BERLIN Mittwoch 6. November 1929 Der Abend Erfdeinttäglich außer Sonntaga Bugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition; Berlin SW68, Lindenstr. 3 Spätausgabe des„ Vorwärts " Anzeigenpreis: 10 Pf. Nr. 522 B 260 46. Jahrgang Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Poftfcheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Schwindel beim Volksbegehren! Die amtliche Feststellung beginnt. Der Kreiswahlleiter des Reichstagswahltreises Franten hat gemeldet, daß in einer Gemeinde dieses Wahlkreises 133 Eintragungen verzeichnet sind, 43 dieser Eintragungen jedoch nicht von den Namensträgern felbst, sondern von anderen Leuten vorgenommen worden sind. Auch aus fünf anderen Reichstagswahlsreisen liegen bereits amtliche Meldungen beim Reichswahlleiter vor, wonach dort die Zahl der ungültigen Eintragungen verhältnismäßig bedeutend ist. Die Kreismahlausschüsse werden vom 18. bis 20. November ihre Sigungen zur Entscheidung über Anfechtungen der Listen und zur amtlichen Feststellung des Ergebnisses abhalten. Etwa am 22. bis 23. d. m. erwartet man diese Ergebnisse beim Reichswahlleiter und unmittelbar darauf wird das amtliche Ergebnis bekanntgegeben werden. Ueber die Frage, ob der mit vorläufig 10,05 Proz der Wahlberechtigten begehrte Gefehentwurf verfassungsändern. den Charakter hat, wird sich die Reichsregierung bei der Ein. bringung dieses Gefehentwurfs an den Reichstag äußern, Unser Aufstieg. 3m ganzen Reiche: Starter Zuwachs der Sozialdemokratie! Wie in Berlin und Chemnik, worüber wir schon be richteten, konnten auch im übrigen Reich in den letten Wochen sehr erfreuliche Anzeichen für ein starkes Wachstum der Sozialdemokratie trok aller vereinten Hehe von Hugen- und Münzenberg festgestellt werden. Wir erfahren aus dem Bezirk Ostpreußen, das dort seit Mitte Oktober 1338 neue Mitglieder ( 1142 Männer und 196 Frauen) der Partei beitraten. Im Bezirk Magdeburg wurden 2936( 2147 und 789) gezählt, im Bezirk Halle, wo die blutrünstigsten Kommunisten noch immer eine gewisse Rolle spielen können, 1861( 1441 Männer und 420 Frauen). Sehr stark ist das Anwachsen der Mitgliederzahl auch in der Provinz Hannover. Dort wurden 3717 Neuanmeldungen( 3003 Männer und 714 Frauen) gezählt; im Bezirk Franken wurden 3136( 2861 und 275) neue Parteigenossen gemustert. Aber nicht nur die Organisationen wachsen, auch die Presse der Partei ist in erfreulichem Aufschwung begriffen. Von den rund 200 sezialdemokratischen Zei tungen im Reiche liegen bis jetzt Angaben von 79 Zei tungen in verschiedenen Teilen des Landes vor. Diese 79 verzeichneten in wenigen Wochen einen Leferzu wachs von 32 679! Die Wahlbewegung in ganz Preußen und in anderen deutschen Ländern gibt allen Sozialdemokraten Gelegen heit, die Werbeaktion für die Partei und ihre Presse mit unermüdlichem Eifer fortzusehen und damit den Sieg bei den Kommunalwahlen zu sichern! Jimmy Walfer wiedergewählt. Sozialistischer Stimmenzuwachs in New York. New York, 6. November.( Eigenbericht.) Die gestrigen New Yorker Bürgermeisterwahlen brachten einen Sieg des bisherigen demokratischen Bürgermeisters Walter über den republikanischen Gegenfandidaten mit 850 000 gegen 360 000 Stimmen. Sehr beachtet wird die Zahl der für den sozialistischen Kandidaten Norman Thomas abgegebenen Stimmen. Er erreichte die Rekordzahl von 167 000 Stimmen. Zahlreiche bürgerliche Elemente haben für den sozialistischen Kandidaten geftimmt. Die bisher höchste Stimenzahl von 145 000 hatte der sozialistische Kandidat Hillquit Stimenzahl von 145 000 hatte der sozialistische Kandidat Hillquit im Jahre 1917 erreicht. Hugenberg- Wike. Hugenberg läßt durch die Claß- Zeitung mit teilen, daß er gegen Minister Severing widerflage erhoben habe. Er weiß natürlich, daß das ein Unsinn ist, aber veröffentlicht pird es doch Max von Baden gestorben. Der letzte faiserliche Kanzler. Mag von Baden, der letzte kaiserliche Reichskanzler, ift| der Monarchie nicht mehr aufhalten. Wohl hatten sich die Mehrheute früh um 5 Uhr 45 Minuten im Alter von 63 Jahren heitsfozialdemokraten, beseelt von dem Wunsche, dem ausgebeuteten gestorben. Die Kaiserlichen sterben. Kaum hat sich das Grab über dem Fürsten Bülow geschlossen, so liegt auch schon ein anderer Kanzler des Kaisers auf der Bahre- der letzte. Benig mehr als einen Monat hat Bring Mag von Baden die Regierung des Reiches geführt, aber diese furze Zeit von Anfang Oktober bis Anfang November 1918 gehört zu den und ausgehungerten Bolte nach Möglichkeit neue Opfer an Gut und Blut zu ersparen, nach schwerem inneren Ringen dazu entschlossen, den Bersuch des Prinzen zu unterstügen, aber niemals tonnten sie daran denken, ihr Boot an das sinkende Schiff der Monarchie zu binden. Der Kaiser entzog sich dem Einfluß seines neuen Kanzlers Deutsches Flugzeug abgestürzt. Ueber England im Nebel. Bisher fünf Tote. London, 6. November. Ein deutsches Bertehrsflugzeug, das den Flugplah in Croydon um 9,44 Uhr heute vormittag mit der Bestimmung Amsterdam- Berlin verlassen hatte, ist in der Nähe der Ortschaft Marden in der Grafschaft Rent in Flammen abgestürzt. Von den Insassen waren sieben auf der Stelle tot. Einer der Passagiere ist, wie man annimmt, gerettet worden. Das Flugzeug hatte vier Paffagiere und vier Mann Bejagung an Bord. Bon unterrichteter Seite wird die Zahl der bei dem Flugzeugunglüd in England ums Leben getommenen Perfonen auf fünf angegeben. Außerdem wurden nach dieser Darftellung zwei Personen schwer verlegt, und zwar der Bordward Willi Ulrich und einer der vier englischen Passa. giere. Getötet wurde der bekannte Flugfapitän Bruno Rodschinta, der Funker Niclas und drei Passagiere Das verunglückte Flugzeug war eine große Junkers- Mafchine vom Typ G 24. Das Unglüd ist offenbar auf das vollkommen unsichfige Wetter zurückzuführen. Es wird angenommen, daß die Mafchine im Nebel gegen einen Berg oder ein anderes Hindernis geflogen ist und daß dadurch der Brand entstand. ereignisreichsten der Geschichte. So wurde Mag von Baden zur ein Flugzeug zwischen Hannover und Berlin abgestürzt. historischen Figur. Aus derselben Ursache ist bekanntlich vor längerer Zeit einmal Er war am 10. Juli 1867 als Sohn eines Bruders des regieren. den Großherzogs Friedrich von Baden geboren, hatte die Rechte studiert und an dem politischen Leben seines Heimatlandes regen Anteil genommen. Als Präsident der Ersten Kammer in Karlsruhe füddeutschen Demokraten. Sie stieg, als der Bring während des hatte er sich Achtung und Zuneigung erworben besonders bei den Krieges liberal- fortschrittliche dem allbeutschen Bahnsinnstreiben abgeneigte Ideen erkennen ließ. Als im Herbst 1918 die innere Lage endlich für den Uebergang zum parlamentarischen Regierungssystem reif geworden war und der Versuch unternommen werden sollte, durch dieses System zu einem Frieden der Verständigung zu gelangen, war es vor allem der füddeutsche Demokratenführer außmann, der die Aufmertsamkeit auf den Brinzen lentie. Man gab sich der Hoffnung hin, daß der Einfluß des Prinzen auf den Kaiser und die alten regierenden Kreise überhaupt den notwendigen Uebergang zu, einem neuen Kurs der äußeren und der inneren Politit erleichtern würde. durch fluchtartige Abreise ins Hauptquartier. So erlebte Mag von Baden. Enttäuschungen über Enttäuschungen, und statt daß er die Ereignisse meisterte, spielten die Ereignisse mit ihm. die Abdantung des Kaifers verkündete und selber zugunsten Und so tam auch jener 9. November 1918, an dem der Prinz Friedrich Eberts abbantte, dem er die Kanzlerschaft übertrug. Der Uebergang Deutschland von der Monarchie zur Republik und zur Herrschaft der Boltsbeauftragten war damit vollzogen. Man hat dem Prinzen im Lager der Rechten wegen seines Verhaltens am 9. November schwere Borwürfe gemacht und namentlich behauptet, daß er nicht berechtigt gewesen sei, die Abdankung Wilhelms II. zu verkünden. Rein formal gesehen mag das zutreffen aber was sollte dieser Unglückskanzler mit einem Kaiser anfangen, mit dem er nur auf einem gelegentlich funktionierenden Telephon verkehren tonnte und der mal abdanten wollte und mal wieder nicht, der mit dem Gedanken spielte, die Kaiserkrone niederzulegen und König von Preußen zu bleiben furz, der entschlußlos zwischen But und Schwäche hin und her taumelte, wie er es in entscheidenden Situationen stets getan hatte. In Wirklichkeit hing ja die Abdankung Wilhelms II. längst nicht mehr von seinem eigenen Entschluß ab und die Erklärung des Brinzen darüber war nichts als die Verkündung einer von der Geschichte vollzogenen Tatsache. Aber es war zu spät. Als der Prinz das schwere Amt über nahm, hatte er von dem wirklichen Stand der Dinge teine rechte Borstellung. Sein Plan war auf den beiden Voraussetzungen auf gebaut, daß die militärische Lage noch für die Friedensverbandlungen eine gewiffe Freiheit laffe und daß eine repolutio. näre Erschütterung noch zu vermeiden sei. Beide erwiesen sich als nare Erschütterung noch zu vermeiden sei. Beide erwiesen sich als falsch. Kaum war er in Berlin angekommen, so erfuhr er, daß die Auch ein Riese an Geist und Willenskraft hätte an Stelle des Oberste Heeresleitung nach schleunigster Aufnahme von Waffenfti- Brinzen Mar das Schicksal nicht mehr aufhalten können. Ein solcher stands- und Friedensverhandlungen drängte, da sie jeden Tag einen Riese war er nun feineswegs. Er war weiter nichts als ein Mana Damit waren alle von anständiger Gesinnung und von gutem Willen, ber entscheidenden Sieg der Alliierten befürchtete feine Pläne über den Haufen geworfen, und sein Schicksal, nicht der sich Unmögliches zugemutet hatte und vom Sturm des Schicksals geKanzler des Verständigungsfriedens, sondern der Kanzler der zauft wurde. Wenn er unter den zahlreichen Mitgliedern der daRiederlage zu werden, war entschieden. Als ich am Morgen maligen deutschen Dynastien zweifellos immer noch der letzte und des 4. Oktober erwachte, war mir zu Mute wie einem Menschen, einzige war, dem man die Lösung einer politischen Aufgabe zutrauea der zum Tode verurteilt ist und es im Schlafe vergeffen konnte, so spricht das meniger für sein können als für den hoffnungshatte" schreibt er in seinen Memoiren. losen Niedergang des monarchischen Systems. Unter diesen Umständen konnten auch die im Galoppiempo durchgeführten Verfassungsänderungen die Revolution und den Sturz Bon den Kanzlern der Kaiserzeit lebten vor wenigen Tagen noch drei. Jetzt ist es nur noch einer: Michaelis. Geht doch nach Moskau!" Aber bitte nicht allzu scharf...! In einem großen Hezartitel gegen die Sozialdemokratie, der Gerüchte zu Tatsachen macht und der durch einen Taschenspielertric den Wohlfahrtsminister Hirtsiefer mit dem Ministerpräsidenten Braun auswechselt, gelangt die Rote Fahne" dazu, das Wohnungselend in Berlin den angeblich glänzenden Zuständen in Moskau gegenüberzustellen. Ganz begeistert ruft die ,, Rote Fahne" aus: Sowjetunion, wird das tommunistische Brogramm bereits Seht doch nach Mostau! Dort, wie in der gesamten realisiert." Etwas gedämpfter muß sie dann schon freilich fortfahren: ,, Gewiß gibt es auch in Moskau noch Wohnungsnot. Aber schon durch die Enteignung der bourgeoisen Inhaber von Großwohnungen haben sich die Wohnungsverhältnisse aller Mos: fauer Arbeiterfamilien heute bedeutend besser gestaltet als in der Borkriegszeit." In ihrem Begeisterungstaumel hat die Rote Fahne" leider ver geffen, daß sie vor kurzer Zeit selber eine Statistik der Moskauer Wohnungsnot gebracht hat. Aus diesen statistischen Angaben der ,, Roten Fahne", die ihrerseits auf sowjetamtlichen 3ahlen beruhen, geht hervor, daß die durchschnittliche Wohnungsfläche, auf beruhen, geht hervor, daß die durchschnittliche Wohnungsfläche, auf den Kopf der Bevölkerung berechnet, in Moskau betrug: 4 • • • 7,4 Quadratmeter, im Jahre 1912. im Jahre 1929 5,2 Quadratmeter. Die ,, bedeutende Besserung" besteht also darin, daß der Wohnraum der einzelnen Berson sich um 35 Proz., das heißt um mehr als ein Drittel verkleinert hat. Nach sowjetamtlicher Sta. tiftif! Zur Erläuterung muß noch gesagt werden, daß es sich bei der jezigen, Wohnfläche von 5 Quadratmeter pro Person nicht etwa um 5 X 5 Meter(= 25 Quadratmeter) handelt, sondern um eine Fläche von 5 X 1 Meter, also etwa den Raum eines Badezimmers. Dementsprechend sind auch die Menschen zusammengepfercht. Biederum nach der amtlichen Mostauer Statistit, ver öffentlicht von der Roten Fahne", besaßen in Moskau: 8,8 Proz. der Bevölkerung ein eigenes Zimmer, 54,9 Proz. der Bevölkerung ein halbes Zimmer, 31,8 Proz. der Bevölkerung ein halbes bis ein fünftet Zimmer, 4,5 Proz. der Bevölkerung weniger als ein fünftel Zwei Fabriken niedergebrannt. 40 Automobile vernichtet. Feuerlöschboot mobilisiert worden, das nach furzer Zeit an der Brandstätte eintraf und die Löscharbeiten vom Wasser aus wirt. fich in den Tanks der Autos befanden. sam unterstüßte. Fortwährend erfolgten in den Gebäuden kleinere Explosionen, die offenbar von den Benzinmengen herrührten, die In der vergangenen Nacht wütete auf dem Grund- in Tätigkeit setzen. Außerdem war das im Westhafen stationierte stück Kaiserin Augusta 211ee 14/24 in Char lottenburg ein verheerendes Großfeuer. Ein zwei in denen in der Hauptsache Autoreparatur stöckiges und ein angrenzendes einstöckiges Fabrikgebäude, werkstätten und eine Konservenfabrit ihre Räume haben, brannte bis auf die umfassungs mauern nieder. Etwa 40 Kraftfahrzeuge, Privatautos, Taxen und Lastautos wurden zum größten Teil ein Raub der Flammen. Zehn Löschzüge der Feuerwehr waren unter der Leitung des Oberbrand birettors Gempp an der Brandstelle viele Stunden lang angestrengt beschäftigt. Das Terrain gehört der Berlin Karlsruher Indu [ triewerte 2.-G. Es liegt in dem spigen Wintel, der durch die Spree, dem Berbindungstanal und durch die Kaiserin- AugustaAllee, Wiebestraße und Neues Ufer begrenzt wird. Auf diesem sehr ausgedehnten Grundstück befinden sich zahlreiche Werf= stätten, Gebäude ältester Konstruktion, die an verschiedene Firmen vermietet sind. Etwa gegen 4 Uhr früh wurde von Passanten ein starter Feuerschein wahrgenommen. Die Feuerwehr wurde alarmiert und fand bei ihrem Eintreffen bereits einen so ausgedehnten Brandherd vor, daß achter Alarm und unmittelbar darauf 3ehnter Alarm gegeben werden mußte. Ein langgeftredtes, 3weiftödiges Fabrifgebäude, das etwa 1200 Quadratmeter Fläche bejißt und ein danebenliegendes einstödiges Fabrikgebäude von etwa 400 Quadratmeter Grundfläche standen in hellen Flammen. Unter großem Getöse stürzten schließlich die Dächer und Zwischendecken brennend in die Tiefe. Da die Gefahr rechtzeitig erkannt worden war, tonnten sich die Löschtrupps beizeiten zurückziehen, so daß glücklicherweise dabei niemand zu Schaden gekommen ist. Außerdem wurden in der Sybelstraße drei mechanische Leitern aufgerichtet, von denen aus gleichfalls die Dächer der an der Straßenfront liegenden Gebäude große Wassermengen in die Flammen geschleudert wurden. Erst nach fünfstündigem Wassergeben fonnte der Brand endlich auf seinen Herd beschränkt werden. Die Aufräumungsarbeiten, die von mehreren Ablösungszügen vorgenommen wurden, waren am Mittag noch nicht beendet. Die Brandstätte bietet den Anblid größter Berwüstung. Beide Gebäude find völlig ausgebrannt, es stehen nur noch die rauchgeschwärzten Umfassungsmauern. Die Decken sind hinabgestürzt. Der größte Teil der in den Parterreräumen stehenden Autos ist vernichtet. Von einigen sind nur die nackten Gerippe übrig geblieben, andere sind durch Waffer- und Sturzschäden unbrauchbar geworden. Der Schaden ist sehr groß, aber, wie wir hören, durch Bersicherung voll gebedt. Die Entstehungsurfache fonnte bisher noch nicht geklärt werden. Es ist sonderbar, daß die Wächter, die den Fabrikkompler zu tontrollieren haben, den Brand nicht rechtzeitig entdeckt haben. Von der Kriminalpolizei waren heute früh mehrere Beamte mit den Ermittlungen beschäftigt. Es ist aber faum anzunehmen, daß die Nachforschungen von Erfolg sind, denn bei dem riesigen Umfang des Brandes sind alle Spuren, die auf die Entstehungsurfache schließen ließen, verwischt. An der Crandstelle weilten neben Ober In dem ersten Gebäude befinden sich die Panzer- Automobil wertstätten, eine Kompressorenfabrit, eine Theater und Kulissenmalerei und ein großes Konserven Lage: einer Berliner Großhandlung. Die Flammen fanden an den leicht gebauten Gebäuden und deren Inhalt nur allzu reiche Nahrung. Dem Brandherd entströmte eine ungewöhnlich starke Strahlenhize, so daß eine Zeitlang die Gefahr bestand, so daß auch die weiter entfernt liegenden Nachbargrundstücke von dem Feuer in Mitleidenschaft gezogen würden. Auch die Löschmannschaften hatten unter der Daß eine Familie in Mostau eine eigene Wohnung besigt, tommt so gut wie gar nicht vor. Selbft dort, wo jede Familie wenigstens ftarten Hiße und Rauchentwicklung sehr zu leiden. Oberbranddirektor branddirettor Gempp auch der Dezernent für das Feuerlöschwesen, die ein eigenes 3immer für sich hat, ist die Regel, daß zehn bis Gempp, der die Löschattion leitete, ließ rund zwanzig Familien in der gleichen Küche fochen müssen.( Mit Folgen, die sich jeder ausmalen kann!) Zimmer. Wir wollen gemiß das Berliner, Wohnungselend nicht ver fleinern. Aber sicherlich würde die Moskauer Bevölkerung aufatmen, wenn sie nach Berliner Durchschnittsverhältnissen wohnen fönnte. Bor allem hat die ,, Rote Fahne" eins vergeffen: daß in Berlin die Sozialdemokratie seit Jahren für Erweite rung des Wohnungsbauprogramms fämpft und eine solche auch durchgefeßt hat, wobei ihr selbstverständlich die Rommunisten wie gewöhnlich in den Rüden gefallen find Die Welt um Pieck. Rorruptives aus einer fommunistischen Zeituna. Es wird uns geschrieben: Mit Interesse habe ich die Bemerkungen des heutigen Bor märts" über den Artikel des Herrn Pied in der kommunistischen „ Welt am Abend" gelesen. Daß ausgerechnet in diesem Blatt der ,, Korruptionsfumpf" fo ausgiebig behandelt wird, und zwar mit einer Spige gegen die Sozialdemokratie, ist mit Frechheit noch ganz gelinde gekennzeichnet. Durch Zufall bekomme ich auch die heutige„ Rote Fahne" in die Hand, worin die Behauptung zu wider legen versucht wird, daß Gäbel von den Stlarefs Geld bekommen habe, um die tommunistische Bresse vor Veröffentlichungen über die Sflaret- Schmeinereien abzuhalten". Die Rote Fahne" ist allerdings vorsichtig genug, ihr Dementi auf sich selbst zu beschrän fen. Bon ihrem abendlichen Schwesterorgan spricht sie nicht. Diese Unterlassung sei deshalb hier wieder gutgemacht. 20 Schlauchleitungen stärksten Kalibers Ministerpräsident- mit Energie. Tardieu markiert den starten Mann. Paris, 6. November.( Eigenbericht.) Ministerpräsident Tardieu, dessen Kabinett nach einem Borte Leon Blums ,, der beste Wig des Jahrhunderts" sei, gibt tagtäglich neue Proben seiner diftatorischen Ehrgeize. Heute ertlärt er in einem Interview mit dem ,, Matin", er gedente ein energischer Führer zu fein. Führung aber bestehe nicht allein darin, im Kabinettsrat zu diskutieren und Streit zu schlichten; Aufgabe des Chefs sei es, Inftruftionen zu erteilen. ,, Echo de Paris" erklärt, die Regierungserklärung Tardieus sei fein banales Dokument, sondern eine Rundgebung der., starken Persönlichkeit" Tardieus. Sie werde ben außenpolitischen Absichten der Regierung flaren Ausdruck verleihen. Das Ministerium werde den Briandschen Weg der Friedens- und Annäherungspolitik weiter. gehen, jedoch bedingt durch die Forderung nach Sicherheit, sowohl was die Rheinlandräumung als auch die Flottenfrage betreffe. Es scheint, daß Tardieu durch die Lancierung solcher Meldungen die Unterstüßung einiger Rechtsfraktionen gewinnen will, die bisher noch eine unentschlossene Haltung zeigten, weil ihnen das TardieuKabinett durch die Anwesenheit Briands anscheinend immer noch nicht reaftionär genug ist. Heute vormittag findet ein Kabinettsrat der neuen Regierung statt. Zur Koalition eingeladen. Prag, 6. November.( Eigenbericht.) Der Borsigende der Parlamentsfraktion der tschechoslowakischen Sozialdemokratie erwiderte auf die Frage des mit der Neubildung der Regierung beauftragten bisherigen Ministerpräsidenten Ubrzal, ob die tschechischslowakische Sozialdemokratie bereit sein, in die Regierung einzutreten, daß eine Entscheibung darüber von dem Bro gramm der fünftigen Regierung abhänge. An die deutsche Sozialdemokratie ist bisher eine Einladung zur Teilnahme an den Ber. handlungen nicht ergangen. Die tschechische Sozialdemokratie hat drei Mitglieder zur Weiterführung der Berhand lungen bestellt. Am 5. Januar 1929 brachte die kommunistische Welt, am Abend" unter der Ueberschrift Wohlfahrtsgeschäfte auf Kosten der Berhandlungsbereitschaft der tschechischen Sozialdemokratie. Armen" einen Artikel, der sich in schärffter Weise gegen die Firma Stlaret wandte. Es wurde ihr vorgeworfen, daß sie den Ermerbslosen durch die Wohlfahrtsämter Stiefel, Anzüge, Hemden ufw. in so schlechter Qualität geliefert habe, daß sie schon nach wenigen Tagen unbrauchbar geworden seien. Dieser Artikel erregte den heftigen Unwillen nicht nur der Herren Stlaret, sondern vielmehr der Herren Gäbel und Degner und der Leute vom Injera tenteil des tommunistischen Blattes. Den schuldigen Bericht Den schuldigen Bericht erstattern wurde zuerst heftig der Kopf gewaschen, und als sie nicht einsehen wollten, daß wegen der geschäftlichen Beziehungen der Herren Stlaret zu kommunistischen Stadträten und zur fommunistischen Presse Mißstände bei der Kleider- Bertriebs- Gesellschaft totgeschwiegen werden sollten, lub man sie zu einer Befichtigungsfahrt nach den Sklaret Lagern ein. Es wurde ein Auto zur Verfügung gestellt, man machte einen Rundgang durch das Lager und siehe da, nun war alles in schönster Ordnung. Schon am 8. Januar 1929 fonnte die„ Welf am Abend" einen neuen Artikel bringen, in dem es hieß, daß die Belieferung .faufmännisch nach den reellsten Grundfäßen" erfolge, daß zur Beschwerde der Ermewrbstojen tein Anlaß vorliege, und daß den Stlarefs erhöhte Mittel zur Verfügung gestellt werden müßten. Nach dieser so glücklich verlaufenen Autofahrt blieb selbstver. ständlich die Belohnung nicht aus. Sie zeigte sich darin, daß das fommunistische Abendblatt vom 15. Februar ab wesentlich größere Sflaret- Inserate als bisher bringen konnte. Es war also außerordentlich unvorsichtig, daß Herr Pieck, der Fraktionsgenosse der Gäbel, Degner, Wittorf, Leow, Zöhrer usw. ufm. gerade in der Welt am Abend" seinen Leitartikel über den Rorruptionsfumpf" abgelagert hat! Jezt haben die Stlarets atlerdings feine Inserate mehr zu vergeben.. " Deldenkampf gegen Grabsteine. Safentreugler als Friedhofsfchänder. Würzburg, 6. Novembar.( Eigenbericht.). Der ifraelitische Friedhof in Roedels see murde wieder einmal von Antifemiten heimgesucht. Die Grabschänder warfen elf Grabsteine um und zertrümmerten acht davon in rohester Weise. Die Berwaltung des Friedhofs hat für die Ergreifung der Täter 100 Mart Belohnung ausgefeht. Demonstrationen für den Gejm. 3n ganz Polen. Zants auf der Straße. Warschau, 6. November. Die einzelnen Sejmfraktionen haben zu der Vertagung des Sejm in entsprechenden Entschließungen Stellung genommen. So erflärt der Nationale klub über die außenpolitische Lage, insbesondere im Zusammenhang mit den Ergebnissen der Konferenz in Haag und des deutsch- polnischen Handelsabkommens, daß sie eine Haag und des deutsch- polnischen Handelsabkommens, daß sie eine Aussprache im Sejm erfordere. Unter diesen Bedingungen müsse die Bertagung des Sejm um einen Monat als schädlich und als Bersuch, vor der Berantwortung zu flüchten, angesehen werden. Die Fraktion der Radikalen Bauernpartei Wyzwolenie erklärt, daß sie die Bertagung des Sejm mit Empörung zur Kenntnis genommen habe. Sie erflide in dieser Handlungsweise einen neuen Bersuch, es der Boltsvertretung unmöglich zu machen, ihre in der Berfaffung vorgeschriebenen Pflichten zu erfüllen. Auch die sozial demokratische Fraktion stellt fest, daß die Bertagung des Sejm einem Bersuch der Leiter des Nach- Mairegierungsinftems gleich tomme, fich der Kontrolle des Sejm und der Deffentlichkeit zu ent ziehen Im Laufe des geftrigen Abends fanden in ganzen Lande von ben Sozialisten veranstaltete Waffenfundgebungen statt, um für Demokratie und Sejm und seinen Marschall Dasaniisti zu demonstrieren. In Warschau tam es an verschiedenen Bunften der Stadt zur Rundgebungen fleinerer Arbeitergruppen für Sejm und Daszynski. Mehrere Personen wurden hierbei von der Polizei jest genommen. Im Bemberg tam es zu Zusammenftößen zwischen der Menge und der Polizei. Wie dem Robotnit" gemeldet mird, Stadtrat Ahrens, und der stellvertretende Kommandeur der Schutzpolizei, Oberst Hellriegel. erschienen um 10 Uhr abends jogar Lants in den Straßen der Stadt. In Lodz zogen die Arbeiter unter Abfingen des Liedes von der roten Fahne durch die Petritauer Straße. Der Zug wurde aufgelöst, als bie Demonstranten die Bildung einer Arbeiter und Bauernregierung verlangten. In Brzemysl umzingelten Polizisten das Arbeiterhaus und brangen in das Lokal der sozialistischen Jugendorganisation ein. Weitere sozialistische Kundgebungen werden aus den Industriebezirten Bieliz, Sanbusch und Dombroma gemeldet. Der Leitartikel und ein zweiter politischer Artikel des heute erschienenen sozialistischen Robotnit" sind verboten worden. Haftbeschwerde der Bombenleger. Bon der Strastammer abgewiesen. In der Boruntersuchung wegen der Bombenanschläge find die für die Beschuldigten Alfred Buenien und Guido a eschte eingelegten haft beschwerden durch Beschluß der 3. Straftammer des Landgerichts vom 3. November 1929 verworfen worden. Bereits 400 Tote in Guatemala. Der Lavaftrom hat zwei Dörfer überschwemmt. Durch den Ausbruch des Bultans Santa Maria sind ums 2eben gekommen, doch wurden bisher nur nach den lekten Feststellungen bisher 400 Menschen 27 Leichen geborgen. Zwei an den Abhängen des Vulkans gelegene Dörfer sind vom Labastrom voll. ständig überschwemmt worden. Ihre Bewohner. tonnten sich nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit bringen. Suuderte von Familien find obdachlos. Die Sachschäden belaufen sich auf mehrere Millionen Dollar. Die reichen Kaffeeplantagen in der Umgebung des Bultans find burch die Site vernichtet. 3weilüsse, deren Quellen im Eruptionsgebiet liegen, führen kochend heißes Wasser. Zum Zeichen der Trauer wurden alle Theater, Kinos und Vergnügungsstätten geschlossen. Megito, 6. November. Der guatemalische Geschäftsträger erhielt Berichte aus Guate mala, denen zufolge die Bewohner von Mazatenango, der Hauptstadt des Departements Suchitepequez, am Sonnabend durch ein dumpfes unterirdisches Rollen aufgeschreckt wurden, dem ein Erdfich über die ganze Stadt, zerstörte alles in seiner Bahn und überbeben und vulkanische Ausbrüche folgten. Ein Lavastrom ergoß ich über die ganze Stadt, zerstörte alles in seiner Bahn und überholte zahlreiche Flüchtlinge. Die gesamte Bullanzone des Gebietes von Suchitepequez ist mit Asche bedeckt, die stellenweise zwei Meter Höhe erreicht. Tausende von Menschen find obdachlos. Die Kaffeeernte und andere Ernten des Departements sind vernichtet. Die Zahl der Toten läßt sich zurzeit noch nicht genau beſtimmen. Sie geht in die Hunderte. Hauptverfahren gegen Stolberg. Wegen fahrläsager Tölung. Die Beschlußkammer des Hirschberger Landgerichts Hirschberg, 6. November. hat das Hauptverfahren gegen Graf Chriffian su eröffnet. Die Hauptverhandlung vor dem erweiterten Schöffenge. Stolberg- Wernigerode wegen fahrläffiger Tötung richt wird voraussichtlich Anfang Dezember ftattfinden. den Bed ist, wie man erklärt, aus G.ünden privater Natur Gleiwiher Polizeipräsident auf Warfazlo gefeht. Polizeipräsi pom Staatsministerium auf Vorschlag des Finansministers aut Wartegeld gefeßt worden. Haussuchungen in Altona. Gegen die Fortfehung des Rotfrontbundes. Hamburg, 6. November.( Eigenbericht.) De Altonaer Kriminalpolizei hat heute früh mit einem großen Aufgebot von Beamten zahlreiche Haussuchungen bei den Führern und Mitgliedern des Norddeutschen Arbeiterschutzbundes" und dessen Nebenorganisationen, die„ Rote Hochfeewacht" und ,, Antifaschistische Jugend" vorgenommen. Diese Organisationen stehen im Verdacht, die Fortsetzung des verbotenen Roten Fronttämpferbundes", besonders der„ Roten Marine" zu fein. Da die ungefeßlichen Organisationen über Altona, Hamburg und Harburg hinaus sich auf die benad barten Landkreise erstreden, sind die gleichen Amtshandlungen durch die für diese Gebiete zu ständigen Behörden vorgenommen worden. Unterhausmehrheit für Labour. Bez ehungen mit Sowjetunion werden aufgenommen. Bondon, 6. November. Das Unterhaus hat den Abänderungsantrag Baldwins in der Frage der Wiederaufnahme der Beziehungen mit Rußland abgelehnt und den Regierungsantrag mit 324 gegen 199 Stimmen angenommen. Bor Abschluß der Rußlanddebatte ergriff als legter Oppositions rebner Sir Austen Chamberlain das Wort und führte aus: Der starte Mann. Dtsche. Tagesz Grat Dohna Volks begehren 10.05% Barsenztg Sugenberg: Mögen die Elenden mich verlassen, ich fage mit Schiller: Der Starte ist am mächtigsten allein!" Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, daß Rußland aus internationalen Bereinbarungen alle Vorteile zu ziehen sucht, sich aber nicht an seine Verpflichtungen hält. Der Rüdgang im englisch russischen Handel war nicht die natürliche Folge des Abbruches der diplomatischen Beziehungen, sondern ein politisches Drud. mittel der Sowjetregierung. Was die Verhandlungen über die Wiederaufnahme der Beziehungen betrifft, so behaupten betbe Teile, die andere Seite habe nachgegeben. Aber das englische Weißbuch scheint den Nadyweis zu erbringen, daß Henderson nach gegeben hat. veraltet und tritt nicht wieder automatisch in Kraft. Die Regierung Theater/ Tanz/ Musif. Der König." Staa soper Unter den Linden. Des Königs Weisheit und Güte schafft den Menschen Glüd-: so etma lautet die Moral der Fabel in drei Bildern". die der Italiener Giovacchino Forzano für seinen Landsmann, den Opernkomponisten Umberto Giordano gedichtet hat. Vermutlich findet sich in ihrer Heimat noch schlichter Untertanenverstand, willig, und vor solche Behre aufzunehmen. Wir lehnen sie höflich ab, und vorsorglich tut sie auch, als wolle sie nicht ganz ernst genommen werden; dem„ Der König" ist eine phantastisch- tomische Oper. Mit einem milden Lächeln über Menschentorheit und alle Nichtigkeit indischen Glanges follen wir daraus entlassen werden. Untertanentorheit und Nichtigkeit töniglichen Glanzes: beides hat der König, nach dem die Oper heißt, durchschaut, und er furiert eine Einfalt vom Lande, die sich in seine prächtigen Kleider, in seine strahlende Aufmachung vergafft hat, indem er sie nachts in sein Schlafzimmer tommen läßt und vor ihr erscheint, wie er ist: ein dürrer, fahltöpfiger Greis. So wird die dumme Gans von ihrer Illusion geheilt und ihrem treu liebenden Bräutigam zurückgegeben. Auf eine Buppe war fie hereingefallen, der Fall ist unkompliziert. Kreuzzug der Maschine." Zur Einführung. " Der Kreuzzug der Maschine", den der Berliner Bolts. chor heute im großen Saal der„ Neuen Welt" zur Uraufführung bringt, ist das erste abendfüllende Chorwert, das die Arbeitermufitbewegung unserer Tage hervorgebracht hat. Kein Werk der überlieferten Formen, nicht Dratorum, nicht Kantate; Wert der Masse" ist es benannt: ein allgemeiner Name für eine in weite stem Sinne allgemeine Sache.„ Das Werk der Masse", schreibt der Dichter Lobo Frank, will alle Kräfte, die dem Werftätigen zu Gebote stehen, einsehen und aktiv machen: Wort, Musik, Bild, Gebärde." Wenn die Gebärde bei dieser Berliner Aufführung noch nicht zur Geltung tommen tann, so liegt das an der heutigen Form unserer Arbeiterchöre. Gemischter Chor, Männer-, Frauen-, Kinderchor, Sprechchor, einzelne Sprecher und großes Orchester find zur Mitwirkung gefordert, das gesungene, gesprochene Wort wird lebendiges Geschehen, das Konzertpodium wandelt sich zur Bühne und zur Tribüne zugleich, auf der Gericht gehalten wird über die arbeiterfeindlichen, menschenfeindlichen Mächte der Zeit: Rapitalis. mus und Kapitaliſtenfrieg. Eine Art von proletarischem Gesamtfunstwert, aus den Nöten der Gegenwart geboren, soll und will das Ganze sein, ein Kunstwert, das sich durch den Anteil der proletarischen Hörerschaft, durch ihre unmittelbare Berbundenheit mit dem Kunstgeschehen zum großen Gemeinschaftserlebnis der Masse auswirkt und vollendet. Umberto Giordano hat sich durch dies zweckmäßig gemachte Opernlibretto anregen lassen. Mit André Chenier" ist der Sechzig jährige spät auf unserer Bühne heimisch geworden. Seltener Fall eines Musikers, der seiner Art, seiner geistig- fünstlerischen Herkunft durchaus treu bleibt und dennoch Anschluß an die Wandlungen und Entwicklungen der Zeit findet; seltener und glüdlicher Fall eines charattervollen Weltmannes. Ein Bert ist ihm gelungen, über dessen burchaus etlettischer Grundhaltung die Einheit der schöpferischen Per sönlichkeit steht. Den Erfolg, den vor ein paar Monaten die Mai- chorspiel länder Uraufführung errang, bestätigt und bekräftigt diese deutsche Erstaufführung der Staatsoper. Bon Emil Birchan unterstüßt hat Franz Ludwig Hörth sie mit Märchenprunt und Märchen witz ausgestattet, und dank Leo Blech gelangen die bedeutenden Berte der Partitur, der er sich mit hingebender Liebe widmet, zu vollkommenster Wirkung. Aus der Gestalt des Königs macht Lev Schüzendorf eine einprägfame, menschlich echte Figur. K. P " Ballettabend der Staatsoper. 3wei Einafter gab man gestern Unter den Linden: ,, Schöpfung" und ,, Salat", beibe bereits aus der Proving" befannt. Das Tanz. [ piel Schöpfung", das ich nach seiner Leipziger Aufführung hier charakterisiert habe, ist mehr auf bildliche als auf tänzerische wir fungen gestellt. Am Anfang ein wogendes Chaos. Drei Gottheiten schweben auf: Licht, Erbe, Luft. Das Chaos gliedert und ballt sich zu Himmelstörpern. Sonnen und Monde entstehen. Die Erde wird lebendig. Ungefüge Urwesen, schwerfällig bewegte Erdentlöße, wimmeln durcheinander. Ueber fie erhebt sich das erste Menschen paar. Er, und aus seiner Rippe wachsend, fie. Sie wandeln, sehen fich, umfangen sich. Die Masse zu ihren Füßen, streben fie empor, blideufwärts, zur Anbetung eines Höheren. Die Szenenbilder von Aravantinos eindrucksvoll. Terpis als Mann, die Albu als Frau im Bathos streng gemeffener Rhythmen schreitend. Kultisch in Schwung und Spannung. Namentlich die Albu fein im Taften, Staunen, Blinzeln der ersten Bewegungen. Berfehlt, weil aus Gesamtbild und Gesamtstimmung fallend, matt, trok erotisch farbiger Grellheit, die drei Götter. Alles in allem: eine passable Leistung. ,, Salat", ein Ballett mit Gefana( die Sänger sizen vor der Bühne). wurde 1928 auf dem Effener Tänzerfongreß gegeben. Dori, in der Choreographie von Jens Keith, ein harmioses, anmutiges, luftiges Tanzspiel. Hier eine von Terpis aufs Afrobatische gestellte Zirkuspantomime. Trotz großem Aufwand wirkungslos. Trotz trampfhaft baftiger Bewegtheit bleiern langweilig. Ohne irgend welche tänzerischen Ideen. Die Szenen zeritatternd, des organischen Aufbaues entbehrend. Schöne Einzelleistungen: 3weitänze des eith und der Grube, des Sunt und der Spieß. Künstler von Rang wie Kölling, die Albu, die Nikolaieva, Edith Moier mühten sich, Leben und Laune auf die Bühne zu bringen. Thr Mühen zerscheffte an der fläglichen Unbeholfenheit und Phan. Thr Mühen zerschelfte an der fläglichen Unbeholfenheit und PhanDer Unterstaatssekretär des Aeußeren Dalton schloß die Debatte namens der Regierung und sagte u. a.: Das Handelsabkommen von 1921 wurde durch den Abbruch der Betafielofigkeit dieser Choreographie. ziehungen im Jahre 1927 aufgehoben. Teilweise ist es übrigens. beabsichtigt, über einen neuen Bertrag zu verhandeln. Bas den Vertrag von 1924 angeht, so sind Teile davon ebenfalls nicht mehr anwendbar. Besonders beabsichtigt die Regierung nicht, dem Barlament zu empfehlen, ben Kredit des englischen Steuer zahlers zugunsten russischer Anleihen zu verpfänden. Teile des Vertrages von 1924 werden aber eine geeignete Grundlage für neue Berhandlungen bilden. In der Frage der diplomatischen Immunität wird feine übertriebene Ausdehnung der diplomatischen Vorrechte beabsichtigt. Andererseits darf nicht vergessen werden, daß der Handel in Rußland Staatsmonopol ist, und daß die Sowjetregierung unter Hinweis auf diese Tatsache eine Ausdehnung des Begriffes der diplomatischen Vorrechte fordern dürfte. Die Regierung wird die verschiedenen Seiten dieser Frage sorgfältig prüfen. Dalton gab zum Schluß der Hoffnung Ausdrud, daß die Wieperaufnahme der Beziehungen mit Rußland die durch die Politik der konfer vativen Regierung verursachte Unsicherheit und unstabili tät vermindern werbe, und daß sich die Beziehungen zwischen beiden Ländern in Zukunft besser gestalten werden. J. S. Das Bolf der Steinzeit und die Eskimos Der bekannte dänische Nordpolforscher Dr. Knub Rasmussen hielt am Dienstagabend in der Kopenhagener Geographischen Gesellschaft einen Bortrag über das Bolf der Steinzeit und die Esti mos, wobei er mit einem großzügigen Forschungsplan an die mics, wobei er mit einem großzügigen Forschungsplan an die Auf Grund der Ergebniffe langjähriger For Deffentlichkeit trat. Auf Grund der Ergebnisse langjähriger Forichungen glaubt Rasmussen, daß sich zwischen den Estimos und anderen Völkern der Steinzeit eine nahe Berwandtschaft nachweisen laffe, so daß man an Hand der Kultur der Estimos wichtige wissen. schaftliche Feststellungen über den Ursprung der Raffe machen könne. Biele Funde deuteten darauf hin, daß die Kultur der letzten Eiszeit und die Kultur der Eskimos die gleichen feien. Durch Bermittlung des dänischen Außenministeriums will Dr. Rasmussen alle Länder, die Urzeitvölker auf verschiedenen Gebieten haben, zu gemeinsamer Forschungsarbeit auffordern. Dafür lämen in Frage die Lappen sowie die Bewohner Grönlands, das die grundlegende Arbeitsstätte für alle modernen etnographischen Forschungen fei. Sowjetrußland verfüge in Sibirien über ein reiches Feld für archäologische Untersuchungen. Gerade in Sibirien felen in den letzten Jahren Reste von Eiszeitkultur gefunden worden. In Amerika fei das Arbeitsfeld Alasta sowie Neufundland und große Gebiete von Labrador. Viele aus diesen Gegenden bekannte Gerätschaften er innerten an diejenigen, die man in Höhlen Frankreichs gefunden habe. Es sei daher aller Grund, zu glauben, daß die Renntierjäger der Steinzeit so wie die heutigen Estimos gelebt hätten. Die Arbeitslosigkeit steigt! Stärffter Beschäftigungsrückgang im Baugewerbe. Nach dem Bericht der Reichsanstalt für die Zeit vom 28. Of. Ottober bis 2. November stieg die Arbeitslosigkeit in der Berichtswache weiter an. Die Kurve entsprach ungefähr der Entwicklungs Bortvaal als Betroleumland. Ausgedehnte Betroleumfelder, die linie des Borjahres. Die stärksten Zugänge, in manchen Bezitten mehr als die Hälfte, tamen aus dem Baugewerbe nach den Angaben der Sachverständigen die größten in ganz Europa sein sollen, find von einem portugiesischen Ingenieur Manuel Cofta Die Saisonbelebung im Zusammenhang mit der Bor- Pacheco bei Mba da Senhora Victoria, in dem großen Fichtenwald bereitung des Weihnachtsgeschäftes, die in erster Cinie in der Nähe von Leira, der Staatsbesig ist, entdeckt worden. Nach bem er durch Bohrungen den außerordentlich reichen Betroleum der Frauenbefchäftigung zugute fam, fonnte die Ent- gehalt festgestellt hatte. teilte er feine Beobachtungen dem portu laffungen nicht ganz ausgleichen. Die Zahl der Hauptunter- niefifden Handeleminifterium mit, bas das Gelände burch Sadyver ftügungsempfänger in der versicherungsmäßigen Arbeits- ftändige untersuchen ließ. Die Ergebniffe find über alles Erwarten lofenunterstützung lag am Ende des Monats nahe an 865 000. befriedigend, und man glaubt, wie in der Liffaboner Breffe hervor. Mithin dürfte die Arbeitslosigkelt, soweit ihre Entwicklung gehoben wird, daß die Betroleumschäße groß genug find, um alle ( nicht der Umfang), durch die Bewegung der Hauptunterstügungs- negenwärtigen wirtschaftlichen, Schwierigkeiten in Bortugal zu beempfänger gefennzeichnet wird, zwischen dem 15. und 31. Oftober um rund 10 proz gestiegen sein. Im Vorjahr stieg sie in der gleichen Zeit, allerdings bei erheblich günstigerem Ausgangspunti, um etwa 13 Proz feitigen. Das 11. Konzert der Bol'sbühne im Zheater am Bülowplak bringt Sonntag, 12 Ubrite Biolenmufit",", a bie vier erften ugen von Bach und acht alteng iche Länge aus der Bett ber Königin Elisabeth. Aus führende: Das Münchener Biotenquintett So ist der Kreuzzug der Maschine" gedacht; so hat der Komponist, Arthur Wolff, ein neuer Mann der Arbeitermusit, feine Aufgabe verstanden. Ob und wie weit das Bert, das als Sprech chorspiel schon vom Sprech- Bewegungschor der Berliner Boltsbühne und Dom Sprech- Bewegungschor des Arbeiter- Bildungsinstituts Leipzig gegeben worden ist, in seiner jetzigen, größeren Geſtalt Erfüllung bedeutet, Erfüllung eines neugearteten Kunstwillens, kann und soll erst die Aufführung lehren, der weite Kreise mit ebenso ungewöhnlichem, wie begreiflichem Interesse entgegensehen. Dich tung und Klavierauszug find im Berlag des Deutschen ArbeiterSängerbundes erschienen; das Tertbuch, das die Besucher für 10 Bf. erhalten, bringt auch eine tnappe Darstellung des Inhalts; faum nötig zur Vorbereitung also, darüber viel zu sagen. Kreuzzug der Maschine", der Name flingt an die Kreuzzüge des chrift lichen Mittelalters an und weckt Vorstellungen von wirrem Idealismus, Fanatismus und Heroismus in die Irre geleiteter Menschen. maffen. Der Jrrweg der Maschine und der Menschheit, die sich ihrem Heil verschrieben hat und ihrem Fluch verfallen ist, bildet, furz gefaßt, den Inhalt; in drei übersichtlich gegliederten Teilen -Leidensweg, Golgatha, Aufmarsch und Erlösung- ift er geſtaltet. Aus dem Elend der Maschinenfron, aus den Höllen des Krieges, den die Allmacht der Maschine entfesselt, bricht endlich, überwältigend, der Massenwille zur befreienden Tat der Erobe rung. Nicht Stlaven der Maschine und ihrer Herren sollen die arbeitenden Menschen sein, sondern selbst Gebieter der Maschinenmelt:„ Wertzeuge tausendfach, die Welt zu schaffen"; aber ihrer, Die sie schaffen, der Proletarier aller Länder, soll sie fortan sein, eine Welt der Arbeit und des Friedens. Ein groß gewolltes, groß angelegtes Wert, und für die mit schaffenden, nachschaffenden Kunstkräfte der heutigen Arbeiterschaft eine würdige Aufgabe. Wir sehen der Uraufführung mit hohen Erwartungen entgegen. K. P. Ein Revolutionsdrama in Weimar. Ausgerechnet das Deutsche Nationaltheater in Weimar und das Staatstheater in München bringen das Revolutionsdrama des Wieners Franz Theodor Czofor:„ Gesellschaft der Menschenrechte" zur Aufführung. Die Beimarer Bühne, die in der legten Zeit eine fortschrittlichere Tendenz bewies, erwirbt sich mit dieser Aufführung ein Verdienst. Czator, der sich schon einen Namen machte durch seine Crgänzung des Büchnerfchen Boyzet" Fragments, jenes Dramas menschlicher Hilflosigkeit, stellt hier Büchner, den Revolutionär, den Dichter, der uns die herrlichsten Werte gab und mit 23 Jahren starb, in den Mittelpunkt eines Dramas. Die Gesellschaft der Menschenrechte", eine revolutionäre Verschwörung, die sich gegen die Unterdrückung der Aera Metternich aufstehnte, wird hier auf die Bühne gebracht. Büchner hoffte zuerit, die Bauern zu revolutionieren, indem er die revolutionäre Flugschrift„ Der helfische Landbote" verfaßte. Aber bald sah er ein, wie zmedlos es sei, die Bauern aufwiegeln zu wollen. Die Berschwörung wurde aufgededt, feine Mistämpfer wurden durch Spigel der Reaktion ausgeliefert und von beren ausführendem Organ, dem berüchtigten Hofrat Georgi, eingeforkert. Büchner felbst gelang es, in die Edyweiz zu entfliehen. Schweiz In zwölf bunten und bewegten Bildern zieht dieses Geschehen an uns vorüber. Das Stüd frantt daran, daß es zugleich die Schidjale einer revolutionären Gemeinschaft und die private Entwicklung eines einzelnen, eben Büchners, schildern will, der zum Teil dieser Gemeinschaft bereits entwadfen ist. Die Bilder sind oft frizzenhaft, verblassen zu schnell, überschreien fich, unzweifelt; aft steht aber hinter dem Wert eine starte dichterische Persönlichkeit von fräftiger Empfindung und plastischem Gestaltungsvermögen. Die Weimarer Aufführung, vor primitiv angedeuteten Dekora tionen, war von intensivster Spannung. Der Erfolg war für Weimar ziemlich start. Wir brauchen auf unserer Bühne historisches Theater, das neben dem Zeitstück stets seinen Platz haben mird, aber die Historie des Volfes und feines Kampfes ums Dafein, Freiheit und Brot! Hier ist ein versprechender Anfang gemacht. M. Z. Ein Hungerfünftler als Opfer feines Berufes. Sacco", ein Dieigenannter Hungertinstler, ist dieser Tage im englischen Badeort Blackpool gestorben, wo er vor wenigen Wochen eine neue Sungerdemonstration gab. Er hatte sich verpflichtet, 63 Tage zu hungern und hatte diese Beit nicht nur eingehalten, sondern sogar um zweiLage überschritten. Er mußte fich indeffen nach seinem Siege fofort ins Bett legen, das er lebend nicht mehr verlassen sollte. Sacco" hat ein Alter von 48 Jahren erreicht. Er war ein Bäder aus Holland und hatte wiederholt Weltreforde ausgestellt. Der robuſte Wann war nach dieser legten Kraftprobe zum Steleit abgemagert. Die Ausstellung Deutscher Boltsfunft in der Akademie der Künste. Bariser Blak 4, ist nur noch bis einschließlich Sonntag, täglich von 10-17 Uhr, ge öffnet. Der hitte preis ist von Freitag an auf 10 Biennige berabgelegt worden Außerdem finden Freitag von 15-17 Uhr und Sonntag von 10 bis 13 Uhr unentgeltliche Führungen statt. Der große Musikschlager der diesjähtigen Eallon wird am 9. November auf dem Ball unb Befeü chaftsabend des Deutschen Bübner- Slubs im Hotel Giblanade aus der Tanie gehoben. Das Publikum ſelbſt ist berufen. als Preisrichter in diesem Weltstreit mitzuwit fen. Gintrittstarien dur bas Sekretariat, Berlin 15, Joachimsthaler Str. 9. Industrie für Polenvertrag. Gegen die Hetze der Agrarier. Entgegen verschiedenen Meldungen, die über angebliche Diffe renzen in der deutschen Industrie wegen der Stellung nahme zum deutsch- polnischen Handelsvertrag zu berichten wußten, ist festzustellen, daß die deutsche Industrie durchaus einheitlich für den Abschluß eines Handelsvertrages mit Polen eintritt. Es wird in industriellen Kreisen betont, daß die Industrie, die ursprünglich durchaus für den Abschluß eines möglichst um= fassenden Handelsvertrages mit einzelnen Tarifabkommen sich einjeßte, nur mit Rücksicht auf die schwierige Lage der Landwirtschaft fich mit dem jetzt in Aussicht genommenen kleinen Handelsvertrag zufrieden geben will. In dem tommenden kleinen Handelsvertrag mit Polen werden bekanntlich die einzelnen Tarifpofitionen nicht ausgehandelt, sondern beide Länder werden sich mit dem Zugeständnis der gegenseitigen Meistbegünstigung begnügen. Da trotz der Meistbegünstigungsklausel die deutsche Exportindustrie immer noch gegen verhältnismäßig sehr hohe polnische 301I mauern anzurennen hat, kann die Industrie mit Recht auf das große Zugeständnis, das sie der Landwirtschaft megen ihrer allgemeinen Schwierigkeiten gemacht, hinweisen. Um so stärker ist das Befremden der Industrie über die Hetze, die von den Agrariern gegen den Abschluß eines Meist begünstigungsvertrages mit Bolen entfesselt wird. Man begreift diese Haltung der Landwirtschaft um so weniger, als fie in auffallendem Widerspruch zu den Vereinbarungen zwischen Industrie und Landwirtschaft in den letzten beiden Jahren stehen, Noch im Jahre 1928 hat einer der bekanntesten Landbundführer, Graf Keyserlingt, ausdrücklich versichert, daß die Landwirtschaft dem Wunsche der Industrie, einen Meistbegünstigungsvertrag mit Polen abzuschließen, feinesfalls entgegentreten wolle. Graf Keyserlingt hatte seine Zustimmung seiner zeit davon abhängig gemacht, daß der Landwirtschaft teine weiteren zollpolitischen Zugeständnisse abgenötigt werden. Nach der Auffassung der industriellen Kreise sind diese Boraussetzungen in dem bevor ftehenden Handelsvertrag durchaus erfüllt. ,, Guter Wille gepaart mit Dilettantismus." Staatssetretär Scheidt über die Großsiedlung e. V. Der Architekten und Ingenieur- Berein Berlin hatte zu einer Bersammlung eingeladen, auf der Architekt Paulsen, einer der prominenten Förderer des Projettes der Großsiedlung e. B.", über das Thema ,, Großfiedlungen auf gemeinwirtschaftlicher Grund lage sprach. Herr Paulsen versuchte in matten Darlegungen noch einmal, die in der von ihm mifunterzeichneten Propagandabroschüre der Großsiedlung e. V. vertretenen Pläne und Berechnungen zu retten. Er mußte zugeben, daß diese Berechnungen auch heute noch feineswegs zu Ende gebracht worden seien. Man habe so erklärte so erklärte er keinerlei Bersprechungen gemacht. Der Redner ge stattete sich dann die löstliche Bemerkung, daß der Prospekt einen feuilletonistischen Charakter gehabt und nicht des Humors entbehrt habe. Man hoffe im übrigen auf die baldige Erleichterung auf dem Geldmartt und man würde dann die Arbeiten wieder aufnehmen. Treffender tonnte der utopische Charatter des ganzen Blanes faum gekennzeichnet werden. In der Diskussion sprach auch Staatssekretär Scheibt vom Preußischen Volkswohlfahrtsministerium. Er zerschlug erbar | jeboch auf bie Möglichkeit, her Berednung entweber bex Berdienst des Bortages zugrunde zu legen, wenn die Ber hältnisse, unter denen das Betriebsratsmitglied an dem in Frage tommenden Tage gearbeitet haben würde, die gleichen geblieben sind, oder den durchschnittlichen Berdienst der Attord gruppe an den betreffenden Tagen selbst vergleichsweise herans zuziehen und eventuell auch beide Maßstäbe miteinander zu vers binden. Wenn unter Umständen die Berechnung des Lohnes auch Schwierigkeiten machen mag, so sind diese dennoch nicht unüberwindlich. Es wird vielmehr regelmäßig möglich sein, zu einem den Erfordernissen des Einzelfalles gerecht werdenden Ergebnis zu Dr. jur. Rudolf Pick, tommen. mungslos die Luftschlösser des Herrn Bauffen und feiner Freunde. Er sehe in den Ausführungen der Broschüre und der heutigen Rede teinerlei Uebereinstimmung. Wenn man über 25 000 Menschen je 25 Mart abnehme, so sei das eine Sache, die seiner Meinung nach mit Humor recht wenig zu tun habe. Im übrigen sei der Plan eine ungeheuerliche Utopie. Bon der Möglichkeit der Durchführung einer gesunden Finanzierung fönne gar keine Rede sein. Er ertenne alle Vorteile einheitlichen Bauens an, aber die Differenzen zwischen der errechneten Miete und dem tatsächlichen Bedarf belaufen sich pro Jahr auf 5 Millionen Mart. Die errechneten Einnahmen aus Wirtschaftsbetrieben tönnen feinen vernünf tigen Menschen überzeugen. Das Paulsensche Warenhaus in der Großsiedlung sei ebenfalls nur als eine humoristische Angelegenheit zu werten. Die Rentabilitätsberechnungen von Herrn Paulsen seien nicht ernstzunehmen, wenn sie auch gut gemeint sein mögen. Sie sind von A. bis 3. falsch. Die Finanzierungsfrage fei völlig ungeklärt und fönne unter den heutigen Berhältnissen auch nicht geflärt werden. Es sei weder für die erste noch für die zweite Hypothek die Möglichkeit der Aufbringung vorhanden. Die Siedler, die jeder 25 Mart gezahlt haben, glaubten an die Verwirklichung der durch den Prospekt der Großsiedlung e. V. erweckten Hoffnungen. Die große Gefahr solcher Pläne sei, daß sie Erwartungen weden, die sich nachher als trügerisch erweisen. Nichts sei schlimmer, als guter Wille gepaart mit Dilettantismus. Werde der Verfuch trotz aller Mahnungen berufener Fachkreise durch Wetter für Berlin: Noch vorwiegend heiter, nachts talt, südöst geführt, so werde Berlin sehr bald um einen der größten Siebliche bis südliche Winde. Für Deutschland: Im größeren Teil des lungsstandale reicher sein. Reiches Fortdauer des beständigen und trodenen Wetters mit verbreiteten Nachtfrösten, nur im Westen Bewölkungszunahme und mildere Nacht. Lohn des Betriebsratsmitglieds. Affordlohn oder Zeitlohn. In einer fürzlich veröffentlichten Entscheidung hat das Reichsarbeitsgericht zu der Frage der Entlohnung von Betriebsratsmitgliedern für die durch Betriebsratsgeschäfte versäumte Zeit Stel Lung genommen. Das Gericht hat sich in dieser Entscheidung, die für die Praxis von ganz erheblicher Bedeutung ist, auf den Standpunkt gestellt, daß nicht nur der einfache Stundenlohn, sondern der Uttordlohn beansprucht werden kann, den das Mitglied in der verfäumten Zeit voraussichtlich verdient hätte. Zur Begründung der Entscheidung hat das Gericht auf folgendes hingewiesen: Maffenprozeß in Japan. Nach Beendigung der Voruntersuchung gegen die feit März verhafteten Kommunisten ist das Berbot der Beröffentlichung von Nachrichten über die Angelegenheit aufgehoben worden. Nach amtlicher Mitteilung find insgesamt 825 Kommunisten unter Anflage gestellt worden. Der Film„ Soziale Einrichtungen des Bezirks Friedrichshain läuft in einer Elternversammlung der Luise- Otto- Peters- Schule, Gubener Straße 53, am 7. November 18.30 Uhr. Genosse Stadtrat Günthe r. wird einführend sprechen. RUNDFUNK 16.20 Unterhaltungsmusik. AM ABEND Mittwoch, 6. November. Berlia 18.10 Rundschau für Blumen- und Gartenfreunde( Gartendirektor Lesser). 18.35 Dr.- Ing. Wedemeyer: ,, Die Stadthalle in Magdeburg". 19.00 Musik aus Spanien. 19.25 Bildfunk. 19.35 Das Interview der Woche. Durch§ 35 des Betriebsrätegesezes wird der Grundsaß zum Ausdrud gebracht, daß den Mitgliedern der Betriebsräte, die ihr Amt bekanntlich unentgeltlich als Ehrenamt verwalten, hierdurch infolge der notwendigen Bersäumnis an Arbeitszeit feine Benach- 20.00 Stadthalle teiligung durch Herabsetzung des Lohnes oder Gehalts erwachsen darf. Der 3wed dieser Bestimmung ist der, zu erreichen, daß die Mitglieder, da sie ein Ehrenamt inne haben, durch dessen Aus. übung sie auf der einen Seite feine Vorteile haben, auf der anderen Seite aber gerechterweise auch feine Benachteiligungen erleiden, sondern vielmehr genau so gestellt sein sollen, als wenn sie während der in Frage kommenden Zeit ihre gewöhnliche Arbeit geleistet hätten. Daß die Mitglieder in solchen Fällen mithin den Atfordlohn verlangen tönnen und sich nicht mit dem geringeren Zeitarbeiterstundenlohn begnügen müssen, ist also wie die neue Ent fcheidung des Reichsarbeitsgerichts ergibt eine Selbstverständlichkeit. Schwierigkeiten macht in einem solchen Falle jedoch gewöhnlich die Feststellung der Höhe des Lohnes, die sich naturgemäß mit absoluter Genauigkeit nicht errechnen läßt. Das Urteil verweist Magdeburg: Orchesterkonzert. Dir.: Seidler- Winkler. 1. Händel: Konzert A- Dur, op. 7. Nr. 2, für Orgel und Orchester. 2. Beethoven: Sinfonie Nr. 5, C- Mall, op. 67. 3. Dukas: Der Zauberlehrling, Scherzo nach einer Ballade von Goethe. 4 Lalo: Sinfonie espagnole, D- Moll, op. 21. 5. Rimsky- Korssakow: Zar Saltan( Berliner Funkorchester). Nach den Abendmeldungen Unterhaltungsmusik. Anschließend: Sechstager ennen( aus dem Sportpalast). Königswusterbausen. 16.00 Prof. Hoffmann: Das amtliche Gutachten über Sittlichkeitsvergehen an höheren Schulen von der Praxis aus gesehen. 16.30 Nachmittagskonzert von Hamburg. 17.30 Magda Janssen: Das Kaiserbuch von Paul Ernst, 18.00 Artur Lehmann: Der Getreidehaushalt der Welt. 18.30 Spanisch für Anfänger. 18.55 Priv.- Dozent Dr. Zechlin: Bismarck. 20.00 Volkstümliches. Berantwortl. für bie Rebaftion: Bolfgang Schwarz, Berlin; Anzeigen: Th. Gløde, Berlin Berlag: Borwärts Berlag G. m b S.. Berlin. Drud: Borwärts Buch bruderet und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co. Berlin SW 68. Lindenstrake- 3. Sierzu 1 Beilage. 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Diese Toleranz der Partei aber bedeutet selbstverständlich nicht, daß sie an dem fulturellen Klärungsprozeß, der sich im Streit der Meinungen über die religiöse Frage vollzieht, achtlos und unbeteiligt vorüberzugehen habe. Sie darf das schon deshalb nicht, weil die Gedankenwelt des Sozialismus so wichtige Elemente des philofophischen Denkens und so bedeutsame Handhaben einer verläßlichen Orientierung im lippenreichen Gebiet der großen Welt- und Menschheitsfragen enthält, daß falsch handeln würde, wer schweigen wollte, wenn er Fragenden Antwort geben tann. Daß viele Dinge der religiösen Sphäre erneut zur Debatte gestellt worden sind, kann nicht bestritten werden. Auch sozialistische Kreise find an dieser Debatte beteiligt. Die Organisation der religiösen Sozialisten ist da und macht Fortschritte, an ihrer sozialistischen Zuverlässigkeit ist kein Zweifel, und nur die liebe Dummheit kann behaupten wollen, daß alles, was in ihr debattiert wird, ins Gebiet der lieben Dummheit gehöre. Was in jener Vereinigung fatho fischer Sozialisten sich regt, die um das in Köln erscheinende Rote Blatt" fich gruppiert, iſt mindestens mert, genau verfolgt zu Rote Blatt" fich gruppiert, ist mindestens mert, genau verfolgt zu merden. Aber auch die offiziellen Kirchen überprüfen ihr Inventar; und es wirkt wie ein ironisches Symbol, wenn man vielerorts in Anschauung des Zustandes der Hochaltäre zur Anfchaffung von Staubsaugern übergegangen ist. Wer die katholische Welt von heute nur nach den Bade- und Turnerlassen hinterweltlicher Dorfpfaffen zu beurteilen unternehmen will, wird sich fagen lassen müssen, daß er um entscheidende Dinge nicht weiß. Rom hingegen weiß sehr wohl, daß seit 1914/18 allerlei Dinge in der Welt fich ereignet haben, Dinge, die auch den bravsten Schafen im Stall Stunden der Unruhe bereitet haben. Wer den veralteten Borstellungen und Lehren der Kirchen den Stamps ansagt, hüte sich, den Kampf gegen sie in einen Kampf gegen das religiöse Gefühl überhaupt entarten zu lassen. Was hat man denn unter dem religiösen Gefühl zu verstehen? Nun, unzweifelhaft wohl das Gefühl der Berbundenheit des einzelnen mit der menschlichen und kosmischen Umwelt. Das ist durchaus nicht ein psychisches Phänomen, über das man, die Bücher des seligen Haedel unter den Arm geklemmt, die Nase zu rümpfen hat, das ist vielmehr eine seelische Erscheinung, die aller Ehren soziologischer Nobilität wert ist! Bitte: wenn mir die Naturwissenschaft, nehmt alles nur in allem, beweist, daß ich, der Mensch, das Produkt eines Entwicklungsprozesses bin, wenn sie mir unpiderleglich beweist, daß ich in jedem Atemzug meines Daseins bedingt bin durch die tausend Faktoren der mich umgebenden Welt, daß ich unlöslich verbunden bin mit ihr, was ist das schließlich weiter, als eine Bestätigung jenes Berbundenheitsgefühls? Von diesem Berbundenheitsgefühl aber ist zu sagen, daß es als das religiöse Grundgefühl anzusprechen ist. Jede Debatte, die in den Kern der Dinge vorstoßen will, muß von ihm seinen Ausgangspunkt nehmen. Man muß sich bei Betrachtung der in Frage kommenden Dinge mir davon frei machen, den Begriff des Religiösen mit der Gottvorstellung zu verquiden! Mit Gott fang an" da cben leider fängt der verhängnisvolle Irrtum an! Vielleicht hat sich allmählich in Europa herumgesprochen, daß im Jahre 1787 ein gewisser Immanuel Kant alle denkbaren Gottes beweise fritisch dermaßen zerpflückt hat, daß nur noch die Angabe der heutigen Kirche, im Jahre 1 unserer Zeitrechnung habe der liebe Gott feinen Sohn in die Welt gesetzt, als leßfer Beweis" übriggeblieben ist. Die Gottvorstellung hat mit dem Gefühl der Berbundenheit des einzelnen mit der Umwelt nichts zu tun, es sei denn das, daß sie nur eine besondere( aber sehr unzulängliche) Aeußerungsform eben jenes Verbundenheitsgefühls darstellt. -NO Der Raum verbietet, auf all das einzugehen, was sich aus der näheren Betrachtung des religiösen Grundgefühls ergibt. Aber auch die knappste Stizze läßt hervortreten, daß geläuterte Religiosität durchaus kein Ding ist, das unvereinbar wäre mit der Ideologie des Sozialismus. Karl Marg hat gejagt, Religion wäre Opium fürs Bolt? Man lese die Stelle im Zusammenhang; natürlich ſt unter ,, Religion" der ganze Qualm und Schwalm einer autoritären Gottesdogmatik gemeint. Im übrigen: menn nach marristischer Auffaffung jede materiell- wirtschaftliche Basis einen durch fie bedingten ideologischen Ueberbau vorweist, der da laut Aufzählung der befannten Stellen( in der Kritif der politischen Defonomie") in a) den Rechtsbegriff, b) ben politischen Zielsetzungen, c) den Borstellungen des religiösen Lebens, d) den Schöpfungen der Kunst und e) den Betrachtungen und Lehren der Philofophie Ausdrud gewinnt, so muß doch wohl auch die Ideologie einer sozialistischen Wirtschaftsbafis in den genannten Erscheinungsformen Ausdrud gewinnen, das heißt, auch im religiösen Borstellungsleben!. Ebenso wenig wie die Gebiete des Rechts, der Politif, der Literatur und Kunst und der Philosophie aufhören werden zu existieren auf Grund der fozialistischen Birt schaftsbasis, ebenso wenig wird das Gebiet des Religiösen aufhören zu existieren auf Grund jener Basis! Die Formen des ideolo gischen Widerspiels bleiben unter allen Umständen dieselben, nur ihr Inhalt ändert sich gemäß bekannter Bedingtheit. " Man fann also Don einer Religions- Feindschaft" des So. zialismus nicht sprechen. Man möchte fast formulieren: selbst wenn der Sozialismus religionsfeindlich sein wollte, sp fönnte er es nicht sein, er würde eine ihm widersprechende Richtung nehmen. Eine Religionsfeindschaft wäre unvereinbar mit der wissenschaftlich marristischen Grundlage der sozialistischen Arbeit. Wenn die Berfechter der wissenschaftlich nicht mehr haltbaren und( sieht man die Ströme des Blutes an, die im Namen Gottes vergossen worden. find) auch' moralisch völlig diskreditierten Gottvorstellung sich durch die Arbeit des Sozialismus auf die Zehen getreten fühlen und daraus eine Religionsfeindschaft des Sozialismuis ableiten wollen, so find fie nur Opfer der Berwechslung, auf die hinzuweisen der Zwed diefer Beilen ist. So ergibt sich denn am Ende der Ueberlegungen, daß der Sozialismus an einer Störung deffen, mas man tonfeffionellen Frieden nennt, nicht das geringste Interesse hat, daß er aber als Förderer und Klärer der religiösen Diskussion, wo immer fie geführt werden mag, sich durchaus berufen fühlen darf. | Leider nun werden auch oft Sozialisten Opfer dieser Ber- Sozialdemokratische Partei mit dem Stimmzettel eine Frage entmechslung. Auch sie unterscheiden nicht scharf genug zwischen der scheiden, an der der tiefste Geist der deutschen Gegenwart, Friedrich Gottvorstellung und dem religiösen Gefühl schlechthin, dem Ver- Nietzsche, doch letzten Endes zerbrochen ist? Warum muß die Partei bundenheitsgefühl, wie es aben dargelegt worden ist. Auch die im protestantischen Deutschland ganz unerhörte geistige Kräfte brachPropaganda des Freidenkerverbandes weist in diefer liegen lassen, ja, warum treibt sie sie durch ihre einseitige StellungHinsicht mancherlei Unflarheiten auf, die zu sehr unerwünschten Ausnahme in religiösen Dingen zum Teil sehr gegen ihren, der Promirtungen führen können. Was um so badauerlicher ist, als die bestanden, Willen der wirtschaftlichen Reaktion zu? Rein ernster Protestant wird die Sünden der evange tragenden Pfeiler der gedanklichen Welt des Freidenferverbandes der lischen Kirche beschönigen wollen, von Luthers Sendbrief gegen Marrismus und die naturwissenschaftliche Betrachtung sind. die aufrührigen Bauern an bis zum Versagen im Weltkriege, aber Hand aufs Herz! hat die Partei im Weltkrieg nicht auch vers sagt? Darum fämpft für die Lösung des Staats von der Kirche, viele ernste Protestanten fämpfen mit euch darum. Geißelt die politischen Entgleisungen ihrer Diener, viele ernste Protestanten schämen sich ihrer. Kämpft für die Befreiung der Schule vom fonfeffionellen Zwang, der freie Protestant in der freien protestantischen Kirche wird sich freuen, wenn das Baterunser durch Einpaufen in der Schule nicht mehr entweiht wird, fämpft, tampft, fämpft gegen jeden geistigen Zwang, das ist allerechtester Protestantismus! Aber bitte, fämpft auch gegen den geistigen 3mang in eurent eigenen Reihen! Es ist zum mindesten noch nicht erwiesen, ob der allgemeine Rüglichkeitsstandpunkt für die Bildung fittlicher Bersön lichkeiten dasselbe leisten wird, wie die Bergpredigt. Bergeßt duch nicht, daß unser Ideal der politischen Freiheit in gerader Linie van gegen die Bauern. Ist es denn nur ein Zufall, daß nur katholische der evangelischen Freiheit" abstammt, trotz Luthers Sendbrief Länder der Diftatur verfallen find, und in protestantischen Landen eine Dittatur nicht einmal vorstellbar ist? Gibt das nicht zu denken? Ein Außenseiter hat das Wort Darf in diesen Spalten auch ein nicht der Partei angehörender Beser des Vorwärts" das Wort ergreifen? Gerade die feindliche Stellung der Partei zur Kirche ist es, die weiten Kreisen des protestantischen Deutschland den Weg in die Partei versperrt. Es handelt sich da für den überzeugten Brotestanten auch Goethe nannte sich ja in weiterem Sinne einen Protestanten um eine Gewissensfrage, einfach um die Schicksalsfrage für werden, daß die von der Sozialdemokratie geförderte Kirchenaus Deutschlands geistige Zukunft. Es muß einmal sehr deutlich gesagt trittsbewegung ganz einseitig die protestantische Kirche trifft und für die katholische Kirche überhaupt teine prattische Be beutung hat. Es muß weiter gesagt werden, daß die katholische Kirche infolge ihrer ganz außerordentlich gefchickten Konjunktur. politik eine Machtstellung nach der andern nimmt, und daß die Sozialdemokratische Partei beim besten Willen bei der augenblic lichen innerpolitischen Lage sie nicht daran hindern fann. Ich erinnere in diesem Zusammenhange nur an die Zurücknahme von Otto Brauns Präsidentschaftskandidatur zugunsten des Zentrumsfandidaten. Und eben erst hat die Kurie vom Freistaat Preußen" ein Kontordat erzwungen, durch das ihr der Staat nennen wir doch das Kind beim richtigen Namen! wichtige fulturpolitische Rechte auf unbegrenzte Zeit abtritt. Diese Entwicklung erfüllt jeden ernsten Protestanten mit tieffter Sorge. Gewissenhafigkeit, ganz persönliche Verantwortung für das Wohl feines Nächsten", das ist der Kern seiner Religion, und mirtschaftlich steht er deshalb vielleicht genau da, wo auch die Sozialdemokratie steht, die ja auch auf fast reinprotedie Sozialdemokratie ftantischem Boden erwachsen ist( in Sachfen), aber tann er sich einer ſtantiſchein Boden erwachsen i fecht, die Bartet anschließen, die in der für Deutschlands geistige Zukunft wichtigsten Gewissensfrage nicht neutral bleiben tann? Kann die Die Kampfstellung der Partei gegen die evangelische Kirche mar notwendig und berechtigt in einer Zeit, wo die Kirche in un leiblicher Weise dem alten Obrigkeitsstaat tributpflichtig war, fie ift heute nicht mehr notwendig. Wer heute durch Zerstörung der evangelischen Kirche freie Bahn für die Ausdehnung der katholischen Kirche macht, der nüßt nicht der geistigen Freiheit Deutschlands, sondern gefährdet sie. Welch große politischen Kräfte im Protestan tismus bereitstehen, das zeigt uns England, das zeigen uns vor allem die amerikanischen Quäfer. Für eine große politische Partei fann es sich nicht um Toleranz oder Intolerang handeln, die Frage ist ganz falsch geftellt. Es handelt sich nur um Neutralität oder um Stellungnahme gegen Pfaffentum und Muckertum, jawohl, wir Protestanten sind dabei! Stellungnahme gegen die protestantische Idee von der persönlichen Berantwortnug gegenüber Gott: Was hat das mit den Zielen der Sozialdemokratischen Partei zu fun? Gehört die materialistische Weltanschauung mit zum Barteidogma? Uns evangeliſchen Bro teftanten liegt die Kezzerei im Blut. Schade, daß wir außen bleiben müssen! Friedrich Hirsch. Unterhaltsanspruch bei Ehefcheidung Und wie das Gericht entscheidet von Amtsgerichtsrat B. Herz Bei der großen Zahl der Chefcheidungen erscheint eine Betrach tung am Blaze, wie denn das geltende Recht die Unterhal tungsansprüche der geschiedenen Gatten untereinander regelt. Diese Frage hängt naturgemäß aufs engste mit dem Scheidungsproblem überhaupt zusammen. Borweg ist zu sagen, daß, falls beide Ehegatten für schuldig erklärt sind, mit der Rechtstraft des Scheidungsurteils grundsäglich überhaupt jeder Unter haltsanspruch aufhört. Hatte z. B. die Ehefrau eine einstweilige Verfügung erwirkt, wonach der Ehemann gehalten war, ihr während des Scheidungsprozesses monatlich aber möchentlich... M. Unterhalt zu zahlen, so darf sie vom Eintritt der Rechtskraft des Scheidungsurteils ab aus dieser einstweiligen Verfügung nicht weiter vollstrecken lassen; und zwar auch dann nicht, wenn allein der Mann für schuldig erklärt ist. Bielmehr muß sie dann neue Schritte bei Bericht unternehmen, weil der Unterhaltsanspruch für die Zeit während der Ehe selbst anders geregelt ist, als für die Zeit nach einer Scheidung. Das Gefeß stellt mun für den in der Praris wichtigsten Fall, nämlich in Ansehung des Unterhaltes, den der allein für schuldig erklärte Mann der geschiedenen Frau zu gewähren hat, vor allem auf ihren Lebensbedarf ab. Grundsatz ist, daß hier die geschiedene Frau Anspruch auf Gewährung standesgemäßen Unter haltes hat. Solcher umfaßt den gesamten Lebensbedarf. Es kommt hier auf die allgemeine Lebensstellung der Parteien an. Wie ist es aber, wenn die Frau selbst Bermögen hat? Muß die Frau hier erst ihr gesamtes Vermögen aufzehren, benar sie sich an ihren früheren Gatten halten kann? Nein! Solches ist nicht erforderlich. Der Unterhalt fürzt sich vielmehr mur um die Einfünfte, die die Frau aus einem etwaigen Bermögen ziehen tönnte.(§ 1578 BGB.) Allerdings wird der Richter hier Billigfettsmomente fehr mitspielen laffen. In der Bragis wichtiger is: pie Frage, ot der Mann die Frau darauf verweijen fann sich ihren Unterhalt durch eigene Arbeit zu erwerben. Antwort: Ja, soweit solches nach den Verhältnissen, in denen die Ehegatten gelebt haben, üblich ist; und zwar ist ausschlaggebend, daß, was im allgemeinen üblich ist; nicht das, was in der Ehe der Parteien speziell üblich war. Die Not der Zeit zwingt dazu, zu verlangen, daß jeder gefunde erwachsene Mensch sich bemüht, durch ehrliche Arbeit das zum Leben Notwendige zu erwerben. Nicht auf das kommt es an, was der Beklagte zufällig gerade verdient hat, sondern darauf, was er unter bestmöglichster Ausnutzung seiner Arbeitskraft tatsächlich verdienen kann. Gleiches gilt in den genannten Grenzen des allgemein leblichen für die klagende Ehefrau. Selbstverständlich vermag niemand zu zaubern und fann jemand auch bei bestem Arbeitswillen ohne jebe eigene Schuld längere Zeit ermerbslos fein müssen. Hier tommt unendlich viel auf den guten willen an, so wie darauf, die Zeit der unfreiwilligen Muße zu eigener Spezialausbildung tunlichst zu benutzen. Auch das Gesetz berücksichtigt besonders die Notlage des allein für schuldig erklärten Ehegatten, der einfach außerstande ist, auch noch dem anderen Ehegatten Unterhalt zu gewähren. Zunächst hat hier das Gericht alle sonstigen wirklich bestehenden Berpflichtungen des Unterhaltsschuldners zu berücksichtigen; diese gehen hier vor. Waren z. B. Möbel auf Abzahlung gekauft, und hat der Mann noch mehrere Hundert Mart in Raten abzuzahlen, so fann er nicht einfach den gesamten Betrag der Schulden kapitalisiert von seinem Einkommen abziehen, sondern eben nur jeweils die fälligen Raten. Zu berücksichtigen wären ferner z. B. Rentenbeträge, die der allein für schuldig erklärte Mann einem unehelichen Kinde Rechtens zu zahlen hätte. Ferner wird ihm nicht zugemutet, feinen eigenen Unterhalt zu gefährden. Tritt ein eigener Mehrbedarf z. B. infolge Krankheit oder dergleichen ein, so ist auch solches mit in Betracht zu ziehen. In all solchen Fällen fann der Mann von den zu seinem Unterhalt perfügbaren Einfünften zwei Drittel, mindestens aber soviel zurückbehalten, um felbft notdürftig" leben zu fönnen( also nicht standesgemäß"). Die Gerichte gehen überhaupt im allgemeinen davon aus, insbesondere. auch bei bestehenden Ehen, daß grundsäßlich der Ehefrau etwa ein Drittel vom Einkommen des Mannes gehört. Nun ist aber häufig die Not und der Notbedarf noch größer. Entweder find minderjährige unverheiratete Kinder do, oder der Ehemann verheiratet sich wieder, dann lassen sich überhaupt keine ziffernmäßigen Regeln mehr geben. Es ist vorgekommen, daß der für schuldig erklärte Ehemann einen Tag, nachdem er die Unterhaltstlage feiner, geschiedenen Ehefrau zugestellt erhielt, eine neue Ghe einging und nun im ersten Termin, schließlich und endlich mit Recht verlangte, daß seine Berpflichtung vom Gericht entSprechend eingeschränkt würde. Hier muß alles dem Ermessen des verständigen Richters überlassen bleiben, der unter Umständen vor äußerst unangenehme, weil tief in das Leben der Beteiligten eingreifende Entscheidungen gestellt ist und gewärtig sein muß, daß beide Teile fein Urteil doch schelten. Das Leben des einzelnen entzieht fich letzten Endes jeder genauen aiffernmäßigen Berechnung. Wie hilft sich nun aber eine Partei, wenn die wirt. schafts- und Lebensverhältnisse, die für die Bestimmung der Höhe der Unterhaltsrenten im Gerichtsurteil maßgebend waren, sich danach wesentlich andern? Hier muß neu getlagt werden; und zwar ist in solchem Falle jeder Teil berechtigt, eine entsprechende Abänderung des Urteils zu verlangen, soweit neue erhebliche Momente eingetreten sind. Uebrigens darf das erste Urteil( oder frühere Urteil) mur für die Zeit nach Erhebung der Ab. änderungsflage ausgesprochen werden. Wir haben hier also eine Art Regulator, um spätere Unbilligkeiten zu verhüten. Leliners Have More in Tucht haus Fuchthaus von Viktor Huaw Aus dem Franzosischen von Oskar Wöhrle ( Schluß.) Noch ehe der Zuchthausdirektor auch nur einen Schrei ausstoßen founte, hatten drei fürchterliche Beilschläge, alle drei auf den näm. lichen Bled gerichtet, ihm die Hirnschale zerschmettert. Als er, die Hände hochgespreitet, rüdlings niederstürzte, zer feßte ihm ein pierter Hieb das Gesicht; dann versezte ihm Claude noch einen fünften Schlag, der den rechten Oberschenkel aufriẞ; denn eine Raserei, wenn sie erst mal ausgebrochen ist, läßt sich nicht so schnell bändigen. Der Direttor mar tot Claude warf das Beil meg und schrie: Jezt an den anderen!" Der andere" war er selbst. Die Sträflinge fahen, wie er aus seinem Wams die kleine Schneiderschere seiner Frau hervorriß und sich die Klinge tief in die Brust stieß, bepor nur einer daran denten fonnte, ihn daran zu hindern. Die Klinge war furz, die Brust aber hoch und mustulos, Mehr als zwanzigmal wiederholte Claude den Stoß und schrie: ,, Berwünschtes Herz, tann ich dich denn nicht treffen?" Schließlich stürate er bewußtlos und blutüberströmt nieper. Da lagen nun Mörder und Gemordeter auf den Planten des gleichen Saals. Wer nun von diesen beiden war das Opfer des anderen? Als Claude wieder zu sich tam, lag er in einem Spitalbett, jorgfältig gepflegt und mit Bandagen und Tüchern umwidelt. Am Kopfende seines Bettes standen einige barmherzige Schwestern und überdies der protokollführende Untersuchungsrichter, der ihn mit großem Interesse fragte: Wie geht es Ihnen?" " Claude hatte eine Unmaffe Blut verloren; aber die Schere, mit der er den Selbstmordversuch unternommen, hatte ihren Dienst schlecht verrichtet. Reiner der vielen verzweifelten Stöße war tödlich gewesen. Für ihn waren nur diejenigen Bunden tödlich, die er dem Direktor des Buchthauses beigebracht hatte. Die Berhöre nahmen ihren Anfang. Er verschwieg nichts und beschönigte nichts. Er legte ein umfassendes Geständnis ab und bekannte sich unummunden als schuldig im Sinne des Gesetzes Zuweilen hatte er Augenblicke von so hoher Beredsamfeit, daß die Zuhörer in laute Aufregung gerieten und einer dem andern Claudes Borte flüsternd wiederholte. Dadurch entstand ein lautes Gemurmel. ,, Gut! Aber weshalb hat dieser Mensch gestohlen? esi halb hat dieser Mensch gemordet? Auf diese beiden Fragen find Sie die Antwort schuldig geblieben!" Er wurde alsbald ins Gefängnis zurüdgebracht. Dort aß er guten Muts zu Mittag und sagte: Auf 36 Jahre hab ich's gebracht!" Anfänglich wollte er gegen das Urteil teine Revision einlegen. Eine der barmherzigen Schwestern, in deren Pflege er gestanden hatte, bat ihn aber unter Tränen darum Er tat es lediglich aus Gefälligkeit gegen sie. Es schien, als ob er bis zum letzten Augenblic widerstrebe; denn als er endlich auf der Gerichtsschreiberei fein Gesuch mit drei Kreuzen unterzeichnete, war die gefeßlich vorgeschriebene Frist von drei Tagen bereits seit einigen Minuten verstriden. Das arme, erkenntliche Mädchen gab ihm ein Fünffrankenstück. Er nahm das Geld und bedankte sich. Während seine Eingabe den maßgebenden Instanzen vorlag, machten ihm die Sträflinge von Troyes, die für ihn durchs Feuer gegangen wären, mehrere Male Fluchtanerbieten. Claude lehnte ab. Durch das Luftloch seiner Zelle wurden ihm von Gefangenen turz nacheinander ein Nagel, ein Stück Eisendraht und eine EisenClaude atmete dann tief auf und warf einen mutholenden Blick fäge zugeworfen. in ben Saal. Zuweilen war die Rede dieses Mannes, der doch nicht lesen und schreiben konnte, so fein gewählt, wie die eines Schriftstellers; dann, in anderen Augenblicken, wieder zurückhaltend, wohlabge. mogen, wohldurchdacht, von Bunft zu Bunft auf alle die Abschnitte der Antlagerede eingehend, die zu Mißverständnissen Anlaß geben Nur ein einziges Mal überließ er sich einer zornigen Aufwallung. fonnten. Der Staatsanwalt hatte in seiner bereits erwähnten Rede die Behauptung aufgestellt, Claude habe den Direkar ermordet, ohne daß von dessen Seite Tätlichkeiten irgendwelcher Art porausge Er hätte den Mord begangen, ohne dazu gereizt gangen feien. worben zu sein. ja, wahrhaftig, es stimmt, ich verstehe Sie! Ein Mann, der be ,, Was?" rief Claude ,,, ich soll nicht gereizt worden sein? Doch trunten ist, gibt mir einen Fauftschlag: ich töte ihn, ich bin gereizt worden. Sie verfahren gnädig mit mir, Sie verschicken mich zur Zwangsarbeit. Aber ein Mann, der nicht betrunken ist, sondern sich im Vollbesiz seines Berstandes befindet, preßt mir pier Jahre lang das Herz zusammen, demütigt mich vier Jahre lang, bringt mir vier Jahre lang jeden Tag, jede Stunde, jede Minute an irgendeiner neuen unerwarteten Stelle einen Nadelstich bei! Ich hatte ein Weib, für das ich stahl: er martert mich mit diesem Weibe! Ich hatte ein Kind, für das ich stahl: er mariert mich mit diesem Kinde! Ich habe nicht genug zum Essen, ein Freund gibt mir Brot: er entreißt mir Freund und Brot! Ich verlange meinen Freund von ihm zurück: er steckt mich für diese Anmaßung ins Loch! Ich sage Sie" zu diesem Seelenspion, er ranzt mich dafür langmeile! Urteilt selbst, was blieb mir zu tun übrig? Ich tötete ihn! Es ist wahr, ich bin ein Ungeheuer, ich habe diesen Menschen getötet, ich bin ja nicht gereizt worden! Ihr schlagt mir dafür den Stopf ab! Tut's doch!". Man fragte ihn, ob er zugebe, den Direktor des Zuchthauses per„ Du" an! Ich sage ihm, daß ich leide, er fagt mir, daß ich ihn von Clairvaug vorfäßlich gefötet zu haben. Er sagte:„ Ja!" Man fragte weiter, warum er ihn getötet habe. Er sagte:„ Darum!" Unterdessen verschlimmerten sich die Berlegungen, die er sich beigebracht hatte. Ein heftiges Fieber brachte ihn an den Rand des Grabes. November, Dezember, Januar und Februar verflossen unter aufmertfamster Pflege und allerlei Borbereitungen. Aerzte und Richter brängten sich um Claube. Die einen heilten seine Wunden, die anderen bereiteten sein Schafott. Faffen wir es furg! Endlich, am 16. März, erschien er, völlig wieder hergestellt, vor dem Schwurgericht von Trones. Die ganze Stadt war zur Verhandlung herbeigeströmt. Claude zeigte sich mit Anstand vor seinen Richtern. Er hatte sich sorgfältig rasieren lassen und trug die düstere, graue Kleidung der Sträffinge von Clairvaux. Der Staatsanwalt hatte ein übriges getan und den Berhandlungssaal durch sämtliche Soldaten des Bezirks absperren laffen, ..um", wie er erklärend zur Zuhörerschaft sagte ,,, alle die Schwerverbreder im 3aume zu halten, die in diesem Prozeß als Zeugen auftreten mußten". Als man die Verhandlung beginnen wollte, zeigte sich ein auf fallendes Hindernis. Kein Zeuge der Ereignisse vom 4. November malte gegen Claude aussagen. Der Borsigende drohte, er werde im Weigerungsfalle unnachsichtlich von seiner Strafbefugnis Gebrauch machen. Bergeblich! Diese Drohung, so scharf und akzentuiert sie auch ausgesprochen war, verfehlte vollkommen ihre Wirkung. Da befahl Claude den 3eugen, auszusagen. Alle Zimgen löften sich. Jeber sagte, was er gesehen hatte. Claude Gueur hörte allen mit großer Aufmerksamkeit zu. Wenn einer von ihnen vergeffenshalber oder aus Anhänglich teit gegen Claude Umstände überging, die ihn, den Angeklagten belasteten, ergänzte er fie. Bon Aussage zu Aussage entrollte sich vor dem Gerichtshofe immer plastischer die lange Reihe der Tatumstände. Bei einem Auftritt weinten alle Frauen, die im Saale waren. Der Gerichtsdiener rief den Sträfling 2bin zur Aussage auf. Bantenden Schrittes trat diefer in den Saal; er schluchzte heftig. Die Gendarmen, die ihn führten, fonnten es nicht verhindern, daß er sich Claude in die Arme stürzte. Dieser hielt ihn fest und sagte mit einem feinen Lächeln zum Staatsanwalt: Hier steht nun der Verbrecher vor Ihnen, der sein Brot mit dem Hungernden teilte!" Die Baugenfifte war erschöpft, die Beweisaufnahme beendet. Der Staatsanwalt erhob sich und begann feine Rede: Meine Herren Geschworenen! Der Staat wird bis in seine Grundfesten erschüttert werden, wenn die Justiz einen llebeltäter wie diesen hier nicht ein für allemal unschädlich macht“ usw. Nach dieser gemiß denkwürdigen Rede ergriff Claudes Verteidiger das Wort. Die Reden für und gegen machten abwechselnd alle Sprünge, Bendungen und Bewegungen durch, die gemeiniglich in dieser Reit Schule, die man Kriminalprozeß nemnt, üblich find. Claude glaubte, daß noch nicht alles gesagt sei. Er erhob sich und sprach mit einem solchen Feuer, daß selbst gebildete Beute, bie dieser Berhandlung beiwohnten, aus bem Staunen nicht mehr heraustamen. Es hatte den Anschein, als ob disfer einfache, ungebildete Tag. löhner eher zu einem Redner als zu einem Mörder geschaffen fei. Kerzengerade stand er da. Seine Stimme war laut, doch richtig abgetönt; sein Blid mar flar und offen; seine Geberde blieb stets gleich, doch war fie poller Kraft. Er schilderte die Umstände, wie sie sich zugetragen hatten, ein fach und ernsthaft. Die Debatten gingen zu Ende. Der Borsitzende erstattete eine unparteiische und lichtvolle lleber. sicht der Hauptpuntte. Aus diesen erhellte: Eine Anstoß erregende Lebensweise! Ein Ungeheuer, wie es im Buche steht! Claude Gueur hatte die Lauf bahn seiner Berbrechen damit begonnen, daß er mit einer Dirne zusammenlebte. Dann hatte er gestohlen! Bulegt mar er fogar Dor einem Morde nicht zurückgeschreckt! Das alles war nicht erlogen. Ehe sich die Geschworenen ins Beratungszimmer zurüdzogen, fragte der Borfizende den Angeklagten, ob er bezüglich der Stellung der Schuldfragen noch etwas hinzuzufügen habe. ,, Nur eine Kleinigkeit," sagte Claude. Ich bin ein Dieb, ich bin ein Mörder; ich habe gestohlen, ich habe getötet! Aber mes halb habe ich gestohlen? Weshalb habe ich getötet? Legen Sie diese beiden Fragen ruhig zu den anderen, meine Herren Geschworenen!" Nach einer viertelstündigen Beratung wurde Claude Gueur infolge des Schuldspruches der zwölf biedern Bauern, die man Herren Geschworene" titulierte, zum Tode verurteilt. Als Claude das Urteil vernommen hatte, fagte er nur: 15 10 12 Er stellte aber alles: Säge, Feile und Nagel dem Schließer der Zelle zu. Am 8. Juni, sieben Monate und vier Tage nach dem Morde, tam der Tag der Hinrichtung, pede claudo wie man sieht. Morgens um sieben Uhr trat der Gerichtsschreiber in Claudes Belle und verkündete ihm, daß er nur noch eine Stunde zu leben habe, seine Eingabe sei verworfen worden, Nun gut," sagte Claude ,,, ich habe diese Nacht wundervoll ge= schlafen und ließ mir nicht träumen, daß ich die nächste noch besser schlafen würdet" Ein Geistlicher tam zu Claude, nach diesem der Scharfrichter. Claude behielt seine polle Geistesgegenwart. Während man ihm die Haare abschnitt, redete jemand in der Ecke von der Cholera, die damals gerade die Stadt bedrohte. Ich für mein Teil," sagte Claude ,,, habe vor der Cholera feine Angst!" Auf seine Bitte hin hatte man ihm die fleine Schere zurückgegeben, mit der er sich seinerzeit verwundet hatte. Er vermißte eine Klinge daran. Die war damals abgebrochen und in seiner Brust steckengeblieben. Claude bat den Gefangenenwärter, die Schere in seinem Namen Albin zu übergeben. Diesem vermachte er auch die Brotration, die ihm für diesen Tag noch zustand. Als ihm die Hände auf den Rüden gebunden wurden, bat er, man möchte ihm in seine rechte Hand das Fünffrankenstück geben, das ihm die barmherzige Schwester geschenft hatte; das einzige, was ihm von seiner Habe noch geblieben war. Um dreiviertel acht verließ er das Gefängnis mit der ganzen graufigen Begleitung, die bei den zum Tode Berurteilten üblich ist. Er ging zu Fuß und war bloß; sein Schritt aber war fest Die Behörde hatte gerade diesen Tag zur Hinrichtung gewählt, weil es Markttag war; denn sie wollte, daß sich die Augen möglichst vieler auf das schreckliche Erempel lenten sollten. Schweigend beftieg Claude bas Blutgerust. Buerst nahm er vom Priester Abschied, dann vom Scharfrichter. Als ihn dessen Gehilfe an das scheußliche rote Brett anschnallte, machte Claude dem Geistlichen ein Zeichen, ihm das Fünffrankenftüd abzunehmen. Er sagte: Für die Armen!" Da es in diesem Augenblick eben acht schlug, übertönte der Schall der Gloce seine Worte. Der Geistliche erwiderte daher, er habe ihn nicht verstanden. Claude wartete die Pause zwischen zwei Glockenschlägen ab und wiederholte: Für die Armen!" Der achte Schlag hatte noch nicht ausgedröhnt, als Claudes Ropf bereits gefallen war. Was öffentliche Hinrichtungen für bewundernswerte Nachwirkungen haben, ist daraus ersichtlich, daß, während noch die furchtgebietende Guillotine auf dem Plage stand und vom Blut des Hingerichteten trieste, sich die Marktleute einer unbedeutenden Gebührenfrage wegen zusammenrotteten und einen Ottroibeamten halb totschlugen. Das, tat diefelbe Masse, zu deren Abschrechung und Einschüchterung die Köpfmaschine soeben ihr Wert getan hatte. Rätsel- Ecke des ,, Abend". Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Stadt in Jtalien; 3. Monat; 8 Stadt in Deutschland; 9. Münze; 10. Tier; 14. Stadt in Deutsch land; 15. männlicher Borname Sentrecht: 2. Deutscher Freistaat; 4 Stadt in Deutsch land; 5. Klostervorsteher: 6. Stadt an der Donau; 7 Bewohner Jrlands; 11. Gegen teil von neu"; 12. Erzbischof von Köln( 1056): 13. türkischer Aufseher. H. S. Zahlenrätsel. 1 2 3 3 4 5 6 7 8 69 7 10 5 Bevorstehende politische Handlungen. 2 5 1 10 7 Berwandter. 3 10 3 3 10 Feigling. 8 6 7 6 11 6 Halbinsel von Sinterindien. 4 7 3 10 Baum. 5 6 9 10 Nebenfluß des Rheins. 6 7 36 Weiblicher Borname, 7 6 2 12 25 Trojanischer Priester. 8 10 7 7 10 Wafferbewegung. 651763 Stadt in Pommern. 9 6 3 3 10 7 Nutzvier. 7295 Entschädigung für Arbeit. 14 4 7 10 NachtDogel 5 6 5 6 Roman von Bola. Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Worte lauten im Zusammenhang gelesen wie die erfte magerechte. ab. Rapfelrätsel. Den Worten Relief, Salbei, Ostern, Einsicht, Gitterstäbe, Wochenende, Bumutung, Kaspar, Erziehung, Marengo, Bergehen, Genferfee. Untreue, Rundschau, Herrschaft, Steiermart, Hofentnopf. Motette, Ginster, Steinbod, Heizumlage, Berein, Sensation find je brei aufeinanderfolgende Buchstaben zu entnehmen, die aneinander gereiht ein Sprichwort aus dem Chinesischen ergeben( ein Buchstabe hep. Der Beruf. ar bei ber dat bani der e erb eis ter tri gärt ger hand in ler ter ter ter teur top trei wäch. Aus vorstehenden 39 Silben sind ler nacht ner no o por pern re re schnei fän sei fel feur tar ten die Namen von 14 Berufen zu bilden und so untereinander zu ftellen, daß die Anfangsbuchstaben, von oben nach unten gelejen, auch einen Beruf nennen.( ich gilt als ein Buchstabe.) ab. Rätselfombination. I. Die Buchstaben der Wörter Amine, Mulotte Christ, Sonnenbad und Nestor find so umzustellen. daß neue Wörter von befannter Bedeutung entstehen. Die Anfangsbuchstaben der richtig gefundenen Wörter nennen eine Fangleine. II Das unter I. gefundene Bort ift in vier Zwischenstufen in Tinte au verwandeln, und zwar ist in nebenstehender Figur jeweils der durch ein Kreuz gekennzeichnete Buchstabe durch einen anderen zu erfesten. Die übrigen aus dem vorhergehenden Wort über nommenen Buchstaben dürfen auch in ihrer Reihenfolge nicht ver ändert werden. TINTE Das Fehlende. hl. Seit Bort mit, a" muß meinen Herzenswunsch ich mir versagen; ich way's nicht einmal nach dem Preis zu fragen; mit Sehnsucht stets ich dran vorübergeh', es fehlt noch immer mir am Wort mit„ e". ( Auflösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) A. M. Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Silbenrätfel: 1. Überlegung; 2. Berejina; 3. Jufeff: 4. Magdeburg; 5. Mondsichel;; 6. Ebereiche; 7 Reseda; 8. Teekanne; 9. Rochade; 10. Epheser; 11 Ursuline; 12. Urraine; 13. Nebelkrähe; 14. Drehbühne; 15. Rausch; 16. Eisfeld; 17. Drohnen; 18. Lebenslust; 19. Jmmergrün; 20. Cerberus; 21. Hochbahn; 22. Kaffiber. Ueb immer Treu und Reblichkeit Bis an dein fühles Grab. Magische Figur: 1. Ufraine; 2. Stafter; 3. Ratibor. Lebensbaum, Richtefest, Frifassee, Flasche, Wilhelmine, SchneeRapfelrätjel: Ingwer, Durlach, Wechselstube, Begeleben, ballichlacht, Giftschlange, Regenwasser, Apfelmus, Auszug, Jrwisch. Schuhhütte, Edmund, Trubel, Schuhgebiet, Gerüft, Westerwald, Loffenboot, Meiningen. Wer durchs Leben sich frisch will fchlagen, muß zu Schug und Trug gerüstet fein. Rosselsprung: Ber Liere quält, den läßt man scharf Sein rohes Lun empfinden; Doch Menschen, arme Menschen darf Man ungestraft oft schinden. ( Eine Lebenswahrheit.) Arbeiter Sport ,, FSC.", der Jubilar. 25 Jahre freie Schwimmer in Charlottenburg. Zur Feier des 25jährigen Bestehens veranstalten die Freien Schwimmer Charlottenburg" am Sonntag, dem 10, November, im Stadtbad Charlottenburg, Krummestraße, ein Jubi läumsschwimmfest, das die besten Schwimmer am Start sehen wird. Es verlohnt sich, nach 25 Jahren einen Rückblick zu tun. Ganz besonders sollen die jugendlichen Mitglieder der Arbeitersportvereine erfahren, wie schwer die Verhältnisse damals für Arbeitersporttreibende waren. Wie eine Bombe schlug es im reaktionären Charlottenburg ein, als man dort einen Arbeiterschwimmverein gründete. In der Hoch burg.der bürgerlichen Sportvereine haben die wenigsten daran gedacht, doß aus der damaligen Charlottenburger Gruppe des Schwimmvereins ,, Borwärts" ein Verein entstehen würde, der sich von allen Bundesvereinen am Orte am schnellsten entwickeln fonnte. Bon den 33 Mitgliedern, die die erste Uebungsstunde im Kochfee besuchten, fonnte nicht ein einziges schwimmen. Die Freien Shwimmer Charlottenburg waren auch mit die ersten, die sich von der berüchtigten Angel und den Schwimmforten losjagten. Denn gerabe bei diesen Apparaten verließen sich die Schwimmfchüler auf die Sicherheit, die ihnen geboten wurde. Beim Freischwimmen ohne Hilfsmittel, wo jeder auf sich felbft angewiesen ist, waren es dann oft flägliche Gestalten, die im Wasser herumwatschten. Mit der Einführung von Schwimmlehrtursen neuester Art stieg auch die Jungwähler! Eine Jungwählerversammlung findet Dounerstag, 7. November, 20 Uhr, in Raabes Festfälen, Fichtestraße 21, statt, mit einem Referat des Stadtrats Dr. Löwenffein. Alle jungen Wähler, insbesondere auch die Arbeitersportler, find dazu eingeladen. Beteiligung dazu. Irodenschwimmen und Gewöhnung an das Wasser in der Nichtschwimmerabteilung der Bäder sind heute die Grundgedanken der Schwimmausbildung. Im Kochsee- Bad follte damals ein fleines Schwimmfest veran ſtaltet werden. Die Zusage des Besizers wurde wieder zurüd. schaften Luckenwalde und Schöneberg standen sich gegenüber. Luckenwalde führte bis zur, Pause mit 2: 1, mußte fich aber doch den Schönebergern mit 4: 2 beugen.- Süden 3 gegen Sofol 1 3:21 ( 0: 0), Fichtenau gegen FTGB.- Südost 2: 4( 2: 3), Tegel 2 gegen Bernau 1 1: 4( 0: 1). Frauen: FTGB.- Wedding gegen Hennigs dorf 4: 2( 3: 0), Bohnedorf gegen Wilmersdorf 1: 0( 0: 0), FTGB.- Nordost gegen FTGB.- Süden 2 0: 9( 0: 3). Vom Arbeiter- Kegelsport. Berlin ist nicht vertreten! Der Bundestag des Arbeiterfeglerbundes hat den Schlußstrich gemacht unter die bisherige neutrale" Einstellung, er gehört jetzt zur Zentraltommission für Arbeitersport und Körper. pflege und damit zur zentralorganisierten Arbeiter sportbewe. gung. Damit ist der Deutsche Arbeiterfeglerbund auch in die staatlich anerkannte Sportbewegung eingetreten, und alle dem Arbeiterkegler bund angeschlossenen Bereine gehören zu den Kartellen der Arbeitersportbewegung. In Berlin besteht allerdings ein Reglerverein, der zum Arbeiterfeglerbund gehört. Der bisher unter der Flagge des Arbeiterfeglerbundes fegelnde Berliner Verein gehört dem Bund nicht mehr an, da er sich zum kommunistischen Kartell in der Lands. berger Straße bekennt. Die Vereine jenes Kartells fönnen nicht mitglieder der Verbände sein, die der Zentralfommission angehören. Der Reglerbundestag hat denn auch eine Resolution angenommen, bie Der Reglerbundestag hat denn auch eine Resolution angenommen, die befagt, daß der Arbeiterfeglerbund nach den Richt linien der 3entraltommission handeln wird. Da nun zurzeit in Berlin fein Arbeiterfeglerverein besteht, der zur Zentralfommission gehört und Mitglied des Deutschen Arbeiterfeglerbundes sein kann, wird hiermit zur Gründung eines Arbeiter feglervereins aufgerufen. Meldungen sind an Siegfried Zöl ner, Berlin SW 19, Kommandantenstraße 77, Merfur 7752, erbeten. Aber auch für den Freien Keglerbund" dürfte nach der Klarstellung im Arbeiterfeglerbund die Frage geklärt werden, ob er nicht einer Berschmelzung mit dem Arbeiterteglerbund näher treten will. Eine Berschmelzung beider Bünde würde nicht nur das Rebeneinanderarbeiten überflüssig machen, sondern auch den Zentralisationsgedanken, dem viele„ freie" Kegler als Gewerkschaftler und Barteimitglieder huldigen, zur Geltung bringen. Der Anschluß an die Spizenorganisation des deutschen Arbeitersports, der Zentral tommission für Arbeitersport und Rörperpflege, wäre damit auto. matisch vollzogen. Athleten in Qesterreich wertvoll fein. und ihre Meisterschaften. gezogen, denn die Freien Schwimmer wagten es, in einer Arbeiterzeitung dafür Propaganda zu machen. Die Bandeanstalt wäre fo. fort von den übrigen Bereinen boykottiert worden, wenn die Arbeiterschmimmer ein Schwimmfeft veranstaltet hätten! Zum Schuße Der Staatssicherheit waren regelmäßig in den Bersammlungen zwei Die österreichischen Arbeiterringer treten nur Polizisten da. Eine Eingabe um. Ueberlassung der städtischen Edhwimmhalle zu lebungszweden und für ein Schwinmifeft wurde zweimal im Jahre mit großen Beranstaltungen vor die Deffentlich vom Magiftrat abgelehnt. Darauf brachten die sozialdemo- ringen, und wenn es um die Meisterschaft der Einzeltämpfer geht. Dom Magiftrat abgelehnt. Darauf brachten die sozialbemo teit: wenn es gilt, den Bundesmeistertitel für Mannschaften zu er fratischen Stadtverordneten eine Interpellation ein. Im Sigungs: Welche von den beiden Konkurrenzen die bedeutendere iſt, läßt sich bericht des damaligen Bublifationsorgans des Magistrats vom 15. März 1905 heißt es, daß technische Gründe für die Ablehnung schwer sagen, beide dürften vom sportlichen Standpunkt aus gleid) maßgebend gewesen seien. Aber auch die politische Seite der Angelegenheit habe den Magistrat veranlaßt, das Gesuch abzulehnen, da er nicht gesonnen sei, öffentliche Einrichtungen in den Dienst derartiger politischer Bestrebungen zu stellen. Daß der Schwimmverein sozialdemokratische Parteizmede ver jolge, gehe aus einer Veröffentlichung des Organs des sozialdemo: fratischen Parteivorstandes flar hervor.( Der Verein erbot sich, bei Partei und Gewerkschaftsveranstaltungen, die am Wasser ftati finden, Rettungswachen zu stellen!) Oberbürgermeister Schusterus betont gleichfalls, daß der Magistrat sich verpflichtet halte, jede po Titische Propaganda von städtischen Anstalten und Betrieben fernzuhalten, gleiániel, melchen Parteizwecken diese Pro paganda dienen sollte. Dieser Bericht zeigte die Auffassung, die über die Arbeiterspottvereine in Charlottenburg vorherrschte. Die Zuschüttung des Kochsees und die Verweigerung der städtischen Badeanstalt zwangen die Freien Schwimmer, stundenlange Wege zu machen, um ihre lebungsstunden abhalten zu können. Es waren eben noch andere Berhältnisse, unter denen damals ,, aufgebaut" werden mußte. Heute fönnen die Freien Schwimmer entsprechend ihrer Stärke Ansprüche fiellent. Die Heimfudung durch die fommunistischen Zellenbauer ist auch vorüber. Die Großmäuler, die vom Schwimmen teine Ahnung hatten, versdmanden wieder dahin, woher sie gekommen waren. Befanntlich ist Waffer naß, das mag nicht jedem bekommen sein! Allen freien Gewerkschaftlern und den Mitgliedern der Sozialdemokratischen Partei stehen die Freien Schwimmer Charlotten burg" zur Ausbildung zur Verfügung. Schwimmen, Retten, Wasserballspiel, Kanu- und Faltbootsport, Handball- und Winter sport sind die Sportgebiete des Vereins. Handball Die letzten Resultate. Leicht hatten es die Schöneberger, die Trebbin mit 18: 1 schlagen fonnten. Die beiden Radybarvereine Hennigsdorf und Belben trennien fichy 2: 4( 0: 1). Freie Turnerschaft Ertner holte sich die Punkte von Eintracht- Mahlsdorf mit 4: 2; bis zur Pause stand es 2: 2. Die Ueberlegenheit fonnte Mahlsdorf in der zweiten Halbzeit durch zuviel Rombination nicht ausnügen. Tegel fiegte über Moabit durch größere Schußfreudigkeit mit 4: 1( 2: 1) Kangenom gewann beide Spiele, und zwar gegen Nowames 2 mit 6: 1( 2: 0) und gegen Regin mit 8: 0( 3: 0). Romames 1 perfor gegen Wedding 2 mit 5: 4( 2: 2). In die Punkte teilten sich FIGB.. Friebenau und FIGB..Nertölln mit 2: 2( 1: 1). und IGB Reinidendorf und FIGB.- Bantom mit 1: 1( 1: 1). Die Buntie von den Schöneberger Frauenmannschaften gewann die erste gegen Eudemwalbe 1. Abteilung mit 7: 0( 4: 0), während die zweite Abteilung gegen Luckenwalde- Sportabteilung mit 3: 0 verfor. Beitere Resultate: Männer: Charlottenburg- Schwimmer gegen FIGB.- Mitte 8: 2( 5: 2), Brandenburg gegen Bornstedt 4: 3( 3: 2), Wilmersdorf gegen Sudenwalde- Sportabteilung 8: 1 ( 3: 1). FTGB.- Lantmitz 1 gegen Neuföün II 1: 6( 1: 2), Strausberg- Schwimmer gegen Lichtenberg 2: 1( 1: 1), FIGB.- Baum schulenweg gegen FIGB.- Adlershof 2: 5( 1: 3); Frauen: Moabit gegen Belten 1: 0( 0: 0) und Stowawes 1 gegen Wedding II 1: 1( 1: 0). Börsenspiele: FIGB- Süden weilte in Spremberg und gewann mit 8: 2( 2: 0). Die beiden Altersmann Der österreichische Arbeiterathletenbund führte am Sonntag feine Meisterschaften im Ringen für Einzeltämpfer feine Meisterschaften im Ringen für Einzelfämpfer durch. Erwartungsgemäß errang Bien die Mehrzahl der Meistertitel, von einer ausgesprochenen Ueberlegenheit der Wiener gegen: über den Vertretern der übrigen Bundesländer war aber nie die Rede. Nachstehend die Sieger und Bestplacierten der einzelnen Gewichtstlassen: Bantamgewicht: Lagler( Graf) 0 Schlechtpuntie; Boininer ( Ling) 3 Schlechtpunkte; Stubin( Heeressportklab). Federgewicht: Schmied( Linz) 2 Schlechtpunkte; Sematon( Billach) 3 Schlechtpunkte; Brösenhuber( Linz). Leichtgewicht: Schlerf( Graft)% Schlechtpuntt; Lomaschi( Heeressportklub) 2 Schlechtpunkte; Belifan( Graff). Mittelgewicht A: Poppet( Graf) 2 Schlechtpunkte; Tunte( Heeressportklub) 2½ Schlechtpunkte; Czak( Straßenbahn); Weinberger( Graft). Mittelgewicht B: Feldstein( Graft) 1½ Schlechtpunkte: Moser( Wiener Neustädter Sportflub) 2 Schlechtpuntie. Schwergewicht: Riedmüller( Graft) 1 Schlechtpunkt: Sonnleitner( Ling) 2 Schlechtpunkte. Urlaub und Wochenende! Eine Tagung der Naturfreunde. Zur gleichen Zeit, wo am Uedersee bei Eberswalde das Richtefest am ersten Ferienheim der Ortsgruppe Berlin der Naturfreunde stattfand, tagte im Ferienheim der Ortsgruppe Magdeburg in Biederig eine Konferenz der Wanderaustunftstellenleiter der mitteldeutschen Gaue. Der stárke Besuch zeigte, wie brennend die Frage der Wanderauskunft in Berbindung mit der Organisierung von Urlaubsfahrten und Wochenendfahrten ist. Der Sonnabend brachte zunächst die Eröffnung der Konferenz durch Damniz und einen Bericht über die Tätigkeit der Wanderauskunft und Tourenausarbeitung. Aus dem Bericht wäre noch erwähnenswert mitzuteilen die gewaltige Ausdehnung der Arbeit auf diesem Geblet: Ausmuzung der Urlaubstage durch die Arbeiterschaft, Berbringung des Wochenendes in der Natur. Das Netz der Ferienheime hat sich bedeutend verdichtet, auch stehen eine größere Anzahl Privatquartiere in den verschiedensten Gegenden zur Verfügung. Die Wintermonate werden die Naturfreunde mit den vorbereitenden Arbeiten ausfüllen, so daß die Naturfreunde für die im nächsten Frühjahr an sie herantretenden Aufgaben gewappnet find. Die Debatte wurde mit Schilderungen der anwesenden Vertreter der anderen Auskunftstellen ausgefüllt, und hier kann besonders die Arbeit der Gruppe Leipzig erwähnt werden, die auf diesem Gebiet piel geleistet hat und über gute Erfahrungen verfügt. Zu dem Thema Urlaubsfahrten, Wochenendfahrten, Fahrscheinzusammenstellungen sprach Dreßler. In diesem Bericht wurden die Erfahrun gen, die durch die Veranstaltung der Ferienreisen und Wochenendfahrien gemacht wurden, eingehend geschildert. Der rege Zuspruch zu den Urlaubsfahrten der Naturfreunde zeigt, daß hier wertvolle Arbeit geleistet wird. Tausende von Werftätigen haben Gelegenheit bekommen, ihre wenigen Urlaubstage in besserer Weise auszumuzen. Auch wird der Fahrscheinzusammenstellung bei Ferienfahrten im So kann fest nächsten Jahre mehr Beachtung geschenkt werden. gestellt werden, daß diese Tagung in ihrem Sinne dazu beitragen wird, die Arbeit der Naturfreunde weiter zu fördern. Der Touristenverein Die Naturfreunde"( Reisebureau) veran staltet wie alljährlich auch in diesem Jahre an den Weihnachtss tagen eine Anzahl Gesellschaftsfahrten, und zwar eine Drei- und Fünftagereise in das Riefengebirge, vom 25. Dezember bis 27. resp. 29. Dezember. Aus dem Programm der Reise ist mitzuteilen: Schreiberhau ist Standquartier. Wanderungen werden unternommen nach dem Kamm zur Schneegruben- Baude, alte Schlesische Baude, Kochelfall, Agnetendorf, Hoher Iserlamm, Hochh stein. Eine mehrstündige Schlittenfahrt ist vorgesehen. Eine weitere Reise führt auf 2% und 8% Tage in den Harz. Bom 24. Dezember bis 26. refp. 1. Januar 1930. Bon Wernigerode werden Banderungen veranstaltet über Steinerne Renne zum Brocken, Ilfefälle und 3lfenburg. Für Teilnehmer, die an der Fahrt bis zum 1. 3amuar teilnehmen, werden Wanderungen von Bad Harzburg ins Ofertal, nach Goslar und durch die schönen Täler des Nordharzes unternommen. Zum Reichs Wintersport Ireffen in Immenstadt( bayerisches Allgäu), das vom 24. bis 26. Dezember dauert, können sich Teilnehmer melden. Nähere Austunft und Uebersendung des Sonderprospeties( Rückporto) durch das Reisebureau des Touristenvereins Die Naturfreunde", Berlin M. 24, Johannisstraße 14/15, geöffnet von 17 bis 20 hr. Telephon: Norden 4177. # Arbeiterschach! In der zweiten Runde des Mannschaftsturniers, Lichtenberg- Grimau- Faltenberg, Lichtenberg, Wühlischstraße 36; B Gruppe, spielen Sonntag, 10. November, vormittags 10 Uhr: Siemensstadt- Neuköln I, Lokal Hesse, Simensstadt, Siemensstraße 34; Memet- Weißensee I, Lokal Luce, Memeler Straße 10; Moabit- Humboldthain, Lokal Streng, Alt- Moabit 13. stadt 7: 3, Neukölln- Lichtenberg 9: 1, Grünau- Humboldthain Resultate der ersten Runde: Weißensee- Siemens5: 4( 1 H), Memel- Moabit 4: 6. Resultate sofort an Hans Groß, Rosinenstr. 6, erbelen. Bundesreue Vereine teilen mit: Freie Faltbootfahrer Berlin. Babeabend jeden Sonnabend unt 19 Uhr im Stadtbab Gerichtstraße( tleine Salle). Conntag, 10. November, Wanderung nach intentrua- Belten. Abfahrt 8 Uhr Lehrter Bahnhof. 8,04 Uhr Butlikftrake. Führer: Sieg. Gäste wifffommen. Mittwoch, 13. November, 19% Uhr. Filmvorführung des Kartells Wedding. Berufsschule Grünthaler Str. 5. Kostenlofe Karten bei Bennia, N. 20, Uferitr. 18. Einzelfahrer, I. Kreis, Donnerstag, 7. November, 20 Uhr, Gihung, OhmStraße 2. Tagesordnung: Bortrag. Bereinsangelegenheiten, Fidelitas. Gäste willkommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Vom Berufssport. Die sechs Tage. Goossens- Deneef an die Spitze. Als heute morgen um 6 Uhr die Neutralisation eintritt, find auf der Bahn im Sportpalast 2587,190 Kilometer zurückgelegt. Der Sportliche Berlauf und das Ergebnis der fünften Nacht können nur bedingt befriedigen. 3u schnell, d. h. oft ohne regelrechten Kampf, werden Runden gewonnen oder verloren. Aus irgendeiner Position schießt plößlich ein Fahrer vor, und ehe die anderen es sich über legen, ist der Ausreißer schon weit weg und vollzieht so seinen Rundengewinn. Derartige leberrumpelungsrunden gab es in der fünften Nacht sehr oft. # H Nachdem die Nachmittagstunden des Dienstag ruhig verlaufen waren, strengten sich die Fahrer auch in den Abendstunden nicht sonderlich an. Alle reservierten ihre Kräfte für die vorletzte Nacht, bie den bisherigen Stand einschneidend verändern sollte. Im fiebenten Spurt der 10 Uhr Abendwertung ging es mit Tonani los. Das Ergebnis dieser Jagd haben wir im Morgenblatt mitgeteilt. Um 11% 1hr holten sich Louet- Mouton abermals eine Runde zurück, hatten also nur noch zwei Berlustrunden zu verzeichnen. Dann folgte Borstoß auf Borstoß, Rundengeminn und Rundenverlust... Aber, wie schon erwähnt, ohne viel Kampf. Die Belgier Aber, wie foon erwähnt, ohne viel Kampf. Goofiens Deneef, deren Frische wir im geftrigen Abend bericht hervorhoben, waren schließlich die Ruznießer der ingelegen. heit. Seiten sie sich doch noch vor Beginn der 2-11hr Nachtwertung allein an die Spize. Das Gelb ging einfach nicht nach. Auch bie Spurts waren nicht sonderlich umfämpft. Bei einer neuen Jagd stellten Gooffens- Deneef ihre Frische erneut unter Beweis, indem te abermals eine Runde aufholten und nun mit zwei Runden BorSprung in der Führung lagen. In der vierten Morgenstunde stießen die Spizenreiter noch einmal vor. Tiez- Petri waren sofort hinter. her. Der Borstoß schien Erfolg zu versprechen, als ein Maffen. sturz zur Neutralisation zwang. Tonani- Negrini hatten allerdings eine Runde verloren. Kroschel 116; Dorn- Maczinsky 78; brei Runden zurüd: KrügerFunda 274; Betry- Tieß 217; Hürtgen- Miethe 91; vier Runden zurüd: Louet- Mouton 145; Manthey- Schön 102; fünf Runden zurück: Wauters- Bermandel 62; acht Runden zurück: LehmannBiffel 80; zehn Runden zurück: Tonani- Negrini 92 Punkte. Der ,, Ständige Boxring" bielet: Nach seinem Punktsiege über den Leipziger Pönisch wird der ehemalige Amateurmeister Stibinfti- Bochum am Freitag, 8. Nopember, in den Berliner Spichernsälen vor eine neue Aufgabe ge= stellt. Er hat sein können gegen den wendigen Hamburger Friz Kracht unter Beweis zu stellen. Paul Road, der entthronte Meister der Federgewichte, bereitet sich intensiv auf die Begegnung mit dem Belgier Moreau vor, der seit 1928 Berufsboger ist und als solcher noch feinen Kampf verloren hat. Der Königsberger Helmut Schulz bort mit dem Leipziger Dörfer und im Qualifikationskampf trifft ist mit dem Engländer Ch. Tonner gepaart worden, J. Zicho- Hammi der Kölner Prawit mit dem Berliner, Rib Roberts" zusammen. Aus der Industrie. Ein Chrysler läuft und läuft...! Ein bemerkenswertes Experiment veranstaltet die Chrysler Company mit einem ihrer Autos. Seit dem 25. September, nachmittags um 5 1hr, läuft ein ferienmäßig hergestellter Bagen des Modells 65" ununterbrochen auf der Anus am Kaiserdammt, ohne daß während dieser Zeit der Motor angehalten worden wäre. Gestern nachmittag gegen 6 Uhr hatte der Wagen 50 000 Stilometer zurüdgelegt, und noch hat sich fein Defett am Motor aber Wagen gezeigt. Brennstoffverbrauch, Reifenverschleiß, Rühlwasserwechsel wurden streng fontrolliert. Nur zum Tonfen von Betriebsstoff, Del nber Baffer wurde der Wagen nicht der Motor angehalten; es ergab sich ein Bezinverbrauch von etwa 13 Litern und ein Delfonfunt pon 0,29 Litern für 100 Kilometer. Der Motor hat ein 3ylindervolumen non 3 Litern. Vierzig Tage und ebenfaniel Nachte lief ter Motor gestern nachmittag. Mit etwa 50- Kilometer Stundengeschwindigkeit zieht er auch jetzt noch seine Bahnen, die Fahrt foll bis zum Defetimerden eines lebenswichtigen Teiles fortgefeht werden. Eine unparteische Kontrolle forgt für einen einwandfreien Verlauf der Material- und Maschinen. Der Stand des Rennens nach 104 Stunden( 6 Uhr früh): Spite: Goossens- Deneef 143 Punkte; zwei Runden zurüd: Ehmer- prüfung. Herbst und Winter Theater, Lichtspiele usw. Mittwoch, 6. 11. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 242 19 Uhr Aida Mittwoch, 6. 11. Städt. Oper Bismarckstr. Turnus III 18 Uhr Meistersinger Von Nürnberg Staats- Oper Staatl. Schausph. Am Pl.d.Republ. Vorst. 78 20.Uhr Jphigenie am Gendarmenmarkt A.-V. 214 20 Uhr Hans im auf Tauris Schnakenloch Staatl. 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