BERLIN Sien«tag 5. Aovember 1929 10 Pf. Nr. 520 B 259 46. Jahrgang Lrfcheiut tSglich a u ß« r S» u u t a g«. Zugleich Abendausgabe de«.Derwlrtt'. Bezug«?»!« beide Ausgaben 8SPf. pro Woche, s.soM. pro Monat. Redaktion und Erpedition; Berlin SW6S,!indenstr.s AnzeigeupreitiDie einspaltige Nonpareillezeile SS Pf., Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Pestscheckkonto: Vorwärti-Derlag G. m. b.H., Berlin Nr. 37 SM. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 4582 neue Parteimitglieder. Wachstum der Sozialdemokratie in Berlin trotz aller Verleumdungen während der Chor der..Autimarxisten" in trauter Gemeinschaft mit den Kommunisten sich heiser schreit, um die Sozialdemokratie und ihre Vertreter in der Volksmeinung herabzusehen, ist unsere Parteiorganisation in unnnter- brochenem Ausstieg begriffen. Allein in Berlin sind seit Mitte Oktober nicht weniger als 4382 Neuaufnahme« zu verzeichnen, und zwar 3437 Männer 1085 Frauen. Angesichts der Schlammflut von Verdächtigungen, die täglich über die Sozialdemokratie ausgeschüttet werden, sind diese Zahlen ein schlagender Beweis für die feste Organisation der Partei und das unerschütterliche Vertraue u. das sie bei dem arbeitenden Volke Berlins genieht. Noch immer hat sich gezeigt, dah das Uebetmah von Beschimpfungen die Abwehrkraftc in der Partei der Schaffenden weckt. So wird auch diesmal der Verleumdung s block von HugbcnbergbisMünzenbergdie Sozialdemokratie nicht innerlich schwächen, sondern ihre Organisation stärke« und für den Abrechnungstag, den 17. November, den Sieg der Sozialdemokratie vorbereiten. Die Einzel-Ergebnisse. Die frische Werbearbeit unserer Genossen hotte in allen Stadt' teilen Groß. Berlins erfreuliche Erfolge. Im einzelnen vertcilen sich die Neuaufnahmen auf die Verwaltungsbezirke wie folgt: Männer Frauen insgesamt Mitte 297 120 417 Tiergarten..... 125 51 176 Wedding...... 402 77 479 Prenzlauer Berg,.. 311 89 400 Friedrichshain.... 291 96 387 Kreuzberg..... 208 101 309 Charlottenburg.... 133 36 169 Spandau...... 153 38 191 Wilmersdorf...» 72 16 88 Zehlendorf..... 31 20 51 Schäneberg..... 115' 29 144 Steglih...... 67 22 89 " Tempclhof..•.• 44 19 63 Neukölln...... 294'l02 396 Treptow...... 142 70 212 Köpenick ,...«• 59 19 78 ' Lichtenberg..... 190 54 244 Weihensee..»•• 68 11 49 Pankow...... 69 28 97 Reinickendorf..{• 148 38 186 Bezirkssekretariat.■• 308 49 357 3 497 1085 4 582 v Niesenspeicherbrand in Lübeck. Die gesamte Lübecker Jeuerwehr eingesetzt. Am Montagabend gegen 20 K Uhr ist im Zentrum der Stadt Lübeck in der veckergrube e>u»icscnseuer ausgebrochen, das von der gesamten Lübecker Feuerwehr bisher noch nicht gelöscht werden konnte. 3« dem groheu Speicher der Firma Tamms u. Garss. in dem riesige Mengen von Solonialwaren. lnrbesondere kassee, lagerten, ist aus bisher noch nicht aufgeklärter Ursache in einem der oberen Stockwerke eh» Feuer ausgebrochen. so dah d,e Lübecker verussseuerwehren und viele freiwillige Feuer- «vehren eingreifen muhten. Von der Traue aus wird das Feuer von dem Löfchbooi der Lübeck-z: verufsseuerwehr bekämpft, lieber 20 Schlauchleitungen sind zur Eindämmung de» Feuer, eiogesehl worden. Die gesamten Kolonialwaren, viele Maschinen und die erst vor kurzem eingerichtete grohe Kafseerästerel sind vollkommen vernichtet. Gegen 221- Ahr stürzte der Schornstein des Gebäude, mit gewaltigem Krachen zusammen. Menschen sind glücklicherweise nicht getroffen worden. Oer Sejm vertagt! Offener Ausbruch der polnischen Staaiskrise vermieden. Warschau. 5. November. Heule um 11 Uhr vormittags erschien im Sejm- gebernde der Premierminister Switalski und uberreichte dem Sejmmarschall Taszhnski ein Dekret des Staatspräsidenten, durch das die Budgetsession für 30 Tage vertagt wird. Marschau, 5. November Der Sejmmarschall hatte eine Reihe von besonderen Verfügungen geKossen, um das Sejmgebände während der heutigen Sitzung vor dem Eindringen Unberufener zu bewahren. Für die 400 Personen saflende Galerie sind nur 25 Karlen ausgegeben worden. Das Sefm- postamt wird für das Publikum gesperrt werden. Alle Ab- geordneten sollen von der Scjmwache kontrolliert werden. Di« Journalisten will man durch einen Nebeneingang in de« Saal gelangen lasten. Wie der„Kurjer Poranny" berichtet, hielt Sejm- marscholl vaszynski gestern abend an die versammelte Saalwache eine Ansprache, worin er sie ermahnte, keine Unberufenen. und sei es auch ein General, in den Sejm einzulassen. Zn der Presse wird heule das Räiselraien über die mutniahliche Euiwiiklung der innerpoliiischen Loge sorigeseht. Wird die Sejm- sitzung Zustandekommen, wird der Landtag vertagt oder sogar aus- gelost?— das ist eine der Fragen, die von der Morgenpresse leiden- schaftlich erörtert werden. Der zionistische.Nasz Przeglond" stellt fest, dah sich der Schlüssel der Lage im Velvedere, dem Wohnsitz Pil- sudskis, befindet. Am gestrigen Spätnachmittag fand in Warschau eine Reihe sozialistischer Massenversammlungen stall, bei denen einstimmige Entschlietzungen gesatzt wurden, die das Eindringen der Offiziere in den Sejm und das hereinziehen des Heeres in die Pol»- tik verurteilen. Am Abend versuchten sozialistische Arbeiter an mehreren Punkten der Stadt Kundgebungen zu veranstalten. Post- zei zerstreute jedoch überall mühelos die Demonstranten, ohne dabei Verhaftungen vorzunehmen. heute mittag. Im Augenblick der Sejmcrösfnung. findet i» vietitz- Viola eine grotze Kundgebung der Arbeiterschaft zu Ehren der Volt». Vertretung statt. Die Zeitungskonsiskationen«erden fortgesetzt vom heutigen Leitartikel de» sozialistischen.Roboinit" steht nur die llebcrschrift: Ts lebe der Sejm der Republik. Werbefäule der Sozialdemokratie ttlt st« an terfddedenen Statten In TlrukBlln aufgefleIH find Das Siegelsdorfer Eisenbahnunglück. Sin Niesenprozeß: 23V Zeugen. Fürth, 5. November. Ain Dienstag begann vor dem Erweiterten Schöffengericht Förch, dos wegen ungünstiger Raumverhältnisse seine Tätigkeit in den Fürther Rathaussaai verlegt hat, der R i c f e n p r o z e ß wegen des Eisenbahnunglücks von Siegelsdorf am Morgen des 10. Juni 1928. Angeklagt find der 39iährlge vsr- heiratete Oberbahnmcister Alfred Stuhlfath, der 47jähr!ge vcr- heiratete Rottenführer Georg Boll and und der Oljnhrig! »erheiratete Obcrbahnwärter Johann Greller, sämtlich in Siegelsdorf wohnhaft. Die Anklage legt ihnen zur Last, daß sie durch Fahrlässigkeit und Außerachtlassung der ihnen obliegendcir Sorgfaltspflicht den Tod von 24 Menschen und weiter die Körper- Verletzung vor. 118 Personen verschuldet haben. 230 Zeugen »md 17 Sachverständige sind zu der Verhandlung geladen. Nach der über 100 Seiten starken A n k l a g e s ch r! s t hat der Schnellzug V 47 außer der Lokomotive und dem Tender aus zwölf Wagen bestanden. Der Zug entgleiste bei der Ausfahrt aus der Station Siegelsdorf. Als die Lokomotive, ffo heißt es in der An- kiagefchrift, auf gerader Strecke schon aus den Schienen gesprungen war, sei kurz darauf die eigentliche Entgleisung innerhalb eines Gleisbogens erfolgt. Beim Absturz von her Böschung fei das Dampffpeiserohr der Maschin« gebrochen, wodurch der kochend heiße Dampf in den über der Lokomotive liegenden Personenwagen eingedrungen sei und die Fahrgäste so entsetzlich verbricht habe, daß sie unter qualvollen Schmerzen starben. Die Ursache der Entgleisung sieht d!« Anklageschrift in der schlechten Gleisanlage und der Nichtbeachtung wichtiger Vorschriften des Sicherungsdienstcs. Die Gleisanlage an der Unglücksstelle sei schon stets ungünstig und die Kurve, an der sich die Katastrophe ereignet habe, schon von jeher «in„Sorgenkind der Vohnmcisterei* gewesen. Bei den am 8. und 9. Juni erfolgten Gleisorbeiten. hätten sich unter den 28 Arbeitern nur zwei gekernte Kräfte befunden. Für die Züge sei während der Arbeiten das Langfamsahrtsignol 5 gesteckt worden. Die Regu- lierungsarbeiten sollsn nach der Anklageschrift den allgemeinen An- sorderungen und Dlenstvorschriften nicht entsprochen haben. Der Hauptsachoerstöndige der Staatsanwaltschaft, Prof. Halter- München, neige der Anschauung zu, daß die schleckst« Gleisanlage die Ursache des Unglücks war. In der Anklage wird weiter er- wähnt, daß«in Lokomotivführer in seiner Würzburger Wohnung am Eon nabend, dem Vortag des Unglücks, um 4 Uhr früh eine Meldekarte mit Mitteilungen über die schlechte Beschaffenheit ter fraglichen Stelle geschrieben habe. �Enthüllungen" gegen Macdonald. Die französische Neaktion möchte ihn gern stürzen. Paris, 5. Neweruber.(Eigcnbcrichl.) Das„Echo de Paris" veröffentlicht heute a-uffchenerregende Mitteilungen feines Mitarbeiters P e r t i n a x über Einzelheiten der Verhandlungen zwiMen Macdanald und H o o o c r vom vcr- gangenen Monat. Pertinax beruft sich dabei auf einen Privat- brief, den er aus Amerika erhalten haben will und von-dein «r von vornherein erklärt, daß er jedem Dementi standhalten werde. Maodonold habe, so erklärt das Blatt, am 5. und 6. Oktober, ei» er als Gast„im Feldlager Hoooers" weilt«, in der Frage der Freiheit der Meer« Zugeständnisse an die amerikanische These gemacht, die einer Aufgab« des englischen Standpunktes m diesen alten Konflikt gleichgekommen wäre. So habe er auf die englischen Ansprüche einer Kontrolle auf hoher See zu Kriegs- zeiten verzichtet und der Auflasiuny mehrerer wichtiger englischer Fla-ttenbasen zugestimmt. Cr habe ober, ehe er die bereits fertigen Abmachungen unterzeichnete, noch die Meinung seiner beiden Bc- gleiter, Funktionäre des englischen Auswärtigen Amtes, eingeholt, fvie tckgrapWH Sn otuben vsrständigte.©nembet, b«r bk , Funktion eines Stellvertreters des Ministerpräsidenten ausübte. habe daraufhin Macdonclld telephonisch mit seiner sofortigen Deimsfian gedroht und ihm ergärt, die öffentliche Meinung Eng- lands und der Dominions würden niemots eine solche Kopitulatisn Amerika gegenüber, Massen. Die energische Haltung Snowdens und die Proteste des kanadischen Ministerpräsidenten hätten Mae« donald schließlich gehindert, sich zu binden, und er habe bei seiner Abreise aus Amerika lediglich oersprochen. die Angelegen- heit weiter zu versolgen. ' Die Phontastik dieser„Enthüllungen" und der Zeitpunkt threr Veröffentlichung während der großen Aussprache im englischen Unterhaus lassen ein Manöver gegen die, der sranzöstschen Reaktion so sehr verhaßten Arb ei t« r re g ie r u ng ver- muten. 45 Tote bei der Vulkankatastrophe. Huaderie von Familien obdachlos. Ter„Chicago Tribüne" wird ans Guatemala ge» meldet, daß bei dem Ausbruch des Vulkans Santa Maria i« Guatemala 4 3 Personen ums Leben ge» kommen sei» dürften. Cine große Zahl von Personen wird außerdem»och vermißt. Mehrere hundert Kamilie« find obdachlos. Ter Sachschaden wird ans mehr als zwei Millionen Dollar geschäht. Aach-Ii. Jahren. Noch immer Leichenfunde auf den Schlachtfeldern. In der Ilähe von Reims hol ein Bauer beim Aufwerfen einer Grube am Fuße d«r Lutte de Eourcq die Gebeine von vier deutschen Soldaten entdeckt, weitere Rachsorschungen sör- derten die Gebeine von vier weiteren �deutschen Sol- dale« zutage. Man bemüht sich, die Identität der Gefallenen festzustellen. Zm Kampf um den Hochschuhzoll. Ein VerbandssyndikuS als Sekretär eines Senators. Washington, 5. November. Die Republikaner des Senats haben, um dem Wunsch des Präsidenten Hoover entsprechend die Erledigung der Tarifrev.sion während der außerordentlichen Sitzungsperiode zu ermöglichen, de- schlössen, der Koalition der Demokraten und der Unabhängigen Republikaner freie Hand zu lassen, und sie bemühen sich, von heute ob alle Zollgruppen ohne Debatte der Reihe nach zur Abstimmung zu bringen. Gestern wurde die Hälfte des Sitzungstages dadurch verloren, daß über eine Entschließung debattiert wurde, durch die Senator P i n g h a m. einer der regulären hochschutzzöllnerischen Republikaner,„verdamm t" werden sollte, weil er den Vertreter der Fabritanten des Staates Connecticut als seinen Sekretär angestellt und mit in die geheimen Beratungen des Tarifausschusses genommen hat. Mit 34 gegen 22 Stimmen— einer Abstimmung, die die Stärke der oppositionellen Koalition gut veranschaulicht— wurde schließlich die Entschließung angenommen. Senator Bmgham erklärte, trotz dieser scharfen Berurteilung seiner Hand- lungsweise— der ersten Brandmarkung eines Senators durch seine Mitsenatoren seit 27 Jahren— sein Amt nicht niederlegen zu wollen, da er den Sachoerställdigen lediglich wegen seiner eigenen Unkennt- m« der Materie als Sekretär benutzt habe. Wege zur Nnanzdiktatur. Das Reformprogramm der Wirtschast. Eine nette Leistung. Parteipolitik im Berliner Verwaltungsseminar. Man schreibt uns: Die Stadt Bertin unterhalt ein Verwaltungsseminar, in dem die Bureaubeamten für die Laufbahn der Stadtsekretäre und Stadtinspektoren ausgebildet werden. Die Dozenten sind durch- weg höher« und gehoben« mittlere Beamte der Stadt. Der deutschnationale Direktor beim Bezirksamt Pankow, Böhm, besaß die Geschmacklosigkeit, in diesen Tagen den Hörern seiner Seminarklasse eüic schriftliche Aufgab« zu stellen, der er folgenden Sachoerhall zugrunde legte: „Sachverhalt. Der unbesoldete Stadtrat N., gewählt für die Zell vom April l92b bis dahin 1930, und zwar aus Grind der Listenwahl vom Äahlvorschlag der Kommunistischen Partei durch die Be- ürtsoersammlung N.. stirbt am 2. März 1929. Die Wahloorschlagsliste, aus Grund deren der Verstorbene seinerzeit gewählt worden war, ist durch Ausfall der übrigen Be- werver erschöpft. Es bedarf einer Neuwahl. Die Wahl fällt auf einen K a n- bidaten der SPD., der aber vom Oberpräfiden- t e n wegen seiner erheblichen Vor st rasen xund seiner sonstigen mangelhaften Vorbildung nimt bestätigt wird." I Di« Aufgabe lautet«: „Es ist verfügungsgcmäß darzustellen, was sich vom Bekannt- iverden des Todesfalles vis zur Einführung des neuen Stadtrats ereignet. Es ist dabei zu unterstellen, daß die oersagte Bestätigung durch die.zuständige Behörde aus Veranlassung des Bezirksamtes rsetzt wird. Beschlüsse der städtischen Bezirkskörperschasten sind nicht zu cntwersen, es ist nur auf sie hinzuweisen." Mit Recht weist der Vorsitzende des Berliner Verwaltungs- feminars, Sladtsyndikus Lang«, darauf hin, daß diese Aufgabe für die Prüflinge des Stadtinspektorenlehrgangs l l recht u n g c- eignet ist und daß der Inhalt der Ausgabe„unter Hervor- Hebung bestimmter politischer Parteien befremdend und ge- s ch m a ck l o s wirken muh." Wenn der Syndikus weiter ausführt, daß aus dieser Aufgabe„Voreingenommenheit gegen be- stimmt« politische Parteien vermutet werde» könnte und dies« Wirkung von einem Beamten in so gehobenqß Stellung ohne wei- leres hätte erkannt werden müssen", so ist das mehr als mild« aus» gedrückt. Politische Voreingenommenheit gegen die Sozialdemokratie ist bei Herrn Böhm nicht nur zu vermuten, sondern sie ist vorhanden, und die Prüfungsoufgabc zeigt dos krampfhafte Bemühen, der Sozialdemokratie«ins auszuwischen, indem Böhm sozialdemokratischen Stadtratskandidaten erhebliche Vorstrafen und n, angelhafte Borbildung unterstellt. Wir möchten das Geschrei der Deutschnationalen hören, wenn etwa ein sozialdemokratischer Dozent de? Berwaltungsseminars sich • ich nur in ähnlich geschmackloser Weise in seinen PrüstingsaUsoaben » den deutschnationalen Stadtrotskandidaten reiben würde. Parteipolitik and parteipolitischer Fanatismus haben im Ber- Der Reichsverband der deutschen Industrie sowie der Deutsche Industrie- und Handelstag haben jetzt ein Reformprogramm zur Neugestaltung des Haushaltsrechtes ver- össentlicht. Bei den gegenwärtigen Verhandlungen im Haushalts- ausschuh des Reichstags, dem gleichfalls dieses Resormprogramm zugestellt worden ist, sind die darin enthaltenen Forderungen von größter aktueller Bedeutung. Das Reform Programm der beiden führenden Wirtschaftsorgani- sationen zerfällt in zehn Leitsätze. Unter diesen befassen sich die Leitsätze TII bis X überwiegend mit technischen Fragen der Haushallsordnung, während Leitsatz I und IT ausschließlich politische Forderungen enthalten. So wird ini Leitsatz ge- fordert, daß sich der Reichstag eine Beschränkung seines Ausgobebewilligungs- rechtes auserlegt. die es ausschließt, daß ohne die Zustimmung der Reichs- regierung Ausgaben im Reichshaushaltsplan erhöht oder neue Ausgaben eingesetzt werden können. Ferner soll der Reichstag im Wege der Geschäftsordnung Borsorge trefsen, daß Vorlagen, die ein« Vermehrung der Ausgaben bedingen, außer von dem materiell zuständigen Fachausschuß auch vom Haushaltsau»- schuft und gegebenenfalls auch vom Steuerausschuß be- schlosien werden. Eine entsprechende Vorlag« an das Plenum soll nur auf Grund übereinstimmender Beschlüsie der beteiligten Aus- schüsie stattfinden. Die Beschränkung des Bewilligungsrechts des Reichstags soll eine„Stärkung des politischen und moralischen Rück- grats der Regierung herbeiführen. Diese Bestimmung soll in die Verfassung aufgenommen werden, so daß es sich hier um ein verfasiungänderndes Gesetz, das eine Zweidrittelmehrheit im Reichstag erforderlich macht, handelt. Die von der Wirtschaft und den ihr nahestehenden Parteien wiederholt aufgestellten Forderungen einer Finanz- diktatur finden ihren Niederschlag im Leitsatz II. In dkstw Abschnitt wird gel ordert, daß die Stellung des Reichssparkommisjars noch verschiedenen Richtungen hin gefestigt werden soll. Bor allem wird die Notwendigkell betont, daß die Einrichtung des Spark.ommissars durch Reichsgesetz als eine Reichsbehörde festgelegt wird, die der Reichsregierung gegenüber völlig selbständig und nur dem Gesetz unterworfen ist. Im besonderen soll dem Reichssparkommissar Recht und Pflicht zugewiesen werden, nicht nur atts Ansuchen der Reichsregierung, des Reichsrates oder des Reichstages, sondern auch aus eigener Eni- schließung, sich. zu Fragen der Vereinfachung und Verbilligung der Reichsverwaltung, zu Entwürfen des Reichshaushaltsplanes gutachtlich zu äußern. Um dem Spartommisiar diese Tätigkeit zu ermöglichen, soll auch für ihn das Recht begründet werden, alle Prüfungen vorzunehmen und alle Auskünfte einzuholen, die zur Durchführung dieser Ausgaben erforderlich sind. Ferner soll dem Spartommisiar das gesetzliche Recht eingeräumt werden, an allen Sitzungen"der Reichsregisrung mit beratender Stimme teilzunehmen. Auch soll er ausdrücklich vom Reichsfinanz- minister vor der Genehmigung der Haushaltsüberschrellungen und außerplanmäßigen Ausgaben gutachblich gehört werden Auf das Gssamtprogramm der Wirtschaftsorganisationen kommen wir zu gegebener Zeit noch zurück. Zu den politischen Forderungen ist zu sagen, daß sich die sazialbemokratisch« Reichs- tagsfraktion noch wie vor gegen eine Beschränkung des Bewilligungsrechtes des Reichstags und gegen«in« ver- tappte F i n o n z d i k t a t u r, wie sie mit den neuen Macht- befugnisien des Reichssparkommisiars eingerichtet werden soll, zur Wehr setzen wird. Gestern Helden— heute Lumpen! Die Korruptionsskandale in der Kommunistischen Partei. In der Konm-unistischen Partei hat das große Reinemachen, das eigentlich erst nach den Stadtverordnetenwahlen beginnen sollte, schon jetzt eingesetzt. Die„Rote Fahne" meldet heute von den „famosen Herren Degener und Gabel":„Die Lumpen haben pro Monat durchschnittlich 2000 bis 2300 Mark er- halten." Wohlgemerkt, diese„Lumpen" waren bis vor kurzem noch Helden. Wäre die Sklarek-Sache nicht gekommen, so zierten sie heut« noch die Liste kommunistischer Ehrenmänner. Freilich wird die kommunistisch« Sklarek-Korruption noch in den Schatten gestellt durch die E i t e r b e u l e, die bei der R u s s i s ch« n Handelsvertretung aufgestochen worden ist. Auch hier handelt es sich, wie man aus der heutigen„Roten Fahne" hört, um „ein paar Lumpen". Nur ißsß auch dies« Lumpen bis zu ihrer Entlarvung prominente Persönlichkellen in der iniernolionalen kommunistischen Bewegung waren. Wie vor allem Herr Z ö h r e r, dem man als Belohnung für feine revolutionäre Bergangenheit den fetten Posten in der Russischen Handelsvertretung oerschosst hatte. In Wirklichkeit Handell es sich gar nicht nur um„ein paar Lumpen". Es Handell sich um einen Verfaulungsprozeß, in dem ein ganzes System unterzugehen droht. Wir brauchen nicht nach Sowjetrußland zu blicken, wo augenblicklich eine Korruptions- affäre die ander« jagt und wo beispielsweise in Astrachan 129 Kommunisten, führende Vertreter von Partei, Gewert- scherst, Genossenschaft und Staatsinstitutionen, wegen Korrup- tion auf der Anklagebank saßen. Bleiben wir in Berlin. bleiben wir vorläufig bei der Russischen Handelsvertretung. Wie war es mit der Derusia? Im Falle Sklarek hat der kommunistische Stadtrat G ä b e l dafür gesorgt, daß ein Privatkapitalist seinen Monopolvertrag mit der Stadt ohne Magistratsbeschluß verlängert erhielt. Im Fall Derusia geschah etwas ähnliches: hier wurde die staatliche Filmproduktion einem Privotkapita- listen zur Ausbeutung übertragen, und die das Geschäft ver- mittellen, waren wiederum führende Kommuni st cn! Der russische Fall liegt allerdings insofern schlimmer als der deutsche, weil es sich dabei. doch um einen Staat handell, der an- geblich keinen Kapitalismus mehr kennt. Sklarz hat sich schließlich freigemacht, als er sah, daß es dabei nickst viel zu gewinnen gab. Die Sowjetrusien ober sind darin hängengeblieben. Es fragt sich, wieviel damals schon so nebenbei verschwunden ist. als der Sowjet- staat zugunsten eines Privatkapitalisten übers Ohr gehauen wurde. Au nachweisbaren Unterschlagungen ist es allerdings erst in diesem Sommer gekommen. Die Leitung der HandelSver- tretung Ist rechtzeitig vor den Herren Zöhrer, Pop und Ronin gc- warnt worden. Damals ist aber nichts geschehen. Erst mußte der Skandal in der Pariser Botschaft kommen, dem bald der Zu- sammenbruch der„Derusia" solgte. Erst jetzt wurde von Mos- kau aus eine Untersuchung auch in Berlin eingeleitet, die schon nach kurzer Zeit Ergebnisse hatte, die alle Vermutungen und Befürchtungen weit übertraf und mit denen sich zurzell auch die Staatsanwaltschost beschäftigt. Korruption herrscht nicht nur bei der Phoiokinozentrale, die die Sache mit der„Derusia" geschoben hat. Auch andere Abteilungen, wie die für Import, für Schiffahrt und für soziale Angelegenhelten scheinen von der Korruption zerfresse« zu sein. Wir glauben nicht an die Behauptung, die in aller Ocfsentlichkcit ausgesprochen wird, wonach mit der Russsichen Handelsvertretung nur dann Geschäfts zu machen waren, wenn man den Angestellten gegenüber die gejüllte Hand zeigte. Das untere Personal der Russischen Handelsvertretung ist' sicher ehrlich und gut kommumstcn- gläubig. Die Beschuldigungen des die llntersuchnng führenden Vertreters richten sich auch vor ollem gegen höhere Beamte, von denen neben Zöhrer, Pop und Ronin noch Lewin«, Budnewitsch und Naglowsski bereits genannt worden sind. In den nächsten Tagen wird man voraussichtlich noch weitere Namen dieser Art hören. Verleumder. Aufsicht«lrat der N25G. gegen falsche Beschuldigungen. In der heute mittag abgehaltenen Aussichtsratssihung der..Berliner Brennstoff-Gesellschaft", an der unter Vorsitz des Stadtrats Treitel die von den Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung als Ausiichlsrat« delegierten Stadl- verordneten, die jetzige Leitung der Gesellschaft und auch die Pro- kurislen teilnahmen, hak. sich der frühere Leiter der Gesellschaft. Stadtverordneter B r ol a s. zu den ungeheuerlichen Anschuldigungen der„Roten Fahne" vom Sonntag geäußert. Brolat tonnte sich dabei aus das Zeugnis der Prokuristen berufen, denen Geschäfts- leilung und Direktion immer wieder«ine absolut torreklc Geschäftsgebarung zur Pslichk gemacht hatten. Wenn auch nur eine der von dem Sommunistenblalt behaup- telen Betrügereien Tatsache wäre, hätte das halb« Personal. Ar- beiter wie Angestellte und Leiter, beteiligt werden müssen. Daß das bei dem riesigen Umsong des Geschästsbetriedes der BVG. unmöglich war, braucht nicht erst bewiesen zu werden. BI» zum Redoktionzschluh hatte der Ausiichlsrat seine Be- sprechungen noch nicht abgeschlossen. liner Verwaltungsseminar nichts zu suchen. Um dem Unfug ein für allemal zu steuern, genügen daher Ermahnungen nicht, sondern solche Dozenten müssen radikal beseitigt werden. Zur Partei- politischen Verhetzung des städtischen Beamtennachwuchses sind die Dozentenhonorare, die die Berliner Bürgerschaft ausbringen muß, wirtlich nicht bestimmt. Auszug des Zentrums. Weil es leine Reform der Ehescheidung will. Im Rechtsausschuß des Reichstages stand am Dienstag erneut die Frag« der Ehescheidungsreform zur Beratung. Gleich zu Beginn der Sitzung kam es zu einem Zwischenfall. Die Deutsch- nationalen gaben zunächst eine Erklärung ab, wonach ihre Partei jede Teillösung in dieser Frage ablehne.* Der Abg. Pfleger(Bayer. Pp.) brachte in einer Ertiärung zum Ausdruck, daß für seine Person die Erleichterung der Ehijchei- dung eine so schwerwiegende politische Frage sei, daß weder im Reich noch in einem Land««in Mitglied seiner Partei einer Koalition angehören könne, deren Mehrheit sich für die Erleichterung der Ehescheidung aus- spreche. Er beteilige sich an �«n weiteren Beratungen nur»m Verbesserungen der Anträge zur Annahme zu veihelfen. Der Zentrumsabgeordnete Dr. Bell teilte mit, daß seine Partei bei der Reichsregierung wegen der Behandlung dieser Frage im Ausschuß vorstellig geworden sei. aber noch keine Antwort erhalten habe. Solange seine Partei darüber nicht unterrichtet ist, könne sie nicht an den Sitzungen des Rechtsausschusles teilnehmen. Hierauf verließen die Vertreier des Zentrums geschlossen den Saal. Der Reichsjustizminister war in der Sitzung nicht anwesend. Selbstmord auf dem I�-Vahnhof. Heute früh spielte sich aus dem U-Bahn hos Inselbrücke ein ausregender Vorfall ob Ein junges Mädchen, das sich eine Zeitlang am End« des Bahnsteiges aufgehalten hatte, stürzte sich plötzlich mit einem Auijchre-i vor die Räder eines einfahrenden Zuges. Die Feuerwehr wurde gerufen und unter großen Schwierig- keiten gelang es, die Selbstmörderin in schwer verstümmelt ern Zustande zu bergen. Di« Lebensmüde wurde von der Polizei Äs eine 21jShrige Irene Stein ke aus Köln festgestellt, die zuletzt in der Selower Straße als Hausangestellt« best!«istigt war. Das Motiv zu dem VerzmeiflungsschrUt ist noch u n b e- k a n n t,. Durch hen Vorfall wurde eine längere Verkehrs- st ö r u n g verursacht. Der hunaerslreik in Budapest. Sämtliche kommunistischen Häftlinge im Gefängnis dir Budapester Staatsanwaltschaft haben den Hungerstreik o!? im'ck'az oi-ssca h-n. In einem anderen Geiängnis scxen einige szüjtiii.sc tcn Hungerstreik fori. Sie werden auch weiterhin künstlich ernährt. Oer Mann sott Kinder in die Wettsehen. Ein Grazer Gericht dekretiert ZeugungSzwang. Der Chefarzt des SanotPriums der Angeftelltenkrankenkosse In Graz(Oesterreich), Prof. chermann Schmerz, bekannter Chirurg und Sozialdemokrat, hatte an einer großen Anzahl von Männern einen fchmerzlosen, zehn Minuten dauernden operativen Eingriff vorgenommen, der sie auf länger« oder kürzere Zeit, je nachdem die Leute«s roünfehten.u n f r u ch t t> a r machte. Die Lebenskraft blieb die gleiche, die Gcichlechtsfunktioncn erlitten keine Störung, die Zeugungsfähigkeit hört« aber auf! sie konnte nach Belieben wieder hergestellt werden. Die Operation bestand in einer linterbin- dung des Samenleiters, ähnlich der seit langem praktizierten Unter- bindung des Eileiters bei der Frau. War der Patient mittellos, lo nahm Prof. Schmerz für seinen Eingriff nicht»! für wenig Be- mittelle war die Taxe 30 Schilling 18 Mark, für Bemittelte 200 Schilling— 120 Mark. Selbst aus den enllegensten oberöster- reichischen Gebirgsdörsern fanden die Männer den Weg zu dem Arzt. Sie wollten oder durften keine Kinder mehr in die Well setzen. Da war z. B. einer, besten Frau sich m der L a» d e s i r r e n- a n st a l t Feldhof befand: der Arzt hott« ihm verboten, seine Frau Todeskampf der&reiheU Wir beginnen am Vonnerstag Im Romanletl des„Abend" mit der Verötfentlichung eines eigenartigen Dokuments. Es sind die Auszeichnungen des italienischen Emigranten P i e l r o U e n n I. Als handelnder Zöge hat Pietro Henni den Todeskampf der Freiheit in Italien erlebt, wer ist pietro Zlenni? Dem ansmerksamen politischen Leser wird, namentlich in früheren Jahren, dieser Zlame oft begegnet sein: er war der letzt« Ehefrsdakteur des führenden Or- gans der italienischen Sozialdemokratie, des Mailänder„Avant i". Er Hot also In der kritischsten Zeil der Verfolgung des Sozialismus durch den Faschismus den Posten bekleidet, den nur wenige Jahre vor ihm Mussolini selbst inne hatte, bevor er plöhstch zu den Feinden der Arbeiterklaste über- ging. Venni war lange Zeit Redaktionskollege und Freund des heutigen italieuifchen Diktators. Das Bild,.dos er von ihm enlwirst, ist scharf, aber gerecht. Man wird darin manchen bisher unbekannten. zum Teil sogar nicht unsympathischen Zug erkennen. Um so wuchtiger aber ist die Anklage des Verfassers' gegen das Regime von vlut und Dreck, das der „Vuce" auf dem Gewissen hat. Renais historische Schilderung er- streckt sich namentlich aus die sechs Jahre vürgerkrieg. die der italienische Faschismus brauchte, um an die Macht zu gelangen und sich einstweilen zu behaupten, heute lebt Nenni, wie viele andere feiner Kampsgenosten, als Flüchlliug in Paris, von dort aus hat er uns diese Darstellung übersandt, voll Leben und Farbe, voll Leiden- schast und Schmerz, wir geben ihm das Wort nicht nur, weil seine Erlebaiste spannend und aufrüttelnd, sondern auch weil sie politisch lehrreich sind: der Tod der Freiheit in Italien ist eine Tragödie, aber auch eine warnungl in andere Umstände zu bringen. Der Frau eines anderen Mannes hatte der Arzt erklärt, daß sie bei der nächsten Geburl sterben«misse: da ging der Mann zu Pros. Schmerz. Ein dritter hatte schon drei uneheliche Kinder: von Berus Schaffner, glaubte er, daß sein Be- darf an Kindern nun gedeckt sei. Ein vierter hatte für einen ledigen Bruder, ein« Mutter, Frau und Kind zu sorgen und war der Ansichk. daß er ein zweites Kind nicht bekommen dürse. 700 Männer waren es, denen der Arzt auf diese Weste geholfen hotte. Einer war dar- unter, namens Zohrer. Seine lungenkranke Frau hatte ihm bereits drei Kinder geschenkt Der Arzt verbot ihr. noch mehr zu bekommen. Zöhrer ließ an sich den operativen Eingriff vornehmen, hatte aber das Unglück, in Untersuchungshaft zu geraten. Der Gesängnisarzt entdeckte zwei kleine Operationsnarben. Der Mann erklärte, der Eingriff sei auf seinen eigenen Wunsch erfolgt. Der Arzt aber, voll Entrüstung über die schwere Bedrohung der Bolkskrast, erstattete gegen Prof. Schmerz Anzeige bei der Staatsanwaltschaft: Die Operation sei gewissermaßen eine Art Ab- treibung, ehe es zur Leibesfrucht gekommen istl Der Staatsanwalt erblickt« in dem Eingriff zwar nicht einen Verstoß gegen Z 144 des österreichischen Strafgesetzbuchs(§ 218 de» deutschen Strafgesetzbuchs), jedoch eine Uebertretung laut Z 411 des OeStrD., der besagt,„vorsätzliche und bei RaushäiGeln vor- kommende körperliche Beschädigungen sind dann, wenn sie... sicht- bare Merkmale und Folgen nach sich gezogen haben, als Ueber« trelung zu ahnden'. Worin der Staatsanwalt einen Raufhandel «blckte, mag dahingestellt bleiben. Das Gericht war ober ganz seiner Ansicht: es verurteilte Prof. Schmerz wegen Körperverletzung zu 15 000 Schilling od«? zu 48 Swnden Arrest. Jede Verletzung, sagten die weisen Richter, ist strafbar,«venn nicht ein medizinischer Grund vorliegt, sie zu begehen. Di« Zustimmung des Patienten ändert nichts an der Sache. Das Gericht konnte aber nur zu dem Urteil gelangen, weil der Mfdmnstche Sachverständige Pros. Dr. Reutter«n seinem Gutachten erklärte, daß eine schwere körverliche Verletzung vorliege. Zwar dauerte die Operation nur 10 Minuten,'zwar sei sie äußerst leicht und bei lokaler Anestesie schmerzlos, zwar treten nach derfelbeck günsiige Berjüngungserscheinungsn aus und kehre später der normale Zustand zurück— trotzdem lieg« schwere Körperverletzung vor. Was anderes sei es, wenn es sich um«ine ähnliche Operation bei einer Frau handelt, da lieg« zzt derselben ein ernstlicher Grund vor, denn die Frau trage ja bei der Geburt ein größeres Risiko. Der Herr Prosestor hatte wobl außer acht gelösten, daß«ine Geburt nur nach vorhergegangener Zeugung zustande kommen kann, also die Zeuaung«s ist. di« dos R'Wo der Frau bei der Geburt bewirkte. Dae gra, e r i r a g c" und Dr. med. Helcne-Fricdcrikc Stelzncr� ,,U e b e r aeihiac Entwicklung und körperliche Gefährdung weiblicher stüriorgczöglingc" sprechen. Ter Eintritt ist nur gegen Ausweis gestattet. Korten sind unentgeltlich in der Geschäfts- stelle, V. 62, Bayrcuther Str. 36, erhältlich. Dienstag, 5. November. Berlin. 16. ns Heljmyt Krommer; den Deutschen in Karpatho-RuBIand. 16.30 Uutürhaltuopsmnsik. 15.00 Bücberslundc...Kricgsbucher-Nachlcse.**(Verlag Wilhelm K5hler.)(Am Mikrophon: Heinrich Bachmann.) IS.30 Max Reger: Stteichtrlo A-Moll, oi>. 77b.(Prof. Dcman, Violine; K. Rcitr, Viola; C. Dccherl, VioUnccll.) 19.00 Georg Trakl. Eyiführtmg: Heinrich Fischer. Leseproben: Anna Hölfcring. Zwischenmusik: Sonate für Violine und VioUnccll. Von Maurice Ravel (Prof. Dernau und C. Dechcrt.) 20.00 1. Busonf: Sonate Nr. 2 für Violine und Klavier, op. 36a.(Prof. Wolfsthal, Violine und W. Wolf, Flügel.)— 2. Honegger: Sonate für Viola und Klavier.(Rclnh. Wolf, Viola; W. Wolf, Klavier.) 3. Rilke(Sprecher: Franziska Kinz). 4. Ottokar Ostrcil: Sonatina für Viola. Violine und Klavier� op. 22(Prof. Wolfsthal, Rclnh. Wolf und W» Wolf). 21.10 LfnterbaUungsmnMk. Anschließend Presse-Umschau CDr. Josef Räuscher). K�ch den Abendmeldungcn Bildfunk. Anschließend Sechstagerennen(Ucbertragung aus dem Sporfral.ntV Königsu-usterhausen. 16.30 Nadhmittagskonzcrt von Leipzig. 17..30 Oskar A. H. Schnitz: BQcberstunde. 18.00 Mersmann: Kloine Formen der KlavienvvsNc. 18.30 Französisch für Fortgeschrittene. 18.55 Dr. Jahnke: Gutes Deutsch für jedermann. 19.20 Prof. Saitschick: Politische Weisheit, die uns nottut. 20.00 Heitere Lieder. 20.30 Uraufführung: ,.S. O. S.— rao. rao— royo.**„Krissfo" rettet„Italia*4 von Friedrich Wolf. Regie; Alfred Braun. Ccrantmortl. Hit die Redoktion: Bolfgang Schwarz. Berlin: Anzeigen: Th. Slocke. ""--------"-* ,etlln. Druck: Bstwärts Back»- druckerei und Derlagsanstalt Paul Singer 6c So., Berlin SD Kferzu I Beilage. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. d. H.. uf f L. Linbenstraße 3.>•**' tT s*Ta '/- III' la-larMU 1251 IPrai»t-6M. Woiimtv SD. 50 Pf.-311. Saraldlna u. Joe, Etti, Power uiw. Tägl. S u.»» Sonnt. 2. Sit" | Alox. E. 4. 8066 ! INTERNAT. VARIETE Volks MUme rimlir»Daioiplit: 8 Uhr FrOUinos Erwachen StaatL Miller-Tb. 8 Uhr Des Kaisers Soldaten stuisnpir am niu dar Bepnhltk T'ü Uhr Honrnaniis Ttealsr am ixilthanantama 8"« Uhr Pennäler «öies Ibeatei 0.1. Norden 12310 81,- Uhi Der Kaiser v.' merika von Bernard Shaw Reg: Ma* Reilhardt Kammerspiele D.I. Norden 12 310 80, Uhr Dor Dowiderstehüehe Komödie von Cdraldy und Spitzer Kegle. Ousttf CrOndganf Die Komödie JI Bismck-24U/7516 8 Uhr Leun TorzUllaiioeai Kolportage Komödie von Georg Kaiser Regie; Erich �pgei Netropoi-Th. 8V» Uhr Lcta«r dirigiert Das Land des L&ehelns Vera Sdivan, Richard Tauber lanowch-SObiffl naatar in da, KlalgirlUar StraBa Täglich 8", Uhr Die erste mrs. seihy mit Komödienhaus Täglich 81/- Uhr Dar HOhnerhot v Tristan Bemard Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich SV« Uhi Max Adalbert als «ante am FIQgel Rudolf Nelson Direktion >r, Robert Kleb: Dtnlseh» Ifinstler-Tbeat Barbarossa 3937 7% Uhr Seltsames Zvismenspie ». Eugene O'Neill b|li: HiIm Iliptrt Berlioer IHM Dönholino 8'/. U. Zwei Iravatien von Georg Kaiser Musik Spollansky Sonnta", d. 10 u. 17 November J» Uhr Zwei Irawalfen Kleine Preise rnuLiLVesiens Tägl. St,'. Uhr Narfelia Unit v. Oikar Stnns Käthe Dorsch Michael Bohnen lantral. ThMt«r Alte JaK0bstr.32 dtsisplel d. Tb. d. westi I Westens Täglich W« Uhr Sfg. 4 u. 8'/» Uhr| Friederike Darvtn von Franc Lessing-Theater Norden 10846 Gruppe funger Schauspieler Täglich 8>/. Uhr Cyankali 9 218 von Fritonih«all Trisnon-Th��r 8'/. Uhr Elisabeth Strickrodt in „Die Ballerina des Königs- Luslspielbins Frledrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich 8-1, Uhr Grand Hotel Lustspiel von Paul Frank PUmeiaruun — um Zoo ii /Ulis: Josdrarlen« ilrsk 8.J Barbarossa 687! le'/r Uhr Herbst- sdsots sm Jtsmsn .Immsi i8'.t Uhr Mtsai est Stsrnsnlic.ilas M1. Uhr Sit sn Sli Qrsnzsn Sic Walt Eintritt 1 Mark. Kinder 50 Pf. Mittwochs halbe Kassenpreise. ■rosses Schauspielhaus 8 Uhr ßMusketlm REGIE: CHIRELL Sonntag nachm. nngek., halb« Pr. Renaissance-Theater •vc STEMPELBRUDER Von Dltschinsky Regie, öust. Hanung ROSE •THEATER 6r Blilettkasse sirane 132 Alexander 3422 Täglich 8» Uhr (Sonntags M/c und 9 Uhr DI« Isefldmtfe lad an Mittvon 3 ou das tapfere Sömelüerleln sdsn lomsbaau 6 Unr u Jsden Sonntag l* Unr Frau Holle Winfer ★ Garfen* d um» itotr. 2819• Bandiaa arlaom Jlse Kols, Jrvtn Slstors etc. J CASINO-THEATER Loibiinger Strebe»7. neu! Täglich Vk Uhr Heul weptagte Hochzeltsnacntl und ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser: Tutschein(Or 1—4 Personen Fauteul) nur 1�5 M., Sessel 1.75 M., Sonstige Preise- Parkett u. Rang 0.80 M. Reichshallen-Theater Abend, jT] Sonntag nachm.|T| • Des Andranges wegen prolongiertT „Bei de Stettiner" Uik-Bevor. Nachmitl�os halbe Preise, volles Program ml Btlleubcst Zentium 112 63. ön h 6 t,. Sre< i Famlllen-Vartetd— Konzer— Tanz Pbliharmonle 8 IJhr liofooiHoDzeit des Philharm. Orch Dlrio. Prot. I. Prower Vlol-Konz A�ur- Mozart(Hanke) Slnf.C�lui-Schub Eintritt 1 Mk. Tneai. a. Koim.Tor Kottb. Str. 6 Tägl. 8 Uhr auchSonm. nach ai.3U Elite- Sänder Dia Walt gatt naterl SphUI- aarltr Isdiias u nun an. atui aal Bein, wenn IntUtstgasiam Ii IS Tagaa sind imwart Fllla Desomal wardea. Unoniasmar» Bcilerioioe. Bestflllgoag ana Belersnien. arztlich MBgtoblan. lovaildeaiiraOs 108. 0-12. 1-6. SOMtIO 10-11. lacoDT. m- Gegründet 1895 gibt AnzOgc, Ulaler, Palelots usw. ab. soweit nicht am LagerEztra-Anfertigung ohne Pi-olsauFschlag man Dille Oberzeagen Sic«Ichl J.CoperrKaiser-Wilhelm-Str.?� auch b[si2 MONATS RATEN Beriin.leipzigerstr. 122-123 (Beilage Dienstag. 5. November 1929 SfrKünib $fux/auktfa£e Ib&arA Jahre der Not und des Aufbaus Erfolge sozialdemokratischer Wohlfahrtspolitik— Von Stadtverordnete Minna Todenhagen Trotz großer Belastung durch die Wirtschaftskrisen und starker Gegnerschaft der Rechtsparteien hat die Sozialdemokratie die Wohlfahrtspflege in Berlin systematisch ausgebaut. Di« arbeilsrechllichie Sicherung des Lebensunterhaltes für pollerwerbs- fähige Menschen durch das Gesetz über Zlrbeitsoennitdlung und Ar- beitslosenvcrstcherung mird den Gemeinden weitere Fortschritte aus diesem Gebiete ermöglichen. Wie stark ihre Grenzen auch in Zu- kunst noch die Wohlfahrtspflege belasten werden, das hängt ab von der Arbeitsmorktlage und von einer weiteren gesetzlichen Siche- rung gegen übermäßige Ausschaltung der Menfchenkraft durch Ra- tionalisierung der Betriebsführung. Diese hat be- TagetkurfiaUe für brauen in Oberfeh9newelde reits eine starke Wdrängung arbeitsfähiger Menschen mit Unter- haltspflichten auf die Wohlfahrtsämter verschuldet. Zwischen den Jahren 19Z6 und 192S hat sich das Unterstützungswefen näch einer sehr bemerkenswerten Weife entwilkelt. Die Zahl der laufend unter- stützten Personen erhöhte sich in diesem Zeitraum um 3 9 Prozent, die der mitunterstütztcn Angehörigen um 117 Prozent.'■ i Die Sladigemeiude Berlin erhöhte ihren Unterstühungs- ' aufwand in der Zeit von 1S2S bis 1928 uln 181 Proz. Die Deuts ck) nationalen verfolgten in den Konwnune» dieselbe Verelendungspolitik, die sie nn Reichstage z.B. bei der Arbeitslosenversicherung unter Assistenz der Volkspartei durchzudrücken versuchten. Die Kommunisten treiben ein« praktisch völlig wertlos«, unverantwortliche Agitationspolitik. Für eine Fa- milie mit 3 Kindern forderten sie einen Unterftützuirgsfatz von monatlich 28V Mark, dazu Uebernahme der Miete bis zu 30 Mark, für Neubaup�ohirungen und kinderreich« Familien auch den Zv Mark übersteigenden Mietbetrag. Die Frage nach Deckung der dadurch entstehenden Mehrausgaben ist ihnen völlig gleichgültig. Das ist keine verantwortliche Arbeit. Das Streben der Sozialdemo- kratie war stets darauf gerichtet, systematisch die Auswirtungen der kapitalistischen Gesellschaftsordnung von der proletarischen Bevölkerung abzuwenden. Das ist in beachtlicher Weise geschehen durch den Ausbau der Fürsorge für Mütter, Kinder und Jugendliche. Der Sozialdemokratie ist die Einführung der Wochen- Hilfe in der Reichsversicheruugzordimng zu verdanken. Sie schützt die im Erwerbsleben stehende Mutter und durch die Familienfürsorge auch die Familienangehörigen des krankenversicherungspflich- tigen Mannes. Die Fürsorgepflichtverordnung auferlegt den Ge- meinden Wochenhilfe für alle hilfsbedürftigen Frauen, die nicht durch die Bestimmungen der Reichsversicherungsordnung erfaßt werden. Die Hilfe soll das sicherstellen, was die Reichr-versicheruiegs- ordnung den Familienangehörigen eines Versicherten gewährt. Die Wochenfürsorge der Sladlgemeinde Berlin geht weil über die reichsgefehlichen Vorschriften hinaus. Das Recht der unehelichen Mutter, mit ihrem Kind« wenigstens örtlich zusammenbleiben zu können, ist durch die Stadtgememdc dadurch gesichert worden, daß die Ucbergabe an auswärtig« Kosten- träger nur mit Einwilligung der Mutter erfolgen darf. Die Be- slimmung der Fürsorgepflichtvcrordnung, nach der die Uebcrgabe eines Hilfsbedürftigen von einem kostenerstotwngspstichtigen, auswärtigen Ort verlangt werden kann, hatte mancherlei Härten mit sich gebracht. Einst durchzogen die Berliner Waisenkinder unter Leitung von Diakonen die Straßen Berlins und sangen um einen..Gotteslohn" in den Höfen. Damals(noch kurz vor dem Kriege) trugen sie.«in- förmige, gleichmachende Anftaltskieidung. Unter sozialistischer Leitung verschwand das graue Einerlei. Unsere Waisenkinder gehen farbenfreudig gekleidet, wie es sich für Kinder gehört. In unserem neuesten Kinderheim in Werftpfuhl machen die Haushaltsfchüle- riniten ihre ersten Schneidereiversuche an buntem, zweckmäßigem Kein kinderzeug. Die Zahl unserer Waisenheime ist vou 2 auf 8 gestiegen. Zu den Waisenhäusern Akte Iako.bstroße und Rummelsburg kommen hinzu: die Heim« in Malchow. Heinersdorf. Gütergotz. Haus Kinderschutz in Zehlen- dors, Borgsdorf und W e r f t p! u h l. Durch«ine gute ärztlicki überwachte Ernährung und sorgfältig« Körperpflege ist die Sterblichkeit der Kleinkinder weit unter den Umfang der Vorkriegszeit herabgedrückt worden. Mit den 19 310 Waisenkindern werden auch alle Kinder �gezählt, die aus irgend we'chen Gründen nicht in der eigenen Familie erzogen werden können. Wir erfassen wohl ziemlich alle in dieser Form hilfsbe- dürftigen Kinder. Es ist tragisch, daß die Kommunisten der Erhaltung der k i r ch- lich en Hrrft und Kinde gärten aus Mittelster Stadt Hilfe triften, i well sie nicht willens sind, mit den Sozialdemokraten zusammen den Etat zu»rächen. Dadurch ermöglichen sie den Gegnern Zu- geständnisse, die in Bezuschussungen ihrer Kindergärten und-horte bestehen. Die Sozialdemokratie hat 54 städtische ktvdergärken und -horte geschaffen und die Slngliederung solcher Ein- richkungen in allen neu erstehenden Siedlungen durch- gesetzt. Jnr sozialdemokratisch geleiteten Weißensee ist erst vor wenigen Tagen ein schönes Kinderhaus, Kripp«, Kindergarten und-Hort um- fassend, eröffnet worden. Eine umfassende Kinder- erholungsfürsorge muß es ermöglichen, einmal im Jahre all« Kinder aus der engen Stadt heraus in die Weit« des flachm Landes, auf die Höhen der Berge oder an die See zu bringen. Mit 63 000 Kindern, die alljährlich für die Dauer von sechs Wochen hinauskommen, ist ein anerkennenswerter Anfang gemacht worden. Scheuen in der LüNeburgcr Heide, Rest an der Ostsee, Zossen bei Bertin sind mit einer Anfnahmefähigekit für 600, 900 und 1200 Kindern große Kindersiedlungskomplex« geworden, von denen sich das Berlin der Vorkriegszeit nichts hat träumen lassen. In Avendsce an der Ostsee wird int nächsten Jahr ein neues ftädii- fches Kinderheim eröffnet werden. Für berufsschwach« Jugendliche ist auf Ver- anlafsung der Sozialdemokratie in den Etat 1929 er st mal ig ein Betrag von 30 000 Mark aus» gesetzt worden. Da nicht nur Berliner Kinder, sondern aus ganz Deutschland Kinder reisen und sehr viele von ihnen durch Berlin kommen, haben wir für sie im a u s d« r I u g e n d", in der Scharnhorststrah«, 400 Betten und 200 Notlager gefchasfcn. 36 000 kleine und jugendliche Gäste haben wir 1928/29 dort beherbergt. Der Bezirk Treptow machte im Jahre 1926 durch Errichtung der Tageskurstätte für Frauen in Ober schöneweide einen erfolgreichen Anfang mit der Erholungsfürsorge für Frauen. Sie befindet sich auf dem 12300 Quadratmeter umfassenden Gelände einer Villa, hat landschaftlich eine herrlich« Lage mit Ausblick auf die Spree und die Wuhlheide. Die Kurstätte wird von Frauen, die an allgemeiner Körperschwöch«, Blutarmut und Nervenschwäche leiden, in Anspruch genommen. Die Kurstätie hat in den drei Jahren ihres Bestehens den Beweis erbrocht, daß auch mit einem Tages- aufentholt(täglich von 9 bis 18 Uhr) ohne erhebliche Kosten schon viel erreicht werden kann. Auf ein etwas größeres Maß wird diese Fürsorge ausgedehnt durch die Richkftnien, die neuerdings von der Wohlfahrtsdeputation ausgearbeitet worden sind. Danach soll die Erholungsfürsorge über 21 Jahre alten Hilfsbedürftigen ge- währt werden, wenn eine wesentliche Stärkung der Erwerbs» oder Arbeitsfähigkeit des Verschickten zu erwarten ist oder eine voraus- zusehende Minderung der Erwerbs- oder Arbeitsfähigkeit verhindert werden kann.' So bewegt sich ein Kreislauf vorbeugender und heilender Fürsorge um Mutter und Kind. Daß außerdem alle nach Lebenslage und körperlicher und geistiger Be, Maut 4er Minder in ttelflenfee schasfenheit Hilfsbedürftigen, Erwerbsbefchränkte, Gefährdet« und unser« nicht mehr arbeitsjähigen Alten, mit gleicher sozialer Der, antwortung erfaßt werden, ist selbstverständlich. Berliner Wähler und Wöhlerinnen, verstärkt die Zahl der Pio- nier« für diese Kulturarbeit, indem ihr am 17. November die Kandidaten der Liste 1, der Sozialdemokratischen Partei, wählt! Wie Krebskranke„behandelt" werden Eine Stichprobe— Von Dr. Julius Moses Die Bekämpfung der Krebskronkhciten ist— was die theoretische Seit« anbelangt— sicherlich sehr gut organisiert. Es besteht eine deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung des Krebses, die in ihrem Auf- gabenkrcis segensreich wirkt, es werden nationale und internationale Kongresse abgehalten, es gibt ein« umfangreiche Aufklärungsliteratur, Rundfunkvortröge finden statt, Merkblätter werden an die Bevölke- rung und an die Aerzte verteill, die Zeitungen leisten Aufklärungs- Propaganda usw. Der Krebs ist in seinen verschiedenen Formen in den Anfangsstadien heilbar: es handelt sich also darum, der Be- valkeruitg intensiv die Notwendigkeit der Frühbehandlung vor Augen zu führen. Erschwert wird diese theoretische Ausklärunz dadurch, daß die Frühfymptome der Krebserkrankungen schwer er- kennbar sind. Eine Aufklärung bleibt daher erfolglos. Stückwerk, wenn nicht der Arzt eine rechtzeitige Diagnose noch in den Anfängen der Kronkheft stellt. Das Schwergewicht wird immer wieder auf dem schnellen Eingreisen des Arztes beruhen. In der„Münchsner medizinischen Wochenschrift", Nr. 38,. macht nun ein Berliner Arzt, Dr. Paul Gornick, aufsehenerregende Enthüllungen über die Art, wie Frauen, die an Gebärmutter- krebs leiden, von Aerzten untersucht worden sind. Die Beobachtun- gen wurden an der Klinik Prosessor Liepmanns gemacht. Das Ergebnis der Gornickschen Untersuchungen ist niederschmetternd. In dem Zeitraum ovm I. Oktober 1928 bis zum 30. April 1929, also in sieben Monaten, wurden in der Frauenklinik und Entbindungsanstalt„Cecilienhaus" 93 Frauen mit einem Gebärmutterkrebs, die noch keiner spezifischen Behandlung unterzogen worden waren, aufgenommen. Von diesen 93 Frauen waren nur 53 Frauen sogleich bei der ersten Befragung des Arztes vaginal untersucht worden. 38 Frauen wurden vom„vorbehandeln- den" Arzt ohne dies« unerläßliche Untersuchung abgefertigt. Von diesen 38 Frauen, die bei der ersten ärz lichcn Konsultation vaginal nicht untersucht worden sind, wurden nur 8 Frauen bei der zweften' Arztkonfultaiion und 13 Fronen erst bei dem dritten Arztgang« vaginal untersucht. Bei 10 Frauen fand erst nach«imnonatiger, bei 2 Frauen erst nach zweimonatiger und bei 3 Frau« nach drei- monatiger BeHandümg die erst« vaginale Untersuchung statt. Und bei 2 Frauen dauerte es sogar sieben Mona'«, ehe die erste vaginale i Untersuchung stattfand. In diesen beiden Fällen schritten die Frauen zur„Selbsthilfe", indem sie«inen anderen Arzt aufsuchten, um endlich«ine vaginale Untersuchung zu erreichen. Dies« Frauen sind also von den Aerzten, an die sie sich um Hilfe gewandt haben, er st nach Wochen und Monaten überhaupt der grundlegenden Untersuchung unter- zogen worden. Dr. Gornick prüfte auch nach, noch welcher Zeit die 93 krebs- kranken Frauen von den„vorbehandelnden" Aerzten der Frauen- t l i n i t überwiesen worden sind. Dabei stellte sich heraus, daß 4 3 Frauen, assa annähernd 30 Proz. aller Frauen, die!n dem angegebenen Zeitabschnitt mit einem Gcbtirmuäerkrebs in die Klinik ausgenommen wurden, länger als zwei Monat« noch der ersten vaginalen Uiüersuchnng?n ärztlicher„Behandlung� standen, 26 Frauen länger als 4 Monate und 18 Frauen, annähernd 20 Proz., länger als 6 Monate! Von den 93 Frauen, die mit Gebärmutterkrcbs in 7 Monaten in der Frauenklinik Professor Liepmanns eingeliefert worden sind, sind also nicht weniger als 87 Frauen durch die Schuld der vorbehandelndcn Aerzte um 2 bis 6 Monate später der klinischen Behandlung zugeführt worden, als dies ersordcr- li ch i st!„Das ist ein Resultat", schreibt Garnick,„zu dem ein Prädikat zu finden nicht leicht ist! Mit„betrüblich",„erschreckend", sogar mit„vernichtend", ist es u. E. noch nicht gemigen'd gekennzeichnet." In seinem Lehrbuch der Gynäkologie erklärt einer unserer ersten Frauenärzte, Professor Stöcke!:„Es kommt leider immer noch täglich in Hunderten von Fällen vor, daß das für„Blutungen" bereitliegende, fertig gedruckte Styptizinrezept ohne jede Untersuchung verabfolgt wird. Das ist einer Karzinom atösen (Krebskranken) gegenüber ein Berbrechcn." Und dieses Verbrechen wurde von vorbchandclnden Aerzten an 93 Proz. der Frauen, die im Laufe von 7 Monaten bei Professor Liepmann eingeliefert wurden, begangen! Man darf diese furchtbare Statistik nicht etwa als Einzel- erscheiiumg ansehen. Sie wurde bei Liepmann durch sieben Monate geführt. Daraus läßt sich mit größter Wahrscheinlichkeit schließen, daß Prüfungen gleicher Art an anderen Frauenkliniken, wenn sie wirklich durchgeführt würden, zu dem gleichen Ergebnis führen mühten. Ob dies auch anderswo geschieht, entzieht sich allerdings unserer Kenntnis. Aus dem niederschmetternden Bericht Gornick» kann man sich jetzt ungefähr eine blasse Vorstellung machen, wie gebärnmtterkrebskranke Frauen von praktischen Aerzten im all- gemeinen untersucht und„behandelt" werden, besonders im Massen- betrieb der kassenärztlichen Behandlung. Was nützt die Dolks- aufklärung über die Gefahren der Krebserkrankungen. was nützen Rundfunkvorträge, Merkblätter, Kongresse, Zeitungsaufrufe. wozu überhaupt die ganze ungeheure Organisation der Krebsbekämpfung. wenn diejenigen, auf die es ankommt, die einzelnen Aerzte, derart versagen! Außerdem noch eine andere Frage: Was ist das Bor- gehen der„vorbehandelnden" Aerzte. die diese 38 trebskranten Frauen nicht sofort einer gründlichen Untersuchung unterzogen. sondern kostbare Wochen und Monate verstreichen ließen, ehe sie sich dazu entschlossen, anderes als Kurpfuscherei? Der Bericht Gornicks ist ein furchtbarer Mahnruf! Wir er, warten, daß ohne Rücksicht auf eine falsch verstanden« Kollegialität die berufenen ärztlichen Instanzen sofort die notwendige Unter- suchung anstellen. Hier gibt es kein Vertuschen! Wer die K»«bz> krankheit ernstlich bekämpfen will, darf sich mit einer noch so gut organisierten„Aufklärung" nicht begnügLSl D»« Saboi euren der Krebsbekämpfung unter den Aerzten WH ensrgjkck Leibe gegangen werden, denn es handelt sich um hfe Gesiindh?!l des franzarife/terf von Qf/forUß/erfa (2. Fortschung�) Claude Holle keinen von ihnen um Stillschweigen gebeten. Dennoch verriet ihn keiner; alle bewahrten das Geheimnis. Nicht einmal unter sich selber redeten sie davon. Jeder erwartete stillschweigend, was sich da ereignen werde. Die Sache selber war ja schrecklich recht und einfach. Gar keine Derwicklung tonnte eintreten. Keiner von oll den Sträflingen brachte es über sich, Claude einen guten Rat zu geben oder ihn gar anzuzeigen. Eine Stunde später trat er auf einen sungen sechzehnjähriger» Sträfling zu, der müßig und gähnend auf dem Gange utrcher« schlenderte. Er riet ihm, doch lesen zu lernen. In diesem Augenblick kam der Gefangene Fallette hinzu und fragte: „Claude, was zum Teufel hast du da in deinen Beinkleidern oersteckt?" Claude sagte; „Es ist dos Beil, mit dem ich heute abend den cherrn Direktor erschlagen werde. Sieht man's?" „Ein wenig!" sagte Failelle. Der Rest des Tages verstrich wie gewöhnlich. Um sieben Uhr abends wurden die' Sträflinge eingeschossen. jede Abteilung in die ihr zugewiesene Wertstätte. Die Aufseher verließen nach allem Gebrauch die Arbeitssäle und kehrten erst dann wieder zurück, wenn der Direktor seinen Rundgang gemacht halte. Claude Gueux wurde also wie die anderen in seine Werkstatt eingeriegelt. Und nun begab sich hier eine außergewöhnliche Szene; eine Szene, die majestätisch wirkte durch ihre Furchtbarkeit; die einzige ihrer Art, von der irgend eine Geschichte weiß- Mit Claude waren, wie die später stallgehabte Untersuchung ergab, insgesamt zweiundachtzig Sträflinge anwesend, alles Leute, die sich irgendwie gegen das Eigentum vergangen hallen, also Diebe. Sobald die Wärter draußen waren, stellte sich Claude auf seine Bank und machte bekannt, daß er etwas zu sagen habe. Alle verstummten. Daraus sagte Claude mit erhobener Sllnmie: „Ohr wißt alle, daß Albin mein Bruder war. An dem, was man mir hier zu essen gibt, habe ich nicht genug. Und selbst, wenn ich mir für das Wenige, das ich hier verdiene, Brot kaufte, würde es für mein Bedürfnis doch nicht ausreichen. Albin teilte fein Esten mit mir. Anfänglich liebte ich ihn, weil er mir Nahrung gab; dann aber, weil ich sah, daß er mich liebte. Der Direktor hat uns beide voneinander gerissen. Was hätte es diesem Manne verschlagen, wenn ich und Albin beisammen geblieben wären? Aber -dieser Direktor ist ein boshafter Mensch, der eine Freude daran hat, wenn er andere quälen kann. Ich habe Albin von chm zurück- verlangt. Nicht nur einmal, nein ungezählte Male. Ohr habt es ja alle selbst gehört, er hat meine Forderung verweigert. Ich habe ihm bis zum 4- November Frist gelassen, mir Albin zurück- zugeben. Während dieser Zell habe ich über ihn Gericht geHallen und ihn verurteilt. Heute ist der 4. November. In zwei Stunden wird der Mann seine Runde machen. Ich sage euch im voraus, ich werde ihn töten. Hat einer von euch etwas dagegen einzuwenden?" Alle schwiegen.» Claude begann von neuem zu sprechen; wie es scheint, mit einer außerordentlichen Beredsamkeit. Er sagte, er wisse sehr wohl, er sei im Begriff, einen All der Eigenmacht und der Gewall zu begehen; aber er sei fest davon überzeugt, nicht im Unrecht zu sein. Er appellierte an das Rechtsgefühl der einundachtzig Diebe, die ihm zuhörten, und rief sie zum Zeugen dafür auf, daß er sich geradezu im Fallle der Notwehr befinde, daß die Notwendigkeit, sich selbst Recht zu schaffen, eine Sack- gast« sei, aus der man manchmal nicht mehr herauskönne, daß er dem Direktor des Zuchthauses das Leben nichr nehmen könne, ohne feines dafür hinzugeben; daß er es aber für ehrenwert erachte, das Leben an eine gerechte Sache zu setzen, daß er olles reiflich überlegt habe, und zwar zwei volle Monate hindurch, daß er wohl glaube, sich nicht lediglich von einem unmotivierten Rachegefühl hinreißen zu lassen; falls dies aber doch der Fall sein sollte, so bitte er inständigst darum, man möge ihn von der ge- planten Tat abhalten, daß er rechtschaffenerweise sein« Beweggründe klar und offen unbestechlichen Leuten unterbreitet hätte, eben ihnen, seinen Mit- gefangenen, daß er zwar fest enischlasten fei, den Direktor umzubringen, daß er aber gerne jeden anhören walle, der irgend einen Einwand zu machen habe. Nur ein einziger ergriff das Wort und gab den Rat, Claude möge, bevor er zum letzten Mlltel greife und den Direllor töte, noch ein letztes Mal den Versuch machen, ihn umzustimmen und zu erweichen. „Das ist nicht mehr als recht und billig," sagte Claude,„ich -'-rde es also oersuchen!" Auf der großen Uhr des Zuchthauses schlug es acht. Um neun Uhr mußte der Direktor kommen. Sobald einmal dieser sonderbare Gerichtshof dos gefällte Urtefl gewissermaßen genehmigt hotte, gewann Claude seine frühere Heiterkeit wieder. Seine ganze ärmliche Sträflingshabe, alles, was er an Linnen und Kleidungsstücken besaß, breitete er auf einem Tisch« aus. Dann rief er von den Mitgefangenen, die er nächst Mbin am meisten mochte, einen nach dem anderen und verteille alles unter sie. Er selber behielt weiter nichts als die klein« Schere. Dam, umarmte er alle und nahm auf dies« Weise Abschied. Einig« fingen zu weinen an; er lächelle ihnen zu. In dieser letzten Stunde plauderte er zuweilen mit einer solchen Gelassenheit, daß elliche seiner Kameraden, wie sie später aus» sagten, starke Hoffnung hatten. Claude würde seinen unseligen Entschluß vielleicht doch noch aufgeben. Plötzlich belustigte er sich damit» eine der wenigen Kerzen, die in der Wertstatt brannten, mit einem kräftigen Nießer auszulöschen. Wie man steht, auch die traurigsten äußeren Umstände konnten es nicht ocrhindern, daß in ihm zettweis« der ehemalige Poriser Gassenjunge zum Durchbruch kam. Er sah einen jungen Sträfling, der bleich wie die Wand war, ihn in einemfort anschaute und dabei heftig zttterte, wahrscheinlich in Erwartung des Schrecklichen, das geschehen sollte. „Nur Mut, junger Mann!" sagte Claude,„es geht rasch. In einem Augenblick wird alles vorbei sein!" Nachdem er alle seine Sachen ausgeteilt, von allen seinen Mit- gefangenen Abschied genommen und einem jeden die Hand gedrückt hatte, unterbrach er das unruhige Plaudern, das sich hier und da in den dunkleren Teilen des Saales entspann, und befohl, daß sich jeder wieder an seine Arbeit begeben solle. Alle gehorchten schweigend. Die Werkstatt, in der sich dies alles abspielte, war ein läng- licher, rechteckiger Saal, mit je einer Fensterscherbe an den beiden Langsetten und mit je einer Tür an den beiden Schmalsetten. Diese beiden Türen logen einander gegenüber. Die Arbeitstische standen aus jeder Seit« an den Fenstern, die Bänke stießen in einem rechten Winkel an die Mauer, so daß zwischen den beiden Tischreihen ein leerer Raum blieb, der einen langen Weg bildete, der sich durch den ganzen Saal hindurchzog und schnurstracks von einer Tür zur anderen lief. Diesen langen, ziemlich schmalen Weg mußte der Zuchthaus- direktor gehen, wenn er bei seiner Runde den Saal durchschritt. Er pflegte durch die Südtüre einzutreten und. wenn er links und rechts die arbeitenden Sträflinge flüchtig gemustert hatte, durch die Rordtüre wieder zu verschwinden. Meist schritt er ziemlich rasch hindurch und hielt sich nirgends auf. Claude hatte sich wieder aus seine Bant gesetzt und zu arbeiten angefangen. Die Sträflinge warteten alle mit steigender Erregung. Der entscheidende Augenblick kam immer näher. Ein Uhrenschall klang auf. Claude sagte:. „Jetzt ist es drei Biertel!" Dann stand er auf, durchschrttt schweigend einen Teil des Saales und lehnte sich nochlässig an die Ecke des ersten Werktisches, der dicht neben der Eingangsttife auf der linken Seit« stand. Es schlug neun Uhr. Die Tür öffnete sich. Der Direktor trat ein. In diesem Augenblick herrschte im ganzen Saal eine Toten- stille. Nur der Direktor benahm sich wie gewöhnlich. Mit seinem selbstgefällig lachenden, gefühllosen Gesicht trat er ein. Er sah Claude, der aufrecht links neben der Tür stand und der seine rechte Hand in den Beinkleidern oerbargen hielt, nicht, und schritt schnell an den ersten Werktischen vorüber. Dabei schüttette er den Kopf, brummte vor sich hin und ließ seine nichtssagenden Aeuglein bald links, bald rechts über die Sträflinge hingleiten, und sah nicht, daß olle diese Blicke, die sich auf ihn hefteten, von einem einzigen, furchtbaren Gedanken erfüllt waren. Plötzlich drehte er siö, mit einem Ruck um, verblüfft darüber, Schritte hinter sich zu hären. Es war Claude, der ihm seit einigen Augenblicken schweigend gefolgt war. „Was machst du hier? Kerl!" fragte der Direktor.„Warum bist du nicht an deinem Platz?" (Denn im Zuchthaus ist ein Mensch kein Mensch, sondern ein Hund,»in Kerl, man spricht und ranzt ihn mit„Du!" an.) Claude Gueux erwiderte respektvoll: „Weil ich etwas mit Ihnen zu reden habe, Herr Direktor!" „Wovon?" „Von Albin!" „Was? Immer noch?" fragte der Direktor. „Immer wieder!" sagte Claude. „Wie," sagte der Direktor und schritt weiter,„hast du an den vierundzwanzig Stunden Dunkelarrest noch nicht genug gehabt?" Claude schritt ebenfalls wetter und bat: „Hetr Direktor, geben Sie mir meinen Kameraden wieder!" „Dos ist nicht möglich!" „Hm Direktor," sagte Claude mit einer Stimme, die selbst einen Stein erweicht hätte,„ich flehe Sie an. schenken Sie mir Albtn wieder! Sie sollen sehen, wie frisch ich dann arbette! Sie sind frei, Ihnen kann es gleich sein, Sie wissen nicht, was ein Freund ist; aber ich. ich habe nur die vier Zuchthausmauer». Sie können kommen und gehen, wie es Ihnen beliebt; ich habe nur Albin. Geben Sie mir ihn wieder zurück! Sie wissen es so selber: Zllbin ernährt mich! Es kostet Sie ja nichts, als e>n simples Ja! Was macht es Ihnen aus, wenn hier im nämlichen Saale ein Mensch ist, der Claude Gueux heißt und noch einer, der Albin heißt? Und um mehr handelt es sich ja nicht. Herr Direktor, lieber Herr Di- rckior, geben Sie mir Albin wieder! Ich beschwöre Sie!" Claude hotte bisher noch nie zu einem seiner Kerkermeister so viel auf einmal gesprochen. Erschöpft schwieg er nach dieser Anstrengung. Der Direktor erwiderte ihm mit einer ungeduldigen Geste: „Unmöglich! Ich hob dir's bereits gesagt!«Merk dir's, sprich mir nicht mehr davon! Du langweilst mich!" Und da er gerode Eile zu haben schien, verdoppelte er seine Schritte. Claude aber auch. Währenddem er noch sprach, kamen beide zur Saaltüre. Die Gefangenen standen und lauschten mit angehaltenem Atem. Claude faßte den Direktor leicht am Aermel: .Lassen Sie mich ober wenigstens wissen, warum ich zum Hungcrtode verurteilt bin! Sogen Sie, warum haben Sic mir Albin fortgenommen?" „Ich habe es dir bereits schon einmal gesagt." schnaubte der Direktor und bekam einen bösen Glanz in die Augen,„d a r u m!" Er wandte Claude den Rücken und griff nach der Türklinke. Bei der letzten Antwort des Direktors war Claude einen Schritt zurückgewichen. Schreckensstarr sahen die achtzig Zeugen, wie sein« Hand mit dem Bett heroorfuhr. Diese Hand schlug zu.(«chluß folgt.! WAS DER TAG BRINGT. wmnmininnmminmmmnminnimmmiiiminiMimimnuuminnmmimmuimimiuiaiuuniminmim:nuiiimniimimiiminiii(imn:niimimminiiniiiiiiiuniimimmiiimiiB Wenn der Mensch nur von Fleisch lebt, Die Bewohner der Arktt's-Länder, vor allem die Eskunos, leben nur von Fleisch, ohne daß ihr Körper unter dieser einförmigen, vita- minarmen Kost leidet. Der amerikanische Arzt Dr. Cornell hat nun erprobt, ob auch weiße Menschen eine ähnliche Ernährungsweise ohne Schaden vertragen können. Zu diesem Zweck wurden zwei Polarreisende, die sich hierzu bereit erklärt hatten, ein volles Jahr lang nur mit Fleisch verschiedener Art ernährt. Eine ständige Beobachtung' der beiden Versuchspersonen bürgte für die genaue Ein- Haltung der vorgeschriebenen Fleischkur. Da« Ergebnis zeigte, daß der Weiße ebenso wie der Eskimo im Polarklima ganz gut allein von Fleisch leben kann. In den ersten Monaten der Fleisch- ernährung nahmen die beiden Versuchspersonen zwar um S bis 10 Pfund ab, von da ab blieb chr Gewicht jedoch bis zum Schluß des Jahres vollkommen gleich Es stellte sich bei ihnen auch nicht der bei starkor Fleischkost fast immer auftretende vermehrte Blut- druck ein, ebensowenig ließ sich eine schädliche Beeinflussung der Nierentätigkeit feststellen. Die beiden Männer blieben während der ganzen Zeit geistig und körperlich durchaus gesund Eskimo'Justiz. Eine in Montreal aus dem Süden des Bafsin-Landes zurück- gekehrte Polizeipatrouille berichtete folgendes über die Justiz der Eskimos: Ein Eskimo namens Mako Glia? war von religiösem Wahn befallen worden, fühlte sich als„Reiniger der Rassen" berufen und erschoß in seinem Wahn seinen Vater, seine Mutter, eine jugendliche Verwandte und wollte auch seinem Druder ans Leben. Schließlich wurde er überwältigt und während des Winters In seiner Eishülle unter Aufsicht gehalten. Zweimal brach er aus; als er das z wette Mal wieder eingefangen worden war, wurde beschlossen, ihn zu töten, da man nicht immer eins Wache zu ihm stellen konnte In einer Versammlung des Stammes wurde Mako Gliak die Wahl gelassen, ob er den Tod durch Crschieß.-n, Eistechen oder Ertrinken erleiden wolle. Mako Gliak protestierte, aber seine Richter machten kurzen Prozeß, indem sie ein Loch ins Eis schlugen und durch d'eses Mako Gliak in den Tod beförderten.— Die kanadische Regierung wird In dieser Angelegenheit feine Schritte tun, da das Vorgehen der Eskimos als Notwehr betrachtet wird. Bei seiner 62. Hochzeit verhaftet. In Vover bei Warschau wurde ein m den Bereinigten Staaten naturalisierter Pole namens Morris Baskin veiHaftet als et sich in der Kirche zum 62. Mal« trauen lassen wollte. Bckskin halte ein Gewerb« daraus gemacht, im Austrag von polnischen Staats- angehörigen, sie nach den Vereinigten Staaten ausgewandert waren, deren noch In Polen VfintUichen Bräute pro forma zu heiraten. Die Zulassung zur Einwanderung nach den Berem'oten Staaten war diesen Frauen auf Grund der amerikanischen(Tm- wanderungsgesetze nämlich nur dann möglich, wenn sie auf Grund ihrer Papiere als angetraute Gattinnen von Polen ausgewiesen waren, während die Cinwanderungsgesetze dagegen die Zulassung von Bräuten der nach Amerika ausgewanderten Polen nicht vor- sehen. Baskin hatte sich bisher seiner Aufträge, für die er natür- lrch eine entsprechende Vergütung erhielt, zur besten Zufriedenheit enlledigt. Nach der Zeremonie vor dem Bürgermeister und dem Geistlichen trennte man sich jeweils und die junge Frau tanme noch Amerika abreisen. Bei dem 62. und letzten Fall, der zur Verhaftung des Schwindlers führte, lag die Sache jedoch anders, denn gerade bei dieser„Braut" hatte Vaskin Feuer gefangen und wollte sie wirklich heiraten. Der Zufall wollte es. daß gerade jetzt Boskin oerhaftet wurde. Ein Ozeanpassagier, der das Aussteigen vergaß. Die amerikanische Schauspielerin Adele Samuels ist dieser Tage in Cherbourg eingetroffen, nachdem sie gegen ihren Willen den Atlantik überquert hatte. Hie hatte sich in New Jork an Bord des Dampfers„Olympic" begeben um sich von ihrer Kollegin Bei y Henry, die mit dem genannten Schiff nach Europa fuhr, zu vsr- abschieden. Sie hatte sich in der Kajüte m'tt der Freundin so eifrig unterhatten, daß sie nicht bemerkte, daß der Dampfer sich in Bo- wegung setzte. Als sie sich endlich verabschiedete, bemerkte sie m t Entsetzen, daß sich das Schiff bereits in voller Fahrt befand. Obwohl sie keinen Paß hatte, gestattete ihr die französische Hafen- behörde mit Rücksicht auf die ungewöhnlichen Begleitumstände die Landung unter der Bedingung, daß sie die Angelegenheit"mit der Schisfahttsgesellschaft und der Paßbehörde ordnungsmäßig er- ledigen werde. Kanonenrohre als Fischplätze, Die Fischer der Orkney-Insel haben herausgefunden, daß die deutschen Kanonenrohre sich ausgezeichnet als Fischplätze eignen. Di« Fischer benutzen sie nicht nur zur Befestigung ihrer Netze, sondern auch als Standplatz für die Winde, mit der die Fischer die Leine�eingiehen. Die so benutzten Kanonenrohre stammen von den bqi Scapa Flow versenkten Schlachtkreuzern, die bis Meter- höhe über dem Meeresspiegel Herausrogen und die so jetzt noch einer recht friedlichen Benutzung zugeführt worden sin! Eine untergegangene Blumenart. Dem Rattonal-Mufeum in' Washington ist die Nachricht zuge- gangen, daß zwei amerikanisch« Riaburforscher in Mnnipeg eine selten« Neltenart wiedergefunden haben, die man seit fast 200 Jahren ausgestorben glaubte. Die Nelke, damals Turteltauben- Nelke genannt, wurde im 18. Jahrhundert von einem englischen Botamker Clayton entdeckt und an Linn« geschickt, der ihr den Namen Cdslone obliqua verlieh. Seil dieser Zeit war die Nelke von niemand mehr wiedergefunden worden. Furunkulose bei Lachsen. Unter den Lachsen im Conwayfluß in Nordwales hat ein rätsfl» Haftes Sterben eingesetzt. Da die Lachse für die dortige Fischerei- bevölkerung außerordentlich wertvoll sind, hat man die toten Fische untersuchen lassen und dabei festgestellt, daß st« an einer Furunkulose eingegangen sind. Merkwürdig ist, daß andere Frscharten von der Krankheit nicht befallen wurden, noch merkwürdiger aber, daß samt- liche Forellen den Conwalifluß oerlassen haben. Die Erkrankung der Lachse wird auf den niedrigen Wasserstand des Eonwayflusses zurückgeführt. Man hofft, daß sie bei eintretendem Steigen des Flusses von selbst zurückgeht. / Im Scheinwerferlicht. Großer Artistenwettslreit der Arbeiter- Athleten. Die bundestreucn Arbeiter-Whlcicn worden ihren großen Artiften-Wettstreit om Sonntag, 11. November, abhalten. Die Veranstaltung, die in jedem Jahre wiederholt wird, vereinigt diesmal im großen Saale der Neuen Welt 23 Darbietungen. Wie oft wird der Zuschauer von den Darbietungen der Artisten im Variete oder im Zirkus in Spannung gehalten. Es ist ein Beruf, der nicht immer so glänzend bezahlt wird, wie die Ausmachung ist: gar mancher Artist kann ein Lied vom Kampf um Lohn und Brot singen. Und doch dieses Festhalten, dieses Anklammern an diesen Berus, der ihnen zum Lebensinhalt geworden ist. Es gibt viele Artisten, die von Jugend auf nichts weiter kennen als das Rampen- licht der Bühnen. Di« Liebe zu ihrem Beruf, die Freude an artisti- jchen Leistungen hält sie immer in Bann. Auch die Arbeiter-Artisten haben Freud« an Leistungen der Akrobatik in den verschiedensten Formen. Wenn sie nach ihrer Berufsarbeit sich in den abendlichen Trainingsstunden in den Turnhallen oder gar in den Vereins- zimmern zusammenfinden und immer wieder neue akrobatische Tricks probieren, jo tun sie das auch aus Liebe zu diesen Körperübungen. Das muß im Blute liegen. Allerdings werden hier die artistische» Darbietungen nicht zu geschästlichcn Zwecken benutzt. Lediglich die Freude am Können ist es, die sie zu der sportlichen Tätigkeit ver- anlaßt. In jedem Jahre hält deshalb der 4. Kreis des Arbeiter- Athletcnbundes Deutschlands eine große checrschau, einen Artisten- Wettstreit ab. Reichlich sind die Meldungen eingelaufen-, nicht nur aus Berlin, sondern aus dem ganzen Reiche haben die Arbeiter- Artisten ihre Meldungen abgegeben. Die einzelnen Nummern werden nach.Leistungssähigkeit, Aufmachung und Bühnenfertigkoit gc wertet. Der Eintrittspreis ist so gehalten, daß jeder die Beran- staltung besuchen kann. Es lohnt sich also schon, diesen Artisten- Wettstreit zu besuchen. Eintrittskarten sind im Vorverkauf in der Geschäftsstelle bei Karl Frahne, Berlin O., Gubener Str. 3k>, im Vcrcinsheim des Artisten-Vereins„Einigkeit", Neukölln, Kirchhof- straße 41, sowie in der Neuen Welt und bei Georg Kasel-tz, Berlin N., Gotschedstr. 20. und FRudolf Brüller, Berlin-Neukölln, Kaiser- Friedrich-Str. 77. zu haben. In den überfüllten Alhambra-Festsälen feierten die beiden Arbeiter-Athletenvercinc„Hoffnung 1888" und„Einig- k e i t 1926" den Tag ihres 41. bzw. dreijährigen Bestehens. Die beiden bundcstreuen Vereine boten ihren sehr zahlreichen Freunden erstklassige artistische Leistungen und saubere Vorführungen für die Sportfreunde. Den bunten Reigen des Varieteteils eröffneten die jugendlichen Glauck Comp.(Hoffnung) mü ihrem sauberen Leiter- Akt. Große Routine verhalf den„Luri-Luri"(Hoffnung) zu stür- mijchcm Applaus. Ueberzeugend waren die Uebungen bei denen, die in erster Linie Körperkrast brauchen. Die vier Sternbergs- Gladiatoren(Einigkeit) ernteten mit ihren neuartigen Schöpfungen stärksten Beifall: die schönen prächtigen Leistungen zu sehen, war eine Freude. Der imponierende weibliche Kraftakt der vier Mun- kanos(Hoffnung) hielt das Haus in'atemloser Spannung. Die interessante und zugleich werbende Jiu-Jitsu-Demonstration, ausge- führt von Mitgliedern des Sportoereins„Einigkeit", wurden wieder recht beifällig aufgenommen, ebenso der kurze Schauringkampf von Mitgliedern des gleichen Vereins. Das Gastspiel des sympathischen Jongleurs Petras sowie der reizende Dressur-Akt der Miß Riselli und die sicheren Springer Bourbonelli gefielen. Den Abschluß des Programms bildete der Zauberakt Borchardt und Aga, der zu stürmischer Heiterkeit hinriß. Dann kam der Tanz zu seinem Recht. .Arf»eiter-Hockey. Don den sonntäglichen Spielen konnte nur dack Treffen Tennis- Rot I gegen Freie Turnerschaft Groß-Bcrlin Nordring I als Serienspiel stattfinden Nordring l konnie es mit 10:0 für sich entscheiden. Sie waren durchweg die bessere Mannschaft. Halb- zeit 6:9.— Die Bezirke Ostring l und Mariendorf I der Freien Turnerschaft Groß. Berlin mußten sich zu einem Gesellschaftsireffen auf dem Platz im Friedrichshain zusammenfinden, das die Marien- dorfer mit 3: 2 knapp zu gewinnen vermochten, obwohl Ostring, abgesehen von der zahlenmäßigen Stärke, etwas mehr vom Spiel hatte.— Der Bezirk Neukölln I der Freien Turnerschaft siegte 4: 3 über Nordring II, und der Athletik-Sport-Club II gewann 1: 0 über den Bezirk Pankow der Freien Turnerschaft.— Am Montag, dem 4. November, findet der Schiedsrichterkursus seinen Fortgang im Lokal Sonnenburger Straße 19. „Ausgeschlossen!" Wie die KPO. SporipolUik macht. Auf der kürzlich abgehaltenen Vereinsvorständekon- f c r« n z des h a l l e s ch e n Bezirks im Arbeiter-Turn- und Sport- bund schilderte der Bezirksoertreter Rasch den Werdegang seines Ausschlusses aus der KPD., der außerordentlich kennzeichnend dafür ist, wie die KPD. von ihren Mitgliedern strikte Durchführung der .Parteilinie im Arbeitersport fordert. Rasch führte aus: „Ich wurde zu einer Funktionärsitzung der KPD.«ingeladen, da ich Funktionär dieser Partei war. Ich ging hin. Als ich herein- kam, waren dort ausgeschlossene Sportler zu 99 Prozent da. Man seilte mir die Frage:„Bist du gewillt, innerhalb des � Bezirks die Linie der KPD. durchzuführen?" Da � Hab« ich gesagt, das kann ich nicht, das könnt ihr nicht und dos können tausend andere nicht. Ich kann wohl innerhalb unserer Organisation für den Gedanken der Partei oder nach unseren Richt- linien oder nach meiner Auffassung agiaeren oder sprechen für unsere Sache, aber die Linie der Partei, di« Politik der Partei innerhalb dieser Organisation durchzuführen, ist mir und ollen anderen un- möglich. wenn ich das lue, schmeißt man mich morgen aus dem Bund. Da hat mau geantwortet:„3a, das wollen wir gerade!" Genossen, das mache ich nicht mit! Ich bin Kommunist und �bleibe Kommunist, aber die Politik der KPD. führe ich in unserer Sport- Organisation nicht durch. Man hat mich dann ausgefordert, mein Mandat als Bezirksvertreter niederzulegen. Das Mandat l«g« ich nicht nieder, denn ich habe es vom Bezirkstag, nicht von der KPD. Dem Bezirkstag stelle ich das Mandat zur Verfügung. Ich habe ihnen gesagt, schmeißt mich heraus, dazu habt ihr die Macht, aber nickst das Recht. Ihr kämet mir keine unehr- liche Handlungsweise nachweisen. Macht mir es erst nach, leistet erst die Kleinarbeit. Ihr seid kein« Sportler, ihr seid hergekommen, habt vom Sport kein« Ahnung.(Zurus: Friedmann!) Der Agitprop- leiter Schlieps hat dann erklärt: Rasch verweigert, die Linie der Partei durchzuführen, ich stelle den Ankrag, daß er ausgeschlossen wird. So wurde in der Funktionärsitzung der KPD. beschlossen. und noch drei Tagen stand es in der Zeitung, der Schädling Rasch ist aus der KPD. ausgeschlossen..." Rasch stellte vor den Vereinsvorständen di« Berlraucnsfrage. Ohne Debatte beschloß di« Vorständekonferenz, auf der 59 Vereine vertreten waren, nur gegen drei Stimmen: „Die am 27. Oktober 1929 tagende Vercinsvorständekonferenz des 6. Bezirks ist mit der 5)andlungeweise innerhalb des Bezirks einverstanden und verurteilt auss schärfste die Hand- lungsweise der KPD. und die Schreibweise des„Klassen- kampfes'." Das Abstimmungsergebnis dürfle die größte Niederlage der Kommunistischen Partei im halleschen Arbeitersport sein. Alles gegen die KPD. Deutschlands Arbeitersport bleibt rein. In Magdeburg fand ein« sehr gut besuchte Mitglieder» Versammlung des Arbeitersportkarlclls statt. Der Vorsitzende des Arbeiter-Turn- und Sportbundes, Geliert- Leipzig, hielt ein Referat, in dem er nachwies, daß die Opposition innerhalb der Arbcitersportbewegung systematisch arbeitet nach den von ihrer Zen- trat« ausaehenden Anweisungen. Die Versammlung endete mü einer nur gegen 19 Stimmen angenommenen Entschließung im Sinn« der Beschlüsse und Statuten d«« Arbeiter- Turn- und Sportbundes. Zwei Freund« der Opposition wurden von vier Diskussionsrednern und dem Schlußwort des Lundesoorsitzenden Gellert unter stürmischem Beifall gebührend abgetan. Eine vom sozialistischen Kulturkartell einberufen« öffentliche Sportlervcrs-ammluvg in Erfurt nahm nach einem«in- drucksoollen Referat des Schriftleiters vom Arbeiter-Turn. und Sportbund. Kreuzburg- Leipzig, eine Resolution an, die das Treiben der KPD. in der Arbeitersportbewegung als orbeiterfeind- lich brandmarkt und die Haltung' des Bundes als di« einzig richtige bezeichnet, die im Interesse der sozialistischen Bewegung ein- gehalten werden muß. Nur wenige B«sucher enthielten sich der Abstimmung. Bertin— Luckenwalde. Bedrohliche Situation vor dem Berliner Tor. Auf dem 1. Kreisspielertag der-s ä ch s i s ch e n Handballspieler wurde mit 52: 8 Stimmen folgende Entschließung angenommen:„Der heutige Kreisspielertag verspricht, niit allen Müteln sich für die Durchfühung der Bundesbeschlüssc einzusetzen und keine Fraktionsarbeit, desgleichen keine Spiel- Vermittlung mit ausgeschlossenen Bereinen zu dulden und erklärt, das Ausschlußverfahren gegen die Bund«smitglicdcr einzuleiten, die gegen die Beschlüsse verstoßen. Funktionär«, gleich welcher Art, die die vorliegende Entschließung nicht gutheißen, stellen sich außerhalb des Bundes." Die Kreisfußballeitung der Lausitz nahm in einer Sitzung mit den Bezirksfußballoertretern Stellung zur Lage im Bund und beschloß gegen eine Stimme, daß die Bundcsbeschlüsse die Grundlage gedeihlicher Aufbauarbeit sind und die kommunisti- schen Parteimachenschaftcn mit atler Energie ab- gelehnt werden. Abrudern beim Reidisbanncr. Am letzten Sonntag fand, durch das- schöne Herbstwetter bc- günstigt, das Abrudern statt. Im Bootshaus Köpenick, Wenden- schloß-Straße, trafen sich die Kameraden. Bon dort aus fuhren sie im Zweier, Vierer und Achter in Kiellinie nach dem Langen See zum Casö Euno. Hier wurde durch eine kleine Feier der offiziell« Abschluß der Rudersaison gefeiert. Nack) ein paar vergnügten Stunden wurde die Heimfahrt angetreten. Im Bootshaus hatten sich bereits die Angehörigen eingefunden: dann wurde das von den Damen gestiftete Tischbanner dem Zweck Übergeben. Der Vor- sitzende, Kamerad D e u l, ermahnte die Kameraden, weiter so tapfer für die deutschen Relchsfarben Schwarz-Rot-Gold zu kämpfe». damit auch die letzte Fahne der Elviggestrigen verschwind«. Bs- sondere Anerkennung wurde der Mannschaft d«s Iungmannvierers zuteil, die im letzten Jahr sieben erste Siege unter der be- währten Leitung ihrer Trainers„Hänichen" nach �ause bringen konnte. Auch im Winter ist für sportliche Betätigung Sorge g«° tragen. Jeden Sonnabend von X8 bis 19 Uhr findet in den Ruder- anlagen der Berliner Turnerschaft Stralau, Tunnelstr. 4, das Kasten- rudern statt. Sonntags wird im Bootshaus Ergänzungssport be- trieben.__ Einzelkämpfe im FKBD. Uiücr starker Baieiligung nahmen die von dem Gau Berlin des Freren Kegkcr-Bundes erstmalig ausgeschriebenen Herbst- Einzelkämpfe am Sonntag in der Kegelsportholle„Bötzow", Prenzlauer Allee, ihren Ansang. Die teilweise schwierigen Bahn- verhältniste zwangen die Kegler, die äußersten Anstrengungen zu machen, um nicht von vornherein ausgeschaltet zu werden. Die sehr guten Ergebnisse zeig«» folgende Spitzenleistungen: Patzack (Bötzow) 744, Schnötke(Gut Sport) 733, Gellert(Frohstnn-Knorke) 732, Schulz, Hermann(Frohsinn-Knorte) 731, Herzog(Bötzow) 729, Stieler(Bötzow) 729, Malitz(Osten 22) 728, Wothge, Fritz(Osten 22) 727 Holz, Geschoben wurden 199 Kugeln aus Bohl«. Bezirk Tempelyos-Mariendors. Alle Mitglieder beteiligen sich an der Wahldemonstration heute, Dienstag, 19 Uhr, Ullstein-Haus. Ärbeüersportmitgliedcr besonders antreten. Straßevklciduni. Schiller- kragen. Bergab beim Sechstage. Die vierte Nacht. Die vierte Nacht hat das S e ch s t a g e f e l d hinter sich. Vier Nächte, wild belebt durch Jagden und Vorstöße. Wie sieht es im Felde aus? Nachdem am Sonntag früh die Franzosen Roynaud-Dayen die Bahn verlassen hatten, gingen am Abend des gleichen Tages die Italiener Girardengo und Binda aus dem Rennen. Warum die Italiener ihre Kabinen räumten?„Krank- heit" und„Sturzverletzungen" können nicht allein maßgebend für die Aufgabe der beiden bestbezahlten Fahrer gewesen sein. Ein weiteres Paar Hot die Arena verlassen müssen: Gebrüder Wolke! Ihr« zahl reichen Stürze zwangen sie, auszuscheiden. Sonst haben sick) die Naihwuchssahrer glänzend bewährt. Krügcr-Fundn, die ihr erstes Sechstagerennen bestreiten, sind immer unternehmungslustig. Auch der Neuling Schön, der mit Manthey fährt, hält sich gut. Drei Runden streicht in der vierten Nacht diese Mannschaft von ihrem Verlustkonto ab. Dorn-Maczinski überraschen ebcnsalls. Schade, daß Lehmann-Wisscl infolg« der vielen Stürze so stark gehandicapt sind. Die Routiniers? Da ist der unermüdliche Tonnni mit Negrini. Sie haben in der letzten-Nacht zwei Runden aufholen können, später verloren sie jedoch wieder eine. Goossens-Deneef sehen frisch aus, sind stets guter Dinge. Mit der Ablösung sollen sie es in dieser Rachi nicht zu genau genommen haben. Sie bekamen dafür eine Straß runde, die auch Louet-Mouton in der gleichen Zlngelegenhcit zu- diktiert wurde. Im übrigen fuhren die Franzosen recht schwach- Di« Belgier Wauters-Vermandel liegen jetzt drcj Runden zurück. Petri-Tietz hoben oft brillante Momente, es ist eine Freude zu sehe», wie beide Fahrer gut aufeinander eingefahren sind. Bei Ehmcr Kroschel klappt die Sache nicht so gut. Warum, das braucht nicht erst erklärt zu werden. Miethe hat niäit die Ausdauer wie sein Partner Hürtgen, besten Antritt wuchtig und platzgcwinnend ist. Die 2-Uhr-W«rtuiig der vierten Nacht stand ganz im Zeichen aufregender und verändernder Jagden. Erst holten sich Tonani-Negrini und Manthey-Schön je eine Runde zurück. Schön ging bald noch einmal los und gewann mit Manthey eine weitere Runde. Damit nicht genug. In irgendeinem Spurt holten di. Italicner und Schön-Manthsy abermals eine Runde zurück. Da paßten Dom-Maczinski einen günstigen Moment ab und setzten sich überraschend nach dem fünften Spurt allein an die Spitze des Feldes. Weitere Jagden brachten keinen Crsolg. Gegen 4 Uhr konnten Ehmer-Kroschel von ihren drei Verlustrunden eine gutmachen. Als die 89. Stunde um 6 Uhr früh(2943,999 Kilometer) den Beginn der Neutralisation anzeigte, war der Stand des Rennens folgen- der: Spi tz e: Dorn-Maczinski 67 Punkt«: cineRundezurück- Ärüger-Frmda 229 Punkte, Hürtgcn-Miethe 5Z Punkte: zwei Runden zurück: Petri-Tietz 164 Punkte, Goostens-Deneef 122 Punkte, Ehmer-Kroschel 83 Punkte, Manthey-Schön 75 Punkie,- drei Runden zurück: Wauters-Vermandel 52 Punkt«: vier Runden zurück: Louet-Mouton 115 Punkte: s ii n f Runden zurück: Tonani-Negrini 67 Punkte, Lehmann-Wistel 59 Punkte. 1 Schrubby. DAC. V orfragsabend. Im Rahmen der Vortragsakxnde des Deutschen Auto clubs, die sich des besonderen Zuspruches der Behörden und führenden Persönlichkeiten der Industrie und des Sportes erfreuen können, spricht als nächster Redner der Präsident des DAE., Rechts- anwalt Dr. Arthur Brandt, heute Dienstag, 2014' Uhr, im großen Saal des Ingenieurhauses, Friedrich-Ebcrt-Straße, Ecke Dorotheenftroß«. Dos Thema lautet:„Welche Forderungen st elltderKraftfahrera»Gesetzgebung und Recht- sprechung." An den Vortrag, der einerseits die wichtigsten outo- rechtlichen Bestimmungen erörtern, andererseits die grundsätzliche Stellungnahme der Kraftfahrer dazu und ihre Forderungen nach Nooellierung des Gesetzes vertreten wird, schließt sich, wie üblich, ein« Diskussion an, sür die heute schon namhafte Redner vorgemerkt sind. Der Vortrag ist aucki für Gäste zugänglich. Eintrittskarten sind in der Rcichsgesdzäftsstelle, des Deutschen Autoclubs, Berlin W. 39, Neue Winterfeldtstr. 29(Barbarossa 8937) erhältlich. Arbeiter- Wintersport. Die Winterspcirller vom 1. Kreis des Arbeiter. Turn- und Sportbundes führen in Gemeinschaft mit dem Touristcnvevein„Die Naturfreunde" vorbereitende Trocken-Skikurse durch. Die tursa beginnen Dienstag. 12. November, 29 Uhr, in der Turnhall: ankstraß« 41. Kursusgebühren für Organisationsangchörigc 2 M., Jugendliche und Erwerbslose kostenfrei. Anmeldungen umgehend an die Geschäftsstelle der Freien Turnerschaft Groß-Bcrlin, Berlin NO., Lichtenberger Straße 3. 3iu-3itsu-3ungmädchenabtcilung des Sportklub„Einigkeit 26". Einem vielseitigen Wunsche entsprechend beginnt am Freitag, dem 8. November, in der Turnhalle Koppenstr. 84«in Iiu-Iitsti-Kursus für Frauen. Da. schon mehrere Teilnebmeriniien vorgemerkt sind, bitten wir die Meldungen zu diesem Kuistus umgehend bei A. Dietze, Berlin 0. 17, Madaistr. 2, abzugeben. Zur Teilnahme sind all-? sozialistisch denkenden Frauen und Mädchen«ingeladen. Freie Turnerschaft Groß- Berlin, Bezirk Milte,«rässnet heute, Dienstag, eine neue Kinderabteilung in der Schule Köpe» nickcr Straße 129. Turn.zeiten: Dienstags unt) Freitags von 18 bis 29 Uhr. Eine weiter« Klnderabteilung übt in der Schule Garten» straße 197a. Turnzeiten: Dienstags und Freitags von 18 bis 29 Uhr. Tuuristeaumi».Sic SlottttiMumbc", Z«»t»»Ic Wie»,»bt. Friedrich, ijaiu: Disneiaa. 5. Navembcr, 20 Utic, grantiurtcr Allkl 80". JJcttrou:„?ic«itdic als Schrittmachcr hcc Scaftlon".— Abi. ZIcrbc»: Dien»!««, 5. Noveinbcr. 20 Ulic.-Sonnenbittoct®tt. 30. Lichtbilbervnrtraa:„ölcblunflSfotmcn Im Wandel der Reiten".— ZuflcnbqmNic Offen t Mittwlich. 0. Nonembrr. 21) Uhr. Eogler- ftraic 61, Aevolutionsfeie: aemeinfam mit Abt. Eiiboftcn>llc»i>»cuppe>. — SRnlUflCiaeinfiSdti SScelin: Dienst««. November. 20 Ul,r. Iohannisgr 1!>. All« Mu fiter erscheinen.— Abt. Pren,la»ec Vir«: Donnerst««, 7. Rooembrr. 30 Uf)t, D-n,i«-r Str. 62. Baracke II. Geschäftliches.— Abi. L,chi-»bec«: Donnerst««. 7. Rooember. 20 Ubr. Gunterftr. 44, aitkerorbrittliche Mitqlieber- ocrfcaunlun«.— Abt. Siibweft: Donnerst««. 7. Ziovember, 20 Ufit,??orckflr. 11. Sortra«:»Dir luttutefl« Bedeutun« des Walt»«»".— AaturtundUch« Abteil»»«: Donnerst«». 7. November. 20 Uhr. Iabannisstr. 15, Bortra«:..Moderne ClefrctAiidfe-merfe".— Abt. SicXKricn: Dienst««. 5. November. 20 Uhr. Lehrter Str. 18-19, Bortra«. AS«. Mit'tvoch, 8. November, 20 Ukr. Monatsvermmmlun« bei Lehn!«k. Müblenftrabe Ecke Brommich nicke. fflintecfvott.iZtlmooctra«. £cuni»-JUt Groß Berii». Dienslaa. 5. November. 1» Uhr, Gnvcilertn Vor- stand. Um 20 Uhr ffunltionorfonrctenj int»Werniuchrner Sthloft". Wer- neuchener(Ecke GCbinflec Straße. laaesorbnun«; Rählweife. Turnier»der Manitschaktstetwf. greier«v-rtxerci» Weißens«. Ah Mittwoch. 0. November, turnen die Frauen und Iunomädchen allein in der unteren Turnhalle des Smcumss, Distoriusslraß-. Srnaan« Talso straße. grrfta«» wie bisher in der unteren Turnhalle NSlkestraße.«emeinsam. greito«.». Novembr«. Munkturnen. Wir ersuchen süle Ge.nassen txr Partei- und(öewerkschaft. tkire grauen und Töchter am unseren U�dunaecket�ieb aufmerks o n n monatelang in die Ecke gestellt worden war. ist er seit einiger Zeit auf direktes Eingreife» der Exekutive von Hamburg wieder noch Berlin geholt worden. In Berlin wurden einige Thälmann-Paroden veranstaltet. Wöhrend so die Primadonna vor den Kulissen für ein schaulustiges Publikum schauspielerte, zogen Heinz N e u in a n n und R e m m c l e hinter der Bühne die Fäden. Auf der Plenartagung des Zeni?al- lomitees der KPD. am 24. und 25. Oktober kamen die fraktionellen Differenzen offen zum Ausbruch... Die Mitgliedschaft erfährt natürlich von diesen Dingen nichts. Bor den Mitgliedern drückt sich der Cliquenkampf Thälmann— Heinz-Neumann— Remmele lediglich im Wettlauf des Raditalisnnis auf der Plenartagung selbst aus. Thälmann gestattete sich eine Gipfelleistung der revolutionären Phrase und politischen Idiotie. Er rief„zu den Waffen!" Er stellte für die Partei..Tempoverlust" fest. Der neueste Lchlager. Die Gärung in den Massen sei viel stärker, als die Partei es spüre. Die Partei sei in Gefahr, zur„Nachhut des revolutionären Massen- kampfes und der Linksbewegung" zu werden. Teddy ist bei dieser Gelegenheit auch unter die.Lcrschmetterer" gegangen. Wieder einmal wurde von ihm erklärt:„Wir müssen eine schroffe Wendung in unserer Massenarbeit durchführen."(Die wievielte seit dem VI. Weltkongreß?) Die Gründung selbständiger Gewerkschaften wird weiter propagiert. Di« Illegalität der Partei steht nach Thäl- mann wieder einmal auf der Tagesordnung.„Zchntaufende von Parteilosen wollen schon längst in die Partei!" Thälmann gibt setzt die Losung heraus, daß sie in der allernächsten Zeit nunmehr endgültig in der Partei sich organisieren diirsen. Das Wichtigst« ist aber nach wie vor der Kampf gegen den„inneren Feind". Nach Thälmann heißt es:„Ohne Tempoverlust heran an die Arbeit! Kühnere und schneller« Neuauffrischung unserer Parteikaders! Diese Frage können wir nicht drastisch gemig stellen. Wer kein Vertrauen zum Sieg der eigenen Partei hat, wer nicht mit innerer Ueber- zougung der Parteiführung folgt, wer nickt mit wahrhafter Leiden- schaft die schmutzigen Verleumdungen der Feinde bekämpft, der ist außerstande, die Ideen des Kommunismus in die parteilosen Massen zu tragen!" Mit anderen Warten heißt das: Wer nicht wahrhaft leidenschaftlich den korrupten L e o w und die Korrup- t i o ir s o e r t Ii s chu n g T h ä l in a n n s verteidigt, wer nicht lidorzeugt ist, daß Teddy der historische revolutionäre Führer de deutschen Arbeiterklasse ist, der muß schnellstens aus der Partei hinausgeworfen iverden." * „Es ist ein übler Sumpf, der sich hier zeigt. Seitdem da« Zentralkomitee der KPD. abgelehnt hat, in der W i t t o r f- Thälmann- Korruptionsaffäre durchzugreifen, seitdem Thäl- mann gedeckt wurde, ist jede Säuberung der Partei von Korrup- tionselenienten zur Unmöglichkeit gemacht worden. Im Zentral- komitee fürchtet einer die Enthüllungen des anderen. Eine ganze Reihe Führer find so schwer kompromittiert, daß jeder fürchten muß, vom anderen„enthüllt" zu werden. Sonnt ist es zwangsläufig, daß immer neue Sumpfblasen platzen und die kommu- nistische Bewegung kompromittieren." * „Noch ist der llebsrfall von Thälmann- Banditen aus den Genossen V e t t e r m a n n in Chemnitz während des Land- tagswahlkampfes in aller Erinnerung. Bor wenigen Tagen erst erfolgte der Ueberfall auf den Genossen M e r k e r in Leipzig. Jetzt hat sich ein ähnlicher neuer empörender Vorfall ereignet. Die KPD.-Opposition Groß-Chemnig hielt ani 30. Oktober im Annen- garten eine Funktionärversammlung ab. Das Lokal wurde bereits während der Versammlung von Anhängern der Bezirksleitung um- lagert. Nach Schluß der Versammlung wurden dem Genossen der KPD.-Opposition von den politischen Rowdys die Flugblätter ge- woltsam entrissen. Genosse S ch ö n f e l d wurde in der Wiesen- straße von einem Trupp politischer Banditen unter der Führung des Bezirksleiters des KJBD. und des Stadtverordneten-Kandidaten der KPD. Hans Säger rücklings überfallen, vom Rade heruntergerissen und mil Schlagringen schwer verwundet. Blutüberströmt blieb Genosse Schönfeld liegen. Nur dem Da- zwischentretcn von Straßenpassanten ist es zu verdanken, daß die Banditen unserem Genossen nicht noch schwerer zusetzten. Aus der Polizei meldeten sich eine Anzahl empörter Arbeiter freiwillig als Zeugen gegen die Opig-Banditen. Der Bezirkslciter der KPD. und Landtagsabgeordnetc Max Opitz hat den Ueberfall vorher or- ganisiert und ließ sich 1.30 Uhr nachts unter starker Bedeckung in seine Wohnung geleiten." Rektorat in der Handels-Hochfchule, Sehrkörper und Studentenschaft der Handelz-Hvchschule ver- sammelten sich kürzlich in der Aula der Handelshochschule zur Feier der Uebcrgabe des Rektorats. Der scheidende Rektor, Pro- fessvr Dr. T i e s s e n, gab einen kurzen Bericht über die Amts- Periode 1927/20. Der neue Rektor, Professor Dr. Eulen bürg. trat sein Rektorat mit einer Rede über„Phantasie und Wille des wirtschaftenden Menschen" an. Er unter- schied zwischen der schöpserischen Phantasie des Künstlers und der kombinierenden Phantasie des Wissenschaftlers. Auch unsere Zeit der Technisierung mid Rationalisierung ist nicht phantasielos; wenn Dom« mit seiner«childeruvg der Hölle eine große Phantasie be- wiesen hat, so ist noch größer das, was durch Menschen in unserer Zeit geschaffen wurde, durch eine Phantasie, deren Auswirkungen weiteste Kreise umfaßt, denn alle profilieren heute von der Film-, Radio- oder Flugtcchnik. Jedoch zur Phantasie gehört der Wille des Menschen. Ihre Zusammengehörigkeit formulierte Eulenburg, indem er Kant modifizierte:'„Phantasie ohne Wille ist blind. Will« ohne Phantasie ist leer". Nach Kennzeichimng der vier Typen wirt- schastender Menschen, die nach seiner Meinung im Weltbild des modernen westeuropäischen Menschen bestehen— Dauer, Handwerker, Kaufmann, Industricuntcrnehnier—(den modernen Industriearbeiter rechnet er anscheinend nicht zu den wirtschaftenden Menschen) gelangte der Redner zu einer Glorifi.zi«lung des Unter- nehmers. der gewissermaßen eine Verbindung au? höherer Stufe des bodengebuii denen und lokalbedingten Bauers und Handwerkers und des beweglichen, anpassungsfähigen und Initiative entwickeln- den Kaufmannes darstellt. Der Redner kam zu dem Schluß, daß wir die Wirtschaft nicht nur durch Kenntnis von.Organssatian und Buchführung führen können, die zunehmende Bevölkerung und die Nahrungsmittelknoppheit stellen neue Aufgaben, für deren Lösung wir den Menschen brauchen, der über Phairtasi« und Wille verfügt. Dem Redner dankte reicher Beifall für seine wohl anfechtbareii, aber interssiont und geistvoll vorgetragenen Zlusführungen. Wetter für Berlin. Allgemein etwas aissteigend« Temperaturen, wechselnd bewölkt, zeitweise leichter Regen, frische Westwinde.— Für Deutschland-. In Norddeutschlond, namentlich an den Küsten, Wetterverschlechterung mit leichten Niederschlägen,.höheren Tempc- raturen und oufsrischenden Winden. Im Süden und Südosten noch kein« wesentliche Aenderung. : I Heuer S in der Jnduelrie. Sin neues Fabrikgebäude von eigen artiger SBau form hateineFiutfabrik in Xuckenrrnlde in SBelrfob genommen. PROGRAMM für die Zeit vorn 5. bis 7. November ©OQ Potsdamer Strafe 35 Die Docks von New York mit George Bancrott Charlie« Karriere, 6 lustige Akte mit Charlie Chaplin Rheinstraijc 14 k�eIcU Der TeufcUrcporicr m. Eddie Polo Pol and Pefedioa«I» Mfiller Odcon, Potsdamer Sir. 75 Da« Scfaitt d. verlorenen Menschen mit Frlte Kortner Der TenfeUreporter m. Eddie Polo Turmslraljc 12 Verlängert: Die Adele Herreapuüe mit Mario Paodler.Kampert.Pidta Alcxandcrstr. 39*40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet Schicksal« würfet, 8 Akte Wir halfen fest n. Iren zosammen mit Beck u. Steak S PrladrtehstaeSt M Die Kamera Unter den Unden U Der Fnhi mann de» Tode» Ab Mittwoch: Matlla Paical K I N O-T A F E L Passage-Lichtspiele Unter den Linden Z2(Passage) Das große Lichtspielhaus der City Beginn ab 2 Uhr Zentrum 6082 Slacbeldrahl mit Pola Negrl Nor aar Probe mit Nona» Shearrcr Weidcnhof-Lichtsp. An der Weidendammbrüche Fritdrichstr. 126 Woeh. 12, Sonnt 3 U. Stacbeldrabl mit Pola Negri Seelen im Siorm mit Qtxia Moni» 1 Moabit> Artushot'Licfatspiele Film- und BÜhnenschan Perlcbtrgcr Str. 29 und Stcndalcr Str. Manolesca mit Brigitte Helm. Iwan Mosfnkln Rosen nnd Frauen, Ausstait.-Rcvue Welt-Kino Alt-MoaWt« Sein better Freond mit Harry Plel � Bühne: Der PolixcthoBd Greif Jugendliehe haben ZuWitt Schlüter-Theater Schlüterstr. 17 W 6.30. 9 IL Stg. 5U., Jg.3 Rosen aus dem Süden mit Benny Porten Ktki m N.Talmadge, Ron Colman Atrium Beba-Pala»! Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Täglich 7.15, 9.15, Sonnt 4.30. 7, 6.15 Vorverk: 11—2 u. ab 5. Stgs. ab 5 Uraufführung; Memchen- Arsenal V»«Hönebarg U Alhambra Be|'JbÄ9lJ- Schöneberg, Hauptstr. 30 Bfihnensdiao Verlängert: 1 17», Blnhchande m Tsdhediowa Bühne; Harry Hill, Marga Lind persönlich Titania(Uf. Äeberg) Hauptstraße 49 Beginn ab 6.30 Uhr Seine Gefangene mit Milton SIN» Fran oder Geliebte m.Cor. Griffiih W Friodnnau"h Friedenauer Lichtspiele Kaiserallee III(hundcrtelf) Wtg. 6.30, 9 O, Stg. 3 U. Jug.5.7.911 Um Mitternacht mit Lon Chancy Papitoa mit Josephine Baker FUm.Paiasi Kammersäle Teltower Str. 1—-i Beginn 6 U. Flncht vor der Liebe mit Jenny Jugo Die Rache de» Verlassenen Th. am Moritzplatz Beginn: W. ab 5 Uhr, Stg. ab 3.45 Uhr Es flüstert die Nacht m. Hans Stüwc Die Verbannten mit Lil Dago ver Filmeck Bee,nn:W-|Ä Skalitzer Swaße, am Görlitzer Bahnhof Sündenfall mit Vera Schmitterlöw Auf der Bühne; Singing Babys Luisen-Theater sonnnt iu Reichenberger Str. 34 Bühncnschau Die clffache Witwe Sllberk&nigs letzter Tag. Jugendliche haben Zutritt Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 W. 6,30, 9, Sonnt, ab 4 U. Des gr. Erfolges wegen verlängert: Sch warrwoldmldefm i t LUne Hold Die Komödie vom blauen Vogel SlGgllt« Titania-Palast Steglitz, Schioßstr. s. Ecke Gutsmuthssu Wochentags 6 30, 9 Uhr The»Iii mit AI_____ � Tonfilm-Beiprogramm ilnglng Pool(D. singende Narr) U JoUon Mariendorf Vfa_I{ Marlendorfer t»CS— Lldifspicie Chausseeswaße 305 Stg. 3 Uhr Jug.-V. Heilige oder Dirne mit Maria Cord. Der verliebte Reporter mit V. Haines Urania-Theater niB0hne Wrangelstr. II, Köpenicker Brücke Woch. 7. 8 und 9 Uhr. Stg. 3. 3, 7. 9 Uhr Dord» Brandenburger Tor Der fliegende Cowboy mit Gibson Varictö» chan Primus-Palast Hermannplatz Beginn 7. 9,15 U„ Sonnt ab 4,45 U. Der gros« Erfolg! Der erste deutsche Tonfilm: Da« Laad ohne Frauen mit Conrad Veidt, Elga Brink Wochentags 6.15 Uhr nUKUK sonntags 4,15 Uhr Kottbusser Damm 92 BObnenuaiau Tagcb tcb einer Verlorenen mit Louise Brooks Klub der langgesellen r-_„l■ Wochentags 6.15 Uhr cxceisior Sonntags 4.15 Uhr Kaiser-Priedr.-Str. 191 Bfihneasdaao Madame itollbri m. Maria lacobini Stern. Hermannstraße 49 Wochentags 6.13 Uhr. Sonntags 4.15 Uhr Das erste Sprech- n. Tonlustspiel: Wer wird denn weinen, wenn man anseiaandergeht mit Olna Gratia Beiprogramm Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochentags 6 Uhr, Sonnabd.S' j Uhr. Sonntags 3 Uhr Nadtf lokal mit Evcllne Holl Sündig und»08 mit Anny Ondra Auf der Bühne: Das berühmte Ballett „Erna Otfcncy" 23 Mitwirkende Luna-Filmpalast Qr. Frankfurter Str. 121 Pal and Patadbon«U Kannibalen Sensation Im Wintergarten mit Rommcr Bühne: Weittin an ns Luxosballett Concordia-Palast Andreasstraße 64 Bühnenscbaa Der Mann, der nicht Hebt M&nncr ohne Berat mit Harry Plel Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70 Polizei mit George Bancroft Champagner mit Betty Balfoor Grobe BOhncnschaa Elysium(nÄU) Hasselwerdersiraße 17 Variett»d>an Das grfine Monokel mit Siliert Webb» Unk» der Isar— reibt» der Spree Kinn Rncrh Beginn täglich ivino uusai s 7 und 5.45 üh Alt-Friednchsfelde 5. O. 5- Scfaiif In Not mit L. Haid, Glna Man 6» Versndutng «Elysium" KlbBrd Prenzlauer Al:ee 56 S. 3,15|ug.-Vorst Im Praler blflhn wieder die Bäum- Revue; Um V evcniacli WciOensgq 1 Schloßpark Füm- Bühne Berliner Allee 205— 210 Vartelöschaii Todesfahrt im Weltrekord mit Rom m er Verlenrndnag mit Ramon Novarro Beiprogramm Alhambra MQIIerstraße, Ecke Seestraße Sein bester Frcnnd mit Harry Plel Beiprogramm— Bfibnenscbaa Colosseum Stgs. ab 3 Uhr Wtgs. 5, 7, 9 Uhr Schönhauser Allee 123 Der erste deutsche Tonfilm; Land ohne Fronen m. Conr, Veidt Elcktra-Palast Wiesen-, Ecke Kösliner Straße Kehre znrfick, olles vergeben Sohn de» goldenen Westen mit Tom Mix Gala-Lichtbühne Usedomstr. 1 4 Anf. 6. 8.30.§. 5, 7. 9 U Der König von Soho mit Emil Jannings Seelen Im Siorm mit Glna Manes Metro-Palast Chausseestraße 30 Rnmmelplatz der Liebe m M.$111» Fronen am Abgrund m. Elga Brink Noack's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Wtg. 5 U., Stg. 4 U. Stgs. 2 U lugendv Wegen Riesenerfolg verlängert: Sein bester Freond mit Harry Plel Zwei frnge Herzen Jugendliche haben Zutritt Pratcr-Lichispiel-Palast Kastanienallee 7-8 Bfibnenseban Narkose mit Alfred Ahe'. R. Herr lb 61 Das Lieb es leben d. schönen Helena Pharus-Licfatspiele Müllerstraße 142 W.sVsU Stg 4 U Stg 2 U. mgendvorsteii Tagebneb einer Verlorenen mit Louise Brooks Beel u. S.eak(gr. Lustsp.) ..Riallo" Filmu. bühne Reinickendorlei Str. 14(am Wedding) Paf nnd Pa'aebon als Kannibalen Der Sebrccken von Oklahoma Bahne Skaia-Liditsplele Schönhauser Allee 80 Bühneiudiau Narkose mit Alfred Abel, J, Trevor Die Jegd nach Pharao» Lcodücr PROGRAMM für die Zeit vom 5. bis 7. November «Alhambra" Badstraße 58 Diane mit Olga Tscbecbow« Große Revue: Launen der Liebe Ballschmicdcr- Lichtsp. Badstraße 16 Große Bflhnexudaaa Die Fraa am Abgnmd mit Elga Brink Das Panzer anio mit Carlo Aldlnl Humboldt-Theater Badstraße 16 Dübncnscbati Die Herrin der Luft Die verlorene Stadt Kristall-Palast Prinzenalice 1—6 Grote Bfibncnsdian Die stärkere Mach» Beiprogramm- VaHetöscban Pan kow b Tivoli» Pankow Berliner Straße 27 Bühnenicbati Fraaen am Abgrund mit Elga tirink Auf der Bühne: Gastspiel France« Moores, der schwarze Ba tistini u. a. W Nic|*erfc:orf�p«t Bürgergarten-Li cht sp. Hauptstraße al Film- o. BOhncnsctiaa Docks von New York mit G. Bancroft Der lastige WUwer m H. Licdfke a* Filmpalast Tegel Bahnhofstr. 2 W. 6, 8 � Stg. 4,/i? t li, b3» Der Graf von Monte Christo (Beide Teile) Bühne; Musil» für alle jugendliche haben Zuiritr Union-Theater Hauptstraße 3 Beg. Wtg. 8 U. Stg. 5, 740 Dolly nnd ihr Scbofför Der Held aller Madchentrlnme mit Harry Llcdfke