BERLIN Mittwoch 18. Dezember 1929 10 Pf. 3tr. 592 B 295 46. Lahrgang Erscheine täglich auterGoantes«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwirtt'. Bezugspreit beide Ausgaben 8SPf. xrv Woche, Z,60M. reo Monat. Kedaktion und Exredition; Berlin SW6S,Liudcnstr.S nieigenoreit: Di« einspaltige Nonpareillezeil« «o Pf.. Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Dorwärts-Derlag G. m. b.H., Berlin Nr.»7536. Zernsprecher: Dönhoff ZS2 bis 2S7 Einigung über Getreidezötte. Oer �eichstagsausschuß an der Arbeit. Die lnlerfraMonellen Verhandlungen der Regle. rungsporieien über die Zollvorlagen sind am Vienslag gegen Vlilleruachl mit der lleberwindung der meisten aujgelauchten Schwierigkeiten abgeschlossen worden. Den Hauptslreltpuntt bilde- ten die Getreide Zölle. Die Regierungsparteien werben im Verlaus der Beratungen im Reichetag beantragen, dah ein LZeizenpreis von 260 BT. und ein Roggen preis von ZZ0 BT. als.angemessen" festgesetzt werden. Sollte dieser preis im vlermanatigen Durchschnitt unterschritten werden, so b«. adsichtigt man den Veizenzoll aus 9,50 BT. und Roggen aus 9 BT. Neue Tarife im Januar. Wassergelderhöhung ob 26. Dezember. Die Generalversammlungen der Berliner Städtischen Elektrizitätswerke A.-G., Berliner Städtische» Gaswerk« Sl.-G. und der Berliner Städtischen Wasserwerke habe» heute stattgefunden und die bekamtte« Tariferhöhungen beschlossen. Die Erhöhungen trete» in Kraft: für Wasser ab 2K. Dezember, für Gas und Elektrizität «ach der ersten Ablesung im Januar ISSK. seftzusstzeu. Dieser Zollsatz kann bis auf 3,50 BT. für Tvcizen, 3 BT. für Roggen ermähigt werden, wenn im viermonatigen Durchschnitt die preise überschritten werden sollten. Zlb 1. Januar wird also der TBeizeuzoll zunächst 9,50 BT, der Roggen- zoll 9 BT. betragen. Für Braugerste ist ein fester Zoll von 9 BT. und für haser ein solcher von 7 BT. beabsichtigt. In bezug aus die Auttergerste wurde eine Verständigung bisher noch nicht erzielt. Die Eiosuhrscheine werden wie solgl sestgesehb für Weizen auf 6,50 BT., für Roggen und haser aus 6 BT., für Braugerste aus 6.50 BT. Sie sollen beim Roggen und Weizen heruntergesetzt wer- den. wenn der Zoll sinkt. Eine Entscheidung über den BT g h l z o l l steht ebenfalls noch aus. voraussichtlich wird man sich sedoch dahin einigen, dah für Mehl der doppelte G?treidezoll mit di«m Zuschlag von 1,50 BT. seslgesetzt wird. Die gleichfalls noch ausstehende Verständigung über die vielen Zleischzölle dürfte bereits sür heute zu erwarten sein. Der handelspolitische Ausschutz des Reichstages hat heute vor- mittag die Agrarzölle in Angriff genommen und zu einem grotzen Teile bereits erledigt. Die Situation war dadurch wesent- lich vereinfacht worden, Hätz sich die Regierungsparteien inzwischen auf neue Vereinbarungen geeinigt hatten, wodurch nicht nur ein gemeinsames Vorgehen ermöglicht, sondern auch der Opposition die Gelegenheit genommen worden war, größer« An- grisse gegen die Neuregelung der Zölle zu unternehmen. Ein« wesentliche Rolle bei den Auseinandersetzungen spielte eigentlich nur noch die Frage des Einfuhrscheines. Der Abg. Stubbcndorf(Dnat.) begrüßte den Wegfall des Gleitzolls, äußerte aber Bedenken gegen die Neuregelung des Ein- fuhrscheinsystems, well es mit dem bisherigen bewährten System breche. Abg. F e h r(Bayer. Bauernb.) wandte ein, daß die Der- rinbarungen über die Nachprüfung der Preise für die Landwirt- fchaft ungünstig wären, weil die vorgesehenen Fristen jedesmal in eine ungünstige Zeit fallen würden. Er gab weiter zu bedenken. daß der R e g i e r u n g mit der selbständigen Preisrcgelung«ine zu weitgehende Vollmacht in die Hände gegeben wäre, so daß sie die Einschaltung sowohl des Reichstages wie des Rcichsrotes notwendig machen würde. Zu einer größeren Auseinandersetzung kam es dann zwischen dem Abg. Schiele(Dnat.) und dem Ernährungsminister Diet- r i ch. Landbundsührer Schiele erklärte in der Hauptsache, daß bei der jetzigen Preirbemessung des Einfuhrscheines die ostpreuhisch« Landwirtschaft außerstande sei. zu exportieren. Der Preis müsse mindestens von 6 auf 9 Mark erhöht werden, wenn sich nicht die Re- gierung gezwungen sehen sollte, mit anderen Maßnahmen nachzu. helfen. Der Minister erNärt« demgegenüber, bei einer solchen Preisbemesiung würde die deutsche Ernte geradezu an das Ausland verschleudert. so wie es setzt! schon gegenüber dem norwegischen Getreidemonopol geschieht, das auf diese Weise mit billigem deutschen Roggen versorgt würde. Außerdem seit die Regierung jetzt schon nnt viele« anderen Staaten in Schwierigkeiten geraten, well sich diese das deutsche Dumping nicht mehr gefallen lassen wollten. (Fortsetzung aus der 2. Seite.) Oer Unfug der Sanktionen. Eine Intrige Pertinax'?— Snowdens angebliche Korderungen. pari», IS. Dezember.(Eigenbericht.) .Echo de Paris" und.Oeuvre" berichten heute, daß der englische Schahkanzler Snowden mit dem Vorschlag heroorgelreten sei. in den Poung-Plau bestimmte Sanktiousversügungen auszuaehmen. Es haudele sich dabei augenscheinlich um ein isoliertes Vorgehen des Schahkanzlers, der bisher die Unterstützung des Foreign Ossiee nicht gesunden Hobe. Snowden fordere nicht gerade, erklärt das.Oeuvre". daß das Ruhrgebiet und das Rheinland wieder beseht werden kötznen, über er wünsche doch, daß der poung-plan gegen etwaige Versehlungen Deutschlands»durch Gendarmen geschützt" werde. Der Antrag Snowden? müsse zu schweren llngelegenheiten Anlaß gebe«. erNärt pertiaax. Denn er sehe voraus, daß die Reparalionskommlssiom deren Abschaffung der Jaung-Ploa vorgesehen Hab«, doch bestehen bleibe, da man anbedingk eine Steve brauch«, die deutsche Verstöße sestflelle. «.,->• Diese Pariser Meldungen über einen angeblichen Dorschlag Snowdens, das Sonktionsrecht des Verfailler Vertrags wieder aufleben zu lassen, muten einigermaßen p h a n t a st i i ch an. Von London ist keinerlei derartige Mitteilung gekommen— aber sie sind auch in sich unwahrscheinlich. Es ist vielmehr so, daß durch die Abschaffung der Reparationskommission auch ihr« Befugnis ver- Ichwittdet,«ine deutsche„Verfehlung" sestzustellen: die Annahme des Aoung-Plans würde auch den Verfailler Vertrag in dieser Hinsicht abbauen. Nun hat allerdings die letzte Debatte In dem Aus- wärtigen Ausschuh der französischen Kammer gezeigt, daß fron- zösische Rechtskreise äuf die formelle Aufrechtcrhaltung des Rechts auf Sanktionen großen Wert legen. Sie hoben damit den deutschen Nationalisten nur ein neues Still, wort gegen den Poung-Plan geliefert, der die Reparationskommission und damit die Möglichkeit von Sanktionen zwar abschafft, sie aber auk dem Papier noch be- stehen läßt. Es soll übrigens auch auf deutscher Seite Be- strebungen geben, die haoger Konferenz im Iarnior damit zu belasten. daß die Regierung Tardie» einer Erklärung über die sor- melle Aufhebung der Sanktionen zustimmen soll. Bestrebungen, die unseres Wissens von der englischen Regierung nicht unterstützt werden. Do es auf die Aufhebung der Reparationskommisston ankommt und diese im Poung-Plan vorgesehen ist, ist nicht«in- Zwei Oikiaioren. I zusehen, was praktisch mit solchen Wünschen erreicht werden soll. ! Jedenfalls zeigen die aus Paris stammenden Meldungen, wie i geeignet das Wort„Sanktionen" ist, um die Atmosphäre der ■ Januarverhandlungcn zu stören. Wemi„Pertinar" dabei den eng- tischen Schatzkanzler vorschiebt, so ist das ein erfreuliches ! Zeichen dafür, daß er selbst es schön nicht mehr wagt, offen die i Ausrechterhaltung des Ganktionsrechts zu fordern— wir nehmen l an, daß hierin die Enttäuschung der französischen Rechtskreise i sich spiegelt, die in England mit ihren Wünschen, das Sanktionsvecht ; zu erneuern, hinten abgefallen find: dos ganze stellt eine Intrige � dar. um Snowden in Schwierigkeiten zu bringen, dem sie die erste � haager Konferenz nicht vergessen können. Sckacht:»Sehn Sie, Herr Hugeoberg, auf Ihrem Weg wird man pleite-Dlktator, auf meinem aber Iiuanzdiktator!" Oemonstrationsverbot in Frankfuri. Die Folge der kommunistischen Revolte. Frankfurt a. M., 18. Dezember.(Eigenbericht.) Der Polizeipräsident wird heute, veranlaßt durch die kommunistischen Erwerbslosentumulte,«in Verbot sür alle Demonstrationen und stund- gebnugeu unter freiem Himmel erlassen. Bon den 2v Verhafteden Demonstrationsteilnehmer« wird Voraussicht- lich im Laufe deS Tages ein Teil wieder auf freien Fuß gesetzt werden, der Rest dürfte nach Abschluß der Polizei- lichen Vernehmung dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Prügelei unier Nationalisten. Oeutfchnationale verprügeln Lambach-Anhänger. Hamburg, IS. Dezember.(Eigenbericht.) Am Dienslogabcnd sprach in Hamburg hugenbergs Widersacher Lambach über„politische Erneu ening". Die Versammlung ver- lief sehr stürmisch. Es kam zu lebhaften Auseinandersehunge., zwischen den Ratlonalsozlalisten der verschiedenen Richtungen, so daß dl« Polizei wiederholt eingreifen und Ruhe schassen mußte. Besonders wild benahmen sich die S l a h l h e l m e r und Frei-Völkischen, die Lambach al» einen Förderer des Landesverrats beschimpften. Als Lambach schließlich über die Zusammenbruchsillnsion sprach, brach eine Prügelei ans, der nur die Polizei«in Ende machen tonnte. Ein zweites BlaI mußte die Polizei einschreiten, al» in der Diskussion ein Stahl- helmer von Bela sprach und dabei eine Handseste Holzerei auabrach. In seiner Red« erklärte Lambach, häusig von Zurufen unterbrochen. hugenberg habe mit dem 8 4 des Volksbegehrens deutsch- nationale Gesinnungsgenossen hinterrücks über- fallen. E» sei nur die Trennung von hugenberg übriggeblieben. Die Sezessionisten gingen mit hindenbnrg. dem Rcller. gegen Elatz und hugenberg, aber sie wollten keine neue Partei bilden, sonder» eine Arbeitsgemeinschas«. die den Fraktionszwang verwerfe. Wolsfs Bureau berichtet über die gesprengte Lambach-Vcr- sammlung noch folgende Einzelheiten: Der Derboich der dentschnntionolen Derein« für das Staats» gebiet Hamburg veranstaltete mn Dienstagabend«ine Versammlung. in der Reichstagsabgeordneter Walter Lambach zum Thema Apolitische Erneuerung" sprach. Unter den Erschienenen machte sich «ine starke Opposition zu Beginn der Veranstaltung bemerk bar. Die Begrüßuirgsworte des Vorsitzenden wurden bereits durch Zwischenrufe und Lärm unterbrochen. Lanrbach selbst hatte zeitwellig geradezu einen Tumult zu übertönen. In der Opposition schienen die Nationalsozialisten zu überwiegen. Nach Verlauf von etwa einer halben Stund»- entwickelte sich am Ausgang des Saales eine Schlägerei, die eine Unterbrechung der Rede nötig machte. Eine herbeigerufene Polizeistreife schlichtete den Streit und sorgt« vorerst für Ruhe. Erst gegen Ende der Lambach-Rede kam es erneut zu Tumult szenen. In de:, Beifall mischten sich heil- Rufe und Pfeifentriller. Wäh- renb bfcr auf die Lambach-Rede folgenden Diskussion kam es erneut zu Tumultszenen. Nachdem der Stahlhelm-Diskussions- redner dz« Redezeit überschritten hatte und das Pult nicht ver- lassen wollte, entwickelte sich abermals eine Schlägerei, dies- mal auf dem Podium und um den Tisch der Person, mlungs- leitung, an dem auch Lambach saß. Die nationalsozialistische Oppo- fition oersperrte den Ausgang. Wieder wurde Polizei herbei- gerufen, die dann im Saal blieb, bis die Diskussion beendet war. Die Getreidezölle. (Forssetzung von der 1. Seite.» Im übrigen benutzte der Minister diese Gelegenheit, um wieder für den Glejtzoll einzutreten, über dessen Bewährung sich bisher keinerlei Gegeztbeispiele gefunden hätten. Was man in bezug dar- auf von Englqpd gesagt habe, sei nicht stichhollig, weil dort der Kleitzoll nur abgeschafft wurde, als man zum Freihandel überging. Dasselbe gelte für Oesterreich und die Tschechoslowakei, wo es sich lediglich um ein Provisorium handelte. Gegenüber dem Abg. Fehr erklärte der Minister, dessen Bedenken seien nicht stichhaltig, da die höchsten Getreidepreise jedesmal vor der n«uen Ernte liegen, also die Preissestsetzung auch unter dem neuen System der Landwirt- schaft in vollem Maße zuguts komme. Abg. Schiele behauptet, in Polen lägen S 000 Doppel- zeiüner Roggen, die in den Nordstaoten untergebracht werden sollten. Genau dasselbe wolle aber auch Ostpreußen, das deshalb diesen Markt schon verbaut sieht. Er fragte, warum demgegen- über Deutschland so zimperlich sei imd nicht durch Ausfuhrprämien und dergleichen mehr genau so vorgehen wolle, wie eine Reihe an- derer Länder. Diesen Einwand wies der Minister mit der Bemerkung zurück, Deutschland könne unmöglich das wetkvnnen mit Polen aufnehmen. Es würde den Preis im Inlande verteuern, den Nord- ftaaten aber große Vorteile verschaffen, wofür diese dann wieder billiges Vieh hereinbringen würden. Dam,t war im wesentlichen die Aussprache beendet. Es folgten die A b st i m m u n g e n, die durchgängig die Annahme der Anträge ergaben, die die Regierungsparteien eingebracht hatten. Alle Anträge der Deutschnationalen auf Erhöhung der Zölle j trüber hinaus und auf Aenderung des Emfuhrfcheinsyftems wurde abgelehnt. Die Sitzung wurde gegen Mittag unterbrochen, nachdem fast, alle Zölle für Getreide erledigt worden waren. Nach kurzer Paus« sollen die Zölle für Vieh und Fleisch behandelt werden, über die zwischen den Regierungsparteien noch Besprechungen statt- finden. Wahrscheinlich wird im Laufe des frühen Nachmittags auch da» erledigt sein, so daß am Donnerstag die Zollvorlage zur zweiten Lesung in das Plenum gebracht werden kann. 3« Hause bleiben! Jtiemand geht am Sonntag stimme«!— Laßt die Hugenberger unter sich. Zu einem Vortrag, den der Kls Autorität in ver- sassnng, fragen bekannte Ministerialrat im Reichs- ministertmn des Innern vr. Saifenberg gestern ans der Deutschen Melle hielt, führte er zum Volksentscheid hugen- bergs n. a. folgendes ans: Dem„Reichsausschuß für das deutsche Volksbegehren" ist es bei weitem nicht gelungen, beim Volksbegehren alle die Wähler für die Eintragung zu gewinnen, die bei der letzten Rcichstagswohl ihre Stimme einer der im Ausschuß vertretenen Parteien gegeben haben. Immerhin wurde das für den Fortgang des Volksgefctz- gebungsverfahrens erforderliche Zehntel erreicht Nachdem der Reichstag den Entwurf abgelehnt hat. muh sich die Mehrheit der Stimm- berechtigten an der Abstimmunq beteiligen, um einen wirksamen volksbeschluh zustande Zu bringen. Beim Volksentscheid„Fürsten- enteignung* und beim Volksbegehren„Panzerkrcuzeroerbot" ist auch in der der Deutschnationalen Partei nahestehenden Presse die Auffassung vertreten worden, daß der Parlaments beschluß, durch den ein volksbegehrter Gesetzentwurf abgelehnt wird ein Reichstagebeschluß ist, der im Volksentscheid nur umgestoßen werden kann, wenn lich die Mehrheit der Stimmberechtigten an der Ab- stimmung beteiligt! Leute wird von diesen Kreisen eine andere Auffassung vertreten. Indessen sind die gegen die herrschende Auffassung vorgebrachten Einwände nicht stichhaltig. Ueberdies ist da» wahlprüfnngsgericht beim Reichstag beim Volksentscheid„Fürsteaeoteignung" der Herr. schenden Anffassunq gefolgt und hat damit eiitf unumstößliches Präjudiz geschaffen. Darüber hinaus aber ist der Gefehentwurf verfassungsändernd. Dem Reichspräsidenten, der allein zum Abschluß von Verträgen mit auswärtigen Mächten berufen ist, soll die Möglichkeit genommen werden, bestimmte Verträge abzuschließen. Weiterhin will der Eni- wurf bindende Richtlinien für die auswärtige Polin t aufstellen, während es nach der Verfassung Sache des Reichskanzler» ist, die Politik zu führen. Damit wird die in der Verfassung durchgeführte Trennung der Exekutive von der Legislative durchbrachen, was Nur durch verfassungsänderndes Gesetz geschehen kann. Zur Annahme des Gesetzes im Volksentscheid ist demnach die Zustimmung der Mehrheil der Stimmberechtigten notwendig. Die Zahl der gülligen Io-Stimmen muß die um eins vermehrt« Zahl der Hälfte aller Stimmberechtigten erreichen. Bei der Reichstagswah! am 20. TOai 1928 waren rund 41,3 Millionen stimmberechtigt. Durch Bevölkerungszunahme hat sich diese Zahl inzwischen vermehrt und wird ooraussichllich rund 42� Millionen betragen. Nach Loge der politischen Kräfte ist es ausgeschlossen, daß die in der Verfassung geforderte Mindestbetelligungsziffer oder die für Der- fassungsänderungen erforderliche Mindestzustimmungszahl von je rund ilH Millionen auch nur annähernd erreicht werden Für alle nicht den» Hugenberg oder Hitler oder 5 e l d t« verschworenen Wahlberechtigten heißt es darum: 2!m 22. Dezember wird der Wahlurne fern- geblieben! Keiner gibt seine Stimme ab! I« kleinen Lrte« und auf dem Laude, wo wirtschaftlicher Zwang «inen Wähler auch gegen seine Ueberzengnng ins Wahl- lokal treiben könnte, wird der Stimmzettel voll- kommen durchgestrichen nnd dadurch ungültig gemacht? � Uebecall aber wird die Sozialdemokratie im Wahllokal Vertrauensleute zur Ueber- w a ch u n g' habe«, damit festgestellt wird, w e r es wagt. durch seine Stimme Minister und Reichspräsidenten mit Zuchthaus zu bedrohen! Das Kohlenbergbaugesetz. Grahams Begründungsrede. Das Derbrechen von Weißensee. Sin 22 jähriger unter Anklage des Raubes mit ToSeserfolg. Der gewaltsame Tod der Obsthä udlerin Sänger in der Schönstrahe in Weihenfee am 27. 3ual d. 3. halte für „ ihre Rächslen schlimme Folgen. FamilienzwWgtelten legten den Verdacht nahe, ein Angehöriger könne der Täler gewesen sein. Ein Prüder der Ermordeten wurde verhaftet. Am 4. 3uli erfolgte aber die Festnahme des 22jährtgen Arbeiters Przsybulfki. Er war geständig, heute steht er nor dem Landgericht III unter Anklage des Raubes mit Todeserfolg: mit Ihm zwei 21jährige Arbeiter wegen Beihilfe refp. Be- günstigung. Allen dreien werden auherdem eine Anzahl Dieb- stähle zur Last gelegt. Przsybulfki. ein blasser, rothaariger Bursche mit hohem Gaumen und fliehender Stirn schluchzt schon vor Eintritt in die Vechandlung. Er beruhigt sich und macht seine Aussageit präzise und laut. Der Bater, von Beruf Friseur, kain im Jahre 1913 aus Posen nach Berlin. Der Sohn Marion las besonders gern Kriegs- und Marinebücher.„Ich hegte," sagt er,„von klein auf die Sehn- sucht, auf See zu gehen. Der Drang wurde in meinem herzen von Jahr zu Jahr stärker, ich konnte ihn nicht überwinden." Da er körperlich zu schwächlich war, wurde er aber mcht angenommen. Er mußte in die Bäckerlehre, lief«in Jahr später davon, trieb sich einige Tage umher, wurde vom Vater oerprügell und trat nun in eine Matrosensch ul« in Köpenick ein, besucht« sie zwei Jahre und heuerte als Deckfunge auf einem Schiff des Norddeutschen Lloyd an. Im Jahre 1927 kehrt« er nach Berlin zurück, hatte einige Monate Anstellung als Lagerist, wurde abgebaut wegen Um- stellung der Firma und war seit Ende 1928 arbeitslos. Die Mutter, eine nervöse Frau, machte ihm Vorhaltungen. Er bemüht� sich um Arbeit, fand aber keine. Zu Ostern kam es zu einem Strell zwischen ihm und der Mutter: sie verbot ihm das Haus, er mietete sich bei Bekannten eines Freundes ein. Drei Wochen später verließ er seine Schlafstelle, ohne zu bezahlen— er besaß keinen Pfennig Geld, hier setzt sein sozialer Abstieg ein. Cr übernachtet auf der Rennbahn Weißense«, auf dem Stadion und beginnt kleine Dieb stähl« zu begehen, bricht w Schuppen ein. Schaukästen, entwendet ein Fahrrad und dergleichen mehr. Die beiden heutigen Mitangeklagten sind bei verschiedenen Taten mit dabei. Da« Geld wird verjubelt. Am 26. Juni trafen sich Przsybulfki und seine beiden Mit- angeklagten Sch. und M. We drei waren ohne Geld. Przsybulski gab die Anregung, den Laden der Obsthändlerin Sänger zu be- rauben. Auf den» Wege zur Schönstraße nahm Przsybulsti einen großen P f l a sie r st e i n an sich. Ich will ihr elns damit gondeln, sagte er. Sch. meinte, der Stein sei zu groß und wählte einen kleineren. Przsybulski wickelt« ihn ein und trug ihn mit sich sorr. An diesem Tage konnte die Tat mcht ausgeführt werden: verschiedene hindernsse stellten sich in den Weg. Der Stein wurde unter einem Strauch versteckt. Am nächsten Tage traf sich Przsybulsti mit einem befreundeten Arbeiter, trank mit ihni verschiedene Glos Bier, äußerte sich auch ihm gegenüber über die beabsichtigte Tat, jener nahm ihn nicht ernst. Gegen 11 Uhr Holle er den oersteckten Stein und begab sich zur Strohe. Er hob die Jalousie hoch, fand die Tür offen und betrat den Laden. Die Kasse war leer Im Hinteren Räume brannte Licht. Was weiter geschah, muß erst genau festgestellt werden. Przsybulski behauptet, er habe Fräulein Sänger schlafend auf einer Bank angetroffen, sie sei plötzlich wach geworden und habe ihn erschreckt angestarrt: er sei in den Laden zurückgelaufen, konnte ober nicht hinaus, weil Leute auf der Straße vorbeigingen, sei in den Hinterraum zurückgeeilt, Fräulein Sänger halie um Hilfe geschrien. und habe er ihr mit fctn Stein einen Schlag aus den Kops versetzt. Sie Hobe sich aber trotzdem noch einmal aufgerichtet. Hab« wieder London. 18. Dezember.(Eigenbericht.) Das Unterhaus begann am Dienstag die entscheidende zweite Lesung der von der Arbeiterregierung unterbreiteten Gesetzentwürfe zur Reorganisation des Kohlenberg- d a u e s. Als Sprecher der Regierung war dem handclsminister Graham die schwierige Ausgabe übertragen worden, dem Parlament ein Gesetz schmackhaft zu machen,' das von feiner Mehrlieit, den Konservativen und Liberalen, wenn auch aus ver-» schiedenen Gründen, einer starken Kritik ausgesetzt worden war.,,.. Der Handelsminister, der zwei Stunden' sprach, begann mit einem Rückblick auf die Beziehungen zwischen der weltwirtschastlichen Lag« und den besonderen Schwierigkeiten der briiüchen Kohlen- Industrie. Großbritannien habe zurzeit der größten Blüte seines Kohlenbergbaues vor dem Kriege 290 Millionen Tonnen jähr- lich gefördert, während die gesamte Förderung heute zwischen 243 und 250 Millionen Tonnen schwant«. Trotzdem sei jedoch kein Anlaß zu übertriebenem Pessimismus vorhanden. Großbritannien könne im Falle einer Reorganisation der heute in einem chaotischen Zustand befindlichen Industrie, einen Teil seiner europäischer, Märkte, wenn auch nicht alle, zurückerobern. Der Zweck der vorgeschriebenen Maßnahmen bestehe überhckupt darin, dem Berg- bau Großbritanniens die Möglichkeitzur Ausfuhr zu den herrschenden Weltmarktpreisen zu geben.' Es sei nicht b e- absichtigt, die britische Kohlc im üblichen Sinne des Wortes zu subsidieren. Die besonderen Schwierigkesten Großbritanniens lägen in der Zersplitterung des Kohlenexportes. So- lange Großbrstannien nicht in der Lage sei. als Kohlenexporteur«ine einheitliche Front mit den deutschen, polnischen, französischen und anderen Kohletonkurrenten zu bieten, besitze England keinerlei Aus- sichten, einen guten Platz auf dem internotimwlen Markt einzunehmen.» In der Debatte erklärte der Liberal« Sir Herbert Samuel, die Liberalen erhöben keine ernsten Einwände gegen die Dorschläge der Regierung für die Regelung der Arbeitszeit. England müßte mit dem Kontinent unter gleichen Bedingungen und sogar mit noch kürzerer Arbeitszeit konkurrieren können. Auch die Ein- richtung einer Z e n t r a l st e l l e zur Regelung der Angelegenheiten der Kohtenindustri« müsse sich nach Ansicht der Liberalen als durch- führbar erweisen. Der Kern der gesamten Frage sei sedoch die Reorganisation der Industrie,-die auf Zusammenfassung ver zersplitterten Unternehmungen gegründet sein müsse. Samuel kritisierte die Vorschläge Grahams für die dam st zu betrauende Amol- gamierungstommission und erklärt«, eine derart aufgezogen« Kam- Mission werde keine' Befugnisse zum handeln haben. Im weiteren Verlause seiner Rebe stellte Samuel in ullimattvem Ton folgende Fragen: Ist die Regierung bereit, in ihre Vorlage ein« Klausel ein- zufügen, die die zwangsweise Amalgamierung vorsieht und den Mitgliedern der geplanten Kommission entsprechend« Vollmacht gibt, oder wird die Regierung eine zweste Vorlage einbringen, die dies« Frage von grundlegender Bedeutung behandelt und ihre An- nahm« vor Ende der Session sichert? Ist die Regierung bereit, die von den Liberalen lebhaft beanstandete Bestimmung der augenblicklichen Vortage bezüglich der Marktquoten und der Preise als eine nur zeitweilige Regelung zu kennzeichnen, um die schwierige Periode zu überbrücken? Ist die Regierung bereit, durchzusetzen, daß— wenn Amalga- mierungen stattfinden— sie auf der Grundlage des augenblicklichen Realwertes der Bergwerk« erfolgen und nicht auf Grund der hoch- getriebenen Preise, die in Erscheinung treten dürsten, wenn die Be- stimmungen dieser Vorlage m Kraft treten? Die Erwerbslosenvorlage unter Dach. London, 18. Dezember.(Eigenbericht.) Da» Unterhaus nahm Dienstag nacht nach außerordentlich schwierigen Verhandlungen das neue Sozialversichernngegesetz in dritter Lesung an. Die Mehrhell für die Regierung betrug 74 Stimmen. um Hilfe geschrien, und da Hab« er mehrmals auf sie eingeschlagen. Er habe seine blutbesudelten Hände gewaschen, die Kommode nach Geld durchwühlt und hinter d.-m Schrank in einer Schachtel 200 Mark gesunden. Die Anklage behauptet, dah nach Lage der Dinge Fräulein Sänger in schlafendem Zustande getötet sein muhte. Przsybulski kleidete sich am nächsten Morgen neu ein, machte eine Mondscheinfahrt nach Grünau, nahm an verschiedenen Tanz- ' Vergnügungen teil und wurde schließlich am 4. Juli verhaftet. Der Vorsitzende macht den Angeklagten daraus aufmerksam, daß er u. a. auf Grund des Paragraphen des Strafgesetzbuchs vcrurteill werden kann, laut de n mst Zuchthaus nicht unter zehn Jahren derjenige bestraft wird, der bei Ausführung eines Verbrechens das Opfer vorsätzlich tötet, um sich den Folgen des Verbrechens zu ent- ziehen. Ueber den Geisteszustand des AngeNagten wird Medizinal- rat Dr. Dürenfurth gehört werden. Oer Gerieuflug. Wer nicht pariert, fliegt aus ver Kpv! I halle, 18 Dezember.(Eigenbericht.) Di« Kommunistische Partei in Halle fährt mtt dem s e r i e n- weisen Hinauswurs ihrer Mitglieder fort. Am Montag hat sie den kommunistischen ZZerwalttmgSdirettor der Ortekrankenkoss« und den Angestellten des kommunistisch«, Parteiblatt«», Korrektor K l o e m a n n, ausgeschlossen. Ihnen sind am Dienstag die beiden kommunistischen Seschästssührer der Konsumgenossenschaft in Halle gefolgt. Sie haben es abgelehnt, verrückt« Befehle der kommunistischen Parteilestung auszuführen. Gabel und Oegner hastentlassen.* Di« im Haftprüfungstermin vom Sonnabend ausgesetzte Eni- scheidung über die gegen die kommunistischen Stadträt« Saebel und D e g n e r erlassenen Haftbefehl« ist von dem Unterjuchungs- richter des Landgerichts l dahin er gangen: Die Haftbefehle werden aufrechterhalten, da dringender Tatverdacht und Fluchtverdacht fortbestehen. Da jedoch Berdunkelungegefahr nicht mehr ausreichend begründet erscheint, ist angeordnet, daß Gaebel gegen eine Sicherheitslei st ung von 5000 M., Degner gegen eine Sicherheitsleistung von 15 000 M. mst der Untersuchungshaft oerschont werden. Beide haben sich täglich beim zuständigen Polizeirevier zu melden. Oer Malermord in Werder. Aufsehenerregende Verhaflong ein Labr nach der Ta<. 3m Lause des gestrigen Tages fand unker einem großen Aufgebot von Zeugen und in Gegenwart de» Oberstaal»- anwalls Pfaffe aus Pol» dam ein Lokallermin in der Villa des Malers Professor kurz in Werder(hooel), der Im Rovcmber vorigen 3ahres ermordet wurde, statt. 3m Anschluß daran wurde von der Potsdamer Slaalsanwallschast Haftbefehl gegen den verdächligeu Schwertseger beantragt, der heule früh von Awtsgerichlsrot Eichelkraut in Werder ausgegeben wurde. Professor Kurz wurde bekanntlich am 24. N o o« m b« r 1928 ermordet und am darauffolgenden Tag«, einem Montag, auf- gefunden. Er lag im Schlaf, und Leseraum seiner Dtlla im Erd- geschah zwischen einer Chaiselongue und einem Schrank auf der Erde. Mit einem Beil war Ihm der Schädel zertrümmert worden. Schon bald noch der Entdeckung der Bluttat lenkt« sich der Verdacht der Täterschast auf einen 33 Jahre alten Kohlenhändler Schwertseger au, Werder. De Vcrdachtsgründe reichten aber seinerzeit nicht aus, und Otto Schwertseger blieb aus freiem Fuß«. Das gesammelte Indizienmaterial belastet den Kohlenhändler so schwer, daß nunmehr der Haftbefehl ausgesprochen worden ist. Schallplatte« v GchaNplattenschau.. Orchester uad Dirigenten. Die vierte Sinfonie in V-Dur von Haydn, die elfte der foge- nannten Londoner Sinfonien, erscheint in einer Folge von vier Platten bei LI.: Die New-Porker Philharmoniker nnter T o s c a n i n i. ein« Leistung von vollkommenster Ausgeglichenheit Dazu als Zugabe das Scherzo aus Mendelssohns Sommernachts- träum, mit höchster Virtuosität, vor allem der Bläser, gespielt. Mozarts V-Dur-Sinfonic ohne Menuett, die 38., gibt's von den Wiener Philharmonikern(Dirigent: Erich Kleiber) in sehr schöner Wiedergabe— herrlich der Klang der Streicher— zu hören.(EI.) Und Tschaikowskys Pathetische Sinfonie vom Londoner Philhormonischen Orchester unter Oskar Frieds Leitung(C.). Am besten, auch in der Gestaltung durch den Dirigenten, der bravourös gespielte dritte Sah. Rur'der Klang der tiefen Lagen, besonders wichtig in diesem Werk, ist undeutlich und ohne Fülle— das alle Uebel, das feine technischen Gründe hat; aber man kennt die Gründe und sollt« sie beheben.* Richard Strauh als Interpret seiner eigenen Werke mit dem Orchester der Staatsoper: die Aufnahmen bedürfen keiner Empfehlung. Diesmal„Don Juan" und„TU Eulenspiegel".(D.G.) Aus seiner Oper„Feuersnot" bringt EI. das große Orchesterzmischen- spiel, die Liebesszene mit angefügtem Schluß; als Komposition wohl doch em wenig verblaßt, aber von berauschendem Klang. Bei D. G. Paul Du kos'.Lauberlehrling"(nach Goethe),«in phantastisches Scherzo, noch immer wirkungsvoll und vom Pariser Lamoureux- Orchester prachtvoll gespiell; es zeigt sich, wie hier die Repro- dultionstechnik fortgeschritten ist, der Klang Hot erstaunliche Farbig- keit und Differenziertheit. Eine der besten W a g n e r- Ausnahmen seit langem: das Parstfas-Vorsplel bei El.(Dirigent Karl Muck). Wagners Siegfried- Idyll(wieso:„Siegfrieds Idyll"?) dirigiert K l« m v e r e r bei v. G.; sehr klar und durchsichtig der Klang des kammerorchestralen Appa- rotes. Boll Schwung bei oller Präzision unter demselben Diri- genten auch die Ouvertüre zu Offenbachz„Schöner Helena"(F.). Nicht zu vergessen auch die Ouvertüre zu Smetanas„Verkaufter Braut"(D. G.), zu Webers„Oberon"(Ho.) und zu Aubers„Fra Diavola"(Dr.). Kammermusik und Insirumentalisten. Eine geigerische Höchstleistung: Tschaikowskys Violinkonzert, von Bronislaw Huberman gespielt. Di« Platten(?.) sind mit höchster Sorgfall hergestellt. Woran liegt es, daß sie in der Ton. höhe vonejnonder abweichen? Aus Mozart, X-Dur-Konzert. mit Josef Wolfsthal als Solisten, ivurde hier schon hingewiesen; seicher sind auch die weiteren Sätze erschienen(?.). Und«ine kammermusikalrsche Höchstleistung: Beethovens B-Dur-Trio Gp. 97, von Cortot, Thibaud, Casals schlechthin vollkommen wiedergegeben.(El.). Sehr Schönes gibt das Guarneri- Quartett im Variationensatz aus Schuberts v-Moll-Ouartett„Der Tod und das Mädchen": von höchster Subtilltät der Ausarbeitung und dynamischen Abstufung ist das Zusammenspiel der ausgezcich- neten Künstlerveveimgung in einem wenig bekannten Intermezzo von Ipollloff-Iwanow(H<*) Der Pianist Gieseking spielt Arabesken von Debusiy mit der ihm eigenen Zartheit und Nuanciert» hell des Klavlertons, den die Platte überraschend gut widergibt; >r Weihnachten. Von Klaus pringshe,m. der Geiger Stefan Frenke! freundliche Kleinigkeiten von Suk und Cui, Grete E wcler(mit Kammerorchefter) gefällige Sächsich: n von Delibes. All dies bei Ho. Und der Cellist Gregor P i a t i- gorsty Mar Bruchs„Kol Nidrci" mit ebenmäßig schönem Ton(O.). Oper und Opernsänger. Eine Reihe sehr empfehlenswerter Wagner- Platten bei v. G.: Delia Reinhardt nsit'ihrem herrliche» Sopran als Elsa und als Elisabeth: Wilhelm Rode als Wotan, groß, imposant, nur rm Piano mit etwas unbiegfameni Stimmklang, in der Schlußszene der„Walküre": sehr gut irn„Feuerzmiber" das Orchester der Städtischen Oper unter Julius Prüwer. Lauriß Melchior gibt die Romerzählung Tannhäusers mit schönem Ton, klar und«in- dringllch.(EI.) Heinrich Knote läßt als Lohengrin seinen noch immer strahlenden Tenor hören(O.), einsam strahlend über dem Orchester, das wie aus weller Ferne klingt. Hans Hermann Nissen seinen weichen, volltönenden Bariton als Hans Sachs un Flieder-Monolog(Ho.) Wundervoll singt Lotte Lehmann Wagners„Triiwne": es hätte gelohnt, dafür den Raum einer großen Platte einzuräumen und das Lied, wie es komponiert'st, mi: Bor- und Nachspiel wiederzugeben.(O.) Sie gibt auch Außerordentliches in der italienischen Oper, so im Gebet der Tosca, das übrigens auch von Meto Seinemeyer zu hören ist. P. hat von der längst verstorbenen Künstlerin, die au6) in Berlin mll Recht geschätzt wurde,«ine Reih« wertvoller Aufnahmen hsraus gebracht; davunte? die Arie der Elisabeth aus Verdis„Don Carlos" und Szenen aus dem„Rosenlavalier"— mll Grete Merrem-Nikisch, Elsa Stünzner. E manuel List: am besten, wenn auch nicht ganz klar im Zusammen- klang, das berühmt« Terzett der drei Soprane. Gesanglich Voll« endetes. dabei sehr persönlich im Ausdruck gibt Felicie H ü n i- Mihacsek mll W. Domgraf-Faßbaenderm Duetten aus .Lauberflöte" und„Don Juan"(v.G.). Madame B u t t e r f l y", die ganz« Oper— italienisch— in einer Folge von Ii Platten, ist bei G. erschienen. Nicht in durchaus gleichwertiger Besetzung. Am besten die Partien, die R o s a Pom« panino als Sängerin der Tllelrolle beherrscht. Gleichfalls bet C. ein paar sehr empfehlenswerte Aufnahmen aus Puccims„Turan- bot". Das Terzett der Minister, gewiß eine der besten Nummern der Oper: und Ehorszenen, vom S c a l a ch o r gesungen. Hervor. zuheben ferner das berühmte Duett aus Verdi»„Macht des Schicksals" mll dem unvergleichlichen Pertil« m der Tenorpartie und mll Franci als seinem Baritonpartner. Und aus derselbe» Oper Deesollna G i a n n i n i in Ihrer großen Anc. Und in Szenen aus Donizettis„Lucio" B. G i g li: noch nie vielleicht auf solcher Höhe der Vollkommenheit wie hier oder in der Arie des Astred aus „Traviata"(El.), An solchem Maßstab ist der sung« Münchner Sänger Julius Patzet, der sie gleichfalls singt, nicht zu messen; aber in der Arie aus der„Verkauften Braut" kommt sein sympathischer Tenor vorteilhaft zur Geltung(V. G.). Piccavers einzigartig schön« Stimme zu hören, ist immer eine Freude; auch wenn er„Btartha" oder„Eavalleria" singt(O. G.). Abkürzungen: C.— Columbia; O.G.— Deutsch« Grammophon: EI.= Electrola: Ho. Homocord: O.— Ode cm; P.--- Parlophon; Tr.— Trier gort. 61 Grubenopfer in Amerika. 200 Hinierbliebene betrauern die Toten von Oklahoma. New Purk, 18. Dezember.(Eigenbericht.) Die in Cllichamo durch eine Grnbenexplosinn. der- schütteten Berglevte konnten am Dienstag nur noch als Leichen geborgen werden. Bon den Kl Opfern ihres Berufes hinterlassen 42 außer ihren Frauen l7ä Kinder. Bor den Toren der Grube, die Eigen- tum der Oldtowu-Kohleukompanie ist. spielte« sich am Dienstag bis spät abends herzzerreißende Szenen ab. Als das Unglück bekannt geworden war, wurden sofort alle Nettungsmaunschaften der umliegenden Gruben alar- miert. Vergeblich— die Mannschaften konnten ihren Kameraden trotz aller Bemühungen keine Hilfe mehr bringen. Wo gestern noch blühende Menschenleben ihre Arbeitspause verbrachte», stehen heute Kl Särge, umgeben von weit über 200 trauernden Hinterbliebenen. Die Grnbcuexplostou war von einer derartigen Wir- kuug, daß in der Umgebung der Uuglücksgrube zahl» reich« Häuser schwer beschädigt wurde«. Die Detonation war meilenweit zu hören. New Jork. 18. Dezember. Die Toten sind sämtlich den Giftgasen, die sich nach der Erplosion entwickelten, zum Opfer gefallen. Die Explosion war so heftig, daß die Häuser auf mehrere Meilen im Umkreise erschüttert wurden. Die in den höher gelegenen Stollen arbellenden Berg- lcute verließen panikartig die Grube, an deren Ausgang sich die Angehörigen angesammelt hallen, um voller Angst nach den Ihren Ausschau zu halten. Die mit Gasmasken ausgerüsteten Rettung»- mannschafen mußten sich in 5000 Fuß Tiefe durch die niederge. gangeneu Sesteinswassen hindurcharbeiten, um zu den 63 Einge- Ichloflenen zu gelangen. Am Schachteingang spielten sich furchtbare Szenen ab. als immer neue Leichen an die Oberfläche gefördert wurden. Die Unglücksnachricht wurde der Leitung von zwei Ar- beiiern gemeldet, die ein« Strecke von etwa 1000 Meter im Schacht zurücklegen mußten, ehe sie ausfahren konnten. Die Ursache der Explosion ist noch nicht geklärt. Oer erste Krost. Zu der vergangenen Nach« find die Temperaturen bei sternklar«« Himmel zum ersten Male erheblich nuter null Grad gesunken. schon gegen Mitternacht zeigten sich die ersten Spuren des Frostes: Psützen und die regenfeuchten Fahrdämm« waren mit ctner dünnen Eisdecke überzogen. Wie der Wetterdienst mitteill, wurden in der Innenstadt l Grad und in den Außen- bezirken Z Grad Kälte gemessen. Um 8 Uhr früh stiegen die Temperawrcn wieder» aus 2 Grad Wärme. Zunächst ist weiter mit beständigem Weiler bei stärkere,, Nachtfrösten zu rechne». Im Binnenland« liegen die Temperaturen allgemein unter null Grad und bettagen durchschnittlich minus Z bis minus 5 Grad. In Schlesien. Sachsen und Süddeutschland waren am Dienstag starte weitverbreitete Schneefälle zu verzeichnen. Die Schneedecke erreichte stelleiiweise ekn«.Höhe von 6 Zentimeter. Di« Kälte und Schneefälle in den Gebirgen holten weiter an. und überall herrscht schon regster Wintersport. An der Küste liegen die Temperaturen, beeinflußt durch die milden Seewinde, zurzeit wesentlich höher als im Binnen» lande. Durchschniltlich wurden nachts 4 Grad Wärme gemessen. Die augenblickliche Wetterlage ist bedingt durch ein kräftiges Hoch, das sich über ganz Mitteleuropa ausbreitet und dessen östliche Grenze bereits bis Polen reicht. Siudenien besehen Ltniversiiäi. Weil ihnen die prüsungskomm.fsion nicht gefällt. Buenos- AI rc». 1& Dezember. Etwa 100 Studenten der juristischen Fakultät, nnznsrieden wegen der Zllchlberückfichttgung ihres Proteste» gegen die Zu- iamwensetznng de« prusungsansschusse», besetzten da» Jakulläteg« bände und vertrieben die Professoren und Beamte». Sie werden von der Polizei belagert, die zögert, die Studenten zum Verlassen de» llnlversiläisgcbäude» zu zwingen. Raubmord am Chauffeur unaufgeklärt. Ein neuer Zeuge. Der Fall de» schändlich und heimtückisch ermordeten Chauffeurs von Schaleponski beschäftigt andauernd die Oefsentlichlett. Jetzt wurde von Sachverständigen die vom Aulo abmontierte laxnhr eingehend untersucht. Sic ist ein ältere» Modell, nicht die Präzisionsarbeit der„eueren Typen. Trotzdem hat sich feststellen lassen, daß der wagen vom Start bi» zur Auffindung ZSZ Kilometer zurückgelegt hat. Davon sind 100 Kilometer bezahlte Fahrt gewesen. In der Zwischenzell hatte Schaleponski einmal getankt. Die Mindestsumme, die der Chauffeur demnach bei sich gehabt haben muh, betrug 64 Mark. Dieses Geld Ist nicht mehr bei ihm ge- funden, also von dem Mörder geraubt worden. Es fehll auch eine schwarzeSaffianledertasche, inder er persönliche Papiere aufzubewahren pflegte und die goldene Armbanduhr am breiten dunklen Lederband. E» handelt sich also um einen gewöhn- lichen Raubmord. Der Mörder hat dem Erschossenen die Pelzjacke ausgeknöpft und seine Taschen durchsucht. In der vergangenen Nacht hat sich noch ein v i e rt e r Zeuge, ein Kollege des Schalepanjki, gemeldet, der ihn genau kannte. Seine Bekundung schiebt sich zeillich zwischen die des Chauffeurs vom Reichskanzlerplatz und die des Weißenseer Feuer/Vehrmannes. Der Kollege stand mll seinem Wagen In der Nacht zum Montag um Mcl Uhr vor dem Cafö Baterlond und sah Schalepanski hinter sich. der etwa als fünfter in der Reihe war. Sie bekamen all« sehr schnell ein« Fuhre, Sch. von einem Herrn, der gu'e Kleidung trug und mehrmals an der Reihe auf und ab gegangen war. Es wäre erwünscht, wenn dieser Fahrgast sich auch bei der Mordkommission melden wollte. So well ist bisher die Untersuchung gediehen. w-tter für Berlin und Umgebung: Zeitweise nebeliges, sonst trockenes, ruhiges und vielfach heiteres Wetter. Nachts kalt. Tages- temperaturen über Null.— Für veuischlaud: Allgemein ziemlich hellere» und nchiges Wetter. Nachtfrost. „Zugendtragödie." Marmorhaus. Eine unbedachte, oerständniilos beurteilte Handlung kann ein ganzes Menschenleben vermchten. Das möchte dieser Film einprägen, indem er von einem jungen Menschen erzählt, der als Zeitungs- träger seiner Mutter hilft. Er besucht eine höher« Schule. Seine Kameraden zwingen den Widerstrebenden an einer von Schülern peranstalteten Feier ttllzuiuihmen. Er hat einkassiertes, ihn, nicht gehörendes Geld bei sich, was seine Kameraden ihm abborgen, jedoch nicht zurückerstatten. Als ihn dann noch einer der MtsäMir Hoch- stapler nennt, verprügelt er diesen und verletzt ihn schwer. Darum wird der Angreiser in eine Fürsorgeanstalt gesperrt, aus der cr entweicht. Trotz allerbester Führung, der«r sich in seiner neuen Stellung befleißigt, wird er in die Anstalt zurückgebracht. Dort aber wird er durch das Milieu und die Verkettung unglücklicher Umstände zum Mörder. Im Manuskript überwiegen das Kriminell« und da» Zufällige, das rein Menschliche hingegen kommt zu kurz. Adolf Lantz, der Drehlmchschreiber, ist selbst zu unbeholfen, um helfen zu können; zudem fehlt ihm der Mut zur ganz großen Tat. Der Regisseur Adolf Trotz«bellet immer gute Begründungen für die Affekt- Handlungen heraus. Jedoch ist im großen und ganzen sein« Regie nicht gestrafft genug. Sein Film wirkt weder wie ein Schrei noch wie eine nachhaltige Anklage; denn er ist kein Werk, das einem konzentrierten Gefühl entspringt. Rolant varno spielt'■ den jungen Menschen und leiht ihm seine Jugend. Eva Speyer ist die ewig siebevoll lächelnde Mutter. Dies« Schablone sollte man doch endlich einmal verwerfen; denn sorgend« Mütter, die den Lebenskampf für sich und ihr Kind de- stehen, das sind energische Menschen und keine süß lächelnden, ge- alterten Girls. b. Der Unfug der Nachtvorstellungen. Die Erstaufführung von Karl Kraus„D I e l e tz t e N a ch t". die am Donnerstag im Theater am Schiffbauerdamm als Nachtvorstellung stattfindet, beginnt nicht um 11 H, sondern um 12 Uhr nachts. So wird aus dem Theaterbureau mitgeteilt. Es wird Zeit, daß der Verband der Theaterkritiker gegen diesen immer weiter um sich greisenden Unfug der Nachtvorstellungen einschreitet. Wer hat über. Haupt Zell und Lust, um 12 Uhr nachts ins Theater zu gehen und nachher die Schwierigkeiten der Heimkehr auf sich zu nehmen! Karl Kraus könnte doch wirklich auch zu anderen Zeiten gespielt werden. Wenn ober«in Stück nur eine einmalige Aufführung lohnt oder auf Probe gespiell werden soll, ist ja oer Sonntagvormittag da. Aber es wäre an der Zell, daß di« Theaterdirektionen nicht jedem Beliebigen ihr Haus verpachten oder zur Verfügung stellen.� Was dies« Saison an dilettantischen Kollektiven und unmöglichen Stücken ausbringt,'ist beispiellos.■ Und di« Poesie soll diesen Unfug noch durch Kritiken fördern, damit Leute,, die dos Geld oder di« GeschiiÄichkoll dazu haben, sich einen Namen machen? Ein neuer Naturschutzpark. Nach einem Antra? de» Zweckver- band«» Somländischen Küstenschutzes fall die oestnntc Samlandlüst« zwischen dem Frischen und dem Kurischen Hafs in einer Breite von■ 150 Me'er als Naturschutzgebiet erklärt werden. Diesem Antrag wird wahrscheinlich stottgogeben werden, da der Schutz eine» schmalen Küstenstreijens keine wirtschaftlichen Nachteile ergeben kann und der Staat selbst beträchtlich« Mittel zur Erhaltung der Samlandkllst« ausgebracht hat. Gösta Berlings„Kavalierhaus". Nach einer Zeiwngsmeldung ist der Hof Ekeby abgebrannt, das „Stovolierhaus", das durch Selms Lagerlöfs Roman„Gösta Berling" unsterblich geworden ist. Es ist das Schloß Rottneros In der fchwodi- schen Provinz Bärmland» sin altes weitläusiges Gebäude, das sich durch feine Säle auszeichnete und durch seine kostbar« Einrichtung, die die sellensten Stücke aus Schwedens allen Tagen barg. Die großen Möbel, di« für heroffche Gestalten wie die Majorin bestimmt waren, sind nicht mehr. Nur der„Kavaliersslügel". wo die heiteren und melancholischen, stolzen und demütigen Kavaliere hausten, ist erhallen geblieben als Erinnerung an Gösta Berling, Melchior Sinclair und ander« liebenswerte Gestallen. Die meisten Personen, die Selma Lagerlös gestallet hat, hoben nämsich gelebt, und es sind kaum 100 Jahre her, daß dos KavaLershaus von Ekeby von dem Lärm der tollen Kavaliere widerhallte. Gösta Berling war ein Pfarrer namens Einanuel Bransel, ein ungewöhnlich begabter und gewalliger Prediger,«in Poet und Phantast, der.zu einem bürg er- lichen Leben nicht geeignet war. Er war in ferner innersten Seele ein geborener Vagabund und starb auch als Lagabund im tiefsten Elend. Er war von der Majori» gerettet worden, aber da er ein großer Trinker war, konnte er nirgends aushallen und oerkam. Sein Bill» ist von dem dänischen Maler Lehmann gemall worden. Sein dichterisches Genie aber hat sich in seiner Familie fortgeerbt, denn Gustav Fröding, der größte vär inländische Dichter, war sein Neffe. Auch die anderen Gestalten des Kavallerhanfes sollen da- mals das Land mit ihrem Lärm erfüllt haben, und Selms Lager- lös hat es nur verstanden, die Legenden, die sich um diese sellsam« Gesellschaft bildeten, zu einem großen dichterischen Gesamtbild zu gestalten. Dies« ganze, zu neuem dichterischen Leben wiedererwachte Well Halle ihren' Mittelpunkt in dem Gutshaus zu Ekeby, das bis- her pietätvoll in seinem ursprünglichen Zustand bewahrt wurde. bis es nun in Asche sank. � Verleihung des Adlerschildes an Professor Brentano Der Reichspräsident hat dem Unwersitätsprofesior a. D. Lujo Brentano zu seinem LS. Geburtstage den Ablerschild de» Reichs verliehen. Sn dem Begteitschreiben heißt es:„In einem an Arbeit reichen Leben haben Sie als Lehrer. Forscher und Herausgeber zahlreicher wissenschaftlicher Veröffentlichungen auf dem Gebiete der Wirtschaftslehre und Sozialpolitik sich um die Förderung der deutschen Wisienschast und Sozialpolitik groß« Verdienste erworben und well über die Grenzen Deutschland» hinaus hohe Anerkennung gesunden. Dem Dank, den das deutsche Volk Ihnen schuldet, möchte ich Ausdruck geben, indem ich Ihnen die höchste Ehrung zuerkenne, welch« die deutsche Republik verleiht, den Adlerjchild, der aus der Vorderseite da» Symbol des Reichs, aus der Rückseite die Widmung ..Dem großen Wtttschastslehvar und Förderer deutscher Sozial- polllik" trägt." � Die Eröffnung de» Pergamon-Moseum». Nachdem jetzt auch die letzte Baurate in Höhe von 1,25 Millionen Mark bewilligt ist. rechnet man damit, daß da» Pergamon-Museum. da» den Namen nach dem berühmten Altar von Pergamon führt, und da» auch die altdeutschen und antiken Sammlungen enthalten soll, im Herbst ISN eröffnet werden wird. Im übrigen wird das Museum einen anderen Namen erhalten, voraussichtlich„Antikes Museum", wobei in diesem Namen auch nicht, die altdeutschen Sammlungen, die es entHallen soll, berücksichtigt wären. Flaschenkarussell and Brotschaukel 10000000 Flaschen Seiter und Brause hei der KGB, Wenn man ein Jahr oder auch nur ein halbes nicht in L! ch- tenberg in der Konsumgenossenschaft gewesen ist und dann mal wieder hinausgeht, bekommt man bestimmt etwas Neues und Ueberraschendes zu sehen. Irgend etwas ist da draußen immer im Werden und Entstehen. Es gibt keinen Stillstand Nunmehr ist auch die Baulücke zwischen dem Verwoltungs- gebäude und den genossenschaftlichen Wohnhäusern in der Ritter- gutstroße ausgefüllt, und zwar durch einen stattlichen Neu- bau. der zunächst den verheißungsvollen Namen Vohlfahrlshaus trägt. Binnen kurzem wird er vollständig fertiggestellt sein. Zwei riesige Portale, sogenannte Schiebefolttore, die so gewaltig sind, daß sie nur durch elektrischen Antrieb geöffnet werden können, führen durch den Neubau zu den Jnnenhöfen. In der Durchfahrt liegt die Persoiralkontrolle und die beiden Waagen. In dem monumentalen Gebäude werden in Zukunft in de? ersten Etage die große Zentral- kantlne mit Küche und einigen Versammlungsräumen und in der zweiten Etage die Garderoben für das vureaupersonal und die Bäder für da» Zahr- und Lagerpersonat untergebracht werden. Außerdem werden die Saultälswache und der Betriebsrat hier ihre Räumlich- ketten erhalten. Im Keller, im Parterre und im Zwischengeschoß ober wird zurzest eine neu« Sehenswürdigkeit aufgebaut, die natür- lich sehr realen Zwecken dienen wird, die erweiterte, vergrößerte und mit den allermydernsten Maschinen versahen« Sellerwasserfabrik. Man könnte zweifeln, ob die Berliner Konsummitglieder wirklich so viele Selter und Brausen trinken, daß die Genossenschaft genötigt ist, ihren Betrieb zu vergrößern. Einig« Zahlen werden die«rforder- liche Aufklärung geben: Im abgelaufenen Geschäftsjahr verkaufte die Genossenschaft ZZj Millionen Flaschen S eller und Brausen. Seit dem Juli dieses Jahres sind aber bereits über 2K Millionen Flaschen umgesetzt worden, so daß der Gesamtumsatz diese» Geschäftsjahres enorm sein wird. Man braucht, um diesen Konsum bewältigen zu können, eine Armee von SOOOOO Flaschen. Für Laien und Fachmann ist es nun ungewöhnlich interessant. den anscheinend so einfachen Dorgang der Füllung zu beobachten. Der Laie wird sich sagen:„Was ist denn schon dabei?'» bisken Kohlensäure, Wasser und'n bisken Fruchtsaft, und fertig ist der Lack!" Ja. wenn's so einfach wäre. Zunächst müssen doch die zurück- kommenden Flaschen mal gereinigt werden. Da ist also eine Art laufendes Band, das wie ein riesiges Stachelbrett aussieht. Je vier und vier Eisenstacheln sind so gruppiert, daß sie den Hals einer Flasche feschalten. Die Flasche steht also gewissermaßen Kopf. Run wird sie innen und außen mst heißer Lauge gereinigt, mit klarem Wasser gespült und kommt, so auf ein Rutschbrett. Hier wird sie aufgefangen und auf«inen Apparat gestellt, der wie ein Karussell aussieht. Dieses Flaschenkarussell ist der Zentralapparal. Don verschiedenen Seiten fließt auf chn das zunächst durch Filter gereinigte Masser, der Fruchtsirup und die Kohlensäure zu, und wenn der Apparat, der in seiner Art ebenso iMeressant ist wie die berühmte Kaffeefüllmaschine, sich einmal gedreht hat, kommt die Brause fix und fertig gefüllt, verschlossen und etikettiert heraus, wird in Kästen gestellt, die auf laufenden Bändern sechsttätig und ohne menschliche Hilfe in die unteren Lagerräume gebracht werden. Auf diese Weise können in der Minute zwei bis drei Kasten den Füllraum verlassen. Die Stundenleistung wird 3000 bis 3000 Flaschen betragen. Die neue Anlage ist auf einen Zahreshöchstumsalz von 10 000 000 Flaschen eingerichtet. Damit ist sie nicht nur in Berlin, sondern auch in Nord- deutschlani�die größte Anlage dieser Art und wird nur von einigen west- und süddeutschen natürlichen Mineralwosseroersandstellen über- troffen. Die Anlage ist an sich nicht nur ein ehrenvolles Zeugnis der �Leistungsfähigkeit einer modernen, auf Eigenproduktion ein- gestellten Konsumgenossenschaft, sie ist gleichzeitig ein Ehrenzeugnis für die im' Konsum organisierte Berliner Bevölkerung, die auf diese Weis« ein Stück lehrreich« und sehr beachtenswerte Antialkoholarbeit ausführt. Wenn man nun mal in der Ritiergutstraße ist, kann man auch ein« andere moderne Einrichtung der Genossenschaft in Augenschein nehmen. Wie der frei erbaute und von allen Sellen zugängliche lO■'..-''..' moderne müllabfuhr. Ate SBerUner IttüUBbfuhr-ffefeUJehaft hat neuartige fTUUl nagen eingeführt, die mll einer rief Igen Xipp- vorrleblung terfehen find, Und Mftbare Großbetrieb überhaupt erst«ine wahre Produktion«. bzw. Gewerbehygiene zuläßt, so ermöglicht er auch eine weller« hygienische Behandlung seiner Produkte. Aus diesen Gründen hat man, um das Konsumbrot so sauber und einwandfrei, wie es aus dem Ofen kommt, in die Hände der Verbraucher gelangen zu lassen. eine Brolwickclmoschlne aufgestellt. Dos Brot kollert über eine schiefe Ebene in die Maschine. In diesem Augenblick hebt sich von unten ein Bogen Wickelpapier und hüllt das Brot ein. Sehr drollig sieht es aus, wenn an den beiden Enden je zwei Greifer wie ungeheuer flinke Finger zupacken und das Papier zudrehen. Eine wellcre Sehenswürdigkeit in demselben Raum ist der Lrokkühlschrank. eine in etwa zehn Etagen sich aufbauende riesige Maschine, in der etwa 5000 Brote gekühll werden. In einem wahren Schneckentempo kriechen die mit Broten helegten Platten dahin, und wenn die Brote an den Enden automatisch eine Etage höher gehoben werden, wird man an die bekannten russischen Schaukeln erinnert. Tatsächlich werden die Brote auch ganz leise geschaukelt und auf diese Weise in drei Stunden vollkommen abgekühlt. Dann kommen sie in die be- schriebene Wickelmoschine, von hier in die Versandkisten. Erst die Hausfrau, die das Brot kauft, wickell es aus. Das ganze ist ein Höhepunkt moderner Produktions- und Konsumhygiene, auf die die ZkBG. und die organisierte Berliner Konsumgenossenschaft stolz sein können.__ Arbeit für die Polizei. In einem der Häuser des Bahnhofsviertels, in der Schöne- berzer Straße passieren noch Aussage des Portiers Dinge, die dringend der Abhilfe bedürfen. Das Haus ist vorne durchwegs mit A b st e.i g g q u a r t i e r e n besetzt, außerdem befindet sich unten eine Kneipe mit„Damenbedienung", so daß das Haus meist die ganze Nacht c>sfensteht und allerlei Gesindel willkomme- nen Unterschlupf bietet. Treppen und Hausflur werben als Not- quartier benutzt und des Morgens, wenn der Portier sauber machen ioll, prallt er vor all den Andenken der nächtlichen ungebetenen„Be- sucher"«rtsegt zurück. Beschwerden beim Polizerreoier und bei der Gesundheitsbehörde wurden ihm dahin beantwortet, daß man erklärt«, das Haus wäre nach dieser Richtung hin längst bekannt und es würde schon Abhilfe geschaffen werden. E s geschieht aber nichts. Die Beunruhigung der Hausbewohner geht soweit, daß Frauen aus dem Hinterhaus und dem Seitenflügel von den „Kavalieren" belästigt werden und daher Furcht haben, sich über- Haupt im Haus« zu zeigen. IjebA Verfassiingskiiiiipfe in Oesterreich wird auf Einladung der verelnlgnng Sazialdemokrali- scher Juristen am Freilag. dem 20. Dezember 1S2S. abends 8 Uhr, im Muschelsaal des Rheingold(Eingang Polsdamer Skr. 3). Genosse Ralionalrat Dr. Eisler. Wien, der Sprecher der österreichi. scheu Sozialdemokralle im Ratiooalral, einen Vorlrag hallen. Gäste, auch Nichtjuristen, sind herzlichst willkommen. Lerantwertl.'üi die Redaktion: Salf««ng Berlin Berla«: Torwart« Berlaa S. m b. t>.. Berlin: Bnjeigen: rh. Glocke. Druck: 8« Sellin. vorwärt? Suifc- __,__________________ la.l__ Jnt._____--____ WW druckerei und Terlaaoanlta.lt Paul Einger& Co. Berlin SB»8. Lindenlirahe 3. Stenn 1 Beilage. sraaUK tob 2 Bis 0 Dur teöUaot liisotsi', l-icktzpisls usv/. WttvQdi. 18.12. Slaats-Oper Unter ck. Linden A.-V. 283 20 Uhr Sdivaiida, der Dndelsaäpieiter Staats-Oper Arn Pl.d-Republ. Vorst 103 20 Uhr Hans Helling Mittwoch, 18. 12. Stadl Oper Bisrnarckstr. Tornus 1 19'� Uhr intanlHUrni DerTenor StaatLSthaiisph. am Gendarmenmarkt A.-V. 249 20 Uhr Vailenstelns Laper PlccolomlBl StaatLScMllerTheateiCbarltli. -0 Uht: Kabale nnfl Liebe Preiset- 6 H. NO. t lanleu. S Ml«V, Dir larUratw CM Wotienf i.: 5 D. 50 PL- 3 H. «im». keuen. Katka. stanln u. Mar. Pertun I& fn.. Senil« Partner usw. Tägi. B u. Olä Sannt. 2, 3 n 8" | Alan. E. 4.8060 [INTERNAT VARIETE 1 he-ater I. d. Behrenstr. 53-54 »Va A« Zentrum 926 927»>>, . Vater sein, dagegen se&r VoHMbtthne reutii»eaioTaiiii «Uhr Atläre Oraytus Schauspiel von Ren« Kestner Regle: H. D Kenten StaafLSdiiller-Hi. 8 Uhr- Weeliete staauoparanPlau dar Bapamik 8 Uhr Theater am smunuaerflaiui 8 Uhr 0.1. Norden 12310 8>). Uhr Der Kaiser v. Amerika von Bernard Shaw Rega Mar Reinhardt Kammerspiele 0.1. Norden 12310 8>/« Uhr Lctile Tarstallaooanl Zar getl. Antidit! Sonnabend, 21. Dez. 7>a Uhr Zum 1. Male- D6slr A Komödie von Sascha Guitry Regie: Leo Mittler. Die Komödie |I Bismck. 2414/7316 8'/, Uhr Tom Teufel geBoli von Knut Hamsun Regie: Maz Reinhardt Lustspielbaus Friedrlchstr. 236 Bergmann 2922 Täglich 8-/. Uhr Grand Hotel Lustspiel von Paul Prank TriaDcn-TlLMSfr f glich 8»/. Uht Sie verveigen die inssage Elisabeth Strickrodt Kort Elale. ih. a. Hoiieedorfpiatz Theater d. Westens Vorvk. 10-2. Kf. 2001 Täglich s>/, Uhr Sastaolel las Deuts dien Theaters Die Fletaam Reqie; Mn aiiahardt. Direktion >r. Robert Klein Deutsches IQnsder-Theal Barbarossa 3937 » 4» Uhr Ende 11.10 Uhr Seltsames Rigii: UiitaBIlprl Berliner TBealer Dönhoff 170 8V> Uhr Ende«611 Uhr Reserviert rar Herrn Oaston. Regie: Forster La tri naga Sanntag, Ü.M.?'/- TiDusL mit Musik d. Tanz. «73 Uhi WeiliDsditsviiadef S Uhr Friederike Rund fun khöre r ttalbe Preise. kleines ineat. Merkur 1624 Täglich«>/. Uhr Max Adalbert in Das Parfüm meiner Frau Lustspv. Leo Lenr Barnowsky-ßlten rhuter IN im Kflniggritzar ttraBe Täglich 8-6 Uhr Die erste fflrs. selby mit Nim masaarv aitreu toai Komödlenhau* Täglich 8-/, Uhr Oer HOhnerhot mit Curt MI« Tägl.81/« Uhr Marlcfla Uaslkv. Dakar Siraas michael Boünen ßrete Rnkier Rasideaz-Ttiaafer Kgst228 BlHmensf.9 TDtaL a. Koiib.Toi Kottb. Str. 6 Tägi. 8 Uhr auchSonnt. nachm.3l!.; ai«». 1 Sänger i einzig , dutshMda, vislMitige Wwlhwcht»-Pr. Lessing-Theatsr Norden 10846 Mosisfir hehrSliü Misfltj-'nmtar H e o i e 8 Uhr Der Sdialz Morgen 8-/, Uhr restvonlallaao Oybuk Melropol-Th. 8-/4 Uhr Das Land des Lächelns Vera Sdawarz, Richard Tauber Musik von Franz Lehär Pianeiarlum —mm am Zoo■ /irlii;. Judtimliiilir Sinti B.S Barbarossa 5378 16-/4 Uhr Dia Winter- •tembildar. >8-/4 Uhr Der Stern der Weisen. 20-/4 Uhr Oer Planet iupiter. Eintritt 1 Mark, Kinder 50 Pf. Mittwochs halbe Kassenpreisa. CASWÜ-THEATER Lothringer Strohe 37. Der neue Schlagerl Famine Hannemann. Dazu ein trstklassiger bunter Teil. Für unsere Lesen Jutsehein für I—« Personen Fauteuil nur 1.25 8L, Sessel 1.75 M� Sonstige Preise: Parkett u. Rang o�o M Reichshallen-Theater Abende|T) Sonntag nachm. Q Das grobe Weihnachts- Programm der Stetfiner- Sänger Nachm. halbe Preise! Dönhoff-Brettl: Das phftnomenole Dezember-Progr. Tanz. Miel! Sonderaiigeiio!! An Private zu Engrospreiscn. 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ROSE -THEATER"äSKuT Teleph.: Alexander 3422 u. 3494 Nor noch bis 22. Dezember Täglich 8» Uhr: Sonntags 3.13 und 9 Uhr Pariser Blut Ab 23 Dezember tägi. 8.1 S Uhr Die csardasiorstln Jeden Mittw. u. Sonnah. 5 Uhr „Max und Moritz� und dor Wolhnachtsmann Jeden Sonntag, nachm. 230 Uhr FrauJHolle Programm am l.u 2 Feiertag: 4 uhr Pariser Blut 7.45 Uhr Die CsariasforstiB ii 30 uhr Familie ÜamiBmM Am 2 Feiertag spricht um I 30 U. mARCELL SALZER. Der Voi verkauf hat beronnen. 6R0SSES SCHAUSPIELHAUS 8 Uhr: 3 Musketiere Regie; ERIK CHARELL CARL Uhren von Wibsb Zum Weihnachtsfest ist eine Armband- oder Taschcn-Ubr das beste Geschenk. Grobe Auswahl In Jeder Preislage HllFBCCB N.v Artiii sriestraße 30 ■ wICdC W., Passauer Straße 12 coid�undViiV�wareiTnur S.f Kottbusser Damm 2 Brillanlen nur a«lagenh«llsklure I ■aaa Sonntag, den 32. da. Mts,. von 2 bis 6 Uhr geölfnel Renaissance-Theater TSglldi 8-/4 Uhr MAGENBECK I.MCIÖCUS BUSCHGEBÄUDE 2 5.' DEZEMBER.' PREM I E RE; Vorverkaut: bei A. Wertheim und CirkUs, Norden 840 i PARISER LEBEN Oparette von Offonbach, Regie: Qusibt Härtung. Musikalische Leitung: Ibra Mackebcn. — Staiflb'atz C1. 0901owie direktrom Verlag. dSeilogc Mittwoch, 18. Dezember 1929 OprftbntD StiÄJaitXCaßo dB tbuxzsG Hirsche aus atter Welt Was ans der Zoo erzählt- Von Hans Hyan Wir haben h» unserem Zoologischen Garten 35 Arten Hirsch« und ITA einzelne Exemplare. Noch vor kurzem konnte man die deutschen Edelhirsche, die in unserem Zoo vorzüglich vertreten sind, rühren urtd orgeln hören. Uebrigens tritt der Gartenhlrsch früher als der wild lebende auf die Brunft. Diese dauert eigentlich von 0udovsIrr-mr»od Mitte September bis Mitte Oktober. Bei den Hirscharten anderer Länder hoben die Fortpflanzungszeiten andere Termine. So zum Beispiel ist bei dem 21 x i s oder T ü p s« l h i r s ch, dessen Heimat Indien, vor allem die Insel Ceylon ist, der Fortpflanzungstermin sehr verschieden. Man bringt den Rückgang dieser Art mit der Tal- sache in Verbindung, daß die Kälber vielfach im Winter geletjt werden. was mit einer im Vorfrühling stattsindenden Brunft überein- stimmen würde. Der schönst« und edelste Typ der Hirsch« ist wohl der deutsche Edelhitsch. Selbst der viel mächtigere, auch im Geweih stärkere Wapiti(der nordamerikanisch« Hirsch) kann in der noblen Form des Gliederbaues und in dem ebenso edel geschwungenen wie kraft- vollen Geweih mit unserem deutschen Hirsch nicht wetteisern. Der deutsche Rothirsch(Cervus elaplius) hat etwa 10 Ab- oder linterarten, van denen an erster Stelle der ungarische Hirsch, der beträchtlich größer und stärker wird als der deutsche, genannt zu werden verdient. Man spricht dann weiter von dem„pammerschen Hirsch", dem„rheinischen", dem„schlesischen", dem„Steiermärkcr", dem„Romintener Hirsch", einem„Gcbirgshirsch", der besonders im Harz anzutreffen ist� einem..Zivergedelhirfch". der nichts als amc degcnerarive Form des großen Rothirsches ist und sich vornehm- lich in Korsika findet', und von dem„lyeißen Edelhirsch", der eine albinotischc Abart darstellt. Man kann diese verschiedenen Rassen- formen im Zoo wundervoll studieren. Wer ein wenig Zeit und Muße fi»det, bei den Hirschgehegen zu verweisen, lernt die sehr interessanten Gewohnheiten dieses unseres schönsten Wildes kennen. Der stärkste Hirsch ist, wie gesagt, der Wapiti, der srüher in singe-. Heuren Mengen die Steppen und Wälder Nord- und- Mittelomerikos- liewohnte, den dann ober die in Amerika eindringenden Weißen iir einer unvorstellbar rohen und unjägerischen iDeis« zu Hunderttausen--' den abgeschlachtet haben, so daß jetzt nur noch Wapitis in dem amen-' konischen Vellvwstone-Park vorhanden sind. Ebenfalls in Amerika zu Haufe ist der V i r g i n a h i r s ch, eine mittelgroße 2lrt mit sticht übermäßig starkem, nach innen gebogenem Geweih. Der indisch« B a r a s i n g a oder S u m p f h i r s ch wird nicht ganz so hoch und lang wie unser deutscher Hirsch. Seine Farbe ist ein goldiges Rotbraun. Mit scharzem Rückenstrich und kleinen gold- gesben seitlichen Flecken. Indien mit seinen unendlichen Wäldern und Dschungeln beherbergt dieses schöne Wild noch in großer Zahl. Vom Fuße des Hiniakaja bis südlich vom Narbada-Fluß findet man ihn überall auf den parkähnlich bewachsenen Landschaften als schönste Staffage der Landschaft. Neben dem S i k a- und D u- b o w s k y- Hirsch ist der indische Sans bar, auch Roßhirsch gc- vannt, der stattlichste und edelste dieser Gruppe zu bezeichnen. Der Sambor, der ein kräftiges und hohes, wenn auch nicht so edel geformtes Geweih besitzt, kommt überall in Britisch-Indien, auf Cey- lon, in Barma, Siam und im Malayischen 2lrchipel vor. Im Himalasa steigt der Hirsch bis zu 3000 Meier Höhe. Dem Sawbar wenig an Größe nachgebend, hat der Mähnenhlrsch nur die unangenehme Eigenschaft, in der ziemlich langen Brunft«inen un- ausstehlichen bockartigen Geruch zu verbraten. Der K h a r- l a- g ii n a, von den Engländern Schwemshirsch genannt, ist ein sich, etwa in der Größe unseres Rehes, ist der Muntdfak. Der Indiensäger Hermann Miele erzählt, daß er eines Nachts auf einen Tiger ansaß und daß plötzlich auf der Blöße vor ihm Im Mondlicht ein Muntdfak mit seinem rehähnlichen Gehörn erschien, um sich da zu äsen. Zluf einmal aber schoß aus dem Dickicht, als osärc plötzlich ein Baumstamm lebendig geworden,«ine IZMeter lange Annaconda(Riesenschlonge) hervor, griff den Muntd. jak an der Muffel und erwürgte das sich hoch aufbäumende Tier, um es dann regelrecht zu verfchsingen. Ein Hirsch, der den unseren an Größe übertrifft und ihn an edlem Aussehen ähnlich ist, ist der mongolische Hirsch, der Maral. Cr wird nicht allein des Wildbrets oder der Trophäen halber ge- jagt, sondern die Chinesen und Mongolen rühmen sctnem unesst- wickelten, daher noch sveichen Geweih besonder« Eigenschaften nach. Bekanntlich werfen die Hirsch« im Gegensatz zu den Rehen jedes Jahr, meist im Winter, ihr Geweih ab und„schieben" dann langsam ein neues, das. anfänglich noch weich und von„Bast" bewachsen, sich erst allmählich auswächft, härtet und an Baumstämmen„gefegt" wird. An dieser Trophäe hoben aber, wie schon gesagt, die schlitz- äugigen Söhne des Himmels nicht so große Freude. Sie schätzen das unfertige, welche Horn und bezahlen es mit hohen Preise» (was sehr zur Dezimierung dieses Wildes beiträgt!), well der weichen, gallertartigen Masse die Eigenschaft zugeschrieben wird, daß es den Mann von neuem liebesfähig macht. Dies« Sorg« liegt dem Chinesen überhaupt am nächsten. Deshalb ißt er Hai- fischflofsen, Schwalb.mnester, Seetang und Holothurien. Wir finden im Zoo mißer den schon genannten Hirschen den Prinz-2llfred-Hirsch, den Phllippinenhirsch, einen hello» Aristoteles- Hirsch, den Pferde- und Javanischen Hirsch, den Molluckenhirsch, den Leierhirsch, den Atlashirsch und das Renntier, auch RennHirfch genannt. Eine ebenfalls aus Asien stammende Art ist der in Deutsch- fand feit Jahrhundert«» eingebürgerte Damhirsch, der aber schon duxch dle schaufelartige Geweihbildung eine andere Herkunft verrät. Er steht auch in der Größe und Schwere beträchtlich hinter dem Rotwild zurück und nähert sich darin schon dem Reh. Das Reh läßt sich leider in Tiergärten nicht gut halten, wes- fy#? Prinz-Alfred-Hirsch halb man auch selten ganz gefund« und stark« Exemplare in Zoo. logischen Gärten zu sehen bekommt. Die an Größe und Gehörn hervorragenden Stücke stammen aus Rußlattd. Kaum eine Wild art ist so graziös und zierlich Wenn man vorsichtig und ohne immer sprechen oder schreien zu müssen, durch unsere Wälder geht, so kann man dieses entzückende Mld oft und genußreich beobachten. Muntdjak(Indien) 70 Zentimeter hohes und IM, Meter langes, sehr plumpes Geschöpf, das man eigentlich gar nicht Hirsch nennen sollte. Ei» scheues und wenig intelligentes Tier, das aber durchaus nicht feige ist und be- fonders in der Brunst wie ein Wütender gegen alles angeht, wird er seines wohlschmeckenden Wildbrets wegen viel gejagt. Außerordentlich assmutig dagegen, allerdings nur klein und zier- Demokratischere Umgangsformen! Was einem Heimkehrer auffällt- Von Heinrich Hemmer f Wer die schon van Anfang an demokratisch« neu« und neuest« Welt aus eigener Assfchouung kennt und dann plötzlich in das neugebackene demokratische Nachkriegsdeutsch- l a n d hereingeschneit kommt, wird finden, daß wir zwar in puncto Staats-- uisd sozialen Einrichtungsn diei« ehensals vorbildliche neue Welt in mancher Hinsicht erreicht, in anderer sogar überholt hoben— daß man aber dem Stil des Lebens dos gar nicht ansieht: der hat sich hier gar wenig verändert, urid nach der ganzen Art, wie Menschen untereinander verkehren und sich das ässentlich« Leben abspielt, könnte man ruhig glauben, daß alles beim alten geblieben ist. Ein Arbeiter zum Beispiel, der in seinem Ar- beitsauf.zug«'ts der ganzen Aufmachung noch volkstürnlichcs Stadt- lokal betritt, mag dort sehr unsrcuisölichen Gesichtern begegnen: man nimmt sein Geld(nicht einmal immer), aber nsan beanstandet sein Aeußeres, ivenn es auch durchaus sauber ist. Und was wird in Kaufläden, Kanzleien und auf Aemtern nicht oft fiir eine Sprache geführt. Wer sich auf den seinen Herrn hinaus.zuspielen versteht— wenn er es auch gar nicht ist—. erhält fast überall den Vorzug. So ist man es drüben nicht gewöhnt. v Wie es drüben ist In den neubesiedelten transozeanischen Ländern, insbesondere Nordamerika, Zlustralicn und Südafrika war das von je her anders uisd man ist auch heut« dort freier, ungezwungener, unvoreingenom- mener im persönlichen Verkehr:, einerlei, ob diese Länder noch der englischen Kross« unterstehen, oder Republiken geworden sind. Die englischen Kolonisten, die da ausgezogen svaren, sich«ine neue Heimat zu gründen, standen ja zssmeist von H»us aus in Wider- fpruch mit der englischen Gefellschaftsordmis«?, landeten schon, mit sozialen Reformen im Kopf, auf neuer freser Erde, dort waren st« der eine auf den anderen angewiesen, urid aus den prnnitissen Der- hältniffen heraus entwickelte sich naturgemäß ein offener, ge« rader, ehrlicher, aller h ö s i s che n M a n i e r l gr t he l t barer Ton, wie wir ihn hier smr eventuell unter Kriegskame- raden oder sonstigen Leidensgenossen kennen, der aber im öffent- lichen Leben Europas sonst fast gänzlich fehlt. Freilich hat heute die Well« europäischer Ueberkultur auch nach jenen neubcsiedelten Gebieten übergeschlagen. Es fehlt nicht an Snobs in den so überaus modernen asnerikenischen, australischen, südafrikanischen Großstädten, die stch dl« englischen Hossitten zupt Muster nehmen. Im Eifer der Nachahmung tut nsans oft der Heimat zuvor(die Englassb auch für USA imssser poch in gesellschaftlicher Hinficht ist). Man weiß, mit welchen Wonneschauern eine Dollarmillionärln stch veim englischen Hof« vorstellen läßt(und gar erst dem Prinzen von Wales), und in manch einer kanadischcn oder neuseelässder Hinterlandsfarm hört man jenes eigentümliche, zugleich überheblich und diskret klingend« Salon« englisch, an dem jeder Eisglössder sofort nach den ersten drei Worten den Mann oder die Frau der„guten" Gesellschaft unfehlbar erkennt. Ja— aber das sind Kreise. El i q u e n, sozusagen Inseln. Das Leben Im allgemeinen fft anders drüben, das Privatleben sowie wich das öffentliche Leben. Es herrscht«n anderer Ton, eln anderer Stil, eilt« Art, die wir in diesem Europa gar nicht kennen, das sich von drüben au» eben desssxgen wie eine Einheit ausnimmt. Die uns so gewaltig drückenden Unterschiede zwischen dep verschiedenen europäischen Böllern schrumpfen, von drüben ge- sehen, zu einem Minimum.zusammen. So verschieden sind Kolonial- sitten von den unseren. So groß ist der UMcrschied zwischen der ölten und der neuen Welt. So sehr viel mehr demokratisch siich dort die Umgangsformen. Kleine Beispiele Es sind kleine und kleinste DIvge(ich kösmte sie niemals alle auf- zählen), die den großen Uuterfchdcd besvirkea in der Physiognomie der europäischen und überseeischen Völkergruppen. Zum Beispiel nehmen Männer(in der neuen Welt) den Hut voreinander nicht a b. Bor einer Dam«, nein, vor jeder Waschfrau entblößt mich der ärgste Rowdy sein Haupt, und ein geräumiger Zlufzug voll von ernsten amerikanischen Geschäftsleuten zieht den Hut und behält ihn in der Hand. u>«nn irgendein kleines Fräuleinchen den Raum betritt—: aber Mann vor Mann! Das� Esitblößen des Kopfes würde da den Eindruck des Läppischen, ja des Kriecherischen hervorrufen. An Stelle einer gegenseitigen Respektsbezeugung, w'.e dss Hutabnehmen, tritt ein Nicken(in Australien ein rasches Drehen) des Kopfes, das die einfache Notiznohme voneinander anzeigt und roenigstens das kameradschaftliche Element andeutet, wenn es auch nicht gerade vorhanden ist. Der Händedruck gilt nicht als Höflichkeitsakt, sondern als eisse Art Loyalitätsbezeugung und ist entsprechend kräftig und volkstümlich. Die Amerikaner strömen in hellen Scharen in das Weiße Haus, dem Präsidenten die Hand zu drücken— ober nicht nur(wie Kisch meint), weil man dos in Esvgland nicht machen kann, man will nicht nur das Gefühl haben, die Hassd de? Staatsoberhauptes gereicht zu bekommen, sondani ih s auch seinerseits durch Händedruck sagen: auf mich kannst du dich verlassen.« Das Verbindliche wird in der Neuen Well nicht durch ein leeres Lächeln oder«ine hohle Geste zum 2lusdruck gebracht, sondern durch tatsächliche Dienstscrtigkell. Hilfsbereitschaft, Unterordnen der persönlichen Bequemlichkell unter das Allgemeinwohl. Niemand schlägt die Coupetür« zu. siscim im letzten Augenblick ein mit Gepäck beladener oder �zar eine Frau mit Kindern an den Zug gerast kommt: man Hilst einsteigen, man hilft aussteigen, belegt nicht Plätze, die man nicht okkupiert, drässgt sich nicht vor beim Warenhausaufzug. bei den Schaltern am Ladentisch, mit einem Wort, man versucht nicht, seinen Nächsten im Alllagsgetriebe ständig zu über- vorteilen, zu bemogeln. Das gill als durchaus verächtlich. Rangunterschied«, sssie sie in Deutschland bis in die kleinsten Unterabteilungen in roahrhaft grotesker Weise noch heute zutage treten, sind in der Neuen Welt im täglichen Leben über- Haupt nicht bemerkbar. Ein arbeitsuchender Taglöhner etsva- spricht völlig unbefangen zu einem Dollarmillionär, oder selbst-srnlltardär: ich habe mitangesehen, daß der Arbeitnehmer in solchen Fällen die Hände in die Hosentaschen steckt und ausspuckt, «piasi um bei. diesem krgssen Mißverhältnis seine Menschenwürde zu roahress. Kein Katzenbuckeln von unten, kein Schnodderton von oben. Der Millionärshochmsll mag sich in der Undurchdringlichkeit der Person oder dem Gebrauch der Macht- ssnttel zeigen— im öffentlichen Verkehr herrscht allgemein« Gleich- heit. Gelehrtendünkel ist wenigstens in der Neuen Welt fast ussbetansrt.(Was ist dort auch schon ein Gelehrter!) Als ich einen australsschen Philologen von Weltruf ins eifrigsten Gespräch nsit dem Straßenpflafterer vor seiner Universität antraf, teille er mir erklärend mit. daß der Mann(der nicht orthographisch richtig schreiben konnte) sein Freund sei. Warum auch nicht. Wenn ich hiqr einem Kohlenträger die Tür anshalte, dankt er in überschwenglicher Weise, so daß ich seh«, daß das ein ungc« svahntes Ereignis für ihn war. Es gibt Leute asn Platz, in deren� Meinung ich sinke, wenn ich allzu vertraut snit ihnen spräche— sie verstehen das nicht zu deuten. In einem Vorart von Sydney suchte ich einmal, lange vergebesss, irgendein Haus, fragte schlleß- lich einen Milchsnastn, der mit s«i--em Karren dahergerast kam, der hielt sofort an. gab mir dle 2luskunft, fuhr ein Stück mit mir zurück, zeigte mir die Stelle, und fuhr dann lachend seines Weges. Kann mir das hier passieren? Ein berühisster Boxer, ja der nV/rnst allerdings in der Neuen Well eine Ausnahmestellung ein: das Hotel, in dem' er wohnt, wird den Nansen dieses erlauchten Gastes an der Hausfront affischieren und damit Reklame machen. Auch dem Klerus räusnt man gewisse (4- Fortschmig.) Ein Besucher erkundigt sich:„Was ist denn geschehen?* Mit den Arbeitern soll zwar nicht gesprochen werden, aber der Besucher ist wegen der entstandenen Unostdnung so aufgeregt, daß er sogar die Notwendigkeit der Disziplin ocrgtstt Der gefragte Arbeiter läuft schon wieder zu seiner Maschine, laufend erwidert er:„Zwei Finger, so ist sie schon, diese Presse." Die sunge Prooinzlerin ist ganz aufgelöst. Gleich wird sie weinen. Ar Mann tröstet sie: „Man weiß ja noch nichts Bestimmtes. Er kann auch geheilt wsrden. Herr Citroen hat bestimmt eine herrlich« Klinik." -Die Prooinzlerin flüstert:„Es ist noch ein Glück, daß ich kein Blut gesehen habe." Die Miß ist nicht aufgeregt. Sie hat ja alles gesehen: Stier- lfcnps«, Degenschlucker... Sie fragt mir den Fühcer:„Aus ivelcher Hand?" Der Führer antwortet nicht, er will olles oer- tuschen, er leiert:„Dos ist mcht unsere Schuld. Wir zahlen jährlich 7 000 MO Franken für Versicherung. Dies« Leute nehmen keine Rück- ficht auf die Maschine." 2lber man hörte nicht aus ihn. die Besucher sind schon längst durch anderes abgelenkt:.An 25 Minuten wird der ganze Motor zusammengsstellt. Und aus so viel Teilen besteht er!" Der Snob lächelt:„Das ist«in ivenig komplizierter als der Mensch, was?" Das letzte Tor. Der Führer perteilt die Prospekte. Vergessen Sie nicht, wir verkaufen auf Teilzahlungen? Cabriolet-Lux«: Eine Uhr, Kilometerzähler, Tachometer. Benzinmesser. Odldruckanzeiger, Amperemeter, dreifacher Teppich— die Fenster werden mit Hilst von Kurbeln gehoben... Und alles das— nur 27 000 Franken. 2500 bei Bestellung. Der Sommer komnst, beeilen Sie sich! Em Besucher lächelt. Cr wird sich sicher bald entschließen. Cabriolet oder Turpobo. Er war an der Quelle, er sah alles- Welche Präzision, welch« Sorgfalt! Bei so einer Maschine hat man wirklich nichts zu befürchten: Und dies« Reinheit des Farbton»? Es bewegt sich die eiserne Kette, die Oese» speien Flammen, das Eisen fließt. Um die Taucher herum— durchsichtige Wolken. Die Press« Type„Toledo" orbeitet. 25000 Menschenkräfte und 46 000 Pferdekräfte erfüllen ihre göttlich« Sendung. VI. Auf dem grünen Tisch häufen sich bald die Spielmarken, bald fließen sie in alle Richtungen. Nach den Stunden der Flut kommt die Ebba. Wieviel Arbeiter sind in den Cstroen-Fabriken? Neulich waren es 25000, heute— 15 000, morgen sind es vielleicht 30 000. Das richtet sich nach dem unbekannten Käufer- Eitrosn zahlt um einige Sous mehr als andere Fabriten, Herr Citroän braucht nur feine Tafel auszuhängen:„Hier werden Ar. heiter aufgenommen!" und schon belogern Arbeitslose das Fabrik. tor. Dann ist die heiße Zeit wieder vorbei,— Herr Citroen baut ab. Auf Vorrat wird nicht gearbeitet. Automobile sind ja keine Aktien, sie müssen billiger werden. Bei Citroen wird jeter genommen. Herr Citroen verlangt nur das eine: die Jugend. 47? Geht nicht! Mit 4? ist der Mensch wie ein alter Reifen. Er ist dem End« zu nahe, um nach dem Sekunden- zeiger zu leben. Er möchte sich lieber irgendwo niedersetzen und nachdenken, wie das alles geworden ist... 5>err Andre Citroen weiß genau, was dos heißt: die Jahre und die Müdigkeit: er zieht Jung« vor. Di« Fabriken Citroen, das ist die ewige Jugend, das ist Amerika, das ist der Frühsing. * Acht Jahre lang befestigte Andrä Vidal die Pleuelstangen an de» Kolben Cr'wußte, daß diese Pleuelstangen in Eliehy erzeugt werden.— dort arbeitet« ein Nesse Vidals. Wozu diese Pleuel- stangen existieren, wußte er nicht und kümmerte sich nie um d'« Lehr« von der gradlinigen Rücwewegung. Da? war Sache der Ingenieur«. Vidal befestigte die Pleuelstangen. Er bekam Z�O Franken in der Stunde, lieber die Straßen der ganzen Welt rosten Vorrecht««in— andererseits kann man sichs hier vorstellen, daß man einen Bischof einsach mit Kopfnicken und einem.„Hallo. Btshl" begrüßt, wie ich, in USA. mit ansah. Die Kleidung spielt bei Männern in Ueberseeländern. ja selbst schon in England, eine viel geringere Roll« al» bei uns. Englisch« Lords laufen mit Vorliebe in abgetragenen Anzügen. ja sogar in geflickten Hosen herum. Das hängt allerdings mit dem großartigen Selbstgefühl besagter Lords zusammen. Lord bleibt Lord ld«ntt er) und kann sichs leisten, sich schäbig zu tragen— der Geschäftsführer hängt von feinem Bratenrock und seinen gestreiften Hosen ab. In USA. sind, mit Ausnahme von einer Reihe notorischer Äeiderfexen, die dl« sehr teuren Maßanzüge tragen, alle Männer gleich(gut) gekleidet(von der Stange), in Australlen sind si« all« gleich salopp gekleidet, in beiden Fällen sind nicht die Kleider, solcher» die Menschen das in erster Linie maßgebende. Man hält es im allgemeinen nicht für nötig, den Wert seiner Persönlichkeit durch den Schnitt seine» Anzüge, zu dokumentieren. Ebensowenig ist ein Mann durch Arbeitskleidung, die er etwa trägt, deklassiert: dies« ist allerdings meistens ziemlich adrett, dft sportsmäßig an- mutend vielfach werden Overalls getragen. Arbeltshandschuhe und -stlefel aus bestem Leder, deren Einkauf die hohen Löhn« unschwer ermöglichen. Ein Fensterputzer, ein Farmorbeiter mag ruhig in Zwischenpausen mit der Tochter seines Chef» flirten. Allerdings putzen drüben(wo Arbei' nich» schändet) erstens all« möglichen Leute �Fenster und zweitens begegnet man Frauen mit sehr viel mehr Hochachtung, ol» da» in Europa und speziell in Deutschland und da noch einmal speziell m Berlin der Fall ist(wo die BrutoNtSi im Verkehr mit dem weiblich«» Geschlecht geradezu phantastische Formen angenommen bat). Der neu« sozial» Geist, der in Deutschland eingezogen ist, soll keinesfalls unterschätzt werden. Cr sst oielleicht zielbewußter, ehr» licher als in den erwähnten Ländern und äußert sich, wo immer sichtbar, jedenfalls auf viel herzlichere Weis«. Dennoch bleibt eines wahr: Wer von der neuen Welt hierher kommt, hat dos Gefühl. unter«in«m Volk zu weilen, da» für sein« ümeren Ueberzeugungen noch nicht die recht« äußer« Form gesunde« hat. Tausende von Automobilen. Si« hatten natürlich Pleuelstangen und Kolben, und diese Pleuelstangen waren mit den Händen Andre Vidals befestigt. Aber im neunten Jahre gefiel Vidal dem neuen Meister nicht. Waren es seine Augen, oder seine Stimme? B'el- leicht sein Husten? Wer weiß, die menschlichen Gefühle sind dunkel, sogar m den Fabriken Citroen, wo alles klar und genau ist. Vidal war 44 Jahre alt. Bei den nächsten Kündigungen wurde auch er entlassen. Ein junger Italiener trat an seine Stelle. Zu- erst schimpfte Vidal kräftlg. Der Meister. Italien, sogar Herr Citroen haben etwas abbekommen. Dann ging er noch Haus« und unterwegs überlegte er sich, was er tun solle. Er versuchte es in einem Kohlengeschäft, aber tags daraus war er wieder draußen. Er arbeitete acht Jahre bei Citroen. Er hat nichts gelernt, er hat nur verlernt, die schweren Säcke auf dem Mcken zu schleppen. Er schenkte seine ganze Kraft den geheimnisvollen Pleuelstangen von Zehntausenden Automobilen, die durch die Welt rasen. Vidal trieb sich um die Markthallen herum. Er hals beim Ausladen der Wagen und sanunelte gefrorene Rüben auf dem Boden. Dann ging er aus die Boulevavds. Er blieb bei den eleganten Autos stehen. Denn ihre Besitzer das Geschäft oder dos Kafseehaus verließen, öffnete Vidal den Wagenschlag und zog die Mütze. Und das Auto fuhr davon mit Kolben und Pleuelstang«. Manchesmal gab man ihm einige Sous. Dann taucht« er sein Brot in Rotwein und war glücklich. Im Herbst erkältete er sich und starb im Spital Hotel Dieu. Er wurde aus Stadtkosten begraben. Fünf Jahre wird er ruhig auf dem Armensriedhof zu Ivry liegen. Im sechsten Jahre wird man seine noch nicht reingesressenen Knochen ausgraben und seinen Platz wird ein anderer einnehmen,— ein Gießer oder ein Dreher. Jetzt ist es Frühling und auf dem Armenfriedhof ist das neue Grün wundervoll zart. Jetzt ist es Frühling, die Käufer bleiben beim Schaufenster stehen. Sie betrachten die Autos. Citroen hat ist« Tafel ausgehängt. Vor dem Tor sind Menschen, Menschen, die sich nach dem Reich der ewigen Jugend sehnen. Der Platz Vidals am Band ist frei geworden. In fünf Iahren wird sein Platz auf dem Friedhof zu Jory frei. VII. Die Karosserie ist schon befestigt, der Teppich ausgebreitet, der Aschenbecher aufgehängt. Der Mann hebt dfe Benzinpump«. Zur Antwort— laute Atemzüge. Das Auto ist geboren Heute ist es das dreihundertstcbzehnte. Das Tor öffnet sich, dos Auto läuft hin- aus in die weite Garage. Dort wartet schon der Besteller. Sechs Mrnuten später kommt der nächst« Wagen, pünktlich und unab- änderlich. Die Namen der Besteller sind aus einer riesigen Tafel neben fünfstelligen Zahlen ausgeschrieben. Herr Citroen versteht dos Pathos der Arithmetik gut. Nr. 68 SIL— das ist Ihr Fahrzeug! Die Begegnung des Wogens imt feinem neuen Beherrscher gc- staltet sich äußerst trocken und lakonisch. Es ist vor allem ein Kon- trollieren der Nummern. Da wartet zum Beispiel ein Vertreter des Leichenbestottungs- bureaus. Er wird alle seine Konkurrenten übertrumpfen. Allen voran wird er von nun an im Hause des Toten erscheinen. Cr wird heiraten und glücklich sein. Oder dieses junge Ehepaar. Di« zwei bauen chr Leben auf. Sie erwartet ein Kind, daher hat er das bestellt... Da ist ein Schürzenjäger. Er denkt an Abenteuer außerhalb der Stadt: eine Laube, eine Modistin, billige Liebe im staubigen Flieder.— Das ist der solide Inhaber einer Drogerie.— Ein junger Advokat. Sic alle betrachten die Autos, die wie ein Operationssaal glänzen. Vor ihnen: Kilometer, Profite. Abenteuer,— ein neues Leben. sechs Minuten öfsnet sich dos Tor: dort, woher die blanken Autos kommen— das Dröhnen der Pressen und dos Band. Die Käufer unterschreiben. Sie sind äußerlich ruhig, nur der letzte Strich verrät mitunter die Erregung. Jetzt geht ihr Traum in Erfüllung: das 10 starke Glück aus Raten. Gleich werden sie dos Volant ergreifen und sich im Getriebe von Tausenden verstaubten und ge- bleichten Automobilen verlieren. Si« werden nie wieder begreifen, was sie eigentlich bekommen haben. Stolz werden sie ihren Freunden ihren herrlichen Einkauf zeigen. Sie werden diese Minuten vergeisen und lächeln� wenn sie sich zufällig daran erinnern. Lampenfieber des Neulings! Morgen wird ihnen alles zur Selbstverständlichkeit. Ader jetzt in diesem riesigen Schuppen, erfüllt von eisernem Dröhnen, schauen sie ver- loren um sich, als ob sie Schutz bei einem lebendigen Menschen tuchten. Aber es gibt hier kein« Menschen. Es gibt nur die Stummern auf der Tafel und das Band hinter dem Tor. Sie müssen sich ergeben. Die Motoren zittern und es ist kein Platz da für ein einfaches menschliches Zittern. Vlll. Die Arbeiter kommen aus ihren Heimatsdörjern und ste.-ben. Das lindernde Oel ergießt sich aus die wunderbaren Pressen und übex die Straßen Europas, diese allen Pfade der Kreuzfahrer und Hochstapler, rasen die Automobile. Herr Andrä Citroen ist nur ein kleiner Kolben oder«ine Pleuelstange. Sein Name leuchtet vom Efiseltunn herunter, er steckt in Millionen Köpfen. Aber er ist nicht so reich u«e Ford, nicht so berühmt wie Lindberg, nicht so allmächtig wie die Direktoren der Bank Lazard Brothers. Er hat sein Leben für ein« hohe Idee«ingesetzt: er gibt Europa die Geschwindigkeit, wie Buddo Asten die Ruh« schenkre. Es wird ihm aber niemand auf den Plätzen von Paris ein Denkmal errichten, er wird nicht in Gedichten verherrlicht, er muß sich mit der Statistik der Bestellungen begnügen. Herr Citroen ist ein lebendiger Mensch, er hat einen Schnur- bart und Leidenschaften. Die amerikanischen Pressen zerfetzen die Arbeiter, die Automobile 10 I'L erfassen ahnungslose Passanten. Die Maschine kennt weder Schnurbart noch Leidenschaften. lSchluß folgt.) Rät seh Ecke des„Abend". Kreuzworträtsel. Waagerecht: f. Ehristlichss Fest: 8. MAfchenname, ab» gekürzt: S. christliche Erbauungestätte: 11. italienischer Fluß: 13. Per. reinung: 14. Mädchenname: 15. Gemeinschaft: 15. Getränk: 17. biblische Figur: 20. Spielkarte: 21. Geldwährung: 23. Garten. anlag«: 24. Speise. Senkrecht: 2. Tlerprodukt; 3 Anteil. nahm«: 4. Raubfisch: S. Abschiedsruf: 6. Bibelkavllel: 7. Konsonant: 10. angeblicher Himmele böte: 12. katholischer Geistlicher: 18. Teil des Baumes; 10. seelischer Depressionszustand: 20. Umlaut: 22. Um- laut. Mittwoch. 18. Dezember. B« r H n. 16.06 Instnfenr Joiolu™ Boetun«: Technische WocbenpUnderd 16.30 Unterhiltuntsmusni. I7J0 Joscndbflhne:„Hnwstl-BarasiJ". 18 JO„Qeeprochene Filme"(«n Mikrophon: Hsns 0- Lostl*). 1850 Die Comeditn HsrmonlsW. 19.30 ItelHron: Btcbtifrajen des Tages. 20.00 I. Beethoven; Oovertüre in„Coriolan".—■ 2. Brahra«: Serenade A-Dnr, oo. 16.— i Die Vergessenen. Dichtungen(Sprecher: Heinrich flseher und Crna Scbßller).— 4. Moiart: Kiavlcrkoniert Ea-Dnr. K. V. 482. (Cduard Stenennann. klOgel.)— 5. Webern: Passaeagli», op.](Berirae; Fnnkoreheater. Dir.: Anton von Webern). Vach den Abendmeldungen: Dt. Pfeil; Troeken-Sld-Uebongen. Aneehlletend bis 060: Tensmoalk. Büdfnnk. KSsigtwoeterhaBse«. 1600 Ohenct-nlral Cr- Bohner: Stadt ond Uand in der Büdonj 16 80 Nachmlttagskongtrt von Hamborg. 1740 Moser; Die Musik Im evucelltchen Gottesdienst. 18.00 Dr. Theodor Heu!; Lnlo Brentano nun 85. QebnrUtatt. 1840 Spanisch für Anfänger. 1340 Dr. Jahnke: Ontes Deutsch 19.10 Prof. Dr. Relcheiibaah: Denken und Anschauung. 1940 Hei Krön: Kecbulrage� das Tages- ».00 ötstspie» des EnaomWes Mflller.&ehlO«». Pfiwtdorf:„Schneider wihber. Geograph sches Füllrätsel. Stadt in Schlesien Stadt in Frankreich Borort von Dresden Stadt am Harz Stadt in d Proo Hannover Stadt im Spreewald Stadt im Freistaat Sachsen Stadt in Pommern Stadt in Schlesien-kr.- Die Punkte bzw. Striche sind durch Städte in der an- gegebenen Gegend auszufüllen Die mllteiite senkrechte ReihechurchStriche bezeichnet, nennt deutschen Freistaat. Kapselrätsel. Aus den nachstehenden Wörtern sind je drei aufeinanderfolgende Buchstaben zu entnehmen, die, richtig zusammengestellt, ein Sprich- wort ergeben(ch gleich ein Buchstabe): Schwert. Ausstchi, Gründer, Ohnmacht, Lichtdruck, Senfgurle, Presse. Sender, Dienst. Akazie, Roggen. ah. Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Silbenrätsel: 1 Diarmm: 2. Erbsenbrei: 3 Aabotl: 4. Jugend: 5. llert«: k. November: 7. Genesung: 8. Lorbeer: s. Zren«: 10. JlapoH: 11. Gnosts: 12. König: 13. Aenne: 14. München: IS. Polizei: 18. Fers«: 17. Taunus: 1». Diskus: 10. Affe.—„Der Jüngling kämpft, domü der Greis genieße." Kreuzworträtsel Waagerecht. 1. Leu Z. um: S. Tor: 7. re; 8. Erstgeburt: 10. Schaf: 11. Reib: 14. Taube: 15. no; 16. lc, 19. Erdrosseln: 22. sag: 23. Rot.— Senkrecht: 1 Lee:?. Un» fchullng; 3 arg: 4. Me,t: 5. Taub«: 6. Rqt: 0. Trab-r: 11. no; 12. in: m do: 17. Esel: 18. leer: 19. Ei»: 20! Ohr; 21. Rot. Buchstabenrätsel: 1. voo: 2 Ali. 3. Jtob: 4. Dom: 5. Eli: 6. Ria: 7. vid: 8. Era; 9. Lei: 10. von: 11. Ew«.— Ponderveld«. Schnell« Hilf«: Kammer»» Amin«. dhß�rioloJjZLel Die Schlacht in London. Carnera verhaut Diener. Trotz ber vielen Stimmen, die in englischen Sportkreisen gegen da? Wiederouftreten von Carnera nach dessen höchst unsportlichein Verhalten in Paris in letzter Zeit laut geworden waren, fand fem Kampf mit Franz Diener wie vorgesehen am Dienstagabend in der Londoner MberUljolle statt. Der Veranstalter konnte mit dem finanziellen Erfolg restlos zufrieden sein, denn das Haus war ausverkauft, obwohl die Eintrittspreise Nicht gerade in bescheidenen Srenzen gehalten waren. Dafür hatte man es aber mit der ReNanrs nicht so genau genommen und Z. B. Diener als den Schwergewichts- meister von Deutschland bezeichnet. Diener zog— wie erwartet— diesmal den kürzeren. Allerdings muß betont werden, daß sich der Deutsche recht wacker schlug. er lieh sich von seinem Gegner nie voll erwischen und war nicht ein einziges Mal am Loden. Im Verlause der Runden machte sich bei Diener aber die alte Augenoerletzung wieder störend bemerkbar. und als Diener in der 6. Runde kaum noch imstande zu sehen, von Carnera erneut heftig angegriffen wurde, brach der Ring- richter den Kamps ab und erklärt« Carnera zum Sieger. Carnera wog Pfund, Diener 184,5 Pfund, eine Gewichtsdifferenz, die sich sehr schnell bemerkbar machte. In der 6. Runde hatte der Italiener seinen Gegner in einer neutralen Ecke gestellt und schickte sich an, sein Opfer abzuschlachten, der Ringrichter trat aber dazwischen und brach das ungleiche Treffen ob. «- Der ganze Kampf war ein Musterbeispiel dafür, wie gerade Aerussboxkämpse nur des Gcldverdienens wegen gemacht werden und mit Sport gor nichts, aber auch gor nichts zu tun haben. Diener hatte es vom sportlichen Standpunkt aus absolut nicht nötig, mit Carnera zu kämpfen, der noch nie ein Boxer war, vielmehr sein Auftreten im Ring nur seiner kolossalen Körperfigur verdankt. Zudem hotte sich Carnera so erst vor wenigen Tagen als ein Mann gezeigt, der, wenn er keine Kainpfaussichten hat, zum ganz gewöhnlichen Schläger wird. Sein Gelöbnis, vom Boxon abzu- treten und eine Wurstfobrit zu eröffnen, hat Diener scheinbar ver> gessen: die reiche Börse in London war ihm lieber. Wenn der Boxsport von der großen Masse der Bevölkerung heute nur noch nach seinen Auswüchsen beurteilt wird, so haben dieselben Sport- „behörden" daran schuld, die durch eine willfährige Sensationspresse nicht laut genug den Sportcharakter dieser Tätigkeit verkünden lassen können. Weihnachten im Hockey« Ein Jahr»Tennis- und Hockey•Vereinigung*. Aus Anlaß ihres einjährigen Bestehens veranstaltet die A r- beiter- Tennis, und Hockey. Bereinigung. 1. Kreis. am 2. De'chnachtsfeisrtag ein Werbe- und Propaganda- spiel auf dem Sportplatz„Ost", Laskerstr. Das Spiel wird von zwei Auswahlmannschaften, bestehend aus den befähigsten Spielern der in der Gruppe A vereinigten Mannschaften bestritten. Sie werden sich al» Bezirksmannschaften(Ost gelbe Hose, w«ßes Hemd, West schwarze Hose, weißes Hcmb) gegenüberstehen. Die Aufstellung: Ost. Schul, tvstring) Trax«! II Wulff (Oftriitfl)(athlctit Sporttliib) Dammerich Käding flttmc (Snmis Roll lASC.)(HS®.) Thurm ey« Bigvrr Compagnini H-rrmaun Trax-I ntzk Pafadli» (Rutbringi(Surbimg)(SRanenburO Puladl I Rautuf« C9RaiteibutO lSlurbrwg) Ctnnutt (aRotUnborf) West. Durch diese Auswahl dürfte die Gewähr für ein sportlich hoch- stehendes, faires Spiel gegeben fein. Schiedsrichter sind Kohler und Martini. Die sportliebende Arbeiterschaft ist herzlichst ein- geladen. Wintcr-Soimcnwendfeicr in Wilmersdorf. Das Arbeiters portkortell, die Sozialistische Arbeiterjugend und die Kinderfreund« veranstalten Sonnabend, 21. d. M, im Seepark eine Sonnenwendfeier mit Sprechchor, Gesang. Feuerrede. Rezitation, Konzert und Feuertanz. Um 20 Uhr marschiert der Fackelzug mit Musik vom städtischen Spielplatz am Fehrbelliner Platz zum Sonnenwendfeuer am Seepark in der Augustastraße. Da die Aerarfftaltung kostenlos besucht werden kann, werden die ganze Arbeiterschaft mst ihren Kindern und den Jugendlichen als Säst« erwartet I Wer will zum Kanusport? Wer im nächsten Jahre bei Beginn der warmen Jahreszeit i», Faltboot. Kanadier oder Kajak die Gewässer der Havel unterhalb Spandaus befahren will, tut gut daran, sich schon jetzt einem Verein anzuschließen Es fft nicht damit abgetan, sich ein Boot zu bauen, oder zu lausen, und dann aufs Geratewohl kszugonbeln. Gerade zum Kanusport gehören einige Nebensächlich- keilen, die von großer Wichtigkeit sind, um mit rechter Freude Kanufahrer zu sein. Die Kunst des Schwimmens muß jedem geläufig sein. Etwas Kenntnis über Rettungsschwimmen und Wiederbelebung schadet auch nicht. Wer nun die„Jacht des kleinen Mannes" selbst bauen oder taufen will(und sich schon im Schwim- inen ausbilden möchte), der komme zur Kanuabteilung der Freien Schwimmer, Gharlottenburg, und hol« sich Rat und Auskunst über alle den Sport betreffenden Fragen. Fachleute stehen auch bei Kauf und Selbstbau von Booten mit Rat zur Seite. Di« Freien Schwimmer. Eharlollenburg. jetzt frei von sedem Parteistreit. nehmen wieder Mitglieder. Anfänger sowie Fortgeschrittene mit und ohne Boote auf. Ausbildung erfolgt in den oben angeführten Ge» bieten, im Ergänzungssport und in allen Fächern des Kanusports. Di« Abteilung umfaßt Kajaks, Faltboot«. Kanadier und Motorboote. All- diejenigen, die als Einzelfahrer oder noch als Mitglieder «m bürgerlichen Bereinen, die Havels««, befahren, empfehlen wir' den Eintritt in obengenannten bundestreuen Verein, Zugehörigkeit zur freien Gewerkschaft oder Partei wird vorausgesetzt. A n- fragen erledigt Walter Neumann, Charlottenburg, Meerscheidt- stroße 43. Kunsteisbahnen im Freien! Wer baut eine in Berlin 7 Verlin Hot nur eine einzige Stätte, nämlich den Sportpalast, wo auch ohne Frnstwetter der Eislaufsport gepflegt werden kann, der Bedors wird allerdings nur zu einem kleinen Bruchteil gedeckt. Wir haben forckierbarerweise nicht eine einzige Freikunsteis- bahn. Dabei hatten wir dock) schon die Verwirklichung der»er- rückten Idee,«ine Skibahn im geschlossene» Raum herzustellen. West besser als Berlin steht Wien in dieser Hinsicht da. es hat mehrere solcher Bahnen, die sich sämtlich eines starken Besuchs erfreuen und sich daher gut rentieren. Die österreichische Spitzen- organisation des Arbestersports, der ASKO., trug sich mst dem Gedanken, schon für diesen Winter eine solche Eisbahn herzustellen. und ist nur infolge der leider für Wien so schwierigen Platzverhäll- nisse vorläufig davon abgekommen. Der bürgerliche„Wiener Eis- laust? er sin" unterhält eine Bahn von 10 000 Quadratmeter Größe, die er aus den laufenden Einnahmen von Jahr zu Jahr vergrößern konnte. Nach den Wiener Erfahrungen stellen sich die Kosten für eine 5000 Quadratmeter große Freikunsteisfläche auf rund eine halbe Million Reichsmark. Die ReiUabllstät stellt sich so, daß die Atckagekosten bei den heutigen Zinssätzen in zehn Jahren völlig getilgt werden können. Der Betrieb erfordert etwa 80 000 Mark bei 120 Betriebstagen, die Einnahmen betragen das Doppelte. „Bei diesen Ansätzen", so schreibt uns der Lestcr des ASKÖ., Gostgcb,„ist der Eintrittspreis für den Erwachsene», und zwar Verbandsangehörigen, mst 1 Schilling kalkuliert, für Kinder niit 50 Groschen. Die Nichtverbondsongchörigen müßten 1,20 Schilling bezahlen. Die obigen Presse sind die Sonntagspreise. An Wochentagen wurde der Preis mst 40 Groschen für Kinder, 80 Groschen für erwachsene Verbandsangehörig« und 1 Schilling für Richtoerbandsangehärige festgesetzt. Für Schulen, und zwar für Volks- und Bürgerschulen als auch Fortbildungsschulen hätte man ei» Pauschalübereinkommen erzielt. Diese angesetzten Preise sind gegenüber den Preisen der„bürgerlichen" Kunsteisbahnen um etwa 20 bis 25 Proz niedriger. Es ist richtig, daß die bürgerlichen Bereine schon an Wochentagen ILO Schilling Eintrittsgeld verlangen und an Sonntagen bei Musik 1,50 Schilling und 2 Schilling..." (1 Schilling= 60 Pf.) Danach dürft« auch Berlin eine solche Anlage erstellen können, ohne deo Stadtsäckel damit zu belasten. Das Be- zirksamt Friedrichshain hat denn auch vor längerer Zeit ein Projekt ausgearbeitet und der städtsschen Deputation für Leibes- Übungen unterbreitet, be' dieser aber wenig Gegenliebe gefunden. Man wagt nicht, be- den traurigen Finanzoerhältnist-n der Stadt und dem künstlich verstopften Anleihemarkt«ine solche Summe anzufordern. Den Schaden haben die Freunde des Eissports, die in diesem bisher frostfreien Winter noch gar keine Gelegenheit zum Uebeu hatten. Es wird Sache der Sportoerbände lein, ist« Stadt auf diesem Gebiet« vorwärtszutreiben oder zur Selbsthilfe zu greifen. Die canadischen Eishockeyspieler kommen! Kanadas repräsentative Eishockey-Mannschaft trisjt über England dieser Tage in Berlin zu den Kämpfen im Sport- palast ein. Die kanadische Expedstion besteht aus neun Spielern: Red Armstrong, mit 23 Jahren der Jüngste, führt den Sturm an uud ist zugleich Kapitän. Links außen steht Wally Adams, rechts Don Hutchinson. Joe Griffin, der mst 27 Jahren der Aciteste ist, und Fred Radke, zwei großen, stämmigen Gestalten, obliegt die Verteidi- gung. während das Tor Percy Timplon anvertraut ist. Die Gäste habe» eine komplett« zweit« Stürmerreche in Bert Ciayron. Eordon Graut und Al-c Park zum 2rllswechseln mitgebracht Die Kanadier werden sich am Donnerstagabend den Lerlinern im Kampf gegen den Berliner Schlittschuhklub vorstellen. Am Sonnabend und Sonntag werden sie gegen«ine europäisch» Auswahlmann- schast, in der u. a. die beiden Schweden Gustav Iohonnsson und Abrahamsson, der Tscheche Molecek, Herbert Brück, Gustav Joenecke spielen werden, antreten. Das Programm am Donnerstag sieht als zweites Eishockeyspiel die Schlittschuhllubreseroen gegen den Bran» denburgischen Eiesportverband vor. am Somlabenz und Sonntag wird außerdem die tchechisch« Nationolmannschaft in Berlin erwartet. Anfang an allen Togen um 20.16 Uhr. Das Frohlem der Autostraße. Autamobilslratzenbau-Tagung. Die Studeengesellschaftfür Automobilstraßer.- bau hielt ihre diesjährige Hauptversammlung ab. die aus dem Reich und dem Ausland gut-besucht war. Nach einleitenden Worten des Prof. Dr.-Ing. Brix, der gleichzeitig bekannt gab, daß als nächster Tagungsort im Juni 1030 Danzig in Aussicht genommen ist, ergriff zunächst Dr. L o c n i n g das Wort, um seifte Eindrücke wieder- zugeben, die er bei einer Studienreise in Nordamerika gewann. Er befaßte sich besonders mst der Verwaltung und Finanzierung der amerikanischen Automobilstraßen. Hier erfuhr man, daß von den drei Millionen Meilen Landstraßen ein nur verhältnismäßig geringer Teil für den Großverkehr in Frage kommt. Auf etwa 10 Proz. der Gesamtmeilenlänge wickeln sich etwa 75 Proz. des ganzen Verkehrs ab. Es ist verständlich, daß man besonders diesen Straßen die Hauptpflege angedeihen läßt. In die Verwaltung der Straßen teilen sich die einzelnen Staaten und die jerveiligen regio- »alen Behörden. In einem besonderen Gesetz ist festgelegt, in welcher Wesse eine Unterstützung der Straßen durch die Union erfolgt. Den Staaten werden von der Unionregierung alljährlich 75 Millionen Dollar zur Verfügung gestM. den Rest haben die Unterhaltungs- Pflichtigen aus Anleihen und laufenden Mitteln zu bestreiten. Da die Brennstoffsteuer in USA.-immer steigende Einnahmen bringt (in diesem Jahre werden sie allein etwa 450 Millionen Dollar be- tragen), kann immer mehr von Anleihen abgegangen werden, wenn diese auch nicht ganz vernneden werden können. Der zweste Vortragsredner, Dr. Fischer von der Reichskredstgesellschaft, widmeie seine Ausführungen besonders dem Finanzierunggproblem. Er warnte vor wahlloser Ausnahme von Ausländsanleihen, wie er auch einer Zersplitterung bei Anlciheverhandlungen widersprach. Im Verlauf seiner Ausführungen brachte er die Gründung eines besonderen Kredittnstittiis in Vorschlag, dem vor allen Dingen die Wegeunterhaltungspflichtigen angehören sollen. Aufgabe dieses In- ststuts soll es lediglich fein, die Kreditwürdigkeit der Unterhaltungs- Pflichtigen zu prüfen und den Anleiheanteil auf diese zu verteil«'. Oft genug sind die Verhältnisse bei den einzelnen Weg« unterhaltungs- Pflichtigen sehr verschieden, so daß die Verteilung der Gelder nach einem festen Schema nicht tunlkch erscheint. Im übrigen sollen aber alle anderen Eistscheidungen und Maßnahmen den Stellen verbleiben, die für die Unterhaltung der betreffenden Straßen verantwortlich sind. Zum Schluß erläuterte Oberrcgierungsrot a. D. Dr. Rappa- port die Arbcsten des Siedlungsverbandes Ruhrkohlcn-- bezirk, wo man sich mit der Anlage eines Gesamtstraßennetzes von mehr als 1300 Kilometer Länge befaßt. Man Hot dort keine Rur-Auto-Straßen gewähtt, solchem Straßen, die für den gesamten Verkehr in Betracht komm«', allerdings will man Kräfffahrzsugen dabei besondere Fahrbahnen geben, um«ine gegenseitige Behindc rung des Verkehrs zu vermeiden. Etwa 570 Kilometer dieses gc- samt«! Straßennetzes muß man neu anlegen, für den Rest sollen bereits bestehende Provinzial-, Kreis- u>ch Stadtstraßen— zum Teil allerdings unter größerer Umänderung— verwendet werden. Hier übernimmt der Siedlüngsverband nur die Finanzierung»ich einheitliche Planung der Straßen, während die lokalen Bauverwaltungen die Bauarbeiten durchführen. Durch Lichtbilder hatte der Vor- trogende feine Ausführungen noch näher erlöuteri. Fritz Wittekind. Sportkleidung mit Gebrauchsanweisung! Man berichtet aus Paris: ,Lie Te nntsw e ltme> sierzn Süzanne Lenglen, die„göttlich« Suzanne", wird ihre Popularität künftig ig den Dienst eines Pariser Modehaufes stellen, und zwar als Verkäuferin „von Rang". In ein«» Hof des Modehauses ist ein kleiner Tennis- platz eingerichtet worden, wo die Kunden ihre neuen Tenniskostüme gleich an Ort und Stelle in einem Spiel erproben können. Wer könnte der Versuchung widerstehen, seinen Bedarf an Tennisklechung in diesem Hause zu kaufen, wo chm eine Wellmeisterin als Entgelt dafür, wen auch nur für ein oder zwei Bälle, als Partnerin gegen- überstehen wird." Wie wir hören, macht der neue Beruf der„Götil-chen" Schule. So will sich Dimer als Verkäufer von Boxhandschuhen betätigen— 'vir wollen das nicht weiter schildern!— und ein bekannter ikulsst- flieg« will Lebensversicherungen in 4000 Meter Höhe abschließen? Eselsfutztritie! Die Austritt« der in Arbeitersportkreisen sehr bekannten Sport- führer K i e n b a u m und W u n d t k e aus dem lommumstischen Turnverein„Fichte" muß jetzt auch die„Rote Fahne" zugeben. nachdem sie bislang über die Gärung m d«„oppositionellen" Sportbewegung kein Wörtlein fallen ließ.„Man brauche ihnen kein« Träne nachzuweinen," sagt das Matt. Die Teilnchmerzufammenkunft für die Harzfahr« der Natur. freunde findet morgen. Donnerstag, die der Riesenge-birgssahrer am Freitag. 20. Dezember, statt. Beide Zusamnrenkunsle sind um 20 Uhr im Lokal von Philipp. Rungestr. 30(Holzarbeiter-Verbands- baus, Nähe Iannowitzbnicke). Interessenten fiir die Bahnfahrt nach Schreiberyau am 23. Dezember morgens, können sich am Freitag ebenfalls einfinden. Stde gfultbuuifabm Setiin. Eonixtag, 22. Wanberun« nach (siiifoni. Adfabrt S,32 U6r©ötlittct Sufmoof, 8.24 Übe Niebtrschijneweibe blc- flbniflsiDui'ttthaufen. iZübcet; Hennig. Giille miUtumjnti!. Nächster Turnabenb 7, Zannar. Quartier, unb Essenmelbuneen für Wt 3obt«»entrfelct sind trm aebenb obmaebtn bei L. Horn, Snlnmefh'. S— 4. ssZSB.. Wintersport be»Irr. Monatsversammlung heute, 20 Uhr, Auliin ttaufe, Allenskiner Str. 23.„_„„ Ruber,»ab«»»u.Berei» l«24 e. B. Eibnna Donnersta«, IS. Dezember. 2« Uhr. Restaurant ,Sonnen>Uhr", Am Oberbaum Z. vanbbaUer mllffen erscheinen. Im Bootichaus sind noch ewige«uutsMnbe frei. Das sind alles..Amateure"! Trotz aller ängstlichen Bemühungen der interessierten Kreis« kommen von Zell zu Zell immer mied« tolle Korruptions- und Scheinamateurgefchichtcn aus dem bürgerlichen Sportlager in die Oeffentlichkeit. Wir hatten Gelegenheit, einen prominenten Sportführer d« Bürgerlichen üb« einen ganz ton- treten Fall von Scheinamateurismus zu befragen und uns« Mit- arbeit« sagte chm verschiedene zweifelhafte Manipulationen auf den Kopf zu.„Sie sagen uns nichts Neues. Das ist uns alles bekannt. Aber wenn wir erst anfangen aufzudecken, dann werden die Rechen uns«« Spitzenkönner schrecklich dezimiert. Einfacher Selbsterhaltungstrieb zwingt uns. zu den Mißständen, ine nun mal da sind, zu schwelgen."— So spricht ein Führer dieser Bewegung. Das hat sich ein blonder, anfangs recht sympathisch« Mittel- streckenläufer au» dem Rheinland zugute gemacht: So zog einst der llein«.Herbert" aus nach den Fleischtöpfen, mit Wissenschaften wenig« als mit guten.Uretern" begabt. Sein Stammverern in Köln hatte chn einiger unangenehmer Geldgeschichten wegen, so- oxeso bald abschieben wollen. Aus dem„schlechten Schüler Herbert" war(man staunt, wie schnell so was oft geht) plötzkch ein schmucker. ßß' strebsamer Sportstudent geworden. Aber wer bezahst ihm das teure Hochschulstudium? Das eine steht fest: von Haus aus war es ihm unmöglich. Bitterböse Zungen sprachen von einer dicken Bereinskasse. Aber in besagtem Verein konnte er seine Natur des sportlichen Vagabundierens auch nicht zähmen: nicht etwa, weil ihm das Wandern triebhaft war, nein, sagen wir es rund heraus, weil er auch dort wegen mysteriöser Geldkalamitäten keine Heim- statte mehr hatte. Nach einem kurzen Interregnum führten ihn seine immer noch tüchtigen Beine und sein noch tüchtigerer Geschäftssinn zum SEE., der ihm bei d« Wertheim-Automobil- Gesellschaft eine hochbezahlte, von Arbeit kaum be- schwerte Beschäftigung besorgte. D«„Amateur" war wieder einmal im Hafen. Da kam' die Japanreklmiwresse Dr. Diems. Ohne Kündigung verläßt H«b«t seine Stellung. Und aus der Reise kam d««sehnte Erfolg: Der als Sportlehr« wirklich nicht gerade GeMckteste hat es oerstanden, ein Engagement al« Spart- lehrer(3 Jahr« vorläufig!) in China zu«gattern. Wir haben hier ein typisches Beispiel herausgegriffen, das heut« in aller Munde ist. Aber so gibt es Dutzende, und noch b« weitem Schlimmere. Städtische Feuerwehrleute militarisiert. Weil sie wegen Lohnstreitigkeiten streikten. London. IS. Dezember. )lach Meldungen aus N o n iev i d e o-foll die Regierung ron Uruguay die städlischen Jeuerwehrleule. die sich wegen Lohnstreiiigkeilen im Ausstande befanden, unter die Jahnen gerufen haben. Sie zwinge sie, ihre Berufsarbeit in ihrer Eigen- fchafl als Soldaten zu erfüllen. Eine Anzahl van Polizisten. die in einen Sympathie st reit eingetreten waren, feien von den Militärbehörden verhaftet worden. Arbeiter-Weihnachten. Einwöchige Arbeitspause der englischen Spinnereien. London, lS. Dezember. „Times" meldet aus Manchester, das, alle Spinnereien, die amerikanische Baumwolle verarbeiten, zu Weihnachten eine volle Woche lang stillgelegt werden sollen, anstatt. wie bisher, zwei Tage. Als Ursache wird die schlechte wirtschasts- iage angegeben. 120 000 tftfcelfnehmet«erden»an der Mahnalyne betroffen. verartige„Maßnahmen-, die dl« Weihnachlswoche für die Arbeller und Arbeiterinnen zur Hungerwoche machen, beschränken sich leider weder aus das klassische Ausbeutungegebiet Manchester, noch aus England. So wird z. B.. abgesehen von all den verschiedenen„verlange. cungen" der weihnachlsseierlage, aug Ettlingen in Baden gemeldet, daß sämtliche Texlilfirmeu des Alblals ihrer Arbeiterschaft, etwa?S00 Personen, zu Ende Dezember gekündigt haben. Gewerkfchastsjubiläum Konorahs. 25 Jahre Präsident der Artifienloge. Wenn das Publikum in den Zirkus und in die Varietes geht. dann will es sich amüsieren, will die Leistungen der Künstler be- staunen, will sich aber nicht um die wirtschaftlichen und sozialen Sorgen der Artisten kümmern. Daß es eine große und über alle Länder der Erde greifende A r l i st e n- G e w c r k l ch a s t, die Internationale Arlistcnloge, gib!, die ihrerseits wieder dem Afa-Bund angeschlossen ist. wissen die wenigsten. Präsident dieser Gewerkschaft ist ein Berliner, Max Berel, mit dem Künstler» »amen Konorah. Am 22. Dezember werden«s genau 25 Lahr« h« sein, daß Max Berol-Konarah das unendlich schwere und oerantwortungsoolle Amt des Präsidenten übernahm In demselben Augenblick verschlossen sich ihm, dem Artisten von höchstem inter- naiionalen Ruf und Ansehen, sämtliche deutsche Var'eletheater Mar Berol, der von den deutschen Direktoren Ausgeschlossene und Boy- kottierte aber war es dann, der in unermüdlicher zayer Arbeit«ine Organisation ouibaute, an der kein Direktor mehr vorbei konnte. Und noch eins: Berol hat sich nicht zu deni Amt gedrängt, die andern, seine Berufskollegen, haben ihn gedrängt, weil sie seine großen Fähigkeiten erkannten. Neidlos räumten ihm ander« den Platz, den er lefct 25 Jahre inne hat. Wo immer in der�Welt große Variete- bühnen sind, in Sidney, in Rio de Janeiro, in Schanghai, in Kapstadt, in New Bork, San Franziska und Chicago und in ganz Europa. überall wird der Name Verol-Konorah mit Anerkemiung. Donk und Lieb« genannt. Als es die Loge noch nicht gab, waren die Artisten der tollsten Willkür mancher Direktoren wehrlos ausgeliefert. Die Loge aber, die Gewerkschaft, schuf den Rechtsboden die Grundlage für Wirtschaft und Sozialpflege. aus der sich die vom Publikum bestaunten Gipfelleistungen der Artisten erst entfalten konnten. Sozialdemokratische Mehrheil lu Bern. Am Sonntag wurde die Hülste der Berner Stadtoerordneteiwersammlung neu gewählt. Die Wahl führt- zu einer absoluten Mehrheit der Sozialdemokratie. � tätfehMte-Jbt&iger t (fteziwk füden-Weften. fc- H' l.-iV,./ �>.*• m Mck' �-ä, 4 — i- VOIKS---i— VCXW-■ FEUERBESTATTUNCV VEREIN Rcslauranl zum Alexandriner Inhaber: Karl Wolter* AlexandrUienstrafte 37 a SÄlc und Vereineciminer für Or�antiaflonen und Vereine UNTER REICHSAUFSICHT Nach dreimonatiger Mitgliedschaft unbedingten Rechtsanspruch auf kostenlose, pietätvolle Bestattung Kein Kirchenaustritt erforderlich l: W fs IR. 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