BERLIN Montag 1(5. Dezember 1929 10 Pf, Nr. 558 B 293 46. Jahrgang Ersch«t«ttäglich außer Sdontags. Zugleich Abendaukgabe des.Vorwärts�. Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche. S.KOM. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68. Lindenstr. 3 ruzetgenprets: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf.. Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Poßscheckkonlo: VorwärtS-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. 87 536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Schacht gegen Berlin. Oer �eichsbankpräsident faboiieri die Oollaranleihe. Raubmord an einem Chauffeur. Von seinem Fahrgast bei Malchow hinterrücks erschossen.—-1000 Mark Belohnung ausgesetzt. En.de November hotte die Stadt Berlin mit amerl- kanische» Banken einen Anleihevertrag über 15 Millionen Dollar, das sind mehr als K0 Mil- lionen Reichsmark, abgeschlossen. Fast drei Wochen hat die von dem ReichSbaukpräsidenteu Dr. Schacht be- herrschte Beratungsstelle benötigt, um überhaupt erst zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Die eut» scheidende Sitzung war auf heute mittag 12 Uhr ange» setzt. Jetzt kommt die alarmierende Nachricht, daß die Beratungsstelle ihre Sitzung auf unbestimmte Zeit vertagt hat. Diese Vertagung kommt einer Ablehnung der Amerika-Anleihe der Stadt Berlin gleich. So werden die Bemühungen der deutschen Reichshaupt' stadt. aus ihrer Finanzkalatnität herauszukommen, sa- Kotiert! Der Leiter dieser Sabotageaktion ist der Reichs- bankpräsident Dr. Schacht. Er will seine seit Jahr und Tag betriebene kommuualfeiudliche»Politik mit der finanziellen Abwürgung der deutschen Reichshauptstadt krönen. Die Stadt Berlin hat in- folge ihrer finanziellen Schwierigkeiten bereits vor Woche« Ausgabcdrosselung vorgenommen, deren Folgen für daS Grotz-Berliner Baugewerbe und den Arbeits- markt geradezu verhängnisvoll waren. So waren für notwendige Bauten von der Stadt 121 Millionen vor- gesehen, dagegen wurden nur für 23 Millionen Bauten ausgeführt. Vor etwa zwei Monaten sind weiter« Bauten im Werte von 18 Millionen zurückgestellt wor- den. die als unaufschiebbar anzusehen waren. Die Ende November abgeschlossene Amerika-Anleihe der Stadt sollte zur Abdeckung drückender kurzfristiger Schulde» dienen, von denen am 1. Januar bereits 40 Millionen fällig werde«. Herr Schacht kennt diese Zusammenhänge nur zu gut. Was aber schert ihn die kq�strophale Lage des Berliner Arbestsmarktes. was kümmern ihn die dringendsten Aufgaben der deutschen Kommunen, er treibt ganz bewuftt eine ttatastrophenpolitik. bei der das Privat- kapital im Trüben fischen will! Es wird nun versucht werde«, der Stadt Berlin unter Inanspruchnahme des deutscheu Geldmarktes mit Hilfe Preuhens zu helfen. Es erhebt sich die Frage: wer regiert in Deutschland? Die Arbeit des Reichstags. Zolländerungen und Arbeitslosenbeitrag. Di« heutige R-ichstogesitzung begimt bereits um 13 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen die erste Beratung des Gesetzentwurfes über Zolländerungen und in Verbindung damit«ine große Anzahl außenpolitischer Abkommen die mit dem Zollgesetz in Aer- bindung stehen. 2lm Schluß der ersten Beratung wird der Reichs- tag die Vorlagen dem Handelspolitischen Ausschuh überweisen. Dieser hält bereits heute mittag eine Besprechung der Geschäftslage ab. Da dem Reichstag nur noch wenig Zeit zur Erledigung der Vorlagen bleibt, rechnet man damit, daß der Ausschuß die Borlagen unter Zuhilfenahme von Abendsitzungen erledigen muß. Auch Be- sprechungen unter den Regierungsparteien werden wiederholt not- wendig sein, da in der Zollfrage noch erheblich« Meinungsver- schiedenheiten bestehen. Außerdem sind in dieser Woche noch die Initiativ- g« s e tz e zur Erhöhung des Arbeitslosenversicherung»- beitrage, und der Tabaksteuer zu erledigen. Diese Gesetze be- dürfen nach ihrer Einbringung ebenfalls noch einer Ausschuß- bcrotung Heute vormittag tagte im Reichstag außerdem der Hausholl»- ausschuß, um die Beratimg des oolksparteillchen Antrages auf Stärkung der Etellung de» Sparkommiflars fortzusetzen. Die Spuren eines schweren Verbrechens verfolgt die Berliner Polizei seit heut« früh. Aus der Chaussee zwischen Lindenberg und Blankenburg wurde eine scheinbar führerlose Aulodroschke aufgesunden. Ein Wächter de» Gutes, der auf den Riesel. feldern Nachtdienst hatte, sah. daß der E h a u s s e o r tot aus dem Führersitz in sich zusammengesunken dalag. Die Mordkommisston erschien alsbald am Tatort. Schou der erste Befund ergab, daß der Ehaufseur, ein Zljährlger Ewald von Schalepanski. von cigem noch unbetannlen Täler hiulerrücks erschossen und dann beraubt worden ist. Bon dem Täter fehlt bis zur Stunde jede Spur. Aür seine Ergreifung bzw. zweckdienliche Angaben, die zu seiner Festnahme führen können, sind 10 0 0 Mark Belohnung, die ausschließlich für das Publikum bestimmt sind, ausgesetzt. Der Wächter befand sich gegen 6 Uhr früh auf einem Rund- gcmg und sah an der Wegekreuzung zwischen Lindenberg und Blankenburg in der Dunkelheit eine Autodroschke stehen. Der Chauffeur saß auf dem Führersitz, mit dem Kopf auf das Sttarer gelehnt. Der Wächter glaubte zuerst, daß der Chonsfeur angetrunken gewesen und eingeschlasen seL Als er hinzutrat und ihn wachrütteln wollte, merkte er zu seinem Entsetzen, bah er einen Toten vor sich hatte. Der Wächter benachrichtigte sofort das zuständige Polizeirevier. Die Polizeibeam.ten erkannten sofort, daß der Chans- stur einem Verbrechen zum Opfer gefallen sei und benachrichtigten die Mordkommission. Soweit bis zetzt festgestellt werden konnte, hat Schalepanski von rückwärts einen Schuß in den Kops erhalten. Die Taxe zeigt auf 30,20 Mark, der Wagen Hot demnach anscheinend eine länger« Fahrt hinter sich. Der Ermordete kann nur einen Fahrgast gehabt haben, da die Uhr aus Tarif I eingeschallet wor. Das Auto, ein 10/50 PS. Horch-Wagcn, hat Linkssteuerung. Der noch unbekannte Mörder muß nun während der Fahrt, die in Rich- Lange Leitung. Heinz Stange, Vorstaud«Mitglied der Deutschnasionaien Handlungsgebnte«, er- klärte seinen Austritt aus der VRDP., weil diese eine reine Arbettgeberpartel sei. »Na— endlich hat er's doch mal bewerft/ tung Karow ging, das Schiebefenster, dos die Verständigung zwischen Fahrgast und Ehaufseur ermöglicht, heimlich nach links hinüber- geschoben und dann den Chauffeur durch einen Schuh in den Hinter- köpf getötet haben. Bei der Waffe muß es sich um eine klein- kalibrige Pistole gehandell haben. Schalepanski hatte seme .Handschuhe noch an und die Hände hiellen das Steuer trampfhafi umklammert. In dem augenscheinlich nur kurzen Todeskampf muß Schalepanski mit dem Fuß noch die Bremse in Tätigkeit gesetzt haben, so daß der Wagen augenblicklich zum Stehen gekommen ist. Der Mörder Hot dann sein Opfer ausgeraubt und den Wagen mit brennenden Lichtern stehen lassen. Die auegeworfene Patronenhülse wurde auf dem linken Trittbrett gefunden. Bei dem regne- tischen Wetter, das oin Sonntagabend und während der Ranzt herrschte, ist die entlegene Straße wenig befahren: mit diesem Um- stand hat der Mörder auch zweifellos gerechnet.— Ein Polizeihund. der Witterung im Wagen nahm, wurde auf die Fährte gesetzt, doa> besteht wenig?liisstcht, daß diese Aktion erfolgreich sein wird, da der Regen die Spuren auf der Landstraße verwischt hat. Das Auto trägt d I e R u m m e r I A. 3 0 5 3 und ist Eigentum der Firma Grüittax aus der Dahlmannstrahe in Chorlottenburg. Der Wagen ist gestern mittag mit dem Chauffeur von Schalepanski vom Hof gefahren. Er wurde noch Mitternacht in der Garage zurück er- wartet. Sck>olepanski wird als pflichttreuer Mensch geschildert, der seinen Beruf sehr ernst nahm und bisher niemals Anlaß zu Klagen gegeben hat. Von großer Wichtigkeit ist es, ob Personen am gestrigen Sonn- tag den Wagen IA 8053 irgendwo gesehen haben oder angeben können, wer den Fahrer und an welchem Punkte der Gjtadt zu einer Fahrt angenommen hat. Der Ermordete trug ein dickes braunes Jackett, Schirmmütze und Handschuhe. Sllle zweckdienlichen Angaben sind an das Polizeipräsidium, Mordkommission Hrasiow-Dr. Bartsch, zu richten. Vom Gcrichtsorzt Prosesior Strauch wurde an Ort und SIelle die Leiche des Ermordeten eingehend untersucht. Dabei stellte sich überraschend heraus, daß Schalepansk, zwei Schüsse, von denen>t'" tödlich gewirkt haben muß, erhalten hat. Eine Kugel hat das Gr- htrn durchschlagen und ist im Augcnhöhlenknochen stecken geblieben, die andere Einschußöffnung liegt etwa zwei Finger breit vom Ohr entfernt. Diese Kugel hat ebenfalls das Gehirn durchbohrt. Der Chauffeur war unverheiratet und wohnte zusammen mit seiner Schwester, einer Kunstmalerin, in der Dahlmamistraßo in Eharlottenburg.___ Das eigene Kind erschossen. Oer Vater schwer verletzt vnd vernehmungsunfähig. Die tragischen, aber noch ganz ungeklärten Borgänge, die sich bei der Ermordung eine» drelsährlgen Sind«», auscheiuend durch den eigenen Boter. abgespielt haben, beschäftigen die Berliner Kriminalpolizei. Im Wartesaal 4. Klasse des Potsdamer Bahnhcfs fand man am Sonnabend gegen 23 Uhr einen Mann bewußt- l o s auf einem Stuhle sitzend aus und brachte ihn nach der Rcttungs- stelle. Hier stellte der Arzt eine lebensgefährlich« Schuß- Verletzung In der Herzgegend fest und ließ den Mann nach dem Elisabeth-Krankenhaus bringen. Aus Papieren, die«r bei sich trug, ging hervor, daß er ein 27 Jahre aller Arbeiter Robert Pol- wert war, der in Rangsdorf im Kreise Teltow bei seinen Eltern wohnte. In den wenigen Minuten, in denen der Verletzte zur Be- sinnung kam, gab er an, er sei am Sonnabend gegen 19 Uhr in der Nähe der Gastwirtschaft von Lorenz In Rangsdorf von einem Un- bekannten angeschossen worden. Er sei nach Berlin gefahren. um«inen Arzt zu Rate zu ziehen. Diese Erklärung ist aber durch einen späteren Fund völlig widerlegt. Sonntag früh entdeckten Passanten etwa fünf Mlonlen von der Behausung palmerts entfernt, am weg- rande die Leiche eines dreijährigen Mädchens, das durch einen Schuß getötet war. Dle Rangsiwrfer Pollz« konnte bald feststellen, daß die Kleine das u n- eheliche Kind de, Palmert ist.«e auch M seinen SOent untergebracht war. In der Nähe der kleinen Toten lag«ine Mten- lasche, die als Eigentum des Baters erkannt wurde. Allem An- schein nach hat Palmert das Kind au» noch unbekannten Gründen erschossen und sich dann selbst das Leben zu nehmen versucht. Was den Unglücklichen zu der furchtbaren Tat bewogen hat, kann erst sestgestellt werden, wenn er vernehmungsfähig ist. Sein Zustand ist vorläufig noch sehr bedenklich. Oeutschnationale Zerklüftung. Rund ein fünftel der Mitglieder ausgetreten. Aus Hamburg wird gemeldet, daß der Dorschende des An- geftelltenousschusses der Deutsch nationalen Dolkspartei, Landes- verband Haneburg, Heinz Stange, nuinnehr ebenfalls die lveustl'naiionale Partei oerlassen hat. Mit ihm sind zahlreich« 'Angestellte und ander« Mitglieder aus der Deutschnationalen Portci nurg.'tretcn. Slarge begründet seinen Austritt damit, daß di« Hugenbxrg-Partei zu einer Arbeitgeberpartei geworden ist und ihm jede Arbeitsmöglichkeit nehme. Er spricht von der„Aueschlußmaschine" und von der„Klüngelprogrammatit". die in der Partei Hilgenbergs herrschen. Aus anderen Landesteilen werden ebenfalls zahlreiche M a s s« n cku s t r i t t e aus der Teutschnationalen Partei gemeldet. In unterrichteten deurschnationalen Kreisen verlautet darüber, daß von den bisher annähernd 200 000 organisierten deutschnationalen Parteimitgliedern nicht weniger als rund 40000 bereits ihr« Mitgliedsbücher zur Verfügung gestellt haben, Di« Folge ist, daß man selbst in der Umgebung von Hugenberg ernsthost dessen Rücktritt von der„Führung" nach dem Volks- entscheid diskutiert. Im anderen Fall« dürste sich innerl)alb der deutschnationalen Rcichstagsfraktivn ein scharfer Kampf der Gruppe Westarp und Hergt gegen Hilgenberg ent- wickeln, Westarp halt« sich zunächst mit Rücksicht aus den Volks- entscheid noch zurück, beabsichtige aber nach dem 22. Dezember gegen Hngeirberg in Front zu treten. Darüber hinaus verloutet, daß die Deutschmitionale Arbeitsgemeinschaft in voller Ueber- einstimmun» n»it dem Westarp-Flügel der deutschnationalen Reichs- tagsfraktion handle, ihre Ziele und Absichten mit ihni durchspreche und nichts ohne ausdrückliche Zustimmung Westarps unternehme. Darauf ist es mich wohl zurückzitstthren, daß die Delitschnationale Arbeifegemeirtschast bisher noch nicht organisatorisch hervorgetreten ist. In Uebereinstiiliimmg mit dem Westarp-Flügel hofft sie auf den Sturz Hugenbergz und damit auf die Möglichkeit einer späteren Wiedervereinigung. Christliche Einigung? Ehristlich-soziale unv chriftlicher Volksdienst. Franksurl a. M., 16. Dezember. Vertreter der„Christlich-Sozialen Reichsoereinigung" und des Reichsoerbandes des„Christlichen Voltsdienstes" haben nach längerer Aussprache in Frankfurt einmütig der Ueberzeugung Aus- druck gegeben, daß ein möglichst rascher Zusammenschluß dieser beiden Gruppen notwendig und möglich ist. Zur Vorbereitung der ent- scheidenden Beschlüsse der Vertrelertagungen, di« am 27. Dezember in Berlin stattfinden, wurde ein Ausschuß eingesetzt. In diesen Aus- schuß entsendet der Christliche Bolksdienst die Herren Bausch, Mit- glied des Württembergischen Landtags, Kling, Mitglied des Württem- t gischcn Landtags, Sitzendörfer-Stlittgart und Teophil Mann- s ankfurt a. M,: die Christlich-Soziale Reichsvereinigung Professor Pfarrer V e i t h- Frankfurt a. M,, H ü l s e r- Spandau(Mitglied 1:9 Reichstags), Klisch-Breslau(Mitglied des Preußischen Landtags) und Dudey-Duisburg, Die Opposition gegen Tardieu. Kundgebung der Radikalen. Paris, 16. Dezember.(Eigenbericht,) Unter dem Vorsitz H c r r i o t s fand am Sonntag in Chalons sur Saone«ine große radikale Parteivers ammlung statt, in der man dem Kabinett Tardien nochmals schärfste Opposition ansagte. Selbst der radikale Abgeordnete C h a u- temps, der in der letzten Regierungskrise nach bem Mißerfolg Daladiers mit der Bildung eines Kompromihkabinclts beauftragt worden war, bezeichnete es als eine Pflicht der radikalen Partei, dem reaktionären Kabinett Tardieu gegenüber unbeugsame Opposition z u üben. Allerdings wünscht er diese Opposition„voll Höflichkeit und Achtung für die persönlichen Fähigkeiten des Regierungschefs". Herriot selbst bezeichnet es als einen großen moralischen Sieg der radikalen Partei, daß heute ihre schlimmsten reaktionären Gegner das außenpolitische Programm des Friedens und der Versöhnung durchsühren, das er im Jahr« 1024 eingeleitet und unter großen Verleumdungen der Reaktion verteidigt habe, -16 Mairosen ertrunken. Folgen des Sturms. Madrid, 16. Dezember. Ter Dampfer„T u q u e Verde s" ist an der Küste von Spanisch-Marokto gesunken. 12 Mann der B e- s a tz u n g sind ertrunken.— Ter spanische Dampfer „til n t o n i o G a r c i a" ist 3v Meilen von Big» ent- sernt mit dem griechischen Damst�er„Hydra" zusammengestoßen. Der spanische Dampfer sank sofort. 4 M a n n seiner Besatzung find ertrunken. Die übrigen 20 tonnten gerettet werden. Auch die„Hydra" wurde stark beschädigt. Die Sturmschäden auf Sylt. Hamburg, 16. Dezember.(Eigenbericht.) Amtlich wird zu den Sturmschäden auf der Insel Sylt.mit- geteilt: Am Roten Kliff in Kämpen sind mehrere Meter Erde herab- gestürzt. An der Steilküste bei Wenningstedt sind erhebliche Land- aerlustc«ingclrelen. Vor der Wenningstedter Badeanlage wurde der candoerlust aus 12 Meter bezlfsert, und zwar an derselben Stelle, wo in den letzten beiden Iahren bereits 60 Meter verloren gegangen sind. Dagegen hat die neue Buhne vor dem Hotel„Zum Kronprinzen" sich gut bewährt und die Steiluser geschätzt, lawinenartig lvllien s'.'oße Blöcke in die Tiefe. Ausgezeichnet gehalten haben sich die neuen B u s ch z ä u n c und Anpflanzungen durch bei Klisfsend Vordünen geschaffen sind. Di« drei gestrandeten �totorleichler mit ihrer umfangreichen Maschinenanlage, die einen ; von einer halben Million darstellen, werden sich erst bei ruhigem tcr wieder flott machen lassen. Die Wahlen in Ostoberschlesien. Rückgang der deutschen Stimmen.— Die Kolgen des Wahlterrors. Satlowitz, 16. Dezember. Räch einer privaten Errechnung kurz vor 3 Uhr morgens haben die Stadtocrordnetenwahlen in Groß-Kattowitz folgendes vorläufiges Gesamtergebnis gehabt: Deutsche Wahlgemeinschaft 19 426 (bisher 22 133), Deutsche Sozialisten 3024(bisher 3380), Pol- nische Sozialisten 2419, Korfanty-Partei 12 502, Nationale Arbeiterpartei(zur Regierung in Opposition) 2903, Regierungspartei 10 150, Juden etwa 1000 Stimnnm. Die Mandate werden sich wie folgt verteilen: Deutsche Wahlgemeinschast 22(bisher 29), deutsche Sozialisten 3(5), polnische Sozialisten 2, Korfanty-Klub 15, nationale Arbeiterpartei 3, Regierungspartei 13, Juden 2. Nach der rücksichtslosen Polonisierungsarbeit der letzten Jahr« unter der Diktatur des Wojewoden Grazynski war von den Deutschen nicht mehr zu erwarten. Die Deutschen haben im allgemeinen an der Stimmenzq�l nur ein« Einbuße von etwa 12 Proz, erlitten. Der höhere Mandatsverlust erklärt sich daraus, daß die Zahl der Wahlberechtigten gegenüber der letzten Wahl durch Zuzug erheblich gestiegen ist, der ohne Zweifel ausschließlich den polnischen Parteien zugute gekommen ist, während auf deutscher Seite eine Ab- Wanderung festzustellen war, auf die auch der Stimmenverlust zurückzuführen sein dürste, * Beulhen, 16. Dezember. Die Wahlen in den ostoberschlesischen Stoditreisen sind— soweit bisher bekanntgeworden ist— abgesehen von einigen persön- lichen Reibereien, ruhig perlaufen. Bisher liegen folgende End- ergebnisie vor: S t a d t P l e ß: Bei 3200 Wahlberechtigten wurden 2962 gültige Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf die deutsche Wahl- gemeinschaft 1379(1926— 1525), auf die polnischen Listen 1583 (1201). Die Mandats, zahlen verteilen sich wie folgt: Deutsche 12 (14) und Polen 12(10). L u b l t n i tz: Bei 2600 Wahlberechtigten wurden abgegeben 2380' Stimmen. Für di« deutschen Listen wurden abgegeben: 763 (806) Stimmen, für die polnischen 1617(1165). Die Mandate ver- teilen stch wie folgt: Deutsche Wahlgemeinschaft 6(7), die polnischen Listen 12(ll) Mandate. Bielitz: Nach dem bis um 2,15 Uhr nachts vorliegenden Ergebnis haben in Bielitz die Sanierungspartei(polnische Regie- rungspartei) 6 Mandate(1926: 5 Mandate), die deutschen und pol- Nischen Sozialisten 10(8>, die Deutsche Wahlqeineinschaft 14(17) und die Ostjuden 6(6) Mandoie erhalten, I« sehen: Nach dem Wahlergebnis stellt sich die Verteilung der Mandate wie folgt: Sanierungspnrtei 14 Mandate, deutsche und polnische Sozialisten 3, Ostjuden 2, Deutsche Wahlgemeinschast 10. polnische Juden?, deutsche Splitterpartei 2, Korfanty-Partei 3 Mandate, S o h r a u: Das vorläufige Endergebnis der Gemeindewahlen lautet: Don 2427 Wahlberechtigten haben 2279 abgestimmt. Davon entfallen auf die polnischen Listen 1450 und auf die deutschen Listen 829. Die Mandate verteilen sich wie folgt: Polen 15(13), Deutsche 9(11). Los lau: Vorläufiges Endergebnis: Von 1930 Wahlberechtigten wurden 1836 gültige Stimmen abgegeben. Davon entfallen auf die deutschen Listen 466(624) Stimmen, auf die polnischen 1370 (1056) Stimmen, Die Mandatsziffer verteilt sich wie folgt: Deutsche Listen 5(7), polnische Listen 13(11), Wilhelm als Kriegstreiber. Neue Dokumente aus der österreichischen Publikation.- Bombardieren und Okkupieren.- Der Wunsch des Batt-Plahes ist für ihn Befehl. In der österreichischen Aktenverössentlichung finden sich inier- cssant« Berichte des Grafen Berchtold über seine Unter- redung mit Kaiser Wilhelm am 2 6, Oktober 1913. Es war dies die Zeit des Albanien-Konsliktes, Berchtold jetzt« dem Kaiser auseinander, daß die Bemühungen der österreichischen Politik darauf gerichtet seien, die Balkan- staaten gegeneinander auszuspielen. Der Kaiser ent- wickelte daraus dem Grafen Berchtold seine Ansichten über die Balkan- Politik. Der Krieg zwischen Ost und West, so führte er aus, sei aus die Dauer unvermeidlich, und wenn dann Oesterreich in seiner Flank« der Invasion einer respektablen Militär- macht ausgesetzt sei, so könne dies für den Ausgang des Völker- ringens verhängnisvoll werden. Der Kaiser sagte:. „Die Slawen find nicht zum herrschen geboren, sondern zvm Dienen. Dir» muß ihnen beigebracht werdrn. Und wenn sie glauben, daß ihr 5)cil von Belgrad zu erwarten sei, dann muß ihnen dieser Glaub« genommen werden. Mit Serbien kann es für Oesterreich-Ungarn kein anderes Berhälinis geben als jenes der Abhängigkeit des kleineren vom größeren nach dem Planetensystem(wie überhaupt der Kaiser keine ander« Orientierung aus dem Balkan sich vorzustellen vermag.als die Vormachtstellung der Monarchie gegenüber ollen dortigen Staaten)." Serbien müsse an Oesterreich herangezogen werden durch Geld—„vom König angefangen sind alle für Geld zu haben"— militärische Ausbildung und Handelsbcgünstl- g u n g. Dafür mühte Serbien der Monarchie botmäßig werden und feine Truppen Oesterreich zur Verfügung stellen. Sollte es sich weigern, so müßte eben Gewalt an- gewendet werden. „wenn Se. Majestät der Kaiser Franz Zoses etwas verlangt, so muß die Regierung sich beugen, und lul sie es nicht, so wird Belgrad bombardiert und so lange okkupiert, bis der Wille Sr. Majestok erfüllt ist. De» können Sie sicher sein, daß 3 ch hinter 3hnen stehe und bereit bin. den Säbel zu ziehen, wann Immer 3hr Vorgehen e» nötig machen wird." (Sc. Majestät begleitete diese Worte mit einer Handbewegung nach dem Säbel.) Berchtold und der Kaiser kamen dann auf Rußland zu sprechen. Der Kaiser versicherte, Rußland flöge ihm noch keine Besorgnis ein. Berchtold befürchtete, daß«ine russische Revolution das monarchische Prinzip bedenklich erschüttern könnte. Der Kaiser entgegnete daraus:* „Wenn es einmal zum Aeußersten kommt, dann seien ihm solch« Erwägungen ganz schnuppe. Denn dann wird es ein Existenzkampf um Leben und Tod sein. Wir werden beide zusammenstehen gegen einen gemeinsamen Gegner, und da ist es schließlich gleichgültig, auf welche Weise der Gegner zugrunde geht. Die Haut bleibt uns immer näher als der Rock." Der Kaiser benutzte die Gelegenheit, um dem Grafen Berchtold für sein« Balkanpolitik den Rücken zu steifen und ihm zu versichern, daß Oesterreich„voll und ganz auf ihn zählen" könne. Zum Schluß sagte er: „Was immer vom wiener Auswärtigen Ami kommt, fei für ihn Defehl." Di« Dorgeschicht« der Katastrophe und die Rolle, die Wilhelm dabei gespielt hat, wird durch dies« Publikation weitgehend aus- gehellt. Durch Starkstrom getötet.' Vorsicht beim Vau von Hochantennen! Dresden. Ib. Dezember. Am Sonntag nochmitiag wollten in der Heimsläilenjiedlung in Dresden- Reick zwei junge Männer eine Hochantenne ziehen. Dabei kam der Aniennendrahl mit einer 2Z0-voli- Starkstromleitung in Berührung. Die beiden jungen Männer wurden durch den elektrischen Schlag aus der Stelle geiöiei. Neuer Ozeanflug. Zwei französische Flieger in Sevilla gestartet. Nach einem Telegramm aus Sevilla sind der französische Kapitän C h a l l e und der Oberst Larre Borges am Sonntag um 12,30 Uhr in Sevilla zur Ueberquerung des südatlantifchen Ozeans gestartet. Die Flieger wurden 5,40 Uhr nachmittags über Ria de Ora (westafrikanische Küste) gesichtet. Oer Terror gegen die Landproletarier. Revolten in der Sowjetunion blutig niedergeschlagen. Bukarest, 16. Dezember.(Eigenbericht.) Aus der Sowjet-Ukraine in den letzten Tagen in Rumänisch- Bessarabieu elnlressende Reisende berichten übereinstimmend über eine zunehmende und sich stelleawels« bis zur Revolte steigernde Empörung der Ukrainer Landbevölkerung. Tagtäglich werden nach den Berlchien dieser Reisenden durckz Aufgebole der roten Armee und Tscheka hunderte von Personen in die Ge- sängnisse geworfen, und zwar ohne daß die Angehörigen der ver- hasleien Personen von der Verhaftung oder davon unlcrrichlel werden, wo ihre Väter oder Söhn« tn hafi geHallen werden. 3n der Ortschaft Delilowsca ging die Empörung der Beoöike- rung über die Maßnohmen der Sowjeibehörden gegen Ortelnjassen ja weil, daß sie das Gebäude der Finanzlnspcki'on stürmte, den Inspekior und seine ganze Familie iöieic und schließlich desien Wohnung in Brand setzte. Das zur Abwehr eingesehle Mililür löiele fünf Personen, darunter drei Frauen. Zwanzig Personen wurden leicht bzw. schwer verwundet, außerdem wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. 3n der Ortschaft vuceria griffen die Einwohner die Gebäude der Sowjetämler an und ermordeten den Vorsteher der Sowjets. Erst nach jünfiägigem harten Kampfe konnte hier die Revolie niedergeschlagen werden. 3a einem Dorfe des Bezirks p o d o l l e n, wo die Besbikerung die Finanzkasse stürmte, sollen 30 Männer und Frauen getöiek worden sein. Da» ossizielle Organ der Sowjets in Odessa, die„prawda", fordert im Ramen der Moskauer Regierung zur Unterdrückung der aufständischen Bauernschaft die Anwendung schärfster Mittel der Unterdrückung und Züchtigung. Schuhbund und Heimwehr. Aufmarsch des Schuhbundes in Wien. Wien. 16. Dezember.(Eigenbericht) Am Sonntag marschierten in der Umgebung von.Wien aus prolest gegen die militärischen Demonstraiioaen der Heimweh'---»- nähernd 20 000 uniformierte Schutzbündler aus. Der Aufmarsch verlies musierhasl und ohne jede Störung. Polizei für Heimwehrleute. In dem oberösterreichischen Orte E b e n s e e kam es am Sorv- tag, kurz vor Mitternacht, zu Zusammenstößen zwischen Heimwei'- leuten und Salinenarbeitern, in deren Verlauf drei G e n d r- m e n und zahlreiche Demonstranten mehr oder weniger schwer ver- letzt wurden. Etwa hundert Heimwehrmänner der Ortsgruppe Ebensee waren um diese Zeit zu einer Kundgebung in dem nahe- gelegenen Bade Ischl eingekehrt. Auf dem Hauptplag des O�es wurden sie von Hunderten von Salinenarbeitern erwai tet. Die Gendarmerie suchte die Heimwehrleute zu schützen. Es kam zu Zusammenstößen, wobei die Gendarme.'lZ mit gefälltem Basv>'e:t vorging. Die Zahl der Verletzten dürste noch weit größer fem r mehrer« Verletzte von ihren Kameraden mitgenommen wur.e i. Nach Mitternacht war die Ruhe wiederhergestellt. Oberstaatsanwalt legt Aerufung ein. Breslau, 16. Dc.e.nker. Wie die I u st i z p r e s s e st e l l e nnlteilt, hat in der Lrgeicxen- heit St ol b e r g nunmehr auch der Oberstaatsanwalt gegen das Urteil Berufung eingelegt.» ...daß alle Welt geschähet würde... Von Edmund Hoehne. i. An einem Sonntng Im Dezember veilas in einem pommerjchen Kirchdorf ein Pfarrer das Weihnachtsevangelium und sprach dazu: . Dah alle Welt geschätzet werde! Liebe Gemeinde, in kurzer Aeit wird gezählt werden, wer im deutschen Volke treu und fest ge- sinnt, wer lau und feig und verräterisch ist. Zur Zeit einer großen Volkszählung ward der Heiland geboren, der einst sprach:„Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert." Wahl wollte er den Frieden Gottes über olle Welt tragen, doch haßte er den Frieden der Müdigkeit, des dumpfen Hindämmerns, den Frieden der falschen Führer seines Volkes, de» Frieden der Römlmge und Zöllner und Pharisäer. Daß der wahre Friede der Kraft, der Tat, der Heiligung nah«, macht euch auf, ein jeglicher in seinem Bezirk, daß olle Welt geschätzet werde!" II. Am selben Sonntag gab ein französischer General einen Tage«- besehl aus:„Die Truppenteil« melden bis zum 3. Dezember, 12 Uhr mittags, die Stärke der aus der zweiten Zone zurückgezogenen Ab- teilungcn." Die Adjutanten rechneten über Belcgzahlen für neue Gornisoneii. Zahlmeister schätzten Verpslegungsratiönen für Kam- pagnien, Bataillon«, Divisionen, eine Armee. Ordonnanzen flogen hin und her. Urlauber reisten in ihre Heimatstädte. m. „Schätzungsweise sind bis jetzt 80 000 Araber aus dem itolie- nischen Gebiet über die französische Grenz« getreten und entwassnet", sagt««in faschistischer Kolonialgeneral zu dem Führer der Front- truppen.„Stoßen Sie unentwegt nach. Es ist ein ganzes Volt, da» wir loswerden müssen. Nach den verlassenen Heimatorten dürste sich unschwer die Gesomtzifser der Vertriebenen feststellen lassen. Erfüllen Sie Ihre Ausgabe so schneidig weiter wie bisher. Ich danke. Ich muh zur Messe, es ist Adventssonntag." IV. „Es handelt sich schätzungsweise um löOOOO deutsch-russische Bauern, die ihre Wolgnheimat verlassen haben. Was bis jetzt ein- traf, ist nur der kleine Vortrupp gewesen", überlegte die Zentral- leitung vom Roten Kreuz.„Kehrt man heim in seine alte Heimat? Wie verpflegen wir sie, wie bringen wir sie unter? Telegraph.:rcn Sie dringend an unser Bureau in New Port..." V. Und am selben Sonntag schätzten chinesische und Sawjdgenc. ihre mandschurischen Truppen, Rebellenführer in Südamerika d e Zahl ihrer Anhänger und die der Regierung. Direktoren großer Fabrikkonzerne überschlugen die Zahl neuer Entlassungen. De ganze Welt wurde eingeteilt in riesige Mossenkolonnen von gewolii- gen Statistiken. Man berechnete Löhne, Heirat?- und S'er'ol ch- keitsziffern, Inventurbilanzen und Tonnagen, denn der nahe Iohree- schlug zwang zur Arbeit auch am Sonntag. Man verschob auf dem Papier ganze Völker, Heere von Arbeitern. Rekruten, Vore nsm> gliedern. Abonnenten. Wählern, Negern in Transvaal und I.pa- nern in Kalifornien. Und in einer kleinen Holzkirche auf G-chn- land, im Betsaal der Heilsarmee zu Schanghai, im katholischen Dom zu Mexiko, in der High Church of England zu Kapstadt, in einer verstohlenen Ecke von Moskau verlas ein Prediger aus d r Bibel. „Und es begab sich zu der Zeit, da Chrenius Londpfleger in Sy'ien war, dag ein Gebot ausging vom Kaiser Augustus, dag alle W.l! geschähet würde. Und alles zog aus, daß er sich mblen li ße, ein jeglicher in seiner Vaterstadt." Vi. Um diese Zeit gebor eine flüchtige deutsch-russische Bäuerin cin Kind in einem kalten Eisenbahnwagen. Eine Araberin wiegte ihr Neugeborenes auf einem Kamel, das vor den Maschincngsweh�cn der Italiener in die Wüst« schwankte. Eine Chinesin lag stöhnend auf faulem Stroh eines geplünderten Dorses der Mongolei und nährte ihren hungrigen Säugling, während draußen d:e Geschütze eines Marschalls rollten. Und in der Nähe all der kümmer. i.chen Wiegen gab es gut klingende Manifeste und Erklärungen und Tages- besehle und Zeitungsartikel von Sowjetkommissaren und Gcnml- direktoren und Truppensührern und Redakteuren. Keines der Kind- lein kann sie lesen. Alle kennen nur einen nahen Menschen, der sie wärmt und tränkt, oder sie sterben irgendwo. Auch die Mütter lesen sie nicht. Sie kennen nur Mensche», die ihnen Helsen, und wäre nichts andere» zur Hand, sie nähmen die feierlichsten Evangelien aller Sekten und Parteien und Gruppen, um ihr Kinb/ein säubern, das sich hilflos beschmutzt hat. Silberner Gonniag in Berlin. Kommunistische Schriststeller verhastei. Zwei Tage im Jahr, die beiden traditionellen Vorweihnachts- Sonntage verwandeln das großstädtische Berlin, das allen Menschen un-d Dingen den Stempel klarer, kühlster Sachlichkeit ausgedrückt hat, wieder in ein beschaulich-gemütliches, buntsarbiges Jahrmarkt- treiben. Vergessen ist alle Hast, wicdercrwacht eine tindhaste Freude an allen möglichen Schauabjektcn. Alle, alle sind sie von der gleichen Neugier beseelt. Beherrscher der Straße sind die Kieinslhändler mit dem Bauchladen, den promenierenden Wackclsiguren, oder den Arm als Ladentisch, über dem preiswerte Halstücher und Krawatten baumeln. Der Parfümeur hält jedem Interessenten sein prächtiges „Quelgue kleurs" unter die Nase, der Schokoladcnverkäufer brüllt ihnen mit Stentorstimme allerlei„süße Sachen" ins Trommelfell und der Spaßmacher demonstriert mit der nötigen Conference seine Scherzartikel. Wllrstelmann und Brctzelverkäufer, der Blinde, und der Mann im Selbstfahrer, die ebenfalls Waren feilbieten, verooll- ständigen das Straßenensemble. In den Kaufhäusern staut sich die Menge: hauptsächlich die Verkaussstände der kleinen Freuden: Hand- �lüoterfchlffung in Jimerika, Auf langen, weiten Flößen werden Transporte bis zu 500 Automobilen vom Norden der Vereinigten Staaten den Ohio hinunter nach New Orleans geschafft, wo sie in Ozeandampfer verladen und nach Südamerika verfrachtet werden. schuh«, Strümpfe, Krawatten sind dicht belagert. Billige ftleinig- ketten werden gekauft. Stach Geschäftsschluß, um 18 Uhr, verebbt der Strom, die Straßen werden still, die vielen Lichter verlöschen und die Casös und Kinos nehmen die schaulustige Menge in tchre weitgeöffncten Arme. Die dem Kunden dienten, buchen einen an- strengenden Arbeitstag und trotteten müde heimwärts. Zu einem Zwischenfall kam es am Sonnabend nachmittag um �6 Uhr in der Lynar« st r a ß e am Wedding. Dort hatten sich kommunistische Schriststeller auf zwei Autos eingefunden, um ihre Bücher selbst auf dem Weihnachtsmarkt zu verkaufen. Die Polizei nahm einen der Derkäufer, den Schriftsteller Kurt Pe t e r s o n, sest. Der Dichter Johannes R. Becher versuchte, Peterson vom Bereitschasts- outo zu befreien. Er wurde darauf selb st festgenommen. Zwei weitere jung« Schriftsteller wurden ebenfalls zur Polizeiwache geführt. Wie dos Polizeipräsidium mitteilt, ist die Verhaftung erfolgt wegen Nichtbesolgung polizeilicher Anweisungen u-d wegen B e o m t e n b« l e i d i g u n g. Die Schriststeller Kurt Peterson und Johannes R. Becher waren von der Polizei ange- trossen worden, als sie von zwei Kraftwagen aus kommunistische Druckschriften in großen Massen absetzten. Hinzu kam noch, laß sich eine verkehrsstörende große Menschenmasse angesammelt hatte, so daß die Beamten zum Einschreiren genötigt waren. Die Der- hafteten sind inzwischen wieder freigelassen „Komödie der Verjüngung." Llraufführung im Frankfurter Schauspielhaus. Dies« S Bilder von Alexe! Tolstoi(nicht Leo Tolstoi) haben etwas vom Atem der Komödie, wenn auch manchnwl«in unfruchtbarer Luftzug des Grotesken da zwischen weht. Die Problemstellung ist symbolhast: ein Erfinder hat«inen Berjüngungsbackofen kon- struiert, durch den er die Menschen„erneuern" kann Nach einigen Tierversuchen findet«r eine von ihrem Gatten verlassene Frau, das erste Menschenversuchskarnickel. Der Versuch gelangt: die Ver- jungte sticht die Rivalin, ein« Film'oivo, aus und wird selbst Film- diva. Das ,jüftftei.Blld„.der best« Teil des Stückes, bringt des gelebte Leidensleben als Kinostofs: in einem Filnwtelier spielen all« Be- teiligten ihr schmerzhaft erlittenes Sein; kosten es, allerdings mit in- zwischen vertauschten Rollen, noch einmal bis zur Neige aus. Der heruntergekommene Ehemannder zuvor Verjüngten kann sie schein- bar nicht mehr für sich zurückgewinnen. Er begeht, unterm Glanz der Jupiterlampen, einen Selbstmordversuch, der mißlingt, da das Messer, mit dem er sich die Gurgel durchschneiden will, nur «in— Pappmesser ist. Das bappy end: die Verlorenen finden sich wieder, wie auch da» übrige Paar, Vertreter der jungen Generation, zusammenkommt. Dos ganze ist handfestes Theater; ein wlles Gemisch aus Wirk- lichkeit und Spuk, aus technischem.Humbug und menschlichem Leiden. Die Regie(E. Falber) arbeitete gegen Schluß das groteske Moment stärker heraus und verhalf der harmlosen, abenteuerlichen Angelegen- heit zu einem Erfolg Di« Darsteller gaben sich russisch: lärmend, gesühlsschwelgend, dumpf und ein bißchen viel— zügellos. Wie«s zum Wesen dieses Stückes gehört, dessen Autor bald auf den Sowjet- staat räsoniert, bald sich vor ihm verbengt. K.C». „Das Mädel aus der Tanzbar." llniverfum. Unser« Kriegmarin« filmte bekanntlich und was sich dabei her- auedreht«, ist noch in unverblaßter Erinnerung. Amerika ist ober nicht umsonst das Land des Uebertrumpsens. Dort stellt man«inen Teil der Flott« zur Verfügung, um eine Liebesgeschichte zu regeln. Als ein Matrose falsch signalisiert und hernach dem Kommandanten des Schlachtschisfes eingesteht, er, der Missetäter, habe an ei» süßes Mädchen gedacht, bekommt er keine» Arrest, nein, er wird prompt an Land geschickt, damit er sich mit dem Mädel versöhnt. Dazu ist noch«ine große Gerichtsverhandlung nötig, in der deutlich klargestellt wird, daß die kessestc Eintänzerin von San Franziska das keuscheste Mädchen der Welt ist. Bringt die Ufa diesen Film gerade jetzt heraus, weil sie hofft, daß die Ausnahmefähigkeit der Zuschauer vor Weihnachten von Fest- tagsfreude umnebelt ist? Oder ist eine Propaganda für die ame- rikanische Kriegsmarine beabsichtigt? Die Regie von Malcolm St. C l a i r ist fabelhaft und da serner Clara B o w und I a m e e Hall hinreißend und über all« Ausstellungen erhaben im Spiel sind, gerät man in helle Empörung über die Verschmelzung allerbester Kräfte. e. d. „Zwischen Spree und Panke". Um einen veralteten, in höchstem Maße unkünstlerischen Zille-Film„Zwischen Spree und Pankc" ist zwischen zwei Iilmfirmen ein heftiger Streit entbrannt, mit dem nach Absicht beider Beteiligten durchaus die Oeffentlichkeit behelligt werben soll. Der Film, bei dem der Regisseur vorzieht, ungenannt zu bleiben, ist regietechnisch, photographisch und darstellerisch ein Versager. Zu- mal man unglücklichermeis« sich den zu Recht wettberühmten Film „The Kid' zum Vorbild nahm. Um den Film für die Gegenwart auswerten zu können, läßt man, zur Ehrung des toten Meisters. Heinrich Zille selbst auf- treten in einer nicht gut geratenen Maske. Die Uebersetzung d?r Zills-Unterschriften und Zille-Worte ins Bildliche aber kann man kaum beanstanden, denn bislang nutzten dies« Illustrievung oll« Zille-Film« aus. Vater Zille selbst erhob gegen sie keinen Einspruch, wie er überhaupt Filmmenschen und Kintoppmamiskripten gegenüber unendlich gütig war. Die„Lebenslänglichen" in Amerika. In letzter Zeit häufen sich in Amerika die Revolten der Zucht- Häusler in erschreckender Zahl. Immer handelt es sich um Kampfe auf Leben»nd Tod, di« hier geführt werden müssen, denn die Zucht- Häusler sind von einer furchtbaren Emschloisenheit und stellen den Behörden regelrecht« Kriegsausgabcn. E» ist kein Zufall, daß dieie Erscheinung«» sich gerode in Amerika so Hausen und mit einer solchen Erbitterung geführt werden. Die Insassen der Zuchthäuser hoben sicherlich oft genug den Eindruck, daß sie zu Unrecht hier sitzen oder jedenfalls zu Unrecht mit so hohen Strafen belegt worden sind. Bei vielen ist es das empörende Gerechtigkeitsgefühl, das sie zu derartigen Gewaltmaßnohnien ausruft. Ein großer Teil von ihnen besteht freilich aus schwersten Verbrechern, die auch in anderen Ländern mit ähnlichen Strafen belegt worden ivären. Anderer- seits aber sitzen sehr viele zehn Jahr« und länger im Zuchthaus, di« vielleicht in anderen Ländern Strafen von mehreren Monaten oder Iahren Gefängnis erhalten würden. Die Gesetze der einzelnen Staaten Amerikas find in mancher Beziehung von einer entietzlichen Grausamkeit und Rückschrittlichkeit. Gerade in der letzten Zeit sind mehrere Urteile betanntgewardei'� die für jeden Fremden geradezu Ungeh-enerlichkeiten darstellen V.i' kurzer Zeit wurde gemeldet, daß ein Mann zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe in Amerika verurteilt wnrde, der zu wiederholten Malen dabei ertappt wurde, als er einen Schock auf eine Bank-aus- stellte, bei der er kein Konto mehr hatte. Der Maiin tonnte nach- weisen, daß nur eine Unvorsichtigkeit Schuld daran trug. Er'?.ati« nämlich ein falsches Scheckbuch ergriffen. Es half ihm aber nichts — er wurde nach den Gesetzen des Landes zu einer lebrnslänglichen Zuchthausstrafe verurteilt. Ein anderer, mindestens ebenso furcht- barer Fall wurde jüngst aus Los Angeles gemeldet. Dort wurde ein Baristöagent beschuldigt, sich an ein« Tänzerin herangemacht zu haben, die er in sein Bureau zum Zwecke einer Anstellung be- stellt hatte. Kurze Zelt darauf verließ die Tänzerin das Bureau und erklärt«, daß der Mann versucht habe, si» sich gefilgiq zu machen. Der Agent wnrde sofort verhastet und aus das Zeugnis der An- tlägerin hin zu 15 Iahren Zuchthaus vettirteilt. Wenn nwn dies hört, versteht man die Bedeutung eines Vorganges, der vor einiger Zeit in amerikanischen Zeitungen unter dem Titel:„Die Zigarrenasche als Lebensretter" berichtet wurde, Ein junger Mann saß in dem Eisenbahnkupee und rauchte eine Zigarre. Cr freute sich an der schönen weißen Asche und behandelt« die Zigarre sehr sorgfältig, um zu verhüten, daß die Asche nicht herab- falle. Ihm gegenüber saß eine junge Dame, die»ni ihm flirten wollt«. Aber er beachtete sie nicht Plötzlich erklärte sie, sie brauche sofort 3000 Dollar und wenn er sie ihr nicht g«l'«n würde, so würde sie die Beamten herbeirufen und erklären, daß sie von ihm»er- gewaltigt wurde. Als der Mann ihr daraufhin ein verächtliches Wort zurief, riß sie sich das Kleid entzwei und schrie um Hilfe. Beamte stürzten herbei und wollten auf die Beschuldigungen der jungen Dam« den Mann verhaften. Da wies er auf die lange und schöne Asche an seiner Zigarre und sagte:„Wenn ich di« junge Dame angegriffen hätte, würde die Asche wohl nicht mehr an meiner Zigarre so schön vorhanden sein." Nun wurde die junge Dame verhaftet, und der Richter erNärte dem jungen Mann, daß er seiner Asche die Rettung vor«in«r langjährigen Zuchthausstrafe»erdankc. 3m losliluk für Meereskunde stricht Dienstag. 8 Uhr, Prof. Th.!Uu»>- bach über„Da« Leben der Ttere«nd Pflanzen am M.eeresstrande".' Musitchrnulk. Der am 18. Dez. In der Philbormonie stattfindenden Aufsübrung der ungelürzten„AohanneS-Paslion" von Bach durch den Philharmonischen Thor geht am DünStag, Uhr, ein« öffenttiche Generalprobe zu ermäßigten Preisen voraus. Vorträge. Mittwoch, 7'/, Übe, findet der dritte vsjenttich« Po. trag in der Preußischen Akademie der Wissenschaften statt. Professor Johnsen spricht über den.Unterschied zwischen Mineralien»nd Lebewesen-. Eintriitskarten beim Pförtner der Akademie. Sin neue» Vr«yl«»-Stöck. Nach deni großen Erfolg de» an der Berliner Volksbühne ausgeslkbrten TrevsuS-DraniaS„Astäic Tiensu--" bat sich jevt auch«ine zweite Direlliou ein DreysuS-Ttüit gestcherl, mit dem daS neue Theater ln der Kommandantenstroße eröffnet werden soll. Direktor Mar Samst wird daS �chau'vicl„Kapitän DrehfuS"»on Otonowfki Anfai- � Januar zur Aufführung bringe«. Gemüisathleien. „Ein SPO.-Funklionär wird arbeitsunfähig..." Für den Kampf mit geistigen Waffen hat die KPD. wenig ädrig. Wie sie„kämpst", Arbeiter gegen Arbeiter hetzt, das zeigte sich l'?i dem wilden Rohrsegei streik. Jetzt berichtet die„Rote Fahne" über«ine„Betriebsoersamm- long der revolutionären Opposition" bei Osram. Die folgenden beiden Sätze in dem Bericht sind durch halbfette Schrift hervor- ccbabcn: „Die Sazialsaschisten Hetzen mit allen Mitteln gegen die Ver- 'nnmlung und provozieren revolutionäre Arbeiter bei allen Gelegen- hei'en, bekommen aber die nötige Abfuhr. Ein SPD.-Funktionär wird arbeitsunfähig abtransportiert." Entweder zur Erläuterung dieser revolutionären Heldentot o5er aber zu der einen vorhergehenden wird an anderer Stelle gesogt: „Der SPD.-Funktionär Zier hatte schon dauernd oppositionellen 5".'.gcn gcgcnüb-r höhnische Bemerkungen gemacht, so auch aii N V-in Morgen. Ein rcoolutionärer Dreher verbat sich die« energisch. Da stieß ihm der Sozialfaschist vor den Kopf. Das ließ sich der Dreher nicht gefallen. Der SpD.-Proookateur bekam die proletarischen(sauste zu spüren und wußte noch dem Krankenzimmer gebracht werden." Nur eine Frage: Welche Mbeiter haben proletarische Zässst«? Nach den harmlosen Berichten der'KPD.-Pressc nur die„reoolu- tionären" Arbeiter, die mit den Argumenten der Faust ihre„sozial- saschistischen" Arbeitskameraden über„die Diktatur des Proletariats" belehren. \ Die Hochschulen dem Volke! Verbandsiag der sozialistischen Giudenlen in Berlin. ■Ter 4. Verbandsiag des„Verbandes sozialistischer Slildentengrupocn Deutschlands und Oester- r e i ch s*, der am Sonnabend und Sonntag in Berlin tagte, kon- zentrierte seine Hauptarbeit auf die Schaffung eines umfassenden Programmes zur Reform des deutschen Hochschulwesens. Am Sonn- tag fand die öffentliche Haupttagung statt. Sic wurde eingeleitet durch Begrüßungsansprachen von Professor Hermann Heller und Alexander Stein vom Reichsausschust für sozialistische Bildungsarbeit. Heller wies auf die besondere Bedeutung der Jntellektuellenfrag« für die sozialdemokratische Partei hin. Der wissevschosllich geschulte Sepezialisleustab der Partei gewinnt mit dem Eindringen der Sozialdemokratie in immer zahl- reichere Machtpositionen von Staat und Gesellschaft eine besondere Wichtigkeit. Politik und Wissenschaft gehen im marxistischen Soziolis- mus eine besonders enge Bindung ein, die auch in der Auswahl der palitijchcn Führerschaft der Arbeiterbewegung ihren Ausdruck finden muß. Stein ergänzt« die Ausführungen Hellers, warnte aber vor der Gefahr, die auch den sozialistischen Intellektuellen droht, nämlich eine gruppcnmäßig- ständisch von der Arbeiter- jchaft abgesondert« Schicht zu bilden und stch in wirklich' kcitssrcmdem Theoretifieren zu verlieren Die Beratung der vorgeschlagenen Statutenänderungen nahm einen sehr breiten Raum ein. Entsprechend der durch den erfreulichen Ausstieg des Verbandes geschaffenen Tatsache, daß aus einem foderoi'o-lockerem Zusammenschluß einzelner sozialdemokratischer Studentengruppen heute eine starke und einheitliche, zentralistisch geleitete Bewegung geworden ist, wurde der Beschluß gefaßt, den Verband in Sozialistische Studenlenschafl Deutschlands und Oesterreich» umzutaufen. Den Tätigkeitsbericht für die letzten zwei Jahr« seit dem 3. Verbandstage erstattete da« Mitglied des geschäftsführenden Hauplvorstandes M i t n i tz k y. Seit dem Dezember 1927, wo in Heidelberg der 3. Berbandstag stattfand, ist die Mitgliederzahl um über 1l¥)() auf rund 4100 Mitglieder gestiegen. Ortsgruppen des Verbandes bestehen an 2S reichsdeutschen Hochschulen, außerdem in s Wien, Graz, Linz und in Dan�sig. Die Berliner Ortsgruppe, die i erst 1923 mit sieben Mitgliedern gegründet wurde, hat heute über i 500 Mitglieder! Mehr als 100 Mitglieder zählen unter den reich»-! deutschen Gruppen Frankfurt am Main, Hamburg, Leipzig und Köln, s Die größte Gruppe mit rund 2000 Mitgliedern ist aber nach wie � vor in Wien. Allein im letzten Jahre betrug der Mitglieder-; Zuwachs des Verbandes 15 Proz. Eine erfreulich stürmische � Aufwärtsentwicklung hat eingesetzt. Ein« statistisch« Erhebung über die soziale Herkunft der Verbandsmitglieder zeigte, daß rund die Hälfte der Mitglieder der proletarischen oder proletaristerten Lebenslage der Arbeiter, Angestellten-, mittleren und kleineren Beamtenfamilien entstammt. Seit dem Dezember 1928 wurde die von den Wiener Genossen schon früher herausgegeben« „Sozialistisch- Akademische Rundschau" zum Verbandsorgan ausgebaut. Der Absatz und der Inhalt der Zeitschrist ließ noch zu wünschen übrig: deswegen wurden vom Verbandstag einige Beschlüsse über die weitere Ausgestaltung der Redaktion und des Vertriebes gefaßt. Die größeren Ortsgruppen widmeten der Werbung und Schulung eines geeigneten Nachwuchses unter den höheren Schülern besondere Aufmerk- samkeit. Möglichst im ganzen Reich sollen nach dem Vorbild des österreichischen sozialistischen Mitlelschülerverbandes Gruppen der „Freien Sozialistischen Schüler" in enger Zusammen- arbeit mir der„Sozialistischen Arbeiterjugend" gegründet werden. Bisher hoben sich unter der tatkräftigen Michilfe der Studenten- gruppcn sehr aktive Schülerorganisationen in Berlin, Frankfurt am Main und Hamburg gebildet. Der Verband war die wesent- lichste Stütze der„Internationalen Sozialistischen Studenten- föderation", die offiziell an dem Wiener Internationalen Iugendtag mit teilnahm. Durch diese Beteiligung wurden die bisher schon be- stehenden guten Beziehungen zu den Jugendorganisationen der Partei, der„Sozialistischen Arbeiterjugend" und den.Lungsozia- listen", besonders gefestigt. Enge geistige und politische Zusammen- arbeit, besonder» in der sozialistischen Schulung der jungen Gene- raiion, wurde getrieben. Die hochschulpolitifche Arbeit de» Verbandes, denen wesent- lichcr Bestandteil immer der Kampf gegen die reaktionären Studcntenorgamsotionen gewesen war, trat durch die im Dezember 1927 in Preußen verfügte Auflösung der„Deutschen Studenten- schaft" als allgemeine obligatorische studentische Selbswerwalwngs- organifation und die Sperrung von Beitrogszahlungen in allen übrigen deutschen Ländern außer Württemberg in eine neue Ent- wick'ungsphase. Die„Deulsihe Studenlenschafl" blieb als reaktionärer Privat- verein, der die Mehrheit der Studenten noch immer umfaßte, bestehen und gerierte sich mit Unterstützung der kommunistischen Studenten- gruppen noch immer als G e s a m t v« r t r« t u n g der studentischen Intcresien. Das bestehende„Kartell republikanischer Studenten" erwies sich als ungeeignet zum Kampf gegen die studentische Reaktion und wurde daher liquidiert. Den gcmeinsamen Kampf mit den bürgerlich-republikanischen Srudentenorganisationen gegen die„Deutsche Sttdcntenschaft" und um die Vertretung unserer Interessen gegenüber den bestehenden studentischen wirtschaftlichen Hilssorganisotionen nahm der im März 1928 gegründete„Deutsche Studentenocrband" auf, dem fast alle Ortsgruppen des Verbandes angeschlossen sind. Der Vorsitzende des„Deutschen Studentenverbandes" ist der Genosse Kurt B e r l o w i tz. Zur Vertretung der wirtschaftlichen Interesien der minderbemittellen Derbandsmitglieder, insbesondere der sogenannten„Arbeiterstudenten", unternahm der' Verband erfolgreich« Schritt« zur Einführung einer Sonderunterstühung und einer Arbeitsvermittlung. und in Verbindung mit Partei und Gewerkschaften sollen Vor- arbeiten zur wirtschaftlichen Unterstützung dieser Mitgliederschichten unternommen werden. Ein dieses Aufgabengebiet berührender Antrag der Ortsgruppe Berlin wurde dem Hauptoorstand zur weiteren Bearbeitung des Problems überwiesen. Die Kräfte, die die Organisation durch das Aufhören der eigentlichen.Lochschulpolitik" mit der Auflösung der„Deutschen Studentenschaft" frei bekam, verwandte sie zu um so intensiverer Durchführung der sozio- listischcn Bildungsarbeit unter den Mitgliedern und zur Agitation. Nicht nur wissenschaftlich hochstehende Vorträge von be- kannten sozialistischen Theoretikern und Politikern wurden ver- anstaltet, sondern besonders die eingehende Durcharbeitung einzelner Fachgebiete mit sozialistischen Forschungsmethoden wurde durch Arbeitsgemeinschaften und durch die im Ausbau begriffene sozio- listisch« Fachschaftsorganisation in Angriff genommen. Die Internationale Zusammenarbeit der einzelnen sozialistischen Studenlenorganisaftonen wurde verstärkt, und der Kampf gegen den Faschismus unter den Studenten wurde durch die Mitarbeit in der„Föderation Univcrsitaire Internationale pour la Societe des Nation»" aus internationale Basis gestellt. Die deutsche Sektion der„FUI.", die.Zentralstelle für studentische Völkerbundsarbeit", wird fett einiger Zeit von Dr. Otto Friedländer geleitet. Zum Tätigkeitsbericht beantragten die Gruppen Köln, Frankfurt und Breslau, daß der„Deutsche Studentenoerband" sich nur mit wi rt- schaftlicher Interessenvertretung und in keiner Welse mit gemeinsamen hochschulpolitischen Aktionen zu befassen habe. Andern» falls sollte die Mitgliedschaft der Ortsgruppen im„Deutschen Studentenverband" unzulässig sein. Auf Initiativ« der übrigen Ortsgruppen im Reiche und in Oesterreich, die erklärten, hochschul- politische Aktionen nicht ohne die Unterstützung des„Deutschen Studentenverbandes" unternehmen zu können, wurde der Antrag mit 43 gegen 14 Stimmen bei 7 Enthaltungen abgelehnt. Den Ortsgruppen wird empfohlen, nach Möglichkeit„Sozialistische Hoch- schulausschüsse" zur hochschulpolitischen Interessenvertretung im „Deutschen Studentenoerband" zu gründen. Den im„Deutschen Studentenoerband" arbeitenden Genossen wurde Dank und Billigung für ihre Tätigkeit ausgesprochen. Die Fortführung der Mitarbeit im„Deutschen Studentenverband" wurde mit allen Stimmen gegen die von 3 Ortsgruppen gefordert. Die Frage der Hochschulreform. der Zentralpunkt der Beratungen, nahm den Schluß des VerHand- lungstages ein. Berichterstatter der Kommission war Tretgens- Berlin. Cr ging auf die wesentlichen Punkte der eingereichten drei Programmentwürfe«in, die im großen Ganzen übereinstimmen. Als Endziel wird an die Stell« des bürgerlichen K l a s s e n o o r- rechts auf die Hochschulbildung und der Anarchie in der Auslese der Grundsatz der Auslese nach der Besäh'gung im Ein- klang mit dem gesellschaftlichen Bedarf gesetzt. Dieses Ziel geht aber über den Rahmen der bürgerlichen Hochschule und der bürger- lichen Gesellschaft hinaus. Für die Gegenwart wird gefordert: Grundlegend« Reform der höheren Schulen älteren Systems und Ausbau der Ausbauschulen, die Begabte von der Volks- schul« zur Hochschulbildung überleiten. Di« höheren Fach- und Be- russschulen sollen die Berechtigung zum ordentlichen Hochschulstudium erteilen können. Der Uebergang vom Beruf zur Hochschul« ohne Zusammenhang mit der Schulbildung soll wetter erleichtert werden durch Ausbau der Arbeiter-Abiturientenkurs« und durch Aufhebung der Altersgrenze in der Ersatzreifeprüfung für hervorragend Begabte. Die Auswahl des Dozentenkörpers, der heute unter der Vortäuschung wissenschaftlicher Objektivität einseitig bürgerlichen Klasseninteressen dient, soll einsprechend der gesellschaftlichen Bedeutung des Proletariats und dem wissenschaftlichen Wert der marxistisch?» Lehre im Sinn« einer Vermehrung der verschwindend geringen Zahl sozialistischer Hochschullehrer umgestaltet werden. Als Mittel dazu soll«ine Verstärkung des ministeriellen Berufung»- rechtes dienen. Zur Sicherstellung der Erweiterung der Wege zum Arbeiterstudium ist zu fordern: Gebührenfreiheit bis zu einem Einkommen von jährlich 5000 Mark, Gebühren st affelung proportional der Höhe der Einkommen über 5000 Mark. Die sämtlichen wirtschaftlichen Hilfseinrichtungen für Studenten sind zu verstaatlichen. Die Mittel der„Studien- stistung des Deutschen Volkes" sind zu 70 Prozent für Arbeiterkinder bereitzustellen. Die K r a n k e n b e h a n d l u n g soll für Studenten grundsätzlich unentgeltlich sein. Für minderbemittelt« Studenten sind besonder« Wohnheime zu schassen. Zinsfreie Darlehen und Stipendien sollen vorzugsweise an Studierende unter der 5000-Mark- grenze vergeben werden. Von der Hochschule als Funktionärschule ist die ForfchmigsstSUe abzutrennen. Forschungsakademlcn nud Funktionärs chulen sollen einem noch Durchführung der Reichsresorm zu schaffenden Reichskultusmimsterwm unterstellt werden. Der Autonomie der Forschungsakademien soll eine größere Abhängigkeit der Funktionär- schulen von den Staatsbehörden gegenüberstehen. Gleichberechtigung oller Dozenten und Forscher und Beseitigung des Unterschiedes zwischen Profesiorcn und Privatdozentcn. demokratisch« Hochschul- oerfassijng an Stell« der Hierarchie wird gcsordert. Die Beseitigung aller akademischen„Standes"vorrechte muß durchgeführt werden. Die Zersplitterung in SpezialHochschulen muß der Gliederung des einen Hochschullyps in Fachabteilungen weichen. Den Studenten ist ein maßgeblicher Einfluß auf die Gestaltung des Hochschullebens «tnzizrSmnee. Em« studentisch« Selbstoerwaktasg soll v» allen Studierenden ohne Unterschied der Staatsangehörigkeit gebildet werden. Fachschaften und Studienausschüsse haben an der Gestaltung des Lehrplancs und an der Vertretung der studentischen Studieninteressen mitzuwirken. Ein Wirtschaftsausschuß soll die wirtschaftlichen Interessen der Studenten vertreten und die Ber- waltung und Kontrolle der Wirtschaftseinrichtungen und des Gebührenerlasses übernehmen. Der Studienbetrieb muß aus der veralteten Form des Ueber- wiegens der Vorlesungen in ein« neue, nach den Prinzipien des modernen Arbeitsunterrichts gestaltete Form umgewandelt werden. Das gewaltig« Stoffgebiet der Hochschulrejorm soll von einer Redaktionskommission, bestehend aus Friedlaender. Kotschi, von Halle, Tictgens, Leites, Geißler noch einmal durchberaten wer- den. Der geschäftsführende Hauptoorstand des Verbandes wird er- mächtigt, spätestens bis zum Beginn des Sommersemesters das Hochschulreformprogrannn in endgültiger Form zu beschließen. Par- tei und frei« Gewerkschaften sollen um ihr« Mitarbeit bei der For- mulierung angegangen werden. Den Abschluß des Verbandstages bildete die Neuwahl des gefchäflsführendeu haupivorsiaades. Der bisherige erste Vorsitzend«, Dr. Otto Friedlaender. legte sein Amt nieder. Der Verhandlungsleiter des Vertmnbstagcs, B oh- mann- Wien, sprach dem bisherigen Vorsitzenden den Dank des gesamten Verbandes ftir seine Tätigkeit aus. Während seiner fünf- jährigen Tätigkeit im Dienste des Verbandes hat er dazu beige- tragen, den mächtige» Aufstieg der Organisation an Zahl und Quali- tat der geleisteten Arbeit zu ermöglichen. Unter dem Beifall oller Delegierten wurde Dr. Friedlaender zum Bettat des neuen Vor- standes gewählt. Als erster Vorsitzender wurde Kurt B e r l o w i tz- Berlin mit allen gegen 11 Stimmen bei einer Stimmenthaltung gewählt. Als weiter« Mitglieder des geschäftsführenden Hauptvorstandes wurden gewählt: Wilhelm Tietgens mit 57, Martin Böttcher mit 40, Bruno Gleiße mit 38, Ratan Lettes mit 36 Stimmen. Der neu« Vorsitzend« sprach den Wunsch nach einer Fortsetzung des organisatorischen Aufstieges aus. Er mahnte aber zugleich, über den organisatorischen SpezialProblemen nicht den Zusammenhang mit der großen Gesamtbewegung, der Partei und den Gewcrk- schaften. zu vernachlässigen und zu kämpfen als dienendes Glied im großen historischen Prozeß des proletarischen Klasienkampfes. Mit dem gemeinsamen Gesang der„Internationale" wurde der Verbandstag am Sonntag abend gefchlosiei». «» » Gleichzeitig mit dem Verbandstag der„Sozialistischen Studenten- schaft Deutschlands und Oesterreichs" fand ein« erweiterte Exekulw- komitee-Sitzung der Internationalen Sozialistischen Studentenföderation statt, an der die Vertreter von 10 an geschlossenen Landesorganisationen und«in Exekutiokomftee-Mttglied der„Universitz? Labour Federation" teilnahmen. Der Sekretär Dr. Friedaender erstattete den Tätigkeitsbericht und konnte außer den Gruppengründungen in Budapest und Madrid, von wo Ver- treter anwesend waren, die Beitrittserklärung der schwedischen Organisation mfttellen, als deren Vertreter Genosse Dr. M a l m st e n an den Beratungen teilnahm. Di« Berichte der einzelnen Lande?- Vertreter entwarfen llber die Lag« in den Diktaturländern Litauen, Ungarn und Spanien«in anschauliches und ernstes Bild. In Litauen beispielsweise befindet sich jetzt noch nahezu die Hälfte der ftonrnoer Gruppenmilglieder im Gefängnis. In Ungarn ist ein offizielles Arbeiten nicht möglich, ebenso in Spanien. Auch in Polen sind die Schwierigkeften groß. Dafür ift in England nach den Wahlen ein starker Aufstieg.zu verzeichncr, und auch in Frankreich, Belgien, Tschechoslowakei, den bolttsche» Randstoaten usw. schreitet die Bewegung gut vorwärts Ein Trefsen der nordöstlichen Gruppen soll im Januar in Tain(Dorpat) und ein deulsch-polnisch-tschechisches Treffen im Frühjahr in Schlesien stattfinden. Ein großes Westtrefsen ist zu Pfingsten in Ostende ge- plant, und ein« internationale Schulungswoche gegen End« des Som- inersemestcrs in der Tschechoslowakei. Das Sekretariat wurde beau'° tragt, zwecks Zeitschriftenvermittlung und Studentenaustausch die erforderlichen Schrttte einzuleiten. Zum Schluß der Sitzung wurden zwei Rcsoluionen angenommen, die sich gegen den«n u m c r» clausus" in jeglicher Form und die mit den Bestrebungen zu feiner Einführung verbundenen Krawall«, vor allem aber auch gegen den Hochschulfajchismus, besonders in Italien, Litauen, Ungarn und Spanien, wenden. Abriß der Spiiielkolonnaden eingestellt. Auf Beraniassung des Finanzminisieriums. Di« Abrißarbetten an der südlichen Spittelmarkttolonnade sind seiteinigen Tagen wieder eingestellt worden. Bisher hatten die Arbeiten überhaupt nur wenig sichtbare Fortschritte gemacht, da man sich aus Veranlassung der Preußischen Bau- unb Finanzdirektion zunächst damit beschäftigte, den wertvollen Ornamentschmuck»N Gipsabgüssen und Photographien für einen späteren Wiederaufbau zu erhatten. Daneben fanden genaue Ausm-siungen des historischen Bauwerks statt, da man befürchtete, daß bei den eigentlichen Abrißarbetten größere Bauteile beschädigt werden würden. Die Einstellung der Arbeiten ist, wie wir hören, auf B e r änlassung des Preußischen Finanzministeriums erfolgt, jedoch soll an dem grundsätzlichen Beschluß, die Kolonnode zu beseitigen, keine Aendcrung erfolgt sein. Ob finanzielle oder städtebauliche Momente für diese zeitweilige Einstellung der Arbeiten ausschlaggebend sind, war bisher nicht festzustellen. Weller für Bertin. Teils heiter, teils wolkig, meist trocken, nachts leichter Frost, am Tage Temperaturen emla« Grade über Null, mäßig« nordwestliche Winde. Für Deutschland: Im größten Teil des Reiches trockenes und ruhiges Wetter, nur im Nordosten veränderlich und im Alpenvorland trübe, mit Schnee- und Regen- fällen. Lerann»°rtl.'llr die SI«!>aktion:«-ltaaag Sellin:»n»iigkn: Ih. SloNe. Bttlin B-rt-a: Vorwär»» Verlag».Mb H.. Berlin»ruck! Varwiirl,«u». «ruckerel und verlagsanltalt Paul Singer(c Co Berlin£58 88 Linden liralle 8. Lienu t Beilage. HONIGKUCHEN WeihnachtsgrüOe... O.SO Oessart-Kuchen.... 0.50 Barlmar Happen.... O.SO Makronen-Kuchen..,. 1— PrinzeB-Kuchen..... t— Honig.Katharinchen.. 0.40 c:*. Schokoladen-Kuchen. 0.60 ®* Z IP"alBar Lebkuchen.. 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Dezember 1929 SivAbnid SttnJeKtkQnfo Wjj\/r*+u>tLri± Berlin in der Welt voran als Bierstadt nämlich! 37 801 B«rlin, bt< �auptstabt bes Deutschen Reiches, die brittgrößte Stabt bsr Welt, kann heut« nicht nur auf gewaltig« Fortschritte unb Spitzenleistungen in großstädtischer Organisation, Verkehr, Bau- wesen unb Technik hinweisen, sonbern es genießt leibcr auch ben traurigen Ruhm, in den letzten Jahren als Alkoholprobuzent und als Akkoholkonsument bcn R e k o r b im eigenen Lande unb wahrscheinlich auch in ber Welt geliefert zu haben. Es ist eine wenig rühmliche Tatsache, daß die„klassische" Bierstadt München von Berlin längst überflügelt warben ist. Nach ber letzten Verbraucherstatisttk ist zunächst die Berliner Bierproduktion ungeheuer gewachsen. Es wurden hier im Braujahr 1928/29 im Stadtkreis Berlin 5,2 Millionen liekto- liter gebraut, im Stadtkreis München nur 3,2 Millionen Hektoliter. Erst sämtlich« Braubezirke des Landesfinanzamtes München(ein- schließlich Augsburg) ergeben«ine Jahresproduktion von 6,9 Millio- nen Hektoliter. Interessant ist in diesem Zusammenhang« vielleicht folgende Größenstatistik: euÄht, Produktion 1928/29 Zahl der 0 00 in Will, hl Brauereien Berkin......... 5,2 München(Stadt)...... 3,2) „(Stadt unb Land).. 6,9 j Nürnberg......... 4,6 1834 Münster......... 3,9 89 Bedenkt man, daß Deutschland in zirka 26 340 Haus-, Zwerg-, Klem- und Großbrauereien rund 48 Millionen Hektoliter Bier im Jahre braut*), so zeigt sich in obiger Tabelle, daß dies« vier Bierstädt« des Deutschen Reiches mit einer verhältnismäßig kleinen Zahl von Brauereien annähernd die Hälfte der jähr- lichen Biermenge produzieren. Dos konzentrierte Großkapital ist mit seinen Troßbrauereien zur entscheidenden Großmacht der Bierproduktion geworden. Daran ist Berlin„führend" beteiligt. Es hat die wenigsten, aber die größten Brauereien. Durchschnittlich stellt jede Brauerei über 140 000 Hektoliter Bier her, dagegen jede Münchener nur 8700 Hektoliter, jede Brauerei in Münster zirka 43 000 Hektoliter. Auch an der Bierausfuhr, die für Deutschland im Jahr« 1927/28 etwa 568 000 Hektoliter, im Jahre 1928/29 Über 600 000 Hektoliter betrug, ist Berlin maßgeblich beteiligt. Erhebliche Mengen Berlmer Bieres— besonders von den Großbrauereien Schultheiß- Patzenhoser, Engelhardt, Löwcnbrauerci-Böhmisäies Brauhaus und der Schöneborger Schloßbmuerei— werden ins Aus- land exportiert. Die hauptsächlichste n Absaßgebietc für Ber- liner Biere find die Kolonialgebiete, Niederländisch- und Britisch-Indien, Belgifch-Kongo, Afrika, China und Aegypten. Es ist typisch, daß gerade diese Gebiete, die doch sonst von den kapita- listischen Kreisen als die unkultiviertesten angesehen werden, dazu ousersehen sind, ungeheure Alkoholmcngcn aufzunehmen. Aber es ist ja auch leicht verständlich, daß die Beherrscher dieser Kolonial- länder, die selbst kaum Bier produzieren, sich gern zur„kulturellen Beeinflussung" ihrer Untertanen mit der deutschen Bier- und Alkohol- bclieferung dienen lassen. Es ist nicht zu unterschätzen, das gerade die stark«in gebrauten Berliner Biere den imperia- listischen Interessen der Kolonialländer gute Dienste leisten. R o h st o f f l i e f e r o n t Berlins ist besonders die Tschechoslowakei für Malz und Hopfen. Auch aus der Mark Brandenburg und aus Schlesien wird Malz in größeren Mengen bezogen. Der jährliche Malzverbrauch Berlins beträgt zirka 90 000 Tonnen(zirka ein Fünftel des gesamten deutschen Malzverbrauchs). Im letzten Jahre ist auch der Malz- und Zuckerverbrauch der Berliner Brauereien gestiegen, sogar mehr als der Malzbierausstoß. Daraus ergibt sich, daß der Gehalt des Bieres ge- stiegen ist. Die Steigerung der Berliner Bierproduktion beruht fast aus- schließlich auf erhöhter Erzeugung von Starkbier aus kosten des Vollbieres. Von den vier Biersorten: Einfachbier mit zirka 6,5 Proz., Schank- bier(einschließlich Berliner Weißbier) mit 7 bis 8 Proz., Vollbier mit 11 bis 14 Proz. und Starkbier mit 16 und mehr Prozent Stamm- würzengehalt werden von dem gesamten Berliner Bierausstoh etwa 90 Proz. an Vollbier hergestellt. Das Anwachsen der Berliner Bier- industrie erschöpft sich also nicht nur in der Steigerung der produ- zierten Biermenge, sondem auch in der„qualitativen" Steigerung des Alkoholgehalts des am meisten produzierten Bieres! Erschreckend sind in Berlin in den letzten Iahren auch die Aus- Wirkungen der verstärkten Bierproduktion auf den A l k o h o l v e r- brauch— besonders in Berlin selbst— geworden. Das zeigen mit aller Deutlichkeit solgende Zahlen, die zugleich«in Maßstab für das Anwachsen von Not und Elend des Großstadtl.'bens find: Ende Dezember 1928 wurden in Berlin 19 38 9 Gast- und Schankwirtschaften festgestellt. Dabei sind die zahllosen, nur flaschcnwcise Alkohol verkaufenden Weinhandlungen usw. nicht mitgerechnet. Ferner sind nicht einbezogen die vielen Lebens- mittel- mrd anderen Geschäfte, die Flaschenbiere verkaufen: hier kann man etwa jedes zweite Lebensmittelgeschäft hinzurechnen. Es wird nicht zu hoch gegriffen fein, wenn man für Berlin etwa 25 000 Gewerbebetriebe a l s im Dienste des Alkohol- k a p i t a l s stehend bezeichnet. Wie ungeheuer tue Wirkung dieser vielen Alkoholbctriebe Berlins ist, erkennt man erst deutlich aus einem Vergleich mit der G« s a m t e i n w o h n« r z a h l von Berlin. Ende 1928 wurden in Berlin 4 296 400 Menschen gezählt.- Nach einer Statistik, die die letzte Ausgabe des Jahrbuchs deutscher Städte ver- ösfentlicht— und das stimmt mit obigen Zahlen annähernd über ein—, entfallen in Berlin 285 Einwohner aus eine Gast- oder Schwankwirtschafti Zum Vergleich sei erwähnt, daß nur noch acht deutsche Städte (u. a. Nürnberg mit 283, Frankfurt a. M. m't 254, Main; mit 217, Koblenz mit 161) Berlin in dieser Hinsicht übertreffen. In allen anderen deutschen Städten müsien erheblich mehr Menschen zu der Existenz eines Gastwirtes beitragen(z. B in Hindenburg in Schlesien *) Statistik aus: Theo Gläß, Zahlen zur Alkaholfrage. 1928. 1070, in Gladbeck 1020 Menschen). Wie sehr Berlin mit alkoholischen Gaststätten übersät ist, geht auch daraus hervor, daß bei den Be- ratungen des neuen Schank st ättengesctzentwurfs, der gewiß nicht befriedigend iin Sinne der Abstinenzbestrebungen ist, für die künftige Bewilligung von Wirtshäusern der M a ß st a b von 4 00 Esnwohnern auf eine Schankstätte genommen werden soll. Berlin überbietet diesen Maßstab also erheblich! Diese ungeheure Entwicklung Berlins zur„führenden" Vierstadt des Deutschen Reiches hinterläßt naturgemäß ihre nachhaltigsten sozialen Schäden. Wohnungselend und Massenelend stehen natürlich in engstem Zusammenhang mit dieser Ausbreitung des Alkoholismus. Und wenn man bedenkt, daß nach der letzten Ber- liner Berufszählung(aus dem Jahre 1925) mehr als zwei Fünftel nämlich 41,3 Proz. der Gesamtbevölkerung dem Arbeiterstand« und 27,8 Proz, den unteren Angestellten- und Bcamtenkreisen angehören, so versteht man auch, daß gerade in dieser Großstadt Berlin, die überwiegend eine P r o l« t a r i e r st a d t ist, der sozialistischen Abstinenzbewegung die dringendsten und wichtigsten Aufgaben ge- stellt sind. Der gewaltige Berliner Großstadtverkehr fordert täglich eine Menge Menschenopfer durch Unfälle, an denen immer wieder König Alkohol zum Teil Schuld trägt. Die über 19 000 Ber- siner Kneipen sind die Unglücksstätten, in denen täglich von neuem armen Proletariern die letzten Groschen aus der Tasche gelockt werden. Und an den Türen dieser„Gastwirtschaften, an den Straßenecken, in den Fluren und in den Elendswohnungen mehrt sich täglich die Zahl der hungernden Frauen und Kinder, denen der Fluch des Alkohols Tränen statt Brot bietet! Das sieht der Fremde nicht, der Berlin besucht und seine Eleganz und seinen Fortschritt bewundert. Aber wenn er mit wachen Augen durch die Straßen dieser Weltstadt geht und einmal über die zahllosen Wirtshäuser nochdenkt, dann wird er fühlen, daß hier aus der Not ein Ge- schüft gemacht wird. Wer etwa meint, daß dos große Berliner Alkoholkapital wenigstens einen bedeutenden Teil der allgemeinen öffentlichen Lasten und Steuern trägt, weil es doch tatsächlich das Gewerbe und das Geschäft Berlins ist, der irrt: von dem gesamten eigenen Steuer- auskommen Berlins im Rechnungsjahre 1927 von 298,4 Millionen Reichsmark' entfielen auf die G e t r ä n k e st e u e r 9,4 Millionen Reichsmart(dos ist nicht mehr als auf die Hundesteuer)! Dafür können die Berliner Brauereien ihren eigenen Beutel recht tüchtig füllen und Dividenden von 20 bis 23 Proz. ausschütten. verlin hat Geld für 5.2 Millionen Hektoliter Vier im Jahre: aber Verlin konnte sich im Jahr« 1928 nur 4,15 Millionen Hektoliter Milch leisten, und Milch kostet nur den dritten Teil von Vier. Milch stillt den Hunger und heilt die Kranken und macht die Kinder stark. Bier zerfrißt die Nerven und den Körper und raubt die Besinnung über sich selbst und die Klasscnlage des Proletariers, die in Berlin furchtbarer ist als irgendwo sonst. Berlin, die Stadt des Fortschritts und der Kultur, Berlin, die Weltstadt der Rekorde und des Glanzes, genießt einen traurige» Ruhm— als Bierstadt. Die obengenannten Zahlen sprechen ein« deutliche Sprach«. Es gilt in höchster Not und Gefahr einen Kamps, den sich die organi- sierte Arbeiterschaft in erster Linie zu eigen machen muß Es ge- nügt nicht, daß die Arbeitexabftinenten allein bleiben: Die Sozial- demokratische Partei und die Gewerkschaften müssen helfen! Es geht um die wertvollsten proletarischen Güter, es geht um die Er- Haltung des Proletariats selbst! lleinr Krüger, Berlin. Hef stumme Unbekannte Auseinandersetzung mit dem Kinokonsumenten/ Von Alexander Gidoni Alexander Gidoni war drei Jahre lang künstlerischer Leiter eines der größten sowjetrussischen Filmunternehmen. Wenn er schließlich Sowjetrußland verließ, so aus dem Grunde, weil er, der Nichtkommunist— Gidoni ist alter So- zialist—, die Parteidiktatur nicht länger ertrag.sn konnte. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die deutsche Kinematographie alle Voraussetzungen für die Entwicklung einer erstklassigen Pro- duktion hat. Trotzdem steht sie in einer schweren Krise. Unschlüssig- teit, Mangel an einer klaren Vorstellung über die für die Entwick- lung erforderlichen Wege. Spaltung und Verworrenheit der künst- lerischen Richilinien und, noch öfter, Konzessionen an den rück- ständigen Geschmack— das sind die Merkmale des größten Teils der letztjährigcn Produktion. Die Produktionsleiter führen diese Krise hauptsächlich aus die unsicheren Zustände des Verleihs zurück, die ihre Ursache in dem Zusammenprall zwischen Tonfilm und stummem Film haben. Die Folge ist ein Umherstapfen auf demselben Platz,-ine Politik des Laucrns. bei der die Unlcrnchmer einander angstvoll in die Augen schauen in Erwartung des erlösenden Worts. Aber niemand wagt, dieses erlösende Wort auszusprechen, und die Zuschauer werden bis dahin zu 75 Proz. mit der Wiederaufführung alter, längst bekannter, aus den Verleiharchiven geholter Filme abgespeist. Der Zusammenstoß zwischen dem stummen Film und dem Ton- film mußte selbstverständlich zu einer gewissen Erschütterung führen. Wir nehmen ober an, daß diese Erschütterung bereits überwunden ist, daß der Z u s ch a u e r sich während dieser Zeit sozusagen gegen den ersten Eindruck der kincmatographischen Neuigkeit immunisiert Hot. Es war falsch, anzunehmen, daß die ein« Art des Films die» andere zugrunde richten müßte. Wir beobachten gerade das Gegenteil: in den letzten Monaten haben einige verhältnismäßig gelungene neue stumm« Filme ein« sehr gut« Auf- nähme gehabt und brachten«inen nachweisbaren niateriellen Ersolg. In der gleichen Zeit sind einig« Tonfilme mit großem Krach durch- gefallen— trotz der sie begleitenden Reklame. Es geschah also, daß der Ersolg kam, wo man ihn am wenig- sten erwartete, und daß der Durchsall dort überraschte, wo die Unter- nehmer und ihre Regisseure sich um den Kassenerfolg am meisten bemüht hatten. Wie kommt das? Nach unserer Uebcrzeugung daher, daß die Unternehmer und Regisseure keinen Konlakt mit dem Publikum haben. Ihr grnnd- legender, durch nichts auszurottender Fehler besteht in der Annahme, dem Zuschauer vorsetzen zu können, was ihnen gut genug für die Mass« dünkt. Dem Regisseur wird auf Grund von Vereinbarungen zwischen Unternehmer und Verleiher auferlegt, Filme herzustellen, die weder im künstlerischen Sinn noch durch die Logik des Lebens oder durch den einfachen Menschenverstand gerechtfertigt sind. Ver- sagt dann der Erfolg, so sucht man die Ursache in allerhand Aeußer- lichkeiten, statt in der eigenen Unzulänglichkeit, und kommt schließlich zu der Ausrede, der Mißerfolg sei zu erklären, weil der Film ein stummer war /■ * Am wenigsten ist da? der Fall! Das Unheil liegt nicht in dem Zusammenstoß zwischen dem sprechenden und dem stummen Film, sondern vielmehr darin, daß der Zuschauer stumm blieb, daß der Hersteller des Films in seinem künstlerischen Konservatismus völlig erstarrt ist. Für den Film, der ja zu den noch im Fluß befindlichen Gattungen der Kunst gehört, bedeutet das den Tod. Unbedingt. Es gibt für das Kino nur einen Weg zur Rettung: eine neue Auffassung der Dinge! Die amerikanische und die sowjetl- stische Kinematographie sind sich dessen seit langem bewußt. In Amerika und in der Sowjetunion strömen dem Film immer neue Menschen, neue Kräfte zu, die neue Ansichten und neue Me- thoden für die Organisation der Bilder mit sich bringen. Es scheint paradox, ober diese neuen Kräfte werden aus den Reihen der Amateure geliefert. Regisseure wie S. de Mill in Amerika, wie Eisenstein und Pudowkin in Rußland haben öfters betont, wie wichtig dieser Zu- ström von neuen Arbeitskrästen für das Kino ist. Einen schlagenden Beweis für die Richtigkeit dieses Urteils bietet die Amerikanische Gesellschaft der Kinoamateure und die Gesellschaft der Freunde der Sowict-Kine- matographie(? OLK). Die Gesellschaften und ihre zahlreichen Filialen in Amerika und in Rußland sind die Quelle jener öffentlichen Initiative, die auf die Organisation der Kinoproduttion hinzielt. Diese Gesellschaften wirken fördernd auf die Entwicklung des künstlerischen Geschmacks in den Massen und auf die Kenntnisse in den Fragen der Kinematographie. -In Amerika wird die Chronikabteilung in einem großen TeU der Fälle durch solche Amateur« bedient. Eine Unmenge Amateure finden als dauernde Chronik- berichtcrstatter der großen Kinogesellschasten ihr Auskommen. Die Vielseitigkeit, Aktualität und relative Objektivität des für die Chronik bestimmten Materials ist dadurch am besten gesichert. Man könnte weiter«ine Reihe größter amerikanischer und sowjetisttscher Filme nennen, deren Regisseure solche gestrige Amateur« waren(Nanuk, Tschang, Verbannung usw.). In der Sowjetunion wurde in den Sitzungen mrd Diskussionen der Gesellschaft der Freunde der Sowjetistischcn Kinematographie der unmittelbare Kontakt zwischen den Produzenten und ihren Kon- sumenten hergestellt. Der amerikanische Regisseur führt seinen Film, ehe er ihn der Oeffentlichkcit übergibt, vor solchen Zusckzauern vor. ,» In Deutschland gibt es eine große Anzahl von Photo- zirkeln. Di« werktätigen Massen beschäftigen sich als Amateure mit der Photographie. Heutzutage Ist aber die Photographie nur eine Uebergangs- stufe zur Kinematographie. Der Preis eines Amateur- kinoapparates ist in Deutschland für einen ziemlich weiten Kreis der Slmateure erschwinglich. Ein paar Wochen genügen, um die Hand- habung dieses Apparates zu erlernen. Di« Chemikalien und die Bearbeitung des Films iin Labo- ratorlum sind in Deutschland ziemlich billig. Unter diesen Umständen muß man an die deutschen Photo- amateure die Frage richten: Warum interessieren Sie sich nicht prak- tisch für die Kinematographie? Warum führen Sie nicht durch, was unter vlelschlechterenVerhältnisseN'nderSowjet- union durchgeführt wurde? Solange die Ocfsenllichkeit dem Film kein aktives Interesse entgegenbringt, wird sein« Entwicklung(und er ist immer un- künstlerischer geworden) von dem Zufall und den Launen eines unzulänglichen Filmmagnaten abhängig bleiben. Nur wenn der Zuschauer aufhört, die st u m m?""R olle zu spielen, wenn er sich zusammenschließt und als Organisation das Gewicht seines Geschmacks und seines Kritikerwillens in die Wag- schale wirft, wird es gelingen, aus dem Kinosumpf herauszukommen und die Produktion zu beeinflussen, wie das beim Radio der Fall ist. Bei der Wochenschau ließe sich der Anfang machen. Ist erst einmal ein Anfang gemacht worden, dann werden die Unternehmer sich, hüten, die Wsslens- und Meinungsäußerungen der aktiveu Massen der Zuschauerorganisation zu mißachten Iii. (2. Fortsetzung.) . jüi cm IM öuOfi Vertreter. Sie rasen durch Städte und Sie haben die Energie eines Danke« und den Spürsinn nes Hundes. Sie sind weis« wie die biblisch« Schlange, sind schlag- fertig, ersinderisch, geduldig. Manche von ihnen sind vollendete Red- ner: Gombettas, Briands: die anderen sind seine Psychologen. Sie teilen die Menschheit in mehrere Kategorien«in: solche, die ein Auw sofort kaufen, solche, die es in 6 Monaten kaufen, schlietzlich solche, die es in einem Jahr taufen. Menschen, die sich nie ein Auto kaufen, existieren für die Vertreter nicht. Sie glauben an das menschliche Glück und an den Fortschritt. Dieser Farmer hat seine Erbsen vorteilhaft oerkaust, er kann das Auw sofort kaufen. Der junge Arzt hat schon die ersten Kranken, folglich wird er in sechs Monaten für einen entzückenden Wagen reif sein. Und mit dem Bäcker wird man bis zum Frühjahr warten müssen. Fünftausend Vertreter schleifen durch das glückliche Frankreich das neu« zehn Pferdekräfte starke Glück. Sie senden ihr« Berichte nach Paris. Sie haben die Ausdauer und Leistungsfähigkeit von Maschinen. Sie bitten nur um das eine: billiger, noch billiger! Dieser Bäcker, er kann unmöglich, und auch dem Arzt ist es noch schwer. In der Provinz zahlt man ja nur 1l) Franken für den Besuch. Frankreich ist ja nicht Amerika. Herr Citroen weiß auch, daß Frankreich kein Amerika ist. Und doch kostet in diesem goldenen Amerika ein Auto nur halb soviel. Was soll man wn? Die Preiskurve strebt noch immer aufwärts. Sogar Bonbons und Veilchen find teurer geworden. Eine schwere Aufgabe lastet aus den Schultern Herrn Citroens. Er muß allen Automobile geben, allen. Es dreht sich nicht um Bestellungen, son- Hern es ist ein Gelübde, es muß eingelöst werden. Herr Citroen erzeugt kleine Spielzeugautos als Reklame. Die Kinder wünschen sie sich zu Weihnachten. Holzpferde sind schon längst aus der Mode gekommen. Jetzt spielen die Kinder mit den Ge- schwindigkeitshebeln. Aber die Kinder wachsen. Bald haben sie ihr Lieblingsspielzeug satt. Bald sucht sie einer von den 5000 aus. Wenn sie sich kein Auto kaufen könn«n, werden sie Menschenfeind« oder, was noch ärger ist, Kommunisten. Herr Citroen muß Frankreich vor dieser verderblichen Enttäuschung retten. »* In den Werkstätten nageln die Angestellten Kundmachungen an:„Opfer sind notwendig. Die Direktion hat es begriffen, jetzt müssen es auch die Arbeiter verstehen...* Herr Citroen ist von Opfergeist«rsüllt. Seife oder Zwirn können teurer werden— das sind ausgediente Veteran«». Sie gehen in das Leben des Menschen ein mit seinem ersten Wort, mit der zerrissenen Hose und dem warmen Schwamm. Sie sind allgemein anerkannt wie die Sonne oder die Polizei. Seife oder Zwirn zu erzeugen, ist ein ehrenwertes, aber unendlich langwelliges Geschäft. Herr Andre Citroen ist Apostel des neuesten Testaments. Er predigt, daß ein Auto wichtiger ist als Ruhe. Seine Vertreter verteilen unter die Gläubigen soundsoviel Tonnen Eisen und soundsoviel Gramm Unruhe. Dafür bringt Herr Citroen jedes Opfer. Er ist bereit, länger« Zeit auf den Profit zu warten. Ja, er ist dazu bereit.„Jetzt ist di« Reih« an den Ar- beitern." * Um Automobil« zu verkaufen, braucht n«n Vertreter Um die 'Welt zu regieren, braucht man Dichtkunst, Chemie, sorgfältige Se° Icktioni es ist notwendig, manchem Soldat«n das Ehrenzeichen zu verleihen, manchen Sozialisten in die Ehrenlegion aufzunehmen, es ist nptwendig, zur rechten Zeit einige diskret« Schecks auszustellen. Herr Citroen kümmert sich übrigens nicht um die Politik. Er träumt nickst von einem Sitz in der Kammer, er unterstützt nicht die rechts- orientiert« Presse, er gründet keine.Liga des vereinigten Bürger- tums". So etwas liegt ihm fern. Er steht über diesen Dingen. Er erzeugt Automobile in Serien. Wie der Allmächtig« kennt er weder Juden noch Christen. In seinen Fabriken arbeiten Schulter an Schulter alte Patrioten und erbitterte Kommunisten. Herrn Citroen interessiert nur das eine: Die Geschwindigkeit. Für den Verkauf schafft er den Vertreter, für die Produktion den Vorarbeiter. Der Vorarbeiter kann auf Marktplätzen oder in den Kliniken demon- striert werden:„Ein äußerst infpreffantes Exemplar, die lebende Maschine!* Der Vorarbeiter sorgt nicht für Ordnung, er steht nicht am Band. Er zeigt nur. er zeigt, wi« leicht der Mensch vergessen kann, daß er«in Mensch ist. Josef Lebon ist«in ausgezeichneter Vorarbeiter. Er unt«rrichtet die Arbeiter aus der Montageabtellung. Wie lange braucht dieser Bursch da mit seinem Handhebel? Vier Minuten? Lebon macht sich an die Arbeit. Rasch ist der Hebel eingesetzt, die Schrauben sind befestigt. Eine Minute 40 Sekunden. Der Betriebsleiter setzt fest: Für den Durchschnittsarbeiter genügen zwei Minuten.— Der Vor» orbeiter geht weg, er zeigt anderen Arbeitern andere Dinge. Der Arbeiter bleibt bei den Handhebeln. Was der Vorarbeiter eine Viertelstunde lang macht, macht er acht Stunden, acht Jahre hinter- einander, vielleicht das ganz« Leben hindurch. Der Arbeiter schaut den Rücken Lebons an und murmelt: Du Schuft! Lebon hassen sie alle. Herr Citroen ist weit, er ist beinahe ein Mythos, ähnlich wie der Herrgott oder das Ministerkabinett. Auch .die Ingenieure kann man schwer hassen. Sie müssen ja auch leben; si« wissen auch nicht, was das heißt, den ganzen Tag die Schraube anzuziehen. Lebon aber ist einer von ihnen. Er ist auch«in Ar- beiter, er bekommt nur um einen Franken mehr als die anderen. Cr ist an allem Schuld, an diesem Band, an den Sekunden, an der verfluchten Stumpfheit am Abend, wo man weder lachen, noch sprechen, noch einschlafen kann. Den Offizieren macht man eine Ehrenbezeigung, die Namen der berühmten Schauspieler kommen in die Zeitung, ein guter In- oenieur wud fortwährend zum Direktor gerufen. Josef Lebon lebt unter den Arbeitern, und die Arbeiter hassen ihn. Er arbeitet wie sie. vielleicht noch mehr, er schafft neue Rekorde, über die die In- genieure staunen müssen. Er kann den ganzen Tag arbeiten, ohne sich vom Fleck zu rühren, ohne aufs Klosett zu gehen. Er kann das Schlafen und das Essen vergessen. Seine Hände sind nicht wi« ander« Händ«, sie sind Zangen, Bohrer, Hämmer, und an Stelle des Herzens hat er einen Motor. Don seiner menschlichen Abstanimung zeugen nur der Taufschein und«in Muttermal. Er erinnert sich nicht an sein« Kindheit. Er ist ebenso neugeboren und göttlich wie das Auto. Aber hier beginnt die Ungerechtigkeit. Vom Auto träumen all«. Sogar di« Arbeiter betrachten beim Verlassen der Werkstätte neidvoll di« Wagen der Ol>ermg«nieure. Sogar die Arbeiter vergöttern das Auto. Wenn sie ab«r Lebon begegnen, spucken si« aus. Und da stellt sich heraus, daß Lebon doch nur unvollkommen ist. Er hat außer dem Motor noch überlebt« Gefühle, und sein Gesicht kann sich vor Krän- kung verzerren. Jetzt verläßt er das Tor, er sieht Durand, den Dreher:„Komm mit aus«inen Schnaps! Ich zahl's." Aber Durand murmelt:„Ein anderes Mal, Hab gar keine Zeit heute." Durand hat Schnaps sehr gern, aber er fürchtet mit Lebon gesehen zu werden. Und Lebon oersteht es. Er schimpst leise. Traurig wandert er über die Straß«. Eile hat er keine. Jetzt ist es Abend. Das Schlafen brauchte er niemandem vorzumachen, das weiß jeder von selbst. Er bemerkt sein Spiegelbild in einem Schaufenster. Ein gewöhnliches Gesicht, roter Schnurrbart, Sommersprossen. Freilich, er ist ein ganz ge- wohnlicher Mensch. Aber wenn er sich den Arbeitern nähert, weiten sich ihre Pupillen vor Entsetzen, als ob sie den Tod sähen. Ein lustiges Amt das, den Tod zu spielen! Er tritt in ein Wirtshaus ein; am Schanktisch stehen Arbeiter, die er nicht kennt. Er spricht mit ihnen, er bestellt für jeden ein Gläschen, er drückt ihnen die Hand. Er schlürft seinen Schnaps hinunter, langsam, verträumt. Er möchte allen etwas Angenehmes sagen:„Es wird schon Frühling, so warm!" Er zeigt aus ein vorbei- gehendes Mädchen:„Nicht übel, was?" Er beklagt sich:„Müde bin ich, diese Rackerei!" Abeff-da oernimmt er von hinten eine Stimm«:„Das ist der Vorarbeiter aus der Montage, bekannter Schuft!" Lebon wirst die Münzen auf den Schanktisch und geht rasch hinaus. Er wandert über den einsamen Kai. Kalt glänzt das Wasser; es gibt viele, die da hineinspringen. Beleuchtete Fenster. Dort ist es gemütlich,— Grammophon, Karten. Der Teufel soll sie alle holen. Vom Schnaps kann Lebon nicht lustig werden. Wenn er wieder ins Gasthaus geht, werden wieder alle trinken und ihn dann beschimpfen. Wenn er sich«in Mädchen nimmt, sagt sie am End« auch: Du Vorarbeiter! Und überhaupt ist er so müde. Er muß schlafen, borgen wird er zeigen, wie man in 30 Sekunden Ringe aushängt. Aber er biegt nicht«in in die Straße rechts. Cr' geht nicht noch Haus«. Er steht aus der Brück« und blickt hinunter. Noch immer glänzt das Wasser kalt und böse. Josef Lebon ist ein gewöhnlicher Mensch. Er kann so nicht leben, er ist sehr unglücklich. Der Wachmann bemerkt den Mann auf der Brücke. Der Wach- mann weiß, daß dort unten niemand fischt, daß dort kein Schiff ausgeladen wird. Unten ist nur das kalte Wasser. Der Wachmann steht schon vier Jahre an dieser Ecke. Er weiß, warum die Menschen so aufmerksam hinunterstarren. Mit gewohntem Schritt geht er «ms Lebon zu. Herr Citroen spricht:„We wir es vorausgesehen haben, entwickelt sich der Betrieb sehr zufriedenstellend. In dem Berichtsjahr betrug der Umsatz 1 200 000 000 Franken bei 73002 erzeugten Automobile» gegenüber einem Umsatz von 1 005 000 000 Franken im Voriahr«.. Herr Citroen atmet schwer. So heiß ist der Iunitag. Nebenan heulen, knattern und stampfen Taufende von Maschinen. In ihren Stimmen sst alles enthalten: Die Nacht der lothringischen Schächte, die Hitze der Kautschukplantagen, die schwere Lust der Naphthatürm« irgendwo weit in Venezuela, und auch das Gleiten dieses eifern«» Bandes, das hinter der Mauer läuft. In ihren Stimmen zittert die Agoni« von Millionen Menschen, die lebten und gestorben sind, um diese Automobile zu erzeugen. In ihren Stimmen rasselt das schwere Atmen des Herrn Citroen und der pfeifende Atem des schwindsüchtigen Schleifers. Herr Citroen holt Atem und setzt leidenschaftlich fort:„Und gegenüber 872 000 000 Franken vor zwei Iahren." IV. Der Farmer hat längst sein Auto. Vor Ostern kaufte der junge Arzt em.Kabriolet". Gestern hat sich endlich der Bäcker ergeben. Er hat den Bestellschein unterschrieben, den ihm der redselige Ver- treter vorgelegt hat. Dabei lächelte der Bäcker ganz geheimnisvoll, ganz faustisch. Uebrigens ist er ein gewöhnlicher Bäcker aus dem Markt Montries. Herr Citroen erfüllt tapfer sein« Sendung. Bald wird selbst der schwindsüchtig« Schleifer seinen eigenen Wagen haben. Der Arme— wenigstens im Sterben wird er begreifen, wozu er gelebt hat. Aber je länger der Spieler spielt, desto dunkler liegt die Zu- kunst vor ihm. Ein Frankreich— ein Auto auf 42 Einwohner. in Amerika auf 5. Der Spieler spielt eine neue Karte aus. Der Apostel geht unter die starrköpfigen Haiden. Er führt keine Wunder- Heilungen vor, kein Donnerrollen, keine Blusstygmata Doiür ist er schlagfertig und erfinderisch. Wie kein anderer weih er den neuen Gott zu preisen. Die Leute sagen, in Paris, da gibt es das Parlament, die Venus von Milo, den ägyptischen Obelisk, hervorragende Schneider und».je allweise Sorbonne. Der Fremde, der zum«rsteninal am späten Abend nach Paris kommt, wenn die Venus und die Professoren der Sorbonne längst schlafen, sieht nur ein Wort vor sich. Es stammt auf dem Eiffelturm in meterhohen Buchstaben. Das ist die Visiten- karte des Herr» Andre Citroen. Der große Name leuchtet. Um ihn züngeln Blitze, und von der Erde zum Himmel streben mystische Flammen. Es sind 200 000 elektrische Birnen und 90 Kilmneier Draht. Das ist die neue Offenbarung, die Tafeln von Sinai: Denk daran! Auch du mußt unverzüglich das neue Modell kaufen— 10 PS. B..." Die Roupenautomobile des Herrn Citroen haben die«ahara durchquert. Das war eine außerordentlich romantische Expedition. Als sie di« Automobile Citroens erbllckten, stürzten Neger und Löwen zu Boden. Dichter schrieben herrlich« Bücher, Maler brachten aus Asrika exotische Bilder mit. In allen Kinos der Welt lief der Film: Der schwarz« Uebergang. Herr Citroen bracht« den Film sogar in die Deputiertenkammer. Auf der Leinwand stürzten sie nieder, die Neger und di« Löwen, auf der Leinwand leuchtete und flammte der große Name: Citroen, Citroen, Citroen... Herr Citroen lud die entzückten Abgeordneten zu sich, sein« Fa- briken zu besichtigen. Die ehrwürdigen Gesetzgeber, die Radikal- sozialen und die Sozialradikalen besichtigten die amerikanischen Pressen und auch das eiserne Band. Das war viel komplizierter als alle Entwürfe, Beratungen und Wahloerfohren. Die Abgeordneten verstanden: Herr Citroen ist wirklich ein großer Mann, er hält keine Reden,«r baut nur Autos. Uebrigens zu Ehren der so beredten Gäste hielt auch Herr Citroen eine kleine Ansprache, natürlich beim Dessert mit dem Becher in der Hand.(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. Ein Erdbeben, das Segen brachte. Bor einiger Zeit wütete in der Umgebung der chilenischen Stadt Astaburaga ein ziemlich heftiges Erdbeben, das zahlreiche Häuser zertrümmerte. Trotzdem wird das Beben von den Ein- wohnern Aftaburagas als Segen des Himmels angesehen, denn das Naturereignis hat einig« unterirdisch« Wasserläufe freigelegt, wo- durch die bisher höchst mangelhafte Wosserzusuhr der Stadt gesichert ist. Die erste Verhaftung in der Luft. Seit dem 15. November waltet der erste fliegend« Schutzmann Amerikas in Chikago seines Amtes, und nunmehr hat er fein« erste Verhaftung vorgenommen. Schon lange war der junge Flieger Jack S. Falkner verdächtig, zahlende Passagiere mit seinem Flug- zeug zu befördern, ohne im Besitz der hierfür erforderlichen Erlaub. nis zu fein. Als er dieser Tag« wiederum mit mehreren Personen ausstieg, folgte ihm der Flugpolizist und nach einer austegenden Jagd in den Lüften zwang ihn d«r Polizist zum Niedergehen, woraus er verhaftet wurde. Die Wisentherde im Kaukasus, die 1911 noch 1000 Köpf« Mite, ist nunm«hr gänglich ausgerottet, obgleich di« Sowjetregierung den Aufenthaltsort der Herde als nationales Schutzgebiet erklärt hatte. Ein« zoologische Expedition, Montag. 16. Dezember. B e r I i a. K.05 N. A. N'ataii; Der Waldlmf. 16.30 Lieder von Haas Hermann(Maria Toll. Sopran. Am Flügel: Der Komponist.) 17.00 Flötenlconzert(Alfred Licbtenstein. Flöte, und James Simon. Flügel.) 17 JO„Adalbert Stifter"(am Mikrophon: Gertrud Kanitz). 18.00 Ludwig Spitzer: Kinder, die Im Schatten leben. 18.25 Prof. Dr. A. Oofdsclunidt! Mexiko und Petroleum. 13.50 Unterbaltungsmnsik. 19.30 Als Einlage: Marga Röhn liest eigene Skizzen. 20-00 Unterhaltungsmusik. 20.30 Dr. Heinrich Strobel:„Veristiscbe Oper". 20.45 Kurzoper„A basso Porton"(Am unteren Hafen). Musik von Niecola Spinelli. 22.30 Funk-TaszunterriehC AnschlleBend bis 0.30 Tanzmusik, Bildfunk. Königswuaterbauseo. 16.00 Englisch. 17-30 Prof. H. J. Moser: Die Musik im evangelischen Oottesdiensi. 18.00 Pastor Tounessen: Ländliches Volksbildungswesen. 18.30 Englisch iiir Anfänger. 18.55 Prot. D. Schmidt: Schweinezucht und-mast. 19.20 Dr.-Inc. Petrl: Die Grundstoffe der Beton- und Citenbetonweisc. 2000 Violinkonzert Martha Lins.(Am Flügel: Egen Siegmünd-) 21.00 Welhnaehtsdlchtungen.(Sprecher; Erna Feld. Wolfgant Zflzer.) die vor einiger Zeit di« Wisent-Reservation bis in den letzten Winkel durchforscht«, fand nur noch«in paar Knochen, an deren Schuß- Verletzungen man feststellen konnte, daß die Tier«— ungeachtet der Regierungspatrouillen, di« das Gebiet überwachen sollten— Räuber- Händen zum Opfer gefallen sind. Ein Blinder als Rekordläufer. Ein blinder Student der Unwersität m Washington hör bewiesen, wie man durch Energie üb«r körperliche Mängel hinwegkomn:«» kann. Nach langem Training ist es dem siebzehnjährigen Howard Dent gelungen, alle Unioersitätsrekorde über kurze Strecken zu schlagen. Nach Ansicht des Sportleiters wird Dent noch auf den internationalen Kämpfen der Leichtathleten eine bedeutende Roll« spielen. Werbung mit Brandgeruch. Eine amerikanische Versicherungsgesellschaft venchicktc vor kurzem eine Werbedrucksache, aus deren Titelblo««in Gespenst aus «in hübsches Wohnhaus zeigt mit der Mahnung:„Denken Sie daran!" Schlägt man dm Faltprospekt auf, sieht man das Wohn- haus von Flammen umgeben und riecht sofort verbranntes Holz. Mit diesem Geruch wurde das Papier beim Druck imprägniert. Der Text lautet:„Wenn Ihr Heim nach verbranntem, von Wasser ge- tränttem Holz riecht wie dieser Prospekt beim Oeffnen, dann wird es wohl zum Abschluß einer Versicherung zu spät sein." Plutocrex. Jon hatte keinen Wintermantel. Aber er braucht einen. Schlendert so die Straßen entlang. An einer Apotheke vorüber. „100 Mark Belohnung", steht da in fetten Buchstaben- Jon bleibt stehen.„100 Mark Belohnung", liest er,„demjenigen, der mein Universalvertilgungsmittel Plutocrex ohne Erfolg an- wendet. Tötet Ungeziefer, Ratten, Mäuse, Maulwürfe, Hunde. Katzen usw." Und darüber ist ein großer, roter Totenkops gemalt. Ion geht in die Apotheke.„Plutocrex", sagte er,„ist wohl sehr giftig?' „Jawohl", nickt der Apotheker.„Man muß sich in acht nehmen." „Tötet es auch Menschen?" „Ja", sogt der Apotheker, und er sieht Ion an. Jon nickt.„Das brauche ich gerade. Wieviel würde geniigen, um einen Menschen zu töten?" „Ein Eßlöffel voll würde genügen", stottert der Apotheker. „Dann geben Sie mir zwei groß« Flaschen", sagt Ion. Der Apotheker weiß nicht, was er sagen soll.„Einen Augen- blick", stottert er, verschwindet im Laboratorium. Füllt zwei Flaschen mit Walser, klebt auf jede Seite da» Etikett„Plutocrer" und versiegelt die Flaschen. Dann geht er wieder zu Ion.„So", sagt er und gibt ihm die Flaschen. Jon zahlt. Und geht. 21m nächsten Tag hat er«inen Wintermantel. ..Woher so plötzlich?" fragt ihn semand. „Ach," sagt« Jon,„der Apotheker, der das Plutocrex herstellt, fühlte sich verpflichtet, mir eine Belohnung von 100 Mark auszu- zahlen." Die Tagung des Aufbaues. Kartellgeneralversammlung der Arbeitersportlcr. Unter die erste Etappe des Wiederaufbaues hat gestern die Kartellgeneralversammlung der Arbeitersportler Berlins den Schlußstrich gesetzl. 178 Delegierte, wovon 153 organisierte Sozialdemokraten waren und die restlichen nur noch nicht die organisatorische Bindung zur Partei gefunden haben, hörten den Bericht des Geschäftsführers Oehlschläger, der noch einmal all die Vorgänge, die im 3uni vergangenen Zahres zur Spaltung führten, Revue passieren lieh. Achtzehn Monate Aufbauarbeit, frei von parteipolitischen «tänkereien und persönlichen Reibereien, haben den Arbeitersport in Berlin wieder zu einem �anerkannten, vollwertigen Glied der modernen Arbeiterbewegung gemacht. Die beim alten Kartell ver- bl ebenen, inzwischen von der kommunistischen Zentrale für ihr« Parteizwecke vollständig reklamierten Sportvereine haben nichts un- versucht gelassen, um der neuousblühenden Arbeitersportbewegung alle erdenklichen Schwierigkeiten zu machen. Als Erfolg ihrer ver- lcumderischen Tätigkeit mußten die Kommunisten es erleben, daß im-m, als den nicht zentralorganisiertcn Sportlern, jede finanzielle Unterstützung von Reich, Staat und Stadt verweigert werden mußte. mährend den bundestreuen Arbeitersportvereinen und ihren Verbanden Gleichberechtigung widerfuhr. Oehlschläger schilderte den Wiederaufbau der einzelnen Sportorganisatio- n e n nach der Reinigung von kommunistischen Berufsrevolutionären und fanatisierten Schreihälsen, er zeigte, wie der RAST., der Rcichsarbeitersporttag in Berlin zum erstenmal wieder ieit Jahren das war, was er sein soll: eine Heerschau des Arbeiter- iports und wie schließlich die Sehnsucht der Sportler nach einer Berliner Arbeitersportschule vor der Verwirklichung steht. In 134 Vereinen mit 24 345 Milgliedern ist die wahre Einheitsfront hergestellt. Was darüber hinaus als sogenannte Arbeitersportvereine umher läuft, ist ein organisatorisches Anhängsel der Kommunistischen Partei, ist ein Sammelbecken für aufgelöste Rotfrontkämpferabteilungen und für historisch geworden: Rauchklubs, die die bezahtlen Organisatoren beim Abblasen von revolutionärem blauen Dunst unterstützen. Um Falschdeuwngen zu vermeiden: der Sportverein„Fichte" hat wirklich sein« bröckelnden Reihen durch R a u ch k l u b s verstärkt!— 24 345 bundestreue Arbeitersportler in Berlin! Diese Zahl ist um etwa 3000 zu niedrig gehalten, weil einige säumige Vereine die rechtzeitige Verarbeitung der Fragebogen unmöglich machten Trotzdem, dos bundestreue Kartell kann es sich leisten, die Stärke der ihm angeschlosienen Ver- bände in oller Oeffentlichkeit bekannt zu geben: hier sind die Zahlen: Nicht eingerechnet sind hier die Mitglieder unter 14 Jahren Wo ist demgegenüber eine amtliche, ohne.List, Lüge und Verleum- dung aufgestellte Mitgliederliste der rrrevolutionären Einheitsfrontler? Eine kurze, ernst.fachliche Diskussion bestätigte Oehlschlägers Geschäftsbericht: der Vorstand bekam ein- stimmig Entlastung. Einstimmig wurde auch der Vorstand des Kartells gewählt, man wählte die alten Mitglieder wieder. Erster Vorfitzender ist wieder Barthelmann, zweiter Richard Leh- mann, Schriftführer Franke. Beisitzer wurden Hensel und Backhaus, Revisoren Dewald, Brumierski, Maschke, Geschäftsführer blieb Robert Oehlschläger. Was Buck als Vertreter der Zentralkommisston für Arbeiter- sport und Körperpflege zur Begrüßung sagte, bestätigt: die Ver- sammlung in jeder Hinsicht: der Arbeitersport muß in Berlin wie anderswo sein eine Kampf- und Gc- sinnungsgemeinschaft, die in unerschütterlicher Treue zur zentralen Arbeitersportbewegung und ihren selbstgegebenen Gesetzen steht. „Fichte" und die IG. platzt! Kienbaum. Wundtke und langjährige wFicfate"mitglicder kehren zum Bund zurück. Die„Interessen-Gemeinschaft zur Wahrung der Einheit im Ar- beilersport"(zu deutsch: J.-G.~ Jammer-Gesellschaft!) entwickelt sich in Berlin zu einem„guten Förderer" der wahren Einheit im Arbeitersport. Die famosen Moskaustratcgen Friedmann- H a j d u und Bergmann sorgen schon dafür, daß die früheren Bundesmitglieder, soweit sie. noch der„Znteressen-Gemeinschast" an- gehören, erkennen lernen, zu welcher verderblichen Politik sie miß-) braucht werden sollen. Es krieselt deshalb an allen Ecken der JG., für deren Mitgliedschaft die Verpflichtung JG. gleich„Ich gehorche" besteht. Wir hoben erst vor kurzem die Abtrennung von weit über hundert Neuköllner Arbeitersportlern von der JG. melden können und daraus hingewiesen, daß e» selbst im revolutionären Sport- verein„Fichte" sehr bedenklich aussieht. Seit einiger Zeit ist sein Vorsitzender Kirsch, der so schön auf dem„Roten Sport- und Kulturtag" in den Rehbergen gegen die freien Gewerkschaften vom Leder zog, und mit ihm der geschäftsführende Ausschuß Fichtes eifrig be- müht, den Dingen auf die Spur zu kommen, um erfolgreiche Maß- nahmen zur Abwehr der sich in„Fichte" immer bedenklicher be- merkbar machenden Bundesgedankens zu ergreifen. Die Be- mühungen dieser KPD.-Beaustrogten sind vergeblich, es ist nicht mehr zu verhindern, daß große Teile von Fichte- Mit- gliedern den Katastrophenpolitikern den Rücken lehren, um gemeinsam mit ihren Arbeitsbrüdern im Arbeiter- Turn- und Sportbund im Interesse der organisierten Arbeiter- bewegung zu wirken. Zn der Abteilungsversammlung der 51. Abteilung von Fichte haben in der vorigen Woche, lrohdem sich Kirsch besonders Ins Zeug legte und klarlegen wollte, daß er mit der Friedmann-Politik nicht einverstanden ist. sämtliche Funktionäre die Aemter nieder- gelegt und mit ihnen sind bis auf fünf alle anderen Mitglieder der Abteilung au» Fichte ausgetreten. Bedeutungsvoll ist dieser Schrill deshalb, da unter den Ausgeschlossenen sich Mitglieder be- finden, die jahrzehntelang Mitglied und Funktionär in Fichte waren. So unter anderem der Techniker des Gesamtvercins Karl Kienbaum, der feit acht Jahren diese Funktion innehatte, seit 1322 Leiter der Kreisschule ist und als einer der besten Techniker im Bunde Achtung besitzt, er war 2 3 Jahre Mitglied des Vereins. Auch Georg W u n d k e, der ebenfalls in der Arbeitersportbewegung sehr bekannt ist, war 26 Jahre Mitglied von Ficht« und seit 11 Jahren Jugend- leiter des Vereins. Auch er ist ausgetreten. Damit hat Ficht« den ersten Anstoß erhalten, die Lawine ist im Rollen, sie zieht unaufhaltsam weitere Kreise in ihren Bann. Was nicht gesund ist. kann nicht bestehen, was nicht zusammengehört, muß geschieden werden. Die„Jnteressen-Gemeinschast" mag für Rot- srontnaturen oder für junge unerfahrene Leute das Gegebene fein. der wirtliche Arbeitersportler findet sein Interessengebiet nur in der zentralen Arbeitersportbewcgung. Das ist gerade das Be- zeichnende am Chaos der JG., daß am Sitz der Einheitler die Mit- glieder sich abwenden von dieser Art Gesinnungsgemeinschast, die nichts gemein hat mit Anstand und Ehrlichkeit. Nur weiter so, ihr Herren Friedmann und Bergmann! .Arbeiter-FIockex. Die Spiele von gestern. Von den Scrienspielen der Gruppe A fielen die Spiele in der Schönhauser Allee wegen der unbrauchbaren Spielfelder aus. Die Bezirke Ostring I und Mariendorf I der Freien Turnerschast Groß- Berlin trennten sich im Lichtenberger Stadion 3:2 in einem schnell durchgejührten Spiel. Ostring konnte bis zur Pause gesallen, ließ aber gegen Schluß merklich nach. Ihr stärkster Stützpunkt lag im Mittelstürmer, aus den sich das Spiel leider viel zu sehr sestlief. Beide Außenstürmer versagten. Mariendorf, wegen seines Arbeitssonntags mit Ersatz spielend, hielt sich bis zur Pause stark verteidigend und kam gegen Schluß nffiV lind mehr auf. Es gelang ihnen beim Stande 3:0 gegen sich. Zwei Tore aufzuholen. Weitere Erfolge wurden nur durch die inzwischen abgelaufene Spielzeit verhindert. Taktisch klug nahmen die Marien- dorjer zum Schluß ihre stärkste Waffe nach vorn und minderten da- durch den bisherigen Erfolg Ostrings merklich herab. Ein einheit- liches, zusammenhängendes Aufbauwiel fehlte beiden Mannschaften. — Auf dem Osiplatz in der LaskerMaße nutzte die Mannschaft von Tennis-Rot ihren spielfreien Sonntag zu einem Freundschaftstreffen gegen den Athletik-Sport-Club 2 aus. Sie bestätigten aufs neue ihre verbesserte Form durch«inen einwandfreien 4: 2-Sieg über den ASC. Erfreulich ist es, wiederholt den guten Ansatz und den Spielaufbau zu beobachten, der richtig im Mittelstürmer seine Trieb- .kraft hat und verständnisvoll von der Läuferreihe unterstützt wird. Das Schlußdreieck vervollständigte gut die Gesamtleistung. Der ASC., wesntlich verstärkt, gab sein bestes. Erfrischend wirkte beider- seits das weitausgreifende Flügelspiel, das den gesamten Kamps offen machte und eine schöne Note verlieh. FTGB.-Neukölln I und Athletik-Sort-Club 3 trennten sich nach ASC., wesentlich verstärkt, gab sein'bestes. Erfrischend wirkte bcidcr- Mannschaften in Betracht zieht, waren die Leistungen anspreefend und lassen besonders sür Neukölln noch allerhand erwarten. Bei strafferem Männer- und Stellungsspiel dürften die Neuköllner auch besseren Mannschaften gegenüber einen achtbaren Gegner abgeben.— Neukölln 2 und Ostring 2 trennten sich 1: 0. Die übrigen Spiele wurden ein Raub Neptuns. '4U)JYiäJooMLy Bericht vom Sonntag. Die Frei« Turn- und Sportoereinigung Nowawes Hatte sich zum Gesellschaftsspiel die Freie Turnerschast Wilmersdorf ver- pflichtet. Beide Mannschaften traten unvollständig an, zeigten aber doch ein flottes und faires Spiel. Rowawes konnte nach.5 Minuten des erste Tor schießen, dem aber bald der Ausgleich und kurz danach die Führung von Wilmersdorf folgte. Dann sollte aber sür Wil- mersdors vorläufig Schluß sein, den» in schneller Folge konnte Nowawes bis zur Pause noch dreimal einsenden. Bald nach Beginn der zweiten Halbzeit wechselt« Wilmersdorf den Torwächter, nachdem Nowawes das Resultat auf sieben erhöht hatte. Der Wechsel wirkte sich auch bald aus, denn nur zwei ganz schwere Sachen mußt« der neue Torhüter passieren lassen, während vorher auch einige unsicher« Bälle durchgingen. Wilmersdorf stattete dem Nowaweser Heiligtum oft Besuche ab, konnte aber nicht zu Erfolgen kommen, denn der Sturm war schußunsichcr, und der Nowoweser Torwächter wehrte gut ab. Erst in den letzten zehn Minuten ging Wilmersdorf aus der Reserve heraus und konnte 4 Minuten vor Schluß zum dritten- mal einsenden. Gleich nach dem Wiederangriff unternahm Witwers- darf einen Durchbruch und überrumpelt« die Hintermannschatt, so daß das vierte Tor sicher war. Nowawes gewann mit 3,: t (S: 2). Die 2. Männermannschaft von Nowawes spielt« g«gsn FTGB- Ostring 1 und gewann mit 7: 0(1: 0). Beide Mannschaften zeigte» ein enges und an Technik armes Spiel. Schweif st erne— FTGB Ruderbezirk 3:3(2:1) Ausgeglichenes Spiel beider Mannschaften, die als Wassersportler Handball nur im Ergänzungsspört betreiben. Fishocke�. Oxtord-Canadians abermals geschlagen. Auch das Rückspiel der Oxforder Eishockeymann- schast gegen den Berliner Schlittschuhtlub am Sonn- abend im Sportpalast wurde von den Hiesigen wieder überlegen mit 8:2 Toren gewonnen. Die Gäste zeigten zwar bedeutend mehr als am Vortage, mußten aber schließlich doch die Ueberlegeuheit der BSCer anerkennen. Au Beginn des Spiels überraschten die Kana- dier-durch gute Kombi Nationen und ein überaus flottes Tempo. So vielverspoechend wie der Ansang schien, so biNer w-.u aber nachher das Ende. Im ersten Spieldrittel gelang es den Oxfordern, mit l: 0 in Führung zu gehen. Andrejen, der nach mehrjähriger Pause wieder das Tor des Schiittschuhitiubs hütete, mußte die Scheibe passieren lassen. Trotz oller Versuche der Berliner konnte der Ausgleich bis zur Paus« nicht hergestellt werden. Im zweiten Drittel trat die gute Kombination der Berliner deutlich in Erscheinung. Viermal zappelte die Schaeibe im gegnerischen Netz. Jaenecke erzielre drei Tor« und der junge taleirtiertc Vall, der später noch mehrfach erfolgreich war. einen Treffer: Eine Meisterlefftung war das erste Tor Joeneckes, der vier Gegner umspielte und den Vorstoß eriolg- reich abschloß. Eine gleich gute Leistung vollbrachte im letz.en Drittel Vall, der eben-salls an vier Kana-dier vorbei der Scheibe den Weg ins Netz wies. In den Pausen gab es Ätmstlausvolsührungen von Frl. Dietz« und Fvau Brockhocsst. Ein 7S00-M«ter-Mannschasts- Schnelläufen gewannen Loelsch-Richlcr von Verein Deutscher Eis- jchnelläufer. Bürgerliche Schwirnrncrpleite. Wie bei Hilgenberg:„Staat heltc 1" Unter Leitung des 2. Vorsitzenden im D e u t s ch e n S ch w i in in- oerband trat der Kreis Sachsen des Verbandes am Sonntag»i Dresden zu einer außerordentliche» Tagung zu- jammen, um über die durch die U n t e r s ch l a g u n g e n des früheren 1. Vorsitzenden Dr. Bunner hervorgerufene schwierige finanzielle Lage zu beraten. Del: stellvertretene Vorsitzende Renner machte noch ein- mal Mitteilung über den Umfang der begangenen Unregelmäßigkeiten. Soweit sich bisher übersehen läßt, überwiegen die nicht vorhandenen Einnahmen des Kreises die Ausgaben um 295 300 Dl., das K r« ts hei m ist mit 1 10 749 Dl. verschuldet. Ein Versuch, die Gläubiger mit 40 Proz. abzufinden, scheiterte. Einen Konkurs will man ober, wenn irgend möglich, abnienden,»nd jn werden die vier verbliebenen Vorstandsmitglieder des Kreises, denen drei weitere Herren beigegeben werden, versuchen, einen auß.-r- gerichtlichen Vergleich herbeizusühren. Dieser Antrag wurde init füns Stimmenthaltungen angenommen. Es bestehe» außerdem Aus- sichte», das stark verschuldete Schwimmerheim zu reite». Das sind die übertrieben teuren Institute bürgerlicher Sport- oereine, sür die Dr. Dien� kürzlich Stoatsrinterstützrlngen forderte! Kämpfe im„Ständigen Hin«*." Die gestrige Veranstaltung des„Ständigen Boxringes" mar die letzt« vor Weihnachten. Der Abend wurde mit dem Kampf Fritz Kühn-Hirfchberg(65,4) gegen Rudi Beier-Mühl hausen(68) 4jrireltemolillat)rt « 20 ÜZ 10 m I /—%<—.r--71| L-IACJCTM- Beim BerjfksaussehuS der ArbelterwoMlshrt UndenstraSe 3 r1/AC3C.lN. mden Warenhäusern der Konsum-OenossentchattOranlenplau und Reinickendorfer Str sowie in allen durch Plakate gekennreichneien Geschalten Verkäufe Möbel SUbelldnlct werfe Kredit und bae äSdbelbojor, ntofte«»»wadl. kleine Preise! Pcifpielnweile: Schlafsimwer 455,—, Speisezimmer .»7.—. Herrenzinuner ZM,—. wpiesrel- schränke lU.—. SielenBotnitur SS,-, -3Iriid)tefüdtc 99,—, MeMnadett stelle «6.—, Rlclderfchtönfe 48.—. Sbaise- lonaue* 28,—, MeXrllbertftell» 18,—, Auksenemstrake 18,—. Sonstige SUISbel ortaemeffene Preise. Teil4al,lun««ruf- schtegfrei. Wochenraten, Monatsraten «assarabate bis ,el>n Dro,ent. auch auf Annrblnngen.«leine auch ohne Ansah. lungen.«rebiit bis zwei bahre. Möst. Zins. Kauptgeschast: Stealik. SchloK- steage>07: 2. Seschäit: Zieukälln. Ser. mannplak 7; 8. Seschäst: Belle, Blllanee. filrafte 95, Unterarunhdahn: 4. Spe»i»l- Ahteiluna: Neukölln. Sermannpia» 4: 5. Geschäft:«oubussee Straße 23, aeacnübei Glitesänger.«ata log iranfo Gelegenheit für«alsakäufecl Soch. elegante,, moberne, Speisesimmer 890,—. Saude, Möbelhaus. Alle Iafobstr. SS. Ohne«»sablong! Möbel, komplette Ginrichiungen sowie Slntleibeschräicke Bettstellen, Ruhebetten,«iichen.«orh> möhel usw. Garberobe. Wäsche. Gor- binen und Deden aller Art. ilhisch und Co..«alserstrahe 8—7. Bteranbernla». Abrihbauo. Lieferung»ach auswärts. Musikinstrumente LiatpinnoO, Überaus preiswert. Ptauo- lahrik Link. Bruynenftrohe 85.' Sosimonn Pianos. Stammhaus ae- arstnbet 18Z7. Pianso. Mltgei Sar- moniums. iso Instrumente, Auswahh anerkannte Zonschönheit. Preismiirbig- teit, allr.stige Teiliahlungen. Reue Pianos 900 Mark, gebrauchte 400 Mari a». stets Gesegenheitskäufe. Alte Instrumente Segenrechnung. Pianosorte» iabrik Georg Sofsmann S. m. b. s.. Berlin GW. 58. Leivtiaerstrasie 57 sSpittelmarttt. 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Skibinski griff heftig an, wurde aber kurz vor dem Schlußgong von Page mehrmals erwischt und sah mächtig angeschlagen aus. Resultat: unentschieden. Zum Schluß kam Walter Heinisch-Mühlhausen(61,3) zu einem glatten Punkt- sieg über Erwin Zinndorf-Berlin(60,8). Hatursreunde-Iveihnachlsfeier. Als Abschluß für die im Jahre 1029 veranstalteten Wanderungen und �Vorträge findet Dienstag, 17. Dezember, in der Aula der weltlichen Schule, Sonnenburger Straße 20, für Gäste, Freunde und Mitglieder der Abteilung Norden des Touristenvereins„Die Naturfreunde� eine Weih- n a ch t s f e i e r statt. Da das gebotene Programm bei freiein Eintritt einen guten Abend verspricht, sind Gäste, Freunde und Mit- gliedcr jreundlichst eingeladen. foimften«»«!».Die SoluifMBabe", Zentral« Sie».?bt. Friedrichabain: V. De ember. 20 Uhr. /frankfurter Allee 007. Weihnachtsmärchen. Uieicrrnt: Dr. Mar«chittte.— Abt. Lichtenrade: Dirnsta«. l7. Dezember, 20 Uhr, bei Drhlam. Bahnhof» Ecke Saihitrahe. Iul.— Abt. Norden: Mens» te», 17. Dezember, 20 Uhr. Eonnenburocr Str. 20, Weihnachtsfeier.— Abt Neukölln iIune»darurvei: Dienstaa. 17. Dcrember, 20 Uhr. Ifluahaienstr. 08. ltibelitas.— Abt. Snmboldthain: Dienstaa. 17. Dezember, 20 Uhr, Lediaenheim Cchiinftedtstr. 1, Lichtfcst.— Abt. Mitte: Dienstag, 17. Detemärr. X Uhr, tbackefcher fof ikieiner Saal). Rolenthaler Str. 40— tl. Lichtfeit.— Inoenb- (irnppe Oiten: Mittwoch. 18. Dezember, 30 Uhr, Kohlerstr. 61. Der Weihnacht s» inann komme.— Abt. Prenzlauer Beeg: Donnerstag, 10. Deeembcr, 20 Uhr, Danziger Str. 62. Baracke II. Wir unterhalten uns Uber die Weihnachtsfahrt. Abt. Selunbbrunnen: Donnersiag.» 19. Dezember, 20 Uhr. Panl. Ecke Wiesenftrafie. sscfte der Alten.— Abt. Tiergarten: Donnerstag. 19. Degember, 20 Uhr. Lehrter Str. 18—19 Leiierer Abend.— Abt. Lichtenberg: Donnerstag, 19. Dezember, 20 Uhr. Eunteritr 44, Weihnachtsfeier.— Abt. Sübweft: Dan. l eestvg. 19. Dezember, 20 Uhr. Zlorckstr. 11. Rezitationen.- Ratnrkimbliche Abteilung: Donnerstag, 19. Dezember, 20 Uhr, Iohannisstr. 15. Natnrkunb» liches Allerlei.- Abt. Beihensee: Donnerstag. 19. Dezember. 20 Uhr. Distorivsftr. 24, Heimabend. !fr«ic Sportvereinigung Tegel I8»9 e. v. Morgen Moniasversammlung nach dem Turnen bei Tornow. Tegel. Schliepcrllr. 64. Rvberoetcin.Dorwäets-. Dienstag. 17. Dezember, 10 Uhr: Smnnaftik, ? urnhalle Holteiftraß«. Mittwoch. 18. Dezember, 18>i Uhr: Bassin rudern der llugendabtcilung. Donnerstag, 19. Dczembrr, Wj Uhr: Waldlauftraining vom Bootshaus. Die KPD. Hai eine neue Parole. Das Nachspiel vom Oppositionslongreß. Die Gcwertschciften haben bei der Inszenierung der gegen sie gerichteten kommunistischen Kongreßmache ausdrücklich erklärt, daß für solche Mitglieder, die sich als Delegierte an dem Trauerspiel der„revolutionären Gewerkschaftsopposition" beteiligen, dem ge- werkschaftsfeindlichen Treiben der KPD. Vorschub leisten, in chren Reihen kein Platz mehr ist. Darüber war keiner dieser Delegierten. soweit sie einer freien Gewerkschaft angehörten, im Zweifel. Auch nicht die KPD., die es bei dieser Gelegenheit besonders darauf an- gelegt hatte, Gewerkschaftsmitglieder mit ihrer Organisation in schwersten Konflikt zu bringen, ihren Ausschluß zu provozieren. Jetzt, wo die Hauptvorstände der Gewerkschaften gezwungen sind, aus dem gewerkschaftsseindlichen und schädigenden Perhalten der betreffenden Mitglieder die Konsequenz zu ziehen, hüllen sich die Drahtzieher in das Mäntelchen sittlicher Entrüstung gegen den„An- griff(!) der Gewerkschaftsbureaukratie" und geben die Parole aus. in allen Betrieben die Zurücknahme der Ausschlüsse zn fordern. Di« . revolutionären klafsenbewuhten" Unorganisierten werden dieser Forderung ohne weiteres zustimmen. Der Hauptvorstand des Zentralverbandes der Schuhmacher mußte drei Berliner Mitglieder ausschließen, Klorin, Herzog und Rüper, die sich zum„Reichskongreß der revolutionären Gewerk- schaftsopposition" schicken ließen. Simon diktiert— Hörtz pariert" schreit die„Rote Fahne". Der Verbandsvorsitzende Simon hat noch nie diktiert wie die Moskauer, sondern stets die Beschlüsse seiner Berbands- iustanzen ausgeführt.„Hörtz pariert" ossenbar nicht mehr den Befehlen der„Opposition". Er ist bei der KPD. unten durch, weil ihm sein Verband höher steht als deren Verbands- feindliche Parolen. Ihm wird vorgeworfen, daß er sich jeder Meinungsäußerung zu den Ausschlüssen enthalte und von ihm verlangt, daß er bis spätestens Mittwoch eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen müsse, deren Abhaltung aber erst die Mit- giieder in den Betrieben sofort verlangen müssen. Wer diktiert das? Die KPD. Und sie droht:„Sollte Hörtz„durch die Nichtbeachtung des Willens der Kollegen"(die aus Befehl der KPD. wollen müssen!) noch stärker wie bisher sein« Per- bundenheit mit Simon dokumentieren"(mit dem Hauptvorstand des Verbandes!), wird die revolutionäre Opposition dies« Versammlung einberufen." Gewerkschaftsmitglieder, die sich von der KPD. auf- putschen lassen, ssch gegen einen Angestellten ihrer Organisation zu wenden, weil dieser sich an die Satzungen und Beschlüsse ihres Vor- standes hält, anstatt sie, wie die KPD. es will, mit Füßen zu treten, sind zu bedauern. Weihnachtsfeier der ZdA.-Lugend. Der große Saal des Berliner Gewerkschaftshauses gehörte am Sonntagabend der Jugend des Zcntralverbandes der Angestellten. In freigewerkschaftlichem Geist beging sie hier ihre Weihnachtsfeier. Frei von jeder Sentimentalität, froh und ungebunden gestalteten sich di« Jungen und Mädel einen frohen Abend. Sie selber bestritten fast ollein das Unterhaltungsprogramm. Die Arbeitsgemeinschaft proletarischer Voltstanzkreise produziert« sich zuerst mit ihrer Musitgruppe, fühlte sich aber erst richtig in ihrem Element, als sie sich mit ihren Volkstänzen zeigen konnte. Der Sprech- und Bewegungschor der ZdA.-Jugend erntete mit seinen ernsten und heiteren Darbietungen ebenso starken Beifall wie der bekannte Rezitator Theo Marek. Jedenfalls dürfte den EUern und Erziehern, vor deren Augen sich das fröhliche Treiben abspielte, der letzte Zweifel genommen worden sein, den sie vielleicht noch an der Erziehung ihrer Schutz- befohlenen durch die freien Gewerkschaften hegten. im .... und den Weihnachtskuchen „Küchenwunder" back»«! Dieser Backap parat und Dr. Oetkers Backp-.'lver sichern gutes Gelingen! Disaker, LichKpiele ufw. — Hill".— TolKsDUline rhejteramäälowalal! 8 Uhr Affäre Oreyfus Schauspiel von Ren« Kestnei Regie: H. D Kenter. Staat). toiller-Tli» 8 Uhr Kattülelie SinotsoDcrara Platz dar Repabiix 7r. Robert Kleis Deutsches lünsller-Theai Barbarossa 3937 ' Uhr Ende 11.10 Uhr Seltsames Zvismeospiel üigic: Hein: Hilpert Berliner Ibealer Dönhoff 170 8- 2 Uhr Reserviert fQr Herrn ßaston. Von Max Woiff. Regie; Forster Larrinaga Ib. a. MeiiDortplatz Vorvk. 10-2. Kf. 2001 Täglich«-/. Uhr Gastspiel das Dcttismen Totalen Die Fiedmaus Regie; Mai Beinhardt, Barawsky- Bühnen Theater in der Ktniggrätzer StraBe Täglich 8Vj Uhr Die erste mrs. seiby mit Frltzl mattary Altred ami KomSdienhaus Täglich 8-'. Uhr Der HQhnerhot mit curt sola Trianon-Tti.�r Täglich 8-i. Uhr Sie verweigert die inssage Elisabeth Strickrodl Kort Eialc. Lnstspielhaus Friedrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich SV. Uhr Grand Hotel Lustspiel von Paul Frank Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich SV. Uhr Max Adalbert in Das Parfüm meiner Frau Lustsp v. Leo Lenz Tlieater d. Westens Tägl.SV. Uhr NarieHa Musik t. Oskar Strans michaei Bohnen Orete Finkler zentraiuerDand d. Arheitslnvalidan Ortsgruppe KreuzDerg i. Am 13 Dezember verstarb unser langjähriger I. Vorsitzender ködert Meyer Alexandrinenstr. 127. «hre seinem Audenleu! Die Einäscherung findet am Diene- lag, dem 17. Dezember, nachmittags 8> i Uhr. im Krematorium Baum- schulrnweg, Kiesholzstr. statt.. Der Vorstand. Metropol-Th. 8-/. Uhr Das Land des Läcbelns Vera Schwarz, Richard Tauber Musik von IFranz Lehär Montag, 16. 12. Staats-Qper Unter d. Linden A.-V. 281 20 Uhr Staats-Oper Am PI-d-Republ. Vorst 101 19Vj Uhr Montag, 16. 12. Stödt. Oper Bismarckstr. 20 Uhr Oesilotsene Votstelluni Staatl. Sdiaosph. am Gendarmenmarkt R.-S. 64 20 Uhr m StaatLSelnÜer-TliBatfir.Ctiarltli. 10 Uhl: Kabale and Liebe Preise 1- 6 M. Till. I TentelL 5 u« etr Stikirutl KU VoMg.: 5 0. 59 PI.-Z M. Matray-Gallett. Haiku. Stanley n. May. Pereio.l& Co.. Berat& Partner usw. T&gl. S ii. 81S Sonni.J.äo 8U | Alex. E. 4, 8066 INTERNAT. VARIETE PLAZA GROSSES SCHAUSPIELHAUS 8 Uhr: 3 Musketiere Regie: ERIK CHARELL An bnidnn Weihnachtsfeiertagen nachm. 3 Uhr ungekürzte Vor- stallung in Originalbosatzung zu _ halben Proisen._ flenaissance- Theater TigllA SV. Uhr PARISER LEBEN Operotto von Offenbach. Regie: Gustav Härtung. Musikalische Leitung: Theo Mackeben. - Steloglatr C 1. 0901 u. 2583/84.- Swula* vm 2 Ms• mir Se-Gweee TU aal. a Baiw.Tak Kottb. Str. 6 Tägl. S Uhr auchSonnt. nachm. 311.: Eue«. ' sunaar. Das einzig dzfttühcnde, vielssltige Welhn«ehta-Pr. Planetarium — am Zoo i VoUdj. Jwdilaiiu.ir. tnl B. 5, Barbarossa 5578 16 bis 19 Uhr Ola- po-iiiv-Aussteilu x 19bisl9'jUhr Oer Abendhlmmel 20V. Uhr Das Weltall im Uohtblld: Unsere Sonne. wo opetst man tut und billig T Nur Bross- Berlin Alajcandarplatz Winfer * Garleri* u Uhi» 700». 281 J• Räumen erlaabi 16 Original Lawronoe Tiller- Gills J und weitere Varietö-Neuheiten| { Sonnabend u.Sonntag Je 2 Vorstellungen 3-� und j Uhr. ä*1 kleine Preise. iltealeri. d. Betirenstr. 53-54 SV« A 4 Zentrum 926/927 SV* ... Vater sein, dagegen sehr ROSE -THEATER"'äÄÄ"" Teleph.: Alexander 3422 u. 3494 Nur noch bis 22. Dezember Täglich 8" Uhr. Sonntags 5.15 und 9 Uhr Pariser Blut Ab 23. Dezember tägl 8.1 5 Uhr Die Csardastürstin Jeden Mlttw. u. Sonnab. 5 Uhr „Max und Moritz� und der Weihnachtsmann Jeden Sonntag, nachm. 2�0 Uhr Frau Holle Programm am 1. u 2. Feiertag; « Uhr Pariser Blut 7.45Uhr Olk lUNluitINtll! 11.30 uhr Familie HaDneoiaDfl Am 2. Feiertag spricht um 1 30U MARCELL SALZER. Der Vo: verkaut hat be-onnen. '-Uhr CASiNO-THEATER Lothringer Strafe 37. Der neue Schlager! Familie Kannemann. Dazu ein erstklassiger bunter Teil. 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