Morgenausgabe Nr. 569_ �, -z-�-�Z-hrg-nz «««tnma«?,. monottltt 1.60 51 «m voraus jablba Baftbsjuj« J2 51 Sinlchlirßltch 60 Pfg. Poslzettungs-»»b Vostbsflsllgebühren Auslanbs» sbonnemem 6.— M in Slonot Co.Ooraärts*«Nch,,«»ochsnt«,. "ch zweimal. Haimlags and Manlaas «tnrnoU b» Slbenbautgaben für Berits «nb tw ftonbel m» dem tlfei.Der Bbenb* 3Uufmertf Setloon.Ball «nb Zell- und.»lnberfreunb" Berne» .UmtrbaKung und ffiiflen-..Frauen. ftinime-.Techn!,-.BN» in b>, Buitermelt* und.Sugenb-Banoirts* P- Berliner Volksblatt Donnerstag 5. Dezember 1929 Groß-Serlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. vi, itilillllfS ItonsarciOctrll* 10 Bfennli. Betlomciejle 6— Aelchs» mart„Stletne das tetlg» onitfte ffiort Ii Pfennig(jntiftig zwei (tnacbnitfte tttorle) leb«,«etter, ffiort II Pfcr.ntj Krell engeluch, bat erft« Osrt U Pfennig, lebet«eller, ffiort 1t Pfennig ffiort» Ober IS Puchflaben Siun tflr|«e< ffiort» BrbeiUmorft >1,60 Pfennig, FamMenanz eigen Zeil« Pfennig, Anzeigen annadm« ImHonil- ttliiU OHibenftrate R, wochenttglich «an$'/, bis 17 Übe, Jentvawvsan der«Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag i Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Ktrnsprechu: Dölchoff 292—297 Teligromm.Sdr.: Sozialdeinokrat Berlin. Vorwarts-Verlag G.m.b.H. VoltsSttklonto: Berlin S7S3S.— vanklsnto: Bank der«rbeit«. Lngestelltcn «nd Beamte», wallstr. SS. Dt. B. a. Ditc.�Ses.. DepolitenkaN« Lindenstr. S. Deutschnationaler Zerfall. Bildung einer christlich-sozialen Gruppe im Reichstag. Die der Christlich» soziale» Reichsvereiuigung an- gehörenden Reichstagsabgeordneten veröffentlichen fol» gen de Erklärung: Die der Christlich-sozialen Reichsvereinigung an» gehörenden Reichstagsabgeordnete» schließen fich zu einer Christlich-sozialen Gruppe im Reichs- tag zusammen. Tie sind bereit, mit den andere« aus der dentschnationale« Reichstagsfraktiou a u s g e- schiedenen Abgeordnete« eine fraktionelle Arbeitsgemeinschaft zu bilde«. Für die Ber- tretung ihrer christlich-sozialen Ziele in ihrer parlamentarische« Tätigkeit behalten ste fich volle Bewegungsfreiheit vor. Hülser. Hartwig. Behrens, Dr. Mumm. Lambach. Graf Westarp legt den Fraktionsvorsitz nieder. Die Sitzung der deutschnationalen Reichstagssraktion, die um 14 Uhr begann, war nur von kurzer Dauer. An ihr nahmen auch Abgeordnete der preußischen Landtogsfraklion teil, u. a. die Abgeordnelen Steuer und Dr. Kaushsld. Zu Beginn der Sitzung gab der Vorsitzende, Gras Westarp, die Erklärung ab, daß er den Iroktionsvorsih niederlege, daß er aber selbstverständlich in Partei und Aratlioa bleibe. Dr. Obersohreu dankte Gras Westarp für seine treue Arbeit als Zraktlonsvorsthender. Die Sitzung wurde darauf vertagt. Die Ausgeschiedenen. Tie Zahl der auS der deutfchuatioualen Reichstagsfraktiou ausgetretenen Abge- ordneten beträgt zwölf. Es sind die Abgeord- neten Lambach, Hartwig. Hülser, Klönne, Lejeuue-Jnug, Treviranus. Lindeiner-Wildau. Schlange-Tchöningen, Kendrll, Mumm, Behrens. Hötzsch. Weitere Austritte stehen bevor. Im Anschluß an den Austritt von deutschuationalen Reichstagsabgeordneten aus Fraktion und Partei haben auch die deutschuationalen Landtagsabgeordne- te» Kliesch und Meyer-Hermsdorf dem Bor- stand ihrer Fraktion von ihrem Austritt aus der deutsch nationalen Landtagsfraktion, Meyer-Hermsdorf auch aus der Partei, Mitteilung gemacht. Graf Dohna ausgeschlossen. wie gemeldet wird, hat der Landesverband Ostpreußen der veutschaalionale» Volkspartei den Grafen Dohna wegen seines in der„Berliner Vörsenzeitung" verössenllichlen Aufsahes..Zu neuen Ufern" ans der Partei ausgeschlossen. «- Sie begreifen es nicht einmal, was vor sich geht! Der Pressechef des Herrn Hugenbera deklamiert angesichts der Spaltung:„Im Vertrauen auf ihren Führer wird die nationale Opposition dem Endkampf entgeaen- gehen. Nicht auf der Grundloge des heutigen Staates, fon- dern in der Ueberwindung des heutigen Staatssystems. Nur Minderheiten machen Geschichte, nicht solche, die sich zur Masse schlagen!" Sie begreifen es nicht, daß dies dasEndeder „nationalen Opposition" ist, die Vollstreckung eines geschichtlichen Todesurteils! Der Endkampf kommt mcht, er ist aus! Der Reichsverband der Deutschen Industrie hat er- kannt, daß die endgültige Reparationsregelung und die Be- freiung des Rheinlands die historische Stunde ist— aber die Blinden um Hugenberg sehen nicht— sie leben immer noch in den Zeiten vor 1!>23! Die„nationale Opposition" war einst eine glänzende Parole zur Sammlung aller Mißvergnügten gegen die Republik, denen man die Herr! chkeiten des Kaiserreichs malte — vor dem Kriege, versteht sich. Ein H e l f f e r i ch hat dies Instrument der Demagogie zur Parteisammlung virtuos ge- handhabt mit der Absicht, die„nationale Opposition" von der Protestlerpartei einst zur wirklichen Macht zu führen. Macht schaffen durch Auswühlung der Leidenschaften gegen die Politik, die die Staatsparteien nach der Niederlage zu führen gezwungen waren— dos war ihr Sinn. Das Ziel aber: Ausnutzung der Macht zum Sturze der Demokratie, zur radikalen Vertretung der Interessen der Gruppen, die im Kaiser- reiche herrschten! Die Erfolge der Politik der Notwendigkeit waren stärker als die Sammelparole der„nationalen Opposition." Jeder Schritt aus dem steinigen Wege nach vorwärts war«ine ge- wonnene Position der Politik des gesunden Menschenver- standes gegen die Demagogie der Leidenschaft. Das Ende des Ruhrkampfes hat die Axt an die Wurzeln der Illusionen der nationalen Opposition gelegt— die Befreiung des Rhein- lands, die Revision des Dawes-Planes, die endgültige Fest- setzung der Reparationsverpflichtungen vollendet, was damals begann. Hugenberg— des geschichtlichen Sinnes so bar wie des politischen Verständnisses— hat fünf Minuten vor zwölf Uhr noch einmal den Versuch gemacht, die Deutschnationale Volks- partei in ihrer bisherigen Gestallt zu behaupten durch die Wiederaufnahme der Parolen der„nationalen Opposition". Er hat nicht begriffen, daß das Problem anders für Helfferich stand als für Ujn. Er hat nicht begriffen, wie sich die historische Situation gewandelt hat! Helfferich hat sozial und auch polttisch auseinander- strebende Elemente gesammelt in einer Partei und ste zu- sammengehalten durch das Bindemittel der„nationalen Oppo- sition". Als die Politik der Verständigung vorwärtsschritt, nach der Annahme des Dawes-Plans, vollzog diefe Partei den Schritt aus der Sammlungsperiode in die der politischen Wirksamkeit. Eintritt in die Regierung, Anpassung an das neue System, Vertretung der Interessenten, die sie vorwiegend zusammenschloß, im demokratischen Parlament. Dt«„natio- nale Opposition" hat sie aus dieser Lage wieder heraus- gerissen— die Demagogie der Sammlungsperiode rächte sich. Seitdem strebten die heterogenen Elemente auseinander: Opposition gegen den starren Monarchismus, Opposition gegen den sozialreaktionären Kurs, Fall Lambach! Der ideologische Schleier der„Volks"partei auf der Grundlag« der„nationalen" Demagogie zerriß. Hugenberg hat diese Partei zurückführen wollen aus der Periode des W'rkens in die Periode der Sammlung, aus der Periode der Machtverwirklichung m die der Agitation, mit derselben Parole, die im Augenblick der Uebernahme des An- teils an der Macht so eklatant, so weithin sichtbar um der Macht willen preisgegeben worden war! Er hat die offen hervortretenden sozialen und politischen Gegensätze zurück- drängen wollen durch eine politische Idee, die keine Resonanz mehr in den Massen findet, well sie geschichllich überholt ist, well ihre Unvereinbarkeit mit der Gegenwart und den Lebensinteressen des Bolkes sichtbar vor oller Augen liegt. Er hat geglaubt, zurückzugehen zu Helfferich, und hat nicht begriffen, daß dieser weit über den Hugenberg von heute hinaus war, well sein Ziel die Macht, die Gier nach der Macht war, nach dem Anteil an der Macht, an den er sich anklammern wollte. Helfferich hat sick und seine Partei nach dem Raihenau- mord von den Alldeutschen, den offenen Putschisten, den politischen Mördern, getrennt. Er hat die Leidenschaften be- nutzt, die diese Kreise umgaben, er hat sie gepeiffcht, um dann die Trennung zu vollziehen um des Weges zur Macht willen. Hugenberg hat in der Stunde der Krise der Deutsch- nationalen Vokkspartei das Bündnis mit den Alldeutschen, mit den Nationalsozialisten, mit den Putschisten aufs neue geschlossen— er hat zerstört was die Deutschnationale Bolkspartei bisher erreicht hatte. Die Antwort ist die Spaltung seiner Partei, und diese Spaltung besiegelt zu» gleich das Ende der nationalen Opposition. Di« Unentwegten halten das Fähnlein aufrecht: Hugen» berg, die Alldeutschen, die Nationalsozialisten, der Stahlhelm. Sie hosten auf die Minderheit, die Geschichte macht, auf die Minderheit, die immer kleiner wird. Endkampf? Ach nein, nur Agonie! Die Deutschnationalen, die Partei und Fraktion ver- lasien, die Sehenden, empfinden die Zerstörung ihrer Partei auf das tiefste, sie fühlen, daß die Helfserichlche Konzeption der Sammlung zerschlagen ist. Aus dem Absagebrief des Herrn Lambach an Hugenberg spricht weißglühender Zorn des wirtlichen Politikers: die Brücken über Elbe, Main und Rhein zerschlagen, die Brücken über die Stände zerstört, tiefftes Mißtrauen gegen die Deuffchnationale Bolkspartei in die chrifttiche Arbeiterbewegung gesät! Hugenberg bleibt allein mit den Unentwegten und der antiquierten Sammlungsparole, die seltsam unzeitgemäß aus der Zeit vor dem Ruhrkampf in die Zeit der Befreiung des Rheinlandes hineinragt. Die Elemente seiner Partei, die nach praktischer Politik, nach Machtkampf um Interessen drängen, die bei dem großen Kampf um die Lastenverteilung, um die Neuordnung der Gewichte zwischen den Klassen nicht abseits stehen wollen, flüchten vor der Politik der Sterilität, der un- fruchtbaren Opposition, des sturen Abwartens auf den Sturz der Demokratie, die eben in dieser Parteikatastrophe ihre ge- waltige Macht erweist. Die Vertreter der Landwirtschaft schicken sich an zu gehen, Herr Schlange- Schöningen ist bereits ge- gangen. Prominente Unternehmervertreter wie Klönne und Leopold rebellieren. Sie begreifen, daß man sozialreaktionäre Pläne nicht verwirklichen kann, wenn man das Tischtuch gegenüber den Arbeitern und Angestellten zerschneidet, die noch in der Illusion der natio- nalen Volksgemeinschaft, der Harmonie der Klassen befangen sind. Sie begreifen, daß man zur sozialen Reaktion nicht nur ein Programm und den bösen Willen, sonderb auch Macht im parlamentarischen System besitzen muß. Sie wollen vor allen Dingen nicht abseits stehen in unfruchtbarer Opposition, in einer nicht koalitionsfähigen Partei, wenn das große poli- tische Ringen um die Finanzreform und den Kurs der Wirtschaftspolitik anhebt. Für sie ist die Flucht vor Hugenberg der Weg zur Verstärkung der Front gegen die Sozialdemokratie. Hugenberg zog aus, um den„Marxismus" zu schlagen, aber diese Kräfte entfliehen entsetzt, weil sie fürchten, daß die Front gegen den„Marxismus" durch Hilgenbergs Willen zu sehr geschwächt werden könnte! Welche Neugruppierungen, welche Wandlung der Macht- Verhältnisse im gegenwärtigen Reichstag die Folge der deutsch- nationalen Spaltung sein werden— das muß sich zeigen. Aber über das Parlamentarische hinaus ergibt sich: die „nationale" Demagogie ist zerrissen, die Illusion der K l a s s e n h a r m o n i« in der Deutschnationalen Volks- partei ist z e r st ö r t, Bewegung gerät in einen Eckpfeiler des bürgerlichen Parteiensystems, der mit der Volksgemeinschafts- ideologie Volkskräfte binden wollte gegenüber der Sasial- demokratie, die nicht ins bürgerliche Lager gehören! Verlorene Illusionen! Lambachs Abrechnung mit Hugenberg. Der Reichstagsabgeordnete Lambach veröffentlicht im „Deutschen" den folgenden Offenen BriefanHugen- berg: Sehr geehrter Herr Geheimrat! Es war ein Verdienst ber DeutschNationalen Voltspartei, den konservativen Ge- danken von den ostelbischen Positionen aus über Elb« und Main hinübergetragen und ihn mit den christlich- sozialen Gedanken des Westens vermählt zu haben. Durch Ihre Politik ist dieser Erfolg wieder zerschlagen worden. Die konservativen Brücken über Elbe, Rhein und Main sind durch Sie zerstört worden. Die Deutschnationale Valkspaitei hotte unter ihrem ersten Vor- sitzenden ein« Brücke über die Älust zwischen den Ständen geschlageil. Sie haben durch ihre betriebsame Förderung der„Irrwege der Sozialpolitik", mit der Sie Ihre Tätigkeit als Part ei Vorsitzender eröffneten, diese Brücken wieder zerstört. Durch Ihren Brief noch Amerika und die darin ent- haltene Aufforderung an ausländisch« Kopi- tolisten zur Beteiligung am Kampfe gegen große Teile der deutschen A r b e i t n e h m« r s ch a f t haben Sie den Weg zur innerdeutschen Verständigung über innerdeutsche soziale Fragen verlassen und sich außerhalb jener Willensgemeinschaft gestellt, die eigene Rot aus eigener Kraft in eigener Würde überwinden will. Die veulschnalionolc Voltspariei. die einst eine Hoffnung de--. deutschen Arbeiinehmertums gewesen war. stößk iusolgedcssei' heule iu der Arbeiknehmerschaft aus tiefe» Mißtrauen. vi« Deutschnational» Volkspartei hatte Brücke» zu de» positiven Christen in beiden KonscjAonen geschlagen. Der von Ihnen angeordnete Gewissenszwang gegen katholische Abge- ordnete irn preußischen Landtag hat die Katholiken von ihr weggedrängt. Ihre Tätigkeit als Presse- und Filmunter. n«hm«r Hot das Amt des deutschnationalen Parteioorsitzenden mit der Kultur und Sitte zersetzenden Wirksamkeit von Boule- vardblättern und lüsternen Filmen in Zusammenhang ge- bracht. Weite evangelische Kreise haben sich infolgedessen von der Partei abgewondt und sind eigen« Wege g- gangen. Vi« Deutschnationale Dolkspartei hatte mit gutem Erfolg Möglichkeiten zur Verständigung und Zusammenarbeit von Stadt und Land geschaffen, indem sie chrisilich-notionalen Arbeitnehmern und deutschen Bauer» bei Hunderten von gesetzgeberischen Maß- nahmen weit über die Frakttonsgrenzen hinaus einander die Hand zu reichen ermöglichte. Wenn nicht Landbundführer und christlich- nationale Gewerkschaftsführer auch gegen Ihre politischen Absichten mit zäher Beharrlichkeit die gegenseitigen Beziehungen ernsthaft gepflegt hätten, so hätte Ihr« a n t i g e we r t s cha f tl ich« Politik auch die Brücken zwischen Stadt und Land inzwischen endgültig zerstört. Die Dcutschnatianale Volkspartei hat staatspolitisch vom ersten Austreten in der Nationalversammlung dafür gesorgt, daß bei nach- drücklicher Bcrtretung ihrer eigenen politischen Auffassung ein ge» m«insam«s Arbeiten mit anderen christlichen und nationalen Parteien möglich blieb. Sie hat auf allen Ge- bieten im H o n d- i n- H a n d- a r b e i t e n mit Volks- partei und Zentrum christliche und nationale Güter gegen de» Marxismus geschützt. Sie. Herr Hugenberg, haben durch Ihre Politik eine so tiefe Klus» zwischen sich und diese«mderen anlimarxlslischeu Parteien gelegt, daß eine gemeinsame Abwehr des Marxismus mll ihnen zusammen nicht mehr möglich ist und die Deukschnallonole Volksparlei unier Ihrer Führung infolgedesien zu politischer Bedeutungslosigkeit herabgesunken ist. Durch den Zuchthausporagrophen des Volksbegehrens, den Sie eingebracht haben, ohne den Mut oder dos Verantwortungs- bedürfnis zu finden, ihn der Fraktion vorher vorzulegen, hoben Sie ein« Kluft zwischen sich, A>ren Freunden und dem Reichs- Präsidenten Hindenburg aufgerissen, die die Möglichkeiten einer ernsthaften Nationalpolitik für die Partei noch mehr beschränkt." Alldeutsche Zufriedenhekr. Die„Deutsche Zeitung" schreibt: „Die neu« Sonderbildung ist das End« einer Ent- Wickelung, die mit dem 2 9. August 1924 einge- setzt hat. wir finden in dieser Gruppe einen großen Teil der Männer, die in den verflossenen Jahren der Parteileitung Wider- stand geleistet Haben. Wie abwegig ihre Erwägungen sind, dafür liefert insbesanckeve auch der Brief des Abgeordneten Schlange- Schöningeo einen Beweis, er hat nicht begriffen, daß die Rettung der Landwirtschaft nur mit einem völligen Shstemwechsel zu erreichen, ist. Das gleiche gilt von dem Ab- geordneten K l ö n n e, der in einem in einer Berliner und einer Münchener Zeitung erschienenen Aussag ein« Front der Männer fordert,„die bereit sind, auf der Grundlage des heuti- gen Staates, auf der Grundlage der heute gegebenen Der- häktnisse für ihr Baterland zu kämpfen und zu arbeiten." Man kann die so erzielte Klärung von, Standpuntt der nationalen Opposition aus begrüßen." Am Westarp. Hugenbergs„Nachtausgabe"— sehr betreten— klammert sich an die Tatsache, daß Graf Westarp nicht ausgetreten ist, wie ao einem Rettungsanker, und schreit drei- spaltig:„Graf Westarp bleibt in der Fraktion und in der Partei". Auch sie erinnert an die D a w e s- A b- st i m m u n g: „An sich geht der Ursprung dieser Zluseinandersetzungen bis auf die Abstimmung der Deutschnationalen Voltspartei über den Dawes-Plan im Jahre 1924 zurück, wo ein Teil durch die Zustimmung die Annahme des Dawes- Plans möglich machte. Die Gegensätze gruppierten sich zu- nächst um die Haltung einiger Mitglieder der deutschnationalen Reichstagssraktion. die dem Deutsch nationalen Hand- lungsgehilfen-Berband angehören." Die„K r e u z z e i t u n g" aber, dem Grafen Westarp unterstehend, reserviert sich gegenüber Hugenberg: Erfahrungsgemäß gehen solche Entwicklungen weiter. Wir werden mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgen, wohin der Prozeß führen wird. Unsere politische Grund- l i n i e wird von den Vorgängen zwar nicht berührt, unser« praktisch politische Betätigung aber in Zukunft in starkem Maß« davon abhängig sein, ob und wo sich eine wirklich konservative Haltung und ein starker, zäher, auf realpolitische Ziele gerichteter nationaler Will« zeigt." Agrarische Sorgen. Die„Deutsche Tageszeitung" schreibt: „Vom Standpunkt der Grünen Front aus wird man infolgedessen einen Ausgang des Konflikts nur bedauern können, der hier wichtige Berbindungssäden und Einwirkungs- Möglichkeiten zerschnitte. Das um so mehr, als der Ausschluß der drei Abgeordneten möglicherweise weiterwirkende Kon- sequenzen nach sich ziehen wird und draußen im Lande nach der ganzen Sachlage sehr leicht zu bedauerlichen Miß- deutungen in nichtsoziali st ischen Arbeitnehmer- k r« i se n führen kann." Kommunistenlärm im Reichstag. Kommunistische Ablenkungsoffensive für Hugenberg. 24 Kommunisten ausgeschlossen. Der Reichstag hat gestern die erste Lesung des Republik- ichutzgejetzes beendet und den Entwurf dem Ausschuß über- wiesen. Die kommunistische Fraktion hatte verabredet, den Reichs- innenminister S e o e c l n g niederzuschreien. Sie führte diesen Beschluß mit einer Flut der niedrigsten und gemeinsten Beschimpfungen durch. Die Präsidenten von Kardorff und L ö b e sahen stch gezwungen, 24 kommunistische Abae- ordnete aus dem Saal zu welsen. Die Sitzung mußte mehr- fach unterbrochen werden. Der Abgeordnete K o e n e n, der sich besonders niedrig benahm, wurde von Polizisten aus dem Gebäude geführt. Die kommunistische Fraktion wollte offenbar mit Gewalt sie Aufmerksamkeit von den Borgängen in der Hugenberg- Partei auf sich lenken. Der traurige Ruhm Hugenbergs hat sie fo mit Neid erfüllt, daß sie nach noch traurigerem Ruhm geizte. Einigung in Prag. Die Derieiluug der Ministerämter. Prag. 4. Dezember.(Eigenbericht.) Di« tschechischen Sozialdemokraten haben heule nach langen Beratungen beschlossen, den letzten Vorschlägen de» designierten Ministerpräfideulen Udrzal für die Bessorlausleiluug zuzustimmen. Um 6 Uhr abends begaben sich die Unterhändler der Partei zu dem Ministerpräsidenten, um ihm dies« Beschlüsie mitzuteilen, wo- bei si« allerdings Dermahrung gegen die dem wirtlichen Lräfteoerhältni» nicht entsprechend« Zusammen- s e tz u n g einlegten. Demnach erklärte» sich die tschechischen Sozialdemokraten mit dem Unterrichtsmini st erivm. dem Justizministerium und dem Ernährungsmin,. st« r i u m einverstanden, während die deutschen Sogiakdemo- traten da» ursprünglich de» tschechischen Genofien angebotene Wohlfahrtsministerium übernehmen. Di« tschechischen Agrarier mußten das Schulministerinm aufgeben, besetzten aber dafür das Innenministerium, das dem bisherigen Innenminister Czerny als Beamtenminister zuge- dacht war, mit einem ihrer Parlamentarier. Da Czerwz jedoch als Exponent der Agrarier galt, ergibt sich als Ende des lange« Ringens um die Ressortaufteilung, daß die beiden sozialdemokra- tischen Parteien das Schulministerium au» dem Besitzstand der Agrarier übernehmen. Die Ressortaufteilung ist demnach folgende: Tschechische Agrarier: Ministerpräsident, Nationale Ber- teidigung, Landwirtschast und Inneres. Tschechische Klerikalen: Oeffentliche* Arbeiten und Unifizlerung der Gesetzgebung. Nationaldemokraten: Handel. Tschechische Ge- Werbepartei: Eisenbahnen. Deutsche Ugrnrker: Ge- sundhett. Der Linksblock erhält folgend« Ministerien: Tschechische Sozialdemokraten: Zusiiz. Schule und Ernährung, zugleich mit dem Stell ocrtreteu den Vorsitz im Minlsterral. Deutsche Sozialdemo. traleu: Soziale Fürsorge. Tschechische Rattonalsozlalen: Aeußere» und Post. Als einziger Beamtenminister soll dem Kabinett Dr. Englisch angehören, der bereit» einigen früheren Regierun- gen als F i n a n z m i n i st e r angehSrt«. Da» Kabinett sitzt sich demnach aus S bürgerlichen, S SaziaWen und einem Fachminislee zusammen. Roch der Ressortaufteilung ist allerdings noch«ine weitere Etappe, die Aufstellung de» Regierungsprogramms in der Regierungserklärung zu überwinden, bevor es zu der osii- ziellen Ernennung de» Kabinett» komme» tonn. Auch hier sind noch kleine Schwierigkeiten zu erwarten, da sidc Pariei darauf bedacht sein wird, ihre besonderen Wünsch« irgendwie im Regierungsprogramm und in der Regierungserklärung zu verankern. Wenn keine besonderen Zwischenfälle eintreten, so rechnet man mit der offiziellen Ernennung de» Kabinetts bis Ende der Woche. Als Kandidaten der Sozialdemokratischen Partei kommen in Betracht: Dr. Weißner für Justiz. Dr. Derer. Schulwesen. und Bechqne Ernährung und Stellvertretender Vorsitzender im Ministerrat. Don den deutscheu Sozialdemokraten Dr. Ezech. Sozial« Fürsorge. Di« tschechischen Nationalsozialisten werden das Außenministerium wie bisher mit Dr. Benesch besetzen. Kandi- bat für das Postministerium ist D r. Franke. Brolat vor dem Gklarek-Ausschuß Sachliche Darlegung.- Kragen werden nicht gestellt. Zu Beginn der heutigen Sitzung des S tla re k» 11 nt« r- suchungsausschusses bat Abg. L« i n« r t(Soz.). zu der gestrigen Aussag« des Zeugen N o o a r r a vernommen zu werden. Von den Rechtsparteien wurde diesem Wunsche entgegengetreten, aber Abg. O b u ch(Komm.) erklärte, im Fememordausschuß sii es dem Landtag nicht gelungen, eine An.zahl Abgeordnete zur Auesag« überhaupt heranzuschaffen: man sollte sich freuen, wenn«in ange- griffener Abgeordneter sofort die Gelegenheit zur Aussage er- greif«. Die Vernehmung des Abg. Leinert wurde dann beschlossen. Abg. teinerl erklärt«, der Zeug« Rovorra Hab« gestern de- hauptet. daß Leinert ihm und der KBG. dan Generalmajor v. Wooß und andere Herren vom„Vaterlapdsdauk" zugeführt hätte. Er kenn« weder Herrn Rovarro noch Herr« von Maotz und habe n i e m a l s für die Stadt Honnooer irgendwelche Geschäfte mit der KAG. abgeschlossen. Im übrigen sii die ganze Aussage sinnlos. Wenn er als Oberbürgermeister von Hannover mll ber Stadt Berlin zu tun gehabt hätte, hätte er selbstverständlich mll Mermuth oder Böß verhandelt und nicht mit Herrn Novarra. Hierauf wird die Vernehmung de» Stadtrat» Venecke fortgesetzt. Benecke gibt zu, besonders mll Max Sklarek freundschaftlich verkehre zu haben, bestreitet aber, irgend- welche Zuwendungen erhalten zu haben. Die Autogeschäste des Sohnes seiner jetzigen Frau aus deren erster Ehe und die gelegent- lichen Wettgeschäfte seiner Frau mit den Skloreks seien ihm nur ganz flüchtig bekannt geworden. Auf weitere Fragen erklärt Stadtrat Benecke, daß die Der- waltung der Stadt Berlin an dem Tage stillstehen würde, au dem die einzelnen Dezernenten ihr Rüsfort nicht mehr silbständig be- arbeiteten uno ein Stadtrat sich auf den anderen verließe. Schon jetzt müßten die unbesoldeten Stadträte täglich 10 bis 12 Stunden arbeiten, um nur das Notwendigst« abzuwickeln. Bor dem Kriege sii«in unbesoldeter Stadtrat in 1 oder 1)4 Stund« fertig gewesen Da» alle Klein. Berlin habe IS besoldete Skadträte gehabt, das neue Groß-Verli« unker den ungeheuer viel schwierigere« Verhältnisse» von heute 12. Eine Bemerkvng des Abg. Riedel(Dem.), daß diese unge- nügende Ausstattung der Berliner Berwaltung von d-n Rechtsparteien in das Gesetz über Groß-Berlin hineingepfuscht worden sei, ruft unter den Ausschußmitgliedern Debatten hervor. Das Betriebsratsmitglied K u r l b a u m war vom April 1919 bis April 1922 in der KBG tätig. Er hatte Verdacht gegen Liebert und Kieburg, kann aber bestimmt« Tatsachen nicht angeben. Betnebsrotsmitglied Fräulein Wittke gibt als ihre Heber- , Zeugung wieder, daß der Prokurist Liebert der KBG. von vornherein in unlauteren Beziehungen zu den Sklareks gestanden habe. Daß die Sklareks bei der Uebernahme der KBG. geschädigt worden seien, sei ganz ausgeschlossen-, es seien ja ihr« eigenen Waren gewesen, sie hätten die KBG. so eingebovelt.(Heiterkeit.) Obermagistratsrat C l e m e n tz bestreitet, daß er bei der letzten Revision des Kontos Sklarek kurz vor der Aufdeckung versucht habe, die Reoisionsbeamten zugunsten der Sklareks zu beeinflussen. Cr habe nur im Interesse der Stadt gebeten, von etwaigen Ent- deckungen zunächst den Kämmerer zu informieren. Auf vielfache Fragen aus dem Ausschuß erklärt Clementz, daß infolge der dauernd wachsenden Ueberarbellung der Referenten die Reseratsgrenzen im Magistrat sehr flüssig seien. Auf wellere» Befragen gibt er an. er habe durch Stadtbank- direktor Hoffmann die Sklareks, insbesondere Leo Sklarek. kennen- gelernt und mit ihnen verkehrt. Irgendwelche Zuwendungen seien niemals angeboten worden, ebensowenig seien ihm irgendwelche Zumutungen gestellt worden. Es folgt sodann die Vernehmung des Verkehrsdirekkors Vrolai: Ich bin fünf Jahre vier Monate Direktor der Berliner Brenn st off-Gesellschaft gewesen. Ich gedenk« mll Stolz ihrer beispiellosen Aufwärtsentwicklung und der Zusammen- arbeit mit der gesamten Belegschaft. Im Jahre 1928 habe ich die Errichtung eine» Wochenendhelm«» in WUhelmshagea oeranläßt. Diese» wurde von de« Reoisionsbeamten beanstandet. Auf Veranlassung des GeschLftsführers Schütze und eines Prokuristen der vrennstoff-Gesillschait begab ich mich desHall» am 2». Seplember zum Leiter der zuständigen Revisions abteilung, Obermagistratsrat Brandis. Ich Hab« dreiviertel Stunden mit ihm verhandelt. Aber er blieb dabei, daß die Errich tung eines Wochenendheimes aus dem Aufzabenkreis ber Brennstoff- Gesellschaft herausfalle. Er klagte dabei allgemein über die städtischen Gesellschaften. Ich legte ihm die besonders großen Erfolg« der Brennstofs-Gesillschast dar und verwies ihn auch«r die Tüchtigkell de» Anschaflungsamtes unter Leitung des Ober- Magistratsrats Schalldach. Ich bemerke dabei, daß ich als St od:- verordneter mit dem Anschaffungsawt uiewal» etwas zutun gehabt Hab«. Ich habe auch niemals in irgendeirtem Ausschuß aber irgeickieiner Körperschaft gesessen, die mll Sklarek- Geschäfte» irgend etwas zu tun gehabt hat. Als ich mich aber mll Obermagistratsrat Brandis über die Anschaffungs-Gesellschast unterhielt, kamen wir auch auf die Sklarek» zu sprechen, und dabei sogt« ich, dt« Sklareks fielen aus dem Rahmen dessen heraus, wo, man sich sanft gewohn llch unter Juden vorstellt.(Große Hellerkeit.) Si« hätten Christinnen zur Frau und söffen gern. Außerdem siien es wohl sehr tüchtige Geschäftsleute. Ich regt« dann noch an, er solle sich einmal selber den Betrieb dort ansehen, aber er meinte, das wäre wohl kaum passend, und ich stimmte ihm darin bei. Wir ver abschiedet«« uns von einander mll der Verabredung, denmächn gemeinsam nach Wilhelmshagen zu fahren. Der Untersuchungsrichter. Oberregierungsrat Tapostki. Hot mir darüber hinaus vorgehallen, ich hätte zu Obermagistratsrat Brandis gesagt: die Sklareks seien wichtig« Gönner de» Reichsbanners. Das ist unwahr. Ich stehe 23 Jahre mitten in den freien Gewerkschaften und in der Partei. Der kann mir als einem er- fahrenen Politiker deu Blödsinn zutrauen, ausgerechnet Herrn Brandis solche Geständnisse zu machen, der zwar ein sehr ehrenhafter Beamter Ist, aber unermüdlich aufpaßt, wo er den Republikanern in der Stadtverwaltung«in Bei» stelle» kann! Ich bin auch nicht etwa auf Wunsch der Sklarek» zu Brandis gegangen: den Namen haben mir die Sklareks nie genannt. Ich habe keine Ahnung davon gehabt, daß eine Revision des Konlos Sklarek überhaupt stattfand. Erst am 23. September 1929 habe ich zufällig in einem Gespräch mit meinem Freunde M ü h l m a n n überhaupt davon gehört, daß die Sklareks«inen ZehnmillionenkredN bei der Stadtbant hatten. Am 25. September 192S war Stadt- bankdirektor H o f f m a nn bei mir im Amt, well er bei der BDG. zu tun gehabt hatte. Wir haben kein Wort über die Sklareks gesprochen. Hätte ich etwas von der Revision auch nur geahnt, hätte ich ihn ganz selbstverständlich danach gefragt. Am 26. September, 19 Uhr vormittag», teilt« mir Frau Leo Sklarek mit. ihr Mann sei verhastet. Ich hatte kein« Ahnung weshalb: ich bildete mir ein, er hätte im Suff Dummheiten gemackt. (Heiterkell.) Ich habe den Palizewizepräsidenten Weiß angerufen und ihn gefragt, was los sii, und er hat mir geantwortet, er könne leider keine Auskunft geben. Berichterstatter Abg. Koenneck«(Dnat.): Haben Sie mit Obermagistratsrat Brandis über die Zahlungsfähigkeit der Sklareks gesprochen? Zeuge B r o l a t: Ich habe mit ihm über die Sklarek» kein Wort weiter gesprochen, als das was ich angegeben habe. Koenneck«: In welchen Beziehungen stand die Brennstoff- Gesellschaft zu den Sklareks? Brokat: Ich bin von Stadtrat Schüning an die Skloreks empfahlen worden und habe sie seit S. Februar 1926 mit kohlen beliefert. Sie haben denselben Preis bezahlt wie alle anderen Großabnehmer. Auf verlangen des Betriebsrats habe ich ferner mll der Firmv Sklarek einen Bertrag abgeschlossen, wonach das Personal der Brennstoff-Gesellschast, sowell es länger als ein Jahr bei uns be- schästigt war. Waren bis zu 150 Mark bei der KBG. auf Rechnung der Brennstoff-Gesellschast kaufen konnte. Wir zahlten den Betrag und zogen wöchentlich 5 Mark ab. Die Arbeiter erhielten 10 Proz Nachlaß auf die ausgezeichneten Preise und 2 Proz. Provision. Jeder Arbei'er der Drennstoif-Gesellschast, der b« der KBG. eaufte, mußt« uns«inen Fragebogen beantworten, wie«e«it"ig nnfc SSeftmug jofriAtn gewesen sei. Sämtlich« Frageboge» sauten uneingefchräntt günstig mit Ausnahme einer einzigen Klage über zu hohen Preis für Lackschuhe.(Heiter- keit.) Der llmsojj mit den Stlareks beträgt im ganzen 12 000 Mark. Ein« Auskunft der Dresdner Bank, die ich im Jahre 1928 eingeholt habe, bezeichnet die«klarets als sehr vermögend und in jeder Beziehung empfehlenswert. Ich übergebe sämtliche Unterlage« über den Geschäftsverkehr zwischen vrennslosf- Gesellschaft und Sklareks dem Ausschuh zur gest. Verfügung. Borsitzender Schwenk: Weitere Frage an den Herrn Zeugen werden nicht gestellt.(Große Bewegung.) Der Zeuge ist entlassen. Es wird dann Oberbürgermeifker Löh vernommen, der eine Uebersicht über die Entwickelung der KDG. gibt. Es sei ihm völlig unverständlich, wie Beamte und besonders Magistratsmitglieder die Sklarek-Lerträge hinter dem Rücken des Magistrats häiten abschließen können. Er habe entgegen der Aussage des Obermagistratsrats Schalldach da- von kein« Ahnung gehabt', sonst hätte er sosort auf Grund der Städtsordnung eingegriffen. Auch mit dem 500000-Mark- Darlehen an die Sklareks sei er persönlich nicht besaßt worden, er hätte sonst die Stadtoerordnetenoersammlung mitbeschließen lassen. Aon den Krediten der Sklareks bei der Siadtbank Hab« er keine Ahnung gehabt. Äm Jahre 1925 Hab« Handelsminister Dr. Schreiber ihn gebeten, auf die Kreditgebarung der Stadtbank aufzupassen. Er habe zusammen mit dem Kämmerer Karding eine genaue Kontrolle organisiert.(Böß logt die cutsp rech enden Aktennotizen und Verfügungen vor). Mit Entsetzen habe er setzt ersahren, daß seit dem Amtsantri't de» neue» Kämmerers die angeordneten Kreditübersichten nicht mehr eingeliefert worden seien. Die Vernehmung de» Oberbürgermaisterz wird am Donnerstag iortgesetzt. Am Freitag soll Obcrmagistratsrat Brandis in Gegenwort von B r o l a t vernommen werden. Haag am S. Januar. Offizielle M.tleüong Laspars an die holländische Regierung Haag. 4. Dezember. Di« niederländische Regierung hat minmehr vom Präsidenten der Hoager Konferenz. I a s p a r, die Mitteilung erhalten, daß man beabsichtige, die zweite Haogcr Konferenz am Z. Januar im Haag beginnen zu lasien. Ei« Fragebogen an Briand. Varl». 4. Dezember.(Eigenbericht.) Di« Auswärtig« Kommission der Kammer hat am Mittwoch be- schloffen, einen Fragebogen über die Politik der Per. ftöndigung zwischen Frankreich und Deutschland an den Außen- mimster B r i o n d zu richten. Die hauptsachlichsten Fragen be> ziehen sich aus das Regime der internationalen Reparotions- h a n k sowie auf die B e g r i f f s« r k l ä r u n g. die die Regierung der„Mobilisierung der deutschen Schuld" geben werd«. Vor cllen Dingen wünscht die Kommission zu wissen, ob die französische Regierung sich damit zufrieden gibt, wenn Deutschland die Bons zur Deckung seiner Schuld der Internationalen Reporationsbant übergeben hat. Oer Wille der Saarbevölkerung. Saarbrücke». 4. Dezember. In der heutigen Sitzung des L a u d e s r a t s gab der Zentrums- abgeordnete Le na che r für all« Parteien mit Ausnahme der beiden kommunistischen eine Erklärung ab, in der der Beginn der Saaroerbandlmigen begrüßt und die dringend« Erwartung ausgesprochen wird, daß diese Verhandlungen, dem einmütigen Willen der Bevölkerung entsp-cchend, bald zu einem positiven Er- oedni? führen werden. Die Erklärung faßt dann nochmals die Hauptforderung der Bevölkerung des Saargebiets in urtzwei- deutiger Form zusammen: i. Da» ganze Saargebiet muß ohne jede Schmälerong zurück zum Deutschen Reiche. 2. Alle Gruben und Kohlenvorkommen mästen dem preußischen und lauerischtn Staat zurückgegeben werde«. A. Eine Beteiligung inländischen oder ausländischen P r i v a t k a p i t a l s an den Gruben des Saargebiets muh aus- geschlossen bleiben. 4. De Stichbahnen der ehemaligen Reichsbahn Elsaß- Lothringen müssen.zurück in den Besitz de» Deutschen Reiches. Der Landesrat fordert, daß die Rückgab«beding»ngen so gestaltet werden, daß sowohl die Lebenemöglichkeit der Gruben und der übrigen Wirtschaft als auch die der ganzen Saarbevölkerung vollauf gewahrt wird. Der einmütige Wille der ganzen Saarbevölkerung ist e». daß nur gemäß diesen Forderungen d'« frühere Wiedervereinigung des Saargebiet«» mit dem Reiche eriolaen darf. Die beiden kommunistischen Parteien gaben ebenfalls ein« Erklärung ab, wobei bemerkenswert ist. daß die der kommunistischen Opposition ebenfalls mit den Worten beginnt, daß das Saargebiet ungeschmälert zum Deutschen Reiche zurück muß. (fugen Viehgen gestorben. Don Zürich kommt dt« betrübend« Nachricht, daß Eugen Dietzgen dort gestorben ist. Er hatte sich die große Lebensaufgabe gestellt, die originellen Gedanken seines Vaters Josef Dietzgen, den einmal Karl Marx a?»„u n s k.r e n P h t l o s o p h« n" bezeichnete, dem Bewußt- sein der aufstrebenden Arbeiterschaft einzuverleiben. Und dies« Archgabe hat er im vollen Umfange erfüllt. Heute haben die Ideen Joses Dietzgens in vielen Köpfen philosophisch geschulter Arbeiter Form und Gestalt angenommen. In drei starken Bänden gab er die gesammelten Schriften Josef Dietzgens heraus und leitet« sie durch«in« vortrefflich« Biographie ein. Seine eigenen selbständigen Schriften strebten ein« Revision einiger nach seiner Ansicht veralteten Parteianschauungen an. Seine bekanntest« Schrcht führt« de« Titel: Kapitalismus und Soziasismus nach neumarxistischer Orientierung. Gr glaubt« theoretisch feststellen zu können, daß wir zuletzt einem„Semeinschastskapitasismus" zu- steuern. Eugen Dietzgen stand in enger Fühlung mit den hervorragendsten sozialMchen Arbeiterführern der alten und neuen Welt: mit Babel. Liebknecht. Schlüter. Sau!» Berger usw. Cr war ein selbstlo' r Fördere? de» wisienfchasklichen AusBaus des dsmokratchchen Sozrolfsmils.__ K. 3m haushaltsau, schoß de, österreichische» Ilaltonalrak». der sich zurzeit mit dem Staatshaushalt besaßt, wurde am Mittwoch bei der Beratung des Etats de» Justizministeriums ein sozioldemo« kratischer Antrag«ruf Ungleichung des österreichischen Eherechtes an dos deutsche mtt 15 gegen 12 Stimmen abgelehnt. Ursache Wirkung! ]DEUTSCHhlATlONALBl \/OLHSPAQTEf Hugenberg:«-Raus mit der Opposition aus der ONÄP.." -O verdammt, diese Folgen hatt' ich nicht berechnet" Oer Reichstagsanbau. Ausstellung der Entwürfe im Reichstag. Im Reichstag waren die 17 Entwürfe des Bureau- Anbaues zwischen Hindersinstraße und Reichstagsuser aufgestellt: In nächster Woche sollen sie der Oefsentlichkeit vorgeführt werden. Die drei zur engsten Wahl gestellten Entwürfe sind durchaus annehmbar. Das Erfreuliche ist überhaupt, daß mit einer Ausnahme sämtlich« Archi- tekten sich auf die schlichtesten und sachlichsten Bureauformen besonnen und die modern« Blockform mit flachem Dach und Horizontal- betonung angewendet haben. Man darf darin wohl weniger«inen Triumph der modernen Architektur oder der Pressekampagne bei früherer Gelegenheit sehen al» den Zwang der Umstände. Der gewalttätige Barock des Reichstagsbaues duldet nichts anderes als sachgemäße Unterordnung von Anbauten, die formal fo beschaffen sein müssen, daß sie ihm zur Folie dienen. Darüber koninU eben niemand hinweg, der nicht den Mut hat, dieses wilhelminische Un- getüm von der Erde zu rasieren. Und dazu sind wir mindestens nicht reich genug. Die persönlichste Leistung ist unbestreitbar die von P o e l z i g. Leider Ist sein geistreicher Grundriß ebensowenig wie die heroisch« Massigkeit von 12 Geschaffen anders zu werten, denn als eine nicht tragbare Konkurrenz zum Wallotbau. Es zeigt sich, daß für diesen Anbau, der zudem durch eine Strotzenüberbrückung mit dem Reichs- tag zu verbinden ist- eine vorsichtig� Hatch...geeigisÄär' M als eine stark« Persönlichkeit. Aber auch die beigegeben« Losutzg des Reichs- tagsforums: neun Riesenbauten von Ministerien, radial angeordnet In dem großen Halbkreis des Spreebogens. mit der Achse zum Humboldthasen hin, leidet an derselben Großformigkcit, die den Reichstag vollends in die tote Ecke spielen würde. Auch in diesem durchaus nicht zum eigentlichen Wettbewerb gehörenden Punkte waren sich alle Entwürfe einig: sie haben der Notwendigkeit nachgegeben, den Platz der Republik in ihre Planung einzubcziehen: ein« Forderung, die zuerst Mächler aufgestellt und h ä r i n g am gültigsten erfüllt hat. Die meisten folgen der Höring- schen Idee: der West-Ost-Achse, die sich auf den Reichstag bezieht und allerdings hier bei der Kroll-Oper endet(was sie keineswegs muß). Die beigefügten Grundriß- und Aufbauskizzen folgen fast durchweg der gleichen Idee formaler Unterordnung und Raum- bcziehung auf den Wallotbau. Die Gefahr, daß der zunächst in Betracht gezogene Burcauanbau ein Hindernis für das Forum werden könnte, scheint nach diesen Erfahrungen nicht mehr zu be- stehen. Zwei Ding« stören noch bei vielen Entwürfen: die Frage der Ueberbrückung, d. h. also das Aneinanderstoßen schlichter Sachbau» kunst an die pathetischen Formen Wallots, und die Höhe des Anbau» Massivs. Vielfach sind vier- bis sechsgeschossige Brücken geplant: es ist aber nicht einzusehen, worum«in sehr viel weniger störender zweigeschossiger Uebergong nicht möglich sein sollte: und im übrigen kann die Formdisferenz durch geschickte Material- und Forbenwahl sehr gemildert werden. Durchaus zu verwerfen aber wären Turm- bauten bis zu 16 Stockwerken, die dem Reichstagsmossw allzu heftige Konkurrenz machen, wie es z. B. neben Poelzig noch Wilhelm Kreis, Straumer, Bestelmsyer, Schmidt- henner und Loebell planen. Der Raumbedarf des Reichstags wäre unbedingt in horizontaler Ausdehnung zu befriedigen, wie sie am glücklichsten I. Tiedemann(mit erstaunlicher Annäherung an Xeffcnowsche Formen), Peter Behrens und auch zwei der in „engste Wahl" genommene Entwürfe durchführen: Fahrenkamp & Fries und Holzbauer& Stamm, die wohl den nächst Tiedemanns einwandfrciesten Plan geliefert haben. Den letzten Ausschlag wird hier doch wohl die beste Grundrißlösung geben. Au wünschen aber wäre, daß man von feiten der Auftraggeber neben diesem ihnen am nächsten liegenden Gesichtspunkt darauf achte, daß der Anbau niedrig genug gehalten werde, um dem Reichstagsbau nicht zu schaden; daß der große Plan eines künftigen Ministeriol- Forums nicht verbaut werde, und daß die architektonische Durch- sührung, vor allem auch der Ueberbrückung, in den zurückhaltenden und sachlichen Formen geschehe, die erfreulicherweise hier dominieren. Dr. Paul F. Schmidt., Sozialistische Studenten. Vervaodstag vom 13. bis 13. Dezember. Der Verband Sozialistischer Studentengruppen Deutschlands und Oesterreichs hält vom 13. bis 15. Dezember in den Räumen de» Reichswirtschaftsrote» zu Berlin seinen Verbandstog ab. Di« Tagung, die sich außer mit organisatorischen Fragen vorzugsweise mit dem Problem der Hochschulreform und der gegenwärtigen polltischen Lage an den reichsdeutschen und österreichischen Hoch- schulen beschäftigen soll, wird am Freitag dem 12. Dezember, nachmittags 5 Uhr, im Plenarsaal des Reichswirtschaftsrates durch einen offiziellen Begrüßungsokt und die anschließende Erstattung des Arbeitsberichts im Beisein einer Reihe geladener Gaste eröffnet. Der Verband ist mit seinen über 2600 Mitgliedern und seinen Ortsgruppen an nahezu allen Universitäten des Reiches die stärkste republikanffche und wohl zugleich die stärkste politische Studenten- Organisation überhaupt geworden. Ludendorff und Großmusti. Aeide glauben an die Weisen von Zion. Jerusalem, 3. Dezember. Der Großmufti der Araber erklärt« vor der Untersuchung»- kommission, er glaube an die Echtheit der„Protokolle der Versen von Zion*. Als Beweis für die jüdischen Aspirationen auf dos Tempelgebiet führte der Mufti die Misrachbilder(Bilder mit bib- tischen Texten, die die Juden auf der Gebctrichtungswand aushängen), «Inen angeblichen Ausspruch Lord M e l ch e t t s, daß er sein Leben dem Wiederaufbau des Tempels widmen wolle''— der Mufti sagte, «r glaub« nicht, daß Melchetts Warte nur symbolisch gemeint waren—. ferner Albert E i n st e i n s angebliche Erklärung, daß das Judentum ohne Tempel wie ein Körper ohne Kopf sei. an.(Einstein hat diese vom Mufti schon einmal in einem Interview aufgestellte Behauptung als«ine bewußt ausgesprochene Lüg« erklärt.) Der Mufti wie» auch auf am Züricher Zionistenkongreß gehalten« Ansprachen hin, wonach die Beibehaltung d«s statu» guo den Juden nicht genüge Auntius pacettt wird abberufen. Bevorstehende Ernennung zum Kardinal. Rom, 4. Dezenrbe r. Das.Dffervatore Romano* meldet Monstgnor« Pa c e l l i hob« bei seiner in diesen Tagen ersolgi«n Rückkehr nach. Berlin sein Abbcrufungsschrciben vom Posten de» Apostolischen Nuntius in Berlin mitgebracht, weil ihn der Papst im nächsten Konsistorium zum Kardinal erheben werde. Ueber seinen Nachfolger ist bisher in der Oefsentlichkeit noch nichts bekannt geworden. Die„edlen Lords" rebellieren. Gegen die Anerkennung Gowjetrußlants. London, 4. Dezember. Der von Lord vtrkenhead heute»achmillag im Oberhaus ein. gebrachte Antrag, der die diplomatische Anerkennung der Sowjetreglerung im gegenwärtigen Zeitpunkt für nner- wünscht erklärt, wurde nach längerer Aussprache mit 42 gegen 21 Stimmen angenommen.(Solche Rleinungräußerungen de» nicht gewählten Oberhauses ziehen zwar keine politische» konscqren- zen nach sich, stimmungsmäßig flnd sie. wenn sie sich allzu häufig wiederholen— und es ist die» der zweiie Fall dieser Art In drei Tagen— für die Regierung unbequem. Red.) Vor der Ueberreichung der Seglaubtgungsfchreiben. London, 4. Dezember.(Eigenbericht.) Der seit drei Wochen verzögerte Botschaf teiaustausch zwischen Großbritannien und S o w j e t r u ß l a n d wird im Laufe der kommenden Woche stattfinden. Der britisch« Botschafter Sir Edmond O v e y wird mit seinem diplomatischen Stab am Dienstag in Moskau, der russische Botschafter S o k o l n i k o f f mit seinen Botschaftssekretären am gleichen Tage in London ein- treffen. Der amerikanische Kapitalmarkt. Mißerfolg einer Altienemisflon. Wir haben schon mehrfach Beweise dafür gebracht, daß die »nerikanischon Kapitalbesitzer bei der Kapitalanlage fe st verzins- liche Anleihen bevorzugen. Diese Neigung, die natürlich für die deutsche Kapitalaufnahme in New Pori wichtig ist, scheint sich noch verstärkt zu haben. Es wird aus New Jork über den Versuch berichtet, eine Aktienemission auszulegen, der vollständig gescheitert ist. Die Pennsylvania Railroad Company hat den Aktionären junge Aktien angeboten: die Aktionäre haben aber nur zu 40 Proz. von dem Angebot Gebrauch gemocht. 60 Proz. des Emlsstonsbetrages mußte das Bankhaus Kuhn, Loeb u, Co., dos die Weiterleitung der Aktien an die Aktionäre fest übernommen hatte, in das eigene Portefeuille nehmen, weil die Aktionäre streikten. Die Weihnachtsgratifikation. Oer rechtliche Anspruch, Steuerabzug, Angestelltenversicherung. In diesen Wochen werden wieder viele Angestellte vor der für chren Geldbeutel sehr wichtigen Frage stehen, ob sie ein« Weihnochts- oder auch Neulahrsgratifikation erhalten. Da Streitigkeiten sehr häufig die Arbeitsgerichte beschäftigen, so dürste eine Erörterung der Rechtsfrage von Wert fein. Eine besondere gesetzliche Regelung, wenn die Tarifverträge nicht etwa in irgendeiner Form normatives Recht schaffen, besteht nicht. Das Reichsgericht hat einmal in einer Entscheidung aus- geführt: „Nach der Auffassung des Verkehrs sind Weihnachtsgratifika- tionen keine reinen Freigebigkeiten der Arbeitgeber, deren Ge- Währung ihrem Belieben anheimgestellt wäre. Sie stellen vielmehr ein« Vergütung besonderer Art neben dem Gehalt dar. die insbesondere den Zweck hat, den Angestellten für das Ausharren im Dienst zu belohnen und ihn zur Fortsetzung der Dienste anzuspornen." Soweit also Gratifikationen irgendwie vereinbart worden sind, bilden sieeinenTeil des Lohnes bzw. des Ge- Halles, und der Arbellnehmcr hat in solchem Fall« rechtlichen Anspruch auf Auszahlung. Sie sind es auch dann, wenn die Zahlung der Gratifikationen ohne besondere mündliche oder schriftliche Vereinbarung regelmäßig und ohne Hinweis auf de» besonderen freiwilligen Charakter der Gratifikation erfolgt. Aus der Regelmäßigkeit der Leistungen hat die überwiegende Mehrzahl der Gerichte einen Rechtsanspruch gefolgert. In vielen Fällen liegen jedoch weder schriftliche, noch mündliche Vereinbarungen vor, und auch in den Tarifverträgen sind die diesbezüglichen Bestimmungen so allgemein gehalten, daß nicht ohne weiteres ein Rechtsanspruch auf die Zahlung der Gratifikation er- hoben werden kann. Sie sind in solchen Fällen wie die angeführte Rcichsgerichtsentscheidung sagte, als eine besonder« Aner» k e n n u n g für die bisher geleisteten Dienste und als Ansporn für weitere treue und zuverlässige Mitarbeit anzusehen und können in das freie Ermessen des Arbeitgebers gestellt sein. Ein Anspruch besteht in solchen Fällen nicht. Für den Fall, daß die Höhe der Gratifikation in der Derein- barung nicht festgelegt ist. ist sie doch einklagbar. Nach der über- wiegenden Praxis der Gerichte ist sie in solchen Fällen in der ortsüblichen oder in angemessener Höhe zu zahlen. Ein« Minderung haben die Gerichte in den letzten Iahren nur zu- gelassen, wenn z.B. die Geschäftslage sich ungünstig ge- staltet hatte und der Nachweis darüber erbracht wurde, und wenn etwa die Arbeitsleistungen nicht mehr voll besrie- digen, worüber jedoch dos Erbringen eines Nachweises ziem- lich schwierig ist. Ebenso ist die Frage strittig, wie es sich mit der Grattfikations- zahlung der ausgeschiedenen oder m gekündigter S-t e l l u n g befindlichen Lohnempfängern verhall. Bei Vorliegen einer schriftlichen oder mündlichen Vereinbarung oder auch bei gewohnheitsmäßiger Zahlung haben viel« Gerichte die Gratifikatton den Lohnempfängern zugesprochen; dagegen ist der Anspruch beim Fehlen einer Vereinbarung zweifelhaft. Auch die Beanspruchung nur anteiliger Gratifikationen wirb In solchen zweifelhasten Fällen von den Gerichten fast durchweg abgewiesen. Eine Rückforderung gezahller Grattstka- tionen durch den Unternehmer kann rechtlich nicht erfolgen. Ein« sowohl für den Unternehmer als auch für den Lohn- empfänger im Falle der Zahlung einer Gratifikatton wichtige Frage ist, ob die Gratifikationen dem Steuerabzug unterliegen. Hier liegt ein Urteil des Reichsfinanzhofcs vom 27. Januar 1326 vor. Danach unterliegen Gratifikationen an Beamte, Arbeiter und An- gestellte dem Steuerabzug, gleichgültig unter welchem Namen sie gegeben werden und ob eine rechtliche Verpflichtung vorliegt oder nicht. Ein Fingerzeig, welche Zahlungen nicht dem Steuer- abzug unterliegen, gibt lediglich der letzte Satz des Urteils. Die Zahlung würde dann nicht dem Steuerabzug unterliegen, wenn sie aus rein sozialen Erwägungen heraus erfolgt, die mit dem Dienst Verhältnis in keinem Zusammenhang stehen, etwa von Mensch zu Mensch als reine Schenkung im Sinne des 8 516 des BGB. Ueber die Bewertung der Weihnachtsgratifikation in der An- gestelltenversicherung Hot das Direktorium der Reichsver- sicherungsanstall«inen Bescheid erteill, aus dem folgendes wieder. gegeben sei: „Weihnachtsgratifikationen sind nur dann zur Beitragsberechnung heranzuziehen, wenn sie Vertrags- oder gewohnheits. mäßig gewährt werden... Steht die Höhe der Gratifikation zahlenmäßig nicht fest, so ist sie unter Berücksichtigung aller Um- stände zu schätzen und anteilig in den einzelnen Monaten der Zahlungsperiode mitzurechnen. Für die Schätzung werden in den meisten Fällen vergangene Jahre, besonders das Vorjahr, oder die Gratifikation an gleichgestellt« Mitarbeiter den nöttgen Anhalt geben." Zusatzrente und Amtsschimmel. Richtlinien vnd Ztoinderlaß Vom Verband der Gemeinde- und Staats- arbeit er wird darüber geklagt, daß die Anträge der Lohn- empfänger auf Zahlung der im§ 6 des'Abkommens vom 3. Oktober 1328 vorgesehenen lausenden Zusatzrente nicht mit der er forder- lichen Beschleunigung erledigt werden. So seien berells im A p r i l d. I. infolge Dienstunfähigkeit ausgeschiedene Lohn- empfänger bis heute nicht in den Genuß der ihnen zu- stehenden laufenden Zusatzrente gelangt. Wie der Amiliche Preußische Pressedienst dazu mittcill, führt der preußische Finaiizminister in einem Runderlaß aus, eine derartig« Verzögerung könne keinesfalls gebilligt werden. Nachdem zur Durchführung der vorerwähnten Bestimmungen im Interesic der Vereinheitlichung und Vereinfachung des Verfahrens unter dem 13. August d. I. Richtlinien herausgegeben sind, werden Schwierigkellen bei der Prüfung der Anträge nicht mehr hervor- treten. Di« nachgeordneten Behörden sind ersucht worden, die bei ihnen eingehenden Anträge so zeitig zu erledigen, daß die zahlende Kasse tunlichst schon vor dem Ausscheiden des Lohn- cmpfängers aus dem Dienst mit Anweisung versehen werden kann. * Also am 10. August, vor drei Monaten hat der Finanz- minister RichUinien herausgegeben über die Auszahlung der laut Tarifvertrag vereinbarten Zusatzrcnten. Man wird nicht behaupten können, daß die Herausgabe dieser Richtlinien verfrüht war... Resultat?— Ein neuer Runderlaß. Sonst aber bleibt alles wie es war. Nun sagt der Finanzminister, ein« solche Verzögerung könne nicht gebilligt werden. Ist das nicht eigentlich selbstverständ- lich? Und wären nicht energische Maßnahmen am Platze? Zum Beispiel, daß man dieser Schlamperei nachgeht und die verantwortlichen Beamten disziplinarisch zur Rechenschaft zieht? Wenn es auch„nur" alte Arbeiter mit einer sehr bescheidenen Pension sind, der Skandal ist nach unserem Empfinden deshalb nicht geringer. Mit Recht beschweren sich manchmal die Beamten über die B e a>m tenfeindschaft gewisser Beoölkerungskreise. Die Wurzel dieser Mißstimmung liegt in der hier angeführten Schlamperei— für die aber wahrscheinlich nich: nur die ausführenden Beamten ver- antwortlich zu machen sind. Was würden die wirklich Berantmort- lichen wohl sagen, wenn man gegenüber Beamten so verfahren würde? Aber das kamr man sich nur schwer vorstellen Zensur durch Postordnung. Krankenansioltspersonal Staatsbürger minderen Rechts? Die Postordnung sieht in ihrem§ 38 Abs. 7 folgend« B.'stim- mung vor: „Sendungen an Militärpersoncn, an Angestellt« und Arbeiter größerer Geschäftsbetriebe oder Bchör- den, an Kranke in Krankenonftallen sowie an Zöglinge in Er- ziehungs- und Unterrichtsanstalten usw. werden nach b e s o n- derem Abkommen mit der zuständigen Behörde oder Leitung an Beauftragte ausgehändi gt." Diese Bestimmung hat zur Folge gehabt, daß man in einer Reihe von Anstalten die für das Personal bestimmten Post- sendungen nicht mehr an diese direkt, sondern an Beauftragte verabfolgen läßt, die von der A n sta l t s l e i t u ng bestimmt werden. Wer die häufig sehr reaktionären Anstaltsleitungen kennt, wird leicht erraten, welche Gesinnung die haben, die beauftragt werden, die Postsendungen des Personals entgegenzunehmen. In der Praxis handelt es sich um die Einrichtung einer Zensur- stelle, so daß die Verwaltungen darüber unterrichtet sind, wer den„vorwärts" liest, wer Korrespondenzen von freien G e- werkschasten erhält, wer sich parteipolitisch betätigt und s» weiter. Gewiß kann der Briefträger die im Dienst befindlichen Arbell- nehmer nicht aufsuchen, die auf Infekttonsstationen, im Sesselhaus Dienst tun oder schwer Geisteskranke zu pflegen haben. Ein erheb« sicher Teck des Personals ist aber auf solchen Abteilungen tätig, die ohne weiteres vom Postzusteller betreten werden können, während ein anderer großer Teil des Personals innerhalb der Anstallen wohnt und verlangen kann daß ihm die Post in seiner W o h- n u n g zugestellt wird. Aber selbst wo das Personal mit Rücksicht auf sein« Umgebung durch den Briefträger nicht erreicht werden kann, ist es unzulässig, der Anstaltzleitung die Berechtigung zu geben, den Beauftragten zu bestimmen. Wenn ein Beauftragter bestimim werden muß, kann das nur durch die P o st e m p f ä n g e r selbst geschehen. Wenn man anders handelt, ist eine Verletzung des Brief- gcheimnisses mindestens sehr leicht möglich. Es llegen ber.'its prakttsche Fälle dafür vor, daß die Bezieher des„Vorwärts" ihre Zeitung gar nicht oder verspätet erhalten, daß Arb.'itnehmer, die Briefe einer freien Gewerkschaft bekommen, unter einer Nadel st ichpolitik der Verwaltung zu leiden haben, gegen die man sich nur sehr schwer wehren kann. Eine Eingabe, die in diesem Sinn-? von der Reichssektion Gesundheitswesen im Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter an den Reichspostminister gerichtet worden ist. hat nicht den gewünschten Erfolg gehabt. In dem er- teilten Bescheid wird der ablehnende Standpunkt'damit begründet, daß nach der Postordnung der Arbeitgeber berechtigt sei, dem Postboten das Aufsuchen des vom Personal Beauftragten zu ver- bieten. In Wirklichkeit gibt es Anstaltsverwaltungen, die von sich aus die Benennung des Beauftragten dem Personal oder doch der Personalvertretung überlasten haben. Wo das nicht geschieht, tritt eben die Absicht sehr deutlich zutage, eine P o st- z e n s u r durchzuführen. Damit diesem Vorgehen jeder Schein einer Berechtigung genommen wird, halten wir eine Aenderung der Postordnung für erforderlich. Alle Deutschen sind vor dem Gesetz gleich, auch das Personal der Krankenpflege. Wie man die Atbeiisfreude iöiei. Unwürdig« Methoden in der Metallindustrie. Von einem Werkmeister eines Großbetriebes der Berliner Metallindustrie wird uns geschrieben: Es ist notwendig, daß man sich einmal mit der Menschen- behandlung in der Berliner Metallindustrie in aller Oesfent- l'chkett beschäftigt. Ungeahnter Aufstieg der Technik, höchste Wirt- schaftlichkett der Betriebe mit allen ihren Nebenerscheinungen zwingen den Wertmeister von heute als Prellblock zwischen Unternehmer und Arbeiter zu einer ganz anderen Lebenscinstellung. Wie sieht es mit der Arbeitsfreude in den Betrieben der Berliner Metallindustrie nun aus? Man kann getrost sagen, die Arbeiter— ob gelernt oder ungelernt— gehen zu 30 Proz.' m i t der größten Unlust zur Arbeit, die sie gleichgültig verrichten. Sie verfluchen das ganze Leben, ihr Dasein ist ihnen nichts. Die fortwährenden gehässigen, unsachlichen Auseinander- sctzungen mit dem Kalkulator oder Betriebsleiter sind nervtötend und hängen ihnen zum Halse heraus. Der Enderfolg bleibt selten aus: Uebergang zum Radikalismus, Terror, der Laden fliegt hoch. Ich komme nun zum Kern meiner Skizze: Die BeHand- l u n g de s Mcnichen. Die läßt sehr viel zu wünschen übrig. Vornehmlich in den Betrieben der Berliner Metallindustrie. Hier hat eine Tonart der vorher genannten Betriebsbeamten Platz gegriffen, die verschwinden muß� Aber endgültig verschwinden. Mit„Ochsen",„F ü n f m i n u t e n- I n t e l l i g c n z e n".„I d i o- j t e n" oder ,chas Blut soll unter den Nägeln hervor-> lausen" usw. kann man einen Staat nicht regieren. Am aller- wenigsten ober eine Gruppe Arbeiter, deren Arbeitszeiten bzw. Ver- dienste auf eine Zehntel Minute gestoppt sind. Es ist notwendig, daß die Direktor« und Unternehmer bot der Aus- wähl de» leitenden Letriebsperfonal» großen Wert darauf legen, ob dieses auch in der Lag« ist, Menschen würdig zu behandeln. Nur eine Behandlung, die auch die Menschenwürde achtet, gegen- fettiges Vertrauen und Achtung oerbürgen Freude an der Arbett, höchste Leistungen, und somit schließlich Leistungen, die die heutige Fachwisienfchaft in die Hirne der neuen Generation hinein» hämmert. Oie Gelben vom Landbund tariffähig? Seltsames Urteil eine« Landesarbeitsgerichts. Vom Landesarbeitsgericht Frankfurt a. d. O. ist nach einem Urtell vom 2. Dezember die Tariffähigkeit de? Arbeitnehmergruppen des Pommerfchen Land- b u n d e s anerkannt worden. Wir werden uns zu diesem Urteil ausführlich äußern, wenn fein Wortlaut und feine Begründung vor- liegen. Für heute fei nur gesagt, daß das Urteil auf Grund eines sogenannten Scheinprozesfes erfolgt ist. Arbeitgeber- und Arbettnehmergruppe des Pommerfchen Landbundes hatten den Pro- zeß v e r« i n b o r t. um das gewünschte Urteil zu erzielen. Die von Amts wegen ersolgte Beweisführung stand stark unter dem Einslutz dieses schon nicht mehr seltsamen Zusammenspiels der„Par- teien", das die tatsächlich« Abhängigkeit der Arbeitnehmer» gruppe des Landbundes von den Unternehmern sozusagen gerichts- notorisch machte. Um so unverständlicher ist das Urteil. Erste Konferenz des Gesamtverbandes. Im Bezirt Srandenburg-Srenzmark. Am 1. Dezember tagt im Brandenburger„Volkshaus" die erste Bezirkskonferenz für Brandenburg-Grenzmark des Gesamtverban- des. Sie war mit 137 Delegierten beschickt; 80 Delegiert« stellt« d.-r bisherige Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter, 47 Delegierte der bisherige Deutsche Verkehrsburtd und zehn Delegiert« der bisherige Verband der Gärtner und Gärtnereiarbeiter. Außerdeni waren 16 Mitglieder der Verbands- und Bezirksvorstände der ge- nannten Verbände anwesend. Schulz vom Verbandsvorstarck» sprach über die T a r i f v e r- träge. Scheibe! sprach über die neue Filialaufstellung sow:e über die notwendig werdende Errichtung von Zweigstellen des Bezirksbureaus und über die neue Arbeitseinteilung im Bezirks- bureau. Zu diesem Punkt wurde di« Borlage der Bezirksvorstände mit übergroßer Majorttät angenommen. Danach wird der Bezirk zusammen 31 Filialen zählen Für di« vorzunehmende Wahl der Beisitzer des Bezirksvorstandes und deren Stellvertreter, sowie für die Wahl der Mitglisdcr und deren Ersatzleute für den Berbands- beirat lag ebenfalls ein Vorschlag der Bezirksvorstände vor, der noch einer längeren Diskussion angenommen wurde. Danach sind als Mttglieder des Bezirksvorstandes gewählt Kalz, Spremberg, Förster, Brandenburg a. d. H., Spleth, Kummersdorf. Jlatebus, Potsdam, Heinrich, Fürstenwolde a. d. Spr., Sasse, Bernau, Brüst, Buckow bei Berlin: als Mitglieder des Verbandsbeirats Döhni, Noipawes und Philipp, Nauen. Nach Erledigung der Tagesordnung verabschiedete sich Scheib.'l, der im Verbandsvorstand die Gruppe„Kämmereibetriebe" über, nehmen wird, und fein Nachfolger in der Bezirksleitung, Schm etzer, richtet« einige Wort« a» die Delegierten, in den.n er die Hoffnung auf ein gutes und gedeihliches Zusammcnorbetten zum Wohle des Ganzen Ausdruck gab. Oie Lohnerhöhungen bei Kord. New Jork, 4. Dezember. Wie aus Detroit gemeldet wird, erklärte Eds«! Ford, daß di« vorgesehenen Gchaltsausbesierungen seiner Angestelltm einen Betrog von 80 Millionen Mark erforderlich machten. Die Gehattserhöhun- gen und neuen Löhne, die ab 2. Dezember in Kraft getreten find, kommen etwa 140 000 Personen zugute. Der niedrigste Satz von 6 Dollar wird nach dein neuen Tarif auf 7 erhöht. Diejenigen Lohnempsänger, die zwischen 7 u>ti> 10 Dollar verdienen, erhalten 5 Proz. Aufschlag für die Stunde. Diese Ausbesserungen sind die Folge der Unterredung von Henry Ford mit Präsident Hovver bei der Wirtschaftsbesprechung, nach der Ford seinen Angestellten das Versprechen zur Lohnaufbesserung machte. Der Staat New Jork brabsichtigl, die Altersversicherung einzu- führen. Der Staatssenator Se a b ury E. Mast ick l)at in einer viel beachteten Rede mitgeteilt, daß im Wege eines Fragebogens die Auffassung von 400 000 Arbenern. d. h. von 10 Proz. der Ar- beiterlchaft New Yorks, in der Frage der Altersversicherung fest- gestellt werden soll. Mastick betonte, neben den Vereinigten Staaten seien nur noch Indien und China die einzigen großen Nationen, di« keine Altersversicherung hätten. -es Cif(ntai«Kl S«u!e. 17 Uhr, Zraltionssitimig der SPD.» M LlsrnbMnrr vom Sinhcilsocrband.??e'chsbah».Au»bksleruna»wcrk i J g.»ctlin, im üokal Abraham. Simon-Dach. Site iTcsalcc Strofit, Teiles- t I bJ ortnuna:„Tu Ausmirtuna her ßornmunalmohl-n unt ötellungnahmc, 1 ö»u den kommende» Rruwahlen". Erscheinen Pflicht. t't »er grnktton»vorstand. jr i jStt�reie Gewerkschatts-Luaend Berlin. t.■ Jfroalfurtcr Allee i 3uaenM|cim frankfurter Allee 30? sDalter.Pa'henau» Simmctl.«rr'smädchenabend— Lood»beeo«r Plat,: 3u»duch»nd Keimaumucis kein Zutritt.— Weddina: Gruppenhe m stödt. Iult-Ndheim Orthftr. ll>. Krimdelvrechuna. Kcima"�r>eis und Vcrfandstn'chkontrall«.— LLoabit: Gruppenheim Stödt. Iua-ndhe'm Lehrter Str. 16— IS. Keimdcsprechuna. Mulilabend. Berbandsduchkontrolle. .�»aendlUTivve �es�erlro'verkonk't's der Nnnek't'lken � J'eirte. Tonnet»'««, finden folaende Peransiaitnnaen statt! Vaakow» Nleder>chkndo»'e-: Iüpcndhk'm Görschstr. 14(nroftts Zimmers. Vor. rtscholteoraanisationen Unternehmer". Vesrrent Willi Verkow.— Treptow! Inpcndhe'nr in der Schule Wildendruchstr. 63 lZuaanp von der Erarh- strahe in Trep'ov.i. Vortraai.Moderne Reklame".??cfcrcnt Geora Kail» brunn.— Echönebera: Iuaendhe m Lauvtsir. 13 iLo-a-bäudes. Shilrinpen. ttprmcr). Vortraq:.Moderne Kunst". Veferent Walter Gschbach.— Gii"!»»0'k- iarla, im Pcslalotti-Lmrum. Lichtenberp, Print-Aliert-Str. 44. Etaina 19V4 Uhr. Verantwortlich«itr Polilit: Dr. Sart Ge»«»! Wirtfchait' G. Klma«lh~srr! Gcwcrllchait-bewcaung: Z. Steinet; Feuilleton: Jt 6.»iischer: Lokale« und Sonliiac» fri» KarstSdt: Anreioen:»h. Gloche: siimtlich in Berlin. Lrrlaa: Vorwärti-Berlaa®. m d. K Berlin Druck: Borwart».Buchdriickrr«t und Brrlaasanstalt Paul Sinarr u. Co.. Berlin SW 68. Lind'nliratir t. «irr» Z Beilagen,„llnteichaltnng und Sissen"»»»..IrauenM»««'. Tlr. 569* 46. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 5. Dezember 4929 Die längste Straßenbrücke. Unten in der Ostmark,«m gut Stück hinter Äüstrin, dehnt sich das Warthebruch, unter viel Mül)»' und Not, unter ständiger Arbeit und ständigem Verzichtleisten der Kultur erschlossen. Schon vor hundert oder hunderwndfünszig Jahren. Aber es lohnte sich trotzdem nicht recht. Dos Bruch war wie von der Welt abge- schnitten. Sein Land war unzu- gänglich, und in den Uebcrschwem- mungs'e len waren die einzelnen Besitzungen gewissermaßen Inseln für sich. Der Bruchbauer war dar- auf angewiesen, alles, was er pro- duzierte, in ein landwirtschaftlich gesegne es Hinterland zu bringen. was sich als nicht sehr einträglich erwies. Er war gezwungen, seine Produkte, um bessere Preise zu er- zielen, mit der Kleinbahn zu vcr- s rechten, und nur selten konnte er sein' Waren über die Worth« noch Pietz, einein großen Dorf von etwa 6000K Einwohnern, bringen. In regen- und wasserreichen Jahren, wie 1?Z8, war dies überhaupt un- möglich. Das Bruch ist eben nur fruchtbar, wenn das Waffsr abge- laufen ist. Jahrzehnte hindurch wurde der Verkehr zum Bruch durch Fähren vermittelt, was stets mit großen Schwierigkeiten verknüpft war. Wetter und Jahreszeit waren hier meist übelwollende Diktatoren. Eine vor einigen Jahren angestellte statistisch« Erhebung ergab, daß bei- spielsweise von den wichtigsten Warthefähren zwischen Landsberg und Küstrin die Fähre bei Fichtwerder im dreijährigen Durchschnitt an 69 Tagen, die Fähren bei Dietzcr Ablage an 184 Tagen und die Fähre bei Schwarzsee an 293 Tagen nicht benutzt werden konnten.' Es ist bezeichnend, daß während der reichen Jahre des früheren Deutschland niemals die Mittel aufzubringen waren, durch eine Brücke das Warthebruch mit dem Vietzer Festland zu verbinden. Erst in der Republik war es möglich, wenn auch unter ganz be- deutenden Opfern, diese Idee, zur Ausführung zu bringen. Schon 1923 liefen die ersten Pläne um, und der Streit der Meinungen über die Nützlichkeit des geplanten Bauwerkes begann sich zu entwickeln. Jahre dauerte es noch, bis die Mittel flüssig waren. Dann konnte 1928 nnt dem Bau begonnen werden. 16 Monate wurde gearbeitet, die- harten Winterywnate sielen natürlich aus, und jetzt konnte die Drücke, an deren Vollendung die Bewohnerschaft der. ganzen Gegend mit Webe hing, de m De r k e h r üb e r g e b« n w« rd« n. Man Hot Nicht viel WeseNs davon gemacht, daß hier in oller Still« d i e längste Straßenbrücke Deutschlands erstanden ist D-el- ungeheure Strecke entfällt zum größten Teck aus dbe sogenonnir Flut brück« von 594 Meter Länge, die den Teil der Niederung überbrückt, der im Frühjahr und Herbst gewohnlich überschwemmt zu sein pflegt. Die eigentliche Strombrücke, die über die Warthe ihre massigen' Bogen spannt, ist 149 Meter lang. Zwischen dem Endpunkt der Strombrücke und dein Anfang der Flutbrücke gibt es ein inselartiges festgelagertes Stück von etwa 49 Meter. Di« Flut- brücke hat zwei Widerlager und 29 Zwifchenpfsiler, die Strom- brücke zwei Widerlager und zwei Strompfeiler. Di« Pfahlbauten, die die Zwischenpfeiler tragen, die tief in das weiche Erdreich bis zu 9 Meter hineingetrieben sind, bestehen aus Beton, in Blechröhren Di« SMümerder SRrürke stutn Warthebrtifii. verdichtet. Die Fahrbahn ist auf der Brücke 5,29 Meter breit, rechts und links gibt es Fußsteig«, die den Pasianten dienen, die von Fichtwerder, dein Endlagepunkt der Brückenpfeiler auf der Festland- seit«, in das Warthebruch hinüber wollen. Entworsen wurde das Bauwerk von Professor Bernhord-Berfin, während die Bauleitung das Kreisbauamt innehatte. Die Opferwilligkeit der Kreiskörperschaften der Kreise Lands- berg und Oststernberg und der ihnen angehörenden Gemeinden um Fichtwerder, der tätigen Hilfe der Provinzialverwalwng der Provinz Brandenburg, den Staats- und Reichsbehörden ist das Bauwerk zu danken. Wichtigste Aufgabe der neuen Brücke, auf die die Osttnork besonders stolz ist, soll die Vermittlung des Durchgangsverkehrs zwischen Norden und Süden, zwischen Pommern, Brandenburg und Schlesien sein,, vor allem aber auch die wirtschaftliche und kulturelle Erschließung zurückliegender Landesteile. Mit den Baukosten in Höhe von 1 299 999 Mark ist dies« Ausgab« nicht zu hoch bezahlt. Die Lotterie der ArbeiMiieiin die am 18. ond 19. Dezember dieses Jahres Ziehung hat, bringt bei einem Lospreis von nur 50 Pfennig als H&hstgewinn ein eingerichtetes Landhaus. Die Hauptgewinne sind gletöifalls Landhäuser. Weitcrc Gewinne(insgesamt 140474 nebst twei PrSmien im Gesamtwerte von 500 000 Mio) sind: Klaviere, Spreinen,Fahrr4der. Wer es wünscht, kann auch Bargeld bekommen; denn alle Gewinne sind mit 90 Prot, ihres Wertes in bar ausgugahlen. Die Gewinnchancen sind angesichts des niedrigen Lospreises aufiergewähnlich günstig. Die Lottcrieein nahmen finden ausschließlich tu Wohlfahrtsswecken Verwendung. in Leipzig wohnende bei Regensburg an- ist, in Straß bvrg Frau Tehner, die Mord und Versicherungsbetrug Verhaftung eines angeblich Verbrannten in Strasburg. Leipzig, 4. Dezeutber. Nach einer bei der Leipziger Kriminalpolizei ein- gegangenen Drahtmeldung ist der Kaufmann Kurt Tetzner, der geblich in feinem Auto verbrannt im Elsaß verhaftet worden. durch die Leipziger Kriminalpolizei verhaftet wurde, hat gestaaden, daß ihr Mann einen Unbekannten ermordet und mit dem Kraftwagen ver» brannt hat. Er wollte dadurch den Anschein erwecken, als ob er selbst verunglückt sei, um aus diese Weise seine Frau in den Genuß einer Unfallversicherung zu bringen, die er vor vier Wochen in Höhe von> 42 099 Mark abgeschlossen hatte. Frau Tetzner wird«ach Regensbnrg übergeführt, gegen Tetzner wird bei der französischen Regierung das Auslieferungsverfahren beantragt werden. London eifert Berlin nach. Englisches£06 der öffentlichen Verwaltung. Verkehrsminister Morrison erklärte im Unterhaus, die Re- gierung prüfe jetzt die Londoner Berkehrsoechältnisic und sei darübrr einig, daß keine Lösung der Verkehrsfrage möglich sei, wenn man di e unnütze und unwirtschaftlich« Konkurrenz nicht ausschalte. Di« Regierung sei ebenfalls der Meinung, daß die Vereinheitlichung der Derkchrsunternshnre» umcr ö f f« n t- licher Kontrolle wesentlich sei und daß das Interesse des Publikums nur dadurch wahrgenommen werden könne, daß man durch«ine einheitliche und einfach« öffentlich« Per- waltung das bisherige komplizierte Durcheinander der privaten und städtischen Unternehmen ersetze. Das wär' ein Weihnachtsgeschenk. Im Berliner Kirchenkreis Kölln-Land II, der einen Teil des südlich der Spree gelegenen Stadtgebietes umfaß!, hat der Soziale Ausschuß den folgenden Beschluß gefaßt: „Der Soziole Ausschuß hat zur Kenntnis genommen, daß eine Reihe von Betrieben in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr geschlossen bleiben. Er verkennt keineswegs die wirtschaftlichen Zusammenhänge, die dieser Maßnahme zugrunde liegen, kann aber auf der anderen Seite nicht an der Tatsache still- schweigend vorübergehen, daß die Belegschaft dieser Betriebe eine Woche lang ohne Lohn bleibt, und dies im Weihnachtsmonal, wo die wirtschaftliche Grundlage in den Haushaltungen einer besonderen Sicherstellung bedars, wenn anders rechte Festesfreude in den Familien aufkommen soll. Der Lohnaussall für eine holde oder ganz« Woche bedeutet für wette Kreis« der Arbeiterschaft ein« un- geheure Härte und ist geeignet, die Festesfreud« zu ver- g ä l l« n und soziale Verbitterung in wachsendem Maß« in den B«- troflenen zu erzeugen. Der Sozial« Ausschuß steht daher aus dem Standpunkt, daß in dieser Frage die chrisllich.menschlichen Er- wägungen vor den rein wirtschaftlichen durchaus den Borrang haben müsien. Er erachtet es als eine Pflicht oller Arbeitgeber. ein« Schließung der Betriebe zwischen Weihnachten und Neujahr unter ollen Ilmständen zu vermeiden oder aber, wenn nur irgend- möglich, ein« Schließung der Betriebe bei voller Lohnzahlung für die letzte Dczemberwoche vorzunehmen." Uns wird mitgeteill, daß im Sozialen Ausschuß dieses Kirchen- kreifes fünf religiöse Soziali st«n sitzen. Auf einen An- trag von ihnen geht diese Beschlußfassung zurück. s» rMfaf Ein Mann und«ine Frau gehen vom Bahnhof ins nächste Hotel. Die Frau trägt noch immer das Verhiillte in den Armen. Sic müssen durch eine Wirtsstube hindurch, in der lärmend Soldaten und Huren sitzen. Die Kellnerin schiebt sich mit schlenkernden Gliedern durch den Wirrwarr von Tischen, Tornistern und Körben, Kisten und Seemannssäcken hindurch. D!e Wirtsstube ist voll von Quatm und Gestank. Vor dem Mann und der Frau, die das Verhüllte trägt, geht der Wirt eine wendelige Treppe hinauf, in der Hand eine Kerze. Er öffnet ein Zimmer, entzündet das Gaslicht und zieht Vor- hänge vor. Ein Bett, eine Liege,«in Waschtisch und Bilder. Der Mann und die Frau sehen sich um. Der Wirt geht hin- aus.< „Unser Hans!" jagt die Frau. Sic schlägt das grauwollene Tuch zurück und zeigt ihm sein Kind. � Drei Tage und drei Nächte lebten Hans und Escher zu- sammen. Er schrieb einen Brief nach Hessen, an seinen Freund, den Regimentskameraden, der Herr eines bedeuten- d-n Gutes und feit längerer Zeit zu Hause war. denn eine Verwundung hatte ihm Urlaub verschafft. Am dritten Abend gingen sie vöm Hotel zum Bahnhof hinüber. Esther trug das Verhüllte im Arm. Ihre Trennung war diesmal ohne Tränen, denn nun stand nicht mehr zwischen ihnen der Tod. nein, das Leben, die Hoffnung, würde noch in der Ferne beide mit ruheloser Freude erfüllen. So reiste Esther nach Hessen voraus. Aber als Hans dann im Hause seiner Estern war, von seiner Mutter nicht mit Frage noch mit Vorwurf aber mit tausend Umarmungen bestürmt, da schien es, als wollte sich sein soldatisches Ehrgefühl an jedem Widerstand reiben, der es verletzte. Er erzählte vom Kriege? alle saßen am Tisch., „Schweige doch davon," sagt« vlötzlich Albert,„genug ist vom Kriege gesprochen worden, solange er herrschte. Unter- hasten wir uns von der Zukunft, vom Frieden." Darauf griff Hans ihn wütend an, mit Kränkungen, die sehr persönlich waren. Albert schwieg. Das erhöhte den Druck. Und die Spannung wuchs täglich. Nein, das war kein Frieden! Do faßte der Graf den Entschluß zu ressen, und Hans fuhr mit seinen Ellern nach Hohenau. Irene blieb also mit Albert allein zurück. Nicht einen einzigen Tag nach seiner Heimkehr hatte er der Entspannung geschenkt. Er ging an die Arbeit, er richtete sich«in. Während des Krieges hatte er feine Kenntnisse theoretisch und praktisch erweitert und vertieft. Vor allem brauchte er nun Apparate. Sie wurden beschafft, und in einem Hause, das mitten im Strudel der wiederbelebten Stadt lag, eröffnete Albert seine ärztliche Praxis. Iren« beklagte sich deswegen— sie wünschte, daß er zum mindesten einen Teil seiner Praxis in die eigene Villa verlegte, die ihnen die Sorge des allen de Castro ver- schafft hatte. Natürlich wünschte sie das der vornehmeren Patientenschaft wegen— aber Albert gab ihr in dieser Forde- rung nicht nach, seine Absicht entsprang genau dem entgegen- gesetzten Motiv als die ihre. Er wollte' die einfachen Leute, die jungen, durch das Erlebnis des Krieges halt- und steuer- los, religions- und gottlos gewordenen Menschen als Kranke in seiner Behandlung haben, um Wunden zu heilen, die sich tiefer befanden als in Haut und Fleisch. Der Nerv der Jugend, die im Wirbel des Ehaos treibende Seele, war erschüttert, verletzt. Sie sollten es nicht einmal nötig haben, wenn es ihnen schwierig war, den Besuch bei ihm mit Geld zu be- zahlen— er gab ihnen das gleich zum Anfang seiner BeHand- lung bekannt. Irene sah aher in dieser seiner Art von Arbeit wieder einen Merkstem, an dem sie die innere Fremdheit zwischen sich und ihm zu erkennen glaubte. „Unter allen Menschen die ich kenne," sagte sie,„ist keiner, von dem ich mir vorstellen könnte, daß er täte, was niemand in aller Well tut— wie zum Beispiel solch eine Praxis treiben—, keiner, sage ich, außer dir." Also? daß er tat, was niemand in aller Welt tut, das war für sie ein Grund, ihn gering zu achten. „Wie soll ich den jungen Menschen, die meistens existenz- los find, für den Rat, außer dem ich ihnen manchmal gar nichts zu geben habe, eine Rechnung machen," fragte er sie. „So entferne dein Schild, das die Schlucker auffordert, zu dir zu kommen� vom Eingang des Hauses da. Ueb erhaupt. nimm endlich hier im Hause deine Praxis auf! Mir ist nicht zumut, als wär« ich die Frau eines Arztes Verzeihung, ich könnte ebenso gut die Frau eines Armenpflegers sein." „Nun, und wenn du es wärest?" Er sah sie lächelnd an. Sie konnte ihn nur anstarren— auf solche Frage wußte sie keine Antwort. Und er lebte so weiter, wie er begonnen hatte— er hatte enug. mehr als genug zu tun. Und wenn er sich hätte sehr escheiden einrichten wollen, so hätte er von dieser Praxis wohl zur Not auch noch leben können. Nein, es ging ihn nicht schlecht. Er war immer voll Mut, und davon blitzten seine großen, tiefbraunen Augen und lachten den Leidenden, der zu ihm geflüchtet kam, an. O, dies Lachen! Ein junges Mädchen gestand ihm nachher, ihr wäre im ersten Augen- blick, als er sie aus dem Warteraum in sein Sprechzimmer rief, schon geholfen gewesen. Und das hätte einfach sein Lachen getan. Denn da hätte sie wieder an«ine helle leichte fröhliche Welt geglaubt und darum habe sie auch nicht um den Eingriff gebeten, sondern nur um Rat. Sie war Dienst- Mädchen von Beruf. Ja, sie kamen mit ihren Qualen zu ihm, wie sehr gute Bekannte empfing er sie. Da brauchte sich also niemand zu wundern, wenn dieser Arzt viel beschäftigt war. Seine Arbeit entzog ihn so ziemlich dem Familienleben, und das war für Irene wieder ein Grund, sich zu beklagen. „Wenn du mir helfen walltest", sagte Albert,„wenn wir gemeinsam arbeiten könnten in die diesem Beruf!" „Mich willst du zu deiner Narrheit verleiten?" Sie sagte Narrheit: das verzerrte seinen Mund.—„Du hast andere Pflichten", rief sie,„genug, und die vernachlässigst du alle." Ja. andere Pflichten— Besuche, Repräsentation. Er hatte eigentlich gar nichts dagegen, ihm fehlte nur einfach die Zeit dazu. Er saß am Abend gern in Gesellschaft, aber, um die Wahrheit zu sagen, er saß am liebsten mit den alten Freunden zusammen. In solchen Gesprächen gewann er Klarheit über die Geschehnisse im Leben der Staaten. Mit Irene war solch ein Gespräch unmöglich, und wenn sie einmal das Thema aufnahm, so widersprach sie nur und hing zäh am Allen— so zäh, daß er schwing, um nichts weiter zu hören. Trotz feinem Beispiel begriff er nichts von den neuen Notwendigkeiten der Zeit!— Sie schläft, sagte Albert für sich, sie träumt, ich muß sie vorsichtig wecken. Und da er sie liebte, ermüdete er n'cht? jeden Tag be- gann er neu den Versuch, sie auf seine Seite zu ziehen. Aber nichts als Klagen gab sie zur Antwort? sie fand ihn lacherlich, schämte sich seiner.(Fortsetzung folgt.) Oer Lleberfall in der Llniergrundbahn. Abzahlungsschulden brachten einen auf die schiefe Bahn. Der frühere Angestellte der Untergrundbahn W. und der schlaffer h. hakten gemeinsam mit einem Dritten verabredet. am 20. Oktober d. Z. die Kasse des Untergrund. Bahnhofs Sophie. Charlotte. Platz zu berauben. sich aber nicht überlegt, daß der Kassiererin eine Alarmglwfe zur Verfügung steht. So mußten die drei unverrichteter Dinge das Weite suchen, wurden aber bald darauf ermittelt und festgenommen Nun stehen der 28jährige W. und der Zöjähng? Jh. vor dem Schöffengericht C h a r l o t t s n b u r g, angeklagt wegen versuchten Raubes unter Anwendung von Wosfen und wegen Freiheitsberaubung. Der Hauptangeklogts W. ist Sohn eines Bahnhofsvorstehers, hat ein« bewegte Jugend hinter sich, und war sogar in der Fremdenlegion. Vom Jahre l9M bis 1929 war er als Zugabfertiger bei der Untergrundbahn beschäftigt, heiratete dann, richtete sich eine Wohnung ein und kaufte Möbel auf A b z a h l Ii n g. Die Abzahlung wurde ihm zum Verhängnis. (Lr konnte seinen Schulden nicht nachkommen. Die Firma schrieb an die Verwaltung der U-Bahn. Diese mahnte zwo!» mal und drohte mit Entlassung. Da nahm er im September d. I. seine Papiere und verließ die Stellung. Er war arbeitslos, rrhiclt keine Unter st ützung und verpfändete seine An- ziige Die Dinge wuchsen ihm über den Kopf. Zwei Tage vor der Tot lenzte er in der Münzstraße e!n?n Bayern und einen Thüringer, kennen. Der Boyer machte den Bor- schlag,..ein Ding zu drehen". W. gab die Idee zur Ausplünderung d:r Untergrundbahnkafsc. Am 20. Oktober fuhren alle drei von der JBismarckstraße zum Kaiserdamm. Von hier aus begab man sich .iu Fuß bis zu einem Notcingang der Untergrundbahn Sophie-Ehac» lotte-Plotz, stieg hinein und ging bis zum Mannschoftsraum, m dem sich der Wächter aufhielt. W. und der Bayer banden sich Taschentücher über das Gesicht, drangen dann in den Mannschaftsraum em und druckten den Wächter auf die Bank nieder. Während W. die Schlüssel zu dem Ausgang holte und die Telephonleitung durchschnitt, fesselte und knebelte der Bayer, unterstützt von S). den Wächter. Als sie ihm auch sein« Uhr nehmen wollten, hinderte sie W. daran. Jetzt begaben sich alle drei zum Kossenraum, in dem die Kassiererin die Nacht verbrachte. W. hatte vorher die Glocke von der Zentral« in Bewegung gesetzt. Er klopfte nun an die Tür des Kassenraumes und bat die Kassiererin, ans Telephon zu konimen. Als sie erklärte, baß das nicht ihre Sache sei. klopfte er ein zweites Mol. Jetzt schöpfte sie Verdacht u n h zog die Alarmglocke. W. neinte darauf, die Kassiererin habe etwas gemerkt. Es sei doch nichts mehr zu machen. Alle drei suchten das Wöite. Als W. verhaftet wurde, war er sofort geständig. Er macht« auch in der Verhandlung einen guten Eindruck, ch. leugnete an- fang? dicJTat. Er ist niehr ein armer Teufel als ein Räuber. Der Staatsanwalt beantragt« für jeden der Angeklagten wegen versuchten Raubes in Tateinheit mit Freiheits- beraubung unter.Zubilligung mildernder Umstände 1K Jahre Gefängnis und drei Jahr« Ehrverlust. Das Gericht oerurteilte die Angeklagten unter Anrechnung der Untersuchungshaft zu den vom Staats« mvalt beantragten Strafen. . M'tyßgitä'f}.-:* 5:.. Kinderfchutzgeseh nicht für Ausländer? Die Berüfsgenossenschost der Srtlsten,. die id�tervatronale Är- Ustenloge; die oft die Rötc�ihrest'wirtschäststch schwerst bedrängten Bcrufsaiigehörigen durchzufechten hat. ist augenblicklich mit der Klärung der Frage beschäftigt, wieso es gerade ausländischen A rt i st e n möglich war, eine U m g c h u n g de s Kinderschutz- g c s c g e s z u e r r e i ch e n. Der Fall, um den es sich handelt, ist folgender:'Auf einer großen Berliner Bühne zeigen zurzeit zwei Mädchen im Alter von 7 und 10 Iahren«in« erzentrifch-akrobatifche -ianzdarbietling, trotzdem laut Kinderschutzgejcg§§ 2 und 6 vorn Jahre 1903 Kindern unter 13 Jahren und auch solchen über 13 Jahre, die noch zum Besuch der Volksschule verpflichtet sind, ein« Bcschästi- gung bei öffentlichen theatralischen Vorstellungen oder anderen ö'icnilichen Schaustellungen, insbesondere aber bei artistischen Pro- Auktionen, untersagt ist. Ausnahmen sieht das Gesetz mir dann vor, wen» es sich um eine Vorführung, bei der ein höheres Interesse der Kunst oder Wissenschnft obwaltet, handelt. Fußend auf diese Ge- setzekbestimmungen, wurde seinerzeit einem 12jährigen deutschen ?l r t i st o n. der einen Krastökt zeigen wollte, auf Eingreisen der JAL. das Auftreten im Variete o e r b o t e n' und man drahte sogar dein Vater des. Jungen, der. ein Engagement an einer anderen Stelle abschließen wollte, ihn in eine hohe Geldstrafe zu nehmen. Jetzt, da ausländischen Artisten die Umgehung der gesetz- I'cheii Bestimmungen gelungen ist, Hot die Artfstengewerkschoft ihren deutschen Mitgliedern gegenüber einen ungemein schweren Stand: sie hat einem inländischen Berufsangehörigen durch Unterstützung des Gesetzes einen wirtschaftlichen Schaden zugefügt. Der Eindruck .wird erweckt, als werde Ausländern das gestattet, was den Bürgern des eigenen Landes versagt bleibt Die Varleibuchhandlung Z. f). W. Dietz Rochf., Lindenstr. 2, bat im Dezember falgeirde Geschäftszeit: Jeden Wochentag, auch Sonnabends, durchgehend van 9—19 Uhr, am 15. und 22. De- zeinber von 2—0 Uhr nachmittags. Wegen des sehr starken An- dranges in den letzten l-4 Tagen vor deni Fest ist möglichst umgehender Besuch dringend anzuraten. Ei» seltener herrlicher Genuß: das R o f e- Q u a r t e t t spielte Werke von Mozart und Reger. Mit Befriedigung konstatierte man eine technisch iadellofe Seiidung der schönen Darbietung. Harry Kahn las eigene Prosa und Gedichic, stark empfundene sprachlich sein geformte Schöpsungen.— Mit der Ausfassung, daß Byrds Südpalslug etwas sei,..Wovon man spricht", hatte die Berliner Funkstunde gewiß recht. Sie hatte einen Fachmann des Flugwesens, Dr. Orlovius von der Deutschen Lufthansa, zu einem erläutern- den Vortrag aufgefordert. Wer bei Ankündigung dieses Redners fürchtete, mit einer Fülle flugtechnischer Einzelheiten überschüttet zu werden, wurde aus das angenehmste enttäuschi. Dr. Orlovius behandelte die technischen Möglichkeiten der Erschließung von Polar-- gebieten sür Knlturzwecke überhaupt. Er betonte, daß die letzten 75 Jahre gezeigt hoben, wie wandelbar der Begriff„Unbewohnbare Gsbiete" in bezug aus die Polarregionen ist. Landstrecken, die ursprünglich dafür galten, sind Z- B. heute längst fest besiedelt. In Spitzbergen wird Kohle im Tagbau gefördert: daiiernd ansteigende Mengen von Rentiersleisch werden von dort vor ollem nach Amerika importiert. Welches unmittelbar« wirtschaftiichc Interesse die Am- schiießung neuer Polarländer darstellt, kann erst die Zukunft lehren Orlovius wollt, Byrds Tot aus keinen Fall ol» rein sporstiche Leiswng gewertet hoben. Er vexmisd es aber, in die Diskustion einzutreten, ob Byrd mrn wirklich genrni de»«Südpol überflogen habe.'...... Tes. Tragödie im Ziwalidenhaus. Was trieb eine Mutter mit ihren zwei Kindern in den Tod? Ein« schreckliche Ueberraschung erlebte om Witkwoch nachmittag der kriegsiavalide Karl Oehrmann. ol» er gegen 214 Ahr aus dem Dienst noch Hause kam. Lehrmann, der den linken Arm im Weltkriege eingebüßt hat, ist Amtsgehilfe beim Auswärtigen Ami und bewohnt mit seiner Frau Ida und zwei Kindern im Involidcnhaus in der S ch a r n h o r st st r a ß e 33 zwei Stuben und Küche. Er fand gestern die Stubsntür, die zum Flur führt, ordnungsmäßig verschlossen. Als er von der Stube in die Küche trat, sah er seine Frau und Kinder leblos aus dem Fußboden liegen. Schon aus dem Flur hatte er Gasgeruch bemerkt. Der Mann rief den im.Haufe wohnenden Arzt herbei, der aber nicht mehr helfen konnte. Am Gasherd standen olle drei Hähne offen und die Ringe, die die Feuerlöcher nach Bedarf vergrößern oder verkleinern, waren sämtlich heruntergenommen, ohne daß«in Topf auf dem Brenner stand. Bor dem Kochherd lag die Frau, der 5 Jahre alt« Sohn Eberhard lag dicht hinter der Mutter, während der I Jahre alte Alfred, der wohl mit dem Schautelpferd gespielt hatte, an das Spielzeug gelehnt tot an der Erde saß. Die Lage der Leichen und die anderen Umstände lassen wohl einen Selbstmord oermuten. Im Jnootidenhaus kann man sich nicht denken, was die Frau mit den Kindern in den Tob getrieben haben könnte. Es war be- könnt, daß die Ehe glücklich war und daß es nie Streit und Zank gab. Auch geldliche Sorgen lagen nicht vor. Die Leichen, wurden beschlagnahmt. Mutter mit zwei Kindern vermißt. Seit' Dienstag nachmittag ist die Frau eine? Bureau- angestellten verschwunden, die 27 Jahre alte Anna Wolter, geb. Schlobohm aus der Känigstraße 37 zu Potsdam. Während der Ehemann noch auf feiner Arbeitsstelle war, verließ die Frau in Begleitung ihrer beiden Kinder, eines 414 Jahre alten Knaben und eines 214 Jahre alten Mädchens das Haus und kam nicht zurück. Bei der Heimkehr am Abend fand der Mann einen Brief, in dem die Frau mitteilt, daß sie sich mit ihren Kindern das Leben nehmen wolle. Frau Wolter ist nerven- leidend. Sie war von mtttelgroßer. ziemlich starker Figur, hotte dunklen Bubikopf und auffallende Plattfüße. Die Kriminalpolizei in Potsdam oder die Bernnßtenzentrole im Berliner Polizei- Präsidium erbittet Mitteilung. Ooppelselbstmord zweier Feuerwehrleute. Magdeburg. 4. Dezember. Die Feuerwehrleute Arning und Meyer wurden in der Wohnung Meyers mit schweren Schuhverlehungea aufgefunden. Arning war bereits tot, während Meyer mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht wurde. Die Feuerwehrleute sollen be- schlössen haben, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden, da sie beide mit ihren Frauen in sehr unglücklicher Ehe lebten. Selbstmord eines Richters. Breslau, 4. Dezember. Der 52jährige Amtsgerichtsrot Joseph Bartsch in Neumarkt hat gestern seinem Leben ein End« gemacht. Bartsch war seit November 1925 in Neumarkt tötig, zuletzt als Aufsichtsrichter. Furcht vor dauerndem Siechtum scheint der Anlaß zu dem Selbst» mord gewesen zu sein. Das Urteil gegen die Kindestöterin. Das Landgericht II. oerurteilte gestern die wegen Kmbestötung augeklagt« Elija-beth S. zu a ch t Monaten Gefängnis unter Anrechnung von 414 Monaten Untersuchungshaft. Der Haftbefehl wurde aufgehoben, auf den Rest der Straf« Bewährungs- frist zugebilligt.— In der sonst sehr verständigen Ur- teilsbegründung sprach der Dorsitzende u. a. von der .Leichtfertigkeit" der Angeklagten. Das mit der Leichtfertigkeit ist so «ine Sache. Trifft die arme Landorbeiterin der Vorwurf der Leicht- fertigkeit, wenn der Mann hinterher nichts von den gezeugten Kindern und deren Mutter wissen will? Di« Gerichtsoerhandlung gegen Elisabeth S. hat auch ein» aktuell« Frage ausgeworfen: Geschieht bei der Entlastung unehelicher Mütter nach k«in Wochenbett alles, um ihnen den schweren Weg durchs weiter« Leben zu«r- leichtern? Das soll kein Vorwurf gegen die Fürsorgeschwcster in der Brandenburger Frauenklinik fein. Unmöglich zu verlangen, daß eine jede von den 47 Frauen, mit denen die Schwester am Entlastunzstage der Elisabeth S. zu sprechen hatte, die individuelle Behandlung erfahren konnte, derer sie bedurft«.„Wenn ich die 25 Pf. zur Fahrkarte gehobt hätte," sagt sie gestern,„ich wäre mit dem Kind zu meiner Wirtin gefahren." Xreismitgliellek- Versammlungen mit in Tegssordnung! „vis Sozialdemokratie im Kampf mit ihren Gegnern." Heute. Tonnerstag, 5- Dezember: S.»reis Tiergarten. 1914 Uhr in de» ArminiushaLen. Bremer Str. 73. Referent: Georg Maderholz, M. d. L. 3. kireis Wedding. 1914 Ahr in der Hochschuibrauerei, Seestr.. Eck« Amrumer Str. Referent: Franz Künstler. M. d. R. 7. Kreiei Charlottendurg. 1914 Uhr. Edenpolast. Kaiser- Fkiedrich-Str. 24. Referent: Max Heydemann. 9. Kreis Wilmersdorf. 1914 Uhr im Viktoriagorten. Wilhelmsaue 114/15. Referent: Ernst Heilmann, M. d. L. 1.5. Kreis Treptow. 1914 Uhr im Lokal„Einsiedter", Johannis- thol, Sterndamm. Referent: Dr. Kurt Lowenstein, M. d. R. 17. Kreis Lichtenberg. 19>» Uhr im Cäeilien-Lyzeum, Rat- hausstr. Referent: Richard Krille, Stodwerordneter. 19. Kreis Pankow. 1914 Uhr in Lindners Konzcrthaus, am Marktplatz. Referent: Johannes Haß, Stadtverordneter. Morgen, Freitag, 6. Dezember. 1. Kreis Mitte. 19)4 Uhr im Hackefchen Hof, Rosentholer Straße 40/41. Referent: Hermann Harnisch. M. d. L. Auch ein Lehrer. Ist der Mann am rechten platz? Aus dem Treptower Realgymnasium erfahren wir, daß dort ein T u r n l c h r« r E b e r t es für zuläffig hält, Schüler in beschimpfenden Worten zurechtzuweisen. Verwerflich wäre dos schon, wenn er die Kleinen und Kleinsten so behandelte. Er tut es aber in der Sekunda, deren Schüler er vorschriftsmäßig mit„S:«" anreden muß. Verwunderlich ist, daß die fünfzehn- und sechzehnjährigen Schüler sich das noch so ruhig gefallen lassen. Er schreckt nicht zurück vor dem Gebrauch der Schimpfwörter„I d i o t",-„H a m m e l" und „Rind". Er l)ot Schüler, die er rügen- zu müssen glaubte, mst einem„Affen a'm Schleisstein", einem„Schwein am Trog" verglichen. Ist dieser Mann om rechten Platz? Der Jugend- erziehcr soll Vorbild sein. Man wird fragen dürfen, ob bei solchem Verholten ein Lehrer das sein kann. Wir begreifen, daß da das Vertrauen der Schüler zu ihrem Lehrer schwinden muß. Gelegent- lich kommt das deutlich zum Ausdruck. Herr Ebert liebt es, seine Schüler nach Schluß der Turnstunde beim Wegtreten ein„Gut Heil!" rufen zu lasten. Manche tun das widerwillig, weil sie annehmen. daß Herr Ebert mit diesem Ruf(der schon im Mittelalter bei den Minnesängern vorkam und in Turnerkreisen seit 1840 üblich wurde) eine„deutschvölkische" Gesinnung verbindet. Daß sie ihn nicht falsch beurteilt hatten, zeigte er selber, als sie in den Ruf nicht nach Wunzch einstimmten. Er schalt:„Da erkennt man ja wieder die Gesinnung der Klasse. Sie sind gar keine Deutschen!" Herr Ebert sollt« über- legen, ob es das Kennzeichen eines deutschen Lehrers ist, seine Schüler zu beschimpfen. Vielleicht wird die ihm vorgesetzte Behörde ihn einmal sehr nachdrücklich darüber belehren müssen. Tcala vor Weihnachten. Im Dezemberprogramm der Scalo sprüht es weihnachtlich bunt, man hat den Gnindton auf das Heitere gestimmt. Bolls und Bally mit ihrem kleinen Terrier leiten mi' einem neuen Balance• oft dos Ganze freundlich ein. Mit Diel.zentnerkugeln operiert der � starke Mann Achilles, spielend klatschen die schweren Riesen-' kugeln wie Gummibälle auf seinen Nacken. Mit neuem Repertoire zeigt sich das Matray-Ballett auch wieder in der Scalo, stil-, und geschmackvoll und mit gutem Verstehen sür Publikumswirkung .zurechtgemachr. ohne reißerisch zu wirken. Darunter sehr hübsch die Brautschaupolka, russisch frisiert mit einem lustigen, durch Be- leuchtungsesfekte erzielten Widerschein auf dunftem Hintergrund. Die Brei er-Truppe, Scksteucherbrett-Akrobaten, läßt mft einer' dreifachen Salto den Kleinsten der Truppe durch die Luft schießen, j und Kafka, Stanley und May zeigen am schwingenden Trapez die kühnsten und waghalsigsten Sachen. Fangsicher jonglieren die Spanier Charles Perezoss u. Co. mit Tellern. Flaschen usw.. und die exzentrischen zwei Calig.arts wissen zu wirken) ihre Zettlupenbewegungen sind in dieser Dollendung nicht oft gesehen worden. Di« schon oft gespielte klein« Revue:„Ein Abend in einem amerikanischen Tingei-Tangel" oerfehlte auch diesmal ihre Wirkung nicht. Raummot in Rei«ilke«d»rfer Elch«!«». Berlin wächst und entwickelt sich in einer Wels«, die es oft un- möglich macht, die kulturellen Bedürfnisse der wachsenden Bevölkc- rung sofort zu befriedigen. Das macist sich besonder» bei dem Reu- bau von Schulen bemerkbar. Soviel auch von der Stadt gc- baut wird und so viel« neue Schulen wir auch in den letzten IoHrcu erhalten haben, ist doch in einigen Bezirken ein gewisser Mang'l an Schulräumen zu spüren. In Reinickendorf z. B. liegen die Verhältnisse besonders ungünstig. Seit Iahren bereits sind das Lyzeum und die e r st e G« m« i n d e s ch u l e in einem Gebäude untergebracht. Di« zur Verfügung stehenden Räume waren schon immer ungenügend, ober in letzter Zeit ist die Raumnot geradezu«ine Gefahr sür die llnterrichtserteilung geworden. Es fehlt nicht nur an Spezialunterrichtsräumen. Turnhallen usw., es mußten auch sogenannte„fliegende Klassen eingerichtet werden. Der geordnete Schulbetrieb wird dadurch natürlich sehr erschwert. Mit diesen Schulnöten befaßt« sich eine gemeinsame Eltern- Versammlung der ersten Gemeindeschule und des Lyzeums, die nach Ansprache einiger Vertreter der Elternrät« und der beiden Rektoren eine Entschließung faßte, in der auf die Mißstände hin- gewiesen und die Durchführung des lange geplanten«chulneubous gefordert wird. Der Bezirk Reinickendorf Hot in den letzten Jahren einen großen Bevölkerungszuwachs zu verzeichnen: Ss ist durchaus u wünschen, daß von den maßgebenden Stellen den berechtigten "ovderungen der Elternschaft Rechnung getragen wird. 8 Der Selbstmörder au« der Zcigerstraße. der noch einem erfolg- losen Raubve.rsuch in dem Bankgeschäft von Lißner die Waffe gegen sich selb st richtete, ist jetzt festgestellt als ei« 22 Jahre alter aus Württemberg gebürtiger Alois Donderer. Er war vor einigen Monaten noch Berlin gekommen und wohnte eine Zeitlang als Untermieter in der Rittcrstraße. Seine Beschäftigung als Fensterputzer verlor er bald wieder und konnte mm schon geraume Zeit keine Miete mehr bezahlen. Auch sonst hatte er kein Geld. Der Rauboersuch in der Jägerstraße war offenbar. seine letzte Hoffnung, auf diese Weife zu.Geldmitteln zu kommen. kirchenmmlrittsabend. Am 31. März ist das Kirchensteuerjahr zu Ende. Wer für dos kommend« Jahr der Zohlungspsticht ein- hoben sein will, muß seinen Airchenaustritt bis 31. D c- zember d. I. angemeldet haben. Um ollen denen, die das aüz Tage nicht können, die Möglichkeit des Airchenaustrills zu geben. veranstaltet die Freireligiöse Gemeinde Berlin om Freitag, dem 6. Dezember, von 18 bis 1914 Uhr, in der Pappelollcc 15, einen K> r ch c n a u s t r i t t s a b e n d. Gebühr 2 M. Legitimation ist mitzubringen. V SoziaWscheArbeiterjugendGr.-Verlin Einsendungen fflr diese Rubrtt nur an das Zußendse?ret«riat Äerttn SD 68.nm»rtfccr Str. 27-30.-«tit>. Seim£inl»rftT. 4.-«chö-cixr, ilt; Krim fcuimtftr. 15.- Orenlc«. tniEA't Schult Äöpsntrfn Str. 120:»Bub mvb Mädrl",— Zl.rd«»: Krim Lorkina- Eckt Sraunstralit:»Di« Tuk>«t<>ill>l«".—(Mliploft I: Schul« Scinnru- bura«r scr. 20: und Zitriaian".— II: Stirn Dan,intr stt«»« 82.-.IVr Ärien in Orr Literatur".—«ilmtrrtors: Seim Wichtlu»»' oue ULI: iO-R 1 nutrn-Rtfrratt W-r.Taacsvolttlk".— Dahlem R. gl. nyk jehlcnboef: Sc im in gehtensarl. Votstxrmcr Str 5—7:.Warum S-ilg..«»»» ■SoliiifnftT. 4: Arttitaatmeinschalt.-- Bittenau: .ÄlJ. uns«elckiiÄattiiff.— XenUSn l; z-est. - Vestead: Seim Stofiacnftr. 4: itrheitaaemeinschait.-- Witt S-iM foffnftil»« Str. IS:.Viltz. uns Reichsbanner-'.-~— chmkt 1« Uhr Reulervlah. VreaUauer Vn«: beute Sur*»" i« her tose Douitee "rn l'M bi. Z? Uhr. CSDtentoa« DnrmrVnV Mchrv V erbeb«» r? ReakZtln: Artacmeine gunktioniirtihuna im Zbemar...Hungto�iosfstische»wd- HAI.<5i tumot« iH Pflicht. %rm. ftjnnet Start«. EiFchctii»« aller Donnerstag 5. Dezember 1929 Unterhaltung und �Wissen Beilage des Vorwärts HVaUer Appell: ,/hiS SftCiljßtl Postgeheimnis. St«, Herr Boftrohd, kommst mal rein, Sie kenntn mir mal enn großen Gefolln duhn. — Was dn? Ich habb enn Brief zu schreim. — Das geht doch mich nischt an. Was heeßt denn: Das geht mich nischt an? Sinns« nr nich so ungefällig! Sommfe nr erscht mal rein, ich habb Ihn' nämlich ooch enn Schnobs eingeschenkt. Den wernse mir doch nich abschlagen— Ra prost! Drinken s'n nr aus, ich gebb Ihn' noch een. Se sinn doch ooch off zwe« Veen hergekomm. Se kenn ooch noch een kriegen nachher. Wissense, unsereens hadd doch so selten mal was zu schreim, da is mr fr jeden guhden Rahd dankbar, den mr krich'. Un Ei« Hamm doch sofiel mit Briefen zu duhn. — Was wolln Sie'n da drmit sagen? Sie wissen wohl garnich. daß mier ä sogenannde? Bostgeheimnis Hamm? Ach, deswegen! Wenn ichs Ihn'n sag,, um was fichs Hände t, un Sie dähden mir filleicht sagen, wie'ch da ungefähr schreiin kemtt-, das hado doch nischt mit Ihrn Bostgeheimnis zu duhn. Mee�s.' nich ooch?........... — Ich weeß nich. Eegentlich, also richt'g in dr Ordnung i» das nich. Ich habb mein Dienst zu duhn, un alles andre geht nnch nischt an. Das is Drdraunsbvuch.. Da mach ich mich schtrafbar. Awr ich weeß schon, so i» das mit denn Buhblikum. Die Hamm ahm keen, Ahnung von unfern Dienstforschriften. Drjnken se nr aus! Alle? guhden Dinge sinn drei«. Da is noch fiel drinn«, in der Flasche, de Haubtsache is, daß mier mit denn Brief«enig wern. Mit Ihrn Forschriften, das werd nich so schlimm sinn. — Das is noch fiel schlimmer. Da gibbts in keen andern Beruf was, was so schdreng gehandhabbt werd wie dos mit unfern Boft- geheimnis. Weil das Bostgeheimnis so, zusagen de Grundlage is fon iiistern ganfen Falkskarakter. Nemmfe zum Bcischbiel mal an, jetz schreibt Ihn' cener.... Das kennse doch andermal erzohln. Horchense nr wenigstens mal droff: Das handelt sich nämlich um mein Schwager. — Ja. ich weeß, in Naumburg. Ja, in Naumburg. Woher wissen Sie'n dos? — Ach, das habb ich bloß so vrmuhded. Dr Mensch hadd doch manchmal son« Ahnung. Was dachten dn Sie? N— nischt. Ich kann doch fragen. Also— mit denn Brief. Wie keimtch'n da schreim, Der will sich ä Grundschtück koofen. Iln da mechstr gerne misten, wie ich da driewer denk. Das Gnmd- schtück i? drei Scheffel groß.... — Ich denk, fimf«? Wartense mal, ja richt'g, fimf«. Woher Sie dos bloß misten? Also da schdauhn ich förmlich.. — Da gibb» doch nischt zu schdauhn. Fimf« is doch fon« sche.'Ne runde Zahl.■■■:,■ Awr fimf'Scheffel, in, blaß Wald droff, issn dos ö Geschäft? — Ich denk,'s fließt ooch ä Bach durch, mit Forelln? He, offen gesagt, jetz werd mir'sch bald Angst for Ihn'. Hamm mier cdma säian mal da driewer geschbrochen? — Nee. Warum dn? Nu bloß so. Also das Grundschstik soll kosten, wardense mal, daß'ch Ihn' nischt Folsäies jag.'S n>,r so ungefähr..., na. wo habb ich den» dos...? — Meen Si? die Karte? Ja, wo der mir das schrieb.. — Da brauchenfe nich crschi zu suchen. 1500 Mark soll das Grundschlick kostcu, un dadrfon soll Ihr Schwager de Hälfte bar bezahln, un das andre fall fr de Bacht von denn Forelln gerecheut mern. Off zehn Jahre. Wifenlc dos genau, — Da kennst; sich off mich frlasse»! Was solche Sachen sinn.. 'Also da sthteh ich for enn Rädsel. Woher Sic das bloß olles wissen....?. — Nu, zrbrechen se sich nr nich lange dn Kabb! Ich' habb nich sasiel Zeid, unn ich habb mir die Sache ooch schon reislich iewrlegt. Schreimse, zu de! er mär dos an sich nich, sufsznhunderi Mark, awr mit der Bqcht fr die Forelln, da wärn zehn Jahre zu lange. Fimkn- sibbz'g Mark's Jähr!s fiel zu wenig. Wo der for'gcs Jahr all«en« drei Zentner gefang hadd. Gelpfäch mit einem Kanarienvogel. Nu, mei Mätzl? Was is denn, nie! Motzl? Was hadd de»" msi Mätzl? Dieb? Bieb hadd mei Mätzl? Ae. wer werd denn eegol Bicb sagen? Sing cmol, mach, du mr mal den Gefolln: trililiriri... ä, mach nr! Du kannst doch noch fiel scheener wie ich. Awr Mätzl, habb nr nicht solche Angst, s duht dr doch niemand was. Duhd dir jemand wo-, mei Mätzi? Ja, merklich, dir duht jemand was? Du armes Mätzl, wer duht dn dir was? Sag mrsch mal, daß'ch'n dicht'g ausschimpfen kann... Was? DrBieb? Dr Lieb duht mein Mätzl was? Nu so ein alder gnrschtcher»ieb! Awr denn wolln miersch beweisen, was, mei Mätzl.--- denn gucken mier iewrhaubt nich mehr an. Un denn sinn mier nich mehr guhd. Garnich mehr guhd, kee bisscl guhd. Nowr Mei Mätzl? Awr mir bist« noch guhd? Nowr. mei Mätzl, mir bist« noch guhd? A«, mach nr, Mätzl. sags nr. daß de mir noch guhd bist! Bieb? Awr Mätzl, dos kann doch gar»ich nxeglich sinn. Bieb? Merklich, dn Bieb biftc ooch noch guhd? Wo der dich immer so ärg«rf, wo der dir was duhn will? Nee. mei Mätzl, denn war ich»ich mehr guhd an beiner Schtelle. Awr ich weeeh schon, mei Mätzl, das is ahm de, aldes guhdes Herz, awr dos i» ä Fehler, mei Mätzl. dos nutzen de Menschen bloß aus. Oruoh,'s iß wahr. Da b rauchst e dich gar »ich gtei so offzebluhstern. als obbs nich wahr war! Siehste, nu haste ne Feder jrlorn, das hast« m, drfon. Un ooch noch sane fcheene! Ward, die heb ich mir off, da habb ich nachher ö Andenke», wenn mei Mätzl mal gefchtorm is. Oder weestc was, mei Mätzl, du fchterbst iewrhaubt»ich! Du bleibst eegol bei mir! Fuffz'g Jahre, oder wielonge. Nowr. dos machen mr? Machen mr dos, «ei Mätzl, duhste fufiz'g Jahre bei mir bleim? Bieb? Bieb? Ja, Heer ich denn richd'ch? Bein Bieb willst« bleim, bei den aide» «arschtqen Bieb. fuffz'g Jahr«, wo der dir was duht? Awr Mätzl... ja, ich weeß schon, da? i? anschtend'g fa» dir, du willst»ich Weeses mi,- Beesen fr gelt««, awr gloobstes, du iewrdreibst dein« �' at'gk««t! Davkjte da«» Meecht. der» Biob i�'s jchee«? Ae, woher denn. So guhd wie bei mir Haftes iewrhaubt närgends, das werschte awr einende erscht einsehn, wenns zu schbät is. B.iß nr � off, mci Mätzl, dann bereistes, daß de bei» Bieb gewollt hast. Denn kenn ich bester wie du. Bei denn erläbste weider nischt wie End- deischung, d« werscht mrsch wiedersagen. Da kannste heechstens noch lierzkrank wer» von d«nn Enddeischung', die d« dein Bieb erlöbst. Dos kann een doch richd'g dauern... Also de willst nich bei mir bleim? Gans beschtimmt nich, mei Mätzl? Hast drfch genau iewrlegt? Mätzl!... Kommst« schon wieder mit dein dämlichen Bieb?! Nu rutsch mr'n Buckel exunder! Denkste denn, de kannst mich hier f'räbbeln? Bieb, Bieb, nischt wie Bieb! Wen meenste denn iewrhaubt da drmit? S iß doch eefoch nich zum Sogen: so ä klcener Fogel und so dicknischlich! Ein sozusagen ernstes Gespräch. Sie machen awr bedebberte Gestchder. Ihn' is wohl n« Katze iewrn Wach geloofen, wofe zun Bahnhok ging'»? — Nee. Awr mier komm fon Begräbnis. Ach so. Unn da Hamms« wohl nischt geerbt? Ja, mit den Zeich, da lammer midunder lausch neinfliegen. Ich weeß, wo unser Onkel schdarb, das war sorn Krieche, da isses uns genau so gcgang. Also's is nich, daß mr driewr reden will, awr anschdänd'ch gehandelt war das»ich. Wo mier die Nachricht kriegten, was di» Drai'.erbodfchoft war, da Hamm mier uns nun alle gefreit, unn '"mm eine gulv Laune gehabbt, unn wo mier alle zufammkam' bei der Bserdjung, da Hamm mier nr so geschrahlt iewrs gonss Gesicht Glomse, mier Hamm kee Word geheert, was der Baster gesagt hat, mier l>amm bloß«egal gedacht: fimfe simmer(sind wir), dreiß'gdausend hotr gehabbt, unn das Haus extra, unn da Hamm »iier nu gerecheM unn Hamm uns alles Meeglich« forgenomm,-- heechstens, haß mier mal nach unfern Onkel seiner Werdschasteni geguckt Hamm, weil die so scheinheilig grinßen daht,... nu ja! se haddes ja ooch guhd gehabbt bei'», awr so ä Deahter brauchte se drwegen nich osfzufiehrn. Also korz unn guhd. unn nachher sinn inier in das Drauerhaus, unn Hamm doch mid einer Begeisterung fon unfern guhden Onkel geredt, unn Hamms garnich erwarten kenn, bis das Destament offgemacht wurde. Mier Hamm doch richt'g geziddert for Fr»de,-- ja, un heernse nr, mos nachher soweid war, da schdellt sichs raus, daß mier alle midnander keen Feng krichten. Hadd« der doch weiß Godd ofin Eterwebedde noch das Rungunkel geheiratet, die Wendschaftern! Unn kee Mensch wußte was drfon. Na, dos kennse sich filleicht vorfchdelln, wies uns zu- muhde war. Wemmier das forher gewußt hädden, da wärn mier doch iewrhaubd nich zu der Beerdstmg gefahrn. Nichmal's Fahr- geld hammier wiedergekricht. Sehnfe, s geht nicht bloß ihn' oll een« so. Treeftens« sich mit mir! Das Hof doch garnifcht mit uns zu duhn. Bei uns war dos doch ganz anderfch....... Ja, da kenn ich ooch enn Fall. Fielleicht warsch so bei ihn' Das Hot mir ä Bekonnder erzählt. Da sinnfe ooch zu enner Be- -rdjung gefahrn, unn was die Dohd« war. dos war enn« Dande van denn, ö älteres Freilein, die hat off«emal zwe« Kinder gehabbt, unn die Hots« in ihrn letzte» Will» ihrn Erm(Erben) ans Herz gelegt. Nu, was blieb den weider icwrig, erbochen konntens« doch die Wärgeln nich, das hesst, s warn schon ziemlich große Wärgeln, ... unn da homse jich ahm driewr erbarmt. Die Hamm nadier- lich ooch ungefähr solche Gesichder gemacht, wose heemfvhrn, unn s« warn off«mal ä baar mehr geworden. — Awr heerin« doch endlich oif! Das fällt een doch off de Nerfen. In unfrer Schdimmung. Mier brauchen Ruhe. Ha, jetzt vrjchteh ich: Sie hamni'n Kahder. Das kanntonfe doch glei jagen. Awr wiffenfe, da kennt ich ihn' erscht Sachen erzähl». Mr häldv manchmal nich fr meglich memmer bedenkt, bei solchen Anlösten! Da is zum Beifchbiel bei uns mal eens gefchdarm, unn da sinn mr noch alle zum Begräbnis gekomm, unn s halw« Dorf noch drzu. Unn da Hamm die doch gedacht:'s beste werds«wende sinn, mier schlachten ä Schwein, daß mrsch« all« sadd kriechen. Na. unn das wistenfe ja jelwer, zu denn fettjen Sihweinefleifch da ge- heert o richtgcr Harter, Schdeinhäger oder sowas. Unn da Hamm die sich ooch nich luinbeii lasten drmit. Also was mr fr Bilder ge- sehn hat, inr solides nich glonm, an antern Märchen nach. Die kam doch iewrhaubt nicht mehr gewußt, warum se eegentlich zu- sammgelomm warn. Nu,.- Sic wissen ja Bescheeß— so ähnlich scheinds ja bei ihn' ooch gemes-n zu sinn. Awr de Hauptsache is, daß's fcheen war. nowr? — Sie sinn ä ganz unfrschämter Bodrohn! Wenns« jetzt nich wford schdille sinn, da zieh» mier de Nodbremse. Dos is dach nich mehr ouszehalden mit ihn', wie Sie een hier in unfern Schmerz mit ihrn Gemeenheeden bcläft'gen. Anschdadd dasse bissel Rücksicht nemm____ Nu heernse bloß off! Wenns ihn' nich batzt. hold ich ahm meine Gusche. Awr dos«ne muß'ch drwegen noch sogen: das scheind ja ä komisches bissel Begräbnis gewesen zu sinn— Sachsen besoffen. ... Unn so wollen mier denn beschließen, diesen unfern Mitbürger, der aus Schtein is unn den die Locken um die Sterne wallen unn der deswegen Wallenschtein heeßt, forausgesetzt, daß es nich Rabohleon is oder Mardin Lndder. so wallen mier denn unser» liewen Mitberger dafor, daß er die Hand aueschtreckt un mier also j innrer wissen, wo der Weg zum Leewcn geht, wenn mier aus dem Schwan hinausgeschmissen worden sinn, so wollen mier denn dies-:» Wallenschtein, welcher auch Nabohleon sein kann oder... — Herrgodd, was willst« denn nu eegentlich? -- In Leem wolln mier gehn, un keene Forträge anheern! Ruhe!' Disziblihn! Wer is hier dr Forfchtand in unfern Kegel- klub? Ich oder ihr, ihr Affen? Un so wolle» mier denn, weil an dein Denkmal unden dran lauder Kegelgugeln liegen, wo sie uns in der Schule allerdings hoben erzählen wollen, es wären Kanonen- kugeln, un mier in unserer kindlichen Unschuld haben es leid-r auch geglaubt.... —.He! Ich bin Leher. Iewrleg dr. wo? de jagst, sonst wähl ich dich nich wieder! Also wollen mier diesen Wallenschtein, welcher auch Mard-in Leid der.... —— Bfeader Hund! Morden gWtzdei mit Kanankugeln, wie schtellst dn du dir da» jor? Das vrschteht ihr nich. wie ich mir das forschtell. Das vrschtehn bloß Forschtände! Awr wenn ihr mich setz nich ausreden laßt, da kennt ihr eirer Wege gehn! — Un du, mein Schatz, bleibst hier? Jawohl, un ich scksteiche hinaus, un mier beiden, das Denkmal ini ich, mier sinn dann Rohmeo un Julia, oder Kabale un Lieme... — Mach bissel fix, alder Kwatschkobb, sonst lassen se uns nich mehr nein! Also wollen mier fix diesen Romeo oder diesen Kabale... -- Haste Kannibale gesagt? Da dicht ich nich noffkleddein an deiner Schdelle. Da liegt filleicht morgen srieh bloß dei Foll- bart unten un lauder abgeknaubeld« Knochen Ich will doch garnich nofstleddern. Ich will den doch bloß.. — In Leem wolln mier gehn oder bist« noch nich genug ab- gekiehlt? Also jetz schtell ich fest, daß mir der Wallnschdein offn Kobb ge- schbuckt had! — Das kann doch ooch ä Fogel gewesen sinn. Zum Beischb'cl en« Eile! Nu, jedenfalls warsch naß. Un das boßt mir nich. Dos laß ich mir nich gefall»!!! Das habb ich nämlich inch neet'g. Gehl'r mit in Leem? Also, frisch auf. Kameraden, weckt mal die. die drweil« an den Schdufen«ingeschlafen sinn. Morsch, marsch, in Leem! Ob der Dingrich da ohm nu bei uns Ehrnmitglied is oder nich. Einschdand hätte das labb'che Luder doch sowieso keen gezähm. — Warum host'n uns nu eegentlich solange hier ofsgehalden? Weil mein« Aide noch Licht hadde.- Denkt ihr denn filleicht, die hädde mich nich noffgeholt, wenn die was gemerkt hädd«, daß mier noch in Leem gehn? ZvaSSroido*:„�VcUwlßUCtllßH" Dieses Buch enthält Aufzeichnungen und Erinnerungen einer russischen Soziolistin und ist im Bücher kreis(Berlin) erschienen. Eva Broido wurde in den letzten Jahren auch in Deutschland bekannt durch jene Verfolgungen, die ihr die russische bolschewistische Regierung zuteil werden ließ und die sie zwangen, jahrelang die russische.Heimat zu meiden. Endlich heimgekehrt, wurde sie ihrer Freiheit beraubt. Augenblicklich sitzt fix in einem der zahllosen Gefängnisse des freien, bolschewistischen Regimes. Das Leben dieser Frau rollt sich wie ein Film aufopfernder Arbeit und Hingabe an «ine Idee. In einem kleinen litauischen Iudendörschen oerlebt« sie ihre Kindheit. Eine Mauer der Gleichgültigkeit umgab diesen entlegenen Erdwinkel und von den draußen erwachenden, wachsenden Ge- danken, Vorlänsern einer neuen, veränderten Zeit, drangen wenige dorthin. Der Zufall griff in da? Leben der Eltern«in. so daß die Kleine in die Kreisstadt zur Schule geschickt wurde— nicht in dt« richtige, sondern in die jüdisch« Elementarschule, die sogenamü«„Eheider", d« sich im Hose der Synagoge befand. E» war«ine verlauste, lärmend« und deprimierende Umgebung und hier empfing da» Mädchen die ersten Eindrücke vom Leben. Sie wollte au« dieser Eng« heraus und begann mit eisernem Fleiß zu arbeiten. Ohne leglich« Unterstützung von Hause brachte sie sich aus eigener Kraft fort und wurde nach langwierigen Studien Pramsorgehilsin in einer Apotheke. Unter den Studenten gab es damals viele Sozialisten, und hier macht« sie zum ersten Male Bekanntschaft mit jenen Ideen, die später bestimmend für ihr Leben wurden. Mit Feuereifer gab. sie sich der Parteiarbeit hin, agitierte, konspirierte, gelangte im Jahre 1901 zum ersten Mole in das Petersburger Untersuchungsgefängnis und wurde wegen Vor- breitung revolutionärer Flugschriften nach Sibirien verbannt. Sie ist schon verheiratet und reist in Begleitung von zwei kleinen Kindern. Es folgt die Qual mehrjähriger Verbannung, dann flieht, sie, besucht das Ausland, Berlin, Wien und London, und kehrt schließlich zur Parteiarbeit nach Baku zurück, wo sie unter den Parteiorganisatoren eine Hauptrolle spielt. Sie gehört Zeitlebens der„inenschewistischen" Richtung an. deren Parteiongehörige mit der„bolschewistischen" Richtung, die schließlich in Rußland zum Siege gelangt«, in einem Widerspruch standen, der sich im Lauf« der Jahre ständig verschärfte. Schlicht und einfach erzählt diese Frau ihr Leben, das von erschütternden Kämpfen, Entbehrungen und Ereignissen höchster Dramatik durchsetzt ist. Sic ist keine Dichterin, und die Schilde- rungcn, die in diesem Buche gegeben sind, erreichen selten zwingende Kraft der Gestaltung. Es sind auch Längen da, die ermüden und als nicht unumgänglich nötig gestrichen werden sollten. Aber hinter den Zeilen, hinter der«insochen, geraden Ausdruckssorm des Er- zählten wird unmerklich di« schlichte, etwas gebeugte Gestalt(so stelle ich mir sie vor) einer Frau sichtbor, die ihr Leben geopjen hat für den Sieg einer Sache, deren Opfer schließlich sie selbst geworden ist. Die rnenschewistische Richtung konnte gegenüber der bolschewistischen in Rußland nicht durchdringen. Und das olles erzählt sie mit einem selbstverständlichen, leb- haften Klang, wie jemand, der das Große und Schwere gern getan hat und morgen bereit wäre, von neucm zu beginnen. Und das Besondere an diesem Buche ist, daß alles Persönliche in den Hintergrund tritt, und die Verfasserin, eine Frau, es über sich gebracht hat, von diesen Ereignissen, die sich fern von uns, fast ohne Möglichkeit einer Kontrolle abgespielt haben, so zu berichten wie ei» einfacher Chronist, Wie ein Schreiber, der so lange über den Tisch gebeugt dagesessen hat, bis er gar nicht mehr weiß wie sein eigenes Antlitz aussielst, wie ein. gemeiner Soldat, der nicht General sein will. Das Buch soll den deutschen Arbeitern zeigen, wie in den letzten Jahrzehnten in Rußland für die Idee des Sozialismus gekämpft worden ist..Alexander von Saclier-Masocii. Die wasserreichsten.Flüsse der Erde sind der Kongo mit 1900 Kiibikkilomeier Wasserzusuhr und der?llnaznnenstrn:n, dessen jähr- l'che Wasserzufuhr zwischen 2200 und 3300 Kubikkilometer ichwankt. Die tiessten Schächte der well sind die Goldgrube Morro Belho in Brasilien(2100 Meter), der Annoschacht Pribrmn in Böhmen (1311 Meter), die„Zeche Westfalen" in Ahlen(1058 Meter) und der Schacht.Lasser Wilhelm" in Clausthal(940 Metes).. Da« erste Panzerschiff wurde van den Koreanern gelwut. Der Koreaner LI Sun-Sin soll sein Schöpser sein. Mit Hilfe ihrer Panzerschiffe ist c den Koreanern im Jahre 1599 gelungen, die Japaner entscheidend zu schlagen. Lufsijchc Zeftungen. Di« Gesomtausiage der Zeitungen in Stich. . S3|aM0 1913 Llnd weiter Beratungsstelle? Äerstä'rkie GelbstkoniroNe der deutschen Städte., Di« Vorstände des Deutschen und des Preußischen Siädtetcgez haben am 2. und 3. Dezember in Berlin getagt und wichtige Beschlüsse zur Frage t«r kommunalen Anleihen und zur Kontrolle der kommunalen Wirtschaft g«soßt. In einem Koin- muniqut des Stodtetagcs wird mitgeteilt, daß die vor kurzem ein- geleitete Aktion zur Konsolidierung des Kommunal- kredits erfolgreich fortschreitet. Die Mitwirkung der kl«inerei? Städte, der Landkreise und d«r Sparkassen sei sichergestellt. Zu dem ernsten und neuerdings durch die Stellungnahme der Unternchmcrvcrböndc noch dringlicher und ernster gewordenen Problem der Beratungsstelle wurde in aktiver Weste Stellung genommen. Der Deutsche und der Preußische Städtetag begnügen sich nicht mit dem Protest gegen die Fortdauer der auch vom Enqueteausschuß verurteilten Tätigkeit der Beratungsstelle, sondern versuchen durch Schassung von U« b e r- w a ch u n g s a u s s ch ü s s c n bei der Jnanspriichnahine neuer Kredite die jetzt eingeleitete Konsolidierungs. und Sparaktion wirk- sam in der Richtung zu ergänzen, in der die Beratungsstelle bisher tätig war. Es sollen kommunale Krcditausschüsse errichtet werden, und zwar„aus der Initiative und Eigcnocrantwortung der Selbstvarmaltung". Diese' Ausschüsse sollen für die Begutachtung van Schuldscheindarlehcn provinziell gebildet werden; sie sollen vor der Entscheidung der zuständigen Äussichtsorgane die Not- wendigkett dar Kr'editausnahme unter Berücksichtigung der Marktlog« begutachten. Bisher bestand schon die Genehmigungspslicht stoot. licher Stella»; diese Genehmigungspflicht wird durch die Borschaltung solcher kommunaler Kreditausschüsso wirksam unterstützt. Einer besonderen Regelung soll die Begebung von Anleihen und von Schuldscheindarlchen über 5 Millionen Mark unterworfen werden. Inhaberanleihcn, für die in der Regel nur die größeren Städte in Betracht kommen, sowie Schuldscheindorlehen über 5 Millionen Mark sollen bei Kredilausschüssen behandelt werden, dle für Auslandsanleihen beim Deutschen S t ä d t e t a g selbst, für Inlandsanleihen bei dem zuständigen Landesstädtetag eingerichtet werden. Wie wir hören, hat der Deutsche Stödtetng mit dem Reichs- finanzministeriuni auf der Grundlage dieser Beschküss« Berhand- lungen ausgenommen mit dem Ziele, die bis zum Ende dieses Jahre, provisorisch verlängert« Tätigkeit der Beratungsstelle end- gültig abzubauen. Wir haben immer die Auffassung vertreten, daß die Tätigkeit der Beratungsstelle überflüssig ist. Nachdem die Städte bewiesen haben, daß sie zur Selbstkontrolle bereit sind, daß sie die Konsolidierung ihrer kurzfristigen Schulden ernsthaft in Angriff ge- nammen haben, und nachdem die Städte die mit der Konsolidierung der Schulden zwangsläufig verknüpfte Sparaktion noch durch die Errichtung von Kreditausschüssen unterstreichen, die> e d e kurz- und langfristige Schuldausnahme auf ihre Zweckmäßigkeit und Billigkeit zu prüser» hoben, sind auch die bisher vielleicht noch be- stehenden Badenken gegen die weitere Tätigkeit der Beratungsstelle weitgehend ausgerämnt. Es liegt jetzt an den amtlichen Stellen und besonders an der Reichsbank, zu erklären, welchc Garantien den von den Städten angebotenen Grundlogen der Selbstkontrolle und der Selbsteinschränkung noch hinzuzufügen sind. Jedenfalls ist es unmöglich, noch dem heutigen Stand« der Dinge di« Tätigkeit der Beratungsstelle einfach fortdauern zu lassen. Der Deutsche und der Preußische Städtetag hoben auch einen wichtigen Beschluß zur Kontrolle der öffentlichen Unternehmungen gefaßt. In dem Beschluß wird zunächst daraus hingewiesen, daß an« große Zahl von Städten bisher schon ausreichende Einrichtungen zur Durchführung einer Rcchnungs- und Wirtschaftskontrolle ge- schaffen haben. Darüber hinaus forders der Deutsche Stödtetag, daß alle Städte ihre gesamte Verwaltung dauernd einer solchen Revision uiücrziehei». Insbesondere sei die allgemeine Einführung einer lausenden betriebswirtschaftlichen und technisch-wirtschaftlichen Revision der kommunalen Betriebe unerläßlich. Durch Schaffung eigener R?oisionscinrichtungen seien die Städte ge- willt, auch aus diesem Gebiet de» Grundsatz der Selbstoerantwor- tung durchzuführen. Plan und Aufbau dieser Revisionseinrichtungcn unterliegen zurzeit der Einzclvcratung des Wirischaftsausschustes des Städtelagos., Die Wichtigkeit auch dieses Beschlusses liegt auf der Hand. In ihm kommt nicht nur der Wille zur schärferen Revision der Städte- Verwaltung und Städtcwirtschast zum Ausdruck, und zwar einer laufenden und dauernden Revision über die bisherige gesetzliche Airfsichts- und Haushaltskonlrollc hinaus, sondern es wird auch der organisatorisch neuartig« Versuch gemacht, diese Rc- visions- und Kontrollinstanzen der Selbstverwaltung zentral ans- zubauen, womit in der kommunalen Wirtschost Qu«rverbi>�>ungen der Zusammenarbeit und der Kontrolle geschaffen werden, die bisher noch nicht bestanden. Oie Stimmungsmache für die Kortexistenz der Beraiungssielle ist in den letzten Togen besonders aktiv geworden. Das geschah nicht zuletzt durch die von uns mehrfach besprochene Denkschrift dos Reich sverbandcs der Industrie, in- der nicht nur die Foriexistenz, sondern auch ein Ausbau der Beratungsstelle in dem Sinn« gefordert wurde, daß sämtliche K r e d i t a k t> o n« n der Länder und der Kommunen, gleichviel ob Inlands- oder Aus- landsanlcihcn, gleichviel, ob kurz- oder langfristige Kredite ihrer Kontroll« zu unterwerfen sind. Vom Standpunkte der Industrie, das heißt des einseitigen privatkapitalistischen Interesses, braucht sich niemand über die Stellungnahme des Reichsverbondcs zu wundern. Es ist in den letzten Monaten klar geworden, daß sowohl das Finanzkapital wie da? Industriekapital hinsichtlich der össentlichen Wirlschast nur dos n e Ziel verfolgen, soviel als möglich von der ösfcicklichen Wirtschaft wieder in die.Hand der privaten Wirtschaft zurück- zuführen. Die gegenwärtige Finanznot in der Staats- und Kommunal- wirtschost ist der Ausgangspunkt, von dem aus die Expansion der Privatwirtschaft auf Kosten der öffentlichen Wirtschaft betrieben wird. Das Privatkopitol erwartet, daß die Foriexistenz der Be- rotungsstelle, insbesondere ein« weitere Ausdehnung ihrer Kompetenzen auf dem gesamten in- und ausländischen, kurz- und lang- fristigen Kreditbedarf der Gemeinden die Absichten des Privat- kapital» wirksam unlerstützen wird. Diese Hossnung ist um so mehr berechkigt, als über den Reichsbonkpräfidenteu Dr. Schacht verlautet.« steh« auf dem Standpunkt, daß selbst der Zavestitlons- bedarf zum Ausbau der eigentlichen kommunalen Versorgung?- bckrlebe nicht mehr durch Anleihen beschofst werden dürfe, sondern auf dem Wege der Vetriebsvberschüsie und der Reservenbildung sichergestellt«erdeu müssj?! Die Absichton des Prioatkopitols werden freilich auch von einer Presse unterstützt, für deren Willfährigkeit der„Berln-cr Börsen-Courier" von gestern abend ein kaum zu überbieten- dos Beispiel liefert. Es heißt darin: Der Deutsche Städtetag unternehme mit den von uns oben behandelten Beschlüssen den letzten Versuch, �die allgemeine(!I) Stimmung für«in Weiter- bestehen und sogar«in« Ausdehnung der Befugnisse der Beratungsstelle zu bekämpfen". Der Stödtetag lenke außerdem in auffallender Weise von der„Forderung nach möglichst radikaler Abstoßung(!!) kommunaler Wirtschaftsbctriebe ab und setzt sich mit der Forde- rung nach Abbau der schwebenden Schulden durch Abstoßung von Minderheitsbeteiligungen an das Auslands!!) überhaupt nicht aus- einander". Wir kennen die Beziehungen des„Börsen-Couriers" zum Reichsoerband der Deutschen Industrie und auch zum Reichsbank- Präsidenten Dr. Schacht nicht. Es ist aber ungeheuerlich, von einer „allgemeinen Stimmung" für ein Weiterbestehen der Beratungs- steife zu sprechen. Und es ist vom nationalen Standpunkt unge- heuerlich, daß es dem„Börsen-Gwurier" selbstverständlich scheint, daß dem Ausland ohne weiferes sogenannt« Minderheitsbeteiligungen, die immer den entscheidenden Einfluß dem Ausland zu- weisen, übertrogen werden sollen. Noch im Juli dieses Jahres hat der„Börsen-Courier" zur Beratungsstelle einen ganz anderen Standpunkt eingenommen und hat geradezu ausgesprochen, daß die Tätigkeit der Beratungsstelle aus den für sie bisher geltend ge- machten Gründen überflüssig sei. Allerdings stand man damals unler dem Eindruck der»er- nichtenden Stellungnahme des Cnqueteausschusses zur Tätigkeit der Bsrotungsstelle, dessen Urteil leider allmählich in Ber- gessenheit gerät. Der Enqneteousfchuß sagt in seinem Bericht, daß er es „n icht für nützlich und wirksam holt«, die langfristigen Ausländsanleihen besonderen Hemmungen zu unterwerfen, gleichviel, ob sie zur Befriedigung des Kopüolbedarf» der privaten oder der öffentlichen Wirtschaft aufgenommen werden. Denn eine solche Sonderbehandlung führt in der Regel nur zu Derschiebun- gen innerhalb der Kreditmärkte und bringt gleichzeitig die Gefahr einer Bevorzugung der Aufnahm« kurzfristiger Auslandskrsdite und die Gefahr einer Krcditverteuerung im Inland mit sich". Der Enqueteausschuß hat damals festgestellt, daß es sich bei ! der Beratungsstelle um eine verfehlte Maßnohm« handelt, I die auf einem verfehlten Grundgedanken aufgebaut ist und die für die deutsche Wirtschaft zu schädlichen Wirkungen geführt hat.' An diese Feststellungen muß heute erinnert werden. Nichts hat sich seitdem geändert, was die Tätigtest der Beratungsstell« weiter» hin rechtfertigen könnte. Wer heut« für sie eintritt, muß b e- weisen, daß der E n q u e t« a u s s chu ß mit seinem Urteil unrecht gehabt hat; diese Beweispflicht besteht für jedermann, seien es noch so mächtige Interessentenverbänd« und fei es auch der Reichsbankpräfilfent. OurchleuchteteKohlenwirtschafi Erhebliche Befferong der Rentabilität. Im Rahmen der großen Wirtfchoftscnqucte werden jetzt die Untersuchungen und Erhebungen über den deutschen Kohlen- bergbau, die i?n Jahre 1926 aufgenommen wurde», veröffentlicht. Die Kohlenförderung in Deutschland ausschließlich des Saargebicts stieg gegenüber einem Förderindex von lOO im Jahr« 1913 auf 116,8 Proz. im Jahre 1927 und 117,3 Proz. im vergangenen Jahr. Dagegen stellte sich die Förderung in England nur aus 87,5 bzw. auf 84,2 Proz. im letzten Jahre gegenüber 1913. Die erheblich« Besserung in der deutschen Kohlenwirtschaft kommt in folgender Feststellung zum Ausdruck: Kohle. Koks. Briketts November 1927 Dezember 1928 Kosten Erlöse Kosten Erlöse (ln Reichsmark je Tonne) 15.02 14,21 15,29 15.52 16,08 20,41 18.95 22.26 9 18,28 20,58 17,95 20H6 In den übrigen Revieren ist ein« ähnlich« Entwicklung fest- zustellen, wobei die Steigerung der Rentabilität besonders deutlich im Braunkohlenbergbau zum Ausdruck kommt Der Untersuchungsausschuß stellt fest, daß mit der steigenden' Be- schäftigung und der damit verbundenen besseren Aüsmitzung der Anlagen die Kosten je Einheit der Förderung gesenkt werden konnten. Zugleich hat di« günstigere Verfassung des Welt- kohlenmarktes im Ausland, wie im Inland nicht unwesentlich höher« Erlöse gebracht. Di« Bedeutung der Rationalisierung in Deutschland zeigt ein Vergleich der Leistungssteigerung an der Ruhr mit den übrigen europäischen Kohlenländern. Allerdings ist hierbei festzustellen, daß neben der Rationalisierung auch weitgehend geologische Einslüisc für die Erhöhung der Leistungen ausschlaggebend sind. Der Förder- anteil je Kopf und Schicht der Gcsomdbefegschast stellte sich gegenüber 100 Proz. im Jahre 1913 wie folgt: Ruhrbezirk. Frankreich... Belgien.... England... Polen.... 1920 66,9 68.3 91.7 72.6 1927 120,0 87,2 97,9 102,5 107,1 1928 126,3 93,5 104,9 106.2 113,9 Sehr l�deutsam sind die Erhebungen der Enquete über die Zusammensetzung der Belegschaft. So ging nach einer Erhebung de» Oberbergomts Dortmund End« 1928 der Anteil der jugendlichen Bergarbeiter bis zum' 17. Jahre qn der Gesamt- belegichaft von 6,7 Proz. im Jahre 1913 aus 2.89 Proz. zurück. Die Sachverständigen führen diese Erscheinung teils auf die technisch« Betriebsmnstcllung, teils aber darauf zurück, daß Kohlenarbeiter in steigendem Maß« ihre Söhne in anderen Berufen unter- bringen. Die sozialpolitische Frage im Bergbau ist von dem Ausschuß fehr eingehend behandelt. Die Zahl der Berginvalidcn hat sich gegemitber der Vorkriegszeit nerdoppelt.'Auch di« Zahl der Witwen und Waisen ist gestiegen. Als neue Belastungen kamen die Leistungen für Altersinvalidcn und für die Kinder von In- validen hinzu. Der Ausschuß stellt fest, daß das Verhältnis zwischen Leistungsempsängern und den an der Aufbringung der Leistungen Beteiligten sich zuungunsten der letzteren dauernd verschlechtern, da die Belegschaft sich inioloe der Rationalisierung nicht vermehre. Die Zwangsläufigkeit der sozialen Belastung des Bergbaus, die in der Oeffentlichkeit oft genug rein agitatorisch ausgenutzt worden ist/ wird durch diese Untersuchungen ausgedeckt. Zugleich zeigen die Feststellungen der Enquete, wie sehr der Berschleiß an Arbeitskraft durch den Krieg, die Hungerjahre und später durch di« Rationalisierung zugenommen hat. In der Frag« der Abschreibungen, die sehr eingehend behandelt wurde, wird neben dem eigentlichen Gutachten c i n Sondergutochten oorgelegt, das von Baad«, Ballrusch, Bernhard, Eggert und Tornow unterzeichnet ist. Diese Mitglieder des Ausschusses, die sich sonst dem Gutachten anschließen, kommen in zwei Punkten, den Abschreibungen aus Grundbesitz und Werks- wohnungen zu einer anderen Auffassung als di« Mehrheit. Ab- schließend kommt der Enqueteousschuß zu dem Ergebnis, daß sich ein durchschnittlicher Abschreibungssatz praktisch nicht errechnen lasse. Es wurde daher von einer Neuerrechnung von AWchreidungs- 'ätzen(nach dem Schmafenbach-Gutachten) abgesehen Kaliabsah im Aovember. Kur geringer Rückgang. Die Abladungen der zum Deutschen Kalisyndikot gehörenden Äoliwerk« im Noo«mb«r1v29 betrugen 846 703 Doppelzentner Reinkali gegen 824 606 Doppelzentner Reintali im gleichen Monat des Vorjahres. Di« Abladungen in den ersten sieben Mono- t e n(Mai bis November) des lausenden Düngesahres betragen 6 469 843 Doppelzentner Reinkali gegen 6 748 498 Doppelzentner Reinkoli in den erst«« sieben Monaten des Düngesahres 1928/29. In den ersten elf Monaten des lausenden Kalenderjahres wurden von den Kaliwerken insgesamt 13 018 294 Doppelzentner Reinkali gegen 13142 326 Doppelzentner in der gleichen Zeit des Borjahres versandt. ' Wo steht die Wirtschaft? Die deutsche Zahlungsbilanz für TSTS ist aktiv! Die Meinungen über den gegenwärtigen Stand der deutschen Wirtschaft und ihre zukünftige Entwicklung sind sehr verschieden. Die Auffassung des amtlichen Konjunkturinstltuts ist bekanntlich pessimistisch. Nach ihr zeigt die Entwicklung in der Richtung der D e- pression. Wir sind dieser Auffassung entgegengetreten, da die ineisten Momente, die für ein« Depression sprechen können, ebenso- gut für einen möglichen Aufstieg sprechen. Insbesondere haben wir festgestellt, daß zumindest die gegenwärtige Lag« der deutschen Wirtschast angesichts der sehr schweren Belastungen, die das Jahr 4929 gebracht hat, nicht ungünstig beurteilt werden darf. Wir konnten kürzlich dafür die Feststellung der Deutschen Bant und DsS-„ conto-Gesellschost beibringen, daß per Saldo im ganzen Jahre 4929 lein Pfennig Auslandstapital nach Deutschland hereingekommen sei, die deutsche Wirtschast also aus eigener Kraft ihr relativ hohes Produktions- und Absatznioscm im Jahre ISN beibehalten tonnte. Jetzt bringt die Berlrner Handelsgesellschaft in einem Versuch, die Entwicklung der deutschen Zahlungsbilanz im Jahre 4929 ziffernmäßig zu erfassen, einen neuen sehr wichtigen Beweis für unsere Zlnsfasiung. Dos Jahr 1928 habe unter Hinzuziehung des Handels in Edelmetallen und der Reparationssachlieferungen im deutschen Außenhandel«ine» Passiv saldo von 1,98 Milliarden gebracht. Es stehe heute schon fest, daß dos Jahr 4929 unter Benicksichrigung der gleichen Faktoren einen 21 k t i v saldo von kaum geringerer Höhe bringen werde, so daß sich die Handelsbilanz in den beiden 3 ehren 1928 und 1929 insgesamt um nicht viel weniger als 4 Milliarden Mark verbesierl habe. Ans der anderen Seit« seien im Jahre 1928 �ur etwa 1,6 Milliarden Mark Aus landsa»leihen nach Deütfchlanh heremgeslossen, im Jahre 1929 dagegen bisher noch nicht ganz 60V Millionen Mark. Für die kurzfristig« Verschuldung an das Zluslanid sei es wenig wahrscheinlich, daß sie sich seit Beginn des Jahres 1929 um mehr als 1 Milliarde Mark erhöht haben könne. Die Neuverschuldung betrage also höchstens 4,5 Milliarden Mark. Bei dieser geringen Ncuvcrschuldung habe Deutschland in den«rstcn 10 Monaten 4929 1,4 Milliarde Reparatinnsbarzahlun- gen geleistet. Der Zinsen- und TilgungÄdienst der bis End« 4928 mifgenoimnenen Anleihen und kurzfristigen Verpflichtungen, der im Jahre 1928 über eine Milliarde Mark betragen habe(für den An- lcihedienst allein 526 Millionen), sei für 1929 in entsprechender Höhe anzusetzen. Die Rechnung kommt zu dem Scheuß, daß Deutschland im tonse des Jahres 1929 Zahlungen an dos Ausland geleistet habe, die über den Gesamtbetrag der!m Ausland aufge- nommenen Reuverschuldung noch um einige hundert Millionen hinausgehe. Es ergibt sich daraus die außerordentlich bedeutsame Tatsach«, daß die deutsche Zahlungsbilanz im Jahr« 1929 zum erstenmal aktiv gewesen ist. und daß D-utschlond >m Jahre 4929 finanziell auf eigenen Füßen ge- standen hat. Angesichts dieser Tatsache ist der Peffimismus über die deutsch« Wirtschaftslage und auch über die deutsche Wirt- schaftsentwicklung unberechtigt. produkiionsdroffelungdesSiahlkariells Das Ergebnis der Lütticher Tagung. Die International« Rohstahlgemeinschoft hat jetzt in Lüttich beschlossen, dl« schon für November festgesetzte Prodnktions- drosfelung für den Monat Dezember noch zu verschärfen. Während im vergangenen Monat di« lOprozentige Drosselung siel) mir auf dos Produktionsprogramm der Rohstahl- gcmeinschoft, das jährlich auf 32,3 Millionen Tonnen festgelegt ist. bezog, wird die Einschränkung für diesen Monat auf die Gesamt- produktiv» der im Rohstahlkartell oereinigten Werke ange- wandt. Da die Ofesamtproduktirn innerhalb des Rohstahlkartells sich auf etwa 39 Millionen Tonnen belaufen dürfte, erhöht sich die tatsächlich« Drosselung gegenüber dem Produktionsprogramm auf 43 Proz. Dies« Maßnahm«», die da» Kartell seit seinem Bestehen zum erstenmal im vergangenen Monat vorgenommen hatte, haben den Zweck, höhere Preise auf den' Weltmarkt durchzusetzen. Dem gleichen Ziel« dienen auch di« Verabredungen über di« F«st- setzung von Mindestpreisen für Stabetsen. Nr. 569* 46. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts OonnerStag- 5. Dezember 4929 Mpublikfchutz und Michstagsschutz! Kommunisienspektakel— Massenausweisungen— Verschärfung der Geschäftsordnung. Der Reichstag begann an? Mittwoch nachmittag die erste Beratung des Geseges �um Schutze der Republik und zur Befrie- dung des politischen Lebens in Verbindung mit den Interpellationen der Deutschnationalen über das Stahlhelmverbol im Westen und des Verbots an die Beamten, sich am Hugenbergschen Volks- l>cgehren zu beteiligen, sowie dem Antrag der Kommunisten gegen das Rot-Front-Bcrbot. Absetzungsanträge der Kommunisten und der chitlerianer werden abgelehnt. Abg."Pieck(Komm.): Die Regierung scheint ihre Vorlage einer Begründung nicht für Wert zu halten, sonst würde ja zunächst sie sprechen. Das� ist ein Ausnahmegesetz gegen die Kommunistische Partei, nur mit Bismarcks Sozialistengesetz zu vergleichen, das Bebel als Schmach und Schande bezeichnet hat. Sevcring ist der Gendarm der Bourgeoisie, die Sozialdemokraten sind die Henkers- knechte gegen die revolutionäre Arbeiterschast. Severing, Grzesinski und Zörgrebel schwingen den Gummiknüppel des Faschismus gegen die KPD.. RFB. und„wilde" Streikleitungen. Polizei soll wieder jede Versammlung überwachen und auflösen können! In der Vor- lag« wird sogar Zuchthaus angedroht.(Zuruf der Sozialdemo- kraten: Für Mord!) Ja, allerdings für Mord, aber Gefängnis bis zu drei Jahren steht drin.(Zuruf der Sozialdemokraten: Von einem Tag an!— Zwei Kommunisten werden für Schimpfworte gegen Sozialdemokraten zur Ordnung gerufen.) Das frühere Republikschutzgesetz ist fast ausschließlich zu einer ungeheuerlichen Rachejustiz gegen Kommunisten verwendet worden. Wir aber pfeifen auf das Gesetz, wie einst die Sozialdemokratie auf das Sozialistengesetz. Abg. Dr. Everling(Dnat.): Man gestaltet die Republik zu einem Zuchthausstaat, und Severing vermauert den„freiesten Aus- blick", den Minifter�David am 1. August 1919 in Weimar dem Ge- bäudc des neuen Staates nachgesagt hat. Sie sagen immer, die Republik sei stabilisiert, warum dann dieses Ausnahmegesetz? Die Republik lebt zehn Jahre davon, daß sie gefährdet ist. Unmuts- äußerungen. zufällig gebrauchte Worte berechtigten Unmuts hat man bestraft.� und selbst den Freisprechungen sind solche Leiden vorausgegangen, daß die Strafe schon vollzogen war. Das ganze System ist faul. Die Korruption ist in der Demokratie ein W e s e n s m e r k m a l.(Erregte Gegemufe links.) Der Schutz der Minister, auch der verstorbenen, ist ein Schutz der Parteifunktionäre, und soll die Kritik mundtot machen. Sie politisieren die Prügeleien. Für Beschimpfung Barmats kann einer drei Monate Gefängnis bekommen, also ebensoviel wie Barmat, jedoch ohne Bewährungs- trist. Dieser Freistaat ist eine Tyrannei! Diese Revolution Hot keinen einzigen großen Mann hervorgebracht.(Zuruf links: Außer Ihnen!): was die Staatsmänner nicht können, sollsn die Staatsanwälte leisten. Viel kürzer sollte das Gesetz so lauten:„Wer es merkt, daß dieser Staat i-u-l ist, kommt ins Gefängnis, und wer es sagt, ins ,Prchthaus."(Heiterer Beisall rechts.) Die beste„Befrie- dung" wären Konzentrationslager für die Opposition, Befriedung bis zum Friedhof. Ein ekles Denunziantcngewerbe ist aufgekommen. (Zuruf links: Wer hak.?alk van der Republikanischen Beschwerdestelle denunzierk?) Ich finde es unbescheiden, daß Sie sich in unsere Angelegenheiten einmischen.(Heiterkeit.) Wir wünschen das klare freie Wort(Rufe links: Hugenberg!) Die Vorlage ist verfassungswidrig, Opposition ist in der Demokratie notwendig.(Ruf links: Aber ohne Bomben!) Man hat unser Vaterland zu einer Republik degra- d i e r t und das Feindgebot über die Verfastung gestellt. Wir wollen keine Diktatur. Als nun Reichsinnenminister Severing das Wort ergreift, ver- suchten eine Anzahl Kommunisten, durch dauerndes Geschrei den Minister am Reden zu verhindern. Sowie er ein Wort spricht, brüllen die Kommunisten unausgesetzt die gemeinsten Schimpf- Wörter, wie„Arbeitermörder".„Bluthund",„Henker",„Achtgroschen- junge" usw. Vizepräsident v. Kardorff, der soeben vom Präsidenten Höbe den Vorsitz übernommen hat, greift länger« Zeit hindurch überhaupt nicht«in, begnügt sich dann mst dauerndem Läuten und gütigem Zuspruch an die Schreier. Ab und zu erteilt er auch einen Ordnungsruf. Einen Augenblick der Ruhe benutzt Reichsinnenminister Severing um dem Abg. Pieck auf seine Bemerkung zu antworten, daß die Regierung ihre Vorlage offenbar nicht zu begründen für nötig holte. Der Minister erwidert, daß die Vorlage doch ausreichend bekannt fei, noch Ende Juni über den Schutz der Republik ein- gehend beraten wurde und das Parlament doch wohl nicht nach dem Worte Friedrich Naumanns eine Halle der Wierderholungen sein wolle.(Die kommunistischen Schreier setzen wieder mit einem Hagel von Schimpfwörtern ein.) Mit Bismarcks Sozialistengesetz kann man die Vorlage selbstverständlich nicht vergleichen. Das Sozialistengesetz richtete sich gegen eine ganz bestimmte Partei und ihre Organisationen, es enthielt ungleich schärfere De- stimmungen, außerdem stand damals der Polizei ein gewaltiges Heer zur Seite, dos auch oft genug bei Streiks usw. eingefetzt wurde. Die jetzige Vorlage ist kein Ausnahmegesetz und nicht von Haß gegen die Kommunistische Partei diktiert.(Gebrüll der Kom- muwsten.) Der Ankerschied gegen 1878 liegt aber auch darin, daß damals die Opposition aus der Sozial- demokratie bestand, die ganz anders als heute die Radikalen... (dauerndes Gebrüll übelster Schimpfwörter von der äußersten Linken machen die Fortsetzung der Rede unmöglich.) Vizepräsident v. Kardorsf schließt nun einen der lautesten Schreier aus der heutigen Sitzung aus, da er chn nicht kennt, be- .zeichnet er ihn— nach vergeblicher Aufforderung, seinen Namen .zu nennen— als„der Schwarze da". Neues Gebrüll der Kommu- nisten ist die Antwort, worauf Vizepräsident v. Kordorff die Sitzung auf eine lzalbe Stunde unterbricht. Noch Verlauf dieser Zeit wird die Sitzung wieder eröffnet, und Vizepräsident v. Kardorfs schließt die Kommunisten Iaddasch, Beutler und P a p k e aus der heutigen Sitzung wegen grober Störung der Ordmmg des Hauses aus. Die drei verlassen den Saal jedoch nicht, vielmehr nennt Iaddasch den Vizepräsidenten einen„ollen Nußknacker" und ein anderer Kommunist schreit die üblichen Phrasen vom revolutio- nären Proletariat, das den ganzen Reichstag wegfegen werde usw. in den Saal. Vizepräsident v. Kardorff unterbricht darauf die Sitzung wiederum auf eine Viertelstunde. Bei Wiedereröffnung der Sitzung stellt Vizepräsident v. Kardorff fest, daß die kommunistischen Abgg. veuller, Iaddasch und Papke durch Richlbefolgung der Aus- schlicßung ihren Ausschluß auf 8 Sihungskage verwirkt haben. Während die drei Kommunisten den Saal verlassen, schreit Abg. Maddalena(Komm.), daß Severing trotzdem ein Ar» beiterhenker sei und wird dafür von der heutigen Sitzung a u s g e» > schlössen. Beim Hinausgehen nennt er den Reichsinnenminister i noch einmal einen elenden Arbcitcrschlächter. Die Kommunisten verlangen schreiend das Wort zur Geschäftsordnung. Abg. Koenen ruft schallend:„Nieder mit dem schändlichen Arbeiter» Mörder Severing!"(Händeklatschen der Kommunisten.) Koenen wird darauf aus der Sitzung ausgewiesen, bleibt aber im Saal, worauf Vizepräsident v. Kavdorff wieder eine kurze Unterbrechung ein- treten läßt. Nach Wiedereröffnung stellt der Vizepräsident fest, daß Koenen durch sein verbleiben den Ausschluß aus acht Tage verwirkt hat. Koenen' folgt auch der neuen Aufforderung, den Saal zu ver» lassen, nicht, sondern schreit, der Bluthund Severing dürfe nicht zu Worte kommen, und„nieder mit ihm".(Händeklatschen der Kommunisten.) Neue Unterbrechung der Sitzung. Man erwartet nun, daß Koenen durch Polizeigewalt aus dem Saal entfernt wird. Die Kommunisten vertreiben sich die Zell durch Geschimpfe auf die Republik, auf die Demokratie usw. und verlassen durch.,Rot-Front"-Rusc eine kleine Gruppe Tribünen- bcsucher, in diesen Ruf einzustimmen. Diese Tribünenbesucher ver- lassen nach Aufforderung durch Reichstags- und Kriminalbeamte westerrufsnd die Tribüne. Bald darauf werden alle Tribünen mit Ausnahme der Pressetribüne geräumt. Die Sozialdemokraten und Abgeordnete anderer Fraktionen verlassen ihre Plätze. Die Kommu- nisten fragen, ob denn Zörgiebel noch nicht bald komme. Plötzlich steht Koenen auf und verläßt abschiedwinkend mit einigen anderen Kommunisten den Saal unter lebhafter Heiterkeit der Zu» schauer an der Saalwand. Darauf ruft der Kommunist Schröter- Merseburg den Lachern zu: „Was wollt Ihr denn, die Tribünen sind ja leer!" Dieses bezeichnende Eingeständnis, daß der«Spektakel nur für die Tribllnenbesucher berechnet war, wird entsprechend"gewürdigt. Nach fast cinstündigcr Pause eröffnet Vizepräsident o. Kar- d o r f f die Sitzung wieder. Die Kommunisten schreien und schimpfen, obgleich Vizepräsident o. Kordorff verkündet, daß der Reichsinncnmimster nach wie vor das Wort hat, fordern die Kom- munisten schreiend das Wort zur Geschäftsordnung. Einer von ihnen hält von der Rednerestrade aus eine P r o t c st r e d e, die aber im Lärm der anderen Parteien untergeht. Er wird ausge- wiesen und geht. Die anderen Kommunisten toben weiter, so daß Vizepräsident o. Kordorff die Sitzung abermals unterbricht. Nach Wiedereröffnung der Sitzung schließt der Vizepräsident die Kom- Mehr Wägfen- Mehr Wohlstand i'.112(1 1.7 1927 17 WIM � l 7 Ifl'H) ■ 1.7.192? 1.7.1929 «00»/, «50»/, »0% 250»/, 200% 150"/, I00»/o deBH G.IOH. KÖHLER Hunderttausende schaffender Menschen in Deutschland"Tiaben bis heute den Ankauf eines Automobils nur deshalb unterlassen, weil sie sich nicht klar gemacht haben, daß ihnen der Besitz eines Kraftwagens in ihrem Beruf und bei ihrer Arbeit Vorteile bringt, welche die Kosten für Anschaffung und Unterhalt des Automobils mehr als wett machen. Deutschlands wirtschaftlicher Wiederaufstieg ist nicht zuletzt eine Motorisierungsfrage.— Die Fabrikationsanlagen der deutschen Automobilindustrie sind heute leistungsfähig genug, um den gesamten heimischen Bedarf zu befriedigen und darüber hinaus in steigendem Ausmaß das Exportgeschäft zu pflegen. Langsam dämmert auch die Erkenntnis, daß es der deutsche Käufer selbst in der Hand hat, zu seinem und seines Vaterlandes Nutzen die Gestehungskosten des deutschen Kraftwagens noch weiter zu senken: indem er überall da. wo ihm zu gleichen Preisen gleiche Qualität geboten wird, dem heimischen Erzeugnis den Vorzug gibt.— Und dann: jedes ausländische Automobil, das in Deutschland eingeführt wird, macht einen deutschen Arbeiter 9 Monate lang erwerbslos! Eine vollkommenere Ausnutzung der Produktions-Kapazität der einzelnen deutschen Werke würde nicht nur die Preise des deutschen Kraftwagens günstig beeinflussen, sondern auch die Fabriken in die Lage versetzen, ihren Qualitäts-Standard über das Weltmarktniveau hinaus zu entwickeln Ohne Ufeberhebimg, aber immerhin mit verzeihlicher Cienugluung und Freude können die Adlerwerke heute feststellen, daß in der Zeit vom t. Juli L926 bis zum 1. November 1929 bei einem Anwachsen des Gesarntbestandes an Automobilen aller Marken um knapp llvln der BESTAND AN ADLER WAGEN um rund 235% zugenommen und die Jahres-Verkaufskurve einen noch steileren Anstieg zu verzeichnen hat. Wir danken allen Freunden unseres Hauses für das uns und unseren Erzeugnissen bewiesene Vertrauen, das den Adlerwerken ein Ansporn sein wird, ihr Programm der Qualität und des wahren Kundendienstes auch weiterhin mit allem Ernst und aller Energie zu verfolgen. ADLER A2J FILIALE BERLIN. BELLE- ALU ANCE-STR ASSE 6, UNTER DEN LINDEN 12—13, HARDENBERGSTRASSE 29a— e(GEGENÜBER DER GEDÄCHTNISKIRCHE) Weitere eigene Werksfilialen: BRESLAU/ HAMBURG y HANNOVER/ KARLSRUHE i, B./ KÖNIGSBERG i Pr./ LEIPZIG/ MÜNCHEN/ NÜRNBERG/ STUTTGART muniffen Dcschke, Sorgler, Stöcker und noch zwei andere aus. Bier von ihnen gehen sofort, einer zögert noch, weshalb Kardorff die Sitzung nochmals unterbricht. Noch etwa 10 Minuten beginnt die Sitzung wieder, jedoch unter dem Vorsitz des Präsidenten L ö b e. Ws er dem Reichsinnen- minister das Wort erteilt, beginnen zur Abwechslung die Haken- kreuzler-u stören, was sich die Kommunisten natürlich zu neuem Ansporn dienen lassen. Severing beginnt mit den Worten:„Meine j Damen und Herren." Sofort schreit Abg. Frau O verlach� sÄomm.), die Arbeiterfrauen klagen Severing der Ermordung ihrer! Männer an. Andere Kommunisten schreien mit. Der Präfldenk sorderl Frau Ooerlach auf, den Saal zu verlassen. Sie geh» und mit ihr noch ein Kommunist, während die übrigen weiter brüllen. Der Minister fuhrt aus: Sie werden von mir nicht er- märten, dost ich auf die Schimpfworte erwidere, die die Äommu- nisten mir zugerufen hoben. Eine Ausnahme mache ich mit dem Abg. Kacncn. Er hat mich des Arbeitennordes beschuldigt.(Zu- ftimmung der Kommunisten und Rufe„Massenschlächter! Mittel» deutscher Aufstand!") Derselbe Abg. K o e n e n hat nach dem Mittel. deutschen Aufstand 1023 mir nachts wiederholt Mittellungen ge- macht, dag in der Nähe von Vsrlin schwarze Formationen zusammengezogen worden und als angezeigt hingestellt, daß die Mittel der preußischen Staatsregierung gegen die rechtsgerichteten Organi- satione» aufgeboten werden. Koenen hat auch wiederholt bezweifelt, ob es der preußischen Polizei gelingen werde, die Oberhand zu gewinnen.(Ein schimpfender Kommunist wird ausgewiesen und geht.) Der Abg. Pieck hat sich darüber beschwert, daß ich als preußischer Innenminister der Bildung proletarischer Kontrollausschüsse imd Hundertschaften entgegengetreten bin. Das ist richtig. Aber diese Maßnahmen waren nicht gegen die Arbeiterklasse gerichtet. Nil ihrem Eingreisen in der damoligeu Zell des ecbeusmltlel. mangels konnten diese Sontrollan-schüsse nnr den Markt er. schweren, die Zufuhren von außen nnlerbinden. also die ge- famte Bevölkerung nur benachteiligen. Diese Kontrollausschüsse haben sich auch nur gegen die Wirtschaft lich Schwachen gewandt, indem sie zu 5, 7 oder 11 Mann in die Läden eingedrungen sind und die Händler bedroht, aber niemals den Mut gehabt haben, in die Kontors der großen Trusts und Syndikate zu gehen. Die proletarischen Hundertschaften wirkten in der gleichen Linie. Ich habe oft genug gesagt(Abg. L c o w s.Komm.s, „ein Schlächter der Arbeiter zu sein!"— Leow wird ausgewiesen und geht schnnpsend ab.), ich habe immer erklärt, daß im Interesse des Staates und der Staatsordnung nur derjenige Waffen tragen darf, der dazu befugt ist. Die proletarischen Hunderts chasten maßten sich polizeiliche Befugnisse an, das konnte in einem Rechtsstaat nicht geduldet werden. Diese Einrichtungen haben den Rechtsradikalen das Stichwort für entsprechende Organisationen gegeben. Man hat sich gegenseitig den Ball.zugeworfen.(Sehr wahr! bei der Mehrheit.) Pieck sagt, da? Gesotz richte sich ausschließlich gegen die Arbeiter tmd Everling behaupte, das Gesetz beschränke nur die Meiwmgs freiheit der Rechten. Diese Behauptungen heben sich gegenseitig auf. (Sehr gut! links.) Wir leben in einem Rechtsstaat(Widerspruch rechts) und müssen auf dem Boden dos gleichen Rechtes stehen. Die Kommunisten haben es selbst in der Hand, Bcrbote ihrer Zeikunqen und Auslösung ihrer Organlso klonen, an die ich gar nickst denke, zu vermelden. «Präsident Löhe ersucht den Kommunisten M a S l o w s k i, nicht dauernd zu unterbrechen.— Maslowski antwortet: Dann soll Severing nicht so schwindeln!— MaSlowski wird ausgewiesen und zieht ab.— Da die Kommunisten andauernd brüllen, macht Präsident Löbe sie darauf aufmerksam, daß er den Vorsitzenden des Geschäftsordnungsausschusies ersucht hat, in seiner morgigen. Sitzung die Aenderung der Ordnungsparagraphen zu beraten und daß er in der morgigen Reichstagssitzung die Beratung dieser Aenderung vorschlagen werde. Er ersucht die Kommuilisien, sich so ,zu betragen, daß sie nicht noch größere Nachtelle haben.) Die Kommunisten predigen den Kampf gegen den Faschismus. Auch ich bin ein Gegner des Faschismus, beim sür Deutschland kommt eine Diktatur nicht in Betracht, ihre Errichtung wäre ein Unglück für unser Land. Ich bemübe mich aber, diejenigen, die mit faschistischen Gedanken liebäugeln, zu überzeugen von den Nachteilen des Faschismus und den Vorkeilen der Weimarer Verfassung. Die„Rote Fahne" fordert allerdings zur Mißhandlung der Faschisten aus. Da? ist mit einem Rechtsstaat unvereinbar, und gegen jeden Terror muß die Demokratie vorgehen,«ie(zu den Kommunisten) wollen das russische Sowjetsystem auf Deutschland übertragen. Eine der jüngsten Verordnungen der Sowjetregierung bestrast die Weigerung eines sowjetischen Auslandsbeamten, auf Befehl heimzukehren, damit, daß er außerhalb des Rechtes gestellt, fein Vermögen konfisziert und er selbst bei seiner Rückkehr er- schössen wird. Nach dieser Freiheit sehne ich mich nicht und die vollmacht, die der Reichsinnenminlsler hak. werbe ich dazu benutzen, um da» Reich vor derartigen Zuständen zu bewahren. Herr Everling behauptet, daß dieses Gesetz die Opasition n.undwt machen soll«. Trauen Sie mir doch nicht solche Halbheiten zu! Hätte ich eine solche Absicht, so würde ich ein ganz anderes Gesetz vorlegen. Ich frage den Herrn Everling. wo ist denn die Opposition, die sür die Demokratie eine Notwendigkeit ist, bei uns in Deutscbland? Haben die Deutschnatwnalen ihre Stimmen in der Außenpolitik zur Unterstützung unserer Unterhändler in die Wagschale geworfen? Hat ihre Presse nicht unausgesetzt ihre Ausgabe darin erblickt, die Republik und ihre oerantworllichen Leiter herabzusetzen? Herr Hugenberg hat in Kassel versucht, den mit der Sozialdemokratie.zusammenarbeitenden Parteien diese Arbeit zu verekeln, obwohl nur durch diese Zusammenarbeit der notwendige Aufbau gesichert werden kann. Eine Opposition, die nur Miß- trauen sät und Verleumdungen verbreitet, nützt dem Lande nicht. (Sehr wahr!) Ich behallc mir vor. zur weiteren Begründung des Gesetzenhvurss dem Ausschuß eine vlaterialsammlunq über die antirepublikavischen Aus- ichreilungen in der Zeit feit Ablauf de» Republikschutzgeseßes vorzulegen. Wenn der Stahlhelm nur gelegentlich eine solche Hebung wie im Westen vorgenommen hätte, so wäre er nicht vor- baten worden. Herr Everling hat auch nach den Kosten der Abwehraktion gegen das Volksbegehren gefragt. Di- Reichsregierung wird für diese Ausgaben Genehmigung beim Hauptousschuß beantragen. (Beifall.) Im Nachtragshaushalt werden dafür 500 000 M. angefordert. Sehr viel höher sind die kosten, die diese sinnlose Aktion dem Reiche auserlegt. Das Volksbegehren kostet mindesten» 600 000 HL. der Volksentscheid ungefähr 2'A Millionen. (Stürmisches hört! hört! links und in der Mitte.) Wenn Herr Seldte dieser Tage in Dornytodt angekündigt hat. demnächst mit mehreren innerpolitischen Dolksbegehren zu kommen, so glaube ich, wird man eine Revision der Roichsstimmordnung vorzunehmen haben, damit für solche leichtsinnigen Aktionen die Veranstalter finanziell auf,zukonzn-en haben.(Lebhafter Beifall.) Es gilt nicht mir, die republikanische Staatssorm zu schützen, sondern das ganze Land, das ganze Volk gegen den einzelnen Staatsbürger, der sie schädigt. Es soll nicht so weitergehen, wie es in der letzten Zell gegangen ist, daß durch aufhetzende Ankündigungen, wie in dem„Angriff" des Herrn Goebbels große Ver- sammlungen zustande kommen, in denen unqualisizierbare Beschimpfungen gegen die Republik und ihre verantwortlichen Tröger geschleudert Verden, so daß dann die ausgepeitschten Leute durch die Slrnßen ziehen und jede» anpöbeln, von dem sie annehmen, daß er nicht gleichen Sinnes ist. (Geschrei rechts.) Auch darüber werde ich im Ausschuß Material vorlegen: seit den, Fall des Republikschutzgesetzes ist nicht ein Tag vergangen ohne solche Er.zesie. Herr Everling hat mich am Sonnabend einen Fanatiker genannt: ich habe mich bisher für einen der duldsamsten Menschen gehalten, aber ich nehme diese Bezeichnung als Ebrentitel an, wenn Herr Everling mir noch eins konzediert: Fanatiker— ja. ein Fanatiker republlkanischer Michtersüllnng. da» will ich sein und bleiben. (Stürmischer Beifall der Mehrheit.) Während der letzten großen Unterbrechung der Sitzung hatten sich du? auf acht Tage ausgeschlossenen Kommunisten verbotswidrig im Wandelgang auf der Linken aufgehalten und dort in Gemeinschaft mit ihren Genossen die Sozialdemokraten und besonders unsere Parteigenossinnen in der erbärmlichsten Weise beschimps:- Die Ausgeschlossenen wurden durch.Kriminalbeamte entfernt. Abg. Dr. Bell(Z-) betont, daß von Verfassungswidrigkeit der Vorloge keine Rade sein kann. Dos Zentrum behält sich vor, im Ausschuß Derbcsienlngen zu beairtragen. Abg. Dr. Wimdetlich(D. Bp.) bejaht die Notwendigkeit, dir Staatsform und die geltende Reichsflogge zu schützen. Die Deutsch nationalen haben seinerzeit als erste den Antrag auf Verlängerung des früheren Republikschutzgesetzes unterzeichnet. Untere E'n-el- bedenken werden wir im Ausschuß geltend machen Abg. Stampfer(Soz.). Das Verhalten der Kammunisten in der heutigen Sitzung muß doch noch besprochen werden: sie haben den Minsstcr Severing, der aus der Arbeiterklasse hervorgegangen sst, und auf den Stolz zu fein sie alle Ursache hat, in der erbärmlichsten Weise befchimpit- Als ich vor 35 Iahren Schullsr an Schulter mit jungen Arbeitern in der sozialistischen Bewegung arbeitete, denen ein klein wenig ge- halfen zu hoben, der Stolz meines Lebens ist, da habe ich solche Gestalten, wie die Kommunisten hier, in der Arbeiterjugend nicht erblickt.(Sehr wahr! bei den«soz.— Geschrei der Komm) Severing hat schon den Vergleich mit dem Sozialistengesetz Bismarcks zurückgewiesen. Wissen Sie(zu den Koinmuntsten), wie sich die Sozialdemokratiiche Partei in der Beratung jenes Gesetze? vertzallen hat, als das wirkliche Schandgesetz zur Erörterung stand? Hak die Sozialdemokratie damals so schamlose Szenen ansgesührl, wie Sie heule? Rein, das hat sie nicht gelan. Die Satzungen der Internationalen Arbeiter-Assoeiation von 1864 hat den Mitgliedern Wahrheit, Recht und Sitte als die Grundlage ihres Betragens untereinander und gegen alle Mitmenschen ohne Rücksicht auf Farbe, Bekenntnis»der Nationalllät vorgeschrieben. Und diese Satzungen hat die Sozialdemokratische Partei unter der Führung August Bebels auf den verschiedensten Parteitagen als bindend anerkannt.(Geschrei der Kommunisten.) Die Deballe hat gezeigt, daß die Freiheit in diesem Hause erfreulich viele Freunde hat. sc» viele, daß einem Angst und Bangc werden könnte. Zw Namen der Freiheit haben Pieck und Everling gesprochen. Es ist bemerkenswert, daß die Parteien die gegen diese Vorlage auftreten, sich schon eimnal positiv zum Republiirschutzgesetz gestellt haben. Als nach der Ermordung Rathenaus ein« ungeheure Bs- wegung durch die Arbertcrmassen ging, wurde auch mit den Kvmmn- nisten über ein Republikschuggeseg verhandelt und sie stellten sich durchaus positiv dazu, allerdings unter der Bedingung, daß dos Gesetz nur gegen die Rechtsradikalen und Monarchisten gerichtet werde.(Ruf der Kommunisten: Natürlich!) vi« geben also zu, daß Sie damals für ein Republikschuggeseg waren. Ebenso später die Deutschnationalen, deren Minister Keudell und Hergt im Mai 1927 ein Republitschutzgesetz. das schärfere Strafbestimmungon hatte und weiter ging, als das vorliegende, hier eingebracht und beiür- wartet haben. Es wurde ja auch mit der enormen Mehrheit von 331 gegen 41 Stüiunen, und zwar mit den Stimmen der Deutsch- nationalen angenommen. Heute sprechen Sie von Tyrannei, und Herr Everling ruft nach dem klaren freien Wort. Als ich diese schönen Worte hörte, kamen mir ein paar klassische Zitate aus den jüngsten Togen in Erinnerung, van Dcutschnationalen gesprochen und geschrieben, allerdings nicht gegen Severing, sondern gegen— Hilgenberg. Es sind die bekannten Erklärungen der Abgg. Lambach. Hartwig und Hülser und des Herrn Klönnc. 3n ihrer varlei verlangen die DeutschnaUonaleu von ihrem Mellernich Hugenberg Freiheit und Toleranz nnd das klare freie deutsche Wort. Heute äußert sich Herr Everling in schärfster Weife und in den Tönen der tiefsten Verachtung Über den altösterreichilchen Minister Metternich. Die Vorsohreu der Deutschnationalen pan heute haben nicht immer so zu Metlernich gestanden.(Sehr gut! links. Der neu in den Reichstag eingetretene deutlch nationale Abg. Kleiner rurt dem Redner zu: Wo standen>en» Ihre Vorfahren?) Für Frage bin ich dankbar. Sie haben aus den Barrikaden gestanden. (Abg. Kleiner: Wo?) In Wien 1848 gegen Mellernich.(Abg. Kleiner: Also ln G a l i z i c n! Empörte Rufe der Sozialdemo. traten.(Abg. Tempel(Soz.). der in stärkster Erregung heitige Atisdrücke gegen den Zwifchen-rufer schleudert, wird vom Präsidenten auMsor�crt, den Saal verlassen.) Metternich ist geschlafen worden im Zeicken von Schwor zrotgold, der Farben der Deutschen Republik. Diese Forbmi und diele Republik wollen wir schützen.(Stürmischer Beisall bei den Soz.) Nach weiteren Reden der Abgg. Dr. E m m i n g e r(Boyer. Vp.l. Dr. F r i ck(Ratsoz.). H ä n s e(Chr.-Nat. Bp.) und Pieck(Komm) wird die Vorlage dem Strosreckstsausschuß überwiesen. Nunmehr wird die Abstimmung zur drillen Beratung des Auslieferungsgeseycs beendet. Präsident Löbe tci't mit, es habe sich nachträglich ergeben, daß bei der vorgestrigen Ab- stimmung über den S 4 e das Haus doch beschlußfähig ivar und dieser Paragraph rechtmäßig abgelehnt worden ist. Das Gesetz wird darau' mit den Stimmen der Mehrheit-parieien verabschiedet Um!e10 Uhr abends vertagt sich das Haus auf heute, Donnerstag, 12 Uhr niittags: Genossenschastsaesetz und Zulassung von Gcrichtsoerfahrcn gegen Reichstagsmitglieder, darunter gegen Hugenberg. JL Das Beste meiner Kundschaft \pfelwoln, stiB, la............ Liter O.TR Johannlsl>«er»«tiß, da« Beste...... Liter 0.80 Kirsch-, Heldelbeertveln,«flO.### Liter l.JO Crdbeerveelo,*00, da« Beste Liter l.-ift Tarraarona, echt,»OB.......»•. Litef I.ÄB '•laiaga, echt,«OB, atold......... Liter 1.60 repstin wein, echt, für Kranke....Vj Liter 1.80 Oanro Portwein, echt, das Feinste,. Liter 2. SS U'erninth. für Kranke.......... Liter 1.86 Achter feinster Glühwein...... Liter 2.4K •achter weißer Bordeaux,«ÜB....... Fl. 1.46 UcLtcr roter Burgunder.....••••• Fl. 1.36 .\ qaavit 35>Yo».,»,»»»»»» Liter 3.88, FI. 3.86 Weinbrand Verschnitt..... 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Ausnahm Siveise findet die Kunftlonstrstduna nicht heute, sondern erst am Sonnabend, 7. Dezember. 20 Uhr. bei Schinarzer. Gabriel-Zllar�vir 717. statt.— 11». Abt. All« tS-n-ssen beteiligen stch an der heutigen Sreismitglisberversammlung. Freitag. 6. Dezember, 20 Uhr. wichtige skunktionctrstgung im Lokal Morr. Neue?<''""..... Betriebsvertrauensleute tMffen erscheinen. Morgen. Freitag, 6. Dezember. 31. Abt. 30 Uhr bei Soldschmidt. Ewlprsch« Str. dü, wichtige Kunltionar. stftnng. Schei cneeg. 77.«dt. AI Uhr bei Jürgens. Barbaroffastr. oa. Funktionär. nftung.— 7». Abt. 3) Ubr bei Graft. Sedanstr. 17. wichtige Funktwnär. sinung. dl. Abt. Friedena». 20 Uhr bei»labe. Saudi ergstr. KS— 61. ifunktionärststung. Ausgab« der Mitteilungsblätter. tä. Abt. Teuipelbo«. SO Uhr bei Ponnnenening. Berliner Str. 10». Borstands- sttzung. Rrokcll». 96. Abi. ISit Uhr bei Lchobeik», Weichselstr. 7. ssunltionärststung.— 35. Abt. 191.», Uhr im Lokal Schauer. Trev'vwer Ecke Wescrstrafte. Funk. lionärsthung. Die neuen Beeirkssithrer miiffen bestimmt erscheinen.— »t. Abt. 19' 7 Ubr bei Schräder. Steinmeststr. öS, Funktionarsibung.— 3». Ab«. SO Uhr bei Lnbanu. Wivperstr. 18—19. wichtige Funktionär. fiftuna.— 97. Abt. 19 Ubr bei Bohr. Si-gfri-dstrahe. Funktiongrstbung. Bezirkzssthrer. die Wählerlisten mitbringen! 124. Abt.«ahlsbori. ZK Ubr wichtige Funktionärstbung im Lokal Nordstern. vonower Str. 49.. 120. Abt. lfriedriibsfel»». 30 Uhr d« Schwarz.. 3.»reis Friedrichshai». Freitag. S. Dezember. 191- Uhr, im Lokal früher Nastn, Gubener Str. 19. Funktienärinnentonkerrnz. Wichtige Tagesord. nung. Bestimmtes und pünktliches Erscheine» wird erwarter, 7.«reis Eharlettenbnrg..Heute. Tonnerstag. Ä. Dezember. 14U Uhr. vor der greismitglieberversammlung, im Edenpalast.«aiser-Friedrich-Slr. Z4. Ju- sgmmenfunft der Abt-ilungsleiterinncn oder deren Vertreterinnen mit den Funktionärinueu. Wichtige Tagesordnung. 10. Abt. Der Frauenadend m: Dezember fällt aus. Dafür beteiliaeu stch alle Gcnosstnnen am«reisfrauenabend am Freitag. K. Dezember, in der Lömen, drauenei, Hochstr. 2. B-rtrag:.Bas lehren uns die Wahlen?" Ziefer-Ntin Mari« ktunert. R. b. N. Zungsozialiste». Gruppe Mitt«: Leute. Donnerstag. 20 Uhr pünktlich. Generalversammlung. Grupxe Lichtenberg: Freitag. 6. Dezember. 20 Uhr, im Cäeilien.Lpzcum. ? a:bausl!raft«.«ursus:»Außenpolitik in der Nachkriegszeit". Leiter: Wolf- gang Schwarz. Arbeitsgemeinschaft der Kindersreunde. Bezirk«renzberg: Donnerstag. 2. Dezember, 20 Ubr. Lelierkuriusf. Am 2. Dezember verstarb unser Genoffe. der«unst. nmler Albert«aab. Neue Ansbacher Str. 12. Ehre seinem Andenken! 9.«mi» slraftc 20—21» ist verftorhei!. Ehre ihrem Andenken! Einäscherung heute. 'Nonnerstaa. 5. Dezember. 1710 Uhr. im«rematorium Boumlchulenweg. Wir bitten um rege Beteiltgung. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner.Schwarz-Rol-Gold". SeschSft»stelle: Berlin S. 14. Ssdastianstr. 27— ZK. Soi 3. Sr. Ds»-er»tag.(. T»,«»ber. Tiergarten,«gm. Arminlus und Stephan: Die gemeinsame«amerabschaktgoersammlung fällt um- stondebatber aus. Svä'erer Termin wird noch belannigegeben.«renzberg. .-ug 8: 20 Uhr Bsrlammlung sBortraa) bei Adam, Lsthdener Ecke Gdrlißrr Sirofte. Lichtenberg: 20 Uhr aroßc Funktion ärsthuna bei«am. Pflug. Smanuel. Ecke Leoiwlbstrafte. Aameradschgftsvorstände. Zug. und Gruppeiiillheee. Obleul« >..>d der Selamtvärstand haben restlos»u erscheinen.— Freitag, 6. Dezember. '.TOmersbots. Iunabanner: 20 Uhr Icßte Fahrtbeiprechung im JugeckdhKM WilbelM-aue 125. Zimmer 7. Lichtenberg- Di- festges-ßten Zuastßungen stnd (PN den Samern den restlos ,u besuchen.— Gannabenb. 7. Dezember. Ritte. >-nd K«amiradschost:«amerahschaftsfest. verbunden mit Fahnenweihe der Giündungsseier der«amerodichast. Festredner:«am. Zachert. M. d. L. Fried. -Ichehain, Kameradschaft Andrea«: Großes Wintcrvergnstgen in den Andreas. "eftfälen. Andreasftr. 21.«ameraden anderer«ameradlchastcn herzlich will- 'ommen.— Wilmersdors: 191) Uhr Antreten de« Zungbanner» am Bahnh»> Schmorgendorf zur Fahrt nach«änigswusterhausen. Nachzügler Sonntag, s m.,.ml>cr. 19 Uhr. vor dem Bahnhof«änigswust-rhaustn. Pflichweranftal» Steatth lSrisverein): 20 Uhr Winterfest In den Lichterielder Festfälen, "ichlerfelde, Zehlendorfer Str.. d. Festredner:«gm. Ech-idemonn. Eintritt 1 M Tan, frei. Straftendahnen 74. 56 und 42. Vorortbahn bis Lichterfeld«- Lst"Lichtenberg: Die«ameraden treffen stch ab 19 Uhr im»ereinsheim. .-rörtviad Banmfchulenmeg- 20 Uhr bei Borgmann Versammlung. Zweiter ortrgg de,«am. L-ke:.Meint Srlebniffe in Buftland". Gäste willkommen.— Niiilälln.Brih, Junghanner: Donncrstag. z. Dezember. Sportadend von 20 die A Uhr Walter-Tgther au. Schule. Boddlnftrgße.— Lichtenberg,«ameradsck>af> �rgoevlah. Freitag. K. Dezember. 20 Uhr. bei S-ibke. stameradschattsver- sammlung/ Kameradschaft Nummelsburg: 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Brunn. 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V. hat sich eine Vereinigung gebildet, die In energischer Form versuchen wird, die Rechte der Inhaber der Abläsungs.Anleihc des Deutschen Reiches(Neuhesiuanleihe) dev Regierung, dem Parlämcnt und der Oeffenilichkeit gegenüber zu vcrheicn. Die Vereinigung beabsichtigt nicht, vom Reich unbillige Opfer?u vatlangen, wird aber versuchen, eine erträgliche Regelung der Neubesiu-Frage ru erreichen. Die Trennung zwischen AI- und Neubesiiz war unsozial und kredi,- schädigend; die Gleichgültigkeit der Regierung und des Parlaments gegenüber dem Schicksal der Neubcslf-Anleihc ist jedoen derart unsozial und. chädigend für den Kredit des Reiches im In- und Ausland, daß ei'' diese Front gemacht werden muß. Die Vereininung für den Kredit des Reiches im In- und Ausland, daß endlich entschieden; fegci WWWWWWWW»»»»!«Schutz dir Keudesn, Anleihe" E. V.«ordert alle Inhaber ier N'enbesiiz-Anleilte sowie alle gr schädig ten Korporationen, wie Banken, Sparkassen Versicherungen und Verbände etc. zum Beitritt auf. um so die notwendige geschlossene einhei'.liche Front zur Durchsetzung ihrer Ziele zu bilden. z entral» Theater Alte JakobstrJß Qasisplel d. Th. d. Westens Täglich S1 1 Uhr Stg. 5 u. 8> 4 Uhi Friederike | Der Welierioia von Franz Lebär Tfieak a. Koiib.Toi Kottb, Sir. 6 Tägl. 8 Uhr auchSonnt. naef m.3ü , EIK«. sanger, Ota einzig . dastehend», vielseitige Wnlhnnchtn-Ff. Planetartnm — am Zoo .'triin: Imkimtbila lizt 2.5 Barbarossa 5578 16V» Uhr Via Winter- Sternbilder Istlst Uhr Oer Stern der Wellen. ßOV» Uftr Oer Ptewt Jupiter. Eintritt 1 Mark Kinder SO PL Mittwochs halbe Kassenpreise. ) wo aseist man< gut und billig T Nur Gross- Berlin Alexanderplatz >* ' S'''- Unter den LinttanM Am S. Dezember verstarb unser lieber Kollege ofto SdiiMHd Im Gl, Lebensjahre. Ein altes, treues Derbandsmitglled und lieber Kollege ist von uns ge- gangen. Ehre seinem Andenken! VI« blneeklneneelvvr /,! Uhr, aus dem Georgen-Ktrchhof, Äeißcnsce, Roelckestr., statt. Rege Beteiligung erwartet Die OrtarerwaUnng. Oeotsdier Metallarbeiter-VeM Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Dreher Willi Chedzinski geb. 27. Dezember 1896, am 30. November gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donners- tag, dem 5. Dezember, l3>/- Uhr, von der Leichenhalle des Gemeindekirchhofes in Reinickendorf, Humdoldtstraße, aus statt. Am 1. Dezember starb unser Kollege, der Drücker Fritz Mausolf geb. 27. Dezember 1905. Die Beerdigung findet am Freitag, dem 6. Dezember, I4>/, Uhr, von der Leichenhalle des Alten Kirchhofs in Friedrichsfelde aus statt. Am 3. Dezember starb unser Kollege, der Werkzeugmacher Max Bittner geb. 15 November 1869 Die Einäscherung findet am Sonn. abend, dem 7. Dezember.,>6>,, Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung wird erwartet. Die Ortsverwaltung. »»MaBzMM-MwS uerwaitungsmitgiieder! Am Freitag, dem 6. Dezember, findet keine Sitzung der Mittleren Berwal- tung itatt. Dafür ist die Befichtigung der Sternwarte. Die Vrtsverwaltnntz. . n}u u- 3■- gj&cvttu®" a Deutsche Anker- «ihrAn Kette, � unrcn i jabr Garantie, 0t«- Küchenuhren � eso licasingwerk, STagc Eehend.Stttck Moderne Stein- diokerFa�ÄfiekSOpt Zigaretten- spitzen echt subITick 95p,. Manschettenknöpfe •cht Silber, doppelseitig mit AC Perlmatter............ Stück Eleg.Armbänder 075 amerikanisches Doabld....Stück w Weisswaren Crepe de Chine* Bubikragen«.aum. •chctten, mit Spachtelspiles garniert.............-..... Stück Sb Crepe de Chine* Passenkragen»u 075 moderner BOckeogarniemng, St w Kunsfseidene arhAnAT � wut«? p«»- A �auicnt!� ptuck" Perlkragen ssso Schal oder Bubiform...... 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