Morgenausgabe Nr. 549 A 276 46.Iahrgang «ältniffla)«P,. moaiifi« I�OSL tm ootflus zahlbar� Poftdezuz 02 SR. •tnldjliefeltd)(SO PsR.Pl>ftz«itu»g»»»st T2?fa Poftbestellgedühr«». Ausland» •tonnemenl 6,— M. pro Monat, S«t.Botatrtf*«Ich»«»achtnt»» »ch zweimal. Sonntag»»nd Montag» einmal, die Adendau, gaben für Lerlia und Im t)ondel mit dem Titel.Der Abend' Illustrierte Beilagen.Boll «nd Zeit' und.Äinderfreund'. Ferner .Unterhaltung und Wissen"..Frauen. stimme".Technik".Blick in die Bücherwelt" und»Iugend-Borwärt»" Vevttnev Vvttsvßatt Sonnabend 23. November 1929 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswäris 15 pf. Ott c t■ f f• 1 1 1 f• NonparetllezeU» 80 Pfennig. ReName�etl» 5.— Reich»» mort„Klewe Aazeigev' da»«ettg». druckt, WoN 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckt» Worte)»ede» weiter» WoN 12 Pfennig Stellengesuch, da» erst, WoN 15 Pfennig, lebe» welter» WoN Ii» Pfennig Wone üb»» 15 Buchstaben züdlen für zwei Worte ArbettsmarO Zeile SO Pfennig. Familienanzeigen Zeil» 40 Pfennia. Anzeigenannahme tm�auvt. «eschäft Linbenstroß» S. wochentägltch ovo St/, bis 17 Uhr. Jentsalorsan de« Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 252—297 Telegrarnm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 37 SZK.— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten. Wallstr. 65. Dt. B. u. Disc.-Ges., Dcposttenkasi« Lirrdenstr 3. Agrarprogramm der Ziegierung. Hochfluiwelle von Zollerhöhungen im Kabinett abgewehrt. Die Reichsregierung hat fich an» Freitag mit de» Agrarzollpläneu befaßt und endgültig che Programm festgelegt. Gegenüber den gestern im„Vorwärts" mit» geteilten Plänen des Reichsernährungsministers bringt dieses Programm nicht unwesentliche Ver» bessernuge«. An Stelle der starren Zölle sollen im Zukunft gleitende Zölle für Roggen und SBeizen in Höhe von 5, 7 und 9 Mark bzw. 5,50, 7,50 und 9,50 Mark treten. Der mittlere Zollsatz von 7 Mark bzw. 7,50 Mark soll solange in Kraft bleiben, als sich der Roggeuprei» in der Grenze von 22 Mark bis 24 Mark. und der Weizenprei» in der Grenze von 25 bis 27 Mark bewegt. Unterschreiten Roggen- und Weizenprerse die Ilntergrenze, so soll der Zoll auf 9 Mark bzw. 9,50 Mark erhöht werden. Hier- über haben wir bereits gestern berichtet. Eine entscheidende Verbesserung gegenüber den gestern mitgeteilten Plänen wurde jedoch dadurch erreicht, daß bei lleberschreiwng eines Roggenpreise» von 24 Mark und eines Weizenpreises von 27 Mark je Doppelzentner der Zoll unter die bisherige höhe und zwar ans 5 Mark ermäßigt werden soll. Für den Augenblick bedeutet dies« Neuregelung ein« starke Zollerhöhnng. Auch du Sozialdemokratie erkennt an, daß die gegenwärtigen Gctreideprerse verhältnismäßig niedrig sind und daß eine Stabilisierung der Gctreideprerse auf angemessenem Niveau erwünsch» ist. Durch die Ermäßigung des Zolles auf 5 Mark, wenn die Preise ein« gewisse Höhe überschreiten, soll «lue übermäßig« Get er idebe rteuerung verhindert und ei» gewisser Berbrancherschwtz in die Renregelung eingeschlossen werden. Durch«in« stabile Festsetzung de« Einfuhr- scheine« ans 5 Mark bzw. 5,50 Mark soll außerdem verhindert «erden, daß der Handel da« neue Gleitzollsystem zu unerwünschten Spekulationen mit Einsuhrscheinen ausnutzt. Die Bedeutung dieser stabilen Festsetzung der Einfuhrscheine auf 5 Mark darf nicht unter- schätzt werden, denn nur sie verhindert eine übermäßig« Zoll auswirkung und ein Ansteigen der Einfuhrscheinverlust« ins Un- gemessene. Ein weiterer Erfolg vernünftiger Agrarpolitik ist mit der Neufestsetzung des Verhältnisses von Mehlzoll zum Getreidezoll zu erblicken. Gegenüber emem bisherigen Mehlzoll von 14,50 Mark soll m Zukunft bei einem Getreidezoll von 5(5.50) Mark der Mehlzoll auf 11.25(12) Mark, bei einem Getreidezoll von 7(7,50) Mark auf 14.25(15) Mark und schließlich bei einem Zoll von 9(9,50) Mark aus 17,25(18) Mark festgesetzt werden. Damit wird eine vnverhällnismäßige Teuerung des Mehls im Verhältnis zum Getreide unterbunden. Dies« Berbesierungen gegenüber den Vorschlägen des Reichs- ernährungsministers sind unbe st reitbar ein Erfolg ver- nünftiger Agrarpolitik. Aber auch gegen die Regierung?- vorläge m ihrer jetzigen Form müsjen wir unsere gestern geäußerten Bedenken großenteil» aufrecht erhalten. Bei Veränderung der Weltmarkwerhältnisse oder nach schlechten Ernten ist auch bei Durch- führung der' gesamten Pläne eine übermäßig« Preissteigerung für Getreide und eine starke L-rbrauchsbelastung zu befürchten. Nach wie vor erscheint uns der Höchstzollsatz von 9 Mark und 9,50 Mark ebenso stark überhöht wie die für die Inkraftsetzung der verschiede- nen Zollsätze maßgebenden Preisgrenzen. Bei einem Preisniveau von 27 Mark je Doppelzentner ist wahrhaftig ein Zoll von 5 Mark zum Schutze der deutschen Landwirtschast nicht notwendig. Die Sozialdemokratie wird daher im Reichstag mit allen Kräfte» für eine weitgehende Herabsehung der Richtpreise kämpfen müssen. Mr wissen, daß die Brotpreis« nicht entsprechend den Getreidepreivsentungen herabgesetzt wurden, daß also der Dorteil der niedrigen Getreidepreis« viel weniger den Verbrauchern� als Mühlen, Zwischenhandel und Bäckergewerbe zugute gekommen ist. Da wir der Meinung sind, daß eine gewiss« Getreidepreissteigerung sehr wohl ohne entsprechende Erhöhung der Brotpreise möglich ist, da also bei Verringerung der Zwischenhandelsspanne eine Erhöhung der Erzeugerpreise ohne zusätzliche Belastung der Verbraucher erreichbar erscheint, sollten die Bestrebungen der Verbraucher und Erzeuger auf Verringerung der Preisspanne durch Einfügung von Brotrichtpreisen in das Gesetz unterstützt werden. Beispielsweise könnten wir uns einen solchen verstärkten Derbraucherschutz derart denken, daß die Getrcidezöüe nicht nur bei lleberschreiwng bestimmter Getreidepreise, sondera auch bei Erreichung bestimmter Brotpreise gesenkt werden. Wenn wir also auch gegen Teile des Regierungsprogramms erhebliche Bedenken haben, so muß doch der Versuch, Vernunft in die Agrarpolitik zu bringen, anerkannt werden. Viel wichtiger noch erscheint uns aber die Feststellung, daß es gelungen ist, eine ganze Flut von anderen HochschutzzSlle» der Industrie und auch der Sand- Wirtschaft abzuwehren. So wurde die Erhöhung einer ganzen Reih« von Textil- zollen um 100 bis 300 Pro;, gefordert. Kunstseide, Kommgarn. Leinengarn und viele andere wichtige Waren sollten noch dem Wunsch der Industrie durch neue Zölle wesentlich verteuert werden. Auch eine hundertprozentige Zollerhöhung auf Tonwaren. Mauer- steine und eine weitgehende Zollerhöhung auf Eisenwaren war gefordert. Insgesamt sollten mehrere Dutzend Zollpositionen ent- scheidend erhöht werden, was zweifellos eine schwere Verteuerung der Lebenshalwng der Bevölkerung gebracht hätte. Als Gegenprogramm hatte der Reichsernährungsminister für den Fall einer Annahme dieser Jndustriezollerhöhungen ein nicht weniger großes Bukett von agrarischen Zollerhöhungen angemeldet. Für zahlreiche Gemüse- arten, Obst, Eier, Wein, Teigwaren usw. sollten die Zölle teilweise um 100 Prozent aufgestockt werden. Aus alldem ist nicht« geworden. Die Sozialdemokratie wird»na im Reichstage mit aller Energie«» die weitere Verbesjernng der neuen Agrarvorlage kämpfen! Hugenberg- Geseh verfassungsändernd. Erklärung des Reichskabineiis. Das Reichskabinett befaßte sich in seiner gestrigen Sitzung unter dem Vorsitz des Reichskanzlers mit den infolge der Einbringung des Volksbegehrens auf» geworsenen Fragen. Insonderheit war das Reichs- kabinett der Ansicht, daß das Volksbegehren ver- sassnngsändernd und daher zur Annahme des Gesetzes durch Volksentscheid nach Artikel 76 Abs. 1 Satz 4 der Reichsverfassung die Zustimmung der Mehrheit der Stimmberechtigten erforder- lich ist. Frankreich und die Heimwehr. Kundgebung der Sozialistischen Partei. Pari«, 22. November.(Eigenbericht.) Der Parteivorstand der sozialistischen Partei hat die folgende Entschließung angenommen:„Die sozialistische'Partei protestiert gegen die Handlungen des internationalen Faschrsmus, die die Heimwehren zu einem Geroaltstreich gegen das österreichisch« Proletariat und die junge Republik benutzen; sie versichert ihre Kameraden von der österreichischen Sozialdemokratie der völligen Solidarität der sranzöstschen Sozialisten, verlangt von allen Sozialisten Frankreichs, sich ihrem Protest gegen die faschistische Aktion in Oesterreich anzuschließen, und von der Regierung zu fordern, daß sie sich der Arbeiterbewegung anschließ«, um Mussolini, Gras Bethlen und Seipel zu oerhindern, daß sie den öfter- reichischen Sozialismus in einem Blutmeer ertränken und den Frieden Europas gefährden." Oer Kriegsplan gegen Innsbruck. Wien, 22. November.(Eigeirbericht.) Einzelne Wiener Blätter suchen die Enthüllungen der„Arbeiter- Zeitung" über die Pläne der Heimwehr zu bestreiten. Demgegen- über stellt die„Arbeiter-Zeitung" in ihrer Sonnabendausgab« fest, daß die Dementis wohlweislich nicht als Mitteilungen der sonst so geschwätzigen Pressestelle der Heimwehr bezeichnet werden.„Unsere Enthüllungen— schreibt die„Arbeiter-Zeitung"— werden vielmehr nur von anonymen Innsbrucker Korrespondenten bestritten, während die offiziell« Faschistenpresse bezeichnenderweise schweigt. Die Herren wissen nicht nur, daß die Helmwehrdokumente, die wir veröffentlichen, unbestreitbar echt sind, sondern sie wissen auch, daß wir noch viel mehr veröffentlichen könnten." Hilgenbergs Programm. Bürgerbwck gegen den gonng-plan. F. Kl. Kassel, 22. November.(Eigenbericht.) Heute ist kein Zweifel mehr darüber, daß die Deutsch- nationale Partei, die ihren Parteitag der Niederloge in Kassel abhält, schwere innere Krisen überwinden mußte. Aber nach den schmerzhaften Krisen hat der Hugenberg ein lächerlich Mäuslern geboren: das denkbar aufdringlichste Koalitionsangebot an die bürgerlichen Parteien! Das An- gebot, einen antimarxistischen Bürgerblock auf lange Sicht zu schaffen, nicht auf Kündigung oder staatliche Beschränkung. sondern auf sehr lange Dauer. Vorbedingung soll sein: Ab- lehnung des Doung-Planes, Ziel aber bewußte Politik gegen den Marxismus, das heißt gegen alle Tendenzen sozialer Art, die sich in der Politik und durch sie in der Wirtschaft geltend machen könnten. Auf dem Parteitag hat Hugenberg heute in seiner ober- lehrerhaft-kleinbürgerlichen Manier diesen Gedanken noch ein- mal breit ausgesponnen, nachdem er ihn gestern hinter den verschlossenen Türen des Parteivorstandes und außerdem noäz in der sogenannten Parteioertretung entwickelt hatte. Heute konnte er rn seiner öffentlich gehaltenen Rede mitteilen, daß seine Leitsätze von Vor st and und Parteiver- tretung einstämmig gut geheißen und damit zum taktischen Parteiprogramm erklärt worden sind. Was da an Opposition gegen die„Linie" Hugen- bergs vorhanden ist oder sein könnte, trat nach außen hin nicht in Erscheinung. Eine Reihe von Abgeordneten, die in dem Rufe stehen, den Hugenberg-Kult nicht mitmachen zu wollen, ist gar nicht e r st er s ch i e n e n. Ein anderer Tell hat es vorgezogen, schon vor dem Parteitag wieder abzureisen, um sich nicht.unliebsamen Aufmerksamkeiten auszusetzen. Der frühere Minister Schiele ist rechtzeitig wieder abgefahren Treoiranus, Lindeiner- Wildau und Schlange-Schöningen, die erst auf dringliches und wiederholtes Ersuchen nach Kassel kamen, haben noch vor Beginn des eigentlichen Parteitages das Weite gesucht. So herrscht nach außen hin der„Führer" Hugenberg. Sieht man diesen kleinen Mann mit der mangelnden Redner- gäbe und dem kleinsten Gedankenkreis auf dem Podium stehen, so fragt man sich verwundert, welche besonderen Be- gabungen ihn denn eigentlich in die Führertoga gebracht haben könnten. Aber soviel man auch fragt, man kann von niemand eine klare Antwort erhalten. Jeder ist sich der Unzulänglich- keit des Mannes bewußt, aber keiner weiß einen Ausweg! So bleibt das deutschnationale Sammelsurium von Interesse, das den Geheimrat Hugenberg würdig repräsentiert. Der „Mann im Dunkeln", wie man ihn schon genannt hat, ist plötzlich in die Tageshelle gestellt worden und tappt nun in der Politik herum. Ein erbauliches Schausviel! Ratlos folgt der offizielle Parteitag diesem ratlosen Führer. Die pensionierten Offiziere, die als Dele- gierte hier ihre politischen Vereine vertreten, die charakteristi- schen Erscheinungen gewisser„mittlerer Beamten", die neben ihnen aufmarschieren, und dann die Frauenoberlehrermnen von Anno dazumal und aus Dingsda— das sind die politi- schen Repräsentanten einer Schickst, die ihre alte politi- sche Heimat verloren und noch keine neue gefunden haben. Sie jubeln deshalb jedem Gemeinplatz zu, der sorg- fältig vom Blatt abgelesen wird. Daß sie ihn verstehen, ist nicht nötig, wenn er nur„national" betont und antimarxistiich gefärbt ist. So, scheint es, hat der unscheinbare Hugenberg bei ihnen leichtes Spiel. Seine öffentliche Rede liegt verviel- fältigt vor, aber sie wird wörtlich abgelesen und nur hier und da durch kleine, anscheinend unwesentliche Einfügungen er- qänzt. Einige von ihnen sind jedoch so gewallt, daß man sie festhalten muß. gerade weil sie nicht im Manuskript stehen. Ein Beispiel für viele: Hugenberg erzählt von de?n Erhlg des Volksbeaehrens, das..trotz Rundfunk und Terror" d:e erforderlickze Zahl erreicht habe. Und hier fügt er wörtlich ein: ..Hoffentlich wird das Bild nicht durch Retusche wesentlich verändert!" Das ist eine nicht geschriebene, aber deshalb nicht weniger gewollte und durch lebhaften Beifall Verständnis- voll unterstrichene Wiederholung des beleidigenden Borwurfs gegen die Staats- und Reichsbeamten, die mit der Zählung der Stimmen beim Volksbegehren amtlich beschäftigt waren, der gleiche Vorwurf, gegen den Minister Severing inzwischen Strafantrag geaen Hugenberg gesteilt hat. Das politisch-taktische Programm Hugen- bergs läßt sich aus dem langen Redegewirr etwa folgender- maßen herausschälen: Der Boung-Plan ist der zugunsten der Gläubiger und gegen unsere Interessen a-ränderte Dawes- Plan. Er ist eine kunswolle technische Ma'ch'nerie des Hoch- kapitalismus". Zur Unterzeichnung Deutichlands wider W'llen muß man— sagt Hugenberg— hier mit marxistischen Be- griffen arbeiten. Zwar hat Marx ein Zerrbild des Kapitalis- mus gezeichnet, aber jetzt ist die marxistische Sozialdemokratie im Begriff, international den Versuch einer vollen Verwirk- lichung der Kapitalsherrschast im marxistischen Sinne aufzu- Aufklärung der Bombenattentate. Reue Verhaftungen- neue Geständnisse. Altona. 22. Itoombec. Ja Landen in vilhmarfchen sind gestern dret nette Her- h o f l.n n g e n tu der LombenangelegenheU erfolgt. Die Festgenommenen, die nach Altona gebracht wurden, find: der Landwirt Rotz. Flederwurlh, der bereite aus dem Prozeß über die Tumulte in Ztauuüuster bekannt ist; Heinrich Wieborg. Landen, sowie einen gewissen Mlhelm hönck au» Harblek bei Kiderstedt. Bei der Vornahme der Verhaftungen in Lunden wurden die Krimi nalbeamteu von einem Schupokomwando au» Schleswig unter. stützt. Die VorgSnge führten zn einem großen Auflauf vor der Sirchfpielfchretbrret. wo die LandfSger zur Aufrechterholtang der Ordnung eingreifen mutzten. Z« Lunden verlantel gerüchtweise, daß die Verhafteten an einem mißlungene« Anschlag auf die Aulogarage des Amlsvorfiehers vlax Roß. eines Bruder» de» festgenommeneu Landwirts Roß aus Flederwurlh, beteiligt gewesen seien. Roß-FUderwurlh war che. meindevorsteher. wurde jedoch vor einiger Zeil auf disziplinarischem Wege seines Amte» enthoben. Za dem bekannten Prozeh von Reomüufler war er zu drei Wochen Gefängnis verurteilt worden. vel der Kreistagswahl stand er au dritter Stelle auf der Liste der wlrlfchaflspartei. er wurde ober nicht gewählt. da die Liste nur zwei Mandate erreichte. Ferner ist gestern in vargfeld, im streife Rendsburg, der chastwlrl Ralfen durch auswärtige Sriminalbeamte sestge- nommeu worden. Die Lüneburger Äombenattentate aufgeklärt Altona, 22. November. Landgerichlsdirektor Masur-verNn. der die ErmiMungen in der vombenangelegenheil leitet, gab heute nachmittag folgenden Bericht ans: Der verhaftete Landwirt Amanda» vick jun. au» Rönne gestand, an drei Lüaeburger Attentaten beteiligt gewesen zu fei«. Auch der verhaslele L o,a d w i r t Lüh- mann au, Gloes. Srei» Winsen, gab die Beteiligung au den ersten beiden BombenaUentalen in Lüneburg zu. Sämtliche drei Lüne- burger Attentate sind somit ausgeklärt. Gestern wurden weiter zahlreiche Verhaftungen wegen Verdachte der Veleili- gung au den Spreugstosfallentalen vorgenommen, und zwar in Lüneburg, in der Umgebung von Lüneburg, in Vargfeld, Friedrichs» koog, Lech Flederswurth. Harblek und Lunden. Llnerwariet zugefaßt. Lüneburg. 22. November. lEigenboricht.) Die in Lüneburg und Umgebung erfolgten Verhaftungen in der Bombenangelegenheit find ganz unerwartet vorgenommen worden und haben große Ueberrafchung hervorgerufen. Ueber die Personalien der neu Verhasteten hüllen sich sowohl die Landeskriminalpolizei als auch die örtliche Polizei noch in strenges Stillschweigen. Der erneut verhaftete Hofbesitzer Vick legte erst am Mittwoch sein Amt als Gemeindevorsteher nieder. Der gleich» falls verhaftete Hofbesitzer Luhmann hat fein Besitztum nur zehn Kilometer von Lüneburg entfernt, so daß di« Stadt auf der sehr guten Autostraße Hamburg— Lüneburg mit dem Auto in wenie-n Minuten zu erreichen war. Die beiden Verhafteten Dick und Luh> mann haben noch vor wenigen Tagen in Landvolkversammlungen und in den Kreisen Lüneburg sowie Bleckede gesprochen, und in der versiegelten Autogarage des Hofbesitzers Vick soll sich noch der am S. September beschlagnahmte Kraftwogen befinden, in welchem Herbert Bolck Fahrten in die Umgebung von Lüneburg unter» nommen hat. Hilfe für die Oeutsch-Ruffen. Oer Abiransport beginnt. richten. Em Teil des deutschen Volkes soll den Fronvogt gegen den anderen spielen. Der Kampf gegen den Houng-Plan ist deshalb die Hauptsache. Wenn bürgerliche Parteien glauben, erst diesen Plan zur Annahme bringen und dann„eine Regierung der Ordnung" aufrichten oder gar ein« Hindenburg-Regierung zur Verteilung der Foung-Lasten bilden zu können, so sind sie im Irrtum. Sie begehen eine Don Quichotterie. Die Beteiligung an einem bürgerlichen Ordnungs block, dessen Aufgabe die Durchführung des Boung-Planes sei, ist nach Hugenberg als ein Verrat am Volk und als ein Hohn zu betrachten.(Stürmischer Beifall.) Dieser Block würde der Fronvogt der Gläubigerstaaten zur Eintreibung der Lasten sein, aber di« weitere Folge wäre, daß die Gesamtheit der Lohn» und Gehaltsempfänger sich erheben und die Wirt- schast totschlagen würde! Also kann es nur einen Ordnungsblock geben, nämlich den zur Verhinderung des Y o u n g- P l an es, und zu einem solchen Ordnungsblock ist die Deutschnationale Partei jederzeit bereit. Aber eine Koalition, wie die von l927/28, darf es nicht wieder geben. Wenn überhaupt, dann kann eine Koalition der Deutschnationalen mit den anderen bürgerlichen Parteien nur erfolgen durch feste Bindun- gen, die auf lange Sicht gedacht sind, und nicht auf Kündigung. Zwar sind die übrigen Parteien heute noch nicht dazu bereit. Aber wir müsien— sagt hugenberg— alles tun. um ihnen die Zusammenarbeit'mit de« Sozialdemokraten zu„verekeln", damit sie keinen anderen Ausweg mehr wissen, als zu den Deutschnationalen zu kommen. Man muß die Parteien im Reichstag sich selbst überlassen, wenn sie im Konflikt mit der Sozialdemokratie stehen. Man darf sie nicht herauspauken, in» dem man ihnen Unterstützung durch Stimmen gewährt. Wenn ein Ordnungsblock gegen Poung-Plan und für neue Innen- und Außenpolitik möglich sei, dann muß er sich selbstverständlich auch auf Preußen aus- dehnen. Sonst hätte der Marxismus in Preußen die Möglichkeit, die schönste Arbeit im Reiche wieder zu zersetzen. Der Leser wird den Eindruck haben, daß sich hier alles im Kreise dreht. Aber der Berichterstater ist nicht verant» wortlich für die Konfusion, die in den Ausführungen des deutschnationalen Parteiführers vorherrscht. Voung-Plan, Marxismus, Voung-Plan, Fronvogt, Antimarxismus— das ist zwar nicht der rote, aber doch der Faden, der sich durch diese Betrachtungen zieht und immer wieder zum selben Punkte strebt. Rur eins fällt auf: Bisher haben Hugenberg und die offiziellen Parteisprecher geflissentlich vermieden, ihr monarchistisches Bekenntnis zu wiederholen. Da» gegen flocht hugenberg eine Bemerkung ein, etwa des Inhalts:„Das politische und wirtschaftliche System, das unr in Deutschland haben, müssen wir auf andere Machtgrund- lagen stellen." Was nur heißen kann, daß hugenberg die Republik als unabänderliche Tatsache ansieht und sie nur seinen antimarxistischen Gelüsten dienstbar machen will. Einstweilen hat die Deutschnationale Partei ihr Programm aufgestellt, indem sie hugenbergs Leitsätze zu den ihren machte. Dazu werden nun wohl die bürgerlichen Parteien, insonderheit das Zentrum und die Volkspartei, sich äußern. Außer den hugenbergreden bot der Parteitag nur noch awei Vorträge gegen den Marxismus. Ein Pfarrer V e i d t aus Frankfurt(Main) und die Landtagsabgeordnete Frau von Illing sprachen über den Kulturkampf des Ehristentums gegen den Marxismus. Am Sonnabend sollen die„eigene Wirtschaft" und die..Kriegsgeneration" gegen de» Marxismus aufmarschieren. Nach allen Referaten soll dann eine einheitliche Aussprache stattfinden. Sie wird dem Geiste entsprechen der bisher die Reden beherrschte. Die Flucht der Opposition. Im�annoverschenKurier' finden wir folgende Eni» hüllungen au» der Deutschnationalen Partei: „Während der Parteitag seit Monaten feststand, erging erst vor wenigen Wochen eine Einladung des Reichs. landbundes zu einer Führertagung, die nun an den gleichen Tagen, an denen der Parteitag in Kassel sich versammelt, nämlich Freitag und Sonnabend dieser Woche in Berlin stattfindet. Das ist kein Zufall, auch kein Versehen, sondern bewyßte Ab- ficht, umderOppositiondi« offenbar erwünscht« Gelegen» heit zum entschuldigten Fernbleiben vom Partei» tag zu geben. Wenn man sich erinnert, daß der Landbund schon erhebliche Schwierigkeiten bei dem Dolkebegehren machte und schließlich seine Unterschrift nur unter Ablehnung des § 4 gab, wenn man ferner weiß, daß der Landbund von feinen parlamentarischen Mitgliedern fordert, daß sie auch im Reichstag den§ 4 ablehnen, daß Herr Schiete keineswegs ein Freund hugenbergs ist, daß ober Herrn Schiele auch andere nicht gerade londbündlerische Kresse der deutsch- nationalen Opposition nicht fern stehen, so wird die Sachlage völlig durchfichtig. Man wirb also m Kassel das bemerkenswerte Schauspiel der Zweiteilung einerPartei gerade bei jenem Anlaß erleben, der die Geschlossenheit der Partei nach außen hin zu zeigen die übliche Aufgab« hat. Um die Abg. Treviranus, Schiele, Lejeune» Jung gruppleren sich andere, unter ihnen Dr. Reichert, Lam» dach, von Keudell, Dryander, im ganzen fast 2 0 A b g e- ordnete der deutschnationalen Reichstagsfraktion, die in Kassel kaum gesehen werden dürften." Die gestörte Einmütigkeit. Die Einmütigkeit von Kassel ist nur Fassade. Tarsächlich sst es zu sehr erheblichen Meinungsverschiedenheiten gekommen, vor allem zwischen der Parteileitung und dem Abgeordneten Treviranus. Di« deutschnationale Parteileitung löstet nun etwas den Schleier. Sie teilt mit: „Durch eine Indiskretion, deren Urheber noch unbe. kannt ist, ist in entstellter Form ein Vorgang aus der Donnerstag-Sitzung des deutschnationalen Parteioor- standes in die Oeffeiülichkeit getragen worden. � Das Tatsächliche sei nunmehr kurz mitgeteilt: Es Handell sich um die Verlesung eines Briefes, den der Abgeordnete Treviranus in Parteiangelegenheiten geschrieben hat und der die zu» ständigen Parteiin stanzen beschäftigen wird." Treviranus gehört zur Opposition, di««in« Sezession Ins Auge gefaßt hat. In diesem Zusammenhang wurde bereits auch der Name von Lind einer» Wildau genannt. Segen Trevi» ranus wird also nun das.hugenbergscho Keßergericht arbeiten. Kommunist stasper aus Schweden ausgewirjen Laut Beschluß der Regierung wird der deutsche Staatsangehör ge Kasper, Mit- glied de« Preußischen Landtag?, der bekanntlich vor einiger Zeit mährend einer kommunistischen Kundgebung verhaftet murd«, aus Schweden ausgewiesen werden. Im Reichsmimsternon des Innern hat gestern ein« Beratung aller beteiligten Stellen über di« Hilfsaktion für die deutsch-russischen Auswanderer stattgesunden, die über Deutschland teils noch Südamerika, teils nach Kanada weiter» gebracht werden sollen. Abtransport und Unterbringung. Abg. Stückten, der Reichskommissar für das Hilfswerk, hat sich im Anschluß an die Besprechung der beteiligten Stellen nach Schneidemühl begeben, um di« ehemaligen Flüchtlingslager zu besichtigen; sein Bureau wird Montag seine Arbeiren aufnehmen. Außer Schneidemühl kommen di« Kieler Kasernen und da« ehemalige Flüchtlingslager in Hammer st ein(Westpr.) als llnterkunftsorte für die Auswanderer in Betracht. Man denkt, daß «s gelingen würde, in verhältnismäßig kurzer Zell di« bei Moskau versammelten 12 OOO abzutransportieren, wenn di« Ausreise- «rkaubnis erteilt sein wird.(Soll für 1W0 bereit» geschehen sein.) Die 330 Bauern nebst Famillenaugehörige». die bereite in Hamborg find, hakstn von der Sowsekregiernng unter der Garankte der deutschen und der kanadischen Regiernag«ine Ress«Unterstützung erhallen. Di« Transportkosten für die weiteren Abwandere? werden aus dem Fonds bestritte» werden, den das Reich bereitgestellt hat. Ein erheblicher Teil der Auswanderer soll nicht nach Kanada, sondern mit Unterstützung der Hansa-Hammonia-Anfiedlungsgesellschast noch Brasilien geleitet werden. Es find Bestrebungen im Gang,«inen Teil der Abwandere? in Westpreußen und in der Grenzmark anzusiedeln. Zu diesem Zweck sollen MUtel aus dem Reichssiedlongs- fonds venvandt werden. Rußland läßt 300 Kolonistenfamilien auswandern. Moskau, 22. November. wie die Teiegraphenagentur der Sowjeiunion erfährt, reisen morgen über 300 deutsche Kolonisten mit ihren FamMen von Leningrad nach Deutschland ab. Das Berbotder GPU. für die Ausstellung der Pässe für di« deuffchen Kolonisten ist ans Befehl des Rate« der Voltskommissare, der sich grundsätzlich für di« Auswonde- Partei und Gemeindewahl. Beschlüsse des erweiterten Bezirksvorstands. Gestern tagt« der erweiterte Bezirksvorstand der Groß-Derlmer Parteiorgamsation. Er faßte folgend« Beschlüsse: Der ermeiterte Bezirksvorstand stellt fest, daß der engere Bezirksvorstand im Wahlkampf und in der Abwehr der Angriffe in der Sklarek-Affäre sein« volle Pflicht und Schuldigkeit getan hat. Parteiverfahren gegen die Genossen Brolai und Kohl. Der«rwellerte Bezirksoorstand bestätigt den Beschluß des engeren Vorstandes, daß Genosse Brolat das Amt eines Stadt- und Bezirksverordneteu nicht annehmen darf. Der erweitert« Vorstand wird nach Abschluß des Untersuchungs- Verfahrens zur Angelegenheit der Genossen Brolat und Kohl auf Grund der Entschließung des Bezirksparteitages vom 12. Oktober erneut Stellung nehmen. Kinanzminister und Einheiisstaai. Oemokrotifche Falschmeldung gegen Reichsfinanzminifier. Das„Berliner Tageblatt" vom 21. November bringt du Nachricht, der Reichsfinanzminister Dr. Hilferding habe" sich bei der Abstimmung im Ausschuß der Länderkonferenz als Gegner des dezentralisierten Einheitsstaates bekannt und fich rung der deutschen Kolonisten ausgesprochen hat, onfgehob k n worden. Massenerschießungen— Totenlisten. Die Massenerschießung«« im Kampf« gegen!>'« Bauern nehmen einen Umfang an. der selbst die schlrnnnste» Terror- jähre 1019— 1921 in den Schatten stellt. Es sst jetzt in der Haupt- fach« die GPU., die die henkerfunktionen der damaligen Ticheka ausübt. Aehnlich wie in jenen Iahren werden auch jetzt zweck? Abschreckung die Namen der standrechtlich Erschossenen in den Zei- tungen oeröffentllcht. So lest wen ueuevdmgs solche Totrnlssten fast täglich in den sibirischen Blättern. „Sowjet-Sibirien" Nr. 246 berichtet z. B.. daß laut Beschluß der sibirischen GPU. zwei Bauern wegen Brandlegung am Hause eines Kommunisten, ei» Bauer wegen antssowjetistsscher Agitation. acht Bauer» wegen Knnterreoalution erfchofien worden seien. In der Nr. 247.desselben Blatte? find die Namen von 77 Bauern au» verschiedenen Dorfern aufgezahlt, die hingerichtet wurden. Besonders chorakteriftssch erscheint die Tatsache, daß unter diesen 38 Bauern es je sechsmal zwei Mitglieder und je dreimal drei Mitglieder derselben Fannli« waren, darunter einmal eine Frau. In der Eowjetutrain«. wo di« Msnatsvor- anschlage der Getreidebereitstellungen dt vielen Bezirken bei wellem nicht erreicht werden, gehen die Sowjet- behörden besonders scharf gegen die Dauern vor. Neuerdinz? wurden vom Charkower Bezirkegericht 6 Bauern aus dem Kreise Melitopol zum Tode verurteilt, weil fi« Widerstand gegen die Eintreibung von Getreide geleistet haben sollen. Ueber die- jenigen Bauern, die die geforderten Getreidemengen nicht abliefern, wird der Worenboytott oerhängt und ihr Inventar wird zwangsweise oersteigert. Man rechnet allgemein mit einer weiteren Lerschärfung de» Druckes auf die Bauernschaft. Neben der GPU. wüten auch die ordentlichen Gerichte gegen di« Bauern. In der soeben tagenden allrussischen Konferenz der Justiz- beamten hat der Generalstaatsamvalt der Republik Krylenko die Mitteilung gemacht, daß während der Zeit von Januar bis Sep- tember dieses Jahres gegen den sogenannten Kulaken-Terror» 3382 Verfahren anhängig gemacht worden find. Nicht' uninteressant ist übrigens der Beschluß dieser Konferenz, daß sänit» lich« zu über drei Iahren Gefängnis Verurteilte der Kompetenz der GPU. übergeben und in Konzentra- tionslagern interniert werden sollen. dabei in Gefellschaft des bayersschen Ministerpräsidenten Heidt und des Reichspostmimsters Dr. Schätzet befunden- Wie wir dazu� erfahren, ist in dieser Zlbstimmmrg des Reichsfinonz- Ministeriums— Minister Hilferding hat an dieser Sitzung persönlich überhaupt nicht teilgenommen— selbstverständlich keine Stellung gegen den Gedanken des dezentralisierten Einheit» st aates zu erblicken. Di« Gründe für die Abstimmung des Reichsfinanzntmisteriums liegen in der u n- zureichenden Läsung, die für das lünfrig« Verhältnis von Reich und Preußen vorgeschlagen worden ist. Dr. Heidt und Dr. Schätze! haben also aus ganz anderen Motiven gegen den Bor- schlag gestimmt als das Reichsfinanzministerimn. Damit fallen alle an die Abstimmung des Re ichsfinanzministeriums geknüpften Folgerungen in sich zusammen, zumal Dr. Hilferding stets zu denjenigen Polllikern gehört hat, die für die Schaffung eines wirk» lichen Einheitsstaates mit aller Entschiedenheit eingetreten sind. Lieber Gklarek gestolpert. Der deutschoat'onale Zielchstagsabgeordnete Wolf legt sein Mandat nieder. Der deutschnotional« Reichstagsabgeordnet« Pfarrer Wolf» Oppeln bat fein Reichstagsmondot niedergelegt. Er ist da» Zweite Opfer des Sklarek-Falls aus der deutschnationolen Reichs- tagsfraktion. Wolf wurde beschuldigt, gemeinsam mit B r u h n an den Gelagen der Eklaveks teilgenommen zu haben. Bruhn zog es vor. aus der Deutschnationalen Bolkspartei auszutreten und da» Mandat zu behalten, Wolf hat fein Mandat niedergelegt. Das Zeugniszwangsverfahren. Zwei wettere Beschwerden der?iepublikanischen Beschwerde« stelle. Der Senatspräsident Freymuth hat als Vorsitzender der Repu- blikanischen Beschwerdestelle in der bekannten Beschlagnahme» s a ch« noch weiter zwei Beschwerden bei dem preußischen Finanzminister eingereicht. Die eine Beschwerde richtet sich gegen den Regierungsrat Dr. Beelitz, und zwar aus solgendem Grunde: Der Regierungsrat Dr. Beelitz hat als llntersuchungskommissar das beschlagnahmte und versiegelte Aktenstück eigenmächtig ge- öffnet, ohne den Vorstand der Republikanischen Beschwerdestell« vorher zu benachrichtigen. Die» durfte er ober gesetzlich nicht, son- dern mußte nach der Straf-Prozeß-Ordnung d«m Vorstand Ge- legenheit geben, der Entsiegelung und Durchsicht der Papiere betzu- wohnen. Die andere Beschwerde richtet sich gegen den Präsidenten der Preußischen Bau- und Finanzdirektion Moo». hak«. Sie ist damit begründet, daß der Präsident Mooshake durch die Unterstützung des ihm unterstellten Regierungsrats Dr. Beelitz seine Verpflichtung verletzt hat, als Beamter an leitender und wich- tigsr Stelle dafür zu sorgen, daß sein eigenes Verhalten und das Verhallen der ihm unterstellten Beaiiüen mit der Gesamtpol it i k der republikanischen preußischen Regie- rung im Einklang st ehe» müsse, daß dies« Regierungs. polllik aber verlange, von unnötigen und erbitternden Maßnahmen gegenüber solchen Stellen abzusehen, die für die Republik und für die republikanische Regierung mit aller Kraft eintreten. Gleichzellig ist gebeten worden, ein Zeugniszwangsver- fahren gegen den Geschäftsführer Falk zu ver- hindern und darauf hingewiesen, daß— ganz abgesehen von der selbstverständlichen Einstellung der republikanischen Presse— auch der Deutsche Richterbund ausweislich der Verösfent- lichung in Heft 11 der Deutschen Richter-Zeitung vom 15. November 1923, Seite 400, derartigen Zeugnis-Zwangsmoßregeln ablehnend gegenübersteht._ KpO.-Niederlage. OaS Kommunistenfiasko von Sachsen. Dos sächsische Organ der Rechtskommunisten zeichnet folgendes Bill» von der kommunistischen Niederlage in Sachsen, die die„Rote Fahne" sorgfältig verschweigt: .Was den diesjährigen Gemsindewahlen vom Standpunkt der Arbeiterklasie ihr besonderes Gepräge gibt, das ist die katastro- phal« Niederlage der Kommunistischen Partei. Die Kommuinstifche Partei ist in einem viel rascheren Tempo von Niederlage zu Niederlage geeilt, als wir selbst für möglich geHallen hott«n. In Leipzig zum Beispiel v« r l i e r t die Kommunistische Partei seit den letzten Stadtverordneten wählen am 14. November läZS 1 6 000 St im m e n. In den vorigen Monaten seit den Landtagswahlen vom Mai 1929 hat die Partei 9000 Stimmen ver- loren. Noch bei der Reichstagsroohl im Mai 192« vermocht« die Kommunistisch« Partei in Leipzig 69 947 Stimmen auf sich zu»er- einigen. Die gegenwärtige Stimmenzahl der Partei kommt an den Tiefstand der Ruth-Fischer-Periode heran. Die niedrigste Zahl, die die Partei während der Ruth-Fischer-Zeit in Leipzig erhielt, waren 51 268 Stimmen zur Reichstagswahl im Dezember 1924 Di« Partei ist also auf der ganzen Linie politisch in die Ruth-Fischer.Aera zurückgeworfen. Mehr noch. Zu jener Zeit hotten auch die Sozialdemokraten Derlust«. Der Sozial- demokrati« ist e» jedoch jetzt gelungen, ganz wesentlich aufzuholen. Ueberall haben die Sozialdemo« traten starke Gewinne zu verbuchen. Während die Kommunistische Partei seit den Landtagswahlen im Mai 1929 in Leipzig 6000 Stim- men verliert, gewinnt die Sozialdemokratisch« Partei 6000 Stimmen. In anderen Orten ist da» Zahlenverhältnis noch krasier zu- gunsten der Sozialdemokratie und zuungunsten der Kommunist!- schen Partei. In Dresden kannte die SPD. 28 70.3 Stimmen gewinnen, während die KPD. nahezu 7000 Stimmen verliert. In Chemnitz gewinnt die SPD. 14 000 Stimmen, während die Kommunistisch« Partei 10000 Stimmen verliert. In einzelnen kleineren Orten ist der Rückgang der KPD. noch katastrophaler. So besonders in Freital, Heidenau und Pirna." Maxion gegen Arbeiierregierung. Aber von den eigenen Parteifreunden desavouiert. London, 22. November.(Eigenbericht.) Scharfe Angriss«, die von dem Vorsitzenden der Unabhängigen Arbesterpartei, M a x t o n, unlängst gegen die Arbeiierregierung erhoben wurden, sowie d'.e Absicht Moxtons und seiner engeren Freunde, am Donnerstag im Unterhaus die Verwerfung des Gesetzentwurfes der Regierung zur Berbesierung der Arbeitslosenunterstützung zu beantragen, hat 66 Abgeordnete der Unabhängigen Arbeiterpartei zu einer Erklärung veranlaßt, in der es heißt, daß die von Maxton und seinen Freunden eingenom« mene kritische Haltung gegenüber der Regierung nicht als die Auffassung der Unabhängigen Arbeiterpartei zu betrachlen sei. In der Erklärung heißt es wortlich: „Angesichts der glänzenden Leistungen der Regierung aus außenpolitischem Gebiet im Haag, in Genf und in Washington, angesichts ihrer prächtigen Haltung gegenüber Aegypten und I nd i e n, ihrer Wiederaufnahme der guten B«- Ziehungen zu Rußland, ihrer Entschließung, das Schulalter zu erhöhen, ihrer Bemühung,, einer halben Million Witwen eine bescheidene Pension zu gewähren, ihrem Entgegenkommen und ihrer Hilfe für die lokalen Behörden zur Bekämpfung der A r b c i i s- l o s i g k e i t. ihrer Bemühung, die Notlage der Erwerbslosen zu erleichtern, erklären wir hiennll nachdrücklich, daß unsere wichtigste Ausgabe im Parlament darin besteht, der Arbeiter» regierung bei der Verwirklichung ihrer Aufgaben behilflich zu sein."___ Lex vessedowsky. Em neues Sowjetgesetz stellt oll« Sowjet- beamten stn Ausland, die einer Heirnberuwirg nicht folgen, außer- halb des Gesetzes, d. h. ihr Vermögen wird eingezogen und sie selbst 24 Stunden noch Feststellung ihrer Person erschossen— wenn sie nach Rußland zurückkehren. Aufhebung der Dleustpflicht in Australien. Das neue australisch« Parlament wurde mll der Verlesung der Thronrede eröffnet, in der u. a. mitgeteill wird, daß sich die Regierung entschlossen Hobe. die militärischen Organisationen beizubeholten, jedoch an Stelle der militärischen Dienstpflicht das Freiwilligsniystem einzuführen. An» gsstchts der herrschenden Arbestslosigkeit will die australisch« Regie- rung ferner die britisch« Reichsregierimg darum ersuchen, den Plan. dl« Ausczcnderuva au» England durch sre» Uebersahrt nach de« U«bers««ländern zu fördern, vorläufig zurückzustellen. Kasseler Parteitag der DNVP. Hugetiberg:»Solange ich die presse in Händen habe, muß mir die Partei parierend Krach bei den ftanzvsischen Kommumsten. Oer Hinauswurf der pariser Gtadtverordnetenfraktion.— Die Anklagen der Ausgeschlossenen. Wie wir kürzlich berichteten, sind von den sieben kommu- nistischen Stadtverordneten im Pariser Rathaus nicht wemger als sechs aus der Kommunistischen Partei Frankreichs ausgeschlossen worden. Die französische Filiale der Moskauer International« macht neuerdings«ine Krise durch, neben der die Erschütterungen der deut- schen Kommunistischen Partei in den letzten Jahren wie belanglose Zwischenfall« erscheinen. Es ist freilich nicht die erste dieser Krisen: Genau wie die übrigen i hat die KPF. Sektionen der bolschewistischen Internationale mindestens ein halbes Dutzend komplekler Führergarnituren auf den Schild gehoben und wieder zum Teufel gejagt. Genau wie in Deutschland hat es auch in Frankreich bei den Kam- munisten„ultralinke" und„rcchtsabweiche>ü>e" Parteivorstände ge- geben: ebenso wie die Berliner„Roie Fahne" hat die„Huma- n i te" einen unheimlichen Verbrauch an Redakteuren gehabt, die sich zunächst jahrelang über die„verräterislben" Sozialdemokraten austoben durften, bis sie eines Tages selbst hinausflogen und in ihrem eigenen Blatt zu„Verrätern" gestempelt wurden. Erst kürzlich wurde ein halbes Dutzend Redakteure der„Humanste" Knall und Fall entlassen. Jener, der als Bevollmächtigter Moskaus in der Redaktion erschien, um den buchstäblichen Hinauswurs mit Hilfe einiger handkrästiger Gesellen vorzunehmen, war ein gewisser Florimond Bont«, der noch vor wenigen Jahren Zögling eines katholischen Priest arscminar» in Nordftonkreich war! Er hat sich seine„revolutionären" Sporen dadurch erworben, daß er Plötzlich aus der kommunistischen Bild- fläche auftauchte und in besonders unflätiger Weife die öltest-n und erfahrensten Führer der politischen und gewerkschaftlichen Ar- beiterbewegung beschimpft«. Das genügt« anscheinend seinen Mos- kauer Austraggebern, um ihn als Großinquisitor auch bei der „Reinigung" der eigenen Partei zu erküren. Was nun die sechs ausgeschlossenen Pariser Stadtverordneten betrifft, so Handell es sich zufällig um jene Männer, die feit der Gründung der Kommunistischen Partei Frankreichs ein« führende Roll« in der Pariser Organisation spielten, die fast die einzig« konkrete Macht des Bolschswismus im ganzen Lande dar- stellten. Sie haben ihren Entschluß, mit der Partei, oder zumindest mit ihrer gegenwärtigen Leitung zu brechen, u. a. in einem vom 6. November datierten Schreibe» mitgeteill. das als Antwort auf verschieden« mehr oder minder offen« Angriffe gedacht war. die in der„Hunwirste" unter der Signatur teils des„Politischen Bureaus", teils Marcel Eachins gegen den mangelnden revolutionären Mut der gewählten Stadtverordneten erschienen waren. Sie for- derten den unverzüglichen Abdruck dieser Antwort auf der ersten Seit« der.Luntamte", wo die Angriffe erschienen waren. Zeh« Tage lang hak die„humanils" diese» Dokument ihren Lesern vorenthalleo. Enidlich Hot sie es an ganz versteckter Stelle am 17. November ab- gedruckt, während aus der ersten Seite mit der Schlagzeile„Gegen die sozialdemorkatlsche Degenerierung in den eigenen Parteireihen" die Antwort des Politischen Bureaus erscheint, die den endgül- tigen Bruch zwischen Partei und Stadtverordnetensraktton ver- kündet. Der Brief der„Sechs" beklagt sich zunächst über die hinter- hältig« Hetz«, der die Gewählten der Partei in letzter Zeit, namentlich in den Spalten des Zentrumsorgans ausgesetzt gewesen seien, und kommt zu folgenden Schlußfolgerungen: „Die llnlerzeichnelen hallen es für die wichllgfie und dringlichste Aufgabe der Partei, die Mlliel zu prüfen, um den Kampf auszunehmen gegen den anorcho-kommunistlschen Krebsschade»: gegen die Polizeiagcnlen— vigilanten»ist» Lockspitzel—. die die Parleiorgauisation von unten bis zur höchsten Spitze durchdringen: gegen die Drückebergerei der Parlcibureaukraten. die Befehle er- «eilen und im Augenblick der von ihnen anbefohlenen Aktion Reißaus nehme«: gegen alles, was die gesunden Elemente au» der Partei hlnausekelt: gegen alles, was die entfchlesiensten Arbeiter entmutigt, die zu Zehvtausenden in den letzten drei Zähren der Parle! beigetreten waren und wieder angewidert ausgetreten find: gegen die Methoden und die Männer, die die werwollsten Helfer der bürgerlichen Unterdrückung waren, indem sie die Partei dauernd bloßstellten, entwosfaelen und schwächten." Nur so, schließt der Brief, werde die französische Arbeiterklasse wieder Vertrauen zu einer ihrer selbst würdigen Partei wieder- gewinnen. Di« Antwort des„Politischen Bureaus" auf diese schweren Anklagen ist natürlich nicht kleinlaut. Der erste Satz gibt (i7eich den Ton der ganzen drei Spalten an:„Nach allen übrigen Deserteuren und allen übrigen V e.r r ä t e r n der tieuelten Rest haben sich sechs Stadtverordnete(folgen die Namen) auf den Weg des Bruches mit der Koinnmmstischm Partei begeben. Dann wird behauptet, daß die Parteimitglieder„in ihren Zellen und Kreisen" schon lange„die zunehmende Entfernung dieser seckis Stadtverordneten von der rauhen Togesarbeit der Partei" beob- achtet hätten:„Sie waren nicht mehr die Kainpsgenossen, die man von den Fabriken oder anderSpitzederStraßendemon- strationen findet." Wenn das ein Grund zur Abhalfteruna ist. dann müßten freilich so ziemlich olle deutschen kommunistischen Abgeordneten und Stadtverordneten schon abgehalftert sein oder abgehalftert werden. Denn nicht einer unter den bekannten Führern der KPD. Hot sich am 1. Mai in Berlin an der Spitz«(oder auch nur am End«) der Demonstrationen gezeigt, die die Partei inszeniert hatte, um blutig« Zusammenstöße mtt der Polizel z« provozieren. Der Hanpt. „Führer" der Berliner Etadtvervrdnetenfraktion der Kommunisten, Fritz Lang«, hat sich am 3V. April aus dem Berliner Staube gemacht und ist nach— Korsika gefahren! Uni) wo blieben die Pieck, die L« o w, die K o e n« n und sonstigen„führenden" deutschen Moskowiter? Die Antwort in der.Lumanitä" sagt weiter:„Die Deklaration der Sechs ist nichts anderes als eine Wiederholung aller B e r l e u m- düngen, Tratschereien und Beschimpsungen, die täglich gegen unsere Partei in der bürgerlichen Presse und durch die sozialdemokratischen Lakaien geschleudert werden." Außerdem ist von der„komischen Anmaßung" die Rede, mit der diese„auf sechs Jahr« in den Salons des Pariser Rot- Hauses eingerichteien Stodtverordneien" der Partei gute Lehren zu geben siä? unterstellten. Diese„Elemente" Hütten am Kontakt mit ihren bürgerlichen Kollegen„seden revolutionären Schwung und Glauben verloren" und sie verrieten, indem sie es wogten, von der Zersejüing der Partei zu reden, nur ihre eigene parlamentarische Degenerierung! Das sei das alte Lied aller Feinde der Partei usw. Der Vorwurf, daß Polizeispitzel in der Parteileitung am Werke seien, wird u. o. mit dem klassischen Hätz beantwortet:„Das sind dikselben Anklagen, die die deutschen sazialdemokratifchen Führer gegen Rosa Luxemburg er- hoben(??), Aevor sie sie ermordeten.(!!)" Das ist also das Niveau, auf dem sich der intern« kommu- nisiisch« Parteikrach in Paris abspielt. Sein« Hintergründe sind freilich sehr ernster Natur. Der Vorwurf, daß Pollzelfpitzel in der«PF.-Leltung sitzen, ist erst kürzlich von keinem anderen als von dem(inzwischen natürlich„erledigten) Generalsekretär der Partei Pierre Semard erhöben worden, als er nach langer Gesöngmohoft wieder die Leitung der Partei«in« Zeitlang übernommen hatte. Di« ganze Taktik der französischen Kommunisten, z. B. bei der Aktion am 1. August und neuerdings bei dem Versuch, innerhalb des ab- gespalteten kommunistischen Gewerkschastsbundes eine neu« Spal- t u ng durchzuführen, ist derartig plump und verdächtig, daß mau allerorts vermutet, dieser oder jener„Führer" handle direkt im Aus- trag« der Bourgeoisie und insbesondere des Polizeiministers Tar- d i e u. Freilich', so lang« das gegenwärtige„Politische Bureau", mit den: höchst zweiselhasten Subjekt Florimond Bant« an der Spitze, das blinde Vertrauen Stalins besitzt, wird es in den eigenen Reihen weiter wüten und die ältesten Vertrauensmänner aus der Partei hinauswerfen können, unter dem Dorwand, sie zu „reinigen". Arbeiierban? gegen„Humaniie"., Sie will ihr Geld wieder haben. Pari», 22. November.(Eigenbericht.) Oer kommunistischen„Hurnanite* droht eine neu« Gefahr, die ihr den Lebensnerv, nämlich die Geldzufuhr, abzuschneiden scheint. Kürzlich wurde die kommunistische Arbeiter- und Bauernbonk unter Geschäftsaufsicht gestellt, weil sie einer Reihe kommunistischer Organisationen allzu reichlich Kredit« aus den Spargroschen ihrer Genossenschaftler gegeben hatte. Zu diesen Kredit- nehmern gehört auch die Lumanite". Die Aufstchtsi»stanzen der Bank haben der„Humamte" jetzt ein Schreiben übermittelt, in dem sie die Rückzahlung der Kredit« in Höhe von 2,4 Millionen Franken fordern. Im anderen Falle sähen sie sich genötigt, mit Zwangomeßnahmen vorzugehen. Die Wirkung dieser Drohung ist nicht ausgeblieben. Die„Hiimanite", die seit Wochen eine freiwillige Sammlung für ihren Kampsfonds aufgelegt Hot, erläßt jetzt einen neuen verzweifelten Hilfe- schrei an ihr« Anhänger.(Vorsitzender des Aufsichtsrat» der kam» munistifchen Arbeiterbant Ist der neuerdings aus der Partei hinaus- geworfene Stadtverordnete G a r ch« r y. Red.) 11000 Opfer eines Fliegerangn'ffs? Grauenhafte Meldung aus der Mandschurei. London, 22. November.(Eigenbericht.) Auf Veranlassung der Sowjetregierung sind nach hier vorliegenden Meldungen in letzter Zeit wiederholt Fliegerangriffe auf die mandschurische Grenze uuteruommen worden. Bei einem einzigen derartigen Angriff sollen klirzlich nicht weniger ati 1000 Menschen durch Bombenabwürfe getötet worden sein.(?) Hauptsächlich wurde die Grenzstadt Talaiuor betroffen. » Nach einer WTB.-Mestmng aus Tokio soll die hohe Zahl der Opfer darauf zurückzuführen sein, daß die Bevölkerung in den Minengängen der Kohlengruben Schutz gesucht hotte. Einige Fliegerbomben hätten jedoch die nächste Umgebung der Zech« getrosten, wodurch die Flüchtling« verschüttet morde-, seien. � Tkeeiier, Lidtispiele usw. � | Sonnab., 23. 11. Sfaats-üper Unter d. Linden A.-V. 258 >«>«- Uhr Ein Sonnab., 23. II. StHdt. Oper Bismarckstr Turnus 1 19-/2 Uhr Slsais-Oper Am Pl.d.Republ. R.-S. 1»6 19' j Uhr Die ZanMite Staat!. Sctiacspti. am Bendarmenmailit A.-V. 228 20 Uhr Slaatl.Seliiller-Theater.ChapIlb. 20 Uhr- Des Kaisers Soldaten hil t liRten. 5 nl«V, Blr liikvuu tat ?rasil-6M. Wotatg.: 5 0. 50 Pf.- 3 H. Garaldlne u. Jos, Ett6, Power usw. Morden, Sonntag, ansnahms- weise Bedtnn 0 und 9 Uhr. Tägl. 5 u. 0» Sanni.2.Sn.8u Alax. 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Sdiiüer-ni. 8 Uhr Des Kaisers Soldaten Oeitsdin iheateT D.L Norden 12 310 89. Uhr Oer Kaiser v.Amerika von Bernard Shaw Reg: Max Reinhardt Kamnierspiele D.I. Norden 12310 89. Uhr Zar MI. flasidi! Lustspiel von Frederik Lonsdale Regie: Gustaf Gründgens Die Komödie 1 Bismck.2414/7516 89« Uhr Vom Teufel geboll von Knut Hamsum Regie; MaxReinhardt Iii. a. tlollandortplatz Vorvk. 10-2. Kf. 2001 Täglich 89, Uhr Gaslsplel des Deatsdieo Thealers Die FMtriiiaa! Begie: Ha» Reinhanit. Direktion yr. Robert Kleli Dentscbes XOnstler-Tbeal Barbarossa 3937 9.8 Uhr Ende 11.10 Uhr Seltsames Zvismenspiel üigic: Heinz Hiipsrt Mm Dieater Dönhoff 170 89«. Ende 9.11 U. Zwei Krawatien von Georg Kaiser Musik: MJscha Spolianskv Melropol-Th. 89'. Uhr Lebar dirigiert Das Land des Lächelns Vera Schwarz. Richard Tauber Lusispielhaus Friedrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich 8Vd Uhr Grand Hotel Lustspiel von Paul Frank Kleines Thea!. Merkur 1624 Täglich 89. Uhr Max Adalbert in Das Parfüm meiner Frau Lustsp r. Leo Lenz Heute 4 Uhr Das tapfere Scfancidcrlein. Imamr- ZEICHEN füb BiB-LICaCUT Utgriter ttraa. UeuUsnbfe fntUner Uet. eoaenftrlv ÄWZÄN CASINO-THEATER Lothringer Strafte 97. Täglich 8Vi Uhr Nur noch wenige Aufführungen Uertagte Hcchzeitsnachü Für unsere Leser Gutschein für 1—4 Personen Fauteuil nur 1.25 Sessel 1.75 M., Sonstige Preise; Parkett u. Rang 0.80 M Reichshailen-Theater Abends Q Uhr „Bei de Sielliner Ulk-Revue r. MeyseL Billettbesteliungen Zentium 11263. Oönhoff-Brettl: Das groöe Varieti-Progi. Tanz— Falkner-Or ehester. Lessing-Theater Norden 10846 Gruppe langer Schaaspieler Täglich 8V« Uhr Cyanttall Tnsai. a. Koiih.Tor Kottb. Str. 6 Tägl. 8 Uhr auchSonnt. nachm. 5 U Eitle- Sönfier Die Welt gehl amen Urlrom.'Undfnnkparodia lofen-GedäAfidslciern Sonntag, 24. November 1929 in den Berliner Krematorien: ffaslKvortra�e/ Gedddifnisrede/ Gesandsdarblelunden Die Feiern finden s'att: Im Kremaloiiiun Wilmersdorf von 10 ms 11 Ubr Im Kremaiorlnm BanmsAnlenwedvonlS blslS nur im Kremaiorlnm Oerldifslrafte von 16 bis 18 mir Unkostenbeitrag wird nicht erhoben Es ladet ein Der Bezimsvorsland des Verbandes für Freidenherlum und Feuerbesfal Berlin SW 29, Gneisenaustrafee 41 !LV. Am 21. November entscbliet sanft nach längerem Leiden mein geliebter Mann,| unser guter Vater, Sanitätsrat Dr. Oskar Bodensfein Frauenarzt Berlin W, Bayreuther Str. 38 Else Bodenstein, Sev Flatow Dr. Latz Bodenstein, Zolmarzi Hilde Bodenslein Einäscheturg: Montag, den 25. d. M., 12 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf f nserate im vorwärts Ichern Lrfolgl // Nach wie roallcta Bedienung Ist and vor: luUllülU bleibt der Grn � dsats des Herren- a. 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November 4929 Die Notbrücke am Messegelände Die Bahnstrecke der Stadt Kahn nach Wannsee bildet mit ihren vielen Verzweigungen, Heber» gangen und Kreuzungsstrecken zur Ringbahn ein« Verkehrsscheide, die sich in letzter Zeit, seit dem Aufblühen des Messegeländes, sehr unangenehm bemerkbar macht. Dos Messegelände, das große Aussalltor der Heerstraße und die Anus, ist von Fahrzeugen, die aus den südlichen und südwest- lichen Vororten kommen, bis vor kurzem nur auf einem Wege erreich- bar gewesen: durck, die Unterführung Holtzendorfsstraße oder Wilmcrsdorfer Straße am Bahnhof Tharlottenburg: denn sämtliche Unterführungen zwi- schen Charlottenburg und Bahnhof sffiannse« sind für Fahrzeuge nicht benutzbar, da die Straßen höchstens für Radfahrer freigegeben sind. Das bedeutet häufig einen riefigen II m- weg, der um so empfindlicher ist. als die Beschaffenheit der Straßen hier viel zu wünschen übrig läßt. Der Fußgänger merkt wohl von dieser Unbequemlichkeit nicht viel, er hat die ausgezeichnete Querverbindung der Ringbahn. Eine neu« Verbindung ist dringend erforderlich. Sie wurde beim Bau des neuen Bahnhofs Ausstellung auch vorgesehen. In Ver- längerung des Kronprinzendan, mes, der die Halenseer Brücke mit dem Messegelände verbindet, wird sie geschaffen. Zwei nebenein- onderliegende Brücken überqueren die Bahnstrecke der Vorortbahn. Di« breite zwcibahnigc Verkehrsstraße läßt allerdings noch auf sich warten. Di« eine der Brücken ist durch einen Zaun gesperrt. Und ft> muß sich die zeitweilig fast ununterbrochen« Kette von Fahr. zeugen den schmalen Weg in langsamem Tempo entlangwinden. Der Verkehr ist in beiden Richtungen trotz der äußersten Vorsicht, mit der gefahren werden muß, und des mehr als provisorischen Pflasters recht lebhaft. Wirklich gefährlich wird die jetzig« prorw- s arische Lerbindungsstraße ab«r bei der alten Unterführung, die zum ehemaligen Bahnhof E i ch k a m p führte. Mit knapper Rot kommen zwei Fahrzeuge aneinander vorbei. Fußgänger müssen sich buch- stäblich an die Wand quetschen, um nicht zerbrückt zu werden. Eine Beschleunigung beim Ausbau der Straß« ist eine dringende Rot» wendigksit. Die Weltraumrakete. Oer Abschuß soll demnächst erfolgen. I« etwa 8 bis 10 Tagen werben in Horft an ber Ostsee die ersten Vorversuch« für den Abschuß der Fernrakete von Professor Oberth vorgenommen. Der Bevollmächtigte des Professors Oberth befindet sich augenblicklich an Ort und Stelle,«m die Vorbereitungen zu treffen. Die Konstruktionsarbeit für die groß« Rakete wird l?nde der kommende« Woche unter der Leitung von Dipl.-Fng. Nebel beendet sein, ebenso die in N e«» l'itbelssterK.üpd kn der Umgebung von Berlin vor- genommenen Verbrennung»- und Fallschirmexperimente. Ter Raketenabschuß steht somit für die allernächste Zeit bevor. Die vielfachen Vor» versuche haben zu einer anfangs nicht erwarteten Ver- volllommnung für die Zufammenfehnng der Treibflüffig- keit geführt. Sie gilt heute als vollkommen explo- fiousficher. Trotzdem muß die Anzahl der zugelafsc- neu Zuschauer nach wie vor auf ein Minimum beschränkt bleiben. Di« Fortschritte und Reuerfindnugen. die während der KoustruktionSversuche und vorarbeite« gemacht wurden, versprechen, daß ein Postraketendienst schon in wenigen Monaten in Aussicht genommen wer» den kann. Der Ort des Raketenabschusses ist»ach wie vor unbestimmt, da außer Horst das günstiger gelegene Bad Leba bei Ttolp in Frage kommt. Vier HöNenmasthmen auf dem Gleis! Oer Anschlag auf den Orient-Expreß Belgrads ZZ. November. Zum Ueberfall aus den Slmplon-Expreß an der bül- qarlsch-südslawifchcn Grenze werden noch folgende Einzel. heilen bekannt: Der Ueberfall wurde Mittwoch abend 11 Uhr in der Nähe der Station Pirot verübt. Ein« auf die Eisenbahnstrcckc gelegte Höllen- Maschine explodierte, wodurch die Lokomotive und der Postwagen des Zuges beschädigt wuvden. Di« anderen Wagen erlitten keine Beschädigungen. Menschenopfer sind nicht zu ver- zeichnen. Der Zug konnte nach dreistündiger Verspätung die Fahrt nach Sofia fortsetzen. Die Begleitmannschaft des Zuges ver- folgte die flüchtenden Attentäter, die auf die Verfolger das Feuer eröffneten, dos von diesen erwidert wurde. An der bulgorischen Grenz« wurden 16 abgeschofiene Patronenhülsen, System Mann- licher, gefunden. Weitere Nachforschungen ergaben, daß noch eine wertere Höllenmaschine auf der Bahnstrecke angebracht war, die aber nicht explodierte. Am Freitag früh um 5 Uhr hörte man aus Richtung Ptrvt ein« neuerliche Detonation. Die Streckenwachc fand noch«ine Höllenmaschine, die auf 5 Uhr, und eine weitere, die auf 6 Uhr eingestellt war. 3m ganzen waren am Gleis also vier Höllenmaschinen angebracht worden. Räch der amtlichen Darstellung fand man bei der Untersuchung einer Höllenmaschine, daß der Explosinkorper in Teile eures in bulgarischer Sprache geschricvenen Brieses eingewickelt war und ein Stück Papier mit der Auffchrift: Tabakfabnk Sofia. Ein« sofort ausgeschickte Truppenabteilung, verfolgte di< Verbreckxrbande bis zur bulgarischen Grenze. Todesitcieü in Neuruppm. Oer Mord des Schnitters Michalak. Da» Neuruppiuer Schwurgericht verurleille am Freitag den Schnitter Michalak wegen Rand» morde», begangen an dem Schnitter Malata. zum Tode. Seine Komplicen, die Schnitter Andrzejewjki und Koczaik, erhielten 10 bzw. 5 Jahre Zuchthaus. Eine Schnitterin wurde zu 2 Monaleo Gefängnis verurteilt, eine zweite freigesprochen. Die jetzt Verurteilten hatten an> 17. Juli dieses Jahres bei Baumkrug in Mecklenburg einen Forstbeamten überfallen und ihm 8000 M. Lohngelder abgenommen. Wegen der Verteilung des Geldes entstand aber unter den Räubern Streit, der später dazu führte, daß Michalak, unterstützt von Andrzcjewski, seinen Komplicen Malata in einer Schonung an der Straße von heinrichsselde nach Kyrih ermordete, um stch in den Besitz des Anteils von M. zu setzen. Der Kriminalpolizei gelang es bald, von anderen Schnittern unter» richtet, die Räuberbande auszuheben. David Grave AG. in Schwierigkeiten. Die David Grave A.-G.. die mit einem Kapital van l.S Mil, lionen Mark arbeitet, befindet stch in Zahlungsschwierig- k« i t« n. Die Leitung des Unternehmens führt die unbefriedigend« Entwicklung in erster Linie auf den Rohrleger streik und Aus- fälle größerer Forderungen zurück. Die Firma ist der ileherzeugung. daß st« bei Gewährung des Moratoriums alle ihre Gläubiger werde hundertprozentig befriedigen können. Die Stadt Berlin mußte seinerzeit im Anschluß an die Regelung in der Müllabfuhr«in Teil der David-Grove-Aktien übernehmen. So besttzt die Bewag(Berliner Müllabfuhr-A.-G.) etwa 40 Proz. des gesamten Kapitals der Gesellschaft. »Das Erforderliche veranlaßt." Der„vorwärts� brachte in der Ausgab« Rr. 501 vom«. Ob- tober 1029 eine Notiz mit der Ueberschrift.Fieif zur Disziplimenuig�. Es bandelte stch um die Propaganda für das Volksbegehren in Eich wald«. die auch der Kr e i s f ch u l.ra t H..S t-r au ß durch feine Unterschriit»nitbetneben hat. Wegen dieses-Totbestaichea würde die Republikanische Beschwerdestelle Verlin bei der Regierukig, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen, in Potsdam vorstellig und erhielt unter dem 1. November folgenden Bescheid:„Der uns im Schreiben vom 29. Oktober 1929 uütgeteiltc Vorgang ist von uns untersucht worden. Hinsichtlich des«tzäpilrats Siraüß haben wir da» Erforderlich« veranlaßt." Ein Konzert des Arbeiiermäunerchors„Freiheit", Mohlsdorf, Kaulsdorf-Biesdorf, findet am Totensonntag in Anders Gesellschasts» Haus am Bahnhof Mahlsdorf statt. Der Eintrittspreis beträgt 1 M. Mtaf So trennten sie sich nach mehreren Stunden fruchtloser Nede und Gegenrede. Der Bankier de Castro hatte beim Abschied einen etwas verkniffenen Mund. Er besaß im Allgemeinen eine glückliche Hand, seine Unternehmungen schlugen ihm niemals fehl, er war reich genug, um die kühn- ften"Pläne zu verwirklichen. Albert de Castro war ernst als er ging: auf Irene mochte es den Eindruck, als wäre er traurig. Sein ruhiger Blick lag wieder auf ihrem. Uebrigens ging sie das nichts an. dieser Herr de Castro war der Sohn eines Geschäfts- mannes. der ihrem Vater zufällig bekannt war. sonst nichts. Die Besucher waren hinaus, und der Graf, der noch eben gelächelt hatte, sank auf dem Sessel am Piano zusam- mcn. Seine Arme fielen auf die Tasten, der Kops auf die Arme— und die Töne schrien auf. dann schwiegen sie still. Irene wollte ihrem Vater etwas Tröstendes sagen, sie fand aber nichts und ging wortlos hinaus. Christine Gast ging in dieser Zeit mit trotzigem, beinahe brummigem Ausdruck umher. Denn wenn ihr Unglück widerfuhr, dann wurde sie nicht äußerlich traurig: sondern wütend wurde sie auf ihr Mißgeschick, und wenn Jemand dem Grund ihres Kummers nachfragte, gab sie barsch eine knappe Antwort, als hätte der Frager an ollem Schuld. Sie hatte übrigens wirklichen Grund, niedergeschlagen zu sein Der Krieg' hatte ihre geplante Reise zu den Eltern nach Argentinien in unabfchbare Ferne verschoben. Nicht nur die Tatsache des Krieges selbst, sondern ein dringendes Schreiben von Vater und Mutter hielt sie zurück. Dies Schreiben war für lange Zeil das letzte, dos sie von ihren Eltern erhielt. Sie verfluchte den Krieg, und wenn ein Sdldat mit ihr freundlich tun moltie, sah sie ihm kurz und kalt ine Gesicht— weil er Soldat mar: wich er hatte Schuld. daß der Plan ihrer Reise vernichtet war. Sie wußte jetzt daran denk«», i-tue Art von Beruf ZU beginnen. Da sie aber alle Vorschläge, welche die Tante ihr machte, an der früheren Hoffnung maß, gelangte sie nur immer tiefer in Wut und zu keinem Entschluß. Tante Anita hatte einen Posten am städtischen Irrenhaus, und sie hätte mit Aussicht auf Erfolg Christine für eine offene Wärterin- nenstelle empfehlen können. Aber nein, besten Dank, da lehnte Christine ab. Jrrenwärterin sein war ihr eine gar zu riskante Sache, man konnte im Umgang mit Irren wohl noch schwieriger wissen, was alles solch ein Charakter mit einem vorhatte, als im Umgang mit den normalen Menschen. Es blieb ihr aber nichts anderes übria. Und nachdem Tante Anita ihr zum zwanzigsten Male beschworen hatte. der Dienst an Irren unterscheide sich überhaupt nicht von der Pflege an sonstigen Kranken, fügte sie sich darein und trat in der nächsten Woche schon eine Art von Lehrzeit an. 2. Als Vater und Sohn de Castro wieder einen Besuch bei dem Grafen machten— es war an einem Sonntag— trug Albert die Uniform. Auch Hans war zu.Hause. Von vorn- herein stellte er sich feindselig gegen die Besucher. Aber nur im Anfang: Albert zwang ihn zu einem Gespräch, und Hans, der das zuerst wie eine Unverschämtheit empfand, wurde mit der Zeit ganz glücklich davon. Die Klarheit und Ruhe, mit welcher Albert die Situation des Landes, die politische und die militärische auch, dazu die Stellung des einzelnen zum Ganzen erfaßte— das erfüllte ihn mit Begeisterung, und er mußte sich sogen, daß niemand noch mit ihm so modern über Pflichten gesprochen und niemand noch sich weniger Phrasen bedient hatte, als dieser de Castro. „Dieser de Castro," sagte 5ians zu Irene, als er die Stube verlassen hotte,„ist gor nicht so übel als ich mir dachte. Er bleibt natürlich doch nur ein de Castro, versteh' mich nur recht, ich bin noch längst nicht für ihn begeistert..." »Irene hielt sich in ihrem Zimmer. Aber später baten die EUern sie, sich ihnen anzuschließen. Es war eine Aus- fahrt in de Castros bereitem Automobil auf das Landgut geplant, daß er dicht vor der Haupfftadt besaß. Für eine Weile sah Irene vor sich hin, auf ihrer klaren Stirn stand ein leiser Schatten— dann sagte sie zu und schloß sich an. Alle untren mit von der Partie, außer Hans, der dos Schau- spiel einer Truppenübung nicht versäumen wollte. Worüber sprach man während der Fahrt? Es gab nur einen Gesprächsstoff: den Krieh. Der Bankier de Castro unD der Graf erwogen die Folgen, mährend die Gräfin Gott um de» baldige» Sieg bat. „Gott?" sagte Albert:..jetzt entscheiden die Waffen." i „Aber der Himmel lenkt sie," sagte die Gräfin. Albert wich aus. Auch er wünsche das baldige Ende. Irene schien zuzuhören: aber sie sah vor sich hm und sagte nichts.— Später lud'de Castro die Gäste ein. mit ihm durch den an die Rückseite des Landhauses grenzenden Blumengarten, zu gehen. Die Sonne stand schon in der milden Röte des Spätnachmittags, leuchtende Farben sprangen aus den bun- ten Komplexen der Beete. Vom Garten aus ging es auf einem schmalen Weg zwischen Feldern zum See und Wald. Im Walde fanden sich Albert und Irene von den übrigen getrennt. Diese Spaltung in zwei Gruppen war so selbswerständlich geschehen, als ob sie in der Natur der Sache läge. Auch Irene mußte das deutlich empfinden, jedenfalls ivuvde sie auffallend still. Für eine Weile gelang es ihrem Begleiter, Brücken über ihr Schweigen zu schlagen. Dann gingen sie beide stumm nebeneinander. Er spähte zwischen den Bäumen umher, um den Anschluß an die kleine Gesell- schaft, deren Stimmen er nicht mehr hörte, zu finden. „Sie sagten: Sie wünschten das Ende des Krieges," begann unvermittelt Irene:„meine Mutter dagegen wünschte den Sieg. Das ist mir aufgefallen." Dann schmieg sie. „Ich wünsche dos Ende," gab er erstaunt zur Antwort. ..weil dies Ende der neue Anfang des gesetzlichen Zustandcs zwischen den Menschen ist." Als sie gleich darauf zu den Eltern stießen, sah Graf von Küster seine Tochter für einen?lugenblick anffnerksam von der Seite an. Sic bemerkte den Blick, erschrak, und die Stirnc zuckte: ihre Lider zogen sich nervös zusammen. Sie sprach an diesem Abend kein Wort mehr. Zum?lbschied grüßte sie kalt und knapp. ?luch an den folgenden beiden Tagen herrschte zwischen den Eltern und der Tochter ein fremder Ton. Der Vater sprach wenig, er hotte eine Art, als ob er ein Unvccht getan oder zu tun im Begriffe wäre, ein Lächeln zerrte an seinem Mund, und wenn er durch die Stube kam. ging er auf behutsamen Sohlen. Die Mutter hatte einen weichen, weh- mutigen, gütigen Klang in der Stimme: wenn sie ihre Tochter ansah, legte sie den Kopf mit der steilen, schlichten Frisur etwas schräg, und in ihren Augen war eine Frage. Irene hatte eine Empfindung, als sähen olle sie in ängstlicher Erwartung an.«sie hielt sich in ihrem Zimmer, schrieb Briefe an ihr« Bekannten von Hohenau, die sich bereits im befanden, packt« kleine Gaben sä_ tFortjetzung folgt.) Krieg «fanden, packte kleine Gaben für sie zusammen, und sah por sich hw. Auch ein Weltrekord. 75 Eier in 8*/« Minuten verspeist. Ein Tanzcafe mit Kabarettbetrieb in der Pallasstraß«. cm schmaler, langer Naum, ohne Anspruch auf besondere Eleganz oder mondäne Aufmachimg. Man darf augenblicklich nicht tanzen. weil der Bußtag bereits fein« Schotten vorouswirft. Trotzdem ist der Besuch gut, da eine neue Sensation angekündigt ist. Ein Herr will nomlich In zehn Minuten nicht weniger als 75 Eier austrinken. Er hat schon seit langer Zeit im stillen trainiert und es fertigbekmmnen, den amerikanischen Weltrekord im Cieressen zu brechen,«ine Tat. die den Amerikanern jedenfalls keine ruhige Minute mehr lassen wird. Man erwartet einen dicken Mann mit Stiernacken, Doppelkimr, Häng« bauch und anderen Merkmalen ausgeprägter Gefräßigkeit, und es erscheint ein kleines, zartes Persönchen im Smoking, verbeugt sich schüchtern und sieht eher unterernährt, als überfüttert aus. Drei Freunde bilden die Begleitung und schauen, in würdiges Schwarz gewandet, dem Schicksal gefaßt ins Aug«. Auf einem Drohtgestell ruhen die Eier und bilden sinnig den Nomen Max. Das Orchester inionie'.t, um im allgemeinen den Mut zu heben, ein Marschpatpourri. Und nachdem man dem kühnen Eroberer von Neuland eine Niesen- scroiette umgebunden lzot. beginnt der Ernst des Lebens. Mit blitz- schnellen Bewegungen durchstößt der Ciersresser, wie«r genannt wird, die Eier, die ihm zugereicht werden und schlürft sse aus. hin und wieder Trost und Stärkung in einem großen Rotweinglis suchend. Bis zum vierzigsten Ei geht alles gut. aber dann kommt da» Publikum auf sein« Kosten. Sehr erfreut stellt ein« Dame fest: „Der schafft es nicht, dem wird doch schlecht!' Doch ihm wird nicht ichlecht, jedenfalls wird nian zum Zeugen eines heroischen Kampfes. Ein Tusch im Orchester verkündet Sieg, und der Ansager ruft strahlend, daß der jetzige Weltrekord 8% Minuten betrögt. Der junge Mann verbeugt sich. Ein Rekord, der" wie ein« Parodie auf dl« Rekordsehnscrcht des modernen Menschen wirkt. Während viele Krank« und Kinder nicht in der Lage sind, sich em Ei ,zu kaufen, werden hier 75 zum Amüse- ment des Publitirme oerzehrt. Und das Publikum, das applaudiert. beklagt sich wiederum über die so, pole Not der Zeit. Jedenfalls ein Rekord, der s chlaglichto rtig die sonderbar« Geisteshaltung der Gegen- wart kennzeichnet. VerbrecherjagdenimAordenundWesten sRäfffoierfer Iavelen-iobrecher. Z««t-ufregeade Derbrecherjagde» spielte» sich gestern im Norde« der Kindt»nd{« Kchö«»ber> ab. 2a beiden Fälle« glückte es. der Täter habhaft zu werden. Bor einem Juweliergeschäft in der»runnenstr. ItL stand gegen 8 Uhr abends ein junger Mann, der durch wirre Reden den Anschein der Trunkenheit zu erwecken suchte. Das Aufjollendste an ihm war sein» Schiebennützs. Seinen Schimpfereien, die zum Teil politisch waren, schenkte niemand besondere Aufmerksamkeit. Plötzlich ober zog der jung« Mann aus seiner Aktentasche einen Stein hervor, warf ihn in die S chau s e n st c r s ch e i b«. langte in das Loch und griff au» der Ausloge, was er gerade er- reichen tonnte. Noch ehe die Passanten sich klar wurden, was geschehen war, war der Dieb auch schon verschwunden. Später stell« sich heraus, daß er mit wenigen Griffe» für etwa loooo Mark Wertsachen erwischt hatte. Die Zeugen setzten ihm nach. Der Mann flüchtete die Brunnenstraße entlang und in die Usedomstraße hinein. Im Haus« Nr. 9 an der Ecke der Watt- ftroßc verschwand er. Da» Haus wurde umstellt, und hcrbeigerusen« Polizei verhastete den Täter, einen gewissen F r l ß P ä n n i n g, als er, den Harmlosen markierend, au» dem Haus trat. Er ist bereits wegen Schousenstereinbruchs vorbeftrast. Di« geraubten Juwelen konnten dem Bestohlenen zurückgegeben werdem Bönning wurde der Kriminalpolizei«ingeliefert. Auch im Westen, in der H o h e n st a u f e n st r a ß e, setzte man mit Erfolg drei Wohnungseinbrechern nach. Eine Be- Mahnerin des Hauses Nr. 33 war geaen 6 Uhr von einer Besorgung zurückgekehrt. Bor der Haustür stand ein Mann, der ihr ver- dächtig vorkam. Auf der Treppe begegnet« ihr im zweiten Stock- werk ein zweiter Mann, den sie auch noch nie gesehen hatte. Als derJÖlonn merkt«, daß er sich verdächtig gemacht hatte, versetzte er der Frau einen Stoß und flüchtete unmittelbar. Daraus stürmt« aus dem vierten Stockwert ein dritter Kerl, der der Frau gleichfalls einen Stoß versetzte, die Treppen herab. Di« Frau lief den beiden auf die Straße nach, und es gelang, die Kerle und noch einen Spich- gesellen dingfest zu machen und dem Polizeipräsidium zuzuführen. 2294228 gültige Stimmen. Wahlquotieni �0-196. Der Skadlwahlausschuß zur Fesistellung der Zahl der bei der Stadloerordnelenwahl auf die kreiswahlvorschläze in». gesamt entfallenden Stimmen und de» Wahl- q u o t i c n t e n trat heute vormittag zu einer Sitzung zusammen. Cs wurden für die sämtlichen Berliner Wahlkreise Wahlkreis I bis XV) 2 294 278 abgegebene gültige Stimmen ermittelt. Der w a h l- quokienl ist hiernach auf 10 196 festgestellt worden. Schwindel mit Luxuslokalen. Anklage wegen Kautionsbetruges und Konkursverbrechens. Der Zusammenbruch de, n e s r b e ck- P a l a i,, der kurz nach der Eröffnung erfolgt war, beschäftigt gegenwärtig die Sonderabtciluag für da» Konkurs- vergehen beim Schöffengericht Berlin-Mitte unter Vorsitz von Amtsgericht»!«! Dr. Wesenberg. Die Anklage richtet sich gegen den 1891 geborenen Walter Pieck und lautet aus fort- gesetzten kaulionsbctrug und Konkursvcrbrechen. E» sind bei dicfein verkrachten Unternehmen zahlreiche Unterpächter geschädigt worden, die Kautionen und Pachtzahlungen in Höhe von etwa 45 990 M. geleistet hatten. Pieck, der sich vor Gericht als der Sohn eines vielfachen Millionärs bezeichnete, hotte im Jahr« 1923 den Offenbarungscid geleistet, pachtet« aber von dem Kansinann Frankel die diesem gehörende Privatoilla K n e s e- bcckstraße 39/51, um in den Gejanüräumen«in internationales mondänes L u x u s l o k a!,„Knesebcck.Palais", zu eröffnen. Vorher hott« in d«n untren Räumen der„Tiergartenklub' fein Heim gcchabt und wurde von Fränkci und dem Grafen Fink v. Finienftein geleitet. Am 4 Oktober 1928 sollte dos Knesebeck-Palais eröffnet werden, es war aber vi« Konzcssion nicht«rteilt worden, die erst mn 19. November vom Etadtaicsschuß bewilligt wurde. Da war alier dem Unternehmer Pieck, wie er selbst heut««ingestand, die „Puste auegegangen'. Er behauptete, daß er von dem Hauswirt Frankel hineingelegt worden fei. Der Mietzins habe monatlich 4000 M. betvagen. Außerdem hob« er dem Hausbesitzer noch 1000 M. gerantierten monatlichen Gewinnanteil als Mindestsatz zahlen müssen. Frankel habe ihm vorgetäuscht, daß Graf Fink o. Finkenstem die Konzession für die unteren Räume habe, und daß di« Erweiterung der Konzession aus die oberen Räum« nur eine Formsache wäre. Zwei Stunden vor der Erosinmcg de» Betriebe» am 4. Oktober habe er die Benachrichtigung bekormiien» daß die Konzession verweigert werde, und es hob« sich herausgestellt, daß es sich um eine Neutonzession Handel«. Es sei alles zur Eröffnung vorbereitet gewesen, in Küche und Keller. Das Personal war engagiert, auch zwei Kapellen, die er für zwei Monate habe weiter- bezahlen müssen. Dadurch sei der Zuscmnnenbruch hervorgerufen worden. Rechtsanioolt Wolter Bahn verwies darauf, daß der Kauf- mann Frankel der Zengenladung nicht Folge geleistet Hobe. Er soll am letzten Sonnabend nach Hamburg abgereist sein und offenbar sei dem Herrn, gegen den der Anaettagl« schon Betrugsanzeige erstattet habe, die Zengeimu-sagc schr unangenehm. Der A n- geklagte berief sich weiterhin darauf, daß er 23 900 M. Kapital zur Berfügnng gehabt hob«. Sein Bruder, der»in großes Waren- haus besitze, habe ihm 59 999 M. zur Verfügung stellen wollen. Di« Uinbauten der Villa hätten 139 900 M. gekostet. E» sei nicht seine Absicht gewesen, die Unterpächter zu betrügen. Hinter dein An« geklagten steckte der Kaufmann Siegfried Kotz, der in ähnlicher Weise mit Kautionen und Pachtverträgen schon das Mäufa-Palais aufgezogen hatte imb gegen den ein Betnigsoerfahren augenblicklich schwebt. Kotz ist zu der Verhandlung auch sticht erschienen und Hot ein Krankheit sottest eingeschickt. Zu der Verhandlung sind etwa 50 Zeugen geladen, sowie ein« Reihe von Sachverständigen. Di« Anklage wegen Konkurs- Verbrechens stützt sich wieder darauf, daß der Angeklagte es unter- lassen hat, ordnungsmäßig Bücher zu sühren. Greises Ehepaar durch Gas vergiflet. Gestern früh wurde in ihrer Wohimng in Süd ende, Lantwitzer Straß« 19, der SOjährig« Händler Friedrich 91 i 1 f ch e und seine 77 jährige Frau Emilie durch Gag vergiftet bewußtlos aufgefunden. Di« Feuerwehr wurde alarmiert, und nach langwierigen Bemühungen gelang es. die beiden alten Leute ins Leben zurückzurufen. Ihr Zustand war jedoch so bedenklich. daß der Arzt der Rettungsstelle die sofortige Uebcrführung ins Lankwitzer Krankenhaus verordnete. Ob ein llnglückssall vorliegt, oder ob dos greise Ehepaar im gegenseitigen Einverständnis frei- willig aus dein Leben scheiden wollte, konnte noch nicht ermittelt werden. Korlea für die Taquag.Nacktheit«od Erziehung" für heut: abend, Sonntag und Montag ab-nch 7M Uhr sind im Herrenhaus, Leipziger Str. 3. zu haben. Es reden u. a. Dr Magnus Hirfchfeld, Toni Sender. M. d. R., Frau Wegscheider-Ziegler. Klara Böhm- Schuch, Adolf Koch, Friedrich Weigclt. Karten für di« Gymnastik- Matinee erhallen nur organisierte Mitglieder der Arbelter-Sport- und Kulturorganisationen, der Sozialdemokratischen Partei und der freien Gewerkschaften unter Vorzeigung der Mitgliedskarten am Sonnabendabend 7 Uhr im Herrenhaus. Die Matinee Ist am Sonn- tag. dem 24 9!ooemb«r, vormittags 11 K Uhr, in öer Volksbühne, Theater am Bülowplatz. Ein öffentlicher Kortenverkauf hierfür findet nicht statt. Avimft-Wat. Mißbrauch mit Hebammen-Lnseraten. Erpressangsversvche durch offene pofltarten. Mit einer eigenartigen Angelegenheit beschäftigt sich seil einer Reihe von Wochen die Kriminalpolizei. Bekanntlich finden sich in größeren Berliner Tageszeitungen fast täglich Inserate, in denen behördlich zugelassene und geprüfte Hebammen Uvterkunst und Behandlung anbieten. Der Kreis dieser Frauen ist der Polizei bekannt. Ein« noch unbekannte Person, wahrscheinlich eine Frau, macht sich mm seit geraumer Zeit«in Gewerbe daraus, die genehmigtsn Inserate auszuschneiden, sie aus offen« Po st- karten zu kleben und sie Berliner Aerzten zuzusenden. Neben dem aufgeklebten Inserat findet sich aus der Postkart« der Hand- schriftliche Vermerk, daß der Arzt mit einer Dame, einer Auge- stellten, Krankenschwester oder dergleichen bei der Unterzeichneten gewesen sei und ihre Hi/se in Anspruch genommen habe. Er habe zwar 200 M. angezahlt, schulde aber noch 309 M. Die Schreiberin betont weiter, daß sie„a n d e r e Schritte' unternehmen werde, wenn dieses Geld nicht umgehend bezahlt werde. Bisher waren stets die Inserat« einer Frau K. und einer Frau Z verwendet, die aber, wie die Kriminalpolizei feststellte, mit der erpresserischen An- gelegenheit nichts zu tun haben. Ohne Zweifel bezweckt die Schreiberin erstens ein« Schädigung des Rufes sowohl der Frauen wie der Aerzte und rechnet zweitens wohl damit daß dach einmal jemand zahlen werde. Nicht nur Berliner Mediziner, sondern auch Aerzte in der Provinz, besonders in Pommern, sind mit diesen Zuschriften in größer Menge bedacht worden. Während in der Großstadt nur«in kleiner Kreis davon Kenntnis erhallen hat, haben die offenen Karten auf dem Lande eine geradezu verheerende Wirkung ausgeübt. Die Provinzärzte, die von nichts wissen, sind In ihrem Ruf« empfindlich geschädigt, die Patienten verlieren das Vertrauen und in einigen Fällen ist es auch zu ernsten Familienzerwürfnissen gekoimnen. Es versteht sich ja von selbst, daß in so kleinen Nestern offene Post- karten von verschiedenen Personen gelesen werden, die einen der- ariiz verfänglichen Inhalt schleunigst weitererzählen. Alle Bemühungen der Dienststelle U. 1, die Schreiberin dieser ominösen Karten ausfindig zu machen, sind bisher erfolglos ge- bliel'en. Sie sind schon dadurch erschwert, weil die Sendungen von allen Gegenden der Stadt ausgegeben werden. Aller Wahrschein- lichkeit nach dürste die Absenderin in den Kreisen der Personen zu suchen sein, die an einer Schädigung der Aerzte und Hebammen ein besonderes Interesse haben. Neuer Bankkrach. . Tausende von Meingcwerbetreitenden geschädigt. Lübeck, 21. November.(Eigenbericht.) Die Bank für Handel und Gewerbe hat heut« morgen ihre Zahlungen eingestellt. Ihren sich vor dem Eingang stauende» Gläubigern läßt die Bantleitung eine gedruckte Miltcilunq übergeben, worin sie der Hoffnung Ausdruck gibt, daß die Schwn- rigkeiten nur vorübergehender Natur seien. Im Publikum ist man indessen skeptischer. Schon seit einiger Zeit gehen ungünstige Ge- rüchte über die Bank um, die von gefährlichen und mißglückten Spekulationen der Bank sprechen. Besonders der Direktor der Bant soll durch private Spekulationen gegen die Anordnungen des Auf- sichtsrats di« Bant sehr geschädigt haben. Das Aktienkapital der Bank für Handel und Gewerb« beträgt eine Million Mark. Die Bank besteht seit über 49 Jahren: sie zählt insbesondere Kleingewerbetreibende und Kleinhändler zu ihren Kunden. Di« Zahl der Konten wird aus 9909 bis 8999 geschätzt. » Wie gestern abend bekannt wurde, ist Direktor H i r s ch f e l d von der Bant für Handel und Gewerbe A.-G. in Lübeck, gegen den Haftbefehl erlassen worden ist, in der Nacht zum Bußtag aus Lübeck verschwunden. Man nahm zunächst an, daß er sich zu seiner Mütter nach Merseburg begeben habe. Später wurde jedoch festgestellt, daß«r am Donnerstag über Homburg nach Poris gereist mar. Die fvanzössschen Behörden sind ersucht worden. Direktor Hirschfeld sofort bei seiner Ankunft festzunehmen. Ächaufeusterriiober in Friedrichshagen. In Friedrichshagen ist mi«ber ein« Kolonne jugendlicher Bur- fchen mit einem gestohlenen Auto aufgetreten. Ortsbewohner be- obachteten, wie gegen 1 Uhr nachts gegenüber einem Uhren- und Goldwarengeschäft in der Friedrichstr. 49«in Auto anhielt. Drei Burschen saßen darin. Später entdeckte man, daß an dem Uhren- geschäft die Jalousie hochgehoben, die S ch a u f e n st e r s ch e i b e zertrümmert und die Auslugen geplündert waren. Nach Schätzung des Geschäftsinhabers müss«n den Räubern für etwa 2309 M. Gold- und Sikberfachen und Uhren in die Hönde gefallen sein. Noch dem Diebstahl hatten die Täter die Jalousie miefcer herabgelassen, so daß der Streich erst am Morgen entdeckt wurde. Jetzt entsannen sich die Bewohner auch des verdächtigen Autos. Ohne Zweifel handelt cs sich wieder um Berliner Burschen, die w'e frühere Kolonnen mit gestohlenen Wogen die Umgegend unsicher machen. Vertagung der Bauausstellung um ein Jahr. Di« Geschäftsführnvg der Deutsche» Ba»»us- st e l l u n g teilt mit, daß sie heute vom verein B a u a u»» stellung wie folgt benachrichtigt wurde: „Die Einstellung zahlreicher Bauten in Berkin und in anderen Städten, dazu die Empfehlung des Deutschen Städte- tages, bis auf weiteres alle nicht unbedingt notwendigen Ausgaben zurückzustellen und ouckz den Neubau von Wohnungen zu drosseln, dürft« für die Bau- und Baustoffindustrien von schwerwiegenden Folgen begleitet sein. Bei einigen Mit- gliedern des Vereins Bauausstellung sind deshalb Befürchtungen ausgelöst worden, daß di« Beschaffung der Mittel ftir«in« würdige Beteiligung an der Dcuffchen Bauausstellung zu Schwierigkeiten führen könnte. Sie haben deshalb beim Verein den Antrag gestellt, die Möglichkeit einer Berschiebung der Deutschen Bau- aus stellung um ein Jahr zu beantragen. Die Angelegenheit beschäftigt bereits den Vorstand des Vereins Bauausstellung und wird Gegenstand der Verhandlungen der demnächstigen Mitgliederversammlung sein. Der Verein wird die Presse über den Ausgang seiner Beratungen verständigen.. Neue Vethastung in Düsseldorf. In der Düsseldorfer Mordaffäre wurde gestern abend eine neue Verhaftung vorgenommen. Ein Mann, der sich nach längerer Beobachtmrg durch die Polizei verdächtig gemadst hatte, wurde in M e t t in a n n verhaftet. Es handelt sich um den neumind- zwanzigjährigen Hilfsarbeiter Waldemar Stelze. -» Auf dem Waller Friedhof zu Bremen fand am Freitag oormittog die Beerdigung der von dem Düsseldorfer Mörder auf dem(Bitte Pappendell ermordeten Hausangestellten Maria Hahn aus Bremen statt. Dazu hatten sich Hunderte von Jusckzonern einge- funden. Durch ein dichtes Spalier von Anwesenden wurde der mit zahlreichen Kränz«» geschmückte Sarg zum Grabe getragen. Die Bewast entlastet den Zlrbeitsmarkt. In der Zeit vom 39. September bis einschließlich 5. November 1929(5 Wochen) sind bei de» Kabelvcrlcgungen sowie Erd- bewegungz- und verwandten Arbeiten durchschnittlich pro Woche 1529 Erwerbslos« beschäftigt worden. Im Sinne der ge- ietzlichen Bestimmungen über die Bekämpfung der Erwerbslosennot kommen demnach 45 999 Erwerbslosentagewcrke in Frage. Niesenbrand in Rache«. Das Fabrikgebüud« der Rheinischen Sperrhölzer» und F u r n i t u r« n- A.- G., das in nächster Zeit in Betrieb ge- »ommen werden sollt«, ist durch Großfeuer vernichtet worden. Der Schaden beträgt über eine halbe Million. Das Feuer brach in der vorletzten Nachr kurz nach 1 Uhr aus. Nach kurzer Zeit schoß eine riesig« Feuergarbe aus dem Gcbäudekomplex in den Himmel. Di« Feuerwehr mußte sich damit begnügen, den Brand auf seinen Herd zu beschränken. Di« Fabrik ist bis auf di« Grundmauern nieder- gebrannt. Neuer Aussichlsralsvorsitzender der Berliner Anschossung»ges«ll. ichasl. Der Magistrat hat als Nachfolger des aus dem Auffichts- rat der Berliner Am'ämffungsgesellschaft m. b. H. ausgeschi»denen Stadtrats G ä b e l Stadirat W u tz k y gleichzeitig mit der Maßgabe benannt, daß er den Borsch im Aussichtsrat dieser Gesellschaft über- ninnnt. In den Aufsichlsrat der Berliner Stadtgüter G. m. b. H. wurde für Stadtrat Gäbe! Stadtrat R a d d a tz entsandt. Eine Totenfeier de» Reichsbunde» der Kriegsbeschädtiglen. Am Totenlonntag, dem 24. Rooembsr, find«! aus dem Sornisonsriedhof eine Gedenkfeier des Reichsbunde» der Kriegsbeschädigten für unser« gefallenen Kameraden statt. Treffpunkt zum Abmorsch mit Musik und Banner 11.30 Uhr. Retchsnberger Hof. Reichen berger Straß« 147. Die Gedenkred« hält Landtogsabgeordneter Erich K u t t n e r. Kriegsopfer ehrt eure toten Kameraden. Erscheint i« Massen. „Die Eherechlsreform und die arbeitende Arm».' Heut« abend 7.30 Uhr spricht Reichstagsabgeordne!« Genossin P f ü l f im Rabmcn der Vorträge der Freien S o z i a l i st i j ch e n Hoch- l ch u l e über das obige Thema. Der Vortrag findet im Plenarsaal des Reichswirtschaftsratz, Bellcvueftr. 15. statt. Korten Zum Press« von 59 Pf.(einschl. Garderobe) sind am Eingang de» Saale» noch zu haben. ,£<»nG tn Sonne. nS" t, r. StrtfwS' DerProvinzialverband Groß-Bcrlin der Klein- A artenvereine hatte einc>eladen. nm den �weilen Teil des Reichsverbandssilnis„Sand in Sonn«" in der Uraiifflihrunq M �ciaen. Wer die schönen ausdrucksvollen Bilder des ersten Teils noch im Gedächtnis hat. der mehr die ethische und kutturelle Idee Mim Vorwurf nahm, wird aufs anoenshmste überrascht sein, vieles von der Idee bereits verwirklicht zu sehen. Auch in diesem Teil mit dem Titel„Vor den Toren" ist die Sehnsucht des Städters nach einem Stückchen Sonncnland sichtbar. Besonders aut ist die Trick- s�ene gelungen, wo mif dem Grundriß eines Stück Papiers allmäh- lich der Garten erwächst: die Beeteinteilnng, das chäuschen, der Zaun, Spalierobst, Bäume. Sträucher, Pilegt auch Schaukel und Barren auf den Rasenploft angewackelt kommen So ungefähr mag es den Menschen ergehen, die als Kleingartenoniateure von der Zukunft träumen. Auch von den grogen Zusammenhangen zwischen den Laubenkolonien im heutigen Sinne, der Grün- slächenbewegung und modernen Städtegestnltung weiss der Film überraschend Neues gu Migen. Man sieht Muster- anlagen in Frankfurt a. M. und der Industriestadt Rem- scheid. Bei letzterer wird das grandiose Schauspiel gezeigt, wie von Beginn an eine wüste Einöde durch sleihiae Hände mi einem blühenden Parkteil verwandelt wird, in dem Kleingärten, Spiel- und Sportplätze. Planschbecken und Schulgarten ihren Platz finden. Gan� besonders wird es den Berliner erfreuen, seine geliebten Reh berge hier in Penvaltung der Laubsnkolonisten ipi sehen, die aus einer Wanderdüne ein blühendes Gelände geschajicn haben. Dah die Jugend in dem Film nicht mi kurz kommt, ist sslbstoer- ständlich. Alles spitzt sich auf die große Zeitforderimg zu:„Mehr Licht, mehr Sonne!" Herstellerin des Films ist die„Ufa", als Regisseur zeichnet Kell, als Operateur Müller, das Manuskript ist von Architekt Harry Maß in Lübeck. Der Vorsitzend« des Verbandes, Stadtverordneter Genosse R e i n h o l d, betont« in ielner Ansprache, daß dieser Film nur amen kleinen Ausschnitt aus der Bewegung zeige, die erst vor etwa 19 Jahren ihre össentiiche Anerkennung fand. Der Anfang ist gemacht. Vis das Ziel erreicht ist, jedem Stadtmenschen, der sich danach sehnt,»in eigenes Gärtchen für dauernd zu sichern, müssen sich alle interessierten Kreise, beson- ders Staat und Gem«nden dafür einsetzen. einfnita»otn fit» dirs» Änfctil sind Berlin SA M, Lwd«nftrn»n.gr.«. 7.«Mi» OmMratna an» Spandau____ . 23. Sloormlxt, wn IT— 18 Ilde, im_______________— leornbrit i«at ftitdjcnauatcittl— ftrcicanas�ng Hit Io,ialisfilchr Bilbnaa». arbeit: Dir für beut«, gennobenb, 23. Nlwembrr, annfffW« Sillun« sitllt flu» imb finfcrt txrfltr am Sonnobenb, 30. Rovnichrr, statt. 9.«tri» Ailaunbotf. Monlo«, SS. äiooeml.tt, 20 Übt, Eitunut bte Serie- vorftandrs mtt tan Adtr!l»ilg»tet!rrn lind k>«n Vorstfttnben der ltintier. Heute. Sonnabend. 23. Ilovember. 21.«bt.'»(sthmo. SraidsfObrcr! cofori wiftHors Material abhalra non bei CiefchÄföSeH«, UtMt&trr Sit. 21. .BS 30. Abt, Serbas eil,«rrbnnbrn mit einer Iubitarsrirr —_____,..„__________._______ W. i» btn Stanne-ZrfKätcn, P-ppelaNke 15. Ckfanarbatbirhraa nnb San) bi« :: Übe. Karitx Mira Preis« von M Ps. sind bei aH«n ffnntlirnBrtn tu babtn. All« Senolllnnt« nnb Sciu>Is«n sind fnniiMiibtt einaelabtn. «. Abt. Se« bittest in«ab« geftsiilen. Richte»«. 39. Sn-iiünuna fiz 19 üb», Beninn 20 Jlbr. starten sind bei allen Bejiritfnbtera)n beben. ulnnben Orb chenaffen iint......."' 1 M i- AI« Stnalfi'nbcn nnb feenetsen 1 1 i i-i-jLi rb itcnnbliibft cinaelabrn. irr HS. Abt. ZOarienberf. Sie Brsirloftibtet müssen am 3t. Jlnorntbre bie Karten ber mroalutianafrlrr und bie Listen der StobttmirdiurteruDabltn brint Oenotfen Otubn obtedmen._ 117.«W. eichtenbna. 1»S llbt findet ftle die fflenoffen der«Bbenicfer SHautsre im Solol UNubbach- eine wicht i«e Sefptedwno statt. Morgen. Sonntag. 24. November. !>. Abt. Arn Sonata>, beginnt die.Vorwärta'-AaUatian- AI« MitqNeber i retten M um t Übe bei viibaer,»iUnadrt Str. St. steinet pars lebten, Zungsozialisien. Smibpc AenläHin«onnbao, A. Ztoomibrr. ssahrt svr üiaWahm. Ipi'trft S'i Übe SerKderopIal,. venppe Iem»eiba!i Sonnta«. U. Zlavember, Secffaunft 8 Übt Siobnbof Ternvelbaf. twff. gahrt nach ginhnfrno. Arbeitsgemeinschaft der Sindersrennde Grod-Lerlin. Wochen endtnrsn» A.«t. Ranember, veainn Sanntaa, IP/i Ubt»llnktlich. Berliner Suaendlanb Kassen iLandschuideüii». Absei drt: Sannabenb 17.11. 18.21 Potsdamit «Mi» S-Ajl, WW—i I PUntili am ttirtannfl obirtc ülbsabrlMtl!) «ruppe Atiana vabniiot, Eonnta« 0.21, 1 ircutbcia: All« leilnebmer m Badnliok Donfftttiste. am Woche Iienbtursu» treffm sich 18 ...... Erscheinen erbeten. (Siebe anapiab: Brut», Sonimbenb, 10 Übt, im JJuaeitbbeitn EUTobeflj. Alle Eltern müssen erscheinen. Sonn- titchsir. 10, inichilfle Elternbefprrchmiq. W WW ta«. Üi. November, van 17—20 Uhr. Bunter Abend fin nl eichen beim. chkuvve«anbabetae» Bin»! Sojinloa, 2t. Sionenebet; Alle Raten und Sana- raifeit treffen sich um 14 Uhr im Zna-ndheinl Diestelmkverstr. 5—8 ,ur Oicnetat- rrobe für bie Grudvenseier. Ende 18 Uhr. MiHnbrinae» sind 10 Ps„ Taste ur» Slnllen oder stuaien. gstken.die drn Lolkalan» mitmachen, erscheinen auch. Pwikliich sein. Mitriibrinpen stnd die«Sruppentvimpel, Speere und der virvvveuball.— Manlaa. SS._ November! 18— 10-'H Uhr erscheinen fdmllidit tvcuppeul.ubet im öeint.— Menoia«, 20. November: 18-30 Uht Lifbetnbcnb .........."--iTen, tzunffalhn und«üleft.— Mttnvch. 27. M Slovembtt: Nile-linder, die bei der steter mitrolrfcn, ttcfstn sich der.!» ' t.- Nonne ralaa, 88. Rvveenber, Ivtb Uhr, viennftaNet die r Plah anlüstlich ,>>>"Z.»weiiShriOen Bestehen, armeit ÜerülsUnbqriipve RHebridwbamelne(Sameiusclmfi�elft in 18H Uhr in, Gruppe Lands- insain mit der der Sehutanla Nir nile Raten stalten, IuntsnIKn und stillen.— Mttwvdl. 18—20 Uhr im Leim lebte Avcbetciiun««».— Sannemcfl, 28. lllounnbet: «Kc stlüdsk, die bei der Jfeier� mitmlrtcn, treffen sich btrciM »dm. beutet ?V.°ste!'mene�r."'5�».'Aua bfin«waroimn:'Gasana. �ReAtätidncn, Bditsttinae usw. Eintritt frei. Programm 10 Pf.— streundschas!. Geburtstage. Jubiläen usw. 19. Abt. Ans« lieber Genosse M a» Fanstraann. Bellermannftr. 90, »avenbet hmt« sein 40. Lebenaiahr. lieber 2» Jahre«h» et et ber Partei O*. und jnut meist oi» Sunttionär, beinahe ebenso iaaaa»ebi er im Dienste her M......., seit der»eünbnna de, Aeichsbanner, anch bort tStia» --- n bie VaRei ruft, im vorterftee Reihe n finden. ihn nach recht ianoe in der- und hassen, Tischlertrantrntaste,. Atitplied, so i« et immer. Wir«tatuliet« ihm terist.bfrulid) und leiben st tische in nnsetet?Ritte�«u(e6en. seinen' JO.�Geiwrtabo«."»i* fltaWitren ihm der»ii'chst n»b"Hassans ihn'aa« '�tZ�Abt. uÄrrem Mben Senasten ste«»)»aehl je, Bevamannstr. 89, znm 4»tShria« Paeteiinbiiänm bie ber»Ii-dsten GlüSwünsche. nach recht lanae Gchmfdi, Lämestr. 8, feiert beute { Sterbetafel der Groß« Nerliner Partei« Organisation 24. Abi. Arn Mitbwnch, 20. Zwnaneber.»erftart»ISMidfi tmfer Habet Genast» v."?« jT.» aoi„«eh. it. ehre feinem Andenienl«inifchen R d!> e r t® Nontnst. 25.. um rcot Sclci SWnssfrl' 17,"«ire feinem AndenZeni"«in'bscherm« am 18 Uhr. im Jtwrmatortuw Gerichtstrahe.©ii btäen -Lttlill ■aistnei«._,_. Heute, Sonnabend. Heirn Sastertorstr. 9. 1« Uhr D.-Z.-Larstand». «er debe prl«M-tbe rs � ,i»»rbehe)in Schinebarp: SvwLaiterKerk« in Nowawe». TrefipunV mi uaz "■�äSSSSS&m.»»u-m»-«.■■ii'»«>.».-«--• SWeiKnt Geavste ffeiefiftf SSibrt Beta: Aesta»a-üchaer Et „Tdiitlerselbstnerwasiuna", 1K Uhr Brtprrdnina Danziaer Eck» Sreifswnider Straß«, Arbeit-aemeinschas« Abraham(„Velernnen"): Zusammenkunft 19*1 Uhr Lind.-nstr. 3, Arbeiter. BiUnmasfdiillt. Referate und Sktufflon über„Dir Ethik der pvlilischrn Arbeit". Morgen, Sonntag. Narben: Besichtiauna der stenrrwad!« in der Stockholmer Strahe. Treff- Punkt 9 Nhr Nht, Gefundbrnnnen.— Schönhanser Bvrstadt: stahrt, Treffpunkt 7 Uhr Bhi. Gesundbrunnen. 9>.. Uhr Zufammenkunst der Arheitsoemeinschast beim Genossen Schmidt,— Nriililln V; stahrt nach der Dudrorv. Treffpunkt Tij Uhr Bhf. Neukölln. 79 Pf. Abend» Zilfamnienkunst im Seim Böhmisdie Sirahe 1— f. Gruppe Trmpelhpf:?>., Uhr Bahnhof, stahrt ins Unqewist». 18 Uhr Ber- Iiner Ecke Torfstrane, B»fud> der Schöneberper R. st, Arberieoemeinfchaft Abraham: stahrt nach Briefelanq— Reiten. Treffpunkt Lehrter Bahnhof, Sanpteinqanq ftb, Uhr. Sonnabenbfahrer ebenda 17-1 Uhr. Nachdltkler Inaendhrrherü- Briefelaua. Vortrage, Vereine und Versammlungen. # Reichsbanner„Schwarz-Rot-Goid'. Seschitslsstelle: Berlin S. 14. Sebasttairstr. 57—88, Lal z. Tr. Sanaabend, 23. Rovember. Neukölln. Veit. 1. Kameradschaft. 1. Zva: 20 Uhr Lidstbildervortraa mit onfdgiehendem ntfelliqen Bei- samm.-nfer.i mit AnnehÄristcn im Lokal Ties! er. Reuterstr. 47. Lichtenbeea, Aameradfdiaft Gustav Trmpel: 2» Uhr Mitaiiederversammlnnq bei Erich Tempel, Gndrunstr. 7. fiaineradsdmst Biesdorf dei Porath, Bieedorf, Mar- „Hier spricht Berlin" eine hübsche Vortragsstund« aus Mnigswusterhausen. Herbett Günther gab kurz- Verbmimnqssätze zu Dichtungen, die Berlin spiegeln: das Berlin, wie es der„Besuch vom Lande" in Erich Kästners Versen sieht und jenes, wie der Voll- btutamerikaner Lion Feuchtwangcrs erblickt. Edith Braun, Wolf- gang Zilzer imh Herbert Günther sprachen die Dichtungen mit Gr- schmack. Musik schaffte diskrete Ilebergaiige.—„Zehn Minuten Geburtstagsfelcr für den öyjähriaen Andrä Gide" in Bettin. Dieter Basse rma im erzMte von einer Begegming mit dem Dichter kurz vor Kriegsausbruch. Er schilderte anschaulich, fesselnd, auch für den, der von Gide kaum mchr als den Nanien kennt. Kein pathetisches Wott kündete Hochachtung, Zuneigung zu den» Dichter, die man dach aus jedem der fchöngeformten Satze spürt«.— Musik aus beiden Sendern: Leichte Unterhältung, gute Konunermusik, akustisch tragung«ine» Konzerts aus der Singakademie. Jeder sich nach seinem Geschmack bedienen. % ne lieber- rer konnte Tes. whner Str.«. Ave ettnKir UN» pafTrOti««oMesabai fteftea Aa» aufBuMoei Sihun« ,u besuche».- fknaiaa. 24. Aenembet. Webhinq: 9 Uhr Evortpllah £>umbolb!npm. Sirmtrid» sportlich iirtetefficrlru ftometoben ntrt Svortkleidun« miiffen bestimmt erfdjeiueu. Reuaissstelluna und Twiniu« der Sandhastman»- schOften.— PrenUanee«eeq. Iunnbanuer: ststhe»»« durch Alt-Berlin. Treff- Punkt ili Uhr Be�irkoamt Danuqer Sirahe. Gäste und Kameraden anderer Ortooereiue stnd einaeladru. Nein- Unkosten.• Zivil mit Biindesnadcl. Seblenbatf: 14 Uhr bei Schnorre Utr Gedenkkeier.— Neaköln.Brih: striedhof Neukölln. Mariendorfer Weg und Brill. llhanKeesirafir. 11 Uhr grau, nieder. lefiujtn«it. Cbtuna der Gefallenen des Weltkeieqes. Teeplaw lOrtoverein): Totenfeier auf dem steiebhof i» Bnumfchulrnwea. Antreten i:!'.7 Uhr Baum- Giulenwra. Baumschulen. Ecke Scheiblerstrahe. Niipenick lOrieverein): 9 Uhr Antreten aut f.ransincbftleaunfl auf dem ffiillKlmplak mit Tamöaurkoroo und stöhnen. Lichtenbern,«amcradschakt Mahlrdorf: 12», Uhr Antreten aller Kamerv den am Einaann?um Städtischen striedhof in Mahlodors. an der Lemteftrahe. ii�sser?»>>Äabtdi'nn«.'''Zua'La� Tles»c'i,n. 7rleb">--eh»"-, pimaoanner: 29 Uhr Polloer'ammlnnn im Innkndhelu: strankfur'er Alle« 397. kluaend I: 29 4, Ilhr ffilmabend Im Beriikeamt Boeckstr. 11. Iln. ifl 20 D> tJclflliedstiud) Mitbringen. Sieolis, fdrtsverein): 29 Uhr Krensbe«,... kpstenbeitraa MM.___________________, WWW M Ei Huna sümfilicher stunktionäre btt Schul.,. Pirkönsdistr. 99. Aeichakaetell Republik. Gporiplat, strirdrichafeide: Sannian. 24. November, oen 9—12 Uhr frfncRcn die Ortovereine Reinickendorf und Weddinn. van ZZ— 17 Uhr Kreuadera und Prensfaner Vera. Tie folqenden Tane bi» ein. schliehn.ch streiiap blesben den obe»aenannten Orisoereinen qieich-alls frei. Am Sonnta«. 1. Tesenruee. findet äief dem Sportplah striedrichefelde, am Uppstallmen. ein Preis- und Wertunqsfchiess-n sin!!. TeilnahmeberechUat stnd alle an«e>chlakfenen vttdve reine und derest Gäste.—«haelettenbnra: Ab 10 Uhr. Schienen auf de» Sdnestständen in Zehiendars. Vollzähline, Erscheinen ettöuTi i cht. ifteireiiaiöf« Gemeinde. Sounloa, U Uhr, Pappelallee 13, Partraa de» chertn U."omder:.Goethe und tuir*. 19 Uhr, beer A. Rosenbenra:.Sab und Laden-, Gäste willkmilenen. Verein fllr Einheitskoe»!chr>si Nrnlälln. Glanaiaa und streskap. 20-22 Uhr. Anfänaer-,.stoelqesdnnitcne., Redefchrist-Lahrgänge, Kaiser-striedridt-RtalOnrnna. strnn. Neukölln,«aifer.stiiedvich.Sfr 208. streie.r Körpeelniturlrei- Kien, Hera,«ir heteitipen link, am Montast, 2S. November, an der Sdmliaauna von Bdatf koch iai Serrenhaus. Deshälh fällt da« Baden in der Badeanstalt Baerwaldftrahe ans. �MMWMMMWMMWMWMWMM�MMMWMMM ab- im �------ T,-.....-•»»-•--n» I—.!»»(« ij/«JU--iOlSi Ulli. VV1X»L>UI11V(- Vi« 18. TT IC 11 Br. 9)otno Stein fptidjt Uber.Arabifch.flldifche Perständ!■.-.'i1 ?�e"ffi1 /}. 7. ?// 'it* '7' iSii«"1 1 Sffcl w LWie� m 'OyS/j V/f m wt» * JO StTTl „Joffes raucht" Tä.usend sagende Schornsteine zeigen sich dem Blick, und mii ihnen weiieifern in der Tiefe Million en Raucher, die sich erfreuen am •KosettMuno Berlins m eis ige ra u cht er 4-i> Cigarette Wachstum der Arbeiterbank. Zn itO Monaten stiegen die Einlagen von 117 auf 154 Millionen Mark. Die t)rm Äcn freien Gcwcrkfchuften geschaffene Arbeiterbank— Dank Aer Arbeiter. Angestellten und Beamten A.-l! Waggonfabrik A.-G. wird nach dem Beschluß de» Aufsicht», rates die Dividende für 1928/29 von 7 auf 10 Proz. heraussetzen. Diskonicnnäßigungen rings um Deuffchland. Di« Wiener Nationavbonk hat ihren Diskontsatz von 8% aus 8 Proz., die Bank von Danzig von 614 auf 6 Proz.«mäßigt. In Deuffchland wird um die Kreditoerbilligung der Reichsbank noch diskutiert. Abschluß der Einiquaqsocrhaudlungen im landwirtschaftlichen Genostenschoskswesen. Die Verhandlungen der Einigungskommisston der in dem Einheitsoerband der landwirtschaftlichen Geiwsieiffchaften zusammenzuschließenden Orgonifotionen wurden unter dem Vorsitz des Präsidenten der Preußischen Zentralgenossenschoftskasse in Frankfurt am Main zu Ende geführt. Die Konstituierung des Einheitsoerbandes fft für Mitte Januar kommenden Jahres in Berlin in Aussicht genommen. Elektrische Licht, nnd Srastaillagea wieder 10 Proz. Dividende. Die mit dem viemens-Konzern eng zusammenarbeitende El«k- irische Licht, und Kroftonlagen A.- G Bxrlin ve» teilt für das Geschäftsjahr 1928/29 wieder ein zehnprozentige Divi- dende. Zu dem mit Siemens u. Halske vorgenommenen Aktien- auetaiisch bemerkt die Verwaltung, daß die engere Anlehnung an Siemens u. Halske und der Freundschostsvertrag mit S ch u ck e r t ii. E o. in Nürnberg ihr besonders für di« Finanzierung elektrischer Anlagen und Ilnternebmungen zweckmäßig erscheine. Der Gewinn aus Wertpapieren, Dividenden und Zinsen stieg von 2,6 auf 3,0 Millionen Mark. In der Bilanz erscheint der Wert der Beteiligungen und Wertpapiere mit 32,9 gegen 22.3 Millionen Mark im Vorjahr. Der Nennwert dieser Aktienpakete beziffert sich auf 39,9 Millionen Mark, so daß sie in der Bilanz mit einem Durch- schnittswert van 83 Proz. erscheinen. Die Zlusleihungen an Tochter- gcselllchosten wuchsen von 2,2 auf 3P Millionen Mark, andererseits aber auch die Schulden von 2.3 aus 4,6 Millionen Mark. Die Aus» sichten!ür das kaufende Geschäftsjahr werden, w!« bei der anhaltend guten Elektrokoi, junktur nicht anders zu erwarten war, als günstig bezeichnet. BerantZvortlich nir Dr. Cud Gcqsr� Wirtschat�: H. fiÜAgel'iüfttz (Sewerkschaftsbewegunq: Z. Steiver: Feuilleton: SL H. Döscher: Lokal«« und Somtiaeg' ikritz Aorsiädt: Anteiaen: Tb. tKloete: sämtlich in Berliv. Verlag: Vorwärts-Verlag u n d 2 Z I a h r en bei den Gebrüdern Simon in- Stellung sind und die heute im Alter von 50 bis 60 Iahren stehen. Es ist so gut wie ousgeschlosien, daß diese Auge. stellten anderweitig wieder unterkommen können.. Nun besteht bei den Gebrüdern Simon eine P e n s i o n s- k a s s«, in die auch die Angestellten monallich 2 Mark Beitrog gezahlt haben. Pensioniert werden diese alten Angestellten nicht. weil sie„zu jung" sind. Sie werden aber abgebaut, weil sie „zu alt" sind. Anspruch auf die Pensionierung haben sie erst, wenn sie 65 Jahre alt sein werden. Iahten sie ihren Beitrag nach der Entlassung nicht wester, dann erlischt ihr Anspruch auf die Pension. Es handelt sich insgesamt um etwa 15 ältere Angestellte. Im Durchschnitt, würden sie monallich«ine Pension von etwa 50 Mark beziehen. Das würde die Firma mst jährlich rund 0000 M. „belasten". Es muß aber gespart werden. Es muß um so mehr gespart machen, als der L e i tu n g s a p p a ra t nach dem Muster der Banken bei der Sanierung verstärkt wurde. Statt z w e Vorstandsmitglieder, wie bisher, wird die Finna Gebrüder Simon künstig drei Vorstandsmitglieder hoben. Jedes dieser Vorstands- Mitglieder bezieht ein Iahresgehalt von 120 000 M., wozu noch die Tantiemen kommen. Autzerdenr ist die Anzahl der Prokuristen und chandelsbevoll möchtigten von drei auf sieben erhöht worden. Auch diesc Prokuristen erholten jeder ein Iohresgeholt, dos mehr als das Doppelte dessen beträgt, was die Pension der 15 abgebauten älteren Angestellten zusammen ausmachen würde. Mit diesen Sparmaßnahmen, die man wirklich nicht näher zu bezeichnen braucht, Hot man sich aber nicht begnügt. Man hat die Gehälter und Löhne der Angestellten, die nicht entlassen wurden, gekürzt. Man hat einem Angestellten, einem Fa- milienvater, das Gehalt von 240 auf 220 M., einem chausdiemr den Wochonlohn von 45 auf 42 M. herabgesetzt. So wird gespart! Dem früheren Direktor Ury hat man im Vergleichswege die bescheiden« Abfindungssumme von 240 000 M. ausgezahlt. Gewissermaßen als Schmerzensgeld für die Mißwirtschaft, an der die Gebrüder Simon zugrunde gegangen sind. Um aber vor eventuellen Forderungen der Angestellten sicher zu sein, hat man allen Angestellten gekündigt, den Betriebsrat abgebaut und erklärt, daß die„neue" Firma Gc- brüder Simon die Rechtsnachfolgen der„alten" Firma Gebrüder Simon nicht anerkennt. Es müßte denn sein, man war, wie Herr Ury, Direktor mit dem Iohresgeholt von 250 000 M. nebst einem Prozentsatz vom Umsatz, also auch wem, kein Gewinn erzielt wurde. Das Aktienkapital der nunmehr sanierten Firma Gebrüder Simon ist auf 5 Millionen festgesetzt worden. Die festen Gehälter der leitenden Angestellten betragen allein schon 10 Proz. des Aktien- kapital?. Ohne Tanllemen. Wenn unter diesen Umständen die Dividende ein« nur bescheidene werden sollte, dann wird man sich in der Gencralversalmnlung hinstellen und über die„Not der Wirtschaft", die„hohen Soziallosten" und die.hohen Löhne" klagen. Und die gesamte bürgerliche Presse wird das nachdrucken. Wir erklären dazu, daß die Art, wie die Firma Gebrüder Simon ruiniert und wie sie saniert wurde, ein Skaistwl erster Ordnung ist und Zeugnis ablegt von der kaltschnäuzigen Unfähigkeit und Hartherzigkeit unserer sogenannten Wirtschaftsführer. den Zentrolinstanzen, sondern auch in den Sparten größere? Einfluß zu gewinnen. Sie werden auch am Sonntag versuchen, die Leitung der Handsetzersparte in ihr« Hand zu de- kommen. Es ist damit zu rechnen, daß die Kommunisten die vor kurzem erfolgten Ausschlüsse kommunistischer Buchdrucker aus dem Verband zu einem wüsten Kampf gegen den Handsetzervorstand aus- zu nutzen versuchen werden. Denn unter den Ausgeschlossenen be- findet sich ja der größte kommunistische Schreier der Berliner Hand- setzer, Schiller. Der jetzige Vorstand der Berliner Handsetzervercinigung hat in jeder Beziehung seine Pflicht getan, weshalb es Aufgabe oller ouf dem Baden der Amsterdamer Gewerkschafts. richtung stehenden Berliner Handsetzer sein muß, die Wieder- wohl des bisherigen Vorstandes zu sichern. Berliner Handsetzer! Geht vollzählig zu eurer Generaloersamm- l u n g und wehrt euch gegen alle kommunistischen Spaltungsbe- strebungen!___ Angestellte der Berliner Metallindustrie! Entsprechend unserem Ankrage ist unter dem 14. November 1g?g rückwirkend ab 1. Oktober 1929 der neue Gehaltstarifvertrag für allgemein verbindlich erklärt. Somit haben auch die Angestellten, die in Betrieben beschäftigt sind, die dem VVZKZ. nicht angehören, einen klagbaren R e ch t s a n s p r u ch aus die 7prozcnkige Erhöhung der Tarifgehälter ab 1. Oktober 1929. AfA-Metallkarkell. Butab: Günther. Dwv.: Zager. ZdA.: Gottfurcht. Lange. Bezirkslokalc der Zimmerer. ««tri]: Kor». 3»t*Dorfrt Str.»! J: Stüde,«orschaner Str. 17; 3: zachari»». Straloucr aflcc. Sdt Boffrstrahc: 4:«rompat. Pa-l-Si-a-r. Strotz« 4»! 5- Lrbmouu. Rusttuwr Str. 1; 8:.Sur rtcicbcnsSfiae, Wirarr Strotz« 57a; 8: Stnfncr. S-qclbrrgcr Str. 20a: 18: Th-ma». Stevtzanstr. 30, .Sur Stcptaatllaufc": 11: Petra», Schloarlftr. 9(TcUpbon: Nörde» 1207); 14: Samlerftr. 22: 13:«oIMAmiM, St-lpische Str. 36; 18: 3»4ter, Sckli«. monilktr. 39; 17: Specht. Scotqcnürchftr. 63; 18:«ufctchaflc». Schar»»>eb-r. strotze 60: 20:«spie, Reulöll», Allerstr. 15: 21:«»!«. Scmpcl&ef, Soiscr. BUdcIm'SJt. 74; 26: WM. SAöncbcrfl, Marti».L»tk-r-Str. 69; 27: Kroitz. Bitmerodors. Sasteincr Eck« Kolsteinische Strotze; 28: Reimer, aharlottenbur«. Tilmeredorser Str. 20: 30: Bolfäbau», Rcinlckcn dort. West. Schor»ip«ber» strotze 114—115: 33: Albert,«a»lls-e. Ehousseestr. 45: 36: Wolter, NlSpeoiik. Sritnstr. 14; 38: Sial»re»d«l,. jjricdrich,!)-««». Kirch- Ecke Wildklmstratzc: 39:.Türkisch«, Zelt'. Spandau. M-Itir. Ecke Bi,i»-rckstr-tzr. Zratralverbaod der Zimmerer Dentschlaado, Zadlgelle Berli» und Umgeqrod. Die Lumpenlegende. Oer neueste Schwindel der„Zstoten Fahne". Die Kommunistische Partei hat bei den Kommunalwahlen im Reich schlecht abgeschnitten. In Berlin erreicht« sie zwar auch nicht die Stimmeizzahl der letzten Reichstag-wählen, sie hatre aber einen relativen Erfölg. weil der Rückgang der sozialdemokrotischea »stimmen gegenüber der Reichstogswohl stärker war als der der Kammunistischen Partei. Darüber großes Siegesgeschrei bei den Kommunisten, und in der„Roten Fahne" die Behauptung, die .KPD/ sei die einzige Arbeiterpartei. Wir liaben daraus geantwortet. Wir haben festgestellt, daß die Gewerkschaften, in der die organisierte Arbeiterschaft vereinigt ist, für die Sozialdemokratische Partei eingetreten sind. Wir haben hinzugesügr, daß von den rund 3 300000 Wahlberechtigten in Berlin allerdings mir rund 450 000 svagewerkschafllich organisiert sind. Rechnet man deren Angehörigen KOch hinzu, so macht die organisierte Arbeiterschaft Berlins noch nicht «in Drittel der Wahlberechtigten aus. Wir fügten hinzu: „Scheidet man die organisierte Arbeiterschaft aus, wie es die KPD. bei ihrer gewerkschaftlichen und politischen Aktion tut. dann allerdings bleibt die KPD. als„einzige Arbeiterpartei" ührig. Als Partei der Unorganisierten. Dies? Un- organisierten sind, auch politisch unorganisiert, lesen weder di komiminisftsche noch sonst eine politische Presse, tu« sind in jeder Beziehung Treibholz/ In einer Riesenstadt wie Berlin gibt es neben den eigentlichen Industriearbeitern, den Handels- und Bureauongcstellten, den Arbeitern und Angestellten der Eisenbahn und des Derkehrs. eine riesig« Masse von Gelegenheitsachestern, zugereiften Ungelernten, Denassierten, ruinierten Kleinrentnern, prnietorjsierten Kleinbürgern, Halbintellektuellen mit schwer dsftnierharem Beruf und Einkommen, schließlich, in größerem Maßs�als anderwärts, jene zweiselhasten Elancnt«, die man mit dem Sammelnamen Lumpenproletariat be, zeichnet. Aus dieser teigigen Mass«, hie widerstandslos allen Eindrücken aus- gesetzt, est, ohye sich fornien zu lassen, rekrutiert sich die kommunistische Wählerschaft." Durch einen plumpe» Fälschertrick versucht« die.Rot« Fahne" ihven Lesern einzureden, wir hätten geschrieben: „Alle KPV.-wähler sind Lumpen!" Das ist c i n e f r c ch e Lüge. Die„Rote Fahne" ftchrt noch ein anderes angebliches Zitat des„Vorwärts" an.' Sie behauptot, der'„Vorwärts" Hab« geschrieben:„In einer Riesenstadt wie Berlin gibt es eine riesige Masse von Gelegenhests- arbeite rn, zugereisten Ungelernten usw." Es ist bezeichnend für dos Bglschewistenblast, daß es aus diesem„Zstat" die Industrie- arbeftter, die Handels- und Bureo uangestellten, die Arbeiter und Angestellten der Eisenbahn und d<» Verkehrs wcgestamotiert. Nicht nur well es so leichter ist, den Sinn unserer Aussührungen zu fälschen, sondern auch weil man in der Kommunistischen Partei kein großer Freund der organisierten Arbeiterschaft ist. Mst einer plumpen Fälschung versucht« die KPD. ihre Anhänger aufzuputschen. Der gegenwärtige Leiter der Gewcrk- schosksabteilung im Zentralkomitee der KPD., Paul Merk er. derselbe, der gleichzeitig einer gelben und einer freigewerk- schastlichen Organisation angehört«, nelnit die Gewerts chafter in der„Roten Fahne"„gekaufte streikbrecherische Lumpen. Brüder der faschistischen TNörderbanden". So schreibt die„Rote Fahne" über sozialdemokratische Arbeiter. Zugleich entrüstet sie sich darüber, daß der„'Vorwärts" di« kommunistischen Arbeiter beschimpft habe Wir haben bewiesen, daß dies« Entrüstung nur gespielt ist. Der Sag„olle KPD.-Wähler sind Lumpen" hat zwar in der „F a h n e" gestanden, aber nicht im„Vorwärts". Die Behauptung, wir hätten die kommunistischen Wähler „Lumpen" geschimpft, ist frech erlogen. Kampfdisziplin der Schuhmacher. Montag geschlossene Arbeitsaufnahme. Die Frage der Wiederaufnahme der Arbeit in den bestreikt«» Berliner Schuhfabriken stand gestern nachmittag in der von der Ortsverwallung des Schuhmacherverbandes einberufenen Streikversonunlung der Schuhmacher zur Beratung. Bei den Verhandlungen zrix Bellegung des Lohnkonflikts in der deutschen Schuh« Industrie im Rachsarbestsministerium ist bekanntlich zwischen den Parteien die Vereinbarung getroffen worden, daß in den Streitgebieten Berlin. und Hameln die Arbest vorläufig wiederaufgenommen werden soll. In Hameln ist die Arbeit, nachdem die dortige Firma die Streikbrecher entlassen hat, die sich leider während des Kampfes gesunden hasten, am Freitag bereits ausgenommen worden. In einer mehrstündigen Debatte, die sich dem Bericht des Bovoll? mächtigten H ö r tz über den Ausgang der Schlichtungsoerhandlungen anschloß, wurde in oftmals schorfer, ober durchaus sachlicher Form die Meinungsverschiedenheiten ausgetragen, die über die Frag« der Wiederaufnahme der Arbeit bestanden. Von einem Teil der Redner wurde gefordert, die Arbeit noch so lange ruhen zu lassen, bis der Schiedsspruch sür verbindlich erklärt ist. Gegen dies« Aus. sassung wandten sich viele Funktionäre, die betonten, daß ein solches Weiterstreiken zwecklos sei, da dadurch an der Situation nicht das geringste geändert würde. In geheimer Abstimmung wurde dann mit 317 gegen 112 Stimmen bei 7 Stimmenthaltungen beschlossen, die Arbeit am Montag in allen bestreikten Berliner Betrieben geschlossen wieder aufzunehmen. Der Verbands?eirot des Zentralverbandes der Schuhmacher tritt am Mittwoch in Berlin zusammen, um aus Gnmd der gesamten Ab- stimmungsergebnisse im Reich zu dem Schiedsspruch endgültig Stellung zu nehmen. Oer Spaltungskongreß. Aber ohne organisierte Arbeiter. In der kommunistischen Presse versucht man jetzt, nachdem selbst die Unorganisierten in ihrer überwältigenden Mehrheit eine Beteiligung ablehnen, es so hinzustellen, als Hobe man mst dem kommunistischen Gewerkschaftskongreß nur«ine für kommunistische Thcaterverhältnisse bescheidene Kundgebung beabsichtigt. „Rur" 800 bis 900 Delegierte sollten gewählt werden. In seinem Referat am 25. September hat der kommunistische Reichstagsabgeordnet« Dahlem erklärt:„Ende November aber tritt der erste Gewerkschaftskongreß der revolutionären Opposition zusammen, zu dem die Betriebe und die Erwerbslosen aus allen Testen Deutschlands 1500 bis 2000 Delegierte entsenden wenden."(„Rote Fahne" Nr. 189 vom 26. September,„Vorwärts" Nr. 455 vom 28. September.) Aus diesen 1500 bis 2000' Delegierten wurden bald 2000 bis 3000. Jetzt sind es 500. Angeblich. Sogar von Gewerkschaften entsendet. Wir haben schon gezeigt, welcher Art„Gewerkschaften" dies sind. Ucberrafcht sind wir, daß heute die„Rote Fahne" erklärt, die Mandate des famosen Industrievsrbandes sür das graphische Gewerbe würden nicht anerkannt. Zunächst hat das Blatt diese„Delegierten" freilich in den Himmel gehoben..Haben sie schon eine„Abweichung" begangen? Oder— was wahrscheinlicher ist— fürchtet man den schlechten Eindruck, den dies«„Vertretung" am Sonntag auf die Hand» setzer machen könnte?— Nach der Generalversammlung der Handsetzer kann man ja wieder ouf den„Industrieoerband" mit dem großen Gummistempel zurückgreifen. Ein Schulbeispiel dafür, welche„Beachtung" der Kongreß der kommunistischen Gewerkschaftsspalter bei der Arbeiterschaft findet, erlebte man gestern abend in S i e m e n s st a d t. Acht Tage lang hat die„Rote Fahne" mit dreispaltigen B a l k e n l e t te r n oelronnnelt, um die 60 000 Siemens-Arbeiler zu einer sogenannten Konzernversammlung auf die Beine zu bringen. Außerdem hatte man sich Teddy Thälmann als Referenten verschrieben. Aber nur ganze 200 Mann waren dem Ruf der kommunistischen Drahtzieher gefolgt, die gerade ein bescheidenes Gartenlokal in Stern- fcld füllten. Nachdem eine Theatertruppe mit ihrem Kasperletheater und on- schließend Thälmann mit einem andetthalbstündigeii Referat die „Stimmung" vorbereitet hatten, wählten die 200 Mann sieben Männer und zwei Frauen zu dein Spaltungskangreß der KPD. Diese neun von einer Handvoll gewählt, werden also am kommen- den Sonnabend die 60 000 Siemcns-Arbester„vertreten". Die organisierten Kollegen werden über diesen Unkiig zur Tagesordnung übergehen. Handfeher, besucht die Generalvefsammlung! Die Berliner Handsetzervereinigung des Luch- druckerverbondes hält am Sonntag im„Orpheum", Hafenheid«, ihr« diesjährige Generalversammlung ab. In dieser Bersamm- lung ist der Vorstand neu zu wählen. Das Bestreben der Kommunisten geht dahin, nicht nur m Iuaendgruppe des ZeniralverbandeS der Angestellten Zlollstomckursu» im Iuqcndhcim Lehrter lötratzc 18—19, Bezin» 20 Uhr. tzFreieGewerkschafts-Iugenö Berlin. Keule Werbeverenstaltunz des Rordkreisez in d«r Aula des Luiser. städtische» iSnmnasiums. GIrimstr. 49. Einsatz 19 Uhr. Argina '19U Mir. Proaraoun: Musik, Ansprach«. Rrzitatwn, Säiattrnspiele. Eprrch. und Nawrqunaschor„Dividende". Eintritt 30 Pf. Kartr» sind an der Kasse 3» haben. Verkäufe Tapete». E»!llot. itoldniestratze S._ Bettcn,crk-«s! Reue 12,50! 15.— 1 19,50! Prachtvolle 25,—! 27,50! Bauern beticn 29,—! 33/—! Inlette! spottbillig und«ut! Keine Lombardware. Leih Haus. Brunnen stratzc 47.' Bekleidünqsstücko, Wüsche usw. Kenia netuntne Kerrengarderobe. teils aus Seide, verlause spottbillig. Iockettanillgc. Gehrockaniiige. Smoking. aniiiqe, ssrackanillge, Paletots, Ulster, Beinkleider sowie crslklasssgc neue Gar. deroden. Ersatz für Watz. Svrtialität Laucha Nillgr. 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