Morgenausgabe Freitag �M�Zahvmg\i 22 November 1929 �BW? nfl �Av �»v Ml Groß-Äerlin 10 Pt- «S«-»W<»«?,. ,««. gZg n KS»Br> am! �.„.., tm 9orau» ioi}ibaz. voftbcjug 4�2 iR. EflB I BB{<�3 lU\Sa\f/ W»«S Bb|H WN Auswart? 15 Pf. .In,ch«.�ch so v,z. Paftz-ivins».->» KI �Sb b m Hl�HHH HH M r' Hr ki Ps» PoftdeileHgedühn» ilu»la«d»> i i�WK| HH|H HM w) H| WD �W MM W WM � MM p— «bonnfniHU 6.— TO. sre TOonu. BKH MM»M �H MW �H �M �M �M M) �M»W X' r»,«»»,»«>>>,,»lonpoieiDfjfn, WWW B B B B B B B B B— B HHI mk. ▼-JB MW B MW Bl|Bl tHl BH RH HB �H B«HHbkBv/.,«ie«ne«»»»ig-»-«-»»»«� M H MM Jm> MMeM M■ MM/ " 3aufm� 1,7J" �MSk � � M> WUhnnti; ffioVübn«»udrftab.» nnb Sfit- und„flinöerfreunb". S-m« ÄlUonl.ValnT/S essss � BsAitZeV Vottsvlatt wMM° Aentvawvsan des sozialdemokratischen Oartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 �ernlprtcher: Dönhoff 232—297. Telegramm-Adr.: Soziald«mokrat Berlin. ?. I die deutschnationale'Stadtverordneten- fraktion von 14 auf 8 verminderten, also sechs Hugenberger auf einmal aus dem Rathaus entfernt sind. Hier in der Stadt der pensionierten Generäle und hohen Be- amten haben sich für das Hugenberg-Begehr.'n nur Z.S Proz. der Wähler eingetragen, also fast 97 Proz. haben durch ihre Tut- Haltung zum Ausdruck gebracht, daß sie nichts von der politischen Bauernfängerei wissen wollen, deren Opfer sie werden sollten. In Kassel tagt der Kongreß der Monarchisten, also auf gut republikanischem Boden, und die Sozialdemokratie, die sichtbarste Vertreterin der nwrxistischen Ideenwelt steht unter allen Wählern weitaus an der Spitze, lim so komischer mutet es an, wenn die Partei Hugenberg« gerade hier ihren Bertretertag, der sich Haupt- sächlich mit der inneren Zerütiung der Partei beschäftigen soll, noch außen unter das Stichwort �Kampf dem Marxismus' stellt. In allen Reden, in ollen Parteitagsschriften kehrt dieses Stichwort wieder. Da die eigen« Idee versagt, versucht man es mit dem Kampf gegen eine werbende Idee und gestaltet so den Parteitag der konservativen Deutschnationalen zu einem Reklame- kongreß für den Marxismus. . Der eigentliche Bertretertag soll erst am Freitag beginnen. Heute haben inzwischen allerlei Gruppenversammlungen sich abge- rollt. Beamte, Lehrer. Katholiken. Frauen und— selbstverständlich auch..Arbeiter' tagten in besonderen Konferenzen. Dos Haupt- interesfe war natürlich der Tagung des Parteivorstandes gewidmet, aber diese blieb hinter verschlossenen Türen. Am Abend waren die Pressevertreter zu einem Empsang geladen. um ei?« Red« Hugenbergs anzuhören, aber obschon diese sich pünktlich um HS Uhr programmäßig sich einfanden, wurde e» fast zwei Stunden später, bis endlich der groß« Mann erschien. Im Parteivorstand. wo Hugenberg Bericht erstattet hatte, konnte nron sich nicht eiirigen. Alan sagt, daß besonder» der berüchtigte tomdesverratspara. graph Znflationibegehreu stundenlange Erörterungen au». Borwärts-Verlag G.m.b.H. gelöst habe. Aber man will auch wissen, daß die Parteioppo- fiilon nach allen Regeln aiedergestimml wurde. Ueber Beschlüsie des Vorstandes wird offiziell nichts mitgeteilt. Auch in seiner Aussprach« vor der Presse, die sich übrigens in politischen Gemeinplätzen über die Gefahren des Marxismus und über die Schrecken des Boung-Ploncs erging, hütet« Hugenberg sich, Wesentliches über Inhalt und Ergebnisse der Vorstandsbera- tungen zu sogen. Dagegen sickert« über den Dorschlag Hugen- bergs vor dem Vorstand« einiges durch. Danach hat der Herr über Kino uird Presi« als politische Richtlinie für die Innen- Politik seiner Partei ausgestellt, daß die Partei in Zukunft der „E ch a k a l- P o li t i k' der bürgerlichen Parteien ein Ende machen werde.,,> Die Parteien, dt« mit der inarxlstischea Sozialdemokratie kooUtioa bilden, sollten nicht daraus rechnen, daß die Deutsch. natioaalea ihneu tn Zukunft HIlssstellung leisten würden, wenn sie einmal etnms gegen die Sozialdemokratie durchsetzen wollten. ' Dagegen seien die Deutschnationalen bereit, nrit allen gegen den Marxismus kämpfenden Parteien Koalitionen zu bilden, aber nur gleichzeitig in Preußen und im Reich. Was die Außenpolitik anbelangt, so will Hugenberg die Auslöschung sämtlicher Kriegsschulden erstreben und beruft sich dabei ausgerechnet auf die gleichen Absichten der—«n g« lischen Arbeiterpartei! Dabei gesteht er offenherzig zu. daß er bei der Ablehnung des Poung-Plams nur die Ideen wieder- gibt, die seinerzett zur Befürwortung de,— von rhm durch Fern- bleiben vom Reichstag unterstützten— Dawes-Plans oorge- bracht worden sind. Von Interesie ist ein Zugeständnis: Die Deutschnationalen wollen inzwischen eingesehen haben, daß mit ihren Kampsgenossen vom Hakentreuzbanner keine Innenpolitik zu treiben sei. Deshalb habe sich auch der Vorstaist»— arrgeblich einstimmig— gegen d l« Hitlerleut« entschieden abgegrenzt, wie über- Haupt eine einmütige Aerpflichtung de» Vorstandes auf einer einheitlichen Parteilinie erzielt worden sei. Kernpunkt dieser neuen Lim« aber ist lediglich der Kampf>«geu den Sozialismus! Postscheckkonto: Berlin 37536.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamte«. Wallstr. 65. Dt. B.». DiSc.-Ges.. Dcpositebkaste Lindensir. 3. Ein Zioggenprogramm. Neuer Kurs in der Getreidepoliiik? Seit 1925 ist kein Jahr vergangen, in dem nicht wesent- liche Zollerhähungen für die Landwirtschaft beschlossen war- den sind. Das dauernde Aneinanderflicken von Zöllen hat ober «ine stabile angemessene Preisbewegung der Agrarerzeugnisse, insbesondere des Getreides, nicht sicherstellen können. Den übermäßigen Steigerungen sind übermäßige Preissenkungen, die infolge starker Ausweitung der Zwifchcnhandelsspanne nicht einmal den Verbrauchern in Form billiger Mehl- und Brotprerse zugute gekommen sind, gefolgt. Die abwärts gc- richtete Preisgestaltung des Roggens in den letzten zwei Jahren und insbesondere in den letzten Wochen, hat neue maßlose Zollforderungen der Agrarier auf den Plan gerufen. Die Regierung ist in diesen absolut auf Er- Haltung und Stetgerung der bisherigen starren Zölle gerichts- ten Forderungen nicht gefolgt, fondern hat ein Agrar- Programm zur Getreidestabilisierung beraten, das in den nächsten Wochen den Reichstag beschästigen wird. Das„Per- liner Tageblatt" veröffentlicht gestern abend dessen Inhalt: wie wir hären, entspricht dieses noch nicht in allen Einzel- heiten dem kommenden Regierungsprogromm. Positiv an diesem Programm ist, daß es neue Wege beschreitet. An Stelle des starren Zolles soll ein G l e i t z o l l treten, der die Preisschwankungen des Getreides vermindert. Um den Roggenabsatz zu vergrößern, sollen Verfütte- rungsprämien in Höhe von 4t>,— Mk. pro Tonne Roggen, die kein« zusätzliche Belastung der Reichskasse be- deuten, eingeführt werden, da in denselben Maße, in dem die subventionierte Roggenverfütterung zunimmt, der ver- lustbringe, che Roggenexport sich entsprechend vermindert. Mit dieser Bestrebung, die Roggenverfütterung zu verstärken und nicht, wie es vielfach gefordert wurde, durch Beimischungszwang von Roggenmehl zu Weizenmehl die Brot- und Mehl- qualität zu verschlechtern, ist ein gesunder Weg zur Lösung des Roggenproblems beschritten. Der bisherige Futtergersten- zöll von 2,— Mk., dessen Erhöhung auf 5,— Mk. die„Grüne Front" zum Kernpunkt ihrer Forderungen gemacht hatte, soll beibehalten werden, soweit die nordwestdeutsche Landwirt- schast neben der eingeführten Gerste auch deutschen verbillig- ten Roggen verfüttert. Wahrscheinlich wird die nur mit 2,— Mk. Zoll belastete Futtergerst« nur demjenigen Land- wirt verkauft, der den Nachweis bringt, daß er auf 7 Zentner Futtergerste 3 Zentner„vergällten" Roggen zur Berflltterung gekauft hat. Wichtiger noch als diese Förderung der Roggen- oerfütterung ist für die Bildung eines gesunden Roggen- Preises die Schaffung eines deutsch-polnischen Roggen-Exportsyndikats. Polen yat in den letzten Wochen GetrekdeexportprSmien eingeführt, die eine starke Senkung des Roggenpreises auf dem Weltmarkt zur Folge gehabt haben. Da der deutsche Roggenpreis vom Weltmarkt. preis abhängig ist, sind die deutschen Roggenpreise infolge der polnischen Maßnahmen stark gesenkt worden. Polen und Deutschland konkurrieren also aufs schärfste auf dem internationalen Roggenmarkt, den Schaden hat davon die pol- nische ebenso wie die deutsche Landwirtschaft. Unter Führung des Scheuerkonzerns sind Verhandlungen mit dem polnischen Roggenexportsynditat eingeleitet worden, um den Roggen- absatz auf dem Weltmarkt gemeinsam zu regeln und durch pflegliche Behandlung des Weltmarktes einen übermäßigen Preissturz im Interesse der Landwirtschaft beider Länder zu vermeiden. Ganz besonders drastisch zeigt dieses Beispiel, daß dem deutschen Landwirt nicht durch deutsch-polnischen Han- delskrieg, sondern nur durch deutsch-polnische Berständigung geholfen werden kann. Wenn wir den Versuch einer Getreidepreisstabilisierung durch den Uebergang vom starren zu einem beweglichen, an die Preise angepaßten Zollsystem begrüßen, so müsien wir doch gegen die Dorschläge auf Schaffung eines erhöhten glei- tenden Weizen- und Roggenzolles die a l l e r s ch w e r st e n Bedenken äußern. Es soll geplant sein, nach Inkraft- treten der autonomen Getreidezollsätze am 15. Februar in Höhe von 7,56 M. für Weizen und 7 M. für Roggen einen Ausgleichszuschlag von 2,50 M. zu erheben, solange die Wei- zenpreise unter 27 M.. die Roggenpreise unter 23 M. pro Doppelzentner stehen. Wir würden also, solange dieses Preis- Niveau nicht erreicht ist, einen effektiven Weizenzoll von 10 M. und einen effektiven Roggenzoll von 9,50 M. hoben! Sowohl die Zollhöhe als die in� Aussicht genommenen Richtpreise für Inkraftsetzung des höheren oder niederen Zolles gehen weit über dasjenige Maß hinaus, das im Interesse einer gesunden Entwicklung der Landwirt- schast zu rechtfertigen wäre und von der Verbraucherschaft als erträglich bezeichnet werden könnte. Es sehst in dem Plan jede Möglichkeit, den Roggen- und Weizenzoll, wenn das Preisniveau ein« angemessene Höhe überschreitet, allmählich unter den Zollsatz von 7 M und 7,50 M. zu senken, so daß ohne weiteres Getreidepreise von über 300 M. bei Aenderung der Weltmarktverhältnisse eintreten können. Die Zustimmung zu solchen Plänen kann der Verbraucherschaft nicht zugemutet werden. Ein Gleitzollsnstem hat für den Verbraucher mir dann Sinn, wenn in« Möglich lest gegeben ist. bei starker Die neuen Aararpläne. Beschlüsse des Reichstabinetts. Ueber die im Rahmen der zollpolitischen Neuregelung vom Reichskabinett gestern gefaßten Beschlüsse wird mit- geteilt: Lekarmklich tritt die Zolltarif-Novelle vom 17. August 1925 am ZI. Dezember d. 3. außer»rast. Wenn sie nicht verlängert werden würde, würden nicht nur wichtige Agrarzölle, sondern auch ein« große Reih« sehr wichtiger 3ndustriezölle in Aortsall kommen. E» ist beabsichtigt, in Verbindung mit der Verlängerung der ge- nannten Zoll- Novelle, die im Sommer dieses 3ahres un- erledig« gebliebenen zollpolikischen Aragen auf landwirtschasttichcm Gebiete zu regeln und daneben einig« dringliche Maßnahmen auf dem Gebiete der Marktregulierung zu treffen. E» handelt sich zunächst um das Gelreideprsblem, bei dem wiederum die Roggenfrage im Vordergrund steht. Infolge der guten Roggenernten der beiden letzten Jahr« sind große Hebers chüsse vorhanden, die preisdrückend aus den Markt wirken. Der Gedanke, durch Einführung eine» Beimahlungszwanges vom Roggen zum Weizen einen vermehrken Roggenverbrauch zu erzielen, hat sich in. folge unüberwindlicher technischer Schwierigteilen als undurchsühr- bar herausgestellt. Es bleibt daher nur übrig, eineu Anreiz zur v e r- stärkten Roggenverfütlerung zu geben. Dies soll da- durch erreicht werden, daß verbilligter Roggen aus dem Osten nach dem Westen geschafft und dort zusammen mit niedrig verzollter Gerste den Schweinemästereien zugeführt wird. Dadurch wird aus der einen Seite eine Entlastung der Roggenmärkie de» Ostens er- reicht, auf der andern Seil« eine stärkere Verfütteruug von Roggen im Westen unter gleichzeitiger Sicherung de« Gersteubezuges für die Schweiucmäster zu d«n bisherigen Zollsätze, wer nicht den Nach- wei» erbringt, daß er derartigen verbilligten Roggen zu Aüfte- rungsz wecken gekauft hast wird in Zukunft Gerste nur zu erhöhten Zollfähe«, nämlich 5 M.. beziehen können. Al»«eitere Maßnahm« zur Stützung de» Roggenniarkles ist die Einlagerung einer größeren Menge Roggen be- absichligt. Aür Roggen— und entsprechend für die übrigen Getreidearlen — wird ferner erwogen, die Zölle de« jeweils geltenden Prelsverhältniffen anzupassen. Grundsätzlich sollen die jetzigen Zölle für Getreide beibehalten, aber bei Unter- schreiten bestimmter Preisgrenzen erhöhl und bei lleberschreilea gewisser Preise ermäßigt werden. Ferner werden auf dem Gebietdervleh-undAleisch. Zölle, die bereit» im handelspolitischen Ausschuß des Reichstage» behandelt worden find, Maßnahmeu zu treffen sein, die den ve- schlüssen des vorgenannten Ausschusses im wesentlichen entsprechen. « Es war zu erwarten, daß die Diskussion über die neue Zollregelung eine Flut von neuen Zollwllnschen zutage fördern wird. Das Reichskabinett beabsichtigt demgegenüber zunächst nur eine Verlängerung der Zollnooelle von 1925 unter Ergänzung der bisherigen Zollordnung durch besondere Maßnahmen für die Getreidewirtschaft.- Die von der Industrie, besonders von der T e x t i l i n d u st r i e auf- gestellten maßlosen Forderungen wurden nach unserer Kenntnis schon im Kabinett abgelehnt, nachdem es klar war, daß die Forderungen der Industrie ebenso maßlose neue Gegenforderungen, insbesondere der Landwirtschaft, hervorrufen mußten. Es ist dem sozialdemokrati- schen Einfluß zu danken, daß die Schutzzollsanatikcr oller Art nicht neue Triumphe feiern konnten. Die von bürgerlichen Blättern gemeldeten Roggen- und Weizenrichtpreise von 230 bzw. 270 Mark pro Tonne sind nach unserer Kenntnis noch nicht Beschluß des Kabinetts, sondern bedürfen noch der Festlegung. Im Reichstag wird diese Preisfestsetzung noch Gegenstand harter Kampfe sein. , Selbstverständlich wird die Sozialdemokratie, wie schon bisher, bei aller Rücksichtnahme auf die Bauern, den Schutz der Derbraucher zum Mittelpunkt ihrer Entschließun- gen machen. Oer Parteitag der Geschlagenen. �eklametongreß für den Marxismus. Preissteigerung die Zölle unter das bisherige Maß zu senken und notwendigenfalls ganz abzubauen. Sonst ist eine Stabili* sierung nicht erreichbar. Außerdem liegen die in Aussicht ge- nommenen Richtpreise wesentlich zu hoch. Auch wir sind der Meinung, daß das gegenwärtige Roggenpreisnioeau recht niedrig ist, würden es ober für einen schweren Fehler halten, in der Landwirtschaft auch nur die Illusion zu erwecken, als ob so ausgesprochen überhöhte Getreidepreise, wie sie das Pro� gramm des Reichsernährungsministcrs vorsieht, irgendwie im Bereich einer wirtschaftlich vernünftigen Möglichkeit liegen oder auch überhaupt nur erstrebenswert find. Ganz abge- sehen von der hieraus entstehenden schweren Belastung des Verbrauchs müssen erhöhte Getreidepreise die in der ganzen Landwirtschaft so dringend notwendige Rationalisie» rung hintanhalten. Ueberhöhte Roggenpreise müssen überdies die geplante verstärkte Roggenverfütterung sabo- tieren. Das Programm leidet also an dem schweren Wider- s p r u ch, daß ein Teil, nämlich die übermäßige Roggen- preisvalorisierung, einen anderen Teil des Programms. nämlich die verstärkte Roggenverfütterung, verhindert. Diese übermäßige Roggenpreishebung ist auch gar nicht möglich, wenn nicht das Reich zu den bisherigen Einfuhrscheinsubven- tionen beim Röggenexport abermals ungezählte Millionen neuer Zolloerlufte aus sich nehmen will. Bereits die bis- herigen Roggenexportverluste dürften in diesem Jahre 4V bis 60 Millionen erreichen. Wir halten es im Zusammenhang mit der deutsch-polnischen Rogenverständigung für eine absolute Selbstverständlichkeit, daß die Roggenausfuhr- Verluste nicht durch neue, womöglich variable Erhöhung der Einfuhrscheine sinnlos gesteigert werden, sondern daß das Exportdumping nach der Verständigung abgebaut und der Roggeneinfuhrschein stabil auf 5 Mark festgesetzt wird. Würde der Einfuhrschein ebenfalls variabel gestaltet, so müßte sich eine gewaltige unerwünschte Spekulation mit Einfuhrscheinen entwickeln. In Polen konfisziert! Polen und die Internationale Vov Emile Vandcrvclde- Nur aus der starken Ueberfchätzung des Ge- t r e i d s p r o b l e m s für die Gesamtlandwirtschaft lassen sich diese Fehler des Programms oerstehen. Bon den Ver- kaufsprodukten der Landwirtschaft betragen die Getreide- einnahmen nicht mehr als 10 Proz. Es sollte Aufgabe der Regierungskoalition fein, in richtiger Einschätzung dieser Bedeutung eine endgültige Lösung des Gstreideproblems nicht nur durch übermüßige Hochhaltung der Preise, sondern durch Ausarbeitung eines vernünftigen Rationallsierungs- Programms zu suchen. Parole: Fernbleiben! Keine Stimme abgeben am 22. Dezember. Die Sitzung des Parteiausschusses am Donners- tag befaßte sich mit dem Ergebnis sagte folgenden Beschluß: des Volksbegehrens und „Die Partei wird sich mit gesammelter Kraft für ei» Scheitern des Volksentscheids und damit für ein« Der- stärkung der Niederlage der Rechtsaktion einsetzen. Für den am 22. Dezember 1929 stattsindenocn Volksentscheid über den Gesetzentwurs zum Poung-Plan fordern der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und der Part«- ausschuß deshalb zum Fernbleiben von der Ab st im- mung auf. Wahlberechtigte, die sich dem Terror der Reaktion, besonders in kleineren Orten, nicht entziehen können und gezwungen werden, zum Volksentscheid zu gehen, sollen ihre Stimme ungültig machen, indem sie sowohl das Ja wie auch das Nein durch- streichen." Außerdem behandelte der Parteiausschuß das Ergebnis der Prooinzialandtagswahlen in seiner Wirkung auf die Zusammensetzung des Preußischen Staatsrats und des Reichsrates. Hilfsaktion für die Deutsch-Russen. Verhandlung mit Kanada. Der sozialdemokratische Reichstagsabg. Stücklen hat feine Tätigkeit als Relchskommissar für die Deutschrussenhllfe eufgenom- !.,«» und wird zunächst die Auswanderer in Hamburg besuchen. In London ist Legationsrat S e l h e i m eingetroffen, um mit der kanadischen Regierung über die Einreise, den Transport ufw. der deutschen Rußlandbauern zu verhandeln. Die badische Regierung. Wahl im Landtag erfolgt. Karlsruhe, 21. November.(Eigenbericht.) Der Vadische Landtag wählte cm Donnerstag mit den Stimmen des Zentrums und der Sozialdemokratie den bisherigen Präsidenten des badischen Rechnungshofes Wittemann(Z.) zum Innenminister, den bisherigen Innenminister Dr. Remmele (Soz.) zum Justiz- und Kultusminister und den bisherigen Minister Dr. Schmitt(Z.) zum Finanzminister und Staatspräsidenten. Der sozialdemokratische Abgeordncic Emil M a i e r wurde zum Staatsrat gewählt. Im weiteren Verlauf seiner Sitzung beschloß der Landtag eme Aenderung seiner Geschäftsordnung, indem die Befugnis des Prä- jidenten gegenüber den Abgeordneten, die in gröblicher Weif« die Ordnung des Hauses stören, erweitert wurden. Die neuen Bs- stimmungsn richten sich vor allem gegen den kommunisti- schen und nationalsoziali st ischen Radauparla- mentarismus, dem durch Ausschluß bis zu SO Tagen mit dem Entzug der Diäte» und der Freifahrkarten ein Riegel vorgeschvben werden soll. Ministerpräsident Tardieu stellte gestern in der Kammer die Vertrauensfrage, um eine Vertagung der Diskussion der Interpellationen über das Saarproblem auf unbestimmte Zeit zu erreichen. Die Kammer stimmte ihm mit 337 gegen 244 Stimmen zu und faßte einen entsprechenden Beschluß." Warschauer Jungkommunisten versuchten, zum Gründungstag ihrer Internationale zu demonstrieren. Die Polizei ging scharf vor und tötete einen Unbeteiligten. Mehrere Demonstranten und zwei Polizisten wurden verletzt. Der deutsch-polnische Korridorslugvertrag ist i» Kraft getreten: Deutsch« Lustlinien nach Ostpreußen über den Korridor und polnisch« über Wcst-Oberschlesicn werden dadurch ertaubt. wegen Abdruck» de» folgenden Artikel» ist da» Warschauer sozialistisch«„Roboluit" bcschlaguahml worden. Brüssel. Mitte November. Di« Stunde oerlangt, daß die Internationale ihr« Blick« nicht nur nach Oesterreich, sondern auch nach Polen richte. In beiden Ländern, so verschieden auch die Lage ist, sind die Drohungen mit einem Staatsstreich die gleichen. In Oesterreich steht der Sozialdemokratie eine klerikal bürgerliche Koalitionsregierung gegenüber, die sich die reaktionären Pläne des Faschismus zu eigen gemacht hat, ohne auf gesetzlichem Weg ihre Ziele erreichen zu können und sei es durch ihre Schwäche oder ihre Willfährigkeit den Verdacht auf sich lenkt, daß fie im kritischen Augenblick den Helfershesiern des Bürgerkrieges, den be- waffneten Banden der Heimwehr, das Steuer übergeben wird. lWenn sich jedoch die Nachrichten über«in Kompromiß in der Der- fassungsfrage bewahrheiten, hat diese vefürchwng ihren aktuellen Charakter verloren. Red. d.„V.".) In Polen liegt die Sache ganz anders. Unsere Genossen, die im Parlament und den verfasiungsmätzigen Freiheiten ein« unumgänglich notwendige Garantie erblicken, ohne daß sie auch nur im geringsten dem„parlamentarischen Kretinismus" verfallen wären, haben es mit einer Minoritätsr«gleruny zu tun, die aus einem ersten Staatsstrelch hervorgegangen Ist, wo die wirkliche Ge- malt einem„Nationalhelden" zusteht, der einst etn Mann der Linken war, übrigens auch jetzt noch das„schwarze Schaf" einer rechts- radikalen Gruppe ist, aber immer mehr in die Abhängigkeit einer Militärkamarilla gerät, die man in Warschau die „Oberstenpartei" nennt. Die International« hol nicht erst mis jene bösen Vor- zeichen, fen« Zwischenfälle gewartet, die die Eröffnung des Sejm moralisch unmöglich gemocht haben, um sich Mit dieser Situation zu befassen. Bei den großen internationalen Versammlungen, die im Just in den großen Städten Polens stattfanden, haben so be- deutende Männer wie Crispien, der Präsident des Deutschen Reichstags Löbe, der Sekretär der englischen Eisenbahner Tramp, dessen Beziehungen zu der Regierung Macdonald oll- bekannt sind, die notwendigen Wort« gesunden, um den gegen- lvärtlgen Herren Polens herzubringen, daß eine Politik des Staatsstreichs gegen die parlamentarischen Einrichtungen nicht bloß ein« innere Angelegenheit. sondern eine Frage daxstellt, die ganz Europa angeht. Sind ihre Warnungen, die zwar in der Form gemäßigt, doch völlig klar waren, gehört worden? Wird Marschall P i l f u d s k i. der soviel getan hat. um ein freies und unabhängiges Polen zu schassen, das Abenteuer wagen? Wird er zum Leußersten schreiten, sich dem Druck seiner gefährlichen Umgebung unterwerfen, sich selbst auf- geben, die eigen« Vergangenheit mit Füßen treten und sein« zu- � sammenhanglosen Drohungen gegen Verfassung und Parlament in Polen zur Tat werden lassen? Um offen zu sprechen, unter denen, die ihn kennen, gibt es Leute, die das nicht glauben wollen. Aber ihre Zahl wird immer geringer. Unsere polnischen Genossen, die im Sommer noch einen gewisse» Optimismus besaßen, zeigen heute ernsthaft« Befürchlun- uen. Sie bereiten sich auf alles vor. Sie betonen ihr« Eni- schloffen heit, falls die Dinge sich zum schlimmsten wenden— alle Mittel zu gebrauchen, über die eine tatkräftige Arbeiter- schoft verfügt, wenn sie genötigt ist, sich gegen einen brutalen Gewaltakt zu verteidigen. Unter diesem Gesichtspunkt ist es ein« be- deutsame Tatsache, daß angesichts der gemeinsamen Gefahr die Sozialisten der polnischen Sozialistischen Partei(P P D.) und die des„B u n d", der bisher außerhalb unserer Internationale stand, eine gemeinsam« Kampfesfront gegen die Partei des Säbels aufgerichtet haben. Es bedarf keiner ausdrücklichen Er- klärung, um klarzumachen, daß olle Parteien der Sozialistischen Arbeiter-Intcrnationale in diesem Kampfe niit ihnen sind. Seit den Tagen, da Karl Marx seine Artikel über die ..Polendebotte in Frankfurt" schrieb, sind die Sozialisten aller Länder folgender prophetischer Erklärung eingedenk geblieben: „Es gibt notwendige Völker. Zu diesen»okwendige« Völkern gehört... unbedingt das polnische Volk". Und weiter:„Die Herstellung eines demokratischen Polens ist die erste Lediugung der Herstellung eines demokralischen Deuischlaods." Wenn aber ein demokratisches Polen für ganz Europa ein Unter- pfand des Friedens ist, wenn es die Perspektive bietet, daß schwierig« und gefahrvoll« internationale Probleme auf demokratischem Wege ihre Lösung finden werden— wer erkennt dann nicht, daß ein faschistisches Polen in den Formen einer Militärdiktatur nicht bloß ein Unglück für Polen selbst, sondern auch eine ernste Gefahr von Krisen und Konflikten über seine Grenzen hinaus darstellte? Ebenso wie die Krise in Oesterreich interessiert folglich die polnische Krise aus unmittel. barste Weise nicht bloß die Sozialdemokratie, sondern auch alle jene, diq für die Aufrechterhaltung und die Befestigung des Friedens in Europa und besonders in jenen Gebieten Europas, wo er weiterhin gefährdet ist, besorgt und verantwortlich sind. Henderson hat dieser Tage im englischen Parlament über diese Frage bezeichnende Worte gesprochen, die in Oesterreich und in anderea Ländern starken und— wie man zu hoffen berechtigt ist— wirksamen Widerhall gefunden haben. Aber nicht bloß dem Eng- land der Arbeiterpartei, noch der starken tschechoslowakischen Republik allein, die in Mitteleuropa das stärkste Bollwerk der Demokratie bleibt, obliegt die Aufgabe, Warnungstafeln gegen die Regieningen aufzurichten, die vom Taumel der Diktatur ergrifsen sind. Unter den„Großmächten" gibt es«ine— braucht man sie erst zu nennen?— die besonders innige Beziehungen mit der polnischen Regierung unterhält und gerade wegen dieser Beziehungen besser als jeder andere imstande ist, in Warschau Worte der Vernunft zu sprechen. Niemand hat übrigens dos Recht zu zweifeln, daß sie das nicht sci)on getan lzat oder bereit ist es zu tun. Gewiß hoben nicht alle Mitglieder der neuen Regierung in Frank- reich bieher die gleichen Beweise einer wahren Treue zur Demo- kmtie und ihrer Ablehnung einer Diktatur gegeben. Aber wenn schon nicht auf ihre Sympathie, so kann man auf ihr Interesse zählen. Zur Stunde, da die Uprnhestister in Wien und in Warschau sich regen, rasend werden, Drohungen ausstoßen und ihre Absicht bekunden, den Rechtsboden zu oerlassen, da erhalten die Worte von Karl Marx au» dem Artikel über die„Polendebatte" von neuem packende Aktualität: „In dieser Zeit der ollgemeinen Verwirrung und Verwick- lung. wo jede beruhigend« Nachricht, die die Kurse«in Achtel Prozent steigen macht, durch sechs störende Schläge wieder ver- citelt wird... wo das unbeschäftigte Proletariat mit uner- schwinglicben Geldsummen unterstützt werden muß, um nicht in einem allg«meinen, letzten Verzrveislungskamps hincinoejaot zu werden— da sollen die Bourgeois dar drei zivilisierten Notionen" (gemeint find England, Frankreich und Deutschland)„noch eine neu« Schwierigkeit schassen?" Rechnen wir also mit dem wohlverstandenen Interesse de? Bourgeoisie, diese Komplikationen zu vermeiden. Rechnen wir auf den Einfluß und das Prestige der Regierungen, in denen die Sozialdemokratie Vertrauensmänner hat. Aber ahne andere Aktionsmöglichtoiten zu vernachlässige«, zähl« die International« vor allem auf sich selbst, auf den festen Mut jener unter den ihren, die an der Spitze des Kampfes stehen, auf die Hilf«, die ihnen die öffentlich: Meinung, die wahre Herrscherin der Welt, zu gewähren vermag. Das Bureau der Znkernalionale tagt am 23. und 24. Noosmbcr in Brüssel. Es veranstaltet bei dieser Gelegenheit, unter der Mitwirkung aller seiner Mitglieder, eine öffentliche Kundgebung. Man wird dort über Oesterreich sprechen. Aber man wird auch über Polen reden. Polizei prügelt Nauernfongreß auseinander. Lemberg, 21. November.(Eigenbericht.) In de» Kongreß der radikalen Klciabanernpartei drangen 25 Polizisten ein und warfen die Delegierte» unter schweren Mißhandlunge» hinaus. Der Zwischenfall hat große Erregung hervorgerufen. Ter Bericht über diese Vorgänge im„Robotnik" wurde beschlagnahmt. Oer deuischnaiionale parieiiag. Oppositionelle Stimme gegen Hnaenberg. Die„Deutsche T a g e s z e i t u na" begrüßt den Parteitag von Kassel mit einem Artikel: Wohin des Weges? Sie wendet sich sehr scharf gegen das Bündnis mit den Nationalsozialisten, noch schärfer aber gegen die Hugenbergsche Politik der politischen Abstinenz: „So wird z. B. vielfach für die künstig« Haltung der Partei die Forderung erhoben, st« müsse eine Politik des Alibi treiben, um im Augenblick des allgemeinen Zusammenbruchs den Nachweis führen zu können, daß sie bei jeglicher Ursache dieses Kladderadatsches nicht dabei gewesen sei. Dann könne sie den allseits enttäuschten Wählermasien schneeweih wie«in frisch gewaschenes L 2 mm che« gegenübertreten. Das ,st sicherlich ein« durchaus vertretbare Einstellung für einen nur auf das Agitatorische eingestellten Parteisekretär, aber s'e ist subal- t e r n für jeden, der irgendwie über den Parteipserch hinaus st a a t s- politisch sieht und empfindet. Diese Politik des Alibi kann von den Denkenden sehr leicht als Furcht vor der Lerantwor- t u n g aufgefaßt, als Ausfluß einer reinen überspitzten Partei- «instellung gewertet werden mit dem Ergebnis, daß sie dadurch selbst agitatorisch die Gewähr für ihren Erfolg verliert. Die Situation, in der sich die Recht« zurzeit in Deutschland b«- findet, gipfelt in der Gefahr, zwischen dem Naltonalmarxi«» mus auf der«inen Seit«, berussständischen Bewegungen und Mittelparteien auf der anderen zerrieben zu werden. Ihr« beträchtliche innere Auflockerung wird ernsthaft selbst im eigenen Lager nirgendwo bestritten." Es ist kaum nötig zu unterstreichen, daß sich der Vorwurf der Subalternität und der Furcht vor der Verant- wortung auf Hugenberg bezieht. Interessanter noch ist der Ausdruck, mit dem die„Deutsche Tageszeitung" die National- sozialisten getauft hat: Nationalmarxismus. Wo bleibt der Kampf gegen den Marxismus? Adolf, der Bundesgenosse. Hitler schreibt im„Völkischen Beobachter": „Ich»erstehe jeden Sozialdemokraten und jeden Kommunisten in seinem inneren Abscheu vor den bürgerlichen Parteien, und war« ich nicht Nationalsozialist, io könnte ich, da ich Marxist nicht zu sein ver mag, üb«rhaupt keiner Partei angehören." Da fehlt nun nur noch die Ausprägung: Lieber Marxist als bürgerlich' <5lemenceaus Zustand abermals ernst. Paris, 21. November.(Eigenbericht.) Der ehemalige Ministerpräsident E l e m e n c c a u ist am Donnerstag früh von einer neuen schweren Krise be- fallen worden. Gegen 0 Uhr begann er plötzlich über schneidende «schmerzen im Unterleib zu klagen, die fortgesetzt an Heftigkeit zu- nahmen. Nachmittags erholte sich der Tiger bereits wieder, nachdem er ein« Morphiumeinspritzung erhalten hatte. Sein Zustand gilt nach wie vor als ernst. Meldungco von einer allljchcchischen Regierungskoolition werden uns auf Anfrage in Prag als wahrscheinlich bereits üb.'rholt bezeichnet. Es dürfte hiernach zur rotgrünen Koalition kommen, d. h. tschechische Agrarier, deutsche und tschechische Sozialisten und Klerikal- 3m Gowjeiparadies. «.Warum habt Ihr die vielen Goldaten aufgestellt, Väterchen Kommissar?� «.Teils, damit Ihr nicht auf den Gedanken kommt, aus diesem Paradies auszuwandern, teils, damit nicht ausländische Lournalisten sich in unser Paradies einschleichen?'' Saarverhandlungen begonnen. Eröffnungsreden.— Ltnterausschüffe eingesetzt. Päd», 21. November.(Eigenbericht.) Die deutsch-französischen Verhandlungen am die Rück- glicderang des Saargeblel» haben am Donnerstag im Quai d'Orsay begonnen. In der Eröfsnuiigssttzung, die beinalie zwei Stunden dauerte. ergrifr zunächst der Führer der fran.zösii'chen Delegation, der Minister für öffentliche Arbeiten P e r n o t, das Wort, um nach einigen De- prüfeungsfäfzftt den Wunsch der frcmzösischen Negierung zum Aus- druck zu bringen, daß in den späteren Derhandlungen ein Ab- kommen zur Fortsetzung der wirtschaftlichen Annäherung der beiden Länder getroffen werden könnte. Der deutsche Delegationssührer, der ehemalig« Staatssekretär von S i m s o n, antwortete, daß die deutschen Unterhändler von dem gleichen Wunsche beseelt seien. Man kam schließlich überein, drei Unterkam Missionen zu bilden: für die Bergwerke, die Handelsfragen und die juristischen Fragen. Die Unterkor.rmissionen werden ihr« Tätig. keit erst beginnen, wenn die beiden Delegationssührer ihnen ihr« Arbeit zugeteilt heben. Die Verhandlungen dürsten sich außerordentlich lang- w i« r i g gestalten. Für Deutschland handelt es sich darum, dte o o l le Souveränität über das Saargebiet wiederzu- erlangen. In Frankreich dagegen scheint man, wsnn man auch auf das Experiment einer Voltsabstmnnung im Jahre 1S3Z zu verzichten gewillt ist, an gewissen„letzten Positionen" im Saargebiet festhalten zu wollen. So spricht man u. a. von einer Gemein- sc.'Mkeit in der Verwaltung der Saargruben. Geht das Zentrum eiqene Weae? Saarbrücken, 21. November.(Eigenbericht.) Im Zusammenhang mit den jetzt begonnenen Saarverhairdlungen in Paris richtet das führend« Organ des saarländischen Liberalismus. die„S a c? r b r ü ck e r Zeitung" an einige Führer des Z e n- t r u m s und der christlichen Bergarbeiter die gänzlich unmißverständ- liche und auf bestimmte Unterlagen begründete Anfrage, ob sie in genxsscn, aus den Rückkauf der Saargruben bezüglichen Fragen, bisher eine von dem Standpunkt der Neichsregierung ab- weichende Stellung eingenommen haben. Das Zentrum und die christlichen Bergarbeitersührer bemühen sich seit einigen Tagen, sich von diesem, übrigens schon seit langem bestehenden Verdacht zu befreien. Der Erfolg bleibt abzuwarten. Dem Zentrum und seiner Gewerkschaft fft die Saar-Mtrennung besonders gut bekommen, und man versteht auch außerhalb dieser Partei den Schmerz gewisser Leute über die Trennung vom saarländischen„Kirchenstaat" und anderen besorchercn Möglichkeiten. Jedenfalls steht fest, daß derjenige Zentrinns- oder christliche Gewerk- schastssührcr, der einen Separationsoersuch unternehmen sollte, wie es von der„Saarbrücker Zeitung" angedeutet wird, von der öffent- lichen deutschen Saarnicinung hinweggefegt werden dürste. Oie Räumung schreitet fort. Frankfurt. 21 November.(Eigenbericht.) Di« Räumung des von den Engländern besetzten Ge» biet», die am 15. Dezember vollendet sein soll, schreitet aitto- m a t! s ch fort. Täglich verlassen kleinere englische Abteilungen die besetzten Städte. Es scheint aber auch, daß d-.e Franzosen sich allmählich wieder in Bewegung setzen. So besteht u. a. die ursprünglich aus vier Kompagnien zusammengesetzte Besatzung m H 5 ch st(dritte Zone) jetzt nur noch aus einer Wachkompagni« in Stärke von 65 Mairn sowie aus der Ortsgendarmerie von ungefähr 15 Mann. Drei Kompagnien sind in den letzten Togen abgezogen. Allerdings Hot die französische Besatzungsbehöwe von dieser Truppen- Verschiebung weder das Höchster Besatzungsonit noch irgendeine andere deutsch« Behörde benachrichtigt. Ein unzulässiger Antrag. Oeutschnationale Blamage für den Stahlhelm. Der preußische Minister des Innern teilt in einem Schreiben an den Präsidenten des Landtags mit, daß«r sich an den Be- ratungen über den deutschnationolen U rantrag aus An- nahm« eines Gesetzentwurfes zur Durchführung der Artikel 177 und 178 des Friedensvertrages und des Reichsgesetzes vom 22. März 1921 durch Kommisiare n i ch t vertreten lassen werde. Der deutschnationale Gesetzentwurf hatte bekanntlich zum Ziel, ein Be- schwerdeocrsahren dagegen zu ermöglichen, daß Verbände auf Grund des Gesetzes über die Ausführung des Friedensvertroges aufgelöst werden. Zur Begründung seines Entschlusses führt der Minister aus, daß das Gesetz zur Durchführung des Friedensvertrages bewußt von der Einführung eiri er Rechtskontrolle gegenüber Auflösungsverfügungen der obersten Landesbehörden o b g e- sehen habe. Der Reichstag habe ein Beschwerdeverfahren aus- drücklich abgelehnt, da es sich um ein Gesetz wesentnlich p o l i- tischen Inhalts Handel«, bei dem es nicht angebracht fei, die Gerichte hineinzuziehen. Habe aber der R e i ch s g« I e tz g« b e r die Einführung einer solchen Rechtskontrölle bewußt abge- lehnt, so könne der Landesgesetzgeber nicht für.zuständig erachtet iverd-n/eine solche Rechtskontrolle nachträglich durch landesgesetzlich« Borschrist einzuführen. Das von den Antragstellern mit dem Gesetz- cntwurf angestrebte Ziel könne von dem Preußischen Landing nicht verfolgt werden. Münchmeyer kneift. Prozent igen Stimmenzuwachs zu ver- zeichnen und bei sämtlichen Wahlen seit der Abtrennung des Saar- gebiet» den höchsten Stand erreicht hat. Sie ist damit wieder zur unbestritten zweitstärksten Partei des Saargebietes emporgerückt und Hot vor der nächststärksten Partei einen Borsprung in Höhe von 335» Proz. aufzuweisen. Die Kommunisten haben dagegen etwa 40 Prozent ihrer bisherigen Stimmen eingebüßt und sind an die vierte Stelle gerückt. Die dentsch-saarländische Dolkspartei (vereinigte Demokraten und Deutsch« Volkspartei) ist jetzt stärker als der saarländische Kommunismus. Nur knapp 50 Proz. der den Kommunisten verloren gegangenen Stimmen hat die kommu- nistische Opposition aufzufangen vermocht. Aus den Höhepunkt der kommunistischen Entwicklung an der Saar ist damit ein jäher A b st u r z gefolgt, während sich die Sozialdemokratie in stetigem Vormarsch befindet. Gprachenkompromiß in Belgien. Wenigstens üver die Genter llniversität. Regierungskrise einstweilen vermieden. Brüssel, 21. November.(Eigenbericht.) Der Ministerrat hat am Donnerstag die Grundsätze des Gesetzentwurfes über die Flamisierung der G e n t e r Universität festgesetzt, den die Regierung am nächsten Dienetag in der Kammer einbringen will. Die Regierung ist der Ansicht, daß noch den letzten Beschlüsien der katholischen und liberalen Fraktionen die Gefahr einer Krise gebannt ist und praktisch ein« Einigung erzielt ist auf der Grundlage der v o l l st ä n d i g e n F l o m i- s i e r u n g der Universität, wobei dem Parlament für die Einführung freier 2 e h r k u r s e in der französischen Sprache freie Hand gelösten wird. Es bleibt abzuwarten, ob in der Kammer selbst alles so gNmvflich ablaust, wie die Regierung es hofft. Jedenfalls wäre mit der Flamisierung der Genier Universität nur ein Abschnitt in der Sprachenfrage gelöst. Der Konflikt wird bei den Endpunkten, wie Volks- und Mittelschulunterricht sowie Sprachgebrauch im Heer und in der Verwaltung, zweifellos von neuem auftauchen. Getreiöepolitik mit Todessirase. Zehn neue Todesurteile gegen Kulaken. Moskau, 20. November(Oft-Erpreß.) Das Sowjetgericht. in Suclmm hat nach mehrtägiger VerHand. lung 10 als„Kulak e n" bezeichneie Lauern zum Tod« ver- urteilt, die angeklagt waren,«ine Organisation zur Schädigung der Getreidebereitstell'ungen gebildet zu haben. Das Urtell ist cnd- gültig, so daß eine Kassationsklogc nicht in Frag« kommt. ASB.-Ende. Eine Nachprüfung der Ergebnisse der Dresdener Ge meindewahlen ergab, daß der ASPD. in Dresden doch nc-ch ein Mandat zuiällt. Die oereinigden bürgerlichen Parteien erholten deshalb nicht 36, sondern 35 Mandat«. Die SPD. erhalt 28. die KPD. 7 Sitze. Dü: National- sozialisten eroberten 4 Mandate. Das_ Dresdener Mandat der ASP� ist das einzige der ASP. in sämtlichen sächsischen Gemeinde Parlamenten. Kriegsplan gegen Innsbruck. Einschließungsplan ver Heimwehrannee. Wien. 21. November.(Eigenbericht.) Tie„Arbeiter-Zeitung" veröffentlicht in ihrer Freitag-Ausgabe geheime Richtlinien der Tiroler Heimwehrcn über eine Einschließung von Inns- brück durch den Gau Oberland. Die Richtlinien tragen den Vermerk:„Verschluß geheim in« Exemplaren" und beginnen mit den Worten:„Die Wichtigkeit des Besihcs von Innsbruck erfordert die größtmögliche Macht- entfaltung in und um Innsbruck." ES folge« ans- führliche Bestimmungen über die Sammelplätze eines Aufgebots. Darin heißt es u. a.:„Alle zu de« Bammel- Plätzen abgehenden Formationen haben ihre entbehr- lichen Maschinengewehre mitzunehmen. I« manche« Gemeinde» wird es sich als sehr nützlich er- weisen, vor dem Abmarsch nach Innsbruck eine Anzahl von Geiseln aus dem gegnerischen Lager aus- zuHeben, um evtl. beabsichtigte Brandstiftungen und der- gleiche« zu verhindern. Jede ausrückende Abteilung hat Spaten, Brechstangen und einen schweren Schmiedehammer mitzunehmen." Ausführlich sind auch die Bestimmungen über Straßenkämpfe. So solle« die Straße» durch Barrikade« mit Hiudernisicn, evtl. durch Schützengräben gesperrt werden. Weiter heißt es u. a.:„Wenn Leo Lenz:„Das parfiim meinerZrau" Erstaufführung im Kleinen Tdealer. Leo Lenz läßt da ein ziemlich anrüchiges Parfüm duften Es dreht sich um einen doppelten Ehebruch, der gor nicht stattgefunden bat. Ein Teil des Publikums findet an den zweideutigen Au- spielungen großes Vergnügen. Mar Adalbert, sehr lustig, kann von dem Abend auch nichts retten. Dgr. Sprengstoffe vorhanden sind» find sie ent« sprechend zu verwenden." Landbund hinter Schober. Meu. 21. November. Der erweiterte Vollzugsausschuß des Landbundes faßt« den Beschluß, eine Kundgebung an seine Parteiangs hörigen zu richten. in der es u. a. heißt:„Wir sind entschlossen, dem Bundeskanzler Schober und seiner Regierung auf allen Wegen zum Enderfolz nicht nur unverbrüchliche Gefolgsckzaft zu leisten, sondern jedem Versuch, diese Arbeit zu stören, woher er auch immer kommen mag, mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten." Auch die Präsidialkonferen.; der Kammern für Handel, Gewerb« und Industrie sprach dem Kabinett Schober ihr Vertrauen au». Gnowden bleibt bei seinem Rein. Keine Rückgabe, nur Gutschreibung des beschlagnahmten Eigentums. London, 21. November.(Eigenbericht.) An? Donnerstag stellte Schatzkonzler Snowden im Unter» haus zur Frage der Liquidation des Privatelgentum» ehemals feindlicher Staatsangehöriger fest, er habe angesichts der irreführenden Propaganda, die in der letzten Zeit betrieben worden sei. die britischen Experten, die am Zustande konunen des Voung-Plarres in Poris beteiligt geivesen seien, befragt und sei dahingehend unterrichtet worden, daß die Frage der Verwendung der Uebcrschüsie aus der Liquidation des deutschen Eigentums in Paris ausgiebig erörtert worden sei. Noch Auffassung der Fach- leute sämtlicher Gläubigerstaaten sollten dte Ergebnisse der Liquidation in Uebereinstimniung inst dem Friedensvertrag von den Gläubigerstaaten zurückgehalten werden, und weder tn ihrer Gesamtheit, noch teilweise an Deutschland zurückgezahlt werden. Di« Sachverständigen der Gläubigerstaaten hätten sich lediglich unter dieser Voraussetzung bereit gefunden, die im Poung-Plan vorgeschlagene Herabsetzung der deutschen Verbindlichkeiten ihre,? Regierungen zu«mpsehlen. Die deutsche Regierung sei dahingehend unterrichtet worden, daß d i e Liouidations-Ueberschüsse auf das deutsche Reparativ nskonto gutgeschrieben werden würden. WERTHEIM Leipziger Str.(Versand Abt) Köniqstraße Preise för Freitag n. Sonnabend, soweit Vorrat, Mengenabgabe vorbehalten. Fleisch, Fische, Geflügel, Obst und Gemüse werden nicht zugesandt Kosenthaler Str. Moritzplatz (Sillige £ehenstnitte1 Frisches Fleisch Kalbskamm u.-Brust...Pfand 0.86 Kalfosnicrcnbratcn...... Pfand 0.94 Kalbskeule gau o. getem, tu» pid, ptd. 1,10 Kalbsschnitzel.......... Pfand 2.20 Querrippe pi». 0.80 Gulasch'id. 0.95 Rinderkamm u.-Brust Pfand 0.90 Schmorfleisch KuÄ 1.10 Ä 130 Roastbeef mit Knochen....... Pfand 1.10 Frische Rinderzungen... Pfand 1.20 Gehacktes»><-. 0.85 Liesen pid. 1.10 Schweinekamm'"m" eSfag'�SS 126 Schweineschinken....... Pfand 1.26 Kaller mUd gesalzen........ Pfand 1.35 Prima Gefrlcrflalscli Rinderkamm u.-Brust..Pfand 0.82 Hammclvorderficisch...Pfand 0.86 Flammelrucken.........Pfand 0.95 Obst u. AmorettenbirnenPM 0.10 Graubirnen 2 Pfand 0.25 Musäpfdi groBe 2 Pfd. 0.25 Tafeläpfel 2 Pfand 0.35 Herbert-Renetten 0.20 Ananas- Renett, nie 0.30 Kranzfeigen. Pfand 0.30 Mandarinen Pfand 0.32 Apfelsinen t>fad. v. 0.80 an Gemüse Bananen. P'ond 0.40 Amerikaner 3 Pfd. 1.00 Möhren• gewaschen 0.05 Weißkohl dSn. Pfund 0 05 Rotkohl Holst, ptd. 0.07 Wirsingkohl Holst. 0.07 Sellerie Pfand 0.12 0.18 Zwiebeln 3 Pfund 0.20 Rosenkohl..Pfand 0.35 Neue Wal,- Hasel- n. Paranüsse Pfand von 0.60 an Käst Kuhkäse...»m-i- 0.12 Oarnembert voiue» 0.20 Limburger pid. 0.55 1.05 EmmenthaferdPort 0.75 Edamer puna 0 72 1.15 Holländer Pfd. 0.72 1.15 Tüsitar Arto. Rinde 0.73 Br'e vollieft..Pfand 0.95 Steinbuseher Pfd. 0.98 Tüsitar vom.. Pfand 0,98 Münster vollfett Pfund 1.10 Schweizer ds»..Pfd 0.92 vollfetl t Pfund von 1,25 an Feite Wurstwaren Blut- d. libBrnrtl Uli. 0.70 Dampfwurst.Pfand 0.95 Fleischwurst Pfand 1.15 Sülzwurst... Pfand| 15 Wien. Würstchen p». 1.15 Hausm.Leberwurst 1.25 Mettwurst cßr. Art). 1.45 Jagdwurst.. Pfand 1.45 Filet- u.Schinkenw. 1.65 Teewurst... Pfand l.go Feine Leberwurst. 1.80 Speck fa» 1.40»aer 1,65 Schinkenspeck pf-t 1.95 Nußschinken�� 2.10 Mnlsstr. Rmctütiler Sir. Dlarlligl: LandIeberwurstPfd.0.95 Knoblauchwurst pu. 1.15 Poinische Wurst pfa 1.45 Bierwurst...Pfand 1.45 Margarine..Pfand 0.50 Kokosfett 1 Pld.-Tale! 0.50 Schweinaschmalz 0.70 Molkereibutier Pfand 1.80 Tafelbutter m 1.90 2.04 Dänische Butter pfa. 2.16 K blonlalwaren Haferflocken Pfand 0.2 1 Tafelreis Pfa. 0,22 0.30 Viktoria-Erbs.«.-« 0.22 GelbeErbsenO.30 0.45 Bohnen weme 0.36 0.45 Backobst c»» 0.48 0.68 Pflaumen 0.52«. s»» 0.68 Pflaumen 0,68 0.78 Ringäpfel>-a»f 0 65 0.80 Aprikosen pfd. 0.65 0.90 Makkaroni-Bruch Har,�:0.42 �0.48 Kaifee Konsum- 1 soiie n 1.80 Mischung( Sorte 1 2 00 Haushalt-Mi8Ch.Pfd 2.60 Sonder-Misch.Pfand 3.00 Olympia Misch. Pfd. 3.40 Globus-Misch. Pfand 3.80 Spazial-Mischung Äoprnunnd0.65«""o 1.05 Gebrannter Roggen u. Gerste... Pfund 0.22 Geflügel u. Wild Tauben............... stack 0.75 Suppenhühner...... Pfand von 0 98» Brathühner....«»»». piund»n 1.10»» Ruten..............Pfund von 1.10» Bratganse......... Pfand von 1.05» Enten..............Pfand»n 1.25» Fettgänse ungzrlich«..... Pfand von 1.25» Hasen g«fKiit n.»zgeworf», Pfund 1.05 1.30 Kaninchen seitrem ,usetwÄ von 1.28» Fische Bratfiundern........... Pfand 0.22 Schellfische mlUelgroS....... Pfand 0.38 GoldbarS Ohne Kopf, ganze Fische, Pfund 0.38 KabdjaU Ohne Kopf, ganze Fische, Pfand 0.42 Filet von Kabeljau............Pfand 0.65 Grüne Heringe...... s Pfand 0.95 Lebende Karpfen...Pfand von 1.05» Lebende Hechte.... Pfand von 1.15» Räucherwaren Fettbücklinge 0.38 0.45 Dorsche... Pfand 0.35 Sprotten...Pfand 0.58 Bückiingefawuaiar.pfi.O.SS Sprottbücklinge uu 0.58 Fluntlern i.sinck..pfd. 0.70 Bundaalo Bund». 0 28» Spickaale fa-a. ph. 2.65» ■/« Dose Bresil- 1. Schailibohnen 0.57 Gemüse-Erbsen. 0.60 Jg. Erbsen fein 1,45 Haushalt-Gemüse 0.80 Gem. Gemüse mitfeifafal.lO Karotten geachnllfen 0.42 Spinat........ 0.58 Kohlrabi m« amn. 0 85 Konserven*Dost Bruchspargel»fark 2.75 Stp.-Spargel.»fa.k 2.85 Apfelmus'/.d. 2.90 0.58 0.76 0.98 . 1.10 1.00 lUr-D. Tee Prinzeßbohnen Ä' 2.15 LaChS sim» Pflaumen 0.92 Orange 1.10 Aprikos. 1.10 Johannisb. 1.15 Kirsch. ILO Erdb. 1.45 Ceylon II Indien.> China. Ceylon .'!* Pfand|,25 ,>/« Pfund 1.55 .>/« Plund 1.70 ■/« Pfand 1.85 85». Darjeeling Pfand 2.00 Konfitüren Herzen, Zungen u. Brezeln 6 siuct< 0 23 Pfeffernüsse b�uu 0 75 Spekulatius. Pfand|.20 Dominosteine Pfand 130 Spitzkuchen• Pfand i.30 JAfeln PrctM für'Ii Fluad,», ahn« Oluz 1928 Wöllsteiner Tischwein............ 0.90 1928 Hainfelder Letten»»r uebiich...... 1.00 1926 Niersteiner.................. 1.40 1926 San Justo burgundcrübnUcher, apan. Rotwein 1,40 1927 Oppenheimer Goldberg.......... 1.80 1922 Chät Reysson Wachstum Rouu-f, Bordeaux 1.90 1926 Sautemes weiser Bordeaux, Sllo....... 2.15 Wein vom FaB, Preis« p«r Uten Johannisbeerwein uob, krifüi........... 0 80 Tarragona und Tafelrotwein.......... 1.10 Muskateller nid Wermut„Evisa"........ 1.40 Deutscher Weinbrand„3 Kronen"...... 4.60 Plötzlich und unerwartet verschied am 21. November infolge Herzschlag unser allverehrter Chef, Herr Buchdruckereibesitzcr Georg Koenig im Alter von 52 Jahren. Mit seinem Hinscheiden verliert das technische Personal seinen Führer, dessen Fleiß und Tatkraftuns allen als leuchtendes Vorbild diente. Sein Wille war in erster Linie Mensch zum Menschen zu sein. Sein Vertsändnis für soziale Fragen sichern ihm beim technischen Personal ein ehrendes Andenken. Das tedraisdie Personal des Terlagsnaoses Georg Koenig. Berlin HO 43. ::c,v» v,.•( Verwandten, Freunden und Bekannten herz- fichsten Dank für die Aufmerksamkeiten und Biumenspenden beim Hinscheiden meines gellebten, treusorgenden und mir unvergeßlichen Danen Paul Hoffmeister Besonders danke ich noch den Herren der Abordnungen fdr die warmen Worte, die sie ihm mitgaben auf seinem letzten Weg Sein Andenken wird mit mir weiterleben. Frau Helene Hoffmelsfer. Allen Jrranben unb Stfanmcn herzlichen®anf für Me zahlreiche Teilnahme unb ble herrlichen Kran,. spenbrn beimHeimgange meines iiebrn "Olannes, unferes guten Vaters. Die tcouemben Slnterbfiebentn j run Berta Srfjmlbt unb«inber Blomenspßnflen Jeber Art liefert preiswert Paaf Golletx ootm. Robert Meyer Mariannenstrahe 5 Ecke Naunynstcaße Amt Zllotigpi. lOZOZ. OHn«»nasHlung. Mehrjährig» Ratenzahlung Schlaf-, Speise-, Herrenzimmer Küchen, Polster-, Einzelmöbel Nur Breite Straße 7. Allgemeine ortsKrankenkasse top Berlin-Steglitz Bekanntmachung. Die Vertreter ber Arbeitgeber unb Ver 'erten im Ausschuß werten hiermit zu :t am Freitag, bem 29. Nooember 1929 adenb« 8 Uhr, tm Kasseulofal. hierseibst, ftSrnetflt. S5, ftattfinbenbrn ordentlichen Auslchußsibung höfi. eingeiaben. Tagesordnung: t. Wahl be» Ausjchußvorjitzenben. 2. Vortrag deo�errn Dr Behrenb:.Die Zahndebanblung im eigenen Institui". Z. Festsetzung be» Borauschlage» für da« Nechnungsjahe ISZV. t. Wahl be« Rechnung»�lu»schuffe» sür die Prüfung der Rechnung des lau'enben Jahre» K. Berich! über ben Umbau. 4. Verschieben«» »etlin-StegU*,».«.«ooembtr 1929. ~! üocflanb; See Sieht. Vorsitzen ber. W«o»It», Cchrlft führet. innungskrankenkasse der Juweliere, Gold- u. siiöer- scnmiede(Zwangsinnung) zu Berlin. Einladung zur ordeutltche» Ausschußsitzuug am Ar«! tan. bem 20. Jlootmbet 1929 abenb» 7»/, Uhr, im Lokal non Schulze. Berirn, Etallschreibrrsiraße S. Tagesordnung: 1. Verlesung de« Verhanblung»herichfes der letzten Sitzung. 2 Voranschlag für ba««eschäffasahr 1930. 3. Wahl non drei Renisoreu zur Prüfung ber Zahreorechnuug 1929. 4. Neufassung ber Dienliorbnung. ä. Derichiebenes. Oer Socftme. Max Rost Borfitzen der. Hugo Hertz. Schriftführer. im fflftmwcdtfmiiS, JftfiaS tyUß: RheumoJensif! TfotfiattfanS llch erklSte hiermit, baß meine rheumatischen Schmerzen. Zschia» unb Yezenschnß nach®e- branch bes Üheuma-Senjit verschwunben find. Ich Hobe oieierlei nersuchi, allerlei. flaster. Sinreibangen und dergleichen. Rheuma- Seufit war ba» Beste. Wilhelm Dietrich ix M. Shexmi-Senstf v.R.p. Ur.«Z0ZS wirb viel- tousenbsach gelobt und ärztlich empfohlen. Die Hube kostet 80 psg, die Doppcltube RIH. IchO. Rhcuma-Scnstt ist in ollen ßpo- tbeken unb Drogerien etbölilich. vlnchen Sie einen Dcrjuch Sensit C. m.». S, Berlin Sw 43. HAMBURG-AMERIKA LINIE VON HAMBURG DIREKT NACH KANADA NÄCHSTE PASSAGIERABFAHRTEN. D.„THURINGIA-... 5. Dez. D.„THURINGIA"... 9. Joe. M, S«ST. LOUIS"... 21. Febr. D..WESTPHAUA-., ö-Mör* D..CtEVELAND"... 12. Mörz M. S.«ST. LOUIS**... 28. Mörz AUSWANDERER • HIIBtN SICH WIGEN Allltz(INZilHIITCN ZU WENOIN AN< HAMBURG-AMERIKA LINIE, HAMBURG 1, ALSTERDAMM 25 oder die Vertretung In Berlin. WS, Unter den Linden 8, Fernsprecher: Zentrum 9IS5 6, 9197 9, W 50, am Zoo, Hardenbcrgstr. 29a-e, Fernsprecher; Barbarossa 0814 und 301, Poseidon Schiffahrt A.O, Potsdamer Str. 103a Von dem mit dem 22. November 1929 beginnenden Verbrauchsabschnitt ab wird dieQas- messermiete gesondert berechnet ynd zusammen mit dem Betrage für das verbrauchte Gas eingezogen. Die monatlichen Mietsätze betragen: für den 5 fl. Münzgasmesser 0.40 RM, für den 3—15, Gasmesser... 0.50« für den 20„«... 1.00, n n 30 n«... 1.50« »» 40 n.«.•.1.75« ». 50„.,... 2 00„ ,, ,, 00 ,,„... 3 0J ,, ,, ,, 80„... 4 00 ,. .,», 1 00 ,, ,,••• 5 00.. i» ♦. 1 30„ ,,••• 7 50 ,, .... 2C0„..... 10.00.. »>•> 2o0 ,, ,,... 12 00„ i. ei 300„ ,,•«• 14.00„ ii.i 400„... 16. CO ,, ..... 500....... 18.00„ .. 800....... 25 00 I. 1,1000„..... 30.00„ Die bisherigen Preise je Kubikmeter bleiben unverändert bestehen, ebenso die sonstigen Bestimmungen unserer Preisbekanntmachung vom 10. Oktober 1924 Berlin, den 21 November 1929. GasbetriebsgeseHschaft Aktiengesellschaft TIr. 547» 46. 3o4tgi>itg• dfl'� Sreiias, 22. JlooemJer 1929 Schwindet über Düssetdorf Der Düsseldorfer Polizeipräsident wendet sich gegen die Sensationspresse 3n einer Besprechung mit Vertretern der Presse wies d�r Düsseldorfer Polizeipräsident Langels daraus hin, daß in der Presse verschiedentlich Zlochrichten über die Düsseldorfer Biordangelegenheit verbreitet werden, die nicht den Tatsachen entsprechen und nur zu einer Beunruhigung der Bevölkerung beitragen. Es ist nicht wahr, daß an der Fabrik von haniel ein blutige» Tuch und ein Gummischlauch gesunden wurden. Das Tuch sollte einem angeblichen Polizcispigel Koch gehören, was nicht den Tatsachen entspricht. Es ist wohl ein gewisser Koch verhaftet worden, der aber wieder freigelassen wurde, da besonders belastendes Material gegen ihn nicht vorlag. Koch hat seine Dienste der Kriminalpolizei in der Mordsachs angeboten, auf die aber verzichtet wurde. Vis bereits früher mitgeteilt, wurden in einer Laub« ein alter Gummifchlauch und ein Lappen ,n i t roter Farbe gefunden, die mit der Mordfachc nichts zu tun haben. Die von einem Berliner Blatt gebrachte Notiz, wonach ein gespanntes Verhältnis zwischen der Düsseldorfer Kriminalpolizei und der Schutz- Polizei besteht, ist vollkommen aus der Luft gegriffen. Es besteht zwischen beiden Polizeiabteilungen ein durchaus kollegiales Zusammenarbeiten. Die von einigen Blättern veröffentlichte„neue Spur', wonach ein Rektor einer Mädchenschule aus dem Bergischen Land«, der angeblich vor mehreren Jahren ein schweres Notzuchtver- brechen begongen haben soll, aber nicht zur Anzeige kam, der Düsscl- dorfer Mörder sei, hat sich als ein« Racheakt herausgestellt. Der Rektor hat mit dem Morde nichts zu tun. Die in der Nähe der Grabstelle der Marie Hahn bei Papendell gefundene Schaufel dürfte von dem Täter kaum benutzt worden fein Der in dir Nähe des Fundortes der Albennonn gefundene Hammer kommt als Mordinstrument nicht in Betracht, Blut spuren sind an ihm nicht gefunden worden. Das gefundene Kinder- Hemd, welches einen kleinen Blutflecken aufwies, und ein alter Strumpf w e i s e n a u f k« i n e n M o r d hin. Es dürfte sich hier- bei um einen rohen Scherz handeln. Die Frau, welche der Alber- mann und einem kleinen Knaben Geld gab, damit stc sich Bonbons kaufen sollten. Hot sich bei der Kriminalpolizei gemeldet. Auch dieser Fall hat eine harmlos« Aufklärung gefunden. Festgenommen wurde ein O e st« r r e i ch e r, der aus einer Anstalt in Vorarlberg entwichen war. Es wurde festgestellt, dah er unter falschem Namen bei der Erwerbslosensürforge Unterstützung bezogen hat. Darüber, ob er für die Morde als Töter in Frag« kommt, schweben noch Ermitt- lungen. * Aus alledem geht deutlich hervor, daß das gesamte ungeheuerlich aufgebauschte Nachrichtenmateriol über den Düsseldorfer Mord, mit dem die Berliner Sensationsprcsse seit Wochen ihre Spalten füllte, auf vagen Vermutungen, gerade heraus gesagt, auf Schwindel beruht. Budapest, 21. November. Großes Aufsehen erregte gestern auf der Arenastraße eine Frau, die in der Mitte des Fahrdamms laut zu schreien begann und rief: Hicrist der Düsseldorfer Mörder! Er steckt in Frauen- kleidcrn. Ergreist ihn! Dabei zeigte sie auf«ine in der Nähe stehende Frauenqcstalt. Dem herbeigeeilten Polizisten erzählte die aufgeregte Frau, sie sei von der betreffenden Person in deutscher Sprache ange- sprachen und gebeten worden,«inen Spaziergang in das nahe Stadt- Wäldchen zu unternehmen. Der Polizeibeamts und die Menschen- menge, die sich sofort angesammelt hatte, nahmen die Verfolgung auf und holten die ihnen bezeichnete Frau auch bald«in. Der Polizist konnte nur mit großer Mühe verhindern, daß sie nicht auf der Stell« gelyncht wurde. Auf der Woche stellte sich dann heraus, daß es sich tatsächlich um einen Mann, und Zwar um einen geisteskranken Wiener Kaufmann handelt«, dessen Gewohnheit es ist. Frauen- kleider anzulegen und Frauen anzusprechen. Der Geisteskranke wurde der Obhut seiner Verwandten anvertraut. Flucht über die Strickleiter. Zwei Räuber aus Ruch entwichen/ Ein Pfleger angeschossen Dl« anscheinend wohl vorbereilele Flucht zweier Zuchthäusler au» dem„festen Hau»" in Buch versetzte gestern die Anstalt in große Aufregung. Ein Wärter wurde bei der Verfolgung von einem der Flüchtenden angeschossen. Abgetrennt von den Gebäuden, in denen die Privatpatienten untergebracht sind, befindet sich in der Anstalt Buch ein sogenanntes festes Haus, das von einer hohen Mauer umgeben ist und Straf- gefangene beherbergt. Im Septeniber dieses Jahres wurde dorchin ein am 1. Juni l89ö m Untechaufen im Kreise Hersfeld geborener Georg Garde eingeliefert, der in seiner Heimat wegen schweren Raube» mit Todeserfolg zu 1ö Jahren Fuchchau» oerurteilt worden war. Er war an Hastpsychof« erkrankt. Der zweite Insasse, der erst am 13. November dieses Jahres nach Buch gebracht wurde und ebenfalls an Haftpsychofe litt, ist ein Walter L i e s e g a n g. der am 18. Oktober 1896 in Berlin ge- boren ist. Auch er ist wegen schwerer Ra u b ü b e r f ä ll e mit tödlichem Ausgang zu einer ISjährigen Zuchthausstraf« verurteilt worden, von der er bereits 7 Jahre verbüßt hat. Am Donnerstag vormittag gegen S llhr war ein Privatpatient dannt beschäftigt, Ge- flügel zu füttern, als plötzlich ein fremder Mann sich als Maurer ausgab und ein« Letter verlangte. Der ahnungslose Patient holte sie herbei, und der vermeintliche Maurer legte sie an die Mauer. ds« da» fest« Haus umgrenzt. Dann Netiert« er hinauf, setzte sich rittlings auf die Mauertant« und stieß einen Pfiff aus. Zur Der Graf von Küster, dessen Gut Hohenau in der Nähe der kleinen Stadt lag, verlor durch den Kriegsausbruch fein ohnehin gefährdetes Vermögen, er sah leinen Weg mehr offen, das verschuldet« Gut zu retten. Sein Haus, das am Eingang des Parkes stand, war ein in zarten Linien er» richtetes Schloß, und der Park war von solcher edlen Ge- pflegtheit, daß er, auf Bitten des Kreisvorstehers, auch frem- den Besuchern geöffnet wurde, die in den Anlagen unvergeß- liche Wunder erlebten. Als das Unwetter über die Welt und das Unglück über sein Haus hereinbrach, zog Graf Küster mit feiner Familie zunächst nach Berlin. Sie pflegten dort sonst nur die Winter zu verbringen. Es war feine Absicht, an Ort und Stelle das nötige Kapital aufzutreiben, das ihm Rettung aus seinen schwierigen Verhältnissen gewährleistet hätte. Seine Frau ertrug nicht ohne Klagen die Veränderungen, welchen plötzlich die Lebenshaltung der ganzen Familie unterworfen war. Wenn sie aber einer Freundin bedurfte, um die Tränen offen ausbrechen zu lassen, so fand sie diese in ihrer Tochter Irene. Irene war damals zwanzig Jahre.„Sie ist Brnnhild und hat ihren Siegfried noch nicht gesunden." pflegte ihr Vater zu sagen. Er halte einen einzigen Sohn. Und der bestürmte mit Bitten und Drängen sein Ohr: Hans wollte, dem Beispiel der Kameraden folgend, zur Fahne. Er war siebenzehn Jahre alt und ein flinker Junge. Aber die Unterschrift seines Daters blieb ihm in dieser Sache versagt. Der Vater wollte zu den Sorgen, die seine Frau und ihn selber quälten, nicht die nagendste noch, um das Leben des Kindes, ohne Not hin.zu- tun. Uich er fand von leiten seiner Frau natürlicherweise nur Unterstützung. Aber Hans lag in ununterbrochenem Streit mit den Seinen. Er bekämpfte sie mit Worten, die sie ihn selber gelehrt hatten:„Vaterlandsliebe" und„Opferbereit- schaff".' Sie schwiegen dazu und senkten die Köpfe. Di« Unterschrift gab ihm der Vater nicht. gleichen Zeit warf er noch der Anstaltssette eine mitgebrachte Strickleiter ab. Auf dem Hose des festen Hauses gingen gerade die Insassen, unter ihnen auch Garde uttd Licsegang, spazieren: der Pfleger Otto Horn führte die Aussicht. Kaum war das Pfeistignal ertönt, als sich Garde und Liesegang aus die Strickleiter stürzten und über die Mauer verschwanden. Der Pfleger eilte chnen nach und oersuchte sie herunterzuziehen, erhielt aber von dem Manne, der aus der Mauer saß, Feuer. Horn wurde durch eine Kugel am linken Arm verletzt. Ehe noch Alonnsignale gegeben werden konnten, waren die beiden Flüchtling« mit ihrem Helfer über die Mauer verschwunden. Sie sollen, wie Zeugen erklären, in Richtung Malchow— Weißense« geflohen sein. Beide trugen die blaue Anstollskleidung, doch werden die Helfer wohl inzwischen für unauffällige Zivilkleidung Sorge getrogen haben. ± Friedhofsverkehr am Bußtag. Der Bußtag, der vom schönsten Spätherbstwetter begünstigt war, hatte«irren ganz außergewöhnlich starken Verkehr nach den Friedhöfen aufzumessen. Hunderttausende mögen wohl unterwegs gewesen sein, um die Gräber ihrer Lieben zu schmücken. Der Andrang war fast überall außerordentlich stark, so daß zeitweise polizeilicher Schutz für die Verkehrsregelung eingesetzt werden mußte. In manchen Gegenden, namentlich in den nörd- liehen Außenbezirken, mußt« der gesamte Fuhr- und Autoverkehr auf einige Zeit im Interesse der Sicherheit der Fußgänger um- gelegt werden. Straßen und Kürgersteige, namentlich in den Nach- Mittagsstunden, waren ein einziger Menschenstrom. Aus dem Mit dem heftigsten Nachdruck begann der Graf die Aktion zur Gesundung seiner Verhältnisse. Aber alles, was er ver- suchte, mißlang, jede Absicht schlug fehl. Am Ende saß der Graf, unfähig zu irgendeinem Trost für die Seinen.— denn er' hatte keinen für sich selber mehr— am Schreibtisch vor der vernichtenden Korrespondenz: und als seine Tochrer Irene die eigenwillig spielende Hand ihres Vaters im Schubfach lange genug beobachtet hatte, öffnete sie mit einem Ruck die Lade vollkommen, um ihr rasch die Masse zu entnehmen. Der Vater, beschämt und verzweifelt, blieb allein zurück. Aber indem er noch einmal die oft erwogenen und ver- worsencn Plane durchdachte, wurde Besuch für den Grasen gemeldet, der Bankier de Castro mit seinem Sohn. Es war kaum eine Woche her, daß die Verhandlungen mit dem alten de Castro auf dein toten Gleise geendigt hatten, denn der Graf, vor der Wahl, Forderungen zu untersttireiben, die er unmöglich erfüllen konnte, oder ans seinen Besitz als eigener Herr zu verzichten, hatte damals abbrechen müssen. Nun, da er den Vater de Castro und Sohn— auch mit diesem war er wohl bekannt—. ins Zimmer eintreten sah, wagte er Atem zu schöpfen. Die Unterhandlung begann wie beim vorigen Male, wurde aber bald durch das Frühstück unterbrochen, an welchem— mit Ausnahme von Hans—, die übrige Familie und die Gäste teilnahmen. Sie hatten einen Namen von Klang, die de Castros: ihn verdankten sie einem'Bruder des Alten, der im Laufe der Jahre ein bedeutender Publizist geworden war. Dieser Onkel des jungen de Castro war Sozialist ans reinster Gesinnung, er setzte übrigens damit die Tradition seines Vaters fort: gleich diesem griff er in sozialen Gesetzgebungssragen die Re- gierung scharf und erfolgreich an. Und. so, als Führer in Reden, Schriften und Taten, war sein Name gleichsam ein Symbol geworden— in Hohenau selbstverständlich ein solches Symbol, das man, aus Gründen der überlieferten Gesinnung. die Kinder bereits ablehnen lehrte. Es konnte wohl sein, daß Hans seine Gründe hatte, als er kurz vor dem Frühstück das Haus verließ, um. wie die Gräfin erklärte, Truppen aus- mar'ck'-er-n zu sehen. Der Sohn des Bonkiers, Albert de Castro, saß der Tochter des Grafen am Tisch gegenüber. Während se n Vater mit sprach, war Alberts Blick auf Irene gerichtet. Und so lang-; anhaltend, gleichsam unfähig sich loszureißend war dieser 'lBIick, daß Irene langsam und ruhig die Zlugen hob, um ihm fest und kühl zu begegnen. Fnedhös in Stahnsdorf wurden nicht weniger als 12500 Besucher gezählt. Aehnliche Zahlen wiesen die anderen großen Lc- grabnisplätze auf. Die Berliner Verkehrsgesellschaft sowie die Stadt- und Ringbahn hatten durch Einstellung zahlreicher Sanderwagen für den An- und Abtransport der Friedhossbesucher gesorgt. Auch die vielen fliegenden Blumen- und Grabschmuckhändler dürften auf ihr« Kosten gekommen sein. Die„Hel>seher"-Kamilie. Das Ge stechaus in der Tauroggencr Estraße. Ob die„Spuk" Erscheinungen, von denen die 12sähnge Tochter Lucic der Eheleute R e g u l s k i au» dem Hause Tauroggener Straße 42 phantasierte, echt waren oder nicht, sollte gestern in einer Räumungsklage, die der Haus- wirt Ritter gegen das Ehepaar angestrengt hat, vor dem Amtsgericht Eharlottenburg entschieden werden. Vor einiger Zeit starb der Onkcl des Kindes und seitdem„spukte" der Geist des verstorbenen Onkel Hans i» der Wohnung herum. Ter Hauswirt strengte gegen das Ehepaar, nachdem die Spukerjcheinungen in der Oeffentlichkeit viel besprochen wurden, Räumungsklage an, da er befürchtete, daß sein Haus in den Verrus eines Geister- Hauses kommen würde, wenn die Familie nicht ausziehe. Zu Beginn der heutigen Verhandlung war das Kind nicht erschienen. Di« kurzen Bergleichsoerhandlungcn wurden bald abgebrochen, da der Hauswirt die Feststellung verlangte, daß niemals ei» Spuk st a t t- gesunden hätte. Da die Beklagten dies« Forderung nicht er- füllen konnten, wurde in die Verhandlung eingetreten. Der Vertreter des Hauswirts führt? ans, daß dc.s Gericht in diesem Falle zu cnt- scheiden hätte, ob es Spukers cheinungen gäbe oder nicht. Durch Zeitungsverössentlichungen würde der Wert des Hauses verringert, da die Umwohner des Hauses abergläubisch wären und ein Geister- haus meiden. Di? Spuk?rscheinungen der Beklagten seien ans raffinierte Machenschaften zurllckzusühre». Es wäre wisseisschcsstlich festgestellt worden, dcß es derartig« Erscheinungen nicht gab«. Die Familie Regnlski, bei der schon Vorfahren mit „zweiten Gesichten und Hellseherei von sich reden gemacht hätten, habe alle diese Erscheinungen vorsätzlich herbeigeführt. Demgegenüber führte» die Vertreter der Familie Ncgulski aus, daß die Geistcrerfcheinungen in mehreren ärztlichen Sitzung» als echt konstatiert worden wären. Die ärztliche Gesellschaft sür parapsycho- logische Forschung hätte wiederholt Kommissionen zu der kleinen Lucie geschickt und den sogenannten Spuk untersuchen lassen. Die Erscheinungen wären in wissenschaftlichen Aussätzen beschrieben worden, es stände demnach fest, daß ein okkulter G e i st dort herrsche, so daß die beklagten Ehcleitte, denen jedes voriätzliche Handeln fernläge, nicht dafür verantwortlich gemacht werden könnten. Die Verhandlung wurde gegen Mittag vertagt. Zum nächsten Termin soll der Pfarrer Hilde b ran d darüber gehört werden, ab das Ehepaar den Spukerscheinungen gutgläubig gegenüber- gestanden hätte, und ob es ssch an ihn um Abhilfe gewandt hätte. «-Geheime Wahl'' in Liebenwaide. Man schreibt uns: Es gibt Orte vor den Toren Berlins, die die einfachsten Wahlvorschriften nicht. beachte,.. Oder sollt« man sie nicht brachtet haben, um gegen die Wohl Einspruch zu erheben? Fast möchte es den Anlchein haben. Also, geheime Wahl' Man kommt in einen für Kleinstadt Verhältnisse großen Saal, schlängelt sich an dcv Kartotheklzaltern vorbei und erhält seinen Zettel für die Ge- meindewahl nebst dem dazugehörigen Umschlag. Der Wahlraum ist nicht etwa abgegrenzt, nein, 2 Tische, von denen der eine auf den anderen, verkehrt hemm, hinaufgeictzt ist, ohne irgendeinen Abschlag, bilden den Wahlranm. Einem Man»-- geschieht das Unglück, daß ihm der Zettel, der bereits mit dem Kreuz versehen ist, aus der Hand an die Erde füllt Andere Leute bemerken, daß dieser„Herr" für die Sozialdemokratie gestimmt hat und können sich abfälliger Bemerkungen nicht enthalten. Die Gräsin hatte diesen Zusammenprall bemerkt. Sie beendete, nach einigen peinlich langen Sekunden, das Schweigen durch eine Frage an ihren Gast. Auch er war wieder vollkommen Herr seiner selbst, er antwortete ohne Befangenheit und führte spielend die Unterhaltung: und während ans seiner Stirn ein klares und heiteres Lächeln war, beschrieb er mit seinen langen, weißen, aber kräftigen Händen Bewegungen, die in irgendeinem, fast musikalischem Zusammenhang mit dem Sinn seiner Worte waren. Er hatte vor kurzer Zeit sein Stciatseramen abgelegt und war damit Doktor der Medizin. Bon seinen Studien und Zu- kunstsplänen sollte er nun der Gräsin erzählen. Hierbei stellte er offen seine Gedanken zu dem eben neu anbrechenden Kapitel der Weltgeschichte dar. Es war viel mehr als eins politische Meinung— eine Weltanschauung, ein Glanbens- bekenntnis. Irene, in diesen Tagen nervöser denn je zum Kampf für die von Kindesjagen an vertraute Tradition gereizt, fand bei sich als Urteil und Urteilsbegründung für Albert dies umfassende Wort: Er ist ein de Castro. Ja, er war ein de Castro. Er berief sich nicht einmal ans die berühmten Namen in seiner Fainilie: er war eigen» gewachsen wie diese, und er würde werden wie sie. Während so seine Worte an ihre Mutter gerichtet blieben, sah Irene ihn fortwährend an. Sein Körper, von ausgeglichenem Wuchs, schien voll durchgebildeter Kraft zu sein, und das paar kluger, irgend- wie heiterer und gleichzeitig ein klein wenig müder und trauriger Augen schien immerwährend das Leben zu prüfen. Sie brach, nachdem sie ihn eine Weile beobachtet hatte, ihre Gedanken oder Empfindungen,� oder mas es sonst immer war. das sich in ihr regte, ab, und gleich darauf war auch das Frühstück zu Ende. Die Herren zogen sich in das Unlerhandlungszimmev zurück, in dem am Fenster der Schreibtisch stand. Aber der Graf hatte sich getäuscht. Sein Besucher war nicht gekommen, um ihm neue Vorschläge zu unterbreiten, sondern um die alten zu wiederholen. Er hoffte also, die inzwischen hingegangene Zeit hätte ihn mürbe gemacht. Aber was sie von ihm verlangten, ließ im einen Fall feine Ehre und im anderen die Liebe zum alten Stammgut nicht zu. Er wünschte Bedenkzeit, wenige Tage. (Fortsetzung folgt.) Hochwasser in England und Zialien. Acht Tote unter den Trümmern eines AouseS. £ o n ö o n. 21. November. Durch die schweren Regensälle der lchlen Tage sind im süd- l i ch e n Wales gtofc Ueberfchwemmungen verursacht worden. In der Nähe von Ports wurden die Bahugleise aus weite Strecken unter. spült, so daß der Verkehr auf der Strecke eingestellt werden mußte. Bei Wottslown wurden durch einen E r d r u t s ch die Zusahrtstrahen zu den Sohlenbergwerken von Tylorslown versperrt, so daß 1500 Arbeiter ihre Arbeitsstätte nicht erreichen konnten. Auch in den Supferbergwerken und Zinnfabrtken von Eroma- v o n mußte infolge von Ueberschwemmungen und E r d- rutschen die Arbeit eingestellt werden. In der Nähe von Ncath brach der Damm eines Sees. Durch die Jlulcn wurden zahlreiche Häuser unter Wasser gesetzt, deren Bewohner in vielen Jällen nur mit Mühe gerettet werden konnten. In der Nähe von Povtypridd sind durch eine Ueberschwemmung S0 Jamilie« in ihren Häusern von der Außenwelt abgeschnitten worden. Sie mußten sich in die oberen Stockwerke und aufs Dach flüchten. In ähnlicher tage befinden sich viele Familien in Corleon und anderen Ortschaften, von Swansea au» sind Rettungsexpeditionen ausgesandt worden. Da der Regen noch anhält, so fürchtet man, daß sich die Lage noch verschlimmern wird. Rom, 21. November. Auf der Hochebene von Olsio hak da, Hochwasser ein hau, zum Einsturz gebracht. Aus den Trümmern wurden a ch t Leichen geborgen, weitere vier Personen wurden mit lebensgefährlichen Verletzungen unter den Trümmern hervorgezogen. Wer wirst den ersten Giein? Die Tragödie eines KindestöterS. Man wird das Schicksal des Manne» genau verfolgen müssen, besten furchtbare Tragödie— sie gehört leider zu dem alltäglichen des verdienstmangels und der Wohnungsnot— im folgenden hier erzählt sei. Der Arbeiter R. war In einem technischen Betrieb im Norden der Stadt btschäftigt und oerdiente dort zu Anfang dieses Jahres wöchentlich IS Mark. Das reichte nicht hin und nicht her. Sein« Frau sah aber der Niederkunft entgegen und man hatte keine Mittel, sie irgendwo unterzubringen. Der Betriebsinhaber, der zwar wußte, daß sein Arbeiter keine Wohnung hotte, dem aber von dem Zustand der Frau nichts bekannt war, hatte R. erlaubt, sich in d e in Fabrikgebäude eine Art Wohnungsver- schlag zurechtzumachen. Ohne daß irgend jemand etwas davon erfuhr, brachte R. seine Frau dort mit unter und in dem elenden Bretterverschlag gab sie am 10. Januar einem Kind« das Leben. Da die beiden Leute in ihrer Not nicht wußten, was sie mit dem kleinen Wesen ansangen sollten, kam, was kommen nmßte. Der verzweifelte Mann erdrosselte das Neugeborene und warf die Leiche in der Nochbarschaft m einen Müllkasten. Im Laus« der Monate besserte sich die wirtschaftliche Lag« des Paares soweit, daß der Mann jetzt einen Wochcnlohn von M. bezieht. Die Frau hatte aber das Unglück mit dem Kinde einerFreundinerzählt und so sprach es sich weiter herum. R. wurde von der Polizei wegen Kindesmord sestgenommen und gab die Tot zu. Man entließ ihn, da eine Fluchtgesotzr nicht vorliegt. Aber eines Tages wird er sich wegen Kindesmordes verantworten wüsten und ein Urteil wird dem Gequälten gesprochen werden, das ihn zum „Mörder� stempelt. Oer Mord ln Werder vor der Aufklärung. Am 24. November wird es ein Zahr her fein, daß mau den siebzigjährigen Maler Professor Kurz i» seiner Villa in Werder a. d. h. ermordet auffand. Die Berliner Mord. k o m m i s s i o n hat jetzt die Ermittlungen nach einer anderen Rich- tung aufgenommen, und man rechnet damit, daß der graueuhaste Mord unmittelbar vor seiner Ausklärung steht. Zm Interesse der weiteren Ermittlungen darf über die Angelegenheit nicht» weiter gesagt werden. Kann einer helfen? Seit Jahr und Tag haust der Arbeiter A. mit seiner Ehefrau in einer armseligen Dachkammer in Neukölln, Einhornstr. 6. Ein kleiner, verwinkelter Raum mit dem üblichen schweren Quer» balken. Ein kleines Bodensensterchen läßt kaum Lust und Sonne herein, dafür finden in Ritzen und Fugen aber Näfle, Wind und Kälte im Uebermah Eingang. Kleider und Wäsche stocken im Schrank, dl« Wände sind feucht und der Dunst, der dem kleinen Kochherd«nt- strömt, Hilst mit, die Lust dumpfig und stickig zu machen. Kein Fleckchen ist da, um etwas unterbringen zu können, die Briketts liegen unter dem Tisch und die paar tzabseligkeiten sind in der Stube ver- streut. Der Abort liegt Im Parterre. Jeder Krug Master muß von unten nach oben geschleppt werden. Seit einem halben Jahre haben die jungen Leute ein Kindchen, das sich in dieser ungesunden Um- gebung aber so schlecht entwickelt«, daß sie gezwungen waren, es zu den Schwiegereltern in Pflege zu geben: nun sollen sie es wieder holen, denn den alten Leuten wird die Kinderwartung zu schwer. Seit mehr als drei Jahren ist dos Ehepaar beim Wohnungsamt ein- gelragen, sie stehen auf der Dringli chk ei ts liste, aber alle Laufereien, Gesuche und Bitigänge endigen mit dem gieichen nega- tiven Resultat. Man rät ihnen, das Kind in ein Heim zu geben, oder sich doch eine„Neubauwohnung� zu mieten! Ist es verwunderlich, wenn solche Menschen am Leben verzweifeln? Melleicht ist jemand in der Lag«, den Leuten ein billige» Leerzimmer mit Küchenbenutzung nachzuweisen. Er töte damit«in wirklich gute« Werk. Arbeitersänger für die Bezirksarmc«. Der GeinlischteChorWeißense«(Mitglied des DASB.) gab in der Aula des Realgymnasiums Weihensee in Gemeinschaft mit der Kapelle Gebrüder Steiner und der Konzertsängerin E. Otto ein Konzert; der Ertrag ist für die Weihnachtsbescherung Notleiden- der des Bezirks bestimmt. Das stimmungsvolle Programm brachte Ehorgesänge von Gluck, Haydn und Mozart, die der Chor unter Leitung seines Ehormeisters Franz Lorenz mit schönem Empfinden und guter Gesangsleistung zu Gehör bracht«. Besonders schön und innig klang das Ave verum von Mozart. Elisabeth Otto sang mit einem gutgeschulten hellen Sopran Arien aus den Schottischen Liedern von Beethoven. Die 5 Gebrüder Steiner, durch ihre tresf- lichen Darbietungen im Rundsunkpragramm bekannt, gaben im Streichquartett C-Dur von Mozart und im Beethoomschen Streich quariett Ztr. 18 erneut Proben ihrer Qualitäten. Der schöne stiin- mungsvolle Nachmittag fand bei dem zahlreich erschienenen Publi- lum lebhaftesten Anklang. .'i 3_ ■iiuäil.1!! De» dunkle Hlorgen. Einen Beitrag zu der neuevding» mehrfach erörterten Frage, od VerkZn schon wirklich die«sehnte Licht stadt sei, liefert der Schnierzensschrei einer in Berlin-Wilmersdorf wohnenden Beamtin. Die Erfordernisse des Dienstes bringen es mit sich, daß sie die Woh- nung meist um 6'A Uhr früh verlosten muß. Zu dieser Zeit ver- löschen die Straßenlaternen gerade. Di« Gegend mn den Kaiser- platz mit den vielfachen Einmündungen von Seitenstraßen liegt dann irn tiefen Dunkel, da das schwache Tageslicht sich jetzt vor 7 Uhr nicht bemerkbar macht. Ein« Verlängerung der Brenn- dcmer dar Lampen wäre daher im Jntereste der werktätiqsn Bevöl- kerung sehr angebracht. Auslandsgeldfcndungen. Ein wahre» Begebnis: ein» Dame will 100 M. nach der Schweiz schicken— der liebenswürdige Beamte belehrt st«, daß 100 Franken gleich 81,36 M. wären und daß er die Geldangabe in Franken auf der Anweisung verzeichnen müsse. Di« anscheinend wenig erfahrene Dam« kann mit dieser Auskunst wenig anfangen und geht aus seinen Bor- schlag ein, IM Franken zu senden. Wenn sie notwendigerweis« 100 M. hätte schicken müssen, so wäre st« genötigt gewesen, folgende Rechnung aufzustellen: 81,36 331.= 100 Franken, also IM— 100: 81,36 und 100 M.— 100 X 100: 81,35= 10 000: 81,35— 122,8 Franken. Es würde sich doch empfehlen, daß die Postbeamten nicht nur sogen könnten, wieviel deutsches Geld man einzahlen muß. um 100 Franken zu senden, sondern auch welchen Betrag man auf die Postanweisung schreiben muß, um IQp M. absenden zu können. Noch bester wäre es, wenn solche Tabelle auf den Postämtern cmsläge. Derkehrslehmeraten der Wuflerhaufener. Unhaltbare Zustände bestehen an der Strecke G ö r l i tz e r Bahnhof— Königswu st«Ihausen. Di« Zugfolge ist hier bis 23.12 Uhr halbstündlich, dann bis 1.12 stündlich. Die Züge vom Görlitzer Bahnhof kommen nun in den Abendstunden vielfach mit einem Zug von der Stadtbahn zusammen in Grünau an. Es konnnt vor. daß der Stadtbahnzug etwas früher einläuft und auch umgekehrt. Diejenigen Passagier« von der Stadtbahn, die.zur Weiterfahrt ab Grünau die Züge nach Königswusterhausen benutzen müssen, halten schon von Adlershof an Ausschau, ob der Wuster- hausener Zug noch zu sehen ist. Nach der Ankunft in Grünau ent- wickelt sich mm ein« wilde Jagd von einem Bahnsteig auf den anderen. Der Erfolg hängt nun nicht nur von der Schnelligkeit des einzelnen ab, sondern von der Dien st auf- f a s s u n g des jeweiligen Fahrtdienstleiters. Ist für den Beamten nur der Fahrplan maßgebend, so erreichen viel« Pastagiere den ivnö? Anschlich nicht mehr. Ist der Fahrdienstleiter geneigt, den Fahr- gasten entgegenzukommen, dann kommt man mit Müh« und Not noch nrit. Tatsache ist, daß oftmals Züge mit bis zu 3 Minuten Per- fpätung von Grünau nach Wusterhausen abfahren. Sowett nun die Züge noch halbstündlich nach Königswusterhausen fahren, ist der Zeitoerlust noch nicht so schmerzlich. In den letzten Stunden iedoch ist nur noch Stundenverkehr. Die Empörung der Fahrgäste ist ver- ständlich, we«n sie gezwungen sind, eine volle Stunde auf den An- schlußzug warten zu müssen. Hier kann und muß Aende- rung geschaffen werden. Es geht nicht an, daß die Fahr- gast« dauernd Zufälligkeiten ausgesetzt sind. Die letzten Züge enden «n Wusterhausen und werden erst morgens wieder eingesetzt. Wenn Züge den Bahnhof Grünau mit kleiner Berspätung verlassen, so wird diese oftmals noch wieder aufgeholt. Soweit dies in Einzelfällen nicht möglich ist, wird dadurch der Fahrplan nicht beeinflußt. Die Aus- eintnederfetzungen zwischen Fahrgästen und Beamten werden von letzteren stets mit Berufung aus Fahrplan und Borschriften beendet. TcrhäH fich der&uBgänger richtig? Wer an den rotgelbgrün ausgezeichneten Straßenübergänoen das Verhalten des Publikums beobachtet, wird den Wagemu» be- wundern müssen, den eine große Zahl von Pastunten— namentlich Frauen— an den Tag legt. Sie kommen im eckigen Marschtempo, sehen da» grüne Zeichen auf ihrer Seite. Flugs betreten sie den Straßendamin, um gleich nach den ersten Schritten zu sehen, daß sie Zeit für grün abgelaufen ist, daß gelb uich dann grün jetzt in der Richtung der zu durchquerenden Straße aufleuchrcn. Rasche Sprünge retten vor dem sicheren Tod— aber den» Zuschauer wird es angst und bange bei diesem Leichtsinn. Sehr charakteristisch ist das Ver- halten an einer Uebergangsstelle von Unter den Linden,»vo die 60 Meter Ctraßenbreite es«gentlich jedem sagen muß, daß dos Passieren beider Straßendämme»n einer Tour im allgemeinen doch nur dann möglich ist, wenn man die Ucberquerungen sofort beim Ausleuchten von Grün vornimmt. Nun ist aber jeder Ucbergang noch durch die um die Ecke biegenden Fahrzeuge mit einer weiteren Gefahrenquelle bedacht— trotz der die Absicht des Umbiegens anzeigenden Winker der Wagen. De freie Uebergangs- zeit wird durch Warten auf diese„Umbieger' verkürzt. Man sollte es sich zur Regel machen, das neue Freizeichen abzuwarten— namentlich wenn es sich uin ältere und junge Personen handelt. Konnnt da eine Schulklasse anmarschiert: das Lichtze'chen steht auf freie Bahn, aber o weh, es schwenkt gleich mn und die kleinen Trabanten sind»wch auf dem Damm. Eni Wunder, daß nicht noch mehr Un- heil geschieht. Man fordert Rücksichtnahme der Chauffeure auf die Fußgänger, das ist richtig. Aber Sclbsterziehung des Publikums tut auch not. Freie Sozialistische Hochschule Sonnabend, den 2i. November, 10', Uhr, im Plenarsaal des Reichswirtschaftsrates, Bellevuestraße 15, Vortrag der Genossin Toni Ptülf, M. d R.: Die Eherechisreform und die arheltendeFrau Karten rum Preise von 50 Pfennig(einschl. Garderot>e) sind an teigenden Stellen ru haben: Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr 3, 2. Hof links. 2 Treppen; Arbeiterjugend aroB Berlin, Lindenstr. 3, 2. Hof links, 2 Treppen; Buchhandlung J. H. W. Diete Nacht., Lindenstr. 2: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Deutscher Holzarbeiter- Verband. Am Köllnischen Park 2; Verband der graphischen Hilfsarbeiter. Ritterstraße Ecke Luisenufer; Zigarrengeschäft Horsch, Engelufer 24/25; AfA-Ortskartell, Engelufer 24/25; Verlag des Bildungsverbanaes der deutschen Buchdrucker, Dreibundstr. 5; Zentralverband der Angestellten, Hedemannstraße 12; Verlagsgcsellschaft des ADOB-, Abteilung Sortiment, Inselstraße 6a; Frauensekretariat der SPD., Lindenstr. 3, 2. Hof links, 2 Treppen; Bezirksausschuß für ArbeiterwoMfahrt, Lindenstr. 3. 2. Hol links, 2 Treppen. Das Ende der Speknlanien. Selbstmorv eines Bankiers.— Oer sächsische Industriette Arnold gestorben. Wiesbaden, 21. November. Der Bankier Bauer aus Frankfurt a. M.. Inhaber des in Schwierigkeiten geratenen Bankhauses Rudolf R. Bauer in Frankfurt a. M., der gestern abend in einem hiesigen Hotel abge- stiegen war, wurde heute früh in seinem Zimmer tot ausgesunden. Er hatte sich mit Beronal oergiftet. Bautzen. 21. November. Der Industrielle Paul Arnold, Inhaber der Klinkerwerke Dreistern bei Bautzen, der vor etwa 14 Tagen infolge finanzieller Schwierigkeiten in einer Sandgrube seines Betriebes einen Selbst- Mordversuch durch Erschießen unternahm, Ist in der vergangenen Nacht im Siadtkrankenhau» zu Bautzen seinen verlehunqen erlegen. Arnold war 52 Jahre alt. Nach neueren Angaben sollen die Per- Kindlichkeiten 420000 Mark betragen und auch be- trügerische Wechselgeschäft« festgestellt worden fem. Gchiffszusammenstoß auf derltnierelbe. Keine Opfer an Menschenleben. Aus der Elb« bei Groden kam es zu einem schweren Schissszusammenstoß. Der ausgehende Schoner„Dietrich Hasseldiek*" stieß mit dem ebenfalls elbwärts fahrenden Rostocker Dampfer„Fortuna" zusammen. Während dem Schoner durch den Anprall das Vorgeschirr weggebrochen wurde, erlitt der Dampfer„Fortuna� keine Beschädigungen, kollidiert« aber gleich darauf mit dem emkommenden Dampfer„Arthur K u n st m a n n*. Der Dampfer„Fortuna" erhielt bei diejem Au- sammenstoß schwere Lugbeschädjgungen und mußte durch einen Schlepper nach Cuxhaven eingebracht werden. Dem Schiff sind mehrere Bugplatten gerissen und ander« stark oerbeult. Ein Steven ist eingedrückt, und beide Ankerklüsen sind gebrochen. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Di« „Fortuna" befand sich aus der Reise von Schweden nach Holland, der„Arthur Kunstmann" auf der Reise von England nach Stettin. Ein Führung durch Berlins älteste Kirche, Rckoloikirche, Post- straße, macht Dr. Franz Lederer Sonntag, 24. Nooeinber, 3. Uhr. Neuer Heilsarmeegeneral stellt sich vor. In. der Wißtagstmchmittagsveranstaltung der Berliner Heils- arme« im Zirkus Busch stellte sich das neue Oberhaupt, General Edward Higgins, vor. In allen gespielten und gesungenen Liedern herrscht oft da» Bolkslied vor. Unter schmetternden Klängen eines Musikchors und von begeisterten Zurufen begleitet. werden die Fahnen von einer piadfindermäßig gekleidsten Jungschar hereingetragen. Man organisiert also auch hier die Jugend. Neben der blaurotgoldenen Hecksarmesfahne wird auf dem Podium die Fahne der Republik aufgerichtet und in serner Ansprache betonte der Berliner Kommandeur Friedrich mit Stolz den demokratischen Charakter der Heilsarmee. Männer und Frauen sind vollkommen gleichberechtigt, auch der entfachst« Mensch kann zu den höchsten Aemtern aussteigen. Und dann, nachdem Musik. Chor- gesänge, Rezitation und ein sympathisches Männerqnartett abge- wechselt haben, tritt ganz plötzlich der neue General an die Brüstung. Händeklatschen empfängt ihn. Er spricht englisch, ununterbrochen, fitft 1�4 Stunden, in knappen Sätzen, die- sofort und sehr geschickt von einem Dolmetscher übersetzt werden. Genera! Higgins, bereits ein Aterer Mann mit dem frychroten Gesicht, das man drüben so oft trifft, preist das Werk von Bater und Sohn Booth und der laute Beifall, der sofort aus sein« Worte einsetzt, zeig« ihm. daß er gut daran tut. Wer im übrigen ist seine Rede himmelweit entfernt von einer deutschen Kanzelrode. Frisch, lebendig, an- schaulich, nicht in unverständlichen Symbolen, sondern mit Episoden und Anekdoten arbeitend, sesselt sie die einfachen Menschen. Fast endet aber die gut ausgezogene Äeranstaltung mit einem Mißton, als ein deutscher Heiisarmeeoffifier in einem imansstehlich salbadernden Pastorenton geschwollene Schlußworte spricht. Soltene Äoffoeit. Di« Ebcleut« Ba r»«« i j>, OTiinmm®ft. 12. filzen am 22. 3i0P«mbct ldr« aolbcnt Loch«it. SBotnemiti roac 30 Jahr« als S«il- ge bitte im J.«ttu n« st>; c;i ft ta t: fl, aclmttt noch ficrt« cfircnomtlid) in der WoHI- tobrfspflwe imt unb ift Mitglied der cojhUbemoI.aUfdxa Partei. „Welch ein wundervoller Telntl Haben Sie das Rezept dafür In der Hand- lasche?"■—„Allerdings, meine Herren; das Rezept ist der Olätzettel, den mir der Kurarzt gegeben hat, und darauf steht: Kein Coffein." „Und nun trinken Sie keinen Kaffee mehr?" „Im Gegenteil, mehr und besseren aisje zuvor, nämlich den coffelnfrelen Kaffee Hag. Ihm ver* danke Ich mehr Genuß und gute Gesundheit" Gtahlhelmpfarrer! Erbauliches aus M ck»enburg. Aus Schwerin l. M. wird uns geschrieben: Der Stahlhelm, der Mecklenburg und besonders die Hauptstadt Schwerin als seine Hochburg ansieht, geht immer ungenierter vor. Wer sich davon überzeugen will, der braucht nur den„Obotrit*. das Slahlhelmorgan Mecklenburgs, aufzuschlagen. So wird in der Nummer 21 vom 1. November 1929 unter den Bundesnachrichten folgender„L a n d e s o e r b a n d s b« f« h l Nr. 14� herausgegsben: „Stahlhelmpiarrer. Die Gaue ersuche ich um Meldung zum 1. Dezember 1929, welche P a st o r e n Mitglieder des s ci h l h e l m s sind. Anschrift erforderlich." Bei jeder Fahnenweihe des Stahlhelms in Mecklenburg„weiht" ein Pfarrer die Fahne, bald dieser, bald jener. Nur in der Kirche tragen die Herren Stahlhelmpastoren noch nicht ihr Parteiabzeichen, den Stahlhelm: vielleicht erläßt aber die jetzt gerade tagende Landes- jnnode der mecklenburgischen evangelischen Landeskirche eine solche Anordnung, damit die nicht dem Stahlhelm angehörenden Gemeinde- niitglieder genau wissen, mit wem sie es zu wn haben. Der Jungstahlhelm in Schwerin erläßt im gleichen Blatt folgende „Befehle": „Dienst!m November: Sonntag, 3. November. 9.30 Uhr vormittags: Wehrsport— Schulhos Beethovenstraße." Weiter: Den Gläubigen verboten hat die Kongregation des Helligen Offiziums in Rom das Werk„Politik aus dem Glauben" von Ernst Michel, 192Ü bei Dietrich in Jena erschienen. Index gegen„Politik an» dem Glauben". Der Vatikan hat das Werk des deutschen Schriftstellers Ernst Michael„Politik aus dem Glauben" auf den Index gesetzt, weil es irrige Ansichten über die christliche Philosoph!« und die Hierarchie der Kirche enthalten soll. „Mittwoch, 27 November, abends 8.30 Uhr: Pistolenschießen, Tonhalle." Damit auch die Lächerlichkeit nicht zu kurz kommt, enchält das Blatt noch einen anderen Utas: „Ich wünsch« die Ehrenbezeugungen der Scharnhorst- gruppe am 1. Dezember 1929 zu besichtigen. Ort und Zeit wird noch mitgeteilt. Sonntag, 1. Dezember 1929, 9—12 Uhr: Ausmarsch. Richtung Rabensteinselid. sBesichtigung des Jungstunnsührers. Ehren- b e z e u g u n g e n.) Antreten beim Püsserkrug. gez.: Gojselk, Ministerialkanzleisekretär." Der Stahlhelm muß wirklich groß« Sorgen haben, daß er des- wegen nicht in den Schlaf konunen kann, wenn er zu der Feststel- lung. ob die Jugend auch die„Ehrenbezeugung" richtig ausführt, einen großen Apparat in Bewegung setzt. Aber wegen das Wehrsports auf Schulhöfen und de» Pistolen- fchießsns von Jugendlichen sollte einmal die Reichsregierung nach dem Rechten sehen._ Herbstlicher Echwarzwald. Das Herbstkkima des Hochschwarzwaldes zeichnet sich aus durch Nebelire iheit, Reinheit der Luft, starke Desonnung, die Strahlentherapie, Lust- und Sonnenbäder«möglichen, serner durch große, säst sommerliche WärmebÄdung bei wohltuender Windstille. Merkwürdig ist, baß e» so lange gedauert hat, bis dies« Eigen- fchaften des Schevarzwaldes und besonders die Vorzüge des Spät- jahres erkannt worden sind. Vor öv Jahren war der Schwarzwold noch ein unbekanntes Land. Man hielt seine Höhen für rauh und uiuvirtlich und nicht geeignet für den Aufenthalt von Kranken. Di« Aerzte konnten die Liestkuren noch nicht. Sie empfahlen zwar Luft- Veränderungen� wobei sie auf die Beschaffenheit der Lust keinen l>eson'deren Wert legten. Au der Luftveränderung bedurft« es aber keiner Höhentust, da es genügte, die Kranken und Eryolungsbe- dürftigen irgendwo bei Verwandten oder in einem der kleinen Bäder unterzubringen. Erholuirgskuren waren damals bei dem ruhigen Erwerbsleben, bei dem behaglichen, ftoh-mütigen Leben in den noch kleinen Städtchen wenig evsorderlich. Es gab damals aus dein Schwarz wald auch noch keine Lustkurplätze, noch keine Erholungsheime. Das sonnige, warme Wetter im Herbst auf dem: Schwarzwald lockte nwnchen zwar schon damals zu einer Wände-, rung auf den Schwarzwald, besonders auf eine der Bergkuppsn hinauf, meistens der schönen Aussicht �vegen. Der noch 1870 ein- setzende Aufschwung der Industrie mit ihrem intensiven Geschäfts- betrieb:, mit der Hast und ncrvenzerstörenden Unrast, bracht« hier eine Wandlung. In rasendem Tempo änderte sich die Lebens- führung. Aus dem Bauern- und Handwerkerstaat« wurde«in In- dustriestaot. Di« Konkurrenz wurde zur Peitsch«, die das Volk mit seinen Millionen von Arbeitern zu immer größerem Geschöftswett- rennen aufpeitschte. Die große Aunahme der Bevölkerung schuf einen Wohnungsmangel in den immer größer werdenden Städten, die Verunreinigung dsr Luft durch den Dunst und Rauch der Fa- briken, der Aufenthalt in den ungesunden Fabrikräumen urtd Be- tncbswerkstätten. in den engen, oft sonnenlosen Wohnungen be- rcitcten den Beden für die Entwicklung von Krankheiten, Er- Drei Frauen weinen vor dem Richter Unter der Fuchtel des§ 218 vor dem„Schwurgericht"— drei Beruf», und sechs Laienrichter— stehen drei Fronen. Sie zerfließen in Tränen. Di« ersten beide«— die ZSjährige h. nnd die ZSjährige L.— sind der Ablreibnng und des S i n d e s- morde» angeklagt: die dritte, die ZZjährige K.. der gewerbsmäßigen Abiretbung. Er liegt fünf Jahr« zurück. Ella H. hatte«inen Kellner zum Freund: sie geriet in andere Umstände. Er mißhandelt« sie, wollte nichts von einem Kinde wisien, droht«, sie zu verlosten und keine Alimente zu zahlen, fordert« Abtreibung. Wochenlang suchte sie vergeblich nach einer weisen Frau, erhielt Adressen, die nicht» nutzten und erfuhr schließlich durch Musiker den Namen der Frau K. Diese steMe fest: Schwangerschaft im achten Monat. Sie weigert« sich, etwas zu unternehmen. Das jung« Mädchen fleht«, weinte, um- klammert« ihre Knie: sie dürfe kein Kind hoben; auch ihr« jüngere Schwester sei schwanger, deren Freund wolle aber für das Kind sorgen: wo sollte sie mit dem ihrigen hin; die Mutter verständ- nis- und einsichtslos, die Familie, Eltern und vier Schwestern in zwei winzigen Zimmern, eng zusammengedrängt: nein, sie könne kein Kind bekommen, st« tue sich was an. Di« alte Frau, selbst Mutter vieler Kinder, ein Leben voll Not und Elend hinter sich, wurde von Milleid mit dem jungen Ding gepackt. Für 13 Mark machte sie den Eingriff. Ein« Freundin, die Arbeiterin L., nahm sie aus. Am Abend de» nächsten Tage» stellten sich Geburtswehen ein. Di« L. hotte das Kind au» dem Elm«, wickett« es in«m Laken, legte es in einen Korb. In Todesängsten wachten die Frauen eine Weile, dann schliefen sie ein. Am nächsten Morgen fragt« Ella, wo» mit dem Kind« sei.„Es ist t o t" sagt« die L. Grauen saßt« die beiden jungen Mädchen. Was wn, wohin mit der Kindesleich«? Sie oer- suchen da» Neugeborene im Osen zu verbrennen. Gräßlicher Oualm und Geruch lasten sie davon Abstanb nehmen. Dann durchzuckt eine von beiden der Gedanke: die Waschküche. Da» größer« Feuer erlöst sie von der kleinen Leiche. Iohrewarenhingegangen. Da verplaudert« sich«ine» Tage» in ausgelastener Alkoholftimmung die L. Irgend jemand erstattete Anzeige. Di« Iustizmaschin« geriet in» Rollen, längst Bergestenes wurde an die Oberfläche gezerrt. So entstand Anklage auf Abtreibung und Kindesmord gegen H. und L., wegen gewerb»- mäßiger Wtveibung gegen K. Zweimol war dies« seitdem wegen des gleichen Delikts bereits bestraft worden. Nun saßen sie alle drei vor dem Richter und weinten: #., all und gebrechlich, Ernährerin eines siechen Mannes: H.«in Häuflein Unglück, krank an trostloser Kindheit und unleidlichem Ellernhaus«: L., um Lieb« und Kind betrogen. Der S a ch v e r» ständige wurde zum Retter. Das Kind sei physisch vielleicht lebensfähig gewesen, meint« er, juristisch war es aber nicht als Lebenswesen zu betrachten. So konnte es auch nicht getötet werden, da es juristisch nie gelebt hatte. Die Anklag« ivegen Kindesmord wurde fallen gelassen:«» blieb nur Abtreibung. Das Gericht verurteilte die L. zu drei Monaten Gesang» ni, mit Bewährungsfrist, H. zu einer geringen Geldstrafe und K. zn sech» Monaten Gefängnis. schöpsungstzulständen und Nervosität. Für all« Krankheiten ist ein Kräutlain gewachsen(sogt man). Das Kräuttein dafür wuchs auf den Höhen der Mittelgebirge, besonder» aus unseren an der Süd- und Ostgreng« des Reiches bis zu einer Höhe von 1300 Meter auf- steigenden Schwarzwoldbergen. Nun erst wurde der Schwarzwold voll und gary gewürdigt. Es entstand ein« Wandersreudigkeit. Di« Schönheiten und die klimatischen Borzüge des Schwarzwaldes wur- den entdeckt. Nun herrscht auf den von einem glückstrahlenden Himmel überdeckten Bergeshöhen eine heimelige Stille, eine nerven- beruhigende Einsamkeit. Fernsicht bis auf die silbern« Kette der Alpen nimmt die Sinne gefangen und lenkt sie ob von dem, was st« bedrückt und beunruhigt. Frisch gestärtt und arbe-itsfreudig kehrt der Mensch zu seiner Arbeitsstätte zurück. Der kommende lange Winter niacht ihm keine Sorgen mehr. Das Programm am Bußtag trug den Stempel erdrückender Einförmigkeit. Was an Bokaloorträgen gesendet wurde, waren Ge- sänge religiösen Charakters: sonst wurde der ganz« Tag mit Instrumentalmusik ausgefüllt: Streichquartett, Cello, Orchester. Ijde Veranstaltung an sich wertvoll und schön— aber alle zusammen an einem Tage erzeugten größte Lange weil«. Hamburg und die angeschlosienen Sender brachten einen Lili«ncron-Abend, Leipzig auf Schallplatten die Oper.A i da": aus München konnte man sich so- gar Tanzmusik holen. Auch ein Rundfunktag ohne Weitere" Pro- grammnummern hätte ein« reiche Auswahl zu gelösten, so daß Berlin seinen Hörern pirklich«in etwas gefälliger zusammengestelltes Tagesprogramm hätte bieten dürfen. Am Donnerstag war das Unterhaltungsprogramm von Verlin zwar auch ausschließlich aus Musik gestellt, aber es wartet« mit Darbietungen der verschiedensten Art auf. Ein schönes Nach- mittagskonzert wurde von der Pianistin Therese D i e h n- Slottko und dem Bassisten Harold Krawitt bestritten. Der Berliner Sängerchor kam mit ausgewählten Vorträgen zu Gehör:«in Wiener Operettenabend bot leichte, gefällige Unterhaltung. Königswusterhausen sorgte durch einen Arienabend Jan Kipuros für Wohlklang. Ein übler Mißton kam dagegen in das Programm der Deutschen Welle durch einen Vortrag„S P i o- nage" von Louis von Pohl, in dem man von„Goldenen Schlau- gen"— worunter der Redner weibliche Spione verstand— und sehr viel von.Feinden" und.Feindstaaten" hört«. Herr von Pohl setzte ausführlich auseinander, daß Spionage das(ftößte Heldentum,.größeres als im Kleid des Soldaten"— das ist für ihn an- scheinend der einzige Maßstab für Heldentum— offenbaren könne. Man hörte bei diesem Dortrag geradezu Söbelgerastel und Kanonen- donner und sah Giftwolken aufsteigen. Was hat dieser Vortrag, der trotz seiner schlecht umgehängten Friedensmost« deutlich an- der« Absickten verriet, im Programm des Berliner Rundfunks zu suchen? Wer ist für diesen gefährlichen Unfug verantwortlich? Es war nicht ohne pikanten Beigeschmack, daß diesem Vortrag ein« Vorlesung Heinrich Lilienfeins aus seinem neuen Roman voraus. ging, der im Weltkrieg spiell. Dos Kapitel gab die Furchtbarkeit des Krieges mild dosiert: der Soldat sttrbt bei Lilienfein mit einer Art zufriedener Demut: es macht ja weiter nichts. Tes. Sitzungen des Siadtwahlausfchusses. Am heutigen Freitag um 11 Uhr tritt der Stadt- Wahlausschuß zur Feststellung der Zahl der auf die Kreis- wohlvorjchläge insgesamt entfallenen Stimmen und zur Ermittelung der Wohlquotienten im Rathaus, Zimmer 109, Eingang Iüdenstraße, in öffentlicher Sitzung zusammen. Der Zu- tritt zu der Sitzung steht den Wahlberechtigten offen. Am Donner»- tag, dem 28. November, 12 Uhr. tritt der Stadiwahluusschuh für die Stadtverordnetenwahl zur Verteilung der auf die zugelastenen Sladt- wahlvorschläge entfallenen Stadwerordnetensitze ini Rathaus. Berlin, Zimmer 109, in öffentlicher Sitzung zusatmrnn. Auch zu dieser Sitzung steht der Zutritt den Dahlberechtigten offen. Kommunistische Rowdys. Am Dienstag nochmittog, gegen 18.30 Uhr. wurde der 70iShrlge Beichsbanaermanu und Parteigenosse Emil Mücke, der sich in Bundesuni form ans dem Wege zur Einäscherung eines verstorbenen Kameraden besand, in der Gegend des Ka r l-L i« bj n« ch t- Hauses am Dülowplatz von kommunistischen Rowdys überfalle« und zu Boden geschlagen. Mücke erlitt einig« stark blutend« Ber» wurtdungen am Kopf« und mußte sich sofort in ärztliche Behandlung begeben. Die Strolche ergrissen noch diesem„Siege" über einen Greis sofort wie üblich die Flucht. Hast du schon ein tos der Arbeiterwohlfahrt? Wenn nicht, dann kaufe dir noch heul« ein»! Der Preis für da» Einzrilos betrügt nur 5 0 Pfennig, dafür kannst du allerlei gewinnen: Landhäuser oder Wochenendhäuser, Klaviere, Sprechapparat«, Küchen, Motorräder, Fahrräder, Nähmaschinen. Im ganzen werden inderam 18. und 19. Dezember d. I. stattfindenden Ziehung 146 474 Gewinne und zwei Prämien mit einem Gelamtwert von 500000 Mark ausgespielt. Wer es wünscht, kann«ach Bargeld bekommen: denn all« Gewinne sind nnt 90 Proz. ihre« Wertes in bar auszahlbar. Derfämn« diese Gelegenheit nicht, sondern wnrfuche dein Glück mü» ninnn dir ein Los! Glücksbriefe mit zehn Losen kosten 5 Mark. Der Verfagsdirektor de,„Vorwärts". Genosse Theodor Glocke. bittet uns um Beröffentllchung der nachstehenden Zeilen:„Ich sage allen Genosten und Freunden für dt« mir anläßlich meines 70. Ge- burtstages zugegangenen Gratulationen und freundlichen Zu- fchriften mein«« herzlichsten Dank. Theodor Glocke." Dt. Helene Slöcker schreibt uns: Zu meinem 80. Geburtstage ist mir eine solche Fülle freundlicher Glückwünsche zugegangen, daß es mir leider unmöglich ist, sie alle einzeln zu beantworten. Ich bitte daher, auf diesem Wege meinen herzlichsten Dank und die Hoffnung aussprechen zu dürfen, durch meine Weiterarbeit alle guten Wünsche rechtfertigen zu können. E» schmeckt so gut, wenn man sich sein« Likör« und Lrannt- weine mit Reichel- Essenzen selbst bereitet. Die Sache ist so einfach und bringt hohe Ersparnis. Erhältlich in Drogerien und Apotheken, daselbst auch umsonst Dr. Reichels Rezeptbüchlein. t. Dia f R« ü O t#«« JCOXMAI R-XAUCH E I R €(n. Qc�fbar roflröig Bflfannmt vom. posifivea Qenuss öes Raudf�ns fm amtier Der vverKiäiige Mann; ...... Aü Utgräitaiatioasftckuns /üjr. CticbtaLa and latu d*a Aauck* utf StkrtifiTtei /atfu* U&MASK-f RiVAIf ACü UN C• loia« /'/(üdu/jcA/«*). Mifien im«auMnden Um meiner MaeAJne«pCrHdl dm Hunger nach meiner geliebten ClgartBe. Ihr gilt mein«refer Ort ff in der Ruim, dann ein paar Züge and id> fange von neuem frUdi und gute» t>tage wieder meine ArbOi an. So aefyiffl&en. poeffimnv Cjorelss MUIMAM äle Ggorette %er neuen. Spodge! �'�ZEDONEN'�1 Ursendungen für diese Rubrik sind V e r! i» SW Linden graste Z. parieinachrichten���fürGroß-Verlin ft»t»«» da» Betirk»s»kr»tar<« i. Hol. 2 Trapp», recht», i» richte, Sezirksvorstand. Heute, Freitag. 22. November, 18 Uhr. Zttzuug des erweiterten Bezirksvorstandes im Bezirkssekretariat, Lindenstr. 3, 2. Hof. 2 Treppe«. 1. Trei, Preuzlaxor B«rq. Montaa. 2Z. Z!ov«!Nb«r. 1» lltr, Eipuilg de» er- w-eitertrn Kreiovorslaaocs bei itlua. Dairzioer Elr. 71.— Der fturfits der chenoffm Dr. Tora Kabion: fio.valiftM'w mib lapiratiftifd!» Wirlschok:»- »olit'i", der vor der Wahl ausfiel, wird beut«, Kreilas, ü. Sovenunt, IS'., Übt, im SlMirfsomt, Syrnsiflet Sit. 64. sortgesebt. I. Xai» tirerulderq. gonnolwr.t, 33. Zlovember, punkilich 19 Übt, Gibun« de» engere»«relsvorstandes iir,t den Abterlungsleitrrn bei KÄger. Grimin» ftrabe 1. I». Itrei» Treptow. Tos Reichsbanner des Ar»irks Trepior» veranstaltet am aonntag. 34. November, um 14' i- Übt. auf dem Kriedbof in Kaumschulen. weg. vor dem ieremaroriu». ein- Torrn�S«di>chlniSs«ler. Reben Munt und Gcfanasdarbietungen bölt Pfarrer Tittman» die vlnfprach«. Die G» vossinnen und Gcnoürn werden gebercn. dargn teil�unebmen. 17.»reis 1z. Ao». Di«>u>ch nicht acgercchneten Gammeliiften jiird vis beut« drim Abteilungskassierer abzurechnen. Tbl. Abt. Treptow. 19>; Übe im Lokal Else neck, Elsen. Ecke Siefbolzstrabc- grabe liunktwnarfibun«. tu. Abt.»arlsdorst. 39 Übe Gründungsfeier der Sozialiftischc, Arbeiter- lugend. Gruppe»arisborit, im Zugeudbeim Tie» ko walle« 44. Ansprüche: reim Ollerbauer. All« Parteigenofien«erden bringend gebeten, mit ihren v.n beru»v er.-„einen. V' N N g m Aiorgen. Sonabend, 23. November. 30. Abt. Herbstfeit. verbunden mit«ine» Edeung de« Parteijndi- lare, in den llaftno.nestfälrn. Pappelallee 15. Gelangsdarbietnuge« und Tau, bi» um 3 Ithr.«arten zum Preise»on«0 Pf. sind bei olle» eä Kunkr.ol.aren«rhaltlia,. Alle Genasfinneu und Genossen sind mit R Ibre» Argcborigen sreundlichsi dazu eingeladen. 1�! h n t- 43. Abt. Kerbs.s-si in Rabe-«estsaleu.«ichteftr. 39. Saalössnung i- 19 Ithr. Beginn 23 tlör. Zlnere» er d bei allen Bezirk-sllbrer»«rbält- Fi l!ch. Alle Geuntfinneu und Gcnoffcn ,iu» mir ihren Sngebörigeu dazu H ireui. blichst e>»g«tade>. u. 33. Abt. Von IS bis 20 Übt bei Burg. Prenzlauer Allee lS9, Bkoulozaliiungen ort Vezirks-übrer. Gleichzoitig Livrechnung des Billetts zur Rrvoiutions- frier und der Lamniellilren zur Gtodirxrordnetenwabi. 63. Abt. Der Männerä or.Solidarität" veranstaltet am Sauntag, 24. Rovem. der,«in Herbitkonzert in der Hnchschule für Mufil,(ldartottendurg. Harden- lurgstrabe. üanlrn im Vorverkaus bei den Saugern zu 75 Ps. o» der 4!>c> blasse 1 M. Die Plobe werden»erlöst. Grössunng 19'.. Uhr.«». lang 19. llbr. Alle Eeno-sinnen und Genosse» werden um recht rege Be- tciligurg gebeten. 129. bi» 136. Ad». Pankow. Dienelag, 29. Oktober. 26 llbr. in Lindner» foiuet'baus, Keier Kit die Parteijudilar«. Die Bezitckssübrer werdrn«e» beten, lo ott d.e Namen der Iudilare bei den Abteilungsleitern anzugeben. Aezirksausschud für Slrbeilerwohlfahrt. 3. 5>rci» Sedbio». Lo'e lind abzurechnen am 22. November von 18 bi» 19 libr tri Krau Nenlaff. Pankftr. 79. 7.«rei» llharlotiendurg. Kreitag, 22. November. 1914 llbr. im Ratbaus, Küma« 140, Attrndesprrchung. Auberdem nKlffen bestimmt die Lose abgerechnet wend«. � Iungsoziolislen. Gruppe Dbarlattenburg, Gruppe Schönebrrg lSerbebezirk Bestens: Heute, Kreitag, 33. Noveneder. IL'.. Ubr, im Iugendbeim in Schöneberg, rauptslr. lö, Werbe t-zirksversammlung. Gruppe Guben: Heute. Kreitag, 26 Ubr. Im Kugendbeim Borckstr. 11, Bor. trag:.Der Auskall der fiommunolwabier.". Referent lSenols« Brrnbnnllbl. Gast« sind brrzlichsr willkommen. Gruppe Lichtenberg: Heute, Kreitag. 22. November, 19',4 Ubr, im Eäeilirn. Lnzeum, Z'atbausstrabc, Beginn des Kursus.Deutscht Aubenpoiitik seit Kriegs» ende". Leiter: Wvlfgang Schwarz. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Groh-Berlin. Drei«?ricdrich»l»aiu: Heute. Kreitag. Kreis-Elteniversammlung im Jugend- beim ssranrfurter Allee 367. Tbema:„Kommune und Jugend". Resere>:t Ge- vosse Kodier. Gruppe llllariendors: Sonntag, 34. November. Wanderung durch Alt-Berlin. Dreffen 91« Ubr Ullsiein-Saus. Die Tenivelbofer Kinberfreundc itnb herzlich eingeladen. Geburtstage, Jubiläen ujw. 3a. Abt. Unserem lsnajähriqea Genofien und tränen �unttiAuar Richnrd Vol»iu»u seinem hentiae» NN. die he�lichsten CflückuwSnsch-. «. P' Schiwebe rq. Unserem clicuit bewä�rtcu Horkäinpfer Vilbel« 3f*i<1 f ch zu seinem 55. Gcburtstaqe die derZlichUen Glückwünsche. Ihn noch recht lft»fte im Zuteressc deo Proletariat»«Hr!e» sa wissen, ist unser aller Wunsch. 94. Abt. Renkelln. Unseren beiden Parteioeteronen Kriebeich iseib und seiner Gbeira» Helen e, Herrsurtdvlab II. zur golden H-ximeit die der,. lichftea Glückwiiuich«. Wir»önlchen ibneu beiden»och seenerdt» Gesunbbeil und Woblergeben. 166. Abt. Adleeohos. Unserem Genoffe» Mar Winkelman«»nläb- »ich seine» 76 Gcbnrt-.aqe» die herzlichsten Glückurünsch«. Möge e» ihm«et. Sonnt sein, die«eitere» Iabre bei bester Gefunbbeit ,»«rieben. Genosse linkelmaan gebärt seit Zabrzebntca der Partei an. � Eterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 124.� Abt. Mohlsdorf. Di« B«is«tzuna der Arn« unseres verstorbenen H«. «offen Wilhelm Kurz findet am Lonn-aq. 24. Novetnb«r, 13 Uhr. ontf dem Friedhof Srmfcftrüftc ftott. Reye Beteilinung wird erwartet. Abt. 138-6. Die Beisein nq der Äsche unseres Genoffen Älbert Ackert finder am Sonr.a'oe» d mn 13!� Ahr auf dem Tegeler �rievbof statt. Vortrage, Vereine und Versammlungen. G Kcichsbauner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäfts stelle: Berlin S. 14, Eedastianstr. 37—39, Hof 2. Tr. Kreitag, 22. November. Tiergarte», Kameradschaft Westen I: 26 Ubr Versammlung im Rationaldof, Billowstr. 37. Barkraa: «Vallsbegebren— Kommvnalwablen— Lalksrntfcheid'. Krirdri«scknw> Eck« Waldowallee: Kaulsdorf bei Hübnet. Babnboistt. IS: Mabie botf bei Anders, Babnbofftr. 35— V: Rummtlsburg bei Brunn. Licht: uberg, Türrfchrnidistr. 46. Kunltionar« und Sruvpenfübrer baben ibr gesamtes Malerial mitzubringen. Weißenle» lOrroverein): 26 Ubr Vtr. sommlung im Berliner Hof. Vortrag des Kam. Landrar ZSilbelm Sirring. Vorstand I Ltnnbc frllber. Erscheinen ist Pslio t, Rein-ckendori-Westi 26 Ubr Vorsiandostbung im Verkebrslotal. Alle Gri-vpenfubllret müssen anwesend fein.— Sonnabend, 23. November. Krirbrichsbai». Knmeradsckast Memei: 19', Ubr Kamera. Vch.aslsverlainnilunq bei Haenschel. Memeler Str. 13: SchSneweid«. Zohanni-tbal: 26 Ubr Mitglirderversammluna i» der Brückenklause. Brück-'N. Ecke Sbreesnabe. Borirag Kam. Albert Genssner:„Eindrücke meiner englischen Studienreise.— Sonntag, 24. Ronembcr. Krenzberg! Antreten 13 Ubr zur Dolengedenkieier Wassertorbrücke mit umflort«» Kabnen. Treptow lOrtsvereinI: Antreten 13' z Ubr V-umfchulenweg. Baumschulen. Ecke Scheidlerstrabe. Tan,. bourkorps. Mussk und Kabnen. Pflichlveranstaltung. Reich»!- elell Republik. Steglib: Der Orlsvercin veranstaltet am 1. De. zember ab 13 Ubr ein Preisscheren im Lichterfe.dcr Schütienbaus. Di« Ber. Uner Ottsvereine sind zur Teilnabme emgeladeu. Anmeidungen erbeten an Kamerad Rudolf Kreudenbera. Berliii'ErkgiiK. Herderlkr. 16. Berliuer Geiellschaft für äfsenllich« Geiunbbeit-vsleg«. e. A. Eibung am Dienstag. 29. Slovemoer. 26 Ubr. im Hngienzschen Institut der Universität. Berlin. Dorotbeenstr. 29,. Herr Dr. weck. I. Zadel:„Unterbaltsinder anstecke». der Tuberkulöser". Gaste willlommen. Kreie Arbeiter�speronto-Vcrelniauna Berlin. Monatsver-ammlun« 21. November, 26 Ubr, Iuaendbeim Am Ostbabnbof 17, Gruppe Osten: Gruppen. abend und Kursus ebenda. Gruppe Zentrum: Kreitag, 22. November. Nestau» ran: Kaktanienwäidchen. Koston'enallee 63. 2V Übe. Erfche.ncn aller Mitgliedee PNichj. Atbeitee Abftivri ten-Bilvd, Beziriegruppe Lichtenberg. Sistung Montag. 19>7 llbr, im?!iaesidne'pi Hauifitroste lStidt. Svartv'aKi, Näbc Babuboi Reu- I Lichtenberg und Marrstrafze. Geno ke Stndtlä uirat und Kürkorgearzt Dr. Heitgn s r»:. rf1' über„Anlage i'Nd Uninitl:" Um zab.reichen Bestich iv 7b gebe.en. Gsperautoabteilur.g im Tonriitcnnereiu»Di« Notursrrunde". Anfänger- Efperartolursus beginnt am Zllonlag, 25. Rovember, für Mitglieder und Interessenten bei Konrad Radomsii, Blumenstr. 89, 1. Ausgang, 4 Tr. mcheM'i'suÄebesi cl�ckf Ms f./ /- W 7-■■. n-■ Konfiiiiven Fische Rhein Spekulatius II■.Pfd. 0.60 Rhein. Spekulatius I••Ffd 4.�0 Pfeffernüsse(vt)•• Pfd»«o O.SO Gewürznüsse traun,.... pu 0.70 Alpenhrot............ Pid 0.30 Spitzkuchen m.SchotaLPfdt.tc 4.40 Dominosteine z'lttti Pid z.on 4.40 Kräuter-Printen....... Pid 4.00 Teegebäck-Mischung..Pfd 4.00 Rekord-Mischung..... 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Weinhr. ,Spezial' Wo> Lir.-Fi Weinhr.- V er sehn. Z»»'1.6-ki Edelkom Jäger stolz' li-tT.Fi. Alter Nordhäuser..iLtr. n Alter Wachholder■■ t Lir Fi Himbeersaft........... tu,. Ltr. Ltr. . J Ltr. Ltr. Ltr. ..FL Kabeljau« t. Lt. Pid 0.44 Goldbarsch«* Pfd 0.43 Schellfischen. K. Pfd 0.35 Fischfilet...... Pfd 0.68 Heringe crime.jPfd 0.68 Seemuscheln 3 Pfd 0.40 KarpfeniatmdatPfd. 4. OS Bücklinge..... PK 0.42 Schell fisch«"■• pw 0.45 Lachsher inge 2 strk. 0.25 Kolonialwarc 0.52 0.83 0.93 4.40 4.00 4.40 4.03 4.20 4.20 4.20 4.40 2.40 4.03 0.93 2.45 3.00 4.40 4.25 2.00 4.40 4.00 4.50 4.80 4.60 4.80 Mehl ovo.Pfd 0.49 Mehl Raffen 00.. Pfd 0.49 K.-Aus3ugsm.5-PM4.45 Moulm-Reis.Pfd 0.30 Siam-Patna..Pfd 0.33 Graupen fot-.Pfd 0.23 Erbsen Viktoria.Pfd 0.24 Erbsen f't, twJi. pfd 0.88 Bandnudeln■ Pfd 0,48 Makkaroni..Pid 0,48 Sultaninen.Pid an 0.50 Korinthen..-. Ptd 0.63 Mandeln suf.. Pfd 2.00 Pflaumen..an Pfd. 030 Mischobst..m Pid 0.85 Aprikosen �niPfd 038 Kaffee Audese-KaffeePfd 4.35 Konsum Mucht-Pfi 2.40 Santos IV.... Pfd 2.40 Santos II..... Pfd. 2.60 Caracas...... Pfd 3.40 Columb.-Mixht.Pfd 4,00 Gerste t«rtf«t«i.. pfd 0.23 Tee lor,...... an Pfd 230 "■-Vv- .• M WM Konserven Karotten f« d. 0.45 Gemüse-Erbsen....... ,0.0.60 Junge Erbsen mauii�n.>/, O-. 0.38 Junge Erbsen /«m.....'AD, 0.98 Gemischtes Gemüse• Vi v» 0.93 Erbsen m. Karoten mtf f elfrtn'/, Ds. 4.00 Stangenspargel dünn Du 2.20 Apfelmus i- Du 0.9s. n.>/, Du 0.65 Pflaumen«sutnOM«.stv, Du 0.68 Alirabellen..........'/, Du 4.00 Stachelbeeren........'U Du 4.00 Ananas nsomtm ssjutten 4.20 Gemischte Früchte..'/, Du 4.45 Erdbeeren r«t änc&tt Du 4.65 Pflaumen-Xonsmrt'ca. 1 Pfi-Gt 0.50 Aprikosen-KenfiL ca. 2 Pfd-Elm. 4.25 A n n n nrifeosen-M«nMi. ca. i Pfd gl 0.50 Vierfrucht-Marmd. ca.2Pfd-Eim. 0.95 Apfel-Eir3ch-MaTmd.ca.2Pfd'Elmu 0.95 Apfel-J«tonist,-Ma*naarPfd.Eim. 0.93 Apfd-Aprilu-Manru ca-2 Ffd-Eim. 0.95 Apfelgelee..... 1 Pfi-cu, 0.50 Himbeergelee...auiFfd ci*, 0.88 Orangen-MamuiaJ, las,.•.Pfd. 0.50 Wursitvaven Witd, Geftügel Supp.-Hühner Pfd 4.03 Mast-Hühner Pfd 4.25 Brot-Hühner.Pfd 4.40 Brat-Enten Pid«n 4.20 Alast-EntenPfd an 4.40 Junge Gänse Pfd«» 4.40 Wildkaninch.stdu 2.33 Ragout....... PU 0.60 Rehblätter---- Pid 4.50 Rehkeule..... Pfd 2.85 Sülze.................. Pfd 0.48 Blut- u. LeberwurstSdAuPfd 0.30 Blut- u. Leberwurstfn** Pfd. 0.35 BresL Dampfwurst Pfd cm 0.90 Sülzwurst............. Pfd 035 Berl. Mettwurst....... Pfd 4.00 Wiener Würstchen....Pfd 4.45 Jagdwurst............. Pfd 4.45 Fleischwurst........• Pfd4,45 Hausm. Leberwurst pw-cm 4.40 Leberwurst i*** L FMdam Pfd 4.40 Schinkenpolnische....Pfd 4.48 Braunschw. puxkvmmt...Pfd 435 Filetwurst............. Pfd 4.65 Zervelat u. Salami...Pfd 4.38 Teewurst cr-i».......... Pfd 4.85 ZendatwuTst<■ r,udarm.pfd 4.98 Sardellenleberwurst.. Pfd 2.00 Braunschw.Zen.-dat LRdsd Pfd 2.20 Gek. Schinken......... Pfd 2.20 Braunschw. Mctm.nuKonu Pfd 2.20 Leberwurst fetnd, l Fcttd.pja 2.20 SchweinebratenFafi„b,..Pid 2.80 Gänsebrust c-»- u. haih,.Pfd 3.20 Landschinken«■««.....Pfd. 3.60 Detikatessen Obst u.GemUse Buiäev u. Käse Ostseeh ertnge' Weine«li■» Ltr. Ds.O.SS Fettheringe> T 230 Apfel sinenDtui.oo O.SO Mandarinen-Pfd 0.30 Edelobst Tiroler 2 Pfd 0.35 Boskop....... Pid 0.20 Koch-BlrnenF«f,2Pfd 0.25 Graubimen 2 Pfd 0.25 Rot- u-WirsülfkoW Pfd 0.03 Weißkohl.... Pfd 0.04 Sellerie....... Pid 0.40 [Mcngepabgabs vorb»h«lt»n| Molkereibutter 1-»..... Pfd 4.38 x afelbvtter frinxte. aiixlänch Pfü 2.40 Tafelmargarine....... Pfd 0.50 Bratenschmalz....... PM 0.35 Schweizer Käse W..... Pfi 4.50 Edamer-Käse Wo Pfd. 0.35 Holländer-Käse••• 20«;o Pfd 0.33 Tilsit er-Käse W,...... Pfd 0.88 � Emmenthaler•/.....SAachui 0.32 Magdeb. Kuhkäse■■■ 2 suk. 0.23, hl Tir. 541* 46. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Freitag, 22. November 4929 Wie lebt der deutsche Bauer? Der Arbeitslohn des Bauern und des Arbeiters.— Fragen an Herrn Prof. Münzinger. Verdient der Bauer mehr oder weniger als der Industrie- arbeiter? Dies« Frage ist von landwirtschaftlicher Seit« oft aufgeworfen und dahin beantwortet worden, daß das Ein- kommen des Bauern in den legten Iahren weit hinter dem des Industriearbeiters zurückgeblieben ist. Neuerdings hat Pro- fesior Adolf Münzinger von der Landwirtschaftlichen Hoch- schule in Hohenheim in zehn süddeutschen Einzelbetrieben dazu einen Vergleich zwischen dem Lohneinlommen des Bauern und des Industriearbeiters in derselben Gemeinde durchführen lassen. Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen auf den e r st e n B l i ck e i n e n lehr ungünstigen Stand des bäuerlichen Lohneinkommens. Der ZNännerflundcnlohn beträgt in den zehn untersuchten De- täefen nach Münzinger: Betrieb I U lli IV V Vl VII VlII IX X Bauerniamili«. 22 10 45 22 21 10 0 10 24 24 Pf. Landwirtfchaft- liches Gesinde. SS 3« ZI 36 30 30 34 31 35 42. Industriearbeiter ders. Gemeinde 55 50 SO 70 70 57 80 60 50 80. Im Durchschnitt für Bauernarbeit nur die Hälft« bis ein Drittel der Industriearbeiterlöhne! Mit Begeiste- rung ist dieses für die bäuerliche Landwirtschaft so ungünstige Ergeb- nis vom Landbund in feine Agitation aufgenommen worden. Mit großen Ueberfchriften„Bauernarbeit gilt nichts mehr.".Linsknecht- schaft der deutschen Bauern!" usw. wurden diese Ergebnisse der Mün- zingerschen Untersuchung als neuer Beweis der landwirtschaftlichen und besonders der bäuerlichen Notlag« in die Welt hinausposaunt. Während es heute offenkundig ist, daß durch die deutsch« Zlgrarkrise in der Hauptsackz« nur einige tausend ostelbisch« Betriebe in ihrer Existenz bedroht sind und dem Zusammenbruch entgegentreiben und daß die Lag« der bäuerlichen Landwirtschaft, wenn sie auch durchaus nicht allgemein als gut bezeichnet werden kann, sich allmählich bessert, scheint durch die Münzingerschen Untersuchungen der langersehnte Beweis für die besonders große bäuerlich« Not erbracht zu sein. Mit allen Mitteln sucht die großagrarische Führung der Land- Wirtschaft' mit der Schilderung solcher bäuerlichen Not die Bauern in den Dienst d.-r Großagrarier zu stellen. Ein Lohnvergleich zwischen Industriearbeiter und Bauer ist nun an und für sich schon außerordentlich schwierig. Man sollte deshalb von einem Wissenschaftler, der solche Lohnvergleiche anstellt, zum mindesten äußerste Sorgsalt und Genauigkeit für seine Untersuchungen erwarten. Herr Professor Munzinger gibi aber ein eukstellkes und verzerrtes Bild von dem Loh», de». Bauern im Vergleich zu degt des Industrie- arbeiter? Schon d!� Täsfache, daß auf- Grund ein«? ewzigen unter- suchten Äirtschastsjahres Bergleiche angestellt wurden, obwohl die Wirtschaftserträg« eines einzelnen Jahres durch Ernteaus- fall. Glück oder Unglück im Stall usw. stark nach oben oder unten von einem Mittel mehrerer Jahre abweichen können, entwertet das Ergebnis. Darüber hinaus sind in der Münzingerschen Untersuchung lauter Fehler enthalten, die systematisch den rechnerischen Arbeitsertrag des Bauern im Dergleich zu dem des Industriearbeiters herabsetzen müssen. Der MänneiPundenlohn der 10 Betriebe wurde errechnet, nachdem für das im Betrieb arbeitende Kapital eine Verzinsung von 5 Proz. vorweg abgezogen wurde. Münzinger stellt es zwar jedem Leser frei, einen höheren oder auch geringeren Zinsanspruch vorweg abzuziehen: aus seinen Ausführungen kann man jedoch schließen, daß er die Vorwegnähme eines 5prozentigen Anspruchs für berechtigt hält. Ein Vorwegabzug einer Kapitalverzinsung im bäuerlichen Be- triebe ist an sich schon sehr problematisch. Besonders auch deswegen, well der von Münzinger berechnete Zinsanspnich von einem viel zu hoch angesetzten Bodenkapital vorgenommen wurde. Der rein wirtschaftliche Wert des Grund und Bodens ent- steht ja letzten Endes aus der Kapitalisierung des durchschnitllichen Reinertrages vieler Jahr«. Wenn z. B. der Reinertrag pro Hektar 100 M. beträgt, so hat das gesamte im Betrieb arbeitende Kopital bei einem Zinsfuß von beispielsweise 5 Proz. einen Wert von 2000 M. In den Münzingerschen Betrieben wird ollein der nackte Grund und Boden bis zu 2600 M., der gesamte Kapitalwert des Be- triebe? bis zu 4800 M. bewertet! Dieser Wert entspricht zwar dem üblichen Verkehrswert, oft aller- dings nur von kleinen Porzellen in den untersuchten Gebieten. Keinesfalls kann hieraus jedoch auf einen niedrigen Arbeitsertrag, sondern nur auf zu hohe, wirtschaftlich nicht zu rechtfertigende Boden- bewertung geschlossen werden. Der Bauer bezahlt in dem oft ungc- rechtfertigt hohen Berkehrswert«ine gewisse Sclbständigkeitsprämie dafür, daß er Herr auf seinem Grund und Loden und nicht einer von vielen Millionen Proletariern ist. Zieht man, was schon ein sehr weites Entgegenkommen ist, von dem Gesamteinkommen nur eine öprozentige Verzinsung des Gebäudc- kapitals und eine 8proz«ntige Verzinsung des Betriebs kapitals, aber keinen Bodenzins ab, so ergeben sich in den 10 De- trieben folgende, bereits wesentlich höheren Stunden- löhne: I II III IV V VI Vll VIII IX X 28 26 68 58 27 25 16 20 31 39 Pf. Aber auch diese Löhne sind noch nicht vergleichbar mit dem Industriearbeiterlohn. So wurden in den untersuchten landwirt- schaftlichen Betrieben viele unproduktiv« Läpper- und Füllarbeiten, ebenso sämtliche Zeit für den Weg des Bauern zum und vom Feld voll als Arbeitszeit angerechnet. Dem Industriearbeiter, der vielfach einen Weg von zwei bis drei Stunden zur und von der Arbellsstätte hat, wurde dagegen der Lohn auf die reine Arbeitszeit berechnet. Das ist unerlaubt und ungerecht. Es kann angenommen werden, daß durch diese ungerechte Rechnung-- weise der Lohn des Bauern im Verhältnis zu dem des Industrie- arbeiters um mindestens 20 Proz. zu tief gerechnet wurde. Ferner ist in keiner Weise berücksichtigt, daß der Bouernlohn für Lebensmittel normalerweise ein« wesentlich höhere Kaufkraft hat als der Industriearbeiterlohn, well der Lauer für die felbsterzeugken Lahrungsmittel nur deu Erzeugerpreis, der Industriearbeiter ober den meist 50 bis 100 Proz. höheren Kleinhandelspreis bezahlen muß. Vergleicht man einmal den Lcbensmitteloerbrauch in Haushaltungen von Industriearbeitern (nach den Hamburger Haushaltsrechnungen) mit dem der bäuerlichen Haushaltungen, so ergibt sich pro Bollperson bei einer in beiden Fällen durchschnittlichen Lebensmittelousgabe von 400 M. folgender Derbrauch: Verbrauch pro Dollperson für dasselbe Geld JSÄSt™ w 10 bSu.riich.n ____________________ äst____ etwa 180—210 kg Mehl(einschließlich Brot) etwa 120 kj� Milch und Butter, in Milch ausgedrückt Eier...... . 212 Liter . 127 Stück 300—500 Liter 250—300 Stück Bei gleichen Gcldausgaben finden wir also trotz des angeblich niedrigen Arbeitsertrages bei den angegebenen Lebensmitteln einen recht erheblichen Mehrverbrauch im bäuerlichen Betrieb als im Arbeiterhaushalt. Aver auch die Zuverlässigkeit der B i l a n z m e t h o d e in den einzelnen Betrieben muß stark angezweifelt werden. Hierfür nur einige Beispiele: In einem Betrieb hat sich das Gebäudckapftal während des Unterjuchungsjahres um 2452,50 M. verringert, während durch Verkauf von Gebäuden und Abschreibungen nur«ine Verringe- rung von 1519 M. ausgewiesen wird. Es bleibt eine nicht erklärte Differenz von 933,50 M., um die anscheinend der Anfangswert der Gebäude z u h o ch angesetzt wurde. Bei richtiger Bilanzierung hätte der Arbeitslohn in diesem Betrieb um nicht weniger als 50 Proz. erhöht werden müssen. In einein anderen Betriebe wurden für ein Pferd so hohe Abschreibungen angenommen, daß das Pferd, dessen Nutzungsdauer mindestens 8 bis 12 Jahre be- trägt, innerhalb von nicht ganz 14 Monaten völlig abge- schrieben wäre. Aehnliche Beispiel« ließen sich in großer Zahl airsühren. Auch die Wohnunqsmiet«, eine sehr wesentliche Leistung des landwirtschaftlichen Betriebes für den Betriebsinhaber, ist in mehreren Betrieben viel zu niedrig eingesetzt. Wenn Mün- zinger vor Berechnung des Arbeitslohnes ein« öprozentige Verzinsung des Kapitalwertes, also auch des Wohngebävdewertes, abzieht, so sollte man annehmen, daß der Mietwert der bäuerlichen Wohnung entsprechend dieser Methode ebenfalls mit 5 Proz. des Wohngebäude- wertes, zuzüglich entsprechenden Abschreibungen und Reparotions- kosten, eingesetzt ist. In mehreren Betrieben liegt ober dieser Zins-, Abschreibung?- und Reparatursatz der Wohngebäude um 50 bis 100 Proz. über dem angenommenen Mietwert. Es ist unmöglich, hier alle Fehler aufzuzählen, die Mün- zinger gemacht hat und die feine Untersuchungen wissenschaftlich wert- los machen. Die angeführten Beispiele genügen zur Kennzeichnung der Tendenzarbeit. wären die Untersuchungen mit der erforderlichen Exaktheit und Sorgsalt vorgenommen worden, so hätte sich in vielen Betrieben ei» Arbeitsertrag ergeben, der wesentlich über dem Industrie. orbeitertohn liegt. Und dos, obwohl in jedem einzelnen Betriebe sehr grobe betrieb?» wirtschaftliche Rückständigkeiten aufgezeigt und nächgewiesen werden, Rückständigkeiten, deren Beseitigung ohne weiteres eine starke Er» höhung des Arbeitsertrages zur Folge haben müßte. Gerade die Münzingerschen Untersuchungen geben einen Fingerzeit, wie stark durch Bctriebsverbesserungen die Erträge zu heben sind. Kein Industriearbeiter kann einen angemessenen Lohn für Leerlaus und unproduktive Arbeit bekommen. Ebenso muß der Bauer, solange er nicht modernen Geist in seinen Betrieb einziehen läßt, am Ertrag für seine Arbeit zusetzen. Wir konnten hier nur Stichproben für die Unhallbarkeit der Münzingerschen Beweisführung geben. Wir müssen ihre Er- 'gebnisse daher aufs schärfste ablehnen. Ausführlicher wurde dies« Kritik in Heft 10 der Zeitschrift„Die Arbeit" bereits vor einem vollen Monat verösfentlicht. Herr Professor Münzinger hat es bisher unterlassen. sich gegen die dort erhobenen schweren Vorwürfe der unwissenschaft- lichen Arbeit und, wenn man will, sogar der Bilanzverdrehung zu verteidigen. Er hat sich durch seine Tendenzarbeit ein« gewisse Stellung und Autorität in den landwirtschaftlichen Berbändcn und Vereinen erworben. Auf jeder größeren Tagung der Landwirtschaft oder des Landbundes tritt er jetzt als Prophet der bäuerlichen Not auf. Auch heute wieder spricht er auf einer Landbundtagung in Berlin über seine Untersuchungen. Wir müssen bei dieser Gelegenheit ernsthaft an Professor Münzinger die Frage richten, ob er zu den von uns erhobenen Vorwürfen nichts zu sagen hat. Dann begrüßen wir ihn als Helfershelfer der Londdundpolitik. Als objektiven Wissenschaftler können wir ihn jedoch nicht mehr anerkennen, wenn er nicht all« gegen sein« Arbeit erhobenen Vorwürfe widerlegen kann. H. W. . London folgt New 8ork. Die Bank von England ermäßigt den Diskont von 6 auf SV- Prozent. Die Bank von England hat mit der Befolgung des New-Vorker Beispiels, wo vor acht Tagen unerwartet wieder der Diskont er- mäßigt wurde, sine Woche lang gewartet. Sie hat jetzt den Diskont von 6 auf 5V2 Proz. ermäßigt, so daß die Spanne zwischen New Port und London jetzt 1 Proz. beträgt. Die Rückflüsse von englischen Geldern aus New Park noch London und die Nachfragen nach englischen Valuten mit der günstigen Folge der Kurssteigerung waren so reichlich, daß England die Diskontermäßigung vorgs- nommen hat. Die Spanne zwischen New Park und Berlin beträgt jetzt 2l& Proz., zwischen London und Berlin noch 114 Proz. Das Zinsgefälle zwischen London und New Park einerseits und Berlin an- dererseits ist an sich nicht so groß, daß die Deutsche Reichsbank des- halb schon zu einer Diskontermäßigung zu kommen brauchte. Auf der anderen Seite dauert die Geldflüssigkeit in New Park in außer- ordentlich starker Weise an und die Börse bleibt tot. Das macht Gerüchte erklärlich, wonach in New Uork mit einer weiteren D i s k 0 n t er m ä ß i g u n g von 4,5 auf 4,0 Proz. gerechnet wird. So könnte entgegen der bisherigen Auffassung, da auch in Deutschland im allgemeinen die Geldslüssig- teit ziemlich groß ist, die Reichsbank noch vor Jahres- ende zu einer Kreditverbilligung schreiten. Zur Wirtschaftsförde- rung wäre diese Möglichkeit natürlich sehr zu begrüßen. '! Höchg Ich schlage alles 15 Pfg. In jahrzehntelanger Arbeit haben wir die Vorbedingungen geschaffen, um Qualitötserzeugnisse zu niedrigsten Preisen darzubieten. Bitte überzeugen Sie»ich.- Schon ein Blick in unsere Schaufenster labt Sie die grobe Auswahl erkennen. Über IOO verschiedene loeser & Wolff-Zigarren enthält unser neuer Katalog, der auf Wunsch kostenfrei zugesandt wird. LOESER&WOLFF ZIGARREN Zentrale:. Deflin• Lichtenberg�fraokfurtev Allee 26& Reichsbahnverkehr wächst weiter. Oer Bericht für den Monat Oktober. Nach dem jetzt veröffentlichten Berickzt der Deutschen Reichsbahn stieg im Monat Oktober die arbeitstäglich« Leistung im Güterverkehr von 153 204 auf 164 364 Wagen bei voller Inanspruchnahme des Wagenparks. Gegenüber dem Oktober vorigen Jahres erhöhte sich die Wugcngestellung um 1,8 Proz. Wenn die Reichs bahnoermallung darauf hinweist, daß die Steigerung des Güterverkehrs nicht die einem starken Herbstoerkehr entsprechend« chöhe erreicht Hab«, so ist doch darauf hinzuweisen, daß seit Monaten der Güterverkehr sich auf verhältnismäßig hohem Stand hält. Im übrigen zeigt der letzte Ausweis der Reichsbahn, daß in den letzten beiden Derichtswochen, vom 27. Oktober bis 9. November 1329, der Güterverkehr weiterhin einen Umfang beibehalten hat, der für den Monat November ein« weitere Steigerung um mindestens 3 Proz. gegenüber November 1328 erwarten läßt. Die Einnahmen im Monat September stellten sich auf insgesamt auf 473,8 Millionen Mark. Der Rückgang um 21 Millionen gegenüber dem August ist zum Teil darauf zurück- .zuführen, daß der September für den Güterverkehr nur 23 gegen 27 Arbeitstage im August aufzuweisen hatte. Andererseits zeigt der Personenverkehr nach dem Schluß der Snmmersaifon den üblichen Rückgang. Neue Bankzusammenbrüche. In Lübeck unv in Frankfurt. Jeder Tag bringt jetzt Meldungen über den Zusammenbruch von privaten Banken. In den letzten vier Wochen ist u. o. die Kieler Bank A.-G., die Lübecker Kreditbank A.-G., sind drei Beamtenbanken, sind fernerhin kleinere Privatbanken in Westfalen, Süddeutschland und Bayern zusammengebrochen, und jetzt werden neue Bankpleitcn aus Lübeck und Frankfurt gemeldet. In Lübeck handelt es sich um die Bant für Handel und Gewerbe A.-G., die«in Aktienkapital von 1 Million Mark, Reserven von 4t13< Uhr Friederike Der Wciurloig von Frana Lefcir Sonnabend 4 Uhr Sonntag 2 Uhr Das Weihaadüswindar Kleine Preise CASINO-THEATER U>ihrlxit!er 8lr«§c 57 Täglich SVa Uhr Nur noch wenige Aufführungen. oertagte Hocnzeiisnacmi Für unsere Leser Jutschein iör 1—4 Personen Fauteuil nur 1.25 M.. Sessel 1.75 M- Sonstiüe Preise: Parkett u. Rana 0.80 M Reichshatlen-Theater A-Sends Z Uhr lel de Steitiner" Ulk-Senc v. McyseL Billellbestellungen Zentrum 11263. DOntooff-Brettl: Das große Varietd-Progr. Tanz— Falkner Oi ehester- VolKsbUiine lmln imSUlovglali 8 Uhr Früblings Erwachen StaatüftUei-Gi. 8 Uhr Des Kaisers Soldaten SiaaiMperen Plan der BeguDlli 7«.» Uhr Ttnwr an smittiMBerflaiaa 8'/* Uhr Pennäler TfImod-Hi.�," 8V* Uhr Elisabeth Strickrodt in „Die Ballerina des Ifinigs" Lesslng-teter; Norden 10846 Gruppe tun«er Schau* piel er Täglich SV* Uhr cyanhall TtieaL 0. Westens Tägi. 8V» Uhr Nariella dasts». Oskar Straas Käthe Donch Michael Bohnen Direktion i>r. Roberl Kiels Eestsebis Künstler-Theal. Barbarossa 3937 A* Uhr Ende II Uhr Die andere Seile n Premierenbes, Ab morgen tägi. A'tS Uhr Ende»».10 Uhr Ssltsames Zwisdicnsplß! Rtgit: üdc; Hiijcrt Renaissance-Theater 8V« Uhr Ton in des Töpfers Hend Von Theodore Dreiser. Regia: Gust. Härtung. Ab Sonnabend, 8V* Uhr: COEUR-BUBi — StaiiMtzCI. 0801 s. 1583/84.— Dönhoff 170 S1/*, Ende«f,»l U. Zwei Srawaiiea von Georg Kaiser Musik: MIscha Spolianskv 1929. Vom 21. 11.- 2S. 11. für das Wcihnathtsfes» Schwere Dresdner PiebePland Stollen statt 2 60 das Pfd. 2210 M. F. W. Gumpert b�drSAvtiotuka. Kandttoxat u. Versandgesdiift Berlin CA Köntgstr. 22-24 ZweiggeschSft; O 34. Frankfurter Allee- 336. 1 8 Uhr- Ztr. 2819— Rauchen eriaobt| ... Im Mittelpunkte des November-Programms, von dem man nur in Superlativen reden dürfte, steht Jlse üois korün«ri Hergem, 7, XL Sonnabend und Totensonntag)• 8 VorstoUanpon| 8" und S Uhr»■ kleine Preise. Lnstspielbtos Friedrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich 8V* Uhr Grand Hotel Lusrspial von Paul Frank Kleines Ttieat. Merkur 1624 Heute 8: PttaKre Das Partüm meiner Fran Lustsp v. Leo Lenz Regie; FricdaisDa- riidnHD Max Adalbcrl, Hilde Wocruf r Metropol-Tö. S>h Uhr Lebdr dirigiert Das Land des Lächelns Vera Sdrwar«. Rldbard Tauber IBtat a. RolOi.Ttr Kottb. Str. 6 TägL S Uhr auchSonnt. nachm. 3U: EUle- Säniter ■I* Vtll tekt aitcn ürti™."«rtfjiVp-di Planetart aoi am Zoo— »vQk. Jaadiatthale Sinti 3.5 Barbarossa 55~- \9k Uhr Hamat- aäoeüeam»taraan- blnmal tg geläufig, seit Rilke die wundervolle Uebertragung der„Rückkehr des verlorenen Sohnes" in der Inselbücherei hatte erscheinen lassen', die klassisch-schönen Seiten des kleinen Werkes hätten uns jedoch, trotz ihrer charakteristischen Bedeutung für die Erkenntnis der Gesamt- erscheinung, noch nicht vermuten lassen, wie einschneidend und tief die Wirkung sein würde, die Gide auf das geistige Frankreich von heute ausüben sollte, und deren Unabsehbarkeit nicht offener zu- gestanden werden könnte als durch die gehässigen Angriffe, die sich in letzter Zeit gegen den Mann und das Wert in Frankreich gehäuft haben. Fast um die gleich« Zeit, da der Widerhall der denkwürdigen Uraufführung von Edmond Rostands„Cyrano von Bergerac" die Welt erfüllte, veröffentlichte Gide„Les Nourritures lerrestres", sein Buch von den irdischen Freuden des Geistes. Das ergreifendste Zeugnis für die Tiefenwirkung dieser Aeußerung, für die sich heute noch Beweis« und Bekenntnisie unter den Jungen sammeln ließen. gibt uns Roger Martin du Gard in einem der ersten Bände seines großen Romans„Les Thibaull", der Frankreichs eigenartiges Familien- und Jugendproblem zum Gegenstand hat und den Der- sasier in enger« Wahl für den diesjährigen Literatur-Nobclpreis ge- bracht hat. Daß Gides Gesamtwert, von dem bisher nur Teil« über- setzt worden sind, auf Deutschlands jüngst« Generation zunehmenden Einfluß gewinnt, beweist uns eine ungewöhnlich ausdrucksvolle Studie, die der junge Romanist Wolfgang Zülzer soeben in der „Reuen Schweizer Rundschau" ljot erscheinen losten: hier ist es nicht mehr der gekünstelte Lyrismus der„Norriturcs Terrestres", der in den Vordergrund gestellt wird: als Meister des Gedankens und des Ausdrucks, als mutiger Kämpfer für die leidenschaftliche Bejahung oller natürlichen Neigung erzwingt sich Gide die Stell imgnahme der heutigen Jugend. Ihre Kundgebungen darf er, der seinen 60. G?> burtstag in Deutschland verlebt, als weit bedeutungsvollere Symp- tnme werten als etwa die tönernen Attacken des französischen Mtteraten chenri Massis, auf deren erschöpfende Widerlegung er sich zur Zell rüstet. Wenn sich bei einer kurzen Würdigung Andre Gides unwillkür- l'ch die Persönlichkeitswttkung in den Dordergnind schiebt, so liegt der Grund dafür vielleicht darin, daß die Bedeutung de? Mannes die des dichterischen Werkes zu übertreffen schein. Als unbeirrbarer Krttiker der eigenen und fremder Leistung, dessen Scharfblick jede Aeußerung und Regung bis an ihre Ursprünge verfolgt, dürft« Gide selbst nur bedingt den Titel eines„Dichters" für sich in Anspruch nehmen: so Hot er selbst für seine kostbarsten Erzählungen— mit Ausnahme der„Faux-Monnayeurs"— niemals die Bezeichnung „Roman" oder„Novelle" gewählt: er greift vielmehr aus den Aus- druck„Sotie" zurück, der für mittelalterlich« Narrensposten ange- wandt wird, und gibt damit— bestimmt nicht unbewußt— einen Anhaltspunkt für die Rolle, die er ihnen im Rahmen der Welt- dichwng urtd seines eigenen Gesamtwirkens zuweist. Unter diesen„Sotics" befinden sich Werke von erlesenster Ein- sachheit, Schönheit und liefe.„Les Faux-M oimayeurs"—„Die Falschmünzer"~ sind allein von allen seinen Büchern durch den Devfaster selbst als.Roman" bezeichnet worden, ein« Bezeichnung, die Gide im Sinn« des unendlich hoch durch ihn verehrten Dofto- jewski anzuwenden scheint. Vielleicht gibt er uns hier den tiefsten Einblick in sein inneres Leben, einen tieferen zumindest als den, den uns seine viefbesprochenen selbstbiographischen Aufzeichnungen vermitteln, die in Deutschland unter dem Titel.Stirb und werde!" erschienen sind. Es mag fein, daß dieses Werk«ine hohe zeit- dokumentarische Bedeutung besitzt: daß der Autor selbst sich dem Bedenken über seinen Dekenntniswert nicht verschlossen hat, be- weisen einig« Bemerkungen am Schluß des ersten Teiles, die die Frag« aufwerfen, ob nicht der Roman zu solchem Bekenntnis die gegebener« Form gewesen wäre. Zwei dramatische Versuche des jüngeren Gide—.Saul" und „Ge Roi Gandaule"— sind auf der Bühne nicht heimisch geworden, und e» fragt sich, ob Frankreichs großer Regisseur Copeau recht hat, die Abwendung des Freundes vom Theater zu beklagen. All« Anzeichen deuten.darauf hin, daß Gides große Sehnsucht der Roman ist, und daß die Schärfe seiner Selbstkrittt ihn bis heute gehemmt hat, sich mit der Unbelrrtheit Minderer hier zu beschränken. Romain Rolland, dem er gelegentlich aus seinem„allzu deutschen" Stil einen Vorwurf macht, hat sich und uns den„Iean-Christophe" gegeben: Gide hat uns in den„Falschmünzern" und anderen Werken Perspektiven gezeigt, die über �Jean-Christophe" weit hinausgehen. Bezeichnend ist es übrigens vielleicht für beide, daß Rolland in Beethoven, Gide dagegen in Goethe die höher« Dollendung erblickt. „Mehr Goeche!" hieß die Forderung Gides bei einer der berühmten Zusammenkünfte in der burgundischen Abtei von Pontigny, zu denen sich führende Geister aller Länder alljährlich im Spätsommer ver- sammeln, und dies« Forderung ist aus seinem eigenften Erleben und aus dem tiefsten geistigen Bedürfnis der Zeit geboren, dos er, wie kaum ein anderer bisher, ersaßt und formuliert Hot. Mag es verfrüht erscheinen, das längst nicht obgefchlossenc Werk Andre Gides in seiner Gesamtheit würdigen zu wollen: als kühner und klarsichtiger Wegbereiter des heutigen Europas verdient der nunmehr Sechzigstihrig« erkannt und dankbar geehrt.zu«erden. Andreas£aimko:?.. eHnnerung Es sind jetzt zwanzig Jahre her, daß ich unterwegz nach Tunis einige Stunden in Ajaccio ankerte und mit den anderen Passagieren des Schiffes das sogenannte Navolvnn-Musemn besuchte. Man kann cp den Korsikcmern nicht verübeln, daß sie wenigstens die Er- innerung an ihren größten Landsmann nutzbringend zu verwerten suchen. In der Nähe Kopenhagen» wurde eigens ein Grab für dcn Dänenprinzen chamlet angelegt, der nie gelebt hat: warum sollte um ivertloje» Gerümpel, das einmal wirklich und wahrhaftig zum chaus- rat der Bonapart« gehört hatte, kein„Museum" konstruiert werden? Zu Lebzeiten hat sich der große Eroberer um seine Geburtsstaöt und sein« Landsleute ni« gekümmert, kein Volk profitierte weniger von seiner Größe, so sckzlägt die verleugnet« cheimat aus den wenigen Andenken heraus, was sie irgend kann, und schiebt die Zierantwor- tung für das Mißverhältnis zwischen Eintrittspreis und Gebotenem dem Undank des Kaisers zu. Das Mittelmeer entlang und über die Alpen, kreuz und quer durch den Kontinent laufen die prächtigen Heerstraßen, Fuhstapfen seiner Siegeszüge.— aus Gesetzbüchern, Theaterftatuten, Ritterorden, Dynastien, Monumenten» Museen und Bibliotheken, von Moskau bis Madrid und vom Kanal bis an den Nil, überall springt den Reisenden aus irgendeiner Institution, einem Gebäude, einer Brücke oder einer Wafsentat sein Name an,— nur wo er seine Kindheit verlebt hat. hinterließ er keinerlei Spuren, als hätte sein Leben erst mit seinen Toten begonnen. Noch nicht ganz zehn Jahre zählte Napoleon Bonapart«, als er sich nach Frankreich einschifst», um in die Kriegsschule einzutreten— und ni« wieder hat er zum Elternhaus zurückgefunden. Er segelte oft an der Insel vorbei, unterwegz zur Eroberung Maltas und AegYP- tens, dann auf der Heimfahrt, als es dem l8. Brumaire entgegen- ging. Seinen allerersten Sieg auf den Höhen um Genua erfocht-r unter den Augen der heimatlichen Berge, und auch der letzt« Akt, die Berzweiflungstat am End«, wurde angesichts der warnenden Heimat ousgegrübelt. die trotzig aufragenden korfstchen Berg« ver- riegelten dem Gefangenen aus Elba den Rückblick auf das Ufer seiner Macht. Es gibt nur«ine sentimentale Stund« im Leben Napoleons, und die führte ihn nach Maln,aijon. an das Grab Josephine,. Zu den Erinnerungen an sein junge- Eheglück wallfahrtet der innerlich schon Gebrochene, wenige Tage vor Waterloo, erzählt der Tochter feuchten Auges von der Wegstrecke, die im Sonnenschein seiner Liebe ge- legen hatte, noch weiter zurück blickt er nie. nicht einmal mit einer Reliquie, mit einer Tabatier« oder einem Säbelknauf wird im Testa- ment die Vaterstadt bedacht. Lielleicht liebte er seine Kindheit nicht, war sein Herz von keiner Erinnerung an das Elternhaus durch- wärmt: vielleicht«owe er es nicht wahr hoben, daß die Wiege des Weltcnkaisers unter dem niederen Dach eines konspirierenden Advo- katen gestanden hatte, in einem kinderreichen, knauserigen Bürger. hau», in da» die Rot einzog durch die Tür«, die der fliehend« Dater hinter sich offen gelassen hatt??— Nicht«, nicht ein Möbelstück und nicht ein Gebrauchsgegenstand, gar nichts,' was direkt mit der Person des Kaisers.n Verbindung stände, konnte in Ajaccio für das Museum aufgetrieben werden, nur sein« Eltern und sein« Geschwister sind mit gleichgültigen All- tagospuren vertreten, und auch die einzig« Katalognummer, die nicht unbefugt auf Napoleon selbst Beziehung nimmt, dient« dem künstigen Kaiser nur— vor seinem Geborenwerden... Unter der Treppe, verstaubt, steht der T r a g st u h l, in welchen: Mutter ßaetitta sich zur Messe hatte tragen lassen, an den letzten drei Sonntogen vor ihrer Niederkunst mit Napoleon.' Grinsend erklärt der zahnlose Korse in seinem Kauderwelsch, dos der Franzose für Italienisch, und der Italiener für Französisch hält, daß Madame Mere die sieben anderen Kinder, die sie vor und nach dem Empereur geboren hatte, olle ohne Ausnahme mühelos ausgetragen habe, bis zur Stund« der Prüfung immer mobil und fest auf den eigenen Füßen. N u r der Zweitälteste Sohn lag ihr als lähmende Last unter dem Herzen, tyrannisch im Mutterleibe schon, rücksichtslos die Kräste auswuchernd, die ihn formten, um gleich beim ersten Erscheinen überlebensgroß, mit Zähnen im Mund« antreten zu können! Wahr oder erfunden, der alte Korse ist jedenfalls ein guter Psychologe, denn die Menschen lieben Zeichen und Wunder, und es wirkt wie eine Art Trost auf die Mittelinäßigkeit, wenn sie erfährt, daß, wer mit Kaiserkronen spielen durste, von Ansang dazu aus- ersehen, von der Natur bei Geburt schon gezeichnet war. Welche an- regende Aufgabe für die Phantasie, dieses Bild der ahnungslosen Mutter, die mit dem Schicksal Europas schwanger geht, und. zu schwach für diele übermenschliche Last, sich im Tragstuhl zur Kirche tragen läßtl Andächtig lauschte die ganze Schisfsgesellschaft, und ein« korpulent« norddeutsche Dame lehnte sich— gairz Aufmerksamkeit— zu schwer aus die überlange Tragstange der Sänfte. Das alte Holz knirschte, schrie auf, als wollte es brechen— und allen Anwesenden stockte für eine Sekunde der Atem! „Wenn?"... Wer hätte in dieser Sekunde die Frage in sich überhören können, wie wohl das Gesicht Europas, das Schicksal der Welt sich gestaltet hätte,„w e n n" die dünn« Stange damals, als sie den noch un- geborenen Gebiet«? der vorletzten Jahrhundertwende zur Kirche trug, gebrochen wäre, ein— zwei Sonntage vor Frau Bonapartes Niederkunft? Stürzend, mit der ganzen Wucht ihres beschwerten Leibes, hätten Erschütterung und Schrecken die selten« Frucht vor der Zeit ihren Lenden«nirisieu, und— in einer verwilderten Ecke des Fried- Hofes von Ajaccio, wo Selbstmörder. Verbrecher und vor der heiligen Taufe verstorbene Säugling« verscharrt werde», wäre der Erde hastig«in elendes Bündelchen Fleisch übergeben worden, das, zur rechten Zeit geboren, den Invalidendom zur letzten Ruhestätte erhalten sollte! Und was hätte damals lächerlicher, wahnsinniger, unmöglicher klingen können, als die Zuslüsteruug in das Ohr des Totengräbers: das Bündelchen, das er eben versenke, wäre berufen gewesen, Kaiser oller Franzosen und Gebieter ganz Europas zu werden?— Wer hätte in das Hohngelächter des Totengräbers da- mals. als Untertan Ludwigs XV.. nicht aus vollem Halse ein- gestimmt? Wären aber die Stangen wirklich geborsten unter der zu- künftigen„Madame Mere", es hätte kein anderer Artilleriehaupt- mann so im Vorbeifahren die Festung Toulon den Engländern ent- rissen, um noch«inigen Tagen schon als General weiterzurejsen! Vielleicht wäre Barras auch ohne die Hilf« dieses Generals mit dem Aufstand des Pariser Pöbels fertig geworden, wer aber hätte dem zynischen Treiben des Direktors Barras ein Ziel gesetzt, wenn am 18. Brumaire der Sieger von Lodi, Arcole und Rivoli, der Erzwinger des Friedens von Campo Formio nicht bei der Hand gewesen wäre? Vielleicht hätte Ludwig XVIII. dann um zwei Jahrzehnte früher schon den Thron seiner Ahnen besteigen können, noch in der Der- bannung gealtert und abgeklärt? Vielleicht hätte dann—-- Aber wozu müßige Kombinationen ausstellen? Die Lehre dieser Tragstange, die, zu unrechter Zeit zerbrochen, ein historisches Schau- spiel ohnegleichen vor seinem Beginne beendet hätte, liegt viel tiefer als in spielerischen Hypothesen. In jedem Augenblick, den wir leben, ist unser aller enges Alltagsschicksal, ist das Geschick der Völker und der Welt irgendsolchen Tragstangen anvertraut, die durch ihr Bersten oder Intaktbleibcn unserer Zukunft die Ziele abstecken!— Und wie ost im Verlauf« der Menschheitsgeschichte hat pathetische Uebcr- schätzung solche Ziele, die totgeboren keine Lücke hinterlassen hätten, mit unerhörtem Auswand von Blut und Tränen verteidigt! Kann aber ein Besitz, den niemand entbehrt hätte, dennoch das Opfer unseres Lebens wert fein, nur weil der Zufall anders ent- schied? Dürfen Menschen ihr ganze» Dasein mit allen seinen Freuden und Werten hinopfern aus den Stufen eines Altars, den«in „Wenn" zu demolieren, spurlos zu demolieren vermöchte?... Welche Hekatomben und Aderlässe wären der Menschheit«r- spart geblieben, wenn der Schrei einer überlasteten Tragstange, die „geheiligten" Ziel« rechtzeitig ihrem eigenen Avortieren konfrontiert hätte!--- Wie Molsi genießbar wird Man wird sich noch der Versuch« erinnern, die während des Krieges angestellt wurden, um Holzmehl für die menschlich« Er- nährung zu veriverten. Die Versuche haben schließlich nicht viel mehr als eine theoretische Bedeutung erlangt. Es ist natürlich richtig, daß vom chemischen Standpunkt aus Holz aus solchen Stoffen besteht, die sonst im Organismus mich verdaut und ver- wertet werden. Aber für den Menschen bleibt Holz ebensowenig verdaulich wie etwa Kohle, die ja auch aus dem„an sich" hoch- wertigen Kohlenstoff besteht. Damit Holz von einen: tierischen Organismus als Energiequelle verwendet werden kann, muß die Zellulose zuvor chemisch ver- wandelt werden. In der Natur sind dazu nur Mikroorganismen imstande, vor allem Bakterien und niedere Pilze. Außerordentlich überraschend ist es, daß eine ganze Reihe von Tierarte:: es ver- standen hat, solche Mikroorganismen m ihren Dienst zu stellen und mit ihrer Hilfe das Holz als Nahrung auszunutzen. Zwischen den Tieren und den betr. Mikroorganismen besteht meist eine sehr enge Symbiose, über deren Bcschossenheit wir in der Hauptsache neuer- ding» durch den bekannten Symbioseforscher Professor P. Buchner unterrichtet worden nsid. So gibt es eine Anzahl Borkcnkäferarien— also Tiere, die bekanntlich unter der Baumrinde leben und dort als Larven lange Gänge fressen—, die die Wände ihrer Fraßgänge mit winzigen Pilzen bepflanzen. Die Pilze gedeihen auf der Holzunterlage üppig und liefern den Käfern die Nahrung. Sie können also auf diesem seltsamen„Umweg" vom Holz leben. Auf besonder« Weise wird dafür gesorgt, daß die Pilze nie aussterben— was ja für die Käser nicht» wemger als«ne.Hungerkatastrophe bedeuten wurde. Die überwinternden Käfer bewahren nämlich in besonderen Organen ihre» Körpers Pilzsaat auf und entleeren diese im nächsten Frühjahr mit dem Kot in die neuen Fraßgänge. Dort wuchern die Pilze wieder kräftig und dienen den Tieren als Nahrung. Viel« andere Infekten verfahren ähnlich: sie züchten die Pilz« und nehmen sie zweck» Erhallung der für ihr Leben so wichtigen Zuchten vorüber- gehend in ihren Körper auf. Verblüffend sind oft die Einrichtungen. die dafür sorgen, daß die Pilzzucht in Form von Sporen aus die Nachkommenschaft weitergegeben wird. So werden z. B. bein: Ablegen der Eier die Pilzsporen aus besonderen„Schmiertalchen" auf die Eier gebracht, so daß die ausgeschlüpfte Larve, die chre Eischale aufsrißt, stets mit den Pilzsporen versehen ist und dann mit dem Kot für die Aussaat des Pilzes sargt, also ihre eigen« Nahrungsquelle unbedingt sicherstellt. Viele andere Insekten beherbergen die Bakterien oder Hefepilze, die ihn«» das Holz als Nahrung aufschließen, gleich dauernd in: Darm oder in besonderen, mit dem Darm in Verbindung stehenden Anhangsorganen. Dafür, daß die Mikroorganismen dem Tiere, ihrem„Wirt", die Zellulose in eine verdauliche Form überführen, werden sie von den Körpersästen des Wirtes ernährt und von ihm beherbergt. Bei der Larve des Rosenkäfers sitzen die Bakterien:n besortderen Säcken am Darm: in diesen von Professor Buchner treffend als„Gärkammern" bezeichneten Organen wird die Zellulose von den Bakterien erst gewissermaßen vorverdaut, eh« das Insekt die Holznahrung selber verwerten kann. Vögel, die[Mi pudern Der Puder de» Vogels besteht aus einem feinen Hornstaub, der sich(wie die Hormnass» der Vogelfeder) aus dem Gewebe bildet, in das die feinen weichen Dunen bei ihrem Wachstum eingebettet sind. Bei einigen wenigen Vogelarten treten diese Pudendunen, die fort- während abschilfern, in dichten Fluren geschart auf und werden vo» den„Froschmäulern"(Froschschwalmen), einer Gattung tropischer nochtschwalbenartiger Vögel, dazu verwendet, ein feingepolstertes Nest aus ihnen zu bauen. Der Puder selbst ober dient den Vögeln lbesonders den grauen Vögeln, wie Habicht, Sperber, Wandersalke, Reiher, Taube. Graupapagei usw.) als Schönheitsmittel. So kann n-an— allerdings nur am lebenden Bogel— diesen feinen Horn- staub auf dem Gefieder beobachten, der durch«ine gewisse Licht- brechung der grauen Grundfarbe oft einen bläulichen Schimmer oer- leiht. In anderen Fällen gibt der Puder dem metallisch glänzen- den Gefieder einen feinen matten Ton. Ganz auf menschlich« Weise finden wir den Puder bei den Papageien angeweudet, bei denen er die nackte:: Hautstellen des unbekiederten Vorderkopfes bedeckt. Doch die Natur hat das Nützliche mit dem Schönen verbunden. Wenn wir sehen, wie die hurtigen Schnäbel sich in das weiche Dunen- gesieder vergraben, mit dem feinen Hornstaub überzogen daraus wieder herporkommen und da« Federkleid sorgfältig einstauben, so ist das nicht Eitelkeit: Damit schaffen sich die Vögel einen„Nässe- schütz", wie ihn Menschen und Säugetiere in den feinen Talgdrüsen der Haut besitzen. In Verbindung mit den öligen Absonderungen der Bürzeldrüse, die der Vogel mit dem Schnabel erreicht und ver- teilt, bildet d�r puderseine Hornftaub also ein wirksames Abwehr- mittel gegen Nässe, vor der sich ja die Vogelwelt besonders zu schützen hat. --.'s./.......-■■■'-f'�-\: T■■■-■■''• � ff' r:/«;; ■•:•"'''■ �■'f*-;.'-.:•-■ am—m /», unserem Resieureni Leipziger Strasse, l. Stock Freitag, den 22. Sovembet Gedeck i,TS Minestra suppe Frisch* Ochsentange Grünes Erbsenmus Feiersilien- k ario ein Reineclauden Kirschkuchen Gedeck 2,SC i Minestrasuppe � Haff sonder in R Weisswem- Frische Ochsenzunge Grünes Erbsenmas Petersilien' karioffeln Reineclauden Kirschkuchen •ßUCtoe wföauMMet'JtädMß mMaufeh� CP Verkauf eewelt Vorrat- Mofigonabgaba vorbehalte« jß Obst und Gemflso bleiben vom Vereand auegesobloee-n?40 Wild and Geflügel Suppenhühner......... pi± von 98 Pf an Ganse.................... Pfd. Ton 1,05 an Birkhühner anslilndieehe, Stck. ▼. 1,50 an Rebhühner anaUsdlMhe, Stck. t. 98pf. an Tauben aasländische...... Stck. T. 68 Pf. an Holland. Masihühner Pfd. na 1,20 an Wildschwein, Hirsch, Gänsefleisch büligsf! Obsl and Gemüse | Mandarinen............... pm 32pf.| Kochapfelod Kocfablrnen 3 Pfd. 35p(. Stangenkäse wn«.............. Pfd. Steinbascher ToUfe«........... Pfd. BlOckkSse Tilalter Alt, 20»/,.... Pfd. van. Schweizer 30%........ Pfd. 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Baumann- Renetten.......... am 35 Smyrna-Feigen............... pfd. Z4Pf. Almeriawein............„„..Pfd. 58pf. Neue Paranüsse............. Pfd. 60pf. Nene Wal- od, Hasefasüsse Pfd. 58 Pf. Graubirnen haumd.......... 2 Pfd. 3Spi. Essbirnen..................... 2 pm. 45pt Ananas.................. Pfd.rc»S5pf.an Möhren gevasckca.....„...„...Pfd. 5pf. Weisskohl...................... pid. 4 Pf. Rotkohl.......................... pm. 7pf. Wirsingkohl..................... pm. 7pl Grünkohl..................... 2 ptd. 15Pf. Sellerieknollen............... Pfd. 12pf. Kartoffeln.................. Zentner 3,25 ZnseBdangsgebtthr 50 Pt, Backpfand 50 Pf. Wurstwaren Leber- oder Rotwurst........... Pfd. 70pf. Sülzwurst.......................... pfd. 90pf. Dnmptwurst........................ Pfd. SZPf. Landleberwurst................... Pfd. 95Pf. Spedtwurst......................... Pfd. SSPf. Hausmoeher-Leberwurst.......... pm. 1.10 Knoblauchwurst................... Pfd. 1.20 Wiener Würstchen................ Pfd. 1,15 Fletschwurst........................ Pfd. 1,20 Jagdwurst......................... Pfd. 1�0 Speck fett........................... Pfd. 1,35 Mettwurst need Brannechweig. Art, Pfd. 1.40 «.Leberwurst......................Pfd. 1,45 Schinkenpclnische................. Pfd. 1,45 Zervelat oder Salami............. pm, 1,65 Teewurst............................ pjd. 1,80 Zerrelat oder Salami Helsfein....Pfd. 1,93 Schinkenspeck.............. pm, 1.95 Fische und Räucherwaren 'Schellfisch ohne Kopf.......... PM. 38Pf. 'Kabeljau L ganzen...... Pfd. ron 38Pf.an 'Seelachs ohne Kopf, Im ganzen, Pfd. 45PL 'Goldbars ohne Kopf............ Pfd. 40pf. 'KcbeljauQIet................. pm. 65pt 'Grüne Heringe........... 3 pm. 58pl Bücklinge.................Pfd. 38, 42pf. Schellfisch...................... pm. 48 rt Makrelen...................... pm.'5Spi. Sdiarben........................ pm 4Spf. Bandaale...................... Bund 30pf. Sardinen.......... 4 Portiona-DoEen 95pf. 'Kur Leipziger Str., Cezanderplatz, Frankfurter Ailee, RetlhaterDaniai, Bene-Altlanee Str., Wilpieradertcr Str. Kolonialwaren Moulmaln-Reis.................... Pfd. 28pf. Palna-Rels......................... pm. 30pt Karolinen-Reis.................... Pfd. 36p(. Fadennudeln....................... Pfd. 48pf. Hartgriessmakkaroni.............. pm. 58pf. Linsen nene Ernte..................Pfd. 36pf. Weisse Bohnen.................... Pid. 36pf. Polierte Erbsen.................... Pfd. 34 Pf. Kalif. Aprikosen.................. Pfd. SOpf. Schokoladenpulver................ Pfd. 95pf. Kakaopulver....................... Pfd 58pf. Konfitüren VoIlmllchkararr.ellen........... Pfd. 45pf. Bonbonmischung................ i pid. 30pf. Spezial- Kontakt.................>,, pfd. 45pf. Pralinenschnüie................ pm. 65"f. Sulianinchen.................... pm, 65pf. Schmelzborke.................... Pf. 65pf, 3 Talein gute Schokolade a ioo g____ 95pf. 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Nr 54?-» 46 Jahrgang Freitag, 22 November �92� —------ tt—iii..........................■-■■.i—i im 1 1- rr-�irii n n iimr- Tw-rm— Mmmnm-iTrTn-T¥TTTinTM¥TiTrTWTmnT�MmiTrwM�TM�nBniTiwi-™ iiii�mh-i.......................... Schlichtung imVraunkohlenbergbau Die Ltnternehmer suchen die öffentliche Meinung irrezuführen Zu der tohiisirelkigkeil im milleldeulschen Braunkohlenbergbau hal der Reichsarbeitsmimsler den Schlichter für ZNitteldeutschland, 5)errn Ministerialrat Dr. hauschild in Erfurt, zum besonderen Schlichler bestellt. Auch in den gestrigen Versammlungen wurden von den Teil- nehmern die Kündigungszettel restlos unterschrieben. Die Beleg- schasten sind fest entschlossen, wenn es notwendig ist, auch mit den letzten gewerkschastlichen Mitteln für ihre Forderungen einzutreten� Nachdem bereits der Arbeitgebervcrlmnd des Braunkohlenberg. bans in Mitteldeutschland durch«ine Erklärung versucht hat, die Ülblchnung jeglicher Lohnerhöhung zu rechtfertigen, bestellt der Generaldirektor P i a t s ch c k Vertreter der Presie zu sich, um sie in gleichem Sinne zu beeinflussen. Die Forderungen der Gewerk- jchasten bedeuteten«ine Mehrausgabe von 25 Millionen Mark für den gesamten Braunkohlenbergbau. Der jetzt oerdient« Bruttolohn im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau liege aus rund ll-g Vroz. gegenüber dem Vorkriegslohn: die eingetretenen Lohn- crböhur.gen hätten nicht nur die Verteuerung der Lebenshaltungs- kosten ausgeglichen, sondern darüber hinaus eine wesentliche Er- höhiing des Rcallahues gebracht. Bedenke man, daß der mitteldeutsche Braunkohlenbergbau bisher voll arbeiten konnte und Arbeitsstreckungen und Feier- schichten bisher nicht in Frage gekommen seien, so lasse sich der tot- fächlickze Monats- oder Iahresverdienft der Arbeiter des mittel- deutschen Braunkohlenbergbaues ohne weiteres mit den Löhnen anderer Industriearbeiter vergleichen. Leider lei bei der Erhöhung der Durchschnittslöhne«in« Steige- rung de? Fördcranteiles ie Mann und Schicht der Gesamt- belegschaft nicht eingetreten. Seit April d. Z. liege der Förderonteil unter den entsprechenden Zikfern des Vorjahres und zeige deutlich die Tendenz zu weherem Absinken. Der eeillung-rüik- gang sei eine Folge der Arbeitszeitverkürzungen. Trotz der gleich- zeitig weiterbetriebenen Rationalisierungsarbeiten habe er sich nicht vermeiden lassen. Der Behauptung Piatscheks stellen wir die in Nr. S4l de? „Vorwärts"(2. Beilage) gebrachte Statistik entgegen, wonach die ostelbische Produktion von 100 im Jahre 1913 aus 178,1 im Halbjahr 1929 bei einer Vermehrung der Belegschaft auf 134,1 gestiegen ist, die westelbische Produktion auf 180,4 bei einer auf 110,3»er- mehrten Belegschaft. Nach einer Untersuchung von Piatschek über die wirtschaftliche Lage des Braunkohlenbergbaues habe der Dividendendurch- f ch n i t t im Jahre 1928 n u r 7,7 P r o z. betragen, gegen 11,9 Proz. im Frieden. Also ein Beweis, daß im Frieden die Braunkohlen- dioidenden auf Kosten elender Arbeitsbedingungen viel zu hoch waren und jetzt noch ausreichend sind, wozu die letzte Preiserhöhung in Rechnung zu stellen ist. Die Abschreibungen je Tonne Förderung beliesen sich auf 0,(50 gegen 0,52 M, im Jahre 1913. Der Gewinn je Tonne För- derung bezifferte sich auf 0,39 M. gegen 0,48 M. im Frieden. Die Abschreibungen je Tonne Briketts betrogen 1,99 M. gegen 1,81 M. im Jahre 1913, der Gewinn je Tonne Briketts 1,Z1 ITC. gegen 1,69 M. im Jahre 1913. Die laufenden Schulden hätten sich von 36,7 Millionen im Jahre 1913 auf 110,6 Millionen Mark im Jahre 1928 erhöht. Die wirtschaftliche Lage des mitteldeutschen Braunkohlenbergbaues sei demnach nicht so befriedigend, wie man im allgemeinen annähme. Wie hoch die jährlichen Zuwendungen der Braunkohlen- Herren an arbeiterfeindliche Verbände sind, das hat Herr Piastchek nicht verraten. Wir werden auf seine Berechnungen noch-uruckkommen und zeigen, daß die Forderungen der Broun- kohlenarbeiter durchaus berechtigt sind. 200 Belegschastsversammluttgen am Bußtag. halle, 21. November.(Eigenbericht.) Die von den Torifgewerkschosten zum Bußtag einberufenen 200 Belegschastsversammlungcn waren sehr gut besucht. In ollen Versammlungen wurde der ablehnende Standpunkt der Ar- beitgeber scharf verurteilt. Di« Haltung der Orgonisationsvertreter während der Partei- Verhandlungen wurde gutgeheißen. Eine dementsprechende Eni- s ch l i e ß u n g ist in den meisten Versammlungen einstimmig an- genommen worden. Die von den Organisationen beschlossene Kündigung?- a k t i o n, die am Montag eingeleitet worden ist, hat mit großer Wucht eingesetzt. Schon an den ersten beiden Tagen haben in ver- schicdenen Revieren die Belegschaftsmitglieder bis zu 80 Proz. die Kündigung? zettel unterschrieben. Nach den uns bisher vorliegenden Meldungen sind sowohl im Z e i tz e r als auch im Oberöttlinger Revier auf einzelnen Gruben Knndigiingsergebnisie bis zu 90 Proz. zu verzeichnen. Mattsfelder Schiedsspruch abgelehnt. halle, 21. November.(Eigenbericht.) Der im Mansfelder Arbeitszeit- und Lohnstreit gefällte Schiedespruch wurde in der Funktionärkonferenz am Bußtag ein- stimmig abgelehnt. Die Belegschaften werden numnehr die Dinge abwarten, die sich aus der Haltung der Mansfeld A.-G. ergeben. Fünsuhrladenschmp 'Am Weihnochtsheiligabend. Der Entwurf eines Arbeitsschutzgcfetzes, der d. Reichstag bereits am 21. Januar vorgelegt wurde, steht in seinen § 40 die Einführung des 5-Uhr. Ladenschlusses am 24. Dezember vor Der Reichstag ist bisher nicht dazu gekommen, die Beratung dieses Gesetzentwurfs in Angriff zu nehmen, es läßt sich auch nicht übersehen, wann dies geschieht. Für dos Personal des Einzel- Handels Hot das zub Folge, daß es auch in diesem Jahr keinen gesetzlichen Anspruch auf den S-Uhr-Ladenschluß am Weihnachtsheiiigabend hat. Da auch fast alle Verhandlungen über die freiwillig« Ein- führung des 5-Uhr-Ladenschluss«s am 24. Dezember gescheitert sind, hat der Zcntrolverband der Angestellten in einer dringlichen Ein- gäbe an den Reichstag die Einführung des S-Uhr-Ladenschlusics am 24. Dezember durch ein Sondergeseh gefordert, damit dos Personal des Einzelhandels noch in diesem Jahre einen gesetzlichen Anspruch arnf den frühen Ladenschluß erhält. Es ist zu hoffen, daß sich dafür eine parlamentarische Mehrheit findet, da die Forderung eines frühen Ladenschlusses am Weihnachts- Heiligabend von den weitesten Kreisen der Bevölkerung erhoben wird. Oer Schuhschiedsspruch abgelehnt. Don den Berlinern Funktionären. Der am Mittwoch im Reichsarbeitsministerium zur Beilegung des Lohnkonsliktes in der deutschen Schuhindustrie gefällte Schieds- spruch beschäftigte gestern abend zunächst die Funktionäre der Berliner Zahlstelle des Schuhmachcrverbandes. Das Berliner Mit- glied des Verbandsbeirates, Z o l l e r, schilderte kurz den Gang der Schlichtungsverhandlungen und gab dann den Schiedsspruch be- kanm, der eine Erhöhung des Mindestlohnes von 87 auf 95 Pi. vorsieht. Das Lohnabkoinmcn soll ab 2. Dezember bis 31. März 1931 gelten. Bis dahin soll auch der Manteltarif verlängert werden. Zwischen den Tarifparleien wurde weiter ein Waffenstillstand vereinbart, wonach in Berlin und Hameln die Arbeit bis zum Ablauf der Erklärmigsfrist zunächst wieder aufgenommen werden soll. Der Schiedsspruch stieß hauptsächlich wegen der langen Geltungsdauer des Tarifes auf den heftigsten Widerstand der Funktionäre. Die Aufsasiung über die weiter zu ergreifenden Maßnahmen gingen sehr weit auseinander. Die Meinungsgegen- iätze traten teilweise in scharfer Form hervor. Ein Teil der Funk- tionäre wollte die Streikfront verbreitert wissen, andere forderten, itbfratbt man nm otm Zia-brn»,,(in ®tufld)fn MuNttroerbanbe?.»prltn. Rrm- manbantenflt, 63,64. Dönhoff 3277- 78. «elchiittszetl 9—5, Sonntag» 10— J Uhr. Aul ffluntd): S«lr»tnbefu(i. GENOSS ENVCH AFI BERLIN U. UMGEGEND E.G. M.B. H HG-Fieiscnwaren Nur gute Qualitäten aus eigener Schlachtung? Frisches Schwelnelieisch Frisches üindheisch Paletot 135.-110.-90.-75.. 50.-38.- Sportpelz 275.- 225.- 175.- 120.. Gehpelz 395.- 295.- 240.- 185.. 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Die Ortsoerwal tung env�ahl nach kurzer Beratung, von einer Verschärfung des Kampfes«us wohlerwogenen Gründen Ab- stand zu nehmen, und die Ent�idung darüber, ob die Streikenden entsprechend der Abmachung der Parteien noch vor dem Ablauf der Erklärungssrist die Arbeit wieder aufnehmen sollen, der Etreikversammlu�g heute. Freitag, zu überlassen. Gegen die Feststellung des Bevollmächtigten chörtz, daß der Schiedsspruch nicht di� Zustimmung der Berliner Funktionäre findet. erhob sich kein Widerspruch. Er gilt somit als von den Berliner Funktionären a b l e h n t. Eine gehet nFe Abstimmung darüber, ob heute, Freitag, der Proteststreik e�Zsärt werden solle, ergab nicht die notwendig« Mehr- heit. Es wu�de vielmehr beschlossen, den Streikenden die Enl- fcheldung Worüber zu überlassen, ob sie die Arbeit vor Mittwoch wiederar'.snehmea wollen. Die Streikoersammlung wird heute um 16 Uhr in den Residenzfestsälen abgehalten. Die BerlinO? Zimmerer. Sie sammeln sich Wieder im Zentralverband. Obwohl die orgamststorische Arbeit, die vi« neu« Zahlstellen» leitung der Zimmerer zu leisten hat, infolge der großen Unordentlich- lest ihrer Vorgänge sehr schwierig ist, geht der Wiederaufbau der Organisation verl�stnismäßig schnell vonstatten. Von den rund 7000 Karten, die an die bisherigen Mitglieder der Berliner Zahl- stell« verschickt wurden, sind bereits mehrer taufend zurückgekommen mit der Bemerkung, daß die Empfänger ihr? alte MUgliedschast im Zmtratoecbanö der Zimmerer aufrechterhalten wollen. Fast tausend der oerschickten Karten kamen als unbestellbar zurück,«in Deweis, welche.Ordnung" in der Mitgiiedertartochet der früheren kommunistischen Zahlstellenleitung herrscht«. Wenn es auch noch verfrüht ist, oin endgültiges Urteil über den Ausgong der kommunistischen Spoltungsaktion bei den Berliner Zimmerern zw fällen, so kann doch schon so viel gesagt werden: die große Mehrheit der organisierten Berliner Zimmerer steht zu ihrer alten fretgewerkschafNichen Organisation. Verschieden« Kontrollen de» neuen kommunistischen Zimmererladens hoben ergeben, daß die Drohtzieher dieser Aktion fast völlig isoliert dasitzen und mit organisatorischen Ar- beiten so gut wie gar nicht beiastet sind. Die Berliner Zimmerer- gesellen sind eben doch.reformistischer" als es die KPD. ver- mutet hat. Bei ruhiger Ueberfegung kommt auch der Zimmermann, der während der Aera Repfchläger und Schilf diesen Moskauer Lakaien zufubeUe, zu dem Schluß, daß ihm nur der in jeder Beziehung gut funderte Zenlralverband der Zimmerer einen sicheren Rückhalt ge- währen kann, und nicht der neu«„revolutionäre" Lokaloerein. Während der Zeit der Arbeitslosigkeit. Krankheit oder anderer Rot- lagen sind schließlich einige Mark Zuschuß aus der Verbandskasse wertvoller, als die Bbspeifung mit revolutionären Phrasen. Alle dies« Erwägungen werden nun einmal von der nackten Wirklichkeit de» Lebens diktiert, und kein noch so.revolutionäres" Kraft- meiertum kommt darüber hinweg. Wie sehr von den Zimmerern selbst der notgedrungen« Schritt des Zentrokvorstande» gegen die kommunistische Berliner Zahl- stellenoerwolwng begrüßt wird, zeigten am deutlichsten die De- zirksversommlungen, die in den letzten Togen abgehalten wurden. AnsnahmÄos waren dies« Bersammlungen sehr gut besucht und von einem Geist beseelt, der alle Erwartungen in den Schatten stellte. Selbst in den als besonders revolutionär bekannten Bezirken wurde gegen die neue Zahlstellenleitung kein Widerspruch laut. Uebervll wurde mit Genugtuung zum Ausdruck gebracht, daß die Mitglieder jetzt wieder in den Versammlungen in sachlicher Rede und Gegenrede ihre Meinungen kundgeben könnten, ohne nied.ergebrüllt zu werden. Jedenfalls herrscht im Berliner Zimmererverband wieder«in guter tameradschostlicher Geist. Di« Lokal«, in denen die Bezirks- Versammlungen tagen und auch die Beiträg« entrichtet werden können, werden im Inseratenteil des„Vorwärts", morgen, Sonnabend früh, bekanntgegeben. Aus einem Reichswehrbeirieb. Was fehlt dem Ingenieur Steffen? Man schreibt uns: Don den Arbeitern der Z. Preußischen Kraft- fahr-Abteilung Lankwitz sind uns in letzter Zeit wiederholt Beschwerden zugegangen über schikanöse Behandlung durch die Be- triebsleitung. Die Art und Weif«, wie Herr Ingenieur Steffen als Oberleiter der Werkstatt mit den Arbeitern umgeht, läßt darauf schließen, daß es stch hier um eine absichlliche Beunruhigung der Belegschaft handelt. Im Dezember 1928 wurde versucht, den Ar- beitern der ortsfesten Werkstatt die Löhne zu kürzen, indem sie«ine Gruppe modriger entlohnt werden sollten. Im Fetzruor 1929 ver- suchte man erneut eine Lohnkürzung, indem 1% Stunden abgezogen wurden. Dann wurde ein lOprozentiger Abzug versucht. In oll diesen Fällen Hot der Betriebsrat Einspruch erhoben und es ist ihm auch gelungen, dies« Versuche abzu- wehren. Dadurch hat sich aber der Betriebsrat bei der Be- triebsleitung sehr unbeliebt(der Betriebsrat behauptet, total oerhaßt) gemacht und Herr Ing. Steffen versucht nunmehr, gegen einzelne veirtebsratsmitgtieder vorzugehen. Am 15. Oktober ging Herr Steffen noch Schluß der Arbeits- zeit dazu über, Wände, Türen und Schränke im Arbeitsraum des Betriebsratsmitgliedes R a d t t e niederzureißen. Betriebsrats- papier« sowie die Sachen dieses Betriebsratsmitgliedes lagen in der Werkstatt herum. Vom Betriebsratsoorsitzenden wegen dieser Hand- lungsweise zur Rede gestellt, antwortet« Herr Steffen: »Ich will hier Ordnung haben und bin auch deshalb, weil die Handwerker der 1. Komp. bummeln, mit der Leitung beider Werk- stätten beauftragt." Auf den Hinweis des Betriebsratsvorsitzenden, daß dach die Handwerker vor kurzem erst vom Kompagniechef sowie vom Kommandeur wegen ihrer guten Leistungen gelobt wurden und sogar fünf Tage Sonderurlaub dafür bekommen hätten, erklärt« Herr Steffen: „Was verstehen denn dies« Herren davon und wenn die Ar- beiter nicht machen, was ich will, dann wird es nur noch befohlen, übrigens gehe ich über Leichen." Obwohl Herr Steffen selbst zugab, daß der wohlfahrtsroum ein Schweinestall sei, erklärte er: „Ihr müßt dort rein und wenn ihr nicht rein geht, seid ihr morgen entlassen." Auf den Hinweis, daß der Betriebsrat für ein« anständige und ruhige Verhandlung sei, erklärte dieser Herr:„Bei der ver- Handlung schlagen wir uns ein paar in die Fresse, sagen Arschloch zu einander, drehen uns um und lachen uns tüchtig an." Nicht genug damit, geht Herr Steffen zu persönlichen Be- leidigungen und Drohungen über Kein Tag vergeht, an dem nicht etwas Neues gegen die Arbeiter losgeiasien wird. Da die Erledigungen schriftlicher Beschwerden beim Reichs n>«hr- Ministerium eine halbe Ewigkeit dauern, wenden wir uns hiermit an die Oeffentlichkeit. hoffentlich greift der Herr Reichswehrminlster ein, damit dem Herrn Oberbetriebsleiter einmal der Kopf zurecht- gesetzt wirb._ Eine Organisation der Ktlmkünstler. Die im Jahre 1928 aus dem Zusammenschluß der Verbände der Filmautoren, der Filmregisseur«, der Kameralewt«, der Filmarchitekten. der Darsteller und der Filmmusikautoren entstandene Dach- rrganisation der filmschoffenden Künstler Deutschlands hielt am Montag«ine Delegiertenoersammlung ab, in der da» Arbeits» Programm der Organisation beschlossen wurde. Das Programm umfaßt zum großen Teil gewerkschaftlich« Aufgaben und beweist damit, daß letzt, da es der deutschen Filmindustrie schlecht geht, wenigftens ein Teil der Filmkünstler erkennt, daß sie gegenüber dem Filmunternehmertum auch nur Arbeiter oder Angestellte sind, wenn sie auch vÄatto gut bezahlt werden. Wegen der Strupellosigkeit gerade des deutschen Filmunter- nehmertums in bezug auf Kontraktbrüche, Arbeitsbedingungen und die Derhängung von Boykottmaßnahmen über Filmkünstler, die rechtlich ihnen zustehende Ansprüche einzuklagen wogten, will die „Dacho" Rechtsschutz und Reehtsbcratung für ihr« Mitglieder ge- währen. Außerdem nM sie oersuchen. Tarifverträge abzuschließen, Schutzbestimmungen im kommenden Arbeitoschutzgesetz auch für die Filmkünstler durchzusetzen usw. Ueberdies will die„Dacho" auch wichtige kulturelle Aufgaben in Angriff nehmen. Di« Arbeit aus diesem Gebiet soll mit einigen Vorträgen über technisch« und künstlerische Fragen des Films be- ginnen._ Gewerkfchastsfeindliche Reverse. Dar Jahrzehnten versuchten die Arbeitgeber, die Gewerkschaften dadurch zu zerstören, daß sie mit ihren Arbeitern und Angestellten sogenannte gewerkschaftsfeindliche R e o e r s e vereinbarten. Die Ar- beitnehmer mußten stch danach als fristlos entlassen ansehen. wenn sie ihren Beitritt zu einer Gewerkschaft erklärten. Di« Erfahrung hat gelehrt, daß dieses Mittel untauglich war. Je häufiger in« Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer zur Unterschrift solcher Erklärungen zwangen, desto stärker wuchsen die Gewerkschaften. Die Reichsverfassung von Weimar hat dies« Erklärungen al» rechtswidrig erklärt, heute gibt es kaum noch eine Arbeit- gebergrupp«, die sich dieses unsittlichen und oersassungswidrigen Mittels bedient. Der Zentralverband der Angestellten hat jedoch gewerkschoftsfeindliche Revers« bei Rechtsanwälten in Halle, Hamburg und Dresden feststellen müssen. Sie nehmen den traurigen Ruhm für sich in Anspruch, jene vor Jahrzehnten üblich« Methode der Gewerkschoftsbekämpfung heute wieder aufleben zu lassen. Der Zentralverband der Angestellten hat wegen solcher gewerk- schoftsfeindlichen Handlungen einiger Rechtsanwälte bei den Aus- sichtsbehörden Beschwerde geführt, die bereit, in einer Reihe von Fallen erfolgreich war. Adb�reie Gewerkschafts»Zuaend Berlin fs_ baiie, grert-a. 1*V» Wir, twtn bii ffiruwen; brrmnttpUü: Iu«n». I>-im LonS-rftr. tl,«•*. strad« 13. vortra- de, Sea-ste» Ufer»«»» Ucx.Da» Repuroti»-», reble»" <Ä»»«g.Pl»»>. AI« älteren»«iioste» muffe» u»b«d««gt«rschcme». heule, Zreilag, 19� Uhr. Semerlsibaltohou«! Schul««öpenicker Str. 1W:.©ie Ursachen der Jeoolu. tion von IIIS".— Aelooapln»: Schul« Elisabethkirchftr. l»:.Botiirsche»aUr«. —«öllniiche» Varl: beim Waisenstr. 1«:.De-Iogi« der Mark Brandenburg.— »oientbale«»«rst»»t: Seim zehdenicker Str. 26: Uebungoabrnt.— ftemtnm: Heim Landsberger Str. 50:.Unser« ötelluimnabm« tum«rxg.— Seim Dochum.r Str.«b:„TagecvoUtische fragen'.— Moabit I: Schuir Waider.serftr. 20:»Di« Ursachen der Revolution oon tSll".— Moabit U. Seim Lehrter&t. 18—19. Löno-Ab-nb.—«t*»H«Ik«»»Uli II: oöul« Pasteurstr. 44 46:»Die Deteutuna der freien Geroerkschaften.— a»lk»Iatl tt: Schule Sonnenburaer Str. 20: �iille-Abend".— Selmholgolsi,: ve.m D-nr.g-r Slraste 02:.Da, Mugwelen in Deutschland".— K»m«o»»Iol>: Smm Scheren. berqftr. 7: lV-Rinuten-Reserat».— Sahen schöahaas«»: Sem»«rticnmalder Strohe:.DI««ir», in der Bersassuna".-»»rdaste»! Sem« Sanaiger Str. 02: »Unsere Presse".-«eibe-iee: Seim Parkstr. ZS:.�afchismu» und proletorrsche Abmehrorqanilatianen".— Sörth«« PUli: Schul« Kastanienalle« 82: Salwiona- Abend.— Andrea«!«»: Seim Brommostr. l:»Wao hoben un» di« Sahlen gebracht?"-«aUeapta»! Seim Tilstter Str. 4—5:„SoUaleo Sandern.— «traUaer viertel: Leim Sodlerstr. 0l:»AI» Wablagitator durch die Strahen B-rlino".— Warschauer viertel: Seim Litauer Str. 18:.Ardriteriuqend und «indersreunba".-«arschaaer viertel.«. st.« Seim Liwuer Str. 18:.Zntrr. nartianal« Arbeiteriuaend".— Lchineber« ll ssrogen".- Schi»eb«rg lV. R. Seim L Laim Sauptstr. Ii: �rucll« ..................______ Sauptstr. 15: ,©«l«usgans der Dahlrn".- Ebaelotteabara: Seim Rostnenstr. 4:„Eroedn.a der«ammuna� mahlen".— Iharlattenbnrg.Sät: Seim Spbelftr. 2:.Räch der Schlacht".— Lichterselb«: Seim Lichterfelbe-Sest. Albrechtstr. 14»:.verlin», Kunwr".— Marieadars: Alt« Schul«, Dorlstr. 7:»Seruclle Fragen". Referent©r. stock,« Zrankrnthal.- Steg«».«. ff.: Seim Paulsenstr. 22:.Reiseerlebnisse.— Realbss» vi: Leim Drepivmer Str. 95— S:»Räch den Sohlen,— tbemin- lchnleareeg: Seim Ernststr. 18:»Dageopolitisch« Fragen.— S»W«»UrtaI: Sei» Rat-keller: �aa«»v-:ltisch« Fragen".-»lederschöae-eldet Schul« Der. liner Str. 81:.Ardeit-rechtlich« Frag«»".—»r«pt«»: S«im«Isenftr. 8:»Wa« geht in der deutschen Arbeiterdrrveguna vor?" llarllhorst: Olnmnaiilim Dreskoiv» alle«:«rilndungsfeier.-«anlsdors: Schule Abaifstt. 25:»Alt-Derliner Sumor. — LichttaUrg-Norb: Seim Sunterstr. 44:.©i« augenblicklichen polnischen Bor. gänge".— voestg»alde: Leim Sommerfelder Stroh«: �?»n»»Adend.— Reinickeabors.West: Leim Linbauer Stroh«:»Unser Sonnenmenb'est'. Serbeheirl Sehding, Aelterengrupv«: Seim Gerichtstr. 12—18:»Marl iitonomisch« Lehren".'„ vertebellirt Drenilaner verg:©i« vorgesehen« ReichÄagobestchtigung fil? den 24. Rovcmber muh umständehalber veelegt werden. Rädere» in den � Serbe he,irl Teltowlaeal:©er tturfu»»Snalisch tllr Anfflnger" fällt wegen tu schmacher Beteiligung au«.____.. Serbebe, Irl Osten: Morgen, Sonnabend, Fahrt nach Rstterobors»um Sochenevdkursu». Dretfminkt« werden beut« in den Kruppen bekanntgegebcn. Wer bebe, irl Sebineberg: SpieNeitertursu» in Romawe». Wir trefsrn un» morarn. Sonnabend. 18id Uhr, Bhl. Krohgirschenstrahe....._ Serdeb»,!«! Lichtenberg: Morgen, Sonnabend, 19'4 Uhr, spricht drr ch:noffe Friedrich Wendel im Leim Gunterstr. 44 ilber.So,ialdein«4rati« und stirch«. Mit de» Lapag nach stanab«. stanaba gewinnt«l» Srnwanderungwand wie auch ol» Douristen,i«I Mr Deutfchiand ständig an Bedeutung,©,« Lam» biirg-Ameriko-Linib unterbält daher einrn vor�Iglichen Passag-erdienst Sa». bürg— Lalifor. in dem während der Winteret di« Dampfer Lhuringia und »Westphalia" und vom Februar ab die erst in dielrm Jahr« fertiggestrllten Motorschiff«.St. Loui," und»Milwauke«" sowie der bekannt«©ampfer.Sie»«. land" sadren. All« dies« Schisse entspreche» in Bauart und Auoflgtiung allen Anforderungen der Gegenwart. Während die»Dhurinena und»West- vdalia" auher der Kajütoklass«»in«©ritt« tllass« Mhven, stnd die anderen drei Schiffe mit staiiltsklasse. Dritter Staistle Hit Touristrn und einer modern angelegten©ritte» stlasse verseben und werden van Auwvonderern. Geschärt»- reisendcn und Touristen wegen ihrer guten Einrichtung«iel brnuht.©i« Lam» burg.Amrriia.Linie und ihre Bertrrlunaen erteilen auf Anfragen ltber stanabareiscn bereitwilligst näher« Auskunft. Ein« Lim»» seiaster Lust ist im Urteil aller«enner da» unerreichte .Grainola"-Mufikinstrument. Ri« wird Sie im stillen zuhause ta» Geiithl de» Alleinfein» deschleichen, niemal» wird da»»Gramola" Langewiil« auskämmen lassen, wenn Sie Käste haben, jederart ist e» gut ausgelegt, kurzum: De» .Eramola" ist der best« Kamerad, den Sie stch wilnschen können Und dabei ist e, durckau» erschwinglich, für Üben! Rolirren Sie st» noch heute-us Ihrem Kalender:.Gramola" vorspirlen lassen in der»M,I«ll«a Berka us«stWoche 51. Rabatt J>el Einkauf ganzer Wflrsta Ausnahmsangetrat; (solange Vorrat) ÜSlWlit Slii l.-J.piläl NÄÄt«. UO.. ÄHEFTE33 XK w? I �VMUSIK-JNSrPJJMENm unsei'itooooMk.9iv&aass(Am6eiU nKheres In der Monatsschrift „ OSE ST/MME S&MES HERRN' usaxasii APPARATE XU BEQUEMEN TEILZAHLUNGEN raumton-�platten SERIE: POLYWJk ZU HABEN /'n UNSEREN OFFIZIELLEN VERKAUFSSTELLEN i DEUTSCHE GRA MMOPHON~AJ schlechtskronken an. Als bald ein zweiter Fürsorger hinzukam, tonnte sich der erste voll und ganz der Betreuung der Klienten des Schnell- gerichts widmen. Seine Tätigkeit verlief ähillich wie die seines weiblichen Kollegen, auch er wohnte sämtlichen Gerichtsverhand- lungen bei. Schon wenige Fälle aus der Praxis beider Fürsorger genügen, um die absolute Notwendigkeit der Einrichtung darzulegen. Die Fürsorgerin erzählt: Folgender typischer Fall hat sich kürzlich ereignet: Eine Hausangestellte kommt in andere Umstände. Sie wird entlassen. Auf der Straße sucht und findet sie Herrenbekanntschaften. Ein Strumpfdieb stahl im Warenhaus führt sie vor den Schnellrichter. Der Staatsanwalt beantragt wegen der Unbedeutend- heit des Objektes Einstellung des Verfahrens. Das junge Mädchen gelangt nun in die Betreuung der Fürsorgerin. Der Arzt stellt Schwangerschaft im achten Monat und Syphilis fest. Nach einer Behandlung im Krankenhaus findet die Fürsorgerin für das junge Mädchen eine Stellung. Das Pflegeamt rettet ihr Gepäck, das bereits verfallen war und besorgt ihr neue Papiere. Das Mädchen wird in einem heim untergebracht; ihr Kind, das gesund zur Welt gekommen war, gibt man ins Waisenhaus. Schließlich wird der Mann, der das Mädchen infiziert hatte, veranlaßt, sich einer Be- Handlung zu unterziehen. Ein anderer Fall: Ein junges Mädchen, das sieben Jahre auf einem adligen Gute, auf dem der Dater als Wirtschastsbeamter be- schäftigt ist, arbeitete, nahm in Berlin eine Stellung als Haus- mäbdjen an. Man ist mit ihm anfangs äußerst zufrieden. Dann ober läßt sich das Mädchen, das viel allein ist, von anderen Haus- angestellten zum Dieb stahl verschiedener Sachen und Bargeldes oerleiten. Es wird gekündigt. Der Lohn in höhe von 237 M. und die Papiere werden zurückgehalten. Als die Angeklagte bei ihrer Tante verhaftet wird, verbietet diese ihr das Haus. Das Mädchen wird verurteilt, erhält Bewährungsfrist. Die Fürsorgerin aber söhnt es mit Ihrer Tante aus besorgt ihm eine neue Anstellung. Eigenartig begann der Fall der Gerda K. Auch sie war Haus- angestellte in einem„sehr vornehmen haushalte'— vier Jahre. Sie ließ sich nicht das Geringste zuschulden kommen. Nach ihrer Derlobung aber stahl sie sieben Couptkoffer Sachen zusammen— alles wirr durcheinander: einzelne Bände von klassischen Gesamt- werken, indische Götzen, männliche Unterhofen und Frauenkleider— im ganzen im Werte von iOOO M. Der Richter verurteilte sie zu sechs Wochen Gefängnis— mit Bewährungsfrist. Die ärztliche Untersuchung stellte einen Intelligenzdefekt fest. Die zukünftige Schwiegermutter war verzweifelt, aber die jungen Leute heirateten doch, vorläufig geht auch alles gut, die junge Frau besucht regelmäßig die Fürsorgerin. Aus der Arbeit des Fürforgers für Männer. Ein SSjähriger Schneider wird krank und arbeitslos. Er kann keine Miete zahlen und muß ins Asyl für Obdachlose. Dort versucht er Kleiderausbesferungen vorzunehmen, unterschlägt zwei Anzüge und kommt so vor den Schnellrichter. Dieser, Amtsgerichts, rat Kaiser, läßt den Fürsorger rufen: es sei da ein Fall, den er nicht strafen wolle; er würde aber den Mann nur entlassen, wenn das Pflegeamt erklärte, für Arbeit und Wohnung-u sorgen. Das Pflegeamt verschafft dem Mann Beschäftigung bei einem gleichaltrigen Schneider, der mit seinein Mit- arbeiter durchaus zufrieden ist. Ohne die ihm zuteil gewordene Hilfe wäre der beinahe Sechzigjährige rettungslos verloren gewesen. Oder folgendes: Ein junger Buchbinder hat im Warenhaus irgendeine Kleinigkeit entwendet. Der Schnellrichter diktiert ihm zwei Wochen Gefängnis zu; die Bewährungsfrist wird von der Z a h- lung einer Geldsumme abhängig gemacht. Seine Braut, eine brave junge Arbeiterin, zweifelt nicht daran, daß die Tat eine rein zufällige war und hält nach wie vor zu ihm. Das Arbeitsamt besorgt ihm Zlrbeit. Am 1. Mai, just am Tage, als die jungen Leute heiraten, ist, die erste R a t e f ä l l i g: wird sie nicht gezahlt, so ist Strafverbüßung unvermeidlich. Der Fürsorger greift ein und erreicht Zahlungsaufschub. Der junge Mensch arbeitet fleißig, und zwei Menschen sind glücklich und zufrieden. Und schließlich aus der Fülle des Materials die nachstehende Schilderung: Ein Maschinenbauer mit guten Zeugnissen wird wegen Diebstahls zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Die Bewährung?- frist wird davon abhängig gemacht, ob ein anderes Gericht, von dem er gleichfalls verurteilt ist, die von ihm ausgesprochene Bewährung?- srist aufrecht erhält. Der Fürsorger erreicht, daß es geschieht. Er besorgt ihm auch einen freiwilligen Fürsorger, der die Schutzaufsicht übernimmt. Der junge Mann, ein ehemaliger Für- sorgezögling, hat sich bis heute vortrefflich bewährt. » Das Schnellgericht wird so zur schnellen.<) i l f e. Darin liegt sein eigentlicher Sinn— nicht in der schnellen Sühne. Diese schnelle Hilfe bedarf aber weiterer Ausdehnung. Der Richter muß die Möglichkeit haben, sich der Fürsorger noch vor der Aerhond- lung zwecks Anstellung von Ermittelungen über die Persönlichkeit des Angeklagten zu bedienen. Es widerspricht jeder vernünstigen Rechtsprechung, blindlings zu verurteilen und blindlings srcizu- sprechen. Es wird zu überlegen fein, ob nicht gestattet werde» joll, je nach Bedarf die Berhandlung auf einen oder zwei Tage zu vor- schieben und ob nicht vor der Sitzung stets eine kurze Rücksprache zwischen Richter und Fürsorger stattfinden soll. Daß ober dem Schnellgericht im Pflegeamt eine so mustergültige soziale Gerichts- Hilfe erstanden, ist ein großes Verdienst des Peiliner Magistrats. Die für den Schnellgerichts-Ar.geklagten notwendigen rechtlichen Garantien sind ein Kapitel für sich. Hier liegt allerdings noch manches im argen. Wie verlautet, fall die Soziale Gerichtshilie beim Pflegeamt abgebaut werden; man beabsichtigt, den zweiten Fürsorger zu entlassen. Das hieße, diese mustergültig funktionierende Einrichtung gefährden und die Tätigkeit des Schnellrichters in Frrige stellen. Es verlautet ferner, daß auch die Tätigkeit des g e- samten Pflegeamtes abgebaut werden soll. Nicht» wäre bedauerlicher al» das. Wenn irgendwo gespart werden mutz, so darf nicht bei dieser so wichtigen sozialen Institution begonnen werden. Es kann nicht nachdrücklichst genug davor gewarnt werden. Leo Roser.llnl. COJahre sind die Adlerwerke in Berlin Jahre sind die Erzeugnisse der Adlerwerke in allen Kreisen beliebt und geschätzt. Mit der Schaffung der neuenVerkaufsräume geht für uns der langgehegte Wunsch in Erfüllung, den Freunden und Gönnern der Adlerwerke eine Stätte zwanglosen I reffens zu bieten. EIRR EINLADUNG Die Adlerwerke vorm. Heinrich Kleyer Aldiengesellschaft ♦ Frankfurt-Main ♦ geben sich die Ehre, zur Eröffnung ihrer neuen Verkaufshallen im Westen Berlins Hardenbergsfralje 29a an der Kaiser-Wilhelm-Gedächlniskirche ergebensf einzuladen. Großstadt-„Bauern". Verlins Kleinsied ungen und die Wünsche ihrer Bewohner. Die vereinijning Deutsches Archiv für Siedlung?- wesen veranstoliele eine Auhrung durch die Groh- Berliner Kleinsiedlungen. Viesdors-Zlord. Kaulsdorf. Zlvrd-Osl, ZNahlsdorsSüd, köpenlck-llord und Diexdors-Süd wurden t>e!ichi>gl. Bei der Besichtigung konnte man sich von den starken K-'ästen und dem guten Siedlung?- g e i st überzeugen, der an den Grenzen Groß-Berlin? besteht. Die Siedler, die hier ihre Darzellen bcwirtschaste«, sehen sich besonders aus Zlrbeiterkreisen. unteren und millleren Beamten und Angestellten zusammen. In Groß- Berlin und der engerei» Nachbar» schart sollen rund 2.50000 solcher Siedlungsparzellen roti Siedlern bewirtschaftet werden Da nach den Vorschriften auch Siedlungswohnhäuser nur dort er- richtet werden dürfen, wo bereits ausgebaute Straßen vorlzandcn sind. bzw. bi? 200 Meter Entfernung von aus- gebauten Straßen, so ist es der weitaus größten Zahl von Siedlern noch nicht möglich, ihr« Eigen- Heime, fast ausschließlich Einsanillienhäufer, zu b arten. Daß diel« Siedler auch der„Schuh drückt", wurde von ihren Acrtrctern zum Ausdruck gebracht. Große Sorgen macht der Straßenbau. Die zielbewußten Siedler haben zu diesem Zweck„P s l o st c r k a s s c n" gescharsen, in die jeder Siedler nionotlich S Mark zahlt. Mit den eingebenden Beträgen werden de Straßen boulosten, soweit sie von den Siedlern zu tragen sind, bestritten. Dank dein Entgeaenkomme» der Stadt Berlin macht nun der Straßenbau langsam Fortschritte. Daß Wohnungen nur gebaut werden dürfen, wenn eine ausgebaute Straße höchstens 200 Meter entssrnt ist, schränkt natürlich die B a u m ö g I i ch k« i t ein. Di« Siedler wollen hier noch weiteres Entgegenkommen, was den Bau weiterer SieÄungs- Häuser— Eigenheime— zur Folge hätte. Soweit nun der Straßenbau nicht durchaesühri, gibt es nur die Möglichkeit, Wohn- iauben zu bauen, d. h. solche Häuschen, die nur im Sommer be- wohnt werden dürfen. Die Siedler wurden dieses Jahr von der Pon-ei be'onders daraus aufmerksam gemacht, daß am l. Oktober dies« Wohnlaube» geräumt werden ni ll s s e n. Es ist selbstoerftändlich, daß bei unserer Wohnungsnot schon recht viel solcher Wohnlauben bestehen, die vielfach mit eigenen Händen gebaut wurden. Verschiedene solcher Eigenbauten konnten mit Recht die Bewuitderung aller, die sie be- sichtigten, hervvrrusen. Da diesen Wohnlaubenbesitzern sicher nicht Wohnungen zur Verfügung gestellt werden können, ist onzunebmen, daß hier— schon um den Wvhnungsmvrkt nicht noch mehr zu belasten— die Gesetze nicht so scharf angewandt werden dürften. Dies kann um so mehr geschehen, als für die meisten Wohnlauben recht gute Baumaterialien verwendet wurden. An verschieden:» Plätzen wurde darüber geklagt, daß der Bebauungsplan seitens der Stadt noch nicht aufgestellt und deshalb noch nicht zu ersehen sei, wo die Straßen hinkommen sollen; hier nutzen dann auch die Pflasterkassen nichts. Soweit Wohnlauben gebaut werden, nt es fraglich, ob sie nicht bei Festlegung der Srrvßen abgerissen werden müsicin Erstaunlich und anerkennenswert ist, mit welcher« Arbeits- « i f e r die Leute bei ihrer Sache sind. Es wurde nachgewiesen, daß auf einer verhältnismäßig kleinen Strecke lOOCK) Zentner Kirschen sSchcttenmorelle) zum Großhandelspreis von 400 000 und einem Marktpreis von rund»«irrer% Million Mark geliefert wurden. Auch dit? zeigt, daß der.K l e i n f i e d l e r, der kein „Städter" und auch kein„Bauer" ist. auch Volkswirt- schasilich we rf oolles leistet. Der Zwiespalt bringt es mit sich, daß weder ein„Ministerium der Landwirtschaft" noch ein anderes Ministerium sich dieser„nebenamtlichen Dauern" onniimnt Di« K.mrinuriaioerwzlwngen tun gut, diesen kleinen Siedlern auch in Zukunft hilfreich zur Seite zu stehen. I. S, Elektrizität in berliner Sanshalinngen. Auch in Arbeiierbezirken starkes Ansteigen des Bedarfs. Reue Vororibahn nach Siemensstadi. Erweiterung des Bahnhofs Jungfernheide. Baraussichttich in wenigen Wochen wird die n»u e L o r o r t- bahn nach Siemens st adt und Garten selb in Betrieb genommen weiden. Für die Einführung dieser Streck« in den Nord- ring ist ans dem Bahtchof Jungfernheide ein neuer Bahnsteig angelegt morden, der künftig dein Berkehr in der Richtung nach Westend und Gartenseld dienen wird. An dem bisherigen Ringbahnsteig dagegen werden"in Zukunft nur noch Züge nach Gefundbrunnen, d. h. also die von Westend und Gartenseld kommenden Züge halten. Di« Vorortzüge nach Lehrter Hauptliahnhof und Spandau werden noch wie vor an dem alte» Vcrortbahnsteig abgefertigt. Der Umsteigeverkehr von und nach allen drei Bahnsteigen findet durch einen neugeschassenen Tunnel mit den dazugehörigen drei Dahnsteigtreppen statt. Der Tunnel hat außerdem einen besonderen mit Fahrkartenausgabe ver. bu irdenen Ein- und Ausgang von und zu der nördlich der Ringbahn entlangführenden Straße erhalten. Aus technischen Gründen ist— wie die RBD. Berlin mitteilt— der neue Ringbahnsteig schon jetzt in Betrieb genommen worden. Mehr Automsbile, weniger Krasträder in Berlin. Der Kraftfahrzeug bestand Berlins betrug am 1. November 07 354, gegenüber 08 140 am 1. Oktober. Der Rückgang beträgt also nur lSO Fahrzeuge, obwohl im Lause des Oktober-— wie allsährüch im Herbst— eine groß« Anzahl Motorräder ab- gemeldet wurden. Diese Abmeldungen belieftn sich im Oktober 1029 aus über 600 Fahrzeuge. Der Lestond an Personen- und L a st k r a s t w a g e n ist dagegen im Berichtsmonat gestiegen. Die Zahl der Personenkrastwazen erhöbt« sich um 218 auf 44 664 einschließlich Kraftdroschken und Omnibussen und die der Lasikrait- wagen um 215 auf 16 017. Di« Zahl der Krafträder vermindert« sich um 619 auf 36 373. Am 10. Oklober haben die Berliner Städtischen Elektrizilals- werke eine sehr interessante Erhebung über die Zahl der an elektrische Leitungen angeschlossenen Haushaltungen und über in diesen Hanshaltungen benutzte haushallsapparate ver- anstoltel. Die Ergebnisse dieser Erhebung wurden kürzlich von Dr. E. Albrecht im zweiten Oktvberhest der„Elektrizilälswirlschasl" mitgeteilt. Insgesamt konnten 1 121 394 Haushaltungen nach dem Grad ihrer Elektrifizierung ersaßt werden, d. h. etwa neun Zehntel oller Berliner hauehaltr-nnen überhaupt. Von dieser Gesamtzahl waren mehr als die Hälfte, nämsich 54,8 Proz., an elektrische Leitungen angeschlossen. Ihre absolute Zahl betrug also 651 533. Wenn man bedenkt, daß der Prozentsatz im Mai 1923 nur 27,4 betrogen hatte, so hat sich also in dieser kurzen Zeit die Gesamtzahl genau verdoppelt. Dies« an sich erfreuliche Entwicklung ist zweifellos vor allem ein« Folge der niedrigen Berliner Stromtarife, wohl des niedrigsten Haushaltungstarifs in ganz Deutschland. Inleresiant ist z. B. die starke Vermehrung der elektrisch angeschlossenen Haushaltungen in verschiedenen A r b e i t e r g e g e n d« n. So hat sich z. B. im Bezirk Gedding die Prozenlzahl der elektrifizierten Haushaltungen ver- viersacht(von 10,7 Proz. 1025 auf 40,11 Proz. 1028), in den Be- zirken Prenzlauer Berg und Friedrichshain rund ver- dreifacht soon 16,6 auf 46 5 Proz. bzw. von 12,3 auf 39,1 Proz.). Andererseits stehen natürlich auch heute noch die westlichen Bor- arte bsi weitem an der Spitze. So waren z. B. in Zehlendorf fast 85 Proz. aller Haushaltungen elektrifiziert, und in einzelnen Stadtteilen, w!« z. V. in Dahlem, Nikolassee und Grüne- wald gibt es überhaupt kaum noch Haushaltungen, die nicht elektrifiziert wären. Jnteresiant ist ferner der Zusammenhang zwischen dem Grad der Elektrifizierung und der W o h v. u n g 5 g r ö ß e. Es waren nämlich von der Gesamtzahl der Haushaltungen in den einzelnen Größenklassen ohne Elektrizitätsversorgung: 1-Zimmer-Haushaltungen.......... 69,1 Proz. ?-Zimmer-Haushaltungen.......... 49,1„ 3-ftimmer-Hausbaltunaen.......... 26,7„ 4-Zimmsr-Haushaltungen.......... 13,8„ Z-Zimmcr-Hau' Haltungen.......... 6,8„ größere Haushaltungen........... 2,5 Natürlich schwanken auch diese Ergebnisse wiederum je nach der L o g e der Wohnungen. So sind z. B. vön den Einzimmer» Haushaltungen des Weddings und der Bezirke Friedrichshain und Kreuzberg 74 bis 73 Proz. ohne Elektrizitätsversorgung, während umgekehrt von den sechs und mehr Zimmer zählenden Haushalwn- gen Wilmersdorfs und Zehlendorfs nur 0,3 und 0,9 Proz. ohne Elektrizität waren. Wie steht es nun mit der Verwendimg elektrischer Haushalts- apparat«? Auch hier zeigen sich große Gegensätze zwischen den reicheren und den ärmeren Stadtgcgenden. Das am meisteii gebrauchte elektrische Gerät ist das Bügeleisen; fast 56 Proz. aller elektrisch angeschlossene» Haushaltungen haben auch ihr Bügel- eisen. An zweiter Stelle stehen Staubsauger mit einer Gesamt- zahl von 170 390, an dritter Stelle Heizkissen(105 925). Im allgemeinen ist natürlich die Zahl der Hausholtsapparat« im Westen bedeutend größer als etwa im Norden und Osten. Dies zeigt auch die folgende Tabelle. Bon je 100 elektrifizierten Haushaltungen verfügten in den Hauplftadigegend-en über elektrisch« Haushalts- apparatc:. Plättsisen.. Staubsauger Heizkissen.. Heißluftduschen Heizsonnenöfen Kochgeräte.. Es gibt hier jedoch auch Ausnahmen. Haushalts- und Nähmaschinenmotoren z. B. finden sich nicht in Jehlen- doch oder Wilmersdorf in größler Zahl, sondern in Arbeitergegenden, wo vielfach mit Näh- und Schneiderarbeit Neben- verdienst erworben werden muh. Während in den Bezirken Mitte und Prenzlauer Berg 4 bis 5 Proz. oller elektrifizierten Haus- Haltungen über solche Motoren verfügen, sind es in Wilmersdorf nur 1,7, m Zehlendorf 2,9, in Steglitz 1 Proz. Diese interessante Erhebung der Bewag zeigt, daß der Weg zur Versorgung oller Berliner Haushaltungen mit Elektrizität und elektrischen.Haushalts-apparaten noch weit ist. So verfügen z. B. in den Bezirken Wedding und Spandau nur 15 Proz. oller eleklrifizierten Haushaltungen über Staubsauger, während es in Wilmersdorf und Zehlendorf bereits 46 und 49 Proz. find. Eick» irische Kühlschränke gibt es im ganzen Bezirk Wedding erst 2 (0,01 Proz. der elektrifizierten Haushaltungen), in Zehlendorf dagegen 204(2 Proz.). Ebenso können sich z. B. nur 8,6 Proz. der «lektrifizierlen Haushaltungen des Weddings Heizkissen leisten, in Zehlendorf dagegen 30,8 und in Wilmersdorf 27 Proz. Für Deutschland gibt es ein.« entsprechende Statistik leider nicht. Sie würde wahrscheinlich ganz bedeutend ungünstiger ausfallen, schon wenn man berücksichtigt, daß die meisten Städte Stromlarise von 30 bis 40 Pfennig je kilowatkstunde hoben, auf dem flachen Lande 50, 60 und noch mehr Pfennig, während in Berlin die Kilowattstunde nur 16 Pfennig(zuzüglich einer Grundgebühr) kostet. Trotzdem ist aber ein Vergleich mit den Vcrhällnissen in den Vereinigten Staaten interessant. Hier waren Ende»er- gongencn Jahres mehr als 19 Millionen Haushaltungen an elek- irische Leitungen angeschlossen, das sind rund zwei Drittel aller städtischen und ländlichen Haushaltungen der Vereinigten Staaten. Von diesen 19 Millionen Haushaltungen verfügten drei Viertel über elektrische Bügeleisen, fast ein Drittel über Staubsauger, fast ein Viertel über Waschmaschinen und Benti- latoren. Schneidet schon Berlin bei einem solchen Vergleich mit gesamtamerikanischen Verhältnissen ungünstig ab, so würde das für Gesamtdeutschland noch viel mehr der Fall sein. Es wäre aber zu begrüßen, wenn andere Elektrizitätswerke, städtische und Ueber- landwerke, ähnlich« Erhebungen über den Elektrifizienmgsswnd an- stellen würden wie die Bewag. Es wird satt. Schuht die Wasserleitungen vor dem Einfrieren! Der herannahende Wipter mahnt zum Schutz der Wasserleitungen gegen das Einfrieren. Wenn auch keinerlei Anzeichen dafür vorliegen, daß ein Winter von der Härte und Dauer des vergangenen bevorsteht— Berlin hat ein« derart große Kälte das letztemal vor 95 Jahren, also schon vor Errichtung der Wasserwerke gehabt—, so ist es doch noch den namentlich in den Außenbezirken gemachten Erfahrungen notwendig, alle An- logen, die dem Zweck der Wasserversorgung dienen, gegen Frostgefahr und damit gegen das Einfrieren zu schützen. Abgesehen von den Maßnahmen, die die Wasierwerke zum Schutz der ihnen gehörenden Straßenhauptleitungen und Zuleitungen bis 2 Meter vor der Bauflucht bzw. Vorgartensluchtlinie treffen, abliegt den Grundstückseigentümern der Schutz des übrigen Teiles der Hauszul«itung«n, der gesamten Innenleitungcn und auch der Wasscrmesseranlagen. Die Berliner Städtischen Wasser- werke empiehlen folgende Vorbeugungsmoßno.hmen: 1. Um die Wasscrmesseranlage, das ist der Wassermesier und die vor und hinter ihm eingebauten Slbsperrhähns, sowie sämtlich« Leitungen und die in sie eingebauten Absperrhähne frostfrei zu halten. sind in den Kellern die Fenster und Türen, in deren Nähe die Wofsermesfer stehen, dauernd geschlossen.zu halten, die Kellenenster mit einem frostschützenden Jsoliermaterial wie Torsmull, Stroh, Laub oder dergleichen zu verpacken, und die Wassermesser- anlagen mit Stroh oder einem anderen Isolierstoffe dielst zu um- kleiden. Im Freien liegend« Wasscrmessergruben sind zu überdecken, nicht auszufüllen. Durch die Verpackung, die bei Eintritt der wär- meren Jahreszeit wieder zu entfernen ist, darf die Zugänzlichkeit des Wasiermesferraumes nicht behindert werden. 2. Die Hauptabsperrhähne vom Wasiermesser an sind auf ihre Beweglichkeit und Dichtigkeit zu prüfen: die zu den.Hähnen passenden Absperrfchlüssel müssen stets an Ort und Stelle sein. 3. Bei starkem Frost empfiehlt es sich, während der Nacht die Hau Sinnenleitungen durch die im Keller angebrachten Entleerungshäbne nach Schließen des Hauptabsverrhohnes hinter dem Wostermesfer zu entleeren, oder falls dies nicht durchführbar ist. in jedem Steigestrong den obersten Zapfhahn ein wenig zu öünen, um einen ständigen-schwachen W a i s e r d u r ch f l n ß zu schaffen. 4. Wird eine Zuleitung im Winter überhaupt nicht benutzt, so ist zweckmäßig, die Abnahme des Waffermesfers bei den Wasserwerken zu beantragen. Täglich 1300000 Telephongespräche. ZAesenleistungen im Fernsprechverkehr der Beichshauptfladt Im rastlosen Geschäft»- und Erwerbsleben der Reichs Hauptstadt nimmt der Fernsprecher eine immer mächtigere Stellung ein, wie aus der ständig steigenden Ziffer der Fernsprechanschlüsse hervorgeht, die von 428 600 im Jahre 1926 auf 448 000 zu Beginn des Jahres 1928 und auf 472200 Haupt- und Neben st ellen Anfang dieses Jahres anwuchs und weiter im Steigen begriffen ist. Eine recht beträchtliche Vennehrung von rund 1900 Ende 1926 auf rund 3 470 Zlnfang 1929, mithin um 1570 oder 82,6 Proz., er- fuhr ferner die Za.hl der öffentlichen Fernfprech- stellen, die als Münzfernsprecher auf Postämtern, in den Bahn- Häfen, in Warenhäusern oder Gastwirtschaften, in Uhrenfäulen auf Straßen und Plätzen usw. eingerichtet wurden. In welchem Aus- maße die Berliner Bevölkerung selbst das wege- und zeitsparend« Telephon braucht ergibt sich daraus, daß im Laufe des vergangenen Jahres insgesamt 469500000 Gespräche innerhalb Berlins und seiner Vorort« zu verzeichnen waren, d. h. im Laufe eines einzigen Tages w-rden in der Reichshauptstadt durchschnittlich rund 1300000 Telephongespräche geführt. Gegenüber dem Jahre 1926, als insgesamt 456 Millionen Tclcphongefpräche gezählt wurden, ist somit«ine Steigerung um täglich rund 50 000 Gespräche zu oerzeichnen. Die Zahl der nach allen Richtungen Deutschlands und über die deutschen Grenzen hinaus mit dem Auslande geführten Ferngespräche beläuft sich im Tagesdurchschnitt auf rund 20900 oder 7,5 Millionen im Jahr. Welche ungeheure Apbeit ferner von dem mit dem Telephon wesensoerwanoten Telegraphen zu bewältigen ist, erhellt daraus, daß die Zahl der im Laufe ein.'? Jahres in Berlin ankommenden Telegramme sich auf 5, 3 M i l l i o n« n, die der abgehenden sogar aui 5,6 Millionen beziffert, d. h. im Tagesdurchschnitt müsien rund 30 000 ankommende und abgehende Telegramme bearbeitet und ihrem Empfänger zugestellt werden. wellerbericht»er öffeaNIchen weIIer»!enstN«lle Berlin vnd Umoegend sNachdr. verb.). Morgen? und abends etwa? nebelig, am Tage beiier und mild— Für veullchlond: In Süddeutichland und im äutzerlten Nord- oitcn vieisack nebelig. Temperaturen um Null. Im übrigen Reiche Fort. darier de? beständigen Setter?. «ctantoocilKfi für Sollt1!:?r. Curt«eyek! Wirtschoit:«.«liagelhzser: EcivcrlidicitsbcnicnunEi; I. Steinet; Feuilleton:«.». Doschet; Lokale, und Soillllacs fftit,»orstädt; Anzeigen: Tb. Glocke: sämtlich in Berlin. «erlag: Z!orinar!s.?erlag S. m d. H.. Berlin Druck: Borwärts.Buchdruckcrel und BerlaasanNalt Bau! Singer u. Co., Berlin SW 68. Lindenstraße S Hierzu 5 Beilagen, �Unterhaltung und Wissen� und.StadtbcÜage". 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