BERLIN Mittag 9. Dezember 1929 10 Pf. Nr. 576 B 257 46. Jahrgang Lrscheinttäglich außcrSvnntaz«. Zugleich Abendauegabe des.Vorwürts'. Dezugspreis beide Ausgaben 8S Pf. pro Woche, Z.soM. pro Monat. Redaktion und Ervedition; BerlinSW68,Liudemir.2 SnzeigenvreiCDie einspaltige Noiipareilleicil« 80 Pf., Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Derlag G. m. b.H., Berlin Nr.»7üZK. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? Neuwahlen in Thüringen. Llnd Gemeindewahlen in Bayern: Lleberall deutschnationale und kommunistische Verluste. Weimar, S. Dezember.(Eigenbericht.) Die Landtagswahlen in Thüringen sind ohne große Verschiebungen in bczug auf den bisherigen Besitzstand der Parteien abgeschlossen worden. Das Er» gebuis wird charakterisiert durch Verluste der Deutschnationaleu Partei und der K o m m u n i- si c n. Die Erbschaft der Deutschnatioualen tritt, wie überall bei den Wahlen der letzten Zeit, die National- iozialistische Partei an. Abgegeben wurden insgesamt 798 000 Stimmen. Das entspricht 80 Prozent der Wählerschaft. Es wur- den Stimmen abgegeben für die: �Sahl95" Mandate 1 Sozialdemokraten... 227 352(253 767) l«(18) 2. Kammuniilen..... 85 120(105 520) 6( 8) 3 Link» Kommunisten.. 12157(—) 0( 6> 4. Caiibbunb...... 131 6-8(124 429) 9( 9) 5. Deutsche Loitspartei.. 70 413( 91 268). 5( 6) 6. Wirlschastspartoi.... 76273( 63491) 6( 6) 1. Deutschnationale.... 31 618( 44 257) 3( 4) 8. Rationalsozialisten... 90 236( 30 367) 6( 2) 9. Demokraten..... 23 528( 31 265) 1( 2) 10. Sparer....... 9 626 13 710) 1(—) 11. Zentrum...... 9632( 8788) 0(—) Das Ergebnis zeigt, daß sich die Sozialdemokratie im große« und ganzen gehalten hat, während die Kom» munisten— einschließlich ihrer Opposition— zwei von acht Mandaten verloren und die Nazis vier Sitze gewannen! Politisch-Parlamentarisch sind in Thüringen vorerst keine Veränderungen zu erwarten. In den größeren Städten waren bei den Parlomentswohlen fclgendc Ergebnisse zu verzcichncn.- Apolda- Stadt: Soz. 5499(Landtogswahl 1927: 3697), Land-- r olk 76, Komm., 953(1005), DBp- 1340, Wirtschastsp. 1518(1695), Unat. 831, Rat.-Soz. 3026(303), Dem. 332(402), Lolksrechtsp. 145(469), Komm. Opposition 37, Zentrum 178. Eisenach- Stadt: Soz. 6539(7759), Landvolk 171, Komm. 2703 (2440), DVp 2507. Wirtschastsp. 1324(1483), Dnat. 1436, Rat.-Soz. ,3712(692), Dem. 2108(2362), Volksrechtsp. 202(842), Komm. Oppo- sition 150, Zentrum 371. Gera- Stadt: Soz. 22 SOS(21 793), Landvolk 760, Komm..3250 (4674), DVp. 10 730, Wirtschastsp. 4777(3391), Dnat. 1534, Rat.- Soz. 4557(958), Dem. 604(913), Volksrechtsp. 554(1679), Komin. Opposition 746, Zentrum 387. Gotha Stadt: Soz. 19 047, Landvolt 407, Komm. 5279(7669). DVp. 3220, Wirtschastsp. 1837(1326), Dnat. 2503, Rat.-Soz 5193 (1.359), Dem. 931(875), Volksrechtsp. 344(915), Komm. Opposition 338, Zentrum 372. Zeno: So,. 9797(9434). Landvolk 468, Konim. 3689(4964). DVp. 4808, Wirtschastsp. 2597(2200), Dnat. 1620, Rat.-Soz. 2559 (788). Dem. 3482(2909), Volksrechtsp. 257(586), Komin. Opposition 475, Zentrum 525. weimar-Stad«: Soz. 5853(5991), Landvolk 2317, Komm. 1018 ■»(2395). DVp. 3329, Wirtschastsp 1925(1838), Dnat. 1595, Rat.-Soz. 5416(1359), Dem. 870(875), Volksrechtsp. 1278(2035), Komin. Opposition 697, Zentrum 487. Gemeindewahlen in Bayern. München. 9. Dezember.(Eigenbericht.) Die Gemeindewahlen sind in Bayer« durch aus ruhig verlaufe». In München eroberte die Sozial demokratie von 39 Mandaten 17. während die Dentsch nationalen von 9 auf 3 halbiert wurden. Die Nazi steigerten ihre Mandatsziffer von 9 auf 8. Aatastropha haben überall,«ud das gilt insbesondere für München die Demokraten abgeschnitten. Die Kommunisten brachten es ebenfalls nur auf drei Mandate. In Nürnberg behauptet die Sozialdemokratie mit 51 Mandaten ihre führende Stellung. Tie Temokra» (FortieLuog auf der 2. Seite.) Orkan seit 72 Stunden. Aeue Opfer an Menschenleben und Schiffen. Ter Orkan, der seit drei Tagen in der Bise aha und im Aermelkanal wütet, hat der Schiffahrt außerordentlich schweren Schaden zugefügt. Alle Ucber- seedampfcr kommen in den französischen Häfen mit schweren Beschädigungen an. Der italienische Dampfer A i f r i aus Neapel ist gestern nachmittag unter- gegangen. Von der Besatzung konnten nur sechs Mann gerettet werden. Tie übrigen, die sich an Tchiffstrümmern festhielten, wurden fortgespült. Weiter ist im Golf von Biseaya der Dampfer„H e l e n e" ge> funke«. Ein Mann der Besatzung ist ertrunken. Bei Onimber hat die Sturmflut ein Gebiet von 39 Hektar überschwemmt. Ein ganzer Stadtteil steht unter Wasser. In Dieppe wurden am Kai zwei Personen von einer Hugenbergs Weihnachtsengel. »Ich bring dir gute neue Mär!� Sturzwelle ins Meer gerissen und ertranken. Im Innern Frankreichs wurden Hunderte von Telegraphen» und Telephonleituugen zerstört. Tie internationalen Ver» bindungen funktionieren jedoch, da diese Leitungen be- kanntlich unterirdisch gelegt sind. London. 9 Dezember. Nach einer kurzen Pause am Sonnabend hat der Sturm wieder mit voller Stärke eingesetzt und dauerte den ganzen Sonntag über an. Zwei Mann der Besatzung des britischen Zerstörers Wal- pole, der sich auf dem Wege von Portsmouth noch Ehatham- befand, wurden von einer Welle über Bord gespült und ertranken. Mehrere große Ozeandampfer trafen in englischen Haken mit erheb- ichen Beschädigungen ein, so war das Deck des amerikanischen Dampfers President Roosevelt von den überkcmi-menden 5een erheblich deschädigt. Der nach Südamerika ausgelausenc Hapag- ampfer K e l l e r w a l d kehrte gestern nach Plymouch zurück, noch- .cm er bei schwerem Weststurm in 24 Stunden nur 34 Meilen zurückgelegt hatte. Der srangösische Dampfer„G a s c o g n e" drahtete am Sonntag, daß er den italienischen Dampfer C h i e r i in sinken- dem Zustande angetroffen habe und bemüh: sei, die Mannschaft zu retten. Nach Meldungen aus Brest hoben sechs Schiffe drahtlos um dringende Hilfe gebeten. Die Kllstcnwachstativn<70 t fofori sämtliche verfügbaren Dampfer zur Hilfeleistung ausgeschickt. Der Schistahrts- verkehr zwischen Dover und Calais rjt immer noch unterbrochen.— Schiffskataftrophen in der Bucht von Aiscaya. lieber den lintergang des dänischen Dampfers„Helene", bei dem zwei Mann der Besatzung den Tod fanden, liegekr in Kopenhagen genaue Einzelheiten vor. Danach geriet der Dampfer in der Nacht zwischen Mittwoch nnii Donnerstag in der Bucht von Bis- c a y a in einen heftigen Sturm. Die Seen schlugen ständig über das Schiff und rissen Teile des Oberbaues und die Rettungsboote fort. Das Schiff erhielt ein Leck und füllte sich rasch mit Wasser. Von einer See wurde der erste Steuermann des Dampfers über Bord gespült. Die See ging so hoch, daß keinerlei Rettungsversuche unternommen werden konnten. Ein englischer Dampfer, der dem dänischen Dampfer zu helfen oersucht«, konnte infolge der hohen See nichts ausrichten. Später kam der französische Schlepper„Sroise* zu hilf«, dem es gelang,„Helene" ins Schlepp zu nehmen 36 Stunden lang dauerte es. bis sich der Dampfer Brest näherte. Kurz vor Erreichung des Zieles riß jedoch die Trosse und verwickelte sich in der Schraube des dänischen Dampfers. Darauf beschloß die Be- satzung der„Helene" in See zu springen und zu dein französischen Schlepper hinüber zu schwimmen. Dabei kam«in anderer Steuer- mann ums Leben. Am Sonnabend abend erreichte der französische Schlepper mit den 16 übrig gebliebenen Mann der Besatzung Brest, während etwa um die gleiche Zeit„Helene" gegen ein Riss getrieben wurde. Der Dampfer wurde vollständig wrack und ging unmittelbar daraus unier. Nettung durch Naketenapparat. Stockholm. 9. Dezember. 1 Das Personal des Leuchtturins auf Karlsö-hat heute nachmittag durch den Rakctenapparot 18 Mann der Bejahung des gestrandeten deutschen Dampfers„Aegir" gerettet. Der Kapitän, der zweite Steuermann und ein Matrose sind an Bord des Dampfers geblieben. Ertrunken ist der 59 Jahre alte Bootsmann Heitmann. Ein deutscher Bergungsdampfcr ist in Karlsö eingelaufen, koim-te aber wegen des Stiirmes bisher noch nichts ausrichten. Die Ladung von 225 Automobilen befindet sich noch an Bord. Der SKirm hat etwas abgeflaut. Kopenhagen, 9. Dezember. Der Sturm, der am Sonnabend über Dänemark raste, war besonders heftig über Ost-Zütland, wo großer Schaden angerichtet wurde. An der Küste des Kattegat wurde Windstärke 11 gemessen. Auf der Funkstation Maavand an der Westküste Iütlands liefen den ganzen Sonnabend über LOS-Rufe in einer solchen Anzahl ein, d-iß man sich genötigt sah, den Handelsdienst abzubrechen. Drei Sturmopfer in Lille. Immer neue Opfer fordert das Unwetter in Frankreich. In Lille stürzte eine Mauer zusammen. Zwei Frauen und ein Mädchen wurden getötet.— Zn Marseille, dem Schauplatz der großen Einsturzkalostrophe vor einigen Tagen, muhten drei weitere Häuser wegen Einslurzgesehr geräumt werden. Uebcr 100 Personen wurden obdachlos. • Hamburg, 9. Dezember.(Eigenbericht.) Der schwere Orkan, der über der Nordsee wütet, hat auch in Hamburg schwere Schäden angerichtet. Der amerikanische Dampfer „Lorain" wurde im Hafen von einer Bö ersaßt und gegen den Dock gedrückt. Die Pfahlgruppen knickten wie Streichhölzer um. Der Ponton wurde l e ck und cingderückt Eine große Anzahl kleinerer Fahrzeuge wurde zum Teil schwer beschädigt. Im Hamburger Stadtgebiet richtete der Sturm Verwüstungen an. Dos Dach einer Baubude wurde auf parkende Fahrzeuge geschleudert. Eine Kontoristin wurde durch ein Holzstück, das der Sturm von 'einer umgeworfenen Holzplanke eines Neubaues auf die Sirahe warf, erheblich verletzt. Durch hcrabgeschleudert« Dachziegel wurden zahlreiche Passanten gefährdet. Die Feuerwehr mußte wiederholt eingreifen. Das nach Holland verkauft« Dock II der Hamburger vulkanwerfl geriet nördlich der Znsel Terschelling in einen schweren Südweststurm und brach mitten durch. Zwei Mann der Bejahm g ertrauten. Die Wahlen in Bayern.» Der Llniersuchungsn'chter versagte. Vorwürfe des Oberstaatsanwalts in Hirschberg. L. R. Hirschberg. S. Dezember.(Eigenbericht.) Die heutige Verhandlung dürste wohl die interessanteste und spannendste werden: Wie verhielt sich der AngeNogte während seines achttägigen hartnäckigen Leugnens und später bei seinem Ge- ständnis. Als ersten hört man darüber den Untersuchungsrichter, Land- gerichtsrat Dr. Thomas. Ein eigenartiger Herr, dieser Zeuge: Er mißt wichtige Bekundungen des Angeklagten keine Bedeutung bei und unterläßt ihre Protokollierung, und schließlich läßt ihn auch im Gerichtssaal des Gedächtnis vollkommen im Stich. Es geht um die Frage: Hat der Angeklagte von einem„bö'sen Geist" des Hauses gesprochen, dem er alles zutraue, also auch die Tat? Der Oberstaatsanwalt führt« zur Unterstützung seiner Behauptung, daß diese Worte gesallen seien, so viele Einzelheiten an. daß an ihrer Richtigkeit nicht mehr gezweifelt werden kann. Das von dem bösen Geist hat er aus Grund seiner Notizen mit zur Grundlage seiner Anklage gemacht. Der Untersuchungsrichter hat aber dies« Aeußerung nicht zu Protokoll genommen und kann sich im Augenblick ihrer nicht mehr entsinnen. Im übrigen meinte er, er würde diesen Aeußerungen, sofern sie gefallen wären, wohl keine Bedeutung beigemessen hoben, da er der Darstellung des Angeklagten vollen Glanben geschenkt habe. Es niag strafprozessual nicht haltbar sein, daß der Staatsanwalt der Dernehmimg des Angeklagten beigewohnt hat— auch das Einverständnis des Beschuldigten entbindet nicht von der Pslicht, die Forderungen des Strafprozesses einzuhalten—, Tatsache bleibt doch, daß eine so schwerwiegende Aeußerung aus dem Munde des An- geklagten gefallen ist. Tatsache bleibt, daß er später nach der Bei- setzung des Vaters den Namen Wabnitz, den ihm der Untersuchung?- richter in den Mund legte, aufgegriffen hat. wohl um densenigen, den er anfangs gemeint hat, zu decken. Also ein Stein mehr für das Fundament zur Anklage wegen Vatermordes. Die Frage, die bei dein unbefangenen Zuhörer im Gerichtssoal bereits am ersten Tage aufkam, tritt immer dringender in den Vordergrund: Ist überhaupt noch das Schöffengericht zuständig? Dorf es nach dieser Beweisaufnahm«, wenn sie überhaupt noch ernst genommen werden soll, zu einem Urteil kommen oder ist das Gericht verpflichtet, die Sache dein Schwurgericht zu übergeben? Die Bekundungen der Breslauer Kriminalbeamten verstärken nur den allgemeinen Eindruck, daß so wie bis jetzt nicht weiter vcr- fahren werden darf. Oer Ltnierfuchungsrichter sagt aus. Am heutigen dritten verhandlungslag ist der Angeklagte wieder frischer als am Sonnabend, nachdem er sich gestern in ärztliche Behandlung begeben hotte. Zn Gerichtssoal herrscht allgemeine große Spannung, da es heißt, daß die Verteidigung heute einen großen Vorstoß unternehmen und evtl. beantragen will, die vcr- Handlung gegen Christian Stolberg dem Schwurgericht zu überweisen. Als erster Zeuge wurde der Untersuchungsrichter, Landgerichts- rat Thomas, vernommen, der von Anfang an den Angeklagten verhört hat. Er schilderte olle Einzelheiten der Aussagen des Grafen Ehristian, da dem Vorsitzenden daran log. nachzuprüfen, ob sich der Angeschuldigt« schon bei seiner ersten Bekundung in Widersprüche verwickelt habe. Vors.: Herr Zeuge, ist e-� richtig, daß Sie dem Angeklagten sagten: Wenn Sie die Jat begangen haben, so gestehen Sie ruhig, das Fideikommiß verlieren Sie deshalb nicht. Zeuge: Nein, ich habe das nicht gesagt, das war, glaube ich, der Oberstaatsanwalt. Vors.: Haben Sie ihm die zioilrechtlichen oder strafrechtlichen Folgen einer Fahrlässigkeit auseinandergesetzt? Zeuge: Meines Wissens tat das der Herr Oberstaatsanwalt. Oberstaatsanwalt: Die Untersuchung hatte großes öffentliches Interesse, und ich mußte dem Ministerium berichten. So ging ich abends zwischen 7 und 8 Uhr zum Unter- suchungsrichter. Dieser meinte, ich könnte, wenn der Angeklagte einverstanden sei, der Protokollierung der Aussage beiwohnen. Vors.: Können Sie, Herr Zeuge, unter Eid sagen, daß, als der Oberstaatsanwalt kam, die Vernehmung bereits beendet war? Zeuge: Meines Wissens ja. Der Oberstaatsanwalt. verlas dar- auf den Bericht, den er über diese erste Vernehmung dem Mini- stcrium am anderen Tage übcrsandt hat und in dem steht, daß Christian Sl. einen Mann kenne, dem er alles zukraue, den er aber nicht nennen wolle, um nicht Geheimnisse seiner Familie preiszugeben. Vors.: Hot der Angeklagte nicht gesagt, die Tat sei von dem „bösen Geist" des Hauses oder der Familie ausgeführt? Zeuge: Nein. Oberstaatsanwalt': Der Angeklagte hat auf die Frage, ob er den fremden Täter kenne, gesagt: Zch will keinen fremden Menschen bezichtigen, aber ich kenne einen, dem ich alles zutraue. Vors.: Diese Aeußermig, Herr Landgerichtsrot, mußte Ihnen doch auffallen, da der Oberstaatsanwalt sie doch zur Grundlage seiner Anklage gemacht hat. Da mußten doch eigentlich noch andere Spuren verfolgt werden. Zeuge: Von einem bösen Geist hat der Angeklagte wohl nichts gesagt, g l o u b e i ch. Vors.: Das steht aber wörtlich auf Seit« 24 der Anklage. Die so wichtige Verdächtigung eines Fremden, des Försters Wapnitz, die der Oberstaatsanwalt sofort oerfolgte, hoben Sie im Protokoll nicht fe st gehalten. Zeug«: Ich kann nur wiederholen, ich glaube selbst heute nicht, daß die Aeußerung vom bösen Geist ge- fallen ist. Oberstaatsanwalt: Es ist nach meiner Meinung unzweiselhast. daß der Angeklagte das Morl„böser Geist" gebraucht bat. Vors.: Herr Zeuge, stand vielleicht am 23. März etwa schon fest, daß der Angeklagte der Täter war? Zeuge: Im Gegenteil, ich habe keine vorgefaßte Meinung gehabt. Vors.: Nun. schon in der Tatnacht waren der Güterdirektor Gombert und Sanitätsrat Panitz von dem Verdacht überzeugt, daß Graf Christian den Vater erschossen hat. Zeuge: Denkbar wäre sa schließlich, daß ich bei der ersten Vernehmung zu müde war, um alle Aussagen des Angeschüldigteu ins Protokoll zu bringen. Landgerichtsrat Thomas schilderte dann die weitere V e r- n e h m u n g Christians auch durch di« Berliner Kriminal- k o m m i s s o r«, die am 23. März eingetroffen seien. Am 24. habe man einen Lokallermin in Iannowitz abgehallen und am 25. den Angeklagten vernommen. Am 27. wollten Dr. Rusche, der Ver- teidiger, Rcchtsanwall Reier und Oberlandesgerichtsrat Renner den Angeklagten sprechen. Ich gab den Herren di« Sprecherlaubnis und ging zur Kontrolle mit in die Sprechzelle. Noch der Unterredung zwischen den drei Herren und Christian verließen wir die Sprech- zelle. Dabei sagte Christian: Kann ich Sie heute noch einmal sprechen? Ich lehnte ab und sagte, er werde zuerst von den Berliner Herren vernommen werden. Vors.: Erinnern Sie sich, Herr Zeuge, daß der Angeklagte bei der Unterredung sagte: Ich werde kein Gewehr mehr nach diesem Vorfall in die Hand nehmen. Ich lege sogar großen Wert darauf, daß die Jagd verpachtet wird. Zeuge: Nein, daran erinnere ich mich nicht mehr. Vors.: Es war doch aber sehr wichtig, da der Angeklagt« bisher immer bc- stritten hatte, ein Gewehr am 18. März m der Hand gehabt zu haben. Zeuge: Ich kann mich nicht mehr entsinnen. Vors.: Herr Zeuge, der Oberlandesgerichtsrat Renner hat uns gesagt, der Angeklagte haben Ihnen gesagt: Herr Untersuchungsrichter, ich möchte Sie heute noch sprechen, ich habe Vertrauen zu Ihnen ge wouncn, aber ich möchte das nicht den Berliner Kriminalbeamten sagen. Zeug«: Das glaube ich nicht. Vors.: Herr Landesgerichtsrat Reimer hat diese Aeußerung beschworen. Er fuhr sogar nach der Unterredung beruhigt fort mit dem Gefühl: Nun hat Gras Ehristian gestanden. Der Herr Oberlandesgerichtsrat erklärt uns. er sei empört gewesen, als er sväter hört«, Sie hallen den Anoe- klagten nicht mehr gesprochen. Zeuge: 3ch holte nicht das Gefühl, daß Christian gestehen wollte.(Große Bewegung.) Herr Kriminalrat Hoppe hatte mich zudem gebeten, den Angeklagten nicht mehr zu vernehmen, bis er ihn selbst gehört halle, denn psychologisch ist es einem Angeklagten leichter, einem Mann etwas zu gestehen, demgegenüber er sich noch nicht festgelegt hat. Vors.: Tatsächlich hat aber der Angeklagte Ihnen gesagt, er wolle Ihnen etwas mitteilen, was er den Berliner Beamten nicht sagen wolle. Zeuge: Ja. ich weiß nicht... Oberstaaksanwalk: Herr tandgerichlsrak. laksächlich ist es doch so gewesen, daß der Angeklagte Sie so eingewickelt hat. daß Sie ihm olles geglaubt haben.(Große Bewegung.) Zeuge: Am Ansang habe ich dem Graf Christian geglaubt. A n g c k l.: Ich kann nur sagen, daß ich am liebsten Herrn Land gerichtsrat Thomas mein ganzes Herz nach dem Besuch des Herrn Oberlandesgerichtsrat Renner ausschütten wollt«. Mich trifft jedoch die Schuld. Ich hättie offen sagen müssen, daß ich jetzt«in Ge- ständnis ablegen wollte. Da sich der Angeklagte wieder nicht wohl fühlle, k«eß der Bor- sitzende eine kleine Pause eintreten. (Fortsetzung von der I.Seite.) te» verloren dagegen eins von ihren bisherigen drei Mandaten, so daß die frühere linke Stadtverordneten- Mehrheit nicht mehr besteht. Hitler steigerte seine Man- datsziffer von 6 aus 8, während die Deutsch nationalen zweiDrittel der bisherigen Stimmenzahl verlo ren. In K o b u r g vermochten die Rationalsozialisten trotz ihrer monatelangen Bankrottherrschaft ihre ab- solute Mehrheit zu behaupte«. Auch hier hatten die Deutschnatwnalen und die Kommunisten Einbußen zu verzeichnen. In Pirmasens wurden die Nationalsozia- listen mit Mandaten die stärkste Partei. In anderen Städte» und Dörfern vermochten sie ihren bisherigen Besitzstand mit Mühe und Not zu behaupten. Vielfach gelang es ihnen nicht, ihre frühere Mandatsziffer zu erreiche». Ans dem Lande hat die SoziaZldemokratie ihre bis- herigen Mandats» und Stimmzifferir stellenweise um das drei- bis vierfache überschritten., Einzelmeldungen. München. 9. Dezember.(Eigenbericht.) 3n der bayerischen h a n p k fk a d k München gewann die Sozialdemokratie bei den gestrigen Gcmeindewahlen vier Mandate und steigerte damit Ihren bisherigen Besitzstand von 13 auf 17. Die Bayerische Bolksparlei verlor ein Mandat und behauptete 12. Die Deutsch nationalen gingen von 6 au s 3 zurück. während die Balionalfozialsten von 3 auf S stiegen. Die freie bürgerliche Liste, die bisher im Sladtparlament nicht vertreten war. brachte es auf 3 Mandate. Der Gewerkschajlsring erhielt ein Mandat und der Bayerische Mittelstand, der im Stadtparlament bisher ebenfalls nicht vertreten war. erhielt einen Sitz. Die K o m- mnnisten verloren von ihren 5 Mandaten 2. Der Haus- besitz erhielt zwei Sitze statt bisher ein Mandat. Aus den übrigen bayerischen Städten sind folgende Ergebnisse zu oerzeichnen: Nürnberg: Soz. 21(22), Nnt.-Svz. 8(5), Dein. 2(3), Bayerische Volkspartei 5(4), Dual. 2, DVp. 1, Christlicher Volksdienst 3, Mitielstandspartci 5(4), Schwarzweißrot 1, Komm. 2(1). Augsburg: Soz. 14(17), Dnat. 3(4), Rat.-Soz. 3(1), Komm. 4 (3), Bayerische Volkspartei 17(14), Dem. 2(2), Wirtschaftsp. 3 (4), Mieterliste 2(4), Liste der Arbeiter, Angestellten und Be- amten 2(1). Bamberg: Soz. 6(7), Dnat. 1(2), DVp. 0(0), Dem. 0(l), Bayerische Bolksparlei 12(9), Wirtschaftsp. 2(l>), Nat.-Soz. 5(2), Haus- und Grundbesitzer 2(3), Wirtschaftliche Vergg. 2(5). Bayreuth: Soz. 13, Mietorliste 0, Nat.-Soz. 9(1), Bayerische Bolkspartei 1, Komm. 0, Bürgerlicher Wirtschoftsblack 3, Neutrale Liste 2, Freie Bürgerliche Vereinigung 2. hos: Soz. 13(13), Komm. t>(9), Bayerische Volkspartei 4(4), Nat.-Soz. 5(3), Haus- und Grundbesitzer 1(9), Beamten und An- gestellten 3(4), Ordnungsblock 8(19). Kempten(Allgäu): Soz. 6(4), Bayerische Bolkspartei 5(5), NaL-Soz. 2(1). Weiter bisher 2 Dnat, 1 Dem. und 2 Beamte und Angestellte, Bürgerliche Einheitsliste 4, Haus- und Grundbesitzer 1(0). Landshul: Soz. 9(9), Bayerische Volkspnrtei 12(11), Nat.-Soz. 4(4), Bürgerlicher Block 5(6). Ludwigshafen: Soz. 14, Zentrum 8, Wirtschaftsp. 3, DVp. 4, Dem. 2, Komm. 3, Linke Komm. 1, Nat.-Soz. 3, Christlicher Volks- dienst 1. Neustadt a. Haardt: Soz. 6. Bayerische Volkspartei und Zentrum S, Gewerbebund 2, Wirtschaftsp. 3, Mietcroerein 1, Komm. 2. Dem. 1, Protestantischer Bllrgerblrck 3, DVp. 2, Nat.-Soz. 4. Pirmasens: Soz. 5, Nat.-Soz. 19, Bayerische Bolkspartei und Zentrum 4. Komm. S, Bürgerliche Mille 3, DVp. 3, Dnat. 9. Speyer: Soz. 9. Zentrum und Vayerische Volkspartei 9, DVp. 5, Komm. 2, Dem. 1, Wirtschaftsp. 2, Nat.-Soz. 2. 3n Oanzig nichts geändert. Danzig, 9. Dezember.(Eigenbericht.) Di« am Sonntag in 37 Gemeinden der Freien Stadt Danzig vorgenommenen Wahlen brachten im allgemeinen in dem Besitzstand der Parteien kein« Veränderungen. Die bürgerlichen und sozialdemokratischen Mehrheiten wurden fast durchweg behauptet. E» ist bemerkenswert, daß in der neu gebildeten Gemeinde Hoster- busch im Kreise Großes Werder überhaupt leine Stimmen ob- gegeben wurden.-Di« Polen erlitten allgemein Verluste. vie Kommunalwahlen in Ost-Oberfchlesien. kaktowih, 9. Dezember. Nach dem in der„Polska Zachodnia" verössenllichtcn Bericht über da» Ergebnis der gestrigen Kommunalwahlen in den ostober- schlesischen Landgemeinden entfallen aas die deutsche Liste (Deutsche wahlgemeinschafy im Kreise Kalkowih 9 Mandate gegen 13 im Zahre 1926, im Kreis Tarnowih 9(25). Lublinih 11(7S). Schwienkochlowih 63(III), pleß SS(92). in Rybnik 37(rund hunderi Mandate weniger). Die deutsche Sozialdemokratie hak im allgemeinen ihre Mandate behalken, bzw. in Orken, in denen sie erst 1928 festen Fuß faßte, und bis dahin überhaupt noch nicht be- stand, sogar acht Mandate gewonnen, so in Rydultol und Schopp!- nih. Die Karsanty. Partei hat verhältnismäßig starke Der- lufie zu verzeichnen, ebenso die Nationalpölnische Arbeiterpartei und die polnischen Sozialdemokraken. Endgültige Resultate liegen noch nicht vor. -» Eine ausführliche Darstellung der politischen Lage, in Ostober- schlesien veröffentlichen wir in der Beilage. pacetti macht Abschiedsbesuch. Rückkehr des Nuntius nach Rom. Am Montag vormittag überreichte„Seine Exzellenz der apostolisch« Nuntius, Dr. Eugen Paoelli, Erzbischos von Sarves", dem Reichspräsidenten sein Abbernfungsschrcibcn. Sordes war die Hauptstadt des Reiches der Lyder in Klein- ästen, später ein« blühend« Stadt im Römischen Reich, Sitz eines Erzbischofs. Jetzt sind nur einige Trümmer erhalten— und der Titel „Erzbischos" Der Amsteldamer Konsul der Dominikanisch«» Republik ist unter der Beschuldigung verhajtet worden, unsittliche Handlungen an Minderjährigen vorgenommen zu haben. Massenerkrankungen in einer Fabrik. 50 Plätterinnen durch Kohlenoxydgase betäubt. In der Wäschcfubrik von G. i« der Mühlen- st r a ß e 33/58 wurden heute vormittag durch aus- strömende Kohlenoxydgase dreißig Plätterinnen betäubt. Die Feuerwehr und das Städtische Rettungsamt waren mit mehreren Aerzte« und Sanitätern zur Stelle. um die Erkrankten, von denen einige besonders schwer mitgenommen waren, mit Sauerstoff zu behandeln. F L« f F r a u e n, bei denen dik Vergiftungserscheinungen besonders stark hervortraten, mußten in das Kran- kenhaus am Friedrichshaiu gebracht wer- den. Die Plätterei, in der sich das Unglück zutrug, liegt im 4. Stockwerk des ersten Fabrikquergebäudes. Offen- bar ist das Unglück durch falsche Bedienung eines Gas- apparates verursacht worden. Von den Städtischen Gas- werken wurde an Ort und Stelle sofort eine Untersuchung vorgenommen und dabei festgestellt, daß sämtliche Gas- lcitungen in Ordnung waren. Der China-Diktaior bleibt. Tschiangkaischek denkt nicht an Rücktritt. N a n k l u g. 9. Dezember. Präsident Tschiangkaischek erklärte am Sonnkag. daß. wenn er im Augenblick seineu Posten ausgeben würde, dieses gegenwärtig nur den Reaktionären und K o m m u n i st e n in die Hände arbeiten würde. Kommunisten und Milikorisien würden da» Land nur noch in größere Verwirrung stürzen. Tschiangkaischek sprach die Heber-| Zeugung an,, daß es ihm auch diesmal gelingen werde, die Aufstände' zu unkerdrücken, gab aber zu, daß der Ileberkritl der beiden bedeutenden Heerführer Shih Zu und Tang mik ihrem großen Gefolge an Unterführern zu d«n Aufständischen der Nanklngcr Regierung unerwartet gekommen sei. Von hankan ans sind inzwischen neun Truppenkronsportdampser nach Nanking abgegangen. Hugenbergs Auflösung. Die Arbeiter kehren sich ab.— OaS Landvolk auch. Der Deutschnationale Arbeiterbund, der di« zur Deutschuationalen Partei gehörigen Teile der christtichen Gewerk» schaften umfaßt, hat nach dem Austrist seiner Reichstagsabgeord- neten Hartwig und Hlllser einen Beschluß gefaßt, der praktisch die Trennung von der Deutschnationalen Volkspartei bedeutet. Die Bundessatzungen, die bisher die Zugehörigkeit des Bundes zur DNVP. aussprachen, sollen so umgestaltet werden, daß- es jedem Mitglied freisteht, ob es sich zur DNVP. rechnen will oder nicht. Hugenbergs Montagsorgon tröstet sich damit, daß dieser Beschluß„gegen den Protest vieler" gefaßt worden sei. aber wie viele werden das noch sein? Der Auslösungsprozeß der Deutschnationalen Volkspartei wird vielleicht am deutlichsten dadurch charakterisiert, daß in Thüringen gegenüber den anderen Rechtsparteien die Hugenberg-Partei zur kleinsten, man kann sagen zur Splitterpariei herabgesimken ist. Das Stärkeoerhältnis der Rechtsparteien sieh: in Thüringen folgendermaßen aus: Christlichnationale Bauern- und Landvolkportei l31K88 Stimmen. Nationalsozialisten 99 236 Stimmen. Wirtschaftepartei 76 217 Stimmen, Deutsche Bolkspartei 79 413 Stimmen, Deutfchnatio- nale Partei— 31618 Stimmen! Die Landvoltpartei hat allo mehr als das Vierfache, die Nationalsozialisten- das Dreifache, Win- schaftspartei und Volkspartei jede mehr als das Doppelte der deutschnationalen Stimmne erhalten. Hotelgäste in Fruersnot. Der»Waldecker Hof" in Pyrmont eingeäschert. Lad Pyrmont, g. Dezember. Z» der Lacht zum Sonntag um 1 Uhr brach in dem an der Bruoneafiraße gelegenen Hotel„waldecker Hof", einem alten an- gesehenen Hause. Aeuer aus. Das Holelgebäude sowie die Garage wurden vollfländig zerstört: der Dachstuhl eines Lachbar. gebäudes Ist stark beschädigt worden. In der Nachbarschaft des Hotels wurde" um die angegebene Zeit bemerkt, dost aus dem„Waldeckcr Hof" Flammen schlugen. Es wurden daraufhin sofort die Bewohner, die bereits schliefen, unterrichtet und di« Feuerwehr alarmiert, die in kurzer Zeit mit sieben Rohren die Bekämpfimg des Brandes in Angriff nahm. Durch den Nordwestwind wurde die Ausbreitung der Flammen sehr begünstigt und die Löscharbcil in gleichem Maße erschwert. Dabei war es di« erste Aufgabe, die m dem Hause weilenden Menschen zu bergen. Die Hotelgäste und das Personal muhten zum Teil durch die Fenster lu Sicherheit gebracht werden. Der Besitzer des Hotels, hafki, konnte nur notdürstlg bekleidet ins Freie gelangen. Um an den im Erdgeschoß befindlichen Brand- Herd gelangen zu können, war die Niederleguna einer sehr hohen Giebel mau er mit Schornstein erforderlich. Da bei dem herrschenden starken Wind ein feiner Feuerregen sich über die ganze Nachbar- ichoft ergoß, bestand die Gefahr, daß auch angrenzende Wohnhäuser Feuer fingen. Dies tonnt« jedoch verhindert werden. Die aus- gedehnte Brandstätt« bildet einen gewaltigen ranchenden und schwelenden Trümmerhaufen, aus dem immer wieder die Flammen cmporziingeln. Di« Ablöscharbeiten werden noch die ganze Nacht zum Montag in Anspruch nehmen. Versuchtes Gifenbahnattentat. Vraunschweig— Hannover.— Äahnbeamter angeschossen. Lraunschwcig. g. Dezember.(Eigenbericht.) Auf der Strecke Braunschweig— Hannooer wurde in der Nacht zum Sonntag wiederum ein Attentat vereitelt. Ein Bahnschutz- bediensteter auf der Bahnstrecke Braunfchwcig— Hannover bemerkte dicht bei Braunschweig mehrer« verdächtig« Personen auf dem Bahnkörper. Als er sich näherte, wurde er beschossen und am linken Fuß verwundet. Bon ihm selbst abgegeben« Schüsse verfehlten das Ziel. Ein anderer Bahnfchutzbediensteter, der auf die Schüsse herbeieilte, entdeckte wenige, hundert Meter entfernt mehrere große Sandsteine zwischen den Schienen. Hie Stein« wurden sofort entfernt. Di« unverzüglich von der Landespolizei und dem Streifendienst aufgenommene Lerfolgung blieb ohne Ergebnis. Die auf die Ergreifung der Täter bereits bei den früheren Anschlägen ausgesetzt« Belohnung ist auf 1l)l)0t) Mark erhöht worden. Kampf mit chinesischen Piraten. Gtürmvng der Kommandobrücke auf hoher See. Hongkong, g. Dezember. Ein verwegener SZerfuch, den englischen Dampfer„h a i ch i n g", der sich aus der Fahrt von Swotou nach Hongkong besand, zu kapern, würbe von chinesischen Piraten unternommen. Die Piraten hatten sich in Swatau alsgewöhnlichePassa- g i< r c eingeschifft und. als sich dos Schiff auf hoher See befand, die Kommandobrücke zu stürmen versucht. Den, energischen Widerstand der Schiffsofsiziere und Schifjswoch« gelang es aber, den Angriff mit Verlusten für die Piraten abzuschlagen. Als die Piraten ihren Versuch, di«-Mannschaft zu überwältigen, vereitelt sahen, sehten sie einen Teil de» Schisses in-Lrand. Auf drahtlose Hilferufe traf nach kurzer Zeit ein englischer Zerstörer«in, mit dessen hilsc es gelang, die Piraten zu überwältigen und den Brand zu löschen. Piraten wurden gefangen genommen und noch Hongkong ins Gefängnis eingeliefert. Bei dem Kampf auf dem Dampfer sind ein englischer Offizier, ein Mann der Schiffswache und 13 Piraten getötet worden. Mehrere Personen, die sich im Verlaus des Kampfe» in Booten zu retten oerjuchten, ertranken, da die Boot« umschlugen. L6 Personen wurden verletzt. Wieder ein Sonntag der Selbstmorde. Greisenpaar geht gemeinsam in den Tod. Zw Hause Friedrichsselder Slr. 24 wurde am Sonntag die Tragödie eines greisen Ehepaares entdeck«. Seit vielen Jahren wohnt dort der 79jähriige Bäcker August Krüger mit seiner um zwei Jahre jüngeren Frau Berta. Ws gestern aus der Wohnung der betagten Leute Gasgeruch drang, ließ man die Wohnungstür öffnen. Im gaserfüllten Schlafzimmer log dos Ehepaar leblos in seinen Betten. Der Tod mußte noch dem ärztlichen Befund bereits mehrere Stunden vor Entdeckung der Tat eingetreten sein. Der Grund zu dem gemein- samen Berzweiflungsschritt ist noch unbekannt. Auf der Strecke nach Wustermark warf sich der 21jährige Tischler Herbert König aus der Schulstroße öS in Staaken zwischen den Stationen Dallgow und Staaken vor die Räder eines Fernzuges. Der junge Mann wurde auf der Stelle getötet.— Durch Einnehmen von Beronal mochte der Kaufmann Ludwig Gundermann in seiner Wohnung in der Dortmunder Str. 9 seinem Leben ein Ende. Wirtschaftliche Sorgen sind die Gründe zur Tat.— Der 29 Jahre alte Arbeiter Waldemar Dörr« aus der Emser Straße 119 in Neukölln sprang in Buckow von der Ernst-Keller- Briitfc in den Teltowkanal und ertrank. D'e Leiche konnte nach kurzer Zeit geborgen werden. Das Motiv zur Tat ist bisher noch unbekannt*_ Nachspiel zu Ehampigny. Sin sozialistischer Protestaufruf. pari». 9. Dezember.(Eigenbericht.) Die Sozialistische Part« Frankreichs protestiert in einem öffentlichen Aufruf gegen die Störung ihrer F r i e d e n s t u n d- gedungen in Champigny vom letzten Sonntag durch die Kommunisten und di« Polizei. Mit Entrüstung müsse sie die „dumme Provokation" der' Kommunistischen Partei zurück- weisen, die ongestchts ihres eigenen Niederganges nichts Bester«' zu wn wisi«, als di« Friedenskundgebung zu stören und der Polizei den Borwcmd zum Eingreifen zu liefern. Noch entsbiedener aber imifle das scheinheilig« Berhalten des Minister- Präsidenten Tordieu gebrandmarkt werden: er mache für die vollkommen einkwßlos und ungefährlich gewordene Kommu- nistisch« Partei to st e n l o s e R e k l a m e und suche so die Arbeiter- bewegung zu spalten und sie in ihrer Schlagkraft zu schwächen. Arbeitermusik in Morgenkonzert in der Volksbühne: Arbeitermusik, ihr Zweck: Ausgestaltung proletarischer Feste, also Werke, di« helfen wollen, einem immer wieder empfundenen Mangel an gesinmmgsmähig proletarischer Musik entgegenzuarbeiten. Uraufgeführt wurden»Bier Arbeiterlieder" für eine Singstimme und Orchester von Klaus Pringsheim nach Dichtungen von Zech, Lessen und Toller. Texte und Musik schließen eine Gedankenkette: die Eintönigkeit des Proletarieralltags („Fabrikgang",„Der Hammer"), unterbrochen durch ein beinahe alttägliches Unglück im Bergwerk(.Kleine Katastrophe")— uvd dann als Abschluß, wie eine Befreiung wirkend, der Aufschrei des gequälten Menschen iin„Arbeiterlied der Maschinenstürmcr". Erstes und letztes Lied sind dem Komponisten am besten gelungen: die eintönige Melodie des„Fabrikgang" wird vom schwerfallenden, gleichbleibenden Rhychrnuz der Begleitung unterstrichen, der un- ablässtg weiter hämmert, ohne eigentlichen Abschluß: wie in all« Ewigkeit stampft der eintönige Takt der Immerschrettendsn fort. Der im Bergwerk richtig abgelauschte unveränderlich dreizettig funkende Rhythmus des Schlagzeugs im, Kauer", die„kalt und grob herunterzustngend«" Grausigkeit der.Kleinen Katastrophe" finden ihre Befreiung in der breiten, fortreißenden Wucht des „Arbeiterliedes". Auch in der neuen Fastung für ein« Singstimme Hot das Lied von seiner aufpeitschenden Wirkung nichts eingebüßt. Mtt seiner sich immer schöner entfaltenden Stimme gestaltete Herbert Janssen die Lieder zu tiefster Eindringlichkeit. Künstlerische Unterliattungsnvusit will Hermann Pill» e y mit seinem„Di oertimento für Sprecher, Klavier und Kammerorchester" geben: daher die Dioertimentoform, di« in spielerischer Zwanglosigkeit prägnant« Momentbilder aus dem Ar- betterleben aneinanderreiht: das Arbeitslied, den arbeitsfreien Sonntag, di« allabendliche heimfahrt 4. Klaffe usw. Zweimal wird jedes Bild gezeichnet: einmal rein instrumental, dann programma- Usch durch Worte des Sprechers aus Dichtungen von Bröger, Schönlank. Lessen, Büchner und E n g e l k e.(Der Sprecher Alfred Beierle war leider nicht ganz disponiert.) Die in zarten, durchsichtigen Wasterfarben spielerisch hingetupfte Abendfeier der Zungsozialifien. Die Tagung des Reichsaus schusses der Jung- s o z i a l i st e n wurde mit einer stimmungsvollen Abendfeicr in der Wandelhalle des Preußisch« n Landtags eröffnet. Es war ein schöner Akt der Dankbarkeit der Jugend gegen den großen Dichter Arno holz, daß man den hauptteil der Feier ihm widmete. Genosse Erich Kuttner hielt di« Gedenkrede— eine Rede, die die Bedeutung des Dichters auch dadurch anerkannte, daß sie ihn nicht in billigen Superlativen feierte und aus seinem Werk alles dos wegleugnete, mos sich nicht ohne weiteres in das proletarische Weltbild einordnen läßt. Kuttncr schilderte Arno holz als den Dichter den Kämpfer, der auftrat gegen das satte, bchag- liche Bürgertum, gegen die süßliche Romantik und verlogen« Sentimentalität, die sich in der Kunst noch 1879 breitmachtet holz bewies durch sein Wert, daß Realismus und Poesie in eins ver- schmelzen können. Nickt immer spricht seine Dichtung vom Pro- letariot, aber sie i st immer proletarisch in ihrer Wahrhaftigkeit, in ihrer Ueberzeugungstreue. Steht die eine oder andere Dickstung von Arbo holz uns auch ferner, sein Gesanttwerk gehört uns, dem Proletariat. Zwei junge begabte Künstler gaben der Feier die musikalische Weihe: Max Raphael sang einige Dertonungem holzscher Lieder von Alfons Blümel, Ioa Iaeker brachte .Baoierkompositioncn von Brahms, Beethoven und E h v p i n zum Vortrog. Danach hörte man Alfred Beierle, zuerst auf Schall- platten, dann persönlich. Er gestaltete proletarische Dichtungen wie immer in packender, mitreißender Weise.. Die Iungsozialistcn lehnen Beifallskundgebungen ab, weil diese den Ausklang eines Kunstwerkes jäh abreißen. Daß trotzdem so- wohl nach den Musikvorträgen als auch nach Beierles Rezitationen Beifallsäußerungen durchbrochen, bewies, wie stark der Drang war, den vortrefflichen Künstlern zu danken. le. Kabale und Liebe. Neueinstudierung im Gchiller-Theaier. Ein Siaatstheater hat wohl die Pflicht, ab und zu die söge- nannten unsterblichen und klassischen Werke neu herauszubringen. Aber doch wohl nicht zu dem Zweck, dem Publikum den Geschmack am aufgeführten Klassiker gründlich zu verderben. Was in dieser»Kabale und Liebe" vorgeht, die absonder- liche, abenteuerliche und unwahrscheinliche Handlung, das Intrigen- spiel ausgemachter Schurken gegen engelreine Märtyrer, die Frage hochgeboren oder bürgerlich, ja selbst Schillers revolutionäres Freihettsfeuer, alles das spricht in der Aufführung des Schiller- t h e a t« r s aus einer Well, die uns fremd geworden ist. Der Registeur Lindtberg versucht es uns durch Dämpfung des Ileberschwangs näherzubringen. Der Schurke Wurm ist nicht der übliche Theaterintrigant. Lothar Müthel läßt unter der Maske des verbrecherischen Sekretärs menschliche Züge aufleuchten. Eben- so müht sich Hans L e I b e l t mit der undankbaren Aufgabe ab, dem hartherzigen Präsidenten etwas wie Seele zu verleihen. Franz Weber als schwadronierender Hofmarschall unterbricht das Düster« des Abends ohne zu übertreiben. Am nächsten kommt Erika M e i n g a st unserer Gefühlswelt- Sie ist eine stille rührende Luise, verhallen in Leidenschaft und in Schmerz. Sie macht uns das Trauerspiel wenigstens einigermaßen glaubhaft. Ilm so bewunderswerter, als ihr Partner Ferdinand in den Bahnen abgelebter Theaterromantik wandelt. Fritz Gentschow spiett den Ferdinand im alten hofkheaterstil, jeder Zoll der edle Bühnen- Held. Er überschreit sich, ist dabei unbeholfen und linkisch— und berliniert. Es ist eine Vorstellung ohne Linie, halb voll Pietät gegen Schiller, mtt unzulänglichen Ansätzen zu modernisiereicker Bearbei- tung. So kommt ein quälender Abend zustande, und man ist er- staunt, wenn das Publikum am Schluß in stürmischen Beifall ausbricht. vxir. Hut SäiauipIeler Lach'vort'ellvnp non.Die erste Mr« Selb»- mit ilritz! itafirnl) und der Pr-m-ererbeietzuna finde! am IN., L?/. Uhr. im Tbealer in de' tiöniparitnstroke Natt. Der Ke'nmlremerlraa flieht den Vobliahrl«. 'rssen der Bühnenpenossenschast zu. Karten im Bezirktverband Keithstr. ll, Zimmer 15. Erster vlchlerabend de» Verbände, venflcker Erzähler. Balter von z» o 1 1 a n d e r. Einst I ü n q e r und Anna S i q h e r S lesen im ersten ?i»terohcnd des VerbandrS Tcuischer Erzähler'.. Soziale Dichtunq und fl>eIeUIchastLtritiI*i3in 12., tg»� Uhr. im Plenmsaal des chemaliqen Herrenhauses aus ihren Berten. Karten bei Bote& Bock und A. Bertheim. der Volksbühne. Musik zeugt von der gewandlen Hand des Komponisten. Pillneys formale Geschicklichkett erreicht ihren Höhepunkt in der Groteske, dic Motive van Stmwinsky und Jack hylton ineinonderflicht und so, geistvoll und witzig, dic Extreme unserer heutigen Musik zusammen- spannt. Das in ollen Stimmen nur einfach besetzte Orchester— dreizehn Musiker— ermöglicht ein« Ausführung des Werkes auch in kleineren Äädten, in denen kein großer Orchesterapparat zur Per fügung steht. Allerdings verlangt der recht schwierige Klavierpart, den der Komponist selbst in virtuoser Vollendung spielt«, solistische Fertigkeit, ebensv di« Bedienung des zehnfachen Schlagzeugs durch einen Spieler. Die weit anspruchsvollere dreisätzige Sinfonie„h a m m c r- werk" von Hermann Wunsch bildete den abschließenden Höhepunkt des Konzertes. Erster und letzter Satz geben knapp gedrängt in lebhaft vorwärts stürmenden Rhythmen den Pulsschlag des Hammerwerks. Der zweite Satz, aus Mahlerischem Geist hervorgegangen, wird zur Totenfeier für die„im Komps um das Pro- letariat Gefallenen" gestaltet. Gleich einer Apotheose wirkt dar de- freiende Ausklag des Schlußsatzes: erst tauchen als andeutende Er- inner ungen in einzelnen Stimmen Takt« des„Brüder zur Sonne, zur Freihett" auf. bis die Internationale zum gemeinsamen Gesang all« Stimmen vereinend hossnungsfroh Wer Arbeit und Kompi triumphiert. Wunschs Sinfonie weift den Weg, den ein« absolute Arbettermusik zu gehen hat. Mit vollem Recht wählte der „Sozialistische Kulturbund" gerade sie zur Preiskrönung aus. Noch oft wird man seinem Urteil Dank wissen, das gerade dieses hoch- stehende Werk der Oeffentlichkcit übergab. Karl R a n kl leitete dos Sinfonieorchester(dos zum Eingang die bekannte Ouvertüre„Zu einem R e v o l u t i o n s d r a m a" von Heinz Ti essen spielte). Man fühlt, Karl Rcmkl ist nicht nur Chorleiter, auch als Orchesterdivigent steht er auf dem ricktiaen Platz. Im ganzen also gestattete sich die dritte Morgenseier der Volks- bühn« zu einem Konzert, das Freude und Genuß brachte, das mit seinen Werten an alle Werktätigen sich richtet«. Wie konnte es möglich fein, daß Plötze leer blieben? Dr. Anneliese Landau. Tnanon-Theaier. „Sie verweigert die Aussage." Richard Keßlers Bühnenmanuskript dürste wohl allein stehen an Plattheit und Geschmacklosigkeit. Wir begegnen hier allen jenen Dingen, di« an die niedrigsten Instinkte des Publikums appellieren, und wenn man dieser Bühnenmache eine Tendenz unter- schieben könnte, dami würde dic etwa lauten: Sei dumm, verlogen und lüstern, dann bist du ein ganzer Kerl. Aehnlich wie beim letzten Stück,„die Ballerina des Königs", das ebenfalls unter Herrn Leo Walter Steins Direktion hier zur Aufführung gelangte, gehört auch diesmal viel Gewistenlosigtett dazu, wieder ein Stück auf- zuführen, das geeignet ist, das Publikum zur Geschmacklosigkeit zu erziehen, in einem Theater, das im Zentrum des arbeitenden Berlin liegt, in dessen Umkreis kleine Beamte, Arbetter und schlecht bezahlte Angestellte wohnen. Gerade dieses Theater hätte die Pflicht,(Sc- biogenes zu bieten. Jedes Theater ist«in Forum, dos nicht nur dazu da ist, zu unterhalten, sondern die Aufgabe hat. zu«pichen. Der vorhandene Geschmack des Publikums darf nicht, wie hier, zurückenttoickelt werden, vielmehr hat das Theater durch richtige Auswahl der Stücke und der Schauspieler, die dos Werk vermitteln, das Publikum höher zu führen, fein Urteil zu- klären, ihm Erkennt- .niste zu vermitteln, es anderen Zielen entgegenzuführen als diesen, die hier gepredigt werden. Gräsin, Baron, Zofe, Diener, Geliebte, Auto und viel Geld selbstverständlich, das sind natürlich heute sehr wichtige, well beliebte Dinge. Und ein paar Schlüpfrigketten, mit- unter ganz eindeutiger Natur, dazwischengesät, verleihen dem Ganzen erst die Würze! Denn es Hot ja keinen Krieg gegeben, in dem tausende und aber tausende Bäter und Söhne gefallen sind, es gibt keine wirtschaftliche Not, keine Arbeitslosigkeit in dieser großen Stadt und keinen Hunger. Jeder hat sein Auto, seinen Diener und seine Geliebte. Und wer das nicht hat, dessen einziger Lebenszweck und einziges Ziel ist(nicht wahr, Herr Leo Walter Stein?), es zu er- langen. Darum leben wir ja hier und sitzen uns dic Rücken krumm in den Bureaus und quetschen uns die Hönde zu Mus in den Fabriken und schreiben uns die Finger blutig vor den ewig popicr- hungrigen Schreibmaschinen in den Kontoren. Damit es unter den Millionen ein paar Hunderte und Tausende geben darf, denen es gut geht, die satt sind und keine Sorgen haben, die so sind, wie di« Personen in„Sie verweigert die Aussage", und die uns nur das Recht einräumen: ihnen zu dienen. Denn wir werden Kinder in die Well setzen und diesen braucht es auch nicht bester zu gehen als uns, wenn nur jene Wenigen ihr Vergnügen haben. Elisabeth Strickrodt macht in.zügellosem Temperament". Die anderen Darsteller wären auf jeder bester«» Provinzbühne durchgefallen. Das Bühnenbild erinnert an Möbelhausreklamen. Noch cinnKil: Die Bühne hat Pflichten, Herr Direktor! Alexander von Slaeiier-dlssodr Ein Zille-Film. Zurzeit läuft in einigen Kinos ein Film mtter der Bezeichnung ,-3ille-Film". Dieser Film hat mtt Heinrich Zille nicht das geringst« zu tun. Es ist ein Schmarren, der zusammengestellt wurde aus verschiedenen allen Filmstreifen. Künstlerisch ist der Film wohl der schlechteste, der seit Iahren in einem Berliner Kino gezeigt wurde.. Wir wenden uns gegen diesen Mißbrauch des Namens Zille und protestieren, wenn man diesen Film in einem Großkino am Wedding als.Lille-Gedenkfilm" ankündigt. Heinrich Zille und sein Werk sind zu groß, als daß wir einen Mißbrauch gestatten können. Souderausslellunge» der slaalluhen Museen. Neben ihren ständigen Wcchseiausstellungen beabsichtigen di« staatlichen Museen in nächster Zeft zwei Sonderaus st ellungen zu veranstalten. Die Islamische Kuchtabteilung des Kaifer-Friedrich- Museums wird im Januar bzw. Februar nächsten Jahres eine Ausstellung„Ergebnisse der Ausgrabungen von K t e s i p h o ir" eröffnen, die mehrere Monate dauern wird. Di« Asiatische Abteilung des Museums für Völkerkunde plant, in Gemeinschaft mit der staatlichen Kunstbibliothek, eine Aus- stellung„Japanisches Theater" zu veranstalten. yoimsche« Theater. Di« Sonderabteilunqen der Salt«- bühn« veranstalten am DonnerStaq. dem tS. Dezember, 20>4 Ubr, im LehrervereinSbauS am Alexanderplatz eine nrvhe öffentliche Kund- aebung. aus der Vertreter dpr Politik, der Kritik, der Dichtung und de« ZbcaterS tSchauspieler und Ncgissciirt-um politischen Tbeater Eiellun-- tiehpieu. ES iprechen: Peter Äasloiuiti MdL), Dr. Paul üevi(Md!>! 1 Paul Friedländer, Pros. Walter Stewtbal, Dr. August BMsoget, Dr. Als- r Wolsenstem,. Dr. Erwin Kaiser, Erwin Piscator. Ostoberschlesische Kommunalwahlen Ein Täuschungsfeldzug über die Stärke des Deutschtums. Salko wih. S. Dezember. sich bis jehk übersehen läßk. haben die deutschen Sozialdemokraten bei den gestrigen kommuualwahleu gegen. über ihrer im Zahre tSZS erreichten Stimmenzahl einen Z u w a ch» von 27 proz. zu verzeichnen. Die Deutschen haben sich im allgemeinen behauptet. Teilweise sind auch deutsche Gewinne zu verzeichnen. Zn den ländlichen Kreisen hat die Deutsche Wahlgemeinschast ihre Mandatszahl von tyZH auf. rechlerhalten. Einem geringen Stimmeurückgang m verschiedenen Orten stehs an anderen Orten die Tatsache gegenüber, doh hier deutsche �islengewinne zu verzeichnen sind. * 2Ius Ostoberschlesien wurde uns zu den Wahlen geschrieben: Der schlesische Woiwode Dr.(Sr a z j) n s l i, dessen Abberufung wiederholt gemeldet wurde, bemtet einen würdigen Abgang vor. Seine ganze Politik war darauf berechnet, das Deutschtum zu schwächen, und trotz gller Bestimmungen der Genfer Konvention ist ihm dies gelungen. Diese Tatsache zu verkennen, wie es leider im deutschen Lager geschieht, heißt sich Illusionen über den künstigen Kurs der polnischen Minder- hettenpolitik ln Ostoberschleften hinzugeben. Trotz der vielen Be- schwerden an den Völkerbund hat das Deutschtum in der Frage der Minderheitsschulen durch die Ausrottungspolltit Grazynskis eine Niederlage erlitten. Durch die setzt ausge- schriebenen Kommunalwahlen. soll der Feldzug gegen die deutsche Minderheit- zum Abschluß gebracht werden. Ob- gleich sich der Grazynski-Kurs auch gegen die polnischen Par- teien richtet, so ist der Hauptzweck doch der, zu zeigen, daß die deutsche Minderheit nur ein künstliches Gebilde ist, das man mit ein wenig Druck zur allpolnischen Mutter zurückführen kann. Darum hat man eine Dreiteilung der Wahlen vorgenommen und läßt an drei verschiedenen Ter- minen wählen und schallet dabei noch etwa 46 Ort- s ch a f t e n a u s, die in der überwiegenden Zahl deutsche Mehrheiten bei den letzten Kommunalwahlen 1926 auf- zuweisen hatten. Wird damit schon erreicht, daß die deutschen Stimmen scheinbar zurückgehen, so teille man die Wahl- gebiete noch so ein, daß zunächst überwiegend pol» nische Teile, wie das Teschener Schlesien, wähllen, während jetzt am 8. Dezember die Landgemeinden in Oberschlesien wählen werden und am 15. Dezember erst Die Städte. Damit soll der deutsche Einfluß in Ostober- fchlesien vor dem Auslande als völlig unbedeutend hingestellt werden! Noch ein zweites Ziel will Dr. Grazynski er- reichen, er will die schlesische Autonomie zunichte machen, indem er unter Hinweis auf die Wahlerfolge des Regierungslagers einfach dokumentiert, daß das schlesische Volk sich für Pilsudski ausgesprochen hat und daher eine Neuwahl zum Schlesischen Sejm über- flüssig sei, der entgegen den klaren Bestimmungen des Autonomiegesetzes bereits 286 Tage aufgelöst ist und innerhalb 73 Tagen neugewählt werden sollte! Grazynski hofft auf einen „Regierung ssieg" und damit auf eine Liquidierung der schlesischen Autonomie. In den überwiegend polnischen Landgemeinden im Teschener Schlesien ist es unter dem Einfluß des Klerus gelungen, regierungstreue Einheits» listen aufzustellen, und so von vornherein in einzelnen Ge- meinden Wahlen zu verhindern. Nur die Sozialisten haben sich dieser Taktik entgegengestellt, während das Bürgertum auf die Versprechungen Grazynskis hereingefallen ist. Den Teil- erfolg der Sozialisten versuchte man noch umzulügen, und während die polnischen und deutschen Sozia- Mandaten ge- einen 20prozentigen listen eine Reihe von neuen wonnen haben, rechnete man ihnen Rückgang ihrer Stimmen vor! Auch für den 8. Dezember, dem Wahllermin für die aberschlesischenLandgemeinden.hat man in den ländlichen Gebieten gleichfalls eine Reihe von Einheits- l i st e n geschaffen und andere Parteien einfach nicht mehr zugelassen, und wo andere Listen doch eingereicht wurden, sorgten die Starosten, wie im Tatvowitzer Kreis, da- für, daß eine Reihe deutscher Listen zurück- gezogen werden mußte, wenn die Kandidaten nicht ihre Arbeitsstätte verlieren oder sich wirtschaftlichen Schädigungen aussetzen wollten! So wird wiederum in einer Reihe von Ortschaften nur die Regierungsliste ohne Wahlen durchkommen und damit Grazynskis„Erfolg" sichern. Daß durch dieses Wahlmanöoer in erster Linie die deutsche Minderheit geschwächt wird, braucht nicht besonders her- vorgehoben zu werden! Die Ausrottungspolitik Grazynskis hat zunächst erreicht, daß deutsche Wahllisten in einer Reihe von Ortschaften nicht mehr aufgestellt wurden, und daß so das bürgerliche Deutscb- tum selbst seine Niederlage vorbereitete! Waren es 1926 noch 165 Ortschaften, in denen eigene deutsche Listen ausge- stellt wurden, so sind es jetzt einschließlich der Listen der deut- sehen Sozialisten etwa 66. Unsere deutschen Genossen konnten Mar in 14 neuen Ortschaften eigene Listen aufftellen, aber das gleicht den Rückgang der deutschen Wahllisten im all- gemeinen nicht mehr aus. Das polnische Lager geht ungeheuer zersplittert in den Wahlkampf. Es hat sich im Verlauf des Wahltampfes ge- zeigt, daß K o r f a n t y. der Antipode Grazynskis, diesem doch nicht gewachsen ist. Der Mann, der einst ganz Oberschlesien beherrschte, dem Stadt und Land zujubelten, muß sich heute damit begnügen, in etwa 55 Ortschaften sein politisches Prestige zu bestreiten. DieNationaleArbeiterpartei. die breite polnische Arbeitermasien beherrscht, muß gleichfalls vor der Wahltaktik des Woiwoden kapitulieren, und unsere p o l- nischen Genossen haben die Schwächung durch die Pllsudski-Leute noch nicht ausgleichen können, wenn auch die Stimmung innerhalb der Arbeiterschaft gut ist. Aber hier ist man nur auf die industriellen Gebiete be- schränkt! Die Hauptentscheidung fällt auf dem Lande, hier beherrscht die Regierung Grazynski das Feld. Grazynskis „Erfolg" beruht darauf, daß er in Versprechungen sehr freigebig und in Subventionen nicht gerade bescheiden ist. Es hat sich gezeigt, daß das deutsche und polnische Bürger- tum gerne auf den politischen Kampf und selbst auf nationale Interessen verzichtet, wenn es nur materielle Vorteile ein- heimsen kann. Auch in Ostoberschlesien hat man im deutschen Lager sogenannte„Sanatoren" gefunden, die gern den Re- gierungskurs unterstützen, wenn sie nur ihre Schank- konzessionen, die Taba'kmonopole und ähnliche Vortelle er- galten können. Die. deutschen Arbeiter hingegen sMn ein, oaß ihnen die nationalistischen Versprechungen Verführer der deutschen Wahlgemeinschäft nur Opfer auferlegten. während die Herren sonst recht protzig auftreten. Man darf sich über das Verhallen breller Kreise des Deutschtums nicht wundern, denn niemand anders als die deutschen In- d u st r i e l l e n haben den Weg zum Anschluß an die Re- gierung gezeigt und dafür noch mit diversen Millionen den Wahlfonds des Regierungslagers aufge- bessert. Vom deutschen Angestellten und Arbeller hat man dann nationales Bewußtsein verlangt! Das Regierungsorgan, die„Polska Zachodnia", konnte denn auch dieser Tage froh- lockend berichten, daß der fog«N Räumen des Reichswirtschaftsrates, Bellevuestr. 15, ftattfindet�spricht der Reichstagsabgeordnete Ernst Lcmmer über das aktuelle Thema: �»Warum di« Republik Ostelbien vergessen, hat." In der Diskussion wurden u. a. dos Wart nehmen Mimstcnalrat Dp, Baabe, der Sach- oerständige der SPD..in Agrarfragen, sowie Redner aus allen 'Lagern. Gäste gegen Zahlung des Unkoftenbeftrages willkommen! Wetter für Berlin und Umgegend: Unbeständig und windig, mst leichtem Temperoturrückgang.— Zur Deutschland: Allgemein vcr- änderliches und namentlich an den Küsten windiges Wetter. :tl.-ilr die RedaktlSn:«alfftaog Sich»»»». Scclin; Anzeige»! T>. 81» 4«, ........ Jctlag: Vorwärts Verlag®. m. b. iö., Berlin. Druck: Vorwärts Bnck- Druckerei und Verlagsanstalt Vau! tvinger& Co. Berlin£33 68. Linden grabe 3. Theater,| Lichtspiele usw. � Montag, 9. 12. StaatsOper Unter d. Linden A.-V. 274 19 Uhr Rosen- kavaiier Staats-Oper Arn Pl.d.Republ. Vorst 97 19'/- Uhr Montag, 9. 12. staut. Oper Bismarcks tt. mi Uhr Wm torsteilonj StaatLSdiausph. am Gendarmenmarkt R.-S. 63 20 Uhr MM Staad. Sehiller-Theater.Cliapltli. 20 Uhi: Kabale und Liebe Iheateri. d.Bebrenstr. 53-54 9'U A 4 Zentrum 926/927•'/» ... Vater setn. daflegen sehr ROSE -THEATER"/«N» Teleph.; Alexander 3422 u. 3494 Täglich»>- Uhr (Sonntags SVa und 9 Uhr) Pariser Blut Jeden Mittwoch u. Sonnabend nachm. 5 Uhr „Max und Moritz" und d*r WnlhnochUmann Großes Weihnachtsmärchen. jeden Sonntag, nachm. 2J0 Uhr Frau Holle Winter ★ Garten* » nur» zam. 2819» Hanau uiiui 1 16 Original Lawranoa Tillar-Girla und weitere VarisU'Nmiheiten IsannibHdu. Sonntag Ja 3 VaralaHgngan 3- und H Uhr. 3« kleine Preise. »"•w CÄSINÜ-THEATER LofhrtmKcr 57._ Der neue Schlagerl Familie Hannemann. Dazu ein erstklassiger bunter Teil. 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Uhr Der Kaiser v.Amerika von Bernard Shaw Reg.; Mar Reinhardt Kammersplele 0.1. Norden 12310 89« Uhr Im oeUmidit Lustspiel von Frederik Lonsdale Gusiat o'rDndgens Die Komödie |1 Blsmck. 241 4/7516 S'U Uhr Tarn Teufel geholt von Knut Hamsun Regie: Max Reinhardt. Metropol-Th. . Uhr Das Land des Lftebeins Vera Ichwerr, Richard Tauber Musik von Franr Lehär Direktion >r. Roberl Kiele Deutsches Ilnstler-Theal Barbarossa 3937 �«8 Uhr Ende 11.10 Uhr Seltsames Zwisfliensple Kuk; HiIu Bilpirt Beriioer Theater Dönhoff 170 e'h Uhr Rssarulsrt rar Herrn Gaston. Von Max Wölfl Regie: rotster Lartinara meines foeat. Merkur 1624 Täglich 8V« Uhr Max Adalbert in Das Parttlm meiner Frao Lustsp. v. Leo Lenz Volksbiliine DiMtei ara Bälowpiali 8 Uhr Affäre Dreytus Schauspiel von Rend Kestnei Regie: H. D. Kenter. Staatl.Sdiiller-Tli. 8 Uhr KaMeiLliefie Tteaur im smuiuaBtnumm SV« Uhr Pennäler SU8ts(p«rinPliU Eirlipoblik 7V- Uhr Carmen Planetarium —• am Zoo 1 1> Vtrllng. Joadiimithier Stnl B. 5 Barbarossa 5578 16 bis 19 Uhr Dia- positir-Ausstellu ig I9bisl9i/jühr Dar Abandhimmat 20". Uhr Oae Weltall im Uahtbild: Unsere Sonne. Lnstsplelhaus Frlcdrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich 8*U Uhr Grand Hotel ustspie PauTFi rank TL a. Hollendorfplatz Vorvk. 10-2. Kf. 2001 Täglich 8V. Uhr Gastipiii des Deilsdien Theaters Die Mens Regie: Hu Raiitiardt. Tdsil a. Koiih.Tor Kottb. Str. 6 Tägl. 8 Uhr auchSonnt. nach in.3ll.: ■Ut«- süncier. Da» einzig dastehaede, vielseitige Walhnachta. Pr. TriMon-Tli.MSJr Täglich 8V. Uhr Sie vervelgert die Aussage Lustspiel in 3 Akten mit Elisabeth Strickrodt Kart Stele. Fentral- Theater 1 Alte Jakobstr.32 ■ Gastspiel d. Tb. d. Westens I Täglich 8'/« Uhr IStg. 5 u. S'U Uhr Friederike Ines!» d. Westens Tägl. 89« Uhr Narlciia Josli t. 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Kur. fürst, später König von Boyern, unterzeichnet sein« Brief« an den „Usurpator"„Eurer kaiserlichen und königlichen Majestät unter- tänigster und wahrhafter Diener", auch der Wettiner Friedrich A u g u st, der gleichfalls vom Kurfürsten zum König ausrückt, fühlte sich als„sehr ergebener Diener" des Plebejers, der Zähringer Karl Friedrich von Baden Überbietet beide als „Eurer kaiserlichen Majestät sehr demütiger und»sehr ergebener Diener". der Kurfürst von Hessen-Kasscl gefällt sich in der Rolle des„sehr ergebenen und gehorsamen Dieners" und so sott. Und welcher Weihrauch wallt auf! Der Erzkanzler Dalberg, Fürstprimas des Rheinbundes, Großherzog von Frankfurt, himmelt den Fron- zofenkaiser an: Napoleons Genie beschränkt sich nicht darauf. Frankreichs Glück zu schaffen: die Vorsehung schenkt das Weltall dem überlegenen Mann. Der sächsische Friedrich August hungett nach dem Glück. „die Bekanntschost eines Monarchen zu machen, dessen großes Ta- lent und unergründliche Weisheit das Reich geschaffen Hot, das er so ruhmreich und zum höchsten Glänze regiert": der Chef der würt- tembergischen Dynastie schweifwedelt: Die Erinnerung an die Augenblicke, wo ich das Glück hott«, Eurer Majostät an meinem Hofe aufzuwatten, wird nie ausge- löscht werden und stets die glücklichste meines Lebens bleiben. Der Zähttnger bekennt sich„tief«rschüttett" durch die Aeußerungen napolconischen Wohlwollens„für mich und mein ganzes Haus": der hessische Kurfürst bedauett den Gichtanfall, der ihn im Herbst 1804 verhindett. in Mainz„den größten Helden unsere» Zeitalters zu bewundern", urtd Goethes Mäzen. Karl August von Sachfen-Weimar. hegt, nachdem er als Verbündeter Preußen» im Oktober 1806 von den Franzosen Prügel empfangen hat. den ..heißesten Wunsch",„glücklich genug zu seist, um Eurer käserlichen und königlichen Majestät die unzweideutigen Beweise meiner Er. gebenheit, der achtungsvollen Bewunderung und des Vertrauens zu geben". Den Vogel an byzantinischer llnterwürftgte't ober sckießen die Wittelsbacher ab. Der Kronprinz, der spätere König Lud- wig I.. der dann in Vers und Prosa Teutschheit durch'alle Poren schwitz«»üd. schwächt, aochbe*« ch Zßerib{** Aulwarstmg hat machen dürfen, in der Vorstellung, daß er wieder das Glück haben sollte,„den Herrscher zu verehren, der die Bewunderung eines jeden Volkes bildet, der fein Jahrhundert bis in die entfernte- stsn Zellen berühmt macht und der in wenigen Tagen durch seine Taten die Möglichkeit beispielloser Handlungen bewiesen hat, von denen die Welt niemals geglaubt hat, daß sie möglich sein könn- ten". Als im Feldzug von 1809 gegen Oesterreich dem gleichen Prinzen gnadenholber die Führung einer Division der bayerischen Hilfstruppen überlassen wird, gerät sein Vater, der König Mar Joseph, vor Entzücken ganz aus dem Häuschen: er schreibt an Marschall B e rth i e r: Wollen Sie, mein lieber Fürst, wegen der neuen Gunst, die Seine Majestät soeben meinem Sohn erwiesen hat, beim Kaiser der Vermittler meiner lebhaften Dankbarkell sein. Ich glaube, daß er au» Freude darüber noch verrückt werden wird. In Wahrheit freilich wird keiner von den gekrönten Lakaien verrückt, sondern sehr nüchtern, sehr„beieinander" und sehr profttlich schielt joder nach seinem persönlichen Votteil: je schwulstiger die Ergebenheiisbeleuerungen. desto unverschämter die Betteleien! Sie betteln um alles, um Protektion, um Grenzbenchtigungen, um Pensionen, um Schuldennachlaß, um bor Geld— wie ein besorgter Hausvater beruft sich der Fürst von W a l d e ck daraus, daß er eine zahlreiche Familie zu ernähren habe, und der Landgraf von Hessen-Homburg bittet mit gezogenem Hut um Erhöhung seiner Einkünfte,„damit meine Frau und ich in unseren alten Tagen mit«in wenig mehr Vehaglichtett leben können". Kein Wunder, daß Napoleon diese gefürsteten Bittsteller verächtlich von oben herab behandell! Der Fürst S a l m» D y ck ist für ihn ein simpler„Herr Salm", und man kann sich seine vollendete Wurstigkeit vorstellen, als er im Mai 1812 von irgendeinem Leo- pold Friedrich Franz die weltetthütternde Kunde erhält: ..Ein Blutsturz hat soeben die Tage des regierenden Herzogs von Anhalt-Köthen beendet". Das Gewimmel der kleinen dynastischen Krauter in Deutschland vermag er im einzelnen gar nicht zu über- blicken, so daß cr die Herzogin von Sachsen-Weimar in einem Brief fälschlich Großherzogin tituliett, und auf das Schreiben eines Friedrich, der großspurig als„regierender Fürst von Sayn- Wlltgenstein und Hohenstein" unterzeichnet, schreibt er vollkommen ahnungslos:„Herrn von Talleyrand übersandt, um mich wissen zu lassen, wer dieser Fürst ist". Worauf Napoleon streng hält, ist einzig, daß sein« Va- sollen bei der Stange bleiben und ihm immer neues Kanonenfutter für seine Kriege liefern. Sie lassen sich denn nicht wmpen und zahlen mit Gut und Blut ihrer Untertanen mehr als üppig.„Auf 1400 000 Einwohner und ein Einkommen von weniger als 20 Mil- lidnen," berichtet nach dem russischen Feldzug der Tyrann von Würt- temberg,"„habe ich 14000 Mann, meine gesamte aus 32 Geschützen bestehende Artillerie, meine ganze Kavallette und das ganze Fuhr- wesen der Armee, zusammen 4000 Pferde, sämtliche Waffen, auf 378 Offiziere 20S, schließlich dos ganze Material verloren, dergestät. daß mir in diesem Augenblick nur 143 bewaffnete Leute bleiben, di« Dienst tun können." Aehnlich geht es den anderen, aber- schadet nichts, noch einmal wird zu letzter Anstrengung aus dem Volk herausgepreßt, was herauszupressen ist. Das Volk ist ja so'lammes- geduldig. Seltenheit, wenn sich einmal, wie im Juni 1809, in- dem wütttembergisch gewordenen Mergentheim die Bauern gegen die neue drückende Herrschaft auflehnen, aber, berichtet König Fried- r i ch befriedigt an Napoleon,„mit aufgestecktem Bajonett drangen vier Infanterieregimenter in die Stadt ein. Man schlug sich noch in den Straßen, schoß und verwundete mehrere Soldaten von den Fenstern aus. Fünf- oder sechstausend Landleute, die die Sturmglocke in die Stadt gerufen hatte, wichen nur dem Ungestüm mit dem man st« angriff. Eine große Anzahl wurde niedergemacht: der Rest entfloh in die Dörfer auf der anderen Seite der Tauber. die einzeln erobett werden mußten. Es ist zu h�fürchten, daß man gezwungen sein wird, Zeuer an einige der Ortschaften zu legen." So führten diese deutschen Fürsten im Interesse Napoleons gegen deutsch« Bauern Ktteg! Und so sind sie ein Fürstenspiegel sondergleichen, diese Fürsten- bnefe an Napoleon, und helfen die Erkenntnis vertiefen, daß die Weltgeschichte wieder einmal zum Weltgericht ward, als der November 1918 die Nachkommen der napoleonischen Stiefellecker von Gottes Gnaden für immer von ihren Thronen und Thrönchen fegte. Hermann Wendel. Die Komödie der Schuhe I. Das Geheimnis der Schuhschachtel Der Z. Dezember ist in Wien gerade kein Feiertag, wird aber doch zu Ehren des heiligen Nikolaus, des Nikolos, wie der weiß- bärtige Wechuachtsmann im Dolksmunde heißt, festlich begangen, das heißt, man macht einander Geschenke. Als Nitolausgeschenk mag daher auch dies Paket erschienen sein, das zwischen mir und der kleinen Poldi log, meiner neuen Wirtin Töchterlein, mit der ich— vergangenes Jahr um diese Zeit— in der Elektrischen einem Vorort zustrebte: es war eine Schachtel von einem bekannten Schuhwarenhaus, mll einem roten Band umwickelt, das in einer Schleife endete. Andererfells hätte man wohl an unseren ernsten Gesichten ablesen können, daß dem nicht so war. Die Schachtel enthielt eine Leiche. Poldis Kätzchen war am Borabend sanft verschieden und der Zweck unserer Fahrt war. den verstorbenen Liebling unter einem Weidenbaum in Grinzing zur ewigen Ruhe zu bestatten. Ich war eigenttich nur Zufollsbegleiter, ich hatte in Grinzing ganz anderes vor, und bei der ersten Haltestelle, wo ein „Heuttgen"-Wirt„au-gesteckt" hatte, verabschiedete ich mich denn auch von der Poldi, stieg aus und ließ die Gute allein mit ihrem Schmerz. Als ich mich auf dem Trottoir noch einmal umwandte, sah ich da einen jungen Mann, der sich mtt einer rotoerschnürten Schachtel eilig aus dem Staybe machte. Kejn Zweifel, es war ein Dieb: er hatte, während ich mich von Poldi etwas umständlich verabschiedet«, die tote Katze gestohlen. Ich heftete mich dem Mann an di« Fersen. Wir gingen durch Gassen und Gähchen nach der Stadt zurück. Es war ein sehr armer Dieb, der nicht einmal das Trambahngeld besaß: als ich schon die Verfolgung aufgeben wollte, bog der junge Mann in ein großes Eisentor«in. Wir waren im Dorotheum, dem berühmten Wiener städtischen Leihhaus, das so groß und prunkvoll wie ein Ministerium ist und eine Welt von Elend enthüllt. Einer hinter dem anderen nähern wir uns allmählich einem Schalter: als die Reihe an den Dieb kommt, öffnet er die rot« Schleife und schiebt die Schachtel dem Schätzmeister hin. Der Schätzmeister hebt den Deckel hoch. Ich watte gespannt darauf, wo» jetzt kommen wird. Sicherlich hat noch niemand eine tote Katze zum Belehnen gebrocht. Der Schätzmeister wirst nur einen raschen, geschäftsmäßigen Blick' auf den InHall der Schachtel, legt den Deckel darüber und schiebt das Ganze zurück.„Pelzabteilung." sagt er trocken. Für einen Augenblick erhellen sich die Züge des Diebes, als aber dann sein« hastige Hand eine tote schwarze Katze ans Tageslicht zieht: „Das ist«in lausiger Nikolaus," ruft er laut in den Saal hinein und von den Derpfändern wird ihm dies« seine Ansicht aufs nach- drücklichst« bestätigt. Wirklich komisch war aber das Gesicht der Poldi. als ich ihr die Schachtel abends wiederbrachte: mit anderem Inhall versehen. II. fünfzehn paar Stiefel „Es war ein regnerischer Dezembertag wie heute— begann der „gemütlich« Onkel Ernst", mein alter Restaurateur, seine Geschichte—, das Weihnachtsfest stand vor der Tür:„Du, ich weiß dir einen feinen Gelegenheitskauf," sagt« da mein Freund, der Dekorateur,„IS Paar Stiefel— bei diesem Schweinewetter ist das das beste Weihnachts- geschenk, du kannst den ganzen Ramsch für SO Mark hoben und ein feines Geschäft damtt machen." Mir leuchtete das sofort ein. Wir gehen nach der Kaiserin. Augusta-Straße, ich und der Dekorateur, steigen zwei Treppen hinauf, läuten, eine Frau macht auf, ein« Witwe, die der Dekorateur respekt- nett grützt, tan«« ist«ioe von seoua Herrschaft«", ich werde vc& gestellt und die Frau, zeigt mir allerhand, das sie durch den Tod ihres Mannes abzugeben hat, Wäsche, Kleider,«in Bett, einen Schrank— und in diesem stehen in Reih und Glied nebeneinander IS Paar prächtige Schuhe(so gut wie neu und tadellos gepflegt), der ganze einstige Stolz des Verblichenen, sein Schatz, sein Lebensglück. Ich lege die 30 Mark auf den Tisch, die Frau gibt mir«inen Kartoffelsack und wir packen ein: Chevreau-Schnürschuhe, geknöpfelte Lackschuhe, gelbe Schuh«, braun« Schuhe, Stiefel, Stiesel, Stiesel. Auf dem Regal, wo die Telephon- und Adreßbücher stehen, stellte ich die IS Paare wieder schön in Reih und Glied und heftete«inen Zettel darunter: 3 Mark das Paar: ein Weihnachtsgeschenk' für meine P.-T.-Gäste. Es war dies ein Jahr, wo die Markwährung wieder neu eingefühtt worden, aber für gutes Gold und Motte kaum ein Paar ordentliche Stiefel zu kriegen war. Der Andrang vor dem Schuhregal war ungeheuer, alles be- wunderte, begutachtete, probierte: die Stiefel hatten Größe 43. Aber meine Gäste hatten entweder größere oder kleinere Füße, nur zwei Paare gingen ab, denn di« Schuhe waren auch etwas zu schmal . und flach. Gut so, dachte ich, dl« Gäste haben meinen Edelmut erkannt und jetzt will ich ei« gutes Geschäft machen. Ich schickte die Hanna mit einer Annonce zur Zeitung: 10 bis 12 Paar Schuhe, Nr. 43, fast nagelneu, preiswert abzugeben. Schon am nächsten Morgen erschienen zwei Herren: Wir kommen auf die Annonce, sagten sie, und ich führte sie vor da? Schuhregas. Dieses war dicht umstellt, denn es war gerade Markttag, die Leute frühstückten und besahen sich dabei wieder die Stiefel, die stachen jedermann ins Auge und bildeten noch immer das Tagesgespräch. Da rief einer der beiden Neuangekommenen, sich durch die Menge schiebend:„Halt, ich lege Beschlag auf die Schuhe." Di« Leute sahen einander betroffen an, das war ein fixer Käufer, vielleicht ein Händler,«in Schieber:„Packen Sie die Stiefel in den Sack," sagte er zu seinem Begleiter,„wir nehmen sie gleich mit" Jetzt kam ich hinzu und gebot Hall:„Wo ist das Geld?" fragte ich. „Das Geld? Ich habe die Schuhe beschlagnahmt." „Für wen. wer sind Sie?" „Ich bin Kriminalbeamter(er.zeigte sein« Polizeimarke), und dieser Herr ist von der Kleider- respektive der Lederverwertungsstelle." Mir blieb der Mund offen stehen:„Ich bekomme also di« Schuhs wohl zurück oder den Gcldeswert," fragte ich, wurde aber sogleich eines besseren, d. h. eines schlechteren belehrt. Ich hatte wohl das Recht Schuhe zu kaufen, nicht aber zu ve rkaufen: jetzt wurden sie mir einfach abgenommen. „Sassen Sie mir doch wenigstens Schuhe für mich selbst," bat ich. „ich wollte die letzten zwei Paare behalten, sie passen mir gerade." Wer nein, die Schuhe kamen alle in den Sack und auf die Leder- Verwertungsstelle, dott war acht Tage später Termin und am Morgen des Heiligabend kam eine Zustellung, daß ich 100 Mark Geldstrafe zu zahlen hatte, die ich sofort erlegt«. 130— 6— 124 Mark hatte ich ausgegeben und nicht einmal ein Paar Stiefel an den Füßen, die besser waren als die ihren..." Ich hatte meine triefenden Schuhe zu Onkel Ernst's eisernen Gaststubenofen hingestreckt, wobei die traurige Hinfälligkeit der Sohlen deutlich zutage trat.„Nichts für ungut," klopfte mir Onkel Ernst auf die Schulter und gab mir eine Molle Malzbier mit ein paar belegten Brötchen, die den ganzen Tag in der Auslage gestanden hatten und. ebenfalls schon sehr hinfällig aussahen.. Heinrich Hemmer. (26. Fortsetzung.) Ehe diese Gesetze in Kruft getreten waren, hatten die Schwarz- iicmden im Sinne ihre» Führers Mailand oerwüstet und a?- plündert, mn es für die Ehre zu bestrafen, die am meisten anti- inschistische Stadt in Italien zu sein. !Lon 10 Uhr morgens an bis zum späten Abend hausten die faschistischen Banden m der Stadt, die sie sich bezirksweise auf- aeteilt hatten. Jede Lande hatte eine Liste der Prioatwohnungen, Kanzleien, Empfangsräume von Aerzteu usw., die geplündert wer- den sollten. Mehr als 200 Wohnungen wurden vernichtet. Die Faschisten, die in meine Wohnung einbrachen, fanden dort nur eines meiner Kinder, ein zehnjähriges Mädchen, das seine Schul- moppe unter dem Arm trug, um ins Gymnasium zu gehen. „Wo ist dein Vater?* „Das weiß ich nicht* „Mach keine Geschichten, gleich wirst du sagen, wo dein Vater»st!" „Er ist heute früh ausgegangen. In der Redaktion wird et sein." „Da ist er nicht. Aber wehe ihm. er wird dasselbe Ende nehmen, wie Matteotti! Und oerdient hat er es." Das verängstigte Kind suchte zur Tür zu gelangen. „Was hast du in deiner Mappe?* „Nichts, als meine Schulbücher." „Her damit." Und man zerikkß sie. Zwei Stunden spoter war von der ganzen Wohnung nichts übrig, als ein wüster Trümmerhaufen. An den Mauern unflätige Inschriften. Die Bilder in den Rahmen besudelt und von"ugeln durchbohrt. Auf der Treppe, im chof, auf der Straße lagen die Bücher meiner Bibliothek. Macht man sich klar, was ein cheim an vergangenem Erleben, o» Hoffnungen, an tief Persönlichem bedeutet? Gibt es etwas in unserem Leben, dos uns mehr am cherzen läge, als die Erinnerung an Glück, an Mühsal, an Arbeit, die jeder Gegenstand birgt im cheim einer Familie? Dieser Gedanke tom mir am nächsten Tag, als ich das Gewirr Möbel», Geschirr, Wäsche und Büchern sah, das den Boden bedeckte. Und vor deinem Bilde, Mutter, das als Zielscheibe gedient hatte, habe ich gedacht, wie gut es war, daß du gestorben bist und daß dir ein solches Schauspiel erspart geblieben ist... Aber wer im Kampf steht, Hot nicht die Zeit zu grübeln oder auch nur zu denken. Warum Zeit verlieren mit Träumereien? Andere Fragen mußten gelöst werden, gleich gelöst. Di« Oppositionsblätter waren verboten, unsere Partei war auf- gelöst, wir hatten also keine Wahl, als die zwischen dem Gefängnis urtd dem Exil. Mein chaus war schon von der Polizei umzingelt. Sollte ich mich ergeben oder entfliehen? Ich entschied mich für die Verbannung. Seit mehreren Monaten war ohnehin jede politische Tätigkeit unmöglich geworden, so daß eigentlich die Ausnahmegesetze nur eine bereits bestehende Sachlage legalisierten. Die Zensur l)atte es fertig gebracht, die Presse umzubringen. Das Koalitionsrecht und das Versammlungsrecht hingen überall van der Gnade der Faschistenführer und der Polizei ab. Unsere Existenz war wirklich höllenmäßig aeworden. Eine Verhaftung folgt« der anderen. Wohl konnte man noch, wie das mir in, Mai 1926 geschah. Richter finden, die sich weigerten, einen Haftbefehl zu bestätigen oder eine Untersuchungshaft zu ver> 'ängern, wenn keinerlei Schuldbeweise vorlagen. Aber immerhin mar das eine Seltenheit. Die einzige noch mögliche Propaganda war die durch die gc- Heime Presse, der die Polizei mit großer Erbitterung nachspürte, ohne sie ober beseftigen zu können. Die letzte sozialistisch« Kundgebung fand in Mailand bei der Bestattung von Anna Kulischoff statt, die dreißig Jahre hin- durch die Gattin und Mitarbeiterin Turatis war. Sie hatte«inst einen sehr bedeutenden Einfluß in der sozialistischen Vewegung aus- geübt. In den letzten Iahren widmete sie sich ganz der anti- saschistischen Propaganda und ihr Arbeftszimmer war unser« letzte Zufluchtsstätte. Man mochte hinkommen, wann man wollte, immer fand man ihr Lächeln und ein gutes ermutigendes Wort... Sie war langsam und schwer gestorben. Für Turati bedeutete deser Verlust gleichsam«ine Verstümmelung seines Wesens, das in dieser Fron seine Ergänzung gefunden harte. Alle Sozialisten trauerten mit ihm.- Am Tage des Begräbnisses hatte sich«ine ergriffene Menge auf dem Domplatz versammelt, um der Toten ihr« Treue zu be- weisen Ein gewaltiger Zug hatte die Genossin zum Friedhof ge- leitet, die aus Rußland gekommen pur, um in Italien, also in ihrem zweiten Vaterlande, ihr Leben dem Sozialismus zu widmen. Wie hätten aber die Faschisten dem Tode und dem Schmerz Achiling bezeugen können? Als ich auf dem Friodhos dem Gefühl Aller Worte verlieh und den Ruf ausstieß:„Es lebe der Sozialismus!* gingen die Schworz- bcmden. die nur auf einen Anlaß gewartet hatten, zum Angriff über. Mit Foustschlägen, mit dem Knüppel und mit Dolchen fiel man über das Trauergesolge her, auf dem Friedhof, unter Gräbern! Auf beiden Seiten gab es viele Verwundete, als wollte man durch das Blut auf dem Grab««»er Frau, die ihr ganzes Sein für Frieden. Gerechtigkeit und Brüderlichkeft aufgeboten hatte, den Be- v'-eis erbringen, daß jetzt die Stunde des Bruderkrieg», die Stunde Kölns, gekomm-n war. Wenige Monate foäler sprengten die Ausnahmegesetze diese '«bte Gruppe alter Kämpfer. *** In der Nacht des 13. November 1926 klopften zwei Männer. naßgeregnet, müde und mit Schmutz bedeckt, an die Tür der Duttc eines Kobienbrcnnera. Sie«aren auf Schweizer Boden, wenige hundert Meter von der italienischen Grenze entfernt. Im Heid prasselte ein lustiges Feuer. Während mm, ihr« Sachen trocknete und ihnen warm« Nahrung bereitete, forschten die beiden Reisenden danach, ob wohl andere Italiener über die Grenze gekommen waren und baten, daß man die, die etwa noch kommen sollten, gut aufnehmen möge. Die beiden Reisenden— mein Fraund Mario Bergamo, der Verteidiger der Landarbefter von Molinella, und ich selbst— weihten als erste diesen Weg ein. der aus dem faschistischen Zucht» haus in die Freiheu führte. Es hätte keinen Sinn gehakt, länger zu zögern. Seft dem 9. November wurden täglich mehr Verhaftungen von Sozialisten und anderen Gegnern des Faschismus vorgenonunen. Mussolini glaubte, sie in einem großen Kesseltreiben alle in die Hand zu be- kommen. In völlig gesetzwidriger Weise hatte die faschistische Kanuner die Abgeordneten der Opposition, die an der Sezession teilgenommen hatten, ihres Mandats verlustig erklärt. Die kommunistischen Ab- geordneten hatte man ganz einfach m dem Augenblick verhaftet, wo sie das Parlament betreten wollten. Die Miliz, aus der man cine Gehemipolizei gemacht hotte. machte Jagd auf Antifaschisten. Um Grenz überschrcuungen zu verhindern, war die ganze Miliz mobilisiert imd hatte Befehl, auf jeden.zu schießen, der die Grenze zu überschretten versuchte. In den Grenzgebieten sät« man den Terror durch Androhung schwerster Strafen für jeden, der einen Flüchtling beherbergte oder«in« Grenzüberschreitung begünstigte. Auf allen Straßen war die strengste Ueberwachung organisiert. Trotzdem waren wir herübergekommen und gleichzeitig gelangten andere Genossen in die Schweiz, nach Frankreich, noch Jugoslawien oder Oesterreich. Unserer harrte nun«in neues Leben. Nach Iahren ununtcr- brochenen Kampfes, unter der beständigen Drohung, ermordet zu werden, waren wir nun auf einmal in Freiheit. Zunächst galt unsere größte Sorge unseren Angehörigen, die auf der anderen Sette der Alpen geblieben waren und dem Regime als Geiseln dienten. Und zwar als Geiseln im vollsten Sinne des Wortes. Es gibt noch heute zahlreiche Familien, die sich nicht hoben wieder vereinigen können. Paris zog uns an durch das Prestige seiner revolutionären, freiheitlichen Ueberlieferung und weil es die Möglichkeit verhieß, unsere Aktion von dort aus auf alle Länder anszuftrahlcn. So lenkten die meisten Flüchtlinge ihre Schritte nach Paris. Aber der Weg, der sich vor uns austat, war der eines Daseins ohne Freudig- keit, unter dem schweren Gesetz de» Schmerzes. Wir kamen damals in einem Atelier in Monttnartre zusammen, das gleichzeitig unser Klub, unser Restaurant und für manche von uns der S-�afsaol war. Nullo Baldini, der in Italien der Führer der gewaltigen landwirtschaftlichen Genossenschaften von Ravenna war. organisierte jetzt unsere Verpflegung. Man entdeck-'e wunderbare Begabung zur Lochkunst in einem berühmicn Journalisten und in einem gewiegten Parlamentarier. Jeder Tag brachte unserem Klub neue Mitglieder. Einer der ersten war Claudio Treves. Dann kamen aus Ram der Chefredakteur der„Voce Republicana", Fernando Schiavetti, Giannini, der Herausgeber des„Vecco Giallo*, eines satirischen Blattes, das eins der gesürchtesstcn Waffen der Opposition war. Weiter Alberto Gianca, der Herausgeber des„Moudo", die republikanischen Abgeordneten C h i e s a und Facchinetti und andere Journalisten. Abgeordnete. Gewerkschaftsführer, Männer oller Parteien, die die liebe Freihett vereinte. Und jedesmal, wenn ein neuer kam, gab es dieselbe Szene, die» selben Fragen: „Wie bist du herübergekommen?" „Auf dem und dem Wege." Und T.?" „Der ist im Gefängnis* ..Und D.?" „Der hält sich versteckt, bis man ihm heraushilft." ..Und Z?" Und dann folgt ein langes Schweigen. Mtt tief gesenktem Topf essen die Flüchtlinge, ohne em Wort zu sagen, mit den Gedenken in der Ferne, jensetts der Alpen, in den Gefängnissen, auf den Inseln, im eigenen Heim. Dann erhebt einer das Glas:„Auf dein Wohl!* wendet er sich an den jüngst Gekommenen. Es wird angestoßen, der ein« oder der andere fängt an zu singen...(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. >>iiiiniiiin!iiiiiiniiiimminiiiiiiiiiniiii:iiiiiiiMiiiimminiiniiiiiiiiiiiiiiiuinniHniiiniinmn)miiinnMimiiimnuniiinnnntiiiniiuniiinii»inunninnnniiiiHiiunininniii:mniuiiiiiiiu Winter, die keine Winter sind. Daß es milde Winter gibt, in denen man kaum etwas von Eis und Schnee merkt, ist bekannt, daß es aber auch schon Winter gegeben hat, in denen die Natur geradezu auf den Kopf gestellt wurde, wsssen die Wenigsten. In den Iahren 1186 und 1289 ro teurbestimmungen(also ausnahmsweise! Red.), sondern unt eine versuchte Bestechung beim FC. Kreuz. Der FC. Pirmo� seng wurde aus einen Monat disquasifizkert und mit 1000 Mark Geldstrafe belegt.. Aber wie gesagt: Man legt ja jetzt Amateurbestimmungen fest unter geistiger Führung von Herrn Dr. Diem! „Nationaler Deutscher Autornobil'Klub". Wir teilten in unserer Ausgabe vom letzten Freitag mft, daß in Potsdam eine Ortsgruppe des„Nationalen Deutschen A u t o m o b i l- K l u b s" gegründet fei, der der Kronprinz, Prinz Eitel Friedrich usw. angehören. Wir tönnm zu dieser Mitteilung ergänzend hinzusügen, daß die Gründung des NDAK. durch etwa 40 nationale Perbändc erfolgte, unter denen sich folgende„Arbeit- nchmerorgmlffationen" befinden: „Bund Deutscher Lokomotivführer", „Deutschnationoler Arbeiterbund", „Reichsbund Deutscher Angestellten-Berufsoerbäyde", „Reichsbund vaterländischer Arbeiter- und Werkverein«", „Reichslanharbeiterbnnd", „Reichsverband nationaler Gewerkschaften". Nichts charakterisiert wohl deutlicher sowohl die Richtung dieser neuen Sportvereinigung wie auch die Haltung nationaler„Gc- e-erkschaften" wie die Tatsache, dotz„Arbeitnehmer"organisationen Automobil-Klub- gründen und deren Mftglieder sich zumeist ans Hohenzollernsprößlingen zusammensetze::. SaldoVs erster Schützling. Der Altmeister der deutschen Dauerfahrer. Kart Saldow, wird im nächsten Jahre bekanntlich nicht mehr das Rennrad besteigen, sondern den Schrittmacherberuf ausüben. Saldow Hot bc- reiis mehrfach auf der Berliner Olympiabahn trainiert und jetzt, nachdem er einigermaßen in die Geheimnisse des Schrittmachens eingedrungen, auch einen Schützling gefimden. Er wird den jungen KwntfuUer Ludwig Schäfer führen. Krcisscfaule! Am' Mittwoch, 11. Dezember, 20 Uhr, wird eine Jugend- klaff« in der Turnhalle Weißensee, Park- Eck« Pistoriusstraße, eröffnet. Alle Vereine entsenden Teilnehmer aus allen Sparten. Fahrverbindimg mit Straßenbahn 8, 17, 60, 61. 62, 72. Autobus 8 imd 14 bis Antonplatz. Vom Bahnhöf Weißensee 15 Minuten Fußweg. I. A: Georg Gradtke. Die V5D. Eisbahn. Der Polizei-Sport-Verein Bertin hat während der Wmterfaffon auf dem Gelände des Poli.zeistadions, Chauffeestr. 95—97, gegenüber der Untergrundbahn Schwort;- topfftraße, eine erstklassige Eisbahn von über 10 000 Quadratmeter eröffnet. Er lzoi für alle Amwhmlichkeiten, wie gute Restaumtions- räume, zweckmäßige Garderobe, Eislauflehrer, Verkauf und Ver- leih von Schlittschuhen und besonders gutes Konzert gesorgt, so daß der Besuch der Eisbahn bei den volkstümlichen Eintrittspreisen bestens empfohlen werden kann. r-utiftciuottiK.Di« Xaiutfrcuttit", zentrale Wien. Übt. Zriebrichabain: Dienl-Iaq. 10. Dezember. 20 Uhr, itronlsurter iiUec 307: Bunte Ludtbilder.— Abt. Zrredena»: Dienstag. 1». Deaember. 20 Uhr, Skfrnbgchcr Str. 8a: Mit» o lieberversammlung.— Abt. Lichten rab«: Dienstag. 10. Dezember, 20 Uhr. bei Deblam. Brimfof. Eck- Golbstrage?„8 218/210'.— Abt. Ziarben- Diensten, in. Dezember. 20 Uhr. Eonnenbumer Str. 20:.Die!etholisch« Kirch» unb Ihr» Zieliflion' tRekerent Dr. 2R. Schutte).— Abt. AentZIln. Zug endo rnpve: Dienstag. 10. Desemcher. MtikhafenIK. fiS: Seimabenb.— Abt. Lnmdoldthein: Diens- teg. 10. DeZeniber. 20 Uhr. Schöniledtttr. 1: Geiangsebenb.- Jngcndarnvpc Oiten: m-acaä. 11, Dezember. 20 Uhr. ffiöftlccitr. 61; Geschäftliches.- Abt. Dr«>r»la»«r Aue: Donner-tgg, 12. Dezcmber. 20 Uhr. Den»iger Str. 62, Baracke II: DisbiNfainsatenh.— Abt. Tiergartcn: Donnerstag. 12. Descmber. Z0 Uhr. Lehrter Str. 18— IS: Brcttioiclabenb.— Abt. Lichtenberg: Donnerstag. 12. Dezember. 20 Uhr, Sunterftr.<4: Eni» labend.— Abt. Südwest: Donnerstag. 12. Deiember. 20 Uhr, Borckstr. 11: Lieber»nr Laute.— Aatnr- lundllche Abt.: Donnerstag. 12. Dc»ember. 20 Uhr, ktohannisstr. 15:„Die Bklanie als Erfinder".— Abt. Wethens««: Donnerstag. 12. De.,cmber. 20 Uhr, Büwriiisitr. 34: Seimabend. Nnderocrciu.Benooris". 10.?e«mi>cr. 10 Uhr: Gnuinasiii. Turnhalle SoltcislraKe. U. Dezember. ISij Uhr: Bgsftnrudern der Iugendahtcilungcn. u. Dezember. 101b Uhr: Waldlaurrrauiä,« vom Bootshaus. 12. Degember. WUUnTnRIajttTCgn alZCD MOrlCXU XuXw VCIOJ UKUuckOuu vT lOlUicu- UOJ 4¥t5w<> AWXCnu OER, gceffpmiR ma noch bchgmrtsrgebcn. i i Die schottischen Rebellen. Zum ersten Male spricht man von Gpaltungsgefahr. London, 8. Dezember.(Eigenbericht.) Mehr als einmal ist in den letzten Wochen während der De- batten der Arbeilslosenvers icher ungbill von den rückwärtigen Bänken der Arbeiterpartei her Murren laut ge- worden. F au st e wurden gegen die Führer der eigene» Partei, gegen Maedonald, Snowdcn und Thomas geballt. Abgeordnete der Arbeiterpartei, Kollegen der regierenden Minister haben versucht, Anträge ini Parlament einzubringen, die aus Mißtrauensvoten hinauskamen: sozialistische Abgeordnete haben in ihren Wahlkreisen öffentlich die Regierung des Bruchs von Wahlversprechen, der poli- tischen Ehrlosigkeit geziehen. Was ist geschehen? Befindet sich ein Flügel der Partei in offenem Aufstand? Ist die Zersplittc- rung der Partei— von den Gegnern immer und immer wieder prophezeit— zur Wahrheit geworden? Die Borgänge der jüngsten Wochen mit kontinentalen Magstäben messen, hieße sie mißverstehen. In Deutschland, in Oesterreich, in Skandinavien� und der Schweiz mit ihrer strengen Partei- und vielfach noch strengeren Fraktionsdisziplin würde«in Bruchteil dessen, was sich hier in England unter unseren Augen abspielte, genügt hoben, um einen inneren Bruch nach Außen an- zuzeigen, das Vorspiel für disziplinarisches Vorgehen, für den Aus- j ch l u ß der betreffenden Abgeordneten zu bilden. chi«r, in Eng- land. wo die Freiheit von Zwang und Disziplin seit jeher größer wav wo in jeder Partei eine Gruppe existiert, die in den De- batten gegen die Führer der Partei aufsteht, wo beinahe jeder Ab- geordnete dos eine oder andere Mol mit dem politischen Gegner und gegen seine eigene Partei gesprochen und gestimmt Hot, kann eine Disziplin nicht gebrochen werden, di« es nicht gibt. An und für sich bedeutet also die Rebellion der Abgeornetcn von der Clyde noch nichts. Aber in den letzten Wochen sind gewisse Momente deutlich geworden, die eine ernstere Beurteilung als t» der Vergangenheit nötig machen. Die Demonstrationen der Stür- mer und Dränger von der Clyde haben sich quantitativ so ge- steigert, daß sich das Gesicht dieser betonten Revolte verändert hat. Man bekommt mehr und mehr den Eindruck, daß sie mehr und mehr zur bewußten, wohlvorbereitcteu Opposition wird, und daß dahinter der bep>ußt«e Wille steht, die Führer der Partei vor den Massen bloszustellen. Dieser Eindruck wird durch den systematischen Charakter der Angriffe, die Ge- schlossenheit des Vorgehens, die Wahllosigkeit des Ausdrucks, die chefligkeit der Sprache noch verstärkt. General dieser Gruppe ist James M a x t o n, Präsident der Unabhängigen Arbeiterpartei, ein Fanatiker. Ein Fano- tiker mit chumor allerdings, darum im Unterhaus aus allen Seiten geschätzt und selbst bei Liberalen und Konservativen persönlich be- tliebt. Schlank, mit dunklem Teint, dunklen Augen und einer drohend ins Gesicht gekämmten Verschwörerlockc ist Maxton einer der markantesten Gestalten des Unterhauses. Ein Redner großen Formats, aber kein Denker. Er ist der General— und wie viele Generale nur das Aushängeschild für seinen Stabs- chef, Werkzeug seiner Strategie. Dieser Eltes vom Stab der Gruppe Maxton ist der„Sehr Ehrenwerte" John Wheatley, ehe- waligcs Mitglied des Kabinetts Macdonald von tü24> Mitglied des Geheimen Rates Seiner Majestät König Georg V., G r o ß k a u f- in a u n in GlnsAow und fanatischer Katholik. Wheatley ist der Drahtzieher, der Minenleger. Mar, messerscharf in seiner Logik, als Redner eiskalt und überlegen, dirigiert er, aus dem Hintergrund, in den er sich freiwillig zu begeben pflegt, die Clyde- Gruppe. Tritt er selbst hervor, so macht er durch seine Logik, seine schneidende Sachlichkeit im Unsachlichen Eindruck. Aber niemand wird warm— es ist als ob ein« Maschine abrollte, nicht ein warmer Mensch spräche. Er ist der Intellekt! John Buchanan die Trompet«, der hochwürdige Campbell Stephen, ein Geist- licher, der Schriftführer und„Da vre" Ki rk wo od, wie jemand unlängst, festgestellt hat, der Clown der Gruppe. Rund um sie herum ranken sich mehrere ander«, ihnen bisher nur von Fall zu Fall zugesellt: die junge Jenny Lee, der das Nend ihrer schottischen Heimat auf der Seele brennt und die Langsamkeit der parlamentarischen Maschine als«in Verrat an ihren Wählern erscheint, F e n n e r Brockway, der frühere Herausgabe der Zeit- schritt„New Leader", seinem Temperament noch stets bei den An- greifern, seinem Herzen nach bei den Kühnsten, seinem Verstand nach bei denen, die sich selbst nicht zu Helsen vermögen. Noch ist der Rubikon nicht überschritten. Noch sind sie Mitglieder der Fraktion, dem„Einpeitscher" der Frak- tion unterstellt. Noch ist nichts geschehen, was sie unversöhnlich außerhalb die Partei gestellt hätte. Die englische Partei liebt nicht das Ketzer-Richtertum und wünscht auch j«tzt noch, trotz der Per- antwortungen der Regierung, die freie Acußerung der Meinung nicht zu unterbinden. Aber dennoch tönt, zum ersten Male'—, trotzdem es nicht das erstemal fft, daß Maxton«ine Rebellion führt— die bange Frage, wie lange diese Revolte noch möglich i st, ohne die Massen zu verwirren und die Regierung im eigenen Rücken zu schwächen. Die Mehrheiten Macdonalds und der Seinigen im Unterhaus sind schwach— wie könnte es auch bei einer Minderheiten-Regierung anders fein? Es kommt auf den letzten Mann in den eigenen Reihen an. Wie, wenn durch die Schuld Maxton-Wheatleys die Regierung in einer ernsten Frage in die Minderheit geriete? Di« Frage wird überall gestellt, wo Anhänger der Labour Party zusammen sind, in den Ortsgruppen, im Parlament. Niemond will es auf der Seite der Mehrheit zum Bruch mit Männ«rn, wie Maxton, Kirckwood, Buchanan und Campbell Stephen treiben, deren Ehrlichkeit über allem Zweifel steht und die in ihrem Typus und in ihrem religiös gefärbten Fanatismus einen Teil der ältesten schottischen Garde der brttischen Arbeiterbewegung widerspiegeln; niemand will einen Wheatley vor die Tür setzen, der als Minister der ersten Arbeiterregierung sich durch sein Hausbougesetz unvergängliche Verdienste geschaffen und, vielleicht mehr als irgend jemand, die Ehr« d«r ersten sozialistischen Regierung des britischen Reiches gerettet hat. Niemand will eine übereilte Entscheidung erzwingen. Aber olle fühlen, daß diese Kritik in chrer agitatorischen Maßlosigkeit, in ihrer Mißachtung aller realen Tatsachen zu einem Stachel ge- worden ist, der nichts als unnötig verwundet. Noch sind die Würfel nicht gefallen, aber man beginnt sich zu fragen, ob morgen oder übermorgen oder vieleicht erst in Monaten oder Iahren nicht doch die schmerzliche Trennung von Freunden notwendig sein wird, die— aus edelsten Motiven— ihre Führer in der Zeit der Not im Stiche gelassen haben. Egern Wertheimer. «nun ehemaligen Geschäftsfreund aus der Zeit feiner PSrfen, tätigkeit in Schanghai verwalten. Alle sonstigen wichtigen Posten erhielten ehemalige Pekingsche Beamte. Eine solche Zusammen- setzung der Regierung mußte einer umfangreichen Korruption Tür und Tor öffnen. Um seine militärische Stellung General Feng gegenüber zu verbessern, forderte er Japan auf, die Räumung Schantungs hinauszuziehen, eine Totsache, die einerseits in weitesten Bevölkerungskreifen bercch- tigte Empörung Hervorries, andererseits China im Auslande lächer- lich machen mußte. Unter seiner Regierung wurden nicht nur die Steuern beträchtlich erhöht, sondern auch Anleihen im Umfange vdn<00 Millionen Dollar oufgenoinmen, die eigentlich der Verkleine- rung des Heeres und Ueberführung der zu entlassenden Soldajen in bürgerliche Beruf« und dem wirtschaftlichen Ausbau des Landes dienen sollten, in Wirklichkeit jedoch zum Ausbau derMilitär-- macht Tschiangkaischcks und zu feiner persönlichen Bereicherung verwendet wurden. Er löste die Organisationen der Bauern, Arbeiter, Studenten und kleinen Kaufleute auf, er führt««ine strenge Presse-, Die Anklagen gegen den Diktator. Oer Kampf der linken Kuomingtang gegen Tschiangkaischek. Ein neuer Kanipf in China hat begonnen. Alle diejenigen, die glaubten, nach den schweren Kämpfen der letzten Jahre nun mit einer ruhigen und steten Aufwärtsentwicklung Chinas rechnen zu können, sehen sich enttäuscht. Und doch war dieser Kampf, wie wir längst vovaussahen, unabwendbar geworden durch die nicht zu über- brückende Kluft zwischen den diktatorischen Maßnahmen T s ch i a n g- k a i s ch« k s und den Lehren Dr. Sun-, auf die sich das Programm der Kuomingtang stützt, und deren Verwirklichung das Ziel der chine- fischen Revolution ist. Die Lehr« Dr. Suns stellt drei unauflösbar miteinander ver- bundene Prinzipien auf, die drei sogenannten Bolksprinzipien: Volks selb st ändigkei't(Nationale Freiheit), Volksherrschaft(Demokratie), Volkswohl st and(Sozialismus). Die Kuomingtang erstreb! durch den„Nationalismus" die Unab- hüngigkeit des chinesischen Volkes vom westlichen Imperialismus und Gleichstellung aller Völker der Welt, die Gleichberechtigung aller Bevölkerungskreise und ihre Befreiung von Militarismus und Lureaukratismus durch die Demokratie und die wirtschaftliche Gleichstellung aller. Chinesen durch den Sozialisinus. Dabei ist sich die linke Kuomingtang darüber klar, daß eine Verwirk- lichung des Sozialismus erst nach einem II e b e r g a» g s st a d i u in möglich sein wird. Die chinesische Revolution ist also nicht nur ein« politische, sondern auch«ine soziale. Sie konnte daher nicht beendet sein mit dem Sturz des Kaiser- lums, der Militärmacht und der alten Regierung, sie mußte weitergeführt werden als ein Kampf gegen den über- kommenen Feudalismus des Großgrundbesitzes und den neu erstehenden Kapitalismus. Die linke Zkuomingtang hat es sich zur Ausgabe gemacht, die Revolution in diesem Sinn« weiterzu. führen und die drei Volksprinzipien, die leider nicht in ihrer Drei- Einheit von allen Richtungen der Kuomingtang aufrechterhatten werden, in die Tat umzusetzen. Der recht« Flügel, in dem Kapitalisten und Großgrundbesitzer stark vertreten sind, greift lediglich dos nationale Programm der Lehre Dr. Suns heraus. Daß ein neuer Kampf in China zwischen dem linken und rechten Flügel der Kuomingtang entbrennen mußt«, wenn der linke entschlossen war, das Programm Dr. Suns in seinem vollen Umfang« durchzusetzen. wird dem diesen Dingen fernstehenden Europäer am besten begreiflich werden durch einen Ueberblick über die wichtigsten Punkte des von der linken Kuomingtang und zwölf ihr angeschlossenen Generälen herausgegebenen M a n i f e st e s. In diesem Wirt) Tschiangkaischek angeklagt: Tschiangkaischek verhinderte ein« satzungsgemäße Wohl der Vertreter der einzelnen Provinzen zum dritten Parteitag; unter Aufbietung von Militär schloß er den linke» Flügel der Partei aus. Er baute Schlösser für seinen und seiner Familie Privat- gebrauch und übergab eine» erheblichen Prozentsatz der Summe einer amerikanischen Bank, um das G«ld dem Zugriff seiner Lands- leute zu entziehen. Nachdem er durch Machtmittel— nicht wie durch Wahl des Volkes oder des Gesamtzentralkomitees der Partei, die übrigens nur einen Vorsitzenden, nicht aber einen Präsidenten kennt— seine Herrschaft ausgerichtet hatte, oeränderte er das Zentralregierungskomitee in der Weise, daß er es nur mit ihm unbedingt ergebenen Persönlichkeiten besetzte. In alle wichtigen leitenden Stellungen setzte Tschiangkaischek Verwandte oder Freunde. So ernannte«r drei seiner Schwäger zu Eisenbahn-, wirtschofls- und Finanz- minislern, besetzte das Außenministerium durch einen engen Freund seiner Heimat L i n g- P o und ließ ein anderes Mintsterium durch Papierhandlung im PofiamL 9m 9offem( Oef«bergflrajle In 3f erlitt wurde eine Papierhandlung eröffnet£• ist die» die erste In einem Poflamt mugelaffene Papierhandlung, ttenn fleh die Slnrlchlung bewährt dürfte fle bald ttaehahmung finden. Literatur- und Briefzenfur ein und oerbot Demonstrationen jeglicher Art. Daß es Pflicht aller wahren Verfechter der Lehre Dr. Suns und damit Aufgabe der linken Kuomingtang fein nmß, eine solche Militärdiktatur mit allen Mitteln zu bekämpfen, wird jedem selbstverständlich sein, der di« drei Volksprinzipien den Anklagcpunktcn des Manifestes gegenüberstellt. Immer wieder verwechselt man die Anhänger der sinken I kuomingtang mit den Kommunisten. Die link« Kuomingtang stützt sich jedoch hauptsächich auf die Bauern, die Arbeiter nnd den kleinen Mittelstand und ist damit Verfechter des Massenkampfes. Als demokratische Partei muß sie aber eine Zusammenarbeit mit den Kommunisten ablehnen. Während jedoch die rechte Kuomingtang die kommunistische Partei durch Verhaftungen und Hinrichtungen ihrer Anhänger bekämpft, will die link« Kuomingtang den Kommunisten durch die Anziehungskraft chrer eigenen gerstigen Massenbewegung den Boden entziehen. Die linke Kuomingtang erstrebt die Befreiung vom westlichen Impenolis- muz durch«ine Volksbewegung, die ihre Stütze in einer straffen Organisation der Arbeiter, Bauern und des Kleinbürgertums hat. Außenpolitisch tritt die linke Kuöniingtang für Anbahnung und Auf- rechterhaltung freundschaftlicher Verbindungen zu allen Völkern, die China nicht ausbeuten, ein. Si« will auch die diploma- tischen. Beziehungen zu Sowjetrußland wieder ausnehmen unter der Bedingung, daß di« Sowjetregierung es unterläßt, die chinesischen Kommunisten in China zum Terror auszurufen. Wie di« letzten Nachrichten aus China besagen, haben die Truppen von General Tsangfawei Kanton besetzt und Tschiangkaischek ist zurückgetreten. Somit ist ein« neue linke Regierung in Südchina begründet. t Siau Shu-Yu. Eine kommunistische Blüte. Em„vorbildlicher Arbeitgeber" ist der kommunistische Strunipffabrikant Archur Hahn in T H o l H e i ni im Erzgebirge. Er hat dieser Tage in seinem Betrieb durch Anschlag bekanntgegeben, daß im Interesse der Wetterbeschäftigung eine Neufestsetzung verschiedener Dutzendpreise notwendig sei, die ab 16. Dezember in Kraft trete. Wer mit dem Lohn- abbau nicht einverstanden sei. habe sich mit dem K. Dezember als entlassen zu betrachten. In dem Anschlag wird betont, daß die Löhne anderweit selten höher sein dürften, und daß es sich bei dieser Maßnahme„nicht nur uni eine Erhöhung des Prosits" handelt.— Dieser Anschlag, der eine bedeutende Lohnsenkung vorsieht, unterscheidet sich in nichts von den Methoden der übrigen Scharsmacher im Lager der Textilindustrie. Der Kommunismus treibt sonderbare Blüten. Wieder Bankpleile. In Oberbayern(Dachau) ist da? Bank- geschöst Reiher zusammengebrochen. Der Inhaber ist geflü l't t. Mindestens 130 000 M. fehlen. Auch Depotunterschlogungen sollen vorliegen. HONIGKUCHEN WelhnachtsgrOB«... 0.50 Desaert-Kuchan.... 0.50 Bartinar Happen.... 0.50 Makronen-Kuchen.... 1.- PrinzeB-Kuchen..... t.— Honig.Katharinchen.. 0.40 m/Ma mriaHtna*». Schokoladen-Kuchen. 0.60 7h,a WeiBor Lebkuchen.. 0.65 a, ir Frucht-Kuchen... ,0.95 Einkaufe frühraltlgl Sport-Kuchen...... 1.- CYLIAX FABRIK M ARZIRA Marzipan-Teegebäck'/» 0.75 Marzipan• Kartoffeln'/« 0.70 Marzipan• Brote mit Ananas Erstklassige Schokoladen Marke Sonne Marke Krone. Marke Milch-NuB Marke Vollmilch.. Mai Ire Vanille. Pralinen In allen Preislagen . 0 60 ....0.50 ; q QQ 0 Bitte erledigen Sie 0.40 Ihre Weihnächte» Einkäufe frühzeitig t DIE SROSSE Q.UALITAT •?Kl-U AL-F�N� I N A[L E N STADTTEf LE fV TÄG LI CH FRISCHE WÄR E