. Nr. 55. Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Vierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Poft- Abonnement: 3,30 Mt. pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. DefterreichUngarn 2 M., für das übrige Ausland 3 Mt. pr. Monat. Eingetr. in der Post- Zeitungs- Preisliste für 1896 unter Nr. 7277. Vorwärts 13. Jahrg. Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inferate für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonnund Festtagen bis 9 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508. Telegramm- Adresse: nostaldemokrat Berlin". Berliner Bolksblatt. 2409 Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Weibliche Fabrikinspektoren. " Donnerstag, den 5. März 1896. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3: und Und fein geringerer als Dr. Wörishoffer selbst schreibt| Werkstätten, Fürsorge für Entrinnen bei Feuersgefahr, unim badischen Jahresbericht für 1894:" Weibliche Aufsicht genügende Heizung der Werkstätten, Gesundheitszustand der Zu den Gegnern der Forderung, daß weibliche Fabrik- ist noch nicht in genügendem Maße dort eingeführt, Arbeiterinnen, gefährliche und gesundheitsschädliche Bes inspektoren angestellt werden, hat sich nun auch Dr. wo sie wünschenswerth ist." Er selber also spricht schäftigungen. Dazu giebt Miß Anderson noch einen Wörishoffer gefellt, der oberste Gewerbe- Inspektor für sich zu gunsten der weiblichen Aufsicht aus. Auch der Be- neun Druckseiten umfassenden Bericht über die Ver= Baden, dessen objektives Auftreten ihm das Vertrauen amte für Lothringen fordert dieselbe; andere Beamte ordnungen in Frankreich, betreffend Gesundheit weiter Arbeiterkreise geschafft hat. In der neuesten Nummer lassen freilich auch entgegengesetzte Meinungen laut werden. Sicherheit der geschütten Personen in Industrieder„ Ethischen Kultur"( vom 29. Februar) will er in einem Der Hinweis auf die erfolgreiche Thätigkeit der in werkstätten. Artikel: Die Frauen der höheren Stände England angestellten weiblichen Beamten will All diese Aufgaben können bei uns auf dem Boden der und die Arbeiterinnen" nachzuweisen, daß nicht Dr. Wörishoffer damit abschwächen, daß er sagt, man be- je tigen Gewerbe- Ordnung ebenfalls gelöst werdenBeamte, sondern ethische" Frauen geeignet wären, die Lücke rufe sich irrthümlich meist auf einzelne Veröffentlichungen des ein Warten, bis die lahme Sozialreform des Reichs wieder auszufüllen, die, wie er auch zugiebt, heute in der Gewerbe- Labour Departement im Board of Trade, in dem auch etwas weiter gehumpelt sein wird, ist nicht nothwendig. inspektion vorhanden ist. einzelne Damen beschäftigt sind, nicht auf die Leistungen und unbestreitbar tönnen nur weibliche Beamte fich der amtlichen weiblichen Inspektoren. Kenntniß verschaffen über gewisse Vorkommnisse im Leben Wem diese Verwechselung paffirt ist, wissen wir nicht; der Fabritarbeiterinnen, bezüglich über den Zusammenhang gegen die Befähigung der Frauen als Inspektorinnen be- der schlechten Lohnlage mit der offenen und versteckten weist sie nichts. Wir berufen uns auf den amtlichen Prostitution und über das in leider sehr großem Maßstabe Bericht des Chief Inspector of factories and Workshops, vorhandene Gefälligkeitsverhältniß", bas zwischen Werkder 1894 über die beiden weiblichen Beamten schreibt: führer und Arbeiterinnen vorhanden ist. " Bei der Begründung seiner Ansicht verwickelt er sich in Widersprüche, die ganz charakteristisch sind für den Gedankengang all jener Ethiker, die den Interessengegensatz zwischen Befizenden und Besiglosen und den infolge dessen naturnothwendigen Klaffenkampf nicht anerkennen, sondern vermeinen, ein ethisches Gefühl des Mitleids mit den Unterdrückten, des Widerwillens gegen das Unrecht können eine Bevölkerungsschicht zum Aufgeben ihrer Klassenvorrechte bewegen. Zunächst macht er gegen die Anstellung weiblicher Beamten den Einwand, daß sie ihrer Aufgabe nicht gewachsen seien, da der Vollzug der Arbeiterschutz Geseze auch eine Vertretung des Standpunkts der Fabrikaufsicht gegenüber den Behörden und den Gerichten erfordere. S " Ihre Besuche der Fabriken haben sicherlich dazu beigetragen, daß das Fabritgesetz ftrenger durchgeführt wurde, und fie haben sich dadurch als wohl geeignet( well qualified) für das Amt, dem sie sich unterzogen, erwiesen." Dr. Wörishoffer wendet ein, es handele sich hier um Spezial aufträge, welche ausschließlich die Arbeiterinnen betreffen und die besser von einer Frau als von einem Manne besorgt werden. Wir bezweifeln nicht, daß dazu Energie gehört; aber Nun, der sehr ausführliche Bericht, den Miß daß es auch energische wie geschäftsgewandte Frauen giebt, Abraham, Miß Paterson und Miß Anderson beweisen doch die zehntausendfachen Kämpfe des wirthschaft auf 34 eng bedruckten Seiten liefern, zeigt eine solche Fülle lichen Lebens, in denen Frauen als Unternehmer, Geschäfts- theoretischer wie praktischer Kenntnisse, daß wir nur leiter, im Auslande auch als Aerzte und Advokaten sich wünschten, all unsere deutschen männlichen Beamten tüchtiger wie mancher Mann zeigen. Die formalen verfügten über dieselben wie über den Eifer, den jene Renntnisse, die speziell gegenüber bureaukratischen und Frauen bei Erfüllung ihrer Aufgabe zeigten. gerichtlichem bösen Willen nothwendig sind, werden sich selbstverständlich die Frauen, welche Beamte werden sollen, erwerben müssen wer die geistige Begabung so vieler unserer Juristen kennt, weiß, daß nicht viel Verstand dazu gehört. Dieser Arbeiterinnenschutz kann und muß baldigst und energisch in Angriff genommen werden und es kann dies geschehen auf grund der bestehenden Gesetze. Jetzt kommt aber Dr. Wörishoffer mit seinem Haupteinwand: die weiblichen Inspektoren würden doch weniger wie die männ lichen Beschwerden der Arbeiterinnen erhalten, weil diese sich fürchten, nicht vor den Beamten, sondern vor Maßregelung seitens der Unternehmer. Er giebt zu, daß diese oft den Verkehr der Arbeiter mit den Beamten überwachen lassen und sich für jede Mittheilung durch Wegjagen des Arbeiters rächen. Weibliche Beamte, die für größere Bezirke angestellt und auf Dienstreisen nach den Fabriforten kämen, hätten dann noch weniger Gelegenheit, unbeobachtet mit den Arbeiterinnen zu verkehren. Und deshalb wünscht er Schuhdamen aus den höheren Ständen. Die bürgerlichen Frauens vereine sollen einzelne Mitglieder bezeichnen, an die sich die Arbeiterinnen in allen persönlichen Angelegenheiten zu wenden haben; der Zentralleitung der Vereine sollen die Aufsichtsbeamten mit Rath beistehen! Nun giebt Dr. Wörishoffer selbst zu, daß die weitere Entwickelung zur Anstellung solcher weiblichen Beamten auch im Reich der hinkenden Sozialreform führen, ja drängen werde. Aber, meint er, diese Frage tönne ihre Lösung nur im Zusammenhange mit der weiteren Ent Ferner, sagt Wörishoffer, kommen die Arbeiten in wickelung der Frauenfrage überhaupt finden und nur im Also wohlthätige Frauen" auf dem Gebiete des betracht, die mit der Weiterbildung der Arbeiterschutz- Busammenhange mit der weiteren Ausgestaltung der Wilhelmsordens! Gesetzgebung verbunden sind. Auch dazu sei, wie die Dinge Gewerbe- Aufsicht, durch welche dieser neue eigen- Dabei hat Dr. Wörishoffer durchaus keinen überjetzt bei uns liegen, eine Frau im allgemeinen weniger artige Aufgaben zugewiesen werden. triebenen Respekt vor der jetzigen Wirksamkeit der Wohltüchtig als der Mann. Mit Berlaub! Der englische amtliche Bericht thätigkeitsvereine jener Kreise. In der Einleitung seines Das ist wieder nicht richtig; so gut die Frau Arbeiterin beweist das Gegentheil! In demselben theilen die Artikels schreibt er:" Für wenige Pfennige im Tage und Betriebsleiterin sein tann, so gut fann sie auch die Inspektorinnen ihre Wahrnehmung über folgende Beob- könnte von einer bezahlten Hilfskraft gewiß manchmal eine Betriebs Aufsicht ausüben und Schlußfolgerungen zu achtungsobjekte mit: Ueberstundenarbeit, Sonntagsarbeit, solche unentgeltliche Leistung einer Frau der höheren Stände Nugen der Arbeiterinnen aus derselben ziehen. Wird doch Beschäftigung von Arbeiterinnen als Ladenverkäuferinnen beschafft werden." M jezt schon in vielen Werkstätten und Fabriken die Aufsicht nach beendetem vollen Arbeitstage, Beschäftigung von Trotzdem schwärmt er für die ethische Wirkung einer im Interesse der Unternehmer von Frauen ausgeübt. Kindern, Truckgesetz, Ventilation und Ueberfüllung der solchen Einrichtung und lobt und preist sie, weil 71 Clokilde. Diese Befangenheit galt Langenberg für Schuldbewußts Tödten würde allerdings diese unlautere Beschuldigung sein, der eben niedergekämpfte Haß gegen seinen Neben- sofort Ihre Frau. Ja, mein Herr, ich liebte sie; jetzt ist buhler loderte wieder in lichten Flammen empor. fie die Frau eines anderen. Aber ich bin erbötig, mich ihr zu Liebe mit dem Manne zu schlagen, der seine eigene Frau verdächtigt, der eine reine Seele beschuldigt." ( Nachdruck verboten.) Er stand auf und trat ans Fenster. War denn das Sie wagen es- Was wollen Sie hier?" schrie nicht derselbe Wagen, den er heute vor dem Hotel vor- Langenberg. Rürdorf, der zu reden beginnen wollte, erschrat gefunden, als er aus der Apotheke kam? Gewiß. Man und blickte erzürnt auf, daß der gegen ihn grob wurde, brachte ihm also die ohnmächtige Kranke nochmals. dem er gefällig war. Nun, jetzt hatte er viel Zeit. Doch nein, das Es war ein seltsamer Anblick, diese beiden Männer sich war nicht der dicke, vollbärtige Mann, mit dem er ge- gegenüber stehen zu sehen. sprochen, welcher jetzt ausstieg und zu den Fenstern Sie maßen fich stumm mit den Augen und warfen emporsah. Aber die Gestalt war ihm bekannt, stechende Blicke einander zu. die Morgendämmerung ließ ihn das geisterhaft Rürdorf wurde zuerst etwas ruhiger und begann bleiche Gesicht Rürdorf's erkennen. Kam er, als von einem Jch tomme, Ihnen zu melden, Ihre Frau ist in EberSchuße Verwundeter? Ein Gedanke durchflog sein Gehirn stein-er verdrängte ihn. " Ha! meine Ahnung! In Ihrer Behausung. Wie Aber seine Eifersucht erwachte und hieß ihm den Ge- tommt sie dahin? Durch Sie?" danken wieder aufnehmen und ausdenken. Es war nun „ Ja——" 〃 ,, Gebrochen ja, aber sie lebt und " Und wohnt bei Ihnen-" " Ja, in meinem Zimmer." um : ,, Gut, ich revozire. Nicht weil ich mein Leben schonen will, meine Tage sind vielleicht knapp gezählt, hier lesen Sie diesen Brief, ich habe ihn mit" a" beantwortet. Nein, ich revozire, weil Sie mir das Leben wiedergegeben haben, denn ich habe mich in meiner Clotilde nicht getäuscht, sie ist rein und treu." " ,, Und Sie wollen sie doch verlassen und eine so gefahrvolle Stellung annehmen?" " Ich gab mein Wort." " Ihre Frau ist schwer krank und liegt bewußtlos, der dortige Arzt hat sie in Behandlung genommen, ich habe Arzenei ihr besorgt, aber ich wollte auch Sie benachrichtigen." Das war brav. Verzeihung. Sie haben als Freund gehandelt, ich freue mich, daß Clotilde in so guten Händen ist. Aber erzählen Sie-" " Wie es zugegangen ist? Sie selbst haben das alles herbeigeführt. Ihnen brachten wir eine Unbekannte, die wir ohnmächtig am Boden hingestreckt fanden, im Wagen." Das war Clotilde? Dich Thor!" " " Was blieb uns übrig, als die Kranke mit nach Hause das dritte Mal, daß er heute des verhaßten Rürdorf's an-" Himmel! Während ich mich um sie ängstigte, sichtig wurde. Was trieb ihn hierher? Sollte er Clotilden, sie jammerte, lag sie in Ihren Armen!" die er im Kursaal heute so auffällig betrachtet, nachstellen," Ja, mit meinen Armen hob ich Ihre Frau in den sie zu sprechen suchen, um sie zu entführen? Sollte sie mit Wagen, um ihm im Einverständniß sein, sich mit ihm verabredet Sie zu entführen? Sie wußten aber nicht, daß Sie haben, da er Rürdorf in dieser Nacht schon einmal eine Rrante zu einem Stelldichein verleitet und nun ist sie Dom Fenster aus hier gesehen? War fie da- zusammengebrochen, ist todt-" vongelaufen, um mit ihm zusammenzutreffen, zu entfliehen? Nein! das durfte er seiner reinen Clotilde nicht nachsagen. zu nehmen. Eine Himmelsfügung schickte ihr diese Ohnmacht Er kämpfte seine Eifersucht, die ihn in fieberhafte Erregung und solche hilfreiche Herzen. Sie wird diese Krankheit versette, mit Gewalt nieder. Da sah er wieder das Bild, Machen Sie mich nicht rasend mit Ihrem ewigen überstehen; es sind mehr innere Schmerzen, Seelenqualen. wo Clotilde und Rürdorf sich gegenüberstanden und verlegen Ja". Stellen Sie sich nicht so faltblütig, ich weiß doch, Sie wissen noch nicht alles Ich sah im Kursaal, wie der hoch errötheten. Doch nein, sie, die heute vor ihm auf den daß Sie in heißer Liebe für meine Frau glühen. Haben Polizeirath jedes Wort, jede Ihrer Bewegungen belauschte, Ruien gelegen, die, um ihn nicht unglücklich zu wissen, für Sie dieselbe nicht heute im Kursaale beständig firirt und beobachtete deshalb Sie beide so genau, ich sah auch denihn zur Ophelia werden wollte, sie konnte nie straucheln. fein Auge von ihr verwandt? Sind Sie nicht vor wenigen selben Beamten mit Ihnen ins Hotel gehen." Er verwünschte das Laster der Eifersucht und machte sich Stunden hier unter ihren Fenstern auf- und abgegangen, bittere Vorwürfe, daß er nicht schon längst nach Clotilden um von ihr einen Blick zu erlauschen, oder ein Zeichen zu geforscht, gesucht, und eilig griff er nach seinem Hute. erhaschen?" Da klopfte es an seine Thür. „ Herein!" 群 Mäßigen Sie sich und lassen Sie auch mich endlich zu Worte kommen." Dann sollen Sie auch was weiter geschah erfahren, doch jetzt zu ihr und zu Ihren Freunden, diesen Dant, ihr Lebewohl zu sagen." Lassen Sie auch uns Freunde werden." Wir sind es schon. Wir gehen versöhnt von hier. Die Thüre öffnete sich. Nürdorf trat ein. Befangen Sagen Sie mir nur das eine noch: ist meine Frau Wir haben jeder den andern bei einer Schwäche ertappt, grüßte er wie einer, der eine schmerzliche Nachricht sagen hier fortgegangen, um mit Ihnen zusammenzutreffen? ich habe mich durch meine Eifersucht blamirt." muß und sie mit Schonung vorbrinaen möchte. und sie ist die Ihre, für mich todt." ( Fortsetzung folgt.) sie den Frauen der höheren Stände sehr nütz l i ch wäre! Schars und richtig kennzeichnet er aber die s o z i a l Unreife dieser Kreise: „Die Frauen, welche sich einer solchen Thätigkeit annehmen würden durch eingehende Kenntnißnahme derjenigen Verhältnisse und Zustände, unter denen sie zwar täglich leben, an denen sie aber bis jetzt achtlos und gedankenlos vorüber- gingen, ihren Gesichtskreis ganz außerordentlich erweitern und ihr Denken vertiefen. Sie würden erst gewahr werden wie wenig sie von der geistigen und sitt lichen Bewegung ihrer Zeit wissen, und w i e inhaltsleer und nichtig ihr ergenes Leben Witten in dieser ganzen Bewegung verfließt.—— Viel leicht würden ihnen auf diesem Wege auch die Be d i n g u n g e n der Erhaltung unh der Weiterentwicklung unseres Kulturlebens zum Verständ'niß kommen. Es ist kein Zweifel, daß das ganze innere Leben, der ganze Gesichtskreis und das ganze Denken und Fühlen der Frauen, die eine derartige Thätigkeit aufuehmen eine gründliche Aenderung und eine weitgehende Vev besserung erfahren würden." Möglich— wenn auch nur für ganz vereinzelte Aus nahmen wahrscheinlich! Und bis dieses Durchringen aus der bisherigen Nichtigkeit und sozialen Unwissenheit erfolgt ist, können diese Schutzdamen doch nicht Hilfe bringende, sondern nur Hilfe holende sein! Die Arbeiterinnen müssen doch die Frauen der höheren Stände erst erziehen! Es zeigt zwar eine richtige Erkenntniß der obwaltenden Verhältnisse, daß Dr. Wörishosser dies zugiebt' aber gerade dadurch beweist er am besten, wie grundfalsch und unbrauchbar sein Vorschlag ist Zwar glaubt er, daß„Zeichen einer beginnenden Ver söhnung der Klassengegensätze" vorhanden seien, aber ein gelinder Zweifel packt ihn doch selbst, daß diese„Frauen der höheren Stände" der Aufgabe gewachsen sind, die er ihnen zuweisen will. Darum ruft er elegisch: „Würden die Frauen der höheren Stände trotz aller dieser Anzeichen fortfahre», den dabei ihnen zufallenden Aufgaben ver- ständnißloS und gleichgiltig gegenüberzustehen, so müßte man sagen, daß bezüglich ihrer«ine große Zeit ein kleines Geschlecht gesunden hat!" Ja, das wird man schon müssen! Die Mehrzahl der „Frauen der höheren Stände" ist von Jugend auf nicht dazu erzogen, um einer solchen Aufgabe sich unterziehen zu können; und ihre ganze gesellschaftliche Stellung mit all den„Verbindlichkeiten", die sie auferlegt— den Gesellschafts- und Toilettesorgen, und nicht zum geringsten die meist geradezu arbeiterfeindliche Gesinnung der Männer solcher Frauen, sie verhindern, daß der ethische Traum Wahrheit werden kann. Dagegen beweisen die Widersprüche, in die sich Dr. Wörishosser hierbei verwickelt, daß nur weibliche Beamte mit der nöthigen Vorbildung zu fordern sind — und diese lassen sich auch finden, freilich nicht in den Kreisen der„wohlthätigen Frauen höherer Stände"! zSolttifchc ArberUchk. Berlin, 4, März. Der dritte Dag der Zuckersteuer-Debatte fand eine» sehr �erschöpften Reichstag. Was war noch zu sagen? Höchstens beißende Polemik hätte die ermüdeten Nerven aufstacheln können. Und die Redner, welche heute zum Wort kamen, gehören zumeist in das Genus der Redner, die auch einen frischen Reichstag ermüden können. Wer ist z. B. im stände, einen Paasche anzuhören? Oder einen Zimmermann, wenn dieser nicht Juden verspeisen darf? Bemerkenswerth sind nur zwei der heute gehaltenen Reden: die des Fortschrittlers Barth und des Konservativen Staudy. Ersterer hatte einige sehr glückliche Momente. Er wies nach, daß die deutsche Landwirthschaft, an der nun seit 1878 mit agrarischen Rezepten herumgedoktert wird, nach der Behauptung der Herren Agrarier selbst von Jahr zu Jahr in immer ärgere Nothlage gerathen ist, woraus doch für jeden denkenden Menschen sich der Schluß ergiebt, daß die agrarische Kurmethode nichts taugt. Und des weiteren wies Barth an der Hand der amtlichen Statistik nach, daß die englische Landwirthschaft, die von unseren Agrariern bei jeder Gelegenheit als das unglückliche Opfer liberaler Gesetzgebung hingestellt wird, sich thatsächlich einer sehr großen Blüthe erfreut und weit produktiver ist, d. h. einen größeren Ertrag liefert als die Landwirthschaft in den festländischen Staaten Europa's, die mit Schutzzöllen ge- segnet sind. Eine recht wirksame Rede gegen das Zuckergesetz hielt Staudy, der, im Gegensatz zu seinem Fraktionsgenossen Puttkakner, dem gestrigen Redner der Konservativen, das Gesetz für durchaus verfehlt hielt und, unter dem zu stimmenden Gelächter des Hauses erklärte, daß es in seiner jetzigen Gestalt niemandem gefalle. Es widerspreche allen Grundsätzen einer vernünftigen Wirthschastspolitik und werde mehr Schaden thun als Gutes. Die Zuckerleute, denen vor einer Fortsetzung der Dehatte graut, wollten nun schließen. Allein dem betreffenden An- trag wurde die Auszählung entgegengesetzt, welche die Beschlußunsähigkeit des Hauses ergab. Die Debatte mußte hierauf vertagt werden. Morgen wird noch Richter reden, der während der Debatte hart angegriffen ward,— und unsererseits wahrscheinlich Schippel. Ist noch Zeit, so wird morgen noch«in„Schwerinstag" begonnen, und dann steht die Novelle zur Gewerbe-Ordnung zur Diskussion.— Im preußischen Abgeordnetenhause kamen bei der am Mittwoch sorlgesetzten zweiten Berathung des Kultusetats endlich aktuellere Fragen zur Sprache. Nachdem sich bei dem Titel„Unterstaatssekrelär" noch eine kleine Polendebatte ent- spönnen hatte, erwähnte Abg. Rickert bei dem Kapitel„Ober- kirchenrath" die beiden Erlasse des Oberkirchenraths aus dem Jahre 1L79 bezw. 1S8S, von denen der eine ein liebevolles Vor- gehen der Geistlichen gegen die Sozialdemokraten empfiehlt, während der andere die jungen Geistlichen vor der Beschäftigung mit sozialen Fragen warnte. Da Abg. Rickert auch den bekannten Fall Witte zur Sprache brachte, in welchem der damals noch im Amte befindliche Stöcker eine so klägliche Rolle gespielt hat, so war dem Abg. Stöcker Gelegenheit zu einer längere» Rede gegeben, in der er bezeichnenderweise den Fall Witte nicht behandelte, weil sein persönlicher Streit mit Witte nichts uiit dessen unglücklicher Lage zu thun habe. Herr Stöcker tvird wohl seinen guten Grund haben, über diese peinliche An- gelegenbeit z» schweigen. Selbst die von verschiedenen Seiten gegen ihn erhobene» Vorwürfe, daß man in seiner Rede jedes Mitgefühl für den unglücklichen Witte vermisse. daß es nicht gerade von christlicher Liebe zeuge, wenn er für den am Boden liegenden Gegner kein Wort des Mitgefühls habe, vermochten nicht, Herrn Stöcker zur Aufkläruitg zu bewege». Diesem hartgesottenen Pfässlcin, das schon ganz andere Vorwürfe über sich ergehen ließ, muß man mit schwererem Geschütz kommen. Warum hätte er auch sprechen sollen? Die Wahrheit konnte er kaum sagen, ohne sich selbst bloßzustellen, und so zog er der Unwahrheit das Schweigen vor, jedenfalls ein erfreuliches Zeichen von Besserung. Der Gegensatz zwischen Stöcker und seinen früheren Parteifreunden trat heute deutlich hervor. Während Stöcker sich dahin äußerte, daß die Geistlichen zur sozialen Frage Stellung nehmen müßten, um die Sozialdemokraten vor dem Irr- thum zu bewahren, als sei die Kirche für kapitalistische Kreise mehr vorhanden, als für die Armen, tadelte Abg. v. H e y d e b r a n d t namens der Konservativen unter dem Beifall seiner Freunde die soziale Thätigkeit der Geistlichen und wandte sich mit scharfen Worten gegen die christlich- soziale Partei, die die gesunden sozialen Grundsätze der Konservativen verdreht habe. Die Debatte nahm sodann ein etwas schnelleres Tempo an, so daß noch einige Titel des Etats erledigt werden konnten. Morgen Fortsetzung der Berathung.— Der Chefredakteur der»Leipziger Volkszeitung fährt in seinem Uebereifer fort, die Einheitlichkeit der sächsischen Wahlrechtsbewegung zu stören. Eine von ihm gestern veröffentlichte Notiz gegen den„Vorwärts" hatte zur Folge, daß der„Leipziger Volkszeitung" nachstehendes Schreiben zuging, das uns von dem Verfasser übersandt ward: Zur Mandatsniederlegungsfrage. Ich habe seit Beginn der Aktion zum Behuf«, Mandatsniederlegung von unseren Vertretern in der zweiten sächsischen Kammer zu erzwingen. privatim des öfteren erklärt, daß ich diese Aktion für verkehrt halte. Anderweite Arbeit machte mir unmöglich, in der Felsen- keller-Bersammlung zu Plagwitz das öffentlich auszusprechen, was hiermit geschieht, da die Volkszeitungsleitung in ihrem Eifer alle, die schweigend dieser meiner Meinung sind, der Feigheit bezichtigt. Meine Ansicht geht dahin, daß nur die Wähler der Wahlkreise Mandate zurückzufordern haben und zwar je von ihrem Vertreter. Außerdem ist das Mandat zugleich ein Amt, ein Vorposten, den jeder dahin Gestellte bis zum letzten möglichen Augenblick zu halten, nicht zu ve r l a s s esn hat. Nicht den Mehnert'schen und Metz'schen wird das Mandat„vor die Füße geworfen", sondern den Wählern, die dann unvertreten sind. Wollen diese das. so geschieht ihnen wenigstens kein Unrecht mit einer Ausgabe des Mandates. Frenen aber werden sich über die sozialdemokratischen Bundesgenossen und Helfer zur schnelleren Hinausbeförderung der Arbeitervertreter aus der zweiten Kammer die Urheber des Attentats auf das sächsische Wahlrecht. Diese Freude gönnen ich sund die mit mir gleich Gesonnenen ihnen nicht. M. Wittich. Wir wissen nicht, ob dieses Schreiben, auf dessen Inhalt wir nicht eingehen, in der„Leipziger Volkszeitung" Aufnahme findet. Im übrigen lehnen wir es ab, mit dem Chefredakteur der„Leipziger Volkszeitung" in eine Polemik einzutreten und überlassen ihn der sächsischen Landes-Ver- s a m m l u n g.— Bon einem schweren Grubennnglück wird aus Kattowitz gemeldet: In der letzten Nacht brach auf der Gische's Erben gehörigen Grube„Kleophas" ein Brand aus. Bisher sind LI Tobte geborgen; das Schicksal der übrigen angefahrenen hundert Mann ist noch ungewiß. Bis mittags I Uhr waren aus der Grube„Kleophas" 31 Todte, darunter 2 Oberhauer, herausbesördert. Vermuthlich be finden sich weitere 80 Mann n och in der Grube; nach Lage der Sache ist kaum anzunehmen, daß dieselben sich noch am Leben befinden. Ueber das Unglück werden folgende Einzelheiten bekannt: Die Nachtschicht war gestern Abend auf dem Reckeschacht 70 und auf dem Walterschacht 140 Mann stark eingefahren.! Um die elfte Stunde nachts machte sich ein brandiger Geruch bemerkbar. Im Frankenbergsschachte war die Holzzimmerung in Brand gerathen und zwar vermuthlich durch die Dampfrohre einer dort stehenden Wasserhaltungsmaschine. Durch den großen Qualm war der Weg zur Ausfahrt des Walterschachtes fast ab- geschnitten. Die im Reckeschacht eingefahrenen Mannschaften retteten sich fast sämmtlich. Von dem Walterschachte gelangten etwa 70 Mann, welche in der Nähe der Ausfahrt arbeiteten, an die Ober fläche, die übrigen flüchteten nach dem Holzhänge- schacht Schwarzenfeld oder nach dem Cäsar- s ch a ch t, die beide etwa 2000 Meter von den Hauptschächten entfernt sind und aus welchen eine Heraufbeförderung von Personen nur durch an Seilen befestigte Kübel möglich ist Hier befinden sich fast sämmtliche um das Leben gekommenen Mannschaften. Die ersten Tobten wurden heute früh 4 Uhr heraufbefördert, später wurden 4 Mann lebend heraufbefördert; die- selben hatten soviel Geistesgegenwart besessen, sich gegen die heranziehenden Schwaden abzudämmen. Der Brand wird durch Rettungsmannschaften abgedämmt. Hunderte umstehen die Schachtöffnungen, an denen sich herzzerreißende Szenen ab- pielen. Das Unglück ist das größte Bergunglück, welches bisher in Oberschlesien vorgekommen ist. Der Betrieb der Kleophasgrube ist voraussichtlich auf Wochen gestört.— Frankreich. Die„Ordnungs- und Panamisten-Parteien" ind wüthend über das gute Einvernehmen, das zwischen dem Präsidenten Faure und dem Ministerium Bourgeois besteht. Sie fädelten alle möglichen Jntriguen ein, um den Präsidenten für sich zu gewinnen und gegen die neue Re- gierung aufzuhetzen. Es ist ihnen aber nicht gelungen. Bei einem Banket, welches die Handelskammer von Lyon dem Präsidenten vorgestern gab, kam der ganze Groll gegen Bourgeois und Cavaignac zum Ausdruck und Faure wurde ganz offen aufgefordert, sich derselben zu entledigen. Er erklärte aber: er folge dem Beispiele Carnot's, der seine Persönlichkei t vollkommen zurücktreten ließ und sich genau in den Sch ranken feiner verfassungsmäßigen Befugnisse hielt. Da wären die Be- 'chützer des biederen Arton also� zunächst abgeblitzt; sie werden darum aber nur um so eifriger gegen die Regierung wühlen und hetzen. Einstweilen befindet sich dieselbe sehr wohl; und die Furcht vor einer Auflösung der Kammer wird den um- türzlerischen Eifer der parlamentarischen Checkleute einiger- maßen zügeln.— Die Niederlage der Italiener in Afrika war, wie sich erwarten ließ, weit gründlicher, als die ersten Re- zierungsberichte glauben machen wollten. Jeder folgende Sericht brachte Thatsachen, welche der Niederlage einen größeren Umfang und eine größere Tragweite gaben. Noch ist die volle Wahrheit nicht bekannt, aber schon wissen wir, daß die Armee Baratiexi's nicht blos geschlagen, sondern vollständig zersprengt worden ist; daß sie schon am ersten Tage fast ihr ganzes Geschütz verloren hak und daß oer Obergeneral über den Verbleib ganzer Heertheile noch gestern im Dunklen war. Mit anderen Worten: das italienische Armeekorps, welches den unglücklichen Angriff aus die Stellungen der Abessynier machte, hat als Armeekorps auf- gehört zu existiren und nur noch Trümmer können günstigsten- falls vor der Vernichtung gerettet werden. Fast das ganze Gebiet, welches die Italiener erobert zu haben glaubten, ist wieder im Besitz der Abessynier, und die wenigen festen Punkte, die sie noch halten, sind gefährdet. Die vielen Millionen, die seit Jahren für die afrikanische Kolonie aus- gegeben worden sind, sind umsonst ausgegeben— alles muß von vorn angefangen werden und unter weit ungünstigeren Verhältnissen— vorausgesetzt, daß man auf die Fortsetzung des unsinnigen Unternehmens verharrt. Durch ein Dekret des Königs vom 22. Februar ist General Baldissera zum Befehlshaber der ttalienischen Streitkräfte in Afrika ernannt worden mit allen Voll- machten in Zivil- und Militärangelegenheiten. Durch ein Dekret des Königs vom 3. d. M. wird General Baratieri von seinem Posten als Gouverneur von Erythräa entbunden. Dem„Popolo Romano" zufolge hat das Kabinet beschlossen, nicht zu demissioniren, sondern vor die Kammer zu treten und das Verhalten der Regierung in der afrikanischen Angelegenheit aus- einanderzusetzen. Wie die„Opinione" meldet, schien in der heutigen Versammlung der hervorragendsten Mitglieder der Oppo- sition, in welcher Rudini den Vorsitz führte, die Ansicht vorzuherrschen, alles zu bewilligen, aber einem anderen Ministerium. Der„Tribuna" zufolge hätte dagegen die er- wähnte Versammlung beschlossen, auf's neue zusammen- zutreten, um mittels einer Adresse an den König im Falle der Nichtwiederzusammenberufung des Parlaments oder des Rücktrittes des Kabinets Einspruch zu erheben. Aus zahlreichen Orten Italiens werden Kundgebungen gegen das Ministerium gemeldet.— Zur Haltung der Verewigten Staaten in der kubanischen Frage wird noch ans Washington gemeldet: Der Senat hat den von dem Repräsentantenhanse angenommenen Beschlußantrag betreffend die kubanische Frage an den Ausschuß für auswärtige Angelegenheilen verwiesen. Den„Times" wird aus New-Pork gemeldet: Nach Tele- grammen aus Washington ist die Slimmung des Kabinets und der diplomatischen Kreise dem Vorgehen des Kongresses bezüglich Kubas entschieden abgeneigt. Die Promptheit, mit der Canovas sein Bedauern über die Vorgänge in Barcelona zum Ausdruck gebracht hat, habe einen�guten Eindruck gemacht. Dentfches Reich. — Pensions-Verhältnisse der Milttär-An- wärter. Die„Reichsgerichts- Korrespondenz" schreibt: Durch einen großen Theil der deutschen Presse ging in den letzten Tagen eine Notiz, wonach das Reichsgericht kürzlich ausgesprochen haben sollte, daß die von den halbinvaliden Feldwebeln und Unter- osfiziere», die aus der Armee ausgeschieden sind, geltend ge- machten Ansprüche auf Zahlung der bisher bei definitiver Ueber- «ahme der betreffenden Militäranwärler in den Reichs- oder Staatsdienst wegfallenden Penstonen aus dem früheren Militär- verhältniß berechtig! seien. Daran war die Bemerkung geknüpft. daß nunmehr, da diese Pensionen für viele Jahre nachgezahlt werden müßten, eine große Anzahl von Personen zum theil ganz bedeutende Summen erhielten.— Diese Nachricht ist in dieser all- gemeinen Fassung völlig unzutreffend und es ist sehr bedauerlich, daß durch die mißverständliche Auffassung eines Reichsgerichts- Urtheils und die Verbreitung dieser Auffassung bei einer großen Zahl von Beamten Hoffnungen erregt worden sind, die nicht erfüllt werden können. In Wirklichkeit handelt es sich in dem betr. Reichsgerichts-Urtheile nur um die Ansprüche einiger bei der Reichsbank angestellten Militäranwärter. Diesen, aber nur diesen, hat das Reichsgericht die ihnen bisher vor- enthaltene Militärpension zugesprochen und zwar einfach aus dem Grunde, weil das ihnen von der Reichsbank gezahlte Gehalt nicht aus Reichs- oder Staatsmitteln 'ließt. Diese Entscheidung wurde gefällt mit Rücksicht auf die eigenartige Stellung der Reichsbank, die, obwohl das Reich die Aufsicht über sie sührl, doli nicht als Reichsinstitut angesehen wird.— — Naporra wieder an der Arbeit. Unsere Ge- Nossen werden sich noch diese? Mannes erinnern, welcher seinerzeit unter den Polen in Berlin große Verwirrung angerichtet hatte. Im Jahre 1886 wurden durch die Bismarck'sche Polenpolitik über 40 000 Polen auS ihrer Heimath ausgewiesen. In dieser Zeil hatte sich ein Häuflein hiesiger Polen, hauptsächlich Sozialdemo- kraten, zu einem Unterstütznngsbunde vereinigt, um den umher- irrende» Landsleuten mit Ralh und That zur Seite zu stehen. Es wurden unter ihnen Geldbeiträge gesammelt und unter die Verwaisten vertheilt. Wer damals das Elend und den Jammer der umherirrenden polnischen Familien mit ihren Kinder» gesehen und ihnen keine Hilse gebracht hätte, mußte ein Herz aus Stein besessen haben. Unser»Naporra trat damals unter der Maske eines Tischlergesellen in diesen Unterstützungsbund ein. er sammelte eigenhändig Gelder für die Unglücklichen. Als zu jener Zeit ein auswärtiger Ge- nosse namens Slawinski ein Packet sozialdemokratischer Broschüren, die heute in jeder Buchhandlung zu haben sind, doch damals verboten waren, nach Berlin gebracht hatte, übernahm Naporra in Gemeinschaft von Szukalski und Felix Witkowski die Ver- sendung dieser Schriften. Naporra selbst schrieb auf die kleinen Sendungen die Adressen von bekannten polnischen Genossen. Tags darauf veranstaltete aber die Polizei überall Haussuchungen und nahm Verhaftungen vor. Naporra begleitete unseren Ge- nossen Felix Witkowski auf den Bahnhof, als derselbe seine Mutter in Posen besuchen wollte; er schob ihm ein Päckchen der Broschüren in die Tasche mit der Bitte, daß er dieselben recht gut in Posen verlheilen soll und beim Abschied gab er ihm noch einen Kuß; Naporra hat alle, mit denen er in Beziehung stand. verrathen, er ruhte nicht eher, bis alle hinter Schloß und Riegel saßen. Als nach zwölfmonallicher Untersuchungshaft Witkowski und Genossen endlich der Prozeß gemacht wurde, trauten die Eingekerkerten ihren Augen nicht, als Naporra mit kaltem Blute gegen sie Zeugniß ablegte. Genosse Witkowski erklärte:„Wenn ein Gott existirte, würde er solche Ungerechtigkeit nicht dulde»!" Das Gericht vernrlheilte die Angeklagten zu langjährigen Gesängnißstrafen. Aber alle diese Opfer genügten Naporra nicht; er sucht etzt nach neuen. Eine polnische Zeitung in Danzig,„Gazeta Gedanska" schreibt: „Naporra verkehrt seit einiger Zeit unter derselben Maske wie in Berlin hier in dem polnischen Verein„Ogniwo". Erst bei der letzten Versammlung hatte der Vorsitzende de? genannten Vereins in Erfahrung gebracht, welch Geistes Kind Naporra ist. und forderte ihn auf, den Saal zu verlassen. Naporra berief sich auf die Bekanntschaft einiger Mitglieder, was aber de» Vor- itzenden nicht abhielt, ihm trotzdem die Thüre zu weisen. Als Naporra sah, daß er erkannt worden sei, erhob er sich und, nach- dem er eine Marke aus Metall vorzeigte, löste er, ohne irgend- welchen Grund anzugebe», die Versammlung auf. Der Vorstand hat hierüber Beschwerde eingereicht." Soviel für heute über Naporra. Wir glauben, daß unsere Genossen in Danzig, sowohl die polnischen als auch die deutschen, den Genannten von jetzt ab meiden werden. — Der Steuertarif der geplanten braun« schweigischen Landes-Einkommensteuer lautet: „Der Einheitssatz der Einkommensteuer beträgt bei einem Einkommen ES steigt bei höherem Einkommen von mehr als bis einschließlich in Stufen von um je Mark: Mark: Mark: Mark: 10500 30500 1000 15 80500 32000 1500 30 32000 78000 2000 40 78000 100000 2000 50 Bei Einkommen von mehr als 100 000 M. bis einschließlich 105 000 M. beträgt der Steuereinsatz 2000 M. und steigt bei höherem Einkommen in Stufen von je 5000 M. um je 100 M. Magdeburg, 3. März.(„Volksstimme".) Von dem Verkau des ertrunkenen Rehwilds aus dem Jagdrevier des Herrn Amtsl raths v. Dietze zu Barby ist jetzt die gesammte Tagespreste unter richtet. Der„Volksstimnie" haben diese Blätter die Gerichts Verhandlung nachgedruckt. Die Unterdrückung des Prozesses seitens der gesammten Magdeburger Presse hat also nichts genutzt.— Bonn, 4. März. Der Weihbischof Professor Weber ist zum Bischof der Altkatholiken gewählt worden.— — EineLüge. In Berliner und Dresdener Zeitungen wurde gestern am 2. März das Gerücht verbreitet, daß der sozialdemokratische Bäckermeister Petzold aus Löbtau unter Hinterlassung einer großen Schuldenlast verschwunden sei. Dem gegenüber wird uns von zuverlässiger Seite mitgetheilt, dab Petzold noch am 3. März, abends VeO Uhr, in Löbtau anwesend war und bei bekannten Parteigenosten verkehrte. Ferner wird uns versichert, daß man in Parteikreisen keine Kenntniß davon habe, daß P. verschuldet sei.— — Die mecklenburgische Rechtspartei theilt in ihrem Organ, den„Meckl. Blättern", mit. daß ihrem Vorstand das Gesuch um Genehmigung der Konstituirung der Rechtsparlei als eines politischen Vereins von den beiden Regierungen in Schwerin und Strelitz abschlägig deschieden ist. Das Schweriner Ministerium begründet seine Entscheidung mit folgendem Satze „Die überreichten„Güstrower Grundsätze", welche die statutenmäßige Norm für die Wirksamkeit des zu begründen� den Vereins abgeben sollen, bekunden nach diesseitigem Dafürhalten ungeachtet des ausdrücklichen Anerkenntnisses der Rechtsbeständigkeit der bestehenden Reichsverfastung und des den Reichsgesetzen geschuldeten Gehorsams eine in dem Maße ausge prägte gegnerische Stellung zu den gegenwärtigen staatsrecht lichen Grundlagen des Reiches, daß es mit den Pflichten einer Bundesregierung nicht vereinbar erscheint, bei einer Ent- fchließung, die zu ihrem Ermessen steht, jenen Grundsätzen gegenüber«ine andere als abweichende Stellung einzunehmen." Hiernach wird also die politische Gefährlichkeit der mecklen burgischen Rechtspartei vom Schweriner Ministerium ebenso hoch eingeschätzt wie die der Sozialdemokratie. Die„Mecklenburgische Volkszeitung", der wir diese Notiz entnehmen, bemerkt tressend dazu: „Die Vorkämpfer der Reaktion in Mecklenburg waren die Junker und die Pfaffen, und unter dtn Junkern vor- nehmlich der Theil des Adels, welcher politisch ungefähr gerade so stand, wie heute die Rechtspartei stehen will. So er- leben wir also das heitere Schauspiel, daß sich der eigentliche Kern unserer mecklenburgischen Junker, nämlich diejenigen, welche von einem„Verpreußen" Mecklenburgs nichts wissen wollen, i» die eigens vom Junkerthum gegen seine politischen Gegner aus gestellten Netze des mecklenburgischen Vereinswesens verstrickt! unsere Nechtsritter nach dieser neuesten Erfahrung in das Ob Lob der„Erbweisheit", welche in unserer heimischen Gesetzgebung einen so hervorragenden Platz einnehmen soll, wohl ebenso be geistert einstimmen werden, wie gewisse konservative Mecklenburger im Reichstag?"— — Sergeant Josef Zech, der Held der Münchner Sylvesterfeier, wurde zum Train- Bataillon nach Ingolstadt versetzt. — Soldatenselbstmords find in letzter Zelt wieder mehrfach vorgekommen. In Stuttgart erschoß sich eine Schildwache am Pulverthurm mit ihrem Dienstgewehr. Motiv ist unbekannt. Am gleichen Tage erschoß sich in Ludwigsburg ein Unteroffizier des Infanterieregiments Nr. 121, Motiv ebenfalls unbekannt.— Aus Ulm wirb folgender haarsträubende Fall gemeldet: Vor einiger Zeit mußten einige Mann der 9. Kompagnie des Infanterieregiments Nr. 123 wegen schlechten Schießens nachexerzieren, wobei der Vizefeldwebel, welcher dasselbe leitete, sich äußerte: Ich schlauche Euch, daß Ihr Euch wie derWurm krümmt u. s. w. Als die Mannschaft abtreten konnte, legte sich ein Rekrut namens Baumann, welcher schon Tags vorher nachexerziren und„Gewehr- pumpen" mußte, sogleich vor Ueberanstrengung und Ermattung in voller Ausrüstung auf die Pritsche, wurde ohnmächtig und st a r b nach einigen Stunden. Bei der Sezirung wurde Gehirn- haut- Entzündung konstatirt. Gerichtliche Untersuchung wurde eingeleitet. Wie ferner verlautet, soll der Gesundheitszustand der Garnison Ulm kein günstiger sein, es sollen Fälle von Typhus, Genickkrampf, Hirnhaut-Entzündung:c. vorgekommen sein, die Soldaten muhten die Zimmer und Jnventarstücke mit Karbol reinigen� und theilweise Strohsäckes verbrennen, es wäre daher zu wünschen, daß hierüber bald Klarheit in der Oeffentlichkeit geschaffen würde. Straffburg i. Elf., 3. März. In der heutigen Sitzung des Landesausschusses wurde die Frage der Einführung des Reichsgesetzes betreffend den Unterstütz'ungswohnsitz in Elsaß-Lothringen eingehend erörtert. Von sämmtlichen Rednern des Hauses wurde erklärt, es müßte der Einführung der obligatorischen Armenpflege mit aller Kraft entgegengearbeitet werden. Das bestehende System habe sich allgemein bewährt. Durch die Einführung des Uüter- slützungswohnsitzes werde Elsaß-Lothringen gegenüber den an- deren Bundesstaaten schwer belastet werden. 10 000 Elsaß- Lothringern, die im übrigen Deutschland sich befänden, ständen mehr wie 100 000 aus Altdeutschland in Elsaß- Lothringen Ein- gewanderte gegenüber. Sämmtliche Redner erkannten aber auch an, daß etwas geschehen müsse, um der im Jahre 1394 rm Reichstage gefaßten Resolution und den von den anderen deutschen Staaten geführten Klagen gerecht zu werden. Die Kommission hatte vorgeschlagen, es solle die Regierung ersucht werden, für die Beibehaltung der gegenwärtigen Armengesetzgebung einzutreten. Um aber die Nachtheile der Nichteinsührung des Unterstützungswohnsitzes auszugleichen, solle ein Kredit verlangt werden, welcher ausreiche. den Staatsangehörigen anderer Bundesstaaten die gebührende Unterstützung gewähren zu können Staatssekretär v. Puttkamer betonte auf das bestimmteste die Dringlichkeit der Angelegenheit. Eine Reichstagsresolution läge vor. Von Preußen und den anderen Bundesstaaten werde au Erledigung gedrängt. Der Vorschlag der Kommission weise den Weg, auf welchem vielleicht die Einführung des Unterstützungs- Wohnsitzes durch Reichsgesetz erreicht werden könne. Es müsse aber unbedingt auf Erledigung der Frage gehalten werden. Die Angelegenheit wurde darauf an die Kommission zurückverwiesen, welche bestimmte, neue Vorschläge machen soll. Metz, 3. März.(„Voss. Ztg.«) Der Hauptmann Fischer. der vor einiger Zeit den Premierlieutenant Kühne im Duell erschoß und zu zweijähriger Festungsstrafe verurthcilt wurde, ist, nachdem er elf Wochen der Strafe verbüßt hatte, vom Kaiser begnadigt worden. Wie es heißt, haben die Verwandten des Getödteten sich für feine Begnadigung verwandt.— — Freiherr von Stumm besitzt bekanntlich auch in Lothringen Eisen- und Bergwerke. Die lothringischen Zeitungen äußern sich sehr abfällig über ihn und zwar aus folgenden Ursachen: Vor einigen Monaten ersuchte die Schulinspektion die drei Eisen- und Bergwerke in Groß-Moyeuvre um Errichtung von zwei neuen Kleinkinderschulen auf den Straßen von Rohlingen und Klein-Moyeuvre. Bei Herrn v. Stumm und der bel- gischen Gesellschaft fand die begründete Bitte kein Gehör. Nur die Firma de Wendel(lothringische Notabeln) folgte der gegebenen Anregung. Die lothringischen Zeitungen sind nun des Lobes voll für die Familie de Wendel, die aus ihren protestier rischen Gesinnungen nie Hehl gemacht hat. Die„Lothringer Presse" schreibt!„Es wäre wahrlich an der Zeit, daß auch endlich die Stumm'schen und belgischen Verwaltungen etw a s th ät en für d as ö ff en tli ch e Wohl der Ar- b e i t e r. Bisher ließen sie sich von ihren großmüthigen Kon- kurrenten, den Herren de Wendel, im Schlepptau tragen. Oder werden Kirche, Schule, Wasserleitung, Asyl nicht ebenso gut be nutzt von den Stumm'schen und belgischen Arbeitern?"— Italien. Rom, I. März.(Eig. Ber.) �Die Versendung von Truppen nach Abesfynien wird in diesen Tagen mit allem Nachdruck ins Werk gesetzt, weil Herr Crispi das Parlament vor die vollendete Thatsache der Anwesenheit einer italienischen Truppenmacht von 60 000 Mann in Abessynien stellen will. Er vermuthet wohl nicht unrichtig, daß sich in den Kammern keine Majorität finden werde, welche die Energie besäße, diese Truppen, nachdem für ihre Beförderung und Ausrüstung so große Summen ausgegeben worden sind, einfach zurückzurufen und einen verträglichen Frieden mit Abessynien abzuschließen. Und doch würde es vom finan ziellen Gesichtspunkte aus nur rathsam sein, jene Ausgaben ein fach verloren gehen zu lassen, weil eine Forlsetzung des gegen wältigen, völlig zwecklosen Krieges die Ausgaben nur ins Unendliche vermehren würde. Wenn aber das Parlament nicht die Kraft besitzt, die Crispi'sche Kriegs Unternehmung einfach abzuschneiden, so ist auch die Stellung des Ministerpräsidenten bis auf weiteres gesichert; denn welchen Zweck hätte cS, den Ministerpräsidenten zu be seitigen, wenn man die von ihm in seinem persönlichen Interesse eingeleitete Unternehmung fortführen will? In der That scheint die Sache zur Zeit so zu liegen, daß keiner der Führer der Opposition geneigt ist, die verhängnißvolle Erbschaft Crispi's anzutreten. Man erfährt jetzt durch nachträgliche briefliche Mit theilungen vom Kriegsschauplatz, daß Menelik in die Freigebung der Besatzung von Makalle deshalb ein- gewilligt hat, weil ihm die Räumung des abessynischen Hochplateaus seitens der Italiener versprochen worden ist. Anstatt diese Bedingung zu erfüllen. setzt man den Krieg mit verstärkten Mitteln fort. An stelle Baratieri's, der den von ihm verlangten großen Sieg bisher noch nicht hat be- werkstelligen können, soll, wie Crispi ohne Befragung des Ministerraths angeordnet hat, der General Baldissera dort de» Oberbefehl übernehmen; man erfuhr die Abreise dieses Generals erst, als er bereits in Suez angekommen war. Daß der völlig unsinnige, auf vollständiger Unkenntniß der geographischen Ver- Hältnisse beruhende Plan einer gleichzeitigen Unternehmung gegen Harrar aufgegeben worden ist, verdankt man dem Widerspruche, den im Ministerrathe der Minister Earacco erhob. Inzwischen weigert sich Crispi, die im Parlament abzugebende Erklärung über den afrikanischen Krieg vorher im Ministerrathe zu be- rathen.— Spanien. — General Weyler hat aus Kuba telegraphirt, er brauche die ihm zugedachten 25 000 Mann Verstärkungen nicht. Stolz lieb ich den Spanier. Freilich. Herr Weyler ist ja kein Spanier. Recht hat er aber. Die 25 000 Mann würden ihm nichts nützen— und auch 100 000 nicht.— Serbien. — Der„Semliner Zeitung" vom 1. März entnimmt die„Vossische Zeitung" das folgende: In der serbischen Monopol-Hauptkasse wurde ein Fehlbetrag von einer halben Million Dinar entdeckt. Der T h ä t e r, ein Bruder des ehemaligen Finanzministers Petrowitsch, ist flüchtig. Infolge der fortwährenden Unregelmäßigketten auf dem Belgrader Hauptpostamte und der Thatsache, daß die aus dem Auslande einlangenden Post- anweisungen oft erst nach einigen Tagen ausgezahlt werden. haben die ungarische und die österreichische Po st- direktion beschlossen, bei dem nächsten Weltpostkongresse die Aufhebung oder Einschränkung des Geld anweifungsverkehrs mit Serbien zu beantragen. Trotz der fortwährenden Geldklemme, in der sich Serbien befindet, wurden doch im vorige» Jahre 250 000 Dinars zu Preßzwecken" verwendet. Der größte Theil dieser Summe laß in die Taschen jener europäischen Zeitungen, welche die Welt durch lobhudelnde Berichte über Serbien belügen.— Kuba. Havannah, 4. März. Die vereinigten Bewegungen der panischen Kolonnen dauern fort. Maceo befindet sich noch immer in der Provinz Havannah, seine Absicht, sich nach Ma- tanzas durchzuschlagen, um sich dort mit Gomez zu vereinigen, der die Provinz durch Feuer verwüstet, scheint augenblicklich un- ausführbar. Wie„El Jmparcial" auS Havannah meldet, mißt die Be- völkerung den Beschlüssen des Senats und des Repräsentanten- Hauses der Vereinigten Staaten keine Bedeutung bei.— Vcrvkei�Lt�lszviisztcn. Von der Agitation. In Negis in Reuß j. L. tagte am- 23. Februar«ine stark besuchte Volksversammlung, wo Reichstags Abgeordneter Wurm seinen Wähler» Bericht gab über seine Thätigkeit im Reichstage. Die namentlich von ber Land« bevölkerung stark befuchte Versammlung nahm einstimmig eine Resolution an. durch welche sie dem Abgeordneten, wie über- Haupt der fozialdemokratischen Fraktion des Reichstags ihre vollste Zufriedenheit aussprach. In Nordhausen sprach der Reichstags- Abgeordnete Genosse Brühne über„die Thätigkeit der Fabrikinspektion und die Arbeiter". In Lübeck tagte eine imposante Versammlung, um Protest zu erheben gegen den Margarine» Gesetzentwurf. Referent war Genosse Schwartz. Die Parteigenossen de? 2. oldenburgischen Wahlkreises verbreiteten am vorvorigen Sonntag in mehreren taufend Exemplaren die Broschüre:„Thesen über den Sozialis- mus". Die Verbreitung ging schnell und prompt von statten. Parteifinanzen. Der Vertrauensmann für Altona konnte in einer Parteiversammlung folgenden erfreulichen Kassenbericht geben: Vom 24. Oktober 1895 bis zum 1. Februar 1896 betrug die Einnahme 5957,30 M., die Ausgabe 3440,45 M.. sodaß ein Kassenbestand von 2516,85 M. blieb. Hiervon wurden dem ge- schäftssührenden Ausschuß der Partei 1000 M. überwiesen. Ans der Schweiz. Die Landesorganisation der deutschen Sozialisten hatte im Jahre 1895 von 14 Sektionen in 12 Orten eine Einnahme von 564,20 Fr., der eine Ausgabe von 261.30 Fr. gegenüber steht, wovon III Fr. auf Unterstützungen und 86 Fr. auf Agitation kommen. Der JahreSüberschuß beträgt 302,90 Fr. In diesem Jahre wird wieder eine Konferenz statt- finden, die letzte wurde 1893 anläßlich des internativnalen SozialistenkongresseS in Zürich abgehalten. Die Lohnbewegung in der Monfebkions�Indu�keie. Einigungöamt des Berliner GewerbegerichtS. In der Herren- und Knabenkonfektion ist unter Mitwirkung und auf Wunsch der Unternehmervertretung bekanntlich vorm Einigungs- amt ein Vergleich abgeschlossen worden, der die Beilegung des Streiks ermöglichte. Durch Unterschrift hat die Kommission der Konfektionäre auch der Bestimmung des Vergleichs zugestimmt, daß die erforderlichen Grundlagen zur Feststellung eines spezia- lisirten Minimal-Lohntariss durch umfangreiche Beweisaufnahme unter Zuziehung von Vertretern der drei betheiligten Kategorie», „welche sich zum Erscheinen vor dem Einigungs- amt verpflichte n", beschafft werden. Den Unternehmern scheint diese Verpflich- tung indeß schon etwas unbequem zu werden. Die Knabenkonfektions-Firma Martin u. Flatow, von der ein Inhaber sogar in der Unternehmerkommisston vertreten ist. hatte den Wunsch ausgesprochen, bei der Vernehmung mehrerer ihrer Arbeiter mit anwesend zu sein. Zu der gestrigen Sitzung lag von dieser Firma folgendes Schreiben vor:„Im Besitze der Vorladung für heute, theilen wir dem Einigungsamte ergebenft mit, daß wir nicht gewillt sind, ein Verzcichniß der von uns beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen sowie eine Lohnliste zu übergeben." Einige vorgeladeneZwischenmeister und Arbeiter dieser Firma waren nicht erschienen. Mehrere Unternehmer, die erschienen waren, machten nur unbestimmte und zurückhaltende Angaben. Es war unter ihnen die Meinung vorherrschend, wenn Arbeiter benannl würden, die über ihre Verhältnisse Angaben machen, die Gefahr nahe liegt, daß Konkurrenten diese Arbeiter wegschnappen. Dieses mußte vermieden werde», um„die Geschäfts- und Fabrik- geheimnisse" zu wahren. Erwähnt wurde noch von den Unter» nehmern, daß in der Branche viele„verdorbene Genies" thätig seien, welche sonst in keinem Fache zu gebrauchen wären. Die Konfektionsunternehmer haben beim Streik die Klarstellung her Arbeiterzustände gewünscht. Wie schlecht muß es aber mit den sozialen Zuständen einer Branche stehen, wenn man anstatt eingehende Erhebungen zu fördern, dieselben nach Möglichkeit zu erschweren sucht! Falsch ist die Nachricht der„BolkS- Zeitung", die Fünfer-Kommission der Arbetterinnen habe es abgelehnt, dem Regierungs- und Gewerberath Dr. Sprenger über den Vir- laus des Streiks und der gegenwärtigen Lage zu berichten. Der Fünfer-Kommission ist von Herrn Dr. Sprenger ein Wunsch nach dieser Richtung hin überhaupt nicht mitgetheilt worden. Deutscher Schneider- und Schneiderinnenverband. Eine zahlreich besuchte Versammlung tagte am Dienstag Abend in I o ö l' s großem Saal. Timm referirte über„die Errungen- schoflen des Streiks in der Konfektions-Jndustrie und wie sichern wir dieselben." Redner giebt zunächst einen Rückblick über die Vorarbeiten zu der jetzigen Bewegung, schildert dann kurz die Ursachen des Ausbruches des Streiks und rechtfertigt die Haltung der Fünfer-Kommission bei den abgeschlossenen Vereinbarungen. Die Erfolge des Streiks dürften nicht von dem Gesichtspunkl beurtheilt werden, was hätte sein können. sondern die Frage stellt sich so: was war unter Berücksichtigung der Sachlage zu erreichen. Die gewählte Vertretung hätte unverantwortlich gehandelt, wenn sie dazu beigetragen hätte. daß die so bedeutungsvolle Bewegung ergebnißlos verlaufen wäre. Jetzt gelte es. daS Errungene zu balten. Die dahinzielcnden detaillirten Vorschläge, welche der Versammlung unterbreitet werden, finden lebhafte Zustimmung. An der Diskussion betheiligten sich mehrere Redner, welche sich theils zustimmend äußerten, theils in einigen Punkten die Haltung der Fünfer-Kommission kritisirten. Einstimmig an- genommen wurde folgende Resolution: Die heute am 3. März in Joel's Fcstsälen tagend« Mitgliederversammlung des deutschen Schneider- und Schneiderinnen- Verbandes erklärt sich mit der Haltung der Fünfer-Kommission vollständig einverstanden und bringt ihr auch weiter das Vertrauen entgegen. I« Dresden steht der Sieg der streikenden Konfektions- arbeiler und Arbeiterinnen in naher Aussicht. Der feste Zu- sammenhalt der streikenden Arbeiterschaft und der Druck des Publikums haben ihre Wirkung gethan: dieselben Unternehmer, die sich weigerten, mit der auf ihr Ersuchen hin gewählten Einigungs-Kommission zu verhandeln, suchten die Vermittelung des Gewerbegerichts nach. Entsprechend dem Verlangen des Gewerbegerichts wählte am Montag eine Versammlung der Streikenden eine Kommisston zur Vertretung ihrer Forderungen vor dem Gewerbegericht. Von den 157 Streikenden waren nur drei abgefallen, ein um so schöneres Resultat, als es erreicht worden ist niit einer Arbeiterschaft, die vordem so viel wie gar nicht organisirt war. Die Verhandlungen vor dem Gewerbegericht sind heule, Donnerstag. Mittlerweile hat übrigens eine weitere Anzahl Firmen bewilligt. Dem Magistrat WilrzVnrgS ging eine Ministerialen tschließung zu. wonach das Gesuch der Würzburger Gewerkschaften um Erlaubniß zu einer Geldsammlung für die streikenden Konfeklionsarbeier a b g e l e h n t ist, da grundsätzlich jede Bewilligung zu einer Geldsammlung, welche Forsetznng von Arbeitseinstellungen fördert, verweigert werde. Der Magistrat hatte das Gesuch bekanntlich befürwortet. In Bayern, so be- merkt hierzu die„Untersränkische Voltstribüne", darf zwar ge. sammelt werden für Kirchen, Klöster und ähnliche fromme Zwecke — nur dem Arbeiler ist es verboten, seinen Mitmenschen im Kampfe gegen das Unternehmerlhum zu unterstützen und daS reichsgesetzlich gewährleistete Koalitionsrecht steht nur aus dem Papier. Die Vertreter der Gewerkschaften beschäftigten sich in ihrer Sitzung vom I. März mit dem ablehnenden Bescheid des Ministeriums und beschlossen im Namen der vereinigten Gewerk- schaften, mit„allen zu Gebote stehenden Mitteln die Bewegung unserer so schwer geknechteten Mitmenschen zu unterstützen und jede Gelegenheit wahrzunehmen, um die nach dieser und andere» Richtungen ben bayerischen Gefeßen anhaftenden, der heutigen außer diesen Forderungen noch die nach wöchentlicher Lohnzahlung y predigt hätten. Die hiesigen Anarchisten ftehen mit Zeit nicht entsprechenden Klauseln zu beseitigen." stellen. ihnen auf ganz gleichem Boden, wie sich aus der f. 3. erschienenen Die streifenden Schneider haben den in ihrer lehten Ver- Ueber den Bergarbeiterstreik in Mährisch- Ostrau Arbeiter- Zeitung" und aus den Reden in Berliner Anarchistenfammlung beschlossenen Lohntarif den Unternehmern gedruckt wird berichtet, daß die Situation im ganzen unverändert ist. In Versammlungen ergebe; das hiesige Anarchistenblatt habe auch vorgelegt. Ferner wird er den städtischen Kollegien und der einigen Gruben sind, bürgerlichen Blättern zufolge, die Beleg- durchaus korrekt die hingerichteten Chikagoer Anarchisten als Presse mitgetheilt. schaften zum theil angefahren. Dagegen hat sich die Zahl der Genossen" von Ravachol und Pallas geschildert und die Rede Auch an Württemberg ist die große Bewegung des Streifenden auf anderen Gruben vergrößert. eines deutschen Anarchisten erwähnt, der die Chikagoer Genossen deutschen Konfektionsproletariats nicht spurlos vorübergegangen. als Vorbild dafür pries, wie der Geist des Voltes revolutionär In Kopenhagen soll, nach einem uns zugegangenen Tele- bearbeitet werden müsse. Wie uns aus Stuttgart geschrieben wird, wurden in allen württem gramm, der Schuhmacherstreit beendet sein. Immerhin gegen aus Rechtsanwalt Bieber suchte da bergischen Orten mit Konfektionsindustrie Versammlungen abge- ist es noch geraume Zeit nöthig, daß die deutschen Schuhmacher Anarchisten- Organs" Sozialist" nachzuweisen, daß dieser sich dem Programm- Artikel des neu erstandenen halten, wo den im Deutschen Reich im Kampfe stehenden Konfektions- die dänische Hauptstadt links liegen lassen. arbeitern und Arbeiterinnen die wärmste Sympathie ausgesprochen nicht auf den Standpunkt der Reinsdorf, Ravachol und Ge und finanzielle und moralische Hilfe zugesichert wurde. Bon einer Aus Holland. Das Niederländische Arbeitersekretariat noffen gestellt und keineswegs die Gewalt als letztes Ziel der Lohnbewegung in der Konfektionsindustrie Württembergs nahm zählt jekt 31 Organisationen mit 18 000 Mitgliedern, gegen man vorläufig Abstand, weil die Arbeiter und Arbeiterinnen 25 Organisationen mit 15 000 Mitgliedern im Vorjahre. noch viel zu wenig organisirt sind, als daß eine Bewegung jetzt irgendwie Aussicht auf Erfolg hätte. Demgemäß agitirte man kräftig für den Anschluß an den Verband deutscher Schneider und Schneiderinnen. Es ist wohl zu erwarten, daß gerade im gegenwärtigen Augenblick die Agitation hierfür von besonderem Erfolg sein wird. Dobutampf ber Stonfektionsarbeiter besprochen werden sollte, polizeilich aufgelöst, weil der Referent angeblich vom Gegenstand der Tagesordnung abwich. Berlin 6,75. " Gerichts- Beitung. " Dom " worden war. Be= Daß Staatsanwalt Agitation im Auge habe. Der Staatsanwalt war dagegen der Ansicht, daß die Haltung des Sozialist" jener milden Programm artifel feineswegs entspreche. Der ferner unter Anklage stehende, von Weiß eingesandte Artikel:„ Der Spigel geht um!" theilt mit, daß Weiß durch fortgesetzte Beobachtungen von Polizeispitzeln belästigt und auf Schritt und Tritt verfolgt Zu dem Kapitel Behandlung der ländlichen Ar: werde. Die Hergänge wurden in drastischer und die Schuhleute beiter durch Gutsvorstände" gehört eine Privattlage, die angeblich beleidigenderweise erzählt. Der Angeklagte Weiß erIn Neudorf, einem Bororte Straßburg 3, wurde eine gestern vor der 148. Abtheilung des hiesigen Amtsgerichts gegen lärte, daß sein Artikel nur einen Protest gegen die geradezu Bersammlung der Schneider und Schneiderinnen, in welcher berben Redakteur der Bolts- Zeitung" Hermann Holdheim ver- unerträgliche, über mehrere Wochen sich ausbreitende handelt wurde. Lohnkampf In Nr. 380 der Bolts Zeitung" Beaufsichtigung seiner Person durch 15. August v. J. war eine Mittheilung aus Antiam in Pommern amte der Polizei darstellen follte. abgedruckt, die der„ Volks- Zeitung" von dem bekannten Pastor es sich um Beamte um Beamte handele, habe er überhaupt erst Quistorp in Schwerinsburg eingesandt worden war. Ga nachträglich erfahren. Aus der Beweisaufnahme ergab sich, wurde darin mitgetheilt, daß auf dem Gute Negow der bejahrte daß der Angeklagte wiederholt 3eugen für die ihn belästigende Für die Konfektionsarbeiter und Arbeiterinnen gingen Ruhhirte übel behandelt worden sei, weil er irrthümlich an einer polizeiliche Obfervation herbeigerufen habe. Die betreffenden noch nachträglich folgende Beträge bei unserer Expedition ein: Stelle gehütet habe, an der er nicht hüten sollte. Als der Ad- beiden Kriminalschuhleute behaupteten, daß ihre BeamteneigenGesche 1, Gefellenfeier aus der Thaerstraße 3,-. Von ministrator dies vom Hofe aus bemerkt, sei er auf den alten schaft dem Angeklagten bekannt bezw. durch Vorzeigung der zielbewußten Genoffen von Greiz und Umgegend 50,-.' Arbeiter- Mann zugesprengt, habe ihn mit der Reitpeitsche Medaille bekannt gegeben Leseklub Memmingen 9,95. M. Schongauer, Bern 19,95. Buch vom Pferde herunter wiederholt auf Kopf und Rücken ge- Stachow I beantragte die Verurtheilung beider Angeklagten. drucker von Hörde 6,95. Vom Vertrauensmann in Schönebeck schlagen und die Schläge mit den gemeinsten Schimpfworten be Der erste Artikel verherrliche die am 11. November auf dem 19,95. Kraft- und Artistenklub Vorwärts 2,95. Th. Latour, gleitet. Alles Bitten des alten Mannes habe nichts geholfen, er Heumarkte in Chikago begangenen Thaten und dies seien Thaten Durch die Erped. des Proletarier", Ober- habe sich vielmehr für ein geringes Versehen wie eine Bestie be- der Auflehnung gegen die Gesetze gewesen. Ueberhaupt sei es Langenbielau 24,80. Gesangverein Vereinte Sangesbrüder 19,95. handeln lassen müssen. Pastor Quistorp, der sich für die ganz ausgeschlossen, daß die Ziele des Anarchismus anders als .4, F. W., Straßburg i. Els.( hiervon 3,- M. bei der Richtigkeit der Mittheilung verbürgte, hatte der letzteren eine auf dem Wege der Gewalt zu erreichen feien und aus diesem Avantgarde gesammelt) 23,-. Berlin W. F. G. 4,95. Schlußbemerkung hinzugefeßt, in welcher es u. a. hieß:„ Es muß Gesichtspunkte heraus enthalte der erste Artitel mindestens die Aufforderung zum Ungehorsam gegen die J. Sommer, Straubing 15,50. 2. A., Jtalien 152,30. Organisirte bekannt werden, welcher unglaublichen Behandlung die Leute auf Gefeße, Buchdrucker Hannover's durch Aue, 2. Rate 100,-. wenn nicht sogar die Aufreizung Der dem Lande, besonders die alten und gebrechlichen, die nicht mehr zur Gewalt. zweite beleidigend Artikel fei offenbar und Von der Berliner Gewerkschafts- Kommission weiter ziehen können, in unseren Tagen noch zuweilen ausgesetzt deshalb durch Millarg 662,20 M., darunter: sind, nachdem sie in jüngeren Jahren gegen einen geringen beantrage er gegen Sundat zehn Monate, gegen Weiß Rechtsanwalt Bieber Aus bürgerlichen Kreifen IV. 130,-. Klempner Werkstatt Lohn ihren Herrschaften ihre besten Kräfte geopfert haben." sechs Monate Gefängniß. Staudt, Wilmersdorf 3, Dachdecker von Neumeister 7,70. Durch diesen Artikel fühlte sich der Verwalter des Gutes gab bezüglich des zweiten Artikels die Entscheidung anheim, be= Lotterieverein Fortuna 1,40. Porzellanmaler Berlin 20,- Nezow, Hauptmann d. R. Richard Krüger, beleidigt. Die kämpfte aber das Strafmaß und beantragte bezüglich des ersten Verein der Wäsche- u. Kravattenbranche 20,-. Stanowsky 0,50. Beweisaufnahme hat folgendes ergeben: Die Mittheilung von Artikels die Freisprechung. In dem Artikel würden nicht die Arbeiter von Abramowsky 5. Rauchklub Rübezahl 4,20. dem Vorfall war dem Pastor Quistorp durch einen Augenzeugen, Thaten des 11. November, sondern die 5 Hingerichteten als Werkzeugfabrit von Wachtel 2,-. Bigarrenarbeiter A. Haufe den Weber Neujahr, gemacht worden und dieser hat bei Märtyrer verherrlicht, deren Unschuld nachträglich vom Gouverneur 7- Ethische Gesellschaft, amerikanische Auktion durch Fräu- feiner fommissarischen Vernehmung die Angaben des Artikels be des Staates Illinois anerkannt worden sei. Der Sozialist" fei lein Milausky 15,-. Gesangverein Frohsinn, Stralau 10,-ftätigt. Der Hauptmann Krüger habe vom Pferde wiederholt ausgesprochenermaßen ein Gegner der Propaganda der That" Gesangverein Oberon, Herrenpartie 2. Rate 4,60. Alte Jatob- mit der Reitpeitsche auf den Kuhhirten herunter geschlagen und und man dürfe den Artikel nur nach dem beurtheilen, was wirk straße 118 1,80. Maskenball der Gold- und Silberarbeiter 2,70. dabei gerufen:" Du verfluchter Hund, habe ich Dir nicht schon lich darin steht, nicht aber danach, daß einzelne Anarchisten das Albert Wenz 10,30. Student Berlin-, 50. Berliner Studenten' mal verboten, hier zu hüten? Du Lump!" Der Kuhhirte habe Berfertigen und Tragen von Bomben anempfohlen haben. 8,50. Typographia, Matinee, Friedrichshain 408,-. bei den Schlägen wiederholt Au! au!" geschrien. Der Der Gerichtshof hielt beide Angeschuldigten nur der Beleidigung, Summa 1127,20 M. Bereits quittirt sind: 33 591,67 m. vernominene Kuhhirte Engel ist noch fein bejahrter Mann", den Angeklagten Sundat dagegen nicht wegen des Artikels vom Gesammtsumme der bei unserer Expedition eingegangenen Beträge sondern erst 25 Jahre alt. Er hat den Vorfall im 11. November schuldig, da nicht anzunehmen sei, daß die„ That" 34 718,87. allgemeinen bestätigt, jedoch mit der Einschränkung, der Anarchisten in Chikago verherrlicht werden solle, sondern daß infolge der Unruhe des Pferdes des Hauptmanns nur ihr Verhalten gegenüber dem angeblich zu unrecht ergangenen Krüger von den Peitschenhieben ihn nur zwei getroffen Urtheil. Wegen der Beleidigung, die in dem vom Angeklagten Pastor Quistorp hat bei seiner kommissarischen Weiß verfaßten und vom Angeklagten Sundat aufgenommenen Bernehmung noch erwähnt, daß nach einer dem Neujahr Artikel zu finden fei, feien die Angeschuldigten zu je sechs gemachten Mittheilung dieser Vorfall in Nezow nicht vereinzelt Wochen Gefängniß verurtheilt worden. dastehe, solche Dinge vielmehr öfter vorkommen. Er als Landpaftor und Sohn eines Landpastors tenne aus eigener Anälteren Arbeiter auf dem Lande und habe Eine imposante Buchdrucker Versammlung, von 3000 schauung die oft unerhörte Behandlung der o Versammlungen. dieses Thema auch in einer Broschüre Soziale oth" behandelt. Rebatteur old beim" theilte noch bis 4000 Personen besucht, tagte gestern im Keller'schen Saale, mit, daß inzwischen der Privatkläger Krüger durch das Gericht um Stellung zu nehmen zu der Antwort des Vorstandes in Greifswald verurtheilt worden sei, weil er unberech des Bundes Berliner Buchdruckerei Besitzer auf die in tigerweise eine Barforcejagd über die Aeder der Sonntag Versammlung gefaßte Resolution. Nach einarmer Leute veranstaltet habe. Rechtsanwalt des Beklagten, da der Artikel den Vorfall übertrieben darstelle und welche der Versammlung empfahlen, sich mit der AntMenthe beantragte namens des Privatklägers die Verurtheilung gehenden Referaten der Kollegen Massini und Döblin, Beleidigungen enthalte.- R.-A. Träger erachtete den Wahr wort der Jnnung einverstanden zu erklären, fand eine heitsbeweis- bis auf das Alter des Kuhhirten für vollständig geführt und Beleidigungen nicht für vorliegend. Der fehr rege Diskussion statt; die meisten Redner vertraten den Artikel habe absolut feine persönliche Spize, sondern behandle Standpunkt des Referenten, dem auch die große Mehrheit der nur ein Symptom für die Unzufriedenheit der ländlichen Versammlung lebhaft zustimmte. Folgende Resolution wurde Arbeiter. In dieser Zeit der Sozialpolitit habe es gerade ein nahezu einstimmig unter großem Beifall angenommen: Blatt wie die Bolts- 3tg." für seine Pflicht erachten müssen, auf Nachdem der Bund der Berliner Buchdruckereibefizer eröffentlichen Kenntniß zu bringen. grund zuverlässiger Mittheilung einen derartigen Vorgang zur hat, Der Gerichtshof war der flärt das Verlangen der deutschen BuchdruckerMeinung, daß der Artikel allerdings Beleidigungen enthalte, gehilfen nach einer Tarifrevision unterstüßen zu wollen, erklärt unter den obwaltenden Umständen aber eine sehr geringe Straf- fich die am 4. März stattfindende allgemeine Versammlung barkeit enthalte. Es wurde auf 5 Mart Geldstrafe Berliner. Buchdrucker mit den zwischen dem Vorstande des erkannt. Gewerkschaftliches. Die Lohnbewegung der Tischler von Steglik und Um gegend hat sich folgendermaßen gestaltet: Bewilligt haben 16 Unternehmer mit einem Personal von 82 Tischlern. Im Ausstand befanden sich 65 Tischler bei 9 Arbeitgebern. Nicht bewilligt haben die Meister Stähr, Hinge, Stamm, Fiedeler, Schulze, Hartmann und Jeserich in Groß Lichterfelde, Hartmann in Steglit, Hoch und Itolefeld in Friedenau. Der Obermeister der Innung hat bewilligt. Die Haltung der Streitenden ist gut. Also ausharren! J. A.: Frizz Kaspar. Die Lohukommiffion der Berliner Zimmerlente theilt über den Stand des Streifs folgendes mit: Es kommen noch 176 Firmen in betracht. Zu diefen gehört natürlich ein Theil derjenigen Unternehmer, welche der moderne Bauschwindel tagtäglich zeitigt und deren man zu Verhandlungen trot eifrigen Suchens nicht habhaft werden kann. Der geforderte Stundenlohn von 55 Pf. wird fast durchweg gezahlt, auch ist bis jetzt noch nicht vor 7 Uhr früh angefangen worden; doch ist anzunehmen, daß die in Frage tommenden Unternehmer dies über kurz oder lang versuchen werden. Der Zuzug von Arbeitskräften ist trotz der vielen Warnungen in der Arbeiterpresse ganz erheblich und sind auch hier wieder diejenigen Firmen betheiligt, die vor dem Einigungsamt ihre Humanität nicht genug rühmen konnten. Die Berliner Zimmerleute aber werden hiermit noch einmal ermahnt, die gefaßten Beschlüsse streng inne zu halten, denn es vollständig durchgeführt werden. haben. " Redakteur des " = " = unterliegt teinem Zweifel, daß alsdann die gestellten Forderungen setze und Beleidigung von Schuhleuten standen gestern der Buchdruckervereins getroffenen Bereinbarungen einverstanden und Wegen Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Ge- Verbandes deutscher Buchdrucker und der Leitung des Deutschen Den noch ausständigen Zimmerern geben wir hiermit dieAnarchistenblattes" Sozialist" Johann macht ihre weitere Stellungnahme von dem Ausgang der Verjenigen Firmen bekannt, die nach dem 1. März die Forderungen Christian Sundat und der Tischler Richard Weiß handlungen abhängig." bewilligt haben, und welche nun auf den Listen der Firmen, die vor der 8. Straffammer hiefigen Landgerichts 1. Den Vorsiz nicht bewilligten, zu streichen sind. Bewilligt haben nach dem führte Landgerichtsdirektor Leonhardt, die Anklage vertrat 1. März: Diering, Rolbergerstr. 20. Engelhardt u. Staatsanwalt Stachow I, die Vertheidigung führte RechtsBornichein. Prenzlauer Allee. Raasch, Willibald- Alexisanwalt Dr. Bieber. Auf Antrag des Staatsanwalts wurde Depelthen und lehte Nachrichten. die Deffentlichkeit ausgeschlossen, den Vertretern der Presse aber straße 12. Union Baugesellschaft, Poststraße Nr. 27. der Zutritt gestattet. Es handelte sich um einen in Nr. 13 des Walter u. Co., Steinmehstr. 48. 3ieste, Ratiborstr. 3. Kottbus, 4. März.( Privattelegramm des„ Vorwärts".) Zu den Firmen, die nicht bewilligten, fommen noch hinzu:" Sozialiſt" enthaltenen Artikel Bum 11. November", in welchem Große Demonstration. Die streikenden Massen, vom Ausflug Otto Dittmer, Friedrichsberg, Frankfurter Chauffee 147; 8um Gedächtniß der 1887 in Chicago hingerichteten 5 Anarchisten zurückkommend, zogen durch die Hauptstraßen der Stadt, am diefen ein Lorbeerkranz gewunden wurde. Im Anschluß hieran wurde A. Lehne, Lichtenberg, Dorfstr. 43; Hennig u. Sener, der Gebanfeier in Deutschland gedacht und die Anlage steht mun Rathhause vorüber. Die imposante Demonſtration iſt in größter Charlottenburg, Tauentienstr. 4; Schröder, Charlottenburg, auf dem Standpunkte, daß der erste Angklagte durch Anpreisung Ordnung vor sich gegangen. Geisbergerstraße; Möbius, Charlottenburg, Goethestraße. Wir ersuchen nun noch einmal, das hier angeführte strikte Anarchisten und durch die Aufforderung, ihnen nachzueifern, RI e o phasgrube dauert noch an. Um 7 Uhr abends und Berherrlichung der Thaten der in Chicago hingerichteten Kattowik, 4. März.( W. T. B.) Der Brand in der leo zum Ungehorsam gegen die Geseze aufgefordert habe. Der AnZobte geborgen; vermißt werden geklagte bestritt dies und behauptete, daß es ihm nur darauf angekommen sei, jene fünf Anarchisten, deren Unschuld an dem noch etwa 20 Verunglückte, deren Rettung zu beachten. Der Streik in der Badewannenfabrik von M. Grund, Berlin, ist, da sämmtliche Forderungen der Arbeiter bewilligt find, nach zweitägiger Dauer beendigt. Die Polirer der Stuhlfabrik. von Neumann in Dresden haben die Arbeit niedergelegt, weil brei ihrer Kollegen, die die Forderungen ihrer Mitarbeiter bei dem Fabris fanten vertreten hatten, gemaßregelt wurden. " waren 51 Bombenanschlag vom Mai 1886 erwiesen sei, als Märtyrer der aussichtslos erscheint. Die Leiter und Belegschaften anarchistischen Sache zu feiern. Er verstehe unter Anarchismus benachbarter Gruben sind zur Hilfeleistung gekommen, welche feine Gewaltthätigkeit, sondern das Bestreben zur Befreiung des Menschengeschlechts vorwiegend auf wirthschaft- jetzt vornehmlich der Rettung der Grube gilt. Die Baulichkeiten lichem Gebiete. Er bestreite, daß die Anarchisten in Chicago über Tage sind vom Feuer nicht ergriffen. Der Betrieb der Die Feilenhauer der Feilenfabrik von Hugo Berger in zum Ungehorsam gegen amerikanische Geseze aufgefordert haben, Grube ist voraussichtlich auf Monate hinaus gestört. Hermsdorf bei Dresden befinden sich im Ausstande. Ihre vielmehr habe die betr. Versammlung in Chicago den Zwecken Thorn, 4. März.( W. T. B.) Die Weichsel ist eisfrei, äußerst bescheidene Forderung, 15 M. Minimallohn pro Woche, des achtstündigen Arbeitstages gedient. Der zweite Angeklagte der Wasserstand ist normal, die Eröffnung der Schifffahrt zehnstündige Arbeitszeit und 10 pet. Aufschlag für Ueberstunden ist wegen eines von ihm dem Sozialist" eingesandten Artikels steht bevor. wurde vom Fabrikanten rundweg abgeschlagen. Briefe und An- Der Spitzel geht um" angeklagt. Ueber die Frage, ob Rom, 4. März.( W. T. B.) Alle Blätter bestätigen die fragen sind zu richten on den Bevollmächtigten E. Gottschalt die Anarchisten in Chicago und speziell die Demission des Kabinets, welche morgen den beiden Kammern in Dresden, Großenhainerstr. 33. fünf Singerichteten zu Gewaltthätigkeiten aufDas Entscheidung der Krone abzuwarten. Die Zwickauer Maurer beschlossen in einer Versammlung, gefordert haben, wurde Kriminalkommissarius mitgetheilt werden soll. Diese werden sich darauf vertagen, um vom 1. April an 33 Pf. Stundenlohn zu fordern. Falls die Bösel vernommen. Der Zeuge bejahte diese Frage auf fterium wird dem Parlamente alle auf Afrika bezüglichen Meister diese bescheidene Forderung nicht bewilligen, soll in den grund zahlreicher von ihm vorgetragener Auszüge aus ameri Attenstücke vorlegen. Der König beschied die Präsidenten beider tanischen Anarchistenorganen und aus den Bertheidigungsreden der Hingerichteten bei Gelegenheit der Gerichtsverhandlung. Häuser zu sich, um ihre Ansicht zu hören; er wird morgen noch Mit einem vollständigen Siege endete die Lohnbewegung Er meinte, daß diefe Personen nicht verurtheilt worden seien, mit mehreren anderen politischen Persönlichkeiten Rücksprache der Erlanger Metalldrücker. Die Forderungen: Ver- weil sie selbst die Bombe geworfen, sondern als intellektuelle nehmen. fürzung der Arbeitszeit um täglich eine Stunde unter Bei- Urheber des Bombenanschlages, durch welchen so viele Polizei- Maffauah, 3. März.( Agenzia Stefani.) Von der Brigade behaltung des alten Lohnes und Bezahlung von 20 pet. Lohn- beamte getödtet bezw. verwundet wurden. Die deutschen Dabormida und den Generälen Arimondi und Albertone fehlt zuschlag für Ueberstunden, wurden von den Meistern schrift- Anarchisten seien sehr wohl davon unterrichtet, daß die amerikani- jede Nachricht. Die widersprechendsten Gerüchte laufen um; es lich anerkannt. schen Anarchisten Gewalt und Ungehorsam gegen die Gesetze ist nicht möglich, sich über die Tragweite der Schlacht RechenStreit eingetreten werden. " die MiniDie Zimmerer von Stuttgart und Heilbronn werden zum 3i le hatten. Der Zeuge suchte aus Artikeln der Most'schen schaft zu geben. in nächster Zeit statt der seither elfftündigen Arbeitszeit den Freiheit", der Londoner Autonomie" und anderer Zeitungen Washington, 4. März.( W. Z. B.) Die Kommission des Zehnstundentag sowie Abschaffung der Affordarbeit ver- und Zeitschriften den Nachweis zu führen, daß die amerikanischen Senats für die auswärtigen Angelegenheiten empfiehlt dem lungen. Wie es scheint, wird in Stuttgart die Bewegung fried Anarchisten allgemeinen und die in Chikago ver Senat, die Resolution der Repräsentantenkammer betreffend lich verlaufen, da die Meister geneigt sind, die Forderung zu urtheilten insbesondere in Schrift Schrift die bestehende Ord- Kuba nicht anzunehmen und fordert eine Konferenz der Komitees bewilligen. Die Maler und Anstreicher Stuttgarts werden nung angegriffen und die Anwendung von Gewalt ges beider Kammern. im Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey, Berlin. Für den Injeratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. 2ruck und Verlag von Wing Bading in Berlin. Hierzu 2 Beilagen. 1 Beilage zum„Vorwärts" Berliner VolfMatt. Ur. 55. Dmmrrstagl, den 5. Mär; 1896. 13. Jahrg. Neichskag. 51. Sitzung vom 4. März, INHr. Am Tische des Bundesraths: v. Bötticher, Graf Posa- d o w s k y. v. H a m m e r st e i n. In Anwesenheit von 14 Mitgliedern, außer dem Bureau, eröffnet der Präsident die Sitzung. Eingegangen ist die Denkschrift über die Thätigkeit des Patentamtes. Die erste Berathung der Zuckersteuervorkage wird fortgesetzt. Abg. Götz von Olenhusen(Welse): Wir sind bereit, auf den Boden der Berlage zu treten, damit die Zuckerfabriken, mit deren Bestand die Landwirthe rechnen müssen, erhalten werden. Wir betrachten die Vorlage als ein Kampfgesetz gegenüber einem unhaltbaren Zustand. Das Sleigen der Preise hängt zusammen nicht mit den: Rückgang des Rübenbaues, sondern nur mit dem Fehlen des kubanischen Zuckers. Wenn die Vorlage zu Fall kommen sollte, so werden die Preise wieder erheblich fallen. Die billigen Zuckerpreise sind entstanden durch die deutsche Zuckerindustrie, welche kräftig genug war, sich auszudehnen trotz der ausländischen Konkurrenz. Wenn die Zuckerindustrie Deutschlands einmal ruinirt sein wird, dann werden die Preise noch ganz anders steigen. Redner empfiehlt die Annahme der Vorlage als Landwirth, nicht als Mitglied des Bundes der Landwirthe, dessen Agitation ihm oft als gefährlich erschienen sei. Die Landwirthe in Braun« schweig und Hannover stehen nicht auf dem Boden dieser Agitation, die nicht nach deutscher Art ist, trotzdem das Organ des Bundes die Devise an der Stirn trägt: Für Kaiser und Reich, für deutsche Art, für deutsche Arbeit in Stadt und Land. Trotz aller Artistenkunststücke kann ich die Agitation des Bundes nicht billigen, weil sie der Landwirthschaft nicht nützt. Ich hoffe, daß die Vorlage die Genehmigung des Hauses finden wird. Abg. Paasche(natl.): Ich werde mich im allgemeinen an die schärfere Tonart halten, die durch Herrn Bock zum Ausdruck gekommen ist. Es ist nicht wahr, daß es sich nur um ein einziges Jahr des Rückganges handelt, sondern um einen dauern- den Rückgang handelt es sich.(Widerspruch des Abg. Rösicke.) Ich habe die Ergebnisse von einer ganzen Reshe von Zucker« sabriken. welche das beweisen.(Zuruf Richter's; Vorlegen!) Ich kann doch die mir diskret anvertrauten Zahlen nicht hier offen bekannt machen.(Lachen links.) Die Zuckerpreise sind erheblich zurückgegangen; Redner giebt die Zahlen bis 1894.(Zurus Richter's: Weiter!) Ja, daß die Preise jetzt hoch sind, das weiß ich; das bestreite ich auch nicht. Der Minister hatte vollständig recht, wenn er Herrn Richter das Berständniß für landwirthschaftliche Dinge bestritt.(Zuruf Richters: Aber Sie haben es!) Ja, als gelernter Landwirth habe ich das Ver- ständniß. Die Prämien haben die Konkurrenz aus dem Welt- markt aufrecht erhalten; da kann man nicht sprechen von der Belastung des armen Mannes. Die Prämien haben die Ueber- Produktion geschaffen und damit den Zucker verbilligt für den armen Mann.(Gelächter links, Zuruf: Professorenweisheit!) Die Prämien sind bis auf den letzten Pfennig den Konsumenten zu Gute gekommen.(Gelächter links.) Wes- halb ängstigt man sich in Frankreich und Oesterreich um unsere Prämie? Doch nur, weil sie den Weltmarktpreis drücken wird.(Zuruf Richter's: Erhöhung der Verbrauchsabgabe um S M.!) Die kommt auf der andern Seite.(Lachen links.) Halten Sie mich denn für einen so schlechten Rechenmeister? (Zurus Richter's: Jawohl!) Ich will Ihnen ja nur vorrechnen, daß Sie falsch gerechnet haben, daß Sie etwas abstreichen müssen von der berechneten Belastung. Derjenige, der den billigsten Preis stellt, bestimmt die Höhe des Preises.(Widerspruch links.) Sie werden mir diese ökonomische Lehre nicht ausreden. Daß wir niemals zu einer Beseitigung der Prämien komme» werden, wenn wir allein unsere Prämien aufheben, darin stimme ich den Vertretern der Regierung zu. Man spricht von einer ungesunden Ausdehnung der Industrie, aber nur bei der Zucker- industrie; wenn die Eisenindustrie oder eine andere Industrie sich ausdehnt, trotzdem hin und wieder eine Krisis eintritt, so spricht man von einem technischen Fortschritt. Dem Kapital fällt gar kein Gewinn zu. Man hat es geleugnet, daß die Preise durch spekulative Thätigkeit gesteigert sind. Im Februar 1896 war ein Weltvorrath von Zucker vorhanden von 2 300 099 Tonnen, 1895 von nur 2 500 000 Tonnen, 1894 von nur 1 800 000 und 1893 von nur I 600 000 Tonnen, also jetzt 1 Million Tonnen mehr als in normalen Jahren. Was will dagegen der Aussall in Kuba von 700 000 Tonnen bedeuten? Dieser Ausfall kann auch noch verschwinden. Ob die Vorlage unverändert angenommen werden kann, ist allerdings zweifelhast. Abg. von Komierowski(Pole) erklärt sich gegen das Abg. Meyer-Danzig(Rp.): Meine Freunde werden die Vorlage unterstützen, wie sie alles thun wollen, was für die Landwirthschaft und namentlich für die Zuckerindustrie Nutzen bringen kann. Die Belastung des Verbrauches wird als eine unerträgliche dargestellt. Aber gerade die ge- schützte Industrie hat die billigen Preise erst zu wege gebracht. Meine Freunde halten eine Kontingentbemessung auf 17 Millionen Doppelzentner mindestens für nothwendig; ein Kontingent von nur 14 Millionen würde eine Zurückschraubung unserer Industrie sein. Die Preissteigerung begann mit dem Bekanntwerden der kuba- nischen Ernte und wurde beeinflußt durch die Borlage, mit deren Zustandekommen die Spekulation natürlich rechnete. Aber für die Dauer der ganzen Kampagne wird der höhere Preis nicht gelten. Kommt die Prämie zum Ausdruck im Weltmarkt- preise, so haben wir einen höheren Preis; geschieht das nicht, so werden die Konkurrenten beeinträchtigt und schränken ihre Produktion«in. Ohne Kontingent können wir die Prämie nicht erhöhen, ohne eine un- gemessene Ausdehnung der Industrie herbeizuführen. Wir wünschen ferner, daß wir zur Abschaffung der Prämien kommen »lögen, natürlich pari xasmi(im gleichen Schritt) mit anderen Staaten. Wir wünschen serner, daß bei Ermäßigung der Prämien auch die Konsumabgabe ermäßigt wird. In anderen Punkten gehen unsere Anschauungen auseinander. Wir hoffen aber zu einer annehmbaren Vereinigung zu kommen. Eine Prämie von 4 M. halten wir als unbedingt nothwendig für die Möglichkeit deS internationalen Wettbewerbs. Wir werden eifrig in der Rommission arbeite», um die Vorlage zu stände zu bringen. Minister v. Hammerstei»: Ich habe gestern mitgetheilt. daß eine Fabrik, die für 600 000 M. erbaut war, für 75 000 M. verkauft worden ist. Ich kann heule hinzufüge», daß eine Fa- brik, die 1 400 000 M. gekostet hat. für 300 000 M., also mit einem Verluste von 1 100 000 M. verkauft worden ist. An die Herren von der polnischen Fraktion möchte ich die Bitte richten, an den Verhandlungen in der Kommission möglichst objektiv theilzunehmen und zu prüfen, ob nicht doch die Anschauung die richtigere ist, daß die Interessen der östlichen Industrie mit denen der westl'hen und mitteldeutschen identisch sind. Ich warne davor, au' Kesem Gebiete eine Jnteressentheilung herbei- zuführen. Jä> möchte dabei erinnern an die Geschichte von den beiden Lö.vm, die sich aufgefressen haben und von denen nur die beiden Wedel übrig geblieben sind. Ich möchte davor warnen, daß der günstiger Stehende glaubt es länger aushallen zu können und deshalb zweckmäßige Maßregeln zurück- weist. Bei objektiver Berathung wird es gelingen, alle Jnter. essen möglichst zu berücksichtigen. Die Reichsregierung wird gern bereit sein, ihre Hand zur Verständigung zu bieten. Abg. Barth(srs. Vg.): Als der Staatssekretär die Ver- Handlungen eröffnete mit der Bemerkung, er»verde sich anato« mischer Ruhe befleißigen, sah ich darin ein günstiges Omen. Da Anatomen sich nur mit Leichen beschäftigen, so sah ich die Vorlage als eine Leiche an.(Heiterkeit.) Gestern hielt er aber die Vorlage wieder für sehr lebendig, er gab sogar seine Ruhe aus und wandte sich gegen die schlechten Menschen, die von dem Schutz der nationalen Arbeit nichts wissen wollen. Von dem Schutz der nationalen Arbeit haben namentlich die Agrarier profitirt, aber niemals ist so viel gejammert worden, wie gerade jetzt, wo das Schutzzoll-System herrscht.(Sehr richtig! links!) In England klagt man nicht so viel als bei uns; es sind dort wie hier hauptsächlich die Großgrundbesitzer, welche auf die Pachtrente angewiesen sind. Das sind einflußreiche Leute, die der jetzigen englischen Regierung sehr nahe stehen. Da ist denn eine Deputation empfangen worden und Lord Salisbury hat ihnen einige freundliche Worte gesagt, aber er hat bedauert, daß er ihnen nicht helfen könne. Das möchte ich unfern Ministern auch empfehlen.(Heiterkeit.) Unsere Minister erklären aber immer: Wir wollen euch helfen, soweit es in unseren Kräften steht. Im Parlament hat Lord Salisbury jede Protektion für die Landwirthschaft aber weit von sich gewiesen. Es steht mit der Landwirthschaft in England gar nicht so schlecht, die land« wirlhschastliche Produktion steht der deutschen ziemlich gleich. Ein Preisrückgang in Zucker hat stattgefunden; aber die jetzigen Preise entsprechen schon wieder den Preisen vor der Krisis. Die Behauptung des Staatssekretärs, daß die Spekulation die Preise beeinflußt habe, hat nicht an sich unsere Heilerkeit hervorgerufen, sondern nur in dem Zusammenhang, daß die Spekulanten die Preistreibereien veranstaltet habe» sollen, um die Vorlage zu Falle zu bringen. Glaubt der Staatssekretär wirklich, daß die Spekulanten mit Absicht Geld verlieren wollen? Das würde doch aber der Fall sein, wenn sie das Fallen des Gesetzes herbeiführen wollen und trotzdem höhere Preise niachen. Die Vorgänge in Kuba sind ein wahres Glück für die deutschen Rübenproduzenten, weil dadurch gegenüber der Ueberproduklion wieder normale Zustände geschaffen wurden. Die Kontingentirung halben Zweck, das Angebot auf dem Welt« markt zu beschränken. Aber wenn das deutsche Angebot beschränkt wird, dann werden die anderen Konkurrenten erst recht vorgehen, es wird die Produktion erweitert werden, in Frankreich z. B., und die Preise werden erst recht gedrückt auf dem Weltmarkt, während durch die Steigerung der Verbrauchsabgabe der in- ländische Konsum Deutschlands vermindert wird. Die perniciöse Wirkung der Vorlage wird für die Konsumenten lange nicht so groß sein, wie für die Znckerindustrie selbst. Die Stellungnahme des Zentrums entsprich: durchaus dem, was der Abg. Orterer im bayerischen Landtag bereits im Dezember 1894 ausführte, als er von der Mittellinie sprach, die man suchen müsse. Will man einer kleinen Prämienerhöhung wegen die Gefahr der Kontingentirung auf sich nehmen? Lohnt es sich deshalb, die Zuckerproduzenten und die ganze Bevölkerung zu belästigen? Es ist nicht richtig, daß derjenige, der am billigsten produzirt, die Preise bestimmt, sondern jeder nimmt, so viel er bekommen kann. Die Nachfrage entscheidet den Preis auf dem Weltmarkt wie aus dem offenen Markt. Das sind die Anfangsgründe der Volkswirthschast.(Widerspruch des Abg. Paasche.) Bei dieser zweifelhaslen Wirkung der Vorlage muß der Reichstag prüfen, ob er dem Volke eine Belastung mit 50 Millionen Mark auferlegen kann. Ich lehne die Verantwortung für«inen solchen Zweck durchweg ab. Abg. Zimmermann(Reform.-P.): Durch die Unterzeichnung des Antrages Paasche haben wir uns nicht gerade für diese Vorlage gebunden, denn sie enthält manche bedenkliche Punkte. Ich verkenne die Bedeutung der Aussuhr und der Industrie überhaupt nicht, aber die Opposition aus landwirthschastlichen Kreisen scheint mir doch einer Beachtung werth zu sein. Für unsere gesammte Landwirthschaft scheint mir nicht die Rüben- zucker-Jndustrie, sondern der Körnerbau das wichtigste zu sein. Es ist eigentlich wunderbar, daß diese Vorlage vom Regierungs- tische verlheidigt wird, während der Antrag Könitz bekämpft wurde, trotzdem doch beide eine Einwirkung auf den Preis be- absichtigen. Wir wollen den Rübenbauern Helsen, aber es wird sich fragen, ob wir diese Vorlage nicht begrenzen wollen, und zwar für die Zeit, während welcher die Handelsverträge gelten.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Sie haben allerdings unter den Handelsverträgen Ihre Seide ge- spönnen und hoffen das weiter zu thun.(Sehr richtig! rechts.) Die Kontingentirung wird ja manche Härte» mit sich bringen; aber es muß der Versuch gemacht werden, den Rüben- bau zu kontingentiren, nicht die Zuckerproduktion, damit die kleinen und mittleren Landwirthe ihren Rübenbau aufrecht er- halten können. Unsere gesammte Zuckerproduktion werden wir wohl niemals im Inlands verzehren können. Wenn Herr Richter das auf ihn fallende Quantum genießen würde, dann würden seine Reden wahrscheinlich nicht so bitter sein.(Lachen.) Die Arbeiter der Zuckerfabriken haben unter manchen Uebelständen zu leiden; aber Herr Bock hat keinen Vorschlag gemacht, wie diesen Uebelständen entgegengearbeitet werden könne. Wir wollen den Arbeitern wenigstens ihr Brot erhalten. Wenn die Regierung jetzt die Prämie als Kampsmittel betrachtet, so frage ich, warum war man nicht bei den Handelsverträgen ebenso klug, dann hätten wir etwas besser gestanden. Mit Freuden begrüßen wir es. daß bei der Betriebssteuer die Staffel- neuer gewählt ist; noch erfreulicher wäre es, wenn man dieses Prinzip bei der Besteuerung überall durchführen wollte, nament« lich bezüglich der großen Bierbrauereien. Eine Strafe aus den technischen Fortschritt liegt in der Staffelsteuer nicht, denn wer mehr leistet, der wird dadurch auch leistungsfähiger für die Ge- sammtheit. Wenn aus der Vorlage etwas werden soll, dann müssen namentlich die Interessen der kleineren und mittleren Landwirthe berücksichtigt werden. Wie die Vorlage jetzt beschaffen ist, würde sie für mich und einen Theil meiner Freunde unannehmbar sein. Wir hoffen aber aus eine brauchbare, durch allseitige Vereinbarung zu stände zu bringende Vorlage. Abg. v. Staudy(dk.): Herr v. Puttkamer hat schon ange- deutet, daß nicht alle Mitglieder meiner Partei mit ihm überem- stimmen. Eine prinzipielle Meinungsverschiedenheit kann natür- lich nicht vorliegen, denn wir alle stehen aus dem Standpunkt des Schutzes der nationalen Arbeit, wir wünschen de» Schutz der Zuckerindustrie und ihre Unterstützung durch Prä- mien. Es ist keine angenehme Sache, gegenüber seinen bewährten Freunden einen Dissens auszusprechen. Herr Götz von Olenhusen hat sich gegen den Bund der Land- wirthe gewendet. Im Namen aller meiner Freunde kann ich bemerken, daß der Bund der Landwirthe zum Zuckersteuer-Gesetz keine Stellung genommen hat, weil die Landwirthe verschiedener Meinung sind. Wir haben uns ober gewundert, daß Sie, Herr Götz von Olenhusen sich für befugt gehalten habe», dem Bund der Landwirthe vorzuhalten, daß er seiner Devise nickt treu ge- blieben sei. Daß der Rübenbau das Rückgrat der Lanbwirtb- sckast sei, diese Ansicht des Ministers theilen wir nicht. (Sehr wahr! rechts.) Wir meine», daß der Getreidebau die Hauptsache ist.(Sehr wahr! rechts.) Das Gesetz, wi» es v orge legt ist, wird unter den Konservativen ja im ganzen Reichstag nicht eine einzige Stimme finden.(Hört! links.) Unsere Bedenken kon- zentriren sich hauptsächlich auf zwei Punkte: Wir mißbilligen unbedingt die Kontingentirung. Das Eintreten der Krisis habe ich vorausgesehen, deshalb bin ich gegen das Gesetz von 1391 aufgetreten, welches ja überhaupt nur nut drei Stimmen Mehrheit angenommen ist. Die Ausführungen des Grafen Bismarck, die vermöge ihrer staatsmännischen Diktion und ihrer sachlichen Auffassung einen Eindruck auf uns gemacht haben, gehen davon aus. daß wir dieses Experiment machen müssen. Wirthschast- liche Experimente zu machen, sollte man sich unter allen Umständen hüten.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn wir unsere Produktion einschränken und anderen Länder» die Möglichkeit geben, ihre Produktion zu erhöhen, wird dadurch nicht unsere Stellung gefährdet?(Sehr richtig! links.) Wir sind auch zu diesem Experimente garnicht gezwungen. Die Preise ivaren erträglich mit Ausnahme eines Jahres. in welchem die Ueberproduktion eine zu große war, nicht blos in Deutschland, sondern auf der ganzen Erde. Jetzt sind die Preise schon wieder solche, daß die Zucker- produktiv» bestehen kann. Ueberall ist 1395 weniger geerntet worden als 1394, also haben wir ein Sinken der Zuckerpreise in nächster Zeit nicht zu befürchten. Durch den Rückgang des Rübenbaues um 26 Millionen Zentner ist die Gefahr der Ueberproduktion beseitigt, namentlich da der Ausfall der kubanischen Ernte noch hinzutritt. Den Prämienkampf mit den anderen Produktionsländern kann ich nicht auf mich nehmen um den Preis der Kontingentirung. Was hat es denn auch auf sich, wenn wir uns den Anbau von einigen Millionen Zentnern Rüben versagen; Rußland und Frankreich würden den Ausfall sofort wieder decken. Das Gesetz soll nur für kurze Zeit gemacht werden; wir müssen aber wünschen, daß die deutsche Zuckerindustrie endlich zur Ruhe kommt, nachdem sie Jahre lang hintereinander gesetzgeberisch beunruhigt worden ist. Es handelt sich darum, die kleinen Fabriken zu erhalten und die größeren zurückzuschrauben. Das richtet sich hauptsächlich gegen die Fabriken des Ostens zu gunsten der gut gestellten Fabriken von Mitteldeutschland. Der Kartoffelbau im Osten ist durch die Branntwein- Kontingentirung erheblich eingeschränkt worden. Kartoffeln und Rüben sollen wir nicht bauen; der Rübenbau lohnt nicht. Will man Getreide bauen, so wird man beinahe aus- gelacht. Was sollen also die Landwirthe machen? Wir wünschen, daß die Staatssekretäre energischer gegen Amerika austreten, wo unser Zucker chikanirt wird, während wir hier die vollste Rück- ficht üben. Im Westen und in Mitteldeutschland befinden sich Zuckerfabriken meist in den Händen von reichen Leuten. Wenn wir im Osten mit dem Westen kämpfen müßten, so würden wir unterliegen. Wir haben die großen Fabriken geschaffen aus unserer Armuth heraus, weil die Kraft des einzelnen nicht ausreicht dazu; wir mußten zu großen Gruppen zusamnientreten. Landwirthe aller Klassen sind zusammen- getreten, wir haben nur Rübenaktien. Wir müssen auf zehn Meilen Entfernung die Rüben zur Fabrik fahren. Wie viel theuerer die Fracht nach Hamburg von uns auS ist als vo» Sachsen aus, ist schon früher berührt worden. Die Kontingentirung hat den Nachtheil, daß sie eine große Beunruhigung in die Zuckerindustrie hineinbringt- in jedem Jahr soll neu kontingentirt werden. Die Beschränkung auf 14 Millionen Doppelzentner wäre namentlich für den Osten bedenklich; die Fabriken würden bis 25 pCt. weniger produziren dürfen. Natürlich werden die Aktionäre möglichst viel für sich behalten und die Kaufrüben iverden ausfallen. Das Rückgrat meiner Landwirthschaft ist der Rübenbau; ich könnte 30 pCt. mehr bauen, als ich baue; ick habe das nicht gethan, weil mir die Sache nicht sicher schien. Wenn die Fabrik, an der ich betheiligt Hins mit 100 Aktionären und über 300 Rübenbauern, das will, dann würden nach Annahme des Gesetzes sicherlich 200 Rübenbauern in Wegfall kommen können. weil die Aktionäre mehr übernehmen. Wenn das Kontingent auf 17 Millionen Doppelzentner erhöht würde, dann würde der gegenwärtige Rübenbau ausrecht erhalten bleiben; aber es würde niemand mehr zum Rübenbau übergehen können. Diesen Leuten, welche blos ans den Anschluß an eine Eisenbahn:c. warten, um zum Rübenbau überzugehen, das zu verschränken, das kann ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren. Unter diesem Gesetz könnte gar keine neue Zuckerfabrik mehr entstehen. Wir würden dann drei Klassen von Landwirthe» haben; die in Mittel- und Westdeutschland, wir Rübenbaucr im Osten und diejenigen, welch« keine Rüben bauen dürfen. Jeder Direktor einer Zuckerfabrik ist natürlich für die Kontingentirung, denn er wird dadurch zum mächtigen Mann; er kann die Rübenlieferung für die Fabrik vertheilen, deshalb sind die Rüben- Hauer vielfach durch die Direktoren beeinflußt. Der Gesetzentwurf ist doch recht sehr fiskalisch. Graf Posadowsky berechnet als Einnahme des Reichs von der Zuckersteuer das, was 1897 eingehen würde nach Wegfall der Prämien. Aber das Gesetz ist doch als ein erbärmliches bezeichnet worden von allen Seiten, und nun soll es bestehen bleiben in bezug auf die Prämien, deren Betrag soll zukünftig ohne weiteres in die Reichskasse fließen und die Einnahmen des Reichs ver- mehren. Die landwirthschaftliche Opposition ist doch keine so kleine, wie Graf Posadowsky gemeint hat; zahlreiche Landwirthe haben sich der Opposition angeschlossen, welche ausgegangen ist von einem bekannten Grundbesitzer, dem Herrn v. Tiedemann- Seeheim. Nachdem die Rede über eine Stunde gedauert, wird d,e Ungeduld des Hauses eine so große, daß sich überall Gruppen bilden, welche sich laut Unterbalten, so daß der Redner immer schwerer verständlich wird. Redner tritt für die Materialsteuer ein und vertheidigt dieselbe im Gegensatz zum Staatssekretär Grafen Posadowsky. Wenn man die Materialsteuer nicht wieder einführen will, dann sollte man die jetzt bestehende Prämie gesetzlich auf die Dauer festlegen. Bei meiner agrarischen Anschauung, zu der ich mich offen bekenne, werde ich alles thun. um der Zuckerindustrie zu helfen, aber wir verlangen Ge- rechtigkeit. Für die Kommissionsberathung trete ich auch ein. (Beifall rechts.) Um 5 Uhr 7 Minuten wird die vom Abg. Richter be- antragte Vertagung abgelehnt gegen die Stimme» der Sozial- demokraten und Freisinnigen. Minister v. Hammerstein: Ich habe den Rübenbau als Rückgrat für die Landwirthschaft bezeichnet insofern, als der- selbe den Ausgangspunkt sür jeden Fortschritt der Landwirth- schaft bildet. Um 5 Uhr 10 Minuten wird der Antrag des Abg. Richter auf Vertagung wiederholt und zugleich die Beschlußfähigkeit be- zweifelt. Da das Bureau zweifelhast ist, so wird zum NamenS- ausruf geschritten, welcher die Anwesenbeit von 165 Mitgliedern ergab, während 199 zur Beschlußfähigkeit erforderlich sind. Die Verhandlung muß desbalb ahgebrochen werden. Schluß nach 5Vs Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr.(Fortsetzung der ersten Beratbung des Zuckersteuer- Gesetzes und zweite Berathung der Novelle zur Gewerbe» Ordnung.) Nsvlamettkavifches. In der Kommission für Abänderung des Vereins- und Versammlungsgesetzes, in welche sür unsere Partei an stelle Auer's der Genosse Biolkenbuhr neben Dr. Lütgenau gewählt ist, hat der Abg. Rickerl einen vollständig neuen Entwurf eingebracht. Die wesentlichsten Bestimmungen dieses Entwurfes sind: Alle Deutsche haben das Recht, ohne obrigkeitliche Erlaubniß sich friedlich und ohne Waffen, in geschlossenen Räumen zu versammeln, oder zu solchen Zwecken, welche den Strafgesetzen nicht zuwider laufen, in Gesellschaften sich zu vereinigen. Oeffentliche Ver- fammlungen zu politischen Zwecken sind 24 Stunden, Volksversamm» lungen unter freiem Himmel 48 Stunden vor Beginn der Ver- sammlung bei der Ortsbehörde anzuzeigen, welche die erfolgte Anzeige sofort zu bescheinigen hat. Politische Vereine haben ihre Statuten binnen drei Tagen nach der Stiftung des Vereins und Abänderungen der Statuten binnen acht Tagen der Ortspolizei- behörde zur tienntnißnahme mitzutheilen. Die Polizei hat das Recht. in jede öffentliche Versammlung zu politischen Zwecken Abgeordnete zu senden, welche das Recht haben, die Versamm» lung aufzulösen, wenn in derselben die Erörterung von Anträgen oder Vorschlägen durch den Vorsitzenden zugelassen wird, welche eine Aufforderung zu strafbaren Handlungen enthalten, oder wenn in der Versammlung Beivaffnete erscheinen, welche zu entfernen nicht gelingt. Der Z 10 des Antrages lautet: Auf die durch das Gesetz oder durch die gesetzlichen Autori- täten angeordneten Versammlungen sowie auf die Vorberathungen von Mitgliedern dieser Versammlungen während der Dauer ihrer Sitzungen, sowie ferner auf die Wahl-Vorversammlungen der Reichstagswähler, der Wahlmänner und Urwähler sür die Land- tage, die Kreis- oder Gemeinde« Vertretungen nach erlassenem Wahlausschreiben finden die Bestimmungen der ZI 1 bis ö inkl. des gegenwärtigen Gesetzes keine Anwendung. Straf- und Schlußbestimmungen bleiben vorbehalten. Die Kommission hat am Mittwoch Abend ihre erste Sitzung abgehalten. Aus der Kommission für das bürgerliche Gesetzbuch. In der Sitzung am Mitlwoch wurden zunächst die Vorschläge über das Privatrecht der juridischen Vereine beendet. Artikel 86 des Einführungsgesetzcs will die landesgesetztlichen Vorschriften aufrecht erhalten, welche den Erwerb von Rechten durch juristische Personen beschränken oder von staatlicher Genehmigung abhängig machen. Dadurch wird insbesondere die Rechts- fähigkeit ausländischer juristischer Personen, ihre Fähig- keit, Grundstücke im Inland zu erwerben, und die Fähigkeit auch deutscher juristischer Personen beschränkt, Geschenke und Erbschaften ohne staatliche Genehmigung zu erwerben. Diesen Artikel wollen Anträge der Abgeordneten F r o b m e, Stadthagen, Gröber. Marbe— erstere im Interesse der Rechtseinheit und aus Gründen gegen polizeistaatliche Be- vormundung, letztere insbesondere im Interesse kirchlicher Institute und frommer Stiftungen— g e st r i ch e n wissen. Die Re- gierungsvertreter geben zu, daß die Anträge auf Streichung konsequent im Interesse einer Rechtseinheit gestellt seien. Ins- besondere die Vertreter der preußischen Regierung wende» sich indessen lebhaft gegen diese Anträge, da den einzelstaatlichen Regierungen sonst die Kontrolle und Einwirkung auf die ausländischen Gesellschaften und aus die Vermehrung des Vermögens von Vereinen entzogen würde. Die behördliche Kontrolle, die den Behörden in Preußen in den Jahren 1753, 1792, 1346 und 1870 gesetzlich eingeräumt ist, wollen die Regierungen noch nicht aus der Hand geben. vertrösten vielmehr auf spätere reichsgesetzliche Regelung. Selbst den nationalliberalen Abgeordneten ist dieser Standpunkt zu eng. Es wird deshalb vom Abg. v. Cuny beantragt, wenigstens die einem anderen Bundesstaat angehörenden juristischen Personen, deren Rechtsfähigkeit auf einem neben dem bürgerlichen Gesetzbuch geltenden Reichsgesetz beruht, nicht weilergehenden Beschränkungen im Erlangen von Rechten zu unterwerfen, als die dem Bundesstaat selbst angehörenden juristischen Personen der- selben Art. Abg. Schröder beantragt, wenigstens Psandbries- anstalten und Jmmobilienges ellschaften, die in einem Bundes- staate domizilirt sind, für berechtigt zu erklären, Immobilien in jedem anderen Bundesstaat unter denselben Voraussetzungen wie die einheimischen Institute zu erwerben. Die Abgg. Gröber und Marbe beantragen, eventuell wenigstens juristische Per- sonen, deren Rechtsfähigkeit auf reichsgesetzlichen Vorschriften be- ruht, den landesgesetzlichen Einschränkungen nicht zu unterwerfen. Neben den Vertretern der Reichsregierung (Staatssekretär Nieberding, Prof. Gebhard) treten insbc- sondere die Vertreter der preußischen und der mecklenburgischen Regierung für Aufrechterhaltung des Art. 86 und gegen alle Zusätze aus politischen und vermeintlich agrarischen Interessen ein. Es wird hierauf Artikel 86 ge st richen. Artikel 87 will die landesgesetzlichen Borschriften, welche die Wirksamkeit von Schenkungen an Mitglieder religiöser Orden oder ordens- ähnlicher Kongregationen von staatlicher Genehmigung abhängig machen, aufrecht erhalten. Die Abgg. Fr ahme und Stadt- Hägen beantragen Streichung im Interesse der Rechtseinheit und der Gewissensfreiheit sowie der völligen Wirkungslosigkeit polizeilich-chikanöser Gesetze, die sich ja stets umgehen lassen. Abg. Gröber stellt den gleichen Antrag. Artikel 87 wird hieraus mit 12 gegen 7 Stimmen gestrichen. Die II 163—167 des Einführungsgesetzes enthalten Uebergangsbestimmungen be- züglich der bereits bestehenden juristischen Personen. Sie werden debattelos angenommen. Die Beschlüsse der Kommission über die Vorbehalte der Einzelstaaten zu Ungunsten der privatrecht- lichen Stellung von Vereinen haben somit den bureaukralischen und polizeistaatlichen Sondergelüsten einzelner Regierungen«ine n'cht unerhebliche Niederlage bereitet. Die Berathung wendet sich nunmehr den Bestimmungen über Kauf(II 427—509), Tausch(510) und Schenkungen (§§ 511—527) zu. Beim Kauf ruft der in der zweiten Lesung der Kommisston zur Ausarbeitung des Gesetzes gestrichene, vom Bundesrath wieder eingefügte§446 eine längere Debatte hervor. Nach diesem Paragraphen soll der Käufer verpflichtet sei», den Kaufpreis nicht erst vom Zeitpunkt der Mahnung. fondern auch ohne Mahnung von dem Zeitpunkt an zu verzinsen, von welchem an die Nutzungen des gekauften Gegenstandes ihm gebühren. Abg. Gröber beantragt Streichung dieser zwar in den meisten Rechtsgebieten auf dem Papier, im reellen Verkehr aber nur aus dem Papier stehenden Vorschrift. Er wird von den Abgeordneten Vielhaben(Antis.), Frohme(Soz.) und v. Cuny(nat.) unterstützt.§ 446 wird aber dennoch mit 9 gegen 3 Stimmen aufrecht erhalten. Als einen neuen § 449a. schlägt Abg. Gröber im Anschluß an§10 der Trunksuchts- Gesetzvorlagen von 1892, an die schwedische Gesetzgebung von 1885, die belgische von 1837 und die österreichische von 1376 und 1891 folgende Bestimmung vor:„Ansprüche aus dem Ver- kauf geistiger Getränke. welche dem Käufer in den Ge- schäftsräumen des Verkäufers verabreicht werden, können nicht gerichtlich geltend gemacht werden, wenn der Käufer zur Zeit der Verabreichung der Getränke eine frühere Schuld gleicher Art an denselben Gläubiger noch nicht bezahlt hatte. Durch Vereinbarungen zum Zwecke der Erfüllung solcher nicht klagbarer Ansprüche, insbesondere durch Schuld- erkennlnisse, Pfand- und Bürgschaftsverträge, wird eine Ver- Kindlichkeit nicht begründet." Geheimer Justizrath Struck- mann legt dar, daß der Antrag auch eine Reihe von Fällen treffen würde, zum Beispiel die Verabreichung von Ge> tränken an Logirgäste, die der Antragsteller offenbar selbst nicht treffen will. Aber auch wenn diese andere Formulirung, zu der sich Abg. Gröber bereit erklärt, vorläge, sei doch das bürgerliche Gesetzbuch nicht die geeignete Stelle zur Aufnahme solcher Bestimmungen. Der richtigere Weg sei Regelung auch dieser zivilrechtlichen Fragen in einem Spezial-Trunksuchtsgesetz. Der Antrag Gröber wird darauf gegen 7 Stimmen abgelehnt. Auf Anregung des Abg. Dr. v. Buchka(k.) wird die Berathung über die II 476—433 und demzufolge auch die folgenden Materien bis zur Schenkung ausgesetzt. Bei den Bestimmungen über die Schenkung regt Abg. Gröber die Einfügung einer Bestimmung an, nach der der Schenker sein Geschenk, soweit der Beschenkte durch dasselbe noch bereichert ist, solle zurückfordern können, falls der Schenker nachträglich in schlechte Vermögensverhältnisse geräth. Der Anregung wird von ver- schiedenen Seiten zugestimmt, die Abstimmung über den dieser Anregung entsprechend vorgelegten aber formell unzureichenden Vorschlag ausgesetzt. Die Sitzung wird dann auf Freitag 10 Uhr vertagt. Diese Sitzung wird voraussichtlich durch die Debatte über die Viehmängelsfrage ausgefüllt werden, bei der die Jnter- essen des Großgrundbesitzers und die der kleineren Leute sich gegenüberstehen. Möglicherweise werden bereits in derselben Sitzung die Bestimmungen über den Miethsvertrag zur Debatte gelangen. I» der VII. Kommission des Reichstags wurde am Mittwoch der von dem Abg. Dr. Hitze verfaßte Bericht über die Berathungen der Novellezum Genosse.» fchaftsgesetz verlesen und genehmigt. Die konservative Fraktion des Reichstages hat be- schloffen, in die ZI 1300 u. s. w., Eheschließung vor einem Standesbeamten, die Bestimmung der kirchlichen Trauung mit ausnehmen zu laffen, also die fakultative Zivilehe einzuführen.— Die Handclskammer-Gesetznovelle, die demnächst an den Landtag gelangen soll, verlecht den Handelskammern zum Zweck der Vermögenserwerbung und-Verwaltung Korporations- rechte. Ferner werden die Handelskammern, wie die„Frank- furler Zeitung" mittheilt, obligatorisch sür den ganzen Staat gemacht. Die Ordnung der Bezirke bleibt dem Minister vorbehalten. Das Steuerrecht wird erweitert. An dem gewerblichen Fortbildungs- Schulwesen werden sie viel mehr als bisher betheiligt werden. In den sehr großen ausgedehnten Verwaltungs- Bezirken werden Lokalausschüsse durch das Gesetz vorgesehen werden, die, mit der Handelskammer verbunden, in dieser ihren Mittelpunkt erhalten werden. Die„Berliner NenestenNachrichten" können diesen Mittheilungen noch hinzufügen, daß die Heranziehung der Industrie zu den Handelskammern in ausgedehnterem Maße als es bisher geschehen ist, beabsichtigt wird. Dem Rbgeordnetenhause sind die Gesetzentwürfe, betr. das Anerbe»recht bei Renten- und Ansiedelungs- g ü t e r n und betr. die Errichtung einer General- Kommission für die Provinz O st p r e u ß e n, in der vom Herrenhause beschlossenen Fassung zugegangen. Ter Landtags- Abgeordnete Dr. Krnse-Norderney hat mit Unterstützung der nationalliberalen Fraktion folgenden Antrag zu der zweiten Berathung des Kultusetats eingebracht: Die Staatsregierung zu ersuchen, in kürzester Frist den seit langer Zeit in Aussicht gestellten Gesetzentwurf über die Medizinalreform vorzulegen, welcher insbesondere das Verhällniß der Kreisphysiker dahin regelt, daß dieselben unter Beschränkung ihrer Privatpraxis und entsprechender Erhöbnng ihres als pensionsfähig festzusetzenden Gehalts in höherem Maße als bisher den Ausgabe» der gerichtlichen Medizin und der öffentlichen Gesundheitspflege sich widmen können.— Uoftsles. In die in unserer gestrigen Nummer<1. Beilage an erster Stelle) enthaltenen T o d e s a n z e i ge hat sich bedauerlicherweise ein Druckfehler eingeschlichen. Anstatt Gümpe muß es dort heißen G r i n> p e. Es ist das der Bruder unseres bekannten Parteigenossen G r i m p e, Redakteur der Elberfelder „Freien Presse". Der„Verein gegen Verarmung" hat auch 1895 die Rückwärlsbewegung, in der er sich seit langer Zeit befindet, nicht aufzuhalten vermocht. Daß er eine weitere Verminderung der Mitgliederzahl(von 9851 auf 9671) sowie der Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen und besonderen Spenden gehabt hat, ist nicht das wichtigste. In der Generalversammlung am Sonn- abend wurde das wieder mit der Ueberproduktion„wohlthätiger" und„gemeinnütziger" Vereine begründet, während andererseits der Rückgang der Unterstützungen und Darlehen in der Zahl der Fälle wie in der Summe der Beträge nicht aus einer nothgedrungenen Einschränkung wegen Mangel an Mitteln, sondern daraus erklärt wurde, daß die Hilfe des Ver- eins auch seltener verlangt worden sei(1894: gegen 17 000, 1395: 14 600 Gesuche). Dagegen wurde mit keinem Worte darüber gesprochen, daß und warum der Verein feine stakuten- gemäße Hauptaufgabe, Schutz gegen Verarmung durch Aushilfe, immer mehr aus den Augen verloren und sich immer mehr aus seine Nebenaufgabe, nothdürftigste Unterstützung bereits Ver- armter, denen nicht inebr aufzuhelfen ist, beschränkt hat. Gerade darin besteht aber die Rückwärtsbewegung, die wie gesagt auch 1895 angedauert hat. Der Verein giebt Darlehen oder Näh- Maschinen mit Verpflichtung zur Rückzahlung, wo noch Aushilse möglich scheint, und Geldgeschenke, wo nicht mehr aufgeholfen, sondern höchstens die Roth gelindert werden kann. Nun wurden unterstützt mit: Dar- Ma- Ge- auf je 100 Unterstützt« lehen schinen schenken Darl. Masch. Gesch. 1895 257 62 8860 6,1 1.5 92,4 1894 300 56 4161 6,6 1.2 92,1 1893 293 64 4079 6,7 1,4 91.8 aber im ersten Jahre der Thätigkeit des Vereins: 1870 1156 123 932 51,0 5.6 43,3 Heute werden, wie man sieht, fast nur noch Geschenke gegeben. Das Geschenk sollte aber ursprünglich die Aus- nähme bilden— umsomehr, da ja der Verein die Besörderung gewerbsmäßiger Bettelei zu unterdrücken wünschte. Er hat aber, infolge der fortschreitenden Verschlechterung der Er- werbsverhältniffe, immer seltener die Möglichkeil einer Aufhilfe gefunden und sich, vor der immer weiter um sich greifenden Verarmung zurückweichend, immer mehr aus die bloße Linderung der Roth beschränken müssen. Gegenüber dieser traurigen Thatsache will es wenig besagen, wenn aus der Ver- Minderung der Zahl der Gesuche, die man bekanntlich auch durch immer strengere Prüfung bewirken kann, in der Generalversamm- lung der Schluß gezogen wurde, daß der Nothstand eher ab- als zugenommen haben müsse. Der Ausspruch aber, daß dank der Thätigkeit des Vereins in Berlin„niemand zu betteln braucht und niemand hungern darf", wird für jeden, der sehen will, durch die Thatsachen widerlegt. Elendsstatistik. Im städtischen Obdach befanden sich am 1. Februar er. 17 Familien mit 56 Personen— darunter fünf Säuglinge— und 63 Einzelpersonen. Am 1. März war der Bestand 19 Familien mit 67 Personen— darunter 9 Säuglinge — und 44 Einzelpersonen. Das Asyl für nächtliche Obdachlose daselbst benutzten im Laufe des Monats Februar 46 268 Personen und zwar 45 354 Männer und 914 Frauen. Von diesen Per- sonen wurden 16 dem Krankenhause Friedrichshain. 96 dem Krankenhaufe Moabit. 2 der Charitee überwiesen, 644(632 Männer, 12 Frauen) der Polizei vorgesührt. Der Krankenstation des Obdachs wurden 24 Männer überwiesen. Gebadet haben während des Monats Februar 22 622 Personen. Ueber die christliche„Herberge zur Heimath" in der Oranienstraße, die von Zeit zu Zeit in unangenehmer Weise von sich reden macht, findet man eine erbauliche Schilderung in dem Buche„Obdachlos"(Berlin, 1394) von C. L i e b i ch, dem gottesfürchtigen Vorsitzenden des„Vereins Dienst an Arbeits- losen". Wir bemerken vorweg, daß das in Form einer Er- zählung geschriebene Buch, theils auf übereinstimmenden Aus- sagen von Obdachlosen, theils auf Mittheilungen von Anstalten und Vereinen, zum theil wohl auch auf persönlicher Beobachtung be- ruhend, nach Herrn Liebich's Ansicht undVersicherungWahres schildert und niemanden beleidigen will. TerHeld der Erzählung, ein Böttcher- geselle Wilhelm Rundstab, kommt auf seiner Wanderung auch in die Herberge in der Oranienstraße. Er„wandte sich(heißt es S. 79) an den Gehilfen mit der Frage:„Sind Arbeitsstellen an- gemeldet?"—„Soll ich Ihnen denn an der Nase ansehn, was Sie sind?" fuhr ihn der Gehilfe an, und Wilhelm, im Bewußt- sein des Besitzes der großen Summe von noch drei Mark,.... antwortete:„Ich bin Böttcher, aber deshalb brauchen Sie mich nicht so anzuschnauzen!"—„Wenn Sie sich nicht gleich ruhig verhalten, fliegen Sie raus! Mit solchen Radaubrüdern, die bloS herkommen, um zu lärmen, machen wir kurzen Prozeß!"—„Da irren Sie sich. Ich bin kein Radaubruder, sondern ein ehrlicher Reisender, der gern arbeiten möchte."—„Na, da verhalten Sie sich ruhig. Für Böttcher ist nichts angemeldet."— Nachher kommt ein wirklicher„Radaubruder" und geräth in Streit mit dem Hausdiener. S. 81:„Nu aber raus!" Mit diesen Worten drängte der Hausdiener den Mann nach der Thür. Dieser wehrte sich; jener wandte Gewalt an und warf den Mann hinaus, ihn zugleich mit einem biegsamen Gegenstande be- arbeitend.....„Was hatte denn der Hausdiener in der Hand?" fragte Wilhelm seinen Nachbar.„Einen Gummi- schlauch!" erwiderte dieser.„So was kommt hier öfter vor. Die Angestellten können hier»ich feine sind. Es geht nich anders" jc.— Auch in der Provinz scheinen die Angestellten christlicher Herbergen manchmal„nich feine" zu sein. S. 74 wird aus einer solchen, in einer Provinzialstadt ge- legenen Anstalt, deren Flur der Spruch:„Der Herr segne Deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit" ziert, ein Betrunkener rausgeschmissen.„Ein kräftiger Griff des Hausvaters in den Nacken des Strolches— und durch die geöffnete Thür geht es im Geschwindschritt auf die Straße, wo die Polizeibeamten den Mann i» Empfang nehmen." Drinnen beruhigt man sich rasch;„Kunden" wie Hausvater„sind an der- gleichen gewöhnt". Nach einer Weile ist Abendandacht. Der Hausvater spricht das Lied vor:„Jesu, geh' voran, auf der Lebensbahn," auch den 2. Vers:„Soll's uns hart ergeh'n, laß' uns feste steh'»!" Ein Bibelabschnitt, Gebet u. f. w. folgen.— Man kann eben zu gleicher Zeit„nich feine" und doch sehr fromm sein. Wer's nicht glaubt, der erkundige sich bei dem Sausknecht der christlichen„Herberge zur Heimath" in der ranienstraße. welcher prompt Auskunst giebt. Sterbefiille in Berlin nnd Vororten I8SZ. Nach den vorläusigen Monatsberichten des„Kaiserlichen Gesundheitsamts", deren Angaben sich durch Nachmeldungen nur noch ganz wenig erhöhen können, starben(ohne Todtgcborene) 1895 in Verl i n 33 624 Personen(darunter 11 733 Säuglinge, d. h. Kinder bis 1 Jahr.) Für 1894 ergaben die Monatsberichte 30 937 Ge- storbene(darunter 10 641 Säuglinge.) In sden näheren Vor- orten starben(ohne Todtgeborene) 1895: in Charlottenburg 2285 Personen(933 Säuglinge). Scköneberg 878(426), Rixdorf 1562(821), Lichtenberg 877(412), Weißensee 743(472), in den übrigen Orten 2367(1043), in allen näheren Vororten zusammen 8717 Personen(4112 Säuglinge), während für 1894 die Vororts« berichte 7454 Gestorbene(3490 Säuglinge) ergaben. In Berlin mit Vororten starben demnach 1895: 42 341 Personen (15 845 Säuglinge), 1894: 38 391 Personen(14131 Säuglinge). Die Zunahme der Sterbefälle von 1894 zu 95 ist, in den Vororten wie in Berlin, bei den Säuglingen stärker als bei der Gesammtbevölkerung. Daß die Säuglingssterblichkeit überhaupt zugenommen hat, ist um so bemerkenswerther, da(wie in Nr. 47 gezeigt wurde) die Zahl der Geburten 1895 in Berlin wieder niedriger war als 1894 und sich selbst in Berlin sammt Vororten nur etwa auf derselben Höhe wie 1894 gehalten hat. Aus einem Mehrzuzug von Säuglingen läßt sich das nur theilweise erklären. Von größerer Bedeutung ist der Umstand» daß 1895 die akuten Darmkrankheiten, besonders Brechdurchfall, mehr Opfer gefordert haben als 1894. Die Treptower Vogelwiese 1896. In Nr. 105 deS „Lokal-Anzeigers". 4. Beiblatt, findet sich folgende Anzeige: Dicke Kinder. Für eine große Ausstellung von Kolossal- Kindern in der Berliner Gewerbe-Ausstellung werden noch ein Knabe von 6 und zwei Mädchen von ungefähr 3 und 12 Jahren bei hoher Vergütigung sofort gesucht. Adressen mit Angabe von Alter und Gewicht unter U. 1375 Haupterped. d. Bl.— Das reicht ja beinahe an das„Wettessen" in der Kochkunst-AuSstellung heran. Hat denn kein einziger der liberalen Ausstellungsmacher»en Muth, solchem rohen Trödel offen entgegenzutreten? Wenn die Ausstellung der dicken Kinder Wahrheit wird, dann verdient auch schon da? scherzweise kol- portirie Gerücht Glauben, daß ein bekannter Hauptrnleressent der Ausstellung seine„berühmten" Gichtketten auf der Treptower Vogelwiese mit entsprechender Reklame zum Verschleiß bringen werde. Kommerzienrath Kühnemann ,»nd die Gewerbe-Ans- stellung. Die„Ausftellungs-Zeilung" giebt heute ein Extra- b l a t t aus, welches wie folgt lautet: Der Kampf der„Berliner Ausstellungs-Zeitung" gegen die Jntcressenwirthschast in Sachen der Berliner Gewerbe-Ansstellung 1896, den wir seit über einem Jahre führen, scheint endlich den gewünschten Ersolg herbeizu- führen. In der Ausstellungsleitung ist eine Krists ausgebrochen, die, so wie die Dinge jetzt liegen, zum Rücktritt deS ersten Vorsitzenden des Arbeitsausschusses, Herrn Kommerzienralh Fritz Kühnemann, führen muß. Das. was die „Vossische Zeitung" den Mitgliedern des Arbeitsaus- ichnsses zum Vorwurf machte, ist eine Thatsache, die seit langem die Spatzen von den Dächern pfeifen; kein Gerücht mehr. Aber der Vorwurf trifft nicht, wie wir hier erklären können, die Gesammtheit der Leitung; denn die Herren Baumeister Felisch und Geheimer Kommerzienralh Goldberger wissen sich von dem Verdachts der Selbstsucht frei; sie sind mit keiner Lieferung betraut, noch irgendwie materiell bei dein Ausstellungs-Unternehmen interessirt. Der un in ittelbare Grund zur Krise liegt auch nicht in der etwaigen Begründetheit jenes Verdachtes, sondern in der durch nichts zu rechtfertigenden Eigenmächtigkeit, mit welcher sich Herr Kühnemann über die Ansichten seiner Kollegen im Arbeitsausschüsse und über die Beschlüsse der andere» zur Leitung mitberufenen Organe hinweggesetzt hat. So ist beispicls- weise der lächerliche Ukas, der Damen den Eintritt aus das Arbeitsfeld verbieten sollte, von Herrn Kühnemann über die Köpfe der Herren Felisch und Goldberger erlassen worden. Ferner liegt uns ein Protest der„Verkehrs-Kommission" vor, der folgenden Wortlaut hat: Die„Verkehrs-Kommission" legt energischen Protest dagegen ein, daß Herr Kommerzienrath Kühnemann in voller Kenntniß des Beschlusses der Kommission, welcher dahin geht, daß eine Abordnung der Kommission den Herrn Eisenbahnminister um eine Audienz ersuchen soll, feinerseils allein zu dem Herr» Eisenbahnminister gegangen und es nicht einmal der Mühe für werth gehalten hat, der Verkehrs-Kommission von dem Inhalt und dem Ergebniß der Unterredung mit dem Herrn Minister Kenntniß zu geben."— Dieser Protest wurde von der„Verkehrs- Kommission", dessen Vorsitzender der zweite Vorsitzende des „Slrbeilsausschuffes", Herr Baumeister Fetisch ist, einstimmig be- schloffen. Tie arme Deutsche Gaögliihlicht- Gesellschaft. Die Dividende der Gesellschaft betrug bekanntlich im vorigen Jahre 130 pCt. Ist aber angesichts der Konkurrenz, die dem Auerlicht droht, beim nächsten Jahresabschluß darauf zu rechnen, daß den Aktionäre» ein ähnlicher Entbehrungslohn zu theil wird? Es steht daS schlimmste zu befürchten; wer weiß, ob die Aktien- inhaber sich fortan nicht gar mit 120 pet. oder noch weniger daß eine Reklamenotis des gerügten Inhalts von unberufener Frithjof Nansen. Aus Petersburg meldet ein Telegramm: begnügen müssen. Hand verfaßt und versendet werden konnte. In einem vom 3. März datirten Telegramm aus Frkutsk meldet Solchen Verlusten muß beizeiten vorgebeugt werden und hierdurch einen Brand Die zu begeben." OP In Paris ist der Schnürboden des Theaters Ambigu" in der Nacht zum Mittwoch niedergebrannt; der Schaden beträgt 800 000 Frants. daber hat die Direktion der Auer- Gesellschaft ihren Arbeitern Ein Opfer der sozialen Noth ihrer armen Mutter der Gouverneur von Irkutsk, er habe auf seine Anfrage per angekündigt, daß die Arbeitszeit, die jetzt bis sechs Uhr abends wurden am Dienstag Abend die beiden Kinder der in der Briger- stafette folgende Antwort aus Jakutst erhalten: Peter Iwanowährte, fortan nur bis vier Uhr dauern solle, und daß diese Die Mutter hatte die kleinen, drei und fünf Jahre alten brieflich folgendes mit: Wir erfahren, daß der Forschungsreisende währte, fortan nur bis vier Uhr dauern solle, und daß diese straße 11 wohnhaften Waschfrau Puhlmann, Anna und Louise P. witsch Kuchnarew, welcher in Uftyanst Handel treibt, theilte Iagelohns in der Woche zu büßen sei. Die Monteure, die Mädchen, wie schon öfters in ihrer Wohnung, einer Küche im Dr. Nansen den Nordpol und unbekanntes Land entdeckt hat und Verringerung der Arbeitszeit mit dem Ausfall eines Die Mutter hatte die kleinen, drei und fünf Jahre alten unter dem 10. November dem Kaufmann Kuchnarem in Jatutst gegenwärtig noch ein wöchentliches Einkommen von 21 M. bis Parterregeschoß, allein gelassen, weil sie ihrer Beschäftigung nach zurückkehrt. Der arktische Ozean wird somit erforscht werden." höchstens 27 M. haben, werden fortan etwa 17 M. bis 24 M. gehen mußte. Die Kinder müssen nun mit Streichhölzern Nachrichten, welche diese Wittheilungen Kuchnarews bestätigen verdienen. Aber das schönste kommt noch. Es ist den Arbeitern gespielt und verursacht haben. tönnten, hat sonst niemand in Jalutst empfangen. Zur Er zu gleicher Zeit verkündet worden, daß sie bei der um zwei die Feuerwehr herbei und schlugen die Thür ein. Hausbewohner, die das Feuer zuerft bemerkten, riefen gründung der Wahrheit dieser Nachricht über Nansen und für Stunden verminderten Arbeitszeit dasselbe Pensum wie Kinder waren indeß bereits erstickt. Alle Wiederbelebungsfommen, hat der Gouverneur von Jatutst ein Mitglied der Sen Fall, daß es nothwendig ist, der Expedition zu Hilfe zu bisher leisten müssen. Go forgt die Deutsche Gasglühlicht versuche von seiten der binzugeholten Aerzte waren vergeblich. Diftriftsverwaltung von Berhoyanst beauftragt, sich nach Ustyanst Gesellschaft fürsorglich für das Wohl ihrer- Aktionäre. Das Feuer, welches einen Korb mit Wäsche, den Fußboden und einen Haufen Lumpen ergriffen hatte, fonnte schnell gelöscht werden. Der Schmerz der Mutter, die bei ihrer Rückkehr ihre Lieblinge todt vorfand, war grenzenlos. Die fleinen Leichen wurden noch in der Nacht nach dem Schauhause gefchafft. Tausende Mütter in der glänzenden Reichshauptstadt sind in Neues vom Planeten Mars. Der Astronom Lowell hat ähnlicher sozialer Lage, wie die unglückliche Frau Buhlmann. Um Brot zu schaffen, müssen sie ihr Liebstes Tag für Tag un- auf einer 2200 Meter hoch auf dem Mount Arequipa in Arizona beaufsichtigt allen Gefahren ausgesetzt allein laffen: Reine fromme gelegenen Sternwarte sehr zahlreiche Marsbeobachtungen gemacht Seele fümmert sich um solches Elend. Wenn dann eine und über deren Ergebnisse der Pariser Astronomischen Gesellschaft Ratastrophe hereinbricht, wird pharisäisch der Leichtsinn der eingehenden Bericht erstattet. Lowell hatte mit gutem Bedacht Mutter getadelt; unter Umständen fühlt sich wohl gar noch ein diesen hochgelegenen Punkt zu seinen Untersuchungen gewählt, da die sonst große Schwierigkeiten bietende Trübung der irdischen Staatsanwalt berufen, diese vor Gericht zur Verantwortung zu Atmosphäre in solcher Höhe geringer ist. Zunächst wandte er ziehen. sich dem Studium der bekannten Schneemassen, die an Von dem Mörder der Klara Galle fehlt bisher leider den Polen des Mars aufgehäuft sind, zu und beobachtete die jede Spur und es haben sich alle bisherigen Verdachtsmomente Abnahme derselben im Mars- Sommer, d. h. ihr Abschmelzen. gegen einzelne Personen als nichtig erwiesen. Die Kriminal: Diese weißen Polargebiete schienen deutlich von langen und polizei ist Tag und Nacht auf den Beinen, ohne auch nur die breiten Spalten durchsetzt. An den Rändern waren diese geringsten Anhaltspunkte finden zu können, welche zur Ent- Regionen von einer tief azurblauen Borte umsä mt, welche deckung des Mörders zu führen geeignet sind. Gestern hat ein durchaus auf eine Flüssigkeitsfläche schließen ließ. Andere, Rixdorfer Gendarm einen Kastenwagen aufgefunden, welcher in dunkle Flecken, die man bisher für Meere gehalten hat, die am Wiesengraben entdeckte Wagenspur paßt und man hofft, haben nach Lowells Beobachtungen eine mehr grüne als dadurch auf die Fährte des Mörders zu kommen; doch da es blaue Farbe, und noch merkwürdiger ist die Wahrnehmung, noch zweifelhaft ist, ob man in der That den richtigen Wagen daß die Färbung dieser Flecken mit der Jahreszeit wechselt; gefunden, ist auch diese Hoffnung eine sehr schwache. danach hält Lowell dieselben nicht für Meere, sondern Die Verdachtsgründe gegen den Arbeiter Corduan haben sich vielmehr für Vegetationsflächen. Die vielberühmten Ranäle Die Frömmigkeit in der Armee. Der„ Reichs- Anzeiger" glücklicherweise nicht bestätigt. Es ist Corduan, der übrigens erschienen dem Beobachter von einer gleichmäßig grünen schreibt: Die Kölnische Volkszeitung" bezeichnet es in ihrer nur polizeilich fiftirt wurde, völlig gelungen, sein Alibi nachzu Farbe, und er hält dieselben danach gleichfalls für Vegetations. Nr. 130 vom 25. Februar 1896 als eine Ungehörigkeit, wenn weifen; auch hat sich ergeben, daß die Mittheilungen über den ftreifen. Uebrigens entdeckte Lowell deren noch eine ganze Anfatholische Soldaten veranlaßt würden, die van Es'sche Bibel- Wir bebauern, daß wir gestern von einer unrichtigen Meldung nauigkeit freuzenden Systeme und die runden Flecken an den tatholische Soldaten veranlaßt würden, die van EB'sche Bibel- unsoliden Lebenswandel, dessen er geziehen wurde, nicht zutreffen, zahl nene. Ihre Geradlinigkeit, ihre sich mit geometrischer Geausgabe sich anzuschaffen, wie dies aus einer reichsländischen in dieser Beziehung Notiz genommen haben. Garnison berichtet werde. Zu dieser Mittheilung ist zu be= Schnittpunkten, welche Lowell als Dafen" bezeichnet, verrathen die Richtung gebende Absicht vernunftbegabter Wesen, die zwar von den Erdenmenschen sicher verschieden, aber auch ebenso ficher von höherem Intellekt sein müssen als unsere Thierwelt. Postalische Beaufsichtigung von Hausdienern. In der Voff. 3tg." lesen wir: Seit Jahren ist von hiesigen Kaufleuten, die fich ihre Packete selbst von der Post abholen lassen, Klage geführt worden, daß die Beauftragten weit über die Zeit aus bleiben. Häufig fommt es auch vor, daß Packete fehlen. Die Beschwerden richten sich dann gegen die Post, weil man annimmt, daß die Abfertigung dort zu lange verzögert worden sei. Die Packet- Postämter haben infolge diefer Klagen, um ihre GrundTosigkeit zu erweisen, ein wachfames Auge auf Hausdiener und andere Boten, die Packete von der Post holen. Dadurch ist festgestellt worden, daß mehrfach die Boten längere Zeit in nahen Wirthschaften sich aufhalten und während dieser Zeit die mit Packeten vollbeladenen Wagen ohne Aufsicht stehen lassen. In allen solchen Fällen werden die betheiligten Firmen durch die Postbehörde von von der Fahrläffigkeit ihrer Beauftragten in Kenntniß gefeßt." Diefe eigenartige Beaufsichtigung erscheint uns wenigstens im Interesse der Post zwecklos, da in jedem Falle doch festzustellen ist, ob ein Packet durch die Schuld der Poft verwaltung oder erst später, wenn es sich schon unter Verwahrung des Hausdieners befunden, verloren gegangen ist. Selten fält es auch einem Hausdiener bei, seinen Wagen unbeaufsichtigt zu Lassen, wenn er sich wirklich durch einen Trunk Bier stärkt. Für genügende Schabloshaltung weiß in solchem Falle von Unacht famteit der Prinzipal wenigstens selber schon in ausreichender Weife Sorge zu tragen. " mit der Witterungsübersicht vom 4.' März 1896. Stationen. Barometerstand in mm, d. Meeressp. Windrichtung Windstärke 2224480( Stala 1-12) Wetter Temperatur nach Celsius LAG( 50.4° R.) 741 S wolfig 737 SSM bedeckt 742 woltig 740 bedeckt 6 748 G& D bedeckt 751 GD bedeckt 753 S bedeckt 735 MNM 6 Regen 6 727 741 WSW SW 1 heiter -2 halb bedeckt 4 merken, daß das Anerbieten und die Vermittelung des Antaufes Kommißbrot. Zu vierzehn Tagen strengen Arrestes tam der Bibeln und Neuen Testamente in der Armee auf die evan- in der vergangenen Woche der Spielmann Waller von der gelischen Soldaten beschränkt ist."- In der Armee Bibel- 6. Kompagnie des 8. Garderegiments zu Fuß auf folgende Art. verschleiß, Gebetstunden und Förderung des Kirchenbesuchs. In Waller fam mit einigen Kommißbroten unter dem Arme aus diversen Kriegervereinen Herrenabende mit Sauprogrammen. der Kaserne, vor der zur Zeit der Brotausgabe in der Regel Wie reimen fich diese Gegensäge zusammen? einige Jungen warten, die von dem einen oder dem anderen Soldaten ein Brot zu erwerben suchen. Einer diefer Verein der freigewählten Kaffenärzte. In der letzten Generalversammlung berichtete Dr. Mugdan namens des Bor. Burschen nahm Waller mit der einen Hand ohne weiteres standes über den Stand der Rechtsstreitigkeiten, die der Verein ein Brot unter dem Arme weg, während er gegenwärtig zu führen hat. Den Anlaß zu diesen Brozeffen gab anderen den üblichen Kaufpreis anbot. Um feine Weiterungen die Auffassung des Handelsministers, daß die Orts- Krankenkassen 3u haben, beließ der Spielmann dem Jungen das Brot und Nun griff der Posten, ein Einjährig nicht befugt seien, mit einem Vereine von Aerzten Verträge ab nahm das Geld. zuschließen. Der Aerzteverein ist jetzt wegen der durch den Freiwilliger, ein. Er bemerkte Waller, es müsse ihm doch be= fannt sein, daß er fein Brot verkaufen dürfe. Der Spielmann Swinemünde Handelsminister veranlaßten, s. 8. mitgetheilten Verfügung aber erwiderte: Das geht Sie gar nichts an," und als der Posten Hamburg des Magistratskommissars( Verbot der Innehaltung des Vertrages mit dem Vereine der freigemählten Kaffenärzte ihn nun für arretirt erklärte, lief er davon. Kameraden jedoch, Berlin und Berbot des Abschlusses neuer Verträge) beim Ober die ihm begegneten, hielten ihn fest und brachten ihn zurück. Wiesbaden Präsidenten vorstellig geworden. Mit 14 Tagen stramm" büßt nun der Spielmann seine Flucht. München In Aussicht genommen Wien. set, außer auf dem gemeingerichtlichen Wege, noch Der Prozeß Hammerstein droht sich, wie die Mil. Pol. Haparanda. im Verwaltungsgerichts Verfahren die Sache der freien Korresp." abweichend von anderen Mittheilungen meldet, nach Betersburg Arztwahl zur Entscheidung zu bringen. Voraussichtlich werde Ansicht der Staatsanwaltschaft außerordentlich in die Länge zu Cort die Ungelegenheit auch das Parlament beschäftigen. Für die ziehen, da der Angeklagte immer neue Zeugen in seine An- Aberdeen. Borstandswahlen wurde von denjenigen Mitgliedern des Vereins gelegenheit zu verwickeln strebt. Paris. der Berliner Kassenärzte, die zugleich Mitglieder des Vereins der freigewählten Raffenärzte find, zwei der Führer ihrer Bewegung Der 52jährige Zimmermann Auguft Seger, welcher, auf hoher Abermals ein tödtlicher Unfall im Ausstellungsterrain. Wetter Prognose für Donnerstag, den 5. März 1896. vorgeschlagen. Der Gegenvorschlag lautete auf Wiederwahl des Etwas fühleres, zeitweise heiteres, jedoch unbeständiges Wetter bisherigen Vorstandes. Für diese entschied sich die überwiegende Leiter ftehend, am Schuppen der elektrischen Bahn in Alt- Berlin Mehrzahl der Versammlung. Gewählt wurden Sanitätsrath arbeitete, stürzte, wie die B. N. N." berichten, so unglücklich mit Regen- oder Hagelschauern und starten westlichen Winden. Dr. S. Marcuse( 1. Borsigender), Dr. Saat( 2. Vorsitzender), herab, daß er sich tödtliche Verlegungen zuzog und auf dem Dr. Gräfe und Dr. Hoth( Schriftführer), Dr. Wechselmann und Transport zur Klinik verstarb. Dr. Mugdan( Rendanten). Unbekannt gestorben ist ein junger Mann, der sich am Die Charlottenburger Kredit- und Sparbank. Drei Freitag vergangener Woche gegen 5 Uhr abends auf dem BelleBank Direttoren find Dienstag in Charlottenburg feft- Alliance- Play eine Revolverfugel in den Kopf jagte und schwer genommen worden. Im Dezember vorigen Jahres gründeten bie verlegt in das städtische Krantenhaus am Urban gebracht wurde. Herren Pollaczeck, Danziger und Zierbarth die Charlottenburger Gs ist nicht gelungen, die Persönlichkeit des etwa 20 Jahre alten Kredit und Sparbant, Genoffenschaftsbank mit beschränkter bartlosen Mannes festzustellen." % Haftung, am Stuttgarter Plaz 12. Nach der Gründung machten Die Leiche eines jungen Mädchens von etwa 18 bis die Geschäftsinhaber und Direktoren in den Zeitungen befannt, 19 Jahren wurde vorgestern, Dienstag, Vormittag am Holsteiner daß sie Geld zu verleihen hätten. Ram nun jemand, der Geld Ufer in der Spree gefunden und gelandet. Die Persönlichkeit brauchte, so erhielt er den Bescheid, er müsse zunächst Mitglied ließ sich bisher nicht feststellen. der Genossenschaft werden, erst dann gebe es Geld. Als Eintrittsgeld mußten 20 M. und als Guthaben 10 M. sofort eingezahlt Besinnungslos aufgefunden wurde in der letzten Nacht werden. Als Gegenleistung wurde in Aussicht gestellt, daß jedes ein unbekannter Manu burch einen Schuhmann des 7. Polizei Mitglied je nach feinen Verhältnissen bis zu 300 M. Darlehn reviers vor dem Hause Invalidenstr. 115. Der Beamte brachte erhalten tönne. Soweit sich bis jetzt übersehen läßt, gewann die den Hilflosen mit einer Droschte in ein Krankenhaus. Was ihm Bank bisher 181 Mitglieder, die zusammen 5430 m. einzahlten. fehlt und wer er ist, hat der Kranke noch nicht mittheilen Mit der Gegenleistung aber blieb es beim Bersprechen. Ein bei der Kriminalpolizei gemeldet. tönnen. = · Berliner Wetterbureau. Vermischtes. Die Bevölkerung Preußens hat, wie wir schon in der gestrigen Nummer meldeten, nach dem vorläufigen Ergebniß der Bolkszählung vom 2. Dezember, welches durch das im November zu erwartende endgiltige Resultat nur noch unwesentlich geändert werden dürfte, in den verflossenen 5 Jahren um 6,31 pt., also jährlich um 1,23 pCt. zugenommen. An dieser Zunahme sind, wie ja zu erwarten war, besonders die industriellen Bezirke betheiligt, während die ländlichen eine viel schwächere Zunahme, zum theil sogar eine Abnahme aufweisen. Die größte Zunahme in dem fünfjährigen Zeitraum zeigen die Provinzen Westfalen und Brandenburg mit 11,18 und 11 pct., dann folgt Rheinland mit 8,40, Hannover mit 6,31 und der Stadtkreis Berlin mit 6,24 pt. Den geringsten Zuwachs zeigt natürlich Ostelbien. In Ostpreußen betrug er in den fünf Jahren von 1890 bis 1895 nur 2,38 pŒt., in Pommern 3,49 und in Westpreußen 4,20 pt. Dann folgen Pofen mit 4,37 und Schlesien mit 4,43 pt. von Darlehen bekamen nur zwei Mitglieder. Die Folge davon war, Wegen Sittlichkeitsverbrechen ist der Arbeiter Plastewicz, daß bei der Charlottenburger Kriminalpolizei mehrere Anzeigen der in der Antonienstraße zu Reinickendorf wohnte, verhaftet und Noch deutlicher tritt der Gegensatz der industriellen und wegen Betrugs 2c. gegen die Bankdirektoren einliefen. Pollaczet ins Untersuchungsgefängniß eingeliefert worden. ländlichen Gegenden hervor, wenn man die einzelnen Streife be vurde vorgeladen und seine Bernehmung förderte so viel Belastungsmaterial zu tage, daß Kriminalkommissarius Krause, Fabrikbrand. In der Nacht zum Mittwoch hatte die trachtet. So ist in 76 Streifen, sowie in dem kleinen zu Preußen Kriminalwachtmeister Rummert und zwei andere Beamte auch Feuerwehr auf dem Grundstück Sophienstraße 21 einen Brand zu gehörigen Besigthume Hohenzollern Sigmaringen eine Abnahme die beiden anderen Direktoren gleich aus dem Komptoir abholten bekämpfen, dessen Herd sich in dem Kesselhause der Mehlich'schen der Bevölkerung zu bemerken, welche bis zu 4,48 pet.( in KehUeber die dingen im Regierungsbezirk Stade, Provinz Hannover) geht. und hinter Schloß und Riegel brachten. Alle drei Direktoren Fabrit für Nähmaschinen Stahlapparate befand. Gegen Ende dieses Monats wird das vorläufige Ergebniß haben bisher von den Einzahlungen der Mitglieder gelebt; viel Entstehungsart bes kurz vor Mitternacht gemeldeten Brandes der Volkszählung für jede Stadt und jede Landgemeinde bezw. ist dabei nicht übrig geblieben, man fand in der Kasse zunächst hat sich ein sicherer Anhalt nicht ergeben. Von der Zerstörung Gutsbezirk von mehr als 2000 Bewohnern erscheinen und 4 Pf. und später noch 2,86 M. vor. Einer der Direktoren will it hauptsächlich die Bedachung betroffen worden, welche jeden werden wir dann noch einmal ausführlicher darauf zurückkommen. 10 000 m. eingelegt haben und beruft sich dafür auf die Bücher. falls vollständig wird erneuert werden müssen. Das eigentliche Ein Edelster und Bester und die Heiligkeit der Ehe. Diese weifen aber nicht aus, wo das Geld geblieben ist. Hat er Fabritgebäude ist dagegen nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. es wirklich eingelegt, so hat er es wohl bald wieder heraus: Die Löscharbeiten wurden mit zwei Rohren von großen Handdruck- Aus Budapest wird der" Frantf. 3tg." vom 27. v. M. gemeldet: Eine peinliche Geschichte macht hier von sich reden. Verschiedene genommen. Wahrscheinlich aber ist die Einlage überhaupt nur fprißen ausgeführt. Persönlichkeiten in höheren Stellungen haben heute Photofingirt. Bahlreiche Mitglieder haben sich bereits als geschädigt Zahlreiche Faßdiebstähle sind in letzter Zeit in Rigdorf graphien eines Provisionsbriefes erhalten, welchen ein sehr und Umgegend ausgeführt worden, ohne daß es bisher gelungen angesehener und in in den politischen Kämpfen der letzten Das Wetteffen betreffend, welches das Komitee für die wäre, die Diebe zu ermitteln. Gestern Vormittag wurden nun Jahre start hervorgetretener ungarischer Graf ausgestellt Kochkunst- Ausstellung in einer Reklamenotis ankündigte, erhalten die in Rigdorf wohnhaften Kutscher Wilhelm Hanf und Otto und welchen sein Sohn mitunterschrieben hat. In diesem wir folgende Zuſchrift: Stein dabei abgefaßt, als sie in der Mühlenstraße vom Hofe Provisionsbriefe wird einem Advokaten die Summe Mit bezug auf eine verschiedenen Zeitungen zugegangene eines Kaufmanns ein großes Faß entwendeten. Stein ist in 600 000 Fl. für den Fall versprochen, daß es ihm gelingt, dent Notiz über ein angebliches Wetteffen bei Gelegenheit der Berliner einer Faftagenhandlung in der Schinkestraße beschäftigt und es jungen Grafen eine amerikanische Erbin mit einer Mitgift von Rochkunst Ausstellung im alten Reichstagsgebäude erklären wird polizeilicherseits angenommen, daß er dort die gestohlenen mindestens drei Millionen Dollars zu verschaffen. In einem die unterzeichneten Mitglieder des Ausstellungskomitees, daß äffer untergebracht hat. Aus diesem Grunde ist auch der Be- zweiten Briefe wird erklärt, daß die beiden Grafen auf ihr grässie weder mit dieser Notiz in irgend einer Verbindung stehen, siger der Faßhandlung unter dem Verdacht der Hehlerei in Haft liches Ehrenwort darauf verzichten, von dem Einwande der turpis noch die ihnen durch dieselbe unterschobene Absicht jemals genommen worden. Ob man endlich die Faßdiebe in den ver- causa im Falle einer gerichtlichen Klage Gebrauch zu machen. gehabt haben. Wie wir festgestellt, ist die Notiz von unhafteten Personen gefaßt hat, muß die Untersuchung lehren, da In einem gedruckten Begleitschreiben wird erzählt, daß die berufener Hand unter Mißbrauch eines Geschäftsformulars des Stein und Hanf weitere Diebstähle energisch bestreiten. Partie beinahe zu stande gekommen wäre, da hätten Vater und Agitationsbureaus für die Ausstellung in die Presse lancirt. Es Oeffentlichen Betrug verübte ein Handelsmann im Norden, Sohn den Versuch gemacht, sich mit der amerikanischen Familie liegt doch wohl auf der Hand, daß ein derartiger ungeheuer welcher faure und Pfeffergurken durch Ausrufen in den Häusern auseinanderzusetzen, um den Vermittler um die Provision zu licher Vorschlag von Aerzten, speziell auch von den Aerzten des feilbot. Die Käufer mußten die Entdeckung machen, daß die prellen. Daran scheiterte die Partie, sodaß die beiden Grafen Romitee's, welche von der Ausstellung eine Förderung der Bolts- Maare ungenießbar fei; sie befand sich im höchsten Stadium der ohne Braut heimfuhren und infolge dessen auch der Advokat um gesundheits Pflege erwarten, niemals gemacht werden konnte. Verwesung. In der furzen Zeit, welche die Räufer zum Er- die Provision tam, zu deren Erreichung er schon manches Geld Freiherr von Broich, Vorsitzender. Dr. med. Philippi, Arzt. reichen ihrer Wohnung gebrauchten, war der Betrüger vers opfer gebracht hatte. Ein Facsimile dieser Korrespondenz ist auch Brofeffor Dr. med. Dührßen. Dr. med. Cron. Assessor a. D. schwunden. an das Nationaltafino gelangt und man ist nun neugierig, ob Cohen. Franz Wagner. 2. Grieben jun., Berlagsbuchhändler. daffelbe den Anlaß für wichtig genug halten wird, eine UnterHückels, tgl. Landbau Inspektor. August Schwarz, Kaufmann. suchung einzuleiten. Echoff, Direktor. Weber, Rechtsanwalt. J. Müller, Buchhändler. D. Klein, General Sekretär des Nationalvereins zur Hebung der Boltsgesundheit". H. Kronberg, Restaurateur. Fachschriftsteller Mar Koppe. # " Es müssen sonderbare Zustände sein, die es möglich machten, Kunst und Willenschaft. In der Nationalgallerie wird in einigen Tagen eine Sonderausstellung von Werken des verstorbenen Bildniß- und Historienmalers Gustav Gräf eröffnet werden. Briefkasten der Redaktion. B. Merkel. Nächste Nummer. Volkswille. Germania, Berlin C., Stralanerstr. 25. C. T. 100, Rigdorf 31. Nein.- Scheffler. Ist juristischen Sprechstunde vor.- Stenograph 41. Ihre Ant- 1- N. W. 12, F. O., G. 3. 100. Nein. E. Schmidt, Steuerpflichtig. E.. 13. Wenn nichts anderes vereinbart frage ist eingetroffen, auch sofort beantwortet. Es ist aber wegen Dr. E. Ja. C. P. 22. Zur Verehelichung ist Beibringung ift, besteht 6 wöchentliche Kündigung: es hätte also spätestens am Andranges, wie wiederholt betont unmöglich insbesondere des Geburtsscheines und des Einwilligungsscheines erforderlich. 14. Februar die Ründigung ausgesprochen werden müssen.-während während der Parlamentszeit, die Antworten ftets fo= K. E., Laufigt. Ohne nähere Angabe, ob Eltern, 10. Wenden Sie sich an die Polizeibehörde des Orts, an dem fort zum Abdruck zu bringen. Deshalb kann nur immer Geschwister, Geschwij.erkinder vorhanden sind und ob ein Zestas Ihr Bruder sich zuleßt aufgehalten hat.. G. 6. 1. Nein. wieder darauf verwiesen werden, in dringenden Fällen ment gemacht ist, ist Ihre Frage nicht zu beantworten. Wieder be- holen Sie dieselbe unter Berücksichtigung dieses Umstandes. 2. Ja. A. G. Nein. Sie mußten Klage erheben.- E. 2. 45. lieber die allerdings sehr überfüllte Sprechstunde zu Es tommt auf die Art Ihrer Forderung an.- A. D. W. suchen, deren Besuch jedem Abonnenten freisteht. G. 1. Nein. G. S., Markgrafeustraße. 1. Ja, aber nicht Innungsmeister. 1. und 2. Ja. 3. Etwa 20 Mart. Staliterftr. 5. Glücks- F. S. Ja.- Friz Richter. 1. Siemens. 2. Das hängt von 2. Nein. 3. Jn Charlottenburg. 3. St. 26. Erbrechtsfragen Spiele find alle Spiele, deren Erfolg nach Ansicht des Richters der getroffenen Vereinbarung über die Höhe des Softgeldes ab; find ohne genaue Angaben es fehlt in Ihrer Anfrage z. B. die wesentlich vom Zufall abhängt. Stenograph 41. Sprechen ist feine Vereinbarung getroffen, so entscheidet über die Höhe Mittheilung, wo der letzte Wohnort war nicht zu beants Sie gelegentlich in der juristischen Sprechstunde vor. Ein Orts- und Branchengebrauch. Rathenow. 1. Die Anschauung, worten. Sprechen Sie gelegentlich in der Sprechstunde vor. jähriger 24. Wenden Sie sich an die Ober- Ersatz- Kommission. daß falls die Wertstätte abbrennt, Lohn innerhalb der Kündigungs- D. P. 100. Sie haften; Ihr Ehemann nicht. D. 2. -Dienstbote. Innerhalb eines Jahres kann die Dienstherrschaft frist nicht zu zahlen sei, ist völlig verkehrt und entbehrt Sie tönnen sich sowohl an die Polizei wie an das Gericht wenden. 2. R. 15. Jm allgemeinen: nein. Weihnachtsgeschenke zurückfordern, wenn durch Schuld des gesetzlicher Grundlage. 2. Auf die 200 Mart hätten Sie Emil Felix. Sprechen Dienstboten der Dienst gelöst ist.-W. 2. Nein, nur zum 1. feinen Anspruch, fönnen jedoch unbeschadet Ihrer sonstigen Sie gelegentlich in der juristischen Sprechstunde vor.-G. W. 33. Carl Schw. Beides ist bis zum vollendeten 42. Lebensjahre möglich. Ansprüche auf Zahlung des rückständigen Lohns auch Nein Junger Parteigenoffe. Der Ehemann kann als Beistand J. W. Unverständlich: Sprechen Sie gelegentlich in der während der Dauer des Arbeitsvertrages tlagen. A. N. Ja. feiner Ehefrau in Straffachen auftreten.-- Kreis Bersenbrück. Ja. Urania nimmt die Redaktion dem Publikum Anstalt für volksthümliche Für den Inhalt der Inserate übergegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Donnerstag, den 5. März. Opernhaus. Die Nürnberger Buppe. Laurin. Schauspielhaus. Die frante geit. Deutsches Theater. Hamlet. Leffing Theater. Comtesse Guckert. Berliner Theater. König Heinrich. Neues Theater. Der Richter von O Zalamea. Residenz- Theater. Hotel zum Freihafen. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. Der Hungerleider. Schiller- Theater. Der Graf v.Hammerstein. Theater Unter den Linden. Die schöne Helena. Adolph Ernst- Theater. Charley's Zante. Vorher: Die Bajazzi. Central- Theater. Eine tolle Nacht. Belle Alliance Theater. Böse Buben. Alexanderplat- Theater. Die kleinen Lämmer. Vorher: Pitts. National- Theater. König Heinrich. American- Theater. Spezialitätens Vorstellung. Apollo Theater. Spezialitäten- Vorftellung. Baufmann's Variété. Spezialitäten. Vorstellung. Reichshallen- Theater. SpezialitätenVorstellung. Naturkunde. Am Landes- Ausstellungspark ( Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 5-10 Uhr. Täglich Vorstellung im wissenschaftlichen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Todes- Anzeige. -O Allen Freunden und Genossen die Sohn, unser guter Bruder, Schwager 101b und Onkel, der Tischler traurige Nachricht, daß mein lieber Heinrich Grimpe nach langwieriger Krankheit geftorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, vormittags 11 Uhr, von der Leichenhalle des Thomas- Kirchhofes aus statt. Die trauernden Hinterbliebenen. Castan's Panopticum. Sierdurch die traurige Nachricht, daß Die Neu!! Neu!! Neu!! 3c getigerten 3 Grazien!! aus Central- Afrika, die neuesten Weltwunder! Passage- Panopticum. Lezte Woche! Affentheater und Circus. Ohne Extra- Entree. Soldaten und Kinder 25 Pf. Borst. 5% und 8, Sonntags 4, 6, 8 Uhr Alexanderplatz- Theater. Schiller- Theater. Seute 8 Uhr: Bum 137. Male: Die kleinen Lämmer. ( Wallner- Theater.) Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Graf v. Hammerstein. Freitag, abends 8 Uhr: Ein toller Einfall. National- Theater. Große Frankfurterstraße 132. Direktion: Max Samst. Von der gesammten hiesigen Presse als die beste Novität der Saison anerkannt. Borher: Pitts. Operette von 2öwenfeld. Volksvorstellung zu bedeutend Concerthaus Sanssouci ermäßigten Preisen. König Heinrich Tragödie in 5 Akten und einem Vorspiel von Friedrich Helbig. Regie: Max Samst. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Central- Theater. Alte Jakobstr. 30. Donnerstag, d. 4. März 1896: Emil Thomas als Gast. Zum 180. Male: Eine tolle Nacht. Große Posse mit Gesang und Tanz in 5 Bildern, von Jul. Freund und Wilh. Mannstädt. Musit von Jul. Einödshofer. Anfang 1/28 Uhr. Morgen Freitag und folgende Tage: Eine tolle Nacht. Adolph Ernst- Theater. Charlen's Tante. Schwant in 3 Atten von Brandon Thomas. Repertoirstück des Globe4a. Kottbuserstr. 4a. Heute Donnerstag: Neu! Stettiner Sänger ( Meysel, Pietro, Britton, Steidl, Krone, Röhl und Schrader) Neu! Cavalleria unser lieber Sohn und guter Vater, der Metallschleifer Wilhelm Doelmy am 2. März, nachmittags 5 Uhr, nach schweren Leiden sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 8. März, nachm. 3 Uhr, von der Bekanntmachung Der Schweine- Engros- Schlächterei Holzmarktstr. 19, nahe Jannowihbrücke. Von Donnerstag, den 5. dieses ab sind die Verkaufspreise im Detail für Prima- Waare folgende: Schweinefleisch von allen Stücken.. Carbonade, Kaffeler, Vökelkamm. Bauch, Rückenfett u. Liesen Rind-, Kalb- und Hammelfleisch Keule.. .. à pfd. 50pf. • • . à Pfo. 60„ . à Bfd. 45, • å Bfb. 50 à Pið. 60. Pfd. Alle Sorten Wurst im Detail zu Engrospreisen! Spezialität: Shlafwurst und Salami à p. 80 pf. a Grünkram Geschäft mit Rolle = Halle des Louisen- Kirchhofes, Germann Brockhaus', Meyer's frankheitshalber zu verkaufen. 104b straße, aus statt. Die trauernden Eltern, Geschwister und Kinder. August Voelmy und Frau, Holzmarktstr. 60. I. 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Truppe Marvelli( 6 Personen), darunter d. kleinste u. jüngste Clown der Welt Geschw. Stuzky Alexis Jug Duett. fächs. Orig. Neu! Neu! Schnapphahn, Finke u. Schraube! Posse in 1 Att v. A. Anno. Entree ochent. 10 Pf., Anf. 8 U. " " 61/2, Sonntag 30 R.Winkler. Die Jagd nach d. Glück. Zum Schluß: Ein wirklicher Schiffsuntergang in 20 Fuss Wasser. Außerdem: Ein hippolog. Potpourri u. ein equestr. Arrangement v. 100 Hengsten, drefs. u. vorgef. v. Direktor Busch. Elite- Dressurnummer d. Circus Busch. Die Troika, dress. u. ger. v. Herrn Foottit- Burghardt. Der phänomenale Drahtseilfünstler Mr. Lloyd. The Rudolf's, die besten Reckturner d. Welt. Auftr. d. beliebtesten Clowns. Glück. Oranienstrasse No. 52 am Moritzplatz. Donnerstag, den 5. März: 1. König Heinrich. Wildromant. Schauspiel von Ernst v. Sanftenbruch. 2. Gräfin Ilse, Was willse oder der Trompeter von Bilse. Nach Dr. Fritz Friedmann's Kriminal- Roman. 3. Zscheus, das Waldmädchen. Anfang 72 Uhr. Wochentags 8 Uhr. 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Das Fett wurde von der Mannschaftsfuppe für die Unteroffiziere abgeschöpft. Die Unteroffiziere haben von dem Mannschaftsfleisch Stücke ab geschnitten und als Frühstück verspeist. wurde in der Schwurgerichtsverhandlung gegen die Münchener Zeuge Scheuerer diente von 1890 bis 1893 ebenfalls_im Post", über die in der letzten Dienstagnummer unser Münchener 19. Infanterie- Regiment in Erlangen und wurde dort als Koch Korrespondent berichtet hatte, in einer Weise beleuchtet, daß wir verwendet. Wenn die Unteroffiziere Braten hatten, wurden es für nöthig halten, aus dem Zeugenverhöre noch einiges nach- von der Mannschaftssuppe etwa 40 Portionen zutragen. Die Aussagen sprechen so sehr für sich, daß jeder abgeschöpft und durch Aufgießen von Wasser Kommentar nur abschwächend wirken würde. erfett. Der Feldwebel hat sich selbst Fleisch aus der Küche Meggermeister Paulla war bei der Wittwe Krämer bedienstet, holen lassen. Die Kartoffeln waren sehr oft obligatorischen Fleischschau schweben zur Zeit Verhandlungen. die täglich nahezu 2 Zentner Fleisch für ein Bataillon des schlecht und ausgewachsen. Wenn von den Kartoffeln Nach längeren Debatten über polnische Beschwerden erörtert 1. Inf. Regts. liefert. Beuge hat im Auftrage seiner Dienstherrin ein Theil auf den anderen Tag aufgehoben wurde, dann Abg. Rickert( frf. Vg.) bei dem Kapitel„ Evangelischer den Köchen alle 14 Tage 50 Pig. Trinkgeld gegeben. wurden am anderen Tage weniger Kartoffeln geliefert, als aufOberkirchenrath" den sozialpolitischen Erlaß dieser Behörde an Gendarm Abt hat von 1890-1893 beim 18. Jnfanterie- geschrieben wurden. Der Ueberschuß wurde dann zun die Geistlichen. Dieser Erlaß habe schlimme Folgen gehabt. regiment in Landau gedient. Er war Gefreiter und Mitglied Ankauf besserer Gemüse, wie Salat und Spargel, Weiter verlangt Redner eine Genugthuung für den Pastor der Menagekommission. Auf dienstlichen Befehl des Lieutenants für die Unteroffiziere verwendet. Wenn die Witte, der ohne ärztliches Gutachten Jahre lang als geiftes: Hofmeister hat Zeuge wegen Verabreichung schlechter und Fleischportionen für die Unteroffiziere zu klein waren, dann wurden frank erachtet wird.( Hört, hört!) Jezt sei allerdings die Ent- belriechender Kartoffeln eine schriftliche Beschwerde vom Mannschaftsfleisch 5-6 Portionen weggenommen und für mündigung aufgehoben und das von Witte selbst beantragte bei dem Vorsitzenden der Menagekommission, Hauptmann Haut- die Unteroffiziere zugelegt. Die Knödel mußten für die Mann. Disziplinar Verfahren eingeleitet. Wenn der Mann wirklich mann, eingelegt. Was derselbe auf die Beschwerde gefagt hat, fchaften fleiner gemacht werden, damit auch für die einmal eine scharfe Redewendung gebraucht hat, so liegen weiß der Beuge nicht mehr.( Hauptmann Hautmann erklärt, von Unteroffiziere noch einige übrig blieben. Herr Hauptmann Göz Kompensationen sehr reichlich in dem Ünrecht, das dem Manne einer schriftlichen Beschwerde des Zeugen nichts zu wissen.) Die hat die Leberknödel auch gerne gegessen und sich jedesmal zwei zugefügt ist. Minister Dr. Boffe: 3u Maßnahmen gegen den sozial- gewesen. Konserven seien bei der Mannschaft nicht beliebt bringen lassen, wofür er dann dem Roch 20 Pf. gab. Es wurde politischen Erlaß des Ober- Kirchenraths bin ich nicht kompetent. häufig schlechtes Brot geliefert, das bereits von den Auf eine Frage des Angeklagten, ob die Menage Mäusen angefressen, schmutzig und von Mäuse. Ganz ähnlich liegt der Fall Witte. Rommission nie zusammengetreten sei, um die toth bedeckt war. Die Köche machten den Küchenfergeanten Abg. Stöcker: Eine Kirchenbehörde, die einem Geistlichen eingelaufenen Beschwerden zu besprechen, wie dies die Instruktion auf diesen Mißstand aufmerksam, dieser habe gesagt, sie( die die Theilnahme an der antisemitischen Bewegung verbieten wollte, verlange, verneint der Zeuge dieses. Köche) sollen das Angefressene wegschneiden. Der Bäcker be würde ihre Pflicht gröblich verlegen. Sie sprechen immer von Schneidermeister Alois Zeiß war im Jahre 1883 beim zahlte öfters Bier, das in der Küche getrunken wurde; auch der der antisemitischen Heze, warum sprechen Sie nicht von der Infanterie- Leib- Regiment zu einer Referveübung einberufen. Küchenfergeant trant mit und gewann an den Köchen den Ein semitischen Heze? Die der Sozialdemokratie verfallenen Kreise Damals war die Menage gut. Im Jahre 1889 mußte Beuge druck, als könne der Bäckermeister aus diesem Grunde so mangelkönnen durch die Seelsorge allein der Kirche nicht zurück: abermals zu einer Reserveübung beim 2. Infanterie- Regiment haftes Brot liefern. Es bleibt nichts weiter übrig, als daß einrücken. Das Fleisch und die Suppe waren meist die Kirche mit ihren Geistlichen den sozialen Problemen schlecht, das Kraut oft ungenießbar. Auf erhobene dung gemacht habe, antwortet der Beuge:" Ja, beschweren, Auf die Frage des Vorsitzenden, warum er denn keine Melnäher tritt, denn der Gedanke, daß die Kirche mehr Beschwerde wegen ungenügender Menage wurden die Mann- das überlegt man sich!" für die Reichen als für die Armen da ist, der ist für die Kirche schaften von den Unteroffizieren und Köchen beschimpft. Ein tödtlich. Das soziale Gebiet ist nicht anders in Ordnung zu Unteroffizier äußerte einmal: Ihr Bauernterl, was bringen, als durch die Kräfte des Christenthums. Es ist nur braucht denn Ihr was zu fressen?" auf diesem Wege möglich, die Leute für das Christenthum wieder zurückzugewinnen. In den Fall Witte wurde auch ich oft hineingezogen; aber meine persönlichen Beziehungen sind aus früherer Zeit und ich habe mit den Dingen, die Witte ins Unglück gebracht haben, nichts zu thun. gewonnen werden. Regiment in Metz und war Mitglied der Menage Kommission. Schlosser Bail diente von 1893 bis 1895 beim 8. Infanteries Klagen über die schlechte Suppe wurden alle Woche Krönauer, Schellingstraße hier, bedienstet, die für das 1. Infanterie- fchwerde gebracht. Einmal wurde so schlechtes Schweine Megger Ganzenmüller war 7/2 Jahre bei der Wittwe geführt, doch hat der Zeuge nur die hauptsächlichsten zur BeRegiment das Fleisch lieferte. Fettes Fleisch sei zurückgeschickt fleisch verabreicht, daß die meisten es wegwarfen. worden. Die Köche erhielten hie und da 50 Pf. Trinkgeld. Dasselbe schillerte in allen Farben und war nicht Zeuge Karl Klein diente von 1890 bis 1893 im 1. Artillerie genießbar. Der Menagepräses sagte dem Küchensergeanten, Abg. v. Heydebrandt( f.): Die Zurückgewinnung der Regiment, zuletzt als Unteroffizier. Die Menage war schlecht folches Fleisch solle er das nächste Mal nicht mehr annehmen. Die Massen für das Christenthum billigen wir; aber wir finden und ungenügend. Kanonier Riedl hat dem Zeugen er Menage- Kommission sollte jeden 1. und 15. jedes Monats zusammenbedenklich, wenn bei diesen Bestrebungen eine Annäherung an zählt, daß er seinem Wachtmeister öfter Fleisch treten, die Kommission kam aber in vier Monaten nur viermal die einseitige Bevorzugung des Arbeiterstandes und Zuder aus der Mannschaftstüche bin- zusammen. Zenge hat den Eindruck gewonnen, als ob die Bestattfindet; das ist eine falsche, gefährliche Auffassung des Sozia- untertragen mußte. Der Küchen- Unteroffizier Breigg hat schwerden etwas obenhin behandelt wurden. Auf eine Frage lismus, dieser muß alle Stände umfassen. Auch bei dem Vor- seine Freunde öfter in die Küche zu einem Frühstück eingeladen, des Vertheidigers erklärt der Zeuge, daß eine Sigung redner flang die Annäherung an den vierten Stand bedenklich wobei auch eine Wachtmeisters- und eine Unteroffiziersfrau mit der Menage Kommission höchstens zehn Mi. hervor. Das führt zu einem Interessenkampf und ein solcher gegessen haben. Kampf fann nie chriftlich sein. Wir wollen gern jeden gangbaren fleische mehrere Pfund weggeschnitten. Die UnterDazu wurden Mannschafts- nuten gedauert hat. Weg verfolgen, aber fest werden wir bleiben, wenn es sein muß, offiziere Breigg und Pommer haben von Frau Gilliger Geld fanterie- Regiment in Met. Die Mannschaften seiner Kompagnie Zeuge Mich. Kern diente von 1888-1891 beim 8. Inauch nach unten.( Bravo!) erhalten. Abg. Lückhoff( ft.) dankt dem Abg. Rickert für die freundhaben sich häufig über die schlechte Menage auf. lichen Worte für Witte, dem er( Redner) als Freund nahe stehe; Rüche des 1. Feldartillerie Regiments fommandirt. Zeuge Riedl war im Jahre 1890/91 auf 3 Monate in die gehalten. Die Kartoffeln waren meist aus= hoffentlich werde das letzte Wort des Ober- Kirchenraths in dieser Mannschaftsfleische ist häufig Fleisch wegwurde gefagt, man könnte teine beffere Menage schaffen, weil die Vom gewachsen oder angefault. Auf erhobene Beschwerde Sache diktirt sein vom Geiste des Christenthums. Abg. Rickert bedauert, daß Stöcker für seinen unglücklichen genommen und in die Fleischsäckel der Wacht- Lebensmittel so theuer find. Die Leute in der Küche haben gesagt, meister hineingeschoben worden. Amtsbruder Witte kein Wort der Theilnahme hatte. Der sozial- den Wachtmeistern auch Kaffee und Zucker zugetragen hat, wie tommen ist; er hat die Menage nur wenig oder Daß der Zeuge daß der Offizier nur sehr selten in die Küche ge= politische Erlaß des Ober- Kirchenrathes ist entschieden bedenklich. er dies öfter, so auch dem Angeklagten gegenüber behauptet, wird garnicht versucht und in das Buch einfach" gut" Abg. Stöcker protestirt dagegen, daß das Haus sich zum jetzt von ihm in Abrede gestellt. Tribunal im Falle Witte aufwerfe, den es gar nicht kenne. eingeschrieben.- Zeuge hat gehört, daß Sergeanten Zucker und Kaffee in die Stadt hinausgetragen haben. Zeuge hat auch einmal das ihm gebührende Brot nicht erhalten. vom Zeuge Joseph Bald diente von 1885-1888 beim 1. FeldAbg. Dr. Sattler( natl.): Wir haben ein Recht, uns mit dem artillerie- Rement. Zeuge hat dem Küchen- Unteroffizier täglich Fall Witte zu beschäftigen, denn schon der Umstand, daß dieser ein Frühstüa gemacht und hierzu etwa ein halbes Pfund vom Mann jahrelang zu unrecht als wahnsinnig galt, nöthigt uns Mannschaftsfleische weggenommen. Wie jeder erste Koch hierzu. Der sozialpolitische Erlaß des Oberkirchenraths ist be hat auch er feinem Feldwebel von dem Mann dentlich; die antisemitische Bewegung ist gefährlich, wie ihre fchaftsfleische etwas hinzugethan. Einen Letzten Auswüchse zeigen. Die Geistlichen sollten bedenken, daß ganzen Monat lang ist tein Offizier in die sie auch den Besitzenden ins Gewissen reden müssen und durch Küche gekommen. Aufhebung gegen das Kapital keinen Menschen sittlich besser Zeuge Karchs diente von 1887-1890 beim 8. Jnf.- Reg. in Meß. mach en.( Bravo!) Abg. Dr. Jrmer( t.): Wir gerathen in eine sozialpolitische zu wenig; die Suppe war sehr dünn, meist ver Das Fleisch wurde öfter nachgewogen und war dann immer Debatte großen Stils. Die konservative Partei hält fest daran, brannt und oft ungenießbar. Gemüse hat der daß die soziale Bewegung durch einseitige Beuge nie erhalten. Zeuge hat sich einmal beim HauptFörderung der Arbeiterinteressen gefährlich mann Mayer direkt beschwert, weil die halbe Kompagnie am wird. Eine Judenheze wollen wir nicht; im Tivoli- Programm Raisers Geburtstag fein Kraut erhalten hat. Die Zwieback= haben wir ausgesprochen, was die Volksfeele bewegte, die Noth- suppe tonnte man nicht essen, weil es lauter harte wendigkeit, den übermäßigen jüdischen Einfluß zurückzudrängen. Brocken waren. Major Liebig hat selbst vor versammelter Deß schämen wir uns nicht; wir halten fest daran!( Bravo) Mannschaft erklärt, daß der Zwieback ungenießbar ist. Täglich Abg. Stöcker: Es ist immer mißlich, über eine Disziplinar wurde die Menage nicht visitirt. Die Kontrolle in den Forts Angelegenheit hier zu reden, bevor sie abgeschlossen ist. Die war feine gute. foziale Bewegung ist ohne Organisation der Arbeiter nicht denkbar. Auch in den alten Innungen hatten Meister und Gesellen gesonderte Organisationen. Abg. v. Eynern( natl.): Herr Stöcker ist mit dem Fall Witte so eng persönlich verknüpft, daß er wohl nöthig hätte, feine Stellung flar zu legen. die Sie Abg. Stöcker: Herr v. Eynern, Sie reden über Dinge, Sie nicht wissen fönnen und die noch nicht festgestellt sind; fönnen mir leid thun! Abg. v. Eynern( natl.): Ich muß mir den Vorwurf der Unwahrhaftigkeit entschieden verbitten, Herr Stöcker möge feine Wahrheitsliebe doch nur an dem bekannten Scheiterhausen- Briefe ermessen. Abg. Stöcker: In einer Broschüre des Herrn v. Tiedemann Jakobsdorf wird dargelegt, daß dieser Brief keine Intrigue, sondern nur eine Warnung enthält. Vorsitzender: Warum haben Sie sich dann nicht beschwert? nichts ausrichtet. Beuge: Es ist allbekannt, daß man mit einer Beschwerde Vorsitzender: Das machen Sie uns nicht weiß. Zeuge: Beschwerden haben eine gewisse indirekte Folge. Man hat nur Unannehmlichkeiten davon. Major Mayer bestreitet, daß eine begründete Beschwerde un angenehme Folgen hat. ist, zu verhindern, daß ein Unteroffizier einen Mann eine Bea Vertheidiger: Glauben der Herr Major, daß es möglich schwerde entgelten läßt? Major Mayer verneint dies. bessere Menage gegeben wird, so muß das an anderen Tagen Zeuge Kern( fortfahrend): Wenn an politischen Festtagen wieder eingespart werden. werden doch von ihren Kameraden gewählt, zu diesen müssen sie Major v. Nagel: Die Mitglieder der Menagekommission also doch Vertrauen haben. Beuge Joseph Bechetmeier diente von 1886 bis 1889 beim 8. Infanterie- Regiment in Wieh. Er war mit der Menage der Menagekommission nicht von uns gewählt, sondern vom Beuge: So lange ich beim Militär war, sind die Mitglieder nicht zufrieden, weil sie nicht richtig vertocht Feldwebel ausgesucht worden. war. Gemüse hat der Zeuge nie bekommen. Maschinist Ludwig Haas diente beim 8. Infanterieregiment Zeuge Math. Kyrmeier war im Jahre 1891/92 erster Roch in Mez. Es wurde in der Woche gleich zweimal Büchsenbeim 1. Feldart.- Regt. Die Kö che haben von den Bäckern, fleisch abgegeben. met gern und Gärtnern Geld erhalten. Frau Haare darin gefunden. Er hat sehr oft gesehen, wie Zeuge hat einmal einen Büschel Billiger spendete auf Weihnachten und Neujahr je 10 M. für Unteroffiziere sich vom Mannschaftsfleisch ein die Köche. In der Küche mußten täglich 10 bis Frühstück bereitet haben. Er hat auch gesehen, wie 20 Mart eingespart werden. war täglich in der Küche, nicht um die Menage zu versuchen, dem Unteroffizier ein kleines Stück Fleisch vorzuwiegen befahl. Hauptmann Habersack der Lieutenant einmal um halb 12 Uhr in die Küche kam und sondern im Küchenbuche nachzuschauen, wie viel erspart wurde. Dieser aber nahm, ohne daß der Lieutenant es merkte, schnell ein Das von Frau Gilliger bezogene Fleisch war zwar nicht ganz anderes und wog es vor. Zeuge ist mit dem früheren Küchennach Vorschrift, aber annehmbar. Der Hauptmann tam meist Unteroffizier Adelmann hier einmal zusammengekommen und hat erst zwischen 12 und 1 Uhr in die Küche, wenn die zu ihm gesagt:" Gelt, damals in Meß wäre es Dir bald schlecht Menage zum größten Theile schon ausgegeben war. Der gegangen, wie Du das schlechte Schweinefleisch angenommen Abg. Dr. Sattler( natl.): Dann muß der Mann sehr Offizier vom Kafernen- Tagesdienst ist überhaupt erst Nach- hast?" Adelmann erwiderte:" Ja, damals habe ich aber schön naiv sein. mittags in die Küche gekommen, wenn die Menage schon aufgedreht bei dem Metzger Konrad, da hat er mich dann Der Titel„ Oberkirchenrath" wird bewilligt. draußen war. Herr Premierlieutenant Englert hat sich in ein Zimmer geführt, wo ich schön gegessen und Wein Bei dem Kapitel" Bisthümer" wünscht in der Küche häufig ein halbes Pfund Cornedbeef geben lassen, getrunken habe." Das andere weiß man Abg. Dr. Jazdzewski( Pole) die Herausgabe des Verweil es seine Frau Gemahlin gerne aß, und dafür den Köchen hat auch selbst gefehen, wie die Küchen Unteroffiziere beim fo. Zeuge mögens einer aufgelösten Kongregation, die in Roschmin eine ein Trinkgeld gegeben. Niederlassung hatte. Megger versammelt waren. Der Metzger hat die Schublade Metzgermeister Joh. Obermaier lieferte das Fleisch für das aufgemacht und ihnen dann etwas gegeben. Ein Mann seiner Reg.- Kommissar Geh. Rath Bartsch: An eine Wieder- Inf.- Leib- Reg. Schlechtes Fleisch ist zurückgeschickt worden. Er Kompagnie hat in der Menage einmal einen Rattenschwanz zulassung der Kongregation ist in absehbarer Zeit nicht zu denken. hat anfangs den Köchen manchmal ein paar Mart Trint gefunden und ihm( dem Zeugen) als damaligem MenageEs wird nichts weiter übrig bleiben, als es wegen Herausgabe geld gegeben. Das tommt auch heute noch vor und Kommissionsmitglied die Menage überbracht. Er sei mit der des Vermögens auf einen Prozeß ankommen zu laffen. wird immer vorkommen. Menage sofort zum Menagepräses Hauptmann Lindig gegangen, Abg. v. Jazdzewski: Es wäre doch einfacher, die Kongre- Zeuge Ludensaa: Die Kartoffeln waren einmal unter allem habe die Beschwerde vorgebracht und dem Hauptmann den gation, deren Mitglieder sich in Galizien aufhalten, zurück- Hund. Für die Unteroffiziere wurden Rosenkartoffeln genommen, Rattenschwanz gezeigt. Dieser habe ihn aber fortgeschickt, indem zuweisen, oder über das Vermögen ein Spezialgesetz zu er für die Mannschaften die schlechten und viel er meinte, das in der Menage Vorgefundene sei kein Rattenlaffen. Essig hineingethan, damit man es nicht so schwanz, sondern Suppengrün. Er habe dies dem Mann gefagt, Reg.- Kommissar Geh. Rath Bartsch: Beide Wege sind merkt, daß sie stinken. Aus dem Mannschafts- ob der es glaubte, müsse er bezweifeln, er selbst habe drei Tage nicht gangbar. Wir müssen aber verhindern, daß das Gut, das tessel wurde häufig Fleisch herausgenommen und nichts mehr effen können. Ein Geschworener stellt an den jetzt in deutschen Händen sich befindet, in polnische Hände in den Unteroffizier steffel gelegt, damit diese Beugen die Frage, wie nach seiner Ansicht ein Rattenschwanz in übergeht. eine gute Suppe bekommen. die Menage fommen fonnte, was von dem Zeugen in drastischer Abg. Brandenburg( 3.) bittet um Gestattung einer Franzis Beuge Eggenhofer, Megger, diente von 1893 bis 1895 beim Art unter Heiterkeit erklärt wird. taner- Niederlassung in Osnabrück. Minister Bosse bedauert ablehnen zu müssen. Die Abgg. Dauzenberg und Imwalle( 3.) sprechen für, die Abgg. v. Eynern und Dr. Sattler( natl.) gegen die Be willigung der Niederlassung. Das Kapitel„ Bisthümer" wird bewilligt. Nächste Sigung morgen 11 Uhr. Weiterberathung. Schluß 44 Uhr. 8. Inf. Reg. in Metz und war in der Küche als Koch beschäftigt. Zeuge Joseph Stör diente von 1885-1888 im 8. Inf. Reg. Er bestätigt, daß schlechtes Fleisch, besonders in Metz. Die Menage war nicht so, wie sie hätte sein sollen. Schweinefleisch, und schlechte, ausgewachsene In der Griessuppe wurden Würmer gefunden. Kartoffeln verabreicht wurden. Eine Revision der Das Büchsenfleisch war meist nicht gut. Die Menage durch die Offiziere fand nicht täglich statt. Erbsen waren nicht durchgetocht, sondern noch ganz roh. Pferdewärter Guttmann diente von 1890 bis 1893 im 19. Inf. Reg. in Erlangen und bediente dort den Dampfapparat in der Küche. Klagen der Mannschaft über dünne Das obere Fett von der Suppe wurde für die Unteroffiziere genommen. Wenn ein Offizier die werden. Suppe versuchen will, so wird sie ihm von oben herab geschöpft Das Eisenbahupersonal in der Schweiz zählte nach einer schienen refultatios zu endigen, was aber wohl durch den Einund nur ein ganz kleines Löffelchen voll. Zeuge hat nicht Mittheilung der Eisenbahn- Zeitung" im Jahre 1888 17 600 fluß des die Verhandlungen leitenden Bundesrathes recht oft einen Offizier in der Küche gesehen. Zeuge hat auch männliche und 635 weibliche Mitglieder, die 56 820 Personen, Dr. 3emp verhütet wurde. Ueber die Einzelheiten in der einmal gesehen, wie ein Küchen- Unteroffizier, Sergeant Jaus, zumeist Schweizerbürger, ernährten. Von der Gesammtbevölkerung Lohnfrage und Lohnstala liegen bis zur Stunde noch keine NachFleisch in die Stadt hinaustrug. der Schweiz machen die vom Eisenbahndienst Ernährten nahezu richten vor; nur das wird aus den Verhandlungen bekannt, daß Zeuge Jos. Schinabeck diente von 1890-1893 beim Inf. 2 pet. aus, in einzelnen Kantonen sogar noch mehr.( Zürich: der Direktor der nicht sehr rentablen Tößthalbahn erklärte, daß Leib- Regiment. Er bezeichnet die Menage im allgemeinen als 2,6 p& t.; Uri: 6,7; Solothurn: 5,3; Baselstadt: 4,9; Basel- die Verwaltung den ganzen Betriebsüberschuß schlecht. Im Frühjahr 1893 war er in die Kantine tommandirt land: 3; Thurgau: 2,3 und Tessin: 2,6.) den Angestellten zur Erhöhung der Gehälter und kam zu Pfingsten wieder zur Kompagnie. Am Pfingstüberweisen wolle, da die Subventionsgemeinden zu dienstag hat Zeuge zum ersten Mal Dörrgemüse gein der Schweiz amtliche Ausweisfarten( 1894: 18 653, 19 118 Handelsreisende erhielten im verflossenen Jahre deren gunsten auf jeden Gewinnantheil verzichten. Mehr fann man in der That nicht verlangen. Nach dem nossen, worauf er Leibschmerzen bekam, für 1893: 21 316). Davon vertraten 14 562 Reisende schweizerische, vereinbarten Normal- und Anstellungsvertrag( Dienstpragmatik) die Zukunft fein Dörrgemüse mehr zu sich 4856 ausländische Häuser, worunter 3246 deutsche. Die Ein- fönnen die Angestellten wegen grober Dienstfehler entlassen nahm und wohl darum auch nicht trant wurde. nahmen von Patenttagen beliefen sich auf 221 700 Fr.( 1894: werden. Die Listen über ihre Aufführung können sie jederzeit 3248 Er hat in der Menage einmal einen Bigarren 209 200, 1894: 310 650 Fr.), welche an die Kantone vertheilt einsehen. Wenn fein Gegenbeschluß gefaßt wird, gelten die Anstummel, ein anderes Mal ein Büschel Haare gefunden. geftelten auf je sechs weitere Jahre wiedergewählt. Die Frist Zahntechniker Ant. Appel: Meine Braut ist die Schwester Arbeiterhotels in London. Ende Januar wurde in für die sechsjährige Anstellungsperiode beginnt für die Andes Hoflieferanten Nothaas und Leiterin des kaufmännischen London, in Chalthorpestreet, nahe der Kings Croßstation, das gestellten mit dem 1. Januar 1896. Die aus den AnstellungsGeschäftsbetriebes bei ihrem Bruder, der das Fleisch für das zweite Rowtonhouse eröffnet. Das erste dieser modernen verhältnissen entstehenden Streitigkeiten kommen vor den ordent 3. Feld- Artillerie- Regiment liefert. Diese erzählte mir, daß der Massenquartiere war vor 3 Jahren nach Plänen Lord Rowton's lichen Richter. Eine allgemeine Amnestie soll allen gewährt Küchenunteroffizier, Sergeant Roth, verschiedene errichtet worden, und der durchschlagende Erfolg führte zur werden, welche an der Lohnbewegung theilgenommen haben, und Monate hindurch je 20 m. erhalten und angenommen Gründung einer Aktiengesellschaft mit einem Kapital von ist über diesen Punkt eine besondere Vereinbarung getroffen, bat. Seinem Nachfolger, dem Sergeanten Oberwallner, wurden 75,000 Pid. Sterl., die sich mit dem Bau und der Leitung der welche beide Parteien und Bundesrath Zemp unterzeichnet ebenfalls 20 M. angeboten, die er aber zurückschob. Es sind Rowtonhäuser befaßt, und zwar mit gleich großem Erfolg für haben. dann immer Klagen über das Fleisch eingelaufen, weshalb nach die Miether, wie die Unternehmer. Die Arbeiter erhalten im Leider gilt die Berner Vereinbarung nicht auch für die deren Vertreter feine Simplonbahn, etwa zwei Monaten dem Sergeanten Oberwallner ein Rowtonhouse für 6 Pence täglich einen separirten Schlafraum Jura größerer Geldbetrag( 40 bis 50 W.) angeboten mit tompleter Einrichtung; es steht ihnen überdies der Komfort zu definitiven Vereinbarungen hatten. Es ist ihr eine Frist wurde, den er auch annahm, worauf die klagen eines großen Hotels hierfür zur Disposition. Die Rowtonhäuser, von acht Tagen bis zur endgiltigen Entscheidung zu Händen des über das Fleisch verstummten. deren erstes für 470 und deren zweites für 677 Miether ein- Zentralfomitees gewährt. Schneller als mit dieser Bahn ist der gerichtet ist, stellen den Arbeitern große Speise-, Rauch- Kampf mit der Nordoftbahn erledigt worden, trotzdem sie auf und Lesesäle zur Verfügung und ebenso große Küchen der Berner Konferenz nicht vertreten war. Wenn auch der und Waschräume. Von den im Haus befindlichen Lieferanten Bundesrath entschlossen war, in den Kampf der Eisenbahner mit tann der Miether billigst seinen Bedarf besorgen, so daß er auch den Verwaltungen nicht einzugreifen, so veranlaßte doch die selbstständige Wirthschaft und Küche führen kann. Das nächste nach der Konferenz von Dr. Sourbeck dem Bundesrath Zemp Rowtonhaus wird in Mewington, einem südlichen Arbeiterviertel gemachte Mittheilung, daß der Streit bei der Nordostbahn am Londons, errichtet. Auch in New- Yort ist der Bau zweier solcher Montag Morgen beginnen werde, daß der Bundesrath am SonnMassenquartiere geplant. tag Vormittag Sigung hielt und telegraphisch der NordostbahnVerwaltung sein Bedauern über ihr Fernbleiben von der Konferenz ausdrückte, sowie unter Vorbehalt weiterer Maßnahmen bei Ausbruch des Streits fie aufforderte, diesen Photograph Friedrich Schweighardt diente beim 1. Feld Artillerie- Regiment und war im Jahre 1891 auf 6 Wochen in die Küche kommandirt, wo er die Wahrnehmung machte, daß die verabreichte Roft auf keinen Fall für einen Mann genügend sein tonnte. In Verabreichung der Rost hat eine Art und Manier geherrscht, daß jeder sich geetelt hat. Im Speisesaal selbst waren nach dem Essen schauderhafte Zustände. Konserven, Erbsen und Gemüse, die nicht gegessen wurden, lagen auf dem Boden herum. Es hatte nicht jeder jeder Soldat sein eigenes Menagegeschirr, sondern diese Geschirre waren in der Küche aufgelegen. Die Reinigung der Menage Geschirre war sehr mangelhaft, sie wurden nur an der Gewerkschaftliches. B * Vollmacht Buchdruckerbewegung. Dem Antrage Leipzigs auf Ab- zu verhindern. Dem Antrage Leipzigs auf Ab- zu verhindern. Diese gedachten Maßnahmen bestanden in der Oberänderung des allgemeinen deutschen Buchdruckertarifs ist in allen Fortführung des Nordostbahnbetriebes durch den Bund auf fläche etwa 3 abgerieben. Der Speisesaal bedeutenderen Druckorten von zahlreich besuchten Gehilfen- Rechnung der Gesellschaft, wofür sich nach der Erklärung selbst wurde nur alle vier Wochen gereinigt. versammlungen unter großer Begeisterung zugestimmt worden. Dr, Sourbecks das Personal dem Bunde zur Verfügung In die Küche wurden Leute kommandirt, die so unreinlich und Gefordert werden überall der Neunstundentag und eine Erhöhung stellte. schmuzig waren, daß ich ihnen im Zivilverhältnisse nicht einmal der Grundpositionen des Tarifs um 10-15 pCt. Nachdem die In dieser Situation lenkte nun nach dem Beispiel der andern die Hand reichen würde. Abends gab es manchmal eine so- Buchdruckereibesitzer Desterreichs den Neunstundentag auf dem Bahnverwaltungen auch die der Nordostbahn ein und nach mehrgenannte Suppe mit Leberwürften. Da ist gleich immer Vertragswege bewilligt haben, weiter da dieselbe kürzere Arbeits- stündiger Konferenz, die am Sonntag mit Dr. Sourbeck in Zürich eine ganze Portion Würste auf die Seite gezeit auch in Deutschland bereits in einer Reihe von anderen stattfand, kam der Friede auf der gleichen Grundlage, wie der tommen. Das Fleisch war oft nicht durch Gewerben eingeführt ist, so werden die deutschen Buchdruckerei in Bern vereinbarten, zu stande. Hoffentlich folgt nun auch die getocht. In der Küche herrschte große Un- befizer es hoffentlich diesmal nicht zum Kampfe tommen lassen, Turn- Simplonbahn mit der Annahme der vereinbarten Bereinlichkeit. Es wurde nur selten und mangel sondern die von den Gehilfen sowohl aus hygieinischen wie aus dingungen nach, denn ein Entschlüpfen aus diesem Zwange der haft vifitirt. Im Jahre 1898 während der Leibregiments: fozialpolitischen Gründen geforderte Verkürzung der Arbeitszeit Situation giebt es auch für die welschen Bahnattionäre nicht.Epidemie war der Zeuge Lazarethgehilfe und hat als wärter bewilligen. Sie sind dazu übrigens viel leichter in der Lage, Damit ist in der Hauptsache eine Bewegung beendigt, wie wahrgenommen, daß die Patienten von den Aerzten gefragt als die Unternehmer vieler anderer Gewerbe, weil der deutsche sie von gleicher Ausdehnung und Bedeutung bisher in der Schweiz wurden, ob sie von den Konserven gegessen haben und ob sie Buchdruck vom Weltmarkt und damit von der Konkurrenz unbekannt war. Der Verlauf wie der Erfolg dieser Bewegung glauben, daß die Krankheit auf den Genuß von Dörrgemüse anderer Länder nur in geringem Maße abhängig ist. müffen für die ganze schweizerische Arbeiterschaft von den besten zurückzuführen sei. Selbstredend sagt ein gemeiner Mann einem Offizier nie die Wahrheit, wenn es sich um etwas In Iserlohn ist der Streit der Former in der Dahlhau 3: Folgen fein. Eine heute eingetroffene Depesche aus Bern meldet: handelt, was nicht sein soll, weil er Unannehmlichkeiten fürchten schen Fabrit beendet. Tas Komitee des Verwaltungsrathes der Jura Simplon muß. So fagten auch die Patienten den Aerzten nicht die Die Forderungen der Schuhmacher in Elms horn sind Bahn ermächtigte in seiner heutigen Versammlung die Direks Wahrheit. Wenn fie aber allein unter sich waren, so haben sie von der dortigen Unternehmerorganisation abgelehnt worden; tion, mit dem Zentralfomitee der Eisenbahn- Angestellten im es einmüthig als lächerlich bezeichnet, wenn darauf hingewiesen jeder einzelne Unternehmer hat sich bei einer Konventionalstrafe Sinne der Konferenz vom 29. Februar weiter zu verhandeln. wurde, daß das Waffer schuld sein soll. Ginzelne erklärten, daß von 200 m. verpflichtet, die Forderungen nicht zu bewilligen. Sobald eine vollständige Einigung erzielt ist, wird der Verwal es gar nicht möglich sei, daß das Geschirr der Unteroffiziere mit Der Ausstand scheint, wie von dort berichtet wird, demnach un- tungsrath zur Genehmigung der Uebereinkunft zusammentreten; anderem Wasser gereinigt wurde. Unter den Erkrankten vermeidlich und wird wahrscheinlich am 8. März beginnen. dies dürfte voraussichtlich am Montag oder Dienstag erfolgen. befand sich fast tein Unteroffizier. Uhrmacher Breigg diente von 1888-1891 im 1. Felb folgendes: Die Arbeitszeit dauert von morgens 6 Uhr bis Die Steinsetzer in Harburg stehen im Streit. Sie fordern Bafel, 3. März. Telegramme und Zeitungsartikel melden Artillerie- Regiment. Zeuge giebt zu, daß er als Küchen- Unteroffizier abends 6 Uhr, einschließlich 21/2 Stunden Pause. Der Lohn für nach allen Enden, daß der schweizerische Eisenbahn- Streit abmehrmals für befreundete Interoffiziere Diese Nachrichten sind mit Mißtrauen aufzu die Steinfeger unserer Stadt beträgt pro Stunde 48 f. Lohn gewendet ſei.. vom Mannschaftsfleische ein Frühstück bereiten über Land pro Stunde 55 Pf. Sonntagsarbeit 60 Pf. Ueber- nehmen, denn die Lohnbewegung der Eisenbahner ist thatsächlich ließ, an dem auch einmal zwei Unteroffiziersfrauen theilnahmen. Er ist einmal mit dem Küchenunteroffizier der 1. Ab- stunden 60 Pf. Freie Fahrt von und nach der Arbeitsstätte. Die bis heute noch nicht beendet. Wohl hat ein Einverständniß theilung, Unteroffizier Bomer, zu Frau Gilliger gegangen, wo in Reihenpflaster 25 Quadratmeter, in Rohenpflaster 30 aber die Parias der Eisenbahnen, die Eisenbahn- Arbeiter, find Arbeitsleistung beträgt pro Gefelle in einer 10 stündigen Arbeitszeit mit den Angestellten der Bahnen erzielt werden können, fie ein Trinkgeld( 1-2 M.) erhielten. Der bestimmten Aussage des Zeugen Klein gegenüber muß lohn 35 Pf., Sonntags 50 Pf. und außerhalb der Stadt 45 Pf. nochmals einer„ wohlwollenden Prüfung von seiten der Der bestimmten Aussage des Zeugen Klein gegenüber muß Quadratmeter. Für die Silfsarbeiter beträgt der Stunden- Leer ausgegangen. Ihre Forderungen wurden rundweg ab gelehnt mit dem nichtssagenden Troste, daß man fie Breigg auch zugeben, daß er einer Sergeantenfrau aus Gefällig Ueberstunden 50 Pf. teit Eier, Butter, Schmalz u. f. w. in einem Korb gegeben hat, sowie daß er mit dieser gemeinsam in seinem Zimmer Gier- 40 Pf. Die Meister sind geneigt, 45 Pf. zu bezahlen. Die Zahl nimal-, 5 Fr. Marimallohn. Der Maximallohn soll in 15 DienstVerwaltungen unterziehen wolle. Und was verlangen denn die Der bisherige Lohnfatz der Steinfeger Harburgs betrug Arbeiter so Ungeheuerliches? Sie verlangen 3 Fr. 50 Cts. MiSpeisen gekocht und gegeffen hat. Diese Viktualien stammten der Ausständigen beträgt 14. Zwei unorganisirte Steinfeger jahren erreicht sein; ferner fordern sie zehnftündige Arbeitszeit aus dem für die Mannschaft bestimmten Vorhaben sich der Bewegung nicht angeschlossen. rathe. Breigg meint, daß deshalb nie etwas an der Menage und Einschluß in die vom Verband des Personals schweizerischer gefehlt habe und nie darüber geklagt worden ist. Die Maurer der Stadt Bünde in Westfalen waren an Transportanstalten aufgestellte Dienstpragmatit. Und mit allen Zeuge Klein giebt noch an, daß der Fourier- Sergeant einen die Meister mit der Forderung der 10 stündigen Arbeitszeit diesen Forderungen wurden sie schnöde abgewiesen. Die schweizerische großen Theil Kommißbrob verkauft hat. So hat auch Beuge herangetreten. Von den 5 Meistern bewilligten 4 unter der Preffe bringt spaltenlange Artil über die Beilegung des Streites Die ersten 8 Tage fein Brot bekommen. Auf eine diesbezügliche Bedingung, daß die Gesellen aus dem Verbande austräten. Der Eisenbahn- Angestellten mit den einzelnen Verwaltungen, Beschwerde sei er von dem Fourier gröblich beschimpft worden. Darauf gingen selbstverständlich die Gesellen nicht ein; sie hoffen aber erwähnt mit feiner Silbe feiner Silbe die schroffe Ablehnung Beuge Anton Bommer diente im 1. Feldartillerie- Regiment ihre Forderung durchzusetzen, ohne auf das Koalitionsrecht ver- der Forderungen der Eisenbahn- Arbeiter. Nun aber und war 1891 Küchen- Unteroffizier. Er ist mit Breigg einmal zichten zu müssen. wollen die Arbeiter allein vorgehen. In den am letzten Sonntag wegen Fleischbestellung zu Frau Gilliger gegangen, wo sie ein Die Kupferschmiede der Kopenhagener Schiffswerft von Arbeitern abgehaltenen Versammlungen wurde beschlossen, in Basel, Alten, Bern, Luzern von EisenbahnTrinkgeld( 2-3 M.) erhielten. Burmeister u. Wain befinden sich seit den 20. Januar Schneider Joseph Scheck diente von 1890 bis 1893 beim im Streit. Ihr Lohn betrug pro Stunde 82-88 Dere( etwa an den aufgeftellten Forderungen festzuhalten und wenn die Infanterie- Leib- Regiment als Dekonomie- Handwerker. Die Menage 34-40 Pf.) Die Arbeiter forderten in diefem Jahre 5 Dere Direktion der Schweiz. Zentralbahn um die handelt es sich zuwar meistentheils schlecht, namentlich auch die Suppe. Auf dem Lohnerhöhung pro Stunde, wurden aber abgewiesen. Die Unter- nächst auf ihrer ablehnenden Haltung beharrt, soll MittBeschwerdewege kommt man beim Militär nicht weit, höchstens nehmer haben Agenten nach Deutschland gesandt, um hier auf den Stationen Basel, Olten,( Bahnhofs- und Werkstättenwoch Abend der Streit der Eisenbahn Arbeiter Arrest. Beuge hat kein Dörrgemüse und teine Arbeiter anzuwverben; die Streifenden verlassen sich indeß auf Konserven gegessen und glaubt, aus diesem Grunde vom tas Solidaritätsgefühl ihrer deutschen Kollegen und hoffen so den Arbeiter) Bern und 2uzern erklärt werden. Dieser Ausstand Typhus" verschont geblieben zu sein, während andere, die davon Sieg zu gewinnen. Sendungen, Briefe, Anfragen zc. find zu nicht lange dauern; die Verwaltung der Schweiz. Zentralbahn wird zirka 3000 Arbeiter umfassen, dürfte aber jedenfalls auch gegessen haben, erkrankt find. Die Menageteffel wurden größten richten an A. Svendsen, Caffé Communen, Gothersgade wird nachgeben müssen, wenn sie keine Verkehrsstörung herbeitheils mit faltem Wasser gespült, innen wie außen hat sich an Nr. 155. Kopenhagen K. den Kesseln eine fette Kruste angefegt, ebenso führen will. Ob sich die Angestellten ihrer in Aarau ver sprochenen Solidarität erinnern werden und ihr gegebenes Wort an den Fleischbrettern. einlösen? Nach obiger Schilderung dürfte es zweifelhaft sein. in Die Bergleute in Ostricourt haben mit 428 gegen Bierbrauer Danhauser diente von 1890-1893 im 1. Inf.. 92 Stimmen die Fortsetzung des Streits beschlossen. Der Bieg der Schweizerischen Eisenbahner. Zürich, 2. März. er habe einmal davon gegessen und zwei Tage Diarrhoe darauf herbeigelassen hatten. leitenden Zentralkomitee des Verbandes des Gerichts- Beitung. Hungerlöhne bei Berliner Rechtsanwälten. Dies schon recht häufig im Vorwärts" erörterte Thema wurde wieder 3. Dezember vorigen Jahres beleuchtet, in welcher der Bureaueinmal durch eine Verhandlung des Landgerichts Berlin I am Regt. und war auch in der Küche als Roch beschäftigt. Die Röche erhielten alle Monat 7-8 M. Trinkgelder, die gemeinsam vertrunken wurden. Auch von den Gehilfen der Wittwe Krönaner haben sie Trinkgelder erhalten. Es wurde von letterer oft um 1 kilo zu viel Knochen geliefert. Wegen der Menage gab es teinen Anstand. Auf den Zeugen machte es den Einbruch, daß Beschwerden an die Menage der Weise bewiesen, was Organisation, Disziplin und Solidarität Die schweizerischen Eisenbahner haben aufs neue in glänzen tommiffion wenig Erfolg haben. Beuge Laudenfact( 1. Feldart. Regt.) giebt noch an, daß, um vermögen. Schritt für Schritt mußten die Bahnverwaltungen vorsteher Paul W. wegen wiederholter Untreue in drei Fällen die Ersparungen zu erhöhen, 3-4 mal im Monate mittags nachgeben und schließlich in der Hauptsache alles bewilligen, was zu einer Gesammtstrafe von drei Monaten verurtheilt worden statt des Fleisches nur Boressen getocht wurde, wollten von vornherein nichts wissen von Lohnstala und Dienst anwalt Melzbach und erhielt für diese immerhin verdie Arbeiter und Angestellten gefordert haben. Die Verwaltungen| war. Der Angeklagte war Bureauvorsteher bei dem Rechtswodurch 25-80. eingespart wurden. Beuge Scheuer( 19. Inf. Regt.) giebt noch an, daß verschiedene pragmatik, nachdem sie sich auch nur widerwillig zu Bugeftänd- antwortliche Stellung ein monatliches Gehalt von 60 Mart. Leute, die Dörrgemüse gegessen haben, erkrankt sind. Auch nissen in der Frage der Erhöhung der Löhne und Gehälter postnumerando zu erheben! Als nun der Rechtsanwalt in den Gegenüber dem die ganze Bewegung Ferien verreiste, erhob der Angeklagte aus der ihm überwiesenen gehabt. Ein Sergeant( Karpf) hat in der Küche täglich Suppe der schweizerischen Transportanstalten verhielten sich die als Vorschuß auf die Monate September und Oktober. Endlich Personals Kaffe Anfang September zweimal 60 M. und verbuchte dieselben und hie und da auch Fleisch, natürlich vom Mannschaftsfleische, Bahnverwaltungen bis ins legte Stadium der Bewegung ergab sich ein Defizit von 29,20 m. in der Kaffe. Das Gericht bekommen. Die 42 Unteroffiziere erhielten eben soviel Zucker in den Kaffee wie die 180 Golbaten pöllig ablehnend; während aber die anderen Verwaltungen doch wies darauf hin, daß er nur Geld abheben durfte, wenn der Ge= noch mit den Initiativkomitees( Bobnkommissionen) ihrer organi halt fällig war. Die Revision des Angeklagten, welche Nichtfirten Angestellten verkehrten, ignorirte auch dieses der Nordost vorlegen des als Beweismaterial verwendeten Raffabuchs rügte, bahntönig Guyer v. Zeller vollständig und versuchte sein Glück wurde am 8. März vom Reichsgericht verworfen. im Verkehr mit jedem einzelnen, um denselben leichter einschüchtern und terrorisiren zu können. Diese auch von einem bat hier kläglich Fiasto gemacht. Von den Angestellten aller anderen König, nämlich Ihrem König Stumm, gepriesene Taftit Kategorien hat nicht ein einziger die ihm vorgelegte Erklärung unterschrieben, zufrieden zu sein" und von den 460 Arbeitern der Reparaturwerkstätte haben nur 10 den Muth verloren und ihre Unterschrift hergegeben. aufammen. Auf eine Frage des Vorsitzenden erklärt Major v. Nagel: Es ist selbstverständlich, daß die Köche fein Trinkgelb annehmen dürfen, wenn auch hierüber keine eigene Borschrift existirt. In einzelnen Regimentern besteht sogar ein direktes Verbot. Der Unteroffizier aber muß in erster Linie wissen, daß er nichts annehmen darf. Soziale Meberlicht. In der Stadt Freiburg im schweizerischen Ranton Freis burg wird am 6. April eine staatliche ehrwertstätte für Kleinmechanit, Elektrotechnit, Baufächer und Korbflechterei ins Leben treten, deren Besuch unentgeltlich ift. Landesverrathsprozek Schoren und Genossen. Die heutige Verhandlung dauerte mit einer furzen Unterbrechung zu Reichsgerichts- Korrespondenz meldet vom Donnerstag: Die Mittag von früh 9 Uhr bis zum späten Nachmittag. Wie wir hören, wurden hauptsächlich die Angeklagten einer weiteren Befragung unterzogen. Da noch eine Reihe von Zeugen zu ver nehmen find, so ist es wenig wahrscheinlich, daß der Prozeß schon am Donnerstag sein Ende erreicht. Jm lezten Stadium sind nun die Herren von ihrem Wolten thron herabgestiegen und haben mit dem verhaßten Bentral Der ,, Brausewetterton". Der Schriftsteller Morik Baad fomitee unterhandelt. Die am Sonnabend im Bundesrathshaus aus Berlin hatte sich wegen Beleidigung eines dortigen Besitzers in Bern stattgefundenen Verhandlungen scheinen aber recht vor dem Schöffengerichte zu Thorn zu verantworten. Der Amtsschwierig gewesen zu sein; sie wurden dreimal unterbrochen und anwalt beantragte gegen B. eine Geldstrafe von 60 Mark eventuell " die Arbeiter der Fabrik es so lange ertragen, dagegen hob nicht Schuld der Arbeiter, wenn jeht der Streit ausbreche; diese arbeitern ein Beispiel zu nehmen. ant 12 Tage Saft. Als nun der Vorsitzende, wie üblich, den An-| Tischlerbewegung anzuschließen und die[ bekannten Forderungen so sei es dech durchaus nothwendig und liege im eigensten Intergeklagten fragte, was er zu diesem Antrage zu bemerken habe, zu stellen. Die Arbeitsverhältniffe in der Fabrit wurden effe der Berliner, mit den schlesischen Kollegen Hand in Hand zu antwortete B.: Aufsolchen Brausewetterton ant- einer längeren Erörterung unterzogen. Besonders geklagt wurde gehen. Bei der jetzt herrschenden günstigen Geschäftslage sei ein worte ich überhaupt nicht!" Der Gerichtshof ging über die Unsicherheit für die Arbeiter im Betriebe, über willfür Streit sehr aussichtsvoll, auch würde man bei dieser hierauf über den Antrag des Amtsanwalts weit hinaus und liche Lohnkürzungen, tnappe Löhne, schlechte Behandlung 2c. Gelegenheit vor allen Dingen fordern, daß die Kollegen, verurtheilte den Angeklagten zu 150 Mark Geldstrafe eventuell Daffelbe gilt von der Abtheilung Moabit. Bedauert wurde, daß die wegen ihrer Thätigkeit für die Organisation ges 30 Tagen Haft. über sich vermocht haben, maßregelt seien, wieder in Arbeit genommen werden. Es sei Ein Krankentransport. Wegen Beleidigung wurde gegen Glode lobend hervor, daß endlich ein Theil der Arbeiter wären zum Frieden geneigt und wünschen mit den Unternehmern die herrschenden zu unferen Parteigenoffen Georg Maier in Frant furt a. M. das Strafverfahren eingeleitet. Das Landgericht zum Bewußtsein ihres Menschthums gekommen sei und zu unterhandeln. Zum Kampf gedrängt, würden sie denselben Frankfurt a. M. sprach ihn jedoch am 9. Dezember 1895 von der wurden die Metallarbeiter ermahnt, sich den Holz- jedoch nicht scheuen, sondern ihn mit voller Energie aufnehmen. Antlage frei. Beleidigt fühlte sich der Bürgermeister von Fechen bei Kapler gezahlten Löhne wurden verschiedene Lohnzettel vor zwischen den Unternehmern und den Arbeitern in Bunzlau und Zur Illustration der Eine Resolution war eingelaufen, die mit Rücksicht darauf, daß bach durch die vom Angeklagten verfaßten und in Nr. 150 der von ihm verantwortlich redigirten" Boltsstimme" abgedruckten gelegt, welche Verdienste aufwiesen von 20,40 Pfg. bei 68 Stunden, Umgegend keine Einigung zu stande gekommen, verlangt, auch in Wochenrundfahrten". Er schilderte" darin den Transport eines von 21 m. bei 70 Stunden, von 20,10 m. bei 67 Stunden Berlin vom 4. März an die Arbeit ruhen zu lassen und schwerkranken Kindes auf einem gewöhnlichen Lastwagen ohne Arbeit. U Um allen diesen Mißständen wirksam zu begegnen, die achtstündige Arbeitszeit, einen Minimal Stundenlohn Federn auf frisch aufgeschütteter Straße nach dem über eine Meile wurden die Kapler'schen Arbeiter eindringlichst an ihre Organi- von 65 Pf. und die Einstellung aller Gemaßregelten zu fordern. entfernten Hanau. In dem Artikel wurde weiter erwähnt, der Bürger- der Fabrik. Zur Annahme gelangte schließlich eine Resolution, punft getheilt, auch wurde das Verhalten der Meister in der sationspflicht ermahnt, insbesondere die alteingefeffenen Arbeiter In der Diskussion wurde von mehreren Rednern dieser Standmeister habe ihn, den Angeklagten, schon wegen dieser Behauptung von in der die Versammelten erklärten, den Zumuthungen von Seiten legten Jnnungsversammlung mißfällig besprochen. Von anderer der schauerlichen Marterfahrt" des franken Kindes, das nach der Firma und Meister energischen Widerstand entgegenHanau„ gerädert" worden sei, verklagt, doch sei Angeklagter zusetzen und sich der Organisation ihres Berufes anschließen zu damals wegen eingetretener Verjährung freigesprochen worden. Der Gerichtshof vermochte jedoch in dem inkriminirten Artikel den Thatbestand einer Beleidigung nicht zu erblicken, da die behauptete Thatsache, daß das kranke Kind auf einem auch zum Mistfahren benutzten Wagen transportirt worden sei, nachweislich wahr sei. Die Staatsanwaltschaft legte gegen das Urtheil Revision ein, die jedoch vom Reichsgericht verworfen wurde. Versammlungen. wollen. Seite wurden dagegen Bedenken gegen die sofortige Proklamirung des Streits geäußert und gewünscht, denselben hinauszuschieben und vorerst Verhandlungen mit den Unternehmern zu pflegen. Die Kupferschmiede nahmen am 29. Februar in einer qut Nach einem Antrag Thomas wurde beschlossen, am Mittwoch besuchten Versammlung den Bericht des Delegirten von der Ge- mit den Unternehmern zu verhandeln, zu verhandeln, auch zwei Mitwertschaftskommission entgegen. Hierauf wurde Bamzow zum glieber der bestehenden Lohnkommission in das schlesische Delegirten und Karbowicz zum Stellvertreter für die Gewerk- Streifgebiet zu schicken, um sich über den Stand der Bewegung schaftskommission gewählt. Sodann übertrug die Versammlung zu informiren und am Donnerstag eine Versammlung einzudie Verwaltung des Dispositionsfonds Geisler, Weißen und Zamzow. berufen, in der über die erwähnte Resolution abgestimmt und Nach einem Bericht des Beisitzers vom Gewerbegericht wurde auf grund der stattgehabten Unterhandlungen über die weiteren. mitgetheilt, daß in der Innungsversammlung Brange, Kühne, Schritte in dieser Angelegenheit beschlossen werden soll. Schwabe, Fechner und Neumann in den Ausschuß und Prange Steinmetze. Der Vorstand der Kranken- Unterstüßungskasse Die zweite Vertrauensmänner Versammlung der der Vorsitzende den schwachen Besuch der Vertrauensmänner- am Sonntag im Königshof". Blücherstraße, einberufenen Verund Peetz als Schiedsrichter gewählt find. Zum Schluß bedauert für die Berliner Steinmez- Innung hatte die Mitglieder zu einer Bildhauer und in Tischlerwertstätten beschäf= tigten Solzbildhauer wurde am Dienstag, den 3. März, Sizungen und ersucht, die mit diesem Posten betrauten Kollegen fammlung eingeladen. Ueber die neben dem in Werthpapieren im Louisenstädtischen Klubhause abgehalten, in welcher wiederum reger zu unterstützen. angelegten Vermögen mit einem Baarbestande von 678,95 m. abdie Verhältnisse der einzelnen Werkstätten durch die Vertrauens In einer öffentlichen Versammlung der Arbeiter und schließende Rechnung für 1895 wurde Decharge ertheilt. Die Ausleute zahlenmäßig flargelegt wurden. G3 lagen im ganzen die Arbeiterinnen am vergangenen Montag referirte Genoffe loosung und Neuwahl eines Gefellenmitgliedes für den Vorstand vollResultate von 115 Werkstätten mit 522 Gehilfen vor, davon sind Jahn über das Thema: 25 Jahre Arbeiterbeglückung im 80g sich in ordnungsmäßiger Weise. Die Anträge auf Abänderung des 74 Bildhauerwerkstätten, 3 Dampfbrechslereien und Bildhauereien Deutschen Reiche", indem er" in ausführlicher Weise auf die Statuts stießen anfangs auf lebhaften Widerspruch. Es sollen und 38 Tischlerwerkstätten, in welchen Bildhauer beschäftigt find. Bismarc'sche Aera und die Errungenschaften für das Wohl der in Zukunft in Berlin ortsansässige Kaffenmitglieder das ganze Wie sehr sich die Position der Gehilfen verschlechtert hat, beweist, Arbeiter vor und nach der Gründung des Deutschen Reiches Jahr hindurch nur fünf Mart wöchentliches Krankengeld erdaß von diesen 115 Werkstätten nur noch 53 im Lohn arbeiten einging. In der Diskussion forderte der Vertrauensmann balten, dagegen Krante, in Berlin und Vororten nicht ortsund 62 im Afford. Zu diesen letzteren gehören durchweg fast Schüler vom Arbeiter und Arbeiterinnen- Verein" zum An- angehörige Mitglieder, die fich außerhalb aufhalten mit Gealle Tischlerwertstätten. Die Arbeitszeit beträgt in 51 Wert schluß an diese Organisation auf. Besonders wurde bedauert, nehmigung des Vorstandes, diese Unterstüßung nur längstens dreiftätten 82 Stunden, darunter zum theil Tischlerwerkstätten, die daß die Arbeiterinnen der Chokoladenfabrik von Hildebrand und sehn Wochen. In ersterer Beziehung mußte die Versammlung zumeift 52 Stunden pro Woche arbeiten. Mit Ausnahme von drei Söhne trotz reger Agitation im vorigen Jahre sich um die geben, daß man sich in einer Zwangslage befinde und bei Werkstätten, welche 8 Stunden arbeiten, haben alle übrigen eine Organisation gar nicht fümmerten. Der Verein erstreckt fich Spiel fielle. Der Unterantrag, an außerhalb sich aufhaltende Bewilligung höherer Säße die Leistungsfähigkeit der Kaffe aufs Arbeitszeit von 9, 9, 10 und 11 Stunden. Die Löhne über Berlin und Umgegend und macht es sich zur besonderen schwanken zwischen 18-24 M. und nur wenige beffere Werf- Aufgabe, alle ungelernten Arbeiter und Arbeiterinnen zu abgelehnt. Die Zahlstunden der Kasse werden von nun an auf frante Mitglieder die Unterstüßung 26 Wochen zu zahlen, wurde ftätten erzielen einen höheren Lohn. Die Versammlung erkannte organisiren. nach dem glücklichen Ausgang des Tischlerstreiks die Noth Eine recht gut besuchte Steinarbeiter Versammlung, Kardinalpunkt der Verhandlungen bildete in Verbindung mit dem jeder Arbeitsstätte durch Aushang bekannt gegeben werden. Den wendigkeit an, daß auch die Bildhauer verpflichtet seien, ihre die am Dienstag im Englischen Garten tagte, beschäftigte sich neuen Alfordtarif zu einem Minimallohn von 65 Pfg. die Regelung Verhältnisse aufzubessern. Die meisten Redner sprachen sich für mit der Frage, wie sich die Berliner zu dem Verhalten der der Arbeitszeit, welche jetzt im Sommer 81/2 und im Winter 8 Stunden eine Bewegung zu gunsten der allgemeinen Durchführung der Meister in der letzten Innungsversammlung und zu dem Aus beträgt. Die gesundheitsschädlichen Zustände gerade im SteinmetzLohnarbeit und 8/ 2stündigen Arbeitszeit in den Werkstätten ſtand der Steinarbeiter in Bunzlau und den ſchlesischen Sand: aus, wo diese Arbeitsbedingungen seit dem Jahre 1889 verloren steinbrüchen stellen. Der Referent Thomas warf zunächst in Abrede gestellt; die letteren sprachen aber ihre Meinung da gewerbe find bekannt und wurden auch von den Meistern nicht gegangen sind. Das Prinzip der Gerechtigkeit gebiete, den einen Rückblick auf den 1889 er Streit, der den Arbeitern von hin aus, daß diese Zustände sich durch Verkürzung der Arbeitszeit Wünschen des Vereins der selbständigen Bildhauer insofern den Unternehmern aufgezwungen worden war, um die Organi um eine halbe Stunde nicht beseitigen lassen. Als ein Geselle Rechnung zu tragen, daß diese Forderungen auch in allen Fabrit fation zu zerstören. Dieselbe sei inzwischen wieder so erstarkt, an der Hand ihm vorliegenden statistischen Materials näher und Tischlerei- Betrieben zu stellen sind, da im umgekehrten Falle daß sie gegenwärtig 135 Orte in Deutschland umfaffe, und darauf zu sprechen fam, daß es ihr gutes Recht wäre, so lange zu die Kleinmeister völlig durch die Konkurrenz der Großbetriebe nöthigenfalls einen Kampf mit den Unternehmern aufnehmen leben wie die Meister, erklärten diese, daß sie von der Junung den erdrückt würden. Die endgiltige Regelung dieser Frage wurde fönne. Jetzt, wo die Kollegen in Bunzlau und den schlesischen Auftrag hätten, hinsichtlich der Arbeitszeit den Arbeitnehmern der am Donnerstag im Englischen Garten stattfindenden gemein- Brüchen sich wegen Tarifftreitigkeiten im Streit befinden, sei feine weiteren Stonzessionen zu machen, nachdem ihnen neun samen Versammlung der Prinzipale und Gehilfen, zu welcher es Ehrenpflicht der Berliner Kollegen, sich mit denselben solidarisch Behntel ihrer Forderungen bewilligt worden seien. Damit blieb besonders auch die in Frage kommenden Tischlermeister eingeladen zu erklären. Ein solches Verhalten liege im Interesse der Organi- der Versammlung nichts anderes übrig, als in der Mehrheit für wurden, überlassen. sation, denn da in den Steinbrüchen die Löhne niedriger feien, Beibehaltung der bisherigen Arbeitszeit zu stimmen. Als schwachen Die Arbeitsverhältnisse in der Mühlenbau und als in Berlin, würden dort immer mehr Steinmezarbeiten ange: Trost gaben die Meister das Versprechen mit auf den Weg, den Maschinenfabrik von Kapler( Prinzen Allee 75/76) und die fertigt, wodurch die Arbeitsgelegenheit in Berlin naturgemäß Gesellen entgegenzukommen, wenn man aus dem für vorläufig Arbeitseinstellung der Tischler dortfelbst beschäftigten am 3. d3. geringer werde. In Bunzlau und Umgegend streiten jezt 150 zwei Jahre angenommenen neuen Lohntarif Erfahrungen ge eine in Rabe's Salon( Kolbergerstraße) tagende öffentliche Ver- Steinbrecher und 300 Steinmeßen. Daß sich auch die Steinsammelt habe. sammlung der Arbeiter( Holz- und Metallarbeiter) obiger Fabrit. brecher an dem Ausstand betheiligt haben, sei von großer BeBezüglich dieser hat vor furzem bereits eine Versammlung statt- deutung für den Verlauf der Bewegung, da hierdurch den Unter- Adlershof. In einer öffentlichen Holzarbeiter- Bersammlung gefunden. In derselben hatte es auch ein Arbeiter unternommen, nehmern schließlich das Rohmaterial ausgehen würde, sprach hier am 1. März Hildebrand über den Werth des einige Worte über die Zustände in der Fabrik zu verlieren. Die wodurch fie um so eher zum Nachgeben genöthigt Streifs. Dem beifällig aufgenommenen Vortrag folgte eine rege Direktion hatte darauf nichts Giligeres zu thun, als den bes wären. In einem heut eingelaufenen Briefe erklären die Diskussion, in der mitgetheilt wurde, daß nach dreitägigem Austreffenden Arbeiter aus der Arbeit hinauszuwerfen und zwar Streikenden, die Arbeit nicht eher wieder aufzunehmen, bis die stand die Küchenmöbel- und Leistenfabrik von Lutz die Forde sofort am Tage nach der Versammlung, welchem gleich darauf Unternehmer sich zu mündlichen Unterhandlungen mit ihnen rungen der Arbeiter bewilligt hat. Zum Schluß verpflichten sich der Vertrauensmann nachfolgte. Die Holzarbeiter nahmen Ber- bereit erklären. Wenn es auch manchem Berliner Kollegen die Anwesenden in einer Resolution zum Anschluß an den Holzanlassung, die Arbeit einzustellen, sich der allgemeinen augenblicklich vortheilhafter erscheinen mag, weiter zu arbeiten, arbeiter- Verband. 0 11 Unter Bezugnahme auf mein gestriges Inserat theile nochmals ergebenst mit, daß sich meine nen umgebauten, komfortabel eingerichteten Verkaufslokalitäten von Sonnabend, den 7.d.M., nur An der Spandauer Brücke No.2 in meinem eigenen Hause befinden. Eröffnungstagen höflichst ein. Meine Freunde und Gönner lade hierdurch zu den Von Sonnabend: Jacques Raphaeli, Berlin C., nur Spandauer Brücke No. 2 Möbel- Ausverkauf bes Möbelfpeichers Rosenthalerstr. 18. Wegen ganz bedeutender Vergrößerung meiner Mäumlichkeiten vertaufe ich mein Waarenlager zu noch nie dagewesenen Preisen vollftändig aus. Bum Umzuge und für Brautleute ift somit die einzig reelle Gelegenheit gegeben, Ausstattungen, sowie einzelne Stücke gediegen und billigst einzutaufen. 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Referent: Reichstags- Abgeordneter Genosse Fritz Zubeil. Um recht zahlreichen Besuch und speziell der Frauen ersucht Der Einberufer. Holzarbeiter! Große öffentliche Versammlung. am Sonntag, den 8. März, TF vormittags 10%, Uhr in der Bildhauer Berlins u. Umgegend. Donnerstag, den 5. März, abends 8 thr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27c: Grosse öffentliche Versammlung aller Bildhauer Gehilfen und Meister-, zu welcher alle Tischlermeister und Fabrikanten, welche Bildhauer beschäftigen, besonders dringlich eingeladen werden. Tages Ordnung: 1. Die gegenwärtige Lohnbewegung der Berliner Holzbildhauer, und wie stellen sich die Prinzipale dazu? Referent: Kollege Dupont. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 22/9 Bahlreiches, pünktliches Erscheinen liegt im Interesse aller Kollegen! l Der Einberufer: G. Winkler. Der Orts- Krankenkasse Freie Volksbühne. Messerschmiede u.j.v. Die von der, am 9. November 1895 in Brauerei Friedrichshain ftattgehabten General- Verſammlung beschlossene Erhöhung der Krankenunterftüßung(§ 13) ist am 12. Febr. 1896 von dem Bezirksausschuß genehmigt und seit diesem Tage in traft. Die ( am Königsthor.) Tages Ordnung: = Wie führen wir unseren Streik siegreich zu Ende und wie erhalten wir uns das Errungene? Ref.: Th. Glocke. fich hierauf bestehenden gedruckten enderungen des Statuts werden den Mitgliedern gelegentlich zugestellt, tönnen aber auch in unserem Rassen lokal, Berg ft r. 26 in den GeschäftsEs ist Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Ver: stunden in Empfang genominen werden. fammlung zu erscheinen. Der Vertrauensmann. Folgende Werkstellen haben bis gestern, nachmittags 5 Uhr, nicht bewilligt: Kastenmöbel und Büffets: Ahl, Schützenstr. 68. Stoppert, Prenzlauer straße 26. Hagenow, Waldemarstraße 23. Meier, Pallisadenstr. 47. Eckert, Ruppinerstr. 9. Hiljebeck u. Kroll, Königsbergerstr. 8. Bauarbeit: Kregmann, Sebastianstr. 36. Herrgesell, Wilhelmshafenerstraße 28. Wagenknecht, Rummelsburg. 108b Der Vorstand. J. B.: Horn. Ein grosser Posten Steppdecken echt Wollatlas( reine Wolle) Grösse 150x200, Stck. 7,50 M. ca. 1000 Stück schwere buntfarbige Schreibtische, Tiſche und Nähtische: Dreuſe, Auklamerſtr. 25. Einicke, Normal- Schlafdecken Manteuffelstr. 76. Zrompler, Rüdersdorferstr. 7. Ladeneinrichtung und ähnliche Arbeit: Meier, Lichtenbergerstr. 17. Loth, Pappel- Allee 5. Reutel, Stralauerstr. 35. Mühlbauer, Andreasplay 3. Dohse, Grüner Weg 2. Reimann, Feilnerstr. 5. Nähmaschinen: Frister u. Roßmann, Staligerstr. 134/135. Goldleiften: Methlow u. Co., Röpnickerstr. 109. Stieghahn, Waldemar ftraße 14. Luxusmöbel: Bab, Gitschinerstr. 75. Franz, Forsterstr. 7. Rose, Manteuffelstr. 57. Möbel nach Zeichnung und gute Bauarbeit: Fahnkow, Wasserthorstr. 9. Ferd. Voigts, Alte Jakobstraße. Telephon: Trumpfe, Holzmarktstr. 48. Orgelfabrik. Cocchi, Graffingna u. Bacigalupo, Schönhauser Allee. 78. Mühlenban und Maschinenfabrik von Kappler, Prinzen Allee 75-76 und( Abth. Moabit), Alt- Moabit 86. Kleiderbügel etc.: Höpptner, Seydelstr. 29. Deutscher Holzarbeiter- Verband. ( Zahlstelle Berlin.) Sonntag, den 8. Märy, vorm. 10 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstraße 27c: Branchenversammlung der Drechsler. Tages Ordnung: = Unsere Organisation und die bevorstehende Lohnbewegung.- Nichtmitglieder haben Zutritt. 91| 16 Branchenversammlung der Bürsten- u. Pinselmacher Berlins und Umgegend at Sonntag, den 8. d. Mts., vormittags 10 Uhr, Dim Lokal des Herrn Jennerich, Bergstraße 12. Zages Ordnung: 1. Die Lohnbewegung unserer Kollegen in Neu- Ruppin. 2. Stellungnahme zu den stattgefundenen Abzügen der hiesigen Unternehmer seit dem legten Streit. 3. Verschiedenes. Der Einberufer. Achtung! Brauerei- Arbeiter. Donnerstag, den 5. März, abends 8 Uhr, in Gründel's Festsälen, Brunnenstr. 188, nahe am Rosenthaler Thor: Große öffentliche Versammlung. Zages Ordnung: 1. Das weitere Verhalten der Brauerei- Arbeiter zu dem Streit im Münchener Brauhause.( Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht.) 2. Diskussion. eingeladen. 42/10 Alle sich dafür Intereffirenden werden zu dieser Versammlung Die Agitationskommission. Achtung! Maurer! Achtung! Sonntag, den 8. März, vormittags 10 Uhr, mit kleinen Maschinenflecken, in reizenden Jacquard- Mustern, Grösse 150 x 200 cm. ver Stück 4,50 M. fonftiger 9 Preis 9 M. Meine illustrirte Preisliste über hochfeine Stepp- und Schlafdecken gratis und franko. Steppdecken- Emil Lefèvre, Fabrik Berlin S., Oranienstr. 158. untersuchten Die Chemisch garantirt NaturWeine * von Oswald Nier Hauptgeschäft BERLIN reinen gesunden No. 12 angegypsten... eignen sich in dem nasskalten Klima Deutschlands als Nationalgetränk, weil sie die billigsten( verhältnissmässig billiger wie Bier) u. wie seit bereits 1876 allgemein und ärztlich anerkannt, die besten Freunde des Magens u. antirheumatisch sind. Preiscourant Verbrt. 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Säul. 60 Mr., Bylinderbureaur, Herren- Schreibtische, DamenSchreibtische, Schreibfefretäre 30 Mt., Plüschgarnituren 60 Mt., Paneelfophas 75 Mt., Stepp= Getaufte Möbel tönnen 3 Monate fostenfret lagern u. werden durch eigne@ efpanne transport. im Feenpalat, Burgstr. 22( Wolfgangstraßen- Ecke): decken, Tischdecken, Gardinen, Fenster 5 Mr. Große öffentliche Versammlung aller Maurer Berlins und Umgegend. Tages Ordnung: 1. Die Nothwendigkeit der Verkürzung der Arbeitszeit innerhalb der heutigen Wirthschaftsordnung. Referent: Genosse Litfin. 2. Diskussion. 132/10 Der Vertrauensmann der Berliner Maurer: Wilhelm Dams, Gerichtsstr. 85. NB. Kollegen! In anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Kollegen, soviel wie möglich für die Versammlung zu agitiren, und zu erscheinen.( Siehe Freitag Säulenanschlag.) Oranienstr. 51, am Moritzplatz. Helfer's Oranien- Hallen. Oranienstr. 51, am Moritzplatz. Säle für Hochzeiten, Versammlungen, Fentlichkeiten. Sonnabend, den 14. März noch frei. Freitag: Resterverkauf. 44512* Anzug- u. Paletotstoffe. Brenner& Cie., Alte Jakobstrasse 57/59. Jedes Maass zu Engrospreisen. gebrauchte, fauft Burow, Möbel, Stofenthalerstr. 18. Montag, den 9. März 1896, abends 82 Uhr, Louis Keller's Saal, Koppenstraße 29: Außerordentl. Generalversammlung. Tages Ordnung: 1. Verwaltungs- und Rassenbericht. 2. 235/15 Antrag des Vorstandes auf Auflösung des Vereins. Die Mitglieder, die ihre Beiträge bis Ende Oktober gezahlt haben, stud berechtigt, der Versammlung beiznwohnen. ERF Mitgliedstarte legitimirt. Der Vorstand der Freien Volksbühne. J. A.: Julius Türk, O., Blumenstr. 21. Achtung! Steinarbeiter! Berlins und Umgegend. Freitag, den 6. März, abends 72 Uhr, Alexanderstr. 27c ( Englischer Garten) Große Versammlung. Tages Ordnung: 1. Berichterstattung über die Verhandlungen der streikenden Kollegen in Bunzlau und den umliegenden Brüchen und Beschlußfassung. 2. Verschiedenes. 207/1 Der Vertrauensmann. Belle- Alliance- Theater. Sonntag, den 8. März, nachm. 2½ Uhr: Volks- Vorstellung unter Regie von Julius Türk. Bum lehten Male: Wilhelm Tell. 235/14 Eintrittskarten à 60 Pf. in den Geschäften, die am Sonnabend an dieser Stelle veröffentlicht werden. Reichelt's punttirte Zuschneide- Labelle für Damen. D. R. G. M. No. 45 655. Mittels der Tabelle tann Jeder, auch solche, die das Zuschneiden nicht erlernt haben, innerhalb 10 Minuten jede Größe einer Taille oder eines Mantels gut fißend selbst zuschneiden, Preis pro Stück 5,00. mit Gebrauchsanweisung gegen baar oder Nachnahme. Nur zu haben bei F. Siegerist, Berlin, Lindenstr. 69, Generalvertreter. Damen und Herren als Provisionsreisende gesucht. 4464L* Packung in seidene Laten. Massage. Vereins-| Dampfkastenbäder, mitglieder zahlen nur 75 Pf. pro Bad mit Wannenbäder, Packung und Massage. 4263L* 3 Bäder mit Seife und Handtüchern 1 Mark. Sool-, Schwefel-, Sitzbäder. 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Neu eröffnet: Naturgarten, Sigpläge für 300 Personen fassend. Sonnabende im April, Mai, Juni, Juli 2c. noch frei. 66 Berantwortlicher Redakteur: Auguft Jacobey, Berlin. Für den Inferatentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.