BERLIN Kettag 22.Sovember 1929 •~> "i.-- 10 Pf. Rr. 548 B 273 46. Jahrgang etf4*{*<<*<({ 4««<«» Zugleich Ubardaasgab« de«.Vorwärts'. Bepqtrrei» beide SuSgubeu 8S Pf. Pro Woche. Z�oM. pro Monat. Sedattiea«d vpediti»«; BerliuSWSs.tüldeuKr.» UfftotLfü KaielgettutelCSte einsxaltiKe Nonpareilltzeile 80 Pf.. Reilamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b.H.. Serlin Nr. 37ÜZ6. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Hilgenberg Parteipapst. Seine Richtlinien werden für unfehlbar erklärt.— Oeutfchnationale Reichstagsfraktion soll kufchen. Kaffel. 22. November. Zluf der Dorstandssitzung der D«utschnatioiial.>n Dolkspnrtei in Kassel, die sich vom Nachmittag bis in die späten Abendstunden hin- zog, legt« der Parteioorfitzende chugenberg in längeren Ausführungen di« Leitsätze seines politischen Handelns und Wollens dar. In zu- sammengefaßter Form wurden diese Leitsätze vom Parteivorstand als für alle Parteiorganisationen bindend mit 80 gegen 5 Stimmen zu einer Art Parteidogma erhoben. Damit hat der Parteworsitzende praktisch«in« Erweiterung seiner Befuguisse erholten. Nach der Billigung der Thesen, die Hugenherg aufgestellt hat. beschäftigte sich der Parteioorstand der Deutschnationalen Volks- partei noch in mehrstündiger, lebhafter Aussprach« mit dem§ 4 de» Jnslationsgejetzes. Wie verlautet, endete die Aus- sprach« mit einem Vertrauensvotum für den Parket Vorsitzenden, da» mit starker Mehrheit angenommen wurde. Es wird versichert. daß von den nicht gang 100 Mitgliedern des Parteivorstandes 8Z an- wesend waren, darunter auch eine Anzahl von denen, über die de- könnt ist, daß sie einen anderen tattischen Standpunkt einnehmen als die Parteiführung. Das Vertrauensvotum ist aufgebaut auf der Forderung Hugen- bergs, daß dos Gesetz in feiner jetzigen Form ohne jeden Bor- behalt unterstützt werde, d. h. also, daß der Parteivorstand sich dafür entschieden Hot, den§ 4 uichl falle« zu lassen. Er hat dazu di« Erwartung zum Ausdruck gebracht, daß auch d i« Reichstagsfraktion der Deutschnationalen Volkspartei f ü r den§ 4 stimmen werde. Die Stimme der Opposition. Die deutschnotional«„Berliner Börsen-Zeitung" schreibt zu der Vorstandssitzung der Deutschnotionalen Partei in Kassel: „Das Referat des Abg. Hugenberg war nach unseren In- formattonen lediglich der Ausgangspunkt einer Debatte, di« sich über fünf Stunden hinzog und in der der Z 4 des Volksbegehrens ein« sehr starke Roll« spielte. Leider, mußte der Abg. Schiele schon um 7 Uhr die Versammlung verlassen, um sich zu einer Land- bundversammlung zu begeben. Nach teilweise sehr lebhafter Debatte wurde eine Entschließung angenommen, die politisch« Richtlinien für di« Deutschnationale Dolkspartei mit Bezug auf Volksbegehren, Volkse ntfche�» usw. enthält und bei der der„bindende Charakter' für alle Partennstanzen, ganz besonders für di« Reichs- tagssraktion, das hervorstechendst« Merkmal ist. Di« Eni- schließung wurde mit 80 gegen 6 Stimmen angenommen. Ein anderes Stimmverhältnis in diesem Gremium, das seinerzeit durch Geheimrat Hugenberg zusammengesetzt wurde, war nicht zu erwarten, um so mehr auch, als die mehr freikoriser- vatioe Richtung der Reichstagsfraktion nicht iu corpore, sondern nur durch einige Herren vertreten war. In der Reichstagsfraktion hatte, soviel wir wissen, der Parteivorsitzende es mit wesentlich anders gelagerten Stimmoerhällnisfen zu tun. Es bleibt daher ab- zuwarten, welchen Eindruck die„Bindung" der Partei-Instanzen in dem gestrigen Beschluß des Parte ioorftandes auf di« Reichstags- fraktion in der nächsten Woche macht, wenn der Reichstag zusammen- tritt. Die Entscheidung darüber, ob der Kurs der deutsch- nationalen Palstik an der Seite Hitlers weitergeht oder nicht, scheint also um kurze Zeit, vielleicht auch nur um wenig« Tage vertagt Zu sein."_ Arbettslosenversicherungsgefeh in England. Im Unterhaus« empfahl der Arbeitsminister, Frau Bond- field, einen Gesetzmtwurs. der folgendes vorsieht: Bom Jahre 1931 an Herabsetzung des versicherungsaller». Er- höhung der Arbeilsloseuenlschädlgung für junge Leute sowie für Cr- wachsen« und deren Familien, verschiedene Verbesserungni zugunsten der Arbeitslosen, di« tatsächlich Arbeit suchen. Das neue Gesetz wird eine Erhöhung der Ausgaben um 12 Millionen Pfund Sterling jährlich erfordern, was die Gesamtausgabe für die Arbeitslosenversicherung a u s 24,3 Millioueu P j u n d Sterling bringen wird. {Publikum als tKriminalhelfer, Ton Maus Siyan. Die Verbrechensreihe in Düsseldorf, die am 3. Februar d. 3. mit dem llcbersall aus eine Frau kühn begann, die durch ZI Messerstiche verletzt wurde, hat bisher neunzehn Opfer gefordert, und leider noch nicht zur Ergreifung de» Täters geführt. Es ist vielmehr bei dieser ganz außergewöhnlichen Mordserle eine Art seelischer Epidemie Im Spict. Es scheint sich bei dieser ungewöhnlichen Menge von einzclnen Bluttaten um mindestens drei Täter zu handeln. Der erste, Johann Staußberg, den mau für die ersten fünf Mord- anfülle und Morde in Anspruch nimmt, ist gesaßt. abgeurtcist, und da aus ihn der 8.51 zur Anwendung kam, in der Provinzjal-Heil- anstatt zu Bedburg-Hau interniert worden. Der zweite Täter hat in«iner Nacht drei Messerattacken aus einen Mann,«ine Frau und ein Mädchen verübt. Seine ganze Art des Ueberfalls und die Manier, wie er ohne jede Vorbereitung auf die Opser losstößt, vor allem aber seine von verschiedenen Zeugen ganz einwandfrei geschildert« Persönlichkeit machen es zur Gewißheit, daß dieser Mensch nicht der Kinder- und Mädchenmörder ist, der Düsseldorf noch in Schrecken versetzt, sondern daß für die bwttriefenden Verbrechen und Morde an jungen Mädchen und Kindern ein Dritter in Frage kommt. Und dieser Dritte ist ofsenbar der Unhold, den eines seiner Opfer, die einundzwanzig Jahre alte Gertrud Schulte, mir wie folgt geschildert hat: Der Mann war mittelgroß; im Unterkiefer fehtten ihm zwei Zähne. Er Halle eine hohe, zurückliegende fliehende Stirn, blau- grau« Augen und einen stechenden Blick. Das Haar des Mannes war blond, sein Gesicht schmal. Er hatte ein« ziemlich große, spitz« und dabei eingedrückte Nase(sogenannte Sattelnase) und schwache Lippen. Eine nicht zu übersehende Merkwürdigkeit des Gesichts bestand darin, daß man zwischen den schmalen Lippen beim Sprechen die Zunge spielen sah. Seine Ohren scheinen weder groß noch abstehend gewesen zu sein. Der Anzug ist gestreift gewesen, wahrscheinlich hellgrau. Der Mann trug einen grauen, ofsenbar weichen Hut. Gertrud Schulte erzählt, der Mann, der etwa 24 Jahre alt war, habe sich ihr vorgestellt als: Fritz Baumgard. Professor Jagdschein. �*4� ~ 51- Prof. v. Möller, der die Republik beschimpfte, wurde auf Grund de« g 51 StSS.(lluzu- rechnungssähigleit) freigesprochen. „Meine Herren' Llnsern HeldenWser hat uns diese Saurepublik genommen,— aber den§ st kann uns kein Oeveriug und keiu Grzesiuski rauben!" Ich bin in Düsseldorf den Zusammenhängen der Mordserie und den Bekundungen der Opfer, soweit sie noch leben, selbst nach- gegangen und hob« festgestellt, daß Gertrud Schulte, di« am 25. August überfallen wurde, trotzdem sie lebensgefährlich verletzt war, sofort der Polizei die obige Schilderung des Täters gebe» konnte. Diese Personalbeschreibung hätte sofort überall in Düssed- dorf und seiner weiteren Umgebung groß plakatiert werden müssen. Daß dies nicht geschehen ist, hat die Entdeckung des Mörders nach meiner Ueberzeugung mindestens verzögert. Denn ich behaupte und will es an einer Reihe von Beispielen beweisen, daß speziell in Mordsochen, wie die hier vorliegenden, einzig und cklieia da» Publikum durch sein« allgemeine rege Mithilfe bei de» polizeilichen Nochforschungen imstande ist, derartige Untäter ding- fest zu machen. Es handelt sich hier ja nicht um Verbrecher im gewöhnlichen Sinn«. Einbrecher, Diebe, Betrüger und Fälscher betreiben ihr Metier handwerksmäßig, wie man ein Geschäft be- treibt, von dem man lebt. Ganz anders der Sexualverbrecher. Er kann neben seiner unheilvollen Mordtätigkeit ein in Geldsache» durchaus ehrlicher, scheinbar normaler Mensch sein, der sich jeden Tag aus seinen Arbeitsplatz begibt und niemanden sonst zu nahe tritt. Diese scheinbare Unbescholtenheit, die sich fast bei allen der- artigen Monomanen mit einer außerordentlichen Versöuviegcnheit verbindet, macht es so schwer, hinter sein Tun und Treiben zu kommen. Und hier kann, wie gesagt, nur die intensivste Aufmcrk- samkeit des Publikums und di« immer von neuem angestachelte Neugierde und private Detektivtätigkeit aller Mitbürger helfen. Vor etwa zwanzig Iahren haben wir eine derartige Mordserie in Berlin. gehabt. Es wurden damals drei kleine Mädchen er st ochc» und oerletzt. Auch mehrere erwachsene Frauen wurden Opser des Messerstechers. Und alle Bemühungen der Polizei waren umsonst, denn der Täter war wohl von einigen der Verletzten bc- schrieben, ober diese Beschreibung war nicht in geeigneter Weise veröffentlicht worden. Erst lange Zeit nachher kam der Verbrecher zur Strecke; als er nämlich mit noch einem Komplicen«ine alte Papierhändlerin überfiel, dabei gestört und ergriffen wurde. Dieser Mann hieß M i n o w, war Epileptiker und kam, da er die Ver- brechen in einem pathologischen Rauschzustand begangen harte, in die Irrenanstalt Herzberge. Hätte man auf Minow das Publikum aufmerksam gemocht, so wäre er wahrscheinlich vorher erkannt und unschädlich gemacht worden. Weit furchtbarer hat sich die Gleich- gültigkeit des Publikums und leider auch der Behörden in'der Affäre de» berüchtigten Frauenmörders Karl Großmann aus- gewirkt, der nachts am 2 1. August 1921 in der Langen Straße in Berlin oerhastet wurde, als er eben wieder eine Frau förmlich geschlachtet halle. Großmann mar, nachdem er in Hos in Bayern wegen zweier am gleichen Tage begangener schwerer Sittlichkeits- verbrechen an Kindern fünfzehn Jahre Zuchthaus abgesesien halle, im Jahre 1913 nach Berlin gekommen. Er hat also hier achr Jahre gewohnt. Es liegen sichere Anzeichen vor, daß dieser entsetzliche Mensch schon 1913 eine oder mehrere Frauen er- mordet hat. Mit Schaudern fragt man sich, wieviele onne Menschenkinder in den acht Jahren, die der Verbrecher noch leben durfte, den schrecklichen Leides- und Todeswcg haben antreten »müssen. Denn die sieben Mädchenmorde, die man dem Berbrecher nachwies, waren in den letzten beiden Monaten vor seiner Ergreifung geschehen. Zu wiederholten Malen hatte» Frauen, die er attackierte,, die Polizei auf sein Treiben ousmerksanr gemacht. Es waren dies jedoch stets arme Straßenmädchen gewesen, di« der babiate Mensch dadurch unglaubwürdig macht«, daß er selbst sofort zur Polizei ging und behauptete, diese oder jene Frauens- perjon habe ihn beftohlen. Die Mädchen wurden dann mit ihre» Klagen abgewiesen. Aber auch Mitbewohner des Hauses und das übrige Publikum trugen ihr Teil schuld, wenn Großmanns Treiben nicht srüher zum Abschluß kam. Alle die vielen, vielen Zeuginnen, die später ausmarschierten, hatten vorher geschwiegen. Und dieser Elende wäre noch nicht einmal in jener Augustnacht verhaftet worden, wenn nicht schließlich'doch ein Mieter des Hauses zur Polizei gelanjen wäre und ihn angezeigt hätte.— Noch weit auf- foffenber mar aber die Teilnahmslosigkeit der Bevölkerung von Poris, bei der seltsam unheimlichen Mordgeschichte des Franzosen Landru. Dieser franzosische Blaubart, der Sohn eines Mechanikers, war früher Uirteitdiakon und später Sergeant im Heer« gewesen. Aber er hatte jede nutzbringende Tätiigk«ir seit langem aufgegeben und sich dem Heiratsschwindel erfolgreich zugewandt. Schon 1W2 war« zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt worden. Unter den verschiedensten Decknamen suchte er durch Annoncen junge Frauen und Mädchen, denen er, obwohl er längst oerheiratet war und zwei erwachsene Söhne besaß, innner wiader die Ehe ver- sprach. Nun hätte er, wie auch Großmann, wahrscheinlich nicht ein« so lange Reihe von armen Frauen umbringen können, wenn nicht der jedes Gefiihl, aber auch jedes Gemeinsckaitsenipfinden zerstörende Weitkrieg der beste Helfer bei solchen Berbvechen gewesen wäre. Nachgerechnet sind Landru 28 3 Bräute. Diese Zahl wird die wirkliche Menge seiner Verhältnisse nicht antreffen. Ebensowenig werden die li Frauen und der Sohn der einen von ihnen, deren gewaltsamen Tod man dem Verbrecher nachwies, die wirkliche Zahl seiner Mordopfer erreichen. Und es waren lauter situierte Fronen, also Menschen, die keineswegs auf der Landstraße lagen, Leute, die der Polizei wie ihrer Umgebung als Inhaber eines festen Domizils bekannt waren. Auch hier waren die Be- Hörden noch dem Verschwinden dieser.zehn Opfer oft und oft angerufen worden. Umsonst, die Herren Sergeants de ville und ihre Vorgesetzten hotten Besseres zu tun. Bis schließlich im Fe- bruar lSl!? ein Fräulein Lacoste beim Staatsanwatt anzeigte, daß ihre Schwester, Frau La ville, seit dem August ISl? unter mysteriösen Umständen verschwunden wäre. Die Behörde beschäs- tigte sich zwar mit dem Fall, aber gefunden wurde Herr Landru, der sich jetzt Fremite nannte, nicht. Erst zwei Monate später, als Fräulein Lacoste ihn zufällig in der Rue de Rivoii sah und wiedererkannte, ward er verhaftet. Ohne diese junge Dame, die er übrigens auch hatte umbringen wollen, hätte Landru ruhig weiter gemordet. Oer Mordbrenner August Gternickel. der im Oktober 1912 in Ortwig den Gutsbesitzer Kalies, seine Frau und eine Magd ermordet und beraubt hatte, war bereits im Jahre 1906 als Mörder eines Müllers in Plagwitz bei Leipzig polizeilich festgestellt worden. Der schwer vorbestrafte Mensch hat sich bis in das Jahr 1913 raubend und mordend in Deutschland uinhergetrieben, ist mehrfach der Polizei in die Hände gefallen, aber immer wieder freigelassen worden. Auch als er schließlich im Oderbnich verhaftet wurde, geschah dies nur durch die Mitwirkung des Publikums. Wäre der Gefährliche, dem die Zahl feiner Opfer.ebenfalls nicht nachgerechnet werden konnte, damals bei dem Müllermord in Plogwitz schon öffentlich gekennzeichnet worden, so hätte wahrscheinlich«ine ganze Slnzahl von Menschen ihr Leben nicht«ingebüßt.— Dasselbe läßt sich von dem Massenmörder Schumann sagen, der 1911 zu morden anfing und dem bis 1919 sieben nachgewiesen« Mordtaten zur Last fielen. Wieviel Menschen er tatsächlich umgebracht hat, ist bei der großen Anzahl der nie entdeckten Mordverbrechen nicht festzustellen. Zluch Schumann wäre »oahrscheinlich noch lange nicht gefaßt worden, wenn ihn nicht sein letztes Opfer, der Förster N t e l b o ck, sterbend angeschossen hätte. 3o mußte er einen Arzt aufsuchen, der ihn oerhasten ließ. * Ich behaupte und kann nachweisen, daß die großen Verbrechen kaum von der Polizei, wohl aber stets durch die Hilfe des Publikums ausgetlärt werben. Darum ist es nötig, die Bevölkerung zu solcher Aufklärung zu erziehen. Di« Behörde hat die Psluht, nicht, wie es bis jetzt in den ineisten Fällen geschieht, eine sehr zwecklose Geheimdiplomatie in ihren Nach- iorschungen zu betreiben, sondern sobald wie möglich durch Ver- äsfentlichung der ihr bekanntgewordenen Tatumstände oder einer Personalschildmmg usw. das Publikum zur Mitarbeit heranzuziehen. Kaufkraft gegen Wirtschaftskrise Washington, 22. November.(Eigenbericht.) Der amerikanische Staatspräsident hatte am Donnerstag mit führenden amerikanischen wlrtschastlern eine längere Aussprache über die Wirtschaftslage Amerikas. Die Konferenzteilnehmer vertraten übereinstimmend dt« Aussossung, daß es zunächst notwendig sei. die Kaufkraft der Volksmassen zu erhallen und Lohnherab- sehungen unter allen Umständen abgelehnt werden müßten. Ford, der amerikanisch« Automobilkönig, kündigte darüber hinaus an, daß er seinen Arbeitern und Aageslelllea schon in nächster Zeit eine E r. h ö h u n g der Einkünfte bewilligen werde. Alle Ankündigungen von der Schließung eines Teils seiner Fabriken seien falsch. Präsident hoover ernannte zum Schluß der Konferenz eine Kommission aus maßgebenden wirtschaftspolitikern. die zur Vor- beugung drohender Arbeitslosigkeit zunächst ein umfangreiches Not. Programm ausarbeii-n soll. Die städtische Verwaltung und die Großindustrie planen die Bereitstellung einer D o l l a r in il l i a r d e zur Behebung der Ar- beitslosigkeit durch Notstandsarbeiten. Der Betrag soll schon in nächster Zeit zur Verfügung gestellt werden. Den Admiralen wird der Mund gestopft. Schwerindustrie in Amerika vor Rüstungspropaganda gewarnt. London, 22. November. Für die bevorstehende Seeabrüstungskonferenz sind nach Mit- teilunge» des MarinckorrefpondentMi des„Daily Telegraph" von der amerikanischen Reg-'erung besondere Vorsichtsmaßnah- in e n getroffen worden, um die Londoner Konferenz gegen Einflüsse der Art zu schützen, wie sie dle Genfer Drei-Mächte-Konferenz vom Jahre 1927 zum Scheitern brachten. An die großen amerikanischen Agentur-n, die für den Gedanken der„Big Navy" Propaganda treiben, sollen Warnung« n ergangen sein, da solche Manöver schädliche Folgen für sie haben könnten. Di« Schiffswerften und die Rüstungsfirmen sollen davon unterrichtet worden sein, daß bei geringen Anzeichen einer„desaitistischen" Agitation alle A u f t r ä g c zum Bau von Kriegsschiffen an private Firn»en von Hoover zurückgehalten werden wur&in. Ferner soll die Leitung-der amerikanischen Marine selbst davon in Kenntnis gesetzt worden sein, daß Präsident Hoover der oberste M a r i n e ch e f sei, und daß seinen Eni- scheLmngen über die zukünftige Marinepolitik Amerikas deshalb gegenüber den RHrr'ngen der einzelnen Admiräle der Vorrang einzuräumen sei. wieder einer weniger. Der langjährige Parteigewaltia« der KPD. in Südbayern, Wilhelm Offchewski, der schon in der Münchener Räterepublik eine führende Rolle spielte und viele Jahre Geschästxfiihrer des kommunistischen Parteioerlages In München gewesen ist. wurde jetzt �us der KPD. ausae- schlösse ii. Sein Hinauswurs ist angeblich auf feine Wider- chtzlichkeit gegen die Beschlüsse der Komintern zurückzuführen. Was ists mit dem Fall Leow? Oer Korruptionsskandal in der KpO.— Leow Vorkämpfer im Sklarekskandal. Wir lesen im„Gegen' den Strom", dem rechtskommumstischen Organ: „Bor einem Monat wurde in der sozialdemokratischen Presse ein Bries des Exkommunisten Max Schütz veröffentlicht, worin Leow beschuldigt wird. 2 300 Mark von Geldern, die für die Berfolgten der Märzaktwn bestimmt waren, unterschlagen zu haben. Die Parteipresse leugnete die Schuld Leoivs. Die Presse der Ultralinken bekräftigt« durch Berössent- lichung neuer Dokumente die Unterschlagungen Leows. Di« Parteipresie leugnet« weiter jede Schuld Leoivs. In Nr. 44 von„Gegen den Strom" stellten wir schwere s i- nanzielle und moralische Verfehlungen Leows fest: Grobe Ilnstimnjigkeiten in der Kasfe sür das III. Reichstreffen: schwere finanziell« Schädigung der Bundeskasse des RFB. durch Ab- schluß eines neuen Vertrages mit der Jnseratenexpedition, wofür Leow 5000 Mark Handgeld erhielt. Nicht Leow, nicht die Parteiführung— aber zwei der in Partei- kreisen berüchtigten Geschäftsführer der Jnseratenexpedition „berichtigten", und zwar das, was nicht behauptet worden war. Der dritte Geschäftsführer der Jnserex, Sonder, unterzeichnete die„Berichtigung" nicht. Wer von den edlen Dreien hat wohl an Leow gezahlt? In der.Leipziger Lolkszeüung" hat Hans Pütz, ehemaliger Generalsekretär der Bundesführung des RFB., in der Zell von An- sang bis Mitte November fast täglich namentlich gezeichnete Artikel geschrieben, gestützt aus intimste Kenntnis der Borgänge um Leow, die das Schuldkonto Leows erneut ouss schwerste belasteten. Wir nennen den Fall Aurich-Dresden, Fall Besba, Fall Gehagos. In allen drei Fällen werden Leow schwere finanzielle Verfehlungen zur Last gelegt. Es wird au�i noch gesagt, wo Leow die der Organisation unter- fchlagencn Gelder, wenigstens zum Teil, auf den Kopf geschlagen hat— im Berliner Weinlokal„R e s i", wo Leow des öfteren Zechen von über 100 Mark machte. Die Parteipresie leugnet nicht mehr— sie schweigt. And dieser Bursche Leow hol bisher mik noch keinem wörtchen auf die schweren Anschuldigungen geantwortet! Leow ist von Pütz öffentlich aufgefordert worden, gerichtliche Klage zu erheben. Leow schweigt. Warum? Findet er es umer seiner Würde, zu antworten? Jedermann im Korl-Liebknecht-Haus weiß: die Kläger gegen Leow haben recht. Di« Arbeiter in den Betrieben diskutieren über den Fall Leow, und Leow schweigt. Tic Mehrheit der Zentrale der KPT. war in den lebten Tagen noch bereit, Leow fallen zu lassen. Heinz Neumann trat auf und fragte diese Gcsinnungs- „Helden": ob sie einen zweiten Fall Wittorf wollen. man müsse als echter Bolschewik den Mut haben. Leow zu verteidigen und die Zähne zusammenzubeißen: Wie vor einem Jahr im Fall Thälmann-Wittors fügten sich die„Führer" der KPD. und krochen zu Kreuze. So kommt es. daß einem Führer der KPD. schwerste Kor- ruption vorgeworfen wird, daß die Kläger bereit find, die Angriff« gerichtsnotorisch feststellen zu lasten, und— der Singe» klagte darf s ich feig e drücken. Er wird von der Führung der KPD. gedeckt, und keiner dieser traurigen Gesellen hat soviel Rückgrat, wider den Stachel zu löcken. Aber diese heutige KPD.-Führung hat den traurigen Mut, Leow, den Mann mit dem Schandmol der Korruption aus der Stirn, nicht nur zu decken— sondern ihn am 7. November, dem Jahrestag der russischen Revolution, den Berliner Arbeitern als Redner und Ktäger gegen die Tklarek-Korruption zu präsentieren und diese Partie von Leows Rede in großer Aufmachung in der„Roten Fahne" besonders hervorzuheben. Nicht genug der Ehren für„Ehren"-LeoV. Er wurde laut „Roter Fahne" unlängst MitglieddesZentralvorstandes der Roten Hilfe! Den Befähigungsnachweis für diese Funktion hat L. ja erbrocht mit der Unterschlagung de' Gelder für politische Flüchtlinge, die ihm von Schütz vorgeworfen wird. Dafür hat die heutige Führung der Partei den Genossen Vogeler, der sein ganzes Vermögen der Roten Hilfe zur Verfügung gestellt hat, aus dem Zentralvorstand der Roten Hilfe und aus der- Kommunistischen Partei ausgeschlossen. Leow wird von der Führung der KPD. gedeckt. Denn bröckelt auch nur ein Steinchen aus diesem morschen Gefiige, doim stürzt das ganze Gemäuer zusammen." Die Sonderrechte der Herren. Austösung der Ftdeikommisse. Der Rechtsausschuß des Preußischen Landtags setzte die Ver- Handlungen über die Aushebung der Fideitoinmisse fort. Am Donnerstag hatte ein« allgemeine Aussprache über die verfassungsmäßige Zuläfsigteit des neuen Gesetzentwurss stattgefunden, da von den Rechtsparteien behauptet wird, daß hier ein Verstoß gegen Artikel 153 der Reichsverfassung durch unzulässigen Eingriff in erworbene Recht« vorlieg«. Von sozialdemokratischer Seite wurde dagegen gellend gemacht, daß Artikel 156 ausdrücklich die Auflösung der Fideikommiss« vorschreibt, was ohne Eingriff in erworbene Recht« gar nicht möglich ist. Es handelt sich hier also um«in Spezialgesetz, dos die Generalvorschrift außer Kraft setzt. Die Kommunisten beteiligten sich an der Aussprache nur durch die übliche Hanswursterei, indem sie entschädigungslos« Enteignung aller Fideikommißbesitzungen verlangten. Ein solches Gesetz würde natürlich ohne weiteres nerfasiungswidrig und daher ungültig fein? es käme also nur dem Fortbestehen der Fideikommisse zugute. Am Freitag wurde über den Stichtag verhandelt, an dem die Zwangsauslösung der bis dahin noch etwa bestehenden Fidei- kommisse erfolgen soll. Der Regierungsentwurf sieht den 1. April 1935 als Stichtag vor, die Sozial demo- traten verlangen den I.April 1 9 3 3, ein Zentrumsantrag will die Auflösung bis zum Ende des Jahres 1940 hinausschieben! Als Regierungsvertreter wies Präsident Maeffel vom Stuf- läsungsamt darauf hin. üaß bei der heutigen Wirtschaftslage die baldige Auflösung auch im Interesse der Fidei- k o m mi ß b es ttz e r liegt, da sie sich infolge der Gebundenheit heute keinen Kredit sür die Bewirtschaftung ihrer Güter beschaffen können. Der deutschnationale Dr. Kaufmann bekämpft« die Zwangsauflösung und phantasierte von„Freiheit des Eigentums". Mit Recht wies Genosse Jürgensen darauf hin, daß die Fidei- kommisse gerade das Gegenteil von Freiheit des Eigentums dar- stellen, daß der Entwurf erst durch die Auflösung Freiheit des Eigentums schaff«. Genosse Jürgensen betonte ferner, daß der Präsi- dent des Auftösungsamtes sich über die Notwendigkeit baldiger Sluf- lösung heute viel bestimmter ausgesprochen habe als vor einem Jahre bei Beratung des sozialdemokratischen Antrags. Gerade dies bestärke die Sozialdemolrati« in ihrer Forderung, die Auf- lösung so rasch wie möglich durchzuführen. Sehr interessant war die Mitteilung des deuffchnationalen Graf von Garnier, daß viele Fideikonnnißbesitzer gerne auf- lösen würden, aber beim heutigen Rechtszustand dadurch gehindert würden, daß ganz entfernte Anwärter ihre vom Gesetz erforderte Zustimmung von hohen Zlbfindungen. lebenslänglichen Apanagen usw. abhängig machten. Der neue Gesetzentwurf macht bekanntlich nur die Zustimmung der drei nächsten Anwärter zur Auslösung erforderlich. Don mehreren Seiten wurde angeregt, die freiwillige Auflösung durch«in« Staffelung der Gebühren in der Art zu er leichtern, daß man für baldige Auflösung niedrige Gebühren, für später« Auslösung steigende Gebühren ansetzt. Der Regierungs- Vertreter betonte, daß die Gebührenfroge in der Tat auf das Tempo der Auflösung von großem Einfluß ist. Orei neue Aombenverhastungen. Auf einer Äauernverfammlnng. Altona. 22. November.(WJB.) Bei einer Bauernoer sarnmlung in Landen im vithmarfchen sind gestern dem Bernehmen nach drei nene Berhafkungen in der Bombenangelegenheit erfolgt. Die Festgenommenen, die nach Altona gebrachk wurden, sollen sein: der Landwirk Roß, Flederwurth, der bereits aus dem Prozeß über die Tumulte in Neumünsler bekannt ist. Heinrich wie- bürg, Lnnden. sowie eine dritte Person, deren Personalien nicht bekannt sind. Die drei verhafteten sind vor ihrer llebersührung nach Altona bereit» in Lunden eingehend vernommen worden. Auch Frau Roß wurde einer Bernehmung unterzogen. Lleberfall auf den Orientexpreß. Bombenwürfe und Beschießung durch Räuber. Sofia, 22. November. Mit vierstündiger Berspälung ist der Orient-Expreß heute früh 3 Uhr in Sofia eingetroffen. Die Reisenden schildern ihr Erlebnis wie folgt: Als der Orient-Expreß um'A9 Uhr gestern abend sich etwa 2 Kilometer von Zaribrod entfernt befand, explodierte unter dem Speisewagen eine Bombe, während die Reisenden ge- rade beim Abendessen saßen. E» entstand allgemeine Beunruhigung. Einige Minuten später explodierte eine zweite Bombe unter dem Gepäckwagen. Die Bomben richteten nur geringen Schaden an. Der Zug wurde sofort angehalten. Zeht wurden aus dem Dunkeln etwa zwölf Gewehrfchüffe auf den Zug abgefeuert. Der Lokomotivführer kuppelte schnell die Maschine ab und fuhr allein in höchster Geschwindigkeit nach Zaribrod. um Hilfe herbeizuholen. Die Zugbeamlen löschten sofort die Lichter und aus ihren Rat hin legten sich alle Passagiere auf den Boden, um so den Schüssen nicht ausgesetzt zu sein. Das Zugpersonal fand aus den Schier,:n eine dritte Bombe, die sich jedoch nicht entladen Halle. Dic Räuber sind unerkannt entkommen. Nach iA Stunden' kehrt« die Lokomotive mit einer Abteilung jugoslawischer Gendarmerie wieder aus Zaribrod zurück. Der Expreß wurde langsam nach Zaribrod geführt und«ras heute morgen in Sofia ein. Explosion in einem Warenhaus. 3 Tote und 33 Berlehte. Washington, 22. November. Drei Personen, zwei Frauen und ein Kind, kamen bei einer Explosion im Gefchästsvierlel von Washington ums Leben, 33 Per. sonen wurden verletzt, darunter drei lebensgesährtich. Die Explosion ereignete sich im«elleraeschoh eines S- u o d- l o-Eeu,. Warenhauses und ist wahrscheinlich aus das Platzen eines überhitzten Vampskessel» zurückzuführen. Die Wucht der Explosion war so gewaltig, daß große Betonklöhe in der Luft her- umwirbelten und die Fenster der umliegenden Gebäude zer- trümmerten. Ungefähr 40 Onodrakmelcr de» Bürgersteigs wurden doch in die Lust geschleudert. Die Toten und verletzten find sämtlich Angestellte oder Sunden de» Warenhauses. Springflut an der Reufundland-Küfle. Ungeheure Wasserwelle vernichtet altes Leben. Ztcw Zork. 22. November. 3u Jtcnfunblanb kamen durch eine Slurmslul. die am kehlen Montag in Verbindung mik dem bereiks gemeldeten Erd- beben auftrat, mindestens 34 Personen ums Leben, wie jeht erst durch Funkspruch aus den betroffenen Teilen der Insel bekannt geworden ist. 3n B u t i n an der Siidküste der Insel sind neun Personen, meist Frauen und Kinder, ertrunken. In den noch weiter südlich gelegenen Ortschaften Lords Cove und Lamalin ertranken nach den bisherigen Feststellungen lS Ein- wohner. Da nicht nur die Kabel nach New Port, sondern auch die sonstigen Verkehrsmittel unterbrochen sind, liegen nur uuvoll. ständige Berichte über den angerichteten Schaden vor. Die Ueber- lobenden berichten, es sei ihnen vorgekommen, als ob der ganze Ozean über die Insel hinweggehe. Eine u n g e. heure VZassermauer von l5 Fuh höhe sei über die Küste hinweggefegt und stellenweise meilenweit in das Innere der Insel vorgedrungen. Die Wassermassen rissen beim Furückslnten Häuser mit den Einwohnern und dem Vieh mit ins Meer hinaus. Ganze Fischerdörfer wurden duräz die Flut zerstört, hunderte von Einwohnern sind obdachlos. Der Sach. schaden beträgt nach den bisherigen Mitteilungen mindestens 2 Mil- iloncn Dollar. Den besten Kreund getötet. Wieder eine Tragödie des Alkohols. Die unglückseligen Vorgänge auf dem S p o r t p l a h des Sportvereins Dresdner Bank in Sadowa, über die wir seinerzeit berichtet haben, wurden seht in einem Prozeß wegen fahrlässiger Tötung vor dem erweiterten Schöffengericht Köpenick erörtert. Am S. September d. I. erschien der Stadtinspcktor des Wasser- iverkes in der Wuhlheide, Hansel, mit seinem Freunde, dem 3>er.Beginn der Saarverhandlungen. Die Delegierten der Saarkonferenz auf den Stufen zum fran- zösischen Auswärtigen Amt. In der untersten Reihe(links) der Führer der deutschen Delegation von S i m s o n, und(rechts) der französischen Delegation, der Minister der öffentlichen Arbeiten P e r n o t. Malermeister Wadepfuhl, in den Restaurotionsräumen des Sportplatzes, die der Gastwirt Otto Töldte, BiesdorftSüd. verwaltet. Man zecht« den ganzen Nachmittag. Gegen Abend stellten sich etwa zehn Mitglieder des Sportvereins Dresdner Bank«in, die von Hansel und Wadepsuhl zum Mittrinken einge- laden wurden. Als aber Hansel 60 Mark Zeche b e- zahlen sollte, kam es zum Streit, in dessen Verlauf das Gastwirtsehepaar schwer beleidigt wurde. Aus Wut hierüber zog der Oetonom plötzlich eine Pistole und schoß dreimal. Der Ztadtinspektor' wurde mit einem Bauchschuß in das Ellsabeth-hospital geschafft und verstarb hier unter tragischen Umständen. Nach einem Protokoll, das der den Vorsitz führende Landgerichtsdirektor Sinopius oerlas, hafte Hansel aus dem Sterbebette erklärt: ch b i n s e l b st an allem schuld, denn ist habe schwere Beleidigungen aus- gesprochen, die mir furchtbar leid tun. Ich werde gegen meinen besten Freund keinen Strafantrag stellen." Die von den» Anze- klagten behauptete Notwehr wurde von dein größten Teil der Zeugen in Abrede gestellt, und der Staatsanwalt stellte sogar anHeim, die Sache an das Schwurgericht zu verweisen, da Totschlag vorläge. Das Gericht nahm trotz der widersprechenden Aussagen Tot- schlag smativ« nicht an, weil der Beweis erbracht war, daß der Ge- tötet« tatsächlich der beste Freund des Angeklagten gewesen ist. Wegen fahrlässiger Tötung wurde Töldte zu sechs Monaten Ge- iängnis verurteilt._ Friede durch Demokratie. Paneuropa, Völkerbund und Friedensproblem. Die Ortsgruppe Berlin der Deutschen Fnedensgesellschaft ver- aiistaltete im ehemaligen Herrenhaus eine Liundgebung siir den Völkerbund und die Vereinigten Staten von Europa. Professor Veit Valentin und Dr. Karl Misch prüften Völkerbund und Panonropa auf lhren Wert als sriedenssichcrnde Elemente: beide stellten Paneuropa und die Vereinigten Staaten von Europa gegen- über. Valentin schilderte den Ausbau Paneuropas noch Couden- Hove-Kalergi und setzte sich kritisch damit auseinander. Dem Em- wand gegen Paneuropa, daß es keine Lösung der Kricgsfrage sei, sondern nur eine Grundlage zu Konflikten größeren Maßstabes ab- gebe, wies er eine gewisse Berechtigung zu. Als die große Realität bezeichnete er den Völkerbund, der gerade de» kleineren Staaten als Garant des Friedens erscheine. Der Völkerbund habe zwar in den größten seiner Aufgaben oft versagt, in den kleineren und mittleren Fragen dagegen viel Gutes getan. Wenn Gedanke der Bereinigten Staaten von Europa als Ite« sich weiter entwickein soll, dann muß sich zunächst der Völkerbund weiter entwickeln. Dr. Misch wies besonders auf die ungelösten Fragen des Paneuropogedankens hin, die England und Rußland bc- tressen. PaneurvsxTheute.zu proklamieren habe keinen Sinn, da es noch nicht in den Köpfen der Menschen sitze. Im Gegensatz zu Pan- europa setzte er die Vereinigten Staaten von Europa, deren Ver- wirklichung jedoch voraussetzt, daß die sich vereinigenden Staaten Demokratien sind. «Volk Ulld Zeit", unsere illustrierte Wochenschrijl. und Jkc Kiuderfreund" liegen der heutigen Postauflage bei. Das Paradies i Bon Paul Aus den Kriegsbüchern der letzten Jahre stieß durch dos Chaos der entsetzlichen Begebenheiten vor allem die Frage nach dem Sinn des Völtermordens ins Gewissen der Leser. Bei den unentwegten Verteidigern des Krieges als einer ständigen Notwendigkeit mußten wenigstens verklärende Vorstellungen, wie Liebe zum Vaterland, Schutz des heimischen Geistes, Erfüllung irgendeiner besonderen Kulturnüssion herhalten, um die Grundtatsach« zu verschleiern, die der unsterbliche Voltaire in die Worte kleidet„Bei allen Kriegen handelt es sich um nichts als um Diebstahl."„Völker Europas, wahrt eure heiligsten Güter," malte eine Kulturgefahr an den Horizont, die nicht existierte, und ein andermal war es wieder die rührende Sorge um das kranke Europa, das am deutschen Wesen genesen sollte. Immerhin, der Krieg wurde als eine patriotische Pflicht, als .Kulturauf gäbe, als ethisches Ideal maskiert, aus seiner Scheußlich- keit sollten sittliche Güter für die Nation entstehen. Jetzt aber, wo die Erkenntnis immer mehr Boden faßt, daß selbst der siegreiche Krieg einen unermeßlichen Schaden für alle Beteiligten nach sich zieht, daß die Menschheit ein Ganzes ist. dessen einzelne Teile nicht ungestraft verstümmelt werden dürfen, jetzt versuchen die Militaristen eine andere Gloriole' des Krieges, die Verherrlichung des Schlachlens um seiner selbst willen. In dieser Hinsicht stellt ein soeben er- schienenes Buch:„Die höhle von Beauregard" des Frei- Herrn Grote ein Musterbeispiel dar. Scheußlichkeiten— zugegeben! Die Darstellungen der einzelnen Kampffzenen lassen an realistischer Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Da werden Leiber zerfetzt, da schreien die Verwundeten wie Irrsinnige, da ist die Hölle des Entsetzens losgelassen. Aber, du mein Gott, das ist eben der Krieg: der eine wird zu Brei zermalmt, der andere bleit zeitlebens ein ekelerregender Krüppel, und wer davon kommt, der legt für olle Zeiten da so notwendige Zeugnis für Heldentum ab. Nicht so betont für deutsches Heldentum. Nein, die Gegensätze der Nationen brauchen uns nicht zu berühren. Der Franzmann arbeitet ebenso tadellos wie etwa ein Gegner im Sportkamps, ja sogar der„schwarz- mähnige Semit" wird gnädig als ganzer Kerl bezeichnet.„Mit allen Kalibern haut der Franzose in die Topseren hinein, die ihm Dialog im Tonfilm. „Die Königsloge"— Titania-Palast. Edmund Kean, genialer Schauspieler. Säufer. Schuldenmocher und Kavalier, wird zum Helden der„K ö n i g s l o g e", eines Ton- films, den Amerika in deutscher Sprache herstellte. Es ist dieselbe Handlung wie in Scribes„Kean". Der Schauspieler beleidigt von der Bühne herab den verlumpten englischen Thronfolger, den er in der Känigsloge des Theaters nüt der eigenen Angebeteten sieht. Der Film bringt zum erstenmal einen ununterbrochenen Dialog, der von einem gedämpften Orchester untermalt wird. Man stellt geradezu Szenen, die nach dem gesprochenen Wort verlangen, der Dialog ist genau so wichtig wie die sichtbaren Vorgänge. Im Grunde handelt es sich um ein Bühnendramo, das wegen seiner Konpliziert heit nur das Notwendigste gibt, dem also das sprachliche Drum und Dran, das Ausspinnen einer Konversation fehlt. Der Regisseur Bryan F o y sucht neue Wege für den Tonfilm im rein szenischen Aufbau. In erster Linie vermeidet er unmotivierte Großaufirahmen, die der Tonfilm gewöhnlich aus dem stummen Film übernimmt. Er läßt nicht plötzlich die Bildgröße ändern, sondern er führt sie durch Platzwechsel der Personen herbei. Und hier liegt der Unterschied zwischen Sprechfilm und Bühne. Der Ton- film ist beweglicher, er kann den schnelleren Ortswechsel vollziehen und daher in seinem Weltbild reichhaltiger werden. Andererseits findet Bryan Foy den Mut, längere Zeit denselben Schauplatz zu zeigen, eine unbedingte Notwendigkeit, wenn sich ein vertiefterer Dialog entwickeln soll. Ein« Lösung bedeutet auch dieser Film nicht, denn der Bruch zwischen der fächigen Geste und dem plastischen Wort bleibt bestehen, und akustische Fehler sind auch noch nicht behoben, aber man offen- bart den Willen, eine neu« Form zu finden. Beherrschend im Mittelpunkt steht Alexander M o i s s i als Kean. Die anderen Sprecher wirken daneben schablonenhaft. Moissi, der im stummen Film versagte, weil bei ihm Mimik und Geste erst durch das Wort Leben und Ausdruck erhallen, wirkt hier blutooll komödiantenhaft, entwickelt eine herrliche spielerische Grazie. Seine intensive Stimme verliert fast nichts von ihrem bestrickenden Klang. Dieser Kean ist eine ganz große schauspielerische Leistung. F. Seh. Ein Veiischwank im Kleinen Theater. Leo Lenz:„Das parsüm meiner Frau." Im Programmheft äußert sich der Verfasser Leo Lenz über seine Arbeitsmethode:„Ick, denke ein Stück erst ganz genau durch. eh« ich es schreibe. Aber ich schreib« sie nicht. Sie gefallen mir nicht. Ich Hobe etwas gegen sie einzuwenden." Ich auch. Das ist der einzige Punkt, in dem ich mit Herrn Lenz übereinstimme.„Das Parfüm meiner Frau" hat er— entgegen seinem Versprechen— doch geschrieben. Leider. Es ist ein unappetitliches Parfüm. Herr und Frau Professor beschließen, heimlich, jeder für sich, aus den Maskenboll zu gehen. Damit einer vom andern denkt, daß er zu Hause ist, legt die Frau die Zofe in ihr Bett, der Mann den Diener in seins. Zofe und Diener genießen nun die Nacht wie Eheleute, wodurch beide sehr glücklich werden und sich sozial ge- hoben fiihlen: denn sie glauben, es sei Herr und Frau Professor gewesen. Das ist die Siluarion am End« des ersten Aktes. Der Zuschauer kennt die Zusammenhänge genau, aber die Bühnenfiguren schlagen sich noch zwei wettere Akte mit dem Mißverständnis herum, daß es sich um einen doppelten Ehebruch gehandelt hat. Man kann sich danach vorstellen, wie anregend und spannend die beiden Akte für dos Pubttkum sind. Sie sind mit klobigen Anspielungen aus die Vorgang« der Nacht gespickt, völlig geistlos. Zum Schlüß gibt es die üblich« alberne Vcrlobungsapotheofe. Erträglich wird der unerquicklich« Schwant nur durch die Einfäll« Max Adalberts. Aber auch diesem famosen Komiker sind bei der Qualität des Stücks alle Möglichkeiten genommen, seine Kunst ins rechte Licht zu rücken. Merkwürdigerweise findet das Publikum Geschmack an der Affäre. ~ Dgr. Dia Filmvorlrag.Eithllftdieujt im SiinUr lSLS/littg in der Omee" wird KapuSn PlftormS heute, 20 Uhr, im Institut für MeereSIund« wiederholen. »es Heldentums. Gutmann. den artilleristischen Sieg, einer gegen zwanzig, streitig machen wollen. Von Lust und Sand erfaßt wirbeln Leiber durch die Luft, daß bald eine dichte Wolke von Staub und Putverqualm das Grausen verhüllt." Bei Remarque, bei Frey, bei Renn und anderen dient das Grausen zur Illustration des menschlichen Irrsinns, hicc des rühmenswerten Heldengeistes. Der Offizier hat„das Lächeln der Front mif den Lippen", so etwa wie ehemals der wackere Schwabe, der sich nit forcht und Türken wie Schießbudenfigur- 1 zersäbeltc. Zu was sind diese Ströme von Blut, dieses viehische Zertrampeln, dieser teuflische Massenmord? Leuchtet etwa dahinter beflügelnd das Bild der friedlichen Heimat, deren Arbeit und Segen geschützt werden muß? Nur keine Sentinwntalttät!„Unser ganzes Sein ist ein angespannter Wille, einzu- s yF i n g c n, weiterzuführen, de m was noch uns kommt— und es ist nock) genug da— Vorbild zu sein, damit fort und fort sich der Mann weiter- pflanze, von Schlacht zu Schlacht bis zur letzten. Sie wird sein, ob wir auch nicht mehr sein möge n." Das Grauen packt einen beim Lesen solcher Seelenlosigkeit Selbst der blinde.Haß kann dem Krieg einen wenn auch verwerflichen Sinn verleihen, man kann Kleists Haßgesang gegen Napoleon worin er den Sieg der Germanen über das Unterdrückervolk der Römer verherrlicht, noch verstehen, ober unfaßbar ist eine Ge sinnung, die die Schlacht als solche preist. Wozu? Um neuen Schlachtgeist zu wecken. Zwar entfahren bisweilen Ruf« des Ueber-. drusscs den Personen dieses Kriegsbuches, wenn die Luft zu dick wird.„Es ist eine Gemeinheit," zürnt der Rittmeister,„ist kein Kampf mehr, sondern Schlächterei." Aber das ist nur ein gelegent- liches Sichgehenlassen, wie die Anwendung gewisser Kraftausdrücke. Das Grauen wird gemall, als wäre es die Bestimmung des Menschen, im Brudcrblut zu waten.„Sind das noch Menschen, die dort mit glühenden Augen, aus denen schon der Wahnwitz leuchtet, mit flehend ausgestreckten Armen auf den Leichenwirrwarr starren. als wollten sie es in Sehnsucht umfangen und an die Brust drücken. was dort den letzten Schlaf schläft." Illustration der Hölle? Nein, dos Paradies des Heldentums. Arno Holz-Feier. »Traumulus" im Theater in ver Klosterstraße. Als einzige Berliner Bühne gedachte das Theater in der Klosterstraße des jüngst verstorbenen �Dichter-Revolutionörs Arno Holz: es spielt den„Traumulus", jene Tragikomödie, die Holz seinerzeit zusammen mit Oskar Jersthke geschrieben hat. Das 1904 uraufgejührte Stück hatte, im Gegensatz zu Arno Holz' übrigen Werken, emen breiten Publikumscrsolg. Nicht nur durch das Schau- spielertum Albert Basser ma uns. in dessen Repertoire der„Traumu- lus" eine der mc istgefeierten Schöpfungen wurde, sondern in erster Linie durch den revolutionären Elan, durch den kühnen Mut, mit dem hier ein freier Geist sein Verdikt über das traurig« Drill- system eines Äasernenhof-Pädagogentums aussprach. In diesem Sinne ist das Stück heute so erfrischend und aktuell wie am ersten Tag.„Traumulus" ist in gewisser Hinsicht ein Vor- läufer der„Revolte im Erziehungshaus", so baß das Werk sich tti cm« TheaterÄiskussion der Gegenwart organisch einfügt. Ein Schülerselbstmord führt hier zu der Lehre, daß alle Jugenderziehung ohne Güte und eine kluge Einmhluugsgabe des Erziehers scheitern muß. Di« Tragikomödie, wundervoll gezügell in der Karikatur, un- pathetisch in ihrem ernsten Ausklang, wird von dem Regisseur Heinz Goldberg mit seiner Hand ins Spiel gesetzt. Goldberg bringt die hinreißende„Antityrannia"-Sitzung mit einer tollen Phantasttk der szenischen Gruppierung, während er im tragischen Teil Cm- dringlichkeit anstrebt. Franz Steins Traumulus ist schlicht und ohne lauten schauspielerischen Aufwand gezeichnet, mit einer ver- hallenen Kraft des Ausdrucks, besonders wirksam in der bildhaften Gebärd«. Um ihn herum gibt es eine Reihe sehr sauber geprägter Einzeltypen: Benno Wünsch, Lothar Philipp M a y r i n g, Franz Sondinger, Ernst Raden und ander«. Zu Beginn des wertvollen Abends sprach Alfred Richard Meyer Worte des Gedenkens für Arno Holz, etwas flüchtig for- muliert und in manchen polemischen Seitenhieben anfechtbar. V/. Seh. „Vier Teufel." Llniversum. Die Bangjche Zirkusnooelle Hot schon öfter den Stoff geliefert für einen Film. Es dürste jetzt schon die dritte Fassung vorliegen, an der diesmal gleich drei prominente Manuskriptvcrfasser beteiligt sind. Die drei haben es für gut befunden, das tragische Ende des Originals in ein liappx enä„umzudichten". Die beiden jungen Leute, Aimöe und Fritz, die zusammen im Zirkus aufgewachsen sind. alle Leiden einer freudlosen Jugend miteinander durchgemacht haben und nun gemeinsam den Erfolg der großen Nummer einheimsen — den Saltomortale in der Zirtuskuppel—, sterben nicht beide. Aimee läßt ihren Partner in der Verzweiflung über sein« Lieb« zu dein Vamp, der ihn zugrunde richtet, nicht stürzen, sondern fällt selber, kommt aber mit dem Leben davon, und nun finden sie sich für immer. Der Stoff ist für eine Filmbearbeitung außerordentlich geeigner. F. W. M u r n a u, der Regisseur des„Variete", gestaltet ihn nicht nur lebendig und spannend, sondern weiß vor allem auch, ihm alles Bildhafte abzugewinnen. Das Martyrium der Kinder in dem elenden Wanderzirkus und die Triumphe der vier in dem großen Pariser Zirkus mit all seinem Drum und Dran ist aufs beste gelungen. Wir erleben die Sensation der Saltomortales mit. Mit den Augen der schönen Frau, die sich in den Fritz verliebt und sein Verhängnis wird, durchkosten wir alle die Momente der Spannung. der Gefahr und des Erfolgs. Nicht nur die Manege, auch das Leben hinter der Kulisse, in der Garderobe und im Restaurant, wo die vier sich nüt ihrem väterlichen Freunde, dem allen Clown, zusammen- finden, fft wirksam geschildert. Das Akrobatische wird natürlich von wirklichen Artisten ausgeführt, die die gefährlichen Nummern hoch oben in der Zirtuskuppel — photographisch glänzend aufgenommen— mit allem Raffinement ausführen. Sehr gut gelungen sind die Kinderszenen, sympathisch die vier jungen Leute. Vor allem Aimee(Janet G o y n o r) weiß uns wirklich zu fesseln und zif rühren. Sie hat ganz die verhallen« stille Note und bietet damit den lebhaftesten Kontrast zu dem Vamp Mary D ii n e a n s. Charles Morton als Fritz ist kraftvoll und mitreißend ins einer Jugend. Wundervoll charakterisiert Farell McDonald den alten gütigen Clown, der den Vieren Bater und Mutter ersetzt. v. Die Wahl in Berlin. Ein Nachwort von Wilhelm Oittmann. Die Ernüchterung im üürgerllchen Lager über den Zlusfall der Berliner Kommuiralwahlen beginnt sich allmählich einzustellen. Von den Deutschnationolen bis zu den Deinokraten hat man er- fahren müssen, dag die gewissenlos« Ausschlochtung des Falles Sklarek gegen die Eigenwirtschaft der Gemeinde und für die privatkapitalistische P r o f i t w i r t s ch a f t«in Schlag ins Wasser gewesen ist. Das Geschrei gegen die„rote Mehr- heit" und ihre„Mißwirtschaft� hat keinen Widerhall in der Wähler. schgft gefunden, im Gegenteil, die„rote Mehrheit" ist noch größer geworden. Der abgeschossene Pfeil ist auf den Schützen zurück- geprallt. Diese Tatsache ist viel wichtiger als alle sonstigen Ergebnisse der Berliner Wahlen. Alle bürge rli- kapitalistischen Parteien haben den Fall Sklarek als Beweis sür eine Korruption hingestellt, die unter sozli- listischer Führung durch die in steigendein Maße von der Gemeinde Berlin betriebcire Eigenwirtschaft verursacht worden sei. Diese Argumentation ist durch die Wählerschaft unzweideutig zurück» gewiesen worden. Es liegt ja auch zu offen zutage, daß die Korruption nicht aus der Gemeindeverwaltung entsprungen, sondern von außen her, von einem privatkapitalistischen Profitbetriebe. in sie h i n e i n g e t r a g« n worden, daß also nicht der Gemeinde- sozialismus, soüdern der Privatkapitalismus die Quelle der Korruption gewesen ist. Eine Beseitigung der kommunalen Eigenbetriebe und ihre Ueberantwortung an die kopi- talistischen Profitmacher würde deshalb nicht eine Beseitigung jeder Korruptionsmöglichkeit bedeuten, sondern im Gegenteil, der Korrup- tion Tür und Tor öffnen. Die Korruption gehört zum privat- kapitalistischen System wie der Schotten zum Körper. Das „S ch m i e r« n" ist im kapitalistischen Geschäftsverkehr eine alltäg- liche Erscheinung. Je mehr kommunale Bedürfnisse vom Privat- kapitalismus befriedigt werden, desto größer ist die Gefahr, daß Korruption von ihnen in die kommunale Verwaltung hineingetragen wird. Deshalb ist die kommunale Eigenwirtschaft direkt ein Schutz vor Korruption. Im übrigen kann ja auch in Berlin nicht von.einer wirklichen kommunalen Eigenwirtschaft in sozialistischem Sinne gesprochen werden. Es handelt sich erst mn Ansätze und Anfänge, um Tendenzen, denn noch immer ist der privatkapitalistische Einfluß auf die Gemeinde, die ja im kapitalistischen Wirtschaftsleben wirken muß. riesengroß. Zllle bürgerlichen Parteien fördern ihn. Immer- hin kann sich dos in Berlin von der Sozialdemokratie in der Richtung zur Gemeinwirtschaft Geleistete durchaus sehen lassen. Ja, es muß ausgesprochen werden: Die Partei kann stolz darauf sein. Die engstirnige Interessenwirtschaft der freisinnigen Bezirksvereinspolitiker hat jahrzehntelang die dringendsten Auf» gaben der Wellstadt Berlin vernachlässtgt. Erst die Revolution hat darin Wandel geschaffen mit dem freien Wahlrecht auch für die Gemeinde, durch das erst die Bahn frei gemacht worden ist für eine, dos Gemeinwohl in den Vordergrund stellend« Kommunalpolitik. Trotz der Zerrüttung, die der Krieg in die Gemeindeverhällnifse und der Verwirrung und Zersplitterung, die er in die Arbeiterschaft getragen, hat die Sozialdemokratie die Gemeinde Berlin im Laufe eines Jahrzehnts Luf eine Stufe der Entwicklung gebracht, die von jedem objektiv Urteilenden nur mit Bewunderung an» erkannt werden kann. Die Schaffung der Einheits- gemeinde Groß-Ferlin aus 94 Gemeinwesen der ver- schiedensten Größe und Struktur war eine kommunale Großtat und bildet« die Grundlage für eine großzügige sozial orientierte Kom- munalpolitik. Sie wurde ergänzt durch eine weitschzuende kommunale Bodenpolitik, die durch kommunale Vorrat-wirtschaft an Baugelände den privaten Bodenspekulanten entgegenwirkte und die Vorbedingungen schuf für einen von der Gemeinde geförderten Wohnungsbau für Minderbemittelte, der einen Kranz von Wohnsiedlungen in Grünflächen und Waldparzellen um das alle Berlin herumgelegt Hot. Hand in Hand damit ging ein« moderne Verkehrspolitik, die das ganze Berliner Dcrkehrs- wesen in der Hand der Gemeinde zentralisierte. Das neue Groß- k r a s t w e r k Klingenberg und bald auch das tm Bau befindliche Westtraftwerk beliefern Berlin mit elektrischem Strom, die Gas- und Wasserwerke befriedigen die Bedürfnisse der Bier- Millionenstadt in Gas und Wasier, alles zu einem so niedrigen Preise, wie private Werke das aus Profitgründcn nicht wn. Dos Beispiel der privaten Charlottenburger Wasserwerk«, die für den Zkubik- meter Wasser 34 Pf. nehmen, während er bei den städtischen Werken nur 15 Pf. kostet, spricht Bände. Schon dies« knappe Skizzierung der geleisteten kommunalen Arbeit sür das Gemeinwohl zeigt, wie durch die von der Sozialdemokratie geführte Berliner Kommunal- Politik die Berliner Bevölkerung geschützt worden ist vor der Ausplünderung durch privatkapitalistische Erwerbs- und Prosit- gesellschaften. Rur eines hat man in Berlin nicht verstanden: die eigene mustergültig« Arbeit in die rechte Beleuchtung zu rücken. Es fehlt der„Stabstrompeter", der weichin hörbar das oerdiente Lob der Berliner Kommunalpolitik hinausschmettert. Der Ausfall der Gemeindewahl am 17. November hat der Sozialdemokratie die Legitimation gegeben, ihre bisherige Gemeindcpolitik gegen die privatkapitalistische Ausbeutung der Berliner Bevölkerung und für die Stärkung der Eigenwirtschaft der Gemeinde fortzusetzen. Wenn kapitalistisch» Korruption in diese Eigenwirtschaft einzu- dringen sucht und auch einzelne Parteigenossen sich ihrer nicht zu erwähnen verstehen sollten, so wird niemand energischer dagegen vorgehen als unsere Partei. Im Sklarek-Fall wurde gerade durch die flrupellos« Wckhchetze, ine völlig HnHetetflgi« ht de» Sumpf hineinzerrte, ei« schnelle Klärung und Remetmr_auf das äußerst« erschwert. Nachdem das Wahlinteress« an dem Fall nicht mehr vorliegt, wird man wohl bald klarer sehen können. Jeden- falls wird die Partei nicht zögern, zwischen sich und Per- sonen, die sich unehrenhaft verhallen haben, rücksichtslos das Tisch- tuch zu zerschneiden, sobald ein schlüssiger Beweis vorllegt. Die bürgerlichen Korruptionsschreier haben«i« verdient« Lektion dadurch erhallen, daß die von ihnen abgeschreckten Wähler nicht ihre Parteien, sondern die Extremisten rechts und links ge- wählt haben. Aber dies« Wähler werden bald erfahren, daß ihnen weder die Kommunisten noch die Nationalsozialisten ihre besonderen Wünsche erfüllen werden. Sollte es sich durch die Stärkung der Kornmurristen und Nationalsozialisten als praktisch unmöglich erweisen, im Stodtverordnetenkollegium zu sachlicher Arbeit zu kommen und infolgedessen die Berliner Wählerschast schon in einigen Monaten erneut zur Wahl gerufen werden, so wird zweifellos auch wieder ein Teil der Wählerschaft, der durch das Korruptionsgeschrei der bürgerlichen Parteien ulrd Zeitungen düpiert worden ist, sich besonnen haben. Dann wird es auch möglich sein, sachlich Stellung zu nehmen zu der in der Berliner Gemeinde von der Sozialdemokratie geleisteten Arbeit. Ich bin überzeugt, sie wird dann außer bei ihrem Wählerstamm vom 17. November auch die Anerkennung bei weijen Wählerkreisen finden, die sie ihr am Sonntag noch oersagt haben, weil die Korruptionshetz« ihnen den klaren Blick getrübt Holle. Nacktheit und Erziehung fft das Thema einer Tagung, die der Kreis um Adolf Koch vom 23. bis 25. November jeweils 19-4 Uhr im ehemaligen Herrenhaus, Leipziger Straße, abholt. Es reden am Sonnabend: 2ldplf Koch, Dr. Graaz, Otto Weber über die „Nacktkulturbewegung". Sonntag: Dr. Magnus Hirschfeld, Fried- rich Weigell, Toni Sender(M. d. R). Prof. v. Hauff über„Necki- hell", Montag: Hildegard Wegscheider-Ziegler sM. d. L.), Dr. Toeplitz, Dr. Friedrich Wolfs über„Dos Recht auf den freie» Leib". Sonntag vormittag: Gymnastikmatinee Adolf Koch■< tifcltr PninHL Aminiift.: SH5SPL-3I. Garoldin«•. Jo«, St»*, Power usw. Kommenden Sonntag«mnahasa- wetac Betflnn»»ad 9 Uhr. INTERNAT. »gl. 5 u. 8» saaLl.Si.l» Alna. E. 4. 8066 VARIETE IMkiu Sritn sanamnivtis» nr 2 VirstsliuigM in I ud Q Ukr. Wäsche nach Gcwichf Dampiwäschcrci Merkur, Berlin O 11£ Frankfurter Allee 307 Feraspr.: Andreas 2620 6 N> Inh. Aug. Bochmann____ Mitgl. d, SPP. Lichterfelder Festsäle Zelal» Otto Sdallling Renaissance-Theater «>. Uhr Ton in desTöpfers Hand Von Theodore Dreiser. Regie: öust. Härtung. Ab Sonnabend, 81/» Uhr: COEUR-BUBE - Stainalatz Gl. 0901 o. 7583/84.- 6R0SSES SCHAUSPIELHAUS • Uhr« 3 Musketiere Regie: ERIK CHARELU 3 Soooug oainm. ungtk. Mibe Pr. Reichshallen-Theater Abeeds D Uhr Ulk-Kerne v. MeyaeL Bit lettbestell an gen Zentrum 11263. Oö n hoff- Brettl: Da* grobe VariefO-Progr. Tanz— Falkner-Orchester. PUmeiarmm www am Zoo wow VirliBn. JoadunlUa Sinti B.S Barbarossa5578 Ift'T Uhr Hertnt- abenda an Stanieii- bimnel Wk Uhr Uta« das StenunlichU* 20V< Ubr 81a an Braazeo dar Walt Eintritt 1 Mark, Kinder SO Pf. Mittwochs halbe Kassenpreise. CASINO-THEATER coahrlntfcr Strafe 37. Täglich SV* Uhr Nur noch wenige AuffOhrungen vertagte Hochzeitsnacnti f ür unsere Leser. Ouiscncin für 1—4 Personen Fauteuil nur 1.25 Sessel 1.75 M-. Sonstige Preise Parkett u. Rang 0.80 M ROSE -THEATER GrsÄT Teleph.: Alexander 3422 u. 3194 8.15 Uhr OieielchteüsaneR Am 23. November 1929 s uhr Frau Holle ».isuhr P Pariser Blut Am 24. November 1929 6 ubr Parisar Blut 9 uhr Pariser Blut Lostspielhtas Friedrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich SV« Uhr frand Hotel Lustspiel von Paul Frank Kleines Theat. Merkur 1624 Heute 8: Premier« Das Parfüm meiner Fran Lustsp v. Leo Lenz Regie: FrisOmonn- Fnmerldi Max Adalbert. Hilde Wo cm er ToeaL i. Koim.Tor Kottb. Str. 6 TägL 8 Uhr auchSoont. nacbm.3U.; Elite- sanüer Die Wen Behl■■tan Drfcam. �undfankparedit Telephon: Lichterfelde G 3 1445 festsäle für 1500 Personen mit modeni eingnritteten Bohnen für Veran- sfaltnogen jeder Art/ Hnbzeifcsäle/ VereisQ nuner für 20 bis 300 Persnes Baninwskj- Bohnen niHtsr in dar Ktaiggrützar StraB. Täglich SV, Uhr Die erste fflrs. Selby mit mtzi mawary Komödienhaus Täglich fh Uhr Oer HOhnerhot v. Tristan Bemard Lessing-Theater Norden 10846 Gruppe langer Sdi.mplclcr Täglich SV« Uhr CyankaH Winter .Garten* 8 Uhr— Ztr. 2819— Rsuchon erlaubt .«• Im Mittelpunkte des November-Programms, von dem man nur in Superlativen reden dürfte, steht Jlse Bois Barlin am Morgan, 7. XL Sonnaband und Tatansanntgg ja 2 Vorstallungan 3* und 8 Uhr i'" kleine Preise. Volks btUine roeitn mllillovglali 8 Uhr Früblings Erwachen 5taatl.Sd)iller-]b. 8 Uhr Des Kaisers Soldaten StaatsoperamPUU der Rtgnbllh 7>6 Uhr DIo fledermaQii rneaier an SdunnauartamiB SV. Uhr Pennäler Tb. a. Bollenilnrfplatz Vorvk.10-2. Kl. 2001 Täglich SV, Uhr Gastspiel des Deotsmen Theaicn Regie: Mai Beinlientt. Trianoii-TlLM�9kr S'.'i Uhr Elisabdtft Strickrodt in „Die Ballerina des Königs" Theat. o. Westens Fägl. 8V« Uhr Narfelfa dosl* r. Oskar straas Käthe Do ruh Michael Bohnen Direktion Tr. Robert Kleis Deotsebes Kflostler-Tbeat Barbarossa 3937 8'lt Uhr Ende 11 Uhr Die andere Seite m Pretnierenbes. Ab morgen täg). Uhr Ende 1140 Uhr Seilsames Zvisdienspiel Resie; Hiliz Hilprl Berlioer Tleater Dönhoff 170 S'lt, Ende->«1, U. Zwei Kravatleo von Georg Kaiser Musik: Mischa iMsoies loosio D.I. Norden 12310 SV. Uhr Der Kaiser v.Amerika von Bernard Shaw ReguMax Reinhardt Kammersplele D.I. Norden 12 310 SV. Uhr Zur soll. üDiiditl Lustspiel von Frederik Lonsdale Regie: Gustaf Griindgens Die Komödie 1 1 Bismck.2414/7516 SV« Uhr fem Teufel geholt von Knut Hamsum Regie: MaxRemhardt twntrai. Thealwr Alte Jakobstr32 Gastspiel d. Tb. d. Westens Täglich»V. Uhr Stg. 4 u. SV. Uht Friederike Der WelUttalg von Frau Lebdr Sonnabend 4 Uhr "Sonntag 2 Uhr Das Weibaadnsvirader Kleine Preise öbel-Nolte« Scblafzimmer, Speisezimmer, Herrenzimmer, Einzel-Möbel, Küchen, Sofas, Ruhebetten tut gegen 24 Monatsraten SchOnRanser ahcc 141 a CBoclUiRba Panzl�er strat«) Verlangen Sie Vertreterbesuch. 2 Sdilaacr! Damenschuhe! wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN derGesamtaaflage Vanrlrtt- ud «K Iii da». i fiefYage Freitag, 22. November 1929 SprÄbmö �n/rrrrigir� rfW to�a>t£/Ä llliiiverflämlnitfe Wehl Alltägliches aus dem MUag/ ton MehirMi Xemnter Steine Berührung mit der Srde. Eins Dame in vornehnier Frieichofslleidnng trat iil den Blumenloden, der, wie sie alle, den Bußtag über geöffnet war: »Ach, was haben sie denn Schönes für ein Grab." sagte sie zu dem jungen Gärtner und schnupperte unter den Blumen herum, deren Düste in ihren Parfüms unterzugehen drahten. Der junge Gärtner zeigte Kränze und Kreuze.»Das gefällt mir nicht," meint« die Dame: sie hatte etwas anderes. Ungewöhnliches im Sinn«, so bestellte sie schließlich ein Blumenarrangement, wofür sie sich jede Bluinensorte einzeln vorweisen ließ, alles kritisch begutachtend, so wie sie es verstand oder zu verstehen glaubte. „Solche Blumen bieten Sie mir an?" sagte sie plötzlich,»die sind ja häßlich," worauf der Gärtner erwidert«, daß wohl die Ge- schöpfe der Natur, insbesondere Blumen niemals häßlich sein können— dann:„pfui" rief sie und hielt sich die weiß gepuderte Nase zu.das Zeug stinkt wie Fäulnis" und sie holte ein Parfüm- släjchchen aus der Haifischledcrtasche, um den„Gestank" von ihren Glacähairdschuhen zu oertreiben. Das war zu viel für den jungen Gärtner. Ms er die Blumen zusammenband und die Dame sich in Erwartung dessen niederge- lassen Hatte;„Das ist das Unglück," sagte er,„daß die Großstädter nicht inehr die Erde und ihre Gerüche verstehen, sonst würden sie anders denken.„Weißt du, wie richtige Erde riecht?" sagte er zu mir (der ich neben ihm sah) und senkte die Stimme.„Fruchtverlangend riecht sie, brünstig wie ein AHltter werden wollendes Weib. Gar manches Mal nach der Arbeit, nachdem ich mich müde gerackert, habe ich mich voll Sehnsucht über den frisch gegrabenen Acker geworfen, Hände und Füße darin vergrabend lag ich stundenlang j eftgepreßt gegen die Mutter Erde. Das war im Februar oder März, wenn die Finken kommen; später, wenn ihr Verlangen gestillt ist, der tarnen in der Erde ruht, riecht sie vollkrästig, ganz noch brutaler Kraft. Denn Kampf und Vernichtung ist in der Erde wie überall, viele Insekten können in der fruchttragenden Erde gar nicht weiter- existieren, so brutal ist sie geworden. Jetzt läßt sie wieder nach. spinnen können Löcher in die Herbsterde Kohren und ihr« Eier hineinlegen, sie ist fett, aber müde, erst durch das große Sterben, das Faulen der Blätter unter der Eiskruste erhält der Boden neue Kraft. Warum lehnt sich also die Großstadtnase so verächtlich gegen diese Fäulnis auf? Verwesung ist Verbrennung und erzeugt neues Leben. Nicht einmal richtiggehender fetter, halb verbrannter Dung riecht übel. Neue Lebewesen haben sich drin gebildet, ohne daß jemand etwas dazu tut. Die Erde, in der der Geliebte dieser Dom« ,, mit der empfindlichen Nase ruht, die jetzt geschmückt werden soll, ist durch feinen eigenen Lech gedüngt worden. In dem Gras, das ' draußen ihr« Lackschuhe umschmeicheln wird, in den Aesten der Weide, die über ihre Wangen streichen, lebt der Mann von neuem, dem einst ihr Herz gehört." Die Dam« am anderen Ladcntischende hott« wohl einige von diesen Worten aufgeschnappt. Sie schütelle sich vor Grauen. „Gott sei Donk!", sagte sie dann, halb zu sich, halb zu uns:„Wir haben unsere marmorne Familien- g r u f t Nie verlorene Adreffe. Die Zeit zwischen Totensonntag und Weihnachten ist diejenige, in der man Jack den Tramp entweder bis zur Bewußtlosigkeit be- trunken oder gänzlich nüchtern antrifft, so daß man ganz ver- nünstig mit diesem Menschenwrack sprechen kann, dos auf den Landstraßen des wärmeren Europas herumtreibt. Als wir ihm in solchem Zustand vor zwei Iahren um diese Zeit auf einer Tessiner Wanderung begegneten, wo er einsam vor einem widerrechtlich entfachten Lagerfeuer stand, sprach ich ihn an und bat ihn. mir sein« Geschichte zu erzählen. Er starrte lange regungslos ins Feuer, plötzlich:„Seht mich an." schrie er mit kreischender Stimme,„könnt ihr euch vorstellen. daß ich verheiratet war, einen anständigen Anzug am Leibe hatte und Geld in der Tasche— nee, und doch war es so! Könnt ihr euch vorstellen, daß ich alter Schnapsbruder ein« liebe, seine, schöne junge Frau besaß— nee: und doch war es so! Heute vor 20 Jahren, am 24. November 1907, verlobten wir uns, und einen Monat daraus, am 24. Dezember, waren wir in ihrer Vaterstadt getraut worden— ich und meine deutsch-amerikanische Braut— abends wollten wir schon in New York- installiert sein. Im eigenen Heim das Weihnachtsfest seiern. Es mag ja alles fix gehen im gelobten Lande Dollaria. Nun, es gibt drüben genug von den sogenannten lmuseleeeping rooms; Haushaltszimmer,«ine vollständig eingerichtete kleine und kleinste Wohnung mit Kochgelegenheit, die sofort noch bezahlter Miete in Betrieb gesetzt werden kann. Gleich im Zug trafen wir«inen New-Porker Bürger, der uns ein kleines Apartement vermieten wollte, und wir bezahlten es: Wohn- und Schlafzimmer, sowie ein« komplett ein- gerichtete Küche mit einer automatischer» Abwaschoorrichtung. Der New-Porker nahm meine Frau vom Bahnhof in die neue Wohnung mit, wo sie sich häuslich einrichten sollte, während ich die nötigen Einkäufe besorgen ging. Ich kaufte Proviant für die Feiertag«, darunter natürlich den unvermeidlichen Puter, Näsche- reier?, das Beste vom Besten, allerhand Firlefanz für meine Frau, und einen kleinen, ober herrlich aufgepiitzten Christbaum. Be- laden Mit Pakeirn, winkt« ich einer Droschke und stieg em. „Whcreto?" kragte der Kutscher.(Wohin?) Ich griff in die Tasche, um den Zettel herauszuholen, worauf ich nur die Adresse der kouselceeping roc-ms notiert Hatte. Ich griff in alle Taschen, der Zettel war verschwun- den, wahrscheinlich hatte ich ihn ausgestreut bei dem vielen Zahlen. Ich versuchte, mir die Adresse ins Gedächtnis zurückzurufen, es war vergebens. Ich rannte zur Polizei. Ich telcphonierte. und die Beamten telephonierten an Hunderte solcher Aportementhäuser. Es war alles umsonst. Ich raste mit der Droschke durch Straßen und Chausseen, durch ganze Stadtviertel. Ich fuhr mit den Paketen den ganzen Weihnachtsabend herum. Ich rannte ohne Pakete die ganze Nacht herum. Einmol dacht« ich, meine Frau gefunden zu haben— es war eine ander«. Ich irrt« auch den Weifn.icktstag und den nächsten, den boxinx-äsv, durch die Straßen New Torks. Ich durchlas m allen Zeitungen die Rubrik: missins friencls(gesuchte Freunde). Ich guckte aus alle Plakatsäulen, ab «cht«m Aufruf dort Hebt». Ich sucht» ganz Zdew Aort ab. Zwei, drei Monate suchte ich, annoncierte und setzte Detektiv« in Be- «egung— bis mein Geld zu Ende war. Hot meine Frau angenommen, ich hätte sie verlassen und Selbstmord begangen, ist sie entfährt worden, einem Verbrecher zum Opfer gefallen. Ich weiß es nicht! Ich habe sie nie wieder gesehen, ich habe nie wieder etwas von ihr gehört, nie etwas erfahren können. Schließlich gab ich's auf, ich gab alles auf und wurde ein Tramp— der Lump, der ich heute bin. Und vielleicht ist doch olles nur«in Mißverständnis gewesen." Stexc wider Stillen. Die blonde Frau Grete ficht allem andere tx, nur nicht einer Hexe gleich. Tatsache ist aber, daß ihr erster Bräutigam, ein Hand- fester Hamburger Leichtmatrose, der sich vor keinem Wetter auf See und keiner Messerstecherei in einer Hasenspelunke fürchtet, unter wilden Gebärden des Entsetzens eines Abends— es war am Toteistonntog— vor ihr Reißaus nahm, als sie sich beide im dunklen Treppenslur befanden und er den elektrrfchen Drücker nicht finden konnte:„Du bist ja ein« Hexe!" schrie er da plötzlich, sprang durch die Fenfteröfsnung ins Freie und ließ sich nie im Leben wieder blicken. Und wie gesagt, das damalige Fräulein Gretchen besitzt das gutmütigste Näschen von der Welt, ein sanstgeschwungenes Kinn und ein Mündchen, das ausschließlich für Kosenamen, Pralinees und Küsse gemocht zu sein scheint. Ptit den Augen ist es allerdings eine andere Sache: Di« sind manchmal dunkelblau, und manchmal sind sie seegrün, je nach dem Wetter. Auch andere Nuancen kommen öfter zum Borschein, das ist aber nmner noch kein Grund, daß man zum Fenster herausspringt, wenn si« einen anguckt— zumal sie einen sehr innigen Blick hat, wenn sie einem wohl will, was gewiß bei dem Leichtmatrosen der Fall gewesen sein wird. Letzten Endes hängt aber das alles mit eurer Haube zusammen. Unser Gretchen war— solches ist ein« große Seltenheit— mit einer Haube, d. h. mit einer Haut über Gesicht und Kopf geboren worden, für die ein Seemomr gern« sein ganzes und alles he» gibt, denn es ist eine Glückshaut. Es mag stürmen und wettern wie es will, ein Schiff, auf dem ein mit solcher Glückshaut ver- sehener Seemann fährt, geht niemals unter— niemals! Nun weiß ich nicht mehr recht, wie sie mir das im Detail erzählt hat: jedenfalls war bei Gretchens Geburt ein Seemann in leicht erreichbar« Nähe, härte von der Glückshaut, und statt sie für ehrliches und teures Geld zu erstehen, bemächtigte er sich der- selben aus ziemlich unsanfte Weise und suchte das Weite. Sein 'Schiff wird niemals untergehen, und es ist nur schade, daß wir nicht wissen, wie es heißt. Aber Gretchen? Das Abtrettnen einer Glückshaut von dem so behasteten Baby muß von geschütten ärztlichen Fingern, nicht von rauhen See- mcmnshönden vorgenommen werden: demt es best eist bei unfach- männischem Vorgehen die Gefahr de» Erblindens. Tat- sächlich lebt« Gretchen in den ersten Monaten ihres Lebens als Blinde, und es stand zu befürchten, daß sie niemals das Licht dieser Welt erblicken würde. Die Kunst des Arztes bewahrte sie jedoch vor diesem Schicksal: er träufelte ihr, ich weiß nicht was alles für Mischkulanzen in die Augen, bis sie klar und klarer wurden und die Umgegend widerzuspiegeln begannen. Gretchen wurde dann wie alle anderen Hamburger Kinder und Backfische erzogen und reiste zur Jungfrau heran. Alsdami tauchte der Leichtmatrose aus und alles ging gut und leicht bis zum besagten Abend: als der Bräutigam sie bis zu dem Haus ihrer Eltern begleitete, über das schon die Homburger Nachtschatten gefallen waren. Sie schlosien die Tür auf. und Gretchen sägte dann zu ihrem Hans:„Geh eine halbe Treppe hinauf: dort findest du den Drücker." Hans tat wie ihm geheißen, fand aber den Drücker nicht, neigte sich über die Balluftrad« zu Grete hinab, und die blickte hinauf zu ihm, sich ihn direkt in die Augen. Unter den eingeträufelten Substanzen muß sich aber sicher auch Phosphorhaltiges befunden haben, denn zwei grausige grüne Lichtkegel schosien jetzt aus ihren Augen, fchernwerfer- gleich, und der arme Hans glaubte natürlich seine letzte Stunde sei gekommen. Heut« ist Grete mit einem braven Manne verheiratet, der nicht vor ihr davonläuft, und dem sie ein Töchterchen gebar— ohne Haube.„Aber sie selbst sind doch also wieder unter die Haube gekommen?" sagte ich zu Frau Grete, nachdem sie ihre Erzählung beendet hatte, die gar nicht so alltäglich ist. Jians Stskorn ArbeUerphotoreportage Reportage ist Berichterstattung. Sie soyte sein ein auf die knappste, bestimmtest« und deutlichste Formel gebrachter Bericht. Das gilt auch für die P h o t o r e p o r t a g e Irgendein Ereignis ist durch das Bild wiederzugeben, das dieses Ereignis zu gleicher Zeit symbolisch und bildmäßig möglichst erschöpfend klarlegt. Einem Arbeiterphotographen wird es sehr ost nicht möglich sein, das zu erreichen,«eil sein Apparat technisch nicht leistungsfähig geirug ist. Zlber es gibt für ihn andere Gebiete, wa er als Photoreporter tätig fein kann und die für chn sehr wohl in Betracht kommen. Doch bevor in dieser Richtung weitere Ausführungen gemacht werden, ist es notwendig, kurz die in Arbeiterphotokreisen geübten Praktiken kritisch zu beleuchten. Bisher arbeitet« man merst plan- l o s nur auf den Effekt hin. Das Bild mußte sozial eingestellt sein und daher wurde es photographisch gestellt, die Gegenstände wurden angeordnet. Jeder kennt die aus diese Art produzierten Elendsbilder in Dachkammern und Kellern, sie waren gewiß mitle'd- erregend, aber leider nicht immer überzeugend. Man merkt« sehr oft, daß etwas nachgeholfen war, und sehr viele dieser Bilder wirkten völlig schablonenhaft, ohne daß ein« persönliche Stellungnahme des Beschauers, die agitatorisch gewünscht wurde, erfolgte. Man erkannte die Mängel. Langsam erfolgte dann auch eine Umstellung. Es wurde sachlicher photographiert und— man ging weit über das Ziel hinaus: nicht die Arbeit war es mehr, die photographiert wurde, sondern die Technik, die sich heimtückisch und oft ungewollt in den Vordergrund schob. Die Photos waren kein« Arbeiterphotos mchr, sondern technisch interessante Photos, die ansprachen und deshalb auch Erfolg hatten, wenn der Erfolg auch auf einem ganz anderen Gebiet« lag. So wurden mehr und mchr Ausnahmen gemacht, die den Arbeiter am Werktisch, an der Arbeitsbank zeigten, an Plätzen, die keine Gruppierung zuließen, die nicht beliebig verändert werden konnten, die Bilder wurden dadurch wahrheitsgetreuer. Gleichzeitig waren sie aber durchaus sachlich, sie wirkten kapm irgendwie agitierend. Demgegenüber stcht die werdende Arbciterphotoreporiage. Si« gibt einen objektiv-sachlichen Bericht, sie muß zuweilen die Ding« stellen und anordnen, aber nur dann, wenn das Apparatematerial technisch nicht ausreicht. Die Wirkung des Gestelltsems muß absolut oermieden werden. Das Photo selbst bleibt wahrheitsgetreu, durch das Ding an sich ist es meist tendenziös genug. Es soll irgendeine Ausnahme gemacht werden. Maßgebend ist in allererster Linie die M o t i o st e l l u n g, die Frage nach dem „was will ich darstellen" und das ganz präzis« Stellen einer Auf- gäbe. Die Aufgabe muß genau durchdacht werden, die sich ergeben- den Photos, wenn ein« Aufnahme nicht erschöpfend ist, auf das Notwendigste beschränkt morden. Als Maximum such etwa acht Ausnahmen für die gestellte'Aufgabe zu betrachten, ein Zuviel zersplittert nur die Aufgab«, bringt Nebensächliches, und jedes Zuviel ist schädlich. Bei dem Ausführen der Ausgabe wird meist nnt dem Allgemeineren, Umfassenderen angefangen werden; danach kommt man zum Geben bestimmter Einzelheiten. Hier ist die Photo- Montage ein gutes Hilfsmittel. Man kommt entweder durch Neben- und Uebereinan der stellen verschiedener Photos zu einem gedanklich einheitlichen Gesamtbild oder durch einfache Kombination, indem man einzeln« Photos zu einem gedanklich einheitlichen Gesamtbild vereinigt. Einige praktische Beispiele mögen helfen. Es sei die Ausgab« gegeben, eine Wanderung zu photographieren. Man kenn diese Aufgabe lösen, indem man sich auf den Bericht der Wanderung selbst beschränkt. Als Reportage i» unserem Sinne gilt« aber, den Betrachter im Sinne der arbeitenden Masse wachzurütteln. So wird unser Report die Sonntagsarbeit in gewissen Betrieben, das noch nicht arbeitsfrei« Wocheneirde, die Uoberfüllung der Bahnen, besonders unzureichende Zugfolge auf einzelnen Zugstrecken. Epe- zialtarif« einzelner Bahnen u. ä. blitzlichtartig beleuchten. Die Auf- gab« kann natürlich auch in positivem Sinn« gelöst werden, indem man sozialistische Errungenschaften wie Eigenheime der Natur- freunde und anderer Organisationen darstellt. Es muß deshalb vor Beginn der Arbeit entschieden werden, in«elcher Form das Thema „Wanderung" aufgezogen werden soll. Erjehöpfen kann es nur eine Lichtbildserie. Man muß sich wieder mit der Reportage eines bestimmt begrenzten Gebietes begnügen, alles Embehrl'che Hot fort- ziisallen. Di« gestellte Ausgab« wird dadurch konkrecer und be- stimmter. Da» Spezialthema sei setzt„Woch«no»rdc", es soll z. B. in gewerkschaftlich-agitatorischem Sinne ersaßt werden. Durch diese Forderung ergibt sich leicht eine Methode des Gegenüber- stellens. Die Arbeitsfron wird versinnbildlicht, daim werden Gegen- sätze herausgearbeitet zwischen den Verhältnissen einst und jetzt, oder den Unterschieden in der Arbeitszeit und dem Lohn gut und schlecht organisierter Veruj« u. ä.; kurz,«s gibt da sehr viele Möglichkeiten» Bei dem Thema„Wochenende" kann so das Positive und Negative gegenübergestellt werden. Die Frage, wie all die Einzelheiten photographisch zu erfassen sind, muß jeder auf sein« Art lösen. Vorbedingung ist auch hier wieder: nichts stellen, nichts kiischig-sentimental gruppieren, sondern wahrhaft und sachlich darstellen und immer die kürzeste, wirksamste und propagandistischste Form suchen. Neben dieser Art, den Betrachter mit ossenem Visier zu ccttakieren, gibt es eine zweit«: das sozial« Gewissen durch das Ueberraschungsmoment zu wecken. Da werden z. B. häufig romantische Winkel und Häuser, verträumt« Gassen in allen, ehrwürdigen Städtchen aus die Platt« gebracht. Auch an diesem Punkt kann der Arbeiterphotograph einhaken Das romantische Häuschen wird näher und eingehender betrachtet, da kommen sehr oft wurmstichige Balken zutage, gesenkt« Fußböden, lichtlose Schlaf- k abinen, strosulös« Kinder zum Vorschein, und aus der Mondschein- romantik grinst uns plötzlich'das harte Antlitz des Lebens selbst an: ein grenzenloses soziales Elend. Das«ine aus dem anderen hervorgehen zu lassen, ist schwierig, aber ein« dankbar« Ausgabe. Mit Hilf« der Photomontage oder der Gruppierung kann dann auf die veränderten Bedingungen eingegangen werden wird bewiesen werden, daß diese Häuser früher nur nachts bewohnt waren, da die Bewohner entweder Bauern oder Handwerker waren, und sie stets im Freien ardeiieten, die Bauern auf ihren Aeckern, die Handwerker vor ihrer Tür, so daß es kein„Wohn"haus in unserem Sinne war. Auch das kann man photographisch festhalten, es gibt ja so viele alte Stich« und Drucke, auf denen derarttge Ding« dargestellt sind, zudem haben sie den Vorzug, authentisch zu fein. Die Beispiele mögen genügen, um.zu zeigen, daß oft anscheinend unscheinbare Dinge bei tieferer Betrachtung ein ganz eigenes bedcut- sames Leben bekommen. Photographie wird Wissen, Verstehen und Wissonschast, wenn sie nur denkend betrieben wird. Sehr vieles, was jetzt in Arbeitsrphotokreisen gepflegt wird, z. B. Kleinausuahmen oder solche im Bauhausstil, mag in technischer Beziehung empfehlenswert sein, für die Arbeiterphotographenbemegung selbst bleibt es belanglos, auch wenn es iitteresiant ist. Es sollte Pflicht eines jeden Arbeiteramateurs sein, sich in dieser Richtung der Photoreportage zu betätigen; Photo» geben ost bessere Einblicke m bestimmte Dinge als lange Beschreibungen. Gemeinsam hergestellt« Lichtbilderserien find wirksamste Propagandamtttel, Photomontagen wirkuilzso ollst» Mat-rial für Ausstellungen und Ankündigungen. (12. Fortsetzung., Diese eiste faschistische Parlamentsfrattion hatte es ziemlich schwer, sich als Einheit zu behaupten. Sollte sie an der Einweihungs- sitzung der Kammer und an der Thronrede teilnehmen? Mussolini war gegen die Beteiligung und begründete dies damit, daß der Faschismus die herrschenden Institutionen nicht anerkenne.„Die Monarchie," sagte er,„ist nur ein parasitärer Auswuchs ohne geschichtliche Ueberlieferung und ohne Wurzel in der Volksseele." Seine Fraktionskollegcn warfen ihm vor, seine republikanischen Ideen den Wählern nicht vorgetragen zu haben. Schließlich wurde es den Abgeordneten überlassen, der Einweihung beizuwohnen oder nicht. Die Wiederausnahmc der parlamentarischen Arbeiten erfolgte in einer gewitterschwangeren Atmosphäre. Es lag auf der chand, daß Giolitti, seiner treuen Mehrheit beraubt, nicht mehr mit jener Geschicklichkeit zu regieren verstand, der er das ihm erneute Ver- trauen dankte. Schwere soziale Problem« harrten der Lösung. Die Staatsbeamten forderten Verbesserung ihrer Gehälter. Viel« Ab- reordnete sahen voll Schrecken auf die Lage in den Provinzen, wo di« Häufigkeit der faschistischen Verbrechen plötzliche Ausbrüche des Haffes und des Terrors heraufbeschwören konnte. Die Diskussion über di« Thronrede mar geradezu dramatisch. F i l i p p o Turoti wamdte sich mit Wucht gegen die Feigheit der herrschenden Klassen und den Verfall der Regierung. Er definierte den Faschismus als«ine blutige Kontrcrcvolution gegen eine rein verbale Revolution. Seine Rede wandt« sich an alle, die die Schwierigkeiten des Rachkrieges klar erkannten und entschlossen waren, sie unter Achtung der Freiheit und der Demokratie zu be- seitigen. Mussolini hatte seinen Sitz auf der äußersten Bank der äußersten Rechten gewählt. In seiner ersten Red« erklärte er sich als Anti-Giolittiansr, Antidcmokrat und Antisoziolist.„Sie hoben mich aus dem öffentlichen Leben ausschließen wollen. Jetzt werden Sie gezwungen sein, mich anzuhören." Dann wurde er pathetisch. „Die Toten sind schwer zu trogen." Und schließlich stellte er als Frage dar, was in den Tatsachen längst entschieden war:„Wir sind b«reit zum Frieden wie zum Kriege. Sie können wählen." In seiner Antwort war Giolitti kalt und farblos. Nicht die Spur von Bewegung in seinen Worten. Diesen achtzigjährigen Burcaukratan schien di« Tragödie stünes Landes nicht einmal zu berühren. In schwächlicher Weis« lehnte er den Vorwurf der Mit- schuld am Faschismus ab. Er wogte«s sogar, sich als Arbeiter- freund aufzuspielen. Giolitti mußte zurücktreten. Mit ihm oerschwand von der polnischen Sz«no nicht nur«in Mann, sondern ein Regiine. Bon dem Tage an, wo der Staat einer Fraktion gestattet haüe, sich zum Bürgerkrieg zu bewaffnen, war der Parlamentarismus tödlich ver- wundct. Sogar ein« Koalition mit der sozialistischen Rechten wurde unmöglich. Für den parlamentarischen Staat begann damals der Todeskampf. Es war pure Heuchelei, daß Mussolini d«r Kammer die Wahl gestellt hatte zwischen Krieg und Frieden. Seit beinahe sechs Monaten hatte die Bourgeoisie schon gewählt. Man wollt« um jeden Preis die Vernichtung der Arbeiterbewegung und die Eni- mannung des Parlaments. Ende September hatten bereits die Latifundisten Süditaliens durch das Blut dos sozialistischen Abgeordneten d i V a g n o ihren Willen besiegelt, das Recht der Gewalt vor die Gewalt des Rechtes zu stellen. Di Vagno, der den Spitznamen„der gute Riese" trug, war in der Kammer der Vertreter der Kleinbauern und Landarbeiter. Er gehörte zu jen«n zahlreichest süditalicmschen Sozialisten, deren ganzes Leben ein langer Kampf gegen di« Großgrundbesitzer ist. Trotz seines harten politischen Tagw«rk«s war er ein sonniger Mensch. Aus dem Volke stammend, wußte er sehr wohl, daß jeder Fortschritt« schwere Opfer kostet. Er erinnert« sich seiner eigenen Kindheit, in jener Zeit, als der Hunger den Landarbeitern ständiger Gefährte war, und der Grundbesitzer als despotischer Alleinherrscher mit seine» Arbeitern schaltete, bis zum Recht über Leben und Tod. Er wußte, wieviel Blut, Gefängnis, Trän«n die wenigen Fortschritte gekostet hotten, die erzielt worden waren. Und darnach bemaß er den Preis derer, die noch kommen sollten. Eines Abends lauerte man ihm in feinem Heimatsorte auf, zur Dämmerstunde, die nach des Tages Mühsal dem Arbeiter Ruhe und Heimkehr verheißt. Mehrere Schüsse streckten ihn nieder. In ihrem Schmerz und in ihrer Wut inachten die Landarbeiter seine Leiche zum Kampfzeichen, um das es zu schwerem blutigen Konflikt kam. Die Genossen, die di Vagno rächen wollten, wurden besiegt und mußten in der Folge ihren Mut und ihre Hingebung sehr teuer zahlen. Aber diese süditalienischen Landorbeiicr, an die sich der Staat immer nur erinnert hat, um sie auszubeuten, haben durch diese ihre Erhebung im Namen der Freiheit und zur Verteidigung des Parlaments das kommende Italien versinnbildlicht, das, angesichts des Versagens der liberalen und demokratischen Bourgeoisie, der Demokratie der Arbeiter den Schutz seiner Interessen und die Vertretung seiner Rechte anvertrauen wird. *** Der Bürgermeister von Roccostrada in Toscona hatte den nachfolgenden Brief erholten: „Herr Bürgermeister! Da wir es als feststehend erachten, daß Italien den Italienern gehören soll und daher nicht von Individuen Ihrer Art verwaltet werden kann, rat« Ich Ihnen, als Wortführer meiner Mitbürger, bis zum 17. April 19 21 von Ihrem Amt« als Bürgermeister zurückzutreten. Falls Sie dies nicht tun sollten, wird die Verantwortung für das, was ich ereignen könnte, ganz auf Sie fallen, und falls Sie die Aufmerksamkeit der Behörden auf diesen Rat lenken, der groß- läng, edel und menschlich ist, so wird die Ihnen gewährte Frist hon am 13. ablaufen, welche Zahl Ihnen ein Omen sein soll. Unterzeichnet: Dino Perron« Compagni." Dieser Dino Perron« Compagni, seinem Titel nach ein Marchese, war der Schrecken der Toscancr. Seine Vorfahren waren wahr- schcinlich Söldnerführer gewesen, die ihren Degen für Geld heute dem Papst und morgen dem Kaiser zur Verfügung stellten. Er selbst stellte für Geld zwar nicht seinen Degen, wohl aber Dolche und Knüppel einer Schar früherer Frontkämpfer zur Verfügung. in der sich neben einigen exaltierten Patrioten hauptsächlich Strolche und Berufsoerbrecher befanden. Vor einen: Jahrhundert wäre dieser edle Marchese ein Brigant geworden-, in unserer Nachkriegs- zeit trat er als Verteidiger von Ordnung und Besitz in den Dienst der Agrarier, der rückständigsten und schmutzigsten sozialen Schicht, die es gibt. Gut bewaffnet und ausgerüstet, gelangten diese faschistischen Schoren auf ihrem Lastauto mit Blitzesschnelle von einem Teil de? Toscona zum anderen und schienen den alten Bürgerkrieg zwischen Welsen und Gibelinen wieder ins Leben zu rufen. Roccastrada sollte auf eigene Kosten lernen, was von den Drohungen des Marchese zu halten war. Als die gewährte Frist ablief, ohne daß der Bürgermeister zurückgetreten wäre, wurde der Ort umzingelt. Das Schnaufen der Autos, das Gebrüll der Kriegslicdcr der Faschisten und zahlreiche Schüsse in die Luft verkündeten der Bevölkerung, was ihr bevorstand. Die Wohnung des Bürgermeisters und die der Stadträte wurden zuerst verwüstet, während das Landvolk auf die Felder flüchtete. Die zum Plündern und Verwüsten ausgesuchten Häuser waren durch«in schwarzes Kreuz gekennzeichnet. Es waren bescheidene Wohnungen von Arbeitern, kleinen Kaufleuten, Angestellten. Die Verwüstung wurde hauptsächlich durch Brandgranaten vollzogen. Um zu ocr- hindern, daß die Bevölkerung zur Abwehr zusammenströmte, hotte man an den Kreuzwegen Maschinengewehre aufgepflanzt. Wer immer vorüberkam. Mann, Frau oder Kind, wurde mißhandelt. Die Plünderung des einzigen Restaurants fand in Gegenwart der Karabinieri statt, die vergnügt zusahen. Den Wein- und Likör- floschen schlug man mit Stöcken die Hälser ab und dann ging eine fidel« Sauserei los. Endlich mn 9 Uhr abends, nachdem man 4 Stunden gewütet hatte, zog die Bande ab zu anderen Abenteuern. Aber es sind noch nicht zehn Minuten vorüber und schon erschein? sie wieder, diesmal mit einem Toten auf ihrem Lastauto. Hat man auf sie geschossen? Hoben die betrunkenen Faschisten ihren Käme» raden getötet? Niemond weiß es. Jetzt wendet sich aber die Wut der Angreifer nicht nur gegen die Sachen, sondern gegen die Personen. Jetzt fängt die M e n s ch e n j a g d an. Zwei alle Land- arbeiter brechen auf der Schwelle ihres Hauses zusammen. Ein Buckliger, der zu fliehen versucht, wird durch Knüppelhiebe getötet. Einer Mutter tötet man das Kind, das sie im Arm trägt... Zehn Tote, dreißig Verwundet«, fünfzehn niedergebrannte Häuser, das war die tragische Bilanz dieses einzigen Tages. Als endlich die Karobiniere eintreffen, parlamentieren sie mit dem Führer der Spedition und... ver- haften niemand. Erst nach zehn Tagen, nachdeni jeder der Faschisten sein Alibi fertig hat, erfolgen die ersten Vorladungen. Im Norden, im Süden, in ganz Italien, überall ist es dieselbe Sache. Die neuen Reichen, die Schieber oller Sorten, die mit allem spekuliert hoben und sogar aus dem Blut« ihrer im Krieg gc- follcner Kinder Geld gemacht, sind die Führer dieser Kontrereoolu- tion. Es gilt, die Arbeiterorganisation zu vernichten. Was diese Leute fürchten, ist ja nicht die Demonstration aus den Straßen, die revolutionären Ruje, den Grimm derer, die von der Front zurück- kommen: sie fürchten die Eroberung des Parlaments, di« Eroberung der Stadtoerwallung, die Macht der Arbellerkooperatwen. Es gibt Provinzen, in denen der Sozialismus eine gewallige Erziehungsarbeit geleistet hat, wo jede Eroberung auf dem Boden der Legalität errungen wurde, wo die Führer sich nicht die Aufgab« stellten, Unzufriedene mit sich fortzureißen, sondern den Grund der Unzufriedenheit zu beseitigen. Dort hat der Sozialismus Werke geschaffen, die die ganze Well bewundert. Die großen londwirtschaft- liehen Gcnossenschasien in Ravenno, die der heute im Exil lebende Genosse Nullo Baldini leitete, die sozialen Einrichtungen von Reggio Emilia, wo Prampolini mit evangelischer Müde als Apostel des Sozialismus wirkte, die großen genossenschaftlichen Unternehmungen von Turin und Mailand— auf oll dieses hat man es abgesehen, denn hier kommt mitten in der kapitalistischen Gesell- schast die Fähigkeit der Arbeiter zun, Ausdruck, die Produktion zu leiten, sie sind gewiffermaßen«in Vorwegnehmen der kommenden Gesellschaft. Unter diesrtn furchtbaren Sturm verliert das Proletariat weder seinen Mut noch feinen Glauben. In den großen Städten vermag es zu Anfang noch, feinen Willen durchzusetzen. Auf dem Lande stellt es oft der Gewalt die Gewott, dem Brande den Brand cnt- gegen. Um die Arbeiterkommer von Casale zu besetzen, haben die Faschisten einen mehrstündigen Kampf liesern müssen. Um in das Volkshaus von Siena einzudringen, das von den Arbeitern verteidigt wird, müssen die Schwarzhelnden den Beistand des Heeres anrufen, das ihnen durch Kanonenschüsse eine Bresche öffnet. In Emppli werden Matrosen, die das Landvolk für Faschisten hält, umgebracht. Durch lokale Streiks versucht die Arbeiterklasse, die Behörden zur Entwaffnung der Söldnerscharen zu zwingen. Aber dieser Widerstand der Massen erfolgt episodenhaft, ohne Einheitlichkeit und vorgefaßten Plan. Von der Sozialistischen Partei wird jetzt hie Parole ausgegeben, abzuwarten. Ein Aufruf des Parteivorstandes verlangt die Rückkehr zu zivilisierten Formen des politischen Kampfes. Es kommt soweit, daß sogar die reaktionäre Presse sich gegen die„benrfsmäßigei, Abenteuer" der Faschisten wendet. Der Faschismus fühlt sich von Haß umgeben. Nun erklärt sich Mussolini bereit, einen Pakt des Friedens zu schließen. (Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. imstande ist, für 28 Proz. der Bevölkerung die erforderlichen Nahrungsmittel hervorzubringen, während Deutschland trotz der Gebietsverluste nach dem Weltkrieg durch seine Bodencrzeugmsse 43 Proz. zu erhallen vermag, und verkennen nicht, daß die indu- strielle Entwicklung des Landes über zahlreiche zerstörte Farmen und vernichtete landwirtschaftliche Existenzen gegangen ist. Dazu kommt, daß seit der Einführung des Automobilverkehrs 6 Millionen Pferde und andere Augtiere zugrunde gegongen sind und 187 Mil- lionen Morgen Land, die früher als Weideplätze für diese Tiere dienten, heute öde und unfruchtbar liegen. ,, Detroitismus". Um die erstaunliche industrielle Entwicklung der Vereinigten Staaten von Nordamerika in einem einzigen kurzen Wort zu- sammenzufassen, ist von amerikanischen Schriftstellern der Ausdruck ..Detroitismus" geschaffen worden.(Detroit ist bekanntlich die Stadt, in der sich die Fordschen Automobilsabriken befinden.) Dieser Ausdruck soll alles in sich schließen, was der heutigen Well als besonders charakteristisch für das omerikainsche Leben unserer Tage erscheint, in erster Linie für die ungeheure Masse der Produktion, für den stets wachsenden Verbrauch der so geschossenen Güter und für die Prohibition. Immer höher steigt in der Union das Be- dürfnis nach reicherer Lebensführung auf allen Gebieten, besonders aber nach einer so luxuriösen inneren Ausschmückung der Woh- nungen, wie sie die vorhergegangene Generation noch nicht ge- könnt hat. Frellich übersehen selbst Amerikaner nicht die tiefen Schattenseiten dieser wirtschaftlichen Ausdehnung, wie sie sich in dem Worte„Detroitismus" verkörpert. Die rechnen dabei aus, daß die ungeheure Fläche der Vereinigten Staaten heute nur noch freitax, 22. November. Berlin. 16.05 Prosranini der Aktuellen Abteilunj. 16,30 I. Mozart; Variationeii über ein Thema von Gluck(Theopbil Demc- triescu, Tlilxell.—-. Brahms; Lieder(Irene Körner, Sopran. Am FIStel: Karl Rockstroll). 3. a) Harsanyi: Serenade; b) Harsanyi: ■Tempo di Valsei c) Blanchct: Tarantellc(Theophil Demetriesen). 17.00 Prot. Dr. Holl: UtfUchiif und GroBflnzzeus im Weltverkehr. 17.30 Uaterbaltuntainusik. Anschließend: Das neue Buch. Anschließend: Kanzertfortsetzunt. 19.00 Wezcncr: Grundzüae der Gcopolitik. 19.30„Cs war nichts." Die Erzählnng eines Reisenden von Hermann Kesser. (Gelesen vom Autor.) 20.00 Volkstümliches Orcbesterkonzcrt. 21.00 I. J. Brahms: Streichquartett C-Moll, op. 51. Nr. 1. Anschließend: Andre Gide(zum 60. Geburtstas).(Sprecher: Dieter Basser- mann.) Anschließend; Koazertiortsetzons; 2. Streichquartett F-Dur, op. 96. Nach den Abendmeldonren Bildfunk. Anschließend Abendmnsik. Köaizswustethausen. 16.00 Min.-Dir. Kaesioer: Oegenwartsrraten der Volksscbnle. 16.30 Nachmittagskonzert von Leipzig. 17.30 Dr. Franz Mayer: Chemie im tägljehen Leben. 18.00 Q. Baum: Die Bedeutung der holzverarbeitenden Industrie. 18 30 Englisch für Fortgeschrittene. 18.55 Reg.-Rat Hagemann: Einzelzweige der Teitilwirtschaff. 19.20 Wissenschaftlicher Vortrag für Tierärzte. 20.00 Singakademie: 1. Beethoven: Große Foge. B-Dnr, op. 133 für zwei Klaviere.(Franz Csborn und Hans Erich Rieben sahm.)— 2. Pergolesl: Stabat mater für Sopran, Alt, Kammerstreichorchester und Orgel(Margot Hbmenbersr-Leiebre. Sopran; Charlotte laeckel. Alt: Kar! Heinz Wischer, Orgel: Kammerstrelchorchester: Ltg.: Prof. Walter Omeindl). 21.00..Hier spricht Berlin." Mitw.: Edith Braun, Herbert Gunther, Wolfgang KHz«. Die Riesen luftkamera. Nach mehrjährigen Versuchen ist es nunmehr gelungen, einen photographifchen Apparat zu konstruieren, mtt dessen Hilfe man vom Flugzeug aus laufende Aufnahmen ausgedehnter Gelände vor- nehmen kann. Der mannshohe und 130 Pfund schwer« Apparat ist derart gebaut, daß er nicht nur ganz selbständig photographiert, sondern bei jeder einzelnen Aufnahme auch Tageszeit, Datum so- wie die Höhe, von der aus die Aufnahme ausgeführt wurde, genau registriert. Die kloin«n Flugzeuge, in die die neue Luftkamera ein- gebaut wird, zeichnen sich dadurch aus, daß sie besonders ruhig fliegen. Eine Mädchenhändlerjagd. Der Warschauer Polizei gelang es, zwei Mitglieder einer längst gesuchten Bande von Mädchenhändlern sestzunehmen. Die beüen Gauner, Ludwig Molinowski und Stanislaus Krosucki, hatten sich als„Polizeibeamte" legitimiert und unternahmen ,n einem War- schauer Hotel in einem Zimmer, das von zwe. aus der Provinz zugereisten Damen bewohnt war, eine Revision: diese Gelegenheit sollte benutzt werden, um die beiden Frauen zu verschleppen. Ein Hotelgast, der zufällig Beobachter diese? Vorfalles war, schöpfte Verdacht und verständigt« die Polizei, bei deren Erscheinen die beiden Eindringlinge schleunigst die Flucht ergriffen. Nach eine«. Jagd durch die Hallen des Hotels konnten die Burschen ersaßt unö in Polizeigewahrsam gebracht werden. Amerikanischer Sportenthusiasmus. Wie in den Vereinigten Staaten durch eine Umfrage bei 139 Colleges festgestellt wurde, läuft der Sport der Wijsenschajt immer mehr den Rang ab. Rur 25 Hochschulen haben für Sport einen niedrigeren Etat als für Wissenschaften, bei allen anderen Colleges werden für sportliche Zwecke bedeutend größere Summ«., ausgegeben als für Wissenschaften. 49 Proz. aller Colleges gewähren Freistellen nur an tüchtige Sportsleute, die überdies noch Taschen- gell» für ihre persönlichen Ausgaben erhallen. Es ist durchaus nichts Sellenes, daß Universitätsverwallungen förmlich Schüler, die sich im Sport hervorgetan haben,„keilen", um sie für ihre Unioersiiät bzw. deren Sportmanirschast zu gewinnen. Märchen, Der Lehrer liest den Kleinsten der Kleinen ein Märchen vor und erklärt ihnen dann den Begriff von Märchen. Dann fragt er: „Wie nennt man also eine frei erfundene, fast unglaubliche Geschichte?" Antwortet Anton:„Eine Stcuerbilanz. Herr Lehrer!" (Aus dem„Wahren Jacob".) U�jor/ünoloßziel •ARBEtTEH WSSBALL Spiele am 24. November. Am kommenden Sonntag finden folgende Serien spiele statt: Im Neuköllner Stadion, Platz 7, stehen sich Neukölln und Karow gegenüber. Germania-Pankow und Luckenwalde II spielen in Pankow, Andreas-Hofer-Platz. Oberspree erwartet in der Wühl- Heide Hoppegarten. Einen harten Kamps wird es im Köpenicker Stadion geben. 5?ier trcssen sich Schweisstcrn und Treuenbrietzen.— Weitere Spiele: Luckenwalde V gegen Luckenwalde III. Ruhlsdors gegen Brandenburg. Kladow gegen Herzfelde. Vorwärts gegen Werder. Reinickendorf gegen Spandau 25. Trebbin gegen Saxonia.— Zweite Mannschaften: Neukölln gegen Karow. Obcrspree gegen Hoppegarten. Kladow gegen Herzselde. Spandau gegen Vorwärts.— Jugend: Lichtenberg I gegen Lichtenberg II. Spandau gegen Rathenow. Vorwärts gegen Ketzin. Werder gegen Brandenburg. Wcißenfec gegen Eiche-Köpenick 2. Wansdorf gegen Neukölln. Spandau 2 gegen Vorwärts 2. Schöneberg gegen Lichtem berg II 2. Saxonia gegen Eichc-Köpcnick. Beginn der Spiele: Erste Mannfchafien 14.30 Uhr. Zweite Mamifchaflen 12.45 Uhr. Jugendmannfchaften 10 Uhr. * Der JJB. Neukölln 28 wünscht zum Sonntag. 24. November, aus eigenem Platz Gegner für die 3. Mannschaft. Eilangebote an R. Apstein, Neukölln, Böhmische Str. 27, oder telephonisch heut« Freitag, 20 Uhr, I' 2 0004. » Fuhballsparte 1. Bezirk. Sonntag, 24. November, 10 Uhr, findet bei Wcgener, Frankfurter Allee 230, eine Lereinsdele- gierte nkonsercnz statt. Alle Vereine haben ihre Delegierten zu entsenden. Zu erscheinen haben folgende Vereine: Borussia, Eiche-Köpenick, Herzfelde, Hoppegarten, Lichtenberg I, Lichtenberg II, Oberspree, Oststcrn, Neukölln und Schweifsterne. €* „Arbeiier-Sporiverein Neukölln Gt ündungsvcrsammlung der Ausgeiretencn. Dieser Tag« fanden sich das erstemal die ausgetretenen Mit- gliedcr der kommunistischen Freien Turnerschaft Neukölln zu einem Zusaimnenturncn in der Turnhalle Rütlistratze ein. Es war ein voller Erfolg für die bundeetreuen Ausgetretenen, saßt« doch die Halle kaum die Zahl der Erschienenen. Besonderen Anklaikg fand die moderne Gymnastik(Wigman-Schule). Anschließend an den ge- meinsamen Turnabend sand die Gründun gsversammlung des„A r b e i t e r- S P o r t v e r e i n s Neukölln" in der Ideal- klaus«, Weichselstraße,'statt. In den Vorstand wurden gewählr: Vorsitzender: Rudolf Schenk, Neukölln, Oterstr. II; Kassierer: Oskar Kroll, Neukölln. Jägcrstr. 0?! Schristführer: Franz Wickel, Neukölln, Mahlower Str. 18: Vereinetnrnwart: Willi Engel, Berlin-Lich'en- berg. Köpenicker Chaussee 27. Der Verein verfügt über genügend gute Techniker, so daß jedem Arbeiter und jeder Arbeiterin die Möglichkeit gegeben istj Leibesübung«» in jeder Sportart innerhalb des„Arbeiter-Sportverein» Neukölln" zu treiben. Der nächste noch gemeinsame Turnabend sindet Montag, 25. d. M., 20— 22 Uhr, in der Walter-Rathenau-Schule, Boddiirstraße, statt. Anmeldungen werden auf der Halle und bei den Vorgenannten entgegengenommen. ,�Vien � Berlin I" Schwerathielik am Sonnlag. Der Länderwettkampf im Gewichtheben Wien- Berlin, der von den bundestreuen Arbeiterathleten o,n Sonntag. deni 24. Nov., 1ö Uhr, in Tempels F e st> ä l e n, Friedrichssekde, Prmzenallee 45, stattfindet, stellt ein für Berlin neues Sportereignis erste» Ranges dar. Die Mannschaft aus Wien ist ein« Auswcchlnmmi- schaft, in der jeder einzelne ein Meister seiner Klasse ist. Der Wiener Lcppelt wird versuchen, die bestehenden Schwergewichtsweltrckordc im ein- und zweiarmigen Reihen zu überbieten.'Aber auch die Berliner Mannschaft, die von Lichtenberg-Friedricheselde 04 e. V. gestellt wird, muß als die beste von Deutschland angesehen werden, da sie bereits seit fünf Jahren unbestritten deutscher Meister ist. Jedenfalls ist der Landerkampf mit Wien der schwerste Kampf, den der deutsche Bundesmeister am Sonntag zu bestehen hat. Wer als Sieger hervorgehen wird, läßt sich im voraus nicht jagen, denn beide Mannschaften befinden sich zurzeit in Höchstform. Wien geht mit folgender Mannschajt an den Start: Leppelt, Schuster, Gall, Heinzmann, Müller, Jonate und Kinasberger, Mann- schastsführer Adolf Neuwold. Von Lichtenberg starten: Kehr, Walloschek, Schulz, Jordan. Ehrhard, Krüger und Poekern, Mann- schcistsrührer Karl Ruth. Unparteiisches Schiedsgericht: Adolf Neuwald- Wien, Karl Haushakter-Magideburg und Hei mann Fischer Berlin. Die Wertung erfolgt nach Punkten und den Bestimmungen des Arbeiter- Athleten Bundes Deutschlands. Der Ländeiwcttkamps wird von einem großen Beiprogramm umrahmt. Die besten Boxer und Ringer des Berlin-Brandenburger Kreises im Arkeiter-Athleten- Bund werden ihre Kräfte messen, und die Arbeiterartisten bringen ein erstklassiges Programm. Fahrgelegenheit: Straßenbahn 69 und 70 bis Friedrichsfelde-Kirch«, Stadtbahn bis Bahnhof Lichtenberg- Friedrichsfelde. In Tegel ist Elternabend! Als im Jahre 1918 das Kinderturnoerbot für Arbeitersport- vereine siel, schössen die Kinderabteilungen wie Pilze aus der Erde hervor. Im Jahre 1919 gründete die„Freie S p o r t v e r e i n i- gung Tegel 1899 e. V." ihre K n n b e n- und M>i d ch e n- a b t e i l u n g. Stets auf Nachwuchs für den Verein bedacht, gingen die Funktionäre mit Freude an die Arbeit. Im Jahre 1928 ging jedoch die Spaltung auch an der Kinderabteilung nicht ohne Schaden für die bundestreue Bewegung vorüber. Fünf Kinder blieben dem Verein von seinem Nachwuchs. Ei»-Jahr später, nachdem„reoolu tionärc" Unorganisierte den Verein gespalten haben, steht die Kinder- nbtcilung an ihr-m 10jährigen Geburtstag stärker denn je da. Nur der Gedanke an den Sieg der bundestreue» Bewegung konnte dieses Werk schaffen. Und so ladet die Freie Sportvereinigung Tegel 1899 c. V. die sreigewerkschastlich organisierte Arbeitnehmer- schaft und alle Freunde des Arbeitersports zum Elternabend und 10jährigen Geburtstag der Kinderabteilung ein. Gezeigt wird Turnen, Spiel, Gymnastik und Ringen. Di- Veranstaltung findet Sonntag, 24. November. 17.30 Uhr, im Strands chloh Tegel, User- praße, statt. Eintritt 30 Pf. v Eine Absage. Norwegen trennt sich von Moskau. Der dieser Tag.' abgehalten« Kongreß des der Roten Spor>- internationale angehörenden norwegischen„Arbeidcrnesidrcltifvrbund" stand zeitweise stark unter dem Zeichen der Arbeit- der„Neukommu- nistischcn" Partei. Diese Partei hatte, obwohl der Sportbund der Moskauer Sportinternationale angehört, in ihm-ine fanatische Fraktionsarbeit getrieben. Der Vorsitzende der kommunistischen Par- tei hielt auf dem Pongrcß eine Begrüßungsrede, die eine einzige Hetze gegen die norwegische Arbeiterpartei und sozialistische Arbeiter- sportinternationol« war. Entsprechend dem Betragen des Parteivor- sitzenden traten auch die übrigen anwesenden Parteimitglieder auf. Gejohle, Geschimpfe uird Geschrei waren ihre Taten. Der Mab auf der Galerie wurde angeführt von sich hysterisch gebärdende»„Sport- lerinnen". Auf diese Art wurde vielen Delegierten, die der Be- Handlung politischer Dinge im Sport abgeneigt waren, von kom- inunistischer Seite praktischer Unterricht erteilt. Die'Auswirkungen waren dergestalt, daß der Kongreß bei der Wahl der Ver- b a n d s l e i t u n g(14 Mitglieder) keine Komwuniften wählte. Einen breiten Raum in den Verhandlungen nahm die Stellungnahme zur Roten Sportinternationale ein. Die RSJ. war vertreten durch Kaplan- Moskau. Eine kommu- mftisch« Resolution mit der Beschimpfung aller, die nicht blind auf Moskau schwören, fand keine A n n a h in e Dagegen wurde mit 128 Stimmen gegen eine schwache Minderheit eine Entschließung angenommen, die in ihreni entscheidenden Absatz besagt: „Parolen und Weisungen, der Roten Sporlinlernalionale. die. den ASV. in Gegensatz und kampsslellung zu unseren übrigen Klassenorganisationen, der norwegischen'Arbeiterpartei»nd der Gewerkschaftsorganisation, bringen, können wir nicht befolgen." Diese Absage an die Rote Sportinternationale läßt an Deut- lichkeit nichts zu wünschen übrig. Kaplan protestierte vor der Ab- stimmung gegen die eingebrachte Entschließung. Er nannte den Vor- schlag„unrichtig" und„unannehmbar", er bedeute einen Bruch mit der RSJ. Da hatte der Mann allerdings recht! In einem weiteren Beschluß wurde die seste organisatorische Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften und der norwegischen Arbeiter- parte! festgelegt. Die Niederlage der Moskauer Sportinlcrnatio- nale in dem ihr sehr zugeneigten norwegischen Arbcitersportbund ist mit eines der klarsten Beispiele für die Unfruchtbarkeit der Mos- kauer Arbeit. Benny S i n g.c r verpflichtet, der kürzlich im Spichernring dem Dortmunder Boja«inen heldenhaften Kampf lieferte und auch gegen Scifried seinen Mann stehen wird. Camera bekornrni Konkurrenz. Der belgische Manager Premont hat in der Umgebung von Brüssel einen zweiten Carnera entdeckt. Es handelt sich um einen 22jührigen Landwirt namens Jeff Smits, der 2,14 Meter groß und 230 Pfund schwer ist und dessen Spannweite der Arme mehr als 2,20 Meter beträgt. Premont hat den neuen Mann bereits in die ersten Geheimnisse der Boxkunst eingeweiht.— Danach besindcn sich also die Boxmanager aus der Menschenjagd und nennen ihre Beute . Sportler"! Eishockey im Sporipa'asl. Nach den Engländern werden morgen, Sonnabend und Soiu tag, gleich zwei auswärtige Gegner im Sportpalast erwartet: d r tschechische Meister L. T. C. Prag und Bay-rns Meistermannschait Sportklub R i s s« r s e e. Diesen werden sich der Berliner S ch l i t t s ch u h k l Ii b und eine Auswahlmannschaft des Brau- d-nburgischen Cissporivcrbaudes entgegenstellen. Es werden also an jedem Tage zwei Kämpfe hintereinander stattjinden. Beginn Sonnabend 20 Uhr, Sonntag 16�' Uhr. Die Eisbahn wird am Donnerstag und Freitag wegen des stattfindenden Boxkampf«» geschlossen gehalten. Der tägliche Eislaufbetrieb beginnt wieder am Sonnabend vormittag 10 Uhr. Kleiner 5port. T»rileri»iiHi�ui»S tiir Sporlgei&le. Den fortgesetzten Bemühungen zahlreiches Sportverbände ist es jetzt oeluiigen, bei der Reichsbahn eine T a r! f e r in ä ß i g u n g bei der Besörderung von Sportgeräten zu erwirken. In einem an den Bund Deutscher Radfahrer geuchtcien Schreiben teist die Deutsch« Reichsbahngesellschoft mit, daß die ständig« Tarif koimntssion beschlossen hat, die Abfertigung von Fahrrädern Faltbooten, Schneeschuhen und Rodelschlitten aus Fahrradkarte auch auf Enlfernungeu von 151 bis 250 Kilomeler zuzulassen. Die neue Bestimmung tritt am 1. Dezember in Kraft. Dadurch wird bei größeren Reisen eine Ersparnis bis zu 40 Proz. b-i der Beförderung von Sportgeräten erreicht. Dermet verletzt. Die Leitung des Sportpalastes ist gezwungen worden, für de" am heutigen Freitag ftatlfindeiiden Boxabend eine Programm änderung vorzunehmen, da der Belgier D e s m e t. der gegen den deutschen Weltergcwichtsmcister Seifried kämpfen sollte, sich im Trai- ning die Hand gebrochen Hat. Als Ersatz wurde der Amerikaner Merdstkämpte des Freien Kegierbundcs. Der zweite Tag der Einzelkämpfe brachte bei starker Beieiliguv.g in Gruppe.1. wieder vortreffliche Leistungen. Nachstcheudc Spitzen- ergelmisse sind zu melden: Krümmel(Olympia) 733, Koch (Schemel) 733, Julius Wieland(Olympia) 730, P. Bode!(Schemel) 729, Seth(Schemel) 728, Jodenschmager(Herz 20) 727, B. Wieland (Olympia) 725, Werner(Hohe Kante) 725, Laborius(Glatl? Bahn) 724, Eriwitz(Schemel) 723, Brase(Frei weg) 723 Holz.'Am kommenden Sonntag nehmen die Kämpfe für die Gruppe.5 in der Sporthalle Bötzow und für Gruppe D in der Sporthalle Beelitzhos ihren Fortgang. Generalversammlung des Kartells. Laut Beschluß des geschäftsführenden Ausschusses findet die Generalocrsammlnng des Kartells für Arbeitersport und.Körper- pflege am 15. Dezember, vormiltags 10 Uhr, im„Klubhaus", Ohm- straße(Nähe Bahnhof Jannowitzbrücke) statt. Die Zuteilung der Zahl der Delegierten auf die Bercine und Abteilungen findet in der Sitzung des Geschäftsführenden Ausschusses am Donnerstag, dem 28. November, in der Schule Steinstr. 31/34 statt. Der Vorstand, I. A.: R. Oclilschlügcr. Arbeiier-RIololradjahrcr!'Am Freitag, 29. November, findet im Lokal von Schreiber, Triftstraße 03, eine Zusammenkunft aller in den Staditeilen Noi-den-Wcdding und Moabit wohnenden Motorradfahrer statt, die Interesse an einem Zusammenschluß im Arbeiier-Rad- und Kraftsahrerbund haben. Die Gründung einer Krastfahrerabteilung soll beschlossen werden. Zuschrifien sind an August Wöllmer, Kameruner Straße 19, zu richten. 5oi!tif(cn»e»cin„Die Ratursreundc", zentrale Wien.?Ibt. Cdarlotlcnl"--»: lkreitaa, 22. Rovemder, AI Uhr, SvrccNr. 30, Unterhalt, liiasanend. Mit wütende: Hiinflina-Ouartett, Ecnoslr Pool ü»at in- und aueliindisri-e lüdcr.--übt. Eiidast: FrcUan, Sioucmbcr, 20 Uhr, Brihcr Sit. 27, Licht- Nilbrrotu'rna.-«bt, Tr-epton-: ftveitan, 22.;>!onciiUier, 20 Uhr, t lfenfit. 3, ■Zirtfd.cftsrollf if,— Faltbootabtctlnna!-Vctitan, 22. November, 20 Uhr. Brihrr Strohe 27, zllle. Abend.— Abt. SlcuiiiUn; ltceilon, 22. Nooemder. 2.0 Uhr, "hiRbafcnftr. BS. S'ottron:..Aus dem Leben eineo Soiialisten". Nefercnt:?r. 2'2.rr SchiUte.— Abt. Wcbbini,: Itrcitoii, 22. November, 20 Uhr, Soesir.->. L-oriraq:„Lebensreiorm".— Abt. SStifc: Frei loa, 22. Rovemder, ji Uhr, Chanssreslr. 84. STortron:„Sozialismus"(ll>.— Abt. Lichtenrade! Srcilsii 22. November. 20 Uhr, bei Drhiai», Nahnhof. Eile tevNrstrajie. ÄNrostor'iich.-c -Abend.— Photoaen-einIilKtt! Niontaa, 25. Nooember, 2U Uhr.!Zrantr»rtcr Aller 307. Aorlrao:„A om B>«bro»ch elektrischer Lichtquellen".— Mallnirst- acmeinichatt: iviontaq. 26- November. 2« Uhr, Wranqelstr. 128. Psythoioaisches Portrö.- Jnacnbiressrn in Briesklanq am Sonnahend, deni 23. Novrmdrr. . Solidarität". Abt. Neihcnsee-Seinersdort. Die Abtciluna seiert Sonnabend, 2S Novcmber, in Lössels gestsälen, Lanqhanoslr. lW, ihr.Serlistverqniig-n, verbunden mit einer Ehrnna der Iubilare.?a die Arbeitcrradiadrer sich der -'-arte! lind den Gewerkschaften zur Pcrfltanna stellen, ist der Besuch dicsrr Veranftaltima alle» Partei» sowie tSewertschaktsklenosten und den Frcundrn der Arbeitcrsportbcwrauna zu empfehlen. An olle Ableilunno»»od O-ts- arnpnen GroIi-Berlin»I Sonnlaq, 12.?o»uar, ist sreizuhalten von allen Ver» anstaltunae» und Ausfahrten. Näheres neht de» Abteiunqen resp. Orts. qrnpprn schriftlich 3U. Am schwarz-weisen Breit, Die Bußlagsveranstal- lurig der bundestreuen Freien Arbeiter- Schach- Ver- einigung Groh-Bcrlin im Gewerkschaftshause war sehr gm besucht. Bei Beginn der Weti- kämpfe war der große Saal bis auf den letzten Platz besetz!. Der Vortrag des Schachfreuiides Robe! t O-ischiäger über„Lachscheich" wurde häusig durch heiteren Beifall unter- brachen, der sich am Schluß seiner cinstündigen hmnorooilen Dcmon stratian zu stärksten Lachjaloc» steigert«. Be, Blitzturnieren und Freundjchaflstümpjen blieben die Unentwegten noch bis zum späte> Abend beisammen. Nach hartem, zähem Kampfe ergaben sich folgend» Resultate: Luckenwaide gegen A b teil im g Wei ßenfce 2'A; 7 1 1 Punkte, Fürstenwalde gegen Hum- doldthain- Pankow 4: k Punkte, Nownwes-Potrdam gegen Treptow 3: 10 PuMe, Berliner Gäste gegen Mitglieder 12: 18 Punkte. Be sonders hart war der Kampf Nord gegen Süd, der an 41 Breiter» zur gleichen Zeit ausgetragen wurde Nach fast dreistündigem Spiel tonnten die Mteiluiige» des Südens den Kampf»üt 20 zu 15 Punkten für sich entscheide». Die Simultairspieler Engler, Karl und Wurzeldorf konnten mit hohen Resultaten die Kämpfe für sieh entscheiden. lim den Gästen und Interessenten Spielgelegenheit zu geben, veröffentlichen wir die Lvkalc und Spielabcnde der bundestreuen Abteilungen Groß-Berlins. In allen Abteilungen Spielbeginn ?0 Uhr, Unterricht für Anfänger frei, Gäste willkommen. Es spielen Montag und Mittwoch: Friedrichshain, Straßmannstr. 42. bei Albrecht. Dienstag: Memcl, Memeler Str. 10, bei Lücke! Grünau, Gemeinfchaftshaus, Gutshof Falkenbergz Humboldthain, Brunnen- �rbeiter-Schadispieler im Gewerkscbattshaus. straße 79, bei SöHIing; Pankow. Berliner Ecke Prinz-Heinrich-Str., bei Kober-, Moabit, Zlit-Moabit 13, Eafö Streng: Friedrichsfclde, Gndrunstr. 7, bei Tempel. Donnerstag: Kreuzberg- Planufer 75/70, bei Krepp: Treptow, Elsenstr. 100, bei Döhling: Westend, Charlotten- bürg, Sophie-Eharlotte-Str. 88: Lichtenberg, Wüihllschstr, 30, bei Hützel: Prenzlauer Berg, Senefelderstr. 9, bei Vollmer: Neukölln, Boddinstr. 10, bei Grimm. Freitag: Mitte, Zionskirchplatz 11 Ecke Swinemünder Str., bei Ebertus: Wedding, Müllerstr. 20, bei Herms: Weißensee, Berliner Allee Ecke Lehderstr.� bei Gallas. Sonntag vor- mittag 10 bis 13 Uhr freier Schachverkehr Zionskirchplatz 11(Ab teilung Mitte). 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Die Flacht vor der Liebe mit Jenny Ju£o Das Geheimnis der Höllenscfalacht mit Hooi Gibson D Frlearichstatft B Die Kamera Unter den Linden 14 Carlos und Elisabeth D. Abenteuer des Prinzen Achmed Passage-Lichtspiele Unter den Linden 22(Passage) Das große Lichtspielhaus der City Beginn ab 2 Uhr Zentrum 6082 Gehefmniue Im Schlstwagen Frühlingserwachen nach Wedekind Wcidcnhof-Lichtsp. An der Weidendammbrücke Friedrichstr. 136 Woch. 12, Sonnt 3 U Die Liebe der Betty Pattcrson Die Lady von der Strafe KINO PROGRAMM für die Zeit vom 22. bis 25. November Moabit Artmhot-Lichtspielc Film- und Bühncnschau Pcrleberger Sir. 29 und Stcndaler Str. Da* Schiff d. verlorenen Menschen Narkose mit Atrcd Abel, j. Trcvor Bfihnenschan ffinst Woch. 5.45, 7. 9 05 W elf-tvino Stgs. 3. 5. 7. 9 Uhr Alt-Moabit 99 Men'xhenarsenal Das Geheimnis der Hdllenschluchk Schlüter-Theater Schlüterstr. 17 W.6.30.9U. Stg.5U,Jg.3 Pai und Patachon als Kannibalen Vater und Sohn m. Harry Llcdtkc Atrium Beba-Palast Kaiseralice, Ecke Berliner Straße Wochent. 7, 9.15, Sonnt. 4.20. 7, 9.15 Vorverk: II— 2 u. ab 5, Stgs. ab 3 Käthe v. Nagy: UnKbuId Auf der Bühne: Alice Hediy. Gnstav Heppner W»chöneberg> Alhambra Belw�qv- Schöneberg, Hauptsir. 30 Sdiicksalswürfel m i t Himanso Rai Unterwelt mit Charlie Chaplin Bühne: Indische Schlangentänze Jugendl che haben Zutritt Titania(ufa Ä;ber<) Hauptstraße 49 Beginn ab 620 Uhr Sein bester Freund m. Harry Fiel Die Grenzflieger von Texas Friedenau> Friedenauer Lichtspiele Kalserallee 111(hundertelf) Wöchig. 6.30, 9 U., Sonntg. 6, 8. 9.15 U 3 U. Jug. Der Sittenrichter,$ 21S Der Millionenschatz unter dem W olkenkr atzer Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 W. 6,30. 9, Sonnt ab 5 U. Totensonntag 6 U. Der Günstling von Scfafinbrunn mit Lil Oagover, Iv. Peliovich Beiprogramm g Sf9Ht.■ Titania-Palast Steglitz, Schloßstr 5. Ecke Gutsmurhsstr. W. 620, 9, Sonnt. 4, 6 30, 9 U. Die Königsloge mit Alex. Moissi Der lOOproz. deutsche Sprechfilm Südwesten J Süden Th. am Moritzplatz Beginn. W. ab 5 Uhr, Stg. ab 3.45 Uhi F. Wedekinds: FrübllngscrwacheB Die Verbannten Osten I Marienderf Kf—|{ Manendori« r Lichtspiele i 10-L.I Bfihncnscban Chausseestraße 305 Stg. J Uhr jug. V Der Günstling von Scbönbrunn mit LH Oagover König Cowboy mit Mix Südesten FUmcck ßeginn:WiitiSrr Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Der Welt größter Tonfilm: The singing Fool mit AI Jolson Jugendliche haben Zutritt! Luisen-Theater Reichenberger Str. 34 Bühncnschau Die Dame von der Strafe mit Lope Velez Urania-Theater"'Sw'1 Wrangelstr 11, Köpenicker Brücke Woch. 7. 8 und 9 Uhr. Stg. 3. 5. 7. 9 Uhr Die Verbannlen(Russenfilm) Der tolle Ozeanflieger Varleitschan Neukölln Primus-Palast Hermannplatz Beginn 7, 9,15 U., Sonnt, ab 4,45 U Die Lady, von der Strafe Auf der Bühne: Gue Tsang-Tnippc, chines'iche Sportspiele Gis Kleinkunstbühne Louise Kieler, die neunjährige Pianistin Kukuk Beginn 4' und 9 Uhr Kottbusser Damm 92 The singing Fool mit AI Jolson (Der singende Narr) Tonfllmbetprogramm jugendliche haben Zutritt Fiim-Paiast Kammersäle Teltower Str i Bühncnschau Der Günstling von Scfaönbrunn mit Lii Dagover �'Ir halfen fest und treu zu- summen Beel u. Steak Excelsior Be�n 4»uhr Kaiser-rriedr.-Str. 191 The"inging Fool (Der singende Narr) Tonfilmbciprogramm Jugendliche haben Zutritt Stern, Hermanmlrafje 49 Beginn 4. 6,30 und 9 Uli' Tbc slngfn«* Fool mit AI)o!son (Der singende Narr) TonfilinifreipTo.lramm Jugendliche haben Zutritt Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochentags 6 Uhr, Sonnabd.S�Uhr, Sonntags 3 Uhr § 173, Blutschande mit O. Tsdhechowa, Walter Rilla Auf der Bühne: Die russische Kleinkunstbühne: Arlckin Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Hochverrat mit G. Maurus, G. Fröhlich Der Cowboykönig mit Tom Mix Auf der Bühne: Kascrnenhofblüten, 6 Mitwirkende Concordia-Palast Andreasstraße 64 Bühnenschau Der Millionenfilm: Die Arche Noah Auf der Bühne: Ch. Chaplins Oonpclgönger Jugendliche haben Zutritt Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70 Krieg im Dunkeln mit Greta Gai ho Die fa�d nadi der Erbschait Bühncnschau W WiederstköweweHle W Elysium Hasselwerderstraße 17 Varieldsdjiu Giftgas Revue: Nschflidiier von Berlin FricdricHsrelö� 1 Kino Busrh Rsßinn täguch I\I21U l�UdUli 7 und<.4aUii' -Mt-Friedrichsfelde 3 Submarine(Tragödie U 44) D. Dame hlnEVorbang m. Novarro Mot-tiöstara'|| „Elysium" l-renziauer Allee 56 S 3,15 jug.-Vorsi Zwischen 14 und 17 Bühne: E. Offeuey und ihr Ballcli Norden Weiaenaea 3 Alhambra Müllerstraße, Ecke Seestraße Die Strafe der verlorenen Seelen mit P. Ncgri Bühne: Perlen der Musik Colosseum W'KS. ab 5.30Uhr Schönhauser Allee 123 Stgs. ab 3 Uhr $ 173, Blutschande mit O. Tscfaechowa Bühne: Bruno Kastner filmt mit dem Publikum £lektra«Pala$t Wiesen-, Ecke Köslincr Straße Frühlingsrauscfacn mit W.Dieferlc Bühne: Grohe Revue:„Ladhgas" Gala-Lichthühne Usedomstr. 14 Am'. 6, 6 30. S. 5, 7, 9 U. Um Frauen'und Geld mit W. Rilla Dulderin Weib mit Maria Corda Noack's Lfchispielc Brunnenstraße 16 Wtg. 5U., Stg 4 U. Stgs. 2 U. Jugend v. Der Günstling von Scfaönbrunn mit Lil Dagover Mcnschcn-Arfenal Pharus-Lichtspiele Müllerstraße 142 W. 5'/« U. Stg. 4 U Stg 2 U. jugendvorstell Die Docks vovi New York mit Bancrofl -Sein Herzens/unge mit Rud. Sdsltdkrant Prater-Lichlspiel- Palast Kastanienallee 7-8 Bühncnschau Die Konkurrenz platzt mit Liedtkc Detektiv aus Liebe m. W. Falrbadcs Ausst-Revue: Das ist richtig Schloßpark Film- Bühne Berliner Allee 205— 210 Varietescbau Die Strafe c!cr verlorenen Sccler mit Pol« Ne�ri Vogcltrcl rtiil Tom Mi* „Riaito" Film u. Bühne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Jenseits der 5ira£n mit Lissl Arna Erpresser mit Anny Ondra Bühnen schau fl Gesundbi-uranen> „Alhambra" Badstraße 58 Bübncnsdiaa Vaterund Sohn mit Harry Liedlke Beiprogramm— Bfibnensdian Ballschmicder- Lidhisp. Badstraße 16 Grobe Bühncnschau Die Konkurrenz platzt mit Harry Liedtkc, M. Corda Der Günstling von Scbönbrunn mit L. Dagover, Peirovicfa Humboldt-Theater Badstraße 16 Bühncnschau Die Frau im Talar mitFr. Kortner Das Minarett des Todes Kristall-Palast Prinzenallee 1—6 Grogc BOhnerucbaa Sein bester Freund mit Harry Fiel Beiprogramm Pankow 3 Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Bühnen* rF/"i W. 6.30 U-, Stgs. 4 U. Der Günstling von Scbönbrunn mit Lil Dagover �5" MleöericHötiiiiautew � Film-Palast S.esSäo.en Blankcnburger Straße-» V7. 6.30, 9 TT. Stg, 4.30. 6.45, 9 J, Andreas Hofer Die Dame in Schwarz rege! Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 30 Bühnensibau W. 6, Stg. 4.30 U Kolonne X mit R. Sebönzcl Im PralcrblüVc■»iederdiefläume Filmpalast Tegel Bahnhcfstr. 2 W. 6, 8 1.2, Stg. 4' 1, 6' 2,d 4 Die Nacht nadi dem Verrat § 173, Blutschande Union-The ater Hauptstraße 3 Beg. Wtg. 3 U. Stg N".3> T cu felsreporicr mit Eddie P«#Io R:n-Tin-Tin*s MIUic.ncnhalÄband KfelR&gkesicloiriF�gts 1 Bürgcrgartcn-Lichisp. Hauptstraße 51 Fl!m-u. Bühnensdsau § 173, BI«fsci>andc mit O. Tsthechova Schwaizwaldmc�el rnitlitne Kai4