BERLIN Somierstag 21. November 1929 10 Pf. Nr. 546 B 272 4S. Jahrgang Zugleich Sbeadausgabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben«SPf. pro Woche. SF0M. pro Monat. Redaktioa iwd Lxpeditioa; Derliu SW 68, LiudeuKr.» »»««igeuortlsi Di« einspaltige NonpareMezeile 80 Pf., Reklamezeile 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. PpKscheckkoato: Vorwärts-Verlag G.m.b.H., Berlia Nr. 87ÜZS. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? Kappist pabst will putschen. Heimwehr gegen österreichisches Verfassungskompromiß. polen vor dem Staatsstreich? Rationalisten demonstrieren gegen den Ausgleich mit Deutschland. Wie». 21. November.(Eigenbericht.) Ja Innsbruck nahmen die Gaufiihrer der Tiroler Heimwehr dieser Tage nach einem Bericht der Wiener „Arbeiterzeitung" ein Referat des Majors Pabst iiber die Berfassnngsreform entgegen. In einer im Anschluß an das Referat einstimmig angenommeneu Entschließung heißt es, es bestehe die Gefahr, daß der kompromlß» süchtige Flügel der bürgerlichen Parteien mit der Sozial- demolratie zu einer Verständigung gelange« könne. Infolgedessen wäre es notwendig, daß jetzt die Heimwehr das Schicksal der Bersassungsreform in die Hand nehme, alle Sieserve» fallen lasse und"endlich handele: komme, was da wolle. Es wurde beschlossen, Vertreter«ach Wie« und Graz zu entsende« und die dortigen zuständige« Heimwehr» stelle« über die Stimmung in der Tiroler Heimwehr zu informieren. Oer Kampf um Wien. Wien. 21. November.(Eigenbericht.) In der Mittmochsitzimg des Derfassungsausschusies. die nur wenige Minuten dauerte, erklärte Bundeskanzler Schober, daß er dem Unterausschuh für die Berfasiungsreform neue Formu- lierimgen und neue Anträge zu unterbreiten habe, und er bitte, diesen Ausschuß deshalb nochmals zusammentreteu zu lassen. Es wurde beschlossen, den Ausschuß am Freitag zusammen zu rufen. Strittig ist zwischen der Regierung, den Mehrheitspartsien und der Sozialdemokratie im wesentlichen noch die Stellung von Wien in der neuen Verfassung. Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei hat sür Sonn« tag ein« Reichskonferenz noch Wien mit der Tagesordnung einberufen:»Di« Dersassungsresorm". Die Konferenz wurde in Anbetracht der Verhandlungen den Sozialdemokratie mit dem Bundeskanzler Schober über die Dersassungsresorm notwendig. Die Ausschaltung der deutschen Sozialdemokraten. t Prag, 21. November.(Eigenbericht.) Die Verhandlungen zur Neubildung der Regierung haben bis- her immer noch zu keinem Ergebnis geführt. Di« Ve- flrebungen der bürgerlichen Parteien gehen dahin, die deutsche Sozialdemokratie möglichst von jeder Regierungslombination auszuschalten, während die tschechische Sozialdemokratie nur unter der Loraussetzung in eine Regierung einzutreten gedenkt, daß auch die deutschen Sozialdemokraten beteiligt werden. Mit der Aus- schaltung der deutschen Sozialdemokratie erstrebt das Bürgertum die Stärke des sozialistischen Blocks und seiner Auswirkungen im Parlament unwirksam zu machen. Die Verhandlungen werden fortgesetzt._ Die Admirale haben nichis zu sagen. Amerika sendet nur Politiker nach London. Washington. 21. November.(Eigenbericht.) Der amerikanischen Delegation zur Flollenkonsereoz gehören nach einer amtlichen Mitteilung außer dem Staatssekretär für da, Auswärtige, Stimson. und den Senatoren Reed und Ro- binson der amerikanische polschasler in London. Dame», und der Vertreter Amerika» in Paris. G i b s o n. an. Die Delegation wird begleitet von dem amerikanischen Botschafter In Mexiko, dem Finanzmagnaken M o r r o w und dem Marineminlsker Adams. Die beabsichtigte Delegation vor, zwei Admlräleo wurde auf. gegeben, da diese Admlräle eine Festlegung des FlotlenpkVgramms forderten.___ Studenten verprügeln Gesandten. Ehineslsche Stlldentenracße. Brüssel, 21. November.(Eigenbericht.) Der chinesische Gesandt« in Brüssel wurde am Mittwoch von sieben chinesischen Studenten überfallen und durch heftige Schläge über den Kopf verletzt. Die Polizei nahm die Täter fest. Es stellt« sich heraus, daß die Stubenten aus Rache gehandelt haben. «eil aus Grund einer Denunziation der chinesischen Gefandtschift kürzlich ein chinesischer Student verhafte: wurde, der im Be- griff gestanden haben soll, das Gesandtschaftsgebaude in Brand zu stecken. w a r s ch a u. 21. November. 3a Warschau verdichtet sich seit gesteru das Gerücht, daß es sehr bald zu einer Auslösung des Sejm ohue Ausschreibung von Neuwahlen kommen wird. Man glaubt in einer Schließung des Parlaments uud der darauffolgenden Auszwingung einer neuen ver. fafsung das von der Regierung beschlossene Versahren vermuten zu müssen, nachdem der Ministerpräsident Switalski in einer Rede mit aller Deutlichkeit von der geringen Aussicht gesprochen hat, die von der Regierung gefordert« Verfassungsänderung aus p a r l a m e n- (arischem Wege durchzubringen. Als kaum noch einen Zweifel zulassend wird die Aeußerung Switalstis kommentiert, daß inner- politische Erschütterungen, auch wenn sie zeitweilig Beun- rnhigung hervorrufen sollten, dem langwährenden Zustand einer «versehltea Staatsverfassung" vorzuziehen wären. 2n dem Ein- druck, daß Pole» vor einem Staatsstreich steht, wird man auch durch die Krakauer Erklärung des konservativen Vizevorsiheaden des Rc- gieruugsblocks Fürsten R a d z i w i l l bestärkt, der die geltende ver- sasiung als..seit 1926 tatsächlich nicht mehr bestehend" be- zeichnet hat. Die Rede des Ministerpräsidenten Switalski, die vor allem eine Kampsansage an die Oppositiqn war. enthielt übrigens auch einen scharfen Vorstoß gegen die Minderheiten, von denen der Ministerpräsident sagte, daß ihre Führer fast durchweg staalsseindlich eingestellt wären, so daß die Regierung in der versassungssrage aus sie nicht rechnen könnte. Am Dienstag abend veranstalteten die nationalistischen Studen- ten im Polytechnikum eine Protestversammlung gegen das unlängst paraphierte deutsch-polnische Ausgleichsabkommen. Di« Studenten wollten nach beendigter Versammlung in geschlosienem Zuge vor die deutsche Gesandtschaft ziehen. Ein starker Polizei. riegel sperrte jedoch die zur Gesandtschaft führende Straße ab, so daß sich die Studenten genötigt sahen, unter Heulen, Pfeifen und Niederrufen weiterzugehen. Auf dem Zug« zum Rathaus, in dem eine Protestversammlung des deutschfeindlichen Westmarkenvereins gegen das deutsch-polnische Abkommen angesetzt war. demonstrierten die Studenten noch vor der Philharmonie durch Gebrüll und Gepfeife gegen die R«- Begegnung. Hogenberg:„Mir scheint, Herr Hitter, seit wir uns oas letzte Mal'ahen, haben Se stark zuaenommen." Hitler:„Glimmt! Llov was mUu besonders freut: Aus Ihre Kosten!" gierung, die dort fast vollzählig versammelt war, um den öffent. lichen Vortrog des Ministerpräsidenten Switalski über die Ver- fassungsreform anzuhören. Di« Polizei trieb die Studenten bald auseinander, die nun vor das Rathaus zogen, wo es neuerdings zu mehrfachen Zusammenstößen mit der Polizei kam. Der Polizei- Präsident hatte jedoch einige hundert Polizisten zu Fuß und zu Pferde ausgeboten, so daß die Demonstrationen keinen großen Um- sang annehmen komüen. Inzwischen hielt im Rathaussaal der nationale Abg. Professor S t r o n s k i vor einem zahlreichen Publikum eine überaus nationa- listische und deutschfeindliche Rede, in der er der tiefen Unruhe Aus- druck gab, die das Abkonimen in breitesten polnischen Kreisen her- vorgerufen habe. Gerade in den Westgebieten,»nach denen Deutsch- land seine Hand ausstrecke", so sagte der Redner, dürften dem Deutschtum keine Zugeständnisse gemacht werden. Schließlich wurde eine scharfe Entschließung angenommen, in der hervorgehoben wird, daß das Abkommen oerurteilt werde, weil es das Werk der»ent- nationalisierenden und verbrecherischen Ansiedlungspolitik" befestige. Auflösung der Fideikommiffe. Nicht erst in Jahrzehnten! Der Rechtsausschuß des Preußischen Landtages begann am Donnerstag die Beratung des Gesetzentwurfes über die Auflösung der Fideikommisse. Der Iustizminister Dr. Schmidt war persönlich erschienen, um die sehr wichtige Gesetzesvorlag« zu be- gründen. In seinem einleitende» Referat führte er u. a. aus: Man könnte vielleicht, fragen, ob eine so umfangreiche Novelle bei einem ab st erbenden Recht, wie es. das Fideikommißrecht sei, »och am Platze wäre. Aber das Gebiet habe auch heute eine große wirtschaftliche Bedeutung. Trotz der im Jahre 1921 begonnenen Auflösung betrage die Größe des familienrechtlich gebundenen Grundbesitzes noch immer über 1 Million Hektar. Das bisherige Auflösungsrecht kranke an einer Reihe von Mißständen. Dos freiwillige Auflösungsverfahren bedürfe einer Vereinfachung. Bei der jetzigen Regelung müßten vor der frei- willigen Auflösung auch die entferntesten Anwärter zugezogen wer- den, das mache bei einzelnen Familien einen Kreis bis zu 150 Per- stmcn aus, der über die freiwillige Auflösung zu beschließen hat. Nach der vorliegenden Novelle soll die Zuziehung der drei nächsten Anwärter künstig genügen. Das fetzige Zwangsauflösungsverfahren krankt an dem Mangel, daß es sichvielzu langehinzieht. Nach dem heute geltenden Recht dauert die Zwangsauflösung' der Fideikommisse mehrere Jahrzehnte. Ja, theoretisch ist sogar der Fall denkbar, daß es noch in h u n- dert Jahren einzeln« Fideikommisse geben kann. Deshalb sieht das neue Gesetz als Stichtag den 19. April 193 5 vor, an dem die Awongsauslösunq aller bis dahin nicht freiwillig aufgelösten Fideikommisse erfolgt.(Zuruf von den Sozialdemokraten:„Das ist noch immer viel zu lange".) Minister Schmidt(fortfahrend): Ja, leider ist aber eine Menge Arbeit zu erledigen, die früher wohl kaum beendet werden kann. Schließlich sieht der neue Entwurf eine günstiger« Stellung der Fideikommißgläubiger vor, Sodann ergriff der Berichterstatter Dr. Siegfried Rosen- feld(Soz.) das Wort. Cr führte aus. daß die von den Vertci- digern des Fideikommißwesens behauptete Verfassungswidrigkeit des neuen Gesetzentwurfe» nicht besteht. Der Einwand, daß hier eine gesetzwidrige Enteignung der Anwärter vorliege, ist nämlich hin- fällig. Der Redner führt« aus, welche unmoralischen und familienzerrüttenden Wirkungen das heutige Fidei- kommkßrecht hat, und ging sodann auf die einzelnen, sehr schwic- rigen Fragen der Materie ein. Die Sozialdemokratie hat eine Reihe von Anträgen zu dem Gesedentwurf eingebracht. Einer von diesen verlangt, daß der Stich- tag für die Auflösung bereits auf den 19. April 1933, also zwei Jahre früher festgesetzt wird. Ein weiterer Antrag verlangt die Berücksichtigung der Siedlerinteressen, namentlich auch für die Anlieoersiedlung bei allen Auflösungen. Die Beraüi» gen im Rechtsausschuß werden vermutlich mehrere Tage dauern. Neue Eisenvahnatieniate! Anschläge bei Araunschwttg und Kattowitz. Am lg. November gegen ll Uhr wurde wieder lu der Nähe von Braunschweig zwischen den Stationen Grosz Gleidingen und Broitzem ein Eisenbahnanschlag versucht. Der oder die Täter hatten drei Sand st einplatten mit einem Gewicht von je einom halben Zentner, die neben den Gleisen oitf einem lleberweg als Tseppe eingesetzt waren, ausgegraben und auf die Schienen gepackt. Der Personenzug 338 fuhr aus die Platten auf und zermalmte sie. Der etwa 50 Meter von der Tatstelle entfernte Schrankenrvärter hat den Vorfall sofort bemerkt und erstattete, ebenso wie das Personal des Zuges beim Halten In Groß-Gleidingen, Meldung. Die Lokomotive hat nur gering- sugigen Schaden davongetragen. Kurze Zeit später waren zwei Abteilungeu des Eisenbahusireifdienstes mit zwei Hunden am Tatort. Ferner trafen mehrere Beamte der Landjägerei mit drei Hunden an Ort und Stelle ein. Verschiedene von den Hunden aus- genommene Spuren führten jedoch nicht zur Feststellung und Er» greifung der Täter. Die Eisenbahudirektion Magdeburg hat die aus Anlaß des letzten Attentatsoersuchs vom 16. November 1929 ausgesetzte Belohnung von 1000 Marb auf 2000 Mark erhöht. Sluf der Strecke Morgenroth— Mi da bemerkte der diensthabende Weichensteller, daß die Signaleinrichtungen nicht funktionierten. Gr begab sich auf die freie Strecke und bemerkte dort sechs Männer, die ihm zuriefen, er solle sich nicht die Beine brechen, worauf sie die Flucht ergriffen. Bei der Prüfung der Weiche stellte der Beamte fest, daß in die Weiche ein, Stück Holz eingeklemmt war. so daß die Weichen st ellu n g nicht arbeitete. Glücklicher- weise wurde der angemeldete Zug kurz vor der Weiche zinn Stehen gebracht und ein Unglück verhütet. Selbstmord mit Weckeruhr. Wie ein Erfinder den Tod zu finden wußte. Wien, 2l. Noocniber. Der pensionierte Lehrer Karl Czerni» der Erfinder des„fliegen- den Motorrades" und ein Vorkämpfer des Schwingenfluges, hat sich in seiner Wohnung init Leuchtgas vergiftet Er hat für seinen Selbstmord einen eigenen, sehr komplizierten Mechanismus angefertigt. In seiner Wohnung befindet sich ein Gashahn an der Wand, an dem er einen Schlauch befestigte. An der gegenüberliegenden Wand hat er eine Weckeruhr an» Fußboden fest- geschraubt. An der Aufziehvorrichtung des Läutewerks roor eine Spule angebracht, um d!« ein Bindfaden gewickelt war, an dessen anderen Ende ein Stöpsel befestigt war, der in der Oeff- irung des Schlauches steckte. Czerny hat den Wecker am Dienstag- abend aufgezogen und auf 8 Uhr gestellt. Am Mittwoch früh gab der Wecker um diese Stunde das Läutesignal und durch das Ablaufen des Läutewerks wickelte sich der Bindfaden über die Spule, wo- durch der Stöpsel aus der Oeffnung des Gas- fchlauches gezogen wurde, so daß das Leuchtgas entweichen konnte. Czerny atmete das Gas ein, bis er den Tod fand. Czerny hatte den größten Teil feines Ruhegehaltes für seine Erfindungsarbeiten geopfert. Seine Erfindung mar in zahlreichen Staaten patentiert. In einem Abschiedsbrief erklärt« er, daß er fein letztes Geheimnis— den Echwingenflug— mit ins Grad nehme. Er wolle nichts als Ruhe haben. Raubüberfatt auf offener Straße. Unsicherheit am Anhalter Bahnhof. Eine böse Heinikehr erlebte ein Sausmann Wilhelm A. aus der F i d i z i n fk r a h e. Er kam am Mittwoch früh mit einem Zuge um S Uhr aus dem Anhalter Bahnhof von einer Geschäftsreise zurück, gab feine Koffer vorläufig in Verwahrung und wollte den Heimweg z» Fuß zurücklegen. So ging er am Tempelhoser User entlang. An der Ecke der Grohbeerenstraße trat ihm plötzlich in der menschenleeren Gegend ein Mann von etwa 35 Zahren entgegen, hielt ihm eine Pistole vor d.as Gesicht und schrie ihn an:„Hände hoch? G el d h er o de r i ch s ch i e ß e Der Kaufmann, der einsah, daß Hilferufe nichts nützen würden, gab ge- zwungen feine Brieftasche mit 15 00 Mark heraus, mit der der Strolch sofort die Großbeerenslrahe in der Richtung nach den» Sreuzberg flüchtete. Der Beraubte machte sich zwar daran, ihn zu verfolgen, konnte ihn aber schon bald nicht mehr sehen. Wahr-| scheinlich hat sich der Räuber in ein Haus geflüchtet. Eine genauere Beschreibung kann der Beraubte nicht geben, weil e» noch zu dunkel war. l wenn sich in nächster Rühe des größten Bahnhofs Berlin» in früher Morgenstunde ein derartiger llebersall ereignen kann, dann scheint es dringend notwendig, daß der polizeiliche Schuh in der Gegend verstärkt wird. Ozeandampfer im Seebeben. An der Ostküste Amerikas. Ein Erdbeben an der O st k ü st e Amerikas wurde aus dem in New Bork eingetroffenen Dampfer„O l y m p i c* verspürt. Das Logbuch des Schiffes»»eist folgend« Eintragung auf: Zlm 18. No- nember nachmittals 3 Uhr 30 auf 42,12 Grad nördlicher Breite und 56,56 Grad westlicher Länge wurd« lxi einer Geschwindigkeit von 20 Knoten, ruhiger See, leichten Winden und bewölttem dunklen Himmel auf der Kommandobrück eine heftig« Erschütterung und ein zwei Minuten dauerndes Vibrieren verspürt. Kapitän Parket erklärte, er sei im Kartenhaus gewesen und habe sich sofo»'t auf die Brücke begeben. Es sei aber nichts vor oder hinter dem Dampfer gesichtet worden. Er habe zuerst geglaubt, das Schisf hätte einen Schraubenflügel verloren, aber die Maschinen hätten glatt weiter gearbeitet. Deshalb habe er die Besürchwng gehegt, das Schiff sei auf ein unter Wasser liegendes Wrack gestoßen,«s seien jedoch keine Wrackteile entdeckt worden. Das Vibrieren sei so heftig gewesen, daß das elektrisckx Licht im Post- räum erlosch und Passagiere und Stewards auf das Promenaden- deck eilten, um die Ursache festzustellen. Der Ausguck im Mast- korbe habe die Empfindung gehabt, als ob die Maschinen mit Voll- kraft auf rückwärts gestellt worden seien. Der Maschinist habe ge- glaubt, es hätten sich Anker losgelöst. Eine Untersuchung des Schiffsraumes habe aber ergeben, daß alles in Ordnung war und da» Schisf keine Beschädigungen erlitten hatte. Er habe dann an die Möglichkeit eines Erdbebens gedacht, und diese Vermutung sei am Montagabend durch Funksprüche bestätigt worden. Das vom Völkerbund rcvidierle Zlalut de? Internationalen Gerichtshofes ist von Belgien ratifiziert worden. Keine ander« Regierung hat bisher ratffrziert. Ein glänzender Erfolg. Die Kommunalwahl in Heffen-Kaffel. Kassel, 21. November. Das Ergebnis der Wahle» im Bezirk Hessen-Kassel laßt sich nunmehr völlig überblicken, es ist ein glänzen» der Erfolg für die Sozialdemokratie. In unserem Bezirk hat die SPD. zum Kommunallaudtag 17ö 383 Stimmen erhalten gegenüber 114 813 Stimmen bei der Kommunallandtagswahl 1923. Gegenüber der Reichstagswahl 1928 haben wir rund 19 909 J t i m u» c n gewonnen, gegenüber der früheren Kom- munallandtagswahl sogar 79 999 Stimmen. Stoch größer ist der Sieg der Sozialdeiilokratie in den Gemeiudevertretungeir. In den 49 Gemeinden. die der Landkreis Kassel umfaßt, sind wir in 42 Gemein- den die stärkste Partei, in 3S Gemeinden hat die SPD. dieabsolnte Mehrheit erreicht, in 8 Ge» meinden haben Sozialdemokraten und Kommunisten zu- sam»nen die Mehrheit und nur»roch in 3 Gemeinden ist eine bürgerliche Mehrheit vorhanden. I» einer Gemeinde, in der schon seither ein sozial- demokratischer Bürgermeister tätig war, haben wir sämtliche Gcmeindevertretcrsitzc erhalten. Gegen den Faschismus. Deutschösterreichs Arbeiterschaft ist siegcSgewiü. In einer antifaschistischen Kundgebung am Dienetagabenb in der„Neuen Welt" sprach zunächst Zlbg. Genosse B ö che l- Chemnitz. Er betonte, daß der Faschismus versuche, indem e» sich von» Sozia- lismus geistiges Material leihe, an die Massen heranzukommen. Wir müssen ihn daran verhindern. Der frühere ttaltenlsche Abg. M> g l i o n i schildert« die furchtbare Lage der Werktätigen in Mussolinien. Mit sieben Mark Wochenlohn muß ein gelernter Textilarbeiter, mit vier Mark muß ein Lehrling auskommen. Nach Frankreich sind nach amtlicher Statistik des Quai d'Orsay 1928 nichr weniger als 20 000 arme Bauern und Arbeiter ausgewandert. Der Heeres- und Milizetat erhöhte sich seit 1925 von 3� auf M Milliarden. Der Obmann der sozialistischen Studenten, Genosse K r o s ch i, rief auf zur Einigung der Arbeiterklasse. Diktor Siein-Wien Führer der österreichischen Metallarbeiter, sagte: Wir kommen zu euch, nicht Hilfe suchend, sondern warnend. Freillgrath dichtete 1848„Wenn wir noch beten könnten, wir bet-ten für Wien". Für Wien wird nicht gebetet, sür Wien wird gekämpft. Wir öfter-- reichischen Arbeiter sind stark und frohgemut. Di« europäische Reaktion hat sich Oc st erreich zum Gelände ihrer Probe- g e f e ch t e ausgesucht. Habt Vertrauen zu uns, daß wir die Probe bestehen werden! Wir schauen nicht rechts und nicht links, wir stehen da zur Rettung der Demokratie. Unser« Arbeiter sind stolz auf dos, was das rote Wien geleistet hat. Sie drückten ihrer Stadt das Ge- präg« ihrer Klasse auf. und das gab ihnen ihr frohgemutes Kampf- bewußtsein. Wenn Steidle auf Wien marschieren will, dann wird sein Weg schwer sein. In Bischofshvf, in Linz, in Amstätten, in St. Polten stehen die Proletarier, um ihn aufzuhalten, und in Wien warten sie seiner. Es kann ihm geschehen, daß er seinen Marsch unter beschleunigtem Tempo in anderer Richtung beenden muß. In Niederöfterreich haben loir zahlreiche kleine Bauern der Sache der Sozialdemokratie gewonnen. Bei den Beratungen über die Ver- fassungsäirderung haben die Heimwehrleute zuerst geschrien: Di« Sozialdemokraten müssen 100 Proz. fressen. Borgestern stand in einem Heimwehrblatt: Sie haben 50 Proz. gefressen! Es wird noch weniger werden. Will der Faschismus den offenen, Kampf, mag er ihn haben. Wir sind bereit, ihn zu empfangen.(Stürmischer Beifall.) Der Vorsitzende schloß die Kmidgebung mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß die Arbeiterschaft wieder einig würde. ttnihan gestorben. Der Lebensweg des armlosen Artisten. Eine der bekanntesten Persihilichkeilen der Internationalen Arttflenwell. der armlose Artist Karl 21 n l h a n. ist in seiner ver. liner Wohnung— 82 Jahre all— gestorben. Wer kannte ihn in Verlin nicht, den quicklebendigen, beweg- liehen Greis, mit den munteren Augen im ewig rosigen Gesicht, gekrönt von einem rveißen»vallenden Haarsckopfl Ueberall war er zu sehen: zumindest bei jeder Variete-, Zirkus und Äabarett- premiere. Kein ojfizieller Anlaß, der ihn zu Hause ließ, der ihn, den 82jährigcn, in die vier Wä»ide gebanch hatte. Die ewig« Ilm ruhe, das ewige Umherstreisen lag dem greisen armlosen Unthan noch aus der Zeit der großen artistischen Erfolge ün Blute. Er wollte noch nicht zum alten Eisen gehören, wollte sehen und gesehen »»erden, wie er es von früher gewohnt»var, als sich die Varietes der ganzen Welt mn den Armlosen stritten. Er hatte eine große Zeit und einen Lebensweg hinter sich, wie er nur wenigen Artisten beschieden ist.— Unthan wurde in einem ostpreußischen Dorsschul- Hause in kleinsten und küimnerlichsten Verhältnissen armlos g e- boren. Der ostpreußische Dickschädel drängt« ihn, den mißach- teten Krüppel, Außerordentliches zu zeigen. Er wollte beiveisen, daß auch ein Armloser ein ganzer Mensch sein kann und wurde Geigenvirtuose(er spielte das Instrument mit dem Fuße). Kunst- schütz«, Preisschwimmer und Piftonbläser. Immer suchte er sich heraus, was auch für den körperlich normal Gebildeten schwierig auszuführen war. Seltene Energie befähigte ihn, mit beide» Füßen und dem Mund alles auszuführen, was anderen als„Hand- arbeit" schon Sorgen bereitet. Sein Ruhm ging in alle Welt, man keimte ihn in Europa, in Amerika und Asien. Ueberall war er ge- »»esen, überall hatte man ihn angestaunt; aber seltsam, niemals hat er unter den körperlich Behinderten je eine» ernsthasten Nach- ahmer gefunden. Sein Ruhm stieg, als Gerhart Hauptmann ihn auf einer Ozeanfahrt kennenlernte und den Armlojen zu einer han- delnden Person in seinem Roma»„Atlantis" umformte. Unthan war stolz auf die Rolle, die er in diesem Roman, der bekanntlich d!« Katastrophe eines Ozeanriesen behandelt, ausfüllen durfte. Sein Lebensabend spielte sich in den gemäßigten Formen der Not ab,'wie sie bei Artisten, die ein so hohes Akter erreichen, nicht ungewöhnlich ist. Zuviel robuste Arme begannen den Armlosen aus der Erinnerung. zu drängen. Der Tod erreichte ihn nach läiv gerem Krankenlager__ Der niederländische Fascküstenverband hat die Gründung einer nationalen Iugend-Garde besch'ossen. in der jeder mit dem zwölften Lebensjahr aufgsnonmten werden kann. Diese Juaend-Garde soll nach dem Muster der italienischen Faschisten mit schwarzen Ober- banden vergehe-- werden. Ihre Lstt»»-,('esst» hen HL..den ein- der Attentäter, die kürzl-ch das Gebäude der Vereinigung der?lr> beiter-Radio-.Amateure in Hilverfum mit Farbe besudelten. Die Lebensmüden vom Bußtag Arbeitslosigkeit und Liebeskummer als Llriachen. Außerordentlich hoch ist wieder di« Zahl der Lebens- müden, die am gestrigen Bußtag in den Tod gingen. In zahlreichen Fällen blieb es nur bei einem versuch, und die Selbslmordkandidalen konnten gerettet«erden. Im Jagen 98 des Grunewalds erhängte sich der 64 Jahre alt« Oberpostsekretär Otto Bernau aus der Callantrelli- straß« 32 in Lankwitz. In der Nacht zum Mittwoch warf sich zwischen den Bahnhöfen Schönholz und Reinickendorf. RostrU ha! eine etwa 25jührige Frau vor di« Räder eines Bortort- zuges. Die Lebensmüde wurde auf der Stelle getötet. Die Polizei hat ihre Personallen noch nicht feststellen können; die Wäsche war mit Ü B. gezeichnet. In seiner Wohnung In der Geißbergstr. 23 wurde der 84jährige Wilhelm Julian durch Gas oergiftet tot aufgefunden. Lebensüberdruß war dos Motiv zur Tat. Auf dieselbe Weije schied die 80 jähr ige Stutze Anna F ra ncicza k in der Wohnung ihres Arbeitgebers in der Würzburger Straße aus dem Loben. L i e b e s t u m m e r ist in diesem Fall« der Grund zu dem Verzweiflungsschritt. In der Tiergartenstr. 3 oersuchte der 34 jährige Melker Mar S. durch Oessnen der Pulsadern in den Tod zu gehen; er wurde ins Krankenhaus gebracht. Der Grund zur Tat ist Ardeitslosigkoit.— Plegen Liebeskummer versuchte sich der 29jöhrige Maler Arnold R. in seiltet Wohnung in der Oberberger Straß« zu erschießen; er bracht« sich einen Kopfschuß bei. In b« denklichein Zustande wurde er in das Dirchou>Krankenhaus gebracht.- Einen ähnlichen Selbstmordversuch unternahm der 26jährige Arbeiter Karl M. Aus seinem Laubengrundstück in der Kolonie Fuchsberg« in Friedrichsfeld« schoß er sich ein« Kugel in den Leib. In schwerverletztem Zustande wuxd« M. in das Hubertuskrankenhaus gebracht.— Der 29jährig« Arbeiter Ernst M. versucht« sich in d e r Telephonzelle in der Prinz- Wbreckit-Straße, am Bahichos Rummelsburg zu erhängen. M. war in seinem Vorhaben jedoch von Passanten beobachtet worden und konnte rechtzeitig ab- geschnitten»»erden. Die Polizei nahm ihn in Schutzhaft.— Die 21jährige Dora L. versucht« sich in ihrer Schlafstube in der Friedens- straß« durch Gas zu vergifte»». Di« Tat wurde von Angehörigen entdeckt, und das Mädchen, das noch Lebenszeichen von sich gab, iirs Urbankrankenhaus gebracht. Schließlich versuchten noch der 56jährige Buchdrucker Zllex V. in Ali-Glienicke und dl- 41iäf)ng« Eh«srau Maria M. in ihrer Wohnung in Tempelhof sich durch Gas zu oergiften. Ii» beiden Fällen waren die Vemühungen der Feuerwehr von Erfolg, doch mußten d!« Lebensmüden in das Krankenhaus gebracht»oerden. Die deuifchen Bauern bei Moskau. Die Botschaft mit vem Transport beauftragt. Zu den Moskauer Nachrichten über ein Ausreiseverbot gegen die deutschen Bauern wird erklärt, daß das Reichsaußenmiitisterium bis zur Stunde keinerlei Meldung des Inhalts, daß die Sowjet. regierung den deutsch-russischen Kolonisten das Verlassen Sowjetrußlands verwehren wolle, erhalten hat. Man hält ein« solche Un- g e h cu e r l i ch k e i t für um so weniger lvahrscheinlich. als der Sowjetregierung wohl bekannt sein muß. daß di« deutsch« Botschast in Moskau beauftragt ist. für zunächst 1000 deutsch-russischen Ko- lonisten die Einreise Deutschland durchzuführen. Sreilassung tampels gegen Sicherheit. Breslau. 21. November. In Sachen Lampel und Genossen hat der Untersuchungsrichter in Neiße auf den HafterUIassungsantrag der Beschuldigten entschieden, daß fre Angeschuldigten von der»»eiteren Untersuchungshast verschont bleiben sollen, roenn sie iitsgesamt eine Sicherheit von 20 000 Mark hinterlegen. „Sturmvogel", Bezirksgruppe Kreuzberg. Sitzung heut« 20 Uhr Im neuen vereinshm»?, Friesenschlöhchen, Fries-nstr. 14. �ladir Khan ermordet? Wie aus Delhi gemeldet wird, soll der »cur König von Afghanistan, Nadir K" an. nach in Indien ver- ' rriieken öV'ri�'im fr Jl'tzzis eriugr�n ujorVr>?in. Die indll-»« Regierung hat bisher teiiteriei Aestäliguug für diese Meldung er- halten, weshalb man anuimnU, daß die Gerüchte unzutreffend find. Wo die Arbeiterschafi sieht. Kommun.fiischer Flugwnd. D«r Zusammenbruch der kommunistischen Spaltungs. oktion ist ofsenkundig. 3000 Delegierte sollten laut Anweisung zu tem kommunistischen Gewerkschaftskongreß gewählt werdem Es find aber nur SM geworden. Und was für welche! Nur ein Bei- fchel: In einer öffentlichen Versammlung find in Berlin vom .Lndustrieoerband für das graphische Gewerbe" Delegierte gewählt worden. Ts kostete uns einige Mühe, zu ermitteln, wer dieser „Verband" ist. Er hat alles in allem etwa IS Mitglieder. Dazu einen Gummistempel zur Ausstellung von Mandaten für„reva. lutionäre" Delegierte. Die organisierte Arbeiterschaft hat mit dem Kongreß nichts zu tun. Von den nahezu 6 Millionen freigemerkschafllich crganijierten Arbeitern, Angestellten und Beamten wird niemand vertreten sein. Wenn andererseits die„Rote Fahne" sich auspustet und die kommunistischen Wähler vom 17. November mittels einer Fälschung aufzuputschen versucht, dann predigt sie in der Wüst«: die vorüber- gehenden Wähler der KPD. lesen das Blatt gar nicht. Wo die Arbeiterschaft steht, erweist das Blatt übrigens selbst. Nach ihrem„großen Sieg" oersucht die KPD. die SOie Vlorddiautfee von S)üffeldorf. Die wegabzweiguag der Grafenberger Allee, unweit der Mauer der sfobrif Hantel, wo der Mordversuch an Frau Maurer statt. fand. In der Nähe der Straße wurde auch die Leiche der kleinen Gertrud Alber mann ausgegraben. Wähler organisatorisch an sich zu fesseln. Triumphierend verkündet das Blatt? A8 4 Neuaufnahmen! Die Sozialdemokratische Partei hat mitten im konzentrischen kommunistisch- bürgerlichen Angriff über S1 000 Neuaufnahmen— in Berlin allein über 1300— gemacht. Di« stärkste Partei bleiben mit«iner Werbekraft ohne- gleichen, trotz der kommunistisch-bürgerlichen Verleumdungsflut— das fall uns die KPD. erst einmal nachmachen! Kapitäne in Friedenstagen. Von Hans Bauer. Bor einigen Wochen ist in Prag ein Massenmörder exekutiert worden. Er starb nicht, ohne unter dem Galgen ein« sehr schöne Red« zu halten, in der er sein« Untaten bitter bereute und für die Verbrechen, die er begangen hatte, seinen schlechten Umgang, seine schlechte Erziehung und traurige Prioatverhältnisse verantwortlich machte.. Der Todeskandidat wird recht gehabt haben. Es ist ihm zu glauben, daß er, wäre er als reicher Fabritantensohn auf die Welt gekommen, niemals den in jedem Falle abscheulichen und verwerflichen Weg zum Galgen hätte antreten müssen. Immerhin ist es nickst zwangsläufig, daß Menschen, auch wenn ihre Kinderstube noch so erbärmlich war und ihre Lag« noch so trostlos ist, zu Raubmördern werden. Das Milieu, dem einer entstammt, die wirtschaftliche Situation, in der er sich befindet, sind Milderungsgrund. stich Erklärungenioment, aber sie rechtfertigen deshalb noch nicht jegliche Schubiackstat. Aus Erfahrungen lernen: das ist gut. Besser, jener Mörder erkannte in seinen letzten Stunden die Der- fehltheit seines Handelns, als daß er im Irrtum verharrt«. Aber es erhebt sich die Frage: muß man denn immer, auch bei den elementarsten Sachen, erst Erfahrungen hinter sich haben, um das Richtige, Gut«, Dernünftig« zu erkennen? Ist denn die Menschheit von heute und gestern? haben nicht �chon di«»ergangenen Jahr- hunderte, Jahrtausende einen Erfahningsfundus aufgespeichert, der durchaus, ausreichen sollte, die Menschen von den ärgsten Torheiten zurückzuhalten? Em anderer Fall. Da hat jetzt der deutsche U-Boot-Kapitän has Hagen in London einen der Kapitäne besucht, dessen Schiss er im Krieg« versenkte, hat vergnüglich mit ihm geplaudert, ihm die Hand gedrückt, ihm Komplimente gemacht, gemeinsam mit ihm über die Vorzüge des Friedens gesprochen. Ausgezeichnet. Um wieviel steht hashagen nicht geistig und sittlich über den unbelehrbaren holzköpfen, die auch heute noch von Rache und Revanche schwafeln! Aber wird di« Bekundung einer Friedensgesinnung, die Millionen anderer Deutscher und Engländer auch haben und die sür sie etwas völlig Selbstverständliches ist, bei hashagen dadurch besonders ruhmvoll, daß sie 26 versenkte U-Boote und Tausend« in den Tod gejagter Matrosen zum Hintergrund hat? Man wird hashagen nicht der Konjunkturausnutzung verdächtigen dürfen. Im Krieg war er aus ehrlichem herzen ein glühender Patriot, und im Frieden ist er aus eben so ehrlichem herzen eüt feuriger Friedensfreund. Kann passieren. Aber im nächsten Krieg? Wird er dann nicht mit eben der Begeisterung wieder Schisie versenken, mit der er augenblicklich seine Freundschast zu England beteuert? Wir erlebten bei Kriegsausbruch das neckische Spiel, daß Dichter, die vorher etwa ästhetische Snobs gewesen waren,, sich in Blut- und Essensänger verwandelten. Seht, sagte inan, wie der Krieg sie geläutert hat! Wir erlebten nach Friedensschluß das nicht minder neckisch« Spiel, daß haß- und Hetzpoeten die Friedensschalmei bliesen. Unser« Seele ist nun mal zwiespältig, sagten sie. Richtig Man kann sein Damaskus haben. Aber das Damaskus darf nicht zur Institution werden: gestern so, heute so, morgen so. Und mit dem Damaskus muß die Abkehr vom alten verbunden fein, feine Verfemung, seine Ausräucherung. Die beiden Kapitäne haben in London nichts ver- semt und nichts ausgeräuchert. Kein Wort ist gefallen gegen die Unwürdigkeit, die Verächtlichkeit des Krieges. Sie wollen sich bloß nichts nachtragen. Im Frieden Mensch zu Mensch. Im Krieg Bestie gegen Bestie— oder, zarter ausgedrückt, Patriot gegen Patriot. Der Mensch im Patrioten. Der Patriot im Menschen..... Die beiden. haben Schcrzchen gemacht über die vergangene Kriegs- situation, sie haben sie, unter dem stürmischen Beifall der Zuhörer, beschönigt, verniedlicht. Ach, wir haben schon vorher gewußt, daß Feinde im Kriege nicht Feinde im Leben sein müssen. Eine allzu billige Erkenntnis, deren Bestätigung nicht nöfig gewesen ist. „Ritterliche Gegner" sind die beiden genamtt worden, nun ja: un- ritterlich sollen sie auch noch sein! Es kommt so herzlich wenig auf den Drudcrkuß im Frieden an. wie es herzlich wenig auf die Reu« des Delinquenten unter dem Galgen ankommt. Es kommt vielmehr daraus an, daß es nicht erst des begangenen Mordes oder des vierjährigen Krieg«» bedürfen sollte," mn in Mord- oder Kriegs- toten ein haar zu finden. Zerrissen sind wir innerlich alle und«in bißchen Schweinehund steckt in jedem, aber damit ist noch lange nicht zu«ntschudigen, daß wir uns als einzelner zu einem Mord oder als Lolksglied im kritischen Augenblick zu aktiver Kriegs- befürwortung hinreißen lassen. „Ich hatte mein Schiff wie einen Stahlsarg oersinken sehen, der einen Teil seiner Mannschaft zu seiner Ruhestätte mitnahm," erläuterte Kapitän Lewis den Untergang eines von hashagen»er- senkten Schiffes. Schade daß den untergehenden Matrosen keinerlei Ausklärung mehr darüber erteilt werden konnte, daß hashagen fit der Torpedienmg mehr einen sportlichen als einen eigentlich f«ind- seligen Akt gesehen hatte, und daß die beiden Kapitäne, nachdem sie sich heute geschlagen hatten, sich morgen auch wieder vertrogen würden. Bischof und Volk. Oer Verliner Blschof bekennt sich zur Republik. Ungewohntes Bild im Sportpalast: Im Hintergrund rot« Samt mit einem goldenen Kreuz daraus, von den Decken herab neben den schwarzrotgoldenen Fahnen des Reiches, den Fahnen Preußens und Berlins die weißgoledn« Fahne des Papstes. Reichsministerz Staats- minister und kirchliche Würdenträger des Katholizismus sind zur Stelle. Der Berliner Bischof V. C h r i. st i a n Schreiber tritt in in vollem Ornat ein, um über das Thema..Bischof und Boll" zu sprechen. Das Wichtigste dies: Rückhaltlos bekennt sich der höchste Vertreter de» Katholizismus in Berlin zum neuen Staat, zur Republik.„In seiner überwältigenden Mehrheit hat sich das deutsche Volk nach freiestem Wahlrecht für die Republik entschieden. Wir Katholiken sind verpslichtet, alle Umsturzpläne zu bekämpfen, ich ruse deshalb alle Staatsbürger auf, unter besonderer Beachtung unserer wirtschaftlichen Schwierigkeiten und der Fragen der Außen- Politik den Streit um die Staatssorm zu beseitigen." Roch deutlicher wendet sich der Bischof gegen die staotsfeind- lichen Destrsbungen der Reaktion, wenn er sagt, daß ihm von Christas die Pflicht aufgegeben ssi, Ruhe« Ordnung und Frieden des Volkes aufrechtzuerhalten. Er will Dolksbischof sein, er betont, I daß er selber einer handwerkersamilie entstamm!, und er hält es für seine Pflicht, neben dem geistigen Wohl auch das leibliche Wohi im Auge zu behalten. Er spricht von dem Verständnis für die Nöte der Arbeitslosen, für eine ausreichende Entlohnung der Schaffenden, für?in menschenwürdiges Dasein aller und für die schweren Fragen de» Wohnungsmangels. Man möchte wünschen, daß im Zentrum die Herren um Klöckner diese Worte des Berliner Bischofs ganz besonders beherzigen, aber man hat die Besorgnis, daß diese Hoffnung vergebens ist. Bergarbeiier und englische Regierung. llebei einflimmung in der Bergbaureform. London, 21. November.(Eigenbericht.) Der britische Bergardeiterverband hat dem Bergbaugesetz der Regierung am Mittwoch aus einer auh«rordeiulich-n Tagung in London seine Zustimmung gegeben. Alle Bergbaudistrill«, ausgenommen Yortshire und Forest of Dean, stimmten für das Gesetz. Der Präsident de« Verbandes, Richards, erklärte noch Schluß der Sitzung, daß Regierung und Exekutive de» Verbandes alles tun würden, uin einen neuen Arbeitskompf im Bergbau zu verhindern Voraussetzung dafür sei allerdings die Beibehaltung der gegen- wärtigen Ahne bei osrtürzter Arbeitszeit und die Erhöhung des Akkords.__ ver.Voltschor Oft«" reranltalt-t Sonntag. 19'/, Uhr, in der Stadt« dalle. Klolterklr. 47—59, ein Konzert. Zur«luflflkirung gelangt.Der Rote PilgcrtadrI' non SrfM'tnai'" mit OribeNerdeakeltuna. Eintritt Mk. l,—. Kauen und zu haben: Äiidungsjcuriaual. Lindenitr. 3, B-ik«biIdung«awt ltriediichSbain. Markus- Sir 4V. Zigarrengelchäfl von Hofich(«eivrr'Ichaftibau»), im Lokal von Wittjchuh. Petersburger Ztr. 5 und an der Abendkasf» in der Stadthall«. Lack London-Gedächiaisfeier. In der Staatlichen Hochschule für Musik fand gestern abend in Anwesenheit der Witwe des Dichters eine Jack- London-Gedächtniefeier statt. Als den Dichter des Proletariats, als den großen reuolutio- nären Menschen zeichnete Egon Erwin K i s ch das Porträt des vor IS Iahren Verstorbenen. Was Jack London in größtem Maße charakterisiert, ist seine ungebrochene Erlebnissähigkett, sein lest-en- schaftlicher Wille, das Leben an sich zu reißen, es zu formen und zu gestalten. Er spottet einer Einschachtelung, einer Einfügung in i»s übliche System der Literaturgeschichte, er ist kein Dichter des Abenteuers, obwohl er dem Europäer gerade unter diesem Gesichtspunkt erscheint, denn das Leben, dos er darstellt, ist in Amerika nicht ungewöhnlich, ist eben Leben und nicht nur Ausdruck irgend- einer Sehnsucht oder irgendeines Traumes. Als Kämpfer für die Unterdrückten und als Kämpfer gegen das satte Bürgertum ist er gestorben Alfred B c i e r l e las drei Norellen. Beierle ist in Deutsch- land ein Dorkämpser für Jack London gewesen, und seine tempera- »ientvolle und lebendig gestaltende Art des Vortrags findet in diesen Dichtungen, die fast vor Vitalität bersten, einen Stoff, den er bis in dos feinste Geäder nachtasten und unmittelbar packend ausbauen kamt. Es entsteht eine lückenlose Interpretytipn, die den Hörer von Anfang bis zu Ende'die lövrganct« mit starker Intensität mit- erleben läßt. Frau Eharmiqn London sprach den Donk für die Liebe aus, die die Werte ihres Mannes in Deutschland gefunden haben. und Winsried Wals leitete die Feier nrit dem durchwühlenden Vortrog von Robert Schumanns„Wanderer-Fantosic"«in.— t. Knegsgräber-Kürforge. Es gibt in nahezu 40 Landern mehrere Tau sende deutscher Ktiegertriedhöj? aus dem Weltkrieg. Der Bsrtvag oon Versailles regell ihre Instandhaltung durch die zuständigen Regierungen. In- dessen hat es sich lserausgestellt, daß nicht alle Völker gleichmäßig gut für unsere verlassenen Gräber sorgen, und daß man auch im günstigsten Falle b«ssere und freundlicher« Ergebnisse sieht, wen» von Deutschland selber ans die Pflege übernommen oder ergänzt wird. Dieser Ausgabe hat sich seit 1010 der Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge unterzogen, der in 44 Verbäde mit 1328 Ortsgruppen gegliedert ist: in Verbindung mit dem Sluswärtigen Amt, das feit Kriegsende die Gräberpflcge in den außerdeutfchen Ländern und mit erheblichen finanziellen Mitteln übernommen hat unb für di« künstlerisch« Ueberwachung einen Kunstbeirat besitzt, dem u. a. Rcichskunstwart Dr. Redslob. die Professoren Edwin Scharsf. Bruno Paul, Franz Secck, Mi- nisterialdirektor Schüler und Or. In c. hieck« angehören. Der Nolksbund hat, vor allem in den letzten Jahren, Erheb- liches geleistet: zumal in Frankreich, Belgien, Litauen und Polen sind viele hunderte von Kriegssriedhösen erneuert, mit Umfassungen, Toren, Gedenksteinen, Bäumen und Blumenschmuck versehen und in einen einfachen, würdigen und zweckenssprechenden Zustand versetzt worden. Ein kleiner Bruchteil dieser Arbeiten, die von künst- lerischem Rang sind und nomhafte Architekten und Bildhauer zu Urhebern hoben, sind vom Bußtag an in der alten hauptwache am Opern platz auegestellt, in vorzüglichen großen Photographien: in der Eingangsholle auch ein Originalwerk, ein ergreifendes Kreu- zicmngsrelief mit den Namen der Gefallenen in schwarzem Granit, bestimmt für Ehateauroux tn Frankreich, von Ernst Geiger. Die schönen Räume der Schinkelschen Wache, die die Oeffentlichkeit setzt wohl erstmalig zu Gesicht bekommt, bilden einen passenden Ausstel- lungsort für die ernste, jeder Politik entrückt« Schau. I'.?. Leb 21 Lautfpiecher Un ftälnec vom Int Kölner 7--in tue, den in nndssui Seit 22 Laullprecher installiert werden, um desfere Hötmöglichteiien für die Kirchendelucher zu schaffen. Die Lautsprecher werden von zwei Stellen, dem Thor und der Kanzel auS, besprochen. Hamsun-Feier im„Kleinen Theater". „An des Reiches Pforten/' Leichtfertige Schülerinnen und Zöglinge einer dramatischen Lehrerin spielen Knut Hamsuns schwierigstes Stück. Sie nennen ihre Bußtagsgesellschaft die„Arbeitsgemeinschaft Bühne 1929". Sie wollen den Dichter, der 70 Jahre alt wurde, ehren. Sie entschuldigen sich, ehe der Borhang aufgeht, mit ihren guten Absichten, hofsnungen und Versprechungen. Man ist gerührt und möchte gern ein Sonn. iagsjäger nach neuen Talenten sein. Das war alles brav gedacht und wohl auch mit Feuer vor- bereitet. Auf einem Vorzugsplatz saß der norwegische Gesandte. und es wurde auf sein Land und seinen Dichter ein hoch ausgebracht, zu dessen Vollendung nur noch das Prosit der Gemütlichkeit fehlt«. hierauf begann das krause Drama, dos Knut Hamsun schon vor SS Jahren als Pariser Bohemien entwarf. Wenige kannten ihn damals, wenige erkannten ihn damals an, er war ein sehr verkanntes und sehr arm lebendes Genie. Das Stück enthält Strindberg und Ibsen, doch mehr Strindberg. | Hamsun wollte dem norwegischen Patriarchen und dem schwedischen Kinder, und Menschenschreck, die seinen Ruhm behinderten, impa- n-iertn. Er liebte die beiden, doch es war«in Liebeshaß. Wo Hamsun vor Studenten oder in literarischen Zeiischristen dos Wort nahm, beklagte er sich darüber, daß man ihn, der immerhin schon den„Hunger" und die„Mysterien" veröffentlicht hotte, nicht zum Ruhm gelangen ließ. Auch sein Theaterstück wurde ein Werk der Verbitterung, vigent- lich ein kleinliches Werk. Allee, was nicht wie der in Nachtarbeit Fiebernde«and. pliil. und Schriftsteller Ivar Käreno. der kein anderer als Hamsun sein sollte, denkt, wird zu den Gesinnung?» lumpen verworfen. Ivar kaut am trockenen Brot und am Cäsaren- wahnsinn. Er ist mit Nietzsche vollgestopft und meint, daß nicht die Menschcnmass«, sondern der U ebermensch die Welt fortbringen wird. Er ist sogar ein blutrünstiger Uebermensch und will die überflüssigen Drohnen von Zeit zu Zeit im Stahlbo-d des Krieges ersäufen. Sein Unglück vergrößert sich noch- well ihm ein dummes und eifer- süchtiges Eheweib an den abgeschabten Rockschößen hängt. Doch Frau Elina gebt ihm schließlich mit einem süßlichen Reporter durch. lieber dieses Mißgeschick ist Ivar gar nicht betrübt. Er ivill alles schlucken, um seinen genialen Kopf in Freiheit durchzusetzen. Da meldet sich der Gerichtsvollzieher, der ihm das letzte Bett und den von e-wig abgelehnten Marnsskrivten überlasteten Schreibtisch hinaustragen wird. Also bleibt das Genie als eine traaisch-läckerliche, von den Stümpern überholte Figur ollein auf der Bühne übrig. Natürlich fehlt in dem Stück nicht das Element, das spezifisch hamsunsch, tiefsinnig und mystisch ist. Doch di« jungen, fortwährend über die eigenen Zungen und Glieder stolperpden Theateranfänger besitzen außer ihrem guten Willen nur noch ein peinigendes Pathos. um diese symbolischen und psychologischen Spitzsindigkeiten zu ent- wirren. Vax Hodidorf. Ein geplatztes Pseudonym. Herr Wilhelm Herzog ersucht uns, festzustellen, daß ein von ihm und Rehfisch, dem Mtverfasser de» neuen Volksbühnenstiickes„Afsäre Dreyfus", eingesetztes Schieds- gerich: am 18. September entschiedui hat, daß das für beide Autoren geltende Pseudonym Rene Kestner in Kraft zu bleiben habe. Reh- fisch habe aber den Schiedsspruch sabofiert und Herzog allein das Stück vollenden lassen..Aus den beiden Fassungen, der gemein- schasllich vollendeten Rohfassung und der von Herzog allein her- gestellten, entstand durch die produktive M tarbeit Karl Heinz Martins der endgültige Bühnentext, der am 26 Roventbcr der Uraufführung in der Volksbühne zugrunde liegen wird/ Der Kunstmaler Waller Firle sst nach längerem Leiden in München gestorben. Firl« war in Breslau geboren und wirkt« seit 1870 an der Akademte in München Firle ist In vielen deutschen Galerien mit gefühlvollen religiösen Darftellungen vertreten. Neue» königingrab in Acgnplen aufgefunden, ver Leiter des ägyptischen Museums in New Dork tellt mit. daß bei Grabungen in der Nähe des Tempels Deir-el-Bahri bei Theben das Grab der Königin Meryet Antun, der Gattin des Pharaos Amenhoten 17 entdeckt wurde. Diese Entdeckung wird von den Aegyptologen c die reichste und wertvollste seit der Ausinttdintg des Jutonchnr Grabe» bezeichnet Donnerstag« 21. November. B e r 11 s. 16.05 Eduard Rhein:..RandfunJcempfanr«nd Klangtreue*4. 16.30 1. Reger: Silhouetten, op. 53(Theresa Dieiui-Slottko, Klavier).— 2. Arien(Marold Kravitt, Baß. Am Flügel: Julias Bürger).— 3. Alb6niz: a) Triana; b) Siquidillas(Theresa Diehn-Slottko).— 4. Aas Opera(Marold Kravitt). 17.30 Programm der Aktuellen Abteilung. 18.00 Hotel Bristol: Teemusik. 18.50 Dr Kurt Zielenziger:..Zündhölzer begründe« dae WeTtmacfaf*. 19.15 Heilfron: Rechtsfragen des Tages. 19.35 Chorgesang(Berliner Sänger-Chor, Mitglied des DASB. Dir.: Kapellmeister Philipp Heid). 20.00 Wiener Operette. 22.30 Funk-Tanzuntcrricht Anschließend bis 0.30 Tanzmnsik.(Tflrkenball im Zoe.) Während einer Passe Bildfunk. Kfioigsarnsterbaaaea. 16.00 Ob.-Sind.-Dir. Dr. Schönebeck: Die pädagogische AnsbÜdnag der Studienreferendare. 17.30 Zum 50. Geburtstage Heinrich Lilienfems: Heinrich Uflenfein liest ans eigenen Werken. Einführung: Dr, Konrad Dürre, 18.00 Dr. Ernst: Elsaß-Lothringer im Reich. 18.30 Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55 Min.-Rat Dr. Moritz: Die Mischfutterfrage, tf.II Heftfroa: Recht ifr« gen des Tage«. 19.38 Dr. Martha Bode: Wünsche des Käufers an dem Einzelhandel. 20.00 Vom Frankfurt: Jas KJepora singt. 21.35 Lieder(Francas AlL&om; am Flügel: Willy Jaegcr). Ole wettliche Schule in Tempelhof. Im Bezirk T«mp«lhof ist es dem Bemühen der Freien Schulgesellschaft gelungen, daß am 9. April 1929 die erste .,S a m m« l k l a s s e" für nicht am Religionsunterricht teilnehmende Schulkinder eröffnet wurde. 30 Kinder. 18 Knaben und 12 Mädchen, besuchen feil über einem halben Jahr diese Klosse. Sie hat ihren freunÄichen Schulraum im Schulhause Mantsusselstr 66. Die Freie Schulgesellsä>aft erstrebt nun einen weiteren Ausbau der Schule. In erster Linie ist es notwendig, daß«tm 1. April 1930 genüqend Schulanfänger vorhanden sind, um wieder eine acht« Klalse eröffnen zu können. Darüber hinaus möchte die Frei« Schul- gefellschaft die Einrichtung der übrigen Gnutdschulklassen erreichen. Alle Eltern Tempelhofs und Mariendorfs, die ihr« Kinder vom Religionsunterricht abgemeldet haben und einer Sammeltlaffe der künftigen(Bemeinschasisschule überweisen wollen, werden deshalb aufgefordert, sich an eine der untengenannten Aressen zu wenden. Eile tut not, da spätestens am 25.. Rooember die Meldungen an die Behörde weitergegeben werden muffen. A n- Meldungen nehmen folgend« Schulfreunde an. die auch jede Auskunft gern erteilen: in Tempelhof: Frau Seiff, Braunschweiger Ring 46: Frau Setzer, Mussehlstr. 22: Frau fjafsner. Berliner Straße 142; Frau Müller, Germaniastr. 150: Frau Kruska, Berliner Straße 169, Baracke 5d: in Pariendorf: Frau Herzog. Königstr. 44: Frau Gericke. Koiserstr. 16d: Frau Stefan. Lankwitz«? Straße 33, Laube 2. Schiedsspruch in der Schuhindustrie. Lohnzulage& Pfennig, Laufdauer 16 Monate. Unter dem Vorsitz de» vom Reichsarbeiksmwlster bestellten Schlichter» wurde Mittwoch abend ein Schiedsspruch gefällt. Vach dem Spruch soll mit Wirkung vom Z. Dezember 1929 der Mindesllohu de» männlichen Arbeiters über 2t Jahre(Ortsklasse I) 95 Pfennig betragen(bisher 67 Pfennig). Di- übrige» Löhne sollen wie bisher gestassell bleiben, keinen Rechtsanspruch auf die Lohnerhöhung haben die Zettlohoarbeiier, deren Stundenlöhne den neuen Mindeststusenloho erreichen und die Akkordarbelte r, deren Verdienste lm Spartendurchschnikt den neuen Akkordlohn erreichen oder überschreiten. Die Reu- regelung soll erstmals zum 31. März 1931 kündbar sein. Die par- teien haben sich bis Mittwoch, den 27. Rooember, über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruchs zu erklären. Wetter für Berlin: Abgesehen von Morgennebeln heiter, bei leichten südöstlichen Winden, nachts vielfach mäßiger Frost, rasch ansteigende Tagestemperaturen.— Für Deutschland: Allgemein Fortbestoud des heiteren Wetters, nachts verbreitet Fröste und Nebelbildung. Hier»» I Ccilcae- Elnheltsverband lEiseDbahner Dentsdilands, Ortsoroppe Benip Allen Mitgliedern de« Reich»bahn> Ausb. sserunaeweele« Temgelhof und sonstigen Freunde» und Bekannten zur Nachricht, daß unser Berdand«. Nlitgtied. der Dreher Otto Knraal am Montag, dem 18. November, wi Alter von SS Jahre» wsolg»«wer Blinddarmerkrankung verstorbe» ist. Ehre seinem A»d»»t,»I Dl» Einllscherung stnde« am Fr»«. tag. dem 22 November, IS'ft Uhr, im Krematorium Srrichtstraße statt. Rege Beteiligung wllnscht via Ort TcrvaltaBt. SPD. 90. Ab«. Neukölln. Unsere alte Bartetgenosstn. Frau Emma Rautmann NenkZlln, Donanstr. IIS ist tun 18. November verstorben. Ehre ihrem Aadente»! Einitscherungoseler am Freitag, dem 22. November, nachmittag« i Uhr, in Baumschulenweg. zahlreich« Beteiligung erwstnscht Ver 2tb>«>luug»vorsta»d. 20 Üb,- Des Kaisers Soldaten CASIKO-THEATER Lothringer Sirahe 37. Nur noch wenige Aufführungen. uenagte Hochzellsnaclitl PUr unsere Leser: Gutschein fflr l—« Personen Fauteuil nur l�S Sessel 1.7J Sonstlee Preise- Parkett u. Ran«#Ji0 M GROSSES SCKAUaPiELHAUS 8 Uhr: 3 Musketiere Regie; ERIK CHARELL 3 Sonntag natfim. nagelt, balbe Pr. Reichshallen-Theater Abends[sj Sonntag nachm.[IQ „Bei de Stettiner Ulk-Re-rae*. McywX BillettbestZenüum 11263. Nachmittags halbe Preise. Oönhoff-Brottl! Das große Varleti-Progr. Tanr— Falkner-Oi ehester. Till. I Konten. S in« t'h Utr BuOirosu USl Prjisel-6IL Woienti; 5U.50Pt.-3P. Saraldlna u. Joe, En», Po war usw. .-Commcndrn Sonntag ansnabms- weise Be-inn O und 9 Uhr. Täg>. S II. 81� J SoaBL 2, 3 II 8 u ) Alex. C. 4. 8066 INTERNAT. VARIETE iRanunefldrn so nlag ausnahnsvelsn na> » voriialmngen um 6 onfl 0 ihr. Winrer * Qarreru 1 a um. mir. lila• limtin iruaki| | Jbo Bola, Jrvla Slsfor« cte. 1 Totrmonnfag|a 2»•rstsB � 3- und-> Uhr. 3" kleine Preise. Renaissance-Theater s-l. Uhr Ton In desTöpfers Hand Vaa Theodor« D r c I«• r. Regle: Ousr. Hartang. Ab Sonnabend, Pk Uhr: COEUR-BUBE - tWnltDCI. OMlo. JSIJ/M.— Standuhren €>0 f�larH QorosHI—-Mark« von R2CP �ICBVEC an mit Slähriser Garantie VoiHsbUlme rautv aaSliniliti 8 Uhr Frühllnos Erwachen ltutLSdiillu-TI>. 8 Uhr Des Kaisers Soldaten ThMttf«» PM Uhr Pennäler Pcntral- Th«at«r Alte JafcobttrAZ Gastspiel d. Th. d. Wl i° I Westtat I Täglich 8Ve Uhr IStg. 4 n. 8>A Uhr| Friederike von Fra Barnowskj-BOhflai nw»t«r II dw KSilggritnr Streb» Täglich 8k» Uhr Die erste mrs. semy mit Fmi Direktion «de. Robert Klein Deolsebes IKaslier-ThestJ Barbarossa 3«37 *48 Uhr Ende 11.10 Uhr Seltsames Zwlsfliensplei BerliDer M?r Dönhoff 170 8.. Berlin£33. 53, Leipzigersiraft« 57 (cpittelmarltl.__ Mm ioeaiei D.L Norden 12310 8»/. Uhr Der Kaiser V.Amerika von Bernard Shaw Rege Max Reinhardt Kammerspiele D.L Norden 12310 Pk Uhr Im geil. Aoiiditi Lustspiel von Prederik Lonsdaie Regie: Dustal GrOndgeos Die Komödie Jl Bismck.24 14/751 6 8% Uhr Ton Teofel geholt von Knut Hamsum Regie; MazReinbardt TL l HoDendürfplati Vorvk. 10-2. Kf. 2001 Täglich 8-:. Uhr tastspld los Btitsdug Tüaaion Die Fledens legi«; Hu liioiurdl. Pianeianam — am Zoe■— kull»«. JaAinuthsler itnli B.S Barbarossa 3578 16-/. Uhr Herbst «bmd««m Store»»- hla«Ml ISV. Uhr«Stool im StornoaUohtm 20>/« Uhr Bis■■ ii« Breum vor Volt Eintritt I Mark, Kinder 50 Pf. Mittwochs halbe Kassenpreise. Lessiog-Theater Norden 10846 Qrnppc fanger Schaaspleler Täglich 8'/. Ufer cyankaU Metropoi-Tb. 8V. Uhr Lebdr dirigiert Das Land des Lächelns Vera Sdawarv, Richard Tauber NaxTsdiadiedCo. Fachgeschäft für Bandagen nnd Krankenptlege-Artikel Bln.-Panlfow.Wollanlislr.l28 Fernsprecher; D 8 Pankow 2779 Lieferant der Krankenkassen Eigene Werkstatt Tagst, s. Raim.Tar Kottb. 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Nun wäre es wirklich an der Zeit, daß der uner- müdliche Leiter des preußischen Unterrichtswesens endlich die Ueber- zeugung gewinnt, daß seine Milde als Schwäche von den Ruhe- störern aufgefaßt wird. Die skandalösen Vorgänge der letzten Tage an unserer Universität zeigten uns deutlich, wohin die Verwilderung des radikalen Teils der deutschen Studentenschaft führt und noch ; weiter führen wird. Die respektlose Stellungnahme der Stu- dcntenrowdys dem Rektor der Universität Berlin, Herrn Professor S ch mi d t, dem hochangesehenen Gelehrten und vornehmen Mann gegenüber, tft eine Verwilderung und Verrohung der Sitten auf den Hochschulen, di« in Deutschland und der Geschichte der Universitäten beispiellos dastehen. Di« studierende Jugend ist nur ein Teil der deutschen Jugend, st« darf nicht der Verwilderung und dem Sittenverfall preisgegeben werden. Nette Zustände Ein Untersekundaner schreibt uns: Vor ein paar Tagen brachten Sie im„Abend" einig« Aufsätze von Untersekundaner an höheren Schulen. Ich möchte nun auch noch ein paar Wort« über Privatschulen schreiben. An Privat- schulen wird noch viel mehr Propaganda für Krieg und Monarchie getrieben. Vor ein paar Wochen, als sich noch alles um das Volts- begehren drehte, hielt unser Direktor in der Deulschstund« ein« regelrechte Propaganda für das Volksbegehren. Die Red« endigte ungefähr mit den Worten:„... und darum ist es selbstver- ständlich, wenn ein Strom der Entrüstung durch das deutsche Volk geht, und ein solches-Freiheitsgefetz verlangt wird." ' Als einmal die Rede auf den Skandal mit den Schulen kam, die am Derfassungstage die schwarzrotgoldenen Schleifen von den Kränzen rissen und zertraten, sagt« unser Direktor, daß Erziehung aber noch weniger als anderswo. Die erbauliche Ge- schichte von der„Ohrfeige zur rechten Zeit" gehört ins Reich der Phantasie. Der„Bakel" ist selbstverständlich eine Patentlösung, aber eine schlimme. Es gibt nur ein Mittel, das uneingeschränkte Anerkennung beanspruchen darf, das ist die vorbildlich« Hallung de« Erzieher». Aevermann. (11. Fortsetzung.) XU. Die Abdankung d« s Staates. Iir jener Stacht leudÄet der Po wie ein ungeheures silbernes Band in dem Frieden der schweigenden Landschaft. Kein Geräusch wird kaut, nur hie und da das Bellen eines Hundes oder des heraus- fordernde Kikeriki eine» Hahnes. D'e Dörfer am Rande des Flusses liegen in tiefem Schlummer. Dies Dorf, das sich zu Füßen seiner Kirche hinstreckt, ist P i n c a r a. Und dieses am<5nde des Ortes gelegene ärmliche Haus wird von einem Arbeiter bewohnt, dem Führer einer Gewerkschaft der Landarbeiter. Man sieht Schatten um da» Häuschen streifen. Da stehen mehrer« Menschen dicht hei, einander. Wer ihre Wort« verstehen könnte, der würde Grauen empfinden vor der Menschheit... Es schlägt vier Uhr. Schon sängt es am Horizont zu dämmern an. Da treten zwei Männer aus der Gruppe und rufen:„Hallo, G h i r a d i n i U Ein« Frau erscheint am Fenster: „Wer will meinen Mann?' „Gute Freunde. Wir haben mit ihm zu reden.' „Gleich wird er kommen." Im Schatten der Hecke beginnt wieder dos Flüstern. Ein Landarbeiter wird schnell mit dem Anzielen fertig. Schon hört man seinen Schritt auf der Holztreppe. Er öffnet die Tür: „?tun, wo sind die Freund«, d!« mich suchen? Was wollt ihr?" „Was man will? Sein Leben will man. Di« Schatten stürzen sich auf ihn... es sind ihrer fünf, ihrer zehn... schließlich werden es fünfzig. „Ihr Briganten!" Chirardini ist ein kräftiger Mann. In der Tür der Hütte stehend, sieht er trotzig auf die Angreifer: „Nicht hier, hier sind die Kinderl" sogt er rauh. Auch die Frau ist heruntergekommen und mischt sich tapfer ein. Ihr Schrei oerhallt in der großen ländlichen Stille. Dos Weinen der Kinder mischt sich mit den Flüchen der Angreifer. Man sieht Zwei weinende Kinder auf der Treppe. Sie scheinen die Wut der Mörder noch zu vermehren: „Du also bist der Führer der Gewerkschaft? Berrecken sollst du!" Der Landarbeiter ist schon von Blut überströmt. Er wankt. Er bricht zusammen. Man hört ihn flehen: „Genug, genug, habt doch Mitleid mit den Kindern!" Die Wichte wüten weiter gegen ihn und gegen die unglückliche Frau. Er röchelt. Man stößt die«isenbeschlogenen Schuhe auf den Schädel des Sterbenden. Jetzt hört man nur noch den Jammerschrei der Frau. Der Landarbeiter liegt auf der Schwelle seiner Hütte, in einer Blutloche, die Augen aus dem Kopfe, mit eingeschlagenem Schädel. Die Mörder suchen das Weite. Wie eine Wohnsinnig« eilt die Frau ins Dorf und weckt die Landleute. Von allen Seiten kommen die Arbeiter pnd treten in das Haus de? Verbrechens. Der Ermordete war ihr Genosse, ihr Führer. Er war der erste, der sie organisiert bat: or hat ihnen als erster vom Sozialismus gesprochen. Ihm danken sis es, wenn sie nicht mehr elende Parias sitib... Man bringt die rot« Fahne der Gewerkschaft, um die Leiche zu bedecken. Die goldenen Fransen trinken da? Blut des Ermordeten... Mit leiser Stimme berichtet«in Arbeiter:„Gestern abend hat man in San Giorgio einen Gewerkschaftler ermordet. Erst hat man ihn mit Steinwürfen gelötet, dann die Leiche ins Wasser ge- worfeir. Die Schufte hatten erst genug, als der Körper unter- gegangen war." Ein anderer sagt leise:„Wir müssen uns verteidigen." Dann kommen Frauen und bringen Arme voll Blumen... Was geschieht? In ganz Italien, von Sizilien bis zu den Alpen, hat die Offensive des Agroriertums und der Reaktion gegen dz» Proletariat eingesetzt. Bon einem Ende des Landes zum anderen hallt der wüste, verruchte Schrei der Schwarzhemden wieder. „A noi!"(Her zu uns), der überall das Signal des Ueberfalls ist. Der Faschismus führt die Offensiv«. Zu den jungen Leuten, die die ersten Gruppen gebildet haben, sind jetzt all die ge- stoßen, für die es«in Privileg zu verteidigen gibt. Gewalt ist Trumpf. Ueberall tritt die terroristische Organisation des agrarischen Bürgertums ckn die Stelle der Staatsgewalt. Der General st ab liefert den Faschisten die Waffen, die Gericht« sichern Straflosigkeit, der Staat deckt die Ver, brechet, die Banken geben das Geld, das die faschistischen Söldner unterhält. „Fort mit den Sozialisten!" ist der Schrei der herrschenden Klasse, die vor lauter Angst den Kopf verloren hat. Dt« Arbeiter- iaminern werden verwüstet. Dos hat in Trieft seinen Anfang genommen.„Wir sind bereit, zu sterben und zu töten!" lautet die uon Mussolini ausgegebene Parole. Das alte Italien der Faktions- krieg« ersteht wieder. Italiener kämpfen gegen Italiener, aber nicht mehr im Dienste des Kaisers oder des Papstes, wie km Mittelalter, sondern im Dienste von Privatintereffen d«r unsaubersten Art. In der Seele der Großgrundbesitzer und der reich gewordenen Bauern wacht der Haß aus. da? oltangestammte Gefühl de» Miß- trauen» gegen die. die«in« neu« Verteilung des Grimd und Bodens anstreben. Dar Feind ist heute der organisiert« Landarbeiter, wie es gestern der Landstreicher war, der nichts zu verlieren hatte... Gegen ihn ist alle» erlaubt, auch Handlungen, d« die Menschheit zeichnen mit einem Brandmal der Schande. Es gibt eine Presse, hie dem allen zujubelt, eine Regierung, dl« es hiilbet, eine öfientliche Meinung, die diesen Anfall des Haffes in das lügnerische Gewand d«s Painmismus kleidet. Wer wirklich noch einer Erklärung sucht, wird sie einzig und allein im Haß und in der panischen Angst finden. Zu Endo des Jahres 1920 war in Italien der Staat siegreich, fast gegen seinen eigenen Willen, aber immerhin war er der Sieger. Er hatte als feine Aktiva die fried- liche Beilegung der Fabrikbesetzung zu oerzeichnen und die Erledigung des militärischen Ausstandes. Er hatte die Arbeiter aus den Fabriken und D'Annunzio aus Fium« herausgebracht. Das Staatsbudget, das zwar noch nicht nn Gleichgewicht war, besierte sich doch von Tag zu Tag. Langsam fing man an, die Kriegsneurose zu überwinden. Bon der Höhe dieser Ueberlegenheit herab sah aber Gwlitti tatenlos und mitschuldig mit an, wie der Faschismus sich eine mili- tärische Organisation schuf und den Bürgerkrieg entfesselte. Halt« er dabei den teufllschen Gedanken, die Sozialisten unter der Drohung einer außerparlamentarischen Reaktion zum Eintritt in eine Koalition zu zwingen? Das läßt sich nicht ergründen. Sicher ist eins, daß in dem Augenblick, wo die Unruhe und Gereizt- heit der Nachkriegszeit einer klaren und maßvollen Ausfassung des Klasienkampfes wich, die agrarische Bourgeoisie den Zluftakl zum Bürgerkrieg gab und im Staate und in dessen Selbstaufgabe den Helfeshelfer fand. So erlebte Italien eine blutige Kontrerevolution als Antwort auf«ine rein rednerisch« Revolution. Aber es gab etwas, das die Reaktionäre viel mehr schreckte als revolutionäre Worte: das waren die Fortschritte des Sozialismus auf dem festen Boden der praktischen Errungenschaften— namentlich in den Gemeindeverwaltungen und den Kooperativen— und auf dem Weg« der gesetzlichen Erlangung der politischen Macht. Die Sozialistisch« Partei hotte zu Ende des Jahres 1920 bei den Wahlen der Gemeinde- und Provinzialvertretungen einen weiteren Erfolg zu verzeichnen. In 2162 Gemeinden war die Ber« waltung In die Hände der Sozialisten, der Arbeiter und Bauern gefallen, die bis vor kurzem vom politischen Leben ausgeschlossen waren und jetzt ihre ersten Erfahrungen in der öffentlichen Per. waltung machten und der Nation eine neu« herrschende Klasse heran» bildeten. Das mußte man verhindern. Durch Korruption, wenn das möglich war: durch die Gewalt, wenn die Korruption nichk hinlangen sollte. **» Am 15. M a i 1921 fanden unter der Ministerpräsidentschaft Giolittis Neuwahlen statt. Die Auflösung der Kannner in der durch den Beginn der agrarischen und faschistischen Offensive ge- schasfenen Situation war«in Verbrechen. Der alte Staatsmann beschloh sie kaltblütig, im Vertrauen auf eine Niederlage der Sozia- listen und der Katholiken. Seine Rechnung schlug fehl, denn er hatte den Mut und die Hingabe der Arbeiter nicht richtig angesetzt, und auch nicht mit den Ueberraschungen des Proporz gerechnet. Die Wahlen von 1921 waren im wahrsten Wortsinn höllische Wahlen. Man hatte einen nationalen Block gebildet, der von Giolitti bis Mussolini reichte. Diesem Block gegenüber standen die Sozialisten und die Katholiken. Auch diese letzten unter- hielten übrigens gewiss« Beziehungen zur Reaktion. Auch die Republikaner, die Kommunisten(die soeben eine eigene Partei gegründet hatten, worauf wir später zurückkommen werden) und kleine opposionelle Gruppen hatten in verschiedenen Wahlkreisen Kandidaten aufgestellt. Noch nie hatte dos Proletariat einen Wahlkampf mit derartigem Enchusiasmus geführt. Es besaß eine klarer« Borstellung der Ge- fahren, die ihm drohten, als feine Führer, und war fest entschlossen, feinen Feinden den Weg zu versperren. Nichts sollte es hindern, „rot" zu stimmen wie im Jahre 1919: weder die faschistisch« Gewalt, noch die Korruption der Regierung: weder die Enttäuschungen der letzten zwei Jahre noch die Parteispaltung. Die Verteilung der Wahlzettel erfolgte unter ungeheuren Schwierigkeiten. Manchem Kandidaten wurde es sogar unmöglich gemacht, sich ihren Wählern zu zeigen. Solang« der Wahlkampf dauerte, folgte eine Gewalttat der anderen. Während die offiziellen Kommuniques die Lage als normal schilderten, wurde in Pisa der sozialistische Lehrer E a m m e o in einer öffentlichen Schule vor den Augen seiner Schüler ermordet. In Lioorno wurde die Arbeiterkammer oerwüstet, in Bologna die Kooperativen geplündert. Aus Ligurien, Turin, Sizilien kam die Kunde wüster Gewasttaten. Modigliani und seine Frau, die heute im Exil leben, M a t t e o t t i und seine alle Mutter wurden wiederHoll überfallen. Vor den Toren von Pavio wurde der Kandidat S a l v a l e o ermordet, bei Rovigo tötete man den Organi- saior F o s sa t i durch Dolchstiche. In Apulien gab es neun, in Spezia sechs Tote. Das alles vermochte nicht zu verhindern, daß das Wahlergebnis sich gegen di« Gewalipolitik aussprach. Die sozialistische Stimmen- einbüße war gering. Die Partei tonnte auf ihre 1 569 553 Stimmen stolz sein, zu denen billigerweise auch die 291952 kommunistischen Stimmen zu zählen waren.„Das Proletariat hat die faschistische Reaktion unter seinen roten Stimmzetteln begraben," schrieb der „Avanti". Die sozialistische Fraktion belief sich in der neuen Kammer auf 123: außerdem waren 15 Kommunisten gcwähll. Der verruchte Anschlag Giolittis war also sehlgeschlagen. Aber das Parlament wies eine Neuigkeit auf, die bei der Kopflosigkeit der herrschenden Klassen hie allerscknversten Folgen haben sollte: einige dreißig Faschisten, d>« in der Liste des nationalen Blocks gewählt worden waren, zogen in die neu« Kammer ein.„W ir werden," schrieb Mussolini, der diesmal in Mailand und Bologna gewählt worden war,„nicht«ine Parlamentsfraktion sein, sondern ein Aktions« und Exekution» ploton." (Fortsetzung folgt.) FÜR DEN KLEINGÄRTNER. Die Spaliermauer, Der Garten ist di« erweiierte Wohnung-- dieses jetzt sehr beliebte Schlagwort findet eine gewiss«/ Korrektur in dem kalten norddeutschen Klima. Am ehesten läßt sich der Garten so Phantasie- »oll bezeichnen, der reich mit Obstspalieren versehen ist. Wo Spaliere an Grenz- oder Hausmauern ongebracht werden sollen, ist erforderlichenfalls darauf Rücksicht zu nehmen, daß dies« unterirdisch meist breitere Fundamente haben, so daß, wenn mau dicht an der Mauer pflanzen würde, die Wurzeln nicht genügend Raum haben würden. Außerdem hält ein so dichter Stand auch den wohltätigen Regen ungebührlich ab. Es muß der Boden längs der Spaliermauer In bester Weiss vorbereitet werden, was z w« ck- mäßig im Spätherb st erledigt wird, damit die im zeitigen Frühjahr vorzunehmende Pflanzung nicht nur gut ge- mischten Nährboden, sondern ihn auch als völlig gesetzten Boden vorfindet. Dies wird verständlich, wenn man hört, daß auf die Sohl« eines in Breit« von anderthalb Meter und Tief« von mm- bestens 60 Zentimetern ousgehobenen Grabens«in« Schicht uon Reisig in Höhe von 30 bis 40 Zentimeter kommt. Dies» Schicht wird bedeckt von einer nahrhaften Erde, di« au» der ausgehobenen Erde, Kompost, Lehn: und Send besteht und falls Kompost und Erde nicht nahrhaft genug sind, durch gut verrotteten Dung be- reichert wird. Für Aepfel und Linien zieht man weiße Farbe der Mauer vor, für Wein dagegen schwarze. Diese hält di« Wänne bester, man kann durch schnell hergestellte Schieferwände sich den schwarzen Hintergrund verschaffen. Beim Wein sallen auch die Latten und Drähte dickst an der Wand sitzen, dagegen bei Aepfel und Birnen etwa 12 Zentimeter ab. Südspalierlage ist natürlich die beste Lage; hat man weniger günstige Lagen, so müssen danach die Sorten gewählt werden. Je ungünstiger die Lage, desto mehr muß darauf geachtet worden, daß die zu wählende Sorte eine möglichst früh reifende Ist. IT D. Das Jauchen im Winter. Auf die abgeernteten Gemüsebeete kann frische Jauch« unbe» denklich gegossen werden, da Regen und Schnee die Arbeit der Der- dünnung und des Eindringens in die Erde übernehmen. Jetzt schadet es nicht, wenn die Jauche über das ganz« Beet weg ausgegossen wird. Sowie aber die Bestellung«ingesetzt hat, muß dies aufhören; man wird dann di« Jauch« auf den Komposthaufen gießen. Nicht imr der Unappetitllchkest halber mutz ein direktes Jauchen von Pflanzen unterbleiben, sondern vor allem deswegen, weil di« Pflanzen durch di« direkt« B«rührung mtt Jauche leiden. Man wird deshalb auf den Beeten zwischen den Pflanzenreihen Rillen ziehen, in di« man � bei trübem oder noch besser regnerischem Wetter(!)— die vergorene Jauch, gießt. Wo Vieh gehalten wird.»mpst'HU e» sich, allen Mist, Blut. Ruß usw. w Taimen mtt Jauch« oder auch nur Wasser aufzusetzen, um gut v«r- goren« Jauch« von bester Wirkung zu«rhatten. Mit solch«? abg«. standenen Jauche kann bei Regenwetter(!) in die Rillen der Beete mit Kohlpslanzon, Salat, Sellerie und Porree zweimal in der Woche aegosseu werden. Die Rillen erfüllen auch dann ihren Zweck, wenn man genötigt ist, statt der Jauche Kunstdünger zu geben. Di« Durch» feuckstung des Bodens muß von der Mitte der Pstanzenreihen aus- gehen, wo die Wurzelspktzen endigen. U, v. Frischhaltung von Schnittblumen. Es ist jetzt die Zeit der großblumigen Chrysanthemeir, die als Geschenk von lieber Hand aus den feucht-warmen Gewächshäusern in unsere meist mit trockener Luft angefüllten Zimmer hinüberwechseln müssen. Ihr schnelles Hinwelken läßt sich ein wenig durch geeignet« Behandlung aufhalten.'Nach dem Erhalt«ttferne man zunächst etwaig« durch den Transport eingeknickte Blätter und stelle die Blumen für eimas Zeit so tief in Wasser, daß nur die Blumen herausragen. Nachher muß man täglich das Wasser er- neuern und hei dieser Gelegenheit wird man die Stiele möglichst o-lt beschneiden. Eine verschiedentlich auxgeprobte Verstärkung des Einflusses des reinen Wassers auf di« Pflanzen wird bewirkt durch Beigab« einer Tablette Aspirin. Man braucht dann das Wasser auch nicht täglich erneuern. I>. Jeder Pflanze ihre Erde. Die Schwierigkeiten bei der Blumenzucht im Zimmer liegen ehunal in der Unmöglichkeit, genügend feucht«! Lust herzustellen, dann aber auch in der Beschwerlichkeit der Bereitstellung der für die betreffend« Pflanze goecgneten Erde. Was so als Blumenerde ver- kauft wird, ,st oft wenig geeignet, anspruchsvollere Pflanzen auf- zunehmen. Nehmen wir z. B. die bekannte Zimmerlinde (Lp-crmonnia, africana), so verlangt sie zum Gedeihen.mahrhaste. locker« Mistbeet- und Komposterde". Es ist die» noch eine besonders bescheidene Forderung— andere Pflanzen verlangen Beimischung von Sand, Lehm, Heideerde, Lemberdr, verrottete Rasenerd« u. o. Der Anfänger namentlich ist meist geneigt, di« Pedeuttmq dieser Vorschriften als gering anzusehen, aber Vergleich« seiner Kulturen mtt denen richtig arbeitender Gartenfreund« werden ihn belehren, daß seine Anschauung falsch ist. P. D. Winterschutz der Bienen. Die Bienen gut durch den Winter zu bringen und sie richtig gegen alle Widersacher zu schützen, ist nicht so einfach. Zunächst achte man auf di« äußer« Verpackung der Körbe und Kästen, die stets der Witterung angepatzt werden muß. Die Abdeckung mtt Säcken, Decken und Zeitungspapior ist sehr zu empfehlen. Strohmatten und besonder» für diesen Zweck hergestellte luftdurchlässige Wärmekissen müssen an die Kastensenster angeschoben werden. Dabei sind die Glosfenster zweckmäßig durch Drahtgitter- fenster zu ersetzen, woil die? den Luftaustausch wesentlich erleichtert. Eine zu warme Einhüllung der Beuten, wie sie oft bei mildem Winterwetter vorkommt, ist von größtem Nachteil. Die Bienen werden dadurch unruhig, fliegen hier und da ab und beginnen Ende Dezember bereits den Bruteinschlag von neuem., Frühbrüter können wir aber in Deutschland«rfvhrungeaemäß nicht brauchen. Klima und Veget-iticrn bedingen ihren frühzeitigen Tsd. Am besten ist«s, wenn sich die Temperatur ln Körben und Kästen um 0 Grad herum bewegt. Steigt sie höher, so sind unverzüglich all« äußeren Umhüllungen zu entfernen. Bei dem Verengen der Fluglöcher, sowie beim Verschließen der Flugblenden darf man nicht all, zu gründlich sein: denn sonst schneidet mon den Bienen di« notwendige Lustzufuhr ab und verursacht ihren Tod durch Ersticken. Sonst ist jede Beunruhigung der Bienen, sei es durch Erschütterinigen oder durch Tiere, unbedingt zu vermeiden, Gegen Mäuse streue man Gistkömer. C. B. Eflr&etteT�-poP't' Bu�tagsarbeit im Arbeitersport. Wenn an einem prächtigen Herbsttag wie dein gestrigen die Veranstalter des Musterriegen-Wertungsturnens ein ausverkaustes Haus in jeder Beziehung aufweisen können, so ist da- mit der Beweis erbracht, daß auch auf diesem Gebiet der Arbeiter- spart leistungssähig ist. Der Wiederausbau der Bewegung ist oollendet, in alter, unentwegter Bundestreue wird im ersten Kreis gearbeitet. Fast 50 Riegen au? dem Gebiet des ersten Kreises, so aus Brandenburg, Eberswalde und vielen anderen Bundesvereinsn, stellten sich den Kampfrichtern zur Verfügung, ganz abgesehen von den Riegen der verschiedenen Bezirke der Freien Turnerschaft Groß- Berlin. Ausgezeichnet waren die Leistungen der Brandenburger an den Ringen, erstklassig die Eberswalder am Barren, die mit 1308.� Punkten den ersten Platz der Manner in der Oberstufe belegten. Die ganze Veranstaltung zeugte von guter organisatorischer Vor- arbeit durch den technischen Leiter Stanislaus. Durch aufgestellte Nummerntafeln an den Geräten, die mit den Riegennummern über- einstimmten, war es auf den ersten Blick möglich, sich erschöpfend zu informieren. In drei Gruppen zu je 16 Riegen wurde geturnt. Di« Kampfrichter hatten kein« leichte Arbeit, denn durchweg zeugten alle Uebungsfolgen der Jugendlichen, Iungmädchen, Frauen, Männer und auch der Mersriegen. daß alles bis ins kleinst« gut durchdacht und vorbereitet war. Schwierige Hebungen am Pferd zeugten von der Gewandtheit und Gelenkigkeit unserer Arbeiter, rurner, während die Hebungen am Barren und Reck ein hohes Matz der Körperbeherrschung voraussetzten. Die Zuschauer folgten mit sichtlichem Interesse ollen Vorführungen und bewiesen, daß auch das oielumstrittene Geräteturnen noch nichts von seiner alten Anziehungskraft eingebüßt hat. Während die Kampfrichter in emsiger Arbeit die Resultate«rrech- iteten, beschäftigten sich die Riegen im Kürturnen an allen möglichen Geräten: Ein großartiges Bild, das die bcgeffterten Zufchau.'r wiederholt zu Beifallskundgebungen veranlatzte. Die nachfolgenden Resultate lassen erkennen, welche Punktzahlen von den Riegen er- reicht wurden. RS»»«, vbiriws«. Beere»: Serswald« IZOS'.i; HTGB. BtfcWn« 1247%; Z-TSB. Sllben 1233; ssTSV. Sichtender«— Rixie lSchwun«)! Turner. stfiett Brandc nbur« 1142.— Res: Nordrina UlOVi-— Pferd(Seite): (ÄMB. Oft«! 1114.— SSäsaet.-JSitieftuk. Socwn: stTiSB, Osten 128:!. •-leaMetotf 11».(TT®®. Mitte 1190, ssTGB. Rolchrin« 10(t9H, Schjjneberj, tn«u.— 9Uä:(PS©®. Neukitstil 1241.— Pferd(Seile): SPS©®. NcuIMn (OSSI».— Hllttsttraen, Männer Barren! KTSV. ZSrddina ll(d>.— Pferd (Seite): 3T©B.»ieutdlln 104«: Maiil�orf»5.1 � vtüdr-ck: FT©® BZrddiiij, 1290.»reue» SS er 23 Zabre. Barren:(PS®®. Oftrn 1I72>,.— Bedpelreit: ST®®. Osten 1138.— Zumud. Oberstufe. Barren:(PTGB. Lichtender« —«ittrlfrnfe. Barre»: KT®«. Lichte:rb°rq U2K.— StLbreel:(rTS®.«eu- lalln 1138.— SzniaxSd»»-. Oberstuf». Barre», KT®®. R-ulMn 12L314:!PI®P. Sstdcn UW: f�GB. Licht-nb-r, USZ: tzT®®. Weddina IMO: ssT©B. Osten 1088: iPEto®. Weddina OTG.— Sittel stufe,«otren:(PTG®. Mitte 121»; FT®«. Pan!»w 1178.— Pferd ISriie): IpT®®. Osten HIS.— Pferd—«iSbrc«: (PTSB. Osten 1188. Euer durch den Plänterwald! Der Waldlauf der Berliner Bundesfreuen. Kreuz und quer durch den Treptower Plänterwald ging gestern bei herrlichem, sonnendurchstrahltem Wetter die wilde, sportfreudige Jagd von mehr als 170 bundestreuen Arbeitersportlern. Bon den Allerkleinsten, knapp in die Schule Gekommenen, bis zu den ganz großen Großen hatte sich niemand trotz der späten Jahreszeit ab- halten lasten. Bon den Gemeldeten fehlte niemand, und so ergab jede Altersklaste einen Mastenstart. Die eigentlichen Freiluftkampfbahnen sind nun endgültig verlassen und nur ihr im Grund« schönster Sportzweig, der Waldlauf. ist geblieben, als befreiende Disziplin von der dumpfen Halle. Wald- lauf kann bei jedem Wetter van jedem Normalmenschen betrieben werden. Er ist neben dem Wintersport die dem Körper fordcrlichkte Sportart. Was zum Waldlauf am meist»« hinzieht, ist der rein«. ästhetische Genuß, den der ewige landschaftliche Szenenwechsel,, Wiese, Wald, im Winter die knisternden Schneefluren und dos Rehmen eines Hindernisses, ausmachen. Kein häßliches Ringen des einen gegen den anderen, denn das gemeinsame Bezwingen der Strecke und nicht des Konkurrenten steht im Vordergrund. Bon diesem Gedanken gingen auch die Techniker unserer Arbeitersporller aus, als sie den gestrigen Herb st Waldlauf zum überragenden Teil als Mannschaftswettbewerb und nicht nur als Einzelkon- kurrenz aufzogen. Die erschienene starke Wettkämpferzohl recht- fertigte die Idee. Meine M a n n s 6) a f t—- nicht ich!, so lautet« d!« Parole im Plänterwald. Herzers reuend war es. wie die Aller- kleinsten munter nach dem Startschuß losstürmten, als ob nach 20 Metern schon das Ziel wäre. Frisch, ohne starke Ermüdung«- erfcheinungsn, hat der erst« sFlatow-ASE.) die SOO-Meter-Strecke bezwungen. Ein vielleicht achtjähriger Knirps(Georges au» Spandau) ist ihm dicht auf den Fersen. Nach den Schülern folgen mm Schlag auf Schlag di« Starts der Jugendlichen, der Männer und des Propagandaleufs der Frausti. Den Hauptlauf dar Männer.-V-Älaste(3000 Meter), gewann, wie erwartet, in guter Zeit(S: ZZF) ASE. I vor vstring in 9: 30 und Moabit I weit zu- rück in 9: 42 Minuten. Im 3000-Meter-Einzellauf der Männer siegte überraschend frisch und mit etwa 60 Meter(!) Vorsprung ein Vertreter der„Provinz"', Huwe-Ruhksdors. Seine Zeit von 9: 06 'st ganz ausgezeichnet. Zweiter wurde Iischer-ASE. vor Schwarz- Eberswalde. Die Provinzvcrtrcter haben mächtige Fortschritte gc- macht. Einen intereisanten Endkampf gab es in der Männer- EB-Klaste, wo es der Süden I-Mannfchaft durch einen energischen Endspurt aller drei Schlußläufer gelang, die Oberspreer, man möchte sagen, auf dem Zielband abzufangen. Z«>O.M«tei,M>»»»!chast»lauf, Ränuer. Alaffc.V. 1. Mo 1«SC. I 9:2,3; 2, Ostrin« 9:30: 3. Moabit I 9:42.— 2. Piannschaft-n: 1. ASC. W: 2, Osttin« II: 8. Wrbbinq I.— 3(M0.3Rcl«.ein*cUaul, Männer: 1. Suro«, Nubledorf, 9:W: 2.(pischrr, AEC.(30 Meter auriid): 3. Schwor«. Ederswalbe (30 Meter rurilrf).— 3l>«0>Mcter-Mannschaft»la»s. Männer, Aloise v: 1. Silben I: 2. Obcrsvrer:.3. Moabit.— 2009. Meter. Monnschastrlaus. Zu«eab. n 12: 1. Ostrin« I. 3:3«: 2. Wrtdin« II: 3. Wedbin« I.— Znqend, 13/14: 1. Zlorb. ring 11, 6:28: 2. Spanbau: 3. Pankow I.— eoO-Meter-Sinzellonf. Schüler: 1. Plalow, ÄSC. 6:14; 2. 33.erv«rsammlun« bei metenin«. Berliner Str. 100, Kreit»», 2J. November. 20 Udr. Br,irl»Iart-ll Xnptsn). All« Vereine. 61« dl« lpc«Mbe»cn nsSt de» llnlerttiifinctcn«Tn»cfcnM baden, mllfsen da» versäumt« sofort na. S« wird daraus Wnpemifftn. dafi Perein«, di« b!» spälesten»»um 35. nicht birichtc», tefn TUIeaaifonettcht zur Sartcitaeneralnersammluna I. A.: Dewald fr. ?«ie Kallkoottabrer Bett!».?«n»«rila». 21. November. 20 Ubr, Mit »liederversammlunn tm..Kackeschen Kot". Nosentbaler Stt. 41. Anfchliehenb »i(elli»«s Beisammensein. Röder, und Raau-Smi» 1924 r.«. iD'uiraitsHfcuua Donnerstag Ut. No- oortb«e. 30 Ubr, jnn �fcruwuriif.«m Oterbumn s. Aufnahme mm Mi«. »keder. �(fklchälfc'Jtnsmer � ttexiwü Jlorden-Csten. Fleisch Wurst Willy Hanka Bnmn eintrage 121-123 billig gut Fleisch- und Wurstwarenfabrik ERNST PRAEBENER Hauptgeschäft: Berlin N., Schönwalder Straße 18 Zweiggeschäfte; I500 Weddingholle, Stand I/ Müllerstraße ISO Schönhauser Allee 72a/ Wilmersdorf, Berliner Str.l Lanzenberger& Co. 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