Morgenausgabe Ar. 593 A 298 46.Zahrgaug »SchcniNch S5T3f, aunalfl« MO«. im snrou« zahlbar. Poftbazag M2 M. «inschlirßllch«0 Pfg. Pastz-Wmz»»»ab 7* 1M8- Pastbes!cllgibühnn.lw5labd»- obannemrnt 6,— M. fts SOrniat, * T er„SorroÄrfs' rrschelot wochavzäg- »ch zweimal. Sannlaz, und Manlag» einmal, die Zlbcndauaaaben für Berlin und im Handel mi! dem Titel ,#« «bend". Illustriert- Beilagen.«alt und Z-ir und.Kinderfreund». Ferner ,Ilni-rh-ltuna und Wilsen'..Frauen- stimme,„Technik',.Blick in die Bücherwelt" und.Ingen d-Vorwirt-' Donnerstag 1.9. Dezember 1.929 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 Z)s. Die einspaltige?U>npare!llezeile St) Pfennig. Reklame'�eile 5.— Reichs- mark.„Meine Anzeigen' das fettge. druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. SteUengejuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsma.ltc .tfeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imflaupt« geftyäft fiinbcnftröt'.c 3, wochentäglich von 8V2 bis 17 Uhr. Vevkinev Vottsblatt Äentvawvsan der Sozialdemokratische« Kartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 eternsprochcr: Dönbosf WZ— 297. T«lcgramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Bostsch«ikkonto: Berlin 37 SSL.— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Augestellien «nd Beamten, Wallstr. 65. Dt. B. u. DiZc.-Ges.. Devositc»kas>e Lindenitr. 3. Liberale wollen Macdonald stürzen. Krattionsbeschluß gegen Bergbauvorlage. London, 18. Dezember. iijei der heuligen Zusammenkunft der liberalen Unterhausmitglieder wurde beschloffen, morgen abend die Bergbauvorlage in zweiter Lesung a b z u» lehnen, falls bis dahin keine befriedigenderen Er- klärungen seitens der Regierung erfolgt find als gestern. Rur Runciman und Donald Maclean stimmten gegen diesen Beschluß. a Die Arbeiterregierung hat keinen Zweifel daran gelassen, daß sie mit der Vorlage zur Reorganisierung des Bergbaues steh e und falle. Nachdem beide bürgerliche Fraktionen zum ersten Male seit den Neuwahlen ihre Absicht mitgeteilt haben, zu gleicher Zeit gegen die Regierung zu stimmen, müßte nach der parlamentarischen Arithmetik die Regierung Mac- donald heute gestürzt werden. Es fei denn, daß sich genügend Abgeordnete bei den Liberalen und den Konservativen der Stimme enthalten oder sogar für die Regierung stimmen, was bei den eigenartigen Verhältnissen im englischen Par» lanlentgrismus nicht ausgeschlossen ist. Indessen läßt der gestrige liberale Fraktionsbeschluß eine ch.intcrtür offen: Die Partei Lloyd Georges läßt durch- blicken, daß sie mit sich reden lasstn würde, falls die Regie- rung noch in letzter Stunde ihren Forderungen entgegen käme. Wird Macdonald diese Brücke des Kompromisses betreten oder es auf den offenen Abstimmungskampf ankommen lassen? Das hänge vor allem davon ab, ob er glaubt, im Falle der Niederlage im Parlament die Unterschrift des Königs unter- ein A u f l ö s u n g s d e k r e t zu erhalten. Denn von Neuwahlen hätte die Labour-Regierung angesichts ihrer großen außenpolitischen Erfolge nichts zu fürchten, wie alle letzten Nachwahlen beweisen. Wie wir in später Nachtstunde aus London über Amster- dam erfahren, glaubt man in den Kreisen der Arbeiterpartei, daß genügend konservative Abgeordnete bei der Ab- stimmung fehlen werden und somit die Regierung diese gefährlichste Klippe in ihrer bisherigen Amtszeit umschiffen dürft«. Die(Sanktions-Intrige. Snowden verlangt nicht, was pertinax ihm znfchreibt. Lo»don, 18. Dezember. sSigenbericht.) Tie Pariser Meldungen, wonach Snowden angeblich beabsichtige, von Deutschland die Annahme einer Sank- tionsformel als VoranSfetzung für das Inkrafttreten deS Äoung'Plans zu verlangen, haben in London leb» Haftes Befremde» hervorgerufen. Für die Richtigkeit dieser Pariser Behauptungen gibt es nicht einmal den leisesten Anhalt. Eine Snowden nahestehende Persön» lichkeit«eint, daß es sich hier»m einen Versuchsballon von Pertinax und seinen Fvgxnde« handle, der von dem Wunsch diktiert ist, England ein derartiges Vorgehe» zu suggerieren, um ein deutsches Vorgehen gegen Zu- lassnng von Sanktionen im Vorhinein zu parieren. E s kann in aller Form erklärt werden, daß Snowden nicht daran denkt, eine derartige Forderung aufzustellen. Unverkennbar ist, daß man in England die gesamte Ganktionssrage weder von Deutschland noch von Frankreich ausgeworfen haben möchte. Die Pariser Meldungen werden in Regierungs» kreisen n« so mehr bedauert, als mau befürchtet, daß sie Anlaß einer«eneu und völlig unberechtigten Anti- Snawden-Hetze geben könnten. Eine offizielle Derlaiitboning liegt bisher nicht vor. Paris, bestätigt'. Part». 18. Dezember.(Eigenbericht.) In frarzzösischen politischen und diplomatischen Krcksen„be- stötigt" man im Gegensatz zu Aeußerungen aus England, daß Snowden die Forderung nach Aufnahme von Santtionsbestim- mungeiz in die Haager Vereinbarungen gestellt. habe. Snowden habe— so heiht co hier— in dem vorbereitenden Mennrngsanstousch zwischen den Regierung verlangt, daß da« in Brüssel arbeitende Iuristenkomitee in die Vertragstexte Zwangs- maßnahmen einfüge, die, im Falle einer Einstellung der deutschen Zählungen in Kraft treten fallen. Außerdem soll Snowden in der Frage der deutschen Sachliefcrungen einer. Vorstoß unter- nommen haben, der den Toung-Plan in einem zweiten entscheiden- den Punkte verschlechtern würde. Er soll auf der in Paris tagenden Konferenz der alliierten Sachverständigen für England da« Reche gefordert haben, die deutschen Sachlieferungen durch ein besondere» Kontrollorgan überwachen zu lassen. Diese angeblichen Vorstöße Snorvdens werden von dem nationalistischen Klüngel um Franklin Bouillon, Marin und Mandet, natürlich begeistert begrüßt. Haager Konferenzbeginn 6. Januar. London, 18. Dezember. Amtlich wird gemeldet, daß die zweite Haager Konferenz am 6. Januar beginnen wird. Am 3. Januar werden bereits die juristischen Sachverständigen der Mächte im Haag zu- sammentreten. Blutige Weihnachten? Das neueste kommunistische Ziel. Auf Kommando der kommunistischen Drahtzieher wird allerorts der Zusammentritt der neuen Stadtverordneten- Versammlungen dazu-benutzt, in Form sogenannter Er- ui'e r b s l o s e n d e mo n stra t i o n e n regelrechte kom- r.i u n i st i s ch e Krawalle zu inszenieren, die Rathäuser -u stürmen und die Polizei zum Einschreiten zu zwingen. Die nächtlichen Tumulte in F r a n k f u r t stehen nicht allein. Aus den verschiedensten Orten werden die gleichen Borgänae ge- meldet, so aus Lüdenscheid, aus Ahlen, aus Fried- land und vielen anderen. Eine einheitliche Parole ist deutlich erkennbar. Wer ste aber noch nicht erkannt haben sollte, der lese die„Rote Fahne" vom Mittwochmorgen(Nr. 269). Dort ist wörtlich zu lesen: Wollen sich die Erwerbslosen verhöhnen lasten? Wollen sie sich von ihren Bettelpfennigen nun von neuem einen erklecklichen Bruch- teil stehlen lassen? Oder müssen sie nicht handeln? Handeln in geschlossener Front mit den Arbeitern der Betriebel Handeln unter Führung der Partei des Klassenkampfes, der proletarischen Revo- handeln ans bolschewistische Art! Die Erwerbslosen von Frankfurt am Main und anderen Slädten haben in machtvollen Demonstrationen der B o u r g e o i s i e bewiesen, daß sie kein«.fröhliche We.hnacht-n' b«. gehen wird, wenn zu gleicher Zeit die Tausende und aber Tauseirdc der erwerbslosen Proletarier oerhungern und verrecken. Die LcrNncr Arbeitslosen werden hinker diesem Beispiel nlcht zurückstehen! Gemeinsam mit den Arbeitern der Betrieb« mar- schieren die Erwerbslosen am Do nn e rst a g> auf. um für Forderungen der Winterbeihilf« zu demonstrieren! heraus auf die Straße!«ampfaufwarfch gegen die Salle». die euren Hunger verschulden! Gegen den korrupten Magistrat, gegen die vollgefresscnen sozialdemokratischen Direktoren und ihren Tarifraubzug! Kampfausmorsch für die proletarischen Forderungen! Wer die kommunistische Sprache kennt, weiß, was das bedeuten soll: die angeblichen Erwerbslosen sollen auf» marschieren, aber gleichzeitig die Arbeiter aus den Betrieben. Sie sollen„b o l s ch e w i st i s ch h a n d e l n*. also Krawall a u fi e d e A r t veranstalten. Wenn dann, wie in Frankfurt, die Polizei ei»greifen muß, um Verkehr und öffent» liche Ordnung aufrechtzuerhalten, dann haben die Kommu- nisten in ihren Schreibstuben wieder herrliche Gelegenheit, über den„Arbeitermörder Zörgiebel" zu schreien und monate- lang über die„vertierten Schupobanditen" ihre Kübel aus- zugießen! Wie am 1. Mai wollen die Kommunisten auch zu Weihnachten Arbeiterblut und Arbeiterleichen! Sie Hetzen von ihrem sicheren Port Verzweifelte und Fana- tiker auf, daß sie gegen die ZZertreter der republikanischen Staatsgewalt„bolschewistisch"— mit Steinen und anderen Werkzeugen— vorgehen. Daß dafür auch nicht ein Brot zu kaufen ist, wissen sie. Aber daß e» dabei blutige Köpfegibt.wissensieebensogut, und das gerade ist ihr Ziel? Arbeitslose und Arbeitende: Weist den verbrecherischen Gesellen ds« Tür, die euch statt Lebensmittel den Zusammen- prall mit der Polizei vermitteln wollen! Di« dänische Landwirtschast protestiert. Der dänisch« Land- wirtschoftsminister erklärte m diesen Tagen, daß er gegenüber der Haltung der deutschen Regierung in bezug auf dir B i e h e i n f u h r im illugenbsick nichts unternehmen könne. Die dänische Regierung habe ihren Standpunkt der Gleichstellung Schwedens bei der Bich- einfuhr nach Deutschland zum niedrigsten Zollsatz durch den Ber- bin« Gelchänsnäger»«treten losten. Güdslawien als Einheit. Die unverrückbare Forderung der Sozialöemokratie. Von. Hermann Wendel. Die Demokratie und erst recht die Sozialdemokratie kennt der Diktatur gegenüber nur eine Haltung: Kampf! Aber es gibt Fälle, in denen diese Selbstverständlichkeit zu seltsamer Verschiebung der Perspektive führt. So ist etwa alles, was die Belgrader Diktatur an Willkürlichem und Grausamem tut. schärffter Bekämpfung wert, aber ein Sozialdemokrat, der sich deshalb alle Gesichtspunkte der kroatischen oder der makedonischen Emigranten zueigen machte, käme sehr bald auf den Holzweg. Diese Fanatiker verneinen nämlich den südslawischen Staat in Bausch und Bogen als Kunfffchöpfung, die drei verschiedene widerstrebende Nationen unter das Joch Belgrads beuge, und selbst Blätter der deutschen Linken stoßen in dasselbe Horn und beten das neuerliche Sprüchlein Sarkotitschs nach:„Es gibt kein südslawisches Volk. Es. gibt Serben, Kroaten, Slowenen, Bulgaren, vier verschiedene Völker, die alle quf ihre Geschichte unh Vergangenheit stolz sind und eine Verschmelzung zum Serbentum nie annehmen werden." Nun ist Sarkotiffch zwar kroatischen Ursprun-gs, aber in erster Reihe war er k. und k. General und denkt, fühlt und redet noch heute wie ein k. und k. General, der in der künst- lichen Zersplitterung des Südslawentums in Kroaten. Slawonier, Dalmatiner, Bosniaken, Krainer, Montenegriner usw. ein Unterpfand für die Macht und Herrlichkeit des Erz- Hauses Habsburg erblicken lernte. Doch laßt die Toten ihre Toten begraben! Wichtig fiir uns ist, wie sich die Sozial- demokratie im slawischen Süden.stellt. Di.eser Tage waren gerade zwanzig Fahre verstrichen, seit sich die Vertreter des Sozialismus aus den südslawischen Strichen der Donaumonarchie wie aus Serbien zu einer Konferenz in Laibach zusammenfanden und unter der Patronanz Viktor Adlers und Karl Renners ihre Auffostung in der sogenannten „Tivoli-Resolution" niederlegten. Diese Urkunde offenbart, daß die Sozialdemokratie schon 1909 auch im politischen Sinne Serben. Kroaten, Slowenen und Bulgaren als Teile einer einheitlichen, eben der südslawischen Ration betrachtete. Zwar verkannte die Reso- lution nicht, daß zwischen den einzelnen Stämmen als Folge politischer Zersplitterung, der Berührung mit fremden Nationen und unter dem Einfluß verschiedener Wirffchasts- sphären eine mannigfache Differenzierung enfftanden sei, aber keineswegs solcher Art imd solchen Umfangs,„daß der Sepa- ratismus einzelner Teile und ihre Spaltung in vier Nationen berechtigt erschiene"! Darum gab die Sozialdemokratie die Losung aus: Vollkommene nationale Einigung aller Südslawen über die Unterschiede des Namens, des Glaubens, der Schrift und der Mundart hinweg: die Not- wendigkeit, eine einheitliche nationale Sprache und Schrift zu schaffen, wurde besonders hervorgehoben. Damit war die Linie gezogen, der die Sozialdemokratie im slawischen Süden vor dem Weltkrieg, während des Welt- triegs und nach dem Weltkrieg unbeirrbar folgte. Bei jeder Gelegenheit erwies sich, aller nicht geringen Schwierigkeiten ungeachtet, die Arbeiterpartei als die unerschrockene Vor- kämpferin des integralen Südslawentums gegen alle Stammessondergelüste. Von dieser Linie läßt sich die süd- slawische Sozialdemokratie auch nicht dadurch abdrängen, daß heute eine rücksichtslose Diktatur das integrale Südslawentum mit Gewaltmitteln zu schaffen sucht und an sich forffchrittliche Neuerungen, wie die Äenderung des Staatsnamens„König- reich der Serben, Kroaten und Slowenen" in Iugoslavija (Südstawien) und die administrative Gliederung des Landes in neun große, lebensfähige Provinzen durch U k a s, auf die Bajonette gestützt, vornimmt. Erst dieser Tage schriet'„De- lavska Politika"(Arbeiterpolitik) im steirischen Marburg: „Die Ideen der Tivoli-Resolution sind trotz allen bitteren Erfahrungen heute noch die einzig richtigen, und es gibt keine Gewalt, die die in der Tivoli-Resolution so klar aufgezeigte- historische Entwicklung aufhalten hönnte." Das will sagen: Die Entwicklung zur Verschmelzung der Serben. Kroaten. Slowenen und Bulgaren in eine südslawische Nation! In der Tat schaut die südslawische Sozialdemokratie auf den kroatischen Separatismus mit der gleichen unverhohlenen Abneigung wie die deutsche Sozialdemokratie etwa auf den bayerischen Partikularismus: das Pochen auf eine tauseydsährige Eigenstaatlichkeit, die die eines ausgesproche- nen Feudalstaates war, und das Sich-Klantmern an historische Grenzen, die mit natürlichen Grenzen nichts zu tun haben, erscheint dem Sozialisten als verstaubteste Romantik, wen» nicht als bösartigste Reaktion. Unlängst betonte der lang- jährige Führer der serbischen Sozialdemokrat�, Dr. Schiwko Topalowltsch, in mehreren Artikeln, daß gerade in dieser Frage zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten ein Abgvund klaffe. Während die Jünger Moskaus, am Explosionen und Chaos erpicht, sich mit dem rückständigüen Separatismus unter eine Decke stecken und sogar über das Schicksal der„annektierten" montenegrinischen„Nation" di« lächerlichsten Zähren vergießen, hält, alle„histnnschen" Linkerlitzchei, ablehnend, die Sozialdemokratie aus ökono- mischen und sozialen, politischen und pazifistischen Gründen an der südslawischen Nationaleinheit unver- brüchlich fest, die ihr, mag augenblicklich auch die Diktatur im Sattel sitzen,„eine große demokratische und revolutionäre Errungenschaft und eine granitene Bürgschaft für die Freiheit und Sicherheit des Balkans" ist. Denn wie einst die unheilvolle Herrschaft der Habsburger auf der Zerbröckelung der Südslawen in widerstandsunfähige Teile fußte, so würde heute der Zerfall Südslawiens einzig der muffolinischen Expansionspolitik Wasser auf die Mühle leiten. Stammesseparatismen im slawischen Süden sind, weil sie Steine aus der Mauer heraus- brechen, die den Balkan gegen die faschistischen Eroberungs- gelüste schützt, eine Gefahr für den Frieden Europas. Schon das bestimmt die Stellung der Sozialdemokratie zu dieser Frage aufs Eindeutigste. Auf der anderen Seite finden alle berechtigten Wünsche der einzelnen Stämme und Teile in der Demokratisierung des Staates und der Selbst- Verwaltung der Provinzen, Kreise und Gemeinden ihre Erfüllung, Ziele, die die Sozialdemokratie leidenschaftlich verfochten hat und weiter versechten wird. Nie Krediterma'chtigung. Annahme im Reichstag. Der Reichstag stimmte gestern in zweiter und dritter Baratung dem Gesetzentwurf zu, der die Regierung e r m ä ch- Hat, einen besonderen Kredit von 465 Millionen auszunehmen, bis die entsprechenden Ersparnisse aus dem Noung-Plan zur Verfügung stehen. Die Annahme erfolgte im Hammelsprung mit 239 gegen 138 Stimmen. Vorsichtige Kommunisten. Sie riskieren alles— bloß die Diäten nicht. Mit großem Aufwand von L-ungenkraft haben die Kommunisten gestern im Reichstag gegen die Verschärfung der Geschäftsordnung gewettert, aber das bedrohte„Recht" war ihnen keine 25 M. wert. Zlwar hatten Pieck und Torgler die Anwendung„aller" Mittel gegen die angeblich«„Vergewaltigung" angekündigt, aber sie nutzten nicht einmal die legalen Mittel der Geschäftsordnung aus, sie zu verhindern. Am Mittwoch war beim ersten Punkt der Tagesordnung durch .Hammelsprung" die Anwesenheit von nur 377 Abgeordneten fest- gestellt worden. Die Wortführer der KPD., die angeblich„alle" Mittel gegen die an siebenter Stelle vorgesehene Verschärfung der Geschäftsordnung anwenden wollten, brauchten nur zu veranlassen, daß Kommunisten, Deutschnationale und Nationalsozialisten, die«ine Einheitsfront in dieser Frage bildeten, durch einfaches Fern- bl« ib« n bei der entscheidenden Wstiinmung die ganz« Verschärfung der Geschäftsordnung zu Fall brachten. Aber nichts derartiges geschah. Bei der Schlußabstimmung über die Aendcrung des Diätengesetzes, die ja die Vorbedingung für die Aenderung der Ge- schäftsordnung bildet, war eine verfassungsändernde Mehrheit not- wendig., Bon den 491 Abgeordneten mußten mindestens zwei Drittel, also 327 Abgeordnete, anwesend sein. Von den zwei Dritteln der Anwesenden, nutzten wiederum zwei Drittel für das Gesetz stimmen. Die Abstimmung ergab 314 Stimmen für das Gesetz und 1O5 Stimmen dagegen. Hätten die 105 Neinsager— Kommunisten, Deutschnationale und Nationalsozialisten— nicht an der W- stimmung teilgenommen, so wäre die verfosiungsmößige Voraus- setzwlg für die Annahme nicht gegeben gewesen— statt 327 wären ja«lr 314 Abgeordnete anwesend gewesen— die ganze„Vergewal. tigURg wäre abgeschlagen worden. Aber die Herren Kommunisten hätten bei der namentlichen Abstimmung ihre 25 M. Tagesdiäten preisgeben müssen. Das war ihnen die Sache offenbar nicht wert und so machten sie nicht einmal den Versuch der Verhinderung. So haben die Kommunisten durch ihr gestriges Verhalten selber bewiesen, daß drohender Diätenverlust als erzieherisches Mittel an ihnen sehr wirksam werden kann. Die neuen Bestimmungen der Gsschäftsordnuiig und das neue Gesetz, wonach randalierenden Abgeordneten Diäten und Fahrkarte für 30 bis 60 Sitzungen entzogen werden können, treten nunmehr m Kraft. Hoffentlich wird es niemals nötig werden, sie anzu- wenden! Das Recht dw Abgeordneten, alles, auch das Schärsste auszusprechen, wird durch die neuen Bestimmungen nicht«in- geschränkt. Getroffen werden bloß der Kaschemmenton und der ordinäre Radau. Die aber wird jeder anständige Mensch ohne Unterschied der Partei in Zukunft sebr gern« im Reichstag vermissen. Der Kall(Schm.o. Ei« Staatssekretär, der hinausgeworfen sein Witt. Unter den 14 Vollspartellern, die am Sonnabend gegen die Regierung stimmten, befand sich auch der amtierende Staats- fekretär im Ministeriuni für die besetzten Gebiete. Herr Schmid. Sein Verhalten hat viel Staub aufgewirbelt, doch wird sein richtiger Grund erst jetzt im„Berliner Tageblatt" angegeben. .izerr Schmid hat sich bei der Industrie in Erinnerung bringen wollen, und er wird wahrscheinlich demnächst sein Amt verlassen. um«inen Posten beim La ngnoni- Verein zu über- nehmen. Weil uns diese Zusammenhänge bekannt waren, schien uns die ganze Debatte, was nun mit Schmid zu geschehen habe, gegenftcmdslos. Dieser Sonderfall wird sich voraussichtlich schr bald von selbst regeln, und man braucht kaum zu befürchten, daß er sich wiederholen wird. Denn Herr Schmid ist«ine einzig- artige Erscheinung aus dem Gebiete des öffentlichen Takts. Man stell« sich vor: Volkspartei.uird Zentrum sind in der Ävalilion. Schmid ist als parlamentarischer Staatssekretär ins Ministerium für die besetzten Gebiete gekamme», seit der Umbildung der Regierung Müller sitzt W i r t h als parlamentarischer Minister ebendort. Die Aollspartci beschließt— was sür sie als Regierungs- parte: eigentlich selbstverständlich ist— sür«in Vertrauensvotum Ml stimmen. Schmid stimmt gegen den von seiner Fraktion unter- zeichneten Antrag und spricht damit seinem Minister und Koali- tionsgenossen dos Mißtrauen aus. Er hätte sich von der Abstimmung drücken oder— wenn er das nicht wollte— zuvor als Staate- fekretär demissionieren rönnen. Er hat keines vor beiden getan «ch sich damit als ein Mann gezeigt, dem es auf den Skandal galnnwü. Sein Ministerium wird nichts an ihm verlieren: daß er dem Reichstag erhalten bleibt, ilt>u k»?da»-r>' Ar-flatirmsveUäuic. In iemer �eit ist oi« Frage einer gejsi, lichen Regelung zugunsten der Jnslotionsocrkäuser von Grundstücken wiederholt in der Presse erörtert worden. Im Anschluß an diese Presseerörterungen wird mitgeteilt, daß die Reichsregierung nach sorgsälffger Erwägung aller Umstände beschlossen hat, von Maß. nahmen in der erwähnten Angelegenheit abzusehen. Zollvorlage verabschiedet. Maßlose agrarische Sonderwünfche im Ausschuß abgelehnt. Der Handelspolitische Ausschuß des Reichstags hat die Zollvorlage nach anstrengenden und langwierigen Beratungen a m�M ittwochab e nd gegen 6 Uhr verabschiedet. Das Interesse konzentriert sich dabei auf einige besonder« landwirtschaftliche Produkte. In erster Linie ging es um den neuen Zoll für Schwein« und Schweinefleisch. Der Abg. Schiele(Dnat.) unternahm hierbei den Vorstoß, der Regierung zu unterstellen, daß sie deshalb keinen höheren Zoll eingesetzt hätte, um einen Handelsvertrag mit Polen abschließen zu können. Er ging sogar so weit, zu behaupten, daß die Regierung den Polen in bezug daraus schon bindende Versprechungen gemacht habe. Er verstteg sich am Ende zu der Drohung, daß sich die Re- gierung olle ernsten Folgen zuzuschreiben habe, die daraus durch die große Erregung der Landwirtschast entstehen würden. Der Reichseroährungsminister Dietrich wies diese Unterstellung nsit aller Entschiedenheit zurück und erklärte, daß die Regierung in bezug auf die Verhandlungen mit Polen noch volle Handlungs- freiheit Hab«. Es wäre im übrigen verkehrt, wenn Herr Schiele immer wieder davon rede, daß man früher von einem Zoll von 32 Mark ausgegangen wäre. Der wirkliche Stand hätte 18 Mark betragen. Leider ließ sich der Minister dazu verleiten, ein gewisses Ent- gsgenkommen an die Forderungen der Agrarier zu verraten, über die auch bereits Sonderbesprechungen zwischen den Regierungs- Parteien stattgefunden hatten. Herr Schiele nahm eine entsprechende Anregung des Ministers sofort auf und erklärte, daß sich aus diesem sehr beachtlichen Vor- schlag eine Einigung finden ließe. Zu allem Ueberfluß machte in diesem Augenblick Herr Hamkens von der Volkspartei, unterstützt von Herrn Tanhen von der Demokratischen Partei,«inen Vorschlag. der aus ein« Erhöhung der Zollsätze in der Regierung»- vorlag« hinauslief. Das hatte zur Veranlassung, daß die Re- gienmgsparteien noch eine Führerbesprechung ansetzen mußten, um doch noch zu einer Einigung zu gelangen. Das Ende davon war, daß Hamkens und Genossen ihren Antrag wieder zurückzogen, ein weitergehender Antrag Schiel« ab- gelehnt und danach die Regierungsvorlage mit den Stimmen der Regierungsparteien angenommen wurde. Eine weitere ernste Auseinandersetzung gab e» bei dem Mehlzoll. Herr Schiele fand die dabei vorgesehene Schutzsparme zu gering und Herr Tanhen verlangte nicht mehr und nicht weniger, als daß auch beim Mehl ein Einfuhrschein eingeführt werden solle, genau bemessen nach der Höhe des Roggen- und Weizenzolls. Das veranlaßt« den Ministerialdlrekkor Ernst, mtt allem Nach- druck daraus hinzuweisen, daß dies« Frag« bevetts durch die Abstimmung bei den Getreidezöllen erledigt worden sei. Im übrigen wies er daraus hin, daß dadurch die größten Speku- lattonsmöglichkeiten eröffnet würden und daß das «inen so großen Aussoll in den Reichsfinonzen ausmache, daß ein entsprechender Beschluß des Ausschusses für die Reichsregierung nicht tragbar wäre. Schließlich benutzte der Abg. Horlacher von der Bayerischen Voltspartei die Gelegenheit dazu, einen Einfuhrschein auch für Malz, gemessen am Gerstenzoll, zu verlangen. Die Abstimmung über dies« Anträge ergab, daß sie samt und sonders o b» gelehnt ivurden, woraus die Regierungsvorlage an- genommen wurde. Bei der Beratung der einzelnen grundlegenden Artikel der neuen Zolloorlage legt« der Abg. Kröger(Soz.) ein ernstes Wort für die Seeschlachthäuser ein, die durch die neu« Zollregelung aufs schwerste gefährdet sind. Er wies darauf hin, daß diese Betriebe erst mit Millionenkosten gebaut worden sind und nun einfach vor der Stillegung ständen, weil namentlich von Dänemark in Zukuntt statt des Viehes nur noch Fleisch hereinkäme. Er fragt« die Re- gierung, was sie zu tun gedenke, um den dadurch geschädigten Ge- meinden zu helfen. In genau derselben Weis« sprach sich Abg. Krähig(Soz.) aus, der sich dabei namentlich gegen den Abg. Schiele wandte, well dieser gesagt hatte, die Kommunen hätten sich darauf rechtzeitig einrichten sollen. Wie wir erfahren, hat die Regierung in bezug daraus zufriedenstellende Erklärungen außerhalb der Sitzung abgegeben. Am Ende der Beratung wurde noch beschlossen, die In- dustriezölle nach den Beschlüssen des Reichsrais mit allen neu dazu gestellten Anträgen für ein« spätere Beratung zurückzustellen. Die Zollvorlage selbst wurde in der Schloßabstimmung mit den Stimmen der Regierungsparteien angenommen. Heute Leipziger Llrteil. Verhandlungen des Staatsgerichtshofes beendet. Leipzig, IS. Dezember.(Eigenbericht.) Di« Verhandlungen de» Staatsgerichtshos» in der Streitsache der preußischen Landtagsfraktioa der Deutsch- nationalen Volkspartei gegen Preußen wegen des Erlasses der preußischen Regierung gegen die Teilnahme von Beamten am Volksbegehren wurden am Mittwoch beendet. Das Urteil wird am Donnerstag vormittag verkündet. Kein Spardikiator. Die Antrag« der Äolkspartei im Ausschuß abgelehut. Der Haushaltsausschuß des Reichstags beschäftigt« sich in seiner Mittwochsitzung zunächst mit dem Ersuchen d«S Relchsinnenmimste- riums, ihm die finanziellen Mittel für die Durchführung der Maß- nahmen zugunsten der aus Rußland abwandernden deutsch stämmigen Bauern in Höhe von S Millionen, die im Nachtragshaushalt angefördert werden sollen, vorweg zur B«r- sügung zu stellen. Nach einer sehr langen und zum Teil erregten Debatte, in der der Reichsinnenminister S« v e r i n g und der Reichs- tonnnissar Stücklen wiederholt das Wort ergriffen und in der von der kommunistischen Fraktion auf das heftigste gegen die Bor- lag« opponiert und behauptet wurde, daß die Auswanderer wohl- habende Großbauern feien, wurde dem ErfuchendesReichs- innenmini st«rs entsprochen. Sodann tonnt« nach einer mehrstündigen Debatte auch die Be- ratung der voltsparteilichen Anträge über die Errichtung eines selb- ständigen, nur dem Gesetz unterworfenen als oberste Reichebehörde konstruierten R�ichsspartommissars zu End« geführt werden. Die Anträge wurden mit. großer Mehrheit ab- gelehnt. Oer Republitschuh. Beratung im Sirafgeseßousfchuß. Der Strofgesetzausschuß des Reichstages setzte am Mittwoch die Beratung des Republikschutzgesetzes fort. Zunächst wurde 8 2 berate�, der Gefängnis demjenigen androht, der von dem Bestehen einer«in Verbrechen wider das Leben bezweckenden Verbindung oder Verabredung oder von dem Plan« oder dem Vorhaben,«in« Person zu töten, Kenntnis hat, es aber unterläßt, davon der Be- Hörde oder dem Bedrohten Nachricht zu geben. Nach längerer Beratung wurde Z 2 in folgender Fassung angenommen: „Wer von dem Bestehen einer ein Verbrechen wider das Leben bezweckenden Verbindung oder Verabredung oder von dem Plan oder dem Vorhaben einer Person zu töten glaubhaft« Kenntnis «chält und es uitterläßt, hiervon der Behörde oder dem Bedrohten rechtzeitig Anzeige zu machen, wird mit Gefängnis bestrast." Von den Deutschnationalen wurde beantragt, die im Allgemeinen Strafgesetz vorgesehenen Bestimmungen in dos Republikschutzgefetz aufzunehmen, die sich gegeit den Zwang bei Wahl- und Abstimmungen und gegen den Wahlverruf richten. Nach längerer Be- ratung, in der Abg. Landsberg(Soz.) sein Erstaunen darüber aussprach, daß ein solcher Antrag gerade von den Deustchnationalen komme, die doch am meisten mit Terrormaßnahmen arbetten, wurden die deutschnationalen Anträge zurückgezogen. 8 3 des Gesetzentwurfs, der Gefängnisstrafe demjenigen an- droht, der gegen eine Person wegen ihrer politischen Betätigung, einen Angriff auf Leib oder Leben richtet oder mit einem anderen verabredet, wurde einstimmig gestrichen. Fortsetzung der Beratung am Donnerstag Ein adliges Gchimpfweib. Htrafantrag des preußischen Staatsm'nlfienums Am 14. Ottober d. I. fand in Waldenburg(Schlaf.) ein« Dersammkung des Bundes„Königin Luis«" statt, zu der öffentlich« Einladungen ergangen waren. Di« Hauptrednerin war die Landesoerbandsstchrerin des Bundes. Frau von Budden- brock aus Leutmannsdorf(Kreis Schweidnitz). In ihrer Rede äußerte sie u. a.:„Seinerzeit(d. h. im allen Staat vor dem Krieg«) hätte die Regierung in guten Händen, in Händen deutscher Männer gelegen, dagegen würden wir heute vonIuden regieri. Diese seien keine Deutschen, sondern Lumpenpack. In den heutigen Klubsesseln der Regierung säßen nur durch Bazillen verseuchte Männer mit Eiterbeulen." Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mttteill, hat der preußisch« Ministerpräsident wegen dieser Beleidigungen der Staatsregierung namens und im Austrage' des preußischen Staatsmlnisteriums Strafantrag gestellt. Ruhige Sejmsihuug. Switolski soll nicht wlederlehrea. Warschau. 18 Dezember. Der Sejm hiell heut« eine Plenarsitzung ab. die in voller Ruh« verlief, da die gestrigen Konferenzen beim Staatspräsidenten ein« gewisse Entspannung herbeigeführt haben. Staatspräsident M o s c i ck i hat erklärt,, daß er unter keine» Umständen S w i t a l s k i mtt der Neubitdung der Regierung betrauen werde. Der Sejm nahm mit großer Mehrheit die Derlängerung eines Steuergesetzes für Immobilien an. Der Antrag des Regierungs- blocke» auf Einsetzung einer Parlamentstommrssion zur Unter- suchung der Vorgänge vom 3l. Ottober ging an«inen Ausschuß. ebenso der Antrag oller Oppositionsparteien auf Aenderung der Geschäftsordnung. Verurteilung des„Volkswille�. kotlowiß. 18. Dezember. Bor dem Pressegericht Halle sich der frühere verantwortliche Redakteur des deutschen sozialistischen„Volkswillen" Helmerick zu verantworten. In dem ersten Fall war dem Verhalten des Vorsitzenden im Ulitz-Prozeß Landgerichtsdirektor Dr. Herlinger vorgeworfen worden, die Verhandlung nicht objektiv genug geleitet zu haben. Urteil vier Wochen Gefängnis ohne Um- Wandlung in eine Geldstrafe. Zweiter Fall: die Behauptung, daß ein« Devhastung Otto Ulitz' unter allen Umständen erfolgen mußte und zwar aus Gründen des polnischen Staatsprestige»'. Urteil zwei Wochen Gefängnis ohne Umwandlung in eine Geld- strafe. Schließlich der Artikel.Hauptstütze der Sanacja", in dem gesagt wurde, daß die Regierungsbehörden das Banditentum verschiedener Mitglieder des Aufständilchen-Verbandes unterstützten. Urteil 399 Zloty Geldstraf«. Verbündete Diktatoren. Kemal und Karachon. Konslanlinopel. 18. Dezember.(Eigenbericht.) Der stellvertretende russische Außentommissar K a r a ch a n ytt nach der Erneuerung des russisch. türkischen Freundschasisvertrages die Rückreise nach Rußland angetreten. Die gleichen türkischen Blätter, die auch die geringste Arbeiterorganisation mtt den ge- hösfigsten Worten bekämpfen, seiern den bolschewistischen Vertreter als Freund der Gegenwart und Zukunff Der neue türkisch-russische FreundschaitSoertrag gehl über den bisherigen Vertrag tnsosern hinaus, als sich Rußland und die Türkei gogensettig verpflichten, mtt einer dritten Macht ohne gegen feittg« Zustimmung weder«inen neuen Wirtschaft», oder Mtlllär- vertrag abzuschließen noch darüber zu verhandeln. Aus- genommen von dieser Vereinbarung sind platonisch« Freund schastsverttäge. Falls der neue Vertrag nichi sechs Monat« vor Ablauf gekündigt wird, bleibt er ein weiteres Jahr in Kraft. Außer dem oersichsrt die Türkei den dolschcwistiichen Machthadern in dem neuen Vertrag, daß sie mit keiner dritten Macht irgendwelche Geheim- Verträge abschließen wird; Rußland hat eine solch« Verpflichtung nicht übernommen. Der Fabrikant:»Wenn alle Stritte reißen, dann muß mich eben der Staat sanieren!� Stadibankdirettor Schmitt schwer belastet. Nutzlose Ausreden vor dem Ausschuß. Am Mittroch wurde vor dem Sklaret-Ausschuh die Vernehmung des Etadtbankdirektors Schmitt fortgesetzt. Die Ver- nehmung, die den ganzen Tag dauerte, ergab-insofern nichts Neues, als der Eindruck verstärkt wurde, daß die Direktoren Schmitt und ch o f f m a n n durch die Revisoren auf Unstimmigkeiten des Sklarekfchen Kontos aufmerksam gemocht wurden. Positive Feststellung aus den Bezirksämtern, um Unregelmäßigkeiten festzustellen, sind den Revisoren von den Direktoren Schmitt und Hoffmann unter Hinweis auf dos Bankgeheimnis ausdrücklich untersagt worden! So hat der Revisor Fabian, um sich nicht disziplinarisch strasbor zu machen, heimlich seine Feststellungen auf dem Bezirks� amt Spandau getroffen, die bekanntlich zur Aufdeckung der Betrugs. ossären führten Obwohl Direktor Schmitt von den Unterschristssätschungen der Sktorek» benachrichtigt wurde, fuhr er am nächst«« Tage noch zum Wochenende noch waren in die Sklareksche Villa! Trotz der strzwischen festgestellten Unregelmäßigteiten konntet� die Stlareks sogar noch am 22. September ZL5tXX> Mark und am Tage vor chrer Verhaftung 475000 Mark von der Stadtbank ab- heben. Auf alle dies« die Stadtbantdirektoren belastenden Tat- fachen hingewiefen, hat Direktor Schmitt immer nur diz eine Ant- wort, er habe bis zuletzt die Skloreks für einwandfrei« Geschäftsleute gehalten Er hat also den Stlareks mehr geglaubt als seinen beamteten Revisoren! Er kann sich auch nicht erinnern, nach der Ausdeckung der Unterschristsfälschungen darüber mit den Stlareks gesprochen zu haben. Er sei erschüttert über die Feststellungen, könne Nur bedauern, daß die Revisoren ihre Beanstandungen nicht direkt an ihn herangebracht haben. Demgegenüber beriefen sich die Revisoren darauf, daß für sie der Dienstweg streng vorgeschrieben war. und sie ihre Beanstandungen über den Dienstfiellenleiter direkt dem Stadtbankdirektor Hoffmann übergaben Sladtbankdiretlor hoffmonn äußert« sich zunächst sehr tempero- mentvoll über die Organisation und die Ueberlastung der Siadtbonk. Seine persönlichen Beziehungen zu den Sklareks hätten ihm viel Geld getostet, aber das hätte nun einmal zu einer pfleglichen Behandlung so guter Kunden gehört, die auch er bis Zuletzt für absolut einwandfreie Kaufleut« gehalten hat. Er sei auch einmal in Daren zur Treibjagd gewesen, aber ohne Gewehr. Oester sei er nicht hingefahren, da er nicht Skat spielen könne.(.Heiterkeit.) Ein« Anweisung, daß von den Sklareks statt der voiginalrechnungen nur Kopien eingereicht werden sollten, wäre offenbar von«,*«n inzwischen verstorbenen Beamten Hirsch ausgegangen. Vordatiert« Schecks seien von den Stlareks hereingenommen, weil es sich um ein Entgegenkommen gegenüber den ollerbesten Kunden gehandelt habe. Di« Vernehmung wird am Donnerstag, vormittags 10 Uhr. fortgesetzt Industriezölle. Em Stück preußische Geschichte Geschrieben von Paul Hirfc., Preußen gilt heute mit Recht als Rückgrat des republikanischen Deutschland. Wieviele aber wissen noch, daß dieses von den Reak- tionären bestgehaßte„Preußen der Braun, Grzesinsti und Ser>«ring' daß dieses angeblich„marxistisch regiert« Preußen' o o r der Revo- lution Sic uneinnehmbarst« Zitadelle eben jener finstersten Reaktion war? Wenn man heute einen der Jüngeren nach dem Dreitlassen- Wahlrecht, dem Herrenhaus, der preußischen Wohlkreiseinteilung fragt, bekommt man meist unklare oder falsche Antworten. Für die neue Generation ist das alte Preußen bereits«in nebelhafter Begriff geworden. Und doch bildete der Sturm gegen das Drei- klaffenwahlrecht den lebendigsten Inhalt der politischen Kämpf«, die in den Iahren unmittelbar vor dem Krieg von der Sozialdemokratie ausgefochten wurden! Als im Jahre 1008 zum ersten Mol« die Sozialdemokratie in den preußischen Landtag eindrang, aus dem sie bis dahin dos infame Dreikloffenwahlrecht ausgeschlossen hatte, da befand sich unter den nur sieben(später sechs) Gewählten, zu deren Wahl gleichwohl fast ein Viertel aller abgegebenen Stimmen erforderlich gewesen war, auch Genosse P a u l H i r f ch. Er ist einer der ganz wenigen, die persönlich die Entwicklung der Sozialdemokratie von einer kleinen, brutal majorisierten Gruppe des preußischen Ab- geordnetenhauses zur herrschenden Partei des preußischen Landtags in aktiver Teilnahme mit erlebt haben. Er hat als preußischer Ministerpräsident in zwei Iahren, die unmittelbar auf die Revolution folgten, die Grundlage des heutigen Preußens mitfchafsen können. Wie kein zweiter ist Genosse Paul Hirsch deshalb berufen, den Wandel der Dinge in Preußen zu schildern. Er hat dies jetzt in - einem Buch« getan, das unter dem Titel„Der Weg der Sozial» demokratic zur Macht in Preußen' im Verlag von Otts Stollberg- Berlin erschienen ist. Wer Paul Hirsch kennt, der weiß, daß Abneigung gegen jeden äußeren Aufputz, gegen Phrasen und Schnörkel einen Grundzug seines Wisiens bilden. Mit schlichter Knappheit und sachlichem Ernst, wie es der Natur des Verfassers entspricht, sind die Ereigmsie dargestellt, nirgends drängt Hirsch seine Person und seinen eigenen Anteil am Geschehen, obwohl dieser nicht gering ist, in den Vorder- grün), sondern läßt die Ereignisse für und durch sich sprechen. Deswegen ermangelt aber das Buch durchaus nicht der sachlichen Stellungnahm«. Hirsch entzieht sich nicht der Pflicht, sein« eigene Haltung während des Krieges, die bekanntlich ein« vermittelnde zwischen den zwei fast gleich starken Gruppen war, in die die damalige Zehnmännersraktion des Abgeordnetenhauses zerfiel, sowie seine Handlungen als Minister gegen feine Kritiker zu begründen. Dies geschieht jedoch in voller Ruh: und ohne Gefühlsbelastung, die heute, wo es sich um vergangene Ding« handelt, doppelt schädlich wäre. Deshalb wirkt das Buch auch einladend für den, der mit der Haltung des Genossen Hirsch in jener vergangenen Zeit nicht allenthalben cirwerstanden gewesen ist. Genosse Hirsch hat bekanntlich das preußische Ministerpräsidium bis zu de» Kapptagen geführt. Danach nat er es, den veränderten Verhältnissen Rechnung tragend, zur Verfügung gestellt. Es begann damit die Aera Braun-Seve- r i n g, die man als die eigentliche Schöpferin des heutigen republikanischen Preußens betrachten muß. Aber die Gerechtigkeit gebietet anzuerkennen, daß wichtige Borarbeiten hierzu bereits unter Hirsch geleistet wurden und daß die Fehler, die in der schweren Zelt unmittelbar nach der Revolution zum Teil unvermeidbar waren, weniger aus das persönliche Konto des damaligen Ministerpräftdenten als einiger seiner Ministerkollegen entfallen. Sicherlich gebührt der ersten preußischen Regierung das eine Verdienst, gegen separatistisch« und ander« Zerspkittevungsbewegungen den preußischen Staat zu- sammengehalten und damit gleichzeitig o-uch der deutschen Einhett einen großen Dienst erwiesen zu hoben. E. K— r. ) Klemreninerfurforge. Amtlich wird initgetellt: Der Deutsche Klemrentnerbund Hot kürzlich«in..Schwarzbuch der Kleinrentnerfürsorge' herausgegeben, in dem an Hand von 100 Fällen bewiesen werden ioll, daß die Kleinrentnerfürsorge mangelhast durchgeführt worden sei. Obwohl Name und Wohnort in diesen Fällen nur mit den Anfangsbuchstaben bezeichnet sind und infolgedessen die Nachprüfung schwierig sein wird, hat der Reichsarbeitsminister sofort bei den Sozialministerien der Länder angeregt, die Fürsorgeverbänd« auf die seit Iahren immer wiederholten und in dem„Schwarzbuch' zum erstenmal an Einzelfällen erläuterten Beschwerden der.Bein- rentner ausdrücklich hinzuweisen und ihnen die gewissenhafteste Be- solgung der gesetzlichen Bestimmungen für die Kleinrentnerfürsorg« zur Pflicht zu machen. Das Zündwarenmonopol. Oer Reichswirtfchastsrat empfiehlt. Der Wirtschaftspolitische und Finanzpolitische Ausschuß de» Borläufigen Reichswirtschastsrats befürworten in einer Erklärung die Annahm« des Gesetzentwurfs über das Aünd- warenmonopol. Di« Befürwortung erfolgte angesichts der Finanzlage des Reichs, der ollgemeinen Lage der Kapitalmärkte und d-r relativ günstigen finanziellen Bedingungen des. Anleihevertrage». trotz schwerwiegender Bedenken, die im einzelnen gegen den Inhalt des Gesetzes zu erheben seien. Di« Ausschüsse nahmen serner eine Entschließung an. in welcher die Reichsregierung ersucht wird, die im Iünlwarcnmonopolgesetz vorgesehen« Entschädigung für Arbeiter und Angestellte analog den gesetzlichen Be- simmungen über die Entschädigungspslicht beim Branntwein- monopolgesetz unter Berücksichtigung der Geldentwertung zu regeln und dic Entschädigungen im Sinne des Branntweinmonopolgefetzes s' c u e r f r e i zu losscn. Die Arbettslosigkeit im Saacgebiei. Erhöhte Unterstützung und Notflaudsarbeiten. Saarbrücken. 18. Dezember.(Eigenbericht.) Die Reaierungskommission de? Saargebiets Hai auf Antrag der Sozialdemokratie die Erwerbslosenunter st ützunz«r- höht. Weihnachten kommt ein« doppelt« Wochenunterstützung zur Auszahlung. In einer Besprechung rtit der Regiarungskomrmsfion über die Arbeitslosenunterstützung haben die Gewertschasten den einmütigen Wunsch des Saargebietes auf kräftige Finanzierung von Notstandsarbeiten zum Ausdruck gebracht. Di« Regierung fall au» ihrem stark angehäuften Fonds an die Kommunen auf dem Weg» der produktiven Erwerbslosenfürsorge Darlehen zur Durchführung von Notstandsarbeiten zur Verfügung stellen Gefordert wurden serner Verlängerung der Unters tutzungsdouer und Erhöhung der Sätze. „Oer große Betrug." Oeffentlich« Warnung vor Gustav Winter. Der aus der Aufwertungcbewegung bskaunte sog.„Betrieb?- miwoU' und Wanderredner Gustav Winter ist am 11. Juli ,1929 in der Berufungsinstanz wegen Betruges zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis und zu 20000 M. Geldstrafe nerurteill worden: die von ihm gegen dieses Urteil eingelegt« Revision schwebt noch. Dessen ungeachtet scheint Winter sein« Tätigkeit, die zu seiner Bestrafung geführt hat, weiter�sort- zusetzen und sich neuerdings hierzu eines von ihm verfaßten Films „Der groß« Betrug' zu bedienen. Die amtlich« Zulassungs- genehnngung für die Dorsührung dieses Films ist allerdings bisher nicht nachgesucht worden, mit ihrer Erteilung ist auch nach dem, was bisher über den Inhalt des Films bekanntgeworden ist, kaum zu rechnen. Es liegt nunmehr der Verdacht nah«, daß von Winter und seinen Anhängern versucht werden wird, den bisher nicht zugelassenen Film auch ohne Genehmigung innerhalb der von Winter gegrün- beten Gesellschaft„Philantropa, Kultur-Film-Gemeinde deutscher Städte E. V.' bzw.„Philantropa, Internationales Kultur-Film- Propagonda-Institut E. Linke u. Co., Leipzig' zur Aufführung zu bringen. Eine Filmoorführung in solchen Vereinigungen steht aber nach 8 1 Abs. 1 des Lichtspielgesetzes der öfsenllichen Vorführung gleich, sie würde also ebenfalls einer vorhergegangenen amtlichen Zulassung bedürfen. Derartige Aufführungen sind zunächst in Berlin und Köln geplant. Zur Förderung der Bestrebungen Winter» werden außerdem von der genannten Filmgesellschaft noch sog.„F i l m p ä s s e" gegen Entgelt von 1 M. s ü r 1 Stück ousgeaeben, die als Mitglieds- karten und Personalausweise bezeichnet werden, aber schon durch die Art und Form chrer äußeren Ausmachung geeignet und ossen- bar auch dazu bestimmt sind, dem breiten Publikum gegenüber die Eigenschaften«ine» behördlichen Ausweispapiers— ähnlich den amtlichen Reisepässen— vorzutäuschen Derartige„Filmpässe' sind rechtl.ich vollkommen wertläs. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der Preußische Minister de» Innern in einem Runderlaß die nach- geordneten Behörden ersucht, gegen jede unerlaubte Vorführung de, Fckm«„Der groß« Betrug' und gegen den Vertrieb der„Film- pässe' mit allen polizeilichen Mitteln einzusch"''— Die hambm oer IargermeMr ir a.st. Z:r S-nat hat für das Jahr 1930 Bürgermeister Rudolf Roß zum Ersten Bürger, meister und Bürgermeister Dr. Karl Petersen zum Zweiten Bünge« meister gewählt Gnadenakt Mussolinis 'für O-oifihSfiemi» Die Selbständigkeit Deutschösterreichs ist durch die Fnedensbestlmmungen von 1919 und dos Genfer Sanierung» Protokoll von 1922 verbürgt) da jedoch dos gesamt« Bermägen der Republik den Kriegsgegnern des ehemaligen Kaisertums Oester- reich-Ungarn verpfändet ist, kann der Nachfolgestaat mit der Haupt- stadt Wien im Gegensatz zu den anderen Nachfolgestaaten ein» An- leih« nur mit Genehmigung der Gläubigerstaaten ausnehmen. Diese Genehmigung verweigert« Italien, seitdem Bundestanzler Seipel vor mehr als einem Jahr gewagt hatte, im Rationalrat zu erklären. das Schicksal der Deutschen in Südtirol könne Deutschösterreich nicht gleichgüllig sein. Obwohl Seipel sehr bald förmlich Abbitte leistete. blieb die Genehmigung versagt— erst jetzt hat Mussolini seinen Widerspruch zurückgezogen. Dafür hat die Bundesregierung heißen Dank gesagt und sich vom Notionolrat zur Aufnahm« einer Anleihe von 725 Millionen Schilling(435 Millionen Mark) ermächtigen lassen. Bis zur Anleih« selbst ist ober noch ein ziemlich weiter Weg. Man kann leicht erraten, daß milchest«», eiu Hauptgruich der Gnade Mussolinis das austreten des grünweißen H e! m w« h r- faschismus ist. Die Heimwehr schwört, wie ihre reichs- deutschen Konsorten, alles Interesse an den Deutschen in Südtirol ab: wenn sie die Arbeiterschaft um ihre Rechte, die Demokratie zu Fall bringen will, so Ist das in Rom ebenso gern gesehen, wie daß die Innsbrucker Heereswerkstott Helmwehrgeschütze aus gestohlenen! Heeibsbestond repariert, die Heimwehr Arbeiterfeste überfällt, Schutzbündler ermordet und Wiener Cafegäste niederschlagt. Gegen oll das geschieht nichts von Machthaber», die da- a l t ö st« r reichische Kaiserlied jetzt, wenn auch mit neuem Text. an Stelle von Renner-Kienzls Bundeshy m n c wieder«ingeführt haben. Eine Stell« des alten.«->"> liedes könnte man so modernisieren: Fäschio» Gnod« strahl' Hernie» u» ein grün-weiß Oester"1'' Ungleichung des Sherechte g«-,o»u�.(. Wien,(8. Dezember Der Rotionotrot hat wm im Vorjahr ein« sozial dem o- lra tische Entschließung auf Angleichimg de» Gherecht, an das reich-beutsch« mit 81 Stimmen der Sozialdemokraten und Graß deutschen gegen 75 Stimmen der Christlich- Sozialen und de? Loa- bundes angenommen, ebenso den sozialdemokratischen Antrc«:"' Ret chsvolk-ss chulgefetz auf das Bnrgenland auszudehnen. Weihnachtens Kehrseite. Die Arbeiiszeii der Angestellten. i«? skr rii, aitfthcn tmS mkM» forhtm, 8aß b5e Wiri» schaftsfra�cn des gosamten Bergbaues unter Ausschaltung der Einzelländergesetzgebung einheitlich und übersichtlich durch ein Relchsberggesetz eine endgültige Regelung fänden. Die Konferenz nahm einstimmig ein« Entschließung im Sinne der Ausführungen des Referenten an. Der S-Uhr-LaderLchlkuß am Weihnachtsabend ist«in Schritt vorwärts gerade in einem sozialpolitisch besonders trüben Kapitel. Nirgends herrschen ärger« Mißstände als in der Arbeitszeit der Ang« st eilten und das ganz besonders in der Weih- nachtszeit und bei den Inventurausverkäufen. Da ist die Ueberschreitung der gesetzlichen Arbeitszeit besonders kraß und fast allgemein. Arbeitszeiten von zehn, elf und in e hr Stunden sind in dieser Periode fast etwas selbstverständ- liches. Wenn die Uebccarbeit wenigstens anständig bezahlt würde, dann wäre es halb so schlimm. Obwohl bei großer A beitslosigkcit nicht Uebcrswnden geleistet, sondern neue Arbeitsträfle ein- gestellt werden sollten. Mit dein Weihnachtsfrühschluß muß daher der Kampf um die Verkürz um g der Arbeits- zeit der Angestellten Und Zwar vor allem der Handelsangestellten, erst recht beginnen: denn das Bild, das die Gewerbe auf- s ich ts berichte entrollen, ist geradezu traft tos. Wie bei den gewerblichen Arbeitnehmern, so wird auch für die weitaus größte Zahl der Angestellten m Industrie, Handel und Verkehr die Arbeitszeit durch Tarifvertrag geregelt. In den Handelsbetrieben gewinnt der Tarifvertrag irnincr mehr Boden. Im allgemeinen sehen die Taifverträge der Angestellten die Möglich- keil von II eberarbeit vor, und von dieser Möglichkeit wird auch ausgiebig Gebrauch gemacht, in erster Linie im Einzel- und im G r o ß h a n d e l. Aber das genügt den Arbeit- gebern nicht. Daß Negistratu rangestellt« und Lehrlinge, die mit der Abfertigung von Post beschäftigt werden, die gesetzliche oder tarif- lichc Arbeitszeit nicht einhalten, ist nahezu die Regel. Auch die Mittagspausen werden von den Angestellten vielfach nicht beobachtet. Entweder werden die Angestellten durch kleine Umsatz- Vergütungen geködert, um deretwillen sie aus die Einnahm« eines Mittagessens außerhalb des Betriebes verzichten, oder der Verzicht erfolgt stillschweigend, um sich„oben" nicht in«in schlechtes Licht zu setzen. Nur durch zwei Mittel kann diesen Mißständen begegne: werden: Ausbau der Gewerbeaufsicht und Stärkung des ZdA.. der fr e i g e we r kf cho f tl ich e n Organisation. Ohne eine starke Organisation nützen auch die Feststellungen der Geroerbeaussicht nichts. Der Gewerbeoufsichtsbeamtc allein ist macht- los: denn er hat ja bereits Mühe und Not, um den wirklichen Sachoerhalt auch nur aufzudecken. Wie aus kleinen Berichten hervor- geht, machen die meisten Angestellten fast nie genaue An- gaben über die von ihnen geleistete Arbeitszeit. Als Grund hier- nir geben die Gewerbeaufsichtsbericht« an, daß die Angestellten sich scheue», Arbeitsgeitüberschreitungen anzugeben,„vseil sie Schwierigkeiten durch den Arbeitgeber, vielleicht sogar die En t- lassung fürchten". Beschwerden über Arbeitszeitmißstände werden von den Angestellten fast immer erst dann gemacht, wenn sie aus ihrer Beschäftigung ausgeschieden sind. Und darum— so wird in den Gewcrbeaufsichtsberichten ausdrücklich hervorgehoben— gestaltet sich die Abstellung von Mißständen oft unendlich schwierig. Nur Druck von außen her durch die Gewerkschaft kann helfen! Kurzarbeiterunierstühung bleibt. Vis Zl. März �1930 verlängert. Die Kurzarbeiterunter st ützung, deren Geltung am 31. Dezember zu Ente gegangen wäre, bleibt auf Grund eines Beschlusses des Bermalwngsrates der Reichsanstnlt bis zum Zl..M ä r z des nächsten Jahres in Kraft. Der Reichs- nrbeitsministcr hat dem Beschluß des Berwaltungsrates z u g«- stimmt. Di« Zahl der unterstützten Kurzarbeiter betrug Ende Oktober d. I. rund 27 lMX), zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres dagegen mir rund 12500. Unterstützt wird ein Kurzarbeiter, wenn er in der Kalenderwoche drei volle Tage Arbeitsalisfall hat. Sparen am falschen Ende? Steuerrückstände und Abbau der Mnauzangestellten. Vom Zentralverband der Angestellten wird uns geschrieben: Die Fachleute arbeiten fieberhast, um die Finanz- und Kasten- tage des Reichs zu bessern. Bisher ist scheinbar niemand aus den Gedanken gekommen, daß die Frage des Steueraufkommens auch«ine der inneren Verwaltung ist. Die Steuer- rück stände, die auf 500 Millionen Mark zurzeit bczisfert werden, könnten zu«inein Teil h e r e img e h o l t werden, wenn man die notwendige Anzahl von'Angestellten beschäftigen würde und nicht im Gegenteil noch'Angestellte abbauen würde. i;>.Die letztere Maßnahme wird doiitit begründet, daß Haushalt- mittel nicht zur Verfügung ständen. Der Kreis ist damit aber noch irfejt�grschlofseil.- Weniger Arbeitskräfte bedeuten geringer« Wog- lichkeit, die Steuerreste eiiizutrerben. Das führt zu einer Beschnei» dung der Haushaltmittel sür die Bezahlung des Personals. Das Spiel vollzieht sich von ncuein. Der Reichsfinanzministcr sollt« ernstlich diesen Dingen nachgehen. Fahnenträger der KPD. enthüllen sich. «Lächerliche Vedeuiungslosigkeii." Mahln, der wieder hinter der Sowjctfahne hermarschiert, darf in den, offiziellen Organ der KPD., aus dem er seinerzeit mit Krach binausflog, als„parteiloser Kollege" einen langen Schrieb ablagern. Denn, sagt das Bolschewistenblatt, dem armen ,7partcilosen Vorsitzen- den vom Brandenburger Mafchincnsetzerverein" sei sonst kein« Mög- lichkest gegeben, sich zu äußern. Das Bolschewistenblatt als Berfechter der Meinungsfreiheit nimmt sich wirklich gut aus. Im übrigen hat besagter„Parteiloser" das Mitteilungsblatt der Maschinensetzer zur Verfügung, was er ja leichlich ausmitzt. An den„Vorwärts" hat er sich bisher nicht gewandt. In unserer Sonntagsausgabe war dem„parteilosen" Mahlo vor- gehalten worden, daß sein« Borwürfe gegen die Tätigkeit der Sozialdemokraten im Gouvorstand über„eine vollständige Passivität" aus Mahlo selbst zutreffen. Es wurde festgestellt, daß Mahlo in keiner Sitzung den Antrag gestellt habe, den sofortige» Siebenstundentag einzuführen. Es wurde weiter festgestellt, daß weder Mahlo noch einer der kommunistischen Delegierten in der Generaloersammlung eine höhere Extraunterstützung für die Arbeitslosen verlangt habe als si« der„sozialfaschistifche" Kassierer vorgeschlagen hatte.. Es wurde weiter festgestellt, daß Mahlo bei der Beratung der Zlnträge zu den Manteltarifverhandlungen kein Wort gesagt hat. Als großer Schweiger betätigte er sich auch gegenüber dem Berlangen der Zeitungsverlegsr, am Sonntag, dem 22. Dezember, f r ü h c r als sonst mit der S o n n- tagsarbeit zu beginnen. Und was erwidert Mahlo darauf? Der„Vorwärts" benutze Beispiel«,„die an sich schon ihrer Bedeutungslosigkeit wegen, be- trachtet iin Gesamtrwhmen der Arbeit des Verstandes, geradezu lächerlich wirken". Die lebenswichtigsten Fragen für die Buchdrucker und ihre Organisation, auf die in unserer Veröfsentlichung Bezug genommen wurde, mögen auf Mahlo.Lächerlich" und„bedeutungslos" wirken. Dieses Bekenntnis des kommunistischen Kandidaten dürft« nicht ohne Nutzen noch vor dem Abschluß der Wahlen veröifeiitlicht worden sein. Wenn die„Rate Fahne" heute als Schutzengel über Mahlo wacht, so sei daran erinnert, daß dieser im Jahre 1925, als er aus doniselben Blatt Hinausslog, an die Belegschast der„Roten Fahne" o::r „Gedicht" schrieb, dessen Schluß'olgcndermaßen lautete: „Nun lebt wohl! Ich schwöre es euch: Würde mir ein Sohn geboren, ilnd er wäre euch im Sjairdcln gleich, Ich schlüge ihn hinter die Ohren, Bis er begriffen, wie feige es ist. Den Kollegen aus der Arbeit.zu bringen lind in hohenJDöne», als Kommunist Ein Lied von der Freiheit zu singen!" Die Verse sind zwar schlecht, aber die Meinung ist deshalb nicht minder deutlich. Wir stellen fest, daß sich Mahlo und die„Rote Fahne" geschlagen haben und heute sich wieder vertragen. So ist es wohl auch richtig. Das Bolschewistenblatt ist unvorsichtig genug, an die Bor? gängevonlSLZzu«rinnern und an die Rolle, die W o l f damals mit seinen kommunistischen Kollegen dabei gespielt hat. Der„klein- bürgerlich« Spießer" Broun, der damals angeblich mit General von Seeckt in einer gemeiirsamen Front stand, wanderte für seine mutige Haltung ins Gefängnis. lind Wolf?.... Wir erinnern uns einer Sitzung der damals rein kommunistischen Streikleitung der Buchdrucker, die den Generalstreik erklären sollte und/ nachdem sie stunden- lang darum harunrgeredct hotte, z u s a m nv« n k l ap p t« und den Streik abblies. Mut gegenüber dem General v. Seeckl zu zeigen, dazu muß Fnan wahrscheinlich ein„Sozialfafchist" und.Kleinbürgerlicher Spießer" sein. Als Kommunist und Kommunistsiidiener hat man seine ganze Eouragc gegen die eigenen Kollegen verschwendet, so daß eben gegen den General v. Seeckt nichts übrig blieb. Die Buchdrucker, die nicht Wetterfahnen und Maulaufreißer (gegen die eigenen Kollegen), sondern erprobt« und zuver» lässig« Vertreter brauchen, stimmen deshalb für: Roberl Braun. Rudolf Albrechl. f, ermann Schlefsler, Hermann Bühles, Paul Borh, Adalbert Pielsch. Ruhrbergarbeiter/ Vergarbeitsgeseh. Forderung eines �richsberggeseheS. Aus Bochum wird uns berichtet: Die Funktionäre des« Vergbauindustriearbeiterverbandes nahmen in einer Konferenz in Bochum Stellung zu» dem Entwurf eines Bcrgarbeitsgesetzes. Das starke Interesse, das die Bergarbeiter diesem Gesetz entgegenbringen, bewies ein ganz außergewöhnlich starker Besuch. Den Bericht über den Gesetzentwurf gab der zweite Verbands- vorsitzend« Schmidt, der zunächst die Stellungnahme des Ver- bondes, insbesondere in bezug auf die A r b e i t s z e i t für den Untertagcbergbau darlegte. De? Verband fordert die sieben ständig« Schichtzeit. Der Regierungsentwurs sei alles andere als eine ideale Lösung de». Durcheinanders im Gesetz und Verordnungswesen für den Bergbau. Er sei leider mir«in Sondergesetz, das den Untertag«. bergbau erfasse. Wenn man schon«in besonderes Bergarbeitsschutz- gesetz schaffen wolle, dann hätte man es für den gesamten Bergbau schaffen sollen. Das beste wäre, wenn man die gesamten Arbeiterschutzfrogen auch sür den Bergbau in das ollgemeine Ab- beitsschutzgesetz eingegliedert hätte. Es sei unhallbor, daß auch in Zukunft neben der Reichsgefetz- gebung dieEinzclländer ihre eigene Bergbanschutzgesetzgebung ausüben. Der Wust der vielgestaltigen Gesetze und der allgemeinen und bergpolizellichen Verordnungen der Bergämtcr sei fast un- durchdringlich. Klar« und übersichlliche Bestimmungen und Gesetze seien dringend notwendig.. Man könne daher das vorliegende Gesetz Beiriebskrankenkasse auf dem Lande. Ein Veitrag zur Leistungspraxis. Im Kreise Osterburg existiert ein«.Gemeinsame Belriebs- krankenkasse der Freisesch«» Betriebe", zu der die Güter Jden und Rohrbeck im Kreise gehören. Ein Mitglied dieser Kasse, die Ehe- frau eines Gärtners, war vom 21. Mörz bis 10. Mai 1925 krank. Wtihrcnd dieser Zeit wurde der Gärtner wegen Differenzen im Be- trieb« entlassen. Als er nach der Gesundung seiner Frau das ihr zustehende Krankengeld einforderte, wurde ihm erklärt, daß er es nicht bekommen könne. Im April 1927 griff der Deutsche Landarbeiterver- band die Angelegenheit auf und erhob Klage beim Versicherunos- amt. Das Verstcherungsamt stellte Ermittlungen an und entschied am 20. September, daß die Belriebskrankenkasse das Krankengeld zu zahlen hat. Die Betriebskrankenkasse zahlte nicht; sie legte Berufung beim Oberversicherungsamt in Magdeburg ein. Die Frau des Gä:i- ners habe gegen die Satzungsbestimmungen verstoßen, die, nebenbei bemerkt, den Versicherten nicht bekannt sind, weil sie ihnen nicht misgehändigt werden. Sie habe es unterlassen, sich wöchentlich bei der Kasse einzufinden und sich ihr Krankengeld gegen Vorzeigung eines ärztlichen Attestes abzuholen. Das O b c r v c r s i ch e r.u n g s- a m t bestätigte das Urteil der ersten Instanz. Damit war die Bc- triebskrankenkasse verpflichtet, an die Gärtnerssrau für 28 Tage 14 Mark Krankengeld zu zahlen. Was tat mm diese Betriebskrankenkasse? Sie überwies nur 8 Mark und rechnete 6 M. als Strafgeld an. Der Verband ersuchte die Kasse um sofortige Zahlung der 6 W., sonst müsse er sich weitere Schritte vorbehalten. Di« Betriebskrankenkasse antwortete darauf mit folgendem Schreiben: „Ihr Brief vom 9. Juli 1928 ging hier«in. Wir nehmen an, daß Sie sich überhaupt nicht klar geworden sind, was Sic mit Ihrem letzten Satz gesagt haben. Wenn wir dies nicht an- nehmen würden, wären wir gezwungen, gegen Sie wegen Nötigung und Bedrohung gerichtlich vorzugehen usw. Freist." Der Verbandsvertreter reichte jetzt erneut«ine Klage beim Ver- sicherungsamt«in. Als die Betriebskrankenkasse davon hörte, be- sann sie sich imd zahlte endlich auch die 8 M., bevor es zum Tennin kam. vier Zahre hat es also gedauert, bis die- Versichert« in den Be- sitz des ihr zustehenedn niedrigen Krankengeldes kam. Ohne das Eingreifen des Verbandes hätte diese Kasse nichts gezählt! Weihnachtsunterstützung derZimmerer. Die Zahlstelle Berlin des Zcntralvcrban&es der Zimmerer gewährt ihren invaliden, kranken und arbeiistöstn Mitgliadern, die mindestens 60 volle Beiträge geleistet haben und sich bis«inschließ- lich Sonnabend, am 14. Dezember, gemeldet hatten und am Aus- Zahltage noch krank oder arbeitslos sind, eine einmalig« Unter- stützung. Natürlich nur unter der Voraussttzung, daß alle Der- pflichtungen erfüllt, und die Beiträg« auf dem laustnden sind. Die Auszahlung, erfolgt in den Bezirken 22. 33, 38 Hab 40. bis 46 durch die Bezirkskassierer, für die Mitglieder der übrige» Bezirke im Verbandsbureau, Engelufer 24/25, Zimmer 61, und zwar: am Donnerstag, dem- 19. Dezember, für alle«ow Verband ausgesteuerte Mitglieder, am Freitag, dem 20. Dezember, für olle Mitglieder, deren Namen mit den Buchstaben A bis K beginnt und am Sonnabend, dem 21. Dezember, für die Mitglieder mit den Anfangsbuchstaben l. bis Z in den Stunden v o n 9 b i s 13 U h r. Der Vorfbond. Friedrich Gtlek ist heute 65 Jahre. Ein geborener Wiener, war GUek lange Jahre Redakteur des„Lederarbeiter" und hat auch sonst sür die Partei und die Gewerkschaften seinen Mann gestanden. was nicht immer mtt Annehmlichkeiten verbunden war. Wir wünschen dem alten Kämpen, der im wohlverdienten Ruhestand lebt, daß er noch viele Jahre sür die ihm teuren Ideale des Sozialis- imis wirken möge. �reieGewerffchafts«Iugend Verlin. t: .Stute, Donvtrsiaa, 16% Udr. teflttt die(Sntvpeu: Deddina: Etäbt. Iuaendbeim Ortiistr. 10. Prolttarislber W'ilmachisrirx-Iid im Gruppe n. Sejm See- Ecke Turiner Stroh«.— Moabit: Statt. Suotnilieim Lehrter Straß« 18—19. Weibnochtsfeier.— Süd« sie»: Gruppenheim Reiche nbrraer Straß« S«(Stuctmthrl. Sonnenwenbfeier.— Tempelbos: Sruppenheim Enjcum ©crftianiaftr. 4— 6. Der fiuflona tum gufltnMjelm ttfolfft durch den Ginnaua auf dcr Hinteren Seite der Schule, Göhstroßc. Weihnochtsseier.— Geloud- btunnen: guoendheim Rot« Schule. Gotenburqer Str.?. Lichtbildervortroa: „Echueclandschafien— Der Winter in den Bcraen Schl-iicits und Sachsens".— Schönewcide: Iuaendhrim Riederichäneweid«, Berliner Str. 81(Midchenschulr im Seiler). Gruppenabend.— SSpeoick: Iuoendheiiu Grvnouer Str. 8. Reihe». uortrog:„Dos sitiiolc Verßcherunaswesen".— Ätanlfurtct Alle«: Iuacndhcinr Zrontfurter Allee 307 iWolier-Rothenou-zwuner). gohrtenbesprechung.— Lichtenbtra und Reu Lichtenbeep: Iuocndheim Laufs, an der Lesßngstraße. Lichthildervartrap:.Di« Sirche in der Karikatur".— Land-beeper Plah: sluaenhheim Große.Trantfirctcc Str. IS, Zimmer 6. Wir fcimi Weihnachte,-. auf unser« Art.— Achtu na, Gruppenleiter! Ds« fllr 10a6(pilliacn Seimaus. meilc sind umsehend»wccks Umtausch in der Iugcndnenirale abzugeben. Iuaendpruppe desZeniralverbandes ver Anaessellten Seilte, Dannerstaa. finden folflenie Beranstaltimaen statt: Pankow- Riederschönhouien: Iuaendheim Görschsir. 14 sgraßes Zimmer), Weih. nachtsseicr unter uns.— Treptow: Iuaendheim der Schule Wildenbruchsir. 58. Weihnachtsfeier unter uns.— schsncbeea: Iuaendheim Sauptstr 15 iSai. aebäude. Thsirinaentianner). Vortrag:.Der Scaialismus mm dcr Utopie ,ur Wissenschast". Referent Dr. Schütte.— MUaliederoersamuiInna der Iucund. aruope um 20 Uhr im V erbau dshause, Sedonannstr. 12. Berichte— Wahscn— Bcrschj«d«ne< Veraniworllich filr Politik: Dr. Gart Geyer: WirtschaU:©. Stlicqclficftr; Gcwerkschaftsbeweauna: Z. Steinet; Feuilleton: lt. S. Döschcr: Lokales und Sonsiiaes: griß SarsiSdt: Anrtiaen: Td. Glojke: sämtlich in Berlin. Berlag: Dorwärts-Veriaa G. m. b. L.. Berlin Druck: Vorwäris.Buchdruckerei und Berlaasansialt Bau! Singer u. Eo., Berlin SW 68 Liudensiraße 3 öietjn 2 Beilagen und.Unterhaltung und Wissen". Semessen und obendrein noch beschenkt zu werdendes hört nicht zu den Alltäglichkeiten. Und doch hat es die bekannte Zigarettenfabrik Enver Bey fertiggebracht Neben demGenuss einer Enver Bey Zigarette erhält der Raucher prachtvolle, nützliche Geschenke. Gutscheine liegen den Zigarettenpackungen bei EMWER BEW Nr. 593• 46. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Oonnerstag. 49. Dezember 4929 Aufräumen hinter dem Alex Im Zusammenhang mit dem Bau de? Untergrundbahn Alexonderplotz-. Lichtenberg wird nicht nur der Alexanderplay vollständig um- gestalte?, sondern auch da« uord» ostwärts von ihm sich er» streckende Straßengebiet einschneidend geändert. Die vom Alexanderplatz zur Großen Frank- furter Straße hinführende neue Durchbruchstraße. die den Unter- grundbahntunnel aufnimmt, schafft auch für den Straßenverkehr ein« er- wünschte Bresche. Für den Stadtteil. dessen zurückgeblieben« Entwicklung jetzt einen kräs igen Anstoß empfängt, ist in absehbarer Zeit zu erwarten, daß man unter seinen veraltet«» Ge- bäuden stark ausräumen wird. Was für Häuser dort sich noch erholten konnten, zeigt das Haus an der Ecke der Landsberger und der Kurzen Straße, von dem wir ein Bild bringen. Die Kurze Straß« entstand im Jahr« 1690, als östlich der damals schon zum Teil bebauten Landsberg«? Straße die Bebauung fortzuschreiten begann. Aber das setzt noch stehend« Haus Eck« Landsberger und Kurze Straß«, da» dem» nächst abgerissen wird, dürfte schwerlich bis in die Zeit um ISSO zurückreichen. Als Querstraße der Landsberger Straße wurd« dl« neu« Straß« durch Gärten hindurchgelegt. Den Namen Kurz« Straße, den man ihr damals gab, hat st« bi« auf den heutigen Tag behalten. Dagegen mußte die Baumgasse und die Sandgoste, die beiden der Landsberger Straße parallel laufenden und von der Kurzen Straße j geschnittenen Weg«, die damals gleichfall» bebaut wurden, in neuerer Zeit sich umtaufen lassen in Elisabethstraße(ISA, noch der Gattin de» Kronprinzen und späteren Königs Friedrich Wilhelm IV.) und in Kaiserstraße(ISIS, zu„Ehren" des Kaisers von Rußland, des Bundesgenossen Preußens in den Freiheitskriegen). Heut« wird bei Straßenumbenennungen über„Mangel an geschichtlichem Sinn" geschrien. Drei Gefangnisbeamie verhastet. UnregelmSßiz leiten im llntersuchvngsge ängniS Moabit. Gestern wurden drei Zuflizoberwochlmeister. die im Unterfuchungsgcsäugni» Moabit tätig sind, fest- genommen. Es wird ihnen vorgeworfen, sich seil längerer Zeit gröblich gegen die Dienstvorschriften ver- gangen zu haben. Seit anderthalb Jahren saß in Moabit ein Konsortium von drei Betrügern in Untersuchungshaft E» scheint ihnen gelungen zu sein, mit den beaufsichtigenden Justizoderwachtmeistern in«in derartig freundschaftliches Berhöllnis zu kommen, daß dies« ihnen entgegen den Vorschriften alle möglichen Freiheiten ge- statteten. Einem von ihnen sollen die verhafteten Ausgeh, c r lau buk» ohne Beaufsichtigung verschafft haben, so daß es dem Schevwdler mögllch war. neu« Betrügereien amzu- führen, durch dt« o«rlchi«dene Geschäftsleute geschädigt wurden. Außerdem ist den Uakerfuchungsgefaugenen durch die Rachläfsigkei! der Beamten der Abschluß von Renawekleu ermöglicht worden, ja. e, soll im Uatersuchuugsgefäogni, geradezu eine Renawettzcntrale bestanden haben, bei der auch die festgenommeneu Beamten Ein- sähe machten. Weiterhin sind den Gefangenen mu Hllfe der setzt verhasteten Aufseher wiederholt Palet« unter Umgehung de: vor» geschriebenen Kontrolle zugeleitet worden, Di« drei verhafteten Beamten werden zurzeit von der Krimlnalpvlizel vernommen. Sie werden'heute dem vernehmungsrichter im Palizeiprästdimn zugeführt werden. Bei der Unt«?tuchung der Vorfälle, die Kriminalkommisiar Walter Müller anstellt«, hat stch noch etwas andere» heraus- gestellt. An den Zellen der ilntersuchungsgefangenen befinden sich Schlösser, die dem Mcdell 1905 angehören. Es hat sich gezeigt, daß j diese Schlösser, wenn sie nur einmal geschlosien werden, ohne groß«' Mühe von außen mit Hilfe einer Gabel zu öffnen sind. Den Kai- faktoren— es sind dies Gefangene, die von der Aufsichtsbehörde mft Hilssaufträgen zur Entlastung der Beamten betraut werden— war es so möglich, mit einem«infachen Draht die Schlösier der Zellen zu öffnen und den Gefangenen Gelegenheit zu gegen- sei ti gen Besuchen und vertraulichen Aussprachen zu geben. Das Ltrteil im Totschlagsprozeß. Da» Landgericht III verurtellt« den LSjähngen Marian Przybulfki. de? am 27. Juni dieses Jahre» die Obsthöndlerin Johanna Sänger in ihrem Laden Schönstraße 91 in Weißen» fee während eines Raub Überfalles mit einem Stein den Schädel zertrümmerte, wegen schweren Raubes mit Todeeerfolg und schweren Diebstahls zu zwölf Jahren drei Monaten Zuchthau». Die Angeklagten Sch. und M, wurden wegen schweren Diebstahls zu fech» bzw. zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Ueber die Höh« der Strafe für den 22jährigen Przybulski soll in diesem Augenblick nicht gerechtet werden. Der Bater de» jungen Menschen, der während des Sachverständigengutachtens herz erschütternd schluchzte, konnte einem von ganzem Herzen leid tu» Dr. Dyrenfurch sogt« aber mit Recht: die sozial« Entwurzelung des Angeklagten begann in dem Augenblick, als die Mutte? ihn wegen seiner Arbeitslosigkeit aus dem Haufe jagte. Wer die Zuchthäuser im Bezirk Brandenburg, wie sie heute leider noch sind, kennt, und wer die Gerichtsverhandlung miterlebt hat. wird für diesen fungen Menschen beim preußischen Justizministerium mit gutem Tc- wissen eine Umwandlung der Zuchthausstrafe in eine Gefängnisstrofe befürworten. Winterbeihilfe für Notleidende. Heute haben die Stadtverordneten zn beschließen lleber die noch iv der allea Skadkverordnelenversammluug beantragt« Gewährung einer besonderen Winlerbelhilse für Rokleidendc soll tu der neuen Skadtverordneteuversammlnng heule entschieden werden. Die Anträge der Sozialdemokraten und der Kommunisten' wurden damals, wie die Gefchäflsordnvng es vorschreibt, dem Aus- fchuß für Angelegenheiten der Erwerbslosen überwiesen. Der Ausschuß beschloß im November, den Ankrag der Sozial- demokralen zur Anaahme zu empfehlen. Dieser Antrag lanlel: Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrat. Mittel bereitzustelle« für die Gewährung von Minterbel- Hilfen la höhe der vorjährigen für alle llaterflühung«. empsönger einschließlich Erwerbslose. In der heutigen Stadtverordnetensitzung wird der Ausschuß über seine Verhandlungen berichten, und die Versammlung wird dann nach einer zweiten Beratung zu beschließen haben. Zu Beginn der Sitzung muß aber die neue Stadtoerordnetenversamm' lung sich erst konstituieren und ihren Vorstand wählen, was be< Zettelwahl nicht wenig Zeit in Anspruch nimmt, Das Schlußkapitel der Langkopp-Affäre. Der Farmer Heinrich Longkopp ist vom Reichsentschäöi- gungsamt mft seinen sämtlichen Schadenersatzansprüchen abgewiesen worden, e» wird von chm auch die Zurückzahlung der bereits erhaltenen Entschädigungsbeträge von Insgesamt 9009 M. verlangt. Gleichzeitig wird Langlopp erössnet, daß gegen ihn der tz 16 des Kriegsschadenschlußgesetzes, der anläßlich der Landkopp-Uffär« in da» Gesetz aufgenommen worden ist. in Anwendung gebracht werden wird. Die Gründe berufen sich auf das Urteil des Schöffengerichts Schöneberg, durch da» Langkopp zu 5 Monaten Gefängnis mit Bewährungsfrist verurteilt worden ist. Durch dieses infolge Zurück- nahm« der Berufungen rechtskräftig gewordene Urteil des Schöffengerichts sei der Tatbestand des Zwanges und der un- lauteren Mittel, die§ 16 voraussetzt, erfüllt. Langkopp Hab« am 2. März 1928 dem stellvertretenden Präsidenten, Geheimrat B«ch>n,! mit Erschießen gedroht und ferner die Drohung ausgestoßen, daß er da» Reichsentschädigungsamt in die Lust sprenge« werde, wenn ihm nicht sofort 100900 Mark ousgezahlt würben Daraus ergäbe stch schon ollein für Langkopp die Verpflichtung, all« bisher empfs besonderen Billigkeitsgründen Langkopp die Rückerstat- tungspslicht der 9000 Mark zu erlassen. An einem Sonntag, vor Msttagszeit. kommt er wieder am Gut von Prerows vorbei. Er ist auf dem RückriU nach Hause begriffen. Da begegnet ihm wieder Kunos Schwester mit den Waldtierschritten und rehhaften Augen. Cr steigt vom Pferd, sie begleitet ihn, sie plaudert fort; er und das Pferd sind ihre guten Freunde, nur etwa» schweigsam sind diese Freunde. So kommen sie aufs Gebiet des Grafen von Küster, zuerst zwischen Feldern, dann über Weiden: hinter Häufern und Hütten beginnt der Park. „Da wohnt der Melker", sagt Kuno» Schwester. Sie gehen an einer Hütte vorbei. „Ja", sagt Hans, und sieht gar nicht hin; er ist in Ge- danken wahrscheinlich wo anders. „Das Kind", sagt das Mädchen,„ist noch immer da." „Welches Kind", sagt Hans, und sieht sie nun an. „Das sie damals fanden." . Wo fanden?" fragt Hans. Sie deutet zum Park.„Da. am Herrenhaus." Hans ist stehen geblieben, sein Schwarzer steht still. Da hält auch das Mädchen und sieht chn an. „Welches Kind denn", sagt Hans- nun wieder. „Den Findling, der da an der Treppe lag. in dem wollenen Tuch." „So. ja", sagt Hans. ,.ia. der Findling, ia. ia... „Was ist denn?" fragt das Mädchen schüchtern; Hans tut Schritte rückwärts urid hält sich am Zaumzeug. „Es ist he'ß, ich bin durstig, ich reite nach Haus." Er tut den Fuß in den Bügel und will hinauf, aber er steht Nicht fest auf dem Bein. „Das Pferd", sagt er.„zittert. Was hat denn da»..- ja. und wann war das doch gleich, als man damals das Kind, diesen Findling... fand.. „Zwei Wochen später bist du gekommen .. So— ja. Zwei Wochen?— ja." Mit einemmal sitzt er im Sattel.„Adjüs." Er reitet. Sie sieht ihm noch nach. Aber da— wird sein Pferd ihm nicht scheu? Es Wringt in mächtigen Sätzen zur Seite, dann wieder gradau», dann wendet es um, greift gewaltig aus und sprengt im Bogen. Da merkt sie. er tut das aus Spaß, nur für sie. Und sie freut sich, sieht zu: bis das Pferd verschwindet, hinter einer Baumgruppe verschwindet das Pferd. Sie sieht lächelnd zu und geht ihres Weges- Hans kommt bei den Melkersleuten herein. In einer Kiste, die eine Wiege bedeutet, sieht er ein Kind. Es ist Sonntag. Die Melkersleut« sitzen am Tisch. In den Stuben hier, heißt es. giebt's Ungeziefer. Der junze Herr Graf hat das vieusicht veraessen. Die Melkersleute hören zu essen auf. Sie halten die Löffel noch steif in den Händen. «Guten Tag", sagt Hans,„ich Hab Durst: bitte Wasser." Di« Frau springt schon auf, auch die Tochter springt auf. Niemand kommt auf den Gedanken, zu fragen, warum Herr von Küster wohl nicht weiter geritten ist, knapp einen Kilo» meter. um im Schloß zu trinken? Bor der Hütt« das Pferd sieht herein. Hans trinkt und setzt ab.„Was ist das?" Und er trinkt, deutet dabei mit dem Fuß nach der Kiste.„Richtig, ich weiß schon, der Findling, was?— Ist das der Findling?" „Ia". sagt der Melker,„dat is der Findling. Herr Graf." „Wie alt ist er denn?" fragt Hans, und er trinkt. „Oder", hastig,„am Ende ein Mädchen?" „Ein Junge, Herr Graf. Und wo alt dat i»— na, Modder, dat können wir selber»ich sagen. Wat meinst du wol— wo alt fall hei nu wol sin?" .Laßt mal sehen", sagt Hans,„es lag auf der Trepp«, auf Hohenau, was?" „Ia. am Schloß", sagt die Frau und geht an die Kiste. Da« Kind liegt unter einem grauwollnen Tuch. ..Und die Mutter—?" fragt Hans. Der Melker lacht:„Nie gemeldet. Herr Graf.— Wir haben ihn nach dem Herrn Grafen genannt." Die Frau hat da» Kind aus der Kiste gehoben. Es be- ginnt zu schreien, denn es hat geschlafen. Sie trägt es ihm hin...Ja, wir nennen ihn Hans." Er hält es in Händen. unter oen Achseln, das drückt die kleinen Schultern nach oben, da» Kind sieht ihn an und es schreit nicht mehr. „Es mag den Herrn Grafen, sagt die Tochter, mtt» freut stch oeswegen. „Dat s'n bullen Kirl". sagt der Melker ertlärend,.Lei lacht blout immer, hei lackst uns wat ut." „Ia", sagt die Frau,„er lacht immerzu, er ist bestimmt lachend auf die West gekommen." ,J)ans", sagt Hans. Dann fährt er zusammen.„Dies Kind", sagt Hans,„dies Kind soll— legt es wteder in fem« Wiege." Cr hält es der Melkersfrau hin.„Adiüs."— Bon draußen ruft er zurück:„Bielen Dank für da» Wasser:" Aber als er nach Hohenau zurückkam, gab es da auf einmal an allen Enden Bewegung. Und das kam daher, daß Irene reisen wollte: sie wollte mit ihrem Kind nach Berlin. Die Plötzlichkeit ihres Entschlusses tonnte allen nur höchst verwunderlich sein. War es so, daß ein Einfall mit hr spielte sind sie mit sich fortriß? Bor allem die Gräfin and diese Slbreise laut zu beklagen, denn nun würde es um te her still werden wie früher, st« würde des Umgangs mit ihrer Tochter und, was viel schlimmer noch war, mit dem Enkel beraubt sein. Dieser Enkel war ein strotzender Kerl. er konnte schon tüchtige Schreie ausstoßen: aber dann konnte er wieder ganz stille, ja. geheimnisvoll still sein, und dem Großen nur in die Augen sehen, der eben mit ihm spielte, und es sah dann aus, als dächte er etwas überaus Wichtiges, das er aber verschweigen wollte. Es gab außer der Gräfin noch ander« Menschen. Menschen, die vielmehr für jede Mi- nute des Tages ihre überaus dringenden Geschäfte kannten — die aber für solch zärtliches lustiges Spiel mit dem Kleinen vieles im Stich gelassen hätten. Da war zum Beispiel der aste de Eastrv in Berlin, und was in Hohenau die Groß» mutier weinen machte, das war für ihn Aussicht auf kost» bare Stunden. Auf die Bitten ihrer Mutter hatte Iren« nur immer die Antwort, sie wüßte jetzt deutlich den ihr zuge» wiesenen Platz In der West, und dort wollte sie sein. Es war, als hätte sie völlig den Crimd vergessen, der sie von senem Platz hatte fliehen lassen, und als hätten die trüben Er- innerungen, welche die Gräfin in ihr wachrief, keine Kraft über sie. Dabei sagte sie nicht, ob sie nun onders von Albert dachte als vorher; sie sagt« nur, sie müsse zurück. Und so reiste sie mit dem Kind« ab. Hans ritt umher, langsamen Schritt. Er kam an die Hütte der Melkersleute, hiell an und blieb lauschend im Sattel vorgebeugt. Er sah diesmal nicht einmal in die Scheiben hinein. Heute war er eben nicht durstig, und so ritt er vorbei. Aber am Nachmittag sah er, vom Herrenhaus aus, feine Mutter allein durch den Park spazieren. Er geht langsam die Treppe zum Garten hinunter, aber unten be- sinnt er sich und kehrt um. Bor Monaten hat er einmal begonnen, das Schloß, vom Teich«ms gesehen, zu malen. Die» Bild trägt er au« seinem Zimmer in» Freie.— Spkter steht er am Teich und malt. „Du malst", sagt die Gräfin und steht neben ihm und sieht zu. „Nur um die Zeil totzuschlagen", sagt Hans,„was soll man sonst tun...?" Seine Mutter seufzt. Vielleicht steigt in ihr«in« Bewegung auf: sebenfall» will st« weitergehen. (Fsrtsstzimg MtzM Die neuen Tarife. K, höhungen für Elektrizität, Gas und Wasser. Die bereits mitgeteilte Erhöhung der Berliner Tarife >ür Elektrizität. Gas und Wasser gliedert sich für den Verbraucher solgendermatzen: Die jetzt geltenden Tarife für die Lieferung von Elektrizität aus dem Leitungsnetz der Berliner Städtischen Elettrizitätswerke A.-G. lBewag) werden dahin geändert, daß der Preis für nieder- gespannten Strom, der nach der ersten Ablesung im Januar 1930 entnommen wird, nach Tarif I um 4 VU also von 16 Pf. aus 20 pf. je Silowaltstunde, nach Tarif II um 10 Ps.. also von 40 Pf. auf 50 Pf. je Kilowattstunde erhöhl wird. Die Grundgebühr bleibt unverändert. Der Gosprei« für das von der Standaufnahm« im Januar 1930 ab entnommene Gas ist auf 18 Pf. für da» Kubikmeter festgesetzt worden. Der neue Gaspreis wird also zum ersten Male im Februar 1930 erhoben. Die geltenden Rabattsätze und die Be- stimmungen über die Gasmessermiet« bleiben bestehen. Der tarifmäßige Preis für dos nach dem 26. Dezember 1929 aus dem städtischen Wasserrohrnetz gelieferte, durch Zwischenablesung der Wassermesser festgestellte Wasser wird aus'20 Pf. je Kubikmeter. der Preis für das für öffentliche Zwecke' gelieferte Wasser vom gleichen Zeitpunkt ab auf 18 Pf. je Kubikmeter festgesetzt. Dreißig„beteerte" Bäckermeister. Sie Seschäste der Neuköllner GroßhandelSgesellschast. In dem Prozeß gegen Stadtoberinspektor Boigs. Stadt. rat a. D. G r o g e r und den Prokuristen Heinrich wegen der Betrügereien bei der Neuköllner Großhandelsgesellschaft wurde am gestrigen Tage die Zeugenvernehmung fortgesetzt und als erster der sozialdemokratische Stadtrat R a d t k e vom Bezirksamt Neu- k ö l l n gehört. Stadtrat Radtk« gehörte seinerzeit dem Ausstchtsrat der Neuköllner Großhandelsgesellschaft an und war auch Vorsitzender der sogenannten Kontrollkonimission sowie Mitglied des Verwaltungsausschusses. Er erklärte, daß die Gehälter durch den A.u ssichtsrat festgesetzt worden seien, und widersprach der gestrigen Behauptung des Angeklagten Boigs, daß' eine oerbiMiche Zusicherung vorgelegen habe, daß Boigs eine Tantieme in Höhe von vier Monatsgehältern erhallen sollt«. Di« Tatsach«, daß der Angeklagte Boigs sich und den Mitangeklagten eine laufende Aufwandsentschädigung bewilligt habe. hat Stadtrat Radtke nach seinen Bekundungen erst erfahren, als dies durch die Entlassung des Direktors Boigs bereits auf der Tages- ordnung der Aufsichtsratssitzung stand. Stadtrat Radtke oertrat die Auffassung, daß Stadtrat Boigs mindestens dem Aussichtsrot hätte Mitteilung machen müssen, und daß dieser, falls eine solche Zu- wendung notwendig gewesen wäre, sie sicherlich auch bewilligt haben würde. Auch von den Provisionen, die Stadtrat Boigs für die von ihm gelsisteten Bürgschafien der Stadt in Rechnung setzte, hat Stadttat Radtke erst erfahren, als die Liquidation der Neu- köllner Grohhandelsgesellschaft nach ihrem Zusammenbruch im Gange war. Das Gericht ordnete schließlich an, daß zwei Zeugen, «in Revisor der Hauptprüfungsstelle und der frühere Oberbuchhaller der Neuköllner GroßhaiÄelsgesellschast, aus de» auf dem Boden des Rathauses liegenden Akten und Büchern einig« zahlenmäßige Fest- stellungen über die verschiedenen Zahlungen treffen sollten. Als weiterer Zeuge wurde dann der Stadtoberinspektor T i m p e vernommen, der bei der Neuköllner Großharchelsgesellschaft den Pehl-, Schmälz und Zuckerverkauf unter sich hätte. Auch er hat, wie, er bekundete, neben seinem Gehäll öM.500 Dlärk' eine Auf- wändsentschädigung erhalten, und zwar dakür, daß er Lokal« be- suchen und an Vergnügungen von Gewerbetreibenden teilnehmen mußte. Als er über die Höhe der einzelnen Ausgaben befragt wurde, erklärte er unter allgemeinem Gelächter, daß diese wohl recht beträchtlich gewesen seien, da er einmal allein„Z 0 B ä ck c r m e i sie r vor der Theke gehabt und„b e t e c r t" hntrc". Wie einer Dumme fing. Die amerikanische MiKionenerbfchast als bewähries�ockmittel Durch eine Diebstahlsanzeige Ist dl« SrimtnalpoNzei einem rasfinierlen Gauner aus die Spur gekommen, der mit einer angeblichen Alllliaaeuerbschaft mu« Amerika operiert und Dumme sing. In einer Pension in der Spandauer Sttaße war mit seiner Frau ein 28 Jahr« alter Verth old Krumbholz abgestiegen, der aus Erfurt stammt. Eines Tages waren beide Gäste v e r- sch wunden, nachdem sie ein wertvolles Grammophon gestohlen hatten. Bei den Nachfsrschungen nach dem Flüchtigen ist jetzt fem Erbschaftsschwindel ans Licht gekommen. Unter der Borspiegelung. daß die Auszahlung der großen Summe, die er von einer amerika- Nischen Tante geerbt haben wollte, durch einen Prozeß verzögert worden sej. hat Krumbholz alle möglichen Leute um erhebliche Summen angeborgt. Um etwaige» Mißtrauen zu beseitigen, legte er den Geldgebern gefälscht« Papier« aus Amerika vor und erhielt so von einem Mann« 6000 Mark, von einem zweiten 8000 und von einem dritten sogar 11000 Mark. Mitunter begnügte sich der angebliche Millionenerbe aber auch mit Beträgen von 50 und 100 Mark. In der Maske eines stellungslosen Kaufmanns bcttog er auch ein Berliner Wohlfahrtsamt. Dort spielte er geschickt den Kranken und erlangte es, daß er zur Kur in«in Thüringer Bad geschickt wurde. Als er merkte, daß den Gläubigern allmählich über ihn und seine Millionen ein Licht aufging, er- gaunerte er noch von einem Leichtgläubigen 6000 Mark und ver- schwand mit seiner Frau. Wohin sich das Betrügerpaar gewandt hat, steht noch nicht fest. Nach beiden sucht Kriminalkommissar Stiller von der Dienststelle C. 6 des Polizeipräsidiums, der auch Mitteilungen weiterer Betrogener entgcgeniinmt Ziehung der Arbeiterwohlfahrtswtterie. Im Gewerkschaftshaus begann gestern die Ziehung der Arbeiterwohlfahrtskotteri«. Früh um 8 Uhr wurde mit der Ein schüttung der Los- und Gewinnröllcheu begonnen. Der Heber- wachungsbeamte des Polizeipräsidiums und sein Notar Oborniker kontrollierten die Einschüttung. Bei den großen Gewinnen wurde| jedes Röllchen, nachdem es kontrolliert war, einzeln l» das Gewinn-; rad geworfen. Aus dem Los- und Gewinnrad wurde von den. Ziehungsbeamtinneu je eine Nummer und ein Gewinn aufgerufen und dann sofort zusammengeklebt. Am ersten Tage wurden nur drei größer, Gewinne gezogen, und zwar fiel auf die Nr. 244 385 «in Hauptgewinn mit 13000 Mark, auf di« Nr. 522 031 «in Gewinn In Höhe von 5000 Mark. Nr. 219 902 wurde mit Gewinn von 1000 Mark gezogen. Ein AbenteurerteJben Zwei Jahre Zuchthaus für ein Salzsäureattentat auf die Ehefrau Eiu Abenleurecschicksal fand gestern vor dem Schössen- gerichl Verlin-Mille in einem Znchlhansvrlell von zwei Jahren sein vorläufige» Ende. Ein Mann hakte seiner Frau in einem Ansall von Eifersucht Salzsäure Ins Gesicht geschüttet. Ein Auge erblindete vollständig, das andere büßle den größten Teil seiner Sehkraft ein. Der Angeklagte ttägt den Namen Mackensen mch ist das uneheliche Kind eines Kaufmanns. Weil er in der Schule nicht mitkam, wurde er in ein Alumnat gebracht. Als er sich aber an einem Bettleinen vom zweiten Stock herabließ und auskniff, kam er in das Johannis-Stift zu Spandau. Cr lief z w ö l f m a l davon..Frankhafter Wandertrieb," sagt« gestern Dr. Stürmer. Aus seiner ersten Stelle stahl er eine Knochensäge und sägte damit zu Haus« Holz: in d«r zweiten Stell« unterschlug er einen Scheck in Höhe von 1000 M. und fuhr mit dem Gelde nach Paris. Er geht dann nach A m erika, erlebt mannigfache Abenteuer in Buffalo, kehrt nach Hamburg zurück, ist gerade dabei, sich als Schiffsjung« anwerben zu lassen, als er zum Militär«ingezogen wird. Er desertiert. Nun lebt er einig« Zeil mit einer Sttaßendirne zusammen, betätigt sich als D a l t i k u m e r und später als Geschäftsmann. Seine Pläne sind phantastisch. Nach Amerika schafft er gefälschtes Radium,«rhäll eine Gefängnisstrafe in München und macht fünf Tage vor seiner Entlassung mit Hilf« eines Bettleinens— ganz wie im Alumnat— einen Fluchtversuch durchs Fenster, wobei er sich beide Fußgelenke bricht. Er verkehrt mtt Offizieren aus der Inreralliierten Kommission, wirft mit Geld um sich, beginnt zu trinken. Im Jahre 192-5 verläßt er ein Berliner Gefängnis. Durch«inen Mitgesangenen lernt er in Ham- bürg zwei Amerikaner kennen, geht mit ihnen wieder nach Amerika, bekleidet dort verschiedene Stellungen. Nach Europa zurückgekehrt, arbeitet er im Staliftischen Amt, dann im Finanzamt und schließlich beim Magistrat Chorlottenburg. Sobald man erfährt, daß er vor- bestraft ist, wird ihm gekündigt— so erzählt er wenigstens. Jetzt wird er Gepäckträger am Anhatter Bahnhof, Speisewagen- Wäscher in der Mitropa und schließlich Schlafwagen- s ch a f f n e r. Als man von seiner Vergangenheit erfährt, entläßt man ihn. Er wird Vertreter in der Bijouteriebranche. Dann lame» seine Ehen. Die erste Frau heiratete er im Jahr« 1921: st« ging ihm noch wenigen Wochen mtt einem Offizier der Interalliierten Kam- Mission durch. Di« Ehe wurde für ungüttig erklärt. Im Jahre 1926 heiratete er zum zweiten Mal«— eine zehn Jahr« ältere Frau. Einige Wochen später wurde die Ehe geschieden— die Stiefmutter soll schuld daran gewesen sein. Im Jahr« 1928 lernte cr durch ein Inserat seine dritte Frau kennen, das Opfer seines Salzsäureattentats Er stellte sich fälschlich als Großneffe des Generalfeldmarschalls Mackensen vor, sein Vater sei Major, er selbst Großoerdiener. Sein elegantes Aussehen, seine guten Mo- nieren, seine Großredncrei machten auf die 24jährige blond« Dame Eindruck. Am 3. Dezember 1928 wurde die Ehe geschlossen. Der Ehemann entpuppte sich als Othello ersten Ranges. Als seine Frau gar im Berliner Theater eine Bureaustelle annahm, stiegen seine Eifersuchtsqualen rein ins ungemessene. Unterdes hatte sie gegen ihn Verdacht geschöpft, sein nächtliches Herumtreiben ließen ihn in eigentümlichen Lichte erscheinen. Auch sein« Borstrafen blieben nicht verborgen. Am 9. April gab sie ihm den Trauring zurück. Ms er sich von ihr verabschiedete, goß«r der jungen Frau mit der Linken aus einer Tasse Salzsäur« ins Gesicht. Bor Gericht sagt« er, .er habe es aus Verzweiflung getan, sie, aus Rache. Das unglück- liche Mädchen ist völlig berufsunfähig geworden. Der Staatsanwalt beantragte, 2 Jahre 3 Monate Zuchthaus. Das Gericht oerurteilte den seltsamen Abenteurer Mackensen zu 2 Iahren Zuchthaus. Ltnglück und Versehen. Oer tragische Tod Meier Kinder.- Ein Vater stellt sich. Ein erschütternder Bocsall ereignet« sich am Mittwoch mittag im Heim für jugendliche Psychopathen in der Potsdamer Straße 118 e. In einem Zimmer des' vierten Stockwerks befand sich die 6jährige Ingeborg K i e k e b u s ch kurze Zett ohne Aussicht. Das Kind öffnete das Fenster, bog sich hinaus und verlor hierbei den Hall, so daß es kopfüber in die Tiefe stürzte. Die unglückliche Kleine erlitt so schwere Verletzungen, daß sie auf dem Wege ins Elisabethkrankenhaus starb. Am Mittwoch mittag fand sich aus dem zuständigen Polizei- revier der 24iähvige Maschinist Bauer aus der Luisenstr. 5 ein und gab an, durch ein bedauerliches Äersehen sein 3H Monate alles Kind getötet zu haben. B. ist noch nicht lange verheiratet. In der Luisenstraße bewohnte er mtt seiner Frau und dem Kind eine kleine Wohnung. Als das Kind in der Nacht zum Mittwoch zu schreien begann, stand B. auf, beruhigte es und deckte den kleinen Schreihals zu. Als am Morgen die Mutter nach ihrem Kind« sah, lag es tot in seinem Bett. Ein Arzt stellte Tod durch E r- st i ck e n fest. B., dem fahrlässige Tätung vorgeworfen wird, wurde von der Polizei festgenommen, Das Llrieil im Giegelsdorfek Eisettbahnprozeß. Fürth, 18. Dezember. Im Prozeß wegen des Siegelsdorfer Eisenbahnunglücks, das am 10. Juni 1928 24 Tote forderte, verkündete am Mittwoch nachmittag Laadgericht&direktor Dr. Bub folgendes Urteil: Der Angeklagte Oberbahnmeister Stuhlfath ist schuldig eines Ber- gehen» der fahrlässigen Transportgefährdung und wird zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Die Angeklagten, Rottenführer Dolland und Oberbahnwärter Greller, werden kostenlos freigesprochen, außerdem werdsn die Kosten ihrer Derteidi- gung der Staatskasse auferlegt. Halbstündige Verkehrsftörnng durch Selbstmord. Auf dem Bahnhof Alexanderplatz spielle sich gestern abend«in aufregender Borfall ab. Gegen 18 Uhr warf sich plötzlich ein etwa dreißigjähriger Mann vor die Räder eines in Richtung Iannowitzdrücke ausfahrenden Stadtbahnzuges. Der Lebensmüde, dessen Personalien bisher noch nicht ermittelt werden konnten. wurde auf der Stelle getötet. Di« Bergung des zerstümmelten Leichnams durch' di« Feuerwehr war mtt großen Schwierigkeiten verknüpft. Der Stadtbahnbetrieb war um eine halb« Stunde lang gestört, durch Pendel- oder Umsteigeverkehr w-urde der Verkehr notdürftig aufrechterhallen Von 18.30 Uhr ab konnte der Betrieb wieder plqnmäßig durchgeführt werden Cin gefährlicher Kinderfreund. Anormale Neigungen sind dem 49jährigeu Geschäftsführer F., der in einem Kino in Treptow angestellt ist, zum Verhängnis geworden F. war erst vor kurzem wegen eines Sittlichkeit». Vergehens zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden, das Gericht hatte ihn aber wegen seiner bisherigen Unbescholtenhett Bewährungsfrist zugebilligt. Auf Grund einer Anzeige, die jetzt bei der Kriminalpolizei einlies, wurde F. gestern abermals wegen sittlicher Verfehlungen festgenommen. Soweit bisher bekannt geworden ist, hat er vier Schüler im Alter von 11 bis 13 Iahren an sich gelockt und sich an ihnen in dem Bureauraum des Kinos ver gangen. Um sich die Jungen gefügig zu machen und zu ver. hindern, daß sie zu den Eltern über di« Lorgänge sprachen, schenkte Die Jugendbühne brachte ein Märchenspiel von Tilla B u n z l „H u m st i- B u m st i" zur Aufführung— ein Werk, für die Schau- bühne ersonnen, aber unter Max Bings Regie so geschickt als Hörspiel herausgebracht, daß sich ein spannender Handlungsablauf ergab. Es wurde mit Witz und Liebe gespielt. Theo M a ck e b e n hatte die hübsche musikalische Untermalung geschaffen.— Der Sinn der Deranstallung„Gesprochene Filme blieb dunkel. Hans G. Lustig schildert« Szenen au» Filmen— ein so zweckloses und unverständliches Unterfangen wie etwa die Beschreibung von Bild- werken.— Unterbaltend waren die„C o m e d i a n H a r m o n i st s". flott« Schlager-Sänger. Schön der„Deutsche Abend", von Anton von Webern dirgiert. Tes. er ihnen kleine Geldbeträge und gewährte chnen freien Eintritt in das Kinotheater. Es wird vermutet, daß die Zahl der mißbrauchten Kinder noch größer ist. Eine umfangreiche Unter- suchung ist eingelettet. �echiskonsuleni, der Ltnrechi iui. Das Ende eines neuniägigen VetrngSprozeffes. In einem Prozeß gegen den Rechtskonsulenten David I s s e r- mann, der seit acht Tagen vor dem erweiterten Lichter- selber Schöffengericht sich abspiell«, beantragte am Donnerstag der Staatsanwall wegen sechs Fällen von Betrug und fünf Fällen von Untreu«, sowie wegen mehrerer Fälle fortgesetzten Betruges und Gebührenüberhebung eine Gesamtstrafe von 114 Jahren Gefängnis, sowie eine Geldstrass von 700 Mark und ferner 3 Jahre Ehrverlust. Der Angeklagt« Jssermonn, der sich selbst verteidigte, plädierte am Frettag auf Frei- sprechung. Das Gericht oerurteille den Angeklagten Issermann wegen Betruges in fünf Fällen. Unterschlagung in zwei Fällen, sowie wegen fortgesetzten Bettuges in Tateinhett mtt Untreue unter Einbeziehung der im Urteil der- Strafkammer de» Landgerichts- II vom 14. Januar 1929 gegen ihn.«kannten Strafe von 4 Monaten Gefängnis und 300 Mark Geldstrafe zu einer Gesamt st rose von 1- Iah r Gefängnis und 800. Mark Geldstrafe bzw. 80 Tagen- Gefängnis.- Von der Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte nahm dag Gericht Abstand.- Im Falle des Holländers Boersen hat das Gericht fortgesetzten Betrug in Tateinheit mit Untreue angenommen. Bei der Strafzumessung ist berücksichtigt worden, daß der Angeklagte zur Zeit der Straftaten noch unbestraft war. Andererseits fiel erschwerend ins Gewicht, daß Issermann recht gewissenlos vorgegangen ist, und daß es ssch in den Meisten Fällen um Leute handelte, die in wenig günstiger Vermögensloge waren. Um die ärztlichen Ehrengerichtshöfe. Wiederholl haben wir die Rückständigkeit der Anschauungen bei dem ärztlichen Ehrengericht Berlin gerügt Wiederum hat jetzt der ärztliche Ehrengerichtshos für Preußen ein Urteil der Berliner Aerztekammer aufgehoben. Der prakt_ Arft Dr. L.. der früher Besuchsarft bei den 'Ambulatorien gewesen war. hatte nach seinem Umzug in eiu anderes Stadtviertel einem Teil seiner Patienten, die ihn als Besuchsarzt bei den Ambulatorien gewähll hatten, durch Postkarte seinen neuen Wohnsitz mitgeteill und gleichzeitig darauf hingewiesen. daß nach den neueren Bestimmungen Hausbesuch« von den Familien- angehörigen der Kassenmttgßeder bei jedem Kassenarzt bestellt werden können. Hierin hatte das ärztlich« Ehrengevicht ein standeswidriges Berhalten erblickt, durch das der Arzt sich der Achtung und des Ansehens unwürdig gezeigt habe, di« sein Berus von ihm fordere, und ihn zu einem Verweise und 100 Mark Geldstrafe verurteilt In der zwetten Instanz vor dem ärztlichen Ehrengerichtshof warnte der Vertreter des Angeschuldigten, Rechtsanwall Ehlermann, eindringlich vor einer zu engen Bevormundung und vor unduldsamen Grenzen standesgemäßer Reglementierung. Die ärztliche Ehrengerichtsbar- kett habe nicht den Standesinteressen, sondern dem öffent- lichen Interesse zu dienen. Der ärztliche Ehrengerichtshos erkannte an, daß die versandte Karte durchaus sachlich ge- halten sei und daß nach den ganzen Verhältnissen darin ein Verstoß nicht zu erblicken sei. und sprach den Arzt kostenlos frei. Wir sind grundsätzlich Gegner jeder Standes- und Ehren- gerichtsbarkeit: Arzt»od Rechtsanwalt sind nach unserer Ansicht genau so wie jeder andere Volksgenossen, die sich den all- gemeinen Gesetzen zu fügen haben. Trotzdem freuen wir uns, daß beim ärztlichen Ehrengericht für Preußen ein fort sch ritt- liche r Geist einzuziehen scheint. Die„Borwärts"-Luchhandiung in der Priuzeustraße 63(Ecke Annenstraß«) ist bis Weihnachten von vormittags um 10 Uhr bis abends um 19 Uhr ununterbrochen geöffnet Unsere Freund« und Loser Hoden dort große Auswahl an Jugend-, Unterhaltungs- und Volksdrlvungsltteratür aus dem Verlag I H. W. Dietz'Aachs. Am 24. Dezember wird die Buchhandlung um 12 Uhr geschlossen. Häßlich gefärbter Zahnbelaa.„Ein Kummer waren stets meine gelben Zähne. Nachdem ich alle Hilfsmittel angewandt hatte, oe?» sucht« ich es mit Chlorodont und di« Wirkung war erstaunlich. Heute erfreue ich mich gesunder weißer Zähne." Gez. S. Jacobi. Look«- berg a. b. Warthe. F Die Arbeiter-Reisebewegung. Unter der Leitung des Genossen S ch i U i n g, Vorsitzenden des Leipziger Ortsausschusses des SIEGS, fand m Leipzig eine K o n- serenz der Slrbeiter-Reiseorganisation und der gewerkschaftlichen De r ke h r s b ü r eo u s statt. Vertreten waren neben dem Reichsausschuh für sozio- l i st i s ch e Bildungsarbeit die gewerkschaftlichen Reisebureaus in Leipzig, chamburg, Bremen und cheidelberg. Aus den Berichten der Vertreter ging hervor, daß die Arbeiter-Rcisebewegomg gute Fortschritte machte. Es kommt daher darauf an, sie organisatorisch auf eine festere Grundlage zu stellen und die noch zu sehr nebeneinander laufenden Bestrebungen in engere Verbindung zu bringen. Als erstrebenswertes Ziel wurde einmütig die Schaffung einer großen llrlaubsorgonifa- tionderWerktätigen angesehen. Zunächst wurde beschlossen, im nächsten Frühjahr eine weitere Tagung abzuhalten, um ein gemeinsames R e i s e p r 0 g r a m m für das Jahr 1931 vorzubereiten, außerdem den Fragen der Herausgabe einer ein- heitlichen Reise zeitschrist, gemeinsamer Spareinrichtungen, der Verwendung einheitlichen Werbematerials und dem Ausbau von Werbe st eilen näher zu treten. Reben den Auslandsreisen, deren Wert unbestritten ist, soll dem Ausbau der I nla nd sre i se n die größte Aufmerksamkeit gewidmet werden. Bei der Schaffung von guten und billigen Ferienausenchallen ist mit der Ferienheim- genossenschaft der Naturfreunde und den übrigen Arbeiterorganisationen, die eigene Ferienheime unterhalten, zu- sammen zu arbeiten. Besonders ist hervorzubeben, daß die Reite- bureaus der Hamburger wie Bremer Gewerkschaften zugleich Be- ratungsstellen des Auswanderer- und Ueberseever- kehrs sind, die über alle einschlägigen Fragen zuverlässige Slus- kunft geben. Mst der Vertretung der gemeinsamen Interessen und der Vorbereitung der beschlossenen Maßnahmen wurde der Genosse W e i m a n n vom Reichsausschuß für sozialistische Dildungsorbeit, Berlin, beauftragt. Wenn die Vorteile einer Urlaubs- und Erholungsreise.zunächst nur einen verhältnismäßig kleinen Kreis der arbeitenden Bevölke- rung zugute kommt, fo geht aus dem Bericht doch ein erfreuliches Vorwärts und Aufwärts hervor. Es ist nicht wahr, daß dem Vroletarier die Schönheiten der Erde verschlosien bleiben müssen. Er kann sie sich erobern. Es kommt nur auf den Willen und auf die rechte Form des Kampfes an. O welche Lust, ein Hund zu feiu! Unter der Ueberschrist:.Das der Hund im Wrnter braucht* zeigt ein �undemodenatelier* im Westen Pusfys winterliche Aus- stattung. Liebling braucht erst mal eine Serie verschiedener Winter- müntel, abgestimmt nach Temperatur und Gelegenheit: einen aus Tuch, einen zweiten au» Kamethaarstoff und«inen dritten aus Wasch- samt mst Pelzbesatz oder Ledereinfassung. Darunter trägt er weiße oder buntfarbig gestrickte Seidenschlüpfer— und wenn?... Zieht er sich die Höschen selber aus? Dazu W ildlederschü hlein. Für be- sonders kühle, regnerische Tage wird em Cape mit Kapuze aus eng. Hsch-kariertem Stoff gewählt. Ist das Wetter jedoch gar zu fcheuß- lich und Pusiy läuft Gefahr, sich die Beinchen zu sehr zu bespritze« oder sich gar den Schnupfen zu holen, dann zückt die Besitzerin ein Tragetäschchen au» imprägniertem Plaidstofj mst Oberlicht. Zur Rächt schützt ein« besonders dick wattierte blauseiden» Steppdecke Pussy vor Käste, wenn er es nicht vorziehen sollte, sich in einen elegant und behaglich ausgestatteten Schlafkorb aus buntfarbigem Strohgeflecht mst Gardinen und Polsterung aus dunkelgrünem Atlas zur wohlverdienten Ruhe zu begeben. Abbildungen zeigen Pusiy — mst einem dächst unglücklichen Gesicht zwar— in seinem präch. tigen Winterstaat. Und da soll noch mal ein gehässiger Mensch. der in dünnem, durchlässigem Mantel und zerfetztem Schuhwerk herumläuft und sich des Nachte statt unter die dlckwattierte.Blau- seidene* unter dürftige« Lumpenzeug verkriecht, von einem.Hunde- leben* sprechen!__• j. ZuchkhausurkeN gegen den Fasiodenflelterer Käßner rechts- träflig. Der vom Schöifengericht Berlin-Mitte wegen einer Reihe von Einbrüchen, die er in Berliner Hotels und auf seiner de- rüchtigte« Bädertourne« in Westdeutschland und in Holland und Belgien oerübt hat. zu vier Iahren Zuchthaus verurteilte Fasiadenkletterer Paul Kaßner hat die von ihm eingelegte Berufung an die Strafkammer des Landgerichts I zurückgenommen. Das Urteil ist damit rechtskräftig geworden. vafos Dtla fpiell in Plöhenfee. Die Sapelle Dajos Bela gibt auch in diesem Jahre, um den Gefangenen eine Wechnachtsfreud« zu beresten, am ersten Weih nachtstag mst feinem Orchester im Strafgefängnis Plötzenfee ein Konzert, an dem Kammer- sänger Cornelis Bronsgeest von der Funkstunde mitwirke« wird. „Familie hannemauu*. der Schwank von Max Reiman« und Otto Schwarz geht jetzt allabendlich über die Bretter des Cas in 0- T heate rs. Unter Viktor Litzeks Regie wird eine flotte Aufführung herausgebracht, die die toten Momente geschickt überbrückt. Regen Anteil cm der gelungenen Slufführung hat Ennny Lonek, die als Tante Jutta prächtig war. Gleich ihr fei Viktor Litzet genannt, der als Schauspieler Brückner alias Franz Hannemann die Lachmuskeln der Zuschauer aufs äußerste strapazierte. Seine Freundin Mizzi Pollinger(Angela Scherrer) entledigte sich ihrer 'Aufgabe aufs beste. Hans Berg, Ewald F i st e r, Gert Eberhardt. Edith L i t z e k und Frieda Waller helfen nüt bestem Gelingen zum Erfolg.'_ Vortrage, Vereine und Versammlungen. # Reichsbanner„Schwarz.Rot lvold*. schast): 20 Uhr Ritgliederuerlammluna bei«itbne, Regdenzstr. 9. Ct. ldieinen Pflicht.— Soanabeu«. 21. Sejembet. gtiedr>ch»bala,«ameroildiort ließen««ounttianunuinB. Dr. Laudach, Pressechef lf.?ch�«.Ä.» Memel: 20 Uhr Weihnachtsfeier in Schmidts Kefelllchaftshau». siruchtstr. Z6>, »uaunften der emverbslssen Kameraden, eintritt 50 Pf. Zieulolla-Brih 1. Kameradschaft: Weihnachtsfeier in der»Neuen Wein, eintritt. 75 P! Treptow �Ortsoereini'. Zunabanner: 1» Uhr Weihnachtsfeier mit Anaehdrigen in der»DrUckenklaufU. NiederfchSneweide. Brückenftraße. Wiaterlportabtcilung! Abfahrt her Tirolfahrer 20 Uhr Anhalter Bahnhof. Sammelpunkt W Uhr rechte greitreppe.— Weddina lOrisverein): Turnabende fallen jeht au». Weeder. deoinn im neuen Jahr. Bekanntmachuna erfolgt. Sonnlag, 22. De.rcmder, Landdallspiel Weddlng gegen Treptow. SH— 10H Uhr.— Treptow lOrtsver. eint: Irrtümlich sind eintritt»korlen ,um Ma�enball mit Sinladungstarteil uer'auscht worden. Die Crutrittokarten von Nr. 775 b!» 1025 find beim Kalsseeer ad,uliefern.— SchSnederg-griedena». Zungbanner: Eonnahend. 21. Dezember. AI Uhr. Weihnachtsfeier in der ginaneklaufe. Wühlenftraße. Zutritt nur Jung. tameraden._' Vereinigung »alige Di< mindessrn» einlguug ehemaliger«ngeftellter der vietnria-verfich, Dieioria-Angeftrllt« fuicht anerkannte Rentuerl, die ins 8 Jahre im Dienst gewefeu sind, melden sich» he sofort'tr rm— m----""' band S-l Seneralverfamml der Vietorta-Berficheruag, e. v. Sh» "'•* beim Ausscheiden zur Wahrung ihrer Ansprüche sofort beim Norstgenden Mar Diunuick. Berlin, Bastianstr. 22._ Verband Sozialistischer Abstinenten. Sonnabend. 21. Dezember, 1SH Uhr, eralvcrlammlung in der Schule Bergmannltr.«0—55. _ Jttl lUtV'UUlUlltniH i».• l n in-, v»v/ " Stcie Aebeitee-espeeant».«eeelnlgnng Berlin. Monat-oersammlung 19. De- «mbcr 20 Uhr. Jugendheim Am Oltbahnhof 17. Truppe Osten feden Donner»- tag edendort Srupvenabend und«ursu». Truppe Zentrum: Mon'ag. 30. Dt- grmber, 20 Uhr, fsestaurant Kastanienwäldchen. Kastanienallee 53. Sprach- ce nossen herrlich willkommen, Snob Berlin liir«Inheiteknrrfchrist. Uebuug in allen Gcschv>ind:gke!t«n ledeh greitag oov 20—22 Uhr im«ran, Büschen Tnmnastum. Reichstassufer 5. am Relchsiaasgrdnt-de, und irden Dienstag von 25-22 Uhr im Schulhau le Utrechter Str 30—51, am Wedding- Anfangerfurse sowie Ausnahme neuer Mitglieder ,u jeder Zeit. Auskunft erteilt ffrih Blauschim«. Perlin-Zehlendorf. lÄ Em lieh tonteräriionol Club louaded 1878. Meetings eotry Pridty 8 0"� Cot« Jasty, Potsdamer Platr. Lecnjren Mr. Blbson:.Prench poopl» Qnests, Ladies& CenUemen, are welcome. Einsendungen für diese Rubrik find v e r U n SW«3. Lieben' rahe 3. G parteinachnchtenjW�fürGroß-Bertzt» tet» an da» Beztrkofekretarioi !. Hof, t Treppen recht», zu rtchten 5. Kret» Kreutberg. Freitag, 20. Deremder. um 20 Uhr, Sitzung de» engerei: Xreisvorstandes mit den Abteilungsleitern im Berirksamt. Vorckstr. IL Zimmer 2S. 10. Krei» Zehleodorf. Kosten lose Sprechstunde in allen Wohlfahrtsongelegeu. Herten Helm Tenosse» Bernhard Zander. Zehlendorf, Kven-tzedin-Str. 74, an fedem Donnerstag oon 17—18 Uhr. 11. Krei» Reuköllu. Freitag. 20. Deaember. 19H Uhr, Sitzung des erweiterten Kreisnorstandes in alter Zusammensetzung mit der Fraktion im Rathaus heute. Donnerstag. 19. Dezember. 34. Abt. Die Quartalsabrechnung finbet am Sonnabend, 21. Degember, von 17—19 Uhr beim Genossen Will! Fischer statt. 58. Abt.«alensee. 20 Uhr Trtraaah'aben« bei Sandmann. WestfSIifche Str. 42. erscheinen aller Genossen ist Pflicht. Bernau. 20 Uhr im Destaurant„Bellevue" Mitgliederversammlung. Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Morgen, Freitag. 20. Dezember. 33. Abt. WH Uhr' Versammlung aller SPD.Konsummitglreder der 31. Ber- kaufsstelle bei f offmann. Etralaner Allee 17. 38. Adt. WH Uhr wichtige Funkt onärfitzung bei Bartusch, Friedenftr. 88. Alle Beairkssührer müssen pünktlich erscheinen. Der Obmann ber Zei. tungskommissson und hie par�eigendsstschen Spebiteure bitten wir. um 21 Uhr au erscheinen. 41. Abt. 19 Übe im«»ultheift.Ausschan« ssrübee Tivoli). Lichter. sewee Straße 11, ffiess""*'"'"----—- nassen find mit ihren 45. Abt. 19 Uhr WeUm-g-teseter im Sietchenbeeqer berget Str. 147. Konarrt, e«sang, volkstönae, Ausführung dre Kinder. 3. Sit. Sonntag, 22. Deaewher, um 17 Uhr, CBcihnnMoMet in hoffmanno ntsifolen. Schwedter Str. 23.«anaert. Man«,«oetrine. Ions,«et» Mitwirkung der LAZ. und der Kiuderirenude. Festredner Sann» S. Kamm. Alle«enosfinnen und Genossen find Haan heralickft eingeladen. 7». Abt. Silmer-dori. Sonntag, 22. Deaembcr. 3H Uhr, Einteilung aut Besetzung der Stimmlokale für den Volksentscheid. 125. Abt. Weißensee. Sonn«ag, 22 Deaember. 19 Uhr, feiern unsere Kinder. freunde in Lössel» Festlalen, Langhansstr 105. Sonnenwende. Die Se- nosfinneu und Genossen werden gebeten, aahlreich daran teilaunehmeu. 139. Abt. TegeL Alle freiwilligen Kelser finden sich Sonntag, 22. Deaember. um 9 Uhr im Lokal Ehristensen, Schlleperstr. 09, ein. Zrauenveranstaltuug. 43. AbL Die heutige Weihnachtsfeier im Alerandrinee. Alerandrinenftr. 81«, findet bereit» um 15 Uhr(nicht, wie auerst angesetzt, um 13 llhrl statt. Bezirksausschuß für Arbeiierwohlfahrt. 85. Abt. Tempelhvs. SO Uhr bei Po mme renin«. Bervner Str. 105. FunktionZr. sttzung. W 154.«tzt.«iederschöneweide. Saal, Weihnachtsfeier. Neigen.�Thentoe, Tana. Genossen Sosowski, Grnnaner Str. 8. ist Pflicht. Uhr im Lokol Koffhänl».«roßer 55 Pf.«indee frei. Gesang, Funktionären und heim Se- Beteiligung all« Genvsfinaen und 131. Abt.»iedees«,«Hansen. 20 Iii Wer der 148 Verkaufsstelle 54. Stellungnahme inr Beriretcrwahl. Uhr Versammlung aller im Lokal Wilhelmshos. SPD..Konsummit. .. Kaiser-Silhelm- Legitimation mitbringen. 7. Krei, llharlottenbnrg. Am Donnerstag. 19. Deaember, 21 Uhr. Im Jugendheim. Z'ofinenstr. 4, wichtige Besprechung mit den Abteilung». 25. Keel» Nelnickendors. Freitag. 20. Deaember. 20 Uhr. Sitzung ber Arbeiterwohlfahrt und Agitation im Sitzungssaal, Zimmer 14, des Rathauses Reinickendorf, Laurtstr. 38, 2. Eingona durch die Glashalle. Zuagsozlolisteu. Gruppe Mitte: Leute, Donnerstag. 25 Uhr, rm Jugendheim Zehd.'nickor Straße 24—25, Srupvenabend. Gruppe Friedriebahain: Leute, Donnerstag, 1V4 Uhr. im Zugendheim Tilss'er Str. 4, Vortrag:»Das Kommunistische Manifest�. Referent Serutann Ahlselht. SAZ.-Genossen und interessierte Parteigenossen find heralichst ein. geladen. Sterbetafel der Groß> Berliner Partei> Organisation 145». Abt. Wittenau. Unsere Senosstn Martha R i e r«. Reue Str. 20. ist am 15. Dearmber«erstorben. Ehr» Ihrem Andenken! Einäscherung am Eonnabend, 21. Deaember, um 18 Uhr im Krematorium Serichtsiraße. Wir bitten um rege Beteiligung._ wellerberichl der SsseuNichen welterdienstlleUe Berlin und Umoegeud lNochdr. verb.). Fortdauer des heiteren und ruhigen WetlerS, nacht« oer- breitete Friste, am Tage Temperatur etwa« über Null.— JÜr Denifchlond: Ileberall borwiegend heiter, nacht« Friste, Tagestemperaturen im flachen Lande etwa« über Null ansteigend. wl««US dl« Bank der Urbefter. Angestellten und Beamten. Zl.-G.. mitteilt, werden am Dienstag, dem 24 Dezember lö2fl, ihre Schalter bereits um 1 Uhr gefchlosien. 'OScis saat 6er Bär? � Ä Ä KO* tlNOIA Eine wahre Bärenfreude wird Je d em Raucher b ereilet der am Weihnachtsabend unter dem Licht erb aum die Ci garet te seines Herzens erblickt: JLoseitiJtuno Berlins meistgerauchle 4$ Cigaretie Handbuch der Rationalisierung. Ein Testament des bisherigen Leiters des Reichskuratoriums. Das Reichs kuratorium für Wirtschaftlichkeit legt der deutschen Wirtschaft ein Handbuch der Rationalisierung auf den Weihnachts- tisch Cs ist«in umfangreiches Werk geworden(etwa 1200 Zeitenl, dos im Iiiiduftrleverlag Späth& Linde, Berlin, für den Preis von 15 Mark zu erhalten ist. Das Handbuch der Rationalisierung ist mehr als ein« Zusammen- fastunz der im Rcichskuratorium und den in ihm zufammengefastten .ftörperfchaften geleisteten Arbeiten. Der von seinem Amt als geschäfts- fühsendes Vorstandsmitglied des Reichskuratorimns für Wirtschaft- lichkeft zurückgetretene Direktor Hinnenthal hat mft dem Buch ein Programm hinterlassen. Einmal in dem Sinn, daß kein Vorgang in einem wirtschaftlichen Betrieb klein genug ist, um ihn nicht in ollen Einzelheiten seines Wesens, seiner Rückwirkung auf andere Borgänge, seiner kostenmäßigen Erfassung und organisa- torischen Einfügung nachzugehen, und daß sich Verluste in der Wirtschast nur vermeiden lasten, wenn mau die Zusammenhänge kennt und die Quellen, aus denen der Erfolg fließt. Darüber hinaus werden die Zusammenhänge zwischen technischer. kommerzieller und volkswirtschaftlicher Ratio- nolisieruna niedergelegt. Die technische Rationalisterung habe ein beinahe unerschöpsliches Arbeitsgebiet in der Fabrik, im Bureau, in der Verwaltung, cm Handel, in der Hauswirtschaft. Uebergelogert seien die Gesichtspunkte der konmierziellen Ratio- nalisicrung, d. h. die Frag« nach den Kosten, nach dem Ziel, noch dem Zeitmoment im Beginn und Verlauf, nach den Störungs- Momenten, nach der Kapitalsfe st legung und insbesondere nach dem Absatz. Jede technische Rationalisterung unter Gesichtspunkten richtiger kommerzieller Rationalisierung habe wiederum auf die Dauer nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn st« Volkswirtschaft- l i ch e n Interessen Genüge leistet. Mit der Schaffung einzelner technischer. Rationalisierungsmittel sei es noch nicht getan. Es sei notwendig, die Betrieb« in ihrem ganzen Zusammenhang zu durch- leuchten. Im Ausland Hab« man diesen Weg schon vor längerer Zeit mit der sogenannten Research-Bewegung beschritten. Nunmehr fänden auch in Deutschland sich stark« Ansätze dazu. Zu einwandfreien Grundlagen der Rationalisierung komme man nur aus der Erkenntnis der gesamten Detriebsvorgänge. ganz besonders dann, wenn es möglich sei. die Derhältniste des einen Betriebes mft den anderen zu vergleichen. Daraus resultiere das Bestreben des Kuratoriunis unter Hinnenthal. Betriebsunter» suchungen in größeren Wirtschaftsgruppen durch- zuführen. Dos Handbuch bietet in diesem Sinn« ein« wertvolle Darstellung der bei solchen Untersuchungen angewandten Methoden. Selbst. verstündlich ist, daß ein« solch« Rationalisierung aus den Faktor Mensch stoßen muß. Und so verkennt das Handbuch nicht die Rot- wendigkeit, mit seinen Arbeiten immer mehr in die Gesichtspunkte der Berufsausbildung, der Pfychotechnik und der Arbeitssychologi« einzudringen. Das Handbuch enthält dar- über wertvolle Abschnitte. Neue Arbeiten auf diesem Gebiet sind bereits eingeleitet und die erforderlichen Mittel dafür schon bewilligt. Das Handbuch der Rationalisierung erscheint in einem Augen- blick, wo wir ohne Zweifel am Schluß des ersten Ab- schnitte? der deutsche» Rationalisierung stehen. Sie hat unsere Hoffnungen nur zum Teil erfüllt. Erwartungen Hinsicht- lich der Auswirkungen der Rationalisterung auf Warenpreise und auf Arbeitslöhne hinsichtlich der sozialen Auffastung des ganzen Arbeitsprozestes und der Stellung der Arbeiterschaft in den Betrieben und in der Wirtschast sind unerfüllt geblieben. Die Kämpfe der letzten Wochen und Monate haben hier auch die Spannungen erhöht. Daß der zweite Abschnitt der deutschen Rationalisierung, so gesehen, nicht gerade unter günstigen Sternen steht, ist selbst- verständlich und doch müssen die Probleme hier gelöst werden, wenn man den Nutzeffekt des gangen Rationalifienmgsprozesses sschern will und groß« Mittel nicht unnütz vertan sein sollen. Elektrokapital erobert Tonfilm. Zum Schicksal des amerikanischen Fox-Zilm-Konzerns. Bor wenigen Togen kam der große amerikanisch« Film- und Kinokonzern William Fox unter die Kontrolle der American Telephone and Telegraph Company. Der Jox-Konzern ist neben dem Paramount-Konzern der größte Filmkon.zern der Welt. 1915 wurde die Fox Film Corpo- r a t i o n � gegründet, die Filme heistellte, aber später auch Kino- theater betrieb. Diese Theaterinteressen wurden 192S in der Fox Theatr-z Corporation zusammengefaßt. Noch stärker als dt« Steigerung der Fümproduktion ging in den letzten Jahren die Ausdehnung der Thcateriiüeressen vor stcb: so wurde noch in letzter Zeit die Kontrolle über zwei andere Riesengruppen, die Loew- Gruppe und den Metro-Goldwyn-Mayer-Konzern erworben. Bor etwa Jahressrist stellt« sich iü« Fex Film Corporation r est! o s aus sprechende Filme um, n?ü> gleichzeitig wurde natürlich auch der. gewaltige Kinotheaterpark mit Borfuhrungeopparaten für Sprech? ilme ausgestattet Dies« Umstellung, die mft Apparaten der Western Electri« Ev.«rjolgte, kostete viel Geld. Zlllein die Ausrüstung der rund 1200 Fox-Kinotheater bedeuteten«inen Kostenaufwand von etwa 20 Millionen Dollar, d. h. mehr als «0 Millionen Mark. In der ersten Dezemberwoche wurden sämtlich« Theateriifter- essen des Fox-Konzerns jm einem neuen Treuhänder-Aur�chuß zu- sammengefaßt, der finanzielle Bedürfnisse befriedigen soll Zu den Treuhändern gehören neben William Fox und H. L. Stuart (dem Bertreter des dem Fox-Konzern nahestehenden Bankhauses Halsey Stuart and Co.) auch John Ottersen an, der Präsident der Electricol Research Products Company. Dies« letztgenannte Ge- sellschoft ist ein« Tochtergesellschaft der American Tele« phon« and Telegraph Co. und wurde für Zwecke der Ton- film- und Schallplattenentwicklung gegründet. Ofsenbar ist die Western Electric Co., die ja auch ein Glied des großen Konzerns der American Telephone and Tele- graph Co. ist, durch ihr« Apparatelieferungen zu einer großen Gläubigerin des Fox-Konzerns geworden: die Börsenkrise der letzte« Monat« soll die angespannte finanzielle Loge der Fox-Gruppe noch verschärft haben. Dies ist der erste Fall, wo infolg« der Umstellung des Film- betrieb» auf den Tonfilm die Elektroindustrie unmittelbar in der Film Produktion wie»n der Filmoufführung Fuß faßt: und dieser Fall wiegt um so schwerer, als der gesamte Fox-Konzern einen Wert von schätzungsweise 500 M i l l> a n e n Dollar repräsentiert. Uebrigens lassen sich auch tn Deutschland ähnlich« Ten- danzen beobachten! erinnert sei an die Jnleressenahm« ver- schiedenster Industriegruppen am Ufa-Konzern, an die Kon- trollierung der Terra-Frlm-A.-G. durch den I. ffl. Farben-Konzern (den größten Rohfilmproduzenten Europas) und an dl« eigene Film- Produktion der Tobis-Klongfilm-Grnppe, an der bekanntlich der Siemens-Konzern und die ACG. stark beteiligt sind. Da der FUm neben der Presse da» wichtigst« geistige Berkehrs- mstrument der Gegenwart ist, sollt« sich die Oesfenttichkeft mft seiner wachsenden Beeinflussung durch prioatkapftalistische Interessen noch viel ernstlicher beschäftigen als bisher. Eine Äestäligung. Die Vereinigten Eiettrizftätswcrte Westfalens bestätigen die Absicht ver Privatisierung. Wir haben mehrfach daraus hingewiesen, daß die bis heut« rein kommunal« Dereinigte Elektrizitätswerke Westfalen G. m. b. H. bei der jetzt bevorsteheilden neuen Kapitalbeschasfung das Prioatkapital an der Herrschaft über das Werk beteiligen will Di« Verwaltung der DCW. verbreitet jetzt in der Oefjenttichkeft ein« Erklärung, durch die Irrtümer in dieser Richtung klargestellt werden sollen. Diese Erklärung ist ober ein« voll« Bestätigung unserer Bc- hauptungen. Hinsichtlich des wichtigsten Punktes, nämlich der eventuellen Beteiligung von Privatkapitaltsten an diesem größten rein öffent- lichen Elektrizitätsunternehmen des Westens heißt es nämlichc „Mft Rücksicht auf die außerordentliche Einschränkung des Anleihemarktes sür alle öftentlichen Körperschaften ist es zweifel- hqft geworden, ob die beteiligten Kommunen sich in Zukunft in ■größerem Umsonge an Kapitifterhöbungsn beteiligen können und es sind deshalb bei der Gesellschaft bisher lediglich Er- w ä g u n g e n im Gange, ob sich der bisherige Weg zur Finan- zierung weiter durchführen läßt»der ob es nicht notwendig oder zweckmäßig erscheint, auch privates Kapftal durch Aus- gab« von Aktien bei der geplanten wefteren Kapftalerhöhung cher- anzuziehen." Es wird dann weiter gesagt, daß es sich bei den Behauptungen über bestimmte Kapitalbeteiligungen des RWE. oder der Preußischen Ekertrizitots.A..G. oder gar der Vereinigten Stahlwerke um gruitd- lose Kombinationen handele. Eine Entscheidung sei vor dem Früh- jähr des nächste» Jahres nicht zu erwarten. Hier wird klar und deutlich ausgesprochen, daß die Absicht der Beteiligung des Privatkapftals erwogen wird und daß darüber bis- her nur noch keine Entscheidung gefallen ist. Dieses Zugeständnis ist so wichtig, daß die seitenlangen übrigen Erklärungen der Ber- waltung der DEM. nur gegeben zu sein scheine, um davon abzu- lenken. Gowjetaufträge sür die Schichau-Werst. Die in Danzig eingetroffenen Sowjctvertreter haben der Schichau-Werjt Austräge cm Werte von rund 6.25 Millionen Danziger Gulden erteilt, und zwar aus Lieferung von 11 Schleppern sür den Holztransport auf der Norddüna und von Z Schleppern für die Hochseeschiffahrt auf dem Karischen Meer«. ZusammenmftdenS bereits in Auftraa gegebenen Fischdampfern hat Schichau-Danzig setzt Sowj staufträge im Werte von 10,75 Millionen Gulden. Kircheuanleihen im Ausland! Sie mache« Herrn Schacht«och immer keine Sorgen. Seft 1925 sind ungefähr 300 Airchenanleihen im Ausland auf- genommen worden. Auch jetzt wird aus Holland von zw« i neuen Kirchenanleihen berichtet. So hat sich da, katholische St. Marien st ist zu Barnitz aus 15 Jahre«in« tzprozentige Anleihe von 600000 Gulden gesichert, deren Erlös für die Errichtung eines Instituts zur Beobachtung von Geisteekranken, eines Arebsinstituts und eine» Wohnhauses für Krebskrank« verwendet werden soll. Das Institut der Schulschwestern in Speyer hat sich auf zehn Jahre ein« tzprozentig« Anleihe im Betrage von 500 000 Gulden besorgt, die zur Dollendung eines Krankenhauses bestimmt ist. Es sind gewiß ehrenwert« Zweck«, die hier mft den Anleihen verfolgt werden. Freilich würde es Herrn Dr. Schacht schwer sollen, bei diesen Zwecken«in« größere Produktivität nachzuweisen als etwa bei Anleihen für den Wohnungsbau, di« natürlich nicht gewährt werden. Darüber hinaus scheint stch allerdings der Reichsverband der Deutschen Industrie und scheinen stch auch die Banken noch nicht dafür zu interessieren, Unternehmungen wie dc« der Schulschwestern tn Speyer und des St. Macienstifts in Branitz zu privatisieren. Und das ist das Glück dieser Anleihesucher und Anleihefinder im Ausland. Die Reichsbahn im Rovember. Der Güterverkehr ist weiter gestiegen. Nach dem Novemberbericht der Reichsbahn hat sich der C ü t e r> verkehr im vergangenen Monat weiter erhöht., Arbeit'täglich wurden im Durchschnitt 165 256 Wagen gestellt gegen 164 964 mr Tagesdurchschnitt des Monats Oktober. Der Personenver- kehr ging im November wefter zurück. Di« Reichsbahn weist darauf hin, daß di« Abwanderung des Reiseverkehrs auf den Kraft- wagen dauernd fühlbar bleib«. Wir hoffen daß die Reichsbahn mit mft dieser Feststellung nicht die in ihrem Erfolge völlig m i ß l u n- gene Erhöhung der Personentarife vom vorigen Jahr rechtfertigen will. Jm Monat Oktober betrugen die Gesamteinnahmen 481,8 Millionen Mark: davon kamen aus den Personen- und Eepäckoerkehr 109,7 und auf den Güterverkehr 331 Millionen Mark. Die Aus- gaben betrugen 467,5 Millionen Mark, wovon auf Erneuerungen 69,8 Millionen kamen. 14,3 Millionen wurden zum Ausgleich von Mindereinnahmen infolge von Lerkehrsschwankungen zurückgestellt. Gegenüber dem Oktober haben stch die Einnahmen um rund 8 Millionen Mark erhöht. Dabei blieb aber die Einnahme aus dem Personenverkehr hinter dem an stch schon geringen Ertrag. ni» des Monats Oktober 1928(dem Monat der Tariferhöhung) noch um rund 4 Millionen Mark zurück! Besser läßt sich wohl das Fiasko der erhöhten Personentarife nicht demonstrieren. Ende Oktober betrug der gesamte Personenbestand bei der Reichsbahn 736 161 Mann gegenüber 740 140 End« September. Steiqende Kunstfeidenausfuhr. Höhere Zölle aber werden oefordert. In der langen Reche der industriellen Schutzzöllner. die zwecks ungestörter Ausbeutung des Jnlandmarktes eine Aufstockung der Zollmauern forderten, durste die Deutsch« Kunstseiden- i n d u st r i e natürlich nicht fehlen. Schon seit Jahr und Tag hatten di« Vertreter der Großkonzern« Glanz st off-Bemberg und der I. G. F a r b e n indu str i« A.-G., die in der deutschen Kunst, seidenindustrie ausschlaggebend sind, eine wild« Zollpropaganda getrieben. Jetzt hat die Industrie dem Reichstag ein« Denkschrift zugestellt, in der sie chre Forderungen näher begründet. Danach sollten die Zölle für die einzelnen Qualitäten höher gestaffelt werden, wn be- sonders in den feineren Qualitäten jede Dumpingeinfuhr auszn- schalten. Außerdem sollte mft den höheren Zollsätzen da» R ü st- zeug für kommend« Handelsvertragsverhandlungen geschaffen werden. Weiter wird in der Denkschrift erklärt, daß der Versuch, den heimischen Markt durch Senkung der Preis« zurückzuerobcrn, dazu geführt habe, daß die normalen Selbstkosten nicht mehr gedetfi werden konnten. In scharfem Widerspruch zu diesen Klagen der Fabri- kanten steht die Entwicklung des deutschen Kunftseide-Außen-handels. So ist von Januar bis Oktober die Ausfuhr um etwa 25 Proz. auf 75 000 Doppelzentner gestiegen, deren Wert sich auf fast 76 Milltonen Mark beläuft. Die Einfuhr ist dogegm mft 72 000 Doppelzentnern so gut wie st a b i l g e b l i e b e n. Da in der Aus- fuhr hauptsächlich feiner« Qualitäten enthalten find, ist die wert- mäßige Bilanz des Kunstfeideaußenhandel» vom Januar bis zum Oktober mit 22,5 Millionen Mark aktiv gegenüber einem wert- mäßigen Einfuhrüberschuß von 8 Millionen im Vorjahre. Da der deutsche Markt im wesentlichen von einigen Groß- konzerncn beherrscht wird, die mit den mächtigsten Gruppen des europäischen Auslandes tn Aartellverhandttmgen stehen, muß die Verbraucherschaft damtt rechnen, in Kürze einer geschlossenen Pha- lanx der internationalen Kunstseidskonzerne gegenüberzustehen, die es riskieren kann, die Preise zu diktieren. In diesem Fall würd also im Zusammenhang mft den prwatwirtfchastlichen Kartell- Verhandlungen eine Zollerhöhung für Kunstseide nichts anderes bedeuten, als dl« deutschen Verbrauchermassen auf Gnade und Un> gnade der Willtür der Kunstfeidemagnaten in Elberfeld und Frankfurt auszuliefern. Oer Wrnier auf dem Arbeiismarki. Am 11. Dezember wurden 1 34« 000 Arbettslose gezählt. Die ArbÄtslosigkeft stieg nach dem Bericht der Reichsanstalt in der Woche vom 9. bi» 14. Dezember ziemlich stark, da» T em p o der Bewegung Ist ollerding« gegenüber der Vorwoche nicht be- schien n igt. Es find Zugang« von rund 100000 weiteren Arbeitslosen festzustellen, nach den Vonneldungen werden am 11. Dezember rund 1346 000 gezählt. Bei genauerem Vergleich mft dem Vorjahr scheint«», als ob die mild« Witterung des Winters bisher die scharf« Saisonverjchlechte- rung noch aufgehalten hat. Reue Macht im Ruhrmoniantrust? DI« Bereinigte Stahlwert, A.-G. soll mft der Sächsischen Guß- stahlwerke A..G. in Döhlen, der Rheims ch-Westsälische Stahl- und Walzwerke A.-G. und der Stahlwerk Becker A..G. in Fusionsvcr- Handlungen stehen. Damft würde der Ruhrmontantrust«ine ziem- lich bedeutende Machtverstärkung erfahren, da die in der Hauptsache von dem früheren Eisenhändler Paul Rohde geketteten Wert« aus ehemaligen Pleiten des Stumm-Konzern» teilweise zu sehr rentablen Werken geworden sind. Di« Bereinigten Stahlwerke A.-G. demen- ttert die Mitteilungen kategorisch., Es wird aber mit Recht darauf hingewiesen, daß dieses Dementi der Bereinigten Stahlwerke nichts zu bedeuten brauche, da di« Verhandlungen leicht auch über die Mitteldeutsche Stahlwerke A.-G. geführt werden können, die dem Ruhrmontontrust ja gehört. Di« Bemühungen de» Trusts um die Anglisderung der drei Werke würden durchaus begreiflich fein, da die Werte für die in diesen Tagen abzuschließenden Verhandlungen über die Eisenverbände Quotenforderungen gestellt haben, um deren Befriedigung noch ernste Schwierigkeiten entstehen könnten. Die?00-M>llionen-Anlelhe der Retchspost. Der Verwaltungs- rat der Reichspost hat in seiner letzten Sitzung dem Projekt einer AXZ-Millconen.Anleihe zugestimmt. Der Rrtchspostminister hat mft dem Reickssinonzmintster und dem Reichsbankpräsfcemcn Dr. Schacht über diese Anleihe verhandelt mit dem Ergebnis, daß die Durchführung des Projekt» bis zur Wieberkehi* günstigerer Verhältnisse auf den Kapitalmärkten vertagt werden soll. Da» Reichsmilchgeseh. ver wirtschaftspolltische Ausschuß des Reichs wirts�astsrat» beschäftig< sich am Dienstag mft dem Entwurf eines Reichsmilchgesetzes. An- genommen wurde eine Reche von Abänderungsantragen, hie die Mitwirkung und Rechte der im Gefetz vorgesehenen Ueberwachungs- stellen und die Bildung eines Sachverständigenbeirats betreffen. Der Ausschuß vertrftt auch den Standpunkt, daß in den Heber- wachungostcllen außer den Beauftragten der Gemeinden und der Gemeindeoerbände auch diejenigen Kreise ver reten sein müssen, di« Milch vertreiben, bzw. Milch verbrauchen. Ein« Anregung, die im Entwurf vorgesehene Konzessionierung des Milchhandels vom Vor- liegen eines Bedürfnisses abhängig zu machen, wurde abgelehnt. Danzig im polnischen Gelreidesyndikol. Wie aus Danzig ge- meldet wird, ist es den Danzigern Getretdeexporteuren gelungen, sich orunliätzlich mit dem polnischen Getreidesyndikat.zu einigen. Danach sollen die Danziger Getreideexpoxteure als ge- schlössen« Gruppe in das polnische Syndikat«intreten und mit 15 Proz. an den Aussuhrkontingenten des Polensyndikats beteiligt fein. Da dies« Verhandlungen privater Natur waren, wird die Frage der Errichtung eines eigenen Danziger Getreibe- syndikates hiervon nicht berührt. Nr. 593* 46. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts vonnerötag, 49. Dezember 4929 Verschärfung der Geschästsordnung angenommen. Heute Sofortprogramm und Zolländerungen im Reichstag. Der Reichstag beriet am Mittwochabend zunächst das Ge- sefl, das die Relchsregicrung ermächtigt, einen Kredit bis zu 465 Millionen Mark aufzunehmen. Abg. Dr. Neubauer(Komm.): Die Sozialdemokraten haben der Wirtschaft des Finanzministers ruhig zugesehen, jetzt will Abg. Keil durch laute Kritik die Arbeiter irreführen. Herr Hilferding ist der Sprecher der Kapitalbildungspsychosc Es wird jetzt die Theorie durchgeführt, der die SPD. auf dem Kieler Parteitag zugejubelt hat. Bereits am 14. März hat Hitferding das Finanzprogramm ent- wickelt, Sie(zu den Soz.) haben nicht widersprochen, Sie können heute nicht behaupten, von diesem Finanzprogramm überrascht wor- den zu sein. Der Poung-Plan bringt dem deutschen Volke nicht weniger, sondern Milliarden mehr Lasten. Fort mit dieser Re- gierung. Weitere Wortmeldungen erfolgen nicht. Das Gesetz wird im Hammelsprung mit 2.W gegen 138 Stimmen verabschiedet. Bei der ersten Abstimmung durch Erheben von den Sitzen wor nicht erkennbar gewesen, aus welcher Seite die Mehrheit war. Die Verlängerung des Ausfuhrverbots für national wertvolle Kunstwerke soll auf zwei Jahr« erfolgen, damit Zell genug ist zur Revision des Verzeichnisses. Abg. Dr. Skraihmann(Dnat.): Die Idee des Verbots ist ver- fälscht durch die Bestimmung, daß die Ausfuhr auch dann gestattet wird, wenn der Gewinn des Reiches daraus den Verlust auf- wiegt, sowie durch die Konnvorschrist, datz Zahlung in Auslands- valuta und Ablieferung der Valuta an die R?i ch s b a n k gefordert werden kann. Diese Bestimmungen aus der Inflationszeit bean- tragen wir zu streichen. Das Gesetz wird mit dieser Aenderung angenom- m e n, ebenso das international« Uebereinkommsn über die Heim- fchaffung der Schisssleute. Zwei vom Abg. L i p i n s k i(Soz.) beantragte Gesetzentwürfe betr. Mieten- und Hypothekenrecht gehen an den Wohnungsausschuß. In der dritten Lesung der Aenderung des Diätengesetzes— Entziehung von Diäten und Fahrkarten bei groben Ordnungsverletzun- gen— spricht Vizepräsident Abg. Graes- Türingen(Dnat.): Die Geschäftsordnung darf der Verfassung nicht widersprechen. Diese Strafgewolt ist ein Danaergeschenk für den Präsidenten, dessen Stellung man stärken will. Die Freifahrkarte hat der Abgeordnete nicht nur. um an den Pleuar- sitzungen teilnehmen zu können, sondern auch, um sich mit seinen Wählern zu besprechen und gegebenenfalls ehrenrührigen Vorwürfen entgegenzutreten. Dieser Teil der Abgcordnetentätigkeit wird durch Fahrkartenentziehung illusorisch gemacht. Wir beantragen Rück- Verweisung an den Ausschuß. Abg. Torgler(Komm.): Es ist bezeichnend genug, daß der dcutschnationale Vizepräsident die Regierungsparteien zur Mäßi- gung inähnt. Dieses Ausnahmegesetz gegen unsere Fraktion paßt trefflich zum Republikschutzgesetz, zum Finanzprogramm und zu der ganzen Knebelung der Arbeiterschaft. Man will sie hindern. mit allen parlamenkarischen und außerparlamentarischen Mitteln (Ahal b«i der Mehrheit) ihre Forderungen zu vertreten. Man redet von der Würde des Reichstags: liegt seine Würde darin, daß er die Filiale des Reichsverbandes der Deutschen Industrie ist. daß in der ersten Lesung des Zollgesetzes die Regierungsparteien ihre Stellungnahme nicht bezeichnet haben und daß hier olles nur noch in den Wandelgängen abgemacht wird? Zwar nicht bei uns, aber bei den Nationalsozialisten ist Herrn Löbe die Anbahnung gesellschaftlicher Beziehungen gelungen, vergleiche„Tempo". Photographie Löbe- Epp. � Die Sozialdemokraten haben in Wien und in Dresden Ob- struktion und Krack gemacht. Lobes Hinweis auf Rußland beant- warten wir damit, daß Rußland nicht behauptet, Demokratie und Parlamentarismus zu hüten, wie Sie das tun. Wir werden uns durch kein« Maßnahme von Demonstrationen abhalten lassen, die uns notwendig erscheinen»(Beifall bei den Komm.) Abg. Heilmann(Soz.): Die Geschäftsordmmgsveform ist Ausschuß ausgiebig beraten worden. Rückoerweisung würde kein anderes Ergebnis haben, wir lehnen den Antrag Graes deswegen ab. Herr Graes hat gemeint, durch dies« Aenderung werde dem Präsidenten der sichere Rechts- bodcn weggezogen, und das Präsidium werde politisiert, denn je nach der Partesstellung des betroffenen Abgeordneten und des gerade amtierenden Präsidenten würden Vorwürfe politischer Amtsführung laut werden. Das ist möglich, strittig ist nur. inwieweit solche Vor- würfe berechtigt wären. Herr Graes hat wohl übersehen, daß er mit seiner Bemerkung die deutsche Richterschaft einfach in die Luft sprengt. Es könnte ja geschehen, daß auch be° hauptet würde, der Richter urteile nach seiner oder nach der Partei« stellung des Angeklagten.(Lärm rechts.) Wir billigen den Präsi- denten der deutschen Volksvertretung mindestens dieselbe Objektioi- tät zu. wie den deutschen Richtern. Sie(nach rechts) beleidigen den Präsidenten, wenn Sie diesen Satz bestreiten.(Sehr gut! links.) Herr Torgler fand es bezeichnend, daß selbst Al>g. Graes gegen die Verschärfung ist. Wahrscheinlich sst Herr Torgler überzeugt, das geschehe, weil die Arbeiterschaft geknebelt werden soll, und wahrscheinlich nimmt er Herrn Graes dafür in Anspruch, daß er mitkämpfen will gegen die Knebelung der Arbeiterschast. (Sehr gut! links.) Herr Torgler hat mit aller Klarheit gesagt, daß die Kommunisten für sich das Recht m Anspruch nehmen, in diesem Hause mit allen parlamentarischen und außer parlamentarischen Mitteln sür ihre Anschauung zu kämpfen(Zustimmung der Komm.) Das Haus hat das Recht, sich gegen solche außerparlamentarischen Mittel zur Wehr zu setzen, um das Parlament dagegen zu schützen. Wir' tun das gerade deshalb, weil wir In einer Demokratie sind. (Lachen der Komm.) Ich könnte mir vorstellen, daß man in Staaten, in denen das Parlament sowieso nichts bedeutet, die Abgeordneten Lärm und Radau machen läßt, soviel sie wollen. Uns aber liegt an ungestörtem Funktionieren dcs Reichstages, darum haben wir die Pslichf. den Reichstag zu schützen in seiner Freiheit und in .feiner Würde. (Lachen und Geschrei der Komm.) Herr Torgler rühmt sich sehr, daß die kommunistische Fraktion bat Einladungen des Prösidenteu nicht gefolgt ist. Warum haben die Vertreter des russischen Sowjet- staates den Einladungen des Präsidenten gern und häusig ent- sprachen?(Hört, hört!) Wenn Sie(zu den Komm.) diese gesell- schastlichen Beziehungen so mißachten, warmn ladet der russische Bot- schafter sogar die verruchten Sozialfaschisten zu sich zu Gast«?(Sehr gut! bei der Mehrheit, andauerndes Geschrei der Komm.) Herr Torgler hat Vorgänge im Sächsischen Landtag herangezogen. Dort waren nicht nur die Sozialdemokraten, sondern auch der Präsident des Landtages der Meinung, daß ein Bruch der Geschäfts- ordnung versucht werde, und dagegen sich zu wehren, ist natllr- lich das gute Recht jedes Abgeordnelen. Ich kann mir vorstellen, daß durch irgendwelche Vorgänge ein Abgeordneter oder ein« ganze Fraktion so in Erregung gerät, daß sie allen parlamentarischen An- stand über Bord werfen. Für diese ehrliche Entrüstung wird man Berständnis haben. Gar kein Berständnis dagegen haben wir für Theaterdonner. (Sehr gut! bei der Mehrheit.) Wir haben kein Verständnis, wenn erklärt wird:„Jetzt sind wir still, es ist ja niemand mehr auf den Tribünen."(Präsident Löbe ersucht den Abg. Torgler, doch endlich ruhig zu sein, zumal er selbst auch nicht unter- brachen worden ist.) Herr Torgler zitiert den„Vorwärts" aus dein Jahre 1312 mid das demokratische Prinzip, um zu beweisen, daß durch die Ausschließung eines Abgeordneten seine Wähler ihrer Der- tretung beraubt werden. Nun, wir haben heute da» verhältniswahlrecht, und wenn der ausgeschlossene Abgeordnete Wert daraus legt, daß seine Wähler im Parlament nicht unvertreken seien, so hat er da» einfache Mittel, sein Mandat niederzulegen. (Sehr richtig! bei der Mehrheit.) Dann rückt der Nächste duf de« Liste nach, und die Wähler haben ihre Vertretung. Die Entziehung der Essenbahnkarte soll dem Abgeordneten an- geblich die Möglichkeit des freien Verkehrs mit seinen Wählern nehmen. Der Abgeordnete Goebbels hat in seinem„Angriff" vom 28. Mai erklärt, ihm komme es im Parlament überhaupt nur auf Diäten und Freifahrt an.(Hört, hört!) Als im Preußischen Landtag die Geschästsordnung verschärst wurde, erklärte jemand: „Schmeißen Sie mich ruhig raus, ich reise dann im Lande herum und verdiene das Doppelte!"(Hört, hört!) Das war der Grund, die Entziehung der Freifahrkartc zu ermöglichen. Diese Otdnungsmoß- nahmen haben sich in Preußen seit vier Jahren glänzend bewähn: es hat sich seitdem die Notwendigkeit, so zu toben, bei den Herrn Sominunistcn seltener herausgestellt. Wir erhoffen dies auch vyn der Neuordnung im Reichstag.(Beifall der Mehrheit, andauernder Lärm der Kommunisten.) Abg. Dr. Bell(Z.): Wir wollen keineswegs die Opposition mundtot machen, wir können aber Schinipfsreiheit im Parlament nicht zulassen. Die Einwände des Abg. Graes treffen nicht den Kern der Sache. Wenn die Objektivität des Präsidenten nicht vorausgesetzt wird, dann dürfte man ihm auch die Befugnisse nicht lassen, die cr jetzt schon hat. Ein« Zurückocrweisung an den Ausschuß wäre zwecklos. Abg. Dr. �rick(Naffoz.): Wenn man Demokratie mit Korrup- tion gleichsetzt, dann ist Abg. Heilmann der berufene Hüter dcr Demokratie.(Ordnungsruf.) Wir lehnen jeden Verkehr mit den Vertretern dieses parlamentarischen Systems ab. Wenn unser Mit- glied General von Epp Teilnehmer einer gesellschaftlichen Ver- answltung des Präsidenten Löbe war, so geschah da» mit unserem wertvolle welhnachts- Bücher liegen In den folgenden Vorwärts- Filialen cur Auswahl für den Gabentisch der werktätigen Familie aus: AckerstraBe 174 BaerwaldstraBe 47 PrinzenstraBe 63 MarkusstraBe 36 Petersburger Platz 4 Lausitzer Platz 14-15 ImmanuelkirchstraBe 24 Wilhelmshavener Str. 46 M U I lerstr.44(Eck« wtr*et.t«ratr.) WattstraBe 9 BastianstraBe 7 Greifenhaganar StraBe 22 Lichtenberg, WartenbergstraBe 1 Lichtenbarg, Boxhaganar Str. 62 Schönabarg, Batzlgar Str. 27 Neukölln, NeckarstraBe 2 Neukölln, SIegfrledstr. 28- 29 Charlottenburg, Sesen- heimer StraBe 1 Treptow, GraetzstraBe 50 Um Sonntag vor Weihnacbien und an den Wochenlagen geöffnet von 14t bi» IS Uhr Ffly den Wanm HolZ Dafait. LusHge Freb- und Sauflieder. Halbl. 7.20 W ohrlc Quer« AIS j er. Das Bumserbuch fiebd. 3-00 C„u;« So war c* ia VcrMille*. 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Schulß-Bromberg(Dnat.): Ich warne vor einer Gelegen- hestsgesetzmacherei. Ruinieren Ei« nicht dos Ansehen des Prösi- denten! Die Angelegenheit hat doch noch ein paar Tage Zeit, so daß Ausschußberatung möglich ist. Die nochmalige Äusschußberatung wird gegen die Stimmen der Kommunisten, Deutschnationalen, Nationalsozialisten abgelehnt. Dl« Vorlage wird in namentlicher Abstimmung mit 314 gegen 105 Stimmen angenommen. Präsident Löhe: Wäre in der Beratung die Frage des ver- fassunasändernden Charakters des Gesetzes aufgeworfen worden, so genügte dieses Stimmenverhältnis auch dazu. Abg. Torgler(Komm.) beantragt, die Verlündung dieses Gesetzes zwei Monate lang auszusetzen. Das dafür nötige Drittel des Reichstags erhebt sich mcht, der Antrag ist abgelehnt. In der ersten Beratung des Gesetzes über die Rechtsverhältnisse des Reichskanzlers und der Reichsminister(künftiger Wegfall der Pensionierung parlamentarischer Minister, Uebergangsgelder bis dahin) hält Abg. Dr. Arick(Natsoz.) eine seiner Schimpfreden gegen die Republik. Als er behauptet, Reichsmimster seien vom Ausland für ihr« Tätigkeit bezahlt worden, brechen die Sozialdemokraten in stür- misch« Entrüstungsrufe aus. Frick führt als Begründung die Ve» lechuna des„sogenannten" Nobelpreises an Stresemann an. Präsident Lobe ruft ihn für diese Beleidigung eines Verstor- denen zur Ordnung. Abg. Frick: Ich Hab« nur diele Tatsache konstatiert.(Tosende Pfuirufs links.) Präsident Löbe: Sie wiederholen damit die Beleidigung. Ich rufe Sie abermals zur Ordnung und mache Sie darauf aufmerksam, daß ich Sie im Reichstag nicht weiter dulden kann, wenn Sie noch einmal die Ordnung so stören. Die Vorlag« wird dem Haushaltzausschutz überwiesen. Hierauf wird die in einer früheren Sitzung abgebrochen« Aus- spräche über die Ablösung der vlarkanleihen fortgesetzt. Ministerialdirektor Gras Schwerin v. Krosigk vom Reichsfinanz» Ministerium volemifiert gegen Angriffe auf das Reichssinanzministe- rium. Bon der gegensätzlichen Rechtsauffassung der Reichsschulden-- Verwaltung und des Reichskommissars in der Frage des Anleihe- altbesitze» hat das Ministerium erst später erfahren. Zwei Angestellte der Reichsschuldenverwaltung haben mindestens objektiv irreführende Berichte gegeben. Die Vorgänge liegen vor dem Amtsantritt des gegenwärtigen Reichsfinanzministers. Abg. Rademacher(Dnat.) beklagt die Benachteiligung der Pfand- briefanftalten, denen die Verfolgung chrer Ansprüche gegen Ge- meinden nachträglich durch«in Sondergesetz unmöglich gemacht werde. Unerträglich ist auch die Benachteiligung reichsdeutscher Be- sitzer altösterreichischer Eisenbahnprioritäten, die aus Mark lauten und nun tschechoslowakische Wertpapiere geworden sind. Dies« Frage müsse im Auswärtigen Ausschuß beraten werden. Abg. Dr. Best(Volksrcchtsp.) schließt sich dem kommunistischen Antrag auf Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsaus- schusses für den Kriegsanleihcschwindel an, ebenso Abg. Stöhr Abg. Torgler(Komm.): Entgegen der Behauptung des Mini- sterialdirektors sind auch kleine Besitzer erheblich geschädigt, dos hat sogar der Reichstagsausschuß anerkannt. Ich frage: Haben die beiden Beamten nicht in ihrem Bericht die Betrügereien zahlreicher be- kannter Banken angegeben, und ist nicht das Reich für die Der- pflichtungen dieser Banken so eingetreten, daß es eine Belastung von 120 Millionen Mark auf sich genommen hat? Die Debatte schließt. Die Einsetzung eines Untersuchungs- ausschusses müßt« von einem Fünftel oller Reichstagsmitglieder ver- langt werden, um zu erfolgen. Nach Feststellung des Ärreaus er- heben sich jedoch nur 46 Abgeordnet«, was zu wenig ist. Nach 7 Uhr abends oertagt sich das Haus auf heute, Donnerstag, 11 Uhr: Sofortprogramm. Zollönderungsgeseh, kleinere Vorlagen. Die Kommunisten verlangen Absetzung der Zollvorlag«, da der Bericht des Handelsvolitischen Ausschusses noch nicht vorliegt. Dieser Antrag wird abgelehnt, Präsident Lob« erklärt jedoch, daß genügend Zeit sein werde, um den Bericht zu lesen und nötigenfalls Anträge zu stellen. Uf�>LoziaMcheArbetterjugendGr..Verlin für»lest TtobrK nur an b«4 3u|e«Ktfnfnri«l BhmmH 7:0>n SS 68, Unbtnftrafc 3 SItznna bt* B.-B. qemeinsnm mit ücm O.-tcMtta beut«, pünktlich 19V4 Uhr, im Bortraussaal tn» P.-V. heule. Donnerstag. 19)4 Uhr. CrnnintbuiA«« 1«: Schul« Erilaicthkirchflc. 19:..Worum Unü wir in der SklI.?"— Sinrden: Seim Lorbing. Eck««rounstraße: Weidnochtsiei-r.— Si-rdxg N: Heim D-iullS«- Str. 82:.SAZ. und Sport".- göpenick«. Bi-rtel: Schul« Wianqelstr. 128:.S«rucll« Sztafltn".— gnttialf« Tor: Hei« Brcher Straß« 27—30: Weidnachten im Spiegel der Rationen".— Südweft! Heim Lind-nftr.<:.S°,ialist>s»«r Märch-nod-nd".— Btftmb; Seim SioNnenstr. 4: Arbeits« emeinlchaft.— Silmersdorf: Seim Wilhelm«ue 123: Mabelabend: »Modern« Modevermirrunaen". Sonnabend Sonnenwende, Treffpunkt IS'd Ulir 5 um ffoifeljma am Febrbelliner Plag. Beginn der ffeier auf dem Seepark lAugustaftraßei.— Dadlem. R.!?.: Heim Zedlendorf, Babnhoistr. 3: Nur». referate.— Wittenau: Hcim Rolcntbaler Str. 16: Uebungsabend.— Buchbolz: Schule Berliner Str. 19:»Sefchicht« der Arbeiterbeweguno".— Bankow Nl, R. R.: Heim Görschfir. 14:»Proletarisch« Weihnachtsfeier� Werbc bezirk Teltowkanol: Sondermrmmern wr Sil-eiter und Zannar»Rotes Laus" wcrdrn morgen abgelchlolken. Einsendungen an E Schneider, gehlen- darf. Erandauer Str. K4->. Werbebczirk Prenzlauer Berg: Sonnabend. 21. Dezember. W.-B.-Borltand»- lihung im Heim Donziger Str. 82. Sämtlich« Abteilungen müssen vertreten sein. Strbebezirk wedting und Prenzlauer Berg: Morgen schickt Icde Gruppe einig« Genossen zur Svrechchorprobe für die Revolutionsseier um 19lv Ahr nach dem Sophien-Gvmnassum, Weinmeisterstr. 17. Die �00. Sinz& Küster-Filiale. Bor einigen Tagen konnte die bekannt« Firma Hinz u. Küster ihr« 100. Filiale in der F r i e dr i ch st ra ß e 8 3 erösfnen. Die Firma, die bereits im Jahre 1876 gegründet wurde hat sich durch gute Lieferung und sorgsame Bedienung das Vertrauen weiter Kreise der Berliner Bevölkerung erworben. Es ist von Jnter- esse, daß die erst« Hinz u. K ü sie r- Fili a l e im Jahre 1886 gleichfalls in der Friedrichstraße lag, und zwar an der Stelle, on der sich heute das Haus der Technik befindet. Uebrigens ist die Einrichtung dieses ersten Geschäftes noch heut« in d«m Ladengeschö'r der Firma am Hackeschen Markt in alt«r unveränderter Form erhalten gebli«ben. Für die Tischlerarbeiten der neuen geräumigen und schönen Filiale hat man dieselbe Firma herangezogen, b:e seinerzeit die Einrichtung des ersten Geschäfts lieferte. Der Aus stieg der Gesellschaft hält mit unverminderter Stärk« an und es ist anzunehmen, daß schon in nächster Zeit einige weitere Filialen eröffnet werden. De« ssirku, jtarl Hogenbrck ist nach einer überaus erfolgreichen Somm-r- tournee in Holland, Schweden und Norwegen im stirius-Busch-Gedäude ein- «rircffen, und bereitet sein diesiges Gastspiel vor. das mit einer Nachmittag-' Vorstellung am 28. Dezember(1. Weihnachtsseierlagi eröffnet wenden soll. Do- Programm ist im Sinne der besten zirzenstschen Tradition ausgebaut, ums«ö> also nicht nur mannigfache Pferde-, Erolen. und Raubtierdressuren, sondern auch eine Auswahl artistischer Nummern von internationaler Klasse. Sofsmann.Plnnos. Di« allseitig« Borlieb« für die Musik sowi« der Ein- für das Erhabene und Schöne dieser Kunst sind die Begründer der Kaurmu-! gewesen, deren Träger— von wenigen Ausnabmen abgesehen— da» Älav-rr ist. Die ffirmo Hofsmann-Piano». Pianofort cfabrik Georg Hofsman G. m. b. K., Berlin SM. 19, nur Leivziger Etr, 87028. 14»/, Uhr. im Krematorium Baumschulenweg. KLEINEANZEIGEN »Ml Ii». Felllienukls Wort U PI. 'nltoi, 2'ilbrftoi'« Wort«).— jlilloi:>i>du dos I Wort ibtroodradti) IS PI., icte«litm Won 10 PI. Worti toll nsbr oll IS Sidatibo« Uhlu dt nni Wort». luoigog, nldn dir dlo oidut« Homncr brlisnil Usd.ntuosbiiiistlnlou 4'/; Uhr nodirnittog:>« dor faiiet-lsicditjE de Vorwirb, UndeostToß« 3. oh�Sihoe wadodilouibt istwodieotagivoo noryni S'/jOhr bis udo-SUh: goBtad. Verkäufe Kleine Webfehler 2X8 16,»» Mark. Kleine Webschlcr 2X8 21,— Mark. Kleine Webfehler 2�X814 Z1-- Mark. Klein« Websehler 2'4x3ti 41.- Mark. Prima Qualität 8X4.'>8.—( Mark. Prima Qualität 2 X 8 88.— Mark. Prima Qualität 214 XSH Mari. Körner, Berlin. Potsdamerstrahe 28«. Hausnummer beachten.__• Zeih. Ikon. GelegenheltÄSuf«. und am der« Markenkameras. Prismengläser spoltbMia, aus Versteigerungen mend. Pholo-TSuber. An de« Span- dauer Brück« 8 ldZahnhof Börfet. Websehlertevpi Webfehler. Teppidh«. ach Auch Teilzahlung. .... 2X3 .2X8 244X814 214x814 3X4 21.- Mari 28.- Mark 81,- Mark 40.- Mari »?.- Mark Gardinen. 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Da rieb ein Chinese in sieben Schüsseln zugleich umher, indem«r vor den Augen des Publikums ein«cht kaiserliches Gericht nach ge- Heimen Rezepten bereitete, und es roch eigentümlich. Aber Jonni ocnl'ngte auf den Stutz davon zu essen, weil ihm v?n irgend etwas wohler werden müsse, hingegen mir wurde nicht wohl«r davon, und ich ließ ihn im Stich Als ich ihn wieder aufsuchen wollte, war ich auf einmal in Ostafrika, und ich sah, daß ich kein Glück hatte. Dieses erspähte ein verdammter Nigger von der Goldküst«, und er verkauft« mir einen Uhranhänger für Löck und Bissineß� was Glück und Ge� schäfte bedeutet, denn imr war, als sollte ich den Tag noch ein« kleine Sache erleben. Jedoch hörte ich wohl, daß er etwas hinter- her mauschelte, als ich meinen Sixpence geblecht hatte, und ein öfter Farmer lacht« lauthals in mein Gehör, der Schwarz« Habs gesagt, meine Frau solle junge Hunde statt Kinder kriegen. Er war aber schon verschwunden, der Goldkostmann, wenngleich ich ihn nicht deswegen, sondern wegen der Oese ansprechen wollte, denn es war kein« daran, als ich da, Ding aushängen wollte. Leider war sie ober gar nicht mehr nötig, well mein«. Uhr auch schon weg war, mitsamt der Kette. Und ich habe es in die Hosen- lasch« gesteckt. Es sah wie«in Weib ohne Arme aus, mit einem reichlich großen Kopf, und auch die Beine waren schlecht ausge- prägt, was sie Fetisch nennen, und ich behielt es nicht wegen der Schönheit: denn es hatte nichts mit einem Ideal gemein, sondern für Löck und Bissineß, uird weil ich wegen der Hunde nichts zu befürchten brauchte, unverheiratet wie ich war. Als ich wieder draußen war. begonnen sie gerade mit den Glühlampen. Ich steuerte auf ein kleines Fahrwasser zu, wo die Lampen dicht wie aufgereihte Butt hingen und«in muntere» Lär- men von'gefüllten Booten ertönte. Auch mußte da Musik sein, und eine B»ück« ging über den Bach. Ein schwarzer Gentleman stand da, und wo er stand, war eine Kasse; das sah tch wohl, darum brüllte er dauernd durch«inen Grammophontrichter: Oooo— u, it is löbbly on die Eiland! Ich segnete mein« Augen, nicht, weil ich ihn fast mit dem Soldkostmann verwechselt hätte, sondern weil dort wirtlich«in Ei- land war, ring? mit Signalflaggen in den Bäumen, kreuz und quer durcheinandergehißt, so daß kein Aas es von weitem entziffern konnte, ob es„Mann über Bord!" oder„Sprengladung klar!" heißen sollte. Ich nahm dos letztere an, bezahlte meinen Schilling und enterte lustig über die Brück«, denn dort war Musik und wurde getanzt. Ilm mich gut einzuführeit, warf ich die Blumen des Ganges, die ganze Schachtel auf einmal, hoch in die Luft und der ganze Quark fiel wie ein niedlicher Hagel in das Geschmetter, und wenn es auch bloß Made in Germany war, es sah doch verflucht prächtig aus und roch besser als alles, was ich je hatte riechen müssen, wovon ich eigentlich etwas mehr Besch- tung erwartet hätte. Die englische Natur ist aber kaltschnäuzig und ohne höheren Geschmack. Darum tat ich, als fei nichts vor- gefallen, und fetzt« mich auf eine Bank, die rings am Geländer herum lief. Es war, weiß Gott, ein fein«r Tanzboden, spuckeglott und on den gehörigen Stellen sauber ausgesägt für die Baum- stämme. Die Musikbonde blies auf großen Tabakspfeifen aus Blech und fingerierte wie toll auf langgestielten Bratpfannen. Es mögen auch ganz ordinär« Banjos und solches Zeug gewesen sein. Wie ich noch so sitze und bedenke, ob es das kaiserliche Geheim- rezept in mir wäre, da fallen mir au» dem Gewühl ein paar Bein« in die Augen, die waren schöner als olles, was mir mein Lebtag »or den Bug gekommen ist. Zudem war auch der Rock sehr kurz. Dennoch muß ich zu meiner Ehr« gestehen, es war eigentlich die Schachtel, mit der man niich hatte anmogeln wollen, und di« nun mitten im Eiland lag, ohne daß sie sonderbarerweise schon zu Mus zerl t.c» war. im Gegenteil, sie wurde von einer Fußspitze, die mit vorgenannten Beinen ebenso natürlich wie anmutig verbunden war, aus einmal und sozusagen mit zartem Inttresse angestoßen und rollt« genau und ausgerechnet vor meine Stiefel. Woselbst ich sie pietätvoll aufhob und neben mich auf di« Bank stellte. Ich sah nun auch, daß besagt« Beine, on denen mein Blick v'r zaghaft hastete, denn ich habe mich immer bemüht, die Landes- si," her Bölker zu achten, mit denen ich verkehr«, und in bezug e-.'f fvs und jenes sind die Engländer ein bißchen kitzlig, also ich sah, daß jenes Balg von Mädchen, hols der Satan, mit einem Nigger tanzte.» Das versetzt« mir gewissermaßen einen Druck in der Kehle, ob- zwar auch dieser nicht der Goldkostinann war, fühlte ich doch den Fetisch in meiner Hosentasche geradezu ein wenig brennen, und es war wohl wegen der Musik, daß ich an die jungen Hunde denken mußte. Wie das Stück nun zu Ende ist, machte ich d«n Hals lang. Aber sie klatschten alle in di« Hände, und niemand dachte daran, sich hinzusetzen, bis aus eine kleine Dicke, der die Puste ausgegangen war. Die Musikbonde juggelte richttg wieder los. Ich saß neben meiner le«ren Schachtel, weiß Gott, ich war noch nie ein Mauer- hlümchen gewesen, sondern schwang ein erfahrenes Tanzbein, und das mit Neigung. Ich fühlt« mich plötzlich sehr verlassen in der weiten Welt. Jonni hatte ich auch verloren. Da schoben und kreiselten sie nun vor meinen Augen sozusagen wi« da« Leben selber, und ich saß allein am Geländer. Es mischte sich alles durch- einander, die Glühlampen, die Flaggen, und di« langen Beine mit den hellen Strümpfen und die Glühbirnen sahen aus wie die Flower ni tb' Ganges. Die klein« Dick« blinzelt« mir zu, ich merkte--s wohl, und ich rückte meine Schachtel«in Stück von mir ab und legte auch meinen Hut daneben, einesteils, weil mir heiß war, ondemteil», als wenn der Platz besetzt sei. Auf einmal war olles still und, mein Gott, die mit den Beinen kam geradewegs auf meine Gegend zu, und ich konnte den Hut gar nicht so rasch wegnehmen. Sie steckte ihr« Nase aber kühl in die Luft. Ich peilte unauffällig nach links und rechts, aber der Nigger schien sich ver- drückt zu haben. Und ich schielte auf ihr geschlingettes Haar und sah mit Freuden, daß dort einig« Krümel von den verwelkten Gangesblumen hineingefallen waren, rote und blau«, und ich flucht« nicht mehr, daß sie mich mit der Sachs aus Deutschland an- geschmiert hatten. Dielmehr wurde mir so wehmütig ums Herz, warum dieses arm« Geschöpf mit einem schmutzigen Neger tanzen mußte, so süß wie sie war. Aber ich wußte nicht, wie ich es anfangen sollt«. Da bemerkte ich, wie sich ihre Nase ein wenig zu- sammenzog und sie schnüffelte nach rechts und links, und ich war mir nichts Bös«? bewußt: jedoch ihr Blick siel auf mein« Ganges- schachte!, die noch neben mir stand. Und ich segnete dies lächerliche Stück Poppe, denn ich hatte es gerade wegnehmen wollen, wegen dcs Abstandes. „Oh", sagte sie und schnupperte wie«in entzückendes Kanin- chen. Danach erfaßte sie sie und hob sie on ihre Nase und sah mich lächelnd an. Worauf ich murmelte, was mir eben so einfiel wegen der schlechten Schachtel, die nach falschen Gangcsblumen duftete. Und ich zog die Hand aus der Hosentasche und legte ihr den Fetisch hinein, weil ich im Augenblick nichts anderes hatte, um sie zu er- freuen. Sie hüpfte ordentlich ein klein wenig von der Bank hoch. „For Löck!" sagte sie beglückt tSchluß folgt.) Steifen und Abenteuer In seinem n«u«n Buche„Die seltsame Insel"(Bertag von Dietrich Reimer, Berlin. Preis in Leinen S M.) führt uns Bengt Berg hinaus aufs Meer, zu einem geheimnisvollen Eiland wett draußen in der Ostsee. Wie«in Traumland ragen die seltsamen Inseln aus der drohenden, schäumenden Flut. Alt« Sagen raunen um sie, und die Felisenrisse bergen nach der Ueberlieserung zauber- Höstes Göll». Tödliche Einsamkeit herrscht hier im eisigen Winter. Aber wenn der Frühling kommt, dann kehren die Inselbewohner zurück und sitzen zu Tausenden aus den Felsen, die Eiderenten und Möven, die Lrnnmen, Falken, Stare, Bachstelzen und wie sie all« heißen. Bengt Berg kennt sie, wi« man sein« vertrauten Freunde kennt, er hat sie Wochen und Monate hindurch belauscht und ihr Dill» mtt Hilf«. seiner Kamera festgehalten. Keine Mühe war ihm zu groß, keine Strapaze zu halÄirecherisch, Wenn es galt, be- wegungslos im eisigen Wasser zu st�en oder auf den Felsen heruin- zuklettern oder gar im Balloirkorb, der als Felsblock verkleidet war, am Drahtseil zu hängen und in schwindelnder Höhe den König der Insel, den Falken, zu belauschen. Ein wundervolles, lebendiges und mitreißendes Buch. Noch weiter hinauf nach dem Norden, in die Heimat des Ren st- tiers und des Eisbären, des Schneehuhns und des Hermelins führt Albert B i k st e n in seinem Buche„Abenteuer im Eis- meer"(Verlag Büchergilds Gutenberg, Berlin 1929. 209 S. Preis 4M M). Er erzählt von der herben, grausamen Nawr des Nordlondes und seinen Bewohnern, von den Proletariern des Eismeers und der Schneewüsten, die täglich Hunger und Kälte, Krankheit und Tod anheimgegeben sind und unter Gefahren, di« sich kein Europäer träumen läßt, ihren kargen Lebensunterhalt erwerben. Er schildert eine Well, in der nur der Stärkste und Ausdauerndste, der Gesündeste und Geschickteste dasemsberechttgt ist. Das spannend ge- schrieben«, gut ausgestattete Werk hinterläßt tief« Eindrücke. Einen Einblick in die Geschichte der Polarfahrten gibt Otto Kotz in feinem Auch«„Neun Männer im Ei». Dokuments einer Polartragödie"(Neuer Deutfcher D erlag. Berlin 1929. 204 S. Preis 5 M). Im Mittelpunkt des interessant geschriebenen Buches steht die prassln"-Expe-dition, die zur Rettung Nobile» ousgesandt wurde. Der Berfasser zieht Dokumente zur Stützung seiner Au». sührultgen heran und bemüht ssch, der objektiven Wahrheit nahe zu kommen. Eindrucksvolle Bilder dcs' heutigen Rußland zeichnet A. E. Johann in seinem Buche„�0000 Kilometer. Eine Jagd auf Menschen und Dinge rund um Asien"(Berlag Ullstein, Berlin. 281 S- Preis 5 Mk.). Wir begleiten ihn im Bauernschlitten durch die Oed« und Trostlosigkett des sibirischen Winters und werfen einen Blick in das Land der Sqwjets, in Fabriken und Betriebe, in Werkstätten und Bergwerke. Johann ist als Verehrer Sowjetrußlands aus- gezogen, aber infolge feiner furchtbaren Erlebnisse und Eindrücke als tief Enttäuschter heimgekehrt. Da» Buch bietet endlich reizvoll« Bilder aus Japan und China. Biel« Tausende von Kilometern weit führt auch Richard Ka»; seine Leser:„Ein Bummel um die Welt. Zwei Jahre Welt- reise aus Kamel und Schiene, Schiff und Auto"(Berlag- Ullstein. 1929. 2Sfi S. Preis 5 M.) Auch ihm kommt es vor ollem darauf an, die heutige Wirklichkeit zu erkennen, Borurteile abzulegen und neue Eindrücke aufzunehmen. Di« reifere Jugend wird aus dem nach Sachlichkeit strebenden Buche, das zu den Problemen der „gelben" und der„schwarzen Gefahr" in einer Weif« Stellung nimmt, die unserer sozialistischen Austastung sehr nahe kommt, manches lernen können, wenn es sich auch hier nicht um die Arbeit eines Forschers, sondern eines ausgesprochenen Weltenbummlers handelt. Ein Freund sachlicher, wahrheitsgemäßer Darstellung ist auch A. E. Brehm, der in seinen beiden im Verlag von Julius Beltz, Berlin, erschienenen Bändchen„Forschersahrten durch heißeZonen",„ForschersohrtendurchkolteZonen" (je 80 E. Preis 90 Pf. und 1,10 M.) scharf umrissen« Bilder aus der afrikanischen Wüste und dem Urwald, aus der Einöd« Sibiriens und den nordischen Vogelbcrgen gezeichnet hat. Ganz aus unmittelbarem Erleben geschrieben sind die Tagebuch- auszeichnungen des Filmoperateurs August Brückner, die Arthur Heye unter dem Titel„Filmjagd aus Kolibris und Faul- t i« r«" im Safari-Derlaq, Berlin 1929, herausgegeben hat(208 S. Preis 4M M.). Ein Jahr der Erkenntnisse, der Gefahren und Er- lebnisse rollt sich vor uns ab. Man erhält einen tiefen Einblick in di« Umwelt, in der solch«in Urwaldfilm gedrehl wurde Ein Land berauschender Schönheit schildert Günther P l ü s ch o w in seinem„Silbertondor über Feuerland" (Verlag Ullstein, Berlin. 283 S. Preis geb. 7 M.). Eine abenteuer- tiche Fahrt in der kleinen.Holzpantine", einem 16 Meter langen, 3 Meter breiten Segelboot liegt hinter ihm und seiner Besatzung, als sie endlich Südafrika erreichen. Im Flugzeug überqueren Plüfchow und Dreblow die Eisriesen Feuerlands, ihre Moränen und Gletscher, ihre Schluchten und Felsmossw«, die noch kein Menschenouge vor ihnen erblickte. Wundervoll« Aufnahmen illustrieren das schön« Buch, bessen Lektüre für Jugendlich« wi« für Erwachsen««in Genuß ist. Der Verlag Ullstein läßt ferner einen Saminelband ,.D a s große Abenteuerbuch. Begegnungen mit Menschen, Tieren Elementen und dem Zufall"(317 S. Preis 3 M) erscheinen, der sich aus zeitgenösstschsp Erzählungen aus der Feder Frank Hellers, Jack Londons, Mastm Gbrkis, B. Traven« und vieler anderer zu- fammensetzt. Ein sehr empfehlenswertes Buch für die Jugend ist in der Franth- schen Verlagsbuchhandlung, Stuttgart, erschienen. Es betitelt sich „Durch die weite Welt"(260 S. Preis geb. 3,60 M.) und enthält spannend« Erzählungen, interessante naturwissenschaftliche und technische Aussätze, sportliche, hygienische, kulturelle Plaudercicn, Aufgaben, Rätsel und Scherze. „Bibis groß« Reife" von Karin Michaelis(Herbert Stuffer Berlag, Berlin. 343 S. Preis geb. 6,50 M.) ist die Fort- setzung des letztjährigen ersten Bandes. Die dänisch« Schriftstellerin führt in diesem zweiten Bande die Erlebnisse und Eindrücke des abenteuerlustigen kleinen Mädchens Bibi in Deutschland vor. Bibi lernt den Spr«ewald und Berlin, das Riesengebirge und den Schwarzwald kennen. Ueber olles, was sie in sich aufnimmt, erhält „Paps", ihr Voter, in schön illustrierten, ausführlichen Briefen Stach- richt. Auch die sozialen Verhältnisse der geschilderten Gegenden werden verschiedentlich in einem uns naheliegenden Sinne gestreift. Ein originelles, unterhaltendes Mädchenbuch. Ein weltumfassendes Büchlein voll Wette und Menschlichkeif hat Anna Siemsen, die Verfasserin des einzigartigen Reisebuches „Daheim in Europa", der sozialistischen Jugend geschenkt. Es heißt„Menschen und Menschenkinder aus aller W e H*(Urania-Veriogsgesellschaft, Jena. 112 S. Preis Halbleinen 3 M.). Es überbrückt oll« Grenzen, di« heute noch zwischen den Völkern der Erde bestehen, indem es sich an die Jugend wendet und ihr zeigt, wie nordische und asiatische Kinder, afritamiche und chinesische Jugendlich« auswachsen, wie sie uns Kameraden und Freund« und innerlichst verwandt sind. Eine feinsinnige Wanderung um di« Welt, an der man nicht nur die sozialistische, sondern die ganze deutsche Jugend teilnehmen lassen möchte. Or. El»« Möbm. SS. trareii; Wie WlauUiere kuriert iverdöii Sitte kleine SIiMt entnehmen wir mit Erlaubnis be» ZieM,-» drm neuen Roman van B. Zraven„Die weihe Rose", der jeht bei der Bilcheraild« lhutenberq erscheint. Einer brionderen Änordnuna des Verfassers tolqenb, ist der Roman dem ösfentUchen Vre. kauf endwaen. Das Buch wird iirfalnedcssen nur on Milalieder der Alcherqilde Gutenber« abaegeben. Drüben, in der Nahe des Zaunes, der den weiten Hof im» friedigt, steht Margarito, der Mayordomo der Hazienda, und doktert zwei Mitles, die. sich rnsolge ihrer Trägerarbeit den-Rücken durch gescheuert haben. Er wäscht di« Wunden mit schwarzer Sei'« und heißem Wasser sorgfältig aus und singt dabei. Er singt dos uralte Rancholied von dem schonen Indlanc:- mädchen, das einen Indionerburschen liebte, ach so sehr, so sehr l:«bte. Aber dann kam der Mexikoner mit dem großen roten Hut und schweren silbxrnen Sporen heraizgesprengt, ach so sehr stolz, so sehr stolz, herangesprengt auf einem weißen Roß, ach so sch»', so sehr weißem Roß, herangesprengt. Und der stolze herrische Mexikoner auf weißem Roß und-mit großen silbernen Sporen mochte viet honigsüße Worte, och so sehr süße�so sehr süß« Palabräs. Und er verjührt« dos Jndianermogdelein, das och so sehr, so sehr in Furcht war vor dem stolzen Mexitanex in dem großen roten, ach so sehr großen roten, so sehr großen roten Hut. Und endlich bekam das Indianernlägdelein ein kleines Kiirdlein, ach ein so ganz kleines Kindlein: und dös Mägdelein, die Mamocita tan morena, starb mit ihrem kleinen Kindlein heimlich in tiefen, och so sehr tiefen, so sehr tiesen Busch, und eine blau« Btonc, och so sehr blaue, so sehr blaue Blum« siel aus ihr Grob, das die Aineifeil, ach so sehr geschäslig, so sehr geschäftig über das Mägdslein gebaut hatten. Während nun Margarito die hundertzwonzig Strophen, oder wie viele es fem mögen, singt und mit Andacht und Inbrunst die Reime schmelzend wiederholt und wiedcrhott, unterbricht er sich zuweilen und schreit aus die Males ein:„Caramba, zum Donnerwetter, du Cabron, du himmelgottoerfluchter Hurenfohn, steh endlich still ober ich trete dich wahrhasttg, bei der heiligen allerreinsten Himmels- fungfrau, per Santa Purissima, doch noch in den verfluchten Ursch, du stinkiger Sohn einer alten Hure." Aber dieses gelegentliche Zurückfallen in di« brutale nuckle Wirklichkeit des harten arbeitsreichen Leben« tut dem gefühlvollen Gesang des Margarito keinen Abbruch. Er singt noch dieser irdischen Entgleisung ohne erschütternde Dissonanz sofort wieder in rührend schmelzender Weise von dem schönen Jndianermädchen, das von einem stolzen Mexikoner in rotem Hut und aus fenrigem lveißcn Roß verjührt und entführt wurde. Dissonanzen sind Mar-rnfo srenrd. Alles reimt sich»nd alles ist Harr-au-- Amerikanische Rekordzisser der Autounsalle. Die Metropolitan- Lebensversicherungsgesellschast in New Jork teilt mtt, daß in den ersten 10 Monaten von 1929 unter den 19 Millionen Versicherten in den Vereinigten Staaten und Kanada ein« Rekordzunahme on Todesfällen durch Autounfälle zu verzeichnen ist. 3079 Vsrsicherls verloren in diesem Zeitraum durch Kratfwage» ihr Leben, d.ch). 19,5 aus je 10000. Man kann danach erwarten, daß die Gejamtzifser für das ganze Jahr doppell so groß sein wird wie die vor 10 Jahren und neunmal so groß wie 1911. Kraftwagen sind die Ursache eines Drittels aller Sterblichkell durch Unglücksföll«: sie betragen 2 Proz. der gesamten Todesziffer. In den meisten Fällen wird da? Unglück durch zu rasches Fahren hervorgerufen. Der Wald Rordeuropas weist 40 verjchicdenc Banmarten auf, der Wald Nordamerikas dagegen 400. Dieses hat seine Ursache darin, daß die Eiszell in Nord- und Mitteleuropa viele Pflanzen vernichtet hat, während dies in Nordamerika nicht in dem Maße der Fall war. ( V© ) Theater, Lichtspiele usw. Donnerst. 19.12. Staals-Ooer Unter d. Linden A.-V. 284 19'? Uhr Ein Staots-Oper Am Pl.d.Republ. Vorst. 104 !?>-- Uhr HolfniaDDi Erzäliluogen Donnerst., 19 12. Stadl. Oper Bismarckstr. Turnus i 20 Uhr OerBartm Sevilla StaatLSchagspli. am Gendarmenmarkt A.-V. 250 20 Uhr Staatl.Seliillef-Tlieater.Cliarltii. 20 Uhr: Kabale nnd Liebe Winfer ★ Garren� B Uhr> Zenlr. SUIS• Banfflm erlaahl I 16 Original Lawrence Tiller- Girls I und weitere Varietd- Neuheiten TTieaterl. d.Behrenstr. 53-54 A 4 Zentrum 926/027 SV« ... Vater sein, dagegen sehr GROSSES SCHAUSPIELHAUS 8 Uhr: 3 Musketiere Regie: ERIK CHARELL. ».m.' CASINO-THEATER| Lothringer Strohe 37. ?reiHt-6M. nn. 2 Tarsttl. s ui r/, nr taiMrun«4 WoMguSO. 51 PI.-3H. Miiref-Baiien, Rama. Stanirr n. Mar. Paresoll& Co,, Berat& Partner usw. PLAZA ITägl. 5 u. 015 Saeni.Z.Se 5" Klo». E. 4. 8066 INTERNAT. VARIETE WWW Direktion: Or, Martin Zickel WWW Komische Oper Friedrichsir. 104, Merkur 14014330. Wiedereröffnung nach Tollctied. Umbau Sennab., d. 31. Dar.: UrauffOhrg. 7'.% U. Nulla«II Bulla Schwank ron Arnold und Bach mit Guido Thielscherg Fritz Schulz, Heinr. Schroth, Eu{ Burg. Hilde Hildebrand, Margot Wz Sarriaan, Flink, Böhmer, V/enck Z. Bona- und Feien ags nachm. 4 Uhr: Praii ohne Kussl Lustspielhaus rnerfriefattr. 236. Bergmann 2922 33. Dennerateo zum letzten Mal: Oramd Hotfel Neri Greger— Walter Slezak Freitag, den 21. Der.; Premiere IV« Uhr .. Wletf«snllct«!" Laetapiel roe Ledisleve Fodor K»the Beeck, Hera Groger, Peel Heidtmaee, Kerl seh, Martha M. Newee, Gend tterm, Platan, Beckmann, Fache Vorverkauf In beiden Häusern ab — 40 Uhr ununterbrochen. VoncsbfUine Tlitalei amBüloitalali 8 Uhr Affäre oreyfus Schauspiel von RenS Kestner Regie: H. D. Kenter. W.Sdiiller-Tti. 8 Uhr KabaieDiielie smittoper in Platz derDepnlllk 71'- Uhr Hoffoiaons Erzählangen Theetsf am idUlDnotraann 8 Uhr Der neue Schlager! Familie Hannemann. QeDtJdies meattr 0azu«>» erstklassiger bunter Teil. Kgsf.228 Blumenst.9 Eiöfloimgsviirsfflliinj Sonntaj, 22. Dez.?>- Ohr Dis Krone im Wo lolkst.111itMnil11.T1iR. An beid. Feiertagen '-.30.: Weilmaditsvundei 5 Ohr: Friiduiki. Rundfunkhörer halbe Preise. Lessing-Theater Norden 10846 Mosiuwr bchrfisch Untler-Thiitir Hernie«>A Uhr retivanlcllaai anläßlich d. lOjJh- rigen Bestehens der Hablma Dybuk D.I. Norden 12310 8>/. Uhr iDer Kaiser V.Amerika von Bernard Shaw RegcMa» Reinhard I Kammerspieie 0.1. Norden 12310| IVc Uhr Lcbfi Vomellaiaai\ lor gefl. WM| Sonnabend, 21. Dez. 7'/s Uhr Zum 1. Male: Dösire Komödie von Sascha Oultry. Regie: Leo Mittl er. Die Komödie j 1 1 Bismck. 2414/7516 81/« Uhr Yom Teufel gehelt! von Knut Hamsun( Regie: MakRelnhardt IL a.1 Vorvk. 10-2. Kf. 2001 Täglich 8'. 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Merkur 1624 Täglich Pk Uhr Max Adalbert in Das ParfOm meiner Frau Lustsp. v. Leo Lenz TätaL a. Kotib.Tor Kottb. Str. 6 Tägl. S Uhr auchSonm. nachm.SU.: Cllte- säng« Oae elexig datteheede, vlateeitlga Welhnachta-Pr. DratsdieiitailarlMWeiliaiit ueruiaitungsmitgiieden «m Freitag, dem 20. Dezember, keine Sifcnnq der Mittleren OrteorcmoUang. Die Auszohlnng der Liquidottonen erfolgt am leiden Tage dein, Kollegen Schmidt in der Zeit von 3- 6 llhr noch m Die OriererweHmig. Kapitän:KaDtabak 15� KapitMpiDbagener..20p>. Die Marke derFelnschmecker in den meisten Geschäften käuflich Carl Rttckrr, Berlin XO.{ Uichtenberger Str. 22, Kgst. 3861 Iis Ib Oeffr. iasa Zu Weihnachten empfiehlt Hambadtene Napfkuchen ff. Stollen/ Corten Bisbomben/ Baiset tot ten kl bester QilalMi tm Fast mdnfen /rühMotUe arbaiam I F. W. Gumpert, Konditorei Berlin C 2, Königs fr. JJ-J4 ZatefggaecASfl t O 34. Frankfurter Allee 33A � M±. B-nUMMOaSM ilefdkJkUlMfba