BERLIN Sonnabend S. November 1929 10 Pf. 71t. 528 B 263 46. Jahrgang Erscheint ti glich außer So««tag<-»\/ // i AuttlgenpreiCDie einspaltiz« Nonp-reilltjeilt Zugleich Abendauegab. de-.vorwärts'. Sejug-rrerS" J s- fl/ fA. F.. Jl t 80 Pf.. Reilam-ieil- 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. beide Ausgaben Sä Pf. pro Woche, s.soM. pro Monat. �\\�\JC(/�QilXrP CLCö§9\r€/rWtXrt9& Postscheckkonto: Borwätt-�erlag G. m.b.H� Redaktion und Expedition; DerlinSW68,Llndenstr.3/ Gss Berlin Nr. 27 sss. Fernsprecher: Dinhvff 292 bit ZS? Oer Oeruffa- Sumpf. Millionenbetrügereien bei der russischen Handelsvertretung. Die Mehrheit für Tardieu. Vertrauensvotum mit 522 gegen 255 Stimmen. 3u den Aorrwptionsaffären. die mit der deutsch» russischen Filmgesellschaft„Derussa" und der Zowjethandelsvertretung zusammenhängen, wird uns von informierter Seite noch geschrieben: Der„Vorwärts" hat heut« fruh kutz liber den Verlauf der ersten Gläubigerversammlung dtr In Konkurs geratenen deutsch-- russischen Film-Alliance A.-G.(Derüssä) berichtet.' Wie sich aus den Feststellungen des Konkursverwalters'ergibt, hat in diesem Unter- nehmen ein« geradezu tolle Mißwirtschaft geherrscht. Die Russische handelsverirelung verliert ollein au der Derussa rund zwei Rlilllonen Marl. dazu kommen aber noch außerordentlich hohe Beträge, die über andere Abteilungen der Handelsvertretung- g«lausen sind. Die staatsanwaltschaftliche Untersuchung, die jetzt eingeleitet worden ist. wird sich also nicht allein auf die- Vorgänge' bei der Derussa be- schränken können, wenn volle Klarheit über die bei der Russischen Handelsvertrewng vorgekommene» Betrügereien geschassen loerden soll. Allerdings ist es zweifelhaft,- ob die- Handelsvertretung und die sowjitrufsische Regierung ein besonderes- Interesse daran hoben. diese Klarheit herbeizuführen. Wahrscheinlich läßt man es bei der Untersuchung, die von einem besonderen Vertrauensmann Mostaus in der Handelsvertretung durchgeführt wird. Was die Derussa an- langt, so war, wie wir schon früher mitgeteilt haben, der Haupt- aktionür Herr Georg S kl arz, der seine-Ph oe n i x- Filmgesell- schast mitbrächte. Die Derussa sollte den Vertrieb der staatlichen Filmproduktion Sowkina übernehmen,- sie mußte-aber nach den be- stehenden VorschriHei, zu gleicher Zeit auch deutsche Filme vertreiben. Vertrauensmann der Handelsvertretung wurde Herr Z ö h r e r. der Leiter der Photokino-Abteilung. Herr Zöhrer hatte versprochen, daß er sich mit dem nicht ganz kleinen Gehalt begnügen würde, das er in der Handelsvertretung bezog. Er ließ sich aber trotzdem von der Derussa Z000 Mark Monatsgehalt zahlen, dazu kam noch ein Urlaubsgeld in höhe von 3000 Mark und„Spesen", die im Monat bis zu 2000 Rlark betrugen. Wieviel seine sonstigen buchmäßig nicht festgelegten Einnahmen be- trugen, Ikis wird, wenn überhaupt möglich, nur durch den Konkursverwalter und den Staatsanwalt zu ermitteln sein. Dieser Zöhrer slamml aus Oesterreich, nach dem Kriege trat er in die Rot« Arme« ein. er galt als ein tüchtiger Revolutionär und seinen besonderen Verdiensten- um Sowjetrußland hat er es zu danken, daß er den Posten in Berlin erhielt. Enge Freundschaft verknüpfte Herrn Zöhrer mit einem anderen Direktor der Derussa, Herrn Dr. P o p p, einem Vetter von Sklarz. Dieser Popp hatte die gleichen Bezüge wie Zöhrer, dazu kamen aber außerordentlich hohe Reisespesen. So liquidierte er allein für ein« kurz« Fahrt nach London 3000 Mark. An anderen Rcisespesen sind Zehntausende von Mark ausgezahlt worden. Popp machte aber auch noch andere Geschäfte mit der Denissa. Wenn die Gesellschaft kein bares Geld hatte, dann wurden ihr von Vorstandsmitgiic!>«rn, besonders von Herrn Popp. „Darlehen" gegeben, wofür sie außerordentlich hohe Zinsen zahle« Muhle, die nicht«Ar lag«- weise, sondern sogar stundenweise berechnet wurden. Ts besteht der dringende Verdacht, daß diese Darlehen gar nicht von den Vorstandsmitgliedern gegeben, sondern aus der Kasse der Derussa selbst entnommen worden sind. Dieses Geschäft„M sich" hat der Derussa schweres Geld gekostet. Der dritte im Bunde ist Herr R o m i n. gleichfalls«in verdienter Kommunist. Er wurde von der Handelsvertretung als ihr Ver- trauensmann in den Aufsichtsrat der Derussa entsandt, und auch er hat nach dem Motto gehandelt: Bereichert euch! Es wurden S e k t g« l a g e veranstaltet, die„Vertrauensleute" waren eifrige Besucher der Rennplätze, wo natürlich hoch gespielt wurde, kurzum. es fehlte nichts, was zu den Vergnügungen der„Bourgeoisie" gehört. Es fehlten auch nicht die neuen Autos, die auf Kosten der Derussa gekauft wurden. Als Besonderheit mag nach erwähnt werden, daß die Derussa Herrn Georg Sklarz, der mit dem Ge- schäftsb'etrleb nichts zu tun hatte, für seine persönlichen Zwecke ein Auto zur Verfügung stellte!. � � Wie sind nun die Geschäft« gemacht worden? Daß der Vorstand wertlose Filme angekauft hat. mag auch bei anderen Gesellschasten vorgekommen sein. Hier aber hat man schon Film« bezahlt, deren Produktion noch gar nicht begonnen hatte. In mehreren Fällen. in denen die Filme gor nicht abgeliefert worden sind, hat man die bereits gezahlten Gelder einfach gestrichen. Sie sind höchstwahrscheinlich in den Taschen der Vertrauensleute verschwunden. Andere Geschäfte wurden auf folgende Art gemacht: Ein Produzent bot einen FilMj sogen wir zu 1000 Dollar, an. Der Ankauf wurde (Fortsetzung auf der 2. Seite.) Pari», 9. November.(Eigenbericht.) Der sranzösische Ministerpräsident betonte im Zlerlaus seiner RÄ>e vor der Kammer, daß er mit Briond über den Kurs der Außenpolitik völlig einer Meinung sei. Auch die schwantenden parlamentarischen Mehrheiten könnten in dieser Hinsicht nichts än- dern. Das Ministerium Briand sei in erster Linie gestürzt, weil die Kammer befürchtet habe, daß Frankreich sich zu einer Räumung der dritten Zone hinreißen lasse» werde, ohne daß die vorgesehenen Bedingungen erfüllt seien. Die Truppenbewegungen, die im Rhein- OeutschnationaleS Gklarekgeld. »Schöne Wahlpropaganda. Aber, Herr Laverenz, die Kosten, die Kosten...!* »Keine Sorge! Ein paar Tausender haben wir Deutsch« nationalen noch ans der Sklarekipende übrig." lande vorgenommen würden, hätten den Eindruck einer Räumung der dritten Zone erwecken können. In Wirklichkeit sei der Besohl für die Räumung der dritten Zone nie gegeben worden. Jede Interpretation, die in diesem Sinne gegeben worden wäre, sei falsch. Der Endtermin der Räumung werde beginnen, nachdem der Uoung-Plan ratifiziert und in Gang gesetzt worden sei. Was den Endtermin vom 30. Juni für di« Räumung betreffe, so sei zu sagen, daß. als die Haager Vereinbarungen paraphiert worden seien, niemand den Tod Stresemanns und die französische Mmisterkrii« vorausgesehen habe. Es sei aber selbstverständlich, daß in der gegenwärtigen Situation, da keinerlei Ratifizierung bisher erzielt worden sei, die Frist noch nicht zu lausen begonnen habe. Man habe Frankreich vorgeworfen, es nütze seinen Sieg zu bescheiden aus. Dies sei insofern richtig, als niemals seit dem Sieg«, unter keiner Regierung, nicht einmal unter Clemenceau, Frankreich das Spiel von 1871 gespielt hob«.(Ruhrgeliiet! Red d.„D.") Frankreich habe es vorgezogen, eine Politit der Wieder- Versöhnung und des Friedens zu treiben. Tardieu schloß sein« Red« mit innerpolitischen Betrachtungen und mit einer Warnung an die Linke und an die Recht«, da- M!- nisterium zu stürzen. Wenn die Link« es stürze, so stürz« sie gleich- zeitig di« Außenpolitik Vriands, und wenn die Rechte gegen Briand stimme, so stimm- sie gleichzeitig gegen das Kabinett Ackiziq Stimmen Mehrheit. Die Kammer, die bis heule morgen um 5 Uhr lagle. sprach dem Kabinett Tardieu mit 332 gegen 253 Stimmen da» vertrauen oo». Die Kammer vertagte sich dann aus Dienstag. Zm verlaus Öo Sitzung nahm unter anderem auch Tardieu noch einmal da» worL Um 4 Uhr 30 früh stimmte die Kammer über die von dem Abgeordneten Thomson(radikale Linke) eingebrachte Tagesordnung ab. die der Regierung unter Ablehnung jede» weiteren Zusähe» da» Vertrauen ausspricht. Die Abstimmung ergab 332 Stimmen für und 253 Stimmen gegen die Tagesordnung Thomsons, also einen Sieg der Regierung mit 7g Stimmen. Der sozialistische Abgeordnete Uhry schlug zu dieser Tagesordnung einen Zusah vor, der die Laienpolitik ausdrücklich festlegen soll. Mlnislerpräsident Tardieu lehnte die» ab und stellte gegen den Zusah die Vertrauensfrage. Der Zusah wurde darauf mit 327 gegen 25(5 Stimmen abgelehnt.- Neuer Mord in Düffeldorf. S jähriges Mädchen mit durchschnittener Keble aufgesvnden. Düsseldorf. S. November. Die seit Donnerstag vermißte fünfjährige Gertrud Albermann ist heute morgen in der Lenaustraße mit durchfchniliener kehle tot aufgefunden worden. Reichskabinett und Monopol. Die Streichholzvorlage verabschiedet. Da» Reichstabinelt verabschiedete in seiner heutigen unter dem Vorsitz de» Reichskanzlers abgehaltenen Sitzung den Entwurf des Z L a d w a renmonopolgesehe», mit welchem die Anfnahnw einer Anleihe von 125 Millionen Dollar verbunden ist. Der Enl. wurs gehl nunmehr an den Reichswirtschast«rat zur Begutachtung. Ein neuer Bank-Zusammenbruch. DaS Flnanzinstitut des Reichsbundes der höheren Beamten. Die zusammengebrochene Bank für deutsche Beamte hat nun auch ein andere» Beamtenbankunlernehmen mit in» verderben gezogen. Da» selbständige Finanzinstitut de» Reichsbundes der höheren Beamten, die Reichsbundbank A.-G., die mit einem Atlienkapi- tat von 620 000 Mark arbeitet und 11 Millionen Mark Einlagen Halle, hat ihre Zahlungen eingestellt. Der Zusammenbruch dieser Beamtenbank, die einen recht regen Geschäftsverkehr aufwies, ist nicht nur durch die allgemeine Beiinrufi- gung der Beamtenschast infolge der letzten Vorgänge innerhalb der Bcamtenwirtjchost infolge der letzten Vorgänge innerhalb der Ve- amtenwirtfchast oerursacht worden, sondern es find dafür auch noch andere, und zwar politische Gründe maßgebend. Der Reichs- bund der höheren Beamten, aus dessen Mitgliedern hauptsächlich die Kunden der Reichsbnndbank bestehen, hatte nämlich fast als ein- zig« Beamtenorganisation keine Stellung zu der Frage des Volksbegehrens genommen. Aus diesem Grunde wandten sich— wie die BS.- Korrespondenz wissen will— jaljfreiche Mitglieder von dieser Organisation ab und erklärten ihren Austritt, wobei sie gleichzeitig auch die Konten bei der Reichsbundbank kündigten. Der allgemeine Run. der infolge des Zusammenbruchs der Bank sllr Deutsche Beamte auch bei den übrigen Beaintenfinanzmstituten einsetzte, da die Ein- leger in großer Sorge um' ihre Ersparnisse waren, verschlimmert« dann die augenblickliche Illiquidität, so daß schließlich, als auch von anderer Seite keine Mittel zur Verfügung gestellt wurden, die Er- öfsnung eines gerichtlichen Bergleichsocrfahrens beantragt werden mußte. Die Reichbundbank Halle über das ganze Reich hin Geschäfts- Verbindungen: allerdings unterhielt sie kein eigenes Filialnetz, sondern stand mit namhaften und äußerst zuverlässigen Banken, so mit der Bayerischen Landesbank und anderen st a a t» lichen und provinziellen Finanzinstituten in Se- schäfisverkehr. Auch zahlreich« Gehälter wurden von den Behörden für die Beamten an die Bank und ihr« Abschluhinstitute überwiesen. Die Bank steht unter der Leitung des Präsidenten Pauli, eines ehemaligen höheren Beamten der Provinzialoerwallung. und ein-s banktechnisch vorgebildeten Direktors Haaje-Mühlner. Ein Lleberiritt. Aber S-10O0 neue Mitglieder der sozialdemokratischen Partei. Oer Sumpf der Oeruffa. (Fortsetzung von der 1. Seite.) abgelehnt, trotzdem aber nach Moskau berichtet, dah nmn«inen sehr wertvollen Film für billiges Geld haben könne. Nach einiger Zeit wurde dem Verkäufer gesagt, daß man das Geschäft für 200 Dollar machen wolle, nach Moskau aber teilte man mit, daß der Film jetzt 2000 Mark koste. Auf solcher Basis kam dann das Geschäft zustand«, die Differenzbeträge führten die„Ver- trauensleute� sich selbst zu. Ganz schlimm waren die Methoden, nach denen die Handelsvertretung bei der Inanspruchnahme von Geld- mittel» geprellt wurde. Es sind Quittungen über Zahlungen an Firmen vorgelegt worden, die gor nicht existierten. Besonders dunkel ist der W e ch s e l v« r k e h r, der sich zwischen der Derussa und der Handelsoerlrewng entwickelt hatte. Man berech- nete dabei Diskontsätze, die bis auf lLS Proz. im Jahr hinausgingen. Es wurden Echeingeschäfte über den Kauf von Filmen ab- geschlossen, die in Wirklichkeit niemals abgeliefert worden sind. Das Tollste aber ist, daß Herr Popp, nachdem er aus der Derussa aus- scheiden mußte, in den gleichen Geschäftsräumen ein eigenes Unternehmen ausmachte! Wir haben schon erwähnt, daß dies« Betrügereien stch nicht auf die Derussa und die Photokinoabteilung beschränken, sondern daß sie auch auf andere Abteilungen der Handelsvertretung übergegriffen haben. Soweit es stch um die Staatsanwaltschaft und den Konkurs- Verwalter handelt, dürfte jetzt der Derusja-Suinpf trockengelegt werden. Es bleibt abzuwarten, was die Sowjetrussen jetzt bei den anderen Abteilungen der Handelsvertretung unternehmen werden. Dürfen wir annehmen, daß�ie deutschen Kommunisten, die so eifrig nach Korruption bei anderen schnüffeln, ihre Nase auch den üblen Düften zuwenden, die der russischen Handelsvertretung in Berlin ent- strömen? Festzustellen ist, daß die kommunistische Presse den De- rusfa-Skandal bisher totgeschwiegen hat' Sabotage der englischen Zechenbesiher. Sie Herren werden ihr Spiel aufgeben müssen London, 9. November. Laut„Daliy News" sieht das Kabinett die Lage, die durch die Weigerung der Zechenbesitzer, mit den Bergarbeitern in eine Be- sprechung einzutreten, entstanden ist, als ernst an. Es wurde den Ministern zum Ausdruck gebracht, daß keine Hoffnung daraus bc- steht, daß die Aechenbesttzer ihre Haltung ändern werden, und das Kabinett geht daher in der Voraussetzung vor, daß alles, was es unternimmt, ohne Zustimmung der Zechenbesitzer geschehen wird. In manchen Kreisen hofft man jedoch immer noch, daß Mittel und Wege gefunden werden, um die Zechenbesitzer zur Raison zu bringen. «- Der Bcrgbauausschuß der Regierung hat die Vertreter der Grubenbesttzervereinigung und der Bergarbettergewertschaft zu wetteren Verhandlungen für den kommenden Dienstag einge- laden. Am gleichen Tage finden auch getrennte Besprechungen der Grubenbesitzervereinigung und der Bergarbeitergewertschaft statt. An den kommenden Verhandlungen wird Romsay Macdonald einen stärkeren Anteil haben. Proteste gegen den Rüpel. Sejmmarschall vnd Kriegsminister. Warschau, 9. November. Der Sejminarschall Daszynsti, der wegen fetter Weigerung, die Sejmsesston in Anwesenheit von bewaffneten Offizieren zu eröffnen, vom Marschall Pilsudski bekanntlich in sehr beleidigender Weise bc- handelt worden ist, richtet an die polnische Presse eine Zuschrift, in der er seinen Dank für die ihm zugegangenen zahlreichen Sympathiekundgebungen von einzelnen Persönlichkeiten und ganzen Organisationen ausspricht. Er begrüßt diese Aeußerungen als„einen kraftvollen Protest geg«n dl« triumphierende Rüpelei" und als einen Beweis dafür, daß man sich in Polen aus den Feffcln der Liebedienerei frei zu machen beginne und daß ein.Gefühl brennender Scham vor den freien Menschen in der ganzen Well" in Polen zu erwachen scheine. In den Kreisen der Sejnwpposition gilt es als ganz sicher, daß in der nächsten Sejmsitzung, das heißt Anfang Dezember, das an- gekündigte Mißtrauensvotum sofort eingebrocht werden wird. Es hat folgenden Wortlaut:„Da der Sejm kein Vertrauen zu der gegenwärtigen Regierung hat. so fordert er auf Grund des Artikel 58 der Verfassung ihren Rücktritt." Unterzeichnet wird dieser Antrag von den Sejmfraktionen der Sozialisten, der Wyzwolenie, der Bauernpartei, der Piast-Partei, der Christlichen Demokralen und der Nationalen Arbeiterpartei. Bestrafung der Hugenberg-preffe. Wegen Verleumdung Hennann Wendelt. Der„Berliner Lokal-Anzeiger" hat am 21. August v. I. eine Aeußerung des„Neusatzer Volksblattes" in Südslawien abgedruckt, wonach der deutsche sozialdemokratische Schriftsteller Hermann Wendel in Agram von keinem Mitglied« der Raditsch- Partei empfangen worden sei und der kroatische Abgeordnete Dr. Krnjewitsch geäußert hätte, Wendel sei aus dem Belgrader DIs- posttionsfonds bezahlt. Wendel hat den.Lokal-Anzeiger" verklagt. Die Verhandlung war schon einmal vertagt worden, um den Dr. Krnjewitsch als Zeugen zu vernehmen. Das ist aber nicht gelungen, zumal er. a u s Kroatien geflüchtet und unauffindbar ist. Wendel hat ihn wiederholt in Zeitungen einen Verleumder genannt. um ihn zur Klage zu veranlassen, aber auch das ohne Erfolg Der angeklagte Redakteur John machte vor Gericht die Mit- teillmg, daß die betreffende Notiz von dem Redakteur I. W. Harnisch bearbeitet worden sei. Harnisch wurde als Zeuge vernommen und gab unaufgefordert zu, daß die Notiz den Vorwurf der Bestechlichkeit enthallc. Die Hugenberg-Knappen wollten aber die ganze Verantwortung dem Neusatzer Blällchen überlassen und redeten sogar von Heuchelei und Feigheit Mendels, weil er nicht das Neusatzer Blatt verklage. Wendel stellte dazu fest. daßinIugoslawieneinWahr» heitsbeweis bei Beleidigungsprozessen fast unmöglich ist, ihm aber gerade an dem Wahrheitsbeweis liege. Diesen anzutreten, versuchten die Hagsnberger gar nicht. Sie beriefen sich dagegen auf einen Artikel, den Wendel vor kurzem im„Tagebuch" --crösjentlicht hat. Darin verurteilt«r die jugoslawisch« Diktatur aus is schörffte.«kamt aber an, daß das Gesetz vom 3. Oktober. In der kommunistischen Presse herrscht lauter Jubel. Von den Millionen sozialdemokratischer Wähler und Wählerinnen ist«ine Person zur KPD. übergetreten. In eiirem fulminanten Offenen Brief teill die Abg. Frau Reese aus Hannover mit, daß sie es in der Sozialdemokratie nicht mehr ertragen könne und bei den Anhängern Mostaus Unterschlupf suchen müsse. Die Begründung für diesen Schrttt, wie sie in der„Roten Fahne" abgedruckt ist, stammt ganz offensichtlich aus der kommunistischen Küche. Denn es gibt da Behauptungen, die so offen unehrlich sind, daß wir Frau Rees« — trotz ihres Schrittes— nicht als ihre Urheberin ansehen möchten. Frau Reese reichte noch vor kurzem, als die Reichsiagsfraktion zusammentreten sollte, zur Erklärung ihres Fernbleibens ein örzt. liches Attest folgenden Wortlauts ein: »Frau Reese war in den letzten Wochen in meiner Behand- lung. Ich halte einen mehrwöchigen Aufenthalt im Gebirge für unbedingt notwendig. Geistige Beschäftigung hatte ich zurzeit für schädlich." Im übrigen scheiitt der Austritt der Frau Reese mehr Begrün- dung in persönlichen Verhältnissen zu finden, über die wir in ihrem Interesse nichts näheres sagen brauchen. In Hannover, wo Frau Reese im vorigen Jahre in den Reichstag gewählt wurde, ist sie seit etwa zwei Iahren ansässig. Sie hat also sehr bald Gelegenheit gefunden, innerhalb der Sozialdemokratie ihre Tätigkeit an vorder- ster Stelle zu entfalten. Noch vor drei Tagen übernahm sie ein Referat zu einer Frauenversammlung in Nienburg(Weser) über die Frag«:„Warum müssen die Frauen sozialdemokratisch wählen?" Statt dessen läßt sie jetzt kommunistische Flugblätter oerteilen mit der Erklärung, warum sie zur Kommunistischen Partei gegangen sei! In der Parteiorganisation ist Frau Reese, die aus einer katho- tischen Lehrerfamilie stammt, im Kloster erzogen wurde und selbst das Lehrerinnenexamen abgelegt hatte, niemals in einer grynd- sätzlichen Opposttionsstellung aufgetreten. Nur bei der Panzer- k r e u z e r f r a g e hat sie gelegentlich ihre abweichende Meinung zum Ausdruck gebracht. Das hat sie aber nicht gehindert, in der R e i ch s t a g s f r a k t i 0 n, als die Einladung des Reichswehr- Ministers zur Teilnahme an der Einweihungsfahrt eines neuen Kriegsschiffes vorlag, stch als erste zur Teilnahme zu melden. Da ihr dieser Wunsch, auf einem Kriegsschiff zu fahren. nicht erfüllt werden konnte, war sie begreiflicherweis« verschnupft. In übrigen hat Frau Reese in der Reichstagsfraktion nie- m a l s sich im Sinne einer grundsätzlichen Opposition ausgesprochen. Ihre neue Ueberzeugung muß also sehr schnell gewachsen sein. Da sie jedoch mehr Individualistin als Sozialistin und mehr„Frauen- rechillerin" als Arbeitsrechtlerin ist, ja wird sie in der Kommunisti- scheu Partei wahrscheinlich nicht lange geduldet werdcn * Frauen und Sozialdemokratie. Unter den vielen falschen Behauptungen, die Frau Reese wahrscheinlich wegen des ärztlichen Verbots geistiger Bc- schäftigung nur unterschrieben hat, steht auch die, daß in der Sozial- demokratie eine«vollkommene Geringschätzung des Befreimigs- kampses der Frau" herrsche. Diese Behauptung wird von der kam- munistischen Zentrale wieder zu Wahlzwecken veröffentlicht und verbreitet. Wir antworten darauf, indem wir die Tatsachen sprechen lassen: Zw Reichslog sitzen insgesamt 33 Frauen, darunter allein 20 Sozialdemokratinnen! Um es ganz genau zu sogen: � 153 Sozialdemokraten, davon 20 Frauen: Lore Agnes- Düsseldorf: Marie A n s 0 r g e- Waldenburg: Marie A r n i n g- Magdeburg: Klara B 0 h m- S ch u ch- Berlin: Marie Ju cha cz- Berlin: Marie K u n e r t- Berlin: Nanny Kürfurst-Kiel: Anna Nemitz-Berlin: Antonie Pfülf- München: Maria Reese- Hannover: Johanne Reitze-Ham- bürg: Luis« Sch iff g« n s- Aachen: Adel« Tchreiber-Krie- g er- Harburg: Louise Schröder- Altona: Berta Schulz- Herne: Tony S« nd« r- Dresden: Anna Siemfen-Jcna: Anna Stegmann-Dresden: Klara W e i ch- München: Mathilde Wurm- Berlin. wodurch Jugoslawien zum Einheitsstaat gemocht wird, nützlich und so etwas allerdings auch für Deutschland wünschenswert wäre. Als nun der Angeklagte es fertig brachte, hieraus eine Lobpreisung der jugoslawischen Diktatur herauszulesen, meinte Wendel halblaut, eine solche Frechheit sei ihm noch nicht oorgekom- m en. Gierig stürzte sich der Angeklagte auf dies« Möglichkeit, seine Bedrängnis durch eine Widerklage zu lindern. Wendel gab Aufschluß darüber, daß er— ebenso wie zahlreiche andere Iour- nalisten— für Reisen in Südslawien frei« Fahrt, einmal auch ein Auto geliehen bekommen habe, wobei allerdings die Bezahlung für Uebernachten und Verpflegung der zwei Chausfeur««ine ganz schone Belastung war: Wendel betonte ober, daß er selbstverständlich voll- kommen unabhängig von jedermann, so auch von der Belgrader Regierung ist. Nach langer Beratung oerkündete der Cinzelrichler in Berlin- Lichterfelde, daß der Angeklagte, Redakteur John, wegen übler Nachrede zu 300 Mark, sowie zur Urteilspublikation im „Lokal-Anzeiger" und in der„Frankfurter Zeitung" verurteill wird, Wendel wegen wesentlicher Beleidigung zu 30 Mark und ebensolcher Urteilspublikation. Don den Prozehkosten hat der Verurteill« neun Zehntel, Wendel«in Zehntel zu trage». Die Begründung, die den Ausführungen des Klageanwalts Landsberg folgt, hebt hervor. daß für die zugestandene schwere Beschuldigung der Bestechlichkeit kein Beweis erbracht sei und hier- auf auch nicht der 8 193 Anwendung finden könne. Der Wider- klage mußte stattgegeben werden, weil ein« formale Beleidigung gebraucht wurde, die aber im Bergleich zu der schweren Beschuldigung des Privatklägers geringfügig war. Oer Stahlhelm im Rheinland. Von de? Auflösung nicht überrascht. Baun. 9. November.(Eigenberichl.) In einer Wählerversammlung n rächte Reichs tag sabgeordn etcr Sollmann am Freitag abend Mllteilungen aus einem Geheim- zirkulär des Stahlhelms an seine Unterführer in Rhein- land und Westfalen. Danach ist die Leitung des Stahlhelms durch das Verbot der Stahlhelmorganisation in Rheinland und West- salen keineswegs überrascht worden. 54 Kommunisien, darunter 3 Frauen: Martha A r« nds ee- Berlin: Hrl«"« Overb a ch- Berlin: Klara Zetkin- Stuttgart. 70 Deutschnationale, darunter 2 Frauen: Annogrete L« hma nn- Berlin: Paula M üll e r- O t f r ied- Hannover. 61 Zentrum, davon 3 Frauen: Agnes Neu haus- Dortmund: Christine T eus ch-Köln: Helene Weber- Berlin. 45 Deutsche Bolkspartei, davon 2 Frauen: Doris Hartwig-Bunger: Elfe Matz- Stettin. 25 Demokraten, darunter 2 Frauen: Gertrud Bäumer-Berlin: Marie Lüde r s- Berlin. 17 Bayerische Bolkspartei, darunter 1 Frau: Thusnelda Lang-Brumann- München. Wenn die Frau Rees« jetzt zur KPD. hinüberwechsell und ihr Mandat sozialdemokratischer Wahler bei den kommu- nsstischen Rodauhelden ausüben will, so wird das überragend« Verhältnis der Vertretung der sozioldemokrati- schen Frauen dadurch in nichts verändert. Aus den Tat- fachen kann jede Frau entnehmen, wo in Wirklichkeit die Rechte der Frauen voll gewahrt werden und wo nicht. Sie werden daraus die Lehre am 17. November ziehen! Fünfzigtausend für eine! Welche gering« Gesamtwirkung der Uebertritt der Frau Rees« haben wird, zeigt am besten die Aufstellung der in den letzten vier Wochen für die Partei ne»gewonnenen Mitglieder. Es sind insgesamt 51 363. darunter 10 444 Frauen. Aus die einzelnen Parteibezirke verteilen sich diese Neuaus- nahmen folgendermaßen: Bulgarischer Schandprozeß. Llnschuldige in« Zochthov«! Sofia, S. Noosrnber.(Eigenbericht.) Das Philippopeler Kreisgericht Hot von den sieden Bauern aus Airen«. die am ö. Juni d. I. ein Attentat gegen den Ministerprost- denten L i 0 p t s 6) e w und den Bautenministcr W a ff i l« w versucht haben sollen, einen zu lebenslänglichem Zuchl- hau», drei zu IS Jahren und zwei minderjährige Bursche» zu je 10 Iahren Zuchthaus verurteilt. Dos Urteil ist für bulgarssche Begrisse— milde! Bei dem An- schlag fand ein Leibwächter des Ministers Wafstlew den Tod. Di« Täter lallen in der Voruntersuchung„freiwillig" gestanden habe», daß die Ermordung der beiden Minister geplant war. um das erste Signal zum Sturze der Sgoworregierung zu geben. Di« Regie- rungspresse hat sich über die Einzelheiten der Prozeßverhandlungen vollkommen ausgefchwiegen. Die Angeklagten haben die während de? vorunlersuchang ge- macksten Aussogen widerrufen. Nichts war davon in der Regierungspresse zu lesen. Der Houpl- angeklagte Brambarow legi« dem Gerichtshof einen groß?» Hautfetzen vor, der ihm durch die hestjalsschen Schläge vom Körper geplatzt war. Der Gerichtsarzt mußte bestätigen, dah es die Haut Brambarows sei u,ch die Körper der Angeklagten Spuren schwerer Mißhandlungen zeigten. Der Sachverständige für Schußwaffen erklärte, daß die Massen, aus denen bei dem U aberfall geschossen worden sein soll, seit Monaten nicht in Gebrauch gewesen sind! Nichts von alledem stand in der Ne- gierungspresse. Die Verteidiger plädierten aus Freispruch, der Staatsanwalt auf Bestrafung, da einer der Angeklagten bei dem nächtlichen Uebersoll erkannt worden sei... Den Gerüchten, daß her Ueberfall«ine grobe Myftifika- tion war, ist da, Gericht nicht nachgegangen. In dem angeblich angegriffenen Regierungsauto befanden sich neben i** Leibwächter des Ministers Massile« einige höher» Verwaltung,- beamt«, die von einem Feltgeloge kamen uwd in ausg«. lassen er Stimmung waren. Da aus dem Balkan zu» Fi- I delita» auch Revolverschüsse gehören, war da, Unglück schnell ge- schehen. Ein geriffener Iuwelendieb. Das verhängnisvolle Zimmer mit den zwei Ausgängen. Einer der gerissensten Zuwelendiebstähle wurde gestern in einer Pension im Westen verlin» ausgeführt. Der Raub geschah in der Wohnung einer Schauspielerin. Schmucksachen im werte von über 200 000 Hl. sind von dem Räuber erbeutet morden. Der Dieb ist wie vom Erdboden verschwunden. Am Dienstag dieser Woche kam ein Juwelier aus Frankfurt am Main in Geschäften nach Berlin und stieg in einem Hospiz im Zentrum ab. Er führte in einem Lederköfferchen eine Kollektion von Schmucksachen aller Art bei sich. Im Hospiz wurde er von einem Kaufmann Willy Perlewitz angerufen und gebeten, sür ein« Schau- spielerin, die er kenne, einen Brillantring im Werte von 15 000 M. zu beschaffen. Die beiden Männer begaben sich nach einer Pension an der Ecke der Motz- und Martin-Luther-Straße, wo die Schau- spielerin wohnte. Sie hat in der Pension ein Wohn- und ein Schlaf- zimmer mit Bad inne, die untereinander durch Türen in Verbindung stehen und auch Türen zum Korridor haben. Der Juwelier und Perlewitz betraten zusammen das Wohn- zimmer und der Juwelier stellte sein Musterköffcrchen auf eine Baak unweit der Schlafzimmertür. Da die vermeintlich« Käuferin > ach nicht ausgestanden war, so vertrieb er sich die Wartezeit mit dem Betrachten der Bilder, die an den Wänden hingen. Perlewitz, der die Dame ja kannte, betrat dos Schlafzimmer, lieh ober die Verbindungstür offen. Nach einer längeren Zeit kam die Dame aus dem Schlafzimmer heraus und tat sehr erstaunt, einen fremden Herrn in ihrem Wohnzimmer zu sehen. Auf ihre Frage, was er wünsche, erklärte es der Juwelier und sah jetzt zu seinem größten Schrecken, daß da» Köfserchen von der Bank verschwunden war. Perlewitz hatte es unbemerkt an sich genonimen und war damit durch di« ander« Tür verduftet. Der bestohlene Juwelier erstattet« sofort Anzeige bei der Kriminalpolizei, die die ganze Rächt hindurch suchte, jedoch ohne Erfolg. Perlewitz ist nicht an seinen gewöhnlichen Derkehrspunkten im Westen der Stadt aufgetaucht. Die Nacht zum Freitag hat er, wie festgestellt ist, schon nicht mehr in seiner Wohnung in der Chaussee- strah« zugebracht. Er war bei seiner Braut, di« jetzt ebenfall» er- mittelt ist, ober über seinen Verbleid keine Auskunft geben kann. Ihr sagte er nichts von dem beabsichtigten Diebstahl, sondern er- zählt« nur, daß er mit dem Frankfurter Juwelier ein Geschäft vor- habe. Pcrlewitz hat als Kommissionär gearbeitet. Er vermittelte Geschäfte mit Juwelen und Antiquitäten gegen Provisionen. In den einschlägigen Kreisen ist er nicht unbekannt. Auf die Wiedcrbcschassung der gestohlenen Kostbarkeiten hat die Versicherung eine hohe Belohnung ausgesetzt, außerdem sichert der schwer betroffene Juwelier noch eine Sonderbelobnung zu. Mitteilungen über den Dieb und über den Derbleib der Juwelen erbittet Kriminalkommisiar Dr. Berndorsf bei der Dienststell« 11e C. 1 im Polizeipräsidium. /p3eppelin"-polarflug im März-1930. Ainonzitkvng zu SV Prozent durch presiekontratte. .? Kopenhagen, g. November. ». Man Hot nunmehr begonnen, cndgülsige Vor- ' chere ilungen«für den Polarslug de,„Gras Zeppelin" lm nächsten Jahre zu treffen. Hierüber fanden in der letzten Zeit eingehende Verhandlungen in Oslo statt. an denen von norwegischer Seile Nansen und Sverdrup und von deutscher Seite Prosesior W i l l i n g e r teilnahmen. lieber den Inhalt dieser Verhandlungen ho« nun Prosestor Sverdrup noch seiner Rückkehr nach Bergen dem. dortigen Mitarbeiter von„poliliken" interessante Ausführungen gemacht. Danach ist der Zweck des Polarfluges ein doppel- t c r. Zunächst hofft man auf diese Weise.zur Lösung einiger Auf- gaben beitragen zu können, die auf einem Fluge von kürzerer Dauer geklärt werden können. Weit wichtiger ist, die Gewißheit zu bekommen, daß man in dem Luftschifs«in Verkehrsmittel oefunden hat, das zu gewissen Iahreszeiten in der Arktis benutzt werden kann. Damit ist gemeint, daß man auch die Möglichkeit der Errichtung von Stationen für theoretische und praktische wissenschaftlich« Arbeiten an solchen Stellen untersuch«» will, di« auf eine andere Weise nicht erreicht werden können. In dieser Verbindung nennt Professor Sverdrup die Errichtung einer meteorologischen Station in N o rd g r ö nla nd. Abhängig ist dies jedoch davon, ob man in diesen Gebieten mit den Luftschiff landen kann. Die Gesamtzahl der Teil- nehmer an dem Flug wir» 46 betrogen. Insgesamt sollen drei Flüge mit Tromsö als Zlusgangspuirtt vorgenommen werden. Von Friedrichshofen wird der Flug Ende März an- getreten. Don Tromsö geht der Flug nach Fairbonks in Alaska, von wo ein Fbig über den zentralen Teil des Eismeeres unter- iimmrten werden soll. Hieraus geht der Flug nach Tromsö zurück. Die einzelnen Flüge sollen nicht länger als oier Tag« dauern. Iitsgejami rechnet man mit einer Dauer der Expedition von oier Wochen. Für die II ni Erbringung der wissenschaftlichen Instrumente irniiien im Luftschiff einige Peräichermrgen vorgenommen wenden. Ein Teil dieser Aussteuer muß auch fest eingebaut werden. Mit diesen Arbeiten hat man bereits begonnen, da dos Luft- schiff vor dem Polarffug keinen anderen Flug unternehmen soll. Außer dieser wissenschaftlichen Ausrüstung und dem Proviant wird ein« Polarauzrüstung für jeden einzelnen Mann der Besatzung mit Proviant für neunzig Tage mitgefülhrt. Die Gesamt- Unkosten sollen sich auf eine Million Kronen belaufen. Dieser Betrag wird zu vier Fünftel n aus den Geldern der Pressekontrakte gedeckt. Zuschüsse von wissenschasÄicher Seite oder argende mem Lande kommen nicht in Frage. Wie das letzte Fünftel der notwendigen Mittel beschafft werden soll. wollte Professor Sverdrup nicht sagen, erklärte jedoch, daß auch dieser Betrog gesichert sei._ (Siahlhelmer besuchen Kaschismus. Studentenabordnung in Florenz und 7t om. JJflea. 8. November.(Eigenbericht.) Aus Florenz wird gemeldet, daß sich dort eine offiziell« Abordnung de» Berliner Stahlhelms zwei Tag« long aufgehalten Hot. Die Abordnung soll aus Studenten bestehen und von faschistischen Studenten begleitet sein. In einem Klub- lokal der faschistischen Studentenverbände von Florenz wurden die Stahlhelmer gefeiert. In Rom, wo sie am Freitag erwartet wur- den. sollen die Stahlhelmer u. a. von dem Generalsekretär der faschistischen Partei. Tttrait, empfange« Wörden sein. Oer Fall Pari», Anfang November 1920. Richard Corbett stand wegen Muttermordes vor dem Ge- jchworencngerichj von Draguignon und wurde freigesprochen. Sein Vater war englischer Bankier, seine Mutter Dienstmädchen im Hause seines Vaters. Nach der Geburt von Richard heiratet« der Bankier sein Dienstmädchen. Kurz darauf starb der Bater. Nun wollten die englischen Derwandten mit allen Mitteln des Kindes habhaft werden. Als das englische Schisj„Orientlinie" aus der Ruckfahrt nach England eines Tages im Hafen von Toulon lag, wollte man Mutter und Kind gewaltsam entführen. Di« Vorsicht der Mutter vereitelt« diesen Plan. Man einigte sich schließlich daraus, Richard zu Lausann« in einem englischen Pensionat erziehen zu lassen, wo er. dreizehnjährig, gerade bei Kriegsausbruch ankam. Nach Waffenstillstand kehrt« er zu seiner Mutter nach Frankreich zurück. Aber die französische Militärbehörde oerlangte nun seine Einstellung. Er rückte nach Marokko ein und diente unter der blauweißroten Fahne, widerwillig, aber unterwürfig. Als er nach 18 Monaten verbittert und voller Haß gegen den Militärdrill zu seiner Mutter zurückkam, wahrte er alle Zärtlichkeit für die todeskronk« Frau auf. Anfang dieses Jahres wurde die krebskronk« Mutter von unerträglichen Schmerzen gepeinigt. Schon am 2. November vorigen Jahres erklärte der Hausarzt Dr. Dalmyre eine Operation für aussichtslos. Sorgenvoll befragte Richard andere Aerzte. Don allen erhielt er die gleiche negative Antwort. Als er schließlich am 6. Mai dieses Jahres von Dr. Morange aus Paris einen Brief bekam, in dem dieser ihm geiiau erklärte, daß seine Mutter noch höchstens drei bis zwölf Monat« unter grausamsten Qualen zu leben habe, da reiste in ihm der Entschluß, seine Mutter, die er über alles liebte, vor eiver Berlängerung ihres Kampfes mit dem Tode zu bewahren. Am 8. Mai nachts um ein Uhr schlich er in ihr Zimmer, setzte seinen Revolver auf ihre Schläfe und drückte ab.* Bei Einbruch des Tageslichts bittet er in größter Aufregung das Dienstmädchen, den Doktor Balmyre sofort kommen zu lassen. Um vier Uhr nachmittags erscheint dieser im Garten des Hauses. Richard ruft von oben aus dem Fenster, daß er ihm entgegen- kommen werde. Aber schon hört der Arzt einen Schuß: Richard „Gilbertondor über Keuerland." Ufa«Theater Kurfürstendamm. Glück muß der Mensch haben, wenn er sowieso Schneid hat. Günther P l ü s ch o w, der sich als„Flieger von Tsingtau"«inen Namen machte und sich mit seiner.Segelsohrt ins Wunderland" als Filmpionier bewies, hatte es sich in den Kops gesetzt, die Herr- lichen Naturschönheiten des Feuerlondes— ein hochragendes Gebirge mit wunderbaren Gletschern, die sich ins blaue Meer stürzen, umgeben von grünen Wäldern— zu erforschen und sür den Film zu«robern. Er fand Geldgeber, konnte sich«inen Segelkutter bauen. — kleiner als die„Caravelle" des Co tumbu s— mit dem er über den Ozean fuhr. Unterwegs wird Rost gemacht— in Brasilien und Argentinien. Der Kameramann Kurt Neuberg hat den Ehrgeiz, Neues auf die Platt« zu bringen, und so bekommen wir allerlei Einblicke in die Fruchtbarkeit Brasiliens(Kaffee. Tabak) und in die unendlichen Pompos Argentiniens mit ihren Rinder» und Pferde- Herden. Dann geht es mit der Nußschale in die vom Wind und Nebel bedroht« Inselwelt des Feuerlandes. Ich habe dos prachtvolle Buch von Agostini, der in diesem Gebiet jahrelang als Missionar und Forscher tätig war, mit großer Freude gelesen; aber der Film, den Plüschow zusammen mit seinem Flugbegleiter D r e b l o w von der Berg- und Gleffcherwelt des Feuerlandes und Patagoniens mit- gebracht hat, übertrifft alle hochgespannten Erwartungen. Man kommt förmlich in einen Sehrausch hinein! Neben den grandiosen Landschaftsbildern gehen entzückende Idyllen aus der Tierwelt ein- her. Welch ein Reichtum an Tieren; altklug« Pinguine, den Himmel bedeckende Mörvenschwärme, auf ihrem Guanothron sitzende Kormo- rane und dann di« Seelöwcn! Das von Stürmen umbrauste Land bietet für die Viehzucht einen prächtigen Boden. Man sieht riesig« Schafherden. Man muß den kühnen Seefahrern und waghalsigen Film- jägern aufrichtigen Dank zollen, daß sie uns dies« Füll« schöner Bilder aus einem Gebiet beschert haben, das sonst«ls Heimat der Stürme und Nebel bei ollen Seeleuten verrufen ist. r. �Trust der Diebe". Babylon Wenn heute ein Kriminalfilm noch Eindruck machen soll,»büß er unbedingt ein« eigene Note haben. Die kann man aber trotz eifrigsten Suchens lm„Trust der Diebe" nicht finden. Sowohl Richard Royces Drehbuch wie Erich Schönfelders Regie wollen mit alten, zum Teil bereits ziemlich verbrauchten Mitteln neue Triumphe einheimsen. Ein angesehener Juwelier ist das Haupt einer Diebesbande, die Juwelen stiehlt. Bis er zur Strecke gebracht wird, gibt es Tote und Schwerverwundete. Menschenleben spielen eben in einem Kriminalfilm keine Rolle, und das Publikum findet sich auch mit ein paar Leichen ab, wenn nur zum Schluß ein liebend Paar sich präsentiert. Paul Otto gibt den Juwelier in echt weltmännischer Manier. Agnes E st e r h a z y ist als Freundin, die ihn ins Verbrechen zieht, mehr routinierte Schauspielerin als Vamp. Eva von Bern« ist als Kriminalasststentin Fehlbesetzung. Was nützt ein übliches Puppengesicht mit üblicher Kriegsbemalung, wenn von schauspiele- rischem Können keine Spur gezeigt wird!. Curt Despermann hat in einer kloinen Rolle als Einbrecher oft starke Moment«. Rolf, der als Geheimkurier verwendete Hund, macht seine Sache ausze- zeichnet. Di« Uraufführung stand unter einem Unstern. Hatte doch das schön« Haus, das ein Aweischlager-Programm und Bühnenschau bietet, unter einer empfindlichen Lichtstörung zu leiden. e. b. Zl»se«m»virträge. Sonntag, 10 Uhr. sprechc» im iteuc» Muieum Tr. Anthe« über.Die P q r a m i d e n z- i t> im Kaiser-Friedrich. Mulemn Dr. Möhle über.Benebiq im tS. Iahrbundert», uu Museum für villerkunde I Direktor Preuß über. Altmexikanische ßeft«'. ver ZU«.Sisiga»". der nach dem verbotenen Bühnenwerk Peter Martin Sampel».GistgaS über Berlin" hergestellt würbe, ist jetzt von der Zensur ohne vu«schmt»e srei gegeben worden. Avelt« Sullbert gibt beute im Beethovcnsanl ihren ersten Abend Der , weile findet DienSlog, 8 Uhr, im Sechsleiniaal stall. vte Ausstellung.Vi« Ära» vo» heute" im verein der Künstlerinnen wird Schöneberger Ufer 88 o» Sonntag eröffnet und ist ob Montag töglich von 10—5 Uhr. Sonntag» Mit 11—2 Uhr zu besichtigen. Corbett. hat sich in die Brust getroffen und liegt schwer blutend quer über seiner toten Mutter. Nur durch ein Wunder hat er am Leben erholten werden können. Jetzt hatte er sich soeben vor dem Gejchworenengericht von Draguignon wegen Mordes zu verantworten:„Die Sßisicnschift hat olles getan, was sie konnte," sagte er.„Meine Mutter war verloren. Ich wollte sie retten. Mehr habe ich darüber nicht z» sagen."— Der Gerichtspräsident:„Bedauern Sie Ihre Handlung?" Corbett:„Ich habe meine Mutter befreit!" Die zwölf Geschworenen hatten zwei Fragen zu beantworten: 1. Wird Richard Corbett für schuldig befunden, am 8. Mai 1929 Marie Durand den Tod gegeben zu hoben? 2. War Marie Durand die Mutter von Richard Corbett? Der Mörder wurde freigesprochen. Der kommunistische Rechtsanwalt Hauptmann Jacques Sadoul war sein Verteidiger. Die Ansichten über den Fall sind geteilt. „Niemand darf über das Leben eines anderen verfügen," sogen die einen, und der als Zeug« vernommene Abt Boyer, der Hausnachbor der Familie Corbett, bekundet zwar, nie einen Sohn gesehen zu haben, der so seine Mutter liebte, doch hält er Richard sür das „Opfer der Lektüre schlechter Philosophen".(„Nur Gott hat über die Dauer unseres Lebens zu bestimmen.") Die anderen aber sind der Meinung, man müsse zum Sterben verurteilte Menschen wie Tiere von ihren Leiden befreien.„Das Gesetz ist ungerecht. Der Staat tut nicht seine Pflicht. Daher mich jeder Mensch nach seinem Gewissen handeln," sagte Corbett vor Gericht. Es ist höchst inter- essant, daß Andre« Iouoe, die Generalsekretärin der französischen Gruppe der„Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit", ei»« scharfe Kricgsgegnerin, die von einem Redakteur des„Sair" um ihre Ansicht über den Fall befragt wurde, im Gegensatz dazu äußerte:„Wir dürfen weder das individuelle noch das kollektive Recht auf Tötung(beim Krieg) gutheißen. Denn sonst könnt- man die ruchlosesten Taten mit dem Mantel der Menschenliebe und Humanität zudecken." Die Ansicht der berühmten Pozisistin würde allerdings unter den heutigen französischen Gesetzen darauf hinaus- laufen, daß Corbett wegen Mordes unier dos Fallbeil komme» müßte. Kurt Lern. Herbstausstellung der Gezestion. Nicht sehr erheblich sind die Unterschiede zwischen den großen Kunstattraktiönen Berlins; die Hauptsache: die Akteur« bleiben mit einigen Nüancen dieselben, wenigstens die prominenten; die Kam- parsen, d. h. der begabte Nachwuchs, sind ein begehrter Artikel ge- worden. Soweit wäre alles sehr gut und schön, und man könnte beinahe den Eindruck gewinnen, als ob es bei uns eine Kunstblüte gäbe und es den Künstlern wohl erginge, die so schöne Bilder malen und sie überoll ausstellen dürfen.„Ader Täuschung ist es leider"; der übermäßige Ausstellungsbetrieb entspricht in gar keiner Wc'se dem Bedürfnis nach Kunst, ja, er läßt das bißchen Interesse, dos noch vorhanden ist, durch Ueberanstrengung ganz erschlaffen. Gegen die Beibehaltung der Kollektivveronstoliungen und für Verschmelzung der zersplitterten Künstlerbünde zu einer Orgonisa- tion, die eine gewichtige und gesiebte Ausstellung im Jahre veranstalten würde(neben der dann die juryfreie und vielleicht noch sine nur dem Nachwuchs dienende Schau ihren Platz behaupten könnten), spricht nickst nur der Ueberdruß des Publikums, sondern auch die Lage der Künstler selbst. Sie können unmöglich oier- bis sechsmal im Jahr neuestes Material für«solche Offenbarungen be- reit haben und dazu noch mehrere Ausstellungen im Reich, ja, in Europa und Uebersee mit erstklassigen Werken versehen. Diese Predigt vor tauben Ohren hätte natürlich bei jeder ülus- stellungsgelegenheit gehalten werden können. Die der Sezession ist nicht die best« und auch nicht die schlechteste. Es ist viel Gutes da, aber nichts, was ganz und gar die Notwendigkeit dieses gesell- schaftlich so gut fundierten Unternehmens bewiese; eine Ausstellung von anständigem, beinahe zu gleichmäßigem Niveau, das der zu- gelassene Nachwuchs nur deshalb überragt, weil er auffällt durch seine unverbrauchte Frische, die Welt anzuschauen. Wir scheinen derzeit an einer Raststell« zu halten, die nach dem unaufhörlichen Wirbel von Kunstrevolten und Eroberungen neuer Formwelten seit 20 Iahren einmal kommen mußt« und allen nottut. E» erscheinen die Mitglieder der Sezession, fast alle halten ihr erprobte» Niveau, ja, erheben sich noch darüber, wie z. B. Klein- schm i dt, R. Iacobi, Bato, Fritsch; wenige haben etwas Neue» zu sagen und sind im Begriff, sich zu wandeln: am erstaun» lichsten Charlotte Berend, di« das Malerische ganz ausgegeben hat und eine zarte, tonige Flächenkunst in Landschaften pflegt; Steinhardt, der sich immer freier zum Malerischen entw'ck.lt» wie R. Schlichter auch, und Magnus Zeller. der sein« verkrampfte Wehleidigkeit mit einem Glauben nn solid gemalte Realität vertauscht hat. Vorzüglich noch: Kohlhosf, Meid, Mopp, A. v. Zitzewitz, Annot, R. Levy, auch Kraus- köpf, mit je einem Bitde(auch wo sie mehrere ausgestellt haben); Triers Humor entzückt in dreifacher Ausgabe, Schafs mit einem pikanten Backfischpaar, das die Nachfolge Sapphos in vollendeter Anmut proklamiert. Als Gäste erfreuen, wieder mit je einem Bilde, der Belgier Masereel, der Pariser Kar», der Schweizer Hermann H u b e r und der Düsseldorfer Wiethüchter(Blumenstilleben). Auch hier überall eine, man möchte fast sagen, auf hohem Niveau. normierte Kunst, die den Atem aichält; nur Masereel hatte viel an Malkultur nachzuholen und wirkt darum frrtgeschrittcn. Als Gäste sind zum ersten Male a.ch die Konstruktiven, die Bnicho-usleute.«rschiemn: Schlemmer, mit sehr schönen neuen Bildern, Kandinsky, Baumeister. Irwlensky, Much» Wo» sür ein Sturm im Wasserglas: daß von diese Führerköpf« zum ersten Male wirklich höchst persönlich in de' Berliner Sezeffio» sieht! Di« Sezession hat die Akademie um une Nasenlänge geschlagen! Nicht so aufregend ist, wie schon angedeutet, die Existenz des Nachwuchses. Man freut sich, daß G r« w e n i g. den man längst schon in Westheims süngster Ausstellung begrüßt Hot, als ein so luftiger und farbig feiner Erzähler weitermacht; daß Meinhard D e e ck, dessen prachtvoll breite Akte man eben in der Akademie bewunderte, auch hier in einer Dünenlandschaft eine Realphantasie von beträchtlicher Kraft entwickelt, daß man aus derselben Quelle auch den begabten Maler gotischer Architekturen, Christion Beyer, «ieberschöpst: welch erquickendes Wettrennen um die jungen Talente! Dann sind da noch gute Arbeiten von Josef Steiner, einer sehr starken Begabung; ähnlich malerisch orientiert Unseld: zarter gestimmt E u l e n st e i n und M e i t n e r(mit hellfarbigen Frauen) Crodel, der eine schöne Cafetcrrasse malte, Kau» und O m H e r b i g(ein treffliches ZAnderbiw). die zwischen den Generationen stehen, dürfen darüber nicht vepgessen werden. Dr. Paul F. Schaidt. Oie Wünsche der Oeutschnaiionalen. Zerschlagung a'.ler öffentlichen Betriebe ist ihr Ziel. Der deutschnotionale„Lokal-Anzeiger� des Herrn Hilgenberg füSjlt sich bemüßigt,„Wahlreden" für sein« Leser zu verzupfen. In der ersten„Rede" finden sich folgende unübertreffbaren Stil- bluten:„Und ihr Jungen und Mädels, zieht nicht eher in den Wald, ehe ihr nicht gewählt habt. Das Schweigen in der Natur ringsum würde durchgellt fein vom Hornruf der Reue." Jn� dieser Tonart geht es weiier:„Schließlich die Männerl Jeden Tag in diesen vier Jahren wird ihnen ihr Verstand gesagt haben: So kann's doch nicht weitergehen!� Ihr Herz wird nachts bang gehämmert haben: Herr, wo gibt's einen Weg aus dieser Not?"— Höher geht's nimmer! In der zweiten„Rede" ist man unsentimendaler. Do ist zu lesen: „Werft am 17. November das Steuer nach rechts! Fort mit all diesen Stadtbetrieben, Gesellschaften, Monopolen, bei denen kein Mensch erfährt, wo etwaig« Gewinne bleiben, bei denen aber jeder weiß: das Riesendefizit— das deckt unter allen Umständen der Stslierzahler!" Also die völlige Erdrosselung der össentlichen Wirtschaft zum Ruhen und Frommen einiger Großkapitalisten ist das Ziel der Deutschnakionalen. Das aber wird den sauberen Herren niemals gelingen! Die Berliner Bevölkerung weih zu gut, ivelcher Wunsch hier der Bater des Gedankens ist. * Aus Kreisen unserer Lichtenberger Leser wird uns hierzu noch folgendes geschrieben: Der„Lokal-Anzeiger" deutet unter der Ueberschrift:„Wie sie unser Geld vergeuden" in seiner 2. Wahlred« auch auf den Drei- Schulen-Bou des Bezirks Lichtenberg hin, der angeblich mit einem Kostenaufwand von 7!4 Millionen Mark ein Muster- Beispiel sozialdemokratischer Verschwendung öffent- licher Gelder sein soll. Er irrt sich aber. Der„Schulpalast des roten Lichtenberg" ist ein reiner Zweckbau, der drei selb- ständige Schulen umfaßt und nur 7 Millionen Mark tostet. Die halbe Million des.Lokal-Anzeigers" weniger macht schon ein« recht stattliche Summe fiir den Stadtsäckel aus. Leider ober können auch die Lichtenberger Sozialdemokraten keine„Paläste" für ihr« Schul- linder bauen, obwohl sie es gern« täten, zumal wenn«s sich um Arbeiterkinder handelt. Denn Lichtenberg ist ein aus- gesprochener Arbeiterbezirk. Der„Lokal-Anzeiger" behauptet weiter, baß die Aula dieses Projektes allein 600 900 M. koste. Wer auch das stimmt nicht. Der sogenannt« Aulabau enthält nicht nur die Aula, sondern noch eine ganze Reihe von Klassenräuinen. Was schließlich die 123 000 M. für die Direktorwohnung anlangt, so sei festgestellt, daß dieses Projekt ursprünglich vorgesehen war für nicht eine, sondern fiir drei Direktorenwohnungen und wester für zwei Wohnungen für Hausmeister und Heizer. Daß aber auf Antrag der sozialdemokratischen Fraktion dieser Bau nicht zur Ausführung gekommen ist, scheint der„Lokal-Anzeiger" während seiner hoff- nu ng Siefen Wahlbemühungen vergessen zu haben. Also, und das sei an alle Ellern gerichkek, wenn euch das Wohl eurer Kinder am herzen liegt, bereitet den Deutschnakionalen am Wohllage eine vernichtende Niederlage. Unterslüht die sozial- demokratische Schulpolitik und wählt am 17. November die Liste I. Kein S-Llhr-Ladenschluß am Weihnachtsabend Keakttonäre Berliner Geschöstsleute. Im Berliner Polizeipräsidium wurde am Donners- ' tag die Frage des F ü n f u h r l a d e n s ch l u f s e s am Heiligabend und die Neuregelung der Termine für Inventur- und Saisonausverkäufe besprochen. Polizeipräsident Zör- g l e b e l schlug für den Inventurausverkauf den ersten Montag im Monat vor. i)a eine Einigung nicht erfolgte, blieb es zunächst k>cim Inventurausverkauf am 2. Jamiar. Für den Fall, daß sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Frag« des Fünf- uhrladenschlusses vor den Festtagen verständigten, sägte der Palizeipräsidcnt zu, alsdann den früheren Sonn- a b e n d s ch l u h vor den hohen Festen durch Verordnung ein- zuführen. Di«„D e u t s ch e Z e i t u n g", die sich in allen sozial- und wirt schaftsreaktionären Fragen gewiß für zuständig erklären wirb, will dazu von gutunterrichteter Seit« erfahren haben, daß sich„die Ge- schäftsinhaber wieder zum größten Teil gegen die gesetzmäßige Einführung des Fünfuhrladen» fchlusses ani Heiligabend" aussprechen. Das war ja auch wieder vorauszusehen. Während man sich sogar in k i r ch- lichen Kreisen darum bemüht, den vielen tausend in den letzten Weihnachtswochen strapazierten Angestellten einen einigermaßen ruhigen Weihnachtsabend zu verschaffen und für einen frühen Ladenschluß eintritt, bleiben gewisse reaktionäre und spießige Ge- schäftsleute bockbeinig und gönnen ihren Angestellten nicht einmal einen Weihnachtsabend. Wie lange soll diese«rzreaktionäre Ein- stellung von Geschäftsleuten einer Weltstadt eigentlich noch dauern? Die„D e u t s ch e Z e i t u n g", die von völkischen Angestellten gelesen wird, findet kein Wort für den frühen Lad«nschlu.ß. Dem Polizeipräsidenten Zörgiebel muß man dankbar sein, daß er seine Bemühungen nicht aufgibt. Kultur und Klassenkampf. Eine Versammlung der sozialdemokratischen Studenten. In der vollbesetzten Aula des Köllnischen Gymnasiums sprach Genosse Luitpold Stern(Wien) in einer von den s o z i a l i st i» scheu Studenten einberufenen Ziersanrmlung über.Kultur und Klassenkampf". Er schilderte zunächst, was sich der bürgerliche Intellektuelle unter Kultur vorstellt: Einzelne Leistungen in Kunst und Wissenschaft. Was man in den letzten Jahrhunderten und Jahrtausenden Kultur nannte, war die Genußsucht der herrschenden Klasse, die sich mit dem Scheinmontel der Kultur urngob, um um so besser ihre Macht behaupten zu können„Meine Erziehung wurde durch den Besuch der Schule unterbrochen", sagt Bernard Shaw, man konnte analog sagen, unser Drang nach Kultur wird durch die heutigen kulturellen Zustände unmöglich gemacht. Der Klassen- kämpf der modernen A rbeite rbewegung wird als erster ohne blendende Illusionen geführt, weil er geführt wird zur Befreiung der ganzen Menschheit.. Die Arbeiterschaft werde im Verein mit fortschrittlichen Studenten, Forschern, Künstlern und Lehrern da? bürgerliche Kultmbewußtsein erschüttern und der Erde ein neues Antlitz geben. Aeue Verdächtigungen. Brolat ersucht den Staatsanwalt um Vernehmung. Don der Kriminalpolizei sind bei der Aufklärung der S k l a r« k- Affäre auch die Geschäftsbücher der Pelzwarenfirma G o l i ck e durchgesehen worden, wobei man feststellte, daß auch der sozialdemokratische Stadtverordnete Brolat zu den Kunden der Firma gehörte. Brolat gibt in der B.-S.-Korrespondenz dazu fol- gende Darstellung: Er, Brolat, sei kurz vor Weihnachten 1928 an die lsselzwareii- firma von den Sklareks empfohlen worden. Nach der Lieferung der bestellten Waren fiel es auf, daß die Firma keine Rechnung sandte. Auf«ine Rückfrage wurde chm erklärt, daß der Pesz von einem der Brüder Sklarek bereits bezahlt worden fei. Er hat dann den Sklareks schwer« Vorwürfe über dieses Vorgelien gemacht und ihnen mehrmals den Betrag zurückzuerstatten versucht. Schließlich habe er im März 1929 nach einem sehr erregten Auftritt im Bureau der Sklareks, bei dem er wieder energisch aus Bezahlung der Summe bestand, einem der Brüder Sklarek den Betrag in die Tasche gesteckt. Bei dieser Gelegenheit habe er auch erklärt, daß er jeden weiteren Berkehr mit ihnen abbrechen müsse. Eine Quittung erklärt Brolat zu seinen: Bedauern nicht erhalten zu haben, die Sklareks müßten die Zahlung der Summe aber unter allen Umständen bestätigen. Der Pelzwarenfirma habe er von diesen Vorgängen Mitteilung gemacht, und«r sei auch weiter Kunde geblieben, allerdings fiir eigene Rechnung, wobei er erfuhr, daß er der einzige von den Sklareks empfohlene Kunde war, der bei Eolicke nach Namen und Stand be- könnt war. Um in der ganzen Angelegenheit Klarheit zu schaffen, hat Stadt- verordneter Brolot an den Staatsanwalt in Moabit die Bitte gerichtet, ihm umgehend über sein Berhältnis zu den Sklareks vor dem S ta a t s a n wo l t oder dem Unter- suchungsrichter»eruehme» zu lassen. Dieser Wunsch entspränge der Notwendigkeit, vor der Stadtoerordnetenwahl der Lesjcntlichkeit und im besonderen den Parteifreunden Brolats die Möglichkeit zu geben, sich über sein Verhältnis zu den Sklareks ein Urteil bilden zu können. Worauf es bei der ganzen Hetze durch die rechts- und linksradi- kalen Blätter ankommt, enthüllt heute die„Rote Fahne": Sie teitt mit, daß die kommunistische Stadtverordnetenfraktion den Dringlichkeitsantrag gestellt hat, der Aufsichtsrat der Berliner Verkehrs- Aktiengesellschaft möge den Direktor Brolat von seinem Posten ent- fernen und die beiden entlassenen Arbeiterräte, die Kommunisten Deter und Krüger, wieder einstellen! weller für Berlin: Wechselnde Bewölkung ohne erhebliche Niederschläge, keine stärkere Temperaturänderung.— Für Deutschland: Im Osten und Süden noch Regenfälle, später wieder Besserung, im Westen und Nordwesten veränderlich, nirgends wesentliche Tem- peraturänderung._ Theater der Woche. Vom V). bis 18. November. Volksbühne. Theater am BSlomplal,! Trühlmg, Erwachen. 10., 1114 Uhr. Tomert: Alte Bwlcnmustt. Slaakstheater. Staataoxer Unter de- Linde»: 10. TannhSuser. 11. Carmen. IL. Madam« BuUerfla. 13. Sazopluna.«Ja ai. Der ftönis. 14. Andre Chenier. 15. Mona Lisa. 16. Meiste rsinaer. 17. Macht des Schicksal». 16. Siaseickavalier. Staat»»?«» am Platz der Rcpublit: 10.. 15., 17..Zauderslöte. U. San» Keiling. ß. Salome. 13. Iphimmi« auf Tanri». 14. Sinsonieioiuert. 18. sZlieaende Holländer. 18. Heimlichc Ed«. Städtisch« Oper Eharlottendpra: 10. Samson und Dalila. II. und 18. Gr- schlosscne Vorstellunq. 12. Lodcnarin. 1.3. Di« lustwn Weiber von Windsor. 14. Ein Maskenball. 15. Der Schauspicldireitor. Eovvelia. 16. Troubadour. 17. Der Wildschütz. Schauspicidau» am Seudarmeumarlt: 10., II., 13., 15., 10., 17., 18. Don Carlos. 12. Ein besserer Herr. 14. Wallenstcins Laaer. Piccolomini. Schiller-Tdcater Charlottrubura: 10.. 11., 13., 15., 16., 18. Des Kaisers Soldaten. 12., 14. Treibjasd. 17. 2x2— 5. Theater mit festem Spielplan. Tdeater am Schisfbauerdamm: Pennäler.— Tbalia-Tbeater: Drei alte Schachteln.— Deutsches Theater: Der Kaiser von Amerika.— Die Komödie: Pom Teufel oeholt.— Theater am N»8cadorsplatz: Die ffledermaus.— Theater i» her«öaiaarätzer Stratze: Di««rne Mrs. Selb».— Komödienhau«: Der Kildnerdof. � Grctze« Schauspielhaus: Die 3 Mii&lkticre.— Theater de» Westen«: Marietta.— Deutsche, Pol!»thiatcr: Menschen wie du und ich.— Deutsch«, KLastler-Theatcr: Seltsames.Zwischenspiel.— Lustspieldau»: Grand- Lotel.— Leiiiua-Theater: Euankali.— Trianon-Tbeater: Di« Pallcrina de» KönitzZ.— Leatral-Theater: iZrirderike.— Metropol. Tdeater: Das Land des Lächelns.— Berliner Tdeater: Zwei Krawatten.— Die Tribüur: Bunbur».— Rcuaiisane«. Tdeater: Stempelbrüder.— Aolc-Tb«at«r: Die leichte Zsabell.— Eafiuo-Tdeater: Pertaate poch,cilsnacht.— Schlotzparl-Tdeater Stealitz: Der letzte Walter.— Biutcraartea, Plaza, Scala: Internationales Bariet«.— Re>ch»dalleu-Thkat«r: Stettiner eoänacr.— Theater am Kottbusier Tor: Elite- Eänfler. Theater mit wechselndem Spielplan. Kammerspiel«: Bis ll. Der Unwiderstehliche. Ab 12. Kur tzefl. Anlicht.— Theater in der Klostrrstratz«: 10. Jüdische Gastspiele. Ah U. Arm wie eine Kirchenmaus. Nachmittagsvorstellungen: B»ll»bühue, Theater am BLIowplatz: 17. iZrühIina» Erwachen.— Theater am Schilfbancrdamm: 10.. 18., 16.. 17. Der flrotze und der kleine Klaus.— Thalia. Theater: 10. Kammermusik. 13., 16. Die wunderschon« Goidtnbaar.— Theater am Nolleudorfplatz: 10., 17. Peterchens Mondsadrt.— Theater in der Könioarätzer S trade: 17. Siioaken.— Komödiendau«: 17. Leinen aus Irland.— Srotze» Schauipielhau»: 10.. 17. Die 3 Musketier«.— Deutsche» Kijuslt-r- Theater: IV.. 12. Ionnens End. 17. Bird in Sand.— Leisina-Tbeatei: 13. Sans Urion aeht nach Brot.— Trianou-Theater: 10.. 17.. 14'- Uhr: Schneemiitch.m. 17 Uhr: Iohannisfcuer. 13.. 16., 16 Uhr: Schneewittchen.— Zeurral-Theater: — Tdeater:» der Klosterstrahe: 10. und 17.. 17 Uhr und 13.. 16. 16 Uhr: Mit dem Zeppelin ins Märchenland. 10., 1., Uhr: Notkävochen, 17., 15 Ufr; Sänsel und Gretes.— Schlotzpark-Theatee Stealitz: 13., 14, Karl der Grobe. 16., 17. Märchenvorftelluna.— Winterhärte»: 10., 16., 17. Internationales Varictd.— PlaM, Seala: Internationales Bariet«.— Reichshallen-Theatcr: 10., 17. Stcttiner Sänaer.— Theater am Kottbuffrr Tor: 10., 17. Elite- Sänaer. Erstaufführungen der Woche: «auutaa. Over am Platz der Republik: Zaudeuflöte.— Ron- tatz. Komödie: Vom Teufel Ocholt.— Dieusta». Kammerspielc: Zur ocsl. Ansicht. Berantwortl. Mr die Redaktion: Wolstzauz Schwär». Berlin: An»ei«en: Th. Glocke. Berlin. Berla«: Vorwärt, Berlag S. m. b. S.. Berlin. Druck: V»rwärls Vuä,. druckerei und Berlaosanftalt Paul Singer& Co.. Berlin SB 68. Lindenstrabe Z. Sierzu 1 Beilage. Theater, Lichtspiele usw. t { Tfigl. s II. au SoddLS.Si 8U [ Alan. E. 4. 8066 INTERNAT. VARIETE CASINO-THEATER •.othrinjSer Strafte 37 neu; rsguA> Uhr Zum 1. Male- Zur gell. KM! Lustspiel von Frederik Lonsdale Regie: Gustaf Gründgens OOOSO»O«SS Die KomOdle ! I Bismck.2414/7S16 Nur heute u morgen 8>« Uhr Erifo Berliner tuftrelm Odav Shan Kar und Simhie indische Tllruer. Preise 4 M. bis 12 M Montag, d. 11. Nov. JVj Uhr Zum I. Male Tom Teufel gebolt von Knut Hamsum Regie: MaxReinhardt MMSMSM 1 8 Uhr- Ztr. 2819— Hauehen erlaubt Jlse Bois und 10 weitere KunstKrdne von iniernaiionaiem Rul. Sonnaband und Senntag I« 3 Verstellungen 3skir"" i« und 6 Uhr kleine Preise. Lasisplelhtfls Friedrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich S'U Uhr Grand Hotel Lustspiel von Paul Frank Hl a. Holbdorfplab Vorvk. 10-2. Kf. 2001 Täglich«>/. Uhr Bastsplel a«8 Deaisdien TDeatcn Bsgie; Nu SeinhM. 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Heute SV- Uhr Ton in desTöpfers Hand Morgen Sonntag 4 Uhr Krankheit der Jugend Ab Montag 8Vi Uhr OlraukheU der Jugend. Ichntrai- Theater I Alte JakobstrJ2 I Gastspiel d. Th. d. I- Westens lr Täglich 8 Vi Uhr Stg. 4 u. S'.i Uhr riederike Der Wellerlolg| von krau» Lchär I ROSE -THUTK"aSW Billeltkasse: Alexander 3422. Täglich 8" Uhr. (Sonntags ZV» und 9 Uhr) DI« leflcMe Jsabell ledee HUtvoa s Okr Das tapfere Sduieiderlelfl iednn Sonnaband S Uhr u Jeden Sonntag 2® Unr: Frau Holle Reichshalien-Theater Abondu[T] Sonntag nachm. „Bei de Sieftlier" Ulk-Revue. Nachmittaos halbe Preise, volles Programm! BillettbestZentium 11263. □ ö n h off- B ro tt I: Familleu-Varietd— Konzert— Tanz. Netropoi-Th. 8V» Uhr Lebar dirigiert Das Land des Lächelns Vera Schwarz, Richard Tauber 'Sonn'ag 2 u. 5 Uhr Paganini Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich 8V» Uhr Max Adalbert als Nante am Flügel Rudolf Nelson So. 4. Stg. 2Vi Uhr Da» tapfere Sehaciderlcfn. Thoal. a. KotU.Tor Kottb. Str. 6 Tägl. 8 Uhr aucbSonnt. nachm.3U.: Eitle. Sänfier Dia wall Drtl noicri Urtuuliriidhitpirodi Max Iden 1131, inklamer Sir. 33 Gegr. 1871 Telephon; Homboldf 5re2. 9952. Direktion ■Jr. Robert Klein Deutsches lünsder-Theil. Barbarossa 3937 7V, Uhr Seltsames Zffisfljensplel v. Eugene O'Neill Kijii: Heim Hilpnt Berliner Tlieater Jönhoffl70 S".» U. Zwei Invaiten von Georg Kaiser Musik Spollansky Sonma-'.d. 10 u. 17 November »» Uhr Zwei Irawatien Preise 0J50- 8.00 M. üätiren, FUlsi. erulx lalle mm PraMIlt«-ratj»| KomaDkiCo. Pumpenfabrik BCR LID D DD, lilsiiktDdoifei Str. 35 Frankfurter Allee 313.314 Von Freitag, den 8. November bis Montag, den 11. November Film: Harold Lloyd in les.Hiirold.los Die grofte Variete- Schau u. das gute Beiprogramm! Sonnabend nachm. 3 Uhr ( Kassen eröifnung 2 15 Uhr) Gr.SondeMafiend'VorstellDno Hauptn'lm: Los, Harold, los aod da* Beiprogramm 4lellogc Sonnabend, 9. November t929 KprWmö SftiT/rrififfftfV tbivosü So war es: Der fünfte Krieosherbst zog ins Land. Die Obstbäume hatten gut getragen, aber in Verlin gab es trotzdem kein Obst zu kaufen. „Es kommt alles in die Konserven- und Marmeladensabriken," hieß es. Aber Marmelate bekamen wir nur aus Rüben und Kürbis. Die 14 00 Gramm Brot die Woche waren ein zäher Kleister, „Mehl mit Kartoffeln gemischt,' sagte nian uns, aber es war wohl noch anderes darin verbacken. Kartoffeln wurden in der vollen Ration von S Pfund pro Kopf und Woche im Oktober 1318 misge. geben, aber es war mitten in der Ernte; kein Mensch wußte, wieviel weniger wir schon im November bekommen würden, ob es im De- zember und Januar überhaupt noch welche gab. Mit 20 Gramm Butter ui�> 40 Gramm Ma r g a r i n e sollte der Fettbedarf des Korpers gedeckt werden, denn die Fleischkarte für 200 bis 2Z0 Granim die Woche wurde seit Jahr und Tag gegen Nudeln und Graupen umgetauscht, weil die den Magen besser füllten. Die Kohlenkarte wurde nach stundenlangem Anstehen für einen halben Zentner al>getr«nnt, weil nicht mehr da waren. Kleider, Schuhe? Du lieber Gott, diese Dinge waren in der gewohnten Form Begriffe geworden. Die Füße hatten sich an die schweren cholzschuhe gewöhnen müssen und wer einen Militärmantel von irgendwo bekam, um sich daraus einen eigenen zu nähen, wurde beneidet.* Die Urlauber standen fremd in den fallen Stuben, sahen � silüf fremd in die verhungerten Gesichter und fragten: ist denn der Krieg noch nicht bald zu Ende? Und wenn die paar Wochen um waren, gingen sie mit verbiffenem Groll wseder hinaus; dachten kaum noch an sich, dachten nur noch an die hungernden Liitder und Frauen. Und wir dursten nicht mehr bis an den Zug mitgehen, durften nicht mehr bis zum Augenblick der Abfahrt bei unseren Lieben sein, stumm ihre chand halten. Bis zum Tor vom Güter- balmhof Tempclhos durften wir sie begleiten, da standen die Wach�- Posten und befahlen den Abschied. So war es im September 1018. Das war die uiiliiärijche Disziplin, die auch in der politisch in- disserentesten Frau Empörung enlsachte. Bis schließlich die Männer an der Front und die Frauen in der Heimat nur noch eins fühlen, sehnen, denken konnten: cs ist genug, Schluß jetzt! Als General Ludcndorff im Auftrage der Obersten Heeresleitung Anfang Oktober 1018 in einem Telegrannn die kaiserliche Regierung ersuchte, Frieden zu schließen um jeden Preis, da war die � militärische Niederlage gewiß und der unmittelbare Anlaß zu diesem Schritt, aber er mag auch in einem lichten Augenblick die Atmosphäre gefühlt haben, die Hunger. Not und Verzweiflung in Deutschland geschafsen hatten. Als dann Ende Oktober eine Anzahl bürgerlicher Leute, die glaubten, Politiker und Patrioten zu sein, für die Samm- lung zum letzten entscheidenden Widerstand ausriefen, als die Oberste Heeresleitung ihren Friedensruf ungeschehen machen wollte, voll- endete sich die Entwicklung mit Riesenschritten, wurde das deutsche Volk in Tagen reif für die Revolution. So kam der 0. November. Er brachte Klarheit in den politischen und militärisch en Dunst; er brachte Rettung für Millionen Menschenleben; er brachte Erlösung für uns Frauen. 18 000 Soldaten c�er Nationen waren täglich verwundet worden, 3000 täglich in de.i letzten Monaten gelötet. Das war nun vorbei. Die Verzweiflung war vorbei, wenn auch Hunger und Entbehrung noch blieben. Bma, schon in den nächsten Wochen, wurde es auch damit ein wenig besser. Die sozialdemokratischen Voltsbeauftragtcn: Ebert Haast, Scheide- mann, Barth, Landsberg und Dittmann sorgten für etwas Speck, Schmalz und Mehl. Erscheint das heute nebensächlich? Ach, es war so wichtig damals, besonders für uns Frauen um unserer Kinder, um unserer heimkehrenden Männer willen. Wir atmeten wieder. Ueber vier Jahre hatten wir unerträgliche Last getragen Warum? Weil wir Rechtlose waren weil unsere Stimmen nicht gehört wurden an den Stellen, die unser Schicksal entschieden, weil die Militärgewalt jeden Versuch der Aus- lehnung niedertrat. Wir mußten warten, bis diese Gewalt in sich zusammenbrach, bis ein ganzes Volk reif war für den Anbruch einer neuen-Zeit. Nun war die neue Zeit da. Wir wurden nicht nur befreit; wir wurden Freie, Gleichberechtigte in Oer jungen deutschen Republik. Die sozialdemokratischen Volksbeauf- tragten gaben uns das politische Wahlrecht, gaben uns die Entschei- dung unseres Schicksals in den eigenen Willen, in die eigene Hand. Wir konnten nun mithelscn am Aufbau des neuen Staates, der neuen Gesetzgebung, der Entwicklung neuer Menschen; durften d-e Schäden des Krieges an den Kindern, den Jugendlichen, an den Männern und Frauen gutmachen helfen. Wir konnten daran mit- arbeiten, daß ein neuer Krieg unmöglich wurde. Schmachvoll hallen wir sozialistischen Frauen unsere Rechtlosigkeit während des Krieges empfunden. Darum erfüllte uns das Glück unserer Freiheit, unseres politischen Rechtes so hell, so ganz, daß alle Schatten daneben ver- sinken mußten. Wir sahen wieder eine Zukunft, wie hart auch dip Gegenwart war. Ein neues Leben begann; die Revolution hatte es uns gegeben. Uns und allen Geschlechtern, die nach uns kommen würden«, So innerft sind wir der Revolution verbunden. Der 0. No- v e m b e r ist nicht nur der Geburtstag der deutschen Republik, er ist der Geburtstag eines neuen Menschenrechtes, einer neuen Menschenwürde für uns Frauen. Wenn es Dankbarkeit geben würde in der Politik, müßten dann nicht alle Frauen bei den Wahlen sozialdemokratisch stimmen? Aber solche moralischen Voraussetzungen gibt cs nicht und darum müssen wir immer wieder auf das Tatsächliche hinweisen. In der ver- armten deutschen Republik gibt es eine gesetzliche Wöchne- rinnenhilf e. die jede Schwangere, jede Mutter und ihr Neugeborenes vor unmittelbarer Not schützt. Dieses Gesetz ist den Sozialdemokraten zu verdanken. Es hat erreicht, daß die Säuglings- sterblichkeit trotz aller Entbehrungen, die leider noch herrschen, ge- funken ist. In dem reichen kaiserlichen Deutschland starben 1913 noch über IS Proz. Kinder im ersten Lebensjahr, in der verarmten deutschen Republik starben 1027 nur noch 10 Proz. Kleinkinder von zwei bis sechs Jahren starben 1027 genau halb soviel wie 1012. Das Jugendwohlfahrtsgefetz hat die ganze Wohlfahrtspflege umgeftallet, so daß Armut nicht mehr als Schande gilt und heute niemand mehr, wie im alten Deutschland, um der Unterstützung willen sein Wahlrecht verliert. Wenn das Jugendwohlfahrrs- amt dettStadt Berlin, dem eine Sozialdemokratin vorsteht, in jedem Jahr 65000 Kinder für sechs Wochen in Erholungsheime schickt, während vor dem Kriege, als Berlin eine reiche Stadt ge- westn ist. nicht der zehnte Teil hinausgebracht wurde; wenn auf dem ehemaligen Militärübungsplatz Zossen, wo die Männer zur Menfchenvernichtung ausgebildet wurden, das Jugendamt der Stadt Berlin eine vorbildliche Erholungsfürforge, die teilweise mit Schul- Unterricht verbunden ist, geschafsen hat, so beweisen diese wenigen Beispiele am besten den Geist einer neuen Zeit und den Erfolg sozialistischer Arbeit. Gewiß, das Tempo des Fortschrittes mag vielen langsam er- scheinen, den Fortschrttt selbst kann niemand leugnen, der objektiv den Weg sozialistischer Politik seit dem 0. November 1018 über- schaut. Wenn Deutschland heute wieder Achtung und Gellung im Bund der Völker hat. so ist es das Verdienst sozialdemokratischer Politik. Wenn der Wiederaufbau unserer Wirtschaft nach so völliger Er- schöpfung, wie der Krieg und seine Folgen sie mit sich brachten, in der knappen Zeitspanne von elf Jahren möglich war, so gebührt der größte Dank der Arbeitnehmerschaft. Das wisien unsere Gegner im eigenen Land, darmn versuchen sie der Sozialdemokratie und der gesamten Arbeiterschaft den Vormarsch zu hemmen. Der An- griff gegen Sozialversicherung— den wir jetzt in der Arbeitslosenversicherung abgewehrt haben—, das Volksbegehren gegen den To-ung-Plan liegen auf dem gleichen Weg. Das Volk muß wach fein, vor allem aber die Frauen. Wir schaffen keine Lasten des Krieges aus der Welt, wenn wir uns gegen einen Vertrag oder gegen einen Zahlungsplan auflehnen. Deutschland hat einen Krieg verloren und muß seine Kosten tragen, bis nichts mehr zu bezahlen ist. Dagegen hilft kein Hugendcrg und kein Volksbegehren. Wir wollen Staat, Wirtschaft und Menschheit erobern aus dein Weg, den unsere Partei im November 1018 beschritten hat. A m 17. November soll es sich in Berlin.zeigen, wie viel mit uns gehen. Bei den Reichstagswahlen im Mai 1028 hatten 6 Proz. mehr Frauen den sozialdemokratischen Stimmzettel abgegeben als Männer. Bei den Kommunalwahlen am 17. November muß es noch ganz anders werden. Als wir am 20. November 1018 die Toten des 0. November begruben, wogten die Straßen Berlins vom Tempelhofer Feld bis zum Friedrichshain in einem Meer roter Fahnen und roter Blumen. Das war Ehrung und Gelöbnis an die namenlosen Scharen der gefallenen Brüder, die unsichtbar mit uns gingen. Aus dem Tod wuchs Leben und Zukunftswillen. Niemand, der diesen Tag er- lebte, wird seine Schönheit und Hoheit je vergesien. Wir Frauen wollen das Gelöbnis hallen, wollen helfen, daß am 17. November unsere roten Siegesfahnen über Berlin wehen. Als Dank an d en 0. N o v c m be r, der uns Freiheit und Recht gegeben hat. (2. Fortsetzung.) Der Kolonialkrieg in Tripolitanien entfesselte zum erstenmal all diese neuen Kräfte, die nunmehr die sozialen und politischen Kämpfe des Landes dramatisch gestalten und ihnen einen extremen Ausdruck geben sollten. In Bologna fiel die bürgerliche nationalistische Jugend mit Knüppeln über Arbeiter her. die gegen den Krieg demonstrierten. In der Romagna und vor allem in Forli wurde der Generalstreik zum Ausstand, so daß das Proletariat drei Tage hindurch Herr der Straße war. Ein Mensch, Mussolini, vervielfältigte sich damals, um den Massen revolutionären Enthusiasmus einzuhauchen. Er war über- all. Seine Zeitung«Der Klassenkampf" hatte seit langem revolutio- näre Propaganda betrieben. Mit dem Wirtlichkeitssinn. der ihn kennzeichnet, hatte Mussolini dahin gewirkt, die heftigen Polemiken zu dämpfen, die in der Romagna zwischen den Republikanern, als den Hütern der jakobinischen und patriotischen Tradition, und den Marxisten wüteten. Mussolini opferte gern die Lehr« auf dem Altar der Aktion.„Wenn sich die Leute nur schlagen." das war seine Porole. Und wenn man sich nicht mit dem Staate schlagen konnte, nun, so mochte man sich untereinander schlagen.»Das stärkt die Muskeln und bereitet den Geist vor," pflegte er zu sagen. Wäh- rend der Streiktage nahm seine Aufforderung zur Gewalt konkrete Formen an. Es galt, die Arbeiter mit sich zu reißen, die noch nicht zu uns gehörten. Man mußte die Abfahrt der Militärzüge ver- hindern, also die Schienen aufreißen und den Bahnhof besetzen. Auch mußte man für die Verpflegung der Stadt sorgen. Das war keine Kleinigkeit. Die Polizei hielt Wache. Ein Kavallerieregiment hatte die strategischen Punkte der Stadt besetzt, vor allem den Bahnhof.„Man kommt nicht zu Volksoersammluu- gen mit Spazierstöcken!" schrie Mussolini,„man kommt mit Ge- wehren, nur dann kann man recht behalten." Er hotte in diesen Tagen die Redegewalt eine» Marat. Trotz- dem sind wir mit Spazicrstöcken und Kieselsteinen zum Angriff aus den Bahnhof ausgezogen. Unter uns waren Frauen, die der Gs- danke an den Krieg zum äußersten brachte, und junge Leute, die sich au» diesem Kriegsfpiel einen Spaß machten. Der erst« Kordon der Karabimeri wurde schnell gesprengt. Als wir aber In die Nähe des Bahnhofs kamen, wurde die Sache ernster. Der Boden wurde heiß. Dreimal ging die Kavallerie mit blankem Säbel vor. Die Demon- stranten hielten stand. Ein Lattenzaun wurde demollert und wir bedienten un» der Bretter als Waffen. Die Frauen warfen sich zu Boden, um die Pferde aufzuhalten. Straßenjungen schleuderten Steine gegen Kavalleristen und Karabimeri. Mehrmals wurden wir zurückgeworfen, aber immer wieder nahmen wir den Kampf auf. Mitten auf dem Platz war ich niedergeritten worden und blutete aus einer Wunde im Rücken und am Kopsiu Wenige Schritte von mir entfernt stand Mussolini mit der Peitsche in der Hand, der vor- wärtsdrängenden Kavallerie Widerstand leistend. Die Verwirrung war unsagbar. Die Verwundeten stöhnten, die Frauen kreischten, ferne Demonstranten, die nicht im Kontakt mit den Truppen waren, ließen revolutionäre Lieder erklingen. Endlich gelang es uns. auf den Bahnhofsplatz zu dringen. Die Schienen wurden herausgerissen, ein Militärzug an der Abfahrt verhindert und die Soldaten, halb verängstigt und halb vergnügt, zum Aussteigen genötigt. Es war«in kurzer Sieg. Am nächsten Morgen befand sich die Stadt im Belagerungszustand, und die Arbeiterorganisationen be- schlössen, ungeachtet unseres Aufrufs zum Widerstand, das Ende des Streiks. 24 Stunden später konnten wir im Gefängnis Be- trachtungen anstellen über den Glanz und den Sturz grüner Re- volutionäre.... Während mehrerer Wochen sollte ich Mussolini nur noch beim Untersuchungsrichter treffen, wo wir kaum Zeit hatten, zwei Worte zu wechseln. Die Voruntersuchung brachte ihn ganz außer sich. Be- sonders wütend war er auf die Rechtsanwälte.„Das sind die Spieß- gesellen der bürgerlichen Justiz," sagte er.„Wenn sie aber daran denken, sich aus meiner Haut die Riemen ihrer rednerischen Erfolge zu schneiden, werden sie sich irren. Ich werde mich selbst ver. teidigen." Und er hielt Wort. Und diese sein« Verteidigung war in jeder Beziehung bedeutend. Er lehnte es zunächst ab, als beruflicher Volksaufhetzer betrachtet zu werden. Dann wie» er auf die Leiden der Arbeiter hin und legte dar, daß nicht wir es sind, die die Massen aufreizen, sondern daß sich diese ganz von selbst gegen die Ausbeuter ihrer Arbeit und gegen die politischen Ungerechtigkeiten auflehnten. Er schloß mit den Worten eines griechischen Philosophen:„Wenn Sie mich freisprechen, gereicht es mir zur Freude: wenn Sie mich verurteilen, gereicht es mir zur Ehre." Diese Ehre hatten wir. Mussolini wurde zu 7 Monaten Gc- sängnis verurteill, ich zu einem Jahr. Und der Präsident fügte hinzu, daß ich die Milde der Richter nur meinen 20 Jahren danke. -t. Eine nicht angetretene Erbschaft. Das Gefängnis bringt die Menschen einander nahe. Es forden die Freundschaft. Mussolini und ich verbrachten täglich mehrere Stunden zusammen und spielten Dame. Di« übrige Zeit wurde gelesen. Unser Lieblingsschriftsteller war Sorel. Wir waren cnt- zückt von seiner Verachtung für den Reformismus und für jedes Kompromiß. Die von ihm versuchte Versöhnung zwischen Prvudhon und Marx schien uns dem Sozialismus neue Horizonte zu er- schließen. Mussolini war kein orthodoxer Nachbeter des Marxismus. Er war dem Instinkt nach Sozialist: vor allem aber war er ein Rebell. Allmählich gewährte er mir Einblick in seine unruhige Jugend, seine Träume, seinen Ehrgeiz. Als Gefangener war er mustergültig. Seme Duldsamkeit gegen die anderen Sträflinge kannte keine Grenzen. Er entschuldigte alles und machte für alles die soziale Ungerechtigkeit verantwortlich Man konnte meinen, daß ihn etwas wie ein sadistisches Bedürfnis dazu trieb, sich von den Sträflingen die Geschichte ihrer Derbrechen und ihrer Zusammenstöße mit der Justiz erzählen zu lassen. Er teilte gern sein Frühstück mit seinen Gefährten. Im Gefängnis von Bologna verbrachten wir mehrere Wochen in einem dunklen Loch mit 6 oder 7 anderen Sträflingen, und Mussolini schien sich ohne Schwierigkeit an dieses enge Beisammen- sein anzupassen. Er oermißte nur den freien Raum, seine Violine und sein Töchterchen. Von Zest zu Zeit bekamen wir Besuch von seiner Frau und --- Mussolini wird verhaftet— aber das ist lange her von den Meinen. Auch Genossen aus Forli kamen zu uns. Aber von allen Besuchen war uns E u r z i o C a m p o r e s i der liebste, weil er uns als die lebendige malerische Verkörperung unserer Romagna erschien, ritterlich, lärmend und etwas schwadronierend. Uebrigens war diese Vorliebe nicht ganz uninteressant, denn unser Freund brachte uns prachtvoll gebratene Hühner mit, wunder- volle Würste, gutes Obst und gewisse Kuchen, die feine Spezialität waren. Er war ein alter Republikaner. Patriot und Pfaffenfresser, für den gleich nach der Lieb« zur Republik die Freude am guten Essen und um guten Wein kam. Seine Hauptbefchästigung im Leben war es, Festessen zu organisieren. Die Sozialisten liebte er nicht, aber sür Mussolini machte er eine Ausnahme. Camporesi hatte eines Tages in Rimini einer Versammlung bei- gewohnt, in der Mussolini für die sozialistische und ich für die repu- blikanische Partei sprach. Vor einer vor Erregung bebenden Menge hatte Mussolini dem schüchternen nationalen Sozialismus, zu dem ich mich damals als Republikaner und Anhänger Mazzinis bekannte, seine umfassende Idee des Klassenkampfes entgegengestellt, seine Verachtung sür den Patriotismus, mit einem Wort, seinen Hervöis- mus. Die Versammlung hatte mit einem ungeheuren Spektakel ge- endet. Der gute Camporesi, der mit seiner wuchtigen Gestalt die Masse überragte, hatte sich die Lunge aus dem Leib« geschrieen mit dem Rufe:„Es lebe Trient und Trieft!" Er war empört über den antipatriotischen Zynismus Mussolinis. Als er aber erfuhr, daß dieser nach der Versammlung zu seinen Genossen gesagt Hute: „Immerhin eine Republik, wie immer sie sei. wäre schon etwas," hätte er ihn am liebsten in die Arme geschlossen. Armer Camporesi! Ich frage mich oft, was würde dieser wackere Ritter der Romagna wohl sagen, wenn er seinen damaligen Freund als Diktator Italiens und als Verfolger der Freiheit gesehen hä te. Ein großer Geschichtsgelehrter vor dem Herrn war unser Com- poresi nicht, und ich erinnere mich genau eines boshaften Zwischen- rufes, als man ihn als Zeugen bei einem meiner Prozesse Catilini zitieren hörte:„Wer war denn Catilina?", worauf Camporesi in aller Unschuld zur Antwort gab:„Nanu, das war doch die berühm- teste Dirne der Geschichte!" Ein Geschichtsgelehrter war also Camporesi nicht, aber Ales- sandro Mussolini, der Vater von Benito, auch ein stolzer Plebejer der Romagna, pflegte von ihm zu sagen:„Er ist ein wackerer Kerl. Er und ich, wir wären imstande, ganz allein mit allen Spitzeln und Kanaillen fertig zu werden. Alessan- dro Mussolini war von Beruf Schmied und dann Schaut- wirt. Als einer der ersten Internationalisten der Ro- magna war er stolz darauf, in jeinem Sohn Benito die Merkmal« des Rebellen wiederzufinden, die er selbst hatte. Seine Schenke in Forli war der Sammelpunkt für alle Heißköpfe des Ortes. Da wurde laut geredet und viel geflucht. Und bei den endlosen politischen Diskussionen wurden die Kehlen trocken. Man trank reichlich, sehr reichlich. Sangiooese und Alabana, jene feurigen Weine, auf die der Romagnol« so stolz ist. Als der alte Mussolini starb, hinterließ er das Andenken eines treuen, großmütigen Menschen. Sein Sohn sprach an seinem Grab«. Tief beu»gt erinnerte er daran, daß sein Vater, der seinen Kindern kein irdisches Besitztum hinterließ, sie zu Erben eines gesstigen und sittlichen Patriotismus«insetzte, dessen Wert unermeßlich sei. Welche Ironie des Schicksals! Wir vertreten heute dieses geistige und sittliche Patrionium und werden deshalb vom Sohn des Schmiedes von Predappio in die Verbannung oder ins Zuchthaus geschickt. Mussolini hat eine uyruhigc Jugend gehabt. Er war«in frühreifer Bengel, sehr lebhaft, schüchtern und brutal. Di« Mutter, die die personifizierte Sanftmut war, blickt« voll Besorgnis auf ihn. Er liebte die Schul« nicht, hatte aber eine Leidenschaft für langes,«infames Lesen. Als ihn sein«; Mutter in ein religiöses Erziehungsinstitut gab, hatte Mussolini es eilig, seinen priesterlichen Lehrern davon- zulaufen, auf welchen Streich sein Vater ungeheuer stolz war. „Gutes Blut gibt gutes Blut, nicht umsonst ist der Junge der Sohn vom Schmied Alessandro."(Fortsetzung folgt.) it Rät sei-Ecke des„Abend. umnmiuiuniiiiuiiiiiiiuiinimiiinuinraiiiiiiiuniiimimiiuiimmmiimiimuiuiumuuiuiiBmiiimiiiiuiiiuiuniHmmiuiuiiiinmmniiuociutmiimiiiunuiniHniaiuniimiin» Silben- Kreuzworträtsel. Waagerecht: 3. glückbringender Gegenstand: 4 Vorhang: 6, Maskentracht: 8 Beleuchtungskörper: 10 der Weste entsprechendes Klei- dungsstück: 11 weibl- Vorname. Senkrecht: i. Balkon: 2 Befehlshaberschaft: 5 Versfuß: 7. Modebad auf d Halb- insel Florida: 9. Stadt in Italien: 10. Lehrstuhl. Oos bedeutungsvolle Du. Den Inhalt Deiner Börse nimm heraus, Ist er gering, so breite ihn hübsch aus, Und trittst in die Masse Du mitten hinein, Von aller Unrast wirst befreit Du sein. Die fehlende Mittelsilbe. Aus den Silben bo bren dor fall la ka kan kus log lus ma nas nen nik no phan ri fa fku spar sie tan te te ten ti wohl zi sind 14 dreisilbige Wörter zu bilden mit gleicher zu ergänzender Mittelsilbe. Wie heißt die Silbe und wie heißen die Wörter? ah. Verwandlung. Einer Höhe setz' eine Farbe voran, Du gewinnst eine deutsche Stadt alsdann. Man treibt dort viel Obstbau, man liefert auch Wein, Doch soll er nicht der beste sein. ab. Z-üllrätsel. An Stelle der Punkte sind die Buchstaben a b b c c eceeceeceec fsggtzhhh'tikl » n n nnorrrrrr | s ß t t t t t u u u u u v w so einzuordnen, daß Wörter folgender Bedeu- tung entstehen: 1. Material tür Schlafgelegenheit: 2. Stadt inKärnten:? Kriegs- Handlung: 4 Erkrankung: ö Lorgehen durch das Ge- richt: k. eine Beschuldigte: 7. Stand der Witterung: 8. Herausgabe einer Drucksache. ad. l. G Rösselsprung. A A D D E E F F h L L S T U U U Magisches Quadrat. Die Buchstoben sind so zu ordnen, daß die wage- rechten und senkrechten Reihen gleichlautend folgende» ergeben: 1. Tapferer Mann: 2. biblische Person, 3. Weg eines Flusses: 4. angenehmer Geruch k. (Auflösung der Rätsel nächsfcn Mittwoch.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Rom: 3. Mai: 8. Bad Elfter: 9. Ana: 10. Gnu: 14. Lauenburg: 15. Georg.— Senkrecht: 2. Oldenburg: 4. Altenburg; 5. Abt: 6. Ulm: 7. Ire: 11. alt: 12. Anno: 13. Aga. Z a h l c n r ä t s e t: kummunalwohlen, Onkel, Alemme, Zfia- lalka, Ulme. Rahe. Alma, taatoon. Welle. Anklam� Hammel. Lohn, Eule, Nona. Kapselrätsel: Liebe ist ein Stäbchen zum Spazierengehen, Freundschaft ein Knotenstock zum Reisen. 3. Redakteur; Znten 12. Gärtner; 13 Eis. Der Beruf: 1. Schneider: 2. Op«rnjäng«r: 4. Nachtwächter; S. Seiler: 6. Töpferz 7. Erdarbeiter; 8. Zntendani: 9. Notar; 10. Friseur; 11. Eseltreiber; Händler; 14. Reporter.— Schornsteinfeger. Räiselkom bination: I. Lawine, Amulett, Strich, Sonnabend, Osten— Lasso.— II. Lasso. Tasso, Tasse. Taste, Tante. Tinte. Das Fehlende: Monaten— Moneten. Nr. 528 46. Jahrgang Sonnabend 9. November 1929 Willy Eey: 2>Ze Htäkelß CtlS MelCP Im Jahre 1876 erschien in Äicm eine Ueine Broschüre eines russischen Ingenieurs Fedor Geschwend, die den wenig Aussehen erregenden Titel„Die allgemeinen Grundlagen einer neuen Deimpf- cisenbahn" führte. Man kann nach diesem Titel nur vermuten, daß der Versasser irgendeine Verbesserung des damaligen Eisenbahn- Wesens beabsichtigt«— in Wirklichkeit steckte aber noch bedeutend mehr dahinter. Fedor Geschwend wollt« nämlich nichts anderes, als Lokomotiven nach einem ganz neuen Prinzip bauen; wahrscheinlich war ihm die Kolbendampfmaschine mit ihren Zylindern und Ventilen zu kompliziert, und so schlug er vor, die Sache be> deutend zu vereinfachen. Nicht den Stoß des Dampfes wollte er wirken lassen, sondern seinen Rückstoß, und erfand damit dos erst« russische Fuhrzeug mit Rückstoßantrieb. Das erste überhaupt war es nicht. Schon 1720 hotte ein Helländiischer Magister Neine Wägelchen konstruiert, die sich durch Dampsrückstoß bewegten und es geht die Sage, daß er sich um Geldgeber für eine Ausführung im großen bemühte, mit der er sämtliche Pserde überflüssig machen wollte. Solche Geld- gcber fanden sich aber nicht, und wir können heute auch sagen, daß die R ü ck st o ß d a m p f w a g e n von Jacob Willem s'G r a v e° s a n d e sich nach allen Regeln sämtlicher Naturgesetze nicht bewährt hätten. Im Prinzip ist der Rückstoßdampfwagen ja dasselbe wie das Rakctenauto. Bei beiden bewegt sich das Fahrzeug durch den Rück- stoß von Gasen, die hinterwärts gewaltsam ausgestoßen werden, »ach vorn, der Ilirterschied besteht lediglich darin, daß diese Auspuff- gase denn Donipfwagen durch Verdampfen einer Flüssigkeit und beini Raketenauto durch Verbrennen von Pulvermischungen gewonnen werden. Wenn die Sache für den praktischen Betrieb über- Haupt brauchbar wäre, würde man den Dampfwogen sogar noch vorziehen, denn wie es mit der Betriebssicherheit auch der besten Pulverraketen steht, haben wir nun nachgerade oft grm»g erlebt. Illil der Makete durch die£ufl Man kamt den Rückstoß zum Antrieb von Räd erfahr zeugen aller Art aber nicht verwenden, wie aus einer kurzen Ueberlegung der Raketentheorie klar wird. Wissenschaftlich formuliert man den Rück- stoß nämlich als die„Erhaltung des Schwerpunktes". Das ist folgendermaßen zu verstehen: Denkt man sich eine auf Räder gesetzte Rakete auf einem riesigen Waagebalken stehend,' so wird man sie, um den Waagebalken auszubalancieren, direkt über den Drehpunkt stellen müssen. Zündet man sie nun an, so werden die Ber- brcnnungsgas« des Pulvers nach der einen Seite geworfen und die Rakete selbst nach der anderen. Der Waagebalken würde dabei jedoch nicht aus dem Gleichgewicht geroten, denn der Schwerpunkt bleibt derselbe, die leichten Gaspartikel sind von ihn, natürlich viel weiter entfernt als die schwerere Rakete. Tatsach« ist jedenfalls: Der Schwerpunkt ändert sich nicht, die Waage bleibt im Gleichgewicht (In der Praxis kann man das Experiment auf dies« Weise natürlich nicht machen, da einem die Gaspartikel nicht den Gefallen tun, sich so ohne weiteres abwiegen zu lassen.) Nun ist eins ohne weiteres klar, die Geschwindigkeit der Ratet» wird um so größer sein, je schneller die Glasteilchen fliegen— andererseits kommt auch dasselbe Resultat heraus, wenn nmn größere Massen mit kleiner Geschwindig- keit ausstößt, ohne kleinere Massen mit größerer. Hierin liegt nun jedenfalls der Kernpunkt des Problems. Die Gasmassen, die eine Rakete ausstoßen, sind im Verhältnis zu dem ganzen Fahrzeug immerhin recht winzig, sehr weit kann es also ohne enorme Treibstoffverschwendung nicht kommen. Was dabei die ganz« Angelegenheit rettet, ist, daß die Geschwindigkeit solcher Gase recht groß ist, schon bei Pulver beträgt sie etwa 2 Kilomet�b in der Sekunde, bei gewisse» slüssigen Brennstoffen sogar etwas mehr als das Doppelst. Wenn man nun die Raketentheorie weiter ven'olgt, ergibt sich, daß es ratsam ist. eine möglichst hohe Auspuffgeschwindig- keit anzustreben, und es ergibt sich weiter, daß in jedem Falle die Energie eines Brenm'toffcs dann am besten ausgenügt wird, wenn sich diese Rakete ebenso schnell bewegt wi« die Auspuffgase, wenn diese also für einen unbeteiligten Beobachter zmn Stillstand kommen, nachdem sie die Düse oerlassen haben.(Für Ingenieure sei bemerkt, daß sie dann außer ihrer Brennstoffenergic auch noch ihre kinetische Energie an die Rakete abgegeben haben.) Die Wohl kann hier also nur lauten, entweder Brennstoff- Verschwendung bei langsamer Fahrt, oder schnelle Fahrt bei guter Brennstoffausnützung. Da die Auspuff gej chwind igt c i I sich zwischen 2 und 3 Kilometer-Sekunden bewegt, wie schon gesagt wurde, bleibt sogar nur das erst«— eben die Verschwendung— übrig, denn ein« Sekunde ngeschwindigkeit von auch nur 1 oder VA Kilometer hält weder ein Räderfahrzeug noch sein Führer aus. Daraus hat sich ergeben, daß mm, ein Automobil oder ein Schienenfahrzeug wohl mit Rückftoßkraft antreiben kann, daß dieser Rückstoß ober immer unrationell arbeilen muß. Mchrer« Erfinder haben nun versucht, der hohen Auspussgeschwin'.igkcn ein wenig entgegenzutreten und so die Brennftofiauenügung rationell zu ge- statten Der erste war der Franzose H. F. Mewt, der seinen als Flugzeugantrieb gsdachten Rückstoßmotor mit einer Reihe sogenomuer Venturidüsen versah. Bei dieser Düsenkombination schießt der eigentliche Gasstrahl aus der kleinen Mirteldüfe hervor. Hot also klein« Masse und große GeschwindigSiit. Durch die Venturidüsen wird vom Gasstrahl von der Seite her„lmosphänsche Luit angesaugt, die zwar die Geschwindigkeit des Antriebgases verkleinert, sewe Masse jedoch vergrößert. So geht das nun mehrere Male, so daß der Gasstrahl am Ende der letzten Düse eme ziemlich große Profegsor Oberlh. Mass« erholten hat. Melot ging bei dieser Konstruktion sichtlich vom Flugzeug aus, den» dies bewegt sich eigentlich auch dadurch, daß der Propeller Luftmassen nach hinten wirft, hier handelt es sich, da Luft genügend zur Verfügung steht, uni große Massen bei kleiner Geschwindigkeit, was für langsame Fahrt ebenso günstig ist, wie der Ausstoß kleiner Massen mit großer Geschwindigkeit für sehr schnelle Fahrt. Trotz dieser luftan saugenden Venturidüsen(an die übrigens schon Fedor Geschwend gedacht hat) ist der Rückstoß bei Luftfahrzeugen immer noch ungünstiger als der Propeller und bei Erdsahrzeugen immer noch ungünstiger als direkter Räderantrieb.(Propeller wird man dagegen auch für Erdfahrzeuge mit gutem Resultat verwenden können.) Es wäre nun immerhin schade, wenn man nach dem Vorher- gehenden die zugestandenennaßen große und nicht allzu schwer erzeugbare Energie des Rückstoßes gar nicht prgklisch verwenden könnte. Man wird sich mit Recht fragen, ob es nicht doch irgend etwas gibt, wo der Rückstoß rationell arbeitet und wo man ihn also einsetzen kann. Die Antwort auf diese Frage hat Professor Hermann Oberlh gegeben. Der Rückstoß arbeitet rationell in der senkrecht aufsteigenden Rakete, besonders daim, wenn sie keinen Luftwider- stand mein findet und im leeren Weltraum leicht auf ihre kosmischen Geschindigkeiten kommen kann. Daß der Rückstoßmotor auch die einzige uns bekannte Maschine ist, die in einem luftleeren Raum überhaupt wirken kann, hat damit noch gar mcht einmal etwas zu, tun, sondern ist eine gute Eigenschaft mehr. Für die senkrecht aussteigende Rakete liegt der Fall tatsächlich so, daß sie bald dieseil'« Eigengeschwindigkeit erreichen kann, wie die m '-lüssi- keUsiakete Professor Obii'hs mn Hrennstoffauspuff an Kopt. Sctmar ige zeichnet Doppelrakete A=- Mutzlast mit der Brennstoff in flüssigem Fallschirm. Die Düse der großen Sauerstoff. Rakete ist mehrfach geteilt. Geschwiirdigkeit ihrer Auspuffgase, diese werde» daher voll aur- genützt und man kann also auch danach streben, in der Rakete die stärksten bekannten Brennstoffe zu verwenden, was hier unten doch ziemlich zwecklos wäre. Eine weitere Frage ist nun natürlich die, was senkrecht oder mit nur sehr geringer Neigung aufsteigende Raketen für einen praktische» Wert hätten. Zunächst arbeitet Professor Oberth an einer einiachen Ratet« mit Benzin und flüssigem Sauerstoff als Antriebsmittel, die noch im November abgelasser. werden wird und zwischen 50 und 80 Kilometer Höhe erreichen soll. Dieser erste Versuch ist natürlich nur ein Versuch— später werden aber solche Raketen als Hilfsmittel für die Erforschung der obersten Üufffchichten dienen und vielleicht unsere Kenntnisse von der EMstehung des Wetters rnrj einen ganz neuen Boden stellen. Das ist jedoch nur der Anfang. Haben die ersten Obcrthschen Flüssigteitsraketen gut funktioniert, fo wird man sie leicht in bc- stiimnter Weise vergrößern und verändern können, so daß sie in einem hohen Vogen, der großenteils schon außerhalb unserer Erd- luft verläuft, nach einem anderen Kontinent fliegen und dort mit Fallschi nnhilse sanft landen Solche„Fernrakete", wie man sie nennt, hätte bereits zwei Verwendungsmöglichkeiten, sie könnt« cm- weder Post befördern, die in weniger ols einer Stunde an jedem Punkte der Erde angelangt sein würde— solche Roketcnbries« würden bei starkem Betrieb nicht einmal teurer sein als Fingpostbriese— sie könnte andererseits auch mit automatisch arbeitenden Filmapparaten ausgestattet sein, die das überflogene Gebiet kartographicren. Die geographische Filmraket« würde dann endlich icher die eigentlich be- schämende Talfache hin iveg Helsen, daß wir die Mondoberfläche besser kennen als unsere eigene Erde, einfach, weil wir ken Mord au» der Vogelschau betrachten und die Erde nicht. Die Postrakcte würde gar das Wirsscha st sieben recht ausgiebig beeinflussen, kenn sie w.ihrt l'ine 3>ltatilax)V im Gegensatz zum Fnnktelegramm das Briefgeheimnis und kann Originaldokument« befördern. Di« Auffindung der Film- und Poftraketen wtrd. wen» man sie, was auch aus anderen Gründen wertvoll ist, im Wasser landen läßt, nichi allzu schwierig sein. Der Ort, a» dem die Rakel« nieder« geht, läßt sich mit etwa 20 Kilometer llnsicherhci» rechnerisch be- stimme», außerdem wird man ihr einen Nebelemwickier»liigeben, der nach dem Wiedereintritt i» die Atmosphäre zu arbeiten beginnt und ihre Bahn als Rcichstreifen an den Himmel zeichnet, als sicheres Richtziel für die Suchbool«, die dann die schwinnnende Rakete ait'- fischen und bergen.• Diese Ziele werden in zivei Jahren tto.hi erreicht iein, znnachst wird viel vom Start der ersten Odetthschen Rakete r.dhärir- Die unbequeme Havelmündung Einem sehr interessanten und in seiner Wirkung meillragendm technischen Projekt liat der vom Hauptaiisschuß des Elde-Wasser- straßenbe-rats eingesetzte Banousschuß jetzt seine Zustimmung er- teilt. Noch einer Mitteilung der VDI.-Nachrichten ist beabsichtigt, die Havelmündung 16 Kilometer stromabwärts zu verlegen. Die Haoclmündung bietet in ihrem augenblicklichen Zustand der Schifffahrt große Schwierigkeiten. Bei Hochwasser ist der Stromlauf der Havel nur schwer zu erkennen, dann aber ström! die Elbe über die zwischen den Flüssen liegende Landzunge und ruft dadurch eine für die Schiffahrt gefährliche Querstromung hervor. Die Havel ist zwar in den Iahren 1006 bis 1912 mit einem Kostenaufwand von nicht weniger als 12 Millionen Mark auf der zur Mündung führenden Strecke van Brandenburg bis Havelberg reguliert worden, aber alle diese Arbeiten haben den immer wieder versandeten Fiußlouf nicht aüf die Dauer für die Zwecke der Schisfahrt regulieren können. Zur Beseitigung der erwähnten Schwierigkeiten soll nun 16 Kilometer elbabwärts bei Sandkrug ein« zw.it« Havelmündniig geschaffen werden. Man will einen Meter langen Vorfluter bauen, der durch zwei Wehr« an den Enden abgeschlossen wird. Für die Schiffahrt wird ein in Havelberg abzweigender besonderer Schifsahrtstanal gegraben, der gegen die Elbe mit großen Schleusen abgesperrt werden kann. Diese Schleuse soll Fahrzeug« von 1000 Tonnen und Schleppzüge bis zu 550 Meter Lange aufnehmen. Die Arbeiten, deren Dauer auf neun Jahre veranschlagt wird, io' en bereits im Frühjahr nächsten Jahres aufgenominzn werden. Di: Baukosten werden heute zunächst auf 41 Millionen Mark»eran schlagt. Kraftfahrer/ Gesetz/ Rechtsprechung Vorfragsabend beim Deutschen Autoclub. Auf dem letzten Vortragsabend des Deutschen Auto- Clubs sprach der Präsident des Clubs, Rechtsanwalt Dr. Arthur Brandt über das Thema:„W elche Forderungen stellt der Krastsahrer an Gesetzgebung und Rechtsprechung?" Der Vortrag, der in Anwesenheit der Vertreter der am Kraft- fahrwesen interessierten Ministerien und der Behörden sowie zahl- reicher Richter und Staatsanwälte stattfand, behandelte die aktuellsten Probleme des Kraftfahrrechts. Rechtsanwalt Brandt forderte u. a.: die einheitliche Regelung des Strafantragrcchts sowie die Beseiti- gung der Unterscheidung zwischen Berufs- und Amateursahrer, die im geltenden Recht überaus unglüitlich ist. Der Redner forderte weiterhin eine deutliche und einheitliche Regelung des Vor- fahrtsrecht s. Die Rechtslage auf diesem Gebiete habe sich infolge der Bestimmungen der Berliner Strahcnordnung, die noch dazu der Rechtswirksamkcit entbehren, noch verwirrter gestaltet als bisher. Die Gefährdungshaftung des Kraftzeughalters müsse im Interesse der Allgemeinheit auch auf die Insassen ausgedehnt werden. Es bestehe nicht der geringste Grund, die Autobus- und Drofchkeninfassen schlechter zu stellen, als die Passagiere der Straßenbahn, indem man ihnen eine Haftung nur dann zu- billigt, wenn sie den Nachweis des Verschuldens führen. Daneben erfordert das Interesse der Oefsentlichkcit die Einführung einer Zwangshaftpflichtversicherung für alle Kraftsohrzeuge. Die Aus- nahmestcllung der Straßenbahn, die ihr durch das Delikt der ,.f a h r- lässigen Transportgefährdung" verletzt wird. Man müsse daher entweder Transportgefährdung als; Schutzbestiminung für alle Verkehrsmittel erweitern, oder die; Straßenbahn von diesem Schutz ausnehmen. Die Kasko-Ver- f i ch c r u n g in der jetzigen Form bietet keinen wirklichen Schutz für den Krastsahrer, da nach der Rechtsprechung schon im Falle ein- facher Fahrlässigkeit der Versicherungsschutz entfällt. Hier ist drin- gend eine Aenderung der gesetzlichen Bestimmung erforderlich. Rechtsanwalt Brandt wandte sich dann dagegen, daß die Rechtsprechung der oberen Gerichte in lebenswichtigen Fragen fo häufig voneinander abweicht. Die Richter müssen Gelegenheit erhalten, sich durch ständiges Kraftfahrcn fortzubilden, da sie sonst ihrer Ausgabe nicht gewachsen sind. Die Polizeibeamten, die die erste Vernehmung aufzunehmen haben, bedürfen der kraftfahrrechl- liehen und technischen Schulung, damit fehlerhafte Protokolle, die dein ganzen Verfahren von vornherein ein schiefes Bild geben, vermieden werden. Einen besonders interesianten Vorschlag machte Rechtsanwalt Brandt ani Schluß. Er forderte systematische Erforschung der Unfallursachen namentlich durch Anlegung umfassender Sta- tistiken. Prfahrungsgemäß werde ein sehr hoher Prozentsatz von Verkehrsuitsällcn durch Fahrer verursacht, die erst kurze Zeit den Führerschein besitzen. Durch einen Fahrkursus für Fortgeschritten« sowie vor allem durch die Verpflichtung, bestimmte Geschwindigkeiten innerhalb der ersten sechs Monate nicht zu überschreiten, und durch entsprechende Plombierung der von Anfängern gelenkien Wagen würde vielfach zur Unfallverhütung beigetragen werden. Notwendig sei auch die systematische, verkehrsmäßige E r- Ziehung des Publikums durch Bild, Schrift und Propa- ganda, die bereits in Schulen durch Aufnahme eines entsprechenden ständigen Schulfaches vorbereitet werden müsse. Ls bleibt dabei: Der ADAC, ist antisemitisch! Kürzlich teilten wir mit, daß die Ortsgruppe Annaberg des Allgen, einen Deutschen Automobil-Clubs Juden von der Mitgliedschaft ausgeschlossen Hat. Der republikanisch« Deutsch« Auto- Club Hat gegenüber einem Dementi des ADAC, folgendes festgestellt: In Annaberg Hat sich«in neuer Automobilklub gegründet, der vom Gauvorsitzenden des ADAC, in Chemnitz, Swoboda, die Ge- nehmigung erhielt, in seinen Einladungen und Mitgliedskarten das ADAC.-Zcichen und die vier Buchstaben„ADAC." zu verwenden. In der Grllndungsversammlung, in der der vorerwähnte Gauvorsitzende anwesend war, wurde d«r Beschluß gefaßt, und zwar mit einem Stimmenverhältnkd von 5:18, daßIudenindenneuen Klub nicht aufgenommen werden dürfen. Ein Mit- glicd des ADAC, hat an das Präsidium in München einen ein- gehenden Bericht geschickt. Das Präsidium hat geantwortet, daß die Errichtung von Ortsgruppen in die Zuständigkeit der Gaue des ADAC, falle, daß es also über die Gründung nicht unterrichtet sei. Zu dem Vorhalt hinsichtlich d«s Ausschlusses von Juden nahm dos Präsidium des ADAC, wie folgt Stellung: „Bezüglich der Aufnahme von Israeliten in die Ortsgruppe möchten wir Ihnen zur Kenntnis geben, daß unsere Ortsgruppen nur in ihrer sportlichen und wirtschaftlichen Betätigung sich nach den Satzungen des ADAC, zu richten haben. In ihrer gesell- schaftlichen Zusammensetzung sind sie völlig u n- a b h ä n g i g. s!)§ 76 unserer Satzung besagt, daß eine Orts- gruppe nicht verpflichtet ist, jedes ADAC.-M-tglied aufzunehmen: es besteht daher für uns keine Handhabe, dem Klub, wenn er als Ortsgruppe anerkannt werden sollte, hierin Vorschriften zu machen." Hieraus geht klar hervor, daß der ADAC gegen den Beschluß des mit seinen Abzeichen an die Oeffentlichkeit tretenden Automobil- klubs Annaberg nicht eingeschritten ist. sondern erklärt, hier- gegen nichts unternehmen zu können. Am Sonniag nicht vergessen: Arbeiterartlstcn Wettstreit, Schwimmfest FSC.! In der Neuen Welt, Hasenheide 168— 114, findet der Artisten- Wettstreit des vierten Kreises vom Arb.eiter-Athleten- bund Deutschland statt. Ueber 25 abwechslungsreiche Nummern werden geboten. Die Arbeiterartisten aus Görlitz, Magdeburg, Dresden, Leipzig, Liegmtz, Dessau, Finsterwalde, Schkeuditz, Guben und Berlin nehmen teil und werden sich als Exzentriker, fliegende Menschen, Equilibristen, Gladiatoren, Zauderkünstler, Komiker und anderes mehr produzieren. Das ist ein ausgezeichnetes Programm. Karten im Vorverkauf sind erhältlich in der Geschäftsstelle des vierten Kreises Berlin O, Gubener Str. 59, bei Frohne, im Vereins- heim des Artistenvereins Einigkeit. Neukölln, Kirchhofstr. 41, Neue Welt beim Portier, sowie bei Kaselitz, Berlin N, Gottschedstr. 26, und bei Brüller, Neukölln, Kaiser-Friedrich-Straße 77 vorn, IV. Das Jubiläums fchwimmfe st der Freien Schwim- mer Charlottenburg begiimt um 15 Uhr in der Schwinnn- Halle Krumme Straße. Eintritt 75 Pfennig. Radfahrer folgender Organisationen verpflichtet: Parteigenossen des 1. Kreises(Mitte), Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbund Solidarität Reichsbanner, Sozialistische Arbeiterjugend, sowie die Radfahrer aller Kreissportvereine. Treffpunkt: 18.36 Uhr, Brüderstraße 16-18 (an der Petrikirche). Zahlreiche Beteiligung aller parteigenössischen Radfahrer des Kreises Berlin-Mitte ist Ehrenpflicht. \MuYuUoaJUi/ Die Spiele am 10. November. Im 1. Bezirk spielen in der 1. Gruppe FTGB.-Oberspree gegen FTGL.-Südosten um 14 Uhr in Obcrschöneweide, neben dem Frei- bad, und Eiche-Köpenick gegen FTGB.-Osten um 15 Uhr in Köpenick, Wenden schloßstraße. In der 2. Gruppe spielen Wildau gegen ASC. um 15 Uhr in Wildau und FTGB.-Kaulsdorf gegen FTGB.-Stralau um 15 Uhr in Kaulsdorf, Köpenicker Chaussee. Im 2. Bezirk spielt in der 1. Gruppe nur Sportverein Moabit gegen Velten um 13 Uhr aus dem Sportplatz Tiergarten. In der 2. Gruppe stehen sich FTGB.-Nordring und FTGB.-Pankow um 15 Uhr aus dem Platz an der Schönhauser Allee gegenüber. FTGB.- Reinickendorf-West besucht Steinfurth. Im 3. Bezirk findet in leder Gruppe nur ein Spiel st-tt: Brandenburg 1. Abt. empfängt FTGB.- Wedding 2, FTGB.-Spandau spielt gegen Nowawcs 2 um 11 Uhr in Spandau, Seeburger Straße. Im 4. Bezirk spielen in der l. Gruppe Wilmers- dorf gegen FTGB.-Neptölln um 11 Uhr in Wilmersdorf, Fehr- bclliner Platz: FTGB.-Friedenau gegen FTGB.-Süden um 15.16 Uhr in Zehlendorf und Luckenwalde- Sportler gegen Schöneberg in Luckenwald«. vAuch bei den Frauen fähren Schönebergs 1. und 2. Mannichast nach Luckenwalde und spielen gegen die Sportabtei- lung und die 2. Abteilung FTGB.-Süden 1 spielt um 13)4 Uhr gegen FTGB.-Neukölln 2 in Zehlendorf. Die wichtigsten Börsen spiele sind: Freie Faltbootfahrer ' gegen Ruderverein„Vorwärts" um 9 Ubr und Kanu-Union gegen „Schweifstern" um 16 Uhr im Volkspark Rehberge, Schenkendors 1 gegen Fußballklub Oberspree 2 in Schenkendors, Hennigsdorf gegen FIGB.-Nordost in Hennigsdorf. Klausdorf gegen.FTGB.-Nordring- Sportler in Klausdorf. Nordring Turner 2 geoen Bernau 1 um 13 Ubr und Nordrina-Sportler 2 geaen FTGA-Rud�erbezirk um � 15 Uhr au? den Crerzierplätz und Sck'övow aeaen Nawawes in! Schönow um 15'-i! Ubr.— Frauen: Schönow gegen Nowawes in! Schönow um 14?1 Uhr, Berlin 12 aeaen FTGB.-Osten um 15- Uhr in Steglitz, Wilmersdorf gegen FTGB.-Adlershoi um 16 Ubr in Wilmersdorf, Mablsdorf 1 geg?n Süden 2 um 14 ifbr in Mahlsdorf. FTGB.-Kaulsdors 1 gegen Weddma 2 um 14 Ubr in Kauls- dorf und Hennigsdorf gegen Bohnsdorf in Hennigsdorf. Radfahrer umzug zur Wahl! Am Montag, dem 11. November, findet ein Dcmonstra- tionsumzug oller radfahrenden Parteigenossen und Ar, beitcrsportler des 1. Kreises(Mitte) statt. Zur Teilnahme sind die Kohlinge oder Sportler? Domscheid und Kraus disqualifiziert. Die„M o r g« n p o st" teilt mit: Der Spiclausschuß des Deutschen Fußballbundes hat jetzt endlich nach vier(!) Monaten sein Urteil über die Vorgänge anläßlich der letztjährigen Deutschen Fußballmeisterschaft gefällt. Es gab zahlreiche Ver- l e tz u n q e n, an denen einige Spieler noch heute kranken. Die Spieler D o m f ch e i d(Hertha-BSC.) und Kraus I(Spielvereini- Igung Fürth) sind auf ein Jahr für Länderspiele des Bundes und der Verbände disqualifiziert worden. Auch für die diesjährigen Meisterschaftsspiele um die Deutsche Meisterschaft sind die Spieler kaltgestellt. Die Spieler Schmitt vom 1. FC. Nürn- berg und Lei»berger von der Spieloercinigung Fürth sind mit einem Verweis bestraft worden. Wegen Tätlichkeiten bzw. wegen unfairen Spielens wurden ferner«ine ganze Anzahl süddeutscher Spieler bestraft. Die Holzerei bei den Fußballspielen muß ja Formen an- genommen haben, daß sie selbst der DFB. nicht mehr verteidigen konnte. Ein Untcrsfützungsschwindlcr. In Arbeitersport- und Pnrteitreisen taucht«in Unter- stützungsschwindler auf, der sich Albert D r e ß l« r, auch Drescher, nennt und angibt, aus Leipzig zu sein und dort dem Verein Eiche vom Arbeiter-Turn- und Sportbund anzugehören. Ais nähere Wohnbezeichnung gibt er die Zeitzer Straße an. Er beruft sich bei seinen Unterstützungsschwindeleien auch auf«ine Mitglied- schast in der SPD., dem Reichsbanner und dem Republikanischen Motorradfahrerverband. Abzeichen dieser Organisationen trägt er zur Schau. Der Schwindler spricht sächsisch« Mundart und ist be- kleidet mit Windjacke, Gurthose, schwarzen Ledergamaschen, hohen schwarzen Schuhen und blauer Mütze. Er ist- von schmächtiger, mittlerer Statur und angeblich 33 Jahre alt. Mehrsach gab er au, «inen Motorraddesekt zu haben und ohne Geld nicht mehr weiter zu können. Es besteht die Annahme, daß der Schwindler sein« Tätigkeit von Sachsen in andere Landesgebiet« verlegt. Man veranlasse seine Verhaftung.___ Zusammenschluß des DAC und des RRM. Die Leitungen des Deutschen Auto-Clubs und des Reichs- Verbandes Republikanischer Motorradfahrer haben beschlossen, eine enge Zlrbeitsgem einschaft zu bilden, die unter Wahrung der völligen Selbständigkeit jeder der vertragschließenden Vereine ein« übereinstimmende, freundschastliche Zusammenarbeit in allen Fragen des KiostsaHnirsenz und Förderung aller gemeinsamen Intereslen bezweckt. Der DAC. wird sich weiterhin vornehmlich der Interesten der Kroftwaaenbesitzer. der RRM. denen der Kraftradbesitzer widmen. Der RRM. ist dem DAC. als Körp-rschaftsmitglied beigetreten. Die Mitglieder des RRM. haben'Anipruch auf olle wirtschaftlichen Vor- teile und Vergünstigungen des DAC. Durch Zusammenlegung der Geschäftsstellen im Reiche toird die Stärkung und Entwicklung der Vereine wesentlich erleichtert und gefördert. Dieser Zusammenschluß bedeutet erfreulicherweise auch eine Stärkung der republikanischen Bewegung innerhalb der kraftfahrsporttreibenden Kreise� die sich zu den schwarzrotgoldenen'Reichsfarben bekennen. Ev n t r i t t s- Meldungen leitet die Reichsgeschäftsstelle des DAC., Berlin W 36, Neue Winterfeldtstr. 26, an die zuständigen Geschäftsstellen beider Verbände weiter. s Der Krciswaldlauf. Ausseht eibung zum Bußtag. Am Bußtag veranstalten die bundestreuen Arbeiterfportle? des 1. Kreises durch den Plänterwald bei Treptow den Kreis- H« r b st w a l d l a u f. Di« Ausschreibung sieht vorwiegend Mann- schostsläuse vor: Männer: 3666 Meter Mannschaftslauf(4 Mann eine Mann- fchaft, 3 müssen geschlossen das Ziel passieren) in 2 Leistungsklasicn. (Klasse A für leistungsfähige Vereine bzw. Abteilungen, Klasse B für Anfänger.) 3666 Meter Einzellaus. Jugend: 2666 Meter Mannschaftslauf(Monnschaftsstärke wie bei Männer). Dieser Lauf wird in zwei Klassen ausgetragen, und zwar für 15— 16jährige und 17— 18jährige. Schüler: 666 Meter Einzellauf. Frauen: 1666 Meter Propagondalauf. Meldungen müssen bis spätestens 14. November an H. Rahn, Berlin NO. 55, Marienburger Str. 47, gerichtet werden. Es wird erwartet, daß sich olle Vereine und Abteilungen des 1. Kreises in den Dienst dieser Propagandaveranstaltung der bundestreuen Ar- beitersportler stellen._ Das ist ein Erfolg. Die Hauptfestschrift(Heft 6) des Arbeiter- Turn- und Sport- bundes, die das Bundesfest in Nürnberg und das Bundes. wintersportfest in Iohanngeorgenstadt in 236 Bildern zeigt, ist ver- griffen. Das ist ein erfteuliches Resultat bei einer Auflag« von fast 36 666. Es liegen noch Bestellungen vor. doch kann ein Nach- druck nur erfolgen, wenn wenigstens 3666 Stüsk angefordert werden. Bestellungen an den Arbeiter-Turnverlag. Auch die Umschlag- decke macht einen sehr feinen Eindruck, der Preis von 2 Mark ist billig. Bestellungen ebenfalls an den Arbeiter-Turnverlag, Leipzig S. 3, Fichteftr. 36. Arbeitersportkarlell tichtenberg. Dom Jugendamt werden folgend« Kurse veranstaltet: Ab 22. November an fünf folgenden Freitagen Photokursus auch für Fortgeschrittene. Ab Donners- tag, 21. November, 19 Uhr(Gemeinsamer Abend), an drei Donners- tagen oder Dienstag«» zwei Skitrockenkurse. Teilnehmer- gebühr: Jugend bis 21 Jahr« 2 M., Erwachsene 4 M. Meldungen sofort an O. Friesecke, O 112, Grünbergcr Str. 18. Arbeltersvortkartell Treptow. Alle Vereine lassen gemäß Kartell- beschluß am Dienstag ihre Uebungsabende und Versammlungen aus- fallen und beteiligen sich geschlossen an der Jungwähler- kundgebung um 19,36 Uhr bei Wolfram am Treptower Park. Die Arbeilersamariler- Kolonne Adlershos veranstaltet in Nieder- schllneweide, Berliner Straß«, in der Säuglingsfürsorgestelle einen Lehrgang„Erste Hilfe". Beginn Dienstag, 12. November, 26 Uhr. All« Vereine aus Ober- und Niederschöneweide, Adlershof und Baumschulenweg müssen je zwei Mitglieder delegieren. Delegation zum Kursus ist Pflicht._ I. 21.: Dewald. Arbeiter Zla�- und.«trafttabrer-Bund.Solidarität'. vrt««irn?»c Srob» Berlin. Gcs-bättsltelle: Pobert?oi!>bar»li. EW. ll. SchSnebewer Etr. l"->. Wir machen Eonntaa. 10. November, folnenbe ftabrten! 2. Abt.: Eonnadrnd, 9. November. 20 Ubr:'>Ziühr«es»efteben der Ädteilun«. nebft Ebrun« der Iubilarc im Gewerkschaitsbaus.— Z. Abt.: Zobe: siebe»ereinslolal, Etr au.- deraer Etr. X- 6. Abt.: Sonnabend. 9. November. 20 Ubr: Herbstveranliaen in Lo'mann« lZcstsälen. Echwcdtcr Etr. 29—2«. Eäftc willkommen. Eonnta«. 13 Ubr:.Ziel am Start S'oivische Str..V>.— 9. Abt.: Siebe Etartlokal Schreiber, Triftftr. KZ.—>». Abt.: IZ Ubr Ziel am Start Pctersburaer Str. s. — Abt. abarlottcnbnrq: Buckow. Start lZ Ubr Wilmersdorfer Str. 21.— Abt. Schoncber«: iZabrt ftcbc Vereinslokal, Mi««e, Etubcnrauchftr. 5.— Abt. Neukölln: 13 Ubr Nartoifcl» und Sterinostour mit Babafadrer»ach Rudow. Starr Sobe»,ollernvlaft.— Abt. Lichtenber«: Z Uhr Au«uftlab»ur Werbefabrt durch Lichtender«.— Abt. Neinlckendvrf: Bereinslokat Rcinlck-ndörf-Oft. Vro- vin, strafte Scke Vantowcr Allee, bei Neumann. Eäfte willkommen.— Motor- radlabrcr. Abt. Äreuzber«: 13 Ubr. Ziel wird am Start Neichenberaer Str.»l klindl-Quelle. bekanntaeqrben.— Abt. Zriedrichobain: 9 Ubr galkder««. Start Landsberaer Vlaft. Abt. Pankow: Siebe Bereinslokal. Bich. lZram. Ämfcr- �riedrich-Str. 67. Nuder und Ztonuoercia 1921. Handballspieler: Trcs-vunkt tum Sptel mit den Sin«Ifabr«rn Eonnta«, 10. November, 9% Ubr, Bahnhof Kiipenick. im Vorraum. ZISB., Be,Irk Tempelbos-Mariendors. sZrauenabteilunq: Montaa. 11. No. vember. 20 Ubr. Snmnastik, unter Leitunq von Herl« Poblemann. in den«e. heilte» Räumen des Birlenwäldchens, Manieuffclstrafte. Säfte haben Zutritt. Vosserlportlparte de» SB. Moabit. Mit«liedcrv«rfannnluns Dienstag 12. November. 20 Ubr. bei Srtlaer. Nennjohreradteilnv« be» Arbeitee-Nad- und Zlraftlabeerbuadc»»Soli- d-rität". Dienstag. 12. November. 20 Uhr. bei Lvbann. Driiderftr. 18, ciftmi«. Aufftcllung der Etr-ftrnrennen für Saison 1030. Li�nikarten sind m-tiubrina-n. Somwdenck. 9. November. Berlin. 16.05 Ober-Ree.-Rat Dr. Peiser: Ein Rundgane durch curopiische Welthifen. 16.30(Jnterhaltunzsmusik. 18.00 Programm der Aktuelletv Abteilung. 18.30..Das junge Oeschlccht." Heinrich Mann.(Sprecher: Malthias Wiemann.) 19.00 Max Hansen singt für Sie! 19.30 Dr. Ludwig Haas, M. d. R.: Zum 9. November. 20.00 Sendespiele;..Die Hochzeit des Figaro", Oper von W, A. Morart. Regie: Karl Heinz Marlin. Dir.; Alexander von Zcmlinsky. Nach den hbendmeldunzen bis 0.30 Tanzmusik. Während der Pause Bildfunk. Königswusterhansen. 16.00 Karl Fricbel und Karl Würzburger: Probleme der SchulfunkmeUiodik. 16.30 Konzert von Hamburg. 17.30 Min.-Rat a. D. Falkenberg, M. d. R.: Was der Beamte vom Leben sieht. 18.00 Zwiegespräch eines Maschinenbauers mit seinem Betriebsingenieur. 18.30 Französisch für Anfänger. 18.55 Ob.-Stud.-Dir. Dr. Ost: Unsere europäischen Nachbarn: Frankreich. 19.20 Saitschick: Pulitische Weisheit, die uns nottut. Sonntag, 10. November. Berlin. 7.00 Fnnkgymnastik-. 8.00 Für den Landwirf. 8.55 Spiel der Poisd. Qarnisonkirche. Morgenfeier. Geläut des Berl. Doms, 10.00 Wettervorhersage. 10.50 Bildfunk. 11.00 Regicprobleme. 11.30 Kinder am Sonntag. 12.00 Mittagskonzert. H.00 Dr. Dolitiles Abenteuer. 15.00 Isländische Musik. 15.20 Sport. 16.10 Schallplattenkonzert. 16.30 Berliner Theater. 5 nschlicßend Urferhaltungsmusik. 19.40 Hermann Ungar t. Vortrag und Leseproben; Dr. Rudolf Kayser. 20.00 Vvctte Cnilbeit. 21.00 I Sehnhert: Fantasie C Dur.— 2. Korngold: Suite aus der Musik zu ..Viel 1.5 rm um nichts".— 3. Dvorak; Maznrek.— 4. Orosz: Jazz- bard. �Marianne Thciner. Violine, und Georg Szdll. Flügel.) Anschließend Zeit. Wetter, Tage naebrichten. Sport- Anschließend bis 0.30 Tanzmusik. Während einer Pause Bildfunk. Königswusterbausen. 15.00 Prot Dr. Roedcr: Unsere Expedition nach Aegypten. 18.35 Dr. Albert Dietrich:.Die Zerstreuung ist der Tod aller Größe"(von Friedrieh voa Schlegel). 19.00 Prot'. Dr. Waetzotdi; Deutschlands Anteil an der Weltmalerei. 20.00 Aus dem Schloß Monbiion.(Am Mikrophon; Alfred Braun.) II. Konzerb des Münchener Violen-Ouintctts. .Anschließend Hotel Kaiserhof; Unterhaitungsmusik.