BERLIN Freitag 2». November 1929 10 Pf. flr.560 B 229 46. Jahrgang ersAeksttigklch«»ferSoastasL Zugleich UbeudmKgib« de«.verwSrtt'. Bezugspreij beide Ausgabe» SsPf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition! Berlin SW 68, LindenjK. 3 i)Jofu>wf4b AnieigenprtiCDi» einspaltige Nonpareillejeile So Pf., Reklamezeile SM. Ermäßigungen nach Tarif. Posts checktouto: DorwärtS-Verlag G. m. b.H., Berli» Nr.Z7SZ6. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Angriff auf Staatseigentum. Landesverräterischer Vorstoß der Schwerindustrie gegen Saargmben Zw Preußischen tandlaz stellte» heule vormittag die VevtschnaSouale» den Autrag. die Feststellung der Mit- gliederzahl de« von ihuen beaotrogten Unters uchungxau»- schvsie» al» ersten Punkt der Tagesordaung zu verhandeln. Da die Sozialdemokraten Widerspruch erheben, kann dem verlangen der veutschnalioualen nicht entsprochen werden. E» Handell sich um den Untersuchungsausschuß, der die Frag« NSren soll, inwieweit Beamte da» Ergebnis de» Volk». begehreu, unzulässig beeiufluht haben. Aus Antrag der Sozialdemokraten wird hieraus die Be> ralung der sozialdemokratischen Großen Anfrage über da» schwere Srubennuglück auf den Thyssen- lchichten tu Hamborn. Duisburg vom Dienstag, da, vier Todesopfer forderte, mit der Behaudlung der Anfragen über die Schlagwetterkatastrophe auf der Glilckhils. Friede ns-hossnungsgrube ia Niederschlesien verbuuden, und als zweiter Punkt auf die Tagesordnung gesetzt. Da» Haus trat daraus in die Tagesordimng ein und behandelt zunächst die Große Anfrage der Regierungsparteien über dos Schicksal des Besitzes der Saargruben. Die gemeinsame Große Anfrage wird begründet von Abg. Haas(Soz.): Seit einer Woche schweben m Paris Verhandlungen über die Rückgabe her Saargruben, über deren Schicksaal nach dem Friedens- vertrag von Vsrsoilles erst 1935 entschieden werden sollte. Es kann hier in Deutschland keinem Zoeiiel unterliegen, daß es sich bei dem Saargebiet um kerndeutsches Land handelt, in dem die Einsetzung der deutschen Staatsgewalt bald erfolgen muß. Die zollpolitisch« Abtrennung«st geschehen, um das Saar- gebiet wirtschaftlich und politisch für Frankreich reif zu machen. Aber wös zehn Jahr« nach Bestehen des Versailler Vertrages Frank» reich nicht erreichen tonnt«, wird es bis 1933 auch nicht erreichen können. Denn Deutschland ist«in mindestens ebenso guter Abnehmer der Saarproduktion als Frankreich, ja. die Einsuhr aus Deutschland in das Saargebiet hat sich seitd«r Frieden»- zeit verdoppelt. Es darf kein Zweifel darüber bestehen,!wß das Saärgebiet«in Glied der deutschen Wirtschaft ist. Räch dem vertrag muß Deutschland die Gruben des Saargebiets von Frankreich käuflich zurückzuerwerben. Nun hat das.�Hamburger Fremdenblatt"«inen ziemlich deutlichen Hinweis darüber gebracht, daß bei der Rückgabe der Siaatsgruben nicht nur da» deutsche Privatkapilol. sondern auch französische» Kapital beteiligt werde« solle.(Hört! hört! bei den Soz.) Sollten diese Gerücht« zutreffen. so würden sie ein Bewei» mehr sein für die interna tional« Zusammenarbeit de» Kapstal». Noch deutlicher mird m diesem Punkt« die Auslassung eines rheinischen Großindustriellen, der über Besitz auch im Saargebiet versügt.(Zurus bei den Soz.: Namen nennen?) Wenn es ge» wünscht wird, will ich den Namen nennen: es handelt sich»m den rheinischen Großindustriellen OttoWolfs(Köln). Dl-ser Herr Wolfs hat in einer Besprechung sein« Gründe für«inen frivaten Mitbesitz an den Siaatsgruben und für ein« f ra n» ösische Beteiligung ausführlich dargelegt. Räch seiner An- ficht würden bel reinem Staatsbesitz die Arbeiter höhere Löhn« und geringere Arbeitszelt durchsehen. Dadurch würden sowohl di« Sohlenpreise al» auch die anderen Löhne lu die höhe getrieben werden. Di« Franzosen würden den Saarhütten, soweit diese nicht schon mit Verträgen eingedeckt seien, kein« Erze liefern. Herr Wolfs hat weiter gesagt: .Zedenfall» will ich mitreden könne», um die Lohukreiberei zu verhindern»ad die Kohlenpreise zu beeinflusse». Ehe ich in Neunkirchen infolge häherer Löhne und teurer Sohlen zusetz«, verkauf« ich lieb« den EisenanteK und verschrotte die Maschinen. ... Di« Gewerkschaften kämpfen um den politischen Lohn*; der ist untragbar Gegen di« Ansicht der Gewerkschaft, daß steigende Löhne die Sonfumtraft steigern. fftnurSamps mög- lich. E» gibt keine Arheitsgemeinschast. Der Somvs kostet Geld. Und man sollte Konflikten vorbeugen, wo es gcht. z, B. durch Mitbesitz an den Saargruben. Er brauche da« Veto» recht, und er behalte sich vor. in der Grubenbesttzfrage fein« Stimme zu erheben, wenn er den Eindruck Hab«, daß daran jede Vereinbarung mit den Franzosen zu scheitern droht.-(Stür- misches Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Diese Aeußeruvgen kennzeichnen sich selbst Das inlernaSoaale Kapital will also aas de« Rücken de» Staate» und der Arbeiterschaft seine Profil« mache».(Sehr wahr bei den Soz.) Demgegenüber stellen wir fest: Der frühere staatliche Srubenbesitz muß restlos in die Hände de» Staate» zurück. Dich« verkenn«« mir durchaus nicht, daß die französische Wirtschaft die Saarkohle ebenso gebraucht, wie das bei der deutschen Wirtschaft di« franzöfischen Erze. Aber hier ist es Aufgab« künftigex Handelsverträge, einen Ausgleich zu schaffen.(Sehr gut! bei den Soz.) Die Vorgänge zeigen, daß unsere Besorgnisse nicht unbegründet 40000 Mark Belohnung! Jeder Kommunist kann sie sich verdienen! Die kommunistische Partei Berlins«erbreitet eine Extraausgabe der„Roten Fahne", deren Kopf und Schlagzeile mir hiermit in genauer faksimilierter RachbUdung unseren Lesern zur Kenntnis bringen. Cierw-Amdatf»* Die Rote Fahne K»«wtK«mMWart. IMHn«" Oje„VormSrls" schreib!; ..Alle M. Mhler find Lumpen!" Damit wird der bereits restlos widerlegte Schwindel. nachdem dt« KPD. ihn tagelang in Form von SSulenplakateu zur Verhetzung der Arbeilerschasi hat wirken lassen, wiederum ausgewärmt. Am dieser widerlichen Lüge endgültig den Garav» zu machen, erklären wir hiermit folgendes: Wir zahlen jedem kommunistischen Wähler,partei« Mitglied oder Leser der»Roten Kahne'' die oben aus- gesetzte Belohnung von 40000 Reichsmark in bar, der den Nachweis erbringt, daß die von der Extraaus- gäbe der».Roten Kahne" aufgestellte Behauptung, der,BorwärtS" habe geschrieben: »Alle KPO.-WSHler sind Lumpen", den Tatsachen entspricht. Leder Kommunist ist hierdurch in die Lage versetzt, sich 40000 Mark zu verdienen— unter der a l l e i n i g e n Voraussetzung, daß seine Partei und seine presse die Wahrheit behaupten! Alle unsere Freunde und Leser ersuchen wir. wo sie mit Sommonisten zusammenlressen, diese aus die sich ihnen bietende leichte und erhebliche Verdienstmöglichkeit aufmerksam zu machen. Da die kommunistischen Parteigänger ja fest überzeugt siad, daß ihnen in ihrer Presse die laviere WahrheU vorgesetzt wird. so wird keiner den versuch uuterlossen. sich die ausgesetzte Belohnung zu erringen. Ein llnterlossen des Versuche, würde bedeuten. daß der betreffende Kommunist selber die Behauptung seiner Partei und seiner Press« für Schwindel hält. Auch diese Feststellung wäre wertvoll. Allen Kommunisten, die sich die 10900 M. verdienen wolle«. ist der Rat zu erteilen, sich zur Redaktion der»Roten Kahne" zu begeben, und dort nach, uftagen, wann und wo der von der»Roten Kahne" als»Vorwärts"- Zitat wiedergegebene Satz im„Vorwärts" gestanden habe wir fürchten allerdlag». daß die»Rote Fahne" diese Aaskuuft nicht wird erteilen können. Aber schließlich: DieSommunisten glaube» fa der»Roten Fahne" wehr al» u»s. Deshalb soll sich niemand von dem Versuch abschrecken lassen. 10 000 Vi. winken dem, dem er gelingt. Uns freilich ist um unser Geld nicht bange. Redaktion des.vorwärts". und die eingebrachte Große Anfrage vollauf berechtigt ist. Wir? wünschen, daß die poeußffche Regierung mit aller Deutlichkeit, di« dem Minffterpräsidenten Otto Braun eigen ist, den rechtlich einwont», freien und ollein möglichen Standpunkt vertritt: Was des Staates ist, soll des Staates bleiben!(Beifall bei den Soz.) Zur Beantwortung der Großen Anfrage nahm sofort das Wort Ministerpräsident Otto Braun: Dem Staatsrnimsterium sind in der letzten Zeit Mitteilungen darüber zugegangen, daß interessierte Person lichkeite« der Privatwirtschaft am werke sein sollen, um die Rückgabe der Saargruben in das Eigentum de» preußischen Staates zu verhindern. um damit deu Einfluß an ihnen durch Beteiligung Privatwirtschaft� lichea Kapital» zu erreichen. Die Versuche gingen einmal dahin, irmerhalb Deutschlands dafür in der Presse Stuimumg zu machen und die Fühlung mit den in gleicher Richtung interessierten Kreisen in Frankreich aufzunehmen.(Hört, hört!) Bei solchen Versuchen kann es sich nur um ein u n v e r a n t* wörtliches Borgehen einzelner handeln. Di« Stoatsregierung erklärt ausdrücklich, daß sie jeden dahingehenden Versuch aus das schärfste oerurteilt. Jeder private Eingriff, der gegen die Zurückführung der Saargruben in den mieingeschränktei» Staats- besitz gerichtet fft, bedeutet besonders im gegenwärtigen Zeitpunkt eine schwer« Gefährdung der nationalen Mögliche leiten Deutschlands und eine Verletzung der berechtigten Znter- essen der Saarbevölkerung. Die Staatsregierung wird allen solchen; gegen das nationale Interesse gerichteten Versuchen entschieden«»>- gegentretem Die Stootsregiemng weiß, daß sie damit den einmütig und wiederhalt geäußerten willen der gesamten Saarbevölkerung zum Ausdruck bringt. Im übrigen hat di« Staatsregierung dt« recht- iich unanfechtbare Anffossmig vertreten, daß bei der Rückgliederung des Saorgebietes dem preußischen Staate ein unbedingter Anspruch auf die uu- eingeschränkte und unbelastete Rückführung der Saargruben in den Staatsbesitz zusteht. Dieser Standpunkt ist im Januar 1927 durch Kabinettsbefchluß feftz. gelegt und der Staatsregierung bekanntgegeben worden. Noch vor wenigen Togen hat di« Sioatsregierung den Herrn Reichs, kanzle r erneut darauf hingewiesen. Daraufhin hat der Herr Reichskanzler zum Ausdruck gebracht, daß ine Reichsregierung die Auffassung der preußischen Regierung völlig teilt, und daß die Reichsoegierung sich für di« Durchsetzung der preußischen Auf» fossung mit allen Mitteln einsetzen wird.(Lebhafter Beifall bei den Regierungsparteien.) Kommunistische Moral. Das größte Verbrechen: Wenn man fich erwischen läßt. In Köln hat sich folgender Fall«eignet: Ein bisherige« kommunistischer Stadtverordneter, der nicht auf die neue Liste seiner Partei gekommen war, zeigt« der Polizei an, daß ihm seine Frei- karte für die Straßenbahn verlorengegangen sei. Er kmipste darmr die Dermutung, daß sie wcchrscheintich von einem anderen Kam- munisten benutzt werde. Bor einigen Tagen zeigte auch tutsächlich ein Herr die falsche Karte vor. Der Schaffner hielt sie an, der Besitzer der Karte ober weigerte sich, seinen Namen zu ncimcn. Daraufhin wurde er festgenommen. Auf der Wache stellt« es sich heraus, daß es sich bei diesem Betrüger um den Parteisekretär Sommer van der kommunistische« Partei für Köln handelte, der zugleich Mitglied de» Provinziallandtage» ist. Die„Sozialistische Repuhlik-, das kommunistische Blatt für Köln, bemerkt nun in diesem Fall: „Wir erklären dazu, daß der Genosse Sommer eine solche Karte benutzt hat. Er ließ sich von der Auffassung leiten, daß ein« solche Handlung der Porleiorganisalion Geld erspare. D>e Partei ist keine Staatspartei und keine Sklarek-Partei. Ihre Mittel sind äußerst gering. Die Fahrlkosten belosten den mäßigen Etat der Partei außerordentlich. Aus diesen Gründen heraus bat Genosse Sommer entsprechend gehandelt. Die Partei würdigt diese Motive, muß aber die Handlung selbst verurteilen. Nicht, weil sie ehrenrührig ist med gegen die Interessen der proletarischen Klasse verstößt, sondern weil damit dem Gegner billigerwesse Material geliefert wird, dos er in seinem Sinne ausschlachtet uu» al» Waffe gegen die Partei benutzt." Dem kommunistischen Parteisekretär von Köln wird also nicht etwa vorgeworfen, daß er die Stodtgemeinde durch die Benutzung einer ihm nickst gehörenden Freikarte betrogen hat, sondern sei« Verbrechen besteht lediglich darin, daß er so dumm war. sich er» wischen zu lassen. Er wird von dem kommunistischen Blatt getadelt nicht deswegen, weil er einen Betrug begangen hat, sondern weit durch die Enthüllung dieses Betruges die Agitation der Komma- nistischen Partei geschädigt werden könnte. Auf die Gäbet und Degen« angewendet, sieht diese kommu- nistische Moral so aus: die Schuld der beiden kommunistischen Stadt- röte besteht darin, das; sie in der Sklarek-Affäre nicht geschickt genug gearbeitet haben, und daß sie außerdem zu einer unpassenden Zeit, njtmlich kurz vor der Stadtoerordnetenwahl erwischt worden sind. Sie hätten von den Sklareks für die Kommunistische Partei, für die Internationale Arbeitsrhilfe, für die Rote Hilfe und für ähnliche kommunistische Organisationen so viel nehmen können, wie sie nur immer bekamen!„Die Partei würdigt diese Motive." so erfahren wir aus dein Kölner Kommunistenblatt, und sie sind wahrscheinlich nur deswegen aus der kommunistischen Partei ausgeschlossen worden, „weil damit dem Gegner billigeriveise Material' geliefert wird". Das alles gehört zu der Moral einer Partei, die bei anderen nach Korruption schnüffelt! Oer„große Tag." Das FreiheitSgeseh vor dem Reichstag. Aus dem Reichstag wird uns berichtet: In den Mittags- stunden steht es durchaus nicht nach einem großen Tag aus. Zwar sind die Karten für. die Tribünen zunächst vergriffen, und vor dem Portal für Reichstagsbesucher hoben sich einige Dutzend Menschen angestellt, aber es fehlt doch jene erregte und nervöse Stimmung, die sonst allen großru politischen Auseinandersetzungen im Reichs- wg vorausgeht. Man weiß, daß die Entscheidung über dos „Freihcitsgefetz" schon gefallen>vor, als ganz« kkl.lXlg Proz. der Wahlberechtigten den Spuren der Hilgenberg und Hitler schämig folgten. Von den heutigen Verhandlungen sind kaum Heber- raschungen zu erwarten. Der Roichsoußenministcr C u r t i u s wird die Ablehnung des Hugenberg-Geselzes für die Reichs- regierung kurz begründen und ebenso kurz wird die gemeinsame «Mehnde Erklärung der Regierungsparteien fem,'die von dem Zentrumsabgeordneten Ef-fer abgegeben wird.?ür jede Fraktion ist zwar in der ersten Lesung ein« Redezeit von I>- Stunden vor- gefeihon. Da ober nur wenige Parteien davon Gebrauch machen »evden, so ist mit einer verhältnismäßig kurzen Dauer der heutigen Sitzung zu rechnen. Sprecher der deutschnationalen Fraktion wird Herr Ober- fahren sein, nickst.Hilgenberg, auch nicht Quaatz. Herr Ober- fahren ist, wie man zu sagen pflegt, eine Nummer für sich. Er weiß wenig, aber er redet über alles. Es ist also zu verstehen, daß die Deutschnaitonal-n»m Hugenberg sich solchen Mann zum Redner für ihr„Freiheitsgesetz" gekürt haben. Er ist fast noch mehr als Hugenberg dazu berufen, die Deutschnationale Partei der völkischen Agitation auszuliefern und so die Voraussetzungen für die Auf- löstmg seiner eigenen Partei zu schaffen. Ob die Regierung und die Regierungsparteien außerhalb ihrer Erttärunyen noch einmal dos Wort nehmen werden, hängt von dem Verlauf der Verhandlungen ab. Daß vberfohrcn den Anlaß dazu geben sollte, ist kaum abzunehmen. Auch bei dem zweiten deutsch- nationalen Redner o. Freytagh-Loringhovcn ist das nicht mit Sicher- heit zu erwarten. Auf jaden Fall wird die zweite Lesung, die am morgigen Sonnabend erfolgt, das Begräbnis des„Freiheitsgesetzes" bringen'• Fliegerbombe verloren. Erfolg: Sieben Tote und« Verlehte. „Times" meldet aus Hongkong:(»in von Nanking nach.Kanton entsandtes Flugzeug verlor, als es von einem Bombenangriff auf die Kwangsistreitkräfte nach ftanton zurückkehrte, eine Bombe, die auf das grSstte chinesische Krankenhaus fiel und es teil- weise zerstörte. Sieben Patienten wurden ge- tötet und dreizehn verwundet. Grubenexplosion in Wales. Sieben Bergleute getötet. London, 29. November. Auf der Wernpwell-Grube in Penclawd in der Nähe von Swanfea in Wales ereignete sich in der vergangenen Nacht eine schwere Explosion. Zur Zeit des Unglücks befanden sich etwa IVO Mann in der Grube und in dem direkt betroffenen Stollen 13 Mann. Bon ihnen sind sieben ums Leben gekommen. Bisher sind sechs Leichen geborgen worden, während einer der sieben«och gesucht wird. Bon den übrigen sechs in dem Stollen befindlichen Arbeitern wurden zwei weiter« schwer verletzt. Gelbstmord eines Gefandien. In einem Anfall von Schwermut. Tokio, 29. November. Der japanische Gesandte in China, Sadao S a b-u r i, der zur- zeit hier weilte, um die kommenden Verhandlungen mit China zu erörtern, hat sich gestern in später Abendstund« durch einen Schuß getötet. Gestern war der dritte Jahrestag des Todes seiner G a t i i n, und es ist anzunehmen, daß der Gesandte die Tat in einem Anfall von Schwermut begangen hat. Der Amoklauser in der Naunynstraße. Im Ganzen 6 Personen verletzt. lieber die furchtbare folgenschwere Schießerei, die sich in der Nacht zum Jreitag in der N a u n y n st r a ß e ab- gefpielt hat und über die der„v o r w ä r l s" kurz berichtet hatte, werden jetzt nähere Einzelheilen bekannt. In dem Lokal des Gastwirtes Hermann I n t l e k o f e r saßen eine ganze Anzahl Gäste und es herrschte eine durchaus ruhige und friedliche Stimmung. Gegen 11 Uhr betrat die Wirt- jchaft der 22 Jahre alte Arbeiter Willy Gurkafch, der in der Nsur.vnstrah« 27 bei feinen Eltern wohm. Er wa. leicht a n g e- 1 1 u ii fen. Im Lokal wurde er von einem anderen Gast gehänfe!« � und aus den Hänseleien erwuchs ein Streu. Gurtäsch verlangte an der Theke zwei Glas Bier. Der Gastwirt riet ihm, lieber am anderen t Zerschlagung Preußens? Die Beschlüsse der Länderkonferenz zur ZUichsresorm. Die Beschlüsse der Unterausschüsse der Länderionserenz hoben vielfach zu der Anschauung geführt, daß sie die Zerschlagung Preu- ßens bedeuteten. Di« folgenden Darlegungen von Ministsrial- direktor Dr. Brecht treten dieser falschen Auffassung entgegen, sie insormieren zugleich über die Bedeutung der Beschlüsse. Äas Bekenntnis zur Reichsreform. Die Unterausschüsse haben nur die Aufgabe, die politische Eni- scheidung über die Möglichkeit einer sog...Großen Reichsreform" technisch vorzubereiten. Reich und Länder sind also noch vollständig frei in ihrer politischen Entschließung. Auch die Mitglieder der Unterausschüsse selbst machen ihre ab- schließende persönliche Stellung zur Hauptfrag« von der Gestaltung der Einzelheiten abhängig. Trotz dieser selbstverständlichen Ein- schränkungen ist es von historischer Bedeutung, daß sich am 6. Juli Mehrheiten von 3 gegen 2 Stimmen und am 1!>. Novern- j der von 8 gegen 3 Stimmen gegen bloßes Fortwursteln und f ü r eine große Reichsreform mit dem Ziele der Bereinigung der Zentrolregierungen des Reichs und Preußens ausgesprochen hoben und daß auch die Ministerpräsidenten von Württemberg, Baden und Sachsen sich hierin positiv einstellten. Keine Zerschlagung Preußens. Biele außerpreußische Mitglieder vertraten ursprünglich die Meinung, daß im Falle der Vereinigung Preußens mi» dem Reich die Provinzen im großen und ganzen Organisation und Zuständig- keit von Ländern im bisherigen Sinne erhglten müßten. Dos wäre die Zerschlagung Preußens. Die Ablehnung dieses Gedankens mit der großen Mehrheit von 8 gegen 3 Stimmen ist das wichlioste Ereignis der letzten Sitzung. Nach harten Kämpfen überzeugte sich die Mehrheit einschließlich der genannten drei Ministerpräsidenten, daß auf solchem Weg« eine Lösung der deutschen Frage praktisch nicht zu erzielen wäre. Das hat für manche Mitglieder einen schweren Verzicht auf grundsätzlich« Stimmungen zugunsten realer Politik bedeutet, während andere darin nicht nur ein« reale, sondern auch eine ideale Politik erblicken. Dieser Punkt wird auch in der Oeffentlichkeit immer wieder als Kernpunkt betrachtet. Folgendes sind die fünf wichtigsten Gegengründe gegen eine Aufteilung Preußens in selbständige Länder, die Dr B r e ch t, unterstützt von dem 5ach- oerständigen Landeshauptmann Dr. H o r i e n. mit Erfolg geltend gemacht hat. Es find dies: 1. die Erhaltung eines großstaatlichen Beamtentums: 2. die notwendige Klammer zwischen dem palüisch und wirt- schastlich entgegengesetzten Westen und Osten: 3. die Unsinnigkeit zwälssach verschiedener Gesetzgebung für Polizei, Schule, Kirche, Gemeinderecht, Beamtenwejen usw. in dem bisher einheitlichen Preußen: 4. die Ablehnung zwölffoch getrennter letztinstanzlicher Auf- ficht über die Städte: 5. die Entlastung der Reichsreform von gewagten Erperimen- tcn, für die kein praktisches Bedürfnis besteht. Dos preußische Mitglied Hot sich in den Verhandlungen grund- sätzlich als Anhänger verständig erweiterter Provinziolzustöndigkeit namentlich auf dem Gebiete der Verwaltung bekannt. Solche Er- Weiterungen wurden am 8. Juli auch beschlossen. Kompetenzen aus wichtigen Gebieten der Gesetzgebung kommen aber nicht in Frage. Keinesfalls könne man dem Reich hier im voraus verfassungsmäßige Auflagen machen. Preußen und Reich. Gegen eine Zerschlagung Preußens sind am 19. November nicht nur allgemeine Resolutionen, sondern die folgenden genauen Be- schlüsie gesaßt worden. Es wurde beschlosien: 1. Auch im Falle der Vereinigung der beiden ZentrolregL'rungen muß sür die bisherigen preußischen Provinzen die Verfassung gemein- schastlich durch zentrale Gesetzgebung bestimmt werden. 2. Diese Verfassung soll den bestehenden p r e u ß i- scheu Provinzialoersassungen(Landeshauptmann usw.) nochgebildet werden. Der Landeshauptmann soll weiter aus Zeit gewählt werden. 3. Zuständigkeit zur Gesetzgebuirg soll den Provinzen nur zukommen, soweit sie ihnen künstig besonders über- t r a g cn wird. 4. Die bisherige allgemeine preußisch« Staatsverwaltung (Oberpräsident, Regierungspräsident. Landrot) soll als Reichsver- waltung bestehen bleiben. Der Frage der Dreiteilung oder Zweiteilung soll dadurch nicht vorgegriffen werden. ö Dazu kommt der Beschluß vom 6. Juli, daß in den Pro- ixiizcn die hauptsächlichen Hoheitsgebiete der Berweltuiia Jus»';.- Polizei, innere Schulangelegenheilen. Kirche. Gcmeindeaufsicht und Gewerbeaufsicht grundsätzlich wie bisher Angelegenheiten der oll- gemeinen Staolsverwallung(künftig Reichsverwaitung) mewen sollen, vorbehaltlich von Dezentralisation in Einzelfragen. Ein Antrag des Ministerpräsidenten Dr. Held, den Provinzen grundsätzlich das Recht zur Gesetzgebung wie den Ländern nach der Weimarer Verfassung zu geben und es ihnen nur nach Maßgabe der„Staatsnotwcndigkcit" wieder zu entziehen, wurde in der letzte» Sitzung aus diesen Gründen mit 8 gegen 3 Stimmen(Schätzet, Held. Eschenburg) abgelehnt und der oben unter 3 angegebene um- gekehrte Grundsatz angenommen. Ausgenommen wurde lediglich ein allgemeiner«atz, wonach den Provinzen„olle Angelegenheiten zur selbständigen Regelung zu überlasten sind, bei denen nicht oifenbor die Regelung durch das Reich wesentliche Borteile sür die Gesamtheit bietet". Damit ist die Zerschlagung Preußens abgelehnt, aber die Grund- läge für eine vernünftige Entwicklung der Selbltver« waltung gegeben Oie Ramensfrage. Eine ausführliche Debatte fand über die Ramensfrage statt. Eine groß« Mehrheit, der auch Dr. Brecht angehört, sprach sich irotz Erhaltung des bisherigen Provinzialcharakters für die Verwendung des Namens„Lan d" statt Provinz aus. Dabei war man sich einig, daß durch diese Benennung nach der oben beschr e- denen sachlichen Regelung das Wort Land in einem viel weiteren Sinne als bisher in der Weimarer Verfassung ge- braucht würde. Es umfaßt dann den Begriff der reichsun- m i t t e l b a r e n P r o v i n z. Bor 1919 hat das Wort Land ein- neutral« Bedeutung gehabt. Der preußisch« Vertreter hat bei seiner Zustimmung erklärt, daß er die Ramensfrage nur als eine solche und daher als Frage zweiten Ranges betrachte. Man könne auch Gau oder Gebiet sagen, er ziehe aber das gute deutsche Wort Land vor.- zumal er in jedem Falle ein einheitliche? Wort für Nord und«üb wünsche. Wer die Wohl des Wortes Land nicht billigt, mag ein anderes Wort empfehlen, aber daraus zu schließen, daß die„Zerschlagung Preußens" beschlossen sei. wäre nach den sachlichen Beschlüssen ver- fehlt. Die vom Erneuerungsbund vorgeschlagene zusommensassende Bezeichnung als„Reichsland" mit„Provinzen" fand in der Ab- stimmung keine Unterstützung. Die anderen tänder. Die Frag«, wie die kleinen und mittleren Länder or- ganisatorisch in dos Gesamtbild einzufügen sind, soll in der Sitzung vom 7. Dezember behandelt werden. Doch wurde bereits am 6. Juli beschlossen, daß ihnen auf dem Gebiet« der Verwaltung und Gesetzgebung ebenso wie den Provinzen keine oerfassnugs- mäßigen Sonderrecht« zugesichert werden' sollen Das soll aber nicht ausschließen, daß tatsächlich aus Besonderheiten Rücksicht genommen wird. Das wird in gewissem Umsang« vielmehr Zweifel- los der Fall sein inüsien. Für die vier größeren Länder Boyern, Sachsen, Wärt- temberg und Baden hat dagegen am 8. Juli die Mehrh.'it eine verfassungsmäßige Zusicherung von Zuständigkeiten beschlossen. Diese Zusicherung geht zwar von dem jetzt geltenden Recht aus, aber unter Stärkung der Beichsgewalt in einigen sehr wichtigen Punkten. Das Gesetzgebungsrecht des Reichs wird nämlich ausgedehl auf den inneren Ausbau der Verwaltung in diesen Ländern, auf dos Verwaltungsrecht, auf die Verwaltungsgerichtsbarkeit, auf die Gemeindeverfassung sowie auf dos Prüfungswesen und die Anerkennung der Prüfungen(Freizügigkeit der Lehrer, Richter, Rechtsanwälte usw.). Ferner soll die Justiz zur Reichsverwaltung umgewandelt und die Bestellung der Landes- regierung out Zeit vorgesehen werden. Die weitergehenden An- träge des preußischen Mitglieds wurden abgelehnt. Am 15. November standen diese Fragen nicht wieder aus der Tagesordnung. Di« Beschlüsse über die Stärkung der Reichsverwaitung in Süd- deutschland werden von den Uniwristen für zu schwach, von den Föderalisten sür zu weitgehend gehalten. Einige sehen darin ein geeignetes Kompromiß. » Soweit die Darlegungen von Dr. Brecht. Die Hauptaufgabe der L ä n d e r k o n f e r e n z ist mit diesen technischen Borbersiwnfy n erfüllt— olles weitere ist Ausgabe der politisch entscheidenden Kräfte. Tage wiederzukommen und es für heute genug sein zu lassen. Einige der Gäste faßten Gurkasch an und schoben ihn zur Tür hinaus auf die Straße, damit er keinen Krach mache. Dieser Vorgang soll sich nach Aussagen von Zeugen durchaus nicht roh abgespielt haben. Gurkafch hingegen war beleidigt, drehte sich auf der Straße um, drohte mit der Faust in das Lokal und erklärt«, daß er wiederkommen und sich rächen werde. Später ermittelte Zeugen wollen gesehen haben, wie er in«inen benachbarten 5?ausslur ging und dort einen Revolver lud. Sie hatten von den Bor- gängen im Lokal keine Ahnung und achteten deshalb auch nicht weiter auf ihn. Plötzlich kam Gurkafch mit der Waffe in der 5) and in das Lokal zurück und stellte sich aus die Türschwell«. Von dort gab er unter Schimpfworten mehrer« Schüsse in das Lokal ab. Getroffen wurden der 24 Jahre alte Kutscher Friedrich Ti e t s ch(Bauch und rechte Hand), di« 24 Jahre alte Marie Hei- decker aus der Kopfstraße zu Neukölln(Brust und rechten Ober. arm), der 26 Jahre alte Schneider Willy B e h r e n d aus der Mariannenstroße 50(rechtsseitigen Lungenschuß) und sein Bruder, der 28 Jahre alte Maurer Eduard Lehrend(rechten Ober- schenkelschuß). Das Schnellfeuer und die Aufschreis der Verletzten richteten unter den Gästen die gröhle Verwirrung an. Die Unver- letzten stürzten sich aus den Schützen, der sich zur Flucht wandle. Auf die Verfolger gab Gurkasch noch mehrere Schüsie ab, von denen einer den 24 Jahre alten Reichswehrsoldaten Karl Preißler traf, der hier aus Urlaub war und heute zu seinem Truppenteil in Sachsen zurückkehren wollte. Preißler wurde an der rechten Wade verletzt. Inzwischen hatten sich noch Pasianten, durch die Schießerei alarmiert, der Derfolginig angeicksiosien. Ein Nachtwächter Holle Gurkasch in der Adolbortftroße als erster ein und wollte ihn fassen. Im Kampf mit dem Flüchtigen wurde ihm ein Finger gebrochen. Das herbeigerufene Ueberfallkommando überwältigt« Gurkafch und nahm ihn sest. Die Verletzungen des Tictsch, der Marie Heideckcr und des Schneiders Behrend sind sehr schwer. Bes'er davongekommen sind die anderen Angeschossenen. Die Masse ist eine Mauserpistole. Wie G. in chren Besitz gekommen ist, wird noch untersucht. Byrds Klug zum Südpol. Heute früh gestartet. New Park,?9. November. Nach einer Meldung der„New?)ork Times" ist Commander Byrd am heutigen Freitag, 4.29 Uhr(MEZ.) von seinem V-andorr Little Amerika zum löOO-meilen-Jlug nach dem Südpol und zurück gestartet. An dem Flug beteiligen sich außer ihm Bern Bolchen als Flugzeugführer, Harold June als Bordfunker und Kapitän Mac Kinley als Photograph. Pyrd benutzt ein dreimotortges Ford-Flugzeug und hofft, während seines Polsluges dauernd« Der- bindung mit der Funkstation der„New Pork Times" aufrcck!- zuerholten. Byrd will, wenn der Flug glücklich verläuft, in 24 Stunden wieder zurück sein. Tleun Todesurlelle iu Palästina. Wegen der Ermordung einer jüdischen Familie in Safed während der letzten Unruhen wurden neun Araber zum Tod« und-roc; zu 1ö I'h'en Gefängnis verurteil'. Die Militarisierung der italienischen Zugend. Nach dem„Popolo di Roma" sind im Jahr« 1929 in Italien 4730 militärische Vor- bildungskurs« abgehalten worden. Es nahmen teil 225 000 Schüler. hochbejahrt ist gestern Frau Mathilde v. Hofstetten aus dam Qtbm geschieden. Ihr Name ruft viel« Erinnerungen wach, namentlich auck) von ihrem Ehegatten, in dem wir eine der tragischsten Gestalten in der sozialistischen Bewegung sehen. Einer oliadligen bayerischen Familie entsprossen, Kavallerie- lcurnant und mit König Maximilian II. persönlich befreundet. 'wischendurch auch als Schauspieler sich versuchend, wurde Johann Baptist v. Hofstetten von L a s s e l l e s Auf- treten mächtig gepackt. Er schloß sich ihm in ehrlicher Begeisterung on. führte auch bei ihm den Dr. v. Schweitzer ein, der nach !.'assolles Tod der cigcnllichc Leiter des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins wurde. Auf sein Zureden opferte Hofstetten oll- mählich den größten Teil seines Vermögens für das Organ des B e r« i n s, den in Berlin erscheinenden„Sozialdemokrat". Er wurde aber später von Schweitzer unter nichtigen Vorwänden aus der Redaktion ausgeschlossen und fristete fortan mühsam als Reporter sein Dasein. In der schweren Zeit des Sozialistengesetzes hotte er viel Rot zu leiden. Seine erste Ehe mit einer Gräfin Strachwitz war sehr unglücklich und wurde geschieden. Zur -weiten Gattin erkor er Mathilde Schulz, die, am 12. Juli 1*47 in Berlin geboren, in bescheidenen Derhäftnissen aufgewachsen war und sich als Weißnäherin ihr Brat verdiente. Hofstetten fand an ihr«ine treue Lebensgefährtin, die auch für seine politisch« Tätigkeit volles und«armes DerstSndnis bekundete. Als im Anfange der achtziger Jahr« unsere Bewegung in Berlin in den neu gegründeten Gewerkschaften unter Ferdinand Ewalds Führung wieder einen lebhaften Aufschwung nahm, waren beide Hasstetten in hohem Grade dabei tätig, und die neuerwachtc Frauenbewegung gab auch Frau v. Hofstetten Gelegenheit. sich agitatorisch zu bewähren. Die schweren Schläge, welche der Minister v. Puttkmner mittels der Ausnahmebestimmungen gegen die Gewerkschaften führte, brachte wieder viel Unheil über unsere Genossen. Da brach auch Hofstetten zusammen und endete 1887 in der Charit« in geistiger Umnachtung seine Tage. Sein Begräb- nis aus dem Friedhof der Freien Gemeinde in der Pappelallee ge- jaltet« sich.zu einer imposanten Kundgebung. Ein schöner Denk- stein schmückie bald sein Grab. Sein« Witwe hielt nach wie vor treu.zur Partei, evlebt« den Fall des Schandgesetzes und war in der wieder gewaltig erstarken- len Bewegung ein« wackere Mitkämpferin. Namentlich in Frauen- rrreinigungen trat sie oft als Rednerin auf. Sie wurde auch auf '.'oistandspösten berufen. Seit einer Reihe von Iahren wohnte sie in der Langc-Schucke-Stiftung im Norden Berlins, beteiligte sich aber weiter lebhaft an der Tagespolitik, auch als sie von einem Augenleiden so schwer heimgesucht wurde, daß sie sich den „Vorwärts" und sonstige Parteiliteratur von anderen vorlesen lassen mußte. An ihrem 75. und ihrem 8ll. Geburtstage wurden ibr von der Partei wohlverdiente Ehrungen erwiesen. Noch im letzten Jahr« sehen wir sie auf den Zahlabenden und in den Mt gliederoersamnllungen der 20. Abteilung erscheinen und häufig das Wort ergreifen, konnte dabei ihre große geistige Klarheit und Frische bewundern. Bor ungefähr vierzehn Tagen wurde sie von einem Schlagansall betroffen. Im Dirchow-KraNkcnhaus ist sie jetzt ge- starben. Wir wissen ihr Andenken zu ehren. dlzx Schütte. „Abdulla." Kommunistische«�ozialfoschist-n? Ein«„Arbeiterinnen-Korrespondenz" erzählt in der„Roten Fahne", vor drei Wochen seien in der Zigarettenfabrik Abdulla aushilfsweise 15 Pockerinnen eingestellt worden,„darunter eine von den gemaßregelten Funktionärmnen des 1. Mai aus dem Betriebe Iofetti". Well nun diese Funktionärin ihren Arbeitsplatz neben den einer Vetriebswnkttonärin bekam, glaubt« sie, dies sei deshalb ge- fchehen, um ihr irgendwelche Propaganda zu unterbinden: denn diese Betriebsleiterin arbeitete mit der Abteilungsleitung Hand in Hand. Aber die(nach dem l. Mai. D. Red.) Gemohregelte hott« trotzdem die Sympathie der Kollegen und wäre bei der neuen Betriebsrats wähl als Kandidatin aufgestellt worden,„da das Vertrauen der Kollegen zu den jetzigen Betrlebsfunktionören völlig erschüttert ist". Nun kommt das Malheur! Di« aushilfsweise eingestellte KPD- Funktionärin wurde wieder entlassen mit der Begründung, daß ihre Aushilfe beendet sei, trotzdem täglich Ueberstunden geschoben würden. Die derart verhinderte Betriebsfunktionärin fordert« daher auf, bei ter nächsten Wahl dafür zu sorgen, daß diese Sorte von sozial- faschistischen Betriebsfunktionären verschwindet und rote revolutionäre Funktionäre gewählt werden. Dazu sei bemerkt, daß zwei dieser kommunistischen„Sozial- faschisten" bei Abdulla al, Delegierte zu dem kommunistischen Ge- werkschoflskongreß gewählt wurden. Wenn die rote revolutionäre Packerin in der Au-Hilfsstclle bei Abdulla ordentlich wann geworden wäre, hätte sie sicherlich diesen sozialfaschistischen KPD.-Delegierten ibre Anträge auf Beseitigung der Ueberstundenschieberej und sonstiger Mängel bei Abdulla zum revolutionären Gewerkschaftskongreß mit. gegeben. Sie hat aber„den wahren Charakter dieser sozial- saschisllscheu Vetriebzsvnktiouäre". die bei Abdulla oll« kommu- nistisch find, rechtzeitig erkannt. Wir haben gegen ihr« Aufforderung:„Sorgt dafür, daß bei der aächfieu Wahl diese Sorte von der ZZIldfläche verschwindet". nichts einzuwenden. Vi« Anfalle der englischen Luflstreltkräste. Im Unterhaus er. klärte der Unterstaatssekretär für das Lustfahrtwesen, daß in diesem Jahre sich bei den Luftstreitkräften 29 tödlühe Unfälle er- eignet haben, bei denen 39 Personen ums Leben kamen. Weller für LerUo und Umgegend: Mildes, wolkiges Wetter, mit sinzÄnen leichten Regenfällen.— Für Dculschlaod: Ueberall mW und veränderlich. Kammermusik Konzertrundschau/ Kammermusik— das Wort hat in unserem Musikleben, in der Oessentlichkeit unserer Konzerte, nicht nur in der räumlichen Weite des tpischen Konzertsaales, längst seine ursprüngliche Bedeutung verloren. Soweit Kammermusik nicht in privaten Zirkeln als gesell- schostlich intimste Forin des Musizierens kultiviert wird, ist sie zur Hälfte der nur noch historische Name einer Gattung van Tonwerken geworden, denen quantitative Begrenztheit der Darstellungsmittel gemeinsam ist, im Grunde eine technische Ressortangelegenheit der Komponisten und Jnstrumentaliste», zur Hälfte, als Gegenstand des Konzertgeschästes, ein wirtschaftlicher Begriff. Die Entwicklung, die dahin geführt hat, reicht weit zurück ins 19. Jahrhundert, sie läuft der bürgerlichen Demokratisierung der gesamten Niusikpflege parallel, einem geschichtlichen Vorgang also, der sich zunächst nur innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft vollzogen hat, doch einem Vorgang der Demokratisierung immerhin, an den die Arbeitermusikbewegung der Gegenwart mit Nutzen anzuknüpfen vermag. Aber in einem anderen Sinn Hai das erste Nachkriegsjahrzehnt eine Art von Erneuerung der Kammermusik gebracht: in fast allen europäischen Ländern eine jähe Bewegung der Produktion nach einer Periode ihrer Vernachlässigung und Geringschätzung durch Schassende. Voraussetzung für diesen Aufschwung wurde, zuni Teil wohl auch durch ökonomische Ursachen bedingt, ihre Abkehr von der orchestralen Symphonlk. Orchester oder Stroichquartett, Symphonie oder Sa- natc— in solchen Alternativen, vor die der Musiker, bevor er on die Schaffung eines neuen Werkes geht, sich gestellt sehen mag, wirkt sich ein wirres Gefüge von ökonomischen, gesellschaftlichen und— vielleicht in dritter Linie erst— formol-ästhetischen Fragen. Merk- würdig aber, je n>ehr die Komponisten sich heute für die kanuner- mustkalische Lösung entscheiden, um so mehr weiten und verschieben sich die Grenzen der Kammermusik, siedelt diese sich in Bezirken der Musik on, von denen sie früher unerbittlich geschieden war.. Der Name ihrer Gattung schien verpflichtend: von den Klassikern her kennzeichnete er die höchste, geistig lauterste, strengste— sozusagen die ollerseriösest« Form instrumentalen Musizierens. Solchen An- spruch hegt sie heute nicht mehr:„Gebrauchsmusik" und„Unter- Hallungsmusik" heißen die neuen Schlagworte, nach denen sie sich orientiert. Und das moderne Kommerorchester, Produkt der Gegenwart und der kammermusikalischen Strömungen, die sie bc- herrschen, bildet zwischen den«inst getrennten Wellen des Orchesters und der Kammermusik den fließendsten Uebergang, solcherart, daß es jenem so gut wie dieser als Spiel- oder Abart zugerechnet werden kann. In den„Kammerkonzerten Michael Taube" treten die Merkmale der neyen Situation deutlich in Erscheinung. Dos zweit« bringt noch einer Haydn-Symphonie(in der das gut diszi- plimerte„Kammerorchester" gewissermaßen als normales, nur eben «in bißchen schwach besetztes„Orchester" fungiert) eine Reihe von lieuen Werken zur ersten Aufführung. Als letztes eine„Bunte Suite" von Ernst Tach, wie ihr Name besagt, eine bunte Folge kleiner Stücke, mit überlegener Hand wichtig und wirkungssichcr gemacht und mit dem lustigen Wirbel des Schlußsatzes„Karussel" von unbestreitbarer llnterhallsajnkeit, um deren gleichen auch Karol Rathaus in seiner Suite für Violine und kleines Orchester mit Erfolg sich bemüht. Doch solchen Zweck, der heute gewiß nicht ohne Seitenblick auf die Möglichkellen und Ausgaben des Rundfunks oerfolgt wird, werden die Komponisten noch besser entsprechen können, wenn erst und Orchester. Von Klaus Vringshe>m. die letzten Bindungen an die Dogmatik einer sachte verbiossenoen Modernität gelöst sind. Wilhelm Groß, wendig und gewandt, gib! seinem Kammerorchester schrekerischcn Borkriegsklang. und den Liedern, die er so farbensroh untermalt, liegen gar Gedicht« von Eichendorff zugrunde: sie hören sich freilich nicht an wie von Schumann komponiert. Aber Rase Fuchs-Fayer singt sie mit souvc- räner Musikalität, und der Dirigent Michael Taube gibt eben dem ganzen Abend das Siqnalemxnt seiner suggestiven Musizicrfreudig- keit Kammermusik des hohen klassischen Stils bieten die Abonne- mentszyklen des Busch-, Rose- und Klingler-Quar- t e t t s: diese Konzerte finden in der Singakademi» ihr« Berliner. Gemeinde. Drei Kllnslleroereinigungen, deren Namen höchsten Rang des Gebotenen verbürgen: unnötig, ihre Leistungen einzeln zu registrieren. Doch zu gedenken ist eines Konzerts, in dem das „S ch u b c r t- Q u a r t e t t"— ein ungewohntes Bild: vier must- zierende Frauen auf dem Podium— als Novität ein Streichquartett in C-Moll von Gerhart v. Westerman spielt, mit schönem Elan, wenn auch nicht immer tonrchn, ein Wert nicht von jener„unter- haltenden" Art, die zeitgemäß ist, ernst in der Gnindhallung und keineswegs unzeitgemäß im Ausdruck. So zahlreich die Möglichkeiten instrumentalen Zujammenfplels und Ausammcnklanges, so zahlreich beinahe sind die Kombinationen konzertierender Künstler. Zu einem Konzert besonderer Art, das auch in der Programmgestaltung vom Herkommen abweicht, haben sich eine Reihe jüngerer Musiker zusammengetan. Pergolesis „Stabat mater" für Sopran, Alt, Streichorchester und Orgel steht in der Mitte, für Berlin eine Erstaufführung nach 200 Iahren, von Walter Gmeindl geleitet, mit nicht durchaus zureichenden Kräften zum Teil, immerhin eine wertvolle, dankenswerte Darbietung: vor- her und nachher sitzen Franz Osborn und Hans Erich Riebensahin, ausgezeichnete Pianisten und Musiker all« beide, am Flügel, das beißt an zwei Flügeln, und vor allem Bufanis„Fantasia contra- punctisfica", eins der bedeutendsten Werk« der neuen Klavierlite- ralur, erfährt eine ungewöhnlich eindringliche Wiedergabe. Eine fortschreitende und fortschrittliche Veränderung des typischen Symphoniekonzertprogrammes haben wir öfters in de» Klemperer-Konzerien wahrgenommen. Von einer Wandlmig des Zeitgeschmacks zeugen auch die Programme der P h i l h a r- monis che» Konzerte: mehr, wie es scheint, nach dem Ge- schmack des Publikums, als nach dem des Dirigenten, der auf jenes Rücksicht nimmt, zugeschnllten. Für seine Pevson und Persönlichkeit ist Furtwängler frei von fahriger Nervosität: aber es ist, als spiegelte sich das ewige Unruhebedürfnis des heutigen Großstädters in der Buntheit eines Konzertprogrammes, wie er es für das dritte Philharmonische Konzert aufgestellt hat, und in ihrem Akkord klingt leise«ine amcrikanisch-mondäne Note. Ein« Haydn-Symphonie macht den Anfang, in der Mitte steht als interessante Neuheit, die lebhaften Beifall findet, Rezniceks virtuos gcarbellefe„Tanz- symphanie", am Schluß Liszts symphonisch« Dichtung.Les Pre- ludes". Dazwischen die Namen Rameau, Debussy, Saint Sains, Namen der Kompaniften, die Maria Ivogün, Solistin des Abends, singt. Dank den, einzigartigen Zauber ihrer Stimme und dieser seltensten Bereinigung von Kunst, Natur und Seele wird ihr Singen zum Ereignis des Abends. „Broadway." Llfa-Theaier Kurfürstendamm. Broadway— das ist für die Mass« des amerikanischen Publikums die abends in unerhörtestem Lichter glänz erstrahlende Luxusstraße der Metropolis, die mit ihren Bergnügungspalösten alles anlockt, der Mllteipunkt des Glanzes, aber auch des Lasters und Bcrbrechens. In eins dieser luxuriösen Lokal«, in ein Revue- theater, läßt uns der Film hineinschauen. Die Pracht der Aus- stattung, die Eleganz der Kostüm«, die Schönheit und der Schmiß der Tänzerinnen werden hier vor Augen geführt. Aber wir schauen auch hinter die Kulissen, sehen, wie das Menschenmaterial ausgepumpt wird, wie protzige Alkoholschmuggler im Dinnerjackett sich die lebende Ware kaufen und aus Konkurrenzgründen gegenseitig ab- killen. Auf dem Hintergrunde des Luxusbetriebes entwickelt sich eine Kriminalgeschicht« mit dem üblichen Detektiv. Eine Tänzerin, die mit dem Erschossenen verlobt war, nimmt Rache für ihn und schießt den widerwärtigen Typ des amüsierwütigen, m'll den, Leben seiner Mitmenschen spielenden Gentlemanalkoholschmugglers ins Herz. Zwischen dem Glanz und dem Derbrechen geht das anständige Paar, der Tanzmeister und die Tänzerin, seinen geraden Weg zum Aufstieg, und so ist für das Publikum das sympathische Objekt vorhanden. Paul F e j o s hat in diesem Fitm uns lange nicht so gut gefallen wie in seinem Erstlingswerk„Zwei junge Herzen", obwohl er jetzt mit ungeheuer viel mehr Kosten und Raffinement arbeiten konnte. Gewiß, es gibt wundervolle Bilder, zum Schluß sogar iarbig«: aber dieses Milieu gewalttätiger und verbrecherischer Alkoholschmuggler interessiert uns wirklich nicht, und das Verbrechen selbst und seine Ahndung ist doch gar zu naiv arrangiert. Die photographische Leistung ist auf außerordentlicher Höhe. Robert E l l i s und Evelyn B re nt sind das interessante Paar, der Der- brecher im Frack, der immer verbindlich zu lächeln weih, und die wirklich schöne Geliebte seines Opfers, die schwarze Paiuheriatze, die mft ungeheurer Ruhe ihre Rache nimmt. Beides innerhalb der Rolle glänzende Gestaltungen. Das sympathische Paar wird von Myrna Kennedy und Glenn Tryon präsentiert. Tryon ist der Typ des Braven, Tüchtigen, der auch für Humor sorgt. Eine Gallerte von schweren Jungen muß den Alkohol diskreditieren. r. „Das Mädel mii der peiisthe." Atrium Der Regisseur Carl Lamac schuf nach einer Komödie von Hans H. Zerlett einen amüsanten Film, der bei feiner II rauf- führung Lachstürme entfesselt«. Carl Lamac hat toll« Einfälle, ist unbeschwert fröhlich und versteht es aus dem ff, seine'Zuschauer lachen zu machen. Anny Oudra darf alle Register spielen lassen, wenn sie sich von der Schießbudenfigur zum Magazmtyp entwickelt. Der ernst«, arbeitende Mensch kann, nebenbes bemerkt, weder mft dem«wen noch mit dem anderen Typ etwas anfangen. Aber durch diesen Film will man nur aus lustig« Weis« unterhalten sein. Das kann Anny Ondra, denn sie ist drollig, lleberdies hat sie Figur und Anmut. Siegfried Arno ist weder derartig ulkig, daß er malen feiner verkrampft lustigen Komikerkvllegen zum Borbild werben sollte. Gaston Jaquct ist der tadellos« teuische Professor und Werner Fütterer der filmüblich liebenswürdige junge Mann. Lamac gehört zu den Regisseuren, die nicht alles aus dem Optischen herausholen, sondern die unbedingt auf gute Zwischen- texte angewiesen sind. Di« schrieb ihm Röllinghosf, derbe- kanntlich stets famos ist, wenn er alle Wotan- und Storchgläubigen aufs Korn nimmt. e. b. Theater am Gchiffbauerdamm. Neubesetzung Lampels„Pennäler". Um abschließende Kritik üben zu können, war« es erforderlich, nicht nur die Premieren zu besuchen. Da wird mit Anspannung aller Kräfte, in einer möglichst guten Rallenbesetzung,„auf Glanz" gearbeitet. Wenn mqn dann in die zehnte, zwanzigste Borstellung geht, sieht man, daß die Feststellungen der Kritik nicht mehr der Wahrheit entsprechen: gute Schauspieler wurden durch weniger ge- eignete ersetzt, der Text— nur unter dem Gesichtspunkte, Zeit zu sparen— gekürzt, die Spannung hat nachgelassen und jeder macht, was er will. Die Premier« war ein Erfolg, das Haus ist voll, man braucht sich daher nicht mehr anzustrengen. Im Zweisclsfalle be- ruft man sich auf die— allerdings nur für die Premiere gültig gewesene— Kritik. In Lampels„Pennälern" wurde gestern die Hauptrolle Friedmund Temmler umbesetzt. An Ernst Ginsbergs Stelle trat Wolfgang Z i l z e r. Auch hat Heinrich Streichungen vorgenommen. Dennoch ist die Aufführung besser geworden. Es wird hier nnmer noch mit der gleichen Gewissenhaftigkeit gespielt und ein« kräftige Hand hält das Ganze zusammen. Die Kürzungen wurden gut über- legt und konzentrieren die Wirkung der dramatischen Reportage „Pennäler". Ernst Giiisberg spielte den Fried hastig, nervös, fast erdrückt von der bleiernen Schwere des Schicksais. Damals dachten wir, so sei es am besten. Aber man kann auch anders. Gestern sahen wir einen Friedmund Semmler, blond, eckig, hoch aufgeschossen, mit» großen erschrockenen Augen. Ein Kind, schwankend wie ein Rohr im Sturm der Ereignisse. Ererbte und eingeprügelte Furcht überwindend, ein unpathetischer, gequälter Held. Ginsbergs vor- schlössen«, in der Brust eingekerkert« Qual war unheimlich, Zilzer wirkte menschlicher. Die Aufführung ist besser gewprden. Peter Martin Lampel wohnt« der gestrigen Aufführung un- erkannt bei. v. S.-M. Ende der kyrillischen Schrift in Rußland? Die von der Sowjet- regierung bereits vor längerer Zeit reorganisierte Rechtschreibung fall jetzt noch weiter umgestaltet werden. Es wurden drei Korn- Missionen gebildet, von denen zwei sich mit der weiteren Reorgani- satürn der RecWhreibung befassen werden, während die dritte sich mft der Eirrführungsmöglichk eil des lateinischen Alphabets ftir das russische Schrifttum befassen wird und entsprechend« Dorschläg« aus- Der verlioer Srk-Zugevdchor gibt am 1. Dezember, 1«y, Uhr. im Beethoven-Saal sein 1. Winterkonzert. Verantwortl.'iit Sit Redaktion: wolfgaug sanoan, Berlin: Anzeigen: Q. ffilsät, Berlin. Verlag: Borwärt- Verlag S. m b S.. Berlin. Bruck: L-rwärt« Bück- britckerei und Berlag-anstalt Paul Singer& Co.. Berlin TD 68, Änbenküate 1 tteizn 1 Beilage. «■ & reellste SÄ�dSS Nad> wie ▼or:__________ des Herren- o. Kneben-Dekleldongshanset J.Baer.Badstr.26 Etb Prlaui-Illn Sie linden dort alles in riesensreBar Auswahl, was der Herr an Winterkleidung fertig und nach Maß benötigt, in nur guten modernen Stoffen, bester Verarbeitung, schöner Paßform und allerbilligsten Preisen ? Ein Versuch führt Sie znm bleibenden Knoden Theater, Lichtfpiele ufw. Achtung I Täglich Achtung» in den Gesamträumen des Caf� Sdioneberg Tel: Steph. 5618 Inhaber: W. Grnnge, Heoptstr. 23:24 Tel; Steph. 8618 Großes Zeppelin«Fest KOn»IleriMhe Darbietungen/ Künstler Konxcrt s Fabelhafte Dekorationen x Tanz /Treffpunkt prominenter Fiterer Einfrifg frplf Ab Dezember: Die fidcle Meieret EllBU III U CII mit ihren neuesten Schlagern ElnMillrei! KUCHEN rab emailliert „Err-KUffle.... 43 M. 73 M. äciiiMc-Kiid!e..HaBna" 88 M. 11BM. Anriiiitc-Küilie..Lonlse" 105 M. Aorldile-Kfldie..LübeiK" 135 M. Klelderspinde. 02 cm■ 43 J. 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Uhr Pennäler SiaaisoparamPiau dar BapatlUi 8 Uhr Satomt Kleines IM. Merkur 1624 Täglich g'/s Uhr Max Adalbert in Das Parram meiner Frao Lustsp v. Leo Lenz Sonnabend 4 Uhr Das tapfere Scfanciderlcin. Mer d. Weffoii Tägi. S'A Uhr tfarlefia uastkT. Ozkaistraos Käthe Dorsch Mldtacl Dohnen Sonntag 5 Uhr Friederike Damen- Mäntel- Fabrik Paul Llnck, Neukölln, RouterstraBe 63 «a der Kaiser-Friedrich-Strafe Mäntel n Kostflme s Röcke sind in jeder Größe und Preislage stets am Lager. Größen, welche nicht am Lager, werden für jede Figur angefertigt; speziell für starke Damen. « I r k s a■ sind die KLEINEN ANZEIGEN In derGesamtanilage des«Vorwärts" and Uli V-i-x MW•- Cfä mK Natürlich— denn ich trage die gute Weiss# Kleidung! getmeh Dies angenehme Gefühl der Sicherheit gibt ihm unsere Kleidung. Sie ist geschmackvoll, formenschön, von tadellosem Site und guter Verarbeitung. 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Renaissance-Theater SVc Uhr.— Letzte 7 Aufführungen Coeur- Bube Komodie von Jacques Nathanson. Regie: Leontfne Sagau. Lcnnanr— Staudt«— Vallentla Kupier— Slma— Rasumny Sonntag nachmittag 4 Uhr(2—8 M.) gM«■neailft« Vtannane ■■ Stamolitz C1. 0901 o. 2583 8«.» •«•I« Kapitän- Kautabak schmeckt mir doch am besten! Lichterfelder Festsäle Zelal« idorf« SKraaOe 5 Otfio Sdiftllln� Telephon; Lichterfelde G 3 1445 Festsäle für 1500 Personen mit modern eiogeri' teten BOimen für Veran- staltyngeü jeder Ort/ Hocäzeitssäle/ Vereins! mmer för 20 bis 300 Personen infolge Auflosung einer HerrenkleiderfabnK m /✓ Anxuge von Hk'2San Hantel YonHkE950an o u Meintie Anzahlung Meimle • Raten• Ifcotzdem Qualität . KAUFHAUS DES OSTENS .M, kkemarsiüusstr. ifleiVage Freitag, 29. November 1929 torffinmO du tbtPadk 'Der fratmöfifcke(Menfch �CtrfUCh einer ifllhrunQ/ Ton 3)r. Jians SfarlmannSlberfeld i. Der franaöfifche Tllenfch eis SSurger Aus seiner ersten Fronkreichreise ist der Deutsche überrascht von dem Reichtum der Eindrücke. Aber schon beim zweitenmal spürt er, wie wenig er eigentlich in die Hintergründe eingedrungen ist. Und beim zehnten Mole Hot er das Gefühl, daß diese Hintergründe sich immer weiter sortschieben und daß es vielleicht kein zweites Land gibt, wo eine Zusommenschou gesammelten sozialen Lebens so schwierig ist wie in Frankreich. Trotzdem beginnt sich auch einiges zu lichten, die Perspektiven ordnen sich. Wir schen den Franzosen an als Bürger, als arbeiteichen Menschen und als politischen Menschen. fter Citoyen Bürger kann„bourgoij* und„citoyen* heißen. Eitvyen ist der Begriff aus der Französischen Revolution, utch in der Zeit der letzten Rheinlarchbesetzung(um 179S) nannten die Deutschen auf dem rechten Rheinufer sogar die französischen Offiziere„Cihgyen". Wir sprechen hier vom Bürger als Citoyen: denn wir wollen von ollen französischen Menschen, von Bürgern im Sinn« von„Bour geois" und vom Proletariat sprechen. Und es ist ja kein Zweifel. daß gerade von der sozialen Lage und vom sozialen Bewußtsein aus gesehen, zwischen den beiden Klassen viel mehr Berührungs punkte bestehen als in anderen Ländern. Sie suhlen sich zunächll einmal als Menschen, als Staatsbürger, als Citoyen, es weht ein Hauch selbstverständlicher Demokratie, und dies ist der Grund, warum sehr viele Franzosen behaupten, in Frankreich gebe es keinen Klassenkampf. Wie weit diese Demokratie, die natür- lich nicht nur Firnis ist, in die Tief« der sozialen Gestaltung der Gesellschaft reicht, werden wir sehen. Oft find ganz einfache Begriffe klärend für das Hintergrund- liche. Der Unternehmer wird in Frankreich Patron genannt. Im Klang und Begriff liegt das Patriarchalische, das für das öffentlich« Bewußtsein in Frankreich sich noch stärker erhalten hat als in den anderen Industrieländern. Natürlich weiß man auch dort, daß es sehr unmenschliche Patrone gibt. Wer man sieht dies« Frage wie alle Fragen in Frankreich mehr individualistisch an. verurteilt den einzelnen statt des Systems und hat sicher mehr Schwierigkeiten zu dem Gedanken durchzudringen, daß das System ja mit innerer Notwendigkeit alles Patriarchalische wegfegen muß, uqd. dah es ein romantischer Traum ist, mit gutem Zureden das Rad der Wirklichkeit noch einmal zurülkdrehen zu wollen. Ueberall finden wir in Frankreich dieses Citoyen-Gefühl. In den Schulen spielt die Klassenschichtung kaum eine Roll«. Das Kind des Reichen ist zunächst einmal Mensch, und es sieht aus das Kind der Mittelklasse nicht im falschen Stolz des zukünftigen Vertreters der Führerschicht herab. So bestätigen es alle Lehrer. Daß das auf die Art, wie der Klassenkampf geführt wird, Einfluß hat, be- darf keiner Frag«— wenn auch Tatsache und Sinn sich dadurch nicht ändern lassen. Ueberhaupt ist das Prinzip des Individuellen ent- scheidend. Jeder ist zunächst nur Mensch und wird Monsieur oder Madame angeredet. Titel und Rang spielen kein« Rolle. Der Ehr- geiz erwacht erst da. wenn jcniand„6c l'.�csäcmie" ist, also zu den wenige» auscrwähltcn Geistern der Nation gehört, oder wenn er der(weit zahlreicheren) Ehrenlegion angehört. Wer dos ist eine Sache des persönlichen Verdienstes und nicht der �.Ochsentour", des ersessenen oder mechanisch erdienten Titels. Die radikal denkeirde Jugend der verschiedensten Richtungen haßt nichts so sehr wie die , arrmstes", die Streber, die unabhängig von der Leistung hohe Posten erjagen wollen. Dabei ist es wichtig zu wissen, daß in Frankreich der„P o- ! i t i k e r"«inen Berufs st and bildet. Die Gefahr, daß sich die besten Redner oder Rabulisten und nicht die besten Könner die besten Posten im Staate sichern, ist groß. Daher auch das nicht unbe- rechtigte Wort von der Adookatenrepublit oder von der„Republigue äe» Camar". Wer schließlich entscheidet doch immer wieder die Leistung(wobei eben die„Redsgabe" an sich viel mehr als Leistung gewürdigt wird als bei uns): und so ist es unmöglich, daß Männer, die sich durch Fehlleistungen den Undank der Nation erworben haben, wieder hervorgezogen und mit wichligcn Aemtern betraut werden. Seibit iU der Itlann! Der Citoyen sieht auf eigenen Füßen. Wenn er Fehler macht. so muß er sie selbst ausbaden. Das ist auch ein Stück jenes In- dividualismus. Fährt man mit dem Eilzug von Köln nach Pari», so kann man oerhungern: kein Speisewagen, kein Ausent- halt, der genügt, um ins Bahnhossrestaurant zn gehen, und kein Mensch bietet auf den Bahnsteigen etwas zu essen oder zu trinke» an. Man mich das eben vorher wissen! Oder wenn man nach der Ztormandie fährt und am Gare St. Lazare sucht, auf welcher der fast S0 Plattformen der Zug abfährt, so wird man es bestimmt nicht finden. Denn das wechselt jeden Tag und wird jeweils 20 Mi- nuten vorher angeschlagen. Wann und wo das geschieht, ja, das muß man einfach wissen! Organisiert ist da so wenig wie eben möglich. Oder: ich habe das Experiments gemacht und in drei nebeneinanderliegenden Cafes am Place St. Michel, die olle gleich elegant oder gleich unelsgont aussahen, meinen„Grena- dine" getrunken, jenes herrliche Sommergeträyk, wo man immer wieder den Syphon auf die rubinilar« am Boden des Glases ruhend« Saftessenz nochgießt(und der Franzose lebt ja im Sommer im Cafe, das er selten kürzer als drei Stunden besucht, oft viel länger). In dem einen kostet« er 1,50(für Mark durch 6 teilen!), im anderen 2,25, im dritten 3 Franken. Und es war kein Irrtum: denn man erhält da« Glas auf einem Teller, auf den der Preis einglasiert ist. Unlauterer Wettbewerb? Geldschneiderei? O nein— man muh nur eben Kescheid wissen! Das lernt man nicht von heute auf morgen. Was der Franzose sich selbst zumutet, das mutet er auch dem Ausländer zu. Er wird ihm in der höflichsten Weise Auskunft gehen, aber er weiß, daß jeder selbst seinen Weg durchs Leben und — durch die Cafes finden muß. So Hot es der Ausländer nicht leicht und muß Paris im Schlendern erobern! Dabcki traut der eine Citoyen dem anderen zunächst zu, daß er «UZ ein Ehrenmann ist und« nxichl von seiner S chi m p s s rec» heit so selten wie möglich Gebrauch. Von den Chauffeuren «st das ja bekannt. Es vollzieht sich der ganz« Verkehr möglichst geräuschlos(auch äußerlich: das Hupen ist auf ein Minimum ein- geschränkt: denn man setzt voraus, daß der Fußgänger selbst an sein Leben denkt). Zuweilen gibt es Verkehrsstörung. Ich habe einmal im Autobus am Pont du Caroufel gegeiniber den Loüvre fast eine halbe Stunde gewartet: trotz der vielen Verkehrsregelung. die es da gibt. Aber keiner schimpfte: dmn jeder traute dem Citoyen Verkehrsschutzmann wie den vielen Citoyens Privatautofahrern zu, daß sie schon von selbst ihr Bestes tun. Also„höhere Gewalt"— da heißt es stillehallen, der einzelne kann nichts mehr tun. Wer ivarum haben denn in Paris und wo es mir eben zu machen ist in allen französischen Städten die Straßenbahnen und Autobusse zwei Klassen— die erste meist leer, die zweite über- füllt? Fast nirgends in der West wird man das finden. Wo bleibt die Demokratie? Ich muß gestehen— ich habe«roch keinen philo- sophischen Grund dafür gefunden. Es ist dies wohl ein Schönheits- fehler in der Republik, eines jener Räffel, wie sie jedes Staats- gebilde enthält. Oder ist es ein Symbol für den Konservati- o i s m u s in Frankreich, der sich nicht so schnell entschließt, mit altem Plunder aufzuräumen. Man berauscht sich oft mehr an der Idee der„Gleichhell", als daß man sie auch durchführt. Oder sollte— eine dritte Deutung— eine„List der Idee"(Hegel!) vorliegen, da- nnt die vielen Elloyens zweiter Klasse nicht vergessen, daß es doch Klasienunterfchiede gibt? Dos freilich entgeht dem Aufmerksamen nicht. Unter Brücken übernachten nach zuverlässigen Zäh- lungen zu Zeiten 5000„Ausgestohene, der Trunksucht Verfallene, entlassene Gefangene(aber eigentlich nicht unsere„Brüder der Land- straße", die es dort drüben als Stand nicht gibt). Man darf sich mm durch den äußeren Anblick des Schmutzes uitd der Verwahrlosung ebensowenig wie in England ausschließlich beeindrucken lasten: denn ohne Ziveifel sind dort die Ansprüche an Reinlichkeit und Lebenshastung nicht so groß wie in sicheren Ländern. Von „gewlsten" französischen Orten spricht man ja in der garten West— aber nicht gern«. Am meisten ironisieren sie verständige Franzosen selbst. Wir sahen, daß die Franzosen das Organisieren scheuen; aber sie tun das mir dann, wenn sie den Eindruck haben, daß man uni des Organisicrens willen organisiert. Hier ist eine Quells ewigen Mißverständnisses zwischen der deutschen und französischen Art. Wo aber der Franzose sich irgendwelche Erleichterung, etwa in Geschäftsführung oder durch Vermeidung von Unklarheiten oer- ipricht, da«nmnll er es sehr genau. Statutenz. B-«verde n wohl in keinem Lande mit derselben Sorgfalt und Vorsicht ausgestellt wie in Frankreich. Vor mir liegt der Entwurf zur Erneuerung der Statuten der sozialistischen Partei in 68 Artikeln. Man hat den Eindruck, daß da an alles und jedes gedacht ist. Und alle Möglich- kellen sind in die klare Form jener einzigartigen Sprache gegasten. die sich«vi« keine sanft dazu eignet, Dinge auf ihre letztmögliche klare Formel zu bringe«!. Sie Staffenfrage Jenes Clloyen-Bewußtfein spiegelt sich in der Stellung zu den Rassenfragen«oider. Eine Iudenfrage gibt es«n Frank- reich nicht. Der Jude ist ein Mensch nne jeder andere, es gibt, außer in gewissen reaktionären Kreisen, kaum ein« Gefühlseiinstellung gegen die Juden, jeder»st berett, im individuellen Sinne in den Wettbewerb nnt ihnen einzutreten— sei es auf«virtschaftlichem oder geistigem Gebiete— und den Erfolg des Wettbewerbs als Tatsache in Kauf zu nehmen. Und f a st e b e n s o fft es mll den a f r i k a n i- schen Rassen— die wir herausgreifen,«veil in Aftita ja der wichtigste französische Kolonialbesitz liegt. Die Wahrheit ist die, daß die hellbraunen Nordafrikaner nicht als Fremdroste angesehen wer- den. sondern daß da, besonders mit Südfranzosen, mele Heiraten vorkommen. Vtit Negern dagegen wünscht man kein« Rasten- Vermischung, aber man fühlt, entgegen der noch offiziellen Kolonial- polllik, daß die Neger ein erwachendes Volk sind, und daß es nicht nur menschlich, sondern auch klug fft, sie rechtzeitig als Menschen an- zusehen. Weiterblickende Kolomalfachleute rechtfertigen daher auch die französische Kolonialpolitik mir so, daß sie sagen, die Negerrassc könne heute noch nicht ihre hygienischen und Schulverhällnisse ordnen ohne die Hilf« der Weißen. Das war der Standpunkt, wie ihn ettva Andre Menard von der französischen Kolonialhoch- schule auf dem internationalen kolonialen Iugendkongreß aus der Freusburg(Just 1929) vertrat. Daß di« Vorstellung des selbswerantworüichen Citoyen, die ein kollektives Denken im Sinne von Marx recht behindert, auch in Fragen der politischen Methode hirreinspielt, versteht sich von selbst. So stand das Pfund Sterling auf 240 Franken(während der Frank jetzt mll etwa 120 stabilisiert ist). Da ivurde in maßgebenden Kreisen ganz ernsthast erwogen, ob man nicht diel2großenBankiers hinrichte» und zur Wschreckung öffentlich aufhängen solle. Das klingt grotesk, es ist auch sicher ein Erzeugms einer Psychose, aber die Tradition der Französischen Revolution fft eben doch nicht ganz aus dem Gefühl und der öffentlichen Meinung entschwirnden. Der einzelne fft schuldig: mit der Beseitigung des einzelnen wird auch der Fluch des Systems«veichen... Merkwürdigerweise fft man mit der Anlvendung des Begriffs Citoyen auf die Frau sehr vorsichtig. Alle Kämpf« für das Frauenwahlrecht rvaren bisher erfolglos. Auch sie wurden teilweise „individuell" geführt, zum Beispiel durch Frau Bariot, die in dem Pariser Vorort Malakoff mit 2830 Stimmen zur Stadtverordneten gewählt wurde und u»tt«r stillschweigender Duldung des kommunisti- schen Bürgenneffters auch ihr Amt ausübt«. Dileine ffiüder Jtpfelpflücken Rumpumpum— rumpumpum— rumpelt das llapprlge Fuhr- lverk durch die morgenstillen Straßen der Stadt. Auf dem Wagen des Obstpächters sitzen wir Wpflücker. dicht gedrängt. Körper an Körper, man spürt förmlich den Atem der anderen. Die Stadt schläft, wir fahren zur Arbell. Es fft kühl. Der Mantelkragen wird hochgestellt. So kann man bester schlafen. Nebel steigen, Wolkenmassen häufen sich.. Die beiden Tagelöhnerinnen mir gegenüber können das Schlvatzen nicht lasten. Ich dämmere im Halbschlaf und hör« gerade noch:„... und. sa'ch, ein anständiges Mädchen, sa'ch, tut so was nich, ha'ch gesachi..." Nun scheint der Weg glatter geuwrden zu sein, der Wagen rollt leichter— wahrscheinlich die Teerchaussee... „Brrr."— Der Wagen steht. Mühsam reiße«ch� die Augenlider hoch.„...»v«U, sa'ch, daß einer gleich kommt, sa'ch.. Runter vom Wagen. Ahhh... Man gähnt. Setzt sich ins taufrische Gras und frühstückt. Die Sonne kommt langsam vor, doch haben ihre Strahlen keine Kraft. Müde wickle ich die Stullen aus. Enes, der Stille, hat sich schon Aepfel gehott, und seine blanken Zähne mahlen unermüdlich, immerfort. Ich seh« mir die Allee an, Ein Feldweg. Recht hohe Apfelbäume.„Schön« Colpern," brummt Walter. Der Pächter hat inzwischen die Leitern angestellt, im» geht es hoch Die Aeste knacken, die Leiter schwankt, will kippen... „Keine Angst. Karl, du«oeiht doch, im Kriege haben wir noch was ganz anderes durchgemacht...", ruft spottend Fritz. „Ich weiß," tönt es zurück,„als«vir beide vor Derduhn waren und du mir immer die Schuhe putzen mußtest." Man pflückt. Ernst schmaucht, die Jungen? sind ruhig-» man pflückt. „Tut— sttt." ein Auto naht. Wirbelt ungeheuer viel Staub auf. Im Auto sitzen weißgekleidet« Damen und Herren, offenbar flirten sie. sie lachen. Mir tut der recht« Arm weh, er fft oben ein«vemg ge'chwollen. Di« Füße zittern rpm ewigen Stehen auf der schivankenden Letter. Und doch freue ich mich meiner Arbeit, da ich die Nichtstuer sehe. Mittag! Man liegt unterm Baum und— ißt seine Stullen. Diesmal die „Wurfchtenstulle". Enes liest dabei die Zeitung, in die das Brot ein- gewickelt«vor. Manchmal hört er auf zu kauen. Wiederum saust«in Auto vorbei. „So eine käsige Schees« würd' ick mir nie koofen." „Is ja auch bannig billig." ..... wenn eine Frauensperson, sa'ch, abends wechjeht, sa'ch..." Rauf auf den Baum— pflücken. Ich wunder« mich. Habe ich bis jetzt doch kein« Zoten gehört, drückt sich doch keiner, hilft doch einer dem anderen... „Der Zug pfeift, es fft viertel ffmfe." Man hat es gelernt, di« Zeit zu berechne», noch Sonneifftand und ähnlichen Borgängen. Ich bin verdammt müde. Die Sonn« geht unter. Es muß wohl sehr schön gewesen sein, und«in Poet hätte reimen können. Sonne— Wonne. Glanz— Tanz, rat— tot usw. Ich bin zu müde, die Schönheiten der, Natur zu bewundern. Will der Pächter heute überhaupt nicht mehr Schluß«Nochen? Na— endlich! Rumpumpum— man rattert nach Hause, sitzt müde auf dem Wagen, igt Aepfel. Enes versucht zu singen: „Des W«i«ds, wenn«s Feierabend wird— Da wird die Arbett niedergelegt.. Doch keiner singt mit. Da hört er auch auf. Ich bm zu müde. um zu denken. Morgen früh wird wieder der Wecker rasseln, der Wagen warten. Ich«verde pflücken... L.?. Dorm Sßücherloden Bor den schönen, bunten, neuen Weltreise-Büchern, die nn Schaufenster als passende Geschenke für die Saison ausgestellt sind —„Denke schon j- tz t an Weihnachten!"— steht ein Maim, groß. müde, von« Leben zerpflückt, ein Mann, der mir.zum Verwechseln ähnlich sieht, und es gehen ihm etwa folgende Gedanken durch den Kopf.... Bravo, bravo, meine literarischen Herren Globetrotter, rhr halu di« Well bereist, zu Pferd« und zu Fuß. per Bahn und per Auto, auf Salondompfern und Frachtkästen, und es ist eurer Aufmerk- famkell bei Gott nichts entgangen, was irgend von Interesse für de» Leser sein könnte. Der Leser bekommt die Well gezeigt, wie er sie selbst sehen würde, er liest quasi seine eigenen Gedanken, die er zu faul zu denken ist, er fühll sich selbst auf Reisen, genießt die Erde wie aus einer Früchts chale. Ich habe die Welt auch einmal als buntes Bilderbuch betroch- tet, aber heute seh« ich sie anders. Die vielen Farben, finde ich jetzt, das«var nur eine optische Täuschung. Die Well fft grau. Sie st überall gleich, sie ist überall grau. Wenn man den Reisesack bei- sellestelll und die Schaufel zur Hand nimmt öder sonst ein Hand- iverkszeug, dann lösen sich die bunten Bilder in ein« grau« Masse auf: der Alltag hat begonnen, ueberall herrscht der Alltag, lieber- all sind in« Menschen bei sich zu Hause: sorgen und mühen sich, um dies Zuhause zu haben. Es gibt keine exotischen Länder: das ein- zige Exotische fft der Zuschauer, der Mann im weißen Anzug mit Tropenhelm und Hornbrille, der beobachtet, statt mitzumachen. Wenn ihm seine Zeitung kein Gell» mehr schickt, wenn er nicht mehr roeller kann, wenn er dableiben und anpacken muß, wo sind sie dann, die schönen Eindrücke und die guten Einfälle: der inter» estante ferne Ort»vird plötzlich zur banalen Heimat, das Fleckchen tropischer Erde, auf dem er steht, zum Zentrum der Well, das Außerordentliche zum Selbstverständlichen..... .Wie sagen Sie, Herr Buchhändler? 5 Mark, das ist bitlig für die bunten Gläser.. bloß ich habe mir heute zufällig kei«, Geld eingesteckt." Heinrich Hemmer C18. Fortsetzung� „Tod den Marxisten!" „Es leb« der Faschiswus!" Di« ganze Stadt hallt wider in Flüchen und Gebrüll. Po- trouillen von Karabinieren unter dem Kommando von Faschisten müssen die ganze Nacht hindurch die Stadt durchstreifen» um die Schwarzhemden aufzulösen und an den Bahnhos zu eskortieren, wo man sie sofort zur Abreise nötigt. Erst als die letzten Milizleute die Stadt oerlassen haben, atmct die Bevölkerung auf. Di« Politiker preisen Mussolinis Takt, der es verstanden Hot, die Stadt in 48 Stunden von dieser Besatzung zu befreien. Die Minister kehren die Rollen um und bilden sich ein, daß der Ehef des Faschismus ihr« Geisel sei. Solange nur eine scheinbars Ordnung ihre �Haltung zu recht fertigen scheint, kümmert es sie gar nicht, was außerhalb Roms geschieht. Aber in den Provinzen erfolgt die Besitzergreifung des Faschis mus in noch viel brutaleren Formen. Da erscheint das neue Regime wie ein hundertköpfiger Drache. Denn jede Provinz, jedes Dorf hat seinen Mussolini. Gesetz und Autorität werden mit Füßen getreten Jeder Faschist maßt sich an, Gesetze vorzuschreiben. Die Gewalttaten wenden sich nicht mehr ausschließlich gegen Sozialisten und Arbeiter. Man nimmt kommeiche Situationen vorweg und wendet sich in den Provinzen gegen jeden, der noch eine selbständige Meinung zu hoben wagt. Noch hat der sogenannt« Theoretiker des Faschismus, der heutige Iustizminister Alfr«do Rocco, nicht sein« Formel auf. gestellt:„Alles im Staat, nichts außerhalb des Staates, nichts gegen den Staat", und schon ist diese Formel lebendig« Wirklichkeit für den Faschistenführer des kleinsten Dorfes, nur daß er sie ein wenig anders »ersteht:„lltfchts außerhalb des Faschismus, nichts gegen den Fa- fchismus." Das ganze Leben des Landes ist der Willkür von ein paar tausend Abenteurern ausgeliefert. Der gesamten Bevölkerung wird das zum Bewußtsein kommen im Monat Dezember, wenn durch die ganze ."Halbinsel der Schrei des Entsetzens und der Verzweiflung der Turiner Todesopfer geilen wird... XIX. Die Mordtaten von Turin. Die Politiker von Montecittorio hatten sich gesagt, daß die g« waltsam« Repression des Faschismus unfehlbar zu einen, langen Kampfs geführt haben würde, bei dem der nationale Block in die Brüche gegangen wäre. Außerdem fanden sie, daß aus dieser Re pression einzig und allein die Sozialiften Vorteil gezogen haben würden. Darum schien es ihnen schlauer, den Faschismus zu zähmen, indem sie ihm die Türen der Regierung öffneten. Einmal zur Macht gelangt, würde er sich zu anderen Methoden bekehren. Das hieß den Charakter des Faschismus völlig oerkennen und außerdem vergessen, daß er eine verhungerte Menge von Klein- bürgern nach sich zog, die er füttern und ausgiebig füttern' mußte. Es kann wohl sein, daß Mussolini— sobald er zur Regierung ge. langt war— es für das beste gehalten hatte, nun zur Ordnung und zum Parlamentarismus zurückzukehren. Man lese seine Reden. Abgesehen von der ersten, die die groß« Masi« beeinflussen sollte, sind die anderen geschickt, abschattiert, gemäßigt, beinah« lächelnd. Wenn er von der Generalfäderation der Arbeit spricht, so bewirbt er sich um ihre Mitarbeit. Wenn er seinen polemischen Degen mit dem Abgeordneten Amendola in der Kammer oder mit dem Senator Albertini im Senat kreuzt, so tut er es maßvoll und anständig, mit offenbarer Scheu vor dem Gegenhieb. Sogar mit den Sozialisten gibt er sich Mühe, liebendswürdig zu sein. In den privaten Untere redungen redet er sich die Zunge wund, um seine früheren Genossen zu überzeugen, daß er immer der gleiche geblieben sei. Er geht sogar so weit, zu erklären, sein cherz schlüge nach links. Er spielt sich als eine Art geistiger Vater des Kommunismus auf. Als es sich im Juli 1928 darum handelt, das Wahlgesetz über die Majoritäts- Vertretung von der Kammer annehmen zu lassen und so ein wirk- saines Mittel zur Schaffung eines faschistischen Parlaments zu er- langen, geht Mussolini bis zu den äußersten Grenzen des Entgegen- kommens und der Koketterie. Aber wie Ianus hat«r zwei Gesichter, und er läßt gleichzeitig die Tribünen der Kammer von seinen Milizleuten besetzen. In Wirklichkeit hat er nur die Absicht, Zeit zu gewinnen und inzwischen stärker zu werden. Und das gelingt ihm. Ueber die wirk» lichen Gefühle seiner Mitarbeiter ist er im klaren. Er weiß sehr gut, daß es nur gelegentliche Weggesellen sind, die morgen sein« Gegner sein werden. Aber er braucht sie und bedient sich chrer. In dieser Hinsicht könnte man meinen, er wäre in der Schule Bismarcks groß geworden. Aber dos Fehlen jedes Gerechtigkeitsgefühls und jeder Wahr- hastigkeit Macht sein Spiel undurchsichtig. Kaum hat er eine Rede im Senat beendet, in der er der Gesetzlichkeit huldigt, findet man ihn in seinem Arbestszimmer bei der Durchsicht der Unterzeichner dar Subskriptionslisten für den„Aoanti" und die„Giusrizia":«r streicht di« Namen rot an und schreibt auf den Rand:„Ist der Faschismus eingeschlafen?" Dann schickt er die Listen an den„Fascio" der Orte, in dem die Unterzeichner wohnen. Diese Bleististzeichen bedeuten:„Gibt es keine Knüppel mehr in den Läden und kein Rizinusöl in den Apotheken?" Die lokalen Führer, die„Ras", verstehen dies« sybillinische Sprache und beweisen ihr Verständnis durch Taten. Wer Geld- summen an sozialistisch« oder Oppositionsblätter geschickt hat. wird in das Lokal der Miliz gerufen, beschimpft, geschlagen, oft ver- mundet, manchmal getötet. In den Kellern jeder faschistischen Ka- fern« wiederholen sich die unheimlichen Mysterien der Mittelalter- lichen Folterstätten. So läßt man den Terror hausen, aus dem Mussolini«lnen doppelten Bortell zieht, weil er das Uebergewicht der Miliz vermehrt und gleichzeitig in der öffentlichen Meinung die Auffassung unterhält. Mussolini sei unentbehrlich, um die wllde Roheit seiner Parteigänger im Zaum zu halten. Wenn man den Mann von der Straße belauscht, der nun einmal berufen ist, sich jeden Unsinn einreden zu lassen, so hört man sagen: „Das ist schrecklich, aber es würde noch schrecklicher sein, wenn Mussolini nicht da wäre." Auf dieses noch Schrecklicher«, was man vermeiden soll, gründen der Duce und die Clique der mit ihm verbündeten Politiker des alten Regimes ihre Macht. Aber es handelt sich hier um ein« Komödie, auf di« nur jene hereinfallen, die hereinfallen wollen. Und aus der Komödie wird sehr schnell ein Trauerspiel, genau sechs Wochen noch der Bildung des ersten faschistischen Kabinetts. Am Abend eines Sonntags, dem 17. Dezember 1922, werden in Turin zwei.Faschisten bei einem Raufhandel tödlich verwundet. Dies nahm man zum Vorwand einer schändlichen Mordtat. Von Anfang an war Turin dem Faschismus ein Dorn im Auge. Sein kommunistisches und sozialistisches Proletariat, seine giolittia- nische Bourgeossi« und die jungen Leute seiner Intelligenz, die in Piero Gobetti ihren Führer sahen, mißsielen den Schwarzhemden im höchsten Grade. Diesen Leuten wollte man eine Lektion geben. Schon am nächsten Morgen traten die faschfftischen Plotons in Aktion. Das erste Opfer der Repressalien war der kommunistische Organisator Carlo Berruti. Er wurde in seiner Wohnung ver- haftei, man zwang ihn. in ein Auto zu steigen und führte ihn nach den Wällen außerhalb der Stadt. Dort mußte er aussteigen. Marsch, kommandierten seine Henker. Ruhig, mit einem sarkastischen Lächeln aus den Lippen, schreitet Berruti vorwärts. Sechs Reoolverschüss«,«in dumpfer Fall. Aus dem reglosen Körper des Toten sickert dos Blut... Gegen Mittag hält ein Auto in der Via Balancieri Nr. 3. Zwei Leute, die keiner Partei angehörten, wurden ausgehoben. Man fährt sie weit hinaus aufs Land, jenseits des Po. An einer Hecke wird halt gemacht. Die beiden fragen verstört, was denn mit ihnen geschehen soll. Keine Erklärung. Acht Schüsse. Ein Toter: C e- s a r e P o c ch e t t i n o: ein Verwundeter, den man für tot hält: Zurketti. Und weiter. Zur gleichen Zeit besorgen andere Plotons di« gleiche Arbeit. Zu dem Trambahner Ehiolero kommen die Leute, als er sich gerade mit Frau und Kind zu Tisch setzt. Es wird an der Tür geklopft. „Herein." Bewaffnete Männer erscheinen in der Tür. „Was wollen Sie?" „Matteo Ehiolero." „Das bin ich." Er hat nicht di« Zeit, ein weiteres Wort zu sagen. Die Wichte drücken ihre Revolver ab und lausen davon, während ein« junge Frau über der Leiche ihres Mannes weint. Das war nur der Anfang. Am Abend waren alle faschistischen Banden um das Bolkshaus konzentriert worden. Die Polizei— dos versteht sich— hat sich vor den Schwarzhemden zurückgezogen. Die Türen werden durch Brand- granaten zerstört. Die wenigen Beamten, die zu dieser Nachtzeit noch in ihren Bureaus sind, werden überfallen, geschlagen, verwundet. Und dann ging die Berwüstung los... Es war wie ein Bild der Apokalypse, dieser in Flammen aus- gehende prächtige Bau. Zuerst hat man den Turm angesteckt und dann den Flammen durch Ströme von Petroleum den Weg gc- wiesen. In kurzer Zeit sst dos Volkshaus nur noch ein Flammen- meer, dessen roter Gischt bis zum Himmel spritzt. Rund herum tanzen die Schwarzhemden, johlend, jubelnd, tobeii!>. wie im Delirium. Welch tragisches Schicksal ließ Pietro Ferrero gerade jetzt an den Ort des Brandes kommen? Man erkennt ihn, er wird ge- packt und geschlagen. Von den ihn umringenden Schwarzhemden hin und her gerissen, stolpert er und fällt zu Boden. Die fauchende, johlend« Menge, die nichts Menschliches mehr hat. kreischt:„An die Laterne mit ihm!" Wer auch das wäre noch zu menschlich! Pietro Ferrero wird noch lebend mit den Füßen an ein Aura gebunden und als blutender Klumpen zerfetzten Fleisches durch den ganzen Korso Vittorio Emmanuele geschleift. Seine Leiche war der« artig entstellt, daß seine eigene Schwester ihn nicht erkennen konnte. Pietro Ferrero war der Sekretär der Metallarbeiter. Seiner politischen Haltung nach war er Anarchist und hotte während seines ganzen Lebens nur zwei Dinge angestrebt: Sich selbst zu bilden und die anderen zu bilden. Dieses Streben sollte er mit seinem Leben bezahlen. Die grauenhafte Serie der Ermordeten dieses Dezembertages schloß mit den Namen Andrea Chiosso, der vor den Augen seiner'Großmutter gelyncht wurde, Matteo Tarizzo. den man durch Gewehrschüsse niederstreckte, Erminio Andreoni, der im Beisein seiner Frau ermordet wurde, weiter E v a s i o B e c ch i o, Leone Mazzolo, Giovanni M a s j a r o und A n g e l o Q u i n t a g l i e, olles Sozialisten. Die Regierung nahm die Sache kaum zur Kenntnis und sah kcinen Grund zum Eingreisen. Der Präfekt von Turin wurde ver- setzt, ein« Strafhandlung gegen Unbekannte eingeleitet,. und der Führer der faschistischen Bonden von Turin erhielt einen Orden. Im übrigen saß ja der Mann, der die ganze Mordtat eingegeben hatte, selbst in der Regierung, das war der damalige Minister für Peiffionswesen de Decchi, der heut« italiensscher Botschafter beim Vatikan ist. Dieser sandte sogar dem Faschio von Turin ein Bei- fallstclegromm. Die Regierung sah keine Veranlassung, auf dem Grabe der Er- mordeten auch nur«ine heuchlerische Träne zu vergießen, denn man stand am Borabend der Wahlen, und es mußte den Faschisten de- wiesen werden, daß ihnen olles erlaubt war. XX. Molinella. In der tiefen Stacht war der gedämpfte Ton der Stimmen kaum vernehmbar. Landorbeiter und Londarbeilerinnen kamen an, gaben die Parole und schlichen auf einem Feldpfade zu einer Art Hütte, die sonst den Jägern al» Treffpunkt dient. Alle achteten darauf. so wenig Lärm zu machen als möglich. Auf dem Boden sitzenz. bildeten sie einen Kreis um einen Genossen, der eben aus Rom gekommen war.(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. •MiimniiiUiiniiniutuHiiinnninimuunitiiiimiimnuinnmntnmiinnimuliBomiimuaiUliiniiwiuiiniiiuiuininiuiiiuiulinniiuniittiiimiiniiiHUiniimiinimnnmiinnniinw Ein Fluß wird verlegt. Im Niederlausitzer Braunkohlenrevier bei Senfteirberg wird die Schwarze Elster ein neues Flußbett erhalten. Der Fluß wird annähernd 2 Kilometer von feiner jetzigen Stelle verlegt: dos neue Flußbett ist 6 Meter lang und wird von Deichkrone zu Deichkrone «ine Breit« von 50 Meter und eine Solentiefe von S Meter er- hallen. Bisher find 250000 Kubikmeter Erbmassen bewegt worden und 180 000 Kubikmeter müssen noch bewegt werden. Die Verlegung soll noch in diesem Jahre beendet sein. Die Arbetten werden von der Jffe-Bergbougesellschaft durchgeführt, die die Braunkohlenflöz« im bisherigen Flußbett der Schwarzen Elster zum Abbau bringen will. Das weiße Nashorn stirbt aus. Ein merkwürdiges Tier ist das weiße Nashorn, das hauptsächlich aus dem Grunde wenig bekannt ist. weil es sich nicht fangen läßt. Selbst der Zoologische Garten von Khartum, der fast all« Tierarten kennt und besitzt, hat von ihm nicht ein einziges Exemplar. Der Direktor dieses Zoos äußerte sich kürzlich folgendermaßen über das weiße Nashorn:„Immer wieder bekommen wir." so schreibt er. „Anfragen von allen möglichen Zoologischen Gärten der Welt nach weißen Rhinozerossen, und die Amerikaner haben bereits die größten Summen geboten, wenn wir ihnen ein solches Tier lief-rn, aber der Versuch, sie in der Gefangenschaft zu halten, Ist so hoffnungslos, daß unsere Regierung nicht mehr länger gestatten will, sie zu jagen. Man hat schon weiße!Mnozerosse in jugendlichem Alter gesangen, aber sie sind so empfindlich, daß sie bald vor Furcht sterben. Wer aber «in erwachsenes Tier fangen will, der kann nur schwere Ent- l�reitax, 29. November. Bertis. 16. Oi P:c(. C. Heine: KUneOiche Mnranx. 16.39 Olicomo Pncclnl N. November Uli).(Berliner Strekiqntrtett.) 17.15 Reichs bümdlrelrtor foebs: Dl« Lofcomoltve, ein KeUeatreseer r 17.35 Unterhaltnnismusik 19.05 Rechtsanwirt Dr. H. Lenker: Der Anwalt In der Bprechstiraje. 19.25 SUdUsche Oper;.Samsen trad Dalfla-, von Satat-Sadnt. Dlrirat; Leo Blieb. Nach des Abendmeldunren Bndfunk und Blisorcfaester-Konzert, Könlsswasterhanseo. 16.00 Min.-Dir. Paul Kaestner; OejenwarUlraren der Volksschule. 16.30 Nachmiltajskonrert von Lelprij. 17.30 Mersmann: Oesprtche über Musik. 18.00 Prof. Dr. Prion; Internationale Coldbewesunj. I8J0 CBdiscb für roitsaechritteae. 13,55 Prof. Dr. Stolzenbnrsi Spinnerei. täuschungen erleben. Das Einsangen von Löwen und Elefanten ist, damit ver�iche Ii, eine leichte Aufgabe. Das weiße Rhinozeros wird entweder seinen Jäger täten oder sich selbst. Die Tiere sind so scheu, daß sie beim bloßen Anblick eines menschlichen Wesens den nächsten Gegenstand, der ihnen zu Gesicht kommt, mit unglaublicher Wildheit angreifen. Wenn in der Nähe ein Baum ist, so stoßen sie gewöhnlich ihr großesHorn so tief in das Holz, daß sie sich nicht mehr besreien können. Selbst wenn man versuchen wollte, sie mit einem starken Stahlnetz zu fangen, so würde das nichts nützen, denn sie toben in ihrer Raserei so furchtbar, daß man sie nicht fortbringen kann. Da alle Versuche bisher vergeblich waren und zum Tode der Tiere führten, verbietet die Regierung des Sudan jetzt sedc Jagd. Trotz dieses Verbotes nehmen sie mehr und mehr ab." Das Autogramm als Zahlungsmittel. Ruyard Kipling, der englische Dichter, wurde durch den letzten Auszug, den er von seiner Bank erhielt, nicht wenig in Erstaunen gesetzt. Bei dessen Durchsicht fand er nämlich, daß nur ein geringer Bruchteil der von ihm ausgegebenen Schecks zur Einlösung vorgc- zeigt wird. Die Preise, di« für Autogramme Kiplings gezahlt wer- den, sind in letzter Zeit so gestiegen, daß er sich die merkwürdige Totsach« nur damit erklären kann, daß man es vorzieht, die Schecks als Autogramme in den H--M zu bringen als sie bei der Bant einzulösen. Optimismus... Der Professor John Haynes Holnies hat in einem Vortrag, den er kürzlich in der Dettoiter Universität hielt, u. a. gesagt, jeder Mensch, der sich verheirate, müsse sich die Tatsache vor Augen halten, daß er auf 50 Proz. seiner Unabhängigkeit zu verzichten habe. Der Vortrag kam dem bekannten englischen Humoristen G. K. Ehesterton zu Gesicht, der sich begnügte, zu murmeln:„Solche Optimisten kann es doch nur in der neuen Welt geben!" Der Trick des Ladendiebes. Seü einiger Zeit kamen in Madrid umfangreiche Ladendieb- stähle vor, denen die Polizei vergebens nachspürte, bis sich schließlich Ihr Verdacht aus einen eleganten jungen Mann lenkte, der als Photograph austrat. Er kam in die feinsten und größten Geschäfte der spanischen Hauptstadt, und bat um die Erlaubnis. Photographien ihrer Geschäft« für einen Aufsatz anzufertigen, der in einer großen amerikanischen Zeitschrift erscheinen sollte Man gewährte ihm gern jede Unterstützung: er stellte einen Apparat von ungewöhnlichem Umfang auf und empfahl sich höflich, nachdem er seme Arbeit beendet hatte. Aber als die Polizei schließlich Zugriff und den Apparat beschlagnahmte, da entdeckte st« in diesem eine Anzahl kostbarer Pelze, die er mit fortnehmen wollte. Dcr Ladendieb hatte die Frei- hell, die ihm das Herumgehen bei den Aufnahmen gewährte, dazu benutzt, mit großer Geschicklichkett sich wertvoll« Dinge anzueignen und diese w seiner riesigen Kamera zu verbergen, mit der er dann unbehindert abzog. Rex in prhna Chromlaek. Ortgloal-GooA-Welt, ichvarc und braun BoxcaH / Ueber- ' schuhe m. Rei6verschiu6. braun, grau und schwarr, für alle Abcatchöhan Kamelhaar' Umschlagschuhe Dieselben mit Kappe und Fleck Schwarz la Mastbox mit durchgehen-— der DopptUohle, GrfiM* 31-35 1; 10, 90 c; ReizendeNeuheit lör den NachmUlag. au, hack, mit Samtkalb- Einlage y// Gr«,« 37-30 Versand durch Ztnirale Leiser, Berlin SO 16, Schmidsirasse 24 /IS. Billige Angebote für Damen« Herren und Kinder d&betterzSpor-ir -ARBEiTEK. WSSBALL Serienspiele am Sonntag. ßiufenmalbc III— Rathenow. Ruhlsdorf— Lucken wolde V. Bran.- denburg— Eiche-Köpenick. Luckenwalde II— Neukölln. Woltersdorf gegen Germania. Nowqwes— Hoppegarten. Schöneberg— Lichtenberg LI. Schmciffternc— Kladow. Treuenbrietzen— Borussia. Trebbin gegen Vorwärts-Wedding. � Saxonia— Wansdorf. Hohe/ilychen gegen Lichtenberg I 2. Altglietzen— FTGB.-Charlottenburg. Schönow gegen Sokol-Charlottenburg. 5?erzferde— Spandau 25. Caputh gegen Borwärts-Wedding 2. Butab— Weißensee. Z. Mannschaften. Luckenwalde III— Rathenow. Brandenburg— Eiche-Köpenick. Luckenwalde II— Neukölln. Nowawes— choppegarten. Schöneberg gegen Lichtenberg II. Herzfelde— Spandau 25. Butab— Weißenfee. Zugendmonnschaflen. Brandenburg— Spandau 1. Eiche-Köpenick— Werder. Lichtenberg II 1— Borwärts-Wedding 1. Rathenow�— Lichtenberg I. Eiche- Köpenick 2— Wansdorf. Vorwärts-Wedding 2— Neukölln(2 Uhr). Lichtenberg II 2— Spandau 2. Beginn der Spiel« der l. Mannschaften 14 Uhr, der 2 Mannschaften 12 Uhr. der Jugendmonnschaften 10 Uhr. -i- Aus Anlaß des einjährigen Besrehens aeranstaltet der Fußball- bezirk Tempelhof gegen Mariendorf der Freien Turner. Ichaft Groß-Berlin ein Fußballspiel mit einem erstklassigen, aus- wärtigen Gegner. Als Gäste begrüßen die Tempelhofer die Fuß- ballabteilung der Freien Turnerschaft Stettin- Unterbredow, mit denen am Sonntag. 1. Dezember, auf dem Platz im Volkspark Mariendorf ein Freundschaftsspiel ausgetragen wird. Gesinnungs- genossen sind herzlicht eingeladen: Beginn des Empfangkommerses Sonnabend, 20 Uhr. Beginn des Spieles, Sonntag, 14 Uhr. Die Tempelhofer tagen jeden Freitag, 20 Uhr, im Restaurant Laar, Mariendort, Kurfürstenstr. 67. oder jeden Mittwoch„Turnhalle" Mariendorf, Kaiserstraße, Gymnasiuni. » verein svarständekonferen;. Sonnabend, 20 Uhr, findet bei Sievert, Lichtenberg. Kant- Ecke Schillerstraße, eine Lorstände- tonferenz aller Fußballvereine und Abteilungen des 1. Kreises statt. Die Wichtigkeit der Tagesordnung bedingt vollzähliges Erscheinen der Vereinsvorstände. Vorher. 18 Uhr, sindet eine Börse zur Der- mittlung von Gesellschaftsspielen statt. Arbciter-Hockex am Sonntag. On der Schönhauser Allee spielen um 10.30 Uhr die beiden ersten Mannschaften der FTGB.-Nordring, Schiedsrichter Ostring 1. Auf dem Platz Ost in' der Laskerstraße treffen sich Tenniz-Rot 1 und der Bezirk Martendorf 1 um 10 Uhr. Es dürfte zu einem Siege der technisch besseren Marieudorfer kommen. FTGB.-Ostring 1 und der Achletik-Sport-Elub treffen sich um 14 Uhr in der Nor- mannenstraße. In der Gruppe B spielen: Nordring 3 gegen ASC. 2, 0 Uhr. in der Schönhauser Allee. Neukölln 1 gegen Pankow 1, 9.30 Uhr, im Neuköllner Stadion. Ostring 3 gegen ASC. 3, 12.30 Uhr, in der Normannenstraße. Tennis-Rot 2 gegen 'Neukölln 2, 13 Uhr, in der Laskerstraße. Ferner findet«in Frauen- spiel zwischen Tennis-Rot und Ostring um 12 Uhr in der Lasker- ftraße statt. Entgegen bisherigen Mitteilungen sind vorstehende Spielanfetzungen als amtlich zu beachten. Sdwiimmport in Spandau. Am Sonntage 1. Dezember. Dos am kommenden Sonntag stattfindende S ch w i m m f e st der„Freien Schwimmer Spandau" verspricht noch den vorliegenden Meldungen eiy sportliches Ereignis zu werden. Die besten Groß-Berliner Vereine sowie von außerhalb Stettin, -Dre s den. Heidenau und Rathenow haben ihre Meldungen abgegeben In der Hauptsache finden Staffelkämpfe statt, getreu dem Grundsatz des Arbeiter-Turn- und Sportbundes. Die Eröff. nungsfreistUftaffel 10 mal 50 Meter vereinigt sieben Mannschaften, bei denen die Entscheidung um den Sieg zwischen Neukölln, Union und Spandau liegen wird. Die Frauenbruststaffel 4 mal 50 Meter ist ebenfalls mit sieben Mannschaften besetzt, jedoch, ist hierbei eine Borhersage sehr schwer. In der Lagenstaffel 4 mal 50 Meter kür Männer über 3 0 Jahre werden die Zuschauer Gelegen- heit haben, zu sehen, wie jung der Schwimmsport hält, chart werden die Senioren um den Sieg kämpfen, jedoch wird Spandau wahr- scheinlich in Front sein. Im Iugendfreistilschwimmen werden 12 Teilnehmer um den Sieg ringen. Die Männerlogeustaifel ist mn neun Mannschaften besetzt. Eine Vorhersage ist auch hier schwer. Die Schluß,'chwellstaffel— 25. 50. 100. 50, 23 Meter— vereint zehn Mannschaften mn Start: neben den Groß-Berliner Mannschaften werden hier Stettin und Dresden-cheidenau starten. Zwischen den Schwimmweltkämpsen findet noch ein Springen sowie ein Frauenkunstreigen, ausgeführt von Mitgliedern der Kreisschule, statt. Im Wasserboll treffen die beiden.�-Mannschaften, von der Berliner Schwimm-Union und Spandau aufeinander. Die schöne große Spondauer Halle in der Radekandstroße gestattet van jedem Platz gute Sicht.— Beginn 15 Uhr, Eintritt 50 Pfennig. Kleiner Arbeitersport. Interessantes für Jedermann. Die Zoziali st ischeArbeiter spart internationale hat in den neun Jahren ihres Bestehens einen erfreulichen Aufstieg erlebt. Ihre Tätigkeit beschränkt« sich zuerst aus sieben Länder, die zusammen einen Stand von 360 000 Mitglieder auswiesen. In der Folge traten ihr elf weitere Länder bei, so daß sich die Zahl auf achtzehn erhöhte. Die achtzehn Länder zählen derzeit zusammen 21212 Vereine mit 1 701 926 Mitgliedern, davon sind 246 204 weiblichen Geschlechts. Das an Mitgliedern reichste Land der SASJ. ist Deutschland, nn dessen Hauptorganijalion 15 730 Vereine mit 1 119521 Sportlern und Sportlerinnen an- geschlossen sind. Oesterreich steht mit seinen 2667 Vereinen und 272 795 Mitgliedern an zweiter Stell«. In der Reche folgt dann die Tschechoslowakei mit ihren zwei Verbänden(Aussig und Prag), in denen zusammen 154 337 Sportler vereinigt sind. Dos nächst- stärkst« Land ist Finnland mit 38 716 Mitgliedern. Es folgen daiiu die Schweiz mit 23 086, Polen mit 21 000, Dänemark mit 20 500, Frankreich mit 19 000 und Belgien mit 10 400 Mitgliedern. Unter füitftausend Mitgliedern haben Palästina, England, Holland, Lett- land, Rumänien, Jugoslawien, Ungarn und Amerika. Die geringste Mitgliedetzohl weist Estland auf. Vorn Schatten der Bundesschule. Die Bundesschule des Arbeiter- Tum- und Szwrtbunldes hat mit chrer Abteilung„Photo und Fi l in" im Laufe der Zeit eine Reche hervorragender L e h r s i l m s für die Bundesvereine herausgebracht. Gerade jetzt zur rechten Zeit ist der Film Nr. 16 „Der S ch n e e s ch u h l a u f" fertig geworden. Seine Borsühnrngs- zeit beträgt«ine Stunde. In drei Akten bringt er Bilder über zweckmäßige Kleidung, Ausrüstung und Geräte, und behandelt an- schaulig die Schönheit lAb di«(Erlernung des Schneeschuhlaufes von den einfachsten Abfahrten bis zu den Bogen, Schwüngen und Sprüngen. Herrliche Landschaftsbrlder nahmen die technischen Uebungsdarstellungen ein. Weiter« Filme stehen vor der Vollendung. Die nächsten werden sein:„Das Rudern" und„Das Fußballspiel". Arbciterwasser Sportler erhalten neue Regeln. Durch die überaus günstige technische Entwicklung Aer A r- b e it er schw im w e r im Arbeiter-Turn- und Sportüünd reicht das 1926 für sie herausgebrachte Regelheft in seinen Auslegungen nicht mehr aus. Die Kreiskampfrichterobkeute hoben aus ihrer Sitzung am 24. November in Leipzig für di« Neuausgabe Vorschläge ausgearbeitet, die der im Februar stattfindenden Kreisschwimmwarte- tagung zur Beschlußfassung vorliegen werden. Die Februariagnng ist mit einem sechstägigen Lehrgang verbunden, um die Vorschläge für Schwimmen, Springen, Wasserball usw. praktisch zu erproben. Worüber die KPD.-Presse schwelgt. In Wort und Bild haben wir auf die Tatsache hingewiesen, daß russische Trobremrsahrer, Trainer und Manager unter Begleitung offizieller sowjetischer Regierungsvertreter mit den Vertretern der deutschen Aristokratie im Oktober und November auf der Trab- rennbahn in Mariendorf Verbrüderung icierten. Bürger- liche Zeitungen ließen über die deutsch-russische Sponoerbrüdemng Lobhymnen steigen uird feierten den Start der Russen als eine Sensation. Das alles zu einer Zeit, in der die deutscheil Kommu» nisten die Moskauer Befehle auf Spaltung des deutschen Arbeiter- sporis durchführen. Angeblich um«in«„Verbürgerlichung und Aus- lieferung des demschen Arbeitersports durch sein« Führer an die Bourgeoisie" zu verhindern. Woche nlanghabendieRussen mit den Junkern in Mariendorf Wettkämpse um Geldpreis« ausgetragen. Ja, sie sind länger dwzeblisben als anfänglich vorgesehen war. Unsere Beweis« für das Doppel- gesicht der russischen Politik im Sport sind so erdrückend, daß es dem sonst nicht verlegenen Kövimunistischen Pressedienst nicht eni- mal zu einer demagogischeu„Rechtfertigungsnotiz" gereicht hat. Gegen Moskaus Politik darf auch er nicht mucksen. Ableugnen kann die KPD.-Pvesfe die Maricndorser Sportbrüderschaft nicht, darum wird feige geschwiegen. Deatsdistämmig in Motor und Karosserie! In Potsdam— wo ionst?— ist eine Ortsgruppe eines „Nationalen Deutschen 2l u t o m o b i l k l u b s geglündel worden. Die Hugenbergschc„Nachtausgabe" verrät sogar die Namen der Mitglieder(wörtlich): der Kronprinz, Prinz Eitel Friedrich, Prinz August Wilhelm— aus! Präsident des Klubs ist(wörtlich) Herzog Carl(mit C!) Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha, das ist der Mann, dessen Land in Bayern und Thüringen ausging. Der Klub nimmt(wörtlich) Deutsche aller Stände— Kraitsahrzeugbesitzer und Nicht-.Krastsahrzengbesitzer, Privatfahrer und Berufsfahrer— auf, die deutschstämmig sind und auf s ch w a r z w e i ß r o t e m Boden stehen. Vier Fürstenabfindungscinpfänger auf dem schwarzweißroten Hugenberg-Boden— hoffentlich fallen die Vereinsmeier nicht herunter! Achtung, Amateurphologrophen! Um eine Zusamineissassung aller aus dem Gebiete der'Amateurphotogrophie tätigen Arbeiter- sportler, Parteigenossen und Freigewerkschaftler herbeizuführen, werden die bisher bestehenden Gruppen gebeten, einen Vertreter zu einer Zusammenkunft Dienstag, 3. Dezember, 20 Uhr, im Cafe Royal, Kommandantenstr. 77(Merkur 7752), zu entsenden. Kartell für Arbeitersport und Körperpflege, Verlin e. V. Fritz Barihelmann, Vorsitzender. Sportschießen in Steglitz. Der Ortsverein Steglitz des Reichskartells„Republik" veranstaltet am 1. Dezember im Lichter- selber Schützenhaus ab 13 Uhr«in Sportschiehen, zu dem zahlreiche Preise, unter anderem auch eine Plakette des Gaues, gestiftet worden sind.� Dos für den gleichen Tag in Aussicht genommene Sportschießen in Friedrichsselde auf dem organisationseigenen Sportplatz des Reichskartells„Republik" fällt aus. Alle Vereine werden ge- beten, an dem Sportschießen des Ortsvcreins Steglitz teilzunehmen. iiic Sirrea B. K. 9., Berliner Hrrren-Brllciduna, eröffnet in der Bob- fitafic 16 am Eonnabend, 30. November, ihre Perkonfsräume. Die Leitunn liifrt in de» bänden eines erfahrenen gaehmonncs. Jeder Nänfer crlnilt ein n-irklicki vrattifckes Sekchenk, das als befonderc Iloberrnsdninq gedacht ist, sowie eina Gratis» Bllaelkarte. Der„Sturmvogel" auch im weslen! Die neugegrllndete Bezirks- gruppe Westen des„Flugverbandes der Werktätigen Sturmvogel" hat ihr« nächste Versammlung am Donnerstag, 5. Dezember, 20 Uhr, in der Menzel-Klause, Friedenau, Menzelstraße 14—16. Auskünfte beim Vorsitzenden, Alfred Neumann, Berlin-Friedenau, Rubensstraße 45. Arbeiter- Radfahrer-Verein Oroß-Berli». Sonntag, l. Dezember, 13 Uhr, Mahlsdors-Süd bei Dräger. Siart Waldemarstraße Ecke Mariannenplatz. Gäste willkoiinnen. ?reic»anu-Union Groh.Berlin, t. V. Abt. Obeifncce; cituiuo Frcitaa. 29. November. 30 Uhr. Ztoiser.lZriedrich. Ecke Eaaleftrahe, Gäste willkommen. Miig liodcr werden aufarnommen. Zeniralanfchrifl: Otto Graf, Berlin N. 6.">, Reinickendorfer Str.<4. Ruder- nah ZIauu. Verein)>24, c. V. Sonntaft. 1. Dezember, Wanderunn noch Buckow rättärtifche Schwei«). Srcffniinft Of, Uhr Schief, ssernbohnhol. Sorte ll für Zlrbeiterioort und KiirrcroUeqe, Brrirl Neukölln. Montan. .. DcMUrber, 20 Uhr. bei Ijtanl, tSouahoferftr. 1, KaricUdeicnicrtcnfihunä, Set ZTGB.-äraucnousfchuh veranftaltct feine erste Lehrstunde Sonnabend, 00. November. 19 Uhr, in der Turnhalle Straümaniistr, 9, Es wird er wattct, dast alle Trauen, und Iunamädchenabteilunaen mindestens je zwei Bcrtveterimren entsenden, Die Abte-ilunasleiterl innen) und Porturnesiinnen) rnslssen selbstverständliih volljmhlia.int Stelle fein, ATGB.. Betirl Lichtenbera. Sonntag, l, Derember, Wanderung na.!» Niwersdorf zur Unterstiisuma des dortigen Brudcrvereins. Treffprmlt Bln. Stralau. Rummelsbura Tsi Uhr. Arbeiter-Rad-»ud Kraftfahrer. Bund„Solidarität", Ortsgriippe Groh- Berlin, Geschäftsstelle: Robert Rothbarth, SW. II, Schönebrraer Str. 17».— 1. Abt.: 11 Uhr Besuch des SdWofjmufeum«. Treffpunkt Einaana an der Schlon- l'rrtheit. Kreitaa, 6. Desembcr. ÄdteilunAssthuna bei Rickert, Steiumetzftr, 30-, 20 Uhr.— 2. Abt,: 10 Uhr Dostmufenm, Treffpunkt vor dein Postmuseum, Leipgloer, Ecke Rdauerstraüe, Mittwoch, 4, De,rember, 30 Uhr, Slbteilun»-» stuung bei Lock, Echönleinstr. 0.— 5. Abt,: 13 Uhr Sirfchaarten, Waldbura. Start Landsberger Bloh. Mittwoch, 4, Dezember, 20 Uhr, Abteilunpsfihuna. ssartunasäle. Etrausberper Etr, 3.— 6. Abt.: Treitaa, 6. Dezember, 20 Uhr, Sihuna bei Sofftnomi, Schwedter Sit; 23—34.— 9. Abt.; 1. Dezember, 8 llhrn Nauen: 19 Uhr Piläielsdorf s-ZUter ssrennd). Star: Triftsir, 03, Mittwoch, 4. Dezember, Sistuna bei Schreiber, Triststr, 09,— 1». Abt,: 1. Dezember, 16 Uhr, Petersburger Str, ü, Donnerstap, ü. Dezember, 20 Uhr, Sihunq de: Wittschust, Petersdurarr Str. ä.— Reunfahreradt,: Jeden Eonnlap Treffpunkt Zil Uhr bei Lohann, Brllderstr. 10. Jodet, Donnerotaa von l»'.;—»Ich, lllir Training in der Turnhalle Äöpenicker Etr. 12,7,— Abt. Eharlottruburg: 13 Uhr 3iel am Start Wilmersdorser Str. 21, Mittwoch. 4. Drtembor, Sihnng bei Reimer. Wilmersdorser Etr, Zl.— Abt. Reutäll«: 13 Uhr Ziel am Eiarr Sollen, wllernplah.— Abt. Lichtenberg:>, Dejemder ssithrunq durch das Museum für Leibesübungen. Trerwunlt XO'i Uhr Echwarscr Adler, Mittwoch, 4. De- sember. 20 Uhr. Bolloersommluna bei chrogener, �ranksurtcr Alle« 2!k.— Abt. Reiuickendvrf: 1. Dezember, 13 Uhr. gnchsjagd. Anschließend 18 Uhr im Per- cinslotal„�idclitas", bei Reumann, Ptvvinrstraße Ecke Pankowcr Allee.— Rodorradsahrer, Abt. Nreuzberg: ssreitag,«d?c,cmber. 2V Uhr. Reichend, rger Straße 91. kiindl, Quelle,— Abt. Friedrich« haiu: 9 Uhr ssußtvnr sswodrichs Hagen. Tresspuntt Echlesischcr Bahnhos, Donnerstag,.7, Dezember, 20 Uhr, Sitzung, Strausbcrger Str.3, sZortunasäle.— Abt. Renlöll»: 13 Uhr iliel anr Start chohenzollernplatz.— Abt. Pankow: ssahrt stehe Pcreinslokal. Mittwoch. 4. Dezember, 20 Uhr, Sitzung bei Rid>.?raiu, Pankow, Kaiser-Sriedrich-Str, 07. Touristenvercin„Die Ratursreunde", Zentrale Wien. Ortsgruppe Berlin: Mittwoch, 4. Dezember. 20 Uhr. Sophien-Lniieum, Weinmeistersir 10—17, Vortragsabend: Die sa�ioloqisckun Grundlagen der Religionen", Reterentrn Genossin Anna Siemsen. M. d. R, Unwstenbeitrag 20 Ps. Gäste willkommen,—. Abt. Eharlotteuburg: Freitag. 29, November, 20 Uhr, Sprecstr. 30:„Rieder- deutscher Abend"(Genosse Ionun Kinridisens,- Abt, Südost: Trei tag. 29. No- vember, 20 Uhr, Bvitzer Etr. 27:..Ziontiodittatoiischcr Abend über Ertichuua', — Abt. Treptow: tzreitag. 30. Noocmber. 20 Uhr, Elscnstr, 3: Seiterer Abend. — Abt. Ncutällu: ssreitag, 29. November, 20 Uhr. sslughafenstr. 08, Licht- bUdervortvag:.Der Wiener Iugendtag".- Zaltbootabt,: Freitast. 29. ftonoii borg, 20 Uhr. Brister Etr. 27:.Phoioallerlei",— Abt. Wedbiuq: sZreitag. 29. Nllvcorbrr, 20 Uhr, Turiner Ecke Seestraße: Lichtbildervortrag, Zährten- crlebnisse.— Abt. Britz: Trritag, 29. November, 20 Uhr. Ehaiissceitr, 48: Werbe- abend.— Abt. Lichtenrade: Zrcitaa, 29. November, 20 Uhr, bei Dehlam, Bahn- hos-. Ecke Goltzstraße:„Lamarckismus",— Photogcmeinichaft: Montag, 2. De- Srtnber, 20 Uhr. SrciiElurtce Allee, 307:„Pelgrößerunastrchnik".— Matkuust» gemeiuschast: Montag, 2. Deicmber, 20 Uhr, Wrangclstr, 128: lloinpostiion .Porträt". Naturkundliche Abt.: Sonntag, 1. Dezember. Besichtigung des Astrophpsikalischen Instituts(Stern wartcl, Potsdam, Treffpunkt 8 Uhr Dhi. Potsdaui. Lestchtigungsgebllhr 30 Pf. flflam's uiBiMiacMs-UepKaul i um iin-TirTrwnrTinrTi—>— n-nnfTmaian iiiiiBmMMMnwrrwrnnnw—'inT— n—■■■■— i—■■iiiiimi i mi« mim i— i im im mimm I steppdecKe 075 Tüii-KUnstler-Garnif. 995 J. Boucle-Tepplcti iqso 2 seifig Satin MF 3teilig, schöne Muster........ M, ca. 200/300............ fl V Läuferston O QR Steppdecke 1050 madras-Garnitur 075 Mtr-»»»«« 2.28, 1.75 MFlMFMF Iseitig K-Seide WMF 3 teilig, moderne Muster......... 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Elben, Relent Verna U FtfOitchrtwcl«.> Die Kamera L'nter den Linden 14 Kempt der Terite Karriere mit Cbdrtlc CbapUn Passagc-Lichtspiclc Unter den Linden 22(Passage) Das große Lichtspielhaus der City Beginn ab 2 Uhr Zentrum 60S2 Zwei Spitzenfilme; Uosdtnld mit KSthe tob Nagy Mein Himmrlreldb m.VUme Beaky Wcidcnhof-Liditsp. An der Weidendammbrücke Friedrichstr. 136 Woch. 12, Sonnt 3 U Hingabe(Weib am Kreuz) mit Albenl Champagner mit Betty Deltoor U Hooblt W Artushof-Lichtspiele Film- and Bdlueiudten I'erleberger Str. 29 und Stendaler Str. Oes MSdchemdiiff(Lebende Ware) Beiprogramm Auf der Bühne: Liliputaner-Operetten-Rerue Welt-Kino Alt-Moabit 99 I rOhUngaarwaeben(Wedekind) Ohne CUM wm dk Wok W Ct»afiotte>nbürg~~h Schlütcr-Theatcr Schlüte rstr. 17 W.6.30.6U, Stg.5U.,Jg.3 Tagebucb einer Verlorenen mit Brooks Flodit vor der Liebe m. Jenny Jage j Wlltnorzdorf H Atrium Bebn-Pnlast Kaiserallee, Ecke Berliner StraBe Wochent. 7, 9.13, Sonnt 4.30. 7, 9.15 Vorverk: 11—2 u ab 5. Stgs. ab 3 Das MSdel mii der Peitsdhc Auf der Bühne; Comedlan Harmoaists Jazz aus sechs Keblea E KhBneDTg"E Alhambra Schöneberg, Hauptstr. 30 Frau im Mond Ein Film von Fritz Lang BObnenschau Jugendliche haben Zutritt Beg. W. 630u. 9 U. ab 3 Uhr Titania(uf, s'lhoueberg) Hauptstraße 49 Beginn ab 6.30 Uhr Die Konkurreuz plaizi mit H. Liedtke Der KAnig der Wilder H.......,.i ih Friedenauer Liditspiclc Kaiscrallee Iii(hunderteif) Wöchig. 6.30, 9 U., Sonnig. 5, 7.9. U 3 U. Jug. Manoiescu Der Mann, der priest Kronen-Liditspiclc Rhcinstr 63 W. 6.30, 9, Sonnt ab 5 U. Mein Himmelreich m.VHma Banky Onkel Tom in der GalaTorstcliang ■»fllt«■ Titanla-Palast Sieglitz, SchioBstr. S. Ecke Gutsm uthsstr. W. 630. 9, Sonnt 4, 630, 9U. Vorverkauf; Ii— Z und ab S Uhr Das Schweigen im Waide Wilhelm Dieter le am Freitag in nacn Vi beiden Vorstellungen persönlic 4 sadwozten Film-Palast Kammersäle Toltower Str. 1 BQbncnsdbau Die Konkarrenz platzt nnt Harry Licdtkcp Maria Corda Das wilde Blut ■«Oda»■ Th. am Moritzplatz Bejlmv, W»b»Uhr. Stg. ab 3.13 Uhr Pol und Psi schon als Kannibalen DK—' Martendorf Ma-Li M*r,0,dOT, U- Stg 4L' Big 2U. Jugendvorste» s der Dieb« m. Aga. Esterbazy 'ehern Sonntag, lieber Schatz „Rialto" Film u. Bühne Reinickendorfer Str.>4(am Wedding) Vergessene Gesichter Erstens kommt es anders... m p.hkow■ Tivoli» Pankow Berliner Straß« 27 W. 630 U., Sbd. 5 30 U-, Stgs. 4 U. Die Nacht nach dem Veirat nt'l Lya de Pulli Beiprogramm— BShnrmchaa � NIoctertcBönhouten b Film-Palast.�«e, Blankenburger Straße. W. 630, 9 U. Stg, 420, 643, 9 U. Sein bester Freund mit Harrv Piel Um Frauen und Geld mit W. RUla T•B*J_ Filmpalast Tegel Bahnhofetr. 2 W. 6 8'o, Stg. 4''».6's, Bühnen- .»1* Ich lebe tür dich m Wlih. Dieter!« Die Wetbergeschlchleu des Knpitln Lash Bühne: 1 SewsJds, 4 Arisiou Union-Theater Hauptstraße 3 Beg. Wtg 8 U. Stg. 5, 7.30 Postillion t. Moni Cents m Macist« Tragödie einer UaebeUdien Bürgcrgartcn-Lichtsp. Hauptstraße 31 Film- u. BObnenschau Die Strafe der verlorenen Seelen mit Pola Negrl Kamerad Slag