BERLIN Zreitag t November 1929 10 Pf. Ar. 514 B 256 46. Jahrgang Erscheint tiglich anßerSvnntag«. Zuglrnh Abentau-gabe dr«.Vorwärts". Bcjuqspreis beide Ausgaben SS Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Mvnar. Redaktron und Eppcditioni BerlinSW68,Llndenstr.3 Sjiabxakgaße xlßA„Vytutwdb AnieigenpreiS: Die einspaltige Nonpareillezeile SO Df., Rtklamezeile SM. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwärtS-Verlag G. m. b.H., Berlin Nr. 37 536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 BBMI Mr 9/23 von Hundert! „Schwere Enttäuschung" und„jähes Erwachen". Nach den beim Reichswahlleiter bis zum 1. Novem-[ ber 12 Uhr mittags eingelaufenen Meldungen stellt sich das Ergebnis der Eintragung wie folgt: Bei 36 689 048 Stimmberechtigten hatten sich 3 371336 Wähler eingetragen, also 9,73 Proz. Gemessen an der Gesamtzahl der Stimmberechtigten (41 278 897) liege« die Eintragungszifsern ans etwa 88,88 Pro,, des Reichsgebietes vor. Die oben angegebenen Zahlen enthalten die nahezu voll- ständigen vorläufigen Gesamtergebnisse sür ZS Stimmkreise. ebenso Teilmeldungen für die übrigen 10 Slimmkrcise. Teilmeldungen flehen noch aus folgenden Stimmkreisen aus(die Zahl der Stimmberechtigten für das noch ausstehende Gebiet ist beigefügt): 0 st p r e u h e u<1 150 000), Merseburg(40 000), w e f e r- S m s (460 000), westsaleu Nord(630 000), Hessen-Nassau (1 058 000), Oberbayer«-Schwaben(33 000), Niederbayeru (630 000), würltemberg(22000), Baden(340 000), Meck- lenborg(65 000)._ Hugenberg, der richtige Mann! Wer sagt das?— Hilgenberg! hugenberg hat die Beamten, die mit der Auszählung des Volksbegehrens beschäftigt sind, in sinnloser Weise verleumdet und der Urkundenfälschung bezichtigt. Auf die Zurückweisung dieser Erbärmlichkeit durch den„Vorwärts" antwortet jetzt Hugenbergs ..Tag": „Der geifernde Haß, der aus diesem dreisten Schrieb spricht, wird im Gegemeil die Deutschnationalen nur in ihrer Ueberzeugung bestärken, daß der richtige Mann an ihrer Spitze steht. Was die offenkundigen Ehrabschneidereien angeht, deren sich der „Vorwärts" schuldig macht, so ist wiederholt erschöpfend erklärt worden, daß Dr. hugenberg zwar am Tage der Dawes-Abstim- muna krank war, aber in einem ausführlichen Schreiben an den Parteiführer darlegte, daß er gegen die Annahm« des Dawcs- - Planes fei. Dieser Tatbestand ist natürlich dem„Vorwärts" so gut bekannt wie uns. Er macht nur keinen Gebrauch davon und verleumdet feige weiter. Der„Tag" verrät mit keinem Wort, warum wir Hugenberg einen Verleumder nannten, fein« Leser würden ja sonst sofort bemerken, daß wir recht hatten. Dafür beschäftigt er sich mit einer anderen Angelegenheit, auf die einzugchen uns nicht weniger er- wünscht ist. Wir hatten im August d. I. öffentlich angefragt, warum hugenberg an der Dawes-Abstimmung vor fünf Jahren nicht teil- genommen habe. Darauf an wartete hugenberg mit der Veröffent- lichung eines Brieses, den er am 26. August 1924 an h e r g t geschrieben hatte. In diesem Brief�setzte hugenberg auseinander, daß er bei den Verhandlungen der Fraktion über den Dawes Plan gefehlt habe, weil er sich»doch nicht zu den Nörglern gesellen wollte" und daß er auch zur Abstimmung nicht kom- men könne, weil er mit einer Herzattacke zu Bett liege. Bald l darauf hat aber hugenberg seine schamlose Hetze gegen alle, die für] den Dawes-Plan gestimmt hatten, also auch gegen die Hälfte seiner, eigenen Frakiionskollegcn begonnen. Besonders richtete sich diese � Hetze gegen den verstorbenen S t r c s c m a n n, der sich bei wich- � tigen Entscheidungen niemals mit einer„hcrzattacke" ins Bett gelegt hat. Wir haben das Verhalten hugenbergs in der Frage des Dawes-Plans als eine Erbärmlichkeit gekennzeichnet und halten diese Kennzeichnung aufrecht. Aber, das ist nicht das Entscheidende. Das Entscheidende ist, daß Hugenberg seine Partei in eine Niederlage hineingeritten hat, wie es noch niemals zuvor ein Führer mit seiner Partei getan hat. und daß er, um sich zu entschuldigen, zu einer feigen Verleumdung seine Zuflucht genommen hat, indem er die Beamten, die mit der Auszählung seiner Niederlage beschäftigt sind, der Urkundenfälschung bxschuldigtc. Angesichts dieses Skandals, der auch vielen Deutschnationalen schwer auf die Nerven gefallen ist, läßt sich hugenberg von seinem eigenen Blatt— ein anderes täte es ja doch nicht! — attestieren, daß er„der richtige Mann an der Spitze ist". Deswegen wird er aber doch von den Dcutschnationalen fortgejagt werden, wie er es schon längst verdient hat! 3)er polnische Reichstag wurde bei seinem Zu sammeniriU am Sonners- lag durch ein Wassenauf- gehot ron Offizieren an der Arbeil rerhinderL Unser Wild gibt einen Wlick in den SUaungsaat des Sejm; der Ellars ehalt 3>ilsudski als Sprecher. 21 Stadiverordneien-Wahllisten. Nicht weniger als 21 Listen sind für die Berliner Sladlverord- nelenwahlen am 17. November eingereicht worden. An zwölfter Stelle steht eine funkelnagelneue Partei, nämlich eine l i n k s r a d i- kale Anlikorruptions- Partei. Sie hofft wahrscheinlich. ein Bäckerduhend Stimmen aus den Kreisen derer, die nie alle werden, zusammen zubekommen. An erster Stelle steht die Sozialdemokratische Partei Deutschlands. Tardieu wird Ministerpräsident. Schärferer AechlSlurS m Frankreich. Paris, 1. November.(Eigenbericht.) Die französische Regierungskrise ist mit der Berufung Tardieus wieder an ihren Ausgangspunkt zurückgekehrt. Dem Kabinelt Briand-Tardieu folgt jetzt ein Kabinett Tardieu-Vriand. Es steht wohl außer jedem Zweifel, daß Tardieu, der schon seit langen Monaten als künftiger Ministerpräsident gilt, und der sicherlich schon eine Ministerliste fertig in der Tasche hat, zum Erfolge kommen wird. Er hat am Donnerstag bereits die Zustimmung Briands, Eherrons, Maginots, Painlevcs und hennessys zu weiterer Mitarbeit erhalten. Tardieu hat am Donnerstag abend voll Zuverficht erklärt, daß er bis Sonnabend früh fein Kabinelt fix und fertig haben werde. D>e neue Mannschaft, wie auch die parlamentarische Mehrheit Toroieus dürsten sich von der des zweiten Kabinetts und des Isrievkabinells Briands nur sehr unwesentlich unterscheiden. Das einzige Resultat der Regierungskrise liegt wahrscheinlich darin. daß die neue Regierung noch schärfer nach rechts orientiert sein und die Linke, weil sie in ihren Bemühungen um die Kabinettsbildung erfolglos gewesen ist, mit schwerer Einbuße aus der Affäre hervorgehen wird. pilsiidsti und feine 100 Offiziere. Gr kommansierte fit selbst in Pen Sejm. Marschau, 31. Oktober.(TU.) Die bereits gemeldete Unterredung zwischen Marschall Pil- sudski und dem Sejmmarschall hatte folgenden Verlaus: Pilsudski trat in das Zimmer Daszynfkis und fragte, ob der Sejmmarfchall die. Sitzung eröffnen werde oder nicht. Daraus erwiderte Daszynski: Erst dann, wenn die Ossiziere das Haus verlassen haben. Marschall Pilsudski wollte nach dieser Antwort aus dem Zimmer gehen. wurde jedoch durch die Frage Daszynskis zurückgehalten, wer denn die Offiziere in den Sejm beordert habe? Pilst'dski antwortete kurz und schars:„3 ch." woraus er sofort aus das Schloß fuhr. Daszynski und pilsudski. Jgnaz Daszynski, der Präsident des poinifchen Ab- geordnetenhauses, und Joseph Pilsudski, der Kriegsminister und Halbdiktator Po-lens, die heute als die beiden Hauptgegner einander gegenüberstehen, sind alte Kampfgefährten und waren durch Jahrzehnte eng befreundet. Beide stehe» in der ersten hälft« der 60er Jahr«, beide stammen aus attadeiigen Familien. Daszynski wurde als Sohn eines österreichischen höheren Ver- wckltungsbeamten in Oftgalizien geboren, Pilsudski stammt aus Wik na, dos als die Heimatstadt des größten polnischen Dichters Adam Mickiewicz eine Art Nationalheiligtum der Polen ist. Beide schloffen sich in jungen Jahren der sozialistischen Bewegung an. die im österreichischen Teilgebiet vor allem gegen die Vor- Herrschaft des polnischen Adels in der Verwaltung Galizicns gerichtet war, zumal diese Verwaltung parteiisch im Interesse des Großgrundbesitzes und der Reaktion mißbraucht wurde: im russischen Teilgebiet dagegen waren die polnischen Sozialisten die Vorkämpfer der Freiheitsbewegung, die die Abschllttelung der russischen Fremdherrschaft und die Wieder- errichtung eines freien, demokratischen und sozialen Polenstaates zum Ziel hatte. Naturgemäß war die Bewegung in Kongreßpolen illegal und der zaristische Druck, besonders nach der Niederlage der Revolution von 190S, rief terroristische Akte der Revolu- tionäre hervor, bei denen sich Pilsudski hervortat. Vorher schon hatte er insgeheim den„Roboinik"(„Der Arbeiter") geschrieben und mitgcdruckt, was die zaristische Polizei wiederholt ersuhr und verhindern konnte. Daszynski aber wurde vor 1897 in den Reichs- rat nach Wien einsendet. Seine hinreißende Rednergabe machte ihn rasch zum volkstiimlichsten Führer der gesamten Arbeiterschaft Alt- Österreichs. Auch Daszynski hat, als Student und Hauslehrer, Be- tanntfchaft mit russischen Gefängnissen gemacht, da er in der Festung Kultus sieben Monate verbüßen mußt«. Als Pilsudski vor etwa 25 Jahren ein Zlsyl in Krakau fand meinte er bald, in Galizien herrsche ja eine Freiheit wie in Amerika! Er konnte dort vorbereiten, was im Weltkrieg als„Polnische Legion" in Er» scheinung trat und den geradezu legendären Ruhm begründet hat, der seinen Namen so lange umgab. Daszynski war der erste Mini st erpräsident der Re° publik Polen. Er ist heute, im weihen Haar, der anerkannte Re- Präsentant der polnischen Soziaidemokraiie, die ihn nach ihrem Wahlsieg zum Sejmmarschall vorschlug. Sein würdiges und ent- schiedenes Auftreten am gestrigen Tag hat den putschlüsternen Ofsizieren die Gelegenheit genommen, ihr Mütchen an der Volks- Vertretung zu kühlen. Desto größer ist die Wut der„Sanaloren", wie die Macher des Regierungsblockz ironisch genannt werden. Sic lyabm beschlossen, ein Mißtrauensvotum gegen den Sejmmorschall m beantragen: die Aufforderung an die Offiziere, die nur ge- kämmen seien, um Pilsudski zu„huldigen", sei unerhört, zumal in der Vorhalle des Parlaments stets all« möglichen Abordaungen erschienen, die Abgeordnete zu sprechen wünschen. Natürlich ist es vollkonnncn zweierlei, ob hundert Sstivcrbeivaffnete in der Vor- Halle lagern oder werm Kruppen von Wählern in friedliche Absicht zu den'Abgeordneten kommen. Warschau hat auch geinig Kasernen, Exerzierplätze und Offizierskasinos, wo di« Offiziere dein Kriegs- NN nister nach Bedarf huldige» können, das Parlamenisgebäude hat andere Zwecke. Der Sejmnwrscholl Daszynski wird sich nicht zu einer derartigen Herabwiirdigung der Volksvertretung hergeben. Das Mißtrauensvotum der„Sanazya" wird vielleicht zu ihrer Spaltung führen, denn es sitzen im Negierungsbloct' auch ehrliche Demokraten, wie zum Beispiel der gewesene Minister- Präsident Bartel, dessen Blatt„Epoca" die Obersten durch Ab- ireibung der Druckerei und der Tuboenbiou des Außenminisierium« beseitigt haben. Sicher ist, wenn der Sestn zur Arbeit kommt, daß er das Mißtrauensvotum gegen Daszynski ablehnen, das Miß- trauensvotum gegen die Gesarntregievung aber imt überwältigender Mehrheit annehmen wird. Schmerzliche Enttäuschung. Die dentschnationale„B e r l. B ö r s e n z e i t u n g" schreibt über die Pleite des Volksbegehrens: „Eine starke Welle politischer Erregung hat das deutsche Volk tage-»nd wochenlang erschüttert. Heute folgen s ch nvc rzliche Enttäuschungen jllr alle, di», von einem heißen Herzen ge- trieben, dem Begehren zugestimmt haben, folgt ein jähes Erwachen für die, die in traumhafter Verkennung der politischen Schichtungen und Stimmungen der Wählerschaft geglaubt hatten, im Nu das Drei- und Vierfache dessen, was tatsächlich erreicht wurde, an Ja- Säger» zusammenbringen zu können." „Die Bundeslei. ung des Stahlhelms, einer Organisation, deren Wirkungskreis sich nur auf Teile des deutschen Volkes beschränkt, ist auch mit dem. Hugenberg-Kreis der Deutschnationalen zusammen nicht eine Basis, die breit genug ist, um von ihr aus«ine Volts- bewegung in Schwung zu bringen, besonders wenn hinzukommt, daß in dem Begehren so bedenkliche Dinge sich befinden wie der!;-t. Wir haben das Volksbegehren mit Skepsis verfolgt aus der Erkenntnis heraus, daß eine sehrgroßeAnzahlder d e u t s ch n a t i o n a l e n Wähler— gc nz zu schweigen von den nationalen Elementen der bürgerlichen Mitte— sich dem R u f des Parteiführers versage» würden. Die Zahlen, die bis jetzt vorliegen, zeigen, daß zwei bis drei Millionen deutjchnalionaler Wähler sich dem Volksbegehren nicht angeschlossen haben. Es ist auch zu bedenken, daß unter de» Bejahern des Volksbegehren» sich allermindestens ein Drittel Na t i o n a l s o z i a l i st e n befinden. Tatsächlich ist also das Ergebnis des Volksbegehrens nicht die Offen- barung des wirklich vorhandenen, aber weit über Hugenberg und Stahlhelm hinaus sich breitenden nationalen Willens des nicht- marxistischen Deutschland geworden, sondein das Ergebnis ist leg'g- lich— ein Einblick in die Verlagerungen und Veränderungen, die sich aus der Rechten unter dein Eindruck von Ereignissen, wie der Wahl Hugenbcrgs. zum deutschnotionalen Par» teivor sitzenden,, vollzogen haben. Ob und welche K o n s e- q üe n zc n bald oder später sich daraus ergeben, ist nicht unsere «orge.". Unsere auch nicht! Rupprecht, der Oolchstößler. Hitler droht ihm mit Krieg. Münckien, l. November. Bor einiger Zeil hall« der zur Bayerischen Volkspartei gehörige Reichstagsabgeordnete L o i b l in einer Zeitung in Neuburg an der Donau mitgeteilt, daß der ehemalige bayerische Kronprinz R u p p r c ch t dem Volksbegehren ablehnend gegenüber- stehe, und in einer späteren Red« festgestellt, daß er n i ch t auf Grund besonderer Autorisafion durch den ehemaligen Kronprinzen zu dieser Mitteilung veranlaßt worden sei. Wie di«„Münchener Telegramm-Zeitung" meldet, hat nun der ehemalige Kronprinz von Bayern, der zurzeit In Berchtesgaden weilt, von nationalsozialistischer Seite eine Reihe von Briefen erhalten, die ihm nahelegten, die Erklärung des Abgeordneten Loibl als nicht von ihm autorisiert und als in- b a l t l i ch unzutreffend zu bezeichnen. In einem der Briefe war ausdrücklich bemerkt, die Verlautbarung des Kronprinzen müsse so srühzeillg abgegeben werden, daß sie noch Montag in den Morgen- blättern erscheinen könne. Am vergangenen Sonntag wurde der sogenannte Kabinettschef des ehemaligen Kronprinz«», Graf von Soden, von einem Mittelsmann Hirlers telephonisch angerufen, der ihm mitteilte,«r sei von Hitler offiziell be- n u i t r a g t, dem Grafen zu sagen, Hitler müsse annehmen, daß die Loibljchen Erklärungen im Austrage des Kronprinzen ergangen siien lind damit ein Dolchstoß gegen hiller und seine Bewegung vorliege. hiller werde daraus die Konsequenzen ziehen und den Krön- prlnzen und die monarchistlsche Zdee in der Oessentlichkeit auf da, schärfste bekämpsen. wenn der Kronprinz nicht bis abend» tl Uhr f Sonnlag) eine von Hitler formulierte Erklärung an die presse gebe. deren erster Satz lautete:„Die voin Rcichstagsabgeordneten Loibl abgegebenen Erklärungen über die Stellungnahme de- Kronprinzen zum Volksbegehren enrsprcchen nicht den Tatsachen." Als Graf �>odcn erwiderte, die Erklärungen entiprächen den Tatsachen, meinte Hitlers Vertreter, man könne ja den erste» Satz abändern. Schließ- lich machte Graf Soden den Sprecher daraus aufmerksam, daß im weiteren Text der von Hitler sormullerten Erklärung ein Illti- m a t ii in und die Z u in u t u n g vorliege, eine Erkläruno abzuoeben, deren In halt nichtwahr sei. Er brach daher da- Gespräch ab. Als Grafabe mit ihr schlecht gelebt, sie habe sich von ihm schon früher scheiden lassen wollen und habe für ibn schlecht gesorgt. Seine Tochter habe früh begonnen sich herumzutreiben, beonnitigt gon der Mutter, seine Vorhaltungen haben nichts genutzt. Di« Tat habe er schon aus dem Grunde nicht begehen können, we'l er zur fraglichen Zeit gegen 3 oder 4 Uhr mittags in Arbeit gewesen sei. Der Vorsitzende: Wie erklären Sie aber, daß ihre Tochter immer wieder in der gleichen Weise Sie beschuldigt hat? Sie wird von Lehrern und Schülern als glaubwürdig bezeichnet. Der Angeklagte: Si« hat eb«n für solche Dinge ein hervorragende» Gedächtnis. Ihrer Freundin hat sie ja gesagt, daß sie mich genannt habe, weil sie sich vor der Fürsorgeerziehung sürchtel«, nnd meine Frau hat sie zur Aussage angestiftet. Als erster Zeuge wird der Arzt Dr. Schwenk gehört Er wurde von der Mutter gerufen, als die Tochter bereits in den Wehen lag. Als der Zeuge die DreizehnsShrige fragte, wer der Vater sei. ob sie sich etwa mit Jungen» herumgetrieben habe, erhielt er keinc Antwort. Am nächsten Tage erschien aber die Mutter bei ihm aufgeregt und händeringend und sagte: Wissen Sie, von wem das Kind ist? Vom e i g e n en Vater. Das kommt vor. meinte der Zeuge. Er hatte nicht den Eindruck, daß die Frau Theater spiele. Die Tochter des Angeklagten. ein stark entwickeltes 14jähriges Mädchen, bleibt trotz oller Vor- hallungen des Vorsitzenden bei ihrer ursprünglichen Aussage: i h x eigener Bater sei Vater ihres Kindes. Sie bestreitet, vor dem Vorfall irgend etwas mit Männern zu tun gehabt zu haben: sie habe vor der Entbindung der Mutter nichts erzähst, weil ss« gefürchtet Hab«, der Vater würde sie und die Mutter sofort lot- schlagen. Er sei zu ihr zwar stets sehr gut gewesen, zur Mutter aber sehr schlecht. Der Staatsanwalt:' Sie wissen, daß der Vater wegen der Sache im Zuchthaus gesessen, hatten Sie gar keinc Gc- wissensbisse. Die Zeugin laut schluchzend: Nein, ich w«>ß, er hat e» getan, die Strafe ist gerecht gewesen. Als ihr dann der Vater selbst Vorhaltungen machen will, kann sie vor Schluchzen nicht antworten._ Sie Schalter geschlossen. Noch immer Ansammlungen vor der Beamtenbank. Vor der Zentrale der Bank für Deutsche Beamte in der W i l- helmstraße und vor der Kasse am Belle-Alliance-Platz bot sich heute vormittag wieder dasselbe traurige Bild. Gruppen aufge.eg- ter Menschen stehen vor den vergitterten und geschlossenen Kass.u. Allen liest man die bange Frage von den bedrückten Gesichtern: „Wird es heute Geld geben?" Um die Mittagsstunden sah es noch keineswegs danach aus. Di« Kassen blieben geschlossen und nichts rührte sich hinter den vergitterten Fenstern. Ja, sie Direktion hvt es noch nicht einmal für nötig gehalten, irgendeine Erklärung an ihre Bankkunden durch Aushang oder Anschlag bekanntzugeben. So warten sie vor den Türen, stehen stundenlang umher. Nie!« harte Worte fallen.. Die Deutsche B e a m t e n z e n t r a I b a n k, die die Fusion»- Verhandlungen mit der Bank für Deutsche Beamte abgebro' en und die gewährten Zwischenkredite zurückgesoldert hat, erklärt heute, daß sie der Bank für Deutsche Beamte einen Teil der einbehrltmen Sicherheiten zurückgegeben hat, da sie für die Bürgscha t bei der Oberpostdirektion mit 275 000 M Sicherh iten auslomm n werde. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß die bei der Post um- lausenden Schecks der Bank für Deutsche Beamte für die Gehalt'- auszahlungen nicht so hoch waren wie die Beamterzentralbank zue.st annahm. Freigegeben sind von der Beamlenzent'albank Wrt- papiere in höhe von 500 000 M. und außerdem varlehnszesssoncn langsr'st'ger Rakur, die in der Bilanz mit VA Millionen zu B ichc stehen, aber erst innerhalb einer sehr großen Ze tspanne re'liüe t werden können. Durch diese Freigabe der Si herheiten ist aber d e Lage der Bank für Deutsche Beamte keineswegs irgendwie gebessert. Weller für Verlin und Umgebung: Zeitweise etwas Bewöl- tungsabnahme. Tempera uren mir wenig verändert. Mäßige nordwestliche Winde. Für Deutschland: In Schlesien und im 'Alpenvorland Regen, sonst wolkig oder zeitweise aufklarend. Wenig Wärmeänderung. Gegen den Mob! ..3um.Empfang" des Oderdürgermetffers Bei der Ankunft des Oberbürgermeisters Böhm Berlin haben sich Lienen abgespielt, die im höchsten Grude widerwärtig und beschämend sind Wir.zählen uns keineswegs zu den besonderen Freunden des Oberbürgermeisters und stehen ihm in mancher Beziehung kritisch gegenüber Wir sind auch der Meinung, daß sein Verhalten den Brüdern Sklarek gegenüber nicht einwandfrei war Aber was darüber bekannt geworden ist, steht in gar keinem Verhältnis zu der Behandlung, die dem zurückgekehrten Stadtober- Haupt gestern durch einen Pöbel niedrigster Sorte zuteil geworden ist. Dah dieier Pöbel nicht aus eigenem Antrieb ge- koiirmcn, sondern von p o l: t i i ch e n Drahtziehern zu seinem wider- lichcn Treiben angestiftet worden ist, ist nicht zu bezweiseln. Vielleicht mcrkr jetzt auch die demokratische S e n s a- t i o n s p r e s s e, w«lche Saat ste gesät hat, indem sie um des lieben Strahenvcrkaufs willen in der Sklarek-Affäre eine„Eni- hüllung" nach der anderen— ohne jede Rücksicht auf den ihr>nne- wohnenden Wahrheitswert— explodieren ließ? Wir oerlangen nach wie vor, dah diese üble Affäre gründlich untersucht wird und dah gegen die Schuldigen ohne Rücksicht aus die Person vorgegangen wird. Den Mob aber lehnen wir als Richter ab. Brandunqlück in der Lübbener Giraße. Eine Frau hilflos verbrannt. Ein Brandunglück, das sich in der vergangene« Tlacht im Haufe Lübbener Strahe 2 0 ereignete, versehte die ZNictor in hellste Aufregung. Gegen 3 Uhr bemerkt« ein Bewohner plöylich in seiner Wohnung starken Brandgeruch. Als er die Wohnungstür öffnete, drangen ihm dichte Rauchschwaden entgegen, das Treppenhaus war bereits völlig verqualmt. Iii wenigen Minuten war das ganz? Haus alarmiert. In der ersten Aufregung konnte zuerst überhaupt nicht ermittelt werde», wo die Rauchschwaden herkamen. Di« zu hilse gerufene Feuerwehr kontrollierte Wohnung für Wohnung: bald stellten die Beamten de» Brandherd in der Wohnung der 4Üjährigen Frau Elise Hose fest. Die Tür wurde erbrochen: aus dem Fuhboden ihres Schlafzimmers sand inna die Wohnungs- in haberin init schweren Brandverlegungen am ganzen Körper bewuhtlos auf. Das Bett und der Fußboden brannten lichterloh, doch gelang es der Wehr, das Feuer schnell zu löschsn. Frau H., bei der noch ichmache Lebenszeichen festgestellt wurden, wurde durch die Feuerwehr ins Urbonkrankenhaus gebracht. Kurze Zelt nach ihrer Einlieierung trat jedoch der Tod ein. Die E n t st e h uii g s u r s a che tonnte noch n-cht einwandfrei «rniittelt werden. Es wird verinutet, daß Frau Haje, als sie zu D«U ging, noch gelesen hat und neben sich auf einem Stuhl«ine kleine brennende Lainpe oder Kerze stehen hatte. Vom Schlaf- plötzlich überwältigt, kam sie nicht inehr dazu, das Licht zu löschen. Durch eine unglückliche Bewegung der- Frau wurde das Licht herunter- geworfen und das Bett sowie der Fußboden gerieten in Brand. Nach dem Befund scheint die Unglückliche, die zu spät die Gefahr bemerkt haste, noch versucht zu� haben, die rettende Wohnungstür zu erreiche». Durch die Rauchgas« war se indeh schon so sehr be- »oiniiien, daß sie bewußtlos zu Boden sank. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt. Arbeiters Tod. ■Sei einkm Oeckene nsiurz.— Explosion im Steinbruch. Saarbrücken, l. November. Am Donnerstag vormittag stürzt« in Büdingen in einem Neu- bau ein« Betondecke ein, wobei ein Maurer auf der Stelle getötet und der Bauherr s e l b st schwer verletzt wurde. Als der Bauherr und der Maurer einen schweren Quaderstein zuin weiteren Ausbau des zweiten Stockwerks hochzogen und auf die Betondecke niederließen, brach dies« zum Teil ein. Die beiden stürzten mit mehreren anderen Arbeitern in die T i e s e. Während die übrigen Abgestürzten mit.Hautabschürfung eii davonkamen, geriete» der Maurer und der Bauherr unter de» schweren Quaderstein. Dem Maurer wnrde der Kops bis zur Un- keiintlichkeit zermalmt. Der Bauherr erlitt schwere innere Ber- leßungen. Witten, 1. November. Am Lonne rsiag nachmittag gegen 3 Uhr kam in einen Steinbruch in W i t t e u- D ü r e n beim Setzen eines Schusses der Schuß auf bisher noch ungeklärte Weise zur Erxplosion. Der mit dem Setzen des Schusses beschäftigte Z? Lahre alte Schießmeister und ein Stcinstößer wurden getötet. Die Feuerwehr ist zurzeit mit deii Aufräumimgsarbeite» beschäftigt. Während eine Leiche bereits geborgen wunde, ist die andere noch unter den Gesteinswossen begraben.'_ polilik a»s Dienst. Das Novemberßest der„Gelellschast". Im Rovemberhest der„Gesellschaft" stellt Decker grundsätzlich fest, daß der Sozialismus von seinen Vorkämpfern Politik als Dienst fordert und Politik als Geschäft ablehnt, aber auch mehr als Politik als Beruf bedeutet: und nur dies dauernde Bewußtsein von Getragensein und der Bewegung V e r p f l i ch t e t s e i n schafft die frvchlbaro, moralische und menschlich verantwortlich« Haltung des sozialistischen Palitikcrs. Unter diesem Wahlspruch: Politik als Dienst, stand das Leben zweier Männer, derem Gedenken das Heft gewidmei ist. Eugen Prag er, der Geschichtsschreiber der USPD, schildert anläßlich des zum zehnten Male sich jährenden Todestages von Hugo Haase das Leben und Wirken dieses Mannes, der im Dienste des Proletariats den Sinn seines Lebens fand. Van der- velde gedenkt Jaurös in einer Studie, die nach Inhalt und Form das Meikterwerk eines großen Schriftstellers und eines produktiven, zukunfte sichtigen sozialistischen Führers ist: der Aufsatz gehl weit über das Biographische hinaus, sondern er liegt in den Ansätzen zur leben- dircn Weiterbildung des Werkes von Marx durch Einbezieh'.»� neuer .Kräfte. Zur Klärung der politischen Lage dienen Aufsätze von Aich und W.lbrandt. A s ch entwickelt grundsätzlich Ideen zur Finanz- r e f o r in, die bald scharf umkämpft werden wird. Hans W i l- b r a n d t gibt im Rabmcn einer Darstellung der agrarpol'.tischen Lage Richtlinien für Maßnahmen zur Intensivierung und Mobil?- sierung der Praduklionsreserven der deutschen, vor allem der baue?- lichen Landwirtschaft. Alfred Bogt» schildert die amerikanische Außenpolitik während des Krieges, in deren Mittelpunkt Oberst Hause steht— ein Beitrag auch zur Soziologie der Politik der USA Von den Buchbesprechungen interessieren vor allem die Kritiken des Buches von W e r t h e i m e r: Das geistige Gesicht der Labour Party: die englische Ausgabe wird von dem englischen Staats- Philosophen Laski, die deutsche von Schifrin gewürdigt. Theater/ Fit Ore. Akte Zweideutigkeiien. Komö Nienhaus:„Der Hühnerhos." Von Hühnern ist im„hühncrhof" des Pariser Spaßmachers Tristan Bernord nicht die Rede. Er spricht nur— und das beharrlich die drei langen Akte hindurch— von der Funktion, die gemeinhin als Lebenszweck eines Hahns auf einem hühnerhof be- trachtet wird. Dies weniger geistige als leibliche Thema behandelt Tristan Bernard mit beinahe wissenschaftlicher Gründlichkeit. Im Schwank gibt es zwei menschliche höhne, Bertrand und Leonard, und fünf Hennen. Das handlungetreibende Schwankmotio besteht darin, daß Bertrand soll, aber nicht will und Leonard will, aber nicht kann, oder wenigstens mcht dazu kommt. Das ist ein bißchen mager für drei Alte. Den Schwankspaß glaubt der Autor daher hauptsächlich dadurch zu bestreiten, daß er eine Fülle von ein- und zweideutigen An- spielungen an die. obenerwähnte Hahnenfunktion bringt, was von einem Teil des Publikums als Witz aufgefaßt und jedesmal mit llobelpreislräger Christian Lijkman. Der holländische Gelehrte Eis k man. der 72 Jahre alt ist, war lang« Jahre Professor der Hygiene an der Universität Utrecht. Sein« bedeutendste wissenschaftliche Leistung war die Erforschung der Deri-Beri, einer tödlichen Nervenkrankheit, die alljährlich Tausend« von Eingeborenen in Niederländisch-Indien dahmrasfte. Eijkman stellt« fest, daß der Mangel an Vitaminen die Krankheit verursacht. Der zweite Nobelpreisträger, Sir Frederic Gowland Hopkins, ist ein hervorragender Vertreter der Biochemie. Seine Untersuchungen führten zur Entdeckung der A- und L- Vitamine in der Milch. schallendem Gelächter'quittiert wird. Das ist für heutige Zellen merkwürdig, in denen man geschlechtliche Dinge nicht mehr als sorg- sältig gehütete Geheimnisse betrachtet. Ich Hobe durchaus nichts da- gegen, daß so etwas ganz offen, auch auf der Bühne, behandelt wird. Bloß kann ich keinen Witz darin finden, wenn immer wieder ausgesprochen wird, was früher mal in besserer Gesellschaft nicht ausgesprochen werden durfte. Man kann das auf zwei Arten spielen: Entweder altmodisch, mit Betonung der Zweideutigkeiten, oder feiner, in diskreter Ab- schwächung. Der Regisseur Rudolf Frank entscheidet sich für die altmodische Methode. Er schmiert die geschleckitlichen Anspielun- gen aufs Butterbrot. Scheinbar kennt er fein Publikum: es ist von dieser Kunstoussassung durchaus befriedigt. Allerdings hat er bet seiner Inszenierung einen famosen Helfer, Kurt B o i s, der den groben Spaß durch einen. Stich ins Groteske verfeinert. Er ist Leonard, der Mann, der nicht dazu kommt, der vor Temperament platzt, aber sich nicht entladen kann. Seine mühsam gebändigte Aufgeregtheit, sein geschäftiges hin und her, seine von Mutterwitz getragenen Einfälle sind von hinreißender Lustigkeit. Dabei trägt er ein tottmstes Gesicht mit traurigen Buster-Keaton-Augen zur Schau, so daß das Gelächter nicht abbricht, sobald er auf der Bühne steht. Ueberhaupt ist der Erfolg des schwachen Schwanks durch die Darstellerleistungen gesichert. Die drei Haupthennen, Charlotte Susa, Iessie Bihrog und Maria Solveg, kommen zwar mit den übrigen nicht ganz mit, glänzende Typen dagegen stellen Margarete Kupfer als überkandidelte Tante, Camilla Spira als dralle, erfrischend kesse Magd, und Johannes R i e m a n n auf die Bein«. Riemann, der übermäßig beanspruchte Hahn bleibt in allen heiklen Situationen vornehm und diskret. kirnst Degner. „Die Lady von der Giraße." Mo�art-Eaal. Paris l8K8. Die vornehme Gesellschaft des zweiten Kaiser- reiches. D. W. G r i f f i i h weih das Drum und Dran des Milieus mit seiner etwas parvenühasten Eleganz charakteristisch zu zeichnen. Im Mittelpunkt der Handlung steht ein gesellschaftlicher Skandal. Der junge preußische Militärattache Graf von Arnim ist mit der Gräsin des Granges verlobt. Rechtzeitig entdeckt er, daß sie die Geliebte des Kaisers ist und gib', ihr den Laufpaß mit dem Be- merken, er wolle lieber ein Mädchen von der Straße heiraten als die Mätresse eines Kaisers. Die zur Intrige neigende Gräfin rächl sich. Sie weiß ein Mädchen von der Straße ausfindig zu machen, die sie Herrichten und ausstatten läßt. Der Graf verliebt sich prompt in sie(da es offenbar sein Typ ist) und will sie heiraten. Die Heirat kommt zustande. Auf dem hochzeitsfest lädt die Gräfin die ehemaligen Kollegen des Mädchens ein— sie war im Kabarett zum„Hunde, der raucht" als Sängerin angestellt— und enthüllt so ihre Vergangenheit. Aber das Mädchen von der. Straße, das freilich in Wirklichkeit gar nicht von der Straße ist, dreht den Spieß um und enthüllt die Intrige der Gräfin. Sie hat den Militär- attache wirklich lieben gelernt und deshalb das Spiel zu Ende geführt. Und der junge Graf behält sie als Frau. m/ Hörspiel. Die Amerikaner haben an ein Vorkommnis des Pariser Lea. von damals angeknüpft, aber die Dinge einigermaßen verdreh: La Paiva, wie die Sängerin auch genannt wird, war die Geliebte eines henckel von Donnersmarck, der sie auch heiratete und ihr ein sürstliches Palais einrichtete. Die beiden Welten, die vornehme Welt und das Leben im Kabarett sind geschickt kontrastiert, die vornehmen Kreise sind nicht ohne einen Stich in Karikaturenhafte gekennzeichnet. William B o y d gibt einen etwas dämlichen, aber braven und hübschen Militäratache. Die beiden Frauenrollen, die Gräfin und die Paiva, werden von zwei Verkrelerinnen dar- gestellt, die beide den gleichen schwarzen Typ, wenn auch in ver- schiedcner Ausgabe, haben. Jetta Goudal trifft die Gräfin mit ihrer Intrigenhaftigkeit recht gut, Lupe Velez übertreibt als Kabarettistin(zum Gaudium des Publikums muß sie sich ordinärer und dümmer stellen, als sie ist), weiß aber durch ihre Lieb« zu rühren. Einen interessante» Kops steuert Georges Fawcett als preußischer Gesandter bei, der mertwürdigerweis« den Namen Baron Hausmann führt, der in Wirklichkeit der Baumeister Napoleons III. war. Aber die Amerikaner nehmen es nicht so genau.— r. „Liebeln Gonniag, lieber Schah." Ll. T. Kurkü?ü«ndamm. Vier Autoren verdarben mn Drehbuch, das von einem Girl handelt, welches durchaus einen Millionär heiraten will. Es läuft einem scheinbar sehr reichen jungen Mann nach mft dem Endergebnis. daß es seine Liebe und zugleich seine Armut entdeckt. Di« beiden werden aber doch ein Paar und ein Millionär verschafft die Mittel zur Eheschließung, indem er eine Lebensoersicherung abschließt. Der Bräutigam ist nämlich Lebensverstcherungsagent und erhält aus den hohen Abschluß ein deinentfprechende Prämie. Clarence Badger hat einen stummen Sprechfilm in Szene gesetzt, denn die Darsteller reden und reden. Die Regie ist bis zum Schluß außerordentlich langweilig, die letzten Meter retten freilich viel, doch selbst für den allergenügsamsten Zuschauer nicht alles. Clara B o w, diesmal eine sehr stark zurechtgemachte Schön- heit, ist als Schauspielerin amüsant und interessant wie immer. Harald Rosson,«in bekannter Kameramann von großem Können, wird ein bewußter Schmeichler, wenn er Clara Bow photo- graphiert. Neil Hamilton und harrison Ford sind d i e netten jungen Leute, deren modische Eleganz in Kleidung. Gesicht und Bewegungen keine persönliche Note auskommen läßt. Der deutsch« Text ist plump und verstimmt mehr als einmal, da er witzig sein will, ohne es je zu sein. Das Beiprogramm, das Bilderausdem Lande Neapel zeigte, wurde ohne weiteres zum Hauptprogramm. e. b. Versuch eines Hörspiels. Schönlanks„Eifinder" im Leipziger Sender. Ein kleiner, buckliger und schiecher Mann, Physiker und Mathe- matiker, hat den sagenhaften Fernseher erfunden der gleichzeitig auch die akustischen Wellen ohne Verzerrung überträgt. Von seiner Wohnung aus beobachtet er das Spiel der Welt, er sieht, wie seine junge und schöne Frau mit einem anderen zärttiche Blick« und Worte tauscht, er wird zum Zeugen einer«infachen naturhaften Liebe, er läßt beseffene Propheten und entfesielte Wilde in seinem Zimmer aufheulen, und er sindet sich schließlich mit der Frau wieder, zerstört den allwissenden Apparat und kehrt zur Natur zurück. In knappen Zügen wird die Handlung skizziert. Das Ganze ist eher ein Szenarium als ein ausgeführtes Werk. Bruno Schön- tank hat das Glück gehabt, einen guten und wirksamen Stoff zu finden und ihn für das Hörspiel zu verwenden. Etwas Aehnliches existiert schon in allen Romanen des Technikers Hans Dominik. Aber sowohl Dominik wie Schönlank werten nichl das Grote-ke, das Phantastische und das Furchtbare dieser Erfindung aus. Sie gehen nicht daran, den sich unbeobachletglaubcnden Menschen zu entkleiden, Monomanien aufzudecken, die sich sonst hinter der Maske des wohl- erzogenen Europäers verbergen, das ewige Kind, oder den ewigen Narren im Menschen aufzuzeigen. Schönlank ist Lyriker und deswegen ist sein ganzes Sendespiel tyrisch untermalt. Er sucht den Gegensatz von Natur und Kultur darzustellen. Am Schluß sagt der Erfinder:„Wir wollen hinaus- gehen in den Wald. Ich will einen Baum streicheln Vielleicht fühlt er mich noch." Es ist die Sehnsucht des Großstädters nach cinsm naturnahen Leben, es ist die Sebnsucht, Stadt und Kultur definitiv zu verlassen. Diese Sehnsucht ist bei Schönlank nicht naiv, sonder» um das Schillerschc Wort zu gebrauchen, sentimentalisch. Ein paar Szenen sind groß, fast visionär gesehen, etwa die Visionen des prophetischen alien Schiffers Daniel, der geradezu in eine biblische Sprache verfällt. Wie gesagt, Schönlanks Hörspiel ist ein Versuch, und zwar ein geglückter, auch in rein formaler Be- ziehung. Es wirkt zuerst sonderbar, daß das Problem dee Fern- jehens für ein Hörspiel ausgenutzt wird. Doch die Ausführrmg gibt Schönlank recht, da er rein visuelle Vorgänge durchaus reibungslos ins Akustische überirägt. Außerdem ist Schönlank ein Dichter, was die meisten Versasier von Hörspielen kaum von sich behaupten können. So wächst auch in sprachlicher Beziehung dieses Werk über das üblicbe Niveau hinaus. Auf dem ganzen Gebiet des Hörspiels findet man bisher nur tastende Versuche und nirgends eine Ersüllung. Entweder ist die akustische Form vorhanden, der der Inhalt fehlt, oder ein bedeutender Inhalt sindet nicht die spezifische Form des Hörspiels. Unter diesen Versuchen bleibt Schönlanks„Erfinder" einer der erfreulichsten. F. Leb. Da» Recht aus die Rolle. Nach dem Prozeß Blondine Ebingers gegen das Deutsch« Tbenter folgt jetzt ein Prozeß Ernst Deutsch gegen die Barnowsky-Bühnen. Beiden ProzebVn liegt der Kampf des S'bauspielers um die Rolle zugrunde. Der Rechtsstreit von Ernst Deutsch ist insofe-n noch interessant, als er aeif seine Roll« bestanden Hot und die Direktion Barnowsky dann ein« Ungebührlichkeit seih, die mit> der fristlosen Entlassung beantwortet wurde zq gog Dollar für Frau Eunes krebshosyikal. Frau Curie die -urzeit Gast des Weißen Hauses in Walbington ist, erhielt von hoover einen Scheck über ZZllüg Dollar, die amerikanische Frauen sammelten, um der berübmten Forscher n die Möolicbkeit zu aeben, in Belgien ein Gramm Radium zu kaufen, das sie im Curie-Krebs- Hospital in Warschau verwenden will. l>olf»btjhne. Die lüi Strnnien nachmittag im Tbeatcr nm Biilowvlaiz nngefetile Wiederbotuna von Kail Äroil-.Die UnfilirrminbliAcn" iml>! aus technNchen Mr'mden a b-- e l a a> irrrd?».— Die Elntr'NSkarten weiden an den Stellen, an denen sie gelöst sind, znrlckgei'om'nen.— ver Berliner Särrrrrf-or veianlinliet am 3.. 16 Uhr, ein Winter- l o n z e r t im groben Saale der P h i l b a r m o n i e. «kiössnu g der wiener wertgSlte. Tie seit L6 Iabren beslcbendc Wiener Weit'-ält-. ein tlnternebiycn. das olle kün gelischen Bestrebungen ans dein üsebieie modeliien Kuniibandw ilS pflegt, hat eine Zivcizstelle in der g>- rich-Ebert-Strahe 2/3 i» Berlin erösjnet. B illige Gardinen! iMge und DiwandeÄen! liMzUer-Ksriiitiirkn enßl. I'ÜII.... IS- l?.- 4.» eng!, �ull exr. pr.. 22.- 24.-:0.- E'.amine..... 20.- 15- 10.- FUr Küöiß n. 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November 1929 SprÄbsmd de* h�uhzrü Heinrieh Hemmer: Soxaiebody loves me in Florida „Somebody loves me"(„So manch einer Hebt mich") jauchzt« das Saxophon auf der Marmorterrafse unter dem Zeltdach der sechzehn- stockhohen Pension Florida, das wie über ein kaiserliches Heerlager von Fivcoclockern gespannt war. Die Sonne war noch extra durch japanische Tischbaidachine ausgesperrte dajür strahlten um so heller iie Juwelen an den nackten Armen und Hälsen, an den über- ii anikürten Fingern und blohgekämmten Ohren der Wasser- und Landlsportlmittivnärintten, die ein Minimum von Kleidung und ein Maximum von Piatin und EdÄsleinen zur Schau trugen. Nebenan entführt« ein Pologigerl«ine grünseidene Padenymphe, deren Kostüm durch einen Ring zu ziehen ginge: ein mageres Tennisgirl umsaht« einen fetten Trikotjüngling und eine seufzende Seequalle lieh den Eintänzer kommen. „Somebody loves mc" summte ein Helles-stimmchen, das an uns vorbeigetanzt kam: es war die goldblonde Amazone in hell- braunem Reitdreh, die heute früh aus einem Falben an uns vor- übergeritten war: Harry hatte unter Lebensgefahr das ihren Händ- chen entglitten« Zigarettenetui zwischen den Hufen eines nach- kommenden Pierdes gerettet, jetzt stieß er mich mit dem Fuß an. „Somebody loves me", sagte er.„wenn sie wühle, daß ich derzeit Geschirrn». icher aus der„Irene" bin!" Harry war nämlich eine Art Schriftsteller, aber ein unruhiger Geist: sein? Frau in Wien muhte ihn jeden Donnersiag an den Schreibtischstuhl anbinden, bis er jein Wochenjeuilleton fertig geschrieben Halle. „Somebody love- mc", psiss ein Aeroplanagent am Nebentisch und zog aus seiner Reoolveriasche ein slaches, wie«in Magenwärmer geformtes Flächschen, mit dcm er seinem Kasiee Geist einflößte. Harry schielte auf die»ach Rum dustende Wechsiole, winkt« dem Kellner und schiel'.« wieder: er wollte sich Courage antrinken, aber sein Schielen und Deuten hals ihm nichts: der Kellner ivollte nicht vcr- flehen. Da entfernte sich Harry: nach fünf Minuten kam er kreide- weih zurück: er hatte„ein Glas Birr" getrunken. Cs wird wohl Act her gewesen sein. Ich muhte ihn in eine Apotheke führen. „Somebody loves nu" klang das Jazz bei der cchönheits- konkurrenz in der Tlvandorena, wo Harry und ich die verloren- gegangene braungelbzoldene Amazon« zu suchen begannen, iowie er wieder aus dem Damm war. Wir drängten uns durch das Publikum, wir dem die konkurrierenden Benuffe auf einen) ringsum lausenden Holzsteg in Trikot nnmarjchic.t kamen, Lampyre und Grerchcns, Amazonen und Mimosen, kokett und bescheiden Tuende, Rcrfsinierte und rasstniert Einfache, der Steg und Podium waren beladen mit n'-illich'n Reizen, aber das, was er wollte, suchte Harry vergebens. Wir hatten auch im seudaien Gentry-Racht-Klud kein Gliick und wurden als Cindringiinge unter den Klängen des Schlagers hinaus- gcworien. Auch nicht bei den still belebten Gondelfahrten, wo Techtelmechtel angebahnt und Ehen abgebaut werden, nirgends in PÜlmbeach fanden wir die Amazon«, aber überall wurde es geblasen, gezupft und gehmgen:„Somebody loves ine." ?* * Harry verfiel in Schwermut: seine Ichinachtende Seele verlangte nach Alkohol, und aus Suche danach, lenkten wir unsere Schritt« mied er dein Haien zu. Sansübewegte Palmen glänzten blaugrün im Mondschein: immer wieder huschten weis,? Lichtkegel über dK Straßen. Fernes Gelächter und nahes Geflüster in der milden, blütengefchwängertei, Luit: wir liehen alles hinter uns. Trübe gleißten die Lichter des Hafens: hier beginnt wieder die reale Welt, bier lag sestangeseili unser braves Schiff„Irene", und vom Deck herab horten wir einen Heidenlärm„Somebody loves me" grölte Jim, der Senegal rte, und kam uns schon an der Fallreep entgegen- getorkelt, ein« Whiotyslasche in der Hand. „Rum ninncrs", gluckste er,.zog uns zur Reeling und zeigte uns die Schnapsslotte. Es war eine internariona!« Armada. Der Union Jack stotterte neben der Sonne Japans und der Schlange Mexikos. Schmutzig« kleine Segler, Motoischisi« ältesten Datums, dazwischen lilienweiße mihbrauchtreibende Millioitorejachten, kleine unschuldsvoll aussehende Do.mpst>arkassen. ausrangiert« Küsten- d.unpser: das war die Floite König Alkohols. Unanssällig waren die Schiffe gekommen, die Schmuggelpolize! hatte nichts Böses ver- mutet gewöhnlich wird ouhcrhalb der Meilen, zone verhandelt, das Extrem ihrer Keckheit schützte die Schmuggler in diesen Tagen vor Bertacht Neben>ms lag ein Segler mit dem hochtrabenden Namen Londonboy", die Mannsch-ast war y.i uns an Bord gekommen in geradezu spu'thaster Weife, hatte einen kameradschaftlichen Abend inszeniert, und war aus ebenso mysteriös« Weise wieder verschwunden. Jim wollte den Besuch der Schmuggler erwidern, und wir schlössen uns ihm an. Wie Romeos stiegen wir auf der Strick- leiter herab und sichren auf einem unserer Boote nach dem chZondonboy". Er schien zu schlasen. Kaum aber hatten wir dos Deck betreten, als uns schon Zwei bis an die Zähne bewaffnet« Kerls entgegenkamen.„Wc comc for tobacco," sagten wir. um unsere Unschuld zu beteuern, aber es war nicht die Hafenpolrzei, war die Whiskypolizei, die Auspasser. Bald halten sie Jim er- könnt, und wir wurden in die unteren Räumlichkeiten geführt. Da war es bedeutend weniger prunkvoll, aber viel lebhafter als>n der Ftoriidw Pension. Es war allerdings kein gewöhnlicher Unter. b'lruvc-'bend im Gang, sondern eine Auktion. Händler waren er- schienen und überboten einander aus den Rum und Whisky, als wären es die oefuchiesten Bärsenpapicre, Da die stärksten und desien schottisch e-t Marken vertreten waren, wurden die Angebote höher und l'ö�er und es entspann sich»m jede Kiste ein wahrer Koinps. Ein rotbärtiger Wirbesitzer aus der Stadt geriet mit dem Manager tcr Flonda-Penswn beinahe ins Handgemenge, wahrend ein junger Dandy mit Tauiend-Dollar- Scheinen hhxumwars. und eine dicke. «u. ige takelte Dame mit schriller Stimme aus Rum bot, So verging eine Stunde, die Spirituc-sen waren ichan alle m den Besitz»er Käufer übergegangen, und Käufer, Beriaitfer. Be- satzung und Besuch in angeh-titertsler Stinrmung. als plötzstch das Grammophon>u kreischen begann:„Somebody loves me. Eine Stimm; j ,ng mit, d-ie wir leim Fiveorlock gehört hatten. In biner dunklen Eck« neben dem Grammophon sah wer" Die braungelb- goldene Amazone! Harry liatlc jetzt Courage, nähert« sich ihr und sprach i'pauzgr setzt. Ich weih nicht, wie die Zeit verging, plötzlich- schien sich alles um mich zu drehen. Als ich aufolickte. war die' Besatzung verschwunden und ich hatte das Gefühl, wir stien in j voller Fahrt.„Ou est Parti", rief Jim, wir hatten gut, ihm zu sagen, daß er nur in der Einbildung fahr«: er lieh sich's nicht nehmen und ging an Deck. Wir fuhren wirklich. Die Rumlady erblaßte, der Manager tobt«, der Obeinige schlotterte und der Dandy bekam einen Nerven- ansoll, als man ihin mitteilte, dah wir in See gestochen seien, weil uns die Polizei auf den Fersen war. Di« Bersteigerung war nun überflüssig geworden, kein Mensch dacht« mehr daran: wir wünschten uns nur mehr, die einen über die Meilengrenze, di« anderen nach Palmbeach zurück. Ein wohltätiger gütiger Nebel hatte sich herab- gesenkt und die Börsen der Auktionäre öffneten sich jetzt für den Preis eines kleinen Bootes, in dem man uns aussetzen sollte. Wir wurden mitgenommen, unter der Bedingung zu rudern. Harry Im Horcn-Berlag, Berlin, ist ein Werk erschienen(Felix Zt. Theil haber:„Goethe, Sexus und Eros"), das aus stürmi- scheu Protest der Reckstspresse, aber auch darüber hinaus eines Teiles der bürgerlichen Presse stößt. Niemand wird diesen Blättern das Recht auf Kritik absprechen können, wenn auch die. Art der Kritik zum großen Teil jede Objektivität oermissen läßt. Abgelehnt wer- den muß es dagegen, wenn sich die„Gesellschaft s ü r Deut- s ch e s Schrifttum e. B." an versthiedene Redaktionen mit einem Schreiben wendet, in dem aufgefordert wird, mit einer Stellung- nähme zu dem Werk, das als„ein typisches Buch des zersetzenden Geistes unserer Zeit" und als ein„beschämendes Zeichen der Ehr- fnrchtelosigkeit" bezeichnet wird, zu warten, bis man in der Lage sei, Kritiken, von der Gesellschaft für Deutsches Schristttim x. B. geliefert, zu publizieren. Das ist ein Bceintluisungsversuch und ein Versuch, ein wissenschaftliches Werk niederzukämpfen, der nicht scharf genug zu- rückgewiesen werden kann. Persönlichkeiten wie der Philosoph Eugen K ü h n e m a n n, der Vorsitzende der Demokratischen Partei Dr. K o ch- W e s e r, G e r h a r t Hauptmann, Her- mann St ehr und Frank Thieß sitzen im Präsidium dieser Gesellschast. Man darf annehmen, daß das Schreiben ohne Wissen des Präfidiupis veriandt wurde und daß das Präsidium den Schnitt verurteilt. Wir lassen einen Aufsatz über Theilhabers Werk, der als Psycho- log? und Sexualwissenschaitler bereits einen Namen hat, folgen. « lins liegt ein lebendiges Goethe-B'ich vor: sreilich sckiricb dieses Buch keiner der fleißigen Philologen, sondern ein Arzt, Dr. Felix A. Theil hob er, der das Problem Goethe vom Standpunkt des modernen Mediziners und Psychologen aus anpackt. Theilhader geht van der Tatsache aus, daß Goethe aus einer erblich- schwer belasteten Familie stammt. Der Vater des Dichters war -das zehnte Kind eines 5?jähr!gen Vaters, und auch die Mutter dieses Kindes war bereits 42 Jahre alt. Von diesem Großvat r berichtet ein befreundeter Arzt,„er sei ein artiger, aber eingebildeter Mann", und registriert nach seinem Tode,„der verstorbene Goethe sei durch seinen Hochmut von Sinnen gekommen". Von den drei überlebenden Kindern dieses i�aters war der Aelteste, Joh. Michael, ausgesprochen geisteskrank. Der zweite Bruder, außerordent- lich roh und zanksüchtig, galt als minderwertig. Des Dichters Bater endlich zeigt in seinem ganzen Leben die Züge eines S 0 n- d e r l i n g s. Ohne Beruf und Berufung nimmt er nirgends teil an dem regen Leben der Stadt, eitel genug, um sich durch den er- kauften Ratstjtel Relief geben zu wollen. Steif und pedantische „ein hypochondrischer OnÄgeist", von Frau und Kindern ungeliebt, lebt er ein im eigentlichen Sinne leeres Leben und stirbt, zwciund- siebzigjährig, in den letzten Jahren einen erschreckenden geistigen Verfall zeigend, ohne„Gedächtnis und Besinnlichkeit". Auch der Großvater mütterlicherseits, der Schultheiß Tertar, zeitlebens ein großer Freund des Weines, wird im Alter gejst.-s- schwach. Die S ch w e st e r des Dichters— vier andere Geschwister sterben im jugendlichen Alter— leidet in ihrem Geschlechts- und Eheleben Schiffbruch.„Cornelia ekelt vor meiner Liebe", klagt ihr Gatte: nach der Geburt ihres Kindes bricht sie seelisch zusammen und bleibt zwei Jahre, in Melancholie versunken, in ihrem Bets Ihr Kind übergibt sie fremden Leuten. Ihre krankhaste Natur siel Freunden und Zeitgenossen auf. Aus dicfem kranken Stamm bricht nun wie eine wundervolle Blüte das Phänomen Goethe, der„Götterliebling", und es wäre um so merkwürdiger, daß nicht auch er an dem Schicksal der Familie tragen sollte, als fein eigener Sohn jung in Rom einer Gehini- krankheit erliegt, und in seinen Enkeln, die. von gläserner Mauer umbaut, allem lebendigen Lebe» fernbleiben, das belasteie Geschlecht! erlischt. Beide sind ehelose Sonderlinge,„alte Leute schon in ihrer Jugend", nach dem Urteil eines Zeitgenossen. Nein, so niimiit Theilhader an und versucht in seinem Wert den Nachweis dafür zu erbringen, auch der Dichter mußte dem Schicksal seinen Zoll bezahlen. Es erscheint auf den ersten Augen- blick barock, wenn Theilhaber von Goethe, dem ewig Liebende», l-ehaupiet. dos, er an einem Mangel eigener Männlich- f c i i gelitten habe und daß bei ihm die Spaltung zwischen gejst g- erotischer Liebe»nd Geschleldtstrieb anormal gewoje» sti. Dem starke» erotischen Bedürfnis Goethes, so sagt Theilhaber, dem wir auch m_ den weiteren Aussührungen folgen, entspiicht nicht eine gleiche starke des sexuellen Triebes Beide Strebungen richten sich aus gan, verschieden geartete Fraveiuypen, und da? löst ei-ten merkwürdigen Widerspruch aus. den wir in allen Werken Kaethe; finde». Den Frauentyp, dem seine geistig-erotische Liebe, sein Eros zuneigt, finden wir in jenen Wahlvenoandrschasten von der F r i e d e- rite vonSesenheim bis zu Charlotte von Stein. Ihnen gelten jene zarten Licbeslieder, die von unftillbarein Sehnen wollte seiner Amazone ins Bovt helfen, aber sie wollte nicht ein- steigen. So wenig, wie sie Furcht gezeigt hatte. Es war die Frau des Whiskykapitäns. „.Somebody loves me" klang das Grammophon, zum Abschied uns nach. Wir ruderten auf die Lichter zu, langten.zwei Stunden später im Hasen an, mit nicht mehr Whisky, als wir m uns hatten, und der war längst verflogen in der Aufregung und im Geknatter serner Schüsse. .Harry schties dies« Nacht nicht, ich hörte ihn sich in der Koje herumwälzen, und viel« Mal« begann er zu summen:„Somebody loves me". Frühmorgens weckte er mich und zog mich nach der Reeling. Dort lag der.T'ondonboy" von Blueboys(Marine- soldalen) besetzt, und leer« Flaschen schwammen um ihn herum. Die braungelbgvlden« Amazon« mußte hinter Schloß und Riegel sitzen. durchweht sind, Werke wie„Tasso" und„Wcrther". Nie kam es in den so gearteten Verhältnissen zu einem körperlichen Besitz der Ge- liebten, und dieser Besitz wurde von dem Dichter auch nicht ernst- Haft erstrebt. Er bricht mit Friederike, flieht vor Lili, kämpft nicht einmal um Lotte Busf, sondern setzt ihr im„Werther" ein Denk- mal, um sich acht Tage später gleichzeitig in Sophie Laroche und ihre Tochier zu verlieben. Es gibt allerdings eine Zeit im Leben des Dichters, die der Theorie van seinem nur schwach ausgeprägten Geschlechtstrieb zu widersprechen scheint: die„wilde" Leipziger Swdent-mzeit mit ihren sexuellen Ausschweifungen. Aber diesen Ausschweifungen wird plötzlich durch einen Blutsturz ein Ziel gesetzt, ein Symptom, das auf eine beginnende Tuberkulose hindeutet. Damit— die gesteigerte sexuelle Reizbarkeit Tuberkulöser ist ja bekannt— ist die veränderte Haltung Goethes zu Sexus und Eros, die bis in die Weimarer Zeit hinllberreicht, hinreichend erklärt. Und schon genügen dies« geschlechtlichen Erlebnisse seinem Ero- nicht mehr. In Char- lotte von Stein, der um Jahre älteren, frigiden, in einer unglücklichen Ehe lebenden Frau, die uitter der robusten Sexual! ät ihres Ehemannes leidet, findet er die Ergänzung, die feine Person- lichkeil braucht, auch zu seinem Werk. Die Anziehung, die sie auf ihn ausübte, war vor allem geistiger Natur, und Frau von Stein war zufrieden mit dem„übersinnlich- sinnlichen Freier", zu dem Goethe nun wurde. Mit feiner Lieb? zu Frau von Stein sind alle Liebeleien, alles„Aeugelch.'n machen" beendet. Zehn Jahre lang dauert diese merkwürdig durchgeistigte Liebe, und Goethe selbst«mpsindet sie„nicht mehr wie ein.' Leiden- schaft— sie ist eine Krankheit". Zehn Jahre hindurch lebt er in dem zu ewigem Unersülltsein verdammten Liebesverhältnis Es ist die Zeit, in der die bei ihm ohnehin schmale Brücke zwischen Sexualität und Erotik endgültig bricht. Endlich, nach zehn Jahren, beendet er das Verhältnis auf die für ihn bei allen Bindungen aus«rotischer Basis charakteristische Art: durch seine Reise nach Italien, die im innersten Sinne nichts anderes ist als eine Flucht. Und nun bricht die lange gehemmte, verdrängte Sexualität durch: er findet den Mut und das Ob- jekt, das sie befreit. F a u st i n a, eine junge Witwe, Tochter eines Wirtes, wird die Gefährtin seiner römischen Tage und gibt ihm jene Erfüllung seines Mannstums, die er weder bei Friederike, noch bei Lili oder Charlotte von Stein gefunden hatte. Die Frucht dieser Tag« sind die„Römischen Elegien". Von da an erweist sich der Geschlechtstrieb(Sexus) st ä r k e r als die G e i st e s l i e b e(Eros). Zurückgekehrt, findet er bei Charlotte von Stein kein Genügen mehr. Zu gelegener Zeit kommt Christiane Vulpius in sein Haus, und dieses Mädchen, das er fand, ohne gesucht zu haben, wird die Mutter seiner Kinder. Freilich blieb sie auch als Mutter seiner Kiirder noch lange seine„Maitresse", gemieden und verspottet von der sonst so duldsamen Weimarer Gesellschaft, und der Herr Staatsminister zahlte eher StrajHeld für die uneheliche Geburt seines Sohnes, als daß er die Mutter zu seinem ang.-trauten Weibe machte Bis zu sechs Monaten verreist er und läßt sie allein Läßt sie allein, auch wenn sie in Kindesnöten ist. so daß schließlich„niemand weniger oerheiratet sein konnte, als Goethe". Rur wenige Gedichte hat er Christiane gewidmet. Ganz anders geartet sind dies? Dokumente erfüllter irdischer Lieb«, die. wie diese Gedichte, die Elegien im-d da- Tagebuch, das 1880 von jener Art Staatsanwalt, die wir auch heut« noch kennen, der Oeffentlicktkcit entzogen wurde, geistig unbedeuten- den. gesellschaftlich tief unter ihm stehenden Frauen galten, als die Dichtungen, d:e seiner geistigen Liebe entsprangen. Di« Erklärung ist in der Spaltung der Persönlichkeit Goethes zu finden. Nur eine „Gretchennattir" gab ihm die letzte Erfüllung. Seine geistige, sein? geselllchaitliche Ueberlegenh-eit kompensierten hier den Mangel eigener Männlichkeit. Zlns dieser Triebzerrissenheit entsprang das Schuldgefühl, das Eocihe den Frauen gegenüber empfand und dos ihn im wesentlichsten Teil seiner Dichtung beschäftigte. Erblühten ans seinem Verhältnis zu Christiane auch keine Liebeslieder mehr—, hier fand er die Kraft, den„Faust" zu vollen- den. dieses Werk, das von dem ersten Bekenntnis:„Zwei Seelen wdhnen. ach, in meiner Brust", bis zu dem letzten Ausklaiig:„Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan", Rechenschaftslegung und Rech!- fertigiing ist, Rechtfertigung auch für den Mann, durch den G retchen schuldlos— � schuldig wird. Für Thriihaber bestehen„Sinn und Wert des Faust in der Erfassung des mit dem Geschlechtlichen ringenden Menschen", und so feiert er Garthe als den Vorkämpfer des Serualprablems. Das ist ein kurzer Abriß der Gedankengänge Theilhabers, dem das Verdienst zukommt, versucht.zu haben, Goethe nicht mehr als eine unvermittelt»nd ohne Beziehung auftretend* Wunde' erschei- imng, sondern psychoanalyllsch als Folgeersche'nnng seiner d'fseren- zierten Veranlagung zu erkennen. Rosa Ewald. Der entgötterte Goethe Ein psychoanalytischer Versuch f�pman von ITlax ßarfkel CopyriiiUi»i»immi«i«iiiimmiiiuniuium»iiiiiimiiiiiiiUjiiiiiiiiliiiiiiiiiliiiiiifiiiiiiiiiiiiMiiiiiiMiiiiiinmihiiiimmiiimiimiW Schlager von Carlsen„Es ist so still" hat sich als die Arbeit eines jungen Kirchenorganisten erwiesen, der aus die Stelle eines Orgo- nisten in der Kopenhagener Domkirche kandidierte. Die Katze als Mörderin, Vor einigen Tagen wollte sich der Poriser Kaufmann Biial m t seinem Auto von der Normandie nach Haus« begeben. Ne&eri ihm saß sein« Frau, die eine Katze auf dem Schoß hatte. Bei einer Kurve sprang die Katze Mr. Vital ins Gesicht, der, um sich zu schützen, das Steuer des Wqgens losließ. Das Auto saust« daran' gegen einen Leitungsmast. Vital und seine Frau waren sofort im. Der glückliche Auswanderer. Vor Jahresfrist ungefähr wanderte der 21 Jahr« alle Karl Schweer aus Bossmn bei Diepholz nach Amerika aus. Er hat nun- mehr seiner Mutter einen amtlich beglaubigten Brief geiandt, nach- dem«r für ein« Erfindung im Automobilwesen von einem großen amerikanischen Autokonizern 2 Millionen Dollar erhalten hat und außerdem eine Anstellung als leitender Ingenieur mit einem Jahresgehalt von über 150 000 Dollar. Die Rechnung der Frauen. , In den letzten Tagen wird der japanische Finanzminisler sörm- lich belagert von allen möglichen Frouendeputationen die ihm bei seinen Bemühungen zur Hebung der japanischen Finanzen hei'cn wollen. Die Frauen rechnen dem Minister vor, daß lediglich die Männer die Schuld für den schlechten Zustand der japanischen Finanzen tragen, denn solang« jährlich rund 730 Millionen Dollar für alkoholische Getränke und 123 Millionen Dollar für fragwürdige Vergnügungen in Teehäufern ausgegeben würden, könMen die Fi- nanzen unmöglich gesunden. Schuhe tür Lebenszeit, Die größte Sehenswürdigkeit auf der großen Londoner Sch"h- ausstellung, die jetzt stattfindet- ist ein aus dem Leder des in den australischen Gewässern lebenden Galuchat-Haisisches geferti ter Schuh. Dieses Leder soll völlig unzerstörbar sein: die Schuh? wer- den aus dem Brustfell des Weibchens, dem weichsten Teil des Fells, gemacht. Das profane Auge entdeckt an dem Schuh nichts llng- wöhnliches, außer einer gewissen Körn'gkeit des Leders. Der Pr is des Schuhes beträgt 130 M. Dafür erhält aber der Käufer die Garantie, daß das Leder niemals schadhaft wird und er die Schuhe für Lebenszeit tragen kann. Wie man sie h durchsetzt. Der Polizeipräsident von Paris hat bokanMlich vor einiger Zeit angeoidnet, daß olle aus der Straße in betrunkenem Zustand angetroffenen Personen aus das Präsidium gebracht und dort ge- filmt werden. Vor einigen Tagen nun fiel aus der Rue Riooü i>en Polizisten ein etwa 17jShriges Mädchen auf, das scheinbar mehr als einen über den Durst getrunken hatte. Vorschriftsmäßig wurde von ihr ein Film angefertigt, der ihr am nächsten Morgen, als st« ihren Rausch ousgeschlasen hatte, vorgeführt wurde. Sie war mehr als erschüttert, gelobte in den höchsten Tönen Besserung, bat aber, den Film mitnehmen zu dürfen, was ihr schließlich auch ge- währt wurde. Schnurstracks begab sie sich mit dem Film zu einer Filmge- sellschaft, bei der sie seit Wochen vergeblich um ein Engagement nachgesuchi hatte. Dort ließ sie den Film dem Hauptregisseur vor- führen und wurde sofort engagiert. Nach 22.30 Massenstart der Arbeitcrsportler! Auf zur Kommunaiwahli Die gestrige Versammlung der bundeelreuen Arbeiter. s p o r t l e r mi hle poli;eillch abgesperrt werden. Zn dichtgedrängten Siuhlreiiien sahen die ZNassen, liehe» Zwei prächtige, begeisternde Ailme an sich vorüberziehen und lauschlen den eindrurkevollcn Aus- sührungcn des sozialdemokratischen Stadtverordneten Kreuziger. Dicser Derbeabend war wirkungsvoll und wird noch lange in der Erinnerung bleiben. (Einleitend begrüßte Backhaus die Erschienenen: Unsere Partei hat heute die Arbeitersportler zum Kamps für die K o m m u- n a l w a h l e n zusammengerufen. Wir sollen ein Bild praktischer Arbeit erleben Es gilt mit Begeisterung.zusammenzustehen, damit das rote Berlin seinen guten Ruf auch am t7. November auss neue bewährt. Werbt für die Partei, denn sie ist die Stütze des blindes- treuen Arbeitersports! Als ersten Film sahen wir die„K i n d e r r e p u b l i k a in 11« ö c i j e e". Alljährlich sammelt die Partei erholungsbedürftige Arbeiterkinder zum Landaufenthalt in einer Aeltrepudlik, wo sie sich unter Anleitung Erwachsener selbst verwallen. Das war ein lustiges Leben und Treiben, ein Debattieren, wie es am besten zu machen ist. Alles machen die Kinder selbst und werden so zur Selbst- Verwaltung erzogen. Dann referierte Kreuziger über„Arbeitersport und kommunal- wählen". Bon den bürgerlichen Parteien und dem bürgerlichen Sport wird behauptet, daß der Sport politisch neutral sei In Wirk lichkcit hatte das Turnen bereits zu Jahns Zeiten eine politische Tendenz. Da diese Tendenz der herrschenden konservativen Kaste nicht gefiel, so wurde das Turncn unterdrückt. Bor dem Kriege hatte die Deutsche Turuerschast und die Jung-Dcurschland-Bewegung eine ganz klare politische Tendenz, die sich gegen die sozialistische Arbeiterbewegung richtete. Die Verfolgung des Arbeiter- sports ist auf die gleichen Motive zurückzuführen. Jetzt ist die Zeit des Bürgerb.ims vorbei! lieberall greift die sozialistische Arbeiter- lchaft in das Staatsgetriebe ein. Da heißt es: Augen auf, Zlrbeiter- sportler, Heist mit an der Durchführnng des sozialistischen Pro- gchamms Sport und. Politik können nicht mehr getrennt werden.— Run zur praktischen Arbeit. Wenn wir das Ziel betrachten, so müssen wir zugeben, daß wir noch weit davon entfernt sind. Aber welche großen Erfolge sind in den legten Jahrzehnten erreicht. Zur Zeit, als Karl Marx den Sozialismus begründete, mußten englische Aerzte es noch für unbedenklich erklären, daß zehniährige Kinder ZK Stunden im Bergbau arbeiten, fstute haben wir in allen Ländern starke Arbeiterorganisationen, ein Internationales Arbeits- amt. eine Sozialversicherung und«ine internationale Organisation für den Völkersrieden, de» Bölkerbund. In der Nachkriegszeit ist aber nicht nur international eine völlige Wandlung eingetreten, sonder» auch in den Ländern und Kommunen. In Berlin haben Sozialdemokraten und Kommunisren die Mehrheit, die aber nicht iv rksain werden konnte, weil die Kommunisten wohl für 335 Mil- l nu.m Mark Anträge über den laufenden Etat hinaus stellten, ober die Einnahmen hierfür nicht bewilligen wollten. So blieb die Sozialdemokratie die einzige Vertreterin der Arbelterinleressen. Wir haben in zehn Jahren 8� Jugendheime eingerichtet, ein sz.rus der Jugend mit 4W Betten, jährlich werden 15 OOO Kinder auf den Außenspielplätzen verpflegt. Dazu kommt der neue Wohnungs- bau nach hygienischen Grundsätzen und«ine große Reihe von Sport- plälzen, Freibädern, Schwimmhallen und viele« andere. Wir sind mit dem Erreichten nicht zufrieden, wir wollen Größeres erreichen zum Wohle der Arbeiterschaft. Deshalb richten wir auch an die Arbeiter- sportler die Aufforderung, aktiv mitzuhelfen. Mit- vereinter Kraft heran an unser Ziel. Der 17. November muß ein gemeinsamer Siegertag werden! Nach dem begeisterten Beifall der Versammlung forderte Back- Haus die Anwesenden aus, für die M i t g l i c dj ch a s t in der Sozialdemokratischen Partei in eine erhöhte Wcrbetätig- keit einzutreten. Dann folgte als Abschluß des Werbeabends der Film vom B u n d e s f e ft in Nürnberg. Es fing an mit Oh! und Ah! Steigertc sich oft zu spontaner Begeisterung Alle sahen Neues. Wer hat in Nürnberg alles sehen können? Keiner. Aber hier gab es ein Resümee. Die in Nürnberg waren, erlebten nochmal die schönen Tage, die anderen, die Zuhausegebliebenen, freuten sich, nun die große Revue üii Bilde zu sehen. Der Film zeigte uns allen, welch großes Werk durch Einigkeit geschaffen werden kann. Aber am Schluß fehlte die Pointe. Mit einem dreifachen Frei Heil auf den Arbeitersport und die Sozialdemotratie fond die verheißungsvoll verlaufene Veranstaliiing ihr Ende. 8prinZen beim I�inabad-�est am Sonntag. Bei dem am Sonmag nachmittag, 15 Uhr, beginiieiide» Schau- schwimmen der Freien Schwimmer Groß- Berlin im Wellenbad am Lunapari ist oen, Springe», das in den Arbeilerfchmimni- vereiiien eifrig gepflegt wird, besondere Beachtung gewidmet. Rur durch jahrelanges Training tan» vollendest Körperbeherrschung und Formenschönheit gezeigt werden. Beim Kunstspringen, das vom Ein- und Dreimeterbreit aus- geführt wird, müssen die Teilnehmer drei Pflicht-, einen Pfosten- und eiiic» Kürsprung zeigen. Der Psostensprung wird erst am Tage des Festes aus der über 150 Sprünge enthaltenden Sprunglabelle ausgelost. Die Kampfrichter werten nach Punkten von 1 bis 10, um so den Sieger festzustelleii. Bon der 10-Meter-Platlsoipn wird jeder Springer vier Kürsprünge vorführen, die ebenfalls gewerkt werden. Hier werden noch größere Aiifordcruugen an die Teil- nehmer gestelll, denn ein flacher Ausschlag auf das Wasser ist schmerzhaft. Als Abschluß soll ein Gruppen springen gezeigt werden, das nicht als Konkurrenz gewertet wird, sondern nur eine gute Gesamtwirkung erzielen soll. (stewisierinaßen als Auftakt zu dem Schwinnusest der Neuköllner im Wellenbad findet am Sonnabend ei» M« i st e r j ch a f t s- Wasserballspiel der Berliner Arbeitcrichwimmcr statt. Es spielen um 0 Uhr Hellas gegen Union, zwei Anwärter auf die Meisterschaft. Hellas möchte unter ollen Umständen im nächsten Jahr den ersten Kreis bei den Spielen nm die Bundesmeisterschaft vertreten— leider möchten die anderen das auch gern, und von den sieben anderen ist Union wohl das schwerste Hindernis, das Hellas bezwingen muß. Gewinnt Hellas morgen, dann hat der junge Verein«inen guten Schritt zum Gipfel hinauf getan. Unions Mannschast gibt«in Spiel aber erst verloren, wenn der Schlußpfiff ertönt, und darum werden die Zuschauer ein von Anfang bis Ende rassiges Kampsspier'ziT�seh�ri'' bekommen. Der polizei-Sch-rkVerein Berlin nnrb am 16. November ein« weitere Tenniehalle im Westen� Pertins ach dem Gelände des Polizeinstituts Charlottenburg, Schloßstraße 2, erösfnen. -ARBEITER. WSSBALL Berlin-Luckenwalde. Zum dritten Male stehen sich die Städtemannschaften gegenüber. Die ersten Spiele konnte Berlin mit überzeugender Ueberlegenheit für sich entscheiden! ob es der Berliner Mannschast gelingen wird, auch den dritten Sieg zu erreichen, bleibt fraglich. Haben doch die Luckenwaldcr alles aufgestellt, was zur Verfügung stand. Anders steht es mit Berlin. Nach linsercn Informationen können wir sagen, daß Berlin nicht die stärkste zur Verfügung stehende Mannschaft auf- gestellt hat. Das Spiel jindet am 3. November auf dein Sportplatz Kynast- straße, 15 Uhr, statt. Borher stehen sich die Jugendauswahlmann- schaften beider Städte gegenüber. et 60 mal �Ständiger Ring Vier Ausländer im Kamp!. Gestern abend wickelte der„Ständige Boxring" in de» Spichcrnsälen bei außerordentlich gut besuchtem Hause seine 60. Ver- anstaltung ab. Das Programm bot diesmal ganz Außerordentliches, zeigten sich doch der Berliner Boxsportgemeinde nicht weniger als vier ausländische Gegner im Ring. Im einleitenden Tressen gewann Fritz Kühn-Hirschberg(65) über Willi Glaser-Berlin(63,0) einwandfrei nach Punkten. Georg Pfitzner-Berlin(54,2) knockte de» Belgier Ceckeleer?(51,5) in der zweiten Runde aus. Schon in der ersten Rund.' mußte Eeckleers auf einen Magenhieb bis zu allst zu Bode»! in der zweiten Ruiche fing er dann einen rechten Kinnhaken ein, der ihn abermals auf die Breiter brachte. Zwar rettet ihn der Gong, doch war es dem Belgier unmöglich, nach der kurzen Pause weiter zu kämpfen. Den solgende» Kamps aeivann Tommy Pötsch-Tschechosiowakei(66,7) über Willi Bolz-Berlin(67,6 nach Punkten. Es war kein besonders schöner Kampf und Bolz hatte in der zweiten Runde bis neun zu Boden gehen müssen. Den H a u p t t a m p f des Abends bestritten Franz Boja-Dortmund(71,5) und der Amerikaner Benny Singer (73). In der ersten Riinde wurde dem Amerikaner durch ein Foul Bojas das linke Auge geöffnet. Dadurch war Singer stark gehandikapt. In den folgenden Runden kam es wiederholt zu wilden Schlngwechseln, in denen der Amerikaner die sympathischere Figur bot. In der sechsten Runde konnte Boja eine rechte Doublctte an- bringen. Singer mußte schwer getroffen zu Boden und wurde aus- gezählt. Den letzten Kampf bestritte» Paul Richter-Dresden(66) und Eharlie Tonner-England(65,2). Richter war ständig im Borteil und in der sechsten Rmide zog er den Engländer, der fast nur defensiv boxte knock out. Die vom Spart leben. Nach der letzten ainllichen Bcrusszähluiig lebten in Berlin 230 Personen, die sich als Berufssportler bezeichneten. Unter ihnen waren auch 16 Frauen und Mädchen. Also in Berlin leben mehr Berufssportler als Rechtsanwälte und fast soviel Berusssporrler wie Zahnärzte! Es muß also doch wohl einträglich sein, dieses Berufssportlertum! !Zllr die kalte 0ak>rcs,cit brinat das bekannte Spc.ualbans kür Scrren- und Ninidendelleidnn« E. Joseph, Berlin-Schinebera, AauptZtr. 1, Elte iSrunewald- jlraüe. nanc besonders preiswerte Änaebo'e in Nlltern und Paletots. Diese Mäntel sind der neuesten Mode entsprechend pcrardeitet und aus nur autcn und traafäh'aen Äualiläte».gefertigt. Die Preise find sehr niedria, und irdem ist Eeteaentreit aeacbc». für romia Eelt Qi-alitatsioar-n ,u ianiep. Trohe inner in E'rahcn., Sport, sowie Ab-nd- und ErnolinqanzViicn finden Tie in leder Preislage und modernster Aussührung vor. 1 pn®@RAHM für die Zeit vom 1. bis 4. November KINO A F I L PROGRAMM für die Zeit vom 1. bis 4. November 1 Fcbdamcr Strafe 38 Sein be ter Freund mil Harry Picl Die arenzflieficr von Texas / Jugendliche haben Zutrit; Rheinstralje 14 Kafc.'Ä) Balnla hnnädile, Fiimroman,7 Akte Nieckbricflichvcrtolgi, Abent 7Akte Odeon, Potsdamer Str. 75 Fai und Paiachon als Kannibalen Nachlbcsuch am xchcimtr esor Abenteuer in 5 Akten Jugendliche haben Zutritt Turmsfra�c 12 Der große Lacherfolg Die tidele Herrcnparllc mit Moria Pnud.cy,Knmpers,Plcha Alexanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet D« grOne Monokel, Abenteuer In 6 Aloen mit Stuart Wtbbs jennvs ßammel dureb die Mannet Komödie in.6 Ak en %- �r'cdrl Die Kamera Unter den Linden 14 General mil Dosier Keaton Goldrausch mit Chaplin Ab Sornab�nd: Unterwelt I assage-LicbfspieJe cn.er den Linden 22 fPa sage) Das ro3c Lichi-piel. üus der Cny Bc� NN ao z Uhr Zen rum 608a Lebende Ware.Das MäJchenschi.f, Ganz Geld um d c Welt V/ eidcnhol-Lidhtsp. An der Wcidendammbrückc Fried, ichsir. 136 Woch, 12, Sonnt. 3 L. Heilige cd�r Dirne? m. M. Cord Aiibd, der große Kriminalfilm D Moabit � A. hishof-Lichtspicle Hirn- and BQhncnscfraa Perlcberger Str. 29 und Stendaler Str Der schwarze Oom�. om H.Licdlkc Adrieu Masco ie mit Lilian Harvey W elt-Kino All-Moabit 99 § 173, Blulschande m. Tsdhcchowa Die Todestohrt im Weltrekord W Charlottenburg W Schlüter-Theater Schlüterstr 17 W 6 30. 9 O. Stg SU.Jg. Der König der Bcrnlna(Erstautf.) Sdlickialiwfirfc', ind. Spie film Frtg.S d.Sig. Nachtvorst IIV.U.; Das Werden des Menschen mit ärztlichem Vortrag Atrium Deba-PaUst Kaisera'lee, Ecke Berliner Straße Täglich 7.15, 9.15, Sonnt. 4.30. 7, 9.15 Vorverk; II— 2 u ad 5. Stgs. ab 3 Vater und Sohn mil Harry Lledtke Auf der Bühne: Wilhelm B.ndow Ri-Ro-Ru, Jazz-Symphoniker Alhambra Bes. ab nSm 9 u' Schöneberg, Hauptsir 30 ßühncnschav S 173, Blutschande m Tschcchowa Bühne: Harry Hill, Marga Lind persönlich Titania(.Ufa Schöneberg) iaupistraße 4� Beginn ab 6.30 Uhr Der Ruf des Nordens ir.it Lais Trenkcr Zwischen 14 und 17(Sexualnot) Fr iedcnauei Lichtspiele Kaiserallee Iii(hundertelt) Wtg. 6 30. 9 U., Stg. 3 U jug, 5,7,9 U Die Schmuggler brau von Mallorca Der fl egende Teufel von Texas Kronen-Lichtspiclc Rheinstr. 65 W. 6,30, 9, Sonnt ab 4 U. Schwerz wal dm ade! mit L'anc Haie* Die Komödie vom blanen Vogc IS_ Stegnt»> fitania-Paiast Steglitz, SchloßsT' s. Ecke üutsmuthsstr. Wochentags 6 30. 9 Uhr The«inging Fooi(D. singende Narr) T onfilm-Bei prof. ramm i.t~_ f i c.ar.enaonei U a- 1-1 uchlspieic Chausscestraße 305 Etg. j Uhi)Ug.-V. Zwei Junge Herzen mit Barbara Kent Glenn Tryon Silberkönig» letzter Steg BQhnenscbau Jugendliche haben Zutritt Südwesten FQm-Paiast Kammersäle Teltower Str 1—4 Beginn � U. Ruf des Nordens mit Luis Trenker Unsere Liebe war Sünde *»a«««" B Th. am Moritzplatz Beginn; W. ab 5 Uhr. Stg. ab 3.45 Uhr Die Arche Noah m Dolores Coslcllo Der Sdbeidangsgrund filmcck Be«inn:W|Ä Skalitzer Straße, am Oörlitzer Bahnhof Die Dock.« von New York Bühnenschau Luisen-Theater �ntru: Reichenberger Str. 34 BGhnenschau Oer Ruf des Nordens Jugendliche haben Zutritt Urania-Theater F"Süh„e Wrangelstr 11, Köpenicker Brücke Woch. 7, 8 und 9 Uhr. Stg. 3. 5. 7. 9 Uhr Der Herzensfotograf m H. Lledtke Todesriti von tSclllzona Varieleschaa > Neukölln> Primus-Palast Hermannplat? deginn 7, 9,15 U., Sonnt ab 4,45 U. Der ers'c deutsche Tonfilm: Das Land ohne Freuen mit Conrad Feidt, Elga Brink Achfan" i Sonntag, 3 November, 12 3 Uhr: Konzert Dafos Be!a Wochentags 5, 7 10, 9,15 JCVUCltULÄ sonntags 3,5,7,10,9,15 Kottbusser Damm 92 ßühnensebau Das erste Sprech- u Toniustspiel: Wer wird denn weinen, wenn men auseinanc ergeht mit Dana Gralla BciprofTamm Stern, Hermannslrafje 49 iVochent 5, 7 10,9.15, Sonnt 3, 5. 7.10. 9.15 D»5 erste Sprech- u. Tonlus spiel Wer wird d un vciueD, wenn man auseinander eh. mit Uina Gratia Belpiogramcr Osten Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochentags 6 Uhr, Sonnabd S1': Uhr, Sonntags 3 Uhr Da» Sefciff der vertu en. Mrnsdlrn mit Fritz Kurtner, Marlene Dletrldi Auf der Bühne: Das berühmte Ballelt „Erna Olfeney" 25 Mitwirkende Luna-Fiimpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Dock von NcwY ork tn. G. Bancrofl Charlies Karrlere mit Chaplin Bü; 9 siaging babics, Jazzschönh. Concordia-Palast Andreasstraßc 64 Bühncnsdhaa Tagebuch einer Verlorenen mit Louise Brooks Beiprogramm Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70 D. Adele Herrenparlle m. Kamper» Silberkönigs letzt. Sieg m.Thnmfnn Revue: Muabi er Bllderbngen Grube BOhnensdtau Elysium(Fiim®p"«t> Hasselwerderstraße 17 VarietFsdian Vater und Sehn mit Harry Lledtke SlrSillng Nr. 63 Qualen der Schold g��riedrlchsjelde�p Kino Busch s�lZ Ä AI-Fncdr.chstelde. Manufescu mit crigllte He'm Iwan Mesjnktn Der Mut zur Feigheit Norden Alhambra Müllerstraße, Ecke Seestraße Setu bester Freund mit Harry Plel Beiprogramm— bühnensdrau Colosseum w�VsNfo�hr Schönhauser Allee 123 Der erste deutsche Tonfilm; Land ohne Frauen m. Cour. Vcldt Elcktra-Palast„'Ä. Wiesen-, Ecke Kösliner Straße Ich lebe für dich m. Wilh. Dieter le Beiprogramm— BGhnenschau F ortuna-T ageskino Müllerstraße 12c Bcg. 10 U. vorm. Das fahrende Tageskino ab 10 Uhr spielt nur SpltzcnAlme der Welt- urodukilon „Alhambra" Bad straße 58 Bühnenschau Diane mit Olga Tschcchowa Große Revue: Launen der Liebe Ballschmieder- Lichisp. Badstraße 16 Grohe BGhnenschau Das M&dcfaensdiiff(Lebende Ware) Vogclfiei! mil Tom i-.lx Humboldt-Thealer Badstraße 16 Bühnenschau Sensation fm Wintergarten Der falsche Sheriff Bühne Gala-Lichtbühne Usedomstr. 14 A n f. 6,8.30. S. 5,7,9 U Die fidele Herrenparilc mit Kampers, Picha Flacht vor der Liebe Metro-Palast Chausscestraße 30 Rummelplatz der Liebe m. M. Tills Frauen am Abgrund m. Big* Brink Noack's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Wtg. 5 U- Stg 4 U. Stgs. 2 U Jugendv. Männer ohne Beruf m Harry Fiel Zwei t> nge Herzen Jugendliche haben Zutritt Nordosten Woch. 6, letzte 9.15 CXCClS.Or Sonnt. 4, letzte 9,15 Kaiser-Friedr.-Str. 191 Bühnen» thau Die Docks von New York mit G. Bancrofl Lus.tgcs Beiprcgramm Elysium" Bühuend P-mziauer Alieq,56 S. 3,15 Jug.-Vorst Meine Schwester und Ich mit Mady Cbrlsllan* Revue; Um 9... tvcvtaell � Wuiacnsue � g Schloßpark füm. Bühne Berliner Allee 205—210 Varieleschaa Die fidele Herrenpartie mit Kamoc s Der Unbekannte Pratcr-Lichtspiel- Palast Kasunienallee 7-8 Bahnenscfaau Frühlngsrausdien mit Wilh. Dielerle Bühne; Tml-Danghofer-Truppe, Gesang u. Tanz, Freitag W. Dieterle persönlich anwesend Pharus-Lichtspielc Müllerstraße 1 12 W. 5i!i U. Stg. 4 U Stg 2U. lugendvorstcll. Spiel nm den Mann m. Liane Haid Vorslcfatp Zwangsjacke mit Talmadge „Rialto" Film u. ßühne Rcinickendorter Str. 14(am Wedding) Pal und Pa.'achon als Kannibalen Der Schrecken tob Oklahoma BMine Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 80 Bübneruchan Anschlag am Mitternacht mit M. Aibanl Vogelfrei 1 mit Tom Mix Kristall-Palast Prinzenaliee 1— 6 GroHe Bühnensdiau Rummelplatz der Liebe m. M. Sills Bühne; Grofje Aasstattangsrevnc ■ PanKew■ Tivoli» Pankow Berliner Straße 27 Bühuenschan Sein bester Freund mit Harry Plel Bühne: Luise u. Vicky Werkmeister g Htag ur rcheTn hau i ari Z Film-Palast I'Ä'.u.en Blankenburger Straße D. fidele Herrenpartie m. Kampers Im Praier blühn wieder die Bäume ü RcawocUendon'-Ort m Bürgergarten-Lichtsp. Hauptstraße M Film- u. Bühnenscha*. Sonntags 3 Uhr Jugendvorstellung Im Praier blühn die Bäume W. FflMercr im Film u. pers. anwes. Basier Kcaion, der l ilmrcpoaler ■ 1fe�c'» Filmpalast Tegel Bah nhofstr. 2 W. 6, 8"2, Stg. 4 V», 6 1 2, 8% Links der Isar— recht» der Spree FrfibilDgsrauscben mit Wilh. Dieterle Union-Theater Hauptstraße 3 Beg. Wtg. 8 U. Stg. S, 7.30 Alibi Die Frau, nach df r man sich sehnt mit Marlene Dietrich Heute Abend gehts los! Zum 22. Sechstagerennen. i&cmi ijeiuc abend der Zeiger der Uhr auf 10 rückt, beginnt ruf dem ItiO-Mstei�Holzooal des Sportpalastes das 22. Berliner Sechstagerennen. Einundzwanzig dieser hartci! Prüfungen liegen h'n.er lins.. früherer Zeit. M.t Max Farland-Moran als Sieger endete in den Marztagen des Jahres It-llg die erste Berliner Sechstagcfahri, die die erste delilfci.> war. in den Ausstellungshallen am Zoo� das letzte, das ,21. Berliner", iah im Januar dieses Jahres die deutichc Mannschaft Petri-Dülderg im Sportpalast überlegen in Front. Dazwischen Her i n neunzeh» lange Rennen. Alle einzeln zu würdigen, würde zu weit führen, aber gcrn registriert man die vier aufeinander soieerden Siege des Altmeisters Waller R ü t t in den Jahren>910 Lvi 1912, der einmal mit Clark und dreimal mit Styl die etflen i, liitze in Berlin belegen konnte. 1914 Hollen sich die nun alten Kämpen Saldow-Lorenz ihren ersten Scchktagcsieg aus der Bahn im Sportpalast. In der Kriegszeit mußte der Rennbctrieb ruhen. Erster Nachkriegssieger wurde 1319 Saldow, der damals mit Tcchtncr fuhr. 1324 gab es die bekonnte Rekord- und Siegesfahrt der M-aini- fchaft R. Hufchke-Krupkat in der Hall« am Kaiferdamm. Fast vo» Beginn an purzelten die Rekorde, so daß am Schlüsse des Rennens der 1315 von der Mannschaft Egg-Berri in Chikago aiifgcstellch Weltrekord um Z2/SK4 Kilometer d. h. auf 4544,230 Kilometer, ver- bessert wurde. In,„13. Berliner" bestritt Walter Rütt sein letztes Sechstagerennen und gewann mit dem Belgier Acrts die 145 Stunden. Es war das Rennen, das in Piet von Kempen einen iPhnltesammlcr von großem Ausmaß brachte! Bon der» nächsten Rennen interessieren zunächst das„15. Lcriiner", das der starke, damals und auch noch einige Zeit nachher beste Sechstagefahrer der Welt, Mac Namara, mir Horan gewann, und das„17. Berliner", in dem die Franzosnr Wambet-Laquehay«inen oieldesprochcnen Sieg hcraussuhren. Im„18. Berliner", das sich Lorcnz-Tonani sicherten, spielten die Franzosen schon keine Rolle mehr, um auch -im„13." und„20." zu versagen! lieber die„Sieger" dieser beiden Rennen— Dcwolf-van Kempen und Ehmcr-Kroschel— sei Schweigen gebreitet... In den'Januartagen dieses Jahres stellte» sich im Sportpalast Pelri-Düll>erg vor. Beide, durch anierikanischc Schtile gegangen, war«» nicht zu schlagcn. heute aheml starten Petri-Tieg, Deutschland Dorn-Maczinski, Deutschland MictHe-chürtgen, Derttschland Girardeirgo�Regrini, Italien TW.ZVon»». 5 und 8V2 Uhr kfta KU 9256. Pr«lM 1*6 M. WochiO- 5 U. 50 Pf.-GM | Heute Premiere| Zum«rstan Mal« in Berlin Oer Aldlne ti. Joe die' Star« vorn Orphrum-Circuit Ne w-York u. Ambassadeurs, Paris B e r n«* r<1 E 1<£ furü.-» T'c s.ln.r r�irei)*-Toitn:r-c zum MiM».*«•»l'lpt J», Ihttlt mit 1 li-tneli Iß SbnsT'.'l Power« RIOse n- Tanz-Clefatilen »»«n N»w- York- H ppodtoifl und mMttn Intumat. Var'tK■ Sltn r/ica/er, Lidtlspiele usiv.| JtuuTjTJlJct Am Pf.d.Repub!. Vorst. 7.5 20 Uhr Sptnisdu Stund». Oer»!»: Ms!«:!. tinzitiliue. Sl53tl. »mtMaa/mmmiml Ein ö es serer Herr Stsatl.Sehiller-Tbeaier.Charitli. Uhi— Z".m>. Ma!c Des Kaisers Soldaten CASINO«TH£ATER cotbriniter Stratie 37. ROUi rijllch»>. 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November: Film: Das sein der verlorenen Ncnsdicn Hauptrollen: Marlene Dietrich— Fritz Kortner— Max Maximilian Bühne; SasittpielErnaOflcncy mit ihrer berühmten Tanzgruppe Beginn der Vorstellungen: Wochentags 6 Uhr, Sonnabds. 5'/, Uhr, Sonnlais 3 Uhr. Direktion >r. Roberl Klcfr Geutsehes lODStler-Theil Barbarossa 3V37 b'/i Uhr Die andere Seile B�riiQer Ibeafer 1önhof(t70«>„ U. Zwei (nwatien von Georg Kaiset Musik Spolianskv aarnowskj-äolinen Theater n der KSniggrStzer Strafe Täglich Bl;2 Uht Die erste mrs. seiby mit mtzi na«urv Ehmer-Kroschel, Deutschland Binda-Tonani, Italien Lchmann-Wisscl, Deutschland Raynaud-Dayen. Frankreich Krüger-Funda. Deutschland Louet-Mouion, Frankreich Manthcy-Schön, Deutschland Wauterc-Bermandel, Belgien Gebrüder Wolke, Deutschland Goossens-Dencef, Belgien Das Feld birgt verschiedene starke Paare. Petri ist durch amerikanische Schule gegangen, was ihn aber 1324 nicht hinderte, in der Halle am Kurfürstcndamni- er suhr mit Mac Namara— zu versagen. Eist später fand er«ine bessere Form und gewann daiui mit Dülberg das„21. Berliner". Allerdings zeigte es sich, daß Tülbcrg der stärkere von beiden war. Petri fährt also mit Tictz, der fast immer in diesen langen Rennen von Pech verfolgt war. Schlechte Partnerschaft oder Stürze ließen den beliebten Fahrer nur zu oft zurückfalle». Petri uud Tieg haben große Sechs- tageroutiue, das ist ihr Plus für die Fahrt. In Miethe- Hiirtgeu dürste das Dreizehnerseld die stärkste deutsche Mannjchast Huben. Beide fahren sehr stark und keimen sich auf der Sportpalast- dal?» gut aus. Dasselbe kann man auch von Kroschcl sagen, der schlechthin der Latte njäger dieser Berliner Bahn ist. Ob er in Ehmer den richtigen Partner hat, kann man füglich bezweifeln. Kein Wort zu Ehmen» Spurtoermögcn, das groß und anerkannt ist, doh die'Auedniier, die nun einmal das entsclzeidende Moment iii einem Sechstagerennen bildet, finden wir bei diesem Berliner in nur geringem Maße. Lchmann-Wisscl eröffnen den Reigen der R a ch w ii ch s s a h r e r. Ihre beiden Siege in der kurzen Berliner Wintersaison haben einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, doch geben sie neben Krüger-Funda und Gebrüder Wolke Ihr Gechsivge» debut. Auch Schön ist Debütant, der allerdings in Manthcy einen Partner besigt, der bereits eine Anzahl Sedistagerennen hinter sich Hot. Dorn-Macztnski sind zwar aus dem Sechstageparkett keine Neulings mehr, werden sich jedoch darauf beschränken müssen, Wühlarbeit zu leisten. Die Ausländer. Diese» acht deutschen Ma»nscl>asten treten fünf aus- ländische cutgcgcn. Da muß zuerst Binda, der durch seilte Weltrekordversuche in vieler Munde ist, genannt werden. Er hat in dem unverwüstlichen T o n a n i einen guten Partner gefunden. Der große Girardengo, der Rivale Binders, fähr: mit Negini. Zwei italienische Mannschaften, die neben Hürtgen-Miethe tonangebend sein dürsten. Belgien schickt Goossens-Deneef und Wauters- Bermandel, die auch ein ernstes Wort mitreden werden, während Frankreich durch die Sieger der letzten„Pariser Sechstage", Raynaud-Dayc», vertreten ist. Was sie ausrichten werden, bleibt abzuwarten. Ihr Können wird jedoch nicht unterschätzt! Lclv/ubbzc. Naturfreunde stellen wieder aus! Eine Ausstellung von Lichlbildcrn, wie man sie selten zu sehen bekommt, haben die Natursreundc geschaffen, sie legen Zeugnis ob von ihrem künstlerischen Können. Oer Besuch der Zlusstellung nn Buchgcwerbesaal, Oreibundstraße ö, U-Bahnhof Kreuzberg kann nur jedem empfohlen werden. Die Ausstellung ist geöffnet, vom 1 bis 15. November, werktags von 10 bis 23 Uhr, Sonntag von 13 bis 13 Uhr. dcraniwoctt.'iir d!» Ncdattlon!«ulsg-tig StSiuorj, Strttn;«njeigen: Ih. Stadt. Pcrtiii UcrUg: Zlorwärts Uctlag(0. m d Sj.. Äcrliti. Druck: Uacodcla Buch» drucktrcl und Vtrlansanstalt VaiU Sinurr 5: Ca Berlin TW 6Z. Lindenstraste 3. Slerin I Beilage. 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Sdiiller-Th. 8 Uhr Des Kaisers Soldaten Theaiir am SSilllBcuertiamrj b>„ Uhr Gefallene Endel itaatsoper am Plan der Repabllk « Li» Spanisdie Stunde Der arme Matrose ingelique , ueoistties loeaiei L)Ti. Norden 12310 fc1;* Uhr Der Kaiser v. Amerika von Bernard Shaw Reg.: Max Rei ohardt Kantmerspiele D.I. Norden 12310 8'z Uhr Oer llnwitieFSieltlielie Komödie von Qeraldy und Spilzei kegie: Gustaf Gründgens Die Komödie II Bismck.2414/7516 8 Uhr Kolporfafie Komödie I von Georg Kaiser Regie Brich Engel Triaiion-Tti.>%T 8"« Uhr Elisabeth Strickrodt in ,.Die Ballerina des Königs" So 4, Stg. 2«/2 Uhr Sehn cc Wittel; cn Sonntag 5 Uhr Johannhfauer Planetarium — am Zoo"■ /trllR?. Joadünslhalir StrsS« 3.5 Barbarossa 557� lb' 4 Uhr Herbst- abende am Sternen- himmei 18'/« Uhr Rä'ssl de» Stsrnenlichtes lO1/« Uhr di» an die Grenzen cer Welt Eintritt I Mark, Kinder 50 Pf. Mittwochs halbe Kasscnprtise. Tneat. a. Koitb.Tor Kottb. itr. 6 Tägl. 5 Uhr auchSonnt. naciim.SU. Eilte- SSnOer Die Wen gebt nntcrl Urkom.'cntifcDapafcdi. Tie«!, n. wesuns rägl.8]/< Uhi ffarieüa dnslk v. Gsftar Straos Käthe Dorsch Michael Bohnen Sonnab. 4, Slg 2 u. 5 Friederike Lusispislhius Friedrichstr. 236| Bergmann 2922 Täglich 8«/« Uhi Grand Hotel Lustspiel von Paul Frank M. Komödienhaus Täglich 8V« Uhr Der HßKnerbof< v Tristan Bernard ROSE TUKitTsa it. rranklurier "IncAICK mrefte ms RIMeltkasse: Alexander.litt Täglich S" Uhr. (Sonntags SVi und 9 Uhr) »HA« Js«aft9