BERLIN Sonnabend 14. Dezember 1929 Der Abend erfchetnttäglich außer Sonntags. 100 Sugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition; Berlin SW68, Lindenstr. 3 66 Spätausgabe des„ Vorwärts" 10 Pt. Nr. 586 B292 46. Jahrgang Anzeiseupreis: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Bosscheckouts: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donhoff 292 bis 297 Die Einigungsformel gefunden Neue Schwierigkeiten.- Reichstag auf 3 Uhr vertagt. Die in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend kurz bor 1½ Uhr beendete Parteiführerbesprechung führte trok der Bestrebungen bestimmter boltspartei licher Kreise zu einer gewissen Annäherung der gegenseitigen Auffassungen. Sämtliche Frattions. führer, also auch Herr Zapf von der Deutschen Volks. partei, verpflichteten sich, ihre Fraktionen heute varmittag bor dem Zusammentritt des Reichstage fol gende Billigungs- und Vertrauensformu lierung zur Annahme zu empfehlen: ., Der Reichstag billigt die Erklärung der Reiche regierung und vertraut darauf, daß das Finanz reformprogramm, vorbehaltlich der endgültigen Ge staltung des Gesetzes im einzelnen, in Wahrung der von der Reichsregierung bekanntgegebenen Grund. züge dieser Finanzreform durchgeführt wird. Der Reichstag spricht der Reichsregierung für ihre Gesamtpolitik das Vertrauen aus." Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion, die heute vormittag um 10 Uhr zusammentrat, stimmte der von den Parteiführern vereinbarten Vertrauensformel mit großer Mehrheit zu. Die Fraktion ging insbesondere von der Auffassung aus, daß ihre Vorbehalte zu dem Finanzprogramm der Regierung bereits durch die gestrige Erklärung des Fraktionsvorsitzenden Dr. Breitscheid zum Ausdruck gebracht worden sind. Die Zentrumsfraktion beschlo ebenfalls in einer kurzer Sigung, der Billigungsformel ihre Zustimmung zu geben. Das gleiche gilt von der demokratischen Fraktion. Auch die Volkspartei hat der„ Koukordien formel" schließlich ihre Zustimmung erteilt. Wie man hört, geschah dies mit einer Mehrheit von 23 gegen 17 Stimmen. Eigentlich sollte man meinen, daß damit alle Schwierigkeiten überwunden wären, denn auch, wenn sich die Bayerische Volkspartei der Stimme enthält, bleibt für das vereinbarte Vertrauensvotum eine starke Mehrheit. Judessen ergaben sich, wie man es bei deutschen varTamentarischen Krisen gewöhnt ist, unmittelbar nach der Einigung schon wieder neue Schwierig fciten. Sie betreffen das sogenannte Sofortprogramm, das die Volkspartei durch die sofortige Einbringung der Einkommen- und Vermögenssteuer. reform erweitern möchte. Selbstverständlich kann keine Rede davon sein, daß der Reichstag imitande wäre, in der Woche vor Weihnachten auch noch dieses Reformwert zu bewältigen. Die Einbringung ist von der Volkspartei mehr als eine Geite gedacht, durch die der Widerstand der Industriellen gegen die Beitragserhöhung zur Erwerbslosenversicherung abgemildert werden soll. Ueber die Frage, ob es zweckmäßig und möglich ist, die Einkommen- und Vermögenssteuerreform jetzt schon die Einkommen und Vermögenssteuerreform jetzt schon einzubringen, gehen die Verhandlungen herüber und hinüber. Die Bayerische Volkspartei hat sich dabei auf den Standpunkt gestellt, daß die Einbringung der beiden Gesehentwürfe den Beginn der Ausführung des Finanzprogramms bringen würde, das sie durch ihre gestrige Erklärung verworfen hat. Sie erklärt, daß sie. falls die beiden Entwürfe wirklich eingebracht werden sollten, sich nicht mit der Stimmenthaltung begnügen. sondern gegen das Vertrauensvotum stimmen würde. Um für alle diese Unterhaltungen Zeit zu gewinnen, beabsichtigt man, nach Schluß der Rednerliste unt 1 Uhr mittags spricht als letter Herr Quaak die Sigung zu vertagen und erst um 3 Uhr nachmittags die entscheidenden Abstimmungen vorzunehmen. Die Reichstagssigung. Der Reichstag sette heute die Debatte über die Der Reichstag sette heute die Debatte über die Regierungserklärung fort. Sie begann um 11 Uhr wieder mit einer Rede des Abgeordneten Dr. Oberfohren( Dnat.). Dieser wiederholte die Behauptungen der Hitler- und Hugenberg- Redner vom geftrigen Tag über betrügerischen Bankrot, unehrlichen Etat, fümmerliches Berlegenheitsproduft einer Finanzreform, Herumturieren an Symptomen, Ausbeutungspolitit, Zangengeburt einer diesen Namen nicht verdienenden Steuerreform, die meder Erhaltung des Rapitals noch seine Neubildung gestatte. Arbeiterjugend fühlt sich wohl auch ohne Qualm und Alkohol! Ausstellung in Neukölln. Das Gefundheitsamt Neukölln ver anftaltet gemeinsam mit dem Ar beiterabftinentenbund im Rathaus Tieukölln eine Ausstellung.Gegen den Alkoholismus". Die Nichterfüllung der Forderungen der Wirtschaft müßte besonders| früher etwas für die Konsolidierung der schwebenden Schuld getan für die Deutsche Boltspartei eine schwere Enttäuschung sein. Reichsfinanzminister Dr. Hilferding fegt sich eingehend mit den Angriffen der Deutschnationalen, besonders des Vorredners auseinander. Noch einmal legt der Minister genau die Finanzlage des Reiches dar und zergliedert das augenblickliche Kassendefizit von 1700 Millionen Mart nach seinen Bestandteilen und Ursachen. Der Minister stellt fest, daß die jetzige Regierung von ihrer Borgängerin ein Gesamtdefizit von nahezu einer Milliarde Mart geerbt hat, dessen Auswirfungen natürlich noch nicht zu überwinden waren und den ungünftigen Gegenwartsftand verursachen. Dann kommt Hilferding auf die künftige Entwicklung zu sprechen: Das Kassendefizit von 1700 Millionen wird sich durch die Ersparnisse infolge des Young- Plans im Etat 1930 um 464 Millionen verringern. Im nächsten Etatsjahr ist aber mit einem Zuschuß von 150 Millionen zur Arbeitslosenversicherung zu rechnen. Desl alb wünscht die Regierung dringend die sofortige Berabschiedung der Beitragserhöhung. Danach bliebe noch ein Kaffendefizit von 1400 Millionen, wovon aber 500 Millionen durch die Kreuger- Anleihe gedeckt werden. Von dem übrigbleibenden 900- Millionen- Defizit sollen 400 Millionen durch Schatzwechsel, 100 Millionen burch laufenden Kredit der Reichsbahn gedeckt werden, so daß regulär 500 Millionen gedeckt erscheinen. Es wird Aufgabe der Finanzpolitik sein, auch diese Beträge herunterzusehen. Bei der ernſten Situation ist es aber not bendig, auch die übrigen 400 Millionen durch sofortige Maßnahmen verschwinden zu machen. Als verantwortliche: Minister muß ich mich dagegen mehren, daß man ununterbrochen von einer fatastrophalen Lage spricht. So ist es nicht, und dieses Wort erschüttert ganz unnötig den Kredit Deutschlands im Ausland( Lärm rechts), nicht nur den öffentlichen Kredit, sondern auch den der gesamten Wirtschaft. Wenn auch bei der gegenwärtigen Lage des Kapitalmarktes gegenüber den 900 Millionen Defizit das Eigentum des Reiches auf zuzählen wenig 3med hat, so muß man doch die 700 Millionen Vorzugsaktien des Retches anführen, wenn man über diese Dinge spricht! Jur dauernden Besserung der Finanzlage schlagen wir einen Gesezentwurf vor, wonach Jahr für Jahr im ordentlichen Etat Beträge zur Verzinsung und Tilgung der Anleihen eingesetzt und Tilgungszuschüsse auch im außerordentlichen Etat enthalten sein sollen wir müffen zu flabileren Verhältnissen fommen. Neue außerordentliche Ausgaben sollen nicht mehr be schlossen werden ohne eigenes Gesez, das die Ausgaben für die ganze Beit, die fie umfaffen sollen, genau spezialisiert und die Dedung genau angibt. Eine Vermehrung des außerordentlichen Etats aus Anleihemitteln ohne Dedung halte ich für die 3ufunft für unzulässig. Auf die Frage des Dr. Oberjohren, marut mir nicht schon haben, antworte ich, daß uns der Weg zu langfristigen Anleihen nicht nur durch die Enge des deufjchen Kapitalmarkts verschlossen war, sondern auch durch Hinderniffe, die gegen jede Konsolidierung auf dem ausländischen Markt aufgerichtet waren. Diese Barriere war nicht zu überschreiten. Dafür kann ein Finanzminister verantwortlich gemacht werden. Den Weg der Steuererhöhungen hat jedoch gerade Dr. Oberfohren auf das schäffte bekämpft und erklärt, die Regierung müsse den Mut zum Defi-. Es ist zit haben.( Lebhaftes Hört! hört! bei der Mehrheit.) grundfalsch, daß meine Politik einer früheren Konsolidierung im Hauptausschuß oft und oft weit mehr Klarheit über die Finanzlage Wege gestanden hätte. Ich kann für mich in Anspruch nehmen, im gegeben zu haben als irgend einer meiner Vorgänger. Der Minister spricht dann über den Etat 1929, wo der Reich s= tag den Vorschlag des Ministers auf 300 millionen Steuererhöhung- fast genau soviel wie heute die lleberwindung des Uitmiobedarfs so erschwert nicht beigetreten ist und die Einnahmen zum Teil höher angesetzt hat, als wir vorgeschlagen hatten; auch ein Teil der Streichungen ist vom Reichstag nicht bewilligt worden, die bewilligtet sind zum Teil nicht echte Streichungen. Ich habe finanzpolitisch recht behalten politiſch vielleicht nicht, weil ich vielleicht damals die Konsequenzen meines Rücktritts hätte ziehen sollen. Persönlich wäre mir das das angenehmste gewesen. Die Reichsregierung aber hat aus Berantmortung und Staatsbewußtsein den Rücktritt nicht für richtig gehalten, sondern nur in einem Fall wo man endlich zu einer jeſter tonjolidierten Regierung täme. Dazu war die Verabschiedung des Etats in der vom Reichstag beschlossenen Form nötig. Aber er war nicht ausgeglichen. Die Ausgleichung soll durch einen Nachtragsetat von etwa 155 Millionen geschehen. Die Steuereingänge waren bis zur Mitte 1929 gut, haben aber in den legter. Monaten nachgelassen. Die Zolleinnahymen find zurückgeblieben. An fich ist das ein günstiges Symptom, denn es ist eine Folge der guten Ernte. Aber der Wir werden im Februar die Ausfall muß gebedt merden. 100- Millionen- Rate aus den 3nduftrieobligationen einschließen. Auch der Etat 1930 muß mit strengster Sparsamkeit aufgestellt werden. Herr Oberfohren verlangt Kürzung der Reichsausgaben, die übrigens mur 2 Milliarden des Etats ausmacht. Als Sie im Kabinett ihre vier Minister hatten, da haben Sie im Etat 1928 die Ausgabe von 300 millionen für das Notprogramm wegen der bevorstehenden Neuwahl ( Sehr gut links) erzwungen. Ihre Kritik ist also außerordentlich mangelhaft.( Sehr gut! links.) Bon etwa 1933/34 angefangen, werden die inneren Striegslaften finfen. Wir haben jetzt einen jährlichen Zugang zum Arbeitsmartt von über 400 000 Menschen. Benn die schwächer besetzten Jahrgänge in das Alter kommen, so wird dieser Zugang finten, infolgedessen auch die Ausgaben ber Arbeitslosenversicherung, es wird eine wesentliche Entlastung der Fürsorgeaufgaben in Ländern und Gemeinden eintreten, es wird der Bedarf an neuen Wohnungen zurückgehen, die Hauszinssteuer nicht mehr ausschließlich Bestrafte Ehrabschneider. dafür verwendet werden müssen, sondern auch für andere 3wede Rote Fahne" wegen öffentlicher Beleidigung zu 1500 M. Geldstrafe verurteilt herangezogen werden können. Die Steuerreform mit ihrer Beseitigung unterer Steuerstufen, mit der Herauffeßung des Existenzminimums usw. wird die Veranlagungen und die Steuerverwaltung vereinfachen. Der Minister kommt nun auch auf die Finanzwirtschaft der Gemeinden zu sprechen, deren außerorgentlich wichtige Aufgaben er natürlich vollkommen anerkennt. Er hält jedoch dafür, daß ebenso wie im Reich und in den Ländern auch in den Gemeinden die Rech= nungs- und Etatprüfung durch eine außerhalb der Berwaltung stehende Körperschaft oder Behörde erfolgen sollte. Wenn die Genehmigung des Etats erst nach Gutheißung durch diese Prüfungsstelle möglich ist, so wird eine wesentliche Besserung erzielt jein, ohne daß die Selbstverwaltung im geringsten eingeschränkt wird. Ist ja auch die Souveränität des Reiches und die Selbständigkeit der Länder durch die Rechnungshöfe, Oberrechnungstammern nicht eingeschränkt. Die Stadtverordneten Flatau, Bublik und Krillej hatten gegen den verantwortlichen Redakteur der„ Roten Fahne" Privattlage wegen öffentlicher Beleidigung und Berleumdung erhoben. Leider war es nicht möglich, trotz Erfuchens des Rechtsanwalts Dr. Weinberg, die Berhandlung noch vor den Stadtverordnetenwahlen durchzuführen. Heute morgen quittierte aber das Gericht die Lügen der Wahldemagogen und Ehrabschneider mit einer Geldstrafe in Höhe von 1500 Mart. Das tommunistische Lügenblatt hatte während des Wahl tampfes unsere Genossen in der übelsten Beise verleumdet und u. a. wiber besseres Wissen behauptet, sie seien durch die Sklaret ffäre torrumpiert. Jezt fanden vor dem Amtsgericht BerlinMitte hintereinander die drei Termine gegen den verantwortlichen Redakteur der ,, Roten Fahne", Firl, statt. Der Berteidiger der Roten Fahne", Dr. Apfel, bat zu Beginn des Prozesses flehentlich und winselnd um einen Vergleich. Das wurde in allen Fällen von unseren Genossen entschieden abgelehnt. Für den Stadt verordneten Flatau erklärte R.-A. Dr. Weinberg, es handele sich nicht lediglich um eine Privatperson, sondern um die Ehre des Vorsitzenden der stärksten Rathausfraktion. R.- 2. Dr. Weinberg fügte hinzu, daß es gewesen, die im Gegensatz zu anderen Zeitungen teine Berichti er einen Vergleich für unmöglich halte; allein die ,, Rote Fahne" sei gab ohne Umschweife zu, daß die Rote Fahne" sich„ geirri" gung gebracht habe. Der Bertreter bes Beklagten, R.- 2. Dr. Apfel, habe. Die Beratungsstelle beruht im wesentlichen auf freier Vereinbarung, und man erwägt schon, was später aus ihr werden soll. Naturgemäß hat sie wegen ihrer Konstruktion schwere Mängel. Es ist ein Kurieren am Symptom, wenn nur die Aufnahme von Auslandsanleihen kontrolliert wird. Ich glaube, daß im Einvernehmen mit den Ländern und Gemeinden eine Instanz geschaffen werden soll, die auch die Aufnahme innerer Anleihen kontrolliert. Das ist notwendig in einer Zeit, wo der Rapitalmartt so pflegebedürftig ist wie jetzt. Ueberhaupt werden die Länderregierungen sich mit der Aufsicht stärker beschäftigen müssen. Die preußische Staats regierung übt dieses Aufsichtsrecht sehr wirksam aus und mit sehr heilsamer Wirkung. Selbstverwaltung muß sein, aber in der ganzen Welt steht sie unter Aufsicht. In England viel stärker als bei uns. Herr v. Lindeiner- Wildau hat gestern gemeint, die Erklärung der sozialdemokratischen Fraktion sei historisch bedeutsam, denn danach nähme die Partei eine ganz andere Haltung zur Wirtschaft ein als vor dem Krieg. Ich glaube, daß die Sozialdemokratische Bartei in der Frage der Steuern ihre Prinzipien nicht verlegt. Aenderungen der Besteuerung sind auch kein Mittel, um ein Wirtschaftssystem in ein anderes überzuführen. Dazu wären ganz andere Maßnahmen wirtschaftlicher und organisatorischer Natur notwendig. Während aber vor dem Krieg die Einkommensteuer von 5 bis 7 Proz. den preußischen Konservativen als eine Eigentumskonfiskation erschien, und die Realsteuern damals im wesentlichen von den Klassen getragen wurden, die nach der Absicht des Gesetz- rtannte, log. Die Cüge ist aber von demselben Blatt erst vor wenigen gebers sie tragen sollten, wird heute die Einkommen steuer in der jetzigen Höhe in sehr starkem Maße abgewälzt auf die breiten Massen. Ist es aber so, dann kommt die R.-A. Weinberg unterstrich noch einmal die Unmöglichkeit eines Bergleichs. Es habe sich für das tommunistische Blatt allein darum gehandelt, Wahlgeschäfte zu machen. Es gehe nicht au, chrenhafte Männer, die im öffentlichen Leben stehen, zum Freiwild gewiſſenloſer Journalisten werden zu laſſen. Der angeklagte Re dafteur Firl versuchte eine nachträgliche kommunistische Wahl rede zu halten. Im Anschluß daran bat sein Anwalt, diese Aus führungen doch um Himmels willen" nicht ernst nehmen zu wollen. Sentung dieser Steuer nicht nur den Besitzenden zugute, sondern der gesamten Wirtschaft, damit in erster Linie auch der Arbeiterschaft, die ein starkes Interesse an der Ausbreitung der Produktion und das stärkste Interesse daran hat, daß das Kapital, das sich in Deutschland in großem Maße bildet, auch wieder produktiv in Deutschland angelegt wird und die Arbeitslosigkeit fenft. Das ist der soziale Kern dieses Sofortprogramms. Auf der einen Seite völlige Beseitigung von Steuern auf notwendige Lebensmittel, so auf Zuder, auf der anderen Seite Sentung der soge nannten Besitzsteuern, damit das Krebsübel der Wirtschaft, die Ar beitslosigkeit eingeschränkt werden kann. Infolge der Höhe der Steuern ist die Quanität in die Qualität umgeschlagen. Die sogenannten Befigsteuern treffen nicht nur die Befigenden, sondern indirekt die ganze Wirtschaft zum Schaden der breiten Maffen. Deshalb ist dieses Programm sozial durchaus zu verantworten. Es er gibt sich aus der wirtschaftlichen Notwendigkeit und es ist die Pflicht aller Parteien, die die Regierung unterstützen, sich hinter dieses Programm zu stellen.( Teilweiser Beifall bei den Regierungsparteien.) Nach einer neuen Rede des Abg. Dr. Quaah( Dnat) wurde ganz überraschend die Sihung bis 3 Uhr verfagt. Scholz, Stresemanns Nachfolger. Der neue Führer" der Bolfspartei. Der Zentralvorstand der Deutschen Volkspartei trat heute zur Wahl der Parteivorsitzenden zusammen. Geheimrat Kahl, der die Sigung vertretungsweise leitete, widmete dem verstorbenen Führer Dr. Stresemann einen Nachruf. Bom Reichsausschuß wurde als Nachfolger Stresemanns der bisherige Fraktionsvorsitzende Dr. Scholz vorgeschlagen. Von einer Fraktionsgruppe, deren Wortführer der Geheime Kommerzienrat Schmidt Braunschweig war, murde der frühere Reichskanzler aus Dr. Luther in Borschlag gebracht. Bei der Abstimmung, die geheim erfolgte, erhielt Dr. Scholz von 181 Stimmen 153. Nicht weniger als 25 Anwesende hatten sich enthalten, drei Stimmen waren zersplittert. Dr. Luther wurde dann zum Mitglied des Zentralvorstandes gewählt und darf in Zukunft quch an den Sigungen des engeren Parteivorstandes teilnehmen. Der neue Führer" Scholz hat also rechtzeitig den betrieb: samen Aufseher an die Seite bekommen. Großmieten in Berlin. Am Potsdamer Platz foftet der Quadratmeter 12000 Mart. In der gestrigen außerordentlichen Generalversammlung der Galeries Lafayette 2.-G., die aufgelöst werden sollte, nach einer Satzungsänderung aber doch fortgeführt wird, erfuhr man einige interessante Dinge über Bodenpreise in der City und einige Retord mieten auf Geschäftsgrundstücken, die gezahlt werden oder die man zu erzielen hofft. Man hörte in der Generalversammlung, daß das Feminahaus auf zwanzig Jahre für jährlich netto 340 000 Mark vermietet ist. Der Tauenzienpalaft habe bereits unter dem Vorbesizer eine Jahresmiete von rund 600 000 Mart gebracht. Aus dem am Potsdamer Plaz zu errichtenden neunstödigen Bureauhaus hofft man( ohne Kellerräume) eine Miete. einnahme von 2,1 bis 2,5 millionen Mart zu erzielen. Das Grundstüd am Potsdamer Platz stehe pro Quadratmeter mit 4500 Mart zu Buch, was ungewöhnlich niedrig sei, da für den Quadratmeter des Palasthotels und des Café Jofty zum Beispiel ein Preis von etwa 12000 Mart zu veranschlagen wäre. Das neunstödige Bureauhaus, das hinter dem Reklamezaun an Stelle des erst geplanten Lafayette- Warenhauses errichtet werden soll. wird auf 14.5 Millionen Marf veranschlagt. Die Architektenhonorare belaufen sich auf etwa 275 000 Mart. Der Vorsitzende ersuchte die beklagte Partei, die Beweise vorzubringen. Dr. Apfel erklärte, teine zu besitzen. R.- 2. Dr. Weinberg fagte ir seinem Schlußplädoyer:„ Ich habe ein Biertelduhendmal die Gegenpartei aufgefordert, ihre Beweise be Biertelduhendmal die Gegenpartei aufgefordert, ihre Beweise be fanntzugeben, ihre Zeugen mitzubringen; sie hat eben teine Beweise für ihre Berleumdungen. Die Rote Fahne" war sich vollkommen bewußt, daß fie, indem sie Flataus Namen Jahren als eine Notwendigkeit im politischen Kampf bezeichnet worden und es ist Sache des Gerichtes, festzustellen, ob wirklich unser politisches Leben durch derartige Kampfmittel vergiftet werden soll. Es folgte darauf die Berhandlung in Sachen Krille und Bubli gegen FirL Das Urteil lautete: der Angeklagte wird in jedem der drei Fälle wegen öffentlicher Beleidigung zu 500 2., insgesamt also zu 1500 m. verurteilt. Den Klägern steht die Publitationsbefugnis in der Roten Fahne", der Welt am Abend" und in Berlin ant Morgen" zu. In der Urteilsbegründung heißt es, daß bei der Strafzumessung strafschärfend die Schwere des Vorwurfes wie auch der Umstand gewesen sei, daß es sich um unbescholtene Männer handelte, die im öffentlichen und politischen Leben eine Rolle spielen. Nicht erschlagen! Zusammenbruch einer fommunistischen Berleumdung. Begen öffentlicher Beleidigung des Polizei. präsidenten 3örgiebel, fomie wegen Aufforderung zum Landfriedensbruch wurde der verantwortliche Redakteur der„ Roten Fahne“ Steinide, vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte zu einem Monat Gefängnis und 800 m. Geldstrafe verurteilt. er " Der Anklage lagen zwei Artikel vom Dezember 1928 zugrunde, in denen dem Polizeipräsidenten vorgeworfen murde, daß ein Propofateur" und ein Begünstiger des faschistischen Arbeitermordes" sei. Diese Behauptungen maren anläßlich des Todes eines Mitgliedes des Rot- FrontKämpfer- Bundes", Schulz, aufgestellt worden, der angeblich Don Polizeibeamten erschlagen sein sollte. Der Angeklagte erklärte, den Wahrheitsbeweis führen zu wollen, der vom Gericht aber in der verlangten allgemeinen Form abgelehnt, ſondern nur auf einzenle Fälle beschränkt wurde In dem Falle Schulz war aus dem Obduktionsgutachten von Professor Mahrenholz zu entnehmen, daß der Verstorbene an den Folgen einer akuten Lungenentzündung und einer chro nischen Gehirnfranfheit den Tod gefunden habe und teinerlei Anzeichen für eine unnatürliche Todesursache vorläge. Auch die Zeugenaussagen ergaben feinerlei Anhaltspunkte dafür, daß Schulz etwa, wie aus den unzusammenhängenden Worten des bereits Bewußtlosen entnommen werden sollte, von Polizeibeamten geschlagen worden sei. Das Gericht verurteilte Rebatteur Steinide zu einem Mon at Gefängnis und 800 M. Geldstrafe. Borher war der Angeklagte vor dem gleichen Gericht wegen Beleidigung von zwei Mitgliedern des Deutschen Metallarbeiterverbandes, die in dem Blatt unter Beröffentlichung ihrer Bilder als Streitbrecher" bezeichnet worden waren, zu 600 M. Geldstrafe verurteilt worden. Sabotierter Weltwirtschaftsfriede. Wenig Staaten für den Zollfrieden.- Ratstagung im Januar. Genf. 14. Dezember. Die vorläufige Tagesordnug der nächsten Rafstagung, die am 13. Januar unter dem Borfih des polnischen Ratsmitgliedes beginnen wird, ist veröffentlicht worden. 3hr wichtigster Punkt betrifft die Möglichkeit der Einberufung einer 3 ollfriedenstonferenz, die nach den Vorschlägen des Wirtschaftskomitees am 15. Februar in Genf zusammentreten sollte. Die Umfrage des Generalsekretärs über die Bereitwilligkeit zur Teilnahme an diefer Konferenz ist bis jetzt erst von einem halben Duhend Völkerbundsstaaten beantwortet worden, darunter vier europäischen und zwei außereuropäischen. Nur die europäischen, nämlich Eng land, Holland, Belgien und Dänemart, haben zuit immend geantwortet. Die Antworten sollen bis spätestens Ende dieses Jahres dem Böllerbundssekretariat eingereicht werden. Die Einberufung der Zollfriedenskonferenz wurde bereits von der Völkerbundsversammlung von der Anzahl und der wirtfchaftlichen Bedeutung der zusagenden Staaten abhängig gemacht. Südslawiens Wirtschaft für den Zollfrieden. Belgrad, 14. Dezember. Die Berireter sämtlicher Wirtschaftsorganisationen haben über die vom Bölferbund vorgeschlagene internationale Konvention für den Abschluß eines 3ollwaffenstillstandes eine Entschließung ange nommen, in der festgestellt wird, daß dieser Vorschlag eine große ungerechtigteit gegenüber den fleinen Staaten und besonders Südflamien darstelle, das in den 3ollsägen nicht so extrem vorgegangen sei wie andere Staaten. Um jedoch die internationalen Wirtschaftsverhältnisse regeln zu fönnen, werde auch dieser Borschlag angenommen werden, vorausgesetzt, daß sich fämtliche Staaten aller die Bestimmungen über das Dumping in der Ronvention präorbehalte hinsichtlich der Agrarzölle enthalten und daß die Bestimmungen über das Dumping in der Konvention präBiser formuliert werden. Die Aufhebung der Ein- und Ausfuhrverbote. Paris, 14. Dezember. Die Völkerbundstonferenz für die Ein- und Ausfuhrbeschränkung hat sich den ganzen Tag über mit der Ausarbeitung des Tegtes des Schlußprototo IIs beschäftigt und in später Abendstunde abgeschlossen. Die vorliegende Konvention foll in einer Sizung am nächsten Donnerstag, vorausgesetzt, daß die betreffenden Regierun Weiter stehen auf der Tagesordnung verschiedene Fragen von Bedeutung für den Ausbau der Berfassung des Bölferbundes, darunter vor allem die Frage der Anpassung des Bölferbundspaftes an die Kriegsächtung des Kellogg Pattes. Für die Aufnahme der nötigen Borstudien soll ein aus Juristen bestehender Elferausschuß eingefeßt werden. Ferner tommen zur Behandlung pier Be schwerden wegen der Minderheitenbehandlung im Bolnisch- Schlegen ihre Zustimmung geben, von den Bertretern folgender Staaten sien, der Tätigkeitsbericht des Mandatsausschusses, der besonders im Hinblick auf die blutigen Vorfälle in Palästina von Interesse sein wird, und der ungarisch- rumänische Optantenstreit, über den auf Wunsch des Rates noch einmal direkte Verhandlungen unter Leitung des englischen Außenministers versucht werden sollen. Wahrsageunfug. 63 jährige Zigeunerin als Diebin festgenommen. Trotz aller Warnungen finden sich in der sonst so aufgeklärten und steptischen Weltstadt immer noch viele Leute, die auf die törichten Rebereien haufierender Zigeunerinnen hereinfallen. Gesund beterei und Wahrfagen sind nach wie vor blühende Geschäfts. zweige. Die Verfolgung der Zigeunerinnen durch die Polizei ist dadurch erschwert, daß die Zigeunerinnen ihren Wohnfig ständig wechseln. Ist ihnen ein größerer Schlag gelungen, so verlassen sie sofort ihren Stamm und übersiedeln zu einem anderen. Vor etwa 6, Wochen büßte eine Frau aus der Koppenstraße, die einer Zigeunerin Zutritt zu ihrer Küche erlaubt hatte, durch üble Irids 300 Mart ein. Sie bekam zwar ihr Geld nicht wieder, traf aber die Diebin gestern in der Andreasstraße und nahm sie sofort mit zum nächsten Schupo. Die Ertappte, eine 63 Jahre alte Anna Steinbach, hatte immer besonders großes Vertrauen genoffen. Ihr glaubten die Frauen und zuweilen auch die Männer, daß sie wahrsagen und durch Besprechen Krankheiten heilen fönnte. Die treffliche Sybille ist jetzt in 8 Fällen des Diebstahls überführt, bei denen sie durchschnittlich 500 bis 1000 m. erbeutet hatte. Eine Durchsuchung des Wohnwagens in Weißenfee hat aber nichts mehr von dem Gelde zutage gefördert. Die Petrogenen hätten für das Geld, das sie der Zigeunerin opferten, zum besten Spezialarzt gehen können, wenn sie wirklich so frant gewesen wären, wie ihnen die Zigeunerin einredete. | unterzeichnet werden und damit am 1. Januar 1930 in Kraft treten: Deutschland, Desterreich, Belgien, Dänemark, Bereinigte Staaten, Ungarn, Italien, Japan, Luxemburg, Norwegen, Niederlande, Portugal, Rumänien, Schweden, Schweiz und Südflawien. Friedländer aus der Haft entlaffen. Im Juni dieses Jahres wurde der 21jährige Manasse Friedländer, der seinen Bruder Waldemar und deffen Freund Tibor Foeldes erschossen hatte, megen Totschlags in zwei Fällen zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Auf Grund seines Gutachtens, wonach bei einer Fortdauer der Haft die Gefahr bestehe, daß Fried. länder in Geistes tranfheit verfalle, hatte sein Rechtsbeistand einen Antrag auf aftentiaffung gestellt. Die Straffammer hatte dies abgelehnt, weil die hohe Strafe Fluchtverbacht begründe. Auf Beschwerde hat nunmehr der Straffenat des Kammergerichts entschieden, daß Friedländer vorläufig gegen eine Sicherheitsleistung von 10 000 Mart aus der Haft zu entlassen sei. Beamte und Volksbegehren. Berhandlung vor dem Staatsgerichtshof am 17 Dezember Deutschnationalen Volkspartei und dem Lande Breußen wegen der In dem Streitverfahren zwischen der Landtagsfraktion der Stellungnahme der preußischen Staatsregierung zur Frage Be amtenschaft und Boltsbegehren" ist Verhandlungstermin zur Hauptjache auf Dienstag, den 17. Dezember, vor dem Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich anberaumt worden. Alle Attentate aufgeklärt. Abschluß der Untersuchung. Altona, 14. Dezember. Nachdem die Untersuchungen in der Bombenangelegenheit abgeschloffen find, haben sich Untersuchungsrichter Dr. Masur, Staats. anwaltschaftsrat Dr. Eichholz und die Berliner Kriminalbeamten nach Berlin zurückbegeben. Alle Attentate sind aufgeklärt, und die Hauptbeteiligten befinden sich in ha ft. Die Staatsanwaltschaft wird nunmehr Anflage erheben. Db die Berhandlung in Berlin oder Altona stattfindet, ist noch unentschieden. Das Geheimnis des Hanswurst. Hermann Remmele, die 3llegialität und der große Meher Das Zentralfomitee der Kommunistischen Partei ist bekanntlich jo streng illegal, daß weber die Parteimitglieder noch die Deffentlichkeit die Namen der 3.- Mitglieder erfahren. Nun gar der dreiföpfige opf" der 3entrale das ist das illegalste vom illegalen. Niemand darf jemals erfahren, mer zu ihm gehört! Da liest man nun im zehnten Band der neuesten Ausgabe vom großen Meŋer: ,, Remmele, Hermann, Politiker. Geboren 15. November 1880, Biegelhausen bei Heidelberg, Eisendreher. Seit 1920 als Kommunist im Reichstag, ist seit 19. Ottober 1928 Mitglied der dreiköpfigen Zeitung der Kommunistischen Partei Deutschlands." Da hat die liebe Eitelkeit der strengsten Illegalität einen Strich durch die Rechnung gemacht! Was nügt dem braven Hermann Remmele seine geheimnisvolle Machtfülle im Kopf", wenn er seinen Ruhm nicht in Meŋers Leriton auspojaunen darf! Ein Kommunist ausgeschlossen. Beil er gemeinsam mit Sozialdemokraten vernünftig war. Die Bezirksleitung Berlin- Brandenburg der Kommunistis hen Partei hat den Gewerkschaftsangestellten Wilhelm Gnadt wagen angeblicher Schädigung der Arbeiterinteressen aus der Kommunistischen Partei ausgeschloffen. Gnadt hat in Berliner Orchesterkonzerte. Konzertrundschau von Klaus Pringsheim. Die Philharmoniker sind von ihrer Konzerttournee zurückgekehrt, die für furze Zeit ihre hiesige Tätigkeit unterbrach Es mar, unter Furtwänglers Führung, eine Reihe glänzender Trumphe, die Berliner Künstler find in London und Bristol mit der gleichen Be geisterung gefeiert morden wie in den großen Städten Nordwestdeutschlands, die sie diesmal besucht haben. Diese Reisen dienen, indem sie ihren fünstlerischen Repräsentationszwed erfüllen, nicht nur einem Berliner Interesse; sie werben im Reich für die Hauptstadt, von dessen Musiffultur ihr erstes Orchester zeugt, im Ausland für das Reich und zugleich für die große symphonische Mufit, die mun einmal eine deutsche Spezialität ist. Während durch solche Mission die Philharmoniker anderthalb Bochen von Berlin ferngehalten maren, steht das Podium der Bhilharmonie, sonst ihrem Birken reserviert, Orchestergastspielen offen. An einer Aufgabe größten Stils erprobt fich nun hier das Berliner Funtorchester: an der Auferstehungssinfonie" Gustav Mahlers, die sich im Urteil der Fachwelt noch immer felt famfte Berkennung gefallen lassen muß, doch für uns als repräsen tatives Werf und einstweilen letztes Gipfelmerf der großen deutschen Sinfonit unerschütterlich feststeht. Die Leistung des auf 100 Mufiter verstärkten Orchesters( und des Berliner Funtchors, den Mitglieder des Bolfschors unterſtüzen) hält ein sehr repräsentables Gesamtniveau, man spürt in dem eraften, nur hie und da ein menig steifen Zusammenspiel die gründlichste Brobenarbeit, die der Dirigent Oskar Fried vollbracht hat. Mit bemerkenswerter Genauigkeit arbeitet der fomplizierte Riesenapparat nach seinem Führerwillen, doch dieser Wille erregt, um die Wahrheit zu sagen, unser Befrem den: in der übermahlerischen, mahrhaft übertriebenen Zuspigung der dynamischen Gegenfäße und noch mehr in der höchst unmahlerischen Tempomillkür und Unbeständigkeit, non der unverständlichen Bergriffenheit einzelner Tempi nicht zu reden unverständlich niften nahegestanden hat. bei einem Musiker, der von je dem Werk und der Person des Rompo. Brahms- Abend, ein Bild der vollkommensten Geschloffenhe.. Stileinheit: solchen Eindrud versucht Furtwängler mit de Bierten Philharmonischen Konzert nicht zu erzielen. Programm: Erste Sinfonie von Schumann, D- Moll- Klavierkonzert von Mozart- mit Edwin Fischer am Flügel, der es seiner vulkanischgenialischen Natur abringt und als Erstaufführung Respighis Feste Romane". Die Neuheit des flugen Ellettifers und aufmertfamen Zeitbeobachters, mehr auf äußere, als auf innere Birkung angelegt, findet in Mufiterfreisen menig Anklang, doch eben dan? ihrer unbestreitbaren, wenn auch vielleicht zweifelhaften Wirkung bei der Hörerschaft lebhafteste Zustimmung. Lärmende Schilderung altund neurömischer Nationalfeste, es fann und soll uns wohl nicht fehr tief bewegen. Näher geht uns, näher steht uns Rudi Stephans Mufit für Orchester", ein mit ihrem noch unflaren Mühen um muſi falisch absolute" Gestaltung versprechendes Wert eines jungen Talentes, das vor dem Krieg Auffehen erregte und uns durch den | Krieg entrissen murde. Der Dirigent Felig M. Gaz, technisch in letzter Zeit merklich freier gemorden, hat es dantensmertermeise in Erinnerung gebracht, im zmeiten Konzert der Bruckner- Vereinigung, die im übrigen ihr Programm, diesmal mit der Sechsten Sinfonie, tonsequent fortsegt. " Brudner, ohne Gemeinde, stand auch, mit der Dritten", im Programm eines Bortragsabends, den die Staatliche Hochschule auf Anordnung des Kultusministers mit ihrem Konzertorchester veranstaltet hat. In der Tat, man glaubt nicht, einer Schülerproduktion beizumohnen, sondern ein Konzertorchester zu hören. Junge Kräfte sind mit junger Begeisterung, doch gereiftem Rönnen am Berf: Berdienst Julius Brümers, des außerordentlichen Musikererziehers. Es mag wohl viel anstrengende Broben gegeben haben; aber am Abend musiziert sich's wie mit selbstverständlicher mühelosigkeit. So soll es sein. Schade, daß es bei den Berliner Sinfonitern, wenn ihr erster Dirigent, der vortreffliche Musiker Ernst Kunwald, am Buft steht, nicht so ist. Jedes Orchester spielt, wie es angefaßt wird; dieses, in dem ausgezeichnete Instrumentalisten fißen, würde weniger robust, es würde leichter und freier musizieren, wenn der Führer seines Amtes nicht gar so unerbittlich- energisch waltete. Im übrigen zeigt die Aufführung der Neunten BeethovenSinfonie, zumal im Orchestralen, ein durchaus erfreuliches Bild. Die Filialen des ,, Vorwärts" einem Konzertenſemble von höchstem Rang enimidelt hat. Doch, Der Bachſaal iſt dicht befeht, und vieles, nicht nur der Beſuch, hat find an den beiden Sonntagen vor Weihnachten von 14-18 Uhr für den Buchverkauf geöffnet Wir biffen um Beachtung des Inserats in der vorliegende Kummer. einer Aufsichtsratsfizung der Berliner Elektrizitätswerte gemeinjam mit den jozialdemokratischen Vertreter n" für einen Beschluß gestimmt, nach dem der Preis für den Elektrizitätsbezug erhöht werden soll. Diese Erhöhung ist durch die Finanzlage des Werkes notwendig geworden. • Gemeinsam mit Sozialdemokraten" den Bankrott eines tommu nalen Berfes abwenden, bedeutet also in den Augen eines echten Bolschemisten Schädigung der Arbeiterschaft". Theater der Woche. Bom 15. bis 23. Dezember. Bolfsbühne. Theater am Bülowpiak: Die Affäre Drenfus. Staatstheater. Staatsoper Unter den 2inden: 15., 18., 26. Gchwanda, der Dudeliad pfeifer. 16. Rigoletto. 17. Tosca. 19. Ein Mastenball. 20. Sinfoniekonzert. 21. Madame Butterfin. 22., 23. Bariifal. 24. Gefchloffen. 25. Aida. 16. Freischük. Staatsoper am Blak der Republik: 15., 25. Bauberflöte. 17. Galome, 18., 22. Sans Seiling. 19. Soffmanns Erzählungen. 20. Don Carlos. 21. Fledermaus. 23. Jphigenic auf Touris. 21. Geschloffen. 26. Gefchloffen. 9 Während unsere Philharmoniker in Hamburg tonzertieren, zur selben Zeit beinahe, erwidern die Hamburger Philharmo niter den Besuch in der Berliner Philharmonie. Der Eindrud, den hier vor ein paar Monaten ihr Beethoven- Abend hinterließ, bestätigt sich: daß dies Orchester sich unter der Leitung Karl Muds zu mertmürdig beinahe, daß der große Dirigent, der, von Bayreuth her, als berufenster Wagnerinterpret der Gegenwart in die Zeitgeschichte eingeht, jezt mit einem Brahms- Brogramm zwischen den Haydn Bariationen und der C- Moll- Sinfonie spielt Adolf Busch das Violin tonzert nach Berlin tommt: so weit liegt die Zeit hinter uns, der Brahms und Wagner unvereinbarste Gegensätze schienen. Freilich, der Musiker der strengsten Sachlichkeit Mud war es längst, bevor die ,, neue Sachlichkeit" von Literaten als Errungenschaft der Gegen wart entdeckt war gibt dem. Sinfoniker, der dem Zeitalter der Wagnerianer als akademisch trockener Formalist galt, alle gestalte. rische Klarheit und Größe, doch auch in dieser Sinfonie mit dem schwärmerischen Andante und dem dithyrambischen Jubel des Finale nichts von dem romantischen Gefühlsüberschmang, mit dem etma Furtwängler seine Hörer hinreißt. -Katharina Knie." Capitol. Städtische Oper Charlottenburg: 15. Samson und Dalila. 16., 26. Madame gelungen ist der gähnend leere Zirkus, in dem ein einziger Zirkus Butterfin. 17. Die Iuftigen Beiber Don Windsor. 18., 22. Der Tenor. 19 Barbier von Sevilla. 20. Die Gezeichneten: 21. Tiefland. 23. Der Schau spielbirektor. Coppelia. 24. Gefchloffen..25. Die Meifterfinger von Rutenberg. Schauspielhaus am Gendarmenmarkt: 15., 17., 19., 22, 23., 25., 26. Don Carlos. 16. Die Weber. 18., 21. Ballensteins Lager. 20. 2x2= 5. 24. Gefchloffen. Biccolomini.. Schiller Theater Charlottenburg: 15., 17., 20. Sans int Schnalenloch. 16., 18., 19., 21., 22., 23., 25., 26. Rabale und Liebe. 24. Geschlossen. maus. Theater mit feftem Spielplan. Theater am Schiffbauerbamm: Die Gartenlaube. Thalia Theater: Drei alte Schachteln. Deutsches Theater: Der Kaiser von Amerifa. Komödie: Bont Teufel acholt. Theater am Rollendorfplag: Die Fleder Theater in der Königgräger Straße: Die erfte Mrs. Selbn, Grokes Schauspielhaus: Die 3 Musketiere, Theater bes Bestens: Marietta. Teutsches Ballstheater: Scampai Romische Oper: Bis 20. gefchloffen. Ab 21. Sulla di Bulla. Deutsches Künstler Theater: Geltfames wifchenSpiel. Trianon- Theater: Gie verweigert die Aussage. Sentral Theater: Friederike, Theater in der Behrenstraße 53-54:.. Bater fein, dagegen febr. Metropol- Theater: Das Land des Lächelns. Berliner Theater: Reserviert für Serrn Gaston. Die Tribüne: Drei Serren im Frad. Kleines Theater: Das Barfüm meiner Frau. Renaissance Theater: Tarifet Cafino Theater: Familie Sannemann. Bintergarten, Plaza, Scala: Internationales Varieté. Reichshallen Theater: Stettiner Gänger. Theater am Rottbuffer Tor: Elite- Sänger. Leben. 1 Theater mit wechselndem Spielplan. Kammerspiele: Bis 20. Bur gefl. Ansicht. Ab 21. Désiré, Dis 22. Der Sühnerhof. Ab 23. Der Lügner und die Nonne. Bustspielhaus: Die Ballade vom sterbenden Wanderzirtus. Noch einmal lebt die Romantik der fahrenden Leute wieder auf, die ihre Kunst lieben, die brüderlich vereint sich schwer durchs Leben schlagen, die ihre Tradition, ja ihre Dynastien haben. Die Fabel des Films ist befannt von Zudmaŋers Drama her. Karl Grune nußt die Mög lichkeiten des Films aus, um die von Höllering komponierten Vorgänge in allen Lagern breit auszumalen und allerlei Einlagen 311 machen nicht immer zum Besten der geschlossenen Wirkung. Er führt uns allerlei Genreizenen aus den Zirkusleben vor; besonders enthusiast im strömenden Regen ausharrt. Kleine Bildchen aus dem Leben auf dem Gute zeigen die Entwicklung des Berhältnisses zwischen Gutsbefizer und Katharina, der Tochter des Seiltänzers. In dem Bestreben, möglichst glanzpoll und pikant zu sein, wird ein ganz unmögliches Einweihungsfest in einer hypermodernen Billa mit satirischen Seitenbliden geschildert. Zu Kontrastzwecken mird auch der moderne Zirkus mit seinen mechanischen Einrichtungen und feinem Ausstattungsprunt vorgeführt, in dem der alte Knie mit seiner Truppe teine für ihn passende Wirkungsstätte finden fann. Bildlich außerordentlich gelungen und ergreifend sind die Schluß szenen: die Rückkehr der Katharina aus der Bürgerlichkeit, die heroische Abschiedsnummer des schwertranfen Knie und sein Tod. Grune hat ein glänzendes Ensemble von Darstellern versammelt. Eine Brachtleistung ist der alte Knie, mie ihn Eugen Klöpfer gestaltet. Das ist wirklich ein Vertreter der alten Zirkuskunft, der Stolz und Größe hat und lieber in den Sielen stirbt, als daß er Ronzeffionen macht. Klöpfer gibt ihm wahrhaft ideale Züge. So schöne Momente Carmen Boni als Katharina hat, so reine Linien ihr Gesicht in der Großaufnahme aufweist, so hat sie doch wohl nicht das rechte Temperament für die Rolle, und vor allem, fie fann übers hohe Seil geht. Bis ins fleinste ausgearbeitete, besonders in der Maske vorzügliche Charakterleistungen bieten Adele Sand rod als Zirtusmutter und Frieda Richard als Mutter des Gutsbefizers. Interessante Chargen: Wladimir Sokoloff als Clown und Friz Kampers als Trapeztünstler. Daneben eine Fülle Rollenborfolah: 15., 22. Teterchens Mondfahrt. Theater in ber Königgräger erstklassiger Besetzungen auch in den kleinsten Rollen. Die Musi Schmidt Boeldes hat richtigen Zirkusschmiß. Theater: 13., 20., 21. Davids Krone 16., 17., 18. Der Schak. 19., 22. Dnbut. ihre Kunst nicht zeigen, während sogar Klöpfer oder fein Double Bis 19. Grand- hotel. 20., 21. Gefchloffen. Ab 22. Wiegenlied. Beffing Rose- Theater: Bis 22. Pariser Blut. Ab 28. Die Cfarbasfürstin. 1 Theater in der Klofterstraße: 15., 16. Schneider Wibber 17., 18. Traumulus. A5 19. Büchse der Bandura. Schloßpart Theater Steglig: 15. Die Tuftige Witwe. 16. bis 19. Rart der Große. 20. bis 22. Arm wie eine Kirchenmaus. Nachmittagsvorstellungen: Thalia Theater: 15., 21., 22. Prinzeßchen Allerleirauch. Theater am Straße: 18., 21., 22. Winnetou Komŕdienhaus: 22. Charleys Tante, Deutsches Künstler. Großes Schauspielhaus: 15., 22. Die 3 Musketiere. Theater: 15., 22. Die andere Seite. Leffing- Theater: 15. Die Krone Davids. Trianon Theater: 15., 22., 14% Uhr und 18., 21., 16 Uhr: König Droffel batt. 15., 17 Uhr: Johannisfeuer. 22., 17 Uhr: Der Meisterboger. Rentral Theater: 13., 22. Friederite. Kleines Theater: 15., 22., 14 Uhr und 21., 18 Uhr: Lausbübchens Weihnachtsfahrt. 15., 16% Uhr: Clubleute. Roſe. Theater: 18., 21., 17 Uhr: Mar und Morik und der Weihnachtsmann. 22.1 14 Uhr: Frau Solle; 17% Uhr: Pariser Blut. Theater in bez Klofter. ftraße: 16., 17. Minna von Barnhelm. 15., 22., 17 Uhr: Mit dem Reppelin ins Märchenland. 18., 21., 22 ,, 15 Uhr: Hänsel und Gretel. Schloßpart. Theater Steglik: 15., 18., 21., 22. ie ein fe das Chriftfind fuchen ging. Wintergarten: 15., 21., 22. Internationales Barieté. Blaza, Scala: Suter nationales Barieté. Reidshallen Theater: 15., 22. Stettiner Gänger. Theater am Rottbuffer Zor: 15., 22. Elite Gänger. Erstaufführungen der Woche: Montag. 2effing- beater: Der Schak. Mittwoch. Städt. Oper: Der Tenor. Donnerstag. Theater am Giffbauer amm: 2egte Macht.( 23% Uhr). Sonnabend. Rammerfpiele: Defire. Romise Oper: Sulla di Bulla. Sonntag. 8uftfpielhaus: Biegenfieb. Refibena Theater: Die Krone im Rhein. Wetter für Berlin und Umgegend: Noch mild und start bewölft mit Neigung zu einzelnen Regenfällen. Frische westliche Winde. Für Deutschland: Ueberall mild, ziemlich starte Bewöltung, zeitweise Regen D sich in den Konzerten dieses für Berlin unentbehrlichen Orchesters gründlich gebessert.( Hat auch das Interesse der Stadt für seine wirtschaftliche Lage sich gehoben?) Bor allem das chronische Grundübel der letzten Jahre ist beseitigt, der ständige Dirigentenwechsel, das fortwährende Experimentieren mit unzulänglichen Kapellmeisterträften, hat aufgehört. Gastdirigenten sind eine Seltenheit geworden, Der junge Walter Sieber bildete neulich eine dieser Ausnahmen, wenn auch gewiß teine als Vertreter seines Berufes. Immerhin hat er durch sein Programm, insbesondere mit der fast unbekannten Ersten Sinfonie des Russen A. Scriabine, Intereffe gewedt, bei welcher Gelegenheit auch der mitwirkende Parlophon- Chor porteilhaft auffiel. Und Baula Lindberg, die grundmusikalische Konzert- Altiſtin, erzielte mit Mussorgskis„ Liedern und Tänzen des Todes" tiefe Wirkung. und so weiter bevorzugt. 3weitens würden von den Unternehmern Familienlöhne gezahlt, aber diese seien abzulehnen. Drittens bestehe das sogenannte Beihilfensystem, eine Unterstützung durch die Gemeinden und die Kreise. ging dabei in Deutschland davon aus, daß es hier etwa Hier tommen wir zur Frage der Kostenaufbringung. Grotjahn 16 Millionen Ledige und Kinderlose gäbe. Und diese würden das Reservoir für die Kostenaufbringung zur Elternperficherung bilden. Er zitierte Berechnungen, wonach eine Sonder steuer von 5 Praz. genügen dürfte. Leider wies der Referent nicht darauf hin, warum der größte Teil dieser etma 16 Millionen unverheiratet bzw. tinderlos ge blieben ist. Diese Elternschaftsversicherung, die mit einen fleinen Apparat ihren Aufgaben genügen fönne, solle allen Eltern zugute tommen. Er wandte sich gegen die Behauptung, das deutsche Bolk sei ein armes Bolf, indem er darauf hinwies, daß noch jährlich 814 Milliarden für Alkohol und Tabat ausgegeben würden,% Milliarden für Kaffee, Tee, 4 Milliarde für Südfrüchte, und daß wir ferner noch jährlich 250 000 Stalienreisende und 400 000 Schweizer reisende hätten. Die Elternschaftsversicherung folle 20 bis 30 m. pro Kind und Monat ergeben. Durch diese Unterstützung glaubt auch der Referent, da viele Frauen mur ungern der Fabritarbeit nach gingen und einen Hausstand vorzögen, der Arbeitslosigkeit besonders für Männer zu begegnen. In der Diskussion wurden dann noch von verschiedenen Seiten weitere Vorschläge zum Ausbau einer Elternschaftsversicherung gemacht. N. M. Rudolf von Laban. Der Schöpfer des modernen Kunsttanzes feiert morgen seinen 50. Geburtstag. Rudolf von Laban mar es, der der neuen Kunst der rhythmischen Körperbewegung theoretisch und praktisch die Fundamente gelegt, das Ziel gewiesen und die ersten Wege gebahnt hat. Laban befreite den Tanz von allen fremden Einflüssen und machte ihn zu einer selbständigen Kunst. Er stellte das Prinzip des Freien Tanzes" auf und entdeckte die Gesetze dieses freien Tanzes. Auf einfachster Grundlage erbaute er ein System der fompliziertesten Körperbewegungen, deren jede zweifelsfre: charakterisiert werden fann und deren Gesamtheit dem eigentlichen Biel des neuen Tanzes, der Gestaltung und rhythmischen Gliederung des Raumes, dient. Zum 3wed dieser Charakteriefierung hat Laban eine eigene Tanzschrift erfunden, die für seinen Tanz etwas ähn liches leistet wie die Notenschrift für die Mufit. Sie gibt die Kraft, Eugenik und Elternschaftsversicherung. Die Richtung, die Zeitdauer jeder einzelnen Bewegung an und Ueber dieses Thema sprach Genosse Prof. Dr. Grotjahn beim Deutschen Bund für Boltsaufartung und Erblunde. Er ging von der Tatsache aus, daß im allgemeinen die soziale Fürsorge piele lebensuntüchtige Menschen erhält, mas nicht im Interesse des Boltsganzen sei. Er mies bann darauf hin, daß es durch den Geburtenrüdgang dahin gekommen sei, daß die Großstädte nur noch durch Zuwanderung ihre Bestandsziffer erhalten bam sich vermehren. Die Ursache des Geburtenrüdganges ist die Umwandlung der sogenannten Agrarfamilie, d. h. der großen Familie auf dem Lande, in die Kleinfamilie. Unsere Aufgabe in der jetzigen Zeit muß es nun sein, die Bevölkerungsziffer auf gleichem Stande zu erhalten. Dazu gibt es verschiedene Wege. Als Beispiel führte er Frankreich an, das völkerungsziffer auf gleichem Stande zu erhalten. Dazu gibt es typische Land der geringen Geburtenziffer. Dort werden erstens finberreiche Beamte in der Gehaltszahlung, in der Beförderung | zeichnet dadurch zugleich den Weg vor, den der Tanzende auf der Bühne zu nehmen hat. Als Lehrer, Tänzer und Tanzkomponist hat Laban seinen Theorien praktische Gestalt gegeben. Der von ihm begonnene Bau ist dann durch seine größte Schülerin Marn Bigman zum Gipfel der Bollendung geführt worden. Das Mannheimer Nationaltheater bleibt bestehen. Der Mannheimer Bürgerausschuß bewilligte mit 65 gegen 48 Stimmen den Boranschlag des Mannheimer Nationaltheaters mit einem jährlichen Betriebszuschuß von 1,1 Millionen Mark auf die Dauer von drei Jahren, nachdem Oberbürgermeister Dr. Heimerich ausführlich di Mannheim begründet hatte. Bekanntlich war in der letzten Bürger fulturelle und wirtschaftliche Notwendigkeit des Nationaltheaters fü ausschußigung der Etat abgelehnt worden, wodurch die Gefahr te Schließung des Nationaltheaters in unmittelbare Nähe gerüdi war. Theater, Lichtspiele usw. Sonnab., 14. 12. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 279 19 Uhr Sonnab., 14. 12 Städt. Oper Bismarckstr. Turnus IV 20 Uhr Tannhäuser Der Barbier von Sevilla Staats- Oper Staatl. Schausph. Am Pl.d.Republ. R.-S. 194 19% Uhr Hoffmanns Erzählungen am Gendarmenmarkt A.-V. 246 20 Uhr 2x2= 5 Staatl. Schiller- Theater, Charith. 20 Uhr: Der Kaufmann von Venedig 84 Uhr CASINO- THEATER 8% Uhr Lothringer Straße 37. Der neue Schlager! Famille Hannemann. Winter SCALA Garten Zentr. 2819 * 8 Uhr Raumen erlaubt 16 Original Lawrence Tiller- Girls und weitere Varieté- Neuheiten Sonnabend u. Sonntag je 2 Verstellungen 3 und 8 Uhr. 30 kleine Preise. Renaissance- Theater Täglich 8 Uhr PARISER LEBEN Operette von Offenbach. Regie: Gustav Hartung. Musikalische Leitung: Theo Mackeben. Steinplatz C1. 0901 u. 2583/84. Heute nacht 11.30 Uhr ARBEITER- THEATER( Club 1926 E.V.) Morgen vorm. 11.30( 1-6 Mk.) CEMBALO MATINEE Günther Ramin. 9 GROSSES SCHAUSPIELHAUS 8 Uhr: Tag. 2 Versfell Sud 82 Uhr Barbaresse 2256 Preise 1-6 M. Wochentg.: 5 U. 50 Pf.- 3 M. Matray- Ballett, Kafka, Stanley a. May, Pereznit& Co., Bernt& Partner usw. PLAZA Tagl. 5 u. 815 Sonnt. 2, 5.85 Alex. E. 4.8066 INTERNAT. VARIETE Direktion Dr. Robert Klein Deutsches Künstler- Theat. Barbarossa 3937 48 Uhr Ende 11.10 Uhr Seltsames Zwischenspiel Regie: Heinz Hilpert Sonntag, den 15. mitt. 12.15 Uhr ANTON KUH spricht über 3 Musketiere Die Pleite des Regie: ERIK CHARELL Dazu ein erstklassiger bunter Teil.achm. 3 Uhr ungekürzte VorFür unsere Leser Gutschein für 1-4 Personen Fauteuil nur 1.25 M., Sessel 1.75 M, An beiden Weihnachtsfeiertagen stellung in Originalbesetzung zu halben Preisen. Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. Reichshallen- Theater ROSE -THEATER Gr. Frankfurter Straße 132 Teleph.: Alexander 3422 u. 3494 Nur noch bis 22. Dezember Täglich 8 Uhr: Sonntags 5.15 und 9 Uhr Pariser Blut Ab 23. Dezember tägl. 8.15 Uhr Die Csardasfürstin Jeden Mittw. u. Sonnab. 5 Ubr ,, Max und Moritz" und der Weihnachtsmann Jeden Sonntag, nachm. 2.30 Uhr Frau Holle Programm am 1. u 2. Feiertag: 4 Uhr Pariser Blut 7.45 Uhr Die Csardasfürstin 11.30 Uhr Familie Hannemann Am 2. Feiertag spricht um 130 U. MARCELL SALZER. Der Vorverkauf hat begonnen Theater L. d. Behrenstr. 53-54 81 A 4 Zentrum 926/927 814 Abends Sonntag nachm. B Das große Weihnachts- Programm der Steffiner- Sänger Nachm. halbe Preise! Dönhoff- Brettl: Das phänomenale Desember- Progr. Tans. Deutsches Theater Lessing- Theater D.L. Norden 12310 8% Uhr Der Kaiser v.Amerika von Bernard Shaw Reg: Max Reinhardt Norden 10846 Moskauer bebräisch Künstler- Theater Habima" 8 Uhr Die Geistes Uhr Sonntag, den 15. Dez. Die andere Seite 0,50 bis 8 Mk. Berliner Theater Dönhoff 170 8% Uhr Reserviert 10r Herrn Gaston. Von Max Wolff. Regie: Volksbühne Theater am Bülowplatz 8 Uhr Affäre Dreyfus Schauspiel von René Kestner Regie: H. D. Kenter. Staatl. Schiller- Th. 8 Uhr Planetarium| Metropol- Th. am Zoo 8 Uhr Verlag. Joachimsthaler Straße B.5 Barbarossa 5578 Das Land des 16 Uhr Die Winter- Lächelns sternbilder. 18 Uhr Der Stern der Weisen. 20% Uhr Der Planet Jupiter. Eintritt 1 Mark, Kinder 50 Pf. Mittwochs halbe Kassenpreise. Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich 8 Uhr Max Adalbert in Das Parfüm meiner Frau Lustsp v. Leo Lenz' Vera Schwarz, Richard Tauber Musik von Franz Lehár. Geschenke JUERGENS Alexanderplatz Neue Königstr.43 Wollen Sie Ihrem Gatten eine Freude machen? wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in der Gesamtauflage Der Kaufmann des Vorwärts" und von Venedig entralTheater Z: Alte Jakobstr.32 Gastspiel d. Th. d. Westens Täglich 81% Uhr Stg. 5 u. 8 Uhr Friederike Sonntag 2 Uhr Das Weihnachtswunder Forster Larrinaga Trianon- Thur Theater in der Königgrätzer Straße Täglich 84 Uhr Barnowsky- Bahnen Sie verweigert die Aussage Elisabeth Strickrodt Kurt Etale. 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Nicht nur der Europäer, der in Indien Geschäfte betreiben will, auch der Einheimisde muß über die jeweiligen Berhältnisse gründlich orientiert fein, will er nicht empfindliche Berlufte erleiden. Die Berhältnisse fennenzulernen, ist äußerst" schwierig. Go laffen z. B. nur Typ, Kleidung und gemalte Zeichen auf der Stirn des einzelnen erraten, welcher Religion, Raste ufw. er angehöri Besonders das Kastenwesen der Hindus, und der größte Teil der Bevölkerung gehört dem hinduistischen Glauben an, er fchweren den Handel außerordentlich. Ein Hindu wird, um ein Beispiel zu nennen, feine von fremder Hand hergestellte Ware erstehen und es ist durchaus angebracht, den fanatischen Hindu dar auf hinzuweisen, daß bei den zum Verkauf gelangenden Waren nur Maschinenarbeit geleistet wurde. Es ist zwecklos, die Inder für Sachen interessieren zu wollen, an die sie nicht gewöhnt sind oder die ihnen die Religion bzw. der Beruf verbietet. Die einzelnen Kasten der Hindus find erblich. Wie start der Raftengeist entwickelt ist, zeigt die Vorstellung, die mehr als ein bloßer Aberglaube ist, daß ein Hindu der niederen Kaste das Trinkwasser eines Hindu der höheren Raste verunreinigt, fo bald nur fein Blid aus gewisser Entfermung darauf fällt. Es ist deshalb ausgeschlossen, daß eine Rafte mit der anderen sympathisiert, oder daß gar von einer in die andere Raste hineingeheiratet wird. Bei einer Gesamtbevölkerung von 319 Millionen leben in Indien 18 Millionen Menschen vom Handel, hiervon etwa 10 Millionen vom Kleinhandel mit Lebensmitteln und 1 Millionen vom Handel mit Stoffen. Der indische Kleinhändler verfauft zwar seine Waren, wie das in Europa auch geschieht, in Läden, aber diefe Läden haben im und an den religiösen Feiertagen der Hindus und Moslems halten| der übelsten Lage. Als Wohnung dienen den Bauern leine die Händler, die der jeweils feiernden Religion angehören, ihre Lehmhütten. Von einem Mobilar tam nicht die Rede sein. Läden pollkommen geschlossen. Nur in großen Geschäftskonzernen, Es ist nicht einmal ein Bett vorhanden, Matten dienen ols die von Europäern abhängig sind und in den Regierungsbureaus Schlafgelegenheit. Es kann nur das notwendigste Steingutgeschirr, wird der Sonntag immegehalten, jogar am Sonnabend nachmittag abgesehen von einem aus Kupfer oder Zinn bestehenden Wasserruht hier bereits die Arbeit. Es ergibt sich deshalb für die großen trug, angeschafft werden. Holz zur Feuerung wird im Walde gefammelt. Die Ernährung besteht aus Getreide, Salz und nichtbevauschenden Getränken. Ein europäischer Beobachter, den ich einmal umherführte, rief voll Erstaunen über die kaum vorstellbare Anspruchslosigkeit der Bauern aus: Wovon leben die Inder eigentlich? Er hielt es fast nicht für möglich, daß die paa™ Körner, die sie am Tage zu sich nahmen, auch nur im entferntesten ausreichen, um sie vor dem Hungertode zu schützen. Grobe Staffe Liefern die Kleidung des Bauern. Unter dieser Kleidung ist meistens nichts weiter als ein Lendenschurz zu verstehen, der v... den Hüften bis zu den Knien reicht. Der übrige Körper bleibt unbedeckt außer in den 4 fühleren Monaten. Der Lendenschurz wird häufig ungewaschen entzweigetragen, obgleich das Waschgeld für eine Person im Monat höchstens 30 Pfennig betragen würde. Schuhe betrachtet der Bauer als Lurusgegenstand, den er nicht einmal für eine längere Reise erstehen würde.... Dorfleiher, in den verschiedenen Gegenden Marmaris, Chetties, Banjas usw. genannt, borgen dem Bauern das nötige Geld aur Anschaffung von Vieh, landwirtschaftlichen Geräten, für das Saatgut und die umgänglichen Neuanschaffungen für die Fa milie. Der Bauer verpflichtet sich dafür, dem Dorfleiher einen entSprechenden Anteil der Ernte abzutreten. Der Bauer befindet sich deshalb gänglich in den Händen des Dorfmucherers und hat in der Mehrzahl der Fälle den größten Teil der Ernte Dertauft", bevor diese überhaupt hereingebracht ist. Mitunter liefert der Dorfwucherer dem Bauern statt des Geldes auch gleich die benötigte Ware, so daß er einen doppelten Berdienst, einmal durch die Zinsen und das andere Mal durch den auf die Ware autfBerufsrcasserträger Wohlhabende Leute lassen sich Wasser aus der Quelle bringen. Gegensatz zu den europäischen feine Schaufenster und unterscheiden fich auch sonst bedeutend von ihnen, mit Ausnahme einiger großer Städte natürlich, in denen man neben ganz modernen Geschäften fogar Warenhäuser vorfindet. Die Läden der indischen Kleinhändler find durchschnittlich nur 6 bis 8 Fuß breit, 8 bis 12 Fuß hoch und 9 bis 15 Fuß lang( 1 engl. Fuß= 0,3048 Meter). Im Laden= raum selbst wird eine Ware gehalten; diese wird auf der Plattform ausgestellt, die massiv und am Hause angebaut ist. Falls dem Händler die Plattform für seine Ware nicht breit genug dünft, fann er sie mittels Holz beliebig erweitern. Die Plattform wird, vom Boden gerechnet, 2 bis 3 Fuß hoch gebaut und durch Stäbe gehalten. Wie im Orient üblich, fißt der Händler mit überge schlagenen Beinen auf der Plattform, unter sich oft eine aus Bast geflochtene Matte. Die Waren gruppiert er so, daß er sie schnell und bequem dem Käufer reichen kann, ohne sich von seinem Sig erheben zu müssen; das nimmt ihm der Käufer nicht im entferntesten übel. Der Händler bietet zwar den Bassanten seine Waren durch Ausrufen an, denkt aber nicht daran, dem Kunden gegenüber besonders höflich zu sein. Er ist der Ansicht, daß der Kunde seine Waren braucht, sie von ihm erhält, dafür zahlen muß und er dem. Kunden somit nichts schuldig bleibt. Worte wie dante sehr" bekommt man von einem indischen Händler nicht zu hören. Die ausgestellten Waren sind nicht allzu reichlich, weshalb auch irgendwelche Einrichtungsgegenstände nicht benötigt werden. Bielfach besitzen die Kleinhändler ein Lager in einer anderen Gegend der Stadt. Man kann sie deshalb durchaus nicht nach ihrem Laden einschäßen. Es kommt vor, daß ein Händler in seinem Lager Waren im Werte von über 100 000 Mart aufgestapelt hat. Ber tein Lager befigt, holt sich täglich die Waren vom Grossisten, der meistens in der Nähe der Läden wohnt. Erwähnenswert ist, daß sich die Läden der gleichen Branche fast stets in derselben Straßenfront befinden, wodurch der Käufer sofort einen flaren Ueberblic bekommt, bei welchem Händler er die bessere Ware einkaufen fann. Weder im Klein noch im Großhandel sind die angebotenen Artikel mit Preisen versehen und es bedarf daher erst imuner eines mehr oder weniger langen Feilschens, bis Händler und Räufer über den Preis einig sind. Die vom Kunden erstandene Bare wird entweder in ein großes Blatt, das ein bestimmter Baum liefert, eingeschlagen, oder der Käufer bringt zu diesem Zweck ein Tuch bzw. ein Gefäß mit. Kassiermaschinen haben die Kleinhändler Indiens noch nicht im Gebrauch; eine solche fönnten sie auch schlecht unterbringen. Will der Händler schreiben, so bedient er sich als Schreibunterlage einer Blatte, die er auf den Knien hält. Eine Bolizetstunde ist nicht vorgeschrieben Die Händler halten ihre Geschäfte offen, folange es ihnen paßt. Milch und Kon. fitürengeschäfte sind mitunter bis zu 22 Stunden am Tage geöffnet. Die Arbeitstage merden nicht von einem regelmäßigen wöchentlichen Feiertag, mie in Europa der Sonntag, unterbrochen. Tur our Freitag vormittag schließen einige Händler ihre Läden, Waschfrau und Waschmann Größtenteils verrichten Männer diese Arbeit. Die Wäsche wird fast immer aus dem Hause gegeben. Die Wäschestücke werden auf einen Stein geschlagen, um den Schmutz zu entfernen. Man sieht es diesen beiden an, was 1ür ein Hunger dasein sie führen müssen. Firmen die Praris, daß die bei ihnen beschäftigten Moslems und Hindus ihre jeweiligen Feiertage einhalten dürfen, zu denen bei Firmen, die Europäern unterstehen, noch die christlichen Feiertage tommen, so daß das indische Personal europäischer Firmen sehr viele Feiertage hat. Allerdings darf man nicht vergessen, daß die Einheimischen feinen Urlaub fennen. Die Festlichkeiten dauern mitunter bis zu 5 Tagen, so daß es vorkommen fann, daß ein Kunde 3 bis 4 Tage warten muß, um Geld bei der Bant abzuheben. Es gibt in Indien etwa 20 erstklassige Banten mit Filialen in allen großen Städten, von denen eine sogar in Hamburg eine Filiale unterhält. Im großen und ganzen merden hier zulande die Banten vom Mittelstand und der ärmeren Bevölkerung menig in Anspruch genommen. Allerdings wird auch in Indien gespart, um in den Zeiten der Not gebedt zu sein, doch foufen Holzträger Auch dieser Inder, der aus der Gebirgszone stammt, zeigt die typischen Merkmale katastrophaler Unterernährung. die Chemänner hier von den Ersparnissen Schmud für ihre Frauen oder sie legen das Kapital in Grundstüden an. Die Banten, auch Exporthäuser und Großtonzerne find, soweit sie mit Europäern in geschäftliche Berührung tommen, nach europäischem Muster und auf das modernste eingerichtet; umgefehrt egiftieren aber wieder Unternehmen mit direkt primitiver Einrichtung. Dreiviertel der Bevölkerung Indiens ernährt sich durch die Landwirtschaft, so daß Indien von der Einfuhr unabhängig ist. 60 Brozent aller Jnder, meistens Bauern, befinden sich trotzdem in Beltflechter Die Betten werden sehr leicht gebaut, da man je nach dem Wetter im Zimmer oder im Hof schläft. geschlagenen Preis, einstedt. Die vom Dorfusucherer beanspruchten 3insen schwanken zwischen 8 und 32 Prozent. Trotzdem die Dorfwucherer die Bauern vftmals ruinieren, gelangt felten einer von ihnen zu Reichtum; dies hat seinen Grund darin, daß sie wieder das zu verleihende Geld von den Leihern der großen Städte erhalten, an die sie natürlich auch entsprechende Abgaben zu entrichten haben. Von hier führt dann der Weg über die Kleinbanten zu den Großbanten mit europäischem Rapital. Im Jahre 1904 wurden in der Absicht, dem Dorfmucherer das Handwerk zu legen, von der Regierung staatliche Leihämter mit normalen Zinsfäßen für die Landwirte eröffnet. Der Erfolg blieb leider gering. Weitere 25 Prozent Inder führen das Leben der ärmeren Be völkerung Europas, welcher Bergleich bei den ersten 60 Prozent ja zu optimistisch wäre. Die noch folgenden 11 Prozent Bewohner haben die Lebensführung des europäischen Mittelstandes und nur 4 Prozent erfreuen sich eines Wohlstandes. Indien führte schon immer mehr aus als ein, doch hat der Außenhandel durch die Errichtung der Bahnlinien im Innern und durch die Eröffnung des Suezkanals noch einen bedeutenden Aufschwung genommen. Die wichtigsten Einfuhrartikel sind auch heute noch Baumwolle und Baumwollwaren, hauptsächlich aus Lancashire, in zweiter Linie aus Japan tommend. Industrielle Maschinen importiert an erster Stelle England, dann folgt Amerika, das jedoch nicht viel hinter England zurückbleibt. Zuder ist das einzige landwirtschaftliche Produft, das Indien einführt und zmar jährlich, als Maßstab 1922/23 zugrunde gelegt, in Höhe von 315 Millionen Mart. Unter den Ausfuhrartiteln sind die wichtigften Baumwolle, dann Jute, Reis, Getreide, Delsamen und Tee. Bis zum Beginn der Nationalbewegung, die 1918/21 auf ihrem Höhepunkt stand, zeigte nur England das umgekehrte Berhältnis zwischen Ein- und Ausfuhr; seitdem ist aber die Einfuhr Englands immer mehr zurüdgegangen. Die zweite Stelle im indischen Handel nimmt seit dem Weltkriege Japan ein, dann folgt Amerita und schließlich Deutschland. Deutschland stand vor dem Kriege im Handel mit Indien an zweiter Stelle und zwar betrug der Export im Jahre 1913 6 Proz. des ind. Außenhandels Import 1913 10" Ausfuhrartifel waren: Zuder, Salz, Baumwollwaren, Farban, Kupfer, Gisen, Stahl, industrielle Maschinen, Wollwaren, Instru Nach mente, Glas und Glaswaren, Bapier, Litöre usw. Bei Beginn des Strieges beeilte sich Japan, diesen Plaz für sich zu sichern. Na ch dem. Weltkriege. belief sich Deutschlands n " " " " Export im Jahre 1924 auf 6 Proz. des indischen AußenhandelJmport 1924 群 " P 7 " " Der Export hat fomit seine alte Höhe wieder erreicht. Ira Ehrenburg ( 1. Fortjehung.) Als Pierre Chardin jung war, arbeitete er still und ruhig. Er arbeitete 10 Stunden, aber niemand drängte ihn. Er liebte damals Werkzeuge und Eisen. Er arbeitete mit Lust, er liebte sein Fach. Dann stellte sich heraus, daß sein können überflüssig war. Die Maschine arbeitet mit einer Präzision bis zu einem hundertstel Millimeter. Bierre hörte auf, die Maschine zu lenken, die Maschine regiert nun ihn. Jetzt sezt er die Federn ein und das Band bewegt fich. Dagegen find alle Einwände ohnmächtig. Benn er schreien mollte, werfen sie ihn aufs Pflaster. An seine Stelle fommt ein Reger oder ein Kind. Wer fönnte denn eine Feder nicht einfegen?... Seine Frau hat noch Hoffnungen: Bielleicht geht es uns plög lich gut und wir mieten uns eine Wohnung in Benve. Die Luft ist dort so gut..." Pierre schweigt. Ihm soll es besser gehen? Federn bleiben Federn. Steigt der Lohn um 10 Centimes, mird dafür das Brot teurer. In Benve ist die Luft gut? Vielleicht, aber von dort fährt man eine Stunde zur Fabrit und eine zurüd. Und er ist so müde. Merkwürdig ist diese Müdigkeit. Er fönnte jegt stundenlang Holz haden oder weiß Gott mie lang laufen. Der Körper ist nicht müde, nur der Kopf. Rasch die Feder einsehen, solange das Band stillsteht! ist... Daneben bewegen sich Er vergißt die Namen und Gesichter der Kollegen, er versteht nicht, was seine Frau ihn fragt. Er will nur Ruhe. Manchmal führt ihn seine Frau ins Kino. Dort fißt er stumpf und schläfrig. In der Dunkelheit fallen ihm die Augen zu. Es ist so schwer zu verstehen, warum der Bankier mit dem frechen Besucher so nett mühselig in der dumpfen Luft die Gedanken der Nachbarn, die sonst Bolzen eintreiben oder die Schraubenmutter anziehen. Diese Gedanken haben weder Füße, noch Flossen, noch Flügel. Sie bewegen sich wie Regenwürmer, durch einen Hartenschlag enizweigeschlagen. Das sind nicht einmal Gedanken, es ist eine melancholische Verbindung von halb vergessenen Gestalten, das sind Träume des Höhlenmenschen, Laute eines Laub. stummen. Diese Menschen betrachten das mondäne Melodrama( von der Zenjur bewilligt"). Das ist die Kunst, die Kultur der Nieberungen, und das ist Paris, die Leuchte der Welt". Bangjam bewegen sich die Gedanken, die Füße schlafen ein, die Leinwand blendet die Augen, der Apparat fnattert. Und das Band bewegt sich. Und plöglich ein Dröhnen. Ein Lachen aus Hunderten von Kehlen, derb und ungebärdig wie das Gebrüll der Maschinen. Auf der Leinwand stolperte der freche Besucher, sein Monokel ist zerbrochen. Redyt geschieht ihm!! Der Höhlenmensch macht für einen Augenblid auf, in seinen Augen verzweifelte Freude. Dann flammt das Licht auf und die Augen erlöschen. Der Apparat hat das Seine getan. Der Mensch wurde auseinandergenommen und wieder zusammengestellt. Die Hände arbeiten rascher, die Augenlider bemegen fich langsamer. Er sieht wie ein gewöhnlicher Mensch aus, er hat Schmirrbart und hat eine Weste, aber sprechen fann man nicht mit ihm. Er ist tein Mensch mehr, er ist ein Teil des Bandes, Schlüffel, Rad, Schraube... Er lebt nicht wie andere Menschen, um zu essen, mit Frauen zu fdylafen, zu lachen Nein, sein Leben ist von einem tieferen Sinn erfüllt: er lebt, um Automobile zu erzeugen, räuschlojer Gang, Gangstahlfarosserie. .. 10 PS., ge= Pierre geht schweigend nach Hause. Seine Frau versucht zu sprechen: Ein feiner Film, das! Ich habe gleich gewußt, daß der Schwarze ein Schuft ist und du?" Bieree antwortet nicht; seine Frau hat den ganzen Tag gearbeitet, sie hat Wäsche gewaschen, Kohlen getragen, den Boden gerieben. Das Kreuz tut ihr meh, die Füße brennen, aber sie stand nicht am Band, sie fann sich noch über den schwarzen Schuft ercifern. Und Pierre schweigt. Schweigend zieht er sich aus, fdmei. gend legt er sich nieder. Moran denkt er so angestrengt, an den schwarzen Schuft, an die Autos? Nein, er denkt an den Fled auf der Band über dem Polster. Er bentt lange daran, dann spricht er: ,, Den solltest du irgendwie nerhängen!" Die Frau stopft noch Soden. Pierre schaut mit weit auf gerissenen Augen in das elettrische Licht. Er schaut ohne zu blinzeln. Sein Arm hebt sich in gewohnter Bewegung, der rechte Arm, der linte ist steif und unbeweglich. Er schläft ein. Krampf haft bewegt sich noch die Hand auf der Decke. Der Atem wird ruhig. Die Frau sieht Pierre an. Wie mager und blaß er ist! Die verfluchte Fabrit! Die Frau seufzt leise, sehr leise Pierre fchläft jegt. Er schläft, aber feine Finger zuden, taum mertlich. Wahr. scheinlich jetzt er noch immer die Feber ein, von der Früh bis in die Nacht hinein und bis in den Tod. II. Herr André Citroën ist, menn man den mondänen Chroniken Glauben schenken darf, der Liebling aller Kasinos. Ohne ihn gibt es teine ordentliche Partie. Er hat eine große Gabe er versteht zu verlieren. Er verliert nonchalant und elegant. Der grüne Tisch ist kein gewöhnliches Raubgeschäft das ist vor allem die Boefie der schlaflosen Nächte, unterdrückte Seufzer, Schweißtropfen, zitternde Finger, 3weikampf mit dem Schicksal und ein faum mertliches Lächeln. Es muß rasch weggewischt werden, dieses Lächeln, mit dem seidenen Taschentud), wie die Schweißtropfen auf den Schläfen. e Band Er überlegt: Wie soll der amerikanische Schwung mit dem europäischen Elend vereint werden? Man muß billige Maschinen bauen, diese Maschinen dürfen nur wenig, ganz wenig Brennstoff verbrauchen, diese Maschinen müssen aber auch schön sein. Der Europäer ist ja stolz auf seine tausendjährige Kultur. Das Auto ist die neue Gottheit. Es soll zur Religion aller merden. Folglich muß der Preis herabgelegt werden. Herr Citroën spielt eine Karte aus, er ändert die Ausstattung seiner Werkstätten, er macht Reflame für sein neues Modell 5 PS. Das ist allen zugänglich, das Glück für den halben Preis, das Glüd auf Teilzahlungen. Die Fabrifen liefern 200 Maschinen täglich, der umfaß wächst, die Straßen von Paris werden gefährlich. Das Auto ist schon der Traum des fleinen Kaufmanns, des Farmers. Er muß spielen; das ist fein Spiel mehr, das ist das Band, das eiserne Band. Etwas härter wird das Lächeln, etwas rascher bewegt sich die Hand, aber die Stimme ist ruhig: ,, Ich kaufe weiter." Dann fidert die Morgendämmerung durch die Borhänge. Zu dieser Stunde ist in den Fabriken Citroën Schichtwechsel. Die Gesichter der Arbeiter sind grau und ausdrudslos, als ob sie nicht aus Fleisch und Blut wären. Das Gesicht des Spielers ist noch aus: drucksloser, noch grauer. Es ist kein Gesicht, es ist eine Spielmarke. ,, Sie haben vier Millionen verloren!" Der Spieler versteht nichts. Noch streckt er die Hand nach den Karten, aber es gibt feine Karten mehr. Das Kasino ist schon ge= schlossen. Vor dem Spieler ist das Meer. Seine Bewegungen sind gefeßmäßig und unabänderlich. Es spült an die Steine und prallt zurüd. Der Spieler und das Meer bleiben allein. Sie betrachten einander mit leichtem Mißtrauen, das allmählich zur Gleichgültigkeit wird. Beide sind sie müde, beide müssen sie weiter arbeiten. Zum Klagen haben sie keine Zeit. Der Spieler ist nachdenklich, obwohl er eigentlich an nichts denkt. Eine Autohupe bringt ihn zu sich. Gehorsam weicht er der Maschine aus. Das ist das letzte Modell Citroëns 10 PS. B 14. ( Fortsetzung folgt.) RUNDFUNK AM ABEND Sonnabend, 14. Dezember. Berlin. 16.05 Unterhaltungsmusik. Das Eisen ist teuer, die Rohle ist teuer, die Farbe ist teuer. Aber der Kostenvoranschlag erthält einen Buntt, auf den sich die ganze Aufmerksamkeit Herrn Citroëns richtet. Wenn nicht die Materialpreise, so kann man den Preis der Arbeit herabsehen. Das Jahr 1919 ist weit zurück. Die Arbeiterausschüsse sind verschwunden, die Streifs verloren. Herr Citroën zeigt seinen Arbeitern das neue überfeeische Spielzeug- das Band, das sich bemegt. Wenn auch die Arbeiter murren, ihre Stimmen erstidt das Dröhnen der neuen amerikanischen Bressen. Die Automobile Citroëns find noch billiger Nach den Abendmeldungen bis 0.30: Tanzmusik. Bildfunk. geworden. Noch einmal reißt Herr Citroën die Bank an sich. 17.30 Gerichtsverhandlung aus ,, Die Affäre Dreyfus", Schauspiel in 5 Akten von René Kestner. 19.00,, Die kämpfende Frau"( am Mikrophon: Käte Graber). 19.30 Feodor Schaljapin( Schallplatten). 20.30 Von Breslau: ,, Leben in dieser Zeit". Königswusterhausen. 16.00 Prof. Fritz Jöde: Sing- und Spielmusiken der Gegenwart. 16.30 Nachmittagskonzert von Hamburg. 17.30 Direktor Remmers: Ziel und Grenzen beamten wirtschaftlicher Selbsthilfe. 18.00 Trotzki: Mein Leben( Dr. Nikolaus Feinberg). 18.30 Französisch für Anfänger. 19.00 Stille Stunde..Sterne über uns". Aber da verliert das Spiel für ihn an Interesse, es ist zu niedrig -5 PS. bringen zu wenig Profit. Zum Teufel die Borsicht! Der Spieler verläßt das gut eingeführte Modell. Herr Citroën spielt auf die Bereicherung der einen und die Dummheit der anderen. Ohne Auto kann man nicht leben: das ist bewiesen! Folglich werden sich die Käufer auf das neue Modell stürzen: 10 PS. B 12. Herr Citroën selbst hat Opfer gebradyt. Jetzt soll ganz Frankreich Opfer bringen. 21.00 Das Jesukind in Flandern", von Felix Timmermans( Sprecher: Gerd Sie sollen weniger Schnaps trinten, seltener ins Kino gehen, sollen einen Mantel nicht zwei, sondern drei Jahre tragen.- sie sollen opfern! Die Käufer ergeben sich nicht sofort. Eine Bause bedeutet für den Geschäftsmann den Zusammenbruch, für den guten Spieler mur Schweißperlen auf der Stirn und das seidene Tud. Rasch trocknet er die Stirn cuch diese Bant gewonnen. Das neue Modell bringt viel mehr Profit als das alte. Die Dividenden wachsen. Das Spiel ist das Herzklopfen wert. ,, Kaufen Sie weiter?" Ja." Eine Acht! Der Spieler kauft. Drüber, verloren. So vornehm lächeln die Nachbarn, vornehm gleiten die Karten, glänzen die Spielmarfen. Und wiederum: ,, Kaufen Sie?" und wieder das vornehme Lächeln. Hinter den herabgelassenen Vorhängen rauscht bas Meer. Das Spiel wird nie zu Ende sein. Bald gewinnt der Spieler, bald ver liert er, aber er geht nicht weg. Er will mehr gewinnen, immer mehr. Das ist Ebbe und Flut, das Spiel ist ewig. Der Spieler mill auch nicht gewinnen, er will nur spielen. Ist es denn nicht auch ein Spielzeug, diese Karten, diese weißen Spielmarken? Nein, er will nicht einmal spielen. Er ist sehr müde. Er unterscheidet die Farben schlecht. Aus der Neun wird eine armselige Bier. Er ist bleich und traurig. Er will nicht mehr spielen. Uebrigens ist es gar nicht wichtig, ob er will oder nicht. Man fragt ihn ja nur das eine:„ Kaufen Sie?" 20.00 Kleinkunst aus Ost und West. 1. Russisches Künstler- Theater Zwetnoffs Arlekin. 2. Spanische Revue Barsoni: Fricke). 7.00 Funkgymnastik, 8.00 Für den Landwirt. 8.55 Morgenfeier. 10.00 Wettervorhersage. 10-50 Bildfunk. Sonntag, 15. Dezember. Berlin. 11.00,, Bücher für Jugendliche."( Für 12- bis 15jährige.)( Am Mikrophon: Rektor Knöchelmann.) 11.25 Theater am Bülowplatz( Matinée) der Opernschule des Sternschen Konservatoriums. ,, Hänsel und Gretel." Musik von Engelbert Humperdinck. 14.00,, Dr. Dolittles Abenteuer." VIII.: Der Tiere Weihnachten. 15.00 Schallplattenkonzert16.00,, Der Weihnachtsabend", eine Geistergeschichte von Charles Dickens ( mit Schallplatten).( Sprecher: Ernst Ginsberg.) 17.00 Aus der Stadthalle Magdeburg: Adventsmusik. 18.15 Mandolinenorchesterkonzert. 19.30 Tagesglossen.( Am Mikrophon: Alfred Kerr.) 20.00 Volkskomiker. Mitw.: Lotte Werckmeister, Ludwig Manfred Lommel, Schorsch Ruselli, Oskar Sabo, Karl Wessel. Conférence: Billie Wilder und Paul Markus. Artur Guttmanns Tetra- Tonfilm- Orchester. Anschließend: Zeit, Wetter, Nachrichten, Sport. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Bildfunk. Königswusterbausen, 18.00 Otto Brues: Geschichten vom Weihnachtsbaum, 18.45 Prof. Wappenschmitt: Stunden mit Max Reger. 19.10 Hygiene- Funk..Das alte Spiel von jedermanns Ohr"( angewandtes Hör spiel von Sanitätsrat Dr. Peyser)( Regie: Dr. Konrad Dürre). 20.00 Klaviervorträge. 1. Fritz Rögely: Variationen, über ein Thema von Franz Schubert, op. 3. 2. Kurt Schubert: a) Phantasmagorie; b) Passacaglia( Prof. Kurt Schubert am Flügel). 20.30 Von Breslau: ,, Das spricht Bände". Rätsel- Ecke des ,, Abend". Silbenrätsel. Aus den Silben a an af batt beer ber brei chen di dis erb fe fer ge gend gno i ju tö fus Ii Ii lor mün na ne ne me nig no nus po po ra re ri fe fen fis fung tau te ür um vem zei find 19 Wörter zu bilden. Die Anfangs- und Endbuchstaben, von oben nach unten gelesen, ergeben einen Ausspruch von Goethe. Die Wörter bedeuten: 1. Tagebuch; 2. Hülsenfruchtspeise; 3. Breisnach laß; 4. Menschenfrühling; 5. Beche; 6. Monatsname; 7. wünschens merier Zustand; 8. Sinnbild für Ruhm; 9. weiblicher Vorname; 10. italienische Form für Neapel; 11. Geheimfunde; 12. Schachfigur; 13. Roseform für Anna; 14. Deutsche Großstadt; 15. Sicherheitsbehörde; 16. Fußteil; 17. deutsches Gebirge; 18. Wurfscheibe; 19. Gäugetier. 2 9 Kreuzworträtsel. 10 14 16 17 18 120 Herr André Citroën ist Spieler von Natur; seine Fabriken find Spielmarken in der Westentasche. Nicht der Harinädigteit, nicht der Schlauheit oder dem Genie dem Hasard hat er seine Stellung zu verdanken. Freilich erzählen die offiziellen Biographien von 19 neuen Zahnradbahnen, erfunden von jungen Ingenieur André Citroën, der die Pariser Technit absolvierte. Aber es gibt in der Welt genug tüchtige Ingenieure und neue Zahnradbahnen. Im Jahre 1915 eröffnete Herr Citroën seine erste Fabrik in Baris. Natürlich war es Saisonware Geschosse. Mangel an Bestellungen gab es damals nicht. Patriotismus und hohe Profite marschierten Schulter an Schulter. Aber dann war der Strieg zu Ende. Bor Herrn Citroen standen die amerikanischen Maschinen und die unbekannte 3utunft. Die einen spielten auf einen neuen Krieg, die anderen auf die Dauertrise, die dritten auf Revolution; Herr Citroën spielte auf Amerita. Er begriff, daß die Zeit für Gedichte und Liebe, Pferde und Landauer vorüber war Im ersten Jahr bauten die Citroen- Fabriten 3300 Maschinen. Ueberall Streits, Unruhen, Arbeiterausschüsse, Steigen der Preise, man erwartet das Ende der Welt. Vorsichtige Patrioten übermeisen ihr Geld nach London. Ueberall Angst und Hoffnung. Herr Citroën spieft auf gute Straßen und den harten Daseinskampf. 12 13 15 21 kk. Waagerecht: 1. Löme; 3. Berhältnismort; 5. Narr; 7. italienische Tonbezeich nung; 8. Borzugserbe: 10. Haustier; 11. schlechte Charaktereigenschaft; 14. Bogel; 15. Englisch: nein; 16 französischer Artikel; 19. Mordtat; 22. Form von fagen"; 23. Farbe Sentrecht: 1. Schiffs: feite: 2. Richterspruch; 3. Schlimm; 4. großes Gewässer; 5, Bogel; 6 Titel; 9. Rennpferd; 11. Englisch: nein; 12 Berhältnismort; 13. italienische Tonbezeich nung; 17. Haustier; 18. öde; 19. Aggregatzustand des Waffers; 20. Sinnesorgan; 21 Bedrängnis. 22 23 Buchstabenrätsel. Aus den Buchstaben a iiiii III m Sozialistenführers nennen. a mp. bbb bee a e e e 11 D 0 D D rtib D m find 11 Wörter von je drei Buchstaben zu bilden, deren Anfangs buchstaben aneinandergereiht den Namen eines bekannten belgischen fändischer Bildnismaler 2. Türkischer Borname; 3. Nebenfluß der Donau; 4. Baumert; 5. Hoherpriester; 6. Spanische Straße; 7. Ab fürzung für Bideatur; 8. Nebenfluß des Arno; 9. Münze; 10. Fluß in Rußland; 11. Stamm der Sudanneger. -kr.Die Wörter bedeuten: 1. Mieder. Schnelle Hilfe. Im Räifelmori fchreit's fleine Kind, Da tommt im Baufschritt an geschwind, Das Wort ohne Fuß und Kopf. Das tut, was seines Amtes iſt, Und siehe, schon nach furzer Frist Liegt still der fleine Tropf. ( Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) st. Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. 3ahlenrätfel: Schlüsselwörter: Gold, im, Kake, Schnur, Ausspruch von Schmoller: Die Sozialdemokratie vertritt ein mächtiges und großes Klassenintereffe." D. Röffelsprung: 2m Ufer. Die Welt verftummt, dein Blut ertlingt; in seinen hellen Abgrund sinkt der ferne Tag, er schaudert nicht, die Glut umschlingt das höchste Land, im Meere ringt die ferne Nacht, fie zaubert bicht; der Flut entspringt ein Sternchen, deine Seele trinkt das ewige Licht. Richard Dehmel. Kreuzworträtsel Baagerecht: 1. Ham; 4. erst; 8. Lot; 9 Ei; 11. Foto; 13. Ehe; 15. es; 16. jo; 18. 2bel; 19. Lon; 22. 2le; 24. Ruja; 26. Li; 28. Dr; 29. Art; 30. Rebe; 32. er; 34. Amt; 35. Egon; 36. 2al. Senfrecht: 2. Alt; 3. Moos; 5. re; 6. Sieb; 7. Efeu; 10. Hel; 12. Os; 14. Heu; 17. Dil; 18. an; 20. Del; 21. Mur, 22. 2s; 23. Ares; 24. Rat; 25. Steg; 27. Irma; 28. Db; 31. Eta; 33. to. Silbenrätfel: 1. Madrid; 2. 3mmi; 3. Tanne; 4. Ungarn; 5. Miete; 6. Striegau; 7. 3itrones 8. Jgna3; 9. Elfe; 10. Hererei; 11. Transparent. Mit uns zieht die neue Zeit!" Cule, Saat, 3gel, Eber, Hain, Trust, Mohn, Aft, Nagel, Woge, Berwandlungsrätfel; Ahr, Mut, Ede. Nase, Dank, Angel, Sorte, Mar. Meer, Umme, tot, Feige, Anfall, Mudel, Gipfel, Furche, Elfe, Haus, Laube, Torf. was am Anfang fehlt. Sprichworträtsel: Wer fich zu Guten gesellt, der wird gut. Am Ende sieht man, Nr. 586 46. Jahrgang Technik Sonnabend 14. Dezember 1929 Neuzeitlicher Lautsprecherbau Von Dipl.- Ing. Ulrich v. Moellendorff, Berlin Mit Recht find in den Jahren der stürmischen Entwicklung des Rundfunks die Ansprüche des Hörers an die Güte feines Laut sprechers mehr und mehr gestiegen. Während die technische Bervolitommnung der Empfangsgeräte mit großen Schritten poraneilte, so daß man heute von einem hochwertigen Empfänger eine nahezu vollkommene Wiedergabe erwarten kann, blieben die Lautsprecher lange Zeit ein Stieftind der Entwicklung; aber je mehr die Güte des Empfangsgerätes sich der Bollendung näherte, desto dringender wurde für die Hersteller von Lautsprechern die Aufgabe, auch diefen Teil der Empfangsanlage auf die entsprechende Höhe zu bringen. In rastloser Arbeit setzten daher die Laboratorien alle. Mittel wissenschaftlicher Forschung für eine Verbesserung der vorliegenden Lautsprechersysteme ein und suchten gleichzeitig nach neuen Begen Prüfraum für Lautsprecher im Lautspredjerbau. So gelangte man zu Lautsprecherfonstruktionen, die bereits heute allen vernünftigen Ansprüchen an Wiedergabegüte gerecht werden. Aber damit war erst ein Teil der Aufgabe gelöst; denn mit Der Ausarbeitung eines wirflich guten Lautsprecher modells im Laboratorium ift der Hörerschaft noch nicht gedient. Entscheidende Bedeutung gewinnt nun erst das Problem einer einwandfreien fabritmäßigen Herstellung des Lautsprechers. Die Fabritation muß die Gewähr dafür bieten, daß wirklich jeder die Werkstatt verlassende Lautsprecher die Güte des Laboratoriummodells erreicht, ohne daß durch unwirtschaftliche Herstellungsweise Der Preis die Grenze der Marktfähigkeit überschreitet. Welche Wege zur Lösung dieser Aufgabe in einem modernen Großbetrieb beschritten werden, sei am Beispiel der Herstellung des Lautsprechers ,, Gealion" der AEG. erläutert, Vor 37 Jahren Aus der Geschichte des Radio Das große Bublifum hat mit dem Radio erst seit Beginn des Rundfunks, also feit etwa sechs Jahren, nähere Bekanntschaft gemacht. Eine Radio- Industrie existiert aber schon seit Anfang dieses Jahrhunderts. Aber daß es Gelehrte gegeben hat, die bereits vor 37 Jahren die großartige Entwicklung des Radio vorausgeahnt haben, dürfte nur wenigen bekannt sein. Der folgende Auszug eines Artikels von Professor William Crookes in der Fortnightly Review" vom Februar 1892 beweist diese erstaunliche Gehergabe. Db längere Netherwellen, welche das Auge nicht mehr wahr nimmt, ununterbrochen um uns her in Tätigkeit sind, haben wir bis vor kurzem niemals ernstlich erforscht. Aber die Untersuchungen von Lodge in England und ery in Deutschland offenbaren uns eine fast unbegrenzte Fülle von Aethererscheinungen oder eleftrischen Strahlen, deren Wellenlängen Tausende von Meilen bis zu wenigen Fuß betragen. Hier öffnet sich uns eine neue, wunderbare Welt, von der wir schwerlich annehmen fönnen, daß sie nicht auch die Möglichkeit der Uebertragbarkeit von Gebanten enthalten sollte. Lichtstrahlen dringen nicht durch eine Mauer, auch nicht burch einen Londoner Nebel, wie wir alle nur zu gut wiffen. Aber elektrische Wellen von einem Meter Länge oder mehr werden solche Stoffe leicht durchfeßen, sie werden für sie durchfichtig sein. Es ergibt sich hier die fesselnde Möglichkeit einer Telegraphie ohne Drähte, ohne Pfähle, ohne Kabel, ohne das kostspielige Beiwerk.... Ich nehme dabei an, daß man Apparate erfinden würde, welche durch Drehung einer Schraube oder durch Henderung der Länge eines Drahtes so geregelt werden können, daß fie zur Aufnahme Don Wellen. verabredeter Bänge geeignet würden. Waren sie etwa auf 50 meter eingestellt, so würde ber Empfänger nur Wellen von vielleicht 45 bis 55 Meter aufnehmen und für alle übrigen unampfindlich sein. Bedenkt man, daß eine große Zahl von Wellenlängen zur Berfügung steht, von einigen Fuß bis zu Taufenden von Meilen, fo erscheint die Geheimhaltung ausführbar; wäre ein Neugieriger noch so unermüdlich, er würde doch sicherlich vor der Aufgabe zu rüdschreden, all die Millionen von möglichen Wellenlängen zu versuchen, um endlich durch Zufall auf diejenigen zu stoßen, welche die zu Belauschenden benutzen," Allgemein hat sich die Erkenntnis durchgesezt, daß eine wirt| sprechen und richtige Tonwiedergabe im Bergleich mit einem Normalschaftliche und in der Güte wirklich gleichbleibende Herstellung lautsprecher geprüft. Dann wird das System in das Traggestell eingrößerer Stückzahlen nur mit Hilfe des Systems der fließenden gebaut, der Comus mit feinem Tragring eingesetzt und schließlic) Fertigung möglich ist, die es durch ihre weitgehende Arbeitsteilung der gesamte Aufbau im Gehäuse befestigt. Am Ende des Bandes ermöglicht, jeden einzelnen Arbeitsvorgang mit den bestgeeigneten werden die fertigen Lautsprecher in bereitstehende fahrbare Gestelle Mitteln und von den am besten dazu befähigten Arbeitskräften gesetzt, die in den unmittelbar neben der Werkstatt gelegenen Prüfverrichten zu lassen. Daher geschieht auch die Herstellung des raum( Bild 2) gefahren werden. Gealion" auf dem Wege der Fließarbeit. Zweit deutlich getrennte Gruppen scheiden sich auf den ersten Blick: die Herstellung der Einzelteile und der Zusammenbau mit anschließender Prüfung. Bei der Fertigung der Einzelteile kommt es entscheidend auf die absolut genaue Einhaltung der wissenschaftlich ermittelten günstigen Form an. Die hohe Maßgenauigkeit bedingt dementsprechend eine überaus sorgfältige Durchbildung der Bearbeitungswerkzeuge und eine große Zahl von Arbeitsvorgängen. Für die beiden Hauptteile des Systems, nämlich die tragende Grundplatte und die Bippe, in der das einstellbare Magnetsystem gelagert ist, wurde als Ausgangsform der Sprigguß gewählt, weil sich dieser an sich schon mit hoher Genauigkeit herstellen läßt. So werden die in ihrer äußeren Gestalt fertig aus der Form tommenden Spriggußteile mir noch an den wichtigsten Auflagerstellen durch Fräsen, Bohren usw. bearbeitet. Eine peinlich genaue Kontrolle mit eigens dazu angefertigten Meßlehren schließt diesen Arbeitsgang ab. Entscheidend für die hohe Güte der Wiedergabe ist die Form und Maßgenauigkeit des Anters aus Spezialstahl. Auf die Bearbeitung dieses Teiles wird daher besondere Sorgfalt verwendet. Nicht weniger als 17 Fräsmaschinen sind dauernd für die verschiedenen Arbeitsvorgänge an diesem Teil belegt. Nach jedem einzelnen Arbeitsgang werden alle Anker wieder mit Sonderlehren auf Einhaltung der vorgeschriebenen Maße fontrolliert. Aehnlich sorgfältig erfolgt die Herstellung aller anderen Ersatzteile. Als Sammel- und Durchgangsstelle aller Teile gift ein Bestandteillager, in dem in übersichtlich angeordneten Regalen für jedes Einzelteil ein mit der Teilnummer gefennzeichnetes Fach vorgesehen ist. Die Einlagerung erfolgt in genormten Transportfästen, die jeweils eine ganz bestimmte Stückzahl des betreffenden Teiles so aufnehmen, daß Beschädigungen und Berlegungen auf dem Transport vollkommen ausgeschlossen sind. Hier im Lager wird der Materialbedarf des Zusammenbaues fazweise für je 100 Lautsprecher zusammengestellt und in den gleichen übersichtlichen Transport geräten dem Bujammenbau vorgegeben, wobei sich die Menge der ausgegebenen Teile nach dem vorher festgelegten Fertigungsplan richtet. Zur Prüfung feiner Eigenschaften wird jeder einzelne Lautsprecher an einen mit hoher Energie betriebenen Ueberfagerer( Tongenerator; 7 Watt unverzerrte Ausgangsleistung) angeschlossen, auf dem das ganze in Betracht kommende Frequenzband von tiefsten bis zu höchsten Tönen erzeugt wird. Die ganze Stafa muß von dem Lautsprecher rein tmd fautstart wiedergegeben werden. Zusammenbau von Lautsprechern am laufenden Band Die hohe Energie gibt die Gemähr, daß jedes etwa vorhandene Kirren" sidy sofort bemerkbar macht. Gleichzeitig ist ein Bergleichslautsprecher angeschlossen, so daß durch momenDer Zusammenbau erfolgt am laufenden Bandanes Umschalten auch die ausreichende Lautstärke durch Abhören ( Bild 1); in eingehender Vorarbeit sind die einzelnen Arbeitsgänge festgestellt werden kann.⚫ fo unterteilt, daß ein ganz bestimmter Rhythmus eingehalten wird, ohne das irgendwelche tote Zeit verloren geht, aber auch ohne daß durch Uebersteigerung des Tempos eine übertriebene Hezarbeit, die durch Uebersteigerung des Tempos eine übertriebene Hezarbeit, die ja für die Güte des Produktes nur schädlich sein könnte, geleistet merden muß. Die Reihe der Arbeitsgänge beginnt mit der Zusammensehung des Systems, wobei an allen wichtigen Stellen auch Prüfvorgänge mit in den Fluß eingeschaltet find. So wird z. B. jeder Magnet vor dem Einsetzen auf einem starten Elettromagneten nochmals nachmagnetisiert, und das fertig zusammengesetzte System an einem Tongenerator auf leichtes Anuns ,, Drahtlose Wunder" ( Erinnerungen eines Radio- Ingenieurs) Was? Telegraphieren wollen Sie, ohne Draht, von unserer Injel zu den Nachbarinseln, zum Festland, ohne Kabel? Mit Radio? Das ist doch undenkbar! Ich erfläre Ihnen, es ist unmöglich, ohne fortlaufenden Leitungsdraht zu telegraphieren!" So versicherie es sind 20 Jahre her der Bürgermeister einer der fleine ren portugiesischen Inseln im Atlantischen Ozean. Sparen Sie sich die Kosten des Stationsbaues, es geht ja doch nicht!" Bir bauten dennoch. Bauten, während die alten Frauen der Inset im respektvollen Abstand von der Baustelle von morgens bis abends für unser Seelenheil beteten, bis die ersten Auspufferplosionen des Dieselmotors auch sie auf Nimmerwiedersehen in die Flucht schlugen. Endlich stand das Blendwerk der Hölle und fnatterte und funkte nach allen Richtungen. Die erste empfangene Nachricht bejagte, daß ein Dampfer am nächsten Morgen die Insel anlaufen würde. Wir teilten dies sofort dem Bürgermeister mit. Der Dampfer kam zur angegebenen Stunde. Wunderbar, ganz wunderbar! Großartig hat Ihre drahtlose Meldung gestimmt!" Mit diesen Worten betrat der Bürgermeister tags darauf die Station, gerade als ein neuer englischer Telegraphist die Morse- Zeichen einer portugiesischen Gegenstation aufnahm. Staunend jah der Bürgermeister zu, wie die einzelnen Buchstaben sich zu portugiesischen Wörtern und Sägen aneinanderreihten. Plötzlich verfinsterte sich seine Miene. Was ist denn das nun wieder? Der Engländer, der erst seit einer Woche hier ist und doch kein Wort Bortugiesisch versteht, schreibt alle Telegramme in reinſtem, fehler Losem Portugiesisch nieder. Wie kann der Engländer auf einmal Portugiesisch? Da haben wir's! Es ist also doch alles Bluff unb ausgemachter Schwindel mit eurer Funferei!" Sprach's, drehte fich um und verließ Popfschüttelnd ben Stationsraum. " Bildfunk und Rundfunkhörer Mit großer Reflame wurde vor faum einem Jahre der Bildfunt als unentbehrliches Hilfsmittel im Hause, zur Vervollständigung der Rundfunkapparatur angepriesen. Alle Beit war beglüdt ob dieses Fortschritts, doch der Breis von 450 M. dämpfte diese Begeisterung sehr erheblich. Einige besser situierte Rundfunkhörer fonnten sich den Spaß erlauben, die breite Masse aber stand abseits und fonnte sich Bon Zeit zu Zeit werden einzelne Lautsprecher aus der Reihe außerdem auch noch der ,, praftischen" Prüfung mit Grammophonplatte unterzogen. Vom Prüfraum aus werden die Lautsprecher durch ein Schiebefenster in den unmittelbar anschließenden Pacraum gegeben. So wird die Gefahr einer nachträglichen Beschädigung aufs äußerste verringert. Bom ersten Arbeitsgang am Rohstoff beginnend bis zur Berpackung des fertigen Lautsprechers forgt eine straffe Kontrolle der gesamten Fabrikation dafür, daß die wichtige Aufgabe, ein völlig gleichmäßiges, einwandfreies Fabrikat herzustellen, erfüllt wird. dieses Bolksgerät" nicht anschaffen. Der riesige" Absatz muß wohl dazu beigetragen haben, daß der Bildfunkempfänger innerhalb meniger Monate nur noch ein Drittel des erstgenannten Preises toftete. Aber auch jetzt zeigte der kleine Mann keinerlei Neigung, sich einen Bildempfänger zuzulegen. In der Hauptsache lag das daran, daß laut Beschreibungen, Prospekten und Vorführungen die Umständlichkeit der Bedienung eines solchen Apparates auffiel. Bringt doch die Tageszeitung viel einwandfreiere Bilder, als< s das Bildfunkgerät jemals fonnte. Dazu kommt noch, daß man aktuelle Bilder ebenfalls nicht viel schneller erhält als durch die Presse. So ist es denn glücklich soweit gekommen, daß die Bildsendungen für kaum ein Tausendstel der Rundfunkhörer ausgestrahlt werden. Die geschilderten Zustände beschränken sich nicht allein auf Deutschland. Alle Bildfunk sendenden Staaten haben dieses Mißverhältnis flar erkannt, jo daß England fich genötigt fah, seine Bildsendungen mit Anfang des Oktober einzustellen. Unsere schnelllebige Zeit hat eben erkannt, daß der Bildfunk nur etwas Halbes ist und deshalb nicht fünstlich gestützt werden darf. Damit soll allerdings nicht gesagt sein, daß der Bildjunk feine Daseinsberechtigung mehr hat, im Gegenteil, die lebermittlung von Wetterkarten für Schiffe, Flugzeuge und Wissenschaftler, sowie die Uebermittlung von Bildern afiueller Natur für die Presse ist unbedingt wichtig. Die breite Masse ist aber an diesen Sendungen uninteressiert und lehnt den Bildfunk genau so ab, wie sie die Uebermittlung von Morsezeichen, Börsenberichten usw. ablehnt. Es dürfte deshalb für die wenigsten einen Verlust bedeuten, daß auch in Deutschland der Bildfunt nunmehr eingestellt wird. Vgt. Führer durch die AEG.- Ausstellung im Haus der Technik. Für die Besucher der im Juni d. J. im Haus der Technik, Friedrichftraße 110/112, eröffneten AEG.- Ausstellung der Fabriken ist jetzt ein umfangreicher illustrierter Ratalog herausgegeben worden, der zu jedem Ausstellungsgegenstand in tnapper, leicht verständlicher Form die Eigenschaften, Anwendungen und technischen Einzelheiten der ausgestellten Maschinen, Apparate und dergl. behandelt. Zusammenfaffende Einleitungen zu den einzelnen Ausstellungsgruppen geben einen lleberblick über die wichtigsten allgemeinen Grundsätze. Hinweise auf Spezial- Druckschriften zeigen den Interessenten den Beg zur weiteren Unterrichtung. Als Ganzes bietet der Führer ein anschauliches Bild von der Technik in dem großen Arbeitsgebiet der AEG. Die Ausstellung. Sie ständig nach dem neuesten Stand aktuell gehalten wird, ist Werktags von 9 bis 19 Uhr und Sonntags von 9 bis 14 Uhr geöffnet. Der Besuch der Ausstellung ist bekanntlich umentgeltlic). ~ Shortfund rielHandball Die nächsten Spicle. In den Arbeiterhandball serienspielen stehen sich im 1. Bezirf( 1. Gruppe) FTGB.- Often und Fürstenwalde um 11 Uhr in Hohenschönhausen, Sommerstraße, und FTGB.- Oberspree und Eiche- Köpenick um 10 Uhr in Oberschöneweide an der Wuhlheidestraße gegenüber. In der 2. Gruppe spielen FTGB.- Baumschulen weg gegen FTGB.- Lichtenberg um 11 Uhr im Plänterwald; Wildau gegen Stralau um 14 Uhr in Bildau und FTGB.- Adlershof gegen FTGB.- Kaulsdorf um 11 Uhr am Spindlersfelder Friedhof. Im .2. Bezirk finden nur drei Spiele statt. In der 1. Gruppe spielt FTGB.- Norden 1 gegen Hennigsdorf um 14 Uhr auf dem Exer; in der 2. Gruppe spielt FTGB.- Reinickendorf- West( 1. Männer) gegen Velten 2 um 10 Uhr in Reinickendorf, Scharnweberstraße. Bei den Frauen spielt Norden 1 gegen Tegel um 15 Uhr auf dem Erer. Im 4. Bezirk spielen nur die Frauen in Lucenwalde; die 2. Abt. spielt um 10% Uhr gegen Schöneberg und um 14 Uhr gegen FTGB.- Neukölln, während FTGB.- Neukölln um 11.20 Uhr gegen die 1. Abt. spielt. Die wichtigsten Gesellschaftsspiele sind: Belten gegen TGB.- Wedding um 15 Uhr in Veiten; 3offen gegen Ruderverein Vorwärts um 15 Uhr in 3ossen; Kallberge gegen WeißenseeSchwimmer um 14% Uhr in Ralfberge; Behlendorf gegen NordringSportler um 14 Uhr in Zehlendorf, Spandauer Straße; Faltbootfahrer gegen Kanu- Union um 10 Uhr im Volkspark Rehberge; FTGB.- Lankwik gegen FTGB.- Nordost um 10% Uhr in Lankwiz, Seidligstraße; Nowawes 1 gegen Wilmersdorf und Nowawes 2 gegen Dstring 1 um 14% Uhr in Nowawes; Sperenberg 1 gegen Ruderverein Vorwärts 2 um 14 Uhr in 3ossen; Schweifsterne gegen FIGB.- Ruderbezirk um 10 Uhr in Köpenick, Wendenschloßstraße, Städtischer Sportplak; Schöneberg gegen FTGB.- Neukölln um 15 Uhr in Schöneberg, Dominicussportplatz; Tegel gegen Schönow um 14% Uhr in Tegel, Graf- Rödern- Korso. Frauen: Schöneberg gegen FTGB.- Osten 1 um 14 Uhr in Schöneberg; Belten gegen Wedding um 13 Uhr in Velten; Romames gegen Wilmersdorf um 12% Uhr in Romames und FIGB.- Adlershof 1 gegen FTGB. Often 2 um 14% Uhr am Spindlersfelder Friedhof. Eishockey im Sportpalast. Schlittschuh- Club- Oxford Canadians 6: 0. Die Orford Canadians waren zu schwache Eishockeygegner für die Internationalen" des Berliner SchlittschuhClubs, das bewies das gestrige Spiel von der ersten bis zur legten Phase. Die Canadischen Studenten sind lange nicht mehr die Klasse, als die man sie im vergangenen Winter in Berlin kennen lernte. Die Gäste stellten eine sehr junge Mannschaft, die in der Lauftechnik und im Dribbeln einigermaßen gut war, es sonst jedoch an der notwendigen Energie fehlen ließ. Augenscheinlich fehlte es auch an Training. So fam es, daß, der Schlittschuh- Club das Endresultat ohne große Mühe auf 6: 0 Tore für sich stellen tonnte. Kurze Zeit nach Spielbeginn nimmt Jannecke eine Vorlage von Brück auf und sendet unter dem Beifall des Hauses unfehlbar ein. Noch in demselben Drittel gelang es dann Brück, den zweiten Treffer für Berlin zu landen. Schon nach dem ersten Spieldrittel mar das Bild über das Stärkeverhältnis der beiden Mannschaften getlärt, es fragte sich nur noch, ob die Canadier ehrenvoll abschneiden würden. Im zweiten Teil fallen für die Berliner wiederum 2 Tore, die damit ihren Vorsprung auf 4: 0 erhöhen. Zwei schöne Kombinationen Jaenecke- Ball und Ball- Brück hatten zu diesem Erfolg verholfen. Grace, der beste Mann in der englischen Mannschaft, benrühte sich vergeblich, den Berliner Torwart zu überwinden. Einmal fand er zu wenig Unterstützung bei den eigenen Leuten, zum andern war die Verteidigung des BSC. und nicht zuletzt der Torsteher mächtig auf dem Posten. Im letzten Drittel schoß R. Ball nach schönem Einzelgang das fünfte Tor, und Brück erzielte durch Nachschuß nach Abwehr des gut arbeitenden Turnbull den sechsten Treffer. In den Baufen zeigten die deutsche Kunstlaufmeisterin Fräulein Flebbe und der Prager Otto Gold ihre Kür. Heute abend nehmen die Eishockeytämpfe wieder um 20,15 Uhr ihren Anfang. Tennis- Rot" in Weißensee. Tennis- Rot Groß- Berlin", der größte Arbeiter- Tennisverein der Sozialistischen Arbeitersport- Internationale, verfügt in Berlin bereits über acht spielstarfe Abteilungen in Neukölln, Lichtenberg, Köpenick, Friedrichshain, Prenzlauer Berg, Gesundbrunnen, Wedding und Spandau. Da in Weißensee für den Arbeiter- Tennissport ebenfalls großes Interesse besteht, wird auch dort eine bundestreue Abteilung ins Leben gerufen. Voraussetzung der Mitgliedschaft in„ Tennis- Rot" ist die Zugehörigkeit zu einer freien Gewert schaft oder zur Sozialdemokratischen Partei. Der Monatsbeitrag beträgt 3 M. Plätze und Bälle stellt der Verein zur Verfügung. Im Winter wird entsprechender Ergänzungssport getrieben. Alle Interessenten aus dem Berliner Nordosten und aus Weißensee, die Mitglieder der Abteilung Weißenfee werden wollen, geben umgehend ihre Adresse an den Obmann Genossen Paul Krafft, Berlin Weißensee, Berliner Allee 102. Wer ist zur Jugendpflege anerkannt? Die Deutsch nationale Boltspartei hatte den Erlaß des Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg und von Berlin an den Hauptausschuß für Leibesübungen und Jugendpflege zum Gegenstand einer Kleinen Anfrage gemacht, in dem der Oberpräsident verfügt hatte, daß nach den zurzeit geltenden Bestimmungen aus dem Hauptausschuß für Leibesübungen und Jugendpflege und somit auch aus den Drtsausschüssen auszuschließen sind: 1. st a ats feindliche Vereine, Verbände ujm., 2. Kampforganisationen, 3. B. Stahlhelm, und 3. Vereine und Verbände, die die Verficherungsprämie für die gemeldeten Jugendlichen nicht rechtzeitig bezahlen. Das Staatsministerium wurde gefragt, ob es das Vorgehen des Oberpräsidenten billige. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Minister für Boltswohlfahrt auf die Kleine Anfrage folgende Antwort ertellt: Das Vorgehen des Dberpräsidenten ist nicht eigenmächtig erfolgt, sondern es grtpride ben he diefer Beziehung ergangenen Erlaffen. 10 Jahre motorloser Fiug. Ein Rückblick auf geleistete Arbeit. Ueber das Thema„ Der zehnte Rhön- Segelflug Wettbewerb und seine wissenschaftlichen Ergeb nisfe" sprach im Rahmen des ersten flugtechnischen Sprechabends der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt Professor Georgii, der Leiter der Rhön- Rositten- Gesellschaft. Rückblickend stellte Bro fessor Georgii fest, daß die zehn Jahre deutschen Segelfluges den Beweis erbracht hätten, daß die Rhön- Wettbewerbe für die Entwicklung des Segelfluges und damit für die deutsche Luftfahrt im allgemeinen eine Notwendigkeit seien. Schutz dem Kraftfahrer! Rückschlagsichere Kurbeln gegen Unfälle. Mit der einsetzenden tafter Jahreszeit beginnen für die Kraftfohrer die Schwierigkeiten beim Anlassen und Andrehen feines Wagenmotors. Zur Schonung seiner Batterie greift Der gewiegte Fahrer beim Andrehen seines falten Motors zur Kurbel und stellt Frühzündung ein, um das Anspringen des Moters zu erleichtern. Diese Einstellung auf Frühzündung birgt die Gefahr in sich, daß der Motor nach rüdwärts anspringt( zurüd[ d; lägt), was zur Folge hat, daß der Fahrer durch die nun ebenfalls rückwärts schlagende Kurbel schwere Verlegungen erleidet. Die jährlich sich wiederholenden in die Tausende gehenden Unfälle durch Kurbelrückschlag haben eine alte berufsgenossenschaftliche Forderung, die auch stets von Arbeitnehmerseite als dringend notwendig bezeichnet worden ist, nicht verstummen lassen und so wird, nachdem brauchbare Rückschlagsicherungen geschaffen wurden, mit Wirkung vom 1. Januar 1930 ab von den Berufsgenossenschaften der Reichsunfallversicherung gefordert, daß neue Wagen mit einer anerkannten Rückschlagiicherung ausgerüstet jein müssen. Bei der Aufstellung dieser Forderung ist man den Professor Georgii ging auf die Entwicklung des deutschen Segel- Wünschen der Automobilindustrie soweit als es die Belange der mant eine ffuges ein und dachte derer, die an dieser Entwicklung den stärksten Unfallverhütung zuließen, entgegengekommen, indem Anteil haben, des Rhönvaters" Ursinus und vor allem des Freigrenze von 375 Kubitzentimeter Hubraun je Zylinder schuf, die damaligen Studenten Klemperer, der im ersten Rhönwett- Die so zahlreichen Kleinwagen von der Forderung der Rückschlagbemerb 1920 durch seine Leistungen dem neu erweckten Segelflug- ficherung ausläßt. Für alte Bagen wird die Rückschlagsicherung sport vielleicht den stärksten Impuls gegeben habe. Klemperers Vermur gefordert, wenn diese zu Rückschlägen neigen. Damit will man dienst erftrede sich nicht nur auf eine fliegerische Leistung, sondern bei den vielen hunderttausend alten Wagen eine Belastung der in hohem Maße auch auf konstruktive Anregungen. Der Vortragende deutschen Wirtschaft vermeiden, die entstanden wäre, wenn man für vergaß nicht die schwere Krise, die der Segelflug in den Jahren alle alten Wagen eine Rückschlagficherung unterschiedslos gefordert 1924/25 durchmachen mußte. Diese Krise war entstanden durch den hätte. Es ist nicht nur gesetzliche Pflicht der Berufsgenossenschaften, Wiederaufschwung des Motorflugsports nach den Bedrückungen die Unfallverhütung nach dem neuesten Stande der Technik zu geſtalten. durch die ehemaligen Feinde und weiter durch den Mangel an neuen Anregungen für seine Entwicklung. Da waren es die neuen Mög lichkeiten, die für den Segelflug geschaffen wurden, die feinen weiteren Bestand sicherten und zeigten, daß der Segelflug kein Not ersatz für den Motorflug ist, sondern eine eigene Stellung in der Luftfahrt besitzt. Aus den Leistungen des Uebungsin der Luftfahrt besigt. Aus den Leistungen des Uebungswettbewerbes hob Georgii besonders die der Akademischen Flieger: gruppe Darmstadt, der Akademischen Fliegergruppe Aachen, des Berliner Segelflugvereins und des Niederhessischen Vereins für Luftfahrt hervor. Diese Leistungen haben gezeigt, daß die gegen wärtige Methodit des Segelfluges ein junges Fliegergeschlecht heranzieht, das für ihre späteren Flüge auf Motorflugzeugen ein besonderes Maß fliegerischer Kenntnisse und Erfahrungen mitbringt. Die wissenschaftliche Forschung hat weitere Leistungsmöglich motorloje Höhenflüge bis zu höhen von 4000 bis 4500 Meter zufeiten für den Segelflug erschlossen. Die Wolkenaufwinde merden lassen. Der Frontsegelflug läßt die Streckenflüge weiterhin steigern. Die Opposition steht Kopp! Was sagt Frize Wind, unser Mitarbeiter aus Berlin, zu der fommunistischen Opposition? Er schreibt uns: Wahaftig, det muß man jejohn haben! Det et mit de Opposition nicht janz richtig is, wissen wa schon. Aber det kommt von den Spaltbazillus, den se im Koppe haben. Der spaltet alle juten Jedanken, wenn noch welche da sind. Aber meist sind keene da. Wat den Sportbetrieb anjeht, so braucht man dabei nicht zu denken, da jibts ooch keene Opposition, da macht man allet de Soziaifaschisten vom Arbeiterturnerbund nach. Wat die Orjani jation anjeht, und de kasse, da brauch man ooch nich zu denten. Det macht man eenfach so wie de Freie Turnerschaff" un tut jo, als ob man selber det Ei des Kolumbus entdeckt hätte. " Beim Vereinsabzeichen annettiert man det F von de Monopolhofenfirma Flörsheim u. Co. und sagt dann zu de Mitjlieder: Det neie Abzeichen is ,, Revolution", seid stolz druf, det tragen zu dürfen!" Aba nu wird de Sache schwierig wegen det Bundesabzeichen! Eenen eigenen Jedanken konnte det ,, Komitee for die Einigkeit in Arbeitersport"( Marke Moskau) nich uffbringen. Aber schlau sind se doch. Sie wissen sich zu helfen. Sie kehren det unterste zu oberst( wat je so jerne machen), st ellendet Bundes: abzeichen uff'n Kopp und tragen et stolz uff de Heldenbrust. Wa iratulieren de oppofitionellen Roppsteher zu ihr neiet" Abzeichen! Et is det beste Simbol, wat se finden konnten: Se stellen allet uff'n Kopp! Rot Heilfront! Auto- Ausstellung Berlin 1930. Obwohl der Reichsverband der Autoindustrie im Frühjahr d. I. sich auf den Standpunkt stellte, eine Auto ausstellung wegen der damit verbundenen hohen Kosten bei der wirtschaftlich angespannten Lage nicht durchführen zu können, haben die Fabriken eingesehen, daß es ohne Ausstellung nicht geht. Die Folge war mangels Fehlen einer Schau im eigenen Lande eine verstärkte Beschickung der ausländischen Salons, womit wiederum viele Gelder, die der deutschen Wirtschaft hätten zugute fonmmen können, ins Ausland flossen. Im nächsten Jahre soll es nun wieder anders werden, was daraus hervorgeht, daß beim Internationalen Berbande deutscherseits für das Jahr 1930 eine Internationale Automobilausstellung nach Berlin angemeldet worden ist, die in der ersten Hälfte des Monats November stattfinden soll. Schlaffadzwang in Jugendherbergen. Der Touristenverein ,, Die Naturfreunde" teilt mit: Der diesjährige Reichsjugendherbergstag in Dresden beschloß die Einführung des Schlaffadzwanges bei der Benutzung aller Jugendherbergen ab 1. Januar 1930. Vorteilhaft ist dabei natürlich der Eigenbesig eines guten Schlafsackes, der bereits für 1,80 bis 2,50 M. in der Warenvertriebsstelle der Naturfreunde( Johannisstr. 14/15) und für 2,50 M. in der Warennertriebsstelle des Reichsverbandes für Deutsche Jugendherbergen( An der Stralauer Brücke 10) erhältlich ist. Auch für die Naturfreundeheime des Touristenvereins ,, Die Naturfreunde" gift ab 1. Januar der Schlaffadzwang. ant Carnera- Diener boren doch! Nachdem der deutsche Schwergewichtsborer Franz Diener von dem englischen Veranstalter Jef Dickson seinen Vertrag erhalten hat und diejen der Boxsportbehörte vorlegen fonnte, steht einem Kampf Dieners mit Carnera 17. Dezember in London nichts mehr im Wege. Diener wird sich am Donnerstagfrüh mit dem Flugzeug nach der englischen Metropole begeben. Bundestreue Vereine teilen mit: Arbeitsgemeinschaft proletarischer Bolfstanzfreise. Boltstanzkreis Schöne berg. Tanzleitung R. Nicolai. Heute Ichter Sturfusabend in diesem Jahr. Wiederbeginn amt 13. Januar, Turnbale Ebersstr. 9.( Turnschuhe mitbringen.) Freie Turnerschaft Groß- Berlin, Bezirk Bankow. Seute, Sonnabend. 18 Uhr, Rinderweihnachtsfeier, Turnhalle Schönholzer Straße( Fernheimert). Das Brogramm wird non den Rindern selber bestritten. Eintritt frei. FEGB., Freitörperkultursparte. Eonntag. 15. Dezember, Befihtigung des Berlehrsmuseums, Invalidenstraße. Treffpunkt 10 Uhr vor dem Museum. Tez Dienstag. Gymnastikabend in Neukölln fällt Montag, 16. Dezember, aus, 17. Dezember. Weihnachtsfeier der Jugendgruppe int Seim Badenferitr. 21. Freier Körpertulturtreis Areuzberg. Eonnabend, 14. Dezember, 19 Uhr. Mitgliederversammlung Schulaula Manteuffelstr. 7. Gäfte haben keinen Zutritt. Leichtatlethische Höchstleistungen im Arbeitersport. 4,34 auf 5,16 Meter; Speerwurf von 26,33 auf 33,05 Meter; Diskus wurf von 19,80 auf 26,23 meter; Schleuderballmurf von 32,42 auf 39,59 Meter; Kugelstoßen pon 7,39 auf 10,11 meter; 4 × 100- meterStafette von 55,4 auf 53,7 Sef. Das Kennzeichen des Sports ist der Wettkampf um Höchst-| 12,6 Set.; Hochsprung von 1,30 auf 1,44 Meter; Weitsprung von leistungen. Zu allen Zeiten haben die Menschen ihre Freude daran sahabt, auch als man das Wort„ Sport" noch nicht fannte. Der gegenseitige Wettbewerb ist gewissermaßen der Motor, der die Maschine Mensch in Bewegung seht und emporhebt über das tote Material. Schon der kleine Knirps, der gerade laufen gelernt hat, findet ein besonderes Vergnügen darin, mit einem Erwachsenen um die Welte zu laufen und zu springen. Und wenn der Turnlehrer feine ABC.- Schützen um die Wette laufen läßt, strahlen sie vor Frende. Der sportliche Wettkampf hat daher auch im Arbeiter. sport seine Berechtigung, sofern er auf voltstümlicher Grundlage gepflegt, d. h. vom Personenkulfus und der käuflichkeit freigehalten wird. Vergleichen wir diese Resultate volkstümlichen Sportbetriebs des Arbeitersports mit denen der bürgerlichen Sporttanonen, die oft wochen und monatelang von jeder Arbeit freigestellt und auf eine Refordleistung dressiert werden, so ergibt sich keine große Differenz. Für 100 Meter steht der Weltrekord auf 10,4 gleich o Seft. Differenz; 200 Meter in Deutschland 21,5 gleidh 1% Set. Differen3; 800 Meter lief Dr. Pelzer in 1: 51,6 min.; 1500 Meter Nurmi in 3: 52,6 Min. Aehnlich sind die Differenzen bei den Sprungübungen. Da diese Rekordleistungen jedoch das Ergebnis regelrechter Dressur sind, kommen sie als Vergleich für die Masse der qualifizierten Sportler gar nicht in Betracht. Die tech nische Durchbildung der Arbeiterfportler ist bereils soweit vorgeschriften, daß sie jeden Bergleich mit dem bürgerlichen Sport aushält oder, als Gesamtheit betrachtet, vielleicht sogar übertrifft. Das heben wir auch bei den Fußballspielen in Nürnberg gesehen, die von bürgerlichen Kritifern dahin bewertet wurden, daß sie in der Qualität den bürgerlichen Elitemannschaften gleichkommen. Aber wie erklärt es sich nun, daß bei den großen bürgerlichen Wettkämpfen 30 000 bis 50 000 Zuschauer erscheinen, während der 4: 27,3 min. 4: 12,6 min. 4:08 min 4: 04,5 min. Arbeitersport bei 10 000 schon einen großen Erfolg bucht? Machen Die jetzt vorliegenden Ergebnisse der Sportsaison 1929 bieten die Möglichkeit interessanter Bergleiche mit den vorangegangenen Jahren. Wir wollen dabei die Leistungen auf dem 1. Bundesfest in Leipzig 1922, Olympiade in Frankfurt a. M. 1925 und 2. Bundesfest in Nürnberg 1929 in gegenseitigen Bergleich stellen zur jetzigen Bundeshöchstleistung. Fast durchweg ergibt sich eine erhebliche Verbesserung der Leistungen bei beiden Geschlechtern. Die Sportler fönnen mit folgenden Ergebnissen aufwarten: Bundesfeft Olympiade Bundesfeft Bundes 1925 1929 höchstleistung 11,3 Get. 10,7 Sef. 10,7 Get. 53,6 52,0 52,0 100 Meter. 400 1,500 5000 e 1922 11,6 Set 54,8 . 16:41 10X100- m- Staffette 2:04 Weitsprung. Hochsprung Stabhochsprung Distus " " 21 3,10 1,71 3,34 " 16: 13,1 15: 40,2, 15: 17,7 1: 54,8 1: 52,2m 1: 52,2 6,00 Meter 6,43 Meter 6,85 Meter 6,93 Meter 1,62 " " 32,50 " " 32,16 49.66 12,46 " " 1,75 3,50 38,30 53,96 12,23 " 1,76 " 27 3,70 " " P 38,30 " " " " 53.96 12,52 " das die Namen Nurmi, Beltzer oder Ligamannschaft"? Wollen die Zuschauermassen große Attraktionen sehen, die sensationell wie die Gladiatoren und Stierkämpfe des Altertums aufgemacht sind? Bielleicht ist es so. Aber die Sensation dürfte kein dauernder Vorteil für den bürgerlichen Sport sein. Die fünstliche Züchtung von Kanonen führt zum Berufssport und zu einer Härte der Kämpfe, Speerwurf die mit Volksgesundheit nichts mehr zu tun hat. Die Leibesübungen Kugelstoßen. werden aus einer ideellen Sache zum Geschäft, in dem die Vereine Der 200- Meter- Lauf verbesserte sich von 23,4( 1923) auf 23,0 Gef. mit den Kanonen Handel treiben. Diese Entwicklung ist für den ( Bundeshöchstl. 22,5 Set.). Der 800- Meter- Lauf von 2: 05,6( 1923) auf Arbeitersport das zwingende Motiv, die Boltstümlichkeit des Sports 2: 02,9 Min.( Bundeshöchstl. 2: 01,5). Der 110- Meter- Hürdenlauf von unter allen Umständen zu wahren. Auch die öffentliche Meinung 17,7( 1923) auf 15,8 Set. Die Sportlerinnen haben ihre mird ihre Einstellung zum Arbeitersport forrigieren müffen. Wir Refuttate ebenfalls verbeffert: 100- meter- Pauf( 1922) 13,6 Set. euf I erbeiten für die Zufunst, und die muß mms gehören! 42,90 ..10; 62