Einwand wäre ober nicht stichhaltig. Es war möglich, schon damals die Situation rillstig zu beurteilen, und dos wurde an dieser Stelle getan. Dir haben in unserer Polemik gegen Schacht wiederholt behauptet, daß die Situation für kommunale Anleihen in Amerika günstig, und daß die Aufnahme der kommunalen An- leihen der gegebene Weg dazu ist um sür Deutschland langfristiges Geld relativ billig zu bekommen. Wir haben geschrieben, daß Herr Schacht, indem er die öffentliche Wirtschaft treffen will, der deutschen Wirtschaft überhaupt die Zufuhr des nötigen Kapitals vcrhinderr. Die kommunalen Anleihen(einschließlich Airleihen der öffentlichen Betriebe) wurden in Amerika am günstigsten auf- genommen, und wenn man dies« Anleihen di-kreditiertc, so machte man die Aufnahme der Anleihen für die große Mehrzahl der kapital- suchenden privaten Gesellschaften erst recht unmöglich. Herr von Siemens soll sich bei Herrn Schacht bedanken. Für die ausländischen Emissionen war die Lag« 1927 sowie in den ersten Monaten von 1928 noch recht günstig. Die ausländischen langfristigen Anicrikoanleihen(ohne Kanada und ohne Staats. onleiben) betrugen: 1924........... 169 Mill Dollar 1925........... 294. 1926........... 395„ 1927........... 480. 1928.......... 521„ 1929(9 Monate)...... 158„„*) •) oar.uat- öcmtrahfc 1929: 141; Januar— Erelrmdcr 1027: 254. Die Verstopfung des Marktes fing erst im Juli 1928 an. Das Geld floß immer stärker in die Spekulation, die Gcldsntze gingen stark in die»hohe, die amerikanische Wirtschaft— private wie kommunale— scheute vor der Teuerung oes Geldes zurück. Dann hat man sick, mit der teureren Verzinsung abgefunden, und seit Oktober 1928 setzte eine starke Zunahme aller Emissionen ein. S�e betfiaen in Millionen Dollar: Zuni 1928..... 1030 Dezember 1928.... l»«:) Juli 1928...... 447 Zanuar 1929.... 1063 August 192«..... 267 Februar 1929.... 1018 September 1928... 543 März 1929..... 1044 Oktober 1928.... 797 April 1929.....«15 November..... 962 Mai 1929..... 1520 Allerdings trat die Verschiebung von den festverzinslichen Papieren zu den Aktien sehr stark in Erscheinung, und die omerika- nischen Kommunen Hiehen sich zurück. Für sie war es ratsamer, das Gell» kurzfristig auszunehmen, als fünf- bis fechsprozentigc An- leihen abzuschließen. Sie konnten aus die Zeit warten, wo er Ab- schluß von billigeren Anleihen möglich wurde: die Gefahr, daß sie auch kein kurzfristiges Geld bekommen, bestand sür sie nicht. In dieser Hinsicht unterscheidet sich die Lage der amerikanischen Koni» munen von der Lage der deutschen iehr wesentlich. Aür die deutschen Kommunen wäre es direkt eine Rettung gewesen. auch 7- bis 75-prozcntigc langfristige Anleihen abschließen zu können. Und diese Möglichkeit bestand, sie war aber den deutschen Kommunen durch falsche Politik verschlossen. Mag das Spekp- lalionssicbcr nach so hoch gewesen sein, es bestand in Amerika auch die Nachfrage nach soliden, festverzinslichen Anlagen. Einige Dutzends von Millionen Dollars, die auf diese Weise monatlich angelegt werden konnten, machten im Vergleich mit den riesenhaften Summen aller amerikanischen Emissionen nicht viel aus: für die deutschen kommunalen Anleihe» war in diesen Grenzen aber noch«in sehr beträchtlicher Spielraum. Seit Juni 1929 ließ die gesamte Emissionstätigkeit wesentlich nach(im Juni 790 Millionen Dollar, im Juli 940, im August 868). Für die ausländischen Emissionen schien jedes Interesse verschwunden zu sein: nicht einmai die benachbarten kanadischen Anleihen wurden in den letzten Monaten in Amerika aufgelegt. Der September brachte eine Retordsumm« an Emissionen, die für diesen sonst immer schwachen Monat besonders erstaunlich ist: nicht weniger als 1613 Millionen Dollar gegen nur 543 im September 1928, 628 im Sep- tember 1927 und 342 im September 1926. Dabei aber nur«in« einzige ausländische Emission, nämlich die Anleih« eines brasilia- Wir geben uns alle Mühe das in Ihrem Adler-Wagen investierte Kapital vor frühzeitiger Entwertung zu bewahren. Unsere Kundendienst-Organisation steht auf der Höhe der Zeit. In vieler Hinsicht gilt sie als vorbildlich, nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland. Die Adler-Fahrer rühmen den Erfolg: t. Keine Betriebsstörungen 2. Geringer Brennstoffverbrauch 3. Ein Minimum an Reparaturen 4. Lange Lebensdauer 5. Hoher Wiederverkaufswert 5»»«- o low üötfjt Das sind dieAdler-Kundendienstschecks! FILIALE BERLIN, BEI I E- ALT.IANCE- STRASSE 6 UND UNTER DEN LINDEN 12-13 Seit Monaten geben wir jedem neuen Adler, ob Favorit, Standard 6 oder Standard 8, wenn er das Band verläßt, ein Scheckbuch mit auf den Weg. Dieses Büchlein enthält Gutscheine, die zu kostenloser Inanspruchnahme unseres Inspektion s- und Fflegedienstes berechtigen. Nicht nur bei»Ihrem« Adler-Händler, sondern überall im Reich. Wo Sie gerade wohnen oder reisen.— Die beim jeweiligen Stande des Tachometers vorzunehmenden Arbeiten sind auf den Gutscheinen vermerkt So kann nichts vergessen werden und Sie wissen, woran Sie sind. Das ist, ohne viele Worte, ein Ausschnitt aus unserem Kundendienst. ijchsn Einzelstaotes, die Mar als 6/4prozent!ge aufgelegt wurde, uäer zu laichen Bedingungen, daß sie faktisch den, Zeichner 7,6 Praz� knete'. Die Eiiuatian schien für ausländisch« Anleihen ganz hosfnungs- los zu sein. Und für große Anleihen(von Hunderten Millionen Mark) ist sie es ohne Zweifel auch heute. Der Erfolg der Hannover- fchen Anleihe ze,gt aber, daß eine Rachsrage wenigstens nach den kommunalen deutschen Anleihen trotzdem vorhanden ist. Ein gewisser Kreis von Sparern, die für kommunal« Anleihen Vorliebe haben, i st immer d a. Und es muß versucht werden, den Zugang zu diesem Kreise zu finden. Die Stadt Hannover hat jetzt 3'A Millionen Dollar, also etwas über 14 Millionen Mark, bekommen, dll— 60 Millionen Mark monatlich wären schon für die deutschen"Kommunen eine wesentliche Entlastung. Vielleicht kann man' sogar wesentlich mehr be- kommen. Das muß auf jeden Fall versucht werden. Für den Erfolg der Anleihen ist es aber sehr wichtig, d�ß von irgendeiner Stelle, die Vertrauen genießt, die So- lidität der Schuldner garantiert wird. Die Veratungsstelle ist dafür nicht geeignet. Sie hat nicht als Hilfe, sondern als das schlimmste Hindernis der kommunalen Anleihen gewirkt. Es muß die Aufgabe der Kommunen selbst sein, eine solche Stelle zu schassen, die verantwortungsvoll die Aufnahme der ausländischen Anleihen durch die Kommunen überwachen würde. Dann wird sich die neu- lich abgeschlossene Anleihe der Stadt Hannover als wirklich b a h n b r e ch e n d erweisen. G. D. Schicksal eines Spekulanten. Sostig'.ionis Knockout durch die Lörsenpleiie. Dem internationalen Großspekulanten C a st i g l i.o n i, der in Oesterreich während der Inflationszeit ein phantastisches Vermögen zufan�nengerafft hatte, hat die Börsenpleite der letzten Monate ziem- lich den Rest gegeben. Castiglioni hatte schon vor Jahren den größten Teil seines Vermögens in Oesterreich wieder verloren, besah aber noch in Deutschland durch den Besitz der Bayerischen Motorenwerte(BMW.) einen festen Rückhalt. Seit zwei Iahren besaß er aber von dem Gesamtkapital der Gesellschaft nur noch fünf Millionen Mark Aktien, also weniger als ein Drittel. Dies Aklienpaket, das er bei Banken als Pfand hinterlegt hatte, ist ihm jetzt von den Banken abgekauft worden, während Castiglioni sich verpflichten muht«, seine Schulden bei den BMW. zu regeln. Mit dieser Aktion ist also Castiglioni bei den BMW. voll- kommen ausgeschaltet und hat damit das letzte Bollwerk seiner Inflationsgewinne preisgeben müssen.— Zu diesem Notverkauf seines Aktienpakets ist Castiglioni durch den schweren Kurseinbruch bei den Aktien der Bayerischen Mo- larenwerk« gezwungen worden, die von 2S0 bis auf 78 Proz. gesunken sind. Der Wert seines Aktienpakets im Nennwert von ü Millionen Mark ist also von 12,5 auf 3,9 Millionen Mark zusammengeschrumpft. Castiglionis Schwierigkeiten wurden aber noch dadurch verschärft, daß er bei dem Erwerb de? der Goihaer Waggonfabrik gehörenden Eiscnacher Dixiwerkes, das 1925 von den BMW. gekauft und mit eigenen Aktien bezahlt wurde, einen Kurs von 250 Proz. garantiert hatte. Sein Verlust an diesem Geschäft dürfte gleichfalls ein« Million erreichen. So hat dieser Inflationskönig Oesterreichs, der durch das Börsenspiel groß wurde, auch seine letzten Positionen durch die Börse verloren. Fortdauernde Chemiekonjunktur. Llmsahfleigerung und Velegschastsabbau beim Karbentrust. Aus dem jetzt veröffentlichten Vierteljahresbericht der I. G. F a r b e n i u d u st r i e in Frankfurt am Main geht hervor. daß im lausenden Jahre die Chcmiekonjunktur in Deutschland nichts van ihrer bisherigen Kraft eingebüßt, sich im Gegenteil noch verstärkt hat. Die Gesamtentwicklung des Geschäfts war auch im dritten Quartal durchaus befriedigend und die Fortsetzung dieser Entwicklung wird erwartet. Im einzelnen war das Geschäft für F a r l, st o s f e und Hilfsprodukte gut, der Export belebt und der Msatz im europäischen Ausland tonnte zum Teil gesteigert werden. Der Stick st osfabsatz(Leunawerk) war normal. Bei Chemikalien, Lösungsmitteln und pharmazeutischen Fabrikaten tonnte der Auslandsabsatz gleichfalls erhöht werden. Auch das Benzin- und Photageschäft war günstig. Zu den Vorgängen in der K u n st s e i d e- I n d u st r i e wird ausgeführt, daß das Abkommen mit Glanzstoff der Vorbot« einer allgemeinen Verständigung sämtlicher am deutschen Markt inter- «stierten Fabrikanten(also auch der aueländischen) sei. Der Absatz au Kunstseide hat sich im letzten Quartal erhöht, und der hohe Auftragsbestand gewährleistet auch bis zum Jahresende gut« Beschäftigung. Das Wesentliche an diesem Bericht ist die weitere Erhöhung des Umsatzes sowie die..fortschreitende technische und kaufmännische Äonsotidierung". Die Rationalisierung wirkt stch bei dem Chemie- trust jetzt in einer ganz bedeutenden Leistungssteigerung der verringerten Belegschaft aus. Schon in den letzten l drei Jahren stand einer Steigeri-ng der Betrisbsgewinn« um I 46 Proz. eine Erhöhung der Generalunkostcn um nur 23 Proz. gegenüber. Höhere Vriketipreise fürs Rheinland. Reichswi' tfchastsminister verzichtet auf Einspruch. In der gemeinsamen Sitzung des Reichskohlenverbondes und .es Großen Ausschusse» des Reichskohlenrats ist ein Antrag des Rheinischen Braunkahlcnsyndlkats auf Erhöhung der Brikett preise um 1 Mk. je Tonne angenommen worden. Der Antrag war damit begründet, daß die Erhöhung der Preise aus markttechnischen Gründen und mit Rücksickst auf die Weiterentwicklung des Rheinischen Braunkohlenbergbaus geboten sei. Das Rheinische Braunkohlensyndikat habe im Gegensatz zu ollen übrigen Syndikaten seit Juli 1924 seine Preise nicht erhöht. Der Bevollmächtigte des Reichswirtschaftsministers sah davon ab, gegen den Beschluß Einspruch zu erheben, und zwar mit der Be- gründung, daß die Erhöhung der Preise im Rheinischen Braun- kohlensyndikat aus gemeinwirtschaftlichen Erwägungen nicht be- anstandet werden könne. Der jetzt bestehende Preisunterschied im Vergleich zu anderen Syndikaten müsse unter den in diesem Einzelsalle gegebenen Verhältnisten auf die Dauer zu Erscheinungen im Absatzmarkt führen, die nicht im Rahmen der im Kohlenwirt- schastsgesetz vertretenen Gedankengänge lägen. Der Rheinische Braunkohlenbergbau verdient mächtig und hat die Preiserhöhung nicht nötig. Marktschwierigteiten sind nicht notwendig nur durch Preisausgleich nach oben zu lösen. Hat man nicht bedacht, daß der niedrigere rheinische Preis nicht ebensogut einen niedrigeren Preis In den anderen Bräunkohlengebieten rechtfertigen könnte? Die Handelsgewinne sind in Mittel- und Ostdeutsch- land immer noch gbbaufähig. Eine stürmische Generalversammlung. AersicherungSdirettoren und Aufsichtsräte im Kreuzfeuer. Auf der Generalversammlung der Vaterländischen und Rhenania Berslcherungs A.-G. wurden die Aufsichtsräte und Generaldirektoren von den enttäuschten Aktionären einem hoch- notpeinlichen Verhör unterzogen. Anfang September wurden im Anschluß an den Frankfurter Berstcherungsskandal auch Verluste bei der„Vaterländischen" be- tannt, die zunächst jedoch von der Verwaltung als verhältnismäßig harmlos hingestellt wurden. Später kam heraus, daß der G e- s a m t o e r l u st sich auf 8 Millionen belause, der bei einem Kapital von nur 12 Millionen schwerste Folgen für- da» Unternehmen mit sich bringen mußte. Die Verwaltung beschloß daher eine Verschmelzung mit dem Nordstern-Konzern. Aus je zwei Aktien der„Dater- ländischen" sollt« den Aktionären eine Rordsternattie zugeteilt werden. Aus der Generalversammlung, dl« dies« Verschmelzung zu ge- nehmigen hatte, machte die Opposition unter den Aktionären ihrer Empörung über die Geschäftepolitik der Verwaltung gehörig Lust. Besonders wurden peinliche Fragen an die Aufsichtsrät« ge- stellt, da der plötzliche Kurssturz der Aktien noch vor Bekanntgab« der Verluste be! der„Vaterländischen" den immerhin begründeten Ver- dacht hatte aufkommen lasten, daß die Eingeweihten durch rechtzeitigen Berkauf ihrer Aktten ihr Schäfchen noch schnell ins Trockene gebracht hatten. Ferner wurde der Derwattung vor- gehalten, daß die Beteiligung an der Kreditoersiche- rung von Abzahlungegeschäften den Satzungen der„Vaterlän- dischen" widerspreche. Die Opposition, die Protest zu Protokoll gab, wurde niedergestimmt. Wie der Fall„Frankfurter Versicherung" zeigen auch die Bor- gänge bei der„Vaterländischen", wie dringend notwendig ein« R e- form der Privatversicherung nach den Borschlägen des Afa-Bundes ist. Es ist ein unmöglicher Zustand, daß ein Masten- geschäft, wie das Berstcherungsgewerbo es betreibt, ln den Dunkel. t a m m e r n der Direktoren- und Aufsichtsratszimmer ohne d!« not- wendige scharfe Kontrolle der Oessentlichkeit durchgeführt wird. SS96 Millionen Spareinlagen im Reich Wie Hugenbergs Währungsverbrechen wirkte. Nach der amtlichen Uebersicht betragen die Spareinlagen Ende September bei den Sparkasten des Deutschen Reichs 8595,7 Millionen Mark gegenüber 8466,4 Millionen Mark im Bor- monat. Seit Jahresbeginn 1929 beträgt der R e i n z u w a ch s der deutschen Spareinlagen rund 1180 Millionen Mark. In Preußen hat sich der monatliche Zuwachs von Juni lüg August von 47.6 auf 89,5 Millionen wieder erhöht, nachdem die verbrecherische Verleumdung der deutschen Wäh- rung durch die Hugenberg-Press« im Ma! einen Rück- gang des Zuwachses auf 23,8 Millionen gebracht hatte, gegen 73,2 Millionen Zuwachs noch im April, 97,7 Millionen im März und 161,3 Millionen im Februar 1929. Eine �ord-�obrik in Gdlngen. Da» polnische Handels- und Jndustriemlnisterlum hat dem Bau einer Ford-Fabrit in Edingen zugestimmt. Einsendungen für diese Ztubril sind »eritn a-a 63, Lind-nstr-be 3. parieinachrichien für Groß-Berlin stet, an da»«e,irk»sekr«tariat 2. Hof, 2 Treppen recht», j» richte». An alle Parteimitglieder! Sonnabend, den 2., und Sonntag, den 3. November, findet die Verbreitung des zweiten Bildflugbtattcs in allen Bezircen statt. Wir rechnen mit der Beteiligung aller Genossinnen und Genossen? m Achtung! Die Iribünenkorlen zur heutigen Stadtvcrordnelen- verfammlung sind vollkommen vergriffen! * U. Stnit Rentälln. Sie Ab'eilungsleiter ISnnen die Ha»d>«it«r und fsackein tum WerbcumKug ab greitäa, den i. November, vom Varteiburcan l». Äi»"? an!»», greitaa. 1. November. WVz Übt, bei Meier, TürkifSc» 3-lt. Treile L'.raße. Ärciocottoiibsp.tujita mit allen Abteilunasleitein. ?ede Abteiluns muß unbeding! vertreten fein.— 85:146®« Bramtsn, Behörbeuanac stellte» und Bedindmurbdter der 5-13). trcife» sich a n Rrr.. tau, dem I. Rooemlxr. 2.0 Uhr. im Tnrlilmeu 3«lt.?au:°n>,»reite®;t. 14, ,ur Wadlvcranstalillng. Referent Stadtrat Ecnesse Burlhard spricht über: .Die kommunale«rbclt der SPD. im Bcrmaltuncb�irl Paulo Säfte nilltommea. Ter Araltionanaiftand. heule, Donneretag. ZI. Oktober: 36.«dt.»arten für dl« Rev-sutlon-seier Im Sportpalaft sind noch de°m «.«dt'.1* ä»1 Ubr' in"der Aula der weMichen Schule. Diesfinbachftr. S»-«l, Vortrag über Beriifsberaiuna.„... Heinerodorl. Die sslugdlätler suiL sofort vom Scnossen Loßner, Zieuknchsir. 55, abzuholen. Morgen. Kreitag. 1. November: 30. Abt. IS Uhr bei Riebergall. Sarmen-Solva-Str. 22. gunktionärlidnua. 42. Abt. 20 Uhr bei Wiersdorfs. Urbanstr. 6. michtig« ssunktionärsihung. f- Bezirksführer fänntn die Flugblätter gbholen. 43. Abt. Die Vezirksführer werden ersucht, die Flugblätter von»rcpp, Plan- ufer TL— 76, ob 18 Uhr in Empfang zu nehmen. 124». Abt. Wahlebors-Siid. 20 Uhr bei Draber, Ubiandstr. 18, wichtige Fünf, tionärslhung. 130. Abt. Tegel. Achtung.»ezlekrfSherr! Flugblattau»gabe gm Freitag, den» 1. November, und am Sonnabend, dem 2. November, 18 Uhr. im Jugend» heim Bahnhofstr. 15. Sonnabend, 2. sNovember: Peter-Hagen. 20 Uhr öffentlich« Wälilernerlammlung de! Laase, Bruchmühier Strafie. Vortrag de»»reistagsabgeordneten Genossen Laeckel über die bevorstehenden Wahlen. Freie Aussprach«. -Z 140. Abt. Borfigwald«. 20 Uhr im Lokal»an Wgltschach, Ernstste. 1. st S?.Leiterer Werbeabeud." Reserenti Genosse Lcnry Reils. Di« Mitglieder" werden«rsncht, mit Sästen vollzählig zn erscheinen. Zrauenneranstallung. 74. Abt. ssehlenbors. Der Frouenabend füllt in diesem Monat au». Dafür beteiligen üch alle Genossinnen a» der Wählerversainmlung am 8. November, 191s Uhr, im Cafe Brumm, Echliesfen» Elte Riemeisterstrabc. Nähere Mitteilung erfolgt noch. Iungsozlalisien. Srnpp« Mitte. Leute, Donnerataq, 31. Oktober, pünktlich 20 Uhr, im Jugendheim Zehdenicker Str. 24. Bortrag:.flommunalpolitik*. Referent: Paul Brendel. Partei- und älter« LA?.. Genossen lind herzlichst willkommen. Gruppe Friedrichahain. Leute, Donnerstag, 31, Oktober. 1S>4 Uhr. im Zpgendhefm, Tilüter Str. 4. S-it-rer Abend. Instrumente und Liederbücher mitbringen. Gäste ssnh herzlichst willkommen. Arbeilsgemeinschafl der kinderfreunde. dem 1. November, tan 17 bi, 10 Uhr. t. Die Noten. Fallen-Sruppen kommen FaUenssngstnnd« findet«m.. in bei Schnlanla Weinmeistrrftr. 15 mit belfern. MufiUnrln, nnter Lertnna»an Frib Lofimann findet eestmali» am Freitag, dem 1. November, in der Mädchenmittelschnl«, Nenkölla, Donauftrahc. Geiangssaal. pünktlich 20 Uhr, statt. »res. Ritt«. Gruppe Engelufer. Leute, Donnerstag, fällt unser Gruppenabend au». Dafür gehen mir»um Film in der»ulturabteilung LinienstraK«. 20 PI. stich mitzubringen. Treffpunkt 161h Uhr Gewerkschaftshans. Dort treffen sich morgen, Freitag, um die gleiche Zeit alle Roten Falken, Singstunde nach der Wcinmeisterstraße zu gehen. um zur Fallen. Geburlstage. Jubiläen usw. 05. Abt. Renkälln. Unser« Scnosün Anna Oberländer, Prinz-Kaabjern. Straß« 77, stiert heute ihren 60. GcMirtstaj� Wir gtotnliee** ihr beglichst »ich wünschen ihr noch»iel« srohe. gesund« Jahre. B Sozia!WscheArbelterjllgeudGr..Verlln ckiasendunl Bcrlla Gl für diese Rubrik nur an da« Ittgeudsekreiaria« I, Ptndenssraß« 3 des Bilduugeausschußsihuvg beute, Donnerstag, 18 Uhr, Im Speditiv nxzimmer Sekretariats, Bezjrksvorftandssshung l'J'v Uhr im Sekretariat. ...____ Uhr, Im Butchesfellfilm von c'" Heule. Donnerstag. 19 H Uhr. Falkplah I: Schule Sonnenburacr Str. 20. Vortrag:»Die deutsche Justiz". — Nordosten Iii Seim Danziger Str. 62. Vortrag:„Verfassung und»lassen- kämpf".— Schönhauscr Vorstadt: Schule Sonnendurger Str. 20. Vortrag:„Der Mehrwert".—»ottbusser Tor: Leim Briher Str. 27—30. Vortrag:»Jüngere Arbeiterdichtung".— Südwest: Leim Lindenstr. 4. Vortag:„Zugend und »ommuv«".— Westend! Leim auf dem Svortulast Westend. Vortrag:„Unsere Feinde von links".— Wilmersdors: Se'm Wilhelm-aue 123. Mitgliederversammlung.— stehlend« rs: lNordschule Potsdamer Str. 5—7. Vortrag:„Der Weg zur Machffst' Werdebeziri Debdiug! Dambourkapelle. Uebunasabend Im Selm Seestr. 84. .zahlreiches Erscheinen wird erwartet. Die Trommeln werden ausgeged-n. Wcrbebezirt Renlöllu: Wichtige Werbeausschuhühung 19 Uhr im Partei- sckrStariat, Fuidastrahe iZdealvassagek. Alle Gruvp.-n müsss» vertreten sein. Sonntag„Revolutionsfeicr" im Saa.'bau Bergstr. 147. 10 Uhr. Eintritt 40 Dt. *> Werbebezirk Pank»»: Morgen. Freitag. 20 Uhr, Brginn des Volkstanz. kursus in der Turnball�er 2. Bollsschule. FUr Elle Wintersaison: AußerorrlenllicO vorteilhafte Sontler- Angebote, deren PrelsivilrdigKelt die grüßte Anerlcennung finden wird. 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Oktober 1929 Unterhaltung und ANissen Beilage des Vorwärts QedäehMisrede auf Arno Am Sarge gejprochen von Sians W. 3ifcher Arno.holz— auch in d!es«r bitteren Stund« des Abschieds rvissen wir: sein Wert lebt. Werk: wir sprechen mit Ehrfurcht dos Wort au», dem Arno cholz in unseren Jahren Sinn und Würde wiedergab. Denn er gehört zu den wenigen, denen es— nach Goethes Wort—„gegeben ist, einen Babelgedanken in der Seele zu zeugen, ganz, groß und in jedem Teil notwendig schön, wie Aäurne Gottes". Eben dies bezeichnet die ticsste Eigenart seines Schaffens. Die organische Folgerichtigkeit, mit der es wuchs, aus natürlichem Boden und kleinstem Keim zu immer mächtigerer Größe, vom Ansang bis zum Ende in ununterbrochenem Aufstieg, eine Entfaltung bi« an die letzte Grenze der Möglichkeit. Wir stehen vor dhsem Wachstum staunend und bewundernd wie vor einem großen Naturvorgange. Der Künstler, der so schuf, mußte selbst Natur sein. Jeder, der Arno Holz sich näherte, spürte sofort: dieser Mann ist echt bis in Ue Wurzel. Immer bekannte er sich zu seinem Herzen, zu seinem Hirn, zu seinen Sinnen: nichts Gemaltstes war da, keine Pose, keine Halbheit, sondern in jedem Zuge der Wille zum Ganzen und Unbedingten. Er wich nicht aus der Norm, sondern steigerte fle. Das lieh ihn.stets sofort dos Wesentliche, in reinem Wortsinn Nichtige fühlen und tun. Und so ging er seinen Weg, wachen Auges und doch wie ein blindlings Gesührter, unbeirrt und unaufhaltsam, jeder Schritt vorwärts in unbetretenes Land, einem Ziele zu, das sich, zuerst nur geahnt, immer klarer enthüllte. Wenn der junge Dichter bereits bei seinem ersten Austreten ein neues Stoffgebiet, die moderne Gegenwart der Großstadt, er- obcrte, wenn er sich, um die neue Wirklichkeit ganz zu durchdringen, neue Organe schuf, seine Sinn« aufs äußerste schärfen und die Worte aufs feinste wägen lernte: wenn er in einem völlig natürlich gebauten Satz plötzlich, wie in einer Erleuchtung, den natürlichen Nhylhmus der Sprache vernahm: so wirkten diese Entdeckungen sofort befruchtend auf die ganze zeitgenössische Literatur. Erst seit dem„Buch der Zeit" gibt es eine Großstadtliirik, erst seit„Papa Haiiilet" und„Familie Selicke", die er gemeinsam mit Johannes Schlaf schuf, einen Bllhnenrealismus, erst seit seiner„Revolution der Ltzrik und dem ersten„Phantasus" den neuen Tonfall der gesamten modernen Berskunst. Aber für ihn waren die Errungen- schölten, die von den anderen sofort übernommen und verwertet wurden, erst Beginn. Und den Weg, den er setzt beschritt, mußte er als ein Einziger gehen und als«in immer Einsamerer, unverstanden, befehdet, schließlich fast unbeachtet, einen Weg durch das finster« Tal innerer und äußerer Lebensnöte, immer dem großen Geheimnis auf der Spur, immer ihm näher. Die neue Sprachform, die er gefunden hatte, zuerst scheinbar eng und mir geeignet, Eindrück« aus der Nähe genau aufzunehmen und wiederzugeben, erwies sich auf einmal als elastisch, dehnbar. geräumig. Immer mehr Inhalte fanden in ihr Platz, und indem sich weitete, erlangte sie immer neue, immer größere Inhalt«. Und nun setzt das Phänomen ein, das sich einzig und allein bei diesem Dichter findet: das beständige Wachstum seiner Werke an Umfang und mnerer Fülle. Sein« Dramenreihe stieg von den „Sozialaristokraten" über die„Sonnenfinsternis" empor bis zum .Lgnorabimus", in jene eiskalte Gipfelhöhe der Erkenntnis, wo selbst alle Wissenschast fragwürdig wird. Seine Literatursatir«„Die Blechschmiede", diese funkelnde und sprühend« Berspolemik gegen all« Unnatur und Pose, wurde zur Weltsatire. Selbst ein Neben- werk, wenn auch ein echtes, wie der„Dafnis", rundete sich üppig zu einem lyrischen Porträt, in dem ein ganzer lebendiger Mensch Raum fand. Und in immer reicherer Herrlichkeit türmt sich der„Phan- tasus". Und nun steht dieses Wunderwerk der deutschen Sprache, desie» Keim fast ein halbe- Jahrhundert schon im„Buch der Zeit" be- schlössen liegt, immer wieder höher getrieben bis zur letzten Form. der letzten Erfüllung des organischen Gesetzes, in ganzer Klarheit der Vollendung da. Ein Weltbild, das unerhörte Weiten der Zeit und des Raumes, unerhörte Reiche der menschlichen Phantasie in sich faßt und daher auch unerhörten Reichtum der Dinge und der Begriffe. Diese Gewitterstürze der Worte und des Klangs, diese Riesensätz«, in denen doch jeder Teil unverrückbar am richtigen Platz steht, diese streng gegliederten Sinfonien, die in einem vollkommenen Gleichgewicht schweben: ist es nicht, als sei in ihnen die Welt selbst tönend geworden? Ganz unmittelbar enthüllt sich in diesem Werk das Geheimnis der Kunst: Stoff zu wandeln in Form. Der Mann nur konnte dieses Werk schaffen, der sich restlos an fein Werk verschenkte. Dieser Mann hat geleht als sin Held. Wir wissen, wie schwer sein Dasein war. oft zum Erliegen schwer. Wir wissen, was er durchmachte und litt, wie er sich wehrte, und wie dankbar er war für jeden Beweis der Liebe und Treue, für jedes Verständnis. Wir wissen auch, wie sehr er sich nach dem großen Erfolg sehnte, der ihm— vielleicht!— zugefallen wäre, wenn er noch wenige Wochen länger gelebt hätte. Aber alles dieses Menschliche, so schwer es auch wiegt in einem wirklichen, ehemaligen, gelebten Leben— es erscheint angesichts des Werkes wie weggezehrt von dem gewaltigen Urfeuer der Schöpferkraft, das bis zum Tage seines Todes in ihm brannte. Und darum geziemt auch in der Stunde tiefster Trauer zuerst vor allen Dingen Dank. Dank von uns, die wir um ihn wissen, Dank auch des ganzen deutschen Volkes. Es kann sich nicht bester ehren, als indem es ihn ehrt und ihm, in der würdigen Herausgabe des endgültigen„Phantasus", das selbstgeschaffene Denkmal setzt, schöner und gewaltiger als jedes, das fremde Hand ihm setzen könnte. Aus diesem Leben, aus diesem Werk wird eine Kraft fortwirken, «ine Urkraft, die aus dem Zufall und dem Chaos immer neu die leuchtende Form herausreißt. Vielleicht das tiefste Wort, dos Arno Holz je sprach, lautet:„Gzitt i st nicht, Gott wird!" Was bedeutet das anderes als die große Wandlung der Materie in die Verklärung, die an seinem Teil auch der Dichter vollzieht? Hier, bei ihm, tonnten wir sie mit leibhaften Augen schauen. Ilnd darum: Dank, Arno Holz! w. Appeit: Sächfifcke Brauereipferde. r S iß wärtlich nich bloß wegen' Kmser, unn wegen Milledähr, unn wegen Fengzigrodden, sondern iewrhaubt: frichcr warsch ähm scheener! — Fang doch nich von Bolledit an! Das hat garnischt mit Bolledik zu duhn. Ich meen doch de Bieraudos. — De Bieraudos? Die Hamm dir doch nifcht gedahn! Wa» hceßt nifcht gedahn? Wo's noch Brauereifärde gab, da hadde>nr mehr Freede am Lähm. Wenn ich dran denk, wie die so schen bedächt'g fuhrn, da werd Mersch gans melangolisch zumute. Unn folldens, weiw zwee'e nähmnauder geschbannt warir, das war ä imbonierndes Bild. Direkt erhehmd. So habb ich mier immer enn reemischen Driumfzug forgcschbellt. Unn wenn die kee Bier fuhrn, sondern filleicht Mist ofss Feld, das war gar ke« Under- schied. S Herz schlug een drwegen hechcr. Ich weeß, in Kriech, da war ich doch bei dr Ardillrie, da hadden mier an der een Hau- Witze ä baar Färde, die hadden hinten nochn Schdembel von dr Rieweck.Brauerei drofst' Die Hamm mier immer bloß angeguckt, wenn» uns mal recht dreck'g ging, da kam'n een de Erinnerung'. i-nn da war mr wieder Mensch. Jetzt drgegen, mit den Audos, da iß de ganz« Boehsie in.... na. de weeßt schon, wohin. — Das iß dr Zug dr Zeid. Da kannfte nischt drgegen machen. Das iß ja das Draurige. Unn de Menschen sinn de Obfer. — Du mcenst wegen Icwrsahrn? Nee. Awr hold mal so ä Audo an! — Zu was du? Nu ja, das wißt ihr ähm nich. Jeden Bierwageu Hamm mier frieher angehalten, unn Hamm gefragt, vi) mier ä Schtickel mitfahrn kenn. Unn nachher Hamm mier's Geschbräch off da» Bier gebracht — du, da hadden mier fiellcicht Jemung driune, unn Hamm gesagt: Ae, ihr mit eiern labb'gen Suff, der schmeckt doch nich. Unn da warn die Kutscher allemal in ihrer Aehrc bcleid'gt, unn Hamm gesagt, das lastcns« nich uff sich sitzen. Se hädden zufällig ä Faß hinden droff, dos wär noch nich gans leer, unn wenn mr ausn Helfern naus warn, da kennten mier ja mal de Gufche ans Schbuydloch Halden. ob dos Bier nich schmecken dicht. Jedesmal hadden die zufällig so a Faß mit. He. unn was gloobst dn dir. wie sichs da seift, glei so aurn Sckbundloch..- Awr das sinn ähm alles Sachen, von den' de h?it'ge Generazsohn keonc Ahnung hat. Awr das kommt ooch nich wieder. ~ Nee. das werd wohl nich wiederkomm. Siehst«, drum häng ich doch so an unsrer glorreichen Vrgang'. heit. Das iß sozusagen meine deitsche Drei« Die nackten Beine. Das freit mich, daß'- kald werd. Da misten de Weimer wiedttz Schdrimbe anziehn. — Sie Hamm wohl o Schdrumbgeschäft? Nee. Awer ich bin ke« Fremd von sowa», wie die nock'chen Beene. — Da geheern Se wohl zu denn, die das unanschdent'ch finden? Ach. das kennt'ch nich sagen. In Gegendeil. Awr s iß ähm ooch wieder so ne Sache. Zuwns soll'ch mich dn von srieh bis ahmds unneet'ch offregen? — Ich denk, Se finden nischt drbei? Da brauchense sich doch nich offzuregen. Se missen mich richt'ch vrschdehn: ich meen doch nich osfregen, wi mr so sagt: in Wut gerahden. Ich meen dcch dos andre, Se wissen schon, als Mann, nu... ähm wemmer sowas Vrfiehrerisches sieht. Das nennt mr doch ooch offregen. Awr da kenn mier doch nich drfor. Das iß doch von dr Naduhr so eingericht. — Na aso, was wollnfen da? Ja, das iß so: wemmer die nackchen Beene sieht, unn soweit noff, bei den korzen Recken— beowachten Ses mal, wenn een« off de Schtraßenbahn fchdeigt, oder wennse sich bickt... das misten Se doch zugähm, daß's een da gans andersch werd. — Awr das iß doch scheeir. S kommt droff an. Wenn ich frich in mei Kontor geh unn meine»ein Schdunden rundermachen muß, da nitzt mir das gar nischt. Unn in Geschäft erscht recht nich. Wemmer da die Mädeln so vumloofen sieht oder off ihrn Schemeln sietzen, da werd mr doch bloß unglicklich. — Nu,©i« butz'ger Knobb. Was gibbts dn da unglicklich zu wern? Das kennten Se eegentlich einfehn. Ich habb doch ke« Brifoht- kontor, wo ä Scheßlong drimre iß, unn Aschebecher und Schnabs- gläfer, daß mr sagen kennte: Freilcin, ich will Ihn' mal enn Brief diktiern... Arschdehn Ses nu? — Da däht ich ähm an Ihrer Schdelle nich so hingucken, wenigstens nich bei Dage. Ja, awr wenn denn? '— Ahmds, offn Heemwcg? Zu was dn da? — Nu— da kommse doch nachher zu Hause. Nu. und? — Da Hamms« doch Ihre Frau. Ach du liewcr Godd! Se kenn wohl mein« Frau nich? — Nee. Woher soll ich'n die kenn? Nu drum. Sonst hätten S« dos nämlich nich gesagt. Im Vr- traun gesagt: ahmds ossn Hcemweg machen die nack'chen Beene noch viel unglicklicher als wie bei Doge. Kcnnfe sich nu ungefähr een Begriff machen? — Ja, so ungefähr. Sie armes Luder. Pflaumenkuchen. Sc bocken wobl dies Jahr gor keen Floumkuchen? — Warum dn? Weist« noch gar nich gefragt Hamm, ob Sc nich mal mei Kuchen- blech geborgt kriegen kenn.. — Das werd wohl heier nich neet'g sinn. Awr Se Hamm doch die gansen Jahre Ihrn Flaumkuchen ge- backen. Da denken doch de Leide giei sonstwas. Se wisten doch. wie[« sinn. — Das kenn mier doch awr machen, wie mier wolln/ Nu ja. Awr' bereden däht ich mich von niemand lasten. Wifscnse, was die sagen wern: sie sinn zu geiz'g drzu. Das sagen die nämlich jetzt schon. — Da laff.'nsese doch! Mich kann das nich steern. Awr wo's heier söfiel Flaum gibbt. Ich däht een backen. — Da backense doch een! Meintwegen jeden Daag een. Nee. Jeden Daag kann ich keen backen. Wistense, wegen'» Blech. Nachher iewrlegen Se sichs filleicht doch noch und wolln eenes Daages mei Kuchenblech geborgt Hamm, umi ich mißt's schließ- lich abschlagen. Da brauchense keene Angst zu Hamm. Ich brauch heier Ihr Blech nich. Ae, das werd doch nich Ihr letztes Wort sinn. Wo'» Ihre Kin- der so gerne essen. Denn däht ich doch die Freede machen. — Wegen denn back'ch doch keen. Weil die sich forges Jahr so dran iewrsressen Hamm. Awr da schtrafen Se doch ooch Ihrn Mann mit. Unn der kann doch nich drfor. 5)e, sinn Se nur nich so! Backen Se doch een! — Jetzt nich erscht noch. Wo de Flaum schon wieder teirer wern. Gehns« doch zum Fichwäg, der vrkooft se sr elf Feng« s Fund. — Iß wahr? Ja, unn zehn Fund ne Mark. Unn mit zehn Fund kommse weit. Da kennse zwee Kuchen drfon backen. Das schbarnf« doch nachher an' Bemm', wennse Kuchen zum Kaffee Hamm. Da Hamms« eegentlich recht. Wissense, ich wer doch noch een backen. Ich schick morgen frieh mal meine Len« niewr zu Ihn' nachn Kuchenblech. Hm, schicken kenne s«. Awr zähm buh ichs'r nich. Dadroff habb ich nämlich bloß gewart. Ich borg Ihn' mei Kuchenblech iewrhaubt nich mehr. Mei Mann hat sich die gansen Jähre schon immer offgeregt. Der sagt: du dummes Luder, da läßte dir von fremden Leiden dei Zeich runieren, fr nischt unn wieder nischt. Meegen se sich doch g Kuchenblech koofen, wennse Flaumkuchen backen wolln. Die Borgerei leid ich««fach nich mehr. Di« hau ich vrkehrt de Drebbe nunder, wennse sich nochmal nachn Kuchenblech blicken lassen. Die liederliche Bucht I De Fresserei Hamms« in Kobbe, unn Flaumkuchen muß sinn. Awr zu enn Kuchenblech langts nich... Sehnse, das hat mei Mann gesagt. Unn das wa"t ich Ihn' bei der Gelegenheet bloß sagen.... 'Jlurl Sludolf Heubert: 'Xtvijehen drei und fünf Man ist nicht ganz satt, man weiß nicht, wohin man gehen soll. Man steht vor einer Kirche, wem, auch andere da stehen, weil drinnen eine glückliche Braut und ein glücklicher Bräutigam getraut werden. Man sieht sie sich an, wenn sie herauskonunen und in die Galakutsche steigen. Man hat auf der Zunge einen Geschmack von Bowle und Baumkuchen und im Ohr ein Klingen von Trinksprllchen und sonst noch so ein komisches Gefühl in der Herzgrube. Aber das alles nur so lange, wie die Brautkutsche zu sehen ist. Dann geht man weiter. Dann bleibt man vor einem Mann stehen, weil auch ander« da stehen, denn der Mann verkauft Krawattenhalter. Der Mann demon- striert, wi« man seine Krawatte schonen kann nach dem neuesten System. Der Mann spricht einen schließlich an, weil man ihm an- dächtig zuhört, ihn ununterbrochen angesehen hat und in der vor- dersten Reihe steht. Der Mann blickt auf die Krawatte, die man trägt, und sagt vor allen Leuten: Sehn Sie diesen jungen Mann an, meine Herrschaften, die Krawatte, die er da trägt... aber bleiben Sie doch hier, junger Mann, warum laufen Sie denn weg, es tut Ihnen doch keiner was. Hallo, nehmen Ne dann wenigstens einen Krawattenhalter mit, Sie könnten ihn brauchen,... Man ist schon weitergegangen. Eigentlich ist man mehr geflohen und zwar so schleunigst, daß man einem älteren Herrn auf die Hühneraugen und einem Auto beinahe auf die Ballonbereifung ge- treten ist. Jetzt steht man vor einem Schaufenster. Dieses Schaufenster gehört zu einem erstklassigen Herren'konfck- tionsgeschäft. Im Schaufenster sind Anzüge von 120 Mark aufwärts ausgestellt. Der, der einem am meisten gefällt, kostet 180 Mark, ist zweireihig und in der Farbe zwischen einem bläulichen und einem mehr grünlichen Braun. Man.steht zehn Minuten vor diesen: Schaufenster und zieht den alten Rock,.die alte Weste, die alt« Hofe aus, steht in Unterhofen da, alles wir in Gedanken natürlich, und zieht sich dann sorgfältig die neu« Hos«, die neue Weste, den neuen Rock an. Der Anzug sitzt tadellos. Wenn man hundertachtzig Mark hätie, würde man ihn bestimmt kaufen. So aber beginnt man in Ge- danken sich wieder auszuziehen, wehmütig lächelnd streift man die neue Hos« über die Schuhe, den Rock von den Armen und knöpft die Weste auf. Man steht gewissermaßen: wieder in Unterhosen da, um die alte Hose, die alte Weste, den alten Rock qnzuztehei'. da. Schreit plötzlich jemand. Jemand ist überfahren worden. mindestens. Menschen laufen zusammen. Man läuft auch hin, ge- wissermahen in Unterhosen. Man sieht einen Radfahrer aus der Nase bluten, ein« verbogene Lenkstange und eine aufgeregte Frau mit einem großen Mundwerk. Warum klingeln Sie denn nicht, Sie Lümmel! Sie hätten mich bald Übersahren!" Wenn der Radfahrer aus der Muleckstraß; wäre, würde er jetzt sagen: Sie olle Petersilie, können Se nich uff- passen, haben se keene Oogen im Kopp? Aber der Radfahrer ist scheinbar aus Wilmersdorf, er hält das Taschentuch vor die Nase und sagt so gut es geht:„Hören Sie mal, Frau, ich habe aber geklingelt. Sie sind mir wie verrückt vor das Rad gelaufen, hin und her. Und den Lümmel verbitte ich mir." Jetzt melden sich schon Stimmen in der Menge:„Jawall, er hat geklingelt."„Er hat nicht geklingelt."„Sie hat Schuld."„Er ha» Schuld."„Schupo!!!" Man geht weiter. Was ist denn schon passiert? Wenn man jetzt lieber Kaffee mit Sohne trinken könnte in der Imperator-Diele oder im Eaf,- König. Wenn man den Anzug von vorhin anhätte und einen langsamen Wnl-»r tanzen kannte mit'ner Puppe aus dm Konfektion. Das Leben ist eine Pleite. Man könnte seelenruhig von der Weidendammer Brück? hop' u Aber man geht mit schiefen Absäßen noch Haus«.... | T keaief, Licklspiele usw. | Donnei st., 3M0. Staats-Oper 1 Unter d. Linden A.-V. 236 19 Uhr Donnerst.,31.I0. I Stäfif. Oper Bismarcksir., Turnus II 20 Uhr Tosca Slaals-Oper Am Pl.d.Republ. R.-S. 178 Wh Uhr Hans Heiiinß StaatLSdiansph. am Gendarntettmarkl| A.-V. 209 20 Uhr Weh' dein der lugt SlsatI.Sc!j:il8r-Tli8atcr,C!i3rl(!i. 20 Uhr Treibjagd T3(l. 2 Vonlcll. 5 und»'/- Odr Bailuresu 925t 5 B. 50 Pf.-3 M. Letztor Tag Idas groben Okrober-Programtn: (PrEise1-6H. WadisM?.; Tägl. S u. 815 Sonnt. 2,5 u Alex. E. 4. 8066 [INTERNAT. VARIETE« Morgen Premeere RsnaissanGe-Theafer •'/. STEMPELBRUDER Von Duschir.sky Regie;(iust. harlung. Sonnabend nachm. 5 Uhr Ton Zn des Töpfers Hand Sonntag nachm. 4 Uhr Krankheit der Jugend 'iteinolaiz LI. 09 01 u. 2583/84. VoibsMlm« iiester anBiilovriilat! 8 Uhr Frülilmgs Erwachen Staat!. Söiiller-Il!. 8 Uhr Tbeaier am smitniaoerdnnim 8'/. Uhr Gefaitesie j üestsdies meaiet D.I. Norden 1231( S'/i Uhr Der Kaiser u.£ merike von Bernard Shaw Reg.:Ma\ Reinhardi Käminersplele D.I. Norden 12310 8% Uhr Der linwidersteiilieiie Komödie von Göraldy und Spitzer Regie; Gustaf G riindgens Die Komödie |1 Bismck. 24I4.I75I0 S Uhr ftGlporta�e Komödie von Georg Kaiser Regie- Erich Engel Direktion )r. Robert KIclr neuiscli«s Könstler-Theal Barbarossa 3937 SV» Uhr ßic anders Seite xagilcb 8 Ufer Sonnaiienda and Sonntags auch nachm. 3 Uhr ins der Filiie der neuen Noveinber-Attraklionenl Orlandos DressurschSptungen 6 Hochseiüsufer Geschwister D. Ctoy Der unstreitig beste Hochsellakt der Welt Maud Gl) Trio 110 9 a'lt'o s 110 Die lustige Esel-taödse 10 Mlnnten Lachsalven I Tolle Späße der Meister. Clowns TRIO FERNANDO £LD/D, der Teufeisradfahrer in der Luit! letzte amerik. Seosallonl Rückkehr van Karneval Eine akrobatleche Studie der 3 BENNOS Lustiger Balance-Akt von Schiller und Jeroma FailKhinn- Experimenie des Piloten P E U I LLOT Zum erstenmal In einem Clrcut- gcbaude gezeigt Die Hebe von der Circus-Huppei zur Manege betrügt 24 Meter. Die neue Preisgestaltung! iKSeine« feste Preise! 1 LTÄÄh.oso-m.s-I Sonntag nachm. Kinder halbe Preise.{ 1 Sonnabend nacbm für Erw. u. Kinder j ermüBIgte Preise B O.M- M. 3.—. Nehmen Sie Ihre Karten Im Vorverkauf;! Wcrtbclm u. Clrcuakass. ohne»ulschl. fieriiDsr Mx D8nhoff)70 SV» U. Zwei Krawatten von Georg Kaiser Musik Spolianskv lUemes ineat. Merkur 1624 Täglich SV» Uhr Max Adalbert als Nanle am EIDgel Rudolf Nelson Baraowsky-BQtioen Theater in der Kdnlggrätzer Straße Täglich 8Vj Uhr Die erste mrs. seiby mit rrnzi massary Komödienhaus H e u t e 7'/» Uhr Zum I. Male Der nabnerbot Metropol-lö. 8V» Uhr Lcbdr dirigiert Das Land des Lächelns Vera Schwarz, Richard Tauber Lessing-taler Norden 10846 Gruppe fnnger Schauspieler Täglich S1/* Uhr C�anKali # 218 von FrtedlliK Voll Trianon-talSr SV» Uhr Elisabeth Strickrodt in „Die Hallerina des Königs" Heute Vorverkauf StädtischcOper ReichshalieifTheater_ Abend.(T) Sonntag nachm.|_3_ Des Andranges wegen prolongiert; Jtt de Slettte' Üik-Revce. Nachmittags halbe Preise, volles Programm! Billeitbest Zentrum 11263. nönhoff- Brort'J Famülen-Varicfö— Konzert— Tanz. 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Im tiefsten Schmerz im Namen der Hinterbliebenen,, Sophie Sdrwmdt, geb. Ketihou und Kinder Berlin NW 6. den 30. Oktober 1929. Scbiffbauerdamm 6-7. Die Beerdigung findet am Sonnabend, dem 2. November 1929, nachmittags 3 Uhr. auf dem Friedhof der Pbilippus-Apostel-Gemeinde Berlin N. Müllerstr. 44-45. statt.■ Alexandorplafz Nau« Königslr.43 SMüMMll-iiilw!' uerwsitungsmitgiieder! üm Freilag, dem 1. Naoembcr, abenfe» 7 Ufer, Sitzung der Mittler rni Srtaucrwaltnng. «vfrkaam smudi» UCSUI1UCI» Kleinen AnzeiBCi in aer Gesamt. Auflage Kil llO«! des Vorwärts und trotzdem UllikJ»• Danksagung. Für die unS erteilten Beweii» auiri»:iaer Anleilnatmc beim Ar. leben meines leben Mennes, unlem guten Vaters Albert Thomas lagen mir allen unseren her,». ichsten Dank Airna Thomas, geh. Vardoh» and Söhne.