BERLIN Vonnerstag S.Dezember 1929 10 Pf. Nr. 520 B 284 46. Jahrgang erscheinttiglich außerS»««t«st. Zugleich Abendauegabe de«.DorwSrt«'. Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, s,eoM. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SWSs,Lindcnstr.Z „VjfiütSsh Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareilleztile So Pf.. Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m.b.H.. Berlin Nr.Z7öZ6. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? Selbsischuh des Reichstags. Wesentliche Verschärfung der Geschäftsordnung. Die Ziaiffeisen-Kormption. Immer neue Betrügereien kommen ans Licht. Die lächerlichen und gemeinen Skandalfzenen, mit denen die Kommunisten gestern wieder einmal den Reichstag entwürdigten, haben die Folge gehabt, daß der Gcschäftsordnungsaus- fchuß heute vormittag zusammengetreten ist, um die schon längst geplante, schon längst dringend notwendige Verschärfung der Lrdnungsmaßnahmcn durchzuführen. Diese Maßnahmen richten sich nicht gegen das freie Wort, auch nicht gegen echte Ausbrüche des Temperaments. Der Präsident Gmosse L ö b e hat sich gestern genötigt gesehen, einen ollgemein be- liebten und angesehenen Sozioldeinokroten. den Genossen Tempel, aus dem Hause zu weisen, weil dieser über das unanständig« Be- nehmen eines deutschnationalen Rüpels im Zorn außer sich geraten war. In solchen Fällen würde an sich ein Ordnungsruf durchaus genügen. Rur weil der Präsident zuvor genötigt gewesen war, eine Reihe von Kommunisten auszuschließen, die mit Schimpswortcn um sich geworfen hotten, mußte er über den Sozialdemokraten die an sich überscharse Strafe des Ausschlusses aus der Sitzung verhängen. Daß Ausschlüsse für längere Zeit in ähnlich gelagerten Fällen nicht st: Betracht kommen können, versteht sich von selbst. Bei den Kommunisten handelt es sich jedoch um etwas anderes. (Es handelt sich nicht um Leute, die irgendwelche Ueberzeugungen mit Leidenschaft vertreten, nicht um Ausbrüche eines starken Temperaments, sondern um planmäßige Störungen, die mit vollkommener Gefühlskalte vorbereitet und in Szene gesetzt werden. So war der gestrige Skandal durch einen Artikel der„Roten Fahne" über den„Arbciterminister Severing" eingeleitet worden. Die Störungsabsichten der Kommunisten waren schon vor Beginn der Sitzung im ganzen Haus« bekannt. Allen Brüllszenen folgten heiter« Zwischenspiele, bei denen die Kommu- nisten lachend bcieinonderstanden und sich wie Kinder der gelungenen Störung freuten. Wurde aber die Sitzung wieder eröffnet, so gingen die Brüllfzenen sofort wieder los.' Ein Parlament, das etwas auf sich selber hält, muß sich gegen ein solches Kaschemmentreiben schützen. Andere Strafen als die des Ausschlusses kann es nicht verhängen, also muß diese ein« Strafe so empfindlich wie möglich gestallet werden. Ausschluß auf längere Zeit hat den Nachteil, daß vom Volk— leiderl— gewählle Abge- ordnete an zahlreichen Abstimmungen nicht teilnehmen können. In einzelnen Fällen könnte es sogar geschehen, daß dadurch das Ab- stimmungsergebnis geändert wird. Solche Nachteile zu verhüten, ist aber heute nur den Herren Abgeordneten selbst möglich, indem sie sich nicht wie Lausejungen, sondern wie erwachsene und gesittete Menschen benehmen. Wenn es gelingt, durch die neuen Maßnahmen die Ordnung im Reichstag wiederherzustellen, dann wird durch das ganze deutsche Volk, besonders auch durch die deutsche Arbeiterklasse ein Aufatmen gehen. Respekt vor jeder ehrlichen Ueberzeugung und jeder echten poli'ischen Leidenschaft. Lausejungen aber gehören nicht ,n das Parlament, solange bis sie sich anständig zu betragen gelernt haben! «- Im Geschäftsordnungsausschuß des Reichstags schlug Präsident Löbe heute folgende Veränderung der Ordnungsmaßnahmen im Reichstage vor: § 90 fworlentziehung). Ist-in Redner dreimal in derselben Rede zur Sache oder zur Ordnung gerufen und beim zweitenmal auf die Folgen eines dritten Ordnungsrufes hingewiesen worden, so kann ihm der Präsident das Wort entziehen oder die im 8 S1 angeordneten Maßnahmen über ihn verhängen. ß gl(Ausschluß von Abgeorducten). Wegen gröblicher Verletzung der Ordnung kann der Präsident ein Mitglied bis zu 30 Sitzungstagen von der Teilnahm« an den Verhandlungen ausschließen. Für die Zell bis zmn Ablauf der Ausschlußfrist ruht die Berechtigung zum Bezüge der Diäten und zur Benutzung der Fahrkarte. Das Mitglied hat den Sitzungssaal sofort zu ver- lassen Tut es das trotz der Aufforderung des Präsidenten nicht. so wird die Sitzung unterbrochen oder airfgehoben und da» Mitglled zieht sich dadurch ohne weiteres den Ausschluß für weitere dreißig Siß' ngstage zu.. Der Präsident stellt diese izolgen bei Wuchereröffnung der Sitzung oder bei Beginn der nächsten fest. Da- Mllgiiöd darf während der Dauer der Ausschließung auch an den A u s s ch u ß s i tz u n g e n nicht teilnehmen. 8 95 s herbeirufung eiues Reichsminlskers). Jedes Reichstagsmitglied kann die 5>erbelrusung eines Reichs- Ministers beantragen. Der Antrag bedarf der Unterstützung von All onwesenden Mitgliedern. (Zoetsetznug auf der 2. Seite.) Au Boginn der heutigen Sitzung des Raiffeisenausschusies verlas der Hilfsreferent Dr. Bloch zunächst eine Strafanzeige, die gegen den am Mittwoch vernommenen Zeugen, den Prokuristen Möhring, von der Raifseisen-Bank erstattet ist, und zwar wegen Un- treue. Möhring Hot als Leiter der Effektenabteilung an ein Bank- Haus Wersche u. Co. in der Linkstraße ohne Wissen des Vorstandes Kredite gegeben. Als diese Kredite notleidend wurden, hat er von dem Dankhaus Wersche zur Abdeckung Aktien der Wutsch- dorfer Werke, einer Braunkohlengrube, in Zahlung ge- nommen. Der Kurs dieser Aktien war dabei willkürlich so hoch an- gesetzt worden, daß ihr Preis die Schulden der Firma Wersche genau abdeckte. In Wirklichkeit waren die � Aktien fast wertlos. � da die Wutfchdorfer Werke fünf- bis sechsfach überschuldet waren. In dem Erwerb der Aktien zu dem ganz unberechtigten Kurs« von 126 durch Möhring wird der Tatbestand der Untreue erblickt. Es wurde dann der Prokurist Tannen vernommen. Er hat den Schwindler Thias als seinen ehemaligen Schulkameraden zur Raifseisen-Bank gebracht und an die Kreditabteilung empfohlen. Tannen war selber Mitinhaber der Firma Thias u. Co., auch wöh- rend seiner Tätigkeit bei Raiffeisen. An Thias hat die R a i f f. eisen-Bank 1 Million verloren! Später ging Tannen. zum Riebe-Konzern über, einen Großkreditnehmer der Raiffeisen- Bant, an den diese mehr als ö Millionen verloren hat. Ausgiebig gelangte nunmehr die Frage der Lagerschein« zur Erörterung,' die U r a l z e f f als Sicherheit für fein« Kredite gegeben hat. Prokurist Lange hatte am Dienstag bei seiner Ver- Kuchenzwerg (ONp. 5 121 213, ONSM. 12341 693) aus breiiger Lebkuchenmasse(Vorsicht bei Transport, da leicht zerbröckelnd) empsiedlt für den Weihnachtsmarkt die Oeutfchnationale S. m. b. H. m Liquidation. nehmung mit Sicherheit bekundet, daß es sich um richtig« Inhaber,. papiere gehandelt habe. Heute wurde durch das Zeugnis des Amts» gerichtsrats Meulenberg und des Angestellten Zerbe festgestellt, daß es sich nicht um Lagerscheine, sondern um Quittungen gewöhnlicher Art gehandelt hat, durch die der Raisseisen- Bank ein Pfandrecht nicht erwuchs. Durch die Aussage Zerbes stellte sich immer mehr heraus, daß es sich um einen ungeheuerlichen Schwindel mit diesem Lager bei der Firma Koch gehandelt hat. Aus vielen der sogenannt.'N Lagerscheine fehlte die Bezeichnung der eingelagerten Kisten, auf manche Lagerbestände waren mehrere gleichlautende Lagerscheine ausgeslelll. Vielfach stimmte die Stückzahl nicht. Die Kisten ent- hielten nicht die Waren, die sie enthalten sollten. Alles dies ist aber von der Raifseisen-Bank aussälligerweise bis Oktober 1925 nicht nachgeprüft worden. Als der Zeuge Zerbe im Oktober 1925 eine Prüfung vornahm, stellte er fest, daß Hunderte von Kisten mit Paraffin inzwischen an die Firma Motard, Hunderte von Waggons Glas nach Hainburg an die Schwestcrfirma der Speditionsfirma Koch veräußert waren. 569 Kisten mit angeblichen Edelchenükalien fehlten ganz. Auf die Frage, warum man nicht sofort gegen die Firma Koch eingeschritten sei, erklärt Amtsgerichtsrat Meulenberg, daß die an- geblichen Lagerscheine wegen ihrer Mangelhaftigkeit weder eine zivilrechtliche noch strafrechtliche handhabe zum Einschreiten gegeben hätten. Der Zeuge Zerbe verliest eine eidesstattliche Aussage, die er damals zusammen mit dem Rechts- anwalt der Raisfeisen-Bank zwecks Einleitung von Strafverfahren gegen Uralzeff und Koch aufgesetzt hat. Die eidesstattliche Versiche» rung ist aber»i« zur Absenkung gelangt. Der Ausschuß beschließt, sofort den Rechtsanwalt als Zeugen darüber zu hören, warum die Anzeige unterblieben ist. Abg. L e i n e r t verlangt, daß die sogenannten Lagerscheine endlich im Original herbeigeschafft werden, ver Ausschuß habe es satt, sich dauernd von belastenden Zeugen die Unwahrheit sagen zu lassen. Berichterstatter K u t t n e r stellt sest, daß die Betrügereien nur möglich waren, wenn von den drei Parteien Urolzcsf — Speditionsfirma Koch— Raiffeisen-Bank zwei unter einer Decke spielten. Was man noch nicht ersehen könnte und was sest- zustellen sei, dos sei lediglich die Frage, welche zwei Teile unter einer Decke gesteckt hätten.____ Der Reichstag tagt. Strafverfolgung schimpfender Abgeordneter. Bei Eröffnung der heutigen Sitzung des Reichstags teilt Prä- sident Löbe mit. daß ihm ein Mitglied den Austritt aus der deutschnationalen Fraktion nutgeieUt und um andere Plätzeverteilung gebeten habe. Präsident Löbe bittet die übrigen in Frage kommenden Mitglieder, sich noch Schluß der Sitzung gleichfalls an ihn zu wenden.(Heiterkeit.) Ohne Aussprache wird zunächst in zweiter und dritter Be- «tung die Novelle zum Genossenschaftsgesetz angenommen, durch die der Zusammenschluß von Genossenschaften und Revissonsoer- bänden erleichtert werden soll. Der Gcschäftsordnungsausschuß berichtet dann über Anträge aus Strafverfolgung verschiedener Adgcordnc- t«n. Der Ausschuß lehnt in den meisten Fällen di« Anträge ob, beantragt aber, die Genehmigung zur Strafvers ol- gung der Abgg. Dr. Göbbels(Rat.-Soz.). Strasser(Not.- Soz.). Koenen(Komm.) und Den gel(Komm.) wegen Be- leidigung durch die Presse, und des Abg. B l e n k i e (Komm.) wegen Widerstandes gegen seine Verhaftung bei einer Demonstration zu erteilen. Der Ausschußantrag wird angenommen. Abg. Lipinskl(Soz.) erstattet den Bericht des Wohnungsaus- schusses über die Reichsrichtlinien für das Wohnung s- wesen. Der Ausschuß hat den Regierungsentwurf in manchen Punkten geändert und ergänzt. Als weitere Aufgabe der W0H- nungs- und Siedlungspolitik ist vom Ausschuß eingefügt worden: „Durchgreifende Wohnungsaufsicht und W o h n u n g s- pflege zur Sicherung einer pfleglichen Behandlung der Wohn- räum«." Moskau-Washington im Gespräch. O'twinoff über Deutschlands Kesseln. Washington. 5. Dezember. Staatssekretär Stimson berief Pressevertreter zu sich und las ihnen eine Erklärung vor, in der die Moskauer Vorwürfe wegen des amerikanischen Schrittes im russisch- chinesischen Konflikt zu- rückgewiesen werden. In der Erklärung heißt es: Ich habe den Wortlaut der russischen Antwort in der Presse gesehen. Zwischen Signataren eines Vertrages kann es nie- m a l s mit Recht als eine Unfreundlichkeit betrachtet wer- den, wenn eine Nation die Aufmerksamkeit einer anderen auf ihre Verpflichtungen oder auf die Gefahren für den Frieden lenkt, die von Zeit zu Zeit auftauchen. Die vorliegend« Erklärung der russischen Behörden, sie ständen bereits in unmittelbaren Ver- Handlungen, die eine Regelung des Konflikts ermöglichen würden, ist ein bedeutungsvoller Beweis dafür, daß die öffentliche Meinung der Welt«in lebendiger Faktor ist, der rasch mobilisiert werden kann und Streitfrag« geworden ist, die zwischen Nationen auftauchen. Gowjetumon braucht den Frieden. Moskau, 5. Novenrber. In einem Bericht über die außenpolitische Lage führte L i t- winoff vor dem Zentralexekutivkomitee aus: Ein neuer und ganz objektiver Beweis unserer friedlichen Tendenzen ist der Fünsfahrplan der Volkswirtschaft, zu dessen Verwirklichung wir unbedingt einen unverbrüchlichen Frieden anstreben müssen. Jedem muß klar sein, daß es Wahnsinn wäre, diesen Plan, der ein« erhebliche Anspannung der Hilfsquellen erfordert, in An- griff zu nehmen, wenn man gleichzeitig nicht sest entschlossen wäre, sofern es von uns abhängt, unbedingt«ine Störung des Friedens zu verhindern. Nanking hätte stch zu seinem abenteuerlichen Hasardspiel nicht entschlossen, wenn es nicht mit einer allgemeinen sowjetfeindlichen Atmosphäre gerechnet und nicht auf die Sympathie und die direkt« Unterstützung der kapitalistischen Staaten gebaut hätte. Nach einem Hinweis, daß die Lage an der somj et ru ssisch-ma ndfchurischcii Grenze so bedrohlich war. daß die Sowjetregicrung gezwungen war, ein« besondere Armee für den Fernen Osten zu mobilisieren, fuhr Litwinoff fort: Unsere Truppen wären in zu ungünstiger Lage gewesen, wenn die Truppenabteilungen, die die in unser Gebiet eindringenden chinesi- schen Banden zurückdrängten, an der Grenze Halt gemachr und ihnen die Möglichkeit gegeben hätten, von ihren früheren Stand- orten zu neuen Vorstößen zurückzukehren. Unsere Truppen waren deshalb manchmal gezwungen, die Nestor zu zerstören, aus denen die lästigsten und häusigsten Angriff« auf unsere Grenz« ausgingen. Das in Nikolsk Usiuriisk unterzeichnete sowseirussisch- mandschurische Protokoll bezeuge, daß die Bedingungen der Sowjet- regierung die gleichen wie zu Beginn des Konfliktes geblieben seien. Aus dieser Tatsache erhelle deutlich, daß die Gegenmaßnahmen der besonderen Armee fjir den Fernen Osten kein« politischen Zwecke verfolgen und keineswegs als Verletzung des Kellogg-Paktes aufge- faßt werden können. Die Sowjetunion befinde sich auf dem Wege zu einer dauernden Regelung des Konfliktes wegen der Ostchinabahn. Die Freundschaft mit Deutschland. lieber die Beziehungen zu Deutschland führte Litwinosf aus: Mir unterhalten mit Deutschland nach wie vor f r e u n d sry a f t. lichste Beziehungen. Nach wie vor verfolgen wir mit größter Sympathie seine versuche, sich von den Fesseln freizumachen. mit denen es durch den verfailler Vertrag gebunden ist, und unter denen die werktätigen Klassen am stärksten leiden. wir würden die Ergebnisse dieser Bemühungen heiß begrüßen, wenn sie wirklich zur Beseitigung oder wenigstens Lockerung der verfailler Fesseln führen würden. Unsere Interessen werden durch die Bestrebungen Deutschlands nach Regelung seiner Beziehungen zu anderen Ländern nicht berührt, jedoch ausgenommen die Fälle, wo eine Regelung Deutschland» sowjetfeindliche Kombi- Nationen einbezieht. Zm letzten 3ahr hatten wir erneute Beweise, daß es in Deutschland Personen. Gruppen. Organisationen und selbst Parteien gibt, die ein« radikale Aenderung der gesamten Politik Deutschlands im Sinne fowjetseindlichcr Machenschaften im Austausch gegen illusorische politische Vorteile anstreben. Amerika einseitig informiert. Zu dem Schritt der drei Mächte bemerkte Litwinoff: Von den 8,5 Signatarmächten des Kellogg-Paktes haben nur drei, die von keinem dazu ermächtigt find, sich für die Rolle eines Hüters des Paktes ouserwählt gehalten. Dazu mußten sie energisch mit dem Schwamm über ihr Gedächtnis jähren, um für«ine Zeitlang ihre Streitkräfte in Peking, Tientfin, in Schanghai und Wcihaiwei, ihre Kreuzergeschwader und Torpedobootsflottille, ihre Untersee- und Kanonenboote in chinesischen Häsen und auf dem Yangtseflusse, ihre Truppen in Aegypten und am Rhein und die Verhältnis- mäßig noch nicht weit zurückliegenden Vorgänge in Zentral- a m e r i k a und viele andere Totsachen vergessen, die ihre Vergangen. heit und selbst ihre Gegenwart belosten. Die amerikanische Regie» rung schreibt in ihrer Erklärung, sie verfolge mit Besorgnis den Gang der Ereignisse. Bei uns in der Sowjetunion gibt es jedoch, soviel uns bekannt ist, keine Vertreter der amerikanischen Rc- gierung, die von uns aus die Vorgänge an der sowjetrussisch- mandschurischen Grenze verfolgen könnten: und da auch wir keine Vertreter in Amerika haben, ist uns die Möglichkeit genommen, die amerikanische Regierung rechtzeitig über die sie interessierenden Vor- gänge zu informieren. Uns tauchen Zweifel auf, ob die amerika- nische Regierung auch olles verfolgt hat und von ollem unterrichtet ist. Im Staatsdepartement verkehrt freilich der Vertreter?! an- k i n g s, E. C. W u. ein bekannter Feind der Sowjets, der die Hauptinformationsquellc Stimfons ist. Will es Stimson nicht scheinen, daß eine derartige Information sich weder durch Voll- ständigkeit noch durch Objektivität auszeichnen kann und daß sie mindestens einseitig ist? Zum Schluß stellte Litwinoff die beträchtliche Entwicklung und Festigung der Wirtschaftsbeziehungen mit den Vereinigten Staaten fest. Unter geeigneten Bedingungen tömüen weitere wesentliche Schritte im Sinne einer wirtschastlichen Annäherung beider Länder unternommen werden. Er fügte hinzu:„Wir warten ruhig ab, bis diese Notwendigkeit auch oll« seil«, von denen diese Schritte ab- hängen, einsehen, ein« Notwendigkeit, die schon in breiten Geschäfts- kreisen Amerikas erkannt wird." Noch keine volle Verständigung. Mulden lehnt die Sowjetbahndirektoren ab. Mukden. 8. Dezember. Die Unterhändler der Mut denregi« rung bei den Verhandlungen mit den russischen Delegierten über die Beilegung des Streites über die ostchinefifche Eisenbahn in Nikolsk sind gestern wieder noch Mulden zurückgekehrt. Di« beiden Abgesandten erstatteten unverzüglich in einer Sondersitzung des politischen Rates der Mukden- regierung Bericht über das Ergebnis früherer Verhandlungen. Beide Parteien. Rußland wie China, haben sich dem Bericht der chinesischen Unterhändler zufolge- verpflichtet, olle in dem-chinesisch. ruffischen Vortrag von 1924 vorgesehenen Bestimmungen zu erfüllen. Zu einer vollen Verständigung ist es aber bisher noch nicht gekommen, da von russischer Seite darauf bestanden wird, daß der frühere russische Direktor und der frühere stellvertretende russische Direktor der Eisenbahn in anderer Eigenschaft in der Verwaltung der Bahn weiter beschäftigt iverden sollen. Die chinesischen Vertreter auf dieser Konferenz haben sich der Forderung Rußlands aber mit der Begründung widersetzt, daß bei Wciterbeschäftigung der ehe- maligen russischen leitenden Beamten die Gewähr für einen dauernde» Frieden nicht gegeben werde. Wenn Rußland in diesem Punkte sich zum Nachgeben bereit zeige, so sind nach Ansicht der chinesischen Delegierten alle Vorbedingungen für eine unmittelbare Regelung der Streitfrage� auf gütlichem Weg« gegeben. Selbstschutz des Reichstags. (Fortsetzung'von der 1. Seite.) Der bayerische Volksparteiler Rauch stellte folgenden Antrag: „Wird die Ordnung derartig gestört, daß die Fortführung der Verhandlungen unmöglich«rfcheitit, so kann der Präsident für die Dauer der Sitzung den Zustand des erhöhten Schutzes verkünden. Gegen dessen Verkündung ist Einspruch nicht zulässig. Sobald der Zustand des erhöhten Schutzes verkündet ist, ver- lieren Abgeordnete, die gemäß§ 91 der Geschäftsordnung wegen gröblicher Verletzung der Ordnung von der Sitzung ausgeschlossen werden, auf die Dauer eines Vierteljahres ihre Aufwandsentschädigung und die Berechtigung.zur Freifahrt. Wird in diesem Falle trotz Aufforderung die Freikarte nicht zu- rückgegeben, so wird sie auf die Dauer eines Jahres für kraft- los erklärt." Die Sozialdemokratie nahm den Antrag Löbe als den ihrigen aus. Der Reichstagspräsiücnt erklärte, daß er nur zwei Vorfälle aus der gestrigen Sitzung zur Begründung anzuführen brauche. Der kommunistische Abgeordnete Koenen habe dem Mi- nister Severing zugerufen:„Der Bluthund darf hier nicht reden!" De? Reichstag soll also vor einer Minderheit kapitnlierea. Der Kommunist Heckcrt habe gerufen:„Es fällt mir gar nicht ein, aus dem Saustall herauszugehen." Ein solcher Ton könne im Paria- ment nicht geduldet werden. Abg. Pieck behauptet, nicht die Kominunisten hätten die Sitzung gestört, sondern die Unfähigkeit des Vizepräsidenten. Eben- so wie die Kommumsten hätten auch schon andere Parteien gegen Mlnisterreden protestiert. Der Abg. Dittmann habe dem Präsi- denten die einzelnen Kommunisten demmziert. Was die anderen Abgeordneten als Beschimpfung ansahen, sei nur Feststellung von beschimpfenden Tatsachen. Abg. Dittmann(Soz.) erklärte, er habe keineswegs dem Vize- Präsidenten Namen genannt. Er selbst habe stch in den ersten Jahren nach der Revolution gegen jede Verschärfung der Geschäfts- ordnung gewehrt. lZuruf Löbe: Ich auch.) Präsident Löbe erwiderte auf kontmunistische Einwendungen, es fei notwendig, mehr a l s«inen Tag Ausschluß zu verhängen, weil sonst der Abgeordnete das Schauspiel am nächsten Tage wiederholen könne. Der gestrige Vorfall sei kein Einzelfall. Neulich hätte sich bei einer Rede des Reichs- arbeitsminiisters dieselbe b e le i d i czend e Schimpfe- rei entwickelt. Wenn das vornehme Mittel des Ordnungsrufes nicht genüge, müßten schärfere Maßnahmen ergriffen werden. Wenn im allrussischen Sowjelkongreß auch nur ein Mitglied so austrete wie hier die kommunistische Fraktion, so wolle er einmal sehe«, was sich dann ereignet. Die Demokratie habe das Recht. sich gegen diejenigen zu schützen, die sie mit Gewalt ausrotten wollten. Abg. Bell(Z.): Die Reform der Geschäftsordnung fei nicht mehr auffchiebbar. Er hält den Kommunisten den Sozialdemokraten August Bebel als Muster vor. Dieser habe immer den Anstand im Parlament hochgehalten. Abg. Heitmann(Soz.) erklärte, die Disziplinarmaßnahmen auf Entzug der Diäten und der Fahrkarte seien nicht verfassungsän- dernd, da der Abgeordnete kein klagbares Recht auf diese Dergünsti. gunqen habe. Er verweist auf entsprechende Geschäftsordnungsbestimmungen in Baden und Preußen. Präsident Löbe erklärt, jedes Parlament müsse sich durch Diszi- plinarmoßmchmen schützen, das widerspreche der Verfassung nicht. Es stehe im Belieben jedes Abgeordneten, durch sein Verholten sich vor dem Ausschluß zu schützen. Seine Hoffnungen, daß die Störungen im Parlament aushören würden, haben ihn getäuscht. Er sei nickst für«in Gouvernantentum und verstehe Entgleisungen. Systematisch organisierte Störungsaktionen wie gestern müßten aber niedergehalten werden. Erst be- antragten die Kommunisten, ein Minister solle erscheinen, wenn er dann kommt, lassen sie ihn nicht reden. Die manchmal übergroße Milde des Präsidenten Löbe und seine Loyalität auch gegenüber der Opposition seien bekannt. Abg. Vittmann wünscht, daß die Berschärsung der Geschäfts- ordnung auf dem Papier stehen bleibe und schon die Drohung wirke. Abg. Fischbeck(Dem.) belehrt den Abg. Pieck dahin, daß cnt- gegen dessen Behauptungen im alten Reichstag auch die scharfe Oppo- sition nicht mit solchen Radaumitteln oder Schimpsworten gearbeitet habe. Vizepräsident Kardorfs bestätigt, daß ihm Abg. Dittmann keinen Namen genannt habe. Gerade die Kommunisten hätten oft unter Namensnennung Ordnungsrufe für Abgeordnete anderer Parteien oerlangt. Die gestrigen Vorfälle seien abgekartetes Spiel gewesen. Seine Fraktion werde den Vorschlägen des Präsidenten zustimmen. Der deutschnationale Abgeordnete Graes wirst die Frage auf, ob die Entziehung der Fahrkarte nicht verfassungsändernd sei, da das Recht auf Freifahrt des Abgeordneten in der Verfassung stehe. Die Borschläge des Präsidenten Löbe werde« gegen die vier kommunistischen Stimme« und bei Stimmenttzal- tung der Deutschnationalen angenommen. Kompromiß in Oesterreich. Einigung in den Hauptfragen erzielt. Wien, 3. Dezember. Die parlamentarischen Arbeiten des Unterausschusses betreffend die Verfassungsreform wurden um 3% Uhr früh beendet. Im wesentlichen ist bis auf einige kleinere Fragen alles geklärt. Spät nachts wurden die Vcrfassungsvorlagcn für die weitere parla- mentarische Behandlung im Verfassungsausschuß in Druck gelegt. ?!och allen vorliegenden Meldungen wurde ein Einvernehmen über die Schul frage erzielt in der Weise, daß dem Unterrichts- Ministerium ein allerdings beschränktes Weisungsrecht an die Unter- behörden, ferner ein gewisses Inspektionsrecht über die Volks- und Mittelschulen zustehen soll, weiter ein Einoernehmen über die Wohl- ordnungsfragen in der Weise, daß die Ausstellung der Wähler- Verzeichnisse im allgemeinen den Gemeinden obliegt. Die verfassungsrechtliche Stellung Wiens ist noch nicht ganz geklärt. Die Sozialdemokraten wollen, wie oerlautet, die städtischen Betriebe von der Kontrolle des Rechnungshofes ausnehmen. Was die Dauer der Amtszeit des Bundespräsidenten betrifft, so ver- treten die Christlich-Sozialen die Anschauung, daß der jetzige Bundespräsident bis zum Ablauf der noch drei Jahr« dauernden Funktionsperiode im Amte verbleiben soll. Verficherungsmord aufgeklärt. Tehner gesteht feine Tat ein. Leipzig. 4. Dezember. Die Leipziger Kriminalpolizei teilt mit: Ter am Mitt- wortz im Strasburg imder Instrumentalmusik, der großen Orchesterkunst, vordringt: das Bedürfnis der Arbeiterschaft als Publikum einstweilen nur: denn so weit sind wir noch nicht, daß sie auch schon ihren eigenen Instrumentakapparat hervorgebracht hätte: wir haben Arbeiterchöre, doch noch nicht Arbeiterorchester von entsprechender Leistungsfähigkeit. Das hat feine Gründe, die sich im Rahmen dieser kurzen Betrachtung nicht ausführen lasten. Jedenfalls, die Entwicklung verläuft hier anders als auf dem Gebiet des Chorwcfens. Wir haben die„Arbeitersymphonie" früher als das„Arbeiterorchcstcr": aber wie das neue Arbeiterlied cnt- steht die instrumentale Arbeitermusik auf dem gesellschaftlichen Boden, der durch den Arbeiterchor bereitet ist. Arbeitermusik— der Begriff läßt sich nicht ästhetisch, sondern nur soziologisch definieren. Es gill nicht, neue Formprinzipien, neue Regeln etwa der Harmonie oder der Instrumentation aufzu- stellen.„Für die zu schaffenden Werke," hieß es in den Bestim- mungcn des Preisausschreibens,„ist ein Stil anzustreben, der ver- möge der Durchsichtigkeit und Faßlichkeit der Tonsprachc, der klaren und überzeugenden Gestaltung des Melodischen und Rhythmischen, unmittelbare Wirkung auch auf breite Masten musikalisch nicht vor- gebildeter Hörer erwarten läßt." Mehr und anderes kann nicht gefordert werden: Sache des schassenden Musikers mußte und muß es immer bleiben, die recht« Einstellung zu der gedachten Hörer- schoft und aus dieser Einstellung den rechten Ton zu finden. Arbeitermusik ist eine Klassenangelegenheit. Dos heißt nicht, daß sie eine Sache des betonten Klassengegensatzes sein müsse. Ab.r sie könnte es werden, auch eine Sache des Klassenkampfes viellcichl einmal. Deim olle Kunst hat ihre Funktion im Leben, oder sie hat kein Lebensrecht. Und olle Zlrbeiterkunst muß ihre Funktion-m Leben der Arbeiterschaft haben. Wenn die Parole„Kampf" heiß«, dann gerade heißt es für sie, all ihre Kräfte zusammenzunehmen. Alle Kräfte: die Musik wird unter ihnen nicht fehlen. Neue Arbeitergesänge. Konzert des Berliner Schubert-Chors im Konzen- faal der Staatlichen Hochschule für Musik: ein gutes, interessantes Programm, vorbildlich nicht nur in der Wahrung hohen künstle- rischen Niveaus. Männcrchor wechselt mit gemischtem Chor, Altes mit Neuem. Auf volkstümliche Chorlieder des 16. Jahrhunderts folgen drei slowakische Volkslieder in der Bearbeitung von Bela Bartok: wir sind halb in der proletarischen Gegenwart, der und deren Schaffen dann, unmittelbarer, die zweite Programmhälfte gewidmet ist. Zwischen der ersten und zweiten, als Intermezzo. moderne„Songs" von Lotte Lenja, mit Begleitung der Lewis- Ruth-Band vorgetragen, ein Zwischenspiel, das viel Beifall findet. zugleich, richtig verstanden, Vorspiel und Auftakt zu den neuen Chorstücken von Kurt Weill und Hanns Eisler. Auch im heutigen Song, wie ihn der Komponist der„Drei- grofchenoper" und wie er diesen populär gemacht hat, sind ohne Zweifel Elemente einer zeitgemäßen Volkstümlichkeit enthalten: der Ton, der darin angeschlagen wird, klingt in den Gesängen wie- der, mit denen Kurt Weill sich zum ersten Mal« auf dos Gebiet des Arbeiterchorliedes begibt. Ein guter, verheißungsvoller An- fang:„Die Legende vom toten Soldaten". In bewußtem Verzicht auf alle Möglichkeiten der„linearen Polyphonie" mehr auf Deklo- mation als auf das Singen gestellt, der gemischte Sängerchor wird gewissermaßen zun, singenden Sprcchchor» nur eben, daß der Musiker ihm die Melodie des Sprechens, ihren Rhythmus und ihre Harmonie gegeben hat. Ein neuer Stil der Ehorballode ist mit Glück versucht, der Eindruck ist stark und unmtttelbar, freilich wird er nicht zuletzt durch das Wort erzeugt, durch die Bersc Bert Brechts, von dem auch hier wieder der Komponist fruchtbare Airregung empfing. Elementarer als Weill, der wohl ein wenig auf intellek- tuellen Wegen in die Sphäre des Arbeiterliedes kommt, wirkt Hanns E i s l e r: weniger reich allerdings an Nuancen der Ton- spräche, obgleich weniger primitiv im Chorsatz. Auch bei Eisler geht die Wirkung nicht so von der Musik aus wie von ihrer Ver- bindung mit dem Wort: die Tcxtwahl wird entscheidend. So vor allein in der Ballade vom Streikbrecher, deren grimmig ironischen Ton der Musiker wirkungssicher steigert. Starke Momente enthält das kurze Stück„An Stelle einer Grabrede". Aber dann kommt noch, zum Schluß des Abends und als Höhepunkt, ein proletarisches Kampflied„Auf den Straßen zu singen", eine Komposition von un- erhörter Kraft des Ausdrucks, elementar, von unwiderstehlicher Gewalt. Vielleicht sollte man es in der Tat„auf den Straßen singen". Der Schubert-Chor singt es mit dem mitreißenden Fana» tismus, der als suggestive Kraft von feinem Führer, Karl Ranke. ausgeht, und er bewährt den ganzen Abend die schönste Verbindung von Wollen, Können und Gesinnung. Klaus Pringsheim. „Winneiou, der rote Gentleman." Theater in der Königgrä'her Straße. Ein Sechsjähriger protestiert lebhaft:„Dos kenne ich schon." Zlndere setzen ihren erwachsenen Begleitern in der Pause ausein- ander, in welchen Werken des unsterblichen Karl May die Personen beheimatet sind. Manche wissen sogar die Seite der einzelnen Bücher anzugeben. Sonst herrscht allgemeiner Jubel bei den jugendlichen Zuschauern dieser weihnachtlichen Kindervorstellung, ein Zeichen also, daß Karl May in den bürgerlichen Kreisen noch inimer nicht ver- gefsen ist. Und vielleicht kann er auch nicht so leicht aus dem Gedächtnis der Menschen ausgewischt werden, denn er umgibt seine Gestalten mit einem romantischen Schimmer,«r stilisiert sie aus Heldentum in Reinkullur, auf Edelmut, auf eine entschieden« Trennung von Schwarz und Weiß. Aber immer mehr merkt man den Abstand, den Erwachsene von ihm nehmen. Man erwartet heute von einer Aben- teurerdichtung mehr. Bielleicht ist der Amerikaner Zone Grcy die moderne Erfüllung. Hermann Dimmler und Ludwig Körner hoben aus den drei Bänden„Winnetou" und der einbändigen„Weihnacht" dieses Stück für kindlich« Gemüter zurechtgemacht. Schmetternde Tyraden, süßliebliche Kantilenen, drohende Männersäuste, gezückte Renolner und Bowymesser bilden den Inhalt. Es ist kaum glaublich, aber tat- fächlich benehmen sich hier die Leute noch edler oder schurkenhafter als im Original. Man mag zu Karl May stehen wie man will. Immerhin sind Dramatisierungen seiner Reiseerzahlungen für große und klein« Kinder noch besser als das ewige Einerlei von dem märchenhaften Königssohn, der sich um sein Schneewittchen oder Dornröschen be- müht. Die Form eines neuen Weihnachtsmärchens ist noch zu finden. Der Vereich der Technik bietet soviel Wunder, daß man sie, phantastisch gesteigert, In einem Märchen unterbringen kann. Gespielt wird unter der Rcgie Ludwig Körners sehr edel und sehr grotesk. Amüsant, daß der Schauspieler Kurt B o i s, der sonst in dem Stück überhaupt nichts zu tun'Hai, als weißblonder Indianer ein paarmal über die Szene goistert, gerade dann, wenn das Pathos siedet, brauset und zischt. Pr. Seil. Oer Südpol und seine Geheimnisse. Anläßlich der Ueberfliegung des Südpols durch den Amerikaner Byrd bringen wir mit Erlaubnis des Verlages F. A. Brockhaus, Leipzig, eine Darstellung der besonderen Probleme der Südpol- sorschung aus der Feder des Fliegers zum Abdruck, die er in seinem Buche.himmelwärts" veröffentlichte. Der Südpol liegt inmitten eines kältestarrenden Erdteils von der Größe Australiens. Ganz bestimmt wissen wir allerdings noch nicht, ob die bekannten Grenzen einen zusammenhängenden Erdteil einschließen. Der Pol ist auf einer 3000 Meter betragenden Hochfläche unter gewaltigen Gletschern begraben, die an die Eiszeit gemahnen. Oberflächenbildung, Entfernungen und Wetter sind im tiesen Süden ganz anders als im hohen Norden. Im allgemeinen kann man sagen, daß das Südeisgebiet während des größeren Teiles des Jahres kalt und stürmisch ist. Hier wie dort wechselt der lange Tag mit der langen Nacht ob. Hier wie dort setzen Kälte und Eis der menschlichen Tätigkeit die schwersten Hindernisse entgegen. Aber im übrigen unterscheiden sich die beiden Enden der Erdkugel doch sehr voneinander. Dos für den Flieger so ausschlaggebende Wetter ist im Süden zweifellos viel schlechter als im Norde». Dafür ist wohl in erster Linie die ungeheure schildförmige und in der Mitte hoch auf- gewölbte Eiskappc verantwortlich. Die am Aeguotor aufsteigende heiße Luft stießt den Polen zu, wo sie sich abkühlt und niedersinkt Vom Gipfel des Südlandes, dem Pol, rinnt sie in wachsender Ge- fchwindigkeit allseits den umliegenden Meeren zu. Dieser im Grund einfache Borgang verwickelt sich durch Winde, die in den südlichen Weltmeeren entspringen. Dennoch gibt dieser„Bergwind" dem Süd- polwetter den großen Zug. der sich in ewigen, den Eisrand durch- heulenden Stürmen äußert. Oft fragt man mich:„Wie kommt es, daß im Südpol noch so viel unerforschtes Land liegt?" Andere begreifen nicht, was dort zu holen ist. Mir selber liegt die Antwort nahe, obgleich es nicht leicht ist, sie in überzeugende Worte zu kleiden. Die Wissenschaft erscheint mir unvollständig, solange es noch etwas zu erforschen gibt. Es fehlen ihr dann noch wichtige Züge des Gesamtbildes. Da denk« ich vor allem an klafiende Lücken in der Klima- und Wetterkunde. Das Weltwetter beruht, kurz gesagt, auf dem Lustaustausch zwischen den Polen und dem Aequator, und bei dieser Wechselwirkung fällt das Südland bei weitem schwerer ins Gewicht als das nördliche Eismeer. Der bisher erkundete geringe Bruchteil der Südpolgegenden bleibt auch während des antarktischen Sommers mit Eis und Schnee bedeckt. Es liegt aber durchaus in: Bereich hes Möglichen, daß aus- gedehnte Flächen infolge der langen Sonnenbestrahlung im Laufe des Sommers schneefrei werden- Schneefreies Land läßt unter anderem aber auch neue Pflanzen und Tier« erwarten. Ferner würde man etwas über den geologischen Bau erfahren und vielleicht auch Per- steinerungen entdecken. Pom Flugzeug aus kann man auch die nackten Steilflanken der Berg« photographieren und»uf dies« Weise viel genauere Aufrisse erlangen, als sie dem Fußwanderer jemals ver- gönnt wären. Mineralfundc sind nicht ausgeschlossen Ein Doltsliederbuch für die Zugend. Von der Kommission für das Loltsliederbuch wird in Fortführung der weit verbreiteten Volksliederbücher für Männerchor und gemischten Chor demnächst ein Volksliederbuch für die Jugend im Verlage von C. F. Peters in Leipzig herausgegeben werden. Das insgesamt 764 Volkslieder um« fassende Wert erscheint nur partiturmäßig in 14 Heften von durch- schmttlich 115 Seiten zum Preise von je 1,50 M. Die Herstellung synthetischen Gummis gelungen. Einer Mel- dung aus New Park zufolge wurde am Mittwoch offiziell von dem Edison-Laboratorium in Wcstorange bekanntgegeben, daß es nach den jahrelangen Versuchen nunmehr gelungen sei, synthetischen Gummi aus Goldrute zu machen, einer in großen Mengen vorkam- menden Untrautart. Di« Pflanze enthält soviel Gummi, daß dessen Produktion zu einem Preise von 65 Pfennig das Pfund möglich ist- Thonia» Mann wird am 7. Dezember in der Hochschule für Musik die Novelle.Maria und der Zauberer" vorlesen. ilrno-hok-Gedevkseier der Volksbühne® v. Auch die Volksbühne, die eine Zeitlang Arno Holz zu ihren Mitarbeiter» zählen komile, beabstchttgt. den verstorbenen Dichter in einer Erinnerungtseier zu ehren, sie wird Anfang Januar ftattfindeu. Ein« Kundgebung für da» Mannheimer Zlatioralihealer. Die Ort«- gruppe Mannheim der Deutschen Bütincngenossenichait bat für Sonntag eine grobe Kundgebung anberaumt, in der die Krise de« Aationalibeotcr« belprochen und die kulturellen Dolgen eine« Verluste« de« Nationaltheaier« dargelegt werden sollen. In dieser Kundgebung wird der Präsident der Bühnengenossenschast. Karl Wallauer, die allgemeine Lage de« Theater» be« sprechen und Vorschläge zur Lösung der Krise unterbreiten. Itederrelle der vömerzcil In Köln. Bei All«fchachtung«arbeitcil auf dem Ncumarkt stieg man auf mehrere Reste, die nach Anficht von sachverslän- digen zu einem römischen Stadthaus gehört Haien, da» an dieser Stelle um da» Jahr 100 nach Christi erbaut Vörden ist. Tragödie russischer Auswanderer. Sechs Lahre unterwegs nach Amerika. Ein Auswcmderermartyrium, das heutzutage kaum denkbar sein sollte- Seit sechs Jahren harren einige Dutzend russisch- judischer Auswanderer in Hamburg, Bremen, Southampton imid London ihrer Weiterreise nach den Vereinigten Staaten. Im Jahre 192.3 verließen sie ihre heimatlichen Orte in Sowjetruß- land: ausgerüstet mit Einreiseerlaubnis und Schiffskarten, trafen sie über Riga teils in Deutschland, teils in England ein, um hier von den Schisfahrtsgesellschaften nach Amerika geschafft zu werden, wo ihre Verwandten sie erwarteten. Als sie aber in Europa eintrafen, erfuhren sie, daß die Ver- einigten Staaten unerwartet die Einreisequote eingeführt haben. Sie dursten nicht weiter und blieben stecken, wo sie sich gerade befanden: in den Auswandererbaracken des Norddeutschen Lloyd in Bremen, im Uebersceheim der Hamburg- Amerika-Linie, in den Auswandererbaracken in Southampton! Anfangs waren es ihrer mehrere Hundert: Jahr für Jahr wur- den es aber weniger. Immer wieder kam ein kleiner Teil in die Auswandererquote und konnte fort. Der Rest blieb da in der Hoff- nung, daß„bald"— in ein. zwei, drei Jahren— auch er an die Reihe kommen würde. Arbeit dursten dle Leute n ich t annehme n, da sie in dem Lande, in dem sie stecken geblieben waren, nur als Auswanderer galten. Für ihren Unterhalt kamen die Schiffahrtsgesellschaften auf. Da aber im Fahrpreis eine jähre- lange Durchfütterung nicht vorgesehen war, so war auch die Ernährung der Auswanderer danach: zu wenig, um zu leben, zu viel, um zu sterben. Als der Schreiber dieser Zeilen vor zwei Jahren die jüdisch- russischen Auswanderer in den Auswandererbaracken des Nord- deutschen Lloyd besuchte, merkt« man den Leuten ihre physische und seelische Not wohl an: Alles Menschen, die durch die Judenpogrome zur Zest des Bürgerkrieges ihre Verwandten verloren hatten und die von nirgends Unterstützung erhalten konnten. Ob in den Auswandererbaracken des Norddeutschen Lloyd sich noch einige von diesen russischen Juden besindcn, ist im Augenblick Sbeulfch- ruffifche ffiauern, die auf der&luchl aus Mußland in Swinemünde ankamen. nicht bekannt. I« Ueberseeheim der chamdurg-Zl»»« r i k o- L i n i e gibt es aber noch fünf von chinm. in England sogar noch achtundachtzig: sechzig leben im jüdischen Asyl in London, achtundzwanzig in einer Scheune in Southampton. Seit sechs Jahren hausen sie hier. Männer, Frauen und Kinder, alle durcheinander. Der Berichterstatter von„Daily Expreß" hat diese achtundzwanzig vor kurzem besucht. Er fand unter ihnen eine sechzigjährig« Lehrerin, ihre Kinder, die in New Dork loben, hatten ihr die Schisfskartc geschickt. Seit sechs Iahren warten sie, daß ihre Mutter zu ihnen käine.' Gibt es denn wirklich keine Möglichkeit, für diese Leute einen Rat zu schaffen? Seit sechs Iahren unterwegs nach Amerika. Unglaublich! U. R. Künf Generationen beisammen. Urgroßmutter, Großmutter, Mutter, Kind und Kindeskind. In einer westböhmischen kinderreichen Gemeinde ereignete sich ein seltsamer Fall. Di« Großmutter, die Mutter und die Tochter gebaren fast zur gleichen Zeit je einen kräftigen Buben. Das klingt ziemlich unwahrscheinlich, aber die Großmutter ist 17 Jahre, die Mutter 31 und die Tochter... gar erst lk Jahre alt. Da die Urgroßmuller auch noch lebt, sind nun fünf Generationen beisammen.... Zugendbuchausslellung in Vankow. Das Bezirksjugend. a mt veranstaltet auch in diesem Jahr« in Zusammenarbeit mit dem Jugendschriftenausschuß des Vczirkslehreroereins Pankow, der Orts» gruppe Pankow im Verband Deutscher Papier- und Schreibwaren» Händler, dem Pankower Künstlerbund, dem Bezirk sgarten-. Schul- und Bildungsamt in der Zeit vom 1. bis 8. Dezember Jugend» buchaus st«Hungen in den Ausstellungsräumen des Gesund- heitshauses, Pankow, Grunowsteaße, sowie in der Aula des Reform- Realgymnasiums in Niederschönhausen. Wetter für Berlin: Meist stark bewölkt mit einzelnen Regensällen bei lebhasten südwestlichen Winden, weiterhin mild.— Jür Deutschland: Ostwärts fortschreitende Wetterverschlechterung, besonders im Nordwesten sehr windig. llaS bier— Sitte, mt! Eine lleicrrascbunz ist»das köstliche R�inisSie Dolllornbrot�, in Scheiben fertig vervnckt aus Hagens Brotfabrik, Berlin» Schmargendorf. Calchrunner Str. 18—20. Es sucht seines Gleichen in Wlxn- acfchmacf und �etömmlichkeit unb wirb in ftolge seiner eigenartigen rtu» sammenstellunf. unb Backprozesses überaus leicht vom Körper aufgenommen. Das..�cronia"'Prot ift schon lanqe vor b«n Kriege wegen seines Eisengebaltes (DRP.) und Kalziumbeftandes, jener wichtigen Ernäbrungscinhciten, au«er. ordentlich begebet und ärztlich alänzenb begutachtet, ebenso wie das..Runoc und Hagens Sportbrot". Teronia-Prot. berge stellt in einer neuen sanitären nuibernen Fabrik bildet ein Markstein auf dem Gebiete der Ernäbruug uno Gesunbbeitspflege: nichts besseres für Bleichsüchtige, nicht besseres nk Blut- arme. Magen- unb Darmkranke, dabei ist das Brot von vollkommenstem Wohl- gcschmack.._. Die»eueröfsnet« Gaststätte.Rosenttaler Plaß", Elsasser Str. im Hause des.�entralvcrbandes der Caf�- unb Lotelangestellten, ist Berkebrsloral des Reichsbanners und bietet den Lesern des»Vorwärts" einen angenehmen Aufenthalt. Berantwortl. �ür die Redaktion: volsgaag Schwarz. Berlin: Anzeigen: Th. Glocke. Berlin Verlag: Vorwärts Verlag G. m b H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch» druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co Berlin SW 88. Lindenstraste 5- Hierzu i Beilage. Donnerst., s, 12. Staats-Oper Unter ct. Linden A.-V. 270 20 Uhr Staats-Qper Am Pl.d.Rcpubl. 20 Uhr 1 Sinfonie- Konzert DonnersU 5. 12. Stait. Oper Bismarckstr. Turnus III 19 Uhr Mnf Staat!. Staph. am Gendarmenmarirt A.-V. 238 20 Uhr 2X2= 5 SiaatLSebiiler-TlieaterMtl]. 20 Uhf: Hans im sclmaKenloch Preist 1- SM. Tl|l. 2 TarstelL 5 int»'/-»r Bat barm« CBS Wodienlq.; 5 U. 50 P1.-3M. Ratka. Stanley». May. Matray-Ballali, cnaries Pento I& Co. usw. I Tägl. S u. SIS Sonnt. 2. 9 o.8 u AI«. C. 4. 8066 INTERNAT. VARIETE Tbeater I. d. Behrenstr. 53-54 8 ... Vater sel». dagegen selir Renaissance-Theater Heute geschlossen! Freitag 7.30 Uhr Premiere Pariser Leben Operette von Offenbach. —— Steiimlitr C 1. 0901 u. 2583/84.— ROSE -THEATER"ÄT' Teleph.: Alexander 3422 u. 3494 Täglich 8» Uhr; (Sonntags SVa und 9 Ulm Pariser Blut Jeden Mittwoch u. Sonnabend nachm. 5 Uhr „Max und Moritz� und der Weihnachtsmann Großes Weihnachtsmärchen. Jeden Sonntag, nachm. 230 Uhr Frau Holle CASINO-TBEATER Lothringer Strafe 97. Der neue Schlager! Familie Hannemann. Dazu ein erstklassiger bunter Teil. FDr unsere Leser: Gutschein für 1—4 Personen Fauteuil nur f.2S HL, Sessel 1.73 sonstige Preise: Parkett u. Rang 0�0 M. Reichshallen-Theater Abends fsl Sonntag nachm.| 3 j Das groSe Weihnachts- Programm der Sietliner- Sander Billettbest.Zentium 11263 Nachm. halbe Preise! Dönhoff. Brettl: Da* phänomenale Dexcmbcr-Progr. Tan». Winter ★ Garten* 8 um» Ztnir. 2818» Bamnen oriaabi 18 Original Lawranee Tillar-Sirla und weitere Varietd' Neuheiten Barnowsliii-SQIiDei) Theater In dar KBnlggrltrar StraBe Täglich 8Vs Uhr Die erste mrs. selby mit Frttzi mataarv •Itrad Ebel KomSdianhaua Täglich 81/* Uhr Der HQhnerhof mit Cun Bols fentral- Theater Alte JakobstrJ2 Gastspiel d. Th. d. Westens Täglich SV. Uhr Stg. J u. SL Uhi Friederike | Dar Walierfolg von Franz Lehär Theater d. Westens Tägl. 8V. Uhi Narielfa d'cilk v.'.3801 Straas Käthe Dorsch Michael Bohnen TriMOii-Tli.Mli,kr «'/. Uhr „Die Ballerina des Königs' So. 4. Stg. 2»? Uhr Sdmccwittchcn Luslspielhaus Friedrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich»'/« Uhr Grand Hotel Lustspiel von Paul Frank Planetamun i ii am Zoo•— 'Srlin;. Judiiastlulsr Sinti 3.3 BarbarossaS57g 16'/, Uhr Dia Wintar starnbilder 18", Uhr Der Starn dar Weiten. 20". Uhr Dar Planet Jupiter. Eintritt I Mark. Kinder SO Pf. Mittwochs halbe Kassenpreise. VolKsbUhne llititir amBälowolsli 8 Uhr Uraafführung Affäre Dreyfus Schauspiel von Ren« Kestnei Regie: H. D Kenter. Staat!. Sdiiiler-Ili. 8 Uhr Hans im Sdipakenlodi Tkeatar am smiifbaaerdamra 8V, Uhr Pennäler Deotsdies Theater 0.1. Norden 12310 »'.« Uhr Der Kaiser v.Amerika von Bernard Shaw Reg.; Max Reinhardt Kammerspiele D.I. Norden 12 310 8'., Uhr Zor gell, flnsidit! Lustspiel von Frederik Lonsdale Regie: Gustaf Grundgens Die Komädie J 1 Bismck. 2414/7516 8V, Uhr Zum 23 Male Vom Teufel geholt von Knut Hamsum Regie: Max Reinhardt Netrepoi-Th. 8", Uhr Das land des Lächelns Vera Schwarz, Richard Tauber Musik von Franz Lchckr Direktion Jr. Robert Klelr Deulsebes Künstler-Thetl Barbarossa 3937 A.8 Uhr Ende 11.10 Uhr Seltsames Zvisdtensplel «ejii: Hilnt Hjlprrt 6. u. 7. nehm. 3'.� Sonntag, den 8., vorm. 11'fr Uhr hlourney'sEnd 3» Uhr DI« J andaro Seite Berlioer Theater Dönhoff 170 B'k Uhr Reserviert fDr Herrn fiaston. Von Max Wolff. Regie: Forster Larrinaea Toeat. a. KoitD.Tot Kottb. 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Mnt Mütter antworten auf die Beschwerde Die Antworten, die auf den am vorigen Donnerstag veröffent- lichten Aries der Frau Meyer eingelaufen sind, sind so zahlreich, daß es unmöglich ist, sie olle zu veröfsentlichcn. Nur zwei Zu- schristen enlholten eine Solidaritätsertlärung mit Frau Meyer. Alle anderen stellen sich auf die Seite des Kindes und der Jugendlichen. Hält man sie nebeneinander, so ergibt sich eine Uabercinstimmung. die um so erfreulicher ist, als sie zeigt, daß lveitc Kreise der Elternschaft von dem Prügel- und Zwangs- erzichungssystem nichts mehr wissen wollen. Vor allem wird Frau Meyer das Recht abgesprochen, über Kindererziehung und Kinder zu sprechen, weil sie selbst kinderlos ist. Was nun die sachlich-unsachlichen Ausführungen der Frau Meyer anbelangt, so wird in fast allen Zuschriften auf die Be- schwerde über das Benehmen der Jugendlichen und Kinder in der Elektrischen hin darauf hingewiesen, daß man von einem abgearbeiteten Jugendlichen und von Kindern, die ihre Schulstunden hinter sich haben, nicht verlangen könne, Erwachsenen ohne weiteres Platz zu machen. Es wird darauf verwiesen, daß da, wo es not tut, in der übergroßen Mehrzahl der Fälle der Platz freiwillig geräumt wird. Verlogenheit hatte Frau Meyer der heutigen Jugend vor- geworfen. Da kommt sie schön an! Ihr Prügelsystem ist es, das die Kinder erst zum Lügen erzieht, antwortet man ihr; unter Ihrer glorreichen Monarchie hat man beim Militär die Rekruten syste- matisch zum Lügen genötigt. Und Frau Meyer— bald spöttisch, bald empört klingt das in den Antworten immer wieder an—, schämen Sie sich nicht, in demselben Atemzuge, in dem Sie der Jugend Verlogenheit vorwerfen, zu gestehen, daß Sie selbst gelogen haben, als Sie sich vor der Mutter jenes armen Sünders, der angeblich ihre Fensterscheibe zertrümmert hatte, verleugnen ließen? Ja, und der Kinderspektakel auf der Straße: Zu Ihrer Zeit waren wohl all« Kinder Musterbeispiele? Sollen sich die Kinder vielleicht in den Wohnlöchern vertriechen? Warum haben Sie bei den Konnnunalwahlen nickst der Sozialdemokratie ihre Stilmne gegeben. die dafür eintritt, daß in den einzelnen Bezirken soviel Freiflächen geschosien werden, daß die Jugend es nicht mehr nötig hat, die Straße zum Spielplatz zu wählen?— So oder so ähnlich heißt e« in den Briefen immer wieder. Und nun die Bibel und der Stock. Hier wird die Erziehungs- frage als solche gestreift, und wir wollen der Frau Meyer an«in- zelnen Beispielen zeigen, wie Mütter über diese Frage denken. Ein bißchen Liebe und Verständnis— das ist der Grund- ton der Zuschriften— und es geht auch ohne Stock. Erste Mutter: Die Mutter zweier Kinder imAltervonllundSIahren schreibt: „Warum, ihr Neben Christen, die chr Gott und die Religion fortwährend im Mund« hobt, euch aber nicht danach richtet, was der Gründer des Christentums lehrte und tat, warum tut ihr solches Vicht? Sein Lehren war:„Fried«, Friede fei mit euch* und ajebet euch untereinander". Aber die heuchlerische Art predigt nichts anderes als Krieg. Haß und Klopfpeitsche, wenn möglich, schon von Geburt an. Ich bin Mutter zweier Kinder(11 und 8 Jahre), die von rinemStocknochnichtszuspüren bekommen haben, und doch bezeugt mir jeder, der sie kennt, daß es liebe Kinder sind. Ich freu« mich, daß die weltlichen Schulen gegründet wurden und daß ich meine Kinder dort hinschicken kann, wo sie wahrhaft christlich erzogen werden. Denn das Prinzip der welllichen Schulen ist Lieb« und die Bibel sagt: Gott ist Lieb«, und die goldene Regel lautet: Liebet euch untereinander." Zweite Mutter: Eine andere Mutter(„21 Jahr« alt. noch nicht vorbestraft, im Besitz eines standesamtlich beglaubigten Gatten und eines sechs Monate alten Kindes") schreibt: .Wir Proletaricrmädels, die wir von der Fabrik oder vom Bureau aus in die Ehe gegangen sind, die wir zum Teil noch mit- arbeiten müssen, um den Lebensunterhalt mitzuverdienen, wir haben dennoch Zeit und Liebe für unser Kind. Und wie wir in der Familie nicht die Untergebene des Mannes sein wollen, so werden unsere Kinder mit uns aufwachsen als Kameraden. Verstehen Sie das nicht falsch Ich vertrete nicht den Standpunkt. daß das Kind jeden Willen haben soll. Im Gegenteil, mein Kind wird früh lernen müssen, sich einzuordnen in die Gemeinschaft der Familie um so leichter und freudiger wird es sich später in die größere' Gemeinschaft des Staates und der Menschheit einordnen und seine Pflichten erfüllen. So hat für mich weder der Stock noch die Bibel irgendwelchen Wert zur Erziehung meines Kindes Für unser Zusammenleben in der Familie gilt der Spruch: Uns bindet die Liebe, uns bindet die Not zu kämpfen für Freiheit und Brot." Dritte Mutter Die Muster eines zehnjährigen und eines fünsjähri- g c n B u b e n richtet an Frau Meyer folgende Worte: „Meine liebe Frau Meyer, auch heute ist bei unseren Kindern noch' Gehorsam, ober kein Kadaver- oder Rekruten- gehorsam. Anstand, aber weniger Prüderie. Gesittung, aber kein« bedingungslose Unterwerfung vorhanden. 25 mit der Klopfpeitsche, die haben wir früher bekommen. Ich weiß es aus Erfahrung, aber das, was damit erzielt werden sollt«, wurde nickst erreicht. Durch die K l o p f p e i t s ch e n e r z i e hu n g wurde uns die Lüge und die Heuchelei beigebracht. Man sah eben zu. daß man nicht erwischt wurde. Dys nanme man dann Pfiffig- teit. Nun. und die anderen, die erwischt wurden, waren doof. Mein Junge hatte mit einem Steinchen, welches er auf eine Markise warf,-ine Schaufensterscheibe gesplittert. Es war sehr bedauerlich. Ich mußt« zahlen. Geschlagen Hab eich meinKindnicht. Ich sagte mir�daß er nur Pech gehabt hatte. Ais Kind hatte ich auch an diesem Spiel Freude, hatte aber Glück, daß der Stein immer aus die Markise fiel und nicht die Scheibe traf. Meinem Jungen jagte ich vm, daß ich durch{eine Ungeschicklichkeit Geld ausgeben mußte, wofür ich ihm und seinem Bruder doch lieber Obst und dergleichen gekauft hätte. Dem Kaufmann entsteht aber auch noch ein Schaden, er muß die ganze Scheibe ersetzen lassen, und bis die neu« Scheibe eingesetzt wäre, könnten unehrliche Menschen kommen und aus dem Fenster etwas stehlen. Er wolle doch gewiß nicht, daß soviele Menschen Schaden hätten, außerdem müsse er auch eine Woche aus das Obst verzichten. Mein Junge hat darauf auf diese Art des Spiels verzichtet. Wäre mir das als Kind passiert, hätte ich die Klopspeitsche zu spüren bekommen. Eine Erklärung, warum ich das nicht tun dürfe, aber nicht. Ich hätte bestimmt dem Spiele weiter ob- gelegen und hätte mein Augenmerk nur darauf gerichtet, mich nicht erwischen zu lassen. Was wertvoller ist, überlasse ich Ihnen, Frau Meyer, zu entscheiden." Vierte Mutter: Ein« Mutter und, wie sie betont, Christin, die Frau Meyer insofern zustimmt, als st« der Meinung ist, daß die heutige Jugend zu sehr sich selbst überlassen ist, schreibt: „Was Frau Meyer über den Stock schreibt, möchte ich ver- neinen. Man braucht keinen Stock, um Kinder zu erziehen. Muß man aber einmal strafen, dann kann man es auf ander« Art tun. Ich selbst habe ein Kind, das ich bisher ohne Hiebe er- zogen Hobe, und zwar nach dem Grundsatz: Du sollst deinen Bater und deine Mutter ehren. Mein Kind gehorcht auf einen Blick von mir. Es weiß aber auch, daß ich es verstehe und es mit allen Angelegenheiten zu mir kommen kann." Fünfte Mutter; Zum Schluß die Stimme einer Frau und Mutter, deren Ellern auch ein Geschäft hatten. „Gibt es denn zwischen den Extremen Hiebe und Stock nicht einen Mittelweg? Es gibt ihn. Nur ist er für viele zu mühselig. Das eigene gute Beispiel, große Geduld und Nachsicht. heißen die Wegweiser zu ihm. Wo st cht in der Bibel, daß ein Kind für seine Bergehen, die ja verschiedener Art sein können, 25 mit der Klopfpeitsche haben soll? Wo wird größere Liebe und Aufopferung gelehrt als in der Bibel? Wo steht:„Lasset die Kindlein zu mir kommen", aber nicht, um ihnen 25 Hiebe zu verabfolgen, sondern um sie durch gute Lehr« zu erziehen? Glauben Sie, Frau Meyer, es ist bequemer, dem Kinde schnell mal einen Hieb zu ver- fetzen, was bei Unbeherrschten ost noch in Gegenwart anderer ge- schieht, als sich ein bißchen zusammennehmen und den kleinen Sünder mit Geduld auf den rechten Pfad zu leiten und ihn von seinen Fehlern zu heilen? Schläge, je häufiger sie das Kind treffen, um so mehr wird da s Vertrauen zu den Erwachsenen schwinden und an sein« Stelle Furcht treten. Ich und mit mir sicher viele Mütter, wünschen sich nickst, daß ihr Kind aus Furcht seine Fehler ablegt, sondern aus Einsicht." Soweit die Zuschriften der Mütter. Sie sprechen für sich. Wir hoffen, in einer der nächsten Beilagen, die sich mit der Erziehung beschäftigen, auch noch einig« Jugendliche zu Wort konmien lassen und diese oder jene Zuschrift ganz zum Abdruck bringen zu können. Was, den Ausländern nicht gefällt <:in Veitrag)ur Hochschalfrage Der Reichsaußenmmister Dr. Stresemann führt« in seiner Rede im Reichstag am 24. Juni 1929 unter anderem folgendes aus: „Ich sehe mit Schrecken, wie die Zahl der ausländischen Studenten in Deutschland zurückgegangen ist gegen srüher.. Dem Referate: ,T>ie Auslandspolitik der deutschen Studenten- schast", das Herr Hermann P r o e b st auf der 12. Tagung der deutschen Studentenschast in Hannover hielt, erlaube ich mir folgendes zu entnehmen:„Theodor Wolf hat jüngst in einem Aufsatz- die Behauptung aufgestellt, die reaktionäre Ge- sinnung der deutschen Studenten trage die Schuld an der er- schreck �nd starken Abwanderung der Ausländer. Dieser lächerliehe Vorwurf wurde von dem Rektor der Marburger Universität bereits gebührend zurückgewiesen. Immerhin müssen wir uns darüber klar werden, daß das Anwachsen der Besucher der Sorbonne und die gleichzeitige Abnahm« der in Deutschland studierenden Ausländer eine schwere Gefahr für unsere Zukunft bedeutet." Uns Ausländern, die wir hier Gäste des gesamten deut- schen Volkes sind, geziemt es nicht, dazu Stellung zu nehmen, welche von den zwei Behauptungen die richtige ist. Doch dürste es fest- stehen, daß die letzten Vorgänge an der Friedrich- Wilhelm-Univerfität zu Berlin nicht gerade als An- lockungsmittel für Ausländer dienen können. Um Mißverständnisse zu vermeiden, sei an dieser Stelle betont, daß ich nur an die U n- ruhen als solche denke, ganz gleich aus welcher Ursache heraus sie geboren sind. Solche Nochrichten, wie die letzten Geschehnisse an der Berliner Universität, die heute blitzartig über, die ganze Welt verbreitet werden, wirken aus die ausländischen Väter, ganz abgesehen von ihrer politischen Einstellung, abstoßend und ab- schreckend. Die Väter suchen sich für ihre Kinder vor allem ruhige und wissenschaftlich hochstehende Gsisteszentren aus. Ich bin überzeugt, daß die letzten Vorgänge manchen Vater von seinem Vorhaben, sein Kind nach Berlin zu schicken, abhalten werden. Nebenbei bmnerkt habe ich mich als eivis universitsti, berlinas immer aufrichtig gefreut, daß unsere gemeinsame Alma mater von allen deutschen Kommikitonen, trotz ihrer verschiedenen politischen Anschauungen, als heilig« Stätte betrachtet worden und unangetastet geblieben ist. Gerade deshalb macht« auf mich di« Nachricht einen so erschütternden Eindruck. Gestatten Sie mir, meine lieben deutschen Kommilitonen, Si« darauf hinzuweisen, daß Deutschland nicht zu vergleichen ist mtt den wenigen kleinen Staaten, wo solche Unruhen beheimatet sind. Die Studenten der betreffenden Länder, die sich allein als wahr« Patrioten betrachten, glauben mit ihrem Vorgehen ihrem Vaterland« große Dienste erwiesen zu haben. Ihr engherziger Chauvinismus ist verständlich: denn sie glauben sich dadurch behaupten zu können. Ihr Vaterland aber hat sich schon längst bewährt und diese Epoche des Jung- und Ultrapatriotismus lange überwunden. Deutschland gehört zu den führenden Staaten der Welt. Es hat andere Rechte und dementsprechend auch andere Pflichten zu erfüllen. Deutschland als Ganzes, deutsche Kultur, deut- sche Unwersität haben Anspruch, und das mtt Recht, auf Welt- bcdeutung. Es ist ein« wichtige, lehrreiche und von allen Kultur- Völkern anerkannte gerstige Schmiede. Deutsche Kultur in allen ihren Zweigen ist über die ganze Erde verbreitet. Seit Jahrzehnten kamen Tausende und Abertausende aus aller Herren Länder, um hier zu lernen. Andererseits dürfen Sie. meine lieben deutschen Kommilitonen, nicht vergessen, daß Ihr Vaterland übervölkert ist. Ihre Stammesgenossen wohnen unter allen Völkern der Erde, und noch jährlich verlassen viel« Tausende ihr Heimolland, um sich anderswo anzusiedeln. Deutschland ist auf Import und Export mehr angewiesen. als alle anderen Staaten der Welt. Es hat infolge des unglücklichen Krieges noch ungeheure Schwierigkeiten und Hindernisse zu über- winden. Das müsien Sie begreifen und sich dementsprechend umstellen. Der Blick des deutschen Kommilitonen muß viel weiter reichen. Er muß weitherziger und großzügiger werden... Ihr Voll mutz und soll Freunde und Gönner im Auslande erwerben, und in dieser Hinsicht können Sie, meine lieben Kommilttonen, ein« große Vorarbeit leisten. Sie hatten und haben Möglichketten, die Sie leider versäumen. Erwerben Sie Freundschaft und Freunde in der Jugend, die allein aufrichtig und dauerhaft sind. Auf diese Weife können Sie dem Vaterlande di« besten Dienste erweisen. Und zum Schluß möchte ich noch bemerken, daß Sie, Deutsch- lands Söhn«, kein Beispiel nehmen dürfen an den Studenten der betreffenden Länder, die sich solche unliebsamen und schäd- lichen Spielereien erlauben. Im Gegenteil, h>er an dieser Stelle müssen Sie die Ehre und di« Würde Ihres Vaterlandes, Ihrer Universität und Ihr« persönliche wahren und Ihre ganze Kraft und Autorität einsetzen, um solche und ähnliche Vorgang« zu ver- meiden. 811« Beispiel mögen Ihnen die Studenten anderer Nationen dienen, deren Kultur und Tradition Axiom geworden sind. dl. L. Tevitas, i. Vorsitzender des„Vereins ausländischer Mediziner in Deutschland", Tebenbiger Anterricht In unserer Schulklasie sind wir sehr beengt. 48 Kinder sitzen in einer aus Küche und Kammer hergerichteten Notschule. Volk ohne Raum?— Nein, nicht ganz! Wir haben einen Schul- garten, der ist einen ganzen Mobgen groß. Hier ist Raum, Licht und Lust,— und hier ist Heimat. Hier schufen Lehrer und Kinder, sich in zäher, froher Arbett ein eigenes Reich, ein Kinder- land, dessen Gestaltung und Ausbau nicht von Regierungsver- sügungen und Schulverbandsbeschlüssen abhängt sondern vom eigenen Gedanken, von eigener Tat, von eigener Verantwortung. Die Arbett zweier Sommer können wir nun rückblickend über- schauen. Zunächst herrschte-das rein gärtnerische Sckjassen vor. Es galt aus einem rohen Ackerstück ertragfähiges Gartenland zu machen. Umfangreiche Erdbewegungen waren notwendig, um dem Gelände ein« zweckentsprechend« Formung zu geben. Unendlich viel gab es dabei zu überlegen, zu messen, zu rechnen und später zu beobachten. So wurde uns der Garten bald Lehr- und Lernmittel für die gesamten Unterrichtsfächer. Der Bau des Zaunes übte uns im Ge- brauch von Hammer und Zange, Meßlatte, Metermaß und Wasserwaage. Die Austeilung des Geländes war lebendigste Raumlehre. Di« gärtnerische Arbeit führte uns zu Untersuchungen unserer heimi- schen Bodenarten, ihrer Eigeirschaften und Verbesscrungsmcthoden, und schließlich zur Entstehungsgeschichte unser«: ijeimatscholle. Das ganze Jahr hindurch verfolgten wir versuchend und beobachtend das Leben der Pflanzen. Wir erkannten die mannigfachen Be- Ziehungen der Pflanze zur Umgebung, zum- Wetter uill» zum Men- schen. Ebenso erschloß sich uns das Tierleben im Garten. Der Maulwurf, das Starenpärchen im Nistkasten, die Bienen, Hummeln und Schmetterlinge auf den Blumenbeeten, sie alle wurden uns Helfer zu lebensvollem Unterricht. Die freundlichen Helferdienste unserer gefiederten Sänger veranlaßten uns zu Gegendiensten. Vogelschutz und Vogelpflege wurden uns Selbstverständlichkeiten. Neben der Bestimmung als Lehr- und Lernmittel für den Unter- richt soll der Schulgarten den Kindern durch die ganze Schulzeit hindurch Heimstätte sein, wie etwa das Schulhaus und Schulzimmer (wenn es nicht zu primttiv ist). Schon di« Kloinen haben in unserem Garten ihr Reich, den Spielgarten. Die Großen bewirtschaften einen Gemüsegarten. Jedes Kind hat ein Be«' von 18 Quadratmeter zu eigen. Erfolg und Mißerfolg lehren hier eindringlicher als Wort« den Wert von Pünktlichkeit und Gewissenhaftigkett schätzen und wecken Freude am selbständigen Schaffen. Nach getaner Ar- beit ladet ein Schmuckgarten zu Sammlung und Erholung«in. Rasenflächen Gehölz- und Blumengruppen bieten dort den ganzen Sommer hindurch dem Auge ein abwechslungsreiches, färben- freudiges Bild. Hier sitzen auf schlichten, in der Schulwerkstatt gebauten Bänken am Sonntag die Väter und Mütter und beschauen verwundert, was ihre Kinder in freudiger Arbett ge- schaffen. So ist uns der Schulgarten auch Brück« zum Elternhaus. Harry Schlicdermann, Grumsdorf(Kreis Lublitz). (23. Fortsetzung.) Gut, ober das Land ist sozialistisch und republikanisch. Wenn ich zurücktrete und die Faschisten sich auch in«in bolschewistisches und republikanisches Abenteuer stürzen, was wird aus der Monarchie? So stützte der eine den anderen, jeder von der Angst beherrscht. das zu verlieren, was er in Händen hielt. Nur der Aufstand konnte die Lage ändern. Ihr habt keine Schuld, Arbeiter Mailands, die ihr am Tage der Beerdigung eures Genossen Oldani, den die Faschisten in den ersten Tagen der Matteotti-Affäre ermordet hatten, der Kavallerie zujubeltet, die in euch hineinritt, und ausriefet: Es lebe die Arme«! Und auch Sie haben keine Schuld, Rittmeister der Dragoner, der Sie als Antwort auf die Ruf« der Menge Ihre Mütze auf der Spitze Ihres Degens schwenkten und ausriefen:„Es lebe die Freiheit! Auch ihr habt keine Schuld, ihr Landarbeiter Süditaliens, die ihr als Zeichen eures Protestes ein Soldostück mit dem Bildnis des Königs im Knopflach trüget. Der König fühlte sich stark durch euren Beifall, als man ihm aber die Memoiren von Rossi und Finzi und von anderen Faschisten bracht«, die unabweisbares Zeugnis dafür ablegten, daß Mussolini die Seele und Triebkraft der Gesetzwidrigkeit war, gab er zur Antwort: „Das ist nicht ineine Sache, das ist Sache der Gerichte." Wenn aber der Inhaber der höchsten Macht in einem Staate sich in Feigheit verkriecht, wie kann man da vom Richter verlangen, daß er ein Held sei? Die Richter, die die Voruntersuchung der Matteotti-Affäre führten, protokollierten die Geständnisse und die Anschuldigungen der Angeklagten, die olle im Schatten ihres Führers Schutz suchten. Aber diesen Führer selbst konnten die Richter nicht antosten. Es war schon lobenswert genug, daß sie den Mut fanden, di« zahl» reichen Beweise gegen Mussolini zu Protokoll zu geben, so seine Schuld für den Ueberfall auf die Abgeordneten Amendola und Misuri, für die widerrechtliche Verhaftung Serratis und meiner selbst, für die Plünderung der Wohnung des früheren Premierministers Ritti, für die Der- wüstung der katholischen Korporativen in M a i l a n d. Es zeugte schon einigen Mut, daß sie die Aussagen der Mit- arbeiter des Duce zu Protokoll gaben, aus denen die Organisation einer faschistischen Tscheka hervorging, der es oblag, die Porteirach« zu besorgen. Es war schon viel, daß sie den Premierminister per- sönlich in die Affäre Matteotti verwickeln ließen und niederschrieben: „Es muß als sicher gelten, daß, wenn Dumini auch eine leitende Rolle in der komplizierten Tätigkeit(der Tscheka) spielte, er doch nicht aus eigener freier Initiative Entscheidungen treffen konnte, obwohl er dies in seinem Geständnis vom 20. Oktober 1924 be- hauptet Hot." Die aus diesen Worten zu ziehenden Schlüsse nmßten andere ziehen: Der König, das Parlament und, wenn die Monarchie und das Parlament versagten, das Volk. Aber das Volk war entwaffnet. Sobald die erste Panik vorüber war, rüstete sich der Faschismus für eine Entscheidungsschlacht und ging schnell aus der Defensive zur Offensive über. Jetzt ließ man jede Maske fallen. Jetzt fand Mussolini di« Sprache des Vandenführers wieder und redet« davon, die Oppo- sition auszurotten. Im Laus« des Juli hatte er schon vom König neun Dekrete erlangt, durch di« die Press« geknebelt wurde. Jetzt konnte er lachen über die Opposition der früheren Ministerpräsidenten Giolitti, Orlando, Salandra und der Generale Giardino und Zupelli, die, zwar spät und schüchtern, ihre Verantwortlichkeit von der des Faschismus trennten. Er konnte sogar über den Rücktritt der drei konservatwen Minister lächeln, di« er bisher in seinem .Kabinert geduldet hatte. Die Unterstützung des Königs bot ihm Gewähr für ine Treue des Heeres, während die Neuorganisation der Miliz es ihm erlaubte, dem ganzen Land« Trotz zu bieten. Und nun fing die Verherrlichung des Verbrechens an, von dem er erst gesagt hatte, daß es ihn mit Entsetzen erfüllte. Und jetzt hörte man auf den Plätzen und in den Straßen Lieder singen mit dem Refrain: „Es lebe D» nu n i, Frei soll er fein!" XXV. Mussolinis 2. Dezember. Nunmehr galt es, um jeden Preis den Prozeß gegen die Mörder Matteottis zu ersticken. Da die Faschisten wieder Herren der Straße waren, uird die Richter den Drohungen der Exekutivgewalt weichen mußten, war nichts weiter nötig, als di« Press« zu knebeln und dann einem gut ausgesiebten Geschworenengericht eine offizielle Aus- legung des Verbrechens aufzuzwingen. Am 28. Dezember 1924 hatte die Oppositionspresse den Wort- laut des Memorandums von R o s f i veröffentlicht. Das war ein furchtbares Dokument, das zwar wenig Licht auf di« Affäre Matteotti warf, aber vernichtende Beweise gegen das Regime und sein Oberhaupt für oll« anderen Gewalttaten erbrachte, vom Marsch auf Rom an, bis zur Ermordung des sozialistischen Ab- geordneten. Diesem Zustand mußte ein Ende gesetzt werden. Am 3. Januar bestieg Mussolini die Tribüne des Parlaments. Nachdem man hier aus seinem Mund« in« Sprache der Angst gehört hatte, sollte man jetzt di« der herausfordernden Frechheit vernehmen. Der Premierminister konnte sich auf den König verlassen, auf sein« Mehrheit, auf das Heer und vor allem auf feine Miliz Cr hatte niemand mehr zu fürchten, außer der öffentlichen Meinung. Am Tag« vorher hotten drei seiner Minister— drei Konservative— ihr Amt niedergelegt. Das konnte«ine parlameiüarische und eine Verfasiungskrrf« nach sich ziehen. Gegenüber diesem Rücktritt der drei Minister unter den ob- wallenden Derhällnisien und in diesem Augenblick hätte der König Mussolini auffordern können, van der Regierung zurückzutreten. Statt dessen autorisierte er ihn, das Kabinett nach Gutdünken um- zugestalten. Mussolinis Red« vom 3. Januar stützte sich auf drei Punkte. Befand sich unter der Opposition«in Abgeordneter, der sich anheischig machte, ihn auf Grund des Artikels der Verfassung, der di« Versetzung eines Ministers in Antlagezustand vorsieht, unter Anklage zu stellen? Wenn ja, so soll er es tun. Di« Opposition, die an den parlamentarischen Arbesten nicht mehr teilnahm, hob den ihr hingeworfenen Handschuh nicht auf. Wozu auch? Mussolini vor seiner eigenen Mehrheit anzuklagen, hatte zu nichts anderem geführt, als ihm einen billigen Freispruch zu verschaffen. Wenn aber diese Anklage ausblieb, so muß:« man— und dos war der zweite Punkt der Rede Mussolinis— mit der Pressekampagne und mit den Gerüchten der Straße auträumen und zwar innerhalb 24 Stunden. Das bedeutete di« Berkündung der Zeiffur für die Press« und di« Schaffung des Polizeiftaotes. Schließlich nahm Mussolini alle geschichtliche, politische und moralische Verantwortung für die faschistischen Derbrechen auf sich, hütete sich aber wohl, dies auch für die strafrechtliche zu tun. Nun wohl, wenn der Faschismus nur eine Vcrbrecherbonde war, fo war er deren Führer! Aber an wen wendete sich diese Trutzrede? An das Volk? �Keineswegs, nur an eine Mehrheit von Statisten. 48 Stunden nach dieser Rede, die in gewissem Sinne Mussolinis 2. Dezember bedeutete, traten die Pressedekrete m Kraft. Nach diesen Dekreten haben die politischen Behörden das Recht. jede Veröffentlichung zu beschlagnahmen, die der öffentlichen Ordnung, der Sicherheit des Staates oder dem Ansehen der Nation abträglich sein könnte. Nach zweimaliger Vermahnung durch«ine für diesen Zweck gebildete Kommission konnte der verantwortliche Redakteur beanstandet werden und es stand der Kommission frei, einen neuen Verantwortlichen zu genehmigen oder nicht. Während zweier Wochen konnte der„Avant!" unija konnten die anderen Opposstion-bläller,„Giustizia" und„Unita" in Mai- land,„Lavoro" in Genua,„Mondo",„Voce Repubblicana" und „Popolo" in Rom nicht mehr erscheinen. In der Folge wurden dann di« fast täglichen Beschlagnahmungen üblich. Es handelt« sich vor allem darum, die Matteotti-Affäre zu ersticken und über die letzte Phase der Voruntersuchung Still« schweigen zu senken. Den Richtern, die ein Minimum von Un- abhängigkeitssinn bezeugt hasten, waren die Akten entzogen worden. Am 3l. Juli l92ö hotte eine Amnestie den Austraggebern des Verbrechens die Türen des Gefängnisses geöffnet. So war auch Roffi in Freiheit gefetzt worden, der den Duce beschuldigt hatte. Im Gefängnis blieben nur die Schergen, die sich wegen Totschlages — nicht wegen Mordes— zu verantworten hasten Mussolini selbst hatte in einem Artikel, der seinen Namen trug, die Richter zu dieser Ausfassung gezwungen: „Die Merkmale der Unfreiwilligkeit sind bei diesem Verbrechen geschichtlich und juristisch erwiesen. Die Wahrheit ist A>e. daß es sich nn Juni um«in« Farce handeln sollte, die ohne den Willen der Beteiligten, ja gegen ihn, in ein« furchtbare Tragödie ausortete." Hier haben wir also fix und fertig die offizielle Version, die einige Monate- später von den Geschworenen von Chieti ange- nommen und sanktioniert werden sollte. Dumini und die anderen Schergen hoben also aus ganz per- fönlichen Gründen gehandelt. Sie wollten Matteotti zwingen, ihnen Enthüllungen über die Organisation des Antifaschismus im Auslände zu machen. Als man den Abgeordneten verschleppt hat, wollte man ihm einen Streich spielen, der keinerlei Folgen gehabt hätte, wenn Matteotti nicht durch seinen Widerstand ein Ringen veranlaßt hätte, das zu einer Lungenblutung führte, an der er starb. Aber weder die Witwe Matteottis, noch ihr Rechtsanwalt, Ge- nasse Modigliani, gaben sich zu dieser Iustizkomödie her. Die Witwe Velia Matteotti gab in einem historischen Dokument ihrem Abscheu gegen dse Heuchelei der geplanten Verhandlung Ausdruck. „Die Ermordung Gioccomo Matteottis" schrieb sie dem Prä- sidenten des Schwurgerichts von Ehieti,„die für mich und mein« Kinder eine Tragödie war, und auch«ine Tragödie für Italien als freies Land und als Kulturland, hatte mir nur die Hoffnung gelassen, daß mein Ruf um Gerechtigkeit nicht vergebens sein werde. Das war der einzige Trost, der mir in meiner Verzwefflung blieb und deshalb habe ich als Zivilpartei an dem Strafverfahren teil- genommen. Aber im Verlauf der Boruntersuchung und durch die jüngste Amnestie ist der Prozeß— der wirkliche Prozeß— ganz verschwunden. Was bleibt, ist nur noch ein leerer Schatten. (Fortsetzung folgt.) vomierstas. 5. Dezember. Bern». 16.05 Kriminaikommisstr Dr. Qeorc Bartsch:..Abertlaabe und Vcrbrecien". 16.30 Pantscho Wladiieroil: Kompositionen.(Lüben Wladiserott, Violine, der Komponist am Flfleei). 17.00 Hans-Plitiner-Licder(Henny Wölfl, Sopran; Flüeel: Julias Bürger). 17.30 Jugendslande.(„Jugendbücher"(„Reisen und Abenteuer").(Am MikroJ plion: Dr. Eise MSbus.) 18.00 Unterhaltungsmusik. 18.45 Reinhold Scharnke:„Die Musik im Huraor'*, 19.05 Dr.-Ing. Harbich; Die Rundfuakkonferenien. 19.30 Chorgcsingc. Berliner Schubert-Chor. Dir.: Karl Rankl. 20.00 Russische Tanrstenen von Igor Strawinsky. 30.30 Sendespiele„Der Obersteiger". Operette von Karl Zeller, 23.30 Funk-Tanrumerricht. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Wahrend einer Pause Biidlunk Kfisigsurusterbausen. 16.00 Ob.-Stud.-Dir. Dr. Relske: Jugend und Klassizismus. 17.30 Hans TeBmtr: Musikbttcher. 18.00 Prof. Dr. Metz: Die Türkenkriege und das rheinische Deutschland. 18,30 Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55 Qarteninspektor Reichelt: Anbau von Feldgemüse. 19.20 Harry Stolrmann: Die kaufmännische Lehre im Zeichen der ArbcitsJ Stellung des modernen Großbetriebes. 19.45 Abbruch der großen Weichselbrucke bei Marien* crdcr-Münsterwaldc. 20.00 Programm der Aktuellen Abteilung. 30.30 I. Beethoven: Variationen über das Lied„Ich btn der Schneider „Kakadu", G-Dur, op. 121a.— 2. Georg Schumann: Trio F-Dur, op. 02. 21.15 Von Hamburg:„Schreben-Schrilt". •• Fl/R DEN KLEINGÄRTNER. iiiiuHuiininniiiuiTniinnnitNiinimiiiiinjniiiiuniimnmiRmiiiiuiiiiiiiHiiiiiiinininintiiniiiiiniunuiniiiuuiniuinnniitiuinuniiuiiniiiuiiniuniiniiiiiiniiiuniiiiuiiiiiiiiuinHnnniniijniiiiimniiiiuo K lein tie rhaltung im Dezember. Im Dezember verdient zunächst die Temperatur in den Ställen die größte Aufmerksamkeit des Tierhalters. Im Schweinestall sollen 12 bis 18 Grad Celsius und im Schafft all 19 bis 12 Grab Celsius herrschen. Ein Thermometer sollte daher in diesen Ställen niemals fehlen. Im Hühner st all sollte die Temperatur nie unter 4 bis 5 Grad Celsius sinken, da dies das Wohlbefinden der Tier« sehr beeinträchtigen würde. Gänse und Enten sind hin- gegen weniger empfindlich und vertragen Kälte im ollgemeinen ganz gut, nur benötigen sie eine häufig zu erneuernde dicke Einstreu. Daß man sämtliches Geflügel gegen Zuglust schützt und olle Risse und Spalten an Wänden. Türen und Fensteröffnungen ab- dichtet, ist wohl selbstverständlich. Hühner müssen unbedingt einen Schar räum mtt stets frischem, nicht zu kaltem Trinkwasser zur Verfügung haben. Ange- wärmtes fettreiches Weichfutter erwärmt die Tiere und fördert die Legetätigkeit. Auch sollten stets außer dem üblichen Futter ein paar rohe Pferderüben im Scharraum umherliegen. Trockene Erde zum Baden muh ebenfalls vorhanden fein. Tauben füttere man jetzt nur wenig: denn dadurch vermeidet inan zu frühe Paarungen. Auch trenne man sie nach Geschlechtern. Will man neue Zuchttcmben einkaufen, so tut man das am besten im Lauf des Monats. Im K a n i u ch s n st a l l achte man vor allem darauf, daß die Tiere vor Zugluft geschützt sind. Wärme ist für die meisten Rassen nicht unbedingt nötig, wenn für gute Ernährung und reichliche trockene Streu Sorge getragen wird. Ein« häufige Lüftung an schönen, nicht zu lallen Tagen ist unerläßlich. Eventuell kann man sie auch eine halbe Stunde im Freien herumspringen lassen. Dabei achte man aber sehr darauf, daß sie nichts Gefrorenes fressen. Ge- schlachtet sollten nur Kaninchen werden, die mindestens fünf bis sieben Monate alt find: das ist nämlich die beste Schlachtezeit. Im Z i c g ckn st a l l sind jetzt verschiedene Tiere trächtig ge- worden und bedürfen aufmerksamster Pflege. Gleich zu Beginn der Trächtigksit beschneide man den Tieren die Klauen und achte darauf, daß sich kein Ungeziefer im Fell festsetzt bzw. lasse man das schon vorhandene baldmöglichst entfernen. Sodann bearbeite man die Tiere täglich mit Striegel und Bürste. Sauberkeit ist unerläßlich._............. Der Stall muß morgens und abends gut durchlüftet und der Dung zu überzeugen, um nWgenfall«� durchf ließen"nachzuhelfen regelmäßig entfernt werden. Trockeichett ist Hauptbedingung im'"' Ziegenstall. Gefäße und Tröge, aus denen die Ziegen ihre Nahrung entnehmen, müssen stets peinlich sauber schalten werden. Den trächtigen Tieren verobreickst man täglich bei etwa 59 Kilo Lchend- gewicht l�u Kilo Heu, 2 Kilo Rüben, Äüchenabfäll« und ungefähr 1 Pfund Kraftfutter. Wer nur Rüben und Kartoffelschalen füttern kann, muß unbedingt noch eure Beifütterung von phoszchorsaurem Kalk vornehmen, wenn er nicht will, daß seine Tiere später an Knochenweiche leiden. Wasser benötigen Ziegen wenig, aber dqs, wa» sie bekommen, muß klar und sauber sein. Den nicht trächtigen Ziegen reicht man trockenes Laub» Heu, Stroh und Wurzelwerk. Klee soll nach der landläufigen Ansicht den Gehalt der Milch, die bekanntlich ein Heilmittel für Lungenkranke darstellt, wesentlich ver- bessern. Man kann aber auch einen Brei aus Kartoffelfckjalen und ganzen Kartoffeln herstellen und ihn verfüttern. Ueberhoupt sollt« die Abendfütterung etwas reichlicher sein als am Morgen. Im allgemeinen genügen pro Tag drei Mahlzeiten.- C. k. Porree als Qemüsc! )8ct der Gemusekost de» Winters stellt sich leicht eine Eintönig- keit heraus, da Mohrrüben. Kohlrüben. Weiß., Rot- und Grünkohl die hauptsächlichsten, im Keller oder Einschlag frisch zu haltenden Gemüse sind. Es sei daher darauf hingewiesen, daß auch Porree, der als w i n t e r h a r.t bis in die erste starke Frostperiode im Lande bleiben kann und im Einschlag sich trefflich Hütt, als Gemüse(und nicht nur als Bestandteil des„Suppengrüns") gegessen werden kann. Man bereitet ihn wie Spargel, zieht also die äußere Hülle ab, beichneidet ihn oben und unten, so daß das Weiße des Schaftes und etwas Blattgrün darüber bleibt, und kocht ihn in Salzwasser weich. Dann gibt inan entweder braun« Butter(Margarine) oder eine holländische»oße dazu. Da die Kultur des Porrees sehr einfach ist— etwas feuchter Boden ist ihm besonders zuträglich—, dürste diese Bereicherung unserer Gemüsekost keinem Hindernis begegnen. P. D. Ist genugende Winterfeuchte da? Der trocken« Sommer hatte den Acker in großer Tiefe aus- gedarrt, und wenn wir auch einige Regengüsse in den Spätherbst- monoten Zu verzeichnen hatten,.'so dürste doch wohl in trockenen Lagen die Feuchtigkeit noch nicht in die Tiefe gedrungen sein, in der sich die letzten Wurzeln von Bäumen und Sträuchern befinden. NomenUich gilt dies von den Stellen, die mit immer- grünen Gewächsen. Tannen, Thuja, Rhododendron und anderen. besetzt sind. Die meist sich weit ausbreitenden mrteren Zweigs hindern zudem noch besonders stark dam Rqgemvasser den Zutritt zu den Wurzeln. Es dürfte daher angebracht fein, sich durch Auf. graben einer kleinen Stelle von der Feuchtigkeit des tieferen Bobens zu überzeugen, um nötigenfalls durch Gießen nachzuhelfen Ob- gleich Westeuropa reichlich Regen gehabt hat, ist es doch fraglich, ob wir vor Eintritt stärkerer Kälte auf Regen rechnen können. Jedenfalls heißt es auch hier: besser bewahrt als beklagt, und es wäre auch im allgcmein-wirtfchaftlichcn Interesse nicht gut, wenn zu dem Schaden durch die letzte Winterkälte und letzte Sommer- dürre neue Schäden— und'diesmal vermeidbor«— hinzukämen, � j Im Kampf mit den Gegnern. Die Kreismitgtiederversammlungen der SPO. In mehreren kreismitgliederversammlnngen der Sozial- i»kmokraiie wurde gestern zu dem Thema„Die Sozial- dcmokralie im Kamps mit ihren Gegnern" Stellung genommen. Die Veranstaltungen erfreuten sich durch- weg eines sehr guten Besuches. In den Zlndreasfeftsälcn sprach vor den Sozialdemokraten des 5. Kreises(Friedrichshain) der Reichstogsabgeordnetc Siegfried A u s h ö u s e r. Nachdem er noch einmal den Fall Skloret und die Lehren, die sich aus ihm für die Berliner Sozialdemokraten ergeben, beleuchtet hatte, wandte er sich allgemeinpolitischen Fragen zu. Die Tatsache, daß gerade in Jndustriebezirken wie Berlin und Rheinland- Westfalen die Sozialdemokratie verloren hat, beweist, daß sozial etwas nicht in Ordnung fein muß. Sozial« Mißstände liefern den Nährboden für die extremen Parteien. Soziale Maßnahmen, wie eine Verkürzung der Arbeitszeit und dadurch ein« Mehrbeschäftigung von Erwerbslosen würden der Sozialdemokratie mehr nützen, als ihr verschenkte Pelze jemals schaden können. Di« Zahl der Sozial- bedürftigen steigt. Sorgen wir dafür, daß die sozial« Fürsorge und die soziale Dersicherungsmöglichkeit nicht abgebaut, sondern aus- gebaut werden. Achten wir genau auf die Lastenverteilung beim Joung-Plan. Von ihr hängt ein groß Teil der weiteren politischen Entwicklung ab. Wehren wir den Ansturm der Unternehmer gegen die Sozialbeiträge ab. Der beste Schutz der Republik, die beste Sicherung gegen die extremen Nationalsozialisten und Kommunisten ist ein gesunder sürforglichcr Ausbau der Sozialgesetzgebung! « In der Mitgliederoersamnüung des Kreises T e m p e l h o s sprach der Bürgermeister des Stadtbezirks Prenzlauer Berg, Ostrowski. Redner analysierte das Ergebnis der Kommunalwahlen und kam unter Beifall zu dem Schluß,� daß die sozialdemokratischen Ber- irouenzmänner in öfientlichen Stellen in Zukunft an ihre fachliehe Arbeit auch vom agitatorischen Standpunkt herangehen müßten. Die„Sachlichkeit" in den Augen der bürgerlichen Vertreter bedeute ein Aufgeben sachlicher Interessen der Arbeiterklasse, die ihr« Ver- trauensleute mit ihrer Vertretung betraut habe. Di« vom Bezirks- vorstand angekündigte schärfere Kontrolle der Tätigkeit aller in öffent- lichen Stellen Tätigen ist der erste Schritt auf dem Wege zur Herstellung einer innigeren Verbindung zwischen den exponierten Intercssenvertretern und der Masse der Arbeiterschaft. * Im Kreis Kreuzberg(Rabes Festsölen) referierte Bürge r- lneister Dr. Herz. Das Ergebnis der Kominunalwahlen erfordere von der Berliner Parteiorganisation Selbstbesinnung, so führte der Referent aus. Wir müssen ohne Rücksicht auf Personen die Unter- suchung führen. Di« Partei nmtz alles tun. um ihre Reihen sauber zu halten. Die Berliner Sozialdemokratie konnte aus ihre Leistungen in der Kommunalpolitik stolz sein. Nachdem aber mit dem Sklarek- Fall durch die Sensotionspresse aller Richtungen die wüsteste Hetze betrieben worden war, war an eine Wertung der sozialdemokratischen Leistungen nicht mehr zu denken. Der Sklarak-Skandvl konnte nur entstehen, weil«m Teil der BerwaltungÄieamten den wachsenden Anforderungen nicht entsprachen. Bei den wirtschaftlichen Unter- nehmungen der Stadt war Leuten die Leitung in die Hand gegeben, die Verführungen gegenüber nicht genug Widerstand entgegensetzten. Leitende Angestellte der wirrschaftlichen Unternehmungen dürften nicht zugleich Mitglieder der Gemeindeparlamcnte fein. Nach einer aussührlichen Diskussion wurde eine Entschließung angenommen, die sich mit den Wünschen der letzten Funktionärkonferenz deckte. Die üble Rachrede im Strafrechi. Schuh des privat« und Familienlebens. Der Strafgesetzausschuß des Reichstags beschäftigte sich gestern mit§ 317 des Entwurfs, der die üble Nachrede betrifft. Wer über jemand eine ehrenrührige Behauptung tatsächlicher Art ausstellt oder verbreitet, wird mit Gefängnis bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Einen neuen Vorschlag bringt brr Entwurf mit der Bestiinmung. Betrifft die Behauptung Angelegenheiten des Privat- oder Familienlebens, die das öffentliche Interesse nicht berühren, io ist es für die Strckfbarkeit und die Strafbertiessung unerheblich, ob ihr Inhalt erweisbar oder nicht crwcisbar ist. wenn sie in der Absicht ZU schmähen oder aus Gewinnsucht oder aus einem anderen niedrigen Beweggrund öffentlich aufgestellt oder verbreitet worden ist: eine Beweiserhebung über die Wahrheit des Inhalts einer solchen Behnuplung ist unzulässig. Bei der Erörterung dieses Vorschlags stellten sich die Vertreter der verschiedenen Parteien im ollgemeineii aus den Boden des Ent- wuris. Abgeordneter Dr. Rosenseld(00,5.) äußerte sich ebenfalls zustimmend, wenn auch gegen manche Fornmlierungen Bedenken vor- gebracht werden müßten. PasPrivatlebenmüsseooreiner Hinein zerrung in die O e f f e n t l i cht« i t geschützt werden. Allerdings müsse der Beleidigte das Rocht aus eine 'k'atsachenfeststcllung haben, wenn er es verlange. Bor allem sei notwendig, mit den Bagatellprozessen auf. zuräumen. bei denen um eines Schimpfwort willens ganz unnötigerweise die Gerichie in Bewegung gesetzt würden. Es sei leider nur keine Möglichkeit, die Bagatellprozess« richtig abzugrenzen, da oft auch in solchen Prozessen die Oefsentlichkeit interessiert sei. Gäbe man dem Richter das Recht, nach freiem Ermessen Bcleidigungs. Prozesse einzustellen, so stärke man die Gefahr der Klassenjustiz, wozu die Sozialdemokratie unter keinen Umständen ihre Hand bieten würde.__ Explosionsruine verschwindet. Vergleich zwischen Hauseigeniümerin und Feuersozietat. Di? Ruine des vor genau zwei Jahren infolge der großen Gasexplosion in der Landsberger Allee zerstörten Hauses wird jetzt endlich verschwinden. Vor einigen Tagen ist zwischen der Hauseigentümerin. den Efl)a-Wcrken, und der Städti- ichen Feuersozietät nach sehr langwierigen und komplizierten Ber- Handlungen ein Vergleich über den Schadenersatz der Versicherung abgeschlossen worden. Die Städtische Feuersozietät verpflichtet sich zur Zählung einer Schodensumme von SZS 000 AT, Öle Hauseigentümerin übernimmt die Verpflichtung, sofort»ach Abschluß des Vergleiches mit d« Vorarbeiten zum Neubau de» Haufe» zu de- ginnen und das Sebäode bis End« IZZO wieder aufzurichten. Wie e» hsißt, beabsichtigen die Efha-Werk« ein großes Bureau- Haus an Stelle des zerstörten Wohnhauses zu errichten, da in der Nähe des Viehhofs von den Großfirmen dieser Branche Räume zu Burcauzwecken gefragt sind. Allerdings wirb die Genehmigung der zuständigen Bezirksbauoerwaltung und des Wohnungsamtes für diese» Projekt erforderlich sein. Uhor/üru�o/riüel Serienwettkämpfe im Geräteturnen. Das kürzlich statlgefundene ZNusterriegenwelturnen in Berlin hat gezeigt, daß auch im l. kreis des Arbeiler-Turn- und Sportbundes gute Gerälclurner vorhanden sind. Aus dem Bundes- fest in Nürnberg waren 850 Kunstturner und-lurnerinnen zu den welltämpsen angetreten. Die Süddeutschen, bei denen das Ge. rätelurnen nach wie vor in voller Blüte ist, zeigten auf dem Bundesfefl sogar ein Massenlurnen von 4500 Turnern und Turnerinnen. Das Publikum war bei allen diesen Vorführungen nicht nur zahlreich erschienen, sondern bekundete auch ein großes Znteresse für die gezeigten Leistungen. Es verlohnt sich daher, die Frage des Gerätewelkkampfes etwas näher zu betrachten. Beim Sport ist der Wettkampf Trumpf! Es gibt Feuer und Begeisterung, wenn die Läufer mit Einsetzung ihrer ganzen Kraft ans Ziel jagen, wenn beim Fußball- und Handballspiel die Kräfte gemessen werden. Regen und Kälte hindern weder die Sportler noch das Publikum: beide Teile sind gleichernmßen in Spannung. Diese individuelle und sich oft spontan äußernde Begeisterung tritt beim Geräteturnen nun freilich nicht in Erscheinung, weil hier das künstlerische und schönheilliche Moment den Ausschlag gibt. Man bewundert wohl die Leistungen, ober diese Bewunderung hat selten «ine stürmische Form. Anders beim Sport. Hier schaltet das tünst- lerische und schönheitliche Moment vollkommen aus. Ob der Läufer in eleganter Form durchs Ziel läuft(was selten der Fall ist) oder nicht, ob beim Stab- und Weitsprung«ine gute Haltung vorhanden ist, bleibt gleichgültig: entscheidend ist lediglich die Sekunde bzw. der Zentimeter. Beim Fußball und Handboll trifft das gleiche zu, hier zählt man die Tore. Unsere Gegenwart ist stark realistisch eingestellt und bewertet daher den positiven Erfolg höher als das Künsilerische und Schönheitliche. Trotzdem hat das Kunstturnen eine große Anzahl fester Anhänger. Und diese Zahl würde noch größer sein, wenn das Turnen sich energisch modernisieren würde. In einem Eingesandt der„Arbeiter-Turnzcitung" über das Massenturnen der Süddeutschen in Nürnberg heißt es:„Das schneidige straffe Bewegen wirkt zu exerziermäßig. Man vermißt jeden modernen Gedanken des Geräteturnens. Auch die Kleidung der einzelnen Vereinsmannichajtcn war mitunter recht altertümlich. Einzelne Riegen versuchten, dos Turnen nach neuen Grundsätzen durchzu- führen, sie kamen ober bei den Kampsrichtern verdammt schlecht weg. Das Geräteturnen des 2. Kreises kam dem modernen Ge- danken schon näher. In bunter Reihe erfreuten Spiel-, Grund- und Kunstsormcn das Auge der Zuschauer." Vundesturnwart Bühren stellt im„Vorturner" folgende Forderungen:„Das planlose Eindrillen von Einzelübungen muß unterbleiben. Wir müssen versuchen, jedes Gerät für Leistungs-, Hindernis- und Spielformen anszu- nutzen. Keine Kettenübungen." In Thüringen ist man jetzt zu S e r i e n w e t t k ä m p f e n übergegangen, wie sse der„Abend" bereits Anfang dieses Jahres zur Debatte stellte. Im 1. Bezirk des S. Kreises meldeten sich zu diesen Wettkämpfen aus 45 Vereinen 47 Mannschaften mit 235 Teil- nehmern, was für den Anfang eine ganz annehmbar« Beteiligung ist. Zunächst wurde von den Vereinen in den Gruppen die Gruppen- meistcrschast ausgetragen, die Gruppenmeistcr kämpften um den Be- zirksmeister. Zur Durchführung kamen in der Oberstufe 42, Mittel- stufe 70, Jugendklasse 12 Kämpfe. Geturnt wurden an Reck, Barren! und Pferd je eine Kürübung, ferner eine Mannschaftsfreiübimg- Jede siegende Mannschaft erhielt zwei Pluspunkte, die verlierende zwei Minuspunkte, unentschieden je ein Punkt. Dies« Wettkämpfe haben sich als Ausbildungsmittel der Turner sowohl wie der Kampfrichter sehr gut bewährt. Die Zuschauer waren! bei allen Wettkämpfen sehr zahlreich vertreten. In Zeulenroda (8500 Einwohner) waren 1000 Zuschauer zugegen. Der gute Erfolg hat die Thüringer veranlaßt, in- diesem herbst erneut die Serien- wettkämpfe auszuschreiben. Da diese Meisterichasten im Winter aus-! getragen werden, wenn Leichtathletik und Handball eine kleine Ruhe< pause haben, so ist eine Reibung mit'diesen Sparten nicht zu be- fürchten. Das Geräteturnen in den Hallen hat im Winter seine Hochkonjunktur, jung und alt haben nach wie vor ihre Freude daran� Die Jugend wird in erhöhtem Maße für das Gerütetumen ge- wannen, wenn ihr— wie bei den anderen Sportarten— Gelegenheit zum Wettkampf gegeben wird. Wer dem Kampf ausweickst. begibt sich des Erfolges! KPD. bettelt um Reidis�elder. Sie will audi„versumpfen"! Die Leipziger Spaltergesellschaft, heuchlerisch genannt:„Inter- «fsengemeinschast zur Wiederher st cllung der Ein- h« i t im Arbeitersport". Hot an dos Amt für Leibesübungen Leipzig den Antrag gestellt, als Spitzenoerband amtlich aner» könnt zu werden. Das Ersuchen war an die falsche Adresse ge- richtet. Erstens ist es nicht Ausgabe der Aemter für Leibesübungen. neue Vereine und Cliquen als Spitzenverbände anzuerkennen, zweitens sind für dos A- f. L.- Leipzig nur die von Reichs wegen aner- kannten Spitzenoerbände, wie die Z.K. und der Reichsausschuh für Leibesübungen maßgebend. Die Spalter I.-G. wird sich wegen amt- licher Anerkennung danach beim Reich bemühen müssen. Die Sehn- sucht nach dem großen Sjiut, von dem der Reichsinnenminister beim 2. Lrbeiter-Turn- und Sportfest in Nürnberg sagte, daß er versuchen wollte, die Turn-, Sport- und Kulturorganisationen unter ihn zu bringen, ist bei den Kommunistenisporllern also sehr stark. Zweck der Bemühungen der Spalter-I. G., von den republika- Nischen Behörden amtlich anerkannt zu werden, ist, in den Genuß der Fahrpreisermäßigung, finanzieller und anderer Unterstützungen zu kommen. Wie wettern doch der kommu- niftische Sportverein Ficht« und das kommunistische Sportkartell Berlin, daß sie kein« behördlichen Unterstützungen bekommen. Diese Aufregungen sind sonderbar. Sie stehen im schroffen Gegensatz zu den Anschuldigungen der Kommunisten, die sie gegen den Arbeiter- Turn- und Sportbund ui»d die Zentralkommission richten. Der Rcichssührcr der Spalter I.-G., N i tz s che- Berlin, schrieb, daß die Gewährung und Entgegennahme von Regierungs- geldern naturgemäß zur Versumpfung der Ar- beitersportbewegung führen müsse. Und ausgerech. net der Leiter der Leipziger Spalter-I. G. behauptet in einer Broschüre:„Der Arbeiter-Turn- und Sportbund erhält heut« durch den Staat Subventionen in Form von finanziellen Zuschüssen, Jugend- fahrscheinen usw. Erreicht wurde hiermit, daß di« reformi- stische Sportbureaukrat!« korrumpiert wurde und auch gegen den Staat keinen Kampf mehr führt." Dieselben„Revo- lutionäre", die das schrieben, drängeln nach staatlicher Anerkennung und Unterstützung ihrer kommunistischen Parteisportsilialen. Leute mit halbwegs Aerstand nennen solche Handlungsweise Demagogie. Unter Kommunisten heißt dieses Gebaren„allein revokntionSr" Arbeiter-Wintersport. Deutsdi-fschcchischcs Wintersporlfcst. Der Arbeiter-Turn- und Sportoerbond der deutschen Arbeitersportler in der Tschechoslowakei, mit dem Sitz in Aussig, veranstaltet sein Verbandswintersportfest am 11. und 12. Januar 1930 in Bärringen im Erzgebirge. Värringen befindet sich an der Eisenbahnstrecke Iohanngeorgeiistodt— Karlsbad und ist daher bequem zu erreichen. Da Bärringen über 900 Meter hoch liegt, ist seine Schneesicherheit sehr groß. Außerdem Hot die Bergstodt eine landschaftlich äußerst reizvolle Umgebung. Ein« der größten und schönsten Sprungqnlagen, nur eine Minute vom Bahn- hos entfernt, steht zur Verfügung. Die Freunde des Sprunglaufes kommen also auch aus ihre Rechnung. Der gastgebende Verband erwartet eine rege Beteiligung der deutschen Arbcitcrsportler. Wetl- kampftneldungen sind an die Arbeiter-Turn- und Sportschule, Abteilung Wintersport, Leipzig S 3, Fichtestr. 32—34. zu senden. Quartienneldungen an den Aussiger Verband, Aussig(Elbe), Bahn- hojsplotz 1, Meldeschluß ist der 1. Januar. Arbcifcr-Eishodccy. Auch diss« Sportart ist in Deutschland kein Vorrecht der bürger- lichen Sportbewegung mehr. Die Schar der Förderer des Eishockey- jpieles im deutschen Arbeiter-Turn- und Sportbund findet immer mehr Anhang. Im lettischen Arbeitersport wird Eishockey auf Grund der günstigeren klimatischen Berhältnisse mehr gespielt. Die ersten Eishockey-Länderkämpse Deutschland— Lettla» d sind für den 26. Januar in Königsberg und den 16. Februar in Riga abgeschlossen worden. I)»s Zirkus-Busch-Programm vollständig. Für die Boxveronstaltung am Sonnabend, 7. Dezember, im Zirkus Busch, dessen Hauptkampf Gipsy Daniels und Hartkopp bestreiten, sind die anderen Paare wie folgt zusammengestellt: Gustav Eder, Dortmund, gegen Paul Richter, Dresden: Helmut Schulz, Königsberg» gegen Walter Peter, Berlin: Dr. Ludwig Bach, Heidelberg, gegen Egon Siief, Berlin: Ernst Pistulla, Berlin, gegen Koska, Gleiwitz. Beginn 19.30 Uhr. Eintrittspreise von 1 bis 12 M. In den Spichernsälen am Nürnberger Platz in Berlin gibt es am Freitag, 6. Dezember, wieder ein' guten Sport ver- sprechendes Box-Programin. Den Hauptkamps bestreitet bekannAich der brasilianische Schwergewichtsmeister Antonio Sebastiao mit dem Dortmunder Bischoff. Im Mittelgewicht treffen Eunow-Hamburg und Dräbing-Saarbrücken zusammen. Der schlazstarke Pfitzner- Berlin erhält den Düsseldorfer Mjnow zum Partner, Felix Friede- mann-Hmnburg kämpft mit Dörfer-Leipzig und den Einleitung s- kampf besorgen die Schwergewichte Swart-Wilhelmshaven und Auch- Berlin. Arbeiter- Samariter-Bund e. V.. Kolonne Niederlehme. Sonntag. 8. Dezember, 14 Uhr. findet die Einwechung der neuen Kranken- automobile stakt: anschließend große Uebung. Gäste herzlich will- kommen. T»uriN«»»e»rin.Die Ziatiirs«iiird«", genitale«ie». Abt. Sbatlottcnbui«: Stccitoa. 6, Deeembcr. 20 Sprcctlr.;i0.tn»a: JVtettoa, 8. Dcacmfifr, 20 Ubt. Srestr. Si. Sinflobmb.— Abt.»rii,: Ürritoa. 8. D«*-wbn-. 20 Ubr. Gboi.ffccftt. 48.— Akataqemeiofchsft: SRmttcB. 9. Daicmlwr, 20 Ubr. IZronffurt« All» 307. Portraiu„Von uuftren g« beten'.— äftöltuallaf mernfchort; Woniaa.!>. Sejembtr, 20 Uhr, Wranacl- ttra*e 128. SSortraa;..Tfr'o'fütir". Kreit MeBU-Umion•rafc-Actitn S. L. Abtritun« Ztott. Dbnncrstaq. S. St. itmbtr. 20 Uhr,«mttolntrfammluna bei StUmct. Steftt. 17. SuaaübAcn. unb KnmctaMtttenocB. Die Lebrftundt finlxt nicht am 8. Dtatiilbtr, fanittn nm Eonnabenb, iftit 7. Stjember,£tto6m»nn. ftraftt 6, statt. KMB., Sport b«»irl vftrina. Cirlfltntn bisbcriaer Vtfanntoobe fiiibtf das SoUentcoiiüun beute, 20 Ubr, wie ntwodnt. statt, Turnhalle Parlauc. Montaus in berfelbtu Salle lO'A Uhr. Räch st c Stsirfooetfamniluna Ti-nstaa, 20 Uhr, b«i»Mit«. Krankwrter•alle« 286. Eoimabend. 14. Drittln btr. in©citifia- fcheft«it Temns-Sivt ZStibnachtsftirr«br nda. rr (Befchäfta-Jbtsmer* (Bezirk Jlorden-Csten. 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