BERLIN Dienstag 3. Dezember 1929 Der Abend Erfdeinttäglich außer Sonntaga Zugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW68, Lindenftr.3 66 Spalausgabe des„ Vorwärts" 10 Pf. Nr. 566 B 282 46. Jahrgang Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 40 Schüsse eines Wahnsinnigen Zwei Tote- acht Schwerverletzte der Mörder gelyncht Ein furchtbares Wahafinusdrama fpielte fich gestern am späten Nachmittag in Marseille ab. Ein 24jähriger Italiener, der erst fürzlich aus dem Irrenhause entlassen worden war, drang mit einem Karabiner bewaffnet in ein Polizeikommissariat ein und schoß den anwesenden Sekretär nieder. Eine dort zum Verhör vorgeladene Frau ergriff die Flucht und wurde von dem Wahnfinnigen verfolgt, der sie durch einen Schuß schwer verletzte. Dann postierte sich der Irrfinnige auf einem öffentlichen Platz hinter cinem Springbrunnen und schoß auf die Passanten. Das erste Opfer war ein des Weges fommender Unteroffizier der Fremdenlegion,' der Deutsche Wilhelm kurth, der schwerverletzt zu sammenbra ch und darauf von dem Mörder durch einen Schuß ins Herz aus allernächster Nähe getötet wurde. 3 wei Tagichauffeure und fünf Passanten wurden durch Schüsse verlegt. Mittlerweile waren Gendarmen aufgeboten worden, die fich hinter einem Lastwagen verschanzten und mit den Revolvern das Feuer auf den Mörder eröffneten. Nachdem etwa 40 Schüffe gefallen waren, versuchte der Wahnsinnige, dem die Munition ausgegangen war, zu fliehen. Dabei wurde er durch einen Revolverschuß der Gendarmen verletzt und brach mit dem Rufe ,, Santa Maria" zusammen. Die furchtbar aufgeregte Menge stürzte sich auf ihn und zertraffeinen Körper buchstäblich trotz der Bemühungen der gegen die Volksmenge ohnmächtigen Gendarmen. | Sowjetregierung gegen„ Einmischung". Deutschland begrüßt den Friedensschritt der Mächte. nicht nur die amerikanische, sondern auch die französische und die engWie sich aus Meldungen aus Paris und London ergibt, hat| ,, völliger Verwirrung" in Nanking zu führen scheine. Jugleich erlische Regierung ihre Gesandten und Botschafter in Nanking und Moskau beauftragt, die chinesische und die Sowjetregierung an ihre Pflichten zu erinnern. klären die„ Jsweftija" mit Nachdruck, daß die Sowjetregierung selbstverständlich" eine Einmischung von drifter Seife in den konflikt nicht dulden könnte". Das ist die Sprache, die die österreichisch- ungarischen Imperialisten 1914 gegen die Mächte führte, die Serbien nicht überrennen lassen wollten die gleichen Worte hat Mussolini 1923 gebraucht, als er- allerdings vergeblich, den Konflikt mit Griechenland wegen Korfu nicht vor dem Börkerbundsrot verhandeln lassen wollte. Es ist in der Tat für die Sowjetregierungpeinlich, daß sie wegen. des Eindringens ihrer Truppen in die Mandschurei daran erinnert werden mußte, daß sie damit einen Vertrag verletzte, in dem sie fich freiwillig dazu verpflichtete, jede Streitigkeit mit einem anderen Staat friedlich schiedlich zu regeln. Die kommunistische Morgenpreffe tobt freilich über den„ frechen imperialistischen Eingriff" Amerikas und der beiden anderen von Deutschland und Japan unterftüßten Regierungen. Dieses Geschrei sticht so recht ab von dem Eifer, Imit dent die Sowjetregierung sich für den Kriegsverzichtvertrag ein ſetzte. Hatte sie es doch so eilig mit ihm gehabt, daß sie sein In Reichsregierung für Friedensmahnung. trafttreten gar nicht abwarten fonnte und ihre westlichen Nachbarn dazu nötigte, ihn in dem sogenannten Litwinom Protofoll sogar noch vor den anderen Mächten in Kraft zu setzen. Moskaus Jünger scheinen sich einzureden, daß es eine revolutionäre Politit ist, friedliche Berträge zwar abzuschließen und ihre = Kältewelle über Nordamerika. Durchführung von anderen zu verlangen, ſelbſt aber zu glauben, 60 Todesopfer der Kälte in Chicago. London, 3. Dezember. Nach Meldungen aus Chicago nimmt die kältewelle mit ihren verheerenden Folgen im Norden und mittleren Westen Amerikas an Ausdehnung und Schärfe zu. Ueber große Gebiete find ungeheure Mengen Schnee gefallen. In Chicago find 60 Personen erfroren oder an direffen Folgen der Kälte zugrunde gegangen. Auch der Eisenbahnunfall, der sich am vergangenen Sonntag in der Nähe von Onley ereignete und bei dem 10 Reifende ums Leben tamen, ist auf einen durch die Kälte verursachten Schienenbruch zurüdzuführen. Schneesturm an der Neu- Fundland- Küste. New. York, 3. Dezember. Ueber das Schicksal von 8 Schonern mit einer Be sagung von 74 Mann herrscht große Besorgnis. Die Schiffe sind in einen schweren Schneesturm der letzten Tage, der an der neufundländischen Küste mütete, geraten und werden seftdem vermißt. Mehrere Dampfer, die zur Hilfeleistung ausgelaufen waren, sind nach ausgedehnter Suche unverrichteter Dinge zurückgekehrt. Drei andere Schiffe find an der Küste von Neufundland ge= strandet. Es gelang jedoch in allen drei Fällen, die Mannschaft au retten. Der Papst beklagt sich über Mussolini. Wegen Unterdrückung der fatholischen Preffe. Rom, 3. Dezember. Der Papst empfing die römische Geistlichkeit und hielt bei dieser Gelegenheit eine Rede, in der er sich darüber beklagte, daß Artikel erschienen seien, in denen der Gipfel der Indiskretion und der Ungehörigkeit zu erbliden sei. Der Bapst erklärte, daß er die Ehre Gottes, der Kirche und des heiligen Stuhls nach Kräften verteidigt und die schärfsten Vorstellungen gegen diese Beröffentlichungen erhoben habe. Man habe darauf dem Papst geantwortet, daß diese Veröffentlichungen feine maßgebliche Bedeutung gehabt hätten. Der Papst beklagte, daß den fatholischen Blättern in Italien das Leben sozusagen unmöglich gemacht werde. Der Presse werde es immer schwerer gemacht, vom Papst zu reden und seine Borrechte und Rechte zu verteidigen. Die päpstlichen Klagen beziehen sich auf ein in den lezten Tagen unter dem Titel ,, Gebt Cäsar, was Cafars ist erschienenes Buch, in dem die Kirchenpolitik Mussolinis behandelt und der Wortlaut des Kontordats veröffentlicht wird, wie es der Vatikan hatte haben mollen. Dieser Wortlaut tann leicht den Eindrud erweden, daß der Heilige Stuhl in einer Reihe von Fragen der Regierung it a rf nachgegeben habe. von der Befolgung entbunden zu sein. Gemiß ist es sehr unerfreulich, an Verpflichtungen gemahnt zu werden. Aber es wäre für Moskau leicht genug gewesen, selbst diese noch recht rücksichtsvolle Mahnung zu vermeiden: die Sowjetregierung hätte ihre Militärbefehlshaber nur anweisen brauchen, den Einfall zu unterlassen Die Versuchung war aber für ihren Imperialismus zu groß: fann sich China doch wegen des neuen inneren Krieges feiner Generale nicht wehren. Moskau duldet feine Einmischung". Mostau, 3. Dezember. Die Stimmung in den Moskauer politischen Kreisen ist wieder recht ernst geworden. Der Eindruck verstärkt sich immer mehr, daß die Kapitulation vor der Sowjetunion einem Entschluß Murdens zu verdanken ist, von dem Nanking überrumpelt wurde. Nach Meinung der offiziösen„ Jsweftija" hatte die Nanking- Regierung einen Plan ausgearbeitet, der auf Herbeiführung einer 3ntervention der Mächte abzielte und durch die von Mukden plötzlich verkündete Bereitwilligkeit zur Annahme der Moskauer Bedingungen nun den Boden verloren habe, was zu Schritte in Moskau vorbehalten. Verhandlungen. 3n Erwartung der Zu dem Schritt der Vereinigten Staaten im russisch- chinesischen Konflikt erfahren wir, daß die deutsche Regierung ihrer Sympathie mit den amerikanischen Bemühungen um Erhaltung des Friedens Ausdruck gegeben und darauf hingewiesen hat, daß sie als Schuhmacht beider Staaten bereits mehrfach in gleichem Geifte gewirkt habe. Sie sei entschlossen, auch weiterhin alles zu tun, wodurch sie ihrerseits noch dazu beitragen könne, die Beachtung des Kellogg- Palies durch die streitenden Parteien sicherzustellen. Mit Rücksicht auf die besondere Stellung, die sich für Deutschland als Schußmacht ergibt, hat sich die deutsche Regierung eine Entschließung über Zeitpunkt und Form ihrer eigenen weiteren Schritte in der Angelegenheit vorbehalten, zumal, da ihr Nachrichten über unmittelbare ruffisch- chinesische Verhandlungen vorliegen. Sie weiß sich mit der amerikanischen Regierung in der Erwartung einig, daß die streitenden Mächte entsprechend den Verpflichtungen, die sie als Sig nabare des Kellogg- Pattes übernommen haben, von friegerischen Maßnahmen zur Erreichung ihrer Ziele Abstand nehmen und hofft, daß die direkten Verhandlungen, die zur Beilegung des Konfliktes eingeleitet sind, in furzer Zeit zu vollem Erfolg führen werden. EinsturzKatastrophe in Marseille Bergung der Tolen und Verletzten aus den Trümmern der beiden in Marseille eingestürzten Wohnhäuser. Bisher wurden 12 Tote und ebensoviel Schwerverletzte geborgen. Kommunistensput in Lübed. Der Stahlhelm in der 3llegalität. Abgeordnete entfernt Cübed, 3. Dezember. In der geffrigen ersten Sigung der neu gewählten£ übe der Bürgerschaft tam es zu fommunistischen Lärmszenen. Gleich nach Eintritt in die Tagesordnung stellten die Kommunisten ver. schiedene Dringlichkeitsanträge, zu denen das kommunistische Bürgerschaftsmitglied Schmidt zur Geschäftsordnung furach. Als der Wortführer ihn unterbrach und ihn aufforderte, seine Rede zu beenden, sprach Schmidt unentwegt weiter, so daß der Wortführer, das Präsidium sowie die Frattionen bis auf nationalsozia listen und kommunisten den Saal verließen. Gleichzeitig ließ der Wortführer die Tribünenräumen. Abgeordneter Schmidt sprach unterdessen immer noch, so daß der Wortführer den Saal verdunkel n ließ. Hierauf stimmten die Kommunisten die Internationale an. Als der Wortführer die Sigung wieder eröffnen wollte, redete Schmidt wiederum weiter, so daß er von der Sigung ausgeschlossen und zum Verlaffen des Saales aufgefordert wurde. Als er dieser Aufforderung nicht nachtam, sah sich der Wortführer gezwungen, ihn durch zwei Polizeibeamte aus dem Saalentfernen zu lassen. Hierauf erhob sich bei den übrigen Kommuniften ein großer Cärm, so daß dem Wortführer nichts meiler übrig blieb, als auch die übrigen Mitglieder der tommunistischen Fraktion durch Polizeigewalt aus dem Saal bringen 3u laffen, Die Wahl des Präsidiums der Bürgerschaft hatte das Ergebnis, daß der bisherige erste Wortführer Gustav Ehlers( Sozialdemofrat) und der erste Stellvertreter Syndikus Dr. Keibel( Hanseatischer Bolfsbund) wiedergewählt und ferner Schermer( Sozialdemokrat) neu als zweifer Stellvertreter gewählt wurde. Otto Landsberg, dem Sechzigjährigen. Otto Landsberg wird morgen sechzig Jahre alt! Wer schon seit fangem Gelegenheit hatte, die Linie dieses Lebens zu verfolgen, merft, fast mit Erstaunen, ihren ununterbrochenen Aufstieg bis zum heutigen Tage. Denn Landsberg gehört zu jenen ungewöhnlichen und beneidenswerten geistigen Erscheinungen, bei denen zunehmendes Alter stetige 3 unahme an Kraft bedeutet. In den vierzig Jahren feit seiner Studentenzeit hat er nicht aufgehört, zu fernen, und immer hat er das Budget seiner geistigen Einnahmen und Ausgaben so zu gestalten gewußt, daß es aftiv blieb. Steht sein Schaffen auch unter dem Doppelgestirn Recht und Sozia lismus, so bleibt zwischen ihnen doch immer noch Raum für alle möglichen Wissenschaften und Künste, für geistige Intereffen der verschiedensten Art. Und so fließt Landsbergs Schaffen aus reichsten Quellen der Kultur. Seine Reden im Reichstag und im Gerichtsfaal, feine Auffäße im Borwärts" und der übrigen Parteipreffe wollen nicht nur als Ausdruck einer überlegenen Geistigkeit verstanden, sondern auch als Kunstwerte gewürdigt sein. mieder der RechtsLandsberg hat eine große Bahn zurückgelegt. Karriere hat er nicht gemacht. Denn er ist heute nachdem er Volks beauftragter, dann im Kabinett Scheidemann Justizminister und später in Brüssel Gesandter gewesen war anmalt, als der er vor 34 Jahren angefangen. Als die Republik in der allerschwersten Zeit seine Dienste an hervorragender Stelle brauchte, hat er sie ihr mit Selbstverständlichkeit geleistet. Mit der gleichen Selbstverständlichkeit hat er zuvor und danach für die Bartei gearbeitet, ganz gleich, an welcher Stelle er sich befand. Ber soviel ist wie Landsberg, braucht sich feine Sorgen darum zu machen, was er vorstellt. Die Sozialdemokratische Partei ist sich durchaus dessen bewußt, mas der Besitz einer Persönlichkeit wie Landsberg für sie bedeutet. Nicht nur die Reichstagsfrattion liebt ihn als prächtigen Kollegen und ehrt ihn als ihren glänzendsten Sprecher, nicht nur Magdeburg gebenft des erprobten Borfämpfers der Bewegung in Dantbarkeit, alle sozialdemokratischen Arbeiter Deutschlands haben Anlaß, heute dem Manne zu danken, der seit seiner Jugend unabhängig und selbstlos und mit dem glänzenden Rüstzeug geistiger Kultur für ihre Sache wirkt und kämpft. Arbeiterregierung gefährdet. Knapper Sieg bei der Arbeitslosenfrage/ Gezession in den eigenen Reihen. London, 3. Dezember.( Eigenbericht.) Die Arbeiterregirung entging am Montag in den späten Abend stunden bei dem Abschluß der Debatte über die Arbeitslosenunterstüßung nur mit einer Mehrheit von 13 Stimmen einer Niederlage. Die Liberalen stimmten teils für, teils gegen die Regierung. Auch die Abgeordneten der Arbeiterpartei von der Clyde Küste wandten sich gegen das Kabinett, was zu tumultartigen Szenen führte. Von den Abgeordneten der unabhängigen Arbeiterpartei stimmten neun gegen Macdonald und seine Regierumg. Höhere Ministergehälter beantragt. London, 3. Dezember. Der Beschluß des Premierministers, einen Ausschuß zyr Erwägung der Frage der Ministergehälter zu ernennen, wird in parlamentarischen und politischen Kreisen ohne Parteiunterschied lebhaft begrüßt. Allgemein herrscht die Ansicht, daß eine Revision der bestehenden Gehaltsstala seit langem überfällig ist. Der Ausschuß wird aus Vertretern der drei politischen Parteien gebildet werden. Der Premierminister hat vorgeschlagen, daß der Ausschuß den Be richt des im Jahre 1920 ernannten Komitees erwägen und entscheiden soll, ob die damaligen Vorschläge angesichts der heutigen Umstände eine Aenderung erfordern. Die Empfehlungen des Komitees vom Jahre 1920 sahen bekanntlich vor, daß der Premier minister ein Gehalt von 8000 Pfund Sterling statt der bisherigen 5000 bezieht und alle anderen Kabinettsmitglieder ohne Rücksicht auf das von ihnen verwaltete Ami 5000 Pfund erhalten. Der Lordfanzler erhält augenblicklich 10 000 Pfund. Heimwehrlüge über Schober. Der Pressedienst der Heimwehr veröffentlicht ein angebliches Gespräch von Tiroler Heimmehrleuten mit Bundeskanzler Schober. Danach soll Schober erklärt haben, daß er nur infolge der Existenz der Heimwehr in der Lage gewesen sei, die Verfassungsreform in der kurz vor dem Abschluß stehenden Form durchzusehen. Von zuständiger Seite wird dazu erklärt, daß diefe Behauptungen den Tatsachen nicht entsprechen. Polifischer Mord in Saint Louis. Der Senator Joseph Magler, Bizepräsident des amerikanischen Berbandes der Kinobefizer, wurde von zwei Männern in dem Augenblic niedergeschoffen, als er in ein Kino eintreten mollte. Die beiden Täter entfamen unerkannt in einem bereitstehenden Auto. Fraktionsarbeit des Stahlhelms in Gewerkschaften und Betrieben. Aus dem Rheinland wird uns geschrieben: Allgemein war man im Anfang Ottober überrascht, als plöglich von dem preußischen Innenminister das Verbot des Stahl. helms in Rheinland- Westfalen ausgesprochen wurde. Ein Aufatmen ging durch die Reihen aller Republikaner, endlich einmal eine Lat, die zeigt, daß man doch nicht gewillt ist, den heutigen Staat der Stahlhelmdiftatur auszuliefern. In den Reihen des Stahlhelms herrschte zunächst ein jähes Erschreden, dann tobte er los, der Blätterwald der HugenbergPresse rauschte. Zwischendurch wurden Friedenstöne gesungen über den unpolitischen Stahlhelm", der eine harmlose" Organisation sei und nur die Ertüchtigung" unserer Jugend durch Pflege des Sportes" betreibt. " Jetzt ist es merkwürdig still geworden.' Hat der ver botene Stahlhelm im Rheinland sich wirklich so schnell und mider standslos mit dem Berbot abgefunden? Bir glauben, daß dies durchaus nicht der Fall ist; im Gegenteil: der Stahlhelm setzt seine Mühlarbeit fort, und zwar arbeitet er jetzt illegal! 29. Juni dieses Jahres hat der Stahlhelm bereits damals mit dem Nach einem sehr umfangreichen Rundschreiben vom Berbot seiner gesamten Organisation gerechnet und bemußt darauf hingearbeitet, um gerade in dieser Zeit des Verbots zu lernen und feine Mitglieder für die Errichtung der Rechtsdiftatur zu schulen. Die Drahtzieher des Stahlhelms nehmen sich zum Vorbild die Methoden der Kommunistischen Partei; ,, Die Massen wollen geführt sein, auch die Deutschen, die nur eine anerkennenswerte und nützliche Borliebe für den Besiz eines fleinen Amtes haben und deren Wissen um die Dinge nun einmal ein gemisses Niveau erreicht hat. Um so größer ist die Aufgabe der Herrschenden, denen Bildung( bekanntlich etwas anderes wie Wissen), Charakter und Mut zum hartscheinenden Befehl und zur Verantwortungsfreudigkeit gegeben sein muß und deren Lauterkeit Bertrauen einfach erzwingt. Die entscheiden können, wann autokratischer Befehl und wann Scheindemokratie am Platz ist Hauptaufgabe für die Stahlhelm- Butschisten ist Kleinarbeit. Erste Aufgabe ist die genaue Kenntnis der gegnerischen Spitzel, die bis hinauf zum Ortsgruppenführer in den Stahlhelm hineingetrieben sind, und genaue Kenntnis der restlos Zuverlässigen". Nur die letzten sollen in den Bereich der nachstehenden Erwägungen eingezogen werden. Borbedingung ist ferner, daß schon jeht Leitung, Landes. verbände, Ortsgruppen und Mitglieder Stichworte bzm. Nummern bekommen, der Sriftverkehr nur mit diesem Zeichen gepflogen wird und alles Material aus den Wohnungen und Bureaus entfernt ist. Ein Verbot des Stahlhelms tommt plöglicher und unnorbereiteter als das des RFB im Mai 1929, um so notwendiger ift rechtzeitige Sicherung, damit den im Berbotsfall natürlich befohlenen Haussuchungen der Polizei auch nicht das geringste material in die Hände fällt..." Es war also schon alles Material meggeschafft, als die Polizei zugriff. Deshalb hat sie bei den Haussuchungen mohl auch nur sie ist ihr Lehrmeister. In Form der Zellenbildner arbeitet jegt der verhältnismäßig wenig unbekanntes Material gefunden. Auch über verbotene Stahlhelm in Rheinland und Westfalen. In dem erwähnten Rundschreiben heißt es: ,, Unerläßlich ist endlich der technische Apparat, um für den Fall eines Berbotes Unterschlupfmöglichteiten zu haben, die eine Aufrechterhaltung der Arbeit gewährleisten. Und diese Frage ist für den Stahlhelm augenblicklich wohl von der größten Bedeutung, da mit seinem Berbot zu rechnen ist. Wie kann nach einem Verbot die Kontinuität seines Angriffs gegen diesen marristischen Staat gewährleistet werden, d. h. wie erfolgt rein technisch die Sicherung: a) das Zusammenhalten der Organisation, b) die politische Arbeit im Stahlhelm selbst, c) die Wirkung nach außen? Die Fragen beantworten sich naturgemäß verschieden für die einzelnen Bezirke, je nachdem, ob der Stahlhelm faftisch in Ge= sellschaft und Verwaltung das Feld beherrscht ( 3. B. Ditpreußen) oder ob er eine Minderheit darstellt, die scharfem Widerstand auf allen Gebieten begegnet( 3. B. Sachsen, Berlin). In den guten" Bezirken ist die erfolgreichetom. munistische Technik praktisch übernommen. Da hier schon die Stahlhelmmitglieder auch in den Kegel, Sport. Kleinkaliber. usm. Bereinen tätig sind, und nunmehr lediglich um so mehr für reine Frattionsarbeit fämpferischen Charafters frei werden, ist also hier eine besondere Sicherung der Werbearbeit nicht mehr möglich. Unerläßlich aber ist die Aufrechterhaltung des Stahlhelmgeistes durch eine ständige Schulung dieser„ Stahlhelmfrattionen", damit diese auch in der apolitischen Umgebung eines harmlosen Vereins politische Kleinarbeit im Sinne des Stahlhelms treiben tönnen Daß die harmlosen" Stahlhelmer in Wirklichkeit gar nicht fo unpolifisch und harmlos sind, wie sie nach außen immer erflären, zeigt auch ein weiterer Absaß ihres Rundschreibens: ,, Eine nationale rechtsgerichtete Dittatur tann doch nicht ein Heer von Fordernden, sondern nur ein solches von Bertrauenden gebrauchen, Für sie ist Begehrlichkeit oder Stumpf heit der Massen Berhängnis. Eine Rechtsbewegung muß auf den schweren Irrtum aufmerksam machen, der darin liegt, zu glauben, daß man mur mit Programmen und Systemen und Organisationen etwas Glaubhaftes, etwas Besseres schaffen fann Sie muß sagen, was ist, nämlich, daß ehe die Menschen sich auch die Gesamtlage nicht ändern kann. Man muß, nachdem die Grundgefahr des Liberalismus und Individualismus am Bolschewismus flar erfannt ist, auch den Mut haben, bei Phantasten in den Ruf des Reaktionismus zu fommen und, natürlich nur im engsten Kreise, sagen, daß jede Art wirklicher Mitbestimmung der Massen die niemals Geschichte machten oder machen, und die immer dem Drang zu lediglich triebhafter, gegenwärtlicher, vegetativer Begehrlichkeit in sich haben der Anfang vom Ende einer großen Bewegung zum dauerhaften, zukunftssicheren Aufbau ist.. Eine Rechtsdiftatur mill doch vor allem eine andere Außenpolitit machen, dann ist aber mitbestimmung der Massen, d. h. volle Deffentlichkeit der Berhandlungen und Pläne, sowie auch völlige Freigabe einer von links fommenden schwächlichen Kritik geradezu Berhängnis und entscheiden. des Hindernis. Die Masse darf also die Rechtsdiktatur errichten, darf ihre Knochen dafür hergeben, aber wenn sie errichtet ist, dann hat sie zu schweigen. In der Außenpolitik ist nach dieser Stahlhelmmeinung die Mitbestimmung der Massen nur Hindernis! Beim Stahlheim- Boltsbegehren wird allerdings das gerade Gegenteil praf. fiziert, aber der Stahlhelm ist sich doch klar darüber, daß seine Massen nur zu gehorchen haben. Aber man muß ihnen lassen die Scheindemokratie und ein kleines Amt: Anschuldigungen gegen Böß. Vernehmungen im Untersuchungsausschuß. Der Stlaret- Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtags seizte am Dienstag seine Beweisaufnahme fort. Da zu gleicher Zeit auch der Untersuchungsausschuß über die Kreditgemährung der Breußentasse an die Raiffeisenban! weiter tagte, mußte die Landtagsverwaltung beim Reichstag Stenographen aus leihen, um die Protokollführung bewältigen zu tönnen. Wie das erst werden soll, wenn auch noch der dritte Untersuchungsausschuß, der wegen der Verstöße beim Boltsbegehren" arbeitet, ist faum ersichtlich. ein Schreiben des Detaillistenverbandes der Bekleidungsindustrie Bei Sigungsbeginn gibt der Borsitzende Sch went( Komm.) Groß- Berlin, unterzeichnet von D. Baer, bekannt. Baer hat seinerzeit für den Magistrat den Wert der städtischen KBG. tagiert und nachlaß von mehreren 100 000 Mart auf das Bager bewilligt murde. In der Branche habe Staref meder Ansehen noch Bertrauen genoffen. Schlechte Auskünfte über Stlarets hätten alle Großbanken Ichon seit Jahren gehabt; nur die Berliner Stadtbant nicht. Der dann als Zeuge vernommene, jett 63jährige frühere Direttor der städtischen KBG., Novarra, führt u. a. aus: Ich habe bis vor Die Schweiz hat als 56. Staat den Kriegsverzichtsvertrag rati- nier Tagen im Krantenhaus gelegen und vom Krankenbett aus meine Aussage in ein Heft diftiert, von dem ich dem Ausschuß fiziert. die Arbeit nach dem Terbot enthält das Rundschreiben wertvolle Aufschlüsse: ,, Der Zusammenhalt der Organisation ist natürlich leicht zu sichern, etwa so, daß die unbedingt zuperlässigen Mitglieder den geheimen und mündlichen Befehl bekommen, sich am 14. Tage nach dem Verbot neu nach Gruppen geordnet in der Wohnung eines zu bestimmenden Gruppenführers einzufinden haben. Es sollten weder die alten Gruppen, noch die Wohnungen der alten Gruppenführer gewählt werden, da diese natürlich von der Polizei überwacht sind, auch wenn ihr beim Berbat selbst fein Material mehr in die Hände fiel. Diese Gruppenversammlungen nehmen dann die Befehle entgegen, die die Gruppenführer auf ähnliche Weise von der Ortsgruppenleitung erhalten haben. Sie sind eine dauernde Einrichtung und dienen zugleich der Aufrechterhaltung der Schulung. Sie müssen natür lich den Ort ihrer Zusammenkunft ständig und regelmäßig wechseln. Unter solchen Umständen tann die Stärke der Gruppe je nach Größe des Orts bis auf 12 hinaufgesetzt werden. Die Gruppenführer werden am besten vom Kompagnie bzw. Ortsgruppen. führer direkt instruiert.. Und dann kommt das Wichtigste, was besonders auch die Arbeiterorganisationen angeht. Es soll geprüft werden: a) In welchen Vereinen und Berbänden überhaupt eine Fraftionsarbeit der Stahlhelmmitglieder möglich ist. Hierunter werden Radio, Sport, Bander, Kegels, Tierzüchter, usm vereine fein. In einem Radioverein z. B. läßt sich der Anfagpunkt für die politische Kleinarbeit im Stahlhelm unschwer finden b) zu empfehlen ist in jedem Falle, folche Bereine neu zu gründen, wo eine Lücke im Bereinsregister noch ausgefüllt merden fann, mo z. B. tein nicht margistischer Radiobund besteht. Der Kampf um den Rundfunt ist in der Tat ganz be= fonders wichtig, daher wird als Beispiel dieser Bund genannt. Hier bilden den Grundstoff natürlich Stahlhelmmitglieder, den Vorstand möglichst auch andere. Diese Vereine werden dann in vielen Fällen den direkten Unterschlupf für Gruppen des auf= gelösten Stahlhelms bieten. c) Es follte auch versucht werden, gefestigte Stahlhelmer in die proletarischen Maffenorganisationen zu entfenden, um dort den Kampf mit den Gegnern direkt aufzunehmen und Störungsarbeit zu treiben. d) Am wichtigsten aber ist die Arbeit im Betrieb. Hier hat der Kampf der KPD. gegen die sozialdemokratische Gewertschaftsbureaukratie den Boden schon gelockert. Sie will den Schwerpunkt auch der Entscheidung über Wirtschaftsfämpfe ganz in den Betrieb verlegen und arbeitet da mit einer Art Wertgemeinschaftsbewegung vor Es müssen also Betriebszellen des Stahlhelms geschaffen werden, die sowohl zur Syste matisierung der Arbeit, wie auch aus einem anderen Grunde organisatorisch zusammenzufaffen find. Ist der Sta..elm erst ein. mal verboten, ohne daß die chriftlich- nationalen Gemertjd; aften sich zum Protest aufraffen, dann fann er auch aus seiner ge= mertschaftlichen Reserve heraustreten und überall eigene gewerkschaftliche Ziele verkünden, fann eigene unabhängige Gewerkschaften gründen, die allen andern den Kampf ansagen. Er hat damit einen weiteren Unterschlupf für seine Arbeitermitglieder. Die Wegbereiter des Stahlhelms und der Gelben, die Kommunisten, die den Boden für die Arbeit des Stahlhelms in den Betrieben gelockert haben, werden von den Stahlhelm- Plänen geradezu begeistert sein. Besteht doch für sie einige Aussicht, mit der Hilfe der Stahlhelm Zellen die Arbeiter in den Betrieben noch mehr durcheinanderzubringen. Aber gerade daraus wird die einheitliche Abwehr aller denkenden Arbeiter herauswachsen. einige Exemplare zur Verfügung stellen fann. Mich ärgert vor allem Schalldachs Art, so zu tun, als ob ich nie geeignet und nur wenige Monate bei der KG. gewesen sei. Ich war fünf Jahre bei der KVG. und fönnte beweisen, daß ich in gewissem Sinne heute noch städtischer Beamter bin. Im Rathaus las ich mal den Wandspruch: ,, Wer friegt, der siegt!" Wenn ich Krieg" gegen forrumpierende Borgesetzte führte, habe ich fast immer gewonnen. Es war allerdings schwer, wenn es sich um Wünsche des Oberbürgermeisters, damaligen Stadtfämmerers Böß handelte. Böh verlangte von mir einmal 60 Meter Stoff. der sonst fünf Mart das Meter koftete, für eine Mark pro Meter mit der Bemerkung, daß bei seinem fleinen Gehalt der Normalpreis zu hoch sei. Böß sagte mir: Schaffen Sie mir 60 Meter à eine Mart" und ich schaffte sie ihm.( Lebh. Hört, hört!) Ich habe deswegen eine Strafanzeige auf Denunziation von Angestellten bekommen, mußte aber freigesprochen werden, weil nichts Strafbares vorlag. Ich hatte einfach mit den Fabrikanten einbart, daß ich 60 Meter à eine Marf mit betäme. Falfch eine Lieferung von 1000 Meter à 5 Mart unter der Bedingung ver ift die Behauptung, Frau Stadtrat Weyl hätte fich fostenlos einen Bels verschafft. Alle Vorgänge, die Berlin so ungeheuer geschädigt haben, hätten gar nicht vorkommen fönnen, wenn nicht die Aemter Bersonen überlassen worden wären, die vielleicht gute Beamte, aber teine Kaufleute waren. Noparra ergeht sich dann in lange Ausführungen über seine frühere Arbeit und über angebliche Intrigen gegen ihn. Straßenbau für 10 Milliarden Hoovers Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Washington. Z. Dezember.(Sigenbericht.) Am Dien» lag wird vor dem amerikanischen Kongreß die Bot- scholl de» Präsidenten hoover den Bau von 30 neuen Chausseen ankündigen. Die Kosten für diesen Bau betragen 2 S 0 0 Dollar- Millionen. Alan glaubt durch diesen Bau KZ5 000 beschäftigungslosen Arbeitern Brot geben zu können. �Hoovers Garde" und die anderen Republikaner. Beide Häuser des Kongresses begannen heute ihre ordentliche Tagung. 6 Die drei Punkte, die nach Ansicht der Froktionsführer sobald wie möglich vom Kongreh erledigt werden-sollen, sind 1. die Eni- scheidung über die Zulassung des Senators Bare- Pennsyl- vanta, besten Wahl wegen angeblicher Beeinflussung bekämpft wird; 2. Beschlußfassung über die Steuerermäßigung im Betrage oon 160 Millionen Dollar und 3. die Verabschiedung der Zoll- tarif Novelle. Bei der gegenwärtigen Unsicherheit über die Kräfteverteilung im Senat wagt jedoch niemand vorauszusage». wann diese Fragen ihre Erledigung finden werden. An die Stelle der regulären zwei Parteien sind während der Zolltarifdebatte in der Sondersession drei Gruppen getreten, nämlich die regu- lären Republikaner, wie sie seit Iahren im. Senat sitzen, dann die Koalition der Republikaner der westlichen landwirtschaftlichen Staaten mit den Demokraten, und schließlich die sogenannte .,ft o o v- r- G a r d c", die aus den im vorigen Jahre zusammen mit dem Präfidenten gewähllen jungen Republikanern besteht. Die Unsicherheit über das'Kräfteverhältnis ist daraus zurückzuführen, daß keine der beiden letztgenannten Gruppen in allen Punkten gc- schlosten gegen die Anträge der regulären Republikaner eingestellt ist, und daher je nach Äge des Falles das Stimmenverhällnis wechseln dürste. Im Gefängnis .Ieklaut?- Sie sind doch Berlinerin. Warum hamfe sich«ich von Gklareks bestechen lassen?!" Oer frisch-fröhliche Krieg in Ostafrika. Die neue Internationale der Kriegshelden. London. 2. Dezember. Kürzlich hat ein torpedierter englischer Kriegsschiffkapitän den Kommandanten des deutschen U-Bootes, das ihn versenkt« und ge- fangennahm, noch England eingeladen und ihm in einer öffentlichen Versammlung seine Ritterlichkeit bescheinigt. Gestern haben die britischen Teilnehmer am Feldzug in Ostasrika zu Ehren von Gene- ral von.Lettow-Dorbeck im Holborn-Restaurant ein Festessen ver- anstqUat, an dem über 1000 Personen teilnahmen. Das Ereignis. für da» seit 90 Iahren keine Parallele mehr besteht, gab zu allge- meiner Begeisterung Anlaß. General Smuts, der Befehlshader der britischen Ostafriko-Streitkräfl«, führte den Vorsitz. Zu seiner Rechten saß General v an Letto«- Vordeck, als„unbesiegter Führer der Deutsch-Oftafrlka-Derteidigung". Smuts führt« in seiner Rede.. a. aus:„Wir haben heute das besondere Vergnügen, unseren alten Gegner bei uns zu sehen. Er war ein braver und fmbe- m Kämpfer und ein großer Befehlshaber. Während des großen Teiles des Ostafrika-Feldzuges hat er überlegene Kräfte gegen sich gehabt, oft sthr hoch überlegene. Er Hot seinen Mann gestalten. Nachdem der Kampf vorüber ist, trogen wir dem Gegner nichts nach. Es ist daher nur recht, daß wir, die wir die Hitze und die Bürde der Kampftag« trugen. Frieden machen und � der Welt mit gutem Beispiel vorangehen.' M» sich General von Lettow-Vorbeck zur Erwiderung erhob, wurde er mit stürmischem Beifall begrüßt. Die Anwesenden sangen das Lied Jit is a sollt) good fellow". Lettow-Vorbeck führte dann aus:„Ich schätz« mich glücklich, die eng- tische Gastfreundschaft- die in der ganzen Welt anerkannt wird, zu genießen. Ich kann mich der Gastfreundschaft erinnern, die mir im Jahr« ISIS gewährt wurde, als General Smuts mich einlud, ihn zu besuchen. Er war großzügig genug, diese Einladung auf alle Offizier« und Mannschaften unter meinem Kommando auszudehnen. (Herterkeit.) Aber ich war zu jener Zeit sehr beschäftigt und ich war sogar ein bißchen überrascht, daß General Smuts Zeit finden konnte, ein« sehr groß- Gesellschaft zu veranstalten. Ich hoffte da- her, daß er mein« Ablehnung nicht zu sehr zu Herzen nehmen würde. Aber ich bin nun sicher, baß er das nicht tat.' General von Lettow- Borbeck fügte hinzu, daß, ernsthaft gesprochen, zwischen den beider- seitigen Streitkräften in Ostafrika gegenseitige Hochachtung für ein- ander in hohem Grade bestanden habe. Der ostafrikanische Feldzug steche deshalb von dem übrigen Wettkrieg so angenehm ab. OozialistischerSchweizer Parlamentspräsident Bern, 3. Dezember. Der Nationalrat wählt« mit 97 gegen 33 Stimmen bei 49 Enthaltungen den bisherigen Vizepräsidenten Grab er(Sozialist) Mn Präsidenten. Gräber ist der zw«it« sozialistisch« Präsident des Nationalrats. Der erste Präsident war K l o e t i. der jetzt von der Partei als Kandidat für die bevorstehenden BimdesratsnMhlen aufgestellt worden ist. Oper- Ulr Berliner Opernalltag. „Tvätd" in ver Städtischen Oper. Wir sprechen gemeinhin nicht von den Alltagsvorstellungen der Berliner Oper. Wir sprechen gemeinhin nicht von dein, was ist, wie es sein soll. Aber wenn der Alltag nicht ist, wie er sein soll, dann ist es nötig, einmal davon zu sprechen. Beispiel: Pucclnis ..Tosca' als Sonntagsvorstellung in der Städtischen Oper, Mit Mafalda S a l v a t i n i in ihrer besten Rolle und Max Roth als Scarpia in bewährter, guter Besetzung, die durch F i d e s s c r s Eavaradosst neuen und strahlenden Glanz erhält. Doch im übrigen, welch eine Ausführung, ungepflegt im überlauten Orchesterklang, verwahrlost im Szenischen, für das kein Regisseur verantwortlich zeichnet. Man gibt diese abscheuliche Oper nur, weil— angeblich — das Publikum sie verlangt, und wenn diesem die Wiedergabe genügt. dann mag sie, sagt man sich vielleicht, für das Haus gut genug sein. Aber mchts hat dem Ruf der Städtischen Oper in den letzten Iahren so geschadet, wie diese Abend« der untcr-mittelmäßigcn Repertoirevorstellungen- Wann endlich werden sie verschwinden? K. P. Mmkonferenz. Am 1. Dezember fand in Berlin eine vom Sozialist i- schen Kulturbund einberufene Filmkonferenz statt, zu der die soziaüstischen Beisitzer in den Filmprüfstellen, Vertreter der Reichs- tagsfraktion und der Arbeiterkulturorganisationen«ingeladen waren. Unmittelbaren Anlaß zu dieser Tagung bot der kürzlich fertiggestellt« neue Entwurf des Lichtbildgesetzes, der dieser Tage dem Reichstag zugchen wird. In einem vorzüglich angelegten, mit vielen anschaulichen Beispielen durchsetzten Referat gab die Landtogsabgeordnete Hedwig Wachenheim einen Ueberblick über„Die bisherige Praxis der Filmprüfstellen". Eine feste und eindeutig? Recht- sprechung ist dadurch erschwert, daß die gesetzlichen Richllimen, nach denen die Zulassung eines Bildstreifens zu versagen ist, je nach der weltanschaulichen Stellungnahme höchst verschieden aufgefaßt und ausgelegt werden können(Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit: Verletzung des religiösen Empfindens: verrohend« und entsittlichende Wirkung: Gefährdung des deutschen Ansehens usf.). Die Gefahr, die dies« Zensur für die Kunst und die frei« Meinungsäußerung im Film bedeuten kann, hat sich bisher noch nicht sehr erheblich ausgewirkt, da die Zahl der rein künstlerischen Filme im Augenblick im Verhälliris zur Gesamtproduktion noch gering, serner von der Möglichkeit parteipolitischer Fllmpropaganda noch wenig Gebrauch gemacht worden ist. Das wichtigste Moment ist und bleibt die Auswahl der geeigneten Persönlichkeiten für die Besetzung der Filmprüfstellen. Autogramme des Publikums. Es ist Vii Uhr nach Mitternacht. Der Kurfürstendamm ist still. Rur selten flitzt eine freie Autodroschke vorüber. Auch die Nacht- vmnibuss« fahren fast leer. Auf dem Bürgersteig torkelt ein Kellner, ein wager, kränklich aussehender Mann, müde nach Hause. Ein bebrillter junger Mann, wie ein früh gealterter Professor aussehend, kommt ihm entgegen. Der sung« Mann trägt ein Album unter seinem Arm. Der junge Mann kreuzt den Weg des Kellners und läßt ihn nicht weitergehen. „Verzechen Sie bitte I' Lautlos bleibt der Kellner stehen. , /laben Sie keine Angst,' sogt der fremde Mann,„ich bin kein Bettler. Rur ein Autogrammsammler.' Schon Hot er sein Mbum geöffnet und hält es unter die Nase des Kellners. „Darf ich Sie um eine Unterschrift bitten?' Der Kellner weigert sich, den Bleistift zu berühren. „Aber wannn brauchen Sie mein Autogramm?' wehrt sich der Kellner. „Sehen Sie," meint der Autogrammsammler.„Sie sind ein Nachtschwärmer, außerdem noch ein magerer Mann. Glauben Sie nicht, daß Ihnen jetzt ein Glas Dollmisch gut tun würde?" „Aber erlauben Sie, was hat die Vollmilch mit meinem Auto- gramm zu tun?" „Einen Augenblick, Sie werden gle'ch alles verstehen. Also hören Sie bitte zu. Man will hier in d« Nah« auf der Straße eine M t l ch b u d« ausstellen, die die ganze Nacht hindurch geöffnet sein soll. Aber die Behörden verweigern die Genehmigung. Der Unter, nehmer des Milchzelles wies aber darauf hm, daß er damit die öffentliche Gesundheit fördere, da ein Glas Nollmilch für Nacht- fchwärmer allgemeines Interesse des Publikums beanspruchen darf. Die Behörde will also daher nur ihre Erlaubnis geben, wenn ihr nachgewiesen wird, daß das Publikum der Eröffnung eines nächtlichen Mllchzeltes selbst wünscht. Also, mein Herr, wünschen Sie vor jedem Nachhausegehen ein Glas erfrischende und stärkende Bollmilch oder nicht? Wenn ja, dann zeichnen Sie Ihren Namen hierher!" Der Kellner nimmt den Bleistift und kritzelt seinen Namen in das Album, worin schon ein Heer von Hunderten Unterschriften zu sehen ist. Der Kellner geht weiter, doch nach wenigen Schritten scho» kommt«in anderer junger Mann auf ihn zu. gleichfalls mit eine« Album unter dem Arm und bittet ihn auch um ein Autogramm. „Es ist allgemeiner Wlle, daß hier in der Nähe ein Vollmilch- zeit eröffnet wird," sagt der junge Mann. Aber der Kellner unterbricht ihn: „Ich Hab« schon ein Autogramm gegeben." „Wem?" „Ihrem Kollegen." „Ach, ich Pechvogel, ich habe schon wieder 20 Pfennig verloren!" „Wieso?" „Wir sind beide bei dem Unternehmer der zukünftigen nächt- lichen Milchhalle angestellt. Wir bekommen 20 Pfennig für jede Unterschrift." Der Kellner geht weiter nach Hause, ins Bett, Nach einer Woche aber sieht er unterwegs in der Straß« eine neu eröffnete Milchhalle. wo er tatsächlich ein Glas erfrischende Vollmilch vor dem Schlafen- gehen trinken kann. Die Autogramme de» Publikum» siegten über die Hartnäckigkeit der Behörden. Man sieht jetzt in Berlin sehr oft ähnliche Autogrammsammler umherstreichen. Zuletzt eine neue Stempelfabrik, deren Eröffnung das Finanzamt nicht erlauben wollte, sammelt« auf diese Weise 1500 Unterschriften von verschiedenen Bureauinhabern, die all« mit ihren Unterschriften t i— Theater. Anschließend nahm die Reichstogsabgeordnete Clara B o h rn Schuch Stellung zu dam neuen Entwurf des Filmgesetzes. Zwir soll die schon seit langem notwendige genau« Umgrenzung ort?- polizeilicher Machtbefugnisse gegenüber Filmvorsührungen durch dieses Gesetz erfolgen. Dagegen bedeutete aber die Ausdehnung der Zensur auf den verbindenden und begleitenden Text im Gesang und im gesprochenen Worte eine außerordentliche Gefahr sowohl für dir politische Filmpropaganda wie vor allem für den Tonfilm Die Reserentin nahm vor allem Stellung gegen ein« Reihe neu vor- gesehener Straföestimmungen, die sich in erster Linie gegen Jugend- liche und deren Erzieher iin Falle verbotenen Lichtspielbesuchs von Kindern und Jugendlichen auswirken würden. An die beiden ungemein aufschlußreichen Referat« schloß sich «ine lebhafte Diskussion. Dr. Otto Mayer. Lherman-Matmee im Lessing-Theater. H. DR. Lenonnand:„Oer Traumjäger." Zehn Bilder lang quält sich die Hauptfigur Jeaunina des fran- zösischen Dramas mit scheußlichen Erinnerungen ab. Ihre Mutter ist vor Iahren bei einem Ueberfall durch Banditen getötet worden oder sonstwie verloren gegangen, und Jeannma wird den ärgerliche» Gedanken nicht los, daß sie an dem bösen Schicksal der Mutter schuld sei. Bielleicht hat sie damals die Mutter gehaßt und ihr Böses ge- wünscht, kurz und gut. Jeanmna hat ihren Komplex weg und ihr Leben lang daran zu knacken. Die ganze Tragik des Falles erhellt aus der Tatsache, daß die Kleine dmnals ganze acht Iahte alt gewesen ist. Die Dam« mit dem Komplex hat nun das ausgesucht« Pech, an einen Nervenarzt zu geraten der Psychoanalyse treibt. In der Absicht, sie zu heilen, wühlt er in ihrer armen Seele herum, forscht in ihren Träumen' und macht sie vollends unglücklich, bis sie sich totschießt. Er bildet sich ein, die Wahrheit suchen zu müssen und die Menschen dadurch, glücklich zu machen, ein Gedanke, den die Dramatiker vor mehreren Jahrzehnten schon restlos abgewandelt haben. Wie man sieht, rechnet der Autor endgültig mit Freud und der Psychoanalyse ab. Alle Mann jagen im Drama einem Phantom nach, die Bühnensigurcn sowie der Autor, der wahrscheinlich glaubt, daß das Theater der geeignete Platz ist, ein medizinisches Problem zu lösen. Der Zuschauer bemächtigte sich allmählich eine dumpfe Lethargie. so daß sie willen- und widerspruchslos die zehn quälenden Bilder über sich ergehen ließen. Gespielt wurde äußerst anständig, von Till Klockow, Trude Burg. Gillis van Rapparv und Otto W a l d! s. Am anregendsten war Till Klockow. die eine Verbrecherin aus Passion prima dämonisch und mit zugekniffenem rechten Auge hinlegte. Dgr. dokumentierten, daß die Eröffnung einer neuen Stempelfabrit in der betreffenden Gegend ein allgemeiner Wunsch ist. Dieser neuesten Autogramm-Mode haben die gemütlichen Berliner schon einen Namen gegeben: „P r ivatv olksbegeh re n..." B. Lrng. Dic Volksbühne veranstaltet am Sonntag, dem 8. De- zember, Uli Uhr. im Theater am Bülowplatz ihre 3. musikalische Morgenseier, in der das �Hammerwerk", eine Arbeiter-Sin- forne von Hermarm Wunsch, und das„Divertimento" op. 2(für Sprecher, Klavier und Kammerorchester) von Karl Hermann Pill- nSy erstaufgeführt werden, zwei Werke, die vom„Sozialistffchen Kulturbund" gelegentlich seines Preisausschreibens ausgezeichnet und zur Aufführung empfohlen worden sind. Außerdem«erden vier Arbeiterlieder für ein« Singstimme und Orchester von Klaus Pringsheim unter Leitung des Komponisten urausgeführt. Mitwirkende: das Berliner Sinfonie-Orchester unter Leitung von Kapellmeister Karl Rankl(Staatsoper): Gssangsfolo: Herbert Janßen(Staatsoper): Sprecher: Alfred Beierlc. Den Klavierpart in Pillneys„Divertimento" spielt der Komponist persönlich. Da dic Werke ganz aus der Gedanken- und Gefühlswelt der modernen Arbeiterbewegung herausgewachsen sind, kann die 3. Morgenfeier der Volksbühne auf dic lebhafteste Anteilnahme der Berliner Ar- beiterschast Anspruch erheben. Karten auch für Nichtmitgliedcr der Volksbühne zu l.SO Mark (ohne Nachzahlung) in den Geschäfts- und sämtlichen Zahlstellen der Volksbühne sowie beim„Zentralverband der Angestellten". Kopenhagen 760000 Einwohner. Auf Grund einer Anfang November vorgenommenen Volkszählung beträgt die Bevölkerung Groß-Kopenhagens zur Zeit rund 760 000. Davon entfallen auf Kopenhagen ohne Vororte etwa S10 000. Gegenüber dem Vorjahre ist eine Zunahme um etwa 7000«ingetreten, die jedoch im wesent- liche» aus Zuwanderung zurückzuführen ist, während der Geburten- iiberschuß von 4 auf 3,1 je Tausend zurückgegangen ist. Man rechnet daher damit, daß es m einigen Iahren bei der gleichen Entwick- lung in Kopenhagen überhaupt keinen Geburtenüberschuß mehr gibt. während für ganz Dänemark dies Ergebnis bei ständiger Abnahme der Geburtenzahl etwa um 1970 eintreten dürfte. Antireligiöse Huchschulen in Sowjetrußland. Im Zusammen. hang mit der zunehmenden Verschärfung des Kampfes gegen Re- ligion und Kirche hat der Moskauer Gew�rkschastsrat beschlossen, im Moskauer Bezirk neun Hochschulen zu gründen, die ausschließlich de?„antireligiösen Aufklärung" dienen sollen. Den Gewerkschaften des Bezirks ist vorgeschrieben worden, aus ihnen Kulturfonds zur Ausstattung der zu gründenden Hochschulen Mittel bereitzustellen. Ein« der Ausgaben dieser Hochschulen wird in der Ausbildung von Agitatoren und ihrer Verteilung auf das Gebiet des«Sowjetstaate» bestehen Ferner ist beschlossen worde, r, an dig Zentralexekutwe ein Gesuch um Schließung der Kirche an der Dmitrowkastraße in Moskau zu richten. Diese Kirch« soll dmrn in ein antireligiöses Museum der Gewerkschaften umgewandelt werden. Der Schauspieler als Weihnachtsmann. Die prominenten Schauspieler New Ports haben auf ihrer letzten Sitzung beschlossen, Anfang Dezember auf eine Abendgage zu verzichten und dies« den Wohltätigkeitsvereinen zur Verfügung zu stelle», die die Weih- nachtsbescherun? mittelloser Kinder übernommen haben. Einige Direktoren haben sich daraufhin bereit erklärt, die so gesammelten Summen durch- Ueberwoisiing eines Teils«der Abendkasse noch wesentlich zn erhöhen. Al» zweit« Saudervorftellung de» Somit««» für Sebarlevregelung findet am 10., WU Uhr, im Lrifingtdeatcr lGrovPe junger Schauspieler) eine Slufführung von. CS Y o n k a I i• Natt. Karten nur im Vorverkauf bei Dr. B en d ix. Alexanderstrabe 39/ tv, Ausgang 1. Auslosung im Theater ab 19 Uhr. (Eine Gedenkfeier für Arno Holz findet im Leiitngmusium am ö., 20 Uhr. statt. Aisred Richard Meyer spricht über de« Dichters r/fdin. Au« seinen Werken liest Else«euer. Daphnielieder von ffi. Stolzenberg singt Prof. Karl Cl cvi ng, Am Flügel Dr. K. P. Mükle- Au»stellung von Erstausgaben, Handschristev, Bildern. Die Kerfer von Budapest. Ein Buch der Schmerzen. Unter diesem Titel ist im Dresdener fozialdemokratischen Ber.| Rerfer verlassen. Die Haftverfügung gegen sie wird aufgehoben. lag Kaden u. Co. ein 237 Seiten startes Buch erschienen. Der Berfasser„ Sandor Kemeri" ist die Schriftstellerin Bölön i. Sie war nach Jahren freiwilligen Erils nach Ungarn zurüdgefehrt, während ihr dem Horthy- Terror entronnener Mann in Wien geblieben war. Als sie ihre Wohnung betrat, um einen Teil ihrer Habe zu holen, fand fie darin siebenbürgische Flüchtlinge, unglaublichen Schmutz und einen Teil ihrer Sachen vernichtet oder gestohlen. Sie stand gerade im Begriff, aus dem Rest ihrer Habseligkeiten verschiedenes aus zuwählen, um es fortzufchaffen, als sie von der politischen Polizei verhaftet wurde. Der Hausbefizer oder die Flüchtlinge aus Siebenbürgen hatten sie aus Furcht, sie könnte die Wohnung für fich in Anspruch nehmen, der Spionage denunziert. Num beginnt das Martyrium. Schon die Bernehmung ist eine Die Schriftstellerin wird auf das Brutalste behandelt, fie wird Zeugin schwerer Folterungen von Kommunisten. Graujamkeiten, von denen sie vorher taum eine Vorstellung besaß und die fie, froh früherer Schilderungen, nicht für möglich gehalten hatte, Qual. ziehen an ihr vorüber. Dann wird sie von einem Gefängnis ins andere geschleppt, ungeadytet eines schweren Frauenleidens und hohen Fiebers. Sie glaubt, im Schmuß, Ungeziefer und Räfte zu vergehen. Und immer wieder ungeheuerliche, brutale Behandlung. Schließlich landet sie im Lazarett. Sie ist doch die befannte Schriftstellerin. Ihre Freunde bestellen ihr einen Anwalt, feßen die Gerichtsmaschine in Bewegung; nach sechs Wochen darf sie ihren 11. Renaudel für Regierungsbeteiligung. Eine Rede in Lyon. Paris, 3. Dezember.( Eigenbericht.) Der sozialistische Abgeordnete Renaudel befaßte fich in Lyon in einer Rede mit dem in der Sozialistischen Partei Frank reichs umstrittenen Roalitionsproblem und führte dazu aus: Nur dann könnten und dürften die Sozialisten in eine Res gierung eintreten, wenn es sich um die Beteiligung an einer entschieden fortschrittlichen und reformfreudigen Regierung handele. Sie müßten die Mitarbeit verweigern, sobald die Regierung ihrem Programm untreu werden sollte. Mit dem radikalen Parteiführer Daladier wäre man bei der letzten Regierungstrije in Frankreich sicherlich zur Ausarbeitung eines gemeinfamen Programms gefommen; auch hätte man sich mit ihm leicht über die Besetzung der wichtigsten Ministerposten, wie der Vizepräsidentschaft, des Auswärtigen Amtes, des Kriegs, Finanz- und Tardieu die Regierung übernommen und aus dem Programm Innenministeriums einigen fönnen. Bolitik und die Räumung des Rheinlandes herausgegriffen. Er der Linksparteien die Ratifizierung des Young- Planes, die Locarnofranzösischen Sozialisten müßten endlich einmal in die Regierung gehen. Sie bildeten die einzige Partei in der 2. Internationale, die diesen Versuch noch nicht gewagt habe. Es hieße doch schließlich nichts anderes, als sich selbst der Unfähigkeit beschuldigen, wenn man ständig in der Opposition bleibe. Man wird das Buch nicht ohne Grauen iefen. Literarisch wertvoll, wird es auf Jahre hinaus ein erschütterndes Dokument des ungarischen weißen Terrors werden. Was diese Schrift für die Deffentlichkeit noch ganz besonders interessant macht, ist ein Vorwort Henri Barbusses. Dieser große französische Schriftsteller, der seine vornehmste Pflicht darin erblickt, gegen den weißen Terror in Ungarn, Bulgarien, Rumänien usw. Front zu machen, hat dem Büchlein eine Einleitung vorausgefchist, die jeder freudig unterschreiben wird. So sagt er da:„ Denen, die den Glauben an die Freveltaten der herrschenden Mächte in manchen Ländern ablehnen und sagen: Das ist nicht möglich, die Anflagen sind übertrieben... dergleichen Greuel geschehen nicht in unserer Zeit", denen wird das Wort im Munde ersterben, wenn sie diese Auszeichnungen gelesen haben..." Frau von Bölöni schildert uns die furchtbaren Vernehmungen von Gefangenen, die man mißhandelt und verstümmelt, um sie zum Geständnis zu zwingen. Zum Geständnis ihrer Begehen. teiligung an einer Verschwörung, die nur in der Phantasie der Bolizei besteht und zur Bekanntgabe der Namen derer, die dieselbe Polizei zu verfolgen wünscht... Wir wandern durch stinkende Belfen mit faulenden Strohsäden, wir schaudern zurüd vor all dem verpesteten Schmutz... Gefangene sterben unter Schlägen, beschimpft, befpien, getreten noch im Todestampfe... Dieses Zeugnis... unerschütterliches Dokument aus unserer Zeit der Zivilisation und der Schande, ist vom Anfang bis zum Ende erfüllt von einem zugleich aufwühlenden und wohltuendem Geifte der Güte und Barmherzigfeit..." fanntgegeben werden. In den Reihen der Opposition scheint man fich sehr ernsten Befürchtungen hingegeben zu haben, wodurch sich der Eifer erklärt, mit dem die Oppositionellen sich jetzt um die Wiedergewinnung der Gunst und Gnade der Parteizentrale, d. h. Stalins bemühen. Statt dessen habe werde aus dieser Politik allein alle Vorteile davontragen. Die ,, lebernehmen wir die Mitarbeit und die Mitverantwortung der Regierung schloß Renaudet dann können wir sicher sein, daß wir jeden Krieg verhindern werden." Durchpeitschung des Budgets. Paris, 3. Dezember.( Eigenbericht.) Die französische Kammer foll auf Wunsch des Ministerpräsidenten Tardieu bis Ende der Woche täglich drei Sigungen abhalten, damit die Budgets für das Kultus ministerium, das Innenministerium, das Kriegs- und Marine ministerium und für das Auswärtige Amt erledigt werden fönnen. Am nächsten Montag foll dann die große allgemeine Aussprache über das Gesamtbudget beginnen und am Donnerstag darauf, also vier Tage später, will man das Einnahmebudget mit allen Steuern und Steuererleichterungen durch peitschen. Pogrom in Altenburg. Rumänische Prügelpolizei. Landessitte nicht so schnell abzuschaffen. Bukarest, 3. Dezember.( Eigenbericht.) Die Sozialdemokratische Kammerfraktion inters Zu denjenigen Anhängern der Rechtsopposition, die gerade in pellierte die Regierung über die zunehmenden Miletzter Zeit den besonderen Unwillen der Parteileitung erregt hatten, handlungen der Arbeiterschaft durch die Polizei; gehörten der Profeffor Aichenwald von der Universität u. a. wurde darauf hingewiesen, daß die höchsten Rajan und mehrere andere jüngere Gelehrte. Auch sie magen nicht Polizeibeamten sich an diesen Mikhandlungen beteiligen. länger bei den birrungen nach rechts" zu verharren und haben Der Juneuminister erwiderte, daß die Regierung entsprechende Erklärungen abgegeben, deren Beröffentlichung die ,, Bramba" anfündigt. gegen diese Schändlichkeiten Tonsequent vorgehe. Es sei jedoch unmöglich, die Sitten und Gebräuche des Brügelns wehrloser Gefangenen, die sich unter den Regierungen Bratiann und Averescu einge murzelt hätten, mit einem Schlage auszurotten. Die Liberalen beantworteten diese Erklärung mit solchem Tumult, daß die Kammer vertagt werden mußte. Die ungerechtfertigt fritisierte. Er wurde daraufhin aus der Partei weise nicht unerhebliche Verlegungen davongetragen. Die Täter Debatte wird demnächst fortgesetzt. Reuige" Profefforen. Auch Gleptow, der Unentwegte" fällt um. Mostau, 2. Dezember. Als ein ganz besonderer Erfolg Stalins ist aber der Umfall Sleptoms anzusehen. Sleptom war der Führer der oppositionellen Gruppe in Samara und hatte den Mut, auch nach der Maßregelung Bucharins noch vor wenigen Tagen in Samara vor der dortigen Parteiorganisation Angriffe gegen Stalin zu er heben, wobei er die über Bucharin verhängten Strafmaßnahmen als organisation ausgeschlossen und mit meiteren Repreffalien bedroht. Das scheint nun seinen Widerstand, der länger angebauert hat als der aller anderen oppofitionellen Führer, gebrochen zu haben, denn gestern hat auch er ein Reue befenntnis" abgelegt, und zwar vor derselben Parteigruppe, die ihn gemaßregelt hat Für die Rechtsoppofition bedeutet dernllmfall dieses Führers, den die Parteipreffe als besonders gefährlich bezeichnete, eine starte Schlappe. Stalins scharfes Borgehen gegen die Rechtsopposition hat jeẞzt, nachdem auch Rytow, Bucharin und Tomiti gemaßregelt Der kanadische Ministerpräsident Mackenzie Ring gab bekannt, worden sind, immer neue mehr oder meniger demütig abgefaßte daß Kanada sich auf der Londoner Flottenkonferenz werde vertreten ,, Reuebetenntnisse" zur Folge, die im Parteiorgan Pramda" be-' laffen. Dienstag, 3. 12. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 268 20 Uhr Dienstag, 3. 12. Städt. Oper Bismarckstr. Turnus III 20 Uhr Der Fra Diavolo Schauspieldirektor Staats- Oper Am PL.d.Republ. Vorst. 94 20 Uhr Coppelia Staatl. Schansph. am Gendarmenmarkt A.-V. 236 20 Uhr Fledermaus 2x2= 5 Staatl. Schiller- Theater, Charlth. 20 Uhr: Hans Im Schnakenloch SCALA Tagl. 2 Verstell 5 und 2 Uhr Barbaressa 9256 Preise 1-6 M. Wochentg.: 50. 50 PL- 3 M. Kafka, Stanley n. May, Matray- Ballett, Charles Perezo& Co. usw. PLAZA Tägl. 5 u. 815 Sonnt. 2,5 u. 8 Alex. E. 4.8066 INTERNAT. VARIETE 8% Uhr CASINO- THEATER 84 Uhr Lothringer Straße 37. Nur noch bis 3. Dezember 1929: Vertagte Hochzeitsnacht! Am 4. Dezember zum 1. Male: Familie Hannemann. Gutschein für 1-4 Personen Fauteuil nur 1.25 M., Sessel 1.75 M., Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. Renaissance- Theater 814 Uhr. Heute u. morgen 2 letzte Aufführungen Coeur- Bube Komödie von Jacques Nathanson. Donnerstag geschlossen! 814 Uhr GROSSES SCHAUSPIELHAUS 8% A 4 Zentrum 926/927 814 8 Uhr: Theater i. d. Behrenstr. 53-54 Die Komödie 11 Bismck.2414/ 7516 Vom Teufel geholt von Knut Hamsum Regie: 3 Musketiere Regie: ERIK CHARELL. 3 Sonntag nadm. ungek. balbe Pr. Reichshallen- Theater Abends 8 Sonntag nachm. 3 Stettiner- Sänger Neu: LogisWildwest" Burleske von Meysel Billettbest. Zentrum 11263 Dönhoff- Brettl: Familien- Varieté Tanz. Winter Garten* 8 Uhr Zentr. 2819 Rauchen erlaubt 16 Original Lawrence Tiller- Girls und weitere Varieté- Neuheiten ROSE Gr. Frankfurter -THEATER Straße 132 Teleph.: Alexander 3422 u. 3494 Täglich 815 Uhr: ( Sonntags. 5% und 9 Uhr) Pariser Blut Jeden Mittwoch u. Sonnabend nachm. 5 Uhr Max und Moritz" und der Weihnachtsmann Großes Weihnachtsmärchen. Jeden Sonntag, nach m. 2.30 Uhr Frau Holle Theater d. Westens Trianon- Th. Merkur Tägl. 8 Uhr 8 Uhr 2391 ... Vater sein, dagegen sehr D.1. Norden 12310| 81 Uhr Direktion Volks buhne Deutsches Theater Max Rehardt Volksbühne Theater am Bülowplatz 8 Uhr Uraufführung Affäre Dreyfus Schauspiel von René Rest Regie: H. D. Kenter. Staatl. Schiller- Th. 8 Uhr Hans im Schnakenloch Staatsoper am Platz der Republik 8 Uhr Die Fledermaus Theater am Schiffbauerdamm 8 Uhr Pennäler Der Kaiser Dr. Robert Klein v.Amerika von Bernard Shaw Reg.: Max Reinhardt Kammerspiele D.1. Norden 12 310 8 Uhr Zur gefl. Ansicht! Lustspiel von Frederik Lonsdale Regie: Gustaf Gründgens Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich 84 Uhr Max Adalbert in Das Parfüm meiner Frau Lustsp v. Leo Lenz Goldsiegel Schirme eine Freude für Alle H.Cherdron Schirmfabrik Eigene Filialen: Berlin, Große Frankfurter Straße 128 des Königs" Steglitz, Schloßstraße 115 Freitag 7.30 Uhr Premiere Marietta Die Ballerina Pariser Leben Operette von Offenbach. Steinplatz C1, 0801 a. 2583/84. Musik v. Oskar Straus Frankfurter Allee 16 Käthe Dorsch So. 4, Stg. 2 Uhr Charlottenburg, Berliner Straße 146 Michael Bohnen Schneewittchen Karlsruhe 1. B., Kaiserstraße 74 Deutsches Künstler- Theat. Barbarossa 3937 3/48 Uhr Ende 11.10 Uhr Seltsames Zwischenspiel Regie: Heinz Hilpert 6. u. 7. nchm. 31, Sonntag, den 8., vorm. 11 Uhr Barnowsky- Bohnen Theater in der Königgrätzer Straße Täglich 8½½ Uhr Die erste Nationalsozialisten überfallen jüdische Einwohner. Im Anschluß an eine Werbeveranstaltung der Nationalsozias listischen Arbeiterpartei fam es in Altenburg verschiedentlich zu Schlägereten. In der Wallstraße überfiel ein Trupp Nationalsozialisten eine Anzahl jüdischer Bewohner und mißhandelte sie. An der Ede Berg und Frauengasse wurden von den Nationalsozialisten einige Reichs. bannerleute geschlagen. Die Angegriffenen haben teilhaben sich bisher nicht ermitteln lassen. Die durch die Vortommnisse erregten Bewohner und Straßenpassanten konnten mur durch energisches Eingreifen der Polizei davon abgehalten werden, auf die Nationalsozialisten einzubringen. no 410 9010 und derweil die Täter laufen lassen! Das ist eine Die Polizei von Altenburg hat also die Rowdys geschützt a seltsame Auffassung der Aufgabe der Ordnungspolizei! Berantwortl, für die Redaktion: Wolfgang Schwarz, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Vorwärts Berlag G. m. b. H., Berlin. Drud: Borwärts Buch bruderei und Berlagsanstalt Paul Ginger& Co.. Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. entralTheater Z° Alte Jakobstr.32 Gastspiel d. Th. d. Westens Täglich 84 Uhr Stg. 5 u. 84 Uhr Mrs. Selby Friederike mit Fritzi Massary Alfred Abel Komödienhaus Täglich 8% Uhr Der Hühnerhof Imit Curt Bols Journey's End Planetarium 3 15 Uhr Die am Zoo andere Seite Verläng. Joachimsthaler Straße Berliner Theater Dönhoff 170 8 Uhr Reserviert für Herrn Gaston, Von Max Wolff. Regie: B.5 Barbarossa 5578 16 Uhr Die Wintersternbilder. 184 Uhr Der Stern der Weisen. 2014 Uhr Der Planet Jupiter. Eintritt 1 Mark, Kinder 50 Pf. Forster Larrinaga Mittwochs halbe Kassenpreise. Der Welterfolg von Franz Lehár Metropol- Th. 814 Uhr Das Land des Lächelns Vera Schwarz, Richard Tauber Musik von Franz Lehár Lustspielhaus Friedrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich 8 Uhr Grand Hotel Lustspiel von Paul Frank Theat. a. Kottb.Tor Kottb. Str. 6 Tägl. 8 Uhr auchSonnt. nachm.3 U.: EliteSänger. Das einzig dastehende, vielseitige Weihnachts- Pr. Th. a. Nollendorfplatz Vorvk. 10-2. Kf. 2001 Täglich 8 Uhr Gastspiel des Deutschen Theaters Die Fledermaus Regie: Max Reinhardt, Künstlerbedarf bei JUERGENS Alexanderplatz Neue Königsfr.43 Billige Gardinen! MK 35 eleuchtungs euch Körper 18 MONATS RATEN Raddatz Berlin, Leipzigerstr. 122-123 In allbekannter Güte wie selt 25 Jahren 1 neue Uhr Feder la 75 Pfg. 1 neue Uhr Kapsel " 25 Pfg 1 neuer Uhr Reiger 25 Bfg. 1 neues Uhr Blas 1 neuer r- Ring 20 Bfg. 10 Pfg. 1 neuer Uhr Schlüffel 5 Pfg. Neue Uhren in größt. Ausw., genau reguliert. E. Möbis 14 Kottbusser Straße 148 ( Nähe Kottbusser Tor) 200 illige Tisch- und Diwandecken! 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Dezember 1929 BrrAiipnD SAauHat,** V>*ew* Genähte Knochen Kniescheiben aus Ochsenknochen— Gebrochene Knochen werden mit Klaviersaitendraht geflickt— Galalith als Knochenkitt Die mabcmc Thirm-gie ist wirklich ein„üoitb der unbegrenzten Mäglichkeiten". Noch liegt die Zeit gar nicht so fern, als jede Biinddarmoperation ein Abenteuer war, vor dem der Patient sein Testament zu machen pflegte: noch mögen sich alte Aerzt« an die Operationen ohne Narkose erinnern, an jene fürchterlichen Torturen, vor welchen selbst der Operateur schlaflose Nächte hatte. M i t glüh enden Eisen wurden damals die Armen am Rück- grat gebrannt, eh« sie unter das Messer des Chirurgen kamen— das sollte wenigstens etwas ihre Schmerzen betäuben. Was muß ein Heinrich Heine gelitten haben, der auch auf diese Weis« gefoltert worden ist!„Riecht ihr noch den Branddust", rief er mit verzweifeltem Humor seinen Freunden zu, als sie ihn nach der Operation besuchten. Heute kann der Patient, sofern er Lust und gute Nerven hat, dank der wunderbaren Erfindung der lokalen Betäubung seiner eigenen Sektion zusehen. Heute zählen gesucht« Chirurgen die herausgeschnittenen Blinddärme und Gallensteine nicht nach Dutzenden, sondern nach Tausenden. Di« größere Sorge des Patienten ist meist nicht mehr der glückliche Verlauf der Operation. sondern die U n s i ch t ba r k« it der Narbe. Und auch hier hat die Heilkunst ein Mittel gefunden: durch ein geschickt ange- brachtes Zugpflaster werden die Wundränder so ohne Naht aneinandergepaßt, daß sie fast narbenlos verheilen. Eine Methode, die fest kurzem auch in der kosmetischen Chirurgie verwendet wird, um Gesichtssalten unsichtbar zu entfernen: sie soll erstaunliche Er- folge erzielt haben. Noch erstaunlicher ist aber, was die Chirurgie heute an unserem inneren Menschen zu verbessern imstande ist. Knochenbrüch« werden oft dadurch gefährlich, daß die Knochen mehrfach splittern, oder daß sie an Stellen brechen, die stark beansprucht sind, wie etwa der Oberschenkel. Knochen von Tuberkulösen, Rachstikeru oder über- Haupt schlecht ernährte, schwache Knochen heilen außerdem besonders schlecht. Es dauert oft Monate, bis die Enden der Bruchstücke sich wieder zusammensügen und bis die Bruchstelle wieder fo'ftarf wird, daß dos betreffende Glied gebraucht werden kann. Bisher waren solche Fälle immer«ine besondere Sorge der Chirurgen, jetzt gibt es aber ein sicheres Hilfsmittel in der„Kna che n naht*. Di« freien Enden der Knochen werden an der Bruchstelle mit einem Metalldraht umwickelt und sest zusammengefügt. Der Draht bleibt immer am Knochen und wächst schließlich in dos Muskelgewebe mit ein. Jahrelange Versuche waren zu? Ausbildung dieser Methode notwendig. Zuerst nahm man Silber- oder Aluminiumbronzedraht, der jedoch an den Stellen, wo er zusammengedreht werden mußt«, häufig brach und dann zu unangenehmen Verletzungen führte. Atnerita- nifche Aerzt e versuchten darum, den Draht zu löten, was sich aber als sehr schwierig und gefährlich erwies, da das Knochen- gewebe dabei leicht durch die Hitze geschädigt wird. Eisenbänder, wie sie dann vorgeschlagen wurden, ließen sich nur um gleichmäßig runde Knochen legen. Der deutsche Forscher K i r s ch n e r fand schließlich im Klaoiersaitendraht ein besonders geeignetes Mittel. Klaviersaitendraht ist außerordentlich zugfest und läßt sich leicht löten. Kirschner konstruiert« femer einen Drahtspanner, mit welchem der Draht außerordentlich fest um die Knochenenden gelegt werden kam», so daß er lückenlos anliegt und sich nicht verschiebt. Um ohne Schaden löten zu können, legte Kirschner Tinol-Biberplättchen zwischen Draht und Knochen, die noch der Prozedur wieder sorg- sättig entfernt werden. Diese Knochennaht hält so fest und sicher, daß das verletzt« Glied nach der Operation gleich wieder bewegt werden kann. Di« Kirsthnersche Methode wird jedoch nur verwendet, wenn die betreffenden Knochen große Widerstände aushalten müssen, wie z. L. bei Oberschenkelbrüchen. Bei leichteren Brüchen benutzt man heute messt mit großem Erfolg Srupp-Stahldraht, der nicht reißt und rostet, sich leicht zusammendrehen läßt und auch ohne Lötung gut hält. Dieser Draht heilt glatt und leicht«in und ver- schwindet nach kurzer Zeit im Gewebe, wo er eingekapselt wird. Er verändert sich dabei fast gar nicht, bildet also keine Gefahr für den Organismus. Solche Drähte waren, wie sich bei Nachoperationen mehrfach gezeigt hat, noch nach Jahren ebenso blank wie bei der Naht. Häufig wollen sich die Lücken im Knochen nur langsam schließen oder es sind auch Stück« herausgesplittert, so daß die ganze Stelle dünn und schwach wird. In diesem Falle hat sich Galalith— bekanntlich ein kunstliches Horn— als ein vorzüglicher„Knochen- kitt* erwiesen. Das Galalith wird von dem betreffenden Gewebe gut aufgesogen und die Heilung geht sehr viel rascher vonstatten. Auch Jatwfvrmglyzerin läßt sich häufig gut verwenden. Die Chirurgie heilt ober nicht nur, sie ersetzt auch, wo es fein muß, fehlende Stücke, um wichtig« Glieder wieder gebrauchsfähig zu machen. So habe« die französischen Aerzte Robineau und Eontremoulin aus Ochseuknvchen, welche besonders wieder- standsfähig und zäh sind, künstliche Kniescheiben modelliert und damit ausgezeichnet« Erfolge erziekt. Auch als Zwischenstücke lassen sich dies« Knochen verwenden. Leider eignet sich aber nur dos vorder« Schienenbein der Ochse» für diesen Zweck, so daß nur kleinere Teile damit ersetzt werden können. In vielen Fällen helfen ober diese Ersatzstücke, aus einem Krüppel wieder«inen arbeits- fähigen Menschen zu machen. Dr.\V. Schütte. „Bruch" Eine Statistik des Elends Blind, taub, gebrechlich. Diese drei Gruppen sind auch bei der letzten Volkszählung ermittelt worden. Danach gab es in Deutsch- land(ohne Saorgebiet) 36 800 B l i n d e: auf je 10 000 kommen also fast 6 Blinde. Eine ähnliche Zählung aus den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ergab eine Blindenhäufigkeit von 9 auf 10 000. Während also damals von 1000 Deutschen fast immer einer blind war, ist dieses Uebel trotz der Kriegsblinden im Reick)« wesentlich zurückgegangen. Di« damals schon festgestellten Bezirke großer Blindenhäufigkeit, die im Nordosten und in Mittel- deutschland lagen, sind auch heute noch erhalten geblieben. Worauf dieses strichweise Vorkommen zurückzuführen ist, hat man bis heute noch nicht aufklären können. Mit besonders hohen Blindenziffern rangiert die S t a d t Berlin; wohl deshalb, well sich hier viele dieser Unglücklichen in Anstalten und Kliniken auf- halten. Man hat vielfach geglaubt, daß das rein germanisch« helle Auge der Erblindung weniger ausgesetzt ist als das dunkle Auge der heutigen deutschen Bölkerstämme und auch als dos hell« Auge der aus Germanen und Slawen gemischten Bevölkerung. Was aber heut anders ist als damals, sst die Verteilung der Blindenhäufigkeit auf die Geschlechter. Während damals beide gleich gefährdet nuren, zeigt sich heute bei den Männern eine wesentlich größere Häufigkeit als bei den Frauen. Die Unterschied« sind sehr erheblich, denn auf je 10000 Deutsche kamen nur 4,7 blind« Frauen, aber 7,2 blinde Männer. Auch über die Taubstummen und Ertaubten sst eine Statistik aufgemacht worden. Ihre Zahl-ist etwas größer als die der Blinden: 41 300, so daß auf 10 000 Deutsche 6,6 dieser von der Natur Benachieiligten kommen. Hierbei ist übrigens der Unter- schied zwischen männlicher und weiblicher Bevölkerung noch nicht so groß. Er ist aber immerhin vorhanden, da auf 10 000 Deutsche 3,9 tauben Frauen 7,4 taube Männer gegenüberstehen. Es ist be- achtenswert, daß vor einem halben Jahrhundert auch die Taub- stunnnenquote hoher war als jetzt, denn damals kamen fast 10 solcher Leute auf 10000 Deutsche. Auch bei den Taubstummen sind besonders starke Verbreitungsgebiete feststellbar. Ost- und West- preußen, Bayern und Baden zeigen besonders hohe Zahlen. Bor einem halben Jahrhundert beobachtete man in diesen Landes- tellen dasselbe, nur noch wesentlich verstärkt. In Ost- und West- preußen stieg damals die Quote ans das Doppelle. Der Unterschied der Taubstununheit bei Männern und Frauen ist, da das Leiden meist angeboren ist. oder in der frühesten Kindheit entsteht, wohl durch vorgeburtliche Vorgänge bedingt. Es scheinen dieselben zu sein, die überhaupt das männliche Geschlecht in dieser Zell und im zprtcn Kindesalter stärker bedrohen. Uebrigens hat man schon früher nachweisen können, daß dieses Leiden die davon Betroffenen meist von der Eh« ausschließt. Außer Blinden und Taubstummen sind auch die körperlich und die geistig Gebrechlichen Gegenstand der Erhebung gewesen. Als körperllch gebrechlich sind 424 000 Personen ermillell worden, darunter ein Viertel Frauen und drei Vierlei Männer. Auf 1000 Deusschc entfallen also immer 6,8 körperlich Gebrechliche. Dieser hohe Satz ist natürlich in erster Linie auf die zahlreichen Kriegskrüppel zurückzuführen, die das wahnsinnige Wüten im Well- kriege noch übriggelassen Hot. Sie sind wohl über da» ganze Reich einigermaßen gleichmäßig verteilt.(Oktober 1926 waren übrigens im Reich« fast% Millionen oersorg ungsberechtigte Kriegsbeschädigte vorhanden.) Geistig Gebrechliche niurben 207 000 gezählt, aus 300 Deutsche immer einer. Der Anteil der Männer und Frauen ist bierbei fast gleich. Die Landesteile zeigen nicht unerhebliche Unterschiede. Besonders hohe Anteile finden sich in Brandenburg und zwar namentlich bei den Frauen, in Baden und besonders in Hamburg, sehr niedrige Quoten weisen Oldenburg und Oberschlesien aus. Di« Statistik sst in dieser Hinsicht sicher nickst sehr zuverlässig. Denn man weiß wohl, daß die in Anstallen untergebrachten geistig Gebrechlichen verrückt sind, während die draußen frei herumlaufende Menschheit als einigermaßen normal betrachtet werden kann— wenn auch die Eingesperrten gewöhnlich entgegengesetzter Weinung sind. Aber die Menschen pflegen bei der Volkszählung gerade diesen Punkt nicht sonderlich sorgfältig und gewissenhaft zu beantworten. Dielfach genieren sich die Angehörigen, einen der ihren als Irren auszugeben, soixmn ober schwanken auch die Begriffe sehr. Denn, während mancher einen Menschen nur für etwas beschränkt, aber noch nicht gerade für verrückt hält, sind andere, besonders die Nervösen und der geistigen Anomalie Näher- stehenden, gewöhnlich schärfer in der Beurteilung ihrer Mit- menschen. Im ganzen ist es«ine ganz« Menge„Bruch* den so dos deutsche Volk mit sich herumschleppt, doch immerhin nur gut 1 Proz. In anderen Ländern, die in bezug auf sozial« Einrichtungen und soziale Fürsorg« nicht so weit voran sind, dürste der Antell wohl wesentlich größer sein, sofern sie nicht, wie z. B. manche nordffchen Länder, van der Natur überhaupt ganz besonders begünstigt sind. Tinlee. Die Erkennung der Schwangerschaf t Von Ewald Böhm Jedermann weiß, wie schwierig es ist, in den ersten Wochen nach Ausbleiben der Regel bei einer Frau festzustellen, ob sie schwanger ist oder nicht. Die Frucht ist infolge ihrer Kleinhell bei Untersuchung mit den Fingern(sog. digllaler Untersuchung) noch kaum nachweisbar, und alle anderen Schwongerschaftszeichen(z. B. abnorme Eßgelüste, häufiges Erbrechen. Kopfschmerzen und Uebel- keil) sind nicht immer stichhaltig: insbesondere gehören gerade die Zunahme des Leibesumfanges und das Ausbleiben der monat- lichen Blutung zu den unsicheren Kennzeichen der Schwanger- schaft. Denn diese Erscheinungen können auch durch Gewächse oder entzündlich« Dorgänge im Bereiche der gesamten unteren Leibes- höhle hervorgerufen werden. Deshalb liefert« die Untersuchung auf Schwangerschaft in den ersten Wochen bisher nur sehr unsichere Resultate. Als absolut untrügliches Kennzeichen konnte eigentlich früher nur die Hörbarkeit der Herztön« des Kinde, im 5. Monat der Schwangerschaft gellen. Anderersells hat man die Noiwendigkeit einer sicheren Früh- diagnase(Früherkennung) der Schwangerschaft aus praktischen Gründen zu allen Zeiten eingesehen, und Immer wieder wurden Versuche ch dieser Richtung unternommen. Der Arzt braucht die Frühdiagnose schon deshalb, um in den vielen Fällen ärztlich an- gezeigter Schwangerschaftsunterbrechung der Mutter möglichst wenig zu schaden; denn je früher eine solche Unterbrechung vorgenommen wird, desto ungefährlicher sst sie. Aber auch der Mutter ist an einer möglichst zeitigen Feststellung mancherlei gelegen: sie kann ihr« ganze Lebensführung, namentlich die Ernährung, entsprechend um- stellen. Nachdem alle Versuche einer zuverlLssigen Schwangerschasts- diagnose bisher fehlgeschlagen hatten, glaubt« bereits kurz vor dem Weltkriege der berühmte Hallenser Physiologe Prof. E m i l A b d e r- Halden, durch ein Blutuntersuchungsverfahren die Lösung gefunden zu haben. Es ist dies die nach ihm benannte Abderhaldensche Schwangerschastsreaktion. Dieses Verfahren beruht auf dem Nachweis gewisser Fennente im mütterlichen Blute. Der Mutterkuchen gibt Eiweißstoffe an das Blut der Mutter ab, so daß das mütterlich« Blut bei der Berührung mit diesen fremden Be- standteilen bestimmte Abwehrstoff« bildet, die nun ihrerseits die Spaltung des organischen Eiweiß verursachen. Aber auch die Abderhaldensche Reaktion erwies sich auf die Dauer als nicht ganz zuverlässig. Sie gibt, wie wir heute sagen können, durchschnittlich höchstens 88 bis 90 Proz. richtige Resultate, so daß auch sie die an die Wissenschaft gestellte Forderung nach exakter Treffficherheit nicht erfüllen kann. Inzwischen ist es fast drei Jahre her, daß zwei Berliner Forscher eine neue Schwangerschaftsdiagnose ausarbeiteten, die, wie es scheint, als sicher angesehen werden lann. Zu diesem neuen Ver- fahren führten zwei grundlegend« Entdeckungen. Zunächst stellte B. Z o n d e k fest, daß durch Zuführung von Hypophysenvorder- lappenhormon(Setret der Hirnanhangsdrüse) die Eierstöcke noch nicht geschlechtsreifer Tier« zu einer plötzlichen Frühreise gebracht werden können. Dann fand S. A s ch h e i m. daß dieser Stoff, nämlich das Hormon des Hypophysenvorder- l a p p r n s, sich bei eintretender Schwangerschaft so stark vermehrt, daß er nicht nur im Blut der Frau in größeren Mengen auffindbar ist, sondern auch im Harn ausgeschieden wird und dort durch Tier- oersuche nachgewiesen werden konnte. Aschheim und Zondek arbei- teten nun zusaiyinen die folgende Feststellungsmethod« aus. Schon bei einer Harnuntersuchung S bis 7 Tage nach Aus- bleiben der Regel ergibt sich eine Sicherheit der Fessstellung von 98 bis 99 Proz., und noch einige Tage später kann die Methode als absolut sicher gelten. Seit 1927 sind insgesamt 1100 Fälle kon- trolliert worden, unter denen nur 12 Fehler nachgewiesen werden tonnten. Besonders wichtig ist die neue Erkennungsmethode in Fällen einer Bauchhöhlenschwangerschaft(sog. Eileiter- oder Tubar- schwangerschaft). Hier besteht nämlich die Gefahr einer inneren Blutung im allgemeinen nur so lange, wie dos Ei lebt. Da aber 10 bis 12 Tage, nachdem das Ei abgestorben sst, die Reaktion negatw wird, so kann man bei negativem Befund im Falle einer solchen Bauchhöhlenschwangerschaft der Frau ein« Operation, die sonst er- forderlich wäre, unter gewissen Voraussetzungen ersparen. Die Aschheim-Zondeksche Reaktion ist inzwischen in verschie- denen Ländern mit Erfolg nachgeprüft worden. Angesichts dieser Tatsache ist es sehr begrüßenswert, daß für die weiteren For- schungsarbeiten auf diesem Gebiete in der Frauenklinik der Charstä das Laboratorium, dos jetzt nur aus zwei kleinen Räumlichkeiten besteht, demnächst größere und geeignetere Räume hergerichtet werden sollen. Was hostet das Kranksein? Nach einer soeben fertiggestellten Statistik, an der sich gut die Hälfte aller deusschen Ortstrankenkassen mit über drei Wertet aller Mitglieder beteiligt haben, sind im Jahr« 1928 für die Zweck« der Krankenhilfe über 780 Millionen Mark verausgabt worden. Fast 184 Millionen Mark betrugen die Kosten der ärztlichen Behandlung, fast 3S Millionen Mark die Ausgaben für Zahnbehandlung, etwa 104 Millionen Mark wurden für Arzneien und Heilmittel, etwa 122 Millionen Mark fiir Krankenhmisbehandlung ausgegeben. Die sogenannten Barleistungen, das heißt Krankengeld,.Haus- und Taschengeld beliehen sich auf fast 332 Millionen Mark. Für Ge- nesendenfürsorg« wurden 314 Millionen Mark verausgabt. Auf den Kopf des Versicherten fallen von diesen Kosten 77 Mark. Das Kranksein ist als««ine kostspielige Sache. Um so wichtiger ist die auch von den Kranken kassen in jeder Weise geförderte Vorbeugung. Allein nach der vorliegenden Statistik wurden für ollgemeine Fürsorge über 9 Millionen Mark, darunter für Kinderfüssorge 41- Millionen Mark ausgegeben. Aber auch im Interesse des einzelnen liegt es, die Krankheitskosten soweit als möglich durch eine gefundheitsgemäße Lebensführung zu vermindern, denn naturgemäß müssen mit den Ausgaben der Krankenkassen auch die zu zahlenden Beiträge erhöht werden, die ja zu zwei Dritteln dem Arbeitnehmer vom Lohn ab- gezogen werden. Ein Krebsforschungsinstiiut für Wien. Der Amerikaner Canning C h i l d hat der Stadt Wien die Mittel für den Bau eines Krebsfosschungsinstituts und eines Krebs- spilals zur Verfügung gestellt. Das Institut wird im ehemaligen gynäkologischen Pavillon des Sanatoriums Low eingerichtet werden. Die Umbauten werden so beschleunigt durchgeführt, daß noch vor Weihnachten die ersten Krebskranken Aufnahme darin finden können. Bluttransfusion als Geschäft. In New Park werden gegenwärtig etwa 10000 Blut üb er- tragungen jährlich durchgeführt. Das Angebot von Personen, die ihr Blut für die Uebertrogung zur Verfügung stellen, ist recht beträchtlich. Viele machen daraus ein Geschäft. Es gibt sogar Agenturen, die Angebot und Nochsrog« vermitteln und für ihre Bemühungen 10 Progent berechnen. Die G�sundhestsbehörde will Maßnahmen treffen, um diesen Markt zu überwachen. Jeder, der sich zur Blutabgabe gemeldet Hot, soll einen Paß erhalten, in dem Angaben über die Zusammensetzung seines Blutes und seiner Der- wendungsfähigkeit entHallen sind. — I, ♦ Eine neue Krankheit.. In einem Hospital in Los Angeles wird fett einer Reihe von Monaten«in Veteran aus dem spanisch-amerikanifchen Kriege be- hanhell, der an einer bisher fast unbekannten Krankheit leidet. Der Patient, der heut« 54 Jahre all ist, wird in den letzten Monaten zunehmend kleiner. An seinem Längenmaß hat er bereits 40 Zenti- meter seit der Behandlung verloren. Die Aerzte haben festgestellt daß der Mann an einer graduellen Einschriimpfting der Knoche' leidet, die allerdings das Gesamtbefinden bisher nicht becinflußt hat (21. Fortschun«.) Ma tte o tt i: Ich werd« die Tribüne nicht verlassen, ehe ich nicht olles gesagt habe, was ich sagen will. Stimmen von rechts: Nein, nein, es ist genug! Suardo: Wir gehen weg. Wir lassen uns nicht beleidigen! Der Tumult hat seinen Höhepunkt erreicht. Mit gekreuzten Armen wartet Motteotti ruhig und entschlossen, bis er weiter- sprechen kann. Motteotti: In Mexiko vielleicht, wo man die Wahlen mit Bomben macht... Der Spektakel fängt von vorne an. Motteotti: Ich bitte Mexiko um Entschuldigung wegen des beschimpfenden Vergleichs. „Genug! Genug!" wird von der Rechten gebrüllt.„Werst Ihn von der Tribüne!" Jetzt zählt der Redner die Verbrechen auf: die Unmöglichkeit der Wähler der Opposition, die Unterschriften für die Proklamierung der Kandidaturen zu sammeln: die Umnöglichkoit der Kandidaten, zur Wählerschaft Fühlung zu nehmen: Gewalttaten gegen die Presse. Zwischenruf: Angst hotten Sie! Anderer Zwischenruf: Fragen Sie Turati, ob er nicht hat rehen können. T u r a t i: Ja. zu meiner großen Schande habe ich Ihren Schutz ertragen müssen, um sprechen zu können. Von der Linken wird applaudiert: auf der Rechten wird der Spektakel höllcnmäßig. Der Präsident benutzt die Gelegenheit, um einem anderen Redner das Wort zu erteilen. Motteotti: Das ist ein Skandal. Ich verlange, daß man mein Recht zu sprechen schützt. Stimme von rechts: Schweigen Sie! Wir werden Ihnen die Tugend des Schweigens beibringen. Motteotti: Einer der Kandidaten, Pkcinini, Hot es erfahren, was es in diesen: Wahlkampf bedeutete, seiner Partei zu gehorchen. Man hat ihn ermordet, weil er die Kandidatur angenommen hotte. Ich entbiete seinem Andenken den Gruß... Eine Stimme: Sie hätten dieselbe Strafe verdient! Ein« andere Stimme: Sie gehören ins Zwangsdomizil. nicht ins Parlament! Dom Regierungstisch sagt Mussolini nicht das leiseste Wort, um dem Recht des Redners Achtung zu verschaffen. Er legt seinen Kopf auf die auf dem Tisch gekreuzten Arme und bleibt unbeweglich, UN« durchdringlich. Jetzt greift der sozialistische Redner weiter aus. Er ruft das Ge- fühl der Gerechtigkeit an, über olle Parteimeinungen hinaus. M a t i e o t t i: Nehmen Sie sich in acht! Die Freiheit zieht Irrtümer nach sich, von denen das Volk sich heilen kann, wie die Geschichte beweist. Die Tyrannei aber führt zum Tod« der Notion... Das Wüten der Rechten wird stärker. Alle Abgeordneten brüllen gleichzeitig gegen den Wortführer des Proletariats, den die Link« durch ihren Beifall unterstützt. Im Zentrum beobachten die fpär. lichon Ucberbleibsel der alten politischen Welt, die i» der neuen Kammer Sitz haben, unter ihnen Giolitti, diese erste Auseinander- setzung zwischen Mehrheit und Opposition, ohne daran teilzunehmen. Dogegen nehmen die den, Publikum geöffneten Tribünen lebhost teil. Man Hot sie von der faschistischen Miliz besetzen lassen, und diese begrüßt jede Unterbrechung der Farinacci, Äarace, Terruzzi mit Beifollgeheul. Von dem langen Kraftaufwand ermüdet, gibt Motteotti doch nicht noch. Keine Spur von Demagogie oder Effekthascherei in seiner Rede. Er legt Tatsachen dar. er sogt, was er gesehen hat. Den Be> schimpfungen stellt er Dokument« entgegen. Seine Schlußworte sind schlicht und herb: M.a tt«ott i: Sie wollen dos Land zum Absolutismus zurück- drängen. Wir verteidigen die Souveränität des italienischen Volkes, dem wir unseren Gruß entbieten, und für dessen Würde wir ein- treten, indem wir fordern, daß man diese Wahlen einer Prüfung in vollem Lichte unterziehe. Die Linke erhebt sich von den Sitzen und applaudiert. Bon der Rechten wird gerufen: „Verkauft!" „Verräter!" „Provokateur!" „Und jetzt," sagt Motteotti lächelnd zu seinen Freunden,„könnt ihr meine Leichenrede vorbereiten." Leider, leider, war das«in prophetisches Wort. Die Sitzung wird im Tumult aufgehoben. Faschistische Ab- geordnete drängen sich um Mussolini. Der„Duce" verbirgt sein« schlechte Laune nicht. Seit drei Tagen muß man sich mit der Opposition herumschlagen. Er hatte gehofft, sie zu seinen Füßen zu sehen, reuig, wenn nicht betehrt. Statt dessen stand sie trotzig der Diktatur gegenüber. Am Tage vorher hotte er einen Kommunisten unterbrochen, um ihm zuzurufen: „Wir haben in Ruhland ooktrefslich« Lehrer. Sie haben uns gezeigt, daß zwölf Kugel» in den Rücken«in gute» Mittel gegen die unredlichen Gegner find." sseute Abend, im Kreise seiner Parteigänger und seiner Tscheka sagt er offen: „Wenn ihr keine Feigling« wäret, würde niemand gewagt haben, eine solche Rede zu halten!" In der vom Faschismus geschaffenen Atmosphäre bedeuten dies« Wort« ein Todesurteil. Und dieses Urteil wird am folgenden Tag in Druck gageben, indem Mussolini eigenhändig im„Popolo d'Italia" schreibt, daß die Mehrheit der Rede Matteottis ein« übertriebene Duldsamkeit bewiesen hätte... Seit diesem Zeitpunkt lag das Schicksal des sozialistischen Abgeordneten in den Händen einer Bande, die ihren Sitz im Ministerium des Innern hatte und der«s oblag, den Gegnern des Faschis- mus das unmöglich zu machen. Da stand ein energischer, tapferer, lautrer Mensch der Diktatur als Gegner gegenüber. Man mußte, daß er jeden Kon, promiß ablehnte. Mit der äußersten Entschiedenheit hatte er den Versuch bekämpft, den blutigen Faschismus der Provinz durch den ver- lvgencn Mussolinismus der Hauptstadt zu verdrängen. Er legte für den Faschismus und seinen Führer eine absolute Verachtung an de» Tag, in seinen Reden wie in seinen Broschüren. Er erwartete den Steg nicht von einem Wunder, wohl aber von dem langen Kraftaufwand des Volkes und der sozialistischen Aktion. Er hatte gesprochen, ohne seinen Gedanken in die Watte lchilosophischer Abstraktionen einzuwickeln, hatte eine Katze«in« Katze, und«inen Banditen einen Banditen genannt. Dadurch hatte er für den Faschismus den Tod verdient. Und die Tscheka des Palastes vom Viminal übernahm die Vollstreckung des Urteils. XXIIl. Di« Ermordung Matteottis. Am Nachmittag des 10. Juni 1924 verließ Motteotti seil« in der Via Pisanclli Nr. 49 In Ron, gelegene Wohnung, um ins Parlament zu gehen. Seit mehreren Tagen verschärfte die faschistisch« Press« ihre Angriffe gegen die sozialistischen Abgeordnete,� Unter anderen, verbreitete sie die Nachricht, die übrigens falsch war. daß Motteotti die Absicht habe, die Regierung wegen eines Petroleum- skandals zu interpellieren. Die Polizei hatte angefangen, den Ab- geordneten beständig zu übcrwacl�en, unter dem Vorwande, ihn zu beschützen. Zufällig waren ober gerade an diesem Tage keine Polizisten da, die ihn, nachliefen. Der Tag war überwältigend warm und sonnig. Die Straßen und Kais waren längs des Tibers fast ganz menschenleer. Als Motteotti in den Kai Arnaldo da Brescia einbog, drängten sich fünf Individuen, die man für friedliche Fußgänger hätte halten können, um ihn. packten ihn. machten ihn wehrlos und stießen ihn in ein Auto, das bereit stand und das sofort den Weg nach der Compagna Romano«inschlug.-1 Was ist bann in dem Auto vorgegangen? Einer der Scherge» hat es später erzählt. Malleotti schwieg nicht, trotz der plötzlichen Ucbcrwältigung, trotz der Todesdrohung, trotz der Faustfchlägc, die auf ihn niedersausten. Er ergab sich nicht. Vielleicht hoffte er durch seinen Schrei die Aufmerksamkeit von Spaziergängern oder Bahnwärtern airf sich zu lenken. Am ganzen Körper gefesselt, zerbrach er noch mit einem Fußtritt eine Scheibe des Autos. Und er rief nach Hilfe. Da zog einer der Schergen den Dolch, kaltblütig, und stieß ihn in die Brust des Wehrlosen. Die letzten Worte Matteottis waren: ,.0ü Bernhard Hctr, Berlin:„Der deutsche Uebersee-Postverkehr". ,6.30 CriiUIung von Friedrich Eisenlohr.(Gelesen vom Autor.) 17.00 Teemusik. I7J0 Erzählung van Leo Tolstoi.(Sprecher: Gert Fricle.) 18.30 Stunde mit Büchern:„Junge Menschen hn Roman-".(Am Mikrophon; Dr. Hermann Hieber.) 19.00 Heilere Lieder. 19.30 Reiuhenbach:„Raum und Zeit". 20.00 HeIHron:„Mord und Totschlag". 20.30 Sendespiele:„Mordaffäre Duppler". Ein HOrspiel von Auditor. Regie: Ben Spanier a. 0. AnschlieBeod Presseamschau.(Mitrophoo; Dr. Josef Räuscher.) Nach des Abendmeldungen Bildfunk. Königswusterheusen. 18.30 NachmtUagskonzert von Leipzig. 17.30 Prot Dr. Nußbaum: Aktienrecht und Aktieairrecht, 18.00 Mersmann: Musikverstehen. 18.30 Französisch für Fortgeschrittene. 18.55 Dr. K. B. Ritter: Advent. 20.00 Chefredaktsur Ackermann und Chefredakteur Stampfer, Min-Dir. D». Haentrsche!: Aussprache über den Inhalt des neuen RepuWikschutr- gesetzentu-urfs. 21.00 Zigeuner spielen.(Zigeunerkapelle Th. lliescu.) 21.20 Wiener Klassiker.(Lais MyszjQmeiner. Alt: an> Flügelo Brano t'etdlerJ .Wrnfcier). luumnmmoiniiuiimnmiinmM Ein glückliches Dorf. Die Gemeinde Pickworth m der englischen Grafschaft Ruthland besitzt 159 Einwohner, van denen vier übet 79. fünf über 89 und zwei sogar über 99 Jahre sind. Seit 17 Jahren ist in diesem Dorfe niemand mehr gestorben. Die Gemeindemitglieder führen das darauf zurück, daß sie fast gar keinen Aerger mit Geschäftsleuten haben. Denn alles, was fi« brauchen, stellen die Einwohner selbst her und dos Dorf besitzt keinen Geschäftsladen, wohl aber zwei Gasthäuser. Der gewissenhafte Defraudant. Pünktlich an jedem Quartalsersten erhält das englische Marine- Ministerium von einem anonymen Einsender ein« Summe, die genau den Zinsen eines Betrages von 7299 Pfund entspricht. Während des Krieges kamen im Marineorsenal Portsmouth Gegenstände in dieser Höhe abhanden, ohne daß man den Täter ermitteln konnte. Dieser ist sehr gewissenhast. Sein« Zinserrechnung liegt ein Prozent über den Diskontsatz der Bank von England und macht sich auch dessen Veränderungen zu eigen. Zensuren für Zähneputzen! Einen praktischen Weg hat die Stadt Bonn beschritten, um durch Sauberkeit die Bolksgesundheit zu unterstutzen. Sie hat nämlich vor einem Jahr bei den kleineren Schülern eine Zensur für Zähne- putzen eingeführt. Während vor einem Jahr die Mehrzahl der Zensuren.schlecht" ausfiel, Hot sich das Ergebnis der letzten Zen- suren zur„guten" Seite gewendet. Erfindung im Gefängnis. 3m Gefängnis von Boston hatte ein Gefangener eine Alarm- Vorrichtung erfunden, die automatisch einen Fluchtversuch eines Gefangenen anzeigt. Die Verwaltung der amerikanischen Staats- gefängnlsse zahlte für die Erfindung die Summe von 199 999 Dollar. Der Erfinder, der dieser Tage entlassen wurde, ist am selben Abend bei einem'Ausgang fürchterlich verprügelt worden. Als Täter sind zwei der Bostoner Unterwelt angehörende Personen vechostet worden. Dreimal dieselbe. ISor«inigen Tagen führte der im Spielsaal von Monte Earlo beschäftigte Croupier Brosiu zum dritten Male dieselbe Frau vor den Traualtar. �Die erste Ehe wurde wegen Untreue der Gattin, die früher dem Fürsten von Monte Carlo sehr nahegestanden hatte, geschieden, die zweite wegen Untreu« des Gatten. Es steht zu erwarten, daß die jetzige Ehe etwas länger dauert, denn inzwischen ist der Bräutigam 74. die Braut 67 Jahre geworden. SO Millionen Jahre alt. Von einer Expedition nach Neu-Mexiko hat der Leiter der Wirbeltierabteilung des amerikanischen Museums für Naturgeschichte, Dr. Georg« Simpson, eine Anzahl wichtiger Funde mitgebracht. Die bedeutendste Bereicherung des Museums ist das Skelett eines Kroko- dils, dessen Mer auf 50 Millionen Jahre geschätzt wird. Das Skelett ist sieben Fuß lang und besonders in seiner Kopfform von den heutigen Krokodilen sehr verschieden. Unter den übrigen 299 Fossilien vorgeschichtllcher Tiere sind auch Schädel und Beine eines primitwen Huftieres, das bisher unbekannt war. -> Arbeitersportführer tagen! Gellert und Wildung über Grundsätze des Arbeitersports. Anschließend Fachvorträge. Die Führertagung des Arbeitersports, die am Sonnabend und Sonntag in der Bundesschule des Arbeiter- Turn- und Sportbundes in Leipzig stattfand, wurde die bedeutungsvollfte aller Tagungen, die die Zentralfommiffion für Arbeitersport und Körperpflege in den letzten Jahren abhielt. 3hr voraus ging eine Sigung der Zentralfommiffion und eine Reichskonferenz der Landes- und Provinzialfartelleiter des Arbeitersports, in der der Geschäftsführer Wildung einen groß angelegten Bortrag über:„ Die sportpolitische Lage im Reich und in den Ländern, sowie über:„ Die Tätigkeit des Arbeitersports in den staatlichen Ausschüffen und Aemtern für Leibesübungen" hielt. Aus den Ländern und Provinzen berichteten im Anschluß an das Referat die Vorsitzenden der Landestartelle, so daß ein flares Bild über den gegenwärtigen Stand der Arbeitersportbewegung gegeben werden konnte. Die Verbände haben eine gute Aufwärtsentwicklung zu verzeichnen, konnte doch trotz der Ausschlüsse der Kommunisten der Mitgliederbestand der Berbände in den letzten drei Jahren sich um 218 819 Mitglieder heben. Die Mitarbeit in den staatlichen Ausschüssen hat es vermocht, daß die Arbeitersportbewegung in den letzten Jahren weit besser mit Beihilfen und mit anderer staatlicher Förderung bedacht wurde, als das früher der Fall war. Im Saargebiet soll ein selbständiges Landeskartell gebildet werden. Die Mitgliedschaft der Funktionäre und Mitglieder in Partei und Gewerkschaften wurde erneut start unterstrichen. Für die Ortskartelle ist ein besonderes Statut ausgearbeitet, das die Rechtmäßigkeit ber Kartelle ermöglicht, gleichzeitig aber noch eine festere Bindung dieser Kartelle an die Zentralfommission schafft. Einmütigkeit herrschte über das Borgehen der SPD. im Arbeitersport; der feste Bille, mit allen Mitteln jeden Reim einer erneuten lintermühlungsarbeit des Arbeitersports durch die KPD. mit fester Hand durch Ausschluß der Betreffenden zu beseitigen, fam in nachstehender Resolution flar zum Ausdrud: ,, Die Reichskonferenz der Landessportfartelle spricht ihre tieffte Empörung aus gegen die von der kommunistischen Zentrale in die Arbeitersportbemegung getragene Spaltung. Die Ronferenz erklärt ihre feste Entschlossenheit. in allen Landes, Streis und Dristartellen den Spaltern die Tür zu weisen und den Beschlüssen der 3. und der Arbeitersport verbände Geltmg zu verschaffen." Die Führertagung: Am Sonnabend fand die Begrüßungsfeier für die Führertagung statt. Die für die Leibesübungen in Frage kommenden Ministerien des Reiches, der Länder, der Städtetag, Landesversiche rungsanstalten und mehrere Städte hatten Vertreter entfandt, ein Zeichen, welche Bedeutung der Arbeitersport in der Deffentlichkeit erlangt hat. Der Borsitzende der Zentraffommission, Gellert. Leipzig, begrüßte die Erschienenen und zeigte in seinen Ausführungen den Sinn und Zweck der Führertagung: Die Oeffentlichkeit und insbesondere die Regierungsstellen über die große fulturelle Bedeutung des Arbeitersports für die Hebung der Bolfsgesundheit zu unterrichten. Ihm folgte eine Reihe Vertreter von Behörden und Organisationen. Bom Reichsministerium des Innern überbrachte Oberregierungsrat Dr. Beder die besten Grüße und Glückwünsche, vom preußischen Wohlfahrtsministerium Ministerialrat Dr. Mall. wi, vom preußischen Innenministerium Bolizeioberst eisig, Dom sächsischen Arbeits- und Wohlfahrtsministerium Ministerialrat Thiele, von der braunschweigischen Landesregierung Rämmer, vom Deutschen Städtetag Dr. Memelsdorf, für die ham burgische Regierung Direttor 5 arte, für Bremen Jahn, für die preußische Landtagsfraktion der SPD. Paul Franken, für den ADGB. Maschte, für den Reichstagsausschuß zur Förderung der Leibesümmgen, für den Parteivorstand der SPD. und der Sozialistischen Arbeiterjugend Schred, dessen Ausführungen be fonders bemerkenswert maren, da er die Gelegenheit benutzte, und ARBEITER FUSSBALL Stettin schlägt Tempelhof 1: 0. Aus Anlaß des einjährigen Bestehens der Fußballabteilung Tempelhof Mariendorf der Freien Turner schaft Groß- Berlin weilte die erste Mannschaft von Stettin Unterbredow bei den Tempelhofern zu Gast. Die Stettiner wollten sich für die im Juli erfittene 2: 3- Niederlage schablos halten. Es ist ihnen gelungen. Die Tempelhofer hatten eine sichere Ausgleich gelegenheit in Gestalt eines Elfmeters, nugten sie jedoch nicht aus. Der Ball wurde daneben getreten. Noch mehrmals hatten die Einheimischen sichere Torgelegenheiten, doch planloses Spiel im Sturm fieß es zu Erfolgen nicht tommen. Aber auch im Sturm der Gäste klappte es nicht immer. Wohl spielte sich die Fünferreihe des öfteren gut durch, dann fehlte es aber wieder an dem not wendigen entschlossenen Torschuß. Alles in allem ein Spiel, das war nicht voll befriedigen konnte, aber den Tempelhofern doch were Anhänger gebracht haben dürfte. Qudenwalde hatte Hochbetrieb. Die zweite sowohl wie die dritte Abteilung mußten je einen wichtigen Punkt abgeben. Die zweite Abteilung spielte gegen Neukölln 1: 1. Mit dem gleichen Resultat trennten sich die dritte Abteilung und Rathenow. Lucden malde V gewann gegen Ruhlsdorf mit 3: 1. Im Gesell schaftsspiel standen fid) Butab und Weißensee in Spandau gegenüber. Die Technifer gemannen nach interessantem Spiel mit 2: 1. Weitere Resultate: Luckenwalde II 2 gegen Neutölln 20: 8. Zudenwalde III 2 gegen Rathenow 2 2: 5. Lichten berg I 2 gegen Hoheninchen 19: 2. Neue Polizei- Boxmeister. Die Endfämpfe um die Bogmeisterschaften des Polizeisportvereins saben gestern den großen Saal des Etablissements Friedrichshain ausverkauft. Als Ehrengäste jab man hohe Bolizeibeamte, die Fahnen der Republik und Breußens gaben die Deforation ab, die Schupotapelle füllte die Bausen mit Mufit. Viele der Meisterschaftsbewerber fonnten in ihrer Form nicht überzeugen, aber bei Vereinsmeisterschaften ist eben ein anderer Maßstab anzulegen. Die ermittelten Meister, die ihre Würde in den bekannten drei Runden der Amateurborer erftritten, find: Im Leichtgewicht: Fehr, Beltergewicht: Kleinwächter, Mittel gemight: Bautz, Halbschmergewicht: Gaitomiti und im Schwergewicht: Michaelis. eine genaue Bräzisierung des Standpunktes des Reichsinnenministers Severing vornahm, dessen Nürnberger Rede im Juli d. 3. betammt lich in der kommunistischen Presse zu argen Berdrehungen benutt morden ist. Mit einem Rundgang durch die prächtige Bundesschule fand der erste Teil dieser Tagung seinen Abschluß. Am Sonntag begann die Führertagung. Der Geschäftsführer der 3. Friz Bildung- Berlir, hatte den einleitenden Vortrag Die Arbeitersportbewegung, ihre Grundsätze und ihre Arbeit". In klar umriffenen Säßen schilderte der Referent die Gegenfählichteit zwischen der Arbeiter- und der bürgerlichen Sportbewegung, dabei auch die Differenzierung des bürgerlichen Sports und politische und fonfessionelle Berbände kennzeichnend. Die angeblich politische Neutralität ist die Ursache der Verflachung, die sich jetzt im bürger lichen Sport so start bemerkbar macht. Die Arbeitersportbewegung ist weltanschaulich festbegründet und hat auf Grund der in ihr vor Fandenen Kräfte Großes geschaffen, das sich in den Schöpfungen der Verbände und Vereine offenbart. Das Bewußtsein der Das Bewußtsein der fulturellen Bedeutung unserer Bewegung stärkt die Hingabe an fozialistische Arbeit und fördert das Zusammengehörigkeitsgefühl mit der Partei der Arbeiterschaft, der Sozialdemokratischen Partei. Die Praxis nach der Theoric! Die folgenden Vorführungen verschiedener Bundesschul klassen fanden das lebhafteste Interesse der Versammlung. Es fonnte wegen Mangel an Zeit nur ein Ausschnitt aus der Bundes= schularbeit vorgeführt werden, doch zeigte dieser Teil, daß das Ziel der Schule in der Hauptsache die Aufloderung und die schnelle Reaktionsfähigkeit des Körpers ist. Ganz besonders gefiel dem Kreis der Zuschauer das Kopfballspiel der Jungen. Den Vorführum gen folgte ein schön gefahrener Reigen einer Mannschaft des Arbeiterradfahrerbundes Solidarität". Da der zum Vortrag vorgesehene Bundesschularzt Dr. Michaelis. durch Krankheit Derhindert war, hielt Frau Dr. Bergmann, Berlin, ihren Vortrag über„ Die Leibesübungen und die werktätige Frau". Der Vortrag bot ein übersichtliches Bild von den Leibesübungen der Frau im allgemeinen und der Arbeiterinnen im besonderen. Da die Bor: tragende eine erfahrende Sportärztin ist, bot der Vortrag viele praktische Beobachtungen, die für das Thema aufschlußreich waren. In der Aussprache ergänzten Ministerialrat Dr. Mallmitz und Direttor Hatte, Hamburg, den Vortrag der Frau Dr. Bergmann. Der Bundesjugendleiter des Arbeiter- Turn- und Sportbundes, Drees Bremen, und der Vertreter der Gewerkschaften, Walter Maschte, betonten noch einmal die Berbundenheit der gesamten Arbeiterschaft auf dem meltanschaulichen Gebiete. Nach einem Schlußwort des Borfizenden Gellert fand die inhaltreiche Tagung ihren Abschluß. Das Land steht zum Bund! Die am 1. Dezember in Jena stattgefundene Konferenz der Bezirks, Organisations und Spartenleiter des Kreises Thüringen im Arbeiter Turn- und Sportbund stellte sich einmütig hinter den Bundesvorstand, dte Bundesfazungen und Bundesbeschlüsse. Ebenso einstimmig wurde eine Entschließung gegen die tommunistische Spaltungsarbeit angenommen. Wegen der bundes. schädigenden Haltung der KPD.- Presse ist über sie die Beliefe. rungssperre mit Material verhängt morden. Nach Feststellung des zuständigen Bezirksvertreters ist die Aktion der Opposition in Erfurt zusammengebrochen. 1200 Bundesmitglieder stehen in Erfurt treu zum Bund und seinen Beschlüssen. Die Bezirksvertreter des Kreises Kassel Südhanno per stellten sich auf ihrer Tagung am 30. November bei einer Stimmenthaltung einmütig hinter die Bundesbeschlüsse und gegen die Einheitler". Bedauert wurde, daß der Bund nicht schon vor fünf Jahren so entschieden durchgriff. ,, L.- F. 04" wieder Bundesmeister im Gewichtheben des AABD. Nach dem großen Reichsartistenwettstreit warteten die Arbeiferathleten am Sonntag in Deffau mit der Bundesmeisterschaft im Heben auf. Es standen sich die vorjährigen Gegner, Friesenheim und Lichtenberg- Friedrichsfelde 04, wieder gegenüber. Beide Mannschaften zeigten eine bedeutende Formverbesserung gegenüber dem Borjahr, und erst die letzte Uebung, zweiarmig Reißen, entschied den Kampf zugunsten von£.- F. 04. Obwohl die Friesenheimer folossale Verbesserungen besonders in den einarmigen Uebungen zeigten, mußten sie troß höherer Pfundzahl in diesen Uebungen die knappe Ueberlegenheit des vorjährigen Bundesmeisters anerkennen. Die Lichtenberger, die erst am 24. November einen äußerst harten Kampf mit den Wiener Arbeiterathleten ausgetragen hatten, zeigten sich als Mannschaft als ein geschlossenes Ganzes und bestätigten in allen llebungen ihre große Form. Am Schluß der Kämpfe, denen ein sehr interessiertes Bublifum beiwohnte, fonnte Bundessportwart Haushalter den inappen Sieg von L.-F. 04 verkünden. Die Berliner Mann schaft hatte mit 2207% Pfund( 220,7 Bunfte) gegen Friesenheim 2158% Pfund( 215,8 Punkte) den Sieg für sich gebucht. Die Leistungen beider Mannschaften wurden durch reichen Beifall der Zuschauer belohnt. Ganz besonders erwähnenswert ist noch die Leistung von Walter Geibert Friesenheim, dem es gelang, im einarmigen Reißen die Bundeshöchstleistung um 4 Bfund zu ver= beffern. Der Reford steht jetzt auf 164 Bfund. Vor und nach diesen Kämpfen fanden die Bezirksmeisterschaften der A- und B- Klasse im Ringen statt, die ebenfalls großen Beifall fanden. Die Uebungshalle der Sportlichen Vereinigung Lichtenberg Friedrichsfelde 04 befindet sich in Friedrichsfelde, Turn halle Rummelsburger Straße. llebungsstunden jeden Dienstag und Freitag ab 19% hr. Interessenten der Schmerathletik( Heben, Ringen, Boren, Jiu- Jitsu) sind jederzeit willkommen. # 11 Germania- Felfenfest- Fürth wieder unentschieden. Der Revanche fampf im Ringen des mitteldeutschen Meisters Germania- Felsenfest" in Fürth gegen den Bundesmeister des Arbeiter- Athletenbundes Sportklub Fürth ist abermals unentschieden verlaufen. Der erste Gang war 9: 5 für Halle. Auf 27000 Einwohner ein Bad! Luckenwalde hat obligatorischen Schwimmunterricht. Den Schwimmsport dem Zwecke der Ertüchtigung unserer Jugend dienstbar zu machen, ist das Leitmotiv der Ausbildung aller Schüler und Schülerinnen der bekannten Industriestadt Luckenwalde. Nicht gilt es, Spitzenleistungen, sogenannte Kanonen heranzubilden, fondern erstrebt wird eine möglichst gleichmäßige und doch hochstehende Ausbildung einer jeden Jahresklasse. Die Schüler und Schülerinnen sämtlicher Luckenwalder Schulen find nach Jahrestlassen eingeteilt; der Besuch des Schwimmbades und das Schwimmerlernen find obligatorisch. Was in dem einen Jahr nach der Eröffnung des Schwimmbades geleistet worden ist, zeigte das fürzlich abgehaltene erste Schwimmfest der Schulen. Die Beteiligung war sehr start von 450 Anmeldungen forinten 230 berücksichtigt werden, die in zwei Abteilungen ihre Rünfte zeigten. Auf dem Programmi standen Bruft- und Rückenschwimmen, Tauchen, Springen Rettungsschwimmen, Wasserball. Und nun das Merkwürdige an dieser Veranstaltung: Keine Preise lohnen die Mühen, fein Name wird beim Abschluß der Ausführung hinaus geschmettert. Und doch welche Begeisterung bei der Jugend, den geschmeidigen Knaben und den schlanken Mädchen, die nach Herzenslust in dem 3% Meter tiefen Vorführungswasser und in dem flachen Nichtschwimmerraum sich tummelten. Wie sehr das neue Schwimmbad den gefunden Wassersport gefördert hat, zeigt die Tatsache, daß im ersten Halbjahr 75 000 Schwimmer gezählt wurden, von denen sicher 20 000 älteren Jahrgängen angehörten. Das Interesse der Elternschar, die die Ränge des Bades füllten, war daher eben so groß wie die Begeisterung, mit der die Jugend die Leistungen ihrer Gefährten und Gefährtinnen verfolgten. Einige nette Scherze sorgten auch für Erhöhung der lustigen Stimmmmg, die schon in den Prüfungen durch den Wetteifer der Jugend erregt mar. Wer das Schwimmfest mit erlebt und die schönen Leistungen gesehen hat, wird in der hier gebotenen Arbeit einen unzweifelhaft richtigen Weg erblicken, in dem modernen Menschen die Liebe zum Wasser zu erweden. Den Dank des Magistrats für die Verdienste des Schwimmlehrers der Schulen brachte Stadtrat Dr. Salomon in einer Ansprache vor Beginn der Vorführungen des zweiten Teils zu Gehör. Neue Sportinstitute. P. D. Auf dem Post stadion in der Lehrter Straße ist ein neues Hallenbad errichtet worden, das am Sonntag der Presse gezeigt wurde. Da die notorische Geldknappheit Berlins einen den Notwendigkeiten entsprechenden Hallenbadbau nicht zuläßt, ist die private Initiative nur zu begrüßen, die für Vereine und Einzel personen Bade- und Schminumgelegenheit schafft. Von den Architekten Demmier und Daniel erbaut, präsentiert sich das Bad in freundlichhellen Farben. Die Schwimmbahn ist 11X25 Meter groß, fie ist also den internationalen Bedingungen angepaßt. Interessant und zwemäßig zugleich ist die Angliederung zweier Ruderbeden für die winterliche Ausbildung von Ruderern im Stull- und im Riemenrudern. Wie start das Bedürfnis nach einer derartigen Winterruderanlage ist, geht daraus hervor, daß schon jetzt alle Abende von den Berliner Rudervereinen belegt worden sind. Zahlreiche Dusch, Bade- und Umkleideräume vervollständigen die Anlage, deren Schwimmbaffin am 8. Dezember eingeweiht werden soll. Der Bolizeisportverein hat eine Wagenhalle der ehe maligen Elisabethkaserne in eine Tennishalle umbauen lassen. Das war ein Gedanke, der für eine Weltstadt wie Berlin zwar fehr naheliegt, bisher aber in so unzulänglichem Maße erfüllt wurde, daß einfach von dem Fehlen winterlicher Tennisspielgelegenheiten gesprochen werden fann. Am Sonntag wurde auf der neuren Charlottenburger Halle zum ersten Male gespielt. Der Besuch gab den Erbauern recht, alle Plätze waren besetzt, vor den Toren fbauten fich die Spätgekommenen. Sportliche Einrichtung und natürliche Beleuchtung sollen zufriedenstellend sein. Im ersten Kampf standen sich Moldenhauer und Dr. Kupsch gegenüber. Letzterer führte im ersten Satz bereits mit 5: 4 und 40:30, verschlug dann aber zwei Satzbälle, jo daß Moldenhauer noch 7: 5 gewinnen fonnte. Im zweiten Satz hatte Moldenhauer eine 4: 2= Führung, doch kam Kupsch wieder bis auf 8: 8 heran, doch gewann ersterer fchließlich 10: 8. Ein Doppelspiel sah Moldenhauer- Uht über Zander- Kupsch mit 7: 5, 6: 3 erfolgreich. ,, Neukölln" eröffnet Turnerinnenabteilung. Der Don bundestreuen Mitgliedern des fommunistischen Neuföllner Sportvereins neugegründete Arbeitersportverein Neukölln eröffnet morgen, Mittwoch, 20 Uhr, eine Turnerinnenabteilung in der Rütlistraße. Diese Abteilung wird von einer der tüchtigsten Funktionärinnen Toni Mertens geleitet. Frauen und Mädchen sind herzlichst eingeladen. Die männlichen Mitglieder turnen jeben Montag ab 20 Uhr in der Walter- RathenauSchule. Auch Auskünfte über Wintersportfragen werden dort ge= geben. Der Verein trägt sich mit dem Gedanten, alle Sportarten zu pflegen. Schriftliche Anfragen: Rudolf Schent, Neukölln, Okerstraße 11, Oskar Kroll, Neukölln, Jägerstr. 67, Willi Engel, Lichtenberg, Köpenicker Chauffee 27. W „ Ceibesübungen Sport Profeffionalismus"." Welchen Weg foll der Führer weisen"? mit diesem Thema veranstalten die Berliner Sportärzte heute, Dienstag, 20% Uhr, im großen Hörjaal der zweiten Medizinischen Klinit der Charité, Schumannstraße 20/21, einen Diskussionsabend. Universitätsturnrat Dr. Hirn wird ein furzes Referat erstatten; in der Diskussion wird Stadtmedizinalrat Professor Dr. von Drigalsti sprechen. Fragen des Sportlebens, insbesondere auch die Fragen der berufsmäßigen Schaustellungen, die des Verbandswesens und der Sportpresse follen zur Aussprache gestellt werden. Gäste aus dem Turn- und Sportleben Berlins find willkommen. Bundesreue Vereine teilen mit: FIGB. Bereinsmitgliederversammlung Mittwoch, 4. Dezember, 19% Uhr, im Gewerkschaftshaus. Mitgliedsbücher vorzeigen. Touristenverein Die Naturfreunde", Zentrale Wien. Ortsgruppe Berlin: Mittwoch, 4. Dezember, 20 Uhr, Weinmeisterstr. 16-17( Sophien- nzeum), Bortragsabend: Die foaiologischen Grundlagen der Religion". Referentin: Straße 20. anglofer Abend. Abt. Reukölln: Jugendgruppe. Dienstag, Sumboldthalu: Dienstag, 3. Dezember, 20 Uhr, Schönstedtstr. 1. Lefoabend. Genoffin Anna Giemfen, M. 6. R. Unkostenbeitrag 20 Bf. Gäfte willkommen. Abt. Friedrichshain: Dienstag, 3. Dezember, 20 Uhr, Frankfurter Allee 307. Geschäftliches, Abt. Norben: Dienstag, 3. Dezember, 20 Uhr, Sonnenburger 3. Dezember, 20 Uhr, Flughafenstr. 68. Samborger Schippergeschichten. Abt. Abt. Giboft, Jugendgruppe, nud Jugendgruppe Often: Der Seimabend faut aus. Beteiligung an der Ortsgruppenveranstaltung in der Beinmeisterstraße am Mittwoch, bemt 4. Dezember. Abt. Prenzlauer Berg: Donnerstag, 5. Dezember, 20 Uhr, Danziger Str. 62, Barade II. Mitgliederversammlung. Abt. Gesundbrunnen: Donnerstag, 5. Dezember, 20 2hr, Bant. Ede Wiesenstraße. Sitgliederversammlung.-Abt. Tiergarten: Donnerstag, 5. Dezember, 20 Uhr, ebrier Gie, 18-19, Bortrag: Der vorgeschichtliche Mensch und feine Stultur" Abt. Lichtenberg: Donnerstag, 5. Dezember, 20 Uhr, Gunterstr. 44. faftiches. Abt. Südwest: Donnerstag, 5. Dezember, 20 Uhr, Yordftr. 11. Geschäftliches. Raturkundliche Abteilung: Donnerstag, 5. Dezember, 20 Uhr, Sohannisftr. 15. Bortvog: Drei Bochen burch Tirol". Abt. Weißensee: Donnerstag, 5. Dezember, 20 Uhr, Pistoriusftr. 20. Seimabend. Ge Die Oppositionskongreßmacher. Unsere Berichterstattung gefällt ihnen nicht. Benn wir dem Oppositionstongreß der KPD. gegen die freien Gewerkschaften nicht die Bedeutung beimessen wie Herr Merfer und die KPD.- Zentrale, so ist das unsere Sache. Selbst KPD.Leute wie Heckert, die aus ihrer früheren gewerkschaftlichen Tätig teit etwas von den Dingen verstehen, fehlten auf dem MerkerKongreß. Die Macher schimpfen jetzt in der„ Roten Fahne":" Der„ Borwärts" hat 31m kongreß einen blöden, dummen, in Gewerkschaftsfragen vollständig analphabetischen Reporter geschickt. Der Mann, der zwei Tage lang am Breffetisch im Schweiße seines Angesichts gearbeitet hat, hat etwas unzusammenhängendes in die Welt pojaunt." Dieser Vorwurf richtet sich von selbst. Der Mann, der aus der Werkstatt heraustam und seit 4% Jahren als Berichterstatter des Borwärts" in den Berliner Gewerkschaftsversammlungen tätig ist, hat seine gewerkschaftlichen Erfahrungen allerdings nicht, wie der heutige kommunistische Gewerkschaftsstratege der„ Opposition" Paul Merfer, im Lager der blauen und gelben Kellnervereine gesammelt. t191) Tieber tirchnerfchen Bereinigung" lehnten bie Unterzeichnung af, denn sie wollten ja, obwohl sie zurzeit noch unter dem allgemein verbindlichen Tarif arbeiteten, den Tarif durch ihren wilden Streit umstoßen. Die Verweigerer der Unterschrift wurden entlassen. Dies och A and oxta Geschid traf auch sechs Betriebsratsmitglieder der Firma Körting. Sie wurden auch, nachdem Niederkirchner den Streit abgeblasen Weihnachts- hatte, nicht wieder eingestellt. betrieb bei der Post Auf den Postämtern ist der Pakelverkehr im Hinblick auf das Weihnachtsfest bereits um das Vielfache gefliegen. Unser Bild zeigt die Sortierung am laufenden Band. der Deffentlichkeit. Ist es doch gerade der schwerste Bor wurf, den die fommunistische Opposition gegen die freien Gewerkschaften erhebt, daß sie als„ Reformisten" Kämpfe um Cohn und Brot der Arbeiterschaft führen, Kämpfe, die die KPD. zu politischen 3weden auszuschlachten sucht, ohne Rücksicht auf den gewerkschaftlichen Erfolg. Bir werden die„ revolutionären Unorganisierten" samt ihren verhinderten Weltrevolutionsmachern als Führern, nach wie vor als das betrachten, was sie sind, als Schädlinge der deutschen sozialistischen Gewerkschaftsbewegung. Eine Diktatur gegen das Proletariat, wie sie von Moskau aus betrieben wird, lehnt die deutsche Arbeiterschaft ab. Damit selbstverständlich auch die abgestandenen Bhrafen darüber, die auch deshalb nicht zu einer wichtigen Erscheinung im Arbeiterleben" werden, wenn ein Merker sie auf einem„ Oppofitionstongreß wiederholt. Nachspiel vom Rohrlegerstreit. Entlassene Betriebsräte flagen. Nachdem Niederkirchners Gefolgschaft eine Reihe von Einzel. streits ins Wert gesetzt hatte, legten die Unternehmer den arbeitenden Rohrlegern einen Revers vor, durch dessen Unterzeichnung fie erklären sollten, daß sie den mit dem Metallerbeiterverband abgeschlossenen und als allgemeinverbindlich erklärten Tarifvertrag anerkennen. Die Mitglieder des MetallDas, was die kommunistischen Macher als die wichtigsten Erscheinungen im Arbeiterleben" ausgeben, ist wirklich nicht so wichtig, wie sie es machen möchten. Die Behauptung, auf dem„ Oppositionstongreß seien Vertreter der Arbeiter zusammengekommen, um Wege und Methoden zu besprechen, wie die Arbeiterschaft ihre Kämpfe um Brot und Lohn führen soll, ist eine bewußte Täuschung| arbeiterverbandes leisteten die Unterschrift, aber die Mitglieder der PROGRAMM für die Zeit vom 3. bis 5. Dezember BTL Potsdamer Straße 38 Hochverrat mit Gerda Maurus Heilige oder Dirne mit Maria Corda Rheinstraße 14( An der Kais.- Eiche) Meine Schwester und ich mit Mady Christians Meine offizielle Frau mit Irene Rich Odeon, Potsdamer Str.75 Die Nacht nach dem Verrat mit Lya de Putti Der Draufgänger mit Sydney Chaplin, Betty Balfour Turmstraße 12 Die Docks von New York mit George Bancroft Der Krieg im Dunkel mit Greta Garbo Alexanderstr. 39-40 ( Passage) Den ganzen Tag geöffnet! Rummelplatz der Liebe mit Milton Sills Spiel um den Mann mit Liane Haid Friedrichstadt Die Kamera Unter den Linden 14 Der schwarze Engel Im Tonfilm- Beiprogramm: ,, Thomas Mann" Passage- Lichtspiele Unter den Linden 22( Passage) Das große Lichtspielhaus der City Beginn ab 2 Uhr Zentrum 6082 Zwei Spitzenfilme: Unschuld mit Käthe von Nagy Mein Himmelreich m. Vilma Banky Weidenhof- Lichtsp. An der Weidendammbrücke Friedrichstr. 136 Woch. 12, Sonnt. 3 U. Ungarische Rhapsodie Weibergeschichten d. Kapitän Lash Moabit Artushof- Lichtspiele Film- und Bühnenschau Perleberger Str. 29 und Stendaler Str. Morgenröte mit W. Fütterer, Kampers Das närrische Glück mit M.Pandler Nun klagten sie beim Arbeitsgericht auf Zahlung des Lohnes, da sie als Betriebsratsmitglieder vor Entlassung geschüßt seien. Die Firma machte dagegen geltend, die Weigerung, den allgemeinverbindlichen Tarifvertrag anzuerkennen, bedeute eine Arbeitsverweigerung, wodurch die fristlose Entlassung der Kläger berechtigt sei. Das Gericht erklärte diese Auffassung der Firma für rechtlich unhaltbar, da die Kläger nicht verpflichtet seien, die Unterschrift zu leisten. Sie hätten demnach keinen Grund zur fristlosen Entlastung gegeben und könnten Lohnzahlung beanspruchen, solange ihre Arbeitsleistung der Firma zur Verfügung stand. Das sei aber nur für einige Tage der Fall gewesen. Am 2. September sei die Entlassung erfolgt, aber am 6. September habe die„, Bereinigung" den allgemeinen Streit beschlossen. Bon diesem Zeitpunkt ab liege Arbeitsverweigerung vor, denn die Kläger würden doch nicht behaupten wollen, daß sie während eines von ihrer Organisation beschlossenen allgemeinen Streifs hätten arbeiten wollen. Die Kläger fämtlich unentwegte Anhänger Niederkirchnersbehaupteten allerdings, fie würden auch während des Streits gearbeitet haben, aber sie hätten es ja nicht gefonnt, weil sie schon vorher entlassen waren. Dann hätten sie sich der Firma zur Vera fügung stellen sollen, sagte der Richter, denn sonst konnte doch niemand wissen, daß fie zum Streitbrecher an ihren Kollegen werden wollten. Der Vorsitzende machte einen Vergleichsvorschlag. Er ging davon aus, daß den Klägern für die Zeit vor dem Streitbeschluß der Lohn ohne Zweifel zustehe, daß ferner durch einen Arbeitskampf nicht beabsichtigt werde, das Arbeitsverhältnis zu beenden, sondern daß es nach dem Abschluß des Kampfes fortgesetzt werden solle, weshalb ja auch in der Regel vereinbart werde, daß Maßregelungen aus Anlaß des Streifs nicht stattfinden sollen. Da aber im vorliegenden Falle eine dahingehende Ver= einbarung nicht getroffen sei, so sei die Firma nicht zur Wiedereinstellung der Entlassenen verpflichtet. Die Wiedereinstellung lehnte die Firma ab. Es kam dann auf Borsching des Vorsitzenden ein Bergleich dahin zustande, daß jeder der Kläger seinen Lohn für drei Wochen erhält und auf weitere Ansprüche verzichtet wird. Außer den ordentlichen Betriebsratsmitgliedern hatten auch die entlassenen Erjamänner auf Lohnzahlung geflagt. Sie zogen aber ihre Klagen zurüd, nachdem ihnen der Borfigende flargemacht hatte, daß nach der herrschenden Rechtsprechung die Erfahmänner nicht den Entlassungsschutz genießen, der den ordentlichen Betriebsratsmitgliedern zusteht. Wetter für Berlin: Vorübergehende Bemölfungsabnahme, feine erheblichen Niederschläge. Leichter Temperaturridgang, südliche Winde. Für Deutschland: Noch überall ziemlich mild, aber nur noch geringe Niederschläge. KINO- TAFEL Welt- Kino Woch. 5.45, 7, 9.051. Alt- Moabit 99 Stgs. 3, 5, 7, 9 Uh Süden Die letzte Warnung m. L. la Plante Th. am Moritzplatz 2 junge Herzen m. Brabara Kent Beginn: W. ab 5 Uhr, Stg. ab 3.45 Uhr Charlottenburg Schlüter- Theater Schlüterstr. 17 W.6.30. 9 U., Stg. 5U., Jg.3 Die Schleiertänzerin mit Evelyn Holt Simba, der König der Tiere Die Liebe der Betty Patterson Mariendorf Ma- Li Mariendorfer Lichtspiele Bühnenschau Die letzte Stunde mit Vilma Banky Chausseestraße 305 Stg. 3 Uhr Jug.-V. Wilmersdorf Atrium Beba- Palast Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Wochent. 7, 9.15, Sonnt. 4.30, 7, 9.15 Vorverk.: 11-2 u. ab 5, Stgs. ab 3 Das Mädel mit der Peitsche mit Anny Ondra Auf der Bühne: Comedian Harmonists Schöneberg Alhambra Beg: W. 6.30 u. 9. U. Schöneberg, Hauptstr. 30 S. ab 3 Uhr Frau im Mond Ein Film von Fritz Lang Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt früher Titania( Ufa Schöneberg. Eros in Ketten Wildes Blut Auf der Bühne: Albert Paulig persönlich in: In Vertretung Filmeck Südosten Beginn: W. 5.15 Uhr S. ab 3 Uhr Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Frau im Mond mit Gerda Maurus, Willy Fritsch Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt Luisen- Theater Reichenberger Str. 34 Excelsior Kaiser- Friedr.- Str. 191 Frau im Mond Beginn 6 15] Sonnt. 4 Uhr mit Gerda Maurus, Willy Fritsch Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt Stern, Hermannstraße 49 Beginn: Wochent. ab 6.15, Sonnt ab 4 U. Frau im Mond, Regie: Fritz Lang Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt Osten Germania- Palast Frankfurter Allee 314 Wochentags 6 Uhr, Sonnabd. 51 Uhr, 33 Nordosten Film und Elysium" Bahne Prenzlauer Allee 56 S. 3 U. Jug.- Vorst Die stärkere Macht mit Fr. Kortner Das grüne Monokel m Stuart Webbs Weißensee Schloßpark Film- Bühne Berliner Allee 205-210 Varietéschau Die Nibelungen Beide Teile in einem Programm Norden PROGRAMM für die Zeit vom 3. bis 5. Dezember Rialto" Film u. Bühne Reinickendorfer Str. 14( am Wedding) Was ist los mit Nanette? Beiprogramm Bühnenschan Gesundbrunnen Alhambra" Badstraße 58 Bühnenschau Revue: Rund um den Ozean Film: Erstens kommt es anders... Ballschmieder- Lichtsp. Badstraße 16 Große Bühnenschau Die Sünde einer schönen Frau Die Beute der Bankräuber Bühnenschau Humboldt- Theater Sonntags 3 Uhr Alhambra Verirrie Jugend mit Erna Morena Müllerstraße 136, Ecke Seestraße Frau im Mond. Regie: Fritz Lang Jugendliche haben Zutritt Die Dame in Schwarz mit Liane Haid, Marcella Albani Gute Bühnenschau Anf. W. 5% Luna- Filmpalast 52, Sonnt. 6 U. Gr. Frankfurter Str. 121 Bühnenschau Die Regimentstochter mit Kurt Gerron Ausstatt- Revue: Das liebt Berlin Seelenverkäufer( Gefahren des internationalen Mädchenhandels) Kamerad Slag Skala- Lichtspiele Badstraße 16 Frau im Mond Bühnenschau Regie: Fritz Lang Jugendliche haben Zutritt Kristall- Palast W. 6, Stg. 4.30 U. Prinzenallee 1-6 Große Bühnenschau Schönhauser Allee 80 Der Frosch mit der Maske König Cowboy mit Tom Mix Colosseum Wtgs. ab 5.30 Uhr Bühne: 3 internat. Varietéattrakt. Schönhauser Allee 123 Hauptstraße 49 Beginn ab 6.30 Uhr Urania- Theater Film und Concordia- Palast Die Lady von der Straße mit Lupe Velez Jennys Bummel durch die Männer Friedenau Friedenauer Lichtspiele Kaiserallee 111( hundertelf) Wrangelstr. 11, Köpenicker Brücke Woch. 7, 8 und 9 Uhr. Stg. 3, 5, 7, 9 Uhr Die Liebe der Betty Patterson mit H. Piel Der rätselhafte Club Varieté Stella- Palast Wochtg. 6.30, 9 U., Sonntg. 5, 7, 9. U. Köpenicker Straße 11-14 3 U. Jug. Beginn der ersten Vorstellung 5.30 Uhr Kasseneröffnung 5 Uhr Sensation im Wintergarten Abenteuer eines Sonntagsreiters Kronen- Lichtspiele Rheinstr. 65 W. 6,30, 9, Sonnt. ab 5 U. Mein Himmelreich m.Vilma Banky Autobus Nr. 2 mit L. Parry, Kampers Steglitz Titania- Palast Jenseits der Straße mit Lissi Arna $ 173, Blutschande Andreasstraße 64 Bühnenschau Stgs. ab 3 Uhr Frau im Mond Jugendliche haben Zutritt Pankow Vater und Sohn m. Harry Liedtke Tivoli, Pankow Bühne: Bilder aus Alt- Berlin Jenseits der Straße mit Lissi Arna, Prater- Lichtspiel- Palast P. Rehkopf( Rehkopf pers. anwes.) Kastanienallee 7-8 Rintintin in: Wildes Blut Comenius- Lichtspiele Memeler Straße 67 Wochent. 6, Sbd. 5, Sonnt ab 3 Uhr Sein Herzensjunge mit R. Schildkraut Bühnenschau Schwarzwaldmädel m. Liane Haid Bühne: Revue der Prominenten u. a. Grete und O. Reinwald und Fr. L. Lerch Elektra- Palast Ariadne in Hoppegarten m A.Abel Wiesen-, Ecke Kösliner Straße Jugendliche haben Zutritt! mit O. Tschechowa, Walter Rilla Kosmos- Lichtspiele Große intern, Bühnenschau Neukölln Primus- Palast Hermannplatz Steglitz, Schloßstr. 5. Ecke Gutsmuthsstr. Wochent. 7 U., Sonnt. ab 4.45 U. W. 6.30, 9, Sonnt. 4, 6.30, 9 U. Uraufführung: Das Schweigen im Walde mit Wilhelm Dieterle Jugendliche haben Zutritt Südwesten Der Trust der Diebe mit Agnes Esterhazy, Paul Otto Auf der Bühne: Arco Esmanoff, amerik.Stepptänzer Sid payss Fellows, die 6 lustigen Jazzbanditen Film- Palast Kammersäle Kukuk Wochent ab 6.15 Uhr Teltower Str. 1 Bühnenschau Köttbusser Damm 92 Die Konkurrenz plaizt mit Harry Liedtke, Maria Corda Das wilde Blut Sonnt, ab 4 Uhr Tonfilm: Der Günstling von Schönbrunn mit Lil Dagover Tonfilmbelprogramm Lichtenberg, Lückstraße 70 Nachtwelt mit Anna May- Wong Jennys Bummel durch die Männer Bühnenschau Niederschönewelde früher Elysium( Film- Palast Bühnenschau Hasselwerderstraße 17 Die Nibelungen Beide Teile in einem Programm Friedrichsfelde Kino Busch Beginn täglich Alt- Friedrichsfelde 3 3, 7 und 8.45 Uhr Ein Mensch der Masse Riff and Raff, die Franenbolder 3 machen ihr Glück Die Frau im Talar Bühne: Liebesprobe Gala- Lichtbühne Usedomstr. 14 Berliner Straße 27 W. 6.30 U., Sbd. 5.30 U., Stgs. 4 U. Die Frau, nach der man sich sehnt Die Fahrt ins Glück Bühne Niederschönhausen Film- Palast NiederBlankenburger Straße schönhausen W. 6.30, 9 U. Stg. 4.30, 6.45, 9 U. Irene Rysbergues gr. Liebe Karussell der Lüge Tegel Anf. 6, 8.30. S. 5, 7, 9U. Filmpalast Tegel Bühnen. Pflicht und Liebe mit Ramon Novarro Riff und Raff, die Frauenhelden Noack's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Wtg. 5 U, Stg. 4 U. schau Bahnhofstr. 2 W.6, 82, Stg. 4, 61/2, 88 Seine Gefangene m. Milion Sills Was ist los mit Nanette? Union- Theater Stgs. 2 U. Jugendv. Hauptstraße 3 Beg. Wtg. 8 U., Stg. 5, 7.30 Frauen am Abgrund m. Elga Brink Die schöne Spionin Weibergeschichten d. Kapitän Lash Gutes Beiprogramm Pharus- Lichtspiele Müllerstraße 142 Reinickendorf- Ost W. 54 U. Stg. 4U Bürgergarten- Lichtsp. Stg 2 U. Jugendvorstell Andreas Hofer der Freiheitskampf des Tiroler Volkes) Das Geheimnis der Höllenschlucht mit Hoot Gibson Hauptstraße 51 Film- u. Bühnenschau Die drei um Edith mit Camilla Horn Vogelfrei mit Tom His