Morgenausgabe Nr. 515 A 259 46.Ibend', SSuftrierte Beilagen.Vati ■Hb Zeit' und Jtinöertmind*. Ferner .Unterhaltung und Biflen'..graue». ' am-'..Xtchnif..Blick in ku chennelt' und.Sugend-Laewirt»' Berttner voltsblatt Sonnabend 2. November 1929 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Di» 1 1■ 1 p a 1 1 1• Nonparetvezea, M Pfennig. Retlame'.etle 5— Nei5o» «ark.„Kleine Anzeigev* da,«enge. druckt» Wort 2S Pfennig lzulSssig atdcJ leUoedructte Worte), jedes weitere Won Ii Pfennig. Stellengesuch» da, erst» WoN IS Pfennig, jedes wettere War» 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaden »ablen für zwei Worte. ArdettsmarD LeUe SV Pfennig. Familienanzeigen Zeil» 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupl» «efchält Lindenstraße Z. wochentäglich von dl, 17 Uhr, Jenirawrgan der SozialdemoSratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 23-2—231. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berkn S7WK.— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellten »nd Beamten, Wallstr. KS. DiSkonto-Gesellschast, Deposttenkasfe Lindenstr. S. Bisher 9, IS Prozent. Teilergebnisse stehen noch ans! Amtlich. Nach den beim Reichswohlleiter bis zum t. November. 22" Uhr. eingegangenen Meldungen stellt fich das Ergebnis wie folgt: Zahl der Stimmberechtigten: ZS 117 öZ7. Zahl der Einlraguugev: 3729 205. mithin Beteiligung: 9,78 Prozent. Gemessen an der Gesamtzahl der Stimmberechtigten <41 278 897) liegen die Vintragnng«.ziffern ans ,7.83 Prozent des Reichsgebiets vor. Tie oben genannten Zahlen enthalten die nahezu vollständigen vorläufigen Gesamtergebnisse aus 26 Stimmkreiscu sowie Seil« Meldungen aus den übrigen 6 Stimmkreise». Teilmeldungen stehen noch ans folgenden Stimm- kreisen aus. „Oes Kaisers Soldaten." Schiller-Tbeater. Ein Schauspiel von Hermann Essig, welche? Hans Rehmann, Renate Müller, Veit Karlon. Zllexander Granach und andere Pro, minente beschäftigte. Di« Regie Jürgen Fehlings und d>« Leistungen der Darsteller waren sehr gut. aber das Stück selbst vollkommen tot, ein Schreibtischstück ohne Blut und Leben. 2. dl. Alfred S. Anger: Menschen wie du und ich. OeutfcheS Dolkstheater. Ein vieraktiges Voiksschousp:«i, das die Leiden der armen und hnmattojen Leute zeigt, fand ein« sehr freundliche AufiMhiw. Der Dichter hat für sein Werk zwei große Preise erhalten, die zu- sammen die stattliche Summe von 15 000 Mark ausmachen. Trotz- dem besitzt er nur das Talent eines Nachahmers, der olles schön Dagewesene vergröbert und übertreibt. M. H. verwöhnte Kind der Reaktion geworden ist, geht im allgemeinen Siegesjubel in mutiger Weise voran. Mit einem Hochmut, der peinlich von dem sonst unter französischen Politikern üblichen Umgangston absticht, erklärt« er. er werde sein Kabinett innerhalb 24 Stunden fertig haben, es am nächsten Donnerstag der Kammer vorführen und der bisherigen Politik des Zögerns und der Kulissenmanöver durch entschlossenes Handeln«in für allemal ein Ende machen. Auf außenpolitischem Gebiet dürste von der neuen Rechts» regierung Frankreichs keine neu« Enttäuschung zu erwarten sein: Briand, der die Geschäft« des Außenmini- steriums weiterführen wird, dürfte genügend Gewähr dasür bieten, daß die reaktionären Tendenzen des neuen Kabinetts auf internationalem Gebiet unschädlich gemacht und di« Politik der Liquidierung des Krieges ungestört zu Ende geführt wird. Doch was Briand außenpolitisch seinen Kollegen abzwingt, wird di« I n n« n go l i t i k zu bezahlen haben. Di« wieder an die Wacht gc- langte Reaktion wirb, wie der Leitartikler de»„Intransigeant" e» so schön ausdrückt,„die Gelegenheit, di« nicht zum zweitenmal wiederkehrt, beim Zipfel zu fassen wissen." legenheit überdies zu einem Schlag gegen den Führer der Svnler« vatioen und ehemaligen Ministerpräsidenten Baldwin benutzt und behauptet, daß Baldwin hinter dem Rücken seiner Kollegen die konservative Partei auf«ine Zustimmung zu den Plänen der Regierung während der Parlamentsferien festgelegt hätte. Diese aus durchsichtigen Gründen künstlich genährte Verwirrung spiegelt« sich bei der Eröffnung der Unterhaussitzung am Freitag in den Anfragen des liberalen Führer» Lloyd George an di« Regierung wider, ob die Verfassungskommission über die Ansicht des Dizekönigs befragt worden sei, und ob die Erklärung Lord Irwins als ein Abweichen von der Jnbienpslitik der bis» lzerigen Regierung betrachtet werden müsse. Der Minister für Indien Venn erklärt« zunächst, daß die Simon-Kommissinn über den Inhalt der Erklärungen des Vizekönigs nicht befragt worden sei. Auf den zweiten Punkt der Frag« Lloyd Georges übergehend erklärte der Minister, angesickits der Zweifel über den Sinn der Erklärungen von 1917 fei der Lizekönig zur Feststellung ermächtigt ward«», daß nach der Auffassung der Regierung die Er- tlärung von 1917 die verfassungsmäßig« Entwickln ngIndiens zu einem Dominion als Ziel im Auge gehabt hat. All« endgültigen Entscheidungen über eine grundsätzlich« Aenderung der britischen Jndienpolstik oder eine zeitlich« Beschleunigung der Reformen müßten zurückgesetzt werden bis der Bericht der Kom- Mission vorliege sowie Besprechungen zwischen London und der Re- gierung von Indien sowie zwischen London und den Führern der indischen politischen Parteien stattgefunden hätten. Im weiteren Verlauf der Debatte wand'« sich der frühere Ministerpräsident Baldwin gegen die Behauptung der„Daily Mail" über seine Zustimmung zu dem Projekt der Regierung und erklärte, daß die Darstellung der Zeitung inhaltlich und in allen ihren Schlußfolgerungen völlig aus derLnft gegriffen sei. Kabinett Liaptscheff erfchütteri. Offensive der Zankoff-Gruppe. Sofia, 1. November.(Eigenbericht.) Dos KabinettLiaptscheffi st erschüttert. Die bisher unge sühnten mazedonischen Attentate haben ihm innerhalb der Ro- gierungsparteien das letzt« Prestige genommen. Dte Zank off- Gruppe kündigt bereits eine offeneAttock« gegen die Regierung an, falls nicht sofort«ine Umbildung de» Kabinetts erfolgen sollt«. In diesem Zusammenhang wird der Rücktritt des Kamwerpräst- deuten Jankost angekündigt. Die Sarolyi» dürfen nach Amerika. Das Staatsdepartement gab bekannt, daß auf Grund der erneuten Prüfung beschlossen worden fei. die 1925 ergangene Ablehnung der Einreifeerlaubnls für den Grafen und di« Gräfin Karolyi aufzuheben und den kürzlich von Paris aus gestellten Airtrag auf Visumserteilung zu genehmigen. Neuer Präsident der Reichsdisziplinarkammer. Der Reichs- Präsident Hot an Stelle des Landgerichtsdirekior, Dr. Westerkamp. der iirtolge Beendigung der Amtszeit ausgefKieden ist. den Land- g e r i ch ts d i re k t o r Mafur vom Landgericht l Berlin zum Präsidenten der Reichsdisziplinarkammer in Potsdam ernannt. Di« Stockerauer Arbeiter, die da» Zustammenarbeiten mit Fa- schiften einstimmig ablehnten, sollen heute ausgesperrt werden. Zum-12. November! Kundgebung der Gemeindearbeiier. Am Abend des 28. Oktnber waren die Gemeinde- und Staats- arbeite? dem Rufe der SPD.-Fraktion innerhalb ihres Verbandes zu einer Kundgebung gefolgt für die Stadtverordnstenwahlen. Vor der überfüllten Versammlung im großen Saal der Musiker Festsäle sprach der Genosse Stadtrat C z e m i n s k i über„Die Kommunal- wählen und die städtischen Arbeitneh'.icr". Der Redner schilderte die Entwicklung der Siadtgemeinde Berlin vnd gab einen allgemeinen Ileberblick über die Tätigkeit der Sozial- demokralischev Partei in der Kommune. Durch das verantwortungslose Verhalten der Kommunisten war es leider nicht möglich, die geringe Linksmehrheit in der Stadtverordnetenversammlung zugunsten der arbeitenden Bevölkerung auszunutzen. Soweit Ausgaben zu beschließen waren, haben die Kommunisten unter Vorausstellung von unerjüllbaren Propa- gandaanirö.gcn dennoch stets zugcftimini; aber dieselben Kommunisten lehnten stets die Deckung für die Ausgaben ab. Alle Bemühungen der So-ioldemokratie, den Etat m i t den Stimmen der Kommunisten zu machen, erwiesen sich als völlig aus- sicht-los. Dennoch versuchten die Sozialdemokraten für die arbeitcnde Bevrlkcrung das größtmögliche zu leisten. Der Redner ging dann auf die einzelnen Tätigkeitsgebiete ein und behandelte besonders die Wohmingksrage. Aus umlangreiche- Material gestützt, wies er nach, daß bei einem jährlichen Zuzug von rund 70— 80 Tausend Personen auf der einen und bei der unge- Heuren Benachteiligung der Stadtgenreiudc Berlin bei Rückerstattung aus dem Aufbringen aus der chauszinsstener auf der anderen Seite sowie der gleichen unleidlichen Behandlung der Stadt Berlin in der Frag« des Finanzausgleichs übsrhauvt: auf den, Gebiete des Wohnungswesens find trotzdem große Leistungen vollbracht worden, die die anderer Städte weit in den Schatten stellen. In nachdrücklichster Weise konnte er die Angriffe der Gegner von recht und links zurückweisen. In ebenso deutlicher Form deckte er die Gründe für die Angriff« auf die öffentliche Wirtschaft aus. Die in den öfsentlichen Betrieben und Der- Wallungen beschäftigten Arbeitnehmer sind ganz besonders daran interessiert, in welcher Richtung die Kommunen verwaltet werden. Die Sozialdemokrakische Partei hat trotz der ständigen Angriffe von rechts und links bewiesen, daß sie allein als wirkliche Vertreterin der Znterefsen der IZevölkerung anzusprechen ist. Der Referent schloß mit der Aufforderung on die Reichs-, Staats- und Gemeistdearbeiter, am!7. November alle Stimmen für die Sozialdemokratische Partei abzugeben. Seine Ausführungen wurden von der Versannnlung mit großem Beifall ansge- nommen. Nach Erledigung einiger Fraktionsangelcgenheiten wurde die wuchtige Kundgebung der Reichs-, Staats- und Gemeindearbccter mit einem Hoch auf die Sozialdemokratische Partei Deutschlands geschlossen. An die Berliner Zimmerer! Dorsickt bei Beitraszohsvng.— Das Miigliedsbuch behalten Bon der Gauleitung des Zentralverbandes der Zimmerer wird uns geschrieben: Zu den gestrigen Mitteilungen über die Vorgänge im Bureau des Zimmcrerverbandes ist»och nachzutragen, daß Beiträge für den Zentrolverband der Zimmerer nicht mehr an den bisherigen Zahlstellenvorstand abzuführen stnd. Der bisherige Vorstand ist auf Beschluß des Borstandes des Zentraloerbandes der Zimmerer aus dem verband« ausge- schlössen und kann daher nicht mehr im Austrage des Zentraloer- band'? der Zimmerer handeln. Auch die bisherigen Bczirkskajsierer können Beiträg« für den Zcntralverband der Zimmerer nur entgegennehmen, wenn sie vom Zentrolverband dazu bcaujtragt sind und die nom Zentraloorstaich vom l. November ab herausgegebenen neuen Marken in Besitz hoben. Gegen Stempel und andere Quittungen sind Beiträge unter keinen Umständen zu zahlen. Die Namen der dekreüenden Kameraden werden in nächster Zeit bekanntgegeben. Dos Bureau der Berliner Zahlstelle bleibt einige Tag» ge- fchloMcn. Sobald die Neuregelung in der Zahlstelle Berlin erfolgt ist. wird es wieder geöffnet. Weitere Mitteilungen an die Mitglieder der Zahlstelle erfolgen, sobald der neue Zahl- sie l l e n n o r st a n d, der zunächst vom Zentralvorstand eingesetzt wird, in Tätigkeit getreten ist. Wir bitten die Mitglieder der Zahlstelle Berlin, ims in der Neuregelung zu vntersttitzen, damit die Umstellung möglichst schnell fiirlr1 * ', Für£(0 Mitglieder des Zenrralverbarrdes der Zimmerer gelten die Satzungen und Beschlüsse der Generalversammlungen und die enrsprechenden Maßnahmen des Berbandsoorstandes, nicht oher die Parolen der KPD. kein organisierter Zimmerer darf sein Mitgliedsbuch aus der Hand gebet), wenn er sich vor Schädigungen schützen will. Und kein organisierter Pauarbeikcr dari sich in die notwendige Ausein- andersetzurig zwischen der Leitung des Zimmerervcrbandes und der kommiinisiiusven„Opposition" einmischen, wie es die KPD. befiehlt. Bei den Schuhmachern. In der letzten Funktionäroerfammlung der Berliner Schuh- wacher stellte am Schluß der Sitzung ein Funktionär die Frag«, »nie sich die Zahlstelle zu der Entsendung von Delc- gie-ten pun AMigewerkschaftskongreh der Kommunisten verhalten will. Er oerlangte Stellungnahme gegen die Ankündigung des Zentroloorstandes, daß alle, die sich daran beteiligen würden, aus den? Berband ausgeschlossen werden. Sein« Frage wurde von der Mehrzahl der Funktionäre und der Leitung überhört, die sich offenbar sckzeutcn, das heiße Eisen anzufassen. Der Betricbsratsvorsitzcnde von Leiser erklärte jedoch, daß er in diekr Frage handelt, wie er will und sich nichts verbieten läßt. Dann muß er auch mit den Konsehuenzen rechnen. Im übrigen zeigte sich, daß die Mehrzahl der Funktionäre die peuer. Spalmirgsmaßnahmen der kommunistischen Zentrale ablehnt Aus Carl Heymanns Verlag. Llrble Gewohnheiten des Herrn Personalchefs. Der durch Herausgabo von sozialpolitischen und sürsorgerischen Werken und durch sein« Zusammenarbeit mit vielen Reichs- und Eiaatsbehörden bekannte Verlag, dessen Inhaberin eine Frau General Gallus ist. legt anscheinend Wert darauf, nachzuweisen, baß der Inhalt der von ihm verlegten Verlagswerte sozialpolitischer Rttur nickst im Einklang zu stehen braucht mit der Art und Weis«, wie fein P« r s o>i a l ch e s, H e r r Gallus j r., die Angestellten, etwa UtO an der Zahl, behandelt. Diesem Herrn genügt es nicht, mit allcn Milie'n und Kniifen den Angestellten die Durchsetzung ihrer tar ilichcn und sonstigen Rechte zu erschweren, sondern er bemüht sich, mit den unqualffiziertesten Methoden die Angestellten einzeln gegeneinander auszuspielen und sie von der Wahrnehmung ihrer ver- fassungsmäßigen Recht« bezüglich ihrer Koalitionsfreiheit abzuhalten. Hiernir nur einige Beispiel«: Der Angestelltenrat verhandelt wegen einiger Tarisdiffe- renzen für einige Angestellt«. Herr Gallus jr. erklärt dann zum Bei- spiel d.ein Angestelltenrat, die betreffenden tariflichen Ansprüche seien restlos bewilligt worden, und läßt sich sofort vom Angestcllten- rar ein Schreiben an die Gewerkschaft unterzeichnen, indem dieser mitgeteilt wird, daß nun keine Torifdifsercnzen mehr vor- handen seien. Bei der Gehaltszahlung stellt es sich dann heraus, daß Herr Gallus sr. gar nicht daran denkt und offenbar gar nicht daran gedacht hat, die tariflichen Ansprüche wirklich zu ge- n e h m i g« n. Er scheut sich also nicht, sich des Mittels der Er- schleichung zu bedienen. Ein. anderes Beispiel: Herr Gallus jr. läßt einen Ange- fteltten zu sich kommen. Er hält in seinen Händen ein Schreiben mil dem Sopf des ZdA. Er sagt zu dem Angestellten:„Also hier schreibt mir der ZdA., daß Sie bei ihm gewesen sind und ihm dies und das berichtet haben." Dabei handelt es sich um einen Angestellten, der nach nicht einmal Mitglied des ZdA. ist, geschweige denn daß er jemals eine. Rücksprache im ZdA.-Bureau nachgesucht hätte. Mit dieser Methode, die jeder anständige Untersuchungsrichter heute für unwürdig erachten würde, versucht dieser„Personalchef" seine Angestellten auszuhorchen. In der letzten Zeit benutzt Herr Gallus jr. den Trick, daß er den Angestellten räi. au» dem ZdA. auszutreten, denn er habe bereits sieben Austrittscrklärungen Also auch in diesem Fall« scheut sich Herr Gallus jr. nicht, mit absolut unwahren Behauptungen in einer an Nötigung grenzenden Form die Angestellten in ihrer Koalitionsfreiheit zu hindern. Wir möchten hoffen, daß Frau Gallus endlich die Zeit finden wird, sich ernstlich mit der Frage zu beschästigen, ob Herr G a l- lus jr. als„Personalchef" wirklich geeignet ist, andernfalls müßten die Angestellten die nötigen Maßnahmen ergreifen, um sich vor solch einem„Personalchef" zu schützen. Oer Konflikt im Einzelhandel. Kommt eine Verständigung? Wie im„Dorwärls" bereits mitgeteilt wurde, haben die Hau- dclsarbeiter nn Berliner Einzelhandel den Schiedsspruch des Sststichttrngsausfchusses mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Ab- lehwnig erfolgte einmal wegen der zu geringen Lohnerhöhung von ein bzw. zwei Mark die Woche, zum anderen aber auch wegen der zu langen Geltungsdauer des Lohnabkommens. Der Schiods- sprach sah für den Lohntarif ein« Gelttmgsdauer vom 19. November 1929 bis zum 3. Oktober 1930 vor. Die Unternehmer haben den Schiedsspruch gleichfalls ab- gelehnt, jedoch aus Gründen, die denen der Arbeiter diametral entgegenstehe». Sic behaupten, daß die in dem Schiedsspruch vor- gesehen« Lohnerhöhung für sie„untragbar" und auch die Laufzeit des Abkommens viel zu kurz bemessen fei! Der Berkahrsbund hat sich inzwischen mit einigen Einzelhandels- firmen in Berbindung gesetzt, um betriebliche Regelungen herbeizuführen. So sind z. B. mit der Firma Karstadt Ber- Handlungen angebahnt worden. Es besteht die Aussicht, mit dieser Firma zu einer Verständigung zu kommen. Der Arbeitgeber- verband im Groß-Berliner Einzelhandel hat den Berkehrsbund nunmehr nochmals zu einer Aussprache geladen, die am 4. November stattfindet. Von dem Ausgang dieser Verhandlungen wird es ab- hängen, ob es in den nächsten Wochen zu einem offenen Kampf im Berliner Einzelhandel kommt. Oie Brückenbauer am Rhein. Von denen nicht die Astede ist. Köln u nd Dü sseldorf, die zwei Rivalenstädte am Rhein, erhielten vor zwei Wochen je eine neu« Rhein- brücke. Minister und Oberbürgermeister übergaben diese Brücken seierlich dem Berkchr: und das Publikum verkehrt nun hinüber und herüber, anfangs aus Sensation, dann aus Lerkehrsbedürsnis. Doch hat man der Brückenbauer am Rhein gedacht, die mit der Arbeit ihres Kopfes und ihrer Hände diese Bauwerk« schufen? Es wurde zwar bekannt, daß diese und jene Firn« die Bauarbeiten unter der Leitung dieser oder jener Verwaltungsstelle ausführte. Aber die eigentlichen Männer der Technik, die Ingenieur« und Techniker, die in langer zäher Arbelt die Pro- jektierungs- und Konstruktionsarbeiten leisteten und die Aus- führungsarbeiten leiteten, blieben ungenannt: Dem Publikum blieb es unbekannt, daß ein Stab von Ingenieuren sein techni s ch-orga ni satorisches Können den Firmen zur Beringung stellte, damit dies« Privatunternehmungcn ihre Austräge ausführen konnten. In den technischen Bureaus der Bau-, und Eisenkonstruktionsfirmen wurden die Brückenbauprojekte entworfen und vorkolkuliert; es wurden eiserne Brückcnsysleme durchkonstruiert und die dazugehörigen Bauvorgänge festgelegt, Pseilergründungen wurden aus- gedacht, die unter Wasser und viele Meter unter der Strom- sohle ihr« Basis finden usw., und bei der Projektierung und Ausführung oller dieser Vailvorgänge lag dos Bestreben vor, möglichst einfach und billig zu bauen und den„Bater Rhein" mit seiner Stromschfffahrt nicht zu schädigen. Roch unbekannter blieb es der Oeffentlichkeit, daß d i« Brückenbauer am Rhein ein Berufeleben sichren, das dem der Lohnarbeiter nahekommt. Sie arbeiten nämlich als technisch« Angestellte in den Prioaksirmen gegen niedrige Gehälter nnd unter entwürdigenden Arbeitsbedingungen. Um mm ihre wirtschaftliche und soziale Loge zu verbessern. haben sich bereits KS 000 technische Angestellte und Beamte zu einer Berufsgewerkschaft, dem Bund der technischen Angestellten und Beamten. zusammengeschlossen. Diese Berussorganisation versucht, durch die Zusammenfassung der einzelnen zu einein machtvollen Ganzen den Technikern den Einfluß im wirtschaftlichen und öffent- lichen Leben zu erringen, der ihnen nach ihrer Bildung, ihren Leistungen nnd ihren Verdiensten für die Dolksgemeinschast zukommt. Die Brückenbauer am Rhein erinnern daran, daß ihre Kollcktwwerke der Technik„D i e n st am B o l k e" sind. Tarifunfähig gewordene Zeitungsverleger. Oer Angestettteaiarif gesprengt. Ein Angestelllenverband stand seit dem Jahr« 1919 mü dem Arbeitgeberoerband für das Deutsche Zeitungsgewerbe, Orts- gruppc Frankfurt a. M. im Tarifverhältnis.„Frankfurter Zeitung" und„Generalanzeiger" waren die Mitglieder dieser„Ortsgruppe". Der letzte Tarifvertrag vom 1. Juli 1928 durch Schiedsspruch, sah eine Gehaltserhöhung von 8 Proz. vor. Di« Verleger lchntendenSchicdsspruchab, da er sich gegen einen nicht existierenden Berband richte. Einen Arbettgeberrerband für das deuliche Zcittiiigsgewerbe, Ortsgruppe Frankfurt o. M. habe es nie gegeben. In Wirklichkeit hat«in solcher Verband, als dessen Vorsitzender Dr. Kurt Simon zeichnete, seit zehn Iahren mit ver- schiedenen Albeitnehmcrverbände Tarisoerträge abgeschlossen. Der Schiedsspruch wurde am 14. August 19&5 für verbindlich erklärt. Di« Verleger bestritten die Existenz eines Verbandes und damit die Gültigkeit des Tarisvertregs. Der Angestellteuverband klagte beim Arbeilsgericht, das die Verleger kostenpflichtig ver- urteilte.. Der Arbeilgeberverband sür das deutsch« Zeilungsge werbe legte beim La nde sorb ei tsg e richt Berufung für seine Mitglieder in Frankfurt a. M. ein. Der Tarifvertrag und der Schiedsspruch sei sür die„Ortsgruppe" mir bis zum 13. Oktober 1928 rechtsverbindlich gewesen, da die Orksgruppe Franksurl a. TJX. sich an diesem Tage aufgelöst habe. Das Lai-desarbeitsgericht gab in seiner Verhandlung am 17. Dezember 1928 der Berufung statt. Die Kläger erlzoben Revision beim Reichsarbcitsgericht. Der Arbeitgeberverband existiere auch jetzt noch und habe nur eine Schiebung vorgenommen, um sich tarisunfählg zu machen. Das Reichsarbeitsgericht schloß sich der Entscheidung des Landesa rbeits- gerichts an. wies die Revision ab und legt« beiden Tsilen je die Hälfte der Kosten ans. Bei einheitlicher geschlossener Organisation der Angestellten wäre ein derartiges TarifuiLfähigkeitsmanöver wie es die beiden großen Frankfurter Verlage durchsetzten, wirkungslos. Man könnte sie trotzdem dahin bringen, anständig« tarifliche A rb> itsb e dingn ng« n zu vereinbaren. Oie Kronde der englischen Zechenherren. Sie bekämpft die Ziegiervvgspläne. London. 1. November.(Eigenbericht.) Der Präsident des Hanbeisamtes, Graham, hatte am Freitag mehrere Besprechungen mit den Zechenbesitzern. deren Haltung in den letzten Tagen immer deutlichere Zeichen der Feindseligkeit gegen die Pläne der Regierung erkennen keß. Die Unternehmer haben sich bisher in der Frage der Arbeits- zeitoerkürzung unter Wrfrechterhaltnng des bisherigen Lohnstandards unerbittlich gezeigt und insbesondere die von der Regierung gestützte ForderungderBergarbeiter nach Rückkehr zu einem Reichsmanteltarif für den britischen Bergbau verworfen. Die Schwierigkeiten sind iwöurch besonders verschärft, daß die strichweisen Kollektivverträge zum größten Teil Ende des Jahres ablaufen. Die Regierung hat mrmnehr ein« gemeinsam« Be. sprechung der Bergbammternehmer und Bergarbeiter für die kommende Woche einberufen. Trotz der starken Bedenken gegen die Vorschläge der Regierung dürfte die Exekutive des Bergarbeiter- Verbandes nichts unversucht lassen, um der Regierung deine Schwierigkeiten zu bereiten. 3um deutsch-französischen Arbeiierabkommen. Aus einem Runberlaß des preußischen Ministers des Innern teilt der Amtlich« Preußisch« Pressedienst folgendes mit: Anträge deutscher Arbeitnehmer, die im Rahmen der Vereinbarung zum Zwecke der beruflichen und sprachlichen Fort- bildung zur Beschäftigung in Frankreich zugelassen wer- den wollen, sind on die zuständige deutsche Zulassungs- stelle zu richten(für Hotel- und Gast wirtsange stellte: Fachabteilung für das Hotel- und Gastwirtsg« werbe beim Landesarbeitsamt Südwestdeutschland, Zulassungsstelle im Verkehr mit Frankreich in Baden-Baden, Arbeitsamt), für alle übrigen Vernse: Arbeitsamt Köln, Zulassungsstelle im Verkehr mit Frankreich, Köln, Badstraße 8/10._, Schiedsspruch für�auch- undSchnupfiabakindustrle Der Versuch, in der Rauch- und Schmipstabakindustri« zwischen den Tavifkontraheitten ein« Einigung herbeizuführen, ist an der Haltung der Umernehmer gescheitert. Es blieb deshakb bei den i m R ei chs a rb e it smi niste ri um geführten Verhandlungen nichts anderes übrig, als einen Schiedsspruch fällen zu lassen. Dieser Spruch sieht folgende Regelung vor: An Stelle der bisherigen Ferienzeit von acht Arbeitstagen treten neun Arbeitstage. Die im Reichstarifvertrog vorgesehenen Mrndestlöhne sollen ab 1. November um 4 P roz., und im nächsten Jahr ab 1. November um weitere 4 Proz. erhöht werden. Die Tabatarbeiterverbände haben beschlossen, dem Schiedsspruch, der die Abbauplän: der Unternehmer ignoriert, zu- zustimmen. Ueber die Stellungnahme der Unternehmer ist bis letzt noch nichts bekannt geworden. Di« Erklärungsfrist läuft am 6. November ab.____ propagandabewegung der Seeleuie. Tagung der Eeeleute-Sektlon der ZTF. Sofort nachdem die International« Arbeitskonferenz beschlossen hatte, das Internationale Arbeitsamt anzuweisen, an die Re- gierungen eine» Fragebogen auszuschicken, worin dies« um ihre Meinungen über die Einführung des Achtstundentages und der 48-Smnden-Woch« für Seeleute gefragt werden, wurde eine b-c-. fender« Sitzung der Bertreler der Organisationen abgehalten, welche der Seeleutesekuon der Internationalen Transportarbeuer-Föderatiem angeschlossen sind. �?Gmo, der auch zwei Delegierte der Internationale der Schiffsofsizrerc beiwohnten, gab ihrer Befriedigung über die durch eine gemeinsame Zusammenarbeit der ITF. und der Internationale der Seeoffiziere erzielten Resuttate Auedruck und besprach Maß- nahmen zur Einleilang einer starken Propagandabewegung. Bezchiossen wurde, daß die beiden Internationalen über die ganze Welt e:nc rastlose Kampagne führen und auf ihr« Re- gicrungen einen Einfluß ausüben sollen, um sie zu veranlassen, die von den beiden Internationalen emigestellten Forderungen zu unterstützen: serner. daß d'« der ITF. angeschossenen Verbände bei ihren Bestrebungen sich gegcnsoittge Unterstützung oerbürgen sollen Die Konferenz fordert olle Seefahrer auf, den für sie zuständigen Organisationen beizutreten und an dem internationalen Kampfe für die Einsührung des Achtstundentages und der 48- Stunden- Woch« teilzunehmen. SttanCuortlidi für Palitik: Dr. a»rt SM«: Wirtschaft:».«lw-rlliSfrr- lbrwcrllchaiisÄeweftllnx: I. xtrlmr: geuillclon: ft. S. Dölch»! Lokair» und Soultivcs Ifri» garftäM:«rufoen; H.«lotfr: sämtlich in Serlin Lcrlaa: Locwartz.Brclaa®. m d. S. Berlin Druck: Bormärts-Buckdrucker»« und Leclagsanstalt Paul Singer ll. Co.. Berlin EW«8, Linbrnttrabe£ Kirrzu 1 Beilage und.Anlcrhattuug nnd will«»'. Nr. 515* 46. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 2. November 1929 �tepeuptaedi in(Potsdam. ' �rauften im Park wn Sau�mi« liegt der fterfeft- Bbrfrot leuchtet der wild« Wem. buntqetärbt sind die Blätter der Bämne, i»om zartesten Gelb bis zum kräftigsten Orange', nur noch ein kurzes Dasein fristen sie, dann»erben auch sie sich dem dicken, gelbrat durchwirkten LoutUeppich einordnen, durch bei» man schrecket, cherbst- jtimlmmg, langsames Todesastnen in der Natur.... Und mitten hinein in biete schwermütig-schäne Herbststimmung— *>i<«in fröhlicher Akkord in eine leidvoll« Melodie— lacht üppigstes sarbeistrohes Blühen, hochjoimnerliche Reife, Wärme, Leben. Unter» halb der Orangerie liegen die Gewächshäuser der Part- »« r w a l t u n g, die kurz vor deni Krieg« erbaut und j« tz t w i« d e r gn neuem Leben erweckt wurden. Unter den Glasdächern grüßt die üppige Pracht de? tropischen Ilriyalbcs. Durch einen hicht- bewachsenen Laubgang von pügchtigxu �artuur, hochauirogendeu Pgl- me« und Gu'.mnibäumcn geht es' zu den einzelnen Gewächslstiuser». Querst zu de« Orchideen, diesen lieblich-zarten, fremdartig- schönen Pslanzenkiichent, die hier in der feuchtwannen Heimatlust ein stilloerträunckes Dosein führen. Die ganze schillernde, unheimliche Schönheit'des Unvaldcs offenbart sich hier k*m Besucher i die klaffenden, blutrot gefärbten Blütenkelche, die wie gierige Schlünde noch Beute gieren in«d neben ihnen im krassen Gegensatz Blüten, die in ihrer ätherischen Iarthest an Form und Farbe unwirklich schön, märchenhaft erscheinen. Da ist die üppig-schöne(isttle�a Fabia, C aflleya Wendlandiana, Gigas und wie ihre verschiedenen Spiel- arten heißen mögen, dte schönste unter ihnen ist di« prächtige Brasso-Gattsoya, mit ihren großen, lilafarbenen Blüten. Schön ist das reine Gelb des Oncidium varicos, die eigenartigen Farbentäne der Cypripcdien. Sie allesamt schar«» sich um ihre Königin, das blau« Wunder des Tropenwaldes, die Vanda coerulea. die auch hier in der Fremde einen Ehrenplatz erhalten Hot. Eine große Traube hellblauer, zariopolisiercndcr Blütenkelche ruht aus einem langen, zartgeschwungei'.en Stengel und sonnt sich. Die Vanda coerulea ist das Sonnenkind des Urwaldes, sie gedeiht, gleich ihren Artgcnossen, aus seinem höchsten Blütendach und wirkt in ihrer wundervollen Zartheit ganz eigenartig schön. Run führt unser Weg zurück in die rauhe Wirklichkeit der heimatlich-kälteren Zone. Zwei große, gut durchlüftete Gewächs- Häuser— di« Temperatur darf hier kaum 10 Grad Wärme erreichen — bilden einen Riesenhain prachtvoller Crysanthemen. Ileppigoolle Blüten köpf« von ungeahnter Farbenpracht neigen sich unter der Schwere ihrer Last. Bon der schneeweißen Ondine über die zartrosa getönte wundervolle Mona Davis zur rötlichen Edith Cavcll, über die glühendrote George Monro jr. zur kupferfarbenen Red Carel! sind alle Farben in Pastell- und leuchtenden Tönen vertreten. Und was in den Tropen das blau« Wunder der Vanda caerulea, das ist bei uns im kalten Norden di« Chrysantheme: dt« Kömgin des Spätsommers. Diese selten schönen Zinhtprodukte haben auch ein verhältnismäßig langes Leben, sie sollen noch einige Wochen die Besucher erfreuen. Die Meister der Liebhaber-Gortenkultnr und mit die Züchter der schönsten Ehrysankheinenorten sind bekanntlich die Japaner, die, mit der Natur«rtb ihrem Blühen gleichsam ver- wachsen, seit Jahrtausenden mit einer wahrhaft kultischen Liebe ihren Garten bestellen. So erzählte Garteckdirektor Krache unter anderem, daß das gänz« japanische Volk ein« tiefe Liebe zu den Blumen z«igt und daß jeder einer seltenen Blume wegen, die nach Ansicht des Gärtners zu einer gan.; frühen Morgcnfwckd« sich erschließen soll, gern seine Nochtruhe opfert: auch gibt es dort Menschen, di« un- gezählte Kilometer wandern, um eine neue Blütenart oder irgendeine seltene Züchtung zu sehen.— Nachbarn der schönen Chrysanthemen sind die C y c l a m e n. ein BlütenlMin in lcichsrosa und rotlila, der sich auch über zwei Gewächshäuser erstreckt. Neben den vielen Palmen und Farnen wirken �mch besonders schön di« buntlaubigen Cordylinen, Drazänen, Diesfenbachien usw. Der Pflanzensreund, der sich nicht nur an Blüten, sondern auch am Blattwerk erfreut, findet hier allerlei Interessantes. Hier sind es vor ollem, oder, dosier gesagt, immer wieder die eigenartig-schönen Kakteen und Aloen in ihren bizarren Formen. Eine bunte, schier unübersebbare Füll« pflanzlicher Eigenarten, ein« überreiche, verschwenderische Phantasie in der Natur. Schließlich geht? hinaus aus dem Paradies tropischen Gedeihens, in den naßkalten, norddeutschen Herbst, wo die Natur langsam zum Winterschlaf nistet. Lohngeldraub in Altona. Oer Täter entkomme«. Altona, 1. November. Ei« dreister Raubüberfall wurde heute vor- mittag i« der Kruppstrafte ausgeführt. Ein K o» t o r- böte der Tapetenfabrik Hansa A.-G. hatte 10 500 Mark Lohngelder von der Bau! geholt, er wurde auf dem Rückweg von einem Manne»iedergeschlage«, der ihm die Altentaschc mit dem Geld entrift und in eiuem bereitstehenden Auto davonfuhr. TaS Auto ist wahr» scheinlich in Hamburg gestohlen worden. ES trng die Nummer ll H 3070.» Anschlag auf einen D-Zug. Die Täter noch nicht ermittelt. Brauvschweig, 1. Aus der Streck« Magdeburg— Braun schweig ist«in Eisen bahnottentat entdeckt worden. Amtlich wird dagn mitgeteilt: „Am 31. Oktober wurden an der Uebersührungsbrück« der Braun- schweig-Schöninger Eisenbahn am Kilometer 7,6 der Strecke Magdeburg— Braunschweig Abdeckbohlen über die Gleise geworsen, di« vom D-Zng 40 rrsoßt unb zur Seite g«schleub«rt worden stich Die Täter konnten noch nicht ermitteit werden." Staatsanwalt- fchast und Kriminalpolizei nahmen die EnmiNuagen auf. Die Untersuchimg ist noch im Gange. Erdbeben in Südosteuropa. Bukarest. 1. November.(Eigcnberühbj In Rumänien wurde am Freitagvormittog ein schwere» Erdbeben verspürt. In der Provinz stürzten zahlreiche alte Häuser ein. In Bukarest wurde ein« alte Frau beim Aerlasien der Kirche von einem herabstürzenden Turmkreuz erschlage«. Im Bukarester Observatorium sind sämtliche Seismographen beschädigt worden. Da» Erdbeben hatte eine Heftigkeit vou 8 Grad. Bukarest wäre heute nur noch ein Trümmerhaufen, wenn das Beben 9 G r a d erreicht hätte. Innerhalb der Bevölkerung wurde ein« starke Panik hervorgerufen. In Bukarest brachen zahlreiche Frauen auf den Straßen ohnmächtig zusammen. Sofia. 1. November.(Eigenbericht.) Am Freitagoormittas um 9 Uhr wurden in Bulgarien drei starke vertikale E rd st ö ß e verspürt. Der Erdbebenherd liegt jm Kreise Burgas, wo zahlreiche Häuser groß- Riss« erhiesten nnd Schornsteine einstürzten. Neuer Bersuchsflug des„R. 101". Das englisch« Luftschiff„R 101" ist am Freitag um 9,40 Uhr zu einem dritten Bersuchsslug ausgestiegen. Der Zweck des Fluges, der je nach den Witterungsverhältnissen 7 bis 8 Stunden dauern wird, gilt einer Erprobung der Maschinen bei Höchstgeschwindigkeit. XAäm 7(nmar�CClz3iaru�iwS�\&MdJocn. Copyright by Büchergilde Gutenherg. Berlin. 2a mm von übernatürlichen Dingen die Rede war, cnt- fernten sich auch die Kosaken immer mehr vom wirklichen Leben. Und wie es näher auf Mitternacht zuging, schweiften sie immer.mehr aus unbekannte Gegenden ab, au die die Menschen glauben, besonders wenn sie arm sind. Sie erschauern vor der grogen Fremde, aber sie hoffen, daß sich drüben olles zum Besseren kehren werde, und dieser Glaube erfüllt sie mit Frieden. Die Kosaken wußten seltsame Fälle über gestorbene Geometer, die in Gestalt von tanzenden Flammen über den Sümpfen des Medocc ihr Wesen trieben, weil sie vor hundert Iahren bei der großen Erdvermessuna das Bolk zugunsten der Herren betrogen hotten, nun hatte sie das arme Volk ver» flucht und seither irren ihre Seelen über den weglosen Tiefen der Sümpfe und locken einsame nächtliche Wanderer mit ihren Lampen in fürchterliche Abgründe, während sie scherzend immer wieder rufen: Komm... komm... Erschrocken lauschte ich unter der Decke und das Gruseln lief mir über den Rücken. Der Qualm mar dick, die Kosaken tranken. Roch längerem Schweigen begann Andreas Pikor: .Ich habe wich einmal mit so'nem Geometer geohrfeigt, daß sie der Teufel reite.. Die Kosaken lauschten, rauchend, mit gesenkten Köpfen, Andreas Pikor fuhr fort: „Das war so, daß ich vor etwa fünfzehn Jahren aus dem Walde von Abara eine Fuhre Holz führte. Es war ein regnerischer Herbst, ich wurde von der Dunkelheit überrascht. Wir überquerten noch beizeiten die Latorca-Brücke. ober am diesseitigen User war es schon so finster, wie in einem Sock. Mein Knecht mar mit mir und ich sage zu ihm: Gehen wir nur tapfer los. Nun, mir gingen auch los, ober es war schon so spät, daß man kaum mehr den Hintern der Pferde sehen konnte. Wie wir i» das Röhricht der Medvec hineingerieten, schlingerte der Weg und der Kot reichte bis an unsere Krne. Da seh« ich. daß die Geometer links sowohl als rechts mit ihren Lampen herumhüpsten. Einmal laufen sie bis hinüber zur Grenze von Nezpest, dann wieder leuchten sie gerade vor der Nase der Pferde. Ich gab nicht viel auf sie, obgleich sie mich immerfort lockten, aber da fliegt plötzlich die Achsenspelle heraus, das eine Hinterrad fällt ab und der Wagen senkt sich nach dem Hinterteil. Na, ich fluchte nicht schlecht, was wir jetzt in dieser Finsternis beginnen sollten. Wie ich nun ab- steige und im Dreck stehend mich hinter den Ohren kraute, mich fragend, wo die verdammte Spelle wohl zu finden wäre. da sprang der eine Geometer gerade vor die Pferde und rief immerfort: Komm... komm... In meinem großen Aerger rief ich ihm zu: Ich gehe schon, du Gaunerseele, vorerst aber leuchte hierher, denn ich sehe das Rad nicht. Und auf einmal springt eine der Lampen zum Wagenende, aber ich konnte vor ihrem Glänze den Geometer nicht sehen. Nachdem wir das Rad aus dem Kot gezogen und auch die Spelle zum Vorschein kam, hebe ich untlr großem Schwitzen den Hinterteil des Wagens nnd der Knecht plagt sich mit der Spelle ab. Ich ächze nur so wie ein Hund unter dem Gewicht und der Geometer rief nur in einem fort: Komm... komm... Ich wurde wüteyd, da er mich nicht in Ruhe ließ und rief: Hebe dich fort, sonst tret ich dir gleich vor den Sitzknoven... Da gab er mir im gleichen Moment eine Ohrfeige, daß ich unter den Wagen fiel. Ich raffe mit auf, von oben bis unten kotig, um das Schwein in den Bauch zu treten, aber da tanzte er mit seiner Lampe schon über die Wiesen von Rask... So war es." Die Kosaken schwiegen und sahen mit zusammenge- kniffenen Augen vor sid? hin oder auf den rot glimmenden Docht der Lampe. Aber da regte sich aus der Ofenbank Josef Paczal und nahm die Pfeife, die keinen Stiel hatte, aus dem Mund: „Auch ich begegnete einmal einem Gespenst. Ich komme da nachts von In, reg heim, der Mond leuchtete schön. Wie ich gerade zwischen Nezpest und Alvira bin, gerät mir auf der Wiese eine Kuh in den Weg. ein« Kuh sage ich euch! Ihr Kopf war in Nezpest und ihr Hinterteil reichte bis Abara. Wie long sie war, meint ihr? Eineinhalb Kilometer... Was rede ich da! Mindestens drei! Josef Vaczol schluckte einmal und lehnte seinen Rücken an den Komin. Die Kosaken betrachteten ihn seltsam. Es entstand eine Pause. Dos Gesicht des Oberkosaken, der auch jetzt am Ehrenplatz saß, lief feuerrot an und er hieb aus den Tisch:„Du lügst, du lügst, gottloser Halunke! Aber du wirst dein Lebtag so ein Schmutzsink bleiben!" Josef Paczal lehnte sich mit übergeschlagenen Beinen an den Kamin und begann leise zu wiehern. An den Samstagabenden saßen die Kosaken beisammen, aber am ersten Morgen der Woche verschwanden sie wieder aus dem Dorf. Georg Vajda hatten wir seit langem nicht mehr gesehen und auch mein Vater war verschollen. Der Oberkosak hielt sich größtenteils daheim auf, aber auch er verschwand von Zeit zu Zeit. Ost sahen wir chn tage- lang nicht, dann zeigte er sich wieder. Ein-, zweimal behielt er auch Josef Paczal zum Essen bei sich. Der Alte aß dann am Kopfende des Tisches, zumeist weichgekochte Pilze, der abgerissene Barfüßler hingegen löffelte auf der Ofenbank den Bohnenbrei. Nach dem Essen streichelte er sich den Bauch: „Na, jetzt bin ich voll wie eine Trommel." Dann verschwanden beide. Inzwischen wurde es Frühling und das Dorf war tags- über leer wie ein Friedhof. Alles war auf den Aeckern de» schäftigt, nur die ganz kleinen Kinder spielten im Staub, und in den Vorhäusern saßen ganz alte, verrunzelte Weiblein und beaufsichtigten die Kleinen. Ueber den zwei Kirchtürmen kreisten den ganzen Tag Störche und die ganze Gegend blühte auf. Mein Großvater begleitete manchmal Brugos auf seinem Gang, oder er hielt sich in der Ecke des Wirtschaftshofes auf, wo seine Gesellen die Arbeit bereits begonnen hatten. Manch- mal stieg auch er aufs Dach hinauf mit der Axt in der Hand. schnitzte an den Balken herum oder nahm Matz mtt dem Zoll- stock, und die Zimmerleute lauschten seinen ernsten An- Weisungen sehr ausincKsam. Ick) sah ihnen stundenlang zu, wie sie oben mit leiseü, Gesang arbeiteten. Mein Onkel war ihr Vorarbeiter. Am liebsten jedoch spielte ich mit Bandi im gräflichen Garten. Nach der Schule spielten wir auf den viel gewundenen Wegen barfuß dos Pferdchenspiel, sprangen über den schwach grünen Rasen oder spielten hinter dem Glashaus und über den alten Kellergewölben in den Winkeln des Fichten- gehölzes Verstecken. Das waren zerfallene Keller, aber Andreas Pikor wußte von ihnen, daß jenfests der zer- bröckelten Kellermünder, fünfzig Schritte weiter drinuen, zweihundertjährige Weine reisten in ihrer eigenen Haut. Der arme Rakoczi hatte sie hier vergessen, als er vor den Oester» reichern gegen Polen flah oder vielleicht der König Mathias. Er wußte es selbst nicht mehr genau. Aber es war Tatsache, daß in der unterirdischen Feuchtigkeit die Dauben vom Weine heruntergefault waren und der Wein selbst im Laufe der vielen Jahre sich zu Mus verdichtet hatte, so daß man ihn nur mehr mit dem Löffel zerteilen konnte. Andreas Pikor hatte in ganz jungen Iahren auch mal drei Löffel von einem Weine gekostet und wm davon eineinhalb Wochen hindurch betrunken gewesen. (Fortsetzung folgt.), Nicht immer nützt ein Talisman. Oer Einbrecher mit dem Hufeisen. Seit dem Februar 1928 wurde von der Dienststelle 5 der Kriminalpolizei ein 31 Jahre alter Ewald Richter wegen Kon« fettions. und Pelzeinbruches gesucht. Es wollte nicht gelingen, seinen Unterschlupf ousfindig zu machen. Richter halte früher mit der Kolonne O st e r m a n n„gearbeitet�, schloh sich aber später an den bekannten Kolonnenführer M i ck s i k an. Die Be« teil! zu ng an miirdeften drei großen Einbrüchen steht bei Richter fest. Vorgestern waren Kriminalbeamte wieder vergeblich auf der Suche nach ihn, gewesen und kehrten mit der Straßenbahn in das Polizei- profidinm zurück. Au ihrem Erstaunen sahen sie plötzlich unter den Fahrgästen Richter sitzen, der bei dem Anblick ebenso überrascht war. Sälen nigit oersuchte er, durch den Vorderausgang des Wagens zu entwischen und sprang in voller Fahrt ab, die Beamten aber folgten ihm und faßten ihn doch. Richter ist, wie viele Einbrecher, ziemlich abergläubisch. Er trag, stets ein zerbrochenes Huf- eisen in der Tasche und hat wiederholt behauptet, das sei sein Talisman, der ihn vor der Polizei beschütze. Jetzt hat auch dieser versagt. Bei dem Festgenommenen fand man einen Satz Dietrich«, die für Kunstschlösser mit bis zu 10 Juholtungen angeieri�t ruarcn, ein Beweis, daß auch gute Sicherungen bewältigt roeeden können. Richter hat unter dem Namen„Ellennam," häufig den Awischenlsimdler mit den Hehlern gespielt. Nach einem großen Pelzeinbruch setzte er sich unter diesem Namen mit dem Bestohlenen i« Verbindung und versprach die Waren wieder herbeizuschaffen gegen ewe Vergütung von 4000 M. Das Geschäft kam aber nicht zustand«, weil das Angebot dem Geschäftsmann doch verdächtig erschien. Richter wurde dem Untersuchungsrichter vorgeführt «nd nach Moabit gebracht. Seinen Talisman hat man ihm freundlicherweise mitgegeben._ pleite über pleite. Zusammenbruch der Zreidinkeroppositton. Vor kurzem noch verkündete die„Rote Fahne"', daß die tom- iwuiistische Opposition nun endlich mit den Reformisten Schluß machen wolle. Di« SPwltung sei zur Tatsache geworden. Der neu« komimnnstischc Freidenkerladen sichre den Namen:„Verband prole- tarischer Freidenker mit Feuerbestattung". Wenn der Vorstand des Verbandes für Freidenkertum und Feuerbestattung etwa auf Grund der Spattnngsparole die Mitgliedsbücher einziehen lasse, gab« es für jeden Kommunisten nur ein« Parole: ,Lom Mitgliedsbuch den sozialdemokratischen Hauskoisierern, kein weiteres Derbleiben mehr in diesem so-zialfaschistischcn Verbände." So war es noch am IS. Oktober und nun ist es ganz plölchch zu einem geradezu kato- strovhalen Paralenwechsel gekommen. Die neueste Parole lautet:„Selbstverständlich muß jeder Kominunist im Ver> band bleiben, er muß auch folgsam sein Mitgliedsbuch den sozial- demokratischen Hauskassierern ausliefern und fall es sogar abgeben, auch wenn er keine Quittung erhält", so fleht die„Rote Fahne". Unter allen Umsränden muß die Trennung vom Verband«, die noch vor 14 Lagen höchstes Parteigebot war. vermieden werden. Und der neue Verband? Mit dem verhält es sich so: Auf dem W c dd i ng und in W e i ß« n s e e soll die Spaltung weiter gelten, doch sie darf nicht auf die anderen Stadtteile übergreisen. Fossnngs- los steht man dieser kommunistischen FLHrerweisheit gegenüber. Cs ergibt sich nennlich jetzt für einen wackren KPD.-Freidenker das Folgende: Wohnt er in Weißens««, nrnß et für die Spaltung des Freidenkerverbandes kämpfen, verzisht er ober nach einem anderen Stadtteil, muß er die Spaltung be« kämpsen. Wem das nicht klar und logisch erschemt. der ist eben kein richtiger Kommunist. Der Varolenwechiel findet aber sein« Erklärung in der fürchterlichen Niederlage, die die KPD. in ihren bisher besten Bezirken gleich bei den ersten Spaltungsoersuchen er- holten hat. Tie Lust zur Fortsetzung ist ihr dabei gründlich i>er> gongen. Und weil ein Malheur selten allein kommt, hat sie gleichzeitig noch einen viel verhängnisvolleren Neinfall zu be- klagen. Sie hat im vorigen Jahre mit großem Tamtam die Gültigkeit der letzten Verbandsgeneralversammlung aui dem Prozeßwege angesochtciü Das K a m m« r g« r i ch t bat jedoch ihr« Klag« abgewtese» und nunmehr ist auch von ihnen selbst die beim Reichsgericht eingelegte Revision zurückgezogen worden. Sie hätten sa gern noch«in bißchen weiter prozaisiert, aber sie sollten jetzt die erforderlichen Kostenvorschüsse selbst einzahlen md da war es plötzlich mit dem Zutrauen zu ihrer prozesiimlen Position nicht weit her. Jedenfalls kann nunmehr dl« k o m m u- nisiische Opposition im Freidenkerverband als r e st- jlo s überwunden bezeichnet werden. Der Gchiffszufammenstoß auf dem Michigansee. Port Washington sWisconsin), 1. November. An der Melle des A u s a m m e n st o ß e s zwischen dem Dampfer Senator und den, Fnhrboot Marquette sind mehrere Dumpfer eingetroffen, die eine Anzahl Personen gerettet haben. Es werden nunmehr sieben Tote gemeldet, darunter der Kapitän des Senator. Das Fährboot wurde in den Hafen geschleppt._ Bruderliebe bis in den Tod. Am Dienstagmittag wurde der 70 Jahr« all« Rentenempfänger Franz Heidt in seiner Wohnung Mlihelmstr. 27 in Berlin, im Bett« liegend, tot ausgefunden. Im Nebenraum fand man seinen SSjöhrigen Bruder, den Portier August Heldt.an einem Haken erhängt, ebenfalls tot auf. Beide Leichen wur« den polizeilich beschlagnahmt. Bekannte, di�zusäll'rg m die Wohnung gekommen waren, um die beiden Brüder zu besuchen, fanden sie als Leichen auf und benachrichtigten die Polizei. Vermutlich ist Franz Heföt, der des öfteren an Herzkrämpfen litt, einein Herzschlag erlegen «md sein Bruder hat aus Gram um ihn seinem Leben ein End« gemacht. Neue Schwangerenfürsorgestelle in Treptow. In Treptow ist in der für die Einwohner der Ortsteile Treptow und Baums chuienweg eine neue Schwangerenfürsorgestelle eröffnet worden. Die Fürsorgestelle ist mit den modernsten Apparaten ausgestattet und zweckmäßig eingerichtet. Die Leitung befindet sich m Händen einer sp�ialistisch ausgebildeten Lerztin. Ueber alle Fragen gesundheitlichca, wirlichaftlicher, juristischer und sozialer Ramr wird kostenlos Auskunft erteilt. An B e d ü r!- «ige werden Nährmittel und Wäsche ausgeteilt. Notwendigenfalls wird Anftaltsaufnahme vor der Entbindung und gut Entbindung vermittelt. Allen Schwangeren ohne Ausnahme ist daher zu empfehllen, sich bei Zeiten, d. h. möglichst schon im dritten Monat der Schwangerschaft, dieser segensreichen Einrichtung zu „ bedienen. Die Sprechstunden sind Dienstags und Freitags von 13—14(1-2) Uhr. ' Eine Führung durch da, Berliner Rathaus mit Turm» Atsteigung macht Dr. Franz Lederer aw Sonnwg, 3. Ro- t, uff IQ Schöneberg- Buchholz, Straßenbahnlinie 24. Wenn man das noch wirklich ländlich« Eroß-Berltn kennen lernen will, mutz man mit der Slraßcnbahnlinie 24 noch Buch- holz fahren, das früher Französisch-Buchholz hieß, weil es mit Refügits, den aus Frankreich ausgewanderten Protestanten, besetzt worden war. Noch der Einbeziehung in Eroß-Berlin heißt es Berlin-Buchholz. Von jeher haben zwischen Berlin und Buchholz enge Beziehungen bestanden— nicht nur an den Sonntagen des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts, von denen ein Lokalpoet„das Klappern der Kaffeetassen, die Töne einer Drehorgel und das dumpfe Fallen der Kegel" besingt, sondern schon ein Jahrhundert früher, wie aus dem in allen Katalogen als selten ausgeführten, aber doch genügend bekannten Stich Chodawieckis „Die Wallfahrt nach Französisch-Buchholz" hervor- geht.' Eine profane„Wallsohrt"— ein Familienzug mit Frau und Kindern und Esel... Welcher sonstige Berliner Liliputoorort kann sich rühmen, in gleicher Weise von Künstlerhand verewigt zu sein. Aber die Buchholzer sind darob nicht hochmütig geworden— sie bauen noch heute als Gemüse züchtende Bauer» ihren Kohl und haben auf ihren Fluren bereitwilligst jene Großstädter ausgenommen. die als L gu b« n k o l o n i st e n„ihr agrarisches Herz" entdeck- haben. Di« baureise Baustelle ist wohl schon vorhanden, aber bis jetzt sind nur schüchterne Ansätze von Hochbauten bemerkbar. Diese zu sehen hat man dort Gelegenheit, wo die Bahntrace das Pankower Gebiet oerläßt. Wie die Gegend des alten Pankow, die Wollank- und die Breite Straße, noch manch« fast als ländlich anzusprechende Gebäude besitzt, so wird man sich das dereinstige Buchholz vorstellen müsien. Zurzeit hat der Ort zwei Sensationen: Die Straßen- bahn legt ein zweites Gleise und das Altersheim der Stadt Berlin ist der Vollendung nahe. Geht man am Endpunkt der Linie 24 rechts die Parkftratzc herunter, so sieht man die umgebauten Häuser des Heims und kommt zu einem kleinen Park. An frischer Luft wird es den Insassen nicht fehlen. Sanierung der Deutschen Seamtenbank? Verhandlunge« find im Gange. Die Bank für Deutsche Beamte hat am gestrt- gen Freitag nachmittag eine neue Pressekonferenz einberufen, in der mitgeteilt wurde, daß gegenwärtig Verhandlungen für eine Sanierung des Unter« » e h m e« s geführt würden, über die allerdings Näheres noch nicht gesagt werden könne. Falls diese Berhaud- lungen ein günstiges Ergebnis haben werden, was sich im Laufe des heutigen Tages entscheiden wird, so will die Deutsche Beamtendank die Beamtengehälter zunächst in Höhe von 50 Proz. zur Auszahlung bringen und dann auch ihren wetteren Verpflichtungen gegenüber den Kontoinhabern und Genossen«ach» kommen. Die Kassen werden jedoch bis zum Abschluß dieser Verhandlungen geschlossen bleiben. Ferner wurde mitgeteilt, daß nach der Erklärung eines Be- amten des Polizeipräsidiums in krimineller Hinsicht kein An- laß zu irgendeinem Einschreiten gegen die Geschäftsführung der Bant für Deutsche Beamte vorhanden sei. Di« kriminalpolizeiliche Untersuchung hätte auch zu keiner Beschlagnahme von Büchern usw. geführt. Die Bant für Deutsche Beamte ist seit gestern früh mit der Aufstellung eines Status beschäftigt, aus dem die bisher noch nicht zu überblickend« finanziell« Lag« der Bank hervorgehen wird..Die Revisionsarbeiten sollen so beschleunigt werden, daß. dieser Status ebenfalls in den nächsten Tagen vorliegt. Seitens der Bankleiiung wurden bei der gestrigen Besprechung erneute Vorwürfe gegen die Beamlenzenlralbank erhoben. Man wies darauf hin, daß die schwierige Lag« der Bank für Deutsche Beamte lediglich durch dos Vorgehen der Beamten- zentralbant entstanden sei, die eine Sicherheit nach der anderen an sich gezogen und im letzten Augenblick unter ganz eigenartigen Be- gleitumständen die Fusionsverhandlungen abgebrochen habe, die durchaus günstig standen. Roch an, 30. Oktober sei bis in die späten Abendstunden in den Räumen des Veamtenwirtschaftsver- bandes Serhandelt worden, und als gegen Abend die Leiter der Deutschen Beamtenbank endlich eine bindende Erklärung über den Abschluß verlangt hätten, sei von Direktor Lockenwitz und den an- deren Herren erklärt worden, daß vielleicht eine neue Lösung des Problems gesunden werden könnte und daß die Herren der Beamten- Zentralbank sich die Angelegenheit noch einmal überlegen müßten. Di« Herren hätten dann das Zimmer verlassen, und die Leiter der Bank für Deutsche Beamte hätten mehrere Stunden gemeinsam mit einen, Vorstandsmitglied der Beamtenzentralbank auf das Ergebnis gewortet. Schließlich habe sich herausgestellt, daß die Leiter der Beamtenzentralbank bereits nach Hause gegangen waren. Bei der Bank für Deutsch« Beamte besteht anscheinend nicht die Absicht, das Institut zu liquidieren, sondern es wird von den schwebenden Verhandlungen abhängen, ob die Geschäfte weitergeführt werden. Deutsche Bank und Disconlo-Gesellschast haben auf Veranlassung Interessierter Beamtenkreise ihre Bereitwilligkeit erklärt, unter Umständen die bei der Lank für Deutsche Beamte geführten Beamtenkonten zu übernehmen. Einige Behörden haben sich in der Zwischenzeit gleichsalls bereit erklärt, den geschädigten Beamten durch Gehaltsoor- sch.üsse 3« Helsen. Eine Erklärung der Veamtenzentralbank. Die Verwaltung der Deutschen Bcamtenzantral- dank A.- G. bemerkt zu dem Vorwurf, die Bant für Deutsche Be- amte durch Kredilverweigerung in Schwierigkeiten gebracht zu haben, daß die Bank für Deutsche Beamte, mit der eine Geschäftsverbindung erst zu Anfang September dieses Jahres ausgenommen worden sei. die bisher gewährten Zwischenkredite stets pünktlich zurück» gezahlt habe, und zwar jedesmal noch vor dem Ternrin der Gehaltszahlungen, ja daß angenommen werden mußte, die Bant für Deutsche Beamte werde auch in der Lage sein, den Ende Oktober fälligen Zwtschentredit von 2 Millionen Mark zurück- zuzahlen, ohne ihre finanziell« Lage derart zu verschlechtern, daß eine Auszahlung der Gehälter an die Beamten nicht erfolgen könne. Seit dem Bekanntwerden der ersten finanziellen Schwierigkeiten der Bank für Deutsche Beamte anläßlich der Vcrhängung der Annahmesperre für Schecks durch die O'acrpostdirekiion Berlin — mehr als die Hälft« der Kunden der Bank für Deutsche Beamte ge- hört der Postbchörd« an— Hab« sich die Deutsch« Beamten- zentvalbank bemüht, der Bank für Deutsche Beamte ihre Unterstützung zukommen zu lasten, mit dem Ziel«, im Jnterest« der Beamtengeld- Wirtschaft«in dauerndes Zusammenarbeiten mit diesem Institut, sei es in Form einer Interessengemeinschaft, sei es in Form eines Zusammenschlustes, herbeizuführen, allerdings unter der Be- dingung, daß dia Deutsche Beanckenzontralbank restlos Einblick in die Perhälknisj« bei der Lank für Deutsche Beamte erhall« und insbesondere der Verbands revisvr«ine durchgreifende Revision vornehmen könne. Die Bank für Deutsche Beamte habe offensichtlich die Durchführung der Revision bis Ende Oktober verzögert und ins- besondere die Aufstellung eines Status Unterlasten. Ein Torso eines Status sei erst zugleich mit dem Gesuch um Erneuerung des Zwischenkredits am ZS. Oktober der Deutschen Beamkenzentralbauk bekaunlgegeben worden, das dermaßen er- schüilernd ausgefallen sei. daß der Verwaltung der Deutschen Beamkenzenlralbank nur der Ausweg geblieben sei. die ver- löngerung des Zwlschenkrediis zu verweigern. Dieser Beschluß sei übrigens einstimmig gefaßt worden. Die Gewährimg von Zwischenkrediten gehöre zu den üblichen Geschäften der Deutschen Beamtenzentraldank, die derattige Transakttone» im Rahmen ihres Geschäftsbetriebes für die rund 80 Beamten- danken im Deutschen Reich zu tätigen pflege. Die bei den Post» kästen vorgelegten Schecks beziffern sich nach Angab« der Ober- postdirsktion Berlin auf etwa 200 000 Mark. Die Deutsch« Beamten- Zentralbank habe heute alle über diesen Betrag hinausgehenden Effekten freigegeben. Eine frühere Herausgabe sei n i ch t mög. lich gewesen, da die Bank für Deutsche Beamte den Höchstbettag der einzulösenden Schecks bis zuletzt mit 800000 Mark an» gegeben habe. Zum Zusammenbruch der Beamienbauk Warnung des Zielchsarbeitsmlnisters. Vor längerer Zeit schon belichtete eine Korrespondenz über Per- luste bei der Bank für Deutsche Beamte. Damals setzte mich ein Run auf die Kassen der Gesellschaft und eine Beunruhigung bei der Beamtenkund-schaft ein. Die Folge davon war, daß die Oberpostdirektion die Bantschecks ihrer Beamten sperrte und ein« Bürgschaft für diese verlangte, die von der Be- amtenzentralboni! übernommen wurde. Wie wir erfahren, hat auch das Reichsarbeits- Ministerium, als die Zeitungen vom 28. August beunruhigende Meldungen über die Geschäfte der Bank für Deutsche Beamte veröffentlichten, diese Zeitungsberichte noch am selben Tage seinen Beamten, soweit sie Mitglieder der Bank für Deutsche Beamte waren, zugleich mit der Rundfrage zur Kenntnis gegeben, ob sie danach auch weiterhin die Ueberweisung ihrer Gehälter an die genannte Bank oder eine andere Zahlungs- weise wünschten. Wie weit diese indirekte Warnung von Erfolg gewesen ist, können wir nicht feststellen. Beginn der„6 Tage". 14 Mannfchasten am Start. Bevor gestern abend die Akteure des 22. Berliner Sechstage- renne?« ihre Maschinen zur 14Z-Stundenfahrt bestiegen, erledigten zwölf Berufsfahrer ein S tu nd e n- P un kt e f a h r e n, das den jungen Bus« mit Rundenvorsprung m Front sah Kaum haben die Fahrer die Bahn verlasten, da tauchen auch schon die Herren der„0 Tage" auf. Als erster Georg Kroschel, der, wie Werner Micthe, lebhaft begrüßt wird. Dann tummeln sie sich bald alle auf dem Oval: Toaani, Regrini, Biuda, Ehmcr, die Debütanten Lehmann, Wistes, Schön, Krüger usw. Als die Fahrer ihre Vorstellu??gsrunde absolvieren, Ist die große Halle stark besetzt. Manthey-Schön eröffnen, Dorn-Maczinskt, die Brüder Wolke, Krüger-Funda folgen, mehr oder minder lebhaft begrüßt. Recht freundlich werden Lehmann-Wissel und Petri-Tietz empfangen. Tonani-Blnda schließen. Das Heer der Photographen rückt in Stellung, während die Fahrer die bis zum Start verbleibenden Minuten mech zur Ruhe benutzen. Dann heißt es„Aufsitzen". Blitzlicht leuchtet auf, der Startschuß ertönt: das„22. Berliner" hak begonnen. In flotter Fahrt zieht das Feld unter Führung Lothar Eh merz die ersten Runden. Den ersten Dorstoß wagen nach etwa 20 Mumien die Franzosen Raynaud-Dayen. Wohl zwölf Riniden währte die Hätz, die selbstverständlich im frischen Felde keinen Erfolg zu verzeichnen hat. Im gleichinäßigen Tempo geht es dann der ersten Wertung— die am ersten?lbend um 23 Uhr ausgefahren wird— entgegen. Hetri-Tieh führen. Räch der gestrigen ersten Wertung ergab sich f»lze?cher Stand das Renarens: 1. Petri-Tietz..20, 2. Louet-Moutvn 17, 3.. Krüger-Funda 17, 4. Miciche-Hürtgen 14, 5. Goostsns-Dsneef« 6. Givardengo-Negrini 7,?. Ehrn er-Kroschel 15. 8. Lehmamr-Wifsel 5, 9. Gab rüder Wolke 5, 10.. Manthey-Schön 4, 11. W anters. Dermo:,. det 3, 12, Raynaud- Doyen 2. 13- Dvrn-Maczinski 2, 14. Binda- Zancxi J. In der erster» Stunde(23 Uhr) wurden 41 510 ffffornef-- znttntgelsgt. Wichtige Flu Mit dem Kaltboot verschwunden. veri'reitung. Alle Genolsen müssen Ilch beteiligen. 20. Abt. Ab 18 Ubr von den?ahlabendlokalen au». ?z. Abt. 18 Ilbr von den SablabenMolalen au». 28. Abt. Sonnabend und Sonmaa von den bekannten Ve, irkslokalen an». Die Besirkoinbrer holen£>os Material heute, Sonnabend, ab 11 Ubr, von tot gen noeb. 20. Abt. Ab 17 Ubr bei Dura, Pren, Teuer Allee 180. 32. Abt. Treffpunkt ,uc Strabendemonstration um 17'4 Ubr ON'-ot-nl-os.?lb. mar'ch pünktlick 18 Ubr. Die Gruppenführer und der Vorstand treffen sich bereit» um 17 Ubr bei Krvmphatdt. Paus-äinger-Str. 40. Svnuiag. z. Zlo- nerv Her. Mugblattverbreituna In den delannten Lokalen. SAI..0>rnppe Audreasplatl triskt sick im Lokal Stompfvarit. PauI-S'nper.Str, 49. 34. Abt. Treffpunkt ,nr Demonslration um 17l' Ubr am Oslbabubof. 45. Abt. Alle Genossen Antreten«-r Demonstration auf dem Lauilber Vlab. Sonntag. 8. November, lflueblatloerdreitung bei Vert'ch, Wiener Str. 38. Men,!ers. Neichenberger Str. 104. Sonekeit. Neichenberger Str. 73. Mtnnig, Lausitier Str. 45. Um 0 Ubr müssen alle Genossen ,ur Stelle sein. SAJ.-Denossen wollen sich ,ur MitbUi- bei Wienzier». Reichenberger Str. 104, einfinden. 47. Abt. 18 Ubr«ntreien zur Detnonsiraüon Lailsitier Plag. Sonntag. 0 Ubr. zingblattoerbreitnng. Dort, wo die glugblaltverbreitung vom zählabend, total au» siattgefunden bat. tr-tt«in« Aendemna nicht ein. Abholung der sslugb'.lltler beute o»n 18— Nfh Uhr vom Lolal Siedentopl, Muekauer Tbatlö'tenburg. 55. Abt. Don 18 HI« 18 Ubr abbolen. Sonntag, 0 Ubr. 8.(Srupvet Schutt, Wallsir. 00. 0. Gruppe! Reimer. Wilmer-dorier Str. 21. 10. Gruppe: Nobr.g, Sesilosisir. 45.— 67. Abt. Bon 17 bis 19 Ubr und Sonntag von 0 bs» U Ubr lslugblattperbreiwng von den bekannten Lo- kalen au». Auftetbcm restlose DeteiNguit«'an dem Stistungssesi im Lokal Soantmuer Berg 29 Ubr.■■ 68. Abt ffiilmeictorf. Möglichst beut«. Sonnabend, von Tritt. Siqmaringer Strasie 30. Tlugbllltter abbolen, damit sich jeder Genosse am Sonnla« an de« Demouftra'Ion behelligen kann. Bf'r. rb-ro. 77. Abt. Ab 17 Ubr ron den zablablndtolaTeii au». Sonntag. ?. November. IIb» Ubr. Tresfpnnkt ,ur Demonstration am Babnbof Ttnedenau-Wilmerodorf. Gtnaang Barziner Straß«.— 80. Abt. Ab 17 Ubr bei GürNch. Begaestr. 1. Sonntag. Z. November, Demonstration. Treis. Punkt für unsere Abteilung 10"- Ubr bei GÜrlsch. Beemostr. 1. NachjtÜgler um 11�6 Ubr am Babnbof ssrledenau-Wilmer-dors, Schilder und Dranspa- renke sind mitzubrntgen. 81. Abt. Teiedengn. Olb 18 Ubr bei NTabe. Sanblerostr. 60— 81. Spnn'ag, 3. November, Treffpunkt-ur Demonsirntion 11', Ubr am Babnbof Triebe- nen,,Wilmer»dorl Gtngeng Aartiuer Straß». »enkblln. 91. Abt. Ab 18 Ubr in solaenden Lokalen: Lüddecke. Zkarloaarten. strasie 12. Söster. Scrlsgarien str. 4. Lolal Tluabafen. Mab'ower Str. 10. stakob Msiller, Tlnghaiensti. 30. Lokal Slabmann. Tluobalensir.?0. Da- lemfk'. Boddin- Geke Jlarstrasi«. S« ist BlllSft, bestimmt ,» erscheinen.— »2. Abt.?nr Heutiaen Tlugdlatloerbreltuna Vogen die Tlugblatter im Lokal Wo'fs. Laiser.?r'ebr!ch.Stv. 17?. ,ur Anbei-»na bereit. 101 Abt. Tne-la«, Sonnabend und Sonntag von den bekannten Lakaien au». II»! Abt. Adle-»bos. Ab 1!> Ubn bei Schmibtdaner. Bimug-chstr. 74. 108 Abt Ssirenlss Ab 18 Ubr Dammnorsiot', Sutckuna Ublenborst>,n»»kl«'- ' niek-Nard-. Lakai schul«. Babnbalstr. 84, All. nnd Sieboorstad!: Sch'oit. strasie"7 l.Trrpn-,.stollntfche Berstadt! Dawart. N'idower Str,-V tiätcrbaa' Ab 17 Ubr und Sonntag 0 Ubr bei Schwor, er, Gabr'el.Mor- Strebe 17— 11«. Abt. Ab 17 Ubr bei Morr. Babnbolstr. 28.— 118. Abt. Ab-1< Uhr Material abholen von Tempel, Sudrunstr. 7. Sonntag. 0 Übe. non den dekanten Lokalen au». 14«. Abt. Borsigwalde, 20 Ubr im Lokal Wg!ts sincnstr, 4. 5. Gruppe: Ab 9 Uhr Lokal Abraham. Selmbolhstr. 39. «7. Abt. Gruueivald. Ab 9'« Uhr bei Burzbacher. llia Uhr Demonstration. Treffpunkt Tebrbelliner Platt. 70. Abt. Wilmersdorf. Abholen und Berteilung von der Gewerischafteklause, Solsieinisch« Str.«0. 82. Abt. Lieglid. Ab 9 Ubr in folgenden Lokalen: 1. bis 4. Bezirkt Schell- Hase. Abornstr, 15». 5. und 6. Bezirk: Lokal Seilt, Biomarckstr. 63. 7. Bezirk: Slidende. Lichierfeldcr Str. 1. 8. Bezirk: Lokal Humboldt, Site Glifensirasie. 9, Betirk: Werntcke. Bcrltnichesir. 1. 83. Abt. iichterselde. Ab 9 Uhr sllr Ortsteil West: Ouandt, Moltkestrasie Geke Hittdenbnrqdamm, Ost: Srafit, Heinersdorter Str. 17. Süd: Tritsch, Berliner Str. 123b. 89. Abt. Neukölln. Iii Ubr van den aablabendlokalen au», 193. Abt. Vb«rschoueive>l>«. S'j Ubr in den Zechlabeitdiokalen. 115. Abt. Llchtenberg. 9 Uhr von den bekannten zahlabcndlokolen au». Zungsozialisten. Gruppe Zempelhos-Meriendors. Sonntag, 8, November, TaHrt nack Erkner, Neu-?ittau, Sönigzivusierbausen. Trefspunkt 8 Ubr Bahnhof Tempelhof. Grupp» Neukölln. Genossen, die sich an der Lanbaaisation der 93, Adteikunq bateiligen Möllen, treffen sich am Sonntag, dem 3. November, T.i Uhr, Step. totoer Ecke Weierstraß«. Lokal Schauer. Abfahrt per Auto. Arbeiksgemcinschaft der Kinderfreunde. Ural« Prenzlauer Berg. Heute, Sonnabend, 17 Uhr, in der Schule Dan» ziger Str. 23. Sing, und Bewegungochor. Turnanzuq und Schuht nicht per» gessen,— Sonntag, 3, Rooember, Hunde» und Hasenfahrt. Tresspunkie 7>.z und big Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. Bei schlechtem Wetter TaHrt am Buß'ag. Dann Sonntagnackmittag» zum Heim, Dantiger Str. 62, kommen. ftrti« Ritte. Gruppe Ernst Toller. Alle Eltern. Linder und Treuirde sind herzlich am Sonntag. 17 Uhr. in» Heim Lebbenicker Str. 24.«ingeladen. Wir erzLbleu euch mit Lichtbildern etmas vom Zeltlager auf der Insel Zlamedn. Gruppe Mariendorf. Sonntag. 3. November. Drachenfahrt. Treffpunkt 8�Uhr Rathaus Mariendorf. Ml.™. SMmrtW. tee-■--rl?'• 17 bis 18 Uhr adbolen«ob Metbnrr. Gsetbefkr. 17. Gruppe Landsberger Platt. Sonnabend, 2. November. Treffpunkt zur TaHrt tür Rote Talleu und Iungsalkeu. Heut«, 29 Uhr, Landsberger Platt. Losten 75 Pf. Ende Sonntag, IL Uhr.— Wontag. 4. November. Tür Iungfalke» und.sticken Lichtbilberoortra» im Zugendbeim von 18 bis 19tr Ubr.— Dien». tag, 5. November. 18 bis 20 Uhr Probe für die Gruppenfeier. Alle Mit. mirteuden müssen erscheinen.— Mittwoch, 6. November. Tllr Rote und Jung. fallen von 17 bis 19 Uhr Volkstänze in der Turnhalle. Anschließend bis 20 Uhr im Heimleiterzimmer Vorlesung. Lüken 18 bis 20 Uhr im Heim bunier Abend.— Donnerstag. 7. November. Iuimfallen 18 bis 191, Uhr im Seim- leiter, immer Tabrtenerlebnisse. St Uten 18 Bis lO'i. Uhr im Heim Basteln.—- Trcitag. S, November. Rote Talken 18—20 Uhr im Heim Basteln. Iungfa'k'n 18 bis 19% Uhr bunier Abend. Geburlslage, Jubiläen usw. 42, Abt. lluiercm Genossen Tritt Wischnewski, Lilientbolftr. 12, ,u seine» ZOjöhrige» Pgrte-juhiläum die berziichften Glückwünsche. 92. Abt. Neukölln. Unserem Abteiluugsschristsübrcr. Genossen Tb. Brumme. Laiser-Triedrich-Str. 43, gratuliere» mir herzlichst zu« 90.«ebutstag»ud mlluscheu ihm Gesundheit und Dohler geben. Sterbetafel der Groß«Berliner Partei- Organisation � 89. Abt. Neukölln. Unser alter Genosse Wilhelm Lobse, Pgnniersir. 13, ist im Aller von 70 Jahren plosilich verstorben. Ehr« seinem Andenken.?e. erdiguna am Dienstag, dem 5. Nooember. 14 Ubr. auf dem Neuköllner Tried- Hof, Mariendorser Weg. Wir bitten um rege Beteiligung. Hin und wieder wird b«haupt«t, daß auf dem stisien Lande der geringste Lärm viel störender wirkt als in der Metropole, die eine einzige Lärmsinsonic bildet. Aber der Fall liegt so, daß der Lärm der Großstadt, von den ständigen Bewohnern kaum bemerkt, doch die Nerven der Großstädter angreift, mag er noch so s«hr zur Gewohnheit geworden sein. Magistratsbali rat Heinrich H ö l t j e geht von di«s«n Voraussetzungen in seinem Dortrag„B e k S m p s n n g des Straßenlärm s" aus. Er ist Mitglicb der Antilärmliga, die Ursache und Bekämpfung dco Großstadtlärms wissenschaftlich untersucht, und Höltje gibt dem ermüdeten Großstadthorcr dl« tröst- Ii che Versicherung, daß die Forschungen bald zu greisbaren Ne- sultaten gelange,, werden, und daß vielleicht in keiner zu fernen Zeit auch die Metropole trotz ihres ungeheuren Verkehrs mit einem Mindestmaß an Lärm auskommen kann. Hoffentlich wird dieses Ideal bald erreicht. Georg Eugen Kitzler führt den Hörer mit feinem Vortrag.gerbst träume am Siepnitz- und Hell- fee* in den Norden der Mark bis in die weitere Umgebung von Eberswolde. Kurze, sachgemäße Ausführungen und Notizen oer- mischen sich mit einer anschaulichen Schilderung der Landschaft. Gut ist das Nachmittagskonzert, das kleiner« sinfonische Kompositi»- neu zur Aufführung bringt. Am Abend werden aus der Oper am Platz der Republik die drei neu einstudierten französischen Einakter übertragen. Diese Sendung erfolgt etwas spät nach der Urans- führung. Immerhin erledigt der Rundfunk damit seine Pflicht, den Hörer mit den Neuaufftihrungen der Berliner Opernhäuser bekannt- zumachen.?. Lab. Sozialistische Arbeiterjugend Gr.'Verlin Sinsendiinaen für diese Stobest oor an das zugendsesteterlai D erlin eSS6S, Tin ben(träfe 3 VetuuMatcu» Xtttaa*. I. WimmWe. iMt Ot* hl Zuaeodbet»»laden. (bade 4,». I. heule, Souuabead. 2. Rooember: Schöuiaufer Vorstadt: Muaiblattverbraita na. Treffpunkt 17 Ahr �«»ialtsirn. Ecke".—«barlatteuburn-Olld- TubiTSmuafeier der Partei in GharTsttenbura. — Dahle« sN.-T.I: Tlusblattverbreituna. Treffpunkt 19 Ufte LRole-Talken. Eck«". eSC. Prenzlauer Bern: Keim Dan, Itter Str. 82, Baracke 8. 20 Uhr Mit. sllederversammluna. Bvrtraat.Unser« Arbeit". Werbebezirk vfteut Treffpunkt zur Dernonstratian 1710 Uhr am vsibahnhos. Morarn Abendveranstalwn« im Heim Litauer Str.>8. Werbcbezirk Prenzlanee Perg: Tambourkapelle. Uebungsabeird Im Heim Dantiaer Str. 92. Alle Tlijier müssen erscheinen. Mrrbe bezirk.Ireu-dera: Ansretrn zur Demonstration mit de- Partei um 18 Ilbr am Lausitter Platt. Werbebetirk Lichtende rot Tkuabasenbesichtiouno. Trelfpunki KVj Uhr U-Babnhof Tluabafen. Werbebeztri Pank»«: All« Genossinnen und Genossen beteilisien sich an der lltn-daeduno der Partei. Treffpunkt 17% Ubr Prinz-Heinrich. Ecke Berliner Slrah«. Morgen, Sonnkag, Z. November: iaakurih: Tabrt nach Grasibeeren. Treffpunkt 8 Ubr Bahnhof Licht»?. felde-Osi.— Bilmcisdoif: Demonstration a enteinfam mit der Partei. Tte'i- Punkt lOlb Ubr nar dem Tuaendbetm. Wilhekmsaue 123. Aomarlch rlfnftl'el) 11 Ubr. Rachzüzler Tebrbelliner Platt. Benachbarte Gruppen sind ei n-teiad n. Tahroerbindunq: 44, 45, 3, 51, 7, 191 bis Berliner Ecke Brandenbttritische Strafte. U-Babnbof Tebrbelliner Platt. Derheiezirk Preuzlauer P«»«t Gchulaitla Gleim lks. 49. 20 Ubr. inter- g national« Teier:„Nieder die Grenzen". Musik, Rezilationen. Ansprache W der Genossin Mathilde W>:rm, M. d. R.. Sveechckior. Wienauffübrvna, S Szenen au»..Nivalen" usw. Glntrilt 30 Pf. Die Gruppenleiter werben Sacbclen. dafür zu forfltr, daft sämtiiche toten Tahnen und Seltbalmaa rrchkzertia mltss«bracht werden. Eintrittskarten, die bis 17 Ubr nicht adserechnei sind, müssen bezahlt wenden. S»crbebezirk«eulöllut Saaldau Berastr. 147. 10>4 Ubr. Revolution«. ■ frier. Eintritt 40 Pf. Karten, die bis lOU Ubr nicht abst-rechnet sind, ?? müssen bezahlt werden. s Ä !Si * 3 Werbebezirk Ritt«: Tluablattperbreituna. Töllnifcher Bort und Zentrum 9 Ilbr am Köllnifcheu Park. Rosentbaler Borstadt und Arkonaplaft 9 Ubr am Rosrnthaler Plast.______ Voriräge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Oold". GeschSktssiell«- Brrlin S. 14. Sebastiansir. 37/38, Hol 2 Tr. Sonnabend. 2. Rooember. Teepto» sSamerabschaftl. 29 Ubr Lame» oatschaftsper.fammluna bei T. DSbltna. Ellennr. 100. Temvelhos sOrtsvereinl. 20 Ubr Saalschutt Sberreairchul««aiser. Ecke Ratbaussirafte.— Sonutaa, 3. November. Ncuköllu.Brtd. Pflichtatttreten 13li Ubr Babnbof Baiimschitlenwea zmn Marsch durch Trepiow. Lichtenber« lOrtSPeretnl. An. treten 1891 Uhr vor dem Lolal von Ander», Rablsdorf,»um llinmanch mit der SPD. ohne Tvdneit. nur die Mablsdorfer Tabne. Tambouriorps vollzohlta. Srscheinen Pflicht. Paulo« lOrtepereinl. Alle Sportler 10 Uhr bei«Ober. Berliner Ecke Vrinz-Heintich-Strafte, zum PnnktoMtifpiel.— Montaa, 4. Ro- nember. Rreuzber-z. Inaend l. 20 Ubr MitaliederversammTuna im Zuaend. beim Borckstr. 11. Ämmer 5. Inaend II. BerlammTuna»et«repp. Plan. ufer 75—76. llharlottenbuea.«ameradschalt Westend. 20 Uhr Saalschutt der DDP.-Persammluna im Restaurant Enaelbardt,«aifeedamm 109.«amerad- lchaft Spree. 20 Ubr Saalschutt DDP..BersammIuna Restaurant Huba. Teaeler Wen 97. Temoelbok. 20 Uhr Drtsvereinsversammluna bei Ma>Ln Referent: ssavtevnd«ullner. Schöneweide.IobaunIotbal. Ibti Uht Saalfthuit im Einsiedler. Johannisthal. Referent:«amerad Gruna. Alle«ameraden treffen sich um 19 Uhr dart. Prenzlauer Beil!. 20 Uhr Antreten siimtlicher«ameraden in Zivil im Altersheim Danziaer Straft«.— Ruder»!»ae. Sonnabend, 2. Ro- veinber, 19 l-, bis 21 Uhr.«astenrudern in den Rüde ran laaen t« Stralau. Dunnelftr. 3—4. Neuaufnahmen für den Anfanaerlursus werden dort an. aenonnnen. Sonntaa, 8. November, 19 Uhr, Bootshans zum Abrudern. 16 U-tr Tischbannerweihe im Bootsbau». Erscheinen Pflicht.— Schönebeea-Triedenou. Antreten zn der am Sonntaa. dem 3. November, stattfindenden Demonstrattott um IX Uhr. nicht um 13 Uhr. Treirrllaiöle Gemeinde. Sonnla«, 11 Uhr. Pavpelallee 15. Berlraa des Herrn H. Hefken: Stiraer. Der Einzia« und sein Eiaentum. Gäste willkommen. 8part.. Rennen zu BTaHcnbotf am Freitag, dem 1. November. 1. Rennen. 1. Prachtm. Tochter lNeuenlc'.dl. Z. SIlnotilana, Z. Dorvzieher. Toto: 51:10. Platz: 15, l«. 18:10. Ferner liefen. Herenmeister. Hut ab. Peter Hall. Staatdterl, Heliotrop, Silberpappel, Elvira �2. Rennen. 1. 2u-Co Spanien feine eiaenc llranoradio-tSesellschalt. die..T ransrabio Espanolo". die es sich zur Auf» gäbe aesctzt hat, mit de» überseeischen Ländern in direkten Verkehr zu treten. AuatTuhts der Wichligkeit dieser Aulaab« ist e» nicht penaunderlich. daft die Ettzssnuna der neuen«urzwellensialion in Araniu«,. dl« in diesen Tagen vor sich aeben soll, mit besonderer Telerlichktit aeftaUet wird. Al« Vertreter der mit Transradio Gspanola befreundeten unh an ihr interessierten Beriebr», aesellsckaften werden anwesend sein Sena'or Maraui, Mareoni aus London und Grak Areo und Dr. Schopira von Telektinken. Sorarn Sie vor Isir die kalte Zobreszrit! Diese Mabnuna zu beherziaen. ist Ihr eioenster Boeteil. Hierzu dient sibnen bester, der Proragaudavetkauf de» bctannien Sstatenbousrs H. To.eph u. Co., Berlin-Neukölln. Berliner Strafte 51-35, dir darum so bedeutsam zu werden versprechen, weil in 50 arofteu Spe.'ialabteilunaen der einheitliche Will« zum Ausbruck gebracht >stch. durch hrriwrraaend»tlliOe»aaebote besonders oollwerriarr Qualitäten i» MSalitbkeit ausiervrdentl icher ari«i»i5- m.briufle«. See«ranlass» Die Llmschulo« Diskussion beim Gtädieiag.- lieber die Voraussetzungen und Grundlinien der Kedeursamen, |inn den deutschen Stödten unter Führung des Deutschen Städte- tage» beschlossenen llinschuldungsaktion haben wir an anderer Stelle dieses Blattes bereits kurz berichtet. Bei«incin vom Deutschen Städtetag veranstalteten Presscempfang wurden von dem Präsidenten des Städtetages Dr. Mulert, dem Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Girovcrbandcs, Dr. Kleiner, und «inigen Städtenertretern Ausführungen gemacht, die zur SBeur- teilung der Aktion wichtig sind. Dr. Mulert wies darauf hin, wie sehr die ungünstige Entwicklung der kommunalen Finanzen, abgesehen von allen Schwierigkeiten der deutschen Steuerordnung, durch die Politik der Beratungsstelle gefördert worden sei. Beispielsweise sei noch vor anderthalb Iahren ein« Ausländsanleihe von über 60 Millionen Mark, die zu 6 Proz. verzinslich war und mit 94 Proz. ausgezahlt werden sollte— das sind heute märchenhaft günstig« Bedingungen—, van der Berotungs- stelle als zu ungünstig verworfen wo�en! Heute müßten nicht weniger als jährlich 1,6 Millionen Mark über die damals zu er- wartenden Zinse,, hinaus für dasselbe Kapital gezahlt werden, dos doch habe beschafft werden müssen. Die Deckung des Spitzen- kapitalbedarfs habe zu einer Entwicklung der Zinssätze ge- führt,— es werden für kurzfristige Verpflichtungen heute ll bis 14 Proz. Zinsen verlangt— die voiksmirtschastlich zu einer großen Gefahr geworden ist. Um di« gesamte wirtschaftliche Lage zu ent- spannen, habe der Vorstand des . Deutschen Siädtelages beschlossen, Maßnahmen dnrchznführen. di« unter stärkster Drosselung des Anleihebcdürsvistss eine wesentliche Entlastung des Geldmarktes bedenken »ich zur Senkung des Zinsniveaus beitragen werden. Di« Fort- sührung der kommunalen Aufgaben wirtschafts- und sozialpolitischer Art könne auch auf dem Gebiet des Wohnungsbaues zwar vorübergehend etwas leiden, sie werde ober gerade durch die angestrebte Entlastung aus dem Gebiet der kurzfristigen Verschuldung auf die Dauer gefördert werden. Gerade jetzt sei di« erfolgreiche Fortführung des Wohnungsbaues durch die abnormen Zins- Verhältnisse auf dem Geldmarkt gefährdet. Die Bauten würden so teuer, daß Mieter für di« errichtete» Wohnungen je länger, desto weniger zu finden seien. Alle nicht unbedingt lebensnotwendigen Ausgaben der Gemeinden müßten eingeschränkt, alle nicht un- bedingt dringlichen Arbeiten für spätere Zeit zurückgestellt werden. (Ein vorübergehender Verzicht ist die Voraussetzung für ein« künftige dauernde Entlastung. Die Sparkassen- und Girovcrbände seien bereit, im Rahmen der gesetzlichen Porschriften dafür Sorge zu tragen, daß di« Kommunen eisten Teil ihrer teften kurzfristigen Verschuldung in eine billigere langfristige um wandeln können. Di« Oberbürgermeister aller deutschen Städte mit mehr als 50 000 Einwohnern, die Vorsitzenden der Vandes- und preußischen Provinzialstädtetoge, sowie die Städteiagc s«ldst hoben sich mit den vorgeschlagenen Notmaßnahmen e i n v e r- standen erklärt und sich verpflichtet, mit ollem Nachdruck an ihrer Durchführung mitzuwirken. Oberbürgermeister Dr. Adenauer von Köln spvoch über die auch beim Wahnungsbau eventuell notgedrungen eintretende Einichränknng. Wenn man die Leistungen des Jahres 1927 zu- gruMe�le'gc, wäre � niirner ntich ein" Programm' von" 250'Ö'W"' Wohijungcn in Deutschland durchführbar. Der in einigen Jahren abnehmende Zuwachs der Bevölkerung könne auch'aus wirtschästs- politischen Gründen die an sich iiotgedningeue Einschränkung recht- fertigem Wo eine Einschränkung unter keinen Ilmständen möglich 'sei, könne durch eine Zinsvcrbilligung derselbe Effekt «rr'eicht werden, wie durch direkte kommunale Kapitalbeschaffung. Präsident Dr. Kleiner vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband erklärte, daß die deutschen Sparkassen und Giro- verbände mit dem Vorgehen der deutschen Städte einverstanden seicht. Hinsichtlich der Form der Ilmjchuldung für die Städte sei erwogen, daß provinziell oder für dos ganze Reich»der durch Kambination beider Formen langfristige Konnnunaldaricheiis- scheine als Grundlog« für langfristige Kredite ausgestellt werden sollen, die lombardierungsfähig seien. Der deutschnationale Oberbürgermeister Dr. Porres von Duisburg sprach sich mit bemerkenswerter Ent- fchiedenheit gegen jeden versuch au», die Kapitalbeschaffung für deutsche Städte mit einer Substanzvcräußernng zu verknüpfen. In Duisburg habe man den Fall schon erlebt, daß eine Ausländsanleihe zum Ausbau der Hafcnaniagen, die im Besitz von Städten und des preußischen Stoaies seien, nur gegen Beteiligung der aus- ländischen Kapitalgeber gewährt werden sollte. Die Spuren in der deutsche,, Vergangenheit schrecken: alle Welt erinnere sich noch der Schwkcrigkkilen und schweren Opfer, das ausländische Kapital, wenn es sich einmal in osscntlichcn velricben sestgeseht Hab«, durch Eni- schädigung oder Auskaus wieder zu verdrängen. Die ösjentliche Wirischaft könne und dürfe den von Dr. Kehl aus der Tagung des Reicheverbandes der deutschen Industrie empfohlenen Iveq der Kapitaibeschossung durch Subikonf Veräußerung unter keinen Umständen gehen. � Der sozialdemokratische Stadtverordnete Görlinger aus Köln wies auf di« großen nmxnaniwortlichen Gefahren hin, die in einer eventuellen Einschränkung des Wohnungs- bau es ganz besonders für die Städte mit starker Zuwandenirig mie Berlin verknüpft seien. Der Wohnungsbau bleibe die p r i- märe ij n d v o r ne h m st c Pflicht der Städte. Alle Sozial- und Wohlfohrtspolitik der Städte bleibe unfruchtbar, wo der Wohnungsbau leide. Wenn Einschrönlnngen in der Durchführung kommunaler Aufgaben unvermeidlich seien, dann dürsten Ein- schräntungen beim Wohnungsbau nur zu allerletzt vorgenommen werdest. Das Reich könne gerade für den Wohnungsbau die S'ädt« noch ganz erheblich entiasten. Di« Vorsicherungsanstolten des Reiches kön».'sii mehr Kapital zur Versügung stellen, und der Wohnungsbau müsse als werteschassend« Arbeitslosen- f ü r s o r g e endlich auch offiziell anerkannt werden. Die Beschlüsse der deutschen Städte sind ist der Tot von außer. ordentlich we i t t r o a e n d e r Bedeutung. Wir begrüßen die «rgrifsene Initiative mit Nachdruck. Die immer stärker anwachsende kurzfristige Verschuldung, insbesondere die dafür notwendige enorme Verzinsung ist nicht nur eine kawmunäl«, sondern auch«ine volks- wirtschastliche Gefahr. Hier dur3,«in« rechtzeitige Umschuldung und alcichzeitige vorübergehende Drosselung irgendwie ansschieb- barsr Ausgaben dein akuten Ausbruch einer kominnnolen Finanz-[ ng der Städte. Bedeuiung und Korderungen. krisis bzw. einer späteren tiefergreifenden Gefährdung des Wirtschafislebcns vorzubauen und dies in einem Augenblick zu tun, in dem es noch nicht zu spät ist, ist ein Verdienst. Es ist nur zu wünschen, daß der Erifithoftigkeit des Entschlusses eine ebenso ernsthafte, schnelle und erfolgreiche Durchführung entspricht. Leider ist den deutschen Städten nicht damit geholfen, wenn heute die deutsche Oeffentlichkeit einmütig s e st st e l i t, die Politik der Beratungsstelle Hobe die schwersten finanziellen und in der Folge nolkswirtschoftlickzcn Schäden zur Folge gehobt. Die Städte müssen heute die Folgen dieser Drosiclungspoiitik tragen, und sie müssen dafür sorgen, daß die Schäden nicht noch größer und vielleicht ein- mal nur mit schwersten Verlusten heilbor werden. Um so selbst- verständlicher ist die Forderung, daß das Institut der Berotungs- stelle verschwindet und seine gesunden Funktionen aus«ine Kontrollstelle der kommunalen Selbstverwaltung übertragen wird. Es ist auch durchaus zu begrüßen, daß di« Städte bereit sind, auch die inländische Kapitalbeschaffung unter eigene Kontrolle zu nehmen, wenn auch über die einzelstaatliche Durchführung dieser Kontrolle berechtigte Kontroversen bestehen. Auf der anderen Seite bestehen selbstverständlich vom Stand- punkt der Arbeiterschaft und des Gesamtinteresies die aller« schwersten Bedenken gegen die wirtschaftlichen Folge» der gefaßten Beschlüsse. Ball und ganz müssen mir die Feststellung des Kolner Genossen Görlinger unterschreiben, daß alle Kommunalpolitik umsonst ist, wenn man unter den heutigen immer Senkt den Diskont! Die Wirtschaft braucht billigere Kredite. An einem Tage wurden vorgestern die Diskontsätze in New Jork, in London und in Amsterdam, gesenkt. Die deutsche Reichsbank hat noch keine Beschlüsse gefaßt. Der Zentral. ausschuß der Reichsbank ist jedoch für heute ein- berufen, und wir erwarten mit der gesamten Oeffentlichkeit, daß der jetzige Reichsbonkdiskant von 7-- Pro.;, auch für Deutschland herabgesetzt wird. Di« Bank von Danzig hat mit Wirkung von heut« bereits den Diskontsatz von 7 auf eVi Prpz. ermäßigt. Daß in so schneller Folg« in der ganzen Welt der Kredit verbilligt wird, ist ein« imtürliche Wirkung der Plötzlichkeit, mit der sich die internationale Finanzlage in den Monaten Sep- temher und Oktober verschärft Hot. und der Gründlichkeit, mit der durch die gewaltigen Kurszusammenbrüche in New Dort den aus der ganzen Welt nach den Vereinigten Staaten strömenden Kapitalien«in Halt für die Spekulation zugerufen worden ist. Nach London, nach Amsterdam, ober auch Nack) Berlin strömen jetzt in Massen Gelder zurück, die durch Verkäufe in Ne« Dort sreigeworden sind. Darüber hinaus lockt der hohe deutsche Diskontsatz wegen des leichten Zinsgcwinnes noch mehr Gelder nach Deutschland. Aus der anderen Seite darf man aber auch nicht verkennen, daß der Entschluß zur Diskontcrmohigung auf den Hauptgcldplätzen der Welt aus der Äefargnis erleichtert wurde. die New-Dorker Bärsenkatastrophe könne sich zu einer allgemeiner, Finanz- und Wirtschaftskrise ausgestalten. Die Verbilligung der Kredite wird selbstverständlich als wirtschaftlicher Anreiz wirken und glei'chsMig öl?'Erkeichlerung- für alle-Bankinstitut«, die selbst drückende Verpflichtungen hoben.> Die Dinge liegen jetzt ja, daß die beiden stärksten Kapitalplätze der Welt, New Port und Amsterdam, Diskontsätze von S Proz. haben, London einen Diskantsotz von 6 Proz. und Deutschland noch einen Diskontsatz von 714 Proz. Diese Rclotiancn sind ungünstig für Deutschland. Die deutsche Reichsbank wird, wenn sie ihren Diskantsatz nicht ermäßig«, mit einem Austrom von Geldern nach Deutschland rechnen können, der der Reichsbank die Möglichkeit nimmt, auf den Geldmarkt noch Einfluß zu nehmen. Aus eigenem Interesse der Reichshank ist deshalb die Diskontsenkung zweck- mäßig. Sie ist möglich, denn die van der Reichsbank ge- währten Kredite sind ebenso rekordmäßig niedrig, wie die Deckung des Notenumlaufes rekovdmäßig hoch ist. Der Ultimo November wird aller Varanssicht nach leicht sein. Die Diskontermäßigiing ist nötig aus wirtschaftlichen Gründen. Die Stagnation in der deutschen Wirtschaft ist nicht zuletzt durch die internationale Geld- krisis mit hervorgerufen. Die internationale Erleichterung muß der deutschen Wirtschaft zugutekoinmen. Konjunkturell ist eine Ankurbelung der Wirtschaft durch eine Kreditverbillignng gerade jetzt am Ende des Herbstgeschäfts und zu Beginn des Winters besonders zu begrüßen._ Viehpreise und Viehzölle. Wichtige wissenschaftliche Erlenntnisse zum Zollkampf. In den nächsten Wochen wird im Rcichsiag wiederum der Kampf um die Erhöhung der Viehzölie, die bereits im lfandclspolitischen Ausschuß gegen die Stimmen der Sazialdemo- kratie genehmigt sind, eine Roll« spielen. Die Rechtsparteien ocr- langen eine weitere Erhöhung der Lebendvieh und womöglich auch der Fleischzölle, um die deutsche Viehwirtschaft vor der Auslands- konkurren, zu schützen. Im Komps um diese Zölle ist vor allein möglichst weitgehend« Kenntnis der Marktverholtnisse für deutsches Rindvieh erforderlich. Es ist daher zu begrüßen, daß das Institut für Konjunkturforschung in der Arbeit von Dr. Hanau:„Be- stimmungsgründe der Preise für Schlachtrinder" einen wertvollen Beitrag zur verbesserten Markikenntnis des Rindviehs bringt. Es würde zu weit führen, die Ergebnisse dieser interessanten Arbeit hier im einzelnen darzulegen. Besonders interessant für den Zollkampf sind nur folgende Feststellungen: einwol ist die oft vertretene Meinung falsch, daß die ausländisch« Einfuhr die besonders starken Preisrückgänge IKZVZS und dann wieder 1926 oerursochl habe. Diese Preixeinbruche waren vielmehr ausschließlich durch ionerdeutsche Verhältnisse beding«. Ueberhaupt hat. wie Hanau seslstellt. die Einfuhr eher ausgleichend, kaum ober ver- schärfend auf die Preisbewegllug eingewirkt. Ein weiteres ist interessant: Bon allen ausländischen Rindvieh- gattungen ist in den letzten Iahren nur die Einfuhr von Kühen gestiegen, und zwar deswegen, weil hauptsächlich di« dänische Landwirischoft. ganz gleich wie sich die Rindviehpreis« m Deutschland entwickeln, im Absatz ihrer Schlachtküh«, die ein Abfall- Produkt der gesteigerten Milck'.prvdultian darstellen, auf den deutschen Markt angewiesen ist. Es scheint so gut wie sicher, daß, auch wenn die Zölle weiter erhöh» werden, der dänische Schlacht- kuhexport noch Devtschland nicht furiickaedrängt wird, weil Däne- mark seine Schlachtkühc eben mir nach Deutschland exportiere« kam,, noch mehr als traurigen Dohnverhältniffen den Bau von neos» Wohnungen und den Ersatz von ölten leiden läßt. Auf der anderen Seite ist es wahr, daß die heutige Zinshöhe auch die Baukosten und damit die Mieten in unerträglicher Weise übersteigert. Man braucht aber den Wohnungsbau nicht leiden zu lasten, wenn man die vielfach übersteigerten Brücken- und Straßenbaupläne und ahn- liches vor dem Wohnungsbau zurücktreten läßt. Darüber hinaus ist es möglich, daß in ollen deutschen Städten eine vollftänd?ge und genaue Kontrolle darüber eingerichtet wird, daß Hauszins-« st euer mittel überhaupt nur nach Verwendung finden, wenn Massenwohnungen gebaut werden, die eine bestimmte Grundfläche nicht überschreiten. Es ist auch nicht zu übersehen, daß die gerade in diesen Togen eingetreten« ollge- mein- Ainsverbilligung in der ganzen Welt nicht nur die kommunale Verschuldung etwas leichter erträglich macht, sondern auch die Um- schuldung erleichtert und die Geldbeschaffung für den Wohnungsbau wahrscheinlich günstiger gestalten wird. Zu fordern ist weiter, daß die zum erstenmal erfolgte Zusammenarbeit aller deutschen Städte so schnell als möglich zu einer Dauereinrichtung wird. Der Kirchturms- geist selbstherrlicher Oberbürgermeister muß ver- schwinden. Hat man das in guten Zeiten nicht gelernt, so soll man es endlich in schlechten lernen. Es irniß auch dafür gesorgt werden, daß die jetzig« einmalige Zusammenarbeit mit der gesamten öffentlichen Sparkassen« und Giroorganisafion nicht nur zu einer organisierten Dauereinrichtung gemacht wird, sondern daß mau auch die gesamte Kapitalkrast aller öffentlichen Bank« institut« für die Komirninol- und öffentlichen Wirischafiszwecke zu einheitlicher Wirkung auf dem in- und ausländischen Kapitalmarkt bringt. Geschähe dos, so könnten dte BeschlÜffe. die sich aus der augenblicklichen Notloge ergeben, für die Volkswirtf'chaft in der Zukunft sich hundertfach bezahlt machen. Dies« Kühe müssen auch zu Schleuderpreisen von der dänischen Landwirtschaft abgesetzt werden. Weiter ist sehr beachtlich die auch non uns bereits früher ge- mochte Feststellung, daß ungünstige Rinderpreisc, wie sie in den legten Iahren in Deutschland hauptsächlich durch den gesteigerten Auftrieb deutscher abgemolkener Kühe verursacht sind, keines« weg? entscheidend für die Rentabilität der Rindvieh- Haltung sind. Auch in Deutschland wird die Schlachtkuh mehr und mehr Absallprodukt der Milchwirtschaft. Die Rentabilität rationeller Milchviehhaltung macht daher die geringen Einnahmen beim Kuhverkaus weit. Daß niedrig« Schlachtkuhprcise nach Hanau in Richtung einer Steigerung der Milchleistung je Kuh tunlichst Beschränkung der Kuhhaltung und Kuhverkäufe, dos heißt aus eine beschleunigte Rationalisierung der Milchvichhaltung hindrängen. ist auch imsere Ansicht. Die Landwirischast Hot in der Tot durch Verbesserung ihrer Milchviehhaflung weitgehende Möglichkeiten, ihre Einnahme« unter Verbilligung der Produktionskosten stark zu erhöhen. Nicht unerwähnt darf die Feststellung des Konsunttur-Ii'stitt.-ts bleiben:„Für die Bindung der Rindviehprcise ist die Enttr-ckiung der städtischen Kauskrast, dos heißt also dos Renlein- kommen der städtischen Benäikerung ganz entscheidend". Sowohl der Bcschäitigitngsgrod als auch die Lohnhöhe bestimmen biese städtische Kaufkraft. Die Landwirtschaft sollte es sich für die Zu- kunft merken, daß nur bei weiterer Erhöhung des städtischen Einkommens und der städtischen Kanfkrosi eine befriedtgendc Entwicklung der landwirlschajtlichcn Produkienprctfe zu erworien ist. Steigender Schuhexport. Oeuffcher Schuhaußenhandel wieder aktiv. Eine ganz überraschende Entwicklung hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres der �l'u ßenhattdcl der deutschen S ch u h i N d u st ri e genommen. Während die Schulfsabrikanten noch im Frühjahr aus Grund der ständig wachsenden Einfuhr aus- ländischcr Schuhe bei Rcichsregienrng und Reichstag wegen Auf- stockung der Schuhzölle vorstellig wurden, hat sich im Lause dieses Jahres dos Blättchen gehörig gervcttdct. Schon vom Januar bis zum Juni 1929 war ein Rückgang der Einfuhr van 3,0 auf 1,6 Millionen Paar feftzustellen, während sich die Ausfuhr von 1,0 ani 1,17 Millionen Paar ver- g r ö ß e r l hatte. Im letzten Vierteljahr von Juli bis September hat sich diese Tendenz der Einfuhrsenkung bei gleichzeitiger Ausfuhr- steigerung gegenüber 1928 noei) kräftiger durchgesetzt. So stellte sich die Einfuhr die'Zusfuhr Juli 1929 72009 Paar 170045 Paar August 1929.... 66 780. 205 320. September 1929.. 81 101. 317 162. Mit den gleichen Monaten des Vorjahres verglichen, ergibt sich für den I u l i ein Einfichrrückgang von 53,8 Proz, für den Aug» st von 65,1 Proz. und für den September der höchst« Rückgang von 69,6 Proz. Dieser ganz beträchtlichen Senkung der Einfuhr steht aber zugleich ein starkes Anwachsen der Ausfuhr deutscher Leder- schuhe gegenüber. Sie erhöhte sich gegenüber dem letzten Jahr;m Juli um 44,6 Pro.;., im August um 26,7 Proz. und weist für Sep- tember die Rekord st eigcrung um 65,3 Proz. auf. In der mengenmäßigen Einfuhr von Schuhen ist also, wie di» folgenden Ziffern zeigen, der große Einfuhrüberschuß der letzten Jahre gänzlich geschwunden. Der Einsuhrüberschuß betrug: l027........ 710 000 Paar 1928........ 2 190 000. Jan bis Sept. 1929.. 7 817„ Noch weit günstiger aber Hot sich der Aüßeichandes der deutschen Schuhindustrie wertmäßig entwickelt, da sich die Ausfuhr mehr aus hochwertigem Schuhwerk, die'Einfuhr dagegen größtenteils aus leichten tschechischen Schuhwaren zusammensetzt. Hier ist die Ein- fuhr von Januar bis September 1929, oerglichen mit der Zeit des Dorjohres. von 35,9 auf 18,2 Millionen Mark zurückgegangen, wäh- rend die Ausiuhr von 18.6 auf rund 21 Millionen Mark gestiegen ist. Roch der hohen Passivität de» deutschen Schuhaußenhandels i« den letzten Zahreu weist dieser schon In den ersten neun Monate» dieses Jahres einen Aktivposten von 2,7 Millionen Mark auf. Der Handelspolitische Ausschuß des Reichstags, der sich mit den Zollwünschen der Schuhindustrie auch zu befassen hat. wird, abz». sehen von den vielen anderen Gründen, di« gegen eine Aufstockung der Schuhzölle sprechen, bei seinen Beratungen diesen bemerken». werten Umschwung im Außenhandel der Schuh. industrie sehr stark in Rechnung zu stellen haben. fjenrq Ford macht gute Stimmung. Die Börsen» z u s a m m c n b röche in New Park haben auch die Kaufkraft für Autos gedämpft..Henry Ford hat sich das zunutze gemacht und sofort eine Preisermäßigung von etwa 5 Proz. in aller Welt verkündigt. Bon solcher Anpassungsfähigkeit sollten auch unsere deutschen Unternehmer etwas lernen. Sonnabend Z. November 1929 Unterhaltung und AAssen Vellage' des Vorwärts Jl. Cromiere: Tißl£ärm UMl VlleltlS „Steh auf, Cilli, cs ist sieben Ilhi-. Wie faul du doch bisti" „Ich bin müd«, Mama, schrecklich müde. Stell dir vor, dah ich es ein Uhr und dann Zwei Uhr habe schlagen hören. Ich habe selbst den blöden Mieter aus dem zweiten Stock heimkommen hören." „Den Herrn Kohlrauch? Das ist auch so ein rechter Lümmel. Ich gäbe was drum, wenn ich ihn los wäre. Man kann nicht mehr schlafen, wenn man solche Leute im Hause hat" Und das Gespräch fiel jetzt aus die Mieter des Haufes, wo die Haelcr feit 13 Jahren Hausmeister find. Während Cilli sich weiter ankleidete, patzte Frau Hasler auf die Milch auf. „Sag mal, Mama," fragte Cilli ganz unvermutet,„glaubst du. daß der Graf von Hopf und zu Malz die brav«, würdige Mimi beiraten wird? Schließlich verdankt er ihr fein Leben, denn sie hat ihn gerettet, als er aus dem Klub kam und von den Banditen angegriffen wurde." „Na, eigentlich würde er doch nur feine Pflicht tun." „Ach, wie wäre ich zufrieden, wenn er Mimi feinen Namen geben würde!" Im Hofe, den er voll Eifer kehrte, hatte der alte Hasler Cillis Frage vernommen. „Schweig doch, du blöd« Gans." meinte er verächtlich,„der Graf von Hopf und zu Malz wird ein armes Mädchen ohne Mitgift heiraten!" „Och, das kommt alle Tag« vor!" „Soll ich dir was sagen? Dieser Graf von Hopf und zu Mal; ist ein Hochstapler, ein ganz gewöhnlicher Schwindler. Das ist mein« Ansicht über diesen Herrn." Frau Hasler legte sich ins Mittel. „Ich bitte dich. August, du brauchst dabei doch nicht so zu schreien. Du weißt doch, daß Cilli dos Los der armen Mimi zu Herzen geht. cie schläft darüber gar nicht mehr." „Darauf pfeife ich." Entrüstet protestierte Cilli: „Papa, deine Abneigung gegen den Grafen ist unverzeihlich." „Ein Aufschneider ohne Herz ist er!" „O, Mama, bring doch Papa zum Schweigen!" Sie war bebend aufgestanden: „Papa, ich verbiete dir, an der Aufrichtigkeit und den erhabenen Gefühlen des Grafen von Hopf und zu Malz zu zweifeln, hast du mich verstanden?" „Mas ist das? Das gnädige Fräulein verbietet mir? Du, hör mal, der Ton gefällt mir nicÄ!" „Ich werde diesen Edelmann gegen und wider jeden verteidigen. Er wird sein« Pflicht tun." „Er wird sie nicht tun." „Er wird seine Pflicht tun." „Was, du gibst noch nicht nach? Na, warte mal!" Der gute Mann stürzte auf seine Tochter, aber Frau Hasler warf sich zwischen die beiden. „Aber wag soll denn dos? Könnt ihr denn nicht miteinander reden, ohne euch gleich in den Haaren zu liegen?" „Du host sie zu sehr verzogen, Frau, jetzt hast du die Folgen: sie verachtet uns, sie schwärmt für alles, was adlig ist." „Er wird sie heiraten," trotzte Cilli. „Jetzt ist aber das Matz voll!" kreischte Herr Hasler, der fein« Tochter im Hofe verfolgt«..Letzt kriegst du's mit mir zu tun, du mißratenes Geschöpf, du!" Verschieden« Fenster öffneten sich. „Stets zanken sie sich wegen der Mieter," schrie der Rentier aus dem dritten Stock. „Sie werden sehen, daß das eines Tages noch mit Revolver- ichüffen endigt," prophezeite die alt« Dame aus dem Zwischenstock. „Wird er sie kriegen, wird er sie nicht kriegen?" spöttelte der Junggeselle aus dem vierten Stock. „Das ist ja reizend, selbst um sein bißchen Ruhe kommt man!" krächzte der unerwünschte Herr Kohlrauch.„Ich werde mich beim Hauswirt beschweren." „Sie sollten nur das Maul nicht aufreißen," erwidert« Frau Hasler.„Jetzt kommen Sie schon seit acht Tagen jede Nacht zwischen ein und zwei Uhr nach Hause und stören die anderen Mieter in ihrer Ruhe. Das ist ein Skandal! Ein jo ruhiges Haus!" Dann lief sie zu ihrem Mann, den sie bei der Schürz« packte. „Hör doch auf, du wirst mir die Schürz« noch vom Leibe reißen!" „Ach, dieser Graf von Hopf und zu Malz, der euch beiden den Kopf verdreht! Wenn es nach mir ginge, würde ich ihn zum Teufel jagen!" Trotz Frau Haslerz Eingreifen war es August gelungen, feine Tochter bei den Haaren zu packen. „Willst du nüch um Verzeihung bitten? Auf der Stelle!" „Zu Hilfe, zu Hilfe. Mama! Er mißhandelt mich wie der schwarze Reiter den armen kleinen Hans, weil er ihm nicht sagen wollte, wo der alte Kaspar seine Staatsanleihe verborgt hatte." „August, laß doch die Haare deiner Tochter los!" „Erst soll sie mich aus den Knien um Verzeihung bitten." „Nie im Leben," sträubte sich Cilli.„Ich soll um Verzeihung bitten, weil ich einen ritterlichen Menschen verteidig«, der der armen Mimi gestern noch eine Bratpfanne und einen Petroleunwfen ge- schenkt hat?" „Warum ist er dornt der Mitschuldige des kleinen Ludwig, ge- nannt dos Eichhörnchen, bei der Entführung des jungen Mädchens gewesen?" „Weil ihre Tante sie schlug und in Gewahrsam hielt, selbst als sie sie nach Amerika geführt hatte, um sich ihrer wegen der Erbschaft von zwanzig Millionen zu entledigen," keift« Cilli.„Hat sie nicht versucht, sie in einem Urwald Colorados um die Eck« zu bringen? Du weißt doch, daß sie von einem Orang-Utang gerettet wurde, der sie einer Klapperschlange entriß, die sie glatt aufgefressen hätte!" „Du suchst mich vergebens zu beschwatzen. Der Gros hat nur einen Gedanken: Sich das Vermögen des Trappers anzueignen und dann mit der Amerikanerin aus Los Angeles durchzugehen, die bei- nahe von dem Wolkenkratzer herabgestürzt wäre, als sie über die Bananenfchale ausrutschte." „Und ich sage dir, er wird sie doch heiraten!" „Wenn du jetzt nicht gleich den Mund hältst, dann walk' ich dich -durch, du bockbeinig« Kreatur!" Während diess Auftritts hatten sich auf dem Dürgersteig zahlreiche Zuschauer angesammelt, die sich königlich amüsierten. Herr Ijasler, dessen Erbitterung den Höhepunkt erreicht hatte, bedrohte sie mit dem Besen. „Mit welchem Rechte,„tobte er", mischt ihr euch in mein« Fa- milienangelgenheiten? Mach doch die Tür zu, Magda, mach doch die Tür zu!" Frau Hasler war gerade im Begriff, die Tür vor den Augen der Neugierigen zuzuschlagen, als ein Polizist erschien. „Hab' ich recht gehört? Hier im Haus« soll sich ein Drama ab- gespielt haben?" „Aber nein, Herr Wachtmeister, aber nein,«in kleines Mißver- ständnis zwischen meinem Mann und meiner Tochter, nichts weiter. Beide lesen d«n Feuilleian-Roman mit Leidenschaft. Gestern hab«n sie das zwölfte Kapitel des„Geheimnis des blutigen Koffers" gelesen und jetzt kabbeln sie sich wegen der Peisönlichkeiten, die niemals gelebt haben. Jeder von ihnen hält hartnäckig an feiner Ansicht fest, aber deswegen hegen sie doch keinen Groll gegeneinander. Sie werden sehen, wie sie sich gleich in den Armen liegen werden." Und sie lächelte nachsichtig, während Cilli brüllte: „Ja, er ist ein ehrlicher Kerl jo, ja, ich behaupte es und ich werde es jedem gegenüber behaupten. Au, au, du tust mir ja weh! Zu Hilfe, zu Hilf«, er bringt mich um! Ganz recht, er wird sie doch heiraten! Oh, meine Nase, ich blute..." tBerechtiatc Ucber!ra>iline r>»n E r n It 2 e» n.) 3)ie erfte'Ueberfliegung des Hordpols ?!-?!zFmium flii-r ken«i-Dlanl-n«orbpolflua b-i Zevoelin" lafff" di<- Erinnerung mirtcr ou kleben an die bisbrrigrn Uebersliriruniren be» Puls, non brat die Bvrd»Eroedition ein« der kübn» leen war. Wie dieser lllu» zweier tovkiibner Männer nonstatien qina. fiLAÖtilt V n r d im norfifolrenten Srtikel. der seinen, Buche .himmelwärts' tLerlaa ff. ZI. Rrnetbau». Leiw«) entstammt. Mit einer Last von nahezu-1500 Kilo rasten mir die Rutschbahn hinab. Tie bucklige Schncewüste eilte bedenklich näher, aber wir erreichten sie nie. Wir schwebten dem großen Abenteuer entgegen. Ulster uns standen die Schiffsgefährten, jauchzend und die Hüte schwenkend. Wi« gern wäre jeder einzeln« von ihnen mit- gekommen. Und doch freuten sie sich selbstlos über den gelungenen Abflug. Nie im Leben werde ich diesen Augenblick vergessen. Rur der treuen Mitarbeit aller Kameraden verdanke ich diesen Absprung, diese Möglichkeit zum Erfolg. Wir hatten uns gegen mancherlei Zufälle gewappnet. Ein kurzwelliger Funkfender, dessen Dynamo mit der Hand getätigt wurde, jollie uns mit der Außenwelt verbinden, falls wir auf dem Polarcis notlandeten. Ein von Amundjen geschenkter Schlitten pllte die Borräle aufnehmen, wenn wir zu Fuß nach Grönland wandern mußten. Lebensmittel waren für zehn Wochen vorhanden. Ferner waren da ein Gummiboot für offenes Wasser, Peizkleider, Primuskocher, Iagdwaffen, Zelt, Werkzeuge, Rauchbomben und Arzneien, alles so leicht und raumsparend wie nur möglich Im Notfall mußten wir auf«inen langen Weg gefaßt sein. Für den Rückzug kam nur Etoh in Betrocht. Robben, Eisbären und Moschus- rchjen mußten uns den Lebensunterhalt während der langen Polar- Pcht liefern. Solange wir die Landmarken von Spitzbergen in Sicht behielten, konnte ich einen Koppelkurs segeln. Wir stiegen aus 600 Meter, um lie Küsten und das prachtvolle Schneegebirge im Innern zu über- blicken. Nach einer Stunde hatten wir das wild« Gletschergebiet h irter uns und überflogen den Rand des Packeises, das viel näher ans Ufer reichte, als wir erwartet hätten. Während wir so über di« weihen Flächen dahineilten, ver- bracht« ich die angejpanntesten Arbeitsstunden meines Lebens. War es doch das erstemal, daß die Geräte dem Flieger einen Weg über di« unendlichen SisgefW« wessen sollten. In den Sonnenkompaß letzte ich mein höchstes Vertrauen. Nach 160 Kilometer sahen wir die letzten Berggipfel hinter uns in der Sonne funkeln. Das Band mit den vertraut«« Landmarken zerriß-, vor uns gähnte die irnbe- kannt« Leere. Wir lösten uns im Fliegen ob. Zuerst führt« Bennett dos Steuer. Alle zwei Minuten drehte er sich noch mir um. so daß ich ihn durch Winken mit der rechten oder linken.Hand auf den rechten Kurs setzen konnte, wenn«r abgewichen war. Alle drei Minuten maß ich unsere Vndengeschwindigke.st und die Wind- trist. Fortwährend wechseltc ich Fäustling« dreierlei Art, se nachdem, welche Handgrist« ich zu machen hotte. Zum Schreiben legi« ich sie manchmal auch ganz ab. An der Falltür erfror ich mir einmal dos Gesicht und eine Hand, was mich hinfort zu größerer Vorsicht mahnte. Wir hatten auch Ledcrhelmc bei uns, die das ganz« Ge- sicht bedeckten. Die kurze Muße zwischen dem Kurshaltcn widmete ich der Be- trachiung des Nordmccreifcs, das nieine Gedankenwelt schon in der Schule beschäftigt hotte. Nirgends sah man Land. Da wir 600 Meter hoch flogen und einen weiten Sehkreis beherrschten, wären uns Bergspitzcn auch in 150 Kilometer Entfernung aufgefallen. Von ungeheurem Druck aufgeworfene Kämme durchzogen das Packeis kreuz und qu«r noch allen Richtungen. Dazwischen luden glatte Flächen zum Lärchen ein. Aber das war sicherlich eine Täusckping. wie man aus den Eiskämmen schlichen mutzte, die von hier oben recht unbedeutend aussahen, die aber in Wirklichkeit 13 bis 20 Meter hoch find. Bewundernd gedachte ich der heldenhaften Forscher, di« sich ehemals über diese grmstomcn Hindernisse hinweg- q-uÄten. Hie und da öffneten sich Wofserspcckten, die dem Schlitten- reisenden so gefährlich werden können. Die Windverhälttstsse waren gut. denn di« Luft erwies sich als stoßfrei. Das entsprach den Er- Wartungen angesichts de? wetten Flächen und der gleichmäßigen Kälte. Erfahrungen mit einem Polarsturm blieben uns erspart. Einstweilen genossen wir die Gunst des Frühlings und der 24stündigen Tageshelle. Dann kam wieder eine Zeit, wo ich Pennett im Führersitz ab- löste. Er streckte derweil die Glieder und füllt« den Benzintank aus den 20-Lster- Kannen, die überall umherstanden und noch der Leerung über Vord geworfen wurden. Manchmal verbesserte ich meinen Surs, indem ich den Sonnenkompaß in die«ine Hand nahm und das Steuer m di« andere. Auf den, Ciz spähte ich vergeblich nach Seehunden, Eisbären und Vögeln aus. Die Landschaft Web öd« und tot. Beim Hinausbeugen stieß ich gegen etwas Hartes, es war die mit Talismanen gefüllt« link« Brüsttasche. Ich bin nicht aber- gläubisch: aber jeder Forschungsreise nde wird mit solchen Schutz- zaubern beladen. Wir überflogen jetzt einen Teil der Erdoberfläche, auf den noch kein sterbliches Auge hinabgeschaut hatte. Welch ein wunderbares Gefühl, den ersten Blick auf jungfräuliches Gelände werfe» zu dürfen. In diesem Augenblick fühlte ich mich für olle voraus- gegangenen Schwierigkeiten belohnt. Hinter dem flimmernden Ge- sichtskreis log unser Ziel. Neuland oder vielmehr Ncumeer erschlaß sich zu 23 000 Geuicrtkilometern die Stunde. Einmal spiegelten mir tiefliegende Wolken ein unentdecktes Gebirge vor. Das Schicksal blieb uns gnädig, dem, cs ließ die Sonne scheinen, ohne di« wir nichts hätten ausrichten können. Irgendwo zur Rechten drehte' sich der Schauplag Nansens kühner Taten! links zog sich Pearys Straße hin. Eine Stunde vom Pol bemerkte ich ein Leck im Oel- behälter des Steuerbordmotors. Bennett bestätigte meinen Augen- schein und schrieb:„Der Motor wird versagen." Er schlug dann eine Landung vor. Da indes schon viele Forfcherfahrten an Lan- düngen gescheitert waren, zog ich es vor, auf dem Wege zum Nord- pol zu verharren. Am 9. Mai um 9.02 Uhr nach Greenwicher Zeit ergab das Besteck, daß wir uns über dem Pol befanden. Der Traum meines Lebens hatte sich erfüllt. Wir dreisten nach rechts, um zwei bestätigende Sonnenmcssungcn vorzunehmen und dann zum gleichen Zweck nach links. Ich machte einige photographrfche Aufnahmen und beschrieb einen weiten Kreis, um den Nordpol auch sicher einzufangen. Dabei vollendeten wir in wenigen Minuten einen Flug um die Erde. Wir verloren einen Tag und gewannen ihn gleich darauf wieder. Alles steht hier auf dem Kopf. In gerader Linie über den Scheitel des Pols fliegt man erst nordwärts und dann gleich jüd- wärts. Oben auf dem Pol bläst der Mnd gen Norden; und wohin man auch blickt, es ist überall Süden. Und von diesem Äreisclpunkt aus mußten wir nun die kleine Insel Spitzbergen fassen, die irgendwo südlich von uns lag Zwei kitzlige Fragcir tauchten auf. Befanden wir uns tatsächlich, wo wir zu sein glaubten? Wenn nicht, dann würden wir Spitzbergen verfehlen. Und angenommen, unser Kurz stand richtig, wie lange würde der Motor noch laufen? Wir umkreisten das Haupt der Welt und huldigten den, Forschergeist Pearys. Unter uns dehnte sich das ewig gefrorene Meer. Zackige Eisrippen bezeichneten die Ränder seiner mächngen Bruchschollen. Daraus konnte man auf die Bewegung des Mcexes fern von jedem Land schließen. Hie und da sah man eine mit Iungeis überzogene Wasserrinne, die grünblau inmitten der schneeigen Weiße aufleuchtete. Um 9.13 nahmen wir Kurs auf Spitzbergen. l�idwd E. Byrd. Sierne, die mir niemals fehen Unser Auge, vielleicht das wunderbarst« Organ unseres Körpers, ist nicht so vollkommen gebaut, wie wir meist denken. Das Auge der Katze ist berspielsweif« viel empfindlicher. Der Falke erspäht ein« kleine Maus aus ein« Entfernung, wo für unsere Augen all« Einzelheiten verschwinden. Sein Aug« muß also schärfer sc!». Wir können aber trotzdem mit unseren Augen zufrieden seist. „Jedes Organ paßt sich dem Gebrauch an", sagt die Wissenschaft. Wir haben es nicht nötig, eine Maus aus großer Höhe zu erkennen. Es gibt aber auch Ding« in der Welt, die wir mit unftren Augen nie sehen können, mrd wenn wir Feldstecher und Fernrohre de- nützen. Um dies zu erklären, müssen wir uns erst damit vertraut machen, was„Sehen" eigentlich ist. Stellen wir uns eine brennende Kerze vor. Wir„fehen" sie leuchten. Was bedeutet das? Von der Leuchtquelle gehen Wellen eines imsichtbaren Stoffes(Aether) aus. die linfere Augennerven erregen und die Empfindung Licht lzeroor- rufen. Lichtwsllen schwingen sehr rasch auf und ob, viele biilionen- mal in einer Sekunde. Treffen 360 Billionen Schwingungen unser Auge, so sagen wir:„Ich sehe rot." Bei 490 Billionen in einer Sekunde empfinden wir„orange". Gehen die Schwingungen noch rascher, werden die einzelnen Wellen also noch kürzer, so nenitt der Mensch dies« Eindrücke gelb, grün, blau und violett. Wenn alle di« verschiedenen Aetherwellen gleichzeitig in das Auge fallen, so sogt der Mensch:„Ich sehe weiß." Violett entspricht einer Schwingung von 960 Billionen, rot einer von 360 Billionen in der Sekunde.- Farben, deren Schwingungen über oder unter diesen Zahl«»r liegen, können wir nicht sähen. Treffen dies« Schwingungen aus unser Aug«, wird es nicht erregt, wir ompftndcn dunkel. Ultrarvts und ultraviolette Strahlen, so nennt man diese, können wir nicht wahrnehmen. Durch schnrfsinnige Ilntcrsuchunzsmethoden kann man aber nachweisen, daß hier tatsächlich noch„Licht" vorhanden iit. Nur reagieren unsere Augen nicht auf dies« Schwingungen. Es gibt aber Tiere, deren Auge anscheinend dieses Lichr noch wahrnimmt, so z. B. die Zlmeisen. Als die Astronomen daran gingen. den Himmel zu p holographieren, entdeckten sie. auf einmal Gebilde. die sie vorher auch mit den besten Fernrohren nie gesehen hatten. Als man die Sache näher untersucht«, zeigt- fid), daß diese Himmelskörper ultraoiolettes und ultraroies Licht ausstrahlen, das unsere Augen nicht wahrnehmen, dos aber auf die photographische Platte wirkt. Das bekannteste derartige Gebilde ist der Nordamerikanebel. Man hat ihn so genannt, weil sein« Gestalt lebhast an die Umrisse von Nordamerika erinnert. Der Nebel ist ziemlich groß, aber trotzdem können wir ihn nie fehen, außer ans einer Photographie. Rückgang der Adler in Norwegen und Schweden. Heberoll ist «in Rückgang, besaite rs des Stein- und des Seeadlers, auch in jenen Gegenden zu erkennen, wo sie ehemals»och zahlreich und regelmäßige Horstvögel waren. Die nördlichen sowi« die südöstlichen Gebiete des Landes boten den Vögeln längere Zeit unbehelligte Unterkunft gegen die innner weiter vordringende Kultur und vielfache Verfolgung. Nunmehr beschleunigt der gcsteigcrtc sportsmäßig« Mjchuß der Adler vom Horst, die Horstberaubung zu Sa-mmel- und anderen Zwecken, sowie die Fällung langjähriger Horstbäum« die Abnahme der Adler in Schweden. Seck 1924 und 1925, wo in Norwegen nach 429 bzw. 330 Adler erlegt wurden, ist der Bestand bedeutend zurückgegangen. Schweden besitzt noch 30 Steinadler- paare und ungefähr IS unter staatlichem Schutz stehende Seeadler- paare. ZNiftelafter im lg. Zahrhundcrk. In Preußen war die Straf« des Röderns bis zum Jahr« 1831 gesetzlich zuläfsig. Ma« scheute zuletzt ober ihr« Groufanckett, und es wurde vor der Exekutw» jeweilig dem Scharfrichter ein« Kabinettsorder eingehändigt, daß «r den Verurteilten vor Beginn des Röderns hennlich zu erdrosseln Sonnab, 2. 11. Staols-Oger Unter d. Linden A.-V. 23S 19 Uhr Boris Godonoff Staats-ffiper Am P!jl.Republ. R.-S. 179 191/3 Ulir [an Sonnab, 2. 11. Stadt. Oper Bismarckstr Turnu* II 19i/» uhr Plane- Dante Staat!. Sdiaosph. am Gandarnunmarkt A.-V. 211 19 Uhr StaslLSeiiiller-TliBater.Cliarltli. 20 Uhr: Des Kaisers Soldaten NIM ftcfttungi Kollegen der Firma Bamag. flchtnngi Am Sonnabend, dem 2. November 4929, mittags 42 llhr, Versammlung aller frelgewerK- schaltiich organisierten Kollegen im Sibongdfuol bau verboad-house», Cinlenfft, 53,88. IMizlie»»duch legitimier(. EMe Ortsvcrwaltung. Till, i lontan. S ni ffifa Obr Baibama«256 IPreissl-BM. Wototg.; 5B. 50Pf.-3M. Geroldlns u. Joe, Elte, Power u5vr. [ INTERNAT. Tägl. 5 Ii.©» SonnLS.Si 8U Alex. E. 4. 8046 VARIETE irosses Scfiaospieliiaos 8 Ultr; JMustetim REGIE: CHIREU. 3 Sonntag nachm. nngek, halbe Pr. Renaissance-Theater «'/» STEMPEIBRUDER Von Duschinsky Regie: Guot. Härtung. Sonnabend nachm 5 Uhr Ton in des Töpfers Hand Sonntag nachm. 4 Uhr Krankheit der Jugend teiRQiaiz 01. 09 Ol a. 2583/84. ROSE •THEATER"«SSW Billettkasse: Alexander 3422 Täglich S>° Uhr (Sonntags 5'/» und 9 Uhrt Di« jMbell laden Mlttvodi S Bhr: Das taptsre smoeideriein laden«onnebend S Uhr u. Jaden Sonntag«»Uhr: Frau HofiBe VolKsbttlme Ilieater amBdlowiilati 8 Uhr Frühlinos Erwachen �taatlSAillsr-Di. 8 Uhr Des Kaisers Soldaten WM IBeater D.I. Norden 12310 8V. Uhr 1 Der Kaiser v.Amerika von Bernard Shaw RegiMax Reinhardt Kammerspiele D.I. Norden 12310 . SVa Uhr Der OnwidersteliMe Komödie von ddraidy und Spitzer Regie: Onstaf Grflndgens Die Komödie J 1 Bismck.2414/7516 8 Uhr Lstxtfi Toreltihugtnl Kolportage Komödie von Georg Kaiser Regie: Erich Engel Rennen zu Kartshorst Sonnabend, den 2. November nachmittags IZV, Uhr, Parforce- Jagdrennen. D'-ektion Or. Ruber! Kiels Deutsebes Kflnsder-Theat Barbarossa 3937 SV* Uhr Die andsreSaile BerliDer Theater Dönhoff! 70 S>/. U Zwei Irawattea von Georg Kaiser Musik Spoliansky TheaL o. vesteas TägUS'/.Ubr Märiens Masüt?. Osku Strans Kalbe Du neb Michael Bohnen Sonnab. 4,51� 2 u. 8 Frlederihe Lessiog-Theater Norden 10848 Orvppe Junger Scbauspteler Täglich PI* Uhr cyanKall I 218 von mssnw v/» Uhr Elisabeth Strickrodt in „Die Ballerina des Königs" So. 4. Stg. 2'/, Uhr Sduteeirilldien Sonntag S Uhr Jehonniifeuer Lastspielhtas Frledrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich 8'/. Uhr Grand Hotel Lustspiel von Paul Frank CASINO-THEATiR Lothringer Strohe 37. HCU! Tgglldi SV< Uhr 1181]! uertagte Hoctizsltsnachtl und ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein für 1—4 Personen Fauteuil nur t.25 M, Sessel 1.75 M, Sonstige Preise: Parkett u. Rang 080 M. 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