BERLIN Montag 23. Vezember 1929 10 Pf. Tit. 600 B 299 46. Jahrgang CtfAeitt tagli A««f er f* M»/»§ J ü t � iHielf««»telir©feefafiwttfaettoiwetetlleiri!« Zusle» Wendaa-g-b« des.VorwStt«'.. A/ B Z--V. eo P,.. gtdlame}«!« 5 M. Ermäßigung«, nach Tarif. b«dt Sutgaben»5 Pf. pro«vche.»FoM. rrv Monar. jCtMö ff IfäsF i%/ÜL�9lQ Postscheck kvatv-. VorwärtS-Verlag G. m. d.H.. Redaktion und Erxedirion; Berlin SWöS.Lmdenstr. 3/»»»' Berlin Nr. 87336. Fernsprecher: Dönhoff 232 bii>cherglcuten ausgeübt worden ist. Allein iii Ost- preuhen wurden 28 000 Ncin-Stimmen abgegeben in Pommern 26 000 31 ejn-Stimmen pich 11 000 ungültige Stimmen Die chugcnberg-Aktion Hot damit ein klägliches Ende gesunden. Die Hugenberg-Presse jgdoch wagt nicht, die Niederlage einzugestehen. Sie mutz ihr«« Lesern versichern:„Der Relchsausichusi be- trachtiit den Volksentscheid als gewonnen/ Es lohnt sich nicht, mit diesen Leuten zu diskutieren! Fest steht, daß der Reich-ausschuß jetzt schon eine erhebliche Schwächung erfahren hat. da der Reichslpudbund erklärt hat, daß er sofort noch dem Volks- entscheid ausscheiden werde.' Der Huxgnbergfche Presieapparat findet sick auf echt«.hugen- bergmanier mit dem Ergebnis ab. Der„Deutsche Schnell- dienst" versichert: nur ein« verschwindend gering« M'nd«rheit habe gegen das Gesetz gestimmt, das Volk selbst Hab« zu etnen, beacht- lichen Teil sejn kaiegorische» Nein gegenüber dem Pariser Tribuf- plan ausgesprochen. Für diese Leute scheint das deutsche Vosk nur aus denen zu bestehen, die beim Volksentscheid an die Wahlurne gegangen sind! Immerhin gehären auch die 87 P r o z., die sich nicht für Herrn chugenbcrg erklärt haben, zum deutschen Volke. Se'bst wenn man berücksichtigt, daß etwa 15 Proz. bei allgemeinen Wahlen indisserent obleits zu stehen pflegen, so bleiyen immerhin n o ch 70 P r oz., die den 13 Proz. der Hugenbergfront gegenüber- stehen. 13 Proz. gegen 70 Proz„ also ist der Volksentscheid ge- wonnen. Das Ist das Hugenbergfch« Hexcneinmaleins! Bei solcher Lag« der Dinge flüchtet die Hugenbergfront in die Dortrupptheorie. Der„Deutsche Schnelldienst" versichert: Die Stärke dieses Vortrupps von 13,8 Proz. dürfe nicht an der erreichten Stimmenzohl gemessen werden. Man müsse die Stimmen wogen, anstatt sie zu zählen. Der politifct« Wille in Deutsch- land sei nicht unmobilisiert. sondern ex findet auch die Formationen vor. mst denen der Bonnarsch angetreten werden könne. Zvo» sind dieselben Phrasen, mit denen sich die Kommunisten über ihre Schwäche im deutsche« Polte hinwegzutrosten pflegen. Di« Vor- tru'pptheori« ist die Zuflucht für alle die. die an der Werhekraft der eigenen Sache im Volke verzweifeln und die deshalb die n.ungclnde Zustimmung des Volkes durch die Gewalt ersetzen wollen! v!« Hugenbergfront ist das Gegenstück zu den Kommunisten. Ähre Hoffnung ruht nicht darauf, daß st« einmal die Mehrheit des Volkes gewinnen könne, sie richtet sich auf putschistifch« Unter» »chmungen. Das Ergebnis des Volksentscheids wird sein« Ztückwirtungen «us di« Verhältnisse'in der Deutschnationalen (Fortsetzung auf der 2, Seite.) Der Reichstag hat in der Nachtptzung vom Sonnabend zum Sonntag da»„Gesetz zur außerordentlichen Tilgung der schwebenden Reichsschuld" in namentlicher Abstim- mung mit 255 gegen 131 Stimmen endgültig an- genommen. Der R e i ch s r a t, her sich am SomNag nachmittag mit deii letzten vom Reichstag verabschiedeten Gesetzen befaßte, beschloß trotz starker Bedenken weder gegen das Tabak st suergefetz, die Zollnanell«, di« Beitrags«? höhung für die Arbeitslosenversicherung noch gegen das Gesetz über die außerordentliche Tilgung der schwebenden Reichsschuld Einspruch zu erheben. Bezüglich der Tabaksteuer erklärte der Ver- treter Bremens, daß er sich der Stimme enthalten werde, weil der Senat von Bremen bei der Kürze der Zeit nicht in der Lage ge- Wesen fei. das für Bremen ganz besonders wichtige Gesetz eingehend kennenzulernen...'. Einspruch wurde beschlossen gegen den vom Reichs- tag angenommenen Antrag Lipinski fSoz.), wonach Rückflüsse aus.Hauezinssteuern lediglich dein Wohnungsbau und der ländlichen Siedlung zufließen sollen. Der Eilsspruch wird mit folgender Begründung erhoben:„Dieses Gesetz greift in di« Ber- wendung von Müteln einer Steuer e'n, die den Ländern zusteht und für die da? Reich nur die Rahmengesctzgebung hat. So sehr auch den Ländern die Förderung des Wohnungsbaues am Herz«» liegt, so kann doch diese Frage nicht allein durch Vorweg- nahm« vom Standpunkt des Wohnungsbaues entschieden werden, sondern sie muß, zumal angesichts der bedrängten Finanzlage der Länder, im Zusammenhang mit den Fragen der Fliianzreform und der Neuregelung des Finanzausgleichs behandelt werden." In bezug auf di« B e itrag serhöhung für die Ar- beitslosenöerslcherung führte der Berichterstatter aus, daß die Reichsanftalt für Arbeitslosenversicherung in den Winter- monaten ein Defizit von 218,5 Millionen hoben werde. Die finanzielle Situation der Anstalt bleibe nach wie vor bedrohlich. Es sei deshalb erforderlich, daß ball» in die Beratungen von Maß- Hugenbergs Ende Oie Freiheitssonne des Volksentscheides ging auf. Aber da eS der 22. Dezember war, stand sie so tief, daß sie nur eiaen Schneemann schmolz und sich ckM>ald verzog. nahmen zur Herbeiführung einer endgültigen Sanierung eingetreten werde. Auf Antrag des Berichterstatters wurde schließlich folgend« Entschließung angenommen: „Die vom Reichstag beschlossene Beitragserhöhung reicht, auch wenn man von ihrer Befristung absieht, nicht aus/um im Haus- halt der Reichsanstalj für Arbeitsvermittlung und Arbcitsioseiwer- sicherung das Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben herzustellen. Es werden daher insbesondere für die bevorstehenden Wintermovate zur Gewährung der im Gesetz vorgesehenen Leistun- gen noch sehr erhebliche Darlehen des Reichcs crfor- d« r s i ch fein. Der Reichsrot spricht die Erwartung aus, 1. daß die Reichsregierung mit möglichster Beschleunigung Maßnahmen in die Wege leitet, die geeignet sind, in der Arbeitslosenversicherung das Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben voll und auf die Dauer herzustellen, 2. daß bis zur Durchführung dieser Maßnahmen die Aufrechterhalwng der Zahlungsfähigkeit der Reichsanstalt sichergestellt wird, 3. daß die Ausschüsse des Rcichsrats über die Beratung der erforderlichen Maßnahmen gemäß Art. 67 der R«!ichsverfassung dauernd auf dem laufenden gehalten werden. Der Reichsrat wird zur Fortsetzung der Beratung für Ende Januar eine erneute S'tzung seiner zuständigen Zlusschüffc einberufen." Oer Nachfolger Hilferdings. Or. Herh vorgeschlagen.-Noch keine Entscheidung. Der Vorstand der sozlaldemokralischeu Reich,- l a g s f r a kl I o n. der am Sonnabend abend um elf Uhr zusammentrat und sich mit der durch den Rücktritt des Reichsfinonzmlulsters gefchasjenen Lage beschäftigte, beschloh' einmütig die sofortige wiedcrbeschung de» Reichssinanzminlstcriums durch die Sozialdemokratie zu fordern und der Reichsiagsfraktion als Nachfolger Dr. hilferdlngs den Finanzsachverständigen der sozial- demokratischen Fraktion und Fraktionssekretär Dr. h c r h vorzuschlagen. Die sozialdemokratische Reichstagssraktton trat nach Schluß der Rachtfitzung de» Reichstage» zu einer auherordentlich stark besuchten Sitzung zusammen, in der Dr. L retlschcid einen Bericht über die politisch-parlamentarische Lage erstattete und de« Vorschlag de» Fraktionsvorstaude, unterbreitete. Die Fraktion er- klärtr sich, ohne einen formellen Beschluß zu sassen. nach längerer Debatte mll dem Vorschlag de» Fraktionsvorstandes einverstanden und ersuchte den in der Sitzung anwesenden Reichskanzler möglichst bald entsprechend zu verfahren. Die Fraktionssitzung war um Uhr beendet. Reichstogsobgeordneter Dr. h e r h hat sich über die Annahme de» Amtes bisher noch nicht entschieden. ' Milde Richier in Schweidnitz. Keine Verurteilung wegen �andfriedensbruch. Schweidnitz. 23. Dezember. Heute früh verkündete der Vorsitzende des Schöffen» geeichtes im Schweidnitzer Rntionalsozinlistenprozctz fol» gendes Urteil: Wegen Vcrsammlungssprcagnn« und teUweise Wege« Körperverletzung werden ver- nrteilt: Thieman» zn drei Monaten, Map K n b i s s a und Knlischzn zwei Monaten, Klose zw einem Monat Gefängnis, Giesel nnd Josef Kwbisfa an Stelle einer verwirkte» Gefängnisstrafe von drei Wochen zw 42 bzw. 28 Mark, Grltzke an Stelle von zehn Tagen Gefängnis zu 20 Mark Geld- strafe. Tie übrige» nenn Angeklagten, darunter die �>aupt- angeklagte«, wurde« freigesprochen. Der gescheiterte Volksentscheid. (Fortsetzung von der 1. Sette.) Portes hohen. Die deutschnatoinal« Arbeitsgeweinjchait«tri» sich doraus tierusen, doh die anderthalb Millionen Stimmen, die gegen- über der Reichstaciswahl von lSU fehlen, zum grosien Teil ihr zu- zurechnen feien. Nach dem Volksenischeid sind dl« Hemmungen für die fortgefallen, die sich unmittelbar vor der Hugenbergaktion nickt dem Vorgehen der Deutschnationalen?lrbeitsg«meinschaft anschliehen wollten. Der Reichsausfchug des Herrn Hugenberg tröstet sich, daß es sich nur um«in Vorgefecht handle. Das scheint eine optische Täuschung zu sein. Nicht Vorgefecht, sondern Rückzugsgefecht! Die um Hugenberg haben in Deutschland kein« Zukunft? Lieber drei Millionen verpulvert! vi« hugenberg-Aktioo tostet dem Reich alle» in allem nicht incniger als dreieinhalb Millionen Mark. Dreieinhalb Millionen Mark, die verpulvert werden mußten« weil hugenberg feine politischen Führerlalente erproben wollte! Dreieinhalb Millionen Mark aus Mitteln der Retchskafse zur Aufputschung unseres Voltes, dreieinhalb Millionen aufgebracht von dem Staat, gegen den fich hvgenbergs Aktion von Anfang an richtete.?st das noch Logik? Abgefchmiert! Räch dem Volksbegehren erklärte der„Stahlhelm" ganz im Stile der Berichte d«r OHL.:„Di« erst« Stellung er- o b s r t-" Was wird er nun melden? Will«r im Stil bleiben, so bleibt ihm nur übrig mitzuteilen:„Vor der zweiten Stellung schmählich abgeschmicrt." Ein pyrrhus-Gieg? Die vereinigte Opposition wagt Labour nicht zu stürzen. Ei« Zahl der Sllmmberechllglen betrug Z Z7t 402. Für peulfch. nafionale und Nationalsozialisten wurden bei der Ktadloerordnetzn- mahl 536 729 Stimmen abgegeben. Rund Z00 000 dieser Möhler sind dem Volksentscheid ferngeblieben. l Adott Thiele| In Neufalzbrurm(Ärets Waldenburg) verstarb Genosse Adolf Thiele, Mitglied des Preußischen Landtags, nach schwerem Leiden im Alter von 52 Jahren. Viel zu srüh. bis zu feiner Erkrankung noch voller Rüstigkeit und Schaffensfreude, ist Adclf Thiel« von einer qualvollen und unheilbaren Krankheit, einem Magenkrebs, hinweggerastt morden. Trotz des körperlichen Verfalls und trotz d«r größten Schmerzen, hat Genosse Thiele, ganz wie es femer Art entsprach, noch biz zum letzten Augenblick seine Pflicht als Abgeordneter zu erfüllen perfuchl, Bei den wichtigen Abstimmungen im Hekhst erschien er. schon ein sichtbar vom Tod« Gezeichneter, im Landtag, um seine Stimmkart« für die republikanische Regierung abzugeben. Er hat dem Preußischen Landtag von der Berfas! unggehenden Landesver- sammlung an, über zehn Jahre lang angehört. Adolf Thiele wurde am 21. September 1877 zu Carwesee(Kreis Osthayelland) geboren und erlernte den Stuktateurberuf. Sein be- sonderes Tätigkeitsfeld als Sozialdemokrat wurde das Genossen» s ch a s t s w« s e n. Er wurde Lagerlzalter, spater oiele Jahre lang Geschäftsführer des Konsumvereins in Guben. Als solcher erwarb er sich in seinem Bezirk großes Ansehen, so daß ihn der Wahlkreis Frankfurt a. d. O. m die Verfasiunggebend« Landesversammlung «ch sandte. Später wurde Thiel« Geschästssührsr d«s größeren Konsumverein» in Waldenburg, her Wahlkreis Breslau letzte ihn alsdann hei den LandtagswaHen an hervorragender Stelle auf feine Liste. Im Landtag hat Thiele namentlich den Handel- und G e w e r b e e t a t sür die sozialdemotratische Fraktion bearbeitet deren Sprecher zu diesem Etat er viele Jahre hindurch gewesen ist. Eine Zeitlang war er auch Vorsitzender des Ausschusses für Handel und Gewerbe. Als Politiker war er stets klar und besonnen, dabei mm starker Energie: er gehört« zu jenem„alten Stamm" der Fraktion, der wesentlich das republikanische Preußen mitgeschafsen hat. Bon unennündlichem Eifer für hie Partei und die Arbeiter- bewegung beseelt, war er allen, die ihn kannten, em treuer � und offener Kamerad, ein liebenswerter und hilfsbereiter Kollege. Sein ?lndenken wird in der Partei unvergessen bleiben. Für den verstorbenen Genossen Adolf Thiele rückt Genosse Wilhelm Schößler, gleichmlls aus dem Kreise Waldenburg, in den Landtag nach., * Der Reichstagsabgeorpnete Wilhelm Schlüter, Gauleiter des Tabakarbeiterverbandes in Westfalen, hat am Sonntag abend einen Schlagansall erlitten und liegt, noch immer befinmingslos, im Hedwigskrsnkenhaus. Attentat auf den Vizekönig. f otö3rtpin unverletzt.— Speisewagen zerstört. Delhi. 23. Dezember. Gegen den Eiseuhahuzug des vizekönigs von Zndlen. Lord �rwin. wurde eine V o m b e geschleudert. Ein leer« Speisewagen wurde zerstörk. Der vi,«konig lst nicht verletzt. Sin Zugbeamter wurde leicht verletzt. London, 23. Dezember.(Eigenbericht.) Nach ein«? zweitägigen Debatte, in der die Bergbau-Keietz- gebung der Arbeiterregierung«wem überaus schweren Feuer van feiten der konseroatioen und liberalen Opposition ausgesetzt war, hat das Unterhaus die Entwürfe der Regierung tn zweiter Lesung angenommen. Aber es war ein überaus knapper Sieg- Die Mehrheit von nur acht Stimmen beweist, daß Sieg oder Rioderlcgc auf des Messers Schneide stand. Die drohende Wechnachtskrise ist überwunden, und die Regierung kann als Bevollmächtigte der britischen Ratton zu den Reparationsverhandlungen noch dem Haag gehen und in die schwierig« Seeobrüstungskonserenz. eintreten, die am 2s. Januar in London beginnt. Das Bsrgbaugesetz war von Anfang an«tn Polittkum— wie jede wirtschastliche oder soziale Frage von solcher Größe und Be- deutung. Aber die Abstimmung von Damrerstag nacht hat den Jnhast des Gesetze» selbst in den Hintergrund gedrängt und noch weitaus wichtiger« Perspektiven ausgeworsen. Die Existenz der Arbeiterregierung selbst stand in Frage, wenn auch nicht zur Die- kussion. Es ist unter diesen Umständen selbstverständlich, wenn zu- nächst die allgemeinen politischen Probleme sich in den Pordergrund drängen und nicht die Frage noch dem Für und Wider des Gesetzentwurfes selbst, um den gekämpft wurde: ganz abgesehen davon. daß die Knappheit der Majorität die Verwirklichung des Gesetzes in seiner heutigen Form unwahrscheinlich macht und nach britischem parlamentarischen Brauch zu einer weilgehenden Abänderung im nächsten parlamentarischen Stadium, im sogenannten Komitee- stodium, jühren dürste. Was lehrt d>« Abstimmung von Donners- tag nacht? Sie beweist zunächst, daß der Burgfriede der ersten Monate der neuen Regierung Mac- donold vorüber ist. Di« Konservativen beginnen sich wieder aus» zu raffen. Der moralisch« Katzenjammer der ersten Zelt nach den Wahlen ist vorüber: ihr Macht willen ist wiederum erwacht. Wenn auch noch mindestens ein Dutzend konservativer Abgeordneter den Sonnenschein von Cannes und Nizza der strengen Pflicht in St. Stephens vorgezogen hat, so fand sich doch«in« überraschende Anzahl von Konservativen bereit, dem telegraphischen SOS.-Ruf der„Einpeitscher" Folge zu leisten und,!m wörtlichen Sinne des Wortes, auf Windesslügeln eilig gecharterter Aeroplane in letzter Stunde herbeizueilen. Aber auch die Liberalen haben den Versuch gemacht, zum ersten Male festzustellen, wie es um ihre Schlüssel» stellung im Unterhaus beschaffen sei. Von einer Fraktion, die rund ein halbes Hundert Abgeordnete mustert, haben immerhin vierzig Fraktion-diszipiin gehalten, sich nur fünf neutral erklärt und lediglich zwei mit der Regierung gemeinsame Sache gemacht. Dies Ergebnis, für jede andere Parte! deprimierend genug, ist bei der notorischen liberalen Eigenbrötelei geradezu als ein Triumph der Solidarität zu bezeichnen. Lloyd George hat allen Anlaß, dies- mal stolz auf ieine parlamentarische Gefolgschaft, wenn auch nicht auf sein« Haltung gegenüber der Regierung zu sein. Aber gerade di, Totsach«, daß dl« Arbelkerregiernng dieser heinahe geschlossenen Front der Opposillon gegeuüber einen Sieg errungen �' hat, gibt dem Verfall seine besonder» Bedeutung. Er beweist, daß die Opposition selbst dort, wo sie gemeinsam ein« Einzelmaßnohmr der Regierung verdammt, noch nicht die Regierung in ihrer Existoiz selbst zu trefsen. wünscht, und so ergibt sich am Morgen nach der großen Schlacht die eigentümliche Erscheinung, haß die Oppositions- presse zwar der Kohlenbill nach wie vor Todfeindschaft erklärt, aber gleichzeitig Ihre Befriedigung darüber ausspricht, daß e» noch n i ch t zur Krise selbst gekommen ist. Es ist unter diesen Umständen bezeichnend, daß verschiedene Blätter darüber Spekulationen aus- stellen, wie man unter den gegebenen parlamentarisch»» Verhält- nissen in Zukunft zwar einzelne bestimmte gesetzgeberische Absichten der Regierung durchkreuzen könne, ohne diese selbst damit auch in ihrer Existenz zu treffen. Nach der herrschenden verfassungsmäßigen Praxis ist die parlamentarische Niederlage mit dem Rücktritt der Regierung unauflöslich verbunden. Aber man beginnt darüber nachzudenken, wie dies Herkommen, das auf tum, alten strikten Zweiparteiensystem ausgebaut ist, zeitgemäß zu»«rändern wäre. Von verschiedenen Seiten wird eine— dem britischen politischen Denken völlig frc-.de— vorhergehend« Verständigung zwischen Regierung und Opposttioneparteien angeregt. Man ficht, das Zeitproblem der koalilionspoliklk erhebt auch w England. wenngleich in einer besonderen Form, sein Haupt! Di« knappe Majorität der Regierung und die Möglichkeit einer Niederlag« am Donnerstag hat selbstverständlich zu einer Diskussion darüber geführt, wasstm Fall« einer Niederlog-e der Regierung geschehen wäre. Eine Auflösung und Neuwahl des Parlaments war» hei der ollgememen Wahlmüdigleft höchst unpopulär gewesen, darüber herrscht m allen Lagern Ncber- «instimmung. Die Zettspanne fett den letzten Wahlen ist zu klein. Der König hätte also wohl d,n konserostioen Führer BhIHymn mit der Kablnettblldung betraut-, Baldann wäre angesichts der gespannte» Verhältnisse zwischen Konservativen und Liberalen oller Wahrscheinlichkeit nach gescheitert: Lloyd George hätte die Aufgabe wegen seiner Unbeliebtheft hei Konservativen und Sozio- listen überhaupt nicht persuchen können am End« einer derartigen Krise hätte wahrscheinlich ein« Wiederberufung Macdonalds, also der Status quo, gestanden. Die Kohlenbill wäre praktisch dos einzige Opfer gewesen. Gedankengänge, wie dieser sind unter den führenden Parlamentariern des Unterhauses am Morgen nach der Schlacht offen erörtert worden. Sie beweisen, daß die Situation noch nicht als reif betrachtet. wird und die Opposition ollen Anlaß Hot, heilfroh zu sein, daß sie dem Versuch einer Regierung«.- bildung im Augenblick entronnen ist. Die Arbeiterregierung dürft« daher auch, trotz ihrer zahlenmäßigen Minderhett im Unterhaus, bis auf weitere» mit einer geringen, stets gefährdeten, ober doch bis auf weiteres in allen kritischen Situationen sicheren Mehrheil im Parlament rechnen können. Zumindest bis zu Philip Snowdens zweirsm Budget. Aber auch dann wird es nur möglich sein, sie zu Fall zu bringen, wenn die Opposttion— in ihrem Wunsch« die Regierung zu stürzen aus Leben und Tod vereint— den letzten Abgeordneten zur Abstimmung heranholen kann. Wann e» s aw ett fein wird, kam, heitt« noch niemand sagen.... f,.fr, Die Bombenseuche. Tleue Höllenmaschinen in Bordeaux.— De Bomben im Sisenbahnzug.- Or:l Tol«. viele Verletzte Bordeaux. TS. Dezember. Der Fall B u s s y hält die Stadt welter in Erregung. Es stnd n e a e Poftpatete mit Höllenmaschinen entdeckt worden. Nur«in Teil der Empfanger tonnte rechtzeitig gewarnt werden. In zwei Fällen erfolgte« beim Teffnen der Pakete Explosionen. Soweit bis jetzt zu übersehen ist, hat Bnssh im ganzen neu« Pakete mit Höllenmaschinen versandt, von denen sieben explodier, te». wodurch fSnfPersoneqperlletzt wurdeu. Zwei Pakete Warden rechtzeitig unerösfnet dem Artillerie» Institut überwiesen. Sofia. 23. Dezember.(Eigenbericht.) Aus de« Lokalzug Zaribrod'Risch wurde am Freitag«i» Attentat verübt, über daä erst jetzt nähere Einzerheite» in die Qeffeutlichkett dringe«. I« Piro» stieg ei» Boner in«in Abteil dritter Klasse und setzte dort einen schwere« Rncksuck nieder. Bald darauf per» ließ er das Abteil»ud bat die Mitreisenden, aus dach Gepäck zu acht««. Der Zug fuhr schließlich ab. ohue daß der Bauer de« von ihm belegte« Plötz wieder eingenom- meu hätte. Zwischen Pirot und Stanitsche explodierte dann ein« in dem Rucksack untergebrachte Hölle a- Maschine. Drei Personen wurden getötet. acht schwer und zahlreiche leicht verletzt. Die Bahnbehörde» verweigern über die Einzelheiten des Attentates«ud die Zahl der Opfer jede Auskunft. Parts, 23. Dezember. Hier wurde gestern«ins aus Algier gebürtige Studentin der Chemie verhsftet Sie hatte im Laboratorium der Pariser llniyerfltät Explosivstoffe hergestelll, über deren Verwendung sie keine ausreichende Aufklärung geben konnte. 30 Waggons ZMengänse beschlagnahmt. Berlin verbraucht 600 000 WeihnachtggSnse. Zn den letzten Tagen sind in Verlin über Königsberg 56 Mag. gous russische« Gesri-rgäose angekommen, von denen durch Peamte der Gesundheitspolizei jetzt 30 Waggons beschlagnahm» worden sind, da da» Fleisch flch in einem Zustand hesand. der bei «in«w freizügigen Perkaus eine Gefahr sür dl« Allg«. meinheik bedeutet hätte. Zm vorigen Zahr sind nicht weniger als 400 Waggons dieser Russengänse angehalten worden, und die Poll, ei konnte sich im Vorjahr lediglich dazu entschliehcn. die Gänse unter Aufsichl von Tierärzten aurschlachlen zu lassen. Das nach verwendnygzfShtge Fleisch wurde dann an ein Warenhaus und einig« andere Großbetriede zum weikernerkaus abgegeben. B,« wir pcn gutunterrichteter Seite hierzu«rsahren. wollen die zuständigen deutschen Instanzen mtt den russischen Stallen jetzt ernst- st üb«r«ine Regelung und Umgestaltung d«r änsezusuhr nach Deutschland verhandeln. Rußland bcsi'st nur in wenigen Städten Sühlhallen, in den«, da» Fleisch ordnvuz-- mäßig«ingefrvren wird. Der überwiegende Teil der Rulsengönst wird im Dezember im Freien bei großer Kälte eingefroren. Da durch erstickt di« Gans, wie der Fachausdruck lautet, innerlich und die Eingeweide und das Fleisch im Innern des Tieres bekommt einen grünlichen Schimmer. Die von Rußland ausgeführten Göns« weichen dann in Königsberg„brati-rt". Unter„Braken" versteh! man Göns« zweiter Qualität. Die hochwertig« ralsisch, War« gchr von Königsberg in Dampfern nach England. Norwegen und Eckzweden, während die geringer« Qualität für den deut- schen Inlandsmarkt bestimmt ist. Da diese minder« Giitt- der Ware vom hygienischen Standpunkt au» zweifelrohne sehr bedenklich ist, soll nun endlich ein« kirchg reifend« Regelung vor- genommen werden. Interessant Ist übrigens, daß Berlin in diesem Jahr einen Rekord im Verbrauch deutscher W« i h n a cht s g ä n s e aufgestellt hat. Aus dem Oder, und Warthebruch find in diesem Jahr für Berlin und Mitteldeutschland rund 1 Million Gänse geliefert worden, von denen nicht weniger als 620 000 für Sroß-Berlin be- stimmt waren. Diese leckeren Welhnachtsvögel sind in 600 Gänse Mästereien der beiden genannten Gebiete gezogen worden und hatten ein Gewicht von rund 400 Tonnen Zur Mästung der( Mgicin Gänse wurden im Oder- und Warthebruch allein S00 000 Zentner Inlandgetre'ch« verfüttert. Die Göns« ergaben rund 1 Mi">an Federn und repräsentieren«inen Durchschnittswert von 8—9 Mil lionen Mark. Truppen werben zurückgerufen! Zriedenelpro.'osott im Fernen Osten. Moskau, 23. Dezember. Der Vertreter des Außentommiflarials Simanowski und der chinesische diplomatische Kommissar Isai unterzeichneten tu Chabo- roivsk ein Protokoll, nach welchem der frühere Zustand bei der Ostchinabahn wiederhergestellt und die Sowjekkousvlalc und die SawjethandelrorganIsaNoneu tu der Mandschurei sowie die ch i n e s i s ch e U Konsukalc und handelsunlernehmen im sow'-- llstlschm Fernen Osten sofort wiehererrtchlek werden. An den Grenzen Chinas und der Sowjetunion wird sosoel der Friedenszustand wiederhergestellt unter Abberufung der Truppen beider Länder. Sämtliche verhafteten Personen werden freigelassen. Dl« chinesischen Behörden entwaffnen die weißgardistischen Truppen und weisen deren Führer aus. Die Frage der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen der Sowjet' unlou und China bleibt ofsen bis zu der tu Moekau für den 25. 3a- rniar 1030 anberaumten sowjetrusflsch-chinesischeu Soaserenz, aus der alle Slreilsrageu geregell«erden sollen. Nach diesem Protokoll deg«b«n sich der neue Direktor der Ost- chinabahn Rudy und de« Pizeduektpr D« n« s s o y» nach Charbin, um ihr Amt anzutreten. Za Mexiko-City wurden am Sonnabend unter dem Verdacht eine? Verschwörung gegen den ExPräsidenten Calles 56 Personen verhaftet. Die Verhafteten, darunter viele irrauen. waren hauptsächlich in Sportklubs.zufanunengeschlossen. Es sind durchweg Anhänger des geschlagenen Präfidenttchaftskandidaten Vasconselos. Oer WeiHnachts-Reiseverkehr. ZSisher über hundert Vor- und Nochzüge. vereU» am Freitag der vortgea Woche hat et» starker Reiseverkehr eingesetzt, der sich bis Dienstag mittag noch steigern diUste. Die günstigen Schneeverhältnisse in den deutschen Aebirgrn haben besonders den Winterjportpiätzen bereits«inen starken Zustrom von fjerlm«is«nden gebracht. Die Reichsbahn hos dem starken Verkehr Rechnung getrogen und die planmäßigen Züge ans diesem Smnde durch Bor-bzw. Nochzüge entlastet. Mein am Freitag voriger Woche wurden 2l Bor- bzw. Nachzüge in Betrieo gestellt. Am Sonnabend und Sonntag mußte» 9S Vor- und Nachzüge zu den fymptziigen«ingesetzt werden. Am stärksten war dar Verkehr aus dem Anhalter Bahnhos, von dem �on beiden Togen'U Vor- bzw. Nachzüg« Berlin verlassen haben. Di« Besetzung der Züge betrug durchschnittlich 70 Prozent, vom Stettiner Bahnhof fuhr«» 18. vom Potsdamer Bahnhof 7, vom Lehrter Bahnhof 7. vom chörlitzer Bahnhof 9 und von d«r Stadt- bahn in Richtung Osten 23, noch dem W«st«n 7 Vor, bzrn. Nach- züge ah. Der Reis, verkehr wird wahrscheinlich heutg und am Heiligabend noch«ine Steigerung«rfahren. Die Reichsbahn ist überall gut vor- bereitet, so daß alles reibungslos oonstotten gehen wirb. Hossentlich auch die Rückfahrt. Evangelischer Antisemitismus. llad Hetze gegen den Gozialiswu«. Der Evangelische Pressenerband für Leuifch-- land. Berlin W.-30, gibt unter der Redaktion eines Hern» Dr. Fccko Lüpfen allwöchentlich ein Llott heraus, da» unter der Spitzmarte:„Aus Kirch» und West"«ine Art Rundschau enthält. Hier ist die Stell«, wo man rast in seder Ammer ,lu«n offenen oder v«steckten Angriff gegen R« Sozialdemokratie findet. In der letzten Rümmer dieses Wochenblattes, das zwei Tage vor dam Weihnachts- fest, dem Fest der Nächsten- und Menschenliebe erscheint, besitzt der perantwortstch« Evangelische Redakteur die unglaubliche Takttosigkmt, sich euu glatte Hetz« gegen das Dudonrum und den Sozialismus zu leisten. Unter dem Titel:„Weihnachtsbaum für olle!" wird zunächst höchst unverfänglich darüber geplaudert, daß vor der Nikolaikirchc in Potedam«in zehn Veter hoher Weihnachtsbaum aufgestellt ist, der am Weihnach'sfeft und zu Sylvester im Lichterglanz erstrahlen wiich. Daran wird der Wunsch geknüpft, patz auch Berliner Kirchen dies« Hüte übernehmen mögen. Und dann liest man folgend«: In geradezu rücksichtsloser Weis« stellen di« Geschäfte in ihren Schaufenstern oder vor ihren Häusern den Weihnachtsbaum mit brennenden Lichtern in den D:enst der Reklame, und gerade jüdisch« Firmen, ja sozialistische Konsum oereine stehen bei dies«? Berschandelung des chiistüchen Wechnochtssymbols an erster Stelle. Der evangelische Weihnachtschrist, her so topfer schmähen kann. hat ab« nicht den Mut, auch nur mit binem einzigen Beispiel seine Behauptung zu erhärten. Selbst wenn nun hier und dort ein Se- schüft oder ein Konsumladen einen Weihnachtsbaum in das Schau- fenster stellt, so wird es jedem vernünftig Denkenden unbegreiflich bleiben, wie der Verfasser deswegen zwei Tage vor dem Fest der Lieb, zu einer Beschimpfung des Judentums und des Sozialismus kommt. Eine Berlchändelung£«..christlichen W-ihnachtssymbol? scheint uns allerdings zu sein, wenn christliche Bäter und Mütter auch heute noch unter den Baum des Friedens für ihr« Kinder di« Symbcle de» Mensch«n-mard«s. Säbel,(Ae wehre, Pistolen und Kanonen legen. Um dies« Ding« sollte sich das christliche Blatt emmaf kümmern. Vielleicht sorgen auch d>e evangelischen Sozialisten dafür. Aeuer Häufereinsturz in Frankreich. Sieben Tote und zehn Verletzte. Pari». 2X Dezember. Eine Wasserhose, begleite! von SchneegcstSber, hak in der Ortschosi veziers bei Montpelliers große» Schade» angerichtet. Zwei«lle Häuser stürzten ei» und begruben die Bewohner unier da» Trümmern. Feuerwehr, Polizei uod Militär habe» die erste HUse geleistet. Siebes Personen wurde» gelötet, zehn zum Teil schwer verletzt. Die meiste» der zehn Iamilleu. die die beide» häuf« bewohnte», befanden sich infolg« des schlechlra Wetters in ihren wohuunge». vi« Auf- räumuagsarbelien wurdev insolg« des Sturmes, sowie durch die bald einsetzende vunkelheil äußerst erschwert. Man glaubt, daß der wolkenbrucharsige Rege» der letzte« Tage die Häuser unteehShlt und sa zum Einsturz beigetragen hat. USA.-Faschisten aufgelöst. Auf Äesehl Mvssol.ms- wegen de? dem eknj tischen Kritik. Washington, ZZ. Dezember- Di« faschistische Liga in den Bereinigten Staaten von Nord, amerika. die 93 Ortsgruppen mit 12 000 Mitaliedern umsaßt, ist gestern aus einen Beschluß der Delegierten dieser Ortegruppen hin mit dem Datum vom 31. Dezember dieses Jahres ausgelöst worden. Dieser Beschluß wurde der Versammlung von Mussolini ausgezwungen, her offiziell oder offiziös von den Befürchtungen weiter polirischer Kreise Nordamerikas und dem vom Parlament ein. gesetzten Unterfuchungsau-schuß über dos Treiben der faschistischen Organisation«» in Kenntnis gesetzt worden ist. Staatssekretär Slimsan hatte seinerzeit zuerst auf d'« faschistische Propaganda in den italienischen Schulen der Bereinigte» Staaten hingewiesen, und Senator B-rah sowie ander« Senatoren hatten daraufhin schärssten Protest gegen diese Propaganda erhoben. Es wurde ein« Untersuchung eingeleitet, die ergab, dah di« amerikanischen Ideale und Einrichtungen durch diese amerikanisch-italienische Körperschaft Gefahr Uesen, verdrängt zu werden. Dieses Ergebnis der Unter- suchungpkommisfion, das Musiolini natürlich nicht unbekannt blieb, hat ihn veranlaßt, seinen allzu eifrigen Anhängern in den Ber- einigten Sloaten die Auslösung ihrer Organisation auizuarlegen �Nahndiensttelegramm." tu«ttonÄspzi-listisch« BttrUbszell« bor Reichsbahn Grpß. Berlin, Abteilung 1Z. Aettev.. hatte vor kurzem dag Bedürfnis, elne x Protestoersammlung einzuberufen. Zur Einladung wurden«mtlrch, Formulare mit d»M Aufdruck BohrSiensttelegramm denutzt uiÄ» zwar offenbar nicht um di, Ausgab, für Papier zu sparen, vielmehr, um der Einladung -men gewissen amtlichen Anstrich zu gsston. Anscheinenb fühlen sich die Mtionalsoztalisten bei der Reichs, ckchn gut«rfgehaben. um sich solch« Scherz« leisten zu können. Theater/ U „Hutla die Bulla." Komische Oper. Ernst Bach. Franz Arnold? Kompagnon, ist vor einigen Monaten vei starben. Bestätigen wir chn-n noch einmal, daß sie die geschicktesten Echwanksabrikanlen Deutschlands waren. Es ist ganz dunnn, auf diese hoch erfahrenen Theatcrpraktiker hocst mutig hinabzublicken. Sie waren wirklich geniale Handwerker und Mathematiker d«» Unsmn?. Rur weil sie dieses außerordentliche Talent besahen, konnten sie zu Lieblingen und Nährvätern aller deutschen Theater werden. Auch da? Ausland aller Sprachen impor- tiert« alljährlich diese Schwanke. Sie wurden kaufend- und aber tausendmal aufgeführt, nochgeahmt und sogar bestohlen. Der letzte Schwant der beiden Kompagnons ist nicht schlechter und nicht bester als di« beiden ootigcit Die Situationskomik regiert und e? entwickelt sich auf der Bühne der wildeste Tollhausbetrleb. Nach Wahrscheinlichkeit oder sonstigen ernsten Dingen zu fragen, wäre«in Berbrechsn. All«? wttd aus den Kaps gestellt. König Amanullcchs Besuch in Berlin, dieses Ercignts, dos allen guten Patrioten unserer Republik noch w erbaulichster Erinnerung ist. bietet den Anlaß zu d,m zwerchsellerschMerichen Sammelsurium van Einfällen. Amanullah heißt in dem Stück Abdur i»i Bulla. Er ist «in wundervoller Idiot und Schwerenöter. Sein Munster und Generaladjutant sind himmlisch« Schieber. Sein Berliner General- konsul ist Fritz Appel mit der Berliner Schnauze. Dazu kommt nach der klein« Tapendieck- Topendstck ist T h i« l s ch e r. Thielscher ist der fälsche Baron. Thiel scher trögt.Husarenuniform. ThUlscher empfängt von seinem Ejofenffinig den roten Herzogsmantel. Thielscher muß den Herzogsmantel wieder auszieken Thiellcher wi«d wieder der kleine, dick«, gequetschte Stattft. Inhalt sonst»rzählens Ganz überflüssig. Was geschieht, ist sy plötzlich vergesten,«i««? belacht und tobsüchtig bellatfcht wird. An diesem begeisterten Beifall für den Unsinn beteiligen sich gleich. zeitig da» noble Parkett und die schlichte Gallert«. Neben Thiekscher die Herren Schroth. Garrison. Burg. Fritz Schulz i�w. Und Hilde Hildebrand ols d>« Lebe» bame. die Abdu, di Bulla nach Entlastung seine» vierhundertbeinigen Harems als einzig« entführt. Und Margot Walter, die im ersten Akt als Stenotypistin auftritt und dl« im dritten Akt als vertobte Braut von Fritz Zlppel abgeküßt wirst Max Hochdorf. Residenz-Theater, „Di« Krone im Rhein." Ein Bolksstück mit Gesang und Tanz au? der Gegenwart. Dieses Stück hat zwei Autoren und zwei Bearbeiter, ist aiso von vier Leuten gemacht worden. Ein« solche Kollektivarbeit scheint nicht immer Gute? zu zeitigen. Das Stück spielt im Rheingau. im besetzten Gebiet und was hier vor sich geht, ist oyerleichieft« Operette und sehr gefühlvoll. Unter den Personen finden wir»inen Fürsten, einen Graf«»,«inen Kommerzienrat, eure arm« aber gute Wirtstochter, die»in«» reichen, aber nicht sehr hübschen Wirt heiraten soll, was ihr wenig Freud« macht, vi« Handlung plätschert wie «in Büchlein Mischen wahlgesorinten Usern dahin und man ist! keinen Augenblick beunruhigt, daß st» auch schief ausgehen könnte. Natürlich hat die schöne Wirtstochter da» H,ez an den junge» Fürsten gehängt. Dieser heißt Hans Th-odor und wird gegeb«" von Herrn Kurt Wiegand. der mit schmalziger Stimm« und weit ausholenden, ober unwahrscheinlichen Gesten«in«» Fürsten mimt, der arbeitet. Auch der Kommerzienrat hat ein« Tochter, eine knallige Soubrette. Fräulein Greil P> r k o. Im großen ganzen amüsiert sich da? Publikum recht gut, denn es ist ja vom Rhein die Red« und es wird getanzt und gesungen und nicht? getan, was unangenehm ausfallt. Di« Dekorationen von Max Michaelis waren schön, wie Postkarten vom Rhein. Die Musik erweckte eine Reihe alter, steber Erinnerungen. v. L..Zd. parstfal. Sioaisoper Unter den Linden. „Parsifal- tu Weihnachten nach dar Johannispasstsn. dem protestanlisch-kirchli-hen, nun das tathqlisch.theatralische La. frei- tagßwerk. Katholisch nicht im Bekenntnichastm. doch in der dich- tertschen und. noch mehr, von Franz Llszt h:r. in der mustkalishe» Atmosphäre. Die Grundhaltung und Grundstimmvng ist gehlleben. ist stark geblieben, auch nachdem der Nebel zerteilt ist, der pon Boy- reuth au? Parum gemacht worden ist: und mit ihr die Sonderstellung. die„Parsis-ll" im deutschen Opernlheater«innimmt: gleichviel, ob e? das Wert für dl« vsterwoche reserviert ober, wie in diesem Jahr di« Staat?0p«r. das Weihnachtsgeschäft mit ihm machen will /.Parstfal" perlangt einen ungewöhnlichen Apparat m-cht nur im Musikalischen und im Szenisch,«, sondern por allem im Bereich sozusagen außerkünstlerischer Imponderabilien—- da? Berta»gen ist kategorisch und duldet keinen Abstrich: mag sich hierin eine -Schwäche de» Werk? ossenbaren. das dergleichen, um lebenesätzg zu sein, nötig hat, od« seine Stärke, kraft deren es so Besonderes fordern darf. Welche anderen, wenn«eicht unwiderleglich ihm innewohn.'»den Gründe hätten unsere Bühnen das.Bühnenweih, sestspicl" gewissenhaft bei seinem umständlichen Namen zu n hmen? Etwa Pietät gegenüber dem persönlichen Willen eines längst Per, storbenen? Dessen Allzumenschüche? gewiß nicht danach war, hu für alle Zeiten schlechthin verehrungswürdig zu machen? Und dessen geschichtenotortsch,~ Welt sucht, Wirkungegier, Wirklich. keitsverbundenhest so wenig zur Legendenbiidung einlädt mi« Pas Beispiel der heutigen Bayreuther Tradstionehüter zur Nachahmung? Nichts von all dem: wäre.Parstfal" nlchl.Parstfal". er wäre längst eine Repertoire-Oper geworden, verdammt, zwischen„Mignon" und .Margarethe" zu verkommen� DI« neue Inszenierung, für die Harth verantwortlich zeichnet, konnte stch wesentlich nur im Bildhaften, in Araventinos' Bildern von der alten unterscheid,». Sehr schön die Karfreitrags. landschast im dritten Akt: ein bißchen nüchtern dl« Szenerie de? Graalsempel»: ein bißchen umständlich arbeitet in den verwand- lungen dü Maschinen« de? Hause». Es häye sich dafür, für di-f» Bissen des laufenden Bande», hie Wagner lang» por dem technisch fortgeschritteneren Theater Pisrator? gehabt hat.«phl eine pha»' tastepollere Lösung finden lassen als schwarze Schleier und Borhang. Max y. S ch i l li N g» Wrigert, Die Gründe pplitssch« Art. die im „vorwSrt?" vor ein paar Monaten gegen feine Betrauung aveg«, führt wurden, sind felth« hinsällig geworden: durch eine«lndevtfge Erklärung hat der Künstler sie befestigt. Ebenso eindeutig ist zu sagsn, daß dar Musiker Schillings, mit der Uebersieferung lief per« traut, doch nicht in ihr erstarrt, heute zu den Berufensten zählt, das Werk Wagners einer Generatfon zu vermitteln, de? es fremd zu iufif/ Film. werden beginnt: er hat in« groß? Feierlichkeit es breiten Gru..k. tempos, das überzeugt, well man fühlt,»aß es erlebt, gewissermaßen nan innen her ausgefüllt ist. Snot als Parstfal— zurzeit der einzige der Berliner Oper, gibt eine glaubhafle Gfttr.lt: für die Knndry mußte leider eine Perlegenheitsbesetzung aushelfen. Stärk- skr Eindruck des ungleichen Abercds: die Szenen des Amfartas, für den Herbert Janssen ber idealste Vertreter geworden Ist. K. P. Gounenwendfeier des Berliner Bolkschors. Der Kinder- und Jugendchor des Berliner Pollschors gab in der Schulaula in der Koppe nstrahe«in wohlgelungenes Konzert mit nachheriger Gabenoerttilung an die Kleinen. Außer einigen Original- komposstlonen kamen durchweg künstlerische Bearbeitungen von meist unbekannten Volksliedern zum Vortrag(16 Gesänge aus dem „Volksliederbuch für die Jugend"). Neben einzelnen sichstonzreich«" Ehor- und Sololiederbearbeitungen von Leo Blech, Walter- Rein, Kurt Thomas und Karl Lütge fiesen dach auch manche mit, die nur auf kontrapunktilch« Künste eingestellt sind Selbst«in Lendvai und ein ganz suwrislftcher Chor pon Thomas(auch du mein Brutus vpn der herrlichen Luctos Passion!) wäre» da zu nennen Am vortellhastesten gaben sich die Lieder mft schön fmtoamentierenÄen Männerstimmen(Jugendchor) und einzelne Sololieder mit Klaolerbeglettung, vor allem die ppn Kahn und Arnold Schön berg(ein richtiger moderner Bach an Kunst und Tiefe?). Walter Honel leistete mit seinen Jugendlichen und Kleinste» absolut saubere Arhest und tonnte durch die beschwingte und flüssige Ausführung der Chär« msnchen p,- aspo-Crsolg perzeichnen. Die vier von A. Guttmann gesammest«« Jugendchöre waren in der Interpretation ohne jeden Tadel. Die sehr jugendlich« Sopranistin Emmjj Kein. hold ist schon hstte ein« Künstlerin von Rang, di« ihre umsarcgrerche und zum Teil recht schwierige Aufgabe vortrefflich absolvierte. Dr Ernst Zander brachte mft dem Jugendchor, dem hier weu besser als vorher stch einführenden Orchesterchen des R a t h« n v w« r �Vorwärts" und Emmy Reinhold in delikater Ausführung«ine Szene aus Tele- manns„Tageszeiten", einer etwas bläßlichen Borahnung von Hoydns herrlichen„Jahreszeiten". Ein„Märchenvortraz" des Dirigenten Aander mußte wegen Ueberfülle der Vortragsfolge ausfallen, ll. di. Aufstieg. Neben Presse und Rundfunk ist der Film das wichtigst« Mittol zur Beeinflussung seiner Mitmenschen. Bon dieser Erkenntnis aus- gehend, hat der Verband der Fabrikarhe.ier Deutsch- lands einen Film herstellen lassen, den er in einer- Sonder- Vorführung im Phöbus-Palast zeigte. Gustav Riemann und Wilhelm Schetnhardt, Der- bandssunktionäre. schrieben die Geschichte ihrer Klasse mft der Absicht. den treuen Kämpfern ein leicht süßliches Material zu liesern. Schwankende zu stützen und Fernstehende zu werben. Die Entwicke- lungsgeschichte des Verbandes d«r Fabrikarbeft, r umschließt manches Einzeldrama. sie ist spannender und inhastre'cher. als di» konstrujci ten, üblich» FilnDramen sind. Wird doch Diesmal die Leinwand zum Abbild wahre« Lebens benutzt. Früher war dt, Lebenszeit des-Arbeiters nur Arbeitszeit. Aus allerffleinsten Anfängen heraus, stets bedrängt und aus» brutalste schikaniert van Aisteitgebärn, Polizei und jedweder staatlichen Macht, schufen die Arbeiter sich Ehr« Organisation. Obwohl man Hinz«gardist«n. Streikbrecher von Berui. allerorts einsetzen und sogar Strasgesanaene zu Streikbrecherarbeit zwingen konnte, siegte doch das Klassengefühl des Proletariat». Das perhalf ihm zu einem gewerkschoffttchen Aufstieg von ungeheurem Ausmaß. Nach den Bildern aus den Tagen vergangener schwerster Kämpfe wendet sich der Film der Gegenwart zu. Da sieht man auf das deutlichst«, was alles im Husammenschluß mft den Bruderverbänden erreicht wurde. Biele- ist bereits erzwungen, aber der Kampf geht weiter. Und wie immer, so kommt es auch heut« wieder auf den Einzelnen an. Der Film, der unter der Regie von AlbertBiktorKlum entstand, während Alfred Hansen die Kamera bediente, ist jauher gemacht und dank her aufopfernden Arbeit schlichler Menschen außerordentlich«indrucksstarl. Darum darf man zuversichtlich an den werbenden Erfolg glauben, den man gerade diesem Film von gangem Herzen wünscht.«. d. Modernes Gchulfefi. Di« IS.(weltliche) Schul« in Neukölln veranstaltet« im Städtischen Saal Bergstraße einen Elternabend, an dem die Linder vergnügt und anspruchslos die Erwachsenen unterhielten. Gesang. Tanz. Aufführungen kleiner lustiger Märchenspiele wechselten miteinander ab Interessant waren die Gymnastikvorführungen, die acht- di» elfjährige zelten. Die Kinder bewiesen»ine natürliche Körper- freiheit, die im Bewegung, chor dl» Möglichkeit zu auedrucksoollet Gestaltung bot. I?. Di« Berliner Museen auf der älulien-Ausslellung in London. Auf der großen Ausstellung allitalienischer Kunst, die ZU Neujahr im Londoner Burlington-House eröffnet wird, werden auch die staat- lichen Museen in Berlin mit einigen hervorragenden Werten ver- treten sein. Aus dem Kaiser, Friedrich-Museum gehen nach London: die kleine Beweinung Christi von Simone Martini, das Rundbild der Wochenstube von Masaccia, das Profilbttdnis einer Frau von Domenico Beneziano und vom selben Meister das kleine«taftewilb der Enthauptung der hl. Lucia, das Bildnis des Martelli van Brpn. zino, zwei Bronzefiguren von Pollaiuolo und Bellono. Und aus dem Kupferstichtabineft werden einig« Blätter de» Darcte.Zytlus von Botticelli in London zu sehen sein. Schnihler-Premiere in Wien. Im Deutschen Balkstheater sand die deutsche Uraussührnng der neuen Komödie Ar'hur Schnitzlers »Im Spiel der Sommerlüste" statt. Das Wert, das Vorgänge in einer österreichischen Familie der Borkriegezeit schildert und Jugenderlebnisse de? Autors streift, fand ein« sehr beisällig« Aus- nähme, hi« nicht zuletzt der Person des Dichters und der vorzüglichen Darstellung mft Alexander Molssi an der Spitze galt. vi, Klaatllcheu Mvler». und»war: Alte« und Af««l Muleum. fleug, bau« und Muttum för Bolle, binde I und II sind am W,tbn»6t«deiUgav,nd und an S'lpetl-r vpn s dl« l» nkr. da« Ächlenmuleum»an IS di« Iii Ubr geSffnet. Da« Sa>ier,FrIcdrI».Museum und di« Hemmluna lü» deutsche BoltDlund» bleiben an beiden lagen geschlossen. fn der vallßbShre finden am l. und I Seibnachttteierlsg. nachm. d Udr, hrungcn van. ft r k d n n g« Erwachen" in der Siis.enleruna von K-tt Hein, Msitin zu e> mäb>gt,n Preisen statt. vte Avla-e» de».vstä-e vreylu,". Nach ersalqter Einigung der Hntoi en«olrd da« Schaulpl,!.«l,«fsär, DreytuS" nickt med, van Rrnä Kcftnrr. tondcrn van H» n fi J. R e d s i s ch und y» l b a l ,n Herzog gemeinsam gezeichnet. 25. � � Die ge'-ben Landbündler. Lt>re Abhängigkeit von vea Unternehme»». Der Reichslandarbeiterbund und seine Unterverbände, wie bei- spielsweise die Arbeitnehmergruppen des Pommerschen Landbundes, führen«inen leidenschaftlichen Kampf um die Erlangung der Ta ri f- Fähigkeit. Durch Urteil des Landesarbeltsgerichts Frankfurt a. 0. haben sie norläufig gesiegt. Indessen wird das Material immer umfangreicher, das'die unmittelbar« Abhängigkeit der gebben Landarbeiterbewegung von den landwirtschaftlichen Unter- nehmern beweist. Reues Velaftungsmateriul bringt die.Deutsche Gutsbeomlen-Zettung�. das Organ des den christlichen Gewerkschaften angehörenden Reichsverbandes Deutscher Guts- und Forstbeamten CRc.'46). Es handelt sich um ein Rundschreiben das der Vorsitzend« dqr Beamte nzruppe d«s Pommerschen Londbundes an die Unternehmer d«? Landkreises S t o l p und das die Führer de? Arbeitgebergruppe. von Rohr und von O e r tz« n, an die Mitglieder der gelben Gutsbeamtenorgarnsation verschickt haben. Im ersten Ruichschyeiben heiftt es: „An die Herren Arbeitgeber des Landkreises Stolp. Ew. Hochwohlgeboren erlauben wir uns, hiermit gen, er. yebenft dqraitf aufmerksam»u machen, daß am Sonnwg, dem 13. d. Mts. vorm. 10.30 Uhr(für Forstbeamte), nachm. 2 Uhr jffür sämtlich« Gutsbaamte) in Stolp-, nachm 5 Uhr in Glowitz le eine Versammlung des Deutschen Guts, und ForftbeanUen. bundes stcmsmden wird, in der eingehend über Zweck und Ziel« nnsersr Organlsation, wie auch über di« wirtschaftliche Bedeutung der bevorstehenden Provinziallandtags- und Zkreistagswohlen ge- sprachen wird.... An Ew. Hochwohlgeboren ergeht daher die ergebene Bitte, nach besten Kräften ta« aus Ew. Hocbwohlgeboren Besitz angestellren Beamten und Beamtinnen zur Mitgliedschaft und eifrigem Besuch unserer Versammlungen zu bewegen. Viele Beamte besuchen deshalb nicht unsere Ver- lammlung, weil es ihnen schwer fällt, den dazu erforderlichen Ilrlaub eventuell Fuhrwerl zur und von der Station .zu erbitten. Auch in dieser Beziehung bitten wir Ew. Hochwohl- 'geboren, weitgehendes Entgegenkommen den De- amten zu zeigen." Das zweite Rundschreiben lautet:> „Pommerschsr Landbund. Stettin(Datum deg Poststemvels). An die Mitglieder der Bezirksgruppe Pommern de? Deutschen Guts- und Forstbsamtenbundes mrd der Ihr angeschlossenen Gruppen Brandenburg, Reumort und Mechlenburg-Strelitz. Wir haben die, Entwicklung der Boanitengrupp« in den letzten Jahren inst großer Sorg« beobachtet, begrüßen jetzt aber um so ..>... Umstellung auf gesunde Grundlagen. Wir mehr die' energ! haben die sicher« Ische e Lo offnyng, daß c» von jetzi ab wieder aufwärts hen wftd und fordern alle Beamleo und Angehörigen der Hommerschen Lai�wlrtschast auf, der Beamlengruppe beizutreten. Vtc pP'.iniersch�i Vsannen in ihrer Stellung zwischen Besitzer und Urbo.er srnj� unentbehrlich in unserem berufsständischen Kampf. Mit Mchbundgruß!.>> n flez. von Rohr. gez. von Oertzen." Als ein« Voraussetzung für die Zuerkennung der Tarif. sähigkeit an eine Arbeitnehmervereinigung bezeichnet das Reich,- arbeitsgericht. daß die Bereinigung wirtschaftliche Ziele verfügen muß, unter denen auch die Aufgab« enthalten sein muß, den Arbeit- geben» gegenüber die wirtschasilichen Arbeitnehmerimeresien zu wahren und zu ihrer Förderung Einfluß aus die Festsetzung der Arbeits- und Lohnbedingungen zu gewinnen. Bei einer Organisation wie der Gutsbeamtenprganisation des Pommerschen Landbundes kann man von der Erfüllung dieser Boraussetzung nicht sprechen. Damit ist klargestellt, wie sich der Gesetzgeber beziehungsweise die Arbeitsgerichtsbehörden zu dem Wunsch der gelben Landarbeiter, bewegung einstellen müssen. „Sozialistischer Wettberoerb" auf Befehl. Immer mehr entpuppt sich der„sozialistische Wettbewerb" in Rußland als«in Verfahren, das di« Arbeitskrast dez Arbeiters bis zum äußersten auszupumpen oersucht. Zugjeich tritt die ablehnend« Haltung der breiten Arbeitermassen gegenüber diesem neuen Schweißtreibsystem von Tag zu Tag deullicher in Er- scheinung. So sehen sich di« Führer der Sowjetgewerk- s ch a f t e n. denen die Durchführung des„sozialistischen Weit- bewerbs" obliegt, veranlaßt, einmal klar zu sagen was der..Welt- bewerb" ist und sein soll. Und so sprechen ste denn bereits eindeutig von dem Zwang, der heu Arbeitermasien gegenüber beim Ausbau des neuen Systems zur Anwendung gelangen soll! In der jüngsten Plenartagung des Zcntralrates der Gewerk- schasten der Sowjetunion wurde von Iewreinov. dem gegen- wärtigen geistigen Führer der Gewerkschaftszentrale, da, Bekenntnis zum Zwangs-„Wettbew«rb" auf Befehl mit der nötigen Slorhest und Unmißverständlichkeit abgelegt:„Ich will", sagte Iewreinov, „hier feststellen, daß der sozialistisch« Wettbewerb nicht trat die Alekhode der lleberzengung. sonder« auch dt« des Zwanges im Ztug« hat. Erinnern Sie sich desien. was Iljitsch sagte: Fördert di« Be< triebe, die ein Vorbild an Disziplin, Wirtschaftlichkeit, optimaler Arbeitsorganlsation und Produktivität geliefert haben, gebt den Arbeitern dieser Betriebe Prämien, verbessert ihre materielle Lag«, «rhöht ihren kulturellen Lebensstandard. In bezug auf Betrieb«, Unternehmungen und Kommunen aber, die zurückbleiben, die die Produktion desorganisieren und sich den Methoden des Ueberredens und Ueberzeugen« nicht zugänglich zeigen, empfohk Lenin die An- Wendung solcher Mahnahmen, wie Zitierung vor Gericht. Der Kamps gegen di« Desorgcnisatoren der Produktion, gegen Habgierige, die den Wettbewerb untergraben, gegen Deserteur« und Streikbrecher an der Front der sozialistischen Ofsenfiv« ist ebenfalls ein unlöslZcher Bestandteil des sozialistischen Wettbewerbs. Das darf mcht vergesien perden."_ wellet für verlin: Bewölkt, mäßiger Frost. Neigung zu leichten Schneefällen, südöstliche Winde.— Zur Deutschland. Nur noch im Nordosten zeitweise heiter, sonst allgemein ziemlich trübe und de- sonders im Süden und Südosten leichte Schneefälle, mäßiger Frost, jedoch Im äußersten Westen Temperaturen bei Null. ! Theater, Lichtspiele usw. Montag,:i ü Staats-Oper Unter ct. Linden A.-V. 287 t*»* Uhr S(aals-Oper Am Pl-d-Republ. Vorst 107 20 Chi jpiiigenia audaurls Montag, ii 12 StadL Oper Bismarcks tr. 20 Uhr Oeriiim Vo'jfeilom Staat). Stbaaspb. im BMdvmaiiniarki R.-S. M 20 Uhr StaatLSehilier-Tiieater.CM. -o Uh' Kabale and Liebe Ich. t ImWL • Wfc Ur Ivlamta IZSC IPnittf-SM. Withentj.: 5 U. 5« U-3 M. Mttrav-Eaneti, Kalk«, siaiicy«. tzer. Pcrein I« Cs„ Berel« Partner usw. { Tlgi. S u.»I» Sooai.8.3« l» | Alax. C. 4. 8066 INTERNAT. VARIETE ROSE •THEATER".ÄW" Teleph.: Alenandcr 3422 u. Zcyc UnsBr Welünanttproiitainnil L und iL Feiertag: 4 Uhr Pariser Blut 745 Uh- Die csardasiQrstin II IS U�r Familie Hannamano. Am IL Feiertag I0Z Uhr mittais MARCELL SALZER Zwei Stunden Froiislnn! Preise von Mark abwärts bis auf 30 Pfennig. 1 beater t.a.Betirenstr. 53-54 • Stglnnliu C 1 0101 ü.»81.14.—— Berliner illk-TrlO Maukölln, SP Ute»tr.74/7SI GROSSES SGHAUäPiELHAUS < Uhr 3 Musketier« Regie: ERIK CHARELL An halePan Wathnachtafalartagan nachm. 3 Uhr ungakOrxta Vor- »tallong In Ortglnalbcaatrung xu __ halben Prol— w.''-_ Reichshaiion-Theator Uek(Jt Sa»- mi Wtrtigj urtm.[T] Du groiia Weihnacliis- Programm der Sletflner- sanier Ii taiki Fiimtnu: Ubl- funtifleg u diidn Ful«»! SBibcLStfitofler. Etnsi-r ZSnihnechts, nrcleui. eilen«Ibttilutmcn balbr Preis«, trphhrm flaSIungeetleitbieruna. RaftdnteneXie« 45—4«.• lisslng- Theater Norden 10846 Ich»» kdckmii twtw-lldnw Ueret« 8 Uhr Oybuk LastspieidiBS Friedrlthstr. 236 Bgrgmgnn 2922 Täglich S'h Uhr Wiegenlied Lustspiel von Ladislaus Fodor. □ tfnHeff-Brattl: Das groBe Programml Carl Bra�. JjrmatWaIfCT Kleines I neai Merkur 1624 Täglich SV, Uhr Iffax Adalbert in Das Parfflm meioer Fran Lustsp v. Leo Lenz Trlanoii-Ttrar Fugtlch 8'/. Uhr Sie Terveigeri die Aussage Elisabeth Sirickrodt Kort Ei*!«. Netropoi-in. 8'e Uhr Das Land des LEchelns Ver. Sdrwar*, Richard Taohci Musik von Franz Lehär ftnidenz-Theat« Kgst.228 BIumenst.9 7>e Uhr OisRroDe im iU ToIhsLnitltoit».Tin. An beld. Feiertagen '>30.: WiPiudibviBilir Sülir: FriiJiröit Rundfunkhörer (tslbs Preise Planeiarium ■■■■ am Zoo Vvili}. Jsixla.tu u.tnl B. 5. Barbarossa 5378 16 bis 19 Uhr Dia- posUir-AutsteUu f I9Wsl9Uhr 0« Abandhlmmel 20k, Uhr Oaa Waltall im Uehtbild. Unsere Sonne. Verkäufe Bekleidungsstücke, Wüsche usw. Scela qettaa'nt gtodanjOa». Snts- tinganjua«.«Sthroda ullg«. Jadeit- aeAze. Gummimäntel. CutamanaiU&tt. Zabardinemänlel. Seoeiteaotpalctofe. nir lebe fftguc vasienb. Sp aialttill: Beuch- anZllg» spattbillig. GcflllschafisanzSz« «eben verliehen, chalpeen. Ziofenthalzr. ft-ab» 4. L Staat.• Möbel Ja'»» atetfe flctb'd «SIÄ».' attU floemaU, Ücta« Prelle!, «eNvielareeikt Sditeftimmet 433,—. SpeifestnuBct 317�-. Herten, immer 388.—, Spirqt!- schränk« 118.—, DUItnaotnttat 88.—, Anrichte lach« 98.—. Wesstiiadettliell« W,-.«leiberschrank« 48,—. Lhais«. lonauts 28,—. PtclaBfiettfieD« ib.—, »aflrn«matrab« 13�- eZnnstia« 3Röbcl anaebtrlTtit« Pteife. Teilmhlun» auf- schlaalrri. ZSnchenratrn. Monatsraten «assarabatt bis ,«hn Prvtent.«uch an? Aneahluncten. ftlslne auch nhir» Änsub. lt--aen. ftttbit« bis»mit?ahre. Mäh. Sin». SaupliwfAöft: Stealii. Scklvn- grake l«?! 2. Sefchätt: NeuMn. Her. männplab 7: 8. Seschäff: Bttle-AIIianee. Ltrqfte 05. ilirf eratunbbahn:.4. Evezial» Äbteiluna: ZIeuFvlln. Kermannvlak 4: 3.«Seschäst: Noitbusser T traft« 23. aeaenllber eiitzlänaer. daldloa franko voittsoimne fiutti 8 Uhr ftffsrs Dpeylus Schauspiel von f. J. Rehflseb nnt' W. Herzo; Regie H. D Kenter ifaalUdiillBi-Hi- 8 UbT Walielie ihutei am Ueinbaoerdamir 8 Uhr siebMI'M iiaatsopef an Hau cer Retmblis 8 Uhr Iphigenie auf Tanrl* UüDiioies meaiei 0.1 Norden 12 ZI' 8L« übt Der Kaiser v.Amerika von Bernard Shaw Reg- Ma» Relnhardi K&mmerspiele 0.1. Norden 12310 Premlet« Heu e, Montag 7>/i Uhr Oftsir 6 Komödie von Sascha Guttry Regie; Leo Mittler. BOhnenbiider: Em»» Schotte Die Komödie |l Bl8mck.2414/7515 SU* Übt Tom Teufel gebeit von Knut Hamsun RCgie Max Reinhardt Hl Vorvk. 10-2. Kl 2001 Täglich S1* Uht Basuplel du puii«eo Tbcoicrs Die Fledemia ßche; Mu BeiohirtL Ob*« Vaicblnaal Möbel, komplett« Sinrichtunaen sowie ÄnkleideschrSnk«. IViOeOcn. 31ubrt«li«n. suchen, Roto. möbel. lNurgarbktobeit ufm. Garde. rnb«. Wasch». Garbinen nnb Decken oller il«t. Wusch o. fko., Saisersi». 8—7, Weranberpsaft. Abrlfthans. Lieferung nach auswärt». Geleaenbeit w»»ossakäuier! Pracht- volles Tchtairimmer. hochsein aearoeiteit 28 S-ucke. Möbelhaus. Wie liakobifraft« 83. 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Die Geschichte eines Sägewerkes, das in einem Dorle des heutigen Eentralruß- Unds unter großen Anstrengungen errichtet wird. iCAl.L SCHRODESi Die Geschichte Jan Beeks Roman Wenn die Arbeiter aste neu erschienenen Romane nicht lesen so llen,„Jan Beek" müssen sie lesen. Vo&csblatt Zwickau. Jedes dieser Werke rum Milgtiaderprebe von nur 3 Mark, wenn ohne jede weitere Verpflichtung nur der Bezug von t Bäsiden(54 jährige Probemitslied- schaft) gewünscltt wirdjdaru umsonst 6 reidiillustr. Monatshefte Bei Jähresmitgliedschält(4 Bände ä 3 Mark und gratis 78 Monatshefte) kommen Sie m den Genuß der Treueprämie, d. h des Rechts, einen weiteren Dreimarkband für nur 1 M tu beziehen. Auf Wunsch unverbindlich lür Sie ein lo- Bände-Pakct tur Auswahl Monatliche Teilzahlung gern gestattet. Bestellungen nimmt entgegen: »Der Budicrkrcis« Berlin SW 6t, Belle- AIlfanc«-Platz 7/8 fleffotfc Montag. 23. Dezember 1929 torAton) SinJ/tnlM&Jm ibvHÜ* Jimimdfen gegen Hobile Die Anklagen eines'Solen In das letzte literarffchs Werk, das uns pon R o a l i» A m u n t- scn"), dem großen Erforscher von Arktis und Antarktis, über- kommen ist, Hot der Herauegeber ein ergreifendes Lichtbild gefügt. Es trägt di« Ueberfchrift.Amunidfen und Gullbaud vor dem Start zum Fluge, auf dem sie 1928 Nobile suchten und von dem st; nicht wiederkamen." Noald Amundfen, der nicht zögert«, zur Rettung Rabiles und seiner Gefährten in die Todeszone des Eismeeres aufzustcigen. hat Nobile nie geliebt. Im Gegenteil, er hat ihn gehaßt und verachtet. Das beweist in feinem Buche„Mein Leben als Entdecker" jede Zeile, in der er sich mit Nobile beschäftigt. Gewiß. Amundfen mag in manchem auch ungerecht fein und übertreiben, diese beiden Naturen paßten eben zu wenig zueinander:. auf der einen Se t« der ernsthafte Forscher, der von Ärgend an sich körperlich und geistig stählte, um sein Lebensziel, die Entdeckung der Pole, die Bezwingung der Nordwestpasiag« und am Eiche, als Abschluß, den Transpolorflug zu bewerkstelligen, der Mann, der alle Nöte des Eises ebenso wie die Nöte der Geldsorgen und des Wcherstartdes der Oeffentlichkeit, der Mißachtung und der Feindschaft früherer Freunde um seiner Lebensaufgabe willen getragen hatte, und auf der anderen Seite der„eitlx italienische Offizier", dem nach der Ansicht des Norwegers jegliche wisienschastlich« Vorkenntnis, jede physische Eignung für seine angemaßte Tätigtest als Pokarfor- scher sehlte, ein Mann, der keinen anderen Ehrgeiz Hatte, als zum höheren Glänze des eigenen Namens und des faschistischen Italien über Rqcht berühmt zu werden. 1924 saß Roald Amundfen in Oslo, schwer von Seldrnängel und Gemütsdepressionen heimgesucht.„Mut. Willenskrast. unsr- schütterlicher Glauben— diese E genschasten hatten mich durch v!«J« Gefahren zu vielen Erfolgen geführt. Nun schienen sie nichts mehr zu fruchten. Ich war der Berzweiflung näher als jemals in den 54 Iahren meines Lebens." Da läutete da? Telephon und ein« fremde Stimme sprach:„Ich interessiere mich als Amateur lebhaft für Entdeckungsreisen und kann Ihnen vielleicht M I t t« l zu einer neuen Expedition zur Derfügung stellen. Fünf Mi- nuten später war Amundfen in eine Unterredung mit Lincoln Ells wo rth verstest. Ellsworth wollte unter der Düngung, an der Leitung der Ex- pedition beteiligt zu fem, da» Polarmeer überstiegen und die Mittel zum Ankauf Meier Flughoot« und zur Deckung der anderen Ausgaben.zur Verfügung stellen. Amundlen schlug«in, und die Folge dieser Unterhaltung war der denkwürdige Flug vom Mai 192 S, an dem Amundsen. Ehsworth. Riifer-Larfen, Dietrichfon, Omdal und der Deutsche Feucht teilnahmen. Man erreichte den 88. nördlichen Brestegrad, als ein Unglück eintrat: eins der beiden Flugboote haste einen Maschinendefett. Man mußt« landen, und nach einer Arbeit im Eis« von mehr als drei Wochen stiege man unter größten Anstrengungen mst dem verb'ie- denen Flugboot wiÄ>er auf. um unter Todesgefahr nach Spitzbergen zurückzukehren. Nun wurde ein« neu« Löfung vorbereitet: man wollt« den Transozeanslug mU einem Luftschiff unternehmen. Das Glück schien zu Hilf« zu kommeal Di« i t a> lie nische Regierung wollt« das Luftschiff d? I zu annehm- baren Preisen verkausen. Sest der Dervollkommnung der Luftfahrt war Amundjens größer Gedanke di« Bezwingung der Arksts van der Luft aus gewesen. Er begann die Verhandlungen mst der ta- sienischen Regierung, und er wurde zusammengebracht mst dem K o n st r u k t e u r des Luftschisf«?, dem Offizier der Uakenische» Milstärluftschlffohrt Oberst N o b i l«. Gleich hei der ersten Unterredung ip Oslo trat das perfönkiche und das faschistisch-stalicnifche. Interesse Nob les in den Dordergrund. Er machte dos Angebot, daß di« italienische Regierung den dl I st i s t e n wolle, wenn man damit«inoerftand«» ipäre, daß d e Eist pedition die italienische Flagg« führ«. Das wurde abge- lehnt, und es kam zu langwierigen Verhandlungen. Endlich einigt« man sich dahin, daß Ellsmorth und Amundfen durch Dermitllurg des norwegischen Aeroklubs das Luftschiff tauften und Nobile als Piloten der Expedition anstellten. Das Luftschiff, aus den Namen„Norge"(Norwegen) um- gctausl, wurde übernommen und von Nobile nach Spitzbergen ge- bracht. Am 11. Mai 1926, 19 Uhr morgens Ortszeit, war es, als die„Norge" zu ihrer epochemachenden Fahrt von Spitzbergen auf- stieg. Amundfen schreibt: .24 Stunden später sichteten wir Point Barrow an der Nord- käste von Alaska. Mein Traum vieler Jahre war in Erfüllung gegangen! M-in Lebenslauf als Entdecker war in dieser«ieenilich höchsten aller durchführbaren Leistungen von Erfolg gekrönt war- den. Wir hasten das nördliche Eismeer von Kontl- nent zu Kontinent überquert" Es war eine große Tat aber nach der Anficht Amundfsns ist die aeronautische Leistung nicht von Nobile sondern von R I i s e r- L a r s e» durchgeführt worden: .Dreimal unterwegs rettete uns feine fRllser-Larsen-) Geiste»- gegeowarl vor Salastrophe», in die uns Nobile» Nervolikäl and mangelnde Selbstbeherrschung jn stürzen drohte. Ich würde das nicht anführen hätte Nobile nicht die Stirn gehabt, außer dem Ruhm des Piloten, als der er sich einzig und allein berätigt hat. auch d?n größeren Ruhm der Expedition(elbst für sich in Anspruch zh uehmen." Amundsen belegt diese Behauptung: aber menschlich mehr ver. Roald Amundfen: Mein Leben als Entdecker. Mst drei Karten und 7 Bildern und einem Vorwart von Dx. Franz Vehounek. deutsch von Georg Schwarz. 1929. A. P. Tal u. Ca. Verlag. Leipzig' Wie». nichtend für den italienischen Offizier ist das Persönliche, das Amund- fen misteilt: . Tatsächlich nahm Nobile»och in Ztalien vor der Abreise der .Norge" Niiser-Larsev einmal beiseite und steh sich von ihm de» Versprechen geben, daß die Normeger im Falle einer Notlandung aus dem Eise die Italiener(es wareu außer Nobile an der Fahrt noch fünf Italiener beteivgl) nicht im Skiche lasten würde«, um sich allein zu retten. Daß dieser Mensch aus den Gedanken kommen konnte, Männer unseres Schlages könnten so gemein sein, daß«s erst eines solchen Versprechens bedurft«, dos verrät bloß seine eigene Gesinnung." Nobile hat als Pilot Anordnung gegeben, daß jedermann sich f das Mindestmaß von Gepäck, welcher Art auch immer, beschränk«. !« Nobile selbst dies« Vorschrift befolgt«, zeigt Amundsens Beschreibung von der Uebersliegung des Nordpols: „Sowohl Ellsworth und ich hatten natürlich Flaggen mstgenom- man, hie bei Uebersliegung des Pol? abgeworfen werden sollten, Ellsworth dos Sternenbanner und ich die norwegische Flagge. No- biles Vorschrift gemäß waren unsere Floggen nicht größer als ein T a s ch e n t u ch. Als wir den Pol überflogen, warfen wir st- mst einem Hurra für unser« Länder ab. Aber wer beschreibt unser Erstaunen, als wir lohen, wie Nobile nicht ein«, sondern einen ganzen Arm voll Floggen ahwars! Einige Augenblicke lang sah die„Norge" wie ein fliegender Zirkuswagen aus, denn große Fahnen jeder Form und Farbe umflatterten sie. Nobile brachte außerdem eine riesenhost« italienische Flagg« zum Dorschein. Sie war so groß, daß er Mühe haste, sie durch das Kajütenfenster zu bringen Dort faßte sie der Wind und sie blieb an der Gondel hqngen. Ehe er sie losmachen könnt«, waren wir fünf Meilen jenseits des Pols. Als sie endlich frei war, schlug sie gegen die Hintere Gondel und schien sich dort in den Propeller zu versangen und uns in ernste Schwierigkeiten zu bringen. End- lich kam sie auch dort los und sank schnell auf die Eisfläche unter uns." Di« Sache mst den lächerlichen Fahnen schien Amundsen und Ellsworth für einen erwachsenen Mann und Offizier so tomisch. daß sie laut auslachten. Die persönliche Estelkest Nabiles zeigte sich immer wieder- Er wurde nicht müde, zu wiederholen, er sei „itolienlscher Offizier, und man ließe es an der Achtung fehlen, zu der ihn fein Rang berechtige" Wied erhalt mußte ihm Amundsen klarmachen, daß er während seiner Zugehörigkeit zu der .Norgc"-Expedition kcln italienischer Offizier, sostdern E x p e d i- tioys teil nehmer fei. Dieser lächertiche und engstirnige Osff- ziersstolz zeigt« sich auch, als Nobile bei der An l a n v f ch o f s u n g der Motor«, als alle Telnehmer angestrengt arbeiteten, mit den Händen in der Tasch« müßig dgstand. Nichts ist so bezeichnend als Nobiles Derhallen bei der Mckkchr nach Seattle. Amundsen erzählt:„Als das Schiff Seattle näher- kam. neckten Ellsworth und ich einander mst dem Anhlick. den ipir der Menge bieten würden. Nobiles wiederholt« Mahnung besol? gend. unser Gepäck auf das äußerste einzuschränken, hatten wir auch keine» zweiten Anzug bei uns. Wer beschreibt daher unser« Ver- blüffung.___ als Nobile bei der Landung von Sopf bl, zu Fuß I» der glänzenden llnlform«Ines Obersten der Ualfenischen Arme« erschient Das grenzte wohl schon an Perfidie. Daß Nobile sein« eigenen Vorschriften dadurch«goistischerweise verletzt hatte, daß er die am Nordpol abgeworfenen Flaggen mstnahm, hatte uns mehr unter- hallen als erzürnt; aber nun mußten wir erfahren, daß er in der „Norge" auf dem Fluge über das Eismeer— obwohl nach seinen eigenen Worten jedes überflüssige Pfund Gefahr für unser aller Leben bedeutete— heimlich die Fracht und dos Gewicht schwerer Umformen nicht nur für sich, sondern auch für zwei seiner Londsleut« mit geführt hatte!" Immer wieder drängte sich der Italiener, obgleich Amundfen und Ellsworth die Expedilionslester waren, in dsn Vordergrund: bei Empfängen, bei Beröffeistlichungen in der Presse bei Vorträgen und Beranstallungen aller Art, so daß Amundsen nicht umhin kann, ihm Dextragsuntreue und Nichteinhaltung eingegangener Verpflichtungen vorzuwerfen. Amundsen hat sein Buch, das jetzt erschien, 1926 geschrieben. Sein Kapitel über den Flug der„Norge" und über Nobile schließt er mst den Worten„Ich kann auch offen hinzufügen, daß dies dl« letzte große Unternehmung meine? Lebens gewesen Ist. Denn ich will dem Leser anvertrauen, daß ich mein« Entdecket- laufbohn als abgeschlosien betrachte. Es ist mir beschieden gewesen, alle» zu vollenden, was ich mir vorgenommen haste. Das ist Eh'« genug für einen einzigen Menschen. Von nun an werde ich wohl immer noch lebhaftes Interesse für die noch üngelösten Rätsel der Polarregionen haben, aber ich kann nicht hoffen, noch«in so w ch- tiges Betästgungsscjkd zu finden wie jenes, das hinter mir liegt. Ich weiche wich daher mst wisienjchaftlichen Problemen des chelbest und den größten Teil meiner Zeit dem Schreiben, den Vorträgen und dem geselligen Zusammensein mit meinen vielen Freunden in Amerika und Europa widmen." Fast tragisch wirken diese Zeilen; Amundsen hat den friedlichen Lebensabend, den er erhoffte, nicht erlebt: al? Nobiles dritte Pol- fahrt an seiner Unzulänglichkest jämmerlich schesterte, da? Luftschiff In Trümmer ging und Nobile, den Amundsen mit gutem Grund« haßte, iy Cisnot geriet, bestieg Amundsen. um Ihn zu retten, ha» Flugzeug und kehrte nicht wieder. Der tapser« Profesior Vehounek aus Prag hat in einem Nochwort zu Amundsens letztem Flug aus einem anerkennenswerre« Kameradschaftsgesühl heraus Nobile zu verteidigen und zu recht- Artigen gssücht. Es ist ihm nicht gelungen. Der Mensch, der dhne Eifer und Zorn mit bestem Willen versucht hat. sich in Leben und Sterben Amundsens und in das Dasein Nobiles zu vertiefen, schließt mst dem Dichter: „Denn Patroklus llegt begraben, Und Thersites kommt zurück!" Und noch einmal betrachtet er mit Bewunderung und Wehmut das Bild:„Amundsen und Gailbaud vor dem Start zum Flug«. auf dem sie 1928 Nobile suchten und von dem sie nicht wiederkämen." Tlermins Duderstadt. lllox SSarlhei: Sl'UU �UihUC Erna Kühne, achtzehnjährig, hepte tanzt sie In dein Dorstadtsaal und lächelll Sommerlaub ziert noch die Wände, Aber bald konmit kühl der Herbst. Kühl sind auch die weißen Hästde Erna Kühnes, kühl die Lippen, ?!ur das Herz ist flammenheiß. Auch die andexn Mädchen tanze», Wiegen sich im Kreis. Es flattern Biel zu dünizc SommerNeidchen Doch die Mädchen tanzen all« Wie im Purpur ihres Blutes, I» den Flammen großer Sehnsucht. Erna tanzt mit offnen Augen lind vergeht in wieder Süße. Hans, der Tänzer, führt sie strahlend. Breit, mit schwingend großen Gesten, Ofsiziersstand, aller Adel. Der sich hier in grauer Dorstadt Bei Plesiejern, kleinen Mädchen Aus Bergnügcn cingesunden, Tanzt Graf Egon mit Luisa. Sie, Luisa, macht ein Mäulchen, Aber Egon lächelt höflich, Tanzt, als ritte er ein Reitpferd, Edelrasse, selbstverständlich, Selbstverständlich auch der Stammbaum, Durch das niedre Volk und stößt. Stößt die kleine Erna Kühn« Aus Versehen in die Hüfte, Daß sie taümell.' Und da murrt das niedr« Volk. Niedres Volk, das sind hier Partokasie, deutsche Lyrik. Kaufmann, Ladenmädchen, Nulle, Auch ein kleines Wölkchen Puder Und«in Düftlein Cosanova... Aber Erna, achtzehnjährig, Steht schon wieder, lächell und Blendet mit dem schwarzen Lichchsttz Schöner Augen grell den Grase», Daß er friert und sehr verlegen Auf da? Mädchen zutrist: „Froilln, jestarten! Ohne Absicht! Bin Graf Egon.. Blut ist nun im weißen Antlitz, Röt sind mm die bleichen Lippen, Seht, sie lächell sehr geschmeichelt, Ist verwirrt und sagt sehr mühsam: „Ich, ich heiße Erna Kühne, Bitte, Mauergasie sieben.. Die Musiker sind sehr tüchtig. Sehen diesen kleinen Jahrmarkt, Diesen kümmerlichen Trubel. Wie tn einer Donnerwolke Thronen sie aus ihren Sitzen. Einer trommelt, der trompetet, Jener bläst, und der spiell Geige. Einer Hsull im Saxophon, ein Irrer, Der melodisch einer kosten Marmorstaluc Seine Liebe will erklären. Doch der Haupthcrr über ollen Menschen und auch Musikanten Ist der Wann der großen Pauke... Frühling Ist es nun geworden. Frühling auch für Erna Kühne. Ist nun lange nicht mehr blutarm, Trägt schon lange seldne Kleider. Wohnt auch nicht mehr an der Mauer. Denn Graf Egon tanzt, als riste Er«in Reitpferd, nun mit Erna. Erna Kühne, neunzehnsährig, Große Dame und im nächsten— Ja, im nächsten Jahr schon zwanzig, Ist ganz glühend ausgestiegen Wie de» Nachts die Lichtratet«. Erna Kühne, einundzwanzig, Immer noch voll Mut und Leuchtkraft, Um dann roscker und viel greller In das schwarze Nichts zu fallen... Laßt uns trauern, siebe Freunde, Trauern um die Erna Kühn«! (2. Fortsetzung.) Die grau saß in ihrem Stuhl und sah ihn an, neugierig, halb angstlich, angezogen vom Geheimnisvoll«» seiner Erzählung, oer- wundert und angenehm beunruhigt. Doch st« verharrte noch in ihrer Verärgerung und sagte: „Das findest du geipitz bedauerlich, daß du nirgends lang« bleiben kannst, was?" „Oftmals so,* antwortet« FlisreMer nachdenklich,„menn ich es bsionders gut gehabt habe. Aber es ist, verdammt nochmal, gerade, ak« ob ich schneller wieder fort mühte, wenn o» mir besonders gut gefällt... Dachtest du, Äorionneken, daft ich mit Vergnügen hier weggegangen bin? Wach diesen zwei letzten Tagen und... Nächten i.. Da« müßtest du doch selber wohl besser misienl" . Tiefer glühte dos Äot auf Marianne» Wangen, und st» baugt» den Kopf wieder über ihre Arbeit.'Aber ihr« chände logen untätig in ihrem Schoß. „Du bist«in gefährlicher Kerl/ sagt« sie leise..Lch weiß nicht, was mich besessen Hot... Ich glaube, du Host mich bezaubert... „Und du mich vielleicht nicht?' machte er ihr frSHIich zum Vorwurf.„Nein, wenn es darauf anüontmt, sind wir quitt, Mariann«t«n.' „Ich... dich?" Frau Vesjan« richtet« sich auf und strich mit langsamer Bewegung ein« widerspenstige öocke au» der Stirn.„Du bist mir der Wichtige, dich van anderen bezaudern zu lasten.� „Ja das kannst du nicht fasten," sagt« dar Spielmann zärtlich, diswsil er ihr träumerisch in die Augen sah... ,�>u brauchst mir so deine Härchen aus der Stirn zu streichen... dann bin ich schon bezaubert l' Plötzlich stand er auf. ließ sich neben ihr auf den Wand des Tisches nieder und erfaßte sanft ihre fwnd Di« versuchte sich zu befreien� sah böse und erschrocken an ihm vorbei und sagte leise: „Du, laß mich lo»... närrischer llerl! Wae fällt dir«ml So ist toll genug gewesen, du!* „Marianneketiebs... du mußt nicht so häßlich zu mir sein/ schmeichelte Fliereslöter, und seine Stimm« streichelt« sie süßer al» lein« verllebte chand, die zärtlich über ihren Kopf glitt...„Du weißt doch selbst auch, daß ich es nicht ändern kann. Du bist so schön, Marianne... wenn Ich dich ansehe, schmilzt mir das cherz In der Vrust. und dann möchte ich wich gerne an diä) schmiegen, wie sm kleine« Bübchen an sein« Mutter, und immer so liegen bleiben.' dt neigt« sich zu ihr herab und küßte sie aus den Mund. Einen Moment ließ sie sich in unwiderstehlichem Drange ihre« Gefühl« gehen. Dann schob sie mit beiden chänden sstne Brust zurück und lehnt« sich mit geschlossenen Äug«» tn ihren Stuhl. „Dit� Fliereslöter, benimm dich Dir Kinder tonnen jeden Äugenblick hereiittowmen r.. Laß mich in Rah'! Du tust so doch bloß so.'Du spielst nur ein bißchen mit einem, du.... Und wenn' du deinen Willen hast, bist du wr« der Wind verschwunden... ntstechtcr Kerll...." „Bin ich schlechter als du, Marianne?" fragte Fliereslöter, und ein schelmisches Flackern leuchtet« au» seinen zwingenden graublauen Äugen. ,2u bist so schlecht, wie das Waster tief ist, du!" „Und wenn Ich nun diese Woche mal abends«in bißchen ruber, komme.. würdest du iwnn deine Tür verschtosten halten vor Fliereslöter, den, schlechten Kerl?" „Du wirst doch hvssentlich vernünftiger sein, du?... Jetzt bist du Küster im Dorf___ Du würdest mich chals über Kopf in Schande stürzen!... Hast du denn gar kein Gewissen mehr?' „Ein weites Gewissen!' antwortet« Fliereslöter mit großzügiger Gebärde.„Und olles, was gut und lieb ist und den Manschen glücklich macht, das nehme ich dorm auf... Ich würde teinen ruhigen Äugenblick mehr haben, wenn ich auch nur«ine Gelegenheit vorbeigehen ließe, um froh und glücklich zu sein, Marianneken... Ich habe doch so oft von dir geträumt! Dein Ptib ist so blank und so rund..., dein Kvrperchen so weich wie Butter..' „Willst du nun wohl deinen Mund halten, häßlicher Schlam- pamper..., daß du dich selber nicht schämst!' „Aber ich schäme mich schon, Mariann«... Ich schäm« mich, weil ich solange von dir weggeblieben bin... Bist du mir sehr bös«, Mgrianne?" „Ich bin wütend aai dich!' sagte sie, lochte aber, und chre Augen leuchreien hqll. „Und ich." rief Fliereslöter. während er sie mit den Armen umschlang und sie heftig an seine Brust drückte,„ich bin ganz meschugge auf dich!..' » Mercy>,tje war mit Nellete in den Schuppen gegangen. Die Ziege meckerte freudig, als sie die zierlichen Trippelschritte des kleinen Mädchens hörte: als jedoch Mereyntses fremde Füße den gcvslasterten Vorraum betraten, zerrte sie grimmig'an Ihrer Kette und begann, wütend mit ihren krummen Hörnern gegen die weißgekalkten Bretter vor ihr zu boxen. Der kleine Schuppen dröhnte vom Lörm. und Mmyntje blieb schüchtern in der Nähe her Tür stehe». Nellete redete mit besänftigenden Worten dem Unruhig gewordene» Tier zu, worauf es seinen spaßigen Kops mit dem schaukelnden Bart und den wrckclnden Ohren i»- der Älchtung drehte, aus der ihr Stimmchen kam, und wieder heiter und beruhigt Mcckerbi. Aver Mereyntje lief trotzdem in einem Bogen um den übelrtechenden Ziegenstall herum zu hem Verschlag, hinter dem Nellekc» Puppenhau» wat. „Hier ist es.' sagte da» Mädchen stdlz und öffnete etile kleine Tür, Nun standen sie vor einem Schweinestall, der sauber geweißt und put einigen feste» Brettern äm roh gezimmerten Holzoerschlag befestigt war. Der klein« Juno« sah sich enttäuschst in, Halbdunkel des . Raumes ußd sagfe, unhöflich ehrlich: „Das ist ja ein SchPSirttsM.' Nelleke wurde darüber nicht dsl«. Lachend zag sie den Schieber auf. durch welchen früher der grunzend« Bewohner hinaus äuf den Borplatz zu torkeln pflegte. Nun strömt» goldenes ßi�t in das Puppenhaus, eine wunderbar« Fellipkttt. welch» dl« Litige von unten herauf beleuchtet« und ihn«n«in«n seltsamen Glanz gab. Und Mereyntje sah nun besser, zu wo» für einem herrlich«» Ort ihn sein guter Stern geführt hatte. Aus den Paneelbrettern an den Wänden standen unbegreifliche Schätze wohlgeordnet: zerbrochene« Geschirr. Biergläser und kleine Römer, wovdn Stück« oder Füße abgebrochen waren, zerbrochen« Tassen mit zierlich gesprenkelten Blumen: sogar eine unbrauchbar« Kasseemühl« war da, mu einer ohnmächtig schief- hängenden, übel zerbeulten, aber dennoch goldig glänzenden Schal« unter dam verbogenen Drehlmg, aus dem eine leere Zwirnrolle Un verloren gegangenen Knopf glorreich ersetzte. Herrlich bunt« Scherben lagen auf Läppchen rot oder blau gesprenkelten Kattun», als Koitbarkeiten. gleich Bosen und Nippjachea ausgestellt, und von verschiedenen Brettern hingen rdt und weiß kariert« Gardinen herab, die besonder» seltsame und tSslliche Besitztümer dem profanen Licht verbarg«». Nelleke schob sie«ine nach der andere» an ihren Bind- säden zur Saite, und nun sah Merenyije eine dicke Scherbe von einem kölnischen Tops mit einer blauen fünfblättrigen Blume in der Mitte und einem unbeschädigten Ohr aus der obere» Seile: dort wieder lag ein Stück Kristallglas, welches im weich-geschwungenen Bruch da» Licht In Regcnbogensarben zurückwarf. Ein halbes Zylinderglas stand umgekehrt mit dem gewölbten Flammsnbauch nach oben und glich einem wunderlichen Pokal aus dem Märchenlande: rings herum logen, in schönem Kreise, lauter kleine Nachtlichtdleche, mit ihren schwarzen Löchern in der Mitte, und machten den klar durchsichtigen Pokal noch ganz besonders sehenswert. In der Ecke schlissen zwei Puppen in einer Korbwieg«; sie lagen ruhig aus dem Rücken, und die «ine sah mit lhren schwarzen Äorimhenaugen in dem hölzernen Kopf stell hinauf zum Dach des Schuppens. Die andere aber schlief mit geschlossenen Augen, und über ihrem matten Porzellangesicht sah man ihr echtes Haar. Nelleke nahm dieses Stück Reichtum aus der Wieg«, lieh sie sitzen, und nun sah das btumensüße Gesichtchen Mereyntje plötzlich mtt zwei klaren, leuchtenden blauen Augen an. Perwundert wich er einen Schritt zurück. Schmunzelnd, sein Erstaunen genießend, ließ Nelleke die Pupp« langsam in ihrem Arm hintenüber gleiten, und deutlich sah nun Mereyntje, wie die Augen sich langsam schlössen, bis die Wimpern, aus echtem Haar, tn zwei kleinen, schönen Wölbungen über den runden, frisch blühenden Wangen lagen .Letzt schläft sie wieder,' sagte Nelleke und beobachtete Mereyntse heimlich, ob der das Wunder wohl auch tief genug erfaßte. Sie hatte nicht zu klagen, denn sprachlos, mit halb geöffnetem Munde und großen, starrenden Augen stand er da und betrachtete die Zauber- puppe, die Ihre Aeugleln öffnen und schließen tonnte. Nelleke war seilen so vollkommen befriedigt. Kokett setzte sie die Puppe mit einer einzigen Bewegung wieder ausrecht. Ein Klappern... und die Augen, groß und glänzend, sahen Mereyntse wieder an. Und endlich gelang es ihm, semer unenneßstchen Verwunderung Luft pt machen: .Leeeeeeehl... die lebt?___* Aber Nelleke wollt« ihn doch nicht in diesem kindischen und unwürdigen Wahn lassen. Mit großem lleberiegenheitsgefsibl sagte sie: „Ach. i wo. Junge!... Sie kann doch mir chre Augen auf- und zumachen, wenn man sie hinlegt oder aufhebt.' Zögernd streckte Mereyntje seine Hand aus. „Darf ich sie auch mal festhalten?' „Sei nur vorsichtig," warnte Nelleke. mtt besorgtem Gesicht che» zustimmend, und legte dl« wunderbare Puppe mit einer preziösrn Gebärd« auf Mereyntses ausgestreckt« Arme. Und der kleine Junge, voller Berwundenmg und Entzücken, ließ den Mechanismus arbeiten, ohne Unterbrechung, auf und zu, auf und zu, aus und zu, und er stand da und lächelle emfiutig in das starre Puppengesicht und konnte mcht genug davon kriegen. „Es ist ein Wunder,' seufzte er leise,„wirklich«in Wunder!" Aber Nelleke meinte, daß es nun genug sei, und vorsichtig nahm sie die Pupp« wieder an sich. Mereyntje hielt den Puppenleib mit dem rosa Kleidchen noch fest, bis er wohlverwahrt in Nelleke» mütter- lich gebogenem Arm lag, und streichstt« noch«in Weilchen mtt zögernder Hand über die glänzende Seid« der wellenden Locken. „Das ist ein Wunder.' wiederholt« er abermals.„So eine schone Pupp« habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen... Du. Nelleke, laß fi« noch mal schlafen?' Bereitwillig ließ das stolz« Mütterchen die Puppe tn ihrem Arm zurücklehnen. „Sie heißt Milotj«,'«rzähtts sie wichtig.„Es ist«In belgische» Kind, siehst du. Fliereslöter hat sie für mich mitgebracht von der Faor in Antwerpen.' „Was ist das,«ine Foork' fragte Mereyntje neugierig. „Das weih ich nicht,' gab Nelleke ehrlich zu,„aber sie verkaufe» dort doch, oh! solche schönen Puppenl' Nun wundert« sich Mereyntje erst recht: .Lennt ihr den Fliereflöter so gut?" „Oh se-jo,' antwortete Nelleke leichthin,„et hat manchmal hier im Schuppen geschlafen/ „Ist Fliereflöter denn«in Onkel von dir?' fragt««r mißtrauisch: denn es schien ihm ganz undenkbar, daß man solche köstlichen und wunderbaren Geschenk« sa einfach einem fremden Kinde machen könnte. Doch Nelleke lachte ihn laitt au« m,d sagte: „Ach. bewahre, du Esel! Fliereslöter ist doch überhaupt mtt niemand verlvandt!' „Warum hat er dir denn so«ine schöne Puppe gegeben?' er, kündigte sich Mereyntje hartnackig. „Nun sa, bloß so; weil et mich gern Hot.* Mereyntje sah sie forschend an. Er nicku und lachte ihr zu. „Dos glaub« ich,' sagte er nachdenklich,„du hast so schone. ro:e Wangen du... bist ein richtiges Blosekriekske/') (Fortsetzung folgt.) ') Blosekrieksk«— vom holländischen„blozcn*. erröten, und „Kriek". kleine Kirsche, resp. Kriekste, kleines Ding. Der llebcrfttzer. WAS DER TAG BRINGT, »H. Fortschritte der Fernsehapparate. Der amerikanische RodiotommIIsar,.Harold A La Fount, teilte tn einem Vortrag mtt, daß die Versuche der Bildüberlragung sich soweit gebessert haben, daß in nächster Zelt mtt einer allgemeinen Einführung dieser Uebertragung gerechnet werden kann. Die lieber- tragungcn beziehen sich nicht nur auf Filmvorführungen durch Radio- stationon, sonderen auch aut Uedertragungen bestimmter Ereignisse wie Parlamentssitzungen. Sportfeste und Bildfunksendiingen von Bord der Ozeanflugschiff«. Behilterverkeh r. Gewiß hat man sich schon einmal über die vielen Aufenthalte gewundert, die unsere Personenzüge in manchen?lbzweigstationen hallen. Da Müssen Hundert« von Poststücken einzeln in die Hand genommen werden, aus dem Postmagen der Bahn in das Hilfssohr- zeug der Post gehoben, geworfen oder geschleudert werden. Verfolgt man den ganzen Leidensweg der Pakete, io staunt man, wieviele Male die Sendungen vom Zldjender bis zum Empfänger„geHand- habt' werden. Statt solcher Methoden von anno dazumal könnte man die Sendungen für Adzweigstatlonen tn Alumlniumdehälter ordnen(während der Hinfahrt zur betr. Station) und dort mit einem kleinen am Gepäckwagen befestigten Kran die Behälter mit einer einzigen Bewegung binnen 40 Sekunden ausladen. Aber auch tür den S-tückgittpertehr der Gitterzüge ist der gleiche Gedanke durch, ührbar und er ist hier schon verwttkltcht. In Englorch und USA. sind für verschiedene Zwecke Behälter solcher Art konstruiert worden, die da» Problem nach mancherlei Methode lösen Besonders interessant ist die Lösung, die am Behälter selbst klein« Räder vorsieht, so daß der Behälter al» HUfsfahrzeug arbeitet und zwischen Auto und Dahittvagen rationell o ermittelt. Der Behälter- Montag. 23. Dezember. tt• r 1 1». 16.05 Dr. Otto Everllne: Der Werl der geistlsen AtBeit. 16.30 Unterhaltungsmusik. 18.00 Dr. n. Pundt; Vom antlllcheB Wintersport- Wctterdletist. 18.20 Das neue Buch. 18.30 Prof- Dr. Ad. Üeissrttann: Klfohliohe Pröblenle, 19.00 Arbeiterkinder Singen. 20.00„Weihnachten". Oper In einem Teil. AnschllcOend:„Die heilige Nacht", V6S Belma Laghflöt,(Öctesen von Else Rüthcl.) 21.30 ca.: Lleier. Gesängen von öömeüs Bronsgeesl, Baritod, Arn Fltttcl; Bruno Seidler-Wipklet. Anschließend Kantilene- Für Soti. GW, itjelUhtchmiet»«« Örie! op.enden Ausstand in Wien qssnirzt. Vorher hatte ihm ein Abgeordneter zugerusen: „Äassmir ich rat« dir geh weg von hier." rit>«. Verschwenderische Indianer. Vor viele« Jahren wurde der Osage-Stamm der Indianer von seinen ursprünglichen„Iagdgründen" in Kansas nach einem Schutzgebiet Im Staat Oklahoma verpflanzt. Man hatte natürlich sür diese ihrer Heimat beraubten Rothäute nicht gerade das fruchtbarste Land auegesucht, sondern eine wüst« Gegend, aus der man sich nicht ernähren konnte, und deshalb gewährte der gnädig« Staat jedein Indianer sin« Unterstützung von löl Dollar Im Jahr, dam« sie hr Leben fristen konnten Doch da» Schicksal meint««« mit den roicti Männern besser als die Bereinigten Staaten. Plötzlich wurden große Oelselder in dem Schutzgebiet entdeckt, und sosort setzte ein wilder Zustrom van Weißen«in. die den Indianern sür ein Butter- brot ihr« kostbar gewordenen Länderelen abnehmen wollten. Die Ausbeutung war so stakt, daß die Regierung Schutzmaßnahmen sür die Osagen«rgriss, so haß ihnen wenigstens etwas von dem Reich- tum gerettet wurde der ihnen so uver waltet t» den Schoß gefallen war. So kommt es daß heute viele Osagen reiche Leute sind und manche Kifld«r bereit» jährliche Einkommen zwischen so ovo und 100 ovo Dollar haben. Aber sie wissen mit dem vielen Gzkd'vi'hts Rechtes anzusange» und treiben vielsach«ine ganz sinnlos« Der» schwendung. So hat sich z. B. ein vsnge Innerhalb von drei Tagen itz Krastwage» gekauft, einen Immer teuier ol» den anderen, und ein anderer bezahlte 2C(X) Dollar für eine Uhr. nur well sie ein sü schönes Glockenipiei hatte Die Regierung der Vereinigten Städten hat daher«ine Warnung erlassen, in der den Indianern die Verschwendung ihrer Besitztümer verboten wird. Man will Auf. sichtübehörden einsetzen, die daraus achten, daß diese großen Kinder «tvas sparen und für die Zeit Vorsorgen, in der die Petroleum» quellen versiegt sein werden. Das Kohlensäure"Auto. Avusfahrt des Valier- Rückstoß-Autos„Rak 6". Der als Crsorscher das R a ketanaktrlebs bstannte In- gsnieur Max B a l i e r machte gestern aus der Asus in Berlin die erstan Fahrten mit seinem Gas raketanwagen. Balier, der, wie wir dereits in,„Abend" vom 7. Dezember im Aussatz„Die Zu tunst der Motorrokel«" besprachen, von der mit Puloer geladenen Bakete abgegangen ist und der Entwicklung des G a s r a k« t o n m o t o r s das Wort redet, sieht in der ftraftenl- nahme aus dieser Maschine die Fori- bewegungskrast für den Flug in der Stratosphäre, d. h. in den hohen und höchsten(Luft-?) Schichten dar Erde, Zu seinen gestrigen Barführun- aen hatte er seinen asten, in anderen Städte» schon mehrfach vorgeführten Wagen insofern umgebaut, als er jrtzt sechs grab« Kohlensaure- St ahlfla schon von s« 20 Litern Dmhalt enthält die die auf 100 Atmosphären Druck komprimierte Kohlensäure zu gleicher Zeit in einen Sannnel-Druckausgleichsbehälter strömen lassen. Der Behälter endet in«in kurzes Abhlosrohr, daß ab« im Gegensatz zu früher setzt mit einem gut funktionierenden, dichthaltenden Nadelhochdruck- o e n t I l abgeschlossen werden kann. Dieses Lentil schließt ein ent« sprechend große» Loch In der Art ab, wie etwa die Bleistiftmine In einem Füllbleistift in das Loch hineingeschraubt werden kann, nur daß beim Ventil die Nadelmine stärker als das Loch ist und nur mit ihrem spitz zugearbeiteten Ende da» Lach verschließt. Diese« Ventil ermöglicht eine ziemlich exakte Regulierung de» Gasaustritts und damit der Geschwindigkeit des Wagen». Voller gelang gestern die Fahrt durch dos Abblasen der Kohlensäure sehr gut, der Beweis, daß durch Gasrück st oßkraft Wagen angetrieben werde» können, ist erbracht. Dieser Beweis war allerdings nicht sehr schwer, da in« Art von Rückstoßtrast längst bekannt und zum Antrieb von Kinderspielzeug, etwa Schiffen, schon ausgebeutet ist. Entwickelt man beispielsweise Dampf in einen, kleinen Kessel und läßt ihn durch ein dünne« Rohr ausströmen, so treibt das Schifichen vorwärts. Gestern wurde bewiesen, daß der Rückstoß bei genügend Holzem Druck stark genug ist, auch einen etwa 17 Zentner schweren Wagen zu treibe». Die Fahrt dauert» allerdings nur sehr kurz« Zelt, an einen wirtsäzajtlichen Betrieb ist noch nicht zu denken. Dem Kon- strukteur ist e» zunächst darum zu tun, den grundlegenden Anfang gemacht zu haben und— sofern er materiell genügend unterstützt wird—(«ine Ideen weiter entwickeln zu können. M. Jr. Die Spiele des Sonntags. Arbefter-Hsndball and-Hockey. FTGB.-Rorden 3 hatte sich Kalkberge zu einem Gesell- schasts spiel verpflichtet. In der ersten Halbzeit zeigten beide Mannschaften ein an Technik armes Spiel Norden Z konnte sich in der ersten Halbzeit nicht zusammenfinden und verdarb viele Bor- stöß» durch Absest�äufen. Besser wäre es auch gewesen, die Eigen- sinnigkeit wäre fortgeblieben. Kalkbergs konnte in der 20. Minute in Führung gehen. Gleich nach Beginn der zweiten Halbzeit gelang es Norden den Ausgleich herbeizuführen. Jetzt erst fand Norden allmählich die Schwächen Kalkbä'rges heraus und konisie in gleich- mäßigen Abständen noch Z Tore schießen. Norden zeigte nun ein gutes Zusammenfpiek und beschäftigt« fetzt auch viel die Auhenleutc. Kaliberge muß noch viel lernen, Fangtechnik und Stellungsspiel müssen noch ausgebildet werden.. FTGL.-Pankow und FTGB.-Narden l standen sich in Pankow gegenüber. Hier sah man ein vollständig verteiltes Spiel, flott wechlsette der Ball von einem Tor zum andern Erst in der 40. Minute gelang«» Pankow, das einzig« Tor des Spieles zu schießen, Norden konnte nicht zum Erfolg kommen, denn der Mittel- stünner verdarb viele Angriff« durch Uebertreten der Torraumlinie. • Arbcitcr-Hockcy. Der Bezirk Martendorf der Freien Turnerschoit Groß-Bcrlin konnte dem ABC.«inen 2: l-Sieg abringen. Der ASC. spiette u». vollständig, aber sehr gut, und konnte nur mit letzter Krast«ine größere Niederlage abwenden. Mariendorf zeigte ein bessere» Spisl als sonst. Der Sturm spielt« geschlossener, der link« Flügel etwas besser als der rechte. Im ganzen aber forsch und angrisssfreudig.-» Ostring 1 und Nordring 2 trennten sich nach einem schnallen und schönen Kampf 4: 2. Die Nordringmannschast spielt sehr eifrig und wuchs an ihrem besssven Gegner. Vom Sturm konnte die linke Seite gefallen, während die Mitte und der andere Flügel etwas weich waren. Beim Sieger Ostring ragten besonders der linke Verteidiger, der Mittelläufer, Linksaußen und Halbrechts hervor. AN Tempo waren sie überlegen, aber im Mittelsturm klappte es nicht, auch wurde allzuseltsn Platz gehaltan.— Nordring l und der Sportverein Moabit kämpften ein Interessantes und ohwechslungs« reiche« Spiel. Bor der Pause war Nordring überlegen und nachher drückten die Moabit«. Nordring mit mehreren Ersatzleuten gelang es infolge allgemein besser« Technik und Ballbehandlung vier Tore vorzulegen, dem die Moabiter bis dahin nur ein Tor entgegen- sitzen konnten. Aber dann kam ein mächtiger Schwung In Moabit« Spielweis«, der mit zwei weiteren Toren belohnt wurde. 4:3 für Nordring endet» dieser, wohl schönst« Kampf des Tage». * Am 2. Weihnachtsfeiertag werden die bundestreuen Hockey- spieler des!• Kreise« vor die Oefsentlichkest treten, um Belveisi sür ihre Aufbauardeik zu geben. Zwei Mannschaften au» den sieben Vereinen der Gruppe A spielen aus dem Sportplatz Ost in der Laskerstraß« am Bahnhof Stralau-Rummelsburg ab 14 Uhr. Di« interessierte Arbeiterschost und alle Sportgenossen sind eingeladen. „�roles*» Verein für Körperku'fur. Unter diesem Namen haben sich die vom„Sporweretn Fichte" losgesagten Arbeltersportlet und-sportlerinnen zu einem Berein zu- sammengetan. Dl« Aufnahme beim Arbciter-Turn- und Sportbund ist beamragt. Etwa SO Mitglieder haben sich bei der Gründung gemeldet, weiter» folgen. Am Sonnabend. 4. Januar. 20 Uhr, treibt dar Berein sein« Gymnastikswnden in der Hall« Friedrtchstr. S! fRShe Landsberger Platz) für die männlichen Mitgsiedar, am Rontag. 6. Januar, 20 Uhr. üben die w« id kl ch» n Mitglieder tn der Hasse Waldemarstr. 77 sNähs Lausitz»? Platz) Nähere A u« t ü n f t» erteilt die Seschäftsstell« Kart Kien bäum. SO. ztz. Naunynstr. 6. Weihnachtsfeier der Tegeler\rbeitersportIert Am t. Wechriachtsfelertag veranstaltet die Freie Sport- oereinlauttg Tegtl fßöH �Mitglied de» A.-T. u. Sp.-Bundes und des AABD,) im Sttandfchloß Tegel, Uferstr., ihre. Weihnachtsfeier. Das reichhaltige Programm sieht Turnen, Gym- nastik, Artistik, Ringen und Boxen vor. Die bekannten Exzentriker Luri-Luri werden ihr» Künste zeigen. Nach den Borsührunaen findet im„Märchensaol" Tanz statt. Der Eintrittspreis beträgt l M. Saaleroffming S.30 Uhr. Ansang 0.30 Uhr. Um zahlreichen Besuch der organisierten Arbeitnehmerschaft bittet die Freie Sportoereini- gung Tegel 1809 e. A. Sonnenwende in der Stadt! Am flammenden Feuer in Wilmersdorf. Ilüllmersdorf. das in letzter Zeit zum baoorzuKen Tummeiplatz rechts- und linksradikaler Radaubrüder geworden ist, sah am ver« gangenen Sonnabend einen ebenso begeisterten wie diszipliniert«!� Ausmarsch sozialistischer Arbeit erjungen und Mädchen. Trotz schneidender Kälte formierte sich um 8 Uhr abends— vom Arbcitersportkartsll, der SAI und 1>en Kinder- sreundcn gerufen— am Fehrbelliner Platz ein stattlicher Zug von Mitgliedern aus diesen Organisationen. Borweg eine Musikkapelle, zur Seit« lodernde Fackeln, demonstrierte man durch die nächtliche» Straßen Wilmersdorfs, bis nach einstündigem Morsch der Srcpark erreicht war. Es war ein herrliches Bild, als hier mitten in der Großstadt die Sonnwendfeuer aufilommten und ihren Schein bis an die Giebel der fernen Miettaf-ernen trugen. Ringsum ein weiter Kreis junger Sportler und Genossen>nu diesmal im wahrsten Sinn« des Wortes leuchtenden Gesichtern. Der Höhepunkt dieser Wintersonnenwendseter war erreicht, als der erste Sprecher de» mitwirkenden Chors unter dem Jubel aller Anwesenden ein Hakenkreuz in dos Feuer warf und einen Strohmann folgen ließ: als Symbol« der Reaktion und der GieütoüItsisteiL Dazu ZieAw- tionen, Mustk» eine kurze, aber fein durchfechte Ansprache und dann die alten, schönen Voltstänze um das prasselnde Feuer. E» war fast Mitternacht geworden, als zum Abschluß der Gesang der„Inter j nationale" weithin hallte. Keiner,'der dabei war, wird diese Winter- sonnenwende vergessen. Sonnenwende— Zeitenwende, mar ihr Motto. Wieder die Kanadier! Europamannsdiafi dreimal hoch geschlagen. Roch dem 7: 2-Sieg der kanadischen M«ist«rspieler über de» Berliner Schlittschuhklub, wurde mit einiger Spannung dem Spiel der Europamannschaft gegen Kanadas repräsen- tative Mannschaft entgegengesehen. Sowohl am Sonnabend. wie auch in deiH Rückspiel am gestrigen Sonntag siegten die über seeischen Gäste mit Längen. 7: 2 für Kanada lautete das Resultat am Sonnabend, 4: 1 hieß es am Sonntag. Der Sportpalast war am Sonnabend aueoerkauft. Di« kanadische Mannschaft trat diesmal ausgeruht und mit der Eisfläche besser vertraut als am Bortag« an. In der Curopamannschaft spielten Leineweber, der deutsche Meistertorwächtcr, die Schweden Johansson und Adrahamsson, der Tscheche Malecek, Iaeneck«, Brunk, Römer und Lall. Da« erste Drittel endete mit 2: 0 Toren für Kanada. Im Meilen Spielabschnitt fiel nur ein Tor der Kanadier. Erst im letzten Akt steigert» sich der Kamps z» spannenden Momenten. Was die Ueberfeeleuie hier an Schnelligkeit, Abnehmen der Scheibe und SchußoermSgen zeigten, war zu einer einzig dastehenden Leistung vereint. Bon den sieben Tressern bracht« Gront vier auf sein Konto, Park, Armin und Clayton schössen je ein Tor. Der erste Treffer der europäischen Mannschaft entsprang mehr einem Zufall. Der Schuß von Malecek sprang von dem Schlittschuh das kanadischen Verteidigers Radkc ab und drehte sich an dein herausgelaufenen Torwart vorbei in» Netz. Das zweit« Tor für die Europäer erzielte „Lulle" Johansson, der nach schwachen Leistungen im ersten und zweiten Drittel geistesgegenwärtig«ine ihm gebotene Gelegenheit er- iotzte und unhallbar einschoß. Leineweber im Tor lieferte nach«inigen Minuten der Befangenheit ein ganz großes Spiel und verhindere ein zweistelliges Score, noch ihm mar Abpahamsson der beste Mann der europäischen Mnmischast. Wenn die Kanadier am Sonntag».mir" mit 4: 1 gewannen, so ist das in der Hauptsache ein Berdsinsi des deutschen Goalhüters Leineweber. Die schärfsten Weit- und Nachschüsse wehrte Leine- weder mit Elan ab. Wenn er trotzdem viermal überwunden wurde, dann eben, weil die Berteidigung der Europanwnnschaft in der Zerstörungsarbeit wiederholt versagte. Schuß auf Schuß knallt« am da» Tor der Europamannschafi. Für den Tschechen Malecek, der sich ein« Verletzung zugezogen hatte, spielte sein Landsmann Dorazil. der außerordentlich gefallen konnte. Kanada ging im ersten Drittel durch Grant in Führung, der auch Im folgenden Abschnitt durch eilten wetteren Treffer das Ergebnis auf 2:0 stellt«. Im Schluß- drittel tanien dt« Gäste durch Grissin und Graut nachmals zu zwei Torerfolgen. Fast schien es. als sollte es nur bei dem Stand« von 4:0 für die Kanadier bleiben. Kurz vor dem Abpfiff gelang dtr Europa mannschaft aber noch unter tosenden, Beifall de« Hauses das Ehrentor. Ball, Brück und Iaeneck»stieß vor,«in Schuß um» das Ehrentor war gefalle». 2n den Kunstlaufoorführuugen zeigten sich wieder die famose Schwedin Hussen, das Meifterpaar Kischauer-Gast» und Bayer. Die Kanadier sind sitzt bereit« wieder unterwegs nach Schwr» den, wo sie Mischen Weihnachten und Neujahr einig» Spiele aus- iragen»erbeb. Von dort geht»s durch einige Hauptstädte des Kontinents. Es sind Gastspiele in Wien, Budapest. Prag, Mailand. Donos und St. Moritz vorgesehen. Ende Januar starten dir Kanadier bei der Eishockeyweltmeisterschaft in Ehamoliix und ttn Anschluß daran werden si» zu Anfang Februar noch einmal IM Sportpalast erwartet. «Die gekränkte Leberwurst 1" Zu unseren Bemerkungen mit dieser Ueberschrtst im„A b« n d" vom 10. Dezember bittet uns Frau Paula v. Reznlcek um die Veröffentlichung der Mitteilung daß sie n i e erklärt hätte, mir ichch französische Turniere spielen zu wollen. ZUiiiik»llr«i»St«itiia4 dc» Urb«it«r-Sind und aruftfodrcibunde«„Solid«, i tär'. jRittuieA, JS. TVarmbei:, OW Uhr. troffen Crifi dl« Krnnfvlittt im(Benntf fdMftdlMU« im«Uflauraui und llcqrldudnsimnicr. JrolnimjMWiid: S. Januar Turndalk Npucnlitfr ö)r. lü. Audrruerriu ,ten«ii«".®0« Knfstnrudrrn am 04. und«1, Sewmt« findet nicht fiuii. Zerbeult/geschunden/blutüberstromt! Diese Worie entstammen einem Sportbericht. Nicht wie auf den ersten Blick anzunehmen ist, einem solchen über»inen Boxkampf, sc-ndarn au« d«m Bericht de« amtlichen Organs 00m Gau Sstd- thüringen im Verband Mlttaldeutscher Ballspsilvereine im bürger- lichen Deutschen Fußballbuttd. Gespielt hatte der süd- thüringische Meister VfB. Koburg gegen Neustadt. Wir lassen den Bericht des bürgerlichen Sportblotte» wörtlich folgen, damit uns nicht der Borwurf gemocht werden kann, wir hätten au« bestimmten Gründen in gehässiger oder übertriebener Form berichtet. Däs amtliche Organ schreibt: „Der Koburger Torwart und der den Abstoß ausführende Bek- leidiger wurden mit Dreck beworfen. Bei Einwurfballen wurden die Koburger, die hierbei den Zuschauern mit dem Rücken zugewandt stnd. geschtogen. Ms Büttner ein zweit»« Tor etnräpste. da» vom Schiedsrichter nicht gegeben wurde, erhielt er von dem rechten Neustädter Verteidiger Wenzel einen Boxhieb ine Genick, der nicht von Pappe war. Koburger Zuschauer, die es wagten, ihre abfällig« Meinung über da» Gebaren zum Ausdruck zu bringen, wurden mit den unstätigstei' Dialekt- und Krafiou»- drücken bedacht, die in keinem Lexikon stehen, und sogar ge- ich lagen. AI» Witt, nonn, Neustadt(linlsaußen). dem Koburger Halbrechten mit Absicht gegen dos Geschlechttorgan trat und deswegen vom Schtedsrichtar vom Platz verwiesen wurde. erlaubte sich ein Koburger Zuschauer, der Handlung de« Schlads. rlchters Beifall zu Nstfchan. Die Folge war. daß er von den um» stehenden Naustadtern verprügelt wuchs. Da» ist od« alle« gar Bichl» gegen das. was sich nach dem Abpfiff abspielt«. Hierdei handelte et sich um»ine«obltlberlegie Tat. Eine Viettelstund« vor Lpielettdt wurde von Neustädtern geäußert, daß dt» BsP.-Spieler noch Pt> endigung des Kampfe« Hiebe bekommen. Und so strömten nach dem Schlußpfiff Hunderte von Menschen in da« Spielfeld, umringten die Koburger Spieler und begannen wüst aus sie«iazuschlagen. Diese waren gegen die wütende Masse machtlos. Mit umgekehrten Spazierstöcken und mit Schlagringen wurde auf die Koburger ein- gedroschen. Sie wurden getreten, geschlagen, geboxt: man versuchte sie niederzureißen, was glücklicherweise nicht gelang. Rur durch schnellste Flucht, soweit sie Überhaupt möglich war. blieben sie vor schwereren Verletzungen bewahrt, wen» sie auch zerbeult, zerschunden und teilweise blutüber- strömt waren/ Aber auch den Koburger„Zivilisten" wurde so- fern sie ihrem Unmut Luft machten und ihr» Spieler zu schützen versuchte», übel mitgespielt. Ein ehemaliger Ligaspicler erhielt innen Schlag aus den Kops, so daß Blut unter dem Hut hervor- schoß. Die Schlägerei war beispiellos. Einem anständigen Men- scheu ist es einfach unfaßbar, daß so etwas anläßlich eines Fuß tmllspiel« überhaupt vorkommen kann. Derartige Borkonmmisse haben»richte gemeinsam mit der Sportbewegung!" Dos ist richtig. Gemeinsam haben diese Vorfälle aber alles imt der bürgerlichen Sporterziehung, die ihre Grundlage hat auf elftem überspitzten Meisterjchasissystem, aus der widerlichen Verhimmelung guter Spieler und der üblen Sensatlons- mache der bürgerlichen Presse tm Sport. Gerade sie ist r«. die die Sensationsgier der Oefsentlichkest mit allen Mitteln auf- stachelt, wodurch Folgen, wie sie sich in Neustadt zeigten, nicht aus- bleibe» können. Man„bedauert", ober um die eigentlichen Ursachen der Zwischenfalle wird herumgcschlichen wie die Katze Um den beißen Brei. Man müßte sich ja sonst selbst mit sür schuldig er- klären. Der AsB Koburg hat beschlosstn, zum Süddeutschen Fuß- bassverdand im Deutschen Fußballbund Überzutreten. Dort kommt er vom Regen in die Traufe. In, Süddeutschen Außdallverband dil» Deutschen Fußdallbundez mußten fest Beginn der diessährigen Perbarchssvlelsoison bi» Mpemder 2212 Fußballspieler wegen Tätlichkeiten und rahen Spiele« gesperrt «erden. Aus«Ine» Sonntag kommen im Durchschnitt 183 ge- gesperrte Spieker. In fünf Wochen mußten außerdem allein Stz Platzsperrungen und 4S Sperrondrbhungen verhängt werde». > Publikum will Da« Publikum will«den sür„sein Geld"„seinen Klub" gewinnen stben Dt» Spieler tun ihr übriges dazu, denn Meisterschaft ist im DFB. alles. Klappt die Sache nicht, wird eben„a Gaudi" gemacht? Das ist bürgerlicher Sport? Das Gesicht des Stadtparlaments Neue Männer und alte Größen. Ztach der ersten stürmischen«tadtverordnctcnsijzung sind die beiden falzenden schon wesentlich ruhiger verlaufen. Der gelegentliche Krakeel der Kommunisten und Nationalsozialisten gehört zu ihrem Geschäft, si« werden sich in der Zukunft den Anordnungen des Vor stehers fügen muffen, wolle» sie nicht wie im Reichstag vor die Tür gesetzt werden. Fügen werden sich auch diejenigen Ganzradikalen müssen, die in der ersten Sitzung im volle» Schmuck ihrer Vereins- uniformen erschienen. Die chitlerleutc hatten jedenfalls schon letzthin gewöhnliche Jackets über ihre hellbraunen chemden gezogen «Nd die Rotfront Mädchen der Koniini nisten waren von ihrer Uniform wieder zum bürgerlich-modernen kurzen �Rock und zu Seidenstrümpfen zurückgekehrt. Sic merkten sehr schnell, dah ihr Auszug nicht den gewünschten Eindruck machte. Kommunisten wie chitkerioncr sind auch recht brav in den Aelt« st curat hineingegangen! sie haben dort in sachlicher Ver- Handlung mit allen anderen Parteien die Geschäftslage des Stadtl Parlaments beraten helfen, hoben fogax gewiffcu Redebefchrankungen zugestimmt, haben die getroffenen Vereinbarungen streng beachtet und somit von einer„revolutionären Becinfluffung der planmäßigen Parlamentsarbeitcn" Abstand genommen. Herrn Oberke-minunisten Pieck sah man sogar am Freitag im Zimmer des Bürgermeisters, w« er gemeinsam mft anderen Fraktionsführern vernünftige Zwiesprache pflegt«. Allerdings können diese Feststellungen kaum zu der Annahme verleiten, daß die radikalen Flügelpartcicn etwa den Weg zu ohjektwcr, sachlicher Mitarbeit an der Smdtverwaüung gefunden hätten. Interessant ist die Placierung der neugewählten Fraktionen im Sitzungssaal und in dieser Placierung die Ber- teilung der Plätze unter den Fraktionsmitgliedern. Die erste Reihe fccr Kommunisten zieren Herr Pieck, der Einpeitscher der Zentrale, Herr C o s p e r, früher deutschnationaler Handlungsgehilfe und jetzt Stabstrampeter seiner Fraktion und der Longc-Neukölln, der durch seine ausfälligen Redeiisarten und unflätigen Schimpfereien bekannt- gewordene„Stadtvater". Herrn Schwenk, dem man gewiss«, in längerer Rathaustätigkeit erworbene Kenntnisse nicht absprechen kann, hat man einen Platz sehr weit hinten angewiesen. Er ist auf G Grad gesetzt, dafür führen dos groß« Wort Leute, denen kommunat- politische Ersahrung nicht zum Vorwurf gemacht werden kann. Die ersten Sitze der Sozialdemokraten nehmen die bewährten bisherigen Führer der Fraktion ein, nur daß an Stelle des arbeitsüberlasteten Heimann Stadtverordneter Riefe als zweiter Vorsitzender getreten ist. Die Demokraten haben ihren Wortführer Merten verloren und dafür den Gewerkvereinsfyndrkus Schubert in die erst« Reih« geschoben. Bei den Volkeporteilern führen weiter wie bisher die Stadtverordneten Schwarz und Caspar», der Vorstehcrstellver- treter ist. Gegen die starke und unangenehme Konkurrenz der Razis hoben sich die Deutschnationalen zu wehren. Ihr immerhin zugäng- licher Führer Iustizrat L ü d i ck« wird auf seine alten Tage mit diesen ungeratenen Kindern viel Arbeit bekonrnten, aber auch hen Radikalinskis unter seinen eigenen Fraktionegen off e» manch« Kon. »efsian machen müssen. Als Keil in den Plätzen der Rechten sitzen die 1? Hitlerleute, die— wir sagten schon— als ungeratene Kinder den unoriigflcn von ihnen, Herrn Goebbels zum Anführer e» klärt haben. Alle dreizehn haben eine außerhalb der Rathäuser ver- lebte Pergangenhkft hinter sich. W i rt f cha f t s po ri« il« r und Zentrum skeut« sind bis wenige Ausnahmen die alten geblieben; sie werden auch die Alien in ihrer Mitwirkung an der Stadtverroalrung bleiben. So hat sich das Gesicht der Stadtverordnetenversammlung ver- ändert. Die veränderte Wirkung ihrer Arbest wird die Berliner Wählerschaft sehr bald zu ihrem Nachteil verspüren. Die alte Etai. Mehrheit aus Sozialdemokraten, Demokraten, Volksparteilern, Zentrumsleuten und Wirtschaftlern ist nicht wiedergewählt, neue Kombinationen zu erraten ist Arbeit für Propheten. „Oer heilige Krieg." In der bildgeschmiickien Amtsstube. � Dis Charaktereigenschafiey. der Menschen nur nach den Bildern die sie zufällig oder absichtlich an her Wand Höngen haben, analy- sieren wollen, ist gewiß wagholstq. Immerhin muß zugegeben werden, daß der geübte Praktiker aus dem Inhalt der Bilder, mit denen sich der einzelne umgibt,.dessen geistige, pstichische oder körpcr- liche Struktur in vielen Teilen mehr oder weniger zutreffend ableiten kann Wer nicht zu diese»! Praktikern gehört, weiß aber wenigstens, daß die Wahl von Wandbildern im allgemeinen durch die Räum«, die sie schmücken, und die Menschen, die sie erfreuen sollen, bestimmt wird. Man denke dqbei etwa an eine Amtsstube, est» Wohnzinuner. einen nuvermeidlichen Ort in München, Köln, Berlin oder— Seelow. Wahrhaftig,«in Zusammenhang der Bc zichungen zwischen Raum. Mensch und Bild! Zu derartigen Betrachtungen gibt die bildgeschmückte Amtsstube des Ausfichtsrichters des Amtsgerichts in Seelow(Kreisstadt) Anlaß. Zum befferen Bcrstehxn wäre wohl eine Stadtbcschreibung h!cr einzuschalten. Inzucht— Kopssteinpsloster, Sparblock— Stehbierhalle, Kultur— Trockenklosett, Gesinnung— Stadtsoldat, Treue— Liebeshügel, Humanität— Kriegcrvercin... Und über allem ein fader Kirchturm. So ungefähr ist die Silhouette. Was Wunder, daß da in der Amtsstube des Aufsichtsrichters „Der heilige Krieg" »n drei Phasen, 4 Meter breit und 2 Meter hoch, mit dem Eisernen Kreuz gekrönt eiire Wandfläche dekoriert. Die bildlich« Darstellung ist natürlich poetisch untermalt.„Frisch auf, mein Volk, die Flammen- zeichen rauchen!" Dann der Gipfel des teutschen Heroismus! Ein Schlachtcnbild, das darstellt, wie deutsche S skaten die aufgepslonzten Bajonette begeistert in Pferde- und Mcnschenlciber versenken, wird mft den unbeschreiblichen Versen erläuternd verherrlicht!„Du sollst den Stahl in Feindes Herzen tauchen. Die Saat ist reif, Ihr Schnitter zaudert nicht!" Das Ganze ist so gehängt, daß kein freiwilliger oder unfreiwilliger Besucher der Amtsstube den Blick von dieser beschämenden Bildertrilogic mit ihren schlachthauseklen Verse» abkehren kann. Was sind das nun für Beziehungen zwischen Bild. Amisstube und Aussichtsrichter? Kann der zuständige Landgerichts- Präsident, der das Amtsgericht in Seelow schon wiederholt inspiziert hat, hierüber Aufschluß geben? Wird er über die Fest stellungen dieser Beziehungen hinaus dafür sorgen, daß dieses „zeitgemäße" Bild schleunigst verschwindet? Wie können die Seelower im zehnten Jahre der deutschen Republik wissen, daß Kronen, Kaiser-, Kriegs, und ähnliche Bilder in dis Rumpelkammer gehören, wenn es so hohe republikanische richterliche Beamte, an deren Objektivität sonst kaum zu zweifeln ist, nicht ciimial wissen! E. L. Wildwest in Charlotienburg. Oie Avto- und Kassenräuber vor Gericht. Bor dem Schöfferrgericht Berlin-Mitte standen die �»jährigen Edmund K. und Eberhard G:; für ihren Komplicen, den lkij ährigen Sch., ist das Jugendgericht zuständig. Außer Eduard K. und Eberhard T. ist noch der 24jährigi Erwin Wille angeklagt. Will« ist bereits einmal! nämlich im Jahre 1923, wegen schweren Raubes mit Todcscrfolg zu ß Iahren Gefängnis verurteilt gewesen. Laut Schilderung seiner Heiden Mitangeklagten und Sch. ist der Gedanke, den Fleischerladen zu berauben, von W- ausgegangen. Noch ein fünfter, ein unentdeckt gebliebener Erich war anfangs mit dabei. Er erklärte ober zuletzt, er wolle nicht mitmachen. Sie haben am g. Oktober>n der Berliner Straße in Eharlottenburg einen tollen Streich gespielt. Während die ersten beiden draußen warteten, tat Sch. einen schnellen Griff in die Koste eines Fleischer- ladens und raste dann mit den beiden anderen in einem kurz vorher ( gestohlenen Auto davon. Unterwegs überfuhren sie und verletzten lebensgefährlich die Studienrätin Krause und die Primanerin Schirr- wacher., Sch. ist Fürsorgczögling. Er war aus der Anstalt entwichen uild schlug sich 1t Tage lang recht und schlecht mit Ge.legenheits- arbeiten auf de» Märkten durch. Aus einem Arbeitsnachweis lernte er einen Burschen kennen, der sich Maxe nannte, in Wirklich- keit aber der ZOjährigc Edmund K. war. Eberhard G. war bald der Drit'e im Bunde. Natürlich war man sich bald einig, ein„größeres Ding" zu drehen. Der Plan war schnell gesoht— man brauchte ja nur an die berühmten Vorbilder im Kino und in Schundbüchern zu denket». In der Schillerstraße kaperte man ein Auto! Maxe, der ältere, instruierte Sch., wgs er zu machen hob« und nun konnte es losgehen. Sch. begab sich kurz vor 7 Uhr in den Fleischer.- laden, drängte sich an die Kaste heran, wartete, bis die Reihe an ihm war und griff dann blitzschnell in die a u f- g»z o g e n e Schublade. Im nächsten Augenblick»vor«r schon draußen und im Wagen. Maxe gab Gas, ein Ingenieur, der die Räuper zum Halten bringen wollte, wurde van Sch. derart»n die Hand gebissen, daß er es vorzog, von seinem Vorhaben abzulosien, der Opelwogen sauste mit einer Geschwindigkeit von 80 Kilome'.er die Wilmersdorfcr Straße entlang, überfuhr zwei Pasfan- ten und stoppte schließlich in der Lohmeyerstraße. Sch! rannte, was er kannte, in der Kaiser-Friedrich-Straße hinein und versteckte sich in einem Hof. Die ganze Beute machte 120 Mark. Sch. wurde schon in der Nacht oom Sonnabend zu Sonntag verhastet, er »vor geständig und natmtc seine Komplicen. Auch diese gaben ihre Beteiligung am Ueberfall zu. Der Staatsanwalt beantragt gegen Wille wegen vollendeten einfachen Diebstahls drei Jahre Gefängnis und fünf Jahre Ehrverlust, gegen den ZOjährigen K. eine Gesamt- strafe von 2 Iahren 6 Monaten Gefängnis und gegen den 20jährigen G. 9 Monate Gefängnis. Lleberfall auf den Wahlvorssand Unbekannter droht mit Revolver und stiehlt Wahlliste. Ein höchst rätselhafter Verfall hat sich am Sonntag nachmittag gegen ö Uhr im 90. Stimmbezirk des Bezirksamts Tiergarten m der Turnhalle der Volksschule Rostocker Straße 32 zugetrogen. In dem dortigen Wahllokal erschienen zwei dem Wahlvorstand un- bekannte Männer. Ter eine von Uesen Männern ließ sich von dem Zettelverteller einen Stimmzettel und einen Umschlag geben. Mot beiden trat er dann an den Tisch, an dem der Wahlvorstand saß, und zog unter dem Ruf:.„Hände hoch!" plötzlich eine Pistole hervor, die er aus die Mitglieder des Wshlvorstandes richtet«. In der allgemeinen Verwirrung, die nun entstand, ergriff der Mann die ans dem Tisch liegende S t i m m l i st e und flüchtote aus dem Saal. indem er, um sein« Flucht zu dcckcn, zwei Schüsse abgab. Iis aber niemanden trafen. Da» sofort alärnrierte Ueberfalllommando konnte rnchis mehr ermitteln. Abstimmunxsvorsteher war in der fraglichen Zeit der Kommunist Kirsch. Der merkwürdige Dorfoll bedarf dringend einer Ausklörirng. Oberbeamte für Hugenberg. Ein Wahlvorsteher schreibt uns: Mein Stimmdezirk in der Gegend in der jetzt die Pankower Untergrundbahn gebaut wird, um-faßt 20 Wohnhäuser mit rund 1300 Stimmberechtigten: Arbeiter, Angestellte und klein« Beamte, doch nicht etrva nur Uitterbeamte. Aus den Wahlen geht die Sazialdemokraiische Partei als stärkste hervor, an zweiter Stell« steht die KPD. Für das„Freiheilsgesetz" war mit höchstens 100 Stimmen Z» rechnen. Es wurden rund 80. Nicht eine Nein- Stimme. In den neun langen Stunden, die die Männer im Wahloyrsland mit der Hugenöcrg-Akiion vertrödeln mußten, war Zeil genug, sich die nach der Faschistenfteiheit dürstenden weiblichen und männlichen Ab- stimmenden näher anzusehen. Am stärksten waren die Familien der Herren Oberbeamten: Obersteuerinspektor. Ober» postsekretär, Oberjustizsekretär. Odcrgeldzählcr, pensionierte Post- beamt« und sonstig« Staatspensionär«, Kleinrentencmpfänger, Wohl- sahrtsunterstützte und den Schluß machte ein« komisch« Alte, die sich seil 20 Jahren mehr schlecht als recht oom Betteln ernährt. Geschäftsleute waren nur in ganz geringer Zahl so unvorsichtig, sich aus diese Geschichte einzulassen, trotzdem von dem so pomphaft angekündigten Kommunistenspalier vor meinem Wahllokal auch nicht das geringst« zu sehen war. Einsam stand ein Lastauto, dos die Kommunisten zu ihrer Spazierfahrt benutzt hosten, indeffen seine Passagiere sich im Zellenlokal aufwärmten. Wenn Frau Vez-rksbürgermeister wählt? Eine drollige Episode spielte sich im 62. Abstitninuugsbezirk des Bezirksamtes Tiergarten in der Cüloinstr. 1? ob. Dort erschien nachmistags Herr Bezir tsbürgermcrster Dos lein mit seiner Frau zur Afcstinwnung. Wöhrend der Bürgermeister seiner Avitspstick't genügte, wollte seine Gattin durchaus, daß er mit m ihr« Wahlzelle kommt. Dos wurde vom Wahlvorsteher untersagt. Der Bürger- meister fügte sich auch. Dann kam die Frau Bürgermeister aus der Wahlzelle, in der einen Hand den angekreuzten Stimmzettel, in der anderen Hand das Kuvert und wollte, allen sichtlmr, ttne sie gewählt hatte, den Stimmzettel in den Umschlag legen. Der Wahlvorsteher verhinderte pflichtgemäß diese Wahl, well sie nicht mehr geheim war und ordnete an. daß der Frau des Bürgermeisters noch einmal ein Stimm-ettÄ und Umschlag ausgehändigt wurde, damit sie eine ordnungsgemäß« geheime Wahl in der Wahlzelle vornehmen könne. Als sie zum zweitenmal aus den Wahlvorschlag erschien, äußerte Frau Bürgermeister Doflein laut! Jawohl, ich habe mit Ja gc- stimmt? Es ist ja heute der Tage des Freiheusgesetze?. Und dann fragte sie den Wahlvorstand: Haben Sie mich nun richtig angesehen? Darauf rauschte si« hinaus._ „10 Zähre Arbeiierrvohffabrt" ist der Gruß des neuen Heftes (24/20) der„Arbeite rwohlfohrt". Genossin Iuchacz gibt einen kurzen Rückblick aus die zehnjährige Tätigkeit. Der Artikel von Fra» Dr. Wende„Warsenkjpder, Ehescheidungskinder, Stiefkinder" nrrd fortgesetzt. Der Abschnstt„Lande-gesstze und Einrichtungen� bringt «inen Antrag der bürgerlichen Parteien auf freiwillige Fürsorge- erziehung in Preußen. Auch dieses Hest beschäftigt sich wieder«jn- gehend in zwei Artikeln mit der Berufsausbildung. Gen. Starr- mann- Hunger gibt an Hand visler Zahlen und Stafftiken«ine Uebersicht über die„Erbebungcn über die öffentlichen Fürsorge- leistüngen im Deutschen Reich". Ein..Auazug aus dein Geschäftebericht 1929 des Hauvtauefchuffes für Arbcilcrwohlsohrt" ergänzt den Rückblick der Genossin Iuchacz. Das Kinauziimt Luisenstadt verlegt seine BureaurZume von Hedem cmnsir. 14 nach Belle-Alliance-Str. 6. Die Bureauräume bleiben am 23. und 24. Dezember, die Finanzkasse am 30. und 31. Dezember geschloffen. »»I II« .... auf den Weihnachisttfch der Hausfrau vor allen Dingen ein echtes„Küchenwunder"! d-ranniiortl.'a- di- Z'-d-ktion:«-Isuaiu, Bftnmti, Serfin: ÜitMiacn: l�. aiodt, «etltit Scrla«: Vorwiirt« Stria«©. m b K..»rrliit Txait: Itotmdn» S-cki- itutfirtt uttb SettansenBaU Sau! Sinqtt& Co Sctlin TA 88. 8tafrnftratt S «icua l Cellaae.