BERLIN Mittwoch 4. Dezember 1929 Der Abend Erscheint täglich außer Sonntags. Sugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW 68, Lindenstr. 3 10 Pf. Nr. 568 B 283 46. Jahrgang 66 Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile Spalausgabe des„ Vorwärts" 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Austritte am laufenden Bande. Heute: Kendell- Schlange- Lindeiner- Hoetsch- Mumm- Behrens- Fromm Die deutschnationalen Abgeordneten von Lind. einer Wildan, Schlange Schöningen und von Kendell, der ehemalige Reichsinnenminister, haben ihren Austritt aus der deutschnationalen Reichstagsfraktion dem Grafen Westarp erklärt. Der Abgeordnete von Lindeiner- Wildau hat in seinem Schreiben an den Grafen Westarp des weiteren zum Ausdrud gebracht, daß er einen entsprechenden Schritt der Partei gegenüber im Benehmen mit seinem Wahlkreis unternehmen werde. Gleichzeitig hat der Abgeordnete von Lindeiner- Wildau die Wahlkreisleitung seines Wahlfreises Hessen- Nassau um die sofortige Einberufung einer Vertrauensmännerversammlung ersucht. Auch der Abgeordnete Schlange- Schöningen wird weitere Schritte der Partei erst im Benehmen mit seinem Landes: verband unternehmen. An der gemeinsamen Besprechung deutschnationaler Abgeordneter haben sich inzwischen auch die Abgeordneten Koch Düsseldorf, der frühere Reichsverkehrsminister, sowie die Abgeordneten Dr. Rademacher und Schiele beteiligt, ebenso einige Landtagsabge vrducte, u. a. der Abgeordnete Rippel. Freude bei den Auserwählten ே Th Die Lambach Gruppe aus der DNBP. ausgetreten? Im Reichstag fand am Mittwoch vormittag eine Gut, daß diese Proteten von Arbeitnehmern gegangen sind! Endlich ist man wieder unter sich:" Sonderbesprechung der deutschnationalen Abgewrdneten Dr. Klönne, Dr. v. Dryander, Behrens, Dr. Mumm, Fromm, Dr. Strathmann und Leo pold statt, die zur Stunde noch andauert. Für 2 Uhr ist eine deutschnationale Fraktionssitung anbe raumt, die aber, wie erklärt wird, sich nur mit Fragen der Tagesordnung" beschäftigen soll. Voraussichtlich wird nach der Volljitung eine neue Fraktionssitung statt. finden. Hoeksch, Mumm und Behrens. Wie die Telegraphen- Union in der Mittagstunde berichtet, haben inzwischen auch die Abgeordneten Professor Hoeksch, Dr. Mumm und Behrens ihren Austritt aus der Deutschnationalen Partei erklärt. * Wie wir weiter erfahren, hat auch der Abg. Fromm seinen Austritt aus der Fraktion bereits erklärt. Weitere Austrittserklärungen stehen bevor. Im Reichstag wird als feststehend mitgeteilt, daß Graf Westarp bei Beginn der foeben eröffneten Fraktionssihung seinen Vorsih niederlegen wird. Arbeit am laufenden Band. Die Mitglieder der deutschnationalen Reichstagsfraktion waren heute schon frühzeitig bei der Arbeit. Ein Teil saß im offiziellen Fraktionssaal, ein zweiter Teil hatte in einem neutralen Sigungszimmer Unterfunft gefunden, mehrere andere Gruppen saßen oder standen in Räumen des Hauses herum. Es wurde beraten, gesprochen, geflüstert. So soll es nach der Fibelschilderung im Hühnerhof aussehen, wenn ein Gewitter im Anzug ist. = Der Chronist konnte gar nicht schnell genug den Vorgängen folgen. Es war wie eine Arbelt am laufenden Band: alle Viertelflunde ein Austrift. Zuerst Herr von Lindeiner Bildau, dann Schlange- Schöningen, weiter Herr von Keudell, dann Lejeune Jung und schließlich Trepiranus. Aber weitere Austritte stehen bevor. Von Klönne und Schiele ist schon gesprochen worden, aber auch die Herren Dryander, Behrens, Stöders Schwiegersohn Mumm, der frühere Minister Koch und noch andere tragen sich mit der Absicht, Herrn Hugenberg die Gefolgschaft aufzusagen. Es sind sicher nicht die schlechtesten Männer aus der deutsch nationalen Fraktion, die jetzt ihrer Partei den Rücken fehren. Und wenn auch die Sozialdemokratie mit manchem von ihnen häufig genug in scharfer Auseinandersegung gestanden hat, so tann man von den Ausgetretenen im allgemeinen doch sagen, daß sie den fenntnisreicheren Teil der deutschnationalen Fraktion bildeten. Borläufig bleiben Herrn Hugenberg aber noch die Leute von der geringen Qualität, von den Mannen der Hitler- Partei gar nicht zu reden. Erflärung Lejeune Jung. Der Abgeordnete Lejeune Jung veröffentlicht zu seinem Austritt aus der Deutschnationalen Voltspartei folgende Erklärung: ,, Trotz der Ereignisse, die sich im letzten Jahre in der Deutschnationalen Volkspartei, insbesondere in der Konkordatfrage abspielten, habe ich es bisher für meine Pflicht gehalten, im Interesse der vaterländischen Sache in der Partei auszuharren in der 5 offnung, neue Möglichkeiten für ein überzeugtes und freubiges Mitarbeiten auch für die katholischen Mitglieder der diges Mitarbeiten auch für die katholischen Mitglieder der Partei wiederzuschaffen. Hierzu veranlaßte mich nicht zum wenig sten auch die durch langjährige Arbeit in der Partei unter der Füh rung von Hergt und Graf Westarp nur bestärkte Ueberzugung, daß zwischen den positiv- evangelischen und den katholischen Vollsteilen eine schicksalsbestimmte Abwehr- und Angriffsgemeinschaft gegenüber dem zersetzenden Zeitgeist besteht. Heute habe ich die schmerzliche Gewißheit, daß sich diese Schicksalsgemeinschaft, daß sich überhaupt christlich- fonjer. vative Weltanschaung unter dem jetzigen Parteivorsitzenden in der Deutschnationalen Bolfspartei nicht mehr in der erforderlichen Freiheit auswirken kann. Aus diesem Grunde habe ich mich mit dem Reichstagsabgeordneten Treviranus solidarisch erklärt und meinen Austritt aus der Partei und der Fraktion vollzogen. Treviranus' Abschied. Der Abschiedsbrief des Reichstagsabgeordneten Treviranus an den Grafen Westarp hat folgenden Wortlaut: „ Sehr verehrter Herr Graf! Ich erkenne dankbar an, daß die Reichstagsfraktion unter erschwerenden Umständen versucht hat, mir ein Berbleiben in Partei und Fraktion zu ermöglichen. Die durch das Vorgehen des Herrn Parteivorsitzenden in Kaffel und die weitere Entwicklung der Debatten in der Deffentlichkeit für mich geschaffene 3wangslage bedingte eine öffentliche Rechtfertigung meiner politischen Arbeit. Der Herr Parteivorsigende hat den Entschluß zu einer entsprechenden Klärung nicht gefunden. Damit find für mich die sachlichen und menschlichen Vorausjetungen für meine weitere Mitarbeit unter der heutigen Leitung der Partei fortgefallen. Ich bin daher gezwungen, meinen Austritt aus der Deutschnationalen Volkspartei zu erklären und demgemäß meine Mitgliedschaft in der Reichstagsfraktion aufzugeben. Ich bleibe in alter Dankbarkeit und Berehrung Ihr aufrichtig ergebener gez. Treviranus, M. d. R." Klönne flieht in die Deffentlichkeit. In der Deutschen Allgemeinen Zeitung" nimmt einer der Ausgetretenen, der Abg. Könne, selbst das Wort und schreibt: ,, Die Spalten flaffen heute weit auseinander. Das ist eine Tragit, die man bedauern, aber nicht aus der Welt schaffen kann. Zweifellos ist der neue Parteiführer Hugenberg ein Mann von Qualitäten, ist flug, wirtschaftlich mächtig, aber die Eignung zum Schluß am Weihnachtsabend. liftlichen Führer in heutiger Zeit hat er nicht. Er glaubi, eine Sozialdemokratischer Antrag angenommen. woch der 5- Uhr- Ladenschluß am Weihnachtsheiligabend an. Jm Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstags wurde am Mittgenommen. Ausgenommen sind die Verkaufsstellen, die vorwiegend oder ausschließlich Lebens- und Genußmittel sowie Tabatwaren handeln. Für diese ist die Schlußst unde auf 6 Uhr festgesetzt. Auch der Handel mit Weihnachtsbäumen fällt unter die Ausnahme. Der sozialdemokratische Antrag auf all. gemeinen Ladenschluß um 5 Uhr wurde von allen bürgerlichen Parteien abgelehnt! Die kurze Ausschußfizung zeigte die deutschnationalen Vertreter in einer wahrhaft beschämenden Rolle. Der deutschnationale Abgeordnete of erklärte sich nur dann für den 5- Uhr- Ladenschluß am Weihnachtsheiligabend, wenn das Gesetz am 1. Januar verkündet werde, also acht Tage nach Weihnachten. Abg. Sollmann( Soz.) nagelte an, daß der deutschnationale Abg. Mumm sich als einer der ersten Vorfämpfer des 5- Uhr- Ladenschlusses dem Ausschuß vorgestellt habe, nun aber fehle, um zu sehen, wie sämtliche deutschnationalen Ausschußvertreter den Antrag aus ihrer eigenen Fraktion zu Fall zu bringen suchten. Mumm wurde nun schleunigst herbeigeholt und trennte sich bei allen Abstim mungen von seiner Ftration, um gemeinsam mit der Sozialdemo. fratie zu stimmen. Als sowohl der sozialdemokratische Antrag wie der des Abgeord neten Mumm auf allgemeinen 5- Uhr- Ladenschluß abgelehnt war, erklärte Aufhäuser, daß die Sozialdemokratic, um möglichst viel zu retten, damit einverstanden sei, daß die als Ausnahmen vorgesehenen Geschäfte bis 6 Uhr offen halten dürfen. Zentrum, Bayerische Bolkspartei, Deutschnationale, Wirtschaftspartei und der Demokrat Büll stimmten für 7- Uhr- Schluß der Ausnahmegeschäfte. Da aber der Abg. Mumm sich an die Seite der Sozial demokratie stellte und der Demokrat Lemmer gegen 7.Uhr. Schluß für die Ausnahmegeschäfte stimmte, wurde der 6- Uhr- Ladenschluß für die Ausnahmen erreicht. Der allergrößte Teil der Geschäfte wird also unter den 5- Uhr. Ladenschluß fallen, und für die übrigen Geschäfte ist wenigstens eine Stunde früherer Ladenschluß erzielt. große Partei wie ein Armeekorps befehlen und benußen zu fönnen, um auch Andersgesinnten seine Meinung aufzuzwingen. Er will lleberzeugung durch Gehorsam, innere Treue durch 3 wang ersetzen. Nur der übergroßen Loyalität der Mannentrene der deutschnationalen Reichstagsabgeordneten hat er es zu ver= danken, daß dieses System nicht längst zusammengebrochen ist. Aber die Bänder, die die einzelnen Glieder der Partei heute noch verbinden, sind mürbe geworden, sie drohen bei der geringsten neuen Spannung zu zerreißen. Der Moment ist, gekommen, wo auch die Treuesten nicht mehr gewillt sind, Klarheit und Wahrheit einer über das Maß des Erträglichen in Anspruch genommenen Loyalität zum Opfer zu bringen. Hugenberg hat es sich zur Aufgabe gesetzt, noch einmal, in einer legten Anstrengung ,, alle nationalen Kräfte" zusammenzuraffen, um das entschwindende Ziel zu erjagen. Dabei ließ er leider den strategischen Blick und das Gefühl für die Grenzen des Möglichen durchaus vermissen. So kam er zu dem verzweifelten Verfuch eines Volksbegehrens. Seite an Seite mit den halbmarristischen Nationalsozialisten gegen alle übrigen bürgerlichen Kreise des Volkes, gegen den Reichspräsidenten, gegen die Vernunft. Es gehörte nicht viel dazu, vorauszusehen, daß der Angriff scheifern mußte. Das hat Hugenberg vermutlich selber gesehen, aber er trug den Angriff trotzdem vor, um einen Block nationalen Widerstandswillens zu schaffen. Er gleicht dabei dem Heerführer, der seine Truppe in eine schon vor dem Beginn verlorene Schlacht führt, um zu beweisen, wie brav sich seine Truppe auch unter so ungünstigen Voraussetzungen schlägt. Ein Heerführer, der so handeln wollte nicht zu einer Teiloperation, nicht zu einer Entlastungsoffensive, sondern für seine ganze Armee würde vor ein Kriegsgericht gestellt werden, und der Ausgang des Prozesses wäre nicht zweifelhaft. In der Deutschnationalen Volksparter ist heute ein solches Kriegsgericht gegen den Parteiführer unmöglich, da Hugenberg das ganze Regime der Partei auf Dittatur gestellt hat, deren Inhaber er ist. Nicht so in der Reichstagsfraktion, die immer noch vom Grafen Bestarp geführt wird." Klönne schließt seine Erklärung mit dem fennzeichnenden Satze: ,, Es gilt aber, die richtige Front aufzurichten, die Front der Männer, die bereit sind, auf der Grundlage des heutigen Star auf der Grundlage der heute gegebenen Verhältniffe für i'r land zu arbeiten und zu fämpfen." Klara Bohm- Schuch. Bu ihrem 50. Geburtstage. Die sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete für Berlin, Genofsin Klara Bohm- Schuch, feiert am Donnerstag ihren 50. Geburtstag. Aus solchem Anlaß werden ihr viele Glückwünsche ins Haus flattern, und die Berliner Sozialdemokratie wird dabei nicht an letzter Stelle stehen. Auch der Vorwärts" wünscht seiner langjährigen Mitarbeiterin noch viele Jahre schaffensfroher Arbeit für die Arbeiterklasse. Der Halbjahrhundertstag einer kämpfenden Frau umschließt mehr als den Lebenslauf eines einzelnen. Er stellt gleichzeitig ein Stück der großen Bewegung dar, in der die Kämpferin im Rampfe wuchs. Aus dem kleiten Orte Stechow im Kreise Westhavelland stammend, ist Klara Bohm den Weg einer kaufmännischen Angestellten als Buchhalterin und Korrespondentin gegangen. Früh schon fand sie den Weg zu sozialer Zusammenarbeit in der gewerkschaftlichen und politischen Organisation. Heiße Leidenschaft im Streben nach einer besseren Weltordnung verband sich in Klara Bohm mit einer tiefen Gefühlswärme, die für die Mühseligen und Beladenen in oft er greifender Form zum Ausdruc tam. Nicht nur in der Rede, auch im geschriebenen Wort. Ihre Auffäße und mehr noch ihre zahlreichen fozialen Gedichte find vielfach Proben literarischer Gestaltungskunst. Die Bartet hat ihre große Arbeitskraft gern und oft über Gebühr in Anspruch genommen. In zahlreichen Körperschaften der Bewegung ist Genoffin Bohm- Schuch tätig. Mehrere Jahre war fie Redakteurin der sozialdemokratischen Frauenzeitung Gleichheit". Als eine der ersten Frauen wurde sie 1919 in die Nationalversammlung und dann immer wieder in den Reichstag gewählt, wo sie als eine der fleißigsten und der wissendsten unter den Abgeordneten mit nie ermüdender Tatkraft wirkt. Wir hoffen und wünschen, daß diese Lebens- und Schaffensfreude der Genoffin Bohm- Schuch auch über den Fünfzigsten noch lange erhalten bleibt! Moskau in peinlicher Situation. An die Vertragspflichten erinnert- grobe Antwort an Amerika. Mostau, 4 Dezember. I der gegenwärtigen Situation um die Anweisungen der Nationalregierung in Ranting faum noch fümmert. In der folgenden Sowjetmeldung aus dem Fernen Often wird bereits die Unterzeichnung einer Bereinbarung zwischen Murben und Moskau gemeldet: Die Note der Regierung der Bereinigten Staaten von Amerifa wurde gestern dem Boltskommissar Litwinoff vom franzöfifchen Botschafter Herbette übergeben, der Litwinoff auch die note der franzöfifchen Regierung übermittelte. Der nor wegische Gefandte Urbye übergab die Note der britischen Regierung. Die Antwortnoten der Sowjetregierung wurden von Litwinoff dem französischen Botschafter Herbette für die franzöfifche sowie für die amerikanische Regierung und dem norwegischen Gesandten für die britische Regierung übergeben. Die Antwort der Sowjetregierung auf den Schrift der Regierung der Vereinigten Staaten wurde heute veröffentlicht. Nach der Feststellung, daß sich die Regierung der Vereinigten Staaten an die Sowjetregierung in dem Augenblicke gewandt habe, wo zwischen der Sowjetregierung und der Mukdenregierung direkte Verhandlungen geführt werden, befont die Sowjetregierung in der Note, infolge diefes Umftandes könne der Schritt der USA. nicht anders betrachtet werden als ein völlig ungerechtfertigter Drud auf die Verhandlungen. Die Sowjetregierung erklärt, daß der sowjetrussisch- mandschurische Konflikt lediglich durch direkte Verhandlungen auf der Grundlage der von der Mukden regierung bereits angenommenen Bedingungen geregelt werden könne, und daß sie von feiner Seite eine Einmischung in diese Verhandlung oder in den Konflikt zu dulden vermöge. Die Sowjetregierung fönne nicht umhin, ihrem Befremden Ausdrud zu geben, daß die Regierung der USA., die auf eigenen Wunsch keinerlei offizielle Beziehungen zur Sowjetregierung unterhält, es für nötig erachtet, fich an sie mit Ratschlägen und Anweisungen zu Verhindertes Bombenattentat. menden Berhaffung eines jungen Nationalsozialisten. Hannover, 4. Dezember.( Eigenbericht.) Aus Aurich wird gemeldet, daß dort ein angeblicher Bombenattentäter verhaftet wurde. Die Behörden erfuhren, daß gegen das Arbeitsamt in Aurich oder die Regierung ein Bombenattentat geplant sei. Sie trafen daraufhin die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen. Die Polizei wurde durch auswärtige Mannschaften erheblich verstärkt. Die bei den Berdächtigen vorgenommenen Haussuchungen führten dann zur Verhaftung eines jungen Mannes, der der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei angehört. Der junge Mann, ein 19jähriger arbeitsloser Bureaugehilfe aus Hann. Walle bei Aurich, hatte, wie WIB. welter berichtet, vor einigen Tagen Bekannten erklärt, er plane, das Arbeitsamt und das Regierungsgebäude in Aurich in die Luft zu sprengen. Nach seinen Ungaben hatte er Sprengstoff in Besitz oder doch in sicherer 2usficht. Der junge Mann wurde am Sonntag verhaftet. Inzwischen find umfangreiche Haussuchungen und Bernehmungen durchgeführt worden. Bei dem Vater eines Freundes des Berhafteten wurden 113 scharfe 3nfanterie patronen vorgefunden. mittlungen werden fortgefeht. Die ErDietrichs dunkle Geschäfte. Hunderttausend Mart im„ Rafierfalon". Im Raiffeisen- Ausschuß des Landtags trug der Bericht erstatter Ruttner heute zunächst den Inhalt der Korrespondenz vor, die das Bankhaus Markiewicz dem Ausschuß eingereicht hat. Die Korrespondenz betrifft jene d unfle Frankenspekulation, die der deutsch nationale Geheimrat Dietrich im Inflationsjahr 1922 quf eigene Rechnung, aber mit dem Gelde feiner Bank machte. Der Berichterstatter stellte fest, daß nach den Akten der Borgang erheblich anders aussieht, als nach Dietrichs Aussage. Dietrich will die gekauften Stücke der rumänischen Schazanweisungen Die grobe Antwort der Sowjets an die amerikanische Regierung zeigt, wie peinlich es Mostau ist, an seine Vertragspflicht, jede Streitigkeit nicht mit Waffengewalt, sondern schiedlich- friedlich zu erledigen, erinnert zu werden. Daß Washington die ruffiche Regierung nicht folle daran erinnern dürfen, weil Amerika teine direkten diplomatischen Beziehungen mit ihr unterhalte, ist ein ganz falscher Eimvand: die Sowjetunion hat trotzdem den Kriegsverzichtsvertrag unterschrieben und ihre Ratifikation in afhington deponiert; so fann sie von Rechts wegen feinerlei Einwand dagegen erheben, daß Amerita sie an die Ausführung eines Vertrages erinnert, den die Sowjetregierung mit 55 Regierungen, darunter auch mit Amerita abgeschlossen hat. Bis jetzt ist in Moskau einzig die unverschämte Antwort an Amerita veröffentlicht worden. Die russische Regierung will damit den starken Mann vor ihren eigenen Parteigängern martieren. Die Antworten an Frankreich und England bat fie bis jetzt nicht veröffentlicht. Das läßt darauf schließen, daß fie in einem entgegentommenderen Ton abgefaßt find, wenn sie auch wohl fachlich etwas Aehnliches wie die Note an Washington befagen werden. Ihr Grundgebante wird derfelbe sein: die Sowjets weisen jede Erinnerung an ihre Vertragspflichten nach berüchtigten Musternals eine Einmischung in ihre Angelegenheiten als eine Einmischung in ihre Angelegenheiten zurüd. Inzwischen macht sich die Sowjetregierung die Schwächung der chinesischen Nationalregierung durch die inneren Mirren zunutze und verhandelt mit der Mukdenregierung weiter, die sich jedenfalls in Sie hat ihr Kind getötet. Die Tragödie einer unehelichen Mutter. Eine fächsische Landarbeiterin tötet ihr neun Tage altes Kind; das erste uneheliche Kind befindet sich bei den Eltern, das dritte in einem Heim. Zwei Jahre später stellen die Behörden fest, daß sie das zweite kind umgebracht hat. Nun fteht die Mutter vor dem Landgericht III. Im Alter von 20 Jahren betam sie von einem Schnitter das Nikolst Ussuriist, 4. Dezember. Der Vertreter der Mutdener Regierung Tsai und der Agent des Außenkommissariats der Sowjetunion Simanowski haben heute ein Protokoll unterzeichnet, in dem Tjai erklärt, daß die Mukdener Regierung den derzeitigen Verwaltungsvorsitzenden der Oftchinabahn Liu abseht. Simanowiti erklärte, nach der Abfehung Lius werde die Sowjetregierung gemäß der von Litwinow am 29. August dem deutschen Botschafter in Moskau abgegebenen Erklärung bereit sein, an Stelle des Direktors der Ostchinabahn Jemschanoff und des stellvertretenden Direktors Eismont andere kandidaturen aufzustellen. Dabei behalte sich die Sowjetregierung das Recht vor, Jemschanoff und Eismont mit anderen Poften bei der Ostchinabahn zu befrauen. Hiermit erklärte sich Thai einverstanden. Der Vertreter der Mukdener Regierung teilte weiter mil, seine Regierung werde die Muldener und Pekinger Abmachungen vom Jahre 1924 in Zukunft streng einhalten. Simanowski nahm diese Erklärung mit Genugtuung entgegen und wies darauf hin, daß d'e Sowjetregierung diese Abmachungen stets eingehalten hat und auch fernerhin an ihnen feffhalten wird. * Da die amerikanische Regierung einen dahingehenden Wunsch ausgedrückt hatte, lenkte noch die italienische Regierung bie ,, ernsthafte Aufmerksamkeit" der Regierungen von China und Rußland auf die Bestimmungen des Kellogg- Pattes. Wir verzeichnen das, damit dann, wenn einmal die faschistische Regierung sich über, ihre Vertragspflichten hinwegseht, man sie daran erinnert, da; fie früher einmal die ihr so nahestehende Kommunistenregierung in Moskau davor gewarnt hat, sie zu verlegen. Die weltpolitische Lage ist also so, daß Amerika, Eng land, Frankreich und Italien die Sowjetunion ermahnt haben, den Frieden aufrechtzuerhalten. Die Reichsregierung hingegen hat einen solchen Schritt nicht unternommen, vielmehr nur die Sympathie mit diesem Vorgehen zum Ausdruck gebracht. Die chinesische Gesandtschaft in Berlin erklärt in einer Dar: stellung des Konfliktes mit der Sowjetunion: Die verantwortlid.cn sowjetrussischen Angestellten verbreiten, daß die chinesischen lokalen Behörden in den Ostpropingen die russischen Forderungen angenommen hätten, ein Manöver, das offenbar dazu dienen soll, tie breite Deffentlichkeit zu täuschen und die Einheitlichkeit der Kontrolle der chinesischen Regierung über ihre Außenpolitik zu sprengen." Moskau hat Morgan in die Hände gearbeitet! Beting, 4. Dezember. In Mukden wurde zwischen dem Marschall Tichanghfueliang tr dem Bankhaus Morgan ein Vertrag abgeschloffen, in dem Morg: sich bereit erklärt, der Mukdener Regierung 40 millionen chinesis Dollar zur Verfügung 30 ftellen gegen Berpfändung der Bodenschähe der Nordmandschurei. Tichanghfueliang wird diesen Betraz für den Ausbau seiner Armee verwenden. Begriff stand, die Tür zu öffnen. Der Meister geriet mit dem Eindringling fofort in ein Handgemenge, zog schließlich in der Notwehr eine Pistole und feuerte. Schwergetroffen brach der Einbrecher zusammen. Der Geschäftsmann benachrichtigte durch den Fernsprecher das 191. Polizeirevier, das alsbald mehrere Ecamte entsandte. Der besinnungslose Einbrecher murde in das AugusteBittoria- Krankenhaus in Schöneberg gebracht. Wer der Angeschossene ist, fonnte noch nicht festgestellt werden, denn Papiere hatte er nicht bei sich und sein Zustand macht ihn vernehmungsunfähig. am Tage der Ermordung Rathenaus, also am 24. Juni erste uneheliche Kind. Die Eltern- der Vater ist Cisenbahnen Der Kampf um Desterreichs Verfassung 1922, persönlich in Empfang genommen und dann in einem Rasiersalon in der Friedrichstraße verloren haben. Nach den Aften hat aber Dietrich den Empfang der Stüde bereits am 14. Juni, alfo zehn Tage vorher quittiert, Er muß also die Wertpapiere im damaligen Wert von etwa 100 000 Mart zehn Tage lang in der Tasche behalten haben! Handelt so ein Bankdirektor? Um die verlorenen Stücke hat sich Direktor Dietrich wochenlang nicht gefümmert! Das erste Telegramm wegen des Verlustes hat das Bankhaus Martiewicz am 21. Juli an die rumänische Gesandtschaft in Paris abgehen lassen, also einen Monat nach dem Verlust. In den nächsten Tagen hat die Bank dem Generaldirektor Dietrich Borschläge gemacht, die verlorenen Stücke durch Säulenplatate, Auslegung einer Belohnung usw. auffinden zu lassen. Auf diese Borschläge hat Dietrich trotz wiederholter Mahnung nicht geantwortet. Erst im Oktober hat er darum gebeten, in Rumänien ein Aufgebotsverfahren durchzuführen, aber nicht auf seinen Namen, sondern auf den Namen des Bankhauses Markiewicz. Der Berichterstatter betonte, daß es sich bei den verlorenen rumänischen Schahzanweisungen um 3 wei Stüde über je 250 000 Franten handelte, pon denen jedes Stück über 50 000 Mart wert gewesen sei. Ein Dieb oder Finder hätte diese Stücke für sich faum verwerten können. Es sei daher ganz rätfelhaft, warum Geheimrat Dietrich sich so passiv verhalten hat. Der Ausschuß behielt sich vor, Dietrich noch einmal zu vernehmen. An das Märchen vom Rajierfalon glaubt jedenfalls tein Mensch mehr. Durch die folgende Vernehmung des Prokuristen Möhring mwurden die 3 weifel über Dietrich noch perstärft. Möhring mußte befunden, daß der Direttor Schwarz mehrfach darauf ge drängt hat, die Angelegenheit mit dem Banthaus Martiewicz in Ordnung zu bringen, daß aber Dietrich immer damit vertröstet habe, er merde in den nächsten Tagen die Sache selber regeln. Im übrigen gat Möhring, wenn auch in fleinerem Maßstabe, felbstherrlich Kredite ausgegeben, die zum Teil verloren gingen. Bei der Tochtergesellschaft der Raiffeisenbank, der Land bunbbant, unterhielt dieser Prokurist ein Spetulationstonto, das durch eine Fehlspekulation in Hamburger Anleihepapieren notleidend wurde. Die Länderkonferenz vertagt. Am 7. Dezember sollte die Länder Ponferenz zusammentreten, um zu den Vorschlägen der Ausschüsse über die Reichsreform Stellung zu nehmen. Die Sigung ist jedoch wegen Erkrankung mehrerer Beteiligter vertagt worden. ternehmen sie auf und ermahnen fie, sich in Zukunft ordentlich zu halten. Elisabeth geht erneut in Stellung und lernt einen Schweizer tennen. In der Brandenburgischen Landesfrauenklinik in Berlin- Neukölln gebiert sie das zweite uneheliche Kind. Zwölf Tage später wird sie mit dem Kind aus der Klinit entlassen. Sie will nach Brusendorf, wo sie in Stellung war, zurückfahren. Ihr fehlte aber das Geld zur Fahrkarte: 25 Pfennig; siz hoffte, irgend einen bekannten Landarbeiter zu treffen, um sich das fehlende Geld zu leihen, traf aber feinen. Während sie so mit ihrem Kinde auf dem Bahnsteig hin und her ging, tamen the trübe Gedanken. Wa sollte sie nun mit dem Kleinen anfangen, wie mit ihm ihrer Arbeit nachgehen? Als sie austreten ging, stieg es plöglich in ihr auf: das Kind in die Sentgrube werfen. Im nächsten Augenblick war es geschehen. Sie blieb noch zwei Stunden auf dem Bahnsteig, traf einen bekannten Arbeiter, borgte von ihm die 25 Pfennig, und Sie habe das Kind verschenkt, sagte sie hier. Ein Jahr später war fam völlig vermeint und verstört bei ihrer Wirtin an. Sie habe das Kind verschenkt, sagte sie hier. Ein Jahr später war sie zum dritten Male verfallen und fam im Birchow- Krantenhaus nieder. Das Kind wurde in einem Helm untergebracht. Der Bor. mund des in der Brandenburgischen Frauenklinik geborenen Kindes erkundigte sich wiederholt über dessen Verbleib und erhielt von der Mutter widerspruchsvolle Angaben. Man schöpfte Verdacht. Elija beth wurde in Berhör genommen. Sie leugnete anfangs und war schließlich geständig. Im Gerichtssaal weint ein Bater über seine unglückliche Tochter. Die Angeklagte wiederholt immer wieder, daß sie es wohl nicht ge tan hätte, wenn man ihr auch in der Landesfrauentlinit wie später im Birchow- Krankenhaus, erklärt hätte, sie tönne das Kind in einem Heim unterbringen. Einbrecher niedergeschossen. 3m Handgemenge mit einem Geschäftsmann. Zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen einem Geschäftsinhaber und einem Einbrecher fam es in der vergange. nen Nacht in der Schübenstraße in Stegli Im Haufe Nummer 4, an der Ede der Mittelstraße, betreibt der Schneidermeister Steptat fein Geschäft, hinter dem seine Wohnung liegt. In der vergangenen Nacht erwachte der Meister davon, daß jemand an seiner Ladentür herumhantierte. Als er aus seinem Schlafzimmer nach vorn ging, um zu sehen, wer da er aus seinem Schlafzimmer nach vorn ging, um zu sehen, wer da sei, jah er gegen den von der Straße hereinfallenden Lichtschein einen Mann, der die Scheibe der Ladentür aufgeschnitten haite und im Die Chriftlich- Sozialen gegen eine Bolfsabftimmung. Zu den Verhandlungen über die Verfassungsreform wird g meldet, daß die Mehrheitsparteten sich mit dem Gedanken vertraut gemacht haben, die Frage der Stellung Wiens durch Kampfabstimmungen im Ausschuß und im Nationalrat selbst z entscheiden. Sollte die Opposition unnachgiebig bleiben, so werde daran jedoch das ganze Verfassungswert taum jeitern und die mit 3weidrittelmehrheit beschlossenen Aenderungen der Bundesverfassung würden ordnungsgemäß in Kraft treten. Eine andere Gefahr drohe dem Berfassungswert durch die Gegenforderung der Sozialdemokraten. eine Boltsabstimmung durchzuführen. sobald ein Drittel der Mitglieder des Nationalrates es verlangt. Die Arbeiterzeitung" bestätigt, daß es in den Verhandlungen am Dienstag zu eine Annäherung gefommen sei, erflärt jedo, daß man nur über einen Fragenkomplex eine Berständigung erzielen fonnte. Sie sagt u. a., es war eine der ellerschlimmsten Unmögli tetten der Regierungsvorlage, daß dem Bundespräsidenten ermöglicht werden sollte, das Parlament zur Seite zu schieben un eine Dittatur aufzurichten. Diese Gefahr ist durch die Ver einbarungen, die am Dienstag abgeschlossen wurden, beseitig: worden. Der Bundespräsident wird den Nationalrat nur dann ver tagen tönnen, wenn der Nationalrat selbst es bestimmt. Er muß den Nationalrat binnen zwei Wochen einberufen, wenn Drittel der Mitglieder des Nationalrats es verlangt. Zwei Dachstühle brennen! et l! Heute früh um 5 Uhr war die Feuerwehr in der Waldemarstraße 29 mit der Bekämpfung eines großen Dachstuhlbrandes stundenlang beschäftigt. Das Feuer entstand im Dach stuhl des Fabrifquergebäudes und hatte beim Anrüden der Löschzüge bereits auf den angrenzenden Seitenflügel übergegriffen. Die Flammen fanden an Lagervorräten, die in den Bodenkammern unter gebracht waren, reiche Nahrung. Bqurat Kobian ließ das Bever Schlauchleitungen befämpfen. über die Treppenhäuser und über eine mechanische Leiter mit fünf Tageszeitung der sogenannten Altsozialdemokratischen Bartei, erEnde der ASP. Den Boltsstaat", die bisherige Dresdener scheint ab 1. Dezember nur noch als Bochenblatt. Die erste Num.nor dieses Wochenblattes bringt unfreiwillig humoristisch einen Auffag über das Thema„ Wege zu Kraft und Schönheit". www Intensives Schweigen. Um Degner, Gäbel und Leow. Die Rote Fahne" schreit gewohnheitsmäßig sehr laut und hysterisch, sie kann aber auch schweigen. Der Sflaret Untersuchungsausschuß, von den Kommunisten beantragt, mit großem Geschrei zur Wahlmache ausgeschlachtet, hat plöglich ihr Interesse verloren. Je eine Viertelzeile über Gäbel und Degner, eine inhaltslose Zusammenfassung von wenig Zeilen- Schluß. Noch intensiver ist das Schweigen bei der Roten Fahne" und der kommunistischen Zentrale im Falle Leom. Die kommunistische Rechtsopposition mahnt beide in ihrer Zeitung Gegen den Strom" abermals zum Reden; In Nr. 47 von„ Gegen den Strom" faßten wir die feit etwa zwei Monaten gegen Leow in der Presse erhobenen Anschuldigungen zufammen. Beom hat als Reichstagsabgeordneter der RP D., als Mitglied des 3entralfomitees der KPD., als zweiter Bundesführer des RF B., als Mitglied des 3 en tralvorstandes der Roten Hilfe bis heute noch kein Wort auf die Anschuldigungen, daß er in mehreren Fällen größere Gummen von Organisationsgeldern unterschla gen habe, geantwortet. Die Antläger Leows erklärten in der Breffe wiederholt ihre Bereitschaft, vor Gericht ihre Behauptungen zu beträftigen. Leow wurde wiederholt in der Presse aufgefordert, gegen feine Anfläger gerichtlich vorzugehen. Uber Leom schweigt! Sind die Anschuldigungen gegen Leow ,, Berleumdungen", was wäre dann billiger, als diesen Verleumdern" das Handwert zu legen. Die Kommunistische Partei hat sich bisher in feinem Fall " Das neue Heim des Baugenverksbundes, das am Dienstag eingeweiht wurde gesdheut, bie bürgerliche Klaffenjuftia für sich in Anspruch zu nehmen, wenn es ihr dienlich erschien. Warum darf Leow kneifen? Ein weiteres Schweigen Leows fann nur so ausgelegt werden, daß er als wahr unterstellt, was gegen ihn in breitester Deffentlichkeit behauptet wird. Warum dedi das 3. der Partei und die„ Rote Fahne" Leow? Die„ Rote Fahne", die bisher den Fall Leow totsdywieg, stam melt nach unseren letzten Feststellungen, die Verleumdungen" gegen, Leom selen zusammengebrochen. Als Kronzeugen dienen ihr- eben die Rechten", die die„ Rote Fahne" im gleichen Atemzuge als die schlimmsten Parteifeinde beschimpft. Dieser Trick ist zu billig. So wie wir der„ Roten Fahne" endlich die Zunge löften, werden wir es auch bei Leow und dem 3. der KPD, erreichen, daß sie das Schweigen um Leom brechen. Das letzte Wort im Falle Leon ist unfererseits noch längst nicht gesprochen. Aber jetzt hat Leom das Wort! Wann tlagt Leow? Bann antwortet Beom auf die gegen ihn in der Presse erhobenen und mit genauen Daten belegten Anschuldigungen der Korruption? Wie lange erlaubt das 3K. der KPD. seinem ehrenwerten" Mit glied Leom noch das Schweigen? Wie lange wird Leow noch durch die„ Rote Fahne" gedeckt?" Wir sind gespannt, ob diese und noch stärkere Beschwö rungen die Schweigenden zum Reden bringen werden, oder ob sie die Taktik vom Thälmann- Wittorf- Fall fort sezen wollen. Emigrantenleben in Berlin. fehr viele Emigranten leben, die eine interessante Bergangenheit phabet vertraut. Nach Paris ist Berlin die, zweite Großstadt der Welt, in der| nicht lernen, aber in Berlin machen sie sich mit dem gothischen Alhaben. Sehen wir uns die verschiedenen Emigrantenviertel Berlins an. Die Emigranten des zaristischen Rußlands find uns schon bekannt. Hunderte fleine russische Cafés und Restaurants gibt es, wo diese Flüchtlinge verkehren und ihre Lebensweise zeigt uns nichts Neues. Aber es gibt schon zahlreiche Russen, die direkt aus Sowjet rußland flüchteten oder hier in Berlin zu Emigranten wurden und nicht mehr nach Rußland zurückkehren wollten, weil ihnen das bürgerliche Leben besser gefiel. In einem kleinen russischen Restaurant in der Passauer Straße erzählt man sich folgende grausige Geschichte: In einer Pension in der Neuen Bayreuther Straße gibt es ein 3immer, das seit vier Jahren unbewohnt ist; denn jeder Mensch, der die traurige Geschichte der früheren Bewohner erfährt, geht schaudernd wieder fort, Hier wohnte früher ein russisches Ehepaar. Der Mann war im Auftrage der russischen Regierung nach Berlin gekommen, um Staatsgeschäfte zu erledigen. Das Ehepaar führte ein luguriöses Leben. Sie besuchten Theater, Konzerte, Tanzlokale, und feierten täglich Feste. Die russischen Behörden, die hiervon Kenntnis erhielten, riefen das Paar zurück. Der Mann ließ seinen Frack, die Frau ihre Abendtoilette in der Pension zurück. In Rußland wurden fie verhaftet und kurz darauf hingerichtet. Die Kleidungsstücke des Ehepaares hängen noch heute, vier Jahre nach ihrem Tode, unberührt im Kleiderschrank." Die italienischen Emigranten, die vor dem Zorn Muffolinis flüchteten, leben schon gemütlicher. Sie essen in den italienischen Restaurants Makkaroni und Spaghetti mit Parmesankäse oder Tomatensaft. Andreoli in der Anhaltstraße, ein echter Sorrenter Wirt, persteht es, seinen Landsleuten hier das Leben gemütlich zu machen. Drei neapolitanische Musiker spielen Mandoline und die Emigranten fingen dazu altitalienische Lieder. Siz trinken feurigen Wein und seufzen sehr viel, weil sie großes Heimweh haben, Die italienischen Journalisten sieht man auf der Galerie des Central- Cafés, Hier findet man aber auch alte Türken, die vor den neuen Gesetzen Remals flüchteten. In ihrer Heimat waren sie nicht zu bewegen, den Turban gegen einen modernen Filzhut einzu tauschen, aber hier in Europa müffen fie fich boch langsam daran gewöhnen. In der Türkei wollten sie das neue lateinische ABC Sehr interessante Leute sind die ungarischen Emigranten. Es gibt zur Zeit vier verschiedene Parteien. Kommunisten, die vor Gie speisen im Restaurant Schönbrunn und trinken ihren Kaffee zehn Jahren in den Budapester Kommunen eine Rolle spielten. im Café Karl Toni am Nürnberger Plaz. Die Oftobristen, die nach dem Weltkrieg kurze Zeit in der hungarischen Republik lebten, findet man alle Vierteljahr den ehemaligen Republikpräsidenten treffen sich in der Weiß- Czardas in der Kommandantenstraße. Hier Graf Michael Karolyi, der aus Paris, seinem ständigen Wohnsiz. nach Deutschland kommt, um seine Genoffen zu trösten. Alle Repu blikaner, auch die, die nicht zu den Oktobristen gehörten, mußten aus Ungarn flüchten. Man sieht diese Emigranten manchmal im Romanischen Café fizzen. Endlich gibt es noch ungarische KönigsEmigranten, Leute, die nicht dulden wollten, daß Ungarn noch immer ein Rönigreich ohne König ist und auf die Königswahl drängten. Sie leben verstreut im Ungaria Restaurant und im Café Sigtus. Es gibt aber auch Emigranten in der Kantstraße im Chinesi schen Restaurant. Hier find allabendlich Chinesen zu finden, Emi granten. Alle sigen an einem Tisch. Geheimnisvoll lächelnd tochen fie ihr Mittagessen selbst auf chinesische Art auf kleinen Schnellkochern. „ Ich flüchtete vor Tsching- Tschu- Tschang!" sagt der eine. Mich verfolgt Pe- Ho- Lung!" bemerkt der zweite. Mich Fong- Lu- Her!" läßt der dritte vernehmen. " ,, Mich wollte Tschung- Tschang- Ling hinrichten!" Ao- Li- Bang, Tschu- Tschu- Ling, Tschon- Kung- Ponch und ähnliche anderen Bartei an. Namen durchschwirren den Raum. Jeder Chinese gehört einer anderen Partei an. Da so viele Regimen in China wechselten, Darf man sich nicht wundern, daß die armen Chinesen sich selbst nicht austennen, ob sie Freunde oder Feinde sind. Der wißlgste Emigrant, der in Berlin lebt, ist ein Spanier, ein gesicht, große, schwarze, traurige Augen. Er lebte in Madrid. Seine Zeichner, Er sieht aus wie ein Torero in Zivil, hat ein KreolenSünde ist groß. Er hat für ein Madrider Wizblatt eine Karikatur von Primo de Rivera gemacht. Der Diktator war mit der Zeichnung nicht zufrieden; er fand seine Nase zu groß, und die Schafs augen gefielen ihm nicht. Der Zeichner mußte sofort flüchten. Jetzt fißt er Tag und Nacht im Café Lunte" und denkt darüber nach, wann er wieder in seine schöne Heimat zurüdfehren wird.' Aber das wird mohl noch eine Weile dauern, denn scheinbar fühlt sich Primo de Rivera als Diftator sehr wohl, Thomas Glogger. Rückfehr einer deutschen Himalaja- Expedition. 60000 Kilometer allein auf dem Meer. Um den Verfuch zu machen, den dritthöchsten Berg der Welt, den Randhanjanga( Rantschintfchinga), einen der Bergriefen des Himalaja, zu erobern, schiffte sich am 25. Juni auf Lloyddampfer " Saarbrüden" eine Expedition ein, die sich aus Mitgliedern des bayerischen Alpenflubs zusammenfezte. Am 14. Juli landete die Expedition in Colombo, von wo aus sie sich nach Darjeeling, dem Etappenplatz der Himalaja Expeditionen, begab. Der Aufstieg in die Höhe des gemaltigsten Gebirges der Welt, in die„ Stätte des Schnees, war mit ungeheuren Strapazen verbunden. Unter Ueber windung größter Schwierigkeiten gelang es den fühnen Forschern, eine Höhe von 7450 Meter zu erreichen, als über Nacht der Winter einsetzte und grausame Kälte die Expedition zum Rückzug amang. In schwerem Ringen mit der Urgewalt der Natur erfämpften fie fich Schritt für Schritt den Rückweg und erreichten am 20. Oftober wizber das Lager am Fuße der Bergwand und acht Tage später Darjeeling. Das Motorschiff Fulda" des Norddeutschen Lloyd führte die fühnen Bergsteiger, die mit ihrer Tat den Eiffim- Himalaja- Retorb gebrochen hatten, wieder ihrer Heimat zu, wo fie in zwischen eingetroffen sind. Der Geister- Code. Der amerikanische Professor J. Allen Gubert aus Portland im Staate Oregon hatte mit seiner vor einigen Jahren verstorbenen Frau einen besonderen Code vereinbart, auf Grund dessen die Frau sich später mit dem noch am Leben gebliebenen Manne verständigen follte. Seit fünf Jahren bietet Prof. Gilbert hohe Summen für dasjenige Mebium, das bie Botschaft der verstorbenen Gattin dem Der Profeffor hat schon 139 Medien bemüht, ohne daß die von an einem neutralen Ort sicher deponierten Code übermitteln würde. diesen aufgenommene Diftate die entsprechenden Cobaworte enthielten. Die legten Medien haben jetzt gegen den Professor die lage eingereicht auf Herausgabe der versprochenen Summe mit der Begründung, daß tatsächlich die verstorbene Frau durch sie geber Begründung, daß tatsächlich die verstorbene Frau durch fie ge sprochen hätte, daß dazu aber nicht unbedingt die Codeworte notwendig seien, da die Tote im Geisterreich bei den veränderten Existenzbedingungen sehr leicht frühere Abmachungen aus ihrem irdischen Leben vergessen haben könne. Die Uraufführung von Gerhart Hauptmanns„ Sput". Die unter dem Titel Sput" zusammengefaßten Einafter" Die chwarze Maste" und Herenritt" von Gerhart Hauptmann gelangten Dienstag in Gegenwart des Dichters im Wiener Burg iheater zur Uraufführung. Sowohl„ Die schwarze Waste", deren tragischen Hintergrund Ereignisse aus der Zeit nach dem Westfälischen Frieden bilden, als auch das zweite Stüd, ein auf heitere Wirtung berechnetes Traumspiel mit einer romantischen Schloßruine als ersten Künstler des Burgtheaters, beim Premierenpublikum beifällige Aufnahme. 1 Der französische Seefahrer Alain Gerbault, der allein in einer fehr im Juli 1929 von seinen Landsleuten begeistert gefeiert. Er kleinen Yacht rund um die Welt gefegelt ist, wurde bei seiner Rüdhat mit seinem alten und start beschädigten Zehntonnenfutter Firecrest" eine Leiftung vollbracht, die in der Geschichte der Schifffahrt einzig dasteht. Fünf Jahre hat die Fahrt gedauert. Borher war er allein nach New York gefahren, und im November 1924 trat er seine Weiterreise über den Atlantik an. Abenteuer schildert er nun in einem Buch, das joeben in englischer Seine Erlebnisse und Uebersetzung unter dem Titel„ Auf der Suche nach der Sonne" erschienen ist. freuzte dann zwei Jahre in der Gegend des Aequators, verbrachte Er berührte die Bermuda- Inseln, fuhr durch den Panamalanal, Weihnachten 1927 in Natal, fuhr um das Kap und war nier Monate später in St. Helena, rastete dann auf den Kapverdischen Insein, zögerte er noch möglichst fange hinaus, denn er fürchtete sich vor den wo er einen großen Teil seines Buches niederschrieb. Die Heimkehr Menschen und dem Trubel der Zivilisetion; er hatte jein Paradies in der Einsamkeit der Meere gefunden. Der Ruf der See, ter ihn zu seinem Wagnis getrieben, hat.ihm trotz aller Fährnisse und aufregender Zwischenfälle das stille Glück gebracht, das er in seinem Buch in fo schlichter und inniger Weise schildert. Besonders weht fülhite er fich unter den bronzenen Naturkindern des polynesischen Inselarchipels. Bohl famen sie ihm zunächst mißtrauisch, entgegen, well sie mit weißen Ausbeutern schlimme Erfahrungen gemacht hatten, aber als sie merkten, daß dieser stille Seemann nichts von ihnen wollte, da schlossen sie mit ihm herzliche Freundschaft. Gerbault zog das Leben unter ihnen allen Genüssen der Kultur vor. Wozu soll man Champagner trinken, wenn es so wundervolles Kolosnußwasser gibt?" fragte er. ,, Warum soll man unbequeme Gebäude aus Holz, Eisen und Stahl errichten, wenn tie lätter des Kokosnußbaumes ein so dichtes und erfrischendes Dach tarbieten? Warum Hüte und Kleider tragen, wenn die Bigmentierung der Haut den besten Schutz gegen die tropische Sonne darbietet?" Außer Stürmen und Untiefen, die ihn mit manchen Gefahren bedrohten, machten ihm auch hier und da die Bewohner des Meeres zu schaffen. ,, Einmal," so berichtet er, schoß ein riesiger Schwertfisch aus dem Wasser direkt über das Borderteil des Firecrest". Hätte das Untier mit seinem Schwert mein Schiff getroffen dann hätte es zweifellos ein schlimmes Led erhalten. Beispiele dieser Art sind nicht felten." Gern beobachtete er die Delphine, die fliegende Gische mit ihren Mäufern auffangen, fie mit einem Rud des Kopfes in die Luft ftoßen, dann wieder auffangen und so mit ihnen spielen wie die Kaze mit der Maus". Ein andermal wurde er lange Zeit von einem Saifisch und einem großen Bitterrochen verfolgt. Er erzählt eine graufige Geschichte von einem Hai, der fast dreiviertel Tonnen wog und den einer feiner Bekannten an einem ftarten Angelhafen Labour Opposition offen gegen Labours Schauplas, fand, unterstützt durch die vorzügliche Aufführung der fing:„ Drei wilde Gefährten dieses Hais begannen, durch das Blut Regierung. London, 4. Dezember. " Arbeit und Kampf in Lied und Wort betitelt sich ein Bezirkskonzert bes 12. Bezirks, Gau Berlin, des Deutschen Arbeiter- Sängerbundes, das am Sonnabend im Spreegarten" in Treptow stattfindet. Gesungen wird nur in Cborgruppen und im Gesamthor bes Bezirks, im Männer- und Gemischten Chor. Ale Sprecherin ift Martha John gewonnen. Anfang 8 Uhr. Eintritt 75 Pf. Für Arbeitslose 50 B1. Im Unterhaus nahm der linke Flügel der Arbeiterpartei bei Wiederaufnahme der Aussprache über die Gesezesvorlage über die Arbeitslosennersicherung seine in der vorgestrigen Unterhausfiguas entfaltete Tätigkeit wieder auf und brachte zwei Aenderungs. Dorschläge ein, in denen erhöhte Borteile für die Kinder und Die englische Premiere von To What Red Hell", eine Uraufführung Ehefrauen der Arbeitslosen verlangt werden. Nachdem der Arbeits- für Deutschland findet heute nahmittag 4 Uhr im Theater Bebrenitraße minister die Vorschläge unter Hinweis auf die großen Ausstatt. Erste Biederholung Sonnabend, 4 Uhr nachmittags, die Sonntag. gaben, die die Aenderungen im Gefolge haben würden, befämpft aufführung muß als Matinee vormittags 11.30 gegeben werden. hatte, wurden die Anträge mit 229 gegen 28 bzw. 210 gegen 37 Stimmen, unter Stimmenthaltung der Konservativen und der Liberalen, abgelehnt. Frankreichs Schulden an Amerika. Zwei amerikanische Senatoren, Mitglieder der Finanztommission des Senats, haben einen Gesezes vorschlag zur Ratifizierung des Mellon Berenger Abkommens über die französischen Schulben an die Bereinigten Staaten niedergelegt. Danach stellt sich die französische Schuld auf 4,025 Milliarden Dollar. Der Leifer der Filmprüfftelle Berlin, Oberregierungsrat Mildner, ist mit dem 30. November 1929 wegen Erreichung der Altersgrenze in den Ruheitand getreten. Zum Nachfolger tit fein Stellvertreter und Vorsitzender einer Brüffammer, Heinrich 8 im mermann, Leiter des Archivs für Boltsbildung im Reichsministerium des Innern, ernannt worden. Berliner Bhilharmonischen Orchesters unter Furtwängler gestaltete sich zu Die Berliner Philharmonifer in London. Das Abschiedskonzert des einer stürmischen Dantesfundgebung für die deutschen Künstler. Das Konzert, bas in der Queenshall stattfand, reihte fich dem am Sonntag in der Albert Ball gegebenen würdig an. angezogen, das verwundete Tier anzugreifen und rissen es bei lebendigem Leibe in Stücke." Wie man heute die Tiefe des Meeres ermittelt, Ueber den Stand der Entwicklung der Meerestiefenermittlung sprach im Institut für Meeresfunde Professor Stahlberg, Berlin. Er erläuterte u. a. die früher angewandten Lotgeräte und deren Unzulänglichkeit bei größeren Tiefen und bei unruhiger See. Deshalb habe man sich in allen Ländern bemüht. die Lotgeräte zu vervollkommnen, und sei dabei mit der Anwendung akustischer Gesetze gänzlich neue Wege gegangen. Professor Stahlberg erläuterte dann eingehend das Echolot, das es ermöglicht, zuverlässig bis dahin nicht feststellbare Meerestiefen zu messen. Er wies darauf hin, daß durch das selbständig arbeitende Echolot eine fortlaufende Tiefenaufnahme erfolgen kann, die im Vergleich mit einer Karte das sichere ,, Durchloten" eines Schiffes durch Untiefen und die Einhaltung der Fahrtrichtung ermöglicht. Die Tänzerin Niddy Jmpeloven gab im großen Saal Gaveau in Batis einen Tanzabend, in dessen Verlauf sie ein neues Programm porführte. Das Publikum war entzüdt und brachte der deutschen Künstlerin begeisterte Dvationen dar. Schutz vor Beleidigung. Das neue Strafrecht.- Ein Tatsachen- Feststellungsverfahren nötig. Der Strafrechtsausschuß beschäftigte sich in seiner gestrigen Sigung mit den im Strafgefeßentwurf vorgeschlagenen Beleidi gungsparagraphen. Nach Erstattung der Berichte durch die Abgeordneten Bell( 3.) und Emminger( Bpt.) führte Ministerialdirektor Schäfer als Vertreter des Reichsjustizministeriums folgendes aus: Die Gerichte hätten es sich in den letzten Jahren zur Gewohne heit gemacht, in Beleidigungsprozessen auf Grund des§ 193 wegen Wahrnehmung berechtigter Interessen die Eröffnung des Hauptver fahrens abzulehnen oder Angeklagte freizusprechen, ohne zu prüfen, ob die beleidigende Behauptung der Wahrheit entspräche. Bei solchem Verfahren käme das Interesse des Verlegten zu kurz, der dann teine Möglichkeit habe, sich von ehrenrührigen Beleidigungen reinzumaschen. Die zivilrechtliche Unterlassungstlage gebe feinen hinreichenden Ersatz. Der Beleidigte fäme auch dann nicht zu seinem Recht, wenn ein Strafverfahren durch Amnestie zur Einstellung gelange oder wenn der Beleidiger ein Abgeordneter sei, der den Schutz der Immunität genieße. Um für diesen Fall des Versagens des Strafrechtlichen Schußes doch einen gewissen Ehrenschutz zu garan tieren, sei ein besonderes Verfahren notwendig, in welchem nach der Art eines Privatklageverfahrens( wegen Beleidigung, Körper verlegung usw.) nur festgestellt werde, ob eine bestimmte ehrenrührige Behauptung wahr sei oder nicht. Abgeordneter Landsberg( S03.) begründete einen sozialdemofratischen Antrag, in welchem die Einführung eines Tatsachenfeftftellungverfahrens gefordert wird. Leider sei man in Deutschland noch nicht so weit, nach englischem Vorbild die Strafbarkeit der formalen Beleidigung aufzuheben. Der Engländer stehe auf dem Standpunkt, einen Knoten fönne man nicht zu einem Gentleman machen. In England würde mur solche Verbalbeleidigung verfolgt, die einen tatsächlichen Inhalt hätten, z. B. wenn jemand einen anderen einen Dieb nenne. In England würde die Aufhebung der Strafbarkeit solcher Beleidigungen nur eine Zunahme der Körperverletzungen zur Folge haben. Notwendig sei eine Ausdehnung der nach dem§ 193 jetzt geltenden Bestimmungen über die Wahrnehmung berechtigter Intereffen. Dieser Paragraph sei an sich gut. Es sei nur zu mißbilligen, daß Straflosigkeit nicht auch bei Wahrnehmungen öffent licher Interessen eintrete. Auch sei bedauerlich, daß die Wahrnehmung berechtigter Interessen nicht immer gegenüber Gerichtsurteilen zugelassen werde, obgleich doch, so müsse man. wenigstens hoffen, ein Urteil eine wissenschaftliche Leistung im Sinne des Gefeßes sei. Der Gesetzentwurf wolle die Wahrnehmung be rechtigter Interessen dann anerkennen, wenn der Täter zur Wahrnehmung eines berechtigten öffentlichen oder privaten Rechtes handle und dieses Interesse das Interesse des Beleidigten überwiege(§ 317). Ein solches Abwägen der gegenseitigen Interessen sei äußerst Republik Kundgebung in Stuttgart. Renner fagt:„ Defterreich muß von Deutschland lernen." Stuttgart, 3. Dezember. Am Sonntag veranstaltete der Deutsche Republikanische Reichsbund in Stuttgart eine öffentliche Rundgebung im Gustav- Siegle- Haus. Der Festsaal war lange vor Beginn der Tagung überfüllt. U Nach einem Gesangsvortrag durch den Freien Volkschor Stutt gart eröffnete Oberbürgermeister Luppe Nürnberg die Kundgebung mit herzlichen Begrüßungsworten, in denen er ein Treuegelöbnis zur Republik ablegte. Er gab besonders seiner Freude über das Erscheinen des früheren österreichischen Staatstanz Iers Renner Ausdruck, wobei er der engen Schicksalsgemeinschaft zwischen Deutschland und Desterreich gedachte, der nicht nur unsere Sympathie, sondern auch unsere ganze Kraft gelte. Leb haftes Bedauern löfte die Mitteilung aus, daß Reichsinnenminister Gevering und Abg. Ha as infolge dringender Berliner Beratungen an der Reichstagung des Bundes nicht teilnehmen können. Nach weiteren Begrüßungsworten ergriff Reichsminister a. D. Giesberts das Wort. Er erinnerte zunächst daran, daß gestern Nachmittag die französische Trikolore von Ehrenbreitstein endgültig niedergeholt worden sei. Unter lebhaftem Beifall dankte Giesberts der rheinischen Bevölkerung für ihr treues Festhalten am Deutschtum während der drückenden Fremdherrschaft. Wir sprechen die Hoffnung aus, so fuhr er fort, es möge das legtemal gewesen sein, Mittwoch, 4. 12. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 269 20 Uhr. Schwanda der Dudelsackpfeifer Staats- Oper Am Pl.d.Republ. Vorst. 95 20 Uhr Mittwoch, 4. 12. Städt. Oper Bismarckstr. Turnus III 1912 Uhr Die Gezeichneten Staatl. Schausph. am Gendarmenmarkt A.-V. 237 20 Uhr Salome Don Carlos Staatl. Schiller- Theater, Charlth. 20 Uhi: Des Kaisers Soldaten SCALA Tägl. 2 Vorsteil. 5 und 812 Uhr Barbarossa 9256 Preise 1-6 M. Wochents.: 5 U. 50 Pf.- 3 M. Kafka, Stanley a. May, Matray- Ballett, Charles Perezo f& Co. usw. Tägi. PLAZA Tag. 5 u. 815 Sonnt. 2, 5 g. 818 Alex. E. 4.8066 INTERNAT. VARIETE Theater i. d. Behrenstr. 53-54 A 4 Zentrum 926/927 8¼ schwierig. Man sollte der Presse gegenüber mehr Verständnis zeigen. Ihre guten Dienste nehme man gern in Anspruch, also müsse man sich auch gefallen lassen, wenn sie einmal die Ehre eines Privatmannes wahrnimmt. Wenn ein Redakteur z. B. auf Grund von Mitteilungen, daß man einen unbequem gewordenen Menschen ins Zuchthaus gebracht habe, Nachrichten über eine solche Behauptung und eine Ehrenrechtsreform fordere, dürfe man nicht bestrafen, wenn wirklich bei der im guten Glauben geschehenen Berichterstattung einige Irrtümer unterlaufen seien. Notwendig sei, für die Fälle, in denen jetzt ein strafrechtlicher Schuh fehle, ein besonderes Verfahren zu ermöglichen, in dem nur geprüft wird, ob die in Frage stehende Behauptung wahr sei oder nicht. zu billigen sei der Vorschlag des Entwurfs, nach welchem derjenige bestraft wird, der in der Absicht, jemand zu schmähen, ihm eine strafbare Handlung oder eine Verurteilung vorhalte oder einem anderen davon Mitteilung macht, ob die Tat abgeurteilt und die Strafe ver: büßt sei. Ein Antrag des Zentrums und der Bayerischen Boltspartei, nach welchem das Pressegesetz dahin abgeändert werden solle, daß als verantwortlicher Redakteur nicht Abgeordnete bezeichnet werden dürfen, weise nicht den richtigen Weg, würde nur die Immunität richtig gehandhabt und dann nur durchgeführt, wenn das Interesse des Parlaments des betreffenden Abgeordneten das Interesse des Verletzten an der Bestrafung überwiege, so sei der Antrag überflüssig. Abg. Diffmann hob hervor, daß der Geschäftsordnungsausschuß schon jetzt zwischen den Intereffen des Reichstags an der Vollzählig teit der Anwesenheit seiner Mitglieder und im Interesse des Verlegten abwäge. Nicht immer werde die Immunität anerkannt. Sie sei aufgehoben worden, wo ein Abgeordneter nur deshalb verantwortlich gezeichnet habe, um die Blätter vor Beleidigungsklagen zu schützen. Die Dinge lägen heute allerdings anders als vor dem Kriege. Eine solche Verwilderung des Tones wie heute habe es damals nicht gegeben. In der Vorkriegszeit seien Redak teure wegen Bemerkungen angeflagt worden, die heute kein Mensch mehr als eine Beleidigung ansehen würde. So sei er selbst verfolgt, in erster Instanz freigesprochen, in zweiter Instanz verurteilt, in dritter wieder freigesprochen, weil er einige Marinemate, welche dritter wieder freigesprochen, weil er einige Marinemate, welche Frauen auf der Straße belästigt hätten, als Rüpel bezeichnet habe. Das Kommando der Reichsmarine habe damals gegen ihn Strafantrag gestellt. Heute würde kein Mensch mehr daran denken, ein Verfahren einzuleiten. Mit Strafparagraphen werde man aber den Ton in der Presse nicht bessern. Die politischen Parteien sollten gegen den verrohenden Ton ihrer Preffe vorgehen, das wurde mehr nüßen, als das ganze Strafgefeß. Die Beratungen gehen heute weiter. daß ein Krieg den schönen Rheingau unter Frendherrschaft gebracht hat. Wir hoffen, daß diesseits und jenseits der Bogesen das Wort „ Erbfeind" endgültig aus den Wörterbüchern gestrichen wird.( Lebh. Zustimmung.) Die Befreiung des Landes ist die Frucht jener Politit der Befriedung, für die als Märtyrer Männer wie Erzberger, Rathenau und Ebert ins Grab gefunken sind. Die Gegner dieser Politif, die gleichzeitig Gegner der Republit sind, haben mit der Ablehnung des Voltsbegehrens im Reichstag eine schmähliche Niederlage erlitten. Das ist ein Zeichen innerer politischer Gesundung. Am 22. Dezember wird diesen Leuten die endgültige Quittung für ihre verbrecherische Aktion von der überwiegenden Mehrheit des deutschen Volkes gegeben werden.( Beifall.) In der Deutschen Republik soll nicht das Kapital, sondern der Mensch im Mittelpunkte stehen. Unsere meitere Aufgabe ist, die freiheitliche Gefimmung zu schüßen. Die schmachvolle Kastenscheidung im alten Staat darf nicht wiederkehren. Wir wollen die nationale Gefinnung pflegen, aber uns gegen den Mißbrauch des Wortes national" wenden.( Lebh. Beifall.) Der demokratische Rheinlandabgeordnete 3iegler erörterte die jüngsten Reichstagsverhandlungen über das Boltsbegehren. Noch fein Politiker habe bisher ein solches Debacle erlebt wie Sugen berg aus der Versammlung ertönten bei diesen Worten lebhafte Burufe: Hoffentlich wird Bazille auch bald so erledigt" Hugenberg fönne aber das eine Verdienst für sich in Anspruch nehmen, largestellt zu haben, daß die überwiegende Mehrheit des GROSSES SCHAUSPIELHAUS Volksbühne Deutsches Theater Renaissance- Theater 8 Uhr: 3 Musketiere Regie: ERIK CHARELL. 3 Sonntag namm. ungek. halbe Pr. ROSE -THEATER Gr. Frankfurter Straße 132 Teleph.: Alexander 3422 u. 3494 Täglich 81 Uhr: ( Sonntags 5 und 9 Uhr) Pariser Blut Jeden Mittwoch u. Sonnabend nachm. 5 Uhr ,, Max und Moritz" und der Weihnachtsmann Großes Weihnachtsmärchen. Jeden Sonntag. nachm. 2.30 Uhr Frau Holle Winter Garten* 8 Uhr Zentr. 2819 Rauchen erlaubt 16 Original Lawrence Tiller- Girls... Vater sein, dagegen sehr und weitere Varieté- Neuheiten Theater am Bülowplatz 8 Uhr Uraufführung Affäre Dreyfus Schauspiel von René Kestner Regie: H. D. Kenter. D. 1. Norden 12310 81 Uhr Zum 50 Male Der Kaiser v.Amerika von Bernard Shaw Reg.: Max Reinhardt Kammerspiele D.1. Norden 12 310 81 Uhr Staatl. Schiller- Th. 8 Uhr Zur gefl. Ansicht! Des Kaisers Frederik Lonsdale Soldaten Staatsoper am Platz der Republik 8 Uhr Salome Theater am Schiffbauerdamm 8 Uhr Lustspiel von Regie: Gustaf Gründgens Die Komödie 11 Bismck.2414/ 7516 814 Uhr Vom Teufel geholt von Knut Hamsum Regie: Max Reinhardt Pennäler Th. a. Nollendorfplatz Heute und morgen geschlossen! Freitag 7.30 Uhr Premiere Pariser Leben Operette von Offenbach. Steinplatz C1. 0901 u. 2583/84. Reichshallen-Theater Abends 8 Sonntag nachm. 3 deutschen Boffes von solchen Attionen gegen bie Republit nichts wissen will. An Stelle des verhinderten Reichsinnenministers Severing sprach der Theologie- Professor Baumgarten Kiel. Er sah in dem Anwachsen des Nationalsozialismus bei den letzten Wahlen eine Ermattungserscheinung. Mit lebhaften Kundgebungen wurde der österreichische Staatsfanzler a. D. Renner begrüßt, der dann die Rednertribüne betrat. Er besprach zunächst die letzten innerpolitischen Birren in Desterreich und kam zu dem Schluß, daß der reaktionäre Ansturm der faschistischen Heimwehren jetzt schon im wesentlichen überwunden sei. Die neue österreichische Verfassung werde den Wünschen der Faschisten nicht Rechnung tragen. Dieser Erfolg sei darauf zurückzuführen, daß die österreichischen Republizweideutig gezeigt hätten, daß sie gewaltsamen Angriffen auch mit faner zwar Geduld geübt, aber auf der anderen Seite auch unGewalt entgegentreten tönnten. Die österreichische Sozialdemokratie sei vielleicht nicht immer so flug vorgegangen wie die deutsche. Das deutsche Zentrum sei flüger als die österreichischen Christlich- Sozialen. Beide österreichischen Parteien müßten jegt von den deutschen Bruderparteien lernen. Seit dem Tode Bismards, so fuhr der Redner fort, haben wir keinen so großen Staatsmann gehabt, wie Stresemann. Dieses deutsche Bürgerfind hätte in der Monarchie sicherlich nicht die Stellung erreicht, die ihm die Republic einräumte. Das ist der große Vorzug der Republik, daß sie die tüchtigsten Männer an die Spitze stellt, auch Die Republik ist auch das geeignetste Instrument, um endlich die wenn sie Söhne von Handwertern und einfachen Bürgern sind. volle deutsche Einheit mit Einschluß Desterreichs zu schaffen. Einheit der Nation, Freiheit der Nation, soziale Gerechtigkeit und Frie den der Welt, diese großen Ideale erstreben wir, und darum sind wir Republikaner.( Stürm. Beifall.) Oberbürgermeister Luppe schloß die Kundgebung mit einem Hoch auf die Deutsche Republit, in das die Versammlung begeistert einstimmte. Während des Schlußchors mehte über dem Rednerpult eine aus Ulm herbeigeschaffte alte jdywarzrotgoldene Fahne von 1848, Die Arbeitslosigkeit steigt! 1142000 Hauptunterstützungsempfänger. Nach dem Bericht der Reichsanstalt für die Zeit vom 25. bis 30. November 1929 waren die 3ugänge an Arbeitslosen in der Berichtswoche wieder zahlreicher als in der Borwoche. Die Bewegung hat sich vor allem in Ostpreußen, Pommern, Schlesien, Niedersachsen und Mitteldeutschland beschleunigt, wo die Candwirtschaft nunmehr einen größeren Anteil an der saisonüblichen Verschlechterung des Arbeitsmarktes hat. Die Zahl der Hauptunterstüßungsempfänger ist in der Berichtswoche um 88 000 auf 1142 000 am 27. November; in der Vorwoche hatte die Zunahme rund 74 000 und in der Woche vorher etwa 60 000 betragen. Die Zunahme der Arbeitslosigkeit war etwas schwächer als zur gleichen Zeit des Vorjahres, so daß sich die Mehrbelastung des Arbeitsmarktes gegenüber dem Vorjahr weiter leicht verringert hat. Herbert Smith zieht sich zurück. London, 4. Dezember.( Eigenbericht.) Der Bergarbeiterführer Serbert Smith, ber unlängst den Vorsitz des Britischen Bergarbeiterverbandes niederlegte, hat an das Gefretariat der Internationalen Bergarbeiter- Bereinigung ein Schreiben gerichtet, worin er um Enthebung von dem Amt des Präsidenten der Bergarbeiter- Internationale bittet. Spaltung im Allindischen Gewerkschaftsfongreß. London, 4 November. Die Blätter melden aus Nagpur, daß der Rampf zwischen den Extremisten und den Gemäßigten im Allindischen Gewerkschaftsfongreß zu einer Spaltung geführt hat. Die Gemäßigten haben beschlossen, eine neue Organisation zu gründen, die von allen fommunistischen Einflüffen frei ift. Wetter für Berlin: Wechselnde, meist stärtere Bewöltung und wieder milder. Südwestliche Winde, zeitweise Regen. Für Deutschland: Ueberall mild, vielfach Regenfälle. Berantwortl. für die Rebattion: Bolfgang Schwarz, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buch druderei und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co.. Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. Direktion Dr. Robert Klein Deutsches Künstler- Theat. Barbarossa 3937 3/48 Uhr Ende 11.10 Uhr Seltsames Zwischenspiel 6. u. 7. nchm. 312, Bom Berfasser ber ,, Bollkommenen Ehe" erschien! Dan de Velde Bd. III Die Fruchtbarkeit in der Ehe und ihre wunschgemäße Beeinflussung 444 Seiten 20 Bilbtafeln in Ballonleinen nur RM 16.-. Auch gegen bequeme Teilzahlungen zu beziehen durch Wissenschaftlicher Buchver trieb R. Eppler, Stuttgart, Gaisburgstr. 4a 8 Uhr Regie: Heinz Hilpert Kontobücher Metropol- Th. Kleines Theat. Steffiner- Sänger Som UJUERGENS Das Land des Max Adalbert Neu: vorm. 11 LogisWidwest Journey's End S Burleske von Meysel Billettbest. Zentrum 11263 315 Uhr Die andere Selte Dönhoff- Brett: Berliner Theater Familien- Varieté Tanz. 8% Uhr CASINO- THEATER 84 Uhr Lothringer Straße 37 Der neue Schlager! Familie Hannemann. Vorvk. 10-2. 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Westens Täglich 814 Uhr Stg. 5 u. 8% Uhi Friederike Der Welterfolg von Franz Lehár Musik v. Oskar Straus Käthe Dorsch Michael Bohnen Lustspielhaus Friedrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich 81 Uhr Grand Hotel Lustspiel von Paul Frank Mrs, Selby mit Fritzi massary Alfred Abel Komödienhaus Täglich 8 Uhr Der Hühnerhof mit Curt Bols Lächelns Vera Schwarz, Richard Tauber Musik von Merkur 1624 Täglich 84 Uhr in Das Parfüm meiner Frau Franz Lehár' Lustsp v. Leo Lenz Qualitätsware in jeder Preislage, auch bis 18 MONATS RATEN Teschenke Raddat Berlin Leipzigerstr. 122-123 Beilage Mittwoch, 4. Dezember 1929 Der Abend Spalausgabe des Vorwärs Der französische Mensch Verfuch einer Klärung/ Von Dr. Hans Hartmann, Elberfeld 2. Der franzöfifche Mensch als Arbeiler. Frankreichs ökonomischen Verhältnisse haben ohne Zweifel nicht die Reife wie die der hochentwickelten Industriestaaten Amerika. England und Deutschland. Das patriarchalische System liegt dort noch nicht so weit zurück und es sind noch beachtliche Reste davon vorhanden. Und es ist ein anderer Umstand, der die enorm große Einwanderung, die nach der Meinung vieler zu einer Gefahr für den Bestand der Nation werden kann. Man rechnet bei ungefähr 40 Millionen Gesamtbevölkerung gegen 3 Millionen Ausländer, in steigendem Maße auch Italiener und Spanier im Süden. Und es bleibt nicht aus, daß in den großen Industriegebieten, besonders im nordfranzöfifchen Rohlengebiet, eine zusammengewürfelte Maffe entsteht, die diesen Gebieten einen ähnlich undurchsichtigen Charakter verleiht, wie ihn früher das Ruhrgebiet hatte. Da ist es freilich sehr schwer, eine Arbeiter: bewegung zu organisieren und ihr ein bestimmtes Strombett zu fchaffen. Freilich wirkt der Zwang der Verhältnisse auf der anderen Seite immer stärker und so mehren sich die Anzeichen, daß das Bewußtsein für die Kollektivlage des Arbeiters wächst. Die Gewerkschaften haben seit der Vorkriegszeit ihre Mitgliederschaft etwa verdoppelt, und. zwar auf gegen 700 000. Die sozialistische Partei hat höchstens 100 000 Mitglieder, sie ist mehr eine Rahmenpartei, was bei der Abneigung des Franzosen gegen Organisation verständlich ist. Aber bei Wahlen bringt sie leicht mehr als doppelt so viel Stimmen auf, wie es Gewerkschaftsmitglieder gibt. Man darf nun nicht vergessen, daß es auch tom= munistische Gemertschaften gibt, deren Mitgliederzahi man auf höchstens 250 000 fchägen fann, die aber sicher augenblid lich bei Anwendung einer scharfen Klassenkampsparole und unter heimlicher Unterstützung vieler kommunistischer Intellektueller noch wachsen werden. Die kulturelle Mission In gleichem Maße wie das Bewußtsein der Klassenlage wächst aber bei der französischen Arbeiterschaft das Bewußtsein der fulturellen Mission. Von Jahr zu Jahr werden die Schwächen jener bürgerlichen Schandkultur mehr aufgedeckt, die zwar nach außen hin glänzende Erfolge zu erzielen meiß, aber das wichtigste Gegenwartsproblem, also das der Arbeit und der Arbeitsfreude, nicht einmal anzupacken, geschweige denn zu lösen weiß. Ich hatte die Freude, die Einweihung des neuen sozia fistischen Parteihauses( Rue Victor Massé 9) beizuwohnen, die sich zu einem großen Feste in einem der größten Säle im 11. Bezirk gestaltete, der eine Hochburg der organisierten Arbeiter: schaft ist. Der liegt, wie alle Proletarierviertel der großen europäischen Städte, im Osten. Freilich hat sich das französische Citoyenbewußtsein erzwungen, daß dieser Osten doch durch breite Boulevards und Parks gepflegter aussieht als der Osten in Berlin oder London. Jene Feier mun zeigte, daß die Arbeiterschaft sich die wachsende Volkschorbewegung, an der die ersten musikaItschen Fachleute des Landes, wie Professor Ra di guer, mitwirken, zunuze macht. Man knüpft dabei an alte Traditionen an; die französische Revolution zeitigte eine Anzahl träftiger und anfeuernder Volksgesänge, und es gibt einen Meister, Gossec, auf den die Bolkschorbewegung jeẞt start zurückgreift. Und es geschieht das mit Bewußtsein. Als der belgische, weit bekannte sozialistische Abgeordnete Piérard auf die Bedeutung der Musik, dieser internationalen Sprache ,, par excellence" für die Verwirklichung einer sozialistischen Kultur hinwies, nahmen das die mehrere tausend Zuhörer begeistert auf. Aber nicht nur die Musit wird als Kulturelement gewertet, sondern auch auf den praktischeren und viel gefährlicheren Gebieten wie dem des Militarismus zeigt sich, daß die Arbeiterschaft an der Spitze marschiert. So konnte ein Verwandlungskünstler auf dem gleichen Feste in der Maste eines alten französischen Soldaten ohne Schwierigkeit die Worte wagen: Frankreich wird groß durch die Wissenschaft und nicht durch die Anzahl seiner Soldaten." Man darf natürlich nicht vergessen, daß weite bürgerliche Kreise in Frankreich auch so denken; der Stand des Offiziers gilt zum Beispiel im öffentlichen Bewußtsein durchaus nicht als höherwertig gegenüber den anderen Berufen, wie im alten Deutschland, eher umgekehrt. Aber das Bewußtsein all dieser Dinge und der Mut, fie öffentlich zu vertreten, ist eben bei der Arbeiterschaft am meisten entwickelt. Die wirkliche Lage Wie ist mun die wirtliche Lage des französischen arbeiterden Menschen? Da wird man sich von zwei Seiten her vor einer falschen Beurteilung dessen, was man sieht, hüten müssen. Zunächst fällt auf, daß die äußere Lebenshaltung oft übermäßig einfach ist, und man ist sicher, daß der deutsche Arbeiter sich nicht damit zufriedengeben würde. Aber der französische Mensch ist ja an sich besonders anspruchslos, und auch der Mittelstand wohnt oft in Löchern, die nicht wert find, Wohnungen zu heißen. Die Wohnungsfrage ist sehr schwierig dort drüben. Die Wohnungszwangswirtschaft wird von Jahr zu Jahr gemildert, und zwar hat das Gesetz ein bestimmtes Schema dafür im Jahre 1926 aufgestellt. Danach hört die Zwangswirtschaft auf am 1. Juli 1927 für Wohnungen, die am 1. August 1914 mehr als 12000 Franken gekostet haben, am 1. Juli 1928 für die über 9000, 1929. für die über 6000, 1930 für die über 3000, und am 1. April 1931 für alle übrigen. Man sieht also, daß die eigentliche Krise 1931 droht, und die Sozialisten werden es als ihre Aufgabe betrachten, sie so weit wie eben möglich zu vermeiden. Aber schon in diesem Jahre beginnt, wie die Fachleute versichern, die Krise sich unangenehm bemerkbar zu machen. Die Mittel gegen die Krise sind natürlich verschiedener Art, sie hängen von der Auffassung in sozialen Dingen zusammen. Es ist aber bezeichnend, daß auch die französische Privat wirtschaft den Baumarkt nicht in Ordnung bringen kann. So gab es 1906 bei einem zehn stündigen Arbeitstag 970 597 Bauarbeiter, die letzte Zählung 1921 aber wies bei einem achtstündigen Arbeitstag mur 995 886 Bauarbeiter auf. Und auch jetzt noch ist die Bautätigkeit um etwa 17 Proz. hinter der der Vorkriegszeit zurück. Die zweite Gefahr einer falschen Beurteilung besteht bei der Frage der Arbeitslosigkeit Es ist richtig, daß es in Das konfessionelle Problem Frantreich feine Arbeitslosigkeit gibt und daß das Land daher Frankreich feine Arbeitslosigkeit gibt und daß das Land daher| Härte entstehen, wozu noch die Ungerechtigkeit. tommt, daß der wanderung hat sich denn auch in letzter Zeit sehr gesteigert. Wer vielen als Paradies erscheint. Die deutsche und österreichische Ein Unternehmer gleichwohl wie den anderen 50 Proz. des Beitrages vom Lohn abhalten darf( obwohl sie also den Vorteil der Versiche= arbeiten will, bekommt heute noch Arbeit. Aber es sprechen doch gewichtige Gründe dagegen, daß das so bleibt. Einmal wächst mit rung nicht genießen). der Einwanderung die Zahl der Angehörigen des fünften Standes und damit, da manche doch als Gelegenheitsarbeiter in Frage kommen, die industrielle Reservearmee. Und je mehr sich auch die französische Industrie rationell umstellen muß, um so mehr wird diese Reservearmee wachsen. Das ist also nur eine Frage der Zeit. Dabei wollen wir die welt und reparationspolitischen Pro bleme noch nicht einmal aufrollen; das würde eine eingehende gesonderte Betrachtung erfordern. Man spürt auch deutlich in franzöfifchen sozialistischen Kreisen, daß das Bewußtsein der sich verschärfenden Krise zunimmt. Bon da aus tann man sich auch die recht starken bolschewistischen Tendenzen erklären. Die Sozialgejelze Wenn man heute ein Urteil über die Lage des arbeitenden Standes in einem bestimmten Lande erstrebt, so wird man die Entwidlung der Versicherungs- und Schußbestim. mungen nicht vergessen dürfen. Es gibt eine befannte Borstellung, als ob der Charakter des Franzosen wesentlich auf Lebenssicherung ausgehe. Das einst nicht unrichtige Urteil, daß der Durch schnittsfranzose das Kleinrentnerideal des Mannes, der sich mit 50 Jahren zur Ruhe setzt, pflege, ist durch die Inflation weitgehend erschüttert worden. Die Kauftraft des Bermögens bzm. der Zinsen ist real etwa auf den fünften Teil gesunken, und die breiten Massen der mittleren und handarbeitenden Klassen ver bienen nicht genug, um sich so schnell genügend zu sparen. 3war ist der Reallohn etwa der der Vorfriegszeit, aber die schlim men Jahre machen wie bei uns viele Neuanschaffungen nötig. Und der Sparsinn hat natürlich unter dem Inflationserlebnis nach gelassen, ähnlich wie bei uns. So führt die allgemeine Unsicherheit zu einem verstärkten Druck der gesamten Gewerkschaften, um die vom Bürgertum immer wieder verschobene Sozialversicherung zu erzwingen. Für die einzelnen Gebiete der Sozialversicherung sieht die Sache so aus. Durch die übermenschliche Anstrengung der Gewerkschaften und Sozialisten( wie ein sozialistischer Führer fagt) gelang es am 7. Juli 1927 das große Sozialversicherungsgesetz durchzubringen, das am 5. Februar 1930 in Kraft treten soll. Dabei war es aber nicht möglich, eine Arbeitslosenversicherung mit ins Gesetz aufzunehmen. Hier wird erst die Zwangslage der Wirtlichkeit weiterhelfen. Ein weiterer Mangel ist der, daß der Arbeiter, der die Invaliden- oder Altersrente bekommt, aus der Krankenversicherung ausscheidet. Das kann natürlich bei den verhältnismäßig geringen Renten zu großen Härten führen. Die Altersversicherung soll mur für die gelten, die bis zu 15 000 Franken im Jahr verdienen( 2500 bis 3000 Mart Realwert) und die noch keine 60 Jahre alt sind. Auch hier wird manche Ehen in aller Welt Diefes französische Bersicherungssystem ist, wie man aus allen Dokumenten entnehmen muß, nicht so einheitlich und staatlichzentralistisch aufgezogen wie das unsrige. Bielmehr wird es so tommen, daß die Gewerkschaften( Syndikate) die Kassen organisieren, daß aber auch die großen tonfeffionellen Ber bände dasselbe Recht haben. Da bricht dann also ein scharfer Kampf zwischen den Klerifalen und den Gewerkschaften aus und große Teile der Arbeiter und Kleinbauernschaft fürchten, daß man bei den ,, tleritalen" Raffen alle Bestimmungen möglichst zu ihren Ungunsten auslegen wird. Wie weit diese Furcht sich als berechtigt herausstellen wird, tann ma im Augenblick noch nicht sagen. Jedenfalls wirken bei diesen Befürchtungen die Erfahrungen, die das französische Bolt mit einer früher ganz unsozialen Kirche gemacht haben, start nach um so mehr, als sich diese durch die Trennungsgesetze wirtschaftlich geschwächte Kirche sichtbar erholt und nicht nur ihren Bestand erhält, sondern weitere Kreise zurückgewinnt. Ein Beispiel: in Le Puy, einem mittelfranzösischen Städtchen, geht regelmäßig die gesamte Bevölkerung zur Kirche. und so ist es in vielen Drten. Und unter der einst so freidenkenden Studentenschaft, die doch den weltlichen( laizistischen Staat geschaffen haf) macht sich seit dem Kriege eine starke Tendenz geltend, wieder die kirchlichen Pflichten zu erfüllen( man nennt das praktizieren). Ausgetreten war man ja sowieso nicht, da es dort teine Kirchensteuern in unserem Sinne gibt. Jegt praktizieren an einigen Universitäten und auffallenderweise auch technischen Hochschulen wieder ein Drittel bis drei Viertel aller Studenten( gegenüber einem verschwindenden Bruchteil vor dem Kriege). Wenn die Kirche sich nicht grundsätzlich auf den Sozialismus umstellt und davon ist in Frankreich ebensowenig zu merken wie bei uns dann tut die französische Arbeiterschaft recht daran, diese Entwicklung mit Vorsicht zu verfolgen. Schließlich sei noch ein Puntt berührt, der in allen Ländern mehr und mehr ein Kennzeichen der wirklichen sozialen Lage wird, nämlich alles, was mit dem Schuß der Neugeborenen zufammenhängt( also Mutterschaftsversicherung, Wöchnerinnenfürsorge usw.). Da hat man am 24. Oftober 1919 für die Versicherten ein Stillgeld eingeführt. Seit 1913 gibt es bereits zuschüsse für kinderreiche Familien, die durch Gesetz vom 22. Juli 1923 erhöht wurden. Bei mehr als drei Kindern kann man für jedes Kind 360 Franken und das ist, auch nach dem Urteil bürgerlicher jährlich bekommen Soziologen, zu wenig. lleberblicken wir das Ganze, so sehen wir: den französischen Boltsmassen geht es nicht besser als den deutschen, und das wird uns in dem Bewußtsein bestärken, daß überall in der Welt die arbeitenden Menschen noch einen großen Kampf um das Recht, die Würde und den angemessenen Ertrag ihrer Arbeit zu führen haben. und im Wandel der Zeiten Gerade in unserer Zeit, in der so viel vom ,, B anterottber] Ehe" gesprochen wird, ohne daß sich die Diskutierenden immer dar über flar sind, wie eng oder wie weit sie nun den Begriff ,, Che" fassen wollen, kommt ein Buch Heinrich Eunos sehr zur rechten Zeit: ,, Liebe und Ehe im Leben der Völker." Es ist im Bücher: freis" erschienen. Das Buch hat vor allem das Verdienst, die wirtschaftlichen Wurzeln jeder Cheform aufzuzeigen: Bon der„ Ehe" der Eingeborenen Australiens bis zu der Cheform, in der wir jetzt noch leben. Und es ist überall dasselbe Bild: Es sind die wirtschaftlichen Bedürfnisse, die die Eheform bestimmen- und auch der Frau ihren Rang und Wert in der Familie wie in der Gesellschaft anweisen. Der nomadische Jäger im Innern Australiens lebt in Einehe: einer Einehe freilich, die nicht durch irgendein ,, ethisches Prinzip" gerechtfertigt, sondern nur durch den Zwang der wirtschaftlichen Umstände diftiert wird, denn zumeist ist es ihm unmöglich, sich mehr als ein Weib zu beschaffen und er braucht auch nur eins. Er ist Jäger, ein Jäger, der keinen festen Wohnsitz fennt und auch die Jagd im Umherschweifen ausübt; weitreichende Waffen fennt er noch nicht, er jagt mit Wurfipeer, Spieß und Keule. Ist seine Habe auch noch so gering, so kann er doch, mit ihr bepackt, nicht nahe genug das wild beschleichen, und so braucht er ein Wesen, das seine Habe trägt. Er findet es in der Frau; die ist nun zu gleicher Zeit Transporttier, Geschlechtspartnerin, Mutter und versucht, neben diesen Verpflichtungen noch durch Kleintierjagd zur Ernährung der Familie beizutragen. Die Frau wird getauscht, d. h. von einer Nachbarhorden gegen irgendeine Verwandte des Chefandidaten ein gehandelt. Nebenher gibt es bei diesen Stämmen dann noch die Ehegenossenschaft", die sich ein junger Jäger dadurch erwerben kann, daß er seine Beute zum Unterhalt der Familie beisteuert. Dann trägt nicht nur die Frau des älteren Bruders oder Freundes seine Habe, sondern steht ihm auch geschlechtlich gelegentlich zur Verfügung. Heiratet er später, so erwartet freilich der Freund mindestens in geschlechtlicher Beziehung dasselbe Entgegenkommen von der neuzugekommenen Frau. Gespräch der Männer. Ja, wenn die Feldarbeit drängt, hat der Mann die Wartung der Kinder zu übernehmen. Wird der Ackerban die Hauptertragsquelle, so steigert das den Wert der Frau derart, daß für die Eheschließung ein Kaufpreis gezahlt werden muß. Die Frau wird dadurch zwar Eigentum des Mannes; aber ihr hoher Breis wie ihre wirtschaftliche Untentbehrlichkeit sichern ihr trotzdem eine verhältnismäßig gute Stellung. Am marfantesten zeigt sich die Entwicklung bei den Eingeborenen der Belauinseln, wo neben dent männlichen Familienoberhaupt der Großfamilie( die aus Eltern, Kindern und Kindestindern besteht und eine wirtschaftliche Einheit bildet) ein weibliches Oberhaupt steht, dem die Aufsicht über den weiblichen Teil der Familie, über den Ackerbau, Dorf- und Feldwege zusteht. Indem Cuno so die Wandlungen der Ehe und die Wandlungen in der Stellung der Ehefrau durch alle Natur- und Kulturvölker verfolgt, führt er den Nachweis, daß die Wertschäzung der Frau und ihre Rechte innerhalb des Familienverbandes dem Wert ihrer Arbeit für die Erhaltung der Familie( auch des Mannes) und für die Allgemeinwirtschaft entspricht. Ist der Arbeitswert der Frau so weit gejunten, daß ihre Aufnahme in den Familienverband eine Be= laſtung bedeutet, so ergibt sich daraus eine gewisse Rechtlosigkeit, die sich schon in der Mitgift" ausdrückt: statt des für die Frau gezahlten Kaufpreises erhält der Mann sozusagen eine Ent. schädigung dafür, daß er die weitere Versorgung des in seiner Familie entbehrlichen und überflüffigen Mädchens übernimmt. Auf dieser Entwidlungsstufe steht man auch heute noch bei uns: das Bürgerliche Gesehbuch legt neben der Aussteuerpflicht der Eltern gegen die Tochter auch das Verwaltungs- und Rugnießungsrecht des Ehemannes am Bermögen der Ehefrau fest, der es untersagt ist, ein Bankkonto oder ein Sparkassenguthaben ohne die Zustimmung des Ehemannes einzurichten. Wir bewegen uns damit, sagt Cuno, in der Gesetzgebung wie in den bürgerlichen Ghebegriffen noch ganz in spätmittelalterlichen Gedankengängen. Aber schon beginnt eine große Umschichtung: Wie der Jagdertrag des Bainingjägers schließlich zu flein wurde, um die Famille zu ernähren, so ist heute das Einkommen des Mannes meist nicht mehr groß genug, um die einzige Cristenzbasis der Familie zu fein. Für die Familie wie für die Bolkswirtschaft wird die Ermerbs. Mertwürdig wandelt sich nun das Verhältnis und die Stellung der Frau in dem Augenblick, wo die Jagd nicht mehr eitrag reich genug ist, um die einzige Eristenzbasis der Familie zu bilden. Das Beispiel ist hier aus dem Leben der Eingeborenen Neutätigkeit der Frau ebenso wertnoll wie die des Mannes. Das bePommerns genommen. Hier ist der Anbau des noch fleinen Feldes, das Bergen und Konservieren der geernteten Früchte durch weg Sache der Frauen, und Frau und Mann, der hier Jäger bleibt, tragen ungefähr in gleicher Weise zum Lebensunterhalt bei. Das hat eine wesentliche Besserung in der Stellung der Frau zur Folge: sie ist gemeinsam mit dem Mann und mischt sich in das deutet schon in der Bragis eine Befreiung der Frau aus den Banden eines Familienrechts, das auf eine wesentlich andere Wirtschaftsform zugeschnitten war, und es kann nicht lange mehr dauern, bis die Frau auch de jure( der Gefeßgebung nach) so frei ist, wie sie es als erwerbstätige Ehefrau schon heute in der Pragis ist. Rose Ewald. (22. Fortsetzung.) Am Abend desselben 12. Juni war die Polizei in der Lage, den ganzen Hergang aufzudecken, da der Portier, der sich die Nummer des Autos notiert hatte, seine Anzeige erstattete. So wußte die Polizei die Namen der materiellen Vollzieher und ließ deren Führer, D u m i n i, in dem Augenblick verhaften, als er Rom oerlassen wollte. Indem sie den Faden der Verantwortlichkeit weiter oerfolgte, stieß dann die Polizei auf«inen faschistischen Journalisten, den Biedermann F i l i p p e l l i, den Chefredakteur des„Corriere Jtaliano",«inen Freund Mussolinis, der das Auto geliefert hatte. Weiter auf den Pressechef des Minsster- Präsidenten, R o s s i, auf den administrativen Generalsekretär der Faschistischen Partei, Marinelli. Der Faden führte ganz direkt zum Viminal, dem Sitz des Ministe- riums des Innern, und von da in das Vorzimmer Mussolinis. Ms hierhin verfolgte ihn die Polizei, um dann stehen zu bleiben, als vor einer Schwelle, die ihr profaner Fuß nicht berühren durfte... Um dieselbe Zeit erklärte Mussolini im Parlament: „Wenn jemand in dieser Aula ist, der das Recht hat, vor ollen ergriffen und entrüstet zu sein, so bin ich es. Nur einer meiner vor IWuiupbotor Feinde hat dieses Verbrechen begehen können, das uns mit Ent- setzen erfüllt und uns einen Schrei der Entrüstung entlockt." Und indem er ein Wort Talleyrands über die Ermordung des Herzogs von Enghien paraphrasiert«, fügt er hinzu: „Mehr als grauenhaft, ist dieses Derbrechen von geradezu demütigender Dummheit." Und doch war es in den Räumen der Regierung selbst aus» geheckt und vorbereitet worden! Durch eine faschistische Tscheka, deren Organisation Mussolini selbst gefordert hatte, und der er Dumini zum Führer bestellt, den Mann, der sich rühmte, zwölf Mord» auf dem Gewissen zu haben, und Mithelfer zur Seite ge- geben, wie B o l p i, den Mörder unseres alten Genossen Jnver- setti in Mailand! Aber die heuchlerischen Worte vermochten nicht mehr, das Regime zu retten. Eine ungeheure Bewegung erschüttert« das ganze Land, eine Welle, die aus den tiefsten Tiefen zu tommen schien. Die unter den Schlägen ihre Köpfe gebeugt hatten, hoben sie jetzt empor. Die Helfershelfer des Faschismus fragten sich, wohin dieses Regime der Schande und des Blutes das Land noch führen werde. Viele Faschisten nahmen das Parteiabzeichen aus dem Knopfloch Selbst aus der Mitte der Parlamentemehrheit wurde drohendes Murren hörbar, und das Verlangen nach einem eisernen Besen, der den Unrat aus der Faschistischen Partei aus» kehrte. Angst packte die Führer und die Truppen. Als man die Mobili- sierung der Miliz befahl, leistete nur ein ganz geringer Prozentsatz dem Befehl Folg«. Angesichts dieser Menge, die nach Aufklärung und Gereckstig- keit schrie, zögerte Mussolini nicht länger, seine Mitarbeiter preis- zugeben. Einen nach dem anderen warf er sie über Bord. Rr ließ Cesa re Ro ssi oerhaften, dann seinen Prioatsekretär Fasciolo, den Generalsekretär der Faschistischen Partei, Marinelli. Er zwang den Unterstatssekretär des Innern, F i n z i, zu demissio» nieren, und auch den Generaldirektor der Polizei, General de Bon o. Er überließ die Schergen und den Chefredakteur des „Corriere Jtaliano" der Justiz. Er ging so weil, feierlich zu oer- sichern, er werde die völlige Aufhellung der Tat durchsetzen und schlug sogar die Anwendung der Lynchjustiz vor. Unseligerweise sollte ein Teil des Landes in die ihm gestellte Falle gehen und sich durch verlogen- Versprechungen von Gesetzlich. keit und Gerechtigkeit zum Narren halten lassen, während ein anderer Teil wohl die lügnerische Komödie der Regierung durch- schaute, aber sich auf die Unabhängigkeit der Richter und aus die Rechtschoffenhest des Königs verließ. So wurde in diesem einzigen nie wiederkehrenden Augenblick, wo man an die Straße, an den Aufstand appellieren mußte, von der Opposition die Taktik des gesetzlichen Kampfes auf dem gerichd. lichen und parlamentarischen Boden eingeschlagen. Mir ist. ein« Zusammenkunft in Mailand am Abend des >3. Juni im Gedächtnis geblieben, wo ich�den Eindruck hatte, daß in dieser Atmosphäre ein feuriger Appell zum Handeln geboten war, und wo wir uns einer Aufforderung fügen mußten, die aus Rom an uns erging, wir möchten nicht durch gewaltsames Vor- gehen den Ausgang einer Schlacht aufs Spiel setzen, die man schon für gewonnen ansah! Und weiter erinnere ich mich an Rom, am 27. Juni, dem Tage der öffentlichen Ehrung und der Gedenkfeier für Matteotti. In der Hauptstadt war der Aufftand zum Sprung« bereit. Er war in den Geistern. Ein nichtiger Anlaß konnte ihn zum Aus- bruch bringen. Die parlamentarische Opposition hatte die Sezession aus der Kammer beschlossen. Filippo T«rati sprach von dem Ermordeten vor den 12S Abgeordneten des Volkes. Er sprach Worte, die der Ewigkeit würdig sind. Wer durch die Straßen Roms ging, der sah in jedem Blick die Erwartung einer ent- scheidenden Tat. Alle Straßen, die zum Tiber führten, wimmelten von Menschen. Das Volk erwartete, daß die Abgeordneten der Opposition alle zusammen das Parlament oerließen, um an den Kai Arnaldo da Brescia zu gehen, an die Stelle, wo Matteotti überwältigt worden war, und wo eine fromme Hand ein Kreuz an der Mauer gezeichnet hatte, vor dem seit vierzehn Tagen Andacht gehalten wurde. Bauern, Arbeiter, Frauen und Kinder bedeckten mit Blumen und Tränen diese symbolische Grabstätte... Aber die Parlamentarier waren der Ansicht, daß die Kraft der Opposition in der Gesetzlichkeit läge, in jener Gesetzlichkeit, die die Regierung mit Füßen trat. Und so fing die Schlacht an, eine dramatisch« Schlacht, in der die Gerechtigkeit besiegt wurde durch die Gewalt. XXIV. Der moralische Aufstand des Landes. Sechs Monate hindurch beherrschte die Affäre Matteotti das ganz« Leben der Nation. Die Straße hatte sich der Sache be- mächtigt, und es war nicht leicht, ihrer Meister zu werden. Wenn die Bevölkerung nicht durch die große Illusion genarrt worden wäre, die darin bestand, von der Monarchie etwas anderes zu er- warten als den Schutz der Reaktion, wäre die Diktatur nieder- geworfen worden. Vom 12. Juni 1321 bis Januar 192S war wohl zehnmal die Lage derart, daß der Ausgang durch«in Nichts, durch eine Geste, durch ein Wort, bestimmt werden konnte. Jede Partei der Opposstion sammelte ihr« Truppen wieder, jede Zeitung ihre Leser. � Eine wahre Lawine von Depeschen forderte den„Avant!" auf, seine Auflage zu vermehren. In den Provinzen, wo die Zeitung seit fast einem Jahr verboten war, fanden wir massenhaft Leser. Extraausgaben brachten jeden Tag der ekwartenden gierigen Masse Nachrichten, die das Vorspiel des Endes anzukündigen schienen. Die Schleier, die die Diktatur verhüllt hatten, fielen einer nach dem anderen, und hinter dem Bilde der Ruhe und Ordnung erschien die widerwärtige Fratze der Korruption und der Gewalt. Jedesmal, wenn die Gefängnistür hinter einem der Hierachen zuschlug, herrschte helle Freude. „Lesen Sie den„Avanti!" „Filippelli'st verhaftet worden!" „Cesare Rossi ist geflohen." „Der Unterstaatssekretär Finzi hat demissioniert!" Die Menge riß sich um die noch feuchten Zeitungen. Man steckte die Köpfe zusammen und kommentierte. Die Piazza Colonna in Rom und die Galerie in Mailand waren zum Schauplatz be- ständiger Versammlungen geworden. *„Der Rücktritt des Generaldirektors der Polizei!" „Mussolini verläßt das Minssterium des Innern. Federzoni wird sein Nachfolger!" S Man flüsterte sich noch andere sensationelle Nachrichten ins Ohr. Es hieß, der König hätte die Absicht, Mussolini loszuwerden. Ach! es ist so leicht, anderen die Last zuzuschieben für Ent- scheidungen, die man selbst fassen müßte! Vom ersten Tage an ging das Gerücht, daß die Angeklagten und die Verdächtigten sich verteidigten, indem sie ihrerseits Musso- lim anklagten. Nach der Entscheidung der Opposition, nicht mehr an den parlamentarischen Arbeiten teilzunehmen und sich auf den Aventin zurückzuziehen, galt der öffentlichen Meinung die verfassungs- mäßige und gesetzliche Ordnung als aufgchoben. Immer mehr stimmte sie mit der Parole des„Avanti" überein:„Rück- tritt der Regierung, Auflösung der Miliz. Neu- wähle n." Nun begann ein Versteckenspielen zwischen Mussolini, der parla- mentarischen Opposition und dem König. Mussolini wollt« nichts anderes, als Zeit gewinnen und sich inzwischen an die Macht klammern und wußte sehr wohl, daß zwischen dem Palast Ehigi und den Gefängnissen von Regina Coeli sein Schicksal entschieden wurde. Die Opposition oersuchte, die Konservativen in der Kammer und im Senat für ihre Sache zu gewinnen und die öffentliche Meinung auf ihrer Seite zu behalten. Was den König betrifft, so spielte er«in doppeltes Spiel, wie das einer alten Ueberlieferung -seiner Familie entsprach. Ein konstitutioneller König, ließ er durch seine Leute kolpor- tieren, kann nur eingreifen, wenn eine Ministerkrise vorliegt. Erst Sie, meine Herren Abgeordneten! Erst Sie, meine Herren Sena- toren! Mein« Rolle kommt erst nach der Ihren! Ein konstitutioneller König, antworteten die Monarchisten der Opposition, greift jedesmal ein, wenn«ine offenkundige Verletzung der Verfassung und der öffentlichen Rechte gegeben ist. Warten Sie ob! � Und man wartete ab. Aber schon am 24. Juni hatte der Senat Mussolini ein Der- trauensvotum gegeben, so daß dieser jetzt auf dem formellen Boden der Verfassung leichtes Spiel hatte. Ich. habe das Parlament auf meiner Seit«. Aber Sie haben das ganze Land gegen sich.(Forts, folgt.) Mittwocb, 4. Dezember. Berlin. 16.05 Ferdinand TOnnies:„Zum Andenken an Thomas Hobbes"(se&t. 4. 12. 1679). 16.30 I. Beethoven: Rondo Q-Dur, od. 51. Nr. 2(Birger Hammer, Flügel).— 2. Gesänge(Max Raymer).— 3. Beethoven-d'Albert: Eeeossaisen(Birger Hammer).— 4. Gesänge(Max Raymer).— 5. a) Backer-QrSndahl: Serenade op. 15; b) Sinding: Am Spinett(Birger Hammer). 17.30„Der Geizige" von Moliire. 18.30 Unterhaltungsmnsik. 20.00 Wovon man spricht. 20.30 Rosi-Onartett. I. Mozart: Streichquartett K.-V. 428.— 2. Reger; Streichquartett Es-Dur, op. 109. 21.30 Harry Kahn liest eigene Novellen. Nach den Abendmcidungen bis 0.30: Tanzmusik. Während einer Pause Bildfunk. Königsvnsterhausen. 16.00 Stud.-Direktorin Dr. Susanne Engelmann: Staatsbürgerliche Erziehung der Mädchen. 16.30 Nachmittagskonzert von Hamburg. 17.30 Pelber: Die Musik im Aberglauben der Völker. 18.00 Dr. Ludwig Herz: Von Barbusse bis Remarqne. 18.30 Spanisch für Anfänger. 18.55 Dr. Jahnke: Gutes Deutsch für jedermann. 19.20 Reichenbacb: Denken und Anschauung. 20.30 Sendespiel:„IV�ordaffäre Duppler". Rätsel- Ecke des„Abend". uiiiiiiiuimuiiiiiuuuuuuuiuuuimiiiiiiiiiiiuiiiiiiuiuiiiiiiiiiiiiiuiiiuuiiiuiiiiiHiuiiiiiumiuiniiiuuiiuuimuuiuniuiiummmiiuiiuiiimüuiimnmmuiunninnninuiuiiiimiiigi Kreuzworträtsel. Senkrecht: 1. germ. Gott; 2. Fremdwort für Umwandlung: 3. Farbe; ö. Geigenbauer: 6. Fußsteig: 3. griech. Nymphe: 11. be» pflanzte Straße:\4. männl. Vorname: 16. Körperteil: 17. Stadt in Serbien: 13. Stadt in Lioland— Waagerecht: 4. röm. Kleidungsstück: 6. Tierwohnung:.7. Insekt: 8. weibl. Vorname: 13. Verwal- wngsbezirk; 12. chemik. Begriff; 13. Geftqlt aus Faust: 12. Acker- blume: 16. männl. Vorname(gekürzt): 18. Waffe: 23. weibl. Vor- name: 21. Wild: 22. Berg in den Alpen,(ph, fch und st gleich ern Buchstabe.) Z. Worträtsel. In den Wörtern Pater. Eber. Tasso, Motto, Base, Ader, Dam«, Drau, Hingabe. Slller, Tadel, Regen, Ullrich. Tonne, Amme, Bohle, Hegel, Farm. Egel. Angel. Land, Osel, Habe. Hort sind die Anfangs- buchstaben durch neue zu ersetzen. Die richtiggefunvenen Buchstaben ergeben aneinandergereiht ein Zitat von Schiller. --kr.— Füllrätsel. Die Buchstaben a s 2 z z aaaabbbccccdd ddddeeeeeeece egggghhhh ikkk ItllTlmmnnnnnn nnooooprrrrrr ssttuuuwww sind in obenstehende Figur einzusehen Die Wörter bedeuten: 1 Heer- sührer im Weltkrieg: 2. Wert- zeichen; 3 Kunstschrifistelleri 4. deutsche Stadt: S. Bureau- artikel: 6. Stadt am Rhein: 7 Bruchige Niederung in der Niederlausitz: 8. Vorort von Berlin: g. Insel in der Nord- see. Sind die Wörter richtig geraten, so ergibt die schräg punktierte Linie den Namen eines englischen Staatsmannes.-kr» (Auflösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. K reuzworträtsel. Senkrecht: 1. Ger; 2. Sudan: 3. Heine: 4.(Big; 5. Tee: 6. Ellen; 7. Wiesbaden; 9. Liverpool; 13. Hamster: 14.«aul: 13. Alb; 16. Opal: 18. Spa: 21. Homer: 22. Seher; 24. Ideal; 27. Ute; 28. die: 33. Eta.— Waagerecht: 1. Gas; 3. Hagebutte: 7. Wesir: 8. Duell; 11. Eli: 12. Enz: 13. Hans; 16. Ase; 17. Agnes: 19. Opossum; 23. Bahia: 22. Spa; 23. Lied: 26. Leo; 26. Emu; 29. Netze; 33. Eifel: 31. Redakteur; 32. Lea. Spiralenräts«!. Waagerecht: 2. Tod: 3. Tara; 6. Salat: 6. Tomate; 8. Beduine: 9. Suderode; 11. Normandie: 12. Normal- zeit: 14. Drechslersi; 16. Natterzunge.— Senkrecht: 1. Du; 2. Tai; 4. Thea; 5. Salut: 7. Emilie: 8. Brandes; 13. Erdbeere: 11. Nor- mannen: 13. Ingolstadt; 14. Dardanellen. Geographisches Silbenrätsel: 1. wanne' 2. Lille: 3. Aberdeen; 4. Dardanellen: 6. Zller; 6. Walch« nfee; 7. vberndorf; 8. Sachalin; 9. Tanger; 13. Odessa; 11. Katalonien.— Wladiwostok. >Königszug: Der Dienst der Freiheit ist ein strenger Dienst, Er trägt nicht Gold, er trägt niiyt Furstengunst, Er bringt Verbannung, Hunger. Schmach und Tod. lind doch ist dieser Dienst der höchste Dienst,(UhlandI' Leibesübung /Sport /Professionalismus Ein Ausspradieabend bei den Sportärzten Welchen weg soll der Führer weisen? Diese Frage stellte gestern auf einem Disknssionsabend. den die Berliner Sport. ärzle in einem Hörsaal der Charit« veranstallelen, Universitäls. turnral Dr. h i r n. Cr trat dafür ein. dah der Dualismus„Körper und Geist" verschwinde und dafür die Erkenntnis sich ausbreite, daß Körper und Geist eins sind. Das ist eine Forderung, die dem(Sport-) Mediziner recht ge- läufig ist, weil er aus der Erkenntnis anatomischer und funktioneller Zusammenhänge heraus urteilt. Das wollte auch Dr. D i e m, der Führer des Deutschen Reichsausschusses für Leibes- Übungen, der bürgerlichen Sportspitzenorganisation, eingesehen haben, nur kam er, wie vorauszusehen war, zu merkwürdigen Schlußfolgerungen.„Wir haben heute eine Form des Sports, die sehr ungeistig ist, der Sport ist bis in die Spitze hinauf krank, in Deutschland ganz besonders," sagte Herr Diem in der Diskussion. Das hat er schon ebensooft erzählt, wie er oersichert hat, daß der Niedergang des deutschen Sports von seiner Betriebsamkeit, d. h. von den allwöchentlichen Starts der Wetkampfsportler käme. Da- durch würden alle anderen Lebenswerke im Sportler zurückgedrängt, er und fein Sport verlören ihren Kulturwert. Eine Verödung des Seelenlebens trete ein, der ideal« Sinn des Sports gehe verloren. Die Wettkampfsportler— andere kannte Herr Diem in seinen Aus- führungen überhaupt nicht— neigten zum Vielreisen, eigneten sich dabei Starallllren an, gefielen sich in hysterischen Ausschreitungen, womit er offenbar die Duellforderungen der in Japan gewesenen Sportlerexpedition meinte, und sie handelten schließlich den Amateur- bestimmungen dadurch zuwider, daß sie ihren Reiseluxus durch hohe Spesenrechnungen bestritten. Es wird gemogelt, sagt Herr Diem, und dos ist besonders häßlich bei Leuten, die ein« ideale Lebens- ausfassung haben sollten. Herr Diem hat also alles bestätigt, was die Arbeitersportler und ihre Zeitungen und die sozialdemokratische Presse stets von den Kürzer- lichen Sportlern behauptet haben und was nicht zuletzt die Ursache des selbständigen Bestehens einer Arbeitersportorganisation ist. Der Kern allerdings liegt tiefer: der bürgerliche Sport hat keinen höheren Sinn als das Streben nach Namen und Sportrang: er hat kein geistiges Ziel als seinen W e t t t a m p f g e da n k e n: er hat keinen Kulturwert als die R e k o r d v e r h e r r l i ch u ng: ihm fehlt mit einem Wort gesagt, die Idee! Die Idee, die sich beim Ar- beitersportler in seiner sozialistischen Weltan- s ch a u u n g ausdrückt und die ihn den Sport, seinen Sport, als e i n Mittel zur Erreichung der sozialistischen Gesellschaftsordnung ansehen und betreiben läßt. Herr Diem will den bürgerlichen Sport befreien, indem er die Behörden, die öffentliche Hand ausfordert, den Sportvereinen die Sorge um die finanzielle Erhaltung eigener teurer Sportplätze ab- zunehmen, dann könnten sie auf die Veranstaltung gewinnbringender Wettkampsdarbietungen verzichten. Die Arbeitersportler verzichten darauf, das Pferd beim Schwänze auszuzäumen; sie bauen sich selbst einfache Sportplätze ohne„gedeckte Tribünen", oder benutzen öfsent- liche Uebungsstätten. Sie haben den Kreislauf: Kanonenzllchtung, Wettkampf, teurer Eigensportplatz, zahlungsfähiges Publikum, das Sportsensationen oerlangt und so Kanonenzüchtung notwendig macht, nicht nötig: sie erziehen dafür Massen, Arbeilermassen zur Leibesübung. Und das scheint uns ein hoher Kulturwert und damit eine große sittliche Idee zu sein— Herr Dr. Diem! Jaehner. Teufel Schnelligkeit! Auto Weltrekorde: 1898— 63 km, 1929---- 372 km. Die Mitteilung im„Abend" vom 27. November, daß der englische Konstrukteur Coalelen einen neuen Aula- mobil-Rennwagen bauen will, der zwei Zwölf- zyllnder-Moloren von je 2000 PS. haben und eine Ge- schwindigkeil von— 800 Kilometern in der Stunde entwickeln soll, veranlaßt uns, eine Ausstellung der bisher erreichten Automobilweltrekorde zu bringen. Die AIA.(Association der' anerkannten Automobil-Clubs) hat in diesen Tagen eine Liste der registrierten Auto mobilwelt- rekorde nach dem Stande vom I. Oktober dieses Jahres heraus- gegeben, aus der einige Angaben interessieren dürften, die auch zum Vergleich mit früher erzielten Weltrekorden und zum Anführen einiger der im allgemeinen wenig bekannten internationalen Klassen- rekorde anregen. Unter Weltrekord oersteht man die bisher er- reichten absolut hoch st en Leistungen überhaupt, die aufgc- stellt worden sind von Fahrzeugen, deren Zylinderinhalt weder einer Beschränkung unterliegt, noch Berücksichtigung findet, während uklter internkitionclen Klassenrekorden die bisherigen Höchst- leistungen zu verstehen sind, die von Fahrzeugen d" international festgelegten Fahrz�igklassen(also mit feststehenden Zylinder- abmessungen) erzielt wurden. An sich haben gewisse Höchstleistungen der unbeschränkten Fahr- zeuge nur geringen Wert, der häufig nicht viel mehr darstellt als die Befriedigung eines sportlichen Ehrgeizes oder der zu Propa- gandazwecken ausgenutzt werden soll, immerhin aber wieder er- kennen läßt, zu welchen konstruktiven und damit maschinellen sowie körperlichen und geistigen Leistungen der Mensch befähigt ist. Von diesem Standpunkt aus— weil sie eben symptomatische Bedeutung haben— interessieren die Weltrekorde, zumal auch eine Reihe von ihnen von rein serienmäßigen Fahrzeugen erzielt worden ist. Leider kann man über die Serienmäßigkeit gewisser Weltvekord-Fahrzeuge keine Angaben machen, da die Rekordliste der AJA. sich über die Zylinderanzahl und-inhalte ausschweigt, und man sonst nur auf unklare Zeitungsnachrichten sowie auf Erzählungen und Ver- nmtungen angewiesen ist. Den Weltrekord der absolut höchsten Geschwindigkeit hält Major Sir Henry Segrav», dem es am lt. März dieses Jahres mit einem Iroing-Napier-Leon-Special auf der Strandbahn von Daytona-Beach gelang, den Kilometer mit fliegendem Start in der Zeit von 9 Set. 66,5(Hundertstel), also mit einer Stunden- geschwindigkeit von 372,478 Kilometer zu durcheilen. Ueber 5 Kilo- meter— fliegend— hält Capt. Malcolm Campbell mit einem Napier-Arrol-Aster den Rekord mit 347,491 Kilometer, aufgestellt am 26. April 1929 auf der Bahn Verneuk-Pan, und den über 10 Kilometer— fliegend— M. Eldridge mit einem Miller, erzielt auf der Monthlery-Bahn am 19. Oktober 1926 mit 225,776 Kilo- meter(letztere Leistung also schon einige Jahre zurückliegend und sicher mit einem Miller-Serienwagen erreicht, was den Unterschied in der Geschwindigkeit ausmacht). Auch schon im Jahre 1926, am 26. Mai, ist auf der Brooklands-Bahn der bestehende I-Kilometer- Wellrekord mit stehendem Start von I. G. P. Thomas auf einem Thomas-Spezial mit einer Geschwindigkeit von 139,860 Kilometer aufgestellt worden, während den 50-Kilometer«Weltrekord Eldridge auf Miller, erziell am 22. Oktober 1926 auf der Monthlöry-Bahn, mit 211,084 Kilometer Durchschnitt, und den 100-Kiiometer-Welt- rekord Marchand auf Voisin, gefahren am 13. April 1927, ebenfalls auf Monthlery, mit 205,352 Kilometer Durchschallt hält. Die Rekorde von 500 bis 25 000 Kilometer hat die Marke Voisin inne, wobei bemerkt werden muß, daß bei 25 000 Kilometer der Durch- schnitt noch auf der immerhin sehr beachtlichen Höhe von 137,912 Kilometer steht: Inhaber des 35 VOo-Kilometer-Weltrekord mit 110,245 Kilometer und des 45 000-Kilolneter-Wettrekordes mit 10SH94 Kilometer Durchschnitt ist die Marke Studvbaker. Die Welkhöchstleistungen von 1 Stunde bis zu 10 Tagen behauptet wieder di« Mark« Voisin, deren'Fah:«r nach Ablauf der 10 Tage am 27. September dieses Jahres auf der- Monthlöry-Bahn 31965,101 Kilometer mit einem Stundendurchschnitt von 133,187 Kilometer erreicht hatten. Interessant ist die Gegenüberstellung einiger internationaler klafsenrekorde. So steht z. B. di« Höchstleistung in der Klasse A, über 8 Liter Zylinderiuhalt, für die 200 Kilometer auf 1 Stunde 30 Minuten 3,48 Sekunden, also mit 133,247 Kilometer Stunden- durchschnitt, für die gleiche Kilometerzahl in Klasse B(von 5 Liter) auf 1 Stunde 19 Minuten 25,79 Sekunden, also mit 151,076 Kilo- meter, und in Klasse C(von 3— 5 Liter) sogar auf 1 Stunde 1 Minute 39,86 Sekunden, was einem Stundendurchschnitt von 194,601 Kilometer entspricht. Für den 1 Kilometer mit fliegendem Start hat der Rekordinhaber der Kasse C(3— 5 Liter), ein Sunbeam, 15,87 Sekunden gebraucht, was 226,843 Kilometer Durch- schnitt ausmacht, der aber eigenartigerweise übertroffen wird von dem Rekordinhaber der Klasse F(1,1—1,5 Liter) über die gleiche Strecke, einem Packard-Cable-Special, der nur 15,61 Sekunden be- nötigte und so 230,621 Kilometer erzielte. Das Interessanteste der Rekorde bedeutet ein Vergleich der früher erreichten Geschwindigkeiten über den Kilometer mit dem heutigen Weltrekord. Am 18. Dezember 18 98 ist in Sicheres vom Grafen Chasseloup-Laubat auf Jeautaud der erste Rekordversuch über den Kilometer mit fliegendem Start unternommen worden mit dem Resultat einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 63,15 Kilometern. Fünf weitere auf dieser Strecke von dem gleichen Fahrer und dem berühmten Jenatzy im Januar, März und April des nächsten Jahres durchgesührte Rekordversuche schraubten die Geschwindigkeit von 66,66 Kilometer auf 70,31 Kilometer, 80,33 Kilometer, 93,75 Kilometer und 105,88 Kilometer: der letztere wurde bis zum Jahre 1902 nicht überboten. Das Jahr 1902 bringt den Sprung auf 120,80 und zum Schluß auf 124,14 Kilometer: 1903 schließt mit 136,36 Kilometer: 1904 gar mit 168,22 Kilometer ab. Der am 30. Dezember 1905 aufgestellte Weltrekord von 176,47 Kilometer tonnte sich nur eines kurzen Doseins erfreuen, denn schon am 26. Januar 1906 wurde er auf 195,65 Kilometer hinaufgeschraubt, um erst am 8. November 1909 durch die Geschwin- digkeit von 202,648 Kilometer— und zwar von einem Benz— überboten zu werden. Auch dieser Rekord hielt nicht lange stand: denn am 23. März 1910 wurden mit dem gleichen Benz 211,26 Kilo- meter erzielt. Dieser Rekord hak bis zum Zahre 1922 bestanden und ist dann in fast jedem Jahr« höher getrieben worden. von 65.15 Kilometer bis zu 572,478 Kilometer, oder zeitlich von 57 Sekunden bis zu 9,665 Sekunden, welch ein gewaltiger Schritt! Nichts drückt die ungeheure Entwicklung der Schnelligkeit besser aus als diese Zahlen, die ein« Zeit von 30 Jahren im Auto- mobilbau umspannen. Autobilte überall! Wenn der Molor versagt. Das Ausbauprogramm der„A H 2L", Autohilfe G.:n. b. H., die im Herbst von namhaften Autoklubs mit Unterstützung des Deutschen Derkehrsbundes errichtet wurde, sieht eine Erweiterung ihres Strahenhilfsdienstes in der Weise vor, daß sie zunächst nach dem sogenannten Sternsystenr di« von den Großstädten aus- strahlenden Hauptverkehrsstraßen auf Entfernungen von 50 bis 60 Kilometer ersaßt. Diese Strecken werden hauptsächlich zu Aus- flugs- und Wochenendfahrten benutzt, weisen einen besonders starken Verkehr und entsprechend hohe Unsallzifsern aus. Nach Erteilung der in Aussicht stehenden Genehmigung des bayerischen Innen- Ministeriums soll zunächst das Straßennetz um München in Angriff genommen werden. Um die Sprechstellen auch nachts ohne be- sonder« Lichtquellen sichtbar zu machen, werden gegenwärtig Ver- suche mit selbstleuchtender grüner Farbe angestellt. Die bereits mit Sprech- und Unfallmeldestellen versehenen Strecken von Verlin nach Leipzig. Halle, Magdeburg und Neubrandenburg werden vo Publikum in rasch wachsendem Umfange in Anspruch genommen. Die führende Autofachzeitschrist Amerikas, die New Porker„Auto- motive Daily News", propagiert in einer ausführlichen Beschreibung des von ihr als vorbildlich bezeichneten Straßenhilssdienftes der AHA. die Schaffung einer entsprechenden Einrichtung in den Der- einigten Staaten. Der Hilfsdienst des Allgemeinen Deutschen A u t o m o b i l c l u b s, der getrennt von der„AHA." durchgeführt wird— die Autoklubs konnten sich nicht einigen—, hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 774 719 Kilometer Patrouillen- dienst zurückgelegt und hierbei in 8010 Fällen technische»nd sanitäre Hilfe geleistet. „Reickslcsrtell Republik" schiebt in SteglÜD- Am Sonntag veranstaltete die Ortsgruppe Steglitz des R e i ch s k a r t e l l s Republik, das ist die Spitzenorganisation der republikanischen Kleinkalibcrschützenocreine Deutschlands, im Lichter- felder Schützenhaus ihr P r e i s s ch i e ß e n. Es ist eisreulich, daß auch in der reaktionären Südwestccke Berlins die republikanische Schützenorganisatimr festen Fuß gefaßt hat, wie die gestrige Ver- � anstaltung zur Genüge bewies. Die Zeiten sind noch nicht lange her, � daß der in der Nachkriegszeit einen ungeahnten Aufschwung nehmende«Schießsport eine Domäne des Rechtsradikalismus war, 1 wobei die Kommunisten nichts Eiligeres zu tun hatten, als hinter- her zu rennen und aus dem Arbeiterschützenbund eine Filiale der KPD. zu machen. Trotz größter organisatorischer Schwierigkeit, in Lichterfelde ei» Preisfchießen einer republikanischen Bereinigung aufzuziehen, war der Erfolg prächtig, wie es die starke Beteiligung anderer Orts- gruppen bewies. Das versöhnt auch mit der etwas beeinträchtigten sportlichen Ausbeute, an der die um diese Jahreszeit schon so früh eintretende Dunkelheit die Schuld trug. Geschossen wurde freihändig je fünf Schuß liegend, kniend und stehend. Di« Jugend fünf Schuß stehend mit Auflegen. Den erste» Preis, eine vom Gau gestiftete Plakette, errang Müller-Treptow mit 109 Ringen. Zweiter, und damit bester Schütze von Steglitz, wurde Freudenberg-Steglitz mit 198 Ringen, dann folgten Ziegler- Eharlottenburg mit 106 und Köhler-Reukölln mit 103 Ringen. Den besten Schuß auf die Ehrenscherbe gab ab Zeppmeisel vom Gau- vorstand. Bei der Jugend erzielte Angermiiller vor Rüssel das beste Ergebnis. Mit einem kräftigen„Frei Heil" auf das Reichskartell Republik schloß der offizielle Teil der Veranstaltung, dann kam der Tanz zu seinem Recht.__ Für Wintcrsportler: Eisbahnkarten— Sportpalastfeste. In diesem Winter werden wieder Dauerkarten, die für die ganze Eisbahnsaison Gülligkeit haben, für die städtischen Eisbahnen Kaiser-Friedrich-Siraße und Kirchteich Britz ausgegeben. Der Preis der Dauerkarte beträgt für Kinder bis zu 14 Jahren 2 M., für Jugendliche bis zu 18 Jahren fawie für Schüler und Lehrlinge über 18 Jahre 3 M., für Erwachsene 4 M. Die Dauer- karte berechtigt zum Eintritt für betde Eisbahnen auch an den Sonntagen und an besonderen Festtagen ohne Nachzahlung. Rück- Zahlungen finden, falls ungünstige Witterungsverhältnisse die Aus- Nutzung der Karte hindern, nicht statt. Die Ausgabe der Dauerkarten erfolgt, worauf ganz besonders hingewiesen wird, nur bis zum 5. Dezember. Die Karten sind im Bureau der Abteilung Jugendpflege, Rathaus, 2 Treppen, Zimmer Nr. 258(Geschäftszeit werktäglich von 9 bis 15 Uhr, Sonnabends bis IS Uhr, außerdem Dienstags von 18 bis 19 Uhr), erhältlich. Bevor die professionalen Eisläufer auf die internationalen Sportplätze sich verteilen, veranstalten sie zugunsten der Wohlfahrts- taste des Vereins deutscher Sportlehrer am Donnerstag, 5. Dezember, ein großes E t s f e st. Alls, prominenten Läufer haben ihre Teilnahme zugesagt. Man wird u. a. auch wieder einmal Char- lotte, die„Königin des Eises", den unvergeßlichen Paul Kreckow, Thea Frensten, Elise Dcrksen, das Meisterpaar Metzner, den gro- testen Hans Witte, Worms, Angola, Reitmeyer— um nur einige Namen zu nennen— bewundern können.„Arabella", das schlitt- schuhlausende Wunderpferd, wird für den Humor sorgen. Für das Publikum rst auch eine allgemeine Walzerkonkurrenz vorgesehen. Am Nachmittag kommen die Kinder zu ihrem Recht: Schlitten- polonäse, Gymkhana-Spiele, Vorführungen und Belustigungen aller Art, so recht nach dem Geschmack der Jugend. Die Eintrittspreise sind volkstümlich gehalten.» * Für dieses Wochenende haben sich im Sportpalast für die Eis- hcckeytämpfe die Schweden mit ihrer Meistermannschast „Göta"(Stockholm) angesagt. Sie spielen am Sonnabend gegen den Berliner Schlittschuhklub. Das Rückspiel. kommt am Sonntag. 17 Uhr, zum Austvag. Die Schweden gelten als die„europäischen Kanadier" und haben auch bei der letzten Olympiade hinter dem kanadischen Nationalleam mit großem Vorsprung vor ollen curo- päischen Nationen den zweiten Platz belegt. Sie fressen sich untereinander aut! Ueber die inneren Kämpfe im Sportverein„Ficht e", dem Zentrum der„stahlharten" Front der kommunistischen Sportler, entnehmen wir Nachstehendes aus„Gegen den Strom", dem Blatt der KPD.-Opposition: Es ist kein Zufall, daß keine wirksame Kampagne gegen diese reaktionären Anschläge auf di« Arbeitersportbewcgung geführt war- den ist. Die Bergmann und Friedman» bercnnen auf Geheiß des ZK. den Verein„Fichte" von innen,©est Wochen wird eine fanatische Hetz« gegen die„Brwndlerianer" geführt. Die Genossen Hermann Meier und Erwin Butte wurden von ihren Funktionen als 1. und 2. Vorsitzender der Turner- sparte abgesägt. Kienbaum, der langjährige VereinstechnikerundKreisschullehreriml. Kreis, hat seine Entlassung gefordert. Das Blatt meldet weiter, daß der Borstand der Charlotten- burger Freien Turnerschaft, die im kommunistischen Sporüager steht, abgesägt wurde, weil er Kritik übte an dem„Roten T Alles für den Herrn- alles für den Knaben DAS RAUS DAS JEDEN ANZIEHT HEKLINC 44 \ Kultur- und Sporttag" in den Rehbergen. Diese Beranstaltung war eine Gegenveranstaltung gegen das Gewerkschaftsfest der freien Ge- Internationaler Gewerkschaftskongreß. werkschaften. Die Abteilung Treptow der Freien Arbeiter- Schachvereinigung Groß- Berlin verlegt ihren Spieltag von Dienstag auf den Donnerstag im gleichen Lolal. Morgen, Donnerstag, 20 Uhr, findet dort, Elsenstr. 100, bei Döhling, ein Vortrag des Schachlehrers Zech über Erömungen" statt. Eintritt frei. Gäste willkommen. " Solidarität“ und Verkehrsordnung. Die Ortsgruppe Char lottenburg des Arbeiter- Rad- und Krafahrer- Bundes„ Solidarität" veranstaltet heute Mittwoch bei Reimer, Wilmersdorfer Straße 21, einen Vortrag über„ Die Berkehrsordnung in ihrer Auswirkung". Da es gelungen ist, als Referenten einen Fachmann zu bekommen, ist hier die beste Gelegenheit gegeben, sich über die Verkehrsordnung zu informieren. Alle Interessenten sind herzlichst eingeladen. Bundestreue Vereine teilen mit: Ruberverein Barwärts. Mittwoch, 4. Dezember, 18 Uhr, Bassinrudern ber Jugendabteilung. Donnerstag, 5. Dezember, 19% Uhr, Waldlauftraining Dom Bootshaus. Einzelfahrer I. Streis im A. 2. und Sp. B. Donnerstag, 5. Dezember, 20 Uhr, Sigung mit anschließendem gemütlichen Beisammensein im Berliner Clubhaus, Ohmstr. 2. Gäste und Genossen, welche sich der Bewegung anschließen wollen, find willkommen. Freier Körperkulturkreis Kreuzberg. Donnerstag, 5. Dezember. 20 Uhr, im Jugendheim Waffertorstr. 9. Franz Karlemik:„ Einzelpsyche und Masse". ASS.( Verein für Leichtathletik, Sandball, Soden, Wintersport). Mittwoch, 4. Dezember, 20 Uhr, Monatsversammlung bei Lehnigt, Mühlenstraße Ede commnbrüde. Die Trainingsabende find fegt folgende: Männer und Jugend jeben Montag und Freitag von 20-22 Uhr Turnhalle om Treptower Rathaus, Neue Krugallee 10. Frauen jeben Donnerstag 20-22 Uhr Turnhalle Riefholzftraße 46. Freie Faltbootfahrer Berlin, Gonntag, 8. Dezember, Wanderungen: 1. Rönigswusterhausen- Ertner. Führer: Sieg. Treffpunkt 9 Uhr Bahnhof Röniasmusterhaufen. 2. Melchow- Nonnenfließ. Führer: Mener, Abfahrt 7,37 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. Gäfte willkommen. Badeabend Mittwochs im Stadtbab Kreuzberg, Sonnabends im Stadtbad Wedding von 19-20% Uhr. Vorbereitungen des JGB. Die letzte Vorstandssitzung des Internationalen Gewerkschaffs bundes in Amsterdam behandelte verschiedene Fragen zur Vorbereitung des im Juli nächsten Jahres in Stockholm tagenden internationalen Gewerkschaftskongresses und der verschiedenen damit verbundenen Sonderkonferenzen. Ein Tagesordnungsentwurf zu dem Kongreß wurde gutgeheißen und wird den einzelnen Landeszentralen zur Begutachtung unterbreitet. Den Landeszentralen werden auch die von der letzten Sitzung des Internationalen Gewerkschaftlichen Arbeiterinnenkomitees gefaßten Beschlüsse und Gegenäußerung unterbreitet und damit zugleich die Frage, ob im Zusammenhang mit dem Internationalen Kongreß wiederum eine Infernationale Arbeiterinnenfonferenz einberufen werden soll. Das Bierländerkomitee, bestehend aus je zwei Bertretern von Luxemburg, Belgien, Deutschland und Frankreich, hat sich mit der Frage der Organisierung der fremden Arbeiter befaßt und einen Arbeitsausschuß gebildet, der die organisatorischen und finanzi ellen Vorschläge ausarbeiten und sie der nächsten Bollfigung der Kommission unterbreiten wird. Die erste internationale. Zusammenkunft von jüngeren Gewertfchaftsmitgliedern erfolgt in der Woche vom 24. bis 31. August 1930 in der neuen Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bernau. Das Sekretariat des JGB. wurde mit der Ausarbeitung eines Studienplans hierzu beauftragt. Der Vorstand des AGB. übermittelte feinem Mitglied Genoffen Leipart die besten Wünsche für seine baldige Genesung. Genosse Graßmann, der der Sitzung als Vertreter Leiparts beiwohnte, dankte für die vielen Beweise der Sympathie, die anläßlich des Unfalls Leiparts aus allen Ländern erbracht wurden, Bergarbeiterstreif in Böhmen? Prag, 4. Dezember. Der Bergarbeiterverband des Nordwest böhmischen Braunkohlenreviers hat den bisherigen Lohnvertrag vom 5. März 1928 gekündigt. Angesichts des drohenden Streits, der in diesem Revier zu Beginn des Jahres 1930 erwartet wird, faßte das Brüger Handelsgremium den Beschluß, bei den maßgebenden Stellen vorstellig zu werden, daß alles unternommen werde, um eine güt= liche Beilegung des Lohnstreits zu erreichen. Dreijähriger Angestelltentarif. 3m Bergbau und der Großeisenindustrie Siegens. Dortmund, 4. Dezember. In der Gesamtstreitigkeit der Angestellten im Bergbau und in der Großeifenindustrie in Siegen wurde unter dem Borsiz des Schlichters für Westfalen zwischen den Parteien eine Bereinbarung abgeschlossen. Die Dauer der Arbeitszeit bleibt die gleiche wie im abgelaufenen Tarifvertrag. Die Bezahlung tariflicher Mehrarbeit wurde neu geregelt. Die Mehrarbeitszeit und die Zuschläge fönnen mit dreimonatiger Kündigungsfrist erstmalig zum 31. Dezember 1932 gefündigt werden. Ferner werden die tariflichen Gehäl ter ab 1. Dezember 1929 um 5 Prozent erhöht. Der noch ungefündigte Rahmentarif wird über den 30. September 1930 verlängert. Gehaltslisten und Rahmentarif tönnen mit dreimonatiger Kündigungsfrist erstmalig zum 30. Juni 1931 gekündigt werden. + Gefchäfts- Anzeiger o BERLINER ELEKTRO HUTTE Unser gemeinwirtschaftliches Unternehmen bietet die größten Vorteile bei Installationen u.dem Bezuge von Beleuchtungskörpern und sonst. elektrotechn. G.M.B.H. 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