BERLIN Freitag ö.Sezeinber 1929 > 10 Pf. Jlr. 572 B 255 46. Jahrgang LrschetottSglich außerSoostags. Zugl«>ch Abendausgabe de«.Vorwärts'. Beiugsprei« beide Ausgaben SSPf. pro Woche, 3.60 M. pro Monat. Redaktion und Erredition; Berlin SW 68, Lindenfir. 3 Aazeigeuxrei«: Die einspaltige Nonpareillezeile vo Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwartS-Derlag G. m. b.H., Berlin Nr.»7526. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 237 Das Reichskabinett berät. Eine amtliche Erklärung gegen Dr. Schacht bevorstehend. DaS Reichskerbinett ist haute vormittag 11 Uhr zu- fammeugetrete«. Vs wird sich mit dem Memoraudum de«t Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht beschäftigen. Tie Reichsregicrung wird eine Gegenerklärung ver- öffentlichen. Schacht auf dem Kriegspfad. Üerr Dr. Schacht hat für fein Pronunziamento keine gute Presse gefunden. Das„Berliner Tageblatt" bedauert sein« Zlktion, die nur schaden fimne; die„B o s s i s ch e Zeitung" hält ihm vor. daß es wesentlich einfacher sei, in Memorenden Zugestand- Nisse zu fordern, als sie am Verhandlungstisch durchzusetzen. Di« chugenberg-Prefle bezeichnet fein Memorandum als„Schlag gegen die Regierung M ü l l e r- C u rt i u s-H i lf e r- d i n g". Die lhugenberg-Prefse hat damit der Schachtfchen Sabotage- attion den Namen gegeben. Herr Dr. Schacht hat der„B. A. am Mittag" Erklärungen über seine Beweggründe gegeben. Diese Erklärungen enthalien abermals heftige 2fn griffe gegen die Reichsrcgierung— ober sie stehen nicht im Einklang mit den tatsächlichen Unterlogen. Der Reichsbankpräsident hat dauernd in direktem Gedankenaus- tausch mit der Reichsregierung gestanden. Es war ihm bekannt, daß die Reichsregierung stch in allernächster Zeit offiziell zu den Finanzfrogen äußern würde. Man muß annehmen, daß Herr Dr. Schacht noch unmittelbar vorher die Gelegenheit ausnutzen wollte, um der Regierung Schwierigkeiten zu machen. Die Art seiner Veröffentlichung ist aufs höchste ungewöhnlich— das Memorandum ist der Presse früher zu Gesicht gekommen als den Ministern! Vor allem dürfte es dem Reichsbankpräsidenten schwer fallen. plausible Gründe dafür anzuführen, warum«r dies« Aktion gerode am Tage vor der Kabinettssttzung vorgenommen hat. Er hat feit dem Abschluß der Haagcr Verhandlungen wirklich Zeit gehabt! Um so mehr befestigt sich der Eindruck, daß«s sich um eine aus- gesprochen innerpoliiische Aktion mit der Spitze gegen die Re> gierung handelt, um«inen Nachstoß zum Vorstoß des Reichs- Verbandes der Deutschen Industrie. Schachts pariser Echo. Kommentare, die er verdient hat. Pari». 6. Dezember. fEigenberichi.) Dos Memorandum des Reichsbankpräsidenten Schacht hat hier außerordentlich überraschend gewirkt. Man betrach- tet den Reichsbankpräsidenten, der einst als Demokrat sein Amt an- trat, als einen auegesprochenen Freund der reaktionären Kreise Deutschlands. Man glaubt darüber hinaus, daß Schacht den Sturz des Reichsfinanzministers Hilferding be- absichtigt. Im übrigen ist hier allgemein die Auffassung vertreten. daß Schachts Memorandum eine Unterstützung Hugen- dergs in dessen Kampagne gegen den Young-Plan bezweckt und Schacht die Sympathien der äußersten Rechten gewinnen will. Diese Kommentar« hat Herr Dr. Schacht sich selbst zuzu- schreiben. Seine merkwürdige und zweideutio« Haltung läßt Raum zu allen Vermutungen._ Veutfchnaiionale Krise frißt weiter. Zuwachs wr die Opposition aus dem Lande Die was der deatschnatioaalen Fraktion ausgebratenen Abgeordnete« dürften bereits zu Beginn der komme» den Woche FraktionSstärke erreiche«. Auster de« Austrtttserklärunge« zahlreicher In- dustrieller sind den Abgeordnete» der„deatschaatio- aale« Arbeitsgemeinschaft" zahlreiche Austrittserklä- rangen. insbesondere von deutschnationale» Universitätöprofessore« nnd deutschnatio- nalen Arbeitnehmervertretern zugegangen, in Berlin allein vo» drei UniversitätSprofessorea. Ferner habe« sich mit de« aas der Deutschnatio nalen Partei ausgetretenen Abgeordnete« inzwischen viele Borstandsmitglieder der deutschnationalen Landestverdäjrde solidarisch erklärt. Das Geheimnis von Zannowitz. Oer Prozeß gegen Ehristian Friedrich zu Siolberg-Wernigerode. L. R. Hirschberg. 6. Dezember.(Eigenbericht.) Der Prozeß in Hirschberg verspricht interessanter zu werden. als aniangs angenommen werden durfte. Dos Gericht hatte Mutter. Schwestern. Brüder und Onkel des Angeklagten geladen, es wollte sich nicht mit der bloßen Feststellung des Grades der Fahrlässigkeit begnügen, sondern von sich aus alle Möglichkeiten prüfen. Dies wird ihm nicht leicht werden. Die Nächsten Verwandten des Angeklagten, mit Ausnahme der Schwester, haben es vorgezogen, noch vor Eintritt in die Gerichtsverhandlung ihr« Aus- sage zu»erweigern: sie sind einfach ferngeblieben.„Ihre Brüder", sogt der Vorsitzende,„wollen nicht den Schmutz Ihrer Familie hier auspacken." Wir werden aber davon von anderen Zeugen hören. Aber von welchem Schmutz Ist hier die Rede? Auch das erfuhr man. Der Onkel des Angeklagten, Karl zu Stolberg-Wernigerod«, der Bruder des getöteten Grafen, unterhielt nicht nur mit desien Frau Beziehungen, sondern auch mit den Söhnen. Der Dater lief den Frauen und Mädchen im Dorfe nach. Daß die Familie über all diesen„Schmutz", wie der Vorsitzende es, rannte, nicht in der Oeffenllichkcit sprechen wollte, ist ihnen nicht zu oerargen. Der Angeklagte wußte wohl von den Gerüchten über diese Ding«, wollte sie aber nicht glauben. Die Schwächen seines Vaters nahm er ihm nickst übel. Er verehrte u.U> schützt« ihn zu sehr und war von dem einzigen Wunsche erfüllt, ihm zu zeigen, daß auch er etwas kann. Denn in Wirtlichkeit tonnte er nicht viel: er hatte wenig gelernt, nichts Gescheites, überall nur Halbes. Er kam von einer Anstalt in die andere, nur dank der Beziehungen seines Vaters. Selbst m Potsdam, wo er auf unerklärliche Weis« in die Reichs- wehr ausgenommen wurde, machte er noch drei Wochen schlapp. Der Eindruck, den man von dem Angeklagten gewinnt, ist vorläufig kein ungünstiger. Seine Angaben sind präzise, nach außen hin offen und frei. Den zweifelnden Fragen, ist«s Wahrheit, begegnet er stets mit einem sicheren Ja. Friedrich Stolberg hat ober in der Voruntersuchung zuviel phantasiert, als daß man ihm jetzt ohne weiteres Glauben schenken könnt«. Ehrlich sind aber seine Tränen, Schwierige Aufgabe Oa hinauftletiern ist schwer. Aber wie schwer erst, wenn «ver mit gebrochenen Gliedern hiaaufttettera soll! als er sogt:„Es ist mir sehr schwer, über meinen Vater zu sprechen, ich hing zu sehr an ihm? er war mein Freund." Denn als er zum heikelsten Punkt seiner Darstellung kommen soll, nämlich, was er nach dem Schuß getan hat, bittet er um eine Pause. Verhandlungsbericht. lieber 300 Personen waren zum heutige,! Prozeßbeginn um Einloßkarteü eingekoinmen, während man kaum 30 Menschen im Zuhörerraum unterbringen konnte, da bei dem ungewöhnlich starken Andrang von Pressevertretern diesen der größte Teil des Saales hatte«ingeräumt werden müssen. Um gewaltsame Durchbruchs- oersuche der Zuhörer zu vermeiden, hatte der Polizeipräsident von Hirschberg vor dem Gericht auf der Straß« und vor dem Sitzung»- soal starke Patrouillen eingesetzt, da schätzungsweise 500 bis 600 Personen versuchten, sich Eingang in den Zuhörerraum zu verschaffen. Der heutigen Verhandlung wohnte auch ein Vertreter des Justiz- Ministeriums und der Generalstaatsanwaltschaft aus Breslau bei, da die Anklage, die dem Grafen Christian lediglich fahrlässige Tötung vorwirft, doch im wesentlichen so ausgebaut ist, daß das Gericht jederzeit weit über die Anklage hinaus das Verfahren er- weitern kann, zumal der Untersiichiingsrichter hinsichtlich des Cha- rakters und der geistigen Eigenschaften des Angeklagten ein geradezu vernichtendes Urteil abgegeben hat. Kurz vor 9%. Uhr wurde der 2S jährige Angeklagte Graf Christian Friedrich zu Stolberg-Wernigerode in den Saal geführt. Der Graf ist kaum mittelgroß, überaus schmächtig und körperlich unentwickelt. Er ist blond und bartlos. Zum schwarzen Anzug trägt der Angeklagte eine schwarze Krawatte. Der Angeklagte Graf Christian gab an, daß er am 16. Januar 1901 zu Iannowitz geboren sei, Forstwirtschaft gelernt habe und bis- her unbestraft sei. Seine Jugendzeit habe er in Schloß Iannowitz verlebt, wo er Prioatschulstunden erhalten habe. Mit 13 Jahren Hab« er das Gymnasium in Itsenburg 1%. Jahre besucht. Vors.: Sie kamen dort in dir Quinta, sind Sie in die Ouarta versetzt worden? — Angekl.: Das weiß ich nicht mehr, ich war aber als Kind sehr kränklich und mußte die Schule wegen einer Herzneurose verlassen. Ich hatte von 1916 bis 1318 bei einer Hauslehrerin Unterricht. Ich � habe nicht ungern, aber schwer gelernt Vors.: 1922 kamen Sie zur Reichswehr. Wie war das � möglich, da dort doch mir körperlich und geistig hochstehende Men-* schen ankommen sollen? Wer dort eintreten will, muß doch zahl- reiche Proben durchmachen?— Angekl.: Durch Beziehungen meines Vaters kam ich an. aber nach drei Wochen machte ich in einer Jnstruktionsstunde schlapp und wurde nach Untersuchung durch den Stabsarzt enllafsen.— Vors.: Sie gingen dann nach München, wo Sie aber nicht als Vollstudent, sondern nur als Hörer zugelassen wurden. Nach einem Semester sind Sie dann wieder nach Haus« zurückgekehrt.— Angekl.: Nach einem dreivierteljährigen Kursus bei dem Förster Retmann kehrte ich im Herbst 1927 endgültig nach Hause zurück, wo ich unter dem Giiderdirektor Gombert arbeitete. — Vors.: Was arbeiteten Sie?— Angekl.: Am Vormittag war ich im Bureau, am Nachmittag ging ich in den Wald.— Vors.:, Dabei haben Sie, wie Sie aussagten, Ihren Vater besonders schätzen gelernt. Angekl.(weinend): Za. er war so gut zu mir, daß ich das Gebot befolgen lernte:„Du sollst Vater und Mutter ehren, damit du lange lebest auf Erden." Das habe ich wenigstens befolgt.— Vors.: Ihr Dater hatte gewisse Schwächen. Er trank gern und war auch Frauen sehr zugetan. — Angekl.: Das nahm ich ihm nicht übel.•— Vors.: Sie wußten, daß Ihre Mutter mit Ihrem Onkel Karl intime Beziehungen hatte und daß Ihr Onkel an Ihren Prüdern nicht anständig gehandelt hat.— Angekl.: Das möchte ich... ich weiß nicht.— Vors.: Wollen Sie sagen, daß Sie nicht wissen, daß es so schmutzige Dinge überhaupt gibt, oder nur, daß es Ihnen unbekannt war, daß Ihr Onkel Karl sich an Ihren jüngeren Brüdern ver- griffe« habe.— Angekl.: Ich hatte davon nur als Gerücht gehört.— Vors.: Ihr Vater soll ein vorzüglicher Forstmann und in der Gegend sehr beliebt gewesen sein.— Angekl.: Mit Recht, die Menschen schätzten ihn, da er viel Gutes tat und inmier mensch. sich handelte.— Vors.: Hat Ihr Vater Hochmut oder Adelzswlz besessen?— Angell.: Adelsstolz besitze ich auch, auch Bater war aus Politik saniert die Wirtschast. Gründung eines amerikanischen Wirtschastsrats. seine Familie stolz.— Bors.: War er zum einfachen Menschen freundlich oder schroff?— Angekl.: Cr war immer freundlich zu den kleinen Leuten.— Vors.? Wie standen Sie zu Mutter und Ge- schv istern?— Angekl.: Ich versuchte innner, ihnen eine Stütze zu sein. Dann oernahm der Vorsitzende den Angeklagten zur Tat. Oer Abend des 15. März. Vors.: Nun. Angeklagter, schildern Sie mal die Vorgänge am Abend des 18. Marz.— Angekl.: Ich hatte mittags um 1 Uhr eine Jagdwaffe vom Kaliber 12 aus dem Schrank genommen, da ich einein wildernden Hund eins aufbrennen wollte. Als ich raus kam, war der Hund aber weg, und ich hängte die Flinte an den Kleiderrechen und ging nach oben ins Eßzimmer, wo die ganze Familie mit Aus- nähme meiner Mutter war, die in Schloß Lomnitz zu Besuch war. Ich bin dann mit meinem Auto nach Hirschberg gefahren, ließ an meinem Wagen eine kleine Reparatur machen, holte um 4>4 Uhr mein« Mutter von Schloß Lomnitz od, und wir fuhren nach Haus«. Meine Mutter ging ins Rentamt, ich ging ins Schloß, wo ich mit meinen Brüdern wohnte. Wir saßen dann all« zusammen beim Abendbrot bis gegen 7% Uhr. Meine Eltern, meine Schwester An- tonie und ich gingen ins Erdgeschoß ins Wohnzimmer hinunter, wo mein Vater meiner Mutter eine Zeichnung von einem Gasthaus- neudau zeigte.— Bors.: Ihr Vater hat an dem Abend über das Frei- maurertum gesprochen, hatte er das Buch von Ludendorff gelesen? We äußerte sich der Vater?— Angekl.: Er war sehr bedrückt über das Schicksal des Landes, er meinte, daß wir keine wirtschaftliche Zukunft mehr hätten.— Vors.: Um 8H Uhr wurden die Kinder ins Bett geschickt, dann verließen Ihre Mutter und Ihre Schwester Antonie dos Zimmer. Sie waren dann von etwa 9 bis 103-4 Uhr allein mit dem Vater. Nun erzählen Sie aber streng wahrheitsgemäß, was vorging.— Angekl.: Doter saß auf einem Sofa, ich aus einem Sesiel links von ihm. Ich habe wohl etwas gelesen, mich dann am Ofen gewärmt und oerließ auch einig« Mal« dos Zimmer. Vater las und plauderte zwischendurch, und ich steckte mir eine Pfeife an und wollte schließlich schlafen gehen. Da ist eine Schweinerei passiert. Da sind die 88er und 90er Patronen zusammengekommen.— Der Vorsitzende läßt hierauf den Angeklagten, dem der Verteidiger die Stufen emporhelfen muß, an den Gerichtstisch treten. Dort nimmt Graf Christian die Büchse in die Hand, aus der der Unglücks schuß ge- fallen I st. Die Büchse, die dem alten Grasen gehört, ist ein Kara- biner, der vor fünf Jahren aus einem Acht-Millimcter- in ein Neun- millimster-Jagdgewehr umgearbeitet worden ist. Der Angeklagte schilderte dann, er Hab« aus dem Gewehrschrank diese sogenannte beste Büchse und die Patronen, die lose zwischen den Kolben lagen, herausgenommen, um jede Patrons in den Lauf zu schieben und auf diese Weise die Patronen sortieren zu können. Ich stellte die Büchse, die sehr schwer ist und mir unbequem war, Mit dem Lauf auf den Teppich und reduzierte weiter. Ich stand dabei einige Meter hinter dem Sofa meines Vaters und zog das Karabinerschloß zurück. In dem Augenblick rutschte die Büchse vonderKommoden- kante ab und d e r S ch u ß k r a ch t e l o s. Ob ich an den Abzug gekommen war, weih ich nicht. Ich ging avf das Sofa zu...— Vors.: Nun. und wa» sähe« Sie da?— Angekl.(lange zögernd, dann mit leiser Stimme): Ich.. ich hatte... Herr Vorsihentüir, ich bitte »m eine Pause. pilsudskis politisierende Armee. Mißtrauenelv er träge der Linken und der Mitte. Warschau, 6. Dezember.(Eigenbericht.) In der ersten Sitzung der Herbstsession des Sejm sprach Seimmarschall Da szynski über die Vorfälle der letzten Zeit. Cr berichtete auch über das Eindringen von Offizieren in das Parlament am 31. Oktober und betonte, daß eine p o l i t i- sierende Armee eine Gefahr für jedes Land sei. Das Schwert sei ein Argument gegen einen Feind aber niemals gegenüber der Volksvertretung. Als Daszynjki dann Clcmenceau einige Worte des Gedenkens widmete, verließen die deutschen Ab- geordneten den Saal. Di« Minister betraten erst nach der Rede Daszynskis den Saal. PUsudski blieb fern. Finanzminister Matuszewski gab einen längeren ober. f l ä ch l i ch e n Bericht über die Finanzlage. In der Debatte be- schuldigte der Sozialist Niedzialtowski die Regierung, nichts zur Behebung der furchtbaren Wirtschaftskrise getan zu haben. Da» Ptlsudski-Syfiem habe dem Lande durch die ständige Staaisstreichdrohung ungeheuer geschadet. Die polnischen Sozialisten würden mit ollen Mitteln und Kräften jeden Versuch eines Staatsstreiches zurückweisen. Die wichtigste Aufgabe im Augenblick sei die Liquidierung des gegen- wärtigen Regierungssystcms. Im Namen der Links- und Mittel- Parteien kündigte er den Mißtrauens antrag gegen die Re- gierung Switalski an. Der Posen« Nationaldemokrat Rybarsti griff den deutsch- polnischen Liquidationsvertrag an. dessen Abschluß er als ein Zeichen der Schwäche der Regierung bezeichnete. Der Vorsitzende der Wyzwolenie(„Befreiung", linke Bauernpartei). Rag. kritisierte die Tätigkeit der Regierung. Gegen?tZ Uhr wurde das Miß- trauensootum eingebracht, das von sechs Parteien unterzeichnet ist, und zwar von den Sozialisten, der Bauerngruppe Wyzwolenie, der Bauernpartei, den Piasten, den christlichen Demokraten und der Nationalen Arbeiterpartei. D«r deutschbürgerliche Abg. N a u n�a n n führte aus. daß keine polnische Regierung bisher sich so bewußt über die Rechte der Deutschen im Staat hinweggesetzt habe, wie das Kabineil Switalski. Naumann schilderte vor allem die traurige Lage der deutschen Kolonisten in Polen, die ständig Verfolgungen ausgesetzt seien. Die deutsche Minderheit müsse dem Kabinett Switalski ihr Vertrauen verweigern Arbeiterwahlerfolge in Schottland. London, 6. Dezember.(Eigenbericht.) Die Arbeiterpartei hat bei der Neuwahl der Grasschastsräte in Schottland unter schwierigsten verhäliuisseu in Lanarkshire S. Ayrshire i, AUdlethiea 9 und in wesllothien? Sitze dazu ge- mannen. Za den«eisten übrigen Zndustriebezlrkea wurden kleinere Fortschritte erzielt. Die Todesurteile gegen zwei«eitere Araber in Palästina wegen der Ermordung von Juden in Sasea sind vom Appellationshai b«- stätigt worden. Sriegsrecht aus Haiti. Wie Reuter aus Washington berichtet, ist m der Zirpubllk Haiti das Krtegsrecht verkündet worden. Washington. 6. Dezember. Heute wurde hier«ine von der Handelskammer der Ber- einigten Staaten einberufene Konferenz zur Förderung und Durch- führung des Hooverfchen Wirffchaftsprogrammes eröffnet, an der etwa 400 führende Geschäftsleute aller Wirtschaftszweige teil- nahmen. Präsident Hoover eröffnete die Konserenz mit einer Rede, in der er erklärte, daß dies« Körperschaft,'die die Industrien des Landes vertrete, eingeladen worden sei,«ine vorläufige Organisation zu schassen, deren Aufgabe darin bestehe, die von einigen führenden Industrien bereits ergriffenen Maßnahmen auf die gesamte Wirtschaft auszudehnen, um den Auswirkungen der letzten Börsenpanik entgegenzuwirken. Es sei, so erklärte Hoover, zwangsläufig eine etwas größere Arbeitslosigkeit ein- getreten, die daraus zurückzuführen sei, daß da« Sapikal aus der Wirtschaft gezogen und für die Spekulation verwendet wurde und daß nach dem Zusammenbruch der Kurs« die Nachfrage nach Luxusartikeln und Waren, die nicht unbedingt zum notwendigen Bedarf gehören, infolge der verminderten Kaufkraft der Leute, die Börsenverluste erlitten haben, abnahm. Die Hauptwirkung der Lörsenpam? sei jedoch ein übertriebener Pessimismus gewesen, der Furcht und Ungewißheit in das Geschästsleben hinein- trug. Diese Gefühl« müßte», falls ihnen nicht entgegengetreten würde, zu Schwierigkeiten führen. Die Amerikaner seien geneigt, an frühere Fälle zurückzudenken, wo man weniger vorbereitet war, um solchen Situationen zu begegnen. Die Schwierigkeiten, die möglicherweise entstehen würden, könnten nicht durch Wort« behoben werden, das Heilmittel sei vielmehr die Tat. Das Heil- mittel für die Arbeitslosigkeit sei die Beschaffung von Arbeit. Im weiteren Verlauf seiner Rede wies Hoover auf die von den Wirtschaftsführern angekündigten Ausbauprogrommc hin sowie auf die von allen Sellen gegeben« Zusicherung, daß keine Herabsetzung der Löhne erfolgen werde. All« Wirtschaftler stimmten darin überein. daß die Beschleunigung der Ausbauarbeiten not tue, um wieder eine gewiss« wirtschaftliche Stabilität zu sichern. Hoover unterstrich besonders die Mitarbeit der Staats- und Kommunalbehörden an dem Ausbauprogramm. Bei der Förderung unserer Ausfuhr sollten wir uns jedoch vor- nohmlich für die Ausbauarbeiten im Ausland für den Straßenbau und sonstige gemeinnützige Unternehmungen inlcrcsjieren. die den Lebensstandard und die kauj kraft anderer Völker erhöhen, denn unser Wohlstand hängt von dem Wohlstand anderer Völker ab, und nicht davon, daß wir sie aus dem Welthandel ver- drängen. Alle Stabilisserungsbemühungen der Regierung laufen daraus hinaus, für Arbeit zu sorgen und die Furcht vor der Arbeitslosigkeit zu beseitigen Eine große Berantwortung für die wirts chafllich« Stabilität und den allgemeinen Wohlstand ruh« aus dem gesamten Volk. Er wolle nicht predigen, sondern nur ein gutes alles Wort erwähnen, nämlich dos Wort Arbeit. Nach Hoover ergriffen auch andere Regierungsbeamt« und Orkan über England. Schiffsverkehr im Kanal teilweise eingestellt. London, K. Dezember. In der Rächt setzte Uber England und dem Kanal ein furchtbarer Sturm mit schtveren Wolkenbrüchen ein. Auf de« Scilly-Jnseln und in Falmonth wurden 131 bzw. 150,4 Kilometer Stundengeschwindigkeit des Sturmes gemessen. Ueberall wurde großer Schaden ange- richtet. Zahlreiche Schaufensterscheiben wurde« vom Sturm eingedrückt. In Jslington, einem nördlichen Borort von London, stürzte die gesamte Vorder- front eines Hauses ein. Tie Bewohner kamen mit dem Schrecken davon. Jn Aldershot und in P o r t s- mouth stürzten die Seitcnwande von drei H&user« ein. wobei eine Frau und zwei Kinder verletzt wurden. Zahl- reiche Dächer wurden abgedeckt. Sehr groß ist die Zahl der entwurzelten Bäume. Zwei Kinder wurden von fallenden Bäumen schwer verletzt. In Hütt wurden gleich- falls viele Häuser schwer beschädigt und zahllose Fenster- scheiden zertrümmert. Tie Führer der Fischersahrzeuge, die schwer- beschädigt in den Häfen Schutz suchten, berichten von Sturmverhältnissen in her Nordsee, wie sie sie bisher noch nie erlebt haben. Der Schiffsverkehr im Kanal mußte teilweise eingestellt werden. Zahlreiche Schiffe liefen Dungeneß und Dover als Schntzhäfcn an. Im Kanal von Bristol wurde ein schwerer Kran umgeworfen und die Eisenbahnlinie zerstört. Im Stadtgebiet von London wurden 1000 Telephonleitungen beschädigt und 130 Ueberlandlinien zerstört. Zahlreiche Schiffe in Seenot. Bier Dampfer, zwei englische, ein französischer und ein dänischer. schweben in großer Gefahr. Der 24 000 Tonnen große französische Dampfer„Isle de France" konnte Plymouth nicht anlaufen und mußte die englischen Passagiere zurücklassen. Der Lotse von Ply- mouth befand sich borsitz an Bord und mußte unfreiwillig die Reise nach New Park mitantreten. Zn der Nähe von Porlsmoulh treibt ein großer Dampfer, dessen Ztallonalilät noch nicht festgestellt werden konnte, der Küste zu. Raketenapparate werden bereitgehallen. um die Besatzung an Land zu nohmen. Der spanische Dampfer„Guecho", der sich von Swansea mit gebrochener Schraube in Seenot befand. konnte von zwei Hochsecschleppern in Tau genommen werden. Wenn der Sturni noch zunimmt, ist die Lage des Dampfers außcrordent- lich ernst. Wirffchaftsführcr dos Wort, unter ihnen Handelssekretär Lamont, der der Ansicht Ausdruck gab, daß die Kredit- Verschiebung der letzten Zeit die größte der Geschichte sei. Die Art, wie die Geschäftswelt ihr widerstanden Hab«, rechtfertige das Vertrauen, oas man in sie setze. Lomont betonte, das Publikum sollte kein« Bedenken tragen, Wertpapiere zu dem jetzigen Kurs- stand zu kaufen. Die Konferenz nahm schließlich eine Entschließung an, die das Hoooersche Wirtschoftsprogromm gutheißt und vorschlägt,«inen Exekutioausjchuß der organisierten Wirtschaft zu bilden, der sie nötigenfalls vertreten könne. Der Borsitzende der Konfe- renz, Julius Barnes, wurde ermächtigt, den Ausschuß zu ernennen. Mitkden gibt endgültig nach. Die Sowjeiöirektoren werden wieder eingestellt. Mukden. 6. Dezember. Nach einer Nochtjilzung faßte der Politische Rat einen Beschluß, der den Konflikt mit der Sowjclregleru'ug wegen der chinesischen Oslbahn beenden dürste. Ans Litwinofss Telegramm vom 27. November an Tschanghjüliang wird ein« Antwort gesandt werden. die die Ergebnisse der Besprechungen von Nikolsk gutheißt. Ferner wird darin der Sowjelregierung die Ernennung Tsaiyunjchengs zum chinesischen Delegierten bei den Verhandlung«!'. mitgeteilt, bei denen die Einzelheiten der Wiederherstellung des ftatus quo und der Freilassung der Gefangenen berührt werden sollen. DI» Wiederverwendung des vormaligen Leiters uud des vormaligen stellvertretenden Leiters der Oslbahn in anderen Stellen war ursprünglich al» unannehmbar betrachtet worden, aber nach reislicher Erwägung beschloß der Pollkische Bat. im Zateresse des Friedens nachzugeben. Der chinesische Vorsitzende de? Ostbahndirektoriums ist zurückgetreten, was die Lage vereinfacht, da sein Rücktritt eine der vereinbarten Bedingungen war. Die Meutereien in Shina. London, 6. Dezember. „Times" meldet aus Schanghai: Die beiden Divisionen des Generals Schiyufan, die am Dienstag in Pukau gemeutert hatten, graben sich jetzt bei Wuyi, einig« Kilometer von Pukau entfern'. ein. Sie halten die Eisenbahnlinien, die von dort nach Zlanking und Sutschau im Süden und nach Hsutschoufu im Norden führen. besetzt. Gestern sollen die Truppen in A n l i n a, der Hauptstadl von Anhui, die ebenfalls dem General Schiyusan unterstehen, g�- meutert und die Stadt geplündert haben. Ferner wertz-v Meutereien aus Itu oberhalb von Hankau und Itschang gemelde Die Chinesen sind der Meinung, daß Nanking jetzt einer Bewegun. gegenübersteht, die ernster ist als eine bloße Meuterei unbezahl'-- Truppen. x... Mukden verhandelt neben Nanking. Der nach Mukden zurückgekehrte chinesisch« Unterhändie Tschai, hat mitgcteill, daß an den noch für Dezember in Aussi-i: genommenen Friedensverhandlungen in Ch arbin auch Vertrct r der Nanling-Regierung teilnehmen werden. Bei den Der- Handlungen werde China durch zwei Bevollmächtigte der Mukden- und zwei Bevollmächtigte der Nanking. Regierung vertreten sein. Das Phantasiegespenst.. Einbrecher bauen auf die Angst der Hausbewohner. Das Märchen vom sogenannten Nachtgespenst scheint sich noch- gerade zu einer Saisonkrankheit entwickeln zu wollen. Wenn irgendwo ein Einbrecher einsteigt und mit seiner Blendlaterne. die ja jeder von der„Zunft" bei sich führt, nach Deute- stücken unchcrleuchtet, so soll es stets das ominöse Gespenst sein. Würden diese Meldungen alle zutreffen, so müßte das Gespenst mindestens über ein Motorrad verfügen, um mit Blitzesschnelle durch die verschiedenen Stadtgegenden rasen zu können und über- all Gastspiele zu geben. In der letzten Nacht soll es wieder oimnal in der B a n d e l st r a ß e aufgetaucht sein. Dort stieg es in eine Parterrewohnung«in, in der in der Küche der 23 Jahr» alle Sohn des Wohnungsinhabers schläft. Entwendet wurde ein Portemonnaie mit 8,30 Mark. Das„Gespenst" ist ober sehr rücksichtsvoll gewesen, es Hot den jungen Wann weder geohrfeigt, noch gekitzelt. Nach den früher gezeigten bösen Angewohnheiren scheint es sich jetzt Manieren beigelegt zu haben. Das angebliche„Gespenst" hat also in dar Person ein und de?- selben Einbrechers gar nicht existiert. Bielmehr haben sich die Einbrecher in dm verschiedenen Stadtgegenden die Aengstlichkeit der Bewohner nach erprobtem Muster zunutz« gemocht. Giurm der Neamiengläubiger. Im allen Kriminalgericht fand heule vormittag 10 Uhr eine Versammlung der Gläubiger der Berliner Beamlenver. c i n i g u n g sialk, die einen sehr erregten Verlauf nahm. Der Andrang der Gläubiger war so stark, daß der groß.' Schwurgerichtssaal in kurzer Zeit überfüllt war und 300 bis 400 Gläubiger keinen Einlaß mehr fanden. Der Vorsitzende ver- tagte daher die Versammlung auf unbestimmte Zeit, nachdem die Gläubiger in erregten Auseinandersetzungen ihrem Befremden darüber Ausdruck verliehen hatten, daß man bei der bekannten Zahl von ungefähr 3000 Gläubigern einen Versammlungsort gewählt hatte, der knapp 500 Personen faßt. Brandunglück im Zugspiheuiunnel. Zwei Arbeiter verunglückt. von der Bayerischen Zugspihcnbohn A.-G. wird mitgeteilt: Beim Bau der Zugspihmbahn hat sich am Donnerstag a m Fenster desgroßenTunnalseia bedauernswerle» Brand- unglück ereignet. Es brach in den Unlerkuaflsräumen am Zugaug». stallen zum letzten Teil dos großen Tunnel« Feuer aus. Das Feuer verqualmte den Stollen und brachke die im Tunnel be- schäfligken Arbeiter in die Gefahr des Erstickens. Zwei Arbeiter tonulm nicht mehr rechtzeitig gerettet werden und sind e r- stickt, wie die Zugspitzenbahugesellschosi weiter mitteilt, wird da» Unglück de» Fortgang der Atbelte» kaum berialrächligen. Verbrüderung! Kritische Randglossen zu �ettow-Vorbecks Aeise nach London Etwa tausend ehemalige Offiziere und Soldaten der britischen Ost-2lfrika-Truppen während des Weltkrieges haben den deutschen General von Lettorv-Vvrbeck als Ehrengast nach London eingeladen. Der ehemalige deutsche Kommandeur der Ostofriko- iruppen saß neben General S m n t s, dem Kommandeur der britischen Streitkräfte, und olles war eitel Ritterlichkeit und Lcr- brüderung. Der General Smuts, zweikellos einer der bedeutendsten Kopse der Zeit, hielt eine in ihrer Gesinnung untadelige Rede, in der nicht nur von jrü Heren Feindschaften, sondern auch von zukünftigem Frieden die Rede war, und auch General Lettow-Vorbeck, das muß anerkannt werden, hat sich für einen alten Recken, dem der Ruf des Nationalismus voranging, recht an- ständig aus der Affäre gezogen. Er hat auf gewisse Phrasen oer> zichtet, die ihm seine Freund« iij Deutschland ohne Zweifel ein- geblasen haben und einen Humor entwickelt, dem die Engländer bei einem preußischen General zuletst vermutet hatten. Soweit ist alles gut und schön. Es ist eine alte Erfahrung, daß sich die Kriegsteilnehmer der verschiedenen Länder von jener Schützen- grabenverbrüderung im Jahre IstU an stets besser verstanden haben als die Heimkrisger. Es ist längst zu einem Gemeinplatz geworden, daß die Kriegsbegeisterung in allen kriegführenden Ländern mit dem Quadrat der Entfernung von der Front wuchs, bis sie an den Bier- tischen des Hinterlandes gigantisch« Formen annahm. So ist es ver- ständlich, daß die Anwesenden mit Begeisterung deni Austausch von Kriegsintimitäten zwischen den beiden ehemals feindlichen Feldherren lauschten. General Smuts erzähste, wie er dem von Deutschland völlig abgeschnittenen Lettow-Borbcck die Nachricht von der Verleihung des Pour le Merite übermittelte und ihm dazu mitten im Kampf gratulierte. Lettow-Vorbeck schwelgt« schmunzelnd in der Erinnerung, wie er in seinem Dankbrief an Smuts zu allerlei Listen gegriffen habe, damit Qenerairerfammlung der blinder. 3n JfaUfnmim rerfammeUe ein SUempaar feine 17 köpf Ige Mnderfchar rnn ffrii. sein Feind aus der Antwort keine Schlüsse über den Stand des Stabsqartiere der deutschen Ostafrikatruppe inachen könne... Alles endete im Rausch geg enseitiger Ovationen. und die Prejjc, die die beiden ehemaligen Feind« Schuster an Schuller im Bilde zeigt, begleitet den Vorfall mit lauten Salut- schüssen. Soll man, darf man die Festesfreude stören? Darf man leise Zweifel äußern, ob das— was sich hier ohne Mißton abspielte— wirklich jenem Frieden diente, für den es mit Engelszungen zu zeugen schien? Es ist schön, wenn sich ehemalige Feinde oersöhnen und gut, wenn die Wunden des Krieges so schnell heilen. Aber lag nicht über dem ganzen«in Zug von Glori» sizierung des Krieges an sich, eine Art von moralischer Ehrenrettung des Gottes Mar»? Indem man in den Erinnerungen oergangener Ritterlichkeiten schwelgte und sich gegenseitig Blumen- sträuße zuwarf— gab man damit nicht dem Krieg selbst etwas von seinem Glanz zurück? Eine englische Zeitung hat diesen Zweifel ausgesprochen.„Die Befahr besteht darin", so schrieb dieses Blatt,„daß der Krieg selbst, der solche schönen Blüten menschlich anständigen Verholtens ermög- licht hat, wieder mit Glorie umgaben wird." Die Warnung ist nicht unangebracht, und die„Morning Post", die unerbittlichste und räch- süchtigste Deutschfeindin unter den englischen Gazellen, spricht es offen aus, in welchem Geist« sie dem ehemallgen feindlichen Kommandeur begrüßt!„General Smuts glaubt an den Völkerbund, aber das bedeutet nicht, daß er nicht«in zweites Mal in Verteidigung des britischen Reiches fechten würde. General von Letttm» ist den„Nationalismus" so sott, daß er sich ständig geweigert Hot, in die deutsch« politisch« Arena einzutreten.(?) Aber wäre fein Vaterland in Gefahr, wäre et da nicht der erst«, da» Schwert umzuschnallen? Es ist der Patriotismus, nicht der Internationalismus, das sie beide— und uns— zu Brüdern macht/ Niemand wird Generalen verwehren, Wer die Erinnerung an Schützengräben hinweg, sich kameradschastlich die Hände zu reichen— aber wenn der Krieg dabei als der eigentliche Held wie der Bogel Phönix aus der Asche steigt, wenn das Bekenntnis zum Frieden nur ein persönliche.- ist und kein moralisches, so hat der Genius des Friedens bei solcher Derbrüderuiig keinen echten Siez errungen. Das Schwert bleibt in der Scheide, es wird nicht auf ewige Zeiten zerbrochen. Lsson �ertkeimer(London). Explosionsunglück in Amerika. Ein postgebäuve fliegt in die Lust. V i l k s b u r g. 6. Dezember. In Munhall. einem Vorort der nahegelegenen Slodt hamestead. wurde das zweistöckige Postgebände durch eine g«- waltige Explosion zerstört. Nach den bisher vorliegen- den Meldungen sind zwei Personen gciStel und 75 ver- letzt worden. Unter den Verletzten befinden sich zahlreiche Passagiers eines Straßenbahnwagens, der im Augenblick der Explosion an dem postgebändc vorbeifuhr. Sechs Personen werden noch ver. mißt. Die Ursache der Explosion ist noch nicht gtflärl. Glasgow will von Verlin lernen. Entfen dung einer Stu dienkommiffion für Ve rtehrsprobleme London, a. Dezember.(Eigenbericht.) Da» au» Mitgliedern des Sladt-at» von Glasgow bestehende verkehrnkomitee hat beschloffen, der Skodloerwalkuug von Glasgow die Entsendung einer Studienkommisslon nach Berlin zu empfehlen. Die Entsendung dieser Kommission steht in engstem Zusammenhang mit der Absicht, den Glasgower Stadtverkehr nach Berliner Vorbild zu reorganisieren. Wanderburschenschicksal. Bon Hans Bauer. In das Ingolftädier Krankenhaus kommt ein Wanderbursche, beschmutzt, verstaubt, in zerschlissener Kleidung, sein Hinterkopf ist ausgeschlagen, aus einer breiten Wunde sickert Blut heraus. Der Wanderb'.irsch, Alois Ortner mit Nomen, erzählt eine merkwürdige Geschichte Aus der Ehaussce Hobe ihn ein Automobilist gebeten, ihm bei der Behedimg einer Panne behilflich zu sein. Er, der Alois Ortner, sci dem Wunsche nachgekommen! plötzlich ober, wie er mit dem Rücken gegen den Automobilisten dagestanden habe, habe er von diesem einen fürchterlichen Schlag aus den Schädel bekommen. Er sei ganz benommen gewesen, Hab« ober flüchten können. Dem Wanderburschen wird nicht geglaubt. Es ist ja auch alles gar zu unwahrscheinlich, was er hier vorbringt. Ein Auto- mobilift, also doch offensichtlich ein Herr aus den gehobenen Gesell- schoftekreisen, soll ihn, den armseligen Wanderburschen ohne Geld und Bleibe, überfallen haben.... Warum soll«r das getan haben? Wie wäre dos zu motwieren? Nein, nein, der Wanderbursche will den Leuten vom Krankenhaus einen Bären aufbinden, aber er soll sich dann wenigstens was Besseres ausdenken. Wer weiß übrigens, was er selber ausgefressen hat! Bststende �Wanderburschen sind verdächtig genug..., soll froh sein, wenn man nicht nachforscht, wenn man die Sache aus sich beruhen läßt. Aber der Wanderbursch Alois Ordner hat- die Wahrheit ge- sp cochen gehabt. Er war totsächlich überfallen worden, und der ihn überfallen hatte, der Kaufmann Erich Tetzncr aus Leipzig, hatte vorgehabt, ihn zu erschlagen und seine Leiche mtt Benzin zu übergießen und anzuzünden. Es handelte sich um«inen Versicherungsbetrug. den der Herr Automobilist plante. Die Einzelheiten gingen den Wanderburschen Alois Ortncr nichts an. die Sache war ja wohl auch zu hoch für ihn. Seine Aufgab« bestand lediglich darin, die Leiche zu liefern. Da der Anschlag gegen Alois Ortner mißglückt war. suchte sich Tetzner ein neues Opfer. E« fiel ihm nicht schwer, es zu finden. Ein Herr Mit Auto, wie sollte der Schwierigkeiten haben, wenn er sich das Dertrouen eines Chausseeflohs. eines nich- tigen Vagabunden ohne Heimat und Wanderziel, erringen will! Sechs Tage später war alles in der schönste!, von Tetzner gewollten Ordnung. Das Opfer lag..., oder vielmehr es wurde zwischen das willkürlich zertrümmerte Auto placiert, und man weiß heute noch nicht dieses Opfers Nomen und seinen Lebenslauf. Er scheint nickst vermißt zu werden, dieser Tote, niemand fragt nach ihn,... Es hat schon einmal einen Unhold gegeben, der sich nicht als Verdächtiger an den Bewachten, sondern als Geachteter an dan Ver- dächtigen vergriff. Er hieß dan, als Denk«, lockte Wanderburschen in feine Wohnung, schlachtete sie ob und fraß sie auf. Zweimal waren seine mörderischen Streiche fehlgegangen. Die Uebersal- lenen drohten im Fliehen mit der Polizei; aber sie gingen dann nicht hin. Es ist leicht vorstellbar, wie sie diese Unterlassung bei sich begründeten. Sooft sie mit Amtspersonen zu tun gehabt hatten, waren sie in der Defensive gewesen, war ihnen mißtraut worden. Ihr Kleid, ihre Zlrl waren nicht polizcisähig. Sie hatten wohl auch einiges auf dem Kerbholz! Bagabuiidage. Felddiebstahl, Bettelei... Jener hingegen, der war Bürger, der war hier eingesessen, der war hier bekannt. Er hatte sie töten wollen, aber wie war das zu be- weisen, wo ihr Wort doch so wenig wog? Wir sind für Erich Tetzncr, den Mörder, nicht verantwortlich. so wenig, wie wir für Denke oerontwortlich waren. Ein Mann wie dieser Tetzner ist«in menschlicher Sonderfall, der nichts beweist und nichts widerlegt. Es gibt Mörder aus Hobgier oder Sinnver- wirrung sei Jahrtausenden und es wird sie vermutlich noch recht lange geben. Aber mehr oder weniger sind wir all« dafür verant- »örtlich, daß dem Alois Oriner nicht geglaubt wurde und daß seinerzeit die beiden überlebenden Opfer des Denk« die Unglaub- Würdigkeiten von ihresgleichen vorausgeahnt haben. In der Theorie sind wir ja alle sehr dafür, in dem Leben des Vaganten etwas Ro- mantisches oder gor Liebenswertes und mindestens etwas wohl' wollender Nachtsicht Bedürfendes zu seden. In der Praxi» aber werden beisplslsweise durch den im Rechtsausschuß des Reiche- tages eben zur Debatte stehenden Strafgeietzentwurses diejenigen, „die au» Hang zu ungeordnetem Leben sich mittellos im Lande berumtreibon", statt mit Haft bis zu sechs Wochen, wie bisher, mit Gefängnis bis zu sechs Monaten bedroht. Nun, Herr Tetzner hat sich auch aus Hang zu ungeordnetem Leben im Lande herum- getrieben. Aber selbstverständlich trifft jener Paragraph auf ihn keineswegs zu/ denn er tat es nicht„mittellos", sondern versehen mit einem Auto, und überdies war er im Besitz einer auf IckZOWl Mark lautenden Versicherungspolice. Vielleicht gelingt es niemals, die Leiche de» von Tetzner Er- mondeten zu identifizieren. Dieser Tote bleibt dann der unbekannt« Soldat der großen LoWstrelcherarmec, die wir nickt ungebührlich heroisieren wollen, deren Angehörigen wir aber zubilligen sollten. daß sie zuweilen, anstatt die Angreiser, auch einmal die Angegrif- fenen der Gesellschaft sein können. „Die Insel der Verschollenen." Ufa-pavillon Die klein« Hafenstadt an der bretonischen Küste, das Leben und Treiben der Eingesessenen, die ganz von dem reichen Reeder abhängig sind, das immer interessante Spiel von Wolken und Wasser wird von dem Regisseur Julien D u v i v i e r prachtvoll und an schau- lich geschildert. Aber der Monuskriptverfasser Duvwier hat eine un- möglich« Handlung seinem Film zugrunde gelogt. Ein morsches Schiff wird von dem Reeder in See geschickt, well er auf die Ver- sicherungssumme spekuliert. Es kommt zur Meuterei auf hoher See, das Schiff strandet an einer wellantlegenen Insel. Daheim aber revoltiert, als das Schiff nicht wiederkehrt, die Bevölkerung gegen den Reeder. Seine eigene Tochter Simone hält es mit den Ausgebeuteten. Auf«ine Vision hin weiß sie die Entsendung eines Schiffes zu organisieren, das die Verschollenen suchen soll, und siehe da, man findet sie und kommt mit ihnen im Triumph. Der junge Kapitän, dem das Herz Simones gehört«, kann sie nun heiraten, als die Hartherzigkeit des Reeder» besiegt ist. Segelschiffahrt, Se«abenteuer, ein nächtlicher Brand sind immer dankbare FUmstoffe. Aber der Regisseur versteht es darüber hinaus, prachtvolle Köpfe besonder» alter Leute durch Großausnahmen uns einzuprägen(«r Hai von dem erstaunlichen Vorbild der„Jungfrau von Orleans" gelernt). Schade, daß dies« gute Filmarbeit unter der Handlung leidet. Auch die Haupt- darsteller, der alle» beherrschend« Reeder des Henri K r a u ß, die Tochter der Suzanne E h r i st i, und der junge Kapitän des Jean Murat sind wirksam ins Spiel gesetzt. r. Notgemeinschost des deutschen Schrifttums. Die Notgemeinschast des deutschen Schrifttums e.V., Verlin und Weimar, die am 1. Januar 1930 ihre Tätigkeit beginnt, vor- sendet einen Ausruf, mit dem sie daraus hinweist, daß die einzelnen Verbände und Stiftungen des Schrifttums nicht mehr in der Log« seien, getrennt den ständig wachsenden Ansprüchen auf Hilfe an den Personen und Werten des Schrifttums zu genügen. Die Not- Femeinschaft hat olle maßgeblichen Körpcrschosten des Schrifttums in sich vereinigt und will durch Zentralisierung aller zum Besten des Schrifttums qprhandenen össentlichcn und privatan Mittel eine planmäßige Wohlfahrtsarbeit auf �om gesamten Gebiete des d«ut> schon Schrifttums leisten und somtt einem für Deutschland beschämenden Zustand der weitesten Verelendung eines unserer wich- tigsten Kulturträger steuern. Di« Notgemeinschast wendet sich mit einem eindringlichen Aufruf an die deutschen Behörden, an die Parlamente und an die deutsche Oesfentlichkelt. ver Neubau de» Gewerkschaslsbunde». Der Allgemein« Deutsche Gewerkschoftsbund hott« lieben Architekten zu einem engeren Wstt- bewerbe um Entwürfe für den Neubau eines Bank- und Bureau- Hauses im Anschluß und in Verbindung mit dem bestehenden Der- wolttingsgebäude. dem Bundeshaus In Berlin zwischen Wallstraße und Neukölln am Wasser aufgefordert. Da» Preisgericht, bestehend aus Minister a. D. Leipart, Diraktor Dr. Bachem, Professor Dr. Tessenow, Dr. Behne und Stadtbaurat Dr. Wogner hat einstimmig die Entwürfe der Architekten Paul Mebes mit Regierunasbamneister a- D. Paul Ennerich, Max Taut und Waller Würzbach als die besten bezeichnet. Abgesehen von den, Mangel, der bei Tauts Eut- wurf im ersten Bauabschnitt dadurch entstände, daß der neue Bank- räum nicht in sckiner vollen Funktton in Benutzung genommen werden kann, hat das Preisgericht dia drei Entwürfe in folgender Reihenfolge gewertet: 1. Taut, S. Wurzbach, 3. Mabe». ver„verNner lontSaftler.Verei»- veranllallet Konnab»nl> bei Kroll fein 3. Musikantevselt zum Besten seiner vlls«. und UnierlliltzunzSkafle. Nach einem einleitenden Konzert findet Bell in allen Sälen statt. vie.«llgnnelae Anabbävala« Auzst.lluuq" im LandeaauSstellungS- -irbäude am llebrter Babnbof schlieft am Sonniaa nachmittag 4 Uhr. D« Blldervertaus war recht rege. lldUo« denievtlert die Nachricht, bah er«In Berfabren zur Herstellung son synlbetlichem Gummi entdeckt habe, das sich wirtscha'tüch ausbeuten lasse. Er hat wohl mit Tausenden von Pflanzen Perluche unternommen, aber die Frag« de» Herstellungspreise» und der wirb-kiatti-chen Rögltchkelten ist noch nicht geklärt. Konzeriereignis in der Republikoper. Drittes Klemperer-Konzert. Wird bestritten, daß in den Symphoniekonzerien der Republik- Oper unter Klcwperer die Musik und Musikanschauung der Gegen- wart die Gegenwart und Gegenwärtigleit der Musik ihren lebendig- sten, stärksten, überzeugendsten Ausdruck findet? Nirgends in Berlin, fragen wir nach Richtung und Niveau, verbindet Fortschrill sich mit Höchstleistung, überredet Aktuoliiäj/Wch Qualität, wie es hier oberstes Gesetz geworden. Nirgends darum findet das HAttige bessere. willigere Hörer, überzeugenderen Widerhall, Die politische— Partei- und kunstpolitische— Opposition gegen dos Haue und den Geist, der es durchdringt, vermag uns Im Ernst längst nichts mehr anzuhaben: sie bleibt ohnmächtig gegenüber der geschlossenen Ab» wehrfront, die hier Kunst und Publikum gegen all« Art von Reak- tion bildet, auch wo diese unter dem bestechenden Decknamen der Tradition oder in der harmloseren Form der Konvention auftrill. Das drille Symphonietonzert, ganz dem Schaffen der Gsgew- wart gewidmet, beginnt mit Strawinstys Kantate„Russisch» Bauernhochzeit". Ein Werk, einmalig und einzigartig: in seiner elementaren Vitalität, in seiner rhythmischen Energie und klang lichen Intensttät, in der gedrängten Knappheit der Mittel und Formen, in der vollkommenen Synthese aus naiver Volkstümlichkeit und bewußter Artistik Gipfel im Lebenswerk seines Schöpfers wie im Schaffen der Gegenwart, Die unverglaichlich« Aufführung, die schon im Rahmen der Berliner Festspiele Bewunderung erregt hat, ist in dieser ersten Wiederholung noch klarer, freier, überlegener geworden: eine großartige Leistung Klempems und seines Ensembles. Ein.Wart wie dieses, eine Aufführung wie diese, sollte da» nicht oft und öster zu hören sein, Aber es ist in der Struktur unseres Musikleben» begründet, daß ein solcher Dorschlag kaum Aussicht auf Verwirklichung hätte. Nach diesem Höhepunkt muß olles Folgend« in der Wirkung ein wenig abfallen. H i n d s m i t h s Eellokonzert, neu für Berlin, von Erna miel Feuer mann prachtvoll gespielt, gehört wohl nicht zu den stärksten Arbeiten des Komponisten, doch bewährt selbst- verständlich dassen leicht», mühelose Meisterschaft und, zumal in den labhaften Sätzen, seine mustkanüschc Frische und Ursprünglichteft. Den Schluß des Programms bildet Kurt Weil!»„Lindbergh- Flug". Ein« Kantate für Soli, Chor und Orchester: Dichtung von Bert Brecht; nicht eigentlich als Konzertstück, sondern als Lehrstück für den Gebrauch der Schule gemeint. Die Idee ist neu und bc- grüßenswert: einzelnes ist auch im Konzert von unmittelbarer Wirkung, Immarhin hätte man nichts dagegen einzuwinden, wenn die Musik reicher und stärker inspiriert wäre. Es ist»ine Art von modernem Heldengedicht, das ihr zugrunde liegt, sozusagen«in Stück aktuellster Zeltungswlrklichtelt, dargestellt in oller Nüchtern- hell ihrer Sprache und ihrer Begriff«. Der Beifall, den di« Ur» aufführnng findet, Ist herzlich und unbestreitbar. I?.?. Der russische Bildungskommissar verwarnt Toiross. Der neue russische Biwungskommissar Bubnow hat dem Vorsitzendan da» amtlichen Bühnenrepertoire-Ausschusses Pikel einen Verweis wegen Fahrlässigkeit im Amt erteilt. Es handelt sich um die letzte Premiere des Moskauer Tairoff-Theaters„Natalja Tarporoa", deren Aufführung von kommunistischen Kreisen als gegenreoolutionär be- anstandet wurde und die inzwischen vom Spielplan verschwinden mußte. Bubnow rügt auch das Verhallen der Direktion Tairoff, der hiermit ebenfalls eine behördliche Verwarnung erteilt wird. Als Kunosum sei hinzugefügt, daß das Moskauer Abendblatt„Welscher- nasa Moskwa"(Nr. 207) von einem„Ufas" des Bildimgskommissars spricht. Das«abarett der Komiker bat für da» viznnberprogromm. da» im Zkichcn des fünfjäbrigen Jubiläums iteht. da» Gastspiel Karl Baientin und Ltsl Karl'tadt verlängert. TaS»Künsilerpaar sgbrt wieder das„Orchester in der Vorstadt' auf. Vau! Nikolaus und Maria Reh konferieren di« Spiel- kolae. die da» ttultteten der Pariser Sttaßensänger Bernier-Kicart. de» flüslernden«banionier« Paul O'KontiS, de» neuen Parodisten Rudolf Grase!(Wien) bringt. Sine.Vereinigung Berliner Bühnenkünstler' wurde in ein« Nachl- vcriammlung der Berliner Bühnenangehärigen gegründet. Diese Ver- eintgung bezweckt eine Zufammensassung aller in Berlin tätigen Sühnen- künfUec zur energischen Verteidigung ihrer tariflich« Rechte. Fre.tag, 6. 12. Siaa(s-Oper Unter d. Linden A.-V. 271 181/2 Uhr Freitag, 6 12 Stadt Oper Bismarcksti. Turnus III 191/3 Uhr DleHodizelt des Figaro Staals-Oper [ Am Pl.d.Republ. Vorst 96 2u Uhr Hans Helling Staatl. Sdiaosph. am Sendannenmarkt A.-V. 239 20 Uhr Staatl.Sehlller-Tlieater.Mtii. iO LHir: Der Ranfmann von Venedig Tin i Tanten. S o«•'/, Ur Butan tu tM Preise 1- 6 M. Wodientq.: 5 0. 50 PI.- 3 M. Rolka. Signier o. Mar. Matray-BalletL Charles Pereso I& Co. usw. T&gl.» u. 815 SonnL 2, S o 8U Al«x. E.4.8066 INTERNAT. VARIETE RenHlssance- Theater Heule 7.30 Uhr PREMIERE PARISER LEBEN Operette von Offenbach, Regie: Gustav Härtung. Musikalische Leitung: Theo Mackeben. Sonntag 3.30 Uhr(2—8 M.) EMe Kaetltde Flcsm i Stemmafi C 1. 0901 s. 2583/84. GROSSES SGHAUöPIELHAUS 8 Uhr: 3 Musketiere Regie: ERIK CHARELL A Sonn«g muh in. nnoek. Haitis Pt. Tolüsbtlhne rtieatir iinBölowglili 8 Uhr UraaffOkraa� Affäre oreyfus Schauspie) von Rens Kestnei Regie H. D Kenter. Staat!. SdiillBr-T!i 8 Uhr Der Raafnaim von Venedig Thsatsr am soiimuiaemanni 8'/t Uhr Pennäler StaatooporamPlats der Bepobllk 8 Uhr Hans Helling Taeat. g. gotffi.Toi Kotfb. Str. 6 Tägl. 8 Uhr auchSonnl. nach in. 31] EU««- ' suiia«r. Das einzig dastehende, vielseitige Wrlhnachts-Pr. 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Sonnabend nachm. 5 Uhr �Max und Moritz" und dar Woihnachtsmonn Großes Weihnachtsmärchen. Jeden Sonntag, nachm. 2J0 Uhr Frau Holle Reichshallen-Theater Abends(![) Sonntag nachm. Q Das groBs Welhnachts- Programm der Slefiiner- Sänger BillettbestZenUum 11263 Nachm. halbe Preise! Dönhoff.Brattl \ffl— phänomenale B Dezember-ProRr. Tanz. Kaminerspiele D.I. Norden 12 310 8i/« Uhr Zor gefl. flnsidit! Lustspiel von Frederik Lonsdaie Regie: Gustaf GrOndgens Die Komödie J I Bismck.2414/751« SV« Uhr Zum 25 Male Tom Teufel geholt von Knut Hamsun Regie: MaxReinfaardt Ita. Vorvk. 10-2 Kf. 2001 Täglich SV. Übt Bosisplel Oes Deotsdieo Thaoun Planetarfam — am Zoo*— ««rUm. jMdumsItijlo StnlB B.5 Barbarossa 5578 16i/« Uhr Die Wintar- «tzrnbilder. 18'/« Uhr Oer Stern der Welten. 20"« Uhr Der Planet iupiter. Eintritt 1 Mark. Kinder 50 Pf. Mittwochs halbe Kassenpreise. 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Und ich glaube, dost sie bereits ihre Aufgabe erfüllt und zu einem praktischen Ergebnis.zwischen religiösen Sozialisten und Freidenkern gekommen ist. Di« religiösen Sozialisten kämpfen für die völlig« Loslösung der Kirchen vom Staat, damit für wirklich freien Wett- bewerb oller religiösen Ueberzeugungen ohne staatliche oder sonstige Hilf«: sie fordern aber auch die Aufhebung der bisher geübten Unter- slützung der Freidenker durch die Parteiorganisation, auch hier also ein wirklich freier nur auf die innere Macht der Ueberzeugungskraft gegründeter Wettstreit. Die Freidenker haben, soviel ich gesehen habe, in dieser Diskussion nirgends zum Ausdruck gebracht, daß sie die Echtheit und Wärm« der sozialistischen Gasinnung der religiösen Sozialisten in Zweifel zögen, wenn sie auch die religiöse Rot- wendigkeit, die uns zum Sozialismus treibt, nicht recht verstehen können. Immerhin ist durch die Diskussion ein breites Feld des Gemeinsamen geschaffen worden. Die Frage der Toleranz ist praktisch geklärt: Zusammenarbeit im Kampf für die Trennung von Staat und Kirche(nur eine pekuniär ungesicherte Kirche wird erst Verständnis für die Realität des Gesellschaftslebens haben) und im Kampf für die sozia- li st i s ch e Gesellfchaftsg« staltung. Aber darüber hinaus beginnt ein« weitere Ausgab«: nämlich die Unterbauung der praktischen Toleranz in gemeinsamem Kamps mit der noch tieferen Toleranz des ersten Verstehen?. Auf diesem Weg« könnt« der Sozialismus vdn einer' weiltragenden Be- deutung für die religiöse Entwicklung der Menschheit werden, was mir bis jetzt bei der weitverbreiteten Verächtlichmachung med Bs- kämpfung der Religion(Sowietrußlond) noch nicht so sicher ist. Gelingt es dem Soziolisimrs nicht, die Religionsfrag« wirklich zu lösen,' ist seine Zukunft sehr fraglich. Denn Religion ist nicht ein willkürliches Produkt, Phantasie,.dos man«im'ach„abschaffen" könnte, sondern ist mit dem Geheimnis der- rgtstlhasten Existenz des Menschen zwischen«Geburt und Tod, das iwch keine Wissenschaft gelöst hat und nicht lösen wird, als Notwendigkeit gegeben und wird immer wieder ausbrechen. Ganz abgesshen davon, daß die englischen Genossen gor nicht daran denken, sich ihren christlichen Glauben streitig machen zu lassen. Der ausgezeichnete Beitrag von Anna Siemfen hat mit Recht zwischen„Religion"'und„Weltanschauung" geschieden(wobei ich freilich einwenden muß, daß keine echt« Weltanschauung ohne meto- physisch«, d. h. uinvissenichastliche Behauptungen oder Annahme möglich ist) und betont, daß es für eine Religion, auch für das Christentum, ein« Toleranz in dem Sinne nicht gibt, daß andere Religionen oder Weltanschauungen als gleichberechtigt anerkannt würden. Das Christentum hält sich für die alleinig«, letzte Wahrheit, die zwar nicht wissenschaftlich erwiesen werden lami, aber im Glauben und in der Ueberzeugung als inneres Müssen erfaßt wird und für den Gläubigen eine stärker« praktische Evidenz Hot als die wissenschaftlich«, wie die Erfahrung millionenfach zeigt. Es glaubt an den chereinbruch der Ewigkeit in die Zeitlichkeit in dem Menschen Jesus Christus. Es ist aber a u ch d e r Ueberzeugung, daß Glaube nur in voller Freiheit ohne äußeren Zwang wirNich entsteht. Die Reformatio» hat aufs neue verründet, daß nur das„Wort" Ueberzeugung schaftt und von Herz zu cherzen zündet. Daher sellist. verständlich zwar nicht Propaganda, erst recht nicht Awongspropa- ganda. aber Mission. Der Drang der Ausbreitung;ft der Gradmesser der Stärke der Ueberzeugung. Wa ober der Funk« des Wortes und des Beispiels nicht zündet, ist der Mensch machtlos. Darum liegt in der ersten Konsequenz der Reformation die Trennung von Kirche und Staat, der freie, ungeschützt« Ueber» zeugungskampf. Man weiß zu wenig, daß in früheren Jahr- Hunderten mit gutem Spürsinn theoretisch die Gewaltanwendung gegen Andersgläubige als staatlich�esellschaftliche, nicht religiös« Angelegenheit betrachtet wurde: die Staatsgewalt, nicht die Kirchs, hat Ketzer verbrannt: denn die Einheit von Gesellschaft und Staat war den damaligen Menschen ohne die«in« christlich« Wahrheit als Grundlage undenkbar. Aus diesem- Sachoerhalt ergibt sich nicht Toleranz als An- erkennung aller Religionen und WeUonschauungen wohl aber die Achtung vor jeder echten Ueberzeugung. Ferner die Erkenntnis, daß andere Religionen Teil Wahrheiten im vergleich zur eigenen«nt- halten und ihrerseits einen historischen Sinn, ein« Bedeutung, eine Ausgabe In der Gegenwart haben. Das ergibt dann d�e Toleranz des Bemühens, sich gegenseitig zu verstehen: Wie und warum dies« und jene Ueberzeugung? Welchen historischen Sinn, welch« notwendig« Ausgabe in der Gegenwon«füllt sie? Dieses Verstehen sollten wir in der Partei pflegen zwischen religiösem Sozialismus, Freidenkertum und Freireligiösen. Man wird viel von- einander lernen, ohne ineinander zu verschwimmen Ich bin kein Freidenker, trotzdem aber als Christ objektiv davon überzeugt, daß es in der heutigen Lage Freidenkertum geben muß: ob es freilich fem« Aufgabe richtig ersaßt, ist«ine ander« Frag«. Im Sinn« der.Toleranz des Derftehens" möchte ich gleich eine wichtig« Frage auswerfen, di« das VerhältnZ- von Religion und Weltanschauung betrifft. 2m Freidenkertum handelt es sich um wissenschaftlich« Weltanschauung, wie im Lauf« der Diskussion geäußert wurde: die beste Wass« gegen da» Christentum fei di« wissenschaftlich« Erforschung der Entstehung der Erde. Und Anno Siems«» am Schluß ihres Aufsatzes Ichreibt vqm„Freidenker- tum. das kein anderes Propagandamittel kennt als die Wissenschaft- liche Forschung auf dem �oden der völligen gesellschaftlichen DuEd- famkeit". Damit tritt die W'ssenschakt an die Stelle der Religion, die Universität, das Forschungsinstitut au die Stelle der Kirche. Ich kann las verstehen aus dem unbefriedigten Bildungshuirger des erwachten Proletarier, uad au« der Erwartung, daß der Weg de. Wisse», den er nur teilweise überschaut, ihn zum letzten Grund alles Seins führen würde. Denn der Gegenstand religiösen Glaubens ist das Allerletzte, aus dem dos Geheimnis des Daseins und sein Sinn zu verstehen ist, dem der Mensch sich in Ehrfurcht beugt. Dieses Allerletzt« ist aber gerade nicht dqr Wissenschaft, wohlgemerkt, der wirklich streng exakten Wissenschost, zugänglich und wird ste nie zugänglich sein. Wer mit Hilfe der Wissenschaft die Frage nach den letzten Dingen lösen, damit das Geheimnis und den Sinn seiner Existenz begreisen will, muß an ihr zerbrechen. Und all« wissenschaftlichen Fortschritt« der letzten hundert Jahre haben uns der Lösung des Rätsels, aus dem sich die Religion immer neu gebiert: der menschlichen Existenz zwischen Geburt und Tod. keinen Schritt näher gebracht. Wir sind nur klüger geworden in bezug aus die Art. nicht aber in Bezug aus den Grund und damit Sinn des Geschehens Nun„glaubt" man an einen unendlichen Fortschritt der Wissenschaft: gewiß wird sie noch viel zutage fördern, aber es ist immer Erkenntis mit menschlichen Mitteln, menschlicher Logik und Berrnrnst. Eine Erkenntnis„an sich" ist uns in keiner Weif« zugänglich, damit auch nicht das wahre, wirkliche Gesicht der Dinge. M. a. W. wir kommen aus dem anthropozentrischen Kreis nicht heraus. Darum gibt es auch keine eigentlich wissenschaftliche Weltanschauung: denn Weltanschauung setzt immer eine Einheit, ein« Grundansicht von der „Welt voraus, sei das Naturalismus, Materialismus, Bitolismus, Humanismus, Evolutionismus, auch Sozialismus. Das aber ist nicht mehr exakte Wissenschaft, sondern irgendeine Möglichkeit der Sinndeutung, ist Hypothese oder auch Glaube und Ueberzeugung, für die es so wenig eine zwingende Notwendigkeit gibt wie für den Glauben an den Gott der Ehristenheit. Aus Grund von Wissen- schast kann man Skeptiker, d. h. grundsätzlicher Zweifler bleiben — ja aus dem Zweifel an der Richtigkeit errungener Erkenntnis probiert jede Wissenschaft sich neu— man kann ober auch das aller Wissenschaft verborgen« Unerfvrschliche verehren(Goethe), kann von dem„unbekannten Gott" reden(Paul Göhr«), kann im Sozialismus den wahren Sinn des Daseins sehen(proletarisch« Freidenker), kann auch gläubiger Christ sein— aber das olles ist eben nicht mehr Wissenschaft, sondern Glaub«. Wer sein Dasein nur aus der Wissenschaft verstehen will, muß sich mit einer sehr dünnen und armen Basis des ollgemein An- erkannten begnügen: denn wie verschieden sind die Ansichten der Gelehrten! In Wahrheit begnügt sich der Mensch, auch der Frei- denker. nicht mit ihr: eine viel mächtigere Roll« im menschlichen Dasein spielen Glaub«, Entschluß, Ueberzeugung. ohne die es auch keinen wirksamen Sozialismus gibt. In diesen Fragen steht nicht Glaub« gegen W.isienschast, sondern Glaube gegen Glaube. Ueberzeugung gegen Ueberzeugung, inneres Müssen gegen inneres Müssen. Und auf di«sem Gebiet hoben wir uns zu achten und die Toleranz des Versteh«»» zu üben, ohne uns gegenseitig Dumm- köpfe zu schalten. Denn mit allem unseren' Denken und Streften ändern w i r nichts an der Wirklichkeit, die schließlich doch hinter der Rätselhaftigkeit des Daseins stecken muß, aber mit exakten Mitteln nicht erkannt werden kann. Mit diesen kurzen Bemerkungen ist natürlich lange nicht alles gesagt, was gesagt werden kann. Ich darf daraus hinweisen, daß es ein«„Zeitschrist für Religion und Sozialismus" gibt(Verlag Mannheim, Jungbuchstraß« g), die gerode diesen Aus- einanderletzungen dient und auf die Ansichten der Freidenkergenossen ausgiebig zu Worte kommen lassen will. Religion/ Weltanschauung Freidenkertum Von Max Sievers Hat die Diskussion über den Inhalt meines Artikels vom 21. Oktober zu einer Klärung auch nur beigetragen? Ich möchte dies verneinen. Es sst allzu viel aneinander vor- beigeredet worden und es mußte vorbeigeredet werden, weck den verfchieldenen weltanschaulichen Strömungen, dle zu Worte kamen, die Gemeinsamkeü einer einheitlichen Grunasinstellung fehlte. Es ist sehr viel aber auch abseits vom eigentlichen Thema diskutiert worden. Di« konkrete Frage, ob der heutige Staat die zu einer Massen- bewegung gewordene Weltanschauungsgemeinschaft der Freidenker noch länger ignarieren oder mißachten darf, um desto stärker die christlichen Ktrchen ideell und materiell zu bevorzugen, wurde in der Diskussion entweder gar nicht oder nur ganz zaghost behandelt. Sicherlich kein Zufall. Bon der Stellungnahme zu dieser Frage hängt fa die andere ab: Mit welchem Aufwand von Energie nämlich die Partei dafür einzutreten hat, daß der Einfluß der Kirche ini Staat eingeschränkt werden muh. Wenn überhaupt die Partei in die Diskussion über den Kamps der Freidcntcrbewegung hineingezogen wird, so ist die Ursache nur in dem Mangel an Neutralität zu suchen, den die o s f i- zielte Partelpolitit heute noch an den Tag legt, und daß sich dies« Politik in allzu oft betonter Kirchenfreundlichkeit bewegt. Diese Haltung der Partei ist es, die in die Reihen der Parteigenossen mehr Erbitterung hineingetragen hat als das Machtstreben der Kirche selbst. Di« ganz konkreten politischen Borgänge der Gegenwart liefern gerade dafür das beste Beweismaterial, daß»s immer nur gegen di« Partei selbst ausschlägt, wenn der Kirche allzu viel Konzessionen gemacht werden. Mehrere führende Parteigenossen haben vlel Eni. rüstung darüber bekundet, daß die Berliner Freidenker vor kurzem Werbeumzüge veranstaltet haben, in denen Bildermaterial gegen die Kirch« mitgeführt wurde Die stärkst« Entrüstung habe ich oller- drngs bei den Parteigenossen vorgefunden, die diese Umzüge selb» gar nicht gesehen haben. Dagegen bleibt es fast unbeachtet in der Parteipresse, daß auf dem Freiburger Katholikentag schwer« Provokationen gegen die s o z l a li st i s ch e Arbeiterbewegung auegestoßen wurden, daß das Z e n t r u m mit den schroffsten Mitteln parlmnen- tarischer Obstruktion di« Beratung über die Ehereform sabotierte, daß sich ein großer Teck der evangelisch?» Kirche auf sesien des Hugenbergschsn Volksbegehrens gestellt hat. und daß die Kirchen beider Fakultäten Im Wahlkampf« mit uneihöcter Heftigkeit gegen die Sozialdemokratie zu. Feld« zogen. Hier hätten Parteiführung und Press« weit größer« Anlaß zur Empörung. Ader auch Anlaß zur scharfen Antwort, wenn wieder einmal im Parla- ment über neue Ansprüche der Kirche entschieden werden mutz. Genosse Sollmann, der mit einem Artikel im„Vorwärts" zum Ausgang der letzten Wahlen Stellung nahm, beschwerte sich darüber, daß die freidenkerische Haltung der Berliner Parteigenossen den Kampf der Partei in katholischen Gegenden sehr erschwere. Mit derselben Logik könnte man ihm antworten, daß die Forderung der katholischen Sozialisten durch ihn und andere Par- tcisührer auch nicht gerade fördernd auf unsere Stimmzahlen in Berlin eingewirkt hat. Es ist kaum ein Jahr her, daß di« erste Ausgabe des Blattes der katholischen Sozialisten mit Widmungen der prominentesten Führer unserer Partei ausgefüllt war. In Nummer II) desselben Blattes aber wurde aufgefordert, am 17. No- vember nicht der Sozialdemokratischen Partei die Stimme zu geben. Wäre es nicht besser, Genosse Sollmami zu dieser Tatsache Stel- lung zu nehmen? Genosse Sollmann übersieht weiter, daß die größer« Stoßkraft des Zentrums bei den letzten Wahlen auf dos verstärkte Selbstbewußtsein zurückzuführen ist, das in diesem Lager durch das errungene Preußenkonkordat hervorgerusen wurde. Daß dieser Sieg zur Erhöhung der Wahlaktivftät beitragen mußte, war doch nicht allzu schwer vorauszusehen. Unsere Stellungnahme zu den religiösen Sozialisten hat Ge- nossin Anna S i e m s e n in kurzen Formulierungen geradezu er- schöpfend dargelegt. Es führt weder vom weltan schau- lichen Standpunkt aus, noch bei der Erörterung sozialistischer Grundfragen, eine ideologische Brücke von der atheistischen Weltanschauung zu den Auffassungen der religiösen Sozialisten. Es könnte noch hinzugefügt werden, daß auch beim besten Willen urtd beim fleißigsten Studium der religiös-soziÄistischcn Literatur nicht greifbar wird, mit welcher Zielsetzung die Träger dieser Geistes- richtung eigentlich marschieren. Es würde auch weit weniger Krftik an den religiösen Sozialisten geübt werden, wenn es sich bei ihnen n u r um«ine Stillung reli- giöser Bedürfnisse handeln würde. Weder ihre Organisierung noch die Ausübung ihrer Kulthandlungen braucht« bekämpft zu werden. Doch darum handelt es sich ja nicht allein. Die Kritik, die diese Genossen an dem gegenwärtigen Kurs der Kirche üben, schafft die Tatsache nicht aus der Welt, daß die Kirche den Sozialismus be- kämpft und die religiösen Sozialisten sür die Erhaltung der Kirche eintreten. Solang« sie in der Kirche wirken, trogen sie sür deren Haltung mit die Verantwortung. Die religiösen Sozialisten sagen, sie wollen die Kirche klein, aber rein halten und bekämpfen doch selbst die Kirchenaustrittspropa- ganda, die ja nur die noch in der Kirche befindlichen Ungläubigen erfassen will. Sie streben mach einer Erneuerung des Christentums und dach können nicht einmal die evangelischen und die katholischen Sozialisten zu einer gemeinsamen religiösen Plattform kommen. Wenn auch in dieser Diskussion von den religiösen Sozialisten manches versöhnliche Wort an uns gerichtet wurde, so sei ihnen trotz aller Gegensätze das eine ebenso versöhnlich zurückgegeben: Versucht einmal statt aller tiefgründigen Philosophiererei den kon- kreten Idecninhalt des Sozialismus so ganz zu ergründen. Wem der Kampf um den Sozialismus zum alleinigen Menschendienst zur Lebensaufgabe wurde, der fühlt damit sein Inneres so ausge- füllt, daß kein seelisches Bedürfnis nach metaphysischen Gedankengängen in ihm Platz finden kann. Und nun zum Schluß: Sozialis in usundFreidenker» tum sind einander wesensverwandt. Sozialis» musundReligionsindesnicht. Trotzdem muß die Partei weit über die Reihen der Freidenker hinaus ihre Werbearbeit ver- richten und muß auch die erfassen und sich als Anhänger erhalten, denen Religion noch immer Bedürfnis ist. Die Partei kann nicht für all« Parolen des Freidentertums eintreten, nur Utopisten könnten dies fordern. Die Partei darf aber auch nicht dazu beitragen, daß das Mono- pol der Kirche im Staate erhalten bleibt, und durch die Praxis des Staatsapparats die Anhänger der atheistischen Weltanschauung zu Staatsbürgern zweiter Klais« degradiert rverden. Schafft klare Rechtsverhältnisie für uns. Freidenker, damit das Wort von der religiösen Neutralität aufhört eine Phrase zu sein. Schlußbemerkung der Redaktion Mit den vorstehenden beiden Aussätzen bringen wir die Diskussion zu einem vorläufigen Abschluß. Sie wird gewiß zu anderer Zeit und an anderen Orten wieder aufleben.„Forffch'-itt". sagte einmal Friedrich Naumann,„besteht dort, wo man a u s h ö r t. eine Frage zu diskutiere»." Soweit sind wir ober noch nicht. Das Verhältnis zwischen Freidenkern und religiösen Sozialisten ist, trotz der fruchtbaren Anregungen, die diese Debatte gebracht hat, noch nicht restlos geklärt. Für dl« Sozialdemokratische Partei ist es selbstverständlich, haß sie zwischen freidenkerisch gesinnten und religiös gesinnten Parteigenossen keinen Unterschied machen darf. Aber diese beiden Gruppen von Parteigenossen sind nicht ohne weiteres mit dem Freidenker verband und dem Bund der religiösen Sozialisten identisch. Das Verhältnis der Partei zu diesen Orgamsationen hängt davon ab, wie sich diese in den Rohmen der sozialistischen Gesamtbewegung einfügen. Wir haben hier den Versuch gemacht, zwischen Freidenkern und religiösen Sozialisten eine direkte Verständigung anzubahnen. und wir sind nicht der Meinung, daß dieser Versuch völlig mißlungen sei. Aber es genügt nicht, auf diesem Wege einen bescheidenen An- fangsschritt gemocht zu haben: er muß zu Ende gegangen werden. Für die Partei ist es schwer zu ertragen, da sie einmal— und oft wegen ihrer Haltung in ein und derselben Angelegenheit— von der«inen Seite als beflissen kirchenfreundltch. von der andern als gänzlich dem Freidenkertum hingegeben angegriffen wird. Solange | auf diesem Gebiet Unklarheiten vorhanden sind, wird die Debatte über sie nicht aufhören- Wir wollen nur wünschen, daß sie überall mit derselben Sachlichkeit geführt werden möge, mit der sie hier geführt morden ist. Für den nächsten Partestag wäre es eine schon« Auf- gab», über da« Verhältnis der Partei zu den Kirchen und weit- anschaulichen Verbände» bindend« Richtlinien auszustellen (24. Fortsetzung) Ich hatte keinen Haß, dem ich genug tun mallte, ich forderte Gerechtigkeit. Die Menschen haben sie mir perweigert. Ich erwarte sie von der Geschichte und von Gott. Ich bitte also, daß mir erlaubt sei, dem Prozeß sernzublaiben. der mich nicht? mehr angeht Meine RechtsanwÄl«, die meinen Entschluß billigen, werden ihm gesetzliche Formen verleihen. Ich bitte Eure Exzellenz, mir die Qual zu ersparen, bei der Verhandlung zugegen zu sein. Es würde mir wie ein« Beleidigung des An- denken» an Giaccomo Motteotti vorkommen, für den das Leben eine furchtbar ernste Sache war. eine Beleidigung jener Erinnerung, durch die und für die ich lebe und die mir die Kraft gibt, mein« Kinder noch dem stolzen Beispiel ihres Vaters zu erziehen." So zog sich die Zivilpartei von der Schwurgerichtsverhandlung zurück, ohne darum den Kampf aufzugeben und unter Vorbehalt der unverjährbaren Siechte der Gerechtigkeit. In seinem Memorandum stellt« Modigliani fest, daß die Vor- Untersuchung durch politische Einmischung von interessierter Seit« gehemnN worden war. Er erhob Einspruch gegen die Abberufung der Siichter, di« die Voruntersuchung zuerst geleitet hatten, gegen die Einschüchterung, di« angewendet wurde, gegen die Amnestie, durch die man unbequeme Angeschuldigte und Zeugen aus der Wer- Handlung ausgeschaltet und die Bewcisausnahrn« auf die materielle Ausführung des Verbrechens beschränkt hatte. Zum Schluß behielt er der Zwilpartci für die Zukunft das volle Recht vor, die Wahrheit zu suchen und alle Verantwortlichen zu fressen. Von nun an war der Prozeß nur noch eine bedeutungslose Förmlichkeit. Als unvermeidliche Folge der Red« vom 8. Januar 1923 ergab sich«ine neu« Verschärfung der Gewalt. Denn nunmehr war ollein die Gewalt berufen, das Land unter dos schwer« Gesetz der Diktatur zu beugen, die jetzt den heuchlerischen Schein der Gesetzlichkeit und Verfassungstreue fallen ließ, um offen den Weg der Willkür zu beschreiten. Also lo» aus die Gegner! In der Nacht vom 2l. Juli 1923 rast«in Auto aus dem Weg zwischen Montecatini und Pistoia. In ihm sitzt«in Mann mit ernsten Zügen, mächtig breitschultrig, hünenhaft. Der Ausdruck seines Mundes, die Strenge des Blicks, all«» zeigt, daß ihm schwer ums Her, ist. Dorne aus den, Auto sitzen zwei Milizleute. Schwarzes Hemd, Gewehr auf der Schulter, Dolch im Gürtel, ein urchetkvolles Lächeln auf den Lippen. An einer Straßentveuzung muß das Auto stehen bteiben. Irgendein Hindernis versperrt ihm den Weg. Und nun bricht ou« einer Heck« ein« Horde hervor, sällt über den Reisenden her. schlägt auf ihn«in, mit Knüppeln, mit Fäusten, mit Gewehrlolben. cchlog aus Schlag saust nieder. Die faschistisch« Miliz ist ver> schwunden... Durch dos tief« vchweigen der Rächt tönt das Geb ruh:„Nieder mit ihm. schlagt ihn tot!" Auf die Kissen des Auto» zurückgesunken, röchelt der Reisend«. Er blutet aus mehreren Wunden. Plan hört ihn rufen:„Feigling«, Feiglinge!" Endlich lassen die Angreiser von ihm ob und verschwinden im Dunkel, weil die Scheinwerfer eines Autos in der Stacht erscheinen, Der Uebersallene bleibt bestnnungÄo» liegen. Wer ist er? Es Ist Givvanns Amendola. früherer Minister der Kolonien, der Führer der pexfassungstreuen Oppo. sition. Am nächsten Morgen wird er seinem Freunde Eianc«. dem Chefredakteur des„Mond-," sagen:„Diesmal hoben sie mich um- bringen wollen, wie MatteoW." Ach, leider hoben sie nicht nur ihn toten wollen, joildern haben ihn auch getötet, denn Amendvlq ist am 7. April 192S in Cannes an den Folgen de» Ueberfalls von Montecatini gestorben, 'Was hott« sich dort zugetragen? Am 21. Juni war Almendola zur Kur nach Montecatini gekommen. Dabei hatte er sein« Rechnung ohne di« Faschist«« gemacht. Seine Ankunft wurde sofort gemeldet und die Schwarzhemden sammelten sich vor dem Hotel on. „Stiedcr Amendola, nieder!" wurde geschrien. ' Von Polizei nicht einmal ein Schatten. Im Jahre 193a hatte ein früherer Minister in Italien nicht einmal das Recht, gegen die Canaille geschützt zu werden. Al» es Abend wurde, nahm di« Manifestation ernster« Formen an. Der Besitze? des Hotels bat seinen Gast, abzureisen. Sein ganzer Besitz, seine wirtschaftliche Existenz, steht auf dem Spiel. Der faschistische Abgeordnet? Sforza mischt sich ein. Cr verbürgt sich, daß Amendola vnbe, helligt nach Pistoia gelangen kann, wo er den Zug noch Rom erreicht. Ein Auto wird herbeigeschafft. Zwei Faschisten nehmen darin Platz. Inzwischen war alles zum Hinterhalt vorbereitet. So unternahm Slmeniolo sein« Fahrt in den Tech.., Jetzt schläft er den ewigen Schlaf im Friedhof von Eonnes, Auf seinem Grab tonn man die Inschrift lesen: .Hier ruht Giovanni Amendola und wartet. Den Lebenden SU Ansporn und Verheißung." Jedes Jahr bringt da? treu« Gedenken der Uelxrlebcnden, derer, die di« Revanche porbereiten, Blumen aus den Hügel des Ver, bannten, bei dem die Liebe seiner Heimat ZBache hält... Giovanni Amenhola veptrat in dem Kamps? des Anttsaschisoutö nicht das Interesse ein«? besiegren Partei, nicht den Kamps einer Klasse, aber dl« des Gewissens wu» der Menschenwürde. Er war«w �--------'------- Bürgertums, dt« ihrer Stecht zu« Philosophie studiert. Nachdem er da«» zum Journalismus über gegangen war und zur Politik. MgeordmU«? und Minister ge- worden, bewahrt« er seinem Leb« den Stempel großen Ernstes. großer Strenge und Einfachheit. Bei ihm war alle, enrft und gründlich. Er handelte nie aus dem Stegreis, Immer nur auf Grund reifer Ueberlegung. Zu einem Gegner des Faschismus war«r zunächst durch die Wnetzims««"»chr«. Pi« di« MÄ ä,r echarfackp nisinus Mussolinis einflößte; ehe er sein« Polttik verurteilte, hatte er den Menschen verabscheut, weil er in ihm di« Verneinung jeder menschlichen Würde sah. Jedesmal, wenn ich ihn in Mailand oder Rom traf, stellte mir Zttnendola die selben Fragen: „Sie haben ihn doch so gründlich gekannt, glauben Sie. daß diese Sucht noch Schaustellung, noch Paraden. Federn. Orden und Uniformen, bei ihm etwas Natürliche? ist?" Und man fühlt« sehr gut, daß Amendola als Mensch viel mehr denn als Pokttiker abgestoßen und engeekelt war. In Bezug aus das faschistische Abenteuer hegte er keinerlei Illusion. Er sah darin nicht das Abenteuer eines Jndwiduums. nicht einmal das einer Generation, sondern ein Stück Geschichte einer Gesellschaft. Bei seiner tiefen Bildung und großen SZelesenheit wußte er sehr wohl, wie sehr bei diesem Rücksall ins Mittelalter die lieber- lieferung, die Unwissenheit, die Ueberblcibsel aus der Zeit der spanischen Herrschaft sich auswirken würden Sein aristokratischer Instinkt war durch den Kampf gemäßigt worden. Er hatte Sympathie für die Arbeiter, hotte sie schätzen gelernt, fest er die Feigheit und den Egoismus der herrschende» Klassen gesehen hott«. Als Führer der parlamentoriichen Sezession hat Aorendola nicht die erforderlichen strategischen Eigenschaften gezeigt und hat nicht immer aus dem Kampf so viel gewonnen als sich gewinnen ließ. Aber er siebte nicht nach kleinen Erfolgen, auch nicht nach äugen- blicklichen Vorteil«». „Sehen Sie", sagt« er mir einmal in einem Hotelzimmer i» Mailand,„was wurden wir tun, wenn m>s morgen der Sieg zufiel«? Ms müssen erst die Menschen dazu formen und dazu gehört Zeit." Gegenüber einem Gegner, der nach Minuten und gar nach Sekunden zählte, rechnete Amendola mit Jahrzehnte»... XXVI. Eine Schreckensnacht in Florenz. Um die Mitte des Jahres 1923«griffen Mussolini und der gaschisnru» die Offensive gegen den Freimaumrorden. Al» Mussolini noch Sozialist war. hatte er sich gegen ds« Logen gewandt, in denen« ein gefährliches Milieu der Gegenrevolution und des Patriottmnus sah. Aus d«m Porteitog de» Jahr«? 1914 hatte er ein« Tagesordnung durchgesetzt, die di« Augehörigkest zum Frei- maurerarden als unvevernbar mit der Mitgliedschaft der Sozialist!- schen Partei erklärte. Ms er dann mit dem Klassenkampf gebrochen hatte und Berusspatnot geworden war, hotte er sich sehr ausgiebig aus den Kassen der Freimaurer bedient. Da er sich jetzt dem Freimaurerorden als Gegner der Diktatur gegenüber sah, ging er zum offenen Angriff über. Diese neue Phase der Politik Mussolinis wurde durch ein neues Blutbad gekennzeichnet, das in der Stacht vom 3. Oktober 1925 in Florenz stattfand. Das lokale Faschistenblatt hatte soeben die nachstehend« Auf- forderung gedruckt: „Der Freimaurerorden muß vernichtet werden, und die Frei- maurer dürfen kein Bürgerrocht mehr in Italien haben. Ilm dieses Ziel zu erreichen, ist jedes Mittel recht, vom Knüppel bis zum Sievolver." Auf diese Worte folgten die Taten. Unter den Faschisten waren die Renegaten des Ordens ziemlich zahlreich, und dies« zeigjen sich besonders dienstfertig, gaben die Adressen ihrer früheren Gefährten, organisierten die Spionage. Ohne irgendein Mandat der Behörden, drangen die faschistischen Banden in di« Wohnungen derer, die im Verdacht standen, dem Freimaurerorden anzugehören, nahmen gründliche Haussuchungen vor, stellten Verhör« an und forderten vielfach unter Anwendung von Gewalt Widerrusserklärungen und ähnliche moralische De- mütigungen. Bei einer derartigen Haussuchung im Hause eine» alten Herrn In Florenz wunde ein Faschist getötet. Der Totschläger, ein gewisser Recciolinl, wurde, obwohl er offenbar in Notwehr gehandelt hatte. gelyncht, und sein« Leiche durch die Straßen von Florenz geschleift und dann als Siegestrophän« ausgestellt. Dreizehn Kanzleien von Rechtsanwälten und Notaren wurden geplündert und in Brand gesetzt, weiter ein« Klinik, die Privatwohnqngen der sozialistischen Abgeordneten Targetti und Baldes! und vieler anderer Bürger. Die Briganten im Schwarzhemd ergossen sich über die ganz« Stadt, schlugen die Bürger nieder, die par ihr«« Wmpeln nicht den Hut zogen, raubt«» die Läden aus, plünderten die Wohnungen der Antifaschisten und zwangen olle, die Landesfahne auszuhängen. Als die Nacht herabsank, wurden groß« Feuer an- gezündet aus den Möbeln und Büchern der geplünderten Wohnungen. Trunken von Wein und Haß, tanzten die Milizleine um diese Scheiterhaufen, unter Hochrufen aus Mussolini und Dumim, aus dag Rogierungsoberhaupt und den Mörder Matteottis. Diese Orgie entfesselter Wildheit konnte sich mit dembloßen Verwüstung nicht genug tun. Sie schrie noch Blut und Mord. Eine halbe Stnnde vor Mitternacht erschien eine faschistische Bande vor dem Haus« de» sozialistischen Abgeordneten® n e t a n o Pilotl, der im Krieg? einen Arm verloren hatte.-Lautlos und leise kam si« ongeschlichen. Durch«in« Letter gelangten die Faschisten aus einen Balkon. Die Scheiben wurden eingedruckt. Pilati lag im Bett und schlief. Er hotte eben die Zeit, sich onszu- richten, als ihn mehrere Revolverschusfe trafen. Die Täter schlichen sich sott, wie si« gekommen waren, ohne ein Wott zu sprechen, nachdem sie ihre Waffen noch auf die Frau und die Kinder de» Abgeordneten gerichtet hatten, um si« zu ängstigen. Vaetano Pilatt stqrh.nach dreitägigem Leiden. Seine letzten Worte waren:„Der Krieg Hot mich verstümmelt, die Faschisten hoben nnch genrordet." Der Morder, di?«rkoniü worden waren, wurden verhasut, dann aber sreig-sproche». Pilatis Frau und sein Kind haben»ach Argentinien flüchten müssen, um weiteren Verfolgungen zu entgehen. Dos war nicht die einzig« feig« Mordtat jener Sl-nhi Ein anderer faschistischer Haufen hatte vorher die Wohnung de» Rechts- anwatts E o n s ol«. des Korrespondenten des„Avonti", umzingelt. (Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. Telephonanschluö auf Oeeandamptern. Di« Leitung der White Star Line hat sich jetzt entschlossen, in Gemeinschaft mit der Marconi.Gesellschast versuchsweise auf ihren Schissen die drahtlose Telephonie auch für Passagiere einzuführen. Bisher bestand nur für die Schiffsleitung di? Möglichkeit, eine direkt- mülchtlch« Verbindung mit den Stationen des Festlandes aufzunehmen. Jetzt will man«s auch dahin bnngen, daß für die Passagiere aller Klassen jede gewünscht« Verbindung mit dem Fest- lande hergestellt werden kann. Bayerischer Vogelschutz. Nach einem Bericht des Ausschusses für Vogelschutz in Bayern über sein« Tätigkeit vom 1, April 1927 bis 3L März 1929 sind von dem Ausschuß 1927 11 780 Nisthöhlen ausgehängt worden, 1928 1391«. In den 20 Jahren sein«? Bestehens wurden über 247 000 SUfth-hlen ausgegeben. Es find auch in den letzten Jahren Bwb. achtunge» über das Ausbleiben ppn Raupenfraß und anderen In- sektenschäden nach dem Aufhangen von Nisthöhlen gemacht worden. Dank der allgemein durchgeführten regelmäßigen Winterfütterung haben die Standvögel, sowohl Körncrsr.'sser wie Meisen, nur in einigen entlegenen und sehr schneereichen Gegenden größer« Der, lust« erlitten: dagegen sind die an manchen ivrten gelegentlich über» rrait«� 6. Dezember. B» r 1 1 o. 16.05 Dr. Ernst Mennier: Des aktuelle fcuilleton. 16.30 Bcklaeer. 1700 fl. 0. Breneer liest ans ei*enen Werken. 17.30 fiw KUviersümt«. Lehrer; Prof. Merlt» Mayer-Makr. t.L uot Schell. I?.00 Dr. COnther; Kulturelle Aufjafcen«es Tonfilrns. 18.20 Des peue Buch. IMO Weeener: QrwOsüwe der Otopolitik 19M Bildfunk. Mar. J9.0J Jauwusik. so.7 1,00 Pw iBterview ivr Woche. 40JO Of tiwitiftrkOTi gfft. Nach � AlwdwWunjren Bildlask. Ö-Jp Nechtmurlk. KpBUswnjterhisuu». 16.00 Ob.'Slpd.-Pir. Dr. V/. 6el)6BtTWi3; pst SteJJwf unserer Jugend 5U7 VftinMvf* >6.30 Keckmltugskonuert ven Lestut«. jrzo Merunanp: Qesprdete tider Musik Urheltugemeuiseheh), 18.00 Prof. Dr. Waieaiatm: Die W)rtscha(tsabhänttuk»il«er ChtsriiUeUunpa, 18.30 Etielisch lUr forteeschrittene. 13.35 Das Textiste�erbe. 19.30 Wisseuscbaftlicher Vortr«« für Aem«. 20Xß Zur Uplerlultuoc.(Orittual-Tescrnseef Trio). »JO Maecktni„AHteetst'«, ■miinminiwiinimReiniiiiiuiiiiiiiiiiuMUHiiiMiiuuuieiiuiuiiiiiniiiuiiuiiiuuiiiin wwternden Amseln, Drosseln, Rotkehlchen, Zaunkönige usw. großen- teil» eingegangen, ebenso die mäusesangcnden Raubvögel, wie Eulen, Bussarde und Turmfalken. Wie der Bericht weiter angibt, blüht trotz der eifrigen Tätigkeit der Polizei noch immer der Fang und Schwarzhandel mit geschützten Vögeln, namentlich Insektensreslern. Künftig wird der Ausschuß vom boyerischen Justizministerium Mitteilungen über alle Uttelle erhalten, die wegen ilebertretustg der Pogelschutzvorschriften ergangen sind. Daß Ritsel des Geig&nlacks. Der Genfer Archäologe llUnö Noir, der por einiger Zeit i>, einer Genfer Bibliothek ein Manuskript gefunden hatte, das ein« gen-me Beschreibung des von den großen Geigenbauern Amati, Strad- oaxws usw. verwendeten Lackes enthält, hat pach diesem Rez pt «inen Geigenlack hergestellt, womit er einige neue Geigen bestrich. Nachdem er den Lock einige Monat« Hai eintrocknen lassen, ergeben diese Geigen nunmehr eme mir den alten Geigen vergleichbare Klangschönheit. Die Geschichte eines Loses, ßfu Bauernknecht in Allhaming hei Wels(Oesterreich) halte ein Los erworben, das er ein paar Zage vor der Ziehung um zwei Schillinge weiter zu veräußern suchte, weil er Geld benötigte. Es fand sich aber bei feinen Kollegen niemand, der zwei Schilling« für das Los anwenden wollte. Nu» ist das Los mit 125 000 Schilling In einer Wiener Kollekte herausgekommen. Der vom Glück jo begünstigte Bauernknecht wird sich im Steiermärkischen«in eigenes Landgut kaufen. „ich und die Paff/." AI» die großen Sängerinnen, wie di« Potti und NLsson durch if- Jr* wurden ihnen von ihren„Managern" die schönsten Hotelräum« garantiert. Was die ganz Großen hatten, wollten nun auch die Kleinere» bewilligt erhalten und wehe dem Impresario, der zwei Damen in seiner Truppe hatte, die aus die Bezeichnung„Prima Donna" otzer gar„Diva" Anspruch erhoben. Mapleson, einer der erfolgreichst«»„Manager", erzählt von einem «>trest seiner„Prima Donna" Sulla und Anni d« Beloc«» anläßlich btx Zimmerwahl im Hotel zu Dublin.. Da si« beide zu gleicher Zeit die ftir die„Prima Donna" reservierten Räum« betraten, riefen beide au»:„Di«se Zimmer nehm« ich'—„Sie?' rief die Galla, die Primo Donna hat das Recht auf die«st« Wahl der Zimmer"—■„Prima Donnat' kam ce setzt au« Belooca» Mund«,— ,4t iiltbt nur zwei Prima Donnen, ich und dt« Po Mi', In h«fl«r Entrüstung standen sich die beiden Damen gegenüber— da hatte Mapleson ein« rettende Ids«.„Sagten Sie nicht," so redete er den Besitzer de, Hotel» an, ,chaß Si« pben di« gleichen Znnmer Hoden, dt, ab«» für die Bizekönigin oon Irland bestimmt sind?" Der Hotelier begriff.„Freilich, es ist so/—„Aber man kann sie sehen?"„Je.'* Mapleson und der Hotelier gingen zur Tür— die Belocca folgte ihnen. Oben angelangt, blieb sie im Wohnzimmer stehen und sagt«:„Hi«r wohne ich' ilnd der Damenkrieg hotte «l«d,r mal Ende, Sudp. Der Opposilionssumpf. Die R&oluilomfabrikea— Der anonyme Grundtiückssporller. Darin ist die tommumstifche ,.J n t e r e j s e n g c in c i n s ch y f t jur Wiederher st elinng der Einheit im Arbeiter, l p o r t" wirklich groß, winzige Erfolge ihrer Spaltungsarbeit als welterfchütlenrdes Ereignis hinzustellen. Schwappen jedoch, und mögen sie noch so empfindlich sein, als belanglos zu erklären, ja sogar noch als Sieg ihres„revolutionären Vorwärtsschreitens" umzulügen. Was hat es auch auf sich, wenn bereits viele Vereine, angewidert von dem Dreiben der kommunistischen Sportfuhrcr, zum Bunde zurückgekehrt sind, was hedeutet es für die„Interessengemeinschaft"', wenn die„slahcharts Front" in Berlin immer größere Risse erhält: da, Reich ist groß, noch gibt es genug der Gläubigen, che auf den kommunistischen Schwindel hereinfallen. Zur Illustration der Berliner kommunistische» Sportbewegung möge folgender Auszug eines unserer Redakrion zugegangenen Schreckens des Vorstandes des neuen bundextreuen„Arbeiterjportoereins Neu- kölln" dienen: „Am 10. November 1929 hoiie die kommunistisch orientierte „Freie Turnerschaft Neukölln" ihre Jahreshauptversammlung. Kurz danach traten über 190 bundestreue sNüglieder mit 1t Abtellungs- l-itern und vielen Rieaenführern aus dem Berejn aus und nesen den„Arheitersportverem Neukölln" ms Leben. Das schnelle Zm greifen der buirde streuen Genossen hatte den Kommunisten die Zunge aelähmt. Erst nach 18 Tagen schrieb die„neutrale vn- palitrsch�ommunistische„Welt am Abend:„Ein neuer Laden— FIGB. erhebt Einspruch Nur 80 Mann verließen gezwungen die Frei« Turnerschast Neukölln"! Wir möchten dazu ergänzend mitteilen, daß aus Grund des Austrittes diese»„Gnippchens", drei Envachsenen-Abteilungc» des SVD.'vereins aulgehört l,al>ea zu existieren und daß bei den anderen die Erlstenz in eZrage gestellt ist. Wie sieht die wahre Stärk« der Opposition aus? W>r stellen fest, daß am 10. November 1929 der gesamte Kreisrot der Opposition zur Johreshauptversonmiluna der Freien Turnerschast Neukölln kam. Leider war es infolge Debotieschlusses nicht möglich, den Auchorbettersportkern die ganze Wahrheit zu sagen. Wir wer- den jedoch nicht ruhen, bis auch der letzt« opposwonelle Arbeiter- s portler unser« Meinung kennt. Wir stellen weiter fest, haß in dieser JahreShauptoersanmllung der Kreistwsttzend«, der nicht Mitglied des Vereins ist, die Delegierten zun, Kreistag vor- wurden. So wohn man das Sclbstbeftimmungsrecht der Vereins- Mitglieder! Das gleiche Beispiel erlebt man heute in ollen Ber- «wen der..Jnteresjengemeinichast'. bei der Borstandswahl jedoch mußt» einer der Hauptschuldigen erklären, daß nach dem Austritt der Bundestreuen mit den ü b rigo e h l i eh e»«n keine Organisation ausgebaut werden kann, so daß er also jede Funktion ablehnen müsse. Erwähnenswert ist onch, daß der eheste und edelste aller Kommunisten. Friedmann, in dieser Versammlung erklärte, in meinem bürgerlichen Berus fals Grundstück»- und Häusermakler! Aed.t sühre ich den Namen hejdu. aber in der Arbeiterbewegung heiße ich Friedrnqnp!" Dq« ist der Humpf. schließt das Schreib»» d»s bundestreu«!, Arbeitersportoereins Neukölln, in dem die kommunistisch geleitest „Opposition" ihr Dasew führt. Immer veiter so! Die KPD.>V«zirrsl»itung Groß-Thllrinacn hat den Bor- sitzenden der Fußballs part« des Bezirks Erfurt. Kurt Hosmann. Erfurt, aus der Partei ausgeschlossen. Hvsmann stWid treu zum Arbester.Turn- und Sportbund und war für di» Hpaitungs- orbttt der KPD. nicht zu haben. Auch im Düsserdorfer Bezirk der kammunisrischei, Sposstr- J.-S. greift die Emüchtaeung um sich. Der Berein„Schwarz, Weiß". Wersten, beschloß am 28. Nopember einstimmig, in den Arbeiter- Turn- und Sporckund zurückzukehren. Drei kommunistische Drahtzieher wurden einmütig aus dem Berein ausgeschlossen. VerUver Lckvjimmer auf Reisen. Di,„Berliner Schwimm- Union" wallt» kürzlich«it einer Mannschaft in Köttingen und konnte dort den Berliner Arbeitersport würdig vertreten. Auf Wunsch der dortigen Arbeiter. sportler mußte die Berliner Mannschaft drei Wasserballspiele in, Laufe des Schwimmfestes austragen. Dos erst« Spiel gegen eine Zweite Mannschaft yon Kassel wurde mst 8:2 Toren sür Berlin gewonnen, gegen den festgebe, che,, Derem Köttingen spielt« die- s. Ib« Mannschaft 8:3, da, Hauptspiel des Tages gegen den Kreis- meisstr des 13. Kreises, Kassel, brachte nach Interessantem Spiel- v-rluus sür Union 8; 4 Tore. In der Eröfsnungslagenstasfel siegte Union mit 8 Meter Borsprung überlegen, desgleichen siel der Per- cinsmehrkampf an die Berliner. Besonders zu erwähnen sind die Steg« im Mädchen-, sowie im Weidlich- und Männlich-Jngendsreistil- schwimmen. Dem Mädchen», itgüed Ehringhausen gelang es, 17 Sekunden Differenz vor der Nächstplacierten zu erreichen. Trotz der mit dieser Reise verbundenen elsstijndigen Bahnfahrt war es der Berliner Mannschaft möglich, in äußerst wirkungsvoller Weif« für den Arbeitersport zu werben. -ARBEiTEH TüSSBALL Spiele am 9. Dezember. In beiden Klassen und allen Abteilungen gibt es am Sonntag interessant« und wichtige Spiele. Im Köpenicker Stadion stehen sich Eiche und Brandenburg gegenüber. Die Brandenburger mußten erst am letzten Sonntag gegen Eiche aus eigenem Platz«in« empfind- liche Niederlage einstecken. Ob es ihnen gelingen wird, durch einen Sieg den Anschluß an der Spitze zu behalten, bleibt fraglich. Im Bokkspark Mariendors spiest Tempelhos gegen Luckenwalde III. Neukölln und Weißensee treffen sich lm Neuköllner Stadion, Platz 7. Karow sptelx auf eigenem Platz gegen Luckenwalde II. choppegarten erwartet di« Woltersdorser Mannschaft. In Treuendrsttzen wird die Entscheidung darüber fallen, ob die Schweifsterne weiterhin als ernsthaft« Meisterschaftsanwärter gelten. Reinickendorf spielt gegen Wansdorf, Vorwärts gegen Trebbin. Weiter« Spiel«: Luckenwalde V gegen Putab. Borussia gegen Pankow. Potsdam gegen Spandau 2S. Altglietzen gegen Oststern. Lichtenberg I gegen Saxonia am Bahnhof Stralau.- Rummel-burg, Kynaststroße. Luckenwalde I gegen Lichtenberg II. Jüterbog gegen Wollersdorf 2. Schönow gegen Caputh. Cladow gegen Schoneberg. Luckenwalde V 2 gegen- Butab 2.— Jugend; Vorwärts gegen Saxonia. Brandenburg gegen Lichtenberg II. Lichtenberg I gegen Weißensee. Ketzin gegen Eiche. Neukölln gegen Spandau 25. Vorwärts 2 gegen Lichtenberg II 2. Beginn her Spiele: 1. Mannschaften 14 Uhr: Z, Mannschostey 12.1S Uhr; Jugend 10 Uhr. Di« Fußbollableilung des Turn- und Sportvereins Köpenick sucht für Ssmuag, 8. Dezember, Segner für 1 Sich«. 1. u nd 2. Männermonnfchast auf eigenem Platz. Eilangebot an Hugo Jsraet, Köpenick, Srünouer Straß« 46; Telephon Köpenick(L 9) 1699. ArbeüeivHockey. Serienspiele morgen, Sonntag: Das interessanteste Spiel wich in her Schönhauser Alle« zwischen Mariendors I uick Nprd- rmg l der Freien Turnarschoft Motz-Berlin ausgetragen. Beide Mannschaften stehen an der Spitze der Gruppe X. Nsrdring dürfte Ptzch itraße spstlw, Teqms-Rqt! und Uthiedik-Spokt-EluH I um 44 fthr. Bei dem augenblicklichen Stand des Sport-Elub? dürfte sein Sieg nicht in Frage stehen. Schiedsrichter Nprdring 7,— ym Tierarten treffen sich um III- Uhr her Sportverein Moabit I und FTGB. Nordring II. Dieter Kamps ist vollkommen pfscn. Schiedsrichter Ostrtng 1.— In der Gruppe E spielen Tennis-Rot 1 1—-Athketik- Spvxt-Elub III, Platz„Ost". Lasferstraß,. 12 sä Uhr, Schiedsrichter Ostrtng II. FTGB.-Pankow II---Neu kölln II. KMig,nstryße. WH Uhr, Schiedsrichter AHE. II— Pankow l-�-Ostring III, Kissingeirstroße. 11 Uhr. Schiedsrichter ASE. II, und Rordrinz III gegen Ostring II in der Schönhauser Allee, 9 Uhr. Schiedsrichter Martendorf. Frauenspiel: TennisÄpt— Nordrtng um 11 Uhr, Platz„Ost", Laskerstraße. Schiedsrichter ATE. I Die Leute mit der Kamera- Dieser Togo tetcksn sich die Gruppenleiter der Amqtzellrphkito- groplhen in den Vereinen des Kartells für Arbeitersport und Korper- pflege zu einer unperstindkichen Aussprache zusammen. Do der früher pom Kortellperband sür Sport und Körpervsteg« g«ÜNMd-te wegung UUAgM WW aller Photogruppen der Verbände und Vwine d»» Kartells für Arbeitersport und Kärperpstege und der mit dies«» befreundeten Organisationen»U bilden. Die konstituierend» Hchunß findet im Januar statt, dar genaue Tennin wich noch bekannt gegeben. In, teressenten wenden sich SN Willi Preidel, Bertin P. 20. Hochstraß« S. Kartell für Arbeitersport und Körperpflege Pttli»?. V. Frite Berthelmann, Vorsitzender. Der«Sturmvogel"— eine Organisation von Friedensfreunden i Der ,,S t u r m o o g e l" hat nach seiner inneren Aufbauarbest jetzt seine Kraft auf die Werbung neuer Anhänger konzentriert; i» den Bezirken und Ortsvercinen werden die Ziele des Verbandes den Werktätigen näher gebracht. Auch in Berlin hat der Verband seine Werbearbeit mit einem gutgelungenen Werbe abend er- öffnet. Der große Saal des Gewerifchastshauses füllte sich am Dienstag bis auf den letzten Platz. Das schlechte Wetter konnte den Besuch nicht beeinträchtigen. Eingeleitet wurde der Abend mit einer launigen Begrüßung durch das Vorstandsmitglied Bau- mert, der dann dep, Führer das„Sturmvogels", Walter Binder, das Wort gab. Schon nach kurzen Eröffnungsworten hatte Binder das Ohr der Persammlung. Jeder fühlte, daß vor ihnen ein Mann sprach, der sich den Bestrebungen deutscher Mili- taristen. die aus der Luftsahrt ein Kriegsiiistrumeni machen wollten, entgegengestellt hat. Den„Sturmvogel" hat er geschasfen, damit das deutsche Volk selbst die Richtung bestimmen kann, die die deutsche Luflsahrt gehen soll. Auch die Werktätigen müssen mit- entscheiden, ob Deutschland das Wettrüsten der waffenstarrend«» Well mitmaHt. Soll die Luflsahrt der friedliche» Verständigung oder der Vernichtung her Kultur dienen? Für den„Sturmvogel" hat Biicher die Frage eindeutig beantwortet. Er ist gegen Lusr- schutz, gegen angebliche bombe»- und gassichere Unterstünde, weii er an ihr« praktische Verwendung nicht glaubt und weil dadurch nutzlos Hunderttausend« Mark ausgegeben werden. Gegen neue Kriegsgreuel hilft nur die Masssnmobilisation der Werktätigen, dir alle Kräfte zur Erhaltung des Friedens anspannen müssen. Und darum muß auch her„Sturmvogel" eine machtvolle Organisation werden, die die Entwicklung der Luftfahrt bestimmend beeinslusfen muß. Darüber hinaus muß die Luftfahrt überhaupt der werktätigen Bevölkerung näher gebracht werde». Heute denk, der Arbeiter nicht zu Unrecht, Luftfahrt ist nur für«ine gesell- schasUich und wirtschaftlich bevorzugte Schicht, sür die die Steuer- zahker noch einen Teil des Flugpreises durch Subventionen zahien müssen. Das Flugzeug müssen sich auch die Organisationen der Arbeiterschaft genau so dienstbar machen, wie das Auto. Die Entwicklung des„Sturmvogels" hat die Notwendigkeit der O>lganlsat»on bewiesen. Heute ist dieser junge Verband schon eine machtvolle Organisation, die über einen Flugzeugpark von sieben Flugzeugen verfügt. Dem Appell des Führers. sich dem Verband anzuschließen, folgten eine so große Anzahl, daß die Bersammtung aus ein« halbe Stunde vertagt werden mußte. Den neuaufgenommenen Mitgliedern winkte ein Lohn: In der Vcr- sammsung wurden zehn Freislüge verlost. Lichtbilder ergänzten die Ausführungen des Ref«rent-n. Der Werbeabend war ein voller Ersokg für den Verband. „SoIi"-Motorradfahr er. Die neugegrückdete M o t o r r a d f a h r e r a b t e i l u n g„R o r- den" Hält Heute, Freitag, 20 Uhr, bei Winkelfässer, Burgsdors- srraße. Ecke Sporrplatz, ihre erste Sitzung ab. Dort werden auch Neuaufnahmen vollzogen. Jeder Freigewerkschaftler und Partei- genösse, der im Besitze eines Motorrades ist,, sollte sich im eigenen Interesse dem Arbeiter-Rad- und Krastfohrer-Bund„Solidarität" anschließen. Bei einem vierteljährlichen Bundesbeiirag von 2 M., wozu ncch«in gcrinMügigcr Oxtszuschlgg kommt, werden den Mitgliedern Vergünstigungen gewährt, wie sie keine andere Organisation bietet. Bei Zahlung von 24 M. für Moiorroh und 30 M. mit Beiwagen ppa Jahr, ist das Mitglied haftpflichtversichert in eigener Regie. Man lasse sich aber nicht von den Ausgeschlossenen irreführen, die Nklch unter denselben Name» ihre trüben Geschäfte zu mache» vor- suchen. Man beachte stets die Geschäftsstelle im„Abend". Die Freie Arbeiler-Schachvereinigung Groß-Serlin veranstalte! mprgsn,«gnnabend, 20 Uhr, ihr erstes Stiftungsfest im Gewerk- fchaftshous. Seit einem Jahr bestehend, hat die Freie Arbeiter- Schachvcreinigung Groß-Berlin aus tleinstcn Slnfängen heraus tüchtige Aufbauarbeit geleistet und i,n gllen Stqdtteilen lcbenskräftM Abteilungen errichtet. Dieser Gedenktag dient nicht dem Schachspiel an sich, sondern der Verbundenheit und der Solidarität mit Gleich- gesinnten. Künstlerische und unterhaltende Vorträge. Eintritt 1 N!- Per„Deutsche AUntersportoerband", die Zusammenfassung aller repuhlikanifchen Wintersportler, beginnt sein diesjähriges HS»»tp>k0Hrsmm mtt einer W eih na chf s f a h r t in die Otzialer Attzen. Di« Fahrt beginnt am 2l. Dezember und führt über Inns- brück nach Otz und ven dort in dos interessante Ski-Gebiet bei Unter-Surgl im Otztal. An, 3. Iangar sind die Tcilitehmer wieder Verliii. Die Gesamftosten sü? die Fahrt betrageii 173 Mark. darin sind dte Fahpkosts« mit D-Zug, volle Pension und Ausgaben für Ski- und Bergtehrer enthalten. Eine mestcre Weihnachtsfahrt führt ln die Sti-Gcbict? des Harzes. Diese Tour dauert vom 24. bis 28. Januar und kostet 30 M. Anmetdutzgen an die Geschnfis- stell« des Verbandes, Mortgrafenstr. 22(Dönhoff 7876). 13 Arbellerradfahreryecein Sraß-LerU». Sonntag, 8. Dezenckcr, Uhr. Hirschgarten, Wcttxestaurant. Start Waldemarstr. Ecke Marianncnphitz. Gäste willkommen. � Der Ehryslerivagen, der seit dem 23- September mit ununterbrochen laufendem Motor auf der Avus tief, hat gestern infolge 8tj,vccken.IAül««.st4»pP»- Icckcrkopf mit P«lzr»nd i n � � breun und sdiwirr.. Merk i*T» Trikot. Cama«bcDhojen, greu, braun, bleu und»ode rflr 4jiJirije Kseben. M- Strümpfe, reise Voile wlt verstärktem 5nie, roode, f ras und Kfavtn, von M- 4." 2" Äaao ...... sqesche cPh r e n Ten a b e n Kieler Pyjai, reinwollener Cheviot, warm gefüttert,« q_ für vierjährig« Knaben M. 1 y Schlüpfer, mollig« Stoffe in verschiedenen Farben, für � 4 jährige Knaben tob M. �Taaa Pullover, rein« Volle, halsfrei oder mit Kragen in �«v � modernen Mustern von M. 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Kurt�Gätz Fiedler im Hngenieurhauje Montag, 9 Dezember, 20,30 Uhr. Platzreservierung durch den Deutschen Au!»- � Club, Berlin W 30, Neue Winterfeldtstr 20(Barbarossa 8937). «rbeitel'R,». u»d»r-ftf-b«».»»,».«»rid-rität", Ort«m>u>»« Seschäftsstclle: Robert Rolbborld.schot>!our Sloftrr a borin. Trrtipuntt 18 Uln Eirtt. M>f. Sonntao, 18 Übr: Taltrnborst. Hrimann, VaNrrsdorirr Stragr. Start Dirtfenbachstr. 3«.—». Abt.: 18 Uhr girt am Start Zriftstr. KS bei Sihrrlbrr.— tt. Abt.: 16 Uhr Brsichtianna bcs Wrlt- vanoramao, Andrrasstr. 16». Situnarn ö. und 1». D«rnrhrr bei Wittschitä. Petrrsburarr Str. Z.—»e«nsah«».Abt.: 8', Uhr Trrffvunkt bri Lohon. Dritdrrstr. 16. tzcbrn Donncrstoq von 18!-.— 21'A Uhr Traininasabrnb Turn- hall-»öorniarr Str. 126.— Ab«. Sharlottrnbüra: 18 Uhr 3,-1 am Start Mlmrr-dorfrr Eck« Konalstrah«.— Abt. ztrxtillo: 18 Uhr Ziel am Start töohrnttollrrnvlah.-- Abt.«rtDrnI««.K«Ii,rr,b»,I: 10 Uhr Trrffrii im Brrein»- lotol Wrih-nt--. Lanabonoftr. 102. Trritaa. 6. Drirmbcr. wiihtia- Sihuna im Brreinslotal. Lanabanoftr. 102. Ers-Hrinrn allrr ist Pslickt.— Abt. Lichten- ber«: 0 Uhr ssUhruna burch Alt-Berlin. Trefspuntt Spittelmarkt, an her Uhr.-- «»torrabsahre,. Abt.««»»brra: Tr-itaa. 8. D«,embcr. Zo Uhr. Sitiun« R-ichenhera-r Str.»I, Äinftl.QurHe.— Abt. grirb»ich,hai»: 16 Uhr Seit- Vatwrama, Schul« Anbrcaostr. IK«.— Abt. Zlarbrn: Trritaa, 6. Deiembrr, •JU Uhr, SiKuna bei Winktlsösser, Bura�orser Strah« Scke Sparrplab.— Abt. NSnentck: Mvntaa. i, D»»«mher. 30 Uhr, Sitzuna bei Sioner. flaifet- WiIH«Im-Str. 3.— Abt. Pankow: ssohrt siehe Vereinoiokal, Ziich. Trani. Kaiser- irrirhrich.-Str. 67. B«»irl, lartell Pankow. Di« Sartellarneraloersammlunq ist verseat aus Donnerotao. 12. Desembcr. 20 Uhr. bei Klemm. Berliner Ecke Sadlichstrohe. Cchochvcrein und Motorrahfahrrr sind hesonhero einaeladen. Deleaierteniartcn für die tSeneralvcrlommluna he» Zentralkartells werben ousqsaeden. TTSB., izrrilzeverknlturlvart«. Sonntaq. 8. Ducmber. guaenb auf Tahrt. Srcsfvunkt 7 Uhr Stettiner Borortdohnhof. Rontaa, 0.?e»mb-r. 20-22 Uhr. Zlacktgnmnastik. ReukSlln.. Mariendorfcr Weg. Dienstaa. 10. Deurmber, >!>>; Uhr. Mitalieberoersammlunq der«ruvnen I und II Woldenkerffr. 20 21. Mittn'och. II. De.icmber. 30 Vi— 22 Uhr, erster Svartendobeobend im Stadibob a.crichtstryKr. Zutritt»ur mit Mitqliedsbuch b,w. Sonbcrau-iweis. Treitaa. >8. Dezember, 20—22 Uhr, Ouidow-str. 115. Turn- und«nmnastikabrnd. Bund brr azr»«rk»ltnrfchnlr Abnls Aach. Sonnabend. 7. De.,rmber. Bor- liaqs- unb An-spracheabrnb, Trirdrichslr. 218.„Die Kirche unb wir."— Tbearetischer Uaterrtchtnnia» ab 7. Deiember: Moniaas, oen 10-21 Uhr: Unterrichtsvraxis für lönmnaftii.— Moniaas. von 21—28 Uhr: Zeichnen.— Dienstaas. von 10—21 Uhr: Psycholoaie.— Dirnstoas. von 21—23 Uhr: Sozioloaie.— Mittroachs. von 20—28 Uhr: Bidliothrts- und Lrfeobend.-— Donnerstaas, von 20—22 Uhr: Trei für juriilifchrn Sondrrlchraana.— grei- taas. von 10—21 Uhr: Unterrichts vraris für Knmnastik.— greitaas. von 19 O s 23 Uhr: Massoarabteilunaen.— Sonnabends, von I7'4—-19!> Uhr: Mrdi- mnischc Psncholoaie.— Sonnabends, von 20—22!-! Uhr: Aussoracheadrnb nach Plan. Der praktische Unterrichtsvlan lieat wie lolat: TSalich von Montoa dis Isreitaa von 17—28 Uhr je 6 Svmnastikaruoven ,u je 2 Dovoelslunden Unterricht mit Höhensonne, Braitscn usw. Dienstaas vrrmittaas Israurn- und Ztleinkinderaruvven. g««.»anu-Abteilana. Sonntva. 8. Dezember. Zlodtour noch Ziichtunq Potsdam und»u rück»um Bootshaus. OThrer; Hans Schmolin«. Treffpunkt 8 Uhr stuifenplah. W»ikerf»ortl»art« SB. Rvablt trifft sich»ur Wanderung am 8. Dejtmber nach Talkcnser— Ztirderneurntorfer Sanol— Tearlart am Kahnhof Dutlilisitaß« sZiormaluhr). SV. Moabit. Sonntoa. 8. Dezember. Beteiliauna an der Tübruna durch Alt-Berlin. Treffpunkt oller Teilnehmer 8bi Uhr Kahnhof Kcllrvu«. iir«i« Rvberer und«anvfahrer. 1. kreis. Sonnabend».?. 7>-»ember, 17 Uhr. im Gewcrlschaftshaus, Snaelufrr, Saal Z, chefchäftsfithrertoauna der äwortc. Zrdrr Berei» entsendet Korghenden und Kassierer.?.?.: Szumann. Turu- und Sport»erri».»ich«»ipiaick 1896"«. B. Sonnabend. 7. Dezember. 20 Uhr. bei K«»>art. gbinktionilrorrsammluna. Rudervrrri» Solrgia. Trritaq findet im Berel»zlokal. Sbarlottenbur«, Wi-landstr. 4, Aussprach« iib-r die Baukafse und Berlosuna wr die Weihnachtsfeier. Aufnahm« neuer Ritalieder. Treier Kann-»ob Ruderverri»„«tralan"«.«. Sonnabend. 7. D«fmber, 20 Uhr. 8ei Serrman», Stralauer Alle 47, Generalo-rfammlunq. Einmütigkeit im Kampf. Die berliner Sozialdemokratie zum Wahlergebnis. Auch die gestrige» Kreisversammlungen der Sozialdemo kralle zeiglen Cinmuligkeil und ungebroche- nen Kampseswillen. Wir berichlent Der W e d d i n g nahm im großen Saal der Hochschulbrauerei zum Ergebnis der Kommunal wählen Stellung. Ein glänzendes Referat des Reichstagsabgeordneten Franz Künstler und eine kameradschaftliche Aussprache zeichneten di« Versammlung aus. Die Sozialdemokratie muß Rückschau halten, gleichzeitig aber all« Kräfte sammeln zur Abwehr gegen die Angriffe der Reaktion aus die Sozialpolitik. Noch nie ist in einem Wahlkampf derart gegen Männer, die in der Verwaltung stehen, gehetzt worden. Ohne Rück- ficht, ob dieser oder jener schuldig ist, wurde verleumdet. Der Sozialdemokratie ist es zu danken, daß die Presse heute frei schreiben kann. Was di«„Rote Fahne" aber hetzt, hat mit Pressefreiheit nichts zu tun. Es ist wirklich an der Zeit, daß gegen dieses Blatt mit allen Mitteln vorgegangen wird. Der Referent schilderte dann aus- führlich die Entwicklung des Sklarek-Falles. Besonderen Beifall fand der Referent, als er feststellte, daß er auf Preflehetze hin nie einem Parteimitglied die Treue brechen würde. Wir haben erst genau geprüft und auf jede Schnelljustiz verzichtet. Gegen Brolot ist so maßlos gehetzt worden, weil er in der Verkehrs- betrieben eine gradlinige Personalpolitik führt«. Dieselbe Press«, die Brolot vor Wochen beschimpfte, stellt heute fest, daß er vor dem Untersuchungsausschuß außerordentlich gut abgeschnitten hat. Wir hoffen im Interesse unseres Parteisreundes Brolot und im Interesse der Partei, daß seine zweite Vernehmung vor dem Untersuchung?- ausschuß auch die letzten Zweifel klärt. Vor den Sozialdemokraten des Kreises LLilmersdorf sprach im Saal des Viktoriagartens der Abgeordnete Heilmann. Die Klassengegensätze, führte er aus, zeigen sich nie so kroß wie beim Kampf um die Gemeinden. Der Mittelstand hat dies bisher klarer durchschaut als die Arbeiterschaft. Die Finonzquellen der Städte sind gering an Zahl. Die Stadtporlamente entscheiden, ob Mieten und städtische Tarife»der die Erträge aus der Gewerbesteuer erhöht werden. Bei einer Besprechung des Sklaret-Skondals schloß Heil- mann: In einem Punkte kommen wir mit den radikalen Parteien nicht mit, in Radau, Gemeinheit und Verleumdung. Die Sozial- deinokratie lebt von ihren positiven Leistungen und ihrer sachlichen Arbeit. Wir haben keine Furcht vor den Kommunisten und National- sozialisten. A u s die Dauer ist es doch die Sozial- deinokratie, die sich durch ihre Arbeit durchsetzt. Die Berliner Scharte vom 17. November wird ausgewetzt werden. Sehr stark besucht war die Kreismitgliederversammlung des Kreises Tiergarten. Londtagsabgeordneter Maderholz zeigte, wie nicht nur in Deutschalnh, sondern auch im Ausland die bürgerlichen Parteien mit Recht dos Anwachsen des sozialdemokra- tischen Einflusses in Stadt, Land und Reich als eine wachsende Bedrohung ihrer Privilegien betrachten. Aus Mangel an sachlichen Argumenten war daher die Angelegenheit Sklarek eine willkommene Gelegenheit für sämtliche Parteien, gegen uns eins Sintflut von Verleumdungen gemeinster Art loszulassen. Bezeichnend sei, daß auch die Demokratische Partei, die sich den Schutz ihrer Versammlungen durch unsere Parteifreund« gern gefallen läßt, in dieser SchTarrrmflut mitzuwühlen sich verpflichtet glaubte. Mit der Mahnung, sachliche und scharfe Kritik anzuerkennen und nicht, wio vielfach Neigung ist, als den Parteiinteressen schädlich hinzustellen» schloß Maderholz seine Ausführungen. Vor einer gutbesuchten Mitgliederversammlung des Kreises Lichtenberg sprach Stadtverordneter K r i l l e über die Lehren des Kampfes um die Stadtverordnetenmandate. Mit den unglaublichsten Mitteln der Lüge und Gemeinheit ist der Kamps gegen uns geführt worden. Wenn wir uns dennoch siegreich geschlagen haben, so iit das auf die unverbrüchliche Treue unserer Freunde zurückzujühren. Die Wählermossen aber, die sich von den skrupellosen Parteiinteressen unserer Gegner haben ausnützen lassen, werden bald einsehen müssen, daß nur di« Sozialdemokratie uneigennützig für dos Wahl des Prole- tratriots zu sorgen bestrebt und bestimmt ist. Die Berliner Werke, Betriebe und sozialen Einrichtungen reden dafür eine deuttiche Sprache. Berlin wird stets unser bleiben. Oer Gchimpfprinz. Glogau, 6. Dezember.(Eigenbericht.) Friedrich Wilhelm, Prinz zur Lippe, war wegen eines gegen republikanisch« Minister und Abgeordnete im„Guhrauer Kreisblott" veröffentlichten Schimpiartitel» zu einer Geldstreif« von 500 Mark verurteilt worden. Während des Prozesses hatte ihm ein« Schöffin, Führerin deutschnationoter Frauen, freundschaftlich und demonstratio die Hand gedrückt. Ms diese Tatsache dem Land- gerichtspräfidenten zu einer Untersuchung Anlaß gab, erlaubte sich der famose Prinz, dem Londgerichtsprästdenten folgenden Brief zu schreiben: „Wie in republikanischen Kreisen verlautet, steht ihre als» baldige Ernennung zum Oberlandesger-chts- Präsidenten von Jerusalem bevor. Ich beglück- wünsche Sie ganz besonders dazu und empfehle Ihnen als Polizeunfpektor den Assessor Pietrowski mitzunehmen." Wegen dieser neuen Unverfrorenheit wurde Friedrich Wilhelm zu wetteren 300 Mark verurteilt. Dagegen legte er ebenso wie der Staatsanwalt Berufung ein. In der Berufungsverhandlung bat der sehr" kleinlo-ut geworden« Held mn recht milde Straf«, da er.in kümmerlichsten Verhältnissen" leb«. Dies«..kümmerlichen Ver- hälmisse" kann man aber nur schwer finden: denn neben seiner Hauptmannspension von 217,80 Mark pro Monat ist er noch Auf» fichtsratsvorsitzender der Kohlen u. Erz A.-G. und feine, in diesem Jahre uitternommenen Reisen noch Palästina und noch England lassen auch nicht darauf schließen. Die Staotsanwalrschoft beantragt« die Erhöhung der Straf« auf 1000 Mark. Das Gericht verwarf aber beide Berufungen, so daß es bei den 300 Mark bleibt. Detter für Berlin: Teils heiter, teils wolkig, Temperaturen immer noch über normal, südliche Winde.— Für vensschland: Nirgends Niederschläge von Bedeutung, überall ziemlich mild, nur vereinzelt leichte Nachtsröste. Peeantwsrtl. Ut di« RebaNisn: Colfnmtg Schw-k». Serlin: tnteigen: rb»lock«. Berlin Verlas: Vorwärt» Verlag®. ra b H.. Kerlin. Druck: Sarai Sri» Buö»- druckerri tmb Berlaaaantialt Paul Einser& ffa. Berlin SW 68, Linde nftrat« 8. Hier»» 1 Beilage. I lDOG Potsdamer Strafe 38 Der GfiaalUB» ▼ mit Lil Dagerer, Henry Staarl »» MiSabma Iraa Pctrorlefc. Rheinsir a$e 14-.bit» Arhishof'Licfatspiele Film- und BObneaadsan Perleberger Str. 29 und Stenda'er Sir. Jenteiis der JtraSe mit Llut Arne Ausstattungsrevue: cebe, liebe, ladscf W>14_Kirirs Woch. 3.43, 7, 9.95 W Cll-nino stgs.3, 5, 7, 9 Uh Alt-Moabit 99 Weibergcadü Alem d. Kaplitn Laah Giftgas(P.M. Lampel) W � ChaHoncnbunir�� Schlüfcr-Thcatcr SchHiterstr. 17 W.6.30. 9 U, Stg. 511. Jg. 3 Fraa Im Mond mit Gerda Manns, Willy FrUtdh Jugendliche haben Zutritt Atrium Beba-Palast Kaiserallee, Ecke Berliner StraBe Wochent 7, 9.15, Sonnt«30. 7, Als Vorverk: il— 2 u. ab S, Stgs. ab 3 Da* MCdel mit der PeltsAc Auf der Bühne: Comedian HarmonM« Jazz aus sechs Kehlen Alhambra Bc|;��hu;9U Schöneberg, Hauptstr. 36 Der Sdsvsir de* H. Adam Wie Ut da« Küssen dods beliebt mit Liedfbe Bühaeasdsan Titania(uf. B�S�berg) (fauptstraBe 49 Beginn ab 6 30 Uhr Der Günstling ron Scbfissbrann mit Lil Oagover, Irin Petrarieb Bctp regram m W Frlaefamu Friedenaucr Lichtspiele Kaiserallee 111(hundertelf) Wöchig. 6.30, 9 Sonntg. 3, 7. 9. U Seist bester Freund mit Harry Lustiges Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt 3Ü-� Kronen-Lichtspiele Rheins(r 65 W. 640.% Sonnt ab 5 U. Carlos und Elisabeth mit Wilhelm Oielerle SeelenrerUnf er(6 spannende Akte) ■"AB"«» � Titania-Palast Steglitz, SchloBstr. 5. Ecke Gutsmuthsstr. W. 630, 9, Sonnt 4, 63«. 9U. Vorverkauf II— 2 und ab 5 U. Das Sdsveigca Im Walde Jugendliche haben Zutritt j SOBwaataw j FOxB-Paiast Kammersäle Teltower Str 1 BAbneascha« Fröhllngser warben (nach Krank Wedekind) BaakaoieafUsdier »OHAit Th. am Moritzplatz Beginn; W. ab 5 Uhr, Stg. ab 3.45 Uhr Fraoen am Abgrund m. Elga Brink Baster Kenten, der FUmrcporicr Ma-U ��orfSüwSSS!: ChausseestraBe 305 Stg. 4 Uhr Jug,-V. Die Konlrnrremx plaiet mit H. Liedfbe Revue: Die Sa die mU Sdtmldi »«üdosfan Filmeck Skalitzer StraBe, am Göriitzer Bahnhof Uasdsold mit Kafe r. Magy, Maly Delnhali Luisen-Theater Reichenberger Str. 34 Bühnen»«bau Di« Konkmraas plafst mit H. Liedfbe Bühne: Paol Heidemann lugendliche haben Zutritt Urania-Theater FBSi«d Wrangelstr. 11, Köpenicker Brücke Woch. 7. 8 und 0 Uhr. Stg. 3. 5. 7. 9 Uhr Naebflobal mit Evelyn Holt Der grausame Zar S Varlelt- Attraktionen Stella-Palast Köpenlcker StraBe 11—14 Beginn der ersten Vorstellungen: Wachentags 630, Sonntags 3 Uhr Kaaseneröfinung'k Stunde vorher Dosier Kenten als FUmreportcr Grobe la em. Bahnensehan Jugendliche haben Zutritt Primus-Palast Hermannplaa Wochent. 7 IL, Sonnt ab 4.45 U. FriUtlladaerwadsen mit Tony ran Eydt. Rolf von Golh, Fr. Rasp, Paul Henkels, Ita Ria« nach Frank Wedekind Gnies Beiprogramm Aiisgexeldsaete Bohnen seh an ITsalmLa Wochent ab 615 Uhr 1\UKUK Sannt, ab 4 Uhr Kottbusser Damm 92 Büh ensdi"''**''lH*ro''<1 Lloyd Jugendliche haben ZutritC Excclsior Kaiser-Frfedr.-Str. 191 Beginn 6.15 Sonnt 4 Uhr Fran Im Mond mit Gerda Maorrsa, Wwy Pritsds SM. 3 Uhr: Gr. Mardsenror stetig. Jugendliche haben Zutritt Stern, Herrn Anns trahe 49 Wochent ab 615, Sbd. n. Sonnt ab 4 U. Measdscnarseaa](Eine Spftren- lelstnng russischer Filmkunst) Oer Hauptgewinn Bühneasdsaa » OütPW» Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochentags 6 Uhr, SonnaM SVsUhr. Sonntags 3 Uhr Die Strafe der verlorenen Seelen mit Pest« Negri AnsgewCblles Beiprogramm Gate Bühnenseban Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Der Günstling ron gdhünbrona Im Flugboot rond am Afrika Bühne: Eng. Rex, U Werkmeister Concordia-Palast AndrcasstraBe 64 Bühnens Jazastegcr mit Ai Joteon eo Im 5 form mit Gtaa Maates «Elysi Prenzlauer um" gs&r1 Prenzlauer Allee 56 S. 3 U. Jug. Vorst T agrbnch einer Verlorenen Bühne: Jazi-SymjthoniKer; Frenky, Fords, Fanny. Folks W WolOerisaa W Schloßpark FOin. Bühne Berliner Allee 205—210 Varlettedtan Giftgas Prachtrevue: Schlager für alle Bühnenschan Aihambra Bühnenseban MOllerstraße 136 Ecke SeestraBe Der Günstling ron Seböabronn mit LH Dagorer u Iwan Pctrowteb „Rialto" Film u. Bühne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Frao Im Mond Bühnenseban Jugendliche haben Zutritt «Aihambra" Badstraße 58 Bübecnsdiae • Der Narr seiner Liebe Bciprogremm Ballschmiedcr- Ucfaisp. Badstraße 16 Große Dülmenseben Der große Erfolg: Vier Teufel Der Cowboykönlg mit Toi Mix Skaia-Lichtspielc Schönhauser AlleeSO W. 6, Stg, 4.30 u. Vater und Sohn m. Harry Ltedtke Das grüne Monokel mit Stnari Webbs ColoMaum Wl4s. ah 530 Uhr Stgs. ah 3 Uhr Schönhauser Allee 123 Freu im Mond Bühne: 6 lastige Jazxbandlten Jugendliche haben Zutrit Pratcr-Lichisplel-Palast Kastanienallee 7-8 Bühnenseban BebwnrxwaldmMel m. Liane Haid Revu«: Süge Beinchen, lach. MSdcfa. Elektra-Palast Wiesen-, Ecke Kösllner Straße Bein Herrensfnnge mit R. Schildkrant Revue: Hallo I Wien-Berlin Gala-Licfatbühne Usedomstr. 14 Anf.68.3a SabSU Die Konkurrenz platzt mit H. Uedtke S. O. B.(Schiff in Not) m. Liane Haid Noadc's Lichtspiele BrunnenstraBe 16 Wtg. 5 U- Stg 4 U. Stgs. 2 U(ugendv ZwUdum Spree n. Paake(Zille-F-V BanJmoient&ischer mit Igo Sym Pharus-Licfatspiclc MflllerstraBe 142 w. 5Vs U. Stg. 4 U Stg 2U. lugendVorstell Humboldt-Theater Badstraße 16 Dühsessdtan Der große Gesangsrilm: Einmal am MUternadil Das Geheimnis d. goldenen Gürtels Kristall-Palast Primenallee 1— 6 Jugendi. hab. Zutritt Los, Harold, los! mit H. Lloyd Revue: Wenn das nicht zieht g Pankow■ Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 w. 630 U, Sbd.5 30 U, Stgs. 4 U. Napoleon«uf SL Helena mit W. Kraus Bühne: Violtnrlrlnose M Hlactarechönhamun M Film-Palast Blankenburger Straß« W. 630, 9 U. Stg, 430, 645, 9 U. Der Günstling ron Bebönbrnnn Das MBdebeasdsltt(Lebende Ware) ■* Filmpalast Tegel Bahnhotstr. 2 W.6.8>7. Stg. 4 V».6-o. 8A« Bete bester Freund m Harry Piei Außerdem; Kamerad Blag Oer__ Seelen Andreas Hafer der Freiheitskampf des T-oier Volkesl, Das Geheimnis der Hölleaseblnebt mit Hoot Gibson Union-Theater Hauptstraße 3 Beg. Wtg. 8 U. Stg. 6 7J0 Vogelfrei mit Tom Mix RimknUn, der König der Wildnis gp ein It ke net or f-O se"-� Burgergartcn-Liditsp. Hauptstraße 51 Film- n. BOhnensdu» Pal und Paiacbon als Kannibalen Zwei fange Herzen Jugendliche haben Zutritt