Anieige»prei«:Die einspaltige Nviipareilleitile «o Pf., Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwSrtS-Verlag 0. m.b.H., Berlin Nr.»7536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bi« 297 10 Pf. Nr. 552 B 275 46. Jahrgang Erscheint täglich außerSonntags. Zugleich Abeadauegabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben S5Pf. proWoche, S,60M. pro Monat. Redaktion und Erpedition; BerlluSW6S,!indenstr.3 venudl Montag 2S.Aovember 1929 2�(XX) Stimmen ungültig. Nur 10,02 Prozent für Volksbegehren. Clemenceau gestorben. S6 jährig.- Begräbnis in der Heimai. Der Reichswahlausschuß trat heule vormittag unker Vorsitz des Reichswahlleiters. Professor Dr. wagemanu. zusammen, um das Ergebnis der Eintragungen zum Dolksbegehreu zu prüfen. Räch längerer Aussprache wurde sestgestellt. daß im ganzen Eintragungsgebiet 4 135 300 unzweiselhaft gültige. 24326 ungültige und zweifelhafte Eintragungen vollzogen worden sind. Es sind also etwa 8000 Ein- tragungen über die erforderlichen zehn Prozent hinaus vor- Händen, so daß 10,02 proz. der Wahlberechtigten sich für das Volksbegehren eingetragen haben. Von den 24 326 beanstandeten Eintragungen waren 3119 von den Abstimmungsausschüssen für gültig und 21207 für un- gültig erklärt worden. Es handelt sich zumeist um Eintragungen außerhalb des Eintragungs- r a u m e s. Eintragungen von fremder Hand, unvollständige Eintragungen, Doppeleintragungea. Eintragungen unter Vorbehalt. Eintragungen von nichtberechtigten Personen und ähnliches. Die vom Roichswahlausfchuh heule festgestellj« Zahl von 4 133 300 Eintragungen für das Hugenbcrgfchc Volksbegehren oder 10,02 Proz. der Eintraguiigsbercchtigtc» ist die Zusammenfassung der. von den Land e s w ahlausschüssen als unzweifelhast gültig erachteten Eintragungen. Dies« Zahl kann sich noch erhöhen aber nicht mehr erniedrigen. Der Reichswohlausschuh ist nämlich dabei, eine Reihe strittiger Fragen grundsätzlich zu entscheiden. Diese Fragen beireffen solche Eintragungen, die die Landeswahlausfchüsfe als zweifelhaft bezeichnet haben, während sie die unzweifelhaft un- gültigen, nämlich 21 207 bereits gestrichen haben, so daß 3113 noch zweifelhaft sind. Die strittigen Fragen, über die der Reichswohlausschuh heut« entscheiden will, sind u. a. folgende: Unvollständige Eintra- gungen, Eintragungen außerhalb des amtlich dazu be- stimmten Raumes, solche Eintragungen, bei denen Ange- hörig« die Eintragung des Familienoberhauptes nur unter. st r i ch« l t haben, Eintragungen, die der G e m e i n d e v o r st e h e r für Eintragungsberechtigte vollzogen hat, doppelte oder mit Vorbehalt versehene Einträgungen, Cinzeichnungen Nichrverech- tigter oder in nicht vorschriftsmäßige Listen, auf Grund nicht form- gerechter Eintragungsscheine, vor oder nach Ablauf der Frist erfolgt« Eintragungen, nachträgliche Berichtigungen, angeblich unter aintlicher Beeinflussung erfolgte oder mit Zusätzen versehene Eintragungen. Wie der Hugenberg-Block retuschiert hat. Di« Zahl der beanstandeten Eintragungen ist sehr erheblich. Zum größten Teil handelt es sich dabei um Eintragungen aus den vstelbischen agrarischen Provinzen. Hugenberg Hot das Wort vom„retuschieren' geprägt— jetzt zeigt es sich, wer retuschiert hat. Ganze Listen sind von sin und derselben Haird geschrieben, Doppcleintragungen sind vorgenommen worden. Listen sind von Haus zu Haus getragen worden. Unberech- tigte haben sich eingetragen— das ist die Arbeit des Hugenberz. Blocks dort, wo der großagrarische Einfluß vorherrscht. Der Block des Herrn Hugenberg hat nicht nur mit den Mitteln des Terrors, sondern auch mit den Mitteln gewöhnlichster Wahlfälschung gearbeitet. Man versteht jetzt, warum Herr Hugenberg den Beamten in beleidigender Form„Re- tuschierung' unterstellt hat. Man sucht niemanden hinter dem Lusche, wenn man nicht selbst dahinter gesteckt hat. Nach der Feststellung des Ergebnisses wird nun der Reichs- tag über dos Hugcnberg-Gesetz beraten. Wir verstehen, daß mancher Reichstagsobgeordnete aus der deutschnationalen Fraktion gewünscht hätte, das Ergebnis wäre ein Fünfzigstel Prozent unter der Grenz« geblieben, aber mit Hilfe dieses ein Fünftigstel Prozentes wird nun die deulschnationale Reichstagsfraktion Farbe bekennen müsien. Am 22. Dezember findet dann der Volksentscheid statt. In den Stimmbezirken werden an diesem Tage rund 130 000 ehrenamtliche Beamte Dienst tun müssen, Reich und Länder müssen erhebliche Kasten auf sich nehmen— und alles nur, damit die Hugenberg- pleite noch einmal festgestellt wird! Paris, 25. November.(Eigenbericht.) Elemenceau. der frühere französische Ministerpräsident, der „Tiger" und„Sieger des Krieges", ist in der Nacht zum Sonnlag um 1.45 Uhr gestorben. Unmittelbar nach dem Tod fand sich Ministerpräsident Tardieu im Sterbehaus ein. Fast gleichzeitig mit ihm war der Maler Godard, ein Freund Elemenceaus. gekommen, um die Züge de» Toten festzuhalten. Alle öffentlichen Gebäude haben halbmast geflagg«. .Ei»sam, wie er seine letzten Lebensjahre verbrachte, wird Elemenceau am Montag in dem kleinen Ort Mouchamps in der Hugenbergs Brei. Auch in Kassel ist er n'cht zum stahlharten Block, sondern trotz allen Orinherumrührenel nur immer weicher geworden. Band« begraben. In der Nacht zum Montag wurde seine Leiche im Automobil aus Paris fortgeschafft und ohne Begleitung in die Vandce gebracht. In seinem Testament hat sich Elemenceau aus- drücklich verbeten, daß irgendeine offiziellc Persönlichkeit an seiner Beisetzung teilnehme. Nur die nächsten Familienangehörigen sind zugelassen. Die Beisetzung, die ohne offiziellen und kirchlichen Pomp erfolgt, findet im Garten des Besitztums der Familie statt, wo auch der Later Elemenceaus begraben liegt. Selbst eine Grab- inschrift hat sich Elemenceau verbeten. Damit aber trotzdem der narionalen Feier Ausdruck verliehen wird, hat der Ministcrpräsi- dent bestimmt, daß am Manräg zur Stund« der Beisetzung in allen französischen Garnisonen die Kanonen Salut schießen. Am nächsten Sonntag werden die ehemaligen Kriegsteilnehmer in Paris eine Trauerseier abHallen. Sie werden im Beisein der Regierung und des Parlaments vor dem Grabe des unbekannten Soldaten defilieren. Die Rachruje der Linkspresie enthalten scharfe Kritiken am Lebenswerk Elemenceaus. Leon Blum erklärt im„Populolrc", daß Elemenceau durch die maßlosen Uebertreibungcn, die in seinem Charakter logen, viel gesündigt habe. Er habe den Iudlvidua- Usmus bis zur Anarchie, den Patriotismus bis zum Chaitvinismus übertrieben. Das letzte Werk Elemenceaus, das den Titel„Größe und Elend eines Sieges" trägt, ist von dein Autor gerade noch sertiggestellt worden, ohne daß er jedoch die Korrekturen noch lesen konnte. Das Werk wird nicht gleich als Buch erscheinen, sondern zunächst in der Wochenschrift„L'Jllustration". Wien bleibt Land. Neickskonferenz der Eozialöemokraiie in Oesterreich. Wien, 25. November.(Eigenbericht.) Die Reichskonserenz der Sozialdemokrotlc hat am Sonntag zur versassungsreform Stellung genommen. Den Bericht über die Verhandlungen mit dem Bundeskanzler erstattete Dr. Danneberg. der daran führend teilgenommen hat. In der Aussprache beleuchtete Dr. Renner besonders eingehend das Ergebnis der Verhandlungen. Er erklärte, die Verfassungsresorm der Regierung sei eine verballhornung der Demokratie. Die Sozicildemokralen seien in ihren Zugeständnissen bis an die äußerste Grenze gegangen; weitere Zugeständnisse seien für sie unmöglich. Einer Entrechtung Wiens würden sie vor ollem schärfsten Widerstand entgegensehen. Sie seien um des Friedens willen zu Opfern bereit, damit Oesterreich endlich einmal zu wirtlchasllichem Arbeiten komme, jedoch nicht zu Opfern an den Rechten des Voltes und der Demokratie. Aehnlich äußerten sich die übrigen Redner. Die Konserenz nahm einstimmig eine Entschließung an, worin die Fraktion ermächtigt wird, nur unter der Bedingung für die Versassungsvorlage zu stimme», daß ihr Znhalt innerhalb der bei den Beratungen der Reichskonserenz gezogenen Grenze bleibt. Weiter beschloß die Kon- serenz aus Antrag aller wiener Vertrauensmänner, daß Wien als Land innerhalb des Bundesstaates gegenüber den übrigen Ländern nicht benachteiligt werden dürfe. Zeder Versuch, die Gleichberechtigung Wiens als Land zu schmälern, müsse abgelehnt werden. Angenommen wurde schließlich noch ein Antrag des Abgeordnete» witteraigg- Salzburg, wonach die Zusammensetzung der Landesregierungen nach dem Proporz so bleiben müsse wie bisher. Oer Abschluß der Verhandlungen. Wien, 25. November.(Eigenbericht.) In unterrichteten Kreisen verlautet, daß die Kompromiß- j Verhandlungen zwischen dem Bundeskanzler und der Soztal- demokralie über die Verfassungsreform abge- schlössen sind. Wien soll nach dem Ergebnis dieser Verhand- lungen unmittelbare Bundeshauptstadt werden, ober seine Länderrechle beholten. Die Gemeindepolizei geht an die Bundes- Polizei über: außerdem soll Wien künstig gewisse vudgetopser zugunsten von Niederösterrcich kragen. Oie Warnung der Internationale. Brüssel, 23. November.(Elgcnbericht.) In Brüssel tagte am Sonnabend und Sonntag das Bureau der Arbeite rinternationole. An den Verhandlungen nahm als Vertreter Deutschlands Reichstogsabgcordneter Otto Wels teil. Am Sonnal'end wurde hauptsächlich die politische Lage in Oesterreich und Polen besprochen. Am Sonntag behandelte man in erster Linie die Fragen der internationalen Abrüstung. Anläßlich der internationalen Tagung fand am Sonnabend im Volkshaus eine Kundgebung gegen den Faschismus statt. Mehr als 2000 Menschen hatten sich bereits vor der Eröffnung der Vcr- änstaltung eingefunden. Baiidervclde eröffnete die Versammlung mit einer Betrachtung über das saschiftische Schandregiment in Italien. Er richtete bei dieser Gelegenheit zugleich eine Warnung an P l l s u d s k i und die übrigen Warschauer Machthaber. Im weiteren Dcrlauf der Veranstaltung äußerte sich Otto Wels über die Beziehungen deutschnationolcr und völkischer Kreise zur öfter- reichischen Heimwehrbewegung und über dos Maulhcldentum dir deutschen Nationalsozialisten. Gaskatastrophe in Essen. Ein Hans eingestürzt.— 3 Tote, tneJe Schwerverlehte. Ein furchtbares ExplosionsungliZlck ereignete sich am Montag morgon gegen 10 Uhr auf dem Weberplatz in Essen, wo gerade Markt abgehalten wurde. Ein Gebäude, in dem sich ein Haushaltungsgeschäft sowie ein« Kaffee- und Friihftiicksstube befindet, flog mit furchtbarem Krachen in die Luft. Das Haus wurde vollständig demoliert und auseinander- gerissen. Die Straften liegen voll Haushaltungs- gegenständen, viele sind durch die Fenster in die benach- barten Gebäude geflogen. Die Nachbargebäude sind gleichfalls stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Fenster sind fast sämtlich zertrümmert, die Decken und Wände geborsten, die großen Schaufensterscheiben der beuach- barten Läden wurden vollständig zertrümmert und unter die Waren geschleudert. Die Wucht der Explosion wax derartig, daß die großen drei bis vier Zentner schweren Slcinslufen der Treppe über die Häuser hin- weg aus die Dächer geschleudert wurden und dort große Lerwüstun- gen anrichteten. Alle Feuenvehren mit ihren Krankenwagen sind an Ort und Stelle. Bisher sind aus den Trümmern acht Schwer- verletzte und vier Leichtverletzte geborgen worden. Man sucht noch nach zwei Personen, einem Knaben und einem Mädchen. Von den Schwerverletzten ist ein Mann kurz nach der Einliefenmg ins Krankenhaus g e st o r b e n. Bisher drei Tote geborgen. Das schwere Gasunglück auf dem Weberplatz hak bisher drei Todesopfer gefordert. Eine Marktfrau wurde von einem schweren Stein getroffen und auf der Stelle getötet. Bei den AufrSumungsarbeiteu wurde um 11'A Uhr eine weitere Leiche geborgen. Mit dem im Krankenhaus verstorbenen Schwerverletzten sind bis jetzt drei Tote zu verzeichnen. Am den OelsardinenkSnig. Eine Riesenferie von Betrugsprozessen. Schon vor Zahressrist hat sich die Oefsentlichkeit mit dem Aull des Generaldirektors Wüst beschäftigt, der mit Hilfe der„Deutsch- schweizerischen Uebersee-Exporl sL-ffi." einen Vertrag mit der Hamburger Importfirma Carlos wallher geschlossen hatte und auf diesem Wege imstande war, Deutschland, Oesterreich und sogar Italien mit Oelsardinen zu überschwemmen. Die Preise für diese Ware lagen jedoch so niedrig, daß ein Rückschlag aus dem europäischen Markt eintrat, ohne daß es zunächst gelang, die Verträge zwischen der Firma Wallher und Generaldirektor Wüst aufzuheben. Aus dieser Affäre sind jetzt zahllose Privat- Prozesse entstanden, und die Staatsanwallschaft hat sich veranlaßt gesehen, vor einigen Tagen«ach Abschluß des Ermittlungsverfahrens die Voruntersuchung gegen Generaldirektor wüst zu be- antragen. In derselben Sache läuft gegen den Rechtsbeistand des Generalsdireklors wüst. Rechtsanwalt Triebet-Verlin, ein Ermittlungsverfahren. Teneraldirettor Adolf Wüst hatte im Sommer 1927 von dem Grafen Rotenburg aus dessen Fideitommißbesitz ein Bergwerk erworben, das von dem Geheimen Bergrat Illmer in Görlitz auf etwa 20 000 bis 25 000 M. geschätzt wurde. Dieses Bergwerk, das bei Schlesisch-Rettkow gelegen ist, lauste Wüst für 25 000 M., nach- dem ihm ein Gutachten vorgelegen hatte, das das Bergwerk als bedeutend wertvoller ansah. Wüst behauptet heute, daß dieses Gut- achten gefälscht gewesen sei und hat sogar gegen einen Direktor der gräflich Rotenburgschen Gütervcrwaltung Strafanzeige wegen Betrug erstattet. Das Bergwerk gehört der„Deutsch-schweizerischen Ueberiee-Export A.-G.. darf jedoch nicht abgebaut werden, da der preußische Handelsminister seine Genehmigung zu den Schürfarbeiten versagt hat, weil seiner Ansicht nach die Besitzverhältniss« hier nicht hinreichend geklärt erscheinen und die Gefahr vorliegt, daß der eigentliche Besitzer, Generaldirektor Wüst, die Schweizer Firma nur vorgeschoben habe, um sich Steuererleichterungen zu verschaffen. Die Gründung der Uebersee-Export A.-G. ging in der Weise vor sich, daß in Zürich die an sich schon bestehende genannte Export A.-G., deren Leiter ein Direktor Zacharias war, und deren Aktienmantel Wüst zum Preise von nominal 25 000 M. erwarb, durch Beschluß einer Generalversammlung auf eine brette Basis gestellt werden sollte. Präsident des Unternehmens, mit dem Sitz in Zürich, wurde ein Schweizer Anwalt namens Schuppli. Wüst schlug vor, das Aktienkapital von 200 000 auf 800 000 Franken zu erhöhen und brachte seinerseits in die Uebersee-Export A.-G. das Bergwerk in Schlesisch-Rettkow ein, das angeblich über eine Million Mark wert sein sollte. Schuppli waren jedoch Bedenken gekommen, >'nd er ließ während der Generalversammlung der Uebersee- Export A.-G. im September 1928 sowohl Generaldirektor Wüst als auch Rechtsanwall Triebet verhaften, die beide erst nach mebrere» Tagen von dm Schweizer Bchörden freigelassen wurden. Wüst verständigte sich mit seinen Schweizer Geschäftsfreunden und schloß nun auf dem Rücken der Uebersee-Export A.-G. mit der Hamburger Importfirma Carlos Walcher einen Vertrag über Lieferung von portogiesischen Oelsardinen ab. Walther ging auf das Geschäft ein, nachdem er von einer Berliner Auskunftei eine glänzende Auskunst über Wüst erhalten hatte, die allerdings, wie iich später herausstellte, von Anfang bis Ende gefälscht war. Die Firma Carlos Walther hatte auf Grund der günstigen Auskunft jedoch mit Wüst einen langen Lieferungsverirag abgeschlossen und sich bereit erklärt, langsristige Wechsel in Zahlung zu nehmen. So konnte Wüst die Oelsardinen, tde er in großen Mengen von wallher empfing, sofort wellervcräußern, und zwar zu Preisen, die in wenigen Wochen den europäischen Markt beunruhigten, da Wüst die gesamte Konkurrenz in einer bisher noch nicht dagewesenen Welse zu unterbieten vermochte. Tatsächlich wurden dann die Wechsel nickt prompt eingelöst und die Firma Walther hat heute noch von Wüst einen Detrag von 165 000 TO. zu erhallen. Wüst selbst hat. um sich zu entlasten, gegen den Schweizer Anwall Scbuvpli eine Klage angestrengt, in der«r ihm vorwirst, daß Sch. 50 000 M. der Uebersee-Export A.-G. unterschlagen und für sich verbraucht habe. Das Verfahren gegen Direktor Wüst wird vom Untersuchungsrichter jetzt wegen fortgssetztenBetrugesund Urkundenfälschung geführt. Ministerialdirektor Zechlln, der Letter der Reichspresiestell«, wird heute fünfzig Jahre all. Er steht seit Jahren an der Spitze des Amtes, das die Zusammenarbeit zwischen Regierung und Presse erleichtern soll, und hat sich in dieser Eigenschaft viel« Freunde oewonn««. 9 Massen unterwegs.- Das außerordentlich schöne Wetter des Tolensonnlags begünstigte den Strom der Massen, die nach den Friedhöfen pilgerten. Besonders der große Waldfriedhof in Siahnedorf wurde stark besucht. Straßenbahn. Vorortbahn und die Aukobusse waren über- füllt.— In Berlin selbst wurden eine ganze Reihe Totenfeiern in erster Linie für die Opfer des Weltkrieges abgehalten. Umflorte schwarzrotgoldene Fahnen, an der Spitze eine Reichs- bannerkapelle, die ernste getrogene Weisen spielt, dann die Selbst- fahrer der Zertrümmerten, der Beinlosen aus dem Wellkrieg und der Zug, in dem immer wieder ein Halblahmer, ein Einarmiger, ein Einäugiger schmerzlich ausfällt: Totenfeier des Reichs- bundes der Kriegsbeschädigten aus dem Garnison- sriedhof. Der Friedrich-Heger- Chor sang, Landtagsabge- ordnete? Genosse K u t t n e r sprach.„Es ist notwendig, die Wahr- heit um den Krieg zu wissen, denn nur dann kann unsere Feier den notwendigen Entschluß gebären, den Entschluß nicht zur Rache, sondern zur Menschlichkeit. Wenn heute deutsche, englische, fran- zösische, belgische Arbeiter an einem Tische beraten, dann ist es ihnen, als müßten sie rufen: Bruder, wie war es mög- lich! Es soll nicht wieder möglich sein!" Kuttner dankte den Schriftstellern und Künstlern, die den Krieg uns so schil- derten, wie er«irklich war, und er brandmarkte noch einmal die Lüge von Langemarck. Eine Minute stillen Gedenkens ward den Toten geweiht, dann endete Kuttner seine Rede mtt einem Worte des Dichters Arno Holz, das Versöhnung der Völker verkündet. Die Niederlegung der Kränze schloß sich an. Auf der Schleife des Kranzes, der den französischen Toten auf dem Garnisonfriedhof ge- widmet ist, stehen die Worte: Kriegsopfer aller Länder, reicht euch über die Gräber die Hand zum ewigen Frieden! Meiern der Freidenker. Im Krematorium Baumschulenweg wurden die Feier- reden von den Genossen Schmidt und Draeger gehalten. Das Ge- denken an die Millionen Toten des Weltkrieges und an die Opfer der Arbeit mahnt daran, daß viele Verluste an Menschenleben durch Menschen selbst oerschuldet werden, im Rahmen einer Gesell- schastsordnung, di« den Prosit auf Kosten anderer höher als Mcn- schenleben wertet. Ein würdiges Gedenken an diese Opfer des heuttgen Gesellschaftssystems wird nur geschaffen durch den sali- dorischen Zusammenschluß aller Arbeitenden zum Kamps gegen Aus- beutung und Krieg. Solidarität ist das neue Glaubensbekenntnis, das dem alten Bekenntnis der Unterwürfigkeit und Demut ent- gegengestellt wird! Der stille Urnenhain in der G e r i cht st r a he, eingebettet in die Steinkolosse des Wedding, umbraust vom Großstadilärm, war am Sonntag von Tausenden besucht. Liebevoll waren die Stätten der Toten ausgeschmückt. Als sich die Abenddämmerung über die Gräber legt, laden die weit offenen Tore der überreich mit Blumen ausgeschmückten Trauerhalle zu einer schlichten Totengedenkfeier der Freidenker ein. Bis hoch in den Rang füllt sich der Raum. An» dächtig verharrt die Menge, als das„Solveig-Lied" durch die Holl« Sechzehnmal das �äußerste Sirafmaß". Oer Prozeß der„Kreuzträger". Fanatismus! oder Politik? Moskau, 25. November. Die große Zahl der in letzter Zeit gefällten Todesurteile ist um 16 neue vermehrt worden. Im Prozeß der sogenannten„R echt- gläubigen Kreuzträger" hat dos Sowjetgericht 16 von den 42 Angeklagten zum„äußersten Strafmaß" oerurteilt, wie die Todes- strafe offiziell genannt wird. Die Sekte der Kreuzträger, die sich auch„Fedorowzy" nannten, hat nach Ansicht des Sowjetgerichts «in« rege sowjetfeindliche Propaganda betrieben, die auf den Sturz des Sowjetregimes hinzielte. Di« religiöse Einstellung wurde, wie das Gericht und die Zeugen meinen, überhaupt nur als Deck- mantel benutzt: die Angeklagten hätten es für einen schlauen Trick gehalten, vor Gericht die religiös überhitzten Fanatiker zu mimen, um vielleicht dadurch einen milderen Urteilsspruch zu er- reichen Das Venehmen der Angeklagten läßt indessen vermuten. daß wenigstens ein Teil von ihnen wirklich aus ehrlichen Fanatikern bestand. Sie beantworteten die Fragen des Richters mit unklaren Hinweisen auf ein« religiöse Sendung usw. Zu dem strengen Urteil hat wesentlich der Umstand beigetragen, daß an der Spitze der Organisation ein gewisser Parchomenko stand, der früher währeich der Bürgerkriege ein weißgardistisches Regiment kommandierte. Die Anklag« sah daraufhin in der ganzen Gruppe„eine Reserve der Weißgardisten", die vernichtet werden müßte. Die Vorsicht gegen Deutschland. Hilgenberg sät Mißtrauen. Paris, 25. November.(Eigenbericht.) Hugenberg und seine Trabanten haben auf dem Deutschnatio- nalen Parteitag in Kassel sich wieder einmal redlich bemüht, nicht nur im eigenen Lager wie ein Ochse im Porzellanladen zu wüten,— sie haben auch der deutschen Außenpolttlk neue Schwierigkeiten ge- macht, wie aus dem Echo der französischen Press« auf die Kasielcr Hugenberziaden hervorgeht.' So schreibt der„Temps", die Kasseler Entschließungen zeigen deutlich, daß die Deutschnationale Partei oder wenigstens die Hauptgruppe um Hugenberg jeder Friedens- Politik feindselig gegenüberstehe. Ihre Saarentschließung beruhe auf einer völlig undi-kutablen Basis. Sic habe aber insofern eine gewisse Bedeuttmg. als sie auf die Geistesverfassung der deutschen Reaktion grelles Licht werf«. Da heute Hugenberg immer noch über eine beträchtliche Gefolgschaft verfüge, dürfe man in Deutschland sich nicht wundern, wenn das Ausland gegenüber der deutschen Politik immer noch eine gewiss« Vorsicht walten lasse und auf Garantten bedacht sei, ehe es Vertrauen schenke. Ltnier den Vädern des Auiobus. Oie Verkehrsunfälle am Totensonntag. Am gestrigen Sonntag ereigneten sich in Berlin mehrere solgeuschwere Verkehrsunfälle. Besonders tragisch ist der Fall einer jungen, zwanzigjährtge« Frau. die mit ihrem zweijährigem Kinde in der Köpenicker Straße lokgefahren wurde. Vor dem Hause Köpenicker Straße 143 wollte die zwanzigjährige Frau Wally Löwe aus der Cuvrystraße 44: die in ihren Armen ihr zweijähriges Söhnchen Werner trug, noch vor > in Berlin. Kür die Kriegsopfer. klagt. Der Sprecher der Freidenker oerliest einen Prolog. Das Doppelquartett des Verbandes bringt„Ueber allen Wipfeln ist Ruh" stimmungsvoll zum Bortrag. Nach«inigen Rezttationen Ge- denkworte an di« unmenschlichen Leiden, die das Volk im Wettkriege erlitten hat. Machtvoll setzt die Orgel«in, und mit dem Kampflied„Brüder, zur Sonne, zur Freiheit" klingt die Feier aus. Im Krematorium Wilmersdorf gab der Verband sür Freidenkertum und Feuerbestattung auch diesmal eine Gedächtnisfeier. Im ernsten und würdigen Rahmen vollzog sich dieser schlichte Akt des Gedenkens der Toten. Genosse Träger erwähnte in seiner Gedächtnisrede die große Zahl der Lebenden, für di« der Tod mir die Erlösung aus endlosem Elend bedeutet. Viel Krost könnte frei werden zur Besserung dieses Elends, wenn die Aus- klärung sich rascher durchsetzen würde. Eine am Totensonntag auf dem Ohlsdorfer Friedhof bei Hamburg vom Reichsvcrband deutscher Kriegsbeschädigter und Kricgerhinterbliebenen vcranstattete und durch den Rundfunk einer breiteren Oefsentlichkeit vermittelte Gefallenengedenkfeier erhielt in diesem Jahr durch die Teilnahme von Konsularvertretern der Vereinigten Staaten, Englands, Frankreich-, Belgiens. Italiens, Polens, Japans und Oester- reichs ein« besondere Bedeutung als eindrucksvolle politische Kundgebung für den Frieden und die Verständigung unter den Döllcrn. Um 2 Uhr nachmittags versammelten sich die Tellnehmer, unicr ihnen Delegierte des Senats und zahlreicher politischer Parteien und Organisationen, auf dem Ehreirsriedhof, wo nach einem Musikvortrog der Kapelle der Hamburger Ordnungspolizei und Chorgesang zunächst der amerikanische Konsul E. Talbot Smith das Wort«rgrisf. Der Redner gedachte der Millionen an allen Fronten und in alle» Lagern gefallenen Krieger und des ungeheuren Heeres derjenigen, die heute noch unter den Folgen der Kriegskatastrophe leiden. Die koken und die lebenden Opfer feien Mahner für die Gestalter der Welk, sich abzuwenden von allem Waffenkampf und sich zu bekennen zum Gedanken des Friedens und der Verständigung; Als zwetter Redner sprach Reichsverbandsvorsitzender Better- mann namens der Kriegsopfer, die in erster Linie berufen seien, den Frieden zu verteidigen, weil sie den Wert des Friedens am höchsten zu schätzen wüßten. An die Feier auf dem deutschen Ehren- sriedhof schloß sich eine Totenehrung auf dem englischen Kriegerfriedhof. An diesen Gräbern, so erklärte Vizekonsul Shepherd in seiner Gedenkrede, gewinnen wir erst recht die Ueber- zeugung, daß ein einwandfreies Mittel für die Sicherung des Friedens gefunden werden muß. Unser Volk beseelen die gleichen Gefühl«. Wenn wir uns in Zukunft bei jeder Wiederkehr dieses Tages.hier oersammeln, möchten wir dann auch gleichzeittg stets ein weiteres Jahr des Friedens feiern können.— An beiden Gedenkstätten erfolgten Kranzniederlegungen durch die Vertreter der aus- wärtigen Staaten, des Hamburger Senats und der Verbände. einem heramiohenden Autobus der Linie 13 den Fahrdamm über- fchretten. Dabei kam sie unglücklicherweise zu Fall. Der Führer oersuchte noch zu bremsen, die Entfernung war aber zu kurz und Mutter und Kind gerieten unler die Räder des schweren Fahrzeuges. Die alarmierte Feuerwehr mußte den Autobus anheben, um die Verunglückten aus ihrer furchtbaren Lage zu befreien. Beide konnten nur noch als Leichen geborgen werden. Ein anderer Verkehrsunfall, bei dem fünf Personen schwer verletzt wurden, trug sich am Sonntag nachmittag, kurz nach 16 Uhr, vor dem Hause Potsdamer Straß« 55, dicht an der Vülowstratze, zu. Eine Autodrofchke fuhr dort in flotter Fahrt in eine Gruppe Passanten hinein, die an der Haltestelle gerade eine Straßenbahn besteigen wallten. Fünf Personen wurden von der Droschke erfaßt und überfahren. Die Verunglückten, der 40jährige Metalls ctfleiser Kock Deutschmann aus der Halberstädter Straße 2, sein zwölfjähriger Sohn, der 34jährlg« Kaufmann Alexander Langer aus der Potsdamer Straß« 100, die löjährige Frau EmM« Säuberlich aus der Westfälischen Straß« 83 und deren 41jährig« Tochter Else, wurden mit Zknochenbrüchen und inneren Verletzungen durch Rettungswagen der Feuerwehr ins Elisabeth-Kroitfenhaus in der Lützowstrahe gebracht. Der schuldig« Chauffeur wurde festgenommen. Es krachi in der Vantwelt. Die tägliche Ebronik der Hiobsbotfchastea. Seit Wochen vergeht kaum«in Tag, an dem nicht neue Zu- sammenbrüche größerer und kleinerer Prwatbanken gemeldet werden. So sind fest Mitte Ottober die Kieler Bank A.-G., die Lübecker Kreditbank, mehrere Privatbanken in Westfalen und Süd- deutschland, in der vergangenen Woche auch einige Bankinstttute im Saargebiet zusammengebrochen, nicht zu vergessen die aufsehen- erregenden Vorfälle bei den Berliner Beamt«ilbant«n. Jetzt kommt aus Gotha eine neue Hiobsbotschaft. Das Bank- haus Max Mueller in Gotha hat sich gezwungen gesehen, heut« sein« Schalter zu schließen und beim Amtsgericht Gotha das V e r. gleichsverfahren zu beantragen. Die für den 30. Septembcr aufgestellte Rohbilanz zeigt zwar einen Aktivüberschuh von rund 387 000 TO. bei Rückstellungen für zweifelhafte Forderungen in Höhe von fast 450 000 M.. doch ist die Flüsstgkett der Lank derart eingeengt, daß ein« ordnungsgemäße Fortführung des Betriebes in Frage gestellt ist. So haben in letzter Zeit die täglichen Abhebungen von Deposttengeldern und die sonstigen Geldentziehungen einen ungewöhnlichen Umfang angenommen, der sür di- Bank untragbar geworden ist. Es sind Verhandlungen mtt einer größeren Bank eingeleitet worden, um einen Test der Geschäfte auf dies« Bank zu übertragen. Offenbar hat bei dieser Gothaer Privatbank das wachsende Mißtrauen des Publikums, das durch die endlose Kette der Zusammenbrüche im Privatbankwesen verständlicherweis« e r> regt ist, zur Zahlungseinstellung geführt. Ob auch bei dieser Bank, wie bei verschiedenen anderen Kreditinstituten, Spekulotionsverluste den Ausschlag gegeben haben, muh erst festgestellt werden. Sozialdemokratische Parlei. 32. Abl. Achtung! Genossen und Genossinnen, die gewillt sind, an der Ausgestaltung der Weihnachtsfeier mitzuwirken, werden gebeten, sich zur ersten Uebungsstunde heute. 19 � Uhr. in der Schule Rüdersdorfer Str. 4. einzufinden. Am Dienstag abend üben die Kinder in der Schulaula Koppenstr. 84 um 16 Uhr. Bestechung bei der Reichsbahn. S Mark Monatsmiete für die Villa des Herrn Direktors. vor der Sonderableilimg des Schöffengerichis Sertin- vlilie begann heule der große Vestechungsprozeß gegen den Reichsbahndirektor Wilhelm Neu- mauu und dem Zivtliogenieur Dr. David Kämpfer, denen noch der von der Staatsaumallschaft erhobenen Zlnkloge vorgeworfen wird, sich in der Zeit von 1321 bis iS2B der schweren veslechung schuldig gc- wacht zu heben. Die Zlnkloge fällt in den Rohmen des Reinigungsfeld- Zuges, den die Reich-sbahngeselllchaft im vorigen Juhr« gegen das Schmiergelderwesen im Eisenbahnzeniralamt eingeleitet hat. Der Angeklagte N. war seit 1919 im Eisenbahnzentralami. dem bekanntlich auch Reichsbahnrat Schulze angehört«. Zu den Auf- gaben Neumanns gehört« u. a. die Vergebung von Verwertungs- arbeiten, von Altmetallen in den Eifenbahnwerkstäiten. Im Jahre 1929 bewarb sich Dr. Kämpfer mit einer Empfehlung der Braun- fchweigischen Regierung um Aufträg«. Cr hatte in Giesmarode bei Braunschwelg chütten- und Schmelzwerke. Zu jener Zeit hatte Neumonn das anerkennenswerte Bestreben, gegenüber dem Hüttenverband zur Erzielung von Preisermäßigungen Konkurrenz heranzuziehen. Dr. Kämpfer erhielt im Lause der Zeit immer größere Aufträg«. Es hatten sich inzwischen zwischen Neumann und Dr. Kämpfer sehr freundschaftliche Beziehungen angebahnt. Der Reichsbahndirektor erhielt Weihnachts» und Oftergefchenke. In der Inflation wurden ihm Konserven und Schuh« auch für die Familienangehörigen unter günstigen Bedingungen geliefert. Er erhielt auch Einladungen und es liegen über die erheblichen Zuwendungen überschwenglich« Dankesbries« des Beamten vor. Neumann hatte neben anderen wirtschaftlichen Schwierigkeiten auch unter ungünstigen Wohnung?- Verhältnissen zu leiden. Dr. Kämpfer lauste 1922 ein Grundstück in Bergstücken bei Neu-Babelsberg und ließ darauf nach den Wünschen und Angaben Neumatms ein villenartiges Wohngebäud« mit umfangreichen Gartenanlagcn errichten. Im folgenden Jahr« bezog Neumann diese Wohnung. Der Mietsoertrag lautete zunächst auf zehn Jahr«. Aus einem Brief geht aber hervor, daß ihn« und seiner Frau ein Wohnrecht auf Lebensdauer zugedacht worden war. Der Mietspreis sollte ein Hundertstel des Jahres- dienfteinkommens betrage». Infolge.dessen zahlte Neumann zunächst ZL0 M. und schließlich 1925 8.15 VI. vlonatsmlele. In den Kreisen des Hüttenoerbandes war es längst aufgefallen, daß der Verhältnis- mäßig kleine Betrieb des Dr. Kämpfer von der Reichsbahn über- mäßig bevorzugt wurde. So hat Neumann schließlich das gesamte Altblei dieser Firma zur Umarbeitung zugeteilt. Nun geriet aber Dr. Kämpfer im Sommer 1925 in Zahlungsschwierigkeiten und mußt« Geschäftsaufsicht beantragen. Hauptgläubigerin war die Reichsbahn mit 139 909 M., da 400 Tonnen geliefertes Altmetall verschwunden waren. Dr. Kämpfer hat in seiner Geldnot die Metallmengen ander- weitig verwendet gehabt. Neumann war nun in Besorgnis um sein« Villa. Cr beschaffte sich 25 999 M. und kaufte die Villa von Dr. Kämpfer zu einem Preis«, der nach den Schätzungen viel zu niedrig gewesen sein soll. Die A n g e k l a g t« n b e st r i t t e n, sich der Bestechung schuldig gemacht zu hoben. Reichsbahndirektor Neumann erklärte, daß die Geschenk« und Zuwendungen ihm lediglich aus Fveundschaft gemacht worden seien und daß deren Wert auch verhältnismäßig gering gewesen sei. Ebenso verwahrte er sich gegen die Behauptung der Anklage, daß«r wegen der Wohnungsbeschaffung Dr. Kämpfer be- sonders bevorzugt Hobe. Di« Dauer des Prozesses ist auf m e h r e r e Wochen berechnet. Nie wettliche Schule in Berlin-Miiie. Zu Berlin gibt es bis jehl 52 weltliche Schulen. Sie erziehen unsere Kinder nach ueuzcillichen Grundsätzen -tt freien Menschen. In Lerlin-Millc gibt es«st e l n e well. iche Schule, die im südlichen Teil des Bezirks, in der Wpenlckec Straße, ihr heim hat. Der nördliche Teil hat noch eine weltliche Schule, so daß viele Eltern ihre Kind« in veitliegende weltliche Schulen schicken müssen oder sie!n den üblichen Gemeindeschulen belassen müssen, die ja konfessionelle Schulen sind. Die Ortsgruppe Berlin-Mitte der Freien S ch u l g e m« i n- den hat, schreibt man uns, sich das Ziel gesetzt, auch im nördlichen Teil ihres Bezirkes eine weltliche Schule zustande zu bringen. Ge- lingt dos, dann haben sreidenkende Eltern mehr Gelegenheit, ihre Kinder in ihrem Sinne erziehen zu lassen. Jede Mutter und jeder Aoter sollte sich jetzt die Frag« vorlegen: Willst du deine Kinder weiter in der konfessionellen Schule belassen oder willst du dazu beitragen, daß deine Kinder und die Kinder deiner Gesinnung?- genossen die Möglichkeit erhalten, eine weltliche Schule zu besuchen? Höre nicht auf Leute, die Mißtrauen gegen die weltliche Schul« zu erregen sich bemühen und st« in der Achtung der Elternschaft herab- setzen möchten. Die weltliche Schule leistet nicht weniger als die konfessionelle Schule. Gerade von der weltlichen Schule darf man sagen, daß in ihr die Schulreform ihre Freunde und Förderer gefunden hat. Die Disziplin ist in der weltlichen Schule nicht schlechter als in der konfessionellen. Freier Ton und tlndiiche Fröhlichkeit dürfen nicht für„Disziplinlosigkeit' gehalten werden. Die Lehrerschaft der weltlichen Schulen weiß, daß die Kinder nicht nur in der höheren Schule, sondern auch in der Volksschule ohne Prügel erzogen werden können. Unberechtigt ist auch die Befürchtung, daß Kinder, die aus einer weltlichen Schule kommen, von Lehrherren abgewiesen werden. Nur noch wenige Firmen, deren Inhaber unheilbare Reaktionäre sind, versuchen das. Firmen aber, die schon Erfahrungen mit Kindarn aus weltlichen Schulen gemacht haben, wissen, daß diese Kinder in den Eignungsprüfungen die besten sind. Die weltliche Schule erzieht die Kinder In natürlicher Weise zur Beabackstung, zu selbständigem Denken und Urteilen, zu tatkrästigcm Schassen. Gerade darum nehmen viele Firmen besonders gern ihre Lehrlinge aus weltlichen Schulen. In acht Schuljahren gewinnt die weitlich« Schul« 1499 Stunden, d-i« in der konfessionellen Schule auf den Religionsunterricht perwendet werden müssen. Diese 1499 Stunden kommen den Kindern zugute, die in der weltlichen Schule für ihren Lebensweg mit den nötigen Kenntnissen und Fähigkeiten ausgerüstet werden. Darum werbt für die weltliche Schule, für die Schule der werktätigen Bevölkerung. Meldet eure Kinder schon setzt und sofort für die weltliche Schule zur Osiereinschulnng(oder zur Umschulung nach der weltlichen Schule) an. Wer Eltern von Schul- onsängern kennt, veranlasse sie schon jetzt zur Anmeldung für die weltlich« Schule. Je mehr Anmeldungen in Berlin-Mitte kommen, desto sicherer ist hier die zweite weltliche Schule durchzu- setzen. Meldeschluß am 28. N o p« m b e r. Anmeldungen nehmen jetzt noch entgegen: Wolf, Gormonnstraß« 6: Ramsch, TW. 29, Silienthalstraße L Die deutsch-russis Ihre Herkunst und Di« jetzt in Bewegung befindlichen deutsch-russischen Bauernmassen besleben zu 99 Proz. aus Mennoniten. Zu hrer Massenflucht hat außer wirtschaftlichen Nöten auch die Zwangsrekrutierung sür die Rote Armee beigetragen, wodurch einer der wichtigsten Grundsätze ihrer täuferischcn Lehre, die Wehr- und Wasfenlosigkeit, verletzt wurde. Wie olle Täufer, so betrachten auch die Mennoniten oder„Taus- gesinnten' das Jahr 1525, das Todesjahr Thomas Münzers und der Bauernbewegung, als dos Geburtsdatum ihrer Gemeinde und Lehr«. Aber ungleich dem streitbaren Bauernsührer und den münsterischen Wiedertäufern hat der friesische Täuferapostel Menno Simons(1492 bis 1569) sich von vornherein für die Verwerfung des Schwertes, ja des bloßen Schwerttragens und gegen die Ein- Mischung in staallich-politische Dinge entschieden. Ein persönliches Erlebnis, die Niedermetzelung von 399 aufständischen Täufern im holländischen Kloster Bolsward, wo sie sich im Jahre 1535 verschanzt hatten, soll sür Mennos Grundsatz der absoluten Wehrlofigkeit cnt- scheidend gewesen sein. Unter den Erschlagenen befand sich auch der eigene Bruder. Mennos Lehre legt auf die Taufe und Bekenntnisformeln weniger Wert als auf den Ausbau der Gemeinde nach dem Vorbild der urchristlichen, apostolischen Gemeindeordnung. Die Unab- hängigkeit der Einzelgemeinde verlllngt« von Anfang an eine scharfe Trennung von Staatskirche, Staat und allen staatlich-obrigkeitlichen Aemtern. Wie das mennonitische Gemeindeprinzip die Gleichlzeit der Mitglieder nach innen und die Unabhängigkeit vom Staate nach außen an die Spitze stellte, so schloß es jede klassenmäßige und hierarchische Abstufung aus und machte Ernst mit dem Gedanken der Brüderlichkeit wie des allgemeinen Priestertums. Die„wehr- und rachelose Gemeinde der Taufgesinnten'(Doopsgezinden) entstand in den nördlichen Niederlanden, wo sie noch heut« mit 79 999 Mit- gliedern den relativ stärksten Anhang hat. und wo auch ein Zusammenhang des neueren Sozialismus mit den täuferischen „Vorläufern des Sozialismus' in der mennonitifchen Herkunft zahl- reicher sozialistischer Führer(Troelstra, Hoekstra, Nieuwenhuis u. a) erkennbar ist. Während sich die oberdeutschen Täufer den Verfolgungen im 16. und 17. Jahrhundert durch Massenflucht nach Mähren und Ungarn entzogen, richtete sich das Wanderziel der friesifch-nieder- deutschen Taufgesinnten nach den baltischen Ländern, zuerst nach dem Ordenslande(Herzogtum Preußen) und dem damals Arbeiter« Chorkonzerte. Kritische Bemerkungen. Als interessanteste Nummer bracht« der Berliner Lend- oay-Chor in seinem gestrigen„Herbstkonzert' die Erstauf- tührung der„drei elegischen Gesänge' von Erwin Lendvay. Lyrische Chorstücke nach Gedichten von Schönlank und Thieme, tiefempfun- den vor allem das dritte—„Abklang'—. meisterlich gearbeitet alle drei, wenn auch freilich nicht von starker äußerer Wirkung, der wohl auch die Komplizierthest des Ehorsatzes ein wenig im Wege ist.'Der Chor, der den Namen des Komponisten im Titel führt, durfte sich an die ungewöhnlich schwierige Aufgabe wagen. Ohne Zweifel zählt er heute zu den besten Männerchören der Bar- liner Arbeiterschaft: in der klaren Formung von Wort und Phrase, m der rhythmischen Präzision und Genauigkeit der dynamischen Zlbtünung darf seine Leistung vorbildlich genannt werden: und kein Zweifel, daß er vor allem der Ueberlegenheit seines jungen Chor- meisters Gert Oskar Schumann, dem es an Hingabe so wenig wie an Erfahrung fehlt, den beoeutenden Aufschwung der letzten Jahre dankt. Die gelungene Veranstaltung— zwischen bekannten Chorweisen gab es auch klassische Kammermusik zu hören— litt nur unter der fast unerträglichen Hitze im überfüllten Saal(Saalbau Fviedrichshain): leider machte sich auch in der Intonation der Sänger— insbesondere in der Neigung, die Tonhöhe zu drücken— die Wirkung der drückenden Temperatur auf unerwünschte Weise bemerkbar. Am Bußtag gab der M ä n n e r ch o r„F r i e d r i ch s h a i n' einen„Volksliederabend', dessen Programm wertvolle Stücke alter und neuer Meister enthielt. Unter Mitwirkung der vereinigten Schulchöre der 69./181. weltlichen Schule(Leitung Erich Wen- dicke— Franz T s ch ö p e) und der Neuköllner Musikvereinigung 1912. Orchesterspiel in den Kreisen der Arbeiterschast, das ist selten und jeder gute Borsatz begrüßenswert, jeder ernsthafte Versuch würdig, unterstützt zu werden. Zu bedenken ist aber, daß es sich hier um ein Gebiet des Musizierens handelt, auf dem anders als beim Chorgcsang fachliche Ausbildung erforderlich ist. soll das Niveau des„Konzertmäßigen' erreicht werden. Mit der Ouver- türe zur„Zauberflöte' hatten die Neuköllner sich ein« Aufgabe ge- stellt, die ihre Kräfte übersteigt: es wäre wohl besser, mit solchen Darbietungen nicht im Rahmen eines Konzerts vor unser Arbeiter- Publikum zu treten, das keinesfalls an künstlerisch unzureichende Leistungen gewöhnt werden darf. Schlimm wurde es, als nach dem immerhin technisch sicheren Dirigenten Walter Judersleben der Chormeister Karl Härtung(zum Priestermarsch aus der „Zauberflöte') den Taktstock ergriff: leider, wie sich zeigte, ohne Ahnung von der Technik des Orchesterführers. Ohne Notwendig- keit übrigens war dos Stück, für Streichorchester und Klavier be- arbeitet, dem Priesterchor vorangestellt.(Nebenbei bemerkt: pein- liche Irrtümer wie„Oisis und Ofiris' für„0 Isis und Osiris' sollten einem Programmheft des DAS. nicht unterlaufen.) Das Bild war mit einem Schlage ein anderes, und der Ehormeister zeigte sich aus der Höhe seiner Aufgabe, als der tüchtige Männerchor unter feiner Leitung dan ersten Gesang anfliuiuue. Tüchtiger Durchschnitt: mehr läßt sich dem L o l k s ch o r „O st e n"(Leitung Wilhelm Knöchel) nicht nachrühmen, das er- wies sein gestriges Konzert in der Stadthallc: als Hauptnummcr kam Robert Schumann„Der Rose Pilgerfahrt' für Sokostiinmen, Chor und Orchester, zur Aufführung: unter Mitwirkung des Groß- Berliner Konzertorchesters und eines der Aufgab« entsprechenden Solistenquartetts. Cs läßt sich nicht behaupten, daß dieses blasse Werk der bürgerlichen Romantik in der Welt des heutigen Arbeiters starken Widerhall zu wecken vermag, und es fragt sich, ob es Sache unserer Arbeiterchöre ist. solche Konzerte zu veranstalten, deren Programm wesentlich auf Orchester und Gesangssolisten gestellt ist. Im ersten Tell gab es außer drei Volksliedern für gemischten Chor noch ein« Orchestsr-Ouoertür« von Mendelssohn, Sologesänge von Hugo Wolf und gar eine Opernarie von Meyerbcer. Dagegen muß — in solchem Rahmen— entschiedenster Einspruch erhoben werden. Mag da? Publikum der großen bürgerlichen Konzerte derlei von ihren großen Lieblingen dankbar hinnehmen. Aber wir wollen in unseren Arbeiterkonzerten nicht dahin gelangen, mit unzulängliche« Mennoniten. ihre Wanderungen. polnischen Pomerellen. Bor genau 499 Iahren richteten sich �ic ersten Mennonitengenieinden bei Preußisch-Holland ein und gaben diesem Kreis« sowie zahlreichen Orten der Umgebung ihre Namen. Eine kulturelle Großtat der Einwanderer ist die Gewinnung des„W e r d e r s", der Weichselniederung bei Marienwerder, durch Trockenlegung und Dammarbeiten. Auch die sumpfigen Niederungen in der K u l m e r und Groudenzer Gegend sind von den in der Entwässerungstechnik erfahrenen mennonitifchen Friesländern der Kultur gewonnen worden. Man zählte ihrer allein auf dem Werder gegen 1649 über 8999„Seelen'. Das gesamte russische M«nnonitentum hat sich im 18. und 19. Jahrhundert aus den oft- und westpreußischen Kolonien rekru- tiert, nachdem diesen hier infolge natürlicher Bermeherung und von der preußischen Regierung angeordneten Beschränkung im Land- erwerb der Lebensspielraum zu knapp geworden war. Im Jahre 1788 zogen auf Einladung Katharinas II. von Manenburg aus die ersten 299 Mennoniten nach den im Gouvernement I e k a t a- r I n o s l o w angewiesenen Oedländereien. Bis zum Jahr« 1869 hat die russische Regierung den oft- und westpreußtschen Pionieren immer neues Land zur Urbarmachung und Besiedlung angeboten. Unbe- streitbar ist ihr Verdienst, aus Sumpfland und Steppe blühende Kulturgebiete geschaffen zu haben. Der Mittel- und Kleinbesitz herrschte in den mennonitifchen Kolonien, die sich bis Russisch- Turkestan erstreckten und vor dem Kriege 129 999 Einwohner um- faßten, durchaus vor. Es gab natürlich auch Großbauern: man darf aber nicht vergessen, daß der Großbauer nur nomineller Be- sitzcr und nur Nutznießer des Familienbesitze» war. Das sogenannte„persönlich-kommunale' Prinzip der mennonitische« Ge- meinde- und Familienversassung schließt eine gleiche Erbteilung der Kinder aus und führte zur Bildung von Grohfamilien, deren einzelne oft ein ganzes Dorf für sich bewohnen. Die Einführung der ollgemeinen Wehrpflicht in Preußen(1868) und Rußland(1881) zwang damals schon Tausende von Mennoniten der strengeren„Observanz' zur Auswanderung nach den Bereinigten Staaten und Kanada, trotz der für die waffenfeindlichen Sektierer vorgesehenen Milderungen(Beschäftigung in der sKrankenpflege usw.). Bon den rund 599 999 Mennoniten der Welt wohnen gegen- wärtig rund 259 999 in den Vereinigten Staaten, 99 999 in Kanada, 89 990 in Rußland, 79 999, wie schon erwähnt, in Holland und nur 18999 in Deutschland. H. D. Mitteln die schlechtesten Sitten des bürgerlichen Konzertleben» zu kopiereit. Besser weniger Konzerte als solche, von denen die Idee der Arbeiterchorbewegung mehr Schaden als Nutzen hat. Klaus Pringslieito. * In schöner, stiller Besinnlichkeit feierten die Arbeiter� sänger gestern überall durch stimmungsvolle Gesänge den Tag ihrer Toten. In derHoch schul« für Musik konzertierte der Männerchor„Solidarität' und brachte unter Führung seines bewährten Dirigenten Emil Thilo eine Reihe wahrhast schöner gesanglicher Darbietungen. Hegars„Totenvoll", der Stim- inung des Tages angepaßt, die Lendvoyschen Chöve und das Ri- tornell von Schumann ragten ganz besonders aus dem gut ge- wählt«» Programm hervor. Der Chor, der durchweg über gutes Stimmaterial verfügt, hat außerdem einig« ganz besonders schöne Tenor« unter seinen Sängern. Einen Kunstgenuß bot der Gesang des Baritonisten L i n k, der in Arien von Haydn, Schubert- Liedern und Löweschen Balladen Proben kultiviertester Gesangs- kunst bot. Im Schöneberger Rathaus hatte die A r b e i t s g e m e i n» schaft Liedertafel Berlin-West, Schöneberger Männer- chor„Freundschaft' unter Mitwirkung des Berliner Vokal- terzetts Elisabeth Böhm(Alt), Cecilie Kurth(Mezzo) und Dorothea R i n k(Sopran) eine musikalisch« Veranstaltung. Beet- Hovens„Die Himmel rühmen' bot einen stimmungsvollen Auftakt. dann folgte K u h l a u s„Abendlied', die„Abendseier' von Attenhofen und eine Reihe schöner Dolkslieder, unter'denen Dießens„Herrlicher Baikal' ganz besonders gefiel. Das Vokal- terzett erfreute durch launige BoUsliedchen, die in dem gut abschot- tierren Stimmaterial außerordentlich wirkungsvoll klangen. Das vollbesuchte Haus spendete den künstlerisch wertvollen Darbietungen herzlichen, wohlverdisnten Beifall. In der Aula des Realgymna- siums Lichterfelde konzertierte der Volkschor Lichterfelde. Der Gemischte Chor brachte mit viel Laune und hübschem Vortrog Schubertsche und Silchersche Volkslieder zu Gehör, der Frauen- chor sang Werners Heideröslein und„Das stille Tal', außerdem mit Klavierbegleitung die Barcarale aus„Hoffmanns Erzählungen'. Eine Serenade von Metra und die Ouvertüre zu„Zar und Zimmermann' fanden durch ein gutes Orchester eine ausgezeichnete Wiedergabe. Auch in Mahlsdorf hatte der Arbeiter- m ä n n- r ch o r„F r»i h e i t', Mahlsdorf-Kaulsdorf-Biesdorf, eine schöne und eindrucksvolle Feier st und« veranstaltet. ,/pariser Blut" im Nose-Theater. Julius W:lhelm, der Dichter des neuen Singspiels oder ..Kammeroperette', wie sein verstorbener Komponist Heinrich Reinhardt, der Vorläufer der Lehar, Oskar Straus. Leo Fall. es genannt wissen wollte, meint, daß so manche entzückende Ein- gebung in dem Werke„vielleicht ein Wink zur Schaffung des ein- fachen, volkstümlichen Singspiels" sein dürfte. Ich glaub« kaum daran. Denn gerade die deutschen Textdichter haben immer wieder entweder durch ihre sentimentale Kitschigkeit oder aber plumpe Eindeutigkeit die Weiterentwicklung jener reizenden, ursprünglich französischen Kammeroperette verhindert, die wir so ort in d�r Lützowstraße mit innigem Behagen genossen. Auch.Pariser Blut'- krankt daran, weniger am zweiten, als am ersten Die niedliche, melodiöse, allerdings sehr erinnerunge- reiche Musik schmeichell sich warm und unaufdringlich in Ohr und Herz ein, ist ober nicht stark genug, um die textliche Dekadeng wett- zumachen.� Die Bühnenbilder von Walter Fischer waren naturgemäß nicht schwelgerisch, aber der Grundton war durchweg gut. So auch die Leitung des tüchtigen Kammerorchesterchens durch Max Schmidt, die kluge, in den Mitteln sparsame Regie von Paul Rose und die Darstellung, die in der ausgezeichneten, liebenswerten Verkörperung der Jvonne durch Traut« Rose uid des jungen Malers durch Karl G ü l l i ch ihren Höhepunkt hatte. Konisch. Fr. von Kobybansta und Hans Rose seien daneben nicht vergessen. n. itf. vollsbiihne S D. Ukber.DaZ ktintleriiche und alch'tektonllche Gesicht »«uzculicher Schuliauleil" spricht aus Einladung der Voltsbüijiie E, V. Slodtbaurat Bruno Taut am Sonnabend, dem 39. November.->0 Üh, im«örlaal beb Kunftgewerbemuseumz. Prinz-Atbrecht-Str. 7». Karten m- Saalewg-tig»um Preist mm 0,10 VU. Georges Elemenceau. 50er zweite Tod des Hassers. Ach richtig! Der lebte auch noch! Diesen Ausspruch hört man zuweilen bei der Kunde vom physischen Tode eines steinalten Menschen, der aus dem Ge- fichtskreis der Welt längst verschwunden ist. So zum Beispiel, als die Kaiserin Charlotte, die Witwe Maximilians von Mexiko, nach mehr als sechzigjähriger Witwenschaft und geistiger Umnachtung erst durch ihren Tod die Menschen daran erinnerte, daß ihr Organismus bis dahin noch funktio- niert hatte. In den Iahren nach dem Kriege sind in Frankreich mehrere solcher Gestalten aus längst verschwundenen Zeiten zu Grabe getragen worden: Charles Dupuy, de Freycinet, MMne, drei ehemalige Ministerpräsidenten, die man während des Krieges aus ihrer Greisenruhe gestört hatte, damit sie durch die An- nähme eines Ministeriums ohne Portefeuille die Heilige Einigkeit gegenüber dem eingedrungenen Feind symbolisch demonstrierten. Sie alle haben dieses Opfer auf sich genom- men und es gut überstanden, denn sie lebten noch etliche Jahre danach� Aber während sie sich mehr auf eine Statistenrolle beschränkten, war Georges Clemenceau ein ganz anderer Kerl. Als nahezu Achtzigjähriger hatte er in den letzten Wochen des Jahres 1917 die Zügel der Macht an sich gerissen. Es war gerade der Höhepunkt der militärischen Erfolge der Zentralmächte: Zusammenbruch der italieni- schen Front am Isonzo und schwerste Bedrohung der Piave- stellung: Sieg der Bolschewisten in Moskau und Petrograd über Kerensti mit der Parole des Sonderfriedens: im Westen verzweifelter Widerstand knapp hundert Kilometer von Paris — aber noch keine Amerikaner in Sicht, sondern nur die Hoffnung auf ihre Hilfe. In diesem Augenblick der tiefsten Verzweiflung bot sich Clemenceau als Retter an. Und Pcüncarch sein alter persönlicher Feind, damals Präsident der Republik, mußte chn mit der Kabinettsbildung betrauen, weil er eben Frankreichs letzter Trumpf war: ein Mann, der keine Rücksichten kannte, dem es als Greis, dessen einzige Enkel gefallen waren, ganz gleichgültig war, ob noch eine halbe oder eine volle Million Franzosen mehr auf dem Schlachtfeld liegen blieb: ein Mann, der nur e i n Gefühl kannte: den Haß gegen die Feinde seines Vaterlandes. Und da er sein Vaterland mit seiner Politik und seiner Person identifizierte, übertrug er diesen Haß auf alle die, die bei ihm im Verdacht standen, die Deutschen nicht in gleichem Maße zu hassen wie er.„Ich m a ch�e den Krieg!"— das war sein Programm, dieser lapidare vatz kehrte in seiner damaligen Ministerrede mehr- mals wieder. Und er hielt Wort. Seine persönliche Krieg- führung bestand allerdings in erster Linie darin, daß er den Kampf im Innern gegen jeden aufnahm, der nicht an den hundertprozentigen Sieg glauben wollte, oder der sich darüber Gedanken machte, ob es nicht für die Zukunft Frank- reichs besser wäre, einen ehrenvollen Frieden zu schließen, der einige Hunderttausende Franzosen im besten Mannesalter am Leben erhalten würde. Es begann die Zeit der Ausrottung der„Defaitisten", wie er jene Skeptiker und Nachdenker schlmpflich"'täufte, die sich" seine Pabänque-Pärole nicht kritik- los zu eigen machen wollten. Es begann die Aera der Hoch- verrats- und Spionageprozesse, die Zensur wütete schärfer denn je. Malvy und Caillaux wurden«ingesperrt. Während der größte Teil des Volkes und sogar des Heeres, durch das feurige Beispiel dieses Greises hmgerissen, neuen Mut schöpfte, wagten nur die Sozialisten offenen Widerspruch gegen dieses Bacchanale des Hasses, in dem unter dem Deck- mantel der Vaterlandsliebe die schmutzigen persönlichen Ran-� künen befriedigt wurden, während jede menschliche, jede' kritische Regung unbarmherzig niedergehalten wurde. Die Ereignisse gaben dem alten Clemenceau recht. Oder I vielmehr: sowohl die Amerikaner wie auch die politische l Beschränktheit des großen deutschen Hauptquartiers sorgten gemeinsam dafür, daß er recht behielt: am 11. November 1918 hatte er das Ziel seines Lebens, die Rache für 1871, die Wiedereroberung Elsaß-Lothringens erreicht. Mit vollen Zügen genoß er diese Rache als Vorsitzender der Friedens- konferenz von Versailles. Sein Prinzip bei den VerHand- lungen zwischen den Alliierten war. jede noch so weitgehende Forderung zu unterstützen, die Deutschland politisch, militärisch, wirtschaftlich und seelisch schmerzlich treffen mußte. Hart- näckig kämpfte er gegen jede Milderung, die Wilson, unter Berufung auf die vierzehn Punkte, oder Lloyd George mit Rücksicht auf die britischen Interessen, befürworteten. Der Augenblick, in dem er die deutschen Friedensdelegierten vor sich im Trianon-Palace sah und er sie durch seine berühmte Ansprache:„Die Stunde der Abrechnung ist gekommen!" demütigen konnte, war der Höhepunkt seines Lebens. Es war die Tragödie Deutschlands, dessen erdrückende Mehrheit damals wirklich Frieden und Versöhnung suchte, daß es in jener Stunde diesem Menschen gegenüber- stand, dem jede menjchliche Regung besonders in den Iahren des Krieges fremd geworden war. Sein politischer Spottname,„der Tiger", wurde zur furchtbaren Wirklichkeit und zum Verhängnis für ganz Europa, Frankreich inbegriffen. Denn e r trägt die Hauptschuld daran, daß in Versailles nicht der wirkliche Friede geschlossen, sondern nur ein einseitiges Siegerdiktat proklamiert wurde. Ein paar Monate noch konnte er seine förmkiche Diktatur fortsetzen. Im Ueberschwang seines Machtgefühls wollte er sein Leben auf der höchste Stufe der Macht beschließen, die die französische Verfassung geschaffen hat. Er erstrebte bei der im Januar 1929 fälligen Neuwahl die Präsident- s ch a f t an Stelle Poincaräs. Davor schreckte aber die Mehrheit des Parlamentes in letzter Stunde doch zurück. Sie empfand es als eines reifen Volkes unwürdig, die höchste Stelle im Staate einem eigen- sinnigen Greise anzuvertrauen, auch wenn dieser Greis auf seine Art noch so jung und politisch erfahren war, und ob- wohl er bis zu einem gewissen Grade mit Recht als „Retter" des. Vaterlandes bezeichnet werden durfte. Außer- dem begann man, wenn auch langsam, die furchtbaren Irr- tümer von Versailles zu erkennen. Bei dem Gedanken, sieben Jahre noch die Tyrannei des„Tigers" ertragen zu müssen, rebellierte die Mehrheit der Volksvertreter. Die Probeab- stimmung unter den am Vorabend der Wahl versammelten bürgerlichen Senatoren und Deputierten ergab eine knappe Mehrheit für D e s ch n a n e l gegen Clemenceau: 498 gegen 389 Stimmen. Clemenceau war von dieser Revolte seiner Sklaven der- maßen überrascht, er empfand sie als eine solche Undankbarkeit, daß er den Schwur leistete, nie wieder politisch auszu- treten. Und mit dem senilen Eigensinn, der ihn seit zwanzig Iahren stets ausgezeichnet hatte, hielt er sein Wart, indem er allen gegenteiligen Anregungen grob widersprach. Er zog sich in seine heimatliche Vendöe zurück, er wollte poli- t i s ch t o t s e i n, um durch diesen Selbstmord die undankbaren Mitmenschen zu beschämen. Aber die Mitmenschelt fügten ihm eine neue Demütigung zu— indem sie ihn vergaßen. Als er vor etwa vier Jahren der Enthüllung feines eigenen Denkmals beiwohnte, lächelten sie: als er einige Monate später dem Begräbnis seines gleichaltrigen Freundes und Gutsnachbarn, des be- rühmten Malers M o n e t, beiwohnte, waren sie durch diesen Anblick vielleicht mehr innerlich gerührt als er, der Mann mit dem mumifizierten, und doch immer noch schlagenden Herzen. Jetzt ist er tot, nicht mehr nur politisch,, sondern auch wirklich tot. Eine spätere Zeit wird erst utiparteiisch dar- Wer urteilen können, ob er nicht seinem Vaterland mehr gt* schadet als genützt hat. Ein wechselvolles Leben. Clemenceau wurde vor 88 Jahren, am 28. September 1841, in einem Dorf der Vendce geboren, diesem abgelegenen Gebiet in der Bretagne, das in der großen sranzösischen Revolution als Zentrum des royalistischen Widerstandes gegen die Republik eine geschichtliche Rolle spielte. Noch heute gilt dieses Departement, in dem der kleine Landadel und die Kirche vorherrschen, als eine Hochburg der französischen Monarchisten. Dennoch war Clemenceau bereits zu einer Zeit Republikaner, als der Bonapartismus diese Gesinnung als hochverräterisch verfolgte und ihre Träger ins Aus- land flüchten mußten. So auch Clemenceau, der als 21jähriger Student der Medizin eine mehrwöchige Gefängnisstrafe in Paris absitzen mußte, und sodann nach England und Amerika auswanderte. Doch kehrte er noch vor 1879 nach Paris zurück, wo er sich als Arzt niederließ und im deutsch-französischen Krieg die Belagerung von Paris miterlebte. Er wurde beim Umsturz am 4. September 1879 zum Bürger- meister seines Bezirks ernannt, sodann zum Mitglied der National- Versammlung gewählt. Er gehörte zu denen, die gegen den Frankfurter Frieden stimmten. Während des Kommune-Auf- ftandes vermittelte er zwischen der Regierung von Versailles und der Kommune, machte sich aber dabei unter den Arbeitern unpopu- lär und mußte Bürgermeisteramt und Abgeordnetenmandat nieder- legen. Bier Jahre später wurde er Stadtverordnetenvorsteher von Paris, 1876 wieder Abgeordneter, und widmet« sich vor allem der Journalistik. Er gehörte der bürgerlichen Linken an und war bald ebenso als Redner wie als Schriftsteller allgemein bekannt. Im Parlament war er schon seit Beginn der achtziger Jahre von allen Regierungen gefürchtet. Unzählige Ministerien brachte er zu Fall, doch stets lehnte er die Kabinettsbildung ab. In den neunziger Iahren wurde er jedoch in verschiedene private und öffentliche Skandale(Panama) verwickelt und schien politisch erledigt. Doch trat er während der Dreysusasfäre um die Jahrhundertwende wieder als glänzender Polemiker gegen die antisemitische Reaktion aus. 1992 kehrte er ins Parlament(als Senator) zurück. Erst als KSjöhriger, im Jahre 1996, nahm er die Minister. Präsidentschaft nach einem von ihm bewirkten Regierungssturz zum allgemeinen Erstaunen an. Seine Regierung war von ungewöhn- lich langer Dauer— über drei Jahre—. es gehörten ihr u. a. Briand als Unterrichtsminister und Caillaux als Finanzminister an. Nach seinem Rücktritt gründete er wieder eine Zeitung„Der freie Mensch" und setzte seine alte Kampftaktik gegen olle Ministe- rien fort. Im Senot sprach er nur selten, z. B. um gegen die Art der Beilegung der Agadir-Affäre durch Caillaux zu protestieren. Er brachte damals Caillaux gemeinsam mit Poincare zu Fall, doch als dieser Ministerpräsident wurde, führte er gegen ihn und be- sonders gegen dessen Präsidentschoftskandidatur einen erbitterten persönlichen Kampf. Er konnte jedoch dessen Wahl im Januar 1913 nicht verhindern. Bald nach Kriegsausbruch taufte er sein Blatt, aus Protest gegen die Zensurlücken, die ihm seine fortwährenden Angriffe auf die Regierung eintrugen, um. Es wurde aus»Dem freien Menschen"„Der gefesselle Mensch". Sein Blatt, das sich durch eine geradezu hysterische Sprache auszeichnete— wobei die ihm nicht gefallenden französischen Generäle und Minister fast ebenso rück- sichtslos beschimpft wurden wie die Deutschen— wurde sogar zeitweilig verboten. Als jedoch Ende 1917 all« Regierungen und Gene- räl« scheinbar versagt hatten, bot ihm Poincare die Minister. Präsidentschaft an. Clemenceau nahm das Angebot an und wurde zugleich Kriegsminister. Diese Schlußphase seine, politischen Lebens ist hier, weil für die europäischen Ereignisse von besonderer Bedeutung, ausführlicher geschildert worden. Die Gegensätze im französischen Sozialismus. Die französische sozialistische Kammersraktion Hot unter dem Bor- sitz Paul Boncours in einer Sitzung, die äußerst bewegt verlief,«in- stimmig einen Antrag des Abgeordneten Frostärd angenommen, in dem die aufrichtigen Motive der Anhänger und Gegner der Regie- rungsbetciligung anerkannt werden. Dieser Antrag richtet sich gegen die von manchen Gegnern der Regierungsbeteiligung verbreitet« Auf- fassung, daß sich die Anhänger der Koalitionspolitik nur durch ihren persönlichen Ehrgeiz bestimmen lassen. In dieser Erklärung heißt es weiter, daß die Mitglieder der Partei aus dem kommenden außer- ordentlichen Nationalkongreh, der über den Beschluß bezüglich der sozialistischen Teilnahm« an der neuen Regierung entscheiden soll. keines sallseineEpaltung der Partei herbeiführen dürfsn. ganz gleich, welches die Stellungnahm« des Nationalkongresses zu ihrer bisherigen Haltung sein sollte. Zuvor hatte der P a r t e i v o r st a n d beschlossen, entgegen dem Protest der Kammerfraktion den Parteitag, wi« von vornherein vor. gesehen, am 25. und 26. Januar stattfinden und die m Aussicht genommene Tagesordnung bestehen zu lassen. Serantmortl. mr bie Redaktion: Qolfoaig S-hwar,. Berlin: Sn�iaen: r».»lock«, Berlin L»I°g! Vorwari» Verlaa Woher? Aus dem Blau des.Himmel» taucht er hcrmeder-iijisi schwarzen Schwingen und dem Donner der Schrauben. Es knallen Raketen. Grana'en schlagen nach ihm. Plötzlich: mitten ins Herz der Stadt fiel die erste Bombe. Glassplitter überschütten die Straße. Da speit die Erde die Menschen aus. Aus Häusern und Kellern stürzen sie. Menschen, brüllende, taumelnde Menschen. Ein Mann rast gegen eine Mauer und fällt zu Baden. Eine Frau bricht jammernd ins Knie, blutigen Schaum vor dem Mund. Die Straße ist übersät mit Masken, die Straße ist übersät mit Menschen, die sich in Krämpfen winden. Zwei packen sich an der Kehle. Morde gier im Blick. Männer bluten ihre Lunge aus, Frauen würgt Todeskrampf. Wo ist der Feind? Der Feind ist überall. Er kriecht durch die Mguerfugen? er schlüpft durch die Schlüssellocher, durch die Masken dringt er und durch die Haut, frißt Muskeln, Lunge und Herz. Er frißt die Stadt. Aus allen Straßen dröhnt der Todeshusten. Die Bäume ver- lieren das Laub. Die Vögel fallen tot aus der Luft. Sträucher verwelken. Fische sterben. Der Mann, der vorhin noch schrieb,„Ich bin gesund", liegt zusammengekrümmt, die Beine, ans Kinn gezogen, auf dem Boden. Die Mutter, die vorhin erst einem Kinde das Leben gab, liegt aufgedunsen neben dem Bett, das Neugeborene mit dem Leibe deckend. Das Kind, das eben noch spielte, verröchelt. Auf dem Fluß schwimmen die Leichen. Aus den Straßen liegen sie, in den Häusern........ Pestwolke über der Stadt. v Und Schwergen. Menschenkinder ans alier Welt Jedes Kind sehnt sich danach, Adenteuer zu erleben. Es kommt auf seine Phantasie, auf sein Temperament, aus die Entwicklung seines Geistes an, wo und wie es diese Abenteuer, dieses Neue. Wunderdare«ohofst. In einem bestimmten Alte? Hot die Sehnsucht nach dem Abenteuer wohl bei der Mehrzahl der Kinder eine Rich- tung. Es ist das Verlangen in die Ferne, das in den Entwicklungs- jähren im Kinde oft so mächtig wird. Die Kinder stürzen sich auf Reisebücher. Run hat Anna Siems«» der Jugend ein Buch geschenkt. das mit diesem Erlobnistrieb rechnet, und das doch so ganz anders ist als die übliche Jugendliteratur Denn dieses Buch „M-enschen und Menschenkinder aus aller Welt" (Urania Verlagsgesellschaft Jena) ist nicht„für die Jugend" ge- schrieben� es ist nur für sie zusammengestellt aus Werke» bester Schriftsteller. Jack London, Maxim Gorki, der von Romain Rolland entdeckte Grieche Panait Istrati und viele andere sind in diesem Luch vertreten, das die Welt und ihre Menschen der Jugend in wahrhaftigen Bildern vorführt. Auch ein Stück kindlichen Abenteuerverlanzens spiegelt sich in dem Buch„Die rot« K i n d e r r e p u b l i l", das im Arbeiter- jugendverlag erschienen ist. Aber das Ist ein Buch reiner Freude, ein lustiges Kinderbilderbuch für die Secks- und Zwölfjährigen. Di« Kinder aus dem sommerlichen Zeltlager der Roten Falten haben es geschrieben; illustriert ist es mit zahlreichen Photographien, die ebenso wie die Beitröge den übermütigen Frohsinn wiederspiegeln, der in diesem proletarischen Kinderparadics Scekamp herrschte. Tes. M � (14 Fortsetzung.) Unter den Erinnerungen meines politischen Lebens wüßte ich keine, die sich mir tiefer eingeprägt hatte, als die der T a g u n g des sozial! st ischenNationalrates, die in Rom im April 1922 stattfand. Ich war soeben zum Chefredakteur des„Aoanti" ernannt worden. Die Lage war außerordentlich ernst. Das Proletariat halte feine„oerwüsteten Provinzen*, deren Umfang von Tag zu Tag zu- nahm. Nur in den norditalie irischen Industriestädten hielt sich die Arbeiterschaft in ihren Stellungen. Die Parlamentssraktion befand sich in einer Art latenten Aufstände? gegen den Parteivorstand, was wenige Monate später, kurz vor dem Marsch auf Rom, zu einer neuen Spaltung führen sollte. Was war zu tun? Das Problem besaß eine tragische Dringlichkeit. Zwei Tag« lang prallten in einem nackten niedrigen Saal der Via del Seminario die Auffassungen und die Leidenschaften aufeinander. Modi- g l i a n i, der heute als Emigrierter in Paris lebt, trat mit glühender> Beredsamkeit für die Notwendigkeit ein, daß unsere Parlaments- fraktion mit allen Mitteln, sogar durch Eintritt in eine antifaschistische Regierung— deren Zustandekommen ihm freilich selbst als sehr schwierig erschien— die Wiederherstellung normaler Verhältnisse im Lande herbeiführe und die Abrüstung der faschistischen Kampfeinheiten erzwinge. S e r r a t i. der noch der Führer der allerdings erschütterten Mehrheit war, konnte sich nicht entschließen. Er erwägte das Für und Wider des Vorschlages der Parlamentsfraktion in langem und schwerem Grübeln. Er setzte keinerlei Vertrauen darauf, daß sich in diesem Parlament eine handlungsfähig« Mehrheit bilden könnte. Nach seiner Ansicht war«In Versuch in dieser Hinsicht bereits gemacht morden und war mißlungen. Von der Möglichkeit eines Eintritts von Sozialisten in die Regierung wollte er nicht? wissen. „Wenn wir in eine bürgerliche Regierung eintreten, so bedeutet das das moralische Ende der Partei. Man kann auf dem Boden der Gewalt und der Macht besiegt werden. Das würde nur eine vor- übergehende Krise sein, nach der wir uns wieder erheben würden. Aber wir werden uns nie wieder erheben, wenn wir dem Feinde in prinzipiellen und ideellen Dingen weichen." Was tun? Die Vertreter der„verwüsteten Provinzen" waren zugegen. Arbeifer und Bauern. Sie sprachen nichr als Politiker, sondern als Arbeiter und Opfer. Sie sprachen von ihrer Qual, ihrer Rot. dem moralischen Jammer ihrer Situation, von den Demüti- gungen ihrer Frauen und Kinder, von der wachsenden Frechheit der Arbeitgeber.„Rettet uns!" Das war das Leitmotiv all ihrer Rede» Man beschloß also, die offizielle Beteiligung der Parlaments- fraktion an einem General st reit, dessen Vorbereitung dem „Bund der Arbeit* anvertraut wurde, der alle Arbeiterorganisationen zur Verteidigung der politischen Rechte zusammenfaßte. XIV. D i e Jämmerlichkeit des Parlaments Am 16. Februar 1926 trat das Ministerium BonomT das vor acht Monaten die schwere Regierungserbschaft Giolittis ange- treten hatte, vor die Kammer, um ein Vertrauensvotum zu fordern. Dasselbe Ministerium war am 2. Februar auf Grund eines außer- parlamentarischen Zwischenfalles zurückgetreten, aber seder Versuch, die Krise durch Bildung eines neuen Kabinetts zu lösen, war ge- scheitert. Die katholische Volkspartei hatte gegen die Rückkehr Gio- litt!? ihr Veto eingelegt, der Kammerpräsident De Nicola war nicht imstande gewesen, die zahlreichen Gruppen und Untergruppen der Mehrheit in einem Ministerium zu vereinigen. Der frühere Ministerpräsident O rl a n d o hatte nicht mehr Glück, so daß der König Bonomi veronlaßte, wieder vor die Kammer zu treten, um «inen politischen Fingerzeig für die Lösung der Krise zu erlangen. Die Kammerdebatte spiegelte die allgemeine Verworrenheit wieder. Der Fraktionsredner der Sozialisten zeigt« die einzigen offenstehenden Wege. Man mußte entweder einen letzten Versuch zum Frieden machen, aus der Grundlage freier Entwicklung aller Kräfte des Landes, oder den Weg zur Diktatur einschlagen. Cr verkündete weiter, daß die sozialistische Fraktion einstimmig beschlossen habe, ein Ministerium zu unterstützen, das die Rückkehr des Landes zu Gesetzlichkeit und Ordnung ernstlich durchzuführen entschlossen war. Man hätte meinen sollen, daß unter dem Eindruck der faschisti- schen Gewalttaten die Kammer sich s« den friedlichen Weg entscheiden mußte. Sie hatte wahrhastig keine Zeit zu verlieren, wenn sie ihre Ehre und ihr Prestige retten wollte. Aus Haß gegen den Sozialismus hatte sie fest beinahe einem Jahr geduldet, daß ein« bewaffnete Fraktion sich die Befugnisse des Staates anmaßte. Jetzt galt es Ein- halt zu gebieten oder abzudanken. Die Bevölkerung wartete mit Ungeduld, wenn auch mit wenig Hoffnung auf eine Entscheidung. Sie hatte schon einmal ihr Ver» krauen auf Bonomi gesetzt, auf den früheren Sozialisten, den Erben de? Gedanken Bissolatis und hatte darauf gewartet» die Staats- autorität wieder hergestellt zu sehen. Aber dl? Regierung Bonomi mar im Opportunismus versumpft und hatte vor den bewaffneten Banden des Faschismus kapituliert, die sich in einem Telegramm an den Ministerpräsidenten anheischig machten, eine Liste der hohen Zivil, und Militärbeamten zu veröffentlichen, von denen sie.zu!hr«m Angriff auf den Sozialismus moralische und materielle Hilf« empfangen hatten. Ein Staatsmann, der in dieser entscheidenden Stuirdc, wo alle Schichten der Gesellschaft müde und erschlafft waren, dem Bürger- frisg«In End« gesetzt hätte, wäre zu einer ungeheuren Autorität gelangt. Aber keiner der parlamentarischen Führer der Mehrheit hiest seine Stunde für gekommen. Und jeder suchte sich der sofortigen Aufgab« zu entziehen. Daher keine Klarheit in der Debatte, keine Klarheit in der Entscheidung der Fraktionen. Es ging soweit, daß in derselben Abstimmung, die das Ministerium Bonomi stürzte, die Kammer, von den Faschisten bis zu den Sozialisten, einstimmig für «ine Tagesordnung eintrat, in der die Notwendigkeit geoenfeitigen Verständnisses der Klassen, der Freiheit der Arbeit, des Äoalitions- rechtes und das Recht der Arbeiterklasse betont wurde, im Staat und in der Fabrik eine ihrer sozialen Bedeutung entsprechende Stellung einzunehmen. Ein einstimmige« Botmn gegenüber einer Situation. die gebieterisch eine Entscheidung zwischen rechts und links fordert, kann immer nur Ausdruck und Quell der Konfusion und der Zwei- deutigkeit fein. In der Tat erwies sich die nun folgende Krise als noch ver- worrener, wie die vorhergehende und stellte die moralische Jammer- lichkeit des Parlaments in grelles Licht. Feigheit, Eifersucht, Un- fähigkeit, niedrige Gesinnung, das waren die Eigenschaften und Ge- fühle, die zutage traten. Die herrsckzende Klasse Italiens war, natür- lich mit persönlichen Ausnahmen, in voller moralischer Zersetzung. Sie hatte keinerlei Bewußtsein der Gefahren, die die Nation bedrohten. In ihrer Mittelmäßigkeit vermochte sie es nicht, sich über die kläglichen persönlichen Zänkereien und Eifersüchteleien zu erheben und zu einem Ueberblick über die Krise des Landes zu kommen und über die Mittel ihrer Lösung. Das Land braucht« einen Mann als Regierungsoberhaupt. Statt dessen bot die Mehrheit einen Herrn Facta an, einen lächerlichen und grotesken alten Herrn, der geistig und körperlich eine Karrikatur der Autorität war. Vierzehn Tage Krise, vierzehn Tage hin und her von der Kammer zum Quirinal uno vom Ouirinal zur Kammer, Erklärungen und Reden, Tagesordnungen und Polemiken: vierzehn Tage lang Worte und kluge Dosierungen, um ein Ministerium zu bilden/ das nur ja in ganz genauem Verhältnis alle Fraktionen und Unterfraktionen widerspiegelte, da schon einmal jedes Programm fehlte! Leben und abwarten! Das war die Devise des Parlaments, bis auf dem Platz von Montecitorio der Schrei erschallt«: Es lebe die Diktatur. Leben und abwarten, das war der Ehrgeiz dieser Parla- mentorier, die es als höchste Geschicklichkeit erachteten, das Geschwür zu erhallen, das aufgeschnllten werden mußte. Leben und abwarten' Das war das Programm einer Mehrheit, die das Bewußtsein ihrer Aufgabe verloren hatte, keiu einziges Ideal mehr kannte und wanken- den Schrittes ihrem letzten und endgülligen Verfall entgegenging. Acht Monate später wird sich diese selbe Mehrheit von Mussolini, der durch ihr« Feigheit zum Diktator Italiens geworden ist, be- schimpfen lassen, ohne mit der Wimper zu zucken. Und wird vor dem Diktator die Haltung des Hundes einnehmen, der die Peitsche seines Herrn demütig leckt. Heute sieht sie in der-Persönlichkeit, die sie zum Ministerpräsidenten beruft, ihr eigenes Ebenbild: in Herrn Facta. Dieser Führer ist ein armes altes Männchen, das man gewallsam aus dem Dunkel hervorzieht, wo es ihm so wohl war, um es an die Spitz« der Regierung zu stellen mit der Aufgabe, den Sitz warm zu ■ hallen, bis es Gwlitti gefallen wird, ihn wieder einzunehmen. Dieser neue Ministerpräsident würde sogar in seinem heimatlichen Dorf keine Rolle spielen, aber man vertraut ihm die Leitung des Staates an. Er ist von Natur ein Optimist, von jenem blödsinnigen Optimis- mus, der sich grundsätzlich auf den Standpunkt stellt, daß alles im Leben sich schließlich einrenkt. In seiner Programmrede hat er die später viel verhöhnt« Formel gebraucht:„Ich hege Vertrauen." Vertrauen in was? Nicht in das Volk, denn das kennt er nicht, nicht in das Heer, denn das untersteht nicht der Regierung, sondern dem König, nicht in die Monarchie, denn die fängt schon an, ein doppelles Spiel zu spielen. Also Vertrauen trotz allem, ein gegen- standsloses formloses Vertrauen... Der gute Mann redet, zappelt, reist. Er vertritt Italien auf der internationalen Konferenz in Genua. Wenn das Wetter gut ist, macht ihm feine Arbeit Freude. Er versteht, liebenswürdig zu lächeln. Cr redet Worte, die über sein Format hinausgehen und organisiert Festessen. In schwierigen Stunden hängt er sich ans Telephon, um von seinem Herrn und Meister Giolilli Belehrung zu empfangen. Den fortschreitenden Verfall des Staates und das Fieber des Landes bemerkt er nicht. Er lebt und wartet. Er wartet darauf, von Giolilli das verabredete Zeichen zu empfangen, daß er ihm den Platz freigeben soll. Aber die Zellen sind für Platzhalter nicht günstig. Seit dem Abschluß der Konferenz von Genau hat der Bürgerkrieg wieder ange- fangen, und zwar mit verdoppelter Schärfe. In Genua, in Fiume, Mailand und Parma kommt es zu heftigen Kämpfen zwischen den, „Bund der Arbeit" und dem Faschismus. Gegen Ende Mai steht das Land von einem Ende zum anderen im vollen Bürgerkriege. Weder die Regierung noch das Parlament besitzen die geringst« Autorität. Es kommt zu einer neuen Miniftertrlfe, die nur von neuem die Unfähigkell der Mehrheit kundtut, sich über«in Programm zu einigen. Weder der Beschluß der sozialistischen Parlament-- fraktion, an einer Regierung zum Schutze der verfassungsmäßigen Rechte teilzunehmen, noch Filippo Turatis Besuch im Quirinal, der dem König die Forderung des Volkes, seine Rechte aufrechterhaltzn zu sehen, überbrachte, vermögen diese alte Welt der Politiker zu Würde und Selbstachtung zurückzurufen Facta bleibt in der Regie- rung, einfach, weil man sich nicht anders zu helfen weih. Das bedeutet den endgültigen Verzicht einer Kaste, die keiner lebendigen Energie mehr fähig ist. Und so liefert das Proletariat fein« letzte Schlacht, indem es am 31. Juli den General st reik proklamiert. XV. Die Verwüstung des„Avant i*. Die Order zur Niederlegung der Arbeit wurde den lokalen Organisationen am Morgen des 31. Juli mllgeteilt, als die Minister- krife noch andauerte. Wenn es möglich gewesen wäre, die politische Pression der Parlamentssraktion mit dem Druck des Streits zu- sammenwirken zu lassen, wie das ein Jahr später beim Kapp-Putsch in Deutschland geschah, Hölle man vielleicht das Hinabgleiten des Landes zur Diktatur aufhalten können. Leider aber bestand keinerlei Fühlung zwischen Massen und Parlament. Di« Arbeiter leisteten dem Befehl ihrer Organisation mit Disziplin, wenn nicht mit Enthusiasmus Folg«. Der Streik war allge- mein und umfaßte die gesamt« Praduktion. Auch die öffentlichen Dienste wurden stillgelegt. Wer das waffenlose und auch etwas ver- stört« Proletariat war nicht mehr imstande, es mll dem Faschismus auf vim Boden der materiellen Macht aufzunehnren. Wohl kämpfte es in verschiedenen Städten mll dem Mut der Verzweiflung. Es hielt die Streikbrecher in Schach und wies all« fofchistsschen Versuche, die Arbeiter ihren Organisationen zu entfremden, mit großer Ruh« zurück. In den Großstädten waren die Faschisten Herren des Zentrums, während den Sozialisten die peripherischen Arbeiterviertel blieben.(Fortsetzung folgt.) WMS DER TAG BRINGT. «uiiiiiuiiuimiiinnnuniimiiuiuiuniiiiu!ii',uiwminitmimiuiinnmunmniin!aniiniiiuuiiininmiiiiinunniiiiiniiiiiiiniiiimiiiiininmmuimuiiiiunnniiiunmmiiiunniii«nia Eine Ostsee-lnsel als Naturschutzgebiet. Von der eslländischen Verwaltungsbehörde ist die Insel Abruka unwell der Insel Oesel zum Naturschutzgebiet erklärt worden. Abruka ist dicht mit Wald bestanden, hat einen starken Rehbestand und viel Flugwild, darunter Fasanen. Es kommen auf Abruka außerdem Pflanzenarten vor, die sonst im Ostseegebiet nicht onzutreffen sind. Die Filsandklippen bei der Insel Dagö sind ebenfalls unter Nawr- schütz gestellt worden. Sie bilden eine Heim- und Brutstätte für Tausende von Seevögeln der verschiedenen Arten. Rückgang des Analphabetentums. In einer von der obersten Unterrichtsvcrwaltung der Vereinigten Staaten von Nordamerika soeben herausgegebenen Denkschrift ist als besonders bemerkenswert hervorgehoben worden, daß die Zahl der des Lesens und Schreibens unkundigen Personen in den Per- einigten Staaten von 1879 bis 1920 um 14 Proz. zurückgegangen ist. Während damals 20 Proz. Analphabeten im GSIet der Union lebten, waren es 1920 nur noch 6 Proz.: zahlenmäßige Nachweise über einen weiteren Rückgang sell diesem Jahre liegen noch nicht vor. Im Zusammenhang damit wird in der erwähnten Denkschrift ein Ueberblick über die Zahl der Analphabeten gegeben, die sich in den übrigen zivilisierten Ländern der Erde befinden, wobei die europäischen Länder ausscheiden, da unter deren Bewohnern ver- hällnismäßig nur wenige sind, die als völlige Analphabeten be- zeichnet werden können. Nur Rußland und die Türkei machen«ine Ausnahme, die zusammen mit China eine Dölkermasse von S90 Mit- lionen Menschen bilden. Seit dem diese drei Staaten die republi- konische Staatsform angenommen und zugleich die allgemeine Schul- Pflicht eingefübrt haben, wird auch in diesen Ländern im Laufe der Zeit die Zahl der Analphabeten ganz bedeutend zurückgehen. In China ist dies auch dadurch erleichtert, daß man dort die allen, selbst für gebildete Chinesen kaum erlernbaren Schriftzeichen der klassischen Zell durch die einfachere sogenannt« Peihuaschrift ersetzte, die es auch dem Ungebildeten in kurzer Zell ermöglicht, sich mll ihr bekannt zu machen. Wenn es erst gelungen ist, die 300 Millionen Chinesen zu? Kenntnis des Lesens und Schreibens zu bringen, so wird die Zahl der Analphabeten in der Well auf ein Drittel ihres jetzigen Bestandes gesunken fein. Auch in Japan werden jetzt 9« Proz. der heranwachsenden Jugend in Schulen unterrichtet, gegen 31 Proz. zu Beginn des Jahrhunderts, und selbst auf den Philippinen, wo Lesen und Schreiben noch immer als ein Vorrecht der besitzenden Klassen betrachtet wird, ist sell Beginn des Jahrhundert die Zahl der Analphabeten um mehr als 30 Proz. gesunken. Der Passagier im Sack. Aus Renal wird berichtet: Ein Fahrgast, der gern ein fahrender Gast des Eisenbahnffskus fein wollte, kam neulich auf den Gedanken, die Bahnstrecke von Reval nach Dorpat in einem Sock versteckt zurück- zulegen. Er klellerte auf das Gepöckbrett des Wagens, kroch in einen Sack und blieb dort unbehelligt bis zur Station Laieholm liegen. Als der Zug diese Station verlassen hatte, bemerkte der Kontrolleur den großen Sock und fragte, wem er gehöre. Da niemand von den Reisenden ihn als sein Eigentum anerkennen wollte, beschloß der Kontrolleur, den Sack einer näheren Untersuchllng zu unterziehen. Groß war der Schreck aller Anwesenden, als das Gepäck sich plötzlich zu bewegen begann und ein Mann aus dem Sack heroorgeholl wurde. Uebrigens ist Estland«in wahrer Tummelplatz für blind« Passagiere, von denen täglich über S0 Personen ertappt werden. Die auf- erlegten Strafen betrugen im Jahre 1928, wie die Effenbahnver- wallung soeben bekannt gibt, das hübsche Sümmchen von 26 374 Kronen. Weekendkarten als Verbrecherpässe. Der Paßzwang, der in England noch ziemlich scharf gehandhabt wird, dient nach Erklärungen der englischen Regierung ausschließ. lich dazu, die internationale Verbrecherwell zu kontrollieren. Diese aber umgehen die strengen Aus- und Einreisebedingungen dadurch. daß sie sich den sogenannten Weekcndoerkehr zunutze machen, der sie von jedem Paßzwong befrell. Dies« Meekendkarten«erden noch Frankreich und Belgien in jedem Reissbureau oerkauft und d<-r Inhaber braucht sich keinen Paßformalitätea zu unterwerfen. Wie die Leitung von Scotland Pard erklärt, sind in der letzten Zeit die Weekendkarten zu wahren Verbrecherpässen geworden. Zwei Millionen gefressen. Bei der letzten Revision der Staatsbank auf den Philippinen fand man bei den Reservevorrätsn der Bant an amerikanische» Dollarnoten über zwei Millionen Dollar von Ratten zerfressen. Man kann sich nicht erklären, wie die Tier« in die Tresors hereinxe- kommen sind, man vermutet indes, daß. als bei der im vorige» Jahre stattgefunden«» Revision die Panzertüren ausstanden, sich zwei Ratten eingeschlichen haben, die sich dann bei der wertvollen Nahrung unheimlich stark vermehrt haben müssen. Eine besondere Mcrkwürdigkell bei dem Dorfall ist, daß nur die Nötenpakete an- gefressen wurden, indes die in demselben Raum lagernden Effekten- paket« nahezu unversehrt vorgefunden wurden. Die falsche Braut geheiratet. Der amtierende Pastor der Sb-Anita-Kirche in Montevideo war mit Eheschließungen außerordentlich überlastet und hatte sich eine Virtuosität in unglaublich schneller Trauung erworben. Als dieser Tage 42 Paar« des kirchlichen Segens harrten, passierte ihm eine peinliche Verwechslung. Die ausnahmslos tief verschleierten Bräu!« waren in bestimmter Reihenfolge aufgestellt, ebenso die«nffprechendc» Bräutigame. Und so wollte es der Zufall, daß in der Reihenfolge der Bräute ein« Verwirrung entstand, die bei der«inen der Trauungen bewirkt«, daß der 16. Bräutigam die 17. Braut am Altar fand, die er als solche wegen ihrer tiefen Verschleierung nicht erkannte. Die Braut ihrerseits hatte kaum Zeit,.La* und„Amen" Zu sagen, al? sie es merkte, daß sie den falschen Bräutigam enmicbt halte. Darob große Bestürzung und lange Diskussionen in klerikalen Kreisen, ob die Ehe gültig sei oder die Scheidung wegen Ungültigkeit überflüssig. Länderwettkampf im Gewichtheben. Wien sieyt knapp über Berlin. Zum erstenmal fand gestern ein S lädlewellkampf im Gewicht- heben zwischen Zlrbeiterathlelen Wiens und Berlins stall. Bach langen ver- Handlungen war es dem deutschen Bunde». meister. der..Sportlichen Vereinigung Llch- lenberg.Ariedrichsfelde 04". gelungen, die besten österreichischen Stemmer, den„Sun- desbahner. Athleten. Klub w i e n- w e st", für einen internationalen Länderkamps nach Berlin In Tempels Zest- säle zu verpslichten. Die wiener Siebener. Biannschafl ist eine der prächligslen Aus- wahlmannschafteu: jeder Heber ist ein weister in seiner Klasse. Die wiener haben stets gute Leistungen gezeigt, so auch beim letzten Bundesfest des Arbeiter-Tura. und Sportbundes in Börnberg. Den glänzende« Ruf. den die österreichischen Arbeilerathleten unbestrikken in der Welt genießen, vertei- diglcn die Sportler aus dem rolen Wien auch diesmal wieder erfolgreich. Dieser Weltkamps mit den Wienern war der schwerste, den der seit fünf Zähren unbesiegte deutsche Bundesmeister je zu bestehen hatte und er hat sich in diesem überaus harten, aber ehrlichen Treffen in allen Ehren recht tapfer geschlagen. Begrüßt wurden die Gäste von Heinrich und Fischer vom 4. Kreis und für den Bundesvorstand überbrachte haushalter- Magdeburg die Wünsch« für gutes Gelingen des Kampfes. Ms Vertreter des Bezirksamts begrüßte Meißner ebenfalls die Sportler. Der Sportführer der Wiener Mannschaft dankte für den so überaus herzlichen Empfang und überreichte als Andenken an diesen Wett- streit ein Vereinewimpel. Sportlich stellte dieser Länderkampf«In großartiges Sportereig- nis für Berlin dar. Der Kampf wurde vor einem stark interessierten Publikum ausgetragen; beide Mannschaften gingen in ausgezeich- ncter Farm an den Start. Wien stellte folgende Mannschaft aus: Schuster, Gall, heinzmann, Müller, Jonate und Kinasberger, Mann- fchaflsführer Adolf Neuwald. Von Lichtenberg starteten: Kehr, Walloschek, Schulz, Jordan, Ehrhard, Krüger und Poekern. Mann- schaftssührer Karl Ruth. Unparteiische» Schiedsgericht: Adolf Neu- wald-Wien und Hermann Fifcher-Berlin. Die Wertung erfolgte nach Punkten und den Bestimmungen des Arbeiter-Athleten-Bundes Deutschlands. Die Gäste, prächtige durchtrainierte Athleten, hatten in den Berlinern einen zähen, ausdauernden Gegner und lange war das Treffen völlig offen. Kehr, Walloschek und Jordan zeigten gute Leistungen. Schulz, Ehrhard. Krüger und Poekern ließen an ihren altgewohnten Leistungen nichts nach. Das Treffen endete mit einem knappenStegderWiener; Wien 223,7, Berlin 219h Punkte. Die Niederlag« der hiesigen Sportler bedeutet keineswegs ein spart- liches Manko. Die Gäste befinden sich augenblicksich in einer Farm, die wohl schwerlich dem stärksten Gegner eine Siegeschance verheißt. Außer Konkurrenz verbesserte der Rekordinhaber Kehr- Berlin den internationalen Rekord im beidarmig Reißen. Er kam von 219 auf 212 Pfund. Der Wiener Rekordträger Leppelt unternahm ebenfalls außer Konkurrenz einige Angriffe auf die bestehenden Schwergewichtsweltrekorde; erreichte aber nur 320 Pfund in seiner Klaffe., Der Länderwettkampf wurde von einem guten B e i p r o- g r a m m umrahmt. In den Einladungskämpfen im Ringen gab es flott» und technisch auf hoher Stuf« stehende Kämpf«. D«r Jugend gewichtler Olischewski-Lichtenberg besiegte Schmidt-Tegel be- reits nach 4S Sekunden. Borchardt-Lichtenberg mußte sich dem Tegeler Müllbredt noch in der letzten Minute beugen. Einen Blitz- sieg erzielle W. Binder-Lichtenberg über Schäfer-Tegel nach 33 Se- künden. P. Binder und Weihe-Alt-Wedding trennten sich ohne ein Resultat: mit dem gleichen Ergebnis trennten sich nach schönem Kampf Krecklow-Lichtenberg und Michael-Alt-Webding, und im Schaukampf brillierten W. Binder-Lichtenberg und Burghardt-Tcgel. Die Wiener Arbettersportlerin Neuwald, Sektionsleiterin im Keulenschwingen, zeigte dies« schwungvollen und exakt ausgeführten Uebungen erst- malig in Deutschland. Zwei prächtige Gladiatoren überraschten mit einem sauberen und gut durchkombinierten Krastall. Mitglieder der Jiu-Jitsu-Abteilung von Lichtenberg-Friedrichsfelde 94 demon- strierten die Kunst der Selbstverteidigung. Die Exzentriker Luri-Luri erhielten wieder stärksten Beifall. G. M. Die Wiener Mannschaft. Kinder werben für Kinder! Elternabend in Tegel. „Ms das Kindcrturnoerbot gefallen war, gründete im Jahre 1919 der damalige Sportverein Eiche-Tegel ein« K i n d e r a b t e i l u n g. In all den Jahren wurde sie stark und stärker, bis die Moskauer Spötter 1928 auch vor der K'nderabteilung nicht hatt machten und sie zerschlugen. Es folgt« ein Jahr des Wiederaufbaues und in diesen Tagen kann die Knaben- und Mädchenabteilung der heutigen Freien Sportvereinigung Tegel schon wieder 79 Kinder mustern. Aber das ist nur ein Anfang." Mit diesen Sätzen lettete der Vorsitzende Lange seine Begrüßungs- anspräche zu dem gestrigen Elternabend der FST ein. Der Erfolg war überraschend. Der groß« Saal des Tegeler Strand- schloffes bis auf den letzten Platz besetzt mit fröhlichen Kindern und interessierten Erwachsenen. Und in bunter Folg« ein prächtiges Programm, das Zeugnis ablegte, was selbst.in einem Jahr an Leistungen zu erzielen war.. Besonders gut die Leistungen der jungen Schülerabteilung im Ringen, deren technisches Können zu den besten Hoffnungen berechtigt. Nicht minder groß der Beifall für all« anderen Darbietungen, wobei den Vogel die Allerkleinsten ab- schössen. Diele Ellern waren gestern da, deren Kinder noch nicht der Freien Sportvereinigung angehören. Sie werden sich überzeugt haben, daß sie ihren Kindern keinen besseren Dienst erweisen können, als auch sie in die Knaben- und Mädchenabteilung aufnehmen zu losten. Und wo die Ettern noch zögern, da werden die Kinder selber genug drängen, um bei der FST. mit dabei sein zu können. Diesen Wunsch sah man gestern jedem Kinde an den Augen ab. Zportabend«Ali-Wedding". In den Pharussälen bot der Sportkhib„A l t» W e d d i» g 18 8 3", Mitglied des Arbeite r-Athletenbundes, am gestrigen Toten- sonntag feinen«rfcbienenen Gästen ein reichhaltiges sportlich- artistisches Programm. Nach einer hübschen musikalischen Ein- leiwng eröffneten die Mannschaften Tegcl-Wedding mit Boxkämpfen das Programm. Die drei Paare zeigten sich als gewandte, gut durchgebildete Boxer, deren Leistungen vom Publikum, ganz wie bei den„Großen", mit gespanntester Aufmerksamkeit verfolgt wurden. Starken Beifall fanden auch die akrobatischen Krastleistungen der jugendlichen drei Petris, die mit ihrer guten, sauberen Arbeit als hoffnungsvoller Nachwuchs in den Reihen der Arbeiterathleten gelten können; im Gewichteheben zeigten sich verschieden« Vereins- Mitglieder von ihrer„stärksten" Seite! Ein komilcher Musikalakt, bei dem allen möglichen, mehr aber noch unmöglichen Instrumenten, Töne entlockt wurden, sorgte dafür, daß auch der Humor genügcird zu-Worte kam. Di« zwei Georges zeigten in Ihrem modernen Gymnaftikakt künstlerische Plastiken und famos« Handakrobatik. Sämtlich« Darbietungen, ob sie nun Leistungen der Körperkraft, der Geschicklichkeit oder des Humors waren, zeugten von Ehrgeiz und dem wirklichen Wollen, auf sportlichem oder artistischem Gebiet ernschafe Arbeit zu zeigen. üAwjiJooJAj Zehlendorf gegen Zossen 4: 4. Vorwärt»-Zehl endorf hatte die Frei« Turnerschast Josten als Gegner. Nach einem ruhigen und verteillen Spiel trennten sich K«Ids Mannschaften 4:4 sl: 1). Di« kleine Ueberlegenhett, in der sich Zossen zeitweilig befand, tonnte der Sturm ober durch sein« Eigensinnigkett nicht ausmünzen. Zehlendorf sandte nach 19 Minuten zum erstenmal«in, mußt« aber Zossen nach einer Viertelstunde den Ausgleich gestatten. Nach der Paus« konnte Zossen durch zwei, in gleichmäßigen Abständen folgend« Tore, mit 3: 1 in Führung gehen. Dann war Zehlendorf etwas eifriger und tonnt« gang schnell hinter- emander. die Zossener.Hintermannschaft überraschen und das Resultat gleichstellen. Wieder'hatte Zossen bald durch ein viertes Tor dl« Führung an sich gerissen, ober Zehlendorf konnte 5 Minuten vor Schluß doch noch-in Unentschieden� herstellen. Beide Mannschaften wurden reichlich nervös, aber der Schlußpfiff beließ es beim Unent- schieden. Di« Spieler füllten ihr« Posten zur Zufriedenheit aus, nur wurden einige zeitweise etwas körperlich. Di« beii>en Jugend- mannschaften trennten sich 4: 1<1: 1) für Zehlendorf. FTGB.- Neutolln-Jugend gewann gegen FTGB.-Süden mit 12: S. Ebenfalls hoch verlor FTGB.-Rvldoft 2. Männer gegen Freie Turnerschaft Bernau mit 10:9(6:0), während Nordost-Frauen und FTGB.- Osten�Frauen sich knapp mit 0: 1(9: 1) trennten. Ardeiter-Bocke�. Leicht wurde dem Athletik- Sport. Club I der Z'.I�Sieg über den Sportverein Moabit I nicht gemacht. Der ADE. konnte den Steg dank seiner größeren Stocksicherheit durchführen. «»mit«, bei den Moabitern noch etwas mangelt. Im Spielaufbau waren sich beide Mannschaften gleichwertig. In der Abwehr war da» Moobtter Schlußdreieck ein wenig besser als ihr Gegenüber, denn sonst wäre das Ergebnis für den ASC. bedeutend höher aus- gefallen Die Läuferreihe des ASC. war gut, sehr stocksicher und besonders der Mittelläufer war überall und immer am Ball. Der LSC.-Sturm tonnte gefallen, führte ein sehr schnelles und gute» Znsammenspiel vor und wenn es nicht mehr als zu zwei Toren langt«, so muß man die sehr schnelle und eifrige Verteidigung der Moobiter in Rechnung stellen. Beim Moabiter Sturm spricht das Eckenverhällnis 8: 4 lehr für sich. Aber die Ausnützung ist noch zu schwerfällig. Bis auf den Mittelstürmer fehlt es den übrigen noch sehr an Stockstcherheit und Schießfreudigkeit. Der Ausgleich lag allzu oft in der Luft. Auch hatte der Sturm sich erst nach Halbzeit mehr und bester zusammengesundem �Besonders h-rvorzuheben ist die große Ruhe und schnelle Eleganz beider Mannschaften, wodurch ein fetten schönes und faires Spiel zustand« kam. Gruppe B: Freie Turnerschaft Groß-Berlin Pankow und Nordring III trennten sich 2: 2. Athletik Sport Club II und Ostring II 2: 2.__ Sport auf der Bühne! FTGB.-Turnen, Film und Bühnenschau. Wie vielseitig die Werbemittel unserer Arbeiterturner und -sportler sind, kommt am besten in einigen Beranstaltungen der nächsten Woche zum Ausdruck. Einer der größten Bezirke der Freien Turnerschaft Groß-Berlin. der Bezirk Neukölln- Britz, veranstaltet Dienstag, 26. November, im Städtischen Saal- bau. Neukölln. Bergstraß« 147, einen Film abend. Die große Ausgabe des„Nürnberg-Films". bedeutend erweitert und neu zu. samm engestellt, wird zum ersten Male vorgeführt. Außerdem wer- den nebcn turnerischen Vorführungen noch wettere Filmbänder ge- zeigt. Die Nachfrage nach Karten war derartig, daß sich die Ä- zirksleitung veranlaßt sieht, zwei Vorstellungen zu arrangieren. Zur ersten Borstellimg ist Einlaß bereits um 17.39 Uhr. Karten für Kinder zu 29 Pf., für deren Ellern und Jugendlich« zu S0 Pf. sind an der Abendkaste und heute in den unten angegebenen Uebungs- statten zu haben. Zur zwetten Vorstellung, Einlaß 19.4S Uhr, kosten die Karten im Dorverkauf 69 Pf. und an der Kaste, sowett vorhanden, 7Z Pf. * j Die Britzer Abteilungen veranstalte» den ersten öffentlich« Werbeabend Donnerstag, 28. November, in der Turnhalle Britz, Ehausteestroße 137, Schul« am Teich. Jung und all beiderlei Ge- fchlechts wird hier Uebungsfpiele zeigen. Parteifreunde, Gewerk- schastskollegen, besonders aber Müller und Bäter sollten diese Ge- legenheit nicht versäumen, dem frohen und gesunden Treiben unserer Arbeiterturner und-sportler beizuwohnen. Der Eintritt ist kostenlos.— Eine der größten Herbstveranstaltungen wird jedoch Sonntag, 1. Dezember, im hinteren Saal(Aufpasten— nicht verwechseln!) der Neuen Welt. Hasenheide, vor sich gehen. Hier werden die FTGB.-Bezirke Süden und Neukölln-Britz unter dem Schlagwort: Schau her— hör zu! ein« große Turner- und Sportlerrevue aufführen. Dieser Aufmarsch der„Neuen Zeit" wird in 16 verschiedenen Bildern zeigen, wie eng verbunden sich unsere bundestreuen Arbeiterturner mit der zentralorganisierten Arbetterschaft fühlen. Die größten Bezirke der FTGB. bringen Szenen sprudelnder Lebensfreude und Lebendigkeit. Karten zum FUmabcnd und zum 1. Dezember sind erhälllich: Dienstags, Mitt- wachs und Freitags, 18 bis 22 Uhr, Doppelturnhalle Neukölln, Lessingstraße(Ecke Mittelweg): Mittwochs, 18 bis 22 Uhr, Käthe- Kollwitz-Schule, Neukölln, Richardplatz: Donnerstags, 29 bis 22 Uhr (Altersabteilung), Turnhalle Neukölln, Donaustraße(Schweden- Halle). Für Britz Karten vorrätig Montags und Donnerstags, 18 bis 22 Uhr, Turnhalle, Chausteestraße 137(Schule am Teich). Zwei Eishockey-Tage die nicht viel brachten! Noch dem vielversprechenden Anfang vor acht Tagen folgten am vergangenen Sonnabend und Sonntag zwei Beranstaltungen, die das sensationshungrige Publikum recht wenig auf feine Kosten kommen ließ. An beiden Tagen wurden Eishockeykämpfe ausge- tragen, die wenig begeistern konnten. An diesen beiden Tagen weilten tschechische Gäste und der „S p o r t- C l u b R i e s s e r s e e" in den Mauern Berlins, Ain Sonnabend feierte zunächst der Lawn-Tennis-Klub Prag einen haushohen Sieg über die Mannschaft des Branüenburgischen Eis- sportverlmndes. Die Brandenburger, eine Berbandsmamstchast, er- wiesen sich als glatter Bersager. In jeder Phase des Spiels gaben die Tschechen den Ton an. Sie begnügten sich mit dem Torunter- schied von 15: 1, hätten aber ebenso gut diese zweistellige Zahl noch verdoppeln können. Im zweiten Spiel des Abends traten Berliner Schlittschuh-Club und der SC. Riestersee zum Kampf an. Im ersten Drittel wurde recht flau gespielt, es wollte keine rechte Stimmung aufkommen. Unerwartet ging Riefferfee durch Gruber mit 1:9 in Führung. Dann folgt« ein Kampfabschnitt, in dem etwa Tempo lag, und in dem der BSC. durch Holzboer, Jarnecke, Brück und Ball zu fünf Toren kam. Im letzten Spieldrittel war Gruber für Riessersee und Ball für den BSC. noch einmal erfolgreich. Mit 6: 2 Toren für den BSC. wurde das Spiel abgepfiffen. Der Sonntag. Bor sehr gut besuchtem Hause wurde das Eishockeyturnier am Sonntag nachmittag mit der Begegnung des Sport-Clubs Riesterse« gegen die Berbaudsmannschaft des Brandenburger Eissportverbandes fortgesetzt. Die Leistungen waren recht mäßig. Es war eine ewig« Wurstelei, von Kombination keine Spur. Das erste Spieldrittel verlief torlos, im zweiten Spieldrittel kam Riestersee durch Slevogt zum ersten Torerfolg. Im letzten Spieldrittel glich Höcker sür Brandenburg durch einen überraschenden Schrägschuß ays, doch ge- lang es abermals Slevogt, durch einen weiteren Treffer einen knappen Sieg für die Bayern sicherzustellen. Mit dem Ergebnis von 1:9(9:9, 9:9. 1:9) behielt der Berliner Schlittschuh-Club über den Lawn Tennis-Club Prag die Oberhand. Die Torhüter Peka-Prag und Steinke-Berlin zeigten sich als Könner großen Formats, beide wurden von zuverlässig störenden Verteidigungen gut unterstützt. In den beiden ersten Dritteln war der Kampf aus- geglichen, im letzten konnten die Berliner ihre leichte Feldiiberlcgen- heit auch durch ein Tor, das Ball erzielte, zahlenmäßig zum Aus- druck bringen. Das Resultat entspricht dem Spielverlauf und dem Stärkeverhältnis beider Parteien. Den Beschluß bildete ein 39-Runden-Schnellstaffellaufen, das der Berliner Schlittschuh-Club überlegen gegen Berliner Eislaufverein 86 und Verein Deutscher Eisschnelläufer gewann._ Arbeitcr-Schach! Di« Abteilung Pankow, der Freien Arbeitcr-Schach- vereiniigung Groß-Berlin, veranstaltet Dienstag, 26. Novemder, 29 Uhr, in ihrem Spiellokal, Berliner Ecke Prinz-Heinrich-Straßc, bei Kobcr, ein« Vortragsabend. Der Schochfreund Hamann spricht über.Lehrreich« Fehler". Ein Blitzturnier folgt diesem Vortrage. Eintritt frei, Gäbe willkommen.» Aus der Industrie. Am Donnerstag haben die bekannten Adlerwerte in der Hardenborgstr. 29s, gegenüber der Gedächtniskirche neu« große Aus- stcllungshallen— die Adlerrverke nennen sie„Auto-Salon"—, eröffnet. Fast ein halbes Jahrhundert ist es her, daß die Adier- Automobilwerk« A..G., vormals Heinrich Kleyer A.-G., Frankfurt am Main, ihre Berliner Niederlassung ins Leben riefen. Seitdem hat die Firma einen ständigen Aufschwung zu verzeichnen: bald genügten die Verkaufsräume Unter den Linden 12/13 nicht mehr. Erst vor Jahresfrist mußten in der Belle-Alliance-Stvaße Grund- stück« hinzugenommen werden, wo nicht nur große Ausstellungs- und Verkaufsräume, sondern auch umfangreiche sowie gut eingerich- tele Reparaturwerkstätten errichtet wurden. In den stilsicher und äußerst wirkungsvoll gestalteten, sehr großen und übersichtlichen Sälen in der Hardenbergstraß« stehen eine Reihe der letzten Schöpfungen der Adlerwerke. Aber nicht nur die 8-Zyllnder-Luxus- wagen erscheinen mit Ihren schönen Karosserien, sondern auch die reinen Gebrauchsfahrzeuge in mittleren Preislagen, die so sehr bewährten und beliebten Adler- Staudard 6 und Adler-Faoorit sind in großer Zahl und in durchweg außerordentlich geschmackvollen Aueführungen oertreten. ÄS®B., Bezirk ftailälii-Siifc. Di» Knaben, und Madchenabkeilunae» beut«. Mvnta„. pünktlich 18 llbr, ,ur Iktih-n Vr-be anwesend fein ffüc Frauen, und MSnncradtillun« deute a c m e I n sa m e Uedungsstunde au» denselben Gründen UIN 20 Uhr.— ftSGffl., MusiNorp». Aenetaa. 26. Nooem- brr, tollt d'.e Uchu»n»stunb« sür Stretch- s->w»l,l als auch kür Blasorchester au«. NSchfter Uobunäsodenb Dienatao. 8. Dezember. Mustktrrund« als Güste Freie Schwimmer Geost-Berlin, e. B. Gruppe SteulSlln: Donnrrstaa. 28 Sir. ocwber, 20 Uhr, G.-A.Eistun» bei granck. Gonsthofcrftraste. Grupp�nper- sommlun«»ronnwa. l. Dezember. lZli Uhr. Sonnnertad.— Gruppe Oberlprec: Grupvenpersammluna vienotaa. 2«. Aenemder. 20 Uhr. Im Glscneck.«leshol.,- «*n* C" 2auvt»«rstondM»una Eonnta«. 1. Dcwnder, 10 Uhr. f>r- Die Bergarbeiter lehnen ab. Einstimmiger Beschluß der Funktionärfonferenz. Halle, 25. November.( Eigenbericht.) In Halle traten am Sonntag über 500 Bertreter der mittel deutschen Braunkohlenarbeiter zufammen, um zu dem Schiedsspruch für das mitteldeutsche Braunkohlengebiet Stellung zu nehmen. Der 2. Vorsitzende des Bergbauindustriearbeiterverbandes, SchmidtBochum, ging in seinem einleitenden Referat furz auf die Ent wicklung der Lohnbewegung ein. Die Unternehmer hatten, wie sie das schon seit Jahren tun, ohne jedes Verständnis für die Lage ihrer Arbeiter ein Entgegenkommen glatt abgelehnt. Dann baten sie den Reichsarbeitsminister um schnelle Bestellung eines Schlichters für die Beilegung des Lohnstreites. Der Schlichter habe aber nicht vermocht, die Parteien einander zu nähern und deshalb eine Schlichterkammer eingesetzt. Diese habe den bereits bekannt gegebenen Schiedsspruch gefällt, der jedoch für die Bergarbeiter Döllig un annehmbar sei. Man müsse den Dingen jetzt ihren Lauf lassen. Die Konferenz lehnte es ab, überhaupt in eine Aussprache über den Schiedsspruch einzutreten, sondern nahm einstimmig folgende Entschließung an: ,, Die am 24. november in Halle tagende, von über 500 Delegierten der mitteldeutschen Braunkohlenbelegschaften besuchte Konferenz nimmt mit Entrüffung Kenntnis von dem Inhalt des am 23. November gefällten Cohnschiedsspruches. Der Schiedsspruch ist eine Verhöhnung der in der Braunkohlenindustrie beschäftigten Arbeiter. Er läßt jedes Verständnis ffte die schlechte Wirtschaftslage der Arbeiter vermissen. Dieser Schiedsspruch darf nicht Bertrag werden. Die Konferenz lehnt den Schiedsspruch ab und beauftragt die Führung der Gewerkschaften, die die Durchführung der kündigungsattion mit aller Schärfe fortzusetzen und alle Borbereitungen für die Durchsetzung der berechtigten Lohnforde. rungen mit allen gewerkschaftlichen Mitteln zu treffen. Die Delegierten versprechen, ihre ganze Kraft für die Durchführung der gewerkschaftlichen Aktionen in den Betrieben einzusetzen." Es wurde weiter beschlossen, daß die Kündigungsaktion bis zum 30. November, mittags, beendet sein muß und am. 1. Dezember eine neue Konferenz in Halle die endgültigen Beschlüsse fassen soll. Der Mohr bleibt schwarz. Eine Berichtigung, die berichtigt werden muß. Die im Abend" vom 12. November veröffentlichte Zuschrift über Betriebsmethoden bei der Firma Johannes Gerold, Berlin, Lüzomstr. 94, veranlaßte die Firma zu einer Berichtigung, wonach Am 21. November entschlief nach langem, schwerem Leiden im Alter von 30 Jahren unsere Angestellte, die Kollegin Elsbeth Lübke Während einer zehnjährigen Tätigkeit in unserer Organisation haben wir die Entschlafene als eine fleißige und treue Mitarbeiterin kennengelernt und bedauern aufrichtig, daß der unerbittliche Tod sie in der Blüte ihres Lebens dahingerafft hat. Berlin, den 23. November 1929. Zentralverband der Angestellten. Der Verbandsvorstand. Theater, Lichtspiele usw. Montag, 25. 11. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 260 1912 Uhr Montag, 25. 11. Städt. Oper Bismarckstr.' 20 Uhr Geschlossene Othello Vorstellung Staats- Oper Staatl. Schausph. Am Pl.d.Republ. Vorst. 89 20 Uhr am Gendarmenmarkt R.-S. 61 20 Uhr Fidelio Don Carlos Staatl. Schiller- Theater, Charlth. 20 Uhr: Des Kaisers Soldaten SCALA Tägi. 2 Vorstell. 5 and 812 Uhr Barbarossa 9266 Preise 1-6 M. Wochent.: 5 U. 50 Pf.- 3 M. Geraldine u. Joe, Etté, Power usw. PLAZA die in dieser Buschrift behaupteten Betriebsmethoden in feiner Weise mit den wirklichen Verhältnissen übereinstimmen“. Es ist eine unwahrheit, wenn der Einsender der Zuschrift be. hauptet, daß der Inhaber unserer Firma oder sonst jemand vor Einstellung eines Arbeitnehmers diesen nach seiner politischen oder gewerkschaftlichen Zugehörigkeit befragt oder gar die Einstellung hiervon abhängig macht. Im übrigen erflären wir: 1. Wir beachten genau die geltenden gesetzlichen Bestimmungen des Arbeitsrechts sowie alle sonstigen einschlägigen Vorschriften. 2. Wir zahlen mindestens die zwischen den Verbänden und Gewerkschaften für die betr. Gruppen jeweils vereinbarten Gehälter und Löhne. einer Form irgendwelche Parteipropaganda getrieben wird, auch 3. Wir erlauben nicht, daß während der Arbeitszeit in irgend gestatten wir nicht in unserem Betriebe das Tragen von Kleidung oder Abzeichen politischer Parteien. 4. Auf die Haartracht unserer weiblichen Arbeitnehmer wird von uns durchaus kein Einfluß ausgeübt, geschweige denn, daß in Verbindung hiermit Entlassungen stattgefunden hätten. Beweis hierfür ist, daß zirfa 80 Pro3. unserer weiblichen Arbeitskräfte Bubiköpfe tragen. Festgestellt wurde nur, daß ein Arbeitnehmer sich über diese Haartracht Bemerkungen zu Arbeiterinnen erlaubt hatte; jedoch haben wir dies scharf gerügt und strengstens unterfagt, als es uns befannt wurde." Die Behauptung, daß die Firma ihre Arbeitskräfte nicht durch den paritätischen Arbeitsnachweis bezieht, blieb unwidersprochen. Tatsächlich erfolgte die Einstellung unter der Hand, und zwar unter Mitwirkung des Sekretärs emer gewissen Partei in der Lützowstraße. Bei der Firma Johannes Gerold besteht keine Betriebsvertrefung und damit auch keine ordnungsmäßige Arbeitsordnung. Die Firma zahlt nicht allen Arbeitnehmern den Tariflohn. An Hand von Lohntüten wurde festgestellt, daß männliche Arbeitskräfte mehr als 10 Mark unter Tarif erhalten. Die Bezahlung der Ueberstunden erfolgt ebenfalls nicht nach den tariflichen Beſtimmungen. Wenn die Firma nicht erlaubt, daß während der Arbeitszeit Stahlhelm- und Hakenkreuzpropaganda in ihrem Betriebe getrieben wird, dann müßte sie darauf achten, daß es nicht ohne ihre Erlaub. nis geschehen fonnte, wie es geschehen ist. Nicht irgendein Arbeitnehmer der Firma hat die Arbeiterinnen mit Bubikopf beschimpft, fondern der von uns genannte Abteilungsleiter Frischmut. Daß dessen Verhalten nach unserer Veröffentlichung gerügt wurde, ändert nichts an der Feststellung in unserer Zuschrift. Die in dem Schreiben der Firma an ihre Kundschaft geäußerte Ansicht, unsere Buschrift sei auf Veranlassung eines ausgeschiedenen Arbeitnehmers erfolgt, ist unzutreffend. von 70 gewerblichen Arbeitnehmern der Firma befuchten Betriebse versammlung festgestellt, daß das Personal feineswegs mit den Zuständen im Betriebe der Firma zufrieden ist und auch von der Hakenkreuz und Stahlhelmrichtung im Betriebe durchaus nicht erbatt ift. Bis dahin waren in dem Betriebe der uma von efwa 200 Beschäftigten nur zwei freigewerkschaftlich organisiert. Bezüglich der hygienischen Berhältnisse murde ge flagt, daß für 35 Arbeiterinnen nur ein klosett vorhanden ist, das von einer Packerin oder Verleferin faubergehalten werden muß. Zu der Erklärung, die Herr Malgon angeblich im Auftrage des gesamten kaufmännischen und technischen Personals durch die Firma verschicken ließ, wurde festgestellt, daß die Arbeiter davon Bertreter anzusehen. nicht unterrichtet waren und es ablehnen, diesen Herrn als ihren Mit Berichtigungen" wird an den Mißständen im Be triebe der Firma Johannes Gerold G. m. b. 5. nichts geändert. Es ist in erster Linie Sache der Arbeitnehmer, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Im übrigen aber Sache der Firma, in ihrem Betriebe für Ordnung zu sorgen, FUNK UNDAM ABEND Montag, 25. November. Berlin. 16.05 Studien direktor Erich Paarmann: Alkohol und Volkswirtschaft. 16.30 Unterhaltungsmusik. 18.30 Programm der aktuellen Abteilung. 19.00 Modest Mussorgsky: ,, Bilder von einer Ausstellung".( Helmut Baerwald, Flügel.) 19.30 Prof. Dr. Wilhelm Waetzoldt: Wie macht man Museen lebendig? 21.00 Ungarische Musik. 21.30 Alfons Paquet eigene Dichtungen. 22.30 Funk- Tanz- Unterricht. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Bildfunk. Königswusterhausen. 16.00 Französisch( kulturkundlich- literarische Stunde). 17.30 Musikdirektor Fritz Ohrmann: Religiöse Kultmusik. 18.00 Prof. Dr. F. Lampe: James Cook. 18.30 Englisch für Anfänger. 18.55 Dr. Peters: Der Betriebsvoranschlag. 19.20 Gewerbelehrer Adam: Das Holz als Werkstoff im Baugewerbe. 19.45 Artur Retzbach Erasiny: Als Zivilgefangener bei den deutschen Kolonisten in Rußland. 20.00 Finanz- und wirtschaftspolitische Auswirkungen des Young- Planes. Chefredakteur Prof. Georg Bernhard, M. d. R. Geh. Reg.- Rat Dr. Quaatz, M. d. R. Der Verkehrsbund hat als Tariftontrahent des Kaffee- 21.00 Ludwig van Beethoven. 1. Sonate C- Moll, op. 30, Nr. 2.( Georg Beergroßhandels nach der Veröffentlichung unserer Zuschrift in einer Die Komödie Barnowsky- Buhnen 11 Bismck.2414/ 7516 81 Uhr Theater in der Königgrätzer Straße Yom Teufel geholt Täglich 8 Uhr von Knut Hamsum Regie: Max Reinhardt Direktion Dr. Robert Klein Deutsches Künstler- Theat. Barbarossa 3937 3/48 Uhr Ende 11.10 Uhr Seltsames Die erste Mrs. Selby mit Fritzi massary Komödienhaus VentralTheater GROSSES SCHAUSPIELHAUS Alte Jakobstr.32 Gastspiel d. Th. d. Westens Täglich 8 Uhr Stg. 5 u. 8 Friederike Uhr Der Welterfolg von Franz Lehár Täglich 84 Uhr Trianon- Th. Merkur Der Hühnerhof v: Tristan Bernard Zwischenspiel Kleines Theat. Regie: Heinz Hilpert Merkur 1624 Täglich 84 Uhr Berliner Theater Max Adalbert Dönhoff 170 814, Ende 3411 U. Zwei Krawatten von Georg Kaiser Musik: Mischa Spoliansky Theater d. Westens Tägl. 8% Uhr Marietta in Das Parfüm meiner Frau Lustsp v. Leo Lenz Lessing- Theater Norden 10846 Gruppe funger Schauspieler Täglich 8 Uhr Musik v. Oskar Straus Cyankall Käthe Dorsch Michael Bohnen 2391 814 Uhr Elisabeth Strickrodt in ,, Die Ballerina des Königs" Theat. a. Kottb.Tor Kottb. Str. 6 Tägl. 8 Uhr auchSonnt. nachm.3 U.: EliteSänger Die Welt geht unter! Urkom. Rundfunkparodi 10 PF SPARKMIS Landroi OSNABRUCE 100 MARK Quittungs-, Rabattu.Reklamemarken gegen Nachahmung gesetzl. gesch. Volksbühne Th. a. Nollendorfplatz Metropol- Th. fertigt seit 45 Jahr Theater am Bülowplatz Vorvk. 10-2. Kf. 2001 712 Uhr Affäre Täglich 84 Uhr Gastspiel des Deutschen Theaters Dreyfus Die Fledermaus Staatl. Schiller- Th. Regie: Max Reinhardt. 8 Uhr Des Kaisers Soldaten Staatsoper am Plats der Republik 8 Uhr Fidelio Theater am Schiffbauerdamm 814 Uhr Pennäler Deutsches Theater D. 1. Norden 12310 814 Uhr Der Kaiser v.Amerika von Bernard Shaw Reg: Max Reinhardt Tägl. 5 u. 815 Sonnt. 2,5 u. 8 Kammerspiele Alex. E. 4.8066 INTERNAT. VARIETE Berliner Tik- Trio Neukölln. D.1. Norden 12310 814 Uhr Zur gefl. Ansicht Lustspiel von Frederik Lonsdale Regie: Lahnstr.74/ 751 Gustaf Gründgens 81 Uhr als Spezialität. Conrad Müller Lebár dirigiert Leipzio Scakeuditz Das Land des Lächelns Vera Schwarz, Richard Tauber tellenangebote finden im Vorwärts beste Beachtung! 8 Uhr: 3 Musketiere Regie: ERIK CHARELL. 3 Sonntag nachm. ungek. halbe Pr. Mittwoch 31 Uhr Diegr. Weihnachtsrevue 1000 Wunschzettel. Preise von 75 Pf., an. ROSE -THEATER Gr. Frankfurter Straße 132 Teleph.: Alexander 3422 u. 3494 Täglich 8 Uhr: ( Sonntags 5% und 9 Uhr) Pariser Blut. Kammeroperette in 3 Akten von Julius, Wilhelm und Heinrich Reinhardt. Regie: Paul Rose. Mittwoch, d. 27. November 1929 nachm. 5 Uhr Das tapfere Schneiderlein Regie: Willi Rose. Sonnabend, 30. November 1929 nachm. 5 Uhr ,, Max und Moritz" und der Weihnachtsmann Regie: Willi Rose. Jeden Sonntag. nachm. 2.30 Uhr Frau Holle Großes Ausstattungsmärchen Regie: Hans Rose. wald, Violine, und Willi Hahn, Flügel.) 21.30 Ungarische Musik. Winter Garten 8 Uhr Zentr. 2819 Rauchen erlaubt Jise Bois, Jrvin Sisters etc. Renaissance- Theater 814 Uhr. Zum 152. Male Coeur- Bube Komödie von Jacques Nathanson. Regie: Leontine Sagan. Lennartz Brausewetter Kupfer Sima Rasumny Steinolatz C 1. 0901 m. 2583/84. Vallentin CASINO- THEATER Lothringer Straße 37. Täglich 8% Uhr Lasch U. Maschinen Geräte 18 auch in MONATS RATEN Berlin Leipzigerstr.122-123 Raddatz Herrenkleider- Fabrik Gegründet 1895 Nur noch wenige Aufführungen. gibt Anzüge, Ulster, Paletots usw, ab, Vertagte Hochzeltsnacht! Soweit nicht am Lager Extra- Anfertigung ohne Preisaufschlag Für unsere Leser: Gutschein für 1-4 Personen Bitte überzeugen Sie sich! Fauteuil nur 1.25 M., Sessel 1.75 M J.Coper, Kaiser- Wilhelm- Str.241 Sonstige Preise: Parkett u. 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