B 269 4b. Lahrgang BERLIN Somiabend tö. November 1929 Iuzleich Abnidau-gab« brt.Vorwärts'. BrMgsrreit beide Ausgab« SsPf. pro Woche. g,60M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW«8, LmdenKr. 3 SfiMauLgaße xlß6„\jofu>af4{> ZluletgenpreiCDte einspaltige Nvnpareillezeil« S0 Pf.. Reklameieile b M. Ermäßigungen nach Tarif. PoSscheckkonto: DorwärtS-Derlag G. m. b. H.. Berlin Nr.»7SZS. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 23? Einheitsfront des Kapitals. Von Hugenberg bis zu den Demokraten. Au den Litfaßsäulen prangt unter den vielen anderen auch gin Plakat, das sich„Gegen kommunal« Mißwirtschast. Marxismus und Bolscheiotsmus' richtet. Es trägt die Unterschriften der Deutsch- nationalen, der Dolkspartci, der Wirtschaftspartei und der Demo- trat! scheu Porteil Als Urheber dieser Einheiissront im Zuleressc des Prival- kopilals bekennt sich in einem Rundschreiben Nr. 232 der Geichs verband des deutsche» Groß- und lleberseehandels". Verlin W 39, Motzstraßc 2. In diesem Rundschreiben heißt es u. o.: 13. 11. 29. ... Unser Wahlausschuh hat durch den Unterzeichneten bei den Verhandlungen mit den Parteien dahin gewirkt, kjß die gegenseitige Bekämpfnng der bürgerlichen'Parteien bei diesem Wohlkampf aufhört, und es ist auch der Anregung unserer Pcrtreter bei diesen Bcrhandlungen zu verdanken, daß ein einheitliches wahlplakat sämtlicher Parteien na» den veutschuatil». nalcn bis zur Demokratischen Partei für die Wahlen geschassen ist. Deshalb, Großhändler Berlins, wählt bürgerlich. Helft die K a r r« a u s d« m D r««k ziehen. . Dr. Hie k mann. Gsh Iustizrat, Borsitzrndcr des Großhandelsausschusies zur Vor- bereiluag der kommunalwahlco in Groß-Lerlln. Brutaler konnte der Einfluß des Großkapitals auf die Stadt- wählen nicht zum Ausdruck kommen als in diesem Rundschreiben vom 13. November 1929 dargestellt wird. Die guten Wünsche der Großhändler sind zweifellos«icht mit leeren H ä n de n�vorge- trogen worden. Pom Sklarek-Skondal redet man, aber der Skandal der bezahlten Parteien bleibt bestehen! Zeder, dem die kommunale Verwalkung und die politische Arbeit im Skaale nicht ein handelsobjektder Groß- k a p i t a l i st e n werden soll, muß deshalb am Soanlag die Aulwort aus dleseu Bestechungsoersuch geben durch Wahl der sozialdcurotratischen Liste 1. Antisemitismus mit Zudengeld. Sie Sklorek-Spendr für die Oeotschnationaien. Die Tatsache steht sest: Der Landesverbal?� Berlin der Deutsch- nationalen Balkspartei hat von den Juden SNarek Geld erhalten. Man stelle sich einmal vor: Nach ihrem Programm kämpft die Deutschnationale Dolkspartei„für die Zurückdrängung des jüdischen Einflusses'. Dieses Ziel hindert sie nicht, von Iud n für Agita. tionszwecke Geld anzunehmen. Haben die Nehmer dieser Spenge wohl geglaubt, daß die Juden S k l a r e k mit ihren 20l>0 M. ihrerseits„zur Zurückdrängung des jüdischen Ein- slusscs' mithelfen wollten?' Die Annohme der Sklarek-Spende wird um so deutlicher, wenn man sich erinnert, daß derselbe Landesverband Berlin es war, der im Jahre 1919 den hochangesehenen Prosesso- Otto von Giercke und seine Tochter An na von Giercke. beide Vertreter der Deutschnationalen in der Weimarer Derfusiung. aus der Deuischnationalen Partei ausschloß, weil sich her- aucstellte. daß die Frau des Profesiors und Mutter seiner Tochetr — jüdischer Abkunft war Otto von Giercke war einer der bervorragendsten Vertreter des deutschen Rechts an der Berliner Universität, er hatte als Lersasfer des grundlegenden Werkes über G.nossenschaftsrecht einen Gelehrtenruf, den man etwa mit dem Ansehen des Proiesior Kahl aus strasrech'lichem Gebiet vergleichen kann. Für diesen Mann hatte der Deutschnationale Landesverband Berlin keinen Platz. Ihn zum öfientlichen Vertreter der Partei zu machen, das verbot die Furcht vor dem lärmenden Antis.'m!» tismus der Straße. Aber von den Juden Sklaret(unter der Vor» aussetzung, daß niemand davon erfuhrt Ta"sendc einzustecken dazu langte die Robustheit d--"älkis�.de-'tschnatlonolen Gewisiens! Dieser Heue l? R.vomber die Quittung« t ill werden! I chfchu rowdys. ... jr uchung im Garge. Di« dem Ai-eußischen Pressedienst von zuständiger Stelle mitgefeilt...ach dem geltenden Disziplinarrecht für die preußischen I e« zuständig für die Aufnahme von Disziplrnaroerfahr, lgr und Senat. Die für die q des DiizipUnaroersahrens notwendige WUw die Listelf So sieht der Stimmzettel aus: �VaK! der Stadtverordneten 1929. VI. Berliner Wahlkreis. Stimmzettel für Männer. Reichspartei de« deutschen Mittelstände* ■-tschaftspartei) Bred- Krause,» Die Nsmea der Kandidaten sind von Wahlkreis zu Wahlkreis verschieden, aber überali sieht die Sozialdemokratische Partei an erster Steile. In den ersten Kreis gehört dein Kreuz l Voruntersuchung ist in dem vorliegenden Falle unmittelbar nach den Ereignissen aufgenommen worden. Sie ist noch im Gange. In einer Erklärung der Jungdeutschen Studenten- gemeinschasten werden die Studenten ausgerufen, der Massenhetze raditalistrscher Prägung die sachliche Gemein- schaftsarbeit entgegenzusetzen. Llm den Haager Termin. ' pariser Zlechispresse für HinauSfch ebung. Pari». IS. November.(Eigenbericht.) Die inlernastonaleu voraussehungen für die Ein- bernsung der zweiten haager Konferenz sind mit dem Ab- schiuh der Berakungen über die Reparatioasbank so gut wie erfüllt. wenn in der sronzösischea Rechtspresse vom Freitag trohdem immer noch Stimmen austauchen, die aus ein« Verschleppung de» Koafereazlermins und eine Verzögerung der Räumung der dritten Rheinlandzone abzielen, so kann sich hugenberg rühmen. seinen Gegenspielern mit dem unseligen Volksbegehren das einzige Argument geliefert zu haben. Schon rein technisch wäre jedoch eine Verschiebung der Konferenz undurchführbar. Für Januar stehen zwei Ergebnisse bevor, die die Internationale Diplomall« voll in Anspruch nehmen werden: die Londoner Seeabrüstungskouscrenz, die am 21. Zonuar, und die Tagung des Völkerbuudsrale», die am 20. Januar beginnt. Da man selbst im günstigsten Falle mit einer Daner der zweit« haager Regierungskonserenz von mindesten» drei Wochen rechnen muh, würde eine unvermeidliche Kollision eialrelea, die eine ruhig« Abwicklung der Geschäfte unmöglich macht. E» dürfte daher kaum eine ander« Möglichkeit geben, als die Kon- sermz für den Anfang Dezember einzuberufen. Bauproqramm vor der Seeabrüstung. Der französische Marineminister hat am Freitag in der Kammer das F l o t t e n b a u p r o g r a m m für 1939 eingebracht. Danach sollen in diesem Jahre folgende Einheiten auf Stapel gelegt werden: ein Kreuzer von 19 999 Tonnen, sechs Torpedoboots- Zerstörer von rund 3999 Tonnen, sechs Hochsee- U n t« r se e- boote, ein Minenleger-Unterseebot, ein Minenleger, zwei Kanonen- schisse und endlich ein Spezialschiff, das dazu bestimmt ist, Stahlnetze zum Schutze der Haseneingänge gegen Unten �.'ootsangrifse aus- zulegsiu Di« Gesamtionnage des Bauabschnittes van 1939 belauft sich aus 4S 0CK> gegen 53 400 Tonnen im Jahre 1929. Sechs Zimmer für Remmele! Oer Kommunistenführer braucht Fiaum... Im Zentralorgan des.Lnduftrieverbandes', der sich Einheits- orgamsation aller klassenbewußten Arbeiter und Arbeiterinnen� nennt(Nr. 43 vom S. November), ist folgendes zu lesen: „Eine besondere Art Wohnungsnot* In Berlin im Europahaus ist ein Wohnungsnachwels. Dort hängt folgendes Tau f chg« s u ch Nr. 226. ..4-Z.-W.. Kesselstraße S, ll, gegen 5- bis 6-Z.-W.— i Mogtichst im alten Westen. Remmeie.' In der Kesielstraße S, II, wohnt der Führer der KPD„ Reichstogsabgeordneter Remmele. Der korrumpierte Stadtrat Degner tauscht«, weil er es stch leisten konnte, eine 3-Zimmci'- wohnung gegen eine 4-Zimmer-Wohnung ein. Remmele ist mit einer 4- Z i mm r r- W o h n u n g gar nicht mehr zr fr jeden. Er braucht 3 bis K Zimmer und dann ün alten Westen, im Wohnviertel der Bertiner vornehm« Gesellschaft.' Der„Industrieverband' wird geleitet von den ehemalige» Kommunisten Schmidt te und Bolz, der letztere zeichnet für das Blatt verantworttich. Die beiden werden ihr« früheren Parteifreund wohrfcheinlsch sehr gut kennen. » In einer Auseinandersetzung mit seinem Parteifreunde Ernst Meyer hat Hermann Remmele, der zurzeit an der Spitz« der Kommunistisch« Partei steht, folgendes geschrieben(„Die I�tcr- nationale', Sonderheft zum Reichsparteitag 1923): „Die(nach Lenin) für die Politik so unerläßlich« demago- zischen Tugend«, als da sind: Lng und Vetnig. Verschweige» der Wahrheit, verschmitzlheil und Verschwiegenheit. Schlauheit und List, hat der Gen. Meyer von uns allen vielleicht am höchst« entwickelt Nur auch hier hat er die zu diesen Tugenden uner- läßlich erforderlich« Gesetze der Politik noch nicht begriffen.' In der Entwicklung dieser„unerläßlich« demagogisch«»« Tugenden' ist die Kommunistische Partei, wie der jetzige Wahl» kamps zeigt, seitdem schon außerordentlich weit gelangt. Daß sie die„Gesetze der Politik' noch immer nicht begriffen hat, ist bei ihrer ganzen Veranlagung nur selbstverständlich. Oer Grundstücksverkauf an Sklareks. Oberbürgermeister Löß hat den Vertauf mitverhindert. Zum Sklarek-Skandal halte am Freilag die VS.- Korrespondenz die Nachricht verbreitet, daß Oberbürger- meister Löß bei dem Plan, da» der Stadt gehör«de Grundstück Kommandanten st rahe 80/61 an S klaret» zu verkaufen, in einer die Sklareks be- günstigenden weise mitgewirkt habe, heute muß dieselbe Zeitungskorrespondenz die folgende Nachricht bringen: „In den letzten Tag« hatte Stadtrat Neuendorf v»m Bezirksamt Mitte in öffentlichen Versammtungen die Behauptung aufgestellt, ,daß bei dem versuchien Kauf der Grundstücke in der Kommandanten st roße durch die Gebrüder, Sklarek Oberbürgermeister Böß sich dafür«ingesetzt Hab«, daß den Gebrüdern Sklarek ein besonders billiger Preis für die Ouadratrute berechnet werde Diese öfs«Uichen Behauptungen haben auch dazu geführt, daß von dem Berteidiger des Buchhalters Lehmann ein Antrag bei der Staats- anwaltschaft eingereicht wurde, dahingehend, den Oberbürgermeister über das Grurrdstücksgefchäft zu oernehmen, da nach Aussag« des Buchhalters Lehmann, das Eintreten des Oberbürgermeisters für die Sklareks nach der Lieferung der Pelzjacke erfolgt fei. Diese Ve- hauptuug de» Stadlral» Nenendors entsprechen jedoch nicht den Tatsachen. Bürgermeister Scholtz hat heute vormittag den gegen- wärtigen Stellvertreter des Bürgermeisters von Mitte, Stadtrat Gordan, sowie die anderen Mitglieder der städtischen Verwaltung, die an der fraglich« Sitzung Über den Verkauf des Grundstückes tellgenommen hatten, aufgefordert, dem Magistrat einen aus- führlichen Bericht über die Angelegenheit einzureichen. Ferner sind Stadtrat Gordan. sowie Stadtrat Neuendorf von Oberregierungsrat Tapolski und Staatsamvaltschaftsrot Dr. Weißenberg vorgetad« worden, um über diese Angelegenheit sich zu äußern.' „Nach unseren Informationen,' sagt die Zeitungskorrespondenz, „haben sich die Dinge so abgespiell, daß das Bezirksamt Mitte mit den Sklarek» Verhandlungen über den Erwerb der oberen und unteren Parzelle in der Kommandantenstraße verhandelt hatte, und es war über diese Angelegenheit«in Vorvertrag gesMost« worden, der noch besonders durch die städtisch« Behörden nachzu- prüfen fein wird, da er, was den finanziellen Inhalt anbetrifft, als cm Novum beim Erwerb von Grundstücken bezeichnet werden muß. Das Bezirksamt, dessen Grundstücksdezernent Stadtrat Neuendorf war. hatte mit Zustimmung des Bürgermeisters Schneider den Der- trag mit den Sklareks in der Weis« festgelegt, daß ein Achtel der Kaufsumme von der KBK. bei Erwerb des 80 Quadrotruten großen Grundstücks gleich bezahlt, der Rest in Raten bis zum Jahr« 1938 getilgt werden sollte. Dieser Vertrag muß auch selbstverständlich dem Stadtrat Neuendorf vorgelegen haben, der hier- für zuständig war. Der Magistrat hatte zu diesem Grundstücks- oeschäst bereits seine Zustimmung gegeben, und der Bertrag mit den Sklareks hätte somit Rechtskraft erlangen müssen. Der Sach- bearbeiter im Magistrat, Magistratsrat Dr. Hiller, hatte jedoch sehr erhebliche Bedenken gegen die Durchsührung des Verkaufes, da er klar erkannte, daß der Preis von 8000 M. pro Quadratrute keineswegs dem wirklichen Wert entsprach. Auch Stadtrat Busch, der ja für Grundstücksgeschäfte der Stadt die letzte Verantwortung trägt, kannte die Angelegenheit, griff aber damals nicht ein, da er kurz nor feiner Abreise nach Amerika stand, vielleicht auch der Ansicht war, daß in der Sache nichts mehr zu retten sei. Durch die Maßnahmen Dr. Hillers kam es dann zu einer Sonderkonferenz, die unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters stattfand und bei welcher sich Magistratsrat Dr. Hiller in der Rolle des Ange- klagten befand, da durch seilte im übrigen sehr geschickte Taktik der Verschleppung«s gelungen war, den notariellen Abschluß so lange hinauszuzögern, daß die Stadtverordnetenversammlung nicht mehr das letzte entscheidende Wort zu sprechen vermochte. Dr. Hillcr legte in der betreffenden Sitzung dem Oberbürgermeister klar, wie die Dinge sich in Wirklichkeit verhielten und erreichte, daß Ober- bsirgermeister Bäh sich init voller Entschiedenheit gegen den vom Magistrat bereits genehmigten Berkauf der Grundstücke zum Preis« von 8909 M. pro Ouadrotrute wandte und erklärt«, daß dieser Beschluß nicht durchgeführt werden dürfe, daß vielmehr, wenn ein Verkauf stattfinde, die Sklareks einen angemessenen Preis bezahlen müßten." Die Korrespondenz fügt hinzu, Maglstratsrat Dr. Stiller sei „zur Belohnung" später in ein anderes Amt gesetzt worden, und wirft die Frage auf, welche Gründe dafür maßgebend gewesen seien. Das eine steht hiernach fest, daß Oberbürgermeister B ö ß den billigen Verkauf an Sklareks mit verhindert hat und daß durch seine Entscheidung die Stadt vor Schaden bewahrt worden ist. Ilebrigens handelte es sich nicht um einen Berkaus des ganzen Grundstücks Kommando menstraßc 89/81, das ja schon seit längerer Zeit im Besitz der Stadt ist und zum Durchbruch der Lindenstraße nach dem Spittelmarkt gebraucht wird. Geradezu blödsinnig ist der in der Presse angedeutete Gedanke, hier habe die Stadt künftiges Straßenland verkaufen wollen, das sie nachher hätte zurückkaufen müssen. In Frage kam nur der Verkauf der bei dem Durchbruch übrigbleibenden R e st p o r z e l l e n, die ja Bauland waren. Den Verkauf der besonders wertvollen Restparzelle in der Beuth- stroß« nahe dem Spittelmarkt an die Firma Sklarek hat der Ober- bürge,-meister von vornherein verhindert. Z�echtskrise auch in Krankreich. Spaltung der ZroWion Marin droht. Paris, 16. November. Diestern nachmittag sank»«ine von KZ Mitgliedern besuchte Fraktionssitzung der 19l Abgeordnet« starken Fraktion Marin statt. in der, wie Havas berichtet, etwa 48 Abgeordnete die Hallung des Fraktionsvorsitzenden Marin bei den letzten Kammerdobatten ziemlich lebhaft kritisiert haben. Sie sollen verlangt haben, daß. um ähnlich« Zwischenfälle in der Zukunft zu vermeiden, ein b«- ratender Vorstand eingesetzt werde, andernfalls sollen sie beab- sichtigen eine neue Fraktion unter der Bezeichnung„Zentrums- Republikaner" zu gründen. Zwei Mitglieder der Fraktion, die Ab- geordneten Nicolle und Henry Auriol sind, wie gemeldet, bereits aus der Fraktion ausgetreten. Stach Havas sollen etwa zehn weitere Mitglieder der Gruppe eberrialls die Absicht haben, Auszutreten. Gegen die Wirifchastsdepression. Die öffentliche Wirtschast in Amerika. washüiglon. 16. November. Präsident Hoover gab bekannt, daß er nach Rücksprachen mit den Führern von Industrie und Wirtschaft für Mitte nächster Woche eine vorbereitende Konferenz von Vertretern der Industrie, der Landwirtschast, der Arbeiterschaft sowie der zuständigen Ressorts (Schaßamt, Handels-, Arbeits- und Ackevbauamt) einberufen habe, um angesichts der durch die Börsenlage geschaffenen Situation ein Programm zu entwerfen und alsbald bestimmte Schrille zur In- nngriffnahme großer Arbeiten zu tun. Es sei«In reichliches Angebot von Bauaufträgen für Eisenbahn, Schisfahrt, Gas, Wasser und Elektrizität sowie für Bundes- und staatlich« Zwecke vorhanden, und pemeinsam mit der Farmbehörde und der Bundesrefervebehörde solle für die Organssation eines großzügigen Arbeitsprogramms Sorge getragen werden. Mangel an Vertrauen zu der wirtschaftlichen Lage Amerikas sei töricht: die Fähigkeit und Bereitwilligkeit von Ressorts und Führern der Wirsschaft zu gemeinsamer Arbeit seien«ine Garantie sür di« lleberwindung der gegenwärtigen Situation, die zu übermäßigem Pessimismus keineswegs berechtige. Die litauische Schandjustiz wütet weiter Man schreibt der Kommission zur llntersuchuirg der Lage der politischen Gefangenen: In K o w n o und Paneweschis sind die Verhandlungen des Kriegsgerichts gegen 37, zum Teil 16- bis 18jährige Sozialisten, zu Ende geführt worden. Das Kriegsgericht, das aus drei Offizieren und zwei Soldaten zusammengesetzt ist, führte die Verhandlung unter Ausschluß der Oeffentlichkeit, ohne Rechts- beistand für die Angeklagten und ohne Zeugenoer- n« h m u n g. Gegen die Urteile des Kriegsgerichtes in Ä o w n o, dg» im Kownoer Zuchchausgebäude tagte, führte der berüchtigte Arbeitermörder Oberst Brazulewitsch. Den Vorsitz im Pane. meschi?. Kriegsgericht führte Hauptmann Bro nie witsch. Diese Kriegsgericht« haben nun zehn Mitglieder des Stüde ntwwer- bandes A u s r a, gegen die die Anklage der Vorbeveitung eines Anschlages auf den Innenminister erhoben war, zum Tode ver- urteilt, und die Todesstrafe in lebenslängliche Kerker- strafe umgewandelt. Di« anderen Angeklagten, jugendliche Arbeiter, Gymnasiasten und Studenten, wurden zu 6 bis 15 Jahren, ein jugendlicher Dichter Montvillo zu 19 Jahren Kerker verurteilt. Die messtei, Angeklagten sind Mitglieder der sozio ldemv- lratischen Studentenorganisation, einige Angeklagte gehären der Partei der Sozialisten-Reuolutionär« an. Mehrere Angeklagt« sind vor dem Prozeß mißhandelt worden. Morgen wählt die Stadt der Arbeit. Afles für Liste 1/ für die Sozialdemotraiie! 3ii einer ganzen Reihe gutbesuchter Versammlungen rich. telen die Sozialdemokraten gestern abend einen letzten Appell an die Wähler. In den Pharus-Sälen sprach Reichstagsabgeordneter Genosse Heimann. Er führte aus: Die Republik führte die politische Demokratie bis in ihre letzten Verästelungen durch. Leider ist dies ökonomisch nicht gelungen. Wo steht der Werktätige? Berlin ist ein« Stadt der Arbeit, eine Stadt der Arbeiter. 79 Proz. der Einwohner stehen in Loh» oder Gehalt. Die Partei dieser Wähler sst die Sozialdenrokratic, von rechts und links mit Haß be- kämpft. Ich habe gehofst, noch vor meinem Tode die Wisdervereini- gung der gesamten Arbeiterschast mitzuerleben. Der von Moskau befohlene Kaschemnrenton der kommunistischen Führergarnituren läßt mich daran zwesseln. Ich bin heute dafür, schärf st en, rück- sichtslose st«n Kamps gegen die KPD zu führen, srellich mit anderen Mitteln als sie von diesen Gegnern gebraucht werden. Der Haß gegen uns läßt uns in unserem Kampfe nur fester dastehen. Daran hindert der Schmutz nichts, mit dem wir jetzt aus Anlaß der Sklarek-Affär« beworfen werden, well einige wenige gefehlt haben. Die Masse der werktätigen Bevölkerung möge morgen ihre Stimm« so abgebe», daß wir am Montag sagen können: Die Geister sind erwacht, es sst eine Lustzu leben. Stadtoerordnetenvorsteher Genosse Haß führte aus, daß auf Grund ihrer Leistungen die Sozial- demokratie auf einen großen Wahlcrsolg hätte rechnen können Da kam die Sllarek-Asfäre, und vom Hugenbergschen„Lokal-Zlnzeiger" bis zu den demokratischen Zeitungen„Tempo" und„8 Uhr-Abend- blatt" wurde im Dreck gewühlt und nach Material gegen die Sozial- demokratie gesucht. Genosse Haß stellte dieser Wahlagitation eine Auszählung der geleisteten Arbeiten gegenüber und beleuchtete noch einmal die Verkehrs-, kultur- und sozialpolitischen Bemühungen der sozialdemokratischen Fraktion. Wer wünscht, daß es weiter vorwärts geht im Interesse der werktätigen Bevölkerung Berlins, wählt am Sonntag sozialdemokratisch. Stadtrat Genosse Frank schloß die Versammlung mit einen. Hoch aus die Sozialdemokratie. Groß-Berlin nur mit der Sozialdemokratie! lautete das Thema des Vortrages, mit dem Bürgermeister Dr. O st r a w s k i am Freitag bei der P a n ko w e r Wählerschaft im vollbesetzten Saale des Konzert- Hauses Lindner, Breite Straße, für die Sozialdemokratie warb. Auf den Sklarck-Skandal kurz«ingehend sagte der Referent, daß unsere politischen Gegner am allerwenigsten geeignet wären, als„Reiniger" aufzutreten. Die Korruption ist urergenes Gewächs des bürgerlichen Bodens. An Groß-Berlin, das dem starken Einfluß der SPD. zu danken sst, wagt heute keine bürgerliche Partei mehr zu rütteln Wir sind stolz auf die Auswirkung unserer Ideen und Programme, die auch die Anhänger der bürgerlichen Parteien mehr und mehr in unseren Bann ziehen. Alles ist einzulegen, um unser« Macht im Rathaus zur Verwirklichung unserer Forderungen zu vermehren. Starker Beifall bezeugte, daß Genosse Ostrowski allen Anwesenden aus dem Herzen gesprochen hatte. Die Zehlendorfer Parteigenossen vereinigten sich � am Freitagabend zu einer groß angelegten Demonstration, die als sehr gelungen bezeichnet werden kann. Um 6 Uhr formierte ssch in der Großsiedlung am Fischtal unter Varontritt der Steglitzer Retchsbonnerkapelle und des Zehlendorfer Reichsbann e r ta m b o u r t o r ps ein Fackelzug, der durch den ganzen Vorort marschiert« und bedeutendes Zlussehen erregte. Nach feiner Beendigung zog er zum Lindenpark, wo der Retchstägsabgeordnete Genosse Wilhelm Dittmann zu den Versammelten sprach. In einer ParallelversaMinlung im Kaiserhof sprach Stadtrat Genosse Matern. Genosse Dittmann richtete einen letzten Appell an die Er- schievenen. Korruptionsgeschrei, Lüge und Verleumdung, so sagte er, sind die Waffen, mit denen unsere Gegner glauben, uns nieder- ringen zu können. Und am lautesten schreien über Korruption die- jenigen, die selber am tiefsten drinstecken: die Deutschnationalen und Kommunisten. Wenn es sich aber erweisen sollte, daß in der Sklarek- affäre einzelne unserer Mitglieder unehrenhaft gehandelt haben, wird die Partei nicht zögern, das Tischtuch zu zerschneiden. Im übrigen treten alle bürgerlichen Parteien, auch, was vielfach nicht beachtet wird, die Demokraten, für die Privatwirtschaft «in. Die Sozialdemokratie ist die alleinige Vertreterin der Gemein- wirlschast. Noch in letzter Stunde müssen alle Schwankenden überzeugt werden. Es gibt in der Wahl nur eine Wahl: Liste 1 für die Sozialdemokratie. Der Vortrag wurde mit großem Beifall ausgenommen. Zluch«ine össenttich« Kundgebung desKreijesTiergarten im Moabiter Gcsellschaftohaus war überfüllt. Als Einleitung dienten wirkungsvoll« Rezitationen, welche durch die in Parteikreisen bestens bekannte Genossin John zum Vortrog gebrocht wurden Im Anschluß hieran erteilte der Versammlungsleiter dem Stadtverordneten B u b I i tz das Wort. Der Redner nahm Bezug auf die unsachliche, persönliche und gehässige Art, mit der der Wahlkamps geführt wurde. Letzten Endes ist der Grund darin zu suchen, daß allen gegnerischen Parteien auf dem Gebiete der Kommunalpolitik positive Grsossjc versagt werden. Daher Abkehr von einer sachlichen Kampseswesse und Hinüberwechseln auf da? Gebiet der perjönsichen Verunglimpfung und Ehrabschneiderei. Wie gerade die Politik der SPD. auch in Groß-Berlin ssch zum Borteil für die werktätige Bevölkerung aus- gewirkt hat, zeigt ssch auf dem Gebiet der Berkehrspolitik und tritt weiter sichtbar bei der Versorgung der Bevölkerung mit Gas. Wasser und Elektrizität in Erscheinung. Ueberall war hier unsere Partei tonangebend, und wenn wir in Berlin u. a. für Gas und elektrischen Strom mtt die billigsten Preise in Deutschland verzeichnen können. so kann sich die SPD. das Hauptvcrdisnst bei dieser Tarisgestaltung zuschreiben. Hatte Bublitz in seinen Ausführungen die Angelegen heiten mehr technischer Art behandelt, so war es der zweiten Rednerin. Dr. Käthe Fronkenthal, vorbehalten, das sozialpoliiijck. Element in den Kreis ihrer Betrachtungen zu ziehen. Ebenso wider Barredner konnte auch diese Rednerin konstatieren, daß die al.' das Interesse der werktätigen Bevölkerung gerichtete Arbeit unserer Partei überall aus die gemeinsame Gegnerschaft der hier in Hanno. nsscher Gemeinschaft arbeitenden Deutschnationalen und Kommunisten stieß. Ein drastischer Deweis für die zersetzende Kampsesweise de" KPD. wurde geliefert, als der Kreisletter, Genosse Hennig, fein Schlußwort an die Versammlung richtete. Unter Gebrauchnabn-e von Stühlen. Bieroläjern, Mauersteinen versuchten von auli-n kommende Kommunisten einen Ueberfoll aus die Versammelten. E- kam zu tatkräftiger Zlbwehr, die den Herrschaften für die Zukunsi die Lust an solchen Wildwestmanieren genommen hoben dürfte. Kommunist wirbi für die Liste 1. In Niqderschönhausen fand eine stark besuchte Wählerkun�- gebung statt, in der Genosse Dr. Weinberg die Kommunalpolii der letzten vier Jahre beleuchtete und die sozialdemokratischen Ford: rungen darlegte. In der anschließenden Diskussion trat ein«he Makrge r kommunistischer Urrt> rb ez i r k sle i t t r aur Holle rnif. der aus seiner jahrelangen persönlichen Erfahrung alle die Korruptions- und Skandalassären Revue passieren ließ, die ihn da> i gebracht haben, der KPD. angeekelt und voll Abscheu den Rücken ru kehren. Besonderen Gindruck machte sein Eingeständnis, daß die Kommunalpositit in der KPD. nur zu Demonstration?- zwecken getrieben werden mußte. Er fordert« seine srühercn Parteifreunde aus, mit ihm den gleichen Weg zu gehen und am Sonntag der Liste 1 die Stimme zu geben. Korruption bei den Sowjets. Oie Reihe der Skandalprozesse. Die schamlose Wahldemagogie der Konm, umsten ver- sucht durch Lügen und Sensationsmache die Ausmerksamkcit der Wähler von den wichtigen Erscheinungen des kommunalen Lebens abzulenken. In der Spekulation ans das kurze Gedächtnis der bretten Massen oersucht die„Rote Fahne" ihren Lesern klarzu- machen, daß ihre beiden plötzlich zu.Lumpen" gestempelten Mit- gtieder Gäbet und Degner einzig dastehende Ausnahmen seien. Daß in Wirklichkeit immer wieder Funktionäre der Kam- munistischen Partei der Unterschlagung von Parteigeldern bezichtigt werden, verschweigen sie natürlich. Und sie erwähnen nichts davon, daß in dem einzigen Land«, in dem die Kaminumsten an der Macht sind, in Sowjekruhland, eine Korruption sondergleichen in soft sämllichen Sowjelinstitutlonen herrscht. Der„Vorwärts/ hat im Laufe der letzten Jahre unter g e- nauer Nennung der Quelle n verschiedene solcher Korrup- tionsprozesse geschildert. Da war der Berieselungsskandal in Mittelasien, der den Eorvjetstaat Dutzende Millionen Rubel gekostet hat. Der Prozeß endete mit einer Anzahl Todes- urteilen. Da waren ähnliche kostspielige Korruplionsskandale in Baku, in Nischnij-Nowgorod Leningrad, Tschita und Moskau. Immer endeten die Prozesse mtt Todesurtei- l e n und immer waren es auch leitende Kommunisten, die ver- urteill wurden. Aus der Anklagebant saß aber stets dos sowjelistlsche Sklarek- System. Sett Jahren liest man in den Sowjet- zettungen über die Veruntreuungen de» Sowjetbeamten, Kommu- nisten und Nichtkommunssten. Die Unterschlagungen in den Konsumgenossenschaften erreichen nicht selten 59 Proz. des Betriebskapitals und machen in der Gesamtsumme viele Millionen Rubel aus. Um nur einige Fäll« aus der Kor- ruptions-Bacchanale der letzten Zett zu nennen: der„Gudok" meldet, daß der Leiter, der Iuriskonsult und der Buchhalter der Zentralen Staatlichen Arbeitersparkosse über eine halbe Million Rubel unterschlagen haben. In der Bauabteilung der Moskauer Stadtverwaltung hat die GPU. die unglaublichsten Miß- brauche entdeckt. Eine Gruppe verantwortlicher Funktionäre, sagt das Blatt„Moskau am Abend", hat ganz systematisch die Läger mit Baumaterialien geplündert und an dritte verkaust. Diel« Kommu- nisten haben Baumaterial zu eigenen Zwecken benutzt. Im ganzen sind 29 Personen verhaftet. Das gleiche Blatt berichtet über Miß- bräuche in der Kiewer Stadtverwaltung. Das Mitglied des städtischen Arbeiter- und Bauernrats Ionkowski hat bei den Arbettslosen die Erwerbslosenunterstützung erpreßt. Er hat serner als Borsitzender einer speziellen Kommission zusammen mit deren Mttgliedern Mißbräuche mit Manufaktur und Leber getrieben. 18 Monate lang hat diese Kommission den Erwerbslosensonds ge plündert. Anfang 1929 wurde eine Kommission zur Untersuchung eingesetzt. Die Sache ist aber vertuscht worden. Ei» besonderes Kapitel bildet die Korruptton imrerhalb der Finanzabteilungen. Der Astrachaner Prozeß mit den 12 Todesurteilen sst nach in'aller Erinnerung. De kommunistisch«„Iugmd-Prawda" meldet von ähnlichen Korruption�- erscheinungen innerhalb der Fiiionzobteilungen am Ural (Nr. 239) und Nischnij-Nowgorod(Nr. 175). Die„Prowda" vom 3. November schildert unglaubliche Zustände m der Finanzobteilung 'Nowosibirsk: bis 51 Proz. der Steuern wurden in ungesetzlicher Weise den Privathändlern erlassen. Die„Prawda" vom 23. August bringt eine Notiz über die Korruptton innerhalb der Finanzobteilung Charkows. Der Schaden, der durch die Mißstände der Beamten in all diesen Fällen dem Staat entstanden ist, geht in die Millionen. Und die.Lswestija" berichtete neuerdings über«Inen Pro- zeß der leitenden �-Persönlichketten der Nordwestlichen Handelsabteilung in Leningrad. Dies nur ein kleiner Ausschnitt. Di« wenigen Fäll« sprech n aber Bände. Sie zeige»», wohin es in deutsche» Kommunen führen würde, wenn die Moskaujünger und gelehrigen Schüler de» Voschc. wismus jemals die Macht In die Hände bekämen. Sozialistische Spararbeit. Kommunaler Kinanzerfolg ia Krantsurk a. M. Franksurl o. M., 16. November.(Eigenbericht.) Angesichts der hemmungslosen Hetze gegen die kommunal« Finanzwirtschast in denjenigen Gemeinden, in denen Sozialdemo- traten führend tätig sind, wirkt der soeben vcrössentlichte H a u s-- Haltsabschluß der Stadt Frankfurt a M. für 1928 geradezu sensationell. Die Stadt hatte wie alle anderen Gemeinden unter den teuren Zinssätzen und unter den Wirkungen der winterlichen Krisen des letzten Jahres außerordentlich schwer zu leiden. Allein die Wohlfahrtsausgaben muhten ipr letzten Winter um 4% Millionen Mark heraufgesetzt werden. Dazu kamen erhebliche Neuaufwendungen für die E i n g e m e i n- düngen, die in leßter Zeit durchgeführt worden sind, sowie Aus- sälle an Einnahmen. Aus allen diesen Gründen hatte man noch im Dezember o. I. für das laufende Rechnungsjah-- ein Defizit von 3 3 Millionen Mark erwartet. Donk einer von d iozioldemokratie seit langem geforderten Verschärfung Ausgaben- kontrolle wurden jedoch im Laufe des letz hres Ersparnisse «iztelt. die nicht auf Kosten der kulturellen u len Aufwendun- gen gingen, und die die erwähmen nacht«''»Wirkungen fast ganz aufgehoben haben. Statt der crwai Rillionen Mark beträgt der Fehlbetrog nur 195 999 M.. ch nicht einmal '/m Proz. der gesamten städtischen An:"iefe erfolgreiche Sparpolitik, die beionder- auf die Tätigt, �demokratischen .('äminerers Bruno A j ch zurückzusührrn als«in Erfolg sozialdemokratischer Kommunalpolitik weit' � Zrenzen Frankfurt» hinaus gewertet werden müssen. Bach im S Konzertrundschau vo Ein Bach-Abend als Sinfonietonzert— noch vor zehn, zwanzig Jahren wäre das bei uns kaum denkbar gewesen. Gcwih spielte man einzelne seiner Jnstrumentalwerke, etwa die bl-Moll-Suite für Flöte und Streichorchester: doch dos war gemeinhin nicht viel mehr als eine Bekundung des Respekts vor dem Schöpfer der berühmten Passionen: im Bild des großen Äirchcnmeisters sah und ehrte ihn die musikalische Welt. Hundert Jahre hatte es gedauert, daß die Matthäuspassion aus der Dcrschollenheit. in die Unoerstand und Trägheit des kirchengläubigen Herzens sie geraten ließen, den Weg zum Herzen der Menschheit fand: und wieder dauert es hundert Jahre, daß das Bild des„weltlichen" neben jenem des.geistliche' Musikers ganz freigelegt und dem Musikwellbild einer Zell und Generation eingefügt wird, die in Bachs Kunst der instrumentalen Vielstimmigkeit die höchste Erfüllung ihrer neuen Forderungen ent* deckt. Durch Wagner, durch die„Meistersinger' ist im vorigen Jahr- hundert der Sinn für den poliphonen Stil Bachs geweckt worden: aber es waren wohl mehr die dekorativen als die konstruktiven Elemente dieses Stils, für die von ihr aus das Verständnis in weitere Kreise drang. Entscheidend kündigt es sich in den späten Sinfonien Mahlers an. noch unmittelbarer bereitet es sich im Wir- ken und Schaffen Busonis vori das Lordringen der heutigen Musik zu Bach und sein Eiichringcn in diese. Das sind Entwicklungstat- fachen, deren Bestehen durch Uebertriebenheiten ihrer theoretischen Deutung und Auswertung nicht erschüttert wird. Ein Bach-Abend—„Sinfonie-Konzert' genannt— der Republitoper unter Klemperer kennzeichnet die Si- tuation: beginnend mit der Il-Moll-Sulle: endend und gipfelnd in dem ersten Brandenburgischen Konzert, einem Werk von unerhörter Kühnheit und zur Stunde einer fast unbegreislichen Modernität. Aber freilich, auch dos Geheimnis dieses'„poliphonen Stils", hört man tiefer hinein, wird offenbar, daß seine konstruktiven Kräfte Holtin der produktiven Vitalität des Musikers wurzew, der. ihn so meisterlich handhabt. Die Musik unserer Zeit mag am Wesen Bachs, doch sie kann nur aus eigenen Kräften genesen. Auf eine Folge- von vier Bach-Abenden des Pianisten Willi A p« l. van der„Gemeinnützigen Vereinigung zur Pflege deutscher Kunst' oeranstallet, wird noch zurückzu- kommen sein. Den Orgelwerken hat jüngst der„Verein zur Pflege der Kirchenmusik' in der Kaiser-Wilhelm- Gedüchtniskirch« drei Abends gewidmet. Prof. Fritz H c i t- mann, künstlerischer Leiter des Vereins, sehr überlegen In der Beherrschung der Sache, gab— und es ist ihm dafür zu danken— eine gründliche Führung durch ein Gebiet des Vachschen Schafsens, das wertvollste Stücke des Gesamtwerts birgt. Mit dem Gedächtnis Kaiser Wilhelms hat das allerdings nichts— und für uns mll der Kirche nicht sehr viel— zu tun: sie war einst, mehr und anders als sie's heute ist, dei' natürliche Dr. dieser Musik, die großenteils!n ihrer Atmosphäre entstanden: und sie verfügt über das für die Aus- führung erforderliche Instrument, die Orgel. Heute aber könnt« cs gelten, die Orgelkompositionen vom Bann oder Schutz dieser Atmo- sphäre, einem Schutz, den zumindest die nicht nötig haben, freizu- machen. Unser Weg zu Bach führt nicht über die Kirche. Und sedenfalls in Werken polyphonen Charakters., in den Fugen vor onzeryaai. \ Klaus pnngsheim. allem, vermag der Klang der Orgel, deren Bach sich bedient hat, uns nicht mehr durchaus zu befriedigen. Zweifache Ablösung, von der Kirche und von der Orgel: den Versuch, ohne Zweifel als programmatischen Vorstoß gemeint, unter- nimmt Arnold S ch ö n b e r g: an einem Werk freilich— Prolul ium und Fuge in Sz-Dur—, das wir, um genau zu sein, der Klavier« litcratur zuzurechnen haben. Er hat es für großes Orchester zesttzi, für den ganz großen modernen Apparat mit vierfachen Blös.rn, mit Harfe. Zy.ophon, Glockenspiel, Celejta, Decken, Triangel... das beleidigt selbstverständlich konservative Ohren, aber es wäre absurd, den Musiker der Gegenwart für sein Beginnen etwa gerade in die orchestralen Grenzen der Mendelsjohn-Zeit zu weisen. Ei» so bescheidener Jnstrumentolkörpcr vermöchte für unser Ohr gewiß nicht der überwältigend großartigen Orgeloision, wi« sie in Baä, lebendig war. zu entsprechen. Und so paradox«s gewiß erscheint, daß Schönberg, der Musiker der asketischen Unsinnlichkell. just an die Realisierung einer Bach-Fuge, sozusagen nur einer kontropunkti« schen Konstruktion, die üppigsten Klangmlltel der entartenden Romantik wendet: so sehr dem angeblich„protestantischen' Charakter Vachs solcher, eher an katholisches Barock gemahnender Prunk des Klangbildes ungemäß scheinen mag— dieser Boch-Jnstrumentierung liegt eine große, nicht nur von weitem Zeit- und Kunstgesühl zeu- gende Idee zugrunde: sie ist einem Musikerkopf entsprungen, dessen Spekulatiosten wir nicht immer, so freudig zustimmen können. In der Uraufführung, zu der Furtwängler gelegentlich des zweiten Philharmonischen Konzerts die neuartige Novität brachte, kamen deren klongliche Werte zu stärkster Wirkung. Die starke Betonung des Gefühlhaften in dieser Fugeninterpretation kam freilich«in wenig überraschend. Bach ist wohl nicht in gleichem Maße dieses Musikers Sache, wie Beethoven es von je gewesen und immer mehr geworden ist. Dessen 7. Sinfonie gab er am selben Abend wahrhaft bewundernswert in Bau, Gliederung und Steige rung. Der dithyrambische Jubel des Schlußsatzes fand seinen Widerhall in dem stürmischen Beifall, mit dem das Publikum dem großen Dirigenten huldigte. Doch freilich. Ungewöhnlicheres besagt es für alle Beteiligten, wenn Bachs Instrumentalmusik, der Beet- hovenschcr Ueberschwang de« Gefühls noch fremd ist, Begeisterung so seltenen Grades weckt— so, wiZ wir'» neulich bei Klemperer erlebt haben. Seine künstlerische Willensintensität und sochlich lautere Musikbesesscnhest wirkt gleich mitreißend auf die Spieler und auf die Hörer— um so mehr, je fühlbarer er sich dienend hinter das�Werk nicht nur, sondern sozusagen auch hinter Ausführung und Ausführende stellt, vor denen er sichtbar steht. Man feiert den Dirigenten, den glänzenden Solisten des Abends, Josef Wolfstal, die Musiker des Orchesters, unter ihnen mit verdienter Auszeichnung die beiden Hornisten Friese und Linke, zum Schluß ist die Konzertgemeinde des Hauses außer sich vor dankbarer Hingerissen- hejt.(Nebenbei bemerkt, ist es ein guter, heute allgemein einge- führter Brauch, die einzelnen Teile eines größeren Instrumental- wcrks nicht durch Beifallskundgebungen z» unterbrechen. Aber solche vom Publikum freiwillig geübt« Disziplin rechtfertigt nicht, daß dem verspäteten Besucher, auch dem beruflich verpflichteten. Zwischen den Sätzen, nicht etwa nur während des Spiels, der Eintritt in den oaal verwehrt wird.) Die Düsseldorfer Mördersuche. Der Ärieffchreiber war der Mörder Maria Hahns. Die gestern aufgefundene Leiche der Moria H a h u log in einer Tiefe von etwa t.30 Meter, der Körper war noch Verhältnis- mäßig gut erhalten, jedoch infolge des feuchten Lehmbodens zunächst derart oerfchmutzl, daß irgend welche näheren Feststellungen über Todesursache usw. an Ort und Stell« nicht getroffen werden konnten. Di« Leiche log ziemlich wogerccht. Nach Beendigung der mehrere Stunden in Anspruch nehmenden Tatbestandsbcfichtigung wurde die Leicht mit größter Borsicht in einen inzwischen herbeigeschafften Sarg gelegt und gleich daraus dem Pathologischen Institut hier zugeführt. Wcnng'eich der gegenwärtig« Zustand der Leiche eine Identifizierung ausschließt, so dürften wohl kaum Zweifel darüber bestehen, daß es sich um die Leiche des Fräulein Hahn handelt. Di« Leiche wurde fast genau an der Stelle gefunden, die auf den beiden eingesandten Skizzen bezeichnet ist. Beide Skizzen, deren zweite in einem ichrift- üchen Zufatz auf den Lageort der Leiche der kleinen Albermann hinwies, haben durch den Leichenfund«ine weitere Bestätigung ihrer Richtigkeit und Bedeutung erfahren. Unter diesen Umständen kommt alles darauf an, den Einsender jener Zuschrift zu ermitteln. Bei dem ersten Schreiben handelt es sich um Zeitung? papier, das unbedruckt durch eine R o ta l i o n s m a f ch i n e ge- gangen ist. Das Format der betreffenden Zeitung ist Verhältnis- mäßig klein, 46� Zentimeter mal 66 Zentimeter Noch dem Gutachten von Sachverständigen ist das Papier durch cine bänderlose Rotationsmaschin« gelausen, die in den letzten zehn Iahren geliefert Aniwort. „Sei unser', flehien sie. Der Dar aber antwortete Durch vernehmliches Brummen. fein dürste. Die betreffend« Maschine könnte von der Firma König u. Bauer, Würzburg. Bereinigt« Maschinenfabriken Augsburg oder Mafchinenfobrik Borbach-Plauen i. Doglland geliefert fein. Es ist oon größter Bedeutung, sestzustelleti, wo in der Gegend von Dussel- dors«ine derartige Druckmaschine in Gebrauch ist Die Eingriffs- löchsr der Transportoorrichtung stehen Ungefähr 7 Zentimeter im Falz.?>- Zentimeter auseinander, ein« Einrichtung, die verhältnismäßig selten zu finden ist. Mit dem Hinweis auz die ausgesetzte Gclamtbelohnung von töOOOMert werden entsprechende Angaben an die Mordkommission Düsieldorf erbeten. Die Krau im Gireit erschlagen. Das Ende einer zerrülteien Ehe. Unter der schweren Selbstbezichtigung, seine Frau im Streit erschlagen zu haben, stellte sich heule vormittag der 44söhrigc Alöbelhändler Schnak der Polizei. Schnok betreibt in der Hauptstraße 11 in Schöneberg seit etwa fiinszehn Jahren ein gutgehendes Möbelgeschäft. An die Aus- itellungsräume schließen sich cm Erdgeschoß gleich mehrere Wohn- räume an. In den gestrigen Abendstunden schickte Schnak zu einem benachbarten Arzt und bot ihn, sofort zu kommen, da seine um zwei Jahre jüngere Frau die Treppe hinabgestürzt sei und sich dabei schwer verletzt habe. Als der Arzt nach kurzer Zeit in der Wohnung des Sch. eintraf, fand er Frau Sch. auf einem Uuhebekt mU zertrümmerter Schödeldecke leblos aus. Der Arzt rannte nur noch den Tod feststellen. Dem Arzt und auch seinen Angestellten gegenüber hielt der Möbclhändler die Behauptung aus- recht daß seine Frau wahrscheinlich in einem Schwindelanfall die Trepp« hinabgestürzt sei und sich dabei die tödliche Schädelver. letzung zugezogen habe. Dieselben Bekundungen macht« Schnak den Beamten der Kriminalpolizei des zuständigen Reviers. Da sich auch keine verdächtigen Wahrnehmungen zeigten, die den Angaben Schnaks widersprachen, glaubte man ihm. Heut« früh fand sich nun Schnak aus dem Polizeipräsidium«in und erklärt« den Beamten ohne Umschweife, daß sein Gewissen ihm kein« R u h« l a s s e. und daß er sich bezichtige, seine Frau im Streit erschlagen zu hoben. Die Eh- sei in letzter Zeit sehr'ge- trübt gewesen und gestern abend �sei es wiederum zu einem heftigen Streit gekommen. In seiner Erregung habe er einen Hammer ergriffen und in sinnloser Wut blindlings auf seine Frau eingeschlagen, bis sie de- wußtlos zusammenbrach. Die Absicht, sie zu töten, habe er keines- weg» gehabt. Schnak wurde in Haft genommen und in Polizei- gewahrfam gebracht._ Das Urteil aeaen Artur Keil. Dos Schöffengericht Berlin-Mitte. unter Borsitz von Amtsge- richterat Lurker. verurteilte Artur Keil wegen fortgesetzten Rücksollbetruaes, begangen durch fem« Standard- Warenhausgesellschaft, zu zwei Zähren sechs Monaten Fuchthaus- Es wurde sofort gegen den Angeklagten ein Haft- b« f e h l erlassen.__ Holland lehnt Anerkennung Rußland» ab. Die holländische Kammer hat zwei von der Kommunistischen Partei vorgelegte Gesetz- entwürfe abgelehnt, wonach die holländisch« Regierung die Sowjet- regierung anerkennen und die Exterritorialitätsrechte in China auf- heben solle. Wetter für Berlin: Ziemlich trübe und regnerisch, mit geringen Temperaturschwankungen. Für Deutschland- Allgemein kühl und stark bewölkt, mit verbreiteten Niederschlägen. ..Volk und Zelt', unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. „Die weiße Hotte vom piz palü." Ufa-Palast am Zoo. All« Jahre wieder kommt her Alpeyfilm des Dr. Adolf F a n ck, und jedesmal weiß er uns neue Schönheiten aus der erhabenen Gletscherregion zu enthüllen. Diesmal Ist der Schauplatz seines Films der P>z Palü, der die Bergsteiger mit seiner unersticgenen Nordwond lockt. Wie immer ist in die grandios« Natur ein« Hand- lung hineingearbeitet, die den Menschen im Kampf mit dem Berg zeigt, ihn in heroische Anstrengungen verwickell und dies.nal trogisch endet. Dem Naturfreund würden wahrscheinlich diese Einblicke in die Gletschcrwelt— von der 3000 Meter hoch gelegenen Hütte' aus— in den verschiedenen Tages- und Nachtstimmungen, die Schau auf den wilden Gletlcherbruch und die kolossale Eiswand, in die un- heimlichen Tiefen einer endlosen Gletscherspalte genügen. Di« von dem Flugzeuge Udets aus aufgenommenen Bilder nimmt er dankbar dazu. Aber zur Steigerung der Anteilnahme ist es nun einmal Brauch geworden, den Menschen in die Natur eingreifen zu lassen. Ein junges Liebespaar lernt auf der Hütte einen seltsamen Gast kennen, der gerade vor zehn Jahren seine junge Frau bei dem Angriff auf diesen Berg verlor. Es reizt sie, mit ihn' die steile Nordwond zu«robern, auf die es gleichzeitig Züricher Studenten abgesehen haben. Der Aufstieg mit all seinen Schwierigkeiten und Gefahren wird von un» miterlebt, wir werden schaudernd Zeugen, wie die Studenten von einer Eislawine in die Spotte geschleudert werden. Unsere drei Pioniere kommen in eine gefahrvolle Situation. Sie können nicht mehr vorwärts und rückwärts und müssen Tage und Nächte auf die Rettung warten. Ein ganzes Dorf rückt zur Nachtzeit mit Fackeln aus— prachtvollste Beleuchtungsessektc—, birgt die verunglückten Studenten und kann erst, nachdem der Flieger Übet in kühnen Sturzflügen die-genaue Stelle der Drei den Hol- fern angezeigt hat, ihnen zu Hilf« kommen. Das junge Paar wird gerettet. Der Aeltere, der von dem Berg nickst mehr los konnte, hat sich für die zwei selbst geopfert. Für das große Publikum ist e» unerheblich, ob die Fachleute mit allen Einzelheiten einverstanden sind. Selbstverständlich sind Tricks benutzt morden: man kann nicht im Ernst verlangen, daß sich die Darsteller in Todesgefahren begeben, nur damit die Kino- besucher ein umso stärkeres Gruseln empfinden. Jedenfalls hat der Laie die allerstärksten und schönsten Natureindrücke, für die den Photographen Allgcier, Schneeberger und Angst besondere An- erkennung gebührt, und bekommt zugleich eine lebhaste Vorstellung von der gejährlichen Romantik des Bergsports. Freilich wird er es sich auch sagen, daß es besser wäre, Frauen, zumal nicht berg- ctfahren«. aus der Handlung fortzulassen. Die drei werden von Gustav D i« tz l. Ernst Petersen und Lcni R i« f e n st a h l dargestellt. Dießl hat die ganze UnHeimlichkeit emes. der dem Berg verfallen ist. Lern R i e f« n st a h l, die zuerst als Tänzerin in den Alpensilm einzog, ist jetzt ganz zum Bergsport übergegangen. Jhre Rolle hat leider einen Stich ins Gartenlaubenmäßig«. V. .Der nriizelllictie Schulbov' In der Reibensoßie der beiden Vorträne, die von der Voltsbüdne unter diesem Titel veranstaltet werden, mutzte eine Aenderuno voroenommen w»rden. Am Sonnabend, dem 16.. spricht Oder- ltiidiendirektor Dr. Sailen über.Da» neue SchulbauS von, Standpunkt de» Vädaaoaen". wäbrend der Lichtbildervortrag Bruno Taut» über„DaS liinftlerilche und architcttonische wefich! der neuen Schul«' erst am Sonn- abend, dem 30. Noaember. statisindrt sbeide Bortröge im. suchte Definllion des Begriffs„Dichter' wurde von Wilhelm Schäfer in den Bordergrund seiner Betrachtungen gestellt. Doch wenn er als Abschluß einer Reihe geistvoller Betrachtungen schließlich zu dem Resullat kam, daß die dichterische Tat eine Art Kurzschluß ins All sei, durch den die Persönlichkeit die Isolierung des Menschengeistes durch. bricht, fo gab Wilhelm Schäfer damll gewiß ein packendes, dichterisches Bild, gber kaum eine scharfe Klärung des vagen Begriffs. Schäs«'- lehnt es für den Dichter ab, aus dem Zellgeschehen Aufgaben für die künstlerische Gestallung zu schöpfen. Sich mll diesen Dingen des äußeren Lebens— soweit sie eben äußeres Leben bleiben— zu befassen, sei Sache der Schriftsteller. Es schien aber, als wolle der Vor- tragende die Gestallung— oder die dichterische Durchdringung— des Zeitgeschehens durchaus nicht grundsätzlich ablehnen, obgleich«r dies« klare Formulierung vermied. Ein etwas böser Sellenhieb aus Remarqne zeugte von einem peinlichen Mißoerstehen seines menschlich und schriststellerisch sehr wertvollen Buches ,Lm Westen nichts Neues". Wenn Schäfer am Schluß seiner Ausführungen andeutet«, daß in uns«:er Zeit«ine Unterbewertung des Dichters und der dichterischen Leistung herrsche, so kann das für den Dichter, wie ihn Wilhelm Schäfer schilderte, nicht wundernehmen: wer nicht in der Welt der Menschen, mit ihrem Kampf und Leid, mit ihren Freuden und Hofs- nungen lebt, der kann auch nicht darin wahrgenommen werden. 1*. Aluseumvorlräqc. Sonntag, den 17., 10 Ubr, sprechen wi Neuen M n i c u in Dr. Roicnbcvfl über„Niederländblbe LonblchaftSrabierllNgeii de» IT. Jobrbundcrl»'. im Kaiser-Fried rich-Museu« Dr. Bange über„Die Kunst der Schiuaben' und im Museum für Völker« künde II Dr. von Jenny über„Troja, Kreta und Mhkenä«. T«U- nehmerlartcn SO Pf. vor Beginn am Eingang. Licht, Luft und Sonne für die Berliner Alle Freunde der Freibäder wählen morgen Liste 1 Sie Erhaltung der Lebensfreude und der Arbeitskraft einer Wer-Millionen-Bevölkerung fetzt vor allen Dingen Gesundheit voraus! Dos alte Berlin sowie die früheren selbständigen Qk- ntelrcbcn, welche heute zu Berlin gehören, haben auf diesem Gebiet sehr wenig getan. Eine besondere Bedeutung hat in d« Nachkriegs- zeit das Freibadewesen erlangt. Im Sommer zieh'en Hundert' tausende, vom kleinsten Kinde bis zum ältesten Ehepaar ins Freie, in die Wälder, an die Seen, in die Berliner Bäder. Diese Hundert- tausende von Berlinern, die die ganze Woche für diesen freien Sonntag gearbeitet haben, sehnen sich nach Luft. Sonn« und Wasser. Das Berliner Freibadwesen liegt in seinen Anfängen ungefähr Z0 Jahre zurück. Damals, als die Freibäder noch nicht Allgemeingut geworden, als dos gemeinsame Baden von Mann. Frau und Kind, abgesehen von den Modebädern, noch als etwas A n st ö ß i g e s galt. mußten die Badenden dauernd Gefahr laufen, von einem Polizisten verjagt oder„notiert" zu werden. Erst die Sozialdemokratie schuf grundlegende Aenderungen. Mit der Schasfung'Groß- Berlins 1920, als die Wälder des früheren JweckverbaNdes in das Eigentum der Stadt Berlin gelangten, war die erste Möglichkeit gegeben, helfend einzugreifen. Zahlreiche Hindernisse waren zu be- seitigen. Mit allen Kräften wurde daran gegangen, die besteherfkn Freibäder auszubauen und neue Freibäder zu schaffen.. So wurde im Jahre 1924 im Westen Berlin« da« Freibad Wannsee in städtische Verwaltung genommen, da« heut« zu den beliebtesten und schönsten Erholungsstätten der Berliner gehört. Im Osten Berlins wurden der Freibad Müggelsee G.m.b.H. erheblich« Mittel zum Umbau zur Verfügung gestellt. Im Norden wurden die Freibäder Plötzensee und Iungfernheid« aus- gebaut bzw. neu ins Leben gerufen. Di« Freibäder Klingender, und Westend wurden gleichfalls neu geschaffen. Schließlich haben mir im Süden die Freibäder Grünau, Adlershof und Oberschöneweide. Im nächsten Jahr wird am Tegeler See ein großes neues städtisches Freibad angelegt werden. Neben diesen Hauptfreib ädern hestehen in einzelnen Bezirken eine ganze Anzahl kleinerer Freibäder. Di« unter s o z i a l d e m o- kratischem Einfluß stehende Stadt Berlin hat alles getan. UM besonders ihrer minderbemittelten Bevölkerung die Möglichkeit der Erholung des stillen Aupruhens und des eifrigen Sporttreibens zu geben. Wenn in den früheren Iahren die Frei- bäher fast ausschließlich nur von den nichtbesitzenden Bevölkerung«.- kreisen besucht wurden, so hat sich dieses Bild grundsätzlich geändert. Die Folgen der Kriegs- und Nachkriegsjahre. die Arbeitslosigkeit und der damit verbundene wlrtschgftliche Niedergang sowie die Wohnungsnot hoben fast allen Kreisen der Bevölkerung die Wege zu den Dolks- und Strandbädern gezeigt und glücklicherweise hat heute auch der früher sehr starke Einfluß weiblichen und männlichen Muckertums einer freie» und gesünderen Lebcnsauffasiung Platz machen müssen. Licht und Sonne allen Menschen nahezubringen, ist nach wie vor eine der höchsten Aufgaben der deutschen Sozialdemo- kratie. Daß wir mit dem Ausbau der städtischen Freibäder auf dem richtigen Wege sind, beweisen die Massenbesuche unserer Bäder. Das Ausland steht bewundernd vor diesen Leistungen der Grohkoinmun« Berlin. Ob die Reichshauptstodt auch auf diesem Gebiet führend bleiben und auf dem begonnenen Wege weiter ooranschrelten kann, hängt auch von dem Ausgang der Kommunalwahlen ab. Die Berliner Wähler und Wählerinnen, die fast alle zu den begeisterten Besuchern der städtischen Bäder gehören, werden erkannt haben, daß allein der Sozialdemokratie diese immense Aufbauarbeit für die Erholung des arbeitenden Berlin zu ver- danken ist. Sie werden daher am morgigen Sonntag geschlossen für die sozialdemokratische Liste t eintreten. Alle Mittel find gitf. Me die KPO. unter den Arbeitslosen agitiert. Don einem arbeitslosen Buchdrucker wird unk geschrieben: Die sogenannt«„Opposition* der Berliner Buchdrucker ist an der Arbeit. Ihr« ganz« Kraft hat sie aus die Bearbeltungder Arbeitslosen gerichtet. Wenn man den Arbeitsn�ch- weis für Buchdrucker in der Kommandalüenstraß« betritt. glaubt man in einer Filiale Moskau, zu sein. Alle Wände sind mit Plakaten und Bilderchen benagelt, die all« gegen die verfl..... „Zozialfaschisten* gerichtet sind. Am Eingang wird man gleich von einer ganzen Abordnung Münze nberger empfangen, die Flugblätter oerteilen. In schamloser Weise wird über die„Bonzen des SPD- Buchdrucker-Derbandes* gelogen und gehetzt. Es soll angeblich verbaten sein, Flugblätter zu verteilen, obwohl täglich das„Note Zeitimgsvierisl* verteilt wird, ohne daß dagegen eingeschritten wird. Dieses Blättchen verleumdet in der schmierigsten Weise nur die SPD.(andere Feind« haben die Kommunisten nicht). Po» den»»eisten Kollegen wird das olles einfach übersehen. Weng mal einer etwas sagt, wird er mit Schimpfworte» nieder- gebrüllt. Haben die Buchdrucker nötig, sich von diesen Strolchen, meistens Burschen im Atter von 19 bis 26 Iahren, so provozieren zu lassen? Die Angestellten des Arbeitsamts haben aus solche Fragen nur ein Achselzucken. Wann wird das Arbeitsamt eingreifen? Muß es erst zur Selbsthilfe kommen? KpO.-plette bei Osram. Betriebsversammlung in der Fabrik D, Rolherstraße. Der Arbeiterrat hat in Uebereinsttinmung mit den freigewerk- schafllicheu Funktionären zum 6. Nooember eine Betriebsversammlung einberufen mit dem Hauptthema„Die Reform des Ar- beitslosenoerficherungsgesetzee*. Der Referent Genosse Dr. L ö w e n st e l n schilderte dann in großzügiger und belehrender Weis« die Entstehung und die Resorm des Arbeitslofenverstcherungsgesetzes. Er schloß seine Ausführungen mit der Feststellung, daß die Arbeitnehmerschaft mit dem setzt- gen Zustand nicht zufrieden sein könne, sondern ihn bei gegebener Zeit verbessern müsse. Wenn in der„Röten Fahne* von- 13. November behauptet wird, das Referat wäre unter ständigen Protesten und Zwischenrufe» gehalten worden, so ist das ein glatter Schwindel. Richtig ist, daß die Kommunisten durch die Wirkung des Bortrages ihre pro- grammäßitz vorbereitete Sk ö r u n g s aktionvergdsse» hatten und das Bersämntc fast durch eine Zeitungsnotiz nochholen möchten. Daß die große Mehrheit der Berfommlung den Bersammlungs leiter unterstützt« und den Braun am Reden verhinderte, war ein spontaner Entrüstungsausbruch der freigewerkschastlich organisierten Arbeiter gegen einen gewerbsmäßigen Gewerkschastsspalter. Der Verlaus dieser Versammlung war jedenfalls eine schallende Ohrfeige gegen die Zerstörungsarbeit der KPD. und wird seine Wirkung auch über den Bettieb Osram hinaus nicht verfehlen. Aufgehobene Sperre. Wie uns der Zentraloerband der Hotsi». Restaurant- und Caföangestellten mitteilt, sind die Differenzen mit dem Betrieb Großdestillation Otto Martin». Ladftr. 8». bei» gelegt. Di« Sperr« über diesen Betrieb wird hiermit ausgehoben. Achtung. Zimmerer des 20. Bezirk»! Der Bezirk 20 de, Zentraloerbandes der Zilmnerer tagt Sonnabend von 18 bis 29 Uhr bei K ö p t e, Merstraße 46. Theater der Woche. Vom-H. bis 25. November. tot NülyVVlsch! Sich 24. Dvevkus.(Soljtoö geschlossene Bori Volksbühne. jlina» SrwaS«.«b 38. aifci.» :«•) Staatstheater. Öpec am Pl btf»«»»ilU- 17. 33.' Di« g-ub.rM-. Ifc Sctmlidw CV. 19. Snffmomis firwiluniwn. 30. Ipbiauge auf Soutis. 21. oolnmc. � Ste Slcbtnnoiis. 24. Sans Seiling�A. stidcli». «tabtilcfcc Oect: 17, Ter Hildi'chvk. 18. Samson utti DaMa l8�Ta»n. fiäutec. 30. S'beltd. 31. Lobcngrtn. 32. TieflanS. 23. Turandot. 24. Mabaul- But�erfly. 25. Slcheme.'. S�msptclfeatifl am©enbarmenmarft: 17. bis 25. Don Cöttfls. S-tiillci.Tbcat«: 17. 3x2= 5. 18., 19„ 21.. 22.. 28.. 35. Des«alftes Solbottn. 20. 24. Dcrr Snnt. Theater mit festem Spielplan. - Stcaitt>- bei JUoiqniäMt«tiaf,« Di« S-Ibo� » A an__»TT...UV IJh«»n iTrnjtnfl SorftcOuug.—«ammcrfutiU: Zur flefl- AnsiM. Di«(tamttie: Bom Ten kl ff" {tlebcmujus.— S7 — Slnmcbkuljaiu: ibeato«: sf? 19. ffltnfditn»i« b' uub id), 20.»«schlössen« Porsicöung. stb 21. Scomporo,— Denisch«,«tnfUci-jWto: Seltsam«.�miMcnsmcl. gnWsUttaaai ffitanb Lotel. 20. Di« Si-b,«bnlahrts-v.- C!>anlali. 17. Uli Mr. KureaumiiS-Is.— �Driaaa»�ch«at«r: des ttönias. 20. Der Theater: Das Laub 30. Di« anbei« Seil« .Th-aier- Ballerina »>>»W ufel— Viateraart-U, � International«» Bariet«.—»-ichahaSea-Zheater: Stettiner Sanaer.— Theater am Sott busser Tor: ENte-Siinaer. Thealer mit wechselndem Spielplan. Zicuaissa,».Theater: 17. bi, 12. und 2k. und 24. To«r-Bube. 20.. A-, 22. Ton in h«, TSofer» Sand. 17. 11>4 Mr. Mann«» SRmam&ms.— «ase-Theater: 18.. 19.. 2L, 22. Di, Ie:»tc Asab-ll. A3?ue°»d-�?b 23. pariser Blut.- Theater i» der«lesterftrahr: 16.. 17.. 1k.. 1».. 23.«tm m>- eine Airch°nmaus. 21.. 23.. 24. Traumulus. Nachmittagsvorstellungen: LollabShoe. Theater am»ilawrlah: 17. T-Lhlina? Snwachcn.- ThaNa- Theater: 17., 34. RammrraiuM. 28.»inberrnärchen.— Theater am SaBcoboif- rteh: 17., 23.. 24.. P-trrchens SRor.bfohrt.-«ra»e, ��»ielhaa»: J7„ »WM IIHM�WWWWWWMWMWWWWWII��WMWWWMWMW»�» 16 Uhr. striebetife. 14 Uhr. Das Weihnachtswunber. 23. 16 Uhr. Das Weih- nachtswunber.— kleine» Theater: 17.. 24. 1« Uhr. Das tapfer» Schnclber. lein. ISU. Uhr. Clublcute. 23. Das tapfere Schneiberlein.-»enaissanee. Märchenland. 20.. 24. Säntel nnb SrctrI. 23.' Mf bern geppeli» ins Märchen- lanb.- Schlohparl-Tbcater SteaUH: 23.. 24. Der gestief-lte Kater.-«iatxr. aartea: 17.. 2g.. 24. Intcrnat'onalks Barief».— Plasa. Stala: Anterna!0» nales Variete.— Belchshallen-Theater: 17., 24. Stettiner Sänaer.— Theater am Kattbatzer Tar: 17.. 24. Slitc-Sönaer. Erstaufführungen der Woche: Saaxtckk. Lekkin«- Theater: Burraurnäbels. 1114 Wr.— Mittmach. Triauon. Theater: Der Strom.— Sofe-Theater: Jugend — Daaneratag. Deutsche» Bolls» Theater: Scampolo.— K l e i u e a Theater: Das Partum meiner Trau.— Theatsr In ber Kloster» ti r a ß«: Traumulus.—«aaRabenb. Zisfe- Theater: Pariser» Blut. Sierim 1 Beilaae. eioliellzvertzanü d.E]seiibabHer DeutsflJlands.OrtsflniDDe Berlin Unseren Mitgliebern. insbesondere den Beamten-Kollegen der Fach- grupoe 2 zur Nachricht, baß ber Pensionär. Kollege Alfred Theus früherer Schaffner ap, am Mittwoch. dem 13. November, im Älter von 47 Zahlen verstorben ist. Ehre seinem Änbenle»! Die Beerdigung findet am Montag. dem 18. Zlovemver, 150, Uhr, auf bemSolgatho-Fricbhof, Barfußstraße, statt. Rege Teilnahme wünscht Die Ort TcnraUna«. PLAZA Tlgl.» u.«U SanLt.li tu Al«x. K. 4. 806ä INTERNAT, VARIETE Heule Premiere IPniut-EI. Vvtots.: 5151 PL-Ii. aaraUjlna n. Ja«, MM, power u*w. Ronaissancs- Theater »>/. Ubr COEUR-BUBE Komödie von Jadqaes Nsthanson. Regle; Leon Won Sogaa. Sonnabend S Wir, Sonntag 4 Wir »•«■aeUTateVia --tetaplatr C 1. 0901». 2583/34. ■ ä um• Inn. 2319• Budm erianbi Jim tola, Jrvln SUtora ctc. I taanabond a. Saaatag Ja 2 Varataflungan U 3» und* Uhr. 3>° meine Preist. GROSSES SCHAUSPIELHAUS • Uhr: 3 Musketiere Regie; ERIK CHARELL 3 Sonnttfl m Quo. witk. twld» ffr. Reichshallen-Theater Abenda Sonntag nachm. ..Bei de Stettiner' Ulk-Revue v. MeyeeL BillcttbestZenirum 11263. Naclimittacs halbe Preise. Oönhoff-Srattt: Das«rolle Variet«-Progr. Tani— Falkner-Oi ebeater. ROSE •THEATER Telaph.; Alexander 3422 n 3 V Tiglich 8» Uhr (Sonntags 5>/« und 9 118- Die letdetc Jsabdl ab» Sonnsban. 5 Um nacbn j. lad« Sonnte: 2» U.ir„ Frau Holle üroBes Ausstattungsmlrchen lodei umvoQi 5 II tu Das taiifere Sdineideilsin Das'usligstc a'icr Märchen. CASINO-THEATER Lothringer Strohe ,7. Beul Tl«Ud>»>/. Ubr 118111 wertaflta Hocnzeltsnacht! und ein erstklassiger bunter Teil. 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Merkur 1624 Täglich 8V« Uhr Max Adalbert als Manie am Flügel Rudolf Nelson Sonnab. 4, Stg. 2 Wir Das tapfere (dmeiderlela. Direktion 3t. Robert Kielt Dentsehes lOniller-Tboat Barbarossa 3937 ».« Uhr Seltsames Zwlsdiensple f. hugene O Neil l»ii Idn KUhiI Sonntag, 17 Nov. HS Uhr Die Inder« Seilt in der Premierenbesetz Preise 0.50— 8 M SM« Theater )önhofiI70 8V, U Zum 75 Male Ivel Irawatieii von Georg Kaisei Musik Spolianskv Sonn H', 17 November »•» Uhr" Zvei Krsvst'en Preise OJW-'8.00 M T Trian!)n-TtLn!J,T 8>/i Uhr ?liub8th S'rickrodt m „Die Salierlns des Königs" So. 4. StP. 2*1 Uhr SdinecwUtc en Bamvskj-Blbne? Thoatar m der CTnlggrittar Straß. Täglich 8U» Uhr Die erste mre. seiby mit fritö Komödlanhaus Täglich iVt Uhr Dar HOhnerHof v Tristan Bernard Plnneiarium »m»» am Zoe»»»M felieo.'MdiieuOiiiB trat. B.5 Barbarossa 5578 16V. Lhr Herbetabaals am Staraaa* IS1/. Uhr Rltaal aas ßtaraaalls.tn 20'/. Uhr aia aa die Qraazan aar Walt Eintritt I Mark, Kinder SO Pf. Mittwochs halbe Kassenpreise, Metropoi-Tb. »Ii Uhr Lehir dirigiert Das Land des Lächelns rS a Schwarz, ' ord Tauber ®BlllB«gs-.pali"n- a.BeklamemTken •egen Nachahmung neseöl.»esch ertfgt seil 48 Jahi Iis Spri'al'tßt. Conrad Müller Leinr" euditx Sonntag, d. 17. November »V, Our (ßellogc Sonnabend, 16. November 1929 BerJUrnift �tin Jn(i�0ii 6�c Unser Kampf gegen Wohnungsnot und Wohn angseiend 600000 Berlinern schuf die Sozialdemokratie ein neues Heim Bauunternehmervon früher war nur daran gelegen. den ihm zur Verfügung stehenden Grund und Boden r ü ck s i ch t s- los felbfüchtig auszunutzen. Es entstanden Zwar auch Wohnungen, die man aber, besonders in den Arbeitervierteln, bester mit dem Wort„U n t e rk u n f t s r a u m' bezeichnet. Betrachten wir dagegen die Siedlungen modernster Art, so sehen wir l i ch t d u r ch- flutete Erholungsstätten, die die Lebensfreude heben und dem Familienleben Sinn und Inholt geben sollen. In diesen Wohnungen, die fast alle einen kleinen Garten aufweisen, bleibt der Mann gern zu Haus«:«r meidet die verräucherten Kneipen und spart so manche Mark. Ein Erfolg der Sozialdemokratie. der von der Arbeiterschaft nicht hoch genug gewürdigt werden kann! Wir leben in einer Zeit, in der sich bedeutende Ereignisse dauernd m So bauten die davongelaufenen Souveräne sagen und überstürzen. Daher kommt es. daß wichtig« Tatsachen leicht in Vergestenheit geraten. Wir wollen heute daran erinnern. datz seit 1920. alle Verbesserungen auf dem Gebiete des Wohnungs- wesens allein einer zähen Arbeit der Sozialdemokratie zu danken sind. Sie hat gegen den Widerstand der a m H a u s.- und Grundbesitz stark interessierten bürgerlichen Kreise durch eine neue Bauordnung in Groß-Berlin dem schandbaren Bodenwucher Einhalt geboten, den Bau von Hinter- hqusern, Seitenflügeln und Quergebäuden, wie von M i e t- l a s e r n e n überhaupt unterbunden. Durch die Einteilung des Stadtgebiets in Lauzonen und Bauklassen wurde eine Auflockerung ermöglicht und für die Zukunft sichergestellt. Da. neben Halle es die Sozialdemokratie übernommen, die während der Zahre 1914 bis l9t8 vollkommen stillgelegte wohnungsbauläligkeil wieder in Gang zu bringen. Denken wir heute noch daran, welchen herrlichen Zeiten uns Wilhelm II. entgegcngeführt hat? Weite Kreise haben es bereits vergesten, und viele, darunter hauptsächlich die An- banghr der Kommunisten, wallen es nicht wisten! Sie verbreiten bewutzl die Lüge, die„verdammten" Sozialdemokraten haben die un- geheure Berliner Wohnungsnot verschuldet. Auf derartige bewußte Lügen kann nur erwidert werden: Von allen Parkeien war einzig und allein die Sozialdemokratie unentwegt und mit Erfolg bestrebt, die Wohnungsnot und das wohnungselend durch Förderung der Neubautätigkeit zu lindern. Jedem Einsichtigen muß es klar sein, daß die Wohnungsfrage eine Geldfrage ist. Die erforderlichen Mittel zu beschaffen, war stets das eifrigste Bemühen der s o z i a l d e m o- k r a t> s ch e n Vertreter. Wer hat ihr aber immer wieder entgegen» gearbeitet? Wer hat bis Ende 192? bewußt und unbewußt auf die Zerstörung der deutsä�n Währung hingearbeitet? Die führenden Kreise im bürgerlichen Lager. Wer lehnt jede praktische Arbeit inner- halb der Kommune ab? Die Kommunisten. Die Agitationeanträge dieser arbeiterieindllchen Partei sind daher bewußt zur Täuschung der breiten Masse' gestellt: sie sollen dl« eigene llnfähigkeit verdecken. Sie wirken um so erbärm- licher. wenn wir dagegen die praktisch« Arbeit der Sozial- demokroten betrachten. -150 000 Neubauwohnungen wurden geschaffen' Unter der Leitung der sozialdemokratischen Stadträte W u tz f y und Ez e m in s k i sind an Neubauwohnungen errichtet worden: 1020/23......... 29 000 * 19"4........... 10 050 19'5........... 9 512 1926........... 16 290 1927........... 26 700 1928.........'..28 000 1929........■ 27 200 Insgesamt 143 742 wohvungen. Heber 600 000 Personen haben Wohnungen bekommen, die in b e z u g a u i Grundriß, Gestaltung und Ausführung stets die Bewunderung aller deutschen und ausländischen Delegationen er» regt hallen., von denen selbst ofsiziell« Persönlichkeiten au» Sowjetrußland überrascht sagten:„Dagegen siild die in Ruß. lond gebauten Wohnungen ja elende Löcherl" Zurzeit sind über 43 000 Wohnungen im Baui Die Finanzie. rung der neuen Wohnungsbauten erfolgt in der Weise, daß der Eigentümer 40 Proz. der Bausumme als 1. Hypothek beschaffen und 10 bis 20 Proz. Cigenkopital investieren muß. Der dann noch iehlende Betrag wird alz 2. Hypothek aus der Hauszins st euer gewährt. Wieviel hier Berlin aufgebracht und zum Bau von Wohnungen erhalten hat, zeigt folgende klein« Gegenüberstellung: S esämtoiifloBOTen in Berlin M. 1924...... r 178 000 000 1925....... 232 000 000 1926....... 301 000 000 1927....... 339 000 000 1928....... 340 000 000 1929....... 340000000 b) als Seubanmütil für Berlin M. 60 000 000 67 000 000 105 000 000 125 000 000 124 000 000 124 000 000 Summa: 1 780 000 000 605 000 000 Berliner l Bedenkt, was es heißt, 1 Milliarde 730 Millionen Mark aufzubringen, aber nur 605 Million en Mark verbauen zu dürfen! Fast zwei Drittel eurer Hauszinsfteuerbeträge mußten wir anderen Gemeinden und dem Staat überlassen! Gegen dies« ungeheure Benachteiligung ist die sozialdemokratische Fraktion von Anfang an Sturm gelaufen, bedauerlicherweife immer vergebens. Unsere Gegner von rechts und links haben jede gerechte Behandlung Berlins v« r h i n- d« rt.— Di« bürgerlichen parleieu hemmen absichtlich da» weiler« Aufblühen der Reichshauptstadt und eine noch inteastnere De- kämpfong der Wohnungsnot. Ihnen ist, die ki» a n z i« l l« Knebelung Berlins aus politischen Gründen nicht un- erwünscht. Als treue Bundesgenossen der Rechten fungieren auch auf diesem Gebiet wieder die Kommunisten. Die Sozialdemokratie hat sich in ihrer Arbeit durch keine noch so niedrigen Angriffe in chrer praktischen Arbeit beirren lassen. Aus ihren Antrag wurden au» städtifcheu Mitteln zur Förderung des Wohnungsbaues zur Verfügung gestellt: 580 000 SL für kriegsblind« und Kriegsbeschädigte. 1 700 000 M. für die Errichkuug von Aller».. Rentner, und Ledigenheimen. 7 500 000 TR. für Beamte und Angestellte. 15000 000 21t. für die Errichtung von wohnungev ohne Zi». anspruchnahm« der hansziosstener. 64 500 000 2N. für Znsatzhypotheken. 95 000 000 211. in Form von Bürgfchastshypotheke». Weiter ist es der Sozialdemokratie zu verdanken, daß über das ordentliche Wohnungsbauprogramm Hinaus noch tu diesem Jahre 1000 Wohnungen in Charlottenburg-Nord und 1000 Wohnungen in Reinickendorf an der Schillerpromenade aus städtische» Misteln erbaut werden und dadurch wiederum 8000 bis 10 000 Personen die so heiß ersehiüe Wohnung erhallen. Und allen denjenigen, die seit Jahren auf Zuweisung einer Wohnung warten, sei zum Trost gesagt, daß begründete Aussicht besteht, in Berlin fortan jährlich 40 000 Wohnungen zu errichten. Daß hierbei in der Hauptsache gemeinnützigen Baugesellschaften die Ausführung übertragen wird, fei als selbstverständlich nur neben- bei bemerkt. Erwähnen wollen wir in diesem Zusammenhang auch ▼V�WSeNevW�WW��VWWVWWVV�w�Vi�AAAA/WVN�/Vw Anekdote Es lebte da irgend in Wärmland ein Mann, der war bekannt für sein gutes Pellschenfchwingen. Wenn er den Stiel zwei-, drei- mal um den Kopf gewirbell hatte und dann die Schnur wspfeifen ließ, so fiel etwas Lebendiges um und hiell den Atem an für immer. Und der Mann in Wärmland war mächtig stolz auf seine Kunststücke und zeigte sie jedem, der nur wollte. So fuhr er eines Tages von feinem Hof zur Stadt, seinen jüng- sten Sohn bei sich, als ein Frosch in ungefügen Sprüngen über den Weg hüpfte. „Vater, ein Frosch! Würdet Ihr den wohl treffen?" „Selbstverständlich!" sagte der Mann aus Wärmland und schon sauste die Peitsche und klatschte auf und der Frosch war gewesen. Die beiden fuhren weiter. Da flatterte ein bunter Schmetterling neben dem Wagen her. „Vater, ein Schmellerlingl Würdet Ihr diesen wohl treffen?" „Selbstv'rständlich!" sagte der Mann aus Wärmland, ließ die Pelifche saufen und spallete den Faller mitten durch, so daß die beiden auselnandcrgetrennten Schmeiterlingsflügel wie welke Blätter zu Boden trudelte». So mußte diesen Morgen auf der Fahrt zur Stadt noch manche» ahnungslose Geschöpf an die Pejtschenkunststücke des Mannes aus Wärmlond glauben:«ine Maus, die den Kopf aus dem Loch stockt«: eine Eidechse, die sich auf einem Randstein sonnte: ein Rabe, der dicht über ihm die schwarzen Flügel schwang. Der Junge auf dem Wagen kam au» dem Staunen über feines Vaters mörderische Ge> schicklichk.-ll nicht mehr heraus. Jetzt fuhren sie an einem Bauernhof vorbei. Rsban den, Hof war«in Garten, mit Blumen vollgeblüht bis zum Rand, und darin ein Bienenstand, aus dem gerade»in Immenfchwarm summt«. „Bater. die Binnen!" schrie der Junge.„Die vielen Bienen! Haut da mal rein mit der Peitschel" Da hob der Mann au« Wärmland seine Hand mit dem Peitschen- stiel, aber nicht zum Zuhauen, sondern nur, um sich damit nach- denklich hinter seinem Fuhrmannsohr zu kratzen und, zu se'nem Ichlagvereiserten Jungen gewandt der auf das Zuhauen wartete. sagte er:''. „Ree. mein Jung, hier man lieber nicht Weißte, da könnt' es mir schlecht bekommen, die Luders sind nämlich organisiert!" owe. die besonders intensive Aufbauarbeit, die die frei- gewerkschaftliche Gehag, eine Tochtergesellschaft der Dewog, in Berlin geleistet hat. Kommunisten— Schädlinge des Wohnungsbaus. Wir wollen jedoch nicht nur bauen, wir wollen auch die Bewucherung unserer Volksgenossen ver- hindern und möglichst niedrige Mieten erzielen. Das ist der schwierigste Teil beim Wohnungsbau. Wir wissen genau. mll welch geringem Brrdienst die Familie des werk-. tätigen Mannes ihren Lebensunterhall bestreiten muß und haben mll großer Sorge das ständige Ansteigen der Preise So baut das souveräne Volk Unteres Bild: Modell eines Bauprojekts für Reinickendorf für Baumaterialien beobachtet. Uns ist auch bekannt daß die Preissteigerung nicht dem Arbeiter, sondern dem Unter- nehmer zugute kommt. Die Verantwortung für diese traurigen Be-, glciterscheinungen trifft auch hier in der Hauptsache die Kommu- nisten.' Sie lehnen bekanntlich nicht nur in der Kommune. sondern auch im R e i ch s t a g und den Landesparlamenten jede prak- tische Tätigkeit ab, anstatt Verantwortungen zu übernehmen. Hier. für ein Beispiel:- 1926 bot sich Gelegenheit, die H a u s z i n s st e u e r noch der Friedensmiete zu berechnen: die KPD. stimmte im Landtag nicht mit, sondern gegen die Sozialdemokratie, sie brachte damit die Vorlage zu Fall und verhinderte so den Lau von etwa 20 000 neuen Tvohoungen in Verlin. Und deshalb mußten wenigstens 8 000!! Berliner, länger als notwendig war. in Pferde» st allen, dumpfen Kellern und Bretterlauben kam» pieren., Ilm die Senfung der Mieten. Zurzell beträgt die Miete für eine neue Wohnung. bestehend aus Stube, heizbarer Kammer, Küche, Bad und Klosett eist- sprechend der Höhe der Baukosten 67,50 Mk. pro Monat. Um diesen Betrag im Interesse der werktätigen Bevölkerung zu drücken, sind aus Grund sozialdeokratischer Initiative bisher 64,5 Millionen Mark außer der Hauszins st euer noch als besonders billige Zusatz Hypotheken vcrieill worden, mit dem Resul- tat. daß die Miete für den größten Teil dieser kleinen Wohnungen anstatt 67,50 M. nur 5 0 M. beträgt. Eine weitere Senkung der Miete wäre nur auf Kosten der Wohnungskultur möglich. Wir müssen es jedoch ablehnen, ausgesprochene„Proletenwohnuit- gen" von nur 1 Stube mit Küche, ohne Bad, mll einem Gemein- schaftsllosett auf dem Flur oder Hof, die den alten Wohnlöchern der Borkriegs-Mietskasernen in nichts nachstellen würden, zu bauen. Die KPD. kennt kein weiteres Mlltel zur Bekämpfung der Wohnungsnot. als die„Beschlagnahme der Luxuswohnungen der Bourgeoisie" und die„Einführung einer Wohnungsluxussteuer", beides undurchführ- bare Borschläge, einmal, well sie gesetzlich nicht zulässig sind, zum andern, well sie schon wegen der entstehenden Berwaltungs- kosten ganz bestimmt nicht zum Ziel führen würden. Der ofsen- sichtliche Zweck dieser k o ni m u n i st i sch e n Verlegenheit e- l o s u n g« n sst nur, den Massen Sand in die Augen zu streuen. Leser und Leserinnen! Einwohner Berlins! Das unantastbare Resultat sozialdemokratischer Arbeit sind fast ISO 000 neue Wohnungen! Ueber SOOOOO Berliner Einwohner verdanken der Sozialdemokratie ein neues behagliches Helm! Unser Bestreben: Stärkste Für- derung der Neubautätigkeit. Unser Ziel: Bekamp» futtg der Berliner Wohnungsnot. Eine schwere, aber dankbare Aufgabe! Helft sie uns lösen! Wer die Wohnungsnot mit uns bekämpfen will, wer mit uns ein- tritt für die Schaffung einer neuen Wohnungskultur des arbeitenden Mensche» wählt am morgigen Sonntag nur die Liste 1 die Liste der deutschen Sozialdemokratie! / (8. Fortsetzung.) üluf der anderen Seite dachte auch schon die Bourgeoisie daran, eigene Kampfeinheiten zu bilden, um sie dem Proletariat entgegen. zustellen. Sie fing an einzusehen, welchen Vorteil sie aus der nationalistischen Hysterie der Jugend ziehen tonnt«. In Rom nahmen die Kundgebungen für Fiume und Dalmatien immer mehr den Charakter fozialistenfeindlicher Demonstrationen an. Am lü. April hatten in Mailand die Nationalisten, Futuristen und „Sturmtampfer* zum erstenmal den„Aoarrti* überfallen. Di« ganze Presse donnerte gegen die Sozialisten und entstellte die Er- cigniss«, um ihre Kampagne des Hasses zu nähren. Die nachstehende Episode wirst in dieser Beziehung ein recht merkwürdiges Licht auf Mussolini. Es war kurz vor den Wahlen sglll. Ms gerade der Kampf am heftigsten wogte, erhielten eines Tages der Präfekt und der Erzbischof von Malland je ein hübsch verpacktes Paket mf� einer Bombe. Große Aufregung in der Presse, feurige Anklagen gegen die Sozialisten. Am meisten«nt- rüstet ist natürlich der„Popolo d'Jtalia' von Mussolini. Und dabei war es Mussolini selbst, der die Bomben geschickt hatte! Mit solchen Mitteln machte man die öffent- liche Meinung. lX. Der Hand st reich d'Annun zios auf Fiume. Am 12. November 1919 erfuhr das erstaunte Europa, daß Gabrtela.d'Annunzio an der Spitze einer Kolonne von Frei- willigen, denen sich Offizier« und Soldaten des Heeres angeschlossen hatten, in Fiume«inmarschiert war und es besetzt hielt. Von Ronchi aus war er beim Morgendärnmern in die Stadt eingerückt, hatte vom Rsgieruiyjspalais Besitz ergriffen und die Fahne des Widerstandes gegen die Beschlüsse von Versallles gchißt. Einem Freunde schrieb er aus Fiume:„Solange hier auch nur drei Männer sich aufrechthalten, wird es eine Schande weniger in der Welt geben." Das Unternehmen an sich entsprach einer Forderung der Ge- rechtigkeit. Fiume war zweifellos«ine italienische Stadt und hatte sich durch dos Plebiszit vom 19. Oktober 1918 in völliger Freiheit zu Italien bekannt. Unter den vorliegenden Verhältnissen erlangte aber das Ereignis eine innerpolltisthe Bsdeutung, die weit über di« strittige Stadt hinausreichte.„Zum«rsten Male", sagte der Ministerpräsident Nitti in der Kammer,„ist der Ausruhr bis in das H««r gedrungen." Und Filippo Turati fügte als Redner der sozialistischen Opposition hinzu:„Durch solche Ereignisse öffnet man dem Bolschewismus die Tore, den Sie so fürchten." Aber es bedeutete noch etwas anderes. Es bedeutete den Bürgerkrieg, dessen Umrisse am Horizont Italiens auftauchten. Das war die Krise im Staate selbst. Der Marsch dÄnnunzios auf Fiume war das Borspiel des faschistischen Marsches auf Rom. Ohne ein Gründer des Faschismus zu sein, den er sogar im Jahr- 192S als„agrarische Sklavenhal- terei" bezeichnet hat, war d'Annunzio der Schöpser und unum- strittone. unersetzbare Führer der nationalistischen Bewegung in Italien, mit der sich der Faschismus schließlich identifizieren sollte. Ohne d'Annunzio wäre, der Faschismus wahrscheinlich eine ganz .unbedeutende Bewegung geblieben. Der Haß gegen den Sozialis- mus, als der Haß gegen die Partei, aus der seine Führer stammten, die Verworrenheit seiner politischen und sozialen Anschauungen, die Leidenschaftlichkeit seiner politischen Diskussionen, hätten dem Faschismus nie die Eroberung der Mittelklassen eingetragen, deren er für seinen Erfolg nicht entbehren konnte. In der Tat ließ sich Mussolini die Gelegenheit nicht entgehen, sichrem das Unternehmen d'Annunzios anzuhängen: am Tage nach dem„Marsche" las man in seiner Zeitung:„Die Regierung Ita- liens ist nicht in Rom, sondern in Fiume. Dieser Regierung schul- den wir Gehorsam." Es gab wirklich zwei Regierungen. Eine, deren Oberhaupt man einen„Piraten" nannte, hatte tiefe Wurzeln im Heere und verkörperte in den Augen des jungen Bürgertums und eines Teils der Heimkehrer die patriotisch« Leidenschaft eines Voltes, dem man seit Monaten vorpredigte, es würde von seinen Verbündeten ge- narrt und oerraten und um seinen Anteil an Kriegsbeute begaunert. den es mit 299 999 Toten und einer Million Berstummelter bezahlt hatte. Und um diese Regierung scharte sich die Reaktion, die umer der Fahne des Patriotismus daraus ausging, die Arbeiterbewegung zu vernichten, das allgemeine Stimmrecht ohnmächtig zu machen und vom Staate Besitz zu ergreifen. D'Annunzio blieb in Fiume vom September 1919 bis zu Weihnachten 1929. Die Regierung Giolitti verjagte ihn, indem sie die Kanonen der Kriegsmarine auf die Stadt richten ließ. Wie in seinem ganzen Leben zeigte sich d'Annunzio auch hier malerisch, theatralisch und reich an großartigen Gesten. Er sprach sich deu Titel eines Kommandanten zu und trug sich in die Register des ..Foszio" von Fiume eigenhändig als„Mann vom Woffenhand- werk" ein. Cr hatte seine Minister und seine Hofschranzen, ja, sogar seine Korsaren, denen es oblag, die Stadt zu verprooian- tieren durch Handstreiche auf den Bahnhöfen. In den Häfen oder auf offener wee. Unter den Soldaten lebte er wie ein älterer Bruder, gleichzeitig streng und gütig. Im September 1929 habe ich in Fiume den Feiern des ersten Jahrestages des„Morsches" beigewphnt. Man hatte den Eindruck, im Umkreis eines Renaissancesürsten zu leben, in Pracht und kul» iureller P«rsein«rung. D'Annunzio pflegt« aufzustehen, sobald der Morgen graut«. Er kam als erster zu dem Stelldichein, das er täglich seinen Sol» baten gab. Dann ging's am Weene entlang oder auf die die Stadt umgebenden Hügel; es war mehr ein tolles Herumstreifen als ein Spaziergang. Wenn man sich zum Ausruhen sammelte, sprach der „Kommandant" zu seinen Leuten in der bilderreichen Sprache, die ihm eigen ist. Und immer fand die Rede ihren Abschluß mit dem gleichen Zeremoniell: „Wem Italien?"—„Uns!"—„Was den Feinden?"— „Unsere Abscheu!" Nachher widmete sich d'A»l»mzia den �Staatsangelegenheiten", Er gewährte„Audienzen", erließ Aufrufe und Sendschreiben. Er unterhielt Beziehungen mit deu Kroaten, den Ungarn und sogar den Bolschewiken, von denen es heißt, daß sie ihm große Achtung be- zeugten. Außerdem schrieb er für zahlreiche Zeitungen. In seinem Abenteurerhirn spukte damals vor allem der Plan eines Marsches auf Rom. Zu diesem Zweck hatte er nicht gezögert, den Beistand oder doch wenigstens di« Neutralität der Soziallsten nachzusuchen, srellich ohne sie zu erlangen. Als Unterpfand seines Interesses für di« Arbeiterklasse hatte er«in«„Charta der Arbeit" veröffentlicht, einen wahren Codex des Ständestaates. Er träumte davon, sich in Rimini oder Ravenna auszuschiffen, den Weg Casars einzuschlagen, nach Rom vorzudringen, das Parlament aufzulösen und die Diktatur der Patrioten zu proklmnieren. „Was werden wir mit den Abgeordneten machen?" rief er seinen Soldaten zu. „Würste!" „Nein, damit würden wir uns vergiften." „Dann werden wir ihnen in der Piazza Colonna den Buckel heraufsteigen." „So ist es recht." D'Annunzio war überoll. Eines Tages wurde«in vermeint- lichcr Pestsall in Fiume gemeldet. Er ging unversrören an das Lager des Kranken, mit jener absoluten Unbosorgtheit um sein eigenes Leben, von her er so unzählige Beweise gegeben hat, ohne daß der Tod die Hand nach ihm ausgestreckt hätte. Besonders charakteristisch waren seine Volksverstimmlungen mit Zwiegesprächen. Fast jeden Abend wurden sein« Anhänger zu einem großen Rapport befohlen. Dann berichtete er über die Neuigkeiten des Tages und machte feine Bemerkungen. Welcher Witz, wiepiel schneidende Ironie! Und welche Verhöhnung der Unterhändler von Versailles, vou Clemanceau bis Wilson! Das waren sicher die schönsten Proben der Beredsamkeit D'Annunzios, der übrigens, wie bekannt, die'Vahrs Gefühlstiefe abgeht. Wenn die Darlegung des Kommandanten beendigt war. begann ein pittoreskes Zwiegespräch. Man stellte Fragen, man wallte seine Ansicht über dieses und jenes wissen. Die„Tagung" fand dann ihren Abschluß mit jenem Gruß, den später der Faschismus übernehmen sollte: „Für Gabriele D'Annunzio!" Cia, eia, alala!"—„Für das Volk von Fiume!"—„Cia, eia, alala!" „Was ist unser Motto?" „Ich pfeife drauf"(gelinde gesagt), und dabei hoben die„Aiditi" (Sturmkämpfer) ihre Dolche in die Luft, während über das Mephistogesicht des Kommandanten ein Lächeln zuckte... Aber alles hat«in End«. So auch das Abenteuer D'Annunzios. Es halle sogar schon zu lange gedauert. Am 2. November 1929 unterzeichneten Italien und Jugoslawien einen Bertrag zur Regelung der adriatischen Frage. Fimne wurde«ine italienische Freistadt. Run galt es, die Desziplin im Heer« wiederherzustellen und D'Annunzio aus Fiume fortzubringen. Diese Arbeit übernahm der General Caoiglia. einer der siegreichen Führer im Kriege. Da hie Unterhandlungen zu nichts geführt hellten, richtete die Kriegsflotte in der Weihnachtsnacht von 1929 ihre Kanonen auf die Stadt. Einige Schüsse wurden abgegeben. Bon der Landseil« kam es zu Vorpostengefechten, bei denen es gegen 29 Tote gab. Nun entschloß sich D'AimUnzio, zu kapitulieren. Am Abend vorher halle er ver- kündet, er sei bereit, die„Stadt Zoll um Zoll zu verteidigen". Ab-r jetzt beschworen ihn die Offiziere aus dem Heer, die mit ihm gemein- samc Sache gemacht hatten, zirni Nachgeben. Freier Abzug für sich und feine Legionäre wurde ihm sofort bewilligt. Am 29. Dezember übergab er die Macht, die er sich angc- maßt hatte, dem Podest». „Ich Iec$ meine Toten, meinen Schmerz und meinen Sieg in Ihre Hände", waren seine letzten Worte. Sobald D'Annunzio fort war, wurde es offenkundig, wie un- populär seine Besetzung gewesen war. Bei den Wahlen wurden mit großer Mehrheit die entschiedensten Gegner des Kommandanten gewähll, genau wie es heute in ganz Italien geschähe, wo unbcein- flußte Wahlen nur die Widersacher Mussolinis ins Parlament senden würden. Aber jener Marsch und jene lange Besetzung, die mit einer feie r- liehen Desaoouierung van feiten des Bolkcs endeten, sollten für die innere Politik des Landes schwere Folgen hoben. Der Gedanke des Staatsstreichs hatte Wurzel geschlagen, und sicherlich hat im Jahre 1919, nachdem das allgemein« Wahlrecht dein Volkswillen Ausdruck gegeben Halle, mehr als ein Reaktionär{k.; gesagt, daß das Bolk wählen mochte, vre es wollte, ohne daß man sich darum zu sorgen braucht«, da nunmehr schon der erste Kern des „Gegenstaotes" geschaffen war.(Fortsetzung folgt.) v«i Gerhart Pohl. Braclutücke. jelesen vom Sonnabend, 16. November. Berlin. 16.05 Gerda Weyl:„Stadt Berlin— Mntter von 175 000 Kindern". 16.30 Gnterhaltungsmusik. 19.00 Heitere Lieder. 19.30„Partie verspielt. Autor. 20.00 Aktuelle Abteilunj. 20 J0 Kabarett.„Die Kalatoaibe." AnschlioSend: Sportpalast: Eishockeykampf London— Berlin. Nach den Abendmeldunpcn bis 0.30: Tanmiasik. Wihrend einer Pause Bildfunk. KOnirswusterhansen. 16.00 Ob.-Stud.-Dir. Reiske; Die Mfinchener Taguns der Geseilschait für deutsche Bilduoc. 16.30 Nadunittazskonzert von Hamburg. 17.30 Min.-Amtmann Matescheck: Als Verwaltungsbeamter raad utn Afrika. 18,00 Min.-Rat Prof. Woldt und Beteiligte: Wie steht der Arbeiter zum Vaterland? 18.30 Französisch iilr Antlnger. 18,55 Ob.-Stud.-Dir. Ost: Die Bedeutung von Paris. 19.20 Saitschick: Der Sinn der Demokratie. 20.00., Spannung." Mitw.: Frlnre Roloff, Meinhtrt Maur, Rezitation. Kapelle Gebrüder Steiner. Sonntag, 17. November. Berlin. 7.00 Funk-Gymnastik. 8.00 Für den Landwirt 9JX) Morgenfeier-, IOjüO Wettervorhersage für Sonntag. 10.50 Bildfunk. 11X0 Elternstande. 11X0 Blasorchester-Konzart. 13.00 Mlttagskonzert. M.30 Märchen(am Mikrophon: Maria Leiko). 15.00 Großes Schauspielhaus.(Für die Fnnk-Stuode dBgerichteef Oebertra- gung.)„Die drei Masketiere." 15.00 Deutsche, französische und englische Chansons. 18.30 Jacob Böhme(t 17. November 1624). J. Johann Jacob Frobergcr. tI667: a) Toccata F-Dnr: b) Rioercar(Ben Geysei. Orgel).— 2. a) Privatdozent Dr. David Banmgardt: Einfübrung: b) Ana den Werken Irmeia von Dulong.— 3. Samuel Scheidt, 1587—1654: a) Fantasia„Ich ruf zu dir. Herr Jesu Christ; b) Jan Sweeilnok, 1562— 1621: Variationen„Ich fuhr mich über Rhein"(Ben Geysei). 19.30 Tagesgiossen(gesprochen von Alfred Kerr). 20.00 Streichorchester-Konzert. 1. Dvoräk: Serenade op. 22.— Crnest Bloch: Concerto Grosso.(Am Flügel: Brnno Seidler-Winkler. Streicher des Berliner Funk-Orchesters.) 20.50 Biasochester-KonzerL Dirigent: Hindeinith. I. Mendelssohn-Bartholdv; Ouvertüre für Harmoniemusik.— 2. Ernst Toch: Spiel für Blasmusik, op. 39.— 3. Hindern Ith: Konzertmusik für Blasorchester, op. 44(Bläser des Berliner Funk-Orchesters). Anschließend: Zeit. Wetter, Nachrichten. Sport. Anschließend bis 3N0 Tanzmusik. Während der Pausen Bekanntgabe der Wahlergebnisse und Bildfunk. Königswusterhausen. 1830 Dr. V. Priemel: Gemütsbewegungen bei Tieren. 19.15 Prot. Dr. Zylmann: Knochen und Scherben im Acker. 19.35 Kapherr: Bärenjagden in Rußland und Sibirien. 20.00 Singakademie: Gaukonzert des Deutschen Mandolinen- und Gitarren. spieler-Bundes E. V. Rätsel-Ecke des„Abend". Rösselsprung. Die fehlende Mittelsilbe. Au« den S'lben an bi da bot dung ga ge ger ke to neu o schul spruch ta t«l tie tu tq um ve mein zen zer sollen 12 dreisilbige Wörter gebildet werden mit glsüber zu ergänzender Mittelsilbe. Wie heißt die Silbe und wie heißen die Wörter? ab. (Auflösung der Rätjel nächsten Mittwoch.) iiiMmmiiiMimmuMiuiujnBmmimiU» Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Teil des Wagens: 3. Teil des Baumes: 5 französischer Komponist: 8. Kleidungsstück; 19. natürliches Düngemittel: 12. männlicher Borname; 13 Gewässer; 14 Sohn Noabs. 17, Wort für Gattung: 19 Teil des Gesichts: 20 Gesangsstück: 22. Wohnraum: 23 nor- bischer Dichter: 24. Tonstufe— Senkrecht: 1 Wild: 2. Brettspiel; 3 Gesangsstück; 4 Handlung: 6. männlicher Vorname: 7. deutscher Bade- ort; 9 Prophet: 11 Teil des Buches: 15 Schornstein: 16 alt- germanisches Getränk: 17. schwerer Traum; 18. Grasart: 19 Fluß in Afrika: 21. Tonstufe.-kr- Auflösung der Rätsel aus voriger Rümmer. Rösselsprung: Die Tsirchi Was Sozialismus hat erreicht Im Berkehr und andern Dtvoen, Macht die Wohl gewiß dir leicht, Dein« Stimm« ihm zu bringen Zur Kommunalwahl denk« dran: Es tut noch manches not; Der Leitspruch drum für Frau und Mann: •Berlin! Berlin! Sei rot!"(Alfred Kind.) Kreuzworträtsel. Wagerecht: 1. Dr Brellscheid: 7. Urne: 9. Gär«: 19. Eid: 11. Kur: 12. Uhu: 13. Ell!; 14. Risa.— Senkrechi: 1. Daus: 2. Bon: 3. Imkerei: 4. Sanduhr; 5. Eva: 6. Dieb: 8. Enkel; 9. Gruß. Diamanträtssl: 1. L: 2. Le: 3. Loi; 4. Hell: 5. Leich: 6. Schlei; 7. IschU 8. Schi; 9. Ich: 19. Hi; 11. I. Nr. 540 46. Jahrgang Sonnabend 16. November 1929 Das neue Kraftwerk West. Berlins Elektrizitätswirtschaft ein Erfolg der Sozialdemokratie. 3Me technischen Einzelheiten über das neue Kraftwerk West soirden unsere Leser in der Morgenausgabe des..Aorwärts" vom 15. d. M. Das Werk soll mit einer Leistung von 1.30 000 Kilowatt im Herbst 1930 seine Arbeit aufnehmen. Die Gesamtleistung von 224 090 Kilo wall soll dann im Herbst 1981 abgegeben werden können. Die Erbauung dieses Werkes, das der Stadt Berlin gehört, ist nicht nur eine technische, sonderü auch eine ganz erhebliche kommu- nalpolitische Leistung. Die Elektrizitätsversorgung Ber- lins ist ein Beispiel für die zielbewußt« Wirtschastspoli- tik einer Großgeweind«. Di« Sozialdemokratie ist stolz daraus, an dieser Politik führend mitgewirkt zu haben. Wenn ihre Gegner mit klein- lichen Verdächtigungen und Verleumdungen versuchen, diese Leistungen herabzu- setzen oder zu verkleinern. dann haben wir das Recht, auf das wirklich Geschaffene, auf das Vorhandene hinzu- weisen. Und in diesem Sinne find auch die großen Elektrizitätswerke, die in Berlin in der letzten Zeit vollendet oder in Angriff gc- nommen wurden, ein Sym- bol und ein Kennzeichen für die erfolgreich« Arbeit der Sozialdemokratie innerhalb der größten Stadtgemeinde Deutschlands. » Berlin hat heute noch den billigsten Elektrizitätstarif in Deutsch- land. Während bei den privaten Elektrizitätswerken vor dem Kriege bereits eine Kilowattstunde auf 40 Pf. zu stehen kam, kostet fle in Berlin heute nur 16 Pf., dazu kommt eine bescheidene Grund. gebühr. Die ständig fortschreitende Vervollkommnung der Elektrizi- lätswerke(mechanische Kesielanlagen. mechanische Förderung und Zerkleinerung der Sohle usw.) brachte es mit sich, daß trotz ständig steigender Leistung der Perfonolstaud nicht in gleicher Weise ver- mehrt zu werden brauchte. Die Arbeit des Heizers in einem inodcr- neu Elektrizitätswerk ist in keiner Weise mehr mit der zu ver- gleichen, di« sein Kollege noch vor wenigen Jahrzehnten zu leisten hatte. Hier hat di« Technik wirtlich dazu beigetragen, das Dasein menschenwürdiger zu gestalten. Durch diese technischen Derbesse- rungen konnte auch bis heute der wesentlich unter dem Borkriegs- preise der privaten Werke liegend« Strompreis gehalten werden. Die Verbesserungen der Technik sind also den Verbrauchern und Steuerzahlern restlos zugute gekommen wenn die Elektrizstäts- werk« ganz erhebliche Beträge an die Stadt abgeführt haben, so kann man mit Recht daraus hinweisen, daß die iieberschüste wie» derum der Allgemeinheit zugeführt wurden. Di« Ausgaben einer Stadt können nur durch entsprechende Einnahmen gedeckt werden. lind wenn die Werk« in einer wirtschaftlich so bedrängten Zeit wi« de? unserigen dazu beigetragen haben, den städtischen Haushalt ins Gleichgewicht zu bringen, so kann man das unter Berücksichtigung der außergewöhnlichen Umstünde, in denen wir uns befinden, nicht als eine Ausbeutung der Verbraucher bezeichnen. In den ftädti- schen Werken steckt ein gutes Stück Sozialismus. Sie sind Ein« richtungen, deren Arbeit allein der gesamten Bevölkerung zugute kommt. Eine starke sozialdemokratische Fraktion ist die Voraus- setzung dafür, daß diese Arbeit auch in der Zukunst im gleichen Sinne fortgesetzt wird. Wer morgen zur Wahlurne schreitet, soll sich bewußt sem, daß er durch seine Stimme auch die tatkräftige Arbeit der Sozialdemokratie auf diesem Gebiet fördern kann. Ltgeplui des neuen Kraftwerk*. Dos Trafos der Luffocliiffe. Wossersioff'und Helium. Wer trägt das gewaltig« Gewicht eines Großluftschisfes mit seinen Motoren, Gondeln, Pasiagieren, mit 25 Tonnen Benzin und 114 Tonnen Oel? Es liegt ein einfaches Naturgesetz zugrunde: das„Prinzip des Archimedes". Taucht man irgendeinen Körper ganz in Wasser, so verliert er an Eigengewicht, und zwar gerade um soviel wie das Wasier wiegt, welches er verdrängt. Das verdrängte Master will nämlich seinen alten Platz wieder einnehmen und drückt den Körper nach oben. Diesen Druck wollen wir„A u s t r i e b" nennen. Wiegt nun das verdrängte Wasser weniger als der Körper, ist also der Aus- trieb kleiner als das Gewicht des Körpers, so sinkt dieser unter, z. B. ein Stück Eisen. Ein Kort dagegen, noch so tief unier Master getaucht. steigt eilig empor, weil sein Austrieb größer ist als sein Gewicht. Ist zufällig der Auftrieb genau so groß wie das Gewicht, jo kann der Körper weder sinken noch steigen: er schwebt oder ist ausbalanciert, wie das beinah« bei einem Schwimmer zu- triff'. Diese» Gesetz gilt auch für die Luit: jeder Körper verliert in der Luit soviel an Eigengewicht, wie die Lust wiegt, die er ver- drängt. Ein Versuch soll uns das beweisen: Wir bringen in einem völlig luftleeren Kasten aus die eine schale einer Waage cm leeres Litermaß. das oben luftdicht oerschlosten ist. und auf die andere Schale soviel Gewichtstücks, bis die Waage genau im Gleichgewickst ist Lasten wir jetzt Lust in den Kasten, so ist es mil den. Gleich- gewicht vorbei: dos Lstermaß. welches vorher genau so schwer war wie die Gewichsttücke, stt scht leichter geworden. Es steigt, und wir wüsten ihm gerade 1 Gramm zulegen, damit die Waage wieder ins Gleichgewicht kommt. Woher kommt dos? Das Liiermaß nimmt bei gleichem Gewicht«inen viel größeren Raum ein als die Gewicht- stücke. Es verdrängt gerade ein Liier Luft, während die Gewichte viel weniger verdränge:,, und ein Liter Luft wiegt rund ein Gramm. Um dieses Gewicht muß also das Litermaß leichter werden. Wir sagen: ein Litermaß erfährt in Lust einen Auftrieb van einem Gramm. Aus diesen. Versuch ergibt sich noch di« interessante Tatsache, daß alle Wägungen des läglichen Lebens, die wir doch in Luft machen müssen, falsch sind. Eine Wägung ist nur in einem einzigen Fall richtig, wenn Nämlich der gewogene Gegenstand denselben Raum einnimmt wi« das Gewicht. Nun zmn Luftschiss. Das Luftschiff soll in der Luft genau so schweben wie der Schwimmer in, Wast«r. Dazu stt nach unseren Betrachtungen erforderlich, daß das Gewicht des Luftschiff«« mit allem, was drum und dra» hängt, genau so leicht wird oder noch um ein weniges geringer wie das Gewicht der Lufk, di« von dem ge- samten Schiff verdrängt wird. Ein Luftschiff ist ab«r um ein be- deutendes schwerer, weil all« Materialien, die wir beim Bau ver- wenden, auch die allerleichtesten, immer noch schwerer sind alz die Luft. Man muß daher dos Gewicht des Luftschiffes künstlich herab- setzen, indem man die gewaltige Hüll« mit einem Stosf anfüllt, der leichter ist als die Luft. Hierfür stehen im großen Maße nur zwei Gas« zur Verfügung: der Wasserstoff und das Helium. 1. ver Wasserstott. Er ist ein völlig geruch- und farbloses Gas, der leichteste Stosf, den wir bisher überhaupt kennen. Da er rund zehnmal so leicht ist als di« Luft, erfährt ein Liter Wasserstoff in der Lust einen Austrieb von rund einem Gramm, oder anders gesprochen: jede» Liter Wasser- stosf, welches in die Balloichülle hineinkommt, macht das Lufstchifs um ein Gramm leichter: umgekehrt: ersetzt man ein Liter Wasserstoff in der Ballonhülle durch Luft, so wird das Schiff um ein Gramm schwerer. Jedes Gramm Gewicht im Luftschiff erfordert also«in Lster reines Wasterftoffgas, um in der Schweb« geholten zu w«rd«n. Bei einem modernen Großlustschiff müssen in der Hüll« min« bestens SO 000 bis 100000 Kubikmeter Wasterstoffgas untergebracht werden. Woher nimmt die Lufstchiffnhrt dies« gewaltigen Mengen Wasterstoff? Früher nahm man Leuchtgas, mil dein man ja auch die Frei- ballons füllte. Unser Leuchtgas besteht nämlich zur Hälfte aus Wassersioffgas. Es ist aber vermischt mit dem giftigen Kohlenoxyd. welches beinahe ja schwer ist wie Lust. Darum ist der Auftrieb des Leuchtgases kleiner als der von reinem Wasserstosf. Die Ballonhülle müßte also bedeutend größer sein. Aus diesem Grunde ist man zu reinem Wasterstoffgas übergegangen. Wasterstoffgas kommt in gewaltigen Mengen auf der Erde vor, nämlich chemisch gebunden im Wasser. Schickt man einen elektrischen Strom durch Master, dem man etwas Schwefelsäur« zugesetzt hat, so wird es in zwei Gase zerlegt: in Wasserstosf und Sauerstoff, die getrennt aufgefangen werden. Man nennt diesen Vorgang „Elektroly se". Etwas Aehnliches bewirkt der elektrische Strom bei einer Koch- salzlösung. Er zersetzt das sonst so ungefährliche Kochsalz in zwei äußerst gefährliche Stoff«: in Chlorgas und metallisches N a- t x i u m, und dieses spaltet wieder aus dem Wasser den Wasserstosf ab. Diese Elektrolyse oder elektrische Zersetzung von Kochsalz ist in Deutschland bereits sehr hoch entwickelt, so daß Deustchland in der Wasserstofsentwicklung an der Spitze steht. Wasserstoff wird in großen Mengen von Margarinefabriken gebraucht. Es verwandelt nämlich flüssige, stark riechende Oele in harte, geruchlose Fette. Mit dem Stickstoff der Luft verbindet sich Wasserstoff zu Ammoniak, aus dem wieder der Solpeter, ein wichtiges Düngemittel, gewonnen wird. Diese Industrien erzeugen soviel Wasserstosf, daß der lieber- schuß bequem die Bedürfnisse der Lufstchisfahrt befriedigt. Trotzdem besitzen heute die meisten Luftschisfhallen ihr« eigene Elettrolysieranlage, um die Transportkosten zu sparen. Ein Kubik« meter Wasserstoff kostet am Ort 10 Ps., nach Transport 40 Pf. Man leitet den aufgefallenen Wasserstoff in Gasometer oder in unterirdische Hochdruckkessel von 10 Meter Länge und 1 Metex Durchmesser und von hier aus durch holzbskleid«te Kanäle und Stoff* schlauche in die Gaskammern der Hülle, die in ihr eingebettet liegen wie die Bohnen in der Schote. Diese Gaszellen bilden ein« der schwierigsten Fragen des Lust-- schisfbaues. Der Wasserstoff, der leichteste und beweglichst« Geselle unter den Elementen, schlüpft auch durch die«ngsten Poren. Bei Rotglut und unter Druck kann er sogar durch die Wandungen dicker Stahlrohre hindurch. Anfänglich sperrte man ihn m Gaszellen von gefirnißter Leinwand, der Wasserstoff entwich und vermischte sich mit Lust zum hochexplostblen Knallgas,«in« Gefahr, die auch heut« noch nicht völlig überwunden ist. Man fand später, daß di« oberste Haut vom Blinddarm des Rindes, die Goldschlägerhaut, besonders undurchlässig ist gegen Wasserstoff. Man baute aus ihr durch Aufeinanderlegen von 7 bis 10 Schichten die Goldschlägerhautzell«. Jedes Rind liefert aber nur einen Streifen Goldschlägerhaut von 15 Zentimeter Breite und I Meter Länge. Darum nahm man Laumwollzeug mit zwei bis vier Schichten Goldschlägerhaut und weiterhin statt der schweren Baumwolle die leichter« Seide und statt der knappen(Boldschlägerhaut andere Därme. Doch die Stofszellen haben die unangenehme Eigenschaft, daß sie begierig die Feuchtig- keit aus dem Wasserstoffgas und der Lust aufsaugen und dann stockig werden und schimmeln. Doch auch die modernsten Gaszellen lassen Wasserstoff im Lauf« der Zeit heraus und Luft hinein. Das erste führt zur Bildung von Knollgas und das andere bewirkt eine Ver- unreinlgung des Wasserstoffes mit dem schweren«anerstoff und Stickstoff der Luft. Die Bildung von Knallgas innerhalb der Hülle ist der Grund dafür, daß man die Motoren und Kajüten außerhalb der Hülle in besonderen Gondeln unterbringen muß und daß das Rauchverbot streng durchgeführt wird. So bietet die Lösung dieses Problems dem Erfindergeist noch ein weites Feld der Betätigung. 2. vas Helium. Das Helium ist ebenfalls ein farbloses und geruchloses Gas. Es wurde nicht auf der Erde, sondern sozusagen ans der Sonne entdeckt. Läßt man Sonnenlicht durch ein Glosprisma fallen, so entstehen die Regcnbogenfarben, die wir„Sonnenspektrum" nennen. Jedes zur Rotglut erhitzt« Gas erzeugt ein sogenanntes Linienjpektrum: es besteht aus scharstm, oerschieden gefärbten Linien, während das Spektrum von glühenden festen Körpern(glühendes Eisen)«in fort- lausendes Farbenband ist. Das auf Rotglut erhitzte Heliumgas gibt eine sehr schar!« gelbe Linie, die man zum erstenmal bei der totalen Sonnenfinsternis 1868 beobachtete. Man betrachtete nämlich eine Protuberanz, das ist«ine jener gewaltigen Explofionsslammensäulen. auf der Sonn«. Sie bilden sich, wenn bis zur Weißglut erhitzte Gasmassen aus den» Innern in den Weltenrauni hineingeschleudert werden. In dein Spektrum einer solchen Flammensäule fand man nun die gelbe Heliumlinie. Man nannte darum das bis da unbekannte Gas Helium oder Sonnengas. Danach fand man Helium auch aus der Erde in den Gasen aus- brechender Vulkane und im Monazitsand,«iner Gestemsart, die radioaktive Stoff« enthält. Belm Erhitzen von«inem Kilogramm Monazitsand auf 1000 Grad Celsius bildet sich ein Liter Heliumgas. Helium bildet sich Immer beim Zerfall radioaktiver Stoss«. Auch in der Luft kommt etwas Helium vor. Da es aber leichter ist als die Luft, st«igt es mit dem Wasserstosf bis in die höchsten Höhen hinauf. Das Spektrum des Nordlichtes beweist uns, daß in 100 Kilometer Höhe die Atmosphäre nur noch aus Wasserstoff und Helium besteht. Bis zum Jahre 1917 besaß man auf der ganzen Welt nur ein einziges Kubikmeter Heliumgas, das auf die Forschungsinstitute ver- teilt war und hier wie ein Schatz behütet wunde. Es kostete etwa 1 Million Mark. In größeren Mengen tonnte es erst gewonnen werden, als man es in den Erdgasen entdeckte, die aus den Erdölqu«llen mit entweichen, in Kanada, Galizien, Rumänien, in Deutschland, auch in der Lüneburgcr Heid« vorkommen. Aus diesen Erdgasen gewinnt man es auch heute sür die Lustschisfahrt. Die groß« Schwierigkeit besteht darin, das wenig« Helium von den übrigen Erdgasen zu trennen. Man lühlt das Erdgas auf immer ties«re Temperaturen ab, bis auf minus 200 Grad Celsius. Dabei werden alle Erdgase flüssig, nur nicht das Helium. Das Helium verflüssigt sich erst bei minus 268 Grad. Dieses Rohhelium wird nun nach verschiedenen Geheimverfahren, die aber all« auf dem oben beschriebene» Prinzip beruhen, nochmals gereinigt. Das Verfahren war 1925 in Amerika bereits so weit ausgearbeitet, daß ein Kubikmeter Heliumgas nur noch einen Dollar kostete. Man besaß 1925 in Amerika gerade soviel, wie zur Füllung von zwei Luftschissen erforderlich ist. Das Helium ist im Gegensatz zum Wasserstoff nicht brennbar und bildet mit der Luft keine explosiblen Gasgemische. Dies« Eigen- schaft macht es zu einem idealen Traggas für die Luftschiffahrt. Für die deutsche Luftschiffahrt kommt Helium vorläufig kaum in Frage, da es zu teuer ist. Unsere heimische Technik steht einzig und allein vor der'Aufgabe, den Wasserstoff und das Knallgas für dle Luftfahrt völlig imgefährlich zu machen. Wahlbombe in Köpenick! „SPD.-Kohl pfändet Sportverein Fichte!" Zur den Verwaltungsbezirk Köpenick hat die„Rote Zahne" jetzt endlich den richtigen Tip zu den Kommunalwahlen für die ihr ergebenen Sportler gefunden: Der sozialdemokratische Bürgermeister des Bezirks hat die Gemeinheit begangen, und Hot den Sportverein Ficht«, der im Bezirk einen Sportplatz Hot. pfänden lasse«. Und zwar nur deshalb, weil der Sportverein Fichte' kommunistisch ist und der Bürgermeister Sozialdemokrat! Die Wahrheit ist interessant gemig, um mitgeteilt zu werden. Äuf einem großen Wossergrundstitck im Bezirk Köpenick sind drei Nrbeitersporwcreine untergebracht, ein freier Seglerverein, die Freie Turnerschoft Gros>Berlin und der kommunistische Sportverein Fichie. Selbstverständlich müssen die drei Vereine eine Pocht be- zahlen. Während nun aber der Seglervereln und die ZTGB. ihren Verpflichtungen, so wie sich da« für jeden anständigen Pächter gehört, nachgekommen stnd, hat Fichte in Versolg seiner revolutionären Einstellung seil einem Jahr keine Pacht mehr bezahlt. Nachdem der Verein etwa fünfmal an seine Schulden gemahnt war, hat die FiNänzverwaltung des Bezirks, der die Sache untersteht, bereits im März d. I. einen Psändungsbeschluß gesaht, der aber nicht zur Ausführung kam. Als Ficht« iminer noch keine Anstalten machte, den vertraglich übernommenen Pflichten nachzukommen, erging am A, August ein erneuter Pfändungsbeschluß. Die Oberrevolutionäre in der Fichteleitung haben es fertiggebracht, den Psändungsbeschluß einfach zu ignorieren. Sie haben sich weder an das Bezirksamt nach an die Finonzoerwaltung gewandt, so daß also ganz automatisch im Verwaltungswege nunmehr die Pfändung vorgenommen werden mußte. Selbstverständlich hat der sozialdemokratische Bürgermeister nicht das mindeste mit der ganzen Angelegenheil zu tun. Man muß allerdings zugeben, daß es für jeden wirklichen Revolutionär einfach mwerständlich ist, wie man von kommunistischen Vereinigungen die Jnnehaltung von unterschriebenen Pachtverträgen und die Bezahlung der fälligen Mieten verlangen tonn. Wie kommt Fichte dazu, Pacht zu bezahlen? Das kann man doch, den beiden nichikommunistischen Vereinen überlassen! Wie sie �siegen"! Neukölln kehrt zum Bund zurück! Die bunde« treuen Mitglieder der skommunistischen) Freien Turnerschoft Ikeukälln haben gestern die letzte Konsequenz au» dem vorgehen der Fried- und Nergmänner und Ihrer„Znter- essengemeinschast- gezogen und mit weil über l00 Mit- gliedern dea verein verlassen. Dieser Schritt ist um so bedeutungsvoller, als unter den Ausgetretenen 14 Abteilungsleiter und zwar die der Männer-, Zugend-, Zungmädchen-, Kinder-, Schwimm- und Wintersportabteilungen sich befinden, die jahrelang in ihren Fuvklionen tälig waren. So war unter anderem Genosse Hoppe 14 Zahre Klnderlurnwarl des Vereins, der Genosse Engel, der auch über den Verein hinaus als guter Techniker bekannt ist. 10 Jahre Männerturmpart and 5 Jahre Techniker des gesamten Vereins. Der jüngste der Funktionäre Halle seine Tätigkeit seit Z Jahre« inue. Gestern abend wurde nun ein neuer Arbeitersport- verein in» Leben gerufen, der den Anschluß an den Bund vollziehen wird. Damit ist eine Phase des Kampfes der Bundestreuen gegen die Kommunisten in Neukölln abgeschlossen. So sieht also der Sieg der Kommunisten in Neukölln aus: wir wünschen dem neuen Bundes- verein einen guten Ersolg. es ist der erste Schritt, der zur wahren Sporteinheit führt. Der Fre'uk» kommunistischen Turnerschoft Neu- kölln sollte es nach diesem Verlust schwer sollen, noch weiter zu bestehen, es nützt kein„lommisstirischer Leiter", der den Funktionären von der KPD.. Zentrale zur Seite gestellt wird, der Weg des Vereins wird unaufhaltsam ins Lager des„ganz revolutionären" Vereins ..Fichte" führen, der olle Splittcrvereine in sich aufsaugen wird. Mt diesen Gedanken beschäftigte sich auch der Vorstand der aus- geschlossenen Neuköllner Freien Turnerschaft. Es bleibt abzu- warten, wie die Entwicklung läuft. Wir hoffen, daß das Neu- köllncr Beispiel der Bundestkenen Nachahmung findet. Arbeitersporilcr laden ein! Freunde de» Geräteturnens! Die Turnsparte des 1. Kreises im Arbeiter-Tutn- und Sportbund veranstaltet am Bußtag, 14 Uhr, in der Turnholl« Prinzenstraß« ein Musterriegenwertungs- turnen. Etwa SV Riegen werden sich dem Kampfrichter stellen. Alle Anhänger des. Gerateturnens werden voll auf ihre Kosten kommen. Eintritt 30 Pf. Filmobeud in Eharloklenburg. Da« Arbeitersportkartell Charlottenburg veranstaltet Dienstag, 13. November. 20 Uhr, einen Filmabend in der Aula der Volksschule Witzlebenstroße. Em. tritt SO Pf. Zur Vorführung kommen die Filme:„2. Arbeiter- Turn- und Sportfest Nürnberg" und„Großmacht Solidarität." Karten sind noch an der Kaste erhältlich. Wo lerne ich richtig photographicrcn? Dies« Frage wird sich schon jeder ernsthafte Lichtbildner vorgelegt haben. In Lehrbüchern ist nicht die Lösung zu finden. In Anfänger- und Fortgeschrittenen« kursen gibt die Photo.-Gemeinschaft der Naturfreunde unepiaeltlichen Unterricht. Montag, l8. November. 20 Uhr, wird ein Vortrag über„Die Erzielung gutzr Bilder", mit zahlreichen Licht- bstdern unterstützt, im Jugendheim Frantsurtcr Allee 307, Quergeb. II, gehalten. Der Besuch kann jedem empfohlen werden. histe 1 die Licie der Arbeiiersportler. Die Arbeiters porkler leisten der Partei und der Volksgesamtheit durch ihre Sporlbelätiguug unschätzbare Dienste. Die kulturpolitische Arbeil erfordert auch Wirtschaft».. Staat», und well. politisches verstäudnis. von deren Beherrschung da« Wohl von Volk und Staat und somit auch des eiuzelneu abhängt. Für die Arbeiter- Iportler kann keine kultur- und arbeiterfeindliche Parket tu Frage kommen, die unfähig ist. eigene Staats- und weltpolltik zu machen und die unter der Vormundschaft ausländischer Diktatoren steht, wie die kommunistische Partei. Alle bürgerlichen Parteien sind für die Ausbeutung der Volksmasse. an der sie sich al» Beschützer des Privatkapitals zu bereicheru suchen, entweder durch die Arbeitskraft, als Mieter oder als Suade, vor allem siud sie Gegner der verkürzten Arbeitszeit. Jede Kulturarbeit erfordert mehr oder weniger Verständnis. Hebung und Schulung und zur harmonische», kameradschaftlichen verständi- gung ein hohes Maß von Bildung. Wo Dummheit und llnwlflen- heit herrscht, herrscht Roheit und Unkultur. Ein Volk, da» zwölf und mehr Stunden in schwerer Fronarbeit steht, wo die Bildungsarbeit als Luxus betrachtet wird, kann nkcht als Kulturvolk angesehen werde». DI« Kulturarbeit ist also genau so produktiv wie jede andere Arbeit. Deshalb fordern die Arbeitersportler perkürzte Arbeitszeit. ausreichende Löhne um allen Volksschichten die Möglichkeit zu geben, sich als kuttartrager zu fühleo und zu betätigen. Für dieses Ziel kämpfen die Arbeitersport» und Kulturvereine. In ihnen kann sich jeder Mensch nach ver. anlagung betätigen. Die Kultur, und Bildungsarbeit der Arbeitersportoerel«« bedarf der Unterstützung durch die Stadtverwaltung. Die Gemeinde ist der Hort, in dem der Sport seine Betätigung findet. Sport- und Spielplätze, Schwimmhallen. Jugend- Heime sind nötig: Ihren Bau zu bewilligen, hat die Sozialdemokratie aus ihr Programm geschrieben. So wie bisher die sozialdemokratische Fraktion den Arbeitersportlern gab. was Ihnen zukam, und die Parität mit den bürgerlichen vereinen durchsetzte. so wird fle auch im neuen Stadtparlamcnt für den Arbeiter- spart sorgen. Je stärker die Fraktion wird, um so größer ist ihr Einfluß. Deshalb lautet die Parole am S o n n l a g, 17. 7k o- v e m b e r, dem Wahltag: Alle Stimmen der Arbcitcrsportlcr der Liste I Wählt Sozialdemokraten! Was mit der Wahl am 17. November aber d Die Arbeit im bürgerlichen Sport aller Disziplinen ergibt eine tatastrophale Pleitebstanz. Alle noch so schön frisierten Jahres- berichte, Tagungsbeschlüsse und Pressemitteilunge» konnten die teils unter der Decke schwelenden, teils offen zutage tretenden Aerfalls- erscheinungen nicht verschleiern. Es gibt da nichts mehr hinweg- zuleugnen, und die Zahl der K o r r u p t i o n s f ä l l e, der Schiebungen und der Bestechungsstandalc nimmt von Tag zu Tag zn. In keinem Jahr ist die von den Arbeitersportlern auf- gestellte Behauptung, daß der bürgerliche Sport durch seine Sen- sations- und Rekordtendenz sich auf dem Abstieg befindet, so wahr geworden wie diesmal. Am stärksten und auffälligsten hatte es das Fräulein„Eis- spart" nötig, sich den Wunderspiegel vorzuhalten und sich von ihm— aber auch nur von ihm— bestätigen zu lassen, daß es schön und rein sei. Aber als da eines Tages ein Mutiger kam und dos jaksche Spieglein in Scherben schlug, da stand die verlogene Dame häßlich da. Ein großer Eissportverband Deutichlands mußte üble Bestechungen. Geldzuwendungen an ausländische„Amateure" und au Eishockeyspieler zugeben. Es half auch nichts, daß man zu den Redaktionen der großen Sportblätter lief und sie händcringeich bat. mit den Enthüllungen aufzuhören. Gew.itz hatte mqn«inen Teilersolg damit. die Blatter schwiegen, weil Sensation und Atislageziffern vorgingen. Eine interessante Pqrollele erlebte man im Eissport des„soliden" Nordens. Der frühere Amaleiirweltweister im Stabhochsprung Charles Hoff deckte, durch einen Beleidigungsprozeß gezwungen, ganz tolle Bestechungen von Eieschnelläusern und Schwimmrekordlern aus. Hoff bewies, daß auch oben im Norden dem Sportanhänger nicht wahrer Sport, wohl ab« gut-mf gezogenes Bariek« ge. boten wird. To gut wie der Wintersport kann es der große Bruder Fuß- ball auch. Zwar konnte» hier glatte Bestechungs- und Koruptionsfälle nicht nochgewiesen werden, aber die Spatzen pfiffen es von den Dächern, wie den Fußballspielern durch allerlei un- bekannte Kanäle ganz beträchtliche„Spielgelder" zuflössen, die nicht selten die Höhe des Monatsgehalts überschritten. Die eingericheleln Sportgeschäste und Zigarrcalädeu solle,, auch nlchk immer ihre finanzielle Grundlage ia dem Sparkassenbuch be» Inhabers gehabt haben. Kommunisten am Werk. Gencralslurm auf den Arbcllcr-Alhlelcnbund. All« Anzeichen weisen darauf hin, daß di« Kommunistisch« Partei-Sportzentrale Deutschlands ihre ganze Kampfstärke aus de» Arbeiter-Athleten.-Bund gerichtet hat. Die apßerhall» des Bundes stehenden Vereine versuchen mit allen Mitteln, die bundestreuen Vereine unter Ausnutzung von deren Unkenntnis in politischen Dingen zu Kämpfen mit sich zu verleiten. Damit ipill man den Bundesvorstaird immer wieder vor vollendete Tatsachen stellen und Ausschlüsse erzwingen. Die verkappte.Opposition" im Bund selbst Hilst fleißig mit am Zerstörungswerk. Sie sind di« Nager, die das Fundament unterwühlen fallen. Die Sportfraltionen arbeiten mit Hochdruck im Rhein- und Ruhrgebiet, in Pommern, in Mannheim und Frankfurt usw. Es liegt ihnen daran, daß die van der KPD. organisierte und finanzierte Zusammenkunst der aus dem Bund ausgeschlossenen Vereine, die am 13. Dezember in Berlin statt-- finden soll, stark besucht wird. Der kommunistisch-« Ar» beitcr-Athletenbund soll er st ehe», und dazu heißt es, mit Lügen und Verleumdungen Interessenten zu kapern Wer sich an der kommunistischen Konserenz am 13. Dezember 1923 in Berlin betiligt, ist nicht mehr Mitglied des Arbeiter, Arhleten-Bundcs. Wahlarbeit der Arbcitcrsportlcr. Alle Arbeiterfportlcr Charlottcnburgs sind verpflichtet, sich zur Wahlhilfc der Park«! zur Verfügung zu stellen. Treffpunkt morgen, Sonntag. 8 Uhr, Berliner Straße 137, Krankenkaflenhaus. in der Republikanischen Beschwerdestelle, vorn parterre.— Rad« und Kraftfahrer von„Solidarität" treffen sich um 8 Uhr bei Reimer, Wilmersdorfer Straße 21. Keiner darf fehlen! Sportpalast eröffnet Eislaufsaison. In den Cishockeykämpfen gegen Londo.« am heutigen Sonnabend und morgen, Sonntag, ini Sportpalast tritt der Berliner Schlitlschuh-Elub mit Link« tm Tor, Dr. Hoksboer und Römer in der Verteidigung, Jäuecke, Brück und Ball im-.�turni an. Von der britischen Eishockeypereinigung sind der riesige Torhüter Spcechly. die Verteidiger Taste und Sexton, so- wie Home(Kapitän) und Mac Kencic die bekomstesten Loutc. Reben den Eishockcykämpfcn werden die besten Kunst- und Schnell- l ä u f e r bei der Eröffnung mitwirken. Am Sonntag wird das Eröffnungsprogramm nochmals wiederholt, auch findet das Rück- spiel London— Berlin statt. Am Soniikagvormillag, ob 10� Uhr, wird di« Eisareno auch zum allgemeinen Eislauf freigegeben. „was der Arzt den Sportlern zu sagen hat." Oesfeiitlicher Vortragsabend mit Lichtbildern Montag, 25. November, 13/: Uhr, Aula der Volksschule lliiedcrichönewcid«. Berliner Straße 31. nichts zu tun hat— ►ch beachtet werden muH! Verkapptes Berufsspielertuin! Aber aus der Bresloucr Fußball- tagung nannte man jeden einen Lügner und Schädling, der nicht air den'Amatenrckfarakter glaubte. Stolz prägte man das Wort: Im deutschen Fußballsport gibt es keine Gefahr und keine Verfalls-- erscheinungen. Run. hat man nicht kürzlich erst ein« Alrzahl Fuß- ballspieler deswegen qualifizieren müssen, well sie nicht nur den Ball ins Tor, sondern auch ihre Mitspieler Ins Kranken- Haus beförderten? Verlangten nicht die Schiedsrichter des Lausitzer Bezirks polizeilichen Schutz bei ihrer Tätigkeit? Uns dünkt, daß die Verfallserscheinungen kaum gröber sein können. Die bürgerliche Leichtathletik ist nicht besser dran: Mitglieder- schwund und Zuschouerschwund haben sich bei ihnen am auffallendsten gezeigt. Alle Sensationssportfeste ließen die Sportfreunde kalt. Hatte man früher zehntausend? Zuschauer aus den Plätzen, war man in diesem Jahr zufrieden, die ersten Reihen gefüllt zu sehen. Was hat hier di« Massen ferngehalten? Wik Splhenkustur und Rckordsporllertum kano man aus die Dauer nichts leisten! Das Kartenhaus mußte einmal, früher oder später, zusammen- brechen. Daran ändern auch glanzvoll ausgezogene„Werbcretsen" tn ferne Länder nichts. Trotz oller Jahresberichte'st ems klar.zu erkennen, daß nämlich seit der Amsterdamer Retordolympiade'�di« Pflanze Leichtathletik in ihrem Wachstum«mmer mehr zurückgeht. Ueber die Dekaden-erscheinungen im bürgerlichen Rudersport konnte der„Abend" erst kürzlich interessante Mitteilungen machen. Hier sind es sogar schon die Mitglieder, die gegen eine Leitung rebellieren, die.nur mit weihen Hosen, neuen Sportmützen und Abzeichen übersät aus den Regattaplätzen einherstolziert". Die A r b e i t e r s p o r t le r-aber werden aus dieser traurigen Bilanz des bürgerlichen Sports erkennen, daß dort Kräfte am Werk stnd. die die sportliche Idee gefährden und die de« Spork in den Auge« der Oesfeallichkelk als kulkurfaktor entwerte«. Deshalb heraus, ihr„bürgerlichen Arbeiteriportler" aus den Rekord, und Seniationsvereinen. Die Vereine und Bünde, die ihre Spitzen- organisvtion in der..Zentralkommission sü? Arbeitersport und Körperpflege" hoben, bieten euch ein Betätigungsfeld, das euch al» klassenbewußte Arbester zukommt.