BERLIN Zllontag 4. November 1929 10 Pf. Nr. 518 B 255 46. Jahrgang Lrscheiut tizlich außer Goa«t«s«. Zugleich Abeudauegabe de<.Dorwirtt". Bezugsrreig beide Susgaben SüPf. pro Woche, Z,60M. pro Monat. Redaktion und Expedition; BerlinSWSS,!indenstr.» SficUaukgaße xle6 Sa»«igenprei«:Die einspaltige Nourareillczeile 80 Pf., Reklameieile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Poßscheckkouto: Vorwärts-Verlag G. m. b.H., Berlin Nr. 37SZ6. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Rebellion gegen Hilgenberg. Die Opposition sieht auf.— Warnungen vor dem Volksentscheid. Korruption bei der Sandelsvertretung. Zusammenbruch einer Kilmgesellschast.-(Schwere Anklage gegen(Sowjetbeamte. Sau« Ist lm Lager der Rechten die erste lleberraschung über den unerwarteten»Sieg" bei dem Znslationsbegehren überstanden, da treten auch die warnroser schon in Aktion, was bisher aus parteidisziplin geschwiegen hatte. findet seht endlich Worte, um der großen Sorge erntt- haster deutschnationaler kreise um da» Schicksal dieser Partei und damit der gesamten Rechten Ausdruck zu geben. Die»Deutsch« Tageszeitung", offiziell das Organ des Reichs- landbundes, ihrer politischen Richtung nach aber deutschnational. hat bisher zu dem chugenbcrg-chitlerfchen sogenannten Dollsbegehren betont geschwiegen. Jetzt aber veröffentlicht sie einen Leitartikel unter der charakteristischen Ueberschrift: »Das Ganze halt!— Sammeln!" Deiser Aussatz stellt sich dar als eine bewußte Attacke gegen die bisherige Führung der Deutschnationalen Partei. Zwar kleidet er seinen Angriff zunächst in den Ausdruck der Befriedigung darüber, daß das Volksbegehren doch noch mit geringen Prozent- teilen die erforderliche Mindestgrenze überschritten hat. Zwar unterstellt er der Sozialdemokratie, im besonderen dsn Ministern Braun und Ssvering, diesen Erfolg des Bolts- begehrens absichtlich erstrebt zu haben, um dadurch ein A b d r ä n- gen der Deutschnationalen in der Richtung der Nationalsozialisten, eine»Aufspaltung de» Bür» g e r t u m s" herbeizuführen, dadurch sür absehbare Zeit a l l e K o a- litionsgefahren zu bannen und die Sozialdemokratie in ihrer Mochtstellung zu sestigen. Aus dieser erkünstelten Boraus- fetzung schlußfolgert die.Tageszeitung" die Frage,„ob man für die Fortführung dieses Spiels der Sozialdemokratie von rechts her die Karten mischen solle". Nach solchen Prämissen geht die„Tageszeitung" dazu über, die Kehrseite der angeblichen positiven Erfolge zu überschauen, und sie fragt dabei, was dieser»Erfolg" geki/stet habe: Da steht als erster Posten die Tatsache, daß das Volks- begehren.«ine Frontbildung im deutschen Volke gezeitigt hat, die, auf die weitere Entwicklung und aus das Endziel gesehen, doch vollkommen unzureichend ist. Art und Anlage der Aktion schlosien von vornherein eine Sammlung aus ganz breiter .Basis aus, schufen Infolgedessen einen Graben quer durch das Bürgertum hindurch, brachten die Gefahr, daß lediglich zur Freude des Sozialismus die G e g e n s ö tz l i ch k e i t e n i m bü r ge r- lichen Lager gesteigert würden.... Daß die Anlage der Frontstellung beim Volksbegehren nicht richtig gewählt war. ergibt sich auch noch aus einer anderen Erscheinung, die sehr stark zur Auswirkung gekommen ist: es hat sich bei der Eintragung so etwa» wie eine Elblinie gebildet. Während der Osten mit hohen Prozentziffern durchzog, haben Westen und Süden mit sehr niedrigen Prozentzisscrn sich versagt. Das scheint uns ein Beweis dafür zu fein, daß man bei der Einleitung des Unternehmens doch mancherlei Stimmungen und Imponderabilien nicht aus- reichend abgewogen Hot, daß man ihnen gegenüber der Parteidisziplln, ja. vielleicht sogar der Parteidogmatik, einen zu großen Raum gewährte. Einen besonderen Verlustposten für die Rechte sieht die„Tages- zeitung" darin, daß durch die Agitation für das Volksbegehren„in deutschnationole Kreise unverkennbare Blüten natio- nalfozialistischerPhraseologie ihren Einzug gehalten" haben. Die Kreise der Rechten, die auf politische E r n st h a f t i g» kcit Anspruch erheben, hätten allen Anlaß, nicht in«inen Wett- lauf des Radikalismus mit den Nationalsozialisten ein- zutreten, bei dem sie immer nur zweiter Sieger bleiben könnten. Zum Schluß gibt das agrarische Blatt ganz klipp und klar zu verstehen, daß die Führer die Pflicht hätten, es nicht mehr zu einem Volksentscheid komme» zu lasse». „der noch menschlichem Ermesien doch nicht zum positiven Erfolg führen kann". Deswegen schließt das Blatt sich dem Ras zur Sammlung an, der aus mittelparteilichem Lager schon ertönt sei. Die Rechte sei stark genug, sich Rechenschaft darüber zu geben, daß sie für den weiteren Feldzug der Bundesge- n o s j e n b e d ü r f e. In der Umklammerung durch einen v e r» antwortungslosen Radikalismus finde sie diese Bundesgenossen nicht. Sie zu suchen, sei eine Angelegenheit der gel st igen Stärk«! Das heißt mit nüchternen Worten, daß das agrarische Blatt dem Herrn Hugenberg diese geistige Stärke nicht zutraut und deshalb nach anderen Führern Ausschau hält. Noch deutlicher und klarer kommt der offene Aufstand gegen die Führung Hugenberg in einem Artikel zum Ausdruck, den der Kreisvorsitzende der Deutschnationalcn Partei im Kreise Rosenberg (Fortsetzung aus der 2. Seite.; Schon seit mehreren Monaten wußte man, daß die Deutsch- Russische Filmgesellschaft„Derussa" vor dem Zu- sanrmenbruch stand. Dieses Unternehmen ist im Jahr« 1927 gegründet worden, um die Produktion des russischen staatlichen S o w k i n o in Deutschland zu vertreiben. Hauptaktionär der»Derussa" und damit der eigentliche Eigentümer mar der deutsche Kapital! st Georg SklarZ. Er hatte sich schon von dem Geschäft mit den Russen sehr viel versprochen; als er jedoch merkte, daß die Sache schief ging, zog er sich davon zurück. Er verkaufte seine Aktien an ein« englische Film- gesellschaft, die mit der»Derussa" einen größeren Korzern zu bilden versucht«. Die Russische Handelsvertretung in Verlin hotte schon zu Zeiten von Georg Sklarz große Kredite an die »Derussa" gegeben, sie wurden weiter erhöht, als die Engländer die GefckMte. übernahmen. Inzwischen ober hatte die englische Gruppe sich ein genaueres Bild über die Möglichkeiten des deutsch-russischen Filmgeschäfts ge- macht, und das fiel nicht sehr günstig aus. Sie weigert« sich daher, 12 Millionen Mark nach Berlin zu schicken, wie es zuerst oerabredet war. Jetzt mußt« wiederum die Russische Handelsvertretung«in- springen. Wie hoch insgesamt die Kredite sind; die sie der Derussa gegeben hat, läßtsich �irlöufignicht sagen. st« dürsten aber in die Millionen gehen. Nachdem schon die Leiter der Filmabteilung in der Russischen Handelsvertretung, Zörer und ein Dr. Popp,„abberufen" worden waren, weil sie als die H a u p t- schuldigen an dem Skandal galten, beschuldigt man jetzt auch noch einige andere hohe Beamte der Russischen Handelsvertretung, von denen Lewine, Buynewitsch und N o g l o w s k i ge- nannt werden, daß sie mit den faulen Kreditgeschäften bei der Derussa in Verbindung gestanden hätten. Die Beschuldigungen gehen sogar dahin, daß diese Sowjetbeamten persönliche Vorteile dabei ge- habt hätten oder, anders ausgedrückt, daß ein erheblicher Teil der Kredite gar nicht der Derussa oder Herrn Sklarz zugeflossen, sondern in die eigene Tasche verschwunden seien. Was an diesen Beschuldigungen wahr ist, läßt sich um so schwerer feststellen, als die Uirtersuchung in der Hauptsache nicht von der deutschon Polizei geführt wird, sondern von einer Spitzel- organisation, die von der rufsischen GPU. in Deutschland unterhalten wird. Deshalb weiß man auch nicht, ob sich die An- klagen der Russen auf die fünf oder sechs Personen beschränken, Der Freudensprung des„Siegers" über die glücklich zusammengelrahten 10,06 Prozent fiel etwas zu h�ch aus! die vorläufig in der Oeffentlichkeit genannt werden oder ob nicht noch zahlreiche andere Angestellte der Russischen Handelsvertretung in den Skandal verwickelt sind. Auf jeden Fall hat bereits nach dem Vorbild der Russischen Bot- schaft in Paris auch in Berlin eine Massenfluchl von Sowjelbeamlen eingesetzt. Und das übrige Personal der Handelsvertretung stellt die bange Frag«: Wen wird das„Schwert" der GPU. noch treffen? Dieser Skandal hat aber auch noch eine andere Seite. Wie schon erwähnt, ist die staatlich« Filmproduktion in Sowjetrußland dein Privätkapitalisten Georg Sklarz ausgeliefert worden. Für M ü n z« n b e r g, den eigentlichen Geschäftemacher der Kam- munistischen Partei, blieb im wesentlichen nur die Erzeugung der „Meschropom" der Internationalen Arbeiterhilfe übrig. Damit war aber kein großer Staar zu machen, und wenn die Münzenbergsche Prometheus-Film-Gesellschast nicht mit der IAH. so eng verbunden gewesen wäre, so hätte die Prometheus vielleicht ein ebenso kläg- liches Ende genommen wie die Derussa. Mllnzeiiberg hat es jedoch verstanden, sich mit seiner Filmgesellschaft länger über Wasser zu hallen als sein privatkapitalistischer Konkurrent, und deshalb war es ihm ein Leichtes, vor einigen Wochen von einer Reis« nach Moskau das sowjetrussische Monopol für die Filmeinfuhr nach Deutschland mitzubringen. Zwar gilt auch Münzenberg in Moskau für nicht ganz stubenrein, denn seine geschäftliche Rührigkeit hat dort schon zu starken Bedenken Anlaß gegeben, aber noch ist er obenauf, und iolange der IAH. noch keine Korruption nachgewiesen worden ist. kann es für Münzenberg und feine Freunde kein Fehler sein, die Korruption bei der Russischen Handelsvertretung in Berlin aufzudecken. Dummkopf!— Mund halten! Polens kranker KriegSminifler. Warschau, 4. November.(Eigenbcrichl.) Die polnische Telegraphenagentur hat am Sonntag eine von dem polnischen Innenminister und dem Adiulanlen Pilsudskls unier. zeichnete ErNärung über den Wortwechsel veröfsentlicht, den Pilsudski am Donnerstag im Parlament mit dem Sejmmarscholl hatte. Demnach soll sich pilsudski in groben Schimpfwort« n an den Vorsitzenden des polnischen Parlaments gewandt und mit der Faust auf den Tisch geschlagen haben. Aus die Erklärung DaszynsNs, daß er dl« Sejmsession nicht unter der Drohung von Waffen eröffnen werde, hat pilsudski nach der amtlichen Darstellung geantwortet:„was sind da» für Dummheiten?" Daszynfki wiederum soll auf die Worte pilsudskis erwidert haben, daß er(Pil- fudfki) fein Gast sei: er(Vaszynskis werde deshalb seinen Worten keine Folge geben, pilsudski hat daraufhin— Immer nach der amt- tichea Verlautbarung— geschrien:„Bitte den Mund zu halten und mir zu antworten, ob die Session eröffnet wird oder nicht." VaszynsN verneinte, woraus pilsudski zweimal drohend gefragt haben soll:„Zst da» Zhr letztes wort?" Daszynfki antwortete zweimal mit Za. worauf pilsudski. ohne sich zu verabschieden, hinaus ging. Im hinausgehen hat er gesagt:»Ein frecher Dumm- köpft" Die Erklärung des polnischen Innenministers und des Adjutanten von pilsudski ist von pilsudski inzwischen als den Tatsachen entsprechend bestätigt worden. Der Sesnunarschall richtet« am Sonnabend an den Präsidenten der Republik«inen Bxief, in dem er die Teilnahm« an einer für Sonntag angesetzten Konferenz in dem Hause des Stoatspräfidenten ablehnte, falls auch Pilsudski an der Tagung teilnehmen sollte. Daszyirski sah sich zu diesem Briefe aus Grund der amtlichen Veröffentlichung über die Auseinandersetzungen zwischen ihm und Pilsudski im Parlament veranlaßt. Der Staatspräsident ließ Daszynski («raus hin miteiten, daß die Konferenz nur zu zweit stattfinden werde. Erst daraufhin sagte Daszynski zu. Die Unterredung führte zu dem Ergebnis, daß der Sejmmarscholl beschloß, den polnischen Landtag für Dienstag, den S. November, einzuberufen. Die Sejmkonzlei tcill mit, daß die gestern von General Skladkowski und Oberst Beck verfaßte und von der amtlichen polnischen Telegraph« nagentur v«-rbreitet« Darstellung der Unterredung Da- szinskis und Pilsudskis ungenau und zum Teil mich falsch sei. .1 OieNebeMon gegen HuoenSerg (Fortsetzung von der 1. Seite.) (Westpreußen). Hermann Traf zu Dohna, in der„Börsen- zeitung* veröffentlicht. Darin heißt es wörtlich: „Nun aber i st e s g e n u g. Die Geister scheiden sich in der Tat. und die Stunde ist gekommen, in der die jüngere Genera- lion in der größten Rechtspartei Absage erteilen muß an einen Nationalismus, der sich in verblendeter Ueberstelgerung seinen eigenen Zielen entgegenstellt. Absage erteilt an die ganze Frage- stellung„national— nicht national". Die Gegensätze lauten „marxistisch— nicht marxistisch" und innerhalb aller derer, die nicht marxistisch sind, ist der ganze Strest darum, wer national sei und wer nicht, ein wohnsinn. Er ist unfruchtbar, ab- stoßend, sinnlos und unstaatsmännifch. �Er ist zum Selbstzweck geworden, der in blinder Raserei den Freund nicht mehr vom Feinde unterscheidet. Wer überhaupt noch ruhig ur- teilen will, der muß von der Tatsache ausgehen, daß in Dcutch- land bis weit in die Kreise der Linken hinein ein selbstverständ- liche» Rationalgesühl vorhanden ist. und daß es auf dieses an- kommt, nicht aber auf einen übersteigerten Nationalismus ohne inneren Sinn und ohne greifbare Ziele. Es ist an her Zeit, ein End« zumachen mit dem Einfluß einer Geist es- Verfassung, die allen Ernstes behauptet, ein Block, dem die gesamte bürgerliche Mitte nicht angehört, sei„d e r" nationale Block. Sind denn also alle Parteien dieser bürgerlichen Mitte antinational? Die Frage stellen, heißt sie verneinen. Und trotzdem soll sie weiter gestellt werden, soll sie weiter das Thema innerpolitischcn Kampfes bleiben, nach dem Willen des Reichsausschusses, der erklärt, daß weitergekämpft werde„bis zur Entscheidung". hierzu aber sagen wir:„Nein!" Wenn die Politik der Männer des Reichsausschusses überhaupt « i n praktisches, noch innerhalb unserer Lebenszeit greifbares Ziel hat, so kann es nur das fein, daß man glaubt, eines Tages mit einem die Minderheit darstellenden Block die Herrschaft antreten, bis dahin aber Politik und Wirtschaft dem maßgebenden Einflüsse des Marxismus überlassen zu können. Be- steht nicht einmal diese Zielsetzung, so ist olles bisher Geschehene und die Isolierung der Deutschnationalen Bolkspartei unbegreis- [ich. Besteht sie aber, so ist sie nicht die unsrige. Wir haben keine Lust, in eine Sackgosse hineingeführt zu werden, aus der es eines Tages gar keinen oder nur einen schlimmen Ausweg geben kann, von Männern, die sicherlich nach früheren Begriffen glühende Patrioten sind, aber, wie ihre Gedankengänge und Methoden vermuten lassen, gewisse unwiderrufliche Veränderungen, die durch Krieg und Rcvolülion in Deutschland entstanden sind, doch wohl nicht ganz begriffen haben: und die insolgedessen das Verhältnis zwischen den eigenen und den gegnerischen Kräften doch wohl nicht ganz richtig einschätzen! Wir, die wir heute an der Schwelle des Mannesalters stehen, sind nicht deshalb noch dem Kriege mit den größten Hoffnungen in die Deutsch- national« Volkspartei eingetreten und ihr zehn Jahre lang trotz allem treu geblieben, um sie i n den Händen der All- deutschen enden zu sehen. Das ist eine herzhaft erfrischende Sprache gegen die ganze bisherige Phraseologie der Dcutschnationalen und ihrer Mit- läufer, si« umschreibt gleichzeitig eine Absage an die mon- archistische Ideenwelt, die im Wortschatz der Deutschnatio- nalen noch immer ihr Wesen treibt. Wenn«s erst s 0 weit ist, daß deutschnationale Führer den übrigen bürgerlich en Parteien zugestehen müssen, daß auch sie „ein Nationalgefühl haben", dann ist es mit der Absonderung der hugenberger Patentnationalen nicht mehr weit her. Graf Dohna wird allerdings erleben müssen, daß seine Unterscheidung zwischen „national und marxistisch" genau so Schiffbruch leidet wie die bis- herige Grenzziehung. Aber das sind nicht unsere Sorgen. Festzustellen bleibt, daß prominente Führer der Deutschnationalen mit hugenberg unzufrieden sind und daß sie, wie Dohna es ausdrückt,„zu neuen Ufern" streben! Das Volk der Ehernster steht auf gegen seinen Armin! Mr �0,4 Prozent. heute mittag wird amtlich ein berichtigtes Ergebnis de» Znflationsbegehrens bekanntgegeben. Donach find 4 146 342 Ein- tragungen gleich 10,04 Prozent der Stimmberechtigten zu verzeich- neu. Es fehlen noch aus den Reichslagswahlkreisen Potsdam I 14 kleine Gemeinden: Potsdam II eine. Oppeln drei und Magdeburg vier. Das berichtigte Ergebnis der Eintragungen, auch noch lange nicht endgültig, lautet für die Wahlkreise Niederbaycrn> 2.44 proz.. verlin 6,01 proz„ Breslau 13,32 pro;., Liegnih 14 Vroz., Thüringen 16,34 proz., Südhannover-Vraunschweig 11,02 pcoz., Düfseldors-Ost 2,01 proz., Baden 2,16 proz., Oberbayern- Schwaben 4.28 pro,. Gchatzsuche am Müggelsee. Sin verwegener Juwelenraub teilweise aufgeklärt. Ein Aussehen erregender Zuwelenraub wurde am IS. Ok- lober d. Z. bei dem Juwelier Jsaacsen in der Büschstraße zu Hamburg verübt. Abends gegen S Uhr, als der Geschäfts- mann allein in seinem prioalkonlor war. drangen zwei Männer unbemerkt ein, bedrohten den Juwelier mit Schußwaffen und erbeuleten Uhren und Juwelen im werte von etwa 200 000 Mark. Als der Haupttäter wurde von der Hamburger Kriminalpolizei c..>?4 Jahre alter Ofensetzer Fritz Kiesel ermittelt und verhaftet. Bald nach ihm wurde auch sein Helfer, ein gewisser Frchrmann, dingfest gemacht. Kiesel legte nach anfänglichem Leugnen xin u m- fassendes Geständnis ab. Er hat sich früher in Berlin ausgehalten und hielt es daher für geraten, die große Beute auch in der Näh« Berlins unterzubringen. Mit seinem Beuteanteil, den er in einer hellbraunen Attentasche oerwahrte, fuhr er nach Berlin und gab das Gepäck auf dem Potsdamer Bahnhof ab. Bon Zeit zu Zeit holte er einzelne Sachen heraus und machte sie zu Geld. Als er merkte, daß er wegen des Hamburger Raubes auch von der Berliner Kriminalpolizei gesucht wurde, entschloß er sich, iür den Rest der Juwelen«in anderes Versteck zu suchen. Am A. Oktober fuhr er nach der Müggelheim« Chaussee hinaus, suchte hier und fand einen Baum, desien Wurzelwerl vom Hochwasser freigelegt war. hier verbarg er die Tasche und deckte Zweige darüber. Tags darauf wollte er sein Bersteck wieder aufsuchen, mußte aber zu seiner Betrübnis feststellen, daß die Tasche mit dem kostbaren Inhalt verschwunden war. Irgend jemand hatte si« gefunden und als willkommene Ergänzung seiner Kassenoerhäst- nisse mitgenommen. Auf dieses Geständnis hin, dos allem Anschein« nach auf Wahr- heit beruht, kam von Hamburg der Oberinspektor Rücker mit dem Verhafteten nach Berlin und stellte hier Nochforschungen on. Die -telle on dem Baum wurde gefunden, der Manu aber, der sich die Tasche angeeignet hat, ist noch nicht entdeckt. Gegen kommunistische Verleumder Belegschastsversammlung der Berliner Brennstoffgesellschast Am Sonntagvormittag sprach Standtoerordnetenvorsteher haß in einer Belegschaftsversammlung der Berliner Brennstoff« g e s e l l s ch a s t über die Bedeutung der Berlin«? Stadtverordneten. wählen. In kurzen Zügen zeichnete der Redner die allgemeine politische und wirtschaftliche Loge Deutschlands, die durch den Krieg- und seine Folgen auf Jahrzehnte hinaus bestimmt ist. Ein untrügliches- Kennzeichen des bürgerlichen Kampfes gegen die Kommunen ist die unverschämte Au-schlachtung des Stlarek- Skandals, der als Deckung des Kampfes gegen die Kommunalwirt- schaft, gegen den„Kommunalsozialismus" dient. Niemand spricht heute mehr von den viel ungeheuerlicheren priva: wirt- schaftlichen Skandalen der letzten Zeit, weil man es stets glänzend versteht, diese Korruptionen zu vertuschen. Der von den Kommunisten„Geldsacketat" genannte Berliner Haushaltsplan, der soviel sozial« und kulturelle Ausgaben enthält wie kein einziger anderer Kommunaletat, ist den Rechtsparteien ein Dorn im Auge. Das gilt besonders für die städtischen Betriebe, und damit auch für die Brennstoffgesellschaft, die 4Zstündige Arbeitszeit und den besten Angestelltentarif in Deutschland hat. Nach einem jetzt schon vorliegenden demokratischen Antrag soll ihr Aufgabengebiet wejent- lich beschränkt werden. Der Kampf gegen die Brenn- st o f f g e s c l l s ch a f t wird nun auch von der kommunistischen Seite in der Sonntagsnummer der„Roten Fahne" mit unglaublichen Verleumdungen eröffnet. Nach einem kurzen Ueberblick über den schweren Kampf der Stadt Berlin gegen die ungerechte Verteilung des Steueeaufkommens und der Mittel für den Wohnungsbau schloß Genosse haß mit einem Aufruf zur Einigung und Zusammenfassung der Klassenkräfte der Arbeiter in der E o z ia l d e m o t r a t i e und zur Wahl der sozial- demokratischen Kandidaten. Langer Beifall zeigte, daß der Ruf des Genossen haß von den Angestellten und Arbeitern einmütig auf» genommen wurde. Auf«ine Diskussion wurde ein st immig ver» z i ch t e t. Als Protest gegen die schmutzt gen Bcrleumdungen der„Roten Fahne" gegen den früheren Leiter und den jetzigen Letriebsratsvorsitzenden des Unternehmens nahm die Versammlung «instimmig folgende Resolution an: „Die heule versammelte Belegschaft der BVG. nimmt mit Entrüstung Stellung zu dem Artikel in der heutigen„Roten Fahne" und erwartet von der Leitung und dem Aussichtsrat der BVG. gerichtliche Maßnahmen gegen die össentliche ver- leumduag von Arbeilern und Angestellten der Berliner Brennsloss- gcsellschafl." • wie wir von dc» Geschöstsleitung der Berliner Brennstoff« gesellschast erfahren, ist von ihr eine Aussichtsrats« s i h u n g beantragt worden, die sich mit den ungeheuerlichen Angriffen der„Roten Fahne" gegen den früheren Leiter der BBG„ den sozialdemokratischen Stadtverordneten Vrolal, be- schäftigea soll. Der Aussichtsrat ist zu morgen mitlag einberufen worden; von seinen Entschlüssen wird es abhängen, in welcher weise gegen die Verleumder vorgegangen wird. Die Gtadiwahlvorfchläge. Nicht weniger als 21 Parteien. Der Stadt wahlleiter für die Wahlen der Sta-dt- oerordneten und der Bezirksverordneten in Berlin hat die Reihen- folge der fristgerecht eingereichten Stadtwohlvorschläge in Mgcnder Weise bestimmt: Liste 1 Sozialdemokratische Partei „ 2 Deutschna ionale Volksporlei .. 3 kommunistische Partei Deutschlands „ 4 Deutsche Demokratische Partei „ 3 Deutsche Volkspartei „ 6 Reichsparlei des deutschen Millelstandes lwirlschafls- parlei) e. v. „ 7 Deutsche Zenlrumsparlei „ S Veulschvölkische Zreiheilsbewegung „ 9 Ehristlicher Volksdienst „ 10 Unabhängige Sozialdemokratische parlei „ 11 volksrechl-partei(Reichsparlei für volksrecht und Auf- merlung) „12 Linksradikole Antikorruptious-Parlei „ 13 Freibnnd des Handwerks, Kleinhandels u. Gewerbe» E.V. „ 14 Evangelische Wähler und Wählerinnen „ 15 Allgemeine Volksparlei(Reichspartei für Aufwertung und Recht) „ 16 Nallonalsözlalisiische Deutsche Arbeiter- Partei(Hitler- Bewegung) „ 17 Reichsparlei für Handel, Handwerk und Gewerbe (Bürgerliche Mittelstandspartei) „ 18 Linke Kommunisten „ 19 Ralionalrevolulionäre voltsparlei „ 20 Ehristlich-soziale Reichsparlei „ 21 parlei für Mielreform, Retchspartei der Mieter und wohnungsuchen�n. Die be! den Kreiswahlleitern der Wohlkreise I bis XV ein- gereichten Kreiswahlvorfchläge, di« dos gleiehe Kennwort wie die Ttadtwahlvorschläg« tragen, erhalten die Nummern der Stadtwahl- Vorschläge. Kreis- umd Bezi rkswcchl vorschlage, die nicht das gleich« Kennwort mit einem Stadtwahlvorfchlage tragen, erhalten die an- schließenden Nummern nach der Zeitfolge, in der die Wahlvorschläge bei den einzelnen Kreiswcchlleitern eingegangen sind. Sind in einem Wahlkreis« Kreis- oder Bezirkswahlvorschläg« mit dem gleichen Kennwort der Sladtwahlvorschläge nicht eingereicht worden, so fallen in diesem Wahlkreis« die betreffenden Nummern— auch auf den Stimmzetteln— aus. Orieni-Expreß verunglückt. Lokomotivführer und Heizer getötet. Am Tonntag früh um XS Uhr stieß der Orient-Expresi auf der Strecke A gram— Steinbrück(Jugoslawien) mit den letzten Wagen eines Güterzuges zusammen. Die Lokomotive und der Tender des Orient-Gxpresr stürzt«« um, der Speisewagen entgleiste. Die letzten drei Wagen des Güterzuges wurden vollkommen zer- trümmcrt. Ter Lokomotivführer und der Heizer des Expreßzuges wurden getütet. Infolge des Zu- sammenstoßes war der Berkehr 20 Stunden lang unter- krochen. Die Züge aus Agram und Oesterreich mußten über Karnowacz umgeleitet werden- Ter S t a t i o n s- beamte von Reichenburg, der für den Zusammen- stoß verantwortlich ist, beging Selbstmord. Eine Krau und drei Kinder getöiei. Schweres Unglück auf einem französischen Bahnhof. Als gestern aus dem Bahnhof Esbly mehrere Reisende aus dem aus Paris kommenden Zuge ausstiegen und die Gleise überquerten, um sich zu etnem Anschtußzuge nach Erecy zu begeben, fuhr gerade«in aus Paris kommender Schnellzug in den Bahnhof. Sieben Personen wurden von ihm ersaßs. Eine Frau und ihre drei Kinder wurden aus der Stelle getötet. Vter Personen wurden verletzt. 32/38. Abt. Achtung, Genossinnen! Der Frouenabcnd findet nicht heule, sondern Dienstag, 5. November. 191i> Uhr, in Sckmüdts Ge- scllschaslshaus, Fruchtftr. 36s. statt. Referent: Klara Bohm-Schuch, M. d. R. Auch einer! Oer Kriegsdienstverweigerer Hussong. Der„Wahrh«it"-B r u h n rst mit den Deutschnationalen böse, die ih» wegen seiner Sklarek-Freundschaft- aus ihrer Reichstags- frattion ausgeschlossen haben. Er begibt sich deshalb ans Enthüllen seiner bisherigen Freund« und nimmt als ersten den hugenbergschen Leitartikler Hussong aufs Korn. Herr hussong, der mit so viel Emphase patriotisch« Leitartikel schreibt, hat sich nach Bruhn„als ein Mann anfangs der dreißiger Jahre, von blühender Gefundheir, das Ideal eines k.-v.- Mannes, während des ganzen Krieges reklamieren lassen". Bei den„Lokal-Anzeig«r"-L«uten war ein Abkommen getroffen worden, daß man sich für den patriotischen Federdienst in einem gewissen Turnus ablösen wollt«, da noch Ber- einbarung mit den militärischen Stellen dem Blatt ein Mindest- bestand an Redakteuren zugebilligt war. Als nach diesem Turnus aber die Reihe an Herrn hussong kam, die Feder mit dem Schwert zu vertauschen, ließ sich hussong ein'ach weiter reklamieren. Ein anderer mußt« für ihn im Schützengraben bleiben, da Herr hussong sein kostbares Leben der nationalen Sache um jeden Preis erholten wollte. Soweit die Bruhnseh« Darstellung. Uns wundert sie nicht. Sie stimmt genau mit dem überein, was wir von den übrigen nalio- nalistischen Federhelden, von den größten Lärtmnachevn längst festgestellt haben. Nur einige Beispiel«: Der Nationolsotziellist Graf R« o e n t l o w ist, obwohl ehe- maliger aktiver Marineoffizier, während des ganzen Krieges da- heim in der RsdaktioNsstube der„Deutsehen Tageszeitung" ge- blieben./——■-------- Der völkische Führer Reinhold Wulle, ein ragender blonder Hüne, während des Krieges Anfang der dreißig, schützt« einen in seinen� Folgen durchaus nicht erheblichen Straßenbahn- unsall vor, um gleichfalls während des ganzen Krieges zu Hause zu bleiben. Er blieb mit seiner geringen Verletzung auch dann noch zu Hause, als Kriegsbeschädigte, die mit anerkannter 50- bis Kllprozentiger Kriegsdienstbeschädigung bereits entlassen waren, erneut zum Heere eingezogen wurden Der nationalsczialistisehe haupthctzer, Landtagsabgeordncler Wilhelm Kube, bezeichnet sich im Landtagshandbuch zwar stolz als„Sohn des Sergeanten Richard Kube". Trotzdem war sein milttörifcher Ehrgeiz im Krieg« gering. Kube ist Ende 1887 geboren, stand also bei Kriegsausbruch im blühenden Aster von 26 Jahren. Trotz seiner elastischen Ericheimmg, mit der er heute noch gern posiert, gelangt« Herr Kube jedoch erst ganz gegen Ende des-Krieges zu den Soldaten, nachdem er die ersten drei Kriegsjahre als Sehristlester konservativer Blätter unabkömmlich gewesen war. Frontdienst gibt Kube im Handbüch selbst nicht an, so daß man als sicher annehmen darf, daß sich sein Soldatentum im letzten Kriegsjahr auch nur in Etappe und Garnison abgespielt hat. Er ähnelt darin einem anderen anti- semitischen Hetzer, dem jetzt etwas in Dergessenheit geratenen Richard Kuntze(Knüppeltuntze), über dessen fideles Etappen- leben in Gordelegen ein Prozeß mit dem Schriftleiter des„B. T." hinlängliche Ausktärung gebracht hat. Das sind die Leute, die dauernd nach dem Heldentod— der anderen— brüllen! Steine gegen die Gesandtschast. Ein politischer Oummerjunoenstreich. Vor dem Hause der ungarischen Gesandtschaft ereig- nete sich in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag ein Zwischenfall. Von unbekannten Tätern wurden gegen die Fenster der Gesandtschaft in Papier gewickelt« Steine geschlelchert. Die Um- hüllungen trugen die Inschriften:„Rache für Ragosa",„Nieder mit horthy",„Nieder mit den Mördern" und waren mit„Rotfront" unterzeichnet. Obgleich da» Ueberfallkommando schon nach kurzer Zeil in der Cornetiuestrahe eintraf, war von den Tätern keine Spur mehr zu entdecken. Wie sich aus der„Roten Fahne" vom Sonntag ergibt, haben die Veranstalter dieses Spektakelstückes gedacht, eine polltische De- monstration zu begehen. Daß sie damit die Entlassung kommu- nistischer Gesangener aus ungarischen Zuchthäusern durchsetzen, können sie selber nicht geglaubt haben. Ltnfall bei der Zeppelin-Landung. Friedrichshafen. 4. November. Nach der Rückkehr des„Graf Zeppelin" von seiner Süddeutsch- landfahrt ereignete sich, nachdem das Luftschiff bereits den Boden berührt hatte,«in Unfall. Das Luftschiff ging, da es ziemlich viel Ballast abgegeben Halle, mit dem Heck noch einmal hoch, dabei wurden fünf Mann, die die Hintere Motorengondel festhielten, mitgerissen. Zwei sprangen rechtzeith ab, zwei weitere konnten in die Gondel Hinerngeznpen werden, der fünfte stürzte aus einer höhe von 10 bis 12 Meter ab und erlitt ziemlick- schwere Quetschungen. „Don Carlos" in Zehners Regie. Staatliches Schauspielhaus Leopold Jeßner hat lange gekämpft und schließlich so entschieden gesiegt, daß man ihn im Triumph an die Rampe riß. chieraus be- gann im Parkett und auf den Rängen«in lauter und leidenschast- licher Parteikampf. Die Begeisterten teilten ihre Kräfte, die einen für den Intendanten, die anderen für ihren angebeteten Kortncr. Jeßner wünscht« die berechtigten Ansprüche der finanziellen Staatstheaterfreunde zu befriedigen. Er wollte fein« Pflicht als oberster Kaffenleiter und Kunstleiter tun. Es wurde ihm unendlich erschwert. Er hat die Widerstände bezwungen, beinahe doch nicht vollkommen. Denn Friß K o r t n e r, fein bester, sein besessenster. sicherlich auch sein genialster Schauspieler, hat alles rings um sich eiirgcschüchtert. Kortner hat nur dulden wallen, was ihm. dem großartigen, körperlich und geistig überlegenen König Philipp, be- scheiden die Stichworte zu prunkvollen Rodomontaden lieferte. So mußte aus der Tragödie„Don Carlos" sin Trauerspiel„König Philipp" werden. So mußte der lyrische Jüngling Don Carlos, Schillers strahlendes Ebenbild, die Gestaltung seines überschweng- lichen Freiheitsdranges, ausgerottet werden. Aus dem Drama wurde ein Don Carlos ohne den Prinzen. Trotzdem: die Macht der Schillerschen Jamben, der bezwingende Zauber seiner Phantasie und die Hellsichtigkeit seiner Ahnungen wirken noch heute so ungeheuer, daß die Logik der Ereignisse auch durch die verwirrende Selbstsucht des Kettensprengers Kortner nicht getrübt werden kann. Der Regisseur und Dramaturg hat das Werk teilweise gerettet, indem er mit psychologischer Einfühlung für jeden der Gegenspieler die bedeutendsten Momente herausschälte. Das war ein dramaturgisches Notmanöver. Der Don Carlos der Geschichte war ein verkrüppeltes-Stück Menschenunglück. Er wurde von Krämpfen geplagt und verkümmerte als ein elendes Versuchskaninchen der Aerzte und quacksalbernden Pfafsen. Schiller erhob ihn zum Rebellen und Ankläger der Tyrannei. Schiller belastet« ihn dazu noch mit der peinigenden Liebe zur jungen Stiefmutter. So wollte der Dichter den chaß des Sohnes gegen den grimmigen Vater vertiefen. Das war bei ihm aber nicht viel mehr als ein Gedankenspiel. Erst heute wird solche Verstrickung des Gefühls piychoanalytisch als ein scheußliches Schick- sal empfunden. Der Regisseur von heute rechnete mit dieser Angst moderner Menschen, indem er den Konflikt zwischen Dater und Sohn und den Haß des Gatten gegen die verdächtigte Gattin gespenstisch verdüsterte. Kortner konnte da Wundervolles an gruseligen Zweifeln austoben. Er warf sich, wahnsinnig vor Ungewißheit, zu den Füßen der Königin nieder. Er deckte ihr die Augen zu, damit er nicht ge- zwungen werde, die Wahrheit zu lesen. Dann tastete er den Hals der Frau ob. Was der Mund nicht verriet, das redeten seine Finger: es wäre vielleicht am besten, dieses Weib, diesen Widerstand aus der Welt zu schaffen! Kortner spielt da«ine unbändige Auto- kratie, eine bestialische Hoheit und«inen dämonischen Stolz. Er er- schlittert uniibcrtresslich. Seine schrille verwundend« Stimme, seine schleichende Panthergeducktheit, sein Mienenspiel, das Zucken seiner Gesichtsmuskeln und Glieder, all dieses souveräne Entfalten der Komödiantenmittel greift bis an den entlegensten Nero des Zu- schauers. Die Passivität seiner Gegenspielerin, des Fräulein Eleonore M e n d e l s o h n, ist hier durchaus das Richtig«. Die Königszimmer des spanischen Palastes, die Gartenanlagen, selbst das Gefängnis sind weite Räume, nicht Stätten der Melancholie, wie der Dichter es dacht«. Der Bühnenbildner Cäsar Klein hat üppig gebaut und die erdrückend« Architektur vermieden. Schimmernd und bunt ist das spanische Gewand der Höflinge und Schranzen. Desto starrer wirken die Personen, die es tragen sollen. Jeßner will das Zitatengedächtnis der Zuhörer bluffen. Das Wohl- bekannte soll ganz neu und ursprünglich wirken wie das Kostüm. Selbst die berühmten Schillerschen Paradeaphorismen sollen als Improvisationen klingen. Doch hier hat der Regisseur, besonders am Anfang, wieder allzu willfährig seinem bourgeoisen Herzen nach- gegeben. Man merkt schmerzlich den Widerspruch zwischen dein Pomp der Problem« und dem Bemühen der Künstler, das Pathos zu vermeiden. Di« Künstler werden winzig, wie Fräulein Binder. die weder politische Intrigantin mach glühende Liöbhaberin, sondern nur eine Eboli>st, die sich ihr« Rolle wie«in zanksüchtiges und putz- süchtiges Duodezedelfräulein zurechtlegt. Auf Wunsch des Rc- gisseurs? So überwindet auch M ü t h e l, der Marquis Posa, erst in seiner großen Bekenntnisszene und bei seinem Ausschrei der Gc- dankenfrciheit die Banalität, die der Regisseur ihm vorschreibt. Max Pohl, der neunzigjährige Großinquisitor, lorikiert den fanatischen Fistelton der priesterlichen Mumie, und Paul Bildt zieht das imposante Mönchtum des königlichen Beichtvaters Domingo allzu bewußt ins Bagatellenreich des Königslakaien hinunter. End- lich der unglückselige Don Carlos, dessen Rolle für Kortner auf- geopfert wurde und für den sich mit jugendlicher Hofsnung auf Segen der strebsame Schrnispieler Norbert Schiller aufopferte. Er mußte unterliegen. Aber seip Mut ist zu achten. Er möge sich nicht grämen. Er war das Unschuldslamm, das umgebracht wurde. �Der Intendant, der Regisseur und Dramaturg müssen da Remedur schaffen. Wer sich nicht beugt, muß gebogen werden. Das Staats- theater darf eben nur dem Gesamt'unstwerk dienen und nicht einem einzelnen Künstler, mag sein Talent auch noch je tropisch strotzen und zum Protzen g«ueigt sein!. dlax Hochdorf. Langanke-Milieu. Zung und alt vor dem Zeugentisch in Moabit. Der Langonke-Prozeß gcht erst am Montag zu Ende. Zwei Tage lang war das Gericht peinlich bemüht, die Glaubwürdig- leit der jetzt vierzehnjährigen und damals zwölfjährigen einzigen Tatzeugin zu ergründen, ihre frühreife Sexualität zu erforschen. Alle Lorhaltungen des Vorsitzenden zerschellen an der starren Behauptung des Mädchens:„Es war mein Vater." Als sie gestern immer wieder Lügen gestraft wurde, nahm sie der Vor- sitzende noch einmal vor.„War es wirklich Ihr Vater? Heute ist es noch Zeit, entlasten Sie Ihr Gewissen. Geben Sie Ihrem Bater die Ehr« wieder. Stellen Sie sich vor, wie furchtbar es wäre, wenn Sie einen Unschuldigen belastet hätten."—„Es ist wahr", sagt Erika leise.„Ist es Ihnen denn gleichgültig, was mit dem Vater geschieht? Hätten Sie denn kein Jnteresie, daß er frei käme?"— „Es ist mir nicht gleichgültig, er war es ober." Der Staats- anwall versucht fein Glück.„Erika, du warst doch immer offen zu mir, sage die Wahrheit, war es der Vater?"—„3a-" Der Staatsanwalt bittet um eine Pause. Er zieht sich mit Erika aus dem Gerichtssaal zurück. Es vergehen fünf Minuten voll banger Span- nung. Das Mädchen kehrt verweint zurück; der Staatsanwalt hat nur das«in« erreicht: die Kleine gibt zu. gestern einen Zeugen Xafiaug in der Spree. 9er am Sonnabend am Tegeler Iteg in die Spree ge llOrzle Xaflxug nur de am Sotmlag eormiUag von der Seuernehr gehoben. fälschlicherweise als denjenigen bezeichnet zu haben, der mit ihr Geschlechtsverkehr gehabt hat. Jetzt nennt sie einen anderen Namen, aber auch dieser jung« Mensch ist unauffindbar. Hat Erika etwa Grund, den richtigen Namen zu verbergen? Ein« Episode aus der gestrigen Verhandlung verdient ober ganz besonders erwähnt zu werden; sie erhellt fchlaglichtartig die Situation. Erika wollte am Siloesterobend zum Ball gehen. Um die Einwilligung der Mutter zu erlangen, flunkerte sie ihr vor, auch der Fürsorger würde anwesend sein. Hinterher verbreitete sie selbst eigenartig« Gerüchte über den Fürsorger: Er sei mit ihr in einem Lokal gewesen und habe Nackltänze aufgeführt. Erika hotte sich nicht gescheut, in leichtfertiger Weise die schweren Besckzuldigun- gen gegen den Beamten zu erheben. Sollte sie etwa in gleicher leichtfertiger Weise auch den Dater beschuldigt haben? In diesem Langanke-Milieu scheint manches möglich. Man sah gestern die Männlein und Weibleln, jung' und all aufmarschieren, das vier- zehnjährig« Töchterlein in der Pelzjacke, die Fünfzehnjährige mit den tänzelnden Bewegungen und herausforderndem Lächeln, die mit überlegener Schadenfreude ihre frühere Freundin Erika Lügen straft und immer neue Erlebnisse mit Jungen auskramt; die Sechzehn- jährig«, die noch als kleines Schulmädel eigentümliche Brief« schrieb; dt« Burschen aus der Elique„Lustig Blut"— auch von Cliquen „Niedlich" und..Mondkrebsc" war die Rede— die nur allzu gern mit den Schulmädeln anbändelten und dann schließlich die ällere Generation, die mit lüsterner Neugier das Verhalten der Mädchen beobachteten, ihre Gespräche belauschten und auch mancher ganz harmlosen Handlung unteuschen Sinn andichtete. politische Schlägereien am Sonntag Kommunisten prügeln sich mit Hakenkreuzlern. Am Sonntag ist es am Zirkus Busch und im Lustgarten wieder zu politischen Zwischenfällen ge- kommen. Die Polizei war schnell Herr der Lage. Ungefähr am Schluß der Veranstallung, die die Kommunistische Partei am Sonntag mittag im Zirkus Dusch abhielt, ließ sie das Piscator-Kollektiv aus dem„Kaufmann von Berlin" von der Nollendorf-Bühn« auftreten. Wie bekannt, stellt dies eine Abteilung Schwarzer Reichswehr dar, die gegen Kommunisten hetzt. Das Endergebnis dieses Auftretens war neu, indem in der Arena des Zirkus Busch«in« Abteilung Roter Frontkämpfer der Reichswehr entgegentrat und sich ihrer Waffen bemächtigte. Daraufhin schritt die Polizei ein, um die uniformierten Rotsrontleute, deren Organisation bekanntlich verboten ist, festzunehmen. Dabei kam es zu Tumultszenen, in deren Verlauf mehrere Verhaftungen vorgenommen und Waffen beschlagnahmt wurden. Einige Zeit später passierte ein größerer Trupp uniformierter Nationalsozialisten die Kleine Promenade am Bahnhos Börse. Sofort war mit Kommunisten«ine Schlägerei im Gang«, der erst durch das Dazwischentreten der Polizei ein Ende bereitet wurde. Etwa 60 Hatentreuzler w u r de nwz w a n g s g e st el lt und nach dem Polizeipräsidium gebracht.— Schließlich versuchten noch einige Kommunisien, die Kundgebung des Verbandes Evangelischer Arbeiter, und Dolksvereine im Lustgarten zu stören. Die Polizei nahm mehrere Demonstranten fest. ,/Die neuen Herren." Ein antiparlamentarischer Film. Ausgesprochen politische Film« haben wir so gut wie gar keine, denn die Russenfilm«, an die man hier denken könnte, sind ja weit mehr, sind soziale Volksfilm«, und die patriotischen Geschichten vom Allen Fritz und der Königin Luise wird niemand zur Politik rechnen. Dieser ausgesprochene politische Film, der am Sonntag von der Ausstellung„Film und Photo" im Capitol gezeigt wurde, stammt von Jacques F e y d e a u, dem besten französischen Filmregisseur, dem wir so unvergleichliche Filme wie„Crainquebille" und„Theröse Raquin" verdanken. Man zeigt den Film, den bislang kein Filmverleih dem deut- schen Publikum zu zeigen wagte", wegen seines hohen filmkünstle. rischen Wertes! Hoffentlich. Denn der Tendenz nach ist der Film durchaus reaktionär. Er geißelt mit Recht die Lächerlichkeiten eines Parlamentarismus, der nur darauf aus ist, durch ewig neue Ministerkombinationen den Appetit der Cliquen und Persönlich- leiten zu befriedigen, er parodiert das Pathos der großen Politik, die ach so klein ist, brandmarkt die Protektionswirtschast der Minister und Abgeordneten und macht die Herren Abgeordneten, die im Parlament schlafen, lächerlich. Aber der Film begeht den Fehler, diesen parlamentarischen Kretinismus und die Streberei ausge- rechnet an einem jungen Arbeiter zu demonstrieren, der im Hand- umdrehen zum Gewcrkschaftssekretär und Minister aufsteigt und nun dieselben Dummheiten macht wie die anderen. Das Ganze ist reichlich mit französischem Esprit ausgezeichnet, nie plump und blöd wie etwa die deutsche Komödie„Der Minister", die ähnliche Ten- denzen verfolgt. Aber verfehll bleibt die Tendenz trotzdem. Speziell der französische Parlamentarismus ist eine bürgerliche Affäre sans phrase, und hier wären ganz ander« Ding« zu entlarven wie die Beförderung einer kleinen Tänzerin, die der neue Mimster liebt, die ihm aber der konservative Graf wieder abnimmt, als jener gestürzt wird. Filmisch ist auch dieser neue Feydeau ein Meisterwerk Alles ist mit leichter Hand gemacht, der Witz kommt von den Bildern und nicht von dem Text aus. Die„große Sitzung" des Parlaments, die sich für einen träumenden Abgeordneten in eine Ballettaufführung der Großen Oper verwandelt, ist eine Köstlichkeit besonderer Art. Die Parodie, der Ulk, die Satire quillt in allen Fugen. Und dabei bleibt alles hübsch menschlich, besonders auch die kleine Tänzerin, die zwischen dem Grafen und dem Mann ihrer Klasie hin und her pendelt. Wann wird Felideau das französische Bürgertum auss Korn nehmen, wie er im„Crainquebille" die bürgerliche Justiz und Polizei denunzierte? O. Uraufführung des„Kremzug der Maschine�. Der Berliner V o l t s ch o r bringt unter Leitung seines Diri- genten Dr. Ernst Zander Mittwoch, 6. November, 20 Uhr, im großen Saal der„Neuen Well"(Hasenheide), ein Werk von Dr. Arthur Wolfs:„Kreuzzug der Maschine"(Dichtung von Lobo Frank), zur Uraufführung. Der„Kreuzzug der Maschine", ein Werk der Masse, stellt das® erst« größere abendfüllende proletarische Oratorium dar. Mitwirkende: der BerUner Boltschor und sein Kmderchor, Sprech- chor, Einzelsprecher, das Berliner Sinfome-Orchester und Lichtbilder von Käthe Kollwitz. Solisten: Fräulein Paul Lindberg und die Herren Bringolf und Kepich. Karten an der Abendkasse.(Preis 1.S0 Mark.)__ Der M((imano-£f)ot veranstaltet am Sonntaq, 10. b. M., im Zaalbau siriediichSbain unter Leitung seine» C'-orm-iOer« Josef Schmid sein die«. jährige» Herb st konzer t. Miltv tkendr tzrau?or« Builb und Frau Margot Hinnenberg-Lösebre. Konzertbeginn 6 Uhr, Eintritt 1 M. 25 mal.Früvilngseiwachcu-. Dienstag findet dl« 25. Auslilbrung von Dcdctinds.Frühlingserwochen- in der Dollsbähn« In der Inszenierung von Marlin slatt. Vorfiellua-sverleaung. Tie für Dienstag im Deutschen Theater an- geletzte Schauspieler�tachlvolstellung von.Kaiser von Amerika" wird ans den 12. d. SR., abend» 11-/. Uhr verlegt. Yvonne Georg» und Harald Kreuzberg. Tanzmatinee im Theater am Äülowplah. Yvonne G e o r g i und Harald Kreuzberg— zwei Tänzer- namen, die höchste Erwartungen wecken. Die Tänze waren zum größten Teil neu. Aus dem Ballett„Don Worte" hatte Kreuzberg den„Tanz des Hofnarren" auf das Programm gestellt. Er tat recht daran: es ist einer seiner ausdrucksvollsten, packendsten Tänze. Dieses Gefangensein, Beengtsein im Narrenkteide, im Raum, dos jede Bewegung— das lächerliche Tollen wie das verzagt resignierende Greifen. Tasten, Zusammensinken, Auslöschen— bestimmt, ergreist den Zuschauer im tiefsten, zwingt ihn zum Miterleben der Tragik des Narren. Aber Kreuzbergs tänzerische Ge- staltungskroft ist so groß, daß er das Publikum eigentlich immse in die Atmosphäre seiner Tänze hineinzaubert, ob er feierlich, ernst oder traurig, heiter oder ausgelassen kommt. Einmal vielleicht, in dem„kriegerischen Tan z", gelang ihm das nicht.' Mit einem einfachen Kostüm, als technische Hebung, hätte diese Darbietung gc- zeigt, daß Kreuzberg selbst dabei Stimmungswerte zu schassen weiß. für einen Tanz, wie man ihn von diesem Tänzer erwartet, reichen dies« Stimmungswerte aber nicht aus. Yvonne Georgis bester Solotanz war der„Walzer" von herber, süßer Zartheit: so schön, wie man ihn sich nur träumen kann. Ein Seelchen tanzte: ohne jede Sentimentalität, ohne mit sich selbst oder mit dem Publikum zu kokettieren: tanzte, well es ! tanzen mußte. Mit einigen anderen Solotänzen schien sich Yvonne Georgi auf ein Gebiet begeben zu haben, das ihr kein« großen Mög-, lichkeiten bietet. Weder die große pathetische Geste einer„Kassa n- d r a", noch die Sentimentalität des„klagenden Liedes" sind ihr natürlich. Weshalb will sie ihre künstlerisch so reiche Natur mit unechten Flittern schmücken? Aber man darf glauben, daß si-: das selber erkennt und sich rechtzeitig wieder davon freimachen wird. Auch die Tanzduetts zeigten, daß man ihretwegen nicht Sorge zu haben braucht. Di« Ausgelassenheit und dabei die kunstvolle Zierlichkeit des„Bäuerlichen Tanzes" war in der Kompo- sition wie in der Ausführung eine Glanzleistung des Tänzerpaares. Die Parodie ihres Programms in der Schlußnummer„P o t- pourri", die auch den sehr begabten musikalischen Begleiter dieser Matinee, Friedrich W i l ck e n s, mit auf das Podium brachte und ihn nicht nur zu pianistischer, sondern auch zu tänzerischer Betätigung zwang, löste stürmische Helterkeitssalven aus.— Einer Darbietung muß wenigstens noch gedacht werden, die das Tänzerpaar in be- sonders eigenartigen Ausdrucksformen zeigte.„Böse Träume" nannte sich dieses Duett, das wirklich in spukhaften Gesten, in phon- tastischer Auswertung der Höhen- und Tiefenrichlung wie ein Alb- träum vorüberzog.— z. Die Zensur in Rußland Eine Sonderkomistission, die von dem Direktorium der Schönen Künste in Rußland eingesetzt wurde, hat«ine Liste von Opern ausgestellt, deren Aufführung im Gebiete der Sowjetunion künftighin verboten sein wird. Man sollte«s nicht für möglich halten, daß Werke wie Othello, La Traviata, Aida, Madame Butterfly, Hoffmanns Erzählungen und andere mehr auf dieser schwarzen Liste zu finden sind. Andererseits machen sich die russischen Zeitungen über den„Faust" lustig und veröffentlichen solgendes offizielle Textbuch, das auch In der Staatsoper an das Publikum verteilt wird: Faust hat von Mephisto Jugend und Reichtum erhalten. Mit Hilfe von schönen Geschenken und eleganten Toiletten verführt Faust das kleine arme bürgerliche Mädchen, Margareche, deren Bruder Valentin herbeieilt, um sein Bäterland gegen die Feind« zu verteidigen. Abichuh der«riien Aerarakeie. Wie Pioi. ObcUh mitteilt, wird mir dei Zusammenietzung der eisten Fernrakete, die in die Stiatoipbäre dringen soll, in etwa acht Tagen begonnen. Er erwartet, den Abschuß je»ach der Wetterlag« um den 20. November herum vornehmen»u tönne». Die Frauen auf dem Posten! Ein AppeN: Giimmt für Liste'l! Wählt sozialdemokratisch! Ein milder, sonniger herbstsonniag, ein Tag. an dem manche Zlrbeilersrau. manche Junftionätin der Sozialdemo. krallschen parlei denken mochte: heute mochtest du noch mal mit deinem Mädel, deinem Zungen heraus aus dem Stein- meer der Großstadt in die Umgegend, in die Ualur! Es ging nicht: Unsere sozialdemokratischen Frauen hatten aus Anlaß der Kommunalwahlen am 17. Ilovember die Funktionärinnea zu einer letzten Beratung zusammengerufen, und Saal und Tribünen des ehemaligen Herren- Hauses waren überfüllt. Unsere Arbeite rsänger von„F i cht e- G e o r gi a" leiteten die Tagung ein.„Erwache Volk, erwache!"„Zur Sonne, zur Freiheit!" Genosse Künstler begrüßte im Namen der Sozialdemokraten von Verlin-Brandenburg die Genossinnen mit den Worten:„Eine Frauentagung der Berlinerinnen ist keine Tagung der Frauen allein, sondern eine Tagung von größter Wichtigkeit für die Gesamtpartei. Der Einfluß, den die Frauen in unserer Partei haben, wird sich auch bei den Kommunalwohlen für uns auswirken." Genossin W e y l berichtete über die sozialen Ein- richtungen der Stadt Berlin.„Es ist eine Tragik,"{o sagte sie,.daß wir Sozialisten noch heute uns bei miserer Sorg« für die Armen, für die Wöchnerinnen, sü? die Proletariertinder zu allzu großem Teil aus private und kirchlich« Bereinigungen und Institute stützen müssen.» wir leisten, wa» wir können, um die Wohlfahrt unter den Einfluß und unter die Gewalt der Kommune zu bringen. Nur allzu oft fehlt es uns am nötigen Geld«. Trotzdem sind wir vorwärts gekommen. Der Ausbau der Wöchnerinnenfürsorge hat sich ebenso wie die hauspfleg«, die wir für Wöchnerinnen geschaffen haben, als außerordeirtlich segensreich erwiesen. Di« Alters» und Rentnerheime sind erweitert, den Erwerbslosen suchen wir mit allen Mitteln Voschästigung zu geben. Bei der Betreuung der Geschlechtskranken ist es der Sozialdemokratie gelungen, für die so notwendige Absonderung der Jugendlichen zu sorgen. Ich sag« ganz offen, es ist noch lange nicht genug, wir möchten doppelt so viel schassen und noch mehr. Aber trotzdem können wir es aussprechen: wir haben erfolgreich für die Durchsetzung derOi Wohlsohrt mit sozialistischem Geiste gewirkt. Einst, unter- dem Kaiserreich, war beispielsweise die Verschickung von Großstadt» kindern aufs Land eine private Angelegenheit, eine Frage des Geldbeutels, heute arbeiten wir systematisch darauf hin, daß jedes bedürftig« Kind einmal im Jahre auf einige Wochen heraus- kommt aufs Land. Fünf, zehntausend Kinder benutzen täglich die von uns geschaffenen Außenspielplätze. Unser Kinderhotel weist 400 Betten und 200 Notlager auf und wird von 36ÖOO Kindern im Jahre benutzt. Wir haben 83 Jugendheime, aber wir möchten ISO haben. Unsere Ausgab« ist es, dafür zu sorgen, daß wir so stark sind, unsere ganzen großen und weitgehenden Wünsche in Wohlsahrts- und Jugendfragen durchzusetzen." In der Diskussion sprach Genossin Dr. Frankenthal über das Gesundheitswesen. Der Dezernent im Rathaus, Herr v. D r y- galf ti, hat einen Aufruf unterzeichnet mit der Mahnung„Schafft evangelische Krankenhäuserl" Wir rufen: Schafft städtische Krankenhäuser! In einem besonderen Referat behandelt« Genosse Stadtrat Reuter die Derkehrsfmgen. Mit Stolz können wir auf die grundlegenden Aenderungen der Nachkriegszeit blicken. Unter dem Kommunalfortschritt war Berlin vor dem Kriege besonders rückständig, unter dem Einfluß der Sozialdemokratie ist es heute besonders fortschrittlich. Wir Sozialdemokraten waren die Befürworter Groß-Berlins, die Kämpfer für die einheitliche Verwaltung. Preis« und Löhne in den städtischen Verwaltungen sprechen für unser« Arbeit. Unser« Verkehrswirtschaft sucht ihresgleichen in der Welt. vor dem Kriege bevorzugke man die Villenbezirke des Westen», heule bevorzugen wir bei Verkehrserneucrungen die Arbeiter- quartiere. Die Grundloge unserer Kommunalwirtschaft ist absolut gesund und intakt. Arbeiten wir auf dies« Grundloge weit«! Genossin Todenhagen wies auf die Tätigteft der Arbeiten» ohfahrt hin und verlangte ein enges Zusammenarbeiten zwischen Reich, Land und Kommune. Genossin Fröhbrodt von der SAJ. verlangte mehr Jugendheim« und Jugendherbergen, die Schassung einer Groß- sugendherberge und größeren Einfluß in kommunalen Angelegen- Herten. Genossin W e y l antwortete ihr w ihrem Schlußwort: Auch wir Aelteren fühlen uns noch jung, Arbeit für die Arbeiter- schaft hält jung. Wenn es noch nicht überall so aussieht, wie wir wünschen, so sind wir doch stolz darauf, daß gerade in den proletarischen Bezirken sich so vieles geändert und ge- bessert hat. Genossin Kern sprach üb« Fragen der Organisation und Agitation. Der weibliche Mitgliöderstand der Partei in Groß-Berlin ist erfreulich. Die Werbewoch« 1928 bracht« 834 Neuausnahmen von Frauen, bi« jetzt»«zeichnen wir für die Werbewoche 1929 bereits 839 Frauen, es stehen aber noch Berichte aus, so daß wir bestimmt mft 900 Neuaufnahmen von Frauen in uns«« diesjährigen werbe- wache rechnen können. Am 1. Oktober 1928 zählten wir 13 484 weibliche Mitglieder, am 1. Oktober 1929 beträgt die Zahl IS 871. Das bedeutet eine Steigerung um 18. Prozent. An der Spitz« marschieren Zehlendorf, Treptow und Kreuzberg, ab« auch die anderen Bezirk« haben sehr gut gearbeitet. Genossin Kern gab sodann«inen kurzen rückschauenden Ueberblick über die Der- anstaltungen der Berliner sozialdemokratischen Frauen im Berichts- jähr. Noch einmal oppelli«te sie an das politische Pflichtgefühl der Frau aus der Arbeiterklasse, das sich gerade bei den Kommunal- wählen wiederum zeigen und bewähren müsse. Ueber SO Prozent der Berliner Wählerschaft sind Frauen. Allzu viel Frauen aber stehen noch abseits von uns, allzu viel Frauen vornehmlich auch aus den schaffenden Bevöikeru?�-schichten! Sie zu gewinnen, ihre Stimmen am 17. November der Liste I, d« Sozioldebio- k rotte, zu sichern, das soll unsere Arbeit sein! In ihrem Schlußwort sprach unter stürmischem Beifall die Bor- sitzende Genossin Wurm noch einmal die fest«'Zuversicht aus, daß es am 17. Nooencher vorwärts gehen, daß es klappen wird. Die Sozialdemokratie und in ihr nicht zum wenigsten die sozial- demokratischen Frauen stehen im Kamps. Sie werden diesen Kampf erfolgreich bestehen. Mit einem Hoch aus die Partei und im genreinsamen Gesang der Internationale schloß die Veranstaltung. welker für Berlin: Nach klar« und sehr kalter Nacht am Tage longsame Bewölkungszunahme und später wieder Neigung zu Niederschlägen.— Für Deukschland: Nach verbreiteten Nachtsrösten in Nordwest, und Mitteldeutschsand wieder langsame Eintrübung und aufkommende Niederschlagsneigung, im Süden und Osten auch tagsüber noch ziemlich heiter. ltngetreue Sieuerbeamte. Frauen und Gewerbetreibende um Darlehen beschwindelt. Liegnitz, 3. November. Wie erst setzt bekannt wird, hat man bei der Lieg nitzer städtischen Steuerverwaltunz vor einiger Zeit größere Unterschlagungen aufgedeckt. Der Steuerkassen- inspektor E i t n e r, der bei der Steuernebenstelle Cathaus angestellt war. tmirfce im Zusammenhang mit dieser Unt«schlogung vor etwa 14 Tagen oerhastet. Er hatte es verstanden, bei Hausfrauen und Gewerbetreibenden erheblich« Darlehen zu«schwindeln, die insgesanft 6300 M. ausmachen. Di« eingezogenen Steuerbeträge hat Eitner als bereits an die Kasse abgeführt, verhucht, während er sie in Wirklichkeit für sich behielt. Weiter hat« unbefugt Kassenquittungen an Steu«schuldner ausgegeben. Die Gelder, die er auf diese Weise erbeutet«, belaufen sich auf etwa 6000 M. Die Sesannsumm« der unt«schlagsnen Gelder beträgt ungefähr 12 000 M. Di« Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen. dtantaz, 4. November. B e r 1 1■. 16.05 Marcise: Der Stembtame) im Monst November. 16.30 I. Beethoven: Sonate Q-Dor, op. 96. 2. Braluns: Sonate O-Dtir, op. 75. («edwl» FaBbaender-Rohr, Violine; Dr. Hanns Robr. FIBtel.) 17.30„Tank verteidigt sein Leben." Roman von Friedriei Wolf, BmcbstBcke (seleseo vom Verfasser). 18.00 Lieder von E. J. Wolff. N. Medtner, Gretschanino*. Tschalkotrsky(Eise J6rn. Sopran: am Flügel: SeMIer-Winkler). 18.25 Ministerialrat Dr. FeBler: Volkswirtschaftliche Tagesfragen. 18.45 Konrad Conradns; Eindrücke von einet Fahrt durch das Räaranngsgebiet. 19.10 Uoterhaltungsmnsik. 20.30 Programm der Aktuellen Abteilung. 20.50 Hotel Kaiserbof: Unterhaltungsmusik. 21.10„Lebendige Dichtung." Ein Querschnitt. CMitw.: Lotte Lenia, Walter Franck.) 22.30 Funk-Tangunterrleht. Anschließend Tanzmusik. Während der Pause Bildfunk. 23.45 Seehtstagereanen.(L'ebertragung aus dem Sportpalast.) Kealgswnsterhaasea. 17.30 Prof. Sachs: Religiöse Kultmusik. 18.00 Dir. Bäuerie: Geschichte des freien Volksbildangswesens. 18.30 Englisch für Anfänger. 18.55 Dr. Blohm: Arbeitsleistung und Maschinenanwendung In der nordamerika- nischen Landwirtschaft. 19.20 Maurermeister Arendt: Das Baugewerbe. 20.00 Alsberg: Aus der Werkstatt des Verteidigers. 20.30 1. Ravel; Sonatine. 2. Debussy: a) La Puerta del Viuo; b) Ondiue; c) Minstreis(Franz Josef Hirt, Flügel). 21.00 Märsche. Bcccntmoctl. tlc Bit Btebottion: Salfgang Schmer», Setiin; anzeigen: Th. SIndc, Setitn SctiOB: Sottnätfs Betlag©. m b H., Beiltn. Dtuck: Letmutts Buch» dtucketei und LttlagsanstaU Paul Singet& So. Sellin SD 58. Smbcnfttokc 3. Bictän I Setlege. Aoä Anzug-Stoffe tiglldiet Fabrikate von WoUra/— nur bat Koch& Seeland Getiraudlcnslraßc 20—21» iO Uhi: Treibjagd Berliner lllk-TriO Nchukölln. W ljüuutr.74/1fil TUL 2 lenlifl. S■««'/, Nr Preisil-BM.«ottaifl.; 5 D.SO PI-311. | Garaldin« u.Joe, Ettd, Power usw. Irosses Schaospielhaus 8 Uhr IMustettm REGIE: CHIREll Sennteg nechm. an gek., halbe Pr. ROSE •THEATER BrÄ?r Bllleltkesse: Alexander 3422. Täglich 8» Uhr (Sonntags SV« und 9 Uhr) Di« lelcMe Jsabdl leden UlttveO) 3 Dir Das tapfere smaelderleln reden tennsbena S Uhr «. Jeden Bonntag 2» Unr: Frau Holle Rcichshallsn>Theater Abends QjQ Sonntag nachm. JjTI Des Andranges wegen prolongiert: „Bei de Stettiner" Ulk-Revne. Nachmijtaes halbe Preise, volles Programml BlllettheSL Zemtum 11263. Dönhoff- Brettl: Famlllen-Varietd— Konzert— Tanz. VolKibUime fheiter iiBllgvBiiti 8 Uhr FrQtalinos Erwachen Stutl.SdiHlei-lli. 8 Uhr Treibjagd Staaisoptrin Piau der Eeßstillk Vh Uhr Der FreisdiDtz* Thealtr an saunaaerdaim 8'/. Uhr Pennäler Deotsdies Theater 0.1. Norden 12310 SV» Uhr Der Kaiser v.Amerlka von Bernard Shaw Reg: Max Reinhardt Kammerspleie D.I. Norden 12310 8'8 Uhr Oer Unviderstebliehe Kemfldie von Gdraldy und Spitzet Regie: Gustaf Grflndgens Die Komädie J1 BIsmek.24I4y75l6 8 Uhr Übte TontoUiioanl Kolportage Komödie von Georg Kaiser Regie: Erich Engel »M antra!- Alte Jakobstr. 32 I Qasispiel d. Th. d.l Westens Täglich 8'/c Uhr I Stg. 4 u. S'.'c Uhi| Friederike 1 Der veliciloia I [von Frana Leber| Die Horchwerke Akt- Ges. 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Aber— leider— haben sie nicht immer das notwendig« Verständnis für di« Tragödie der Totgesagten und ihrer Familien. Gerade dieser Behörde, der die Versorgung der Kriegsinoaliden und ihrer Opfer obliegt, möchte man weniger Durcaukratismus und Pedanten« und mehr MenflUichkeit wünschen. Wir lassen einig« Fälle folg«n, di« sich um den Komplex d«r Totgesagten gruppieren und die über die Rechtsstreitigkeit hinaus einen Einblick in di« äußere und inner« Rot auch dies« Opfer des Krieges geben. Verschollen, aber nicht totgesagt! Als der Krieg ausbrach, lebt« das Ehepaar Bl. in Riga- Mann, Frau und zwei Kinder wurden als deutsche Reichs- ongehörige interniert, die Eheleute»oneinnd die Ehe in einer Weise zerrüttet, daß der Frau nicht zugemutet«erden konnte, di« Eh« sortzusehen. Nach zwölf Jahren wieder auferstanden. Ein Gegenstück zu diesem Falle bildet einer, der vom Sekretär des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten. Schubert, mitgeteilt wird. R. ging im Jahre 1914 in den Krieg. Im Jahr« 1913 geriet er in rufsische Gefangenschast. Seitdem blieh seine Frau ohne Nachricht. Sie erreichte ein Ausschlutzurteil, de.zog als Krieger- w i t w« Rente, verheiratete sich und erhielt die gesetzlich« Absindung. Jahre waren ins Land gegangen, als plötzlich im Jahre 1926 der Mann erschien, viele Male halte er ao seine Frau geschrieben, feine Briefe erreichten sie aichl, ebenfo weyig ihr« Briese Ihn. Bald war er in einem Gefangenenlager, bald in einem anderen. Im Jahre 1919 geriet er bei der Koltfchakarmee in japanische Gefangenschaft, im Jahre 1920 wieder in russische. Noch Deutschland kehrte er schwer lungen- und kehlkopf- tuberkulös zurück mit einer Erwerbsminderung von 100 Proz. Er verzichtete darauf, zu seiner Frau zurückzukehren. Auch bestand ihre zweite Ehe zu Recht. Paragraph 1348 des BGB. besagt: Geht ein Ehegatte, nachdem der andere Ehegatt« für tot erklärt worden ist, eine neu« Ehe ein, so ist die neue Ehe yicht deshalb nichtig, weil der für tot erklärte Gatte noch lebt: st« ist da- nur, wenn beide Ehegatten bei de? Ehefchtießung wußten, daß er die D�des- erklärung überlebt hat. Dos Verforgungsamt lehnte den Renten- «ufpruch dieses schwergeprüften und unheilbor tranken Menschen tzku R., hieß es, fei freiwillig in Rußland geblieben und Hobe alle Fristen verfäuint. In Wirklichkeit war er ober nirgends in Rußland als Kriegsgefangener registriert worden, hatte weder ein« Aufforderung zur Rückkehr in die Heimat, noch Geldmittel erhalten. Er hatt« auch gor nicht wissen können, daß in Deutschland eine Kriegsopferverforgung existiert und war deshalb auch nicht in der Lage, Rente zu beantragen. So lautete die Argumentation der Rechtsstelle des Reichsbundes für Kriegsbeschädigte. R. wartet noch heute auf seine Rente. Ein serbisches Geschoß— kein K r i e g s g« s ch o ß. Nun noch ein Beispiel für die oft unerklärliche Haltung der Versorgungsgericht«, wenn es sich auch nicht um«inen Totgesagten handelt. N. wird auf dem serbischen Kriegsschauplatz verwundet. Er wird notdürftig verbunden, die Wunde heilt: seitdem aber ver- lassen ihn keinen Augenblick nervöse Beschwerden. Im Jahre 1926 wird er vollends arbeitsunfähig. Eine Röittgenaufnohm« stellt fest, daß über dem Becken ein Jnsanteriegeschoß steckt. Daher die Be- schwerden. Das Jnsanteriegeschoß ist aber ein serbisches Jnsanteriegeschoß. Was läge nun näher, als daß dos Der- sorgüngsamt ihm eine Rente zuspräche. Keine Idee. Es erklärt, es sei nicht wahrscheinlich, daß der Steckschuß aus dem Krieg« her- rühre. Es bebinrfte einer Berufung, damit dos Bersorgungsgericht noch verschiedenen Schwierigkeiten N. eine 30prozensige Rente zufproch. Opfer des Krieges— Menschenleben, die der Krieg elend werden ließ! D.K. Aus Deutschlands ältester Republik Lübeck, wie es wurde und wie es ist „Dat hebbt wi früher nicht hatt. Wat bnrken wi dat Hütt?" Das Flugzeug der Lufthansa fährt über Lübeck. Nichts bietet größere Möglichkeit, Geschichte zu sehen, als der Blick von oben, der Blick aus der Dogelschau heraus. Lübeck, das 1226 durch Erlaß des Hohenstausenkaifers Friedrich freie Stadt wurde und damit den Ruhm für sich in Anspruch nehmen darf, Deutschlands älteste Republik zu sein, verrät Wrden und Vergehen, Aufgang und Niedergang, Absterben und neues Erblühen, wenn man es von oben herab betrachtet. In der Innenstadt drängt sich Haus an Haus. Noch erkennt man die Reste von Wall und tlmmauerung, durch die einst der Gegner, der Däne, der Dithmarscher, der Hamburger und vor 123 Jahren der Franzose der Stadt ferngehalten werden sollte. Eng sind die Straßen, aneinandergeklebt sind die Häuser, mittel- alterlich ist der Eindruck. Daneben ober deuten auf die Größe einer freilich längst versunkenen Vergangenheit die sieben Türme, das Holstentor, das Burgtor, die historischen Male der Stadt, die einst nach dem alten lübischen Lied« Königen die Krone gab und Haupt der Hansa war. Aber man spürt gerade vom Flugzeug aus, daß der Geist der Hansa sich regt. Er stößt die Mauern beiseite, er dehnt sich aus, er will Lust. Di« alten Mauern sind gesallen, Vorstädte, die in ihrem Ausläufern immer weiter sich über das alte Weichbild erstrecken, zeigen, daß über Vergangenes hinweg neues Leben sich Bahn bricht. Und erfreut sieht de» Sozialist die A r b c if c rk o l o n i« n, die schmucken, kleinen Häuschen, die außerhalb der Innenstadt liegen und geschaffen wurden durch dos neue Lübeck ngch 1918. Vor der Veränderung der Staatssorm, vor 1918, gewiß, schon damals war Lübeck Republik. Aber es war eine Republik, die un- berührt war von den Idealen wirklicher Demokraiie. Es war eine a r i st o k r a t i s ch e Republik: Ein vorsiniflutliches Wahlrecht setzte in den Senat und in die Bürgerschaft die Angehörigen sogenannter Patrizierfamilien, sie schuf Regierende, die es sich auf meist ererbten Sesisln bequem machten, di« viel zu stolz waren, um sich um Wohl und Wehe des Hafenarbeiters, des Kohlcnträgcrs, des Schiffers, des kleinen Mannes überhaupt mehr zu kümmern, als ein überkomme- nes, patriarchalisches Verhältnis angemessen scheinen ließ. Ohne Zweftel, diese seltsamen Republikaner, deren letzter und vorzüg- lichster Repräsentam der verstorbene Bürgermeister Fehling war, hatten etwas Antimonarchisches, sogen wir ruhig, etwas„Rc- publikanischcs", in sich, Sie hatten niemals viel von den Hohe, zollern geholten. Sic waren auch niemals übermäßig preußisch- militärisch. Wilhelm II. hat Lübeck über zwölf Jahre lang gc- mieden, weil ihm die Tischgespräche seiner Magnifizenz, des präsidierenden Bürgermeisters, nicht gefielen, und, ohne daß sich der Senat darüber übermäßig aufregte, grüßt« ein Posten des Lübecker Infanterieregiments Nr. 162 wochenlang einen um die Stunde der Senatssitzung vorübergehenden Lohndiener, der Frack und Zylinder trug, durch Präs.'ntiergrisf. Senaloren, die im feierlichen Kleid zur Sitzung kamen, waren als Vertreter der freien Hansestadt Militär sch zu begrüßen, Lohndiener nicht. Dem Senat war es gleichgültig. Ebenso gleichgültig aber war den Vettretern alter Lübecker Patrizier- samilien auch Wohl und Wehe der M i n d e r g e st e l l t e n, der unteren Bevölkerungsschichten, der Arbeiter. Plötzlich, 1916, kam de? große Wechsel. Das alle Wahlrecht { fiel, das neue Wahlrecht kam, und mit ihm fehlen sich aus die bevorzugten Sessel der Senatoren Arbeiter, frühere kulschcr, Schlosser und Buchdrucker. Sie sitzen jetzt zum Teil zehn Jahre auf dm einst unerreichbaren Stühlen, aber sie haben sich nicht nur behauptet, sie haben sich durchgesetzt. Sie haben sich durchgesetzt, nicht etwa, indem sie den Beherrschern der freien Hansestadt von einst Konzessionen machten, nein, indem sie Stück für Stück und mit der Zähigkeit, d e uns Norddeutschen eignet, für ihre Austraggeber, für die Arbeiter- schast, durchsetzten, was huxchzusetzen war. Nüchterner Hanseaten- geist schützen die Lübecker Arbeiterschaft in ihrer großen Mehrheit davor, kommunistischen Quatschereien nachzulaufen. Wenige Radaubrüder vertreten im Lübecker Landesparlament, der Bürge r j ch oft, die KPD. Aber daß unsere Senatoren nach besten Kräften geschafft haben, was bei der überaus prekären Finanzlage des kleinen Ländchens möglich war im Jntcress» der Arbeiterschaft, das geschah, das wurde Wirklichkeit. Der Lübecker Bürger ist Krämer. Man spürt, wenn man die Reden der Vertreter des hanseatischen Bürgerblocks liest, nichts von dem königlichen Kaufmann, von dem die Lübecker Dichterin Ida Boy Ed geschrieben hat. Man erkennt nichts als einen 'Horizont von dem Umfange des Tintenfasses, das vor dem Kontsr- schemel steht. Unsere Leute hoben es in ihrer sozialen Arbeit nickt leicht gehabü Es tönt ihnen entgegen:„Dat hebbt wi früher nich hatt. Wat bruken wi datt Hütt?"(Das haben wir früher nicht gehabt, was brauchen wir dos heute.) Di« Sozialdemokratie sagt: Dir brauchen es! Und fi« hat sich durchgesetzt. Der Stecken Lübecker Proletarierkinder war vor 1918 das „Rauhe Hau s". Es war ein« Erziehungsanstalt mit allen Qualen, allen Schrecken urtd allen Verderbnissen, die diese Anstalt damals kennzeichneten. In Einzelheiten hinabzusteigen, sei erspart: man erzog Lebensunfähige oder Verbrecher. Wenn man heute hin- ausfährt in diese Anstalten vor der Stadt, dann sieht man einen Wandel, der Bände spricht. Der Verantwortliche für das Lübecker Wohlfahrtswesen, Senator Genosse 5? a u t, zeigt mit Stolz, was er aus diesen Heimen gemacht hat. Gewiß, Ordnung und Erziehung zur Selbstdisziplin sind dringend notwendig. In diesem Punkte wird auch nichts versäumt. Gerade Männer, die aus der Arbeiter- klaffe hervorgehen, wissen über schöne Theorien hinaus, was prak» tisch zu leisten ist. Aber man spürt nichts von Zwang, von Tyrannei, von innerer Verelendung. Die Jungen und die Mädel sind frisch, aufgeweckt, unverschüchtert, frei heraus. Spiele, Bücher, Radio, Unterricht stehen zur Verfügung. Wo einst der Kommando- � ton jung« Menschen verbildete und ruinierte und zu Sklaven oder Tesetzesbrechern erzog, sucht heute eine wohlwollende Hand nützliche Glieder menschlicher Gesellschaft zu bilden und Asozialität, die viel- leicht ererbt übernommen ist, zu beheben und zu beseitigen. Vorbildlich für jede Großstadt ist in Lübeck die Fürsorge für die Kleinsten. Ich habe viele Heime gesehen, aber ich darf, ohne zu übertreiben, sagen, daß ich kein Heim sah, das soviel Luft, soviel Licht, spviel Sonne bietet, als das Heim am Lübecker Mühlenteich. Zumeist sieht man die Derftoßcnen der Vergangenheit: u neheliche Kinder, die hier gehegt und gepflegt werden? Aus dem Armenhaus wurde in Lübeck durch sozialistische Arbeit»in V er s o r g u n g s h e i m für die Alten, in dem sie nach ihren ge- ringen Kräften noch schassen und arbeiten können und gleichzeitig eine gemütliche, wenn auch kleine Heimstatt habe». Für die ganz Gebrechlichen ist ebenso gesorgt: die Sozialdemokratie wandelte ein Asyl in ein Heim. Das. Beispiel Lübecks zeigt, was sozialdemokratische Arbeit ver- mag. Die Polizei untersteht einem sozialdemokratischen Senator, und es ist erfreulich, daß die Vertreter der Lübeckern Ar- beiterschaft ein herzliches Einvernehmen zwffchen ihnen und den Beamten der Polizei zu rühmen wissen. lleberall, wo die Sozialdemokrakie stark ist, sind auch die Organisationen der Arbeiterschaft sla k. Das beweist Lübeck. In ganz Norddeutschland ist wohl nirgends die Gewerkschaftsbewegung lebendiger, tätiger, freudiger als in Lübeck. Bestrebungen, in der Schulreform weiterzukommen, finden gerode in Lübeck durch die Sozialdemokratie Entgegen- kommen, das zu schöpferischer Auswirkung führt. Ein Warenhaus der Konsumgenossenschaften ist im Vau. Es geht vorwärts in Lübeck. Die Sozialdemokratie, geführt vom ersten Bürgermeister, Genoffen L ö w i g t, sieht auch der Entscheidung des Wahlkampfe- mit Ruhe und Zuversicht entgegen. Am 10. November wird in Lübeck das Landesparla- m e n t, die Bürgerschaft, neu gewählt. Unsere Genossen hoffen zuversichtlich, au? der stärksten Partei der Bürgerschaft die Mehr- h e i t s p a r t ei in der Bürgerschaft zu schassen Wir Berliner, die wir am 17. November an die Urne treten, tun gut, auch in die Pro- oinz hinauszuschauen und von dort zu lerne n. Dann erkennen wir, was die Sozialdemokratie, wenn sie bestimmenden Einfluß auf die Verwaltung auszuüben vermag, leistet. Aus dem Lübeck ein s engbegrenzten Krämergeistes wurde eine Stadt, wurde eine Ge- meinde, die durch die Vertreter der Arbeiterschaft, durch die Sozialdemokratie, altes verdrängte und neues schuf. Mögen die Lübecker am 10. November uns Berliner zum 17. November anspornen, unsere Pflicht als Sozialdcmolraten zu erfüllen. Ilenninx Duderstsöt. Ein Ueber»'W®tHerskratxer Da? höchste Haus der Welt wird der lleber-Wolkeukratzcr , Nayes-Schulte sein, der im New-Aarker Stadtteil Manhattan auf einem Gebiet von zwei Strahenhiocks errichtet weiden wird. D'r Riesenbau wird 150 Stockwerke haben und eine Höhe von 1600 Fuß, das sind 488 Meter. Mit diesen Dimensionen wird der Bau alle bisher von menschlicher Hand errichteten Bauwerke, auch den Eissel- mrm mit seinen 300 Metern in den Schatten stellen. Der bicher höchste New-Porker Wolkenkratzer, das Waolworth-Gebäude mit seinen 80 Stockwerken, wird um etwa das Doppelte übertroffen und auch die noch im Bau befindlichen Wolkenkratzer, wie der der Bank of Manhattan in der Wallstreet mit 840 Fuß Hohe und der Neubau der Empire State Inc. aus dem Platz des ehemaligen Waldorf-Astoria-Hotels, der 1000 Fuß haben wird, werden bei weitem übörslügelt werden. In den 150 Stockwerken des Riesen- baue? werden etwa 50 000 Personen in Bureauräumlichketten unter- gebracht werden, und nach den Vergleichszahlen bei anderen Ge- schäfishäusern werden täglich etwa 200 000 Personen in diesem Hause eu»- und ausgehen. täkhdtuqe frawoßfireAerr van Qffäwhß/irfa (1. Fortsetzung.) Sie arbeiteten beide in der gleichen Werkstatt-, sie schliefen hinter dem gleichen Riegel; sie gingen im gleichen chofe spazieren; sie aßen das gleichc Brot. Jeder war des anderen Welt. Sie schienen glücklich. Ich habe bereits von dem Direktor der Werkstätten gesprochen. Dieser Mensch, den die Sträflings haßten, mußte sich oft an Claude wenden, wenn er seinen Befehlen Gehorsam verschaffen wollte. Wenn es galt, einen Auflauf oder einen Tumult zu stillen, die wildgewordcnen Sträflinge zur Vernunft zu bringen und im Zaum zu halten, so richteten zehn Wort« Claudes mehr aus als zehn Aufseher oder Gendarmen des Direktors. Claudes titellose Autorität hatte die titelhofte des Direktors schon bei mehr als einer Gelegenheit wirksam unterstützt. Darum haßte ihn dieser aus tiefster Seele. Er war eifersüchtig auf diesen Dieb. In seinem Innern hegte er gegen Claude«inen versteckten. unversöhnlichen, neidbespritzten Haß; den Haß des Scheinherrschers gegen den. der wirklich das Heft in Händen hat; den Haß der rein körperlichen Gewalt der obsiegenden geistigen gegenüber. Claude liebte seinen Freund und dachte nicht an den Direktor. Eines Morgens, als die Sträflinge von den Aufsehern aus den Schlafsälen in die Werkstätten geführt wurden, sagteaha," lachte der Prokurist,„wir sind eine Getre'de- und keine Tabaksfirma." „Bitte sehr," sagte Herr Boddecke, der hinzugetreten war und führt« die Beamten in das Getreidelager. „Das sind ja ungeheure Msngen," sagten sie und telephonierten nach dem Zollamt. Zehn Minuten später waren vier weitere Grün- rotte da, und alle sechs gruben und schaufelten in den Weizen- bergen herum. „Wer mag denn bloß," flüstert« der Prokurist,„diese alberne anonyme Anzeige erstattet haben?" „Ich," sagte Herr Boddecke. Flimm riß die Augen auf.„Sie?" Bcddecke fchwieg. Flimm schwieg. Die Beamten schauielten. Un- und um. „Keinen Tabak gefunden," sagten sie schließlich,„nur«ine Brieftasche." „Die gehört mir," lächelte Herr Boddecke,„ich habe sie neu- lich hier verloren." Und er nahm die prall gefüllte Brieftasche, bedankte sich und gab jedem Beamten eine Zigarre. „Sehen Sie," sagte er zu Flimm,„und lernen Sie daraus: diese Zigarren kosten zehn Pfennig das Stück Was aber hätten wir an Lohn bezahlen müssen, wenn wir die verloren« Brief. tasche durch �unsere Arbeiter hätten suchen lassen!". Gro�sch wimmfest der Arbeiter. Massenbesudi bei den Freien Schwimmern Grofj-Beriins. TXeben dem sportlichen Erfolg hatten die I r e ie n Schwimmer Groß-Berlin anläßlich ihrer Schwimmwetttämpfc im Luna-Zad Halensee einen noch nicht dagewesenen Publikums- erfolg zu oerzeichnen. Parterre und Rang waren ausverkauft, etwa 2500 Zuschauer folgten mit gröhtem Interesse den ausgezeichneten schwimmsporllichen Darbietungen der Berliner Vereine und Ihrer Gäste aus dem Reich. Die auswärtigen Vereine hatten nicht ihre schlechtesten Kräfte in den Kampf geschickt. Wenn sie trotzdem den hiesigen unterlagen, bedeutet das keineswegs Unehre für sie. Die Freien Schwimmer Groß-Verlin befinden sich �augenblicklich in einer Form, die auch stärkeren Gegnern schwer eine Siegerchanc« verheißt. Um 13 Uhr war die große Schwimmhalle, mit roten und schwarzrotgoldenen Bannern reich geschmückt, bereits übersüllt. Der Zustrom der- Gäste nahm kein Ende. Dann trat plätzlich Ruhe ein, machtvoll erklang aus vielen tausend Kehlen die erste Strophe des Bundesliedes. Der Borsitzende Völker begrüßt« die Vertreter der Reichs- und Kommunalbehörden, der auswärtigen Vundesvereine, der Sozialdemokratischen Partei, der Gewerkschaften, der Funkstunde und der Presie und hieß olle herzlich willkommen. Wie Völker in seines Rede betonte, veranstaltet ein Arbeiterschwimmverein zum erstenmal ein so groß aufgezogenes Schwimmfeft in diesem Bade. Unser Sport, so rief Völker mit er- hobcner Stimme in die Halle hinaus, soll und muß dazu beitragen, die in der Rationalisierung der Arbeit geschwächten Kräfte neu zu beleben, neu zu stärken, vor ollem aber den Gemeinschaftsgeist zu pflegen. Wir wollen aber auch heute betonen, daß wir bestrebt sind, der Partei sowohl als auch den Gewerkschaften durch unseren Sport gesundeKämpferzuzuführen und daß wir als hohe Aufgabe mit darin sehen, in engster Gemeinschaft mit diesen beiden Faktoren der großen deutschen Arbeiter- bewegung zu wirken. Wir glauben, daß der Weg. den der Arbeiter- jchwimmsport in den 25 Jahren seines Bestehens gegongen ist, der richtige war und daß nur auf diesem Wege weitere Erfolge für die gemeinsame Sache zu erwarten sind. Rechtzeitig haben wir un» srei gemacht von jenen Schwätzern und Phrasen- Helden, die unsere stolze Organisation zu untergraben und zer- trümmern versuchten.„Nehmen Sie dann, meine Damen und Herren," so führte der Redner weiter aus,„die heutige Veranstaltung als Auftakt für den 17. November, also dem Tage, an dem die Groh-Berliner Arbeiterschast ihr Schicksal in kommunalpolitischer Beziehung an der Wahlurne zu bestimmen hat. Wir erklären, daß wir dahin wirken werden, daß an diesem Tage auch jedes wahlfähige Mitglied unserer Organisation an der Wahlurne erscheinen wird. Ohne uns einer politischen Partei zu verschreiben, ist«s aber eine unbedingte Lebcnsnotwendigkeit für uns, wenn wir unsere Stimmen restlos der Partei geben, die in ehrlicher Weise für unsere Interessen im Stodtparlament gewirkt hat. Und das ist die Sozialdemo- k r a t i s ch e P a r t e i, der wir auch an dieser Stelle danken möchten." Die beifällig aufgenommene Rede klang in einem dreifachen brausen- den..Frei heil" aus. Dann nahmen mit einem Aufschwimmen der Kinder die wettkämpfe ihren Anfang, die mit 6X66?� Männer Stafette(beliebig� eingeleitet wurden. Die Freien Schwimmer Groß-Berlin siegten vor Breslau sicher in 4: 21,8. Magdeburg folgte erst an dritter Stelle. Beson- deres Interesse fand die Männer-Brust-Schnellstafelle über die Distanz von 66%, 133%, 133% und 66% Meter, hierzu lagen Mel- düngen von 8 Vereinen vor, die sich auch sämtlich dem Starter stellten. Um den ersten Platz gab es zuerst ein Ringen zwischen der Freien Turnerschaft Groß-Berlin und den Freien Schwimmern Groß-Berlin. Nach sechs Bahnlängen führten die Freien Schwim- mer noch mit großem Lorsprung. Dann kam Grandtke von den Freien Turnerns ins Rennen, der mächtig aufholte. Leider war der Schlußmann der Freien Turner recht schwach, so daß die Freien Schwimmer überlegen in 3: 39,7 gewannen. Das Männer- Kunstspringen in der A-Älast'e brachte eine Ueberraschung. Allgemein wurde der Bundesmcister Stieler-Dessau als Sieger er- wartet, es kam aber anders. Der junge, erst 18jährige Greustng der FSGB., der sowohl die Pslich sprünge als auch den Kürsprung mit größter Sicherheit und Eleganz aussührte, errang unerwartet gegen starke Gegnerschaft mit 38,1 Punkten den Sieg. Zweiter wurde Krabel FSGB. mit 36,1 Punkten. Erst an dritter Stelle solgt« Stieler mit 33 Punkten. Später war Greustng noch einmal im 16-Meier-Turmspringen erfolgreich. Mit 25 Punkten sicherte er sich abermals den ersten Platz vor Krabel, der es immerhin auf 23 Punkt« brachte, hart umstritten war die 4X100-Meier-Männcr.Lagcnstafcile. Auch hier war es wieder die Mannschaft der FSGB., die in 5: 12,9 als erste durchs Ziel ging. Zweite wurden die Breslauer, die Hellas- Berlin um handbreite im Ziel noch abfingen. Im 200.Meter- Sckwimmen der Männer(beliebig), das mit 10 Teilnehmern stark besetzt war, siegte Grühn, Charlottenburg, in 2: 35,9 vor Reglin. Spandau, 2,49. Zuerst sah es so aus, als ob Grühn oder Frohn FSGB. Anwärter auf den Siegertitel feien. Nach dem vierten Anschlag ließ Frohn wider Erwarten nach und mußte sogar noch Reglin an sich vorbeilassen. Den Schluß des gelungenen Festes, mit einer Organisation, die wie am Schnürchen klappte, bildeten die Wasserballspiel«. Erwähnt sei noch der famose F r e i h e i t s r e i g e n. II. B. Män-crst-lctte,« mal•«=* Mete«, beliebmt 1. ffttie Schwimm» StaS- Scttin 4:21,8: 2. Breslau 4:26,1: B. Maadebura 4:29,6.— grau-n-Brug- (i5 roimtnen, tt?,* SRcl«, inirrn: 1. Lutlier, Drok-Berlin,«Stupse SuilöDn, 1:03: 2. Larkowslu, ffitofi.SBctlin, StuvPt Itrirdrichshain, 1:10,4.— Knabrn. S- wim.ven, SPcUr, intern; 1. Äiekebufd),®roft.9etIin, Neukölln, 50®: 2. Lannhamer. O-toS-Bctlin, Siemensstad'. 55.— Männliche Bruftfiaffel, intern: I. gre'e Schwimmer Krok-Berlin. Neukölln, 1. Mannschaft. 3:51,5; 2. Lichtrn- öern. 1. Mannschaft, 3:51.«.— Mäbchen-Brnstschwimmen. 65� Met«», Intern: I. Nodcwald. greie Schwimmer Groß-Berlin. Gruppe Neukölln, 0:59,2: 2. Sa- walskn. gre e Schwimmer Groß.Derlrn. Gruppe Liöitenbera. 1 Min.— Mann- «che Znaendlaaenstasetie,' 4 mal 6»-. Meter: 1. Kellas. Berlin. 2:58,2: 2. greie Schwimmer Grech-Verlin. 3:06: 8. Sannopep. 8:09,1.— Männer-Nettnnarmedr- kämpf: 1. Radrie. greir Schwimmer Groß-Berlin. 2:42: Z. G.«leinö, greie Scknv mmer Groß-Berlin. 2:422!—«eibliche» guaenbschwimmen, 100 Retee, »eliebia:(14 bis 16 Zabre.s 1. Braun, greie Schwimmer Draß-Berlin, 1:43,1. (16 bis- 18 Iabre.1 1. Seifert. Stete Schwimmer Groß-Berlin, 1:38: 2. Mcnner, St»ie Schwimmer Groß-Berlin, 1:35.— Weibliche, Anaend BruItlchwimmen, «6»i Meter intern: 1. Serba rd. Srcie Schwimmer Groß-Berlin. 1:08.5; 2, Lö- wecke. Ste'e Schwimmer Groß-Berlin, 13W®.— Äinbeistafettc, 6 mal«63b Meter. 1. greie Schwimmer Groß-Berlrn I. 8:18,7: 2. Kellas. Berlin, 6:32®.— Btib- licke,-tnaerd-Brusttchwimmen, 663b Mete», lnteen: 1. Kein, Groß-Berlin. £;emene(tabt, 1:09; 2. Pandel, Groß-Berlin. Neukölln. 1:11,2- Männer-grei. WIBalctte, I mal»»3b Meter: 1. Stete Schwimmer Groß-Berlin. 4:21®: 2 Breslau. 4:2»®.„ Männliche» SiiBcrbt-�Wrocn. lOO Meier: ,1.4 bU 16?abre.) 1. Linde mann. Groß-Berlin. Gruppe Neukölln. 1:14t 2. Richter. Stribeil, 1:14® (18 bl» 18 5ak>re.1 1. Tripornsee. Surner Eroß-Berlim 1:10: 2. Schnöbt. KÄlas Berlin. 1:13.— Männer-Lapen staterte, 4 mal«6-� Meier: l. Gruppe Lichten. -ARßBTSU niSSBALL Luckenwalde schlägt Berlin 5:0. Das war wohl die größte Ueberraschung am Sonntag: Berlins Slädtemannschafl muhte gegen Luckeuwalder Blannschast diese hohe Niederlage einslecken: dazu war der Sieg der Luckenwalde? durchaus verdient. Flüssiges Kombinationsspiel gepaart mit Schnelligkeit und Ballsicherheit gaben de« Ausschlag. während bei Luckenwalde kaum ein schwacher Punkt zu sinden war. verfügten die Berliner über mehrere. So konnte die Läuferreihe gar nicht befriedigen. Eine Ausnahme bildete in der zweiten Halbzeit der Rlittelläuser. Zm Sturm war der Mittelstürmer ein vollkommener Versager; gut waren nur die beiden Außenstürmer. Vi« Verteidiger im verein mit dem Torwart konnten die Erfolge Luckenwalde» trotz eifrigen Spiels nicht ver- hindern. Zum Spiel: Berlin hat Anstoß, der aber von Luckenwaldes Läufer abgefangen wird. Zunächst Abtasten nach schwachen Punkten. Luckenwalde fand sich zuerst zusammen, dadurch macht sich von Anfang an eine klare Uebcrlegenheit bemerkbar. Wenn nicht schon in den ersten Minuten Erfolge erzieft werden konnten. so war es das Verdienst der Berliner Hintermannschaft, die mehr- mals im letzten Augenblick rettend eingriff. Lediglich einige Ecken waren die Ausbeute, die aber alle abgewehrt wurden. Berlins Sturm versuchte nun auch sein Glück, hier stand aber«in nicht zu überwindendes Hindernis in Gestalt des langen Torwarts und der fchlagsicheren Verteidiger. In der 38. Minute ging Luckenwaldes Sturm wieder energisch nach vorn. Vom linken Verteidiger Berlins wird der Holbrechte unfair gelegt. Der Straf- stoß endet gegen die Latte. Ein kurzes Zaudern des rechten Berliner Verteidigers, der Torwart kann den Ball nicht mehr erreichen. 1: 0 für Luckenwalde. Wohl versucht Berlins linke Seite diese Scharte auszugleichen, aber es bleibt bei diesem Versuch. Nach einigen vergeblichen Bor- stoßen ist Halbzeit. In der Pause Besprechung der Mannschaften. Berlin stellt um. Der rechte Läuser geht zur Mitte,«in neuer Spieler übernimmt seinen Platz. Diese Umstellung zeigte sich zuerst auch als glücklich. Luckenwaldes Ucberlegenheit tritt nicht mehr so kraß in Erscheinung. Erst als in der 16. Minute das zweite Tor für Luckenwalde fällt, läßt Berlin ersichtlich nach. Ein weiteres Tor wird wegen Abseits nicht gegeben. In der 25. Minute ist das dritte Tor fällig, dem schon eine halb« Minute später das vierte folgt. Damit ist das Schicksal sür Berlin be- siegelt. Wohl versucht Berlin, wenigstens das Ehrentor zu erringen. Der sichere Torwart der Luckenwolder läßt es aber nicht zu. Einige Minuten vor Schluß stellt dann der Mittelstürmer Luckenwaldes das Resullal aus 5: 0. Die Berliner könnten sich an dem Spiel der Jugcndmann- schaften ein Beispiel nehmen, das mit dem hohen 8: 9-Resultat für Berlin endigte.____ Todessturz in Strausberg. Das Ende eines jungen Reiters. Lachender Sonnenschein über dem Quast! Massenbesuch! Zwei Faktoren also, die den Erfolg dieses Renntages sicherstellten. Und dann eine erschütternde Einleitung, ein Sturz mit tödlichem Ausgang. Lähmend legte sich das tragische Geschick des Lehrlings Jakob Trump sheller aus die Stimmung der Besucher. Die Freude am bunten Leben und Treiben auf dem grünen Rasen mar dahin. Acht Pferde wurden für das November-Jagdrennen, das als erste Nummer auf dem Programm stand, gesattelt, daruyier auch Orator unter dem Lehrling Trumpshcller, dessen kürzlicher Erfolg mit Marsy die Rekordquo!« von 2253:19 gezeitigt hatte. Am Tribünensprung versah es Orator, ging kopfüber und begrub seinen Reiter untersich. Ein Entsetzensschrei hallte von den Tribünen. Schnell waren die Netdungsmannschaften zur Stelle, doch alle ärztliche Kunst kam zu spät. Festgestellt konnte nur noch werden, daß das Pferd direkt auf die Brust des unglücklichen Reiters gefallen war, der dabei einen Halswirbelbruch und eine Zer- Zerreißung des Rückenmarks erlitten hotte, Verletzungen, hie seinen Tod auf der Stell« herbeiführten. In» Sportpalast. Grolje Jagden.—„Ausgeschieden!" Die Sonnabend ii acht pflegt für Veranstalter von Sechs- tagerennen gewöhnlich die ertragreichste zu sein. Trotz erhöhter Ein- trittspreis« ist dann die hall«„gerammelt" voll. Die Besucherkveisc? Es sind die, die das nötige„Kleingeld" besitzen, das eben zum Besuch einer solchen Sonnabendnacht erforderlich ist. Die sogenannten „Sachverständigen" bleiben in der teuren Nacht in der Minderheit, dafür geben die Leute den Ton an, die eben überall dabei sein müssen. Film und Theater sind vertreten. Auch Tauber war da, der in der wilden Nacht im Innenroum das Lied vom„Mädchen, mein Mädchen" zum Besten gab. Irgendwer aber sagte:„Gott sei Dank, der Stumpfsinn findet eine Unterbrechung durch— Reklame!" Dann begann um Mitternacht der Tanz der tollen Iagden. Petri-Tietz halten guten Antritt und fügten sich schnell in die Spitzen- gruppe Krüger-Funda und Dorn-Maczinski ein. Kampf auf Kampf folgte. Runden wurden gewonnen und verloren. Kurzum: es wirbelte alles durcheinander. Der Mann am Transparent, das den jeweiligen Stand des Rennens anzeigt, vermochte nicht schnell genug zu arbeiten. Waren eben noch sechs Mannschaften Spitzengruppe, gab es bald nur eine einzige Mannschaft in der Führung:-Goossens- Deneef, die alles hinter sich ließen! Aber auch hierbei sollte es nicht bleiben. In der vierten Morgenstunde stieß Petri vor. Tietz war auf dem Posten, und nach hartem Kampf, trotz Sturzes Tietz', übernahm die erfahrene Sechstagemannschaft die Fühnmg des Feldes mit Goosiens-Deneef. Dorn-Maczinski zogen vom müden Felde los und schloffen ohne Aufregung zur Spitzengruppe auf. Als die Belgier Gooffens-Deneef später eine neue Jagd anzettelten, ging alles drunter und drüber. Ein Massensturz oeranlaßte die Neutralisation und gab später den Auftakt zu einem Skandal, der einfach nicht zu beschreiben ist. Unter den Gestürzten befand sich auch Oskar Tietz. Nun besagt ein Artikel der Fahrbestimmungen, daß Fahrer, die während einer Jagd stürzen, die in ihrer Abwesenheit gewonnenen Runden nicht mitgewinnen. Die Mannschaft Tietz-Petri mußte somit die Spitzengruppe wieder verlassen. Und da setzte der Rodau ein. Das Publikum tobte über die Entscheidung des Renn-- gerichts, das sich nach Minuten dem Skandal beugte und bekannt gab, daß Tietz-Petri In der Spitze belnssen werden... Auch eine Entscheidung, die nun klar beweist, wie sehr so ein Sechstage-- rennen eine geschäftliche Angelegenheit ist! In den Morgenstunden verschwanden Roynaud-Dayen. Sic lagen so weit hinten, daß sie eS vorzogen, den Koffer zu packen. An» Sonntagnachmittag setzten sich die Jagden fort. EHmer-Kroschel holten eine Verlustrunde auf. Dann stießen Mamhey-Schön, Dorn-Maczinski und Krüger- Funda vor. Der Rundengewinn glückte: Dorn-Maczinski hatten allein die Spitz«. In der achten Abendstunde stieß Tonani vor. Ehmcr setzte den Därstoß fort und strich mit seinem Partner Kroschel eine der Verlustrunden wieder ab. Schließlich zogen die unermüdlichen Dorn-Maczinski davon und sicherten sich mit abermaligem Rundenvorsprung überlegen die Spitze. Jetzt war der Stand so: 1. Dorn-Maczinski 41 Punkte; zwei Runden zurück: 2 Krüger Funda 115 Punkte, 3. Petri-Tietz 85 Punkte, 4. Goossens- Deneef 59 Punkte; drei Runden zurück: 5. EHmer-Kroschel 42 Punkte, 6. hürtgen-Miethe 24 Punkte: vier Runden zurück: 7. Louet-Mouton 67 Punkt«, 8. Manthey-Schön 31 Punkte, 9. Wauters-Vermandel 28 Punkte; fünf Runden zurück: 19. Gebr. Wolke 79 Punkt«, 11. Girardengo-Negrini 34 Punkte, 12. Tonani-Binda 24 Punkte; sieben Runden zurück: 13. Lehmann-Wissel 16 Punkte. Und der Ahend. An den Kabinen der Italiener wird verhandelt. Zuerst ver- schwindet Girardengo, später auch Binda. Ihr körperliches Befinden ist derart, daß sie nicht mehr ernsthast fahren können. Tonani w i r d m i t N e g r i n i z u s a m m e n g e k o p p e l t: sie haben sechs Verlustrunden und 29 Punkte. Wenn auch die dritte Nacht nicht so wild wie die zweite verlief, gab es jedoch auch hier wieder «inschneidende Feldveränderungen, so daß schließlich drei Mann- schaften die Spitzengruppe bildeten. Nach 56 Stunden(1478,919 Kilometer) ergab sich: S p i.tz c: Goossens-Dencef 84 Punkte: Dorn- Maczinski 43 Punkte; Mielhe-hürtgen 24 Punkte. Eine Runde zurück: Krüger, Funda 169 Punkte: Petri-Tietz 196 Punkte. Zwei Runden zurück: EHmer-Kroschel 66 Punkte. Drei Runden zurück: Louei-Mouton 191 Punkte; Wouters-Ver- mandel 41 Punkte. Vier Runden zurück: Gebrüder Wolke 78 Punkt«: Manthey-Schön 47 Punkte. F ü n f R u n d e n z u r ü ck: Lehmann-Wissel 38 Punkte. Sechs Runden zurück: Tonani- Negrini 39 Punkte. Sclinibby. Richtefest am Uedersee. a»u4.u|40{viii'/ a mal anexe«« I.» 4»"«,.4.4,,-,, w. �cuuy,«Ji-tiin, 4:29.— Män-rerfGmimmen, 20O SRetee, beltebtfl; 1.®rü(n, Cfwtlpttcnbutfl. 2;355>; 2.■pealm, ispanlKui. 2:40.. BaffetbüDsniele; Stete SckmUmmer Kannnver«eften Sreie Sdjmtmntcr Graß- Berlin(Stiflcrbl 3:1; Stfie SHwirnrncr Spandau«eaen AGB. Ba>ridrn-Br»-- lau 8:1(l:ll: Stete ctf-tDimmet Graß-Berlin fleoett Graß-Maadeburs SK)(2:0): Lellas-B-rlin grgcrr DSB. Görliß 4:3(3:1) In der Mark Brandenburg haben die Naturfreunde schon eine ganze Reihe von Heimen und Hütten erstehen lassen, und doch fehlte immer noch ein Haus, das sich mit den vorbildlichen süddeutschen Natursreundehausern hätte messen können. Es fehlte vor allem ein heim, daß auch Feriengäste aufnehmen kann, ein heim, das all« technischen Einrichtungen der Jetztzeit enthält, das wirtlich der wandernde» Jugend und auch älteren Wanderern alle Bequemlichkeiten bietet. Von vornherein muht« großzügig, aber trotzdem sparsam projektiert werden, und es entstand das heim am Uedersee, das im Rohbau jetzt vollendet ist. Ein frischer Herbstsonntag, der recht oft Sonne durch Wolken strahlen ließ, oereinigte die Naturfreunde zum Richtesest. Ueber 599 waren anwesend, die der festlichen Stunde beiwohnten. Vor- sitzender B u l a n, der Vorsitzende des Gc nes Brandenburg der Naturfreund«, begrüßt« die Anwesenden. Nach altem Handwerks- brauch wurde von ihm der letzt« Nagel in die Balten geschlagen, dann wurde der Richtkranz hochgezogen, der Polier sprach zunst- gemäß den Richtspruch, und als Krönung des Festaktes zerschellte ein«— Selterflasche. Der symbolisch« Vorgang war beendet, Be- grüßungsredner brachten oen Ratursreunden Glückwünsch« zu ihrer Tat, die um so höher zu bewerten ist, da der Bau f a st nur mit eigenen Mitteln begonnen wurde und trotz aller Schwierigt leiten, die sich besonders auf finanziellem Gebiete ergaben, durch- geführt wurde. Umlauf vom Bezirtsverbard Berlin der Sozial- demokratischen Partei. Richard Schmidt für den Gau Grenzmark der Partei. Borthelmanr für den Arbeitersport. Oberturnrot Preuß sür die Stadt Berlin und das Stvdtamt für Leibesübungen, Rcktor ! Blume, für den Iugendhcrbergsverband, und Schaum für den Orts- I vorstand Berlin des ADGB.: sie all« beglückwünschten die Natur- freilnbe zu ihrer sozialen Tot, allen Wanderern und gerade den minderbemittelten aus dem Arbeiterstand ein wirkliches heim geben zu wollen. Das heim hat eine frontale Länge von 32 Meter und dielet Raum für 189 Personen. Dem Mittelbmi ist eine Veranda vor- gestellt, die beiden Flügelbauten werden von Mittelgangen durch- zogen, zu deren Seiten die Einzelräume liege». Zehn vier- betttg« und sieben zweibettige Zimmer dienen den Feriengästen, die etwas mehr Bequemlichkeit bean- spruchen, sechs Schlafsäle mit je zwölf Betten stehen der wandern» den Jugend zur Verfügung, im Bedarfsfall« können noch?totlazer, die gut durchführbar sind, hergerichtet werden. Im ganzen enthält der Bau 67 Räumlichkeiten, darunter zwei größere Tagesräume, zwei Küchen, vier Bäder, Räume zum Schuhsäubern, die gleich an den Eingängen liegen, damit der Schmutz nicht ins Haus getragen wird und, was besonders wichtig bei Wanderheimen ist:«in heiß- luftirockenraum für nasse Kleider. Dunkeltammer, Fahrradstand, Toiletienräume sind ebenfalls selbstverständlich. Besonders schwierig war die Versorgung des Heims mit elek- trischer Kraft. Der nächste Ort mit elektrischem Anschluß wäre Lichterfelde und die Kosten für die Kabellegung, die betoniert unter dem hohenzollerntanol hätte erfolgen müssen, waren derartig hoch, daß sich ein« eigene Kroftanlog« rentiert. Ein 12-I'5. Motor liefert den notwendigen Strom und treibt gleichzeitig eine Saugpumpe, die dos Haus mit fließendem Wasser versorgt. Eine Art Zentral- Heizsystem, das getrennt die beiden Flügel und den Mittelbau bc- heizt, wird ebenfalls eingebaut, so daß das heim wirklich mit allem ausgestattet ist. Eine eigen« Kläranlage beseftigi die Abwässer, so daß auch in hygienischer Beziehung alles getan ist. Nach der notwendigen Geländeplanierung wird sich der Bau noch stärker dem Landschastsbild einpassen, als es jetzt schon der Fall ist. Roch ist recht viel Arbeit zu leisten, aber wenn alles gut geht, Hosfiu die Naturfreund«, es zum 8. Juni einweihen zu können. Etzel i.i politisches Landsknechttum. Zwischen Hakenkreuz und(Sowjetstern. „Der ehemalige Nationalsozialist Walter Kreuz wird in Zukunft nicht mehr in kommunistischen Versammlungen auftreten. Er besitzt nach«inen Presseausweis der„Roten Zahne", der jetzt ungültig ist. Wir ersuche» die Genossen, ihn denselben abzunehmen und der Redaltion einzusenden." Das stand in der„Roten Fahne" vom 31. Oktober. Es ist nicht das erstemal, daß die Kommunistische Partei Ueberläufer aus dem nationalsozialistischen Lager in ihren Dienst stellt. Als vor Jahresfrist der ehemalige Reichsmusikleiter der Nationalsozialisten 5) i l l e b r a n d sich mit H i t l e r überwarf und nach Veröffentlichung seiner Broschüre„Herunter mit der Maske" aus der National- sozialistischen Partei ausschied, wurde in der„Noten Fahne" eine Versammlungsanzeige veröffentlicht, in der er als Redner ange- kündigt war. Auch Walter Kreuz ist bald nach seinem Scheiden von den Nationalsozialisten mit offenen Armen aufgenommen worden. Er war nicht nur für die„Rote Fahne" tätig, er wurde auch im Auf- trage der Zentral« nach Thüringen geschickt, um«ine Werbeaktion für den„Roten Frontkämpfer-Bund" durchzuführen. Wie die Nationalsozialisten und Kontmunisten lebensunerfahrene junge Leute ihren Zwecken dienstbar machen, zeigt so recht der Werdegang dieses Mannes. Ends Juni 1322 aus der französischen Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt, wurde er als Arbeitsloser sllr die NSDAP, gewonnen mit dem Versprechen, bald in Stellung gebracht zu werden. Am 1. Dezember 1922 trat er der NSDAP., Standarte I, in Köln 16. Sturmabteilung bei. Nach dem Verbot bestanden die Sturmabteilungen illegal weiter. Das war nicht schwer, da die Mitglieder der NSDAP, durch die'Arbeit in gewissen Betrieben in einein Abhängigkeitsverhältnis standern Wer sich an den illegalen Organisationen nicht beteiligte, verlor '. die Arbeit. Fast alle Nationalsozialisten waren in der Maschinenfabrik von Franz M e h l e r in Aachen untergebracht. So ging es nun ein paar Jahre. Im Juli 1923 wir aber der Reichsparteitag der Nationalsozialisten in Nürnberg. Schon am 24. Juni 1929 bekam die Sturmabteilung des Kreuz den Befehl zum Abmarsch, um Vorbereitungen für den Parteitag zu treffen. Für wochenlange schwere Arbeit gab es keine geldliche Entlohnung, ja nicht einmal ausreichendes Essen. Wie die Soldaten der alten Axme« wurden die proletarischen Mitglieder der NSDAP, mit einem Frühstück, bestehend aus einem Stück trockenen Brotes und einer Tasse Kaffee, abgespeist. Warmes Mittagessen gab es nur hin und wieder, wenn ein wirtschaftlich gut gestelltes Mitglied der Ortsgruppe Nürnberg es auf feine Kosten übernahm. Abends wiederum ein Stück trockenen Brotes und ein Stückchen Wurst. Diese ungenügende Verpflegung löste große Empörung aus, und viele Abteilungen der Nationalsozialisten rückten noch vor Be- cndigung des Reichsparteitages fast geschlossen ab. Nachdem Kreuz infolge dieser Vorgänge aus den Reihen der Nationalsozialisten aus- geschieden war, wurde er ohne weiteres von der KPD. beschäftigt, und das obwohl der KPD.-Zentrale seine Ver- gangenheit wohlbekannt war. Wie von den Nationalsozialisten wurde dem Kreuz auch von der KPD. Versprechen auf Arbeit und Unterholt gegeben. Zunächst wurde er aufgefordert, sich bei der Piscator- Bühne zu melden. Di« Papiere wurden dort abgegeben, aber eine Tätigkeit bei der Piscator-Bühne kam nicht in Frag«, da er nur der Partei zur Verfügung stehen solle. Das Ganze sollte nur eine Form- fache sein. Ausgerüstet mit kommunistischen? Referentenmateriol wurde Kreuz auf die Tour geschickt, um auch seine Erfahrungen mit der NSDAP zu verwenden. Zunächst referierte er in 9 Versamm- lungen in Berlin, und dann wurde er nach Sachsen, Thüringen, Pommern usw. geschickt. Pro Tag wurden ihm 19 Mark und dos Fahrgeld zugesprochen. Gegen Ende Oktober kam er von einer Agi- tationstour nach Berlin zurück und sollte gleich wieder einen neuen Auftrag entgegennehmen. Da er aber endlich aus Abrechnung bestand und man ihn wieder vertrösten wollte, wandte er sich schriftlich an Wilhelm Pieck mit der Bitte, seine Sache zu bereinigen. Antwort blieb aus, und so kam es am 26. Oktober zum Bruch. D-.e ganze Angelegenheit wird noch vor dem Arbeitsgericht«in Nachspiel haben. Kreuz hat unter dem 29. Oktober 1929 Klage erhoben gegen das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei, weil ihm dieses angeblich an Gehalt für die Zeit vom 8. August bis zum 26. Oktober 1929 noch 122,35 Mark schuldet. Ein Einzelfall, ober ein typischer Fall! Er zeigt, wie skrupellos Kommunisten und Nationalsozialisten arm«, politisch unerfahrene junge Menschen für ihre Zwecke ausnutzen. Handgeld und Sold be- deuten mehr als politische Ueberzengung. Auch die kommunistischen Arbeiter werden sich wohl für solche Vertrauensleute bedanken. Wir Sozialdemokraten haben uns über das politische Landsknechthim dieser Beruf-revolutionäre längst unser eigenes Urteil gebildet, und wir werden nicht ruhen, bis auch der letzte Arbeiter weiß, was er von einer solchen Führung zu halten hat! Pr�ne ikünxtler. Blutwelle über Gowjetrußland. Am Vorabend des zwölften Lahrestages der Novemberrevolution. Ueber Sowjetrußland ergießt sich ein neuer Blutstrom. Die Erinnerung an das Jahr 1919/29, das Jahr der reichsten Ernte des roten Terrors, steht wieder auf. Massenhaft Erschießungen auf Grund von Gerichtsurteilen revolutionärer Tribunal». Zu Hunderten krachten die Hinrichtunssschüfse der Tscheka. Massenerschießungen von aufständischen Bauern, von Offizieren und Kauflcuten, von Geistlichen und Konterrevolirtionären jeder Art waren schon fast Erscheinungen des Alltags geworden. Der Tod galt damals als un- entbehrlicher Helfer des Kriegskommunismus. Die Tscheka resp. die GPU. hat den Terror eigentlich nie ganz eingestellt. Wohl gab es Perioden, in denen der standrechtliche Tod weniger Opfer forderte. Di« Formen des Kampfes hatten sich ge- wandelt. An Stelle der Bauernaufstände herrschte nun Partisanen- kämpf. Zu Hunderten wurden Arbeiter und Bauernkorrejpoirdenten, Vorsitzende von Dorsräten und Koinmunisten einzeln niedergemacht. Die Gerichte quittierten diese konterrevolutionären Akte mit Todes- urteilen. Nur hin und wieder erftchr man von standrechtlichen Erschießungen Konterrevolutionärer durch die GPU. Die letzten Wochen zeigen aber einen plötzlichen Uinschwung. Eine neue Welle roten Terrors ergießt sich über Sowjetrußland— am Vorabend des zwölften Jahrestages der Novemberrevolution. Steht denn die sozialistische Sowjetrepublik nicht festgefügt da? Die Erfchießnng der Schachty-Jngenieure laut Urteils- fpruch des obersten Gerichtshofes bedeutete ein schlimmes Symptom. Die standrechtliche Erschießung der drei hervorragenden Elfen- bahningenieure kündet« schon Unheil an. Die Hinrichtung der fünf leitenden Männer aus der K riegsind uftrie, alles frühere zaristische Generäle, bowcgien sich in der gleichen Linie wie die ersten Erschießungen. Jetzt folgten Schlag auf Schlag: Vierzehn Todesurteile im Astrachaner Prozeß gegen die leitenden Männer der FinaiMbteilung, der Konsumgenossenschaft und des Fischhandels— kurz vorher waren zwei Todes- urteile in dem Moskauer Juwelen- und Valutalchmuggel-Prozeß gefällt worden—, die Erschießung von neun Bauern in Rsafan wegen Brandstiftungen an Häusern von Kommunisten. die Hinrichtung von zwölf Konterrevolutionären im Nordkaukasus, von einundzwanzig Konrcrrcvolu- t i o n ä r« n im kubanfchen Gebiet, von einigen Dutzend Personen in Moskau: in Kimry wurden vom Gericht fünf Personen, darunter ein Pfarrer, zum Tode verurteilt, in Jwa- nowo-Wosnefenfk vier Personen, in Samara fünf Bauern und ein Pfarrer, in den verschiedensten Gegenden Tag für Tag sogenannt« Kulaken, und ein« Anzahl neuer Prozesse steht bevor: In Dagestan gegen Konterrevolutionäre, in Moskau gegen leitende Persönlichkeiten der Staatsbank, in Jaroslaw gegen Konter- revolutionäre usw. Neun Todesurteile sind zu er- warten. Ein Blutstrom ergießt sich über Sowjetrußland. Was mag der Grund dieser Terrorwellen sein? Die Sowjetregierung befindet sich in Nöten. Der Fünfjahres- plan bricht zu scheitern, die Hauptindustriezentren leiden unter Lebensmittelmangel, der Transport stockt, die Bauern geben dos Brot nicht her— und all das in einem Augenblick, da die Kriegs- gefahr im Osten im Lande eine ungeheure Spannung verursacht In der roten Armee treiben sowjetfeindliche Zlgitatorcn ihr Da« Staus der �fdteka Da« Gebäude der Vfcheka in lUnxkau, von dem die Siuturieile ausgehen, die gerade in leteier Zeit wieder er ichreckenden Vmfang angenommen haben. Unwesen, in der studentischen Jugend machen sich sowjet- feindliche Organisationen breit, die Zahl der Sekten nimmt zu, innerpolitisch ist ein harter Kampf gegen die rechte Opposition aus- zukämpfen. Da gilt es, einen B l i tz a b i e i t e r zu s,i n d e n, ein Exempel zu statuieren. An der wirtschaftlichen Desorganisation tragen die bewußten Schädlinge die Schuld: die Schachty-Jngenienre, die Eisenbahningenieure, die leitenden Männer der Kriegsindustrie, die Valutaschieber, die bestechlichen Beamten usw. Ihre Erschießung soll es dem Volk glaubhaft machen, lind die Erschießung der Konterrevolutionäre unter den Bauern, Militärs und Geistlichen soll all denjenigen Angst einjagen, die gegen die Sowsetregierung zu konspirieren gedenken. Was tut es zur Sache, daß es sich bei den Militärorganisatipnen um längst liquidierte Gebilde handelt! Die GPU. hqt von Stalin freie Hand bekommen. Die gefestigte Sowjetrepublik wird wieder eimpal zqr Legend«. Da? Manifest zum zwöisten Jahrestag der Noveinberreoo'ution wird diesmal nicht stoh proklamieren können:„Wir befinden uns auf dem Wege zum friedlichen sozialistischen Ausbau." Innerer Friede und blutiger Terror sind unvereinbare Begriffe! Verzweifelte Gpaltungsversuche. Die Tabakarbeiter zeigen die kalte Schotter. Bon der Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Tabakarbeiter» Verbandes wird uns geschrieben: Die Zentral« gibt sich mit ihrer Niederlage bei den Tabak- arbcitern nicht zufrieden. Am Dienstag fand wieder eine Der- sommlung der„Opposition" statt, in der ein» Wahl von Bevoll- mächtigtcn stattfinden sollte. Nämlich der von,„Apparat" em- lausenen Kreaturen. Anwesend waren etwa 199 Personen. Dia Bersaminlung wurde mit einer Stund« Bertpätung eröffnet, weil man aus das Erscheinen der„Massen" wartete. Zuerst gab ein streikender Rohrleger einen Bericht vom Abbruch des Rohrlegcrstreiks und sonderte zur Unter- st ü tz u n g der Opfer auf. Dann beriet man über Mittel und Wege, das Heft wieder in die Hand zu bekommen. Ein Vorschlag, dia Mitgliedsbücher in den Betrieben einzusammeln und der jetzigen Leitung zuzuschicken, wurde abgelehnt, weil man den „Terror" der Betriebsräte fürchtet. Eine Arbeiterin von Garbat y beklagte sich darüber, daß sie mit ihrem Werden für die„Opposition� in ihrem Betriebe keine Gegenliebe findet. In der Berlegenheit wurde eine Kommission von 15 Personen eingesetzt, zu der die ausgeschlossenen früheren Bevollmächtigten gehären. Diose Kommission soll Unterschriften von Anhängern der„Opposition" sammeln. Also ein Volksbegehren en mitiizture. Bei einer genügenden Zahl von Unterschristen wird dann jedenfalls die befohlene Gründung der neuen Organisation vor sich gehen. Der Hauptvorstand des Tabakarbeiterverbandes hat unterdeß wegen der Vorkommnisse in der Mitgliederversammlung am 23. Oktober neun der größten Radaumacher ausgeschlossen; einig« davon gehören dieser Kommission an. Die anderen Mitglieder der Kommission werden jedenfalls auch die Konsequenzen ihrer Handlungsweise trogen müssen. Wir können wohl mit Recht annehmen, daß die„Opposition� diesmal alles auf die Deine gebracht hat, was möglich war, denn es wurde mit Flugblättern und Plakaten vor den Betrieben ge- arbeitet, Der klägliche Besuch veranlaßte die Leitung, die beab- sichtigt«„Wohl der Bevollmächtigten" nicht vorzune�nen. Auch will man vorläufig keine OppositionsvcrsammUmg mehr abhalten, da die Massen doch ausbleiben. Trotzdem ersuchen wir unsere Mitglieder, aufmerksam zu sein und warnen ausdrücklich d.avor, Unterschriften für irgendwelche Zwecke zu geben. Märchenaussühruuae« veranstqltct des Bolksbildungsamt D i l m e r S« dort im Stadthens kKoiserellee 1— 12) em 6. Nevember, 18 Uhr...Not- köpvcken und der Wolf" in 3 Akten mit Musik, am 13. November, lö llyr. „Hansel und Gretel." in 3 Bilder« mit Musik und Äindertän�n iiaäi Humverdinckschen Motiven. Tie Tarstellcr sind Bernssichauivielcr aus � der Verciniguna..Berliner Märckenspies«". Eintrittskarten i'Erwa-Iiicne 1 1 M., Kinder 50 Vf.) beim Bolksbildungsamt im Stadthaus. Cecilienbuch- Handlung, Hohen, ollernda mm 18, Buchhandlung Lüdersdorst. Hint««bnra-! !e So, Buchhandlung Sbelsdorff, Weiiuarische Str. 6» und 17, Ricelais' krqße'L-,______________.... I,.___. Buchhandlung, Friedenau, Rhewstr. 65 und an der Abendvasse. Die„Opposition" weiß nichts zu sage«. Sie mochte aber Kilometerreden halten. Die Generalversammlung der Berliner Gemeindcarbeiter vor «in paar Tagen zeigte wieder, daß die sogenannt«„Opposition" oftmals selbst nicht weih, warum und wie sie eigentlich Oppostdiou machen soll. Der zweite Bevollmächtigte, Genosse R o ch o w s k i, hotte in seinem Bericht über den Berbanbstag der Gemeinde- arbeiter und den Verschmelzungsverbondstag auch dys Verhalten der Kommunisten beleuchtet. Als nach dem Bericht der Anlrag auf zehn Minuten Redezeit für die Diskussionsredner gestellt wurde, wandte sich die Opposition entrüstet gegen diesen Antrag, der ihr angeblich die Möglichkeit nahm, ihre ablehnende Stellung- nahm« zur Verjchmelzungssrag« eingehend zu begründen. Daß dieje Entrüstung nur Theater war, bewies die Diskussio,' Der erste Diskussionsredner wußte nach fünf Minuten nichts mehr zu sagen und trat ab. Die anderen kommnnistijchen Redner wußten noch viel weniger zu sagen iliid„slllltrn" die zehn Minuten itzlt Debatten über de» Poung-Plan, den Rohrlegcrstreit und die Auslösung der Berliner Zahlstelle der Zimmerer aus. Genosse Schaum schilderte dann in seinem Geichäitsbcrickt kurz den Berlauf der im dritten Quartal geführten Lohn- und Tarifbewegungen und kam in diesem Zusammenhange auch ans die Einleitung von zwischen tariflichen Lohnbewegungen zu sprechen. Die meisten dieser Amrägc tragen den Stempel der KPD. Die Organisation kam? sich im Augenblick -nicht daraus einlassen, zwischentarislich« Lohnbewegungen einzuleiten. Es müssen vielmehr schon jetzt olle Kräfte angespannt werden, damit die Frühjahrs lohnbewcgungen zu einem erfolgreichen Abschluß gebracht werden können. Geilosie Schaum gab dann noch bekannt, daß im Hause der Ortsverwallung der Gemeinde- und Staatsarbeitcr in der Johanmsstraßc bereits Platz geschaffen worden ist, um die Ortsverwaltung des„Gesamt- Verbandes" am I. Januar 1939 dort unterzubringen. Aus dem vom Genossen Z i c t c m o N n erläuterten Kassenbericht ging hervor, daß trotz der Ausgaben siir die Beschaffung dieser Räume der Lokalkassenbcstand im dritten Quartal von 422 599 M. aus 449 952 M. gestiegen ist. Der Mitgliederbestand stieg während der Bcrichtszeit um 1 637 aus 42914 Mitglieder. Im Oktober sind bereits wieder über 1999 Neuaufnahmen vollzogen«oiden. Die Generalversommlung beschloß e i n.st i m m i g, dqß den arbeitslosen Mitgliedern und den bedürftigen Pensionären aus Mitteln der Lokalkasse zu Weihnackiien eine Exiraunter- st ü tz u n g gezahlt wenden soll, deren Höhe durch die Berwaitungs- körperschaften bestimmt wird. Schließlich wurde noch ein Antrag angenommen, wonach alle Funklionäre, von, Bcitragssannnler bis zur Gefchäst&Uitung, die jetzt neu gewählt werden müßten, bis zur Neuwahl der Funktionäre des„Gcjamtverbandes" im Amts bleiben sollen. Krankenkasse kaust Vadium. 1 Gramm für 300000 Mark. In der Bekämpfung von K r e b s l e i d e n ist das Radium unentbehrlich. Deshalb dürft« es großes Aussehen er- regen, daß der Ausschuß dez Verbandes der Kranken- kafsen Berlins in seiner Sitzung am 31. Oktober d. I. be- schlössen hat, die in de? ihm gehörenden Klinik C e c i l i e n- haus(geleitet von Prof. Dr. Liepmann) vorhandene R a d i u ni- menge von 299 Milligramm aus 1 Gramm zu er- höhen. Dei hierzu benötigten Mittel von 399 999 Mark werden durch eine Kapitalousnahm« beschasst und auf dem Umlage- weg« von den Ärankentassen in Rmcn. die sich aus drei Jahre ver- teilen, getilgt werden. Der Beschluß des Verbandes der Krank-n- lassen Berlins ist ein Beweis dafür, was die durch die Krank«-»rer. sicherung organisierte Selbsthilfe der arbeitenden Be- völkerung zu leisten vermag. /_ Sechs Tote bei einem Autounfall in Italien. In dep Nähe von Venedig stürzte im Nebel ein Aokomobll mit achl Personen eine BSschnno hinab in einen Kanal. Der Besitzer des Autos vermochte sich aus dem Wagen herauszuarbeiten, zer« schnitt mit seinem Taschenmesser da, Verdeck und konnte auf diese Wsise sein« älteste Tochter noch lebend retten. Die übrigen sechs Personen erkranken.