BERLIN Donnerstag 31. Oktober 1929 Der Abend™ Erfchetst täglich außer Sonntags. Bugleich Abendausgabe des Vorwärts. Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition; Berlin SW68, Lindenstr.3 Spätausgabe des„ Vorwärts 46. Jahrgang nzeigenazeis: Die einfpaltige Nonpareillezeile so Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Bosscheckoute: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37 536. Fernsprecher: Donboff 292 bis 297 Beamtenbank in Stockung. Sie schließt die Schalter.- Beamte ohne Gehalt. Heute vormittag hat die Bank für Deutsche Beamte ihre Zahlungen eingestellt. Die Nachricht von der plötzlichen Zahlungseinstellung tam dem größten Teil der Bankkunden völlig unerwartet. Zahlreiche An= gestellte und Beamte, die ihre Gehälter von ihren Dienststellen direkt der Bank überweisen ließen, standen heute früh, als sie Teilbeträge abholen wollten, vor verschlossenen Türen. Die Erregung war ungeheuer und es tam zu turbulenten Szenen. Die Polizei mußte schließlich eingreifen, um die Ruhe wieder her: zustellen. Besonders vor der Hauptkasse in der Wilhelm. straße 46 und am Belle Alliance Blah hatten sich zahlreiche Beamte eingefunden, die ihrer Empörung in erregten Worten Luft machten. = Wie wir hierzu erfahren, soll die Bank für Deutsche Beamte seit einiger Zeit mit der Zentralbank in der Schüßenstraße in Fusions: verhandlungen stehen. Diese Verhandlungen sollen sich gestern aber zerschlagen haben, so daß sich die Direktion der Bant für Deutsche Beamte gezwungen sah, die Zahlungen einzustellen. Auch von der Kriminalpolizei ist inzwischen eine Untersuchung eingeleitet worden. Beainte der Dienststelle F 2 des Polizeipräsidiums haben sofort die Ermittlungen aufgenommen. * Wie uns auf telephonische Anfrage von der Direktion der Banf mitgeteilt wird, soll die Schließung der Kassen lediglich darauf zurückzuführen sein, daß ausstehende Gelder heute vormittag plötzlich zurückgehalten wurden. Dadurch ist gerade zu Ultimo eine 3ahlungsstod ung eingetreten. Die Direktion hat die BankLeiter zusammenberufen und wird mit ihnen beraten. Die Direktion ist sehr optimistisch und hofft bereits heute nachmittag die Kaffen wieder öffnen zu können. Weiter wird behauptet, daß für alle Einzahlungen ausreichende Sicherheit vorhanden wäre. Man wird abwarten müssen, ob dieser Optimismus berechtigt ist. Es muß als ein unerhörter Standal bezeichnet werden, daß die Bank, nachdem fie vom Staat und den Kommunalbehörden die Gehälter für ihre Mitglieder empfangen hat, die Schaller schließt und die ihr angeschloffenen Beamten glattroeg aufs Trockene jetzt. Es muß dringend gefordert werden, daß dieses rigorose Vorgehen der Bankverwaltung unverzüglich seine Sühne findet. Sofortiges Eingreifen der betreffenden Behörden muß im Intereffe der Hunderte von geschädigten Eriftenzen gefordert werden. Wir haben wiederholt vor den Geschäftspraktiken der Bank für deutsche Beamte gewarnt, denn schon seit zwei Jahren war mancherlei in die Deffentlichkeit durchgesidert, was die Geschäfts polifit der Verwaltung in merkwürdigem Lichte erscheinen ließ. * Offiziös wird darauf hingewiesen, daß die Beamtenverbände mit dieser Bank nicht in Berbindung stehen, weder der Deutsche Beamtenbund noch der Deutsche Beamtenwirtschaftsbund und der Revisionsverband der Beamtengenossenschaften. Die Bank für deutsche Be amte arbeitete vielmehr auf privater genossenschaftlicher Grundlage, Beamte gehören ihrer Leitung nur als Einzelpersonen an. Das Stammkapital der Bank beträgt etwa 600 000 m., die Haftfumme etwa 5 bis 6 Millionen. Die Hugenberg- Pleite. 3mmer noch fein endgültiges Resultat. Das endgültige Ergebnis des Hugenbergschen Infla tionsbegehrens steht immer noch nicht fest. Heute mittag lagen aus Orten und Kreisen mit 25 687 945 Stimmberechtigten 2311 458 Gintragungen vor. Der Durch schnittsatz ist 8,99 Proz. Böß in Bremen. Bon Bürgermeister Scholtz empfangen.- Abends in Berlin. Bremen, 31. Oktober. Der Schnelldampfer„ Bremen“ mit Oberbürgermeister Böß an Bord traf am Donnerstag vormittag um 9.40 Uhr auf der Reede von Bremerhaven ein und machte um 10.45 Uhr am Columbustai fest. Nach der Ankunft des Schiffes begab sich Bürgermeister Scholh an Bord, um den Oberbürgermeister zu begrüßen. Böß traf etwa gegen 13 Uhr in Bremen ein und will sofort seine Reise nach Berlin fortfehen, wo er gegen 19 Uhr erwartet werden fann. Rockefeller fauft- Ruhe in Amerifa Abwärtsbewegung gestoppt.- Die Pfandhäuser blühen. New York, 31. Oktober. Umschwung in der Entwicklung dar. Die Abwärtsbewegung gilt als Die gestrige Haltung der New- Yorker Börse stellt einen vollen endgültig überwunden, nachdem die Kurse zum Teil bis zu 30 Punkten wieder angezogen haben. An einer weiteren Konferenz führender Bankiers im Hause Morgan, die am Mittwoch stattfand, nahmen auch Owen Young und der Präsident der National City Bank of New York, Mitchell, teil. Im Anschluß daran wurde eine Erklärung veröffentlicht, die bejagt, daß sich die Bedingungen inzwischen erheblich gebeffert hätten. Berschiedene große Gesellschaften fahren fort, günstige Bierteljahresberichte über die ihnen nabeſtehenden Firmen zu verbreiten, um zur Wiederherftellung des Vertrauens der Deffentlichkeit beizutragen. Die Wirkung diefes Vorgehens macht sich bereits bemertbar. Nicht unwesentlich zu dieser günstigeren Entwicklung beigetragen hat ein Schritt John D. Rockefellers sen., der am Mittwoch durch sein eigenes Bureau mitteilen ließ, er und sein Sohn seien der Auffassung, daß die gegenwärtigen Preise der führenden Werte an der New- Yorker Börse ihrem fatsächlichen inneren Wert entsprächen und daß er und sein Sohn demzufolge seit Tagen in bedeutendem Umfange Antäufe vornehmen. Er beabsichtige, angesichts des Umstandes, daß die Vernichtung der Börsenwerte durch die wirt schaftliche Konstruktion des Landes nicht gerechtfertigt sei, in dieser Börsenvorstandes, während des Wochenendes eine Handlungsweise fortzufahren. Die Entscheidung des New- Yorker brechung der Börsengeschäfte durchzuführen, um dem überarbeiteten Personal Gelegenheit zu einer Ausspannung zu geben, wird von den führenden Banten sehr begrüßt, da die Ruhepause Dom Freitag bis zum Montag nach ihrer Auffassung die Zuversicht in der Deffentlichkeit weiter verstärken werde. 11nter= An diesen Panittagen, haben die Leih- und Pfand.. häuser glänzende Geschäfte gemacht, nicht nur in New York, sondern im ganzen Lande. Seit drei Tagen find ganze Seiten der Zeitungen mit Inferaten über Berkauf von Autos, Wertsachen und Edelsteinen unglücklicher Spekulanten gefüllt. Der Zusammenbruch an der Börse wird einen starken Rückschlag auf die gesellschaftlichen Verhältnisse im Lande haben. Man bereitet eine neue Liste der Milliardäre vor. Nach deren Fertigstellung wird man feststellen können, daß viele neue GeBolle Deckung! Soffentlich wird inzwischen nicht allzuviel retufpiert." ( Bugenberg über die Stimmenzählung.) IMMUNITAT Wie verleumdet es sich gut, Wenn man nichts risfieren fuf! sellschaften darin enthalten sind, daß dagegen viele alte und bekannte Persönlichkeiten fehlen. Unter den Opfern des Börsensturzes befindet sich, wie die Blätter berichten, auch Schatjekretär Mellon, der schwere Berluste erlitten haben soll Der Beschluß des Börsenvorstandes, die Börse erst wieder am nächsten Montag zu eröffnen, bedeutet besonders für die 50 000 2ngestellten, die unmittelbar mit der Börse zu tun haben, eine wohlverdiente Ruhe nach einer 60 bis 70stündigen fast un unterbrochenen Tätigkeit. Regierungsfrise noch ungelöst. Clémentel an der Arbeit. Herriot lehnt ab. Paris, 31. Oftober.( Eigenbericht.) Der radikale Senator Clémentel beabsichtigt nach Ertlärungen gegenüber Breffevertretern, sein Rabinett bis heute abend fertigzustellen. Allerdings scheinen seine Bemühungen, deren Erfolgsaussichten durchaus noch offen stehen, nirgends auf besondere Begeisterung zu stoßen. Namentlich im Lager seiner eigenen Partei scheint Clémentel feine allzu starke Unterstützung zu finden. Die Geister im radikalen Lager sind durch den Mißerfolg Daladiers und seinen Konflikt mit Briand noch allzusehr überreizt. Auf jeden Fall hat Clémentel sich schon bei Herriot, den er zur Mitarbeit aufgefordert hatte, bereits eine glatte 2 bsage geholt. Ueberhaupt ist sich die radikale Kammerfraktion noch nicht über ihre Haltung gegenüber der von Clémentel versuchten Mehrheitsbildung der republikanischen Berföhnung" schlüssig geworden, zumal nicht ersichtlich ist, wie weit Clémentel seine Versöhnung nach rechts ausdehnen will. Vorläufig hat Clémentel immerhin die Unterstützung Briands erhalten. Nach der großen Informationspresse soll er auch schon Cherron für das Finanzministerium, Loucheur für das Arbeitsministerium, de Jouvenel für das Kriegsministerium, Dumesnil für das Marineministerium und Lavalle für das Justizministerium gewonnen haben. Alle diese Kandidaten rekrutieren fich auffallenderweise ausschließlich aus dem Senat. Das Innenministerium und das Kultusministerium gedenkt Clémentel zwei radikalen Abgeordneten anzubieten, doch habe er dafür noch keine Randidaten gefunden. Im Anschluß an die abermalige Ablehnung der Sozialistischen Partei, sich an einem Linkstabinett attiv zu beteiligen, het der ftellvertretende Generalsekretär der Partei, der Abgeordnete Frot, seine Demission eingereicht. Er begründet seinen Rücktritt damit, daß er den negativen Beschluß der Partei als außerordentlich schädlich für den Sozialismus und die demokratische Idee in Frankreich anfehe. Weg mit der Spionage! London, 31. Oktober. Der politische Korrespondent der ,, Daily Mail" schreibt: Durch das Streben der sozialistischen Regierung nach Ersparnissen ist der britische Geheimdienst gefährdet. Im Etat des Foreign Office find alljährlich 250 000 Bfund Sterling eingefeßt, über die nur selten Anfragen gestellt werden und über die seitens der Regierung niemals Auskunft erteilt wird. Beamte des Foreign Office, des Kriegsamtes und der Admiralität sind gegen jeden Versuch, den Geheimdienst abzuschaffen, der während des Krieges großartige Leistungen erbracht hat. Man erwartet, daß, die Regierung ein Kompromiß schließen wird. Staatssekretär Henderson hat, wie verlautet. in diplomatischen Kreisen sondiert, um zu erfahren, ob es möglich wäre, in dieser Angelegenheit mit anderen Ländern zu einem Einvernehmen zu gelangen. ,, Daily News" verbreitet sich in einem Leitartikel über das gleiche Thema und meint, der praktische Wert der kostspieligen Spionagedienste, die von den meisten Ländern unterhalten würden, sei sehr zweifelhaft. Auf der anderen Seite verursache die Spionage zwischen den beteiligten Ländern unvermeidlich böses Blut. Es wäre daher ein wesentlicher Beitrag für den Weltfrieden, wenn es gelänge, durch Berhandlungen einen allgemeine: Berzicht auf die Spionage zu erreichen. Entscheidungsschlacht der Prohibition? Was der Ring der Alkoholschmuggler in USA. verdiente. Der riefige Alfoholfchmuggelring, der durch das nergische Zugreifen der amerikanischen Prohibitionsbehörden in einem nächtlichen Feldzug bei einer Frontausdehnung von St. Harbour bis nach Atlantic City zerschlagen worden ist, enthüllt fich nach den bisherigen Untersuchungen als eines der profitabelften Geschäffe, das bisher in New York Cify gemacht werden konnte. Die Reingewinne des Schmuggelfynditates, das feine Waren mit den Mitteln modernster Technik beförderte und abfeßte, betrugen in sechs Monaten nicht weniger als zwei Millionen Dollar. An die Finanzleute wurden wöchentlich je nach der Geschäftslage und den Betriebsunkosten, unter denen die Bestehungssummen für hohe Beamte an erster Stelle gebucht wurden, Dividenden zwischen 7 und 23 Prozent ausgeschüttet. Aus den beschlagnahmten Bapieren geht hervor, daß die Schmuggler in der Woche durchschnittlich 30 000 Dollar Bestedhungsgelder an Beamte auszahlten. Unter der Liste der Be stochenen findet man Polizeichefs, Bürgermeister und zahlreiche Mitglieder der Staatspolizei. Die Kommunalbehörden von New Jersey sind derart schwer belastet, daß an ihrer Amtsenthebung und strafrechtlichen Berfolgung faum zu zweifeln iſt. leber die Organisation des Schmuggelsyndikates, dem die BeHorden seit 6 Monaten auf der Spur waren, erfährt man die dbenteuerlichsten Dinge. Da gab es eine start befestigte Billa auf einem Hügel bei New York, die als Zentrale diente, geheime Radiosende- und Empfangsstationen, eine Flotte von Motorbooten und sechs größeren Schiffen, eigene Lagerhäuser und einen Wagenheerpart von Automobilen und Lastwagen und last not least Maschinengewehre und Maschinenpistolen, die allmählich jenseits des großen Teiches zu der obligaten Ausrüstung des modernen Verbrechers gehören. Die Beamten haben amar bei ihrem überraschenden Generalangriff riefige 21tohol vorräte mit Beschlag belegen können, aber das Hauptstück in Gestalt des Flaggschiffes der Schmuggelflotte, die Sham nee" entging ihnen. Anscheinend hat sie sich rechtzeitig in die tanadischen Gewässer herübergerettet. Bon dem Schmuggelsyndikat wurden bisher 32 Mitglieder verhaftet, während nach 25 noch gesucht wird. Die amtlichen Kreise glauben dem Alkoholschmuggel als solchem einen entscheidenden Schlag versetzt zu haben. In der Deffentlichkeit ist man nicht ganz so optimistisch. Die amerikanische Regierung hat während des am 30. Juni zu Ende gegangenen Geschäftsjahres nach Meldungen aus Washington insgesamt etwa 17 millionen Mart in Strafen für die Ber: legung der Prohibitionsgefeße eingenommen. Die Zahl der zu Gefängnisstrafen verurteilten Personen beträgt 21602, was gegenüber dem Vorjahre eine Vermehrung um nahezu 2000 barstellt. Gerichtlich angeklagt wurden während des vergange nen Jahres nicht weniger als 56786 Personen, wovon allerdings 18 359 aus dem vergangenen Jahr übernommen wurden. Zurückgewiesene Verleumdungen. Bürgermeister Kohl vor dem Landtagsausschuß. In der heutigen Sitzung des Stlaret- Untersuchungsausschusses des Preußischen Landtags wurde als erster Zeuge, der sozialbemo fratische Bürgermeister Koh1 Röpenid vernommen. Er war als unbejoldeler Stadtrat in den Jahren 1921 bis 1926 Borjizender des Aufsichtsrais der Kleidervertriebsgesellschaft( KBG.) und gab über den Gescäftsgang einen eingehenden Ueberblick. Alle größeren Abschlüsse sind regelmäßig dem Aufsichtsrat zur Beschlußfassung porgelegt worden. Dem ersten Vertrag mit den Gebrüdern Sklaret am 3. Juli 1925 hat auf Antrag der Liquidatoren der Aufsichtsrat zugestimmt, ebenso der Stadtfämmerer, der Stadtsyndikus unb bas Stal tische Rechnungsprüfungsamt. 2bg. Obuch( Komm.): Wie war Ihr persönlicher Ber Bor den Saarverhandlungen. Frankreichs Ziele und Deutschlands Forderungen. ( Bon unserem Korrespondenten im Gaargebiet.) Saarbrüden, 30. Ottober.( Eigenbericht.) für die Saarverhandlungen hat ihr Programm inzwischen endgültig Die interministerielle Kommission der französischen Regierung festgestellt. Sie hat sich nach den Mitteilungen französischer Blätter die egtremsten Forderungen aller am Saargebiet intereffierten Streife zu eigen gemacht. Sie hat also von vornherein damit gerechnet, daß noch viel Wasser in ihren Wein geschüttet wird. Die Frage der Rückgliederung der Saar zerfällt in amei große Sachgebiete. In die der außen und der innen politischen Rückführung der Saar. Was in Paris verhandelt werden wird, betrifft natürlich lediglich die oußenpolitische Rückführung. Es ist der Wunsch vor allem der freigewerkschaftlichen Arbeitnehmer: schaft und der sozialdemokratischen Partei des Gaargebiets, daß nach cinem aussichtsvollen und erfolgversprechenden Beginn der Pariser Berhandlungen gleichzeitig auch das Problem der innenpolitischen Rückführung durch Verhandlungen zwischen den Reichs: und Staatsbehörden und den Bevölkerungsvertretern der Saar in Angriff genommen wird. Die außenpolitischen Rückgliederungsverhandlungen umfaffen folgende fünf Hauptfachgebiete: 1 Die territoriale Rüdgliederung. 2. Die Saargruben, 3. Die handels- und zollpolitischen Fragen, 4. Die sogenannten Warndt- Konzeffionen, 5. Die elfaß- lothringischen Stichbahnen. Die Hauptbedeutung der Berhandlungen wird zugleich mit den Hauptschwierigkeiten beim zweiten und dritten, vor allem aber beim dritten Punkte liegen. In der rein politischen Frage der territorialen Rückführung dürfte Frankreich die Forderung der Saarbevölke rung und der Reichsregierung annehmen, daß die gesamte Saar restlos und sofort unter Ablehnung jeder Art politischen 3wischen und Uebergangsregimes und jedes irgendwie politisch untlaren 3nterregnums in den angestammten Staatsverband der Deutschen Republik und unter die Berwaltung der zuständigen Freistaaten Preußen und Bayern zurückkehrt. In der Frage des Rüdtaufs der Saargruben dürften die ersten Schwierigkeiten dadurch entstehen, daß das französische Programm die Einrichtung einer gemischten deutsch französischen Berwaltung der Saargruben vorsieht. Es soll deutsche, insbesondere deutschnationale und anders schattierte Industrieritter geben, die solchen französischen Bestrebungen aus eigenen Profitwünschen entgegenzukommen geneigt sind. Die Haltung der deutschen Regierung aber und der gesamten deutschen Saarbevölkerung ohne Ausnahme und ohne Unterschied der Barteirichtungen geht unabänderlich und endgültig dahin, daß nur ein Rüdfauj der Saargruben durch Deutschland und deren Rückführung in preußischen und banerischen Staatsbesig und entsprechende Staats: ausbeutung in Frage tommen fann. Jede Art von staatlicher oder privater Internationalisierung und jede Form von internationaler oder nationaler Privatisierung der Saargruben scheidet für Deutsch. land und für die Saarbevölkerung vollkommen aus. Das einzige, was Frankreich auf dem Wege einer solchen Magimalforderung er reichen fann, ist eine deutsche Berpflichtung zur Gaar. fohlenlieferung an die französischen Abnehmer. Die schwerste Frage ist die der handels- und zoll= politischen Regelung. Frankreichs Handelsbilanz mit der Saar ist in dem gleichen Umfange aktiv, in dem die Deutschlands Liefermonopol, geschützt durch Zoll-, Währungs- und Steuergesetz an der Saar paffiv ist, d. h. Frankreich will sein saarländisches gebung, natürlich möglichst lange behaupten Andererseits aber fann Deutschland nach der Annahme des Young- Blanes feineswegs eine weitere dauernde jährliche zufäßliche Reparationsbe last ung von mehr als 100 Millionen Mart auf dem Wege einer vorläufig freiwillig übernommenen negativen Handelsbilanz mit der Saar zugemutet werden. Die Streitfrage wird sich verhältnismäßig einfach lösen laffen für alle die Warengebiete, bei denen ein Be zugs oder Absaßbedürfnis miteinander ausgeglichen werden fönnte. Das ist der Fall bei Erz und Rohle, in bestimmten Gebieten der Weiterverarbeitung und für einen neugewonnenen gegenseitigen Erport bei landwirtschaftlichen und Industrieprodukten. Für darüber hinausgehende Wünsche kann es nur eine Dauer lösung im deutsch- französischen Handelsvertrag oder eine möglid, st furz befristete llebergangs lösung im reinen jaar- franzöfifchen Verkehr geben. T Die Warndt Ronzessionen betreffen jene Berträge, die private französische Bergwertsgesellschaften Lothringens zur unterirdischen Ausbeutung des preußischen jetttohlenreichen Warndt von Frankreich unter Zustimmung der Regierungskommission erhalten haben und die in ihrer Einseitigkeit Kuriositäten des internationalen Bergwerfs darstellen. Die Verträge beweisen zugleich, wie notwendig die Industrie Elsaß- Lochringens und die anderer Departements angesichts des Fettkohlenmangels der benachbarten lothringischen Flammfohlengebiete die Saartohle braucht. Die elfaß- lothringischen Stichbahnen sind die von Bölflingen, Bous, Dillingen und Merzing aus nach Lothringen führenden ehemals reichsdeutschen Bahnlinien, die von Frankreich als Eigentum Elsaß Lothringens mit Beschlag be.. legt worden sind und bis heute von Frankreich verwaltet werden, obgleich der Bersailler Vertrag das gesamte fistalische Eigentum der Saar dem Bölterbund treuhänderisch und ihrem Rechtsnach folger eigentümlich überließ. Rechtsnachfolger fann und wird natürich nur das Reich bzw. Preußen und Bayern sein. Die französische Saarpropaganda hat in durchsichtiger Absicht mit Ausnahme der Stellungnahme der französi schen Sozialbemotratie andere Lösungsmöglichkeiten der Saarfrage propagiert. Gaston Roug hat diese Absichten einmal auf die Formulierung gebracht: Bolitisch zu Deutschland, wirtschaftlich zu Frankreich, bei beschränkter Verwaltungsautonomie". Die Saarbevölkerung hat eine solche Mißgeburt als die ..Kröfe mit dem Adlerkopf und dem Hahnenschwanz" schon immer abgelehnt: Für das in Bersailles fünstlich geschaffene Saarproblem fann nach dem politischen Selbstbestimmungsrecht derSaarbevölkerung, nach den wirtschaftlichen, sozialpolitischen und fulturellen Erfordernissen und im Hinblid auf die deutschsfra zösische Verständigung als der Grundlage einer europäischen Ei: gung eine Lösung nur gefunden werden in restloser und endgültiger Beseitigung dieser lebensunfähigen politischen 3 medschöpfung. • febr mit ben Sklarets? Zeuge Koh1: In der Zeit, in der ich Das Autounglück auf der Heerstraße. Das Autounglück auf der Heerstraße. Die Kuppelei im Strafrecht. Aufsichtsratsvorsitzender der KBG. war, habe ich teinerlei persönlichen Berkehr mit einem der Brüder Stlaret gehabt. Erst nachher bin ich auf wiederholte Einladung zweimal bei ihnen im Hause gewesen. Abg. Obuch: Aus welchen Mitteln haben Sie sich Ihre Billa in Köpenid gebaut? Sie wissen wohl, welche Anschuldigungen gegen Sie erhoben worden sind. Zeuge Koht: Auf den Kaufpreis meines Hauses habe ich im Laufe der Jahre aus meinem Gehalt 12 000 Mart abbezahlt. Im übrigen habe ich von einem Banfhause 30 000 Mart Kredit aufgenommen und zahle die drückenden 3insen wie jeder andere. Selbstverständlich haben weber die Stlarets noch Freunde der Stla rets mit meinem Haus das geringste zu tun. Abg. Kasper( Romm.): Haben Sie von den Geschäften der KBG. jemals Provisionen erhalten? Zeuge Kohl: Sch weiß wirklich nicht, was ich auf diese unfinnige Unterstellung antworten soll. Also: felbstverständlich niemals einen Pfennig! Die Verhandlung geht weiter.. ,, Makabi bogt..." oder: die Deutschnationalen verachten den Erfolg! Die deutschnationale Presse sucht Trost in Tränen, den ihr die Sugenberg- Korrespondenz in Artikelferien spenden. Immer wieder wird versichert: auch für den Fall, daß die vorgeschriebenen 10 Pro3. Eintragungen für das Volksbegehren nicht erreicht sind, werde ,, der Kampf weitergehen"( Wie?). Als heutiger Trostspender tritt der Deutschnationale Dr. Schiele Naumburg auf, Rappift feligen Angedenkens. Er hat sich aus seiner Rebellenzeit einen beachtensmerten Schatz tommunistischer Theorien bewahrt, 3. B. den, revolutionären" Grundfaß, daß gehäufte Niederlagen die Vorbedingung des Sieges seien. Die flägliche Niederlage beim Voltsbegehren beweist daher nicht die Fehlerhaftigkeit, sondern die Richtigteit der Hugenbergschen Politit fagt Schiele. Aber Schiele hat noch weitere Eideshelfer. Nicht nur die Thefen der Komintern, auch die Juden müssen als Kronzeugen für Schiele- Hugenberg heran. Denn Herr D. Schiele orakelt: Eripig oder nicht. Der Sieg fommt von oben und mird nicht durch die große Menge erlanget", fo sagt der Führer der Maccabäer, der Kriegsmann und Bolts: befreier. Wenn das sogar vom Kampffeld der Waffen gilt, mieniel mehr pom Ranipffeld des Geistes. Der Sieg tommt schließlich an den, der am längst en bewiesen hat, daß er ben Erfolg verachtet. Bir entnehmen daraus, daß die Deutschnationalen in stolzer Berachtung des Erfolges weiter von Niederlage zu Niederlage stürmen werden. Die Berachtung des Erfolges" stammt übrigens nicht von den Maccabäern, die den Erfclg wohl zu schäßen mußten, fondern findet sich literarisch bearbeitet in einer bekannten Tier nbel. Sie handelt vom Fuchs und den jauren Trauben. Der schwere Autounfall auf der Heerstraße, bei dem, wie mir heute früh berichteten, der 57jährige Gastwirt Karl Schmidt aus der Planetenstraße 1 in Neukölln töd lich verunglückte, ist zum Teil noch immer ungeflärt. Auch die von der Kriminalpolizei eingeleitete Untersuchung ist noch nicht zum Abschluß gelangt. Wie ermittelt wurde, befindet sich an der Unglücksstelle ein großer Lichttandelaber, der nach Aussage verschiedener 3eugen gegen 19 Uhr offenbar von einem Lasttraftwagen umgefahren worden war. Inzwischen sollen Arbeiter der Bewag" dort gewesen sein und von einem Fernsprecher in der Nachbarschaft Arbeitsmaterial angefordert haben. Ehe es aber noch eintraf, passierte Schmidt mit feinem fleinen vierfigigen Opelmagen die Stelle. Der Aufzugsdraht, der zum Hochziehen der Lampe dient, muß sich irgendwie gelöst haben, denn er hat zum Teil auf der Fahrbahn gelegen. Jedenfalls steht folgendes feft: Der Draht hat sich um das rechte Vorderrad und die Bremstrommel des Autos gewidelt und das Fahrzeug zum Rippen gebracht. Bon anderer Seite wurde auch behauptet, daß Schmidt den Randelaber selbst umgefahren habe; das scheint aber durch andere Zeugenaussagen widerlegt. An dem Wagen des Gastwirtes waren auch keine Spuren eines derartigen Zusammenstoßes zu erkennen. Das englische Kohlenprogramm. Die Pläne der Regierung. Condon, 31. Oktober. Die Pläne der Regierung für die Kohlenindustrie wurden am Mittwoch den Vertretern der Bergwerksbesitzer und der Bergleute schriftlich zugestellt. Den Blättern zufolge decken sie sich mit den früher veröffentlichten Voraussagen, d. h. fie umfaffen folgende Punkte: 1. Herabjehung der Arbeitszeit um eine halbe Stunde von Anfang April nächsten Jahres ab; 2. Nationalisierung der Regalien mit Entschädigung für die Besitzer; 3. das Recht, die Genehmigung zur Gewinnung von Kohle und anderen Mineralien zu erteilen, wird in Zukunft ausschließlich von der Regierung ausgeübt; 4. Gejegesvorlagen follen eingebracht werden, um die Pläne der Bergwerksbefizer für eine koordinierung und Regulierung der Erzeugung durchzuführen; 5. durch Abgaben auf die Förderung, die an eine Zentralstelle gezahlt werden sollen, beabsichtigt die Regierung, die Kohlenausfuhr finanziell zu unterstützen. Der Rechtsausschuß begann die Beratung der Bestimmungent gegen die Ruppelei ein. Nach§ 304 begeht Ruppelei, mer burch seine Bermittlung oder durch Gewährung und Berschaffung Don Gelegenheiten der Unzucht Borschub leistet. Als Kuppelei gilt insbesondere die Unterhaltung eines Borbells oder eines bordellartigen Betriebes. Straflps soll die Kuppelei sein, wenn es sich um Duldung des Beischlafs von Berlobten handelt. M Abgeordneter Dr. Rosenfeld begründet einen sozialdemo fratischen Antrag, nach welchem wegen Kuppelei mit Ge fängnis derjenige bestraft werden soll, der durch seine Vermittlung oder durch Verschaffung von Gelegenheit den geschlechtlichen Verkehr mit Jugendlichen oder unter Jugendlichen Borschub leistet. Er wies darauf hin, daß der Gesetzgeber, ber einen außer ehelichen Geschlechtsverkehr straflos laffe, nicht jeden ohne weiteres bestrafen dürfe, der einen solchen Geschlechtsverkehr fördere. Nur wenn es sich um den Schuh von Jugendlichen handelt oder um den Schuß vor hinterliftigen Kunstgriffen oder vor Mißbrauch eines Abhängigteitsperhältnisses. sei eine Bestrafung gerechtfertigt. Entschieden zurückzuweisen sei es, menn Abgeordneter Köriffen sogar Bestrafung dann fordere, wenn es sich um die Duldung des Beischlafs von Berlobten handelt. Die Straflosigkeit in solchen Fällen sei die notwendige Konsequenz des Wandels der allgemeinen Voltsanschauungen. Abgeordneter Hellpach( Dem.) tritifiert einzelne Bestimmungen des Entwurfs und benutzte diese Gelegenheit, um das Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtstrantheiten zu befämpfen. Er bezeichnet dies Gesetz als die Morgengabe der weiblichen Abgeordneten, die sie als Frucht des ersten Jahrzehnts ihrer parlamentarischen Tätigkeit dem deutschen Bolte geschenkt hatten. Frau Pfülf( Soz.) und Dr. Mofes( S03.) wandten sich gegen die Kritik des Gesetzes für Geschlechtskrankheiten. Das Gesez schütze die Prostituierten vor Ausbeutung, und es seien gerade die Aerzte, die deffen Borzüge besonders anerkannt hätten. Auch das Reichsgesundheitsamt habe auf die Schaffung dieses Gesetzes hingedrängt. Der Ausschuß vertagte sich dann auf Donnerstag. Die Todesstrafe in England. Eine in englischen Unterhaus behandelte Entschließung für die Abschaffung der Todesstrafe in England ist erwartungsgemäß ohne Abstimmung abgelehnt worden. Dagegen wurde auf Wunsch der Regierung ein Zufazantrag Sir Herbert Samuels angenommen, in dem die Ernennung eines Ausschuffes zum Studium der Frage der Todesstrafe porgeschlagen wird. Dodh feine Prügelfair. medausichuß des ungarischen Abgeordnetenhauses muse Li Beratung des neuen Militärstraj gefehbuches ein Antrag, die im Gejezentwurf für außerordentliche Falle geplante Prügelstrafe fallen zu lassen, einstimmig angenommen, Zwei Millionen Sireik-(Schadenersatz. forderte die Norddeutsche Wollkämmerei. Vi« Rolle, die die Nordwestliche Gruppe ia der Eisen- und Stahlindustrie spielt, sucht der Norddeutsche Wollkämmerei, und Kamin- gornspinnerei-Konjern in der Textilindustrie on Scharsmachcrei gegen die Arbeilnehmerschast zu überbieten. Dieser Konzern brachte es sertig, gegen den Geschäftsführer der Filiale Leipzig des Deutschen Textilarbeiter-Verbandes eine Schadenersohtlage in höhe von zwei Millionen Mark anzustrengen, weil Mitglieder de» Verbandes die Arbeit niederlegten. Am 2ö. April 1027 ist in der Abteilung Ring- und Selsaktor. spinnerei der Klägerin in Leipzig ein Streik ausgebrochen, ohne daß die Arbeitnehmer vorher gekündigt hätten oder der Klägerin eine Mitteilung über den Ausbruch des Streiks gemocht oder ihr irgendwelche Forderung der Arbeitnehmer unterbreitet worden wären. Der Streik sei von dem Beklagten herbeigeführt und unter- stüßi worden. Der Beklagi« habe sich damit eines Tarifbruchs und einer unerlaubten Handlung schuldig gemocht. Bei Fortsetzung des Streiks sei noch ein größerer Schaden zu befürchten. Die„Norddeutsche" hatte am 2. Mai 1927 ein« einstweilige Oer- sügung erwirkt, durch die dem Beklagten verboten wurde, den Streik in irgendeiner Weise zu unterstützen oder noch andere als die bereits bei ihr streikenden Arbeitnehmer zur Arbeitsniederlegung auf- zufordern oder zu ermuntern. Der Beklagte hat eingewendet, daß die Klägerin auch Betriebe in Delmenhorst, Eiscnach und Langensalza habe. In diesen Betrieben seien die Arbeit- nehmer In den Streik getreten, weil die konzernsirmen nicht den tar'fmähigen Lohn zahlten. Am 29. Mai 1927 hatdasLandgcrichtin Leipzig die einst. rvstlige Verfügung aufgehoben. Gegen dieses Urteil hatte die Klägerin Derusung beim Oberlondesgericht in Dresden eingelegt. Am 27. September 1927 wurde die Berufung der Klägerin als unbegründet zurückgewiesen. Den Entscheidungsgründen ist zu entnehmen: Der Deklagte habe sich keine» Tarisbruchcs schuldig gemacht. Eine Verletzung der Friedcnspflicht lieg« nicht vor, wenn der Streik zur Unterstützung der streikenden Arbeitnehmer in Delmenhorst, Eisenach und Langensalza hat dienen sollen. Die Betriebe in diesen S übten gehören dem Berbande der Arbeitgeber der Sächsischen Textilindustne nicht an. Deshalb konnte der Deutsche Textilarbeiter-Verband durch seine Beeinträchtigung dem Kläger gegenüber nicht tarifbrüchig werden. Auch haben weder die Streitenden noch der beklagte Geschäftsführcr durch ihr Verhallen bei dem Streik gegen die guten Sitten verstoßen. Aus oll diesen Gründen könnte der Deutsche Textilarbeiter-Derband und auch der beklagte Geschöstsführer Panzer, für den Streitschaden, der der Klägerin entstanden sei, nicht verantwortlich ge» macht werden. Mit dieser Entscheidung gaben sich die Textilbaronc nicht zu- irieden, denn sie wallten erreichen, daß die freien Gewerkschoslen für jeden Streik veraatwortlich und schadenersatzpflichtig gewacht werden. Sie legten gegen dieses Urteil Revision beim Reichsgericht ein. Der S. Zivilsenat des Reichsgerichts wies die Revision als völlig unbegründet zurück. Statt der zwei Millionen Mark, die der Kläger als Schodenersatz von der Beklagten verlangre, muß er jetzt noch die nicht unerheblichen Kosten des Rechts- f reits zahlen. Der Konzern hat damit wiederum eine schwere Schlappe «"'itten. Die bisherigen kostspieligen Erfahrungen mit seiner schneit»- r-n Rechtsberatung dürsten ihn zu der späten Erkenntnis führen, daß allzu scharf schartig macht. Für die deutsche Textilorbelterschaft ober müssen die " ampshoften Anstrengungen des Scharsmocherkonzerns eine neue "!?hnung sein, sich eng an ihr« Organisation anzuschließen, dem Deutschen Textilarbeiter-Derband. Oer große Unbekannte. Wechselfälschungen bei der Ziaiffeisen-Bonk AS. Li«?. Große Strafkammer de» Landgericht»! hatte sich heute mit w e ch s« l s S l s ch u n g e n zu befassen, die im Ge- schäslsbetrieb der Deutschen Roisseisen-Lank AG- aufgetaucht waren. Weyen sortgcsehter schwerer Urkunden- sälschung war der Oberbuchhalter Paul havemann vom Schöffengericht Mitte zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt worden. Gegen diese, Urteil war Berufung eingelegt worden. Der Angeklagte behauptet, daß er unschuldig sei und den Sündenbock sürondere in der Raisseisen-Aank abgeben solle. Haoemann bearbeitet« in der Wechselbuchhaltung der Raiffeisen- Bant Wechselabrechnungen und Wechseleintösungen. insbesondere Wechsel, die bei den Filialen der Raiffeisen-Dank zahlbar waren. Ende vorigen Jahres beanstandeten mehrere ausländische Filialen, »ß st« von der Berliner Zentrale mit Wechsel belastet worden seien, mit denen sie nichts zu tun hällen. Bei den Nachsorschungen stellte sich heraus, daß inzwischen sämtliche reklamierten Wechsel mit allen Unterlagen verschwunden waren. Aus Abschriften und Kopien tonnt« man die Borgänge aber soweit rekonstruieren, daß die Feststellung gelang, daß Oberbuchhalter Haoemann sämtliche beanstandeten und verschwundenen Wechsel zuletz, in Händen gehabt hat. Weiterhin stellte sich überraschenderweise heraus, daß die Wechsel zur Gutschrift auf zwei Konten„Geduhn" bei anderen Banken zur Zahlung angewiesen worden waren. Der Inhaber der Konten„G-duhn" entpuppte sich aber als der Schwager des Angeklagten, ein Tapezierermeister, der von den Vorgängen k-ine Ahnung hatte. Der Angeklagte behauptete nun. daß er un- schuldig sei. Man wolle ihm etwas in die Schuhe schieben, um ihn zu verilichten. Aus den Borhalt des Vorsitzenden, ob er ernstlich behaupten wolle, bah jemand in der Ralffeljen-Bank«in Interesse gehabt habe, dl« Unterlagen zu beseitigen, bloß um ihn, den An- geklagten, hineinzulegen, erwiderte der Angeklagte, daß er das u i ch t b e w e i s e n k ö n n e. Di« Beweise für seine Behauptungen tönne er nicht beschaffen, aber die Buchungen müßten richtig sein. Er berief sich aus einen Dr. Freund, von dem er die Wechsel erhalten habe. Näh«?«» über diesen Dr. Freund oermochte der Angeklagte aber nicht anzugeben. Die Anklage steht auch auf dem Standpunkt, daß e» sich bei dem mysteriösen Dr. Freund um den -xrickisbekannten„Großen Unbekannten", also«in« fingiert« Per- sönlickkeit handle. Zu der Derhondlung sind zahlreiche Zeugen nu- dem Geschäftsbetrieb der Raiffeisen-Bank geladen. Verständigung im polnischen Verabau? Warschau, ZI. Oktober. W«e die Morgcnpresse he'ichtfi, ist es gelungen, eine vertländi. gang zwischen den polnischen vergwerksbesihern und den ArbeUern zu erzielen. Dl« zugestandene Lohnerhöhung beträgt durch. schuMNch S proz. Theater/ Z Theater am Schiffbauerdamm. „Pennäler" von Peter Martin Lompel. Als Nachtvorstellung sahen wir'gestern Lampel» neues Stück unter Hans Hinrichs Regie. Eh« wir über den Verlauf der Vorstellung abschließend urteilen können, müssen wir einen Gesichts- Punkt festhalten: Die scharfe Trennung zwischen dem Manuskript einerseits und Darstellung und Regie andererseits, Regie und Dar- stellung überwuchern hier da, Wort und trogen die Wirkung rekord- hast, weit über jenes Maß hinaus, dos beim Lesen des Stückes als Maximum empfunden wurde. Peter Martin L a m p e l s„P e n n a l« r" ist eine dramo- lisch« Reportage. Sie berichtet in einzelnen, aufeinanderfolgenden Bildern über die engen, niedergehaltenen Jahr« tn der Mittelschule, deren Atem uns von der Bühne furchtbar vertraut anweht und deren Gift die meisten von uns noch heute in den Knochen trogen. Eine Klaffe, die Prima«in«s Gymnasiums, wird hier gezeigt, vom unerbittlichen, grausam brutalen Professorentyp de? Studienrats Schaffer geleitet, der nichts durchgehen läßt und Partei und Klaffen- kämpf in seine Erziehungsmethode hineinbringt. Hier ist noch der Studienrof Freundlich, der immer zu spät kommt, der kurzsichtig ist, d«r sich immer irrt, und dessen Güte von so«rdenserner Art ist. daß sie die Wirklichkeit dieser jungen Hitzköpfe, seiner Schüler, nicht durchdringen kann. Natürlich wird«r verspottet und verlacht. Ein wahlwollend-menschlicher Studiendirektor schwebt üb«r dem ganzen. bemüht, dem Alter der ihm Anvertrauten und dem Wellengang einer neuen Zeit gerecht zu werden. Ein junger Studienreferendar, Dr. Fritz, vertritt das Revolutionär« im Lehrkörper. Cr predigt die neue Zeit. Freunde sollen die Lehrer den Schülern sein, nicht Sklaven- Halter. Mitgehen, selbst jung werden, ist sein« Parole. Der Schüler Friedmund Semler ist au» der Masse herausgegriffen und wird. getrieben von der Angst, ungerecht versetzt zu werden, und von bor- niertem Ehrgeiz ein«? spießbürgerlichen Vaters zum tragischen Helden. Durch einen Irrtum werden er und der junge Studien- referendar des homosexuellen Verkehrs verdächtigt. Immer schon wurde Herbert, der jüngere, unbeschwerter« Bruder, daheim bevor- zugt, und jetzt ist Friedmund in den Augen des Daters nichts mehr als ein Tier, das gezüchtigt werden muh. Doktor Fcitz leugnet, befragt, nicht, daß er homoerotisch sei, erklärt jedoch den gewalligcn Unterschied, der zwischen dem Liebenden und dem gemeinen Lüstling besteht. Friedmund macht zw«! Selbstmordversuche, die zur Folge haben, daß die tief erschütterte Klaff« Einblick in sein ge- quälte» Herz erholt und jetzt fest zu ihm steht in Freundschaft. Ein offensichtlicher Mißgriff in diesem Stück ist dos in den Vvrdergrundftellcn homosexueller Problem« bei der Schilderung einer allgemein menschlichen Entwicklungsstufe. Das gibt es auch. Aber nicht in dieser Ueberzahl. Vielleicht ist nur die Regie sckzuld an jenem Sindruck von der Aufführung, der mich zwingt,„Pennäler" eine dramatische Repor- tage zu nennen. Im Drama, da? an die Menschheit gerichtet ist, soll ollgemein Menschliches, Typisches gesetzgebend geformt sein. Diese Bildersolge zeigt oft geimg Unwahrscheinliches und durch die Seltenheit seines Vorkommens nur dichterisch Interessantes. Aber das Ganze folgt Schlag' auf Schlag, wie Einzelaufnahmen aus einem Lebensfilm, wenn auch nur au? dem Leben eines ganz Be- stimmten. Untypischen. Mitreihend und inteveffani. Ernst Ginsbcrg gestaltet Friedmund Semler mit jeder Faser, mit einer Art genialer Gewissenhaftigkeit. Dieses hostige, nervös«, reflektierende und dabei doch so kräftig« Spiel letzte uns schon bei Wedekinds„Frühlings Erwachen" in angenehmes Er- staunen. Hans Schweikart» Studienreferendar geholten, sparsam, und dennoch glaubhaft jung. Hermann S p« e l m a n s' Postsekretär Semler so urwüchsig, protzenhaft, brutal, borniert und komisch, daß es eine Lust war! Tony Tetzlaffs Witwe Platz ein« Vermieterin, zusammengesetzt aus Gewinnsucht, Unterwürfig- kest und Frechheit, herzerfreu�nd echt. Martin Koßlecks Unterprimaner Leo war etwas fahrig und unausgeprägt. Er sollte sparsamer mit seiner Stimme umgehen. Eine herrliche, sein durch- gearbeitete Leistung bat Erwin Kaiser? Studiendirektor. Paul Kemp war als Studienrat Freundlich sehr tomisch. Da» Publikum applaudiert« ungewöhnlich stark und anhaltend. Wolfgang Böttchers Bühnenbilder sind scharf realistisch und wesentlich für den Erfolg. .Mexsnäer von Sacher-M«»ocK Weibergeschichten des(kapiain Lash. Universum. Den rauhen, ober biederen Ton, der unter Heizern und In Hafenkneipen herrscht, hat die amerikanische Filmindustrie in Händol- sucht verwandelt. So kennt auch der unter dem Spitznamen Gaptain Lach bekannte vbecheizer nur zwei Freuden:«ine gehörige Keilerei und Weiber. Mit den letzteren hat er nicht allzuviel Glück, zumal er an ein« Hochstaplerin gerät. Sie fällt der Polizei in die Hände und er Bd)y, seinem Mädel in Singapur, in die Arme. John B l y st o n e, der Regiffeur. ist ein humorvoller Mann. der diesen Film gewollt harmlos herausbrachte. Seine Vergleiche zwischen der Hölle in der Maschine und den, Paradies auf dem LuxuSdeck werden kein Protest, sie regen das Filmpub likum� kaum zum Nachdenken an, sie sind nur ein optische Spielerei. Glänz eitb versteht er es, eine echte Männerfreundschast zu schildern. Tlyde Cook, ein Komiker, der durchaus urwüchsig wirkt, ist ein lieber Kamerad auf Knuff und Puff und Victor M c. L a g l e n wirkt' echt als ein Kraftmensch kindlichen Gemüt». Völlig farblos ist Elair« Windfor. Dieser Firlm fordert den Vergleich mit„Die Docks von New Park" heraus. Das ist sehr zu seinem Nachteil.«- b. Oer iänzensche Blick. Von Mary Wigman. Viele Merkmale weist der seinem lebendigen Instrument oer- haftet« tänzerische Mensch auf, die ihn eindeutig als Tänzer kenn- zeichnen. Das untrügeriichste Zeichen seiner Tänzerschaft ober ist ha» Auge, dessen Biick sich mit der«insetzenden Konzentration auf den tänzerischen Vorgang verwandelt und den Tanzenden stigmatisiert Dieser jedem Tänzer eigentümliche Blick ist ein Sehen ohne wahrzunehmen, ist ein die dingliche Umwelt durchdringendes Schau«» in die Weite, in den Raum, in» Nichts. Der Tanzend« löscht die Welt der Rcalitäten um sich aus und beschwört in sich da» Bild seiner inneren Schau. Der starre Glanz des tänzerischen Auge» ist nicht leblos, denn er ist Spiegel jener geheimnisvollen Kräfte, die gestaltschaffender Antrieb sind. Die jeweilige Tanz- i(m/ Tanz. gestalrung bestinunt auch den Blick des Tänzers. Der tanzen,..,. Blick ist visionäres Schauen. Dieser Blick, der den inneren Vorgong nach außen projiziert, ist auch das eigentliche Verständigungsmittel der echten Tänzer unter- einander. Im Banne dieses sich gegenseitig durchdringenden Blickes vermögen st« miteinander zu tanzen. Immer find es die Augen, die sich begegnen, noch ehe die Körper voneinander wissen. Es ist, als ob das Auge die innere Schwingung dem sichtboren Bewegungs- Vorgang vorausschickt und so eine Verständigungsmöglichkeit schafft. die durch äußere Ausgleichung der Jormoorgängr niemals zu er- reichen ist. Und nur dort, wo die Bewegung durch den ekstatisch gerichteten Blick empfangen und weitergegeben wird, verbinden sich die Instrumenten in reinem Zusammenklang. Hier liegt auch das Geheimnis des überzeugenden und sich selbst tragenden Gruppen- tanzes. Der Tanzbegleiter, soiern er etwas vom Wesen des Tanzes versteht, liest Einsatz und Tempo von den Augen des Tänzers und nicht von Händen oder Füßen ab. ?luch der sür Tanz empfängliche Zuschauer wird im Augenblick wirklicher Hingeriffenheit, ohne es zu wissen, seinen Blick auf das Aug« de» Tänzers konzentrieren, denn nur von diesem Punkt aus ist es möglich, den Gesamtvorgoiig einheitlich in sich aufzunehmen. Folgt sein Blick einer Einzelbewegung, so verliert er den Zu- sammenhang mit dem Ganzen. Das Auge ist der Brennpunkt de? tänzerischen Geschehens. Wer den tänzerischen Blick nicht hat, ist kein Tänzer. tAu, der soclxin erschienenen 0kiedirnun>m«r der Vi«rt»I>«dr»schrift„S i e Tan»«ev,«inschast" d»rau»«raeden nen Zü. sselir Smmel und <«. ll. IZischer-Nlomt, Vortragsabend der Volksbühne. Willi Buschhoff liest aus'Dostojewskis Werken. Willi B u s ch h o s s ist ein Sprecher von dramatischer Wucht. Das Podium wird bei ihm zur Szene. Der große Monolog„Die Sanfte", in dem Dostojewski eine unglückliche Eh« zerpflückt, bot Buschhoff Gelegenheit, sein« starke Gestaltungskrost zu zeigen. Diese beiden Eheleute, die sich aneinander bis zur buchstäblichen Selbst- Vernichtung des einen aufreiben, find typisch russische Menschen und nur als solche zu verstehen: Bnschhoff zwang die Hörer in diesem Selbstgespräch, dos der Mann an der Bahre seiner toten Frau hält, all« Details dieser Seelenkämpfe erschüttert mitzuerleben. Eins störte an diesem Abend: der hell erleuchtete Saal. Es war doch früher bei den ernsten Vortragsabenden der Volksbühne im Berliner Rot haus Sitte, nur das Podium durch eine Leselampe zu erhellen. Di« Dramatik des Vortrags oertnig nicht die grelle Beteuchtung eines qesellschottsmäßig und korrekt gekleideten Rezitators.— i«. Ringförmige Sonnenfmfterms. Morgen, am 1. November, können wir in Berlin gegen Mittag da» fetten« Schauspiel einer teilweisen Verfinsterung der Sonn« beobachten. Wenn Neumond ist, der Mond also zwischen Erde und Sonn« steht, verdeckt er diese für diejenigen Orte, sür welch.« er. gerode am Himmel steht, allerdings unsichtbar, weil er ihnen feine unbeleuchtete Seite zukehrt. Daß das nicht an joden, Neumond statt- findet, liegt daran, daß die Ebene seiner Bahn nicht mit derjenigen der Erdbahn oder scheinbaren Sonnenbahn genau übereinstimmt, fo daß er bald nördlich, bald südlich an der Sonne vorbeizieht. .Diesmal aber ist das nicht der Fall und für diejenigen Orte, die sich in gerader Linie mit den Mittelpunkten des Monde« und der Sonn« befinden, Ist die Finsternis zentral. Die scheinbare Größe des Moiches übertrifft die der Sonne meist noch um«in geringes, und daher ist eine Finsternis im allgemeinen zugleich eine totale. die stets einen ganz überwältigenden Eindruck macht. Aber die scheinbaren Größen von Sanne und Mond wechseln mit ihrer Ent- fernung von der Erde, die ja im Laus« eines Jahres bei der Sonne, eines Monats beim Mond« veränderlich sind. Diesmal haben wir Sonnennähe und für den Mond Erdfern«, daher kann die Mond-• scheid« die Sonn« nicht ganz verdecken, und in der Zentralitätssonne bleibt noch ein kleiner Ring der Sonne sichtbar, die Finsternis ist ringförmig, ein sehr seltener und merkwürdiger Anblick. Die Zentralitätszon« zieht sich vom indischen Ozean quer durch Afrika ungefähr dem Aequolor entlang, dann nordwestlich durch den Atlantischen Ozean, bis nach Nordamerika. Deutschiand wird nicht von ihr berührt, hier werden wir nur ein« partielle oder teilweise Svnnensinsterm» haben. Bei uns in Berlin wird, vorausgesetzt, daß uns der bewölkte Himmel nicht einen Strich durch die Rechnung macht, neun Minuten von 12 Uhr«ine klein« Einkerbung am Sonnenronde beginnen, etwa in der Mitte zwischen dem am weitesten nach Westen(rechts) gelegenen und dem tiefsten Punkte der Scheibe. Di« Einkerbung wird allmählich größer und aulffallonder, bis sie nach einer halben Stunde den Höhepunkt erreicht, bei welchem noch nicht«in Zehntel des Sonnendurchmessers bedeckt ist. Der Mond wandert dann rasch weiter nach Osten, wobei der verdunkelte Teil der Sonn« kleiner und kleiner wird, nach einer weiteren halben Stund«, also neu» Minuten vor 1? Uhr, ist das selten« Ereignis am Himmel, das diesmal freilich bei un» keinen besonderen Eindruck hervorrufen kann, vorüber. Es sei noch sür jeden, der das Schauspiel verfolgen will, be- merkt, daß er nicht ohne Augenschutz in die Mittagssonne blicken darf, sondern mit farbigen oder berußten Gläsern das grell« Sonnen- licht abblenden muß, sollen nicht ernstliche Gefahren für sein« Singen eitstehen. Ht. Eine schnurrige Erfindung. Auf wa» für— sagen wir einmal drollig« Ideen manche söge- nannten Erfinder verfallen, erkennt man, wenn man einmal Patent- schristcn durchsieht. Vor uns liegt da»' deutsche Reichspatent Nr. 362 864 auf«in besonders gestaltetes Damenftrunepsband. Die Besonderheit besteht darin, daß das Strumpfbaich mit einer Rosette perscheu ist, in der eine klein« farbige Glühlampe steckt. Dies« ist mit einer kleinen Batterie verbunden und kann von der Trägerin durch Berührung eines Kontaktes nach Belieben zum Aufleuchten gebracht werden. Es ist uns nicht Mannt, ob viele Damen im Ballsaal und beim Tanz durch solche Lampen auf ihr« schönen Knie aufmerksam gemacht haben. Sollte«s noch nicht geschehen sein, so dürste der „Erfinder" kaum noch auf seine Kosten kommen, da ja für Abend- gesellschaften die kurzen kniefreien Röcke jetzt verschwinden sollen. Doch ist es keineswegs ausgeschloffen, daß sie bald einmal wieder- kehren und dann auch dies« Modetorheit ihre Liebhaber oder viel- mehr Liebhaberinnen findet. dt. Jrof. Werburg, der Begründer der Kulturiviisenjchastüch»« ididliothe' urgS, ist im 63. LebenSsahre gestorben. Die Hetze um jeden Preis. Eine Abrechnung mit den Feinden der Gemeinwirtschaft. In einer überfüllten Wählerinnenverfamm| bungen einfach nicht vorkommen fonnten. Alles, was darüber in lung, die auch von Männern start besucht war, äußerte sich gewissen bürgerlichen und kommunistischen Zeitungen gedruckt wurde, und besonders Sozialdemogestern abend Stadtverordneter Frit Brolat, der Direktor ift Lug und Trug, zu dem zwed, Leute fraten in öffentlichen Stellungen unmöglich zu machen. Ueber der Berliner Verkehrs- A.- G., über seine persönlichen und gesein persönliches Verhältnis zu den Sklareks konnte Brolat feststellen, fchäftlichen Beziehungen zu der Firma Stlaret. daß er, den das Vertrauen seiner Parteigenossen in leitende Brolat ging davon aus, daß nach der Inflation viele ange Stellungen gebracht hat, es einfach nicht nötig hat, sich ,, freihalten" jchene Textilwarenfirmen in Konkurs gegangen seien, weil sie die zu lassen. Selbstverständlich hat ein Mann in seiner Stellung auch Berhältnisse nicht meistern konnten. Während der Kriegs- und In Repräsentationspflichten. Wenn er beispielsweise als Leiter der flationsjahre mit zum größten Teil minderwertigen Waren voll- Brennstoffgesellschaft den Besuch von Geschäftsfreunden aus den gestopft, mußten sie nach Beendigung der Inflation ihre Warenläger Kohlenrevieren empfangen muß, so ist er einfach gezwungen, mit zu lächerlichen Preisen abgeben, weil der Markt nun wieder Quali- diesen Leuten auch gesellschaftlich zu verkehren. Auch über dieses fätswaren brachte und verlangte. Das Schicksal, Pleite zu machen, Verhältnis zu Geschäftsfreunden ist viel in den Zeitungen geschrieben haben, wie gesagt, sehr angesehene und altrenommierte Textilfirmen worden; er könne aber nur sagen, daß die gesellschaftlichen Beerlitten, warum sollten diese wirtschaftlichen Vorgänge beim Anziehungen den Rahmen konventioneller Höflichkeit niemals überschaffungsamt der Stadt Berlin Spurlos vorübergehen? Es ist kein schritten haben. Geheimnis, daß auch hier Verluste eintraten; aber das hat mit dem ,, System der Gemeinwirtschaft" absolut nichts zu tun, wie bürger. liche Politiker und ihre willfährigen Presseorgane glauben machen wollen. Es sind eben die Folgen echt fapitalistischer Borgänge in der allgemeinen Wirtschaft. Als die Stlarets mit der Stadt, wie andere Firmen auch, im Geschäft waren, betamen fie Kredite; die Art und Weise, wie diese Kredite aber in der späteren Zeit den Sflarefs eingeräumt wurden, waren verbrecherifcher Leichtsinn. Das ist der Kern der ganzen Angelegenheit alles was nebenher läuft, ist fapitalistischer Preffelärm, der von den kommunistischen Blättern unterstützt wird. Es wird Sache der gerichtlichen Ermittlungen sein, in die Kreditgeschäfte der Stlarets Klarheit zu bringen und die Schuldigen festzustellen. Sind aber solche strafwürdigen Machinationen, fragte Brolat weiter, nicht tausendmai in der Privatwirtschaft vorgekommen? Hat die bürgerliche Presse dabei auch nur einen leisen Versuch gemacht, die vorgekommenen Fälle so auszubeuten, wie sie es jetzt im Fall Sklaret tut? Die privatfapitalistischen Wirtschaftler und ihre vorgeschobenen Leute bätten sich selbst aufgeben müssen, wenn sie es getan hätten! Brolat schilderte dann sein geschäftliches Berhältnis zu den Sflarets, das mit Kohlenlieferungen durch die Berliner Brennstoff- Gesellschaft, deren Ausbau Brolat während fünf Jahre besorgt hat, begann. Für die Arbeiter und Angestellten sei auf Betreiben des Betriebsrates mit der Firma Sklaret ein Vertrag abgeschlossen worden, der die Belieferung der Beschäftigten mit Kleidungsstüden aller Art auf Teilzahlung vorfah. Die Beschäftigten haben nach Maßgabe ihres Einfommens davon Gebrauch gemacht, Beanstandungen sind nur in einem einzigen Falle erfolgt, obwohl auf Grund gelieferter Fragebogen jeder Bezieher Anstände anbringen konnte. Ein ,, Riesengeschäft aus einem Monopolvertrag heraus" ist es für die Sflarefs wirklich nicht gewesen. Bei der Berliner Verkehrsgesellschaft hat Direktor Brolat eine seit 1925 laufende Geschäftsverbindung auf Lieferung von Dienstkleidung vorgefunden.( Hört!-hört!-Rufe.) Aber auch hier muß festgestellt werden, daß die Sklarefs weder einen Monopolvertrag hatten, noch daß sie irgendwie bevorzugt wurden. An den Lieferungen sind im ganzen fünf Firmen beteiligt; die Stlaretschen Waren haben die allerwenigsten Beanstandungen ergeben. Dabei wurde die Kontrolle der gelieferten Sachen durch den Leiter der Bekleidungskammer, den beschäftigten Schneidermeister und seine Gehilfen und die mit der Abnahme betrauten Arbeiter und Angestellten ausgeübt, so daß irgendwelche SchieTheater, Lichtspiele usw. Donnerst., 31.10. Donnerst, 31.10. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 236 19 Uhr Städt. Oper Bismarckstr. Turnus II 20 Uhr Tannhäuser Tosca Staats- Oper Staatl. Schausph. Am Pl.d.Republ. R.-S. 178 1912 Uhr Hans am Gendarmenmarkt A.-V. 209 20 Uhr Weh' dem Heiling der lügt Staatl. Schiller- Theater, Charith. 20 Uhr Treibjagd Renaissance- Theater 8% STEMPELBRUDER Von Duschinsky Regie: Gust. Hartung. Sonnabend nachm. 5 Uhr SCALA Tagl. 2 Vorstell 5 und 82 Uhr Barbaressa 8256 Preise 1-6 M. Wochentg.: 5 U. 50 Pf.- 3 M. Letzter Tag des großen Oktober- Programms Tägl. 5 u. 815 PLAZA Sonnt. 2, 5.8" Alex. E.4.8066 INTERNAT. VARIETE Morgen Premiere Reichshallen- Theater Abends Sonntag nachm. ☐ Des Andranges wegen prolongiert: Brolat fand den vollen Beifall der Bersammlung, als er erklärte, daß er es als eine Erleichterung empfinde, heute vor seinen Wählern endlich einmal ein offenes Wort über der Sklaret- Skandal reden zu D- Wagen auf der Straße. Auf der Berliner Straßenbahn wurden neuerdings Durchgangszüge in den Berkehr eingestellt. Die aus zwei Wagen bestehenden Züge find über 23 Meter lang und fassen 165 Personen. Man fann wie bei den D- Zügen der Eisenbahn durch einen harmonikaartigen Uebergang während der Fahrt von einem Wagen in den anderen gehen. Unser Bild zeigt einen Blick durch das Wageninnere zum Führerstand. Volks buhne Deutsches Theater ROSE Theater am Bülowplatz 8 Uhr D. 1. Norden 8 Uhr Der Kaiser Frühlings v.Amerika Erwachen Staatl. Schiller- Th. von Bernard Shaw Reg.: Max Reinhardt 8. Uhr Kammerspiele Treibjagd D.1. Norden 12 310 Theater am Schiffbauerdamm 8% Uhr Gefallene Engel 812 Uhr Der Unwiderstehliche Komödie von Géraldy und Spitzer Regie: Gustaf Gründgens ,, Bei de Stettiner" Metropol- Th. Die Komödie Ulk- Revue. Nachmittags halbe Preise, volles Programm! Billettbest. Zentrum 11263. Dönhoff- Bretti: Konzert Tanz. Familien- Varieté 81 Uhr Lehár dirigiert Das Land des Lächelns Vera Schwarz, Richard Tauber Planetarium Barnowsky- Bühnen Lessing- Theater Iam Zoo Ton in des Töpfers Hand B.5 Barbarossa 5578 Sonntag nachm. 4 Uhr Theater in der Verlang. Joachimsthaler Straße Königgrätzer Straße Täglich 8 Uhr Die erste Mrs, Selby 16% Uhr HerbstKrankheit der Jugendbende am SternenSteinplatz C1. 09 01 u. 2583/84. himmel 18 Uhr Bis an die Grenzen der Welt Grosses Schauspielhaus 8 Uhr: 20 Uhr Rätsel des 13 Musketiere REGIE: 3 CHARELL Sonntag nachm. ungek., halbe Pr. Sternenlichtes Tägl.außer Montags u. Mittw. Erwachs. 1 Mk., Kinder 50 Pf. Mittw.: Erwachsene mit Fritzi Massary Komödienhaus Heute 7th Uhr Zum 1. Male Der 50 Pf. Kinder 25 Pf. Hühnerhof Norden 10846 Gruppe funger Schauspieler Täglich 8% Uhr Cyankali 6218 von Friedrich Wolf Trianon- Th Merkur 2391 8% Uhr Elisabeth Strickrodt in ,, Die Ballerina des Königs" J1 Bismck.2414/ 7516 8 Uhr Kolportage Komödie von Georg Kaiser Regie: Erich Engel Direktion Dr. Robert Klein Deutsches Künstler- Theat Barbarossa 3937 84 Uhr Die andere Seite Berliner Theater Dönhoff170 8% U Zwei Krawatten von Georg Kaiser Musik Spoliansky Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich 8 Uhr Gr. Frankfurter Straße 132 Billettkasse: Alexander 3422. -THEATER Täglich 815 Uhr: ( Sonntags 5% und 9 Uhr) Die leichte Jsabell Jeden Mittwoch 5 Uhr: Das tapfere Schneiderlein Jeden Sonnabend 5 Uhr u. Jeden Sonntag 230 Unr: Frau Holle Trabrennen Mariendorf Freitag, den 1. November nachm. 4 Uhr Schwerhörige Neue Modelle!! hören sofort wieder mit dem ärztlich empfohlenen ORIGINAL- AKUSTIK- APPARAT mit neuestem Kleinhörer! Noch Besseres gibt es nicht! Städtische Oper Lusispielhaus Max Adalbert Deutsche Akustik Gesellschaft m. b. H. Dienstag, 12. November, abds. 7 Uhr unter Leitung von Dr. W. Furtwängler der neueinstudierte Winter Lohengrin Garten* 8 Uhr Zentr. 2819 Rauchen erlaubt Letzte Tage! ,, Linder" die Ton- Sensation und weitere Attraktionen. Maria Müller Barbara Kemp Hans Fidesser Gotthold Ditter Ludwig Hofmann und die vereinigten Chöre der Staatsopern und der Städtischen Oper Vorverkauf- Beginn: Sonntag, den 3. November 1929. Friedrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich 8 Uhr als Nante am Flügel Grand Hotel Rudolf Nelson Lustspiel von Paul Frank Theat. a. Westens rägl. 8% Uhr Marietta Musik v. Oskar Straus Käthe Dorsch Michael Bohnen Theat. am Kottb.for Kottbusser Str. 6 Tägl. 8 Uhr auch Sonnt. nachm. 3 U. EliteSänger Der doppelte Alwin!„ Ein Weltrekord d. Lach." Aelteste u. führende Spezialfabrik Verkauf u. Vorführung: Berlin- Wilmersdorf, Motzstr. 43 Bin., Klosterstr. 76, Eing. Grunerstr. Reinickendorf- Ost, Brienzer Str. 4 Verl. Sie Hauptkatalog 16 kostenlos! Auf Wunsch Zahlungserleichterung tönnen. Er sei am Mittwoch vier Stunden lang von dem Obera regierungsrat Topalsti eidlich vernommen worden und er habe dort der Wahrheit gemäß ausgefagt. Zu Beginn seiner Ausführungen fonnte der Redner feststellen, daß führende Wirtschaftler längst zugegeben haben, daß die Ges meinden nicht privatfapitalistisch, sondern gemeinwirtschaftx lich arbeiten müssen. Während viele große Städte Deutschlands Teile ihrer stadteigenen Betriebe veräußern mußten, fonnte Berlin seine Werke und seinen Besitz nicht nur halten, sondern beträchtlich ausbauen und erweitern. Hinsichtlich der Verkehrspolitik müsse Berlin sich anders einstellen als viele Städte im Reich. Der Berliner Verkehr stüßt sich fast ausschließlich auf die Frequenz durch die erwerbstätige Bevölkerung, danach müssen der Verkehr an sich und auch die Fahrpreispolitik eingerichtet sein. Genau so verhält es sich mit den in städtischer Hand befindlichen Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerfen sowie ihren Tarifen. Unsere Wirtschafts betriebe find vorbildlich in Deutschland, in Europa, vielleicht in der ganzen Welt, was die Besucher aus allen Ländern bestätigen. Bei dieser von der Sozialdemokratie geförderten Sozialpolitik finden aber unsere Genossen im Rathause bei der Kommunistischen Partei, die sich auch Arbeiterpartei nennt, feine Stüße. Was von den Kommuniffen verlangt wird, ist entweder unausführbar oder blanker Unsinn. Wo kommunale Betriebe nicht mehr leistungsfähig bleiben, wo sie gegen Privatbetriebe nicht mehr fonkurrenzfähig sind, da hört ihre Existenzberechtigung auf. Gemeinwirtschaftliche Betriebe sind nicht des Gelberwerbs wegen da, sondern für die Allgemeinheit. 44 Als erste Rednerin in der Wählerversammlung sprach Genossin Todenhagen zu dem Thema„ Die sozialen Aufgaben der Stadt Berlin." In volfreichen Bezirk Wedding, so begann die Rednerin, müsse es ganz besonders start empfunden werden, wenn die soziale Fürsorge dort eingreift, wo die Schäden schlimmer Wohnverhältnisse, wo eine besonders fraß in die Erschei nung tretende industrielle Tätigkeit und die damit verbundene leber. bevölkerung hervortreten. Genoffin Todenhagen zeigte die seit dem Eintritt der Sozialdemokratie in die Gemeindeverwaltung geför derten sozialen Einrichtungen zum Schuhe von Mutter und Kind, zur Beobachtung der Gesundheit des Schulkindes, zur Förderung der Jugendlichen und zur Unterstützung des Alters. In dieser Für. forge ist ein gut Teil der sozialdemokratischen Forderungen verwirk licht. Wenn auch kein Idealzustand erreicht if, so tragen nicht zuletzt die Kommunisten die Schuld daran, weil sie sich zu einer fachlich verständigen Mitarbeit nicht entschließen konnten. So sieht man Berlin mit rührigen Händen an seinen Kulturaufgaben ar beiten in einem Umfange, wie es früher taum gedacht worden wäre. Im engen Parteiförper beginnt die Arbeit der Frau, die schließlich hinausführt in die große Menschheitsgemeinschaft. Helfen Sie uns, wandte sich Genoffin Todenhagen an die anwesenden Frauen, zu einer guten Wahl, damit wir unsere Mitarbeit ant Volkswohl fortsetzen können! Der Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen. Mite glieder des Meinedeschen Männerchors umrahmten die Wählerinnen fundgebung mit stimmungsvollen Liedervorträgen. Wetter für Berlin: Sehr fühl, woltig bis heiter, mäßige Binde aus nördlicher Richtung. Für Deutschland: Süddeutschland meiter hin regnerisch und fühl, im übrigen Deutschland vorwiegend trocken und abnehmende Bewölkung, fehr fühl, pielfach Nachtfröste p CASINO- THEATER Max Tschache& Co. Neu! Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr Heu! Fachgeschäft für Bandagen Vertagte Hochzeitsnacht! und Krankenpflege- Artikel und ein erstklassiger bunter Teil. Bln.- Pankow, Wollankstr.128 Für unsere Leser: Fernsprecher: D 8 Pankow 2779 Gutschein für 1-4 Personen Lieferant der Krankenkassen Fauteuil nur 1.25 M., Sessel 1.75 M., Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. 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Ehe mir auf die vielen Fragen eingehen, die auftauchen, sobald man die Tatsache der Aushöhlung näher betrachtet, muß vorerst noch einmal erörtert werden, weshalb denn wohl in so ungeheurem Maße die Flucht aus der Volksschule besteht. Die Ursache für diese Erscheinung ist zunächst die Nachwirkung der Ber achtung, in welcher sich in der Borkriegszeit Boltsschule und Volksschullehrerschaft bewegen und entwickeln mußten. Bei Geburtstagsfeiern des Landesherrn wie bei ähnlichen Festen erstreckten sich die Einladungen höchstens bis auf die Mittelschullehrer und die geprüften Rektoren der Bolksschule. Beispiele für die Ueberhebung der Akademiker aus jener Zeit gegenüber den„ halbgebildeten" Volksschullehrern haben sich in manchen Kreisen bis auf den heutigen Tag erhalten. Es sei erinnert an einen bekannten Charlotten burger Mediziner, der bei jeder passenden Gelegenheit den Abstand zwischen sich und einem Schriftsteller aus dem. Volts. bei schullehrerstande stets dadurch unterstreicht, daß er Zitierung des letzteren stets den Berufsstand als Volksschullehrer im Sinne eines Minuspunktes hinzufügt. Die Volksschullehrerschaft im ganzen hat unter solchen Verhältnissen schwer gelitten und stets nersucht, in möglichst großer Zahl in andere, weniger mißachtete Lehrergruppen hinüberzuwechseln. Die Geringschäzung des Standes ist noch nicht ganz übermunden und wirfte sich insbesondere auch bei der Bewertung der Arbeit der verschiedenen Lehrerfategorien deutlich aus. Besonders geringsdäzig wurden im späteren Leben ehemalige Bolts ichüler angesehen. Der Aufstieg nach dem Berlassen der Volksschule war glatt unmöglich, es sei denn, daß die Last getragen wurde, durch Privatstunden unter großen Opfern an finanziellen Mitteln das nachzuholen, was Kinder aus bemittelten Häusern unter wesentlich günstigeren Bedingungen sich erwerben fonnten, nämlich einen Berechtigungsschein, fet es die Reife für Obersekunda, sei es das Abiturientenzeugnis. Daß nach dem Weltfriege die Verhältnisse günstiger geworden sind, ist ja bekannt, Die breite Masse der arbeitenden Bevölkerung ist nunmehr zu der Einsicht gelangt, daß der sicherste Aufstieg durch eine gediegene Schulbildung vorbereitet ist, und daß dieser Aufstieg günstige Aussichten bietet auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Man hat auch allgemein erfammt, daß der erfolgreichste Kaufman, der wohlhabend gewordene Handwerker usw. in gewissen Kreisen über die Schulter angesehen wird, wenn nicht gleichzeitig ein ganz bestimmtes Maß von Schulbildung zur Verfügung steht Schließlich brachte die Besoldungsordnung nach dem Kriege die Belehrung, daß die Arbeit eines Akademikers ganz anders bewertet wird als die eines mit gleich schwerer Last bedachten Beamten ohne Hochschulausbildung. Man fah, in wie relativ furzer Zeit das mehr an Ausbildungskosten innerhalb der besseren Gehaltsstala ausgeglichen wurde. Alle diese und viele andere Erwägungen, auf die im Rahmen eines Zeitungsartikels nicht eingegangen werden kann, führten nun dazu, daß nicht nur die Kreise, die herkömmlicherweise ihre Kinder der höheren Schule zuführten, dem Universitätsstudium zusteuerten, sondern auch der Nachwuchs aus solchen Bolfsschichten, die vor dem Weltkriege es faum gewagt hätten, den dornenvollen Weg des akademischen Studiums für Söhne und Töchter zu wählen. Trozz aller Warnungen maßgebender Stellen hält die Tendenz an, jedes einigermaßen begabte und gesunde Kind auch aus den Kreisen des unteren Mittelstandes wie des strebsamen Arbeiters von der Grundschule aus in eine höhere Schule zu geben. Wer gegen diese Tendenz arbeitet, verkennt den Geist der Zeit und muß blind sein gegenüber dem zweifellosen Vorsprung, den eine gute Schulbildung jedem Menschen in jedem Stande gewährt. Was Wie liegen nun die Dinge bei objektiver, unvoreingenommener Betrachtung? Sie liegen in Wahrheit so, daß sich zum Beispiel das Berliner Schulwesen auf die Dauer mit den bisherigen Zuständen wohl nicht abfinden darf. Wir haben überall regulär ausgebaute Grundschulen, nämlich: zwei VIII., zwei VII., zwei VI. und zwei V. Klassen. In dichtbevölkerten Schulbezirken kommen auch dreifach besetzte Klassenstufen vor Bleiben wir aber zum besseren Berständnis béi unferem Regelfalle. geschieht nun nach Absolvierung der V. Klasse? Je nach Lage der Schule in einem reicheren oder einem ärmeren Stadtteile, gehen bis zu 50 Proz. zur höheren Schule bzw. zur billigen" Mittelschule über. Mit geringen Ausnahmen sind es die intellektuell besten Kinder. Aus den zwei V. Klassen fann somit beim besten Willen nur eine IV. Rlaffe( die Gerundklasse der vier oberen Jahrgänge) gebildet werden. Der Oberbau der Volksschule steht somit schon jetzt auf tönernen Füßen. Zu bedenken ist übrigens auch, daß ir IV. Klasse sich nicht selten noch Kinder befinden, die zwar die Grundschule noch geschafft haben, die aber beim Pensum der IV. Raffe hängen geblieben find. Durch den Uebergang der Besten aus den V. Kaffen fehlen die ,, Borspannpferde", denen die schwächer begabten Kinder nacheiferten. Ohne Schrittmacher wird aber das Tempo des Fortschrittes naturgemäß ein langsameres Nun ist aber auch die Volksschule in ihren oberen Jahr gängen einer weiteren Aushöhlung ausgefeßt. Für Knaben gibt es einen Uebergang nach dem fünften Schuljahre, für Mädchen nach dem sechsten Schuljahre und für Knaben und Mädd, en( durch Uebergang zu den Aufbauklassen) nach dem siebenten Schuljahre. Schon jetzt fann gesagt werden, daß der zuletzt genannte Uebergang zu Ostern 1930 ein erheblich stärkerer sein wird. Man kann sich unter diesen Umständen vorstellen, wie start nach Intelligenz wie nach Zahl die I. Klasse der Volksschule noch fein Tatsächlich mußten schon 1929 eine ganze Reihe von Schulen ihre I. Klaffe fchließen und die Kinder an Nachbarschulen abgeben. Die Verhältnisse wären noch wesentlich ungünstiger, wenn nicht die Berseßungsprüfung fort gefallen und eine recht milde Beurteilung der zur Versegung Stehenden Schüler zur Herrschaft gelangt märe. fann. Universitätsprofeffor Dr. Julius Schapel: Der Abend Shalausgabe des Vorwäre Hochschule und Staatsumwälzung Bor der Novemberrevolution Die geschichtliche Entwicklung bringt es mit sich, daß die Hoch schulen des gegenwärtigen Staates ein Teil der bürgerlich tapitalistischen Klasse sind. Klaffengebunden sind sie geworden und bleiben von sich aus flaffengebunden. Der Feststellung dieser Tatsache*) wollen wir Einzelbetrachtungen folgen lassen und zunächst das Verhalten der Hochschulen zur Deutschen Republik allgemein beleuchten. Was wir dabei durch Beispiele tennzeichnen, wird in der Folge bei den Fragen der Organisation, des akademischen Nachwuchses, der Studentenschaft, des Lehr- und Forschungsbetriebes und der neuen Aufgaben weiter unter Beweis gestellt. Deffentliche Aeußerungen von Hochschulvertretern im Kriege waren dermaßen bis zu allerletzt und darüber hinaus auf Sieg und Eroberung eingestellt, daß ihnen die moralische Niederlage völlig entging und die militärische von ihnen in der ganzen Schwere nicht erkannt wurde. Das Wiedererwachen der proletarischen Internationale gerade im Kriege lag selbstverständlich erst recht außerhalb des Dentbereiches standesbewußter Akademiker, die zmar gern Führer der Nation" sein wollten, ohne die Untertanenschaft in der Monarchie aufzugeben. Nach der Novemberrevolution Nun so kam der November 1918 und seine nächsten Folgen ebenso überraschend, wie seine Vorboten unbemerkt blieben. Nach dem ersten Schreden gab es daher bald wieder akademische Stimmen zu hören, die ungemein zeitfremd flangen. Später beim Kapp Putsch und bei kleineren Ereignissen wurden Professorenaufrufe einzeln und gruppenweise laut, die zum Glück für ihre Verfasser nicht sehr ernst genommen wurden. Heute lohnt es nicht mehr, die Ratheder- und Buchweisheiten politischer Zoologen, antisemitischer Geographen, friegerischer Rechtslehrer zu wiederholen, deren Sammlung vielleicht später einmal zur Illustration der Zeit geschichte dienen mag. Die Kerne des deutschen Hochschulwesens, die Lehrtörper, find in zehn Jahren in die Republik hineingewachsen, ohne sich zu ändern. Eine der repräsentativsten Persönlichkeiten der Uebergangszeit und sicher einer der Hügsten Taktiker der Hochschul*) Siehe ,, Universität und Proletariat" in der Beilage des ,, Abend" vom 10. Oftober 1929. Warum erhält man nun das einzelne Schulsystem nicht unangetastet? In Berlin besteht die Vorschrift, daß auf jede Klasse im Durchschnitt wenigstens 35 Kinder entfallen. Andererseits foll im Einzelfalle eine Klasse nicht bestehen bleiben, wenn nicht wenigstens 25 Kinder darin fizen. Nun kann der Fall eintreten, daß auf den Durchschnitt der Klasse einer Schule 37 Kinder fommen, daß aber die durch Versetzung soeben zustande gekommene I. Klasse mur 20 Schüler zählt. Dann muß nach den bestehenden Vorschriften die I. Klaffe gestrichen, das heißt aufgelöst werden, obwohl der Durchschnitt 3 wei höher ist als die Mindestzahl beträgt. Die Aushöhlung der oberen Jahrgänge an sich wird niemand beseitigen fönnen, mohl aber ihre Folgen. Wenn der Unterbau in Form der Grundschule für geordnete Verhältnisse auf der Oberstufe nicht genügt, dann muß daran gedacht werden, auf 3 mei Grundschulen die oberen Jahrgänge aufzubauen, selbst wenn dann eine Konzession gemacht werden muß an den Gedanken der gemeinsamen Erziehung der Geschlechter. Dr. Otto Seeling. Bom höheren Schul ,, unwefen" Ein Diskuffionsbeitrag Bor einiger Zeit brachte der Abend" einen Aufsatz über die Notwendigkeit einer radikalen Reform des höheren Schulwesens. Die Redaktion hatte um Meinungsäußerungen dazu gebeten. Leider sind sie bisher nicht erfolgt. Der Grund ist feineswegs einstimmige Zufriedenheit von Eltern, gegenwärtigen und ehemaligen Schülern mit den vorliegenden Verhältnissen, sondern meines Erachtens eine aus der Vergangenheit des Obrigkeits- und Gymnasialprofessorenstaates herrührende Hoffnungslosigkeit, jemals ins höhere Schulwesen Einheit und Fortschritt hineinbringen zu können. Unser gegenwärtiger Schulsystemwirrwarr ist national liberales Erbe, wie denn auch der Volksparteiler Bölitz durch Einführung einiger neuer Schultypen seinen tapitalistisch- individualistiichen Standpunkt zuleht ausprägte. Da haben wir nun 1. humanist: sche Gymnasien mit Französisch; 2. mit Englisch; 3. Realgymnasien; 4. Oberrealschulen; 5./6. Reform-( Real)-Gymnafien; 7. Deutsche 4. Oberrealschulen; 5./6. Reform-( Real)-Gymnafien; 7. Deutsche Oberschulen; 8./9. Aufbauschulen; 10. Mittelschulen; 11./12. min. destens noch zwei Schultypen und das Dußend ist fertig. Hinzu kommt noch die Verschiedenheit der Lehrpläne usw. der diversen Nun dente man an unsere durch Berufs- und Erwerbsnotwendigteiten zu wiederholtem Ortswechsel verurteilten Eltern und Schüler; oder aber an die unglücklichen Jungen über die Mädchenschulen berichtet vielleicht einmal ein anderer Beser-, die eine durchaus nicht ihren. Anlagen und Neigungen entsprechende Schule besuchen müssen, weil sie eben die einzige ihrer Art im Orte ist und der Bater das Geld für Kost und Logis in der Nachbarstadt nicht aufbringen kann. Vielen solcher Jungen wird dann die Schule zum 3uchthaus, dem sie so schnell wie möglich äußerlich wie innerlich zu entrinnen trachten; wobei denn mancher ich fann an Hand meiner Aften ein Lied davon singen in der wirklichen Strafanstalt endet. Rationalisierung ist da eine dringende Notwendigkeit. Sie bedeutet zunächst eine gewisse Unitarisierung. Zum mindesten in den Jahren, in denen die Begabung und Berufs. eignung der Knaben durchaus noch nicht feststeht, follte einheitlicher Unterricht möglich sein. Ginge es nach mir so würde ich die Schulpflicht mit dem 7. Lebensjahre beginnen und mit dem 15. enden lassen. Die Grundschule müßte dann 6 Jahre umfassen, deren letzte 2 besonders die Fächer Deutsch, Naturbeschreibung, Geographie, Zeichnen, Geschichte zu pflegen hätten. Nun müßte folgen a) ein zweijähriger Kursus mit besonderer Berücksichtigung der Bedürfnisse | reaktion, der Berliner Theologe Reinhold Seeberg, Jagie im Juni dieses Jahres: Man fann eigentlich nicht sagen, daß die Revolution den inneren Zusammenhang des geistigen Lebens an unseren Hochschulen erheblich beeinflußt hat. Niemand wird sich darüber wundern, daß die Dinge vor zehn Jahren sich anders anließen und daß neue Pläne in Menge auftauchten. Die Wucht der Wirklichkeit ist demgegenüber zu stark gewesen." Seeberg meint dann, der Hochschulverband habe vermittelnd und ausgleichend gewirkt. Ich möchte das als Mitglied des Vorstandes dieser Körperschaft bei ihrer Gründung und während ihrer ersten Sturmjahre sehr bezweifeln, ohne hierüber in eine Diskussion einzutreten. Die Hauptsache für uns ist die sachverständige Feststellung Seebergs, daß die Staatsumwälzung für das Wesen der deutschen Hochschulen teine Folge gehabt hat. Es ist alles beim 21ten geblieben. leber diese Tatsache konnten sozialistische Länderregierungen Erfahrungen sammeln, die beim Neuaufbau des Erziehungswesens auch an der Hochschule nicht vorbeigehen konnten. Dem Unverständ nis seines Standes verleiht sechs Jahre nach der„ Störung"( 1923) ein Philosoph in einer der neuerdings beliebten Selbstdarstellungen Ausdruck mit den Worten: Freilich von den schweren Erschütterungen unseres Vaterlandes ist auch meine Universität nicht un berührt geblieben. Sie hat sogar einige Jahre der Leidenszeit durchgemacht, wie vielleicht teine zweite ihrer deutschen Schwestern, jogar die des besetzten Gebietes nicht, wie eine von diesen selbst es uns einmal teilnahmsvoll in aller Form ausgesprochen hat. Wir haben, um mit Kant zu reden, eine Misologie", d. i. ein Haß gegen die Vernunft zu ertragen gehabt, daß ihre Folgen noch lange nicht überwunden werden usw...." Die Zukunft Wir haben im neuen Staat die Hochschulen des alten Staates. Die Polterer und Putschprofessoren sind verstummt oder werden nicht mehr angehört. Alte Gefühlswerte sind zurückgestellt worden. Man findet sich mit der gegebenen republikanischen Staatsform ab, ohne bemüht zu sein, sie mit Inhalt zu erfüllen, gewiß der Erkenntnis verschlossen, welchem Ziele der gesellschaftlichen Entwicklung sie zuführen soll. Wenn überhaupt in diesem Staat die Leitung der Staatsverwaltung etwas bedeutet, dann ist auf jeden Fall am Hochschulapparat die neue Richtung vorbeigegangen, ohne auf ihn einfach verzichten zu fönnen, solange das Berechtigungswesen besteht. Es bleibt uns noch alles zu fordern, alle s zu tun. Wir werden es nachholen. des Handarbeiters, oder b) ein dreijähriger mit einer Fremd sprache( und ,, mittlerer Reife" als Abschluß) für die Ange= stelltenbedürfnisse oder endlich c) eine sechsjährige Ober schule. Latein sollte jebe Oberschule treiben, desgleichen Französisch Doch müßte die Zielfezung eine andere fein wie bisher. Es feuchtet mir nicht ein, weshalb es nötig ist, die Abiturienten Uebersetzungen aus dem Deutschen ins Lateinische machen zu lassen, bei denen streng darauf geachtet wird, daß die goldene Latinität" Ciceros, nicht etwa die filberne" des Tacitus zur Berwendung kommt. Nicht Pädagogit, sondern Philologendünfel hält das für Als ich Unterprimaner war, wollte ein fatholischer unerläßlich. Bauernjunge gerne das Abiturium machen, um Priester zu werden. Man ließ ihn durchfallen, weil er in der lateinischen Klausurüberfegung Sertanerfehler gemacht hatte; als ob nicht gerade die durch die Aufregung erklärlich gewesen wären. Da der Junge arm war und damals für das zahnärztliche Studium nur das Primazeugnis nötig war, wählte er das letztere. Hoffentlich hat er seitdem recht piele verknöcherte Altphilologen auf seinen Operationsstuhl be= tommen. Latein braucht der angehende Sprachler, Mediziner, Jurist, Historiker, Naturwissenschaftler, Apothefer, Chemiker, Philosoph, Theologe, Kunstgeschichtler, Mufifer und manch anderer noch; doch alle diese nicht mehr davon, als gegenwärtig etwa ein Gefundaner einer Lateinschule sein eigen nennt. Was darüber hinausgeht, sei einem Fachstudium vorbehalten. Griechisch, Englisch( oder Spanisch, Russisch), Hebräisch mag in den letzten 3 Jahren der Oberschule mit mathematischer Wissenschaft zur Wahl gestellt werden. Es ist nämlich durchaus zu beachten, daß für Mathematit höchstens ein Biertel der Schüler begabt ist und daß ein großer Teil der ehemaligen höheren Schüler für das, was über die elementarsten Begriffe der Geometrie hinausgeht, feinerlei Verwendung im Leben hat. Wieviele Schüler find aber an der Mathematik gescheitert, die vielleicht einen hervorragenden Historiker, Juristen oder Bolkswirt abgegeben hätten! Die Oberschule habe also im Unterbau ( 3 Jahre): Deutsch, Geschichte, Latein, Französisch, ElementarMathematik zu Hauptfächern. Der Oberbau lasse an die Stelle der Mathematik Phyfit treten und 1 bis 2 alte bzw. neue Sprachen bzw. schwierigere Mathematit wahlfrei sein, derart jedoch, daß das Gewählte dann für den Schüler Hauptfach wäre. Mindestens ebenso wichtig wie das Schulsystem ist dann weiter die Gestaltung der Lehrpläne im einzelnen. Auf den Lateinunterricht ging ich schon ein. Wie hier, müßte auch in anderen Fächern aller Ballast über Bord geworfen werden, damit mehr Raum bleibt für eingehendere Behandlung aktuellen Stoffes Während die altsprachlichen Stunden die Lektüre entsprechender Texte ermöglichen sollen, müßte der neusprachliche Unterricht den prattischen Umgang in der Sprache erzielen. Daß unter Einschränkung des rein gedanken und gedächtnismäßigen Elements die Eziehung nicht zu leiden braucht, zeigt das Beispiel der englischen Schulen, die trop mancherlei alter tümlicher Spielereien und mancher Sportfegerei doch die jungen Leute ungleich lebenstüchtiger erziehen als unsere alten Stoffeinpaut institute Gewiß haben wir eine ganze Reihe tüchtiger Schulmänner unter unseren Genossen; leider sind ihnen die hande gebunden solange nicht das starre System von heute aufgelockert wird. Auf jeden Fall muß uns die Kluft erschrecken, die das Denken des heutigen Durchschnittsstudenten von dem des Bolksschulabsol venten trennt. Da ist eine Aenderung des Systems und auch eine Aenderung im Personenwesen notwendig. Die Jeziale Republik darf ihre Jugend nicht Leuten ausliefern, die asoziale Persönlichkeits= Politur treiben, statt die Jugend einer Gemeinschaftskultur zuzuführen und dadurch aus geift'ger Schmach das Baterland, das Bolf E. Kürschner- Tegel vom Elend zu erretten". (�oman vonfFlaxßarlkel (34. Fortsetzung.) „Sie sind ein Teufel," ächzt« Kretz.„Wir muss«n also die Besetzung wieder umschmeißen. Wir hatten für den Mann schon den Petroljitsch engagiert. Jetzt müssen wir den Vertrag ungültig machen. Das ist ja eine schöne Geschichte!" „Das tut mir furchtbar leid, lieber Freund, aber das hätten Sie vorher überlege» müssen." Kretz gab sich geschlagen. „Ich hoffe." sagte er,„die ganze Unterhaltung bleibt unter uns Männern. Ich bin gegen den Filmklatsch. Meinungsvsrschieden- hoiten müssen fein, aber wir haben uns geeinigt und bleiben die alten Freunde. Abgemacht, Lyssander?"—„Abgemacht, Kretz!" „Gehen wir zu Glatz," sagte Kretz seufzend.„Also Sie wollen die Rolle des Mannes hoben?" „Ja, aber diese Rolle mutz erweitert werden, Kretz. Der Mann einer Frau, in die sich ein oller Chinese verliebt, darf keine kleine Rolle spielen. Er darf kein schöner Trottel sein. Ich werde ihn schon auf die Beine stellen und menschlich machen." „Sie haben freie Hand!" antwortete Kretz. Er war ruhig, ober er hatte den Kampf noch lange nicht auf- gegeben. In der Künstlerklause trafen sie Marianne und Glatz. Auch der Chinese satz an dem kleinen Tisch und lächelte höflich. Er verstand mir englisch. Kretz oerwickelte ihn in«in Fachgespräch und Lyssander lud Glotz für den Abend noch dem Reichskanzlerplatz ein. Er sollte auch Bencke mitbringen. An diesem Abend sollte das Drehbuch noch einmal durchgesprochen und vor allen Dingen die Rolle des Mannes erweitert werden. Glatz machte Eulenaugen, als er das hörte und lachte innerlich. Marianne nahm es als ge- geben und selbstverständlich hin, datz Lyssander in dem neuen Film eine tragende Roll« spielt. Am Abeich erschienen die Gäste. Glatz war guter Laune und erzählte viel« Anekdoten � vom Theater, von seiner Wanderschmierenzeit und von der alten Bekannt- ,schaft mit Daniel Kretz, der damals noch anders hietz. Die kleine Gesellschaft kam aus dem Lachen nicht heraus. Der Regen klatschte an die Scheiben. Also rückten die Menschen näher zusammen. Glotz schwenkte dann eine amerikanische Filmzeihing und begann mit einer Rede. „Wir haben unsere eigenen Gesetze, Herrschaften," rief er, „wir Leute vom Theater und vom Film. Wir machen dem Volke den Traum vor. Wir zeigen, wie Liebe und Hätz sein sollen. Und nun hat sich ein amerikanischer Kritiker des armen Publikums erbarmt und zehn Geböte für das zahlende Volk geschrieben! Hört die nellen Tafeln der neuen Gefetze!" Er macht« ein« Kunstpause und las dann pathetisch vori „Gebot eins: Wenn du in einem Film lachen mußt, 0 Dölk. dann lache so laut, daß alle Leute wissen, daß dir der Film Spatz macht. Schlags heftig mit den Händen auf die Knie und brülle: „Grotzartig! Wundervoll! Fabelhaft!" Gebot zwei: Bei Naturaufnahmen versäume niemals, den neben dir Sitzenden zu erzählen, daß du die Gegend auf der Leinwand gut kennst, damit jeder steht, daß du nicht nur ein weit- gereister und wohlhabender, sondern auch ei» gebildeter Mann bist! Zum dritten: Wenn du den Inhalt eines Filmes schon aus einem Roman kennst, dann flüstere deinem Nachbarn immer zu, was in der kommenden Szene zu sehen ist. Du hast keine Ahnung, wie donkbar er dir ist! Lorschrift Nummer vier: Den Text mutzt du stets laut lesen. Es könnt« ja sein, datz Analphabeten im Saale sind, die nicht lesen tönNen! Fünftens: Kümmere dich nicht um die Mufik. Sei so laut, daß du die Musik überdröhnst. Sei Immer Mittelpunkt! Gebot sechs: Wenn du deinen Platz eingenommen hast, lieber Freund, kannst du ruhig wieder ausstehe» und deinen UeberzieHer ausziehen. Oder du kannst auch deinen Hut aufbehalten. Die. hinter dir Sitzenden werden erfreut fein, wenn sie für einige Augenblicke oder in der Hauptsache von den Vorgängen mis der Leinwand nichts sehen. Ratschlag Nummer sieben: Du mutzt kritisch sein! Stelle dich als Fachmann vor! Schimpfe auch über solch« Film«, die dir ge- fallen! Du hast gar keine Ahnung, wie hoch du in der Achtung deiner Mitmenschen steigst! Achtens: Die beste Zeit fürs Kino ist der Frühling oder der Herbst, die Zeit also, wenn du erkältest bist. Huste dich mal ruhig aus, das tot gut und gibt Abwechslung in dem öden Filmollerlei. Zum neunten: Set rücksichtslos! Benimm dich im Kino immer so, als ob du zu Hause wärst, mein Junge! Und zum Schluß, zum zehnten: Genier« dich nicht. Du bist «in Mensch, die Krone der Schöpfung. Z«ig« das aller Welt. Du host deinen Eintritt bezahlt. Die Leute auf der Leinwand leben van deinem Geld. Und weil sie es nicht merken, zeig««s wenigstens den anderen Gästen des Kinos, zeig« es immer, und auch dann, wenn du ein Freibillett hast!" Diese freie Uebersetzung wurde manchmal von lautem Gelächter begleitet. Aber Glatz blieb ernst dabei. „Die Amerikaner!" sagte Bencke.„Diese Iungens verstehen die Welt. Sie werden das Rennen machon." „Sie haben es schon gemocht, Alfred," antwortete Glotz.„Wir humpeln hinter ihnen her. Aber letzten Endes kämmt es im Leben gar nicht auf das Wettrennen an. Es kommt auf das Leben an. Auf das Ziel des Lebens. Auf den Sinn." copxrigm 1929 by„Der Bücherkreis G. m b. H." Berlin SW6I „Was ist der Sinn? Was ist das Ziel des Lebens?" fragl- Marianne. ..Schöne Marianne, wer das wüßte! Ziur dos weiß ich. dos Geld und die Jagd nach dem Gelbe ist nicht Ziel und Sinn des Lebens," sagte Glatz. Dann zogen sich Lyssander und der alte Schauspieler in das Rauchzimmer zurück. Sie besprachen zuerst die Erweiterung der Roll« des Mannes und waren sich bald einig. Lyssander erzählt« dann doch von feiner Unterredung mit Daniel Kretz. Glatz mutzte von dem Plane, Lyssander bei Lemansky den Hals zu brechen und freute sich, datz olle Angriffe abgeschlagen waren. Cr staunte über Lyssanders Klugheit. Und als er von den Pariser Verhandlungen hörte, sagt« er schnell: „Auf einen Schelm einen anderthalb«», Lyssander! Ich mach« mit. wenn es soweit ist. Daniel war ein alter Bekannter von mir, manchmal mein Freund, aber nun geht er Irrwege. Er glaubt, er könne mit seinem Geld alles kaufen. Passen Sie auf die schöne Marianne auf, Lyssander, Kretz ist listig und verschlagen. Soviel ich ihn kenne, hat er seine Pläne noch nicht aufgegeben." „Ich passe schon auf.' Ich passe höllisch auf, Meister! Und Sie sind willkommen. Was machen wir mit Bencke?" „Mit Alfred werde ich reden, wenn es soweit ist." In den nächsten Tagen begannen die Aufnahmen zu dem Film „Die Perlenkette". Herr Äramp war zu seiner Firma zurück- gegangen. Lemansky wütete, weil er Lyssander nicht bekam, aber er gönnte Kretz den Reinfall. Die Geschichte von dem Zerwürfnis hatte schon die Runde durch die Ateliers gemacht. In der Perlenkette spielte auch Gritt Cisemann. Sie brauchte nicht mehr zur Börse gehen. Sie war«in be- liebter Extra geworden und wurde jetzt schon von den Firmen telephonisch verpflichtet. Sie halte sich gemacht, die klein« Gritt, und entwickelte sich schnell zu jenem amerikanischen Typ, der schön und kalt ist und Herrschaft über die Männer gewinnt. Wenn sie Mariann« traf, sagte sie nicht mehr„Gnädige Frau" zu ihr, sie sagte:„Liebe Marianne" und tat gleichberechtigt. Dolora filmt« immer noch bei Lemansky. Die Lampen gleißten. Die Regisseure brüllten. Daniel Kretz sah elend aus. Seine schwermütigen Augen lagen tief in dem aujgejchwemmten Gesicht. Er war fast immer bei den Aufnahmen zu der Perlenkette anwesend und vernachlässigte das andere Geschäft. Er starrte ver- zückt in das Spiel der Mariann« Hull und war glücklich, wenn sie ihm zulächelte, lind eines Tages, Lyssander halt« spielfrei, bot er sie in das Kontor. „Marianne," sagte er väterlich,„liebes Fräulein Hull, wie gefällt Ihnen die Perlenkette?" „O," antwortete sie.„Der Film ist gut. Mister Li spielt au»- gezeichnet. Ich habe eigentlich Mitleid mit dem kleinen Chinamann und muß doch kalt und hartherzig sein." „Marianne," sagte er dann und stand schwerfällig auf.„Mari- anne, wenn Ihnen die Perlenkette gefällt, darf ich mir erlauben, Ihnen eine richtige Perlenkette zu schenken?" Sie wurde verwirrt. „Eine Perlenkette?" „Das ist ja wie«in Film, Herr Kretz! Das ist ja wie der Film, den wir spielen! Eine Perlenkette!" „Liebe Marianne, liebe, liebe Marianne, mit dem Chinesen haben Sie Mitleid, und von mir wollen Sie das kleine Geschenk nicht annehmen?" Er stand vor ihr und blickte sie oerzehrend an. Sie hatte Angst vor ihm. „Nein, nein!" sagt« sie schnell und atemlos.„Nein,»ein, das kann und darf ich nicht annehmen!" .Lindchen, ich bin ein alter Mann und brauche ein wenig Freundschaft und Wärme. Es ist sehr einsam um mich. Machen Sie mir Freud« und nehmen Sie das kleine Geschenk an," scW«« er leise. Dann holte er«in flaches Kästchen aus der Tasche und össnete es. Auf veilchenblauem Samt schimmerte eine Perlenkette. .gherr Kretz, ich kann die Kette nicht annehmen!" sagt« sie und trat einen Schritt zurück. „Warum nicht?" flüstert« er. „Das wissen Sie ja, ich bin schon gebunden." „Marianne, schöne Mariann«, ich will ja nichts als Freundschaft!" begann er wieder und kam naher.„Freundschaft will ich. Geben Sie mir einen Kuß, Marianne, und die Kette gehört Ihnen. Ich will ja nichts als nur«inen einzigen Kuß, Marianne!" Cr legte eine Hand um ihre Hüfte. „Lassen Sie mich los, Herr Kretz, oder ich schreie!" Aber Kretz ließ nicht los. Er drängte sie in«ine Ecke, das Blut schlug über ihm donnernd zusammen, die Welt vercinsochte sich und verschmolz in Marianne Hull. Er umarmt« die Welt, er umarmt« Mariann« und wollt« sie küssen. Die Perlenkette fiel dabei auf den Boden, löst« sich auf und verrollte im Zimmer. Marianne wehrte sich. Daniel Kretz keuchte. „Einen Kuß, einen Kuß, Marianne, nur einen Kuß," bettelte er und wimmerte.„Rur einen Kuß, schöne Marianne. Ich bin reich, ich habe Geld, ich habe viel Geld, ich werde Sie machen glücklich, ich werde Sie machen reich, ich werde legen all« Schätze der Welt vor Ihnen hin, es wird sein Freude und Wohlleben um Sie, einen Kuß, geben Sie mir einen Kuß, Marianne!" „Nein, nein!" schrie sie.„Nein, nein, lassen Sie mich los, Herr Kretz, ich will nicht! Ich will nicht!" „Warum wollen Sie nicht? Ich bin ein alter Mann, Marianne, das weiß ich, aber ich habe ein Herz, ich habe«in gutes Herz, ich habe ein dankbares Hokz!" schrie er haltlos und versucht«, das Mädchen zu küssen. „Nein, nein," schrie sie.„Ich will nicht! Ich will nicht!" Plötzllch wurde die Tür ausgerissen. Lyssander stürzte ins Zimmer. Er war nach dem Atelier gekommen, um Marianne abzuholen. Mister Li hatte ihm lächelnd erzählt, daß sie bei Kretz sei. Und nun sah er sie bei Kretz und hört« ihr Geschrei. Mit einem Satz war er bei dem besinnungslosen und mehr lächerlichen als schrecklichen Mann und stieß ihn zurück. Marianne fiel weinend und kraftlos in Lyssanders Arm«. Er führte sie behutsam aus dem Zimmer. Dann kam er zurück und schlug Kretz zweimal mit der Faust in da» ausgeschwemmte Gesicht. „Ich bin der Mann in der Perlenkette!" sagte er voller Hohn. „Sie haben oerspielt und verloren,. Daniel-Kretz!" Tränen von damals. Der Frühlingshimmel wölbte sich strahlend über Berlin. Das Eis auf den vielen Seen und Gewässern war geschmolzen, die Vögel langen in den grünen Wäldern, die ersten Blumen dufteten, und in Werder blühten die Kirschen und die Pfirsiche. Die Havel leuchtete verklärt, als verström« sie unter italiensscher Sonne. (Schluh folgt.) «« «« FW Dm KLEINGÄRTNER. iuiiuuiiiiiiiiiiiiiiuiiuuiiiiiiiiiiiiiiuiiiiniininiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiniiiiiiiiiiüiiniuiiiiniiiuiiiuiiiiiifliiuuiimmimiiiiHtiuimiiiimiiuiniiiiiuniiiniiiimnnuiiiiiiuiiiiiiiiuiiiumiunimiiini'iiniiiimiiiiiiiiii Die November- Arbeiten. Der Oktober hat diesmal die Reihe der schönen sonnigen Tage vermehrt, so datz die Ernte im Gemüse, und Obstgarten in be- quemfter Weife erfolgen tonnte. Der Regen Hot auch eimgermatzen ftir Feuchtigkeit gesorgt! aber es bleibt doch Pflicht eines jeden Gartenbesitzers, im Laufe des Novembers sich zu überführen, ob die Bäume und Sträucher in genügend nassem Boden stehen. Do» hängt natürlich davon ab, od in der nächsten Zeit weitere ergiebige Regensälle kommen. Etwaiges Gießen wird man in der Weise ausführen, datz man nicht gleich zuviel Wasser aufgießt, sondern die Bewässerung in mehreren Abschnitten vornimmt, um ganz sicher zu sein, daß das Wasser auch in den Boden einzieht. Haben die Obstbäume ihr Laub verlören, so werden sie von oben bis unten mit Bordeläfer Brüh« bespritzt, und zwar soll dies« in hundert Litern Wasser zwei Kilo Kalk und zwei Kilo Kupfer- vitrivl enthalten. Auch das Erdreich um den Stamm sollte mit der Brühe und mit der Kalkmilch versehen werden, mit der man nach ! einigen Tagen die Bäum« ebenfalls von oben bis unten bespritzt. Trockene Zweige und Blätter werden entfernt, und am besten ver- brannt. Will man Obstbäume pflanzen, so achte Man darauf, datz Wurzeln und Krone im richtigen Verhältnis stehen. Beim Herausholen der Bäume aus ihren alten Standort werden natur- gemäß die feinen Saugwurzeln, die am weitesten vom Stamm entfernt sind, abgerissen oder fonstwi« beschädigt. Die Saugwurzeln haben den Zweck, den Blättern den Ersatz für das oerdunstende Wasser zu liefern. Hat der Baum nun eine groß« Krone, die im Frühjahr viele Blätter erzeugt, so sind die im Winter neu gebildeten Saugwurzeln nicht imstande, so viel Wasser als gebraucht wird, herbeizufchafsen, was die Entwicklung des Baumes bseiMrächtigt. Man soll daher die Zweig« der zu verpflanzenden Bäume nach Bedarf zurückschneiden.— Stachel-, Johannis- und Himbeeren sind jetzt auch mit Vorteil zu pflanzen. Man seh« auf gute grotzsriichtige Sorten. Di« Erdbeeren stnd nochmals zu reinigen und werden später mit kurzem Dung belegt, doch muß das Herz der Staude frei bleiben. Sehr gut ist eine Gab« von Superphospohät-, man rechnet auf den Quadratnieter 50— 60 Gramm. Im Gemüfegarien wird die Ernte beendet. Ueber die Aufbewahrung der Kohlköpfe ist hier schon gesprochen worden: wer genötigt ist, sie im Keller«uszubewahren, mutz von Zeit zu Zeit Umschau halten nach faulenden Partien, vor allem aber, solang« nicht Frost, ober schlimmes Ziegenwetter eimritt, für gut« Lüftung sorgen. Das freigewordeve Land wird erforderlichenfalls geinist« und umgegraben, damit es in rauher Schall« den Muter über liegen bleiben kann. Dung mutz beim Umgraben möglichst gleichmäßig in allen Schichten verteilt werden: kommt er zu tief in dm Boden, so vertorft er und dringt keinen Nutzen. Wer im Sommer seinen Komposthaufen gut ausgefüllt hat, sollte ihn jetzt umsetzen, derart, daß die obere Schicht noch unten kommt. Auf jede neu aufgetragen« Schicht streue man zu Puloer zerfallenen un- gelöschten Kalk. Im nächsten Frühjahr kann man diese Kompost. erbe mit Vorteil gebrauchen.— Nur diejenigen Beet«, die womöglich noch im Spätherbst neu« Saat(Karotten, Petersilie, Schwarz- wurzeln) aufnehmen sollen, werden gleich fertig gegraben und geharkt. Im Ziergarten wird man den Rasen noch einmal scheren, und zwar möglichst kurz. Das von den Bäumen gefallene Laub wird zusainmengeharkt und auf«inen Hausen gebracht. Man kann dieses Laub zum Decken von Stauden benutzen oder aber es durch Hinzu- fügen von Erde zur wertvollen Lauberd« machen, die besonders für Topfpflanzen sich gm eignet. Nur geht dieser Prozeß der Umwandlung nicht sehr schnell oonstatten: Zwei, drei Jahr« sind erforderlich. Bei den Zimmerpflanzen ist darauf zu achten, daß übertriebenes Gießen nichi den allmählichen Uebergong zur Winter- ruhe stört. In der jetzt durch das Heizen trocken werdenden Zimmer- luft fühlt sich Ungeziefer aller Art besonders wohl: man bekämpft es am besten durch vorbeugend« Motznahmen: wiederhostes Be- spritzen der Pflanzen mit lauwarmem Wasser und Abwaschen der Blätter. Wichtig ist, datz der Wasserabzug der Blumentöpfe in Ordnung ist. Kann überflüssiges Gietzwasser nicht abfließen so wind die Erde sauer und die Wurzeln beginnen zu faulen. Eine Düngung sst in dieser Ruhezeit nicht angebrocht. P. D. Das Trocknen der Walnüsse. Eine alte Erfahrung ist, datz Walnüsse, die zuletzt vom Baum« gefallen, also an der Luft getrocknet sind, am besten schmecken. Daraus ergibt sich zweierlei: man soll die Nüsse möglichst lang« am Baum lassen, so datz die Schale platzt und die Nüsse beim Aus- schlagen aus den Boden sich von der grünen Schale lösen— und zweitens: man soll die Nüsse nicht durch Einschieben m einen Back- ofen trocknen. Nach dem Einsammeln der Nüsse reinigt man sie mit Wasser und Besen und gibt mehrmals hierzu frisches Wasser. Hier- auf werden sie auf ein« Horde mit Drahtgeflecht gebracht und am Tage mehrmals gewendet. Auch von unten mutz die Luft?. itt haben. Kann man di« Horde nachts draußen lassen, so ist'-'es -m so besser. Bei ungünstiger Witterung stelle man die Hm:« lit einem möglichst der Zuglust ausgesetzten Raum auf. Ist man ge- nötigt, die Nüss« nachts hereinzunehmen, so werden sie am Morgen feucht sein: die inner« Feuchtigkeit wird ausgeschwitzt. Nüsse, die einer solchen Behandlung umerzogen wurden zeichnen sich durch . Wohlgeschmack aus. Würde man dt« Nüsse auf den Boden schütten, so würden sie binnen kurzem schimmeln.?. v. ~ Sportund Spielam Freie Schwimmer im Lunabad. Die Schwimmsaison beginnt verheißungsvoll. Erstmalig treten tommenden Sonntag Arbeitet. eine ihr Domizil haben, mit einem großangelegten Schauschwimmen an die Deffentlichkeit. Anlaß dazu gab das 25jährige Bestehen der Gruppe Neukölln der Freien Schwimmer Großschwimmer im Cuna- Bad, wo sonst nur bürgerliche BerBerlin. Das umfangreiche Programm enthält Reigen, Rettungsmehr fampf, Kunst- und Turmspringen, Wasserballspiele sowie Einzel- und Mannschaftsweitfämpfe. Es ist dem Veranstalter gelungen, von Guswärts Kräfte zu verpflichten, die in der Arbeiterschwimmbewegung einen guten Namen haben. Der Meldeschluß ergab eine glänzende Besetzung bei allen Ronkurrenzen. Außer den fieben Berliner Vereinen werden sich Schwimmer aus Görlig, Frontfurt a. d. Oder, Breslau, Hannover, Dessau und Magdeburg mit den Berlinern messen. In der Eröffnungsstafette der Männer über 6 × 66%-Meter ( Crami) merden die Gäste den Berlinern den Sieg schmer machen. Das dürfte besonders von Magdeburg zutreffen. Ebenso wird der erbitterte Kampf in der Bruststafette feine Fortjehung von dem Pürzlich stattgefundenen Unionsfest finden. Ueber 66%, 133, 133%, 66% Meter werden die Turner und Schwimmer, beide mit den Vereinsnamen Groß- Berlin", um den ersten Plaz streiten. Aber auch die Mannschaften von Union, Hellas, Charlottenburg, Breslau und Hannover tönnten ebensogut eine Ueberraschung bringen. Nur die besten Mannschaften haben ihre Meldungen zur Männerlagenstafette über 4 × 100- meter abgegeben. Hier sind es Magdeburg, Breslau, Hannover, Görlitz, Hellas und Groß- Berlin, die ihr Bestes hergeben wollen. Sechs Springer bestreiten beide Sprungfonfurrenzen. Stieler Dessau, der Bundesfestsieger von Nürnberg, wird sein können weiterhin unter Beweis stellen. Zehn der besten Cramischwimmer werden bei den Männern an dem 200- meter- Schwimmen der Klasse A teilnehmen. Frauen und weibliche Jugend werben in ihren Wettkämpfer ebenfalls die Zuschauer feffeln. Die Konkurrenzen der männlichen Jugend haben erfreulicherweise eine sehr starte Belegung gefunden. = Die internen Wettkämpfe nehmen noch einen be sonderen Raum ein, um jedem Vereinsmitglied Gelegenheit zu acben, an dem Fest aftin teilzunehmen. Drei Wasserball[ piele werden das Fest beschließen, das noch mit einen großen Freiheitsreigen verschönt werden soll. An dieser großen Demonstration der Arbeiterschwimmer sollte jeder Werftätige teilnehmen. Beginn der Veranstaltung 15 Uhr. Fahrverbindung bis Bahnhof Halensee. Arbeiterhockey. Serienspiele am Sonntag, 3. November. Das intereffanteste Spiel dürfte in der Normannenstraße zwischen den beiden Bezirken Oftring I und Mariendorf I der Freien Turnerschaft Groß- Berlin stattfinden. Beide Mannschaften sind noch ohne Bunktverlust. Die Frage nach dem Sieger ist sehr offen. Schließlich wird die bessere Technik der jungen Mariendorfer Mannschaft das Spiel entscheiden. Spielbeginn 14 Uhr. Am Bormittag um 10.30 Uhr treffen sich auf denselben Blak der Athletik- Sport- Club. I und der Sportverein Moabit I. Hier wird fich die gute jugendliche Mannschaft der Moabiter dem erfahrenen Spiel des Athletik- Sport- Club beugen müffen. Auf dem Sportplatz Dit, Laster- Straße, ipielen um 14.30 11hr Tennis- Rot I und der Bezirk Nordring I der Freien Turnerschaft Groß- Berlin, mo Tennis Rot die lleberlegenheit der Rodrind- Mannschaft wird anerkennen müssen. Immerhin dürfen die Tennis- Spieler nicht unterschäßt werden, da sie bei richtiger Mannschaftsaufstellung einen achtbaren Gegner abgeben, der zu kämpfen versteht. In der Gruppe B spielen Tennis- Rot II und Ostring II um 13 Uhr auf den Blak Dft, Baster- Straße, Freie Turnerschaft Norbring II gegen Reukölln um 10 Uhr in der Schönhauser Allee und der Athletik- Sport- Club II gegen Pankow I Freie Turnerschaft Groß- Berlin um 9 Uhr in der Normannenstraße. Die Frauen vom Bezirk Ostring und Nordring der Freien Turnerschaft spielen um 13 1hr in ber Normannenstraße. Vom Arbeiter- Wintersport. Die erste Zusammenkunft der Interessenten. Die Arbeiterwintersportler, die in den Berbänden ter Zentralfommission für Arbeitersport und Rörpertultur organi fiert sind, famen gestern Abend zusammen, um die gemeinsame Ar. beit für den Winter festzulegen. Eine sehr stattliche Anzahl von Eportfern hatte sich eingefunden, ber Gaal reichte nicht aus. Aber troßdem find es noch nicht alle, die bis jetzt schon Ausbildung durch die Arbeitersportbewegung erhalten haben; es fehlen auch noch viele der intersporttreibenden Mitglieder der Partei. merden. ihrem Interesse gemeinsame Ulebungsstunden abgehalten, während an den Wochentagen in den Grenzbergen bei Bilhelmshagen, im Grunewald und im Norden Berlins Uebungsstunden stattfinden. Die Eiskunstläufer und schnelläufer sollen auf den zur Verfügung stehenden Bahnen in ihrer Sportart ausgebildet Bei den Eishockeyspielen ist die erfreuliche Tatsache fest. zustellen, daß der Bundesausschuß für Eishoden jetzt auch das fanabische Spiel mit einigen fleinen Abänderungen eingeführt hat. Das Interesse dafür ist rege, find doch schon acht Mannfchaften gemeldet, die sofort bet Deffmung der Bahnen den Serien betrieb aufnehmen sollen. Die Frage einer Weihnachtsfahrt wurde sehr eifrig besprochen, sie fann aber nicht mehr stattfinden, da für eine große Teilnehmerzahl fein Quartier mehr besorgt wer ben kann. Im Dezember soll eine Propagandaveranstaltung statt finden Hoffen wir, daß auch der bisher abseitsstehende Arbeiter seinen Wintersport in der Arbeitersportbewegung treiben fann; für eine gute Ausbildung und für die Durchführung des Programms bürgen die Leiter als langjährige Wintersportler. Jugend und Partei. Jugend ist Zukunft! Darum ist die Gewinnung der Jugend für die sozialistische Idee wichtig. Aber wenn diese Zukunft da ist, dann ist die heutige Jugend zu den Alten aufgerückt, dann gibt es wieder eine neue Jugend. Und alle Jugend ist sich seit ewigen Zeiten einig, daß die Alten veraltete Ideen haben, daß ein neuer Schwung in das meist recht humoristisch von der Sturmzeit ihrer eigenen Jugend, von Derfaltte" Getriebe fommen muß. Andererseits sprechen die Alten stürmischen Projekten und Plänen, die im Wolfenfududsheim lagen. Jungen einmal älter werden Das ist die ewige Differenz zwischen Jung und Alt. Da aber alle fagen wir also vertalten und die Alten vor Jahren die Sturmzeit der Jugend durchgemacht haben, so erscheint es geradezu furios, sich gegenseitg etwas vorzumerjen. 2er Erfolg ist abhängig von der Zusammenarbeit von jung und aft. 3mischen Wollen und Können liegt ein weiter Weg, aber beides ist wichtig. Entscheidend ist legten Endes immer der tatsächliche Erfolg, das Können. Auf dieser Grundlage muß fich jung und alt verstehen lernen. Zum 17. November. Deutschnationale gegen den Sport. In der letzten Sigung des Königsberger Stadtparlaments fam es zu einer bezeichnenden Auseinandersetzung zwischen Sporifeinden und freunden. Die Fraktion des sogenannten„, chriftlichen Boltsdienstes", einer christlichnationalen Königsberger Parteigruppe, hatte mit deutlicher Spize gegen die Arbeiter sportbewegung beantragt, sportliche Beranstaltungen während des SonntagsvormittagsGottesdienstes nicht zu unterstützen. Unter diefen finanziellen und moralischen Boykott durch die Stadt follten nicht nur öffentliche Veranstaltungen, sondern auch das sportliche Training der Vereine Sonntagvormittag gerade für viele Arbeitersportler die beste, ja fallen. Wer den Sportbetrieb einigermaßen fennt, weiß, daß der einzige Gelegenheit ist, Sport zu treiben. Selbstverständlich wandte sich die Sozialdemokratie gegen dieses Ansinnen. Anders dagegen die deutschnationale Fraktion, die in ihrer Erklärung zwar sportfreundliche Bhrafen vom Stapel ließ, dann aber doch für den Boytott des Sport- Sonntagsvormittags stimmte. Es gelang den Vertretern der Sozialdemokratie im Verein mit anderen Stadtverordneten jedoch, diesen Anschlag zu Fall zu bringen. Haltung selbst furz vor den Neuwahlen noch einzunehmen, zeigt, m'e Daß die Deutschnationalen es wagten, eine so sportfeindliche wenig Interesse sie dem Sport entgegenbringen. Die Quittung dafür wird ihnen am 17. November gegeben werden. Winterschlaf im Wassersport? Früher mag es so gewesen sein, daß mit der falten Witterung auch der Wassersport erstarrie. Heute fönnen mir feststellen, daß in allen Bereinen während des Winters die förperliche Ertüchtigung auf verschiedenen, den Ruder- und Kamusport ergänzenden Gebieten angestrebt wird. Ein Teil Unentwegter fährt jolange sein Boot, wie es irgend möglich ist, den gesunde und reine Luft bietet die kalte Jahreszeit. Hinzu kommen die herrlichen Landschaftsbilder, die Mutter Natur im Herbst und Winter beschert. Oft muß das Eis vor dem Anlegesteg losgeschlagen werden, um die Boote in die Fahrrinne bringen zu fönnen. Diese Wasserwanderer stellen ihre Tätigkeit erst ein, wenn beim Reinigen der Boote der Wasserlappen am Boot anfriert. Ein Bergnügen eigener Art, ist eine Wasserfahrt", jedem Menschen ist es nicht gegeben, bei derartigen Temperaturen zu rubern oder zu paddeln. In jedem Frühjahr, dem Beginn der Ruder- und Kanusaison, wird es schwer sein, als Anfänger einem Verein beitreten zu können, die Mitgliederliste ist geschlossen. Zum Anfängerausbilden ist im Frühling und Sommer teine Zeit, denn der Sommer ist so turz, daß jeder Mensch zufrieden ist, seine freie Zeit als ausgebildeter Ruderer oder Kanufahrer auf den märkischen Gewässern verbringen zu fönnen. Die Ausbildung von Anfängern in beiden Sportarten geschieht daher im Winterhalbjahr. An den langen Abenden herrscht in den geheizten Ruderanlagen reger Betrieb. Neben den Anfängern üben die Fortgeschrittenen, die scheinbar unzählige Kilometer runterreißen, Neue Freunde des Wassersports tun gut, im Herbst einem Berein beizutreten, um dann im Frühjahr nach abgelegter Prüfung als ausgebildete Ruderer oder Kanufahrer in den vollen Genuß des Wassersportes zu kommen. Der Arbeitetsport besteht etwa zur Hälfte aus Jugendlichen. Da aber der sportliche Brunnen Körper und Geist ständig verjüngt, so fann man in diesem Sinne das jugendliche Element ruhig auf drei Viertel der Gesamtmitgliedschaft berechnen. Der Arbeitersport ist daher für die Partei ein wichtiges Propagandagebiet. Andererseits braucht der Arbeitersport die Unterstügung der Partei in den Barlamenten wie in den Kommunalvermal hungen. Eine gegenseitige Unterstützung ist nicht nur wünschenswert, fondern geradezu Borauslegung des Erfolges. Wir haben ein gemeinsames fozialistisches Ziel. Zur Erreidung desselben ist eine gemeinsame Front erforderlich. In dieser Front muß die Jugend des Arbeitersports die Avantgarde bilden. Sie muß mit jugendlicher Begeisterung die hier und da noch bestehenden Hemmnisse beseitigen. Die Bahn ist frei! Die Arbeitersportverbände haben nach Aus fchluß der fommunistischen Spaltpilze die Sozialdemotra tische Partei als alleinige, zielbemußte Bergebildete Wafferfahrer bringen immer Hilfe, und wenn das Wasser tretung der Arbeitersportler anertannt. Zur vollen Auswirkung fönnen diese zentralen Beschlüsse freilich erst fommen, wenn auch in den Kreisen, Bezirken, Kartellen und vor allen Dingen in den Bereinen der teilweise noch vorhandene ,, neutrale" Stand: punft aufgegeben wird. Wir haben dem bürgerlichen Sport oft genug vorgehalten, daß Neutralität Unsinn" ist. Wir verlangen von der Partei, daß fie eindeutig die Intereffen des bundestreuen Arbeitersports vertritt. Daraus ergibt sich die selbstverständliche Pflicht, ebenso eindeutig für die Sozialbemotra tische Bartei in eine freie und offene Propaganda einzutreten. Die Kommunalwahlen stehen vor der Tür. Bürgerliche und Kommunisten arbeiten mit verleumderischer Hehe. Bisher hatte die Sozialdemokratie im„ Roten Haus" wie in den Bezirksversamm lungen maßgebenden Einfluß, der nun gebrochen werden soll. Wenn diefer Blan audy mur teilweise gelingt, so würde der Arbeiter port sehr bald die Folgen zu spüren betommen. Deshalb meg mit der Neutralität, die unsere Bewegung gefährdet. Schließt die Reihen zur gemeinsamen Kampffront für ein sozialistisch berwaltetes Berlin! Die letzten Jahre brachten große Erfolge! Ueberall find Spielund Sportplähe entstanden, in den Jahren 1925 bis 1929 wurden über 6% Millionen Mart für diesen 3wed ausgegeben. Badeanstalten und Freibäder, große Volksparts mit muftergültigen Sport anlagen find befonders in den Arbeiterbezirken gefchaffen worden. Wer das Werbeflugblatt des Arbeitersports zu den kommunalwahlen lieft, das die Erfolge der fozialdemokratischen Stadt- und Bezletsverordneten in seinen hauptsächlichsten Punkten aufzählt, wird sich auch der Forderung des bundestreuen Kartells nicht verschließen fönnen: Am 17. November alle Stimmen der Arbeitersportler für die Sozialdemokratie! Die Arbeiter- Athleten laden ein! Im großen Saal der ,, Neuen Welt" in der Hasenheide veran staltet der bundestreue Kreis Berlin- Brandenburg des Arbeiter Athleten Bundes am Sonntag, 10. November, feinen all. jährlichen Artist en Bettstreit. Aus Deffau, Leipzig, Magde burg, Finsterwalde, Liegnig, Wurzen, Schreudig, Offenbach und Berlin treten etwa 25 gute artistische Nummern auf. Ein laß 4 Uhr, Konzert ab 5 Uhr, Beginn 6 1hr, Eintritt 1 M. Bor verlauf bei Frohne, D., Gubener Str. 59, Brüller, Berlin- Neukölln, Kaiser- Friedrich- Str. 77, Kleintges, Prinz Eugen- Str. 22, und in ber Aus dem Bericht des Wintersportwartes Dr. Biese ist zu entnehmen, daß von der Leitung schon viel für die praktische Arbeit Dorbereitet ist. Die Beschaffung von Blägen, wovon jetzt schon vier zur Berfügung stehen und die Frage der möglichst billigen Eintrittspreise, nahm einen großen Teil der Arbeit in Anspruch. Weiterhin mußten die Verhandlungen mit dem Berliner Sportpalast geführt werden, wegen Benutzung der Eisbahn durch die Arbeitersportler. Foffen wir, daß sich auch diese Frage zum Borteil der Arbeiter wintersportler regeln läßt. Die Hauptaufgabe der Leitung liegt in ber Ausbildungsarbeit und der Bildung von Wintersport abteilungen in der Provinz. Der erste Trodenturfus folt am Dienstag, 12. november, in der Turnhalle Bant ftraße 41 um 20 Uhr beginnen. Teilnahmeberechtigt find Mit glieder der Vereine der Zentraltommiffion, für die ber Rurfusbeleuen Belt". trag für vier Doppelstunden 2 beträgt. Jugendliche und er werbslose Mitglieder zahlen nichts. Die Anmeldungen dazu müssen fchnellstens bei der Geschäftsstelle der Freien Turnerschaft Groß Berlin No. 18, Lichtenberger Straße 3, erfolgen. Für die Ber einsleiter sollen Ausbildungskurse stattfinden. Neben den bestehen. ben Abteilungen von ASC., FIGB- Wintersport, FTGB.- Tennis, Tennis Rot, Faltbootfahrer, Naturfreunde Schneeschuhläufer, Natur freunde- Eisläufer, Wittenberge und Eberswalde, fommen in aller nächster Zeit noch hinzu: Radfahrerbund Solidarität", Botsdam, Hennigsdorf, Nieberfinom, 3offen und Fürstenwalde. Für die Schneeschuhläufer werden an den Sonntagen entsprechend Daß jeder Mensch, der ein Boot meistern will, Schwimmer und für Gefahrenmomente auch Rettungsschwimmer sein muß, ist selbstverständlich. Die jystematische Ausbildung im Schwimmen und Retten geschieht ebenfalls im Winter. Oft griffen Arbeiter- Ruderer und Kanufahrer bei Unglüdsfällen unter eigener Lebensgefahr ein und brachten erste Hilfe. Doch im Schwimmen und Retten ausnoch so stürmisch ist. Als Ergänzungssport werden außer dem Schwimmen alle Sportarten benugt, die im Arbeiter- Turn- und Sportbund als mustellodernd und förperbildend bekannt sind. Gymnastit, Handballspiel und der Schneeschuhlauf sind besonders beliebt, das Wandern kommt natürlich auch zu seinem Recht. Erwähnt muß noch werden, daß gerade die Kanufahrer im Winter eine rege Bautätigteit entfalten. Der. Stolz vieler Baddler liegt darin, im selbstgebauten Kajat zu fahren. Wir sehen auch, daß in fast allen Bereinen die Baulustigen gemeinsam im Serienbau ihre Boote nach Zeichnungen herstellen, die in der Arbeitsausführung hinter Werftbauten nicht zurückstehen. Einzelne bauten neue Bersuchstypen, die, wenn sich die Brauchbarkeit bewiesen hat, im nächsten Winter auch wieder im Serienbau hergestellt wurden. Der Selbstbau erstreckt sich sogar auf Faltboote. Daß an ,, Winterschlaf" bei den Ruderern und Kamufahrern nicht au denten ist, beweisen diese Zeilen, die einige Ausschnitte aus dem fommenden Winterbetrieb ber Ruderer und Kanufahrer im ArbeiterTurn- und Sportbund aufzeigten. Was der Sport bringt. Sportler im Bezirt Friedrichshain! Sonnabend, 2. November, Treff mit Fahnen und Transparenten 17% Uhr Küftriner Blak, am Oftbahnhof! Propagandaumzug zur Stadtverordnetenwahl! geschlossene Beteiligung der Vereine wird erwartet! J. A.: Kirchmann. Die Arbeitersport im Rundfunt. lleber die Ziele und Aufgaben des Arbeiter- Turn- und Sportbundes hält der Vorsitzende des Streifes Schlesien im ATSB. Doblig. Breslau am Sonntag, dem 3. November, 14.10 Uhr, einen Vortrag am Sender der schlesischen Funkstunde Breslau. Breslau hatte Welle 325, khz 923. Arbeiter- Radfahrer- Berein Groß- Berlin. Sonntag, 3. November, 13 Uhr, Zehlendorf, Karlstr. 12. Start Waldemarstraße Ecke Mariannenplay. Gäste willkommen. Die Sti- Trodenturje des Jugendamts Charlottenburg laufen bereits und werden mit einem neuen Kursus am Freitag, 8. November, um 17% und 20 Uhr fortgesetzt. Meldungen im Rathaus, 3immer 112 oder in der Turnhalle der Schule, Goethestr. 22, bei Kursusbeginn. Rurfusgebühr ist sehr niedrig. Im Anschluß an die Trodenturse finden ab Weihnachten bis Ende Januar praktische Stifaufturje im Riefengebirge statt. Anmeldungen schon jetzt. Jede meitere Auskunft erteilt das Jugendamt Rathaus, Zimmer 112, Amt Wilhelm, Bezirksamt Charlottenburg, Apparat 263 und 372. Die vierte Herbftveranstaltung auf der Trabrennbahn Mariendorf beginnt am Freitag, 1. November, um 16 Uhr. Bundesreue Vereine teilen mit: Den Tag des 41. bzw. dreijährigen Bestehens nehmen die beiden Arbeiter Athletenvereine offnung 1888" und Einigteit Sousiftennezein Die Raturfreunde", Zentrale Bien. Ortsgruppe Berlin: 1926" zum Anlaß, ihren Anhängern erstklassige artistische Leistungen Sonntag, 8. Ropember: Richtefeit am Weberfee. Alle Abteilungen erfcheinen. Gerußreiche Stunden den verwöhntesten Varieté Treffpunti 11 The Steinfurth Abt. Charlottenburg: Freitag, 1. Stovember, zu bieten. besuchern, athletische Vorführungen für die Sportfreunde, für die 20 hr, Spreeft. 30: 1. Serienportzaa über Ferienwanderungen: Schwabenland mit Sichtbilder. Sonntag Ueberfee.-bt. Gibost: Freitag, 1. 9ovember, Mht. Treptow: Freitag, 1. 90tanzluftige Jugend gute Ballmusif, das wird am 3. November 20 Uhr. Briger Str. 27:„ Die feruelle Frage". Dember, 20 Uhr, Elfenste. 3: Lichtbilbervortrag. Abt. Reukölln: Freitag, in den Alhambra Festsälen, Ballner Theater- Str. 15, ge1. November, 20 Uhr, Flughafenftr. 68. Bhotogemeinschaft: Montag, 4. Noboten. Karten find im Vorverkauf zu haben bei 2. Dieße, Madai- vember, 20 Uhr. Frankfurter Allee 307: Blinlichtphotographie". 66., Soden. Sigung Donnerstag, 31. Ottober, 20 Uhr, bei Wegner, straße 2; Pegte, Mirbachstr. 70; Baginsti, Urbanstr. 70; Sport Stantfutter zee 236. Colibarital, Charlattenburg. Sur 40- Jahr- Feier ber GBD, treffen fich die zentrale, Rönigsberger Str. 5/6, und im Bofal G. Drescher, Stra Sportsgenoffen in Sportbren Freitag, 1. November, auf dem Spandauer Berg um 20 Uhr aur Generalprobe. fauer Platz 5. Beerdigung der Todesopfer des Münchener Eisenbahnunglücks. München, 29. Oktober. Am Montag wurden auf dem Münchener Ostfriedhof und Westfriedhof die Münchener Todesopfer des Eisenbahnunglücks bei Reichelsdorf bestattet. Der Postschaffner Ludwig Stacht wurde auf dem Ostfriedhof unter großer Anteilnahme namentlich der Postund Bahnbeamten begraben. Der Postassistent Obermaier und der Postassistent Auer fanden auf dem Westfriedhof ihre letzte Ruhe. Die Reichspost, die Reichsbahn, Vereine und Berufsgenossenschaften aus München, Würzburg und Berlin gaben den Toten das legte Geleit. Der Fahrdienstleiter von Reichelsdorf, Eisenbahnsekretär Hans Linhuber, der wegen des Eisenbahnunglücks bei Reichelsdorf von der Staatsanwaltschaft verhaftet worden war, ist am Montagabend aus der Haft entlassen worden, weil weder Fluchtverdacht noch Verdunkelungsgefahr vorliegt. Feinster FUNK UNDAM ABEND Donnerstag, 31. Oktober. Berlin. 16.05 Dr. Fr. Bachmann: Luther und die Musik. 16.30 Neue Lieder.( Gerti Ost, Sopran; am Flügel: Theo Mackeben.) 17.00 Hotel Kaiserhof: Teemusik. 17.30 Zur Lektüre großer Dichter. Friedrich Burschell. 18.00 Geistliche Chormusik( Schallplatten). 18.15 Dr. Fritz Gumpert: Erholungsfürsorge für Kinder und Jugendliche. 18.35 Rektor Bernhard: Die Sprachheilschule in Neukölln. 19.00 Max Reger: Sonate B- Dur, op. 107 für Klarinette und Klavier.( Hermann Schrader, Klarinette und Dr. V. E. Wolff, Flügel.) 19.30 Das Interview der Woche. 20.00 Prozeß Sokrates". Sendespiel in vier Akten von Hans Kyser( Uraufa führung). 22.30 Funk- Tanzunterricht. Anschließend bis 0.30 Tanzmusik. Während der Pause: Bildfunk. Königswusterhausen. 16.00 Ob.- Stud.- Dir. Behrend: Die Gestaltung der Reifeprüfung. 16.30 Nachmittagskonzert von Berlin. 17.30 Ob.- Stud.- Dir. Prof. Heinrich Werner; Anselm Feuerbach und J. Viktog Scheffel in Kastell Toblino. 18.00 Mersmann: Kleine Formen der Klaviermusik. 18.30 Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55 Prof. Dr. Honcamp: Nacherzeugnisse der Zuckerfabriken als Futtermittel 19.20 Dr. Moosberg: Werbemittel des Einzelhändlers. 20.00 Reformationsfest.( Uebertragung aus der Kaiser- Wilhelm- Gedächtniskirche.) Berantwortl. für die Redaktion: Wolfgang Schwarz, Berlin: Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. nt. b. S., Berlin. Drud: Barwärts Buch druckerei und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Geschäfts- Anzeiger Sahneschichtkäse Richard Frehse Reinickendorf- Ost, Holländerstraße 117 Bezirk Norden- Osten. Paul Zillen GmbH. Elektrischer Bedarf Schiffbauerdamm 15 Sämtl. Elektromaterial Spezialität: Heizöfen und Bügeleisen Verkauf nur an zugelassene Installateure Farben- Beischlag..Humboldtmühle" Berlin C, Burgstraße 26. Akt.- Ges. Berlin. Telephon: Norden 2082-84. 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