Morgenausgabe Nr. 585 A 294 46. Jahrgang OöcheatNch SS Pf, monatNch».SSM. tm voraus zahlbar Postbezug 4L2 M. «mschließlich KOPfg.Postzettuugs-«"b 72Pfg. Postdestellgebühren Ausland»- adonnemem S.— M. pro Monat. Der..Qonv&rts* erschein! wochentüg. lich zweimal. Sonntag» und Montag» einmal, die Abendousaaben für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend- Illustrierte Beilagen.Volk und Zeit- und.Kinderfreund-. Ferner .Unterhaltung und Wissen-..Frauen. stimme-.Technik-.Blick in die BücherweU- und.Iugend'VonväNH- - ■.r NerCinee VoCssbCa« Ssnnc&enö 14 Dezember 1929 Groß-Äerlin'iO Pi- Auswärts 15 pt. Dte«Inifaltig« Stonpotei�eze»>» •0 Pfennig. Reklame ei!» 5— mark„Kleine Anzeigen' da«».'»«. druckt, Won 2b Pfennig izuläflih zw� fettgedruckte Worte). lebe» weiter» Wir» 12 Pfennig Stellengesuch» ooe erste CBort 15 Pfennig, lebte welter»©ort 10 Pfennig. Worte über lS Buchstaben ja dien für zwei Worte ArdeitsmarA Zeile 60 Pfennig. Familienanzelgen Zeil» 40 Pfennig Anzeigenannahme im�aupi. ««schäft Lindenftrah» 3 wochentöglich »ov Bll% bis 17 Uhr. Äentrawesa« der GssialdeMssvaMOen Variei Deutschlands Nedattion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönbosl 292— 2S7 Telepramm-Adr: Sonoldempkral Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonko: Berlin 37536.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Anaestclltcn und Beamten. Wallstr 65, Dt. B u Di»c-Gel.. Deposiienkali« Lindenstr 3. Heute Entscheidung! Nächtliche Verhandlungen/ Gprengversuch/ Annäherung. Unter krisenhaften Vorzeichen empfing der Reichs- kanzle r gestern nacht tt Uhr die Araklionsführer der Re- gierungsparteien. Für 12 Uhr war eine Sabinettsfihung in Aussicht genom- men. Von volksparteilicher Seite wurde das Gerücht verbreitet. dast der Rücktritt der Regierung bevorstehe. Die Besprechung mit den Parteiführern ging aber noch um vtilkernacht weiter. Eine Annäherung war bis dahin nicht erzielt. Räch weiteren Verhandlungen wurde in der zweiten Morgenstunde eine Annäherung erzielt. Die Arak- tionsführer wollen heule vormittag lll Uhr ihren Fraktionen den vereinbarten Wortlaut eines motivierten Vertrauensvotums vorlegen. Die Entscheidung liegt dann bei den Fraktionen. In der heutigen Reichstagssitzunft, die 11 Uhr vormittags beginnt, wird die Entscheidung über die Regierung Müller fallen. Wahrhaftig eine groteske Situation! Die überwiegende Mehrheit des Reichstags ist der Ueberzeugung, daß eine Regierungskrise in diesem Augenblick für Land und Volk sehr schweren Schaden bringen müßte. Trotzdem ver- handelt man tagelang mit negativem Erfolg über die Mittel, eine Krise zu vermeiden. Als ob die Frage, wie man das macht, nicht durch das parlamentarische System selbst be- antwortet wäre! Wenn man den Sturz einer Regierung vermeiden will, dann spricht man ihr das Vertrauen aus. Wir meinen also, daß die Mehrheit heute der Re- gierung das Vertrauen votieren muß. Damit wird sie ihre Pflicht erfüllt haben. Die Pflicht der Regierung ist es sodann, zu bleiben. Dieses Bleiben erstreckt sich, wieder nach dem Sinn des parlamentarischen Systems, keineswegs auf unbegrenzte Zeit. Schon in der nächsten Woche kann die Regierung. wenn sie es für richtig hält, dem Reichstag ihr Sofort- Programm vorlegen und dazu wieder die Kabinett- frage stellen. Ob ein solches Vorgehen zweckmäßig ist. wird sie selber zu überlegen haben, wobei der Stand der schwebenden Anleiheverhandlungen eine Rolle spielen wird. Prestigegrüv,de aber brauchen eine entscheidende Rolle nicht zu spielen. Eine Regierung, die ein D e r t r a u e n s v o t u m, noch dazu eine Anleiheermächtigung und— das wichtigste— Geld erhält, hat weder einen Grund, noch, meinen wir, ein Recht, ihren Posten zu verlassen. Am 3. Januar soll die zweite Haager Konferenz beginnen, dazu können wir eine in Demission befindliche Regierung nicht brauchen. Der gesunde Menschenoerstand sagt also, daß der Reichs- tag beute der Rea'erung das Vertrauen votieren muß und daß sie dann im Amt zu verbleiben hat. In Wirklichkeit haben sich die Dinge bisher leider anders entwickelt. Man hat zwischen den Führern tagelang ver- handelt: 1. über das Vertrauensvotum, 2. über das Sosort- Programm. 3. über die grundsätzliche Stellung der Parteien zu dem finanzreformerischen Fünfjahrplan der Regierung. Man hat darüber verhandelt, und zwar nicht über eines nach dem andern, sondern über alles zugleich. Dabei er- gab sich die Möglichkeit der interessantesten Kombinationen. Man kann zum Beispiel für das Vertrauensvotum und für das Sofortprogramm, aber gegen den Fünfjahresplan sein, oder für den Fünfjahresplan und gegen das Vertrauens- votum usw. Da das Sofortprogramm aus zwei Teilen besteht, kann man auch für den einen und gegen den anderen sein, was die Sache noch reizvoller macht. Darüber nun tagelanges Verhandeln. Da es zu keiner Einigung kam. traten gestern die Par- teien mit besonderen Erklärungen vor den Reichstag, in denen naturgemäß auch die vorhandenen Meinungsver- schiedenheiten zum Ausdruck kommen mußten. Der Volks- parteiler Hoff ritt eine Attacke gegen d-e A-'beitslo'enver- sicherung, deren Reform er— trotz der eben erst vor- genommenen Aenderungen— im Interesse„der Arbeits- moral" verlangte. Hat Herr Hoff nicht gewußt, daß diese Erklärung aus die Sozialdemokratie als eine Prooo- kation wirken mußte? Run, dann haben ihn die erregten Zurufe von links darüber belehrt. Das Zentrum erklärte sich durch Brüning für den großen Reformplan, wobei es jagen ließ: Wir verhehlen dabei nichl, daß auch wir gegenüber Einzelheiten starke Bedenken haben, von denen wir annehmen, daß sie in den weilereu Verhandlungen zwischen den Parteien beseitigt werden können. Aehnlich sagte R e i n h o l d für die Demokraten: Wir sind deshalb trotz vieler Bedenken in Einzel- Helten, die wir im Zusammenarbeiten mit der Regierung und den anderen Parleicu zu beseitigen hoffen, bereit, uns hinler dieses Pro- gramm zu stellen. Noch stärkere Bedenken meldete Leicht für die Boye- rische Volkspartei an, er erklärte,„dem.Gesamt Programm der geplanten Finanzreform" nicht die Zustimmung geben zu können. Schließlich gab die Sozialdemokratie durch Breitsch.eid ein« sorgfällig abgewogene Erklärung ab, die den Grundgedanken des' großen Zutunftsprogramms billigt, aber bedenklich hinzufügt: wenn sie im gegenwärtigen Augenblick zu den Grundzügen der Finanzresorm der Reichsregierung nicht abschließend Stellung nimmt, so vor allem deswegen, weil die ungünstige Enlwick- lung der Fioanzverhältnisse des Reiches es fraglich erscheinen läßt, ob die Voraussetzungen für eine so umfangreiche Steuersenkung, wie die Regierung sie plant, gegeben sind. Das Aussprechen dieser schlichten Wahrheit hat nun gewissen voltsparteilichen Stellen Anlaß zur Auf- führung jenes anmutigen Spiels gegeben, das ein schon fest- stehender Sprachgebrauch alz„Krise in der Krise" bezeichnet. Die„Nationalliberale Korrespondenz" stürzt sich in die Un- kosten einer Sonderausgabe, um zu versichern, es habe sich „ein Vorgang zugetragen, der kaum seinesgleichen in der parlamentarischen Geschichte findet". Diesem Borgang ohne- gleichen wird sodann„katastrophale Bedeutung" beigemessen. Denn die sozialdemokratische Fraktion habe sich von Müller und Hilferding getrenyt. Damit sei die Verantwortung für die Folgen der entstandenen Krise klargestellt. Das Kabinett habe zu entscheiden, ob es sich angesichts der starken Gegensätze zwischen sozialdemokratisch»" Fraktion und dem sozialdemo- kratischen Minister zu erfolgreicher positiver Arbeit noch fähig fühle. Und damit der Humor nicht fehle, stellt das offizielle Organ der Volkspartei diesem Bilde sozialdemokratischer Teufelei die volksparteiliche Lichtgestalt in folgender Schilde- rung entgegen: Umgekehrt hat die Deutsche Volkspartei trotz schwerer Bedenken im einzelnen alles mögliche getan, um dem deutschen Volke und der deutschen Wirtschaft die vorteile der Reichsfinanzresorm zu sichern. Holdes Geständnis: Auch die Volkspartei hat„schwere Bedenken", sie meldet sie durch ihr offizielles Organ ausdrück- lich an. Aber- die Sozialdemokratie darf solche Bedenken nicht haben oder wenigstens nicht aussprechen, sonst läßt die „Nationalliberale Korrespondenz" über sie Pech und Schwefel regnen. Die genannte Korrespondenz täte besser, sich darum zu kümmern, daß die Voltspartei immer mit C u r t i u s und Molden ha uer einig bleibt, und die Regelung unserer Familienverhältnisse uns selbst zu überlassen.' Uebrigens ist es ein glatter Unsinn zu behaupten, wir hätten uns durch unsere Erklärung von Müller und Hilferding getrennt. Denn die einfache Wahrheit, die sie ausspricht, wird natürlich auch von ihnen nicht bestritten, die Wahrheit nämlich, daß man dieEinnahmendesReichesnursoweitsenken kann, alsdadurchdasGleichgcwichtdesHaus- Halts nicht gestört wird. Wir stellen fest: Gegen den finanzreformerischen G t- s a m t p l a n haben alle Regierungsparteien Bedenken. Welche mehr oder welche weniger davon hat, ist für den Augenblick total gleichgültig. Im Streit darüber die Regie- rung auffliegen zu lassen, wäre ein Stück aus dem Tollhaus. Es gibt wahrhaftig Sorgen, die uns näher sind! Das Interesse des deutschen Volkes fordert, daß die gegenwärtige Reichsregierung den heutigen Tag, den Dezember- ultimo und die zweite Haager Konferenz überlebt. Das dazu Notwendige zu tun, ist heute, im engsten Sinne des Wortes, „Forderung des Tages"! Die Gewerkschaften warnen? Soziale Kinanzreform.— Keine Kaiastrophenpoliiik. Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbuiü», gez. Graß- mann, und der Allgemeine frei« Angestelltenbund, gez. Auf- Häuser, veröffentlichen folgende Kundgebung: Zu einer Zeit, in der Deutschland um Wirtschaftsgellung und Lebensraum kämpft, wird von Unternehmerorganisationen und politischen cheißsponen«ine Aktion unternommen, die einen neuen Schlag gegen den sozialen Staat und die Lebens- interessen der Arbeitnehmerschaft bedeutet. Die' erwarteten Wirtschaftserleichterungen des Noung-Planes dienen dem Reichs- verbond der Deutschen Industrie in Denkschrift und Kundgebung zu einem Vorstoß, der abzielt auf den Abbau der Arbeitslosenversicherung, auf die Aushöhlung der übrigen Sozialversicherung, die Einschränkung des Schlichtungswesens, die Droste- lung der öffentlichen Wirtschaft, die Abwälzung der Steuerlasten Kapital auf die Arbeit. Mit den Schlagworten„Sicherung der Rentabilität" und„K a p i t a l b i l d u n g" wird von der vereinigten sozialen Reaktion eine Panikstimmung erzeugt, als wäre die deutsche Wirtichoft unter der jetzigen Steuer- und Sozialpolitik in«ine Katastrophe hineingeführt worden. Der Aufstieg der Wirtschaft im letzten Zahrsünsl beweist aber, daß Sozialpolitik und Sozial- Versicherung den wirtschaftlichen Forkschritt nicht gehemmt, sondern gestützt haben! Die Gewerkschaften anerkennen selbstverständlich die Rot- wendigkelt ausreichender Kapitalbildung. Sie bekämpfen aber jene Politik, die einseitig die wirtschaftliche und poli- tische Macht d«, Unternehmertums stärkt und die Kapitalbildung in den Sparkassen sowie bei den öffentlichen Körp»r- schaften hemmt. Unter dem Schlagwort„Finanzreform' wird«inseitige Besttzentlastung gefordert, die anderseits eine Mehrbelastung der besitzlosen Volksmassen zur Folge haben muß. Ein« solche Verschiebung in der Verteilung des Sozialproduktes zu« gunften der besitzenden Klassen widerspricht nicht nur den Interessen der deutschen Arbcitnchmerschast, sondern auch dem Wohl« der deutschen Gesamtwirtschaft. Sie würde die Kaufkraft der breite« Volksmassen herabdrücken, dep Linnenmarkt einengen, eine oll- gemeine Krise herbeiführen und damit erst die Wirtschaft„ans Ende ihrer Kraft" bringen. Ausgangspunkt der Finanzreform muß die schwierige Lage der öffentlichen Finanzen sein. In erster Linie ist der ständige Fehlbetrag, der das Reich in en;- würdigende Abhängigkeit von den Banken gebracht hat, unbedingt zu decken. In der Zukunft darf der chaushalt nicht„am Rand« des Defizits" stehen. Er muß die Mittel sicherstellen, die der Gesell- schast durch den technischen Fortschritt auf sozialem und kulwrellein Gebiete dauernd erwachsen. Di« unberufenen Eingriff« des Rcichsbank-- Präsidenten in Fragen der Regierun�spolitik hohen die bestehenden Schwierigkeiten noch verschärft. Zu wiederholten Malen hat er notwendig« Anleihen der öffentlichen Wirt- s cha f t hintertrieben und sich damit zum Schrittmacher des Privatkapitals im Kampfe gegen die öffentlichen Be°*■ triebe gemocht. Die Gewerkschaften forder«, daß mit der Finanz. j £ reform auch die Wiederholung derartiger Eingriffe unter- Kunden wird. Im vollen Bewußtsein ihrer Verantwortlichkeit erkenne» die Gewerkschaften an, daß im Interesse der Arbeiterschaft auch den Lebensnotwendigkeiten der Wirtschaft Rechnung getragen werden muß. Im Gegensatz zu einer solchen Verantwortlichkeit schrecken maßgebende Kreis« des Unternehmertums gegenwärtig nicht da vor zurück,«ine unbegründete Krisen st immung zu er- zeugen, die geeignet, ist. die Wirtschaft m erheblichem Umfange zu erschüttern. 3 ödem die Gewerkschaften eindringlichst vor der Fortsetzung einer sqlchen gefähr lich,?» Politik warnen, sehen sie sich verpflichtet. daraus'hinzuweisen, daß eine onsozlal« Umlagerung der Wirtschaft- lichen Lasten au» der ikinkommensoerteilung nicht vor sich gehe» kann, ahne eine Zlera neuer schwerer sozialer SSmpse hcrauszpbeschwöcen. Erklärungen derKoalitionsparteien Die R c i ch s l a g s s i tz u n g am gestrigen Donnerstag begann bei unoernundert storkein Besuch des Saales und der Tribünen mit zweistündiger Verspätung um 3 Uhr. Die Redezeit wird für die politische Debatte aus eine Stunde für jede Fraktion festgesetzt, worüber die Kommunisten schimpfen. Die Mitteilmtg des Präsi. deuten, daß noch keine Wortmeldung cingegangezr ist, ruft große Heiterkeit hervor. Der erste Rodner, Abg. Dr. Tleubauer(Komm.), wird gleich zu Beginn, vom Prä- sidenten crmahnt, da er sagt, der Reichskanzler habe soine Erklärung unter völligen, cvchweigcn der Regierungsparteien„hergestottert''. Diese Erklärung, fährt er fort, war vom Reichsverband � der Indu- strie diktiert, sie kündigt«inen Raubzug der sozialdemockrattsch ge- leiteten Regierung gegen das Volk an unter dem Kommando j«n« Dr. Schacht, den der„Vorwärts' eben noch als ein« Gefahr für Deutschland bezeichnet hat. Alles was der„Vorwärts' den Unter- nehmern an volks- und dcmokratiefeindlichen Forderungen ange- lrctdet lwt, macht diese Regierung zu ihrem Programm, währmd links Sozialdemokraten wie Seydewitz es vorher als unrnrnehm- bar bezeichnet haben; auch die.Leipziger Dolkszeitung' hat zum Angriff der Arbeiternlasten gegen die Forderungen in der Denkschrift des Truftkapitals gerufen. Noch keine Regierung hat ein derartig reaktionäres Finonzprogramm»orgelegt. Hilferding hat zuerst als verhinderter Wünschelrutengänger in ganz Deutschland »ach Geld gesucht, dann das Aündholzmonopol an Kreuger ver- schachert und nun bettelt er bei Parker Gilbert und amerikanischen Banken. Warum treibt man nicht die SSV Millionen Rückstände an Besitzsteuern ein? Severina hat im Reichsausschuß erklärt, daß er das Republitschutzgefetz brauche, weil wegen dieses Pro- gramms Unruhen entstehen könnten.(Wegen des Ausdrucks ,.S ch u p o b a n d e n' erhält der Rodner ein« Mahnung de» Prä- sidenten zur Mäßigung: er könne doch auch reden, ahn« auf. solche Weise Beamte zu beleidigen.) Durch solche Maßnohmen nrtrt» die Krise des Kapitalismus nicht beseitigt, nur verschärft. Doutsthland produziert mehr als es absetzen kann, die Regierung will aber die Kapitalansammlung noch sördern, obwohl nach Karl Marx gleich, bedeutend damit die Akkumulation des Elends der breiten Masten ist. Der Fünfjahrplan wird die Industrie Rußland» ans da» deutsche und britische Riveau heben, er wird die Landwirtschaft sozialisieren, er sieht die viertägige Ar- beitswoche, 70 Prozent Lohnerhöhung und Beseitigung der Er. merbslosigkeit vor.— Der Rodner empfiehlt die Mißtrauensom- träge feiner Partei auch gegen Hilferding? er schließt mit dem Auf» ruf zum Kampf. Abg. Skrasser(Nat..Soz.) wirft der Reich-regierung und der Republik betrügerischen Bankrott vor. Man habe da» deutsche Volk internationalen Fmanzjuden ausgeliefert, an die man die Monopole verramscht. Die Kopfsteuer hat der sozialdemokratische Abg. Ackermann im Bayerischen Landtag auf da» Schärfste ver- urteilt Das Republikschutzgesetz hieße, da Severing es gegen Plün- derungsn infolge der Poung-Rot gefordert, bester Voung- oder Juden» Ichutzgefetz.. Die Republik greift niemand an, sie geht an ihrer Kor» ruptio». und Inhaftlosigkeft zugrunde. Wir warten auf den Tag. mo das Volk sie abserviert(Präsident Löbe ruft den Rodner zur Ordnung und meint, dieser könne sich über Beschränkung der Rede- sroiheit nicht beklagen.) Erklärung des Zentrums. Abg. Brüning(Z.) verweist in einer Erklärung auf die schon wiederholt vorgebrachte Forderung seiner Frakton. an da» Wert der Kasscnsanierung ohne Rücksicht auf die Möglichteft der An» nähme des Poung�Plons heranzugehen. Ein« großzügige Reform des Steuersystems sei angesichts der augenblicklichen Steuerlasten, die die Wirtschast, der mittlere und kleinere Gewerbestand und die Landwirtschaft zu tragen Höllen, erforderlich. Die Lage der letzken zehn Monate ist zum große» Teil eine Folge der hohen Reparaliouslaflen, Die wirtschaftlich« und soziale Krise gibt einen Vorgeschmack von dem. was ein« Dawes-Kris« im Sinne Hugenbergs bedeuten würde. Die.Kassenlage für den Monatsschluß ist überaus ernst und zwinge zu sofortigen Maßnahmen. Es entspricht aber nicht dem Ernst der Lag«, wenn man diese Schwierigkeiten allein durch«in« Auslandsanleihe beheben will. Sofortig« Maßnahmen zur Senkung des Kastendefztts sind unbedingt erforderlich: feine Frat- lion stimmt dem Memorandum des Rcichsbankpräfldenten zu, so- meit es sich auf diese Rotwendigtoit bezieht. Für die hinker der Regierung stehenden Parteien wäre«» schwer erträglich, wenn man sich aus die Zuslmmung zu solchen So- sorlmaßnahmcn beschränken würde. Das Zentrum habe alles getan, um der Aufforderung des Reichs- tänzlers nachzukommen, und es hat sich geschlossen auf den Boden des Finonzprogramm? der Regierung gestellt. Das haben auch die anderen Parteien der Regierung um so leichter tun können, als der Reichskanzler darauf hingewiesen hat, daß über Einzelheiten des Fincmzprogrammz spätere Verhandlungen entscheiden müssen. Auch das Zentrum hat gegenüber Einzelheiten starte B«» denken, hosst aber auf deren Beseitigung im Lauf« der weiteren Verhandlungen. Die Zentrumssroltion wird die Regierung in ihrem Willen, dieses Programm unter den obengenannten Einschränkungen durchzuführen, tatkräftig unterstützen. S!« erwartet dasselbe von den anderen Regierungsparteien. Mißtrauensanträge gegen den Außenminister Dr. Tur- tins und den Reichsiiimiizminister Dr. Hilferding werden auch vom Abg. Oberfohren gestellt. Zur Geschäftsordnung beantragt er, weil die Regierung nicht anwesend sei und die Regierungsparteien nicht sprächen, Vertagung. Das wird gegen die Oppositionsparteien abgelehnt. Abg. Dn Omiatz(Dnat.)— von äußerst link» mit dem Ruf be- grüßt:„Im Namen Hugenbergs'— spricht von einem Zusammen- bruch der Reichsfinonzwirtschaft. Vor einem Jahre hat sich Dr. Hilserding als den Stabilisierungsminister hingestellt, alle Schuld auf die Deutschnationalen gewälzt und die früheren Finonzminister Dr. Köhler und Reinhold beschuldigt, unverantwortlich gewirtschoftet zu haben. Es handelt sich nicht um ein Kastendefizft. sondern ein organisches Defizit, die Steuererträgs gehen zurück, dos Reich ist knapp vor dem Bankroft, es ist S Minuten vor zwölf, und es wird langsam Zeit(Gegenrufe links), daß Sie, Herr Crispien, Ihre Fähigkeiten nachweisen. Es ist fraglich, ob Herr Hilserding den Reichsbeamten das Gehalt zu Neujahr auszahlen kann. Sie beschränken die Redezeit und schachern um Viertelstunden aus zit- terndcr Angst vor Oppositionsreden. Sie brauchen die Zeit für die Kulistenschiebereien. die schon so ganz das Wesen des nur noch Ichein- lebendigen Parlamentarismus geworden sind. Sie(zur Mehrheit) sind schon tot, Sie wissen es nur noch.nicht! Der Reichskanzler hat Dr. Schacht noch Paris einen Brief geschrieben, es müsse an- genommen werden, auch wenn wirtschaftliche Gründe dagegen sprechen, und Dr. Breitscheid hat gerade in dem krttischeu Zeit» punkt einen Artikel verSsfentlicht, de« Dr. Schacht nach seiner öffent» lichen Erklärung als Dollchstoß empfunden hat. Die britische Arbefterregiemng begeht in der Ligurdationsfroge einen Raub an deutschem Prtpatoermögrn. Die belgische Warkabmachung ist«ine der größten Schiebereieir. Dr. Eurliu» will Polen Jtatt seh«„im Interesse der deutsch« Wohlfahrt'. (llnerhörtl rechts.) In Posen kennt man da» Abkommen, bei uns darf über Thema nicht gesprochen werden. I» der Grenzzone werden Ligmdationen nicht'verboten. Oer Huge�bergmann provoziert. Dr. Qmmtz nennt esc geschmacklos, daß ein Minister mit 40 000 Mark Einkommen und schönem Auto sich mit Frontkämpfern vergleiche. Diese höchst provokatorisch vorgebrachten Ausfäll« rufen erregte Gegenrufe link» hervor, in denen auch bozweifelt wird, daß Quaatz sich als Sprecher der Frontkämpfer bezeichnen könne. Quaatz erwidert in hochfahrendem Ton. er sei Fekdeisen- bahner gewesen und er rate dem„jungen Mann'—- gemeint ist der sozialdemokratische Abg. Gerlach— nicht, sich gegen die Ka» meraden des Herrn Quaatz zu stellen. Als Abg. G e r l a ch tn einem Ruf erwähnt, daß er schwer kriegsbefchädigt ist, sagt Quaatz:„Hof- fentlich sind Sie nur am Körper beschädigt.'— Diese Be- mertung erregt einen Entrüstungssturm und bringt dem Redner einen Ordnungsruf ein? den zweiten erhall er bald darauf, als er dem Außenmini st er nachsagt, er schädige in feiner Liebe zu Polen das deutsche Volk. Der Präsident macht in dem Lärm, der den Herausforderungen des Herrn Dr. Quaatz folgt, ihn auf die Folgen eines dritten Ordnungsrufes aufmerksam. Quaatz geht bald darauf ab. Abg. v. Sybel(Chnstl-nat. Bp): Unterhändler, die ein solches Abkommen heimbringen, wie das deutsch-polnische. würden in anderen Ländern geteert und gefedert werden. Die Steuer- Projekt« gefährden die schwerleidende Landwirtschaft auf» äußerste. Die Oeutsche Doltspariei fordert Bindung. Abg. Dr. Hofs(D. Bp.) Mk im Auftrag« seiner Fraktion fol- gend« Erklärung ab: Die Lage ist auharordentlich ernst. Di« Au»- gaben de» Reiche» sind in einem Maße angewachsen, daß sie durch die vorhandenen Einnahmen nicht mehr gedeckt werden können. Da» zu tritt die Gefahr, daß der Rückgang der Einnahmen, der sich schon fest einiger Zell zeigt, sich fortsetzt, und zwar deswegen, well die schwer« Last der öffentlichen Abgaben die Rentabilität der Wirtschaft gefährdet. Der Mangel an Kapital nürnnt nicht nur bei den großen und mittleren Betrieben, sondern durch all« Stufen der Produktion hindurch ünmer schärfere Formen an.«r wirft sich au» m der wachsenden Zahl von Zusammcndrüchnic. Stillegungen. B«- triebseinschränkungen. die ihrerseits das H-xr der Arbeitslosen von Tag zu Tag anwachsen lassen. Wir begrüßen daher den Enschluß der Reichsregierung, hier endlich einen entscheidenden Schritt zu tun durch Senkung der Steuern, die Voraussetzung für ein« Ge- sundung von Finanzen und Winfchaft zu schaffen. E» wäre aller, dings besser gewesen, wenn sich die Reichsregisnrug hierzu schon z» einem früheren Zeitpunkt entschlossen hätte. Daß st« es nicht ge- tan hat. bedauern wir: ebenso, daß in dem Programm der Reich». regierung der Wille zur Verminderung der Ausgab«« nicht mit g«. nügender Stärke zum Ausdruck gekommen ist. wir bedauern ferner, daß in der Erklärung der Reichsregimmg Vorschläge fehl« für ein« Reform der Arbeilslosenverfichernng. die. abgesehen von den sinanziellen Roiwendigkeilen, auch aus Gründen der Arbeilsmoral cr forderlich ist.(Große Unruhe und lebhaftes Hört! hört! bei den Eoz.) Wir bedauern schließlich, daß die von der Reichsregiemng vorgeschlagenen Maßnahmen zur Aenderung der Finanzwirtschaft der Gemeinden nicht klar und eindeutig genug sind, um die Erreichung des gesteckten Zieles zu sichern. Wir sind bereit, dem Gebot der Stunde, das zu sofortigem Handeln zwingt, zu folgen und da» Programm der Reich, regUrung zur Durchführung der Reichsfinanzreform als Ganzes anzunehmen unter der Voraussetzung, daß die übrigen Regierungsparteien die gleiche Bereitschaft bekunden. Oie Demokraten stimme« zu. Abg. Dr. Reinhold(Dem.) verliest ein« Erklärung seiner Frak- tion, die als notwendig bezeichnet, die für die Wirtschast auf die Dauer unerträglichen Lasten zu senken. Di« öffentlichen Ausgaben müssen vermindert werden, der Haushalt 1930 äußerste Sparsamkeit üben. Dos Reglerungsprogramm erfüllt die dcmokrattsche Forderung. in dieser Schicksalsfrage die Führung zu übcrnehmim. Des- hall» sind wir trotz vieler Bedenken In Einzelheiten bereit, uns hinter dieses Programm zu stellen und auch das Sonderprogramm durchzuführen. Oie Bayerische Volkspartei lehnt ab. Abg. Dr. Leicht(Bayer. Lp.): Dir begrüßen, daß die Regie- rung an einer Gesundung der Finanzen arbellen will. Wir sind auch bereit, uns für das Sofortprogramm einzusetzen. Manche Punkte des Regierungsprogramms verbieten uns. aus sozialen Rücksichten, aus Gründen steuerlicher Gerechtigkeit, aus inner- politischen und aus Zuständigkeitsgründen die An- nähme des Gescmllprogranmrs. Besonders entscheidend ist, daß uns bei der schwierigen Fmanzlagc das Experiment einer umfangreichen Steuersenkung zu gewagt erscheint. Wir können daher dem Finanz- Programm nicht zustimmen.(Bewegung.) Die Stellungnahme der Sozialdemokratie. Abg. Dr. Vreigcheid(Soz.): Die Regierungserklärung hat ein trübes Bild von der Kassenlage und den Reichsfinanzen entrollt. Di« Reichsregierung hat sich dabei auch mit dem bekannten Vor- gehen des Reichsdcmkfträsidenten auseinandergesetzt und an ihm eine berechttgte Kritik geübt. Wir wollen diesen Puntt hier nicht ein- gehend erörtern, da es stch�im Augenblick um schwerwiegende such. lcche Fragen der Finanzrefprm handelt. Wir bekennen nur mit allem Nachdruck, daß wir es für unerträglich hallen, wenn der dem Parlament nicht verantwortliche Reichsbankpräsident den Ein- druck M erwecken sucht, als könne e r die Richtlinien der Politik bestimmen. Sein« Ansicht über finan,y und geldpolitischc Angelegenheiten wird für uns immer w e r t v o ll sein. Aber wir geben dem Wunsche Ausdruck, daß sie nicht in einer Weise an die Oefsenllichkell geb rocht wird, die das Ansehen der nur den, Reichstag verantwortlichen Regierung beeinträchtigt.(Zustimmung links.) Ich beabsichtige in diesem Zusammenhang auch nicht auf den Noung-Plan und die Vorbereitungen zur Haager Schlußkonferenz. sowie auf die sonstigen mit der Finanzlage im Zusammenhang stehenden Angelegenheiten der Außenpolllit«inzugehen. Wir wünschen, daß die Regierung ihre Verhandlungen fort- setzt, und haben das Vertrauen, daß sie sie unter völliger Wah/ rung der berechtigten Ansprüche Deutschlands zu Ende bringt. Im Mittelpunkt unserer heutigen Aussprache steht die Finanz- lag« des Reiches und da« Finanzprogramm der Regierung. Dazu habe ich sin Auftrag meiner Fraktion folgepd« ErNSrung abzugeben: vi« Schwiertgkeiten der Kassenlage des Reiches, dt« nenertring» wieder einen bedenklichen Stand erreicht haben, sind w der Vev> gongenhell entstanden, in einer Zeit, für welche die gegenwär» tige Regierung keine Verantwortung trägt.(Murren rechts.) Die gewallige Arbellslostgkell des letzten Winters, der mll der DersctLechterung der Wirtschaftskonjunttur verbundene Rückgang der Reichseinnahmen und die Verzögerung der internationalen Re- getung der deutschen Zahlungsverpflichtungen haben dies« Schwi« rigkeiten verschärft. Die Befestigung de» Kastettdefizit» ist eine wichtige voraus- fetzung für die Finanzreform und auch darum besonder» dringend. Werden die internattonalen Zahlungsverpflichtungen Deutschland» vermindert, so wird dadurch«in« Steuerreform mll wirtschaftlicher Zielsetzung möglich. veukfchlaud kann seine großen Verpflichtungen nur dann erfüllen. wenn die VrodnMonsfähIgkeil feiner Wirtschaft gehoben wird und den Millionen Erwerbslosen Leschäfsiguug gegeben werde» kann.(Sehr wahr! bei den Soz.) El»« Reform, dir diese» Ziel erstrebt, siegt im Zutereff« der breiten Schichte» de» schafsenden Volke»,. vi« Kauftraft der Massen ist an« wichtige vormmsetzung zur Hebung der Produktion, zur Perbilligung der Erzeugung und für dt« Wettbewerbsfähigkeit Deutschland» auf dem Weltmartt. Selbstverständlich sind für eine Finanzreform auch so- ziole Erwägunge» wichtig. Da» gegenwärtige Steuersystem ruft Hemmnisse in der Entwicklung der deutschen Wirtschaft hervor, deren Befestigung erwünscht ist. Wenn durch feinen Umbau wirtschaftlich« Hemmnisse beseitigt werdna, so kommt der dadurch erzielte Nutzen auch der Gesamchett zugute.(Zustimmung. Gegenrufe der Komm) Di« Finonzreform darf ober neben der Entlastung aller Schich- ten der Bevölkerung da« Ziel nicht«iß er acht lassen, dem Reich« gesunde FinanzverhÄtniss« zu schaff«». FekLbeträg« im Reichshaus- hall, dir bei den gegenwärtigen Verhältnissen nicht durch Anleihe» gedeckt werden können, rufen dauernd die Gefahr hervor, daß durch ein« Krise der öffentlichen Finanzwirtschast Krisen in der prioa» ten Wirtschaft«ntstehen, d«r«n Lasten vor allen Dingen diejenige» Schichten der Bevölkerung zu tragen haben, die durch Verlust oder Beschränkung ihrer Erwerbsfähigkett auf öffentliche Hilfe-mgr. wiesen sind. Die Soziadeuwkratie ist berell. an einer Finanzresorm, die diese Ziele verfolgt, mitzuwirken. Da» gllt auch für das sogenannt« Sofortprogramm. Sie läßt sich dabei in erster Linie von der hohen Verantwortung leiten, die ihr durch ihre Stellung in der demokratischen Republik zugewiesen ist. Wenn sie im gegen- wärtigen Augenblick zu den Grundzügen der von der Regierung propagierten Finanzresorm nicht abschließend Stellung nimmt, so vor allem deswegen, weil dt« ungünstig« Entwicklung der Finanzoerhällnifst des Reiche» e» fraglich erscheinen läßt, ob die Voraussetzungen für eine so umfangreich« Steuersenkung, wie die Regierung sie plant, gegeben sind.(Ahal-Rufe und Bewegung.) Abg. v. Llndeiner-Wildau(Dnat. Arbeitsg.): Die Leiter der deutschen Finanzpolittk haben monatelang nicht den Mut zu Eni- schlüssen ausgebracht oder die Entschlüsse nicht gefunden. Es besteht die unmittelbare Gefahr, daß da» Reich am l. Januar nUhi mehr Zahlungen leisten kann. Das wahre.deutsche Wunder' ist, daß die deutsche Wirtschaft ihren Unternehmergeist noch aufrechterhallen konnte. Jetzt endlich will die Regierung handeln. Sie g e st e h t ein. daß die bisher betrieben« hohe Besteuerung der Wirtschaft falsch mar und sie will die Milde- Krisengefahr auch in England. Liberale und Konservative gegen Bergbaugeseh. weder mit der Herabsehung der Arbelk»zelk durch die Regierung begründen oder die Ablehnung auf die Geguerschost gegen die Verkausisyndlkate stützen. Falls die koufervativea die Verwerfung des Gesetzentwurfs auf die Herabsetzung der Arbeitszeit stützeu follleu, so dürfte die Krise vermieden werden, da die Libe- roten einen solchen Antrag nicht uvlerstühea können. Im zweiten Falle ist allerdings, sofern die Konservativen Frakliovrdiszip-in üben und die Liberalen geschlossen gegen die Regierung stimmen, mit einer Riederlage der Regierung und ollen damit ver- bundeae» parlamentarischen Konsequenzen zu rechnen. Trotz dieser Perspektiven war am Freilag in parlamentarischen Kreisen die Ausfassung vorherrschend, daß die drohende Krise ver- mieden werden wird. Es Ist jedoch nicht zu verkennen, daß die kommende Woche die kritischste seit der Existenz der Arbeilerregierung sein wird. Landau. 13. Dezember.(Eigenbericht.) Die liberale Fraktion des Unterhauses hat beschlossen. der geplauleu Herabsehung der Arbeilszeft im Bergbau grundsätzlich ihre Zustimmung zu geben, dl« Bergbau- Gesetzgebung au sich aber zu verwerfe u. Dadurch ist für die Arbetlerregie- ruug«lue außerordentlich eruste Situation ge- schaffen worden. * Der kritische Tag ist der kommende Donnerstag, der in später Nachtstunde die entscheidende Abstimmung über die zweite Lesung de» Regierungsentwnrfs bringen wird. Das Schicksal der Regierung wird vom Charakter des konservativen An- träges abhängen, der am Montag in einer Fraktloussitzung be- schlössen werden soll. Den Konservativen stehen zwei Wege ossen: Sie können dig Verwerfung de» Gesetzentwurfs der Regierung enk- «ng ÖOT(ft&tatn eifäm. tttfa gtnytWi�iit« hat für mich historische Bedeutung Sie gesteht ferner«in. dah die Be r di e n st m ö g l i ch k e i t dem Unternehmer gesichert bleiben muj* Damit sind die Illusionen, in bolschewistischem Sinn Wirt- schuft treiben zu können, zum alten Eisen geworfeiu Die Erkenntnis von der Schichsalsverbundenheit aller Wirtschaftskreise ist endlich Gemeingut geworden. Herr Silverberg hat diese» verkündet. Unser« Entscheidung hängt nicht von der Varleizugehörigkeit des betreffenden Ministers ab. wir wollen dem Staat und der Ztatio» dienen. Das ist konservativ, wir nehmen dieses Wort in Anspruch, für das ander« eine Art Gebrauchsmusterschutz zu haben behaupten.(Heiter- keit.) Ob dieser Staat der unsere ist, steht nicht so hoch, wie daß er der deutsche Staat ist. für den wir uns mit verantwortlich fühlen und den wir von Unzulänglichkeiten befreien wollen. Unser Versastungswesen läßt der freien verantwortungsvollen Persönlich» keit nicht genug Spielraum. Auch im Fall Dr. Schacht tst die. Verantwortung wieder hinter dte behauptet« Unzuständigkeit des Beschwerdeführers geflüchtet. Reichskanzler Hermann Müller: � Wir haben die Frage der Zuständigkeit Dr. Schachts gar nicht gestellt. Die Reichsregierung hat öffentlich nur erklärt, daß sie an der Stelle antworten wird, die zuständig ist, und das ist der Deutsche Beicbstag.(Sehr richtig!) Das Memorandum des Reichsbonk, Präsidenten ist in der ganzen Well aufgefaßt worden oder konnte zumindest so aufgesaßt werden, als ein Angriff auf dte Führung des Staates, auf die nach der Derfastung zur Führung der Staats- -gelrböft« verpflichtete Regierung. Da gab es nur eine Antwort, die Antwort der Reichsregierung im Reichstag.(Sehr gut! vnks.) Alle« bätte ich erwartet, nur nicht den Vorwurf de» Dr. Ouaatz. daß die Reichsregierung dem Reichsbankpräsidenten zu scharf ent» gegengetreten wäre. Jeder, der meine Red« gehört hat, muh doch zugeben, daß ich die Grenzen der Loyalität in keinem einzigen Fall verletzt habe.(Sehr wahr.) Wen» Dr. Ouaatz auf die erst vor kurzem eröffneten Pariser Saaraebietsverhandlungen eingegangen ist, so kann ich ihm darin nicht folgen. Ueber Verhandlungen zu sprechen, von denen ein Er- gebnis noch nicht vorliegt, würde diese Verhandlungen nur stören. Sollten dabei französische.Forderungen gestellt werden, die wie als nicht annehmbar betrachten, so werden wir da» an der Stelle. aus die e-> dabei zunächst ankommt, mit aller Deutlichkeit sagen. Zn der Reichsreqierung besteht zwischen allen betelllaten Par- feien keine Mein» ngsverschiedenbett über das Saargebtet. und die ganze Meli weist auch, daß die Saarb-völkernng zum Reich und zur Reichsregierung steht. rLebhaste Zustimmung.) Die Volenverträge werden Ihnen zugehen, sobald sie im Reichsrat verabschiedet sind. Der Reichstag hat es dann vollkommen in der Hand, wie es dem parlamentarischen System entspricht, diese Vertröge anzunehmen oder abzulehnen. Er wird dabei zu werten haben, ob er die Gründe der Regierung für diese Vertragsabschlüsse anerkennt oder nicht. Sie(noch rechts) können dann anderer Meinung sein, aber noch unserer Ueberzeugung waren es wichtige deutsch« nationalvoNt«sch« Sritod«. dte uns veranlaßt vaben. unseren Gesandten Rauscher zu ersuchen, auf den Abschluß dieser Verträge hinzuwirken. Wenn Herr Ouaatz dem Außenminister vorgeworfen hat. sein Ziel sei, Polen stark zu machen, so kann ich nur erwidern, daß die Reichs- regierung zur Zeit andere Sorgen hat, als Polen stark zu machen. (Heiterteit.) Herr Ouaatz hat mich wieder nach dem Brief gefragt, den ich dem Reichsbankvräsidenten im Juni noch Paris geschrieben hätte. er meint wahrscheinlich den Brief vom 3. Mai 1929. Dieser Brief 'ibermittelte den Beschluß der Reichsregierung, und er lautet: Di« Reichsregierung hat unter Beteiligung sämtlicher Kabl. nettsmitolied.'r von dem neuen Dorschlag de» Vorsitzenden der Sochverstandigenkanfereizz, Owen Poung. Kenntnis«nornnjeiz und ist zu der Ueberzeugung gelangt, daß ihrer Ablehnung da» Scheitern der Konferenz unmittelbar folgen würd«, ohne daß die Wiederaufnahme der Derbandlungen über die zvirtschaftlilben oder politischen Fragen gesichert wäre. Di« Reich»r«gi»r»na sieht aber in«in.-m Scheitern der Verhandlungen schwere wirtschaftliche und politisch« Gefahren und glaubt deshalb einstimmig, daß die Annahme der Youngschen Darschläge unvermeidbar geworden ist. Sie geht dabei von der Voraussetzung au», daß durch di« deutlch« Annähme die allgemeine Einigung gesichert wäre und erwartet, daß In den Verhandlungen über dos Bankschema und«in Trans» f.'rmoratorium die deutschen Interessen gewahrt und eine Eini- gung erreicht wird. Die Reichsregleruiig hat diesen Brief nach langen und ernsten Auseinandersetzungen als Niederschlag einer Kabinettssitzung an den Reichsbankpräsidenten geschrieben und in keiner Weise die verhondlnngssreiheit der Sachverständigen eingeschränkt. (Lochen und Widerspruch rechts.) Hören Sie weiter! Unterm 4. Mai habe ich«inen Brief vom Reichsbankpräsidenten bekommen, der am Schluß sagt: Ich werde weitere Nachrichten folgen lasten und bestätige den Empfang des durch dos Auswärtig« Amt mitgeteilten Beschluste, der Reichsregierung. Wir sind sehr davon befriedigt, daß dieser Beschluß den Sachverständigen ihre voll« Handlungsfreiheit läßt. (Lebhafte Hört-hörti-Ruf« bei der Mehrheit.) Dieser Brief ist auch von den anderen deutschen Sachverständigen unterschrieben.(Hört, hörtsi,_. Auf die Frag« des Herrn v. Lindeincr-Wildau, ob ich auf Grund der neuen.Sachlage in der inneren und äußeren Politik der Reichs- regienrng ein« grundlegende Aenderung für notwendig halte, erwidere ick. daß, wenn die Regierung dies für notwendig hielt«, ich dos gestern mitgeteilt hätte. Die Reichsregierung steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß die Verhandlungen aus der Haaaer Scklußkonserenz zu einem End« geführt werden sollen, das der Bolitik. die Stresemann seit Jahren geführt hat, entspricht. (Beis-illi Wenn Herr Ouaatz behauptet, daß die Rot der Land- wirtschait unter dem ietzige» Zollsystem katastrophal gestiegen sei, so stelle ick fest, daß es der Reichswirtschaftsminister Neuhaus war, der 19»? diese Zollpolitik mit den Zwischenzöllen angefangen hat. Wenn Sie deswegen Vorwürfe erheben, so sollten Sie lieber ruscn: mea culpa me» msxima culpa!(Sehr gut! links. Murren rechts.) Uebngens'werden wir uns ja kommende Woche bei der Zollberawng miederseben Äeine Regierung in den letzten zehn Iahren hat'vviel für die Hebuna der Landwirtschaft getan, als diese Regierung. Sie bat u a die Verträge in feste Bindung übergeführt, deren Abschluß dst Unterstützung der Deutschnationalen gefunden hat. Herr Ouaatz spricht j miner von„Iphrei," Sie waren doch in dieser Zeit auch in der Reaierung! Herr Ouaatz versichert, die deutschnationalen Minfter hätten im Kabinett die Außenpolitik Stresemanns bekämpft Lsider hat Herr Ouaatz nickt beantragt, di« Reichsreg,«- rurq zur Veräffentlichung der damaligen Kabinetts p r o t o k ol l e aus-"sardern. lHeiterkeit.) Ich würde emen solchen Antrag ruhig im Kabinett debattieren lasten! C» steht fest, daß Stresemann die olelche AubenpoNlik wie sonst auch dermal» ver- treten bat. als 1925/1927 Sie im Kabinett waren, und trotzdem Sie im Kabinett die Außenpolitik bekämpf» haben. ilebrigens ein schöner Zustand für eine Koolitionsregierung'.(Schr gut! links Zuruf, rechts.) Was uns angeht, fo haben wir doch jetzt bewiesen, daß wir un» in den schwierigsten Fragen geeinigt haben! Es steht fest, daß Sie(nach recht») mehr als«nmal die Außenpolitik Stresemanns hier gebilligt haben, und deshalb wäscht kein Regen Ihre Verantwortung sür die Außenpolitik von Ihnen obl(Beifall link» und in der Mitte.) Um 6 Uhr abends vertagt das Hau« die Westerberotnng auf heute Sonnabend, 11 Uhr vormittag», außerdem Hein«» vorlagen. Das Kassendefizit. ,£ie6er Orache, friß mich nicht. Außer Vier und Tabak kann ich Vir nichts anbietend Regierungserklärung in Prag. Aach Entfernung der Radaumacher. Prag, 13. Dezember.(Eigenbericht.) Im Abgeordnetenhaus veranstalteten die Kommunisten Während der Regievungserklärung des Ministerpräsidenten große Oännfzenen. Da all« Ordnungsruf« vergablich waren, sah sich das Präsidium gezwungen, sämtliche anwesenden 23 Kommunist«« von fünf Sitzungen auszuschließen und ihnen für«inen Monat d i e D i ä t« n zu entziehen. Vier der Ausgeschlostenen weigerten sich, den Saal zu verlassen. Sie wurden deshalb durch Polizei entfernt. gm Senat veranstalteten hie Komnumisten ähnliche Szenen, so daß auch hier vier Kommunisten ausgeschlosten werden mußten. Ein« davon mußt« förmlich herausgetragen werden. Erst dann konnte der Ministerpräsident t»« Erklärung in Ruh« vorlesen. Ihre wichtigste Aufgab« erblickt die Regierung dann, den Folgen der Wirtschaftskrise entgegenzuwirken. Das Schulwesen soll ohne Unterschied der Sprach« weiter ausgebaut werden. Ferne-r wird di« Herabsetzung der militärischen Dienstzeit vonlLaufltMonat« schon für allernächst« Zeit angekündigt. Außenpolitisch will das neue Kabinett den bischerigen Kurs mV dem Ziel« der Konsolidierung Europas und der Verständigung mit de« Verbündeten und den Nachbar staaten fortsetzen. Schon tagsüber hatten die Kommunisten sich durch Radaumachen um ein« gut« Sittennote in Moskau bemüht. In seiner ersten Sitzung wählle da» neugewählte tschechische Abgeordnetenhaus den bisherigen Kammerpräsidenten Ma ly peter(tsch. Agr.) zum Präsidenten. Vizepräsidenten wurden ein tschechischer Sozialdemokrat und ein deutscher Sozialdemokrat(Parteisekretär Genosse Taub), außerdem ein deutscher Landbündler, so daß das Haus zum erste» Male zwei Deutsch« im Präsidium zählt. Di« deutschen und die slowakischen Klerikalen verließen das Plenum vor der Abstim- mung, weil ihnen«in Vizepräsident nicht zugestanden wurde. Im Senat wurde der tschechische Sozialdemokrat Soukupp zum Pro- sidenten gowählt. Vizepräsident wurde der deutsche Sozialdemokrat Dr. Heller. Im Abgeordnetenhaus stellt« sich auch die neu« Regierung vor. Ministerpräsident Udrzol nahm unter andauerndem Gebrükl der Kommunisten die Vereidigung der Mgeopdneten bzw. Senatoren vor. Hilferding sucht um Kredite nach. Zur Oeckung öer FehlSeirSge v»n-192» und 4929. Der Reichsfiitanzminister hat dem Reichstag«m«n Gesetz- entwurf über Erteilung einer krebitermächtigunz zugeleitet. Abgesehen von d«n Ermächtigungen, di« bereit» der Etat für 1929 erteilt, soll der Finanzminister ermächtigt werden,« s n« n Betrag bis zu 465 Millionen im Wege de» Kredits zu beschaffen. Mit dem Inkrafttreten des Nachtragsetat», der mit dem Aoung-Plan zusammen vorgelegt werden soll, tritt diese Regelung wieder außer Kraft. Di« Kreditermächtigung soll zur Deckung der Fehlbeträge von 1928 sind 1929 verwendet werden. Der Detrag von 465 Millionen entspricht der Erleichterung, die nach Annahm« des Doung-Plans nachträglich für den Haushalt 1S2S eintritt, und di« nach den Dorschlägen der Regiernng ohnehin zur Deckung dieser Fehlbeträge dienen soll. Durch den Nachtragshaus- halt soll diese Frage endgültig geregelt werden. Im Fall« der An- nahm« des Poung-Plans, so heißt e» in der Begründunug, werden die auf Grund der Ermächtigung gegebenen Kredits aus den dann etatsmäßig zur Verfügung stehenden Beträgen von rund 4SS Mll- lionen zurückgezahlt bzw. verrechnet. Im Falle der Ablehnung des Poung- Plans werde durch den Nachtragehaushalt für die Fehl- betrüg« auf andere Weste Deckung beschafft werden müssen. Die ZoNvorlage. Regleruna gegen ReichSrat. Der vom Reichsrat verabschiedet« Gesetzentwurf über Zolländerungen ist jetzt auch dem Reichstage zugegangen. Die Aendevungen. die der Reichsrat vorgenommen hat, sind im Gegensatz zu der sonstigen Gepflogenheit nicht in die Vorloge hineingearbeitet worden, sondern als besondere Vorlage daneben ein- gebracht. Di« Regierung hält damit in allen wesentlichen Punkten ihre Vorlage aufrecht. Di« Reichsregierung erklärt in der Begründung, daß sie den Beschlüsten des Reichsrats nicht beitreten könne. Soweit es sich um Erhöhung von Zöllen handle, dl« bereits in Handels- vertrügen gebunden oder herabgesetzt seien, müsse der Grundsatz maßgebend sein, daß eine Kündigung dieser Handel»- vertrage nicht in Betracht kommen könne. Di« Er- höhung dieser Zollsätze würbe daher nicht praktisch werden können. Soweit die Beschlüsse aus Erhöhung von Zöllen abzielen, die bisher handelsvertraglich nicht herabgesetzt worden seien, müsse in Betracht gezogen werben, daß diese Industriezweige bislang einenunvermindertenZollschußgenoffen haben und daher gegermber anderen Industrien bisher schon einen Borteil ge- nösten. Diesen Dorteil durch Heraufsetzung der Zollsätze jetzt noch zu vergrößern, erschein« nicht gerechtfertigt. Abgeordneten, di«„in der Mehrhei.tsbildung einen Selbstzweck zum Schaden der praktische» Politik" sähen. Schließlich' fordett« Tardieu den Senat aus, ihm„durch sein« Sympathie» zu helfen" gegen die Kammerl' In der Kammer hat diese Leistung schärfsten Protest ausgelöst, zumal si» das Dorret der Sammer vor dem Senat verlegt. Der sozialsttstche Abgeordnete Frofsard brachte eine Interpellation «in, da man die unparlamcntarische Haltung de» Regierungschefs vor dmr Senat nicht zulasten könne. Es handele sich um einen Akt der Autokratie, den sich dl« Kammer nicht bieten lasten dürfe. In der weiteren Debatte über das Heeresbudget erklärte Kriegsminifter Maginot, daß die tägliche Fleischration der Soldaten um 10 Gramm erhöht werden soll. Im übrigen solle die Zu- bereihmg der Kasernenkost eine wesentlich« Besterung erfahren. . Tardieu provoziert die Kammer. Er verklagt sie beim Senat. Pari», 13. Dezember.(Eigenbericht.) Am Frestag abend kam« in der Kammer zu elnem scharfen Zusammeisttoß zwischen Tardieu und den Linksparteien. Im Senat halt« sich Tardieu darüber beklagt, daß di« Kammer ihm ständig Schwierigkeiten bereit«,„als ob man beständig in der Wahlperiode wäre und die Abgeordneten das zwingend« Bedürfnis hätten, die Regierung täglich in den Hinterhalt zu locken". Er protestierte weiter über die allzu große politische Leidenschaft der Spaltung in der Kuomintang. ver linke Flügel ausgeschlossen. Ooudon, 13. Dezember.(Eigenberlcht.) Au» Schanghai wird gemeldet, daß die seit langem bekannte« Schwierigkeiten zwischen dem rechten und linken Flügel der Kuomintang, der chinesischen Ratlonalpartei. nunmehr zu einem offenen Bruch zwischen der allmächtige« Zenlralexekntive der Partei«ad Wangtschinwey. dem Führer der Linken und Hauptgegner der Regierung von Ranking, inner- halb der Kuomintang geführt haben. Wang ist mit vier anderen Persönlichkeiten au, der Partei ausgeschlosfeu worden. Samt. »che fünf linken Führer werden steckbrieflich verfolgt. Die Spaltung dürfte da, Signal zu einer verstärkten Tätigkeit der mit dem regierenden rechten Flügel der Partei unzufriedenen Linken bilden. Festigung der Stellung Tschiangkaischeks? Rankivg. 13. Dezember.(Reuter) Die letzten Ereignisse deuten darauf hin, daß die Lage der Regierung günstiger stt, als«s noch vor zwei Tagen den Anschein hotte. Der Beschluß der Zentrale der Kuomintang, den Führer des nationalistischen linken Flügels Wangtschingwey aus der Partei auszuschließen, und die Veröffentlichung des T e l e g r a m in- Wechsels zwischen Tschiangkaischek und dem Gouverneur der Prooiiy Schansi, P e n s i s ch a n, der seine Loyalität gegen- über Nanking zum Ausdruck bringt, werden hier als Beweis dafür betrachtet, daß von dem angekündigten Zusammenbruch der Nanking. regierung keine Red« sein könne. Alle Nachrichten deuten darauf hin, daß die Regierung nördlich von Kanton«Inen S i eg davon- getrogen hat und den Feldzug gegen den in Honan revoltierenden General Tangsepgstchi aktiv vorbereitet. Kriegshandlungen in der Mandschurei. wukden. 13. Dezember. Wie amtlich mitgeteilt wird, setzen dl« Russen ihre militari- scheu Operationen fort. Sie haben die chinesischen Stellungen bei Pokoto im EHingangebirge angegriffen und bombardiert. ver Abgeordnete Lindelner-Wildau ist inzwischen auch aus der Dcutschnatlonalen Partei ausgetreten. Mehrere Ortsgruppen seines Wahlkreises Hesten-Nastau sind ihm geschlossen gefolgt und haben die Deutschnationale Partei ebenfall» verlasseiy Llnsoziale Sanierung. Keine Zwangsanleihe mehr bei der Invalidenversicherung! Der Lorsttzmde de» Reichsverbande» Deutscher Landesversicherungsan st alten hat in einer Eingabe an das Rcichsarbeitsmimsterium mit besonderem Nachdruck vor einer Wiederholung der Zwangsanleihe bei der Inva- lidenoersicherung gewarnt. Zur Rechtfertigung seines Schrittes erklärt er, daß derartige Absichten im Reichsfinanzmini- sterium bereits erörtert worden feien, obwohl dos Reichs- orbeitsministerium deutlich genug zu verstehen gegeben habe, daß es weder für eine Wiederholung der Zwangsanleihe noch für«ine Erhöhung ihres diesjährigen Betrages zu haben fei. Wie hat sich feit der Durchführung der Zwangsanleihe die Lage der Invalidenversicherung gestaltet? Durch die Ent- nähme der Zwangsanleihe in Höhe von rund 164 Millionen haben die Versicherungsanstalten dieses Jahr in gleichem Umfang den Arbeiterwohnungsbau nicht fördern können. Die Bedingungen, die für die Anleihe bei den D e r s i ch« r u n g s> n nste lten festgesetzt worden sind, stechen grell ab von den Bc- dingungen, die das Reich den Privatbanken bei dem von ihm aufgenommenen Darlehen gewährte. Die monatlichen Ein- nahmen der Träger der Versicherung waren auf durchschnittlich 9ö Millionen Mark geschätzt worden. In den ersten sieben Monaten de» Jahres wurde dieser Betrag nicht»rreicht und es entstand eine Mindereinnahme von 56 Millionen Mark. Die L a st« n der Versicherung sind gestiegen. Nach dem neuen Gesetz vom 12. Juli d. I. wurde die zu erwartende Mehr- b e l a st u n g für die Träger der Versicherung auf rund 50 Millionen Mark pro Jahr geschätzt: das Reichsversichcrungsanch bezifferte die Mehrbelastung aus dem Gesetz später jedoch auf 6 3 Millionen Mark. Die Zahl der Neuanträge und Neufestsetzungen von Renten ist nach dem neuen Gesetz über Erwarten stark in die Höhe gegangen. Di« Mehrlasten nach d«n Iukgesetz sollen zwar nicht aus den bisherigen Einnahmen, sondern aus neuen Einnahme- quellen der Versicherungsanstalten gedeckt werden. Der Reichstag rechnete nach der Lex Brüning für die Dcrstche- rungsanstalten im ersten Jahre mit einem Ueberschuß aus der Lohn st euer in Höhe von etwa 45 Millionen Mark. Das Reichsfinanz Ministerium glaubt aber nicht, daß die Lohnsteuer den danach notwendigen Betrag von 1426 Millionen Mark im Rechnungsjahr 1929 erreicht, da infolge der Arbeitslosig- keit die Einnahmen aus der Lohnsteuer zurückgingen. Dazu kommt, daß der Antrag Brüning überhaupt noch nicht endgültiges Gesetz ist, denn im Gegensatz zum Reichstagsbeschluß über die fünfjährige Gültigkeit war der Reichsrat nur für«ine zwei- jährige. Noch fehlt der endgültige Erlaß eines dem Antrag Brüning entsprechenden Gesetzes, und die Versicherungsanstallen sind daher gezwungen, die Mehrlasten des Iuliges-etzes einst- weilen aus ihren bisherigen Mitteln zu decken, und zwar Mehrlasten, die höher sind, als die Schätzungen des Reichstages. Wenn nun schließlich auch noch eine grundlegende Aenderung der Lohn- st e u e r eintritt, wenn das steuerfreie Einkommen heraufgesetzt wird, dann muß sich der von der Lex Brüning in Aussicht genommene Ueberschuß aus der Lohnsteuer zugunsten der Invalidenversicherung völlig oerflüchtigen. Für die Mehrlasten aus der Lex Brüning wäre dann überhaupt keine Deckung vorhanden. Es ist durchaus begreiflich, wenn der Reichsverband Deutscher Landesoerstcherungsanstalten auf baldige Auszahlung der 46 Millionen Mark Zolleinnahmen(nach dem§ 7 des Zolländerungsgefetzes) und auf Schodloshalwng der Invaliden- Versicherung durch die Angestelltenversicherung wegen der Aus- Höhlung des Versichertentreises in der Invalidenversicherung drängt. Oesterreich-deutsche Angleichung. Arbeitsausschuß für gewerkschaftliche Deamtenpolitik. Dom Allgemeinen Deutschen Beamtenbund und dem sreigewerkischastlichen Bund de r öffentlichen An- gestellten Oesterreichs ist, nachdem bereits vorher die zuständigen Berbaudskörperschasten einer engeren Zusammenarbeit zwischen den deutschen und österreichischen Beamtenorganisationen zugestimmt hatten, in einer Äonserenz die Einsetzung eine»„Oesterreichisch- deutschen Arbeitsausschusses für gewerkschaftliche Beamtenpolitik" beschlossen worden. Der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Beamten- bundes hat nunmehr der Bildung dieses Arbeitsausschusses und dem in Aussicht genommenen Programm seine grundsätzliche Z u st i m- nxu n g erteilt. Aufgabe des Arbeitsausschusses soll es fein, die Ent- wicklung der rechtlichen, materiellen und gewerkschaftlichen Verhält- niste der öffentlichen Beamten in Deutschland und Oesterreich zu bearbeiten. Insbesondere soll sofort die eingehende Sachbearbeitung de» Beamtenrechts in Angriff genommen werden. Mit den vorbereitenden Arbeiten sind auf deutscher Seite Reichstagsabgeord- neter Falkenberg und Dr. Völler, auf österreichischer Seit« Nationalrat Jonicki und Zentralfekretär Dorer beaustragt «vorden. Urwahl bei den Buchdruckern. Kommunistischer Vorstoß in der Generalversammlung. In der Generalversammlung der Berliner Buchdrucker am Donnerstag im Gewerkschaftshous suchten die K o m m u n i st e n ihre vor kurzem bei den Delegiertenwahlen erlittene Niederlage durch einen Vorstoß mit allen Mitteln wieder wettzumachen. Zu Beginn der Versammlung beantragten sie, die Galerien frei- zugeben, was � von der großen Mehrhest der Versammlung mit Rücksicht aus die kommunistischen Tumultszenen in der letzten Generaloersammlung abgelehnt wurde. Nach dem Geschäftsbericht des Gauvorsitzeichen Braun zählte der Berliner Gau am 12. Dezember 16625 Mitglieder. Im Laufe des Jahres war eine Zunahme von 866 Mit- gliedern zu verzeichnen. Das abgelaufene Geschäftsjahr stand ganz im Zeichen der Wirtschaftskrise. Der höchste Arbeitslosenstand wurde im Oktober erreicht. In der letzten Woche waren 1559 Milgliedee erwerbslos. Der Gauvorstond habe alles getan, was tariflich und organisatorisch möglich war, um die Wirkungen der Arbeitslosigkeit zu mildern. Im Januar wird in Berlin eine Gauvorsteherkonfe- r e n z abgehalten. Di« kommenden Manteltarifverhand- langen werden zu einer scharfen Auseinandersetzung mit den Unternehmern führen. Im Vordergrund steht die Forderung der Organisation aus ein« allgemein« Herabsehung der Arbeitszeit zum Zwecke der Cinreihung von Arbeitskräften in den Produktionsprozeß. Die Aussprache wurde von den K o m m u n i st e n zu einer wüsten Beschimpfung aller nicht zur KPD. gehörenden Buchdrucker ausgenutzt. Der nach Berlin zurückgekehrte Walter Wolf maßte sich an. im Namen von 6666 Berliner Buchdruckern eine politisch« Brandred« zu halten, während ein anderer Konnnunist sogar 6666 Buchdrucker zu vertreten vorgab. Von Rednern der Amsterdamer Gewerkschaftsrichtung und von Braun wurden die Angriffe und Verleumdungen zurückgewiesen. Gegen wenig« Stimmen wurde ein Antrag angenommen, der dem Gauvorstand für die geleistete Arbeit die Anerken- nnng ausspricht. Der bisherig« Gauoorstand wurde zur Wiederwahl vorgeschlagen. Da die Kommunisten für chre Kandidaten, mit Wolf als 1. Vorsitzenden, mehr als 56 Stimmen Unterstützung erhielten(etwa ein Zehntel der Versammlungsteilnehmer) muß eine U r w a h l vorgenommen werden Diese erfolgt in der kommenden Woche, und zwar für den 1. und 2. Vorsitzenden, für den Kassierer und für die Sekretäre. Wie alljährlich, wurde auch diesmal einstimmig die Zahlung von Weihnachtsbeihilfen beschloflen Es erhalten: Arbeitslose, die bis 149 Beiträg« geleistet haben, 16 M.: über 156 Beiträge 15 M.: Invalid« und Kranke, die über 26 Wochen krank sind, 16 M.: den Ausgesteuerten wird außerdem eine Extraunterstützung von 25 M. gezahlt. Achtung. Spv..Vuchdruckeri Montag, 16. Dezember, ab 16 Uhr. im Lokal„Zum Mohren", Jerusalem«! Str. 9(gegenüber Moste-Haus), Ausgabe wichtigen Materials für die Urwahl zum Gauvorstand. Jeder Betrieb muß Material abholen lassen. Der Fraktionsvorstand. OieKenerwehr will zumGesamtverband Außerordentlicher Verbandstag. Der verband Deutscher Berufsfeuerwehr- ntänner begann Freitag im Berliner Gewerkschaftshaus seinen 13. außerordentlichen Verbandstag, der über den An- schluß an den„G« s a m t v e r b a n d" beschließen soll. Außer den Vertretern des Verbandsvorstandes und-ausschustes, den Vorsitzen- den der Bezirksverbände und den zahlreichen Vertretern der be- freundeten Organisationen sowie der Sozialdemokratischen Partei nehmen an der bedeutungsvollen Tagung 37 Delegierte aus dem gesamten Reichsgebiet teil. Nach den Begrüßungsansprachen des Genosten Kotzur vom ADB. und des Genossen K n o l l vom ADGB. ergriff der Der- bandsvorsitzende Genosse G r o l l m u s das Wort zu dem wichtigsten Punkt der Tagesordnung, der A n f ch l u ß f r a g e. Er zeigte in seinem Referat die Entwicklung des Verbandes auf und betonte in diesem Zusammenhang, daß der Anschluß an den Gesamtoerband im Vertrauen auf die dadurch erzielte Stärkung der gewerk- schaftlichen Macht erfolgen müsse. Der Verband Deutscher Berufsfeuerwehrmänner, in der Vor- kriegszeit aus der Not der Angehörigen des Feuerwehrberufs g«- boren und von den leitenden Beamten der deutschen Verufsfeuer- wehren auf das schärfst« bekämpft, habe Anhänger bei allen beut- schen Berussfeuerwehren gewonnen. In der Nachkriegszeit waren in ihm 96 Proz. des Feuerwehrpersonals organisiert. Trotz der bedauerlichen Absplitterung einzelner Mitglieder im Jahre 1921, die auf Grund des Anschlustes an den ADGB. im Jahre 1921 erfolgte, Hot der Verband weiterhin wirkungsvoll die Interesten der Berufsfeuerwehrl«ute vertreten. Die wichtigste Aufgabe des Ver- bandstages fei, die Zusammenarbeit mit den Arbeitern und Ange st eilten auszubauen, da nur in der gemeinsamen Front mit ihnen die Angriffe der Wirtschaft und Industri« auf die Arbeitnehmerschast erfolgreich abgewehrt werden könne. Den Eigenheiten des Feuerwehrberufes trag« die Sondersatzung Rechnung, die der bisherigen Berufsorganisation auch im Gesamt- verband das notwendige Eigenleben sichere. Er erwartet deshalb, daß der Zusammenschluß nicht nur mit der von der Orts- gruppe Hamburg geforderten Dreiviertelmehrheit, sondern mit einer weit größeren Mehrheit beschlossen werde. In der Aussprache wurde von den meisten Delegierten erklärt, daß zwar noch bei einem Teil der Mitglieder Bedenken gegen den Anschluß vorhanden seien. Eine Urabstimmung sei jedoch nicht notwendig, well der Anschlußwille in den Ortsgruppenversamm- lungen deullich genug zum Ausdruck gekommen sei. Lediglich ein Delegierter aus Hamburg hielt die Urabstimmung trotz der bereit» bekannten Meinung der Mitglieder-für notwendig. Di« Abstimmung. die zwar erst am Sonnabend nach dem Schlußwort des Verbands- Vorsitzenden erfolgt, wird ohne Zweifel gegen ganz wenige Stimmen den Anschluß an den G«samtocrband ergeben. bolschewistische Berichterstattung. Schimpfen ist die Hauptsache. Am Sonntag veröffentlichte die„Rote Fahne' u. a«ine ihrer üblichen und üblen Schimpfnotizen. Ohne j«de Nachprüfung erzählte sie«ine Räubergeschichte, wonach vom Neuköllner Arbeits- Nachweis 126 Frauen für Statistenarbeit nach der Filmfabrik Ober- landstraße 35 vermittelt worden feien. Dort hätten sie bei zehn- st ü n d i g« r Arbeitszeit ohne Sitzgelegenheit bei einer Mittagspause von 15 Minuten schwer arbeiten müssen, außA:- dem wäre den Frcmen, die Nothilfeunterstützung bezogen, dies« ganz entzogen worden, obwohl man das Gegente.il ver- sprachen hatte. Wie uns einig« Frauen mitteilen, sind alle diese Angaben falsch. Es gab reichlich Sitzgelegenheit. Arbeitszeit am erste» Tag acht, am- zweiten fünf Stunden. Mittagspause 45 Minuten. D*> Behandlung war sehr human. Den Frauen, die Unterstützung ve- zogen, ist vorher vom Arbeitsamt mitgeteilt worden, daß ein Teil der Unterstützung entsprechend den gesetzlich«» Vorschriften in An- rechnung gebracht wird. So wurden z. B einer der Frauen, die uns— die„Rote Fahne" berichtige ja doch nicht— um Veröffent- lichung der Richtigstellung bittet, von 9,87 M. Unterstützung 3.67 M. angerechnet, nachdem si« in zwei Tagen 16 M verdient hatte. Die Frauen bitten uns besonders deshalb um die Veröffent- lich dieser Richtigstellung, weil der Registeur erklärt habe, er wolle sich nicht wieder durch die Gost« schleifen lassen und werde deshalb vom öffentlichen Arbeitsnachweis Aushilfskräft« nicht mehr beziehen. Daß die„Rote Fahne" Richtigstellungen nicht bringt, ist durch- aus verständlich. Jede zweite Nummer müßte angefüllt sein mit Richtigstellungen der vorhergehenden Nummer. Außerdem ist„bol- schewistische Art" nicht Herausstellen der Tatsachen im Interest« der Arbeiterklaste, sondern Hauptsache ist schimpfen und verleumden, auch wenn die Arbeiter dadurch geschädigt werden. Um den Tarif der Geichs, und Staaisarbeiter. Warnung vor wilden Kontrollaosschüssen. Die Tariskommission der Reichs- und Staatsarbeiter ! im Gemeinde- und Staatsarbeiterverband hat dieser Tage unter Hinzuziehung von Vertretern des Verkehrsbundes zur Frage der Kündigung des mit der Reichsregierung ab geschlossenen Toris- Vertrages für die Arbeit«? bei den Reichsverwaltungen Stellung genommen. Der Tarifvertrag ist. wie der Leiter der Reichs- und Staatsarbeiterabteilung im Gemeinde- und Staatsorbeiterverband, S t e t t« r, ausführte, in seiner jetzigen Fassung aus die Dau«r un- haltbar. Noch nie sei ein« derartige Füll« von Klagen und Be- schwerden«ingelousen wie z�r Zeit. Günstiger lögen die Verhältnisse beim preußischen Staat: ober auch in Preußen werde dos Verlangen der Mitglieder nach Revision des Tarifvertrages von Tag zu Tag stärker. In der Aussprach« wurde an den Auswirtungen der ein- zeln«n Paragraphen de» Vertrages jchors« Kritik geübt. I« der einstimmig angenommenen E n t s ch l i e ß u ng heißt es: „Die Tariskommission... erblickt in dem augenblicklichen ver� halten sogenannter wilder Kontrollausschüss«, wie st« in den preußischen Justizbehörden gegründet wurden,«ine schwer« Schädigung des gewerkschaftlichen Gedankens und fordert daher alle Staatsarbeiter auf, falschen Lockungen t«in«rlei Folge zu leisten. Di« Kommistion beschließt, mit der Reichs- und preußischen Staatsregierung unverzüglich in Verhandlungen zur Revision der Manteltarif« einzutreten. Si« erwarte, von beiden Regierungen, daß sie zu Verhandlungen bereit sind und daß be ider Durchführung der Finanzr«form auch auf die m den Reichs- und Staatsbetrieben noch s«hr mangelhasten Lohnsätze Rücksicht genommen wird." vi« Zahl der Arbeitslosen in Polen betrug nach amtlichen An- gaben am 36. November 126 5 4 4, was gegen den Oktober ein Zuwachs um 11689 bedeutet. ilchtu-a. TPD.-Solz-rb-ite!(Seiirk KortniwS», Otlmifcbnna««, W Weddin«, Moabit). Sannta«. 10 Uhr, Im Lokal»an Sachs«, L-ichm-cr n W Straft« 26. wichtig« Vtrsammlun» aller SPD.. schluß des Aufsichtsrats mit Wissen de» Ob erb ärger- meisters Böß gezahlt morden waren. Nächste Siadtverordnetenfitzung am IS. Dezember. Der Altersvorsteher der Stadtverordnetenversammlung, Genosse Tempel, hat die nächste Sitzung der Stadtverordnetenverfomm- lung auf Donnerstag, den 19. Dezember, einberufen. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Wahl des Stadt- ver ordneten Vorstehers und dreier Stellvertreter, dann die Wahl der sechs Beisitzer und ihrer Stellvertreter. Es folgen die Wahlen für die ständigen Ausschüsse usw. Anschließend enthalt die Tagesordnung die der Stadtverordnetenversammlung zugegangenen neuen Vorlagen und zum Schluß 2 3 Anträge, die die Fraktionen der Versammlung neu gestellt haben. Die Ziehung der Arbeiterwohlsahrls-Lollerie ist in der nächsten Woche am 18. und 19. Dezember. Lose sind in der Buchhandlung Dietz, Lindenstraße 3, und in den Verkauf»- stellen der Konstmig«wssenischast, Oranienplatz und Reinickendorfer Straße zu I>abeii. Sie saßen nach dem Abendessen unter den prachtvollen Kronleuchter am Tisch. Sie sprachen nichts, sie waren einzeln für sich beschäftigt. Nicht etwa als ob er arbeitete, cr las höchstens ein belletristisches Buch— zu arbeiten pflegte er nie- mals hier, sie wußte eigentlich nie, was ihn innerlich beschäfti- gen mochte. In früherer Zeit, als er mit ihr stritt, war sie sein Gegner gewesen, kurz: seine Frau. Aber nun saß cr da, in den Sessel gelehnt und den Kops gebeugt; vom Kriege her war der Scheitel kahl, vom Tragen des Helms. Das Kind lag im Bett. Nein, das war ihr durchaus nicht recht, daß er sich so verschloß. Wäre�cs wenigstens Trotz gewesen und irgendein Angriff in diesem Schweigen! Aber er war höflich und freund- lich und lebte sein Leben eben allein, ohne sie. So ging es also auch, er bewies es ihr ja. Sie seufzte. Sosort sah er sekundlich zu ihr hinüber.„Bald beginnt der Winter und bringt Abwechslung mit sich. Dann kommen aus Hohenau deine Verwandten und du bist nicht mehr so allein." Er las weiter. Aber mit großen Augen starrte sie ihn an. Das sagte er also so einfach, so offen: Und du bist nicht mehr so allein... Als ob dies Leben, das sie hier führte, selbst- verständlich und eine Notwendigkeit wäre! Nein, sie konnte nicht umhin, sie mußte ihn fragen... „Erwartest du nicht mit Ungeduld deine Eltern?" gab er etwas verwundert zur Antwort. „Ich halle das nicht mehr aus," rief sie heftig. „Ich bitte dich, wirf mir nicht vor, daß ich schuldig b'n— ich weiß, daß ich's bin." „Du?" fragte sie ungläubig. „Ja. ja," sagte er,„ich habe unter der ersten Haut noch eine zweite und dritte erwartet; und unsichtbar, versteckt, aber darum nicht weniger realisierbar, habe ich ein Wesen in dir vermutet, das zu meinem gehörte. Wen trifft also die Schuld? Mich allein. Aber Verzeihung, ich wollte davon nicht reden." „Du hast ja wenigstens dem Kind," sägte sie lächelnd, und war etwas fahl,„in dem Kinde kannst du ja das Wesen lieben, das zu deinem gehört." „Mein Kind," sagte er leise, er betont das„mein", und diese Vetonnung ist wie eine Frage. „Ja deines: denn mir wird es nie gehören." Er sieht sie an.„Dann wird es keinem von uns gehören. Daß es mir nicht gehören soll, dafür wird gesorgt." Sie schweigt und wird rot. Seine Stimme ist klar, dabei leise und kalt; auch sein Gesicht, auf das Buch gerichtet, ist kalt und klar wie von Stein. „Das Kind hat die braunen Augen," sagt sie,„die Augen von dir." „Und es hört die Lieder, die ich verachte, und du ernährst es mit deiner Milch. Während ich Arbeit verrichte für seine Zukunft— auch die Zukunft meines Kindes schützt meine Ar- beit, wenn sie die folgenden Generationen schützt— indes hört mein.Kind, was fein Vater verachtet." „Das Kind ist noch klein und ich singe die Lieder, weil ich sie immer gesungen habe." „Ja, so..." Es klingt müde, als habe er sich wieder auf den Vorsatz besonnen. Er liest. „Ich glaube," sagt sie, halb gereizt und halb zur Ver- jöhnung gewillt,„meine Jugend, meine Erziehung, mein ganzes Leben sollt' ich vergessen, um alles noch einmal sehen «zu lernen, von dir?" Er schweigt. Dann entschließt er sich und gibt ihr doch eine Antwort. „Von der Zeit solltest du lernen wie ich. Aber du scheinst zu denken, es handele sich um eine Vormachtsfrage, wer nach dem anderen sich zu richten habe, du oder ich. Du empfindest nicht, daß, wer nicht mit dem lebendigen Leben sich wandelt, schon rettungslos in der Agonie liegt." „So laß mich doch wie ich bin, wenn es keine Vormachts- frage ist." „Ja, ich lasse dich ja, wie du bist." Er liest werter. Sie schweigt. Dann: „Üebrigens— hat sich denn das Leben gewandelt? Als ich letzthin in Hohenau war, und das friedlich geordnete Leben dort sah. da verstand ich so gut. daß es nur daran hängt, ob alles in sicheren Bahnen läuft. Das ist eben das Unglück deiner Anschauung, daß sie keine Ueberlieferung kennt. Bei uns auf Hohenau lernen die Kinder von den Eltern, wem sie Respekt und Gehorsam schulden. Sie bleiben bei ihren alten Sitten, ja, bei ihren allen Liedern; dabei tut jeder seine Arbeit und findet jeder sein Brot und alle bleiben vor Erschütterungen und Wunden bewahrt. Was du„mit dem lebendigen Leben sich wandeln" nennst, das ist am Ende doch nie etwas anderes gewesen, als ein Nachlaufen hinter dem Rattenfänger, die Dummheit reißt die Dummen ins Unglück, die Klu-gen werden init hmeingerissen, und die verblendeten Mitläufer danken am Ende dem Himmel, wenn sie noch mit heiler Haut zu den alten Zuständen zurückkehren dürfen." Er schweigt. Dann sagt er:„Hohenau ist nicht die Well. Das soziale Glück oder Elend der Menschen dort ist in die Hand eines einzigen Menschen gegeben. Ist er gut, der Herr, so ist alles gut. Hohenau ist ein Gemeinwesen, aber ein kleines. La kann ein Herr noch sein Land überblicken, er kann durch die Fenster den Leuten in die Stuben sehen, und wenn er gut ist—" „Und wäre er nicht gut— übrigens, was du unter ,gut' verstehst—" „Ja, was verstehst du denn darunter?" „Es wäre weit besser für die Leute selber, sie ertrügen ihren Herrn, auch wenn er nicht„gut" ist, als daß sie sich alle Jahre einmal empörten. Ich weiß wirklich nicht, ob mein Vater in deinem Sinne denn gut ist.. „Ja. ich weiß es auch nicht. Ich kenne Hohenau nicht." „Aber die Leute befinden sich olle dort wohl, zufrieden und gesund— und dabei kann es sein, daß mein Vater nicht „gut" ist. Ein Herr kann überhaupt nicht„gut" sein!" ruft sie aus. „Oder, es kann ja auch sein", sagte er ruhig,„daß sie in Hohenau»och schlafen." „So laß sie doch schlafen", ruft sie heftig,„warum weckst du sie denn?" „Nicht so laut", sagt er lächelnd,„du weckst sie— aus Angst, sie könnten erwachen— selber noch auf." „Ich sage dir nur, sie sind glücklich dabei." „Es gibt verschiedene Arten von Glück. Auch Hunde können ein Glück empfinden." „Die Leute auf Hohenau tragen ihre Pflicht mit Freude und Stolz. Das sind keine Hunde." „Um so besser", sagte cr;„laß uns doch von Hohenau nicht mehr reden, ich kenne es ebensowenig wie du etwa Berlin." Sie ist stumm, und da sie ihn ansieht, fährt cr fort:„Du findest dich in ewigen Straßen zurecht, du bist auf einigen Gesellschaften gewesen, aber daß du von Herz und Gehirn dieser Stadt, von dem neuen Puls dieser Gegenwart eine Ahnung erlebt hast— möchtest du das behaupten?" „Mir sagt mein Instinkt— dies neue ist Wahnsiun." (Fortsetzung folgt.) (H■ Llnweiter im ganzen Reich! Schiffe in Seenot, Fabriken in Ärand. Hamburg. lZ. Dezember. Der Skurm. der im INordZecgrbiek wütete, war außer. ordentlich heftig. Er erreichte in Hamburg eiue Stärke von fZt, in Bremen sogar von 33 Sekundenmcteru. Die bereits gemeldete Senkung der Kaimauer im Werfthofen hon Bloh m 11. V 0 ß in einer Längs von 73 Metern hat keinen größeren Schaden verursacht. In Cuxhaven wurde ein Teil der am Wasser liegenden Straßen überschwemmt. Die Station zur Rettung Schiffbrüchiger war so weit überflutet worden, daß die Mannschaften bis zu den Hüften im Wasser waten mußten. um zur Station zu gelangen. In der Nähe des Clbfsuerschisfs drei find über 25 Seeschiffe aller Größen vor Anker gegangen, die sich in ziemlich bedrohter Lage befinden. Mehrere Schiffs gcricien ins Treiben. SOS= Rufe durchs chwirrten ununterbrochen die Luft. Infolge des schweren Sturmes ist auch der Eiderdeich im Schwaber Käog gebrochen. Etwa 30 bis 60 Meier Deich jind völlig im Wasser verschwunden. Sämtliche Ländercien dieser Gegend stehen unter Wasser. Die Bewohner von Ievenberg können ihre Gehöfts nicht verlassen. Weitere Deichbrüche wurden bis jetzt verhindert. Meldungen aus dein Reich besagen: Im Riesengebirge gingen gestern nachmittag Wintergewitter nieder. Zugleich trat im Hochgebirge auch Schneefall ein, der andauert. Die Nährmittelfabrik Zapf in Zell am 5zarmarsbach (Freistaat Baden) wurde bei einem Gewitter, das gestern abend über Obcrbaden und die Sccgegend zog, vom Blitz getroffen und eingeäschert. Ein weiterer Blitzschlag traf die Hochspannimgs- leitung des Kraftwerks Laufender g. Zahlreiche Städte des badischen Bodcnseegcbiets wie Singen, Radolfzell usw. waren infolgedessen ohne Strom. Auch aus anderen Teilen des Reiches liegen Nachrichten über starke Wctterschäden vor. Zigeunerehe... Liebe, Betäubung, Entführung und Messerstiche. Einen Einblick in Zigeunerleben und Zi. gcun erliebe bietet die Festnahme eines Paares, das gestern von halle an der Saale auf dem Anhalter Bahnhof eintraf. Das Mädchen eines jungen Zigeuners war es, das sich sträubte, bei ihrem Begleiter zu bleiben: Es suchte Schutz in der B a hn- h a f s m i s s i o n. Bon hier aus wurde die weibliche Krimi- n a l p o l i z e i in Kenntnis gefetz, die sich des Mädchens annahm und für die Festnahme des Mannes sorgte. Eine lange und phan- tastische Vorgeschichte hat damit ihren vorläufigen Abschluß gefnn- den. Das Mädchen, eine 19 Jahre alte Zigeunerin Wilhelmine � Schmidt, wohnte früher bei ihrer Muttor in Pankow. Als sie vor zwei Rtoiiatcn cimnol den Wohnwagen verließ, um Wasser zu holen, näherte sich ihr der Zigeuner Martin Lehmann, der ihr schon seit geraumer Zeit nachstellte. Mit irgendeinem Be- täubungs mittel, vermutlich mit einem verfälschten Schnaps, machte er das Mädchen willenlos»nd schleppte sie in seinen eigenen Wagen, in dem sie erst in Hannooer wieder zu sich kam. Unter Androhung von Gewalt hielt Lehmann das Mädchen wie ein« Ge- fangens. und erlaubte ihr nicht, in die Stadt hineinzugehen, Er fürchtete mit Recht, daß sie sofort die Gelegenheit ergreifen würde, um ihrem Peiniger zu entlausen. Bei einer Schlägerei, die sich zwischen Lehmann und einem anderen Zigeuner enlspmin, wurde auch Wilhcluiine schwer vererlehi. In Kassel gelang es ihr endlich, die Freiheit zu erlangen. Das Wohlfahrtsamt rüstete sie mit einer Fahrkarte aus, damit sie zu ihrer Mutter zurückkehren könne. In Halle an der Saale tauchte Lehmann plötzlich auf dem Bahnhof auf. Der Zug mit der jungen Zigeunerin fuhr bereits aus der Bahnhofshalle heraus, als Lehmann die Geliebte am Fenster bemerkte. Cr nahm ein Auto bis Wittenberg, verließ den Kraftwagen Hier und stieg in den Zug mit ein. Mit aller Gewalt versuchte er, die Entflohene wieder in seine Macht zu bekommen. Der Kriminalpolizei gegenüber erklärte er jetzt, daß Wilhelmine nach Zigeunerrecht seine Ehefrau sei und daß er ihre Rückkehr zu ihm verlange. Illach der Schlägerei in Hannover mar er mit seinem Gegner schon einmal festgenommen worden; man hatte die Männer aber wieder entlassen, weil es sich um eine Familienangelegenheit handelte, die keine Handhabe zum Einschreiten bat. Auch jetzt kann Lehmann nichts Strafbares nachgewiesen werden, denn er bestreitet, dem Mädchen die schwere Stichvcrletzung beigebracht zu haben. Bon der Entscheidung der Wilhelmin« und ihrer Mutter wird es abhängen, ob die Zigeuncrche zu Recht besteht oder nicht. Zu ihrer eigenen Sicherheit ist das Mädchen in Schutzhaft gj* nommcn. Zugewiesene Wohnungen im September 1929. Nach den Fest- stestungen des Statistischen Amtes der Stadt Berlin sind im Monat September von den Berliner Wohnurvgsänrtern 3 2 37 Woh- n u n g c n Wohiairigssuchaiden zugewiesen worden. Die Geldnot der Stadt Berlin. Anleihenbcsdiaffung oder Ausgabenbeschränkung. In der komnuuuilpolitischen Pressekonferenz wurden gestern Mitteilungen über die Finanzlage verlins gemacht. Sie ergeben das schon bekannte Bild, das unseren Gemeindebehörden so schwere Sorge bereitet. Bürgernieister Scholtz'beklagte, daß die Städte bereits seit längerer Zeit vom Anleihemarkt abgeschnitten sind. Im Inland ist an Anleihen fast nicht zu'denken- und die Bcschasfung von Anleihen Im Ausland wird durch die Beratungsstelle erschwert. Infolgedessen hat die Stadt Berlin schon seit Jahren sich mit kurz- sristigen Darlehen durchhelsen müssen. Durch andauernd starken Zuzug nach Berlin werden die Ausgaben der Stadt immer mehr gesteigert, besonders die Ausgaben sür Schulbauten in den Außenbezirken, die ja den Hauptteil des Zu- zuges ausnehmen. Auch die Ausdehnung de- Verkehrswesens, die dem wachsenden Verkehrsbedürfnis folgen muß, verursacht be- deutende Ausgaben. Die Annahme der Losten, die der Stadt aus der Zlrbeitslofigkeit so vieler Einipohner entstehen, nötigt zu weitgehenden Ueberschreitgugen des Haushaltplaues. Um 30 Mil- lionen Mark mehr als die im Haushalt vorgesehene Summe werden in diesem Jahre für W o h l f a h r t s z w e ck e ausgegeben werden müssen. Die Grundlage der Finanzen Berlins ist durch- aus gut, weil die Stadt große Vermögenswerte hat. Die Steuern sind in Berlin incht stärker angespannt als in anderen Städten, und dasselbe gilt für unsere Tarife Die Siadt braucht aber, sagte der Bürgermeister, eine gewisse Atempause, um sich von ihrem etwas zu schnellen Vormarsch zu erholen, an dem be- sonders das Bexkehrswescn beteiligt ist. Die schon in den Sommer- monaten begonnene Drosselung von Bauten der Stadt hat nicht viel genutzt, geblieben ist die Schwierigkeit der Geldbe- schasfung. Warum ist die amerikanisch« Anleihe, die Berlin braucht, immer noch nicht bewilligt? Bürgern: eist er Scholtz berührte auch die Frage der Tariferhöhungen. Die Beralungsstcllc fei nicht geneigt, ohne besondere Bedingungen die gewünschten Kredite zu bewilligen. Besser sei, doß die Stadt die nötigen Schritte tut, als daß die Aussicht-behörde sie dazu zwingt. Das ist die Ansicht des Magistrats. Die Stadtverord- n e t c n v c ri o m mlu n g wird dazu Stellung nehnvn. wenn er mit fehlen Borschlägen kommt. Stadtkämmerer Lange ergänzt« die Darstellung des Bürger- Meisters noch durch einige Zahlenangaben Die. S teu e rc i n- nahmen der Stadt sind ungefähr so,.wie sie im HamsHastplan erwartet wurden.• Aber die entstandenen Mehrausgaben wer- den zu einem Nachtragshaushalt nötigen. Durch Drosselung städti- scher Arbeiten sind bereits über..7 0 Millioneu Ausgaben zurückgestellt worden. Neubauten werden nicht mehr be- gönnen, aber auch begonnene Bauten sind zum Teil stillgelegi worden. Für Mehreinnahmen muß, erklärte der Kämmerer, unbcdingt gcsorgt werden. Schon betragen die kurzfristigen Schulden der Kämmerei 131 Millionen, der Gas-, Wasser-, Elek- trizuötsrcerle etwa 69 Millionen, dos sind zusammen 230 Millionen Mark. Dazu kommen 128 Millionen kurzfristige Schulden der Ner- tehrsgesellschaft. Die gewünschte langfristige Zlnleihe, deren Zulassung durch die Beratungsstelle noch aussteht, ist sür Berlin eine unabweisbare Notwendigkeit. Aus ihr sollen die Mittel ge- nonnnen werden, im Januar einen Teil der schwebenden Schuld zurückzuzahlen. Nachher nahm noch Stadtrat Reuter das Wort, um auf Fragen wegen des Verkehrstarife» zu antworten. Er wies auf die bedeutende Steigerung der Unkosten des Verkehrs- wesens hin, das übrigens nicht(wie oft behauptet wird) steuerfrei ist, sondern zur Zeit von 213 Millionen Mark Umsatz 13 Millionen Mark Steuern zahlen muß. Die Einnahme je Fahrgast geht infolge der Monatskarten nicht über f3,8 Pfennig hinaus, während sie bei anderen deutschen Straßenbahnen bih 17,5 Psennig beträgt. Einen Preisunterschied zwischen Umsteigefahrt und einfacher Fahrt zu machen, sei schwierig und ungerecht. An einen Zonen- und Staffel-. tarif sei in einer Großstadt wie Berlin nicht zu denken. Allgemeine Funkiionarverlammlung Montag, den 10. Dezember, 19'/, Uhr, in den Kammersälen, Teltower Straßed Tagesordnung: verMMAk um dlef Simiizreionn Referent: Reicbstaäsabfieorcineter KeU'SInttgar) Miigliedtbach and FanktionCraaswcfs sind am Etagang vorzczeigenl Konti olle 6. Kreis. Oer Bezirksvorsiaad Die Suche nach dem Massenmörder. Verhaftung eines Verdächtigen in Eger. E g e r, 13. Dezember. Die Polizei- verhcsiete m einer kleineu Gaftmirtschaft einen Mann, gegen de» sich der Verdacht richtet, mit den Düsseldorfer M o rd taten in Verbindung zu stehen. Der Verhaftete, der zunächst einen falschen Namen angab, ist der 31jährige Chauffeur Josef M a y e r, der in Eger geboren ist, wegen Desertion seit dem Jahre 1327 gesucht wird und wiederholt vorbestraft ist. In seinem Besitz wurden zahlreiche aus Einbrüchen herrührende Gegenstände gesunden. Besonder- ausfällig ist eine bei ihn: vorgefundene Aufzeichnung, deren Schriftzüge größteAehnlich- k« i t mit den Schreiben ausweisen, welche die Pflegemutter der bei Düsseldorf ermordeten Gertrud Mb ermann erhielt. Weiter wurde sestgestellt, daß die Beschreibung des mutmaßlichen Mörders auf Mayer außerordentlich paßt, und daß dieser sich zur Zeit der DüssÄ- doofer Morde nachgewiesenermaßen in Düsseldorf aufgehalten hat. Di« Egerer Polizei ha! sich sofort mit den Kriminalbehörden in Düsseldorf ins Eiimcrnehmen gesetzt. Niestroy aus der Hast enilasseu. Der unter dein Derdacht der Beteiligung an den Düffeldorser Worden in Berlin verhaftete Georg Ntestroy ist am Freitag nach einem längeren Verhör aus der Haft entlassen worden, da er ein einwandfreies Alibi nachweisen konnte. Freie Sozialistische Hochsckmlc. Am heutigen Sonnabend. dem 14. Dezember, 19» Uhr, findet im Plenarsaal des Reichs- wirtschaftsrates, Bellerueftr. 13, ein Vortrag des Genossen Pros. Dr. Emil Lederer- Heidelberg über das Tbema:..klaffeukamps und Slasscnproblewe im gegenwärtige» Deutschland". Karten zum Preise von 50 Pf.(einschließlich Garderobe) sind im Bureau des Bezirks- bilduckgsausschusses, Lindenstr. 3, 2. Hof links. 2 Treppen: Arbeiterjugend Groß-Berlin, Lindenstr. 3, 2 Hof links, 2 Treppen; Buchhandlung I. H. W. Dietz Nacht., Lindenstr. 2; Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65 und bei den bekonnten Stellen zu haben.. Liasendwigei» für diese dlubrU sind Berlin SS;twcc Str. 10—96. Elternabend.— öallesche» Tor! Heim Porckstr. 11. Seneralurobc fttt die Wribnacktsfeicr.— Beunneuplad: Morgen ssahrt. Tress. »unkt S'.-i tlbr Bahnbos Gesundbrunnen. ZZerdebe,iei Peenelauer Seeg! Zur Sonnenwende in Brieselang lind fol» aende Treffpunkt«: 12 Ubr sErwerbslosel Balinhof Schänbauler Allee, lü Uhr tbeirdort, llth Ubr Bahnhof Prenzlauer Allee. 29 Uhr Bahnhof Schönhauser ■lllcc und äBciftcnfec 21 Uhr Dahnhos Schönhauser Allee. Unkosten fite Hinfahrt. Äachtauarti.er und Äaifee 8V Pf. Decken. Mufikinürumente und Fahne» sind mihiubringen, Werbebctir! Renke Iln: Sihung des engeren ZLerbebezir?s»orstandez mlt den AbteiluugsleUern im Parleifekreiarlat, Fuldaftrahe. Beginn vllnktljch 19 Uhr. Alle Gruppen mllffen vertreten fein. Morgen im Saalbau Bergstraße Schall. plattenkonrert. Unkostenbeitrag 29 Pf. Einiaß 19 Uhr. Werbebetlrk Mitte: Morgen, Sonntag, findet im Rahmen der Auoftellung te» Betirksamteo, um 19 Uhr. in den Lophiensäsen, SophiensN. 17—18, unsere JZerbeveranstaltung statt. Wir aeigen den Ftlm:„Drllder". Werbeberiri Teltowkanal: Morgen. Sonntag, Besickrtlgung des Reichstages. Treffpunkt 12?i Uhr vor dem Hanptportal des Reichstages. Fahnen und Wimpel dllrscn nicht mitgebracht werden. Werbe bezirk Schäneberg: Montag. 19. Dezember, 19 Uhr. Werbebezirks. rorstondsftßung im Hrim Hauptftr. 15. Die Iugcndbeiriite sind hierzu ein. geladen.__ Vortrage, Vereine und Versammlungen. g%ji Reichsbanner„Schwarz RotGold''. Geschäft» ft eil?: Berlin S. 14. Sebastianstr. 87—38. Hvk 2. Tr. Lichtenberg. Nameradschaft Gustav Temvel. Sonnabend, 14. De- *•* zeinher. 29 Uhr, wichtige Mitgliederversammlung bei Hönow, Frank. furter Allee 295 Erscheinen Pflicht.— Sonntag, 15. Dezember. Nrci» Osten. anstalwng des Ortsvereius aus.— Montag, 16. Dezember. Mitte. Fangbannet. Pfarrer Heumann's HeilmUtei bewährt bei zahlreiclien Kranklteiten./ 1 80000 Dankschreiben./ Das Pfarrer Henmann-Buch (272 S., 150 Abb.) erhält jeder, der sich auf dieses Inserat beruft, völlig umsonst und portofrei durch Ludwig Heumann& Co.,."Nürnberg S 5 Pfarrer Heumann's Heilmittel sind zu Origi- 'nalpreisen stets vorrätig in der Niederlage: Zions- Apotheke, Berlin R 31, Anklamer Straße 30 an der Ecke Bnmnonstraße 5a.. 5 Minuten vom EosenthaJer Platr, Ailler• Apotheke, Berlin- pTiecenau, Hheinsrx. 16. Friedrich-Wiihelm-Apolheke, CharlOtton- bnrg, Leibnirsir. Heeges- Apot.ioke, Berlin O. Gubener Str. 33. SchweUer■ Apotheke, Berlin W 8, FriedrichstraJie 173. Rosen- Apotheke, Eichwalde-Berlin. 29 Uhr Jugendheim Ticckstr. 18. Dorjrag stamerah Abraham: �tathalifche Fugend im neuen Staat". Srcuzbeeg. Jugend zug III. 29 Uhr Fahresverfamm. lung und Borstandswohl bei Siedentopf. Musiauer Str. ZZ. Lichtenberg. Jung- Mannschaft und Echußsportler. Turnabend linke Halle. Schule, Rummelsburger Str. 94. Teilnahme älterer stameraden erwünscht. Peenzlouee Berg. Kamerad» säiait Eenefelderploß. 29 Uhr Aameradschastsversommlling bei Heiles, Metzer Straße Ecke Prenzlauer Alle«.— Reuiölln.Btiß. Sonntag, 15. Dezember, Lodngitatio». Auiofohrt frei. Antreten für di« Neuköllner Kameradschaften 8 Uhr bei Bolleski, Boddinstr. 57, für die 4. Kameradschaft 8s9 lllir. Britz. Buschkrug._ Arbeitcr-Samariter.Bnnd t. Kolonne Dersin. Geschästsstekle N. 24. Große Hamburger Str. 29. Die Abteilung Wcdding hat am Sonntaa, dem 15. De- zenrder. eine Bestchtiguna im Pathologischen Institut. Treffpunkt 9i4 Uhr Aleranderufer. Charitd. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Freireligiöse Gemeinde. Eonn'ag. 11 Uhr. Pappelallee 15, Bortrag des Herrn H. Alfken über..Das englische Schulwesen". Gäste wiWommen. Arbeitet-Mondolinifteu-Bunb. Bezirk Groß-Berlin. Montag, 18. Dezember, 29 Ulie, Delegiertensttzung bei Hummel, Sophienstr. 5. Alle Mandolinenvcreine müssen vertreten sein. Arbeiter-Maxdolinisten.Bnnd, Ortsgruppe Echöneberg. Mandolinenspieler Schönebergs. Die Ortsgruppe bat ihren Uebungsabend jeden Donnerstag von 29 bis 22 Uhr im Lokal des Genosse» F. Groß, Kaiser. Friedrich. Ecke Reue Kulinstraße. Berliner Berein de« öffentliche« Selnndheitspfleg« 8.?. Bat Arbeits. gen cinsä oft der leitenden Aerztc der Sroß-Berliner Säugling», und Klein, lindermrsorgestellen. Gemeinsame Sitzung am Dienstag, dem 17. Dezember. 29 Uhr, im Hngienifche» Institut der Universität, Berlin, Dorotheenstr. 25Z. Vortrag des Herr» Professor Seligmann über„Diphtherie-Schutzimpfung in den Vereinigten Staaten von Amerika". lun Das Sozialpolitisch« überwiegt im Programm dieses Tages. Regiermiqsrat Heise spricht in den frühen Nachmittags- stunden über die Tätigkeit der parlamentarischen Minister. Es ist eine hübsch« Plauderei, die aber nur an der Oberfläche bleibt. Es wird leider nicht das politische Moment genügend heraus- gearbeitet. Eine Reportage dieser Art genügt nicht. Und ebenso wenig genügt die Reportage über die Wärmehall« in der Ackerstraßc. Der Sprecher steht zu sehr über den Dingen. Gr fühlt kamn die Leiden der Betroffenen mit. Gerade in dieser Beziehung muh der Vortrag aus der Psyche der Enterbten herauswachsen. Im Rahmen des Interviews der Woche spricht der schwedische Minister- Präsident S t a u n i n g über die politische und kulturelle Lage Europas. Es ist ein Vortrag, der von echtem Geist der Ver- f ö h n u n g und dr Verständigung getragen wird.— Monty I a- c o b s sollte bei seiner Kritik des Hostmannschsn autobiographischen Romans auch die soziale Einstellung des Autors betonen. Noch ein Wort zu der Uebertragung des B a j a o aus der Staätsopcr. Herrlich Schluß» us im Prolog, und auch Soot zeigt fem« oroßen Quoliläten. Waviun aber nemtt die Äitteridanz Namen von Sängern, die nicht austreten?. Wetterbericht der östentttchen welkerdlenstslelle Berlin und Umgegend (Nachdr. verb.). Bewölkt bis trübe, mit leichten Regensällen, ziemlich mild, westliche Winde.— Zür l'euttchland: Am Süden und Südosten heiter bis wolkig, im Norden bieljach trübe, nur unbedeutende Niederschläge. Gpielwarenausffellung Sei Joseph, Neukölln. Alles wandert zu H. Joseph u. Co.. Neukölln, denn es hat sich bereits heriM gesprochen, daß die diesjährige bedeutend vergrößerte Spiclwarenabteilunig im 3. Stock Neuheiten aus allen Gebieten der SpielwvremnÄustvie zeigt! Wenn man von der gewaltigen Aus- wähl spricht, so mutz man sekbstverständlich auch an die Preiswürdig- kett der zum Verkauf gestellten Spiettvaronartikel denken.— So kann, es uns nicht wundernehmen, daß man zum Beispiel schon gut gekleidet« Puppen von 25 Pj. an findet. Eoenfo verhält es sich mit den Eisenbahnen. Man steht sie in einfacher Ausführimg von 25 Pf. an. Man könnt« noch viele Taufend sehenswerte Spiel- waren, die das Eitern- und Kindesherz ersreucn, besonidcrs er- wähnen.— Ganz besonder« Vorteile aber bieten die hervorragend eingerichteten großzügig angelegten Abteilungen Radio, Sprech- a p p a r a t e und Schaliplatten mit täglichen Neueingängen aller Schlager. Es gibt nichts Verlockenderes als einen Rundgang durch diese Abteilungen. Besonderen Anklang findet allgemein auch die mit den modernsten Errungewschafien eingerichtete Leben?- mittel Halle im 4. Stock und die Stätte der G c m ü t l i 6)- k e i t der neuzeitliche Erfrischungsraum, mit Konzert, im 2. Stock. Die richtige« Weil,»acht«gelcheukel Eine wichtige Frage, die leicht gelöst werben kann, wenn mgn die Inserate der Firma Teppich-Bursch aufmerksam durchliest. Eine solche Rienge von beaebrten Dingen, die das Heim schmücken und die jobrelang Freude bereiten, feud die wirjliehen richtige» Weibnachls. aeschenke. Die Fenster-Dekorationen der Fiiwa Tepwch-Bursch bieten in ltlebt übersichtlicher Weise ein schönes Bild von diesen richtigen Eeschenfarltleln und zeigen die Preiswürdigleit dieses großen Epeziolbousts. Es wird besonders darauf aufmerksam gemacht, daß die fftrma Teppich-Bursch, Berlin E. 2. Span- daner Str. Z2, ibre Verkaufsräume auch Sonntag, 15. Dezember, von 2 bis 8 Übe geöffnet bat. Jung und alt kennt die Kaffeegroßrösterei Hinz n. Küster, die letzt ehre 199. Filiale eröffnet hat: wohl der beste Beweis dafür, wie hochwertig die Qualitäten ihrer Waren ssnd und wie gern sie vom Publikum gekauft werden. Strengster Reellität verdankt die Firma ihren guten Ruf. Wer bei Hinz und Küster kauft, hat die Gewißheit, zu angemessenem Preise das Beste zu er« halten, was auf dem Markte zu habeu ist. Gewinnauszug Z. Klasse 34. Preußisch-Süddeutsche Klassen-Lotterie. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gcwwoe gefallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II l. Fiehmigstag 13. Dezember 19SS In der heutigen ZZormittagsziehung wurden Gewinne über 130 M. gezogen 3 DeWinne|a 100000 M. 346899 6 Gewinn« ,n 2000 M. 83846 138035 156828 4 Sewinn« in 1000 M. 62380 203881 4 Gewinns zu 800 M. 84777 255623 24 BeWinne«u 500-IN. 25430 27543 38453 139487 196998 293587 306781 308722 353903 356429 366522 380993 104 Sewinn« zu 400 M. 4825 16335 19680 27292 33329 41402 45273 55332 63097 73369 77930 78421 81243 104337 106854 116587 119655 123754 152917 155370 157382 159680 159853 189446 193698201273 204127 208930 213720 215696 222050 223599 248171 251512 256101 264576 267571 267515 269702 285802 289200 314449 322440 323514 333855 349562 354090 359239 370444 371919 372296 375059 236 Gewinne zu 240 M. 2221 2370 11593 14203 15549 19668 25448 28364 26341 32673 33376 35757 37676 33048 40725 46833 46709 47557 51785 53743 53805 62705 6632S 72182 78383 80263 34542 L625I 37572 91 823 94466 g 02307 105558 107965 109293 11232« 116258 117645 118558 125217 125688 125874 126064 136009139105 146287 146595 148807 152524 152860 154233 154879 158572 161508 164995 168094 171329 174811 178348 188162 200553 216334 217238 223849 224300 225885 234624 235065 242494 249054 251726 262110 279154 280712 281180 284125 285635 286073 287014 291044 294469 297927 304642 304773 307772 309632 310646 311306 314705 314812 317580 319362 320793 321064 321146 323053 330030 335332 342374 350842 352423 360664 365241 366094 366877 370544 371343 371568 373430 374022 374398 384668 388341 388412 390133 390259 393249 395912 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 1A1 M. gezogen 2 Gewinn« 1« 3000 M. 377341 6»«wmn»»u 1000 M. 882Ö9 142305 199391 12 Dernirn« zu 800 M. 25130 60290 62833 97816 161560 257003 28 D-Winn- ,v 500 M. 2053 63543 65377 92470 113716 116869 232017 232372 271679 286355 334295 345451 377728 391.903 33»«Winne in 400 M. 6735 19108 23390 29066 31646 37142 68686 69144 72188 83178 92818 94721 137581 138633 149080 151722 163704 168819 173069 177659 136940 193585 198343 210595215896 226207 229303 229842 233910 234072 248317 252430 263294 292887 297074 310160 310941 330016 335032 347142 349663 358131 393013 284 E«Winne zu 240 ffil. 169 19846 21706 2381 1 24281 25377 28078 30072 31041 31117 33444 35268 35289 35989 37623 39643 41213 41984 49874 53630 57198 61269 61977 65656 65725 67329 67574 68286 68510 696'>0 77669 80277 83767 83765 90934 91419 96338 67521 99750 99961 101733 106100 108015 109873 111558 113443 114640 115613 118557 126698 132183 158359 159238 161979 170158 171102 176914 177598 177919 179546 181808 188782 189534192221 194268 197502 198399 199041 202648 206304 207001 212506213648 219063 223011 226839 231483 232753 234895 238737 241260 243115 247306 248058 248816 255803 258373 261020 261953 282053 269456 269457 269686 271533 275440 276771 276387 279976 880068 282723 288421 288719 290878 292745 304434 309989 314387 315912 316904 319460 321417 328861 331771 335482 337309 342238 342290 345170 349661 353433 853605 354602 332709 336322 366832 367454 367834 367851 372503 376621 377018 380202 385603 387305 387740 388693 390063 392100 393208 394770 397390 399730 Die in der heutigen Vormittagsziehung gezogenen beide» Hauptgewinne von je 100000 M. fielen auf Nr. 340800 ttr Abteilung I nach Lingen lEms), in Abteilung ll nach Guben. «Aber Mann! 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Nach der Auffassung des Deutschen Städtetages bilde die Ausstellung einer Eröffnungsbilanz über den Ausgabenbedarf der gesamten öffentlichen Finanzwirtschast in Deutschland die Vor- aussetzung für eine Losung des Finanzproblems. Vom Slandpunkt der Gemeiniden müsse es als sehr bedenklich bezeichnet werden, daß bisher in der Diskussion über die Fiilanzreform die Frag« der Ausgabendeckung gänzlich im Hintergrund ge- blieben sei. Auch bei der Neuregelung der Gewerbesteuer mit der beabsichtigten durchschnittlichen Senkung von 20 Prozent dürft« unter keinen Umständen so schematisch vorgegangen werden, wie dies im Reformprogramm der Regierung vorgesehen sei. Man müsse sich vergegenwärtigen, daß bei einem Reichsdurchschnitt der B«. lastung von IlW Prozent die Gewerbesteuerbelastung in Preußen mit 119 Prozent etwa zweimal so hoch sei wie in Sachsen mit fil Prozent und sechsmal so hoch wie in Braunschweig mit 21 Pro- zent. Zwischen den einzelnen Städten beständen Spannungen in der Belastung zwischen 48 und 499 Prozent. Es wäre unter diesen Umständen«in Unsug, die Gewerbesteuern in Braunschweig wie auch in Sachsen zu senken, vielmehr sollt« man alles daran setzen, durch scharfe Staffelungen die in der Tat drückenden Höchstsätze der Gewerbe st euer wirksam zu ermäßigen. Der Deutsche Städtetag müsse auch gegen die im Reform- Programm der Regierung vorgesehene Höchstbegrenzung für die Realsteuern(Steuern aus Grundbesitz und Gewerbebetrieb) Front machen. Der Zuschußbedars der deutschen Großstädte sei allein in den letzten beiden Jahren um 342 Millionen, das sind rund 25 Pro- zent, gestiegen, während sich demgegenüber das Steueraufkommen nur um 299 Millionen erhöht härte. Der gesteigerte Zuschußbedars sei fast durchweg durch zwangsläufige Ausgaben ent- standen, denn allein 133 Millionen entfallen hiervon auf das Schul- und Brldungswesen, und zwar in der Hauptsache auf Befoldungs- kosten, die dem Einfluß der Gemeinden entzogen seien und weitere 77 Millionen aus das kommunal« Wohlfahrtswesen. Auch dies« sozialen Ausgaben seien zwangsläufig und würden nach den Erfahrungen der letzten beiden Jahre auch weiterhin zu- nehmen, denn die Zahl der vom städtischen Wohlfahrtswesen versorgten Erwerbslosen, also der ausgesteuerten Ar- beitslosen. steig« ganz unabhängig von der Entlastung des all- gemeinen Lrbeitsmarkte«. In einer westdeutschen Großstadt seien die von der Wohlfahrt unterstützten Erwerbslosen vom Herbst 1927 bis 1928 von 699 auf 2999 Personen gestlegen. Im Oktober 1929 aber habe sich ihr« Zahl weiter auf 4999 Personen erhöht. Hält also die Steigerung dieser zwangsläufigen Ausgaben für die Kommunen weiter an, werden ihnen aber andererseits die Einnahmen durch die neu« Finanzreform beschnitten, so können die Gemeinden auch beim besten Willen nicht mehr den ihnen vom Gesetz vorgeschriebenen Ausgaben gerecht werden. Der Deutsche Städtetag müsse daher nochmals eindringlich ans die riesige Verantwortung hinweisen, die der Reichstag damit übernehme, daß bei den ungeheuren sozialen und wirtschaftlichen Umwälzungen der Gegenwart der öffentliche Finanzbedars auf fünf Jahre hinaus festgelegt wird. In der Frage der Einkommen st euer stehe der Städtetag aus dem Stairdpunkt, daß die bisherig« Beteiligung der Gemeinden an der Einkommen- lind Körperschaftssteuer erhalten bleiben solle, während Biersteuer und Spiritusmonopol reine Ländersteuern werden sollten Das Aufkommen der Gemeinden an den aus der Einkommensteuer fließenden Ueberweisungen müsse durch Reichsrecht in der bisherigen Höhe gesichert werden Die Form der Kopf st euer lehnte Dr. Mulert bei der Einschaltung einer beweglichen Einnahmequelle aus sozialen Gründen ab. Er betont«, daß dieser sogenannt« bewegliche Einnahmefattor die Gesamtheit der Gemeindebürger erfasien, den sozialen Anforde- rungen genügen und finanziell ergiebig sein müsse. �_ Am Schluß seiner Kritik befaßte sich her Präsident des Deutschen Städtetages mit der in dem 14-Pulikte-Programm der Reichsregie- rung angekündigten verstärkten Staatsaufsicht über den Anieihebedarf der Gemeinden. Sowohl diese verschärfte Staatsaus- ficht, wie auch der beabsichtigte staatliche Revisionszwang für Ge- meindebetriobe stoße offene Türen ein. Die Geiamtheit der deutschen Städte habe einstimmig den Entschluß gefaßt, die kurz- fristigen Schulden zu konsolidieren, und die Auswirkungen dieser Aktion mochten sich bereits weitgehend bemerkbar. Auch die künftig« kommunale Anlerhepolitik würde durch die getroffenen überein- stimmenden Beschlüsse der kommunalen Organisationen eine durch- greifend« Umgestaltung erfahren. Die hierfür vorgesehenen Kredit- a u s s ch ü s s e seien in einzelnen Ländern bereits gebildet, in anderen Ländern, wie in Preußen, in Vorbereitung begriffen. Desgleichen stehe die Revision der ö f fentlichenUnternehmungen durch eigene Einrichtungen der kommunalen Selbstverwaltung vor einer gänzlichen Neuordnung. Es müsse nochmals in der Oeffentlichkeit nachdrücklich darauf hingewiesen werden, daß bei den Kommunen der ernste Wille besteh«, ohne das Eingreifen des Staates und ohne ein« neue Aufblähung des staatlichen Kontrollapparates, das An- leihe- und Reoistonsproblem auf der Grundlage der Selbstverwal- tung zu lösen. Di« Gemeinden hoben für die dringlichen Forderungen der Wirt- schaft auf steuerliche Entlastung volles Verständnis. Sie erwarten aber auch ihrerseits, daß die Wirtschaft den Ausgaben der deutschen Kommunen das gleich« Verständnis entgegenbringt. Di« Reichs- finanzreform dürfe in ihrer bis jetzt vorgelegten Fassung nicht Gesetz werden. Die Städte erwarten, daß der Reichstag auch den Kommunen gegenüber sein« Pflicht tue. Reichsvantpräsidenten... Sie haben eilf Gehalt von 340000 Marl vnd erhalten eine Abfindung von 2720000 Marl. Am 8. August d. I. hat die„Allgemein« Deutsch« Beamten- zeitung' festgestellt, daß da» Gehalt des Reichsbonkprästdenten 349 999 Mark betrag« und dt« Mitglieder de» Direktoriums der Reichsbonk«in Gehalt von 189 999 Mark beziehen. Wenn ein Reichsbankpräsident oder ein Mitglied des Direktoriums ohne Der- schulden ausscheidet, erhalten sie als Abfindung den achtfachen Betrag de» Johresgehalte». Das sind für einen Reichsbank- Präsidenten 2 729 999 Mark, und für ein Direktoriumsmitglied 1449 999 Mark. Not der Wirtschaft— Aopitalbildung— Sparsamkeit! Wir sind auch nicht neidisch. Ader... Lim die Vergbauresorm in England. Dürgerblock gegen Labour-Party. Der englisch« Handelsminister Graham hat jetzt die Vorlag« des englischen Kohlengesetzes, das im Unterhaus in Kurze zur Dis- kussion stehen wird, veröffentlicht. Mit diesem Gesetz will die Labour Party endlich die schon seit Jahren fällige Reform und damit die Rationalisierung des britischen Kohlenbergbaues im großen durchsühren. Die ständige Verschleppung dieser für die britische Wirt- schaft lebenswichtigen Frag« durch das Kabinett B a l d w i n, das sich bekanntlich sehr stark im Schlepptau der Zechenherren befand, gehörte zu den, größten Unterlassungssünden des von der Labour Party gestürzten konservativen Kabinetts. Das neu« Gesetz regelt zunächst die Syndizierung des englischen Bergabaues, die in ihrer großen Linie dem vom rheinisch- westfällicben Kohlensyndikat angewandten System gleicht. Bis vor kurzem war unter den Zechenbesttzern noch eine starke Opposition gegen diesen Teil des neuen Bergbaugesetzes vorhanden, die aber jetzt ihren Widerstand ausgegeben hat. Als ein Zugeständnis der Regierung an die Unternehmer ist die Bestimmung aufzufassen, daß die Marktorganisation und die Preisfestsetzung von den Zechenbesitzern selbst vorgenommen wird. Allerdings bleibt der Regierung e i n Vetorecht vorbehalten. Ob bis zu dem vorgesehenen Termin, dem 31. März, der Zusammenschluß in den einzelnen Kohlendistrikten und sodann der Gesamtzusanunenjchluß durchgeführt werden kann, muh bei dem immerhin schleppenden Verlaus der Verhandlung«» bezweifelt werden. Ferner wird in dein Gesetz die Kürzung der Arbeit»- zeit um eine halbe.Stunde auf insgesamt 714 Stunden festgelegt. Das während des großen Streiks 1926 von der Baldwin-Regierung geschaffen« Arbeit-zeitgesetz läuft Im Sommer 1931 ob. so daß damit der vor dem Arbeitskamps von 1926 bestehende Sieben stunden- tag wieder in Kraft tritt. Im dritten Teil des Gesetzes wird die Errichtung eines sogenannten National Boards, einer nationalen Aufsichtsbehörde, festgelegt, die die Arbeitszeitfragen, Arbeitsbedin- gungen und Lohnsragen zu bearbeiten hat. Bei den Liberalen wie auch bei den Konservativen macht sich jetzt schon ein sehr heftiger Widerstand gegen das Kohlen- gefetz bemerkbar. Besonders stark opponieren die Unternehmerver- bände gegen die beabsichtigte Einrichtung des National Boards, der in gewisser Hinsicht dem deutschen Reichskohlenrat ähnelt und den Preisschutz für die Konsumten übernehmen soll. Lloyd George hat bereits erklärt, daß er in den kommenden Wochen bei der zweiten Lesung des Gesetzes im Unterhaus einen Antrag auf Ab- lehnung einbringen werde. Eine Gesamtentscheidung der Unternehmer liegt zurzeit noch nicht vor, jedoch ist die Stimmung in diesen Kreisen durchaus nicht einheitlich. Jedenfalls wird das neue Kohlen- gesetz in allernächster Zeit heftige innerpolitische Kämpfe in England entfesseln.__ Kommunalanleihen zu 4�/2 proz.! 2,35 pro,, über pari!- Wo? In USA. Die amerikanischen Gemeinden nützen die Stimmung aus den amerikanischen Barsen, die jetzt gegen die Aktienwerte und für fest- verzinsliche Anleihen ist, für sich ans. Wie aus New Jork gemeldet wird, sind im Monat Dezember bereits amerikanisch« Kommunalanleihen im Betrage von fast 299 Mil- lionen Dollar aufgelegt bzw. ausgenommen wor- den. Die größte Anleihe ist die der Stadt New York von 65 Ml- lionen Dollar, die mit 414 Proz.(!) verzinslich ist und zu einem Kurs« von 192,35 Proz.(!) von einem Bankenkonsortium ausge- nommen wurde. Wahrscheinlich kostet die Anleihe also netto noch etwas weniger als 414 Proz. Deutsche Kommunolanleihen würden selbstverständlich in New Port teurer sein. Mit Sicherheit wären sie aber in New Port, gemessen an deutschen Zinsoerhättnisien, sehr billig umerzubringen, wenn nicht der allmächtige(warum eigentlich allmächtig?) Reichs- bnnkpräsidem in Deutschland überhaupt gegen Auslandsanleihen. besonders aber für Kommunen, wäre.(Warum der Reichsbank. Präsident heut« grundsätzlich gegen Auslandsanlechen ist, mutz erst die Geschichte zeigen.) Weil aber ein solcher Grundsatz von einem au» unwägbaren Gründen allmächtigen Reichsbankpräsidenten vertreten wird, mutz die deutsche Wirtschaft, müssen die deutschen Städte, mutz die öffentliche Wirtschast in Deutschland den Anschluß an eine gute Anleihckonjunktur im Ausland«, die ein sehr gutes Geschäft für die deutsche Volkswirtschaft sein konnte, versäumen. Wenn das nun jenseits des Korridors geschähe, wir würden es polnische Wirtschaft nennen. Aber in Deutschland herrscht Ordnung, herrscht k a p i t a l i st i s ch e„Ordnung"! Vertagte Entscheidung. Zur Kapitalerhöhunq bei den Ve- einigten Elekirizitäts- werken Weflfalen. Wie aus Essen gemeldet wird, ist in der Berwaltiingsratssitzung der Bereinigten Elektrizitätswerke Westfalen über die beabsichtigte Kapitaierhöhung gestern noch keine Entscheidung gefallen. Man wird dies« Tatsache noch nicht in dem Sinne aufzufassen haben, daß die Verwaltung der BEW. etwa aus ihren Wunsch schon verzichtet hätte, ein« teilweise Privatisierung dieser größten, rein kommunalen Elektrokombinaii.m herbeizuführen, die bekanntlich durch Beteiligung der privaten Gruppe des RWE.(!) an der Kapitaierhöhung erfolgen soll. Staat und Oeffentlichkeit werden also die weitere Entwicklung der Dinge in dem BEW. noch sehr kritisch zu oerfolgen haben. Uebrigens bestätigt die„Vossische Zeiwng' vollinhaltlich unsere in unserem Artikel„Schacht verkauft aus" gegebene Dar- stellung. Die„Vossische Zeitung", ein bürgerliches Blatt, lehnt bemerkenswerter Weife die Beteiligung der privaten Gruppe des RWE. ab und weist darauf hin, daß es in erster Linie die staat- liche Preußische Elektrizitäts-A.-G. sei, die bei einer Beteiligung Außenstehender zur Kapitalbeschaffung für ein« öffent- liche Untersuchung herangezogen werden müsse, wenn schon die Kommunen dazu nicht in ausreichender Weise finanziell gerüstet feien. Oie Frage der Schuhzölle. Arbeiterschaft im ZbichSwirtschastsrat dagegen.— Ein Angebot Batas. Im Reichswirtschostsrat haben sämtlich« Vertreter der Gewerkschaften sich gegen eine Erhöhung der Schuhzölle ausgesprochen. Dies« oolkswirtschaftrich verständige Entscheidung der Gewertschasts- Vertreter ist um so bewundernswerter, als die deutsche Schuharbeiterschaft furchtbar unter Arbeitslosigkeit leidet. Den Unternehmern gibt solche Selbftbescheibung um der Vernunft willen ein leuchtendes Beispiel. Man wird kaum erwarten können, daß der Reichstag der Erhöhung der Schuhzöll« günstig gestimmt sein wird. Interessant in dieser Situation ist ein Angebot der tschechischen Schuhfirma Vota an den Reichsverband der deutschen Schuhindustrie, diese möge auf ihre Zollerhöhungsroünsche verzichten und zu Verhandlungen über«ine Kontingentierung der tschechischen Schuheinfuhr bereit sein. Die Erhöhung der Schuhzölle würbe Deutschland nichts nützen, Vota würde ohnehin demnächst in Deutschland produzieren, das Ausland würde höchst- wahrscheinlich aus das deutsch« Vorgehen auch mit höheren Einfuhrzöllen antworten und damit den wachsenden deutschen Schuhexport gefährden. Natürlich vertritt hier Bata eigene Interessen. Wir sind aber auch hier für den geraden Weg und halten auch ein Koittingentsabkommen mit der Tschechoslowakei für überflüssig. verlustobschluß bei Karl Flohr. Der schlechte Baumarkl im letzten Jahr hat die Entwicklung bei der Karl F l o h r A.- G., Berlin, ungünstig beeinflußt. Es wird ein Verlust von rund 349 999 Mark ausgewiesen, der allerdings durch den Gewinnoortrag aus dem letzten Jahr gedeckt werden kann Bereits Ende 1928 mußte die Gesellschaft zu Belegschaf'sabbauten und Produktionseinschränkung schreiten, die auch im Lause dieses Jahres noch fortgesetzt wurden. Der gegenwärtige Auftragsbestand belaufe sich allerdings auf rund 6 Millionen, jedoch befänden sich hierunter velfchi ebene Großaufträge für Bauvorhaben, deren Fertig- stellungsfristen noch unbestimmt seien. Engelhardt-Vrauerei wieder 13 Prozent Dividende. Die Berliner Engelhardt-Brauerei zahlt für das Geschäftsjahr 1928/29 wieder die gleich hohe Dividende von 13 Prozent Der ausgewiesene Reingewinn hat sich von 1,98 auf 2,91 Millionen er- höht. Di« in einer Gesellschaft zusammengefaßten ostdeutschen Brauereien des Engelhardt-Konzerns sind an diesem Ergebnis nicht beteiligt. Der Absatz konnte im letzten Geschäftsjahr durchweg g e- steigert werden. Große Auslandsaufträge für de« fchlejische« Maschinenbau. Die Hirschberger Maschinenbau A.-G. vorm. Starke u Hoff- mann hat jetzt einen größeren Auslandsauftrag aus Südamerika erhalten und zwar die Einrichtung einer vollständigen Mälzereian- läge in Chile. Außerdem hat die Gesellschaft mehrere Aufträge aus Dieselmotoren aus Griechenland und Rumänien erhalten. Da- mit ist der gegenwärtige Befchäftiaungsstand für die nächsten Mo- nate gesichert. Bei der großen Arbeitskrise, unter der besonders in Schlesien die Maschinenmdustrie leidet, ist dieser Zuwachs an neuer Arbell sehr erfreulich. Au» dem Vala-Sonzera. Die Romeo- Schuh- A.»G. gehört sett einigen Monaten dem tschechischen Echuhmagnaten Thomas Bata. Bei der Gesellschaft hat sich im letzten Geschäftsjahr der schon vorher bestehende V« r l u st von 46 999 Mark aus 224 999, also auf da» Fünffache erhöht. meine verläßlich gefärbter Zahnbclag.„Em Kummer waren stet»( gelben Zähne. Nachdem ich alle Hilfsmittel angewandt hatte,— sucht« ich es mit Ehlorodont und die Wirkung war erftauntich Heut« erfreu« ich mich gesunder weißer Zähne." Gez. E. Jacobi, Lands- borg a. d. Warthe. HOCHWERTIGE EOEL-CIGARETTE Landiag vertagt. Oer Etat für �930 dem Hauptaugschuß überwiesen. In d«r am Freiitaa fortgssetzten Edatdebatte des Preußischen Landtages, über deren Zlrrfang wir bereits gestern im„Abend" berichteten, bedauert« Abg. Zaspert(Dnat.), daß der politiische Iirstinkt Hugenbergs nicht anerkannt wird.(Lachen links.) Der Einheitsstaat dürfe nicht über die Zerschlagung Preußens kommen. Di« Deutschnotionale Partei stehe urrter Führung Hu-genberg, dem das deutsch« Voll dankbar sein sollte, auf festem Grund. Abg. Dr. Heß(Z-) erklärt zur Frage der Reichsreform, daß alle Parteien bisher die Arbeit der Länderkonferenz abgelehnt hätten. Cr glossiert den„feinen politischen Instinkt" des Herrn Hugenberg, der seine Partei ouseinandergetriebelr habe. Als Dortitzender einer angeblich christlch konseroatioen Partei habe dieser auf Abgeordnete in l.cr Koirkordatxsrage Gewissenszwang ausgeübt. Wm die Deutsch» »atianaleil christliche Kulturgüter hüten, illustrierten deutlich an- stößige Filme aus Hugeubergs Ufa-Konzern. Die deutsch nationale Presse habe Wal)lniederlagen in Wahlsiege umgesälischt. Dasselbe l>ätte aber auch die sozialdemokratische Presse im Rheinland getan. Die Hugerrbeig-Episade fei ein Kapp'Putsch mit anderen Mitteln, der sich obwirtsclxKlcn werde. Abg. Kasper(Kamins bezeichnet ein« Aeußcrung des Abg. Heß, daß an der herrschenden Demokro-ti« nichts zu ändern sei, als grüßen. wahnsinnig. Das Heil könne nur von Sowjet- Rußland kommen. Abg. Dr. Leidig(DVp.) stellt mit Genugtuung fest, daß da» Zentrum sich in der Frage der Kopfsteuer der Aussasfung der Vollsportei angeschlossen hat. Die Volkspartci, die stets den Standpunkt eines einheitlichen teiswngsfähigen Deutschlands ver» treten Hab«, wolle unter den gegenwärtigen Umständen Preußen in setner jetzigen Form aufrechterhalten. Gegen die Subventions- Politik habe seine Partei die schwersten Bedenken. Es wäre ein Unrecht ersten Ranges, wenn man die Verwaltungsalbgaben in Form der Kopfsteuer aufbauen würde, weil das eine Velastung der kinderreichen Familien wäre. Im Kampf um den Voung-Plan müsse zugegeben werden, daß er immer noch günstiger als der Dawes-Plon ist. Abg. Göll(Dero.) ist entgegen der Auffasstrng des Finanz- Ministers der Meinung, daß am Etat doch noch gespart werden törnire. Die Wirtschafts partei est mitverantwortlich für das jetzige Steuersystem, das sie mit der Annahme des Reichsfin-mzausgleichs von 1925 im Reichstag gegen den Widerspruch der Demokraten zur Annahm« verlasen hat. Die Wintschastspartei habe damals dafür gestimmt, weil damals sonst an Stelle einer Rechts- eine Linksregierung gekomnren wäre. Mit dieser politischen Maßnahme I-obe die angeblich unpolitische Wirtschastsparter den Mittelstand schwer geschädigt. Abg. Hoase-Liegnitz(Wirtschp.) weist d!« Angriff« des Dar- redners zurück. Nach weiteren Ausführungen der Abgg. Dr. Graf Posadowski (Volksrcchtspartci) und Biester(Deutsckx Fraktion) schließt die Debatte. Der Gesamtetot für 1939 wird hierauf dem Hauptausschuß über- wiesen. Das Haus vertagt sich aus den?l. Januar l9Z0. Gtudent und Arbeiterbewegung syerbandstag des Verbandes sozialdemokratischer Studenten Am Freitag wurde der Verbandstag des Verbandes sozialdemokratischer Studierender Deutschlands und Oesterreichs durch eine Kundgebung im Plenarsaal« de? llierchswirtschastsrats eröffnet. Der Vorsitzende des Verbandes, Dr. Friedlönder, hielt eine kurze Begrüßungsaniproche. Er begrüßt« b«- londers die anwesenden Vertreter der Partei, der Gewerkschaften, der sozialistischen Arbeiterjugend und der ausländischen Sektion der internationalen sozialistischen Studentenföderation, von denen ous Pole«, Lettland, Litauen, Ungarn, d« Tschechoslowakei. England und Spanien Vertreter entsandt waren. Besonderen Beifall erregt« ein Begrüßungstelegramm des Reichskanzler» Hermann Müller, das der Tagung den besten Erfolg wünschte. Be- grüßungstelegramme und Schreiben waren auch von dem Reichs- arbeitsminister Wissel!, von dem Braunschwsiger Minister für Volksbildung S i e v e r s. vom Polizeipräsidenten Z ö r g i« b e l, vom Vorstand der Sozialdemokratischen �Arbeiterpartei Oesterreichs und vom Berliner Bezirksvorstand des SPD. eingelaufen. Als erster Redner sprach vom sozialdemokratischen Partei- vorstand der Abg. Crisplen. Er betonte die mg« Verbundenheit zwischen sozialistischer Bewegung und Wissenschaft, die sich aus die grundlegenden Werke der Begründer der modernen Arbeiterbewegung stützt. Die Erkenntnis, daß innerhalb des Rahmens der bürgerlichen Gesellschaft wirkliche wissenschaftlich« Freiheit nicht möglich sei, müsse auch die heute noch von reaktionären Gedanken beherrschten Chr. dentm in immer steigendem Maße dazu bringen, daß sie sich der sozia- listischcn Bewegung anschließen. Zur Roll« der Intellet- tuellen innerhalb der Arbeiterbewegung hat die Partei in ihrem Programm grundsätzlich Stellung genommen. Wir sind uns klar darüber, daß die Partei und die Gewertschastsbewe- gung ein« große Reche von wissmschaftlich geschulten Funktionären braucht, die sie in verantwortliche Stellen des von der Ärbesterschast in immer weiterem Maße eroberten Verwaltungsapparates hinein- stellen kann. Die Sozialdemokratische Partei und die gesamte Arbeiterbewegung kämpft dafür, daß da» Privileg der Wissenschaft- lichen Bildung, da» häufig für die herrschend« Klasse besteht, auf- gehobm wird, und das die Arbeiterschaft den Zutritt zur wisienschast- lichm Ausbildung erhält. Die praktischen Vorschläge der sozial- demokratischen Studenten zur Hochschulreform beweisen, daß die sozialdemokratischen Studenten sich der großen kulturellen Auf- gaben bewußt sind, die sie in solidarischem Kampf mit der gesamten Arbeiterklasse zu erfüllm haben. Roch einer kurzen Begrüßung durch einen Vertreter der Berliner Ortsgruppe der Vereinigung sozialdemotratiscker Studierender sprach knost vom Bundesvorstand des ADGD.. Auch er betonte, daß die Gewerkschaftsbewegung schon seit langem die Notwendigkeit empfind«, die Zusammenarbeit mit sachlich und wissenschaftlich geschulten Genossen aufzunehstien. Da» Interesse der Gewerkschaften an dem Problem der sogenannten Intellektuellen datiert nicht erst seit heute, sondern seit dem Jahr« 1900, wo e« eine Sensation war, als Karl Legi«» in einem Kreise von Akademikern über die Fragen der Gewerkschaftsbewegung sprach. Di« Arbeiterbewegung hat den Akademikern erst volle geistig« und polltische Freiheit erkämpft. Die Akademiker hoben dafür eine Schuld an die Arbeiterbewegung abzutraaen. Es ist die sozialistische Stundenten. bewegung, die diese große Ausgabe in Angriff nimmt, und es besteht die Hoffnung, daß in absehbarer Zeit dies« Aufgab« auch Erfüllung finden wird. Landtagsprösident Bartels betonte besonders die Wichtigkeit repu- blikanischer und sozialistischer Beamter für die Eroberung der Staats- macht für die Arbeiterklasse. Für den am Erscheinen verhinderten Reichsimienminister S e o e r! n g überbrachte Baurichler die herzlichsten Grüße und die Versichening, daß der Minister alles daran setzen«erde, um nach seinen.Kräften den unsozialen Ausbau der heutigen Hochschulen zu beseitigen und das immer weitere Umsichgreifen der Reaktion auf den deutschen Hochschulen zu bekämpfen. Nach Professor Cunow, der im Namen der sozialistischen Hoch- schullehrer sprach, ergriff Ministerpräsident Otto Braun, von starkem Beifall begrüßt, da» Wort. Er wünschte dem Kamps« der sozialistischen Studenten, die auf den Hochschulen gegen die Re- aktion einen schweren Stand haben, baldigen Erfolg und betont« d!« Notwendigkeit, die leitenden Funktionär« im Staatsapparat der Republik aur aus solchen Kreisen auszuwählen, die ein wirkliches Verständnis für die Bedürfnisse eines- freiheitlichen Staatswesen» haben. Der sozial« Ausbau der Deutschen Republik, den wir alle wünschen, ist längst nicht beendet, und wir brauchen für ihn Menschen, die nicht nur em Lipper> bekenntms für die Republik ablegen. Besonders scharf sprach sich Ofto Braun gegen die Standesvorurteile und den Kastengeist des heutigen Akademikertums aus. Er richtete die Forderung an die sozialdemotraftichen Studenten. alle die Vorzüge, die ein Studierender gegenüber den Millionen hart arbeitender Volksgenossen hat. auch gewissenhaft der Allgemeinheit wieder nutzbar zv machen. Um die Zukunft unseres Voltes kann es uns nicht bange sein, wenn in svAtoleni Sinne die Arbeit an Staat unÄ Volk geleistet ivlu, die ein untrennbares Ganzes bilden solle Ollenhauer, der Vorsitzende der Sozialistischen Iugmdinternativ- nale, betonte die geistige und politische Einheit der sozlalistischcn Studenten- und Jugendbewegung. Es war tn diesem Sommer in Wien, als studierende und arbeitend« Jugend in einer Front, als Jugend einer Klasse, für den Völkerfrieden und die soziale Gerechtig- keit aufmarschierten. Wenn der Kampf Schufter an Schlüter fort- gesetzt wird, wird es der Arbefterbewegung gelingen, nicht nur die große Masse zu vereinigen, sondern auch an Qualität des geiiügen Niveaus olle anderen politischen Bewegungen zu überragen. Da» ist die Vorbedingung für den Kampf um die Macht in Staat und Wirtschaft. Für den Allgemeinen Deutschen Beamtenbund sprach vr. völt-r. für die Allgemeine freie Lehrergewerkschast Schaller, für die Arbeits- gemeinschaft der sozialdemokratischen Lehrer an Höheren Schulen und fiir den Verein der Freund« sozialdemokratischer Studierender Frau Ministerialrat Dr. Wegscheidel. Landgerichtspräsident Rüben sprach für die Vereinigung sozial- demokratischer Juristen, und die Vertreter Spaniens und Englands überbrachten noch kurze Grüß« ihrer Organisaftonen. Auch der englisch« Ministerpräsident M a c d o n a l d hatte durch den englischen Vertreter seinen Gruß übermitteln lassen. Noch einer kurzen Rede des Wiener Genossen vohmann als Vertreter des Exekutivkomitees der Interationalen Sozialistischen Studentenföderation hielt Dr. Friedlönder ein Referat, das kurz die Aufgaben des Dcrbandstages zusammenfaßt«.._ Er wie» auf den erfreulichen Anfstreg des Der- band es hin, der sich von zirka 400 Mitgliedern im Jahr« 1922 an? 4100 Mitglieder in diesem Jahre vermehrt hat Orts- gruppen bestehen in Berlin, Breslau. Braunschweig, Danzig, Dresden, Frankfurt a. M.. Freiburg!. Br.. Gießen, Graz, fflötftngen. Greifs- wald, Hamburg. Hannooer, Heidelberg, Jena, Kiel.�Köln, Kömgs- k>-rq, Leipzig, Mannheim, Marburg, München, Münster, Rostock Tübingen, Wien. Würzburg und LIn.z. Die Arbeitsleistung des Verbandes konzentrierte sich in letzter Zeit auf den Ausbau und die Ausarbeitung eines Programms der sozialen Hilfseinrichtungen für das Studium. In der Vergangenheft muhte ein scharfer Kampf gegen die in der Deutschen Studentenschaft vereinigte Hochschul- reaktion oeführt werden, die sich noch der Unterstützung der meiste». Hochschullehrer erfreut. Die Bildungsarbeit versuchten die neu- oewoi, neuen Mitglieder über ihre Bedürfnisse und Ziele in sozio- listischem Sinne auszuklären und ihre wissenschaftlich« Facharbcit marxistisch zu durchdringen....... Zum Schluß verlas Dr. Friedlävder em ausführliches Reformprogramm für dos gesamte wissenschostlich« Bildung» wesen, das sich sowohl auf die Organisation der Hochschul«, als auch auf den Kampf gegen das Bildungsmonvpol der Besitzenden er streckt«. �. Die gutbesuckte Kundgebung wurde mft dem Gesang der International« geschlossen. Erstklassiges Weihnachtsgebäck, schmackhaft, bekömmlich und billly, kann jede Hau�rau leicht her stellen. Die klar abgefaßten Rezept« im.Küchenwunder"-Kochbuch und in vr. Oetkers Rezeptbuch ermöglichen ohne Vorkenntnisse das Backen im.Luchenwunder"(der einfach« und sicher«, fest Jahren bewährte Back- und Brat-Apparvt). Die Verwendung von I> Q-tkers Backpulver erstöht die Sicherheit des Gelingen� ausgesuchte wertvolle Welhnachts- Bücher liegen In folgenden aufgeführten Vorwärts- Filialen sur Auswahl für den Gabentisch der werktätigen Familie auss AckerstraBe 174 BaerwaldstraBe 47 PrinzenstraBe 63 Markusstraße 36 Petersburger Platz 4 Lausitzer Platz 14-15 ImmanuelklrchstraBe 24 Wilhelmshavener Str. 48 M Ul lerstr.44(leke Utr*eM«rStr.) Wattstraße 9 BastlanstraBe 7 Greifenhagener StraBe 22 Lichtenberg, Wartenbergstraße 1 Lichtenberg, Boxhagener Str. 62 Schöneberg, Belzlger Str. 27 Neukölln, Neckarstraße 2 Neukölln, Slegfrledstr. 28- 29 Charlottenburg, Sesen- heimer StraBe 1 Treptow, GraetzstraBe 50 än den Wochentagen geöffnet von 14 bis IS Uhr Für den Manns Holz DafnU. Lustige Frefe- und Sauflieder. Halb). 7.20 V/ Öhrle Ouerecdisger. Dos fjumserbudi gebd. 3.00 50 var r» In VenaiUes. Mit Beitrlgen von Lands- 4 AA ocnin berg, Müller u a............. gebd. 4.ütl Fällst Dl« letzte SdiidiL Ein Dergorbeiierroman geb. 2.80 Boimelycke LokomoHvtührergesdilchten geb. 2.80 Braun ZeUungsfiremdwfirterbacb. Neue Aufl. Leinen 2.00 Emil Ludwig Wtlhebn U......... Leinen 2.85 IT—»a— Zwlicheo Porana and ritte Menschen yn SA aiemsen............. aeschenkband Ä.3U Für die Kleiiieit und Weiitslons Sfimiliche Bllderbüdier mit Texten von Bruno Schönlank Wcltfahrt zum Auszieh. u. Aufsfell., Pappe unierrelSb. 2.00 DaS Schuljahr Pappe. unzerreiEbar.... 2.00 Unsere Freunde TIerbnderb., Pappe, unzen-elbb. 2.00 Gullivers Reisen.......... 0.25 Aufs Land hinaus........*. 0.25 Mit Lokomotiven in die Welt... 1.50 Des Landwirts Tiere........ 1,50 Menttben and Menwhenkinder ans aller-» AA aicmsen Welt.......... kleschenkband O-W fon: Sitt S OtüliSZ Ton der„Italstfahri" durch den auHraliSchen Sfrujch iort sind zwei Kerl«, und dl« fechten«nlteinand«? einen Strauh nusl Hallo, schaun wir uns die Hetz an.'' Es schiien ein merkwürdiger Ort für einen Zweikampf zu fein — diese giühheiße. öde Baumwollstaudenebene. Nicht ganz«in« tr-itw Meile davor schienen zwei Männer zu stechen, die auf d«r Landstraße miteinander einen Zweikampf austrugen. Die drei Reisenden stellten ihr Rauchen ein und eilten noch vorwärts. Sie waren natürlich Schafsjcherer— ein kleiner Mann, ein großer Mann, der unter dem Namen, Sonnlicht' oder auch „Makarius' bekannt war, und«in hochaufgofchosiener, junger Grün» schnabel, den sie„Milchgesicht' nannten. „Tich möchte doch gerne wissen, wohin der andere Maim hin- gesprungen isi. ich sehe ihn ja gar nicht vor mir,' mein« Sonnlicht. „Er muß im Busch drin versteckt sein,' antwortet« Makarius. „Aber jetzt gehn sie die Sache scharf an, jetzt machen sie Ernst. Bor- wärts, Hungens! Macht euch auf die Bein«, damit wir uns den Spaß ansehen können!' Sie eilten also nach vorwärts. „Das ist«in sonderbar komisch aussehender Bursche, der ander« Kerl,' keuchte das Milchgesicht atemlos.»Er scheint überhaupt kem«n Kops zu besitzen. Da schau Herl Er liegt jetzt unten— nein, beide Kerl« sind jetzt auf der Erdel Sie müssen am Boden ausgeglitten sein. Nein! Sie stehen schon wieder aus den Beinen.... Was sst denn, beim Herrgott noch einmal?! Ich denk«, der andere ist«in Weib!" „Meiner Treu, es ist wahrhaftig so!' brüllte Sonnlicht. Da schau her! Di« Bestie hat den andern tatsächlich wieder glatt hi» gelegt! Und jetzt bearbeitet er ihn sogar mit den Füßen. Vorwärts, Burschen, vorwärts, oder die ljöll« wird selber eingreisen I' . Sie warfen ihr« Rückenpäcke, ihre Wasierschläuche und alles, was sie sonst hatten, auf die Erde und stürmten noch vorwärts. Aber plötzlich verlangsamte Sonnlicht, der die schärfsten Augen besaß, sein« Schritte und blieb ein wenig hinter den andern zurück. Seine Kameraden starrten nach rückwärts, in sein Gesicht, st« nahmen«inen ganz besonderen Ausdruck darin wahr, dann schauten sie wieder nach vorwärts, bis sie endlich ihren Schritt aus einen gewöhnlichen Spazierschritt verlangsamten. Endlich also erreichten sie die Schreckensszene, und hier ge- wahrten sie einen dürren alten Mann auf der Straße, der die Arm« dicht unter feine«, Kim, gefaltet hielt. Sein« Hauptkleidung bestand aus Flecken Kalltos,«in halbes Dutzend Kortstopsel. die an Spagat- stücken van der KrSmp« seine» Hutes herunterhingen, baumelten vor feinen triefenden Augen hin und her, um die Fliegen zu ver- scheuchen. Er starrte unausgesetzt und finster auf einen dicken, angefüllten Rucksack, der auf der Mtte der Landstraße lag. »Nun, alte Ratte, was ist denn eigentlich mit dir los?" fragt« Sonnlicht. ,X), nicht», absolut nicht»,' antwortete der all« Mann, ohne sich »rmzudrehen.„5ch habe mich da mit einem Rucksack übenvorfen, das ist alles. Er hat mich zu Boden geschlagen, aber ich Hab' ihm dafür heimgeleuchtet.' »Aber hör mal,' meint« Sonnlicht, indem er seine Kameraden heranwinkt«,»wir sahen, wie du auf ihn sprangst, wie er gerade am Boden lag, das ist doch nicht ritterlich.' Darm habt ihr nicht alles mitangesehen,' schrie Rats, der mit alte .Matte' angesprochene Mann,„er hat mich zuerst zu Boden ge- morsen! Und da schaut mal an. ich werbe mich noch einmal mit ihm auseinandersetzen und ihr werdet dann sehen, wie ich mich in dem Kampf ritterlich benehme.' Sie redeten noch eine Weile hin und her: dann machte Sonnlicht den Vorschlag, dem Rucksack zu sekundieren, während fein Kamerad der Sekundant des alten Mannes sein wollte, und nach einigem Meinungswechsel war Milchgesicht der Hetz wegen einverstanden, als Schiedsrichter zu fungieren mid die Gänge zu kontrollieren. Die„Ratte' begriff, worum es ging: er entblößt« sich bis zur Hüfte, und während er sich fertig machte, taten die Reisenden so, als ob sie auf den Ausgang des Jweikainpfes ein« Wette eingingen. Makarius zählte sich hinter dem Alten auf und Sonnlicht hob den Rucksack von der Erde auf. Die.Matte' fetzte sich m Position und tanzte um ihn herum: dann nahm er einen Anlauf, focht, duckte sich, sprang zurück, stürzt« nochmals vor, und dann stürzt« er mit einem Mal« wie von einer Kugel getroffen, rücklings hin. Kein Schauspieler hätte es bester gemacht: er brach von diesen fingierten Schlage zusammen, als ob ihn eine Kanonenkugel gerade mitten in die Stirne getroffen hall«. Milchgesicht nannte die Gänge, der alt« Mann erhob sich jetzt, wankend und schwankend. Kim oder holt« er zu einem furchtbaren Schlag« aus und schleuderte damit seinen Rucksack nach rückwärt, in den Busch. Es folgten ein paar andere Runden mit wechselndem Erfolge. Dl« Männer stellten sich jetzt, als ob sie innner mehr und mehr aufgeregt wären und schlössen wieder Wetten ab: und die..Statt«' tat, was sie konnte. Aber schließlich wurden ss« auch diesen Spaß müde, Somilicht ließ den Rucksack Rucksack sein, nachdem Milch- gestcht den Gang als beendigt erklärte und der Grünschnabel sprach der»Ratte' den Sieg zu. Nun mimten st» nach die Uebergobe eines Geldpreise« an den Sieger, holten dann ihre Rucksäcke von hinten, während der Alt« sein Hemd anzog. Dann wurde er ruhig, trug seinen Rucksack aus die«in« Seit« der Landstrahe, setzte sich auf ihm nieder, und begann oernünstig «ine Zeillang über verschiedene Angelegenhellen, die im australischen Busch aktuell waren, zu plaudern. Dach mit einem Male ver» stummt« er, begann seine Muskeln zu betasten und lächelte blöd- sinnig vor sich hin. „Könnt ihr mir ein Stück Fleisch leihen?' meint« er plötzlich. Sie gaben ihm«in halbe» Pfund. Doch sagt« er. daß er nicht soviel benötige, er schnitt sich ungefähr ein« Unze ab, die er oben auf seinen Rucksack hinlegte. Dann nahm er den Deckel seines Tee- kessels herunter und bracht«. eine Angelschnur zum Vorschein. Er setzte den Köder auf, warf die Angelrute quer über die Landstraße und wartet««In Weilchen zu. Bald schien sein ganges Interesse auf die Angel konzentriert, er warf sie ein- oder zweimal mit einem Rucke aus, und zog st« wieder schnell zurück. Der Köder hatte sich im Grase verloren. Der alte Mann starrte den Köder mit Widerwillen an. „Da schaut mal her!' schrie er.»Ich hatte ihn, nur daß ich es zu eilig tat. Ich hätte mit dem Fische mehr spielen sollen!' Das nächstemal war er schon«in wenig vorsichtiger, er zog die Angelschnur behutsam heraus, riß«inen imaginären Fisch her- unter und legt« ihn neben sich ins Gras. Sonnlicht und Komp. waren die ganze Zell über an dem Spaße aufs lebhafteste interefstert. »Wie denkt ihr über diesen Fang?' erkundigte sich setzt die alte „Ratte". Wenn er überhaupt etwas wiegt, dann wiegt er gewiß seine dreißig Pfund. Wie denkt ihr über diesen Kabeljau? Sitzt der Köder halbwegs in seinen Kiemen?' Er fing noch eine Reihe Kabeljau» und Brassen, während st« dort beisammen waren, dann lud er st««in, hier ihr Lager auf- zuschlagen und mit ihm zusammen Tee zu trinken. Dach sie hatten die Wsicht, eine bestimmte Hütt« am folgenden Tage zu erreichen, so ging? also weller, der alt« Mann enllich sich nach und nach etwa ein Pfund Fleisch zusammen für Köder aus— dann brachen sie auf und ließen die„Ratte" zufrieden weiterfischen. Doch vorerst längte Sonlicht in seine Tasche, holt« eine halb« englische Krone hervor, die er dem Allen mit ein bißchen Proviant schenkte.„Es wird besser für euch fein, alt« Kameraden, rveun ihr bereits vor der Dunkelheit zum Wasser kommt,' sagt« er freundlich. Als sie sich im Weiterwandern zurückwandten, sahen sie, daß die alte„Ratte' beständig noch mit dem Angeln boschäftigt war. Doch als st« zum letztenmal zurückblickten, bevor sie das Gehölz betraten. da hatte«l bereits einen neuen Zweikampf mit seinem Rucksacke begonnen.>. Sonnlicht war der Ansicht, daß zwischen den beiden ein Streit darüber ausgebrochen war, weil der Rucksack wahrscheinlich eine Lüge aufgetischt hatte, daß er den größeren Fisch gefangen hätte. tBercchtlgte llebersciun« von I. 95 c i s rn a n n.) JoSef SHiche; Springflut an der Seit den frühen Morgenstunden heulte der Sturm. In grau- geballten Wolkengeschwadern schnob er vom Meer« her. Er fegte durch die Bauerngärten, entwurzelt« die Obstbäume und zerriß die Hecken und Stauden des herbstlichen Strauchwerks. Mll Möwenschrei hatte es angefangen. Die zahlreichen weiß- gefiederten Tierchen hatten gegen Mitternacht ihre Nistplätze aus den Sandbänken und Wattbuhnen verlassen und waren zu Tausenden in die GeHöste der Menschen gekommen. Schutz suchend. Zum wild- brausenden Sturmwind gesellte sich in den frühen Morgenstunden und am Vormittag ein Regengeriesel. Wen nicht dringend« Pflicht nach draußen trieb, der blieb in seiner Behausung, hörte das immer unheimlicher werdend««sausen und suchte in seinen Erinnerungen nach einem ähnlichen Tage. Damals, als man mit Ziegen und Schafen auf den Dachboden gekrochen war, um sich der Wassernot zu entziehen. Seitdem war solches nicht mehr eingetreten. Die neu- zeitlichen Kanalisotionsmethoden und Deichbautcn boten den stets auf der Lauer liegenden Wassermassen einen Halt. Durchs Dorf mühte sich der Knecht des Gemeindeältesten. Es sei Gefahr im Verzuge. Die Deichposten müßten auf ihre Plätze. Aus einzelnen Häusern bewegten sich Gestallen nach dem langgestreckten, schützenden Deich. Zwei Stunden waren hingegangen, da begann die Sirene des nahen Leuchtturms zu heule«. In' kurzen, scharfen Tönen. Der Kirchturm fing die Warraingszeichen auf. und bald rief, laut jammernd, die Noiglocke dazwischen. Das Vieh war in Gefahr. Die Rinder und Schafe, die zu Hunderten jenseits des Deiches auf den weiten Grodenwiesen weideten. Ohne jede Aufsicht: so wie es immer gewesen. Das Vieh, das Hab und Gut der Marschbauern! In den Bauernstuben führen die Männer in die langen Wasser- stiefel oder krempelten sich die Hosen auf. Dann hinaus. Mit Stricken und Knütteln in den Händen über den Deich. Hier bot sich ihnen ein schlimmer Anblick. Meterhoch drangen in regelmäßiger Reihenfolge die grauen Springwellen über den breiten Schlickbezirk. Ihr« spritzenden ÄuÄäufer aber plätscherten und gurgelten über den angrenzenden Wiesengroden. Es schien, als wollte sich die ganz« Nords« In da, Jadebust» ergießen. Fast der gesamte Groden stand unter Wasser. Bis an die Knie stapften und stolperten' die Rinder in der grauen Flut. Dazwischen Schafe und Schweine, hier und dort ein Huhn, ein Hase, mit dem vom Wind gepeitschten Wasser kämpfend. Und alles schreiend, blökend, brüllend. Die Not ist groß. Entschlossen waten die Männer hinaus, suchen sich des Viehs zu bemächtigen. Zuweilen rutscht einer bis über die Hüsten ins Wasser. Sind doch die Wiesen mit unzähligen ver« schlämmten Gräben durchzogen. Fallen, die die alles verdeckende und gleichmachende Flut dem Auge verbirgt. Dazu heult der Sturm, peitscht der Regen, brüllen die Tiere in Todesangst. Ins einer Verzweiflung lesstet dos Getier allerlei Widerstand. Hier sst es nicht von der Stelle zu bringen, dort laufen einzeln« Stücke seewärts. Grad ins Verderben. Ein Schimpfen und Fluchen, ein Schlagen mit dicken Knüppeln. Nur widerborstig läßt es sich überwinden, an Stricken fesseln und landwärts treiben. Wo eins in einen Schlammgraben tritt, kostet es unsäglich« Mühe, es wieder herauszubringen. Am meisten gefährdet sind die Schafe. Gerät eins von diesen m eine Vertiefung, so sst es meist verloren. Das dicke Wollfell saugt sich derart voll Wasser, daß es Zentnergewicht b«. kommt und das Tier nicht mehr hoch läßt. Den ganzen Vormittag arbellen die Männer. Hier und dort sind ihnen die Frauen zu Hilf« gekommen, während die größeren Kircher vom Deich das wahrhaft nicht alltäglich« Schauspiel neugierig— ängstlich bestaunen. Ehe die Dunkelheit hereinbricht, ist das schwere Werk getan. Bis auf ein« Anzahl Schafe und zwei Kühe, die ertrunken sind, sst alles geborgen. Erst anderen Tages wird die Sichtung, der Aus- tausch vorgenommen. Don Hof zu Hof, von Dorf zu Dorf. Spät nach Mitternacht war Ebbe eingetreten. Der Sturm flaut« ab, der Deich war unbeschädigt geblieben. Wer heute über den noch mit schlammigen Pfützen bedeckten Groden geht, der sieht hier und dort ein totes Schaf, an dem die Krähen herumpicken, ein er- trunkene» Huhn, einen verendeten Hasen. Und dazu unzähliges totes Gewürm, das sich nicht retten konnte. Springflut an der Nordsee. 'Der lebende Teddybär Der Teddybär, das beliebte Spielzeug bei groß und klein, hat ein lebendes Urbild: das Original lebt in Australien. Erst jetzt hm man dort wieder ein Gesetz zu seinem Schutz erlassen, das jegliche Jagd auf den Teddybären verbietet. Im Leben heißt er Koala, mistralischer Bär, und er wird nicht höher, als das Spielzeug ihn enscheinen läßt, nämlich höchstens 30 Zentimeter. Er kommt in nennenswerten Mengen im Südosten Australiens vor, aber eben nur dort: überall, wo man ihn sonst in Zoologischen Gärten zu züchten versucht, ist er sehr bald eingegangen, weil die nötigen Lebensbedingungen fehlten. Der Koala sst ein Fruchtfresser, und zwar frißt er nur die Blüten und Früchte des Gummibaums und auch nicht jedes Gummibaums, sondern nur die des„weißen Gummi- bamns' imi) des.Smnpfgummibaums'. Er gedeiht nur auf diesen beiden, die sich besonders im Südosten Australiens finden. Sonst ist der Gummibaum mtt seiner gewaltigen Höhe(bis 14l1 Meter) und seinem Stimmumfang(bis zu 30 Meter) der charakteristsschste Baum Australiens und Tasmaniens. Die beiden Arten, auf denen der Koala lebt, sind im allgemeinen nicht so hoch. Da« Tier ist ziemlich dumm und sehr träge. Es lebt viele Tage auf demselben Baum und hockt auf demselben Platz, ganz teil- nvhmlos für sein« Umgebung: nur wenn es Hunger bekommt. kletter es langsam nach einer Knospe oder Frucht weiter. Doch ist der Koala ein zwar langsamer, doch sicherer Kletterer: die scharfen langen, gekrümmten Nägel, an den Zehen der Border- und Hinter- füße geben ihm dies« Sicherheit. Seine Langsamkeit aber ermöglicht es den Eingeborenen, ihm auf dem Baum nachzuklettern und leicht zu erfassen. Sie erschlagen ihn dann, um sein wohlschmeckendes Fleisch zu essen und seinen Pelz zu verkaufen, oder nehmen ihn mit nach Hause und zähmen Ihn sehr leicht: denn der Bär ist harmlos, folgsam und treu wie ein Hund. Von seiney sehr scharfen Zähnen macht er nur Gebrauch, wenn er zu sehr geärgert wird, oder zur Zell der Brunst. Dann ist er überhaupt am interessantesten. Der ver» liebte Bär wird lebendig und klettert dem Weibchen bis auf die höchste Spitze des Gummibaums nach. Dort obm stimmt er eine Art Gesang an, schrille, lang hingezogene Tön«, die sich vielfach wiederholen, doch im Klang wechseln. Sobald er sein Lied cmge- stimmt hat, läßt sich auf dem nächsten Boumgipfel sofort ein Neben- buhler hören, die Konkurrenten auf dem dritten und vierten fallen ein, und diese Gesänge enden erst, wenn ein Glücklicher Erhönmg gefunden hat. Die Koalabärin wirft nur ein einziges Junges, das sie sehr sorgsam hütet: sie legt e« sofort nach der Geburt auf ihren Rücken, wo sich da? Kleine mit seinen Krallen festhält. Xeuchiende Hebel im SlernfißUem Nur ein Teil der wägbaren Masse in der Welt Ist in den Ge- stirnen und ihren Atmosphären vereinigt. Ein Tell ist lose im Weltraum zerstreut. Die Meteoriten, das Tierkreislicht und die Ko- metenfchweife, ja auch Sonnenkorona und Nordlichter beweisen es uns schon im Vereich der Sonne. Di« genannten Erscheinungen zwingen zu dem Schluß, daß es im freien Weltraum vereinzelte feste Körper von größten Blöcken bis zu feinstem Staub gibt, dazu Mole- tüle, wie in Gasen, nur dünner verteilt, und freie Elektronen. Alle diese Teilchen bilden gleichsam ewe im Raum überallhin ausgebreitete kosmische Wolke, freilich von unvorstellbar geringer Dichte. Die Kometen und Meteorring« können wir als Uebergangsformen zwischen den Gestirnen und der allgemeinen Wolke betrachten. Die Annahme liegt nahe, daß hier und da im weiten Raum die Wolke dichter sst als durchschnittlich. Besonders in der näheren Umgebung von Sternen und vor allem von Sternhaufen wird man das er- warten. Daß die Fixsterne uns Im allgemeinen keine Spur einer einhüllenden„Wolke' zeigen, widerspricht dem nicht. Man muß bedenken, wie schwach vergleichsweise schon die Korona der Sonne und wieviel zarter noch unser Tiertxeislicht ist. Dann erkennt man ohne weiteres, daß nur ganz ungewöhnlich dichte Wolken in der Nachbarschaft von Sternen sichtbar werden können. Soweit von der„kosmischen Wolke' Licht ausgeht, mag uns die Himmelsphatagraphie von ihrem Dasein Kunde geben. Sie -bringt ja durch lang« Beleuchtung feinste Strahlung nach und nach immer stärker zur Erscheinung. Dem Auge unmittelbar kann kein Fernrohr ähnlichen Dienst leisten. Es kann wohl Lichtsend er, deren Bild praktisch punktförmig ist, dem Auge je nach Oeffnung und Lichtstärke des Instruments Heller erscheinen lassen, aber die Inten- sttät leuchtender Flächen kann das Fernrohr nicht verstärken. So kommt es, daß unser Wissen um die„kosmischen Nebel'— wie man diese Gebilde nennt— im wesentlichen erst mit der Himmels« Photographie entstanden ist. Einen schwachen Lichtdunst erkennt das unbewaffnete Auge in der Sterngruppe der Plejaden. Hier ist die„Wolke', die den Sternhaufen einhüllt, dicht genug, lim bei sthr langer Belichtungsdauer schließlich die photographische Platte voll- ständig zu schwärzen, so daß kein Kontrast in ihr mehr möglich ist und die Sterne nicht mehr unterschieden werden können. Eine elf- stündige Aufnahme zeigt den überwältigenden Sternreichtum de» Hintergrundes, die Plejadensterne aber sind im Nebel verhüllt. Ein Außennebei schwebt wie«in Rauchfähnchen begleitend neben der durch den Raum dahinziehenden Stcrngruppe. Wir haben es mit einer Staubwolke zu tun, die das Licht der eingebetteten Sterne reflektiert. Die Wolke hat zwar äußerst germg« Dichte, schirmt aber doch etwa« vom Licht der jenseits liegenden Stern« ab. Ihr Durch- messer beträgt ja einig« Dutzend Lichtjahre! Der dreifache Sirius. Bis jetzt wurde der Sirius immer als Doppelstern angesehen. Nun hat man kürzlich auf der Sternwarte Johannesburg in dem System«inen dritten Stern 12. Größe ent- deckt, der mll dem bekamiten Siriusbegleiter einen engen Doppel.- stern bildet; der Abstand beträgt nur IX bis 2 Bogensen kungen und die Umlauftszeit zwei Jahre. Fingerabdrucke durch Rundfunk. Der Etat des französischen Innenministeriums für 1930 bringt eine interessante Neuerung, näm. lich die systematische Ausnutzung des Radios durch die Polizei. Dieler drahtlos« Polizeidienst soll rasch- Mitteilungen zwischen den ein- zelnen Polizeipräsidien und den Provinzen vermitteln. Der Haupt- sender ist der Eiffelturm, der zu einer bestimmten Tageszeit ge- wisse Nachrichten an dl« Aufnahmestcllen der Polizeistationen weitergibt. Di« llebcrinittlung von dem Hauptquartier im Pariser Polizeipräsidium erfolgt auf automatischem Wege direkt nach dem Turm. Nicht nur Mitteilungen, sondern auch Photographien und Fingerabdrücke sollen gefunkt werden. Diese werden durch d'e S1 Empsangestationen an den Mittelpunkten des Polizeidienstes oul- genommen und dann möglichst rasch an die Grenzstationen und Hafenplätz« welter gegeben. Xltealer LteklspUl* Sonnab� 14. 12. Staats-Oper Unter d. Linden A�V. 27» 19 Uhr Staals-Oper Am Pl.d.Republ. R.-S. 194 19'/« Uhr MmanDS ErzaiilDDSün Sonnab., 14. 12. Stadt. Oper Bismarckstr. Turnus IV 20 Uhr StaatL StbaiuplL am Gudarmumarld A.-V. 24« 20 Uhr 3xa=s S(utl.SeMller-Tbeater,i)barltlj. 20 Uhi: Der Ranfniafln von Venedig IPninl-Bl. Vtditut;.; 5 D. St PL- 3 M. I Uatrar-MIIM. Falka, ttanlar«. Mar. I Pcraxo 1 4 Co., Bonn 4 Pannor usw. | Tägl. S u. OIS Sonai.S.S a. Bu | Alux. E, 4. 8066 INTERNAT. VARIETE CASINO-THEATER Loihrlniter Strafe 37. ü Uhr* �eair. 201 ü• BBcoieg erlauht J 16 Original Lawrenca Tiller-Girls 1 und woitereVarietd- Neuheiten | oonnabend u. Smutag Je 3 Verstellungen Uhr. J» kleine Preist. Reichshailen-Theater Abende[T| Sonntag nachm. Daa groOe Wejhnachts- Programm der Slefliner- sanger Nachm. halbe Preise I Dönhoff-Brettl: Das phänomenale I Dezember-Proj/r. Tanz. VofUsUUline ineatir am Bülowjlaii 8 Uhr Affäre Dreyfus Schauspiel von Ren« Kestnei Regle: H. D Renter Staat!. Sdiiller-Th. 8 Uhr Der Kanfmann von Venedig Der neue Schlagerl Famiite Hannemann. Dazu ein erstklassiger bunter Teil. FQr unsere Leser: Gutschein'Or I—« Personen Fanteuil nur IJS M-, Sessel 1.7S JA, Sonstige Preise: Parkett u. Rang OJO M. GROSSES SCHAUSPiELHAUS • Uhr: 3 Musketiere Regie: ERIK CHARELL Am beidwe W�lhnaehtsfvlbrtoottn nochMu P Uhr uaig�kDrzt« Vor- •telkMBS hl Or1glnalk>4>s*tx«ai»o*« __ halben Preisen. Renaissance-Theater TIglldi S'k Uhr PARISER LEBEN Operotto von OffonbocK. Regie: Qustar Härtung. Musikalische Leitung: Theo Mecfccbca. —— Sleieelttz C I. MOI e. 2983/8«.— Heute«acht IIJO Uhr ARBKITER-THCATKR(Club 1930 E.V.) Morgan vorm. 11.90(1—0 Mk.) CEMBALO- MATINEE QQnther Ramin. K A B A B. T T tWIiLTaaTlPsini 0.1. Norden 12210 8'/« Uhr Oer Kaiser V.Amerika von Demard Shaw Rege Max Relnhardi Kammerspiele D.I. Norden 12310 8»/« Uhr Zur gefi. ADtidt! Lustspiel von Frederik Lonsdale Regle; Gustaf GrQndgens Die Komödie |1 Bismck.2414/7S16 S'l* Uhr Tom Teufel geholt von Knut Hamsun Regie: Max Reinhardt Iii. i. Dollendorfplitz Vorvk.10.2. Kf. 2001 Tiglich 8'f.Uhr tastsplil des onadui Tknitrs tezlo; Rn Itiiturdt. Trlanon-TlL�r Täglich S'/t Uhr Sie verveigert die Aussage Elisabeth Strickrodt Kort Eialc. Sonntag 2Vi Uhr Uli Oratselliart Sonntag 5 Uhr JehonnUf�wor Die Aktionäre der SdiaUhetss-Palzcniioler Branerel-Akllengefelifdiali werden hiermit za der am Mootag, dem 0. Jaaaar 1990, vormittad* 10». Uhr, im Sitzungssaal der Gesellschaft, Berlin NW 40, RoonstraSe 6, stattfindenden ordentl.fieDeralversammlDnö ergebenst eingeladen. Tagtcsordnung: L Vorlegung des Geschäftsberichtes nnd der AbecbtalManz nebst Gewinn- und Verlustrect nung lOr den Jl. August 1929 sowie des Berichtes des Aufsichtsrates. Z. BeschluSlassung Ober die Genehmigung der Brenz, die Gewinnverteilung und die Entlastung von Vorstand und Aulsichtsrat. 8. AufsichtsratsvahL Diejenigen Aktionäre, welche in der General versamm lung Ihr Stimmrecht ausflben wollen, werden mit Bezug auf die§§ 25—27 des Qesellschaftsvertrages ersucht, Ihre Aktien oder die Uber die Aktien lautenden Hinteriegungs- schelne der Bank des Berliner Kassenvereins bis.p&le