BERLIN Freitag tS.Aovember 1929, 10 Pf. Nr. 533 B 265 46. Jahrgang erfch«i»ttS«lich»«ierSesatag«. Zugleich Weudaäsgabe de«.Vorwärts'. Bczllgsxreit beide Ausgabe» SS Pf. xr» Woche, Z.soM.»ro Monat. Redaktion und Expedition; DerlinSWe«,Lindcnstr.2 „VfiWwffa Anzeizenpreit: Die einspaltige Noupareillezeile 80 Pf., Reklamejeile ö M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwärtS-Vcrlag G. m. b.H., Berlin Nr.S7SZ6. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Laßt die Zahlen sprechen! Wollt ihr dreifache preise zahlen? Seit IStß des Lreiklassenwahlrecht und da-; �ausdesitzerprivileg für die Kommunalwahlen gefallen ist. haben endlich auch zahlreiche wirkliche Volksvertreter in den Kommunen mitgeschafft. Sie waren ernstlich bestrebt, die kommunalen Betriebe technisch zu ver- vollkommnen und so rentabel wie möglich zu gestalten, denn sie wissen, sie haben Gut der Allgemeinheit zu verwalten. Heute, nach Privatkapital sehr verlockend. Es macht verzweifelte Anstrengun- gen, in die kommunalen Betriebe hineinzukommen, und die gesamte bürgerliche Reaktion mitsamt dem Reichsbankprästdenten hat dazu helfen wollen. Aber die Arbeitervertreter in den Stadtparlamenten waren auf dem Posten und hoben bisher noch die Angriffe des Privatkapitals abgeschlagen. - 15.30 BK VassenreA 4.65 BK 10 Jahren, darf man behaupten, daß gute Arbeit geleistet wurde. Gerade die Hetze der anderen beweist das. Wo frellich das Ar- beitsvolk der Stadtverwaltung und ihrer Vertretung interessenlos gegenübersteht, da werden auch öffentliche Betriebe schlecht geleitet und verwaltet. Die Folg« davon sind hohe und unsoziale Tarif« und UebÄischÜsi«. die auf jeden Haushalt drücken. Wo aber die Bürgerschaft und auch die Leiter der Betriebe Anhänger der kam- munalen Wirtschaft sind, sind die öffentlichen Betrieby jedem kon- kurrierenden Prlvarunternehmen nicht nur gleichwertig, sondern überlegen. wir lassen Zahlen sprechen. Als typische» Beispiel die Wasserversorgung in Groß-Berlin: Das Wasser aus den st ä d t i s ch e n Wasserwerken Berlin kostet pro Kubikmeter IS Pf., bei den C h a r l o t t e n b u r g e r Wasserwerken. einem rein privaten Unternehmen, tostet es 34 Pf. Die Bezieher vom Charlottenburger Wasserwerk zahlen außer diesem hohen Per. kaus-preis noch Berwaltungstosten. während die städtischen Werke keinerlei Nebengebührcn erheben. Man vergleiche dazu die neben- einander abgedruckten Rechnungen in unserem Bilde. Bei dem privaten Elektrizitätswerk„Südwest", welches in Berlin die Bezirke Wilmersdorf, Schmargendorf und Schönederg versorgt, kostet« noch bis Januar 1928 der Lichtstrom 3Z Pf. pro Kilowattstunde ohne Grundgebühr. Der städtische Lichtstrom kostet in Berlin, setzt endlich auch im Gebiet von Südwest, nur 16 Pf. Di« Gaspreis« schwanken in Deutschland zwischen 12 und 30 Pf. pro Kubikmeter. Ueberall ist f-stzustellen, daß bei st ä d t i. scher Erzeugung der Gaspreis niedriger ist als bei privater Er- zeugung oder bei Ferngasversorgung aus Prioathand. Die städtischen Straßenbahnen haben in den meisten Fällen den billigeren Einheitstarif«ingefühit, so auch m Berlin, das den billigsten Verkehr der Well hat. Privatgesellschaf. t«n bringen nach wie vor den teuren Zonentarif zur Anwendung. Dennoch erzielen die öffenllichen Betrieb« große U-berschüsie. Zwanzig Prozent der städtischen Einnahmen kommen daraus? ebensoviel Steuern werden weniger erhoben. Würden die städtischen Werke an das private Kapital ausge- litfert— das ganze irregeführte Bürgerwm kämpft dafür—, so wären die Städte gezwungen, die ihnen noch verbliebenen Real» steuern beträchtlich zu erhöhen. Die Handwerker und Kleingewerbetreibenden hätten noch mehr zu jammern. Freilich find die liebe rjchüsj« der öffenllichen Werke für da» So sahen die städtischen Arbeitsordnungen noch vor dem Kriege aus. In der Arbeitsordnung dtr Stadt Zittau hieß es: „wer Mitarbeiter zur Erzwingung höherer Löhne ans- re t z t. einem verbände angehört, der Streikbewegungen fördert oder Angestellte zum Beitritt in einen solchen verband veranlaßt, wird die Stellung gekündigt. Unter Am. ständen erfolgt die sofortige Entlafsung." In Z 5 der Arbeitsordnung für die Stadt Dresden hieß es: .... dem Könige treu und gehorsam zu sein, die Gesetze de» Landes und der Landesverfassung sowie der ortsgefetz. Uchen Bestimmungen der Stadt Dresden zu beachten. Ferner ist es dem zuständigen Arbeiter verboten, Mitglied eine» Konsumverein» zu werde« nvd za bleiben." Die Altonaer Gas- und Wasserwerke gaben an ihre Arbeiter 1898 folgendes bekannt: „Da wir gehört haben, daß von unseren Arbeitern bereit» eiaigedem verbände angehören, fordern wir sie aus. bis zum 1. Zun! aus demselben auszutreten. Wer dies nicht getan hat. wird entlassen." So hat das alte System auch in den öftenllichen Betrieben noch die Arbeiter schikaniert. Heute sind in Städten mit starkem Arbeiterejnstuß Tarifverträge geschaffen, die vorbildlich sind. Die achtstündige Arbeit ist tariflich verankert, bis zu 3 Wachen Ar- lcriib, Fortzahlung des Lohnes an Feiertagen und bei Krankheft«- fällen, beim Tod« der Erkrankung in der eigenen Familie ist ein Rechf des Arbeiters. �Ruhegeld- und Hinterbliebenenoersprgung»st fast überall eingefuhrLöftd die Zeiten, wo man den allen, abge- arbeiteten Gemeindearbeiter in das Armenhaus stieß, sind vorbei. In allen Städten ist noch viel zu schaffen. Die öffenllichen Werke sind aber Pioniere für den sozialen und den wirtschafllichen Fortschritt. Wird ihr Vormarsch verlangsamt, werden sie zu Quellen neuer wirtschaftlicher und sozialer Ausbeutung, dann leidet das ganze Volt, heute und in der Zukunft. Das müssen wir verhindern, gerade heute, wo der Ansturm gegen diese öffenllichen Lastionen des Fortschritts am furchtbarsten ist. Diese Abwehr kann aber keine bürgerliche Partei führen. Auch die Kommunisten sind unfähig dazu, weil sie—er ein großes Wort führen, nicht aber arbellen und oerhandeln kö.->»ep. Das kann.nur die Sozialdemokratische Partei. Die Kieler Muniiionsschievung. Am 10. Dezember Hauptverhondiung in Kiel. Vor dem Schöffengericht in Kiel ist jetzt endlich der Haupt» Verhandlungstermin in der Kieler Muni ti ans, a f f äre auf Dienstag, den 10. Dezember anberaumt worden. Angeklagte sind: Schwarz, Taub, Dongs, Weltjens, Licning, Seemann und Oberleutnant Protze von der Seetransportabtcilung des Reichswehrministeriums. Die Beteiligten von der Spo- dftiynsfirma sind außer Verfolgung gesetzt worden, doch hat ix-r Kieler Staatsanwall vorsorglich Beschwerde dagegen eingelegt. Bei der Munilionsafsäre handelt es sich bekanntlich um jene ltz Waggons deutsche Gewchrmunition, die mit dein norwegischen Dampfer„Aker" am 11. Januar 1928 durch die Speditionsfirma Schenker u. Co. in Halle angeblich nach Stockholm verfrachtet werden sollten. Durch einen Zufall entdeckten Zollbeamte, daß die als„Messing" deklarierten Kisten scharfe deutsche Infanterie mvnition enthielten. Die Munition wurde bc- schlagnahmt. Die bereits entladenen 10 Waggons mußten wieder zurückdeluden werden. Die Munition stammt aus dem Fort Zinna bei Torgau. Di« Speditionsfftma Sch enter behauptet nach wie vor, für die Aussuhr die ausdrückliche Genehmigung des R e ich s we hrm> n ist e r ip m s eingeholt zu haben. Die Tat- fache, daß der Oberleutnant Protze mitangeklagt ist, bestätigt diese Behauptung anscheinend. Die.Verhandlung wird jetzt Hassent- lich Klarheit in die s e h r dunklen Zusammenhänge bringen, Ein Locarno im Miitelmeer? Die Dorkämpfe um die(Seeabrüstungskonse renz. Paris, 15. November.(Eigeoberichk.) Die diplomaiischen Vorverhandlungen für die Londoner Flotten. konserenz scheinen jehk in ein Stadium größerer Aklivttäl einzutreten. ver französische Botschafter in London ist in Paris eingetroffen, um Tardle« und Brftwd über feine bisherigen Verhandlungen mit dem Foreign Office Bericht zu erstatteo und sich neue Instruktionen zu hole». Die diplomatischen Besprechungen zwischen Frankreich und Italien über eine Bildung einer Einheitsfront sind bisher trotz der Annahme einer entsprechenden Ausforderung Italiens durch deu Quai d'Orsay noch nicht in Gang gekommen. Das„Zouruol" begründet diese Tatsache damit, daß die Regierungskrise in Frankreich ihr« Aufnahme verhindert habe. Das Blatt muß allerdings zugeben. daß sich in Italien eine Slelluugsäuderung vorzubereiten scheint. Nicht nur propagierteu zahlreiche italienische Blätter die A b. schassuug der Unterseeboote, um mit diesem Opfer die Flottengleichheit gegenüber Frankreich zu erhallen, man habe darüber hinaus sogar die Idee eines Locarno- Vertrages de» Mitlefmeeres lanciert, um Frankreich gegenüber Italien nachgiebiger zu stimmen. Vor den Gchreckenswahlen in Mexiko. Vondestruppen sollen den Frieden aufrechterhalten. Mexiko-Eity, 15. November. �Eigenbericht.) Angesichts der für Sonntag bevorstehenden Präsidentenwahlen gestallet sich d!« Loge, Insbesondere in Nord-Mexiko, immer bedroh- licher. Di« Regierung hat inzwischen 5000 Mann Bundes- truppen in den Sonorastaat. den Hauptstützpunkt von Bnscou- zelos, entsandt. Gleichzeitig wird von der mexikanisch-amerikanischcn Grenze gemeldet, daß sowohl von mexikanischen als auch arnerika- nischen Zollbeamten große Munitionsschmugglertransport« festgestellt worden sind. An diesen Transporten sind Haupt- sächlich führend« Anhänger van Basconzelos beteiligt. Heber- raschungen sind nach alledem im Sonorastaat vor und für den Fall einer Niederlage der Dasconzolisten nach den llHahlen nicht unwahr- scheinlich. Auf diese Vermutung ist hauptsächlich- auch die stärkere Belegung des Sonoroftaatcs mit Bundestruppcn zurückzuführen. Aus zahlreichen mexikanischen Städten werden blutige Zu- sammenstöße zwischen den Anhängern der Präsidentschaftskandidaten gemeldet. In Mazallan gab es bei einem derartigen Zusammenstoß zahlreiche Tote. »Siudentenkompanie.� Unter der nicht gerade genau treffenden Ueberschrist„Zu. sammenschluß an der Jnn&brucker Universität" verbreitet WTB. aus Innsbruck die folgende Meldung:„Gestern wurde hie� auf ein« stimmigen Beschluß der nationalen Studentenschast die nationale Sludentenkompcmie der Innsbrucker Universität gegründet." Schützt den Gemeinbesitz Berlins! Am Sonntag stimmen alle Krauen und Männer für die Sozialdemokratie. Die Fälscher am Werk. Immer neue Stinkbomben gegen die Arbeiterbewegung. Der.Klassenkampfs in Hall« bauschte auf seiner ersten Seite am 13. November«in Vorkommnis in der Ortsvermalwng 5)all« a. d. S. des Deutschen Metallarbeiterverbandes auf, wobei es sich um die Untreue eines Bezirkskassierers handelte. Mitte September wurde die Ortsverwaltung des DMV. daraus aufmerksam, daß falsche Marken tm Umlauf sind. Bei einer Kontrolle der Mitgliedsbücher und nach Feststellungen beim Haupt- norstand wurden die falschen Beitragsmarken den Uirtertafsierern abgenommen und die Unterkassierer verpflichtet, fortab nur noch mit der Ortsvermalwng direkt abzurechnen. Auf bisse Weife gelang es, den Bezirkskassierer Ohme als den Betrüger festzustellen. Er hatte bis dahin 1 Z L 6 falsche Beitragsmarken, die er sich selber hatte herstellen lassen, umgesetzt und dafür ZZZ4 Mark in die Tasche gesteckt. Ohme wurde sofort seines Amtes enthoben und fein Ausschluß aus dem Verbände beim Hauptvorstand beantragt. 4l1l> Mark zahlte er zurück und auch den übrigen Betrag sollte er bis zu einem bestmrmten Termin zurückzahlen. Der Ortsvcrwaltung lag zunächst daran, die ver- unkreuten Gelder wieder zurück zu bekommen. Deshalb sah sie von einer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft zunächst ob. In der Funktionärsitzung am 12. November, wo über diese Betrügerei berichtet wurde, stellte sich heraus, daß die KPD. über die Vorgänge längst informiert war, mit ihrer Beröffentlichung jedoch wartete bis zu dieser Sitzung, um dann die Sache als „Wahlbombe" steigen zu lasten. Heute bringt auch die„Rote Fahne" den„Riesenbekrug im DMV. halle", worin wider bestcrcs Wissen und des Effekts halber der veruntreute Betrag auf 30 000 Mark abgerundet und behauptet wird; »Dieser Riesenskandal wird von der kommissarisch eingesetzten reformistischen Ortsverwaltung gedeckt." Die Ortsverwaltuirg hat den kommunistischen Laudtogsabgeord- ueten Lademann ersucht, als„Verantwortlicher" für diese .„Klastenkmnpf"-Lüge auf seine Immunität zu verzichten, damit sie an Gerichtsstelle auf ihren wahren Wert zurückgeführt werden kann. Inzwischen freilich soll die Stinkbomb« bei den Lesern der KPD.-Presse ihre Wirkung tun. Die Degner, Gabel usw. sind ja ansges cht offene Kvmmunstten. Flucht aus der KPD. Zahlreiche Austritte von Kommunisten. Köln, 15. November.(Eigenbericht.) Der Sekretär der kommunistischen Stadt- v«rordnetensrattion in Köln, Heider, hat seinen Aus- tritt aus der Kommunistischen Partei erklärt und ist zur Sozial- demokrotie übergetreten. Er war von der Kommu- nistischen Partei bereits auf die neu« Kandidatenliste zur Stadtverordnetenwahl übernommen worden, hatte aber seine Unter- schrist zurückgezogen. Heider ist der zweit« kommunistische Stadtverordnete in Köln, der zur Sozialdemokratie übergetreten ist. Hannover, 1ö. November.(Eigenbericht.) Oer Uebertritr der früheren sozialdemokratischen Reichstags-. abgeordneten Frau Reese zur KPD. hat nicht einen einzigen Liehertritt aus der Sozialdemokratie Hannovers zur KPD. zur Folg« gehabt. In dieser Hinsicht sind die Kommunisten bitter enttäuscht. Vielmehr sind der Sozialdemokratischen Partei in Hannooer trotz Frau Rees« seit der Werbewoche mehr als 2000 Per- sonen beigetreten. Dagegen ist in der KPD., deren Mit- gliederzahl in Hannover etwas mehr nls 300 beträgt, neuerdings «in« schwere Krise ausgebrochen. Die bisherige Fuhren» der kommunistischen Jrauengruppe, Frau vorchert, die zugleich Ork», und Veztrksvorsteherin des Roten Frauen- und Rtädchenbundes war, ist aus der KPD. ausgetreten. Zahlreich« Frauen sind ihrem Beispiel gefolgt. Dieser Austritt ist auf einen Konflikt mit der Dezirksleiwng zurückzuführen. Die Stodtdslegiertcnkonferenz. der KPD. in Hannover hatte Frau Borchert mit übergroßer Mehrheit als erste Frau auf die Liste zur Stadwerordnetcnversammlung gestellt. Auch das ZK. hatte der Kan- didawr zugestimmt. Das mißsiel jedoch dem Pol-Sekretär Herrn Möller, weil Frau Borchert es gewagt hatte, sich als Leiterin der Frauengruppe dagegen aufzulehnen, daß gewisse hannoversche Führer der KPD. ihre Frauen verprügelten oder teilweise sogar mit Messern bearbeitet haben. Also holte man am Abend vor der Cinreichung der Liste die Listenunterzeichner in das kommunistische Porteihaus und erklärte ihnen, daß Frau Borchert auf ihre Kail- didatur freiwillig verzichtet habe, weil sie dem Haus- und Grund- besitzerverein angehöre. Am Tage daraus, nachdem die Liste be- reit« eingereichr war, verlange man von Frau Borchert, daß sie eine entsprechende Erklärung abgebe. Dieses Ansinnen hat sie ab- gelehnt und mit dem Austritt aus der KPD. beantwortet. Der kommunistische Spitzenkandidat zum Provinziallaadtag. Glaser, verössentlicht in dem sozialdemokratischen„Volkswille" ein« Erklärung, daß er von seiner Kandidatur zurücktrete. weil die KPD. in einem Flugblatt durch unwahre Behauptungen gegen den Reichsbund der Kriegsbeschädigten gearbeitet habe. Er weis« diese verleumderischen Angriffe gegen den Reichsbund ent- ichiede» zurück. Die Folge dürfte fein, daß auch Gläser d« m n ä ch st einen Fußtritt bekommt. Wie wird Frem Reese? Engländer geben Wiesbaden frei. Vie ssstheinkandkommission zieht ein. Wiesbaden, IS. November.(Eigenbericht.) Die Rheinlondkommission, die demnächst von Koblenz nach Wiesbaden übersiedelt, hat hier bisher 103 Wohnungen und zehn Dillen zwecks Einquartierung beschlagnahmen lassen. Das Reichs- k o m m i j s o r i a b für die befetzten Gebiete wird voraussichtlich am 23. November noch hier übersiedeln. Mit dem Eintreffen der Rheinlandkommission wird in diesen Tagen gerechnet. Di« Engländer hoben in Wiesbaden bereits 180 Wohnungen frei gegeben. Sie dürsten Wiesbaden endgültig bis Anfang Dezember verlassen haben. Ausschluß Buchaclus. Das Politbureau der Kömmunistischen Partei hat Bucharin aus dem Politbureau ausgeschlossen. Bucha rm wurde weiter seine« Postens als Vertreter der.Kommunistischen Partei bei der Gewertschaftsinternatioirale enthoben. Berfchieden« Partejargonisotionen beantragen bei der Parteileitung die sofortige Verhostuna Bucharin». falls er seinen Kampf gegen die Partei nicht aufgibt. Zwei Tage trennen uns noch vom 17. November. Heule und morgen finden noch überall ia Berlin große sozial- demokratische wahlkundgebuagen statt. Es gilt bis zum Sonntag alle Säumigen und Lauen aufzurütteln. Leider gestaltet uns der Raummangel nicht, über alle ver- sammlungen zu berichten. Nachstehend geben wir ein Bild von einigen der gestrigen Kundgebungen, die all« überfüllt und von glänzendem Kampsgeist gelragen waren. Die stark besuchte Versammlung im F o r st h a» s Schmargendorf bewies, daß auch in diesem bürger- lichen Wohnviertel die Sozialdemokratie aus dem Posten ist. Der Referent, Genosse K u t t n e r. legte in seinem Vortrag namentlich die Unterlassungssünden des Bürgertums in jener Zeit dar. in der besonders die westlichen Lorortgemeinden im Geld« schwammen. Damals wäre es ein leichtes gewesen, wenigstens im Westen sür di- minderbemittelt« Le- völkerung menschenwürdige Wohnstätten zu schassen. Statt dessen habe man alles der Bauspetulation überlassen, die dos Hinterhaus und den Seitenflügel des Ostens im Westen durch das berüchtigte„Gartenhaus" ersetzt hat, dos seinen Namen vom Nicht- Vorhandensein eines Gartens hat. In Wirklichkeit ist das Garten- haus nur eine verschämte und verbrämte Neuauf- löge des Hinterhauses.(Lebhafte Zustimmung.) Im künstigen Berlin wird man es jeder Straße, jedem Wohnviertel fchsn rein äußerlich ansehen, ob es die Bauspetulation unter dem bürger- lichen Regime oder städtische Gemeinnützigkeit unter sozialdemo- kratischer Herrschaft errichtet hat. Laßt euch, so rief der Resercnt den Wählern zu, durch die Sklorcthetze die wichtigen Probleme der. Kommunalpolitik nicht vernebeln: Es geht am 17. November darum, ob Berlin für vier Millionen nur ein Wohnsitz bleiben oder e i n e wirtlicheHelmat werden soll! Durch stürmischen Beifall gaben die Zuhörer ihr Einverständnis mit diesen Ausführungen kund. Mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie schloß der Borsitzende, Genosse Steinhöfer, die glänzend verlaufene Kundgebung. « In der äffcntlichen Wählerversammlung Reinickendorf- W e st referierte der Stadwerordnete Genosse Kraus« und legt« noch einmal in großen Zügen die Tätigkeit der Berliner Stadt- verordneten dar. Die Versammlung erkannte die von der sozial- demokratischen Fraktion iin Berliner Rathaus geleistete erfolgreiche Arbeit an und war der Meinung, daß auf diesem Wege die Politik der Sozialdemokratischen Partei im Interesse der gesamten arbeiten- den Bevölkerung Berlins weitergeführt werden soll. In der Diskussion meldete sich eine unorganisierte Kommunistin, die mit ihren verworrenen Ausführungen der Lächerlichkeit anhcim fiel. Di« Stimmung in der Derfammlung zeugte davon, daß am 17. N o- vember der Sozialdemokratie der Sieg sicher sein wird. Mit einem dreifachen Hoch aus die Sozialdemokratie wurde die sehr gut besuchte Versammlung geschlossen. Boß ist nicht Sozialdemokrat. Wahlmanöver der letzten«Stunde. Durch zahlreiche Zuschristen werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß in den Wahlversammlungen der Gegner und ihrer Propaganda von Mund zu Mund immer vom„s o z i a I d e m o- k r a t i s ch c n Oberbürgermeister Boß" die Rede ist. Erst hat man den Mann wochenlang mit Schmutz beworfen— und dann macht man einen Sozialdemokraten aus ihm! Der Zweck dieses Manövers ist offenkundig. Bon den hellen Berlinern sollte man eigentlich erwarten, daß sie die Parteizugehörigkeit ihres Oberbürgermeisters kennen. Böß ist nicht Sozialdemokrat, sondern Demokrat. Was gegen ihn behauptet wird, trifft also nicht die Sozialdemokratische, sondern die Demotratische Partei. Die Hetze macht aber kein Vergnügen und verfehlt ihren partei- politischen Zweck, wenn Böß kein Sozialdemokrat ist. Also macht man ihn dazu. Und weil man die Soziatdemokrnti« damit treffen will, schneidet man ihm die Ehre ob. Garantie der Stadt für die Stadtbank. Keine Schädigung der Einleger. Der am Mittwoch im Slädlischea Nachrichtendienst veröffentlichte Status der Berliner Stadlbauk bedarf, wie einige Am sragen gezeigt haben, noch einer Ergänzung, um Mlßverständ- nissen vorzubeugen. Der im äußersten Falle errechnet« Verlust von 6 Millionen Mark einschließlich oller aus den Sklarek. Geschäften entstandenen Risiken gehl selbstverständlich zu Lasten der Stadt und nicht etwa zu Lasten der E i n l e g e r, da die Stadt für sämtliche Verbindlichkeiten der Berliner Stadtbank haftet. Die deutschnationale Wahlparole. Wählt nationalsozialistisch. Wir lesen in der Berliner„Deutschnationalen Tages- p o st" die folgende deutschnationale Wahlparole: „Es gibt für einen ausrechten Deutsche» gar keine andere List« als die Liste 16. We Parteien haben Gelder von den Skloreks genommen. Leider auch die Deutschnational« Volkspartei. Da gibt es nichts zu drehen und zu deuteln. Di« einzige Partei, die keinen Dreck am Stecken hat, ist die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Wählt deshalb diese Partei, wählt Liste 16. Die Schristkeitung. Deutschnational sein, heißt also nationalsozialistisch wählen! GerüsteinsturzbeimKirchenbau. Orei Arbeiter erheblich verletzt. hqute vormittag ereignete sich in dem Sirchenneubau ia Schmargendorf, hohenzollerndamm 130. ein folgenschwerer Gerüsteinsturz. bei dem drei Arbeiter erheblich verletzt wurden. Die Arbeiten auf dem Neubau sind soweit vorgeschritten, daß in dem großen Gememdesaal bereits die elektrischen Anlagen montiert werden. Im Innern des Saales war zu diesem Zweck ein hohes Leitergerüst errichtet, auf dem drr Arbeiter beschäftigt waren. Zlus noch ungeklärter Ursache brach ein« Stützleiter zusammen und das ganze Gerüst stürzte zusammen. DI« drei Die Mitglieder der 108. Abteilung Köpenick der Sozial- demokrotie sammelten sich noch einmal zu einem Werbe zug durch Köpenick. Reichsbannertambourkorps und Musikverein begleiteten den i in posanten Zug. Viele Passanten marschierten zu beiden Seiten des Zuges mit. Der Saal war bald überfüllt. Nach dem Gesang des Männerkorps Köpenick„Brüder zur Sonne zur Freiheit" ergriff der Referent des Abends, Genosse Otto Meier. M. d. L., das Wort. Er erinnerte zunächst an die große porlamen- tarische Aktion: die Ausläsung der Gutsbezirke, die es bcidieser Wahl vielen Menschen zum erstenmal ermöglicht. sich an der Gestaltung ihrer Kommunalverwal- tung zu beteiligen. Wir haben in der Kommunalpolitik auf der ganzen Linie das Erbe des kommunalen Freisinns antreten müssen. Der Redner beschäftigte sich im besonderen mit der W a h- nungssrage. Wir haben unter den gegebenen Verhältnisse» das möglichste getan. Wir brauchen uns weder aus diesem Gebiet noch auf irgendeinem anderen unserer Leistungen zu schämen. Der Referent schloß mit einem Appell, den-Sozialismus zu neuem Sieg« zu verhelfen, der begeistert aufgegriffen wurde. Bezirksverordneter Max Tolksdorf konnte aus der Tätigkeit des Köpenicker Bezirks nur berichten, daß die Sozialdemo- krati« sich auch dort um die Lösung aller Aufgaben, die an st« heran- getreten sind, zum Wohle der arbeitenden Bevölkerung bemüht hat. Ein angenehm sachlicher Diskussionsredner der Demokraten regte ein« Aktion zur Zentralisierung des Magistrats Berlins auf Kosten der Bezirksämter analog der Schaffung des Einheitsstaats im Reich an. Er fand keinen großen Beifall mit dieser Anregung. Räch einem Hoch aus die Sozialdemokratie fand di« Kundgebung unt.-r den Klängen der Internationale ihr Ende. Adolph Hoffmann in Tempelhof. In der starkbesuchten Wählerkundgebung in Tempelhof sprach Genosse Adolph H o f s m a n n. In scharf pointierter Rede ging der alle Parteiveteran mit unseren Gegnern ins Gericht. Der beste Beweis für die Unaufrichtigkeit der Bürgerlichen sei die Listen Verbindung, di« die Rechtsparteien untereinander schon vollzogen hätten. Der Arbeiter müsse sich erinnern, wie er in den Zeiten des Dreiklasse»Wahlrechts geknebelt war, in welcher unwürdigen Stellung die Frau sich befand, und der Arbeiter müßte vor ollen Dingen auf das schauen, was die Partei für ihn in schwersten Kämpfen bereits errungen habe. Die Partei und ihre Arbeit steh« turmhoch über dem Schmutz, mit dem man sie erneu: bewerfe. Das Attentat gegen den Gemeinbesitz Berlins müssen wir abwehren! Die Wohlfahrtseinrichtungen müssen geschützt werden! Geschlossenheit gegen den gemeinsamen Feind, Niedcrringung des Kapitals ist heute wie je die Losung de r�A r b e i t e r s ch a f t. Senden wir mehr Sozialdemokraten ins Slod' parlaitienl, dann wird es weiter vorangehen! Arbeiter, Otto K u ß k e aus der Rostizstraß« 32, Viktor Sabinas aus der Nonnendammallee 02 in Siemenstadt und Alfred S ch e e r aus der Pannizrstraße 13 in Neukölln stützten in die Tiefe Pnd er- litten erheblich« Kopf-, Arm- und Beinverletzungen. Durch Wagen des Städtischen Rettungsamtes, das auf ds» Alarm„Gerüst ein stürz— Menschenleben in Gefahr" drei Fahrzeuge an die Unsallstelle entsandt hatte, wurden die V°r unglückten in das Wilmersdorfer Krankenkaus in der Achenbach- strahe gebracht. Eine polizeiliche Untersuchung ist ein geleitet worden. Orkan über Argeniinien. Viele Einwohner umS Lieben gekommen. Ei» Orkan hat in der argentinischen Provinz Cor- dova erhebliche Verluste an Menschenleben u,o Eigentum gefordert. Zahlreiche Häuser wurden ab- gedeckt und ein Theater vollständig zerstört. Ueber die Höhe des Schadend und di« Zahl der ums Leben gekomme- neu Menschen liege« zurzeit noch keine Einzel- heiten vor. Wieder nächtliche Schießerei. Ein junger Mensch schwer verletzt. Zn der vergangenen Nacht kam es in der Dresdener Straße zwischen Kommunisten und Hakenkreuz. lern zu einem blutigen Zwischenfall. In der Dresdener Straße, unweit der Prinzenslraße, geriete» toinmunistiscye und nationalsozialistische Klebekolonnen nach einem vorangegangenen Wortwechsel in ein Handgemenge. Mit Kleister- pinseln. Stahlruten usw. bearbeiteten sich die Gegner, p l ö tz l i ä> krachten mehrere Schüsse. Von einer Kugel in den Unterleib getroffen brach der 22jährig« Georg Ka u n aus Prinzenstraße blutüberströmt zusammen. Das war für die Streit- höhne da» Signal zur Flucht. Kaun, der inzwischen das Bewußtsein verloren hatte, wurde später in das Bethanienkrankenhaus über- geführt. Der Schwerverletzte soll Mitglied der NSDAP, sein, er liegt bisher noch vcrnehmungsunfähig im Krankenhaus danieder Von dem Revoloerjchützen fehlt bisher jede Spur. Die politische Polizei Hot die Ermittlungen aufgenommen. „Die kleinen Weiter gingen leer aus." Oeutschnalionale Propaganda gegen sich selbst. Je näher die Gemeindewahl rückt, desto geschmackvoller« Blüten treibt die Wahlpropaganda der Deutschnatianalen. Ihr« neueste Leistung ist ein Stlarek-Platat nach der Photographie, die beim Derbysiege des Sklarekschen Rennpferdes Lupus aufgenommen wurde. Alst dos Pferd ist ein roter Jockei gemost, unter dem Plakat steht«in längerer Text über Wettschiebungen, der mit dem Seufzer schließt: vi« kleinen Wetter gingen leer au«." Welch ein Glück, daß die Deutschnationolen ostenbar nicht zu den kleinen Wettern gehört haben. Sie sind daher auch nicht leer ausgegangen, sondern haben immerhin die ansehnliche Quote von 2000 Mark von dem Sklarekschen Toto für Ihr« Sroß-Verllner Partelorgootsotlon in Empfang nehmen können! Auf dem Plakat wird auch noch bemerkt, daß die deutschnarta- nalen Pferd« bei der Wahl unter Smrtnummer 2 liefet». So sehen sie auch aus— ganz wie„zweite" Steger! Standarieniräger Kreutz. Klage gegen die kommunistische Zentrale. Ein Natkvnaltozialist, der aus Anlaß des auf dem nationalfojia- kftifchen Parteitag in Nürnberg ausgefochtenen Konflikts au» der nationalfo zwlisllfchen Partei ausgetreten war, wurde van toinmunrfti- scher Seite veranlaßt, als Referent in kommunistischen Versammlua- gen aufzutreten. Den Vesähigungsnachweis halte er ja erbracht, denn er hatte als Nationalsozialist ans dem Kongreß dieser Partei in kräftigen Worten geredet. Da es b�| den Kommunisten weniger auf den Inhalt als viel- mehr auf die Kraft der Worte ankommt und in bezug auf Maul- ausreißen kein Unterschied zwischen Nationalsozialisten und Kom- munrsten besteht, so schien er der geeignete Mann für kommunistische Propaganda zu sein. Also wurde er als Referent in den Dienst der SPD. gestellt. L e o w selbst war es. der die neue Kraft für seine Partei ge- wannen hatte. Man vereinbarte mit diesem nationalsozialistischen Ttandartenträger namens Kreutz, daß er außer dem Fahrgeld pro Tag lv Mark Honorar bekommen sollte. Kreutz trat nun Im September und Oktober als Referent.in Perlin, in Pommern, in Thüringen auf und wurde überall als kommunistischer Parteigenosse begrüßt und beliandelt, obgleich er der KPD. nicht beigetreten ist und auch gor nicht die Absicht bat, es zu tun. So hat er zwei Rlonale für die KPV. gesprochen, aber mit der Gegenleistung der Partei, nämlich mit der vereinbarten B e- zahlung, haperte es. Als sich ein Honorarrückstand von 120 Mark angesammelt hatte, fordert« Äreutz, der doch sein wohlverdientes Geld zum Lebensunter- Hopp-Hopp-Hoppe. Der Führer der randalierenden Veriiner Studenten ist wegen Faulheit von der Universität relegiert. „Joden ond Sszis raus! Wer arbeitet, gehört mcht in die llniversität!" halt braucht«. Aezohlung. Aber da kam er schlecht an. Man bestritt die Richtigkeit seiner Forderung, war auch mit seinen Reden nicht mehr zusrteden, weil er sich nicht bereit fand, für den verbotenen .Rol-Frootkämpferbund" Propaganda zu machen. Das Ende vom Liede war. daß er entlassen wurde, ohne dag er auch nur einen Pfennig von seinem rückständigen Honorar erhielt. Jetzt klagt er vor dem Arbeitsgericht Berlin gegen das Zentralkomitee der KPD. auf Bezahlung seiner Forderung und .herausgab« seiner Papiere. 3m Termin bestritt der Nmretor des Zentralkomitees, daß dies« Körperschaft mit bem .Kläger irgend etwas zu tun habe. Das„Zentralkomitee" habe ihn nicht eingestellt, ihm keine Aufträge erteilt und auch nichts mit ihm vereinbart. Bergedens verwies der Kläger darauf, daß die Verfanunluugen, in denen er referierte, in großer Aufmachung in der„Roten Fahne". dem Zentralorgan der KPD. angezeigt waren.— Der Vertreter des Zentralkomitees blieb dabei, daß der Kläger von ihm nichts zu fordern Hab«. Der Vorsitzend« des Gerichts bemerkt« dazu, er Hab« eine Anzahl von Prozessen verhandelt, wo die Kommunistische Partei verklagt war und in allen Fällen habe sich der Streit immer darum gcd'eht, weich« Stelle der SPD. für die Forderungen der Kläger heran- zuziehen sei. Immer habe eine Stelle die Verantwortung auf die andere geschoben. So muß denn auch in diefein Fall« e r st f e st g« st e l l t werden, welche Instanz der SPD. den Referenten zu bezahlen hat, der auf Verlangen der Partei für dies« Reden geholte» hat. lCftm Kläger wurde aufgegeben, im nächsten Termin nachzu- weisen, daß das Zentralkomitee der KPD. als solches verklagt werden kann, d. h., ob es als rechtsfähiger Verein anzusehen ist, und daß jemand, der befugt ist, für das Zentralkomitee Verträge abzuschließen, die Vereinbarung mit ihm getroffen hat Gemeinsame Ziele. In einer Versammlung der N a t i o n a l s o z i a l i st« n in har- bürg führt« ein« Rednerin namens Zander au», daß die National- iozialistan mitden Kommunisten bis zu einem gewissen Grade gemeinsam« Ziel« hätten. Sie begrüße di« Rot- frontkämpfer, weil sie die Front gegen dos jetzige Snstew erweiterten. Zu diesem Berbrüderungsbekenntnis sah sich Frau Zander durch ihr« kommunistisch« Parrednerin in der Diskussion veranlaßt, di« ihrerseits betont hatte, das Programm der Kommunisten habe zu «wem gewissen Teil mit dem der Nationalsozialisten Gemeinsames aufzuweisen. Heber dieses Freundschoftsbekenntnis hinaus ist es sogar bereits .zu Uebertritten der Führer von der einen zur anderen Seil« gekommen. So steht zum Beispiel«in früherer Propaganda- leiter der Kommunistischen Partei jetzt an führender Stelle der Natfonalso,ialistlschen Partei. serbstschau des Vereins Verliner Miller. Von Dr. Paul F. Schmidt. Auch der Verein Berliner Künstler in der Bellevuestraße meldet sich mit einer Herhstschau(es ist die vierte). Wohltätig berührt die oft und oft von vielen Seiten, aber fast immer oergeben», verlangte Beschriftung der Kunstwerke mit Namen und Titel. Auch die aus- geglichene Qualifikation der Bilder wirkt äußerst beruhigend aus die Nerven; und weil man sich hier keinerlei überflüssiger Attacke auf unseren Scharssinn, Stile, Formexperimente, bedrohliche Neuerungen zu erraten, ausgesetzt sieht, das Wässerlein vielmehr durchsichtig daherplätschert im sanften Tonfall einer zu nichts verpflichtenden Naturtreue, so werden die Methoden am besten an einigen Beispielen behutsam erläutert. Im ersten Saal fällt die„Tiergartenbrücke" von K. H a a s e- I o st r o w als eine Arbeit von Format und Gehalt auf: ihr Niveau steht über dem der Ausstellung. Abwandlung des grauen Gesamt- tones in Nuancen, Ausgleich von Atmosphäre und Tiefenwirkung erzielt bildmäßige Geschlossenheit. Gegenstück: di«„Erzgebirgslandschast" von Franz Lenk. Bauernhäuser des Vordergrundes betonen das konträr« Element unbedingter Linienstrassheit, bestimmt umschriebener Gegenstände, fast ohne Atmosphäre(Typus der sogenannten neuen Sachlichkeit). Man empfindet diese Deutlichkeit des Seienden als unerbittlich. hintergrundlos und beinahe aller Weltanschauung entbehrend. B r u n o Beils„Mädchen mit Blumen" bedeutet daneben di« Aussöhnung mit der Wirklichkeit, deren sinnlicher Reiz im nackten Fleisch und dem schönen gelassen Tierhoften des Ausdrucks vor- herrscht. Im zweiten Saol: drei vortresslichc Landschaften von Otto H. Engel, besonders schön„Bor Amrun". Die Horizontweite mit weiße» Wolken, bewegter Luft und Klarheit des Raumes beglückt; wenige Gegenstände: weißes Schiff auf blauem Meer, ein paar Häuser aus der Düne genügen. Dies Sichtbar« ist mit heiterer Ge- lasienheit der Seele empfunden. Im dritten Saal eine bemerkenswerte Niete von Arthur Kampf:„Wahllag". Der akademische Künstler hat mit dem reich- haltig beflaggten Kommunistensahrzeug beileibe nicht«in politisches Bekenntnis ablegen wollen; ihn hat lediglich das Ucbermaß an Rot berauscht. Aber rote Farbe ist noch kein Bildthema, sondern höchstens ein Tuch für politische Stiere: und weil sonst kein Thema vorlieg» und kerne löbliche oder unlöbliche Propagondaabsicht, bleibt es ein absolutes Nichts, dumm und sinnlos im Raum verloren. Vierter Saal: Karl Großberg,„Abbruchstell«": aquarel-� lierte Federzeichnung von guter Präzision und zugleich farbiger' Schönheit. Genauigkeit wie hier braucht nicht Pedanterie zu sein; sie läßt sogar für Stimmung Raum. In Vitrine eine Kleinbronze„Schwimmerin" van Paul G r u s o n. Das Plastische eines schlicht stehenden Frauenkörpers ist gut bewältigt, das spezifisch Weibliche- nachdrücklich betont; die Dar- stellung einer rein sinnlichen Existenz ohne Ausdrucksaufwand ist in erster Linie Sache der Bildhauerei. Der fünfte(rosa) Saal birgt die beste Skulptur der Schau, „Sunges Weib" von K. H. Isen st ein. Di« Stellung des Aktes mit vorgestütztem Bein und auf den Rücken gelegten Armen ist von großer Lebendigkeit, Kopf wie Körper ganz indimduell, atmende«, bluterfüllles Leben. Ein Gegenbeispiel, dessen Entstehung man heute nicht mehr für möglich hallen sollte: Ernst Henselers„Wohlläterin". Als Malerei von der guten allen Solidität der ftnaus-Epoche vor fünfzig Iahren(das wäre noch durchaus kein Einwand: das gegenüber- hängende„Atelier" von Ernst A g t h e gibt mit ähnlich„altmodischer" Dunkeltonigkeit die vornehme Neutralität eines Innen- raumes, dessen herzliche Verbundenheit mit dem Schöpfer uns zu rühren vermag). Allein: hier wird mit Mitteln einer unausdenkbar vergangenen Genrerührseligkell eine Art sozialer Wohllätigkell ver- himmell, deren Berlogenheit uns unerträglich ist. Dies ist das genaue Gegenteil davon, wie wir die sozialen Gegensätze gelöst sehen möchten. Ganz abgesehen davon, daß die mit Kind und korbtragender Dienst- magd versehene Dame der Gesellschaft beileibe nicht in ein wirkliches Proletariermilieu hinabsteigt, sondern in eine recht behaglich« Klein- bürgerstube, so besteht die Niederträchtigkeit einer aus so vorstntflut- lichen Zellen stammenden Gesinnung in der Wahl eines derart pein- lichen Kontrastes und der Darstellung von unaussprechlicher Selbst- gesälligkcit der reichen Bourgeoise, die erwartet, für einen Korb Lebensmittel wie eine Gotcheit vom niederen Gewürm angebetet zu werden. „Frühlings Erwachen." Stella-Palafi. Wer Lust hat,, einön nach einem Drama gearbeiteten Film mit den? Original zu oergleichen, der hat jetzt gute Gelegenheit dazu. In dem neu eröffneten S t e l l a- P a l o st in der Köpenicker Straße wird Wedekinds Frühdrama als Film gezeigt, gleichzellig wird es in der Voltsbühne aufgeführt. Wer noch tiefer grabet» will, soll zur Buchausgabe greifen, er wird finden, daß schon die Bühnen- oussührung nicht immer den Duft und Hauch, der über diesen Puber- tätsszenen lregt. wahren kann. Richard Oswalds Fllmbearbeitung muß natürlich noch viel robuster verfahren, die lyrischen Qualitäten sind fast ganz entschwunden, außer in den Liebesszenen zwischen Wendla und Melchior, die er ins Freie verlegt. Oswald unterstreicht besonders die Schulszenen, in denen er stark agllatorisch das Schulsystem anprangert und besondere an dem Lehrer Habebald seinen Witz ausläßt Fritz R a s p folgt ihm hierbei mit großem Behagen und steuert eine Type bei, iy der Gemeinheit und Borniertheit um die Palme kämpfen. Die letzte Szene, der phantastische Spuk aus dem Friedhof, läßt Oswald sich ganz entgehen. Er übersetzt sie ins Nüchtern-AMäglichc. Die Darstellung muß für manches entschädigen: Tony van E y k und Rolf von G o t h sind das junge Paar— voll Iugcndfrijche und Amnut. Es wäre besser gewesen, wenn der Darsteller des Moritz, Karl B o l h a u s, sich im Typus mehr von dem Melchior abgehoben Hölle. Von- den Ellernpaaren wird der Vater des Moritz, der Bureauoorsteher Stiefel, ausführlicher bedacht, Paul H e n ck e l s charakterisiert ihn als kleinbürgerlichen Tyrannen. Das neue Theater, dos 2000 Personen fußt, präsentiert sich sehr glücklich in seiner Rundanlag«, die in kräftigem Rot gehalten ist. Es wird außer dem Film«ine Bühnenschau geboten, die an komischen Radfahrern, Springakrobaten, spanischen Tänzerinnen und Sängern und so weiter reichhaltig« Abwechslung gewährt. r. /Die Konkurrenz platzt." prinms'palast. Für viele ist der Film nur«ine Angelegenheit der Konfektion. Darum liebt wohl di« Filmindustrie di« Lustspiele aus. der Konfektion, von denen sie in jeder Vaijon mindesten-»«ins startet. Diesmal spielt» sich— zwischen Reklamen für Konsektionsfirmen und in Modeschauen gezeigten extravaganten Kleidern, die ein« ausgiebige Fleischbeschau ermöglichen— eine Plänkelei zwischen zwei konkurrierenden Ge- schäften ab. die mit der Verlobung einer Geschäftsinhaberin und eines Modezeichners endet. Dafür nutzt« der Regisseur Max O b o I viele witzig« und oft wirklichkellstreue Slluotionen aus, so daß sein Film bei einem anspruchslosen Publikum stets«ine gute Aufnahme finden wird. Für Harry Liedtte besteht die Notwendigkeit, sich aus das ältere Fach umzustellen. Als Vater hat er neulich allgemein gefallen und jetzt gefiel er als reiferer Liebhaber. Er spielt gemessen und mit einer gewissen Ueberlegenheit und vermeidet wohlbedacht manche bekannt« Geste von früher, die heut« in Alberei ausarten wiirNs. Ernst V c reb e s und Hermann Picha verschaffen sich durch ihre Komik recht vergnügte Zuschauer; Maria Cordi aber geht in ihrem schauspielerischen Können zurück. Sie ist schön und sie verläßt sich daher auf die Wirkung ihrer tief ausgeschnittenen Kleider. Im Beiprogramm zeigte ein schwedischer Film di« Glasfabri- kotion. Cr bracht« interessante Aufnahmen von dem geschickten und gewissenhaften Schaffen vieler unbekannter Menschen, die alle Qualitätsarbeit leisten, ohne je Star zu werden und Star-Pagen zu bekommen. e. b. // Die drei Musketiere" im Rundfunk. Cborell und die Funkfiund,. Sonntag nachmittag werden„Die drei Musketiere" aus dem Großen Schauspielhaus durch Rundfunk übertragen. Wir lesen es und trauen unseren Augen nicht— den Augen, auf die allein es diese vielleicht sehenswert« Bühnenschau abgesehen hat. Was sie gleichzeitig dem Ohr zu bieten wagt—«in elender Unfug von ge- sprochenem Theaterstück und dazu eine musikalische Ausstattung, dsrengleichen man im Kino unwillig erträgt—, dieser hörbare Teil der Revue wird von dem Zuschauer im Theater als notwendiges Uebel mit in Kauf genommen. Nun soll dem Radiohörer das Uebel ohne Notwendigkeit zugemutet worden. Sie geben sich nicht die Bttihe, und es würde freilich auch nicht lohnen, die Schau erst zu einem Hörspiel umzuarbeiten, zu einem rundfuntmäßigen Sendespiel. Di« Uebertragung läuft im Rahmen der neu eingerichteten„Aktuellen Abteilung". Wer die schlechte Sache wir!» durch die neue Etikettierung keine gute Sache; ein aller Mißbrauch bleibt ein alter Mißbrauch. Denn worin desteht der beabsichtigte Effekt? Man hört, ohne zu sehen— hört Wort- und Musikfetzen, ohne den Zusammenhang zu sehen, den nur die Bühne gibt, hört vielleicht Applaus, Bravorufe, Gelächter, ohne zu sehen, warum applaudiert und gerufen, worüber gelocht wird— mit einem Wort, man wird neugierig gemacht, der Hörer wird als Zuschauer, die Rundsunkabonnenten werden als Besucher des Großen Schauspielhauses geworben. Der psychologische Reklametrick ist erprobt. Er hat dem Charell-Theater Jahr für Jahr die Kassen gefüllt. Es ist kein Geheimnis— oder ist es«ins?—. daß„Die drei Musketiere" nicht olle finanziellen Erwartungen ihres Chefs erfüllt haben: die Rundfunkübertragung verspricht Hunderttausend« an neuer Eimrahme. Wir begreisen, daß eine geschäftstüchtige Theaterleitung auf solche Chancen nicht verzichten will. Man erinnert sich an die dunklen Beziehungen, die in der Aera Vronsgeest-Broun zwischen der Funkstunde A.-G. und der Direktion Charell bestanden, man erinnert sich, um nur ein Beispiel zu nennen, an den„Drei-Mäderl- Haus"-Skandal. All unsere Proteste scheiterten immer wieder an einem Vertrag, der in dop Tat Herrn Charell die Möglichkeit sicherte, den Rundfunk als Propagandainstrument für seine Zwecke zu ge- brauchen. Der Bertrag besteht nicht mehr: soll er auf dem Umweg über die„Aktuelle Abteilung" im Effekt erneuert werden? Die sonntägliche Uebertragung ist ein peinlicher Unfall. Hoffen wir— und das Vertrauen, das der neu« Intendant Dr. Flesch uns einflößt, läßt es uns hoffen—, daß es nicht auch«in Uinsall und Rückfall gewesen: Umsall vor den Bemühungen eines betriebsamen Theaterunternehmers und Rückfall in die Methoden der Aera Br.-Br. K. P. Anerkennung für Mary Wigman. Aus Anlaß der zehnjährigen Wiederlehr des ersten Wstretens Mary Wigmans in Deutschland hat der sächsische Ministerpräsident Dr. Büngcr zugleich in seiner Eigenschaft als Bolksbildungsminister der Künstlerin ein Glückwunschschreiben übersandt, in dem es u. a. heißt: „Wenn ich mir erlaube, Ihnen an diesem Tage meine Glück- wünsche zu übermitteln, so geschieht dies nicht nur in Anerkennung für die vielen Stunden künstlerischer Erhebung, die Sie Ihrer großen Gemeinde in Deutschland und im Ausland geschenkt haben, sondern auch in Würdigung der Tatsache, daß Sie neben Ihrem persönlichen Schassen durch Ihre opfervolle Arbeit als bedeutend? Lehrerin und Führerin einer jüngeren Generation das Verständnis für die Tiefe und Bedeutung der rhythmischen Künste, das uns fast verloren gegangen war, wieder neu erweckt haben. Sie haben dadurch— und zwar in schweren Zellen— nicht nur die Achtung vor den produktiven Kulturkrästen des deutschen Volkes erholten und nähren helfeii, sondern auch eine wesentliche erzieherische Arbeit geleistet, die über di« eigenllichen Gebiete Ihres Schaffens hinaus das Kunst- und Lebensgefühl der Gegenwart nachhaltig beeinflußt hat und sicher noch weiter beeinflussen wird." kein« Eröffnung des Ostasialischen Museums. Der Museums- neubau Dahle,» wird nicht alz öffentliches Museum eröffnet werden. Aus technischen Gründen wurde der Plan, hier die Sammlung ostasiotischer Kunst und Völlerkunde auszustellen, ausgegeben. Diese Sammlung wird nunmehr im Völkerkundemuseum untergebracht, und der Neubau in Dahlem wird als Museumsmagazin verwendet. Giftige Vühneadekorotionen? Im Wiener Operntheater erkrankten iß b>- IS Bühnenarbeiter unter den Symptomen einer Bleivergiftung. Eine staatlich« Uniersuchungskommissipn ist jetzt«in gesetzt worden, um festzustellen, ob die Ursache d«r Vergiftungen in den neuen Dekorationen zu suchemsei. deren Anstrich abblättert und unter Staubentwicklung verfällt. Eine Schantpleler-Rachlvorst-Uuitg der Operette„Marietta" von OSkar Strauß, mit Käte Toriii. Michael Bohnen und der Premierenbesetzmtg findet beute, 23'/, Uhr. im T b e->t e r de« Westen« statt. Der Mesamlreiiiertrag fließt den WohlfabrtZkassen der Bühnengenoffenichaft zu. Karten im Vezirksverband Keithitr. II. Zimmer 15. „Itemmnlns", da« populärste Drama von?sriio Holz, Miri im Theater in der Klosterftraße einstudiert. Freitag, 15 II. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 250 20 Uhr Staats-Oper Am PluLRepubl. Vorst 84 19t/» Uhr Die Mite Freitag, 15. 11. Stadl Oper Bismarcks» Turnus IV 20 Uhr Der Sduuspislilirektor Coppelia Staat!. Sdianspti. an öendarmenmarkt A.-V. 221 20 Uhr Staat). Schiller-Tlieater.Ctiarltli. ä) Uhr: Des Kaisers Soldaten ROSE -THEATER«'ÄT Telcph.: Alexander 3422 u. 3494 Täglich Uhn (Sonntags S>li und 9 Uhr) DI« l«lctmtfci CASINOaTHEATER Lothringer Strohe 37. neu! Täglich. Uhr neu! Mertagie HoctizaitsnacMi und ein erstklassiger bunter Teil. Für unsere Leser Gutschein III r 1—4 Personen Ftuteuil nur L25 5L, Sessel 1.75 5L, Sonstige Preise.- Parkett u. Rang 080 M pi/ Aza ITägl.» o. SU SnBnL2,5a 8" Alex. K. 4.&O60 (INTERNAT. VARIETE Morgen Premiere Jedn Sonnabend 5 Uhr nachm. u. Inden Sonntag 2« Unr„ Frau Holle GroBes Ausstattungsmärchen IMaa MtltWOÖ 3 ÜBT: Das tapfars Sdioaideriein Das Instigste aller Märchen. Renaissance-Theater 8V* Uhr Hgote 152. AaliOimgl liranklieil der lügend Von Bruckner. Regie: QusL Härtung. Ab Sonnabend SVt Uhr COEVR-B WK Komödie von Jacques Natbanson. Sonnabend 5 Uhr, Sonntag 4 Uhr Oäe bei Ufte Fla man« — �teinolata C 1. 0901 i. 2583/54.— ri»L I lantaä. *■< fhUl IPrtbtl-SV. VodMgtg.: SLSIPL-3I. Oeraldlne a. Joo, Mg, Pewmr taw. Lichterfelder Festsäle Otto Sdillllng Festsäle für stalfangen(M id/I Telephon; Lichterfelde C 3 1445 nit noden Bdnso ftr Vsiu- i/ Venissz ihm W 20 bis 300 Penoiap Restaurant Wenzel Belle-Alliance-Platz 10a Trellpnniit der SPD des sropDiscnen eeverfees tr.schuitheiB-BiBre, UHOra o. Spirituosen zn soliden Preisen:: Helles poiett Mitglied der SPD. One Spllicnlclstnng Ooie und schone Domen-Sdiuhe« 10 und 12 Durcb Großeinkaut, durch schärfst« Spezialisierung und bedeutender Reduzierung der Gewinnspanne. Für 10.80 und 12.80 bringen wir eine gewaltige Auswahl in senwarz u. braun, in fe ntarbig, in Lackleder und in Nubuk, schlichte und ent- sückend kombinierte Modelle. 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Lnsteplelheie Friedrich Str. 236 Bergmann 2922 Täglich 8% Uhr Grand Hotel Lustspiel von Paul Frank Lessiog-Tlieater Norden 10845 Gruppe lux, Oer Sdtaaspleler Täglich 81/4 Uhr cyanKaii Sonntag 4 Uhr Märchenvorst. HansOrian gem nach Brot TrlaDDii-TlLMSjr 1 81/4 Uhr. Elisabeth Strickrodt In „Die Ballerina des Königs- So. 4. 6ts. 2>/, Uhr| $4meew1Md>ex» fentral« Theater Alte Jakobstr.32 Gastspiel d. Tb. d. . Westen» Täglich si/4 Uhr Stg. 4 u. 8-/4 Uhr. Friederike Der Weltsriolg von Fraac Lcbär Sonnabend 4 Uhr Sonntag 2 Uhr Das VnhoadiisvDDdtr Ausstattungsmärchen mit Gesang und Tanz. Kleine Preise. Frauen Berlins! zum Damenhutlieferanten das führende Dämenhuthaus Joseph Cohn& c«. Brunnenstraße 114 Dort finden Sie die größte Auswahl Dort kaufen Sie am billigsten illige Gardinen! illige Tisch- und Diwandechen! Direktion >r. Robert Klelr Deoisebes Künstler-Thetl Barbarossa 3937 1,5 Uhr Seltsames ZvisAensple v. Eugene O'Neill Rsgit: IdDäilgrt Sonntag, 17. 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November 1929 Dm* Abend Wie denkt die Jugend? tBeobachiungen Betrachtungen Oer(Sekundaner: Ein Sekundaner, der von der Provinz nach Berlin kam, schreibt uns: Deutschland Hot ein Recht darauf, auf sein Schulwesen stolz zu sein, und das Rochfolgendz soll keine Kritik sein an, Alt de- währten, sondern nur Eindrücke eines Schülers, der trotz Fleiß und bestem Willen seine große Last hatte,, in einer vordildlich geleiteten Schule einer großen Provinzstadt auf dem Laufenden zu bleiben und der in den neuen Schulverhältnissen geradezu eine Cr- lösung eines seelischen Drucks erleb» und jetzt den Forderungen seiner Klosse glatt genügt, dabei die notige freie Zeit rnedcrfand. um sich dem Sport und der Musik zu widmen, was früher durch ein Ilcbcrmaß an chausarbeüen ausgeschlossen war. Di« Schule, von der ich sprechen will, liegt inmitten der prole- tarischxn Gegend Berlins, in Neukölln, und sie nimint die b«° gablesten Schüler, Jungen und Mädchen aus Volksschulen aus, um ihnen die Vorbildung zu ermöglichen, die ihnen im späteren Löben die Ergreifung von Berufen gestatte, die ihnen eine nur Volks- fckgllbildung lehr häufig verschließt. Schüler und Lehrer bilden eine Arbcüsegmeinschast, was schon dadurch zum Auedruck kommt, daß der Lehrer seinen Platz unter den Schülern einnimnä, während er nur, wenn es notwendig ist, in den Unterricht eingreift, den- selben aber unfülstbar leitet, übernimmt es ein Schüler, mit seinen Kollegen und Kolleginnen ein Pensum duchzugehen, und zwar wird ein Gebiet nicht nur eine Stunde, sondern zwei hinter- ciiKmöerliegcnde Stunden bearbeitet, dann folgt eine halbstündig« Pause. Während der Schüler im Unterricht ihm bekannte Dinge erzählt und befragt, erläutert der Lehrer Neues und Unbekanntes. Ich habe es geradezu als eine Erlösung empfunden, frei von dem Zwang zu sein, d'e Dinge genau so zu behandeln, wie es der Lehrer gewohnt ist, und ich bin so vom mechanischen Denken dazu übergegangen, mir von allem eine freiere, ungebundener« Vorstellung zu machen und damit zuwege gebracht, daß mir jetzt vieles als selbstverständlich erscheint, was mir früher ein Buch mit sieben Siegeln war. Für das praktische Leben erscheint mir diese Mechode doch wohl die richtigere. Und noch etwas sehr wich- riges: der Schüler ist nicht mehr ausschließlich Objekt der Eni- schließungen von Konferenzen mehr oder wemger geeigneter Lehrer, sondern er hat ein Mitbestimmungsrecht. Bei.«inschneidenden Verordnungen beraten Schüler und Lehrer gemeinsam mit dem Schulleiter. Auch bei Vergehen eines Schülers wird seine Klosse mit zu den Beratungen herangezogen, wie die Schüler schon ganz van selbst ihren..Ehrgeiz hineinsetzcn, daß kein Außenseiter diese Arbeitsgemeinschaft durchkreuzt und stört. Schulaufgaben gibt es, wie schon oben erwähnt, nicht. Jedem Schüler bleibt es Überlasjen, seine Lücken selbst auszufüllen. Er kann in den Unterrichtsstunhcii beliebig oft seine Lehrer und Mit- schmer über Dinge opssragen. die er.nicht bcgrisscn hat, ohne daß ihn eine barsche oder tUtireundliche Antwort abschreckt. Die Eltern mar den durch Berichte des Ordmoriüs'übcr� die Leistungen. ihrer Kinder auf dem Laufenden gehalten. Eignet sich«in Kind'gar nicht für diesen freien Unterricht, so erhalten die Eltern so rechtzeitig vor der Versetzung Benachrichtigung, daß sie ihre. Kinder in eine andere Schule unterbringen können. So ist dem Schüler das Angst- gefichl, das leider so viele kennen, genommen. Daß der Schüler freie Meinungsäußerung Hot und ihm volles Recht zusteht, den Lehrer und den Unterricht zu kritisieren, und dadurch eine sachliche Diskussion heroorzuruscn, ist nur geeignet. frei Lenkende Staatsbürger zu erziehen, die nicht sklavisch alles hinitehmen, was ihnen sehr häusig gar nicht einleuchtet. Wir sollen zum freien Denken erzogen werden, und es ergibt sich von selbst, daß die Schüler fast ausnahmslos freiwillig und unaufgefordert dem Lehrer Aussäge einreichen über Eindrück« aus dem Alltagsleben oder über sonstige, den Schüler besonders berührend« Themen. Das Gemeinschaftsgefühl auch bei Schülern, die aus grundverschiedenen sozialen Schichten stammen, wird gehoben, un- schönes Strebertum hört ganz von selbst aus; dagegen hilft der Begabtere gerne dem Schwächeren. Oer Oberprimaner: Ein Sekundaner, der von der Provinz nach Berlin an das Kärfensche Ausbaugymnasimn kam, schreibt uns: Da endlich einmal die Rede auf das„Höhere Schulwesen" („Abend" Nr. 512) gelenkt wird, möchte ich mit großer Freude auch einen Beitrag dazu geben. Ich Hab« jetzt im September eine Anstalt nahe dem Zentrum als Abiturient verlassen. So r ü ck st ä n d i g- k ö n i g l i ch wie der Name des Realgymnasiums, so rückständig sind zum großen Teil auch die Einrichtungen und die Lehrer selbst. Bei meinem Abgang hatte ich folgendes Erlebnis: Es ist bei dieser Gelegenheit üblich, sehr feierliche Reden zu halten: der Herr Ordinarius weist eventuell aus die Gedenktafel der toten Soldaten und ermahnt, in ihrem Andenken tüchtige Deutsche zu werden und die Schmach einer Besatzung nicht länger zu tragen. Einer der Abiturienten antwortet dann in schneidigem Tone, daß sie selbstverständlich Deutschland wieder hochbringen würden. Ich hatte mich nun dazu gemeldet, unsere Abschiedsrede zu halten. In kurzen Worten kennzeichnete ich unsere Freud«, endlich die Schule verlassen zu können. Ich erläuterte, daß unsere große Freude daraus zu erklären sei, daß das Schulsystem es nicht verstanden habe, uns für das wirtliche Leben Mit seiner grausamen Härte vorzubereiten. Meine Kameraden waren, obwohl vorher nicht darüber unterrichtet, mit meiner Rede einverstanden. Anders die Lehrer. Einer meiner Kameraden erhielt von einem Lehr e r einen Brief, in dem er ihm mitteilte, daß er an unserem bevorstehenden Kommers nicht teilnehmen könnte oder wird, da er mit dem Redner der Klasse nicht mehr gesellschaftlich verkehren könne. Daraufhin wollten alle Lehrer nicht an der Feier teilnehmen, wenn ich nicht zum Direktor ginge und mich entschuldigte. Selbstoerständ- lich dachte ich nicht daran, meine ernstgemeinten Worte zurückzunehmen. Die Herren nahmen dann doch teil. Der Direktor hielt nun am Biertisch eine Rede über das.Aeden". Er sprach da- von. daß er stets ein offenes Wort liebe, aber nur am rechten Ort usw.. was ich ihm allerdings widerlegen könnte, denn wie selten dringt«in Schüler mit seiner oft nicht dummen Meinung durch. Nun nach etwas anderes. Die Patitik. Zwar wird dauernd betont, sie sei von der Schule zu verbannen, und doch blühst sie gerade hier. Ein Außenstehender ahnt nicht, wie schwer einem Soziali st en die Schulzeit wird. Zu Hause Sorge, Not und Krankheit, mit größter Not ermöglicht der Bater den Schul- besuch. Und in der Schule politisieren Lehrer und Schüler mit einer Klugheit, obwohl sie vom Leben gar nichts kennen. Man höre nur, wenn die Söhne reicherer Leute über Ardeiterverhöstnisse reden oder wenn sie die Arbeitslosenunterstützung als QuellederBerkommenheit schildern, ach, das Herz krampst sich einem oder man ballt die Faust. Und darzn die Lehrer! Es steht in der Verfassung, sie sollen in uns den Geist des Friedens und der Verständigung wecken. Aber wie sieht es aus! In offenen Worten predigen sie das Heil der glor- reichen Kaiserzeit: in versteckten Worten verhöhnen sie die Republik. Lächelnd hat gerade der Lehrer, der nicht mehr mit mir verkehren kann, oft wüste Ausfalle der Schüler überhört— und selbst geschmäht. Lächelnd wusch er dann seine Hände in Un- schuld und meinte. selbstoerstäiUtlich sei das seine Privatmeinung und gehöre ja gar nicht hier her. Ja, ja. das Geld der Republik ist doch nicht zu verachten, noch weniger die sichere Pension.— Abzeichen dürfen bei sämtlichen Veranstaltungen der Schul« nicht getragen werden: selbstverständlich kann der Lehrer mal ein Hakenkreuz übersehen. Ich war leider gezwungen, während meiner Schulzeit niemals zu widersprechen, sonst hätten sie mich ein Jahr länger gehen lassen. aber dasür soll und muß jetzt der Kampf beginnen. Ich sag« laut und offen: Es ist sine Schande, daß in einem Staat, in dem die Sozialdemokratie die stärkst« Partei ist, ein Republikaner sich bücken muß vor antisemitischen Lehrern. Setzt starte Persönlichkesten auch an die Spitzen der Höheren Schulen und fördert die wenigen sozialistischen Lehrer, und laßt sie nicht cGie jede» Einfluß, wie es an meiner Schule ist, in der die jnugen Lehrer sich antreiben in dem ohnmächtigen Kampf gegen die protzigen Pedanten. Ein Franzose: Diese Aufzeichnungen stammen von einem französischen Aus- taufchschüler, der mit der deutschen Sprache mitunter noch auf Kriegsfuß, mit dem deutschen Volke dagegen in herzlichem Ein- oernehmcn lebt: Hier sind meine ausrichtige Eindrücke von Berlin. Ich würde nicht anders sprechen, wenn ich einem Landsmann sprechen würde. Ich ging oft durch Berlin ollein spazieren: ein Berliner kann sich nicht vorstellen, wie angenehm das Spazieren durch Berlin für einen Pariser ist: Die Straßen sind so breit wie unsere„Avenues": das Grüne und die mir Blumen geschmückten Ballonen lassen die Stadt nett und schon aussehen und bilden einen Abstich mit dem so strengen Baustyl. Diese Spaziergänge sind aber mir allmählich langweilig geworden. Der Berliner hat die Ruhe zu gern: er schrestet langsam, behaglich. Kerzengerade: ich war doch in Kur- fürstendomm, Friedrichstraße, und unter den Linden: man kann nicht dieses nchige Leben mit dem Pariser Verkehr und Lebhaftigkest»er- gleichen: also Berlin kommt mir vor, wie eine große fron» ö s i s ch e P r o v i n z st a d t. Es gibt nur ein„Paris", ober mehrere„Berlin". Kein Berliner Monument kann einem Pariser begeistern: Berlin ist sauber, modern und schön aber es fehlt dieser Stadt an Eigentümlichkeit: das Aussehen ist immer dasselbe— zu amerikanisch. Ich lege den Reichstag zurück, vor welchem ein riesiger Bis- marck sich aufrichtet. Diese Gesonnenhest hat mich sehr tief eingedrückt: ist es nicht da das Symbol des neuen Deutschlands? eine Zusammen- stellu/lg des Vergangenen und der Zukumt viel mehr als ein Gegensatz zweier Epochen: denn die heutige Periode ist eine lieber- gangszeit: das Volt wagt noch nicht vorwärts zu gehen und hat die aste Zucht in seinen Sstten aufgehoben. Der Deutsche kann sich nichr angewöhnen, frei zu sein. Die Revolution war beendigt, eben als die Evolution erst begann. Darum steht die Republik npch nicht aus festen Füssen. Welche Mühe mußt unsere Sozialdemokratie sich geben, um die alten Varurteile niederzurvcrfen und die Freiheit zum Sieg zu fuhren! Trotz aller Hindernisse glaube ich an den Frieden— meine französischen Austauschkameraden sind alle derselben Meinung. — Wir waren so freundlich ausgenommen, jjatz wir nicht glauben können, daß unsere deutschen Kameraden— Brüder koim ich sagen—- auf einem Schlachtselde uns wiedersehen werden. Wenn olle Deutsche wären, wie unsere Wirte! Wir haben in Berlin eine neue Familie gesunden, und auch wirklich van dem Familienleben Kenntnis genommen: denn wenn unsere Eltern die Faniilicngbende kennen, bei deren Gelegenheit Onkel, Tanten, Cousinen zusammensitzen, kennt die neue Generation gar nicht diese Ueberlieserung. Der malerige Ausflug des Sonntags ist ein charakterischcs Bild des deutschen Familienlebens: man schnallt den Rucksock zu. in welchem man Badeanzüge und Stullen untereiimndcr geworfen hat, und vorwärts! Die ganze Familie geht nach einem der zahl, reichen berlinischen Seen: den ganzen Tag, badet man. legt man seinen Körper aus den Strand an die Sonne,„um braun zu werden"— die große Leidenschaft der Berliner. Diese Sorge um die Körperkultur ist leider bei uns nicht so stark— wir haben weniger Badeanstalten, Sportplätze und besonders... keine Zeit, denn wir arbeiten viel mehr, als die deutschen Schüler. Diese verschiedene Erziehung erklärt gewiß. warum ein sechzehnjähriger Deutscher nicht so voraus ist, wie ein so alter Franzose—. So viel ist immer wahr, daß diese Ausflüge, die dem Aermsten möglich sind und welche kein Reicher mit Verachtung ansieht, und dieses Leben in der freien Luft mich sehr begeistert haben. Ich habe echt« Ferien in Berlin verbracht: ein Berliner braucht nicht nach der See zu fahren; er kam, in Berlin selbst sich erhplen. Das ist wirklich eine Neuigkeit für einen Pariser. Wenn man mich fragt:„Was hat dir am besten in Berlin ge, falle«?" antworte ich:„Sicher Wonnsee." Als ich zum erstenmal in Wannse« war, haben mich mein« Wirte gefragt, was ich über Wannsee meine.„Es war fabelhaft, einfach knorke!" habe ich geantwortet, während meine Zuhörer lachend sagten, daß ich guten berlinischen Jargon gelernt hatte. Ich Muß setz aber von dem Hauptpunkt eimge Wörter sagen. Wie haben die französischen Austauschschuler mit ihren deutshcir Korrespondenten sich vertragen? Im allgemeinen, sehr gut. Verschiedenheiten von tsharakter— über diese könnte ich ein Buch schreiben!— haben uns nicht mr- hindert, gute Freunde zu sein, io gute, daß»st, als wir Ab- schied nehmen mußten, Trän« in die Augen gekommen stich. Wir haben uns einander kennen lernen, folglich uns lieben: ist das nicht das sicherste Unterpfand einer dauerhaften Freundschaft. eines Friedens, den die Völker selbst schmieien müssen, wenn sie diesen Frieden ewig wollen? Man spricht sehr viel von der Europaischen ver» einigten Staaten. Bevor ich nach Berlin gefahren bin, war ich noch zweifelhaft. Jetz bin ich überzeugt, daß es möglich ist. tlnirerfHäigprofeffor 3>r, Julius Sehaxel: 3)ie Mochfchulverfaff Mittelalterliches(Zrbe. Die geschichtlich bedingte.Klassengebundenheit der Hochschulen erklärt ihr Verhallen nach der Stoatsum-wälzung"). In der bürge r- lichen Republik geht der Klassenkampf weiter, weil er um die sozialistische' Republik geführt wird, die erst unbeschränkt sozialen Inhalt haben wird. Eben deshalb müssen die Massen etwas von der Organisation der Hochschulen wissen, die den alten Staat im neuen Staat fortsetzen. Auf vcrwaltiingstechnische Einzelheiten kommt es nicht än, sondern aus folgende Tatsachen: Die mittelalterlichen Universitäten als Glieder der feudalen Hierarchie der Kirch« sind vom revolutionären Bürgertum beseitigt worden. Seit das Bürgertum aber gegen den vierten Stand in die Dsfensive geraten ist, hat es neben anderen reaktionären Maß- nahmen den Universitäten die mittelalterlichen Trachten wieder über» gezogen. Wenn übrigens dabei von der Wahrung jahrhunderte- langer Traditionen die Rede ist, so wird stark übertrieben; denn die Verfassung der deutschen Universitäten ent- spricht im großen ganzen der H u m b o idt s ch« n Refo rm in Preußen vor rund lllO Jahren. Um ein Jahrhundert sind die Ein- richtimgen aber auch mindesten? rückständig. Das hindert die jüngeren Berusshochjchulen(die technischen, forstlichen, landwirtschaftlichen, tierärztlichen Hochschulen und die Bergakademien) nicht, aus Prestigegründen möglichst nach Universitätscharakter zu streheu. Di« Universitäten selber sind freilich inhaltlich selbst nur noch Berufshochschulen. Von den juristischen, medizinischen, naturwissenschaftlichen Fakultäten wird das niemand leugnen. Di« hoffnungslos zerfasert« Philosophie mit ihrem Anhang �führt ein kaum beneidenswertes Eigendosein. Die theologischen Fakultäten hat das bayerisch« Konkordat folgerichtig zur Eingliederung in die kirchliche Hierarchie zurückgeführt. Eigene Obrigkeit. Wegen der in ihren Berfasiungen beanspruchten Körpers chasts- rechte beziehen sich di« Universitäten«ms Stiftungen, die ihnen chr eigenes Vermögen zusicherten. Dieses Bermögen ist aber mit wenigen Ausnahmen oder bis auf ganz geringfügige Rest« verloren gegangen. Geblieben sind nur das„eigene Siegel, die eigene Obrigkeit, die •) Sieh« Ski. 512. eigenen Organe", kurz die sogenannte Selb st Verwaltung. Tatsächlich sind die Hochschulen für ihren ordentlichen Betrieb auf Staatsmittel angewiesen, die alljährlich von den Volks- Vertretungen bewilligt werden. Gleichgültig ist, ob zwischen der cmffichtjühreuden. Regierung und der Hochschule noch ein Kurator steht� oder nicht. Sem« Funktion als politischer Kommissar, als der er ursprünglich eingesetzt wurde, übt er nicht mehr aus. Der Selbstverwaltungskörper besteht oder geht aus den ordentlichen Professoren hervor. Neben ihnen gibt es in seltsamer Abstufung der Grade noch andere Hochschullehrer. Sie oder gar die Studentenschast zur„eigenen Obrigkeit" heranzuziehen, versuchten im ersten Revolutionsschrecken unternommene Reformen. die am Wesen der Sache nichts geändert haben, sofern sie nicht ganz gescheitert sind. Zur Selbstverwaltung gehören auch noch Reste eigener Einnahmen aus Gebühren und Unterrichtsgeldern, um die sich der Staat nicht allzu viel kümmern darf, wenn er nicht..die Universität zu einer staatlichen Anstalt herabdrücken" will(authentisckv Text eines Fakultätsgutachtens!). Ihre Wirkung. Die Folge der Selbstverwaltung ist heute die Abkapselung der beamteten Hochschullehrer gegen den Staat, der st« nicht etwa nur erhält, sondern nersassungsmäßig für seine Zwecke hält. In ihrer Helbstbeschrärrkung konnten ste in die Republik hineinwachsen und, von persönlichen Ausnahmen abgesehen, offiziell wirken, als ob Revolution. Republik, Sozialismus nichts bedeute. Die stärkste Wirkung hat die Selbstverwollung aus den akademischen Nachwuchs. Die Selbstergänzung muß zur Verstopfung des Aufstiegs sichren. Der Leidensweg des Privatdozenten bedarf eingehender Darstellung. Er beginnt nicht erst an der Hochschule, wo dann von Ablehnung oder Maß- regellmg zuweilen etwas an die Oeffentlichkeit dringt. Cr fängt viel früher im proletarischen Dosein an. und wird vom Alltag des Erwerbslebens erstickt. Hochschulreform'? Sie ist keine Sache für sich, sondern kann nur im Zusammenhang der sozialen Frage gelöst werden. Nirgends haben wir alte Herrlichkeiten wieder herzustellen, sondern überall cm der neuen Genreinschaft zu arbeiten. (7. Fortsetzung.) Jetzt verlieren sich seine Wort« in wüstem Lärm. Die ganze Hölle scheint los geworden. Schmähworte sausen auf den Redner nieder:..Verkauft, Verräter. Kroat!" Nationalisten. Futuristen. Mussolinianer brüllen alle zusammen. Der Redner mutz von der Dribüne abtreten. Voim Räumen des Saales entsteht ein unge- heurcr Wirrwarr. In den Korridoren konunt es wiederholt zmn Handgemenge. Draußen bilden sich im Dunkel der Nacht Demon- strotionszüge. die unter den Klängen von Kriegsliedern in die Galerie strömen. Vor den Cafes werden Versammlungen im- prooisiert. Von nun an ist die Generation derer, die am Kriege teil» genommen haben, in zwei Lager gespalten. Nunmhr macht sich die nationalistische Dummheit breit. Unter dem Dorwand, den Sieg zu verteidigen, trägt man den Geist des Krieges in den Frieden hinein. Wenn man gestern gerufen hatte: ,.Es leb« Trieft!", so schreit man heute:„Es lebe Dalmatien!" Gestern war der Feind das österreichische Kaiserreich, heute ist es Jugoslawien. Man sprüht Feuer gegen Frankreich, gegen Eng- land, gegen Wilson. Man beschuldigt die ganze Well einer Ber- schwörung gegen Italien. Man stellt das Land als das Opfer eines grohen internationalen Betruges dar. Eine Art Tollheit bemächtigt sich dieser Minorität, die die Macht des Geldes und der sozialen Stellung auf ihrer Seite hat. D'Annunzio ist der Prophet dieser Minorität, zu der sich in Massen Abenteurer gesellen, deren jedes arme und übervölkerte Land so viele hat. Die Armee stieg täglich ihre improvisierten Offiziere ab, denen man nichts mitgab als eine spärliche Abfindung. Sie bildeten nun- mehr eine besondere soziale Gruppe. Der Krieg hatte sie als halbe Kinder an sich gerissen. Es waren Studenten, Angestellte, Söhne von Bauern oder kleiner Kaufleute, nun des Studiums entwöhnt, der Arbell entfremdet. Im Felde haben sich viele von ihnen sehr tapser gehalten. Sie sind daran gewöhnt, zu befehlen und möchten bei dieser Gewohnheit bleiben. Vielen erscheint es als eine De- mutigung, eine Stellung anzunehmen. Mit der Bureauarbeit können sie sich nicht befreunden und reden sich gern ein, daß die Gesellschaft ihnen gegenüber eine dauernde Verpflichtung übernom- men habe. Sie wollen nicht zurück in die heimatlichen Dörfer, zum gleichmäßigen, unscheinbaren Tagewerk. Die große Stadt zieht sie an. Sie sind vom ersten Augenblick an die natürlichen Rekruten des nationalistischen Abenteuers und werden morgen die des faschistischen Abenteuers sein. 8. Die Teuerungsunruhcn. Wie die übrigen Länder Europas, mutzt« auch Italien seinen Tribut sozialer Unruhen dem Verbrechen des Krieges entrichten. Auf der einen Seite hatten wir ein Proletariat, das die Schau- stcllung der Orgien und des Luxus von feiten der nsuen Reichen erbitterte und das den Stunn des Ausstondes fühlte, der vom Osten über ganz Europa ausging. Dem gegcnüfrer stand ein Bürgertum,' das ohne irgend welchen Krostauswand ungeheure Geldsummen ausgehäuft hatte und doch keineswegs den weiten Blick eines wirklich neue Wege gehenden Unternehmertums besah, ein Bürgertum, das im Kriegs dem Heere Stiefel mit Pappsohlen geliefert hotte und Kugeln aus Zinn und sich jetzt der Vörie zuwendete, wo es mit derselben Leichtigkeit wie bei den Staotslieserungen verdienen wollte. Zwischen beiden die Intellektuellen und das ländliche Klein- bürgcrtum, die jusanfmen 50 Jahre lang das Gerüst des Staates gebildet hotten, der Regierung niemals Schwierigkesten gemacht, als ein unerschöpfliches Reservoir der Ordnung und des Gleichgewichts. die ober jetzt an einer schweren inneren Krise laborierten. Gerade aus diese Klassen fallen zunächst die Folgen der wirtschaftlichen Zkrise, die ansängt, auf dem Lande zu losten. In diesen Klassen werden die Rückschläge der Verhandlungen von Versailles am schwersten empfunden, in ihrer Nichtachtuno jeder Gerechtigtest. Schließlich sind es diese Klassen im Bevein mit der Vorhut des Proletariats, in denen die idealistische Philosophie und die Theorie der Gewalt Boden fassen. Und der Staat? Und die Regierung? Und das Parlament? Während der Krieg alles verändert und umgestürzt hat. ist der Staal in seiner konkreten Form, das heißt in seinem bur.'aukrcsti- schen Apparat der gleiche geblieben und bewegt sich weiter in den altgewohnten Gleisen. Er kennt keine Eile. Auch das Parlament begnügt sich mit ewigen Diskussionen, bei dem veraltete oder ab- strakte Programme zutage treten. Die Regierung gibt sich Mühe, zwischen den Parteien zu lavieren. Sie ergreift nie die Initiative, sie sührt nicht, kaum daß sie nachkommt. Da die Parteien der Mehr- best in allen wichtigen Problemen uneins sind, wendet man die Methode an, jede Entscheidung zu vertagen. Das im Jahre 1912 gewählte Parlament ist kaum»och ein schwacher Abglanz des Landes. In ihm wird ohne End« geredet über alles und nichts, altes Weibergewäsch. wie Lassallc vom Preu- hischen Landtag unter der Bismarckschen Faust sagte. Am 20. Juni 1919 wird das Ministerium Orlando gestürzt und Nitti übernimmt die Nochfolge. Er ist einer der jüNstersn par- lameniarischen Führer, der in bezog ouf die Organisation des Staates und vor asiem auf die Organisation de? Friedens«in klares und kühnes Programm hat. Aber er muß mit� einer Mehrheit rechnen, der sowohl Lusomnienhali als Mut fehlt und mit einer außerordentlich schwingen Lage. Kaum hat er dl« Nachfolge Or- landos angetreten, als schon die nationalistische Partei und die in Mailand van Mussolini gegründeten„Fasxi' gegen ihn Stellung nehmen. Unter der Führung d'Annunzios nimmt die Agitation für Fiume und Dalmatien immer schärfere Formen am In den großen Städten finden Versammlungen und Umzüge statt und man beschul- digt den Premierminister, der Liquidator des Sieges zu sein, ehe er irgendwie in die Unterhandlung eingreifen kann. Dies ist der Emp- fang von dar rechten Seite. Auf der linken ist das Mißtrauen gegen den Staat unbedingt und unbegrenzt. Die wirtschaftliche Krise beginnt die geistige Gä- rung noch zu verschärfen. Diele Fabriken werden geschlossen. Von heute auf morgen verlleren die Frauen, die man während des Krieges in die Fabriken und Bureaus geschickt hatte, ihre Arbeit. Die Lebensmittelpreise werden unerschwinglich, die Not steht vor der Tür. Schon in den ersten Iunitagen war in Ligurien ein heftiger Ausstand gegen die Teuerung ausgebroäzen. Gleichzestig hat in Bologna eine riesige Demonstration von Landarbeitern stattgefun- den, die die Forderungen ihrer Organisation dem Präfektcn vor- legten. Die Streiks häuften sich in allen Testen des Landes. Anfangs Juli iwrhrn die Bewegirng alle Züge des Massen- ausstandes an, der von der Romagna auf den Norden und Süden der Halbinsel übergriff. Man kann wohl' sagen, daß die einzige Ermahnung zur Mäßigung von sozialistischer Seite kam. Der„Avanti" veröffentlichte damals eine Artikelserie, um zu be- weisen, daß die den Äaufleuten gewaltsam ausgezwungene Ermäßi- gung aller Preise um 50 Proz. unsinnig und zwecklos war. Der „Popolo d'Italia" dagegen hatte Riesentitel:„An die Laterne mit denen, die das Volk aushungern." Die Bewegung dauerte eine Woche. In verschiedenen Städten kam es zum Blutoergießen. Hier und da wurden Sowjets gebildet nach bolschewistischem Muster. In manchen Orten machten die zum Niederwerfen der Unruhen entsandten Truppen gemeinsame Sache mit den Aufständischen. War es nur ein primitiver Sinn der Revolte, als Reaktion auf die erniedrigende Disziplin der Kriegejahre, der Bürger und Bürge- rinnen auf die Straßen trieb? Dos war es wohl. Aber es war nicht nur das. Es gibt immer Menschen, die die Unordnung um ihre? selbst willen lieben. Leute, die die Straße anzieht, die über- all sind, wo es gärt. Uebers Jahr werden sie sich ein schwarzes Hemd anziehen und sich sehr ernstlich daran machen, eine fürchte.. liche Verwirrung zu schaffen, um so ihren Führern die Gelegenheit zu bieten, die Ordnung wieder herzustellen. Vorläufig ziehen sie gern ein rotes Hemd an, obwohl sie nicht das geringste mit den so- zialistischen Organisationen zu schassen haben. Sie sind es, die de Läden plündern und die Menschen anpöbeln. Man trifft sie, wie sie schwerbeladen ihre Beute nach Haus« schleppen. Schuhe, die nicht zueinander pasien, Seidenstrstmpfe, Pelze. Sie kommen aus den zweideutigen Gegenden der äußeren Stadt und kehren dahin zurück. Sind es Proletarier? Nein, es ist die Hefe. Das Proletariat, dem das Ideal sozialer Gerechtigkeit lcuchiet. will einer neue Ordnung den Weg bahnen. Es zerstört die Waren nicht, es requiriert sie: es plündert die Läden nicht, sondern stellt Wachen auf, um die Plünderung zu verhindern. Es ist stolz auf die Funktionen, die es sich zuspricht. Sein Instinkt sagt ihm. daß nichts das historische Gesetz aufhalten wird, nach dem die orgen'.- sierte Arbeit zur einzig leitenden Macht der Gesellschaft wird. Als die verängstigten Kaufleute in die Arbeiterkammer kamen, um die Schlüssel ihrer Läden abzuliefern und die Beschlüsse te: organisierten Masse entgegenzunehmen, spendete das Proletariat ihnen Beifall, weil es in diesem Verhalten eine der Arbeit dar- gebracht« Huldigung sah. Unter richtigen Führern würde dies.; Proletariat zum unbesiegbaren Kämpfer der Revolution.... Aber ach, die Führer ließen sich nicht blicken. Als der Befehl kam, die Unruhen einzustellen, gehorchte die Masie ihrer Organisation. Aber der revolutionäre Mystizismus hatte einen ersten schweren Schlag erholten. Den zweiten erhi It er nur wenige Tage später bei dem internationalen Gene- rolstreik vom 20. und 21. Juli. Auch diesmal war also die große Abrechnung, die gespenstisch die Einbildung der Bourgeoisie bedrängte, in wester Ferne geblieben. Das von der Bourgeois!: . befürchtete End« mit Schrecken sollte nicht kommen. Es kam schließ- lich, ober für die Arbeiter. Trotzdem kann es nicht geleugnet werden, daß die italienische Gesellschaft als Ganzes alle geschichtlichen, psychologischen und wirt- schastlichen Bedingungen ihres Zusammenbruchs aufwies. Aber die fozialistssche Partei vertrödelte ihre Zeit in endlosen doktrinären Diskussionen über die Formel der Revolution. Nun ist es ein vollständiger Unsinn, in solchen Stunden das Für und Wider sorgfällig abzuwägen, denn während man diskutiert, reifen die Situationen und gestalten sich um. In der Tat fingen die herrschenden Klassen Italiens noch den Iuniausständen und dem Iulistreik zur methodischen Organisation ihrer Abwehr- und Angrifssmsttel über. Als Nstll die Regierung übernommen hatte, war der Staat im Zustand völliger Zerrüttung. Es gab keine Polizei mehr. Die Zahl der Karabinieri war stark zusammengeschmolzen. Die Ereignisse hallen soeben gezeigt, daß man sich des Heeres weder gegen das Proletariat, noch gegen die nationalistische Rechte bedienen konnte. Denn die Soldaten fühllen sich mst ihren Klassengenossen solidarisch. Und die Nationalistcir hallen engste Fühlung mit dem Generalstab und dem Offizierskorps. Aitti reorganisierte also die Polizei, vermehrte die Karabinieri und schuf jene„königliche Garde", die unter früheren Ossizieren und Kriegstellnehmern rekrutiert wurde.(Forlsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. «MMIIMIIMtllMMIMIIMtMM! Die Gefangenen von Re. Die Insel Re, wenige Meilen von La Rochelle an der fran- zösischen Küste, zwischen Bordeaux und Saint Razaire gelegen, ist der vorübergehende Aufenthalt der zu lebenslänglicher oder zeitlich begrenzter Zwangsarbeit in Guyana verurteilten französischen Sträflinge. Hier werden sie aus allen französischen Zeicht- Häusarn gesanmielt, um durch bessere Nahrung, als sie ihnen bisher zu Teil wurde, für die dreiwöchige Reife nach Guyana und den Aufenthalt unter der glühenden tropischen Sonne gestärkt zu fein. Kürzlich hat«in Mitarbeiter der Pariser Zeitung„Le Journal" diese Insel besucht und von dem Leben der dort befindlichen 260 Sträflinge seinem Blatt eine Schilderung entworfen. In Sonderzügen, die zahlreiche Einzelzellcn entHallen, werden die Gefangenen aus den Zuchthäusern von Fresnes Caen, Rennes und anderen französischen Strafanstalten noch La Rochelle gebracht. Bölliges Stillschweigen der Gefangenen sst strengste Vorschrift, keine Erleichterung wird ihnen auf der Reise gewährt, selbst die so heiß ersehnte Zigarette bleibt ihnen verfagt. Eng aneinandergekettet gehen sie vom Bahnhos zum Schiff, der Aelteste an den Jüngsten, der Stärkste an den Schwächsten gefesselt, um dadurch jepes Eist- weichen unmöglich zu machen. Sind sie dann aus der Insel an- gelangt, so werden sie durch doppalle Reihen von Soldaten zur Zstadelle Saint-Martm-de-Re geführt, aus welcher noch menvils ein Gefangener hat entweichen können und deren düstere Mauern und eng« Zellen von den Gefangenen mehr gefürchtet und gehaßt sind, als die oft noch mittelalterlichen französischen Strafanstalten. Solange sich die Gefangenen in der Zitadelle aufhallen, brauchen st« nichts zu tun; im ewigen Gleichmaß verrinnen ihnen die Tage der Uebergangszett, wobei sie der quälendsten Langeweile und ihren folternden Gedanken preisgegeben sind. Gegen diese seelischen Onalen vermag auch die bessere Lebensführung nicht ausgleichend zu wirken. Statt wie bisher zweimal, echalten sie jetzt viermal in der Woche Fleisch, die Portionen, die ihnen zligeteilt werden', sind größer, stall des Waffers erhalten sie zu den Mahlzeiten ein Viertel ssrvitsg. lö. November. Berlin. 16.05 UocbJprl; Zwei Dichter und ein Werk. IfJO Uqterhaltnpgstmiiik. 18.00 Prof. Dr. RelnHoId Riete: Verwendunr des Porrellens. 16. eo Des neue Bach. I8..VS Oeer? Wegtner: CiryadzUge der Ceopolitik. fi.OÖ Vlolinvortrige.(Baslj Polischnck, Vlslfne. Am Flügel: M« J»n»w»W.) 19,30 0« Interview der Woche, 20.00 Örabesterkonzert. Nach den Abendmcldungea Bildfunk. 32.30 UatethsUuogtmnsnc. KfiBlgsvagtsrbtiscü. 16.00 Heinz Menzel tuid Erich Sölten: Mntenmpldegognc Im Rnndknnk. 16.30 Nechinlltagskonzert von Leipzig. 17.30 Mersmann; Qespriche über Musik. 18.00 Direktor Sperber: Banken und Spargedsnkc. 18.30 Cngliscb tiir Fortgeschrittene. 18.55 Hagemann: Das Textilgewerbc. 1950 Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzle. 20.00„Ein besserer Herr." Wein und am Dormsttage wie beginnt jetzt tmefccr mh vorbereite nsXn Trockcn-Ski-Kursen(siehe„Abend" vom j. November). Das Ski- oder Schneeschichlausen gehört ja zu dem schönsten Sport im Winter, der es an einer reichlichen Schneedecke hoffentlich nicht fehlen lasten wind. Dieser gesunde Sport war in Deutschland bis gegen End« ixf achtziger Jahre des vorigen Jahr- Hunderts so gut wie unbekannt. Erst zu Deginn der neunziger Jahre traten vereinzelte Skiläufer auf. und dann nahm dieser schöne und gesunde Sport rasch zu, so daß die schnell sich bildenden Dereine bereits im Jahre 1905 sich zum Deutschen Ski-Berband zusammen- schlössen, dem im vorigen Jahre schon 1283 Vereine mit über 90090 Mitgliedern angehörten. Er gehört allerdings zum bürgerlichen Sportlager. Der Schneeschuh und seine Benutzung ist, soweit unsere Kennt- nis reicht, in den Bergen des Altai und in den gebirgigen Gegen- den um den Baikalsee im südlichen Sibirien an der russtsch-chinesi- scheu Grenze entstanden, wo dos Skilausen eine direkte Notwen- digkeit war, wenn in den harten Wintern ein Verkehr zwischen den Bewohnern überhaupt ausrecht erhalten werden sollte. Von dort verbreitete es sich zuerst nach dem nöndlichen Sibirien und den nordischen Ländern, vor ollem nach Lappland; die Lappen werden noch heute als vorzügliche Schneeschuhläuser gerühmt. Von dort erst ist diese Kunst nach Norwegen gekommen, wo sie schon seit fast lOOO Jahren gut verbürgt ist..Auch hier würden ohne den Schneeschuh die eingeschneiten Gebirgsdärser im Winter von jedem Verkehr vollkommen abgeschnitten sein. Daher ist es nur natürlich, daß dort schon die kleinen Kinder von drei bis vier Jahren, und zwar Mädchen ebenso wie Knaben, ansangen, sich im Schneeschuh- laufen zu üben. Frithjof Nansen, der schon in jungen Jahren durch seine Durchquerung Grönlands im Sommer 1888 zur Erforschung des Inlandeises bekannt und berühmt geworden ist, berichtete, datz dieses Unternehmen— von vielen„Fachleuten" damals für hellen Wahnsinn und Selbstmord erklärt— nur durch die Benutzung des Schireeschuhs möglich geworden ist, ja, daß an seine Ausführung überhaupt nur im Zusammenhang mit dem Schneeschuh gedacht werden konnte. Für ihn lag das nahe, denn er war schon als vierjähriger Knabe, also von Kindesbeinen an, mir den Schneeschuhen vertraut geworden. In den Städten Norwegens wurde der Schnee- schuh nicht als Verkehrsmittel benutzt, sondern nur zu Sportzwecken, und hier nahm dieser Sport im letzten Drittel des vorigen Jahr- Kunderts einen gewaltigen Aufschwung. Nansen nennt ihn den nationalsten Sport aller nordischen Völker und rühmt ihn als den ..Sport aller Sports". Er sagt:„Nichts stählt die Muskeln so sehr, nichts macht den Körper elastischer und geschmeidiger, nichts ver- leiht«in« größer« Umsicht und Gewandtheit, nichts stärkt den Willen mehr, nichts macht den Sinn so frisch wie das Schneeschuhlaufen. Man oerwächst gleichsam mit dem Schneeschuh und der Natur. Es entwickelt dies nicht allein den Körper, sondern auch die Seele find hat eine tiesere Bedeutung für ein Volk, als die meisten ahnen." Unzweifelhaft haben Nansens Schilderungen In seiiveM Werk „Auf Schneeschuhen durch Grönland", dos in deutscher Sprach« im Jahre 1891 erschien, dazu beigetragen, diesen„Sport aller Sports" auch bei uns in Deutschland heimisch zu machen, wo er in wenigen Jahrzehnten ebenfalls einen Umfang angenommen hat, daß er keines- wegs mchr als nationaler Sport der Nordländer bezeichnet wer- den tonn. Möge er weiter zunehmen und feine gesundende Kraft iür Körper und Geist auch bei unserem Volke bewähren. Dt. Bruno Borchardt. Wahlarbeit im Arbeitersport. Die Arbeitersportler im Bezirk Tempelhos-Morien- darf beteiligen sich an der Wahldemonstration heute Freitag und Sannabend, 16. November. Treffpunkt 18 � Uhr, Ullstem-Gebäude, an beiden Tagen. Antreten hinter dem Kärtellbanncr. Noch der Demonstration findet die Turnstunde der FTGB. in der Werder- schule statt. Arbeikersporkkortell Lichtenberg. Zum Wahlumzug der Partei am Sonnabend, 16. November, treffen sich alle Mitglieder des Kar- tells um 16% Uhr Holteystr.(Jugendheim). Fahnen und Wimpel mitbringen. Tennis-Rol Lichtenberg. Sonnabend, 16. November, 17 Uhr, Teilnahme an der Wahldemonstration. Trefspunkt vor der Jugend- bühne lholteystr. Roch Möglichkeit Sportkleidung. Beteiligung aller dringend notwendig. Arbeitersportkartell Neukölln. Alle Sportler beteiligen sich an der Demonstration der Partei Sonnabend. 16. November. Tress- punkt 17,30 Uhr am Hertzbergplatz. Fahnen und Transparente sind mitzubringen., Rennfahrerableilung„Solidarität". Die Mitglieder beteiligen sich geschlossen am Werbeumzug der SPD. Berlin-Mitte. Antreten Sonnabend, 16.30 Uhr, am Arkonaplatz mit Rad(Swinemünder Straße). Am Wahltage Antreten aller Mitglieder zur Wahlhilfe mit Rad bei Lohmann, Brüderstraß« 16—18, vormittags 10 Uhr. Arbeiter.Sporkocrein Schöneberg. Friedenau. Am Sonnabend cor der Wahl treffen wir uns zum Fackelzug der Partei um 19 Uhr am Wartburgplatz(mit Schirmmützen). krauen- Werdetest in 5cbänederg. Der bundestreue„Arbeiter-Sportoerein Schöneberg-Friedenau" ruft zum Bußtag feine Freunde und Gönner zum Besuch seiner diesjährigen W e r b e v e r a n st a l t u n g. In diesem Jahre wer- den olle weiblichen Mitglieder des Vereins für den?lrbeitersport werben. Gymnastik. Turnen, Tan.z, Spiel und Spott bringen dem Zuschauer einen abwechslungsreichen Nachmittag. Es wirken die Mädchen-, Iungmädchen, Frauen und Schwinmierinnen des Ver- eins mit. Die neugegründete Abteilung der Frauen über 25 Jahre wird besonders die Notwendigkeit der Leibesübung in diesem Alter demonstrieren. Die Werbeveranstallung fmdet in der Turnhalle der Mittelschule. Rätherstraße, am Stadtpark Schöneberg, statt. Be- ginn 16 Uhr. Um zahlreichen Besuch bitten die Frauen des Vereins. Arbeitcrscbachl Alls bundestreucn Arbeitersck�chspieler Groß-Berlins treffen sich am Bußtag. 11 Uhr, im großen Saal des G e w« r k- ' ch»s tsh a ui e s, Engelufer. Die Obleute aller Abteilungen sorgen dafür, daß alles Spielmoterial wie Decken, Spiele, Demon- stratlonsbretter vollzählig und pünktlich zur Stelle ist, um einen reibungslosen Verlauf der Veranstallung zu gewährleisten. Die Wettkämpfe der OGruppe fallen Sonntag,. 17. November, aus, so daß jeder Schachspieler sich an den Wahlarbeiten der Partei beteiligen kann. Oer Kreiswaldlauf am Bußtag. Quer durch den Plänterwald führt der H e r b st wa ld l a u f. den die bundestreuen Arbeitersportler des 1. Kreises am Bußtag veranstallen. Start und Ziel befinden sich beim Paradiesgarten, Treptow, Neue Krugallc«, Ecke Parkstraße. Der Laus wird Hauptsächlich in der Form eines Mannschafts- laufe? ausgetragen. Vier Mann bilden eine Mannschaft, von denen drei geschlossen das Ziel passieren müssen. Ein Manns chastslaus erscheint im Augenblick als die best« Austragungsart, da«r jedem Schlagt zu—? Eine Partei der Zerflörung! Zu der ttomnruualwahl vom 17. November werben die Parteien auch mit Plakaten an den Anschlag- faulen. Tic Kommunistische Partei ist jetzt mit einem Plakat herausgekommen, datz wie eine 2 e l b st- Verspottung wirken mutz. Eine rote Faust fällt grob auf das rote Rathaus» so daß die Mauer von oben bis unten zerkracht und dA: Turm sich zum Fallen neigt. Ter Text dazu lautet:„Schlagt»;»! Wählt KPT., List? 3!" Also hiermit will die Koniniunistische Partei in der Wählerschaft werbe»! Jawohl, wenn ihr für„KPT. Liste 3" stimmt, dann schlagt ihr zu und ihr zertrümmert dann, was in der Berliner Stadtverwaltung die « o z i aldcmo kritische Partei aufgebaut hat. Wähler und Wählerinnen, wollt ihr das? Nein, chr wollt nicht zertrümmern, sondern weiter am Aufbau mitarbeiten. Baut auf, wählt 2PT. Liste l! Verein die gleiche Chancen bietet.-Ein Mannschostslauf beweist ferner den besten Durchschnitt des Löufermalenals eines Vereins. Ein erzieherislhcr Wert liegt darin, daß in einer Mannschaft der Stärkere auf den Schwächeren Rücksicht Pehmen muß, so daß also nicht die überragenden Leistungen einzelner den Ausschlag geben. Durch die Einteilung in verschiedenen Leistungsklassen ist. allen Ver eine:: Betätigungsmöglichkeit gegeben. Es wird deshalb erwartet, daß sich alle Vereine bzw. Abteilungen beteiligen und daß an diesem Tage die Veranstaltungen anderer Sparten, besonders der Turn- jpisler, zugunsten der Waldlaujoeranstaltung unterbleiben, da«ine gute Beteiligung die Stärke der buirdestrcuen Arbeitersportler im 1. Kreise beweisen soll. Der Mewetermin läuft in de» nächsten Tagen ab. Die Meldungen müssen deshalb umgehend an Röhn, Bettin NO. 56, Marienburger Straße 47, abgegeben werden. Aufbauarbeit bei den Arbeiferkeglern. Der Berliner Verein des Arb«iter-Keglerbu!ü>es hat sich dem kommunistische u Kartell angeschlossen und sich somit außerhalb des Bundes gestellt. Um den Genossen der Gewerkschaften und der Sozialdemokrotiichcn Partei Gelegenheit pir Ausübung des Kegelsportes zu geben, wenden in den nächsten Tagen N e u g r ü n- düngen von bundestreuen Vereinen vorgenoimnen. Interessent« iv wollen sich melden in der Geschäftsstelle Siegfried Zoellner, SW. 19, Komma ndaittenstroß« 77(Merkur 7752). Gymnastik der Arbciier-Sdiüfzen. Die bundestreuen Arbeiter-Schützen betreiben neben dem Volzen-, Kugel-, Kleinkaliber- und Bogenschießen auch Leibes- Übungen. An jedem Donnerstag sindet in der Turnhalle Köpenicker Straße 125, 20 Uhr, der G y m n a st i k a b e n d statt. Völker-, Medizin- und Faustballspiele tragen zur Ertüchtigung des Körpers bei und haben auch bei den älteren Schützen großes Interesse aus- gelost. Genossen auch der älteren Generation, die der Gewerkschaft oder der Sozialdemokratischen Partei angehören, ermöglicht der ge- ring« Bettrag die Mitgliedschaft. Auskunft«rteill die Geschäfts- stelle: Stefan Brumirski, SW. 19, Kommandantenstraße 77(Mer- lur 7752). Friedemann wieder im Ring. Der„Ständige B o x r i n g" in den Spichernsälen wartet ani Freitag wieder mit einem guten Programm auf. Im Halb- schwergewicht trifft Koska-Gleiwitz mit dem französischen Armee- meister Rmpnond Soldes zusammen. Nach längerer Pause nimmt auch der Ex-Vantammeist«r Felix Friedemann-Hancknirg die Hand- schuhe wieder auf. Er soll gegen den guten Belgier Jack Boone» zeigen, was er noch kann. Auch die übrigen Kämpse mit den Paarungen Zinitdors-Wieskaden gegen Czirson-Berlin, Psitzner-Ber- lin gegen Hermannsson-Wiesbaden und O. Reppel-Herne gegen Baumgattner-Bcrlm sind geschickt zusammengestellt. Freie Spork- und Aluiikverciiugung(Spielmonnsfug Groß- Berlin). Heute, Freitag, 20 Uhr, im Ueb ngslokol„Sporthaus". Dirksenstroße 1, am Bahnhof Jannowlßbnicke, letzte Probe mit In- strumenten zur Grammophonausnahme. Hornisten die G» und B-Bogen mitbringen. Am Sonntag, 17. November, gehen zu- erst alle Spielleute, die an der Aufnahme beteiligt sind, zur Wohl und kreisen sich dann pünktlich 11.30 Uhr mit Instrumenten am Bahnhot Zoologischer Garten. Die Ausnahme findet in der Hochschule für Musik statt. Keiner fehle. Ochlschlagcr, Obmann. Ruder»««!» vorwärts. Sonnabend. IS. November, 20 Übe, Gesellschafts- ctunft im epeeeaarten, Treptow. äÄifflUcdtr, Bunde eaenosser. und freunde ftnd ber>lIS> williommen. srl«reuzbern. Heute, zreita«, bei Krüger. Grimm- straüc l, Woilaieperia>.lmtuna. Arrier Sp»rt»a«iu Leidense«. Sonnabend, I«. November, 19'.- Udt, bei Klinge, Lothringer Str. 32. Lersammlung, verbunden mit IßcüutNingeieUc und Ehrung der Kundesjudilare. »reie Turaerickait Srnh-Brrliu. Be,rrl Rordrulg. Hocke»: Heute. Freitag, 20 Ühr, Versammlung aller Spieler bei Leu, Sreifenhagencr Ecke Stargardcr Stra;«. Oie Berliner Hauszinssteuermiiiel. Keine mißbräuchliche Verwertung. Das städtische Nachrichtenamt teilt mit: Ein in einer gestrigen Morgenzeitung erschienener Artikel über die Verwendung von Berliner HauszinssteuermittAn gibt Ver- anlassung zu folgender Entgegnung: Die aus der Hanszinssteuer auskommenden Wohnnngsbaumittel werden b?i der Stadihaupt- lasse der Stadt Berlin aus einem Konto der Wo h n u n g s s ü r- sorgegesell schaft gesammelt. Die Wohnungsfiirsorgegesell- schaft ruft alsdann von diesem Konto die Mittel nach Bedarf ab. Richtig ist, daß in den letzten beiden. Jahr.-n die aufgelaufenen Beträge nicht immer sofort von der Wohnungsfürsorgegesellschait abgerufen werden konnten. Die Gründe hierfür sind jedem Kenner der Verhältnisse in der Bauwirtschaft bekannt. Seit 1927 leiden wir unter einer starken H y p o t h e k e n n o t. Da die Wohnungsfürsorgegesellschaft be- stimmungsgemäß Wohnungsbauten nur bei Nachweis der vollen Finanzierung in Gang fetzt, traten dadurch erhebliche Verzögerungen des Baub�ginirs«in, daß die Beschosfung der ersten Hypotheken für das einzelne Bauvorhaben vielfach auf größte Schwierigkeiten stieß und regelmäßig sehr lange Zeit in Anspruch nahm. Erfreulicherweise kann aber festgestellt werden, daß durch die beispiellos« Steigerung der Bautätigkeit in diesem Jahre nach Beendigung der Frostperiode der erforderliche Ausgleich fast völlig erreicht werden konnte. Insgesamt befanden sich im lausenden Aahre 44 000 Wohnungen in der Durchführung, wovon zurzeit schätzungsweise ein gutes Drittel bezugsreif sind, so daß auch jetzt noch 28 000 bis 29 000 Wohnungen in der Bauausführung be- griffen fein werden. Selbstuerfkändlich kann keine Rede davon fein, daß die Wittel der Wohmingssürsorgegesellschast durch anderweitige Verwendung seitens der Stadl dem Wohnungsbau entzogen worden sind oder entzogen werden können. Vielmehr haben die Mittel nach Bedarf immer in vollem Umsange zur versügung gestanden. Die Behauptung, daß aus den hauszinssteuermitieln Betröge für die Deckung der Verluste aus der Sklorek-Angelegenheit verwendet worden seien, muß als reine Stimmungsmache aufs schärf sie zurückgewiesen werden. Beschuldigungen gegen Wohlfahrtspflegen'n. Gerichtliche Klarstellung erwünscht. Vor dem Schäifengencht Lichtenberg hatte ein Arbeits, loser sich wegen Beleidigung einer Lichtenberger Bezirks-« Vorsteherin Mischke zu verantworten. Die Frau Bezirkse Vorsteherin, die zur Kommunistischen Partei gehört, hat das Amt, als Hilfsorgan der Wohlfahrtspflege die Unter- stützungsuchenden zu betreuen. Der Arbeitslose wurde beschuldigt, die Vorsteherin nach Ablehnung eines llnterstützungsantrages be- schimpft zu haben. Zwei der ihm zur Last gelegten Fälle bestritt er, den dritten gab er zu. Er habe, sagte er, die Zlblehnung als ungerecht empfunden. Auch sei er dadurch gereizt worden, daß Frau Mischte vor ihm ausgespuckt habe. Frau Mischke bestritt das, und ein Zeuge erklärte, nichts gesehen zu haben. Der Aetteidiger des Angeklagten bot Beweis dafür an, daß dies« Bezirks- Vorsteherin öfter vor Leuten ausgespuckt und sie beschimpft habe. Auch habe sie sich, behauptete der Verteidiger, bei der Befürwortung mancher Unterstützungsanträge von nicht sachlichen Gesichtspunkten leiten lasien. Von einer miterstützten Familie Hab« si« sogar Ge- schenke angenommen. Wegen der von Zuhörern geäußerten Empörung hierüber ordnete der Richter die'Räumung des Zuhörer- räume? an. Er lehnte dann die Beweisantröge ab und verurteilte den Arbeitslosen zu 100 M, Geldstrafe. Wir erfahren zu dieser Angelegenheit, daß dem Bezirksamt schon öfters Klagen über Frau Mischte zu Ohren ge- kommen sind. Es konnte aber durch Vernehmung der Frau Mischte und der benannten Zeugen kein« Klärung erreicht werden. Fron Mischke bestritt, was gegen sie vorgebracht wurde. Die Zeugen erinnerten sich an die Dinge nicht mehr oder äußerten sich so unsicher. daß kein Anlaß gegeben schien, gegen Frau Mischke vor- zugehen. Das Bezirksamt könnte es nur begrüßen, wenn einmal eine gerichtliche K l a r st e I l n n g in vollein Umfang zustande käme. Kreispruch im Abireibungsprozeß. Beifallskundgebungen bei Derkündung des Urteils. Der praktische Arzt Dr. Sanier aus Altenburg, der sich vor dem hiesigen Schwurgericht wegen Vergehens gegen 8 IZS in acht Fällen wegen Abtreibung zu ueranlworten halte, ist f r e, g e- sprachen worden. Die Gcrichskosten wurden der Slaotskasie auserlegt. Die Anzeige gegen Kanter war anonym ersolgl und führte zur zeilweisen Verhaftung des Angeklagten. Das Urteil wurde von den Zuhörern mit lauten Beisallskundgebungen aufgenommen. Kanter hat besonders Frauen und Mädchen aus sozial schlecht gestellten Kreisen geholfen. Bormerkungöerneuerung Schwerbeschädigter. Alljährlich bis zum' 1. Dezember müssen'Aersorgungs- a n w ä r t e r zur Aufrechterhaltung ihrer Bewerbung den die Be- werberlisten führenden Behörden Kenntnis davon gMm, daß sie ihre Bewerbung aufrechterhalten. Nach Mitteilung des Reichsbundes der Kriegsbeschädigte» werden Bewerber, die dies Unterlasten, in den Bewerberlisten gestrichen. Näheres über die hier in Frage kommenden Bestimmnngen des Z 29 der Anstellungsgrundsätze sagt ein Merkblatt, daß allen Bewerbern bei der erstmaligen Anmeldung zugegangen ist. Wetter für Berlin: Zieiniich heiter, ober noch vielfach nebelig: wenig Tempcraturänderung.— Für Dculschland: Nur im Ostsee- gebiet stark bewölkt bis trübe, teilweise noch Regen. Sonst allgemein leichte Acsterung, aber vielfach Nebel. Verbreitete Nachtfröste. Ver gewischte Ehor.Bollschor Osten», Chormeister W. Nnöchcl, neran- staltet am Sonntag, dem 2t. November, in der Stadthalle. Klofterstr. 47— 59. ein Konzert. Zur Austübrung gelangt das Werl der Rose Pilgeriahtt von Schumann mit Qrchesterbegleituna. SinlUtt 1 M. SiBell« sind zu haben im »ilbungSickictattat. Lindenstr. 8. VoltSbildungSalüt JrledrichShai». MarkuS- itraße 49, KewerkschaslShauS Ztzairengcschäst von Harsch, im Lokal von Bitfchutz, Pelertdurger Str. 5. Sex ertolaxetchste Teitfilra btr Wclt.The Sicking FoM»(Der futaenic Narr) wird nun cubTidi auch in Ncutlllln seinen Einzug halten. Di« Lichispielbiiuscr „Valast-KIno Stirn». Hkrmannstr. 49, und das.autuk»-Lich:sp>ellniua. Natt. düster Samw 92,»stehe mit den neweittidiftcn ftUinnflltn.Jlupacatuten aus- »e stattet find, Irinnen Wekfn Bcktschlanrr ab!Tteitan, den 15. November d. 3., sut EtftauffiHicuna in Neukistln. conntano wie wochentans 1! VorsteNumU»: 4,«VI, 9 UI,r. Beraillwortl. OU die Redaktion: Wolkgang Schwarz, Verlin: Anzeigen: Tb. Siecke. Berli». Verlag: Vorwärts Verlag S. nt. l>. H.. Berltn. Druck: Vorwärts Bück- bruckerct und Beriagoanstali Paul Singer& Co.. Berlin£23 63, Linden strahl S. Hierzu 4 Beilage. /$c uj>ari&v(- Lbcn will ich fortgehen... Ja den neuen Weiss-Mantel bähe icfc an. Du wirst Augeh machen! So stolz ist er*u/ seinen Weiss- Mantel und mit Redu! Sit», Qualität und Arbelt sind herror- ragend und das Muster gerade so, >ic er es»ich gewönstht hatte. 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Heber Sdinto Odcon» Potsdamer Str. 75 Lob* Harold, los t m. Harold Lloyd Die Pappen köntgfn jugendliche haben Zutritt Turm strafe 12 Die Lady von der Strafe m. Boyd Jenny, Bommel dordi die MSnncr Alcxanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet! Die fldetc Herrcnportie mi' Maria Päadler, Fritz Kampcrs Siibcrkdnlgs letzter Sieg, 6 Akte � FricsOrichstadt W Die Kamera Unter den Linden 14 PanzcrkrenserPolemkin.— Pamir Sonnabend und Sonntag: Bett und Spia.- Brand ha Kasan .Monfäfl; Die Mnrttr je-Liditspiclc Unter den Linden 22(Passage) Das große Lichtspielhaus der City Beginn ab 2 Uhr Zentrum 6082 Zwei Erstaufführungen: Wetbergacbicbte d. KapUSa Laak Scbötzel Eni e Tßsbirr Weidenhof-Lichtsp. An der Weidegdammbrücke Friedifchstr. 136 Wocb. 12, Sonnt 3 U. Jenny» Bummel dnrdi d. MSnner Da, MSdcbesMblif(Lebende Wäre) d MO.bl»» Artushof-Licfatsplele Film- und BSKneaMhan Perleberger Str. 29 und Stendaler Str. Flnsbi vor der Liebe m. Jenny Jugo Der raKnde Ritt Bühne: Eine Stunde nette Saibes Welt-Kino AlvMoabit 99 Vater and Sohn m. Harry Uedlbe Da»«iftnc Monokel mit Stnart Webb, ��Charlottcnbura��p Sdilütcr-Thcatcr Schill terstr. 17 WA30.9U„ Stg-Sü. Jg.3 Narkose mit Alfr. Abel, 1. Treror Links der Isar- rechts der Spree c Wilmarsdorf Atrium Beba-Palut Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Wochcnt 7, 9.15, Sonnt 4.30, 7. 9.15 Vorvörk.: 11—2 u. ab 5, Stgs. ab 3 Die drei am Edith Auf der Bühne: Fttnf Carras Orosc a»Feleky- Chcry a.Colombo Bußtag 6 u. 9: Die Fraa Im Mond Schönbbvra Alhambra �lab�uh";90, Schöneberg. Hauptstr. 30 BObnenatban Mädchen am Kreuz m. Evetyne Holt Bühne: Revue; Da» liebt Berlin Titania(uf. Ä�berg) Hauptstraße 49 Beginn ab 6.30 Uhr La». Harold, loci m. Harold Lloyd Beiprogramm Jagcndfiche haben Zutritt! Luiscn-Thcater sonne's u' Relchenberger Str. 34 Höhnen,(bau Tagebuch einer Verlorenen mit Brook, Bühne: Oberbayer. AI penhöhne Friedenau Friedenauer Lichtspiele Kaiscrallee III(hundcrtelf) Wtg. A30. 9 Stg. 3 U. Jug� 5,7, 9 U. Autobos Nr. 2 Die Siebzelmj&hrlgeo Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 W. 6,10, 9, Sonne ab 5 U. Rommelplatz der Liebe m. M. Sin, Bobby, der Benzinjunge Beiprogramm ■ StegiU«» Titania-Palast Steglitz, Schloßstr. 5. Ecke Gutsmuthsstr. Wochentags 630, 9 Uhr Die Arche Noah, jetzt als Tonfilm mit Dolores Co.tello, Gg. O. Brien ■ SOdwezten W FOm-Paiast Kammersäle teltower Sic. I Böhncnuhan Oer Mann, der nlcbl Bebt mit Agnca Ezlerbazy Im Flugboot um Afrika Süden Th. am Moritzplatz Beginn: W. ab 5 Uhr, Stg. ab 3.45 Uhr Das Tagebuch einer Verlorenen Die Dock, von New York mit Bankrott Marlendorr fef— T{ Marlendorter Ucbttplele i ia— Lei Böhnenscbau Chausseestraße 305 Stg. 5 Uhr Jug.-V. Tagebuch einer Verlorenen Räuberromantik Südosten Filmeck Skalitzer Straße, am Görlitzcr Bahnhof Der Welt größter Tonfilm: The singintf Pool mit A. Jolson Jugendliche haben Zptritt' Urania-Theater<1 Wrangelstr. 11. Köpenicker Brücke Wocb. 7. 8 und 9 Uhr. Stg. 3. 5, 7, 9 Ubr Die Dame In Schwarz m. L. Haid Hoppla, Vater sieht's ja«steht! ■ MeuRGHn 1 Primus-Palast Hermannplatz Beginn 7, 9,15 U� Sonnt, ab 4,45 U. Andreas Hofer Beiprogramm Bühnen, chau Jugendliche haben Zutritt! Sonnabend, 16. Nov, 11�0 Ubr: Nacbtkabarett der Prominenten Kukuk»en�rnd9ühr Kottbusser Damm 92 The»Inging Pool mit AI Jolgon (Der singende Narr) Bühne: The Revelcr, und Ahe Lyman mit»einer Jazzband __ Wochentags 6f5 Uhr tXCCISlOr Sonntags 4 Uhr Kaiser-Friedr.iStr. 191 Böhnenscbau Los, Harold, los m Harold Lloyd Beiprogramm jugendliche haben Zutritt_ Stern, Hermannsiraije 49 Beginn 4, 6,30 und 9 Uhr The ringlug Fool mit AI lolzon (Der singende Narr) Bühne; The Rereler, und Ahe Lyman mit seiner Jazzband Off W Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochentags 6Uhr, Sonnabd.SVjUhr, Sonntags 3 Uhr Kehre zuröde- alles vergeben mit Dlna Gratia, Teddy BOl Auf der BOhpe: Die große Aussfattungsrevne: Die Jagd nm die Well Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Die Straße der verlorenen Seelen mit Pola Negri Auf der Bühne: Die große Lachrevue: Die Sache mit Schmidt Concordia-Palast Andreasstraße 64 Da, Panzrrauto mit Carlo Aldlat Dfe Halbs. ficht igen Bühne: Schötiheitskonkurrenr The, inging baby, Kosmos-Liditspieie Lichtenberg, Lückstraße 70 Fat und Palacbon als Kannibalen Schutzmann a. D. m. W. Falrbank, Bflhncntcbau Jugendliche haben Zutritt � N led arzebönn woldoj� Elysium Hasselwerderstraße 17 Varietäzchau Die s trage der veriorenen Seelen mit fola Negri Beiprogramm Fried rlchsfalda ich Kino Busch s.°?Äd«.svw Alt-Friedrichsfeide 3 Die fidelc Herren partie mit Kamperz Dez lliegende Teufel mit Hoeü Gtb: Nordosten «Elysium" Prenzlauer Allee 56 S. 3,15 jug.- Vorst Vater and iohn m. Harry Lfedtke Bühne: R«i«sU Ka—— um—— m— WelOGnaisA O Schloßpark Film- BÜhae Berliner Afie« 205—210 V artet 6»cb«a Vater und Sohn mit Harry Uedlke Dfe SdileicTllnzerin Böhaenscbza Morden Alhambra MOIierstraße, Ecke Seestraße I 173. Blutschande mit O. Tschcchowa Bühne; Akkordion ririuozen n. i Colosscum �tgs' 3b— Uhr Stgs. ab 3 Uhr Schönhauser Allee 123 Straße der verlorenen Seelen mit Pola Negri Revue; Gr. Kleinigkeiten Elektra-Palast Wiesen-, Ecke Kösliner Straße Die fi dele Herrenpartie m.Kamper, Gr. Revue. Launen der Liebe Gala-Licfaibühne Usedomstr. 14 Auf. 6, 6.3a 5. 5. 7, 9 U. Flacht In die Fremdenlegion Die Dame in Schwarz mit Liane Haid Metro-Palast XÄ Chausseestraße 30 BöhnenMban Menschen-Arsenal Auf der Bühne: Paul Held___ » Esmanoif*, russisch. Ballett Noadc's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Wtg. 5 U-, Stg. 4 U. Stgs. 2 U Jugendv. Die Straße der verlorenen Seelen mit Pola Negri Ich hab' mein Herz Im Autobus verloren Pratcr-Lichtspicl-Palast Kastanienallee 7-8 Böhnenscbau Die Gardediva m Georg Alezander Bühne: Alb. Paulig mit Ensemble Pharus-Licfatspiele MOIierstraße>42 W.S' VU Stg.4U Stg 2U. lugendvorsteii Los.«»vold. loa! m Harald Lloyd VogeUrei mit Tom Miz Beiprogramm „Rialto" Film u. Bühne Relnickendormr Str. 14(am Wedding) Zwischen 14 und 17(Sexuainot der Jugend) Beiprogramm- Böhnenscbau Skala-Lichtspicle Schönhauser Allee 80 Bfibnenscban W. 6, Stg. 430 U Fat und Palacbon ab Kannibalen Der rasende Rift anzundorcinnon „Alhambra" Badstraße 88 Zwei Junge Herzen mit Barbara Kcnt Atlantik City Beiprogramm Böbnenzsban Ballsduniedcr-Liditsp. Badstraße 16 Große Böhnenzcbau Die Strafe der verlorenen Seelen mit Pola Negri Balalclkangcbte mit G. Mancs Humboldt-Theater Badstraße 16 Böhnenscbau Kampf um den Geliebten Pamir Beiprogramm Kristall-Palast Prinzenallee 1—6 Gro�e Bfthncoachaa FrühUngsraascfaen mit Dlctcrle Hit Amandüen Im Lattochift zom Nordpol ■ P«wRow j Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Böhnenscbau W. 6J0 U., Stgs. 4 U. Die Straße der verlorenen Seelen Bühne: Singspiel;' Unter einem Fllederbanm � NlecJenchonhauien H Film-Palast Bausen Blankenburger Straße W. 6J0, 9 U Stg, 4.30, 6.45, 9 U. Vater und Sohn m. Harry Lied: ke Nacfatreporter m. Georg Alezander Filmpalast Tegel ßahnhofstr. 2 W.6,8't.Stg.4"<,61s,s3c Rot des Nordens mit Lob Trecker Oer rasende Ritt Union-Theater Hauptstraße 3 Beg. Wtg. 8 U. Stg. 5, 7.39 Der 4. Musketier mi D. Falrbank* Erotik(Ita's Liebesleid) � Buinlckunctorf-Ozt � Bürgergarten-Licfatsp. Hauptstraße 51 Film- u. Böhnenscbau lugendliche haben Zutritt Andreas Hoter