BERLIN VienStag 12. Dezember 1929 10 Pf. Nr. 590 B 294 46. Iahrgang Erscheint tSglich außerSonntag«. �.§ ß Lluteig«oprei«:Die einsxaltige Nolipareillejeile Zugl-lch Abendausgabr de«.Vorwärts. Beingsxre,«%£- JL.. t �_ /J-« f A« F.» J. 80 Pf.. Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. beide Au-gaben 8SPf.»ro Woche. rrv Monar. yCLßo ff Poßfcheckkonto: VorwSrts-V-rlag G. m.b.H.. Siedaition und Expedttion i Berlin SM öS.kmdenstr.S/ � f' Berlin Nr.-7SZS. Fernsprecher: Dönhoff Sv? bis SS? G Die Schuhzölle erhöht. Gegen den grundsätzlichen Widerstand der Sozialdemokratie. Weitere Abstimmungen wurden ausgesetzt. Englands Arbeitslosengeseh. Der Hand els p o l i t i s ch e Ausschuß des Reichstags hat heute vormittag die Beratung der neuen Industriezölle nahezu zu Ende geführt Im Lordergrund der Beratungen standen vor ollen Dingen die neuen Zölle für Schuhwaren. Die Bertreter der bürgerlichen Parteien erklärten sich samt und sonders dafür. Sogar der Bertreter der demokratischen Fraktion sprach sich dafür aus, während in den früheren Verhandlungen die Demokraten eine Erhöhung der Schuhzölle abgelehnt hatten. Für die Sozialdemokratie erklärt« Abg. Simon- Franken, daß Reich und Mimo. Anleiheverhandlungen noch nicht abgeschlossen. „Begründete Hoffnung* Amtlich wird mitgeteilt: Die Verhandlung«» zum Abschluß der Sle ich sa»leihe sind»och»icht ab» geschlossen. Die Verhandlunge» gehe» weiter und es ist he» gründet« Hoffnung gegeben, daß sie in wenige« Tagen beendet sei» werden, jedenfalls zeitig genug, daß Ultimo Schwierigkeiten«icht eintreten und das, was mit der Anleihe beabsichtigt wird, verwirklicht werden kann. sie nach wievorgegenjedcZollerhöhung sei. Im einzelnen führte er zur Begründung folgendes aus: Landwirtschaft, Industrie und Handel klagten über einen zu geringen Absatz. Durch die g«. planten Zollerhöhungen würden aber die Waren noch mehr verteuert, so daß der Absatz noch mehr zurückgehe» würde. In bezug auf die Schuhwaren habe sich ergebe», daß in den Monaten Januar bis Oktober im Jahre 1929 gegenüber 192« eine Steigerung der Ausfuhr vo.n 23 P r o z. eingetreten märe, wogegen die Einfuhr um t9 Proz. zurückgegangen sei. Dabei spielten namentlich die Produkte der Data-Fabriken in der Tschechoslowakei eine große Rolle. Das sei zurückzuführen namentlich aus die Agitation des Schuhmocherverbandcs, der die unlauteren Produktions. Methoden des Bata-Unternehmens sogar vor Ge- r i ch t festgestellt habe. Außerdem sei es zurückzuführen auf die geringe Qualität des Bata-Unternehmens, wo- durch die Käufer enttäuscht und veranlaßt würden. Bata-Schuhe nicht mehr zu kaufen. Schließlich spreche bei d�r Besserung der Handels- bilanz auch noch mit, daß eine Rationalisierung in Deutsch- land durchgesührt worden sei, durch die es möglich wurde, die Schuhpreise zu ermäßigen. Allerdings sei das auf Kosten der Arbeiter geschehen, denn mit 60 bis 75 Proz. der bisherigen Belegschaft würde mehr produziert»ls früher. Jedenfalls ergebe sich aus alledem, daß keine Veranlassung zur Erhöhung der Schuhzölle vorliege, und deshalb lehne die Sozialdemokratie diese Cr- höhung ab. Der Ministerialdirektor Posse wandt« dagegen ein, daß ke'ne strukturelle Berändening vorliege, sondern daß die Beränderunzc, in der Handelsbilanz auf die Zurückhaltung der Händler zurück- geführt werden müsfe.-die sich aus der bevorstehenden Zolle« höhung erkläre. Im übrigen müsse die Reichs-'eaierling Me höheren Zölle haben, um bei den bevorstehenden Verhandlungen mit der Tfchecho- slowokei über eine gute Waffe.zu verfügen. Schließlich wurden die vorgeschlagenen ZvllerhZhnngeu gegen die Silmmeu der fazioldemvkralifchea und kommunistischen Bcrttcftr angenommen. Weiterhin spielte die Frag« der neuen Alumini umzölle nach eine besondere Rolle. Hierzu erklärte Abg. Frau Sender(Loz.) solgeirdes: Die Sozialdemokratie habe bisher diese neue» Zölle ab- gelehnt, da sie Reichswerken nicht zugestehen könne,'.vas sie Privat. werken verweigere. Da aber inzwischen festgestellt worden sei, doß infolge von Vereinbarungen kein« Preiserhöhung eintreten würde. erkläre sich die Sozialdemokratie bereit, der geplanten Zollerhöhung nicht entgegenzutreten. Di« Abstimmung über die Zoll« wurde noch ausgesetzt, da das Zentruin einen Abänderungsantrag eingebracht hatte, über den zwischen den Parteien nach verhandelt werden soll. Dainit waren im großen und ganzen die Industriezölle«riedigt, inrö es blieben nur noch übrig die abändernden Reichz7otsbesch.ü'se pnd die dazu von den Reichstogsporteien gestellten Anträge. Zm Llnterhaus angenommen/ Heute Bergbauvorlage/ Labour-Regierung bleibt. London, 17. Dezember. Da» neue Erwerbslosengeseh wurde im Unterhaus mli einer Regierungsmehrheii von 74 Stimmen in dritter Lesung angenommen. Das neue Gesetz sieht Mehransgabeu von 14 Millionen Pfund zu Ualerstühungszweckea zugunsten der Arbeitslosen vor. In der heutigen llnlerhaussihung wird in zweiter Lesung über Standesherrliche Familie. „Denke dir, meine Liebe, nur mit a ch t p r o z e n t hat diese Republik unsere Rente ausgewertet,— man hat uns direkt mit dem Pöbel der Kriegsanleihe- z e i ch n e r auf eine Stufe gestellt!' die Gesetzentwürfe zur Reorganisierung der englischen Sohlen. industrie beraten werden. Die Regierung hofst, daß sie trotz der Kritiken und des widerstand» der Opposition das Gesetz im Unter. Hans durchbringen wird. Die Konservativen haben in einer gestern abgehaltenen Konferenz die Einbringung eines Zusatzantrages zu dem Gesehentwurf beschlossen, der eine Ablehnung der Rill in ihrer Gesamlhett vorsieht. Ein Zusammengehen zwischen Liberalen und Konservativen ist sedoch kaum zu erwarten. Es befleht außerdem die wahrscheinlichteil, daß sich die Regierung zu keinerlei Zugeständnissea gegenüber den Liberalen bereitfinden wird, die außerdem widerstände uur gegen die geplante Einführung einer Kohlenvertaufsorganlsation geltend machen, wenn es gelingt, die liberalen Forderungen zum Teil zu befriedigen, dürste die Annahme de» Gesetzes gesichert erscheinen, da keine der beiden Oppositionsparteien im Hinblick aus die beoorsteheade Londoner Seeabrüstungskonfcren z eine ZNederlage der Regierung oder sogar eine PartomenteouslSsung für wiinschenswerl betrachten. Die Gründung eines englischen Wirtschastsrates. . London, 16. Dezember. Ministerpräsident Macdonald hatte am Maptag in seiner Amtswohnung in der Downingstreet«ine Reihe von Führern der britischen Industrie und Wirtschaft zu Gaste geladen. Diest und die beiden vorangegangenen gleichartigen Zusammenkünfte sind dazu bestimmt, eine« nationalen Wirtschaftsausschuß auf der Grundlage des Reichsverteidigungsausschusses zu bilden. An der heutigen Zusammenkunft nahm auch der Schatzkanzler Snowden teil. Bon den im Auslande bekannteren Persönlichkeiten hatten sich Sir Iosuoh S t a m p, Professor K e y n e s und L a y t o n eingefunden. Das Republikschuhgesetz. § 1 im Ausschuß angenommen.— Obstruktionsreden durch Beschränkung der Sprechzeit verhindert. Der Strafgesetzausschuß des Reichstags beriet in seiner heutigen 100- Sitzung§ 1 des Republikschutzgeseges. Nach einer abermaligen langen Rede des Abg. Dr. Eoerling wurde 8 1 gemäß einem Antrage Dr. Rosenfeld, Dr. Wunderlich, Dr. Bell, Ehlermann und Emminger in folgender Fassung angenommen: Wer an einer Verbindung oder Verabredung teilnimmt, die Verbrechen wider dos Leben bezweckt oder als Mittel für andere Zweck« in Aussicht nimmt, oder wer ein« solche Verbindung unterstützt, wird mit Gefängnis nicht unter 3 Monaten bestraft. Auf Vorschlag des Vorsitzenden, Abg. Kahl, der sein« Eni- rüstung über die viel zu langen Reden der Deutschnalionalen und Kommunisten ausdrückte, beschloß der Ausschuß, um die Arbeiten zu fördern, die Redezeit für jede Fraktion für jeden Paragraphen aus 20 Minuten festzusetzen. In der vorausgehenden Debatte� wies Abg. Landsberg(Soz.) daraus hin, daß«s im Haupia-usschuß ständig üblich sei, die Redezeit der Fraktionen zu kontingentieren. Nachdem Redner der Opposition in drei Sitzungen zum§ l des Entwurfs immer dasselbe gesagt hatten, müsse der Ausschuß, mn seine Arbeiten zu beenden, eine Einschränkung der Redezeit eintreten lassen. In 20 Minuten könne jede Fraktion aus- reichend ihren Standpunkt vertreten. Nächste Sitzung am Mittwoch. politische Moral. Unangebrachte Belehrungen der„Germania*. Die„Germania" beschäftigt sich heute morgen in einem Lslt- aussatz mit den Ausführungen des„Vorwärts" über die V e r- trauensabstiinmung vom letzten Sonnabend. Dort war ge- sagt, daß die Bedeutung der Vertrauensabstimmung darin bestehe, die Regierung kredit- und verhandlungsfähig ge- macht zu haben, daß es aber unmöglich sei, die Parteien auf einen in fünf Iahren durchzuführenden F i n a n z r e f o r m p l a n zu bindet Die„Germania" nimmt dos zum Anlaß, die Loyalität des „Vorwärts" zu bezweifeln und über sein« politische Moral die Nase zu rümpfen. Demgegenüber legen wir Wert auf die folgende Fest- stellung: Gerade aus Gründen der Loyalität und der politischen Moral haben wir uns beeilt, keine Unklarheit aufkommen zu lassen und sofort mitzuteilen, wie nach unserer Meinung die Resolution vom 14. Dezember zu bewerten ist. Die„Germania" weiß, daß ,n den vorangegangenen Verhandlungen von der' Volkspartei ständig Versuche gemacht worden sind, die Sozialdonwkratie zu den, Versprechen zu zwingen, daß sie dem Steuersenkungspla» zustimmen würde. Die Sozialdemokratie hat sich ftgndig gegen dieses Ansinnen gewehrt und sich schließlich auch durch ihre offizielle Erklärung dagegen geweitet. Die Parteien wissen also ganz genau, wie die Sozialdemokratie über- zeugungsgemäß steht. Schließlich hat man sich geholfen, indem man eine Resolution vereinbarte, die stark auslegungsfähig ist, u»K man muß befürchten, daß sie bald einmal so ausgelegt werden wiro, als ob die Sozialdemokratie durch sie ihr« Ueberzeugung preis- begebe« hätte. Darum war di� sofortige FeststÄlusg notwendig. daH von dergleichen gar keine Rede sein könne. Der Versuch, die Parteien auf einen Fünfjahrplan zur Roform der Finanzen durch eine Resolution festzulegen, ist eine innere Unmöglichkeit. Das sollte jedermann, auch die„Germania" leicht begreifen, zumal in einer Zeit, in der ieWikr die Entonfflung der deutschen Finanzen auch keine zwei Wochen voraus zu über« sehen ist. Darüber Klarheit geschafsen Kl haben, rechnen wir uns als Verdienst an. Die politisch«. Moral und die Loyalität ist dabei ganz auf unserer Seite. Obermagistratsrat Brandes. Ein Beamter der Stadt Berlin. Der Stlarek-Untersuchungsausschuß des Preußi- scheu Landtages trat am Montag wieder zusammen und vernahm zunächst eine Reihe von Angestellten aus der Buchhaltung der Berliner Anschaffungs-Gesellschaft. Die Frag«, wieso ein« Anzahl falscher Angaben in die Liquidationsbilanz der Kleideroerwertungs- Gesellschaft gekommen sind, tonnte auch durch die widersprechenden Aussagen dieser Zeugen nicht weiter geklärt werden. Der früher« Berliner Stadttämmerer Kardtng gab an, dah er als Vertreter der Finonzverwaltung nur«in Interesse an der möglichst schnellen Liquidation der KVG. gehabt hätte. Die Einzelheiten des Liquidationsprogramms seien ihm gleichgültig ge- wesen. Karding glaubt sich zu erinnern, dag Stadtverordneter R o s e n t h a l sich bei ihm für die Sklarets eingesetzt hätte, mög- licherweise auch Stadtrat S ch ll n i n g. Sonst aber habe bestimmt niemand bei ihm für die Sklareks interveniert. S ta d t s y>i d i k u s Dr. Lange bestritt auf Befragen aus dem Ausschuß entschieden. Sag er al» Generalreferent für die städtische Verwaltung dos Recht gehabt hätte, die Tklarek-Berträg« an stch zu ziehen. Ein solches Recht zum Eingriff stehe nur dem Magistratsdirigenten'- selbst, d. h. dem Oberbürgermeister, zu. Berichterstatter Koenneckc Uhr wurde tm Flur de» Hauses M i t b ä ch st r a ß e 2 in Weihensee ein zunächst unbekannter Mann mit einer Schuß Verletzung in der rechten Schläfe t o t aufgefunden Es gelang bald, den Toten festzustellen als den ä2 Jahre allen Sattler Franz Schi ms ky, der in All-Münster- berg bei Marienburg geboren ist Und als Untermieter in dem 'hause Mirbachstr. 2 bei seinem Schwager wohnte. Der Schuß- Verletzung noch und nach der Tatsache, daß die Waffe noch neben Ut Leiche tag, ist mit größter Wahrscheinlichkeit ein Selbstmord anzunehmen. Wer r Giaaisgen'chishof oder Parlament?— Der Staatsgerichtshof verhandelte heute über de« Antrag der deutschnationalcn Landtags- fraktion, der dl« Feststellung begehrt, daß die Teil» nähme der Preußische» Beamten beim Bollsbe- gehren grundsätzlich zulässig ist. und daß- die da- gegen gerichtete« Kundgebungen des Preußischen Staatsministeriums verfassungswidrig seien. Cs lassen sich von vornherein eine Reihe izon formalen Gründen aufzählen, aus denen eine sachliche Entschei- dung des Staatsgerichtshofes für unzulässig gehalten werden muß. Auf diese formale Seite der An» gelegenheit soll hier aber nicht näher eingegangen werden. Die Umstände, unter denen die Klage eingereicht worden ist, stellen vielmehr ein grundsätzliches Problem in den Vorder- grund, das aus Anlaß der Klage zur Entscheidung steht und von weitaus größerer Tragweite ist als die vielen oerschiede- n«n Fragen, die bisher dem Staatsgerichtshof unterbreitet waren. Es handelt sich diesmal um die allgemeine staats- politische Frage nach den Grenzen, die auf der einen Seite der Staatsgewalt und auf der anderen Seite der Gerichtsgewalt des Staatsgerichtshofes im Rahmen unseres geltenden Verfassungsshstems gezogen sind. Die Klag« der deutschnationalen Landtagsfraktion wendet sich gegen eine Rede des Ministerpräsidenten, die dieser in seiner Eigenschaft' als Chef der Staatsregierung vor dem Parlament gehalten hat und die seiner Auffassung über die Pflichten der Beamten, auf eine grundsätzlich« Formel gebracht, Ausdruck gibt. Irgendein Formalakt. ein Gesetz, eine Verordnung oder überhaupt eine praktische Maß- nähme sind damit noch überhaupt nicht geschaffen worden. Der für die Disziplin und die Haltung der Beamten an erster Stelle verantwortliche Chef der Staatsregierung hat viel- mehr nur in einem Sonderfall seine Meinung über die Trag- weite der Beamtenpflichten geäußert. Für diese M e i- nungsäußerung ist nun der Ministerpräsident, wie jeder andere Minister, der«in« Auffassung vor dem Parla» ment vertritt, auf Grund des parlamentarischen Regimes, das wir haben, lediglich dem Parlament verant- w o r t l i ch. Sache des Parlaments ist es, diese Meinung durch Erteilung eines Mißtrauensvotums eventuell zu miß- billigen. Niemals aber unterstehen Bekundungen der Träger der Staatsgewalt dem Richterspruch des Staategerichtshofes. Es gibt keine Bestimmung, die eine derartige Auffassung rechtfertigt, sie wäre zudem auch praktisch unmöglich. Wäre der Staatsgerichtshof in die Lage versetzt, grund- sätzlich über Meinungen und Aeußerungen der verantwort- lichen Minister im Hinblick auf ihre Verfassungsmäßigkeit zu urteilen, so wäre nicht das Parlament, sondern er der eigentliche Träger der Staatsgewalt. Kein Minister wäre mehr-in der Lage, dem Landtag eine Gesetzesvorlage anzukündigen, ohne nicht Gefahr zu laufen, daß d«r Staatsgerichtshof seinen Absichten in den Arm fällt auf die Behauptung irgendeines Klägers hin, daß die beabsichtigte Gesetzesvorlage verfassungswidrig sei. Das Parlament würde wiederum durch eine vorherige Tätijz- lest des Staatsgerichtshofes der ihm zustehenden Möglichkeit beraubt werden, Gefetzesoorlagen zu beraten, wenn seiner Enffchließung die Entscheidung des Staatsgerichtshofes vor- greifen würde. Die Widersinnigkeit einer derartigen Praxis liegt auf der Hand. Ministerreden, Gesetzesvorlagen, Per- ordnungsentwürfe, kurze Bekundungen, der Träger der Staatsgewalt, die noch nicht formelle Akte der Staatsgewalt geworden sind, gehören lediglich in den Verantwortungs- bereich der zuständigen Ressortchefs vor dem Parlament, Neuköllner Betrugsprozeß. Vit Leiter der Sroßhondelsgesellfchast vor Gericht. vor dem Erweiterten Schöffengericht Neukölln haben sich heule die Leiter der im Zahre 1325 liquidierten Neu- köllaer Großhandelsgesellschasl. Stadtober. Inspektor Böig», der Revisor kausmon» und Stadtrat a. D. G r o g e r, und der Prokurist Heinrich, wegen U n. treue und Betrug zu verantworten. Der Prozeß wirb zwei Tage dauern und zur Verhandlung sind mehrere Sachoerstäirdige und zahlreiche Z.'ugen, unter ihnen Bürger- meister Scholz- Neukölln und Stadtrat R a d t k« geladen. Die Anklage wirft dem Stadtoberinsprektor Boigs, der seit 1925 von s«in«m Amte suspendiert ist, in vier selbständigen Handlungen Untreue gegenüber der Gesellschaft bzw. der Stadt und in«inem Fall« fortg«setzt«n Betrug vor, und zwar werben d-ese Straftaten darin erblickt, daß Boigs einen ihm gehörigen Schrank über eine Mittelsperson an die von ihm geleitete Gesellschaft zum Preise von 1000 M. verkaufte und für sich und die Mitangeklagten. Aufwandsentschädigungen eigenmächtig festsetzte, und zwar ln ganz beträchtlicher Höhe. Auch die Speffnabrech- nungen de» Angeklagten werden von der Anklage wesentlich bean« standet. Den Mitangeklagten Stadtrat a. D. Groger und Prokurist Heinrich werben in je einem Falle Betrug und Untreue vorgeworftn, und zwar auch im Zusammenhang mit der Annahm« unberechtigter Aufwandsentschädigungen. Die Betrügereien bei der Neuköllner Großhandelsgesellschast beschäftigten das Erweiterte Schösfengericht Neukölln unter dem gleichen Vorsitz bereils im März 1928, jedoch kam damals die Verhandlung zur Vertagung, weil erst der Aus- gang des Zioilprozefses abgewartet werden sollte, den die Stadt gegen die Beschuldigten angestrengt hatte Nunmehr sind sie zur Leistung des Schadenersatzes vom Zioilgericht verurteilt worden, und zwar beläuft sich, wie wir erfahren, die Schadens- summe auf etwa 45 090 M. Bei dtr Vernehmung erklärt« Stadtoberinspektor Böig», daß «r völlig freie Hand nach seiner Ansicht gehabt habe und auch große Abschlüsse ohne Genehmigung des Aufsichtsrat» getätigt hob«. Nach seiner Ansicht sei er auch zur Bewilligung der Aufwandsentschädi« gungen berechtigt gewesen. Der Borsitzende hielt ihm allerdings vor, daß das aus den Statuten nicht hervorgehe. Stadtobermspelror Böig« schilderte dann sehr aueführtich, wie es im Februar 1925 zu der Liquidation der Gesellschaft kam. die S-t.Kolonialwckrenzeschäfte belieferte, 32 Agenten für den Mehlverkauf beschäftigte, eine eigene Eisfabrik eingerichtet hatte und schließlich auch die Gefrlerflelschgesellschast der Stadt über- nehmen mußte, die nicht recht slorierte. Durch dl« Schaffung der wertbeständigen Währung nach der Inflation und »i« Senkung der Preise für die Warenlager Hab« die Gesellschaft, dt« mit einem Papiermarkkapital von S0 000 Mark im Jahre 1919 ge- f 9 ♦ Die Klage wegen des Volksbegehrens. aber niemals in den Verantwortungs« bereich des Staatsgerichtshofes. Nun wird allerdings die Klägerin vor dem Staats- gertchtshof mit der Behauptung aufwarten, daß die Kund- aebung des Ministerpräsidenten bereits den Charakter eines formalen Aktes der Staategewalt trage, weil sie die Be- amten unter der Androhung dffziplinarischer Strafen an der Ausübung ihres Rechtes auf Unterstützung des Volks- begchrens hindere. Diese Auffassung aber ist falsch. Die Rede des Ministerpräsidenten enthält gewiß eine M a h- n u n g an die Beamtenschaft, sich chrer besonderen Pflichten als Beamte gegenüber dem Staate bewußt zu fein, zugleich auch eine Mitteilung darüber, wie der höchste Staats- beamte den hier gegebenen Fall ansieht. Ein Akt der Staats- gewalt, der eine Verfassungsverletzung mit sich bringt, ist aber damit noch nicht gegeben und kann damit noch gar nicht gageben sein. Der Ausspruch einer allgemeinen Mahnung an die Beamtenschast auf die Wahrung ihrer Beamtenpflichten und die eventuellen Folgen ihrer Verletzung bedacht zu sein, gehört grundsätzlich zu den Befugnissen d«r Staatsgewalt und kann als solche niemals als eine Verletzung der Verfassung aufgefaßt werden. Ebensowenig stellt aber auch die Bezugnahme einer solchen Mahnung auf einen besonderen Fall bereits einen Akt der Staatsgewalt dar. der geeignet wäre, die Verfassung zu verletzen. Die Mah- nung, ja selbst die Ankündigung von disziplinaren Schritten ist solange kein eigentlicher Akt der Staatsgewalt, der eine Berfassungsverletzung involviert, als die angedrohten Maß- nahmen nicht ausgeführt sind. Lcdi glich die Äusfüh- rung im konkreten Fall kann zu der Frage berechti- gen, ob die Staatsgewalt durch einen solchen Schritt die ihr verfassungsmäßig gezogenen Grenzen verletzt hat. Schließlich muß aber noch auf den weiteren Gesichtspunkt hingewiesen werden, daß selbst disziplinar« Schritte der Staatsgewalt tn einem Falle, wie dem vor- liegenden, zu keiner Anrufung des Staats- gerichtshofes berechtigen. Es ist den Beamten nicht verboten worden, für das Volksbegehren einzutreten. sie sind vielmehr nur darüber in Kenntnis gesetzt worden, daß ein solches Eintreten, nach Auffassung der obersten Staatsbehörde, als»licht vereinbar mit ihren Beamtenpflichten angesehen werden und disziplinarische Folgen nach sich ziehen könnte. Unter diesen Umständen ist auch kein Eingriff rn ihr verfassungsmäßig gewährleistetes Recht als Staats- bürger erfolgt, sondern sie find nur auf die Grenz«« aufmerksam gemacht worden, die den Beamten auch bei der Ausübung allgemeiner staatsbürgerlicher Rechte gezogen sind. Daß für den Beamten solche Grenzen bestehen, ist anerkannten Rechtes. Sie k ö n n e n,. w e n n sie wollen, diese Grenzen überschreiten, haben aber auch die Folg«« daraue zu tragen. Unter diesen Umständen geht der Streit aber auch nicht über die Tragweite des in der deutschnationalen Klage als verletzt be- zeichneten§ 130 der Reichsverfassung, sondern lediglich um die Frage, ob der Beamte in der Art seiner Betätigung für das Volksbegehren die ihm durch seine Beamteneigenichast auserlegten Grenzen innehält. Zur Entscheidung dieser Frage sind aber ausschließlich die DifzipHnarbehör- den zu berufen. Sie allein haben darüber zu entscheiden. ob die Betätigung eines Beamten nach den Bestimmungen der Reichsverfassung in Abwägung mit den besonderen Grundsätzen des Beamtenrechts zulässig oder unzulässig ist. Somit ist also für eine Entscheidung des Staatsgerichtshofe auch aus diesem Grund« kein Raum. Dr. H. Wciclunanu. gründet worden sei, Kapitaliin gebraucht. Di« Gesellschaft Hab« zwar bei der Umstellung der Bilanz auf Goldmark per 1. Januar 1924 Infolge des erheblich großen Grundbesitzes, den Boigs der Gesellschaft beschafft haben will, an Stelle der 50000 Papiermoll 250 000 Goldmark ausgewiesen, wozu noch«in Ausgleichsfonds von 275 000 bis 300 000 Mark für Minderung der Warenlager gekommen sei. Stadwbertnspektor Boigs mußte jedoch zugeben, daß diese Experimente eine Senkung der Unkosten versucht habe, und daß Mittel zur wirklichen Geschäftsführung nicht vorhanden waren. Cr erklärt« dann weiter, daß er durch alle möglichen und umnöglichen Experimente«ine Senkung der Unkosten versucht Hab«, und dos schließlich auf seinen Antrag die L i q u i d a t i o n beschlossen worden sei, da der Magistrat es ablehnte, das GrmG kapital auf 1 Miffio« Mark zu erhöhen. Auch über den Aufgabenkreis des Revisors Groger hat bei ihm selbst, wie seine Bernehnmng ergab, reichliche Unklarheit geherrscht. Riesenfeuer in Bingen. Eine große Tabakfabrik vollkommen eingeasthert. Bingen. 17. Dezember. heule früh gegen 3 Uhr brach in der Sarl Grassschen Tobakw a.rensabrik Feuer aus. lln kurzer Zeit stand der ganze Gebäudckomplfx. der sich über«ine Straßenfront von 200 Meter erstreckt, iu hellen Flammen. Al» die Orlsseuer- wehr einlraf, waren die breunenden Gebäude nicht mehr zu retten. da da» Feuer an deo Vorräten reiche Nahrung fand. Die an der Brandstätte eintresscnden Feuerwehren von Büdesheim. Bingerbrück, Kempten und Mainz mußten sich aus die Erhaltung der an- schließenden Gebäude beschränken, die durch Funkenslug und die große Hitze sehr gefährdet waren. Gegen Uhr stürzte der Hintere Teil des etwa 30 Meter hohen Fabrikturme» nach einer Explosion zusammen. Gegen 7 Uhr wütete da» Feuer noch fort, doch Ist die hauplgesahr beseitigt. Ver wer« des Fabrikgebäudes einschließlich de» Inventars wird aus 2 Millionen Mark geschäht. Der Betrieb beschäftigte etwa 600 Arbeiter. Winters Einzug. Schnee und Kälte im fächflfchen Sngebfrae. Am Mon'ag und in der Nacht zum Dienstag Ist endlich im sächsischen Erzgebirge der Winter mit Schnee und Kälte eingezogen. Auf dem Ficbtelberg liegt bei 4 Grad Kälte eine Schneedecke von 24 Zentimeter, davon 15 Zentimeter Neuschnee. Im Ostcrzgebtrge von Geising-Altenderg bis Kipsdorf- Hellerau beträgt die Schneehöhe 15 Zentimeter. Der Schneefall hält weit« an. Der Ski- und Rodelsport hat schon lebhaft eingesetzt. Bauchoperation am Gesunden. BeisUgSverfahren gegen einen Berliner Arzt. vir SloolSaowaltichasl I Hot ein Strofvertahren gegen den Berliner Ztr,t Dr. 5 I I ch edrrr und den Kaufmann Bv- dolf hefÄy eingeleiiet. denen vorgeworfen wird, grohange- lqzie Berficherungsbetrügereien in der Weife verübt zu haben daß der itr,» an dem vollkommen gefunden..Patienten" Oeffnnugen der Bauchhöhle vorgenommen Hab«. um bei Tierfichsrungsgefellfchaslen hohe Beträge für Kurkoslen und Arztrechnungen einzuziehen. tfescky war zu dem Arzt ursprünglich als Patient gekommen. Zwischen beiden entwickelte sich ein Frerindschaftsverhollnis und Dr. Fischeder zog Hescky, der ein grohes Interesse für medizinische Dinge zeigte, zu DperationeN zu. Schliehluh gab fjsscky seine kaufmännische Stellung aus, UM als A s f i st e u i b c i P r. F i s ch e d e r zu arbeiten. Aus Veranlassung von-Dr. Fischeder soll sich chescky dann b e i d r et G e s e-l l s ch o'ft-e n v-r r s i cher t haben. Dr.'Fisch- eder soll daraus ausgegangen sein, sich durch Vornahme von Opera- twnen an dem gesunden Hescky eine ergiebige Einnahmequelle zu verschafsSN. Die erste Operation erfolgte, weil angeblich der„Pa tictii" durch den Sturz von einer Leiter eine ZerroihuNg der Bauch- decken mit Bluterguß erlitten hatte. Jedenfalls wurde an Hescky eine Oeffnung der Bauchhöhle dorgenommeN und die Schnitt- tr-unde dorm venniht. Später fällte sich ein Bluterguß herausgestellt hoben, weshalb eine zweite Bauchöftnung erfolgte. Ein dritter Ein- schnitt wurde wegen eines angeblichen Magenleidens vorgenonunen. Tatsächlich sind an dem Körper von Hescky auch drei Narben vor- Händen, die davon zeugen, daß mit dem Operationsmesser Einschnitte gemacht worden sind. Dr. Fischeder b e st r ei te t entschieden, daß die Operationen an einem Gesunden in betrügerischer-Absicht vor- genommen worden sind. Interessant dürfte sich die demnächst vor dem Schöffengericht stattfindende.stquptoerhondluNg durch die für den geständigen Angeklagten.Hesckh gestellten Bewcisaiiträge ge- stallen, die darauf hinauslaufen, daß die wahren Hintergründe für dos groteske Betrugsmonöver des Arztes sexuelle Hörigkeit einerseits itnd S a d i s m u s andererseits gewesen seien. Durch diese Operationen und die angeblich notwendig gewordene Nachbehandlung in Kliniken«mt teuren Medikamenten hatte Hescky pon den drei Versicherungsgesellschaften, bei denen er sich, wir die Anklage behauptet, aus Veranlassung von Dr. Fischeder hat versichern lassen, auch tatsächlich auf GniNd der Rechnungen seines Arztes recht hohe Beträge ausgezahlt erholten. Dr. Fischeder hatte für dir loben»- gefährlichen Operationen sehr hohe Honorare erhalten. Die Erde ohne Mond. Das Rätsel des sagenhaften Erdteil» Atlantis hat zu alten Zeiten Wissenschaftler wie Mystiker in glewhsm Maße beßhästigt. In einem Bortrag dos Herrn Hans Fischer- Müden, der im Berein für kosmotechnifche Forschung sprach, wußte man nicht, ob man den Bortragenden bat ersten aber zweiten Kategorie zurechnen soll. Jedenfalls ist seine Beweisführung pon einer mondlosen-Zeit, die die Erde vor etwa 14 000 Jahren«rlebk«, womit der Untergang des Erdteils„Atlantis" begründet wird, überraschend. In Gichtbildern zeigte: der Vortragende die verblüffende Berwandtschäst von Kulturen alter-Völker, die in baulichen-Anlagen(Pyramiden). Sonnenkulten. Begrälmtsformen, Schmuck, dann auch-durch-dos gleiche-Tier- und Pflanzcnvvrkommen auf den von Ozeanen getrennten Erdteilen auf eine frühere Verbindung hindeuten. Diele Verbindung muß bestanden haben, eine Airgelegenheit,-mit der sich-viele Gelehrte beschästigen. Der Vertragende glaubt nun,-den-einstmals bestondc- nen Verbindungsweg in einem versunkenen Erdteil, in der Insel „Atlantis", zwischen Afrika und Amerika, zu sehen, wie auch'in der an Größe die Allontis noch übertreffender,-Landzunge, das Reich Polynesien, das Australien mit Asien verband und sich-bis zur Oster- insel im Indischen Ozean erstreckte. Für dos Perschwinden der riefen- großen Ländermassen stellt Fischer eine Theorie aus über einen früher vorhandenen Moird und seinen Einfluß auf die Gestaltung der Erde, der mair in all ilMn Phasen hier nickst zu folgen vermag. Leider wußte der Bortragende aus feinen Theorien kerne anderen Schlüsse zu ziehen, als daß er seine kosmowgrschen Studien mit einer Moralphllosophir umgab, die bestimmt nicht-ausreicht, dem Werden und Pergehen der-Mellen Einhav zu gebieten! Liebe machi blind. »Denkst du noch«in wenig an niich?� In dem.gleichförmig dahinfließenden Leben Fräulein Friedas hatte es keine-besonderen Ereignisse gegeben.-Dos mit wenig körperlichen Vorzügen ausgestattete Mädchen, das längst dos 35. Lebenchohr erreicht hotte, war als Büsettdame in einem Hotel eines östlichen Berliner Dordrts tätig. Sie war fleißig und willig und genoß bei ihren, Arbeitgeber dos größte Vertrauen. Da sie einen auskömmlichen Lohn bezog, brauchte sie kein« Not zu leiden. Aber da trat eines Tages etwas ein, das dos Fräulein Frieda aus dem Gleichgewicht brachte. An ihren freien Tagen war sie gewöhnlich noch Frankfurt a. d. O. gefahren, wo sie einen Pianisten besuchte, mit dem sie freundschaftliche Beziehungen unter- hiell. Und hier lernte sie eines Tages einen Artisten Jean Hohberg kennen, einen kleinen, verwachsenen Menschen von ab- schreckender Häßlichkeit. Das alternde einsam? Mädchen brachte diesem Mann, den die Natur mehr als stiefmütterlich bedacht hatte, ihre ganz« Lied««ntgegen. Hohberg, der dauernd engage- menislo» war, schien ihre heilige Zuneigung zu erwidern. Cr erzählte ihr von seiner großen Not und seinem dauernden Hunger und fand bei dem Fräulein ein mitfühlendes Herz. Die beiden standen in regem Briefwechsel. Fast jeden Tag flatterte erst Schreiben Jeans in das Häus des liebebedürfrigen Mädchens. Immer schrieb er von seiner großen Liebe und immer schrieb er den Satz:.Ich denk« an dich, denkst du auch ein wenig an mich?" Dos letzte bedeutete, daß er Geld benötigte und Frieda sandte ihm fast täglich einen Betrag. Hohberg würde aber täglich uneksättticher. Er scheute sogar nicht davor zunrck, sich von dem Mädchen einen Anzug, einen Mantel und Stieset taufen zu lassen. Das. was der Mann forderte, über. stieg ihre» Löh«, und sie g t i f f i U die Kasse. Fast tagtäglich vestahl sie ihren Chef. Nahezu sieben Monate wurde der Artist unterstützt, der wie ein Bampyr das Mädchen, das glaubte, von ihm geheiratet zu werden, aussaugt«. Run stand Frieda R. wegen fortgesetzten Diebstahls vor dein Schöffengericht Lichtenberg. Ihr Arbeitgeber beziffert fernen Schaden auf «000 HU SÖÖO Mark. Mit lhr war Hohberg, der jetzt mit einer anderen verheiratet ist. wegen Hehlerei angeklagt. Währeich dieser mangels ausreichender Beweite freigesprochen wurde, erhielt die R. sechs Monate Gefängnis. Es ist sehr schade, bäß her irtieflesi tuelle Urheber des Falles dteies armen einjanrek Mädcheüs sticht eines emptinUichen Denkzettel bekommen konnte. Habima spielt eine Vosse. „Der Schatz" im Lesfing-Theaie». Spielen die Russen eine Posse, dann merkt man erst, wie sehr sie noch mir der ältesten Ueberlieserung des Kasperletheaters ver Kunden sind. Do wird in orientalischen Landen, in Rußland ebenso wie in der Türkei und in Griechenland und auf dem ganzen slawi- Ichen Balkon, der Hanswurst noch heute hoch geehrt. Die historische Erinnerung wird durch dos Maridnetteirtheoier noch viel stärker sehakten dls durch ein mit lebendigem Menschen dargestelltes Theatsr. Und sind die Leute aüch heute schon durchaus nwdern geworden und gar»iif Klassenkampf ustd modernst« Technik eiliges chworen, so humpelt, fliegt und blitzt doch Kasperle noch iMmer zu ihrem Wohl- gefallen über die Bühne. Und Kasperle ist bald vertteidei als Gott oder als Teufel, als Wohltäter oder äls Verschwender. Es darf jeder- zeit dos tollste Wunder geschehen. Europa t ganzer Osten, der sich bis ins Asiatische hinein vorstreckt: hängt kindisch dankbar an diesem Hanswurst. Die Russen von der Habimo hatte» das fabelhafte Empfinden für das iheaterfreudige Volk, ats sie diesem Glied« nwmfi, der an -Drähten hängt, Fleisch und Pwt gaben und ihn durch die lebendigen Komödianten-nachahmen ließen Dazu war aber die akrobatisch- Erziehung dieser Komödiairten notwendig. Die Gliederpuppen, die an der Strippe baumeln� leisten Hervorragendes durch ihre Gliederverrenkung, schließlich durch dos Schlcstkern ihres ganzen Leibes. Das lehnten die Habimalevte also auch. Sic belebten nrii ihrer Leidenschaft und LosgeSstheii die ganze Lust und den ganzen Bechen, ans dem sie agierten. Sie iernien, mit ihreni Leibe umzugehen, als wenn« ein Spielball wäre. Sie verkleidest sich auch,-genau wie ihr Vorbild, der Kasperle, unendlich grell, sie pinseln sich mit schreienden Farben an, st« bekleiftern ihre Gesichter Mit unglaublich lächer- lichm und tragischen Wergbörten, genau wie der Hanswurst, mögest sie nun einen frommen Rabbi öder bist zappelndes Schneidefteist dar- stellen. Zeder einzelne von ihnen, ob Mann oder Frau öder Kind, sieht aus wie«ine komisch! Figur aus der Kinderpuppensttebe. Das ist ihr Vorteil. Desto sobald sie austreten, verbteiten ste KiNdei und Mätchenstlnimung. Auch durch die Posse, die sie jetzt spielen. Es ist ein Schwank nach einer Geschichte jenes Schalem A l e i ch e in, der ein jüdijchr Volk ser, zöhlcr war, aber auch ein geistiget Bruder der Märchen- brüder Grimm und Ehrisiian Andersen. In der Posie dreht sich wieder alles um das hübsch Madel, das den alten Witwer heiraten soll, aber den hübschn ustd fröhlichen Burfchn lieber will. Damit das geschieht, wird der wildeste Spuk aufgeführt,«in Totenianz sogar auf dem Friedhof, wo die Leichstsieiite mitspielen, und falsch und«che Gespenster sich materialisieren. Ein Goldschatz soll ge- sünden werden, ein lebendiger, das ist das Mädel, das seinen richtigen Liebsten findet, ein sagenhafter, da geglaubt wird, daß Napoleon, der gtoße Held, einstmals in Polest seist« Millionen begrub. Schalem Aleichem, der seinen Glaubensgenossen das Lesen und auch dös Gmselst beibrachte, nahm die Elemente seiner Geschichten aus aller Munde, von Schristgelehrien und auch von Lmmen Und TriMkenbolden- Es tut sich was an Geschrei und Freude Und Aberglauben und Zufällen und Tränen Und Tanz. Und es ist Pracht völl, wenn£ie Urmslodie des Gettos alles das begleitet, Ein Weib bricht iwr Rührung in Tränen aus und kollert sich langsam aus dem Geschluchz« in den rituellen Synagogensingsastg hinüber. Daist echt volkstümlich Es mag sein, daß diese Russen entsetzlich dimmie Dramenstosf« aussuchen, sobald ste ein ernstes Theater vor- berellest. Dann benehmest sie sich wie die Bauern, die ist ihrem steifen Sonntagsstaat ersticken. Sobald sie aber auf einen literarisch vom Völle kauserwmal durchgekauten Stöfs, auf eist Dorstadt mörchen oder aus ein« Dorfsabel versallen, erwacht ihre ganze Naivität. JiistiMmäßig sind sie dam, die lustigen Brüder und Schwesierst, die ernste und hellere Narrenpossen treiben, wie es seit Urzeiten bei Handwerkern und Bauern, bei Schacherern und auch bei Schrifigelehrten geschah. dls?: kioctickark. Die Deutschen in Frankreich. Paris. Mitte Dezember. Immer wieder kömmt es vor, daß selbst pölllisch linksstehende Deutsch« noch Frankreich äst fröiizösische öder deutsche Bekannte schreiben, um diese anzufragen, ob man eine vorübergehende Fahrk stach Frankreich wagen könne oder ob der Deutschenhaß noch zu stark sei. Man macht sich wirklich leider noch immer trotz Locarno in Deutschland vielfach eine völlig falsch« Vorstellung von den wahren Verhältnissen. Absolut nirgends in Frankreich ist auch nur da- mindeste von einem Deutschenhaß zu bemerken. Gewiß auch nicht in den Kressen der Großindustrie die jä, wie die Affäre Arnold Rechberg-Paul Reynaud erst kürzlich zeigte, zu beiden Seiten des Rheins brüderlich zusammenarbeitet, um auf dem Rücken der französischen und deutschen Arbeiter ihre Pröslle zu vervollstöndigeii. Höchste!« in der Bretagne und in der Vendee ist noch einige Vor-- ficht gegenüber deutschen Besuchern ganzoereinzelt zu bemerken, in diesen Hauptprovinzen des sranzö fischen Royalistentums. Kohr ernst zu nehmen ist das gewiß nicht, sind doch sbgär Sie Einwohner der Bretagne im August 1014 mit ihrem alten gegen die Engländer gerichteten Haßgesang in den Krieg gegeii Deutschlaich gezogen! Vor dem Krieg zählte die deutsche Kolostie in Paris etwa 80000 Mitglieder. Es gab deutsch« Vereine, deutsche Kirchen, deutsch! Schulen. Erst ganz allmählich wird jetzt eiste deutsche Kolonie in Frankreich wieder aufgebaut. Nach Tausenden zählen die Deutschen, die allein in Paris schon wieder ständig amvesestd stich. Nach einer Statistik der„Revue interiwiionalc du Travail" arbeiten allein in Paris und Umgegend berells wieder 14 0lS deutsche Arbeiter(gegenüber 91 632 Italienern, 52 393 Belgiern, 43 297 Russen, 34 000 Polen, 8000 Luxemburgern). Rechnet man die.500 Deutschen hinzu, die schon sell ülter einem Jahr im siidsranzöstschen Eastellane an zwei großen Talsperren arbeiten(und die noch zwei Jahre ist Frankreich blechen werden), zählt man serner dj« 13 000 deüsschen Bergarbeiter und die 3130 Meiallarbeiter ist Lothringen mit, so dürfte man auf etwa 30 000 deutsche Arbeiter im heutigen Frank! «ich kommen. Sw Fahre 1928 bis 1929 waren 639 deutsche ustd 66 österreichische Studenten allein an der Poriser Unwersitöt eingeschrieben. Ein Drittel von ihnen studierte Jura. An, wenigsten wird Medizin studier,! nur von 14 und 5 Oesterreichern. Das im Auslaich ver- brächte Stitdiensemester wird nämlich an den deutschen llnmersiiäten ist det juristischen Fakultät weist angerechnet. Es gibt oiNc«igest« „Vereinigung deutscher Studierender in Paris" und ebenso einen „Oesterreichischen Sttcheweiwerein". Das gesellschaftliche Leben der Deutschen konzentriert sich in Paris Immer Mehr aiss den„Deutschen Klub", die erst« schon vor iast vier Jahren stach dem Krieg ist Frankreich geschassene Verein!- gilng von Deutschen in Paris. Der„Deutsche Klub* veranstaltet regelmäßig sede Woche Borträge, die im Sinne der desttsch-sronzösi- schen Annöherungspölitik liegest. So sprachen erst kürzlich im Deutschen KtliV der Äammerabge ordnete CSsar Ehabrun von der republikanisch-sozialistischen Parte! ustd Frau Duchesto, die in Paris die.Internationale Frauenliga für Frieden ustd Freiheit" leitet. Am 21. Dezember wird Im Deutschen Klub Hetr Cöuret sprechen, bei sozialistische Bürgermeister bot, Ehampigny, wo am 1. Dezember ZehwaUsenbe eine Kundgebung für bis beutsch-französische Verstöndi- gustgspolitik vekanstalleten. Alis diesen Gründen hatte die Pariser deutsche Botschaft früher jeden Kontakt mit dem Deutschen Klub ge- miedest und vor seinen, Besuch geradezu gewarnt. Erfreulicherweise ist das Verhältnis zwischen deutscher Botschaft und Deutschem Klub in den letzten Monaten bedeutend besser geworden, wenn auch noch manches zu wünschen übrig bleibt. Vorsitzender des„Deutschen Klubs� ist der Schreiber dieser Zeilen. Außer dem„Deutschen Klub" gibt es seit über zwei Äckhren einen„Deutschen Hilfsverein", der es sich unter der äußerst um- üchtigen Leitung von Hetrst Paul Block, dem Pariser Korrespondenten des„Verliner Tageblatt", zur Aufgabe gesetzt hat. den in Not ge- rate nen Deutschen zur Seite zu stehen. Ferner ist hier eine finanziell sehr gut dastehende Gruppe des Deutschnationalell Handlung?- gehilfcnverbandes, die dabei ist, in einem Pariser Börort ein eigenes Haus zu bauen, eine ganz kleine deutsche Soziäsistengruppe und ein deutscher katholischer Frmtenbuiid. Sonst gibt es eine deutsche Vereinigung mir noch in Grestöble. tlnter diesen Uitsständeti sich die Fkäge stach einem Desttschtiihaß in Frankreich vorzulegen, ist wirklich eine überflüssige Grübelei und eine völlige Unkenntnis der hiesigen Verhältstisse, KurtTcor. „Melodie des Herzens." llfapa'ast am Zoo. Dieser erste Tonfilm der Ufo geht aufs Ganze; er ist stach dem Prinzip des Warenhauses eiagerichtes, das für jeden Geschmack etwas hat. Es gibt Zuschauer, die sich schöst freuen, wenn sie jetzt im Tgnsilm ein« Straßenbahn richtig klingeln ustd«inest Hahn kräftig krähen hören können. Ganz entzückt sind diese Leuie. men» eme Zigeunermusik spielt oder Willy Frttsch, der Held des Films, ungarische Voltslieder singt. Ist Ungarn spielt der FilM, und meni Muß es dem Regisseur Hostns Schwätz lassem daß«r die herrliche Lage der Hauptstadt Budapest, das ungarische Dorf mit seinew Wirtshaus» und Jahrmärkttreiben. vor ollem aber die Pußta mit den wundervollen Pferden, die sich herdenweis tummelst, oder Mich das Erwachen des Frühlings in Bildern eingefangen hat» die dein Auge wohltun Die Handlung ist nach dem Sparprinzip aufgebaut. Zwei Dotftinder lernest sich in Budapest beim Sostwagsrümmel keststen und aus den erste» Blick liebest. Jaiws ist Söldai und spart für das Pferd, mit dew er sich selbständig machest will. Julia ist ist ihter schmucken Bäuerntrocht ebest als Dtenststnidel gelandet und spart nun nill dem Schatz zusammen. Aber da verliert sie ihre Stellung und wird von einer Kupplerin in ein Freudenhaus ver- schachert. Alle Sonntag triffi sie sich Weiter mit. ihrest. Schätz, wieder als Dienstmädchen in Tracht. Ader dann kommt er hinter ihr Geheimnis-, kehrt ins Dorf zurück und soll«in« reiche Bauern» iachter heiraten. Julia kommt gleichfalls heim üstd geht, da sie das 5)erz ihre« Soldaten verlörest hat. ist? Wasser. Es gib, eine schöne Leiche, und Janas erbt dos Pferd, das ste vost ihrem erspartest Geld« für ihn gekauft hat. Die Musik von Werster R. Heymann wird den Bedürfmssest des Films gerecht, indem sie fleißig ungarische Melodien vermittelt. Die Dialoge kommest in der Wiedergabe schon recht gut heraus, stitr spricht Dito Parle eist gar zu„gebüldetes" Bühstestdeutsch. Seissi ist sie die hübsche OPeretienÄiva in Bäuerntrocht. Willy Fritsch spielt die erste Geige stistssnlich und Vürstellerssch ols fescher Soldat, der ebensv utelanchstisch wie wssö werden kann. Da der Film in Ungarn gedreht wurde, sind die anderen Darsteller meist Ungarn, wenn sie in dieser deutschen Skusgab« auch deutsch rüden. Die Bauernväter sind recht zünftig, wie dem, überhaupt in der Wieder- gäbe des Milieus, besonders der Tracht, viel Sorgfall aufgeboten ist. Jlko Brüning stellt eine Kuppelwirtist Söst beizestden, Geschmack hin, Der deutsche Tonfilm fängt nunmehr än. aus den Kinderschuhen herauszuwachsen. Wir werden also tn Zukunft auch höhere An- fotbetststgest an ihn stellest dürfen. v. Entschließung gegen Kriegsspielzeug. Der Pariser„P ö p u l st i r e" bringt folgende Enffchließung zum Abdruck:� Der f r st st z ö s I s ch e Vollzugsatisschuß der internationalen Konferenz der Kriegsverletztest und ehe Mali gen Frontkämpfer, die an, 11. Dezember getagt hat, stellt fest, daß anläßlich des Neujahrsfestes der Verkauf von Kriegs- spieizeug einen bedstüerlichen Umfang ongenonnstest Hab Er be- dauert, daß der Krieg dest jungen Generationen in Form von Spielzeug dargestellt werde, wöhrend es doch angebracht wäre, ihn den Kindern, die chN nicht erlebt hätten, in seiner wahren tragischen Gestalt vor Augen zü sichtest. Der Vollzugsausschuß fordert die Eltern und Mütter, die um die Zukunft ihrer Kinder besorgt sind, auf, streng alles Spielzeug zu verbieten, was unter der Jugend «inest für best Frieven ustgürsstigest und sogar einen kriegerischen Geisteszustand schaffen könnte.. ver Sokheraa- Ereil, her zum erst«, Male verliehest wird, wurde Hetistrtim® i eh r für sein Gesamtwert zuerkannt. Vir.kraunirlbd-ftorttefiiiiie, die zum GedSSwI» den Arno Solz im Tbeairr in de» Ktelteibraße eistsiudie»! würde, wird yvch äw Dieneiag und Mistwo». abends S'l, Uhr, wieder bellt. Aü den Sdrigen Tagen gelangt »Schneider Bibbett zur Aufführung. .vi« i njn" veranstaltet TonnerZteg. S'U Uhr, im ReichSwittschastSrat. Vellevueffr. iL, einen Borkag von Dtetzen�chmidt üder»»Ausruf»ur gnivleranzl- Leywonte hetz in der Warschau« SaiHedrate. Unter Teilnahme von Vertrelern der Behörden und der iiterurtichni Kreil e wurde In der Nalhcdrälk dort Satfchan da) Httz dcd grogcu Hgüiischen SzähierS Äladhsww Reyuiostt biigeseji, Ed würde in densetdtn Bierler eü-gc- mauert, in dem auch das Herz Chopin» seine Ruhestätte gesunden hat. Zuviel Gchneiderlehrlinge! Eine Eingabe des Vekleidungsarbeiterverbandes. ' Nach der Bentfszählung im Jahr« lS2S betrug die Zahl der Lehrlinge in der Herren- und Damenschneiderei in Deutschland 17 569. Davon kamen auf l bis 3 Personen 30476 Lehrlinge 4 und S........ 27908 6 und mehr Personen..... 19185. Die Zahl der in der Herrenmoßfchneiderel nach Tarif befchäf. ligten Arbeiter ist dagegen zurückgegangen vom Jahre 1913 bis zum Jahre 1928 von 45 048 auf 34 650 d. t. um 23,1 Prozent. In der Damenschneiderei ist die Zahl der beschäftigten männlichen Arbeiter von 1924 bis 1928 von 1921 auf 911 zurückgegangen(52,6 Prozent), während die Zahl der weidlichen beschäftigten von 27 333 auf 16 122, d. s. 41 Prozent, zurückgegangen ist. Die Lehr- lingszahl aber stieg um 37,1 Prozent. %> der Herrenkonsektion war in der Zeit von 1924 bis 1928 eine Steigerung der Zahl der nach Tarif beschäftigten Arboiter von 4145 auf 6630 zu verzeichnen und eine solche der Zahl der Arbeite- rimten von 12 408 auf 24 486. In der Heimarbeit, die von 1924 bis 1927 noch eine Zunahme der Ardeiter um 3500 aufwies, �ist im Jahre 1928«in Rückgang um rund 1500 Arbeiter eingetreten. Die Arbeiterinnenzahl ging hier von 1924 bis 1928 von 12097 auf 8976 zurück. Selbst die Herrenkonfektion ist für die Ausge- lernten in der Herrenmaßschneiderei nicht mehr aufnahmefähig. In, folge ihrer weitgehenden Teilarbeit mit SpezialMaschinen kann sie mehr und mehr ungelernte und angelernte Arbeits- kr äste beschäftigen. An die Stelle männlicher Arbeitskräfte treten weibliche. Dem verminderten Bedarf an gelernten Arbeitern steht ein« vermehrte Ausbildung von Lehrlingen gegenüber, die in der Regel arbeitslos werden, sobald sie ausgelernt haben. Geht man doch in einzelnen Fällen schon dazu über, die Lehrlinge wochenlang aussetzen zu lassen, um ihnen kein Kostgeld zahlen zu müssen. Selbst in den Monaten-der Hochsaison bleiben Arbeitslose übrig, während in den stillen Monaten der größte Teil der Arbeiter beschäftigungslos ist oder verkürzt arbeitet. Nach alledem ist erklärlich, daß nicht nur die Arbeiterorgani» sation, der Deutsche Bekleidungsarbetterverband. stjh gegen die un- sinnig« Lehrlingswirtschaft wendet. Auch der Mhzemenie Deutsche Arbeitgeberverband wanht« sich auf seiyglr Hauptvarsamm- lung am 2. September 1929 mit oller Schärf« gegen die unhylt- baren Mißstände. Der Reichs verband des Deutschen Schneideqgewerbes sagte in einer Denkschrift über das Lehrlings- ünd Benqswesen in der Herrenschneiderei u. a.: .Was in den letzten 10 Zahren an Lehrlingsausbildung ge- leiste» wurde, ist Totengräberarbeit für unsere« eigene Existenz... Wenn dem beruflichen Nachwuchs sine eiiPgermäßm gesicherte Existenz für die Zukunft evmäalicht werdw' ioll. dann ist es unsere Pflicht, dafür zu sorgen, daß das planlose Änslxllen von Lehrlingen aushört. Die Gesamtzahl der Lehrlinge sollte höchstens 10 Prozent der gesamten Gefellenzahl sein, selbst wenn ein Teil der Lehrmeister oft jahrelang mit dqr Lehislingshalrung aussetzen muß." Der Deutsche Vekleidungsarbeiterqerband zieht aus der ZZit- fache der durch und durch ungesunden lZehrlingswirtschaft im Schneidergewerbe die Konsequenz. Er schlägt den Londeszeptral- behördgn des Reiches vor zu bestimmen, daß in der Herren- schneideret für die Dauer von drei Zchhren keine Lehxlinge einge- stellt werden dürfen und in dqr Dawänschyeiderei für die Dauer von zwei Jahren. Nach Ablauf dßesex ZHt dürfen nur solche �Meister Lehrlinge einstellen, die in der Regel Gshelfen besck�äftl. gen, jodoch in keinem Betrieh* mehr als«iy lhehrling in der Herrenschneiderei und nicht mehr als zwei.Lehrlipge in der Domen- schneideret. Eine derart einschneidende Maßnahme läßt, sich gerade jetzt am besten durchführen, wo dpr Geburten�ausfagll während der Kriegszeit seinen Höhepunkt erreicht und die. Gefahr einer Flucht in die übrigen Berufe und damit deren UeberA-tzung am wemgsten zu fürchten ist. Das Schneidergewerbe steht übrigens mit seinen Klagen über die Lehrlingszüchterei nicht allein. Der Arbeit-iplatz ist für die ge- samtc deutsche Arbeitnehmerschaft zu knapp �jworden. Deshalb muß der Lehrlingszüchterei gesteuert werden, da sie wirtschaftlich sinnlos und schädlich ikt. Das Berufsaus4bildungsges«tz wird hoffentlich zu einer vernünftigen LehrZiPSwirtschoft führen. Deutsche Arbeiter in Lettland gefährdet! Oer Mohr hat seine Schuldigkeit getan... In Lettland, speziell in R i g a, sind seit Iahren mehrere hundert deutscher Facharbeiter und Spezialisten be- schöstigt, die beim Wiederaufbau der Industrie nach Lettland be- rufen worden sind und durch deren Arbeit die meisten Betriebe wieder in Gang gesetzt werden konnten. Seit einiger Zeit machen sich bei der lettischen Regierung Bestrebungen be- merkbar, diese deutschen Arbeit«? aus ihren Stellungen, die ihn«» vor Vertragsabschluß als„Lebensstellungen" bezeichnet wurden, zu verdrängen. So wurde vor einiger Zeit ein Gesetz über die Ausländerarbeit in Lettland erlassen, das mancherlei Er- schwerungen und Schikanen mit sich brachte. Wurde der Erlaß dieses' Gesetzes damit gerechtfertigt, daß mar!' den Arbeitsmarkt vor neuem Zuzug aus dem Auslande schützen müsse, so werden jetzt Schritte der lettischen Regierung bekannt, die direkt gegen die seit Jahren in Riga lebenden deutschen Arbeiter gerichtet sind. Die lettische Regierung wendet sich durch ihr Berliner Generalkonsulat an deutsche Firmen, hauptsächlich der Textil- und Metallbrdnche, mit der Anfrage, ob diese Betriebe bereit wären, gegen gute Bezahlung Volontäre zum Anlerne« einzustellen. Zur Begründung dieses merkwürdigen Schrittes wird an- gegeben, daß die in Lettland lebenden deutschen Arbeiter sich ent- gegen den Abmachungen weigerten, Lehrlinge auszubilden. Dies entspricht aber nicht den Tatsachen, vielmehr sind nachweislich in allen Branchen eine ganze Reihe von Lehrlingen ousge- bildet worden, jedenfalls vollkommen genügend für den Bedarf der lettischen Industrie. Auch in der deutschen Fachpresse tauchen Inserate auf, in denen die lettischen Konsulate Anlernestellen für volouläre suchen. Diese Maßnahmen haben den einzigen Zweck, die deutschen Arbeiter, die zum Teil mit ihren Familien übe*geffiedelt sind oder sogar erst in Lettland Familie gegründet haben, aus ihren Stellungen zu ver- drängen. Die gewerkfchafkllchen yrtsverbünde. täten gut daran, auf solche Fälle, in denen Dolontäre eingestellt wenden, zu achten und G e g e.n- maßnahmen zu ergreisen. Dqiutsch-e Unternehnuel würden durch die Einstellung solcher DolonGrc direkt gegen die Intercsien unserer Dolkswirtschast verstoßen, da die Löhne in der lettischen Industrie, die jetzt durch die deutschen Meiner auf westlichem Niveau gehalten werden, späterhin von den in Deutsch- land angelernten Kräften gedrückt iqürden, wodurch die lettische Industrie auf den östlichen Märkten ein ernster Konkurrent würde. Lohnwirtschast der Firma(Sommerfeld. Sollen die Arbeiter sich um den Lohn betrügen laissen? Bom B a u g« w e r k sb u nfd wird uns geschrieben: Bei der Vaufirma Allgemeine Häuserbau A.-G. Adolf Sommerfeld, Schellingstr. 5, werden fast alle Bauarbeiten, auch die Ausbauarbeiten, in Akkord ausgeführt. Bei dem Kolonnen- akkordsystem im Baugewerbe hat dqr Kolonnonführcr die Macht- besugnls, das wöchentliche Ergebnis fer Akkordarbeit gemeinsam mit der Firma festzustellen, den erzielten verdienst zu errechnen und ihn an die Kolonnenmitglieder in einer geschlossenen Lohntüte zu ver. teilen. Bei dieser etwas schwer zu konftroftlieren�den Tätig- fei» kommt es auch zuweilen vor, daß sich die Kolonnenführer „verrechnen". Auf Kosten der Arbeiter; Das wäre, unmöglich, wenn sowohl die Baudelegierten als auch die Firma ihr Kontrollrecht gewissenhaft ausübten. Bei der Firma Soipmerfeld scheint das jedoch nicht zu geschehen, da bei ihr derartige Betrügereien der Kolonnenfühver an der Tagesordnung sind. Schon häufig mußten wir deswegen Klagen gegen die Firma SommerfAd und gegen den ungetreuen Kolonnenführer beim Arbeitsgericht führen. Wie weit es gekommen ist, zeigt folgender Vorfall: Em Kolonnenführer Kroop aus Michendorf auf der Baustelle Groß- fiedlung Zehlendorf führte wöchentlich einen oder mehrere Maurer in den Lohnlisten, die auf der Baustelle gar nicht existierten. Den Lohn für diese Blindgänger steckte er in seine Tasche. Eine derartige Betrügerei wäre undenkbar, wenn die Firma, wie der Tarifvertrag es vorschreibt, die Aushändigung des Akkordlohns kontrollieren und überwachen würde. Die Firma stellte aber seelenruhig Lohnkülen für Leute aus, von denen sie nicht elnmal Papiere In Händen hatte! Das betrügerische Ma- növer mußte dennoch bei regelrechter Abführung der Soziolbeiträge bemerkt werden. Der genannt« Kolonnenführer mußte auf Drängen der übrigen Kolonnenmitglieder entlassen werden. Di« Kolonne wählte sich einen anderen Kolonnenführer, zu dem sie Vertrauen hat. Die Firma aber weigert« sich, den neuen Kolonnenführer an- zuerkennen, da sie einen— sogen wir— Freund des entlassenen betrügerischen Kolonnenführers als dessen Nachfolger ausersehen hat. Die Kolonne wollte nicht vom Regen unter die Trause kommen und protestierte gegen den Günstling der Firma. Es wurde ihr jedoch bedeutet, daß sie gehen könne, wenn ihr der neue Kolonnenführer nicht passe. Die Firma zieht also einen nicht ein- wandfreien Kolonnenführer einem ehrlichen Arbeiter vor. Zu welchen Schlußfolgerungen führt das Verhalten der Firma in diesem Falle wie auch in früheren Fällen? hat sie etwa kein Interesse daran, solche« gemeinen Betrügereien vorzubeugen und ihren Arbeitern zu ihrem ehrlich oerdienten Lohn zu verhelfen? Die Anieflelttenversichung. Aufrechterhaltung der Anwartschast dei der WA. Für die Zeit vom 1. Januar 1926 an ist es zur Aufrecht- erhaltung der Anwartschaft erforderlich, daß jeder Vor- sicherte vom 2. bis 11. Kalenderjahre seiner Versicherung jährlich mindestens acht, vom 12. Kalenderjahre an jährlich mindestens v i c r Beitragsmonate nochweist. Die Anwartschaft er- lischt zunächst, wenn diese Mindestzahl nicht erreicht wird. S:e lebt aber wieder auf. wenn der Versichert« soviel freiwillige Beiträge, als zur erforderlich m Mindestzahi von Beitragsmona tr.i fehlen, innerhalb der zwei Kalenderjahre nachentrichtet, die dem Kalenderjahre der Fälligkeit folgen. Es können also die etwa noch «rsorderljchen Beiträge für das Jahr 1927 noch bis zum 21. Dezem- ber 1929 nachentrichte: werden. Der Entwurf eines Gesetzes zum Ausbau der Ange stell- ten Versicherung sieht allerdings vor, daß olle Anwartschaften bis zum 31. Dezember 1929 als ausrechterhalien gelten, auch wenn in einzelnen Jahren zu wemg Beiträge oder keine Beiträg« ent- richtet wurden. Da es aber noch ungewiß est. ob dieser Entwurf Gesetz wird, empfiehlt die Reichsversicherungsanstolt für Angestellte die zur Ausrechterhaltung der Anwartschast er- forderlichen Beiträge bis zum Schluß des Iah: es nachzuentnchten, denn nach Eintritt des Bersicherungsfolles ist die Nachentrichtung freiwilliger Beiträge regelmäßig unzulässig. Die freiwillige» Beiträge werden nicht zurückgezahlt, auch wenn sie wegen einer etwa späteren Gesetzesänderung nicht notwendig gewesen waren. Freiwillige Beiträge für die Zeit vom 1. April 1928 an sind in tcr dem' feMelltgen Einkommen entsprechenden Gehaltsklosse, mindestens aber in Klaffe L zu entrichten. In Klaffe v könncnr Beiträge nur von solchen Versicherten geleistet werden, die ohne Einkommen sind, oder deren Einkommen im Monat den Betrag von 100 Mark nicht übersteigt. Für die Zeit vor dem 1. April 1928 sind freiwillige Beiträge mindestens in der Gehaltskloffe- zu entrichten, die dem Durchschnitt der letzten vier Pflichtbeiträg? entspricht oder am nächsten kommt. In einer niedrigeren Beitragsklasse ist die freiwillige Weiterv.'rsiche» rung für diese Zeit dann zulässig, wenn diese GehaltsNoffe dem Einkommen des Versicherten entspricht. Wetter für Berlin: Wechselnde Bewölkung mit fortdauernder Neigung zu einzelnen Schauern. Temperaturen wenig verändert. Nordwestwind«.— Für Deutichland: Unbeständig und besonders im Osten Schauer. Vielfach leichte Nachtfröste. Berantwortt.'iie die Nedakti-n: ffialfnang Schwarz. Dcrtin:«n, eigen: rh. St»««, Berlin. Verlag: V-rwSrt» Verlag S. m b S.. Berlin. Druck: V-rwärt- Buch. druckerel und Verlagsaniialt Paul Singer& Co. Berlin£93 68, Linden strali» S. 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Rheinberger, HaUc(Saale) Als!ch fm vergangenen Jahre eine größere Reise nach Norö- amerika unternahm und dort Gelegenheit hatte, d>e bedeutendsten Werk« zu besichtigen, da fiel mir dreierlei auf: 1. die rationelle Fließarbeit, 2. die größere Wohlhabenheit der amerikanischen Arbeiter und Angestellten und 3. deren Ernährungsweise, die von der deutschen stark abweicht. lieber die ersten beiden Beobachtungen ist man als Deutscher nicht allzusehr überrascht. Die amerikanische Fließarbeit ist sprichwörtlich. Sie bedeutet auf der einen Seite.zwar die höchste Ralonalisierung, auf der anderen Seite aber macht sie den Menschen zu einem Stuck Maschine, dem jedes Aufatmen während der Arbeits- zeit unmöglich wird.— Auch über die größere Wohlhaben- heit der amerikanischen Arbester, die stch vor ollem in.besserer Äleidung auswirkt, ist man nicht überrascht. Denn die Löhn« sind höher als in allen anderen Ländern, etwa dos Vier- bis Fünffache der in Deutschland gezahlten. Freilich muß berücksichtigt werden, daß die Lebenshaltung dos Zwei- bis Dreifache kostet. Was die Ernährungsweise der Amerikaner betrifft, so ist bekannt, daß die Mahlzeiten in Amerika wesentlich anders aus- sehen als bei uns. Einzelheiten weiß man jedoch darüber meist nicht, und dem Deutschen, der nach ncuntägiger Seereise und nach Er- ledigung einer Unmenge Formalitäten'endlich im New-Torker chofen wieder festen Boden unter die Füße bekommt, bietet stch eine Ueber- raschung nach der anderen. Dos Friihsiück Das amerikanisch« Frühstück macht infolge seiner Reich- haltigkeit meist den tiefsten Eindruck. Es besteht aus Fleisch und Eierspeisen mit Bratkartoffeln oder geröstetem Brot, aus Reis« oder Maisbrei und ähnlichem, je nach der Kapitalkrast des Hungrigen. Lm allgemeinen fehlt in keinem Haushalte auf dem Frühstückstisch eine Fleisch, oder Eierspeise. Diese nährstoffreiche Mahl- zeit des Morgens ist deshalb notwendig, weil das Mittagessen, der Lunch, infolge der durchgehenden Arbeitszeit nur rasch als Imbiß eingenommen werden kann. Das Hauptgetränk des Morgens ist Milch: in den kalten Jahreszeiten wird mehr nach Kaffee gegriffen. rend man in Grillrooms oder Restaurants für«in mittelmäßiges Essen 1 bis 1>- Dollar zahlen muß. Das Hauptgelränk— die Milcfa In Deutschland wird man oft gefragt:'Was trinkt man denn ix Amerika? Bekanntlich ist in Amerika der Alkohol verboten, und man kann in manchen deutschen Gauen, wo sich die Bevölkerung etwas sehr stark! alkoholischen Getränken zuwendet, nicht verstehen, wie man ohne Alkohol existieren kann. Tatsächlich kann man in Amerika öffentlich nirgends Alkohol bekommen. Es ist zwar ein Dunnbier> mit l'A Prozü Alkohol, das Ginger Ale, erlaubt, aber wer das zu.feinem Lcibgehränk erhebt, hat schon jeden Geschmack verloren. Das Hauptgelränk ist daher Milch. Daneben spielen, noch einige Fruchtsäfte, besonders das eisgekühlte Orange- drink,«ine ziemlich« Rolle. Die in Amerika lebenden Deutschen gewöhnen stch sehr., rasch an den Milchgemiß. Wie stark dieser in Amerika ist, geht daraus hervor, daß manche Städte je Kopf derBevölkerung einen Milchoerbrauchtvon über einem Liter täglich auf- weisen, während er fn Deutschland durchschnittlich nur ein Viertel- liter beträgt. Der starke Milchverzchr läßt stch daraus erklären, daß die breite Masse zu jeder Mahlzeit— morgens, mittags und abends— Milch trinkt. Es hätte der Prohibition nicht bedurft, um den amerikanischen Arbeiter mehr an alkoholfreie Getränke, ins- besondere an Milch,'zu gewöhnen, sondern der amerikanische Arbeiter weiß, daß er der intensiven Arbeitsweife nur dann gewachsen ist, wenn er die Leistungsfähigkeit von Körper und Geist nicht durch Alkohol schwächt. Es ist vielleicht interessant zu wissen, daß der starke Milchver- brauch wieder ein« besondere Regelung des ganzen Milchvertehr s�mit stch brachte. Verlangt man z. B. m einem Lunchroom oder in sonstigen Verkaufsstätten nur Milch, so wird man gefragt, welche.Masse Milch" man will. In Amerika ist nämlich di« Milch nach Qualität klassifiziert, und zwar ist neben der allge- meinen Beschaffenheit vor allem der Kcimgehalt maßgebend. ' Es bestehen sowohl bei jjasteurffierter wie bei roher Milch ver- schiedene Qualitätsklassen, so z.B. beiroher Milch. ZKlassen: 1. Vorzugsmilch, die unter Aufsicht der städtischen oder provinziellen „Medical Milk Kommission of the Society" gewonnen wird, 2. die rohe Milch Grad A, die bis zur Ablieferung an den Ver- braucher nur 50 000 Keime je Kubikzentimeter zählen darf, 3. die rohe Milch Grad B, die bis 200 000 Keime, 4. die rohe Milch Grad C, die bis 1 000 000 Keim«, und 5. die rohe Milch Grad E>, die nicht über 5 000 000 Keime zählen darf. In Amerika(und auch in vielen anderen Läirdern) ist man asso viel weiter als bei uns. Dort ist nicht Milch gleich Milch, sondern man weiß gesunde, hochwertige Milch gegenüber dex Masseinvore zu würdigen. Allerdings muß betont werden, daß auch in Deutsch- land mit dem bevorstehenden Inkrafttreten des Reich s..m i l ch- gesetzes bald einschneidende Aenderungen eintreten werden. Was wir auch haben konnten Wirft man zum Schlüsse nochmals einen Blick auf die Ernäh- rungsweise der ametikanischen Arbeiter und Angestellten, so muß man eingestehen, daß manche der praktischen Einrichtungen auch für unsere großstädtische Bevölkerung geeignet wäre. Nament- lich würden Gaststätten nach Art der Lmrchrooms und Eäseterias eine große Erleichterung. Berbilligung und Zeitersparnis für Unver- heiratet« bedeuten» ganz zu schweigen von jenen Familien, in welchen auch di« wwtilichen Mitglieder, insbesondere die Ehefrau, tagsüber zur Arbeit gezwungen sind. Welche Zeit pflegen alle täglich dadurch zu vertrödeln, daß sie sich zu jeder Mahlzeit an einen fremden Tisch ansetzen und auf das Heranbringen des Essens, auf das Be- zahlen usw. warten müssenl Und eine weitere Einrichtung wäre bei uns im Interesse aller derer zu begrüßen, di« tagtäglich hart ins Berussjoch eingespannt sind: die alkoholfreien Getränke, in erster Linie die Milch, müssen mehr Beachtung finden. Freilich muß man dann mancherorts noch auf die Lieferung einer erstklassigen, gesunden Milch hinarbeiten, damit wir auch in dieser Beziehung dem Ausland« nicht nachstehen. Der Lunch Der Lunch(Mittagessen) wird von den Arbeitern und Ange- stellten in den Arbeitsstätten«ingenommen bzw. hinunter- geschlungen. In der Regel werden belegte Brote(Sandwichs) ver- .zehrt, und zwar mit Schinken. Beefsteak oder Käse belegt, da man Wurst in Amerika fast gar nicht kennt. Auch die sogenannten„pie," spielen. eine große Rolle: das sind. Obst-, Rosinen-, Quarkkuchen usw. aus Blätterteig. Ebenfalls sehr beliebt sind verschiedene Pudding- arten, besonders Reispudding und dergleichen. In manchen großen Fabriken, z. B. in den Ford-Werken in Detroit, spielt sich der Lunch folgendermaßen ab: Um A12 Uhr werden in die Betriebsräume kleine. Lunchwagen geschoben, auf welchen Kartons, etwa in der Größe kleiner Schuh- schachteln, geladen sind. In jedem Karton befindet sich ein vollstän- diger Lunch,-bestehend aus zwei oder drei belegten Broten, 1 Stück Rosinen- oder Pfiffichkuchen und 2 Aepfeln. Ebenso fahren Wagen mit eisgekühlter oder warmer Milch herein. Im Augenblick, wo die Sirenen schrillen, um die Lunchzeit anzukündigen, bleibe» olle Maschinen stehen, und jeder stürzt sich aus die Lunch- wagen, nimmt sich einen Karton und«ine Flasche Milch. Dann läßt man sich irgendwo nieder, um die Mahlzeit zu verzehren. Das Mit- bringen von Stullen ist ganz unbekannt. Der Amerikaner und be» sonders die Amerikanerin sind viel zu bequem, sich selbst Brote zu richten und mitzuschleppen. Die Lunchzeit dauert in der Regel 20 Minuten, dann ertönt ein dreimaliges Pfeifen der Sirenen, und die hastige, hetzende Arbeit nimmt ihren Fortgang. Das B u r e a u p« r s o na l nimmt den Lunch entweder in Lunchrooms oder in Cafeierias«in. 5?ierfür wird 20bis30Mi- nuten Zeit gegeben. Große Fabriken besitzen eigen« Lunchrooms oder Cafeterias, ähnlich wie sie in Deutschland Kantinen und Kasinos besitzen. In den Geschäftsvierteln sind fast in jedem Haufe solche Gaststätten, die meist von großen Aktiengesellschaften betrieben werden.*. Ein Lunchroom besteht aus einem riesigen Bflfeft, an welchem man stehend oder auf hohem Stuhle sitzend, den Hut zurückgeschoben, seine Mahlzeit hinunterschlingt. Alle Speisen stehen schon fertig da, und man braucht dem nächsten Büfettmann nur das tiu-nHinschte zuzubrüllen, das dann sosorl nebst„Ticket"(Preiszettel) uverreichl wird. Im Gegensatz zun� Lunchroom fällt im Cafeteria jegliche Bedienung weg. Man'geht einen schmalen Gang an dem Büfett entlang, nimmt sich Zunächst«in Anrichtetäblett, dann ein Besteck, dann— immer im Weitergehen— belegte Brote oder Fleischspeisen. Gemüse, Kompott oder wonach es sonst gelüstet. Am Ende des langen, schmalen Ganges befindet stch die Käsf«: die Kassiererin über- blicat mit einem Blick di« entnommenen«peisen, schätzt rasch den Preis, und man zahlt. Jeder kann sich nun mit ieinem gefüllten Tablett an einem Tische niederlassen, und sein Essen hinunterschlingen. Vielfach fehlen auch noch die Tische, und es gibt nur Sessel. deren rechte Armlehnen tischartig, verbreitet sind. Das Abräumen des leeren Geschirrs besorgt im ganzen Lokal xneist ein Reger. Das Dinner Nährend das Mittagessen, der Lunch, mehr die Rolle eines Imbisses spielt und dementsprechend alleÄ auf Zeitersparnis einge- stellt ist, bildet das Abendessen stiinner) die' Hauptmahlzeit. Auch da' ist man möglichst bestrebt, nichtzu Hause zu essen, son- d-rn sich diese Arbeit zu ersparen. Kapitalkräftigere Kreise gehen in Restaurants nach europäischem Muster oder in Grlllrooms. Grill- rooms sind richtige Restaurants mit Tischbedienung, aber Im Gegen- satz zu unseren Restaurants befindet sich die Küch« inmitten des Lokals. Die Speisen werden also öffenllich vor den Augen des Gastes zubereitet. Der echt« Amerikaner, und vor ollem die große breit« Mass«. schlingt aber auch diese Hauptwahlzeit in den Cafeterias oder Lunch- tvoo» himmter. Man kommt hier«it S0 bi» L0 Cent» oxg, wäh- l Seelische Krankheiten, seelische Heilung \ Neurosen und Psychoanalyse/ Von Ewald Böhm Es gibt körperlich« Krankheiten, und es gibt seelische Krank- hellen. Die körperlichen Leiden tönhen sich auch im Seelischen aus- wirken, und die Seelenleiden zelligen oftmals körperliche Symptome (Krankheitsäußerungen). Dieser Umstand erschwert im Einzelfall im- gemein di« Erkennung der wahren Krankheitsursache. Die Fest- stellung aber, ob eine Gesundheitsstörung rein körperlich oder ob sie seelisch bedingt(„psychogen")-ist, ist für die Therapie(Heilung?- technik) ungeheuer wichtig. Zahlreiche, untereinander sehr verschiedene Störungen, di« sich im ieelischen Betrieb ergeben, pflegen wir mit einem Ausdruck der Psychoanalytiker Neurosen zu nennen. Es ist ungemein schwer, diesen Begriff abzugrenzen. Die eigentlichen Geisteskrankhellen, die Psychosen, fallen nicht darunter.'Einige Beispiel« werden aber sogleich erläutern, was ryan unter Neurosen versteht, und welche überragende Bedeutung ihnen für das soziale Leben wie für'das Leben des einzelnen zukonmrt. Da hat ein Mann ein«s Tages einen Anglstanfall bekommen, und seikdem kann er nicht mehr ohn« Begleitimg größer« Stroßen- däminc oder Plötze überqueren, oder er kann nicht mehr in D-Zügen fahren oder nicht mehr allein in einem sonst leeren Abteil oder Ziminer sitzen(Platzangst). Ein anderer leidet an ganz merkwürdigen, ihm völlig rmer- klärlichen Stimmungsschwankungen, die ihm zeitweilig jede Arbeit unmöglich machen, besonders, damr, wenn er weib, daß diese Arbeit gerade besonders dringend ist. Als pfti cht gewohnter Mensch leidet er furchtbar unter seiner Arbeitsunfähigkeit, und trotzdem sein Verhalten ihn in wirtschaftliche Not bringt, ist er nicht in der Log«, von selbst etwas dagegen zu tun.„Es" beherrscht ihn in diesen Zeiten, so daß er vollkoomren machtlos ist. Oder wir beobachten eine andere Berufsstönmg. Mll Heller Freud« und großem Eiser beginnt ein junger Mensch die Ausbildung zu irgendeinem Berufe, um kurz vor Abschluß seiner Lehrzeit hie Lust zu verlieren, und so geht es ihm ein paarmal hintereinander in anderen Berufen, so daß er immer nur Mühe hat, sich kümmerlich über Wasser zu halten, und niemals eine gesichert« Existenz erreichen kann(Erfolgsang st). Gan.; ähnlich wie diesem Manne mit den Benifen ergeht es einem anderen mit den Frauen. Jimner wieder glaubt er,„die Rechte" gefunden zu Hab«», wird ihrer aber bald wieder. über- drüffig, er löst fede Bindung, um immer wieder neuen Bindungen zuzustreben, die ihn ebenso anttäuschen.. Es gelingt ihm nicht, zu der lanycrjehitten glücklichen Ehe zu gelangen. Als einen besondere feinfühligen Menschen beeurträchiigt ihn- diese seine erotische Unbeständigkeit auch nicht unbeträchtlich in der Berufsarbeit. Cr wird schließlich«in mißmutiger Weltpierächter und Pessimist. Es ist dies der tragische Typ des Don Juans. Ein ganz gewaltiges Gebiet ipachen die sogenannten Zwangsneurosen aus.. So hat z. B. eine Frau den un- widerstehlichen Zwang, sich täglich mehrere Stunden zu waschen. und zwar unter genauer Beachtung eines ganz bestimmten Zerema- niells(Waschzwang). Oder ein Mann befolgt aus der Straß« eine ganz bestimmt« Gehzeremoni«, indem er den Fuß immer nur nach einer komplizierten Regel auf die Pflastersteine oder deren Zwischenfugen setzt. Denselben Kranken quälen' dann vielleicht»ach einer Zell plötzlich entsetzliche Zweifel, ob er feine Haustüre auch wirklich abgeschlossen, ob er einen Brief auch wirklich i» den Post- kästen geworfen, od« ob er das elektrische Licht auch wirklich aus- gelöscht Hobe. Er muß sich immerfort selbst komrollieren und kommt so schließlich, da di« Krankhell immer schlimmer wird, zu keiner ruhigen Minute mehr. Unter die Zwangsneurotiker gehören auch die Kleptomanen, di« unter Zwang stehlen müssen,— und meist sogar ganz geringfügige Dinge, die für sie gar keinen Wert haben,— sowie zahlreich« andere pathologische Gesetzesverletzer. Schier unermeßlich ist die Mannigfaltigkeit der Neurosenformen im Sexualleben. Hier gibt es alle Abstufungen von der völlig liebesuntauglichen alten Jungfer bis zur erotomattifchen(lisbestollen) Frau und ähnlich beim Mann«. Di« Zwifchenformen der zahlreichen Teilstörungen sind mitunter noch viel lästiger. Do finden wir Ab- Neigung gegen allerlei Zärtlichkellsbezeigungen, seelisch bedingtes Schmerzempfinden beim Verkehr oder die so verbrellet« Frigidität (sexuelle Gefühlskalte) u. a. bei der Frau, Angst- und Ekelgefühl, Impotenz(sexuelles Unvermögen) und vieles andere beim Mann«. Gegen alle diese neurotischen Erkrankungen, auf deren Ursachen wir hier nicht weiter eingehen wollen, gibt es«ine sehr bewährt« seelische Heilmethode, die von dem Wiener Professor Dr. Sigmund Freud begründete Psychoanalyse. Ueber die Technik der Psychoanalyse läßt sich in einem kurzen Zeitungsartikel so gut wie gar nichts sagen. Man könnte, so wie einst der griechische Weis« Sokrates, der Sohn der Hebamme Phainarete, sein« Philo- sophie bezeichnete, sie ein«„Hebammeirkunst" nennen. Denn der Arzt nimmt an der seelischen Heilung seines Patienten sozusagen nur als Geburtshelfer teil, die eigentliche Arbeit wird vom Kranken selbst geleistet, der aber ohne diese Anleitung schwerlich zur Heilung gelangen würde. Deshalb sind auch ein ge- Misses seelisches Unbehagen(Kranbheitselnsicht) und ein fester Gesundheitswille unerläßliche Voraussetzungen zur erfolgreichen Behandlung. Ein jeder wird aus unserer obigen. Schilderung ahne weiteres erkennen, daß das Proletariat von den Neurosen ebenso heimgesucht wird wie die anderen Volksschichten. Es sind höchstens die typischen Formen dieser seelischen Störungen hier andere alg dort. Leider aber hoben nur die Reichen die Mittel für die Bchanbiung dieser Leiden der Psychoanalyse. Die Krankentassen verschließen sich jedoch immer noch dieser von der Schulmedizin noch nicht über- all voll, anerkannten Heilmethode. Angesichts dieser bedauerlichen Taffache seien hier zum Schluß ein paar Sätze aus einer Rede angeführt, die S i g m u n d F r.e u d l!)18 auf dem Internationalen Psychocnalytischen Kongreß in Budapest gehalten hat, und von denen man hoffen möchte, doß sie. wenigstens in Deutschland, nicht mehr allzulange Zukiinftsm-usik bleiben werden. Diese Sätze lauten:„Irgend einmal wird das Gewissen der Gesellschaft erwachen und sie ermahnen, daß der Arme ein ebensolches Anrecht auf seelische Hilfe- leistung hat wie bereits jetzt aus lebensrettende chirurgische. Und daß die Neurosen die Vaiksgeiundheit nicht minder bedrohen als di« Tuberkulose und ebenso wenig wie hisse der ohmnachtigen Fürsorge des einzelnen aus dem Volke überlasten werden köniedW Daun werden also Anstalten oder Ordinattonsinstllute errichW�werden. an denen psychoanalytisch ausgebildet« Aerzte angestellt sind, um die Männer, die sich sonst dem Trunk ergeben würden die Frauen, die unter der Last der Entsagungen zusammenzubrechen drohen, die .Kinder, denen nur die Wahl zwischen Verwilderung uiid Neurose bevorsteht, durch Analyse Widerstands- und leistungsfähig zu erhalten. Diese Behandlungen werden unentgeltlich sein. Es mag lange dauern, bis dtr S'nat d'"'' Pflichten als dringend empfindet." Wie lange mag es noch dauern? (3. Fortsetzung.) „Ich glaube, daß es denjenigen, die berufen sind, das Land zu regieren, die berufen sind, das harmonische Gleichgewicht aller Led�iiskräfte des Landes aufrechtzuerhalten, nichi umntereffant war, die rationelle Organisation einer Automobilfabrik kennenzulernen..■" Tiner von den Deputierten, ein Raditalsozialist oder Sozial- radikaler, erinnerte sich an die endlosen Arbeiterreihen und machte vor Angst die Augen zu. Schlägt dieser Citroin vielleicht vor. das ganze Loben am laufenden Band«inzurichten? Zum Beispiel er selbst, der ein« Abgeordnete spricht, der anders bringt gleichzeitig Be. richtigungen ein, der dritte stimmt ab, der vierte appellim an das Bolk und der fünft« trinkt im Büfett feinen Tee. Und der sechste... Uebrigens hat der Abgeordnete vielleicht nur sein Berbauungs- schläfchen gehalten. Herr Cüroän antwortet« sein ehemaliger Kollege von der Tech- ntk, der gewesene Arbeltsminister, Herr Le Trocquere! „Rein, dos ist keine Kette, die Menschen fesselt, das ist der Weg des sozialen Fortschritts!... Erlaub« mir, mein lieber Fveund, dir meine Glückwünsche auszusprechen." Die Rede Le Trocqueres und sein Bild erschienen sofort in der „Zeitung Citroen". Darunter war zu lesen:„Neue Preis«! Teil- Zahlungen auf 18 Monate." Wer besucht denn nicht die Fabriken Citroen? Studenten aus Bukarest und die„Bereinigung der Automobilisten Frankreichs". polnisch« Schlittschuhläufer und die Vertreter der Iouriialistenliga. Sängerinnen, Boxer, Gesangvereine, Mitglieder des Diplomaten- korps, sogar Karnevalsköniginnen. Wie die Hausfrau eines mon- dänen Salons übersieht Herr Citroen keine einzig« Berühmtheit. Lind bergh kommt nach Paris geflogen. Lindbergh ist der Held von Paris. Folglich muß Liichbergch die Citroen-Fabriten besuchen. Und Herr Andre Citroen bringt im Auto den bescheiden lächelnden Flieger. Er zeigt Lindbergh:— da ist das Band! Den Arbeiter zeigt er:— da ist Liiidbsrgh. Morgen schreiben all« Zeitungen über diesen Besuch. In den Prospekten Citroen wird es heißen: Die Citroen-Fobrlken(fett gedruckt) sind ziun Symbol der französischen Industrie geworden. Der Held des AAantik, Lindbergh(auch fett), brachte ihnen die Grüße der Industrie Amerikas. Wenn bis jetzt die Menschen nicht wußten, wozu der kühne Flieger den Ozean über- flog, leuchtet es ihnen jetzt«in: er überbracht« Grüße an die Citroen- Fabriken. Der Eiffelturm ist hoch, über ihm ist nur der Himmel. Folglich muß jetzt der Himmel herhalten. Die kläglichen Zäune und Häuser, mauern sind gut genug für Seifenverkäufer. Herr Citroen muß sich auf dem Himmelsblau unterschreiben. Er bestellt Flugzeuge. Be- scheiden« Kollegen Lindberghs müssen jetzt mit Rauchwolken den Namen Citroen auf den Himmel schreiben. Unten stehen die Pariser, schauen hinauf und staunen. Sie sahen noch m« auf dem Himmel etwas anderes als Stcrnhieroglyphen. Aber Hieroglyphen— die sind für Kinder oder Aegyptologen. Und Herr Citroen schreibt mit gewöhnlichen lateinischen Buchstaben. Diese Buchstaben drängen sich auf, es ist unmöglich, sich vor ihnen zu ver- stecken. Sie sind oben, sie sind unten, sie sind überall. Sie leuchten, sie bedecken die Felder, verdecken die Sonne. Vom Himmel kehrt Herr Citroen rasch zur Erde zurück. Die Auflag« der„Zeitung Citroen beträgt ISOOOOOÜ Exemplare. Da findet man Lobeshymnen auf das Auto. Witze über das Auto. Dort schreiben Abgeordnet«, Dichter. Operettenstars. Das Thema bleibt immer dasselbe: das göttliche Wesen der 10 PS. Herr Citroen schenkt dem Jüngling, der seine Reifeprüfung am besten ablegt, ein Auw. Herr Citroen stellt auf den Straßen Frank- reich? 150000 Kilometertofeln mit seinem Namen auf. Herr Citroen verkauft 100 000 Svielzeugautomobilc. Herr Citroen nimmt t«U an allen Messen: Marokko. Bern. Spanien. Australien.— Nach Paris kommen britische Legionär«. Herr Cltrvin sendet ihnen ein« ganze Parti« Maschinen. Die Vertreter von Citroen interviewen Herrn Tardieu und Herrn Dewbra, Herrn Sache Guitry und Herrn Pierre Mill. Jeden Tag bringen die Zeitungen sensationelle Reuig- leiten. Herr Citroen gedenkt die Place Concorde zu illuminieren. Herr Citroen organisiert eine neue Expedition nach Tibet, Herr Citroen verdoppelt die Produktion, Herr Citroen, Herr Citroen... Unten liegt Paris, sind die Abgeordnete» und die Dichter, unten ist der Louvr«, dos Grabmol Napoleons, der blaue Mufeenstaub. Und über all dem der Eiffelturm. Ihn verherrlichen die Dichter- surrealisten in ihren Gedichten, er ist höher als Rotre-Dame und berühmter als Corneille und Racine, und von ihm herab leuchten die sieben schicksalsschweren Buchstaben: Citroen.'„Beeilt euch, so- lang« es nicht zu spät ist." Herr Citroin liebt' es, mit Zahlen zu betäuben. Zahlen sind immer geheimnisooll und pathetisch Cr betont: Unser« Fabriken haben eine Fläche von 70 Hektar: unsere Maschinen sind 40 000 PS stark. Bis zum 31. Dezember 1027 l)aben wir 319074 Autos erzeugt. Wir sind jetzt imstande, 1000 Moschinen täglich zu erzeugen. Herr Citroen erzählt vieles, aber doch nicht alles. In seinen Prospekten erwähnt er zum Beispiel nicht, daß der Reingewinn der Citroen-Fabrlken in den ersten sechs Monaten des Jahres 1028 100 000 000 Franken betragen hat. Den Käufer Interessiert das ohnehin nicht. Davon berichten nur die Wirtschostsrubriken ernster Zeitungen. Aber es gibt auch Zahlen, die weder die Automobilisten noch die Börsenmitglieder interessieren, wenngleich sie ebenso geheimnis- voll und vom Pathos erfüllt sind wie die Auskunft über die Hektare. Auf einer der Fabriken Cftrvin, und zwar in St. Ouen, mußten innerhalb von neun Monaten 1200'Arbeitsunfälle registriert werden. In St. Ouen sind die Preßwertstätten. Dort ist der Stolz des Herrn Citroen.— die gigantischen Pressen. Außer den Pressen gibt es bort Arbeiter und Sekundenzeiger der Stoppuhren. Also lautet der Bericht für«inen Monat: Am 7. September— einem Arbeiter wurde ein Finger abgerissen, am 10. September— einer Frau drei Finger, einem Arbeiter— der Arm, einer anderen Frau drei i Finder. Am 11. September— zwei Finger unter der Presse, ein' Arm unter der Bandsäge: am 5. Oktober— zwei Finger: am: lt. Oktober— großer Tag— einem Arbeiter wurden drei Finger' abgerissen, einem anderen vier Finger, einem dritten der Arm. Zu den Zahlen der Prospekte kann eine neue hinzugefügt werden. Auf den Citroen-Fabriken im Lauft eines Monats: 33 Finger. 1200 Automobile. 18 000 000 Reingewinn und 33 Finger. Das Auw muß billiger werden. Herr Citroen zahlt viel für die amerikanischen Maschinen. Und Mensehen nimmt er heute, morgen schickt er sie weg,— die Bretonnen, Menschen aus der Provence, Slrabe? und Russen, Frauen und Kinder. Es dröhnen die riesigen Pressen und fliegen Fetzen von Menschensleisch. Der Sekundenzeiger ist«in rascher Zeiger. Gegen Abend ver- steht der Arbeiter schon sehr wenig. In seinem Kopfe—- das Dröhnen und gähnende Leere. Achthundertmal hat er die Hand gehoben und gesenkt mit der Genauigkeit einer Maschine. Diesmal mar die Hand zu langsam und blutbeschmutzt die herrliche Presse. Die Hände gchorchen nicht mehr— sie zögern und zittern—, die Säg« fährt darüber. Das ist einfach und selbstverständlich und dagegen läßt sick) nichts einwenden. Jeder muß ein Auw bekommen. Drerunddrsißig Finger, das ist weder Barbarei noch Leichtsinn, dos sind nur die niedrigen Tarife und die hohe Sendung, die das eigensinnige Schicksal auf die Schultern des gewöhnlichen Mannes legte, der Andrö Citroen heißt. V. Als früher Ausländer und Provinzler nach Paris kamen, eilten sie zu den Chimären der Rotre-Dame oder zur Giocondo. Jetzt gehen die wißbegierigen Ausländer vor allem zu Citroen. Gestern war Miß Doraiw im Louvre, morgen fährt sie nach Versailles, und heut«? Heute zu Citroen. Auch Pariser kommen hin. um zu sehen, wie dieser Prachtkerl Citroen seine 10 PS erzeugt. Manche von ihnen träumen nur von einem eigenen Wagen. Boll Achtung be- trachten sie jede Schraube. Die anderen dagegen blicken die riesigen Oefen vertraulich an. Sie fühlen sich hier beinahe wie zu Hause: natürlich, jeder von ihnen hat seinen Citroen, in dem er allsonntäg- lich aus der Stadt fährt, um Staub imd Benzin zu schlucken. Da marschieren sie im Gänsemarsch: Snobs in Sporwnzügen, solide Rentner mit dem Band der Ehreillegion im Knopfloch. Schönheiten von den Boulevards, Klatschbasen aus der Auvergne und«in Dutzend undefinierbarer Subjekte in halbsteifen Hüten.— In der Gießerei, wo das das fonnenroie Metall herumspritzt, wo Arbeiter, von Oel und Kohlenstaub bedeckt, sich beugen, aufrichten und wieder beugen, sagt so ein Subjekt zu seiner Begleiterin:.Leg' den Pelzkragen ab, Liebchen, sonst könntest du dich verkühlen." In der Hand der Besucher ein Citroin-BSdecker.„Beachten Sie die die vier Kessel„Sterling" 16000 Kiwgvamüi Dampf." Borne ein Mann mit dem Abzeichen Citroen im Knopfloch— er- klärt. Es ist der Führer. „Das Metall wird mit Sand und kondensierter Luft mitteis einer auwmatifchen Sandspritz« bearbeitet, dadurch erzielen wir die Reinheit des Farbtons" Einer der Besucher lächelt: Ja, ja, die Reinheit des Farbtons! Ileberhaupt ein gescheiter Kerl, dieser Citroen und dabei ein echter Franzose. Er versteht, daß das Auto nicht nur gut gebaut, sondern auch schön sein muh. '„Beachten Sie... interessante Neuerung... unser chemisches Laborawrium... aber nicht zu nah!.. Die Warnung ist überflüssig. Di« Klatschbosen sind längst ver- fchwunden. Nur die Miß hebt neugierig ihr Lorgnon. Sie hat alles gesehen: Fakire, Apachen, Menschenfresier,— sie sürchtet keine Gefahr. Bor ihr steht ein Arbeiter im Taucherhelm. Er atmet durch einen Luftschlauch. Um ihn herum giftige Dünste. Er arbeitet wie alle hier im rasenden Tempo, er fürchtet,«ine Sekunde zu ver- läumen. Da wird er gerade abgelöst. Zehn Minuten Ruhe. Er nimmt den Helm herunter, er atmet schwer. Gewöhnliche Lust ist ein Leckerbissen für ihn. Er ist blaß, sein Gesicht, seine Handflächen sind feueht, der Atem pfeifend. Dann hustet er. trinkt einen Schluck Milch und setzt den Helm wieder auf. Di« Miß ist befriedigt: „Schr interessant. Wie die Hundegrotte auf Capri!" Einer der Besucher kann sich noch immer nicht beruhigen:„Diese Reinheit des Farbwns!" Um den Landtaucher die Giftwolke. Er denkt nicht an Capri. noch an die Reinheit des Farbtons, noch an seinen baldigen Tod. Er arbeitet einfach. „Wir haben noch viel zu sehen, wollen wir uns hier nicht länger aufhalten!" Pfeil«, Ausschriften, Derzeichnis der Sehens- Würdigkeiten. Mit Mühe gelingt es, die Stimmen der Maschinen zu überschreien:„Die mächtigste Presse in Europa, Type Toledo, 1400 Tonnen. Betrieben durch zwei elektrische Motoren: einer bai 100 PS, der ander«.. Der Snob seufzt:„Da haben wir die neu« Aestethik! Sollen wir noch vom Menschen sprechen? Diese Zähne, wie sie in»os Stahl hineinbeihen! Das ist schöner als jedes Bild." Die mächtige Press« senkt sich, die Besucher sind voller Hoch- achtung. .Haben Sie gehört, wieviel sie wiegt? Und diese Präzision!" „Jawohl, das ist kein Arbeiterarm, dieser da irrt sich um keinen Millimeter." Plötzlich kommt es zu einiger Verwirrung. Der Meister ruft. Arbeiter laufen Sie haben ihre Maschinen oerlassen In zwei bis drei Minuten ist alles wieder in Ordnung. Ein Arbeiter wird rasch hinausgeführt. Er geht mit geschlossenen Augen, seine Mütze hat er verloren.(Schluß folg,.» WAS DER TAG BRINGT. gesammelt, untersucht und in ein wissenschaftliches Ordnungssyftem gebracht hat. Diese Fliegensammlung ist in wissenschaftlichen Kreisen berühmt und wirb als vollkommenste ihrer Art bezeichner Wer hat die Ansichtspostkarte erfanden? Man schreibt uns: Alles kann der ,.Abend"-Redakteur des.�Vorwärts" nicht wissen und da müssen ihn die Leser unterstützen. Also: Di« Notiz in Nr. 2 des„Abend" vom 8. Oktober 1020 ist irrtümlich Der Erfinder der Ansschtspostkarte ist nicht der an- gegebene verstorbeni Lithograph Zrenner in München gewesen, sondern der Berliner Lithograph Johann Miesler. der vor einer Reihe von Iahren verstorben ist und der eine Litt)-'- graphieraiistalt am Wassertorbecken—c Luisenufer— besah. Vgl. La Cartolina postal« illustrata— Milano 1899— Giovanni Gussoni. Springbrunnen und Mückenplage. Einen doppelten�Zweck«rroicht eine von dauernder Wückenplage schwer heimgesuchte Stadt im Westen der Bereinigten Staaten durch Anwendung des elektrischen Lichtes zur Insektenvertilgung und gleich zeitigen Fischfütterung. Di« Teiche in den öffentlichen Alllagen sind mit leuchtenden Springbrunnen versehen, die eine ltmnenge keiner Wasserstrahlen in die Lust schleudern. Di« Beleuchtung der Spring- brunnen erfolgt durch ein System von Glühlampen Unter der Wasserfläche im Jm>ern der Brunnenaillagen. Mücken und andere Insekten werden in Scharen von dem hellen Lichte angelockt und durch die Wasserstrahlen in die Teich« geschleudert, wo sie als Futter für die dort gehaltenen Fische dienen. Auf diese Weis« entledigt sich die Stadt der Infektenpest und schafft sich die Möglichkeit einer lukrativen und mühelosen Fischzucht in beträchtlichem Umfange. Der Seidenexpreß wird beschleunigt. Ter allwöchentlich zwischen Vancouver und New Port ver- kehrende Expreßgüterzug, der die 5300 Kilometer lange Strecke in 80 Stunden zurücklegt und unterwegs nur einige Male zum Maschinenwechsel hält, soll noch mehr beschlemiigt werden. Es ist eine Anweisung ergangen, wonach, obschon dieser Zug keinen bestimmten Fahrplan hat, alle anderen Züae abwarten müssen. Dieser Expreßguterzug führt den Namen..Seidenexprch", weil er aus- schließkich Rohseide aus Japan befördert.» Gemütliche Justiz. Uranz Patrat ist ein notorischer Säufer. Hat er zu viel hinter die Binde gegossen, dorm wird er gewalttätig. So hat er eines Tages im Wirtshaus seinem Freund« Petritsch ein« so wuchtige Ohrfeige oersetzt, daß dem Bedauernswerten neun Zähne aus dem Mund« fielen. Patrat stand deshalb, wie das„Neue Wiener Journal" berichtet, vor dem Wiener Sirofrichter Dr. Pechtold. Angekl.(etwas angeheitert):„Stell's Ihna vor, Herr Rat. der Petritsch, der gemeine Kerl, sagt dem Wirten, er soll mir kan Wein nct geb'n. Da bin 1 ihm aber kumiya, dem Petritsch, und Hab' ihm o Flafch'n einig'hout(verklärt), die hat sie g'wasch'n. Aber gar so stark war's a net." Richter(schmunzelnd):„Immerhin, neun Zähne, mein Lieber Do muh schon ein Schwung drinnen gewesen sein." A n z« k l.:.Kann i dafür, daß er so schwach« Zahn' hat.. Patrar erhielt»ine achtundvierzigstündige Arreststrafe. Angekl.-..Herr Richter, könnt' i um o Aufschub bitten. I bin a kräntlichcr Mensch und möcht' erst nach Weihnachten kumma." Richter:„Aber bis 2. Januar müssen Sie unbedingt die Strafe antreten" Angekl.:„Da können's Ihna d'rauf verlassen. I zerbrich mir eh schon den Kopf, wo i mein SUloersterrrnisch ausschlafen soll: z' Hall-' gibt ma mein Alte eh ka Ruah." I Sprach's und ging mit vielen. Dankesworten zur Tür hinaus. Junkers neuer Motor. In der„Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt" macht« der Junkers Ingenieur Dr.-Jng. Gaster scadt Mitteilungen über den neuen Schwerölmotor von Junkers. Die ersten Bsrsuche gehen in das Jahr 1914 zurück. Durch den Krieg wurden sie unterbrochen und erst 1923 wieder aufgenommen. Dabei wurde sofort die Ausgabe gestellt, einen Schwerölmotor von 700 bis 800 PS zu bauen. Nach den Mitteilungen von Dr. Gasterstädt sollt« der Motor von einen) Leistungsgewicht des gewöhnlichen Junkersmotors von 30 Kilo- gramm PS auf 1,4 Kilogramm PS gebracht werden. Es wurde festgestellt, daß der OÄverbrauch einschließlich des gesamten Betriebs- stoffverbrauchs ungefähr 180 Gramm für jede Stunde und jede Pferdestärke beträgt. Dies ist darum besonders wichhg, weil die Kosten eines Fluges von 4000 Kilometer mit dem neuen Motor nur rund 28 Proz. der Kosten eines gleichen Fluges mit dem alten Motor betragen. Außerdem ist eine Lerbilligung des Brennstoff- bedarfs errechnet worden, die so groß ist, daß sich dadurch die Nutz- last, die das Flugzeug zu befördern imstande ist, um nicht weniger als SO Proz. vermehrt hat. Der neue Motor ist in erster Reihe für die Großflugzeuge und für die weiten Strecken vorgesehen. Es wurde festgestellt, daß ein Flugzeug mit dem neuen Schwerölmotor bei einer Fahrtstrecke von 6000 Kilometer ein« Nutzlast von rund 925 Kilogramm mit sich führen konnte, während ein Flugzeug mit gewöhnlichem Vergasermotor für die gleiche Slrecke und mit der gleichen Stärk« überhaupt keine Nutzlast mehr mft sich führen kann. Eine Fliegenstiftung. Der verstorbene Entomologe A. E. Eaton hat seine Fliegen- sammlung dem Britischen Museum oermacht. Die Sammlung ent- Hüft 18000 verschiedene Fliegen, die er in allen Teilen der Erde vleostsg. 17. Dezember. Berlin. 16.00 Crotranun der Aktaellen Ableilanj. 16.30 UnterluUuBgsniuAik. 17;» Jugendstunde. Od« Harth zur Nieden, Mezzosopran, riligel: WnW. Uachowski.) 16.00 Unterhaitun gsmusit 18.» Prof. Dr. Hans Reicltenbacüi:„Die Mechanik de Himmels". 19.00..Biographien ond historische Romane."(Am Mikrophon: Dr. Gustav Manx.) 19.30 Sckallplattenkonzert. 20.30 Programm der Aktuellen Ujteüuug. 21.00 I. Ph. C. Bach: Sonate für Cellp und Klavier.— 2. Roh. Schumann: Kinderszenen op. 15.— 3. C. Dehnssv: Sonata IBr Cello und Klavier.— 4. falls: fünf spaniache Volkslieder(Cr Cello und Klavier.(Prot Nicolai Oraodan. Cello und Hansi Freud her g, Flegel.) 21.30 Unterhaltungsmusik. 21 45 WoihnachtsdiehtiingeB von Alice Pliegel(gelesen'on dar Verfasserin). AnsehiieCend P-esseumschas(am Mikrophon: Dr. Joel Rauscher) Vach den Abendmeldungen; Blldlnnk. KCalgswnsterhsnsen. 16.30 Nachmittagskonzert von Leipzig. 17.30 9tud.-Rat Georg Thiel: Uhr nnd Kalender. 16-00 Mersmann* Musikverstchen. 18.» Französisch für Fortgtschrittene. 18.53 Stud.-Rat Dr. Hans Helnze: Jean Laraarcfc mm 100. Todestage. 19.20 Prof. Dr. Heller: Das neue Italien. 19.45 Min.-Rat Dr. Kajsenberg; Was muB jedermann von Vollcseptscheid eod Volksbegehren wissen? 30 00 Dr. Heinrich Strobel:„Vcrlstlsche Oper". 20.15 Kurioper..A basso Porto". 0.30—1.» Kurzwellensender 31.36: Von Franknrt: Nachrmutik. -ARBESTEH TUSSBALL Resultate vom 15. Dezember. Wieder ist ein Spielsonntag verflossen, wieder gab es üb?» rasches« Resultat«. So mußten die Obcrspey beide Punkte in Hoppegarten lassen. Die Hoppegartener hatten«inen guten Tag. Außerdem legt« der Sturni«ine so große Schuhfreudigkeit an den Tag, daß die Oberspreer glatt mit 6: 1 überraimt wurden.— Weißenlsee mußte durch ein Unentschieden, 2: 2, einen wetteren wichtigen Punkt an Woltersdorf abgeben.— Germania scheint sich auf sich sechst besonnen zu haben. Gegen Karow mit 4:2 zu ge- Winnen, dürste gewiß nicht leicht gewesen sein.— Die Tempelhofer Haiden schon bessere Spiel« gezeigt, troßdem wurden die Rühlsdorser mit 3:1(2:1) geschlagen.— Luckenwalde III und Eiche-Köpenick trennten sich mit dem unentschiedenen Ergebnis von 2:2.— Die Spandauer sind es anscheinend nicht gewöhnt, Spiele zu verlieren. Zl nders läßt sich ihr Verhalten im Spiel gegen Lichtenberg I nicht erklären. Nachdem die Lichtenberger schon nach zehn Minuten Spiel- zeit mit 3; 0 ht Führung lagen, nalpnen die Spandauer den Ball imd die Spielfeldabgrenzungen und verliehen den Platz. Den Spandauern muß in aller Oefientlichkeit gesagt werden, daß ein solches Benehmen eines Arbeiters pvrrlors unwürdig ist, und bestimmt nicht dazu beiträgt, das Ansehen der A rbctterj portbewegu>i g'zu I?c6fn.— Einen interessanten Kamps lieferten sich Butab und Lichten- berg II. Die technisch besser und auch flüssiger spielende Mannschaft von Butab gewann mit 3: 0, trotzdem Lichtenberg zum Schluß sehr auskam. Der Torwart der Techniker ließ es zu Erfolgen allerdings nicht kommen. Lichtenberg II 2 gegen Butab 2 6:0. Lichtenberg II Jugend gegen Eiche-Köpenick 0: 2. Reinickendorf gegen Pankow 2 3:4. Brandenburg gegen Treuenbrietz«: 2:1(1:1). Brandenburg 2 gegen Grätz 18:2. Brandenburg Jugend gegen Vorwärts-Wedding 0:6(0:2). Schweissterne gegen Oststern 7:1(1: 0). Erste Halb- zeit Oststern vollzählig und mit Wind, Schweifstern« nur 9 Mann. Trotzdan in der 15. Minute 1: 0 für Schweifstern«. Nach Halbzeit Schwerfsterge 10 Spieler und überlegen. 6 weiter« Tore. 3 Minuten vor Schluß schießt Ostftcm das Ehrentor. Luckcowaldc- Alt-Wcdding 17:11. Der erste Serienringkamps im 4. Kreis des Ar. beiter-Athleten.Bundes endete zwischen Sportklub Ducken- walbe und Alt-Wcdding 1883 mit einem hohen Sieg der Lucken- walder Athleten. Die Mannschaft des gastgebenden Vereins„W- Wedding" kämpfte unter unglücklichen Umständen. Beide Fliegen- gewichtler hatten sich im Training verletzt und konnten nicht starten, der LeichtgewichUer war plötzlich verhindert, der Ersatzmann zu schwer. So koimte das hohe Resultat nicht ausbleiben. Di««in- zelnen Kämpfe endeten wie folgt: Om Fliegengewicht erhält Lucken- loalde kampflos all« 4 Punkte. Detzel-Luckenwalde besiegt beide Mole König-Alt-Wedding in 3,06 und 2LS Minuten. Zwei harte Kämpfe im Federgewicht zwischen Roack-Luckenwald« und Roß- mann»Alt»Wedding endm im ersten Gang unentschieden, im zweiten Gang siegt Roßmann in 4,58 Minuten. Äm Leichtgewicht erhält Luckenwald« wieder kampflos 4 Punkte. Ii» leichten Mittelgewicht besiegt Eckert-M-Wcdding Leu-Luckenwalde in 2,02 Minuten, zum zweiten Gang tritt Leu nicht an. Zwei erbittert« Gänge zwischen Große-Üuckemvaffce und Bröker-Alt-Weibuig enden unentschieden. Dasselbe Resultat ergibt das energicuoll durchgeführt« Schweige- wichtstrefsen zwischen Quappe-Luckenwalde und Rosenkranz-Alt- Wedding-_ Rudersport und Berliner Schleusen. Die Schleusen der inner«: Stadt, also die Berliner Stadt- schleus« und die Mühlendamm schleus«, genügen dem stark angewachlcnen Schiffsverkehr bei weitem nicht mehr und es sind deshalb von der Baubehörde umfangreich« Veränderungen in Aussicht genommen. Der Umbau der Mühtendanrmschlieufe soll im kommenden Jahr in Angriff genommen, vorher ober die Stadt- schleuse vergrößert werden.' damit sie für die Dauer von drei Jahren den gesamten Schtfsahrtsverkehr aufnehmeil kann. Die Bonbehörde hat zur Erleichterung der Sports chifiahrt eine Bootsschlepp« für Ruder- und Paddelboote in der Stadtschlsuse in Aussicht genommen. Der Wassersportbeirat schlägt vor, den Sportverkehr wäh- rend der Ueberganyszeft üb e r den Landwe hrta nal zu leiten, da die Zufahrtsstraßen zur� Stadtschleus« wegen der beengten räum» lichen DerhAtmis« für die Spvrtfahrzeuge gefährlich seien. Wer will Skilaufen lernen? Um dem Arbeiterwintersport, besonders dem Schneeschuh- lausen, gerecht zu werden, hält der 1. Bezirk, vom 1. Kreis des Arbeiter-Tum- und Sportbundes einen Trocken-Skikursus an solgenden Tagen ab: Dienstag, den 17. Dezember, 19—22 Uhr und Donnerstag, 19. Dezember, 10—22 Uhr in der Turnhalle Lück- siraße 64 in Lichteickerg. Fahrverbindung: Stadtbahn bis Reu- Lichtenberg. Straßenbahn 16. 76. An dem Kursus, der unter fach- mönnischer Leitung stattfindet, können männliche und weckliche Mit- glieder aller Bezirksvereine und Sparten, sowie di« dem Kartell für Arbeitersport und Körperpflege. 17. Bezirk, angeschlossenen Vereine lalnehmen. Die Teilnahme ist kostenlos, Schneeschuhe werden zur Verfügung gestellt.,_ Arbeitcrschach. Die Abteilung F ri edri ch s felde voranstaltet heute, Diens- tag. im Lokal Gcmpel, Lichteickerg, Gudrunstraße 7. einen Werbe- abend. Schachfreund Durzetdorf spielt an 20 Bretten, Simultan.— In der Abieilung Kreuzberg, bei Arcpp, Planufer 75/76, findet Donnerstag, 10. Dezember, ein Vortrag Markerts über„Die flavi- fche Verteidigung im Damengambit" statt. Beginn der Veranstaltung 20 Uhr. In allen Abteilungen Schachunterricht kostenlos. Achtung Spielleiter! Alle Resultat« sind zu senden an G. Werwinski, Berlin 8 59, Plamrfer 91. Was die Bundestreuen bieten— zum Hallensportfest am 19. Januar. Das neue Jahr beginnt mit einer großzügigen Leranflaibmg der bundcstreuen Arbeitersportier. Die Vorarbeiten zum Hallen- sportfest am 19. Januar im Sportpalast sind in vollem Gang«. Besonders das Reich ist sehr stark für das Hallenfportsest interessiert. Abmachungen sind bereits getroffen mit Kottbus, Hain, bürg, Stettin, Leipzig. Magdeburg und Brandenburg. Der zweite Kreis erscheiirt mit einer Kreismannschaft. Die Sportabteilung der Großeinkauf-gcsellschaft der Konsumvereine„Geg" startet ebenfalls mit einer zahlreichen Mannschaft. Verhandlungen mit Dresden, Chemnitz, Hannover und einkin weiteren Hamburger Verein schweben noch. Das Programm steht nun eickgültig fest. Die Leicht- athletik'hat naturgemäß den Hauptanteil. Einzelkämpse: 50 Meter, 1000 Meter, 3000 Meter, 60 Meter Hürden, Hochsprung. Stafetten: Frauen kleme Olympische, Jugend Olympische und 10 mal 50 Meter, Männer 4 mal 400 Meter, 10 mal 50 Meter, 10 mal zwei Runden. Die Wettkämpse werden in den Klasse» gesondert aus- getrogen. Als angenehme Abwechslung werden die Sondervor- führungen wirken. Die Turner stellen«ine Männer-Reck- und eine Frauen-Barrenmusterrieg«. Brandenburg zeigt Sprungseil- Übungen, der Berliner Athletiksportklub erscheint mit seiner modernen Gymnastikschul«, die Schwimmer führen Trocken- und Reitlings- schwimmen vor, mit einem Ausschnitt aus dem Betrieb der Kreis- schule warten die Frauen aus. Einen Höhepunkt des Festes bildet das StädtehandballfpiÄ Magdeburg-Berlin. Sportlich dürften also auch die Verwöhntesten voll auf ihre Rechnung kommen, der Ber- liner Arbeiterschaft ist daher der Besuch des Arbeiterballensportfestcs besonders zu empfehlen. Die Eintrittspreise sind volkstümlich ge- halten(0,50 bis 1,50 M.), die Plätze sind numeriert. Der Sport- palast verfügt über mehr als 5000 Sitzplätze. Radsportlidics Allerlei Erich Möller und Walter Set wall vertraten in einem Rad Länderkmnpf Frankreich— Deutschland, der am Sonntag in Paris stattfand, die deutschen Farben in ehrenvoller Weis«. Die Franzosen hatten Paillavd und Grassin geschickt. Zwei Läufe über je 30 Kilo- meter waren auszufahren. Den ersten gewann Möller in bester Manier, im zweiten Lauf behauptet« Grassin die Führung bis mii Schluß. Möller, der bei Beginn in dritter Position lag, arbeitete sich zum zweiten Platz vor, während sich Sawall und Paillard infolge der Neberlegenheit der beiden anderen nicht bis aufs Letzte ausgaben. Resultate: 1. Möller 3 Punkte; 2. Grasfin 4 Punkte: 3. Sawall 6 Punkte; 4. Paillard 7 Punkte. Gesamtergebnis des Länderkampfes: 1. Frankreich 2 Punkt«; 2. Deutschland 1 Punkt.— Schlecht schnitt«« unsere Vertreter Stübeck«, Gebrüder Wolke und Seiserth im Mannschafts-Omnium ab, wo sie gar nichts bestellen konnten. Auch Schamberg unterlag— allerdings mir knapp— in den zwei Läufen des Fliegerkampfes gegen den französischen Nach rvuchsfahrer Mourand.— Basel sah einen Länderkampf Schweiz gegen Belgien, den die Schweizer mit 7: 3 für sich entschieden. „Trophäe der Arse" betitelte sich ein lOOKilometer-Einzelfahre», das auf der Bahn in Brüssel zum Austrag gebracht wurde. Der Belgier P. Berhaegen gewann die Fahrt in 2: 16: 11,6.— Aus deutschen Bahnen gaben sich Amateure ein Stelldichein. T. Müller-Daiko holten sich in Köln das Zweiftunden-Remien. Sie legten 80,160 Kilometer zurück. In Dortmund dominierten Kilian- Pützfeld im öO.KK ometcr-Mo nnschafts fahren in 1: 09: 04. Einbruch bei Arbeitersporflern. Auf dem Grundstück der dem Arbeiter-Turn- und Sportdund angeschlossenen Berliner Schwimmer-Union in Nieder- schöneweide wurde gestern ein Ginbruch entdeckt: Der Dieb hatte bereits 15 Kabinen erbrochen und die in ihnen aufbewahrten Kleidungsstücke an sich genommen, als ihn der Wächter überrascht«. Der Einbrecher setzte sich zur Wehr, so daß der Wächter von seiner' Schuhwajfe Gebrauch machte. Der Einbrecher wurde verwundet und vom alarmierten Ueberfallkommando als Polizei- gefangener noch dem Köpenicker Kreiskrankenhans gebracht. Arbritcr-Schülwotauid. Ortsgruppe Berlin. Orisaruppenvcrgwnnluna lrculc, Dienst»,,, so Illn. bei Loha». Brüderstr. tS-I». Aufnahm« lituct Ritalieder. l>ci Hoehn«. Köpenick. Sartenltr. 23. Wagersportabteiluna SP. Moabit. Mltaliedcrvcrsannnkuna am Mittwoch. bat 18. Dezembeo. lift. Uhr, hei Siritfler, Putlihstrahe. FTSP., Sejirl Siordeiia. MiMvoch. 18. Dc.iembtc, 19 Uhr. SSfrlammhinn iäntflicher dockeolpieler im Lokal. Dänen. Srt- Schönfllcsirr Strohe. ilrhritorlportlartrl Wilmerodork. Wesen Saalschwicriateilen fällt die freier am 1. sseiertaa au*, dafür könne».ctolo. flotten" für den 2. sseiertag lRock vrittaqoorfielluna) du»um 21. Dezrmib«: bei flroih bestellt werden. Die flinker«fahlen Nähere» in der Turnhall«. Erwachsene zahlen t Mark. Der nackte Friedmann-Hejdu! Kommunistische �Sportfuhrer". In ber„Arbsiterpolitik", dem Organ der sächsischen KPD.-Parteiopposition, wird allerlei über Herrn Friedmann, dem rrevolutionären Sportmanager der stalintreuen Parteileitung, erzählt. Einleitend wird beteuert, daß di« Enthüllungen über Fried- mann den Zweck oerfolgten, die Frledmänner und Dahlems in Zu- kunft zu hindern,'aus dir Sport./o�postkion"' einen Trümmerhaus an. zu machen. Dt«.Arbeiterpolitik" schreibt also: „Um seine Rolle als bewußter Schädling der Arbeiterbewegung uick bewußter Agent des Klassenfeindes zu vertuscken, versucht er, sich als verdienter ungarischer Revolutionär hinzustellen. So will er 1919 als Führer einer revolutionären Gruppe den Sturm einer Kaserne in Budapest geleitet haben. Die ungarischen Genossen ober bekunden übereinstimmend, daß Friedman», der früher ungarischer Ossizier war. niemals der KP. Ungarns angehörte und keinerlei revolutionäre Vergangenheit hat. Wirkliche Beweis« hat Friedmann für seine Behauptungen auch niemals anzutreten vermocht. Es steht zweifelsfrei fest, daß er bis zum Jahre 1925, wo er zwei Wochen nach dem offenen Brief der KPD. bcitral, mit der kommunistischen Bewegung nichts zu tun gehabt hat. 1923/24 war er an verschiedenen dunklen Geschäften beteiligt und stand in Berbindung mit dem Ungarn Fegaro, der von der Partei als Spitzel entlarvt wurde. Friedmann war kaum in der Partei, als er Anfang 1926 in einer Versammlung der ZdA� Fraktion in einer Art und Weis« austrat, daß cm ihn di? Frage ge- richtet wurde:„Woher kommst Du?" Da er daraus kein« richtige Antwort geben tonnte, wurde ein Untersuchpngsverfahren gegen ihn eingeleitet, das zwar im Sande verlief, aber doch ein von der Partei gegen ihn verhängtes Redeverbot im ZdA. zur Folge hatte, das aber, sobald er das Wohlwollen der Dahlems erlangt hatte, von ihm nicht beachtet wurde. Seit zwei Jahren lief gegen ihn ein neues Verfahren mit schwerbelastendem Material bei einem Partei- schiedegericht in Verlin. das ober aus Befehl von Dahlem. Pieck und Pfeiffer nicht zu Ende geführt werden darf. Friedmann ist zusammen mit einem Ungarn Groß- Teilhaber der Gesellschaft für Zmmobilieninler essen. Beide betreiben einen ziemlichen Aufwand und besitzen ein eigene» Auto. Dieser Aufwand und die Kosten für den großen Apparat der Gesellschaft, die ein teures Bureau Unter den Linden in Berlin bejitzt, können unmöglich von den Erträgnissen der Gesellschast gedeckt werden. Do» Ge- heimnis lüftet sich aber ein wenig, wenn man weiß, daß der slnan- stelle Hintermann der Gesellschaf« der Geh. Vaural Dr. Siepert. Vräsidialmttglied de» Reichsverbandes der Deutschen Industrie, ist. Mit dem au» dieser Quelle angeschafften Auto fährt Fitedmann im Land« umher, um die Arbeiterfportbewegung zu spalten. Dieselben Unternehmergelder, die zur Großpäppelung der bürgerlichen Sportbewegung im reichsten Maße gespendet werden, werde» anscheinend auch zur Desorgantsierung der revolutionäre» Arbeitersportbewe- gung zur Verfügung gestellt." Wenn der letzt« Satz dieser Enthüllungen«inen Sinn haben soll, dann nur den: Friodmann läßt sich von Unternehmern dafür aushalten, Organisationen der Kommunisten, wie die „opposttianelle" Sportbewegung, zu zertrümmern! Das wäre die Tätigkeit eines Spitzels, Denunzianten und �«ent provocateurs. Der Parteileitung sind selbstverständlich die Ge- schäfte und Machenschaften des Friedmanii bekannt, aber sie unter- nimmt nicht nur nichts gegen ihn, sondern bedient sich seiner ganz offiziell als Vertreter ihrer Sportzentrale! Das Ist allerdings dos System der Moskauer Gewalthaber auf Deutschland übertragen. Das haben viele beamtete alte Sportfunktionäre erkannt; sie habe» sich gegen eipen solchen ver breche ri ich e.n Mißbrauch der Sportbewegung und ihrer eigenen Person gewehrt und sind zur bundestreuen Bewegung zurückgekehrt.,, Uebrigens hat die Arbeiterpolitik" auf diese Enthüllungen hin von Herrn Friedmann noch nichts gehört. Sechs Wochen hat. er bereits Zeit gehabt. ftihbuller tagten in Leipzig. Einstimmigkeit gegen die Spalter! Die Krcisleiter der �ußballsparte im Arbeiter- Turn» undSportbund traten am 14. und 15. Dezember 1929 tu der Bundesschule in Leipzig zu einer gut verlaufenen Tagung zusammen, die sich mit der gegenwärtigen sportpolitischen Lage, dem internationalen Kongreß in Prag, den Vuickezmeisterschaftsspieleu. den Deranstalluugen 1930 und dem neuen Satzungsentwurf der Fußballspatte beschäftigte. Die Bundesftrßballeitung berichtete über ein« gute Entwicklung der Fuhballbewegung des Arbeiicr-Turn- und Sportbundes. An den Bericht des Spartenleiters über die sportpolitssche Lage und die Ausführungen des Bundesoorfitzenden über die rechtlichen Grundlagen der heute notwendigen organisatorischen Maßnahmen gegen die Zerstörer der Bundeseinheit schloß sich ein« kurze Aussprache an. Folgende Entschließung wurde eii»- stimmig, ohne Stimmenenthaltung angenommen:„Die am 14. und 15. Dezember 1929 in Leipzig versammelten Kreisleiter der Fuß- ballsparte im Arbeiter-Turn- und Sportbund,.die hundert- dreißigtausend deutsche Fußballspieler vertrete», verurteilen auf das schärfste die Bestrebungen der Kommunistischen Partei, den Arbeitersport zu spalten. Die sogenannte„Interessen gemeinschaft zur Wiederherstellung der Elnhest im Arbeitersport" entpuppt sich immer mehr als ein Unternehmen der Kam- m u n i st l f ch e n Partei. Die Beauftragten dieser Organisation sind kommunistische Porteiangesteille, die die Anweisung der Partei ohne Rücksicht auf die Belange der Sportler durchfichren müsse». Immer mehr zeigt es sich, daß es dieser„Inieressengemeinschafi" — im Gegensatz zu ihrer Firmierung— darauf ankommt, die einige Arbestersportbewegung zu zerschlagen. Die Kreisleiter der Fußball- sparte rufen all« Sportgenossen und Fußballspieler auf, der heuchlerischen und scheinheiligen parteikommunistischen.Lnteressengemeiv- schasi" keine Gefolgschaft zu leisten. Die Bundesgesctze crmöglicheni jedem freien und klassenbewußten Sportler die Mit gliedschaft im Arbeiter-Turn- und Sportbund, der es ablehnt, sich seine sportpolitischen Handlungen von einer politischen Partei dik- tieren zn lassen." In di"ne,BW7 Theater, Lichtspiele usw. Dienstag. 17, 12. Staats-Oper Unter d- Linden A.-V. 2S2 20 Uhr Tosca Staats-Oper Am Pl.d.Republ. Vorst. 102 20 Uhr Dienstag, 17. Ii Staut. Oper Bismarckstr. Turnus I> 191 2 Uhr Dlt iostisen Weiber von Windsor Sfaatl. Sdiaosph. am Gendarmenmarld A.-V. 248 20 Uhr Staad. Schiller-Theater, Ctiarltli. 20 Uhi: Hans im sctmakenioch Preiset- 6 H. Tl|l. t Itrtldl. s w«•1. Uhr Der Kaiser V.Amerika von Bernard Shaw Reg.: Max Reinhardt Kammerspiele D.I. Norden 12310 8''< Uhr Leine VorslelluoBcn I Zur sed. Autidit! Lustspiel von Frederik Lonsdale Regie: Gustaf Oründgens Die Komödie |l Bisnick.24U/7516 8'/« Uhr Vom Teufel gehollj von Knut Hamsun Regie: Max Reinhardt Tb. a. Holleodorfplatz Vorvk.lü-2. Kf. 2001 Täglich 8'/. Uhr Gastspiel des Deaismen Theaiers Die Mn» Segle; Max Beinhafdt. Luslspieihaus Friedrichstr. 236 Bergmann 2922 Täglich 8>.« Uhr Srand Hotel Lustspiel von Paul Frank Planetarium — am Zoo— lerlin;. Juduanituitr Strili B.S BarbarossaS578 I6'T Uhr Die Winter- Sternbilder. 18V< Uhr Der Stern der Weisen. 20' t Uhr Oer Planet Jupiter. Eintritt I Mark, Kinder 50 Pf. Mittwochs halbe Kassenpreise. Lessing-Theater Norden 10846 «8__ 1—___ VaLbIuoW MtmSQfr iKDFdlStD ROnstler-Tbeato 8 Uhr Der Sdialz MUHELOSES SEHEN das sdiöusic Geschenk! Theater d. Wesleut Tägl. SV. Uhr Nariclfa Musik v. Oskar Stnos michaei Bohnen Grett Finhler Tplanon-Trar Täglich 8'.'« Uhr Sie verveigert die Aussage Elisabeth Strickrodl Kurt Efale. S c sind auf der Suche nach einem schönen und praktischer ■-'h'njr v-»'r»-"-' e- eice Brille gedacht? MAX TRUSCH, ßcrlin, Dresdener Strafe 131(Kottbuscr Tor) Ich garantiere Wr völlige Zufriedenheit Bin Lieferant für alle Krankenkassen. riieater i. d. 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Sonnab. 5 Uhr „Max undMoritz" und der Weihnachtsmann Jeden Sonntag, nachm. 2�0 Uhr Frau Holle Piogramm am I. u 2, Feiertag; 4 uhr Pariser Blut 7.45 uhr Die CsardasfOrstin ii 3o uhr Fanilie HanDeniann Am 2. Feiertag spricht um 1 30 U MARCELL SALZER. Vorverkauf hat begonnen. Trauringe zum Uleihnaciilslest y 9» Katari gratis Garantieschein. Ges. geschützt. Bei kleiner Amahlnno lege geknntie Vera mm Fest mrOA Ii- Gegründet 1895 gibt Auflge, UUler, Palelot« usw. ab. soweit nicht am Lager Extra- Anfertigung »WWW ohne PrelsauFschlag«mm Sitte flberzeugen Sie«idii J.Coper)Kaiser-Wiltielni-Str.24l Sonntag gefittnetl Ii allbekaanter Güte wie seit 25 Jahren i 1 neue Ubr'ffebet la 75 Pfg.' 1 neue Uhoüapfel, 25 Ptg. 1 1 neuer Ubr.Hetaec, 25 Big. 1 BV-3 1 neues Uhr. ffllad. SO Big. 1 1 neuer U..e Lead&n's Korbmöbsl Vollmdn« Foren Aparte /Muster Mäßige Preise Wirtdättre». Vrrtaf: NenkftUn luntnbero'nt) 21 ont H-rmaanshafis 10 Jjenrj��lfjMlSO auchbis«jg MONATSRATEN fonntoU von 2 bis 6 O&r ienilnei „Nordsee" iulidit Botediiiml Bremen- CuxliavEn A.-e. Eninnenstr. 62 unil Reiniienilorfer Str. 47 Moabit, Hullensfrahe 3 Cbarlottenbnrg, Reichsstr. 99 Sdunargendorf, Berkaer Str. 4 Täglidi frische Fisdiä, billigsle Tagespreise Rämtierwaren u. Flsmkonserven Es ist neu ersdiienen: inderland 1930 Ein Jahrbuch für Arbeiterkinder in Stadt und Land. Reich illustriert. Farbige Bilder beleben das Buch. Sprudelnde Lebensfreude vom • ersten bis zum letzten Blatt. Die Kinder haben selbst daran mitgearbeitet. Das Kinderland kostet I.SO RH/!. Zu. bezieben durch die Botenfrauen und Ausgabestelles- des»Vorwärts", sowie direkt vom Verlag. PROGRAMM für die Zeit vom"' 17. bis 19. Dezember I TAFEL PROGRAMM für die Zeit vom 17. bis 19. Dezember ©lOlG Potsdamer Strafe 30 Der erfolgreichste Tonfilm der Welt! Tbc Singlng Pool(Der singende Narr) mit AI Jolson Jugendliche haben Zutritt Beginn zu dem Film 5, 7, 9, Stg. ab 3 Uhr Rheinsfrafje 14 Ka(iln-E1che) Sprengbagger 1010 mit Hein vidi George, Vlol« Garden Ein Hundeleben m.CharlieChapIin Jugendliche haben Zutritt Odcon, Potsdamer Str. 75 E* flüstert die N.Al mit LH Oagover SilbcrkSnigs letzter Steg Abenteuer in 6 Akten Turmstra�e 12 Die Konkurrenz platzt. 8 lustige Akte mit Harry Liedtke Da, wilde Blut, Abenteuer in 5 Akten Jugendliche haben Zutritt Alexandersh*. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag gedtfiret! SdbwarswatdmSdel m. Liane Haid Frau oder Geliebte mit Corlnüe Griffith. 8 Akte, » Frledrtctistaeit M Die Kamera Unter den Linden 14 Anna Karenina mit Greta Garbo. John Gilbert Beiprogramm Passage-Lichtspiele Unter den Linden 22(Passage) Das große Lichtspielhaus der City Beginn ab 2 Uhr Zentrum 6082 2 Großfilme: Madame In Die Verbannten W eidenhof-Lichtsp. An der Weidendammbrücke Frfediichstr. 136 Woch. 12, Sonnt 3 U. Halbwüchsige Trust der Diebe Q Moabit 1 Artushof-Lichtspiele Film- und Bübueuvehau Perleberger Str. 29 und Stendaler Str. Die stärkere Macht mit Fritz K.rtncr Küsse, die man nie vergtht Wf-H.TCinm Woch- 5 45' 7' gM VT Cll-nmo Stgs. 3. 5. 7. 9 Uh Alt-Moabit 99 Der Frosdb mit der Maske Die Verbannten g Beiprogramm M ChWrtottwnhura"g Schlüter-Theater Schlüterstr. 17 W.6.30. 9 U� Stg. 5U, Jg. 3 Die Perle de« Regiment« mit SchOnzcl Bob, der Boxercowboy E Wilmcrsdory Atrium Bcba-Palast Kalserallee, Ecke Berliner StraBe WochenL 7. 9.15, Sonnt 4.30, 7, 9.15 Vorverk: 11—2 u. ab 5, Stgs. ab 3 Letzter Tag: Die Well In Flammen Mittwoch Uraufführung; Pat und Paiadson im Raketen- omntbns Alhambra°�Wr"" Schünebcrg, Hauptstr. 30 2 große Schlager: Erpresser Die Rache des Schelk Bühnensdsan SOdan Th. am Moritzplatz Beginn: W. ab 5 Uhr, Stg. ab 3.45\jhr Die Konkurrenz platzt mit Maria Corda. H. Liedtke, Plcha Scbnceschahbandiien m P. Richter Titania(ufa slhsneberg) Hauptstraße 49 Beginn ab 6J0 Uhr Die SdslelerlSnzerin m. Gilda Gray Die Rache des Verlassenen W Friedenau""k Friedenauer Lichtspiele Kalserallee III(hundertelll Wöchig. 6.30. u. 9 Uhr, Sonnig. 5 Uhr Einlaß jederzeit 3 U. Jug. Die letzte Warnung Herrblut einer Mutter Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 Woch. 7, 9. Sonnt ab 5 U. Das Mädchen mit der Peiltcfae mit Anny Ondra Da« große Rennen g»««Blltl« Titania-Palast Steglitz, Schloßstr 5. Ecke Qutsmuthsstr. W. 6.30, 9. Sonnt. 4. 6,30. 9 U. Vorverkauf 11—2 und ab 5 U. Die welche Hülle vom Plz Palü Jugendliche haben Zutritt g Südwesten■ Film-Palast Kammefsäle Teltower Str. I Bühnenschau Die Nacht nach dem Verrat mit Lya de Futii Die Prirtcfallc W Marlnndort W Vf a V s Martendorf rr Lichtspiele II 3— JUa Bühnenschau Chausseestraße 305 Stg. 3 Uhr|ug.-V. Die seltsame Vergangenheit der Thea Carler Tartans neue Geschichten Filmeck Skalltzcr Straße, am Gürlitzer Bahnhof Die NlbcluBgcB, I. und IL Teil Jugendliche haben Zutritt Luisen-Theater so�/u Reichenberger Str. 34 DOhnensdiAu Der letzte Walzer � mit W. Fiitsdi, L, Hkld Bühne Dm große Oftenoy-Dallett Stella-Palast Küpenicker Straße 11—14 Beginn der ersten Vorstellungen: Wochentags.UO, Sonntags 3 Uhr Kasseneröhnung Vs Stunde vorher Die stärkere Macht (Die Nacht des Schreckens) mit FrUz Kortnrr Mensch cnanenal Auf der Bühne; Danfau. Gegua.musik Vagabunden Nick n. Hall, urkom. Parodisten Vi Wrj rania-Theater Tangelatr 11, Küpenicker Brücke Woch. 7. 8 und 9 Uhr. Stg. 3. 5. 7. 9 Uhr Einmal um Miltemacht at!«an|slilin Zwei Leu spiele Bühne: Reruc im KUtdscn > NWuKftün y Primus-Palast Hermannplatz Beginn der ersten Vorstellungen; Wochent 7 U-, Soont. ab 4.4S U. Mein Himmelreich m. Vilma Banky Beiprogramm- Bühnenschau Am 2. Welboadbtstefcrtag*"t Uhr; Drilles Sonderkouaert Dsfos BeU1 Kukuk tbus Sie Wochcnt. ab 6.15 Uhr Sonnt ab 4 Uhr Kottbusser Damm 92 Spiel um den Mann m Liane Haid e Braut am Scheidewege Bühnenschau Fvr�lci�t- Beginn 615 CXCCISlOr Sonnt 4 Uhr Kaiser-Friedr�Str. 191 Da« Scfawalzwaldmädel mit Liane Haid Die clffacfae Witwe Btthnenschan Stern, Hermaniufa-a�e 49 Wochent ab 6.15, Sbd. u. Sonnt ab 4 U Der Günstling von Schönbrunn mit Lil Dagover, Pclrovich T onfilmbeiprogramm €Z�!5ZI5�ZZZZ� Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochentags 6Uhr, Sonnabd.S'.xUhr, Sonntags 3 Uhr ■ MÄdchee am Kreuz mit Eveltne Holt. Woltgsng Zilzer Beiprogramm— Varl et tschau Eveltne Holt am Dienstag in jeder Vorstellung persünllch anwesend Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Sein bester Frcnnd m. Harry Fiel Zlrkmleben Auf der Bühne: Flamelte Hildegarde u. Ihr Ballett ComeniuS'Lichtspiele Memeler Straße 67 Wochent 6. Sbd. 5. Sonnt ab 3 Uhr Narkose mit Jack Treror. A fred Abel, Ren6 Heribcl Kamerad Slag Concordia-Palast Andreasstraße 64 Bühnensdiaa Mensch en arten al Das Mädel mit der Peitsche mit Anny Ondra Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70 Tragüdie der Liebe mit Emil lannlngs Wochenendehen mit Monly Banks Gate Bühnenschau g FrledrichsfeldW E Kinn Rucrfi Beginn täglich mno L.ubtn ä> 7 und i4i, L.h All-Friednchsfelde: Indizienbeweis mit Fillz Albertl. Snzy Vernon Lockruf des Goldes(n. J. London mit MiLon SlIU g NtecleröehanewaW p Elysium Hasselwerderstraße 17 Bahnenschao Karriere mit Charly Chaplin Sein Herzansfonge mit Rudolf Schiidk Nordesten „Elysium"' äS.e,,d Prenzlauer Alice 56 S. 3 U. Jug.-Vorst Das Mädel mit der Peitsche mit Anny Ondra Mensch cnarsenal Bühnenschau V WelOonsoo M Schloßpark FUm. Bahne Berliner Allee 205—210 Varietrtcbau Die lastigen Vagabunden mit v. Alten Die Orcfaidecntänzciim mit Xen. Demi W__> Alhambra Bühnenschau Müllerstraße 136, Ecke Seestraße Seine Gelangene mit Milton 5 Iiis Beiprogr am m „Rialto" Film u. Bühne Reinickendorfer Str. 14(am Wedding) Mensch cn ars en al Beiprogramm Bübnenschan W gGsumHsrunnwi> „Alhambra" Badstraße 58 Bühnen«(hau Giftgas mit Llssi Arna« Stüwe Revue: Ihr träumt von uns Ball schmieder- Lichtsp. Badstraße 16 Gro�e Bühnenschau Der Frosch mit der Maske (Roman von E. Wallace) Ein------ Miilionenangebot Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 80 W. 6, Stg. 4�0 U Sensation im Wintergarten mit Ciaire Komm er Wochenendchen Colosseum— gs- nb-y-50 i;hr Stgs. ab 3 Uhr Schönhauser Allee 123 Madame Colibrl m. Maria Jacoblal Heilige oder Dirne? Bühnenschau Pratcr-Lichlspiel-Palast Kastan:enaMee 7-8 Bühnenschau Wochentags 5,30, Sonntags 4 Uhr Seel enverkäu f er König der steppe mit T. Mix Elektra-Palast Wiesen-, Ecke KösÜnor StraBe Alibi(Sensation. Kriminalfilm) Helden der Ps&ile Bübnenschan Gala-Li chtbühne Usedomstr. 14 Anf. 6, 8,30. S. ah 5 U. Nacht ohne Hoffnung Da' Geheimnis d: r Möllensthladbf Noack's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Wtg. 5 U.. Stg 4 U Stgs. 2 U Jugendv Seelen vei käafcr Das TLecht des Stärkeren Pharus-Lichtspiele Müllerstraße 142 W.Jt.VU. Sig 4U Stg 2U. lugendvorsteil Seine Hoheit der Dtenslmann Wenn der welche Flieder wieder ■ilflht mit Vern Sehmliterlfiw blüht Beipr Humboldt-Theater Bad Straße 16 Bühnenschau Das Geheimnis der Höllenschlncht Die Bären hochzcli Kristall-Palast Prinzenalice 1—6 Jugendl. hab. Zutritt Napoleon auf St. Helena(Der gefangene Kaiser) mit Werner KranH Grotjc Bübnenschan Panko E=3 Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 W. 6.30 U.. Sbd. 5 30 U.Stgs. 4 O. Angst(Die schwache Stunde einer Frau) Der Trost der Diebe Bühnenschau g Nle«terichartBout«n p Film-Palasl Id.e«neh'au«B ßlankenburger Straße W. 6.50, 9 U. Stg, 4.30, 6.45, 9 U. Die Na/tV de» Sehrecken, Lockendes Gift Paul Richter) T e 3 Filmpalast Tc�cl®�,™" Bahnhofstr. 2 W.6,8 � Stg. 4'/4, 6 Wegen Renovierung geschlossen/ Union-Theater Hauptstraße 3 Beg. Wtg. 6 U Stg. 5. 7.30 Frauen und Geld« Abenteuerfilm itl Walter Rilia# Leoniine Piebner g R"p>p7el>gnetcrf�Cst~)j) Bürgergarten-Liditsp. Hauptstraße 51 Film- u. Bühnenschau Weib In der Wüste mit Irene XUch Bühne; Sdiworgericfalsprozeg geg. H. Günther, 10 Mitw., Dauer I Std.