r Morgenausgabe Sonnabenb \i 2.©esember 1929° WÜWvl! H i�v|A�AN�f|x M« �\. M Groß-ÄeNin 10 PI-> sa�tnaid) 8S5t. monoffl« 1�0 DL BW\ W �M?W�Mss WUs�M.... Im voraus zodlbar� IZoslbe�ug 4�2 M. WW I Lw<»H MS MM AM � IW W M M, Auswtins pk. .mich!,. blich 60 Plg. Doftzeitua?.. MZ[JjM{9 W S Lis RA H 9B■■■ Ts■r 72 Vts Pol»>.sle!lg.büdr.n. Ausland» �tSum WM WM DW sM) W �W WM �W AM �A gC� �A �W r~—-Y/ ltonnrm.nl b.—\DL cto Sionat,<3 AU WW WU WM �W A� MM �W W) WM AM\ J/ vir» s�i l,,, llaopnir�.zrllr ta.SonvArtü*.ndictnl amm.nMo.{ WW fl EB flgLv Jt\ ffil AD' trudt. Bor, 25 Ps.nn?,(juloftiii l.ch}ro.tmol, eonmna» unt mornog, BS H Äi>R> H T/B htm.tn'tft.«orl.j,"d.smrn.r. Bon .mmol, bit ild.ndau-gat.n für Sfrlin iH 1 WR. ��W>> �Mv>7 AM" Vf.nnia El.ll.ng.luch.»->. rriir vnt im chand.I mi. t.m Ti,.!.Dn WSkL. ZW" //■ Bort l- VI.Nnig f.t.. m.nm ajon Kb.nb". 3IIu(tri.rl. S.ilog.n.So« Zw�SM\'"�tennl». Bort. ub.. 15»udifiob� unb ir.it- unb«inh.rfr.i.nii- Y/ inh!.n für jmn Bort. Lrb.ilkmoi» ssssb � NeAinev VvWsbßatt wWUM Ae«tvawvsr einmal der Wunsch sehr einflußreicher Industrie- und Banken- kreise. Man hat damals in diesen Kreisen im Ernst daran gedacht, man könne einen solchen Finanzdiktator in parlämen- tarischen Formen schaffen mstrhat geglaubt, auch die Zustim- mung der Sozialdemokratie zu einer solchen neu- artigen Einrichtung des parlamentarischen Systems erhalten Antwort an Schacht. Mittwoch große Finanzdebatte im Reichstag. Amtlich wird folgende Erklärung veröffentlicht: Der Herr Reichspräsident Dr. Schacht hat der Reichsregierung ein Memorandum zu den im Gang befindlichen Verhandlungen über den Poung-Plan und zu den Fragen der Finanzpolitik zugeleitet. Die Veröffentlichung fällt mitten in Be- f p r c ch u n g e n. die über diese Fragen mit ihm gc- pflogen worden sind. Die Reichöregicrung muß ihr Befremden über die Veröffentlichung aussprechen. Die Voreiligkeit, mit der die Stellungnahme des Herrn Reichsbankpräsidenten erfolgt ist, gefährdet die einheitliche Staatsführung. Der Herr Reichsbaukpräsidcnt hatte zwar im Laufe der Befprechun- ge» angekündigt, daß er sich vorbehalten müsse, seine Auffassungen über die Beurteilung der schwebenden Fragen darzulegen, er hat dabei aber ausdrücklich betont, daß dies in einer Form geschehen werde, die keinen Schaden anricht e n könne. Art und Inhalt des Memorandums sowie der Ze i t P u n k t seiner Veröffentlichung stehen hierzu in schroffem Widerspruch. Die Reichsregierung lehnt cS ab, sich im gegenwärtigen Zeitpunkt auf eine Ausein- andersetzung mit den Darlegungen des Memorandums einzulassen. - Die Reichsregierung hat sich bereits in den letzten Tagen dahin schlüssig gemacht, dem Reichstage i m Laufe der kommenden Woche die Grundzüge ihres finanziellen GcfamtProgrammS zu unterbreiten. DaS Programm wird Maßnahmen zur Sa- nierung der deutschen Finanzen, eine um- fassende Steuerreform und die Entlastung der K a s s e n l a g e. insbesondere auch von den Zuschüsien für die Arbeitslosenversicherung durch Verstärkung der Einnahme» der Anstalt umfasien. Ten Fraktionsführern der an der Regierung beteilig- ten Parteien ist schon vor Tagen eine Einladung zur Erörterung dieses Programms für den Anfang der kommenden Woche zugegangen. Ter Reichskanzler wird am nächsten Mittwoch dem Reichstage, dem die Regierung allein verantwortlich ist, dieses Programm der Reichsregierung in einer RegierungS- erklärung vorlegen und hierfür sowie für die Gesamt- Politik der Reichsregierung die Vertrauensfrage stellen. Soweit es sich darum handelt, die bisherige Linie der Außenpolitik weiter zu verfolgen, wird es in den großen Reichstagsdebatten der kommenden Woche kaum Schwierigkeiten geben. Anders steht es mit den Fragen der Reich ssinanzreform, denn hier gehen die Meinungen sehr weit auseinander. Ein Symptom dafür ist eine soeben erschienene Erklärung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie und zahlreicher anderer Unser- nehmeroerbände, in der gegen eine Erhöhung der Beiträge für die Arbeitslosenversicherung Sturm gelaufen wird. Werden aber die Beiträge nicht erhöht, so bleibt nur zweierlei übrig: entweder die notwendigen Mittel auf dem Wege über die Reichskasten durch Steuern heranzuholen oder aber die ganze Arbeitslosenversicherung zusammen- brechen zu lassen. Der neue Angriff der Arbeitgeber verfolgt das Ziel, der Arbeitslosenversicherung die notwendigen Mittel zu sperren und damit ihren weitgehenden Abbau zu erzwingen. Die Sozialdemokratie wird darauf bestehen müssen, daß die Mittel zur Aufrechterhaltung der Arbeitslosenversicherung gewährt werden. Sie muß aber darüber hinaus verlangen, daß durch die kommende Reform die O r d n u n g der Reichs- finanzen unbedingt gesichert wird. Die Sorge vor zu hohen Reichseinnahmen ist schon deshalb unbegründet, weil etwaige Ueberschüsse.zunächst durchaus notwendig sind, um eine er- trägliche Kastenlage herbeizuführen. Auf der anderen Seite ist die sogenannte„Wirtschaft" im Irrtum, wenn sie glaubt in einem Staat prosperieren zu können, der nie aus der Geld- klemme herauskommt und der darum genötigt ist, seine so- zialcn Ausgaben auf das empfindlichste einzuschränken. Auch der„Wirtschaft" wird letzten Endes ein Bärendienst geleistet, wenn man die Lage der Finanzen günssiger dar- stellt, als sie ist, und wenn man Steuersenkungen fordert, die in dem gewünschten Ausmaß zwangsläufig in den Staats- bankerott hineinführen müßten. Die Regierung will die Vertrauensfrage stellen. Eine Konkordienformel über Grundzüge wird sich wohl finden lasten,- und damit wird eine Krise oermieden werden, mit der heute niemand— am allerwenigsten die Opposition— etwas Vernünftiges anzufangen wüßte. Die eigentlichen Schwierig- leiten dürften erst im nächsten Jahre kommen, wenn bindende Beschlüsse zu fassen sein werden. Mit Herrn Schacht, der übrigens die bevorstehende Reichstagsdebatte nicht verursacht hat— der Plan, sie in der nächsten Woche herbeizuführen, bestand schon vor seiner Aktion—, befassen wir uns an anderer Stelle ausführlicher. Jubel der französischen Nationalisten. Paris,<5. Dezember.(Eigenbericht.) In der außenpolitischen Kommission der Kammer hat die um die Abg. Mari« und Franklin Bouillon gescharte nationalistische Clique den Dolch- stoß des Reichsbankpräsidenten bereits zu neuen scharfen Attacken gegen die Rheinlandräumnng und die Saar- Verhandlungen benutzt. Die schwere Last der inneren Widerstände, mit denen Briand seit der Regierungs- ergreifnng Tardieus in erhöhtem Maße zu kämpfen hat, wird dank Dr. Schacht erheblich gesteigert. Auch auf der Linken wird Schachts Husarenstück als außerordentlich Peinliche Belastung des ohnehin nur mit größter Mühe innegehaltenen Kurses der Annäherungspolitik empfunden. Gejm gegen pilsudski. Mißtrauensvotum mit Zweidrittelmehrheit angenommen. zu k rinnen. Dieser Glauben war ein Aberglauben, doch ist man inzwischen von dem ganzen Plan schon wieder abgekommen. Denn in denselben Kreisen, die Herrn Schacht als Finanz- d-ktator auf den Schild zu erheben gesonnen waren, herrscht heute Entsetzen über sein Vorgehen. Man sagt sich resigniert, daß dieser Mann in wichtigen Situationen wohl oft einen scharfen Blick bewiesen habe, daß er aber immer, wenn es darauf ankomme, im Gebrauch der politischen Mittel o e r s a g e. In der Tot, Herrn Hchachts Husarenritt ist nur zu ver- stehen, wenn er die Absicht gehabt hat. selber der Finanz- diktator Deutschlands zu wenden. Da aber politisches Augen- maß nie seine Stärke war, wird er darauf verzichten müssen. Seine nächsten Freunde können ihm das nicht mehr wünschen. Aber Herr Schacht macht Politik. Er macht sie, wie er glaubt, im Interesse der deutschen Wirtschaft, und er sieht nicht, daß die deutsche Wirtschaft etwas anderes viel not- mendiger brauchte, nämlich einen tüchtigen, zuverlässigen und die Wirtschaftssituation wirklich meisternden Leiter der Deutschen R e i ch s b a n k. Das ist nämlich das eigentliche Amt des Herrn Doktor Schacht, was man in Deutschland in der Tat allmählich vergessen könnte. Während Herr Schacht nämlich Politik macht, braucht die deutsche Wirtschaft nichts notwendiger als eine Hilfe, die die Deutsche Reichsbank ihr geben könnte. Gegenüber den Banken herrscht heute im ganzen Lande eine ausgesprochene Vertrauenskrise. Jeden Tag finden Runs auf Banken statt. Jeden Tag brechen von neuem Banken zusammen. Der Sparstrumpf und die zinslose Auf- Häufung von Banknoten in Safes sind wieder zu Ehren gekommen� Die wirtschaftliche Auswärtsentwicklung ist längst ins Stocken geraten. Wegen der Unsicherheit auf den Geld- und Kapitalmärkten bereitet sich auch hier eine Vertrauenskrise vor, die keineswegs in der Kassenlage des Reiches etwa ihre Ursache hat. Die Vertrauenskrise gegen- über den Banken und der Pessimismus in der Wirtschaft führt immer mehr zur Kapitalflucht. Und alles das wird durch die Politik des Herrn Schacht gefördert. Der Präsident der Reichsbank aber wäre schon seit langem in der Lage gewesen— er hätte es spätestens un- mittelbar nach dem Novemberende manchen können—, den Diskontsatz der Reich sbank herabzusetzen. Diese Herabsetzung des Diskontsatzes hätte eine Kreditverbilli- gung im ganzen Lande herbeigeführt. Sie hätte das Ver- trauen nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch gegenüber den Banken erhöht, sie wäre dem Ausland gegenüber ein Zeichen der Zuversicht in die deutsche Wirtschaftslage gewesen, einer Zuversicht, die durchaus gerechtfertigt ist. 5ln diese Kreditverbilligung hat Herr Dr. Schacht, der Poli- t i k e r, natürlich nicht gedacht. Es war für ihn wichtiger, eine große volitifche Aktion zu unternehmen zur Befriedigung eines fraowürdigen politischen Ehrgeizes, eine Aktion, mit der er in der Wirtschaft wie in der deutschen Staatspolitik viel Por- zellan zerschlagen hat. In Deutschland hat es so manchen tüchtigen Wirtschafts- sichrer gegeben, der als Politiker ein kläglicher Dilettant war. Daraus folgt aber noch nicht, daß j ed e r, der schlechte Politik macht, ein tüchtiger Wirtschaftsführer fein muß. Ein Reichs- bankpräsidcnt, der nichts anderes kann, als schlechte Politik machen, ist eine öffentliche Gefahr.' Gklarek vor dem Ausschuß. Brandes und Brolai im Verhör. �ch vv-Bank und Beamtenzeniralbank. Soll die Privattvirtschafi die Gewerfschastsvank schlucken? Es wird gemeldet, daß die Seamtenzentralbant A. G., Berlin, die Bank des Deutschen Beamtenwirtschostsbunde», in l-isrhandlungen mit der Deutschen Bank und Diskonto- Gesellschaft steht, um sich an dies« anzulehnen. Die Deutsche Bank und Diskontogesellschaft soll dabei mehr alz die Hälfte �cz Aktienkapitals übernehmen. Dieser Versuch der Zusammenarbeit einer Art Gewerkschastz-- dank mit einer Großbank ist sehr gefährlich. Der überwiegend« Einfluß einer privatkapitalistischen Großbank auf eine Gewercschostsbonk, wie die Veomtenzentralbank eine ist, bedeutet Gefährdung der gewerkschaftlichen Unabhängig. kcit, was sich der„Deutsche Beamtenwirtschastsbuiid" und die ihm nahestehenden Organisationen zehnmal überlegen sollten. Es ist deshalb auch sehr verständlich, daß die hinter der Zentralbank stehenden Aerbände noch keineswegs entschlossen sind, die Anlehnung an die Deutsche Bant und Diskontogesellschast mit» zumachen. Es war« auch«in sehr großer Unfug, in Berlin, nach. dem schon die„Bank für Deutsche Beamte" von der„Dresdner Bank" aufgesogen wurde, noch«in Unheil durch die Hereinziehung einer zweiten Großbank in die Bsamtengcldwirtschaft anzurichten. Wir hören außerdem, daß bereits ein Kreditangcbot von ber Zentrale des Beamtengenossenschastsverbandes und den mit ihr zujanr-nevarbeitenden Stellen vorliegt. Das rechtfertigt die Be- dcvken, in der Beamtenzentralbank mit den Beschlüssen nicht gar zu etiig zu fein. La und nein! „Unsere Landesväter, wie sie gingen und wo sie blieben." Ein wirtschaftsparteilicher Landtagsabgeocknieter wies in einer Kleinen Anfrage auf eine Mitteilung der„Herner Zeitung" hin, in der es hieß, daß an sämtliche Poltzeidienststcllen Exemplare des Buches„Unsere Landesväter, wie sie gingen und wo sie blieben" kestenlos mit der Bestimmung oerteilt worden seien, sie in die Büchereien aufzunchmen und dort zu inventarisieren. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, wird die Frage, od diese Mitteilung den Tatsachen entspreche. vom preußischen Minister des Innern bejaht, desgleichen die Frage, ob die Verteilung des Buches mit Zustimmung des Ministers geschehe. Ferner stellt der Minister fest, daß die Bücher aus Mitteln des Staatshaushalts bezahlr worden seien. Die letzte Frage, ob der Minister des Innern es für richtig halte,„daß sich staatliche Instanzen... an der Verunglimpfung unserer staatlichen Vergangenheit beteiligen", wird vom Minister mit einem„Nein" beantwortet. Hoffentlich ist der neugierige Fragesteller jetzt befriedigt! Münchmeyers..Schweinestall". Der frühere Pfarrer Münch- meyer aus Borkum wurde vom Schöifengoricht Emden wegen eines Vergehens gegen das Gesetz zum Schutze der Republik zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Der Staatsanwalt hatte sich, Monate beantragt. Münchweyer hatke auf Borkum in einer Versammlung öffentlich die republikanische Staatssorm des Reiches �V~. si?, vm v«»i. Vjktl»..,.„ S~ f____ i!.. rv>, Arbeite rumzug beschossen In der Warschauer Judenstadt wurde ein Zug von etwa Zv0 jüdischen Sozialisten b e s ch o s> e n. Eine Person wurde getötet, zwei verletzt. Der Polizei ist es nicht gelungen, der Töter habhaft zu werden. In der Freitag-Sitzung des Sklarek-Unterfuchungs- Ausschusses wurde zunächst Obermagiftrotsrot Brandes ver- nommen, der im Auftrog« des Magistrats Mitte September den Sklarek-Kredit bei der Stadtbonk nachgeprüft und dabei die falschen Krcdituntcrlagen festgestellt hat. Er soll aussagen über den Be s u ch. den Ihm Stadtverordneter B r o la t im Lause dieser Prüfung gemacht Hot. Obermagistratsrot Brandes: Brolot kam, ich glaube am lS. September zu mir und sprach mit mir über das Erholungsheim der Brennstofi. Gesellschaft. Mch dieser Einleitung begann er von der Devisson des.Sklarek-Kredites. Ich bin nicht in der Lage, den Wortlaut seiner Aeußerungen wiederzugeben. Ungefähr erzählte er mir, daß die Sklareks in der Ack-rsträßc großgeworden seien, daß ihr Baier Sattler gewesen wäre, daß sie Christinnen geheiratet hätten und daß sie reiche Mittel für die Unterstützung von Partei und Reichsbanner zur Verfügung stellten. Er lud mich dann ein, mit ihm zu den Sklareks herüber zu gehen. Das lehnte ich ab, und damit war dieser Teil der Unterlxrltung zu Ende. Ungefähr zur gleichen Zeit hatten sich auch Gabel und Obermogistraisrat Element, bei mir an- gemeldet. Ich habe sie aber nicht gesprochen. Ich Hab« die Sache nicht dramatisch genommen, weil ich ja als alter Beamter durch solches Gespräch nicht aus dem Text komme. Aber als ich nachher durch Stadtamtmonn S a k o l o f s t i erfuhr, daß Leo Sklaoek unten auf Brolot gewartet hotte, überkam mich di« Wut. Wäre ich zufällig mit Brolat mitgegangen, dann hätten mich di« beiden wohl gleich ein« gewickelt. Auch Sokolosski ist ja von Leo Sklarek gefragt worden, was bei meiner Revision herausgekommen wäre. Zeuge Brolat: Ich verwahremi chgegendieAussage von Brandes und verweise auf mein« früheren Aussagen. Bars. chwenk(Komm.): Sie müssen.Herr" Brandes sagen! Brolat: an spricht von mir ja auch nur als„Brolat". Mein Be- such bei Brandes war am 20. September vormittags 1 1 U h r. Ich habe hier darüber die Eintragung. Um 12 Uhr war ich mit einigen Mitgliedern meines Aufsschtsrates zur gemeinsamen Fahrt nach dem Ferienheim der BVG. Brunshauptcn verabredet. Es tft deshalb ebenso unmöglich wie es unwahr ist, daß ich Herrn Brandes aufgefordert hätte, mit mir zu den Sklareks zu kommen. Bon Partei und Reichsbanner habe ich mit Herrn Brandes nicht gesprochen, und von der Anwesenheit Leo Sklareks erst durch Obcrrcgierungsrat Topolski erfahren. Abg. Obuch(Komm.): Zewze Brolat, Sie sollen mit den Sklareks persönlich sehr intim gewesen sein. Sie haben sich mit ihnen geduzt und sind mit ihnen viel zusammen gewesen? Zeuge Brolat: Das ist richtig. Ich habe sie durch Schiming kennengelernt und ihnen insgesamt für 37000 M. Brennstoff ver- kauft. Mr haben uns dann abends oft getroffen. Im Hause der Sklareks bin ich selten gewesen, weil ich Gesellschaften nicht liebe und auch Jagden nicht mitmache. Hingegen gebe ich zu. daß ich damals in der BVG. vielen Aerger hatte, denn»nie solche Wider- sinnigkeit und einen solchen Blödsinn, wie ihn dort der kommunistische Betriebsrat angestellt hat. habe ich über- Haupt noch in keinem Betrieb gesehen: da hatte ich manchmal das Bedürfnis, mir richtig einen anzusaufen.(Heiterkeit.) Die Quittung dafür, daß ich im Interesse der Bevölkerung Verlins in der BVG. Ordnun g geschaffen habe, habe ich in den Angriffen des BaNditenblalls, der, Muten Fahne" erhalten. Abg. Obuch(Komm.): Ne fallen auch mit vegner befreundet gewesen sein?■:> Zeuge Brolat: Auch Degn er hat mit uns beim Bier zusammengesessen. Ich habe Degner auch einige Male im Betrieb der KVG. getroffen. Im übrigen hotte ich von den Beziehungen zwischen Degner und Sklarek natürlich keine Zlhnung. Abg. Obuch: Ihre Frau soll mit Frau Sklarek«in« Baderesse gemacht haben? Zeuge Brolat: Das ist unwahr. Abg. Obuch: Wie war es mit dem Pelz? Zeuge Brolat: Ich hatte vor Weihnachten Willi Sklarek erzählt. daß ich meiner Freu einen Pelz schenken wollte und er hatte mir den Namen des Pelzhändlers Gohlicke genannt. Ich habe ihm als Höchstpreis 2000 M. angegeben und habe dann meine Frau zu Gohlicke geschickt. Der Pelz sst Weihnachten getiejert worden, merk- würdigerwcise ohne Quittung. Ich habe dann Willi Sklarek nach der Quittung gefragt, worauf er behauptete, sie hätten bei Gohlicke Kredit. An> 23. März habe ich mir 2000 M. aus der Kasse der BVG. zahlen lassen, bin zu den Sklareks gefahren und h-ibe bezahlt. Zu der Eile veranlaßt« mich eine Bemerkung vcn Leo Sklarek über den schlechten Geschäftsgang und die Tatsach«, daß ich Dezernent für den Kleidereinkauf bei der BVG. werden sollte, die seit 1923 mit den Sklareks in Geschäftsverbindung stand. Da wollte ich diese Sache bereinigt haben. Ich habe die Sklareks um eine Quittung gebeten, und es ist inir erst nach ihrer Berhastung wieder einge- fallen, daß ich sie nicht bekommen habe. Für die Anzüge, die ich mir seit 1927 bei Sklarek habe machen lassen, habe ich alle Oulltungen im Besitz. Ich bin dann nachträglich bei Gohlicke gewesen und habe dort fest- zustellen gesucht, wie es kam, daß ich nicht direkt die Rechnung er- halte» Hab?. Der Inhaber der Firma sagte mir, er hätte Willi Sklarek angerufen, um die Hausnunmier meiner Wohnung zu er- fahren: dabei hätte ihm dieser gesagt, er solle die Rechnung an ihn schicken. Er hat mir ober aus seinen Büchern gezeigt, daß meine Bestellung aus meinen Namen eingetragen war, währeird alle Pelze, di« Sklarek sonst an Bekannte geliefert hat. nur den Vermerk trugen: im Austrage von Sklarek. Er hat mir auch gezeigt, daß die Sklareks am 11. Februar d i« 2000 Mark durch Dreimonatswechsel bezahlt haben. Ich habe an die Sklareks also früher gezahlt, als sie an Gohlicke. Es entspinnen sich dann lange Erörterungen darüber, ob Brolat om 20. Sepien, ber von der Rcpision des Kontos Sklarek überhaupt Kenntnis hatte. Obermagistr.ttsrat Brandes ist überzeugt, daß di« Stadtbank- direktoren di« Sklareks über die Revision informiert haben. Er Habs auch angenommen, daß Brolot davon wisse, denn wozu hätte er sonst ihm soviel von den Sklareks erzählt.„Solchen Quatsch macht man doch nicht umsonst." Brolat bleibt demgegenüber dabei, daß er weder die Rev-isson, noch überhaupt den Kredit kannte. Auf die Sklareks sei das Gespräch gekommen, weil Brandes eine abschätzige Bemerkung über da» Aaschassungsaml gemacht hätte. Ein« weitere Erörterung dreht sich darum, ob Brolat bei Brandes von Zuwendungen der Sklareks an di« Partei und das Reichsbanner gesprochen habe. Brolat bleibt dabei, daß er davon nicht gesprochen hoben könne, weit er Brandes als rechtsstehenden Beamten gekannt hätte. Außerdem Hab« er ge- wüßt, daß Partei und Reichsbanner von den Sklareks so gut wie j nichts bekommen hätte«. Oberimagsstratsrat Brandes enrsimtt sich dieser Bemerkung ganz genau. � Abg. Heitmann(Soz.) macht darauf aufmerksam, daß nach den Angaben Taposskis Obermagistratsrot Brandes nur vom Reichsbanner gesprochen hätte. Er fragt den Zeugen, ob er sich heut genau entsinn«, daß auch von der Sozialdemokratischen Partei die Hede war. Obcrmagistratsrat Brandes: Bratet hat von den palitischm Parteien in der Mehrzahl gesprochen. Zeuge Brplai: Auch dos bestreite ich auf das entschiedenste. Berichterstetter Soennecke(Dnat.): Zeuge Brolot, Sie haben in ihrer ersten Vernehmung gesogt, Obennagistratsrat Brandes genösse auch bei Magsstratsmitgsied�rn der Ruf, Tag und Nacht darauf zu lauern, wie schieden«» Verträgen vor, daß die Sklareks selbst bei Gewährung neuer Vorteile aus die Geltendmachung de» angeblichen alten Scha- dens verzichtet hätten. Willi Sklarek bleibt dabei, daß das all« EchetnvertrSg« ge- wesen seien und daß daneben weitgehende mündliche Auficherungen des Magistrats gingen. Berichte! st atter: Warum habe« Sie. stch das al» tüch. tiger Kaufmann nicht schriftlich geben lassen? Willi Sklarek: Man ist leicht geneigt, dem Magistrat der Stadt Berlin zu glm-bcn, bis man durch die Ereignisse eines Besseren belehrt wird. Berichterstatter Soennecke: Wer war der Magistrat? Dollen Sie uns nicht die Namen der Herren nennen? Willi Sklarek: Die hebe ich mir für die Hauptverhandlung auf. Oberjustizrat Dohm vom preußischen Justizministerwm bittet. die Bernehnmng abzubrechen, da ihre Fortführung den Fortganz der Strafuntersuchung gefährde. In geheimer Sitzung wird beschlossen, diesem Antrag stattzn» geben und auf die weitere Vernehmung der Brüder Sklarek zu ver» zieht«». Diese geheime Sitzung war wieder einmal ein Musterbeispiel kommunistischer Demagogie und UnehrNchkeil. Die Sozialdemokrat«» wünschten an Willi Sklarek noch«in paar Fragen zu stellen, die sich auf die Angaben Brolats über sein« Beziehungen zu den Sklareks bezogen: sie erklärten sich aber bereit, daraus zu verzichten, obwohl dieses Thema mtt der strafrechtlichen Verfolgung gor nichts zu tun hat, weil der Ausschuß offenbar nicht geneigt war, noch einmal in diese Erörterungen einzutreten, die schließlich bloß für ein« gewisse Sensationsprcsse von besonderer Bedeutung sind. In diesem Zlugenblick schlug der kommunistische Abgeordnete Obuch, der als erstes Mitglied des Ausschusses den Vorschlag gemacht hatte, Willi Sklarek nicht weiter zu hören, vor, trotzdem Leo und Max Sklarek zu vernehmen, weil man vielleicht von ihnen noch etwas' Nützliches erfahren könnt?. Der Zweck der Uebung war so deutlich, daß ihn«in Blinder mit' dein Stock suhlen konnte. Die Sozialdemokraten erNörken daher, daß sie für den gänzlich sinnlosen Antrag Obuch stimmen würden: sie hätten es fall, sich grundlos beschimpfen zu lassen. De.' Antrag Ohuch wlrde dann gegen die Stimmen von Kon,- munisten und Sozialdemokraten abgelehnt. Es gibt offenbar außer dem Stadtrat Neüendorff noch manche merkwürdige Be- kämpfer der Korruption! '. �uhfladen-Siadtler. Die Strafkammer Halle verhandelte als Be- rufungslnstanz gegen dm Schriftsteller und Verleger Dr. Stadllcr der gelegentlich einer Landbundoersammis-ng in Delitzsch die Staats- ordnung mit einem Kuhfladen verglichen hat und deshalb zu 300 M' Geldstrafe oerurteilt wurde. Das'Gericht hielt das Urteil der Vor. inftanz aufrecht. 1 Der Sejm für den Präsidenten. Drohungen der Minister. Warschau, 6. Dezember.(Gigeubericht.) Im Sejm wurde als erster Punkt ein Mißtrauens» antrag der Kommunisten gegen den Sejmmarschall Daszyuski behandelt. Ter Antrag wurde in Abwesenheit des kNegicrungsblocks. der die Borgänge vom ZI. Cl» tober von einer Tottderkomtnissio» untersucht haben m Ächte, vom gesamte Hause abgelehnt und Daszhnski eine Qvatiou bereitet. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung, dein Mißtrauens» a n t r o g der sechs Links- und Zentrumsgruppcn gegen die �tegierung. versuchte Finanzminister Matuszewski die Oppo� siiisnsre-dner vom Freitag zu widerlegen. In der Diskussion griff der ehemaliae Sozialist und gegenwärtige Regierungsonhünger P o neze k die Sozialisten an. weil sie sich von ausländischen Sozialisten in ihrem innerpolstischen Kampf unterstützen ließen. <5r verglich die polnischen Sozio listen mit der verräterischen Tarno. witzer Konföderation, die seinerzeit mit den Nachbarländern über die Teilung Polens verhandelt habe! Ministerpräsident S w i t o l s t i führt« als Argument gegen den Mißtraucnsantrag die„Unfähigkest" der Opposition an, die Regierung zu übernehmen. Außerdem könne auch die Macht Pil. i u d s k i S nicht ohne wcsterss übergangen werden. Mit er- bsbener Stimme..warnte" Switalski die Sozialisten des Auslandes vor einer Einmengung in die innenpolitischen Angelegenheiten lMens, auch im Interesse der polnischen Sozialisten.(An- kündigung von Repressalien!) Die Regierung danke nicht daran, die Presse- und Versammlung«. freihcil in vollem Umfange wieder herzustellen. chandelsminister K w i a t k o w s t i sagte, daß das gegenwärtige Rsgi-rungssystem entgegen allen Beschlüssen bestehen bleiben werde. Iustizminister Cur erklärte zu der von der Rechten aufgenommenen Affäre des verschwundenen Generals Zagorski, daß er den Staatsanwalt beauftragen werde, den betreffenden nationaldemokratischen Parlamentarier(d. i. der langjährige Senats- Marschall Dr. Tromposynski) in dieser Angelegenheit zu vernehmen oder gegen ihn vorzugehen, solls sein« Aussogen sich al, falsch er- weifen sollten. Der Innenminister SNadkowski beschuldigte verschiedene Oppositionsabgeordnete ehrenrühriger Talen, um auf diese Weise, dos brutale Vorgehen der Polizei zu rechtfertigen! Leidenschaftliche Proteste brausen durch den Saal. Wie es scheint, beabsichtigen die Regierung und ihre Anhänger, die Debatte über den Mißtrauensantrag möglichst lang« durch Obstruktionsreden hinanszuziehen. Oer Friedensschluß in Wien. Heute Verabschiedung. Dien, S. Dezember.(Eigenbericht.) Der Derfassungsausschuß hat die Berfassungsreform in der Fassung des Unterausschusies angenommen. In der Debatte erklärt« Dr. Danneberg(Soz.), daß die Sozialdemokraten gegen die ursprünglich« Dorlage den schärfsten Kampf führen mußten, weil darin Bestimmungen enthalten waren, die im Widerspruch zu den Forderungen der. Demokratie standen und einen Anschlag gegen die politisch« Stellung d«r Arbeiterklasse bedeuteten. Di« Borlage, wie sie in den Berhandlungen gestaltet wurde, ist zwar keineswegs befriedigend, immerhin aber enthält sie nichts, was vom Standpunkt der Sozialdemokratie aus als ge> sährlich bezeichnet werden kann. Bedauerlich ist, daß es nickst ge- lungen ist, zu einem Einverständnis über die Fragen der unmittel- baren Demokratie zu kommen. Am Sonnabend wird der Nationalrat über die Derfastung beraten und voraussichtlich noch am gleichen Tage das Gesetz erledigen.. <5hina-Oiktatur schwankt. Tschianglaischek wlll dem Sturz eutfiiehen. Tokio über London, 6. Dezember.(Eigenbericht.) Tschiangkaischek hat dem Nationalrat mitge- teilt, daß er zurückzutreten beabsichtige. Seine Re- gierungsmethoden haben die Stimmung gegen den Dik- tator schon seit längerer Zeit verschärft. Sein Rücktritt wird daher nicht als erstaunlich angeschen. Wie der europäische Vertreter des zentralen Exe» kntivkomitees der Knomintangpartei dem„Dailh Herald" mitteilt, ist mit dem Stur, der Rauking-Regiernng in jedem Augeitblick zu rechne«. Eine mehr links gerichtete Regierung scheine wahrscheinlich, die alle die Preß- und Versammlungsfreiheit einschränkende« Erlasse und die andere» Gewaltmaßnahmen der Rauking-Regiernng oofhebeu würde. Jjjrolsk'protokoll aebittisit. Rlukhen über Tokio. 6. Dezember. N a n k i n g hat da» Protokoll über die Vereinbarung gebilligt. die in Nikolsk zwischen den Delegierten Sowjetrußlonds und der Mandschurei zur Regelung des Ostbahnkonflilts erzielt wurde. Oie Arbeiierpartei wieder einig. Der Arbeitsilosenlonflitt beigelegt. London, K. Dezember.(Eigenbericht.) DI« Fraktionssitzung der Arbeiterpartei hat beschlossen, alles zu tun. damit die geplante Arbeitslosenunterstützung noch vor Weihnachten Gesetzeskraft erhält. Es ist onzunohmen. daß eine Reihe Ergänzimgs. und Aenderungsanträge, die von Gewerk- fci-aftrrn der Latour Party beaMragt worden sind— Reduzierung der Wartezeit von 6 auf 3 Tag«— zurückgezogen werden. Schatz- kanzler Snowden erklärte, daß die Staatskasse größere Beiträge als die oorgeschtagemn nicht leisten kann. Der gegenwärtig vor- gesehene Beitrag des Staates sei der größte, dxn der Staat jemals für Arbestslojenunterstützung gewährt habe. In, nächsten Jahre stehen neu« parlamentarische Kämpfe über dieses Problem bevor. Die Regierung wird Anträge einbringen, di« u. a.«ne klar« Scheidung zwischen der Arbeitslosen Versicherung und den Stoatsmohnahmen zur Unterstützung der Arbeitslosen bewirken. Kluge Voraussicht. Schacht:»Hier werden sie, scheint es, bald einen neuen Diktator brauchen. Zur Sicherheit werde ich meine Karte abgeben!" Diskussion über Koalitionspolitik. Lluter den französischen Sozialisten. Paris, 6. Dezember.(Eigenbericht.) Das sozialistische„P o p u l a i r e" hat am Frestag ein« Sonderausgabe zur Vorbereitung des Januar- Parteitages veröffentlicht. Im Leitartikel dieser Nummer gibt L6on Blum noch einmal einen historischen lieberblick über die bisherige Haltung der Partei. Dabei verwahrt er sich vor allem da- gegen, daß man die große Gestall Ja u res ständig als Krön- zeugen für die Beteiligung heranziehe. Iaures hob« niemals den negativen Entscheid des Parteitages, der jede ministerielle Beteili- gung verboten habe, kritisiert. Auch von dem Wort des Reichs- kanzlers Müller, daß, wenn Iaures im Jahre 1914 in der Regierung gesessen hätte, der Krieg nicht ausgebrochen wäre, mache man einen falschen Gehxauch.,.� Rüster..habe damit nicht sagen wollen und können, baß die französisch« Regierung durch Toten oder Unterlassungen den Kriegsausbruch beschleunigt Hobe, denn das hieße Frankreich direkt an dem Kriegsausbruch schuldig erklären. Leon Blum betont sodann, daß die P arteido ktrin die Setelligung an der. Regierung„nur in außergewöhnlichen Fällen zulasse. Ein. solcher Fall aber sei bei dem„offenen und ehrenvollen" Angebot des radikalen Parteiführers Daladier während der letzten Krise nicht gegeben gewesen. Gewiß habe ' Daladier eine gleichmäßige Teilung der wichtigsten Ministerposten zwischen Radikalen und Sozialisten angeboten. Vorher aber habe er die beiden Hauptposten, Miniiterpräsidentschast und Außen- Ministerium für sich selbst und Briand mit Beschlag belegt. Wenn man auf den Antrag Daladicrs eingegangen wäre, hätte man aus der Regierungsbeteiligung nicht eine Ausnahm«, sondern eine Gewohnheit gemacht. Die Sozialistische Partei sei ober mehr als eine nur rein parlamentarische Partei. Sie hätte ihren tiefsten Daseinszweck, ihren klasienkampscharokler. ihre revoluNonäre Ausgaben verraten, wenn sie sich„sozusagen bürgerlich zahm" mit den Radikalen auf eine Regisrungsbank gesetzt hätte. In diesem Falle wäre es logischer gewesen, sich gleich mit den Radikalen zu fusionieren. In. scharfem Gegensatz zu den ausgesprochenen sachlichen, bewußt doktrinären Ausführungen Läon Blums steht ein rein polemischer Artikel des Parteisekretärs von Paul Aaure. Faures geht soweit zu erklären, daß„niemand in der Partei das Angebot Daladiers ernst genommen habe". Man habe lediglich darüber diskutiert»„w i e man am besten inst ihm brechen könne". Daladier habe den Sozialisten lediglich eine Falle gestellt. Niemals werde man in der augenblicklichen Kammer eine Linksmehrheit finden. Bon einer Beteiligung an der Regisrungsgewalt habe unter solchen Umständen keine Rede sein können. Als Sprecher der entgegengesetzten Richtung tritt in erster Linie der Abgeordnet« Paul Poucour auf. Der Parteitag solle über«in vollkommen ver» altete? Thema diskutieren, beginnt er seine Ausführungen. Es Handel« sich gar nicht mehr um die„Beteiligung"- es handelt sich heute schon um die„Teilung" der Regierung. Es geh« iaher nicht an, daß man die lebende Tätigkeit der Partei „unker dem Grabstew der Entschließungen begrabe". Bor der neuen Situation, von der Teilung der Regierung unter den beiden mächtigsten Linksparteien in Frank- reich brauch« man neu« Richtlinien, ein« neue Taktik, einen neuen Geist.„Sollte ein« revolutionär« Partei sich fürchten, sich selbst zu revolutionieren?" Wenn man die Teilung nicht walle. wolle man dann etwa die Regierung ganz allein an sich reißen? Niemand in der Partei hohe bisher diesen„unehrlichen, nur von den Kommunisten propagierten Bluff" angeraten. Man dürfe sich aber nicht hinter eine unfruchtbare Negation verschanzen und in trauriger Resignation abwarten. Die Radikale Partei, die sich auf«ine breite, kleinbürgerlich« Schicht stütz«, werde so schnell von der Sozialistischen Partei nicht aufgesogen werden können. Das Proletariat aber, das feine Not täglich auf den Nägel brennen fühle, könne nicht warten. Es verlange heute schon Taten zu sehen. *. Die französische Partei führt gegenwärtig eine Dis- kussion über eine Streitfrage, die in fast allen Parteien der Internationale l ä n g st entschieden ist. Bei aller Sym- pathie, die wir dem mutigen und hochbegabten Führer der Parlamentsfraktion L 6 o n Blum entgegenbringen» muß aber doch gesagt werden, daß seine doktrinären Argumente zum schärf st en Widerspruch herausfordern, ins- besondere dort, wo er generell unterstellt, daß der Sozialis- mus durch Koalitionspolitik„seinen tiefsten Daseinszweck, seinen Klassenkampfcharakter, seine revolutionären Aufgaben .verrat e". Hot sich Genosse L�on Blum überlegt, daß diese Argumentation eine zwar nicht beabsichtigte, aber objektive Beleidigung der meisten übrigen Par» teien der Internationale enthält? Rur die Ge- wihhcit, daß heutzutage überhaupt niemand mehr in der deutschen Sozialdemokratie, auch wenn er sich zum Pro- blem der Koalitionspolitik noch so kritisch verhält, mit solchen längst überholten Redensarten operiert, entbindet uns der Notwendigkeit einer schärferen Zurück- Weisung. Vielleicht wäre die Stellung unserer führenden Genossen in Frankreich zu ollen diesen Fragen eine ander«, wenn sie auch nur annähernd in gleichem Maße wie die deutsche Sozialdemokratie überragend eme Arbeiter- Partei wären. Darin liegt wohl auch der Schlüssel zu der recht sonderbaren Bemerkung Blums, daß es logischer wäre, sich mit den Radikalen zu verschmelzen, als sich mit ihnen bloß auf eine Regierungsbank zu setzen. Auf diese „Logik" ist jedenfalls weder in Deutschland, noch in Belgien, noch in Dänemark, noch in der Tschechoslowakei, noch in der Schweiz usw. jemals ein Sozialdemokrat gekommen. Blum spielt ferner auf eine Aeußerung des Genossen Hermann Müller an, die namentlich von Pierre Renaudel in letzter Zeit wiederholt zitiert worden ist. Es handelt sich um die letzten Sätze der Rede Müllers auf dem Magdeburger Parteitag. Sie lauten wörtlich: „Krieg entsteht nicht von heute auf morgen. Krieg rechtzeitig zu oerhindern, ist Aufgabe der Politik. Viel- leicht wäre der Weltkrieg von 1914 nicht ausgebrochen, wenn zwei voraussehnngen erfüllt gewesen wären: wenn erstens der Beschluß des internationalen Kongresses von Amsterdam Jane«» nicht verhindert hätte, in di« französisch« Regierung zu gehen, und wenn zweitens der Obrigkeitsstoal in Deutschland nicht die deutsche Sozial- demokroli« verhindert hätte, in die Regierung zu gehen.(Beifall.) Parteigenossin! Wenn Sie in Zukunft Kriege verhindern wollen, werden Sie die Krieg« nicht dadurch verhindern, daß si« dauernd die bürgerlichen Parteien allein regieren lassen, sondern indem sie den Einfluß der Sozialdemokratie auf die Politik, insbesondere auf di« Friedenspolitik, soviel als mög» lich sichern"(Lebhafter Beifall.) Der Sinn dieses Ausspruchs ist ganz eindeutig und es will scheinen, daß Renaudel durchaus berechtigt ist, sich für die Propagierung seiner Auffassung auf ihn zu b-- rufen. Eine Aufrollung der Kriegsschuldfrage als solcher hat Hermann Müller damit bestimmt nicht beabsichtigt. Aber will LHon Blum bei dieser Gelegenheit etwa bestreiten, daß die französische Politik, namentlich zwischen 1912 und 1914 eine ganz andere gewesen wäre, wenn sie weniger unter dem Einfluß von P o i n c a r 6 und mehr unter dem Einfluß von Jaürös gestanden hätte/ und daß dann die Aussichten des Kriegsausbruches wesentlich geringer gewesen wären? � Die Auseinandersetzung mit den überraschenden Be- hauptungen des Genossen Faurc über das Angebot Dala- diers können wir unseren französischen Genossen überlassen. Sonderbar ist freilich, daß die sozialistische Kammerfraktian e i n st i m m i-g Daladier ihren D a n k für sein Angebot und seine Bemühungen ausgesprochen hat. Danksagung für eine „Falle"— und obendrein nachträgliches Angebot der Unti-r- stützung von außen— soll das die neueste Form sein, in der man den„reinen Klassenkampf" führt und„revolutionär Aufgaben" erfüllt? Bankrott der Scharfmacher. ttnternehmerbolschewismus in der Praxis. Der Deutsche T«xtilarbeit«rv«rband hat di« Aus- sperrung in der schlesischen Textilindustrie im Frühjahr dieses Jahres in einer längeren Abhandlung sozusagen alten m äffig dargestellt und in Broschürensorm(Preis 2 M.) erscheinen lassen. Der Zweck der Darstellung ist neben der Beleuch- tung der überaus widerspruchsvollen Haltung der Arbeitgeber vor ollem die Klarleguug der gewers chaftspolitischen B e- d e u t u n g der Aussperrung. Der organische Zusammenschluß der Unternehmer- verbände, der nach der Inflation immer stärker /«insetzt, hatte. wie im Vorwort der Broschüre hervorgehoben wird, eine völlige Umstellung der Textilarbeiteroerbände in der Führung ihrer Lohn- und Tarifbcwegungen zur Folge. Die früher van den einzelnen Arbeitzeberverbänden bezirklich selbständig ge- führten Lohn- und Tarifbcwcgungen wurden in den letzten Ilchren nur noch unter zentraler Leitung begonnen und durchgefochten. Dazu kam di« sogenannte„Notgemeinschasl", d. h. der zentrale Streikfonds der Textilunternehnier. Heute erstreckt sich di« Tätigtest der Spitzenorganisation bereits aus die Führung zen- traler schwarzen Listen. Dieser Prozeß konnte aber nichts daran ändern, daß die inneren wirtschaftlichen Interessengegensätze der einzelnen Textil Unternehmer sowie der einzelnen Unternehmcrverbände bestehen blieben. So fand bereits die von der Spitzenovganisation angeordnete Aussperrung in Düren und München-Gladbach— von der äußeren Fassade abgesehen— keine innere einheitliche Arbeitgeber- front. Aehnlich stand es bei der Aussperrung im sächsisch- thüringischen Bezirk. Die von der Spitzenorganisation an- geordnet« Sympathieaussperrung in der Lausitz führte zur Spaltung des dortigen 2lrbeitgeberoerbandes, da ein Teil der Unternehmer den Aussperrungswahnsinn der Spitze nicht mitmachen wollte. Auch die schlesifche Aussperrung war eine Folge des M a ch t d ü n k e l s der Spitzenorganisation der Unternehmer und mußte infolgedessen zusammenbrechen. Dieser Unternehmerbolschewismus der„Kampsverbreiterung" ist ja nicht auf die Textstindustrie beschränkt geblieben. Besonders in der Schwerindustrie bildeten die Unternehmer sich ein, mit Mgssenaussperrungen, wie im Herbst des Vorjahres im Rlchrgebiet, die Gewerkschaften schachmatt zu setzen. Aber abgesehen davon, daß bei solchen Massenstillegungen die Unternehmer mindestens ebensoviel riskieren wie die Gewerkschaften, greift heute die Staatsmacht in solchen Fällen ein, und zwar nicht zugunsten der Unternehmer. Daher auch das Geschrei der Unternehmer gegen den staatlichen „Schli chtungszwang". Dieses Geschrei wird erst eine gewisse Ueberzeugungskrast ge- Winnen, sobald die Unternehmer selbst 1. auf die Anrufung der Schlichtungsinstanzen in jedem Fall verzichten werden und 2. es stets unterlassen werden, die Verbindlichkeit eines ihnen angenehmen Schiedsspruches zu beantragen. Aber gegen den „Schiichtungszwang� schreien und ihn selbst in Anspruch nehmen, sind unvereinbare Gegensätze. Die Broschüre des Deutschen Textil- arbesterveibandes hat das Verdienst, den Bankrott der Scharsmacher ins rechte Licht zu rücken. Llnternehmer gegen Reichsiag. Sozialpolitik für GkoßverSiener. Die Spitzenverbändc der Arbeitcrorgonisotionen veröffentlichen, veranlaßt durch die Nachricht, daß der Rcichsorbestsminister eine Borlag« vorbereit«, wonach zur Beseitigung des Defizits in der Reichscmstalt eine Hcranfsetzung der Beiträge um % Proz. beabsichtigt sei, eine gemeinschaftliche Kundgebung. Die Erklärung beziffert für die kritischen Monate Januar bis März die Mehreinnahmen aus der jetzt vorgeschlagenen Beitragserhöhung auf höchstens 50 Millionen Mark. Es bleibe demgegenüber immer noch t.ein ungedeckter Mehrbedarf von etwa 2Sg Millionen Mark. Außer- dsm liege noch aus früherer Zest eine Schuldenlast der Reichsanstolt von 350 Millionen Mark dem Reich gegenüber vor. Die Erklärung erinnert daran, daß die Arbeitgeberverbände immer wi«der ge- drängt hätten, rechtzeitig, d. h. vor Jahresfrist, eine„Sanierung" der Reichsonstalt im Interesse der Erhaltung ihrer„notwendigen" Leistungen, wie sie di« Untern« Inner auffassen, durchzuführen. Mit um so größerem Recht und Nachdruck müßten sie sich aber bei dieser Sachloge schon jetzt dagegen verwahren, daß aus einem Einzelgebiet erhöht« Leistungen verlangt werden sollen, die im wirtschaftlichen Ergebnis einer Steuere chöhung zu Lasten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleich kämen. Die Unternshmerverbände wollen dem Reichstag ihren Willen aufzwingen, di« Unterstützungen der Arbeitslosen- Versicherung noch mehr abzubauen, die Anwartschaften zu verlängern usw. Wer trägt die Schuld an der großen Arbeitslosigkeit? Die„Wirtschaft" blüht und gedeiht. Daß die Soziallasten die Kon- kurrenzfähigkest nicht bedrohen, dafür zeugt die wachsende Aus- fuhr der Fertigfabrikate. Di« Rationalisierung, verbunden mit der infolge xiedriger Löhne mangelnden Kaufkraft, schließlich die angesichts der gesteigerten Produktivität viel zu lang« Ar- b e i t s z e i t sind die Ursachen der ungeheuren Arbeitslosigkeit. Es ist also die Schuld der Unternehmer, wenn die Reichs- anstalt mit den Beiträgen nicht auskommt. Mögen die Unternehmer, wenn sie die Soziallasten verringern wollen, die Arbeitszeit ver- kürzen und die Löhne erhöhen! Rationalisieren auf Kosten der Arbeiter, den Arbeitslosen dann auch noch di« kargen Unterstützungen beschneiden, das ist eine„Sozialpolitik" zugunsten der Groß- Verdiener. Wie sich die KpO. die Arbeiter vorstellt. llnv was sie ihnen zumutet. Die KPD. verbreitet durch ihr«„Zellen" sogenannte„Betriebszeitungen", die in dem Geist und Ton gehalten sind, auf den Moskau die deutsche Zlrbeiterklasse herabziehen möchte. Oft be- kommen wir diese Sudelblätter von entrüsteten Arbeitern zugeschickt, mit dem Ersuchen, die Arbeiterschaft gegen diese Schmierereien in Schutz zu nehmen. Es gibt ein Niveau, unter dos mau nicht her- untersteigen darf. Ausnahmsweise geben wir heute eine kleine Kostprob«. Da gibt es einen sogenannten„Garbaiy-Prolet", für den allerdings nicht einmal ein durch die Immunität geschützter kommunistischer Abgeordneter verantwortlich zu zeichnen wagt. Am Kopf der Sudel- schrift steht:„Berantwort: det möchste fern wissen." Der oder die Feiglinge, die nicht einmal für ihre Schmierereien gerade stehen,! schreiben aber, nachdem sie in der bekannten Weise Urteilslosen vorzuschwindeln versuchen, der„Vorwärts" Hab« die kommunistischen Wähler so beschimpft, wie die kommunistische Presse tagtäglich Sozialdemokraten beschimpft: „Also nun hin zur„Dorwärtzredaktion" und holt euch die Belohnung. Wir raten euch aber, nehmt euch einen anständigen Knüppel mit. Mann kann nie Wissen. Denn Arbeiter sind in der„Vorwärtzredaktion" selteuhctt." Natürlich denkt niemand im Karl-Liebknecht-Haus, wo die Sudelei hergestellt wurde, daran, auf di« von uns ausgesetzte Be- lohnung Anspruch zu erheben. Andere zu Gewalttaten aufhetzen, das ist„bolschewistische Art". Wie niedrig man in der KPD. die Arbeiter einschätzt, dafür zeugt auch das besondere„Deutsch" der Sudelei. Genau so wurden unter dem Sozialistengesetz die Arbeiter von ihren Feinden dar- gestellt: als halbe Analphabeten und Rowdys. Heute die Arbeiter noch so verächtlich zu machen, das wagt man nur noch in der KPD. Wiaterbeihilfe in Brauuschweig. Zur Sozialrentner und Ausgesteuerte. Der Braunschweigifche Landtag hat auch in tneiem Jahr wieder eine W i n t e r b e i h i l f e für die in ergänzender Für- sorge stehenden Sozialrentner, Kleinrentner und A Ii s g« st e u e r t e beschlossen. Es werden für den Honptunter- siützungsompfänger 15 M., für die Ehefrau 10 und für jedes Kind 7 M. gezahlt. Die Beihilfe kommt n o ch v o r Weihnachten zur Auszahlung. In den Genuß dieser Unterstützung kommen etwa 15 000 Hauptunterftützungsempfänger, 5000 Frauen unid 3000 Kinder. Di« Hilfsaktion kostet rmid 300 000 M. Die sozialistische braunschweigifche Negierung hat mit ihrer Wintsrbeihiifs gezeigt, daß sie bestrebt ist, im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten das Elend der Notleidenden nach Kräften ZU mildern. Am Mittwoch hat's geregnet. Die Revolutionierung mußte vertagt werden. Bei der Firma Richard Bosse, Wiener Straße, Telephonfabrik, sollt« di« Revolution ebenfalls einsetzen. Am Mittwoch, dem 4. Dezember, wurden Einladungen verteilt von der revolutionären Opposition zu einer revolutionären Versammlung am gleichen Tag«. Wir haben festgestellt, daß von der etwa 600 Personen starken Belegschaft zwei Prozent anwesend waren. Sozialpolitik in Frankreich. Krankenversicherung wird endlich eingesührt. Paris, 6. Dezember.(Eigenbericht.) Die Entscheidungsschlacht um das neue große Sozial- oerficherungsgefetz in Frankreich hat begonnen. Arbeits- minister L o u ch e u r hat den ersten Schuß getan. Er hat vor der Sozialkommsssion des Senats einen ausführlichen Bortrag gehalten über die„Berichtigungsnovellc", die vor dem Inkrasttreten des Gesetzes noch genehmigt werden muß. Cr hat damit gleich einen derartigen Erfolg zu ver, zeichnen gehabt, daß die Durchdringung des Gesetzes wenigstens im Senat gesichert zu sein scheint. Entgegen seinen früheren Abänderungsanträgen hat Loucheur vorgeschlagen, daß gleich vom ersten Tage an die Beitrags- I eistun gen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer zur Versicherung auf einen endgültigen Satz von je 4 Proz. festgesetzt wer- den, daß also jede Uebergangsstasfelung in Fortfall kommt Weiter sollen, um allzu große Erhebungen und Kontrollen zu oermeiden, nicht die genauen Lohnbeträge als Grundlage für die Beitrags- leistung angenommen werden. Die Beiträge werden vielmehr nach fünf Kategorien gestasfelt, und zwar für Lohneinkommen l. bis 15 Franken, 2. bis 20 Fron- ken, 3. bis 30 Franken, 4. bis 35 Franken und 5. bis 40 Franken pro Tag(1 Frank— 16 Pf.). Jeder Versicherte erhält ein Buch ausgehändigt, worin die Beitragsmarken einzukleben sind. Trotzdem Loucheur di« Anfangszahl derVcrsicherten auf mindestens 1,2 Millionen schätzt«, erklärte er sich bereit, auf die Einrichtung besonderer Prooinzialocrsicherungsänüer zu ver- zichten. Gegen dies« Prooinzämter hätte sich eine schwere Oppo- sition geltend gemacht, weil für sie kostspielige Verwaltungsgebäude ' hätten angekauft werden müssen. Die nötigen Kontrollorgane in den Provinzen fallen jeweils in der Präfektur untergebracht werden. Weiter berichtete Loucheur, daß er sich in direkten VerHand- lungen mit der Aerzteschast völlig geeinigt habe. Auf die Schaffung amtlicher Krankentassenärzte werde verzichtet, dazu aber sei noch vereinbart worden, daß jeder Kranke sich seinen Arzt nach Belieben auswählen und der Arzt seine Rech- nung ebenfalls ohne Rücksicht auf irgendwelche amtlichen Tarife festsetzen dürfe. Uebersteige aber die Arztrechnung den von der Kasse festgesetzten N o r m a l s a tz, dann müsse der Kranke die Differenz trage». Selbstverständlich müßten sich Arzt und Patient bei Beginn der Behandlung über die Honorarsätze einigen. Im Falle von Konflikten entscheide ein Schiedsgericht, in dem der Borstand der Verflcherungsorgcnisation und der Vorstand der Aerztekammcr pari- tätiich vertreten seien. Zum Schluß gab der Minister der Hoffnung Ausdruck, daß das Gesetz mit den neuen Abänderungen ohne weitere Schwierigkeiten von dem Parlament genehmigt werde. Es sei Ehrenpflicht des Parlaments, die Reform pünktlich am 5. Februar 1930 in Kraft zu setzen. Es gehe nickst an, daß man diese humanitäre Reform, die das Parlament kurz vor den Wahlen der Ar- bcitnehmerschaft einstimmig gewährt habe, nachiräglich wieder zerschlag«._ Die benachteiligten Landarbeiter. Sie werden um einen Teil der ilafallrettte betrogen. Der Deutsche Landarbeiteroerband hat zur B«. seitigung des Unrechtes, das fett Jahr und Tag gegenüber den Landarbeitern bei der Berechnung der Unfallren- t e n verübt wird, einen neuen Vorstoß unternommen. Er macht Regierung und Reichstag darauf aufmerksam, daß sie dieses Unrecht nicht länger dulden dürfen. Das Unrecht liegt darin, daß bei den gewerblichen und industriellen Arbestern di« Berechnung der Unfall- renten unter Zugrundelegung des Entgelts erfolgt, das sie während des letzten Jahres bezogen hoben. Anders bei den Land- und Forstarbeitern. Bei ihnen kommt als Berechnungsgrundlage nicht der tatsächliche Verdienst, sondern ein sogenannter durchschnittlicher Iahresorbeitsver- dienst in Ansatz, der beträchtlich unter dem wirklichen Verdienst liegt. Die Differenz betrögt in Ostpreußen 277 M.. Hannover 112, Brandenburg 282, Provinz Sachsen 134, Mecklenburg-Schwerin 276, Schleswig-Holftein 133 und in Pommern 434 IN. Dabei ist als Ein- kommen nur der Barlohn und dos Deputat gerechnet-, die Mehrverdienste durch Akkordarbeit und die Sondcroergünstigungen sind nicht in Anrechnung gebracht. Je ungünstiger die Berechnungsgrundlage, desto niedriger die U n f o l l r e n t e. Ein oerletzter Landarbester, der völlig arbeits- unfähig wurde, erhält z. B. in Pommern heute 540 M. pro Jahr. Würde die Berechnung der Rente unter Zugrundelegung des wirk- lichcn Verdienstes erfolgen, dann käme er auf 830 M. Dem Pommer- schen Landarbeiter werden also fast 300 M. pro Jahr vor- enthalten. In Mecklenburg gehen dem arbestsunsähig ge- wordenen Landarbeiter pro Jahr 184 M., in Brandenburg 178 und in Oberbayern 224 M. verloren. Regierung und Reichstag müssen diesem groben Unfug ein Ende machen._ Kolonialkuliur. Prügelstrafe gegen Arbeiter. Sondern. 6. Dezember.(Eigenbericht.) Das neue Gesetz, das das Verhältnis zwischen Anbeigeber und Arbeitnehmer in Transvaal und Natal regeln soll, sieht u. o. vor, daß Uebertretungen der Bestimmungen mit körperlicher Züchtigung bis zu S hieben bestrafl werden können. Daneben sind auch andere Strafen vorgesehen. Verkehrsfireik in Aihen. Der in der griechischen Hauptstadt angekündigte Vertehrsstreik hat begonnein Die Regierung hat umfangreiche Sicherhsitsmaß- nahmen getroffen, so unter anderem das Berfa mmlungs- verbot ergehen lassen urd starte Polizeiaufgebote zu- sammengezogen. Bisher sind noch keine Zusammcnftöß« vorgekommen. Auch glaubt die Regierung, dem drohenden General- streik gewochsen zu sein. Zollbeamienstreik auf Haiti. Infolge von Angriffen streikender Zollbeamter ist vom Kam- Mandanten der amerikanischen Marinesoldaten in Haiti der Belagerungszustand über P o r t- au- P r i n c e verhängt worden. 36 Personen sind im Zusammenhang mit Unruben wäh- rend des Streiks von der Polizei, die durch amerikanische� Marine- soldaten verstärkt wurde, oerhaftet worden. Belriebsräke des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands. ,,"ü.1*1. lcho» an»antaq,» Tetembtr. Freie Gewerkschafts»Lugend Verlin. S8"**' Sonnabend, fblflenb« BeranIIalwnaen: Nchtung, Sprech- und «-weaunftrch-r! um 19 Ubr Prob? de» Chorwerks für die . Biirtmomtcnwrniis im Iu«cndheiin des Deutschen Derkehrsbundes, Kewerkschaft-Hau». Cnfltlmer 24-25, Susann« B. park.-«chtvna. Rädel»! M-rarn. Connloa. 8 Djnmbct, um 9 Uhr. Mädchenkursu» Im Iugendiieim des Deutschen Derkehrsbundes. Gewerkschaft»!»-»». Enaelnfer 24—25.«»s. S�rti" berufstätiae verheiratete grau." Referentm Maraarete f Beran, wörtlich für Ddlitik: Dr. Carl Geyer: Wirtschaft:«.»liyyclhölee: Eewerksch-s,»beweguns: 2. Steiner: ffeuilleion:«.». Do scher: Lokale» und Sonfliqe»:«ri»»arstädt: An,eioen: Th.«l-ile: sämtlich in Berlin. Berlaa: �oewarts-Berlag G. m. b. H. Berlin Druck: Borwärts-Buchdruckeret un* Berlaasanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SD 6«. Linden ftrake S. dicrsto I Beilage unb.Uuterhaltuaa und©iffen*. 5/5 5£(N£ SACHEN IMM5/}'./ADM/ Drei wichtige Gründe:|»|/ Q Sie waschen leichter, rascher and schonender.* O © ÜMse-m Sie reinigen gründlicher und hygienischem Sie haben im Nu eine prächtig schäumende lauge. Die führenden Teaiil-Fabrikantcn empfehlen das lauwarme Waschen mit Lux Seifenflocken. NIEMALS LOSE 4 NU« ECHT IN DEM 0 BLAUEN LUXFAKET� Normalpackung SO Pfg. Doppelgrosse Packung< 90 Pfg. ' LUX mi IMFLDCKEN SUNLICHT GESELLSCHAFT A.C. MANNHEIM« Nr. 67Z» 46. Jahrgang Sonnabend. 7. Dezember i 929 8lem ein velvnnvnisi' m Gepicht? neue Uflitorsprflche im Hirschberger Prczefi.- Die zeugen sagen aus. hirschbsrg, 6. Dczn'.'bcr.(gigenbtridjt.) Em eigenartiger ZZrozeh, der rsgenartigsie, den man je in einem Gerühlssaal erlebt hat. Tin Menjch steht vor seinen Richtern unter der Anklage der sahrlössigen Tötung. Der Vorsihende kou»en'.ricrl seine ganze �ragekunst aus den einen Punkt: tag nicht etwa Mord vor? Cr bemüht sich nicht, den Grad der Fahrlässigkeit festzustellen, nein, er erwägt olle mö.glichcn Motive für einen Datermord. Er gibt gewissennaszen durch diese Prozefzsühr'ivg kund, daß der dringende Mordverdacht vorliegt. Weshalb, frag« sich der erstaunte Zuhörer, ist deun nicht eine Anklage auf Mord erhoben worden, und weshalb wird nicht vor dem Schwurgericht, sondern vor dem Schöffengericht verhandelt, hol man je er- lebt, daß ein einfacher Arbeiter wegen Fahrlässigkeit angeklagt wurde, während Mordverdacht vorhanden war. Es wöT im Falle Stciberg noch immer Zeit gewesen, im Gerichtsaol aus Fahrlässigkeil zu erkennen. Ratürliä) traut die Schwester dem Rrvder einen Dakermord nicht zu. Auch sämtliche Angestellten der gräslichen Familie trauen ihm eine derartige Tat nicht zu. Zhre Bekundungen sollen oder so gleichv.'.ähig aus, daß der Vorsitzende an den Verwaltungsdirektor Gombert die Frage richtet: haben Sie sich nicht j etwa alle verabredet, eine und dieselbe Aussage zu machen? Gombert, der semerzeil erklärt hat, die Außentür sei offen gewesen. — ein äußerst wichtiger Umstand, da er die Vermutung zuläßt, «Lhriskion hob« jemand hsreiogelasjen— sagt nur. die Tür sei zwar »ichi verschlossen, aber eingeNinkk gewesen. Auch will er nichts mehr von irgendwelchen Motiven, wie Habgier, für einen evenwellen Vater- mord wifien. Die Zeugenvernehmung hat aber erst begonnen. Roch find die Sriminolbcamlcn nicht zu Morle gekommen. Der Lokallermin. wie ergreifend er ave Haustür geöffnet hat, die öfter verschlossen worden war. Sic sind etwa zehnmal vernommen worden, aber jedesmal haben Sie etwas anderes gesagt. Fest steht, dah die Tür, die von der Leutetoilette ins Freie führt, um 8 Uhr abends geschlossen war Welche Er» kfärung geben Sic heute, warum die Tür geöffnet war? Sehen Si? nicht ein. daß diese Talsache Sie sehr belastet und man sagen kann, Sie haben ganz kühl nach einem wohlüberlegten Plan gehandelt? Angekl.(leise): Ja. Ich wollte abends noch dein Arbeiter Rose, der unsere Sachen putzt und der mich gefragt halte, ob er meine Stiesel putzen sollte, meine braunen, langschästigen Stiefel bringen und öffnete deshalb dieie Tür, die in den.Hof ging. Vors.: Rose bestreitet, mit Ihnen darüber gesprochen zu haben. Angekl.: Dann muß es ihm entfallen sein. Vor s.: Wer war mit Ihnen in der Rächt zusammen? An- geklagter: Meine Mutter und meine älteste S ch w c st e r. Vors.: Und wo? haben Sic m der Nacht besvrachen??lngckl.: Das weist ich nicht, vor f.: Haben Sie nicht gesogt: Ich habe Voter erschossen!?l n g e kl.: Nein, ich weist nur) dast 161 bei Tagesgrau cn aus dem Zimmer gegangen war. Als ich an dem Zimmer des Vaters vorbeikam, hatte ich den Eindruck: Es muß doch jetzt olles aufgeklärt werden Ich war aber immer noch mehr klar, ich meist nur, ich habe Mutter gebeten, mit mir zum S u p e r i n t« n- dcntcn zu gehen. Vors.: Sic sagten vorher, Sic hätten, als Sie nach der Tat ans dem Zimmer stürzten, sehr viel dummes Zeug geredet. Das war olles gar kein dummes Zeug. Ihre Behauptungen sollten viel- mehr In klarer Weise dazu dienen, den verdacht von Zhnen abzulenken. Damit war die V e r r e h m u.n g des A n a e? l a g t e n de- endet und der Vorsitzende eröffnete die Beweisaufnahme mit der Frau v. Ohnesorge, der Schwester Antrmic de; Angeklagten, die der Vorsitzende sehr ernst ermahnte, die volle Wahrheit zu sogen. Die Zeugin schilderte zunächst den Verlauf des 18. März und die Unterhaltung nach dem Zlbcndbrot im Wohn- -immer. Man habe über dos Buch:„Im Westen nichts Neues" ge- sprochen. Die Stimmung war wie immer sehr gemütlich. Vor f.; Gemütlich war es doch wohl erst, seit Onkel Karl au; dem Hause war. Was weiter? Zeugin: Um 3/jlO Uhr ging ich schlafen und las noch etwas. Gegen V-ll Uhr hörte ich ein dumpfes Geräusch. Ich horchte noch einen Moment und Hörle, dost die Haustür aufgerissen wurde. Da eiste ich ans Fenster meines Zimmers im ersten Stock und sah'. ni Mondschein m c i n c n V r u d e r auf der Erde liegen. Die Zeugin beginnt hier h a l! l 0 s zu weinen. Vors.: Haben Sie Ihrer Muiter nicht Ihren Verdacht bezüglich des Bruders mitgeteilt'3 Zeugin(weinend): Äch brachte Mutter zu dem Gärtner Stief und wir holten Christian ins Haus. Bor f.: Hat er unterwegs nicht gesagt: Die verfluchten Hunde, dos ist der Dank, jetzt haben sie ilzn umgebracht? Zeugin: Das habe ich nicht gehurt. Mutter und ich brachten Christian in mein Zimmer»nd legten ihn m mein Bett. Er bekam Herz- 0 n f ä l l e, dost wir dachten, es wäre, vorbei mit ihm. Vor s.: Hat Ihr Bruder angedeutet, daß er den Vater getötet habe? Zeugin: Nein. Vors.: In dieser Nacht hoben Ihre Mutter und Sie Briefe verbrannt. Zeugin: Ich nicht, ob Mutter dos getan hat,, weist ich nicht. Vors.: Sie haben ein schlechtes Gedächtnis, Sie haben früher gesagt, Ihre Mutter habe Briese- verbrannt, worum tat sie das? Zeugin: Die Frage fft für mich zu schwer. vors,(sehr eindringlich): Zbre Wultcr hotte doch Beziehungen zu Onkel Kurl, haben Sie. Zhre Mutter und Ihr Bruder nicht in der Rocht bosch'osseii, dos Wötchen von den Einbrechern weiterzufpinnen? Vors.: Ist es nicht denkbar, daß Ihre Muttsr Ihren Bruder angestiftet hat Denken Sie an Onkel Äarl. Zeugin: Nein. die Eltern lebten zuletzt ganz gut. Vors.: Oder bat der Bruder den Eedonken gehabt, der olle Mann ist übcrsiüssig und steht Mutter im Wege. Er paßt auch nicht mit(einer Leutseligkeit zum Fideikonmiißbesitzer. Dachie man vielleicht so in der Familie? Zeugin: Solche Gedanken lehne ich ab. Staatsanwalt: Ihre Wuller hat mir über das Verhältnis zu ihrem?Nann bewußt die Anwahrheil gefogl. Ich Hobe sestgestellt, dah in dem Zimmer Ihres Vaters«ine Schmutzwirtschaft erster Gute herrschte. Die Betten waren seit Monaten nicht bezogen Kümmerte sich Ihre Mutter gar nicht um Ihren Vater? Zeugin: Vater war am liebsten allein. Vors.:(zum Angeklagten): Haben Sie,"lnoc- klogtcr, nicht am Morgen nach der Tat dem Landrat mitgeteilt, daß Ihr Vater einem ungeklärten Unglücksfall zum Opfer gefallen sei? Angekl.: Jawohl. Vors.: Ans welchem Grunde sprachen Sie von einem„Unglück". Zlngckl.: Den Tip halle mir mein? Müller gegeben.(Graste B.'megiing.) Noch der Mittagspause wurde die Frau des Gärtners auf Schloß Jannowitz, Aalecka Stief. vernommen, zu der der i Angeklagte nach der Tat mit dem Ruf gestürzt war:„Hilfe, Hilfe, Einbrecher!" In der Wohnung der Zeugin ist der Angeklagte, den die Zeugin für betrunken hielt, ohmnächtig ge- worden. Beim Betreten der Wohnung wies er darauf hin, dast seine Kleidung zerrissen war Vors.: Glauben Sie. dast der Zlngeklagte seinen Vater ermordet hat?" Zeugin: Ausgeschlossen Der Eutsl-utslizcr Müller crklör.'c, daß der Angeklagte, 0 leer nach der Tot aus der Sticfschen Wohnung gekamen sei, gesagt habe: Die vcrsluöstcn Hunde, der Graf hat doch niemandem etwa; getan, nun haben ste ihn doch erschossen. De? weiteren meinte der Zeuge, dast er dem AngeNogten, der immer friedlich und ruhig ge- wesen sei, keinen Mord, geschweige einen Vatennord zutrau«. Unter allgemeiner Spannung wurde dann Güterdirekior Gombert, der Lester der Stolberaschen Besitzungen vernommen. Der Zeuge wohnt in dem Schloß und hörte am 18. Marz, abends 10![- Uhr, Htkfe- rufe. Kurz darauf habe Fräulein Tticf ihm öeineldct. dast in der Wohnung ihrer Eltern der Groi Christian im Sterben liege und daß er roch etwas sagen wolle. Der Zeuge eilte zunächst ins Rentamt und fand Gras Eberhard tot oui dem Soso sitzen. Dann habe er d.ie Türen abgeschlossen, um sür eine Untersuchung alle? sicherzu- stellen. Dann sei er mit Frau v. Ohnesorge in de Stiefschc Wohnung gegangen, wo er den?li'.g?klogten in schlliumer 25er- s 0 s s u n g ontrof. Der?lnget'Iaote war sehr bleich irnd qeistes- abwelenb. In seiner Rede siel mir die Erklärung auk: Man hat mich besoffen gemacht. Wo bin ich denn? Ich habe etwas onoestellt, weist aber nicht was. Soll denn al'e? znornnd« gehm. Ich tostte den Angeklagten an und sogte: Ja, wissen Si- denn nicht, dast Graf Eberhard tot ist. Darouf schrie er: Herr Direktor. S'c lüami mich Ki an. Antonie saae ihm doch, dast er lügt.— Vor s.: Wie er- klären Sic sich diese diink'e Erklärung? Zeuge: Ich halle soforl den verdacht, daß cr der Täter war und habe das auch sofort dem Sanikölsrol Panitz gestWk- (Bewegung.) Vor s.: Sic lzabcn der Gräfin die Nielduni) vom Tode ihres Gatten oemacht. War sie erschüttert oder schauspielerte sie nur? Zeuge: Ich hatte den Eindruck, als ob ihr Schmerz echt mor. Oder ste konnte sehr gut schausp-clern. Vor s.: Ist die Lage der Familie nach dem Tode des alten Grafen besser geworden oder schlechter. Zeuge: lliicht besser. Es wäre freilich anders gewor- den, wenn sie in jriiheren Jahren sparsamer gewirtschaitet hätten. Hierauf wurde die Sitzung geschlossen und das Gericht begab sich zum Lokaltermin nach Jannowitz. 6. Unter den Kranken, die zu Albert de Castro kamen, war ein junger Mann, der, nach seiner Lebensweise zu schließen, es darauf angelegt hatte, sich lim.zubringen oder, deutlich gesagt: sich umbringen zu lassen durch seine Torheiten, aus eine langsame Weise. Wenn cr Geld besaß, verspielte er es: wenn er begann, sich gesund zu fühlen, brachte er seinen Fundus an eroberter Kkaft in einer einzigen Nacht wieder durch. Er hatte sozusagen ein System von Schikanen, geistiger und physischer Art. mit welchem er jede Regung zu einem ver- nunstgcmaßen Leben in sich boykottierte. Und dabei war er von Natur ein vernünftiger Mensck)! Er wußte ganz klar. was in bezug auf ihn selber böse und gut war, und es ge- fchah wohl auch aus Gründen seiner Vernunft, daß cr immer wieder zu Albext de Castro kam.„Ich bin ein verrückter Menscht sagte er zu Doktor de Castro,„mir ist nicht zu helfen, bitte helfen Sie mir. Nein, ich bin kein verrückter Mensch", sagte er,„ich bin der einzige mit Vernunft, alle andern sind dumm."... Was sollte einer also mit solch einem Menschen beginnen? Ihm Ratschläge, sehr gute Ratschläge geben? Haha/ Wenn er allein war. tat er ja doch, was er wollte.„Wenn ich allein hin", sagte er...tu ich dock), was ich will: das heißt, eigentlich tu ich dann das, was ich nicht will Oder doch— ich tu« dann das. was ich will." Ke-n Menich in der Trfst also hätte mit ihm etwas anzufangen gewußt, seine Eltern am allerwenigsten, und sie beförderten ihn zum Hause hinaus, schickten ihm Geld, wie die Vflicht es verlangte und dachten mit Trauer: Ein verlorener Mensch.—„Meine Eltern haben ganz recht", sagte er.„ich bin ein gemeiner, scheußlicher Mensch, ein verlorener Menstst. zum Ausspucken bin ich— nein, ieb$11 der einzig reine Mensch auf der Welt, der e-nzig. saubere bin ieh. ja ich- Daß keiner dos glaubt, gebärt nichts dazu, ich weiß das und kenne mich selber am besten." Albert unterstützte ihn durchaus nicht mst Geld. Manch- I mal saß er mit ihm im Restaurant, und sie unterhielten sich Stunden, Stunden. Wenn der sungz Mensch in die Sprech- stunde kam. wartete cr von selber ab, bis olle Kranken ge- gangen waren, um als der letzte an die Reihe zu kommen. Dann konnte der Doktor sich mst ihm unterhalten, und er tat es gern, denn jo behandelte er ihn. Er hatte gleich das Wesen der Krankheit erkannt, und das war nun eben die typische Krankheit, die Krankheit der Jugend, ihn ihrer reinsten Form. Um dieser Krankheit willen war Albert Arzt auf seine besondere Weise geworden. Die Krankheit, an der dieser Junge litt, kannte Albert schon aus dem Kriege her, sie hotte sich dort entwickelt wie Verbrechen aus Hunger, wie aus Enttäuschung— Kaltschnäuzigkeit. Ja, diese Krankheit war die Kaltsehnäuzigkeit selber. Kaltschnäuzigkeit bei ver- schütteter Tiefe, Respektlosigkeit bei Anlage zur Ehrfurcht— mit einem Worte: Gottlosigkeit. Dem gottlosen Kranken er- schien es als letzter Trumpf der Noblesse, dieser Narrheit von Menschenkultur, welch letztere zwar existierte, über deren Ziel und Ende ober keine Gewißheit bestand, jene andere Narrheit der völligen Kulturlosigkeit entgegenzusetzen, die denn doch ab und zu einen Sinn verriet: in Augenblicken von Rausch und Ekstase. Aber wenn cr nach seinen glänzenden Siegen, die er über die Norrkieit der Menschenkultur errungen, blaß und entnervt zu Albert kam, dann wollte er wohl weiter nichts, als sich hinüberretten lassen zum Ufer, aus dem Chaos zu Gott.„Ich habe recht", sagte er.„ich geh unter, aber ich habe trotzdem recht." War es etwa einfach, ihm klarzu- machen, daß. wo er dermaßen sich selber quälte,«r doch im Unrecht mar?—„Aber Sie quälen sich nur", sagte Albert. „'eben S? das nicht ein?"—„Das ist meine Art von Protest", sagte er.„gegen die Narrheit, an Gott zu glauben." —„Woraus schließen Sie. daß dieser Glaube nur Narrheit ist?"—„Aus der Tatsache", sagte er,„dieses Kriegs..." Und Albert saß vor ihm und bewies ihm Gott. Eine Taubg, bla-.'bunt. flog am Fenster norb«i. gegenüber auf der Dachkant« l-cß sie sich nieder. Und Albert faß vr-r'hm und brw es ihm Gott. Die Flächen eine? Asroplanz gleißten hell durch die Luft. Und Albert saß ver ihm und bewies ihm Gott. Er ließ den Kranken die Arme beugen, daß die Muskeln sich hoben und schwollen von Kraft. Er.zeigte ihm Zukunft: er bemühte sich daß der Kranke endlich glauben sollt lernen, was er innerlich unanzweifelbar wußte. Und mit > diesem Bemühen um ein trotzig«-; Herz bewies er am besten. � und das wußte er selber nicht, Eo»t. So viel seur'ge Ueberzeugung konnte Albert an Tog legen, wo es aalt, das Lebendige im Leben stark und gesund zu erhalten. War das nun Liebe oder nicht? Aber wie kam es, daß in jeder der Unterhaltungen mit Irene ein Bruch von immer derselben Art das Gespräch ins Stocken brachte und zu einem schleppenden End« kommen ließ? Er härte doch zufrieden sein können, nicht wahr, denn Irene hatte in der Tat ihren Glaub.n. Vor gewissen Begriffen empfand sie eine Art von Ehrfurcht: wenn sie davon sprach oder auch nur hört», wurden ihre Augen streng und die Stirn verklärt, wie vom Anschauen einer Heiligkeit. Aber eben das, was ihr verchrensmert schien, machte auf ihn überhaupt keinen Eindruck: er geriet deswegen wahrhaftig nicht in Begeisterung. Das wurde ein richtiger Konflikt ihrer Ehe. Cr stand oll ihren Begriffen ganz anders gegenüber, eigentlich: er stand vielem davon überhaupt nicht gegsnüber.„Das ist Ver- gangenheit", sagte er dann, und für ihn war das also nicht da. Sie lernte es nie, im voraus.zu errechnen, wie er zu einer besonderen Frage wohl stehen würde. Mit der Zeit setzte sie all ihren Ideen gegenüber seine Ablehnung voraus. Sie fand das System n'ckt. obgleich er es ihr doch offen er- klärt«, nach dem er die Dinge des Lebens ergriff oder von sich wies. Sie wollte mstten im Winter nach Hohenau. In der Einsamkeit der Wälder Gott wieder zu finden! sagte Irene. Nun hätte er ihr ja einfach glauben können, daß diele Reife B»dürfnis war. Aber er versuehte, ihr Gott in der Stadt zu zeigen, und ihre Meinung, man fände ihn einzig in Wäldern und Fluren, erklärte er einfach für phrasenhaft.- Und ihre Antwort? Run sprach sie von Göttern. Aber das waren ehen solche Begriffe, die er bemsibt war, ihr abzunehmen. Sogar wegen der Götter stritten sie sich Er verlangte bei all ihren Worten die Vorstellung zu erfahren, die hint«r d«» Worten stand. Solche Vorstellung aber hotte sie n'cht. Er begriff, daß sie nie seine Wirklichkeit kennen lernte, solange sie nickst ihre Wirklichkeitssremdheit erkennte. Aber an ibr« � Ioe-a'e— sie nannte da? Ideale, ja— l'eß sie niem-md«,, tasten. Im Gegenteil. Sie verlangt«, daß auch«r daran glauben sollt«, glauben sollte ohne zu fragen. S;« be'aß Pietät nor Begriffen, die cr nicht einmal als Kind resprk- tiert hatte. lind sie reiste im Winter nach Hohenau Wessen Schuld mar dies alles?— Es ist meine Schuld, sagte Albert für sich, ich kannte sie nicht, ich liebte si« nur. als ich so heftig nach ihr begehrte. Ich glaubte«n l'e... und ich glaube noch. Ja, ich'glaube noch: ja. ich liebe sie. (Fortsetzung folgt.) Tetzners Geständnis. Er hat sein Opfer bei lebendigem Leibe verbrannt. Leipzig, K. Dezember. Der Abteilungsleiter im Leipziger Kriminalamt. Regierungsrat von Kriegern, der in«tratzburg das erste Verhör mit dem dort verhafteten Versicherungs- schwindler und Mörder Tctzner durchgeführt hat. ist nach Leipzig zurückgekehrt und hat seiner vorge' setzten Behörde über das trrgebnis seiner Vernehmung Bericht erstattet. lieber die Ausführung der Tat sagt« Tetzner, er sei am Abend des 21. November auf der Chaussee Regcnsburg— München von einem Wanderer angesprochen worden, der ihn gebeten habe, ihn nach München mitfahren zu lassen. Tctzner habe ihm die Cr- laubnis gegeben, zunächst ohne an die Tat zu denken. Während der Fahrt habe er seine geplanten Versicheruttgsbeirug neuerlich durchdacht. Cr sei zu der Erkenntnis gekommen, datz nun der richtige und nicht wiederkehrende Augenblick gekommen sei und habe aus der Strohe zwischen Etterzhausen und Mariaort, etwa 13 Kilo- meter von der nächsten Siedlung entfernt, den Wagen zum Stehen gebracht und vorgegeben, es sei ein Schaden am Motor eingetreten. Er habe den Wanderburschen veranlaßt, ruhig im Wagen sitzen zu bleiben. Lang« habe er an dem Fahr- zeug herumgearbeitet. Dann habe er aus einer Reservebenzinkanne Benzin in und auf den Wagen, insbesondere auf die Tritt- breiter, geschüttet, um dem Insassen nach erfolgter In- b r a n d setzung jede Möglichkeit zur Flucht zu neh- in e n. Er habe dann das Benzin in Brand gesteckt. Eine Explosion sei erfolgt, und er habe gesehen, wie die Flammen von der Kleidung feines Begle'iers Besitz crc-risfen hüllen. Dann sei er davongerannt. Er sei nach Regensburg gegangen und von dort nach München gefahren. Im Besitz eines Auslandspasses sei er schon gewesen. tArenzschwierigkeiten habe er nicht gehabt. Schon am 2. Dezember sei er in Paris gewesen, doch habe er sich dort nicht sicher gefühlt. Außerdem habe er nirgends etwas erfahren können, was über den „Unglücksfall' in der deutschen Presse geschrieben worden sei. Er sei dann nach Strahburg gefahren, da er glaubte, von dort mit seiner Frau unaufsällig telephonieren zu können. Cr habe sich als„Franelli" ausgegebcn. Wenn seine Frau diesen Namen hörte, habe sie gewußt, daß er selbst am Apparat sei Die Leipziger Kriminalpolizei ist dann, wie bekannt, vorgegan- gen und hat die Straßburger Polizei von der Anwesenheit des Tetzner in Kenntnis gesetzt. Als Tetzner das zweite Gespräch mit Leipzig anmeldete, konnte er festgenommen werden. Trauerspiel in einer Arbeiierfamilie. Selbstmord wezen verletzten Ehrgefühls. Eine furchtbare Ffamilientragödie ereig- ncte sich heute abend in der Stralauer Allee 23. Hier wohnt im Quergebäude im vierten Stockwerk der 47 Jahre alte Arbeiter Qtto M i l i tz mit seinen zwei Söhnen und seiner Ehefrau. Sein achtzehnjähriger Sohn hatte vor einigen Tage», einen Streit mit dem Bruder. Heute abend stellte der Vater Otto deswegen »ur Rede. Tiefer zog anscheinend aus gekränktem Ehrgefühl plötzlich eine Pistole und schoß sich in die rechte Schläfe. Schwer verletzt brach er zufammeu. Die Mutter war gerade in der Küche mit dem Abendbrot be- schästigt und all« versuchten, dem Sohn zu helfen. Ein Arzt wurde geruien und der Schwerverletzte ins Krankenhaus gebracht. Die A erste zweifeln an seinem Wiederaufkomnien. Während des Transportes ins Krankenhaus nahm der Vater, der alte Militz, die noch geladene Waffe vom Fußboden auf. Plötzlich ging wieder ein Schuß los und der alle Militz brach in die Brust ge- troffen lot zusammen. Ob er ebenfalls Selbstmord verübt hat, oder ob es sich um einen Unglücksfall handelt, kann nicht mit Gewißheit gesagt werden. Der Schuß war unterhalb der rechten Brustwarze eingedrungen und war sofort tödlich. Ai-beiterfchast und Radiotechnik. Die R a d i o t e ch n i k ist in der kurzen Zeit ihres Bestehens— speziell im Rundfunk— zu einem der m ä ch t i g st e n B« e i n- flussungsmittel geworden. Das Eindringen der Arbeiter- ichaft in die Geheimnisse der Radiotechnik bedingt nicht nur das Streben nach einem Rundfunkprogramm, das in erster Linie den Wünschen des arbeitenden Menschen entspricht, sondern auch eine s y st e in r. tl s ch c Ueberprüfung der nicht immer im Einklang zu bringenden Berkaufspreise mit den Löhnen der Radio- industne. Der Bau guter und billiger Apparate und Anlagen und die Schaffung einer sozialen Rädiohilfe für Minderbemittelte muß Möglichkeit werden. An allen diesen Dingen ist der Mann am Reiß- lrett und im Bureau ebenso interessiert wie der Mann, der den Hammer und die Kelle zu handhaben versteht. Der Arbeiter- R a d i o- V i' n d Deutschlands E. B. als Erkemier und Aus- werter der Radiotechnik für die Arbciterschafr veranstaltet zu diesem Zwecke durch seine Gruppe Friedrichshain am Sonnabend, dem 7. Dezember, von 16 bis 22 Uhr und am Sonntag, dem 6. Dezember, von 10 bis 22 Uhr eine Ausstellung selbst- gebauter Apparate im Gesellschaftshaus, Fruchtstraße 36o, um den Besuchern zu zeigen, wie der moderne Arbeiter bei syst«- malischer Aneignung von Wissen mit den technischen Problemen unserer Zeit. Rundfunk, Bildsunk und Fernsehen, umzugehen ver- steht. Die Ausstellung wird von allgemeinverständlichen Vorträgen und Experimenten umrahmt, wozu von jedem arbeitenden Besucher ein Eintrittsgeld von IS Pf. erhoben wird. Erwerbslose und Kindcr haben freien Eintritt. Der Berliner llthmaun-Chor rüstet zur UIHmann-Gedächlais. feier. Am 22. Juni 1930 begibt sich der Chor nach Elberfeld- Aarmen, um dort ein Konzert im Sinn« des verfwrbenen Ar- beiterkomponiften zu geben. Anschließend veranstalten die Gaue des Arbeiter-Sänaerbuistes Rheinland und Weftialen am Grabe Uth- manns eine Ä c d ä ch t n i s i e i c r, bei welcher der Chor oiiäz mitwirkt. Ein gleichartiges Konzert sindct in Düsteldorf statt. Auch die Kölner Arbeüeriängcr haben die Berliner Sänger ein- geladen. Anschtießend findet eine G e s c l l s ch a f t s s a h r t den Rhei« aulwäns statt. Der Ehvr nimmst Sänger, die gewillt sind. an der Feier Uthmann» teilzunehmen, noch am. Uebungssbinde jeden Freitag von>18 bis 10 Uhr. 39. Gemeindeschule R. Müller- straße 58/59. Ehrung für Dr. Ecken« und Prof. llunker». Die Technische H o Ä s ch u l c M ü n ch e n hat anläßlich der akademischen Iahresseier Dr. Cckencr-Friedrichshasen und Professor Dr. Iunkers-Dessau zu Ehrensenatore» ernannt. irmoüfihfe .rinliU! „rfirrepungr und? Alles fcfion dagetvefen. Berlin— Weltstadt— der ganze Stolz des Berliners auf die gewaltige Entwicklung'des größten deutschen Ge- meinwesens nach der Revolution liegt in dieser Zusammen- stellung. Aber ein Griff in den wohlgefülltcn Bücherschrank eines | Berliner Sammlers belehrt uns, daß auch schon dem früheren Berliner seine Heimat als eine selche Stadt erschienen ist, die der Bezeichnung Weltstadt nicht unwürdig wäre. Ein kleiner Unter- schied ist aber zwischen uns und dem Autor jenes Buches: er stößt mit vollen Backen in das Horn: Berlin wird Weltstadt: wir kon- statieren: Berlin i st Weltstadt. Im Jahre 1868. ol'o vor zivei Mcnschenaltern, erschien das Büchlein, das ein bekannter Berliner Schriftsteller, Robert Springer, verfaßt hat. Und er hatte nicht so ganz Unrecht mit seiner Behauptung, denn die Endjahre des sechsten Jahrzehnts im 19. Jahrhundert sahen eine so rapide Entwicklung Berlins, daß die kühnsten Prophezeiungen gewagt werden konnten. Auf dem blntgedüngten Boden der kriegerischen Ereignisse von 1861 und 1866 erwuchs eine Spekulation sondergleichen, sie setzte sich nach 1871 fort und fand ihren Zusammenbruch erst in dem Ausklang der„Gründerjahre" durch den Börsenkrach von 1873 und die dann folgende Bcrlodderung des Geschmacks, die zu dem bekannten Urteil von Reulcaux führte: Billig und schlecht. Ueber den damaligen Ausruf„Berlin wird Weltstadt" können wir heute wirklich nur lächeln— die guten Berliner von damals sahen in den paar Pferdebahnen, Omnibussen und Dampfern einen ungeheuren Per- kehrsaufschwung, während gerade auf diesem Gebiete der Kräh- Winkelgeist des alten Staates sich am deutlichsten offenbarte. Sie sahen aber auch, und das dürfte den Ausschlag gegeben hoben, die Vergnügungsstätten sich in breiter Fülle ausdehnen und ein Nachtleben sich entfalten, das in der Ungeniertheit an das Pariser Vorbild wohl heranreichte, aber dessen Grazie ver- mtsien ließ. Viel Wosier ist seitdem die Spree heruntergelaufen— der Ruf der heutigen Weltstadt beruht in erster Linie auf ihrer Ar- b«it und auf ihrer Entwicklung zu einem Gemeinwesen, das sich bemüht, jedem seiner Bürger den gleichen Anteil an den .Kulturaufgaben zu verschaffen. SDer lelstle Schrei: Photographien auf Seide. Ein erfinderischer Geist Hot einen neuen Gegenstand für die „gute Stube' erfunden: die Photographie auf dem Taschentuch. Es genügt nicht, daß die Antlitze der mehr oder minder Lieben von der Wand herablächeln. Auch die Alben könnten Erinnerungen zu schnell vergessen lassen. So muß jetzt das Taschen- tuch herhalten. Jedes Nascp»!tzen kann in Zukimft erfolgreich ver- schönert werden durch die Phx t.ographis, die in einer der Ecken an- gebracht ist. Leinene oder McZckotasckzcntüchcr sind dieser Verzierung natürlich nicht würdig, Seide iroaß es fein, eventuell wird ein Fad-m Kunstseide gestattet. Die GesiHster erscheinen etwas verzerrt und verlieren durch Pen Abpig an Deutlichkeit(wahrscheinlich der einzige Borteil dieser Spielerei), mit seoce Wäsche werden sich diese Vorzüge übrigens bestimmt noch„verbessern'. Sollte aber dies nicht bcob- sichtigt sein, so empfiehlt es sich,> die Ecke mit der Photographie kokett aus der Brufttasche hängen �z» lassen. Für sensible Gemüter bleibt nur die Bitrine übrig. M«n kann dann beliebig oft«inen verstohlenen Blick nach der Ssidenphotographie wagen. 3)as laufe Vliliageffen. Im Gegensatz zu früheren Zeiten, in denen über die lieblose Berliner Küche mit ihrer Einheits-Beatensauce geklagt wurde, � gibt es jetzt eine immer größer werdend« Zahl von Speisewirtschasten, die schmackhaft zubereitetes Essen zu den bekonnten „zivilen' Preisen liefern, ihre gegen früher sich vielleicht ergebende Mindereinnahme aus dem Essen durch den Bierausschank vielfach ivcttnrachend. Aber eins haben gerade diese in den Mittagsstunden natürlich vielbesuchten Wirtsehosten noch nicht gelernt: die bei flottem Betrieb naturgemäß sich häufenden Bestellungen und die Handgriffe bei Ausstellung der noch zu gebrauchenden Teller, Messer und Gabeln lautlos auszuführen. Um den Schanktisch tobt die Schlachi der Rufer nach Bier, und an Seitentsschen wird das„Tafelsilber" mit einer Berve in den Behälter ge— legt, als ob das Vorhandensein eines solchen Nibelungenschatzes allen Be- suchern des Lokals eingehämmert werden müßte. Das Essen würde ohne dies« Musik nicht nur besser schmecken, sondern auch bekomm- sicher sein. Jetzt beschleunigt mancher die Nahrungsaufnahme, nur um dem Klingklang des Metalls, dem Klappern des Porzellans und allen sonstigen Geräusehen zu entgehen. Kriminalgerichl ohne SSriefhaflen. Der nach den Dienststunden eilig zum Kriminalgerkcht läuft, um noch schnell einen Brief, der unbedingt am nächste» Tag be- arbeitet werden muß, loszuwerden, wird mit Schrecken und Er- staunen feststellen müssen, daß das große Gebäude keinen«igen«» Briefkasten besitzt. Nicht jeder hat schtießlich genügend Geld, um das Porto für Telegramm, Rohrpost oder Eilbrief auszugeben. Wir hoffen, daß unsere Publikation mit dazu beitrage» wird, den dringend notwendigen Gcrichtsbriestasteu schnellstens anzuschaffen. Die Btankenburger Kindertragödie. Ehepaar Schröder itt Host genommen. Mc beretks berlchtck. untersuchte die Pankow« Kriminalpolizei die schweren Beschuldigungen, die gegen das Ehepaar Schröder aus der Ilrbachslr. 9 In Berlin-Blankenburg erhoben wurden. Die Ermittlungen und Vernehmungen, die Kriminalkommissar Schalls mit den Blankenburg« Beamten führte, haben noch gestern abend de» Beweis erbracht, daß das Ellernpaar sich wüste Rohcitsexzesse gegen das dreijährige Kind hat zuschulden kommen lassen. Der Ehemann Julius Schröder, der 25 Jahr« zählt, und seine 20 Jahr« alt« Frau Johanna wurden auf Grund der Nach- forschungen jetzt wegen dauernder Kindermißhand- lungen in Haft genommen. Bei den Vernehmungen sind enssetzliche Einzelheiten ans Licht gekommen. Die kleine Dora war gleich nach ihrer Geburt— die Mutter war damals noch Haus- angestellte— in städtische Pflege nach Fredersdorf bei Strausberg gekommen. Während der ganzen Zeit sah es seine Mutier nicht. Als es nun am 16. November nach Hause geholt wurde, erkannte das Kind die Frau nicht und konnte auch kein Zutrauen zu ihr fassen. Das zeigte sich schon darin, daß Dora sich weigerte,„Mutter" zu sagen. Das brachte Frau Schröder so in Wut, daß sie begann, das Kind systematisch zu verprügeln. Die unglaublichen Züchtigungen wurden nicht nur einmal am Tage, sondern mitunter zwei- oder drei- mal vorgenommen. Dos klein« Mädchen wurde auf diese Weise immer mehr verängstigt und verschüchtert. Am letzten Lebenstage. dem Mittwoch, hatte das Kind, sich schmutzig gemacht. Die Frau entkleidete das Kind und der Bater schlug es mit dem Schnallenriemen auf das bloße Gesäß. Er hatte sich schon zu Bett, gelegt,.rief aber die Kleine immer wieder an sein Lager. Als das Kind nach d« dritten harten Züchiigung ohnmächtig zusammensank, zog die Frau es an den Ohren empor. Diesmal fiel das unglückliche Kind mit dem Gesicht auf die Erde. Um das Kind wieder zu sich zu bringen, kochte die Frau Kaffee und flößte ihm etwas ein. Diese schauerlichen Borgänge spielten sich gegen 10 Uhr abends ob. Um Wi Uhr war das Kind tot. Wie schwer das Kind unter den Mißhandlungen zu leiden gehabt hat, geht auch aus den Bekundungen der Nachbarn hervor. Zu ihnen bracht« die Frau das kleine Mädchen, wenn sie etwas zu besorgen hatte. Bei den Fremden faßte Dora Zutrauen und bat immer wieder, sie nicht nach Hause zurückzuschicken.. An der kleinen Leiche Doras wurden dpi der ärztlichen Unter- suchung blaue und braune Flecke festgestellt, außerdem Haut- abschürsungen, offene Stellen am Gesäß und an den Schenkeln und Rißstellen an den Ohren. Das bestialische Ehepaar wird dem Unter- suchungsrichter zugeführt werden. Weihnachtsmarkt ab 11. Dezember. Auf Grund der preußsschen allgemeinen Gewerbeordnung und der Reichsgcwerbcordnung wird für den Weihnachtsmarkt in den Dsrwasiung�bezirken I bis VI in Berlin(mit Ausnahme von Stralau) eine Marktordnung erlassen, aus der die folgenden wesentlichsten Bestimmungen wiedergegeben seien. Der Weih- n acht smarM findet'.statt in der Petersburger Straße! zwischen L ach d s be r g«. r. A l le e und B a-l-t e n p M tz aus den beiden Promenadnü zufeiten.- der Grünflächen, zwischen.Lalkenplatz und Frankfurter Allee aus der westlichen Gehbahn und in der WarschauerStraße zwischen Boxhagener und R e v a l e r Straße auf einer Seite der Mttelpromenade. Außerhalb dieses Marktgebietes kann auch auf geeigneten Straßen und Plätzen unter Beachtung der einschlägigen Borschriften Weihnachtsmarkt abgehalten werden. Der Weihnachtsmarkt beginnt am 11. und e n d e t a m 27.. D e z e m b e r. Soweit nach den Bestimmungen üb« Sonntagsruhe und Ladenschluß in offenen Verkaufsstellen de* Handelsgewerbes ein geschäftlicher Verkehr nicht gestattet sst, gilt gleiches auch für den geschäftlichen Verkehr aus dem Weihnachtsmarkt. * Die BVG- hat für die Bewältigung des am silbernen und goldenen Sonntag zu erwartenden Verkehrs besondere Vorbereitungen getroffen, so daß mtt einer reidsngs- losenAbwicklungdes Verkehrs an diesen Tagen zu rechnen sst, Rettung aus schwerer Seenok. Fünf Mann eines sinkenden Schoners geborgen. Tlew Dort, 6. Dezember�" Der Dampf« B a l l i c. d« sich auf d« Fahrl von Liverpool nach New Port befindet, teilt durch Funkspruch mit, daß er bei schwerer See füos Mann der Besahuug be* Schoners Northern gerettet habe. Die Lallic traf das Segelschiff aus 15.51 Grad nördlicher Breite und 12, ZZ Grad westlich« Länge in schwerer Seenot und sinkend an. E!» Mann der Besatzung des Northern ertrank. Das Rettungsboot der Ballic mußte aufgegeben w«dcn, da es infolge des hohen Seegangs unmöglich war. es an Bord zu ziehen. » Einem Funkspruch aus Apia auf Samoa zufolge sst es dem englischen Dampfer„Trongate" gelungen, restliche 21 Mann eines bei Gardner Island gestrandeten englischen Dampfers„Nor- wich Cily" vonderInselzuretten.' Von der aus 35 Köjv'cn bestehenden Besatzung der„Rorwich City" sind mit: weiteren drei- Ileberlebenden insgesamt 21 Personen gerettet worden. Als Folge des Turmes, der über London und den Süden Eng- lands hinwegging, sind nach den letzten Feststellungen vier Personen getötet worden. Drei Fisch« sind bei dem Sturmwetter an der Irischen Küste ertrunken. Seltsame Funde bei Därmen. Barmen, 6. Dezember. Am Dienstag nachmittag mochten Arbeiter in einem Walde ig der Kemna an der Beyenburg« Straße«inen seltsamen Fund. In der Nähe einer Birke lag ein Paket, das ein Paar neue Damenschuh«, Kleider und ein Paar getragene Damenstrümpse enthielt Etwa 10 Meter abseits von dieser Fundstelle ebenfalls an einer Birke lag ein alter Unterrock, zwei Paar alte Damenschulz« und ein Hut mit angesteckten Zöpfen. Die Kriminalpo'.izei hat noch Bekanntwerden des Zolles sofort olle Maßnahmen getroffen, um die Herkunft der Sachen zu ermitteln und die Angelegenheit zu klären. Eingesargte Hoffnungen. Bei ihrer gestrigen Abenddemon- stratio�n am Bülowplatz trugen die Kommunisten- auch r> ss e» S a r g, womit sie- wohl andeuten wollten, daß sie alle ihre Hofsnungen zu Grabe tragen. Sie waren aber- so stolz auf ihren Sorg, daß sie ihn, als die Polizei gegen den Unfug einschreiten wallte, mit- Messer-, Steinen und Schlagringen verteidigten und dabei zwe i P o l i z c i b e-am t e v.erl c tz ren Die Polizei ver» hastete nunmehr drei wilde Jungmaiinen und brachte sie zur Wache. An der Ecke der Prinzen, und- Dresdener Straße mußte ein kvmmu-' nistifcher Demonstrationszug aufgelöst werden. Schwabengist statt Natron. Ooppelter Frchpruch auf Staatskosten. Der Tod des Kellners Oilo Schulze, der durch eine verhängnisvolle Verwechselung von Iluor- nakrlum stall Nakron verursacht worden ist, Halle gestern ein gerichtliches Nachspiel vor dem Schössen- gerichl üerlin-Wedding. Unter der Anklage der fahrlässigen Tötung hatten sich zu oerantworten der Gastwirt Alfred Lipke und die Köchin Karoline Wagner. Als dritter war der Hauswirt Matschte angeklagt gewesen, der das Sä) wabengift vertrieben hat und der als Hauptschuidiger zu betrachten ist. Er besaß keinen Gistschein und hatte, um sich fein Geschäft zu erleichtern, das Gislzeichen von dem Päckchen entfenrt. Fluornatrium sieht aus wie Natron, es dient zur Vertilgung von Ungeziefer, und 5 Gramm von dem Pulver genügen schon, um bei einem Menschen eine tödliche Wirkung herbeizuführen. Matschte hat sich dem irdischen Richter entzogen, denn er hat nach Erhebung der Anklage gegen ihn mft demselben Schwabcnpulver S e l b st m o r d verübt. Bei dem Gastwirt Lipke im Restaurant„Zum Dachgarten" in der Bodstraße war der Kellner Schutze beschäftigt, der ein Magenleiden hatte und häufig Natron benutzte. Am 1Z. Januar war er wieder von seinem Magcnübel befallen worden, er ging an die Küchenklappe und bat ein Küchenmädchen um Natron. Karoline, die Köchin, sagt« dem Mädchen, daß sich Natron in einem Topf auf dem Regal befinde. In diesem Topf war ein gelbes Päckchen verwahrt, und das Küchenmädchen fragte die Köchin noch- mals ausdrücklich, ob das Natron sei, was diese bestätigt«. Schulze nahm einen gehäuften Teelöffel von diesem Pulver zu sich. Nach einiger Jett stellte sich Erbrechen bei ihm ein, und er fragt«, was man ihm gegeben habe. Die Tüte wurde darauf in den Müll- eimer geworfen. Schulz« ließ sich aber, da ihm immer schlechter wurde, die Tüte wieder hervorholen, weil er den Inhalt untersuchen lasten wollte. Am nächsten Tage ist Schulze unter großen Qualen im Krankenhaus verstorben. Die Untersuchung ergab, daß es sich um F l u o r n a t r i u m gehandelt hatte. Die angeklagte Köchin erklärt« zu der Anklage, daß sie nicht Wiste, wie das Eist in den Topf gekommen sei. Sie habe geglaubt, es sei Natron. Der Gastwirt Lipke berief sich darauf, daß Matschte seit Jahren mit Schwabengist handelte und immer versichert habe, daß es für Menschen und Tiere ganz ungefährlich fei. Es sei auch kein Giftzeichen auf dem Päckchen gewesen. Das Schöffengericht Wedding kam schließlich zu einer Freisprechung der beiden Angeklagten, des Gastwirts Lipke und der Köchin Wagner..Landgerichtsdirekior Böhmert sprach im Urteil aus, daß der eigentliche Schuldige der Mitangeklagte Hauswirt Matschte war. Dem Gastwirt konnte nicht widerlegt werden, daß er kein« Kenntnis von der tödlichen Wirkung des von Maffchke bezogenen Schwabenvertilgungsnnttels hatte. Der Köchin mußte geglaubt werden, daß sie von dem Vor- handensein des Schwabengiftes keine Ahnung hatte. Daher konnte den Angeklagten nicht nachgewiesen werden, daß sie pflichtwidrig unachtsam gehandelt haben, und sie mußten auf Kosten der Staatskasse freigesprochen werden. Das Lampenfieber des Schauspielers. Sin Kampf mit Lost- und Llnlustgefühlen. Auf Einladung der„Lupe" sprach RentSpitzim Plenarsaal des. Aeichswirtfchaftsrates über H ch a u s p i r p vom Standpunkt des Psychoanalytikers. Der Vortrageirde zog eine Parallele zwischen Schauspkelcr und Kind, die beide in chrem Unterbewußtsein von der Macht einer autoritären Persönlichkeit— bei dem Kinde ist es der Vater, bei dem Schauspieler das Publikum— beeinflußt und dirigiert werden. Und so suchen sie beide durch«in Entwachsen Macht über ihre Machthaber zu gewinnen. Während nun iws Kind durch fragendes Eindringen in alle ihm verbotenen Dinge des Lebens immer wieder versucht, sich ein gewisses Geltungsbedürfnis zu verschaffen, sucht der Schauspieler durch ein für unsere Begriffe vielfach über- steigertes Selbstbewußtsein— in unseren Äugen wirkt es als Eitelkeit— nach dem Erfolg in ideeller und auch materieller Beziehung. In seinem Streben nach Anerkennung und Ruhm spielt natürlich auch der Selbsterhaltungstrieb eine nicht un- wesentliche Rolle. Aus diesem Ringen um die Gunst der um ihn versammelten und für die Beurteilung seiner Lesttung maßgebenden Mitmenschen entwickeln sich jene A n g st z u st ö n de. die man Lampenfieber nennt. Trotzdem nun dieses Lanipcnfieber gerade kein beneidenswerter Zustand ist— es gibt Künstler, die ihm mit starken narkotischen Mitteln zu Leibe rücken müssen, um über- Haupt spielen zu können— ist dieser Angstanfall für den Künstler nicht etwa ein Zeichen des Unterliegens. Im Gegen- teil, es ist der mit aller Macht geführt« Kampf z w i s che n L u st- und llnlustgefühlen, in dem das Jdeal-Jch, das Uebcr-Jch, den Sieg davongetragen hat. Bezeichnend dafür ist es auch, daß gerade bei qualitativ hochstehenden Künstlern das Lampensieber oft in ganz starkem Maße vorhanden ist. Großfeuer in der Zsugßofsiraße. Von einem verheerenden Großfeuer wurde gestern abend das Grundstück Zeughofstraße 6/9 heimgesucht. Jen Dach- g e s ch o ß brach aus noch unbekannter Ursache Feuer aus, dos in wenigen Augenblicken auf das vierte Stockwerk übergriff. Die Feuerwehr, die zunächst mit zwei Löschzügen anrückte, mußte sosort mehrere Löschzüge nachalarmieren, um das Feuer, das in der Zwischenzeit eine ungeahnte Ausdehnung angenommen hatte, niederzukämpfen. Sechs Löschzüge waren eine geraume Zeit damit beschäftigt, de» Brandherd einzukreisen. Unter großen Schwierigkeiten— die Löschmannschaften hatten unter starker Rauch- cinwirkung zu leiden— gelang es, das Feuer niederzukämpfen. Trieöwagen stößt auf AnHanger. Sieben Personen verletzt. Am Freitag vormittag, kurz nach 11 Uhr, fuhr in der B ü l o w- straße ein Triebwagen der Linie LZ auf einen Anhänger der Linie 154, wodurch die Plattform des Anhängers eingedrückt wurde und außerdem einige Scheiben bei beiden Wagen zertrümmert wurden. Durch Glassplitter trugen sieben Personen leichte Verletzungen davon; sie brauchten aber ärztliche Hilfe nicht in Anspruch zu nehmen. Auf der Charlottenburger Chaussee fiel heute vormittag in de? Nähe der Siegesallce der 79 Jahre alte fitouftnann Max Drucker aus einem fahrenden Straßenbahnwagen auf die Straße. Er zog 'sich durch den Sturz schwere innere Verletzungen zu und mußte ins Krankenhaus gebracht werden. »nsesdungen kör dl.se Rubrik sind Verls» TW 63, Lindenil ruße i, Partemachrichten für Groß-Berlm stete an da» Bezirk-sekr.taria» e. Hos, 2 Treppen rechts, zu richten. Bezirksausschuß für Arbcitcrwohlfahrt. Acht«»», Loevertriebl Di« Kunktianäresinncn) der Rrbeitertnedlfahrt»er. den daraus aufmerksam».wacht, daß der Schlußtermin am Mmiiaa, 0. Dezember, ist. Lose, die bis dabin in dcrs nicht als uaucrkäuflich zurüSueflebrn worden sind, nrücn als»erkaust und müsse« bezahlt werden. 7. ft«U llbarlotteubura und Spandau. Juristische Sprechstunde beule. Tannabend. 7. Dezember, von 17—18 Uhr, im Jugendheim Rosinen ilr. 4. Ecleasnbeit inm Äirchenavstritt! 11. Atclf Schönebcra. Heute. Sonnabend. 7. Dezember, 20° UÄr, tritt erst» maliq die Fraktion bei Will. M Ecke Dichtung. Abcnbs Heimabend. Werbe bczirk SchSncbcra: Dcr ssunktionllrkursus findet nicht Halt. inackpricht wrllcrbericht dcr össenUiä'cn Vellerdlcnslskelle Deelin und Umqegend sNachdr. uerb.). Teils wolkig, teils heiter, ohne nennenswert? Niederschläge, Tempcratincn im ganzen wcnig veröndeit. Ausftischende südliche Winde. Zur Deutschland: Im Nuidweilen meist bewölkt, oieisach auch Regensälle, naniiNttich im Küstengebiet stürmische südliche Winde. Im Südosten bei wcnig veränderten Temperaturen keine nennenswerte Acnderung in dcr Bewölkung. Das Abcndkonzert brachte ein Programm, das man in bestem Sinn« volkstümlich nennen könnt«. Die„Freischüg"-Ouver- iure wa? der Austakt: Dvorak Q-Dur-Sinsome beschloß die Beran- siallung. Bruno Seidler-Winkler betonte in dem Werk Dvoraks stark das sentimental-romaiitisch« Element und gestaltet es dalier, besonders in den langsamen Sätzen, ein wenig zu weich. Mendelssohn- L-Moll-Konzert, von Boris Schwarz als Solist ge- spielt, mar der Mittelpunkt des schönen Konzerts. Zwischendurch las Anna Helle ring zehn Minuten lang aus Aufzeichnungen von Hans C a r o s s a Schilderungen, die wie zart hingetvorfenc Äquarell- skizzen die Stimmung eines Milieus— ein primitives Bauernhaus mit seinen Menschen— festgehalten haben. Ein glücklicher Gedanke war es, in einer„Jugendstunde" Klavierunterricht eines Meisters zu übermitteln. Prof. Mayer-Mahr erläuterte einer Schülerin eine Mozart-Sonate. Musikfreudige Jugend konnte manche leicht- verständliche Anregung zur richtigen Gestaltung eines Klavierwerkes hieraus schöpfen. Prof. Dr. Georg Weg euer wandelt mit seinen „Grundzügen der Geopolittk" auf recht bedenklichen Wegen- Nachdem er die Eroberungspolitik des„großen" Kurfürst und Friedrich„des Großen" als das ständig vom Neid der Nachbarn bedrohte natürliche Cmporwaclsten des Staates geschildert hatte, definierte er die Ursachen des Wellkrieges: dieser Kvieg sei nur die Folg« der Koalition dcr umgebenden Mächte gegen die' aus- wachsend«-Großmacht Deutschland gewesen. Tes. heute, Sonnabend, 7. Dezember. 17. Abt. Di« Bezirkssübrer werben«ebelen,„Unser Weg" vom Genossen Hofme«bzubolcn. 24. Abt. Die Grimpenwbrcr werden gebeten, sofort»Unser Weg" vom Ab» teilungekassicrer abzuholen. Z2. Abt. Die.gameradtckeift„Andreas" des ReiKsbonnrrs neronsialfet um 20 Uhr in den Andreas-lsestsillen, Andreasstr. 21. ein Win'ervergnilg-'N. Wir bttten die Gcnossiinirn und Genossen, sich recht rcgc daran zu de- teiligen. 86- Abt. Isis-e Uhr bei Rusch, Tilsiter Str. 27. szunkttonärsihuna. 47. Abt. Unicr Weg" tonn vom Genossen Mar-anke obgrboit wcrbrn. 126. Abt. Reinickenbors-Ost. Die Karten kür das llreisfrit müssen»och beule, Sonnabend, spätestens abends mit dem Ginosseii Meiler obgercchnrt werden. Morgen, Sonnkag, S. Dezember. 24. Abt. 10 Uhr bei Rilencr, Immonuel?irchsir. 2ö, Sißuna der Weihnacht» kommifsson mit allen Gruvprnführcr:,. ZNonkag, 9. Dezember. b. Abt. 19 Ilßr Bovstandsslkunq bei Hübner, Wilsnacker Str. 34. Um 20 Uhr ebrnöort Zsunktionärslkuna. Dezirksausschutz für Arbeilerwohlfahrk. 4. 5keis Vrv«zla»cr Derq. Sämtliche Lose müssen bis mim Morias, 0. De- Afmocc,«berechnet bzw. zurückacgeben werden an die Genossin Kitte, Berlin. Wlnsstr. 54. Arbeiksgemeinschclst der kinderfreunde. Nr«!» Prenzlanee Berg: Heute. Sonnabend. 17—1« Uhr. Danziner Sir. 28, Gymnastik, Gesang imd Tan� Turnschuhe und Turnhose oder Anzua mit- o?lna«n 5ke»« Revköllu: Am Montaa. v. Dezember, 17 Udr. Sprechstunde/ Baracka Ganadoserstrake. Die noch nicht �urückaegebenen StroMäefe sind unbedinqt iit ordentlichem Zustand abzuliefern. Alle Gruppen entsenden einen Vertreter Mir svalkenratssihuna am 9. Dezember, 17 Übr. Baracke Ganghoferstraste.— Gruppe Aeruranupla�: Alle Gltörn find w der am Montaq. 9. Dezember. rtt der Schule Kaiser�riedrich-Str. i um 20 Übr fla'tfindcndcu Elternver- sammlun« einaeladen. . Pn K«l- Tcmvelbof: Montoa. 20 Ubr. Selferschuna bei«Ms, Tempelbof. «aifer?orso 102. Die Tempelbsfer Helfer treffen sich 19 Uhr. Tiorpartcn. Gruppe Auaust«ebol: Am Sonntaa,?. De�mier, treffen sich d?e Tänzer Zur Sminenwende Mnn Uebcn bei Beraer, Levekam. Ecke Iago». straße. und»war die Noten friftnt um 9'/. Üb'*, die Sututfalfen um 10 Übt und die«Wen um 11 Udr.— Dirpstaa. 10. De-embcr. von llfe i9fe Ilbr ueoen im Heim Walde nferstrasie oller Rot» und 2unasalken.—«ükcn: Am Mittwoch, 11. Dezember, ebenfalls Ueben von 17-19 Ui-r im Heim Wald: n sc r- straße. Geburkskage. Jubiläen ufw. „.?oserew li�en S-uossea Eduard Tieloss. dcr seit ji? gjb�si Pntrtcl ist, die herzlichsten Glückwüulch? zu seinem «8. k�buttsfe�'�c�bcrzli�rn�GlückwLus�?.���'' Emil Dicke zu seine« Vortrage, Vereine und Versammlungen« i%Jl Reichsbanner„Schmarz-Rsl-Gold". G e ich- i t o si r l I e: Berlin<3. 14, Sebastianstr. 37-38, Hos 2. It. Souuabend. 7. Dezember. PreR�laucr Der«, Kameradschaft Human n- ,, vlad: 2V Ufcr Schönhauser Schönhauser Allee 129. aemüi- lichfs Aetsammensein. Gäste willkommen. Daumschuleomeq:?0 Uhr bei Boramann Versa mm luna. 2. Vortrag des Kam. Haase:..Meine Erlebnisse in Nnß- landfe Gaste willkommen. Ruderrie«: lOis.— 21 Uhr.tasten rudern in d'n Nuderonlaaen der Berliner Tnrnerschakt, Stralau. Tunuelstr. 4.— Ssvnt»5, .9, DcÄmle?. Veen flauer Berq. Iuaend.- Der 5luaeudau»marsch findet technischer Sänvieriakeitcn nicht statt, �ricdrichsha-n. Iunnbanncr: 7 Uhr An- treten Rüstrinct Vlaft. Lichtendem. Timomann schaff Antreten 9 Uhr in Bikrtdeaflciduna auf dem Spartplak ssriedrichsfelde. �cft�ose--; Erscheinen Vklicht. Pankow: Handballspiel in Hirschqarten. Treffpunkt der Sportlev W* Uhr Rinabbf. Schönhauser Allee. Woiüensce �rfetjereirO: 9 Uhr stell'' n sich die Kameraden aur Kluablattveröreituna in Schloß Deistnzss'e ein. Er« scheinen Dflicht.— Moutaa, 9. Dezember. Mitte. Dunnbann-r: 20 Uhr Jugend- beim Tieckstr. 18. Vortraa des Kam. Dr. Körtinfl: ,L?atlo'.alistcrunä und So�ialisterunq". Prep�lauer Vera,.Kameradschaft Talke: Aciichtinun� des?ei. tnnqsoeelaoes R. Moste. Treffpunkt 19 Uhr bei?euae. Mi'astr. 5. Stoalik (Kameradschaft): Die fälliqe Monat srersammlunq fällt aus. Lichtenbera, Inno. mannsckTaft und Schuhsportler: 19�—21� Uhr Turuabend in der Hallo RummelsHuraer Str. 61. Erscheinen älterer Kameraden erwünscht. Arbeiter-Samariter-Bund, c. Kolonne Berlin. Rcuköll»? Sonntaa. 8. Dezember, bei Schillina. Kirchhokstr. 41.— 5sriedrichsha:n: Dienstoa. 10, De- Acnrber, bei Busch, Tilsiter Str. 27.— Hermsdorf: Dienstaa, 10. Dezember. Turnl�alle Roonstrehe— Mitte: Dienstaa. 10. De'.cmber. Schule Givsstr. 2Ss. Dohnsdorf. Schi'nefeld: Montap, 9. Dezember, bei Heimann, Waltersdars«) Straße 100.— Köpenick: Montan. 9. Dexcmt-cr. bei Beets, SchLnerl'ndcp Ctraste 8.— Eharlottenburq: Donnerstaa, 12. Dezemuer, Iuqendheir.t Nonnen- straße 4.— Danton,: Donnerstag. 12. Dezember, Jugendheim Kissingen st raste.— Rernickendorf: ssreitoa. 13. Dezember, bei Matter. E chbornsrr. 91.— Lichten- berq: Treitaa. 13. Dezember, bei Seiptc. Kronprinzen str. 47.— Kreuzbera: Dkontaa, 16. Dezember, Nest. Urban Hafen, Am Urban 2.?.— Weddina: Douners- taa. 19. Dezember, bei Bo�and. Tpeiner Str. 6. Reilllsvereinianna ehem. Aricasaesanaencr. e. B.. O:too?uppe Berlin- Norden ll. Versammlung Eonnabend. 7. Dezember. 20' Uhr. bei Vrobst, Cantwnstr. A. Landsmannschaft Ziesor und Umpemend in Berlin. Vereinsabend am Sonnabend. 7. Dezember, lOfe« Uhr. Bundeshaus, nieaclilr. 30. Arbeiter.Abstinei'ten.Vund, Gruppe Kreuzbern Sonnuabend. 7. Dezember, 29 Uhr, Schule Beramannstr. 63, Vortrag des Herrn Dr. Diehrl über„Be- nölkerunasfraqen". Anschließend aeselliaos Beisammensein in unserer eigenen alkoholfreien Gaststätte. Marhcinckevlast 3— 4. Verein für Einheitsknristchrist Renkölln. Dienstaa und 57reitan. 20 bis 22 Uhr. Anfänger-, Tortacschrittene'. Rcdefchr'ft-LchrgLnfle, ttaiser.Friedrtch- Realanmnastnm, Neukölln. Kaiser.svriedrich.Str. 208. Winter tn Schlestenl Dcr Schlestsche Vcrkehrsverband wiederholt im Der'» kehrsdurcau..I. Oanneber«.(ü. m. b. Unter den üind.ui S, tnfolae auhev» ordentlich puten Zuspruchs die bereils einmal veranstaltcle Werbewoche. und zwar vom S. bis 15. Dezember. Die Wisstellnnq ist infolge der zur Schau �elanaenden selten schönen Oriflinalgeinä'de sehr sehenswert. Reichhaltige Prospekte und bereiwnlliast erteilt? Auskünfte machen den Besuch dieser Werbewoche empfehlenswert. Genaue Au-stiinfte über die Deutschen Winter. Kampfspiele in Äummhübel-Brückenbern. über die Deutsche Meisterschaft im Eiskunstläufen in Breslau als auch über die S6)lcs>sche Bob-, Ski. und Nodelmeisterschaften werden desgleichen weitest gehend erteilt. Zum Weihnachtsfeste 5ALAMAN DER Schu he...Das Beste Dazu Strümpfe in allen modernen Farben. Elegante Überschuhe Alumimumkrieg? Zur Frage eines deutschen Aluminiumzotts. Dem Reichswii-tschaftsrot liegt feit einigen Tagen ein Ersetz- cntwurf vor, wonach für Aluminiimt und Aluminiumhalbzeug«in Schutzzoll«ingeführt werden soll. Vorgeschlagen wird ein Zoll von 25 M. für einen Doppelzentner Rohaluminium(in Blöcken, Barren Platten usw.) und 57 M. für Aluminiumhalbzeug(geschmiedetes, gewalztes, gepreßtes Muminium usw.); Aluminiumabfälle und Brucholuminium sollen dagegen im allgemeinen zollfrei bleibe» Bisher war Rohaluminium einen? Einfuhrverbot unterworfen. Da dies Einfuhrverbot in absehbarer Zeit infolge der internationalen Abschaffung der Ein. und Ausfuhrverbote verschwinden wird, soll der vorgeschlagene Schutzzoll hierfür einen Ersatz bringen. Reu» artig an dieser Zollvorlog« ist nun, daß die Aluminium. Produzenten keine Erhöhung der Aluminiumprcise wollen. Die Zollvorlog« wird mit der drohenden internationalen Ueberproduktion begründet-, hierbei werde Deutschland als größter europäischer Metallverbraucher einen besonders schweren Stand l>abcn. denn andere Länder wie Frankreich, Italien und die Vereinigten Staaten hoben bereits einen Aluininiumzoll. Der amerikanische Gegner. Die international wichtigste Gruppe, gegen die sich wohl in erster Linie diese Schutzzollsorderung- richtet, ist der sogenannte Mellon-Konzern: die Aluminium Company»f America. chintcr dieser Gosellschoft steht die sehr reiche Pittsburger Familie M«llon, die gleich« Familie, die auch feit(921 den Schatzsekretär der Bereinigten Staaten, Andrew W. Mellon, stellt, und die außer der Aluminiumcrzeugung auch einen großen Teil der amerikanischen Aluminiuini'erorbeitung beherrscht. Sie kontrolliert zahlreiche Eick- trizitätsgesellschaften, steht in enger Verbindung mit einem der größten amerikanischen Elektrountcrnehmen, dem mit Siemens zu fammenarbeitenden Westinghousc-Konzern, und spielt auch auf anderen Wirtschaftsgebictci? ein« große Rolle. Schon vor dem Kriege war Amerika der größte Aluminium- Produzent der Welt. Mit einer Erzeugung von 29 909 Tonnen machte 1915 die amerikanische Produktion fast ein Drittel der damaligen Wcltproduktion(65 399 Tannen) aus. In den Kriegsund Nachkriegsjahren hat sich auch die Aluminiumherstellung in einer Reihe europäischer Länder stark gehoben: fi« stieg z. B. von 1913 bis 1928 in Deutschland von 1999 auf 39 599, in Nor« wegen von 1599 auf 29 999, in Frankreich van 13 599 auf 27 999, in der Schweiz von 19999 auf 21 999 Tonnen: lediglich die großbritannisch« Produktion ging von 19 999 Tonnen 1913 auf 7999 Tonnen 1928 zurück. Währenddessen ist aber Amerika nicht nur der größte Aluminiun?produzent geblieben, sondern sein Anteil an der Weiter, zeugung hat sich von nicht ganz einem Drittel auf die Hälfte der Weltproduktian gehoben. 1928 betrug nämlich die Aluminiumherstcllimg in den Vereinigten Staaten 89 999 Tonnen, dazu ist noch die ebenfalls vom Mellon-Trust beherrschte kanadische Produktion in chöhe von rund 39 999 Tonnen zu zählen, übrigens auch noch ein erheblicher Teil der norwegischen Produktion. Die Bedeutung des ZNellon-Trusts. Li« Kapitalkraft der mit mehr als 159 Millionen Dollar arbei- tcnden amerikanischen Gesellschaft, die 1927 einen Reingewinn von 13,4 Millionen und 1928 von 19,3 Millionen Dollar(«two 89Mil- Ikonen Mark) erzielte, ist außerordentlich. Der Aufschwung gerade dieser Gesellschaft, di« die gesamte Aluminiumproduktion des ameri- konischen Kontinents hundertprozentig in ijänden Hot, war wohl die Houptgrundlagc für die heutige Machtstellung der Familie Mellon. Insbesondere Hot der Trust es verstanden, jede etroa auf- tauchende Konkurrenz in den Vereinigten Staaten aufzukaufen oder durch Verträge unschädlich zu machen: sie hat sich fast sämtliche B a u x i t o o r k o m m« n, d. h. die wichtigste Rohstofsgrundlagc, in den Vereinigten Staaten und Kanada gesichert und besitzt weitere Bauxilintercsscn in Südamerika und Europa. Schließlich beherrscht si« durch die Aluminium Manufaeturers Inc. den wichtigsten Teil der Aluminium weiter verarbeitenden Industrie. In den Kriegsjahren konnten einzigartig« Monopol- gewinne erzielt werden. Arthur V. Davis, damals wie heute noch Präsident der Aluminium Co., wurde als einziger Aluminiumpro- duzent des Landes zugleich zum Vorsitzenden des Unterausschusses für Aluminium beim Nationalen Verteidigungsrat gewählt, so daß er die Aluminiumpreise nicht nur als privater Kaufmann, sondern auch amtlich festsetzen konnte. Danials sollen die Verkaufspreise nach amerikanischen Meldungen um 129 Pro.;, über di« Produk- tionskostcn hinausgegangen sein. Die neue Riesenanlage in Kanada. Seit Ende 1927 wird mm von diesem Trust der Bau der neuen Riesenonloge in Konodo am Sogucnay-Rivcr betrieben, die eine Leistungsfähigkeit von 199 999 Tonnen hoben soll. Sie ist noch nicht ganz fertiggestellt, so daß vorläufig die Erzeugung nur einen Teil des endgültigen Programms beträgt. Die Vereinigten Staaten nehmen auch heute noch größere Mengen französischen, deutschen und. norwegischen Aluminiums auf, doch find infolge der bestehenden Schutzzölle und der wachsenden Rochfrage die Preise im allgemeinen nicht gedrückt, worauf ja auch der erwähnte große Reingewinn des amerikanischen Aluminium« trust? hindeutet. Offenbar werden die Produktionskosten der neucn kanadischen Anlage noch niedriger sein als gegenwärtig, da hier billige Wasserkräfte im erforderlichen Ausmaß zur Vcriügung stehen werden. Von niedrigen Stromkostcn hängen die Produktionskosten für Aluminium noch mehr ob als von den Baupitpreiicn und der Lohnhöhe. Andererseits erklären gerade die hohen Anlagekasten dieser Industrie dt« interessant« Totsache, daß in ollen Ländern nur «in oder zwei Aluminiumgruppen existieren. Schon in der letzten Zeit hat sich vielfach die verstärkte amerikanische Konkurrenzfähigkeit bemerkbar ge- macht, am schärfsten wohl in den Gebieten des Fernen Ostens, wo amerikanische Roh. und Fertigware zu Schleuderpreisen auf Kosten des europäischen Wettbewerbs abgesetzt wurde. 49 999 Tonnen für das Eindringen in den europäischen Markt sollen bereitliegen. Das Europakarlell. Bisher scheinen Erzcugunh und Verbrauch im allge- meinen gleich groß gewesen zu sein. Ein« Regulierung der Pro- duktion je nach der Nachfrage war ja auch nicht schwer durchzu- führen, da di« Zahl der Erzeuger nur gering ist. und außerdem die europäischen chouptgruppcn seit dem September 1926 in einem Kartell organisiert sind. Deutscherseits bilden die zum Diag-Konzern(Reichsbcsitz) gehörenden Vereinigten Alumini umwerte die Haupt- gruppc: auf sie entfallen«infchliehlich ihrer Beteiligur.gen rund vier Fünftel der deutschen Produktion. Di« restliche Produktion bestreitet in der Hauptsache die A l u m i n i u m w e r k G. m. b. H. in Bitterfeld, die gemeinsam von der I. G. Farbcnindustrie und der Mctallgesellschaft in Frankfurt o. M. beherrscht wird. Ein« dritte, ober heute nur nach unbedeutende Gruppe ist die A l u m i- niumfabrik Rheinfeldcn, die dem großen schweizerischen Konzern(Aluminiumindustric A. G. Neuhouscn) gehört. In Frankreich handelt es sich um zwei Gruppen, di« beide einige Aluminiumfabriken besitzen Sie sind in der Dachgesellschaft L'Alu minium Frongais zusammengefaßt. Das englische Kartellmitglied ist die British Aluminium Co. in London. Offenbar haben zwischen dem aus diesen Gesellschaften bestehenden Kartell und dem Mellon-Trust bestimmte Vereinbarungen bestanden In Italien hat der Montccotini- Konzern unter Beteili- gung der Vereinigten Aluminiumwerke eine mit 59 Millionen Lire arbeitend« Gesellschaft gegründet, deren Anlage etwa 6999 Tonnen Aluminium jährlich herstellen kann-,«in« ähnlich« Anlag« ist in Spanien entstanden. Was niihl der-Zoll? Unter diesen Umständen mag eiy Aluminiumschutz.zoll den deutschen Produzenten als Ausweg zur Sicherung des beut- schen Marktes vielleicht vernünftig erscheinen. Man darf aber hierbei folgendes nicht vergessen: Wenn die Amerikaner tatsächlich große Aluminiummcngen auf den deutschen Markt werfen wollen, um die deutschen Produzenten zu unterwerfen, dann werden fi« unter Umständen auch den Zoll riskieren: denn ihr« Kapitz>lkraft erlaubt ihnen ausgiebig« Konkurrenzkämpfe. Es ist auch domir zu rechnen, daß die Amerikaner ihre Erobcrungszüge nicht nur mit kanadischem Aluminium betreiben wollen, sopdern daß sie auch in Europa selbst in größerem Ausmaß produzieren wollen. Ihre nor- wegische Tochtergesellschaft wurde bereits erwähnt: vor«inigen Monaten entstand eine mit 3 Millionen Fronken arbeitende schwci- zerisch« Gesellschaft, hinter der der Mellon-Trust steht, zwecks Be- teiligung an verschiedenen europäischen Aluminiumgesellschoftcn. In Jugoslawien sollen bereits bestimmte Pläne für Neugründungcn auf diesem Gebiet bestehen Gegen oll diese Möglichkeiten bietet natürlich ein Zoll letzten Endes keinen ausreichen- den Schutz. Schließlich ist auch noch darauf hinzuweisen, daß Deutschland über einen erheblichen Aluminiumexpart verfügt, der im Jahre 1928 insgesamt 57,9 Millionen Mark betrug, wovon mehr als die Hälfte auf Aluminiumfertigwaren entfielen. Am die Baumwollzölle. Eine Oenkschnst des ZWchSwirtschastSministeriumS. Dos Rsichswirtfchaftsministerium veröffentlicht jetzt die Ergcb- nisje einer Enquete für die Baumwollindustrie, die unter Leitung d es Ministerialdirektors o. D. Bail vorgenommen wurde. Den Anlaß zu dieser Untersuchung gaben die im Frühjahr aufgestellten Forderungen der Baummollindustriellen auf Heraus» setzung der Zölle für Baumwollgarne und Gewebe. Damit zugleich war die Kündigung des deutsch-franzöfifchen Handelsvertrages zum erftmnglichen Termin gefvrdert morden. Di« Untersuchung des Reich.swirtschastsministeriums stellt fest, , daß die Beschäftigung der erfaßten Betrieb«, di« im Jahre 1929 rund 19 bis 29 Proz. unter ihrer vollen Leistungsfähigkeit gearbeitet haben,[ich bis zum Oktober 1929 weiter verschlechtert hätte, so daß heute die Baumwollindustrie pur mit zwei Drittel bis Drei- viertel dieser Leistungsfähigkeit arbeite. Der Inlandsabsatz, der schon 1928 erheblich nochgelassen habe, sei dann Anfang dieses Jahres noch mehr zurückgegangen. Auch zur Zeit zeig« sich nur' vereinzelt eine leichte Besserung. Dem entspricht, daß die Einfuhr an Baumwollgarnen und noch mehr an Baumwollgeweben nach dem un- gewöhnlichen Umfang des Hochkonjunkturjahres 1927 fortlau- send zurückgegangen sei. Die übersteigerte Bedarfsdeckung vor zwei Iahren mußte in der Folgezeit einen Rückschlag auf den Absatzmarkt mit sich bringen. Auch die schlechte Lage des Arbeilsmarktes hat hier zweifellos mitgewirkt. Demgegenüber hoben ober die Produktionsmittel der beut- jchen Vaumwollindustrie zugenommen. So stieg von Anfang 1927 bis zum Sommer dieses Jahres die Spindelzahl um etwa 8 Proz., und die Leistungsfähigkeit der Spinnereien wurde ferner durch die durchgeführte Modernistcrung des Spindelpaares darüber hinaus noch weil« gesteigert. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, daß trotz der schlechten Absatzverhöllnisse die Industrie offenbar noch lange Zeil üb« die Absatzmöglichkeiten hinaus produziert Hot. Wenn die Denkschrift sich in der Frage der Produktions- k o ft c n die Argumente d« Textilfobrikanten zu eigen macht und u. o. anführt, daß die Lohn« in den e l f ä f f i f ch e n Spinnereien auf 69 bis 65 Proz. und in den Webereien sogar nur auf 55 bis 69 Proz. der entsprechenden deutschen Sätze zu schätzen seien, so vcr- weisen wir an dieser Stelle auf die sehr sorgfältigen Erhebungen des Textilarbeiter-Derbandes, die eine Differenz zwischen den elsässtschen und den deutschen Löhnen nur in Höhe von 25 bis 39 Proz. feststellen. Es spricht nicht für den Untersuchungs- führ«, Herrn Dail. daß das Wichtigste, nämlich die Höhe des Lohnanteiles am Fertigprodukt, nerfchwiegen wird. Von den gesamten Gestehungskosten am Fertigprodukt beansprucht der Lohn in der Baumwollindustri« noch nicht 20 Proz. Die Lohn- diffn-enz im Fertigprodukt ist daher zwischen ben elsässischew und den deutschen Fabriken auf höchstens 5 Proz. zu schätzen. Die Untersuchung gelangt zu dem Ergebnis, daß nach Loge der Verhältnisse mit einer starken Ausdehnung des Inlondsbedories für die nächste Zeit kaum zu rechnen ist und die Vaumwollindustrie ihr« Fabrikation mehr als bisher dem Bedarf anpassen müsse. Dieses Ziel könne aber nur durch die Industrie selbst erreicht werden. Wenn solche Mcßncchrnen nicht ausreichen, fei ein Zollfchutz möglich. Die Denkschrift läßt die Frage offen, ob die Handels- und zoll» politischen Schwierigkeiten gegenüber den Zallmöglichkeiten üb«- wunden werden können. Die Unterlassung dieser Prüfung vetdierck stärkst« Kritik.______ Gefährliches Spiel. Kapilalerhohung bei den Bereinigten Elektriziiäisverken Westfalen- Teilweise Privatisierung? Am 13. Dezember soll der Verwaltungsrat der Derenttgten Elektrizitätswerke Westfalen G. m. b. H., der größten rein öffeni- lichen Elektrogesellschaft im westlichen Industriegebiet, über eine Kapitolverstärkung um 92,5 Millionen(bisherige» Gesellschasts- kapital 75 Mill. und 29 Mill. Amerikaanleihe) beschließen. Da? Eigenkopital soll von 75 aus 125 Millionen erhöht werden, dazu tritt eine Dollaranleihc von 42,5 Mill. Mark(19 Mill. Dollar). Die schnelle Entwicklung des Stromverkaufs zwingt zu einem stärkerea Ausbau der Anlagen. Zlufhorchen muß man bei einer ergänzenden Meldung des „Berliner Tageblatts" zu diesem Vorhaben. E» soll im VEW- nämlich mit dem Gedanken gespielt werden, gelegentlich der Kapital» Verstärkung eine teilweise Privatisierung vorzunehmen. Das „B. T." nennt mit Fragezeichen als eventuellen künstigen Teilhaber dos RWE., also Herrn Dögler. Wir können dos zunächst nicht glauben. Aber nach der geographischen Lage, noch den Neigun- gen des„Präsidenten" im VEW., nach den Ambitionen des RWE. ist es aber nicht ausgeschlossen. Würde Herr Krone wirk» lich mit dem Feuer spielen wollen? Wir hoffen es nicht. Es werden auch in der öffentlichen Wirtschaft nämlich leicht Gruben gegraben, in die d« Grubengräber selbst fällt! Wir bitten um Ausklärung, Herr Krone! Weiter sinkende Maffenkaufkrast. Rückgängige Inlondskonjunktur.— Gesomtkonjunttur bleibt rela.iv gut. Das Institut für Konjun-kturforfchung stellt für die Monat« September und Oktober einen Rückgang der Einzelhandelsumsätze um rund 7 Proz. gegenüber dem Vorjahr fest. Die ungefähr seit einem Jahre rückgängige Tendenz der deutichen Einzelhandelsumsätze habe sich also fortgesetzt, und ein Umschwung sei vorläufig nicht zu erwarten. Di« Umsätze in Nahrungsmitteln sind aitteilsmäßig naturgemäß größer als früher, weil der Nahrungsmittelb odorf kaum eingeschränkt werden kann. Die Umsätze in Textilien. Luxusartikeln und Waren des Kultur- bedarfs sind vcvhöttnismäßig stark gesunken, während der Umsatz in Hausrot und Möbeln sich etwas günstiger hielt und im ganzen noch etwas über Vorjahrshöhe steht. Diese Feststellungen bestätigen, daß das Einkommen der Massen in Deutschland seit längerer Zeit relativ und ständig sinkt. Für die Inlondskonjupktur ist dos natürlich ein. bedenkliches Zeichen, das zum Nochdenken darüber zwingt, wie der Binnenmarkt gestärkt werden kann. Di« Hauptwege dazu sind be- lanntlich die Erhöhung des Nominaleinkommens durch Lohn- und Geholtssteigerungen, oder die Erhöhung des Realeinkommens durch Senkung der Preise. Weder dos ein« noch das ander« ist im Jahre 1929 in fühlbarer Weise geschehen. Daß die G e s ä m k k o n j u i? k t üt, zu der auch die Produktion für den'Außenhandel gehört, immer noch auf beträchtlicher Höhe »erläuft, zeigen die- Wagengcsteklungsziffern der Reichsbahn. Auch in den Monaten Oktober und Rovsmber ist nach dem letzten Reichs bah na usweis di« arbcitstäglich« Wagen- gestellung immer um einige tausend Wagen höher gewesen als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Werstgewinne iroh Krise. Oer Abschluß bei Blobm 11 Boß. Di« Werftindustrie in Deutschland befindet sich seit dem vorigen Jahr in einer Krise, die den Arbettsmarkt für die Werftarbeiter unter schwerem Druck hält. Seit dem Sommer hat sich die Arbeitskrise aus den Wersten noch von Monat zu Monat zu» sehend« verschärft. Wie die Erfahrung schon bei anderen Industrien des öftere, i gezeigt hat, läßt sich auch in der Werstindustri« hie Tatsache fest- stelle», daß d i e Unternehmer trotz der anhaltenden Krise recht gut auf ihre Kasten gekommen sind. So komtte der Bremer Vulkan für 1928 wieder die hol)« Dividende von 8 Proz. wie im Vorjahre zahlen und die Kieler H o w a l d t- W e r k e, deren Abschluß wir erst kürzlich verosfentlichten, waren sogar in der Lage, trotz der herausgeschraubten Abschreibungen aus einem mehr als verdoppelten Reingewinn«ine Dividende von 19 gegen 8 Pro.;, im Vorjahre auszuschütten. Jetzt hat dos größte Hamburger Werfttuiternehmen, die 2 l o h ni ii. 2 o ß A G., ihren Abschluß für dag an? 39. Juni beendet« Geschäftsjahr 1928/29 vorgelegt. Bei allen Werstcrbschliissen in diessm Jahr« muß mau berücksichtigen, daß der vierzehn- wöchige A r b e i t s k a in p s im vergangenen Herbst normaler- weise die Betriebs« rvini.e ungünstig beeinflussen mußte. Wenn daher bei Blohm u. Nah die Vetriebsgewinne nur von 3,0 auf 2,8 Million«,? zurückgegangen sind, so ist ktzis«in Beweis, wie günstig das Unternsbmen in? ganzen gearbeitet hat. Der Rein- gewinn mit 579999 Mark?)at sich soaor gegenüber dem letzten Jahr kaum verändert und auch d i e Dividende bleibt mit 5 Pro.z. aus der Höhe des Vorjahres. Aus den wichttgiten Vilanz- posten des Unternehmens läßt sich ersehen, daß die Blohm Voß 21.«©. auch zurzeit im Gegensatz zu den meisten anderen Wersten sehr- gut beschäftigt ist. So hat sich de r Wert der in Arbeit besindlichei? Schiffe einschließlich der Looerbestände ganz erheblich von 48,3 auf 60,6 Millionen erhöht Andererseits sind die 2lnzahlunflen der Besteller auf Schiffe im Bau. sowie der Posten„Perschiedene Gläubiger"»on 63,3 aus 78,3 Millionen gestiegen. Dies« Tatsachen beweisen, daß auch zurzeit bei diesem Unternehmen von Schwierigkeiten keine Red« sein kann. Stahlwerk Döhlen meldet Verluste. Der Abschluß der S ä ch s?. schen Gußstahlwerke Döhlen A./K. in Dresden, die von Otto sWoiff und dem Stahlkouzern Paul Rohde beherrscht wird, meldet für da? jetzt abgeschlossene Geschäftsjahr 1928/29 einen Verlust von mehr als 629 999 Mark. Im vergangenen Jahre wurde aus einem Reingewinn von rund 496999 Mark eine Dividende von 6 Proz. gezahlt. Der Verlust wird von der Verwaltung mit der ungünstigen Konjunktur in Mitteldeuft'chlond begründet. o«5«jr. läse.»g»./V Zeitr�io Irr? Sfadtbaimhof Edrsa, Filiale WümerseJorfer Str. 83 am Kurfürstandamm ViMtzKOKWI WWMKDOU mwun mtmmmmett** KchtttdMM, DMftrtt«!, StappdMfcan, ftMbafta ItaUr 18.78, 22,80, DauoMtteoUn 88J0, 48J0, 8100, SflJM, Sonnabend 7. Dezember 1929 Unterhaltung und Wissen Beilage des Vorwärts nrneim Büchner: Die �ibeie? flücMeM vor um bringen wir aus dem bei i?. A..Vr�ckhaus crfrfvicncrcn einzigen Buch Dr. Milchners über sein« Forschungsreise: moni nadme bum" eine interessante Textprobe. In oincm großen Wulo.�lt hatten uns schon seit neun Tagen der Häuptling des Bezirks und die neuen Wuloleute erwartet. Ein Doppclicuer brannte, und wir litten keinen Mangel. Sogar drei ihammel wurden für uns bereitgehalten. Der Häuptling eröffnet uns, dag unser Wulobcgleitbricf mit dem Ziel„Rudot" ausgestellt fei und daß die Route nach Rude>k in feinem Distrikt sehr bald abbiegen würde. Die osfizieU« Wularoute verliefe nach Ngariga weiter, das sich ungefähr zwei bis drei Tagemärfchc südlich von Rudok befände. Dort in Ngariga residiere ein tibetanischer Beamter, der beinahe an Rang dem Dalai-Lama gleichkäme. Der Häuptling betonte nochmals, daß wir uns nur mehr zwei Tagrcifcn im Distrikt Schumba befänden, und bat um unsere sofortige Entschließung, da er gegebenenfalls den Wulabncf abändern müsse. Wir entscheiden uns für die Wularoute und nehmen Ngariga als Ziel. Der erste Häuptling schreibt noch am Abend�Vn Begleitbrief für uns mit dem Ziel Ngariga, den wir alle drei unterzeichnen müssen. Cr versichert uns, daß wir in 14 Tagen Ngariga erreichen können und daß wir auf dieser Linie keine schweren Pässe mehr zu überwinden hätten. Da die Karawane■ nach Mitternacht noch nicht eingetroffen ist, scheint es fast, als ob die Treiber einen falschen Weg eingeschlagen hätten. Es werden sofort Boten ousgesandt, um die Vermißten zu suchen. 3. Februar. Die Jaks kommen erst gegen Mittag an. Sie hatten tatsächlich einen falschen Weg nach Süden eingeschlagen und waren durch einen der Kundschafter eingeholt worden. Wir können heute unmöglich weitcrmarschicrcn und benutzen diese Muße, um unsere Notizen zu ergänzen: mein Freund Jack stellte mir aus Fell Schuhe her. Ich kam mir wie neugeboren vor, als ich meine zer- schundenen Füße auf einig« Tage geschützt wußte. Ich zahle den bald nach Jarra zurückkehrenden Wnlaleutcn meinen Mictsantcil aus. 4. Februar. Es sieht trostlos aus: nichts als Schneewolkcn. Wir treten gleichwohl über mächtige Schutthalden den Marsch wcst- wärts an, am Fuße eines steilen Fclsriickens, verlassen über einen flachen Sattel die Lagerebene und betreten jenseits«ine breite, nach Westnordwest streichende Talfurche. Im heftigen Schneetreiben stoßen wir zufällig ani Fuß einer Felsnafc und einer von Süden vorspringenden breiten Höhcn.zunge aus die sur uns dort vor- bereiteten zwei Zelt«, die schnell eingeschneit sind. Ein ungemütlicher Nachmittag. Ununterbrochener Schneefall. 3. Februar. Herrlicher Morgen. Da die Tiere gestern kein Futtcr erhielten, muß heute das Versäumte unbedingt nachgeholt werden. Wir köimen daher erst später abmarschieren. Das kommt mir nicht gelegen, weil am Nachmittag programmäßig magnetische Messungen fällig sind und. ich möglichst frühzeitig am neuen Lager- platz eintreffen will. Endlich können wir in tiefem Schnee weiter- ziehen. Tie Sonne brennt, und es ist ganz unmöglich, ohne Gletscher- drille auch mir einige Minuten den. Blick auf die gUtzeruden Eis- flächen zu richten. Auch alle Eingeborenen bedienen sich solcher Augcnschutzer. Unsere Führer meinten, daß der heutig« Marsch nur ganz kurz sein werde. In Wirklichkeit war er einer der größten, die wir überhaupt zurückgelegt haben. Schier endlos sind die tiefverschnciten Ebenen, die heute durchmessen werden. Glücklicherweise ist die Lust sichtig, so daß wir den Marschrichtungspunkt beibehalten können, sonst würden wir bestimmt unser Ziel nicht erreichen. Die viele Kilometer breite Taleberre weitet sich um das Mehrfache, und in der Mitte ragt ein Hügelmafsio auf. Wir lassen dieses rechts liegen und beenden den schweren Marsch kurz vor Sonneimntergang am Fuß eines vereisten Felsmassivs, dem Eckpfeiler unserer bisherigen linken Talliegrenzungskette. Trotz der knappen Zeit gelingt es, meine Arbeiten planmäßig durchzuführen, allerdings unter Zuhilfenahme der Nacht. 6. Februar. Ein lachender Morgen mit kaltem Südwind: bald fetzt Schneetreiben«in. Heute heißt es den Paß erklimmen, der das gewaltige Fclsmafsiv zur Linken mit dem Talbegrenznngsnicken zur Rechten ve-bindet. Der Anstieg ist nicht ohne Gefahr. Der muldenreiche, vereist« Hang bringt die Tiere zum Ausgleiten. Weite? aufwärts zwischen Rillen, tiefen Schneelagen, steile» Schutthalden mit kantigen Gesteinstrümmern: alles im Schnee begraben. Wir steigen bei Schneetreiben und eisiger Kälte höher und höher, bis wir am Wcftabfoll dieses riesigen Felsplateous stehen. Etwas unterhalb des felsigen Oberteils, an dem muldenreichen Hang, der nach Westen abfällt, wallen wir die Nacht verbringen. Die Führer hatten im Schneesturm zwischen den Felstrümmern eine Stelle gefunden, in der unter dem Schnee eine Menge Scham, ist nusgeschchtet lag An dieser Stelle schlugen wir unser' Zelt aus, während der Sturm heulte und uns die Zähne vor Frost klapperten. Die Nacht bringt einen Zweikomps zwischen Dollmond und Echneewolken, ein Ringen zwischen gutem und schlechtem Wetter. Schließlich gewinnt der Schnee den Sieg, und um Mitternachi be- hauptct er das Feld- Dos ganze Gelände ist am Morgen des 7. Februar wie mit einem großen Leichenluch überdeckt. Windstills. Auch das Zeltinnerc ist mit einer handbreit hohen Schneclaae ver- fel/ON. Wir machten uns schnell �marschfertig, um hier nicht einzuschneien. Rasch hinunter nach Süden in ein Talbecken über den muldenreichen Hang hinweg. Die müden, bepackten Jaks sinken dort bis über den Bauch ick den Schnee: sie schnauben und prusten, und nur der Eingeborene ist fähig, unter so schwierigen Ilmstanden eigenwillige, grunzende Jak- zusammenzuhalten und vorwärts zu bringen. In der breiten Ebene, die sich nach Süden fortsetzt, ist die Weg- samkeit etwas besser, trotz der vereisten Flächen und tiefen Löcher. Ringsum felsige.Höben und lieie Buchten mit einigen Zelten. Dort treffen wir einen der Häuptlinge dieses Distrikts, einen alten Mann. Er erbietet sich, uns nach dem Lagerplatz zu bogleiten. Auch eut- schuldigt er sich, das, er noch nicht für uns vorbereitet sei, aber der Wulabrfef sei ihm erst gestern zugekominen. Unweit von hier sollen wir wenigstens doch eine Genugtuung haben. Wir stehen an der Quelle des San-dschu-tsang-po. der zum Indus hinunterfließt. Gott je' Dank, das schwerste Stück liegt hinter uns: die Wassericheide zwischen dem abflußlosen Hochttbet und Indien. Wir befinden uns jetzt nach wenigen Schritten cm indijchen Stromgebiet. Bon nun an geht es also hinab nach der Ebene, die vor Jahrhunderten und Jahrtausenden ganzen Völkern *>» sehnsüchtig erstrebtes Endziel gewesen ist. Doch so muhelos sollte sich unser« Freud« nicht verwirklichen. Der Tolboden, auf dem wir uns abwärts bewegten, war derartig ncreift und mit so tiefem Schnee bedeckt, daß wir teilwerfe noch langsamer vorankamen als auf den steilen Pässen bergauf. Die Tiere brachen ständig ein. Der Häuptling führte uns nach dem Wulo- platz, wo er uns in den, geräumigen Zelt seines ihm vorgefetzten Kollegen bei zwei Damen einquartierte. Hier war es ungemütlich: denn am Abend brannte kein Feuer, und der uns gereichte Tfamba war recht dürftig. Die Jaks trafen erst spät in der Nacht ein. Auch heute keine Wandlung. Die Wulageschästc werden hier von drei Häuptlingen entschieden. Aber nur einer ist anwesend, und dieser sagt, daß wir erst in vier Tagen wcitermarfchieren könnten. Der Wulabrief fei bereits vorausgegangen. Ich arbeite den ganzen Tag an meinen Messungen. Indische Schmucks«holen, die wir bei den Frauen sehen, deuten darauf, daß das„gelobte Land" nicht mehr allzu fern ist. Die Frauen hier haben interessante Gesichter, den, Jndianeriypus ähnlich. 9. Februar. Auch heute«in neuer, unfreiwilliger Rasttag. Die Dinge um uns her gestalten sich immer mysteriöser. Wie inan munkelt, ist der erst« Häuptling, dessen Zelt wir bewohnen, heimlich abgerückt und hat sein talwärts gelegenes Zelt bezogen, woselbst seine Jak- und Schafherden untergebracht sind. Ihm soll auch der zmeitc Häuptling gefolgt fem und ein Diener, der am gestrigen Tage für uns Brennholz gesammelt hat. Der Grund der Flucht war mir klar: man hatte gemeine Angst vor uns. Deshalb rückten die tapferen Männer aus. Die Frau des ersten Häuptlings» der >ch inzwischen eine„Bcruhigungspillc" verabfolgt hatte, ließ den Helden sagen, sie möchten zurückkehren: die Fremden seien ganz harmlose Leute. Das wirkte. Bald trafen die beiden Häuptlinge unter Führung des meißl>aarigen dritten Häuptlings ein, der uns gestern nach dem Zelt gebrallzt hatte. Die Häuptlinge suchten nach allerhand Ausreden. Sic wollten uns den Bären aufbinden, sie hätten Befehl erhalten, uns keinerlei Unterstützung zuteil werde» zu lassen: der Wulabrief sei nickst eckst! Jetzt faßten wir sie schärfer an und sagten ihnen aus den Kops zu, daß sie die Folgen ihrer Widersetzlichkeit zu trage» hätten. Plötzlich waren sie wie umge- wandelt und wollten für uns Himmel und Hölle in Bewegung setzen. Sie boten zwei Schafe als Buße und versprachen, daß bis zum Mittag des nächsten Tages alles bereit sei. Während der ganzen Nacht wurde im Zelt disputiert, und alle Leute bemühten sich platz- lich, einen guten Eindruck bei uns hervorzurufen. ./big u fr Sirindher g: 3)er �Demokrat Aus dem Kachlnfr übertragen von Emil Sehering Wie konnte Tolstoi, dieser Gras und Offizier, dieser reiche Gutsbesitzer und berühmte Dichter, Demokrat sein, sich mit den arbeiten- den Klassen verwandt fühlen? — Er besah Schamhaftigkeit und Rechtsgefühl! Allerdings wurde diese seine bessere Natur zunächst unterdrückt van den Ver- wandten, die ihn erzogen, und von den schlechten Kreisen, mit denen er verkehrte. So wurde er zuerst all den anderen gleich. Während des Krieges, als Offizier, vergnügte er sich, während der Soldat litt. Als Gutsbesitzer mit 700 Untergebenen vergeudete er in der Hauptstadt und im Auslande, was feine Bmiern er- arbeiteten. Aber eines Tages erwachte er und begann über den Zweck des Daseins und das Wesen der Gesellschaft nachzudenken. Er verglich den unnützen Salonpöbel mit den unentbehrlichen Arbeitern, die zum Lohn darben mußten und verachtet wurden. Diese Verachtung des Nützlichen empörte ihn mehr als alles andere. Jetzt begann er sich seinen Bauern zu nähern. Zuerst mußten sie ihn abstoßen, weil sie andere Gewohnheiten als er besaßen. Ihr Mißtrauen verletzte ihn, denn sie glaubten, er sei ein Demagoge her die Volksgpnst benutzen wollt«, um Macht zu erringen. Um sich zu entschädigen, suchten sie chn auszubeuten: spielten den Arme», um einen Schnaps zu erhalten; betrogen ihn bei der Pacht: bissen in die Hand, welche die Gabe reichte. Aber all diese häßlichen Eigenschaften hatte er bei den vor- nehmen Taugenichtsen in noch höherem Maße gefunden. Besonders Diebstahl mar hachentwickelt beim Hospöbel und Bcamtenmob. Das Offizierskorps bestand beinahe nur aus Räubern. Als er sich seinen Bauern. näherte, fand er bei ihnen wertvolle Eigenichoften, die den Oberen völlig fehlten. Erstens konnte die Gesellschaft nicht ohne die arbeitenden Klassen bestehen, ivährcnd die Gesellschaft viel besser gedeihen wurde ohne das Ungeziefer, das nicht nur überflüssig ist, sondern geradezu schädlich. Dann fand er bei der Unterklasse, außer dem Gesunden, das Arbeit und erfüllte Pflichten geben, ein unverfälschtes Gefühl von Recht,«in« stille Ergebung in den Willen der Vorsehung. Auch konnten sie sich wie Kinder über eine Kleinigkeit, eine Ruhepause, einen Tanz, einen Trunk freuen. Da begann Tolstoi selbst körperlich zu arbeiten, um deren Arbeit zu ehren, um eine von den ersten Pflichten des Menschen zu er- füllen, um sich selbst gesund zu erholten. Das Salonleben hatte er früh durchschaut: das war hohl, ränkevoll, erbärmlich. Dann machte er sich zum Bolksschullehrer, schrieb Abc-Bücher. unterrichtete in Rechnen, Lesen und Schreiben. Einige Zeit lang ging es gut. Da aber.entdeckte er, daß die Geschichte eine große Fälschung ist, geschrieben von der Oberklasse, zensuriert von den Höfen, um d>« Unterklasse in Respekt zu erhalten. Er griff zu den Büchern der Könige und begann sie aus sein« Weise zu leien. Als er ober an die heilig« russische Geschickste rührt«, erschienen die Gendarmen. Geschichte und Gendarmen haben stets zufammengehörr! Die religiöse Krisis Tolstois, die seiner ersten demokratischen Epoche parallel läuft, war rein orthodox(griechisch orthodox). Er nahm das, was vorlag, aber ging doch direkt zu. den Evangelien. Dort lernte er. daß die Menschen nicht das Recht besitzen, jemanden zu verachten, weil er schlechter gekleidet ist, gröbere Hände hat, Mundart spricht. Der Verächtliche ist vielmehr der reiche Jüngling, ob er nun arbeitsfreies Einkommen, eine Stellung,«ine Zlus- Zeichnung ererbt, erworben oder erschwindelt hat. 'Aber Tolstoi hatte auch vom Frieden aus Erden gelesen. Da er selbst den Krieg aus der Röhe gesehen hatte, begann er sich zu fragen, ob es reckst fei, Kriege zu fuhren. Wenn zwei Menschen in Streit geraten, dürfen sie sich nicht � ichlagen, joirdern müssen den Friedensrichter aufsuchen. Wen» zwei Gemeinden zusammenstoßen, so müssen sie vor Gericht gehen, aber dürfe» sich nicht schlagen. Wenn zwei Provinzen verschiedene Inter- essen haben, so dürfen sie nicht Krieg erklären, sondern müssen das Miniitcrium um Entscheidung anrufen. Aber— wenn zwei Nationen sich streiten, dann dürfen sie sich schlagen, obgleich es Gesandte, Konsuln, Außenminister gibt. In seinem Roman„Krieg und Frieden" entlarvt Tolstoi das Ge- heimnis des Krieges. All« Krieg« beruhen auf einem Vorwand. Wenn die Oberklasse zu hart von unten bedroht wird, liegt die Rettung im Kriege. Aber Patriotismus wird ausposaunt: das Vaterland soll in Gefahr sein, die nationale Ehre steist auf twm Spiet ufw. Jetzt beginnt eine goldene Zeit sur die Obcrklasse, besonders für das Militär, am meisten für die Offiziere. Spielschulden werden be- zahlt durch Kriegssteucr, Fehlbeträge werden in der Kriegskasse per- schleiert, Lieferanten werden reich, Offiziere werden befördert: das scheint der Hauptzweck des Krieges zu sein. Während der Zeit hat die Unterklasse es schlechter als gewöhn- lich. Jeder Ausdruck von Mißvergnügen wird von der Kriegsmacht unterdrückt und als Verrat am— Vaterland bestraft. Handel und Gewerbe werden vernichtet, Saaten niedergetreten, Geld durch Ge. setze erpreßt. Die männliche Bevölkerung wird so gelichtet, daß nur Schwächlinge und Krüppel übrig bleiben. Also der Krieg ist auch eine Maßregel der OberNasse! Doch aus dem Evangelium Christi holt Tolstoi noch«ine Lehre« Strafe und Verzeih» ug. Als ich zum ersten Male los, daß Tolstoi Gerichte und Gesäng. nissc abschaffen wollte, wurde mir bange, und ich verschloß meinen sonst offenen Schreibtisch. Dann aber las ich Nils Quiding wieder, der, allerdings in der neuen Gesellschaft, meint, die Schande, ertappt»zu werden, genüge, um einen Verirrten zu bestrasen. Da begann ich mich zu fragen� ob Straflosigkeit nicht das Richtige ist. Bedingte Begnadigung heißt ja der erste Schritt! Der ist nate wendig, da es Ucbcrcilung gibt, da die Galle überfließt, stets aus gasten Gründen. Dan» aber müßte folgen: die Strafe, rein abstrakt angewendet. Der Schuldig« müßte, verurteilt, unter dem Schutz des Gesetzes stehen, Sein« Person dürfte nicht dadurch degradiert werden, daß die Gerichtsdiener ihm Mißachtung bezeigen. Wer bestraft wird, wird aufgerichtet durch dos Leiden. Wenn er wicder freikommt, müßte er besser behandelt iverden als die— welche unbestraft geblieben sind. Das ist vielleicht der innerste Sinn in Tolstois Paradvxon, daß die Gerichte abgeschafft werden müßten. Wir pflegten früher diesen Widerspruch im Rechtswesen der christlichen Gesellschaft also zu for- mulieren:„Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet"— falls ihr nicht das Richtcrexamen abgelegt habt. Tolstoi war kein Demagoge. Er schmeichelte dem., Balte" nicht, um etwas zu gewinnen. Er sagte ihm im Gegenteil alle seine Fehler. Er„liebte" es wohl kaum. Sein Rechtsgefühl mar erwacht. Der Ilebersluß quälte ihn wie ' ein böses Gewissen. Sein letzter Wille war, daß der Boden den rechtmäßigen Besitzern zurückgegeben werden muß. weil der Boden seinen Wert nur durch den Bebau er erhält. ä)ic /Kojlcii des QibraUaviwmels Nachdem in Tetzler Zeit die Frage einer Untertunnelung des Kanals zwischen Calais und Dover erneut lebhaft diskutiert worden ist, ist auch der Gedanke einer möglichen Durchqnerung der Gi- braltarstraße auf dem Unterwasserwege wieder aufgetaucht. In diesem Zusammenhange dürfte es interessant sein, sich an Hand neuer spantscher Berechnungen, wie sie die„Geographische Zeitschrift" wiedergibt, ein Bild über die in Frage kommenden Einzelheiten zu machen, die für einen derartigen Bau ausschlaggebend sind. Da die Meerestiefe an der schmälsten Stelle zwischen den beiden Kontinenten etwa 900 Meter beträgt, wäre man gezwungen, eine längere, aber weniger tiefe Zone zur Untertunnelung zu benutzen und hat bereits weiter westlich zwei Projekte ins Auge gefaßt, deren eines den Bau des Tunnels von der Daquerobai Spaniens in geradem Wege nach Tanger vorsieht, während ihn dos ander« von Ans« Bolonia im leichten Bogen ostwärts nach Pointe Karhusch östlich von Tonger beabsichtigt. Das erste Projekt scheint noch den Berechnungen durchaus das rentablere zu sei». Dieser Tunnel, der nach der Fertigstellung 48 Kilometer lang wäre(davon 32 unter Wassers und in einer Maximaltiese von 440 Meter 44 Meter unter dem Meeresboden liefe, würde einen Kostenausmand von 330 Millionen Peseten bedingen. Die Vorteile des anderen von Arne Bolonia nach Äarhiffch würden darin bestehen, daß sein Gefälle nicht 23 pro Mille, sondern nur l0 pro Mille betrüge und man nur bis zu einer Tiefe von 420 Metern zu gehen brauchte. Infolge seiner bedeutend größeren Lange, nämlich 75 Kilometer— davon 53 unter dem Meer— wurden sich jedoch die Baukosten aus A'cr 500 Millionen Peseten belaufen. Der Meeresgrund der Straße von Gibraltar besteht aus festem Fels, dessen Durcharbeitung zwar schwer, aber durchaus nicht unmöglich wäre. Man wird mit Spannung der weiteren Entwicklung dieser An- gelegerchest, deren große Bedeutung ohne weiteres aus der Hand liegt, entgegensehen dürfen, Da« preiswerte Wefhnaehts* geschenk von bleibendem Wert ffir deine Angehörigen: M- H für die Mntter! für den Vater! %at r ofo� .iß* BP**# für die Tochter! % «�K-zü' �!. für den Sohn! Weitere Binde cur freien Wehls Atkiir- OSrenJt Krihc. CtalUwileMUbeitttmfAtt 4. <*tur. Pt Jorgs Merrrnij�OtyBv. Do Jorgs Dorttbumt Cüttor. KorowoityfocVot iioömA. Lemonnlors MoMi. lo'-rc: Ans«Ikä- Wendel; 5*«Urns«Uuf. Wollt Ke**eur- Dies« Bücher gehören neeh ernsten Pr«t«tir teilen »u den besten Neuerschetmmgen der letften Zeit- Sie sind wertvoll In der Ausstattang und unerreicht billig(Ganrlclnen. Hüten wexüe» Papier V. im freien Buchhandel 4.to M. und darüber pro Band. 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