BERLIN Sonnabend 21. Sezember 1929 10 Pf. Tit. 596 B 299 46. Jahrgang ® rfcb« int tasHA a»S«r Soavtag«. Zugleich AbkNtail�gabe d«».DorirärtS�. Betaq<»reit beide Ausgaben»SPf. reo Woche. g,K»W. pro Monat. Redaktion und Eroebitloni Berlin SW6S.LlNdenKr.s U>»z«ise«»»reis: Di« ekusvaltige Nonrareillezeil« So Pf.. Reklamezeile S M. Lrmäßiaungen nach Tarif. Poöfcheckkonto: VorwSrtS-Valag G. m.b.H., Berlin Nr.»7SZK. Fernsprecher: Dönhoff 292 bU 297 Boxkampf Schiele-Hugenberg! Drohende Abspliiierung der Agrarier vom Hugenberg-Block. Keine Gchlachischiffbauien mehr. 5a der Fraflionssihung der Veulfchnaklonalea am gestrigen Freitagabend gab e» stürmische Auseinander sehungen. Die so- genannte Grüne Front, deren unbestrittener Führer der Zieichetageabgeordnete und frühere Landwlrtschaftsminister Schiel« ist, wünscht begreislicherwelse die Annahme de» Zolländerungsgesehes. da sie einen beträcht- lichen Teil ihrer wünsche darin erfüllt sieht. hugcnberg ober in seinem Hätz gegen die jehige Regierung and das d�inotic-lisch-pariameulorische System überhaupt wollte, daß die Deulschnotionale Partei geschlossen gegen da» Zolländerungsgesetz stimme. Darauf drohke die Grilne Frank offen mik dem Abfall von der Hugenberg-Parlei. Einen Augenblick schien es in der Fraklionzflhung so, al» ob ein tatsächlicher Zusammen st oh zwischen hugenberg und Schiele unmittelbar bevorstehe. Dieser Boxkampf, zu besten l Verhinderung eine herzaltacke gerade nicht zur Verfügung stand. wurde noch im letzten Moment durch da» Dazwischentrete« der Versöhnler verhindert, hugenberg verzichlele daraus, die ganze Fraktion zur Ablehnung der Zollvorlage zu binde», den« schließ. »ch weih sogar er. daß gegen eine Absplitterong der Agrarier die Sezession der zwölf Treviranus-Leute ein Kinder- spiel gewesen wäre. Schiele hat also gesiegt. Aber dabei ist noch nicht klar, ob die tcute um Schiele auch dann sür die Zollvorlage stimmen werden. wenn bei der Wiederholung der Gersienzoll-Abstimmung die über- raschendc Annahme des Füns-Mork-Antrags von gestern wieder rückgängig gemacht werden sollte. In diesem Falle aber wird das Zollgeseh mit der ausreichenden Mehrheit der Regierungsparteien angenommen werden. Tilgungsgesetz im Reichstag. Im Reichstag begann heute vormittag Ii Uhr die erste Lesung des Tilgungsgesetzes mit folgender, im Namen der Regierungsparteien abgegebenen Erklärung des Abgeordneten Dr. B"üning(Z.):„Der Eniivurs eines Gesetzes zur außerordenilichen Tilgung der schwebenden Reichsschuld ist«ingebracht worden aus der Notwendigkeit heraus, noch vor der Vertagung des Reichs- tags die Voraussetzungen für die U« b e r w i n d u n g der Kasse ii schwierlgkeiten des Reiches zu schaffen. Di« Stellung der von den Antragstellern vertretenen Parteien zu dem Finanzprozramm. dessen Grundziige die Regierung entwickelt hat. wird dadurch nicht geändert. Die Parteien sind sich bewußt, aus dein hiermit eingeschlagcnen Wege gleichzeitig die Fortführung der durch das nationale Interesse gebotenen Außenpolitik zu gewährleisten. Reichskanzler Müller: Der Antrag ist als I n i t i a t i v g e s e tz der in der Regierung vertretenen Parteien eingebracht worden. Das war nötig wegen der raschen Erledigung dieses Gesetzentwurfs. Ich habe am 12. Dezember im Reichstag auf die Notwendigkeit der Ueberwindung der Ultimoschwierigkeiten mit aller Deutlichkeit hingewiesen. Die Reichsrcgierung war damals der Auffassung, daß nach Vorlage ihres Reiormprogramms und mit Erledigung des Sofortprogramms die vorhandenen Schwierigkeiten überwunden werden könnten. Das j Reichssinanzministerium hatte dazu Verhandlungen mit, einer amerikanischen Banksirina eingeleitet. A>s diese i Verhandlungen am Mittwochabend noch zu keinem abschließende» E yebnis geführt hatten, habe ich das Kabinett aus Donncrctag vor- m'ttag berufen, weil nach meiner Ueberzeugung die Entscheidung nicht länger hinausgezögert werden durfte. Di« Reichsrcgierung mar in dieser Sitzung einstimmig der Auffassung, daß Inner» halb 24 Stunden Klarheit über die Ueberwindung der Kassenschwierigkeit geschaffen werden mußte. Das Kabinett ersuchte mich, dazu Verhandlungen mit dem Reichrbankpräsidenten zu führen Diese Verhandlungen ergaben, daß zur Behebung der rorhandenen Schwierigkeiten eine Erweiter u na des Sofort- Programms der Reichsregierung nötig war. Das Ergebnis dieser Verhandlungen fand seinen Ausdruck in dem vorliegenden Antrag 15Z7. Der Antrag ist also unter Mitwirkung der Reichs- regierung entstanden. Nur wegen der Notwendigkeit einer raschen Entscheidung Hot die Reicheregierung nicht einen eigenen Gesetzentwurs im Reichsrat eingebracht. Sachlich entspricht der Antrag dem 14. Punkt des am 12. Dezember vorgelegten Finanzprogramins. Ich Hobe in meiner lFortjetzung aus der 2. Seite.) England, Amerika, Japan sür pause bis 1956. „ New Bork, 21. Deze«»«. Washingtoner Meldungen zufolge wirb die aueeri- konische Regierung ans der londoner Flottenkonferenz den Vorschlag, eine Pause für die Ersatzbaute» der Liuieusch'°fe bis 1S3« einzusetzen, machen. England« und Japans Zustimmung zu diesem Borschlag liegt bereits vor, so daß der Plan bereits als gesichert aage» sehe» wird. Dir«esamtersparaisse der fiius Mächte ans dieser Maßnahme werden auf 1.200 Millionen Dollar geschätzt. Der japanische Hauptdelemerte W o tot t u k i für die Lruchoner Flottenkonferenz hat erklärt, Japan fordere für sich selbst Tä Proz. det Stärke der größten Seemacht. Iäpdn könne aus U-Boote nicht oerzichten. Japan würbe bereit sein, auch ein« Bereinbaruntz Ä- treffend eine Unterbrechung des Baues von F u g z e u g m u t t e r- schiffen� zu erwägen.> - Paris, 21 Dezember.(Eigenbericht.) Die franzpsische Regierung hat an alle zur Londoner Flotten- konfcrenz eingeladenen Mächte ein Memorandum gerichtet, in dem sie ihren Standpunkt darlegt. Für heute erwartet man auch die Antwort Italiens auf die letzte französische Note die bekamiilich Italiens Forderung auf die Flottenparität abgelehnt hat. Ungarns Haager Sabotage. Paris, 21. Dezember.(Eigenberichts Nach dem deutschen Botschafter o. Voesch hat Bliond am Freitag den tschechischen Gesandten O su s l i und den ungarischen Außen- minister Walto empfangen. Osuski bestätigte, wie der„Petit Parisien' berichtet, daß die Kleine Entente dem Poung-Plan zu- stimmen werde, wenn die Probleme der Ostreparationen nicht noch rechtzeitig geregelt werden können. Die Unterredung nnt Walko vertief negativ, da- der Ungar den Bermittlungsbemühungen Briands gegenüber keinerlei Entgegenkommen zeigte. Loubet gestorben. OerStaatspräfideutdesOreyfus-prozeffes und der(htitttie pari». 21. Dezember.(Eigenbericht.) Der ehemalige Präsident der französische« Republik EmUe Loubek ist am Freilag im Aller von gl Zahren aus seinem Landgut ia der Gegtmd so« Rinateiimar gestorbeu. Unter Lollbvts Amtszeit, die in der gefährlichen Zeit des PtzWNnaftandai« begann, stet der Dr« y s u s- Prozeß und die Trennung zwischen Kirche und Staat. Loubet, dessen Wahl einen stark betonten i-e p u b i i k a ni s ch e n Charakter trug,, war daher den wildesten Angriffen der Reaktion ausgesetzt. Der Baron Christiani hatte sich bei einem. R-qyen in Outeujl soweit in politischer Leidenschaft hinreißen lassen, daß er dem Präsidenten der Republik mit einem S'ock den Zylinder Hut einschlug. Während seiner Amtszeit wurde auch die Entente corciiaie mit England abgeschlossen. Der Besuch Loubets in Rom führte zu einem schweren Zwischensall mit dem deutschen Kaiser Wilhelm II. Loubet hatte sich dem deutschen Botschafter gegenüber breit erklärt, den Kaiser, der sich zu gleicher Ziet incognito in Italien aufhielt, zu besuchen. „obwohl er eigentlich der Aeltere sei". Der Kaiser forderte aber,.zu allen offiziellen Festlichkeiten zu Ehren Loubets in Rom zugelasien zu werden. Als die italienische Regierung dieses Verlangen ab- lehnte, reiste Wilhelm erzürnt von Italien ab und hielt kurz darauf in Karlsruhe sein« sensationelle Rede, daß Deutschland„sein Pulver trocken halten müsse'. „Werwols" aufgelöst! �»nächst in Hamburg.— Sükien beschlagnahmt. 1 Hamburg. 21. Dezember. Aus Grund des Gesetzes zur Durchführung des Versailler Vertrages wurde die Organisation„Werwols' durch eine gestern abend ergangene Verfügung de, Senat» im S i a a l»- gebiet hambttrg verboten. Räch Rlilieilung des Verbandes wurden sämiliche Geschäftsakten beschlagnahmt. Eine amiltche Erklärung über die Gründe des verbot» wird tu kurzem erwartet. Der Grund dieser Maßnahme ist darin zu suchen, daß durch den Wehrwols- Verband W a sfenlager unterhalten und andauernd militärische UebunFen veranstaltet worden sind. E» wurde weiter festgestellt, daß die Organisation völlig nach mi- litörischem Muster ausgezogen worlen ist. Alle Ver- anitaltungen des Wehrwols geschahen aus Grund von„Befehlen' der leitenden Perkonen. Schnee in Sicht? Zm ganzen Reich berrschl seit Donnerstag klares und so«- niges Frost weiter, in einigen Gegenden sind vereinzelt stär- kere Rebel zu verzeichnen Ob dieser witlerungscharakter aber von längerer Daner sein wird, erscheint nach den vorliegenden Anzeichen' fraglich Wenn auch für morgen noch nicht mik einer grundlegenden Aenderuug de» Wetters zu rechnen sein wird, ist zu Beginn der kommenden Woche wahrscheinlich ein leichtes Ansteigen der Temperaturen zu erwarten. Furzeil herrschen im Reich durchschnittlich 5 bis 8 Grad Sällr Ilcbcr England dringen milde ozeanische Lustmassen ostwärts vor. sie werden zunächst in Westdeutschland Bewölkungszunahme und vermutlich auch Schnee- fälle bringen. 3n Ostengland und an der französischen Küste, wo tagelang ziemlich starker Frost herrschte, ist bereit» milderes Wetter eingetreten, die Temperaturen logen bei null Grad.— 3a Berlin ist morgen wahrscheinlich mit leichter Bewölkung bei trockeae» weiter zu rechnen Ausdehnung der Käliewelle. Rew park, 21. Dezember. 1 Die seit-einigen Tagen im mittleren Westen der Vereinigten Staaten herrschende K ä l t e w« l l«- hat sich gestern bis nach New- Park ausgedehnt. Im New-Porker Hafen macht ein dichter Nebel jeden Verkehr unmöglich, so daß 50 Ozeandampfer festliegen.— In Neu-England find durch starke Schneestürme sämtliche Telephon- und Telegraphenleitungen unterbrochen. Nach Meldungen aus C h i k a g o kamen im mitlleren Westen infolge der kälte und der heftigen Schneestürme Z» Menschen um« Leben. Winterstünne and Verkehrsstörungen ia Bulgarien. Nach einem Telegramm des„Pester Lloyd' ist es nicht mir in Rumänien, sondern auch in ganz Bulgarien infolge der starken Schneefälle zu allgemeinen Verkehrsstörung«» gekommen. Die Hauptstadt Sofia ist seil zwei Tagen von dem größten Teil der Provinz abgeschnitten und kann nicht einmal tele- graphische oder telephonische Verbindungen herstellen. Die Eisen- bahnoerbindungen sind durch die Schneeverwehungen am stärksten betroffen. Allein Zwischen Sofia und Dragoman stecke« vier Züge im Schnee fest, darunter der nach Belgrad bestimmte Orient-Expreß: auch der Eimplon-Txprcß tonnte nicht weilersahren. Auf dem Schwarzen Meer herrscht ein starker Orkan, so daß zahlreiche Schisse in den Häsen Zuflucht suchen mußten. Di« Temperaturen sind überall stark gesunken. Aus ganz Bulgarien werden infolg« des Frostes Unfälle gemeldet. In Sofia ist infolge zu starker Schneebelastung eine große Autvmobilgarage eingestürzt wobei mehrere Autos vollständig zertrümmert wurden. 3 Grad Kälte in Venedig. M o i l a n d. 21 Dezember. In Mittelitalien in den Slädten Aquila, Perugia, Spo- lern und Toleniino rst in der vergangenen Nacht reichlich Schnee gefallen. In Venedig sank das Tbermometer auf 3 Grad unter Null. Ein Maurer wurde erfroren ausgefunden. Die Rede des Reichskanzlers. (Fortsetze»» von der Leite.) .Sc som 12. Dezetnkter der Notm-mdigkeit der Tilgung der Reichs. schulden eine besondere Bedeutung beigemessen. Sch Hab« damals über das beabsichtigte Reform ge.jsetz gesagt, daß es eine Zkd. deckung des nach der Bernbschiedunjx des Nachtraashaushalts für VS29 und der Verwendung der KreuMr-Anleihe noch verbleibenden ungedeckten Teils des Extraordi Nartums durch Tilgungs. Zuschüsse aus dem ordentlichen Haushalt vorsetze. Dieses Tilgungsprogromm sollte sich im übrigen auf alle außerordentlichen Ausgaben beziehen, die in der Zukunft entstehen. 5ür jede außerordentliche Ausgabe jollle ein Sondergeseh Umfang. Tempo und Deckdng regeln. De? vorliegend« Seseßentmurf nimmt einen Teil dieses Pro. gcamms vorweg. Cr legt für das Etatsjahr 1930 die Tilgung von 450 Millionen M. geießlich schon sesr. Das erwies sich als notwendig. nachdem gegen die Erwartung der Regierung sich herausgestellt hatte, daß das vom Reichstag am 4. Dezentber bewilligte Sofort- prvgramm, das die Erhöhung der Tabaksteuer und der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung.brachte, zur raschen Beschaffung der nötigen Itttimakredrte von 330 Millionen Mark nicht ausreichte.(Hört, hört!) Die Reichsregierung hat die fünf in der Regierung ver- tretenen Parteien dann dringend gebeten, für die alsbaldig« Ver- abschiedung dieses Gesetzentwurfs einzutreten� weil sie allein dadurch die rechtzeitige Beschaffung der bis Ende Dezember erforderlichen Kredite gesichert sich. Die Talsache der am Vonnerstag erfolgten Einigung zwischen den Regierungsparteien hat es möglich gemacht, daß die für Dezember erforderlichen Kredite zur Verfügung flehen werden. Damit sind die außer»rdoutl tchen Gefahren ab- gewendet worden, die in der Gegenwart und in der nahen Zukunft Staat und Volk sehr bedrohten, und über die ich heute nicht abermals eingehend zu sprechen brauche. Es ift nunmehr die Aufgabe diese, hohen Hauses, durch baldige Berabschiedung dieses Gesetzentwurfes auch den Willen des Deutschen Reichstage» zur Mitwirkung an der raschen Sanierung der Reichsfinanzen zu bekunden. Die Aimahmo dieses Gesetzentwurfes wird nicht ohne Rückwirkung auf dos Finanzprogramm der Reichs- regierung sein. Di« Regierung wird vnverzügtich die notwendigen Arbeiten leisten, um diesen neuen Teil des Sofortprogramms in den Rahmen des allgemeinen Finanzprogrmmns einzugliedern. Es wird- dabei besonders zu prüfen fein, ein wie großer Betrag zu der Tilgung der Ausgaben de» Etats gewonnen werden kamt. Die Finanzlage des Reiches zwingt zur Sparsamkeit, ver Weg. den die Reicharegieruug gehe» will, ist schwierig und dornenvoll. Er wird aber von Regierung und Reichstag beschrillen«»erdeu müssen, wenn wir zo einer endgültigen Sanierung der Reichsfinanzen kommen wollen. Abg. Dr. Rang(Dyat.) breitet in behaglicher Weitläufigkeit die allgemein bekannt« Fmanznat de» Reiches aus und fragt, was der „lleberbrückirngskredit"' an Zinsen kosten werde. Di« Bürger- blockregierung, behauptet er weiter, habe trotz der Ausgaben- steigerung eine geordnet« Finanzwirtschast hinterlassen, deren einziger Schönheitsfehler die ungedeckten SZS Millionen waren. (Ra also! link,.) Unser Mißtrauen gegen Dr. Hilferding geht weit frincrus über die Ausdruckskraft eines parlamentarischen Mißtrauen»- Votums. Die Vorlage l«deutet die Unterstellung der Reichsregierung und des Reiches unter die Geschäftsaufsicht des Reichs- bankpräsidenten. Die Regierung zeigt lieber Energie nach innen als nach außen. Das ist ja auch bequemer. Am Ende dieser Mtimopokitik steht das Ehaos. Es gibt nur eine Rettung: Weg mit diesem System?(Beifall rechts. Zischen links.) Abg. Dr. Reubauer(Komm.): Das Deutsche Reich ist eine Diktatur des Großkapitals, die Macht geht von den Herren der Großbanken aus, und Ms sind nur die Lakaien des Finanzkapitals, des deutschen und des ausländischen. » Nach weiterer Debatte kam die erste Lesung des Tilgungsfonds- gefetzes zu Ende. Ein kommunistischer Antrag auf Ausschußbera- tung, von der Rechten lebhast unterstützt, wurde abgelehnt. In der zweiten Lesung wurde das Wort nicht oerlangt, und da alles so glatt ging, verkündete der gerade amtierende deutsch nationale Vizepräsident Graes, daß nun die dritte Beratung beginne. Erst durch das große Hallo im ganzen Hause und durch lebhaste Zurufe wurde Herr Graes inne, daß er einmal die Abstimmung am Schluß der zweiten Beratung vergessen und außer- dem eine dritte Beratung begonnen hatte, die gar nicht auf der Tagesordnung steht und gegen die die Opposition längst Einspruch erhoben hatte, weshalb ja auch schon gestern die dritte Lesung für . morgen, Sonntag früh 0 Uhr 5 Minuten, angesetzt worden ist. Graes nahm also seine Ankündigung zurück, worauf das Gesetz in zweiter Lesung angenommen wurde. Die dritte Beratung der Tabak st euervorlage begann mit einer Rede des Hakenkreuzler» Stöhr, der das Verdienst der ersten Enthüllungen an- geblicher Tabaksteuerschiebungen für sein« Partei in Anspruch nahm und dadurch in einen Konkurrenzkampf mit den Brüdern vom Sowjetstern geriet. Der Streit um den Gerstenzoll. Heute Reuabstimmung. Durch Annahme des von der Bayerischen Bollspanei und den Vauerngruppen in der gestrigen Sitzung des Reichstags eingebrachte» Antrags Horlacher, den Zoll auf Futterger st« über die Regierungsvorlage hinaus dauernd auf 5 Mark zu erhöhen, war wiederum eine schwierige Siwation entstanden. Gestern abend und heute früh fanden aus diesem Grunde Ver- Handlungen zwischen den Vertretern der Regierungsparteien statt, die auch zu einem Ergebnis geführt haben. Die Fraktionen des Zentrums und der Deutschen Voltspartei hielten Sitzungen ab, in denen beschlossen wurde, gegen den Antrag Horlacher zu stimmen, um nicht die ganze Zollvorlage zu gefährden und um die Differenzen mit der Sozialdemokratie zu überwinden. Durch diesen Beschluß kann der Antrag Horlacher als gefallen betrachtet weisen. In den heute nachmitlag erfolgenden Abstim- mungen wird die Regierungsvorlage wieder hergestellt werden, durch die der Zoll auf Futtergerste für J930 wie vorgesehen auf 5 Mark, später dauernd auf 2 Mark festgesetzt wird. Eine Schwierigkeit besteht noch insofern, als es fraglich ist. oh derjenige Teil der Regierungsvorlage, der die Kenntlichmachung (Eosinierung) des Roggens zur Biehfütterung vorsteht, angenommen «evden wird. Sollt« das nicht der Fall sein, so dürste die Eosinie- rung durch eine Ermächtigung für später ermöglicht werden. Diese Frage ist indessen für die Stellung der Sozialdemokratie zur Gesamtvsrlage mcht au-schlaggebend. Entscheidend für ste»st zetzt die Tatsache, daß durch ihren Widersland die dauernde Er- l?öhunz der ZöLc aus Futtermütel verhindert worden ist. Das Bollwerk gegen die Diktatur. Eisler-Wien über die Verfaffungskämpfe in Oesterreich. Bor der Berei-nigung Sozialdemokratisch er Ju- riften refcyjerte im Muschelsaal des Rheingold Nationalrat Dr. E i s l e r- Mlen. der Sprecher der Sozialdemokratie im österreichischen Nationalrar. über die Bersassungskämpf« in Oesterreich. Die hakwburgische Geschichtsfälschung hat die Doppelmonarchie ei« B o l l w-e r k gegen die östliche Barbarei genannt. Das ist eine Legende. Wahrheit abqr ist, daß heute die österreichische Sozial- demokratie die Aufgabe erfüllt, als Exponent der europäischen Ge- smntbewegung ein Rollwerh gegen die östliche und südliche Barbarei der Vikialur zu bilden. Sic bringt für den Kampf gegen den Faschismus jedes Opfer. Die Republik Oesterreich ist kein verkleinertes Altösterreich, diefp Bezeichnung trifft viel mehr auf die RalionalitSlenstaaten der Tfchechoslolvakei und Jugoslawiens zu. Wenn itton sich Deutschland vorstellt als ein Berlin mit O b e r b a y e r n. hat man das heutige Oeftemekch. Die Großstadt Wien mit den primitiven, wirt- schaftllch unds sozial zurückgebliebenen Gebirgsländern. Diese Struktur muß zum fchörfsten Gegensatz zwischen Stadt und Land führen. Wien hat durch die Arbeit der Sozialdemokratie wieder internatio- nalen Klang' bekommen, es hat sich aber durch die gleiche Arbeit den Haß der östsrreichischen Länder zugezogen. Wien mutz eine Frei- Handelspolitik treiben, die Länder stich an einer proiektio- n istischen Politik interessiert. Der vom reaktionären Pfaffen ge- leitete, geistig nicht überlastete Ländler führt diesen wirrschas lichen Gegensatz aus die Sozialdemokratie zurück, und daher rührt seine Parole vom Marsch aus das marxistische Wien. Das Land Wien hat eine sozialdemokratische Zweidrittelmehrheit, in allen anderen Ländern ist die Mehrheit reaktionär. In den Nachbar. hindern, in Italien, in Jugoslawien und— durch das tolle Experi- meitt der Räteherrschaft— auch in Ungarn herrscht der Faschismus, die Diktatur. Bon dort aus wird der österreichische Faschismus ge- fftcdert. Keine sozialdemokratische Partei der Welt aber hat so schaxs u»»d so konsequent gegen rechts und links an den Grundsätzen der Demokratie festgehalten nü« die österreichische. Wir haben in Oesterreich fast keine Kommunisten, wir erfüllen unser« Pflicht aber auch gegen rechts. Das Bürgertum sieht in dem Anwachsen der Sozialdemokratie durch die Demokratte eil« Anmaßung, einen Ein- gäss in alte Rechte. Unser Anteil im Nationalrot beträgt 43 Proz., er kann eines Tages auch 51 Proz. betragen. Das ist die Angst des Bürgertums, das treibt das Bürgertum in Salzburg, Steierniarc und Tirol dem Faschismus in die Arme. Bei der Polizei waren 90 Proz. sozio- listisch organisiert, die Eisenbahner sind noch heute zu 95 Proz., die Telegraphisten und Telephonistcn sogar zu 100 Proz. Sozialdemokraten. Wir beherrschen Wien,»vir haben im sozialistischen Geiste systeinatisch aufgebaut, wir haben uns dadurch die leidenschaftliche Abneigung des reaktionären und klerikalen Bürgertums zugezogen. Als man sah, daß man uns auf dem Boden der Demokratie nicht bezwingen konnte, griff man zur Gewalt, schritt man zum Ausbau der Heimwehr. Das Abweichen oon Wiener Arbeitern von dem bewährten Kampfmittel der Demokratie am 15. Juli 1928, die Zerstörung des Iustizpalastes, die Kämpfe in Wien haben die Arbeit der Reaktion erleichtert. Der 15. Juli brachte den offenen Kriegszustand zwischen Faschisnius und Sozialdemokratie, durch den 15. Juli ist die Zahl von 90 Proz sozio- ltstischer Polizeibeamter in 15 Proz. gewandelt. Die Unternehmer nutzten die schwache Stunde der Sozialdemokratie aus und unterstützten die Heimwchr tatkräftig. Das Ausland half. Das beweist die Herrschaft der Bereinigten Stahlwerke Düsseldorf unter dem Reaktionär Vogler über die Alpine Montangesellschaft. Die Länderregierungen schlössen sich dem Bunde an. In Tirol dürfen die Heinuvehrler auf Grund eines Erlasses des Kaiser« Marlmlllan aus dem Zahre 1511 bewaffnet auf den 5 kratzen herumlaufen. Don oben wird der Heimwehr Schutz gewahrt, wir standen mit dem Republikanischen Schutzbund bereit zur Verteidigung. Oesterreich war am Rande des Bürgerkrieges. Der Bundeskanzler S e i p e l selbst stand im Lager der Reaktion. Da kam ein Ereignis, das die Gemüter ernüchterte. Aus der wirtschaiilichen Katostrophenstimmung. die eine Gefahr für die Währung brachte, erfolgte der Krach bei der Bodenkreditanstalt. Das Bürgertum bekam einen Schreck, und dieser Schreck war heilsam. Das Zugeständnis, durch eine Verfassungsrekorm. also durch ein parlamentarisches, ein demo- kralisches Mittel zum Ziel zu kommen, der Verzicht auf gewaltsames Vorgehen war das Bekenntnis der halben Niederlage. Das Risiko der wirtschaftlichen Zerstörung durch den Bürgerkrieg war dem Gegner zu bedenklich. Uns ist es gelungen, aus der vorgelegten Verfassungsreform die Giftzähne herauszubrechen: Das Rolverordnuugsrechl ist so gut wie gefalle«, die Einführung einer Ständevertrerung wurde vereitelt. Die Macht bleibt beim Volk, bei der Demokratie, beim Parlament. Man wolltr uns mit der Drohung, daß die Heimwehr marschiere, dazu zwingen. die Bedingungen der Reaktion zu schlucken. Wir haben gesagt: Der Republikanische Schutzbund steht bereit! und haben die Bedingungen nicht geschluckt. Der Kamps, in dem wir uns bis jetzt behauptet haben, der aber»»och fortdauert, geht die Demokratie ganz Europas an. Dir österreichischen Sozialdemokraten werden in diesem Kampf weiter unseren Mann stehen! In einem kurzen Schlußwort verband Reichs'agsabgeordnerer Rosenfeld mit dem Dank an den Wiener Gast ein« kurze Darstellung der Lehren, die aus den österreichischen Kämpfen für Deutsch land zu ziehen sind. Dienst am Fahrgast. Reue v-Bahnlmien nach Zehleudorf, Tempelhof und Ruhlebe«. Am 22. Dezember übergibt die BVG. einige Ver» längerunge« bestehender U-Vahnlinie« dem Verkehr. Am Bahnhof Dhielplntz schließt sich eine neue Strecke D h i e l- platz— Krumme Laake an. Die Linie, die bisher mit der Statin« Stadion endete, ist bis nach Rnhlebeu weitergeführt worden. Damit ist ein alter Wunsch der Spandnner Bevölkerung wenigstens zu einem Teil erfüllt. Gleichfalls wird morgen die Verlängerung Flughafen— Tempelhof(Südring) in Betrieb ge- nornmen werden. Mit der U-Aahn in den Grunewald. Bei strahlendem Sonnenschein und in Gegenworr von zahl- reichen geladenen Gästen aus der Berliner kommunalen Vermadung sowie Vertretern der Berliner, der auswärtigen und der aus- ländischen Presse wurde heute vormittag die Aerlängerung der U-Bahn, die vom Thielplatz bis zum Bahnhof Krumme Laake führt, erössnet. Die Gäste wurden in einem Sonderzug über die»reue Strecke geführt. Bei dem ersten neuen Bahnhof, der nach dem in der Nähe gelegenen großen städtischen Krüppelheim den Namen Oskar-Helene-Heim trägt, wurde der«ste Halt gemacht. Die sämtlichen Bahnhossanlagen sind in freundlich* grüner Farbe gehalten, das Hauptgebäude machl trotz schlichtest«?? Formen einen einladenden Eindruck. Dann ging die Fahrt rveiter zu dem Bahnhof in der Groh-Siedlung am Fischtal:n Zehlendorf, wo sich bereits zahlreiche Einwohner eingefunden hatten. Hier prangte der Dorplatz im prächtigen Fahnenschmuck �das Bärenbanner der Stadt Berlin und das Schwarzrotgold der Republik. Stadtrat Reuter hielt ein« kurz« A.»spräche. Er sagte: Diese Strecke lag uns besonders am Herzen: sie ist nach vielen Wider- ständen und langen und schwierigen Verhandlungen zustande ge- kommen. Sie hat den großen Vorzug, daß sie der Stadt Berlin ke>n Geld kostet. Hier draußen rings um diesen Bahn- hos liegt ein Teil des n e u e n Berlin. 35 000 Menschen werden hier einmal wohnen können. Die Ansprach« des Stadtrats Reuter wurde mit großem Beifall ausgenommen und dann die Fahrt bis zum Schlußbahnhof Krumme Lanke fortgesetzt. Dieser Bahnhos, wieder in Grün gehalten und die gefällige Form eines Pavillons aufweisend, liegt unweit des Wannsee-Bahnhoss Zehlendorf-West und vermittelt den Zugang zum Schlachtensee. Zur Krummen Lank« und damit zum gesamten Grunewald. Die ganze Bahnanlage machte auf die Erschienenen den allerbesten Eindruck. Am morgigen Sonntag, dem 22. Dezember, wird der Betrieb für das Publikum eröffnet, und wie die'Zehlendorfer Einwohner die Freude haben werden, auf schnellstem und bequemem Wege nach Berlin hereinzukommen, wird umgekehrt die Berliner Bevölkerung in der angenehmsten Weis« mitten in den Grunewald hineinfahren können. Das Urteil im Brückenbauprozeß. Zwei Angeklagte freigesprochen.- Serofung derDerurteiften. 3m Sletltner Brückenbauprozeh wurde am Freitag folgende» Urteil gefällt: Die beiden Angeklagten. Belonmelfier R eich er l und Firch. wurden freigesprochen. Direktor Lorenz und Diplom-Ingenieur Habicht zu je 6 Monaten Gesäagnt» wegen verstoße» gegen die anerkanu« n Regeln der Baukunst, w Tateinheit mit fahrlässiger Tötung und ge» fährlicher Sörperverlehaag. Soweit Verurteilung nicht erfolgte. werden die kosten der Staatskasse auferlegt. In der eingehenden Begründung des Urteils im Gcrrtzer Brückenba uprozstz wird darauf hkngewissen daß trog der umfang. reichen Beweisaufnahme kein« völlige Klarheit darüber bestehe, was die eigentliche Ursache des Brückeneinsturzes gewesen sei. Im Namen der Verurteilten legte der Rechtsanwalt sofort nach der Urteilsbegründung Berufung gegen das Urteil ein. Radau in(Zlbing. Kommunisten werfen Steine ins Rathaus. Elbiag, 21. Dezember. Die erste Versammlung der neugewählten Stadtverord neten am Freitag wurde auf.choljchwestische Art" umerbrochen. Als noch die Wahlen zu den einzelnen Kommissionen im Gange waren, hörte man vom Rathausplatz Rufe einer von den K o m muuisten«inberufenen Erwerbslojenoersamm l u n g. Die Demonstranten oerlangten, daß«in Ausschutz in der Stadtverordnetenversammlung gehört werden soll«. Der neu gewählte Stadtoerordnetenvorsteher wies darauf hin, daß nach der Städteordnung und nach der Geschäftsordnung nur Mitglieder öer städtischen Körperschaften in der Versammlung sprechen dürfen, und setzte die Wahlen fort. Kurze Zeit später flogen mehrer« Steine in den im ersten Stock gelegenen Sitzung»- s a a l. Nunmehr griff die Polizei ein. räumte unter Benutzung de? Gummiknüppel» den Platz und nahm mehrere Berhaftungen vor. Ein Stein traf ein« sozialdemokratische Stadt- verordnete am Arm, sonst wurde niemand verletzt. Nach diesem Zwischenfall wurde die FortsetzuiZg der Wahlen vertagt und zunächst ein sozialdemokratischer Dringlichkeit» a n t r a g auf Sonderbeihilse für die ausgesteuerten Erwerbslosen und Wohlfahrtsempfänger mit 24 gegen 21 Stimmen angenommen. vom Magistrat erfolgte eine Klarlegung der finanziellen Verhältnisse der Stadt, wonach auch nicht ein Pfennig für solch« Zwecke aus. gegeben werden dürfte. Im Anschluß an die Vorgänge auf dem Rothausplatz find i n der Stadt mehrere Schaufensterscheiben ein- geschlagen worden. Maßnahmen zur Kinanznoi. Bürgermeister S ch o l h hat zu heule Sonnabend nachmillag die Vorsitzenden der Berliner Bezirksämter in das Rathaus gebeten, um mi( Ihnen die durch den Erlaß des Oberpräsi- denlen geschaffene Lage, da» Finanzgebaren der nächsten Wachen und die im Sinne des Sparerlasses zu ergreifenden Maßnahmen zu besprechen. Zn dieser Aussprache wird nicht allein der Ausbau der Sparmaßnahmen eine Rolle spielen, sondern es wird gerade in diesem kreise, der die örtlichen Verhältnisse im einzelnen am besten übersieht, auch die Frage erörtert werden müssen, inwieweit trotz der Not der Stunde den Bedürfnissen der Notlage einzelner Teile der Bevölkerung Rechnung getragen werden muß. Oer»Vombenattentäter� stellt sich. Der frühere Lohnbuchhalter der AEG., der mit seinem ver- suchten Lohngekdraub keinen Erfolg hatte, stellt« sich in der ver- gongenen Rachi selbst bei der Kriminalpolizei. Oskar Hubatsch gibt zu, daß er oersucht hat. durch Entzündung der Feuerwertskörper eine Panik in den Komoren hervorzurufen. Er wollte die Ge- legenheit benutzen, um von den bereitliezenden Lohntüten eisige an sich zu sshms» Bombenepidemie in Bordeaux. Racheakt wegen eines verlorenen Ehescheidungsprozesses. Parts. 21. Dezember. Zahlreiche Bombenanschläge haben die Stadt Bordeaux und Umgebung In Aufregung oerseht. Zunächst erhielt am Dienstag eine Zrau ein Po st paket. das beim Oeffnen explodierte. Die Tmpfängeriu dieser unheilvollen Sendung tum glücklicherweise mit nicht lebensgesährlicheu Brandwunden davon. Kurze Zeit darauf ereignete sich im Bureau eines Rechtsanwaltes eine Explosion, al» dort ein eben eingegangenes Vostpaket geöffnet wurde. Ein Aawaltszehilfe erhielt schwere Brand- n u nden. Der Anwalt selbst kam mll leichleren verlehungen davon. Der Gendarmerie gelang es. ciaige weitere Bomben. vakete bei der Post zu beschlagnahmen, bevor sie zum Sbieffiahn ssurSBugfpHsse. Konzerte der Woche. Rundschau./ Von Klaus pringsheim. Lohanaes-Passio«. Von der Stellung, die Johann Sobastian Vach im Musikleben der Gegenwart einnimmt, ist kürzlich hier die Rede gewesen und von der dadurch sich bekundenden Einstellung der heutigen Musiker und des heutigen Musikpublikums zu seinem Gesamtwerk. In diesem haben die geistlichen Werk«, die Passionen vor allem, an Gewicht und Bedeutung gewiß nicht verloren: aber es kennzeichnet die ver- änderte Situation, dotz es für ein« Aufführung der Iohannes-Passion inm nicht mehr wie gemeinhin in früheren Zeiten des kirchlich. aktuellen Anlaiies bedurft hat, den das Kalenderdatum der Passions- geschicht« bietet. Das Charfreitagswerk acht Tage vor Weihnachten: damit ist es. mehr noch als durch den schon gewohnten Wechsel des Ortes— der weltliche Konzertsaal an Stelle der Kirche— aus aller Gebundenheit seiner ursprünglichen Bestimmung gelöst. Unmittel. bar und vorbehaltlos rückt es als sozusagen Kunstwerk in den neuen und weiteren Zusammenhang, den zugleich mit dem sich ausbreiten- d«n Lerstimdms für Bachs Kunst seine Betätigung schaist und be- dingt. Solchem Verständnis muß sich auch ein Werk wie die Passions- i mustk nach dem Evangelisten Johannes neu erschließen, die es in der Welt nickst zu derselben, nicht zu dieser schlagwortmößigen und fast legendären Geltung des einmalig Repräsentativen gebracht hat wie die Matthäus-Passion, doch an Wert und Werten hinter dem späteren, großartiger angelegten keinesfalls zurücksteht. Die knappe Dramatik des gesungenen Bibelberichts, die Plastik und Drastik der poly- phvnen Bolkschöre, die schlickte Größe der Choräle, die Gefühls- reinheit und-tiefe der Arien— dies alles kann man nicht stil- echter und zugleich lebensvoller wiedergeben, man kann die Passion nicht klarer, sachlich-strenger und zugleich intensiver, hingegebener, überzeugender musizieren als in dieser Aufführung des Philhar- manischen Chores unter Klemperer. Ueberragend unter den Solisten Heinrich Rehkemper, der in der Partie des Jesus kaum seinesgleichen hat. und Julius P a tz a k als Evangelist: die charaktervolle Gestaltung des Eemberloparts durch Günter Ramin fällt auf. Vor allem aber, durch das Ereignis dieses Abends ist die Schicksalsfrage des berühmten Siegfried Ochsschen Chors beant- wortet; er hat seinen neuen Führer gefunden und zugleich mit der Lösung aus dem Verband der Staatlichen Hochschule, die ihm in Iahren der Rot eine Art Unterstand gewährt hat, seine Selbständig- keit und seine alle Höhe wiedergewonnen. Auch die Hochschule übriges,- ist dabei, sich ihren eigenen Chor neu auszubauen: jüngst unter Bruno Kittels Leitung ew Konzert mit Mozarts Requiem als Hauptstück hat bestätigt, daß das Wert der Reorganisation in guten Händen und auf gutem Wege ist. Die Zugspitze in den bayerischen Alpen ist bekannrlich mit � ihren 2968 Metern der höchste Berg Deutschlands. Seit Iahren ist man an der Arbeit, die„Ersteigung� des Berge« durch eine Bahn zu erleichtern. Don dieser ist setzt der erste Teil von G a r m i s ch- Partenkirchen bis zum E i b se e eröffnet worden. Unsere Bilder zeigen oben die Station Garmisch-Partenkirchen, unten den e r st e n Zug, der mll geladenen Gästen die Teilstrecke passierte. Versand gelaugten. Als Absender wurde ein üZjährigcr Manu sestgeflelll. der unlängst einen Ehescheidnngsprozeß verloren hatte und sich durch die Vombensendungeu an den Zeugen und dem Rechtsanwalt seiner Frau rächen wollte. In der Wohnung des Tälers. der flüchtig Ist. wurde ew wahres Arsenal von Spreng- ftoffeu entdeckt. Räch einer vorgefundenen Liste befinden sich noch etwa ein halbes Dutzend Vowbenpakel« unterwegs. Oer Oelmenhorster Raubmord. Auch der vierte Täter ermittelt. Bremen. 21. Dezember.(Eigenbericht.» Wie verlautet, ist durch Zufall auch der vierte Raubmörder von Delmenhorst, Adolf Hirth, ermittest worden. Räch Mit- teüuugen eines Bremer Einwohners soll Hirth sich in einem Zuchthaus in Mecklenburg befinden, wo er em« ISjährige Strafe wegen schweren Raubes verbüßt. Am Tatort in Delmenhorst hat setzt ein Lokaltermin stattgefunden, bei dem die Angeklagten M ö h r k e und Martin ihr vor dem Untersuchungs- richter abgegebenes Geständnis wiederholten. Beide sind voll- kommen' zusammengebrochen. Der Haupttäter Seekamp wurde nicht vorgeführt, da er als„überzeugter Kommunist� Erllänmgev vor einem bürgerlichen Gericht nichl abgeben will. Auch der Mit- wisser und Denunziant Streich ist Mitglied der Sommu- n! st i s ch e n Partei und der Roten Hilfe. Seekamp hat sich jetzt den Max-Hölz-Berteckiger, Iustizrot Frcy-Levlin, zu seiner Verteidigung bestellt. Der Antrag auf Wiederaufnahme des Ver- iahrens ist bereits eingereicht worden. Wie uns von dem unschuldig »erurte'lten Schmidt mitgeteilt wird, dürft« jedoch die Eröffnung des Verfahrens nickt vor März 1939 erfolgen. -» München, ZI. Dezember.(Eigenbericht.) In der Rächt zum Sonnabend erwürgte der 26jährige Student Iakob Lüppgeo aus Kreuzau bei Düren(Rheinland) auf seinem Zimmer in einer Münchever Pension eine Dirne. Der Täler wurde verhaslek. Die Personalien der Ermordeten sind noch nichk festgestellt. Vezlrksausschutz für Arbeiterwohlsahrt. 7. Kr:i» Charlouen- burg. Sonntag, den 22. Dezember, vornr Q'A Uhr, Treffpunkt der Kinder, die Thealerkarten der Arbeiterwohlsahrt haben, am Wilhelm- platz, Untergrundbahn, im Vorraum. welker für Bersta: Bei lebhaften südlichen Winden etwas Bewölkungszunahme: weiterhin kali— Für veukschland: Än Westen etwas Milderung und vielfach leichte Schneefälle, in Mittel- deuischland etwas BewSlkerungszunahin« ohne nennsn-werte Tem- peraturänüerung: im Osten Fortdauer des heiteren Frostwetters. hn,ch'ei'»viert- Im Rabn-rn, einer VolkSdildiingedelirebnngcn»er- anstaltet das Volksbildnngeamt Cdarlottendlirq am 2- Weibnaibtsikierlaa. td Ubr. m der»daifei-WilbelN'-KedSchtriSkirche ein Keihnachtskonreit- M t- wirkrnde: der StaatZ- und Tomchor unter Jbiigo Rödel an der Orgel gri�© e i t in n n n. Eintr-tt 120 if?.'ür Mitalieder der? iiiUlgemeinde M.arlvttenburg � i. OrchesteraSende. Der russischen Musik widmet Bruno Walther das driur seiner Berliner Konzerte. Es wird ein Abend des strömenden Wohl- lautes, der romantischen Schönheit und Harmonie. Strawinsky, Rachmoninoff, Tschaikowsky.... auch Strawinsky ist in seinem sinfonischen Märchen von der Nachtigall der Welt der Romantik nach nahe: wundervoll die Zartheit dieses sparsamen Orchesters, dessen Verscmerung, artistisch gewertet, unerhörte Bereicherung be- deutet. Rachmaninoff, der große Pianist, spielt sein Moll- Klavierkonzert, ein Stück pathetisch rauschender Musik: doch wie er es spielt, für den ers geschrieben, wird es in der Tat ein heute einzigartiges Erlebnis. Und zum Schluß Tschaikowsky, die Fünfte Sinfonie, eine schlechthin grandiose Wiedergabe des immer wieder hinreißenden Werkes. Keiner hat wie Bruno Wallher diese heitere Abgeklärtheit in aller unmittelbaren Ersülltheit und Leiden- schaftlichkeit des Musizierens und Musikerlebens. Der Dirigent, den Leipzig für die Leitung der Gewandhauskonzerte gewonnen hat, wird von seinem Berliner Publikum stürmisch und herzlich gefeiert, Und Erich Kleiber? Er bringt im zwellen Sinfoniekonzert der Lindenoper als Neuheit die mit gewiß verdientem Beifall aufgenommen wird, H. H. Wetzlers sinfonischen Tanz aus der Oper „Die Baskische Venus", wertvolle und wirkungssichere Arbest eines guten Musikers Doch dann, als wichtigst« Nummer des Programms, Franz Lifzts„Dante-Sinfonie", Man hört sie feiten: sie ist gewiß das tiefste, bedeutendste, aber auch am schwersten zugängliche unter den sinfonischen Werken dieses universellen Musikers und Genies. Wir müßten den, Dirigenten Kleiber dankbar sein, daß er diese Sinfonie in sein Programm ausgenommen hat,— wir müßten es, wäre die Wiedergabe nicht über jede Erwartung unzu länglich gewesen. Er steht, so zeigte sich, dieser Mustk und dieser Welt fremd und hilflos gegenüber, und es ist nicht zu überhören. daß unter seiner Leitung ungenau und ungrüudllch gespiell wird. Das Orchester klingt stumpf und klanglos: liegt das zum Test viel leicht an der Akkustik des schwach besuchten Hauses? Dies« Kon- zerte haben in letzter Zell immer mehr von ihrem allen Publikum verloren, ohne neues zu gewinnen. In derselben Woche ist die Philharmonie, bei Watther und bei Klemperer, zweimal völlig aus verkaust. Man nimmt die Kleiber-Konzerfc nicht mehr wichtig in der Berliner Mustköfsentlichkeit. Und er selbst, der Dirigent, dessen Leistung am Abend den Eindruck nicht nur innerer, sondern auch äußerer Unfertigkeit mochte, nimmt er selbst denn seine Konzerte wichtig? Für das näcksts, das im Januar stattfindet, liisif er als Hauptnummer„Eine Hoydn-Sinfonie" ankündigen. Welch« unter den mehr als hundert Sinfonien von Haydn, die Frage bleibt offen. Ladislaus Kodor: �Wiegenlied". Lustiplelhaws. Der Schwank-Rsaktionär Ladislaus Fodor ist ein Anhänger der rofaiarbenea Ideologie, daß es auf dem Erdball des Jahres 1929 durchaus keine Klasienunterschiede gebe und daß«ine soziale Frag« nicht aufkommen könne, da ein wunderbar gerechtes Schicksal iedeu Uebelstand liebevoll korrigiere. Fodor ist der Dichter der„Volks- gcmernschaft", jenes naivsten politischen Ideals: er kennt keine Parteien, er kennt nur Harmlost. In„Arm wie eine Kirchenmaus" vertrat er die Meinung, daß selbst in Zeiten größter Arbellslostgkeit dem Tüchtigen das Glück blühe. Freuet euch, Erwerbslose! Heute singt er uns«in„Wiegenlied", das in dummdreister Apfelstrudel- komik den Segen der Mutterschaft behauptet. Eine arme Wäscherin legt in der Verzweiflung ihr neugeborenes Kind einem Professor als Silvestergeschenk vor die Tür. Ein wilder Streit entbrennt. Vier Herren reklamieren teils die Vaterschaft, teils die Adoption, bis der richtige Erzeuger— Franzel der Zuckerbäcker— sich einstellt und sein« Wäscherin brav ehelicht. Die Gartenlaubenkolonie ist komplett. Ueber den Unfug hilft die von Marttn Zickel geleitet« Auf- sührung einigermaßen Hinwez. Vor allem entschädigt Käthe 5) a a ck s blonder Charme: keck und impulsiv beherrscht sie die Szene, Tiraden in Leben verwandelnd. Wenn man noch sagt, daß M. M. N e w e s einen sehr gepflegten Lustspielton spricht, daß Nora Gregor in einer kurzen Szene echtes Darsiellertum beweist und daß Siegfried D e r i s ch durch ein« ausgezeichnete Chargenleiftuiig sich eine« Separaterfolg sichert, so hat man die wesentlichen Fakten dieses Theaterabends erschöpft.____ w- Seh. „Weiße Schatten." «An Süds«-Zs tm im Ufa-pavilloa. Di« Schilderung, die Forster bä der ersten Berührung mit den Eingeborenen Tahllis dem staunenden 18. Jahrhundert iiefert«, Armins paradiesische Utopien, die er in seinen Romanen aus der Südsee entwarf, Gaugyins dort entzündete Farbigleit—, das olles wird wieder lebendig in uns, wenn wir diesen Südseefilm sehen, den die Amerikaner un» beschert haben. Freilich, ohne Spielhand- iung geht es nicht, und die Hauptdarsteller Monte B l u e und Raqugl T o r r e s sind Weiße. Aber die wundervolle Landschaft mit ihren Koralleninseln, Palmenhainen, und die ganze Welt der Eingeborene«, dieser harmlosen, fröhlichen schönen Menschen und ihr einfaches natürliches Leben—, das olles ist echt und in Pracht- sollen Aufnahmen wiedergegeben. Freilich sind an die amerika- nische Prüderie Zugeständnisse gemocht. Die natürliche Nacktheit hat schon einer starken Bekleidung weichen müssen. Trotzdem wirb man dem Regisseur von D y k e Dank wissen für diese Naturbilder und Naturkinder, die bald genug nicht mehr sein werden Der Film begnügt sich nicht, uns Idyllen vorzuführen, die viel- leicht schon nicht mehr existieren, er wagt es, den unh.''.loollen Ein- fluß zu zeigen, den die weiße Zivilisation aus die Eingeborenen ausübt. Man oerjklavt sie und gefährdet ihr Leben durch die Perlenfischerei, man narrt sie mit dem Tand des Jahrmarkts, man oergiftet sie mit Alkohol und überträgt auf sie die Seuchen der Zivilisierten, die hier mit verdoppelter Wucht wirken. Der Arzt, der als Freund der Eingebarenen tälig ist, wird ein Opfer seiner huma- nitären Bestrebungen, die Erwerbegier seiner Laiidsleute opfert ihn kaltblütig, als er sich ihren Plänen widersetzt. Er wird über dem Haufen geschossen und die noch unberührte Insel teilt das Schicksal aller anderen: die Bevölkerung wird degenerieren und aussterben. Auf allen größeren Inseln hat dieser Prpzeß längst eingesetzt, und die Eingeborenen haben längst ihre Eigenart zum größten Teil verloren. Ihre wundervollen Tänze und Feste, die mst der Religion zusammenhängen, verschwinden. Sie werden mit dem Christentum imprägniert und werden selbst schlecht nachgemachte Weiße. Dos ist der Fluch der Zwilisation, und ein amerikanischer Film hat es gemagt. dieses Schandmal aufzudecken' r. Entdeckungen der Kamera. Das Sehen mst der photographischen Kamera hat von Jahr zu Jahr Fortschritte gemacht. Es ist erstaunlich und erfreulich, wie diese Llnsenjöger immer neue Gebiete erobern oder doch Längst- gewohntes mst neuen Augen sehen. Zum drittenmal legt das Jahr buch„Das deutsche Lichtbild"(Verlag Robert und Bruno Schultz. Berlin) Zeugnis davon ab. Die 199 stärksten Bilder deutscher Berufs- und Liebhaberphotographen sind aus 29 999 aus- gewählt und werden in einem stattlichen Format und in einer rassinierten plastischen Wiedergade dargeboten. Es ist eine Lust, in dem schönen Bande umherzuschauen und festzustellen, was olles heute — mit gutem Recht— für photographiswürdig erachtet wird. Eiszapfen und Rübenranken, Bretterstapel und Makkaronistangen. Karpfenmäuler und Fischecnctze. die Netzhaut des Auges wie Moos- pakster. Bevorzugte Objekte sind besonders die Tiere, und so be- ginnt die Sammlung mit einem Gorillakops, der geradezu unheimlich in seiner Charakteristik wirkt. Daneben sind schöne Landschosten— schön im weitesten Sinne, der auch rauchende Industrieschlote ein- schließt, genommen— und ausdruck-wolle Mcnscheicköpfe— vom Kind bis zum Greise—, die Sprache der Hände und der Rhythmus des bewegten Aktes in immer interessanten Aufnahmen reichlich vertreten. Allerlei literarisches Beiwerk sucht die Eindrücke, die das Bildmaterial gewährt, richtunggebend zu ordnen und zu ver tiefen- Die neue Sachlichkeit, die uns zugleich soviel neue Sichten und Perspektiven eröffnet, wird von Heinrich Kühn mit vollem Recht gepriesen als ein Weg zur Wahrheit und lichtvollen Klarheit. Was der Film alles an interessanten Bildern in ungeheurer Meng« liefert, davon sucht in 1299 Ausschnitten aus den bekanntesten Fflmen das Bilderbuch„Filmphotos wie noch nie"(Kindt u. Bucher Verlag, Gießen, Preis 4,89 M. tart) eine Vorstellung zu geben. Geschickt angelegte Register erlauben dem Beschauer, schnell stens Bilder eines bestimmten Stars oder Rsgisieurs oder auch Film« zu finden. Die ersten Namen der Filmbranche, von Chaplin bis zur Porten, haben literarische Beiträge geliefert, die nicht bloß amüsant, sondern größtenteils wirklich lesenswert sind. Ganz auf die pholographiichc Natuiwiedergab« eingestellt ist die neue Serie„Das Tier im Bild", die Adolf Heilborn im Brehm-Verlag, Berlin-Charlnttenburg, herausgibt. Sie will, schön« und interessante Natururkunden von„den besten Kameramännern der Well" vereinigen- Der erste Band behandell das immer reizvolle und unerschöpfliche Thema„Aus der Kinderstube der Tiere". Die Auswahl ist mit bestem Geschmack getroffen, und der Begleittext liefert verständnisvolle natuntiisscnschastliche Erläuterungen und Betrachtungen dazu. Die Bilderschau löst eine äußerst reiche Skala von Gefühlen aus: vom rein ästhetischen Entzücke» bis zum ethischen Mitempfinden. Es sind Köstlichkeiten und Sell- samleiten aller Art z» finden: z. B. der groteske Alligatorenklein, die phantastische Eiablage einer Schnecke oder die humonstisch anmutende Promenade der Igelmutter mit ihren Kleinen. Wahre Bravourstücke von Mutterliebe werden aus der Klasse der höheren Tier« vorgeführt. K. H. D. Musikchronik. An beiden Weihnachtsfciertagen veranstallet das Berliner Sinfonieorchester Konzerte im Bach-Saal, unter Leitung von Helmut Thierfelder. Am 25. Dezember findet ein „Wagyer-Abend" statt, am 26. Dezember ein Programm mit „Tanzweisen aus alter unb neuer Zeit". Peewisrevverleoana. Ln den«arntn««Dieken muh die kür beul« snge- iexte Premiere.Tssirs* auf Montan, den 23. Te�mber, 71/, Ubr. verlegt neiden. Tie gelöllen Karlen bcdalten Kiilbflleit. Tie bereits für Sonntag und Mcntag xelösien Kotten muffen an der K-ffe umzetaufcht werden. Mareell Salzer veranstaltet zwei Vortragsabende am 28. und 29. i» Bechfteinsaal. vir Solckrevkh.Avss'ellnnq der Vtabrm'e der Künste ist Sonn« und Feiertags di« � Ubr vackmistagS gekfinet.— Slui Jlnlafc de«<50;<8e- bi'rtStaae« deS BiiddauerS örnst B a r l a ch bereitet die Afademir d>-r -iiünste eine AuZstellung von Terten ihre« MUglkdes vor. Theater der Woche. Vom 22. bis ZO. Dezember. Volksbühne. Zhtaiet am ZMlowplaji: Di« Affäre Drenkus. it. aefchlvssen. Staatstheater. vper Unter dru Linden: 22., 2?.. 2S. und 2S. Parsifal. 24. geschlossen. 2S. Alba. 2S. Schwanda, der Dudelsackpfeifer. 27. Die Macht des Schickfals. 30- ol�kavalicr. 31. ii'crfiegclt. Sie schöne Ealatliec. 1. Die Meistersinger. O.-'H a n Plad der Republik. 22. und 2S. Hans Heiling. 23. Iphigenik auf Dauris. 24. geschiofsrn. 2ä. und 28. Die Zauderflötc. 26. Carmen. 27. Der stiegende Halliinder. 3». und I. Die verkaufte Braut. 31. Die ssledermaus. S.ädtiö.c O�'er: 22., 27. und 31. Der Tenor. 23. Der Schauspieldircktor. Cappel.«. 24. geschlosien 2ä. Die Meistersinger. 26. Madame Butterfln 26. Tannkiäuscr. 2g. Boheme. 30. Turandot. 1. Di« lustigen Deibcr von Windsor. S: aufpiclhaus am»endarmenmartt: 22., 23.. 23.. 26., Zt., 28. und 30. Don Carlos. 24. gcfchlossen. 29. Weh dem, der lügt. 31. und 1. Hart« San- dagen.(ffiin 9'orcrflütf.) Schillcr-Thealcr: 22., 23., 25., 26., 28. und 29. Kabale und Liebe. 24. ge. schloffen. 27. und 30. Hans im Cchnakenloch. 31. und 1. Es und so geht der Wind/-. Theater mit festem Spielplan. Theater am Tchifsbaucrdamm: Die Eartcnlaube.— Deutsche» Theater:. Der Kaiser von Amerita.— Kammerspicle Desire.— Die Komödie: Bom � teufek«eh�t.- Dh—t« am*»*»«»• rf» tat: Dt« Medemmiu«. M. tefAtof««. —«he»,», t» dee KS-iggr-dei St-afi«: Dt« erst« Mr, Selbu 24. aeschlossen. — Komödie» hau»: Der Lügner .wer und di« Rönne. 24. geschlossen.— tiroßes Schauspielhaus: Di» 3 Musketiere.— Theater de» Welten»: Ab 2Z. Hotel Ctadt Lemberg.— Komisch« vper: Husta di Sulla. 24. aeschlossen.— Deutsche» KüllsUer-Theater: Seltsames Kwifchenfpel.— Luftfpielhau«: Wiegenlied.- Trianou-Theat«,: Sie verweigert die Aussage. 24. geschlossen.— Resident- Theater: Di« Krone im Rhein.— Meteapal-Tteater: Das Land des Lächelns. — Berlin»« Theater: Reserviert für Herrn Caston.— Kleine» Theater: Das Sarfüm meiner ssrau.— Renaissance-Theaier: Pariser Leben.— Casino- Theater: ffamilie Hannemann.— Thealer in her Kloft-rst:asie: Schneider Wibbel.— Wintergarten, Plaza, Skala! Internationales Bariets.— Reichs- hallen-Theatcr: Slettincr Sänger.- Theater am Kottbusser Tar: Elite-Sänger. Theater mit wechselndem Spielplan. Thalia-Theatcr: 22. Drei alte Schachteln. 23., 24. geschlossen. Ab 23. Das kleine Eräulein Li.- Deutsche, Polk,.THeoter: Sis 23. Scampolo. 24. ae. schlössen. Ab 25. Di« Seiiha.— Lessing. Thea irr: 22. Dubuk. 23. und 23. vis 29(flieg' roter Atler. 24. geschlossen. 25. 23,/j Uhr. Nach'vorstellung. Dubuk. — Die Tribüne: 22. Drei Herren im Frack. 23. und 25. bi» 29. Frauenopfer. 24 geschlossen.— Rose-Theater: 22, 23. Die Csardasfürstin. 24. geschlossen. 25. und 26. Z3iä Uhr. Familie Sannemann. 26. IS'-j Uhr. Marcell Solirc.— Schlostpark-Theate« StegliU: 22. Arm wie eine Kirchenmaus. 23. und 24. ge- schlössen. Ad 25. Masco ttchen. Nachmittagsvorstellungen: Bolksbühn«. Theater am Bülamplah: 25., 26. Frühlings Erwachen. 29. Die Afsäre Drenfu«.— Theater am Schissiauerdamm: 25., 26. Dir Dreigrvschen. oper.— Thalia-Theatcr: 25., 26. Drei alte Schachteln.— Theater am Rollen- dorsplah: 25., 26. Peterchens Mondsahrt.— Theatee in der Königgräher Straße: 25. 26., 28.. 29. Binnctou.— Kamödieuh»»»: 25.. 26.. 29. Charleus — 9mi*a Schastpielh««»- ML, W.. 88., i». Die 1 fltaCrN«**. de, AMten«: 25 15 Uhr. Starr etta 26. 141h Uhr. Slariett« ll Uhr. Friederike— Dentlche, Bolto-Theater: 25. Seamvolo. 26. Di« S«ifha— Komische Oper: 22.. 25., 26, 2». Sulla di Bulla.— Lesfinq-Theater: 26. Dubuk.— Trianan-Thealer: 22.. 25.. 26., 2S. 1? Uhr. Der Meisterboxer. 21� 27.. 28. 16 Uhr und 22., 26., 29. 141»! Uhr. Wenn am Weihnachtsbaum di« Lichter brennen.— Refidenz-Theatcr: 25., 26. 1414 Uhr. Weihnachtswunder. 17 Uhr Friederike.— Di« Tribüne: 35., 26. Drei Herren im Frack.— Rose» Theater: 25., 26. 16 Uhr. Pariser Blut. 28. 17 Uhr. Frau Holle. 29. 144? Uhr, Max und Marin und der Weihnachtsmann.'>714 Uhr. Die CsardasMrftin.— Theater in der Klosterftraßc: 25., 26. 17 Uhr. Büchse der Pandora. 22.. 25.. 26. 15 Uhr. Sänsei und Sretel. 22., 29. 17 Uhr. Mit dem Feppelin ins Märchenland. 27., 28. 16 Uhr. Schneewittchen. 29. 15 Uhr. Rotkäppchen.— Schlostpark-Theater steglih: 22. Wie Klein-EIs» das Christkind suchen ging. 25., 26. Der Raub der Eabinerinnen. 28 Beterchens Mondfahrt. 29. Anneliesa von Dessau.— Wiutcrgaiten: 22., 25., 26., 29. Internalanales Variete.— Plaza, Skala: Internationales Variete.— Rcich»hallcn. Theater: 21, 33., 36., 29. Stetiiner Sänger.— Theater am Kottbusser Tor: 22., 25., 26., 29. Elite-Sänger. Erstaufführungen der Woche: S»a«t»g. Oper Unter den Linden: Varsifal.— Residenz» Theater: Di« Krone im Rhein.— Montag. Lessing-Theater: Flieg' roter Adler.— Komödienhau»: Der Lügner und die Nonne.— Di« Tribüne: Frauenopfer.— Mittwoch. Theater des Westens» Hotel Stadt Lemberg. Deutsches Solls- Theater: Di« Geisha. — Thalia-Theater: Das kleine Fräulein Li. Berantwortl.«ür die Redaktion: Wolfgang Schwarz, Berlin: Anzeigen: Th. Glocke. Berlin Verlag: Vorwärts Verlag G. m b S. Berlin Druck: Vorwärts Bach- druckcre: und Berlaasaustalt Vanj Singer& Co Berlin ZW 68 Lindeostraste 3. Hierzu l Beilage. m\i Spezial-Puppenfabrih Berlins Sie sind auf der Suche nach ei em schönen und praktischen Geschenk. Haben Sie schon inrnal an eine Brille gedacht? Dieser Gutschein macht Ihnen eine nette Ueber- raschung Ihrer Angehörigen möglich. 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Als Führer und Dolmetscher dieser Reise hatte ich Gelegenheit, auf zwei Zlusjpracheabenden, die die Reiseteilnehmer mit den dortigen Genossen zusammenführten, über die Probleme, die un'ere Bruderpartei beschäftigen, eingehend unter- richt.t zu werden. Das Land Tunis ist seit dem Jahre 1881 ein fran- zösisches Protektorat, das heißt, es ist wohl dem Namen nach selbständig, in Wirklichkeit sind aber die maßgebenden Teile der Verwaltung in der chand der Franzosen. So ist der französijche (Seneralresident zu gleicher Zeit der Ministerpräsident und Minister des Auswärtigen des Beys. Das Land hat etwa 2 Millionen Einwohner, davon 1,9 Mil- lionsn Araber der oerschiedersten Stämme, 80 009 eingebviene Juden. 80 000 Franosen. 90 000 bis 100 000 Italiener und 15 000 Malteser. die englische Staatsangehörige sind. Wenn man sich dieses Völkergemisch vorstellt, das auf den verschiedensten Kulturstufen steht und den verschieden Religionen angehört, kann man die Schwierig- keiten ermessen, die einer politischen Erfassung im allgemeinen und einer Gewinnung für den Sozialismus entgegenstehen. Da die Ein- wohner außer den Franzosen kein Wahlrecht haben, kehlt jedes politische Leben. Das Land selbst wird von einem Großen R a t verwaltet, der sich je zur chälfte aus Franzosen und Einge- borenen zusammensetzt. Die französischen Vertreter gehen aus einer Art Wahlen hervor, zum Teil sind sie durch die Handelskammer er- nannt: die Eingeborenenvertreter werden von der Regierung be- stimmt. Es gibt deshalb auch keine Gesetze wie in parlamen- tarisch regierten Ländern, sondern nur Dekrete. Zur Gemeinde- Vertretung der Stadt Tunis besitzen die Franzosen das Wahlrecht. Von den 5 französischen Gemeinderäten sind 3 Mitglieder der sran- zösischen sozial! st ischen Partei.'' Die Partei selbst hat etwa 4 00 eingeschriebene Mitglieder, davon sind 250 Fran- zösen, je 60 Araber und eingeboren« Juden und der Rest Italiener. Die Organifalfon Die Parteiorganisation hat im Rahmen der französischen Partei die Rechte eines Bezirksverbandes. Der Parteibeitrag beträgt pro Jahr 30 Franken gleich 5 M., davon erhält der Parteivorstand 13 5, der Bezirksverband Tunis 9,5 und die Ortsgruppen, z. B Tunis, Sfax, Sousse. 7 Franken. Der Gewerkschaftsbeiirag beträgt im Monat 3 Franken. Die Parteiorganisation besitzt das einzige täglich erscheinende Parteiblatt Rordasrikas, den „Tunis Socia liste'...... Die Gewerkschaften, die dem französischen Gewerkschasts- bund angeschlossen sind und keine Rassenunterschiedc kennen, müssen illegal arbeiten: denn in Tums has dos französische Gewerkschasts- gesetz von 1881 keine Gültigkeit und verhandeln deshalb bei Streiks die Unternehmer nicht mit den Gewerkschaftsführern. Andererseits werden die Gewerkschaftsmitglieder bzw. die Führer nicht vom Staat verfolgt. Organisiert sind 15 000 Arbeiter, und zwar fast alles Eisenbahnarbeiler, Slaatsangestellte, Hasen-, Metall- und Bauarbeiter. Nicht erfaßt werden konnten bis jetzt die Land- und Bergarbeiter. Die Löhne zerfallen je nach der Rasse der Arbeitenden in drei Kategorien. Am bestbezahlten sind die Franzoien, dann kommen die Italiener, di« niedrigsten Löhne haben die Ein- geborenen. Di« höchsten Löhne haben die gut organisierten Bnu- arbeiter, die be! achtstündiger Arbeitszeit 45 bis 50 Franken pro Tag verdienen. Am schlechtesten bezahlt werden die eingeborenen Land- arbeiter, d:« bei wenigstens zehnstündiger Arbeitszeit 7 Franlen gleich 1,12 M. erhalten, wovon noch di« Ausgaben für Essen und Wohnung bestritten werden müssen. Sehr niedrig sind auch die Löhn« der Kaufhaus- und Bankangestellten sowie der Verkäufe- rinnerr. So erhält in einem französischen Kaufhaus eine Kassiererin 400 Franken pro Monat. Davon soll sie l«ben und noch hübsch und adrett zum Dienst erscheinen. Die Frauenlöhne für Hausarbeit siud mikroskopisch klein. Die Ursach« ist nach Angabe der Genossen der kirchliche Einfluß, der es den arabischen Frauen v-r- bietet, sich am öffentlichen Leben zu beteiligen und in Fabriken mit männlichen Arbeitskräften zu arbeiten. Auch bei arideren Rallen verhindert d«r kirchliche Einfluß den Aufstieg des Proletariats. So leben drei Viertel der jüdischen B e o ö l k e r u n g,'die sich hauptsächlich m't Schuhmacherei, Lederarbeüen, Schneiderei und als Friseure beschäftigen, unter den schlechtesten wirtschaftlichen Be- dingungen. Trotzdem ist es für die Gewerkschaften fast unmöglich, a» dieses Proletariat heranzukommen, da das eine Viertel der wohlhabenden Juden auf Grund der Religionsgesetze die Notleidenden so unter- stützt, daß sie zwar nicht verhungern, aber wegen der Almosen fminT in der Dankesschuld der Wohltäter bleiben. Durch diese relig öse Verbundenheit entsteht eine Indifferenz, die jedem gewerkschaftlichen Einfluß trotzt. Jlchl Forderungen Für Partei und Gewerkschaften ergeben sich aus den oben dar- gelegten Verhältnisse« folgende aktuelle Forderungen: 1. Einführung des französischen Gewerkschaftsgef tzes von 1884, das die gesetzlich« Anerkennung der Gewerkschaften bringt. 2. Einführung des Achtstundentages statt des gesetzlich anerkann- ten Zchnstundentages. 3. Einführung der französischen So.zialgesetzgebung. w!« des Unfallverficherungsgesetzes und de« kommenden Krankenversicherungs- gesetzcs 4 Gleichen Lohn für gleiche Arbeit; denn durch die verschiedene Bezahlung wird nur der Rassenhaß gefördert, der eine Wirkung?. volle gewerkschaftliche Arbeit erschwert. 5. Forderung der gesetzi'ch festgelegten Schiedsgerichtsbarkeit für alle Streitfälle aus dem Arbeitsverhältnis. 6.?leßhastmachung der Nomaden, H» einesteils durch di« fort- schreitende Industrialisierung immer wieder verdrängt werden, dann aber auch die schlechtestbezahlten Lohnarbeiter stellen. 7. Bekämpfung des Analphabetentums durch Cmfühning des Schulzwanges. Dieser.Gefahr' der allgemeinen Schulpflicht suchen di« Unternehmer durch Schaffung von Berufsschulen zu begegnen. di« durch eine einseitige Ausbildung zwar geschickt« Arbeiter, aber keine denksähigen Menschen schafft. 8. Befreiung der arabischen Frauen durch Abschaffung der ein- schränkenden Bedingungen, wie des Tragens der Schleier, und durch Einführung der allgemeinen Schulpflicht. Das Xotonialprobtem Eins der wichtigsten Problem«, die unsere dortige Bruderpartei beschäftigt, ist die K o l o n i o l f r a g e. Am Kopf ihres Blatte« steht:.Für die Verbrüderung der Rassen.' Sie sind gegen eine Propaganda für di« Räumung Tunesiens aus folgenden Gründen:«ine solche Agitation habe nur das Erwachen eines Rassen- Hasses zur Folge. Die Folgen dieser kommunistischen Taktik sehe man z. B. zurzeit in Chin.. Andererseits würde ein geräumtes Tunis sofort, da es wehrlos wäre, von dem faschistischen Italien besetzt werden, und drittens sei der größte Teil der Fran- zosen in Tunis und Algier schon seit drei Generationen ansässig und hätten hier, so lang« es noch ein Vaterland im politischen und ideellen Sinn« gäbe, ihr Vaterland. Da aber der größte Teil der hier leben- den Franzosen ebenfalls Proletarier, aber auf einer kulturell höher- I stehenden Stufe seien, würde nach einem Auszug die Arbeit für Partei und Gewerkschaft nicht getan werden können. Di« Aufgabe der Partei sei es deshalb, imSinnedesSozialismus gegen die Unterstützung der bisherigen Spaltung des Proletariats noch Rassen durch den Kolonialkapitalismus zu kämpfe». Die französische Regierung selbst sucht das Problem auf ihre Art zu lösen, indem nämlich seit 1923 ein Gesetz für die erleichterte Naturalisierung besteht. Es können dadurch jederzeit tune- stsch« Staatsangehörige, ohne jemals in Frankreich gewesen zu sein, französisch« Bürger werden. Zweck dieses Gesetzes ist es, dem über- Hand nehmenden Einfluß des faschistischen Italien zu begegnen. Andererseits weist aber die französische Regierung französische Staatsangehörige, die sich unerwünscht machen, auf Grund eines französischen Gesetzes aus dem Jahre 1778 auf dem Verwaltungswege aus. Wir sehen also, welche Aufgaben für unse-e Bruderpartei in einem halbkolonialen Lande, wie es das Protektorat Tunis ist, de- stehen, und wie die Partei ihrer Pflicht gegen den internation 4en Sozialismus gerecht zu werden sucht. Daß sie trotz ihrer zahlen- mäßigen Kleinheit nicht einflußlos ist, beweist die Zahl der Ge- meindevertreter. Der Reichsausschuß für sozial! st ische Bildungsarbeit erwirbt sich aber durch die Deranstc-ilung solcher Reisen ein Verdienst um die internationale Arbeiterbewegung. Denn allen Teilnehmern werden die beiden Abeiche, die sie Gelegenheit hatten, im Kreis der französischen Genossen zu verbringen, durch die Aufklärung, die sie erhielten, un- vergeßlich bleiben. Sma SSilsing: die im Wit Wie arg der strenge Winter 1928/29 unter dem Wilid auf- geräumt hat, ist bekannt, und wie er in der Vogelweit gewirkt hat, darüber geben die Statistiken Aufschluß. Allein di« Mark Brandenburg hat an den Stieglitzen, Wintergoldhähnchen, Hanbenlerchen und Raubwürgern' einen Aussall von 8 0 Proz. Weniger, ober trotzdem sehr schwer gelitten haben die Meisen, Kernbeißer, Dompfaffen und Nebelkröhen, während Kleiber und Hänflinge am besten davon gekommen sind. Nach solchen Ber- lüften ist natürlich ein unbedingter Schutz des Vogels während der Brut erforderlich. Dazu gehört auch, daß alle frei wohnenden Katzenbesitzer während der Brutzeit ihr« Tiere nach Möglichkeit zu Häufe halten. 11 eb erfrießen' war« es natürlich, des- halb jede Katze umzubringen, die' einem in den Weg lauft. Einen Ausweg aus dem Dilemma Snigvogelbrutgefährdung und Katzen- Haltung läßt sich immer finden. Ein Förster in der Mark Branden- bürg z. B. legt seine Katzen, schön«, kräftige, von ihm sehr geliebte Tier«, während der Brutzeit der Bogel an die Leine, wie es bei Hunden üblich ist. Nun ist es Winter. Die Tier«, die sich zum Winterschlaf ein» bubbetit haben sich diesmal nicht sehr tief verkrochen, weshalb Menschen, die Tiere ihr« Wetterpropheten sein lassen, mit einem nassen Winter rechnen. Wer Not dringt der Winter immer, nicht nur den Menschen, auch den Vögeln, die bei uns bleiben. Der kleine, muntere, nur 10 Zentimeter lange Zaunkönig verweilt das ganze Jahr hindurch bei uns. Er hat im vorigen Wincer sehr schwer gelitten. Die an Heerstraßen hauseitd« Haubenlerche guckt im Winter auch in die Dörfer und Städte hinein. Sie wird nach und noch«in Opfer der fortschreitenden Technisierung, denn die Automobile können den wertvollen Nahrungsstoff nicht liefern, den di« Pferde so reichlich hinterließen. Im Winter verläßt die Haubenlerche ihren Standplatz, weil der Hunger weh tut. Er ist es, der das Tier dr« natürliche Scheu überwinden läßt und es zutraulich macht. Ebenso bitten sich die Vi e i s e n selbst zu Gast. Di« Blau- meis«, die Kohimeif«, die'Sumpfmeise, di« Schwanzmeif«, sie all« bleiben nämlich bei uns. Doch ziehen die Zugvögel— auf Grund des Beringungsverfahrens kann die Wissenschaft das feststellen— von Nord nach Süd und von Ost nach West. Dies« Tiere bilden direkte Interessengemeinschaften und das junge wage- mutige Meisenvolk mit Anhang, Goldhähnchen usw., wandert durch die Lande. Die alte Meise hingegen ist bedächtiger, sie wird zum Standvogel. Bei der Schwanzmeise, die im Bolksmund„Teufelsbolz' genannt wird, ist der Schwanz länger als der Körper. Für den schaulustigen Laien ist st« bestimmt die interessanteste unter den Meisen. Sie ist ein Waldvogel, nistet aber in Berlin ver- einzelt in Anlagen. Doch brütet sie nicht, wie die anderen Meisen in einer Höhle, sondern sie baut sich ein überdachtes Nest mit feit- lichem Eingang. Der Mensch hat das größte Interesse an der Erhaitring der Meisen und daher hat sich die richtige Meisenfütterung bereits zu einer Spezialität herausgebildet. Do gibt es Fettfutter- ringe, die Berlepsch« Meisenglocke, die jede Witterungsbeeinflussung ausschaltet, und die Dr. Brunsfch« Meisendose, di« derartig kleine Oeffnungen hat, daß sie nur den Psriemenfchmäbeln der Meisen. nicht aber dem dicken Keaclfch nobel des Sperlings Futter spendet. Ebenso werden ein« halbe Kokoem!«schal« und ein mit Löchern ver- fehenes Futterholz, gefüllt mit Fettfutter, zur gut bekömmlichen Nahrungsspende aukaehängt. An Samen dari man in das flüssige Fett hineintun Hanf, Hirse, Mohn uns geschälten Hafer. Wer reich ist, kann außerdem in die flüssig« Fettmasse versenken Sonnen- blumenkerne, getrocknete Hollunderbeeren, gemahlenes und getrocknetes Fleisch, getrocknete Ameisenpuppen und geriebenes und getrocknetes Weißbrot. Man kann auch ein« Fettmasse mit Sam-n auf eine klein« Fichte gießen und sich dadurch einen Futterbaum schaffen. Niemals darf man das Futter ungeschützt liegen lassen, denn nasses Brot, sowie jede Nahrung, di« säuert, ist für Böget schädlich. Desgleichen soll man Rübsamen vermeiden. Wer die Vogel zu sich zu Gast ladet, muß ihnen einen überdachten Futtertisch schaffen. Ais Nahrungfuchende stellen sich, auch die Gimpel bei uns ein, von denen ein« Sorte in Mitteleuropa und die andere in nördlicherer Breit« lebt; man ficht beide Rasse« i» unserem ier bei um bleiben Grunewald. Auch Kleiber, Kernbeißer, Grünling und ein gut Teil der Star« hält sich den Winter über bei uns auf Die Krähe, di« man in Oldenburg auch Minister nennt, ist als Wintervogel bekannt. Wenn sie jetzt überhand nehmen, so ist die Ursache wohl in der Wnahme der Raubvögel zu finden. Uebrigens haben auch die Raubvögel an vorigen Winter bös« ge- ktten. So wurde ein Habicht im Tiergarten verhungert und erfroren aufgefunden. Ein anderer kam wieder zu sich, als man MM ein Beefsteak a la Tartar verabreichte. Arheilerern&hrung in HHJl. Zum Aufsatz von Dr. Rheinberger wird uns geschrieben: Mit Recht wird auf die reichliche Verwendung von Milch in der Ernährung der amerikanischen Arbeiter hingewiesen und de? Wunsch ausgesprochen, daß nmn in Deutschland dieses Beispiel nachahme. Hierzu wäre es über erforderlich, daß sowohl Arbeiter als auch Gastwirte in der Ernährungsfrog« sich zu anderen An- lichten bekehren. Der Gastwirt erwartet es als sebbstverftändlich, daß zu den Speisen auch Getränke bestellt werden. Wer nur ißt. kann erleben, daß Speisen ohne Getränke nur mit Aufschlag zu hoben sind. Die in Frage kommenden Getränke sind meist alkoholi- sche, auch wohl Kaffee oder„Brühe'. Immerhin ist wohl an- zunehmen, daß ein Geschäftsmann bei genügender Nachfrage nach Milch auch diese führen würde. Dies« erfordert aber, namentlich im Sommer, reichlich Eis, das hier teurer und nicht so leicht zu haben ist wie in den Bereinigten Staaten, in denen selbst der Arbeiterhaushalt nicht ohne Eisschrank ist. Ferner müßte unter den Arbeitern selbst mchr Werbung für Milch statt Bier oder Schnaps erfolgen, um sie zu diesem Getränk zu bekehren. Der Berwendung von Milch im Haushalt als Frühgetränk stellen sich bei uns gewisse Hindernisse entgegen, di« es m Amerika nicht gibt. Mll man morgens nicht Milch vom Tag« vorher ge- nießen, fo muß man warten, bis die Milchgeschäfte aufmachen. Um dies« Zeit ist wohl kaum noch ein Arbeiter zu Haufe. In Amerika wird di« Milch um drei Uhr morgens ausgefahren und vor die Haustüren gestellt, im Sommer sogar noch mit einem kleinen Stückchen Eis auf dem Deckel. Selbst in den Wohnkaiernen ist es möglich, von drei Uhr morgens an die Milch vor der Tür der Wohnung z» finden. In diesen- Fällen hat der Milchkutfcher die Hausschlüssel. Dies kann nur dadurch erreicht werden, daß fast der gesamt« Milchhandel in Händen großer Firmen ist, di« durch«in Netz von Zweigstellen und organisierten Ablieserunas- dienst allen Ansprüchen genügen können. Di« Woche durch wird meist gepumpt und am Montag kassiert. Einige Irrtümer Dr. Rheinbergers müssen berichtigt werden. So trifft es nicht zu, daß, wie er behauptet, die große Masse und die echten Amerikaner ihre Hauptmahlzeit, das„Dinner' im Restaurant einnehmen. Die allmächtige amerikanische Frau würde ihrem Gatten die Hölle heiß machen, wenn er nicht zum Essen nach Hause käme. Selbst die Kientöppe, die„Movies' nehmen hierauf Rücksicht, indem sie von 2 bis 5 Uhr eine Nachmittags- Vorstellung, di« iuj'-cnanirtc„Matinee', laufen lassen, in der man fast nur Frauen und Kinder antrifft. Die Haufrau kann also bis 6 Uhr bequem ihr Dinner fertig haben, zumal viel mehr als bei uns„cenneck«oocis', Konserven, benutz! werden Aber auch unverheiratete Arbeiter bereiten sich vielfach ihr Essen zu Haufe in den„liouselceepini; rooms', Kochzimmern, die sehr beliebt sind. Bor Einführung der Prohibition konnte aller- dings der Freilunch, den die Kneipen umsonst gaben, manche Mahl- zeit überflüssig machen. Dafür ging das Geld in Getränken drauf. Ginger Ale ist kein Bier, wie Dr. Rheinberger annimmt. Es gehört zu den sogenannten„sokt cknoles' und ist gänzlich alkoholfrei wie Brauselimonade. Dieser Getränke gibt es eine Menge: Soda, Cslery Tonic. Sarsaparillo usw., die alle aus Essenzen mit Zuschuß von Kohlensäure hergestellt werden. Auch Wurst ist nickst so unbekannt wie Dr. Rheinberger meint. Abgesehen von den„heißen Hunden', den Frankfurtern, die mchiw». hast verzehrt werden, gibt es alle in Deutschland bekannten Wurst- arten, wie ja auch viele deutsche Wurstmacher drüben tätig sind. Ebenso werden bessere deutsche Würste importiert. )odalmes Saalfeld. (1. Forts«tzilng.> „Las kannst du ruhig tun," iachlt Flteraflöttr.„Vielleicht jchmeistt«r mich dann gleich zur Tür hinaus: dann war' ich aufeimnal erlöst!" „Erlöst?" wiederholte der Junge verwundert.„Bist du denn nicht froh, daß du Küster sein darfst?" „Froh?" rief der Spielmann seinerseits entrüstet.„Ich liege wahrhaftig jeden Zibend in meinem Bett und heul«... Du bist meschugge, du, zu denken, daß ich dabei froh sein könnte! Das ist mir. verdammt noch mal. was Rechtes! Anstatt daß ich überall in der schönen weiten Welt herumschweisen kann, muß ich in dem nuisfigen Käsig wohnen, und in der dumpfen Kirche auf Socken herumschleichen! Ich wünschte, daß morgen ein anderer käme, der mir das armselige Stückchen Arbeit abnähme" „Soll ich dir mal sogen, was du bist?" rief Mercyntj« ehrlich entrüstet:„Du bist«in undankbarer chund? Das ist das beste Lob für dich." „Mereyntfe, Mereyntje," Nagte Fliereflöter in halb heulendem Ton.„Ach. du bist recht streng zu mir) Du mußt mich ein bißchen menschlicher behandeln, sonst wirst du mich noch zum Weinen bringen" Mereyntje wurde wütend über das komischavemerliche Gesicht feines langen Kameraden, und er bsgann zu ahnen daß dieser während des ganzen Gesprächs nicht einen Augenblick ernsthaft ge- wesen war. Und grimmig polterte er darum los: ..Ach du. du hast nichts anderes im Kopf, als mich.zum Narren zu Häven. Ich gebe dir gar keine Antwort mshr, nun weißt du's." .Ja, Mereyntje." antwortete Fliereflöter unierwürfig.„Ich werde versuchen, mich zu bessern, aber ich weiß nicht, ob es mir gelingen wird." .Leck' mich!.. schimpfte der klsine Kerl aus der Ties« seines Herzens, und er biß die Lippen fest aufeinand«r..«rnsthast«ntfchlosien. diesem elenden Spötter keine Antwort mehr zu geben. Schweigend gingen sie wieder eine Zeitlang nebeneinander her. Dann sagt« Fliereflöter listig: .Ich weiß genau, daß du vor einem Becher Ziegenmilch mit Zycker nicht wegläufst." Sosort hatte Mereyntje feinen unfreundlichen Entschluß ver- zefiqn. und er antwortet« begehrlich: „Nee, das würde ich gewiß nicht." „Dann gehen wir zur Frau Besjame." beschloß Fliereflöter. „Die kenn« ich gut. und die hat eine Ziege, Mereyntje...«ine solche Ziege!"... Er zeigt» die Größe einer jungen Kuh.„Und eine Milch gibt die... hmm!. �„ als ob dir ein Engelchen auf die Zunge pißt!" „Pfui, du bist«m Schmutzfink!" schalt Mereyntje lacherck» „Schmutzfink? Schmutzfink? Du weißt es doch sicher auch, daß die lieben Engelchen reinsten Honig pissen, he?" „Bah. hör' auf! Verrückter Kerl!" kollerte der Junge los. „Na. du wirst es schon selber sehen, wenn du in den Himmel kommst," prophezeite der Küster.„So. nun hier über die klein« Brück«, um die Ziegenmilch der Frau Be&jane zu kosten." Hintereinander stapften sie über den morschen Steg, und Fliere» fköter. der den Weg gut zu kennen schien, bog durch das Gärtchen .zur Hintertür, die er. ohne zu klopfen oder„Hallo" zu rufen, öffnet«. Er steckte den Kopf hinein und rief heiler „Ah, Marianneke», wie geht's dir?" Mereyntje trippelle hinter ihm zur Tür hinein und grüßt« Frau Besjane, die(gewiß vor Schreck) bis hinter die Ohren errötete. vom Stuhl aufstand und ihr Nähzeug hinlegte. Neben ihr stand ihr Töchterchen Nelleke. die Mereyntje kannte: sie war ein Jahr jünger als er und ging in die Dorfschule, woselbst sie ein« Klasie »iefer saß. Und so war Mereymje nie eingefallen, sie zu beachten. Es schien Mereyntje. als ob Frau Besjane nicht gerade entzückt über ihren unerwarteten Besuch wäre. Sie selbst war ganz und gor nicht liebenswürdig, aber Fliereflöter hatte ihr lachend die Hand gereicht und hiell nun big ihr««ine Weile fest, während«r ihr in niedergeschlagenem Ton vorwarf: „Was guckst du doch so häßlich, Marianneken? Komm, loch doch mal. E» ist mir, als ob die Sonne unterging«, wenn du so sauer dreinschaust!" „Ja, ich habe wohl gar noch Ursache, dich anzulachen," antwortet« Frau Besjane bockig.„Ach. laß meine Haüid los. geh!" „Nicht bevor du gelacht hast." drohte Fliereflöter: aber die Frau macht««n wütendes Gesicht, und Mereyntje fühlte sich unbehaglich. „Du meinst ja doch kein Iota davon," lachte sein Freund und ließ ihr« Hand loa.„Aber ich denk«, daß ich dich doch noch zum Sachen bringe, warte nur... Weißt du denn schon, daß ich Küster geworden bin?" „Ja, natürlich weiß ich das," antwortete die Frau schnippisch. „Schändlich genug." „Ganz meine Meinung," gab Fliereflöter zu.„aber ich kann es nicht ändern, siehst du: der Herr Pfarrer hat mich einfach dazu gezwungen Das ist ein unerbittlicher Kerl!" Er setzte sich bequem nach Reiterart auf feinen Stuhl, legt« die Arme auf die Lehne und sog, genießend, d'ck« Rauchwolken aus seiner Pfeife. Frau Besjane hatte sich wieder gefetzt und nahm ihr Nähzeyg auf, ein Hemdchen von Nellek«, worauf sie«inen Flicken ngfste. „Ach. was für«in kleines Hemdchen." sagte Fkiereflöter.„Kannst du dich noch der Zeit«finnern. Mafianneken. da dir ein solches Hemdcken zu Nein war?" „Nein, wie soll ich dos können?" antwortete die Frau schroff. „Das ist doch nicht so schwer," meinte Fliereflöter. und als sie «tchas verwundefi ihr« Augen zu ihm aufhich, fügte er hinzu:„Denkst du etwa, daß es dir fetzt zu groß ist?" See begriff, daß er sie angefühfi hatte. Ein jchmale- Lächeln oerzog ihren Mund und sie sagte: „Ach hu. alter Narr!" „Gestern Hab« ich«inen fiefigen Jux gehabt, Kind," fuhr Fliere. flöter fort.„Du lachst dich krank, wenn ich ihn erzähle. Soll ich'e mal erzählen?" „Das mußt du doch wissen." „Ja. aber da mußt du efii mal den Küster anlachen!" Und wirklich haucht« ein leise« Lächeln über Frau Besjane« Gesicht,»w sehr sie sich auch Mühe gab, kall und steif zu bleibe». Fliereflöter schlug sich zufriedeu imt der flachen Hand aufs Knie und lachte heller. Danach erzählte er: „Gestern früh also, als ich ins Pfarrhaus kam, jagte Jonske: Dr, Fliereflöter, sagte sie, ich glaube, du bist doch ziemlich geschickt mit Nadel und Zwirn'? Na, dos wollte ich ihr natürlich nicht abstreiten, nicht? und so sagte sie: Du. Fliereflöter, ich Hab so viel zu tun mll dem Essen. Du, du könntest mir mal ein paar Flecke in des Herrn Pfarrers Hosen nähen, sagte sie: hier hast du den Flick. korb, such dir einig« Flecke dazu aus. Dann ging sie fort, und ich begann zu flicken. Der Herr Pfarrer hat nun so ziemlich spitze Backen an seinein Hintern, mußt du wissen, und io waren zwei famose Löcher in seinem Hosenboden. Ich schnllt sauber und genau zwei viereckige Löcher hinein, und im Flickkorb fand ich zwei Lappen, die so zäh waren wie Leder. Ich brach wohl zwei oder drei Nadeln dabei, aber schließlich brachte ich es doch ganz gut fertig. Na, und der Pfarrer sagte: Danke schön! Und gestern nochmitrag, als er draußen spaziefie und fein Brevier las, hatte er die Hose an. Ich ging gerade in derselben Richtung wie er und sah ihn schlendern. Hinter ihm her schnupperten drei oder vier Hunde. Er halle weiter nichts zu tun als sich fortwährend umzudrehen, um die Viecher wegzu- jagen, denn immer wieder kamen sie zurück, steckten ihr« Schnüsfel- nasen in den Schlitz seines Talars, schoben einander weg und bellten wie besessen. Und auf einmal sehe ich. wie zwei zugleich auf ihn wsspringen und: Hopp? Schnapp! ging das... und weg waren sie, den ganzen Hosenboden des Pfarrers in ihrer Schnauze... und der Pfarrer nach Hause, die Hände auf seinem nackten Dollmond... rennen, rennen hättest du ihn sehen sollen!... Ja, und weißt du, was nun eigentlich los war? Janske hatte irrtümlich ein paar Speck- schwarten in den FUckkorb geworfen, und ausgerechnet die hatte ich nun in seine Hos« genäht... Und so kam der arme, alle Pfarrer mll bloßem Hintern nach Haus«!... Kruzifix, was bab« ich über mich ergehen lasten Müllen, Junge, Junge!... Las knall« fie nur so?" Frmi Besjane hatte ihre Arbell in den Schoß sinken lasten und faß vornübergebeugt da und locht«, die braunen Augen halb gefchlosten, die weißen blinkenden Zähne entblößt. Nellek« zuckte ängstlich bei j dem Gedanken an die beißenden Hund?, aber Mereyntje kugelt« stch vor Vergnügen. Zufrieden sah sich F'reflöter um und sagte: „So, siehst du. jetzt kenn' ich dich wieder, Mafianneken... So ein saures Gesicht steht dir nicht gut, du." Mafianne wischte sich die Tränen aus den Augen und seufzte; .Jemine, was bist du doch für«in verrückter Kerl!" Und Mereyntje rief fchfill: .Ja. aber dos ichwindell er nur. Frau Besjane.. dos fit alles gelogen?" Darauf begann sie von neuem zu lachen, und Fliereflöter lockte lustig mll. Als sie sich etwas beruhigt hatten, sagte er: Ich habe Meveyntze versprochen, daß« htm einen Sech« Ziegenmilch mit Zucker kriegen könnte." „Trinkst du das gern. Mereyntje?" fragt« Frau Leszan«, und mll well aufgeristenen Augen antwortet« der Klein«: „Je, dos ist auch eine Frag«!... Ich wollt«, daß ich nie etwas anderes kriegte!" Als Mereyntje und Nelleke. m kleinen Zügen, die dick«, süße Milch schlürften, fragte Fliereflöter: „Hast du dem Puppenhaus noch im Schuppen, Nelleke!" „Natürlich." sagt« die Klein« zufrieden,„und es ist noch viel Schönes dazugekommen!" „Ein Puppenhaus?" fragte Mereyntje neugiefig.„Ein fichllges Puppenhaus?" „Ja, im Schuppen," antwortete Nellek«.„Willst du es sehen?" .Ja, natürlich will ich es sehen." fies Mereyntje..Komm schnell!" Geschwind tranken sie ihre Mich aus, das Mädchen begierig, ihre Schätze zu zeigen, der Jung« neugiefig. das Wunder zu sehen. Als sie fort waren, sah Fliereflöter die junge Frau lächelnd an. Aber sie wich seinen Blicken aus und bog sich fieser über ihre Näharbeit. Die Wanduhr tickte die Sfille in kleine Stück«... Frau Besjane war Witwe. Kurz nach Nellekes Geburl war ihr Mann beim Zuckerrübenverladen am Kai verunglückt. Er hall« ein Gläschen zu viel getrunken und war nach dem Frühstück mll dem ersten Korb Rüben vom Laufbrett ins Wasser gekugelt. Eine hrlbc Stunde später hatten sie ihn herausgefischt, blau angeschwollen, und ihn in sein Häuschen im Polder gebrocht, aus dem er am Morgen lochend und gesund fortgegangen war. Marianne hatte dos Haus behalten und lebte von dem, was der Boden um das Nein« Anwesen, dos ihr Eigentum war, einbrachte, und von dem, was fie in der Erntezell durch Feldarbeit verdiente. Sie war eine stämmgc, wohl- geformt«, junge Frau mll ein paar leuchtenden, dunklen Augen, einem milchweißen Hals, der sich prächtig von chrem schwarzen Mieder abzeichnete. Fliereflöter betrachtete ihren gesenkten Kops, mit dem sich ringelnden, dunklen Löckchen um die kleinen, roien Ohren, und das Lachen wich nicht von seinem breiten Mund. „Warum ruft du st beschimmelt. Mafianneken?" fragte er endlich Sie hob den Kopf und sah ihn düster an. Dann antwortete fie: ..Du bist mir der Richtige, weißt du!... Wie lang« ist es her. daß ich dich gesehen habe?" „Seit ich das letztemal hier geschlafen habe.. „Schweig doch, du aller Bandit!" Das Blut wallte ihr eine tiefe rote Glut zum Kopte, aber ungestört fuhr Fliereflöter fofi:„Es ist fast ein Jahr her. fell ich das letztemal hier rm Schuppen auf dem Heu gefchlaf«, habe." „Ja. st. mindestens... Und wo hast du dich die ganze Zell herumgetrieben?" .Ich mußte wieder mal noch Flandern rüber, Marianneken... Was ist da zu machen?" „Er muß, er muß!" höhnt« die Frau böse„Wer zwingt dich?" Fliereflöter seufzte. „Ja, dos möchte ich auch wisten!" stgte er schwach.„Da fit «was, was mich zwingt, aber was da» nun ist, weiß ich wahrhafiig selber nicht... Ich werd« gerufen, siehst du. Marianneken: immer werde ich gerufen. Da stt irgendwo weit in der Ferne ein« Sfimm«. die ruft und ruft fortwährend... Fliereflöter! ruft sie. hier ent. lang? dorr entlang?... und dann mutz ich gehen. Aber diese Sfimm« kommt nie nah« heran, das rst dos Dumm«, siehst du... Und so stolpere ich nun durch die Welt, und überall, wo rch es gut habe, werde ich wieder weggerufen, und oft genug an Orte, wo es bei weitem nicht so gemütlich ist..(Fortsetzung folgt.) Rätsel-Ecke des„Abend". Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Stadt in Japan: 5. Stadt in Kleinasien: 8. deutsche Halbinsel: 10. Fluß im Harz: lS. europ. Hauptstadt: 13. Mediziner: 17. Fabeltier: 21. Fluß in Rußland: 23. Fluß in Mecklenburg: 24. Brennstoff: 25. Komponist: 26. Gesäß: 27. Be- weismittel: 28, Schisssbefchädigung: 20. europ. Hauptstadt: 30. mänirl. Vorname: 32 Ostseeinsel: 33. wabl. Vorname: 36. Waldgott: 30. Fluß in Asfika: 40. Festungswerk: 42. Ehemikal: 44. oerarbeitete Vorhaut: 45. Dramenaestalt von Shakespeare: 46. Vereinigung: 47. Staat in USA.: 48. Weltreich,-r Senk. recht: 1. Sonntag: 2. Gebiet in Afrika: 3. mohammedanisches Heiligtum: 4. gricch. Sänger: 6. Drama von Sudermann: 7. Fang- gerät: 0. weibl. Vorname: 11. deutscher Dichter: 12. Vereinigung: 14. Nahrungsmittel: 15. deutscher Dichter: 16. Teppich: 18. Insel im Mittelmeer: 19. Gegend: 20. Dickhäuter: 22. Besestigunasmittel; 24. Ksrperorgan: 30. Nachrede. 31. Insektenlarve: 34. Märchen- gestalt: 35. Longobardenkönig: 37. europ. Hauptstadt: 38. Gebet- buch. 40. Fisch: 41. Dramengestalt van Shskelpeor«: 42. Lebens- fast: 43- Blume. Srgänzunqsrätse«. Zwischen die nachstehenden Wörter ist an Stell« des Striches ein Hauptwort so einzusetzen, daß es dem ersten als Schluß-, dem zwellen als Anfangssilbe dient. Die Anfangsbuchstaben der fichtig gefundenen Wörter nennen einen Philotopkien.— Koch— Hering, Personal— Arzt. Jugend— Arbeit, Tat— Schaft. Stein— Sammler, Eisen— Schelm, Fisch— Haut. Kien— Schuh. Well — Macht. Wand— Kette, Mein— Schwur. Milch— Brei. W, Silbenrätsel. ' Aus den Süden a ar au ba b« da doch de dv do« e en er fant gel hu ke kUs st lai« land>e le li Ii lid beb Iis mi nez in no o ort ra w ri row sta sel spi sto sul stn te te thal che a u va! wo za sind 10 Wörier zu bilden, deren Anfangsbuchstaben von oben nach unten und Endbuchstaben von unten nach oben ein Zitat von Goethe ergeben.— Di« Wöfier bedeuten: 1. Orient. Herrscher: 2. Haremplienerin: 3. Stadt in der Schweiz: 4. Blut- oder: 5. Vater der Fliegskunst: 6. Malerkoloni« b« München: 7. Fluß in der Ukraine: 8. Vogel: 0. alle span. Residenzstadt: 10. Dickhäuter: 11. franz. Fabeldichter: 12. athenischer Staatsmann: 13. llal. Maler: 14. Figur aus der Fledermaus: IS. rufst Archäologe: 16. westfälische Landschaft: 17. Vorort von Berlin: 18. Holl. Philosoph: 19. weibl. Name. P. S. Abbau. Ein schwarzer Mann ist'» Rätselwofi Und wenn du nimmst den Kops ihm fofi. Wird es zur Stadt im Böhmefiand. Dir und uns asten wohlbekannt. Auch dies« nun vom Kopf befrell. Wird zum Geschoß aus alter Zeit. Nochmals geköpft, bleibt immer dann, Wie du gleich sehen wirst—«in Wann. Geographisches Rätsel. Welches ist der höchste Berg in Afrika?— Wenn wir die Vu-� stoben der nochstehenden Wörler so umstellen daß bekannte ge» graphische Begriff« entstehen und deren Anfangsbuchstaben anein- aicherreihen, erhalten wir seinen Namen.— Karre. Reis Ehlar, Litanei, Stürmen. Raum. Kamerun, Hilde. Mais. Laich, Phase. Aisne, Russe, Rode.!,!. �Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auslösung der Rätsel aus voriger Twmmer. Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Weihnacht: 8 Ina: 9. Dom: 11. Tiber: 13. nie: 14. Ida: Ib. Ebe: 1«. Te«: 17. Sarah: 20. Aß: 21. Lei: 23. Beet: 24. Brei.— Senkrecht: 2. Ei: 3- Jnter »sie: 4. Hqi: 5. Ate: 6. Eorinther: 7. t: 10. Engel: 12. Pater: 18. M: 19. Alb: 30. oe: 22. ie. Ge ographifch«? Füllrätsel 1. Sprottau: 2- Tou- lause, 3. Heidenau: 4 Osterode: 5. Hannover: 6- Lübbenau. 7- Glauchau: 8 Storggrd: ft. Liegnitz.— Oldenburg. Rösselsprung: Erforscht der Deutsche da« und die», Setzt er den Humpen an den Mund Er kommt der Sache ganz gewiß I« beiden Fällen auf den Grund. A. Franll(Deutsche Gründlichtetth Kaplslrätsel: Wer sich grün macht, den fresse« die Zieaenl Nr. J9S 46. Jahrgang Sonnabend 21, Dezember 1929 Die EnergieTersorgung der Welt- Weltkraftkonferenz Di« Urquelle, aus der der gesanu« Kroftbedarf der Weit de- stritten wird, ist die Sanne. Sie spendet Energie seit ewigen Zeiten und speichert sie in den Brennstoffen auf. Sie bewirkt den Kreielauf des Wassers und somit die von uns gewitzten Waller- kröfte, sie erzeugt den Wind. Es gibt viele Arten von Energie, die hauptsächlichen sind: Wärme-, chemische, mechanische, elektrische Energie. Zwischen diesen finden dauernd Umwandlungen von der einen Art in die andere statt, wobei der Betrag, der an der einen Energieart verschwindet, immer gleich ist dem, der an der anderen Energieart neu auftaucht Dieses Gesetz, das in der Mitte des vorigen Jahrhunderts von dem cheilbronner Arzt Robert Meier entdeckt wurde, beherrscht die Um- ivondlung sämtlicher Energiearten der Natur, so daß sich diese nur als verschieden« Erscheinungssoimen derselben Wesenheit darstellen. Welche Vorräte an Energie sind nach der heutigen menschlichen Erkenntnis vorhanden? Für die Beantwortung dieser Frage ist die Feststellung der vorhandenen Brennstosfmengen und der zur Verfügung stehenden Walserkräfte maßgebend(Energieträger). « kohle. Die wichtigste E n e r gl e r e s e r v e, welche die Wett zur Verfügung Hai, ist in den Kohlenlagern auf- gespeichert. Die Kohle bildet zurzeit das Grundelement für die ge- samt« Energiewirtschaft, denn der überwiegend größte Teil der ge- nutzten Energie kommt von ihr. Im wesentlichen sind es zwei Arten von Kohle, die hierfür gebraucht werden: die ältere und hochwer- tigere Steinkohle und die jüngere, die Braunkohle. Dann folgt der Anthrazit. Für die Beurteilung der Kohlenvorräte der Welt gelten immer noch die Ergebnisse des Geologenkongresses ISIZ zu Toronto. Unter Zugrundelegung jener Zahlen und der auf der Ersten Welttrafltonferenz vorgebrachten Aufstellungen errechnet sich das Kohlenvorkommen der Wett mit rund 7 398 999 M i l- lionen Tonnen(«ine Tonn«~ 29 Zentner), davon sind 52.8 Proz. Steinkohl«, 49,5 Proz. Braunkohle und 6,7 Proz. An- lhraziu Diese Zahlen können aber nur als annähernde gewertet werden. Es ist anzunehmen, daß in absehbarer Ze,t neue Unter- suchungen vorgenommen werden. Die Kohlenförderung der Welt steigt ständig an. Mit l464 Millionen Tonnen Steinkohle plus Braunkohle erreicht sie im Jahre 1927 den Höhepunkt und verringert sich im daraufsolgenden Jahr um 1,8 Proz. durch Abnahme der Steinkohlenförderung, wäh- rend die Förderung der Braunkohle andauernd steigt. Das An- wachsen des Derbrauchs an elektrischer Energie durch das Umstellen 'der Industrie auf elektrischen Antrieb und.infolge neuer technischer Verfahren, wie die Erzeugung von Aluminium, von Lufssalpeter und Elektrostahl unter Anwendung elektrischer Energie, gab die(SnirA. lag« für eine wirtschaftliche Braunkohlenverwertung durch Errich- nrng von Großkraftwerken in den Braunkohlengebieten. Die höchste Kohlenousbeute der Welt betrug 1927 weniger als ein Fünftausendstel der Weltreserven. Eine Erschöpfung ist also In absehbarer Jett nicht zu befürchten. Auch macht sich der Mensch fortdauernd andere Energiequellen dienstbar. Der Antell Deutschlands an der Kohlenförderung der Welt stellte sich im Jahre 1928 auf zirka 12 Proz. für Steinkohle und zirka 78 Proz. für Braunkohle. » Gas. Die Energie der Kohle finden wir zugleich im künst- lichen Gas, gewonnen durch trockene Destillation der Steinkohle. Entsprechend der hierbei erzeugten Koksmenge(auf 1 Tonne Koks kommen gegen 199 Kubikmeter Gas) errechnet sich die jährliche Well- gaserzeugung auf etwa 11,3 Milliarden Kubikmeter. Größer noch ist die Menge des Naturgases, welches all- jährlich dem Erdinnern entnommen wird. Im Jahre 1928 waren es 38 Milliarden Kubikmeter» woran die Vereimgten Staaten mit 368 Milliarden den überwiegend größten Anteil hatten. « Erdöl. Auch im Erdöl sind gewaltige Mengen von Energie aufgespeichert. Nach einer Aufstellung des U. S. E e o l o g i c a l Su rpey betrugen die Vorräte der Welt im Jahre 1927 zusammen 6.151 Milliarden Tonnen. Nach einer anderen Zusammenstellung von White u. Selbinger belief sich 1924 der Vorrat an Erdöl aus knapp 6 Milliarden Tonnen. Wenn diese Zahlen zutressen, so ist mit der E r s ch ö p f u n g der Borräte im Durchschnitt in etwa 39 Iahren zu rechnen, denn die Weltproduktion betrug 1927 rund 166 Millionen Tonnen und ist infolge der zunehmenden Ver- wendung des Verbrennungsmotors und der Oelfeuerung ständig im Steigen. An der Produktion des Jahres 1927 hatten die Dereinigten Staaten mit 72 Proz. den größten Antell. Es muß jedoch bemerkt werden, daß es bei der Unsicherheit der Erdölgeologie nicht ausgeschlossen ist. daß noch verschiedentliche Funde gemocht werden. Ferner dürfte die Vervollkommnung der Eewii.�.ungsverfahren den Ausschluß neuer,, tiefer gelegener Lager ermöglichen. Wasserkraft. In der Schätzung der Wosjerkrgfte ist bezüglich der Genauigkeit«in ständiger Fortschritt zu verzeichnen. Trotzdem liegen die Resullat« weit auseinander. Nach den aus der Ersten Wettkrastkonferenz gemachten Angaben ergeben die gesamten Wasserkräfte 381 Millionen PL. während das Amerikanische Geolo- gical Survey die Energiemenge auf 445 MiMonen PS schätzt. Da- non sind zirka 33 Millionen PS nutzbar gemacht. Dieser geringe Satz(8 Proz.) ist allerdings sehr beeinflußt durch die Wasserkräfte Afrikas, das 42 Proz. der Wasserkräfte der Welt besitzt und mtt nur 9,94 Proz. an den nutzbar gemachten beteiligt ist. In Europa und Nordamerika sind bereits 25 Proz. der verfügbar«, Wasserkräfte ausgebaut. Bei Angaben über die verfügbaren Wasserkräfte ist übrigens zu berücksichtigen, daß kleine kaum noch zählen dürfen, da der im Wasser.Großkraftwerk erzeugte elektrisch« Strom billiger ist und größer« Sicherheit für Beständigkeit bietet. * Elektrizität. Während die Brennstoffe und das Wasser Energie direkt hergeben(da sie selbst Träge? der Energie sind), wird die elektrische Energie mittels dieser Träger über hie Form der mecha. *)(SirT Teil der Zahlen ist dem Aufsatz des Herrn Dr. Dehn« ta Technik und Wirtschaft" Heft 11/1029 entnommen. irischen Energie gewonnen. In welcher Menge wird diese Energie- form in der Energiewirtschaft der Well gebraucht? Der Zentraloerband der deutschen elektrotechnischen Industrie hat sehr sorgfältige Erhebungen über die Wclterzeugung an elektrischem Strom ange- stellt und ist für das Jahr 1925 zu dem Werte von 18 4 M i l- liarden Kilowattstunden gekommen, von denen 96 aus den amerikanischen und 76 auf den europäischen Kontinent entfielen. Pro Kopf der Bevölkerung gerechnet stand Norwegen mit 2599 Kilowattstunden an erster Stelle. Für das Jahr 1926 wird die Wetterzeugung von elektrischem Strom auf 296 und für 1927 auf 239 Milliarden Kilowattstunden geschätzt. * Weltenergiegewinnung. In dem von der Weltkraftkomerrnz herausgegebenen Buche„Power Regources of the World" ist versucht worden, unter Benutzung aller erreichbaren U'ttsr- lagen die gesamte Energiegewinnung der Welt zu errechnen. Für 1927 ergaben sich folgende Resultate, der Vergleichbarkeit halber in Kilowattstunden ausgedrückt: Aus Steinkohle 1276 Milliarden Kilowattstunden(77 Proz.), aus Oel 261 Milliarden Kilowatt- stunden(etwa 16 Proz.), aus Wasserkraft 85 Milliarden Kilowatt. stunden(etwa 5 Proz.), aus Braunkohle 35 Milliarden Kilowatt- stunden(etwa 2 Proz.).— Die Zahlen zu prüfen und zu berichtigen und der Weltwirtschaft dienliche Forderungen aus ihnen zu ziehen, gehört zu den Ausgaben der Weltkraftkonferenz. � -» Die Wellkraftkonferenz. Die hohen Anforderungen, die heute an die Wirtschaft gestellt werden, verlangen eine weitgehende und zielbewußte Bewirtschaftung von Stoff. Energie und Arbeit. Wirt- schastlichkeit ist das Hauptproblem der Gegenwart, an seiner Lösung arbeitet geschlossen die ganze Menschheit durch Studium der Stoff- und der Energiequellen sowie der rakionellsten Methoden für ihre Nutzbarmachung. Für die Energiewirtschast hat es die Welt- kraftkonferenz übernommen, die Grundlagen klarzulegen. Sie will ermitteln, welche Energieformen und Energiemengen der Menschheit zur Verfügung stehen, wie sich diese über die einzelnen Länder der Erde verteilen, welche Umwandlungen zwischen den Energieformen ständig vor sich gehen und welche Methoden es sind, die das Erfassen der Energien mit geringstem Verlust, größter Sicherheit und weitest gehender Anpassungsfähigkeit an die Bedürf- nisse des Menschen ermöglichen. Sie unternimmt es, eine Welt- ftattstik der Energieversorgung nach bestimmten Richtlinien auszu- bauen und der Förderung der Energieversorgung, d. h. der Ver- besserung der Lebensbedingungen des Menschen zu dienen. Der Weltkrastkonjerenz gehören fast alle Lander der Welt an. Die Ausarbeitung der einzelnen Fragebogen für die Vorbereitung der Erhebungen über die Weltenergiewittschaft ist den einzelnen Ländern übertragen worden, in derjenigen Vetteilung, wie die Länder an den betrefjenden Fragen besonders interessiert wärest. So übernahm Großbritannien die Steinkohle, Deutsch land die Braunkohle und Lignite, Polen— Torf, Schweden — Holz, die Vereinigten Staaten— Oel, Schiefer und Gas, die Schweiz— Wasserkraft. Dänemark— Windkrast, Frankreich— Ä>be und Flut sowie Sonnenkrost. Um für die Wettstatistik Geltung zu bekommen, müssen die von den Nationalen Komitees dieser Länder ausgearbeiteten Fragebogen die Zustim- mung aller übrigen Länder und des Hauptausschuffes der Welttrost. konferenz erhalten. Es wird noch eine Reihe von Iahren vergehen, eh« eine zuverlässige Weltenenergie st ati Pik zustande gebracht wird, denn die Ausgabe ist umfangreich und schwierig. Die Bedeutung dieser Ausgabe rechisettigt jedoch die erforderliche Arbeit in hohem Maße. denn die Lösung Oer Aufgabe wird wesentlich dazu beitragen, eine Organisation der Energiewirtschaft der Well durchzuführen: Di« Weltkrastlonserenz ist vielleicht der erste Schrill zu einer Welt- Planwirtschaft, als deren Folgen eine leichtere Deckung hes Lebens- bedarfes des Menschen zu erwarten ist, wovon der Aufstieg de? Menschheit im wesentlichen abhängt. Die Erste Weltkrostkonserenz hat anläßlich der Weltausstellung in Wembley vom 39. Juni bis 12. Juli in London stattoe» funden. Die Zweite Bolltonferenz wird vom 16. bis 2S. Juni 1939 in Verlin tagen. Dazwischen"haben vier Teilkonferenzen der Fachleute über Speziolfragen der Energiequellen und Energieerzeugung stattgefunden. Die groß« Bedeutung, die der Berliner Konferenz beigemessen wird, erhellt aus der Tatsache, daß bis zum 1. November 1929, dem Meldeschluß für wissenschaftliche Beiträge, gegen 499 Berichte aus 23 Ländern angemeldet worden sind. Deutschland steht mit 56 Beiträgen hinter den Bereinirten Staaten an zweiter Stelle. Der Schwerpunkt dieser Konferenz wird bei der Energievetteilung und Energieverwendung liegen. Dipl.-Ing. S. Michelson, Berlin. Femsehen in England �achlseher*' für Signalzwedcc- Fcrmch-T onfilme- Automatischer Gleichtakt Bei den Dorführungen, die mir während meiner kürzlich«» Anwesenheit in London geboten wurden, tonnte ich zunächst seststellen, daß die Güte der Fernsehbilder— Schärfe, Detailreichtum und Ruhe — innerhalb der letzten acht Monate wiederum zugenommen hat. Di« auf der Berliner Funkausstellung von der F«rnseh-A.-G. ge- zeigten Fernsehübertragungen reichten infolge der ungünstigeren Dersuchsbedingungen auch im besten Fall« nicht ganz an die Lon- doner Leistungen heran. Weit interessanter als dieser im Grunde nebensächliche und be- greifiiche Umstand waren jedoch die Vorführungen von praktischen Anwendungen des Fernsehens: Zunächst war der„R o c t o v i s o r". der durch Nacht und Nebel sehende.Nachtseher", bisher mir eine LaboratoriumÄuriosität, in sehr handlicher, praktischer Form dem Verkehrswesen dienstbar gemacht worden und gestattete nunmehr auch bei dichtestem Nebel direktes Erkennen von Signallampen. Der.Noctovisor" beruht bekanntlich auf der Verwendung lang- welliger, dem Auge unsichtbarer und nur durch Ihre Wärmewirkung direkt wahrnehmbarer, sogenannter infaroter Strahlen. Der- artige Strahlen sind in jeder Lichtquelle, jeder Lampe, vorhanden und bedürfen, will man sie nutzbar machen, nur eines aus sie reagie- renden Organs. Was das menschliche Aug« nicht leitet, vermag hier eine von dem bekannten Funkingenieur Baird konstruiette Form des»elektrischen Auges", der auch sonst im Fernsehen ver- wendeten elektrischen Zelle, die für insarote Strahlen besonders empsindtich ist. Eine derartige Zelle reagiert daher aus die un- sichtbaren Strahlen, die auch in dunkler Nacht vochanden sind, und die Nebel 16mol leichter durchdringen als gewöhnliches, für unser Auge sichtbares Licht, ebenso wie aus solches und verwandelt sie in ganz ähnlicher Weise in Stromschwankunge«», die entweder direkt über ein« Leitung in die Ferne gesandt oder auch den von einer Rundfunkstation ausgesandten elektrischen Wellen überlagert und an der Empfangsstelle mit einem gewöhnlichen Fernsehempfänger emp- fangen werden können. In dem für Verkehrszwecke bestimmten Apparat, der sich äußerlich wie eine große Kamera präventiert, sind Fernsehsender und-empsänger vereinigt: dieselbe Lochscheib« dient für die Sendung und sür den Empfang. Eine derartige Verein- fachung war desiregen angebracht, weil es sich hier nicht um Fern- sehübettragung, sondern um unmittelbare Sichtbarmachung handelt. Bei den kürzlichen Borführungen m Box Hill bei Lon- don wurde der gerade nicht verfügbare Nebel durch eine sür das Auge vowkonnnen undurchsichtige starke Ebomiplatie ersetzt: Ein Auto fuhr nach Eintritt völliger Dunkelheit die einsame Landstraße entlang, bis es ungefähr fünf Kilometer von Baird: Landhaus ent- fernt war. Der eben beschriebene.Nachtseher" war at-i das Auto eingestellt, und dessen Scheinwerfer waren auf der Mattscheibe dept- lich zu erkennen. Dann wurde dem Fahrer telephonisch die An- Weisung erteilt, den Scheinwerfer durch Anbringen der Cbonitplatte zu verdunkeln. Dies geschah sofort mit der Wirkung, daß das bloße Auge keinerlei Licht mehr wahrnahm und auch bei Betrachtung durch einen starken Feldstecher von dem Scheinwerfer nlch.s zu er- kennen war. Um so überxaschender wirkte es. daß das Licht auf der Mattglasscheibe unverändert sichtbar blieb. Der Bairdsche.Nachtseher" sitzt drehbar aus einem Teilkreis auf und gestattet daher bequeme Feststellung des Winke's, in dem «in Signallicht erscheint. Schisse, die mit dem Apparat versehen sind, können daher die Signallichter eines ihnen begegnenden anderen Schiffes oder auch die eines Leuchtturms selbst im dichtesten Nebel nicht mir wahrnehmen, sondern ihre Lage ganz unmittelbar fest- stelle», und m ganz ähnScher Weise ist der Apparat zu? Orientte- rttng für Flugzeuge und Lustschiff« verwendbar. Auch im Eifen- bahnwesen dürfte der Apparat wertvolle Anwendung finden und ein viel erörtertes Problem lösen. Auf vielen Gebieten des Der- kehrstvesens ist somit die Möglichkeit gegeben, den Nebel, die schwerste Bedrohung der Sicherheit, zu bekämpfen, sür erhöht« I Sicherheit zu sorgen und Unfälle tn weitgehendem Maße zu vermeiden. Die zweite Neuheit, die mir vorgeführt wurde, war der Fern- seh-Tonsilm. den Baird in Anlehnung an die in England übliche volkstümliche Bezeichnung eines Sprechfilms.T e l e- T a l- k i e" nennt. Die Sendung durchsichtiger Bilder(Diapositive und Kinofilme) stellt ja wegen der viel einfacheren Beleuchtungsverhält- nisse im Grunde«in« Vorstufe aus dem Weg« zum eigentlichen Fern- sehen, d. h. zur unmttteiboren Uebertrogung belebter Szenen, dar. und Baird. der diese Jwischenswfe längst überschritten hatte, ver- spütte ursprünglich nur geringe Lust, sich wieder mit Filmsendungen zu beschäftigen. Praktische Erwägungen, vor allem wohl die Rück- stcht aus das Fernsprechprogramm, das die Deutsche Retchspost für die Berliner Rundsunkausstellung aufgestellt hatte, veranlaßtcn ihn sedoch, seine ansängliche Zurückhaltung auszugeben. Da aber«in gewöhnlicher Film in der durch die bisherigen Wellenbandbeschrän- kungen begrenzten Form, d. h. mit ein bis zwei(im äußersten Falle drei bis vier) handelnden Personen, eine Belebung durch die Stimm« noch dringender braucht, als ein im Kino direkt vorgeführter, ließ es sich Baird angelegen sein, nicht nur gewöhnliche, sondern auch Tonfilme durch Fernsehen zu übertrage m Bei den mir kürzlich vorgeführten Fernseh-Tonfilmen wurde der Bildteil in gewöhnlicher Weise durch Fernsehen gesendet und an der Empsangsstelle aus einer Mattscheibe sichibar gemacht. Der aus demselben Film seitlich aufgenommene lautlich« Teil wurde an der Sendestelle durchleuchtet und durch eine lichtelektrische Zelle in Stromschwankungen verwandelt, die ähnlich wie des Fernsehbildes einer Rundsunkwelle überwgett und auf der Empsangsstelle empfangen und in Schallschwingungen zurückverwondelt wurden. Bei den mir gegebenen Vorführungen waren die lautlichen Wiedergaben in ihrem Bettaus auf die bildlichen vollkommen abgestimmt, und der Eindurck war ganz ähnlich wie bei unmittelbarem Fernsehen mit gleichzeitigem Lautsprecherempsong. Derartige Fernsehtonsrlme, wie sie im vor- liegenden Fall« zum erstenmal praktisch verwirklicht wurden, dürften — namentiich in der ersten Zeil—«ine wertvolle Bereicherung des Fernsehprogramme darstellen.' Schließlich tritt Baird soeben mtt den ersten Mitteilungen über sei» Verfahren zur Herstellung von automatischemSynchronismus(Gleich- takt) zwischen Fernseh-Sender und-Empfänger an die Ooffentlichkeit Bekanntlich handelt es sich hierbei um eines der wichtigstes, Probleme, die bei der praktischen Durchführung des Fernsehens zu läsen sind Nach diesem Versahren wird dem Fernschbild, bzw. den zum Fernsehen benutzten Stromstößen ein kleiner Teil entnommen und zum Ausgleich des Ganges benutzt. Bei größeren Empfangsapps- raten Ist ein Umschalter angebracht, der diesen Bildstrom während jeder Bildzeile einmal für«inen Augenblick in einen Rtlaiikreis entsendet. Zwischen je zwei aufeinanderfolgenden Bildern entsteh: an der Trennungsstell« ein« Schwärzung. Befinden sich nun Tender mtt» Empfänger im Gleichtakt, so stellt das Relais gerade an der schwarzen Stelle die Verbindung her; dann fließt natürlich kein Ätrom durch das Relais. Läuft der Empfänger jedoch nur ein wenig langsamer als der Sender, so funktioniert der Schalter an einer hellen Bildstelle. Dann geht Strom durch das Relais und erteilt einen beschleunigten Impuls. Der Empfänger ist st, eingerichtet, daß er normalermeile'uhr memo l-bnelle? als der Sender läuft. Dr. Allred Gradcnwtr- -« Knie s« tief beugt, wie man es bei der sogenannten kleinen Kniebeuge«rkernt , hat— ober in Hockstellung mit geschlosienen Füßen und den , Oberkörper ein wenig nach vorn neigt Diese Körperstellung ge» währleistet«inen absolut sicheren Stand über den Schlittschuhen. Aus dieser Stellung kann man ganz allein, ohne sich anfosien zu lassen, da» Schlittschuhlaufen in wenigen Stunden erlerne». Au empfehlen ist noch, die Arme leicht gekrümmt nach vorn zu nehmen. damit man sich, wenn man vielleicht doch einmal nach vorn über» fällt, sofort mit den Armen auffangen kann. D«r Blick ist geradeaus zu richten, immer schon einige Meter voraus, um genau da» Ei» vor sich übersehen zu können. Aus dieser vorgeschriebenen Stellung heraus werden nun ganz kurze, enganeinander vorübergeführte Schritte mit den Fußspitzen geradeaus nach vorn gemacht, etwa in d«r Art. die man notwendig • hat, sich bei Glatteis auf der Straße vorwärts zu bewegen. Die ! Füße werden nur mäßig hoch vom Eise gehoben, der Körper bleibt immer noch vorn geneigt, die Knien sind gekrümmt, aber memols fest anzuspannen, sondern ganz weich und federnd ZU halten. E» ist ganz ausgeschlossen, daß man bei dieser Art des Sichvorwärls- bewegen? hinfällt, man braucht daher gar keine Angst zu haben Hat man diese Laufübungen nach Vorschrift einige Zeit gemocht, so kommt man von ganz allein in eine gleitende Vewegung. Schnelle Drehungen und Wendungen können selbstverständlich mit diesen Vorkenntnissen noch nicht ausgeführt werden., Eine Drehung an Ort ist mit Trippelschrilren und Rumpfdrehungen z» erreichen, Wendungen in ähnlicher Weise, oder dadurch, daß man sich bei genügendem Schwung auf beiden Füßen weitergleiten läßt und den Körper nach der Richtung dreht, wohin man abzubiegen gedenkt: Oberkörper, wie immer, etwas nach vorn geneigt. Wer das einfache Geradeauslaufen nach diesen Vorschriften erlernt hat, ist in der Lage, sich tüchtig auf dem Eis« zu bewegen und vermag sich weiter zu vervollkommnen. X. Vieregx. Arbeiter-Serienringkämpfe. Sparia-Neuko In— Tegel 15:13. Wie alljährlich tragen auch in diesem Jahre die bundes- treuen A r b e i te ra t h le t e n, ungeachtet aller Sprengungsversuche der„oppositionellen Sportler", ihre Serienring- kämpfe um die Bezirksmeisterschaft des 4. Kreises aus. Die Arbeiterathleten stehen am Ansang der Winterarbeit, die Serien- kämpfe im Ringen müssen bis zum April erledigt fein. Das erste Treffen der Vorrunde endete bekanntlich mit dem Siege von 17: 2 der Luckcnwalder über Alt-Wedding. Gestern abend trafen, in der Fortführung der Kämpfe, die beiden lokalen Verein«, der Kraft- turnverein„Sparta 1896" und der Sportverein„Tegel 1899", in heißem Kampfe um die Anwartschaft zur Kreismeisterschaft auf- einander. Beide ebenbürtigen Vereine machten di« größten Anstrengungen, um möglichst gut abzuschne-den, damit sie in den noch zu liefernden Kämpfen wieder erfolgreich mitwirken können. Obwohl �die Tegeler über ausgezeichnete Kräfte verfügten, muhten sie nach hartem Kampf die Ueberlegenheit der Spartaner mit 13 anerkennen. Auch bei diesem Ringen wurden wieder schöne, technisch auf hoher Stuf«, ja sogar einzig dastehend« Kämpfe ge- boten. Im Federgewicht gingen die Punkte kampflos an die Tegeler. da der Spartaner mit Uebergewicht antrat Kindler(Sparta) erlag trotz körperlicher Ueberlegenheit dem sehr geschickten Hartmann (Tegel) in der ersten Runde nach 6,30 Minuten, in der Wiederholung zwang er dem jugendlichen Gast ein Unentsckieden ab. Seinen, Spezialgriff, einem Selbstfaller, verdankte der Federgewichtler Hüs- „er(Sparta) seinen Doppelerfolg, in dem ersten Gang nach 3.43 Mi- nuten, in der Rückrunde d<,nn nochmals durch den aleichcn Griff. Burghardt(Tegel) und Wittkam I(Sparta) gingen in der ersten Rund« über die Distanz, bei der Wiederholung war der Spartaner durch seine Knieprellung noch staiff gehandicapt, mit ungewöhnlicher Energie gelingt es, auch diese zweite Runde offenzuhalten. Kahl- mann(Tegel) verlor im Mittelgewicht gegen Wittkam II(Sparta) nach e-bitierter Gegenwehr im ersten Gang di« Punkte an Sparta. Die Wiederholungsrund« zeigte verschärftes Tempo, mit einem Dammerlock triumphierte Witkam zum zeitenmal m 1,13 Minuten. Der Ersapmann der Tegeler, Jöckel, stand gegen den halbschmeren Svartatechniker Gierberg auf einem verlorenen Posten, in der ersten Rund« wurde da? Ringen schon nach 13 Sekunden und im Rückkampf nach der zweiten Minute abgestoppt. Der kampferprobte Tegeler Höhne errang einen schönen Dopyelerfolg gegen Walter(Sparta). Räch e'-em sehr interessanten 3-Minuten-Stand- und Bodenkampf siegte er erstmals durch Eindrücken der Brücke und war im zweiten Gang nach 3,35 Minuten nochmals erfolgreich. &4A\(U0CJUil Die Spiele am 11. Dezember. Im 1. Bezirk stehen sich in der 1. Gruppe Fürsienwaide und FTGB.-Oberspi«e um 14 Uhr in Fllrstenwalde und FTGB.-Osten und Ol-lGB.- Südost um 11 Uhr in der Böd'.ckerjtraße gegenüber. In der 2. Gruppe spielen ITGB.-Lichtenberg gegen ASC. um 10 Uhr :n der Kynaststraße, Strausberg-Schwimmer gegen FTGB.-Stralau um 14 Uhr in Strausberg und Wildau gegen FTGB.-Baumschulen- weg um 14 Uhr in Wildau. Im 2. Bezirk spielen in der 1. Gruppe Hennigsdorf gegen Friedrichsthal um 14 Uhr in Hennigsdorf und in der 2. Gruppe FTGB.-Rordring 1 gegen Velten 2 um 12 Uhr auf dem Exer. In Gesellschaftsspielen stehen sich gegenüber: Zehlen- darf gegen Berlin 12 um 13?� Uhr in Zehlendorf, Spandauer Srrahc, FTGB.-Pankow gegen FTGB.-Nordea 1 um'13 Tlhr'in HaÄow. Kissingenstraße: Nauen gegen Weißensee-Schwimmer um 11 Uhr in Nauen: FTGB.-Nordeu 3 gegen Kältberge um 12 Uhv un Hum- boldthain- FTGB.-Nordring-Sportler 1 gegen FTGB..Fr!ed«nau 2 um 8 Uhr aus dem Exer; Velten 2 gegen Fußballklub Oberspree 1 um 13 Uhr in Velten: Schenkcndorf gegen Sportverein Moabit um 14 Uhr in Schenk«ndorf. Hochstapler! Wer unter falscher Flagge segelt, wird bestraft. Die aus dem Arb«iter-Turn. und Sportbund aus- geschlossenen„oppositionellen" Sportler benutzen den Namen des Bundes. immer noch zur Bauernfängerei. Aufforderungen, ihre Firma zu ändern, blieben unbeachtet, so daß sich der Bund und sewe Instanzen zu Klagen veranlaßt sah, um Irreführungen in Zukunft zu vermeiden. Dieser Tage ist nun dem verantwortlichen Redakteur von„Sport und Spiel", dem kommunistischen Sportblqtt. des Berlin-Brandenburger Kreises, die Führung des liiel»„Arbeiter- Turn- und Sporlbund" untersagt worden und er ist gleichzeittg zu 300 Marl Geldstrafe und zur Tragung der Kosten verurteilt worden. Wird man nun endlich das falsch« Namensschild beseitigen und sich offen als Unterabteilung der Kommunistischen Partei bekennen? Wir jedenfalls werden kein« Selsgenhet ver- säumen, das Kind beim rechten Nomen zu nennen.,■ Eisbahn auf der Rült-Arena. Der Innenraum der Rennbahn ist auch in diesem Jahre für eine einwandfreie Eisfläche vorbereitet. Volkstümliche Preise. Insbesondere die durch die Holztribünen gegen Wind vollkommen geschützte Eisfläd* wird zum angenehmen Ausenthalt. kür üen Wassersportler: rcw