Morgenausgabe Nr. 545 A 274 46.Iahrgang «Sch-aMch«5Pf.««»»Wch IßöWL tm oorau» zahlbar. Voftdezug AJS2 UL «tnschlteßlich 60 Pfg. Postzeituag»» TLVfg. Pcstbestellgebühren. Aualavd»» abovnement 6.— M. pro Monat. De?„Sonsftm* ertdjtmi«och-otSg. Dd) znwimat Conntag» und Montag» einmal, die Adendausgaben für Verlm »nd un Handel mit dem Titel.Der Abend* Illuftnert, Betlagen.Boll und Zeit* und.Kinderfreund*. Ferner .Unterhaltung und Wissen*..Frauen» stimme*.Technik*.Blick in die Bücherwelt* und.Iugend-Vorwärt»* Berliner VottSblatt Mittwoch 20. November 1929 Groß-Äerlin 1t) Pf. Auswärts 45 Pf. Dt«««»»»«mß« 5tonpare»!!ezea» A» Pfennig. BeName�eil« S.— Reich». mark.„.Kletne Au�eigev' da» eng». druckt« Wort 25 Pfennig lzulafny zwe» fettgedruckte Worte), tede» wettere Won 12 Pfennig. Stellengesuch« da? erst» Wort IS Pfennig, jede» wettere Won tü Pfennig. Worte üb« IS Buchstaben «äblen für zwei Worte ArbeitsmorV Zeile SO Pfennig. Familtenanzeigen Zeil« 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupl« «■cfchast Lindenflroße 3. wochentaglich »on Ä*/» bi» U Utzr, Jentrawrsan der GoziatdemoSratiichen Vaetei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönbofs L92— SS7. Telepramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwarts-Berlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 8758(5.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten nnd Beamten. Wallstr. 85. Dt. B. u. DiSc.-Ges.. Deposttenkaste Lindenstr. 8. An die Sozialdemokraten Berlins!! Die Sozialdemokratische Partei in Berlin hat seit ihrem Bestehen noch nie einen so schweren Wahlkampi führen müssen, wie den. der am 17. November seinen Ab- schluß gefunden hat. Die Kommunisten haben in Gemein- schaft mit den bürgerlichen Parteien die Sklarek-Affäre skrupellos gegen die Sozialdemokratische Partei ausgebeutet, obwohl Angehörige der Deutschnationalen Partei, der Deutschen Volkspartei, der Kommuni st i- s ch e n und der Demokratischen Partei, wie Stadtrat Wege. Stadtrat B e n e ck e, Stadtverordneter Rosen- t h a l und die Stadträte Gabel und D e g n e r in dieser Angelegenheit auf das schwerste belastet sind. Bevor die Untersuchung überhaupt abgeschlossen war. hat man Männer des öffenllichen Lebens, soweit sie der Sozialdemokratischen Partei angehörten, als Lumpen und Verbrecher hingestellt. Nach dem Bericht des untersuchenden Regierungs- beamten Tapolski an den Untersuchungsausschuß des Land- tags, steht fest, daß der kommunistische Stadtrat Degner„der böse Geist der ganzen Geschäfts- Praktiken der Sklareks war". Die Sozialdemokratie hat von Anfang an erklärt, daß sie rücksichtslos und ohne Ansehen der Person durchgreifen wird, wenn bewiesen wird, daß einzelne ihrer Vertrauensmänner auch nur die geringste Schuld auf sich geladen haben. Sie wird den Beschluß des Bezirkspartei- tagss vom 12 Oktober durchführen. Ehrlicherweise sollte aber von allen Parteien der allgemeine Rechtsgrundsatz an- erkannt werden, daß der Beschuldigte erst nach erfolg- ter Ueberführüng verurtAlt werden kann. Was in diesem Wahlkampf von unseren Gegnern an Verleumdungen geleistet wurde, war geboren aus dem Haß gegen die Sozialdemokratische Partei, es hatte den Zweck, ihre starke Position zu erschüttern und damit den Einfluß der Arbeiterschaft im Berliner Rathaus zu brechen. Auch die Deutsch-D emok ratische Partei hat im Kampf gegen die Sozialdemokratie mit den unsaubersten Mitteln gearbeitet. Demokratische Wahlzeitungen haben bei den Kommunisten Anleihen aufgenommen, um unsere Partei zu infamieren. Der neugewählte demokratische Stadtver- ordnete Dr. Theodor H e u ß verstieg sich in einem Zeitungs- aufsaß zu der Behauptung, daß neben den Kommunisten die Sozialdemokraten in der Sklarek-Angelegenheit am meisten „verstrickt" seien, während er gegen seine eigenen Partei- freunde kein Wort der Beschuldigung fand. Die Sozialdemokratie wurde in gemeinsamer Front von allen Parteien bekämpft. Der grenzenlosen Aufopferung nnd Treue unserer Funk- tionäre und Mitglieder ist es zu verdanken, daß sie trotz alledem wieder als die stärkste politische Partei Berlins aus den Mahlen hervorging. Diese Selbstaufopferung unserer Genossinnen und Genossen hat gezeigt, daß bei uns eine Mitgliedschaft norhanden ist. wie in keiner anderen Partei. Sie hat im Sturm standgehalten und jeden Angriff der Gegner mit verdoppelter Kampflust erwidert. Ihre unermüdliche Arbeit führte der Partei in den letzten Wochen neue Kämpfer zu. Es gilt, auch weiter alle Kraft einzusetzen! Nach wie vor werden wir Sozialdemokraten für den Aufstieg der Arbeiterklasse kämpfen. Aller Hetze unserer Gegner zum Trotz nun erst recht: Es lebe die Sozialdemokratie! Vezirksvorsiand der) c- rischen Ministerpräsidenten stimmte, wahrend sein sozialdemokra- tischer Vorgänger Schröder sich warm für den Einheits- st a o t eingesetzt hatte. Di« Beschlüsse gehen aus von der Vereinigung der preußischen Regierung mit der Reichsregicrung. Ein« lange Debatte knüpfte sich an die Namensfrage für die preußischen Provinzen. Schließlich wurde mit acht gegen drei Stimmen entsprechend dem Vorschlage beschlossen, ihnen den Namen Länder in einem weiteren Sinne zu geben; doch soll ihr« Verfassung gemeinschofllich durch zentrale Gesetzgebung festgesetzt werden: eine Zuständigkeit zur Gesetzgebung soll ihnen nur zukommen, soweit sie ihnen besonders übertragen wird. In ihrem Gebiet soll eine allgemeine Reichsverwaltung nach Art der bisherigen preußischen Staatsverwaltung bestehen und ihre Verfassung den bestehenden preußischen Provinzialverfassungen (Landeshauptmann, Landtag, Landesausschuß) nachgebildet werden. In einem wichtigen Punkte wurden die Vorschläge korrigiert. Nach dem Vorschlag der Mehrheit sollten die Abgeordneten anderer Läicker im Reichstag über preußische innere Verhältnisse ohne Gegen« seitigkeit mitentscheiden. Das wurde auf die Vorstellungen des preußischen und thüringischen Vertreters geändert. Im Reichstag und Reichsrat sollen über die internen Angelegenheiten Preußens nur die preußischen Vertreter mit- entscheiden— ebenso die Abgeordneten der hinzukommenden mitt- leren und kleinen Länder. Für«ine zeitlich nicht begrenzte Ueber- gangszeit soll nach dem Antrage des preußischen Vertreters ein v e r° einigter Landtag fortbestehen. Die weiteren Bemühungen des preußischen Vertreters gingen dahin, zu oerhindern, daß für die künftig« verelnigtepreußi- sche und R e> ch s re g i e ru n g ein Präjudiz über die BeHand- lung der Promnzen im eluzelnen geschaffen würde, und daß über das vernünftige Maß hinaus Sonderrechte für andere Länder festgelegt würden. Hierbei fand er mehr und mehr Verständnis. Eins völlig einheitliche Regelung für alle Länder konnte in diesen Unterausschüssen nicht getrosfen werden. Staatssekretär Popitz gab im Auftrag« des verhinderten Ministers Hilferding dem Bedauern darüber Ausdruck. Aber solch« Beschlüsse waren von der Länder- konferenz nicht zu erwarten. Man muß es begrüßen, daß sie immer- hin den Mut zu großzügigen Reformvorschlägen ge« funden hat. Die weiteren Verhandlungen müssen, wenn sie wirklich über das Gebiet der Theorie hinauswachsen sollen, noch wesentliche Verbesserungen bringen._ Llnserm Siebzigjährigen! Theodor Glocke, Gefchästsführer des„Vorwärts*. Heute zwingt der kirchlich-staalliche Feiertag den„Vorwärts". seine Geschäftsräume geschlossen zu halten. Das hat zur Folge, daß auch der Leiter des Zeitungsverlags nicht in seinem Bureau 1 zu finden sein wird, mit dem er seit mehr als vierzig Iahren aufs engst« verwachsen ist. Er würde ohne diese staatlich« Feiertags«! beschränkung wahrscheinlich prompt an seinem gewohnten Platze erscheinen, trotzdem der 20. November ihn in das biblische Alter eintreten läßt: denn unser Theodor Glocke vollendet heute das siebente Lebensjohrzehnt. Anlaß genug, daß ihm von vielen Seite» Glückwünsche ins .Haus flattern: noch mehr Anlaß, daß die Partei und der„Vorwärts" sich diesen Wünschen ouss herzlichste anschließen. Der Jubilar verkörpert ein großes Stück Geschichte der Berliner Arbeiterbewegung. Aus seiner preußisch-thüringischen Heimat kam er als junger Tischlergefelle noch während der Herrschaft des Aus- nahmegesetzes gegen die Sozialdemokratie in die Reichshauptstadt. Hier war er bald reg- in der durch das Gesetz ausgezwungenen ge- Heimen Organisation tätig. Aber auch in der neu aufkommenden gewerkschaftlichen Vereinigung stand er seinen Mann. Der Fach- vepein der Tischler in Berlin wählte ihn schon 1884 zum Schrift- führe? und 1888 zu seinem Vorsitzenden. Er blieb es bis zum Jahre 1894. Von 1895 bis zum Jahre 1919— fast«in Vierteljahr- Hundert— war er dann ehrenamtlicher Bevollmächtigter des Holzarbeiteroerbandes sür Berlin. Die große Entwicklung der Tischler- und Hol-arbeiterorganisation seit den achtziger Iahren hat er ent- scheidend mit beeinflußt. Aber die gewerkschaftliche Tätigkeit füllte nur einen Teil seines Interesses. Der andere galt der sozialistischen. Partei, in deren Dienst er viele Jahrzehnt« an den verschiedensten Stellen arbeitete. Seit 1888 Angestellter im Verlag des Partei- organs„Berliner Bolkeblatt"— von 1891 ab„Vorwärts"—, hat er durch feine außcrgewöhillich« Gcwissenhaftigleit das Vertrauen redlich verdient, dos ihm auch heute noch von der ganzen Partei entgegengebracht wird. Neben dieser beruflichen und gewerkschaftlichen Arbeit wirkte er noch zwanzig Jahre lang als Reichstagskandidat für den damaligen Reichrtaqcwihlkreis Nordhausen, bis er 1910 auf die Kandidatur verzichtete. Auch der Berliner Stadtverordnetenversammlung hat er durch Iahmchnle angehört und später auch noch in der Bezirks- Versammlung Kreuzlierg als Bcrsteher die Glocke geschwungen. So kann er heute an seinem siebzigsten Geburtstage auf ein Leben voll Bewegung und Kampf.zurückblicken. Sein« Arbeit galt W allen Zeiten der arbeitenden Klasse, deren Herauswachsen aus dem Zustand der geistigen und körperlichen Not er ersehnte und fördern konnte. Wenn heute die organisiert« Arbeiterschaft durch ihre Partei und ihre Gewerkschaften im ösfentlichen Leben ein« Macht darst«llt. wenn sie ihren Einsluh aus allen Gebieten geltend machen und ständig steigern kann, dann dankt sie das der grund- legenden Pionierarbeit jener Männer, die ip schwersten Zeiten mit unzulänglichem Material die Fundamente schufen für den stolzen Bau der Arbeiterorganisationen. Z» diesen Pionieren gehört auch und in vorderster Linie unser Theodor Glccke. Ihm gilt deshalb heute das Gedenken der Sozialdemokratie. Und die Redaktion des „Vorwärts", die mit ihm in guter Kameradschaft seit langem zu- sammenarbeitet. wünscht ihrem siebzigjährigen Verlagsdirektor noch viel« Jahre an Gesundheit und Lebensfreude! An ihren Früchten... Ltnser neuer Nomon. Die Umwälzungen, die Krieg und Nachkriegszeit in den Seelen und Schicksalen zahlloser Menschen bewirkt haben, werden in Iwan Heilbut» Roman„Damals" geschildert. Was in der ganzen Welt in immer neuen Dariationen sich ereignet«, tritt, zusammen- gefaßt in einzelne charakteristische Typen und Ereignisse, klar und packend zutage. Es war einmal ein Herr Hilgenberg, der wollte in ein Stahlhelm-Volksbegehren eine deutfchnationale Eiche pflanzen. Als der Baum jedoch Früchte trug, da zeigte sich, daß der eigentümliche Nährboden eine andere Spielart hervorgerufen hatte.... Mordanschlag in der Steiermark. Oer Vedrohie gerettet.- Oie Täter verhastet. Leopold Wallisch ist den Reaktionären besonders per» haßt, seit er am 1Z./16. Juli, als das Wiener Blutbad die Arbeiter von Bruck auf das tiefste erregt hatte, die Sorge für Ordnung und Ruhe mit den Schutzbündlern übernahm. Ihm war die Aufrechterhaltung der Ordnung zu oerdanken. aber seither gilt Wallisch als so eine Art Erzbolschewik. Er war auch Redner auf dem Arbeiterfest in St. Lorenzen, das die Heimwehr mit Maschinengewehren beschoß... Wahlschwindelprozeß in Wien. Das christlichsozial« Regime im Wiener Rathaus war durch rieseuhoft« Wählerlisteufälschung berühmt. Kein Staatsanwalt und kein Gericht kümmert« sich um dies« Gaunereien. Törichterweis« griffen einige Sozialdemokraten bei der Ersatzwahl sür die aus Formgründen kassiert« Bezirksratswahl in Währing (Wien 18) zu diesem altchristlichsozialen Mittel, und schon wurde der Magistratsbeanite M a d e r nach wochenlanger Verhandlung und Vernehmung Hunderter Zeugen in erster Instanz zu drei Monaten Kerker(Gefängnis), verschärst durch ein hartes Lager und einen Fast. tag in jedem Monat, verurteilt. Wien. IS. November.(Eigenbericht.) In der Nacht zum Dienstag gegen 1 Uhr versuchte» drei Heimatschühler in B r n ck an der Mur(Steiermark) aus de» sozialdemokratische» Laudtagsabg. Wallisch ei» Revolveratteatat. Als die Heimwehrleute Wallisch erkaunt hatte«, zog einer eine« Revolver. Die Waffe versagte jedoch. Wallisch e»»«t« unterdessen sei» Haus erreichen und die Heimwehrleute dadurch einen Augenblick laug in Schach halte«, daß er ihnen zurief:„Halt oder ich schieße!" Während er die Haustür öffnete, begannen die Heimwehrleut« ans sei» Wohnhaus zu schießen. Der Gendarmerie ist es inzwischen gelungen, die drei Attentäter in Kapfenber« festzunehmen. Der eigentliche Täter, der drei SchLsse aus das Haus von Wallisch abfeuerte, heißt Scheil. Er ist einer jeuer obersteirischen Arbeiter, die in die Helmwehr gepreßt worden oder sonstwie hineingerate» find. Haß gegen Wallisch gibt er als Beweggrund an. Unglaubliche Haussuchung. In der Republikanischen Beschwerdestelle wird nach einem Beschwerdeführer gesucht Am Dienstag fand in der Republikanischen Neschwerdestelle eine Durchsuchung der Geschäftsräume durch die Krimi- nalpolizei statt Aus welchem Anlaß? Di« Republikanische Beschwerdestelle hatte aus Grund einer ihr zugegangenen Mitteilung dein Präsidenten der Preußischen Finanz- und Baudirettion in Berlin angezeigt, daß ein Regierungsobersetretär dieser Behörde am Dienstsernsprechcr schwer beschimpfende Bemerkungen über den preußischen Ministerpräsidenten Dr. Braun, den preußischen Innenminister Grzesinski und den preußischen Voltswohlfahrtsminister Hirtsicfer gemacht habe. Darauf hat die vorgesetzt« Dienstbehörde gegen den Obersekretär das förmliche Disziplin arversahren eingeleitet Zum Unteisuchungskonmiissar ist das Mitglied der Preußischen Finanz- und Baudirektion, der Regierungsrat Dr. Beelitz bestellt worden. .Herr Dr. Beelitz vernahm den Geschäftsführer der Republi- konischen Beschwerdestelle. Alfred Falk, eidlich als Zeugen. Er wünschte von ihm das an die Republikanische Beschwerdestelle gerichtete Schriftstück, da? die Anzeige enthalten hat,.zu haben und den Namen des Anzeigenden zu erfahren. Herr Falk hat aus Gründen politischen Anstand«? uiri) der politischen Notwendig. lest sich selbstverständlich geweigert, den Namen des An- zeigenden zu nennen und die Anzeige herauszugeben. Dieser Sachstand gab dem Herrn Regicrungsrat Dr. Beelitz Deran- lassung, die Durchsicht der Geschäftsstelle der Republilanischen Be- schwerdestelle anzuordnen, um die fragliche Anzeige zu beschlag- nahmen. Durch die Anzeige hat die Republikanische Beschwerdestelle ihr verfassungsmäßiges Recht auf Beschwerde aus- geübt(Reichsverfassung Art. 126). Sic hat es gerade in diesem Falle zu dem Zwecke ausgeübt, um gegen die Beschimpfung republikanischer Minister die Ahirdung durch die repu- blikanische Behörde zu«ryc-chen. Darauf erfolgt die Anordnung der Beschlagnahnic der Anzeige und eine Durchsuchung der Geschäfts- räume— eine sonst nur bei schweren kriminellen Strastateu übliche, bei einem Disziplinarverfahren ganz unerhörte und kaum jemals angewandte Maßregel. Dabei enveckt der ganze Sachoer halt den dringenden Verdacht, daß die Absicht des Vorgehens des Disziplinarrichters in Wirklichkeit gar nicht dahin geht. Beweis- mittel gegen denjenigen Beamten zu finden, der noch der Anzeige die Beschimpfungen ausgestoßen hat, sondern vielmehr den Namen des Anzeigenden zu«rmstteln, um gegen diesen«in Dlsziplinarversahren«»leiten zu können. Das Vorgehen des Disziplinarrichters kommt auf«ine schwer« Verletzung der Gewissenspflicht und des verfassungsmäßigen Pe- titionsrechtes heraus und ist auf das schärfste zurückzuweisen. Neue Negierung in Baden. Zentrum und Sozialdemokraten ohne Liberale. Karlsruhe, 19. November.(Eigenbericht.) Die neu« badische Regierung wird vom Zentrum und der Sozialdemokratie gebildet. Pas Zentrum erhall dos Finanz- und dos Innenministerium. Die Sozialdemokrake besetzt mst dem bisherigen Innenminister Dr. Remmele das Kultus- und das Justiz- Ministerium. Die Sozialdemokratie erhall außerdem«inen Staats- rat. Die neue Regierung wird am Donnerstag vom Landtag ge- wählt werden. Oas Zentrum im Nheinlond. Seine Vormacht im provinzialavsschuß beseitigt. Köln. 19. Noveinber.(Eigenbericht.) Di« rheinische Zentrumspartei ist wegen des Au» falls der Prooinziallauötagswahlen im Rheinland sehr b e- I ü m m e r t. Sie hat im rheinischen Provinziallandtog nach den Neuwahlen stall bisher 72 nur noch 64 Sitze, während die S o z i q l. d-motratie von 23 aus 25 Sitz« heraufgerückt ist. Dieser Verlust des Zentrums von acht Sitzen hat zur Folg«, daß es auch im Prooinzialausschuh«inen Sitz abgeben muh. Hier standen seinen sieben Sitzen bisher sieb«n Abgeordnet« anderer Partien gegenüber. Außerdem verfügt« das Zentrum üb«r die Stimme des Landeshauptmanns Horton. In d«m neu«n Pro- vinzialausschuß werden sechs Vertretern des Zentrums acht Vertreter der übrigen Parteien gegenüberstehen, so daß das Zentrum seine Machtstellung verloren hat. Die Sozialdemokratie wird künftig zwei stall bisher«inen Der» treter aus dem Rheinland in din preußischen Staatsrat entsenden. ,/Noboinik" zweimal beschlagnahmi. Warschau. 19. November.(Eigenbericht.) Der sozialistische„Robotnik" ist am Dienstag zweimal be- ichlagncrhmt worden, zunächst wegen des Abdrucks eines Artstelz des belgischen Sozialistensührers Vanderoelde über Polen. Di« zweite Beschlagnahme erfolgte wegen einer mnerpolitischen V--- trachtung des Blattes. Von Hugenberg bis Moffe. Einheitliche Front gegen die AngesteNteu. Ls dürfte kaum«in deutlicheres Beispiel für die emheUliche .w Laffcnf ront der Unternehmer geben, ob sie sich deutschtvitionol oder demokratisch gebärden, als das des Arbeit geberoerbandes für dos Berliner Zeitungsgeroerbe. Dieser Verband zeichnet sich dadurch aus, daß in ihm die sage- nannten demokratischen Zeitungsverlagsanstallen das chauptkontingent stellen. Trotzdem ist die einheitlich« Ilnternehmerfront sofort gegeben, sobald es sich um die Wahr- nehmung der Kapitalsinteressen handelt. Kennzeichnend hierfür ist der Kampf, den dieser Verband gegen den, in den ersten Jahren nach der Revolution mühsam errungenen Tarifvertrag für die Ange st«Ilten geführt bat und führt. In diesem Kampf steht nicht etwa Scherl an führender Stelle, sondern der demokratische Verlag Masse. Das Ende des Inflationsjahres 1323 mit seiner Schwächung der gewerkschaftlichen Position wurde von Scherl und Moste dazu benutzt, um die Angestellten zunächst ihrer gesetzlichen Be- triebsoertretung zu berauben. Die Angestellteneste wurden ausgekauft(der damalige Vertreter der Firma Most« erklärt«, es Hab« sich hierbei um ein Geschäft gehandelt, also ungeiähr wie man einen Sack Bohnen kauft). Sofortig« Ent» l o s s u n g solcher Angestellten, die sich dann um das Zustande- kommen einer neuen gesetzlichen Angestelltenvertretung be- mühten, erstickten diese Versuche im Keim. Unerhörter wirlschastllcher Druck. die berühmt« Androhung von„Konsequenzen*, bewirkt«, daß dann die Angestellten in„sreier Selbstbestimmung* Reverse unterzeichnen, in denen zum Ausdruck gebracht wird, daß sie auf «in« tarif vertraglich« Regelung keinen Wert legen. Dieser erste Ansturm des Arbeitgsbervevbandes gegen den Tarisvertrog für die Angestellten im Berliner Zeitungsgewerbe mißlang. Erst im Herbst 1923 führte er insofern zu einem Erfolg für die Unternehmer, als ein Schiedsspruch für einen Mantel- tarrsoertrag und ein Gehaltsabkommen nicht mehr für oer- b i n d l i ch erklärt wurde. Und mm begum ein« Aera verschärfter Ausbeutung der Angestellten. Trotzdem wies der S chl i cht u ng s a u s- schuh im Herbst 1327 den Antrag des Zentralverbandes der Angestellten einfach zurück, durch Fällung eines Schiedsspruches Hilf« zu leisten zum Zustandekommen eines Tarifvertrages. Im September 1323 hielt der Zentralverband der Angestellten abermals eine Rundfrage über dt« A rb e i t s b e d i n- g u n g e n der Angestellten. Hier das Ergebnis für Masse: Während 1327 von 830 Angestellten kaum ein Dutzend den Mut ausbrachten, den Fragebogen zu beantworten, waren es im September d. I. immerhin Iii. Bon diesen waren 16 Proz. bis zu 20 Iahren all, 40 Proz. 21 bis 23 Jahre, 21 Proz. 26 bis 30 Jahre, 23 Proz. waren über 31 Jahre all. Es handelt sich also nicht um Jugendliche. Und nun die Gehälter: 11,1 Proz. hatten ein Monatsgehalt bis zu 100 Mark, 66,6 Proz. von 101 bis 130 Mark. Also 77,7 Proz. dieser Angestelllea voa Moste haben eia Monalseinkommeu bis ISS Mark! 16,7 Prag, erhalten 151 bis 200 Mark, 4,86 Proz. bezichen 201 bis 250 Mark, ein einziger hat ein GeHall von mehr als 230 aber weniger als 300 Mark. Jedes Wort der Erläuterung könnte doch nur die Wirkung dieser Tatsachen abschwächen. Es kann aber daran erinnert werden, daß ein Organ desselben Mosse-Verlages aufsehenerregende Artikel- serien über das Elend der Bergarbeiter im Walden- burger Revier brachte, während im eigenen Zeitungsverloge Angestellte beschäftigt werden, die froh wären, wenn sie den Schicht- lohn dieser Bergarbeiter erhielten. Nienmls hätten sich solche Zustände im Berliner Zeitungs- gewerbe herausbilden können, wenn die Angestellten sich die frei- gewerkschaftliche Machtposition verschafft hätten, die sie In den Stand setzt, solche Ausbeutung abzuwehren. Man muß es erst in die Oefsentlichkeit hinausschreien, daß in den bürgerlichen Zettungsbetrieben, von Moste bis Hugenberg, an Angestellte Ge- hälter gezahtt werden, die noch unter den berüchtigten Elendslöhnen der Konfektion sind. Kein dritter Ausnahmesonniag! Reichsinnenminister und preußischer Handelsminister vag-gen. Das RundfchreibendesReichsministersdes Innern an die Landesregierungen wegen Durchführung des Dolksentscheids am 22. Dezember ist von den Feinden der Sonntagsruhe im Handels- gewerbe so ausgelegt worden, als hätte sich der Reichsinnen- minister für die Gewährung von drei Ausnahmesonntagen vor Weihnachten ausgesprochen. Das entspricht jedoch nicht den Tat- fachen. In einer Unterredung, die gestern zwischen dem Reichsinnen- minister S e v e r i n g, dem Vorsitzenden des AfA-Bundes, dem sozialdemokratischen Reichstagsobgeordneten A u f h ä u s e r und dem Genosten Schr ö de r als Vertreter des Zentraloerbandes der Angestellten stattfand, hat der Minister, mit allem Nachdruck darauf hin- gewiesen, daß er nur die Stellungnahme des Einzelhandelsausschustes des deutschen Industrie, und Handelstages weitergegeben habe, ohne sich für die Freigab« des dritten Sonntages auszusprechen. Der Minister Severing hat sich sofort bereit erklärt, durch Rundtele- gramm den Landesregierungen auch die entgegengesetzte Stellungnahme der Angestellten bekanntzugeben: er hat, wie sich aus einem Schreiben an den ZdA. ergibt, gleichzeitig anheimgegeben, den Wunsch der Angestellten bei den Entscheidungen zu berück- sichtigen. Die preußische sozialdemokratische Landtagssraktion hat durch die Landtagsabgeordneten Otto Meier und Iürgensen, unter Hinzuziehung des Genosten Schröder als Vertreter des ZdA., gleich- zeitia Veranlassung genommen, in Verhandlungen mit dem Handels- minister Dr. S ch r e i b e r den Sachverhalt klarzustellen. Es wurde betont, daß keine Veranlassung bestände, wegen des Volts- enlstbeids den dritten Sonntag vor Weibnachten freizugeben. Es kann keine Rede davon sein, daß sich das preußische Handelsministerium für die Freigabe des dritten Sonntags aus- spricht. Von den anderen Landesregierungen kann wohl ebenfalls erwartet werden, daß sie die gleiche Haltung einnehmen. Die Herrenmaßschneider müssen rüsten. Was die Unternehmer und was die Arbeiter fordern. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, dann steht im deutschen Hcrrenmaßschneidergewerbe für das Frühjahr ein Kampf bevor, besten Ausmaß alle bisherigen Kämpfe in dieser Branche in den Schatten stellen dürfte. Der Allgemeine Deutsche Arbeitgeber-Verband für das Maßschneidergewerbe(ADAV.) hat dem Deutschen Bekleidungs- arbetter-Verband zum 1. Februar 1930 den R e ich s t a r i f für Herremnoßschneider gekündigt und bereits Verschlechte- rungSonträge zu diesem Tarif eingereichf, die nicht weniger als 30 Schreibmaschinenseiten umfassen. Es ist fast keine einzig« Posttion im Reichstarif der Herren» Maßschneider, die die llnlerrnchrner nicht erheblich verschlechtern mächten. Das Schema der Arbeltszetton soll nach dem Wunsche der Unternehmer so abgeändert werden, daß die für die einzelnen Stücke erforderlichen Arbeitszeiten durchschnittlich um 12lL bis 18)4 Prozent oerkürzt werden sollen.- So verlangen die Unternehmer z. B. für einen Sakko die Herabsetzung der Arbeitszeit um etwa fünf Stunden und für einen Winterulster um mehr als sechs Stunden. Darüber hinaus fordern die Unternehmer die Beseitigung der Feiertagsbezahlung für die Zeitlohnarbeiter und die Aenderung der Ueberstundenbestimmungen derart, daß sie noch über dos gesetzlich zulässige Maß hinaus Ueberarbett oerlangea können. Allein die Tatsache, daß in Berlin zur Zeit, wo die Herren- Maßschneiderei in der Saison steht, von etwa 4000 Verufsang«. gärigen 1600 arbeitslos sind, beweist schon wie„begründet* die Anträge der Unternehmer zur Ueberstundenfrage sind. Jedenfalls lasten dies« ungeheuerlichen Forderungen die Vermutung zu, daß die Unternehmer den seit zehn Iahren bestehenden R e i ch i t a r i f beseitigen und an sein« Stell« die willkürliche Regelung der Lohn- und Arbettsbedingungen einführen wollen. Wie Genosse Thierfelder vom Hauptoopstand des Be- kleidungsarbeiter-Derbaitdes in der überfüllten Versammlung der Herrenmaßschneider am Montag in den„Sophiensälen* betonte, denkt der Zentraloorstand nicht daran, mir um den Reichstarifver- trag unter allen Umständen zu halten, solche Verschlechterungen in Kauf zu nehmen. Die tarifliche Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen der Herrenmqßschneider wird die Organisation nicht kampslos preis- geben, sondern bei erfolglosen Verhandlungen m den einzelnen Städten und Firmen um Tarifverträge kämpfen. Der Ernst der Situation erfordert, daß die Herrenmaßschneider sich aus den Kamps, der aller Boraussicht nach unvermeidlich sein wird, vorbereiten und die noch vorhandenen Lücken In der.Organi- sation schnellstens auffüllen. Nach einer längeren Diskussion faßte die Versammlung ein- stimmig eine Entschließung, in der als Gegenforderung ausgestellt werden: 1. Die Erweiterung des llrtaubsanspruches; 2. Beschränkung der zulästigen Ueberstunden: 3. Erhöhung de» Aeberstundenzu- schlag«?: 4. Ersetzung de» Tarisschiedsvertrages durch das Arbeitsgericht: 5. Erweiterung de» positionsschemas, analog der veränderten Arbeitsweise und damit die im einzelnen erforderliche Erhöhung der Arbeitszeiten. Arbeitslosigkeit und Produktion. Löhne zu niedrig, Arbeitszeit zu»ang. Während die Arbeitstosigkeit in den letzten Monaten durchschnittlich um 23 Proz. höher liegt als im Vorjahre, ist die Produktion, soweit die Wagenstellung der Reichsbahn, die Kohlen- und Eisenproduktion allgemeine Schlüsse zulassen, nicht zurückgegangen, sondern gleichfalls gestiegen. Daraus ergibt sich, daß die Zahl der Arbeitslosen nicht mehr als Wirt- schaftsbarometer gewertet werden darf. Dieses wachsende Arbeitslosenheer kann nur noch gewertet werden für die u n w i r t- schastlich niedrigen Löhne und die zu lange Arbeits- zeit. Es ist eine Herausforderung des gesunden Menschenverstandes, R.ofo.e!sen.* und RoKlenpr oduktion In 1000 Tonnen IS IM TJH90 TSfgo •O.O.a.4 117(5 RoKelsen S teinkoKlen Va�en�estelluno 3ep Reichsbahn In 1000 WaS.en «1S7S sjsi yrA � X Arbeitslose in. 0/o3ep erfaßten GWivWbätiUl O Art e i k sl o s e Kuriartei ker JÄ303AJ6 JAJOOAJS JAJOJAJS 19X8 19K9 1948 1949 1948 1949 wen» We Kölner Iudustrte- und Handelskammer dieses von den Industriellen geschaffen« und mit allen Mitteln auf- rechterhallene Elend der Arbeitslosen als Borhang benutzt, um dahinter den U« b e r flu ß der Unternehmer zu ver- bergen und außerdem noch neue Dorteile für sich herauszuschlagen. Schlichtung in der Schuhindustrie. Auch der zweite Verhandlungstag ergebnislos. Del den Verhandlungen zur Beilegung de» Lohnko-»slltls in der Schuhindustrie wurde am Dienstag gegen abend eine Schllchlerkammer gebildet. Die verolungen der Schlichter. kammer werden auch am Bußtag nicht unterbrochen. In den freien Verhandlungen stellte sich heran», daß die Gegensätze zwischen den beiden Parteien fast unüberbrück- bar sind. AfA-Vund und ZAA. Die Angestellten fordern ihr Recht. Wir erhalten folgende Entschließung: Der Vorstand des Allgemeinen freien Angestelltenbundes(AkS- Bund) hat in seiner Sitzung vom 18. November mit lebhaftem Be- dauern davon Kenntnis genommen, daß die Verwaltungsratssttzung des Internationalen Arbeitsamtes am 8. Oktober 1329 die Konstitu- ierung des grundsätzlich bereits beschlossenen Angestellten. ausschustes beim Internationalen Arbeitsamt erneut oertagt und durch dl« Art der Behandlung die nun fett Iahren von den Angestellten verlangte Einrichtung erneut in Frage gestellt hat. Angesichts der Bedeutung, die den Angestelltenberufen heute in allen modernen Industrieländern in Staat und Wirtschaft beigemeffen werden muß, wendet sich der AfA-Bund mtt aller Entfchiedenhelt gegen die dauernd dilatorisch« Art. mit der die Mehr- heit des Verwaltungsrates im Internationalen Arbeitsamt die sozialen Angestelllenintereffen glaubt behandeln zu dürfen. Der Versuch, etwa durch die nochmalige Vertagung eine Angliederung der Angestelltenoertrewng an den Ausschuß für geistige Arbeiter herbei- zuführen, wird vom AfA-Bund abgelehnt. Sollte etwa eine Mehrheit in der kommenden Derwaltnngsrats- sttzung dennoch beschließen, die Angestellten zum Anhängsel des Aus- schusies für geistige Arbeiter machen zu wollen, so wird der AsA- Bund diesem für die Wahrung der Angestelllenintereffen völlig unge- eigneten und unberufenen Organ seineMitwirkunginjeder Form versagen. Vom IGB. in Amsterdam erwartet der AsA- Bund, daß seine Vertreter im Verwallungsrat des Internationalen Arbeitsamts in Zukunft geschloffen und einheillich für die Aner- kennung der berechtigten Angestelllenforderungen«intreten. Veriagungsschieös�pruch für öteMansfeld AG. halle, 19. November.(Eigenbericht.) Die Mansfeld- Akliengefellschafl Halle den Mitteldeutschen Schlichter zur Vermittlung in dem Lohn- und Arbeitszeilstreit angerufen. Zn den Schlichlungsverhandlungen am Montag tonnte keine Einigung erzielt werden. Es trat daraufhin eine Schlichlerkammer zusammen, die am späten Abend einen Schiedsspruch fällte, der finngemäß lautet: Die Lohnsätze auf Grund des Schiedsspruches vom 19. März 1929. sowie die Bestimmungen über die Arbeitszell laut Schiedsspruch vom 25. September 192S werden bi, zum 31. Zaauar 1930 verlängert. Erklärungsfrist der Parteien bis 22. November, abends 6 Ahr. Die Gewerkschaften werden am Bußtag zu dem Schiedsspruch Stellung nehmen._ Der Beginn der berufsüblichen Arbeilslofigkeil für die Beruf« und Gewerb«, für die der Derwaltungsrat der Reichsanstoll für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung eine berufsübliche Arbeitslosigkeit einheillich für-das ganze Reichsgebiet anerkannt hat, fft auf den 3. Dezember 1929 festgesetzt worden. Der Präsident des englischen Vergarbeilerverbande». Herbert Smith, fft von seinem Posten zurückgetreten. An sein« Stelle tritt bis zum nächsten Verbandstog der Vizepräsident des Verbandes Tom Richards. Der Grund des Rücktritts fft darin zu suchen, daß Smich gegen die Vorschläge der Arbeiterregierung ist und darin von der großen Mehrheit der Bergarbeiter über- st i m m t wurde. Im Vaumwollsplnnrreigebiel voa tancashirr hat die Arbeiter- schast eine Lohnerhöhung um 12)4 Prozent gefordert. Die Unternehmer haben diese Forderung abgelehnt. Die Gehälter für Schissskapiläne sind durch Verhandlungen zwischen dem Verband deutscher Kapitäne und Schiffsoffizier« und dem Verband deutscher Reeder tariflich geregelt und betragen je nach der Größe der zu fahrenden Schisse sowie nach der Art der Fahrt 300 bis 690 Mark monallich und zwar rückwirkend ab 1. November.__ »�reieGewerkfchafts-Iuaend Verlin I Ä»wn«! T«r Olttreis-Kursuz füllt beut- au-. B»giili, Sc» neuen tZurfusabschnlttes ein iDttttood), 27. llloocmbtr. in der Echul« Schern- . IlZberllr. 29.— Donncrslaa. 19'� lltir. tagen die Kruppen: Kraul- fnrter«llee: Iuaeichbeim Kranlfurter Alle- Z07(Walt-r.Ziatd-nau.Zimmer». ?-! un, lieber Wellengang.- Landsberger Platz: Iugendd-im Grotz« Krank. birter S!r. 1«. Zimmer«. Vortrag:.Di« Krau im Beruf und Saushalt".— ____ Pente________________...... WW____________. WWW «ruvventeiin Reichenberger Str. 66 fgeuerwehrteu,). Aus der Dialeltiileratur vchlestcns.- Keine dbrun»«u: Iugendteim Z ote Schul«, Eotenburger Str. 2. Reibennortrag:.Marc und Engels".—«Speuick: Jugendheim Gnlnaue- Straft« Z. Slocfrog:»Die Archeitslofennerstcheruna".— Srfbccnxite: Jugend» he- Nt Ooerfchoneweid«. Laufener Str. 2 totere, hinter«» gimmer). Vortrag: .Die ihr Wollen und Wirten".— Sedding: Kruppenheim Etädt. Jugendheim Orthstr. w. Dortrag:.T-w»r«schaftli»e, und politische Jugend". " Roabtt: Druppenheim Stadt. Jugendheim Lehrter Str. lS-IS. Lichtbilder. Vortrag: Heinrich Zill«". .�uaendaruppe desZentralvertandes der Anaestellten -�5» Leute. Mittwoch. Vortragsabend Im Jugendheim Koftlerftr. 61. Kollege Lamm spricht über.International« Kewertschaftsbewegung".-- Morgen. Donners ag finden folgende Veranfialtungen s.att: Panrow.Ricdcr. schonhausen: Jugendheim Kürschstr. 14 lgroftcs Sintnict). Vortrag:.Berlin als Lafenftadn lm-.t Lichwildcrn). Referent Wlltelm Lesse.— Treptow: Juoendhe.m der Schule Wildenbruchstr. 5Z. Treptower Allerlei.— schoncberg: Jugendtelm Lauptitr. IZ(Sofaedäude. Tbüringenzimmer). Vortrag:..Kultur. «ragen der Gegenwart". Referent Jntz Weigelt.— Snmn-ftiNnrfn» int Vcsialo»>.Lnzeum. Lichtenterg. Pr!n,.AIbert.Straft-. Beginn 20 Uhr. Verantwortlich«Lr Politik: Dr.«tut Sirtichaft:®.«ingelhölcr! S-werlich-il,b-wegung: J. Steine.! KcuiCeton:«.®. DSfche«: Lolole» und confttacs«ritz«arftädt: Snieiarn: Td.«lmle: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwarts-Veriag G. m d. L.. Berlin Druck: Vorwgrts.Buchdruckcrit und V»rlaa»»Nalt Paul Singer ll. To.. Berlin SD«6. Lindenllraft»(. Lieru 2 Beilagen...Unteldaltnag NN»«isse»" nnd.ffronenHiane* LemewelierlfleiJim� m LemeweW-Oiateen» LemeweW-Pfeisen TANZ-ANZUG Melton- Cheviot, reine q /% Wolle..... Mark O ä»~ SMOKING-ANZUG Melton• Cheviot, reine /-v-y Wolle..... Mark s/%~ ABEND- ANZUG Melton oder Kammgarn■* A S em-undtveircihig Mark 1 I O," DAS HAUS DAS JUDEN ANZIEHT Berlin C löllniicber Fiscbmarkt 4-6 [h Jtr. 545* 46. Jahrgang -1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 20. Aovember 1929 So sieht die berüchtigte Stätte Gartenstraße 98 heute aus. Man braucht mir nach dem schwärzesten Haus in der Gartenstraße zu suchen, dann findet man die Nummer 98 leicht. Ein Haus, dessen Vergangeicheil noch um einige Nuancen düsterer ist als seine Farbe. Da steht der altersschwach gewordene Sdeinbaukasten und dämmen in unsere Tage hinein. Nur noch das Vorherhaus ist erhalten, der noch Hektaren zählende Hof ist heut««in« bizarr« spuklandschaft. Zwischen steilen Mietskaserne ngieböln wuchert Gras und meterhohes Unkraut,«ine windschief« Reihe ausgewaschener Stein« kündet, daß hier einmal ein Weg gewesen sein muß, aber die Reihe ist nicht sehr lang, Schutt- und Geröllhaufen decken sie bald zu. Im Hintergrund recken zwei, drei Bäum« ihr« Zleste über den schwarzg»brannten Sand und ganz rechts will selbst der Efeu nicht mehr der Sonne entgegen, rücklings baumeln seine Ranken über dem Erdboden. Das Ganze bewachen zwei schwere Eisentore... Oos schwarze Kabinett in der Gartenstraße. Das Haus Garten st raße 98(früher trug es die Nr. ISO), war einst das Domizil der Eisengießerei von R äse mann u. Äühneniann. In der ersten Etage des Vorderhauses, wo heute «h Buchbinder und ein Tapezierer wohnen, residierte der Äom- »nerzienrot Fritz Kühneinami, die Seele des Vereins Berliner Eisen- Aießcreien. Dieser Kreis der Eisengießereien wurde ihm schnell zu eng und so schuf er den Verband Berliner Metallindustrieller. Und nnt diesem das„Schwarze Kabinett". Ein« Einrichtung, bei der heute noch den allen Kämpen'von damals die Galle überläuft, so cht man davon spricht. Das„Schwarze Kabinell" war der berüchtigte Arbeitsnachweis des kühnemänner-verbandcs. Wo es «Stockfchläg« auf den Magen gab, aber keine Arbeit. Wo Herr Fritz Kühnemann feine Mitglieder strikte davor warnte,„Stellen durch etwa sich zufällig anbietende Leute zu besetzen". Wo Herr Fritz Kühnen rann sich„Höst, gestattete, einer verehrt. Verbandssirnia anbei das neueste Agitatoreinxrzeichnis zu überr«ick>en", um auf- rechte Arbeiter für alle Zeiten brottos zu machen. Wo er nach der ersten Maifeier in Berlin folgenden Brief an die Polizei schrieb: „Durch einstimmigen De- schluh unserer Generalver. sammlung veranlaßt, hat die vertrauenskommission dem Kgl. Polizeipräsidium 3000 Mark überwiesen mit der Bitte. diese Summ« denjenigen Beamten zuzuführen, die aus Anlaß des l. Mai über Gc- bühr angestrengt werden mußten und deren latkrästigcc Unterstützung wir wertvolle Dienste verdanken." Worauf der Kgl. Prcußi- schc Polizeipräsident, der Herr v. Richthofen, nichts Eiligeres zu tun hatte, als dankend d«n Empfang dieser„Handsalbe" zu bestätigen und mitzuteilen, daß er 83 Revieren, in deren Bereich man sich erlaubt hatte, den 1. Mai zu feiern, je 38,14 Mark überwiesen hat.— Zede Mochc wurde eine neue Liste „wüster Agitatoren" zurechtsabriziert und-denunziert. Für nichts und wieder nichts wurden Arbeiter brotlos gemacht, gehetzt und verfemt,„die Schlosser...'.. sind wegen frechen Benehmens gegen ihren Meister von uns entlassen. Es wird gebeten, dieselben gegebenenfalls von jeder Beschäftigung auszuschließen, resp. eine solche nicht gewähren zu wollen," schrieb die Firma Ludwig L o e w e. Oder folgender Wisch, der sich in den Akten des „Schwarzen Kabinetts" in der Gartenstraße fand:„Der Ar- l»eiter.... verstößt gegen die guten Sitten, indem er in Gegen- wart der Lehrlinge und anderer Arbeiter in einen Topf urinierte Und gegen den Meister außerdem erklärte, nicht früher als um 7 Uhr zur Arbeit kommen zu können." Derartig« Infamien ge° nügten, um den betreffenden Arbeiter für alle Zeiten auf die Schwarze Liste zu setzen. Oder wenn die Kühncmänner vollkommen überschnappten und wegen irgendeines belanglosen Konflikts in einer Berliner Eisen- gießerei einfach dekretierten: Ab heule sind alle Former, deren Namen mit den Buchstaben A, B, C und D beginnt, ausgesperrt. Dann bekamen die armen A-, B-, C-, D-Form«r aus Berlin in ganz Deutschland keine Arbeit und nianch einer von ihnen wurde gezwungen, seine drei 5iabsetigkeiteii zusammenzupacken und aus- zuwandern. Das waren die Stockschläge ans den Magen, die es im „Schwarzen Kabinett" in der Gartenstraße gab, nur lein« Arbeit. Es konnte dreist ein Arbeitsmann beim„Umschauhalteu" oder „Ständelngehen" eine freie Stelle gefunden haben, ehe er den Kittel anziehen konnte, mußte er sich seinen Stempel vom ,. Schwarzen Kabinett" holen, lind um diesen Stempel für alle Zeiten nicht erhallen zu können, dafür genügte, eimual sei» Geschäft in einem Nachttopf verrichtet zu haben. Auch der 1992 in der Gormannstraße von dem Vorsitzenden der Landesversicherungs- anstalt Berlin, Dr. Freund, mit kommunaler Unterstützung ins Leben gerufene Arbeitsnachweis konnte das Femegericht der Kühne- Männer nicht mattfetzen. Die Berliner Schlotbarone waren die „Herren im Hause", wenn beispielsweise bei einem'Konflikt der Deutsche Metallarbeiterverband auch nur den Versuch machte, zu intervenieren, dann schnarrten die Trabanten Kühnemanns ins Telephon:„Wir kennen keinen Deutschen Metallarbeiterverband", hängten den Hörer an und feixten sich eins. * Dos„Schwarze Kabinett" der Kühnemänner ist längst in Staub und Asche versunken. Der � berüchtigte„Abkchrschein" aus der Kriegszeit war der letzt« Versuch der Unternehmer, das Rad der Geschichte zurückzudrehen und nach ihrem Herze»„vermitteln" zu können. Auch dies System ist gefallen. Der Arbeitslos« unserer Tage geht zum paritätischen Nachweis seiner Fachgruppe und braucht sich keinen Stempel mehr von irgendeinem Femegericht zu holen. Und wenn er früher ohne Arbeit nicht wußte, woher das tägliche Brot nehmen, dann lzat er heute einen unverbrüchlichen Rechtsanspruch auf Unterstützung durch das Reich. Wir sind weit davon entfernt, den Kummer und die Sorg« eines jeden Berliner Erwerbslosen verkleinern zu wollen, ober ein Vergleich mit der Acra des Gottesgnadentums zeigt sinnfällig: die Republik ist nicht mehr der herzlos« Obrigkeitsftaat, wo man für einen Arbeitslosen, wenn es hoch kam, allenfalls ein Achselzucken übrig hatte. Erst vor wenigen Wochen haben die Ewiggestrigen in wütenden An- griffen eine Bresche schlagen wollen in das große Hilfswerk fiir die Arbeitslosen. Daß dieser Plan gründlich danebengelang, v er- danken die Arbeitslosen der Sozialdemokratie, deren Macht diesen Abwehrkampf siegreich bestehen ließ. Oer Moni Pete droht! Schwerer Ausbruch erwartet.— Die Umgebung geräumt. New Jork, 19. November. XUie Associated preß aus Fort de France aus Martinique meldet, ist von den Behörden die Räumung der gesamte» Umgebung des Moni Pete angeordnet worden, da sich neue An- zeichen eines schweren Ausbruches des Vulkans bemerkbar machen. Erdbeben im östtichen Nordamerika. New Bork, 19. November. Wie aus Halifax gemeldet wird, find bei den bereits be- richteten schweren E r d st ö ß e n, die im ganzen östlichen Küsten- gebiet des nordamerikanischen Kontinents registriert worden sind, die Kabel der Western Union Kabelijesellschaft gebrochen.' Im Hafen von Halifax ist während der Erdstöße eine Spring- s l u t aufgetreten. In wissenschaftlichen Kreisen verniuict man des, halb, daß der Mittelpunkt des ganzen Bebens im Atlantischen Ozean in der Gegend der kanadischen Küste liegt, und daß es dar- auf zurückzuführen ist, daß der Felsbohcn des Meeresgrundes gerissen ist. Hamburg, 19. Nooem' Am Montag abend wurde auf der hiesigen Hauptstation sür Erdbebenforschungen ein sehr hestiges Erdbeben aus 4799 Kilometer Entfernung registriert. Die ersten Wellen troscn hier' um 21 Uhr 39 Minuten 57 Sekunden ein. V tintklkuf Die Buben schössen nach dem Adler am Mast: die Mäd» chen tanzten einen Reigen. Die Festwiese, von zertretenen. sterbenden Blumen und von Kuchen und Früchten in Körben duftend, wimmelte von den sommerroten Gesichtern. Der Lehrer Tannenbaum arbeitete sich aufgeregt durch die Menge, er schien dringend wen zu suchen. Eine Fahne flatterte über den Platz, die weißen Kleider der Mädchen flogen. Lachen, Rufe, Jauchzen und Kreischen hin und her. Der Lehrer Tannenbaum tickte ein kleines Mädchen von hinten an ihre Schulter: „Hast du Esther Rubin nicht gesehen?" Das kleine Mädchen wurde verwirrt, sie trug dem Tage zu Ehren, an dem die k-eine norddeutsche Stadt vierhundert Jahre alt ward, eine blauseidne Schärpe. Sofort drängten sich Kinder, ein Dutzend, um den Lehrer her. Der Lehrer Tannenbaum war sehr jung. Er hatte braunblondes Haar, das sich kräufette. „Esther Rubin geht mit Christine Gast dort hinten— dort— bei den Buben." Der Lehrer Tannenbaum arbeitete sich zurück. Er lachte: er trug in der Hand einen Strauß von Blumen, der nun ent- setzlich abgerauft war. Auch die kleinen Mädchen lachten. Sie waren nicht seine Schülerinnen, denn der Lehrer Tannen- bäum gab nur den jüdischen Kindern der kleinen Stadt Unter- richt. Escher Rubin, das wußten alle, war bis vor einem Jahr bei ihm in der Klasse gewesen Run war sie über die Schule hinausgewachsen, und der Lehrer Tannenbaum war nur iy privatem Unterricht ihr Gesanglehrer noch. Er traf im Gedränge auf Magda Rubin. „Wo ist deine Schwester, Magda?" „Die jüngere oder die ältere?" fragte Magda geziert und versperrte chm fast das Weiterkommen. „Ich werde sie schon finden, die jüngere," sagte der Lehrer, fadem er sich weiter hindurcharbeitete. Leinen mit Fähnchen schwankten im Winde, Girlanden hielten ein Schild umwunden: Willkommen.— Eine Mannschaft von Musikern in weißen Anzügen mit Tressen spielte einen Marsch auf Trommeln und Flöten. Der Lehrer Tannenbaum sprach mit sich selbst. Gleich darauf hatte er Esther gefunden. Sie war mit ihren sechzehn Jahren so groß, daß ihr schwarzes 5zaar und die weißwölbige Stirn über die Köpfe der Menge strahlten. Arm in Arm mit ihr ging Christine Gast..Sie war mindestens siebrnzehn. Der Lehrer Tannenbaum übergab Efther die Blumen. Sie dankte ernsthaft und wurde ror. Christine aber machte sich unverhllllt lustig, ihre braunen Augen unter dem gold- blonden Haar lachten spöttisch, weil die Blumen so abgerauft waren. Sie ging noch immer mit Esther Arm in Arm. „Wann reisen Sie nach Hamburg, Christine?" fragte der Lehrer, und ein Ausdruck von Mißmut war auf seiner Stirn, so, als ob er die Abreise wünschte. „Nielleicht schon zur Abfahrt mit dem übernächsten Dampfer, der nach drüben geht," sagte Christine. Dann unter- hielten die beiden Mädchen sich über die Rejse�nacb Zlmerika. Christines Stimme war von Erwartung bewegt. In Argen- tinien hatten vor Jahren ihre Eltern sich angesiedelt, nun wünschten die Kolonisten ihre Tochter bei sich zu haben, und Christine nahm ihren Wunsch mit Begeisterung auf. Sie hatte fast ein Jahrzehnt lang bei ibrer unverheirateten Tante gewohnt, der sie wie zum eigenen Kinde geworden war. Der Lehrer Tannenbaum kaufte, wo sich nur Gelegen- heit bot. Süßigkeiten für die Mädchen. Er bot sie Christine gleichgülttg an, aber Esther sah er dabei in die Augen. Als sie länger als eine halbe Stunde herumgeschlendert waren. würbe er traurig, grüßte mit etwas verzerrtem Gesicht und ging. Esther war davon ein wenig verwirrt, abex als er sich entfernt hatte, lachten sie alle beide über ihn. Denn aller Beiden Gedanken trachteten in die Ferne, und wer in dieser kleinen Stadt sich an sie hängen wollt», um sie an ibrem Flug in die W-üte*u hindern, fiel ihrem Gelächter anHeim. Der Adler samt seiner Krone war inzwischen von der Spitze heruntergeschoflen worden. Es gab einen König unter den Knaben, und man führte ihm feine Königin zu Die Musiker in ihren weißen Anzügen mit Tressen setzten sich an die Soitze des Zuges, die Kinder in bellcr Kleidung folgten, eine lange Reihe von blumenaeschmückten Wacien zog binter- her, und in den Straßen der Stadt, die der Festzug passierte, standen gestaut die Bürger und Frauen, und nichts entging ihren scharfen Blicken. Der Viehhändler Jakob Rubin saß mit seiner Frau im � Garten hinterm Haus, abseits von der Aufregung dieses Tages. Sie hörten die Musik und den Takt der Schritte. „Jetzt kommt Esther mit Christine Gast vorbei," sagte die Mutter, deren Scheitel zu ergrauen begann,„und Magda, sie sind wohl alle im Zug. Wollen mir nicht nach vorne gehen?" Sie gingen vor's Haus und sahen dem hellen Treiben zu.„Um Esther braucht uns nicht bange zu sein," sagte der Vater,„aber Magda in solchem Trubel sich selbst zu über- lassen,— das war set)r unrecht von uns." Denn er sah schon Magda, die Blicke umblitzen ließ, mit Fähnchen und Blumen geputzt, vornean. „Ich habe um sie nicht einmal soviel Sorge," sagte die Mutter,„als um Rosine. Sie ist in der Küche geblieben, wie immer. Sie ist unsere Aelteste, und sie bekommt gewiß zuletzt einen Mann. Vielleicht," setzte sie noch leiser hinzu,„über- Haupt nicht." „Laß mir Rosine zufrieden, sie gibt ans sich selber acht. Wenn sie ohne Mann bleibt, so wird das bestimmt nicht von denselben Ursachen kommen, wie wenn das Magda passiert." Die Mutter seufzte. Sie hatte für Magda schon mehrere Male das Fenster heimlich aufiperren müssen, um ihr weit nach Mitternacht ins Bett zu oerhelfen, den Schlüssel zur Haustür hielt dann der alte Rubin im Hut. Aber die Mutter — trotz allem—, hing mit überwiegender Neigung an ihr. Die beiden Alten winkten oft zum Gruß, der Lehrer Tannenbaum kam tief grüßend vorbei. Die Straße war vom Anfang bis zum Ende von diesem Zuge voll,. der vorbei- defilierte, und in der Ferne sahen die Eltern schon Esthers Stirn mit dem einfach gescheitelten Haar über der Menge. Aber plötzlich geschah irgendeine Veränderung in der Bewe- gung, es war, als ob einer an den anderen eine Nachricht weitergäbe, die jeden persönlich ins Stocken brachte. Die Leute von den Häusern her kamen hinzu, ein Rufen erhob sich, die Musik schwieg still— Der Erzherzog von Oesterreich war ermordet! Und als ob der Himmel selber die Festlichkeit nun nicht mehr gestatten wollte, erhob sich ein Wind, er wurde zum Sturm, Wolken trieben über den Himmel. Alles zerstreute sich und der Regen sprang schäumend am Rande der Straßen. * Der Krieg brach aus, und während das Ganze tadellos funktionierte, kam alleL einzelne so vollkommen in Ver- wirrung. daß überhaupt niemand es merkte, wie zerrüttet alles einielne war: Denn das einzelne starb schweigend unterm Gesetz des ganzen.(Forts, folgt.' Düsseldorfer Morde unaufgeklärt. Bisher 9 Mordfälle und insgesamt-19 Bluttaten. Raubüberfall auf Kassenboten. 11 000 Mark erbeutet.— 1000 Mark Belohnung ausgesetzt. Mit größter Dreistigkeit ging ei« Geldräuber zu Werke, der am Dienstag mittag einen jugendlichen Kassenboten übersiel und dabei lt 000 W. erbeutele. Der IS Jahre alt« Kassenbote Wilhelm Linke, der bei der Deutschen Stärke-Verkaufsgenossenschaft in der K a r l st r. Sa angestellt ist, hatte den Auftrag bekommen, von der Deutschen Bank in der Mauerstraße 11000 Mark abzuholen. Den Hin- wie den Rückweg hatte der junge Mann, wie er angibt, ohne Verzögerung zurückgelegt. Auf der Bank wurden ihm a ch t Pakete mit Fünfzigmarkscheinen und drei Paket« mit Zwanzigmarkscheinen übergeben, die er nachzählte und in seine braunlederne Zlktentasche steckte. Er ging durch die Kleine Passage hindurch über die Brücke an der Luisenstraße und betrat bald das Haus, in dem seine Firma im dritten Stock ihre Geschäftsräume hat. Weder in der Bank noch auf der Straße hat er bemerkt, daß ihm jemand folgte. Bestimmt hat er die Person nicht gesehen, die ihn beim Betreten des Hauses ansprach. Es war ein Mann von etwa 2S Jahren, 1,70 bis 1,7S Meter groß, mit dunklem Haar und blassem Gesicht. Der Fremde, der einen dunklen Mantel trug, fragt« ihn, wo seine Firma ihre Bureaus habe. Er antwortete ihm, im dritten Stock und ging dem Unbekannten voraus. Auf dem Absatz zwischen. dem zweiten und dritten Stock war der Fremde plötzlich dicht neben i h m. Cr packte den kleinen und schmächtigen Boten an die Kehle, schlug ihm mit der Faust auf den Kopf und stieß ihn heftig gegen, die Wand. Dieser, durch den unvermuteten Angriff sehr erschreckt, war nicht imstande, den Raub der Tasche mit dem Geld« zu verhindern. Als sein« Hilferufe einsetzten, stürmte der Räuber schon die Treppe hinunter. Zlndere Leute kamen hinzu, man fand aber nur noch die geleerte Tasche im Hausstur. Der Dieb war längst verschwunden. Der Täter konnte um so eher entkommen, als der Pförtner zufällig gerade am Fahrstuhl zu tun hatte. Die Firma hat für die Ergreifung des Räubers und Wiederöeschaffung des Geldes eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt. Mitteilungen nimmt Dienststelle A. 5 im Polizeipräsidium entgegen. Spuk in der französischen Gesandtschast. Generalstabsoberst Michailow freigespsochen. Das Schossengcrichl Bcrlin-Alitte sprach gestern den Generalslabsoberst Michailow von der Anklage im September d. 3. dem französischen Botschafter ein Brillantenkollier im Werte von 80 000 M. gestohlen zu haben, frei. Der Generalstabsoberst Michailow hat also das Brillantenkollier nicht in'der Zlbsicht rechtswidriger Aneignung an sich genommen, sondern nur um seinem Arbeitskollegen, dem Chauffeur des franzö- fischen Botschafters, den Rittmeister a. D. Batalin, einen Schabernack zu spielen und ihn in den Verdacht des Diebstahls zu bringen. So begründete das Gericht sein Urteil. Der Generalstabsoberst Michailow aber, Sohn eines russischen Professors, Kämpfer in der Lenikin- und Wrangel-Armee, schlug ein breites russisches Kreuz bei Verkü.ndung des Freispruchs und rief mit einer von Inbrunst bebenden Stimme in seinem Schlußwort Gott, an den er von seiner Jugend auf glaube, alsZeugen für seine Unschuld an. Nein, selbst im Scherz habe er die Juwelen nicht an sich genomnien. Batalin müsse es gewesen sein, der aus Haß gegen ihn den Diebstahl fingiert habe. Oder der Diener des Ge- sandten, ein schlecht beleumundeter Oesterreicher, habe, um die Leiden. schaften zwischen ihm und Batalin zu schüren, das ganze inszeniert. So beteuerte der Gcnerakstabsoberft und scheut« nicht davor zurück, andere zu verdächtigen. In der französischen Botschaft spukte es »der tatsächlich. Eine Autodecke ging verloren und fand stch wieder ?in auf Grund eines mysteriösen Briefes. Ein Brillantenkollier ver- ichwand, Etuis wurden in dem Garten gefunden und auf der Treppe lagen schließlich die Juwelen herum. Was hinter all' dem steckte, ist nicht aufgeklärt worden. Der französische Gesandte wollte mit der Sache nichts zu tun haben: Batalin durfte nicht im Gerichtssaal irscheinen: auch der Gesandte selbst sehlt«. Unwillkürlich zachtc man an die Gerüchte, die im Anschluß an den Diebstahl der italienischen Geheimchifsre in bezug auf den Iuwelendiebstahl in der französischen Botschaft austauchten. Michailow, verlautete es� damals, habe in Bolschewistendiensten gestanden: er sei beauftragt aemesen, die G eh e i m cht f fre zu st e h l e n. Der französische Botschafter sei aber zu früh zurückgekehrt. Um den versuchten Chiffrediebstahl zu verdecken, sei von Michailow der Juwelendieb- itahl fingiert worden. Weshalb sollte auch nicht ein verarmter Neneralstabsoberst um des schnöden Mammons willen sich in den Dienst der Bolschewiken begeben? Ein Generalstabsoberst, der, wie »as Gericht festgestellt hat, einen Diebstahl fingiert, um einem Ritt- meister einen Schabernack zu spielen? Ein Kriminaldrama unter ..gewesenen' russischen Menschen— ein russisches Emigranten- kriminaldrama. Es � spukt offenbar sehr verdächtig in der franzö- fischen Gesandlsck)ast. Aufbauarbeit im Krankenhaus Moabit. Neues Heim der inneren Abteilung. Das städtische Krankenhaus Moabit, das im Jahr« 1872 wegen einer Pockenepidemi« rasch dos Barackenlazarett gebaut und dann als allgemeines Krantenhaus benutzt wurde, ist in neuerer Zeit, entsprechend den Fortschritten der Heilkunde und des Kranken- Hauswesens, d u r ch Neubauten umgestaltet worden. Der Krieg und die nach ihm kommenden Jahre der Geldentwertung störten und unterbrachen diese Arbeit, aber danach wurde sie trotz aller Schwierigkeiten wieder ausgenommen, und in wenigen Jahren werden die letzten der alten Fachwerkbauten beseitigt sein. Am Dienstag wurde wieder«in fertiger Bau, das Heim der Abteilung für inner« Krankheiten, mit einer schlichten Fei«/ eingeweiht und an die Krankenhausverwaltung über- geben. Teilnehmer der Fei«r waren Bertreter des Magistrats (Stadtmedizinalrat Prof. Dr. von Drigalski, Stadträtin Weyl), des Bezirksamts Tiergarten und anderer Bezirksämter Berlins, des Ministeriuins, des Pokizsipröstdium»(Chefarzt Dr. Lustig), der Aerzteschast und der Medizinst.cdenten. Nach Begriißungsworten des Bezirlsbürgermeisterg D o f l e i n sprach Pros Dr. K'l e m p e r e r, ärztlicher Direktor des Krankenhauses Moabit. Mit Worten des Dankes erinnerte er daran, wie nach der Schaffung Groß-Beblins der m den Magistrat eingetretene S�adtmedizinalrat Prof. Dr. R a b- npw(der. jetzt im Ruhestand lebend, unter den Festteilnehmern mar) sich bemüht hm, dem Stadtteil Moabit dl«ies Krankenhaus zu erhalten. In der damaligen Notzeit wurde daran gedacht, das Krankenhaus zu schließen, die Gebäude abzubrechen und das wertvolle Gelände zu verkaufen. Aber unser Genosse Rabnow mahnte immer wieder, das Krankenhaus weiter bestehen zu lassen und den Ausbau fortzusetzen. Klein- pcrer gedachte auch der Verdienste des verstorbenen Stadtverordneten Dr. Weyl, feiner umsichtigen Arbeit für das Essundheitsroescn der Stadt, seines Verständnisses für die Bedürsnisse der Wissenschajt. Düsseldorf, 19. November. IndertäglichenpressebesprechunginderDüssel. d o r s e r kriminaldireklion kamen am Dienstag abend vor allen Dingen die sich widersprechenden Meldungen über den Fund eines Halsluches, das Bluislecken ausweisen sollte und über einen in einer Laube in der Nähe der Fundstelle der Leiche der Ermordelen Gertrud Albermann gefundenen Totschläger zur Erörterung. Bei diesen Erörlerungen wurde auch darauf hingewiesen. daß die Meldungen auswärtiger Blätter, daß es sich bei den Düsseldorfer Verbrechen um19Morde handelt, vollkommen unzutreffend seien. 3n Düsseldorf sind seit Februar 9 Mord- fälle zu verzeichnen, von denen einige nach Lage der Dinge von den Kindermorden und lieberfällen auf Frauen geschieden werden müssen. Die Gesamtzahl der Mo rde, llebersälle und angeblichen Aeberfälle in dem genannten Zeitraum be- laufen sich allerdings aus 19. Es handelt stch bei dem angeblichen Halstuch zunächst um einen Tuchfetzen von roter Farbe, auf dem sich angeblich drei Blutflecken bofinden. Nach dem Urteil mehrerer Sachoerstän- diger handelt es sich aber, wie wir bereits mitteilten, nicht um Blut, sondern um Farbflecken. Die noch vorzunehmende Unter- suchung wird hierüber erst endgüttige Klärung bringen. Bei der an- geblichen Mordwaffe handell es sich um ein Stück Gummi- schlauch, das, als es aufgefunden wurde, mit Sand gefüllt gewesen fein soll. Als Mordwaffe für die Gertrud Albermann und die Maria Hahn kommt dieser Gummischlauch schon aus dem Grunde nicht in Frage, weil beidedurch Messer- oderDolchstiche getötet wurden. Ganz unzutreffend sind die Meldungen, daß die Düsseldorfer Polizei nach einem jungen Menschen fahndet, der an- geblich für die Polizei beschäftigt gewesen sei. Dieser 2 1 j ä h r.i g e junge Manu hatte stch bei der Polizei zur Aufklärung der Mord- sache angeboten und ihm war bedeutet worden, daß er sich selbst- verständlich ebenso wie jeder andere an der Ausklärung der Per- brechen beteiligen könne. Die Wohnung des angeblich als Tüter verdächtigten Mannes ist bekannt. Er ist auch in einem Polizei- revier gelegentlich vernommen worden. Die Kriminalpolizei erklärt aber, daß er milden Mordtaten keineswegs in Per- bindung gebracht werden kann und auch nicht als Polizeispitzel tätig gewesen ist. In der Pressebesprechung war man sich darüber klar, daß es keineswegs zur Aufklärung der scheußlichen Verbrechen beiträgt, Unser Genosse Weyl hat erreicht, daß unter Minister Haenisch da» städtische Krankenhaus Moabit zugleich für die Universität eine L e h r st ö t t e der Medizin wurde. Das neu« Heini der inneren Abteilung hält für Kranke 240 Betten bereit. Es ist mlsgestattet mit allen Hilfsmitteln der neuzeitlichen jtrankenbehandlung und der wisienschaftlichen Forschung. Auch eine neurologische Abteilung ist hier geschaffen worden, die erste in einem Krankenl>ausc der Stadt. Die Räume des Hauses sind groß, hell, lustig. Das Czaus hat auch zwei Dachgärten für die Kranken. � „Go sind Hie Parteien ohne Maske." Hausbesitzerohrfeigen für die Oeutschnationalen. Jetzt endlich, nachdem die Wahlen und die Strapazen, die für die Wahlhelfer damit verbunden waren, vorüber sind, hat man die Möglichkeit, in aller Ruhe einmal die vielen Druckschristen durch- zusehen, die einem in den letzten acht Tagen vor der Wahl ins Haus geflogen sind. Dg gibt«s allerlei Ergatzlichkeiten. Ein zwei Zeitungsseitcn großes Flugblatt der Haus- besitzer zum Beispiel ist unter der Ueberschrift:„So sind die Parteien ohne Maske' eine einzig« riesengroße Schinipsepistcl gegen... nun. gegen wen wohl? Man nimmt an gegen die Sozial- demokraten. Wett gefehlt! Die Schale vollen Zornes wird beson- ders über die Deutschnationalen, aber auch über die Volksparteiler und Zentrumsleute ausgegossen. Einer der wildesten deutschnationalen Sozialistenfresser, Herr Dr. S t« i- niger wird in einer Weise abgebürstet, daß einem der Mann beinahe leid tun könnte lind warum? Weil Herr Steiniger, der sehr nwhl weiß, daß er auf die Massen her kleinen Beamten und wenn immer wieder neue, unbegründete Gerüchte über neue Mordtaten in die Welt hinausgehen. Tatsächlich sei es heute so. baß in Düsseldorf selbst glücklicherweise einige Beruhigung eingetreten sei, während durch Berichte, die sich später fast ausnahmslos als belanglos erweisen, eine begrelfiiche Nervosttüt erzeugt wird. Daß. bei den zahlreichen Verbrechen auch die polizeilichen Ermittlungen einen großen Personenkrcis umfassen, ist nicht zu vermeiden. Keines- wegs aber kann bei den zahlreichen Festnahmen zum Zwecke der Vernehmung gesagt werden, daß es sich um Personen handelt die mit dem Mord in Zusammenhang gebracht werden könnten. Man müsse diese Tätigkeit als die negative Ermittlungstätigkcit der Kriminalpolizei betrachten, die den Zweck haben, festzustellen, daß irgendwie verdächtige Personen sür diese Verbrechen nicht in Frage kommen. Es werden ungezählte Spuren oerfolgt, bisher haben sich aber die Ermittlungen gegen eine bestimmte Person nicht so ver- dichtet, daß man schon irgend eine Einzelperson als Täter ver- dächtigen könne. Schutzpolizei und Kriminalpolizei. Der Polizeipräsident Düsseldorfs teilt mit: Ein großer Teil der Presse veröffentlicht Nachrichten über an- gebliche Erschwerung der Mord Untersuchung durch Gegensätze, die zwischen Düsseldorfer Schutz- und Kriminalpolizei beständen. Demgegenüber ist festzustellen, daß lediglich ein einzelner Beamter in der Bewertung der von ihm ausgearbeiteten Spur anderer Austastung war, als die zuständige kriminalpolizeiliche Dienststell«. Bedauerlicherweise sind die internen Erörterungen der beteiligten Beamten infolge eines Mißverständnisses zur Kenntnis der Oeffenttichkeit gelangt. Die in Frag« kommende Spur ist nur- eine Einzelspur im Rahmen von etwa tausend anderen. Die verschiedenartigen Austastungen der beteiligten Einzelbearbeiter rechtfertigen in keiner Weise die Annahme'daß zwischen Schutz- und Kriminalpolizei in Düsseldorf irgendwelche Gegensätze vorhanden sind. In einer Pressebesprechung voin Dienstag abend, der ins- besonder« auch Korreipondentcn aus Berlin, London, Wien und Paris beiwohnten, wurde der Sachverhalt m obigem Sinn« einwandfrei geklärt. Angestellten in seiner Partei Rücksicht nehmen muß, einmal folgendes gesagt hat:„Der Mieterschutz ist vorläufig unent- b e h r l i ch.' Wegen dieser Aeußerung, die Herrn Steiniger und seine Freunde eigentlich hätten veranlassen müssen, im Wahlkamps weniger gehässig gegen die Sozialdemokratie zu wüten, hat er seiner- setts sich den Haß der ewig unbelehrbaren Berliner Haus- und Grundbesitzer zugezogen. Aehnlich, nur ein wenig vorsichtiger, hat stch der Volksparteiler Winnefeld zum Mieterschutz ausgesprochen. Auch er wird von den Hausbesitzern angeprangert. Dem Zentrumsmonn Tremmel geht es nicht besser. Den, Zentrum attestiert man, daß man es für „verkappt« Sozialistenhelfer' hält. Di« Demokraten kriegen wegen der vernünftigen Haltung ihres Ministers Höpker-Aschost zur Hauszinssteuer eins ausgewischt. So schimpfen und nörgeln und randalieren die Hausbesitzer mit allen bürgerlichen Parteein herum, die man insgesamt mit der Liebkosung: Verräter am Haus- besitz bedenkt. Die Sozialdemokratie hit vor der Wahl dieser Art Hausbesitzer das Nötige gesagt und wird ihnen auch weiter die Wahrheit sagen. Die Deutschnationalen, in deren Reihen neben vielen Haus- und Grundbesitzern auch Vertreter der Vodenresorm. der Siedlung, der Heimstätten und de/- Mieterschutzes sitzen, werden in Zukunft vielleicht doch etwas vorsichtiger mit dem Werfen von Steinen sein, wenn sie daran denken, daß sie im Glashaus sitzen. Bürsermeifiez- Kohl vom Amt suspendieft. Der Herr Oberpräsident ha, durch Beschluß vom 16. November gegen den Vorsitzenden des Bezirksamts Köpenick Bürgermeistc» Kohl die Einleitung des Disziplinarverfahrens und die Amts- j u s p e n s i o n verfügt. Brutalität eines Zahnarztes. Oie iote Geliebte aufs Feld geworfen. Düsseldors. 19. November.(Eigenbericht.) vor dem erweiterten Schöfsengcricht in Düsseldorf fand am Dienstag der Prozeß gegen den Zahnarzt Mohr aus Barmen statt. Mohr wurde zur Last gelegt. in der kalten regnerischen Winternacht zum Z. Dezember 1928 eine kranke, hilf. lose paiientin. Fräulein(Emmi Welker ans Barmen, zu der er anscheinend in näheren Beziehungen gestanden halle, in de- finnungslosem Zustand auf einem Feldweg auf einer höhe bei Ohligs ansgeseht und ihrem Schicksal überlasten zu haben. Der Beihilfe zu dieser Aussetzung waren angeklagt die Ehe- srau Anna Hildebrandt aus Barmen und der Taxichauffeur August Alberty aus Düsseldorf. Nach Verlesung der Anklage schildert Mohr, wie Emmi Weiter ihn unter dem Namen Emmi Kohchaim in seiner Praxis zur Anfertigung einer Goldbrücke auf- gesucht habe. Als er am Abend des 1. Dezember niit der Frau des Anstreiehermeisters Hildebrandt aus Bannen in seiner Praxis in Düsseldorf anlangte, habe er die Emmi Welker vor dem Gas- ofen betäubt liegend aufgefunden. Die Gashähne seien ge- öffnet und die Schlüssellöcher verstopft gewesen. Er habe Wiederbelebungsversuche gemacht. Der Vorsitzende vcilas dann den Abschiedsbrief der Emmi Weiter an Mohr, den Mohr in seiner Praxis vorfand. Es ist der Brief einer Geliebten an den Geliebten. Die engen Beziehungen zwischen beiden gehen aus ihm hervor. Sie glaubte, von ihm nicht inehr geliebt zu werden und wolle von ihm scheiden. Der Angeklagte schildert weiter, wie er am Abend des 1. Dezember nach Auffinden der Wecker verwirrt gewesen sei. Er habe die Emmi Weiter dann auf die nebenan liegende Toilete gebracht und vom Bahnhof eine Autotaxe gehott. Der Chmifseur Albertt) hätte die Weiter in den Wagen getragen und sei nach Barmen gefahren, um die Emmi Weiter angeblich zu ihrer Muter zu bringen. An den Vorgong der Aussetzung der Weiter will stch Mohr nicht mehr besinnen können. Seit 1912 habe er eine Gehirnsyphilis und sein Gedächnis sei geschwächt. Er habe den festen Vorsatz gehobt, die Wecker nach Barmen zu bringen. Die Mitangeklagte Hildebrandt sagt aus, Dr. Mohr habe ihr auf der Fahrt schon gesagt, daß, wenn die Emmi Weiter zu Hause nicht aufgenommen würde, er sie draußen aussetzen wolle. Staatsanwalt Dr. Hostmann streifte noch einmal die ganze Beweisaufnahme und wies dabei auf die unerhörte Roheit hin, mit der Mohr die Emmy Weiler in der lallen regnerischen Winternacht auf die Strohe gesetzt habe. Der Mitangeklagte Alberty hätte, als er die Aussetzung beohachtet«, gleich erklären mästen, daß er das nicht weiter mitmache. Der Staatsanwalt beantragte gegen Mohr 2K Jahre Gefängnis. Nach dreiviertelstündiger Beratung verkündete das Gericht das Urteil: Zahnarzt Dr. Mohr wird kostenlos freigesprochen. In der Begründung des Freispruchs von Dr. Mohr führte der Vorsitzende u. a. folgendes aus: Die Freisprechung mußte aus Rechtsgründen erfolgen, weil zweifelsfrei durch das ärztliche Gutachten festgestellt ist, daß die Emmy Weiler, alz sie von dein Angeklagten ausgesetzt wurde,«in nicht mehr zu rettender Todes- tandidot war. Das Gericht ist stch darüber völlig klar, daß ein« Tat, wie die vorliegende, wenn sie ungesühnt bleibt, ein durch- aus unbefriedigendes Rechtsgefühl hinterläßt. Aber hier besteht zugunsten des Angeklagten eine Lücke im Gesetz. Ver- suchte Aussetzung kann nach den gegenwärtig geltenden Strafgesetzen nicht bestraft werden. Das Gericht hat weiter geprüft, ob der Angc- klagte aus irgendeinem anderen rechtlichen Gesichtspunkt bestraft werden könnte. Als solcher ergibt sich ohne Zweifel die einfache Körperverletzung. Aber auch hier Hot der Angeklagte Glück, denn eine einfache Körperverletzung ist nach dem Straf- geseg nur strafbor, wenn ein Strofantrag gestellt wird, und den konnte die tote Weiter natürlich nicht stellen. Die Freisprechung des Angeklagten Mohr hatte auch die Frei- sprechung der Frau Hildebrand und Albsrtys zur Folg«. M. Ein guter Rat- denn die Möglich-' keit, durch einen Kauf bei uns viel Geld zu sparen, ist gleich groß für Herren wie für Damen. Unsere Preise für moderne, vollwertige Kleidung für Mann und Frau, für Groß und Klein, befinden sich jetzt auf einem beispiellos niedrigen Niveau, Gute Kleidung überhaupt für derartige Preise kaufen können, wird für viele eine unverhoffte, aber um so freudigere Ueberraschung bedeuten. 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Achtun«. lZeitunnslommillion! Donner'-an. 21 Nonem. J;£ udr, roidilioc Siüun« aller Mitaliedcr der Zeiinnaskommlssion des Krejlcs in der Narwarisfnediiion, Bilhelmsliavener Eir. IS. heule, Millwoch sVußkag), Zl>. Ziovember. **' f!?h SchwerdSris,?. is Uhr Miilllicd-rnersammwnq im Jnacndheir, Linden- ! m.?." Trenne.„A-iuelle„eliiisch- Taqc.iraaen". Re. Scrdcironn._ illlc Genossinnen und Senoflen somie„Vor- r, Snmi'athiliercndc sind dazu cinacladcn. ? V.1 I1"5 ttt®»inner Pariciaenosseu: 2» Udr. S-estanrant K-abe. Äandicrnsirane, Aussvracheabend mit den älteren Parteiaenossen. Ei». leitendes teeferat des idennssen-srin Echreibcrt..Was fordert die Iuaend cTnBcIa&'if':aac iilleren interessierten Parteigenossen sind herrlichst Morgen, Donnerstag, 21. November. n™L 1° aunerordeniliche �unktionärsiduna Wertalla. Lohenlohc. ?äi. � �t Wahl' Srichemen aller drinaend nä'ia. fä�nen Mer ist Wich?' �""""lir. 1«. Funktionärsisiung. Cr- �«res,«re-,»«-». Gnppt«filmen;-Zreita», 22. Zlonembee. lg aht, trtffen trtc uns im Jugendheim Porckstr. 11(Becher mi bringen) zum Frauenabend der 39. Abteilung. ßtel* NcutrUn: Tonnerstag, 21. November. 2D Uhr, Baracke(�anghofer. strane. Helfcrkursus des Kreises. Es ist Pflicht, dasi jeder Helfer daran teil- nimmt. Ausjerdem wird erinnert, dcR die Meldung für den Wochenendkursus in Soffen von einigen Gruppen noch an den Kreislciter einzureichen ist. Kreis Neinickendorf: Es wird gebeten, die Meldungen für Soffen von den Gruppen Neinickendorf-West und Freie Scholle sofort zur Lindenstraße zu geben. l Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 29. Abt. Am Eonnobend. 16. November, oerstarb vlöhlich infolge eines Herzschlages unffr langlähriger Genosse-Otto Hell im Alter von 10 Iahreu. Ehre seinem Andenken! Beerdigung am Donnerstag. 21. November, 16 Uhr, au; dem Bartholomäus-Friedhof in Weißen see, Falbcnbcrger Weg. Wir bitten i m rege Beteiligung 33. Abt. Unser Genosse Richard.? i l l i e s ist am 16. November ver, starben im Alter von 60 Iahren. Ehre seinem Andenken? Einäscherung am Freitag, 22. November. 13'/ 2 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Wir bitten um rege Beteiligunq. 36. Abt. Ebarlottenburo. Am 16. November verstarb unser Genosse Her- I mann Milde, Rbnnestr. 20. Ehre seinem Andenken? Beeidigung am l Donnerstag, 21. November, 16' i Uhr, auf dem Friedhof in Stahnsdorf. Wir ! bitten um rege Beteiligung. Freitag. 22. November. m-?ö» Trc»!»». l»-, Uhr im Lokal Clseneck.«iefhos,. ecke Elsensiraße. QVObc Funktlonarntzung. Frauenveransiailungen. S' November. Mhruna durch das Institut von ?r, Magnus virichfeld. In den Zelten Ist, Treffpunkt psinkistch 20 Uhr vor dem«npana. Eintritt ZV Pf, t?lr. Abt. Etrasie «r--»"». niDDcrnocr, ni'- aar. rinoct NIM Lindenftr. 4. sondern in der Juristischen Sprechstunde. Lindenstr. Z, 1. Los links, siatt. Die Kinderfreundc haben ihre Mit» mintuna Zuaeiaat. Ansprache der Genossin Knauer. Enmpathincrcnde und besonders emacladen. � Ph Donncrslaa. 21. Pooember, 191 J Uhr, bei Becker, Chaussee. itraße 97. Funk ionarinnensshung. 120. Abt. Grünau. Frei lag. 22. November. Ist'.a Uhr. bei Werner. Köpenicker Raible..Elgenuntcrnehmungen der Arbeiterschaft". Referent Georg Bezirksausschuß für Zlrbeilerwohifahrt. Prenzlauer»er«. Donnerotaa. 21. November, Eihuna und Aklrnausaabc pünktlich 19».- Uhr im Pezirksamt, Zimmer zv. Zungsoziaiistcn. ä�.®ttbtlkziri Westen: Rrcitaa, 32. November, 1914 Uhr. im Iupendheim Schdneberg, Hauptstr. 1o. Werbebezirksversammlung. Gntppe Friedrichshain: Donnerstag. 21. November. IS'S Uhr. im Jugend- heim Tilsster Str 4. Thema:„Geschichte des Arbeitsrechts". Referent Genosse Mardus. Interessierte Genossen und SAI.-Mitglieder sind herzlichst eingeladen. Arbeitsgemeinschaft der Ninderfreunde Groß-Berlim Di« Ibreis« werden aebeien. die Traaeboacn über die Bezirhunaen zur SAI >md dl« Maldunarn für Zossen uinaehend einzusenden.— Weaen der-fahrt ?nm Wochenendiursus solaen noch Anaaben über Tresspunkt und Abiahrtzeit' im„Borworts I � Kreis Mitte: Donnerstaa, 21. Novenlbcr, 20 Uhr. Sruppenleitersisiuna im Werkraum der Schule Köpenicker Str. l2i. Kreis Prenzlauer Bcra und Weisirnic«: Donnerstaa, 21. November. 20 Ubr. Tanziaer Str. 02. Arbeitsabcnd der lsclser. M ! LozialjfijscheArbeiterjugendGr.-Verlm I Einsendungen lür diese Rubrik nur an das Ivgendsekretaria» I Äerlin<53568. Qndenstraße 3 Dand?rlciterkznserenz morgen. Donnerstag, pünktlich 20 Uhr. im Vortrags- faal des P.-V., Lindenstr. 3, 2. Hof, 2 Tr. links. Lichtbildervortrag des Ge- nassen Münkle über„Landschaftsformung der Mark Brandenburg". Alle Zstanderleiler uiüssen erscheinen. Politischer Informationeabenh Montag, 23. November, pünktlich 191A Uhr. im Zeichen saol der Schule Kochstr. 13. Vortrag des Genossen Ufcrmann über ..eas Reparationsproblem"(Pounq-Plan). Alle älteren Genossen müssen er- scheinen. heute, Mittwoch: Marieudorf: Alte E'bule. Dorfstr. 7: Vortragsabend. Tempelhof: Heim Germaniastr. 1— 6: Heimabend.— Friedrichshagen: Heim Friedrichstr. 87: j Voltstanzabend.— Lankwitz: 7'? Uhr Bhf. Lichterfelde-Oss Treffpunkt zur i Fahrt.—' Norden: Fahrt. Treffpunkt 1.28 Uhr Bhf. Gesundbrunnen. LSG. Neukölln: Schnitzeljagd. Treffpunkt 7.23 Uhr U-Bahn Rathaus Neu- � tölln. 43 Pf. Morgen, Donnerstag. 19'/- Uhr: Zsallploh l: Schule Sonnenburaer Str. 20;„Bei uns knallt's, Nevolution ; überall".— Kobenschöuhaulen: Bnsiiaasfeier bei Kaiser, Dinaelsiedier Sir, 11» - snlcht bei Eperlichl.— Nordost II: Keim Danziaer Sir. 02:„Iunaproleiariat : und öetualfraae".—««bö» Häuser Vorstadt: Schule Sonnenbnracr Str, 20: . Kampfliederabend, Instrumente und Liederierte milbrinaen,-- Kallesches Tor: l Leim Z!or-;sir, II:„Die Gemeinscha» in der SAI."- Sfpenicker Viertel: Schule Wronnelstr. 120:„Taaespoliiische Traaen",— Südwest: Keim Linden. ftrall, Z;„Literatur der �kuslutisn",- Friedenau: Schule Öksenbacher Str, öo: „Berliner Kunior".— Westend: Keim aus dem Sporiplah Westend;„Sexuelle Tragen",— Wilmersdors: Heim Wilhelmsaue 123:„Das Ergebnis der Wohl und leine voraussichtlichen Folaen".— Dahlem, R. F.:„Untere Richtlinien für die Rvte-Talie». Arbeit".— sieblcndorf: Nordschule, Potsdamer Str, S-7: „Lernen, älaita'ian und Aftioität"— Wittenau: Leim Nostnlhaler Str, 13: „All Berliner ßi-rnor". Beebebeziek Reinickendorf: Keim in Teael. Bahnhofsir, 13: Iortsesiuna des Pildunaekurfus. 4, Renn««. 1. Slrlz«« TV7. 2. vfirl». 8. Tarnevattta. Toio: 74:10. Platz: 16, 13, 14:10. gernerliefen: Eiche, Hazard, atdotttm, Houblon(agh,', Anis Errcint, Sif.Hif, Begonie, 5. Rennen, 1. Tculoboofl« n a s s e n; chos l Verlin und Umgegend, Berlin S., O r a n i« n st r o ß e 16 4/165, im ersten vollen Bs- tric-bsjahr auf. Di« mehr als 7600 Quadratmeter umfassende Nutzfläche ist heute schon als unzureichend zu bezeichnen, weshalb die angrenzenden süiif Grundstücke erworben und zum Niederrih be- stimmt wurden, um einem mächtigen Erweiterungsbau zu weichen. Teilweis« werden die dort oorbandenen Räume jedoch vorübergehend noch einem anderen Zweck dienstbar gemacht: Die KGB, hat in dem srülzer städtischen Gebäude, L u i s e n u f e r, Ecke O r a n i« n- st r a ß e, in die zweite Etage die«pielwareuausstcllung des Warenhauses I verlegt, die bis zu Weihnachten viele Tausenä« von Genossensäzastzkindern und auch Erwachsenen anlocken wird. Ach große Hausmodelle, ein Riefemnodell des Warenhauses I, ein Baucrngehö't(alles erleuchtet), Karussell, russisch Schaukel, Spe-ial!tätenlheater, eine Rech beweglichr Tiergruppen, eine Nordpollondschaft mit Licht eiiekten u, o, rusen die Bewunderung der Besuchr hervor. Es wird nur wenige Konsumgenoslenfchfts- Mitglieder geben, die versäumen, diese gelungene Zlusstellung ihrer Genossenschaft in Augenschein zu nehmen Sport. Rennen zu Skrausberg am Diensiag, dem IS. Rovcmbcr. l. R c n n e n, 1, BaraSdin sHauser), 2. Parahenia, 3. Grllettckien, Toto: 19: 10. Platz: 12. 16,21:10, Ferner Uesen: �cbade, Lonboniiirrr, Slurmbraut, Tienherz, Mahn. Slori. Mäander, 2, Rennen. 1. Panier lSolssi, 2. Ledom, 3. Örläudcim. Toto: 31: 10, Drei liefen. 3. R e n n e n. 1. Gilde sCaaidl), 2. Senouisi, 3. Heiliger Narr. Toto: '25:10. Platz: 13, 12:10. Ferner liefen: Nordsee, Serben. Geselle. 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Die Einäscherung hat bereit» statt- gefunden. Ehre ihrem Tudenkea! Die Orfsoettoallting. j die Wurzel ahen üebe!»!... vas sfehsie hier bei Rentier Pohl, das Bett zu kurz und dann die Fülje nicht mal gepf'e�t mit„Lebewohl"*. *) Gemeint ist natürlich das herühmie, von vie cn Aerztei i empfohlene HüI-.nerBu»cn> Lebewohl und Lebewohl! Bäuerisch eiben, B echidose(« Pffas er) Pfg.. Lebewohl- 1 Fußbad gegen emp Indliohe!:üße und Fu�scmvelß, Schach-' tel(2. Bäder) 50 Pt?.. erhaltlich in Apotheken und Drogerien| Wenn Sie keine Enfäuschungen eriehen wollen, verlangen I Sie ausdrücklich das echte Lebewohl In Blechdosen und) weisen andere, angeblich„ebenso gute*4 Mittel zurück Ani 1*. Xuvembcr vcrscliied nach kurzer -chwcior Krankheit unerwartet unser i'rokm ist Herr MSS KltCilWBH Wir verlieren in dem Entschlafenen einen lieben Freaud. dessen pflichtfrener und eufri'chtiffer Charakter ihm ein ehrendes Andenken sichert. 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Varalalluna. halb« Fralw 8 Uhr; DllßtdS* Ufc,: BiPW*iir" Komzen Dajos B6!a -so VolKsbünne rmitir am Sllovplali 8 Uhr Gesftl. VorsiellB. der Volk sftonne E.V. Slaatl�Aillsr-Th- 8 Uhr Peer Gynl Staaisoper an Plan der HepuBUH 8 Uhr Iphigenie auf Tauris Theater am SdililBaucrdaiiim SV. Uhr Pennäler 0.1. Norden 12310 heute geschlossene vorsteiung Kammerspiele O.l. Norden 12 310 Heute geschlossene Vorstellung Lessing-Theater Norden Iü8«i Grnppe(nnger Scfaaiupleler Täglich 8'/» Uhr CyanHali Heotc 4 Uht Märchenvorst Hans unan gont nach Brot Die Komödie |I BisnicK.24M/7516 Auch heute, Bußtag 8 Vi Uhr Vom Teufel geholt von Knut Hamsum Regle: Max Reinhardt Tb. a. HoliEndDrlplatz Vorvk. 10-2. KI 2001 Täglich 8>ii Uhr Gastspltl des Seotsdiea TDaaitn i Fttiniaiit Ragie: Ha» Reiahirlt. Luslspieihaus Heute, Bußtag 8 Vi Uhr Die Siebzehnjährigen ROSE -THEATER"iAffSF Teteph.: Alexander 3422 u. 3 9t n«wdo 6 uhr P Jugend 9 uhr Jugend Am 21. und 22 November 1929 8.15 Uhr Dieieichteüsabeii Am 23. November 1929 5 Uhr Freu Holle s.isuhrP Pariser Blut Am 24. November 1929 f, uhr Pariser Blut i uhr Pariser Blut Baniowsky-EBbRCR ThHtsr in der KOnlggritier StraO» Bußtag 8'h Uhr Die erste mrs. Selby Komödicnhau« Heute, Bußtag 8>/, Uhr Rivalen Planetariaiii —— am Zoo GtUt». Indtimlhilv StnSi 8.5 BarBaro$sa557f 16V« Uhr Horbtt- abende am Sternen. tlllBBIBl ISV« Uhr Utael der Sternenllcntea 20';. Uhr Bta an dit Grenzen der Welt Eintritt I Mark, Kinder SO Pt. Mittwochs halbe Kassenpreise. Kleines Tbeat. Merkur 1624 Beolg gBstfdDiseal Morgen, Donnerstag 8 Uhr Premiere Das Parfüm meiner Frau Direktion >r. Robert Klein Deutsehes KDnstler-Tbeal Barbarossa 3937 *«8 Uhr Ende 11.10 Uht Seltsames Zvismensple Rtjli: Iiiat Rilpirl WM Theater 9önhoffI70 8V« U Die anders Seite Regie: Heinz Hilpert Preise 0.50—12 M Metropol- Iii. 8V. Uhr Lebär dirigiert Das Und des Lächelns Vera Schwarz, Richard Tauber Z •ntrai- Theater Heute, Bußtag 8'« Eismallgs luffUnigg Heimat von Sudermann. 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Beratung und Festlegung de» Voran- Ichloge» sllr da» Rechnungsjahr 193». 3 Wahl de» Rechnungsauvschulsc« fllr die Priiiung der Rechnung de» Jahre» 1029. t Sagungollitderung. ä. Verschiedene». Berlin, den 20. Rovemder>020. Der Vorstand Fr. Meerodoch, Vorsitzender. S- T h r N ch. SchrislsUhrer. '..*«18* MONATSRATEN / Watchiamt-Klcid hübsche Glockcnform, viele Farben................... Stück BEI Uli) Kleid Mantelstoff ca. 140 cm breit, gut« Qnahttt, Meter BEiüMJ Herren» Socken reine Wolle, gestrickt oder gute Jacqnardaocken........... Paar Bei utd Selbrtbinder breite Form.............. Stück BEilMS . Vcloutinc, kleidsame Glockenform................... Stück Kleidersamt florteste Qnal., schöne Färb, Mtr. .. WTZ ffemdeben Baumwolle, fein gewirkt, Stück Tischdecke gewebt, doppelseitig zn decken, gute Qualitätsware, aparte Aus- mnsternng, ca. 120,150 cm 3,65 ca. 120/120 cm............ Stück Pullover Wolle mit Kunstseide, schöne Farbenmusterung......... 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Tausendfach wurde wiederholt, das?, sosern hierbei ein Verbrechen zu ahnden ist, nicht die„schuldigen Mütter", nicht ihre vorgebildeten und unvorge- bildeten Helfer anzuklagen sind, sondern grenzenlos« Not der Ehe- frauen, mittelalterliche Aersehmung der Unverheirateten, nicht minder mittelalterliche Belampsung der Ausklärung und der allgemeinen Kenntnis der Empfängnisverhütung. Seit d'« Sozialdemokratie im Reichstag verstärkten Einfluß in die Wagschale werfen kann, seit die ihr angehörenden Parlo.mcntarierinnen an der Gesetzgebung mitarbeiten, wurde nichts unoersucht gelassen um bei der Neugc- staltung des Strafgesetzbuches die harten Bestiimnungen, gegen die weite Kreise der Oesfcntlichkeit längst Sturm laufen, zu beseitigen. Leider vergeblich: die KZ 218 und 219 sollen als KZ I5A und 154 Auferstehung feiern. Ilse Reiches Roman»Das größere Erbarmen" (Eigcnbrötler'Verlag, Berlin), dem Thema der Vernichtung keimen- den Ledens gewidmet, wird von Frauen aller Kreile mit Interesse gelesen werden. Cr wird auch eindringlich dort sprechen, wo man an politischen und sozialpolitischen Schriften vorbeigeht. „Dein Körper gehört dir," ruft Viktor M a r- g u e r i r c den Frauen zu, und schleudert seinen Kampsruf gegen die althergebrachte Sklaverei der Zwangsmutterschast. Ilse Reiches Buch ist keine derartige Kampffanfare: dazu ist die Einstellung der Verfasserin viel zu sehr getragen von der Freude am Kind, der Be- jahung der Mutterschaft, die sie als größtes und bezliichendstes Erlebnis des Weibes ansieht. Aber gerade weil das Vuch nicht aus einer bestimmten Theorie, nicht aus einer Zluflehnung um der größeren Freiheit der Frau willen geschaffen wurde, sondern einfach erzählt, die Grausam- keit des Lebens an Zllltagsfällen beleuchtet, den Zwang zur Ver- nichtung der Ungcborenen unter den herrschenden Zuständen schildert, wirkt es überzeugend. Mutterschicksale ziehen an uns vorüber, hoffnungslos, verzweifelt und doch nur Tragödien, die sich Tag um Tag abspielen. Da ist die überlastete Portiersrou, die mit ihrem Mann zugleich den Kohlen- keller versieht. Sie will den starken, stattlichen Mann, an dem sie hängt, durch die fortschreitenden Jahre nicht verlieren an irgend- ein, der jungen Mädels, die ihm schön« Augen machen. Rein— sie kann und will sich ihm nicht versagen und da der unerwünschte Mutterfegen sich.zu oft wiederholt, greift sie zur Zlbtreibung. Der Arzt darf ihr nicht helfen— Pfuscherhilfe bringt ihr qualvolles Ende. Da ist ihr« Aelteste, kaum dem Kindesaster entwachsen, in ihrer ersten Stellung verführt vom Dienftherrn. Nun ist ihr ganzes Leben zerstört, auch die Che mit einem Jugendfreund. Vor dem drohenden Schicksal ihrer Mutter rettet sie nur ein« klug«, sozial denkende mütterliche Frau, die ihr die Möglichkeit der Geheim- Haltung verschafft und dos unerwünschte Kind zum Glück einer Kinderlosen werden läßt. Da ist die tragische Gestalt der Frau des Mittelstandes, deren Mann— Philologe, Lehrer— frommer Katholik, jede Geburten- regelung ablehnt. Unter dem Druck der rasch zunehmenden Kinder- zahl verelendet dos anfangs glücklich« Heim, erlahmt die Kraft der Frau, kann der lungenkrank geworden« Mann nicht genesen. Sei» Tod macht die Witwe sehend, sie sagt sich los vom starren, grau- samen Kirchendogma, das nicht Leben schützte, sondern zerstörte: „Dje Kirche hat kein Erbarmen gekannt mit mir,— mit meinen Kindern, mit meinem armen Mann— er starb an den zu vielen Kindern, sie nahmen ihm die Luft in unseren Stuben, er arbeitete sich zuschanden, um Brot zu schaffen, aber wir mußten immer mehr Kinder haben, weil die Kirch« es befahl. Die Kirche hat mir meinen Friede! gemordet!" Im Mittelpunkt der Erzählung steht ein« Aerzttn, eine blühende Mutter und warmherzig« Frau, die ihr Beruf mit Leid und Kon- flikten in Berührung bringt. Dennoch steigert sich ihr Erleben erst zu unerträglicher Seelenqual, als sie eine Kollegin im Proletarier- viertel der Großstadt vertritt. Sie fühlt chre Ohnmacht gegenüber „finsteren Stuben, durch deren vvrhonglos« Fenster nie ein Licht- strahl sich den Weg bahnt", überfüllten Behausungen, wo Kinder- oiigen Tag und Nacht Grauen vor sich sehen, Kellerlöchern mit Ilnaezieser und Mänlen,„wo die Schwindsucht wächst wie geiles Kellerkraut, wo die Kinder verdorren und Mütter doch immer wie- der neues Leben unter dem siechen Herzen trogen". Ständig hört sie den Berzweislungsrus:„Nehmen Sie mir's doch weg. ich schasse es nicht mehr, ich gehe drauf!", und von Zeit zu Zeit wird auf dem Müll die Leiche eines Neugeborenen gesunden.— Behausungen, wie zum Spott„Heim" genannt, wo von den Geborenen nur wenige am Leben bleiben, wo Blutschande und Verbrechen, Prostitution und Qual aus der Not emponvuchern. Vor ihr steht die Mission der Frau, gegen die Qual der Masten anzukämpfen— steht die Erkenntnis, daß Kinder, die ins Loben treten. Land, Luft, Sonne brauchen! Neben düsteren Bildern zeigt uns das Buch reiche, müßige Frauen,— auch sie nicht glücklich, unbesriedigt, in einem hohlen Gesellschofts-dasein, und dennoch die Kinderzahl beschränkend— aus Luxusgründen. „Das größere Erbarmen" ist kein Bekenntnis zur Revolution, es rüttelt weder an den Grundfesten unserer Gesell- schast noch selbst an denen der heutigen Ehe— aber es ist ein mutiges, offenes Buch, das mit dazu beitragen will, die Frau vom Fluche ungewollter Mutterschaft zu erlösen. ITlax SSeniardi: 3)ie Sprengkammern von Der Telegraph vermocht« das unwahrscheinlich lange Ausbleiben des k. u. k. Hofzuges auch nicht zu klären Kaiser Karl war von Przemysl bereits abgefahren und sollt« fahrplanmäßig seit zwei Stunden in Lemberg eintreffen. Natürlich zog man den starken Schneesall in Betracht, auch die äußerste Vorsicht der Lokomotive, die stellenweise selbst Schritt fuhr, wenn ihr Kommandant, Sektions- chef Hast, Gefahr witterte. Indessen harrte man in eisiger Kälte aus dem Lemberger Bahnsteig. Nacht brach schon herein. In den Wartesälen und Gängen lagen tornisterbepackt, tormüde Soldaten in schwerem Schlaf. Zwischendurch huschten Bahnbeamte mit Vlendlaternen, Detektive, Zuckerwcrk handelnide alte Weiber, elegant« Zivilisten und ab und zu ein paar sporenklirrend«, höhere Generalstabsoffiziere. Man wartete, wartete, wartete, wie man es eben in Ait-Oesterreich, und im Kriege überhaupt, gelernt hatte. Knapp hinter der Festung Przer.'.ysl ist im Bahndamm ein Durchlaß eingebaut. Keine Seele weiß, wozu der sauber betonierte Unterbau plötzlich den Bahndamm unterbricht E? führt weder ein« Straße noch ein Flüßchen unter dem Gleisstrang durch. In der Festung selbst, die nach ihrer Wiedercroberung von Grund aus renoviert wurde, weiß man es aber gqnz genau. Auf den Plänen der Genie-Offizicrc verzeichnet das Viadukt im Bahnkörper eine Sprengkammer. Die dicken Beronmauern schließen einig« Kilo- gramm Ekrasit ein, die durch eine elektrische Fernzündung zur Ex- plosion gebracht werden können. Kaiser Karl verzichtete bei seiner Durchreise aus eine Besichtigung der Forts von Przimyfl. Man war darüber nicht böse, ab- wohl man gar nichts gegen die Person des Herrschers, der ein liebenswürdiger, harmloser Meirich war, einzuwenden hotte. Im Gegenteil, man sorgte sich um fein Wohl, auf feiner stets wechseln- den Umgebung lastet« d!« Verantwortung für das Leben des Kaisers zentnerschwer. Seine Majestät bqgniigte sich, auf dem Przemysler Bahnhos eine kurze Parade ab- und hierauf mit den Spitzen der Behörden einen, kleinen Imbiß einzunehmen Bei dieser Gelegen- heit machte sich der dicke Fürll Lobkomitz. der treue Reisebegleiter Kaiser Karls, an den Feftungskommandanten heran. „Exzellenz, du weißt, in einer Holben Stunde passieren mir deine» Viadukt!" Er drahte dein Feldzeugmeister scherzhaft mit dem Finger, der über diese unerwartet« Wissenschaft des Fürsten höchst erstaunt war. Alsbald litt es den alten Haudegen nicht mehr an der Tafel. Er verschPand und lief spornstreichs in die Kafe- matten, um die elektrische Fernzündung zur Sprengkammer LEX IV persönlich zu überwachen. Auch Sektionschef Hast wiegte bedenklich den Kopf, lieber ein Pulverfaß zu sahre», war ein blöder Witz. Wer wußte, eine stärker« Erschütterung und die.Höllenmaschine ging von selbst los. Oder irgend jcinand drückte dennoch aqf den elektrischen Kr.ops— mög- licherweise sogar ganz unabsichtlich. Nach einigem Hin und Her, ob man die Reise nach Lemberg nicht doch lieber im mitgeiührten Auto fortsetzen sollte, enischloß man sich, dem Kaiser von der drohen- den Zone in Kenntnis zu setzen. Man durfte ihm so ein« Gefahr nicht vorenthalten. „Da schau h-r," sagte der Kaiser erstaunt, nachdem er sich die Besorgnisse seiner Getreuen zweimal interessiert wiederholen ließ, „die alt« Exzellenz, aus was für Finessen sie doch kommi!" Seine Masestäl wußte die Beweggründe der Unterbringung dieser Spreng- ladung unbedingt zu schätzen, daß st« seinem Hofzug aber geföhr- lich werden könnte, glaubte er denn doch nicht. „Na, na, anspannen, Hast, mit dem Viadukt � wird schon nix passieren!" Wie recht der Kaiser mit seinen Wonen behielt, sollte er leider nie erfahren. Während sich nämlich sein Zug vorsichtig dem taktischen Durchlaß näherte, mühten sich dort im Schutze der Dämmerung attentäterische Hände. Man hat es nie herausbe- kommen, von wem die ruchlose Tat ihren Ausgang nahm und wer überhaupt der Attentäter war, der den Hofzug und sich selbst kaltblütig in die Luft sprengen wollte. Man hat auch gar nicht nachgeforscht. Seine Exzellenz, der Herr Festungskommandant, wurde aber halb vom Schlage gerührt, als im Schaltwerk der elektrischen Fernzündungen, das er in der Tot leibhaftig überwachte, eine Sicherung mit Funkenblitz herausgeschleudert wurde. In der nächsten Sekunde jagte der Herr General mit noch zwei Ordonnanzoffizieren zu Pferde nach der Sprengkammer LEX IV, dem Viadukt. Beim Scheine einer Fackel bestätigte sich der Herren Vermutung: das Kabel unter dem Durchlaß war aus seinem Bett gewühlt und zer- schnitten. Der provozierte Kurzschluß natürlich just in dem Augen- blick, da Sektionschcs Hast den Hoszug im Schneckentempo über die Sprengkammer steuerte. „Sehen Sie, meine Herren," sagte der Feldzeugmeister feier- lich,„man kann nie vorsichtig genug sein. Hätte ich damals in diesem Lande des Verrates statt Ziegelsteine Dynamit einbauen lasten, dann hätten wir jetzt eine schöne Bescherung.. Aber auch der Bahnhof Lemberg erlebte noch kurz vor dem Eintreffen Karls eine kleine Sensation. Als nämlich der Hofzug schon überfällig war— er steckte bei Sadowa-Wisznia 2 Vi Stunden im Schnee— durchbrach eine bekannte Lemberg«? Kabarettküustlerin den Kordon und schrie, sich wie wohnsinnig gebärdend, gellend über den Bahnsteig:„Oj Ladoga! der Kaiser ist in die Luft gesprengt!" Die Aermste, die wahrscheinlich durch das aufregende, lange Warten einen Nervenzusammenbruch erlitten halte, wurde natür- lich so lange eingesperrt gehalten, bis die inzwischen angelangte Majestät der Stadt Lemberg unangefochten im Auw wieder den Rücken kehrte. Wenn die österreichisch-polmsche Staats- und Kriminalpolizei damals gewollt hätte, so würde sie vielleicht über die l- Spur dieser Dame und im Zusammenhang jmt dem zur selben Stunde erfolgten Freitod des LeutnoiHff O. in einem Freudeuhemse zu einem genauen Festungsplon von Przemysl und ihren geheimen Sprengkammern gelangt jein— aber damals war ja sowieso schon alles egal... £lfe Signer-SteW: Arno Mols/ Muri Sisner Im Jahre 1913 ging durch die sozialistische Presse ein litera- rischcr Artikel von Kurt Eisner über Arno Holz' damals neuestes dramatisches Werk„Jgnorabimus". das in der bürgerlichen Welt keinen Widerhall fand, weshalb Eisner eine Würdigung dieses Dichterwerkes„Weckruf" nannte. Weckruf für den Dichter sowohl wie für seine Dichtung. Eisner schrieb: Arno Holz' Jgnorabimus ist die geistig reichste und drama- tisch glühendste Dichtung der deutschen Literatur»nsercr Zeit. E- ist die einzige Tragödie der Wissenscliast. die bisher geschaffen ist. Ich kenne kein Drama, in dem die Rätsel dieser Menschenwelt mit schweren Geisterhänden so wesenhqft. so rationalistisch erwiesen und doch so dämonisch auslösend an die leichtbcweglichcn Pforten I gewohnten Denkens und Fühlens klopfen. Und es rinnt zugleich � heißestes Theaterblut durch dieses Drama der Erkenntnis. Die [ spiritistische Sitzung, das magisch slackernde unendlich zarte Liebes- gefpräch vor dem Tode und viele andere Szenen und Bilder würdcn auch äußerliche Bühnenwirkung nicht versagen. Hat man, so fragt Eisner am Schluß, nur für die mythischen Perückenhelden der Götterdämmerung fünf Stunden Geduld und vermag man nicht dem gedankenvollen Schicksalsringen von Menscycn unserer Zeit, der grüblerischen Seelcnmusik unserer Qualen und Sehnsüchte sich hinzugeben? Dieses seltene Verständnis eines sozialistischen Kritikers veran- laßt« im Jahre 1915 Arno Holz, sich an Eisner zu wenden, ihm behilflich zu sein, sein Werk unterzubringen. Eisner wandte sich an den alten verdienten sozialistischen Derleger I. H. W. Dietz in Stuttgart, jedoch ohne Erfolg. Er war zu alt und hatte nicht mehr den Mut,«ine so außerordentliche Dichtung, die zudem den Rahmen seiner sonstigen Bcrlagswerke sprengte, zu verlegen. Daher ist es eine befriedigende Genugtuung, daß dann später der Parteiverlag I. H. W. Dietz in Berlin ohne Borwissen j-ncr ersten Versuche seine sozialistische Pflicht diesem sozialen und auch sozial schwer ringenden Kämpfer und Dichter gegenüber erfüllte, sein Gesamtwerk herauszugeben, nachdem die bürgerliche Welt dem erfolgreicheren Schüler Arno Holz' Gerhart Hauptmann, olle Schien- sen zu Ruhm und materieller Sicherheit geöffnet hatte. Der ergreifende Brief von Arno Holz vom 21. Juni 1915 an Kurt Eisner lautet: „Da Sie einer der ganz Wenigen sind, die in Deutschland sür mich eintreten: aus den beiden Anlagen, die ich von Ihrer Güte zurückerbitte, wollen Sie ersehen, wie es mir im Moment geht. Ich schreibe„im Moment", obgleich dieser„Moment" eigentlich nun schon länger als 30 Jahr« dauert! Aber er hat jetzt so ziemlich seinen Siedegrad erreicht. Vielleicht, daß es Ihren Beziehungen möglich wäre, mir zu Helsen.„Das Land Goethes 1915." Ich erhalte eben das betreffende Zirkular, das Sie wahcschein- lich auch erhalten haben werden, und lache— lache bittrer als bitter! Das Land Kleists und Lortzings, um nur diese beiden zu nennen, wäre paßlicher gewesen! Von zehn Briefen, die ich in meiner Not schneb und von denen keiner mir auch nur die geringste Hilfe brachte, wurden mir über die Hälfte nicht einmal beantwortet. Dos„Volk der Dichter und Denker". Hohn! Das Volk, das seine Dichter und Denker, wenn sie zufällig nicht mit dem berühmten„goldenen Löffel im Mund" geboren wurden, erfahrungsgemäß und durch die Ge- schichte verfolgbar, kühlsten Bluts krepieren, in die Binsen gehn und verhungern läßt! Hätten Sie vielleicht zufällig Beziehungen zu den„Süddeutschen Monatsheften"? Ich ahne leider nicht einmal, wer sie redigiert. Als fünftes Heft der in der Anlage gekennzeichneten„Phantasus"- Ausgabe habe ich eine große, in sich zusammenhängende Dichtung, die ich privat„das Tausend und zweite Märchen" nenne. Ihr Stil ist leider so neu und hoch, daß ich fürchten muß, für komplett ver, rückt erklärt zu werden, wenn ich einer Zeitschrift zumute, sie zu „bringen". Zirka 4000 Zeilen. Würden Sie eventuell die große Freundlichkeit haben, geeigne- ten Orts deswegen anzugurren? Werte erstrangiger Natur zu produzieren, auf die Deutschland nach so und so langer Zeit mal ganz bombensicher, wie der schöne Ausdruck lautet,„stolz" sein wird, und dabei.. etc.!! etc.!! Verzeihen Sie diesen„Ausbruch". Schmerzlichst Ihr Arno Holz* In jener Zeit erhielt dann Arno Holz, der sür sieben Personen zu sorgen hatte, einen kleineren Betrag aus einer Stiftung. Holz versuchte- dann, vielleicht ein Darlehen von 3000 Mauk zusammen- zubringen unter Bedingungen, die ihm mit einer Rückzahlung nicht drängten. Dies ist ihm in der Zeit, als der Krieg Millionen zur Vernichtung verschlang, als fast jeder deutsche Spargroschen zur Kriegsanleihe aufgebracht wurde, nicht gelungen. Für die Ver-- nichtung unserer Kultur und für den Tod wurden die materiellen Güter geopfert, für die Erhöhung des Lebens durch die Eingebungen eines verlassenen dichterischen Geistes fand sich keine helfende Hand, kein mitfühlendes Herz, kein Gewissen. In einem zweiten Briese an Kurt Eisner schrieb Arno Holz selbst, warum ihm dies nicht gelang: „Die Leute, die mir zu einer solchen„Bedingung" vertrauten, haben kein Geld, und die«s hätten— lachen mich aus. Das ist die Sachlage." Das ist die Sachlage aller Zeiten und ihrer Dichter gewesen. Es gibt wohl auch Gönner und reiche, sich sozial betätigende Menschen, aber sie leben in einem anderen Geiste als dos Genie; sie rechnen kaufmännisch und geben nur, wo es sich lohnt und wo ein zeitlicher Erfolg zu erwarten ist. Für die Imponderabilien großer Begabung mit ihrer unsicheren Wartezeit zum verspäteten Ruhm haben sie kein Verständnis. Vielleicht ändert sich auch einmal diese immer bitter« Tragik im Leben der Großen in einer anderen Gesellschaftsordnung, ln der es den in Wahrheit Begnadeten möglich wird, zu schaffen, ohne von den Erfordernissen des materielle» Lebens allzu behindert zu sein. In dieser zu erstrebenden Zeit wird auch das spießbiirgerliche Vorurteil, als ab das echte Talent durch zu wenig Sorgen träge würde, einer freieren und psychologischen Einsicht weichen: daß das Dasein eines von seiner Kunst oufgezehrlen Menschen so erfüllt ist mit qualvoller innerer, seelischer und künstlerischer Gestaltung�- und Entwicklimgspein, daß ein? Erleichterung der äußeren, un» würdigen und unreinen Nöte seinem Wollen und Vollbringen keinen Abbruch tut. Sin 3tiefenfeuerseicJien für den lllnrs Eine ungeheure Feuersäule. bei der 10 Tonnen Magnesium in einer gewaltigen Flamme ausleuchten sollen, wird aus dem Gipscl des Jungsraujoches im Berner Oberland am Fuße des Aletjch- Gletschers abgebrannt werden. Der Veranstalter dieses gigaMischcn Feuerwerkek. Harry Pricc. hofft, auf diese Weise den Mors- bewohnern ein Zeichen geben zu können, wenn überhaupt Menschen auf dem Mars sind. Dieser Planet ist für solche Zwecke am günstigsten gelegen uich kommt uns gerode jetzt wieder sehr nahe. Es ist anzunehmen, daß das au'lodernde Licht die Schncefelder des Mars t'effen wird, die es so stark zurückwerscn werden, daß das Leuchtzeichen von den Marsleutcn bemerkt werden muh, wenn es welche giht. Price hofft, daß die Marsbewohner dann ihrerseits versuchen werden, einen Teil unseres Erdballs, der mit Schnee be- deckt ist, auf ähnliche Weise zu erhellen. Gittlichkeiisverbrechen. Ein ernstes Kapitel. Es muß einmal gesagt werden: wenn wir nicht gerade zn den berisssmüsjigen kriminal st ndenten gehören, dann wissen wir von der Tätigkeit unserer Gerichte nicht gerade viel. Die übliche Gerichtcbetichlerftallung beschränkt sich aus die großen Aällc.�, große Betnigsangelegenheiten. Mord- Prozesse, ab und an eine politische Anklage, linii selbst aus diesen Berichten erfahren wir viel zu wenig! Wer von uns �weiß. daß die„S i t t l i ch t e i t s d e l i k t e" fast ein Fünftel aller Fälle ausmachen, mit denen sich unsere Gerichte zu beschäftigen haben? Wer von uns weiß, wie diese Sittlichkeits- delikte aussehen, wie sie zustande kommen und welche Nichter sie finden?— Niemand, denn llvder die großen Berichte über einen Mord an einem Kinde noch die kleinen Notizen, die wir unter der Spitzinarke„Ein gefähr�cher Kindersreund" manchmal in einem Lokalteil irgendeiner Festung finden, können uns ein Bild von diesen Verhandlungen gebzn. Und darum soll hier einmal die Rede von ihnen sein— von ihren Angeklagten, von den Zeugen und von den Richiexn. Verbrechen, die keine find. „LerplUnst wird Unsinn, Wohltat Plage"— vielleicht aus keinem anderen Gebiet haben diese Goetheworte so Recht, wie auf dem Eebi«t« unseres Sexualstrafrechts, unter dem wir heute leiden— unt� unter dem wir noch manches Jahr leiden werden, denn auch diH Strafrcchtsreform brachte hier keine Besserung. Nirgends so stark wie hier fühlt man, was wir durch die Emmingersch« „Reform des Gerichtsverfahrens", die die Beseitigung der Geschworenengerichte brachte, verloren haben. Zwei Fälle aus der letzten Zeit sollen zeugen: Der Maurer K r u s i u s knüpfte nach seiner Scheidung von seiner Frau mit deren Tochter aus erster Ehe «n Verhältnis an und wurde zu schwerer Strafe verurteilt. Wegen „Blutschande". Es flieht zwar in beider Adern kein Tropfen Blutes, das irgendwie verwandt wäre, das Mädchen ist nicht minder- jährig, und der Geschlechtsverkehr fand auch erst nach der Scheidung der Ehe der Stiefeltern statt— es wurde weder das Interesse des Staates geschädigt noch die Rechte irgendeines dritten verletzt: Und doch mußte der Maurer Krufius ins Gefängnis— wegen„Blutschande" mit einer Frau, mit der er überhaupt nicht blutsoer- wandt ist! Aber es kann noch toller kommen: Der Glaser Möller heiratete 1919 eine Frau, die neun Jahre älter war, als er. Einige Wochen später erfuhr er, daß seine Frau noch ver- heiratet und der Scheidungsprozeß, durch den ihre erste Ehe auf- gelöst werden sollte, noch gar nicht entschieden war. Da hielt er sein« Ehe für ungültig, wollte mit seiner Frau nichts mehr zu tun haben rmd zog von Goiha nach Bremen. Nach vielen Monaten zog ihm die Frau nach: Sie hätte in der Kleinstadt von den lieben Nächsten die Hölle auf Erden; und trotzdem zwischen ihm und der neun Jahre älteren Frau nun eine völlige sexuelle Entfremdung eingesetzt hatte, trotzdem er sich nicht mehr für mit ihr oerheiratet hielt, erlaubte er ihr, zu ihm zu ziehen—. als seine Wirtschafterin. Sie hatte «in junges Mädel mitgebracht, wie st« erklärt«, war es eine Nichte. Dos war um genau soviel Jahre jünger, als die Frau älter war als er, und die Siebzehnjährige gefiel dem Sechsundzwanzigjährigen. Erst nach Wochen erfuhr er, daß das Mädel in Wirklichkeit die uneheliche Tochter seiner Frau war; seine Geliebte blieb das Mädel drum doch, und 1924 wurde das Mädel Mutter eines Kindes, dessen V Bater Heinrich Möller war. Da kam die Staatsanwaltschaft. Man prüfte die Derwandtschaftsverhältnisse, und der Herr Staatsanwalt erklärte: Zwar wäre die Ehe zwischen Möller und der älteren Frau als Doppelehe jederzeit annullierbar gewesen da aber die Rechts- ungiilt'gkeit dieser Ehe noch nicht ausgesprochen sei, wäre Möller im Sli-.:v: des Gesetzes noch immer der Stiefvater seiner Geliebten uiid mit ihr„verschwägert". Und Geschlechtsverkehr mit der Stieftochter ist eben„Blutschande", wenn auch nicht ein Tropfen gemeinsamen Blutes in den Adern der beiden fließt. Dafür wurde er zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, das Reichsgericht bestätigte das Urteil und erklärte in der langen Urteilsbegründung: Wer sich mit der Tockzter seiner Frau einläßt, begeht„Blutschande", selbst wenn seine Ehe mit dieser Frau wegen Bigamie sachlich nichtig ist. Die Mutter des Kindes bekam wegen des gleichen„Delikts" drei Monate Gefängnis. Bis zum Spruch des Reichsgerichts aber lebten die beiden Menschen weiter zusammen; bald kam ein zweites Kind. Wieder kam der Staatsanwalt: Wieder gab es eine Verurteilung wegen„Blutschande", wieder ein Jahr Gefängnis; einen großen Teil feiner Strafe mußte Möller verbüßen, dann bekam er Bewährungsfrist. Er sollte sich dadurch bewähren, daß er die Mutter seiner Kinder oerließ... Inzwischen war die Großmutter der Kinder, die„Frau" des Glasers Möller, in Thüringen geschieden worden: Wegen ihres Verhältnisses mit Möller hatte der erste Mann auf Scheidung geklagt. Jahrelang schon stand sie Möller nicht mehr nahe, so wenig hielten sich die beiden für verheiratet, daß er sich gar nicht um die Nichtigkeitserklärung seiner„Ehe" beniühte, daß die Frau, als sie schwer krank wurde, nur einen Wunsch hatte: Roch vor ihrem Tode wollt« sie ihre Tochter mit Möller verheiratet sehen, I damit die beiden Kinder einen Vater bekämen. Möller wollte beiden � Frauen den Wunsch erfüllen. Er ging zum Standesamt und ließ sich trauen; dem Standesbeamten erklärte er, er sei unverheiratet— , er hielt sich ja auch dafür. Und nun— kam wieder der Staats- anwalt: Diese Heirat war Bigamie, denn noch war ja die Ehe mit der Großmutter der Kinder nicht für ungültig erklärt! Noch schwebt das Strafverfahren— aber die Bewährungsfrist für die Strafe wegen„Blutschande" wurde sofort widerrufen, denn dieser hartgesottene Sünder hatte ja wieder mit der Mutter seiner Kinder zusammengelebt, statt sie. wie es rechtens„anständig" gewesen wäre, sitzen zu lassen. Wäre er auf Wanderschaft gegangen, hätte Frau und Kinder der Wohlfahrt zur Last fallen lassen, dann, ja dann hätte er rechtens einwandfrei gehandelt und sich„bewährt"! Nun erwartet die junge Frau das dritte Kind— und wieder wird der . Vater ins Gefängnis wandern— für ein„Verbrechen", an dessen | Existenz nur tolmudistische Paragraphengelehrsamkeit interessiert ist! Zweierlei Maß. Da steht ein junger Mann in der Anklagebank, ein Exhibitionist. Schon einmal war er wegen des gleichen Delikts unter Anklage, konnte aber di« Zeugin verwirren. Wieder hat er mit entblößten Geschlechtsteilen im Park herumgelungert. Diesmal haben ihn drei Mädchen verfolgt und zur Strecke gebracht. Er gehört zu den Men- fchen, die dauernd Parks und Plätze unsicher machen und den Kindern zwar keinen körperlichen, doch oft schweren seelischen Schaden zufügen. Das Amtsgericht ist voll Verständnis für die Loge des jungen Mannes, dessen Beamtenkarriere durch die Verurteilung zer- stört wird. Das Urteil fällt so mild« wie möglich aus: 59 Mark Geldstrafe. Nicht lange darauf steht eine junge Künstlerin vor Gericht. Aus Not hat sie einige erotische Phantasien radiert, so etwas findet am leichtesten gut zahlende Käufer. Sie inserierte; iznd der einzige Kunde, der sich meldete, war der Spitzel der Aergernis nehmenden Behörde. Es entstand weder materieller noch ideeller Schaden. Urteil: Drei Wochen Gefängnis, die Bewöhrungs- frist wurde mit der Zahlung einer Buh« verknüpft. Dazu wird sie mit schweren Worten ermahnt, in den drei Jahren einen„in jeder Beziehung einwandfreien Lebenswandel zu führen"... Gleich daneben wird ein Fall abgeurteilt: Ein Trinker, der die Familie miß- handelt und zhgrun�e richtet, hat gleichfalls mit der Stieftochter Geschlechtsverkehr gehabt, als sie knapp siebzehn Jahre alt war. Er hat sich selbst angezeigt— um durch diese Anzeige die Ehe der inzwischen Verheirateten zu zerstören. Schluchzend stehen die beiden Frauen vor dem Richter.„Gezwungen hat er sie dazu..." Aber der Richter nimmt an, daß„die Frauen in Anbetracht der langen Zeit, die seitdem vergangen ist und des Hasses zwischen den Parteien" einer„Erinnerungstäuschung" unterliegen und der Stiefvater wird nicht wegen Notzucht, sondern nur wegen des an sich verbotenen Verkehrs zu acht Monaten Gefängnis verurteilt, drei Monate werden auf die Untersuchungshaft angerechnet. Draußen jammern die Frauen auf:„Er schlägt uns dot, wenn er raus- kommt..." Zeugen und Mitfchu'dige. In der Praxis der Silllichteitsprozesse spielt d i« Kinder- aussage naturgemäß eine große Rolle. Jeder weih, wie unzuver- lässig sie oft ist. Wehe den„Vorbestrafte n!" Eines Tages kommt es in der Mietkaserne auf:„Der hat schon mal was wegen Sittlichkeit gehabt!" Bor neunundzwanzig und vor fünfzehn Jahren war der Bäckergeselle eininal wegen Sittlichkeitsvergehcn v o r b e- straft word�/i. Er hatte dann geheiratet, seine Frau hatte keine Ahnung von den Vorstrafen; bald hatten sie ein Kind, ein niedliches Mädel. Eines Tages heißt es, er solle sich an zwei Mädeln ver- gangen haben, Kindern aus dem Haufe, die ihn und sein« Frau besucht hatten. Angeblich hatte er sie bei ihren Turnübungen unsitt- lich berührt: Er behauptete, ihnen nur bei ihren Uebungen die not- wendigen Hilfsgrisfe geleistet zu haben. Beider Aussage scheint unerschütterlich, bis sich die eine oerschnappt:„Und denn hat'smirauchmeineSchwestergesogt." Di« Schwester, Schülerin einer Winkelballettschule, ist gut eingefuchst aus ihre Aus- sage. Schließlich aber kann ihr die Frau de» Angeklagten nach- weisen, daß sie die Termine verwechselt, sonst scheint die Zwölfjährige sexuell mehr als aufgeklärt zu sein. Freispruch... haarscharf ging es am Zuchthaus vorbei. Nur wer solche Verhandlungen miterlebt hat, begreift, welch ein Fortschritt es ist, daß jetzt diese Kinder zuerst von Beamtinnen der weiblichen Polizei gehört werden. Oftmals muß man sich aber wundern, mit welcher Sorglosigkeit Eltern ihren Kindern Umgang, sogar Besuch« bei wild- fremden Menschen gestatten. Schulmädels machen Sonntags- nachmittagsbesuche bei irgendeinem Junggesellen, dem sie die jüngere Freundin freundwillig„zuschubsen". Unmöglich ist e», mit konkreten Beispielen im Rahmen eines einzigen Zeitungsartikels den ganzen Umfang des Unrechts im Sexualstrafrecht aufzuweisen: Es bleibt noch der§ 175, der 8 218 und die Fälle, in denen der Kuppeleiparagraph zur Verurteilung von Eltern führte, die in ihrer Wohnung den außerehelichen Ge- schlechtsverkehr erwachsener Kinder duldeten— auch dieses„Derbrechen" mußte schon mit Gefängnis gesühnt werden, trotzdem weder dem Staat noch einem Menschen ein Schaden geschah. Der Block dieses Unrechts kann uns alle treffen— und niemand ist vor ihm sicher: Nicht du und nicht der Mensch, der dir der Liebste auf Erden ist. �______ R. E. Horsings Dan? an das Deriiner Reichsbanner. Am Dienstagabend wurde im Clou unter außerordentlich starker Beteiligung der Sozialdemokratischen Partei, des Reichsbundcs d:r Kriegsbeschädigten und des Allgemeinen Preußischen Polizeibean-.ten- Verbandes eine Kundgebung des Reichsbanners durch- geführt. Das Programm begann mit einein Fahneneinmarsch, zu dem auch die Parteigenossen des Bezirks Kreuzberg ihre Banner entsandt hatten. Der Bundesvorsitzende des Reichsbanners Otto Hörsing sprach zu den Anwesenden und zeichnete ein Bild der politischen Lage. Insbesondere kennzeichnete er die politische Verhetzung, mit der in den letzten Monaten versucht wurie, gegen die stärk st« republikanische Partei, die Sozialdemokratie, anzurennen. Die Reaktionäre werden unterstützt auch von den Kommunisten. Das Reichsbanner aber hat sich treu an die Seite der republikanischen Parteien gestellt und den Kampf gegen di« Verhetzung ausgenommen. Wer die Wahl- resultate vom Sonntag übersieht, kann feststellen, daß d» A n- stürm gegen die Sozialdemokratie in allen Städten bis auf Berlin zurückgeschlagen wurde. Die Kommunisten und Nationalsozialisten werden es aber erleben, daß ihrem Treiben auch in Berlin ein Ende gesetzt wird. Berlin wird und muß weder die stärkste Domäne der republikanischen Front werden. Kamerad Hörsing dankte allen Reichsbannerkameraden, die während des ganzen Jahres ihr« freie Zeit für die Bewegung geopfert hatt/n, für den anstrengenden Dienst im Reichsbannerkleid. Mit kurze:-, aber nicht mißzuverstehenden Worten geißelte dann der Bundesvor- sitzende das Vorgehen einiger angeblich republika- nischer Tageszeitungen in Berlin, die sich an der Hetze gegen die Sozialdemokratie beteilkgt haben. Cr schloß seine Aue- führungen mit einem Appell an die Reichsbannerkameraden, nicht nachzulassen in ihrem Kampf für die Republik und sür den sozialen Volksstaat. Die Schiebungen im staatlichen Lcihamt. Der ProzeßgegendieTaxatorenamStaatlichen L e i h a m t, Berger und Genossen, der am Montag vor der Straf- kammer des Landgerichts I begonnen hatte, verfiel, ehe das Gericht zu Anträgen der Verteidigung Stellung nelimen könnt«, über- raschenderweise der Vertagung. Es ergab sich die Notwendigkeit. einen der Hauptangeklagten, den Obersekretär am Staatlichen Leih- amt. Rollert, der von Anfang an ein auffälliges Be- nehmen gezeigt hatte, auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. Die nächste Ausgabe des„vorwärts" abend. erscheint am Donnerstag Ehcrechtsreform und arbeitende Frau. Unter diesem Stichwort spricht die Gen. Tony P s ü l f am Sonnabend, dem 23. November, 19!� Uhr, im Rahmen der„Freien soziaUstifchen Hochschule" im Plenarsaal des Reichswirfchaftsrats, Bellevuestr. 15. Als Mitglied des Rcchtsausschufses des Reichstages kennt die Gcn. Pfülf alle Einzelheiten der feit längerer Zeit erörterten Eherechts- reform. Karten zum Preis« von 59 Pf. sind in den bekannten Berkaufsstellei, und an der Abendkasse zu haben. Die Ausstellung kriegsgräberfürsorge in der„Reuen Wache" (Unter den Linden) wird ,zum Besuch noch offen gehalten am Büß- tag und am Totenfonntag, 19 bis 21 Uhr, am Donnerstag. Freitag, Sonnabend 19 bis 29 Uhr. Eintritt unentgeltlich. Nach Totensonn- tag unwiderruflich Schluß. Das dritte Konzert des Sinfonieorchesters der Schuhpolizei Berlin, das einen volkstümlichen Charakter trägt, findet am Donnerstag, dem 28. November 1929, um 29 Uhr, in der Staatlichen Hochschul« für Musik Eharlottenburg statt. Es ist ein Wiener Strauß-Zlbend. Dirigent Camrllo Hildebrand, Solistin Cido Lau, Koloratursopran. Der Reinertrag der Veranstaltung ist für die Wohls ah rtseinrichtungen der Schutzpolizei bestimmt. Arbeilsgemeinschas» sozialdemokralischer Lehrer Berlin». Die Herrin g-Versommlung kann erst am Donnerstag, dem 2 8. November in der Aula der Schule in der Elisabeth- straße stattfinden. Sprechchor sür proletarische Feierstunden. Donnerstag, den 21. November, 19?b Uhr, Uebungsftunde im Gcsongsfaal der Sophienfchule, Weinmeifterstr. 16/17. gikAfy ( l-ialDttiches i Mincrahasser Zur Gesundhaltungl Fachiager Tersandstelle, Berlin ZÄ Ii Schöneberger Str. 16». Tel. 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