BERLIN Mittag 2. Dezember 1929 10 Pf. Nr. 564 B 281 46. Jahrgang Erschetnttäglich aujer Sonntags. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugsprei« beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,soM. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW es, Lindenstr.s AnjeigenpreittDie einspaltige Nonpareillejeile 80 Pf.. Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Dorwärts-Verlag G. m. b.H.. Berlin Nr. 27530. Fernsprecher: Dönhoff 2S2 bis 297 Freiheit und Friede! Die Befreiungsfeiern am Z�hein.— Friedenskundgebung der französischen Sozialisten.— Otto Wels spricht in Champigny. Die französische Sozialdemokratie veranstaltete am Sonn. tag ans dem Schlachtfeld von Champigny eine Frieden». kundgebung. Aus ihr hielt der Vorsitzende der Sozialdemo. kralischen Partei Deutschlands, Otto DJ c l s, die folgende Ansprache: Cs gibt zweierlei Methoden, an Gröbern von Kriegs- gefallenen zu demonstrieren. Die eine besteht darin, sogenannte vaterländische Reden zu halten, oft mit chauvinistischem Anstrich, die militärischen Tugenden zu rühmen, die Kriege der Vergangenheit zu verherrlichen, wen» man dem siegreichen Lande und auf künstige Revanchen anzuspielen, wenn man dem besiegten Staate an- gehört. Di« andere Methode besteht darin, die wahre, die einzige Lehr« aus dem Opfer zu ziehen, das die Gefallenen gebracht haben: nämlich die Toten zu beklagen, daß sie Opfer der Fehler der Menschheit wurden: die Menschen und noch mehr die Ideen zu verfluchen, die für die Massenschlächtereien verantwortlich sind, welche die Welt bis in«in« noch junge Vergangenheit heimgesucht haben. Seinen Willen zu verkünden, für die Besserung der Menschheit zu arbeiten und zu kämpfen ebenso gegen die Menschen, die auf- den Gedanken des Krieges nicht verzichten wollen, wie auch gegen die sozialen und wirtschaftlichen Erscheinungen, die nach unserer sozialistischen lieber- zeugung die Tiefen und wirklichen Ursachen der Kriege darstellen. Di« kriegerischen Kundgebungen auf den Gräbern der Kriegs- gefallenen oder vor den Denkmälern, die ihnen zu Ehre errichtet wurden, die wollen wir anderen überlassen. Wir Soziali st en sowohl in Frankreich wie in Deutschland und in der ganzen Inter- nationale, wir akzeptieren nur die andere Methode des Gedenkens an di« Opfer des Weltkrieges. Es ist die Methode, die sich in jenes Gelöbnis zusammcnsossen läßt, dos Millionen von sozialistischen Arbeitern in unseren verschiedenen Ländern ablegen: Zlie wieder Krieg! Und darum Genossinnen und Genossen, habe ich die Einladung unseres Freundes Albert Thomas und der sozialistischen Gemeinde- Vertretung von Ehampigny angenommen, in meiner Eigenschast als Vorsitzender der Deutschen Sozialdemokratie, an der heutigen Kund- £rHHem "Heinsbenft'ßdil Geifefi-\/v Tf /drehen 3, Jülich». Herzogenrath k. Bachem 2. Zone. Euskirchen"� | RneinbacJi-K- AhmJur?'* Sinzig Adenau '•» ZONE WV} Cochem •«; f—' Grenze.der Z- Zone. * Annektiertes Getief. Reichsgrenze. ___ gebung teilzunehmen. Ich habe diese Einladung angenommen, ob- wohl mein« Pflichten als Abgeordneter mir die Reise von Berlin nach Paris gerade im jetzigen Augenblick sehr schwer machen. Denn gerade In diesen Tagen spielt sich in unserem Parlament ein für die, Idee des Friedens wichtiger Kampf ab. Es handelt sich um die von dem deutschen Rationastsmus eingeleitete Offensive gegen das Reichskabinett unter der Führung meines Freundes her- mann Müller. der vor seiner Reichskanzlerschast zusammen mit mir den Vorsitz in der Partei führt«. Ein Volksentscheid bereitet sich gegen die Politik friedlicher Abmachungen vor, die in Locarno eingeleitet und "'M''-■'i« ■ m' Am 30. tlovember wurde die xweHe Xheintandxone endgültig ton der SSefatxung frei. Unfer ißild meigt das fogenannle 3)eulfrhe Eck hei Slohlenx, wo ITlofel und Xhein sufammenfließen. in Genf und im Haag fortgesetzt wurden,— stets unter dem An- trieb der sozialistischen Parteien Frankreichs, Deutsich- lands, Englands und Belgiens. Das Endergebnis dieses Volks- «Utscheids ist nicht zweifelhaft: Sein vollständiger und kläglicher Mißerfolg ist voll- kommen sicher. So kam ich, in Ihrer Mitte an dieser anderen Kundgebung gegen den Krieg und gegen den Geist des Krieges teilzunehmen. Der Geist des Krieges, das ist jener, der darin bestand, sowohl im Jahre 1870 wie auch 50 Jahre später den Tod menschlicher Wesen jeweils zu seiern oder zu beklagen, je nachdem er mit der Idee des Sieges oder der �Niederlage verknüpft war. den Tod von Menschen, die sich noch nie gesehen hatten, die sich nicht kannten, die sich nie etwas zuleide getan hatten und die dennoch gezwungen waren, sich gegenseitig abzuschlachten. Der Geist des Krieges wurde systematisch in die Herzen der Kinder gepflanzt, man schürt« bei ihnen Haß gegen ander« Völker. Und dabei verkündet die Gesellschaft, daß das Menschenleben heilig sei. Wehe dem, der sich an ihm vergreift. Ihn trifft in jenem Lande die volle Schwere des Gesetzes, der Massenmord aber ist sakrosankt. Er bringt Ehre und Ruhm. Unter rauschenden Festen wird der Sieger gefeiert. Wer fragt nach dm Witwen, die Weisen, nach den Klagen der Bräute oder Mütter, die ihr Teuerstes auf den Schlachtfeldern ließen. Nein, vor dem Gewisien der Mensch- hest tragen alle di« Feste der Sieger den Stempel der Unwahrheit. Die Wahrheit liegt im alten deutschen Wort: «Doch der Lärm von kausend Siegen Sann den Zammer einer Mutter um ihr Kind nicht überwiegen.' Hier auf einein der Schlachtfelder von 1879 empfinden wir aufs neue und besonders lebhaft dqs Erinnern an dos grausig« Morden des letzten vierjährigen Krieges. Noch bluten di« Wunden, die er schlug. Noch ist der Frieden der Welt nicht wiedergekehrt.. Eine den Frieden gefährliche Mentalität ist im Faschismus erstanden. Sein Hoherpriester Mussolini hat dje kriegerisch« Periode Italiens für das Jahr 1935 verkündet. Seine Expansionspolitik droht, den Balkan wiederum zum Säiauplatz der ersten Kämpfe zu machen. In Österreich und Polen bereitet der Faschismus sich zum Kampf gegen die Demokratie. Jeder, welcher Notion er auch angehören mag, ist berufen, dieses Attentat auf die Kultur, diese Vernichtung so vieler für die wirtschostliche ExiKenz der Menschheit unerläßlichen Güter zu verhindern. Der Bölkeraund wurde als ein Organ geschaffen, um dem Frieden zu dienen. In seinem Statut steht rn seiner Begründung geschrieben, daß der letzte Krieg wörtlich dev letzte gewesen sein sollte. Und doch starrt heute die Welt»och iu Waffen. Damit dieser Zustand oushöre, müssen wir in der Welt den Inter- nationalen Geist verstärken. Wir müssen den Menschen begreiflich machen, daß ihre Arbeit und ihre Produktionsmittel über die Grenzen hinweg miteinander solidarisch sind. Nie habe ich selber dieses Gefühl in solchem Grade gehabt wie im Lause des gestrigen Tages, als ich von Berlin bis Paris, vom Morgengrauen bis zur Nacht, durch ein Industriegebiet nach dem anderen fuhr. Schon waren die Betrieb« der deutschen Hauptstadt in vollster Tätigkeit, ehe der Tag angebrochen war. Einige Stunden später fuhr ich an den großen Werken von Hannooer vorbei, am Nach- mittag durch das gewaltig« Industriegebiet der Ruhr mit den Türmen seiner Kohlenschächte und seiner Hochöfen. Später, nach Einbruch der Dunkelheit, bot sich das gleiche Bild der Arbeit in der Gegend von Lütt ich und Eharleroi. Endlich, in den letzten Stunden des Tages, von Mau beuge bis Paris, sah ich noch immer di« Lichtfluten von Fabriken in voller Tätigkeit. Nun, ob Deutsche, Belgier oder Franzosen, es ist dasselbe Schassen, es ist das gleiche Leben, es ist dieselbe wirtschaftliche Aktivität, die nur im Frieden und aus der Grundlage politischer und wirtschasllicher Abmachungen inleraaiie- naler Art gedeihen kann. nicht zu vergessen die internationalen Abkommen sozialer Art, die nicht weniger unerläßlich und wohltätig sind und die unser Freund Albert Thomas an der Spitze des Internationalen Arbeitsamtes sich mit steigendem Erfolg bemüht, zu verwirklichen und dabei die wohlverdienten Früchte seines Glaubens und seiner Hartnäckigkeit erntet. Wenn wir Sozialisten uns„International" nennen, dann leugnen wir keineswegs, die Bedeutung und den Wert der ein- zelnen Nationen. War es nicht euer großer Jean I a u r st s, der diese elementar« Wahrheit in einer wunderbaren Formel ver- kündete: „Die Zlaüonen sind das Schohtästlein des menschlich Gegebenen." Und hat«r nicht selber durch sein Leben und durch seinen Tod den schönsten Beweis dafür geliefert, daß man ein guter internarionäler Sozialist sein kann und zugleich«in guter Franzose? In seinem Geiste, der auch der Geist von Bebel, von Marcel Scmbat und von Ludwig Frank war, und der mehr denn je der Geist aller Sozialisten Frankreichs und Deutschlands gc-
MiAea ist, verkünden rotr die Notwendigkeit nicht allein der An- nicherung zwischen unseren beiden Ländern, sondern auch der Freundschaft znzischen ihnen. Denn olle schmerzlichen und blutigen Lehren der Vergangenheit beweisen, daß der Friede der welk in erster Linie abhängt von dem Frieden Zwischen Deutschland und Frankreich. Indem wir für die deutsch-französtsche Versöhnung wirken, erfüllen wir nicht allein eine Pflicht gegenüber unseren eigenen Völkern. sondern gegenüber der gesamten Menschheit. Die ungeheure Mehr» heit in unseren beiden Ländern will den Frieden. Jene, die den Frieden stören, sind nur eine geringfügige Minderheit im Dienste von Sriegsgewinnern. von Militaristen. von Herstellern von Geschützen und Granaten. Da diese aber über viel Geld verfügen, können ste auch viel Lärm erzeugen und über ihre wirkliche Schwäche täuschen. Unsere beiden Länder sind demokratische Republiken, in denen der Wille der Mehrheit zum Frieden sich in den Taten und in der Politik der Regierungen mchern kann und äußern muß. Darum legen wir deutsche Sozialdemokraten Wert darauf, unseren direkten Einfluß auf die Regierungsmacht zu üben. Indem wir an der Regierung teilnehmen, übernehmen wir ei»« oft undankbare Aufgabe, »vir erfüllen aber zugleich eine nolroe ichige Friedensmission. (Es ist zum Teil ein Opfer, dos wir der ganzen Internationale darbringen. Nie hätten die Fortschritte, die in den letzten Iahren erzielt worden sind, verwirklicht werden können, wenn wir die Regierungsgewalt der Reaktion überlassen hätten. Als ich gestern durch Aachen, die letzte deutsche Stadt auf meiner Strecke, fuhr, war es gerade ein Freudcntog für die dortige Bevölkerung. Sie feierte ein nicht nur für sie, sondern für uns alle geschichtliches Datpin: den Tag des endgültigen Abzuges der freindcn Truppen nach einer Bcfetzungsdauer von mehr als elf Jahren. Dieses Ereignis stellt eine wichtige Cwppe auf dem Wege zur deutsch-französischen Versöhnung dar. Wir verdanken diesen Sieg der Zdee des Friedens vor allem dem gemeinsamen Handeln der sozialistischen Arbeiter Frank- reichs und Deutschlands. Und so geschieht es, daß, muhmid die falschen Aposteln des Christentums ihre Religion so weit erniedrigen, daß sie die Jnstrm inente des Massenmordes segnen, wir Sozialisten, die wir uns nicht auf Gott verlassen, die aber Vertrauen haben in die Fortschritte der Menschheit, dank der wachsenden Kraft unserer Ideen und unserer Organisationen, wir durch unsere Taten das Wort des Evangeliums verwirklichen: Friede aus Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.' Friedenskundgebung eingefchränki. Wegen kommunistischer Drohungen/ Massenbesuch auf dem Schlachtfeld. Paris, 2. Dezember.(Eigenbericht.) Die sür Sonntag m Chatnpigny von den französischen Sozialisten geplante Friedenskundgebung wurde am Sormtog kurz vor ihrem Beginn auf Anordnung der Regierung verboten. Das Verbot erfolgte auf Grund der kommunistifchen Drohungen und der dadurch gegebenen Möglichkeit zu Zusammenstößen und Zwischenfällen. Tagelang hat die Pariser„Humamtä" gegen die Friedenskundgebung gehetzt und ihre Anhänger aufgefordert, nicht nur in Champigny zu erscheinen, sondern die Verottstaltimg möglichst auch gewaltsam zu stören. Diese Hetze bot der Regierung Tardieu einen billigen Vorwand zum Verbot der Kundgebung. Allerdings wurde den Sozialisten gestattet, in kleinen Gruppen mit ihren Fahnen an dem Kriegerdenkmol von Champigny vorbeizuziehen. Auch wurde gestattet, daß an dem Denknral selbst, unter dem sechzig deutsche und französische Opfer des Krieges von 1870 ruhen, eine T a f e l mit folgender Inschrift angebracht wurde:„Für den Frieden durch die Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich." Zwischenfälle»varen nirgends zu verzeichnen, da die Regierung eine ungeheure Polizei in acht aufgeboten hatte. Die Kundgebui»g, an der sich trotz der Einschränkungen durch die Regierung etiva 10 000 Personen beteiligten, verlief in völliger Ruhe. Den Rednern war es schließlich doch noch möglich, zu den Massen zu sprechen. Hugenberg sogar in Frankreich erledigt. Paris, 2. Dezember.(Eigenbericht.) Die Niederlage Hugenbergs im Reichstag hat selbst die wildesten nationalistischen Blätter in Frankreich davon überzeugt, daß»nan init Hugenberg keinen Staat»nehr machen kann. Die französischen Zuschauer scheinen die Niederlage Hugenbergs als so endgültig und so vollkommen zu beurteilen, daß jedermann in Frankreich daraus verzichtet, Hugenberg weiter als den schivarzen Mann zu beimtzen, um den friedlichen Bürger zu schrecken. Bezeichnend genug ist der Kommentar, den am Sonntag der„Temps" der Reichstagssitzung vom Sonnabend widmet. Die Volkspartei könne jetzt ilicht»nehr »int den Deutschnationalen zusailunenarbeiten. Der Reichsinnen- »uinister Severing aber habe die Hauptursache der Hugenberg-Hetze richtig charakterisiert, wenn er ste als einen Angrisf nicht gegen den Frieden, sondern gegen die deutsche Republik bezeichnete. Hilgen- berg müsse sich darüber klar sein, daß sein Versuch, die Republik zu stürzen, mir dazu geführt habe, den Trümmerhaufen zu vergrößern, unter dem seit der Niederlage iin Kriege die Mon- archi« und die Hohenzallerndynastie begraben liege. 26 Kälteopfer in Amerika. New Bork, 2. Dezember. Die Kältewelle, die im Tiiden bis nach Florida reichte, ist vorüber. Nach den Blättern sind ihr insge- samt 2 6 Menschen zum Opfer gefallen, davon 11 in Illinois und S in Ohio. Die Sachschäden find sehr groß. Katastrophe eines Ausflüglerzuges. Acht Tote, 17 Schwerverletzte in Virginia(USA.). Nach Berichten aus Onlcy in Virginia ist ei» Slnsflüglerzug der Pennsylvania. Eisenbahn in der Richtung nach New Bork bei Onley entgleist. Da» bei kamen, wie bisher feststeht, acht Menschen ums Leben, während 17 schwerverletzt wurden. Fünf Wage» des Zuges sprangen, wie man annimmt, infolge Beschädigung der Schienen ans den Gleisen und im An- schlich daran überschlugen sich zlvei Wagen. Die Arbeiten Das Rheinland feiert. Die Nefreiungsjubel in der zweiten Zone. Aachen, 2. Dezember. Um die Milternachtsstunde vom Sonnabend zum Sonntag be- ging die Stadt Aachen ihre Befreiung von fremder Besatzung mit einer Feier, an der die gesamte Einwohnerschaft teilnahm. Der große Platz vor den» alten Rathause war van gedrängten Menschen- Massen gefüllt. Die umliegenden Häuser waren festlich er- leuchtet, über den Lichtern wehten die Fahnen des Reiches, Preußens und der alten Kaiscrftadt. Vor dem Rathause brannten in riesigen Schalen die D a n k f e u c r. Die Vereine waren mit Pechfackeln und bunten Lampions aufmarschiert. Kopf an Kopf bis tief in die Seitenstraßen hinein standen die Menschen. Alle Fenster»varen dicht besetzt: auf den Dächern sogar drängte man sich, »im in dieser historischen Stunde dabei zu sein. Aber der breite Platz S)ie dteichsflagge Heigi auf dem ShrenbreUflein bei Xoblenm, wo elf Jahre die franxöfifche Trikolore gewchl hatte. reichte nicht aus. Durch Lautsprecher mußten die Reden zu anderen Plätzen übertragen werden.„Wir trugen es in Trauer und Treue." mit diesen schlichten Worten berichtete der Obcrbürger- meiste? über die schwere Zeit, die jetzt hinter Aachen liegt. Und es war Jubel und Freude,»vos heute nacht, ivas den ganzen Tag. seit- dem die belgische Fahne vom Hauptquartier der Befatzungsarmee niedergeholt roar, Aachen erfüllte. Nach einer Ansprache des Oberbürgermeisters R o in b e r t stihrte Reichsmimster Dr. W i r t h aus:„In dieser einzigartigen Stüde ist es mir eine herzliche Freude, im Namen der Reichsregis- rung die tapfere, treue und»nutige Bürgerschaft der alten Kaiser- stadt herzlich zu begrüßen. Wir nennen diese Mitternachtsstundc eine heilige Stunde, weil wir sie nicht einsam feiern, sondern in der Gemeinschaft. Große Feierstunden erleben wir nur in der Geincinschast, zunächst in der Gemeinschaft der Familie, dann in der größeren Gemeinschaft der Gemeinde und endlich in der großen Geineinschaft des deutschen Volkes, der deutschen Nation und des Deutschen Reiches. Aber noch schlägt die Stunde der Frecheit»richt der ganzen Nation. An der Mosel und am Rhein steht noch der feindliche Machthaber, und gerade die nächsten Monate werden noch Tage höchster Spannung bringen. Wir überwinden auch das letzte Hindernis, wenn in unserem Volk« der Gedanke lebendig ist, daß wir nur in der Gemeinschaft und in treuer Arbeit an» Ganzen die Freiheit wieder criDerben können. Darum ruf« ich über den weiten Platz: Stehet zusaimnen in der Gemeinde wie im Staate! Ohne Freiheit keine Wohlfahrt, ohne Dienst an der Gemeinschaft kein Aufstieg! Mit z-isanunenschlagenden Herzen erleben wir heu« die Gemeinschaft und erleben das in der deutschen Republik geeinte deutsche Volk. Mit Gott ooriDärts und aufwärtsl" Koblenz frei? Koblenz, 2. Dezember.(Amtlich.) Extrablätcr der Zeitungen hatten dafür Sorge getrogen, daß die Pariser Meldung von dem Einverständnis der Botschafter- konferenz mit der Räunmng der zweiten Zone noch in den Abendstunden in der ganzen Bevölkerung bekannt»mirde. Dann: war der Feier am Deutschen Eck erst die rechte Stiminung gegeben. In, Lause des Nachmittags hatten sich die Hauptstraßen trotz des onhaltcndcn Regenwetters in«in wahres Fahnenmeer ver- wandelt. Aber erst die Nachricht, daß Koblenz nunmehr auch politisch völlig frei sei, harte den seelischen Druck von der Bevölkerung genommen. Nach 8 Uhr abends rückten von Köln aus 100 Schupo- lcutc ein, freudig von der Bevölkening begrüßt. Gegen 10 Uhr abends setzte ein gewaltiger Zustrom der Bc- völkerung nach den» Deutschen Eck ein, der Regen hatte inzwischen aufgehört. Nirgends wurde lärmende Lustigkeit laut. Als um Mitternacht«ine Signalraletc auf dem Rcuendorfer Ufer und das Aufleuchten der großen Feuer an Rhein und Mosel, be- gleitet von dem feierlichen Geläut der zahlreichen Kirchenglocken den Beginn der Befreiungsstunde verkündeten, entblößten stck> olle .Häupter. Laullose Still« trat ein, und in tiefen� drei Minuten dauerndem Schweigen durchwanderten die Gedanken der Ver- sanmrclten nochmals die schrvere Zeit des Krieges und die nicht minder schrveren Jahre der Besetzung. Wuchtig und eindrucksvoll wie ein Dankgebet drang die erste Strophe des Liedes„Großer Gott, wir loben dich" zum nächtlichen Himmel empor. Rcichsminrster von Guerard ergriff dann das Wort. Ober- Präsident Dr. Fuchs verlas die Telegramme des Reichsprästdentcn und des Reichskanzlers. Beethovens„Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre", vorgetragen von rund 700 Mitgliedern des Mittel- rheinischen Sängerbundes, schloß die Feier. der sofort entsandten Rettungskolonnen wurden durch die herrschenden außerordentlichen Schlechtwettcr- Verhältnisse beeinträchtigt. Mehrere Stunden nach dem Unglück waren die Schienen noch nicht wieder freigemacht. Die Verwaltung der Pennsylvania-Eisenbahn teilt weiter mit. daß wahrscheinlich unterbrochene Tele» graphenlinien als Ursache des Unglücks anzusehen sind. »- Gefangener enthauptet sich. Grauenhafter Selbstmord eines Sonnenburger Sträflings. Ein Strafgefangener» der in der Strafanstalt Sonnenburg eine wegen schweren Raubes verhängte 15jährige Zuchthausstrafe zu verbüßen hatte, verübte auf grauenhafte Weise Selbstmord, indem er sich selbst enthauptete. Die Anstalt besitzt eine elektrische Papier- schneidcmaschine. an der der Gefangene zuweilen ar- beitete. Der unglückliche Gefangene steckte seinen Kopf während einer Pause zwischen die Greifmesser und guillotinierte sich so selbst. Ehe noch jemand das Unge- heuerliche verhindern konnte, brachten die scharfen Messer dem übtann den ersehnten Tod, indem sie den Kopf vom Rumpf trennten. Der Vorgang hat sich bereits am Freitag abgespielt. Ein Be- anüer aus Berlin ist mit der Untersuchung des Falles beauftragt worden. Ein anülicher Bericht liegt, wie das Strafvoll- zugsamt mitteilt, noch nicht vor. Der Strafgefangene soll in der letzten Zeit an Wahnideen gelitten haben. Er trug ein aufgeregtes Wesen zur Schau. Der Arzt des Smmenburger Zuchthauses hat aber bei ihm bisher keine unzweifelhafte Geisteskrankheit feststellen kölmen._ Stahlhelmkrawall in Hessen. Chef der Landespolizei ins Gesicht gestochen.- Kriminalrat niedergeschlagen! Darmsiadt, 2. Dezember.(Eigenbericht.) Am Sonnabend und Sonntag hielt der Landesverband Hessen des Stahlhelin in Darmstadt eine Tagung ob, an der Stahlhelmvertretungen aus allen Gegenden Deutschlands teilnahmen. Im Verlauf der Veranstaltung wurde beschlossen, daß der Landes- ve�hand Hessen in Zukunft die Gebiete des Staates Hessen und von Hessen-Nassau umsassen solle. Der Bundesvorsitzendc Seldte war in höchsteigener Person er- schienen. Er erklärte, Hessen sei das Aufnahmegebict für den aufgelösten Stahlhelm im Rheinland. Es bedürfe aller Kräfte der zähen und trainierten Soldaten, um Deutschland wieder aufzubauen. Der Stahlhelm wisse, daß nach dam 9. Ro- vember eine neue Zeit angebrochen ist, deren Probleme nicht mit einer Politik der Mitte oder mit zehn Fragen eines Ministers zu lösen sind. Der Stahlhelm wurde zu einer Selbstschutzvereinigung, zu einem Bunde, dann zu einer Organisation und dann bewußt zur Stütze der deutschen Freiheitsbewegung. Wir find bewußt zu einer politischen Organisation geworden, die ihr Velo einlegt zu den Tages- fragen. Der Stahlhelin will nicht zu einer politischen Partei werdcn Aber sollte er einmal verboten»Verden, so steht er in der letzten Stunde da als die unbequeme Partei verdeutschen Frontsoldaten. Wir wissen, daß wir bei dem Volksentscheid nicht di Mehrheit bekommen. Aber der Volksentscheid bedeutete für den Stahlhelm eine Zählung der Nationalgesinnten in Deutschland. Wir sind zu neuen�Volksbegehren bereit! Als nach Schluß der Stahlhelmveranstaltung am Sonntag abend ein Trupp von ungefähr 200 Stahlhelmern di« Rückreise nach Frank. fürt antreten wollte, tan, es auf dem Darmstädter Hauptbahnhos zu einer Auseinandersetzung zwischen Stahlhelmern und Zivilisten. Der Chef der hessischen Kriminalpolizei Regierungsrat Bach versuchte den Streit zu schlichten und wurde dafür von von einem Stahlhelmmann aus einem abfahrenden Zuge heraus mit einem spitzen Gegenstand unter das linke Ange gestochen, so daß er sofort ins Krankenhaus transportiert werden mußte. Sein Be- gleiter, Kriminalrat R e i n b o l d,»vurde durch Stockfchläge übel zugerichtet. Die Frankfurter Polizei, di« von den Vorfällen sofort telcphonisch unterrichtet wurde, nahm auf dem Frankfurter Haupt- bahnhof etroa 200 Stahlhelmer fest. Die hessische Regierung wird sich voraussichtlich schon heute dar- über schlüssig werden, ob der am Sonntag in Darmstadt gegründete Gau Groß-Hessen des Stahlhelms zu verbieten und a u f z u> läsen ist, nachdem Seldte osfe» mitgeteilt hat, daß der neugegrün- dete Gau auch die Mitglieder des verbotenen Landesver- bandes Rheinland-Westfalen umfassen soll. Nichts passiert? Oder wohl: Hussong hat nichts bemerkt! Au' Hugenberg Reichstagskatastrophe stimmt sein Schreiber Hussong im„Lokal-Anzeiger" die Trauerharfe.(Hugenberg und Hussong. welch ein symbolisches„Hu-Hu" hat hier der Zufall zusammengekoppelt!) Herr Hussong entlädt seinen Schmerz in Schelttvorten über den bösen Reichstag, der so gar kein Verständnis für die Seelengröße der Hugenbergschen Kneifmethoden hat. Er schilt: „Im Reichstag gibt es keine Ueb erraschungen. Das geschieht dort nur, was man schon vorher an den Knöpfen abzählen kann. Es geschieht dort in einem tieferen Sinn« gar nichts. Das ist das Wesen des Porlomerüarismus." Nun,»Denn Helden wie Hugenberg feiern... Aber hall, es ist doch etivas geschehen: als bei der Abstimmung über den ß 4 des Hugenbergbegehrens 14 Deutschnationale ihren Führer im Stich ließen, das war doch immerhin ein Er- «ignis, namentlich für Herrn Hugenberg?! Aber— merkwürdig: dieses Ereignis ist Hugenbergs treuem Hussong ganzentgangen. In den 200 Druckzeilen seines Kommentars zur Reichstagssitzung fehlt auch das kleinste Sätzchen über dieses Mißgeschick. Die schönsten Ereignisse nützen eben dem Journalisten nichts, der sie partout nicht bemerken will' Der sozialdemokratische Landlagsabgeordnei« Meyer(Rheine) »st am Sonntag nachmittag 6.15 Uhr gestorben. Infolge eines »m Sommer erlittenen Schlaganfalls lag Meyer fest etroa sechs Wochen im Krankenhaus. Vor zu>ei Tagen wiederholte sich der Schlaganfall. Meyer verlor das Bewußtsein, das er nicht wieder- erlangte. Der Verstorbene stand im 58. Lebensjahre. Er war von Beruf Zigorrenarbeiter und zuletzt Gewerkschaftsjekretär in Rheine
Das Theater der„Opposition" Die APD. mit ihren revolutionären Statisten. Der ioinmmristis6)e Gewerkschaftskongreß»erlief auch am Tonntag völltg programmäßig. Die Diskussion ging vorschriftsmäßig bis gegen m Uhr. In ihr ließen u. a. das Mitglied der früheren kommunistischen Zahlstellenleitung der Berliner Zimmerer Schilf sowie der„Führer" des Berliner Rohrlegerstreiks Nieder- k i r ch n« r ihren Haßgefühlen gegen die Gewerkschaften und die Sozialdemokratische Partei freien Lauf. Schilf macht« die be- merkenswerte Aeußerung, daß es für einen richtigen Kommunisten ein Unding sei, die Statuten und Beschlüsse der Gewerkschastcn ein- zuhalten, wenn er nicht mit seiner Partei in Widerspruch geraten wolle. Zwischendurch wurde öfter zur Belebung der Stimmung die Aufnahme von parteilosen Kongreßteilnehmern in die KPD. bekannt- gegeben. Besonders lebhaft begrüßt wurde die Aufnahme einer Delegierten, die..jahrelang m führender Stellung in der Heilsarmee- tätig gewesen war. Die zahloeichsn Telegramme nach dem Ausland sowie' die inehrere Druckseiten umfassenden länglichen Entschließungen zu dem Referat Merkers und die„Richtlinien", die die Taktik der Gewerkschaftsopposition bei den kommenden Betriebsrätewahlen ieftlegen, wurden natürlich„einstimmig" angenommen. Diese Entschließungen waren größtenteils schon vor Beginn des Kongresses sertiggestellt worden. Das Programm wurde zum Schluß iwch etwas belebt durch den Einmarsch einer Gruppe des verbotenen Roten Frontkämpferbundes in voller Kriegsausrüstung und der Rede ihres Truppführcrs. Roch dem Gesang der Internationale senkte sich der Vorhang über diese Karikatur von Gewerkschaftskongreß. Bon den Uli Wir sparen... czoczczzz □□□□□ □□□□□ □□□□□ □□□□□ □Q0E3Q □□□0E1 „Was ist denn das?" .Das wissen Sie mchf? Das ist der neuerrichiete Büro- palast des von der Deutschen Doltspartei verlangten ?leichssporkommissars." Teilnehmern sind angeblich 7Zg freigewerkschastlich organisiert, 826 waren„Betricbsvertreter", 152 Vertreter der Ausgeschlossenen, 191 Vertreter der Erwerbslosen und 5 Vertreter der Notstands- Arbeiter. Zur Förderung der.revolutionären Gewerkschaftsopposition" wurde«in Reichskomitee mit Herrn Merker an der Spitz« gebildet, und zwar nur aus Berlinern, damit dieses„Reichskomftee" in engster Fühlung mit der KPD.-Zentrole, d. h. unter deren Kontrolle stehen kann. „Proletarier oller Länder oereinigt euch!" nmhnten Karl Marx und Friedrich Engels. Die Moskauer aber scheuen sich nicht, sich auf Karl Marx zu berufen, um ihre Versuche zur B e r u n e i n i g u n g der Arbeitnehmer und zur Spaltung ihrer Organisationen zu betreibe!,. Diesem verbreäzerischen Treiben muß energischer als bisher gesteuert werden. Oer Hauseinsturz in Marseille. 12 Tote und 11 Verlehte geborgen. Paris, 2. Dezember. Die Ausräumungsarbeiten bei dem hauseinsturz in Marseille wurden die ganze Räch! hindurch bei Scheinwerferlichl und am ganzen Sonntag mit großem Eiser sortgesetzt. Visher wurden 12 Zofe und 11 Verletzte geborgen. Räch der Ansicht der Sachverständigen hatten die beiden eingestürzten Häuser sowie eine Anzahl anderer Sauwerke in derselben Straße wegen der drohenden Einsturzgefahr schon längst geräumt werden müsse. Die schwerste« Vorwürfe richten sich gegen dea Hausbesitzer, der von den Behörden vernommen werden wird, da er Warnungen, die ihm bereits 24 Stunden vor der Katastrophe zugegangen sind, ein- fach unbeachtet ließ. Marseille. 2. Dezember. Gestern nachmittag wurden au, den Schutmassen der beiden eingestürzten Häuser die Leiche eines fünfjährigen Knaben ausge- graben. Die Zahl der Toten steigt damit ans 1Z. Es ist immer noch nicht gelungen, die Trümmer vollständig fortzuräumen und man ver- mutet, daß noch weiters fünf Leichen darunter liegen. Drei der Unfallstelle zunächst gelegene Häuser mußten von chren Bewohnern geräumt werden, da sich gleichfalls Riffe in den Mauern zeigten und man ihren Einsturz befürchtet. Gestern abend ver- suchten die Kommunisten vor den Trümmern gegen die an der Katastrophe verantwortlichen Personen zu demonstrieren. Die Polizei zerstreute schließlich die Ansammlungen. Der Bürgermeister hat bereits Sanktionen gegen die Beamten angekündigt, die eins von den Mietern der eingestürzten Häuser vor einigen Tagen ein- gereichte D« n k s ch r i f t, in der auf die Gefahr aufmerksam gemacht wurde, völlig unbeachtet gelassen hatten. Die australische Regierung kündigt eine weitere Begrenzung der bereits auf 30 Proz. herabgesetzten Einwanderungsquote füx das nächste Jahr an. Nur noch die engsten Angehörigen der in Australien angesiedelten Personen werden Einreiseerlaubnis»nd Unterstützung erhalten. Theater/ Tanz/ Musik. „Die Gezeichneten." Städtische Oper. Die„Gezeichneten", das sind die von der Natur Benachteiligten. belastet von Geburt, doppelt belastet durch das drückende Bewußt- sein ihrer schicksalshaften Benachteiligung. Ein allgemein mensch- lichcr Stoff, so ergiebig nach der psychologischen wie nach der sozialen Seite, vom Leben unendlich oft zur Tragödie geformt. Ein echter Tragödienstoff, aber Franz Schreker, besangen in der Thematik des nachwagnerisch-romantischen Musikdramas, hat dos Lebensproblem ganz auf die Spezialität der«rotischen Gehemmt- heit zugeschnitten. In solcher Abgrenzung freilich— ein miß. gestalteter Mann, der nicht zu werben wagt: ein Mädchen, das nicht lieben darf— wird es nicht viel mehr als«in interessanter Sonder- fall. Di« Schwächen des Borgangs, der sich zwischen den Seelen des buckligen Aloino und der Herzkranken Carlotto anspinnt und ein bischen gewaltsam zum trogsschcn Ende geführt wird, verdeckt eine phantastisch-wirre Rahmenhandlung. Sie spielt in Genua, zur Zeit und in der Welt der Renaissance: ein seltsames Etablissement, ein« Art Liebesparadies, geschaffen für den Adel der Stadt, der den männlichen Teil der Besucher stellt— den weiblichen liefert, minder freiwillig, das Bürgertum— spielt darin eine beherrschende Rolle. Für den Komponisten Schreker hat der Dichter dieses Opernbuch geschrieben. Mit dem ausschweifenden Reichtum seiner orchestralen Phantasie und seiner Harinonik. mit seinem innersten Wider- stand gegen fest umrissene Formen und klare Linien, ist Schreker der Musiker der schimmernden, schillernden Farben, des ver- fließenden, verschwimmenden Klanges, Meister der vagen Zwischen- tönigteit. In der gehemmten Erotik des zweiten Aktes, in der orgomsierten Verworrenheit des dritten ist er in seinem Element und im Bereich seines ureigensten Talentes.„Die Gezeichneten" sind gewiß sein eigenartigstes Wert und auch, wie sich von neuem gezeigt hat, sein bühnenwirksamstes(trotz erheblichen Längen, gegen die es immerhin noch ein Mittel gäbe. Die Aufführung, unter Hürths szenischer, Sebastians musikalischer Leitung, ist so sehcns- wie hörcnswert. �>ie unhcldifchen Helden der Oper, Cor- lotta und Aloiano, erhalten in. der Darstellung durch Delia Reinhardt und Josef Burgwinkel menschliche Echtheit ihres abseitigen Lebens und Leidens. Dem Stärkeren, hem beide erliegen, leiht Herbert Janssen(auch er übrigens, wie Delia Reinhardt und Hörth, von der Staatsoper) die sieghafte Kraft feines herrlichen Organs und einer überzeugenden Persönlichkeit. Stürmischer Premierenersolg. ein großer Abend der Städtischen Oper, wenn auch nicht durchaus aus eigenen Kräfter. K. F. Hans Adler:„Drei Herren im Krack." Tribüne.» Erster Herr: der Generaldirektor der Filmgesellschaft Ramses, mit dem Scheckbuch. Herr seiner Filmdiva, mit dem Herzen ihr Sklave, mit beiden Füßen im Leben, mit einem Fuß im Zuchthaus. Zweiter Herr: jugendlicher Anbeter der Diva, von Beruf Innen- architekt, aus Verrücktheit noch der Diva leichtsinnig genug, um dem dritten Herkn zu folgen, der ein Gentlemon-Einbrecher und außer- dem noch«in Rheumatiker und Ehrenmitglied im Völkerbund der Ganoven ist. Die Filmdiva hat zwischen den drei Herren zu wählen, und da der Generaldirektor schon das fünfzigste Jahr passiert hat und der Innenarchitekt zu schüchtern ist, entschließt sie sich, den Gentleinan-Einbrecher zu nehmen, der sich als«in sehr praktischer, ordentlicher und welterfahrener Mann entpuppt. Das wäre eine lustige, wenn auch etwas krumme Geschichte. Doch der Koniödienschreiber klebt zu begierig am Wortwitz, den schon bessere Spaßmacher vor ihm abklapperten. Darum konmit es nicht flott genug zum Klappen, und die Schauspieler müssen sich quälen, damit es vorwärts geht. Es puwert sich besonders Frau Maria Fein zu einer virtuos schillernden Filmkanaille auf, es blödelt und wienert Herr E d t h o f e r herrlich seinen grünen Anbeter. Die Herren E t l i n g e r und Jordan spielen in dem Quartett, das zu oft zur Langeweile detoniert, mit der Forschheit erprobter Komö- dianten. M. H. „Reserviert für Herrn Gaston." Berliner Theater. Max Wolfs, Opernkomponist und Librettist, hat einen reizen- den Bühnenscherz geschrieben, eine Anekdote mit vielen lustigen Ein- fällen, die in 24 Bildern, von der geschickten Hand des Regisseurs Forster-Larrinaga geleitet, flott und lebendig vorüberrollt. Die Hauptrolle spielt dabei ein Fehpelz, der von Hand zu Hand wandert und dabei allerlei überraschend« Verwirrungen stiftet. Der Richter beschenkt sein« Freundinnen regelmäßig mit einem kostbaren Pelz. Auch Luise, seine letzte Freundin, freut sich königlich über dos Geschenk. Aber wie soll sie ihrem Mann den Besitz eines so teuren Mantels erklären? Sie bekommt einen famosen Einfall. In einer schmierigen Pfandleihe versetzt sie den Pelz für eine lächer- lrch kleine Summe und schwindelt ihrem Mann vor, sie hätte den Pfandschein auf der Straße gesunden. Er soll ihn einlösen und ihr den Pelz schenken. Leider geht die Sache schief. Dem treuen Gatten kommt der Pfandschein sehr gelegen, er hat bessere Verwendung für den Pelz. Eilend bringt er ihn seiner Geliebten. Das kluge Frauchen merkt natürlich etwas und versucht, ihrem Mann den Pelz wieder abzujagen. Inzwischen wechselt der Fehmantel mehrfach seinen Be- sitzer und bringt alle Beteiligten in scheußliche Verlegenheit� Zer» würfnisse, Scheidung, Anklagebank sind die Folge. Es ist schon eine verflixe Sache mit einem billigen Pelz. Zum Schluß tritt eine über- raschende und alle befriedigende Wendung ein. Dieser Fehpelz ist gewiß kein Biberpelz. Aber jedes von den 24 Bildern ist ein famoser Spaß und sprüht vor Uechennut. Den Schwank spielt ein richtiges Ensemble: von der kleinsten bis zur größten Rolle ist jeder an seinem Platz: Johannes Riemann, elegant, charmant und liebenswürdig: Käte Haack in reizender, be- schctdener Verlegenheit: Hilde W a ge n e r sehr routiniert, von über- wältigcnder Komik, Hans Brousewetter, Erhart S i e d cl und Ludwig S t ö s s k l. Rosa V a l e t t i und Max Ehrlich bieten in chrer Psandleiherszene eine Extravorstellung, die an Komik alles übertrifft. dff- 3n der Gefellfchost der OlofiaNsche Sooft spriiit am Dienitaa. 8 Ubr, Dr. Anna Berliner über den Teetiilt in Japan. Staatliche Kunstdidliothek. 3m 3nfH
als für diesen Zweck eine gewaltige Expedition nötig, die viele Monate unterwegs war, während diesmal der amerlkanische Flieger für den gesanrten Rundflug über den Südpol nur neunzehn Stunden gebraucht hat. Es ist erstaunlich, daß ein Mann, von cinundvierzig Jahren— Byrd wurde am 25. Oktober 1888 in Winchester im Staate Virginia geboren— noch die Spannkraft und den Sportsgeist aufbringt, so anstrengende und aufreibend« Dauerflüge in schwierigsten Luftver- Hältnissen zu unternehmen. Aber Byrd ist in den letzten Iahren niemals aus der Uebung gekommen. Am 9. Mai 1926 flog er zu- sammen mit dein Piloten Bennett von Kingsbay auf Spitzbergen »ach dem Nordpol und zurück. Die Stimmung, die ihn damals im Augenblick der Polüberflicgung beherrschte, schildert er selbst folgen- dermaßen:„Vierzehn Minuten kreiste ich über dem Pol. Wir sahen unter unseren Augen riesige Eismassen auftauchen, die sich tausend Meter unter uns befanden. Das Geräusch der Motoren verhinderte jede Unterhaltung. So neigte ich mich denn zu meinem Gefährten und drückte ihm schweigend die Hand. Wir gedachten Pearys, der mit seinen Hunden und Schlitten am 6. April 1909 in unmittel- barer Nähe des Nordpols geweilt hatte, mid wir ließen keine amen- konische Fahne auf den Pol herabfallen, denn Peary hatte es ja schon getan. Alles in allem hatten wir eine Flugzeit von sechzehn unvergeßlichen Stunden. Die Sonne stand hoch, als wir abflogen, und stand noch am Himmel, als wir wiederkehrten. Wir waren dadurch in der angenehmen Lage, uns nach der Sonne zu richten." Dkeser Flug brachte dein tapferen Amerikaner Weltruhm ein. Als Lindbergh»nd Ehainberlin dann den Atlantischen Ozean über- flogen, wollte Byrd nicht hinter ihnen zurückstehen, und vom 29. Juni bis zum 1. Juli 1927 überquerte er im Flugzeug den At- lantik von New York nach Europa. Bald darauf wurde bekannt, daß der mutige Amerikaner, der seinen Namen mit Recht trägt— das englische Wort„dirck" bedeutet Bogel— nun auch die Ant- arktis vom Flugzeug aus erforschen wolle. Im Herbst 1928 reist« er in das südliche Polargebret die Expeditionen, die eine halbe Mit- lion Dollars kosten sollte, wurde von einer großen New-Yorker Zeitung finanziert. Es war ihm diesmal leichter, das nötig« Geld aufzubringen, als im Frühjahr 1926: damals hoÜe man ihn nur ausgelacht, und ein amerikanischer Millionär hatte zu ihm gesagt: „Ich werde 10000 Dollars geben, wenn Sie lebendig vom Nord- pol zurückkommen, vorher keinen Cent. Aber ich werde wohl aurb nachher mein Geld behalten können."
SproUen- reichium in der llordfee Auf den Zischgriinden der Itordfee flehen In dfefetn Merbfl riefige Sprollenfchnärme, fo daß die Bifcherboote toll beladen heimkehren. Ilnfer SBild seigl das Xöfehen der Sänge im Sifchereihafen ton IVilhelmshaven. Beamte und Republik. GrzesinSki auf dem Mitteldeutschen Beamtentag. Magdeburg. 2. Dezember. Der preußische Minister des Innern Grzesinsti hielt gestern auf dem vom Allgemeinen Deutschen Beamtenbund hier veranstalteten Mitteldeutschen Beamtentag einen Vortrag über das Thema:„Beamter und Republik�. Er leitete seine Ausführungen init der Feststellung ein. daß er über die rechtliche Stellung des Beamtenbundes nicht sprechen wolle, da das Aufgabe anderer Stellen oder Personen sei. Heber die politische Seite des Themas führte er u. a. aus: Es wird immer wieder vergessen— oft absichtlich und gerade von politisch dem heutigen Staat unfreundlich gesinnten Teilen der Beamtenschaft—. daß e r st d i- R« p u b l i k den Beamten die Aus- Übung formell schon bestehender Rechte gestattete und ihnen neue politische Rechte gab. die ihnen der alte Dbrigkeitsstaat absichtlich stets vorenthalten hatte. Der Beamte von heute hat wirklich das Koalitionsrecht. Der Beamte kann sich wie jeder Staats- bürger durch seine wirtschaftlichen Organisationen, durch die Abgeord- neten im Parlament, für seine Interessen einsetzen. Das alles hat vor dem November 1918 im alten Preußen nicht existiert. Wehe den: Beamten, der es wagte, Ansichten zu vertreten, die dem System nicht genehm waren und sich gar dagegen richteten. Trotz formeller Sicherungen durch Gesetzesbestimmungen mußte dieser Beamte jeder- zeit damit rechnen, daß er seiner Stellung verlustig ging. Die Demo- kratie und die Republik haben sich zum Berufsbeamtentum bekannt, weil-uch für den modernen Bolksstaat das vorgebildete Berufsheamtentuni unentbehrlich ist. Allerdings ist m der demo� krati scheu Republik von 1913 die Stellung des Beamten zum Staat nicht so primitiv wie im Deutschland der Por�. kriegszeil. Der Beamte ist heute, wie es auch die Verfassung aus- drücklich betont, Diener der Gesamtheit, nicht einer Obrig- kcit oder gar einer Partei. Infolgedessen ist, wie jeden» Staats- bürger, auch jedein Beamten freigestellt, sich wirtschaftlich und poli- tisch zu betätigen, wo und wie es seiner Ueberzeugung entspricht. Allerdings mit einer Einschränkung auch im Volksstaat, der wie seder Staat von seiner Beamtenschaft verlangen muß, daß ihre poli- tische Betätigung sich nicht gegen die Grunds« st eu des Staates und gegen die Gesetze richtet. Der Beamte ist als Organ des neuen Staates Organ des ganzen Volkes. Das Volk Hot sich diesen Staat geschaffen, und es kann von seinen Beamten ver- langen, daß sie sich im Amt und Privatleben nicht gegen diesen Staat betätige». Diese für mich selbstverständliche Beschränkung der poli- tischen Recht« ist es, gegen die merkwürdigerweise von den Rechts- Parteien Sturm gelaufen wird, die im alten Staat u-üer anderem Namen die Unmündigkeit der Beamten als selbstverständlich ansahen. Der Minister behandelte dann die Vorgänge anläßlich des Volks- begehrens. Was fei da nicht über den angeblichen Terror, über unerhörte Verfasiungsverletzungen durch die Regierung ge< schrieben worden. Und doch müsie jeder vernünftige Mensch bei richiger Betrachtung zugeben, daß der demokratische Staat sich selbst aufgeben würde, ivenn er es zulassen würde, daß seine Beamten an einem Kamps gegen die Grundlagen dieses Staates teilnehmen. � Es läßt, führte der Minister aus, sich nicht leugnen, daß ein Teil unserer Beamtenschaft noch vielfach in �eberzeugungen be- fangen ist, die aus der Vorkriegszeit stammen. Von diesen Beamten kamt und will die Republik nichts anderes fordern, als daß sie sich positiv zur heutigen Stoatsform stellen und alles in ihrem Handeln unterlassen, rvas gegen den Sinn und Geist des heutigen Staates verstoßen würde. Der Minister erklärte dann, daß die Rc- gierung bisher Toleranz geübt und der Beamtenschaft Zeit gelassen habe, sich mit der Staatsumwälzung nicht nur abzufinden, sondern auch sich auf die neuen Verhältnisse und Ideen umzustellen. Aber diese Zeit der Toleranz müsse nun auch einmal vorüber sein. Die Republik könne und müsse von ihren Beamten verlangen, daß sie Republikaner sind! Das Geständnis des Gatienmörders. Er will nur„scharf zugepackt" haben. wie bereits gemeldet, hat Dr. G u t m a n n in Schwedt a. d. O. inzwischen gestanden, daß er seine Frau Hetälet hat. Gutmann schildert sein verbrechen wie folgt: An dem betreffenden Tage sei er gemeinsam mit"feiner Frau aufgestanden und habe sich nach dem Frühstück zunächst zur Post begeben, um dort einen kleinen Geldbetrag abzuholen. Als er nach Hause zurückgekehrt- sei, habe seine Frau auf dem Sofa gelegen und ein Buch gelesen. Bald sei es zwischen ihnen zu Streitig- k e i t e n gekommen. Vor allem habe er seiner Frau vorgeworfen, daß sie zu wenig Abwechslung in den Küchenzettel bringe, und ihm immer wieder Kartoffelpuffer vorsetz«. Die Frau habe ihn darauf- hin grob angefahrci». Cr sei in Wut geroten, habe sie mit der Hand am Kopf gepackt und ihr das Handtuch vorden Mund gehalten, um sie am Schreien zu verhindern. Spater sei er aus dem Zimmer in seinen Arbcitsraum hinübergegangen. Als er dann nach fünf Minuten zurückgekehrt sei, um seine Frau zu Ve- sänftigen, habe er feststellen müssen, daß er offenbar«zu scharf zugepackt� habe und sein« Frau kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Erst jetzt sei ihm klar geworden, was er angs- richtet habe und er sei auf den Gedanken gekommen, einen U n-> fallvorzutäuschen. Die Angaben Gutmarms stoßen be? �er Staatsanwaltschaft auf starke Zweifel. Es wird vermutet� daß es zwüchen Gut- mann und seinem Opfer zu einem harten Dampi gekommen ist, zumal Gutmann an der rechten Hand schwere Kratzwunden hat. Cntsührung Minderjähriger. Beschlüsse des SlrafrechtSauSschusseS. Der Re i chs ta ga u s s chu ß für die Strafrechts- reforin behandelte zuitächst S 313, der die Entziehung eines Minderjähngen aus der elterlichen Geivalt bestrasen will. Stach längerer Aussprache wurde der 8 in salzender Form an- genommen: „Wer einen Minderjährigen dem entzieht, dein die Sorge für die Person des Minderjährigen zusteht, wird mit Gefängnis bestraft. In besonders schweren Fällen ist die Strafe Zuchthaus bis zu 10 Jahren. Die Tat wird mir auf Verlangen des Ver- letzten verfolgt. Hat der Täter oder«in Teilnehmer die Entführte geheiratet, so wird die Tat nur versÄgt, wenn die Ehe für nichtig erklärt worden ist." § 314 ficht nach der Regierungsvorlage Gesängmsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstraie für den Fall vor, daß sich lemand bos- willig einer gesetzlichen UMerhaltspflicht soweit eMzicht, daß der notwendige Unterhalt des UnterhÄtsb erechtigte» ohne opemlich« Hilfe oder die Hilf« anderer gefährdet wäre. Wenn die Tat den Selbstmord oder die Tötung-des Unterhaltsberechtigten oder die Tötung eines Kindes, für das der Unterhaltsberechtiate zu sorgen hatte, oder den Versuch einer solchen Handlung zur Folge hat, so wich die Straf« auf Gefängnis nicht unter drei Monaten erhöht. Frau Abg. Pfülf(Soz.) vertrat die Auftassung als Mit- berichterftatterin, daß«s im Interesse der minderjährigen Kinder liege, nicht nur die Böswilligkeit als Merkmal des Tatbestandes zu lassen, sondern den Tatbestand auch noch durch die Einfügung der Worte„oder aus Eigennutz" zu erweitern. Nach weiterer Ausspräche wurde schließlich beschlossen, den § 314 in der Fassung der Regierungsvorlage provisorisch bis zur zweiten Lesung anzunehmen. Auch die Abänderungsantrage zu 8 314 wurden bis zur zweiten Lesung zurückgestellt, um bis dahin zwischen den Parteien eine Annäherung der Standpunkte zu er- reichen. Unverändert nach der Regierungsvorlage wurde auch g 31o angenommen, der bestimmt, daß derjenige, der ein Kind, für dessen Person er zu sorgen hat, in der Absicht verläßt, sich seiner zu ent- ledigen, mit Gefängnis bis zu zwei Jahnen bestraft wird. Unter Streichung des letzten Absatzes wurde auch t, 31g an» genoinmen, der die Personensmndsiälfchlina mit Gefängnis bestrait. Der gestrichene letzte Absatz enchieft die Bestimmuilg, daß in besonders schweren Fällen die Straf« Zuchthaus fein kömfte. Bestechungsskandal in Japan. Hohe Beamte verhastet. Tokio. 2. Dezember. Der verhostete Sekretär des japanischen Eisenbohnministeriums, S ata ke, hat mehrer« hohe Reglerungsbeamte belastet, darunter auch den Unterrichtsmini st er Kabaschi, von der Industrie bestochen worden zu sein. Di« Aussogen Satakes belosten auch mehrere Beamte des Verkehrs- und des Wirtschaftsministeriums. Vier hohe Beamte sind verhostet worden. Ministerpräsident H a m a g u t s chi hat die Bildung eines Parlamentsausschusses gegen Bestechung angekündigt. Wetter für Berlin: Mild, stark bewölkt unid zeitweise regnerisch. lebhafte südliche Winde. Für Deutschland: Im Nordwesten ftürinisch, Südwestwinde, allgemein mild, stark bewölkt, vielfach etwas Regen. Zikrantwortl.»ür die Redakiian: Saltgang Schwor,. Berlin: Anzeigen: Th. Stacke. Berlin. Berlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Barwärls Bnch» druckerci und Vrrlagsanstalt Vaul Singer& Ca. Berlin SS 68, Lindensirahe 3. Siern» l BrUage. Am Freitag, dem 2S Sioo., ftarb »ach schwerem Leide» mein lieber Seh»,»nser Druder und Tchwagcr, der ffiaftwirt und frühere Glaser Paul Broecker In tiefer Trauer Berlin, Flotiwellstr. IS Ww. Emilie Droeclter, geb. Schmidt. Anna Langhag«, geb. Broecker, Aug. Langhage, Pannover. Beisetzung Dienstag, UV* Uhr. von der Leichenhalle de» Neuen gwölf-Apostei-Fricdhofs, Echöneberg. [er, Licldspiele usw. Q - i-, J..MM Montag, 2. 12. Staafs-Oper Unter ck. Linden A.-V. 267 ,«>.» Uhr Staals-Oper Am Pl.d.Repabl. Vorst. 93 19'/e Uhr [an Montag, 2. 12. Stadl Oper Bismarcksu. \9lh Uhr VorstellDog Staat). Sdiaosith. am Gendarmenmarkl R.-S. 62 20 Uhr Staatl.Scbiller-Töeater.Cliarltlj. 20 Uhl: Des Kaisers Soldaten GROSSES SCHAUSPIELHAUS ■ Uhr: 3 Musketiere Regie; ERIK CHARELL A Sonnui nalui. naosk. talftt Pr. ROSE •THEATER" Teleph. Strale 132 Alexander 3422 u. 3494 Täglich 8» Uhr: (Sonntags S'k und 9 Uhr) Pariser Blut Jeden Mittwoch u. Sonnabend nachm. 5 Uhr „Max und Moritz" und dar Walhnochtsmonn GroBes Weihnachtsmärchen. Jeden Sonntag, nachm. 2J0 Uhr Frau Holle Renaissance-Theater S'U Uhr.— Letzte 5 Aufführungen | Coeur- Bube Komödie von Jacques Ngthanso n Regie; Leonitne Sagan. Lennanz— Siaudte— Vallentin Kupfer— Slma— Rasumny •— Steinolatz C 1. 0901 o. 2583/84.- Winter * uarrem o um» mir. äaiii- Binditn erlaubt J 16 Original Lawrence Tiller- Birls | und weitere VarisU- Neuheiten Reichshallen-Theater Abends[T| Sonntag nachm. fTl Stetflner-sanOcr Neu t »LtHUsWlldwesr Burleske von Meyeel Biliettbest Zentrum 11263 Dönhoff-Brettl; FamUlen-Vartct«— Ten». CASINO-THEATER Lottirtngcr Strafe ST. Nur noch bis 3. Dezember 1929: wertagte Hochzeltsnacmi Am 3. Dezember zum l. Male: Familie Hannemann. Gutschein für t— 4 Personen Fauteuil nur 1.25 M.. Sessel 1.73 M., Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M Tägl. S u. SU 80001.2. Sa 8- | Alax. 6. 4. 8066 INTERNAT. VARIETE Theater I. Oehrenstr. 53-54 »>U A 4 Zentrum 926 927 B1': ... Vater sein, dagegen sehr Baraowskn-Boimeii Theater in dor KOnlggritear StnOa Täglich gl/« Uhr Ola erste mra. seiby mit fritzi maasarv Altred Abt) KomSdlanhsus Täglich 8>/i Uhr Der HQhnemot mit Ourl lefc Trianon-Th.Mu,Vr 8'/« Uhr „Die Balierina des Königs" So. 4. Stg. 21i Uhr Sdmcewiltcben Planelartimi — am Zoom- VerllDg. Jaadiimiiba.n.trat B. 5. Barbarossa 5578 16 bis 19 Uhr llehl- Bilderauietallung 19bisl9i,zUhr Oer Abendhimme) 20'm Uhr Das Weltall ins LichtMId Direktion 9r. Robert Kielr Dentsehes KOnstler-Theat Barbarossa 3937 «tS Uhr Ende 11.10 Uhr Seltsames Zwismenspiei Regit: Heier Hilpert Betlioer Hieater Dönhoff 170 «>/. Uhr RBssrulari tdr Herrn Baston. Volksbliitne llieatir amBülowplali S Uhr Uran tffihrun g Mfära Oreyfus Schauspiel von Ren« Kestnei Regie: H. D Kenter. Staall.Sdiiller-Ih. 8 Uhr Des Kaisers Soldaten Stootaopcr an Piau der aepabiui 7-/> Uhr Carmen hedief am „ Itfbuerdsnii: «>/. Uhr Pennhier Oeotscüfis Theater 0.1. Norden 12310 «>,- Uhr Der Kaiser V.Amerika von Bernard Shaw Reg: Mar Reinhardt Kammerspiele D.I. Norden 12310 Uhr Tut gell. Ansidit! Lustspiel von Frederik Lonsdale Regie: Gustaf Gründgens Die Komödie J1 Bismck.2414/7516 8Vi Uhr Tom Teufel geholt von Knut Hamsum Regie: MaxRemhardt Th. a. Vorvk. 10-2. Kf. 2001 Täglich 8'/. Uhr Bosisplel Bos dodisood Thoalers 1 HM»! Regie; Mu Reinberdt. Peiilral. Theater Alte JaKobsir.32 I iiasisplel d. Tb. d.l Weitens Täglicn SV* Uhi I Stg. 5 u. SV» Uhi| Friederike 10er weliertolg I von Franz Lebir| Verkäufe Metropol-TD S'lt Uhr Das Land de� Lächelns Vera Schwarz, Richard Taubci Musik von Franz Ith är IM IUI Mi ir-wess goffmonn Piano». 6tommbouä ae- ' gründet 1887. Pianos. Rlügei Sar- monmms. 100 Znfirumrnir«nswah! anerfannie TonlchSnheit. Breiswürdigkeit. günstige Teilzahlungen Neue Piano- 000 Mark, gebrauc'-te ior Mark an stets Gelegenheiiskäuie Alte In- strumentr Eegenrechnung Pianolorte- iabrit Georg SoNmgnn G. m. b S. Berlin SB. 58. 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£leiloge Montag, 2. Dezember 1929 LprÄbmS SliäJaul0a& fbuxiH* AED KIIMDBI entwicklünqsik m0mwm im ruhrrevier Aus der Mappe„Arbeit" Hermann Kätclhön strömt nach Neumühl. Di« Zeche begann 1893 mit 28 Arbeitern. 1393 waren es 69, 1904 bereits 489S. 1997 spuckte der Gigant nicht ganz 20 OtX) Tonnen Kohlen aus. 1904 dagegen 1,65 Millionen Tonnen Kohlen. Der Betrieb rast. Man macht Stichproben. Danach or- beiteten 1904 aus Neumühl 3108 Deutsche, davon 1340 aus den Ostprovinzen, 1095 Oeslerreicher aus Krain und Steiermark, Slo- weiter oder Cuditsche genannt, 240 Holländer, 156 Italiener, 53 Russen, 33 Belgier usw. Stach Neumühl drängte sich alles, was aus irgendciucni Grunde untertauchen wollte. Die Haniels wollten Geld verdienen und Kohlen fördern: sie gaben jedem Arbeit; sie nahmen auch nach den unglücklichen Streiks im Ruhrrevier die Leute vorbehaltlos aus, die man aus die schwarzen Listen setzte. Sie nahmen die Opfer des Streiks auf, wie sie ehemalig« Zuchthäusler ausnahmen. Werner bestätigt, daß aus Neumühl zu seiner Zeit mehr ehemalige Zuchthäusler arbeiteten als in einen, großen Zuchthaus mckerzub ringen sind. Neumühl kennt nur schuften; die Belegschaft von Neumühl aber ist so, daß der Schnap-ausschank in einer an der Zeche gelegenen Wirtschast pro Monat 300 Hektoliter(in Worten dreihundert Hektoliter) ausmacht. Das Messer sitzt los«. Allmonatlich wird ztmnndest«in Mensch tot- geschlagen. Di« Steiger haben Waffenscheine und tragen Revolver bei sich. Im Tiegel gärt's. An der Spitz« des Giganten steht ein früherer Arbeiter, der aus ganz armen Verhältnisse?, hervorgegangen ist. Selfmademan«m wahrsten Sinne des Wortes. Seine technischen Fähigkeiten sind außerordentlich groß. Merkmal, für so manchen, die in jener Zeit aufgestiegen sind. Die von der Pike auf dienten und die Technik so in sich hatten wie andere Leute anderswo die Fähigkeit, richtig deutsch zu sprechen; was diese Pioniere nie lernten. Der Selfmade- man von Neuniühi„schreibt� keine Löhne, d. h. aus Neumühl wird bezahlt, was der Arbeiter wirklich verdient. Ist das Gedinge, der Akkord einmal festgesetzt, dann wird ausgezahlt, gleichgültig,� ob inan 20 Psennige oder 20 Mark verdient. Wurde im Schein» gedingc wo anders der Haucrlohn von 5,40 Mark bis 6,60 Mar? gehalten, so gab es auf Neumühl Löhne von 3 bis 15 Mark pro Schicht. Der Mensch ist gar nichts, die Leistung alles. Hier wird also Werner Steiger. Er kriegt ein schwieriges Revier, und faßt die Sache beherzt an. Er zieht LandÄoute noch Neumühl, verlangt Leistung, weißfichabermitdenLeuten zu st e l l e n. Di« gute Zusammenarbeit gewährleistet gute Lei- stungen. In der kurzen Zeit von sechs Monaten steigt der Durch- schnittsverdieirst der Arbeiter im Weruerschen Revier von etwa 3,60 M. aus 5,40 M. Als er das Revier übernahm, war der Durchschnittsverdieust seines Reviers der niedrigste unter allen Revieren. Noch sechs Monaten steht er an erster Stelle. Di« Selbst» kosten sinken. Ziel war, die Selbstkosten auf 4 M. zu drücken. Sie stehen auf 4,80 M., als Werner das Revier übernahm. Sie sinken in sechs Monaten auf 4,07 M. Das scheint uns ein wichtiges Exemplmn auch für die modern» Rationalisierung zu sein; für die Ausfassung von Lohn und Leistung überhaupt. Schon greift Werner nach der großen Ehanee: er soll Betriebs- führer werden! Da scheitert er an etwas, das er das System S t i n n e s nennt. Werner ist in den, kapitalistischen Betrieb« von Neumühl der reine Tor. Sein Ideal ist der leitende Grubenbeamte, der durch Schaffung eines guten Zusommcnarbcilens aller im Betriebe Tätigen gute Leistungen«sialeu will. Der junge Herr Stinnes kennt aber nur ein Ziel, die Leistungen zu steigt-- Wie die Menschen zusammenarbeiten, ist ihm gleichgültig. Bon ihn, gibt Werner folgende Schilderung, die das, was er System Stinnes nennt, demonstriert:„Stinnes gehörte zu jenen Menschen, denen der Erfolg Lebensfreude ist. Er hätte die Leistungen steigern können, wenn er neben den durch Berstand und Wissenschast gebotenen Verbesserungen des Betriebs gute Menschenökanomie verlangte. Aber über Menschenbehandlung macht« er sich keine Gedanken. Die ersten Menschen, die ihm die großen Erfolge auf seinen Zechen brachten, waren junge energische Vetriebssührer, die mit der Schlaf- mützigkeit rücksichtslos aufräumten, und denen das Schicksal des einzelnen nicht nur gleichgültig war, sondern denen es sogar Freude bereitet«, recht brutal zu sein. Ihre brutalen Methoden aber wurden für Herxn Stinnes das Evangelium des Erfolges, während sie in Wirklichkeit Begleiterscheinungen des Systems der Reibung waren. Der Erfolg ober beruhte auf den technischen Fortschritten, aus der verminderten Ausführung der not- wendigen Reparaturen und auf der Aufzehrungderinneren Reserven auf Kosten der Sicherheit. Diese neuen Herren brachten Leben in jeden Betrieb; denn Stinnes ließ seinen Mitar- beitern freie Hand." Einer von diesen Herren entfesselte 1905 auf Zeche Bruchstraße den großen Bergarbeiterstreik, der sich wie«in Präriefeuer über den ganzen Kohlenpott ausbrestete. Werner fängt an zu grübeln. Er denkt über Dinge nach. Er analysiert die Systeme in den Betrieben und folgert: Der Unterschied der beiden Systsm« liegt weniger auf dem Gebiet der Leistung. Denn die Leistung wird durch beide Systeme gesteigert. Der Unterschied liegt in der Umstellung des Betriebs vom Guten aufs Böse und in einer Schädigung des Einzelschicksals. Das System der Reibung schafft verbitterte unzufriedene Menschen, steigert die Zahl der Erkrankungen und der Unfälle, oermehrt den Arbeiterwechsel, bringt Zank imd Streit, stiftet Unfrieden in den Familien.„Es bringt überall Tranen zum Fließen." Es ist das System, welches freie anständige Menschen rasend machen kann. Werner hätte weiter sagen können: es ist das System, das, auf Sicht, jede Pro- daktionssteigerung unterbindet. An diesem System scheitert Werner. Zu jener Zeit muß es wohl gewesen sein, wo er den Schießmeister Bogulla kennen lernte. Das war ein Freigewerkschoftler, ein Mitglied des Alten Bergarbeiterverbandes, und die Figur in Werners„Äumpel", die wirklich künstlerisch getroffen ist. Bogulla war der typische„Kumpel". Kumpels sind nicht nur im Bergbau zu finden. Es gibt solche Mc»- fchen, wenn auch viel seltener, in allen Berufen. Der Kumpel ist ehrlich, wahr und sucht keine Fremrdschaft. Glaubt er in einein anderen Menschen die gleichen Eigersschasten zu sehen, so verständigt' sr sich mit dem ohne viel Wärt« und hält ihm die Fveundscho-st, auch wenn ihm üble Nachrede zu Ohren kommt. Kumpels sind treu«, uneigennützige Menschen. Bogulla sieht in seinein Steiger, also in Werner, einen Vorgesetzten, der ihm als dem um 20 Jahre älteren mit jener Achtung begegnet, die inner anständigen Menschen eine Selbstverständlichkeit ist. ,Lch traf unbewußt den Umgangstoii,' den er gefiihlsmäßig von feinem Steiger ersehnte. Die Folge war. daß er sich alle Mühe gab, mir im Revier bchilslich zusein. Mit diesem Manne bin ich bis zu feinem etwa vier Jahre später erfolgten Tod infolge Unfalls immer gut Freund geblieben. Aon ihm habe ich auch regelmäßig die Bergarbeiterzeitung erhalten, so lange ich in Neumühl gewohnt habe. Er ist jener Arbeiter, der meine politischen und gewerkschaftlichen'Ansichten grundiegend baeinflußt hat." Das ist mehr als ein Denkwort des Lebenden an den toten Freund. Hier werden in. kurzen Sätzen die ungeheuren Kräfte demonstriert, die im Tiegel rasend waren und die ein Industrieland und eine neu« Rasse schufen; hier wird das Fun- dament von etwas unerhört Neuem enthüllt. Hier ergeben sich die Brücke n zwischen dem großen Giganten Neumühl, der 2 Millionen Tonnen Kohle ausspuckt, und jenen, die diese Junge mit Lampe Hermann Katelhön Kohlen hauen und brechen, Werner und Bogulla. Hier liegt die große Synthese. Hauch wirklicher Arbeitsgemeinschaft. Hauch wirk- licher Wirtschaftsdemokratie. Was sollt« Werner weiter tun'? Er wurde kein Betriebs- sichrer. Er schnürte sein Bündel, wurde Sozialdemokrat und schrieb den �Küiapcl", Friedrich Olk, Aus der Mappe„Arbeit" Hermann Kätelhön Unter den allerb ärmlichsten Verhältnissen im Waldenburgischen aufgewachsen, geht Georg Werner mit 14 Jahren zur Grube. In seiner Kindheit das, was man einen aufgeweckten Jungen nennt. der-in der Bolksschule seiner Heimat auf der„Armen�Zeuto-Kucher- Seite" sitzen muß, wird er im Laufe der Jahre einer von den guten Bergleuten, die Waldenburg von jeher herangebildet hat. Es reicht auch zum Besuch der Be�schule. Dann nehmen ihn westfälisch« Agenten mit in das Ruhrrsoier. Mit 22 Jahren ist er Steiger. Mit 29 Jahren erwirbt er das Betriebsführergeugnis für große Schlagwetter gruben. Mit 30 Jahren gründet er den Deutschen Steigerverband. Während des Weltkrieges treibt er sich, schon ein Vierzigjähriger, mit einer aktiven Pionierkompagnie an der Westfront herum. Nach dem Krieg Soldatenrat im Ingenieur- komitee in Berlin, dann Geschäftsführer im Bund der technischen Angestellten und Beamten, Mitglied der Sozialisiemngskonvnission, des Reichswirtjchaftsrats, der Knappschaft usw. Aemter und Würden legt er 1925 nieder und gibt eine Zeitschrift über knappschaft- liche Ding« heraus. In seinen Mußestunden hat er ein eigmitüm- liches und werkwürdiges Buch geschrieben, das er„E l n K U m p e l" nennt.(Verlagsgesellschaft des Allgemeinen Deutschen Gewerkschasto- Bundes, Berlin.) Wahrscheinlich hat er das Buch geschrieben, weil er- bereits im Jahre 1914 im �Korrespondenzblatt der General- fommisiion der freien Gewerkschaften" einen Artikel über die Demo- kratie in den Betrieben der Arbeiterbewegung schrieb. Damals verbanden wir wohl mit dem Begriff Demokratie in der Wirtschaft noch weit weniger Vorstellungen als heute. Wir verlangten, an- ständig und als Menschen behandelt zu werden. Das war auch bei Werner der Fall, und so kam«r in seinem Artikel zu dem Schluß, daß Borgesetzte und Untergebene sich leider nicht als Menschen behandelten. Er sagte, es fehle in der Züsammenarbeit von Vor- gesetzten und Untergebenen an demokratischen Grundsätze». Die Idee von den-demokratischen Grundsätzen in der Wirtschaft beherrscht den„Kumpel". Mit einer unbedingten Wahrheitsliebe malt er Situation an Situation und skizziert mit warmem sozialen Gefühlt und vielem Verständnis für Menschen und Ding« in der Wirtschaft das Fundament einer anderen Verfassung. Er kommt als Hauer nach der Zech« Hibernia, die der große irische Pionier William Mulvany baute, und um die sich die größte Kohlenstädt der Welt, Gelfenkirchen-Buer, sozusagen im Handumdrehen ent- wickelte. Von dort geht's nach Stock und Scherenberg, der südlichsten Zuche nn Ruhmvier. Ein gemütlicher Betrieb, in dem noch die alte Sitte des Bergamts gebräuchlich ist. Dann wirft ihn das Schick- sal glattweg in die wilde Woge der industriellen Ent- Aus der Mappe„Arbeit" Hermann Kätelhön Wicklung, die gerade das Ruhrgebiet durchbraust und ine dem Land an der Ruhr und Emfcher ihren Stempel aufdrückt.. Zu jener Zeit schreit die Welt noch Kohlen, deshalb wandert der Bergbau wieder einmal, von der Ruhr nach der Lippe zu, wo gigantische Betriebs entstehen; er drängt nach dem Rhein, wo die Flöze viel reicher und mächtiger liegen als an der Ruhr. Es ist die Zeit, wo die Stinnes und Thyssen den westfälischen Bauern ihr Land gleich gemeinde- und dorsmeise abkaufen. Wo gestern Wälder und�Felkcr waren, geht der Teufel los. Die Kübel jneien unaufhörlich Mergel, Maschinen und Menschen ächzen Tag Rächt. Schließlich stehe« d-««chächlgerus te. Man h««ich unten di« Kohl«. Die Flöze warten auf Menschen, die Kohle hauen können. Aus allen Provinzen Deutschlands holt man sie. Es kommen die Leute aus Bayern, aus der Pfalz, aus Saarobien. Es kommen die sparsamen Hessen, die es in Westfalen zu etwas bringen wollen. Es kommen Sachjen, die bärenstarken Tagelöhner aus Posen, qualifi- zierte«chlefier, das bewegliche Element der Mafuren, die d!« heimatliche Scholle und der heimatliche Fischfang nicht mehr er- nähren kann. Es kommen Holländer. Belgier, Luxemburger, Fran- zosen, Leute aus Elsaß-Lothringen, sehr viel Italiener, dann Oester- reicher, Slowenen. Slowaken, Russen u. a. m. Der reine Turmbau zu Babel. In den neunziger Jahren, um di« Jahrhundertwende, ist das Ruhrgebiet ein großer M e n s che nti« g e l, in dem«s kocht und gärt. Die Menschen wachsen zusammen. Es ist keine schlechte Rasse geworden dort unten. Georg Werner selbst ift ja Schlesier. Er Hot nie die Sprache des Landes, die Sprache der„Roten Erde" sprechen gelernt. Er kann nicht„platt kürrn". Er spricht aber die Sprache des Tiegels. D!« Jahre, die er dort unten lebte,-haben genügt, ihn zu den chrigen zu machen, deren Schicksal er in seinem.Kumpel" beschreibt. Georg Werner hat, wohl als erster, versucht, mit den Mitteln des Erzählers dem Phänomen des neuen Industrielandes an Ruhr und Emfcher zu Leibe zu gehen. Im Herbst 1903 geht Werner als Steiger Nach Neuen- müh l. Es war einmal eine Bauernschaft dort, wo die Emfcher in den Rhein fließt. Ein paar Bauernhöfe, das war die ganze Besiedlung. Auf den fetten Feldern arbeiteten einige Dutzend Bauern. Dann teuft der Hanielkonzern die Zeche Neumühl. Di« jetzige Groß- stadt Hamborn, zu der Neumühl mal als Bauernschaft gehölte, zählte 1890 etwa 8000 Einwohner. Im Jahre 1900 war die Einwohnerzahl bereits auf 33 000 gestiegen. Jetzt setzt das ante rikanis che Tempo em. Die Stadt nimmt in jedem Jahr um 10 000 Einwohner zu. Alle Welt
(29. Fortsetzung.) „Wir sind bereit," sagte Piccinini,„den Befehlen der Partei Folge zu leisten. Aber ihr müßt euch schon jetzt klar machen, daß auch der geringste Versuch der Agitation erbarmungslos bestraft werden wird. Darüber darf man sich keinerlei Illusionen machen. Wenn die Genossen im Parteioorstand glauben, sie könnten den Wahlkamps benutzen, um die Partei zu reorganisieren, so muß man sagen, daß sie über die wahr« Sachlage nicht genügend unterrichtet sind. Die Lage ist furchtbar." Trotzdem kam man überein, daß man nicht vom Wahlkampf desertieren durfte. Wer sollte unsere Fahne hochhalten? Ich schlug eine Liste vor. Piccinini? Name war darin. Er zögerte, sprach von mangelnder Schulung. Aber dann gab er nach. „Wenn die Partei mich braucht, in einem Kampf«, der noch dazu keinerlei Chancen des Erfolgs bietet— nun, dann stehe ich zu Diensten.. Wir diskutierten noch über die technischen Einzelheiten des bevor. stehenden Kampfes, als die Polizei in das Kaffeehaus eindrang. „chäirde hoch!" Da gab es nichts als nachgeben. Aber erst flogen die kom- promittierenden Papier« ins Feuer. „Ist hier der Chefredakteur des„Aoanti"?" „Der bin ich"— und damit trat ich aus der dunkelsten Ecke hervor. „Sie sind alle verhaftet." Proteste nützten nichts, so wenig wie der Hinweis auf dos Recht freier Agitation, das zu jedem Wohltompf gehört. „Sie haben Glück," sagte der Polizeiinspektor,„daß wir vor den Faschisten angekommen sind. Sonst wäre es Ihnen' ziemlich schlecht gegangen." Und wirklich, während man uns hinausführte', um uns in das Polizeiauto zu verladen, kam eine faschistische Bande an und war seh? enttäuscht, uns schon in den Händen der Polizei zu finden. Eine Stunde später setzten wir unser« Diskussion im Gefängnis fort. Man hatte uns in zwei Gruppen getrennt. Piccinini nwr mit mir zusammen. Er sprach von seiner Frau, von seinen beiden Kindern, von den Schwierigkeiten, die er durch diese Verhaftung und s?urch die Kandidatur in Reggio Emilio haben würde... Am nächsten Tag wurden wir in Freiheit gesetzt, da die Re- gi«rung sich den großen Mißgriff klargemacht hatte, obwohl ihr die gemeine und servile Presse durch eilige Erfindung eines wahren Polizeiromans mit Komplott usw. zur Hilfe gekommen war. Ich sollte Piccinini nie wiedersehen. In mehreren Briefen be- richtete er mir über die absolute Möglichkeit irgendeiner Wahl- agitation. Und jetzt stehe ich an d«r Tür seines Hauses, seines für immer zerstörten Heims! Man hätte glauben können, mein Weg führte durch eine toi« Stadt. Kaum ein Mensch auf der Straße. Hinter den Vorhängen der Fenster erriet man spähende Blick«. Die Lokalblätter, die übrigens niemand las, taten ihr Bestes, um Piccinini zu beschimpfen, nachdem sie ihn hatten ermorden lassen. Sie deuteten an, daß da- hinter wahrscheinlich die Eifersucht eines betrogenen Ehegatten steckte oder ein Sittlichkeitsverbrechen... Was wirklich geschehen war, wurde mir von der Witwe berichtet, unter Tränen und Ausbrüchen wilder Verzweiflung. Blaß und verängstigt klammerten sich die beiden Waisen des Ermordeten an mich— ein Mädchen von drei und eins von acht Iahren—, die nicht wußten, was über sie hereingebrochen war, aber durch das Schluchzen der Mutter und dos Kommen und Gehen weinender Freunde verstört waren. Die Familie war bei Tisch gewesen, als an der Tür geklopft wurde. „Herein," hatte Piccinini gesagt. Zwei unbekannt« Individuen waren in das klein« Eßzimmer getreten, in jene weiten Mäntel gehüllt, wie sie bei uns die Land- leute tragen. „Uns schickt C a r b o n i sein Parteigenosse)." „Was will er von mir?" „Es handelt sich um die Versammlung von heute abend." „Heute abend ist keine Versammlung." � „Doch, und er hat uns gesagt, wir sollten Sie begleiten." Piccinini war mißtrauisch. Er hatte den Menschen, der mit •hm sprach, nie gesehen. Er wiederHolle: „Heute abend ist keine Versammlung." „Sollten Sie mißtrauisch sein?" fragte der Mann im Mantel. „Ich habe eine Parteikarte bei mir." Er zeigte ein« Karte. Piccinini sah sie an, und sein Miß- trauen wurde Gewißheit, denn er muß bemerkt hobett, daß die Karte gefälscht war. Aber der andere wurde drohend. „Nun kommen Sie schon!" Und er packt« ihn beim Arm. Da muß Piccinini wohl nur den einen Gedanken gehabt haben: eine Gcwaltszene, einen Kampf vor den Augen der Kinder zu ver. meiden So nahm er seinen Hut und ging mit dem Unbekannten. „Was wollen Sie von mir?" fragte er an der Tür. „Nichts Böses," war die Antwort. Jetzt waren sie auf der Straße. Drei andere Individuen, die gewartet hatten, stießen zu ihnen.„Vorwärts, wir gehen durchs Feld, da kommen wir schneller an Ort und Stelle." Piccinini ging voran, vor ihnen her. Er rechnete wohl damit, daß man ihn prügeln würde und wollte aus der Sichtweite seines Hauses kommen, so daß ihn Frau und Kinder nicht mehr sähen. So ging er dreihundert, vierhundert Meter. Vielleicht wurde kein Wart gesproch«». Man jagte ihm drei Revolverkugeln in den Rücken. Er brach zusammen und war sofort tot. Die Mörder wurden einige Zeit darauf verhaftet. Natürlich sprach man sie frei, wie das im faschistischen Italien üblich ist. Die Polizei erlaubt« es nicht einmal, daß man dem Ermordeten ein feierliches Begräbnis veranstaltet«. Nach der Autopsie wurde er eines Morgens ohne irgendeine Feierlichkeit verscharrt. Die roten Nelken, die einige Freunde auf dem Grab« niederlegten, wurden von der Polizei entfernt. Das war nämlich eine Provokation... Die Herren Mörder lieben es nicht, daß man viel Lärmens um ihr« Opfer macht. Und da die Herren Mörder die Macht in Händen hatten, richteten sie sich die Sache ganz nach ihrem Geschmack ein. So wurde die Wahlkampagne durch die Ermordnung eines Kandidaten eröffnet. Und was darauf folgte, war eineununter- brachen« Reihe von Gewalttaten. Turati konnte in Mailand nicht reden, und A m e n d o l o nicht in Neapel. Matte- otti wurde van einer faschistischen Bande oerschleppt, als er zu einer Wahlversammlung ging, und auf' freiem Felde verlassen, zehn Kilometer von jeder Wohnung entfernt. In Genua wurden sozio- listische Redner niedergestreckt. Die Verteilung der Flugblätter der Opposition war unmöglich. Die Kandidaten durften sich nicht einmal in ihren Wahlkreisen blicken lassen. Einem früheren Minister Musso- linis, der, wie die katholischen Minister, zurückgetreten war, wurde es untersagt, in Messina zu sprechen. Trotzdem bezeugten 2 494 K8Z oppositionelle Stimmen, unter denen eine Million auf die drei sozialistischen Parteien fiel, die Lebenskraft des Antifaschismus. Der Ermordete von Reggio Emilia war unter den Gewählten. Er versinnbildlichte sür das ganz« Land die Gerechtigkeit und die Freiheit.— XXII. Matteottis„I'accuse". Es war am 30. Mai 1924. Die neue Kammer tagte seit dem 24. Mai. Man hatt« soeben bei der Präsidentschaft«inen Antrag eingebracht, die Mehrheitsliste im Block zu konvalidiercn. Aus den dreißig Faschisten der vorigen Legislaturperiode waren diesmal dreihundertfünfzig geworden. Montecilorio ähnelte mehr einem Biwock als einer gesetzgeberischen Versammlung Durch Gc- walt und Betrug zum Mandat gelangt, kümmerten sich die Fa- schiften nicht im mindesten um die parlamentarischen Formen. Sie erschienen in der Kammer in. schwarzem Hemd und die Brust mit Orden beladen. Ihre Aufgabe bestand darin, dem„Duce" zu. zujubeln und Lärm zu machen, sobald ein Mitglied der Opposition das Wort nahm. Sie hatten zwar kein Vertrauen zu Gründen und zur Vernunft, aber desto mehr zu ih.-en Fäusten. Die bloße Nachricht, daß die Opposition diese Konoalidierung en bloc nicht ohne Einspruch dulden würde, weil sie inhaltlich ein Skandal, der Form nach«ine Verletzung der Verfassung war, hatte die Faschisten in Wut versetzt. Als der Präsident M a t t e o t t i das Wort erteilt«, wurden von den Bänken der Rechten die ersten Aeußc- rungen des Hasses laut, ehe der sozialistische Abgeordnete auch nur ein Wort ausgesprochen hall«. Aus seinem Platz stehend, ein paar Blätter mit Notizen in der Hand, ließ Matteotti, in völliger Ruhe und Selbstsicherheft, die erste Schimpfwell« vorübergehen. Er hatte in vier Iahren parlamenta- rischen Kampfes, in denen ihm immer mehr die Führerrolle zu- gefallen war, schon ganz anderes erlebt. Er gehörte zu jenen Willensmenschen, die bei aller Achtung der Doktrin sich doch nie dazu entschließen, den Geist dem Buchtaben zu opfern oder die Tat der Lehr«. Er verstand es, sich selbst und andere zu beherrschen. Er hatte der Regierung und der Kammermehrheit harte Wahrheften zu sägen und war fest entschlossen, sich bis zu Ende Gehör zu ver- schaffen. Ohne irgendeine Einleiwng ging er sofort auf den Kern der Sache. M a t t e o t t i: Es ist der Vorschlag gemach worden, die Wahlen der Mehrheit im Block für gültig zu erklären. Wir treten diesem Dorschlag entgegen... Ein« Stimme: Das ist«ine Provokation! Matteotti:... denn wenn die Regierungsmajorität auch nominell vier Millionen Stimmen erhalt«» hat, so wissen wir, daß dieses Resultat durch ungeheuerliche Gewalt erziell wurde... Mehr bedurfte es nich, um die Rechte völlig außer sich zu bringen. Di« Faschisten streckten dem Redner ihre Fäuste entgegen. Aus dem Halbkreis zwischen den Bänken versucht« man, sich auf den Wortführer der Sozialisten zu stürzen. Mussolini saß cun Ministertisch mit düsterer Miene, ohne ein« Geste, ohne ein Wort, der wüsten Szene zuschauend. Matteotti: Nach einer ausdrücklichen Erklärung des Führers des Faschismus hat die Regierung das Ergebnis der Wahlen von vornherein nicht als für ihr Schicksal entscheidend angesehen. Sie wäre geblieben, auch wenn sie als Minderheit aus den Urnen hervorgegangen wäre... Farinacci: Ihr konntet ja die Revolution machen! Starace: Jawohl, wir haben die Regierung und wir be- halten sie! Jetzt brüllt die ganze Rechte gleichzeitig. Eine Stimme kläfft: „Wir werden euch durch Schüsse in den Rücken lehren, uns Respekt zu zeigen." „Feige Bande," murmell einer... Völlig Herr seiner selbst, läßt Matteotti die Leute sich austoben, ohne sich auch nur die Mühe zu geben, den Zwischenrufern zu an:- worten. Matteotti: Um diese Absicht der Regierung zu stützen, gibt es«ine bewaffnete Miliz... Stimmen von rechts: Hoch die Miliz! M a t t e o t t i:... die weder im Dienste des Staates steht noch in dem des Landes, sondern im Dienste einer Partei... T« r r u z z i: Genug, genug! Die Rechte klappert mit den Deckeln ihrer Schließfächer. Während mehrerer Minuten gelingt es dem Redner nicht, sich Gehör zu vor. schaffen...----(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. Die stattlichste Quelle Europas. Di« stattlichst« Quelle Europas hat zweifellos die wenig bekannte Rume, die ein Zufluß der Leine ist. Schätzungsweise liefert sie pro Tag durchschnittlich Zftl) Millionen Liter ungewöhnlich klaren Wassers. Sie ist unter dem Namen„Rumesprung" bekannt und liegt nördlich von Duderstadt bei dem Dorf Rumspringe auf dem Untereichsfelde. Dort bildet sie einen Teich von fünf bis sünszxhn Meter Tiefe und sünfunddreißig Meter Länge und Breite. Das Wasser steigt stoß- weise, aber geräuschlos vom Grund auf und erzeugt an der Ober- fläche eine Welle, die gleichmäßig nach allen Sellen verläuft. Es ist ein wundervoller Anblick, wenn man das Wasser aus dem reichlich mit Grün bewachsenen Ouellkefsel emporsteigen sieht und gewiß nicht übertrieben, wenn man den Rumesprung den schönsten.Quellen Europas zuzählt. Waldbäume im Blumentopf. Es dürft« nicht sehr bekannt sein, daß man Eiche», Kastanien. .Cedern und Fichten bis zu ihrem fünfzigsten Lebensjahr unbeschadet in Blumentöpfen wachsen lassen kann. Bei richtiger Behandlung erreichen die Bäume eine Höhe von einem Viertel- bis zu einem halben Meter und geben einen wunderschönen Zimmerschmuck ob. Der Chinese nennt sie Zwergbäumchen und pflanzt sie, wenn sie noch ganz jung sind, in Töpfe, die mll guter, feuchter Erde gefüllt wurden. Zuvor schneidet er ihnen ober noch die Pfahlwurzel ab. Wächst«in Zwergbaum dann zu schnell, so werden ihm in der Erde wiederum einige Wurzeln gekürzt. Die Blätter'des Bäumchens werden dann von Jahr zu Jahr immer kleiner und behalten schließlich eine Miniaturgrqße bei. Montag, 2. Dezember. Berlin. 16.05 Dr. Wolfemg Pohl: Sozialpolitische Umschau. 16,30 Uaterhaltunzsmusik. 17.30 Naturwissenschaftcii.(Am Mikrophon: Prof, lt. Reichenba 18.00 Gerhard Ncumann: Das neue Geschlecht., 18,26 Victor Schiff: Staatsmänner auf internationalen Konferenzen. 18.50 Unterhaltungsmusik. Anschließcud Unterhaltungsmusik. 22.30 Funk-Tanruntenicht, AnschlieBend bis 0.30 TanrmusHü Während einer Pause Bildfunk. Khaigswusterhansen. IfM Englisch. 17.30 Dr. Rudolf Felder: Die Musik im Aberglauben der Volker. 18.00 Prof. Dr. Kurt Krause; Blumen in, Schnee. 18.30 Englisch für Anfänger. ISJB Prlv.-Dozent Dr. v. Falcfc: RentabiiitStsfragen der Rlndviehhaltang. 19.20 Zimmermeister Eckhardt: Bearbeitung und Bearbeitungsfähigkeit des Hoites. 20.00 Minister a. D. Dr. Eduard David, M. d. R.: Politik als Kunst. 20.30 Von Breslau: Heitere Abendmusik. 21.30 ErziWung von Alfred Mohrherm,(Gelesen Tora Autor.) Das anstößige Motorrad. Der Bischof von Trolles, Monsignore Crepin, hat fetzt den Geist- lichen seiner Diözöse, zu der vorübergehend auch Paris gehört, die Benutzung von Motorrädern verboten. Er begründet das damit, daß die Priester beim gewöhnlichen Zwcirad Damenräder benutzen könnten, beim Motorrad aber die Sutane heraufgestreift werde und dadurch die Fußknöchel sichtbar würden. Dies hält er für nicht vereinbor mit der Würde des Priesterstandes. Ein Hirsch greift Autos an, Ist ein Iagdbesitzer für die Schäden verantworttich, die von seinem Wild verursacht werden? Diese Frage erhebt sich bei einem sonderbaren Prozeß, der vor den französischen Gerichten verhandelt werden wird. Ein Hirsch im W a ld e von Compiegne hatte es augenscheinlich auf Kraftwagen abgesehen und griff innerhalb von einigen Stunden zwei Wagen an, an denen er Schäd.'.!) im Werte von 5000 Franken verursachte. Die Autobesitzer wandten sich an den Eigentümer der Jagd, den Baron von Rothschild, und forderten Schadenersatz. Rothschild hat dieses Ansinnen abgelehnt, und so werden nun die Gerichte entscheiden müssen. Pflichttreue eines Arztes. Während einer Operation zog sich der Arzt Dupagne aus?tamur eine Verletzung zu, die ihn vor die Alternative stellte, entweder unter Preisgebung des Patienten die Operation zu unterbrechen oder aber das eigene Leben aufs Spiel zu setzen. In Erfüllung seiner Berufs- pflicht zog er das Erftere vor und ist nunmehr d«r zugezogenen Injektion erlegen. Die Stadt Namur will dem Arzt nunmehr ein Denkmal setzen. Die Löwen-Amme. Die Löwin Silvia, der Stolz des Warschauer Zolllogischen Gartens, schenkt« kürzlich drei prächtigen jungen Löwen das Leben. Aber da sie keine Milch hatte, so drohte dem Wurf der Tod des Verhungerns, und alle Versuche, sie künsllich zu ernähren, schlugen fehl, denn die Löwenjungen wollten keine Flasche und kein« Kuhmilch nehmen.� Da kam Hilfe von der Gattin eines bekannten Warschauer Arztes, Frau Pulawska, die sich bereit erklärte, außer ihrem Säug- ling auch noch die Löwenjungen an die Brust zu nehmen. Sie nährte sie einige Tage und rettete ihnen dadurch das Leben. Der witzige Zensor. Mitunter soll es früher auch sehr humorvolle Zensoren gegeben haben, aber man weiß sehr wenig davon. Zu den besten einwand- freien Witzen, die sich eine.chohc, wohlweise Zensurbehörde" leistete, gehört wohl jener, den sie sich mit dem nicht gerade unbekannten Professor Bcngel erlaubte. Dieser Gelehrte war in dem Wahn be- sangen, daß die Well im Jahre 1836 untergehen würde und schrieb darüber eine ausführliche Broschüre Zu End« de« Jahres 1834 reichte er sein Manuskript deE Zensurbehörde pflichtgemäß ein und bat um schnelle Erteilung der Druckerlaubnis. Nach einigen Wochen erhielt der Gelehrte dann auch seine Arbeit zurück mit dem amtlichen Vermerk:„Kann gedruckt werden, ober erst im Jahre 1837.-
Der Sonntag der Schwimmfeste! „Hellas" und„Spandau" in Berlin— Hannover im DreUStädte-Kampf. 3n vierzehn Monaten des Bestehens von 55 Mitgliedern auf 450 zu kommen, also sich zu vcrachtfachem, dürfte nicht vielen Vereinen gelingen. Dem„Arbeiter- Schwimmverein„hel- las" ist zu diesem Riesenerfolg zu gratulieren: zu gratulieren ist ihm auch zu dem Grad der technischen Ausbildung, mit dem er seine Mitglieder gestern beim internen S ch w i m m s e st in die Konkurrenzen schickte. Siebenhundert Zuschauer im Stodtbad Wedding, darunter den Bürgermeister, Stadträte und beamtet« Jugendpsleger des Bezirks: am Startplatz ein erwartungsvolles Völkchen alter und junger Wettkämpfer, statte Abwicklung eines Ricsenprogromms(die Schwimmer machen es nie unter 3� bis 4 Stunden Festdaucr!), spannungsreiche Wettkämpfe, äußerst interessante Wasserballspielt und schließlich eine Land-Wasser-Revue:„Des Schwimmers Traums ohne Kitsch erdacht und sehr natürlich gespielt: das war das Fest der chellenen. Es Hot doch etwas für sich, wenn«in junger Verein Zuwachs von guten Technikern und Kampfmonuschaften aus Dereinen erhält, in denen Berussrevolutionäre ihr Unwesen treiben. Einige Kampfmom«nte: In der Freistil-Eröfsinrngs- stafette gleich hervorragende Kampfmomente, Kopf an Kopf liegen die Schwimmer, gute'Ablösungen, Endergebnis nur mit Handschlag. Di« Erstschwimmer zeigten die gute Arbeit der Lehrer, doch war der Start für manchen verfrüht. Lustig anzuschauen der Eiser der Kleinen und Kleinsten. Wasserballspiele finden immer das Interesse aller; bei den Männern zeigte sich die rote Mannschaft als Weitschießer, während die Weißen dafür sehr gut kombinierten. Alles in allem ein Schwimmfest, das Gäste und Gastgeber gleichermaßen befriedigte.— Uebungsstunden des Vereins im Stadtbad Wedding. Gerichtstraße: jeden Montag von Iii Uhr bis 8lA Uhr, kleine Halle, nur für Mädchen, weibliche Jugend und Frauen: jeden Dienstag von 8?» Uhr bis 10 Uhr, große Halle, nur für männliche Jugend und Männer: jeden Freitag von ivj Uhr bis 8K Uhr, große Halle, für alle Abteilungen. ktttt»>I»a»-?«iyilstas«tt«. 10 mal zo Sfcict; 1. z. Mamncknkji ÜÄSL. 2. L. Mannsibaft 5dM.— elrfttchxn»»«». 50 Rkter.<0 flnabrn; I. f-abei Männlich» Inqrndbrnstschwimmen. ZOO 2Bcler. a> 14—16 Sahie-" ccwilti 1:35,4: 2. Srünuntr 1:37,2.— hl 16—18 Jahre: 1. ÖrttetrtiA 1-827- " i-ai«— on-ihürf....."??rrr,a, i. JZ, i. 50 Meter: 1.®oti: 0:43,2: 2. I HHI_____ Männer. chrstschwiinme», (Sttfd) 0:48,8.— Dchülerichwimmen. 3« Meter. „—, m ,:— oaiuH-namimmen, M nveter. al SnaJcii, JBnift: 1. Kuhnert 0:44,8: 2. Reichert 0:46,8.— b) Mädchen. beliebu,:!. Gabriel 0�2,8: 2. Seim- 0:54.8.-«atserballsniel. Z vral 7 Man. UrP' Minntcn. Männermannschaften: 1. Mannschaft= n-rinc Kappen', 2. Maimfifioft= rote Sappen. ReluUa: 8:4 für 1. Mannschaft. Sald-eit 5 2 rür 1. Mannichoit— Snaben.Trllertnuchen. 10 Zeller: 1. WandUe. 8 Teller m � oelunden: Z. VeeuS. 8 Teller tu 30 Sekunden: S. Deckert, 6 Teller in 20 Sekunden.— Paddeln der«lternrteae. 25 Meter Ions., 25 Meter sudwärt»- Tote» Rennen— �rmstUlchwimmen. 50 Reter. weiblich: 1. Supbal 0518 8- 2- Gctslcr 0:30.— Manner.Krustschwiwwer, SU. B, 100 Meter: 1. Söttbkc t:36: 5. Pannes 1:40.— Zvaend-zreistilschwüninen. männlich. ,1 50 Meter- 1 C: rw« A«QT•>• O C14 1.-___ i i. A— 1\„«is.w„.—.„.. 5 Minuten. Zugend.- 10:1. Salb, cht: 7:1 Schwimmfest In Spandau. Aach ein»Einjähriger"! Das gestrige bundesoffsneSchwimmfest der„Freien Schwimmer Spandau 192 8" gewann durch die damit ver- bundene Fahnenweihe eine ganz besondere Bedeutung sür den jungen Verein. In der traditionellen Wettkainpfhalle Radelandstraß- in Spandau ging der weihevolle Akt vor sich. Nach einem Wikommengruß des Vorsitzenden ergriff Stadtverordneter Lezin-ky zu der Weiheredc das Wort. Zunächst überbrachte der Redner die Grüße der Partei. Mit dem Wunsche, daß der junge Spandaucr Verein für die Zukunft ebenso erfolgreich wie im ersten Jahre seines Bestehens fein möge, cnlrollte Lezinsky das rote Dereinslianner und übergab es dem Vor- fitzenden. Nack) einem dreifachen„Frei»heil" wurde dann die Schwimmbahn für die Kämpfe freigegeben. Die erste Prograinmimmmer war«ine Crawlstaffel über ZO X 50 Meter für Männer und Jugend. Lichtenberg und Freiheit inußten distanziert werden. Dadurch rückt« Berlin 12 als Sieger mit 2: 48 an die erste und Kreuzberg an die zweite Stelle. Aus der nachfolgenden Frauenbrustftaffel über 4 X ZO Meter ging Berlin 12 abermals durch Distanzierung des Ersten(in diesem Fall mar es die Mannschaft Stettins) als Sieger in 30.30. 4 hervor. Zweiter wurde Spandau in 3.32.2. Besonders hart umstritten war dos Männerseitefchwimmen über 100 Meter, das in zwei Läufen ausgetragen wurde. Sieger wurde Melzer-Heidenau in l.20.1 vor Augustin-Berlin 12, der 1.23 benötigte. Besonderes Interesse fand wieder dos Springen. Fischer-Neutölln gewann mit 34% Punkten vor Sühring-Union(29% Punkt«) und Laiiib eck- Spandau(28 Punkte). Viel Heiterkeit erregt« das humoristische Springen von Dorrlich-Heidenau, der am Sprungbrette die verrücktesten Situationen ichuf. Derartige Einlagen werden zur Rachahnwng empfohlen. Sehr viel Anerkennung fand der von der Kreis-Frauenreigen-Mannschaft im Arbeiter-Turn- und Sportbund ausgeführte 12er Kunstreigen. Der Reigen fiel durch sein« Vielseitigkeit— zahlreiche neue und sehr schwierige Figuren wurden gezeigt— auf. Aenne Wolter führte wie immer das Kommando. Bei den W a s s« r b a l l sp!« l e n siegten: In der R-Klasse die Freien Schwimmer Spandau 1828 I über Freie Turner Heidenau mit 8:1(4: 1). Frei« Schwimmer 1928(Jugend) über Arbeiter- Wassersportoereinigu ng Stettin mit 4: 0 und schließlich nach einem sehr scharf geführten Kampf in der-Klasse Union gegen Spandau mit 5:3(2:2). Weitere ReluUate. LeaeAstafscl säe Männer über ZO z-b-e 4 mal 50 Meter «chlußt 2. Union 2:54,8 1. Spandau 2:50,6; Der Drci-Städtc-Kampf. Gestern begegneten sich in Hannover di« Männerauswahl- mannschafteil der Arbeiterschwimmer van Magdeburg. Hannovcrund Berlin. Erster- waren durch Altstadt. Neustadl und Fermersleben vertreten. Die besten Schwimmer der Lemestadt stellten„Aegier*.Linden" und„Freie Schwimmer". Die Reichs- Hauptstadt war wir durch die Freien Schwimmer Groß-Berlin ver- treten. Zwei Crawl-, zwei Brust- sowie«ine Doppellagenstafette und ein Wasserballspiel bildeten das Programm. Zwischen den ver» etnbarten Wettkämpfen wurden interne Konkurrenzen ausgetragen, die von den dortigen Vereinen besetzt wurden. Eine eifrige Propa- ganda brachte viele Zuschauer auf die Beine, die Zeugen interessanter Kämpfe wurden. Vormittags waren Ausscheidungen im Wnsscrballspiel uolwcndig geworden. Magdeburg spielt« gegen Berlin. Letzter« waren vom Schußpech verfolgt und mußten mit 2: 10(0:4) eine empfindliche Niederlage hinnehmen. Der Nachmittag wurde mit einer lOXöO- Meter- Crawl stafette eingeleitet. Nach wechselvoller Führung setzte sich Magdeburg an die Spitze und gewann in 5.13 vor Berlin mit 5.26.2, Hannover benötigte 5.30.3. In ganz überlegener Manier kamen die Magdeburger zu einem weiteren Erfolg in der 8X100- Meter-Lagenstasett«, die sie in 10.43.7 beendeten. Berlin folgte in 11.02.6 vor Hannover mit 11.13. Der schönste Kampf des Tages war unzweifelhaft die L r u st s ch w e l l st a s e t t e, die über 50, 100, 150, 200, 150, 100 und 50 Meter ging. Die längste Strecke brachte Berlin in Front. Dann hotten aber die beiden anderen Gegner mächtig auf, so daß zum Schluß alle drei Schwimmer gleich- zeitig wendeten. Berlin und Hannover trennten sich durch Hand- schlag. Die Kampfrichter waren verschiedener Ansicht, wer Sieger sei. Ein totes Rennen wäre die beste Lösung gewesen. Die Zeiten waren folgende: Berlin 12.23.2, Hannover 12.23.3, Magdeburg 12.24.4. Die große C ra w l sta s e t t"e führte über 50, 100, 150, 200, 150, 100, 50 Meter. Die Mannschaft der Elbestadt triumphierte auch hier wieder und gebrauchte 10.18.7. Zweiter wurde Hannover in 10.34.9, während Berlin 10.44 benötigte. Die 6X100-Meter- B r u st st a f« t t e war den Berlinern nicht zu nehmen. Gleich von Anfang an führten sie vor Magdeburg und Hannover. Erster Berlin in 8.52.5, Magdeburg 8.58.1, Hannover 9.10. Den B-Muß des Festes bildete dos Endspielim Wasser- ball zwischen Hannover und Magdeburg. Flott und hart wurde um den Sieg gerungen. Bei Halbzeit führte Hannover mit 4: 1. In der zweiten Hälfte machten sich doch die zahlreichen Starts der 'Magdeburger bemerkbar. Beide Torsteher glänzten durch gute Ab- wehr. Mit 8: 3 verließ Hannover als Sieger das Wasser.— z. Eishockey im Sportpalast. Berlin schlägt Wien 3: 0. Die diesjährige Eishockeysaison fand ein schönes Spiel bei dem Debüt des Wiener Eislauf-Vereins mit dem be- kannten kanadischen Spieler Watson und dem Auftreten der nor- wegischen jugendlichen Wellmeisterin Sonja Heine. Am Sonn- abend wie am Sonntag war die Ricsenhalle des Sportpalastes aus- oerkauft. Am Sonnabend spielte zuerst der Wiener Eislauf-Verein gegen eine Berliner Auswohlmannschaft. Die Gäste waren hoch überlegen, Watson schoß dreimal erfolgreich. 6:1 für Wien lautete das Resultat. Im zweiten Eishockeykampf setzt« der Berliner Schlittschuhklub seine Erfolgserie fort, indem «r der tschechoslowakischen Auswahlmannschaft mit 2: 0 das Nach- sehen gab. Am Sonntag waren die Tschechen stets tonangebend und ließen den Brandenburgern selten eine Chance. Der beste Mann auf der Siegerseite war Malecek, der allein achtmal die Scheibe ins gegnerische Tor jagte. Das Hauptspial des Berliner Schlitt- jchuhklubs gegen den Wiener Eislauf-Derein brachte außerordentlich spannend« Momente. Di« Wiener legten von Anfang an«in schnelles Tempo vor, dem die Berliner jedoch mühelos zu folgen oermochten. Das erste Tor für Berlin kam im zweiten Drittel unter dem donnernden Applaus des Hauses zustand«, als Holsboer bei einem Gedränge die Scheibe einschob. Die Gäste bemühten sich vergeblich um den Ausgleich. Im letzten Abschnitt erhöhte Herbert Brück zunächst auf 2:0 und Jänecke stellte dann durch ein weiteres Tor, das auf eine Kombination mit Holsboer und Brück zustande kam, den Endsieg sicher. Die Kämpfe im Ständigen Ring. Auch der letzte Kampfabetid des„St ä n d i g« n Boxringes", die 63. Veranstaltung, stand wieder im Zeichen schöner Kämpf«. Der Besuch war sehr gut. Mit einem Qualifirationskampf im Mittel- gewicht zwischen Georg Gibstadt(69) und Rudi Bei er, Mühl- haiksen t. Thür.(68), der unentschieden endete, wurde der Abend eingeleitet. Rudi B e g u h n- Berlin(66) und Hans Kruse- Homburg(64,5) trennten sich nach 6 Runden gleichfalls unentschieden. Einen unerwarteten Ausgang nahm der Kampf zwischen Gustav E d e r- Dortnnund(66,3) und Charlie T o nn c r, England,(66). Eder mußte in der fünften Runde wegen eines groben Verstoßes disqualifiziert werden. Der Ringrichter lzatte den Kampf gestoppt, um den Engländer zu ermahnen, nicht ständig so tief zu schlagen. Roch bevor der Ringrichter das Zeichen zum Weiterkämpfen gab, landete Eder genau, und Tonner ging über die Zeit zu Boden. Ein großer Proteststurm brach aus, der sich erst wieder legte, als die Disqualifikation des Dortmunders verkündet wurde. Max S t ib ins ki- Bochum(71,7) schlug L a u e r- Saarbrücken(68,5) nach harten Runden nach Punkten.' Schließlich trennten sich im Schlußtressen Walter H e i n i s ch- Mühlhousen i. Thür.(60,7) und Paul C z i r s o n- Berlin(61,5) unentschieden. Czirson überraschte wider Erwarten von der angenehmen Seite. Berlin— Göteborg 3:2. Auf dem Preußenplatz in Tempelhof kam gestern der crstq Fußball st ädteka m pf vor etwa 25 000 Zuschauern zum Aus» trag. Aus dem Treffen ging Berlin als knapper Sieger mit 3»2 (1: 1) Toren hervor. Ardeiter-Schach! Die Abteilung Humboldthnin der Freien Arbeiter-Schach» Vereinigung Groß-Berlin veranstaltet am 3. Dezember cmeit Vortragsabend iiber„Endspiele", Referent: Schachfreund Wolfs. Am 10. Dezember folgt ein Vortrag von Schochfreund Ho-> mann„Die spanische Partie". Beide Vorträge beginnen um 20 Uhr und werden am Demonstrationsbrett wirkungsvoll erläutert. Spiele lokal Brunnenstraße 79 bei Döhling. Gäste willkommen. Zutritt /fre?« Sportkarkell Eharlollenburg". Die Arbeitersamariterkolo!Uic„ Abteilung Charlottenburg, veranstaltet Donnerstag, 5. Dezember 20 Uhr, im„Deutschen Krantenkassenhaus", Berliner Straße 137« einen Lichtbildervortrag über Gewerbehygienc:'Referent Dr.'Meyer-Brodnitz. Neben den Arbeiiersportlern find alle Partei» und G ewe rkscha ftsn i! tgi ieder eingeladen. Atcic Schwimmer S&atloticnlmifl. Der Qcmnditc Clior übt jeben Dlens» Ion um 20 Uhr, Teaeler ffica!>7, bci Sirbct. Der Thor soll zur VerschönernnK der Berrinsneranstaltunaen beitrancn. Tennis-Rot Groh Berlin. Menstaa, 3. Drzenrber, 20 Uhr, gunltlonär» konteren, im.Werneuchener Cchloh". Borstandsühun« fällt aus. Abt. Feiep» r ich» Hain. Zrritaq. 6. Dr,rmber, 20 Uhr, Abtetluiiasvcrsanimlitna im„Wen- nenchener Sdbloft". Abt. Lichten bera. Donnerstag. 5. De,ember, 20 Uhr. Ski» icilunnsnerfoimnlunti bei Weqener, IZrankfurter Allee 236. Arbeiter-Tennis- und Kotten Beretnitmntt. Mittwoch. 4. Deiember, 20 Uhr» Lertretersthunä aller Mannschaften bei Weoener, Zränifurter Allee 236. Zreie Ruberer und Aanttsahrer, 1. Streis. Techuilersihmt« heute, Monlaa, 1!» Uhr. L-lubhaus, Qhmstraös. Kortra-i:„Uober Bootsboii". äteie Ruberer und Sanusahrer, 1. ftcetc. Mittwoch. 4. Deieniber, 20 Uhr, in Weeners Vereinshaus. Trankfurter Allee 236. SpartettatWchuhtthuttfl. Arbeiter.Rab und Ztrofttahree.Bunb.Solidarität", Abt. Tdarlattenburq. Mittwoch. 4..De,ember, 1 D_■ Uhr. Vortiaa bei Reimer. Wilmersdorfer Etr. 21. „Die Sroh-Berlinec Verkehrsorbmiup." Referent: Voliaethoupfniomt Zoos. Die Veriamiirluna her Motorsahrer fällt am 5. Deirmber an», dafür Betelli- «uua am Vortrag. Arbeiter-Hockey und-Handball. Im Hockey-Hauptkampf des Tages Freie Turnerschafl Groß-Berlin. Ostring I— A th l e t i k-S p o rt- Clu b l langte es zu einem knappen 3:2- Sieg für Ostring I. Das Spiel wurde vom ASE. hoffnungsvoll eröffnet. Im schnellen Tempo bedrängt der Sport-Club des Gegners Tor, ober nur ein Tor blieb die mager« Ausbeute der ersten Spiechalfte. Verteidigung und Läufer ularen gut und besonders der Mittel- und der rechte Läufer gaben ihrem Sturm geschickt ausgebaut« Vorlagen. Aber schon vor der Pause konnte der Sturm nicht ganz befriedigen. Der Zusammenhang ist noch zu locker. Rechtsaußen paßt, abgesehen von seiner Schnellig- keit noch nicht ganz hinein. Ostring- dagegen hatte in seiner Läufer. reih« vor der Pause den schwächsten Teil der Mannschaft. Resultat bei Paus«: 1:0 für den Club. Roch dem Wechsel veränderte sich nach den ersten 10 Minuten das Kampfbild vollkommen. Oft- rings Läufer finden sich weit besser zusammen. Die Angriffswellen werden häufiger und bester. Bald ist nicht nur der Ausgleich da, fandern zwei wettere Tore vorgelegt. Ostrings zeitweilige Ueber- legenheit tritt klar hervor, dank der bester spielenden Läuferreihe. Im Gesamtergebnis ist Ostring noch nicht stocksicher genug, auch fehlt es am genauen Paßfpiel, uni für die Dauer das Feld zu bc- herrschen. Sa gelingt es dem ASC. gegen Schluß, sich van der Umklammerung freizumachen und mit einem schönen Kcrnschuß ein Tor auszuholen. Aber nun langte die Zeit nicht mehr aus, um Verlorenes gut zu machen. Mit 3: 2 trennten sich die Ortsrivalen, etwas glücklich für den Sieger Oftring. Der Bezirk Mariendors der Freien Turner- s ch a s t Groß-Berlin siegte unverdient hoch 8: 1 über Tennis. Rot I. Unverdient insofern, als der Erfatz-Torwächter von Tennis- Rot in keiner Weife seiner Ausgaste gerecht wurde. Es ist«in un« glückliches Verhängnis dieser jungen hoffnungsvollen Tennismann- fchaft, immer an einem Punkte krank zu sein. Hier kann vielleicht nur ein« schmerzvolle Verjüngungsoperation helfen. Die restlichen 10 Mann spielten weit schwungvoller als sonst. Erfrischend war ihre Zähigkeit, es den Gegnern gleichzutm«. Aber noch fehlt vieles. Immerhin ist e'me erfreuliche Wendung eingetreten, die die Tennis- Mannschaft vorwärts bringen wird. Die Mariendorfer waren die technisch Bßstercn, sehr stocksicher und schnell. Aber die vier Tore vor der Pause waren das Ergebnis eines guten Einzelspielers. Da4 gibt Bedenken! Nicht der Tor- erfolg allein, sondern der ganze Mannschastskampf soll entscheiden. So gut sich Mariendors schon dünkt, eins fehlt noch ganz: System im Spielaufbau, kurzes Paß- und Zusammenspiel. Im übrigen zeichnete sich das Spiel durch Tempo und großer Fairneß aus. Die beiden Mannschaften FTGB.— Rordring trennten sich 2: 2 für die erste, indem sich die Unterlegenen durch ein straff durchge- führtes Deckungs- und Verteidigungsspiel glücklich aus der Affäre spielen konnten, wo sie nichts zu erhoffen hatten. In der Gruppe B siegte die führende Mannschaft des Bezirkes Neukölln I der Freien Turnerfchafi Groß-Berlin 2: 0 über den Bezirk Pankow l. Der Achletik-Sport-Club II und Nordring III trennten sich 5:2. Ost- ring III— Athletik-Sport-Club III 3:0. Tennis-Rot—'Neukölln II 2i2. Im Frauenspiel siegte Ostring Lbzr Tennis-Rot 3:2, Die Handballspiele. Reinickendorf gegen Nordring 4: 1. FTGB.-Reinickendorf-West und FTGB.-Nordring standen sich im fälligen Handball-Serienspiel gegenüber. Reinicken- darf war in der ersten Viertelstunde im Vorteil, konnte aber wenig ausrichten. Aus dem Gedränge heraus gelang es Nordring, nach sieben Minuten das erste Tor zu schießen, wobei der Torhüter seine Pflicht nicht voll tot. Zwei Minuten später gelang Reinickendorf ein schneller Durchbruch, und der Mittelstürmer konnte den Ausgleich herbeiführen. Bis zur Pause ging das Spiel lebhaft hin und her, es fanden wechselseitige Torbesuche statt, aber der Erfolg blieb aus. Kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit gelang es Nordring, «inen Freiwurf In das zweit- Tor zu verwandeln. Reinickendorf, im Vorteil befindlich, war in der Ballbehandlung zu langsam: die Nordringer waren viel schneller und lebhafter am Ball und konnten dadurch recht oft vordringen. Allerdings war reichlich viel Ueber- tombination zu sehen. Halbrechts konnte oft das Tor nicht finden und schoß viel daneben. Sieben Minuten vor Schluß konnte Halb- rechts endlich sicher schießen und zum dritten Tor«insenden, dem eine Minute später das vierte Tor folgte. Der Torhüter half dabei sogar etwas mit. Endlich tonnte auch Reinickendorfs Rechtsaußen einen scharfen Schuß anbringen, den der Nordring-Torhüter, trotz Berührung mit den Händen, unter der Latte durchlassen mußte.— Freie Faltbootfahrcr 1. Männer gewann gegen Freie Schwimmer Charlottenburg 2 mit 2:1(1:1). Acht Handballspiele, bestehend aurs Börfei»- und Serienspielen, führten gester»«in buntes Häuflein bundestreuer Arbeiterfportler auf dem Dominicusplat; in Schöneberg zusammen. Bei den Frauen trafen sich am Vormittag Schöneberg 1 und 2. Durch schlechtes Zusammenspiel der zweiten Mannschaft kam die durchschlogkräftigere erst« Mannschaft zu einem ziemlich hohen Sieg von 6:0. Am Nachmittag mußte sich Schöneberg 2 abermals von Wedding 2 mit 6: 0 geschlagen bekennen. Weding 1, schon körpcr- lich überlegen, konnte Schöneberg 1 infolge guten Schußvermögcns mit 8:0 abfertigen. Luckenwalde 1 mußte von der technisch besseren Südmannschaft eine 5:0-Nied«rlage hinnehmen. In der Klasse der Jugend bestand Schönberg 2 seine Feuerprobe. Nach ausgeglichenem Spiel verloren sie gegen Neukölln 2 ganz knapp mit 1:0. Wedding 1 spielle gegen Schöneborg 1. Letztere(mehrere Leute fehlten) konnten gegen die spielstarken Weddinger nicht auf- kommen und verloren außergewöhnlich hoch. Resultat 13: 0. In der Männerklosse trafen zuerst Schöneberg 2 und Älausdorf 2 zusammen. Nachdem Klausdorf mit 2:0 führte, raffte sich Schöneberg mächtig zusammen, so daß sie mit 5:2 als Siegor den Platz ver- lasten konnten. Deinn stellten sich Schöneberg 1 und Klausdorf 1 dem Schiedsrichter. Schönebsrg in Schnelligkeit und Torschuß überlegen, konnte elf Tore für sich buchen, denen Klausdon nur zwei entgegenzusetzen vermochte.
(übt es noch Verbrechcrlokalc? Ein Spaziergang und eine Enttäuschung. Der Wettere Bürger erschrickt ein wenig. Aus einem der ruhigen Vororte kam er mit dem Autobus in den hohen Norden, stieg am Alexanderplatz aus und schlendert nun gemächlich die belebten Straßen hin, kommt durch die Dragoner st raße, Kanonier- straße, Grenadier st raße und wie sie alle heißen, hat Be- gegnungen mit seltsamen Mädchen, wird von betrunkenen Männern angerempelt. Durch halboffene Türen hört er die Weisen eines elektrische» Klaviers und wüste, lärmende Stimmen, in denen der Alkohol brennt. Steht er vor einem Verbrecherlokal? Die Kneipe macht wirklich keinen vertrauenerweckenden Eindruck. Ob er da mal hineingeht? Der biedere Bürgen zaudert. Cr ist in jener Gegend, von der er soviel gehört hat, von Verbrecherlokalen und Lasterhöhlen, von Mord und Totschlag. In der Provinz hat man sich über dieses Nachigebiet der Großstadt, wie über so vieles andere auch, meist eine ganz irrige Ansicht gebildet. Vielleicht sind die Filme, schlechte Filme daran schuld. Der biedere Bürger wird jedenfalls am nächsten Morgen gestehen müssen, daß er sich das eigentlich ganz anders, viel gefährlicher, viel romantischer vorgestellt hat. Wenn er hübsch ruhig seinen Weg ge- gangen ist, hübsch ruhig seine Mollen getrunken hat, dürfte er auch in der dunkelsten Kneipe nichts außerordentliches gesunden haben. Was er gesehen, war ja dürftigste Kulisse mit hannlosen Statisten. Das könnte er mit gewisser Einschränkung auch in jeder Kneipe des flachen Landes finden. An rohen Holztischen bei der achten Molle sitzen da Männer mit dickem, rotem oder blassem, magerem Gesicht. Mütze darüber. Man kann mit ihnen plaudern, sie beißen nicht. Sie haben wohl merkwürdige Berufe, von denen ein biederer Bürger nichts versteht. So sind auch ihre Gespräche teilweise unverständlich �ür den anderen und manche Worte fallen wie grobe Schläge ins Genick. Sie sprechen von Mädchen, von der Polizei. Sie witzeln über Sklareks und andere Geschichten und denken verschmitzt lächelnd: Wir sind eigentlich ehrlicher. Hin und wieder mal kommt es an einem der Tische zu einer lebhafteren Unterhaltung, zu einer Hand- qreiflichen Auseinandersetzung, sonst aber geht das elektrische Klavier sriodlich von früh bis wieder srüh und Mädchen kommen und ver- schwinden mit zahlkrästigen Kunden. Vielleicht geht hier über manche Männer mit Ballonmützen der Geist kommender Straftaten, aber von eigentlichen Derbrecherlokalen kann man nicht sprechen. Früher war dos allerdings anders. Da waren gewisse Lokale tatsächlich nur Schlupfwinkel dunkler Element«. Da hätte der Besucher auch noch etwas erleben können. Jetzt hat die Polizei längst aufgeräumt. Wenn sie heute noch solche 'Treffpunkte der schweren Jungen und der leichten Mädchen duldet, so Hot sie dafür sehr einleuchtende Gründe. Aus der Menge Harm- loser und weniger harmloser Stammgäste findet sie ihre Lieblinge heraus, trifft sie entlaufene Fürsorgezöglinge wieder, entwichene Strafgefangene, die einen neuen Kompagnon suchen. Hier erfährt sie auch von den„Dingern, die wieder gedreht werden sollen". Der Wirt oder Boost, wie er auch genannt wird, sieht den Kriminaler gleichgültig kommen und gehen, er muß Freundschaft mit beiden Parteien halten, er ist auf beide Kategorien angewiesen. Als eine polizeiliche Verordnung alle Kaschemmen hinwegfegt«, halfen sich die betroffenen Booste, indem sie sogenannte Früh- betrieb« ausmachten. Lokale, die erst öffnen, wenn die anderen Gaststätten zur Polizeistunde schließen. Solche Frühbetriebe gibt es heute noch in allen Stadtteilen, vornehmlich am Oranienburger Tor, in der Friedrichstraße, um nur einige zu nennen: Cafe Roland, Tafe Sixtus usw. Aber auch im Westen findet man sie, hier haben sie sich ihrer Umgebung angepaßt. Diese Frühbetriebe sind der Tummelplatz Übernächtigter, nicht immer einwandsfreier Individuen. Die Polizei hat, wie gesagt, ihre guten Gründe, wenn sie diese Stätten duldet. Hier kann manch guter Fang gemacht werden, und wenn der bieder« Bürger Glück hat, kann er bei seinem ersten und einzigen Ausslug in diese unterirdische Welt vielleicht eine Razzia erleben. Um vier Uhr morgens ertönt hier in muffiger Lust der neueste Schlager und bei Kaffee und Kognak sitzt eine bunt zu- sammengewürselte Gesellschaft, aus der der offizielle Rausschmeißer diesen und jenen Krakeeler an di« frische Lust befördert. Hier vergewissert sich der biedere Bürger noch einmal, ob er seinen Schlagring nach bei sich trägt. Hier sitzt er etwas enttäuscht und schon recht schläfrig, weil er diese Exkursionen nicht gewöhnt ist, wahrscheinlich auch neben einem„gutgrkleideten Herrn", der ihn von Zeit zu Zeit, wenn es der biedere Bürger nicht merkt, vor- sichtig abschätzt: Wie komme ich zu deiner Brieftasche? Vielleicht kam: der biedere Bürger doch noch etwas erleben, aber das merkt er dann erst daheim oder beim Zahlen... 260000 Mark Vereinsgelder verweiiei Niestnunterfchlagungen beim Strausberger?iennverein. Die Riesenunlerschlagungen beim Strausberger Renn- verein in höhe von 230 000 Mark gelangten heute vor dem Großen Schöffengericht Berlin-Mitte unter Vorsitz von Amls- gcrichtsrat hennig zur gerichtlichen Aburteilung. Der Prozeß wird aber voraussichtlich wegen feines llmfanges mehrere Tage dauern und erst am Freitag beendet werden können. ' da wahrscheinlich in der Zwischenzeit mehrere erkrankte i' Zeugen in ihrer Wohnung vernommen werden müssen. '' Di« Anklage richtet sich gegen de» 1880 geborenen früheren Sekretär des Strausberger Rennoereins, August Häutmann, und den RennstaPbesitzer Gustav C r a m e r. Häutmann wird beschuldigt der Untreue und schweren Urkunden- f ä l s ch u n g, Cr.iiner der Anstiftung Häutmanns zu diesem Ber- brechen, sowie in einem besonderen Falle des Betruges gegenüber dem Vorstandsmitglied des Rennvereins Freiherrn v. Reitzenstein. Häutnumn, der sich in Untersuchungshaft besiudel, ivar seit 1923 Sekretär beim Strausderger Rennverein E. B. mit einem Jahres- geholt von 8WU M. Er zeichnete sur den Rennverein mit:„Das ■ Sekretariat Häutmann" oder„Der Borstand, im Auftrage Haut- mann". Bei der Berliner Stadtbank hatte er ein Konto einrichten lassen, lieber das Zustandekommen dieses Kontos, insbesondere über die Ermächtigung Häutmanns dazu hat die Anklage keine Klar- - heit schaffen können. Jedenfalls waren bis zum Herbst 1027 die Geschäfte mit der Studtbank und in der Kasse des Rennoerelns ordnungsmäßig abgewickelt worden. Im Herbst 1027 trat Häut- mann in die für ihn verhängnisvolle nähere Beziehung zu dem Rennstallbesitzer(immer. Beide begannen auf gemeinsame Rech- ming zu wetten. Als das Häutmann zur Verfügung stehende Geld verloren war, nahm er fortlaufei.d Gelder aus der Kasse des Vereins und verwendete auch für die Wetten die eingehenden Ein- nahmen des Vereins. Mit Sclzecks hob er von dem Konto des Vereins bei der Stadtbank Gelder ab. Nach außen hin trat Häutmann immer als Wetter auf, da Cramer in seiner Eigenschaft als R e n n st a l l b e s i tz e r nicht in die Oeffentlichkeit treten durste. Einen Teil der Gelder soll Crainer auch zur Einlösung von Wechseln und für persönliche Zwecke er- halten haben. Durch falsche Eintragungen verstand es Häutmann, feine Veruntreuungen zu verschleiern. Erst bei einer Revision 1928 stellte sich heraus, daß die B a n k a u s z ü g e g e f ü l f ch t waren. Der Fehlbetrag war inzwischen aus 230 000 771. angewachsen. Der Angel tagte Häutmann ist geständig. (Schuldlos am Tode der Muiier. Sine haltlose Anklage. |f' Am Sonntag, dem 4. August, fuhr der 23jährige Kaufmann S. auf seinem Motorrad spazieren: hinter ihm, aus dem Sozius- fitz, feine M u t t e r. Die Ehauffee zwischen Schildow und Mänchs- , mühle war stark von Autos befahren: die Uhr zeigte'A22, alles kehrte nach Berlin zurück. Das Motorrad kam v o ü Berlin. Die Mutter fühlte sich sicher und geborgen: der Z3jähnge Hans wgr ihr Lieblingsfohu, stets ruhig und besonnen. Trotzdem passierte das Unglück. Ein daherfaufendes Auto blendete sein starkes Licht nicht ab: Hans war im Nu geblendet, dann versank für ihn alles in tiefes Dunkel. Im nächsten Augenblick stieß er an etwas Hartes, die Mutter flog über ihn hinweg, er und das Motorrad kamen zu Fall. Die Mutter blieb mit einem schweren Oberschenkelbruch liegen: das Motorrad hatte einen jungen Burschen angefahren. Die Schwerverletzte kam ins Krankenhaus. Drei Wochen später wurde sie operiert. Nach drei weiteren Wochen schien die Wunde fast geheilt: plötzlich war die Mutter tot. Ein Blutrinnsel- chen hatte sich in der Lunge festgesetzt und eine Embolie ver- u r s a ch t. Der medizinische Sachverständige erklärte bei der Ber- Handlung vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte: Der Schenkelbruch war die Folge des Zusammenstoßes zwischen Motorrad und Fußgänger, die Operation durch den Bruch not- wendig geworden, die Embolie die unvarhergesehende Folge der Operation Zwischen Zusanunenstoß und Tod besteht a7so ein ur- sächlicher Zpsammeuhauq. Und der Staateantvalt incinle: Der Ztisatiinienstoß w.-.r fahrlässig herbeigeführt, folglich trifft d:n jungen Menstheu.ein jahrlMgos Berjchuiixra am Schenkelbruch der Mutter, somit auch an deren Tod, der durch die Embolie als Folge der notwendig gewordenen Operation verursacht wurde. Er hat sich also der fahrlöffigen Tötung der Mutter schuldig gemacht. Man merkte dein jungen Menschen vor Gericht wohl an, wie nahe ihm der Tod der Mutter ging. Noch stärker traf ihn der Bor- wurf, er Hobe ihn fahrlässig verschuldet. Das Gericht sprach den jungen Menschen frei. Es treffe ihn, sagte das Ur- teil, in keiner Weife irgend ein Verschulden: er hatte die Fahrt verlangsamt und war von dem Licht des Autos geblendet worden. Zwischen Paragraph und Leben klafft mitunter ein Abgrund. Eine vernünftige Rechtsprechung versucht die Kluft zu überbrücken. Die Staatsanwaltschaft sollte von Antlageeihsbungon in solchen Fällen, die für den Betroffenen wohl am traurigsten sind, absehen Fortschritte des„Sturmvogel". Der„Sturmvogel", Flugverband der Werktätigen e. V.", hat, wie wir hören, nunmehr außer den bereits in Betrieb befind- lichen fünf Kabineitflugzeugeit auch zwei Sport- und Schulflugzeuge in feinen Dienst gestellt. Nachdem bisher vorwiegend Rund- und Werbeflüge veranstaltet wurden, fall nunmehr als weiterer Tätig- keitszweig auch der praktisch« Schulbetrieb am Doppelsteuer auf- genommen werden.— Die Mitgiiederzahlen sind in stetem An- wachsen begriffen. In Groß-Berlin allein sind bisher 14 Bezirks- grnppen mit mehreren taufend Mitgliedern gebildet. 2luch im Reiche fällt die Werbearbeit auf fruchtbaren Boden. So wurde in der ver- gangenen Woche im Beisein der Vertreter sämtlicher ortsansässigen Gewerkschaften, Sport- und Knlrnrverbände der Werktätigen unter allseitiger Zustimmung eine Ortsgruppe München gebildet. deren Borstand sich ans den Vertretern der Arbeiterverbände, der Stadt sowie der Lnftfahrtpraktiker zusammensetzt. Damit sind bisher außerhalb Berlins 2 6 Sturmvogel-Ortsgruppen in ollen Teilen des Reiches«ntstandeii, weitere werden folgen. Wir weifen in diesem Zusammenhang darauf hin, daß D i e n s. tag, 3. De z e m b e r, 20 Uhr, im großen Saal des Ge- werkschaftshaufes, eine öffentliche Werbekundgebung des Slnrntvogel stattfindet. Der Vorsitzende Walter Binder spricht über das Thema: Was bedeutet die Luftfahrt für die werttätige Be- völkerung? Anschließend Lichtbildervorführungen sowie kostenfreie Berlosung von Freifliigen und Luftreisen. Eintritt frei. Herr von Schreck und sein Scheck. Oer Schrecken der Geschästsleute. Seit einiger Zeit tauchten in verschiedenen Geschäftelt Schecks auf, die v o tu R e i ch s p« t e n t am t ausgestellt fein sollten. Ein Herr, der sich„von der M a r w i tz- A ß m u n d s e n" nannte, kaufte z. B. in einem vornehmen Schneidergeschäft einen Anzug für 200 Mark. Wenn es ans Bezahlen ging, entdeckte er plötzlich, daß fein bares Geld nicht ausreichte. Er wußte aber Rat. Er legte dem Geschäftsinhaber einen durchaus amtlich und echt aus- sehenden Einschreibebrief des Reichspalentanits vor. in dem ihm mitgeteilt wurde, daß inait inliegend einen Barscheck über 420 Mark überweise. Auch der Barscheck schien ganz in Ordnung zu sein. der Stempel war vorhanden und klar, weniger deutlich war die Unterschrift. Das fiel aber nicht auf, weil Unterschriften meist nicht zu lesen sind. So wurde der Scheck stets anstandslos angenommen und dem Kunden noch der Restbetrag in bar heraus- gezahlt. In anderen Fällen war der Barüberschuß noch weit größer. Die Dreistigkeit des Schwindlers ging sogar soweit, daß er seine falschen Schecks in Gegenwort des Geschäftsmaimes zur Reichs- kreditgefellschaft brachte und sich dort eine Quittung ausstellen ließ. Auf Grund dieser Quittung wurde ihm das Geld ausgezahlt. Erst später, wenn der Scheck zur Bank kam, wurde der Betrug entdeckt. Der.Herr mit dem hochodligen Namen war zunächst nicht zu finden. Schließlich aber gelang es doch, durch die Rückfragen festzustellen. daß der Schwindler ein alter Scheckbetrüger aus dem Jahre 1923 war. Damals nannte er sich Josef Gold- stein. Nach ihm wurde nun gefahndet Es ergab sich, daß ein Mann, auf den die Beschreibung geklau paßte, als..H« r r von Schreck" in einer Pension in der Wartburgstroße wohnte. Er machte seinem Namen alle Ehre als ihn heute früh Kriminal- beamte der Dienststelle D 1 aus dem Bett holten. Durch den Doppelnamen glaubte er sich vollständig sicher. Bisher sind etmc 30 Stück s««»«r wertlaj«, Schecks rnifetfcncht Skr Stempel des Reichspat« ntmnte» wurde bei ihm gefunden und P offenbar durch Diebstahl erbeutet. Der Festgenommene behauptet, ihn von einem Unbekannten bekommen zu haben. Ob er nun tat- sächlich Goldstein oder Aßmundsen heißt, steht noch nicht fest. Er ist 32 Jahre alt und stammt aus Budapest. Wettere Verschlechterung des Arbeitsmarkies. Die Lage in Verlin und Brandenburg. Der Arbeitsmarkt mt Bereiche des Landesarbeitsamts B r a nd e n b u r g, das Groß-Berlin. Brandenburg und Grenzmark umsaht, hat sich in der letzten Berichtswoche zum 23. November weiter verschlechtert. Die Zahl der Arbeitsuchenden stieg um 18149, di« der Unter- stützungsbezieher um 11300 Personen. Die immer stärker in Er- scheinung tretenden Saisoneinslüsse kommen darin zum druck, daß in Berlin die Arbeitslosigkeit nur um 4,6«, in den Pro- vinzen Brandenburg und Greitgmark dagegen um 12,7 Prozent ge> stiegen ist. Es lassen sich aber trotz der ständigen Zunahme der Arbeits- losigkeit in den letzten acht Wochen gewiss« konjunkturpolitische Widerstandskräfte in der Wirtschaft nicht verkennen. So ist die Zahl der Unterstützungsbezieher feit dem Beginn der Ber- schlechterung aus dein Arbeitstnarkt zu Anfang Oktober um 48 950 Personen, also um rund 40 Prozent, gestiegen In der gleichen Zeit des Borjahres aber stieg die Zahl der Unterstützungsempfänger um rund 5 5 Prozent. Wenn auch festzustellen ist, daß in der Zahl der Unterstützungsempfänger keineswegs der Umfang der Arbeitslosigkeit zum Ausdruck kommt, und ferner die Einschränkung zu machen ist, ttaß Anfang Oktober vorigen Jahres die Arbeits- losigkeit erheblich geringer war als in diesem Jahr, bleibt doch nicht zu verkennen, daß das Tempo der Lerschiechterung des Arbeilsmarktes zur Zeit hinter dem des Borjahres zurückbleibt. Die Zahl der Arbeitsuchenden stieg im Bezirk des Landesarbeitsamtes Brandenburg in der Berichtswoche auf insgesamt 297 928, also um 6,49 Prozent gegenüber einer Zunahm« von 64 in der vorhergehenden Wcche. Die Zahl der Hauptunterstützungs- Empfänger betrug in der Arbeitslosenversicherung 148 696, in der Krisenunterstützung 24 014, zusammen 172 710 Personen. Ans Groß- Berlin enffielcn hiervon 124 604 Personen. Entscheidung der Vraunkohlenarbeiter. Auch der zweite Schiedsspruch abgelehnt. Halle, 2. Dezember.(Eigenbericht.) Ein« von ZOO Delegierten besuchte Konferenz der Gewerkschaften nahm am Sonntag zu dem Schiedsspruch im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau folgend« Entschließung an. „Die am 1. Dezember in Halle tagende Funktionärkonferenz der am Tarifvertrag für den mitteldeutsche» Braunkohlenbergbau beteiligten Gewerkschosten hat Kenntnis genommen von dem onr 30. November 1929 in Berlin gefällten Schiedsspruch. Auch dieser Schiedvspruch erfüllt nicht die berechtigten Forderungen der Belegschaften. Dt« Konferenz lehnt deshalb auch diesen Schiedsspruch ab. Sie billigt die von den Gewerkschosten eingeschlagene Taktik und»erspricht auch ine im«eiteren Verlauf der Bewegung von den Gewerkschastsleitungen für erforderlich gehaltenen Maßnahmen durchzuführen." Bor der Annahme der Entschließung empfahl Schmidt- Bochum in einem längeren Referat die Ablehnung des Schieds- spruches. Aus der Eiufchließung geht nicht klar hervor, worauf die Brunn- kohlenbergarbeiter Mitteldeutschlands das Hauptgewicht legen, ob aus eine höher« Lohnzulag« oder ans die Berkürzung der Laufzeit. Auch die Unternehmer haben den Schiedsspruch ab- gelehnt und diesmal keine Berbindlichkeitserklärung beantragt, Die Aussichten auf eine Einigung sind mithin nicht allzu rosig. Di« Verkürzung der Geltungsdauer des neuen Lohnabkommens, die di« Unternehmer zunächst keinen Pfennig tostet für die Ar- beiter jedoch eine gewisse Sicherung gegen die Entwertung ihres Lohnes durch die Agrarpolitik oder sonstige Einflüsse bedeutet, würde u. E. die Situation wesentlich erleichtern. Der gleiche Effekt würde natürlich auch, trotz Beibehaltung der zweijährigen Geltungsdauer. durch Einfügung einer Teuerungsklaujel erzielt, womit den Interessen der Braunkohlenbergarbeiter noch besser gedient wäre. Jedenfalls hängt es von dem Ausgang der zu morgen, D i e n s- tag vormittag, von dem Reichsarbeitsntinister angesetzten Aussprache ab, ob der Konslikt im initteldeutschen Broun- kohleitbergbatt auf friedlichem Wege beigelegt wird, oder aber die Arbeiterschaft sich zur A r b e i t s e i n st e l l u>: g oeranlaßt sieht. Ostliquidationen und Reichsregierung. Sine Kundgebung des Ostbundes. Di« im Deutschen Ostbund vereinigten geschädigten und verdrängten Deutschen aus den früheren Provinzen Posen, Westpreußen und Oberschlesien veranstalteten gestern ein« Kund- gebung, die zu den Folgen des d e u t s ch- p o l n i s ch e n Liquida t i o n s a b k o m m e n s Stellung nahm. In diesem Abkommen, das allerdings vom Reichstag noch nicht ratifiziert ist, verzichtet Deutschland auf alle Entschädigungsansprüche für die in Polen durch Etgeittumsbeschlagitahme und Verdrängung geschädigten Deutschen. Zugleich übernimmt das Deutsch« Reich die Entschädigung für diese Liquidotionsoprer. In der Kundgebung wurde die Forderung aufgestellt, daß die Reichsregierimi; baldmöglichst an den Reichstag eine enffprechende Borlage einreichen solle, damit di« Geschädigten wieder zu Existenzmitteln kämen. Oer Tod im Wrack. Vier Arbeiter durch Gase getötet, 16 schwer ertrankt. . London, 1. Dezember. Die durch Entwicklung giftiger Gase in einen Raum des vor einem Jahre in der Näh« von Queenstown gestrandeten P a s s a- gierdampsers„Celtic" sind vier Arbeiter, die mit Abwrockungsarbeiten beschäftigt waren, getötet worden. 16 andere Arbeiter mußten mit schweren Aer- giftungserscheinungen ins Krankenhaus gebracht werden. Di« Entstehungsursache des Gases ist bis jetzt noch nicht bekannt. „., 5ozialdemokrakische JJartei, 6. kreis krenzberg- Heute abend 19A Uhr engerer Kreisoorstand mit Abteilungsleitern bei Krüger. Grimmstroße 1. Achtung, Polizei beamte! Dienstag, 20 Uhr. in den Kammeri'älen. Teltviuer Sir. Z, wichtige Lersammlunz der sozialdemokratischen Beamten. Adolph Hoffmann spricht über:„Einst und jetzt". Gäste förnn««geführt werden. Der fptitenufd�