Morgenausgabe Nr. 606„, •Ä35j-46.3a�n9 Wöch-nwch 85!|5f, monotruft SÄ) M. im voraus z-hlblir. Postbezug 4,32 M. einschließlich S0Pfg.Postz,itung». und 72 Pfg. PdstbesteIIgebühnu.ilu,land»- ebonnement k.— M. pro Monat. Der„DorwSrts' erscheint wocheuIZa. Uch zweimal, Sonntags und Montag» einmal, die lldendausgaden für Berlin und im chandel mit dem Tätel„Der Abend". Illustrierte Beilagen„voll und Zeit" und„Äinderfreund". Ferner „Unterhaltung und Wilsen",.Frauen» stimme"..Technik".„Blick in die Buch erweit" und„Jugend-Borwärts" >, Vevttner Vvlssblatt Sonnabend 28, Dezember 1929 Groß-Derlin 10 pf, Auswärts 15 pf. Die einspaltige Nonpareillr.�ile 80 Pfennig. Reklome»eile 5.— Reichs� mark.„Kleine Anzeigen' das.ettge. druckte Wott 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Won 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig,• jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstoben zählen für zwei Worte. Arbeitsmoitt Zeile 60 Pfennig. Familienonzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHcupt- geschäft Lindenstroße 3. wochentäglich von 5V, bis 17 Uhr. Jentvawvsan der«Sozialdemosvattschen Partei DentsGlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstratze 3 Fernsprecher) Dönbos» 2A2— 297 Telegramm-Adr,) Sozialdemokrai Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 37S3K.— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten. Wallstr KS, Dt B u, Tisc-Ges,. Dcvoiitenkass« Lindcnstr S. Innere Klärung. Die Gegensätze innerhalb der Koalition. Vor» Kurtott Breitscheid. In einer kueisterhaften Rede am Rundfunk hat der sozial- demokratische Reichstagsabgeordnete Dr. ch e r tz im Zu- sammenhang mit einer Darlegung der Finanzoerhältnisse des Reichs die Gründe mitgeteilt, die chn veranlaßt haben, das Amt des Finanzministers nicht zu übernehmen. Er tat es mit großer Zurückhaltung und sehr viel Takt, aber es wurde doch deutlich erkennbar, daß er den Wunsch seiner politischen Freunde deshalb nicht erfüllt hat, well er die Verantwortung für eine Finanz- und Steuerpolitik nicht eingehen wollte, die er selbst nicht restlos billigt. Trotz dem Tilgungsgesetz, das fifr feden Klarsehenden Steuerverminderungen in irgendwie nennenswertem Umfang zum mindesten für das Jahr 1930 unmöglich macht, halten Volkspartei und Demokraten an iiirein Steusrsenkungsprogramm fest, und einer, der trotz seinen mehrfach zum Ausdruck gebrachten Zweifeln an der Erfüllbarkeit dieser Ideen das Ministeramt angetreten hätte, märe sehr bald in einen schweren Konflikt mit den Koa- litionspartnern oder seinem Gewissen geraten. Dos wird auch die sozialdemokratische Reichstagssraktion verstehen, die in der Nacht zum Sonntag so lebhaft verlangte, daß Hertz der Nachfolger Hilferdings werde. Ein Mann, der seine Grund- sätze nicht Preisgeben will, ist ihr lieber und wertvoll'r als die Gewißheit, daß ein bestimmter Posten im Kabinett in sozialdemokratischen Händen bleibt. Aber die Rede von Hertz ist mehr als eine Klarstellung dsr Motive seines Verzichts. Sie beleuchtet die inner- politische Situation und gibt uns so etwas wie einen Leitfaden durch das Wirrsal der letzten Wochen, in dem zumal für den Außenstehenden nicht immer klar erfaßbar war, welche Erwägungen und welche Gedankengänge die Stellungnahme: der auf dem' politischen Theater mitwirken- den Personen und Gruppen bestimmten. Was wollte'zum Beispiel Herr Schacht? Es wäre- sicher ungerecht, ihm nächzusagen, daß ihm nicht tatsälblich die Ordnung der Finanzen und eine Beseitigung oder doch wesentliche Einschränkung der schwebenden Schuld am Herzen liegen. Aber die Wege, auf denen er sein Ziel erreichen möchte, sind eben andere als die unsrigen. Er ist der Vorkämpfer der privaten Wirtschaft gegen die sogenannte öffentliche Hand, und damit ist der Gegensatz zur Sozialdemo- krcuie gegeben. Nicht etwa, als ob es sein nächster Wunsch wäre, die Sozialdemokratie aus der Regierung zu entfernen. Er hat das selbst ausdrücklich bestritten, und wir können ihm in diesem Fall glauben. Er kennt sehr wohl die Schwierig- keiten. die dem Versuch einer Finanzreform ohne die Sozial- demokratische Partei, entgegenstehen. Er hat das Bestreben, uns mit einzuspannen und uns mitverantwortlich zu machen, oder, wenn man so will, uns zu kompromittieren. Wenn er in dem der Regierung und dem Parlament aufge- zwungenen Tilqüngsgesetz von Ersparnissen redet, so öffnet er damit die Bahn für diejenigen, die bei Ersparnissen in erster Linie an eine Entlastung der privaten Wirtschast denken und den Hebel überall dort ansetzen wollen, wo öffent- liche Betriebe dem kapitalistischen Unternehmertum eine un- liebsame Konkurrenz bereiten oder wo die sozialen Gesetze das freie Spiel der Kräfte, wie es der Kapitalismus versteht, erschweren. Kein Zweifel, daß namentlich die Deutsche Bolkspartei die'e Absichten durchaus versteht und würdigt, und daß des- halb bei ihr und den Kreisen des ihr nahestehenden Unter- n-hztCtums dsr Reichsbankpräsident trotzdem, daß er auch sie unter das Joch seiner Diktatur gebeugt hat, nach wie vor in hohen. Ansehen steht. Sie wird, sobald die Ersparnisse auf die Tagesordnung kommen, ganz sicher wieder auf den Abbau der Erwerbslosenversicherung hinarbeiten und sich da- bei auf die Autorität des Herrn Schacht berufen, auch wenn dieser in schöner Bescheidenheit erklärt, daß er nicht befugt und gewillt sei, Ratschläge oder Anregungen in Einzelfragcn zu erteilen. Sie wird das um so mebr tun. als sie durch den Gang der Dinge genötigt worden ist. jetzt der Beitragserhöhung zuzustimmen, ohne doch die sichere Aussicht auf die Steuersenkung zu erhalten. Sie fühlt sich ein wenig de- trogen, und das war ja schließlich auch der Grund, aus dem sie durch Vermittlung der Minister C u r t i u s und Mol- d e n h a u e r die Entlassung H i l f e r d i n g s betrieben hat. Da sie an ihrem sachlichen Mißerfolg nichts ändern konnte. sollte ihren Anhängern doch in der Verabschiedung Hilfer- dings eine Art von persönlichem Erfolg vorgezeigt werden. Während all der Verhandlungen, die über das Schachtsche Memorandum und das Finanzproqramm gevflogen worden waren hatten die Vertreter der Dsutscken Volkspartei kein Wort der Kritik gegen den Finanzminister gesagt und nur die in den Händen des Staatssekretärs Popitz liegende technische Leitung des Ministeriums bemängelt. Erst als das Tilgungsgesstz einen Teil ihrer Hoffnungen zu vernieten schien, änderte die Fraktion chre Stellung. Daß ihr Stoß ins Leere ging, da Hilferding sein �em'ssionsgesuch bereits sübst überreicht hatte, ist nicht chre Schuch. Run lagen die Dinge keineswegs so, daß die Bolksparter Vertrauen für Tardieu-Briand. Stimmenthaltung der Linken.— Koch als Kronzeuge gegen Nheinlandräumung. Paris, 27. Dezember. Die Sammer hat dem Kabinett Tardieu mit 342 gegen 17 Stimmen bei fast einmütiger Stimmenthaltung der Linken das vertrauen aus- gesprochen. Die außenpolitische Aussprache der Kammer brachte am Freitagvormittag wieder ein blindes Feuerwerk «rregler Rede und Gegenrede, dazu neue Spiegelfechtereien der Rechts- opposition, ohne daß den bekannten Sachverhalten irgend etwas Neues hinzugefügt oder die Außenpolitik Briands auch nur im geringsten ernstlich in Frage gestellt worden wäre. Der von der Reaktion mit sehr viel Geschrei angekündigte„Generalangriff gegen Locarno" ist im Leeren verpufft. Die Angreiser fanden nicht einmal den Mut, ein platonisches Mißtrauensvotum gegen Briand zu lancieren, und ausgerechnet der jüngst zur Friedenspolitik bekehrte Abg. R e y n a u d mußte Briand den Gefallen tun, durch den Scheinantrag einer Zurückoerweisung des ersten Kapitels im auswärtigen Etat dem Außenminister die Gelegenheit zur Stel- lung der Vertrauensfrage zu geben, so daß Briand die Kammer zu einem klaren Bekenntnis und zur Ucbernahme der Bcrontwortung zwingen konnte. Zu Beginn der Sitzung setzte Franklin-Bouillon seine längst bekannten Angrifse fort und berief sich u. a. auch auf die Erklä- rungcn des Zentrumsabgeordneten K a a s, die dem deutschen Der- zicht aus Elsaß-Lothringer, widersprechen. Briand sah sich wiederholt gezwungen, unrichtige Angaben und Auslegungen Franklin-Bouillons durch Zwischenrufe acl hoc zu berichtigen. Franklin-Bouillon erklärte u. a., daß der M a r s ch a l l F o ch seiner- zeit die. Rheinlondröumung als ein verbrechen gegen das Vaterland bezeichnet habe. Als Briand das bezweiselle, zog der reaktionäre Abg. Reibet eln Dokument aus der Tasche und erklärte, dies sei eine eigenhändige Rote Fachs aus dem Jahre 1926 an den Präsidenten der Republik und den damaligen Ministerpräsidenten Poin- carS in der Foch vor einer völligen Räumung des Rheialandes warne. Die Enthüllung Reibels entfesselte einen st ü r m i s ch e n A u s b r u ch in der Kammer. Briand nift, er als Außenminister habe von dieser Hole keinerlei Kenntnis und der Marschall habe kein Recht gehabt, ohne sein Wissen eine Rote an den Präsidenten der Republik und an Poincore zu richten, deren Existenz er, der verantwortliche Außenminister, erst Jahre später durch einen Zufall erfahre, weil es einem Deputierten in schlechter Laune einfalle, ein Papierchcn aus der Tasche zu ziehen. Solche politischen Methoden müßten verhängnisvolle Fol- gen nach sich ziehen. Der Abg. Marin, der als erster Redner in der Nachmittags- sitzung auftrat, rechtfertigte sich zunächst, daß er zwar als Minister im Kabinett Poincare oem Genfer Kommunique zuge- st i m m t habe, jetzt aber den Poung-Plan, die Räumung und die Haager Vereinbarungen ablehne. Er habe damals nicht ahnen tön- nen, daß das Kommunique zu neuen Verzichten Frank- reichs habe führen können. Frankreich habe nicht nur eine starke Verminderung seines Reparationsanteils hinnehmen müssen, es habe alle Garantien aufgegeben und stütze sich heute nur noch aus den guten Willen Deutschlands. Man laufe Gefahr, daß die Reparationspolitik die Politik Frankreichs und seiner kleinen Alliierten durchkreuze. (Aehnlich wie jetzt Marin, behauptete vor vier Jahren der deutschnationale Vizekanzler Schiele, nach seinem Aus- scheiden aus dem Kabinett Luther, er habe als Minister gar nicht ahnen können, daß die Vorverhandlungen für den Rheinpakt von Locarno zu dem Verzicht aus Elsaß-Lothringen sij>u-en könnten! Französische und deutsche Nationalisten wenden Ke gleichen Methoden der Ilnaufrichtigkeit und Drückeberge- r e i an, wenn man sie auf verantwortliche Mitwirkung an der Friedenspolitik festzulegen versucht. Red. d. ,.V.".) Ministerpräsident Tardieu erklärt«, daß das Oppositionskleeblatt Franklin-Vouilloir, Mandel und Marin die Regierung zu verunreinigen und herabzusetzen versucht habe. Er müsse am Vorabend der Kon- ferenzen eine klaxc Aeußerung der Kammer haben. Tardieu er- innert daran, unter welchen Bedingungen die Haager Verhandlungen vom Monat August erfolgt seien. Das Parlament sei genau über das unterrichtet worden, was die französische» Unterhändler zu tun gedacht«». Poincarä habe«ine Woche lang die Ausschüsse und dos Parlament über die geringsten Einzelheiten aufgeklärt. Was habe man gewollt? Vom Vorläusigen zum Endgültigen übergehen. Eine gewisse Anzahl von Neuerungen und Transaktionen verwirklichen. Es sei sicher, daß Deutschland Vorteil««r- zielt habe, namentlich die vorzeitig« Räumung eines Teiles des Rheinlandes. Die Besetzung werde in militärischer Hinsicht jedes- mal weniger bedeutungsvoll, wenn man ein Drittel des Rhein- landes räum«. Die Räumung der ersten Zone habe den Wert der restlichen Besetzung herabgemindert. Die Unterhändler seien im Haag für die Unantastbarkeit des Poung-Planes eingetreten. Der Kern dieses Planes sei beibehalten worden. Wenn nach den Ferien die Regierung gestürzt worden sei. so sei das deshalb(?) geschehen, weil die Kammer geglaubt habe, daß die Räumung der dritten Rheinlandzone begonnen hätte. Tardieu setzt auseinander, welche Vorarbeilen er mit seinen Ministcrkollegen für die Konferenzen geleistet habe. Er sei nicht Anhänger der Geheimdiplomotie, aber auch nicht dafür, alles vor der OeffenUichkeit auszubreiten. Immerhin gebe es Punkte, die festzulegen keine Ungelegeicheiten dringe, weil die Regierung entschlossen sei, in ihnen nicht nachzugeben. Es fei gut, wenn sie sich dabei auf das Parlament stützen könne.(Leb- haster Beifall.) Es handele sich um die unantastbare Ansrechterhaitung des Grundsahes von dem ungeschllhlen Annuitätenteil, der Frankreich zugewiesen sei, um die Ansrechterhaitung der Mobilisierungssähig- keit zu gewährleisten, die dem Poung-Plan erst seinen vollen Wert geben würde. Für Frankreich und für den Frieden sei es oo» wesentlichem Interesse, daß die Kommerzialisierung so bald wie möglich erfolge, weil die Interessenoermengung eine keinen Sozialdemokraten mehr im Finanzministerium hätte sehen wollen. Im Gegenteil: aus denselben Erwägungen heraus, aus denen Schacht die Sozialdemokratie nicht aus der Regierung verdrängen will, hätte die Volkspartei gewünscht, daß einer der unseren die Nachfolgerschaft Hilferdings an- träte, und es würde ihr wohl auch besonders angenehm ge- wesen sein, wenn Hertz dieser eine gewesen wäre, da sie sich der Hoffnung hingab, auf diese Weise die sozialdemokratische Fraktion eines der kenntnisreichsten Gegner der volkspartei- lichen Reformpläne berauben zu können. Ihre Erwartungen würden sich sicherlich nicht erfüllt haben. Aber jedenfalls ist es besser, daß nun in dieser Beziehung klare Verhältnisse geschaffen worden sind, und daß Herr Moldenhauer ge- zwungen ist, sich an der Quadratur des Zirkels zu versuchen. Jetzt ist also zunächst die Straße für die V e r h a n d- lun g e n der H a a g e r Schlußkonferenz frei, und nur der nicht zu unterschätzende Schaden bleibt bestehen, daß Deutschland den Reparationsminister unmittelbar vor den entscheidenden Besprechungen gewechsell hat. Die Frage ist nur, was hinterher werden soll. Wir geben dem volksvarteilichen„Hannoverschen Kurier" durchaus recht in seiner Auffassung, daß es nach dem Haag nicht angängig sein werde,„die innere Klärung noch weiter hinauszuschieben". Rur spricht das Blatt davon, daß die Sozialdemokratie gezwungen werden müsse, Farbe zu be- kennen, da seine Freunde nun erst recht auf den dann vorzu- nehmenden Reformen zu bestehen hätten. Es irrt sich, wenn es jjlairbt, auf uns einen Zwang ausüben zu müssen. Unsere Meinung ist durch die Erklärung, die wir schon vor der Ein- bringung des Tilgungsgesetzes im Reichstag abgegeben haben, verständlich genug zum Ausdruck gebracht worden, und der Verzicht von Dr. Hertz hat sie noch einmal bekräftigt. Es kommt viel mehr darauf an. daß die Volkspartei und mit ihr die anderen bürgerlichen Gruppen die notwendige Klärung schaffen. Sie müssen sagen, wie sie die vor- gesehene Speisung des Tilgungsfonds mit ihren Steuersenkungsabsichten in Einklang bringen wollen und welche Ersparnisse sie an dem neuen Haushaltsplan vorzunehmen gedenken. Und wenn der„Hannoversche Kurier" weiter ausführt, man sei sich ja wohl auch in sozialdemokratischen Kreisen darüber im klaren,„daß die Gegensätze zwischen ihnen und den bürgerlichen Koalitionsparteien allzusehr auseinander- klaffen, als daß ein längeres Zusammenarbeiten auf der gegenwärtigen Koalitionsgrundlage noch irgend etwas ver- spräche", so ist es durchaus richtig, daß auch wir diese Gegensätze sehen. Wenn die Sozialdemokratie ihnen zum Trotz in der Regierung geblieben ist, so wegen ihres starken Verantwortungsgefühls gegenüber den Staatsnot- wendigkeiten. Daß wir nicht an der Regierung und diesei Koalition kleben, dürfte jedermann wissen. Will die Volks- partei zu den Deutfchnationalen zurückkehren, und hofft sie mit ihnen die Fimmzreform des Unternehckiertuu's durch führen zu können, so soll sie ihre Straße ziehen. Wir haben uyserer Pflicht gegen den Staat und gegen die arbeitend? Bevölkerung innerhalb der Regierung getan und wir würden sie auch'in der Opposition zu erfüllen wissen. varantle für de/n Frieden darstelle, und da Frankreich Frieden huldige, müsse man diese Kommerzialisierung durch- sijhreni Ts sei nicht möglich, eine internationale Aussprache mit mehr Sorgsalt und Methode vorzubereiten, um den Erfolg beider Konserenzen zu sichern,(Lebhafter Beifall,) Gewiß begegne er bei feinet Arbeit vielen Kritiken, und vor allem stoße er aus jene Art von Pessimismus, der bereits lSl9 nicht habe sehen wollen. daß der B e� s a i l l e r Vertrag Frankreich ein von allen Lasten befreites Elsaß-Lothringen, ferne? die Besetzung des Rhein- landes und positive Wirtschaitsbestimmungen«ingetragen Hab«, die der nationalen Wirtschaft einen herrlichen Auf- s ch w u n g ermöglicht hätten. Es sei leicht, nur das zu sehen, was fehle:«s sei aber auch notwendig, zu sehen, was vorsiege. Man habe lSIll zu sehr vergessen, und oergesse auch weiter, was der Vertrag des Sieges Frankreich gebracht habe. Wenn dieser Pefsi- m Ismus auch bei Franklin-Bouillon begreiflich sei, der bereits 1919 diese Haltung eingenommen hab«� so sei er doch nicht verständlich bei denen, die den Friedensunterhöndlarn ihr« Stimm« gegeben hätten. Man vergesie auch zu sehr den Kampf, den die französischen Untqxhändler zu sichren gehabt hätten, um die im Vertrag« vor- gesehenen Lösungen durchzusetzen. Wenn man das wisse, dann be- wahre man, dem Nomen Clemenceau«in« dankbar« Cr- irnierunjj.(Lebhafter Beifall.) Hätten denn die Alliierten alles erhalten, was sie forderten? Wenn FraoklZn-Bouillon die Lag« von 1919 mit, der von 1871 vergleich«, so so zu erwidern, daß 18 71 »ur ein Sieger vorchonden gew�en sei, 1919 aber sechs. Tardieu kritisiert dann die Zitat« Mandels und ReibÄs. Der Abgeordnet� Reibe! habe mit seinen Enthüllungen über den Mar- schall Fach bereits zur Zeit PoincarSs aufgewartet, habe jedoch damals nicht ein lückenloses Zitat gegeben. Marscholl F o ch habe während der Friedensverhandlungen innerhalb einiger Tag« yerschi«.dene Vorschläge unterbreiten müssen Zunächst habe(Fach) die Annexion, dann die Besehung der Rhe-.nlandprovinzen mit Autonomie verlangt, alsdann die Besetzung des Rheinlandes. HIeräns die Besetzung der RhelnbrnckentSpfe und schließlich die Besetzung bis zu dem Tage, an dem man genügend Garantien haben würde. Man sollte sich also nicht alte und einander widersprechende Dokumente an den Kopf werfen lasten. Es sei bester, sich d« r Z u ku n s t zuzuwenden, als seine Zeit damit zu»er- bringen, rückwärts zu schauen.(Beifall.) Der Ministerpräsident gibt dann umfassenden Aufschluß über die Befestigung der fron« z ö s i s ch« n Grenzen. Die militärischen Sachverständigen seien wegen der anzunehmenden Formel hart aneinander geraten, aber schließlich habe man sich geeinigt. Er vergeste auch nicht die Rechte. die ihm die Artikel 42 und 43.des Versailler Vertrages und die Ar- tikel des Locorno-Abkommens gäben. Er werde die Kontroll- k o m m i s s i o n e n in Kraft treten lasten, wenn es notwendig sei. Cr versichere, daß an dem Tag, an dem Frankreich Nein sagen müßt«, er dieses Nein tatsächlich auch zu sprechen wissen werde. Die Regierung habe bereits Gelegenheit gehabt, dieses Wort zu ge- brauchen. Durch ein altes Manöver versuche man. Briand gegen Tordieu auszuspielen. Aber dio Regierung sei einig. Wenn dick Männer der L i n.k« n glaubten, daß sein«, Tardieus, Anwesenheit an der Spitze der Regierung eine Gefahr für die Friedenspolitik Briaicds sei, möge, sie es zum Ausdruck bringen. Und wenn die Männer der R e ch t ew meinten, daß die Anwesenheit Brian ds an seiner Seit« ihr vertrauen schmäler«, dann mögen si««e sagen. Wir sind, so erklärte Tardieu,«iiwfl.(Lebh. Beifall.) V«r allem aber wollen wir nicht diesen Zcrmu.rbungskrieg, dies« Politik zweckloser Kritik. Ich oerlange heut« zweierlei: Einmal eine klar» Mehrheit. Ich verlange, daß. nur hie. die vertrauen zu uns haben, für uns stimmen. Aber immerhin fordete ich unter diesem Borbehalt ein« möglichst große Mehrheit, weil es b«i internationalen Zusammenkünften gut 'sh sich auf«ine starke Mehrheit stützen zu können. Di« Ausführungen Tardi«us wurden mit großem Beifall auf- genommen. Noch der Rede Tardieu» stellte auf Wunsch der Regie- tun g und zu dem Zweck, die Abstimmung herbeizuführen, der Ab- geordnete Reynaud den Antrag, Kapitel 1 des Budget« für aus- ivörtige Angelegenheiten an die Kommission zurückzuverweisen. Geyen diesen Antrag stellte Ministerpräsident Tardieu für die Re- oierung die Bertrauenssrage. Der sozialistisch« Abgeordnet« Renandel wie» namens der sozia« listischen Fraktion daraus hin, daß seine Freunde nicht für«in Kabinett Tordieu stimmen könnten, weil dieses sich auf die Reaktion stütz«, und feine Politik deshalb nicht wahrhaft friedliebend sei. Aon der Radikalen Fraktion beauftragt, erklärt» Herrlot: Ich und meine Freund« sind nicht gegen den Außenminister. ieilen wir doch mit ihm die Verantwortung für Looarno. Wir sind Gegner der Politik Tardieu s. Di« auswärtige Politik ist i nicht mehr diejenige Briands. fondern diejenige der gesamten- Regierung. Die Radikale Fraktion wird sich deshalb bei der Ab-! stsmmung der Stimm« enthalten. Der Abgeordnete Fraakliu-Boulllou wies darauf hin, daß er auf zwei heute früh an den Außenminister gestellte Fragen keine Antwort habe erhalten köttneix Er werd« deshalb gegen die Regierung stimmen. Er fei davon überzeugt, daß dt» im Haag und tu London betrieben« Politik gleich sei mit der bisher betriebenen Politik, di» zu verurteilen sei. Der Antrag Reynaud, der hieraus zur Abstimmung kam. wurde, wie bereits gemeldet, mit 842 gegen 17 Stimmen abgelehnt. Fast die gesamte Linke enthielt sich der Stimme. Die 17 Stimmen gegen die Regierung entfallen auf di« Rechte und die Mitte. * Die mehrtägige außenpolitische Debatte in der franzö- fischen Kammer aus Anlaß der Ctatberatung des Auswärtl- gen Amtes hat alles in allem wenig neues gebracht, und ihr Ergebnis stellt keine Ueberraschung dar. An einen Sturz des Kabinetts dachte ernsthaft niemand, zumal die Link« regierungsunfähig ist, solange der sozialistische Parteitag über die künftige Taktik der Partei nicht ent- schieden hat. In einer offenbar auffallend schwach besetzten Sitzung der hundertköpfigen sozialistischen Kammer- s r a k t l o n war mit 13 gegen 10 Stimmen beschlossen wor- den. im Prinzip gegen die Regierung Tardieu-Briand zu st mirnn. aber für den Fall, daß die Regierung Gefahr 'ausen würde, gestürzt zu werden, sich im Hinblick auf die bevorstehende Haager Konferenz der Stimme zu ent- halten Das Ergebnis der Schlußabstimmung zeigt, daß, ilbst wenn d e gesamte Linke und der Flügel Marin- sranklin-Bouillon gegen die Regierung gestimmt hätten, tzte» noch immer eine klare Mehrheit gehabt hätte. Aber j lorsichtshalber und ansche.nend unter starker Ueberschätzung dieser Gefahr hatte sich die Linke der Stimme enthalten, i Diese 250 Stimmen der Radikalen und der Sozialisten sind nicht Briand, wohl aber Tardieu verweigert worden. An den Reden, die Briand am Donnerstag und Tardieu nn Freitag oehalten haben, ist nichts Entscheidendes auszu- itzc'N. Es scheint sogar, daß Tardieu seit seinem Amtsantritt ... Ministerpräsident etwas zugelernt hat. Manche», Republikanische Kundgebung in Kassel. Minister Grzestnski über Nationalsozialisten und Stahlhelm. Sastel. 27. Dezember. Am Freitag, dem 27. Dezember, wurde abends um 8 Uhr ein« vom Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold veranstaltete große repubsi- tonische Kundgebung in der Stadthalle in Kassel abgehalten. Bei diesem Anlaß hielt der preußische Minister des Innern. G r z e- s i n s k i eine längere Ansprache, In der er sich ausführlich mit zahl» reichen aktuellen Problemen der innerdeutschen Politik auseinander- setzte. Eine ausführliche Betrachtung widmete er insbesondere den Nationalsozialisten und dem Stahlhelm, deren destruk- tiv« Tendenzen er im einzelnen aufwies: Es stt der Gipfel politischer Unehrlichkeit, wenn es heute eine Partei in Deutschland gibt, die sich.Nationalsozialistische Arbeiter- parte!" nennt, ohne daß diese Partei auch nur da» Gering st« mit der Arbeiterschaft zu tun hat und für Arbeitereinteresien gar nicht zu wirken in der Lage ist. Der ganze Name ist schon«ine politisch« Lüge: Diese Partei ist weder Arbeiterpartei, noch hat sie sozio li st ische Tendenzen, noch ist sie national. Es Ist eine ganz ordinäre anti- semitische Konjunkturpartei. Fähig nur. den politischen Kampf, da» Ringen des deutschen Volkes um eine bessere Zukunft zu vergiften, absolut unfähig, praktisch« Arbeit zum Wohl der Gesamtheit zu leisten. Ich bin davon überzeugt, daß diese national- sozialistische Welle genau so oerebben und versanden wird, wie ähn- liche antisemitische Bewegungen in früheren Jahrzehnten. Hitler und seine Anhänger sind die Hoffnung und sind die Der- bllndeten der Reaktionäre oller Schattierungen! Oder glaubt jemand, daß der Schwerindustrielle H u g e n b e r g sich mit Herrn Hitler so eng verbündet hätte, wenn er nicht in Hitler und seiner Partei willkommenen Vorspann für die Verwirklichung seiner Pläne sähe?! Es ist der Reaktion sehr unbequem, daß heute die Arbeiterschaft durch ihre Gewerkschaften, durch ihr« Vertreter im Parlament sich nachhaltigen Einfluß auf Gesetzgebung und Verwaltung zu verschaffen gewußt hat. Weil der neue Staat poli» tisch der Arbeiterschaft Einfluß schafft, deshalb gilt der Kampf der Reaktion diesem demokratischen Staat und deshalb zieht die Reaktion die Partei des Herrn Hitler trotz ihres sozialistischen Phrasengebim- mels groß und unterstützt sie nach Kräften. Und was für die Nationalsozialisten und ihr« Bestrebungen, in der Arbeiterschaft Fuß zu fasten, gilt, kann fast in gleicher Weise auf die andere große Organisation der Rechten in Deutschland, den Stahlhelm, angewandt werden. Wir haben die gleichen Gedankengänge m dem Deutschstind der Vorkriegszeit ja zur Genüge kennengelernt, wo sie am dqutlichpen und schärfsten vertreten und gepredigt wurden, von dem Alldeutschen Verband unter Führung des Iustizrats Elsaß, der ja auch heute noch in der Rechtspartei der Deutschnationalen hinter deu Kulissen bedeutenden Einfluß ausübt. Dieselben Gedanken und faß dieselben Männer sind es, die damals wie heute gepredigt haben, daß nur das Schwert in der Welt entscheide, daß es. einzig und allein darauf ankäme, sich für die bevorstehende letzte Entschei- dung au f den Schlachtfeldern zu rüsten. Das Säbel- gerastel, der Militarismus in seiner überheblichsten und abstoßendsten Form ist mit auf das Treiben jener Kreise zurückzuführen gewesen. Das war eben die Meinung, daß in Deutschland nur Herren und Junker regierten über ein Volk, das nicht» zu sagen hotte, daß der Offizier in Deutschland der allein ausschlaggebende Faktor auch in der Politik war, daß überoll draußen Angehörige gerade dieser Kreise dieses Junker» und Herrentum abstoßend deutlich zum Aus- druck brachten! Aber in dieser hemmungslosen Agitation und Hetz« erschöpfen sich die Pläne der Nationalisten im neuen Deutschland nicht. Aus den Reden, aus den Kundgebungen und Schriften führender Män- ner der Nationalsozialisten und des Stahlhelms geht ganz eindeutig hervor, daß man auch den Kampf gegen den Dolksstaat mit den Mitteln der Gewalt propagiert. Die Nationalsozialisten behaup- ten ja von sich selbst, daß sie den revolutionären Kampf wollen, daß ohne Waffen ihre Ziele nicht zu erreichen seien. Man will den heutigen Staat zertrümmern, deshalb versucht man ihn mit allen Mitteln zu zersetzen, um sich dann rücksichtslos und brutal mit Gewaltmitteln durchzusetzen. Di« deutsch« Republik wird auch durch die Wirrnisse dieser Monate hindurchkommen, aber nur dann, wenn ste getragen wird von dem entschlossenen Willen der Millionen. Gerade in dieser Notzeit muß unsere Losung sein: Trotz alledem die Republik! was er zur Verteidigung des Versailler Vertrages ausgeführt hat, als einer dessen Schöpfer er gilt, klingt zwar nicht recht angenehm in unseren Ohren, aber um die Angriffe der fanatischen Nationalistengruppe um Franklin-Bouillon abzu- wehren, brauchte er natürlich auch solche Argumente wie den Hinweis auf die Artikel 41 und 42 des Friedensvertrages. Bezüglich der kommenden Haager Schlußkonferenz scheint Tardieu lediglich die Notwendigkeit für Frankreich hervor» gehoben zu haben, seinen ungeschützten Anteil voll zu erhalten und möglichst bald zu kommerzialisieren. Auch da- gegen läßt sich nichts einwenden, zumal es bekannt ist. daß dies die Voraussetzung ist, unter der Frankreich in die Er- setzunq des Dawpz-Plans durch den Poung-Plan eingewilligt hat. Es bleibt freilich abMwakten, ob Frankreich im Haa� n-cht etwa andere Fordsrungen anmelden wird über die sich Tardieu gestern nickt geäußert hat und di« für Deuffchland nicht annehmbar wären Der extreme Nationalismus in Frankreich geht jedenfalls aus dieser«Debatte geschlagen hervor, ebenso geschlagen wie der extreme Nationalismus in Deutsch- land aus dem Fiasko des Volksentscheids. Bezeichnend ist, daß nicht emmal mehr die Berufung auf den Nationalheros Foch als Kronzeugen gegen die Rheinlandräumung gezogen hat. und daß selbst e'ne so qemäß'ate" R�a'-runo m�e das Kabinett Tardieu-Briand-Maginot gegen diesen Mißbrauch des toten Marschalls durch den Exminister Reibel, Millerands intimen Freund. Verwahrung einlegen mußte. Innerpolitisch hat diese Kammerdebatt« insofern keine Klärung gebracht, als die Linke, bei aller Anerkennung der Verdienste Briands, in unnachgiebiger Gegnerschaft zu Tardieu verharrt. Außenpolitisch hat diese Aus- forsche nichts ergeben, was einem erfolgreichen Verlauf der Haager Schlußkonferenz im Wege steht. Eher könnte man im Gegenteil hoffen, daß die verbreiterte Kluft zwischen der Regierung und der kleinen Gruvpe der nationalistischen Unentwegten für die frarnösiicke D-Negation ein Aninon, sein könnte, die Verständigungspolitik mit größerer Energie und stärkerer Bewegungsfreiheit als bisher zu oerfolgen. nachdem sich gezeigt hat. wie zahlenmäßig unbedeutend di« Hugenberger in beiden Ländern sind. Kabineii über Haager Dkrhandsungeu. Geme nsom mit dem Fieichsbankpräsidenten. Da» Reichskoblnet« beschäskigie sich in seiner heutigen Sitzung in AnwefenheU des Seichsbnnkpräfldenten In eingehender Aussprache mit deu auf der bevorfkehendeo Haager Soufereuz zur Beratung steheudeu problemeu. Die Erörls- ruugen werden morgen gleichfall» unter Beteiligung de» Reich». bankpräsi denken fortgesetzt. Kein Touschgeschäst: Saar--- Kolonie«! Saarbrücken. 27. Dezember.(Eigenbericht,) Die in der„A c t i o n F r,a n q a i f«" wiedergegeben« Meldung über ein angebliches Austauschgefchäft in der Saar. frag«, nach dem Deutschland Kolonien zurückgegeben werden sollen, wenn der Status quo an der Saar erhallen bleibt, erfährt im Saärgebiet restlose Ablehnung. Die sozialdemokratisch« Saarbrücker„V o l k S st i m m e" macht daraus aufmerksam, daß die Zweckmeldung der französischen Rechten lediglich der Absicht dient, die bürgerliche Mehrheit Us englischen Unterhauses durch Aufwersen der Kolonialfrage in Ver- bindung mit der Saarfrags zu beunruhigen und dadurch sowohl der englisdjen A r b« i t e r r e g i« r u n g für ihre korrekt« Haltung In der Saarfrage und ihre Zurückziehung der Truppen aus dem Saar- gebiet«in« Quittung zu erteilen sowie die deutsch. fran- zösische Einigung in der Saarfrag« durch Derquickung mit anderen Problemen möglichst zu erschweren, Zu Eharbia elngeirossen sind der Sowjet-Generalkonsul Simo- nowski und der neue Direktor der Ostchinabahn Rudy, B«kd« wurden auf dem Bahnhofe von 3000 Sowjetbürgern lebhaft begrüßt- Sie find zunächst nach Mutden weitergefahren.| Kommunalskandal in Zranksuri a. M. Beschuldigungen gegen den früheren Direktor der Gasgeseilschast. Froukfuri a. M. 27. Dezember.(Eigenbericht.! In Frankfurt stt ein kommunaler Skandal aufgedeckt worden, in dessen Mittelpunkt einer der volksparteilichen Führer in Frankfurt, Generaldirektor T i l l m e tz, steht. Tillmetz, der seinerzeit durch die Bemühungen seiner Partei als Leiter der Städtischen Gasgesell- schost mit einem Festgehall von 68 000 Mark sährüch angestellt wurde und durch Tantiemen etwa 200000 Mark jähr- lich bezog, wurde jüngst mit 45 000 Mark Iahreseinnahm« pensioniert.-Nunmehr soll seine Pension beschlagnahmt wer- den, da Unter seiner persönlichen Verantwortung der halb privaten Gasgesellschast.Big" unglaubliche und sehr erhebliche Kreditüberschreitungen gestattet wurden. Eine rechlllche Klärung steht bevor, obwohl von interessierter, rechtsbürgerlicher Helle Dertufchungsstemühungen im Gange stnt», da noch andere für di« Rechtsparteien höchst peinliche Feststellungen drohen. Kall Leow. (Sä geschieht immer noch nichtst. Dir lesen in dem Organ der Rechtskommunisten»Segen den Str o m": ,3m Fall Leon, noch immer nichts Reue»? Segen den«he- maligen zweiten Vorsitzenden des RFB. und dos jetzige Mitglied des ZK. der KPD-, WillqLeow, M.d. R. stick von verschiedenen Veiten die denkbar schwersten Beschuldigungen erHoden worden. Roch unserem Dafürhallen gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder Willy Lepw stt kein Dieb und kein bestechlicher Lwnp. dann muß er gegen fein« Verleumder Strafantrag stellen. Oder Willy Leow. Mitglied de« ZK. und M. d. R.. hat soviel Dreck am Stecken, daß er es nicht wagen kann, feine Ankläger vor Gericht zu zerren, dann muß ihn das ZK, aus seiner Mitte und wohl auch au» der Partei ausstoßen. Mag es für gewisse Mitglieder des ZK. zwingende Gründe geben, die sie bewegen, den Fall Leow zu oertuschen, wir werden da» nicht zulassen und nicht eher ruhen, bi» der Fall Leow ein» Erledigung gefunden hat, die sich mit der Ehre und mit den Interessen einer revolutionären Arbetterpartel vereinbaren läßt" Tiroler Vergbahn in Gefahr italienisch zo werden. ZNSnchea, 27 Dezember.(Eigenbericht) Die ständig«, wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in denen sich die vor einigen. Jahren erdoute Bergbahn von-dem Nordtiroler Höhen- kurort Igle auf den Pa t s che r k o f«l befindet, haben dazu ge- führt, daß die Bahn, das Kurhaus von Igls und all« Kurbetriebs- anlagen in italienischen Besitz übergehen sollen. Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen, da di« Regierungsbehörden in Wien Schwierigkeiten machen., Das Patscherkofslgelänb« beherrscht strategisch nicht nur di« Bahn, anlagen und die Straße zum Brenner, sondern auch die Verkehrs- linien im Jnntal, also die internationalen Verbindun- gen von der Schweiz nach Wien und nach Deustchlaick. Einbruch und Attendiebstahl. , Graz. 27. Dezember. In der Nacht zum ersten Feiertag wurde in die Räum« der Landesoereinigung der Kriegsbeschädigten«ingebrochen. Di« Täter beschö diäten die Geschäftsbücher und das Akten- Material und nahmen»inen Teil davon mit. Da die Einbrecher die oorhartdenen Lebensmittel'unberührt ließen, nimmt man an, daß der Einbruch„poirtlschen" Motiven entsprungen'st. Lokschasler Shurmau geht. Der amerikanische Botschafter in Berlin, Jakob GH ur in an. Hot bereits tm Sepleinber des vergangenen Jahres anläßlich des Amtsantrittes des Prästdenlen Hoover sein Amt zur Verfügung gestellt. Der amerikanische Staats- Präsident hat dos Abschiedsgesuch jetzt angenommen. Shunnon wind Berlin bereits im Januar nerlassen und noch New Bort übersiedeln. Kabale und Liebe Att U, Gzeae 7. Or. Hertz:»Ihr führt fie zum Pranger fort. Unterdessen erzähl' ich am Mikrophon eine Geschichte/ wie man— nicht Kinanzminister wird!' Ausbau der Labour-Presse. Ein gewaltiges Experiment. Erster anglo-rufsischer Konstikt. Aufklärung in Moskau gefordert. Soubon, 27. Dezember.(Ofl-Expretz.) Der britische Botschafter in Moskau, Sie Esmoad 0»« y, ist beauftragt warben, von der Sowjetregieruog Zlusklärung über die haussuchunzcu und Verhaftungen bei der Lena Goldfields Co. zu verlangen. Em Bericht des Bolschafler» über diese vorgäuge ist nach London unterwegs.— Der Vorsitzende des Vorstandes der Lena Goldfields. Herbert Gedalla, erklärte in einem Interview, daß die Verwaltung der Gesellschaft kein« Tlachrlchteu über die Gründe für das Vorgehen der Sowjctregieruug erhalten habe. Er nehme au, daß die Aktion der'GPU. wegen des Konflikt» mit der Sswjelregiernng über die Steuereinziehung erfolgt sei. Ein Teil des Personal» der Lena Goldfields w Rußland erhalle fein GeHoll in Rubeln, ein anderer Test in englischer Währung. Die» habe bereit» mehrfach zu Streitigkeiten mit der russischeu Steuerbehörde geführt. Der ostsibirische Z�iesenstrom des Lena führt Gold, das schon seit vielen Jahrzehnten durch Wäscherei des Ufergesteins am Oberlauf gewonnen wird. So mancher aktive Der» schwörer gegen den Zarismus, besonders wenn Widersetzlich- keit gegen die Verbannungs- oder Gefängnisbehörden dazu kam, hat dort in der Katorga(Zwangsarbeit) leben und leiden müssen. Vor etwa zwanzig Jahren kam es bei einer Lohnbewegung der Arbeiter in den Lena-Goldwäschereien zu einem Blutbad, das die Gendarmen anrichteten. Der Sowjetstaat hat die Ausbeutung der Lena-Gold» felder englischem Kapital als.Konzession" übergeben. Nächt- liche Haussuchung und Beamtenverhaftung in dem Bureau dieser Gesellschaft ist der Moskauer Anlaß zu dem Borgehen der britischen Regierung, das so rasch auf die Wieder- aufnähme der solang unterbrochenen diplomatischen Be- Ziehungen folgt._ Indien forderi Ltnabhängigkeii. Ziesolutionsrntwurf für den Nationalkongreß. London. 27. Dezember.(Eigenbericht.) Die Exekutive de» oll» indischen Nationalkongresses, der am Sonnabend oder Sonntag in der Näh« von Lahore offiziell eröffnet wird, hat den unter der Führung Gandhis ausgearbeiteten Entwurf einer Resolution angenommen und beschlossen, dies« Entschließung dem Kongreß zur Annahme zu empfehlen. Die Resolution ersetzt die frühere Forderung durch das Verlangen nach voller Unab- h ä n g i g k e i t Indiens. In dieser Entsdjließung heißt es u. a.: „Der Kongreß ist der Auffassung, daß eine Vertretung auf der Konferenz(mit der britischen Regierung in London. Amn. d. Red.) nicht zweckdienlich ist. Der Kongreß erklärt, daß„Ewa- ras" nach der Auffassung des Kongresses volle Unabhängig- keit bedeutet. Er erklärt ferner, daß der Nehru-Plan für«ine Ueberführung Indiens in«in Dominium verfallen ist und hofft, daß alle auf dem Kongreß anwesenden Parteien ihr« aus- schließlich» Aufmerksamkeit auf die Erzielung voller Unabhängigkeit für Indien lenken werden. Der Kongreß hosst, daß diejenigen Inder, die die Lösung des Moslem- Hindu» Problems im Rahmsn des ursprünglichen Derfassunasentwurfes von einer Teil- nahm« am Kongreß ferngehalten hat. ssch jetzt dem Kongreß wieder anschließe». Der Sonareß verlangt völltneu Vonkokt der zentralen und provinziellen gesetzgebenden Körpers chasken Indiens und ruft die Teilnehmer am Kongreß auf. weder direkt noch indirekt an zukünftigen Wahlen teilzunehmen; er fordert die gegenwärtigen Mitglieder dieser gesetzgebenden Verfammbrng auf. ihr« Mandat« niederzulegen. Der Kon. greß fordert die Nation auf, ihre Aufmerksamkeit auf die kon- struktioe Seite des nationalen Programms zu lenken. Der Kon- greß autorisiert das Kongreßkomite«. das Programm des Pas- fioen Widerstandes einschließlich der Verweigerung der Steuerzahlung zu jedem ihm günstig scheinenden Zeit. punkt zu proklamieren. Der Wortlaut der Resolution hat in London schwere B e- sorgnisf« über die zukünftige Entwicklung der englisch-lndischen Beziehungen ausgelöst. Stimson gegen Nankinas Absicht. Keine einseitige Aufhebung der Exterritorialitätsrechte, sondern Verbandlungen. washlugton. 27. Dezember. Zu den Meldungen au» China, wonach die Regierung von Ranking vom t. Januar ab die Exterritorialität durch ein« Verordnung ausheben werde, bemerkt« Slaalssekrclär st im- fou, die Vereinigten Staaten würden einer Aufhebung der Ex- tcrrttoriasttäl durch ein« einseitige Verfügung nicht z u st i m- wen. Er glaube aber nicht, daß Ranking einen solchen Akt gegenüber Amerika beabsichkige, da ja zwischen beiden Ländern Verhaadloagen über einen allmählichen Abbau der amerikanischen Gerichlsbqrkclt schwebten, vi« amerikanische Rc- g-eruag halte an ihrer grnndsihltchen Einstellung zu dieser Frage se", wie sse in der am 4. September verössentllchleu Rote vom !0. Augi'.st an die Regierung von Nanking zum Ausbrmk gebracht morden sei. Aeuer A arm in Jerusalem. M l tär in der Al fiadt London, 27. Dezember. �in« Kompagnie des Northamptonshire-Reginn-nts ist in kriegs- - f-iger Ausrüstung in die Altstadt von Jerusalem«ingerückt und bat alle strategischen Punkt« besetzt. Daneben hat die britische 'p i-ei e nen umsangoeichen Sicherheitsdienst eingerichtet. Dies« '„�aßrohmen werden damit begründet, daß im Zusammenhang mit Gedenkfeiern für den Irak.Ministerprösidenten. Sir Abdul Buh sin, der vor einiger Zest Selbstmord beging, ein« u;.�ewöhnlich groß« Anzahl Araber nach Jerusalem gekommen ist :nd die letzten Unwchcn bei ähnlichen Feiern zu Ehren de» ver- s'orbenen ägyptischen Ministerprässdente» Zaglul Pascha ihren Anfang genommen hätten. Tagung der interaatlonalea sozialistischen Ahrüslunqekommisslon. In die vor drei Iahren von der Sozialistischen Arbeiterinternational« eingesetzte Kommission für Abrüstunasfrag.en ist kürz. lich el» deutsches Mitglied, an Stelle des Genossen Hermann Müller, der ihr vor feiner Kanzlerschaft angehört«, aus Vorschlag des Parteivorstandes und mit Zustimmung de» Porteiausfchusses Genosse Breitschetd delegiert worden. Dies« Kommission wird kurz vor'der Londoner Seeabrüstungskonferenz zusammentreten. Ur- sprünglich war als Termin der 21. Dezember und als Tagungsort Paris vorgesehen, doch waren verschiedene Mitglieder unabkömm- lich. Man hat ssch setzt geeinigt, die Tagung am 3. Januar im Haag, dem Wohnsitz des Kommissionsvorsttzenden, des holländi- schen Abgeordneten Atdarda. besinnen zu lassen. London, im Dezember. Nach monatelangen Verhandlungen ist unter dem Titel„T h e Daily Herald(1929) Limited" in London eine neue G e- s« l l s ch a f t gegründet worden, die das offizielle Organ der britischen Arbeiterbewegung aus eine neue finanzielle und lechnlsch-organlsatorische Grundlage stellen soll. Der besondere Charakter der neuen Begründung verleiht dem Vorgang alle Merkmale eines großen Experiments, das für die gesamte sozialistische Arbeiterbewegung von großer Bs- deutung ist. Sein Gelingen oder Mißlingen wird weitreichende Rück- Wirkungen auf die Entwicklung der sozialistischen Weltpress« ausüben. Im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern mit einer starken sozialistischen Arbeiterbewegung besitzt Großbritannien nur «in« einzige Tageszeitung der Arbeiterschaft. Da der „D a i l y H e r a l d" überdies nurwochentags erscheint, so findet die offizielle Politik der Partei am Sonntag überhaupt keinen Aus- druck. Erst die vor kurzem erfolgte Uebernahme von« y n o l d s IllustratedNews" durch die Genossenschaften hat der Arbeiter, bewegung am Sonntag überhaupt ein Sprachrohr gegeben. Eine sozialistische Zeitung in dem uns gewohnten Sinne ist jedoch Reynolds Blatt auch nach seiner Uebernahme durch die Genossenschaften nicht geworden. Der„Daily Heralb" selbst, von George Lansbury als ein ganz inoffizielle?, ja gegen die offiziell« Partei gerichtetes Streit- blatt gegründet, hat ein bewegtes und wechseloolles Schicksal ge. habt. Erst im Jahre 1923 ging er vollständig in den Besitz der Labour Party und der Gewerkschaften über, die damit die voll« finanzielle und politische Verantwortung für das Blatt übernahmen. Später ist eine weitere Veränderung erfolgt, als die Mehrheit der Aktien und damit die ausschließliche politische Kontroll« auf die Gewerkschaften überging, da sich die Arbeiterpartei nicht in der Lag« befand, ihren zugesicherten Anteil an den notwendigen Zuschüssen zu leisten. Hand in Hand mit dieser Umwandlung seiner finanziellen Grundlage ging in den letzten Iahren eine unverkennbare Veränderung der politischen Haltung des Blattes. Mehr und mehr wurde der.Herald", ins- besondere seit Uebernahme der Redatiion durch William Mellor, zum Ausdruck der offiziellen Politik von Partei und Gewerkschaften. T r o tz denn der„Daily Herald", in ständigem Ausstieg be- griffen, eine Auslag« von 390000 Exemplaren zu er- reichen vermochte, blieb die Zeitung passiv. Versuche, sie nach der Kapitalseite hin zu verbreitern, scheiterten am Mangel an Mitteln Es wurde immer deutlicher, daß der„Daily Herald" in seiner heutigen Form niemals sein« Kapitalreserven finden werd«. die einen Auebau zur modernen Tageszeitung ermöglichen würden. Gleichzeitig wurde da» ZNlßoerhälknI» zwischen der Auflage de,„Daily herald" und der steigenden Anzahl der sozialistischen Wähler von Jahr zu Jahr sichtbarer. So reist« der Entschluß, da? Blatt auf anderem Weg« zu einem großen, mit kapitalistischen Zeitungen konkurrenzfähigen Organ auszubauen und di« Londoner Ausgabe durch eine in Nordengland erscheinende Provinzau«. g a b« zu ergänzen. Der naheliegende Weg der Reorganisation au? eigener Kraft hatte sich infolge de.r besonderen, in England herrschen- den Verhästniss« als ungangbar erwiesen. Mau braucht nicht weniger al» ein« Million Pfund Sterling(20 Millionen Mark) und konnte niemals hoffen, diese Summ, unter den eigenen Anhängern flüssig zu machen. Da kam das Augebol eine, großen kapUalistischen Konzerns. ba? eine Entwicklung in dieser Richtung in Aussicht stellte, und man entschloß sich zu dem ungewöhnlichen Schritt, in Zusammen. arbeit mit einem kapitalistischen Unternehmen, der Odhams Preß, jene technisch organisatorische Grundlage zu schaffen, die den„Daily Herald" im kommenden Frühjahr zur größten sozio- listischen Zeitung der Welt verwandeln soll. Nach der finanziellen Seite hin erfolgt die Umformung d-s „Daily Herald" auf folgender Grundlag«: Der bisherige Besitzer der Zeitung, der brstische Gewertschastkbund. trist als Teil- haber oder Partner in die neugegründet« Gesellschaft Odhaw? ein. Der andere Partner ist Odhams Preß Limited, einer der großen! englischen kapitalistischen Zeitungstonzerne. Odhams besahen bisher das weitverbreitete Sonntagsblatt„People", die Zeitschrift„John Bull" mit ihrer Millionenauslage und eine Reihe von illustrierten und Fachblättern nichtpolitischer Natur. Die Uebernahme des„Daily Herald" durch Odhams stellt mit dem neuen „Daily Herald" nicht nur den ganzen technischen Apparat diese« Konzerns zur Verfügung, sondern verschafft ihm vor allem Zugang zu Inseraten und Annoncen, die dem Blatt bisher versagt geblieben sind. Odhams schaffen dem„Daily Herald" unter rein kapitalistischen Gesichtspunkten die Grundlage, aus dem er seinen redaktionellen Teil Im Sinne der großen Londoner populären Presse, wie„Daily Mail" und„Daily Expreß", aus- bauen kann. Das Zustandekommen dieser ganzen Transaktion ist dadurch möglich geworden, daß sich Okchams bereit erklärt haben, die posilische Unabhängigkeil der Redaktionsführung zu garantieren. Der abgeschlossene Verstag sichert nach allen Richtungen und für alle Zeiten dies« Unabhängigkeit. Die Politik des „Daily Herald" wird sich nach wie vor auf die von der Ar- beiterpartei und den Gewerkschaften versqlgten Linie stützen. Obwohl die Gewerkschaften in der neuen Gesellschaft nur 49 Proj. der Aktien besitzen werden, gegenüber 51 Proz. in den Händen von Odhams, ist dafür gesorgt, daß die Vertreter der Arbeiterbewegung im Direktorium der neuen Gesellschaft in politischer Hinsicht die entscheid den de Stimme haben. In. diesem Sinne stellt der Vertrag ein Unikum in der Geschichte der Presse dar. So interessant diese finanzielle Seite der Umgründung des „Daily Herald" auch sein mag. grundsätzlich wichtiger sind die jou rn al ist i schen Z u k u n f t s p l ä n«, die sich an dies« Um- sormung knüpfen. Die Absicht der führenden Männer auf der Gewerkschaftsseite geht dahin,«ine Zeitung mir einer Millionenauflage zu schaffen, die in jeder Hinsicht mit der populären Presse konturrenz- fähig ist. War der„Daily Herald" schon in der Vergangenheit stets weniger Parteiblatt als unsere eigenen Parteizeistuigen, so wird er sich in Zukunft noch weiter von dem uns g«' wohnten Charakter einer sozialistischen Zeitung entfernen Er wird in erster Linie an di« große Masse der Zestungvleser appel- lieren, die in der Zeitung vorwiegend Unterhaltung, Nachrichten und Informationen suchen. Die Politik wird in seinen Spalten einen geringeren Umfang einnehmen als in irgendeinem sozialistischen Blast des Kontinents und die Darstellung der poli- tischen Borgänge wird weniger direkt sozialistisch sein, als i-n- direkt zum Sozialismus erziehen. Mit anderen Worten: die Zeitung wird ein sozialistisches Boulevardblatt fein, das durch seinen Nachrichtendienst, die Güte seiner Beistäge. die technische Vortresflichkeit Leser und Käufer m ollen Dollsschichten anzieht und diese vielfach unpolitischen Schichten mehr oder minder unbewußt zugunsten der Arbesterpartei zu beeinflussen'sucht. In Versolgung dieser Politik wird di« Zeitung dem Bilderteil einen großen Raum einräumen: sie wird die Sport- berichterstottung in einem uns ungewohnten Maße aus- bauen: sie wird den Abonnenten und Lesern dieselbe Art von Unfalloer sicherung bieten, wie sie«in« Reihe englischer Tageszeitungen mit so rissigem Erfolg eingeführt hat. Man muß es offen aussprechen: um seine sozialistische Wellanschauung in die größtmögliche Anzahl von Köpfen mühelos einzuhämmern, wird der neue„Daily Herald" keines der populären Mittel der Sensationsprssse verschmähen, �owest sie gewisse Grenzen des guten Geschmacks nicht überschreiten. Der Zweck soll die ZNillel heiligen. Wir stehen hier vor einem ernsten Problem, dem sich d-e heuüg« sozialistische Presie der Welt, die mit den kapitalistischen Tageszeitungen überall konkurrieren muß, allenthalben gegen- über befindet. Auch die kontinentale Parteipresle Hot sich in den letzten Iahren, einer anscheinend unoushaltsamen Eni- Wicklung Folge leistend, gezwungen gesehen, vielfach von ihrer allen Form abzugehen, das Politische zurückzudrängen und den unpolitischen Nachrichten sowie der Sportberichtcrstattung größeren Raum zuzumessen. Si« ist hierin so weit gegangen, daß die elten Pionier« der Mirteibewegung erschreckt aufblicken würden, wenn si «in heutiges Partetblall in die Hand bekämen Af-er die k o n t i. ne ntale Parteipresse hat doch weit vor dem Punkt halt- gemocht, den der neue„Daily Herald" nunmehr»-ewußt überschreiten gedenkt. Das Experiment, das sich im kommenden Frühjahr wenn d> neue„Daily Herald" herauskommen soll, vor unseren Auaen r' spielen wird, verdient die allergrößte Beachtung der i!ite"na<'»* sozialistischen Bewegung, weil hier der Vcrsuch gemacht n-. wird, diese Entwicklung logisch zu Ende zu führen und die kapilalistische Presse in ihrem ureigensten Gebiet zu schlagen. Gelingt der Versuch aber in England, so dürste das Er'-erim?"' n i ch t o h n« F o l g e n auf die heimische Arbeiterpress« bleiben. Or. Rgon Werths; i- Zum Berufsausbildungsgesch. Unterbindung der tariflichen Regelung der Lehrlingsarbeit. Was lanqe währt, wird nicht immer gut. Das neue, zu einem aben. Die Ausschußmitglieder werden von der höheren Verwaltungsbehörde auf Grund von Vorschlägen der gesetzlichen Verufsvertre- lungen für die Arbeitgeber und der wirtschaftlichen Vereinigungen der Arbeitnehmer berufen. Wo gesetzliche Berlitsvertretiuizen der Arbeitnehmer bestehen, kann angeordnet werden, daß die Arbeit- nehmcr von diesen vorgeschlagen werden. lieber die Beschlußfassung der Ausschüsse bestimnit Z 72: Die Ausschüsse sind beschlußfähig, wenn iniiidestens je die Hälfte der Arbellgeber oder Lehrherren und der Arbeitnehmer vertreten sind. Sie beschließen mll einfacher Mehrheit. Bei jeder Abstimmung muß die Zahl der Arbeitgeber oder Lehrherren und Arbellnehmer gleich sein: bei ungleicher Zahl scheiden von der stärkeren Seite die jüngsten Mitglieder bei der Abstimmung aus, bis die Zahl gleich wird. Beschlüsse über die höchstzahl der Lehrlinge in den Betrieben einzelner Berufe oder Berufsgruppen über Anordnungen über Form und Inhalt der Lehrverkräge, vor allem über das den Lehrlingen zu gewährende Entgelt, über Urlaub und Ferien, über die Dauer der Lehrzeil und ähnliche wichtige Dinge bedürfen der Mehrhell sowohl der Arbeitgeber oder Lchrhcrrcn als auch der Arbellnehmer. Wie es bei der Einstellung der Lehrherren in solchen Dingen zu den Forderungen der Gewerkschaften zu einer Mehrhellsbildung kommen soll, ist unerfindlich. Die Unternehmer setzen ihre Hoff- nungen auf die Aufsichlsbehürde, der sie Machtmittel an die Hand gegeben wissen wollen, um die Ausschüsse zu einer sachlichen Arbell (wie sie sie auffassen!) zu zwingen. Der Gesetzentwurs weist zweifellos eine Reihe begrüßenswerte? Aenderungen des bisherigen Zustandes auf, allein er genügt keineswegs den Anforderungen die die Gewerkschaften an eine gründliche Regelung des Lehrlings- wesenz stellen müssen. Zu den Pflichten des Arbeitgebers oder Lehrherrn gehört u. a.. den Jugendlichen vor Mißhandlungen und gröblichen Beleidigungen der Arbeits, und Hausgenossen zu schützen. Dem Arbellgeber oder Lehrhern selber sind damit zwar sinngemäß Mißhandlungen und gröbliche Beleidigungen des Jugendlichen ebenfalls nicht gestattet, allein im Entwurf, der ja, nachdem er Gesetz geworden, kommentiert wird, ist das nicht unzweideutig gesagt. Als besonderer Fortschritt gilt schon die Bestimmung, daß berufsschulpflichtigen Iugeirdlichen für die Zell zum Schulbesuch kein Lohnabzug gemacht werden darf und— hier wollte der Referent des Entwurfes ganz sicher gehen—„auch nicht für die Zell, deren der Jugendliche für den Schulweg bedarf". Ein Zugeständnis an die kleinliche zünftlerische Ausfassung da- gegen ist die Bestimmung, daß das Lehrzeugnis ein Urteil des Lehr- Herren über das Betragen des Lehrlings enthalten muß. Sache der Vertreter der organisierten Arbellerfchaft in den gesetzgebenden Körperschaften wird es sein, alles daranzusetzen, daß aus dem Entwurf ein gutes, modernes Gesetz herauskommt. Sollte das nicht zu erreichen sein, dann lieber keine Festlegung, die auf Jahrzehnte hinaus Geltung hat und den Weg zu günstigerer Regelung der LehrlingsverhSltmss« verbaut. F. E. Noch kein Achistundeniog. Tarifl-cher Tteunstondentag in den llniverfitäiea. Der preußische Finanzmimster Höpker-Aschoff sagte m seiner großen Etatrede am 10. Dezember nach dem stenographischen Bericht:„Bei den Universitäten und Wissens chcistlichen Anstalten beträgt das Mehr an Arbeitnehmern 370 0. Mann kann sagen, das ist ziemlich r e st l o s aus die Durchführung de» Acht- stundeulages zurückzuführen; denn es Handell sich hier um das gewaltige Personal unserer wissenschaftlichen Anstallen." Das kann man leider nicht sagen. Denn— wie der Verband der' Gemeinde- und Staatsarbeiter feststellt— in den Universitäten und wissenschaftlichen Anstalten des Kultusministeriums ist der A cht stundentag nicht eingeführt, sondern die neun- stündige Arbeitszeit tariftich festgelegt. Der Finanzmimster ist falsch unterrichtet morden. Aber selbst wenn der Acht- stundentag eingeführt würde, dann käme noch lange nicht eine so große Vermehrimg an Arbeitskrästen in Frage, wie sie der Finanz- minister erwähnt hat.___ Warum 456 Stimmen weniger? Ein Spitzenkandidat erhält die niedrigste Stimmenzahl. Die Kommunisten haben sich bei der Wahl zum Gauvorstand der Berliner Buchdrucker eine empfindliche Niederlage geHoll. Sie glaubten sich dem Siege nah. erhielten aber trotz stärkerer Wahlbete ikigung weniger Stimmen als bei der Beisttzerwahl zum Hauptoorstand. Ihr Spitzenkandidat erhiell sogar von allen kommunistischen Kandidaten die geringste Stimmenzahl, gerade die HAste der Stimmenzohl, die auf den Spitzenkandidaten der Amsterdamer Richtung, unserem Genossen Robert Braun entfielen. Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen, meinen die Kommunisten.„Hat sich etwa der Weihnachtsmann zugunsten Amsterdams eingemischt?" Also fragt die kommunistische Presse, die weiter behauptet, die Wohl wäre„unter Ausschaltung jeder Kontrolle der Mitglieder vor sich gegangen." Diese Frage und diese Behauptung sind nicht sehr gescheit. Die Wahl erfolgte in den Betrieben, die Auszählung war öffentllch. Beteiligt bei der Kontrolle waren sowohl Anhänger Moskaus wie Amsterdams.(Durch einen Hörfehler bei der Uebermittlung hatten wir die auf den klmmmmstifchen Sckretärskandidaten Schmidt entfallende Stimmenzahl mll 3993 Stimmen angegebcsi. In Wirklichkeit hat er nur 3 0 93 Stimmen erhallen.) Warum hat Wolf nur 4887 Stimmen erhalten, während der „parteilose" Kommunist Mahlo es wenigstens auf 3373 Stimmen brachte? Warum diese Differenz von 486 Stimmen? Die Erklärung ist sehr ciniach. Es gibt ininier noch eine größere Zahl von Buchdruckern, die da glauben, Mahlo wäre wirklich„parteilos" und nicht mit Moskau auf Gedeih und Verderb verbunden. Bei Wolf aber weiß jeder, daß er Kommunfft, nichts als Kommunist ist. Dadurch geriet Wolf ins Hintertreffen. Wer sich auf die KPD. heruft. hat bei den Buchdruckern eine schlechte Nummer. Moskau ist kein gutes Firmenfckzild. Was man Lehrlingen zumuiei. Der Metallorbeiterverband warnt. Vom Deutschen Metallarbellerverbanid wird uns geschrieben: Sell längerer Zell schon versucht der Deutsche Metallarbeiter- verband, auch bei der Firma Karl Sandmann, Kottbusser Str 8, Ordnung auf dem Gebiete des Lehrlingswesens zu schasse». Die Beschwerden, die von den Lehrlingen vorgebrocht werden, wollen jedoch kein Ende nehmen. Schon häufig sind mit dem Verband Berliner Metallindustrieller, dem die Firma angehört, Verhandlun- gen gepflogen worden, um eine Acnderung der dort bestehenden Verhältnisse herbeizuführen. Die Firma denkt jedoch nicht daran, den Anweisungen ihrer eigenen Organisation nachzukommen. Aus die letzte Beschwerde an den Verband Berliner Metallindustrieller wurde wohl gesagt, daß die Lehrlinge künstig zu Ausräumungsarbei- te» und zur Besorgung der Post nicht mehr herangezogen werden sollen, aber diese Zusage wird nicht eingehalten. Auch die Schulzeit wird nicht bezahlt. Bei den etwa 100 beschäftigten Arbeitern im Betriebe müssen die Lehrlinge noch das Einholen besorgen. Das Aufräumen muß nach Feierabend erledigt werden und dann müssen die Lehrsinge noch die Pakete zur Post bringen, was vielfach 1)4 bis 2 Stunden täglich in Anspruch nimmt. Weigern sich die Lehrlinge, diese Arbeiten zu verrichten, dann setzt«s noch Backpfeifen, wie es erst am Don- nerstag einem Lehrking passiert ist. Die Firma versucht möglichst viel Lehrlinge zu de- kommen. Wir können die Eltern nur warnen, ihr« Söhne hier in die Lehre zu geben, da in allem, was Ausbildung. Behandlung und Bezahlung der Lehrlinge betrifft, die Firma Sandmann wohl ein« der rückständigsten Firmen der Berliner MetalUndu- strie ist. Rüstung der Konfektionsarbeiier Amerikas. Eine Dollarmiillon bereitgestellt. In der amerikanischen Konsekttonsinduftrie kommt es aller Boraussetzung nach im Januar zu einem scharfen Konflikt. Der amerikanische Schneideroerbond hat deshalb eine große Aktion zur Finanzierung des Kampfes unternommen. Auf seiner Tagung in Cleveland(Ohio) war die Zahlung eines de- sonderen Beitrages in Höhe eines halben Tagelohnes beschlossen worden. Die eingehenden Beiträge werden auf rund 500 000 Dollar geschätzt. Eine weitere halbe Million Dollar stellt der Verband aus seinem Streiksonds zur Verfügung. An den Präsidenten Hoooer hat der Verband dos Ersuchen gerichtet, den Namen des Konfekttonsindustriellen I e s s e H a r f aus der Liste der Wirffchaftsführer zu streichen, die an der Konserenz zur Stabilisierung der Wirtschaft teilnehmen sollen., hars ist einer der schlimmsten Gewerkschafts, und Arbeilerfeinde. tzs am 1 �reieGewerkfchafts-Iuaenö Verlin. � Mitt-iwna-blätter wr den Monat Zanuar erfolgt am Montag, bcm 30. Tr.umbcr, von 17 bis 19 Uhr, in der ZcntraU Berantwort ich nie Politik- Dr. Inet Seq-.- Wirtschaft-®.»li-gethöler- Dewerlschattsdeweginlg: s.«teiner: iZeuÄ-ton:». s. Döscher; Lokales S?s-! sämtlich in Berlin. B-riaq. Borwarts-Berlag S. m. b. S.. Berlin Druck: Borwärts-Buchdruckeret und Berlagsanltalt P-nl Singer u. Co., Berlin 333 68 Lindenftraße 8. Sicran t Beilage und.Unterhaltung uud Wissen- »/ W iv £€€€««»«»SSSSSi Unserem Partei>reund Emil Sloplanka nebsl Gemahlin die herzlichste» Glüelwausche zur veruliihlung. Ole SPD. Genossen der Firma Hermann(ierson Deutsdier Metallarbeltei-Miid Verwaltancssteile Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern nur Nachricht, daß unser Kollege, der Dreher Otto Ehrhardt geh 29 zull 1883, am 22. Dezember gestorben ist. Die Einäscherung findet am Sonn- abend, dem 28. Dezember, 15.30 Uhr. im Krematarinm Baumschuleuweg. fl eshotislratze, statt. Ziege Beteiligung wird erwartet. Nachruf Am 1 8. Dezember starb unser Kollege, d-r öchleiscr Franz Kurjahn geb. Iß. August 1871. Dl? Beerdigung hat bereits statt- zefunden. Ehre ihrem Andenken' vi» Oefsnecmoliuac. Am 23. Dezember starb nach langem schweren Leiden mein lieber Mann, um er guter Vater, Onkel, Bruder und Schwager Paul Schauß im 62. Lebensjahre. Anna Sdiaoh nebst Angchöriaca. Die Einäscherung findet am Sonn- abend, dem 28. Dezember. 17VS Uhr, im Krematorium Baumschulenweg kalt. oanhsagung. FSr die herzliche Teilnahme bei der Einäicherung meines lieben Mannes Otto Bennln sage ich allen Freunden, Bekannten und Genossen der Partei, und sür die trostreichen Worte des Redners meinen besten Dank. Ww. Frau Bcnnin ncbsi kCndern. Verkäufe Linoleum. SzMat. Koloniestraße»__ Reujadrskartcu enorm billig. Blonder. Große Prästdentenftraße 8. Leicleiitungsstüolts.lVäsvbe usw. Wenig getragene Kavaliergarderob, oon Millionären. Lerzton.-Anwälten Zabelbast billige Preise. Emvieh!» Taillenmäntel. Paletots. Fracks. Smokings. Gehrockanzstge. Hofen. Svort» Kehvelze. Gelegenheitskäufe tn neuer Garderobe. Weitester Weg lohnend. 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Zaiiuar>930 o» den Unlerzeichneteu einreichen. Lberhansen Rhld. 23.Dezemberl92S, o-r r. ooerbstrgermels.ar. Är. 606* 46 Iahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend 28. Dezember 1929 Früher stark über die Achsel und als minderwertige Menschen angesehen, heu�e von weiten Publikums kreisen durchaus nicht unfern betrachtet! Das darf man ahne jede Poreingeiwmmcuheit vorweg cm die Spitze der nachstehenden Ausführungen stellen. Das Lor- urteil gegen den Mgemeinbegriss �Fahrend Volk" ist noel, keines- wegs ganz ausgerottet. 2« dümmer Menschen sind, um so leichter find sie geneigt. Stein« zu werfen aus Mitmenschen, di« ihr Brot rw Umherziehen verdienen. Diesen von Gehiriwerklitterung und ZKorniercheit triefenden Ausnahmen steht das namentlich seit der durch den Weltkrieg aus allen Gebieten geschaffenen Umwälzung machtvoll gewachsene Verständnis gegenüber, daß jeder ehrlichen Arbeit unbedingt Achtung und Anerkennung gebührt. Wirtschafts- »ote brachten nach der Revolution von Jahr zu Jahr mehr Leute auf di« Idee, es mit der Schaustellerei zu versuchen. Dabei spielle auch die erlangte Freiheit, die freiere Auffassung vieler Behörden bei der Erlaubnis zu solche» Vorführungen unter freiem Himmel leine erhebliche Rolle, ebenso wie die noch dem Schrecken des Welt- kriege? naturgemäß üppig hervorgetretene Neigung zu wieder ver- mehrten Doiksvcrgnügunge». Man sah wohl manches� was nicht »ach jedermanns Geschmack war und Kritik herausfordert«, aber man drückt« wenigstens bei gewisten Gelegenheiten in Stadt und Land, mit deren Tradition die Bevölkerung eng verwachsen war, nerftändnisooll beide Augen zu, um nicht nach den rücksichtslosen Praktiken der Karserzeit die Verdienstlosigteit zu vermehren. Das Milieu. Aus kleinen Anfängen mit kümmerlichen Darbietungen, di« sich lange Zeil vom althergebrachten Jahrmarktstreiben nicht los- lösen konnten, ist ein weitverzweigtes Gewerbe geworden, dos feine Fäden über die ganze deutsche Republik spinnt und sich sogar zu einer Beruf? Vereinigung organisiert hat. wer ist denn nun aber wirflich der Schausteller? Auch hier sind es die Besitzenden, die oft In ihrem Besitz große Summen mit sechsstelligen Zahlen angelegt haben. Sie besitzen nicht selten ganze Wogenparks, wie ein mittlerer Artusdirektor, und gebieten über mehrere Schau stell- n b j e k t e, die gleichzeitig nach verschiedenen Orten dirigiert werden. Ein mehrstöckiges Karussell, mit allen Schikanen gebaut, ist mit 30 000 bis 40 000 Mark noch billig, eine sogenannt« Gebirgsbahn kostet wehr als dos Doppelte. Kiirzlich ist einem Unternehmer das Projekt einer sogar mit einer Piertelmillion Kosten kallillierken Aniüsierbbhn vorgelegt worden. Wieviel« Dolksgroschen müssen erst einkommen. um derartige Unternehmungen, von deren geldlicher Bedeutung der Laie nichts ahm, rentabel zu machen? Biel interessanter als der Schauftellkapitalist, den das Publikum kaum zu sehen bekommt, ist der wenig geldkrästige Schausteller, der in seine LÄnwond. und kjolzbude nur einige hundert Mark hinein- gesteckt hat und in einem oder allenfalls zwei Beiwagen mit der ganzen Familie nomodcngleich von Ort zu Ort pendelt, dann aber vor allem die bunt ziisnmwengewürscltc große Schar der Arbeit- nehmer. Der„nur" Arbeiter soll sich nach der Berliner- Schau- stcller-Börse in der Nähe des Alepanderplotzes, wenn er sie zufällig kennt, nicht erst hinbemühen. Was man braucht und sucht, sind .Kleinkünstler, Tänzerinnen, Ällusionisien, Dresseure, Clowns, Fakire, Cowboys, nicht zu vergessen den Ansager, der im Ensemble ein« .Hauptperson ist, wenn er über goldenen Humor und über die Ausdauer verfügt, seine Sprcchwerkzeuge swndcnlang in Ganz zu halten. Bei vielen Zcltbuden, besonders bei den vom Publikum immer dicht umlagerten„GUicksrädcrn" schreien sich ein halbes Dutzend Ausrufer heiser und haben beim Anbieten von Los- nummern gar keine Zeit, faul« Witze zu reihen. Ueborhaupt diese vielen Miiesser! Da stehen auf dem hölzernen Podium sechs, acht, zehn erwachsene Personen beiderlei Geschlechts, teils im abgetrogc- nen Phantasiekostüm, teils im Straßenzivil. Daruirter häufig alle ausgediente Berussartisten, die cinit Glänzendes leisteten uird heute froh sind, irgendwo zeitweilig als Statist verwendet zu werden, und der junge Nochwuchs, der von Glück und Ruhm auj ganz anderen Brettern träumt. lind �die wollen alle nur von der Schaustellerei leben? Ausgeschlosien. Sic haben auch bei mirtelmäßigstem Buden- -_ Vormittagsarbeit im Schaustellerlager, zauber eine Art von Künstlerstolz, der niemanden wehetut. sind aber nicht zu stolz, am Bor- und Nachmittag, wenn die Kunst nicht blüht, ganz untergeordnete Zlrbeiten, die einige Mark einbringen. zu verrichten. Sind doch kurze, oft nur nach Wochen bemessene Engagements durch den Zlgenten die Regel und längere die Aus- nabme. Trotz oller wirtschaftlichen Unbill, trotz der gesteigerten Ansprüche aus moderne und technisch vollkommenere, die Nerven kitzelnde Borsüchrungen, ist das„fahrende Volk" seinem allen Milieu treu geblieben. Wie heißt doch der Wahlspruch der Artistenloge? „Treu wie Jold!" Sic sind im Privatleben gewöhnlich etwas zugeknöpit, die Klein?lrtistcn und ihr Anhang, durchsetzt mit der bekannten Clownmclancholie, tauen aber aus, geben bereitwilligst Auskunft und können sogar temperamentvoll werden, wenn es gilt. vor berufenen Ohren ihre Standesinteressen zu vertreten und zu verteidigen. Ungünstige Pachtverhältnisse und Nepp. Durch alle Gespräche mit �Schaustellern zieht es sich wie«in roter Faden: die hohe Pachll Schon vor einem Holben Jahrhundert war auch hier das Gencralpächlerunwesen eingerissen. Irgendein kapitalkräftiger Gastwirt, womöglich noch mit einem anderen Geld- mann hinter sich, nahm das nach alter Ueberlieferung verfügbar« Gelände für die Zeit der Festwochen in Generalpacht und ver- pachtete die von den Schaustellern und Genußmittewertäusern benötigten Einzelplätze mit hohem Berdienst weiter. Unter Um- stäiiden kann das alserdings«in Vorteil sein. Es ist während der letzten Jahre in Groh-Berlin vorgekommen, daß private Grundstücksbesitzer von Schaustellern für zwei Wochen den Wucherpreis von 25 Mark und mehr für den Ouadralmeler Grundfläche forderten. Di« Folge war, daß viele Schausteller, wenn die Spekulation aus die Tosckzen des Publikums nicht klappte, einfach vorzeitig ihre Zelte abbrachen. Beim diesjährigen Stralauer Fischzugsfest. das wieder Scharen von Besuchern anzog, lag für den auf etwa einem Dutzend räumlich getrennt liegender Privatgrundstücke sich ob- spielenden Schaustcllerrummel dos gesamte Verpachtungsgeschöft in den Händen von zwei vereinigten Generalpächtern. Der Pachtpreis war gegen früher gesenkt, ober auch noch so hoch, daß gewisse Schausteller zu Ilnrcellitäte» griffen, di« beim Publikum starke« Unwillen erregten. Wenigstens wurde der Nepp mit der hohen Pacht begründet. Oder wird hier gearbeitet nach dem Grundsatz. daß die Amüsierwell betrogen sein will? Man sieht bei Würfet- buden und ähnlichen GewimiAelegencheiten eine Füll« von„Ge Winnen" zu einen, den Spieleinsatz erheblich übersteigenden Werte ausgestellt. Das sind die Anreißer für das Aug«. Sie finden nicht überall, wie b»i den«ine rüchmliche Ausnahme llildenden Bud«« mit Glücksrädern, ihren Gswinner, sondern zielen auf Täuschung ob. Zwar hängt deutlich sichtbar eine Gewinntabelle aus, aber kaum jemand gibt sich Mühe, die außerordentlich geringen Gewinnchancen zu berechne». Man schielt nach der Standuhr, der Schirmlampe, dem Teddybären und erhält für seinen eingesetzten Fünfzig« eine Hosztnarre oder ähnliches im Werte von einem Pf«n° n i g. Zugestanden— di« Unkosten sind groß, viel größer als irüher. Neben dem Anlagekapital und der Standmiete komme« die Lustbarkeilsstcuer, die elektrische Beleuchtung, die Instandhaltung der Requisiten, die Transportkosten, die Personallöhne usw. m Betracht. Dennoch— fort mit offensichtlichem Nepp, wenn die Schaustellerei Wert legt auf guten Ruf. Die Kundschaft. Man darf die Schaustellungen und ihr Publikum nicht in ein« Topf werten, muh unterscheiden noch Ort und Anlaß, zwischen monatelang sehlfasten und nomadisierenden Schaustellern. Das beeinflußt auch die Art des Publikums. Ohne sogenannt« Attrak- 'IfeW (Schluß.) An einem der letzten warm leuchtenden Herbstnach- Mittage trieb durch die Wellen eines jener blauen Seen, die dicht vor der Hauptstadt lieflen, ein Boot, in welckzem«in Mann und ein Mädchen satzen. Der Mann hielt die Ruder. seine blaugrauen Augen sahen seitwärts aufs Wasser, das Gesicht war fest, die Haut gebräunt, er trug einen grünen Hut. Das Madchen, das ihm gegenüber am Steuer sitzt, steht fast teilnahmslos zu den Ufern hinaus, ihre Augen haben einen Ausdruck von Gleichgültigkeit oder Mißvergnügen, ja, beinahe von Härte, und das Kinn sticht in merkwürdig weiß- licher Farbe von den Wangen ab. als war es gepudert. Sie sitzt reglos mit dem Steuer da. als gingen sie dieser See und die Sonne und diese Ausfahrt nichts an. „Wie geht es dem Roman?" fragt der Mann mit leiser Stimme urtd lächelt. Das Mädchen lacht kurz.„Ja, das mar ein Roman, unii ich kann Ihnen heute den Schluß erzählen Dorgestern hiBe ich einen Brief von meiner Freundin aus der kleinen Stadt in Hessen erhalten. Sie lebt dort seit einigen Wochen getraut m>t ihrem Mann und dem Kinde." „Der Roman hat einen glücklichen Schluß", sogt leij« der Mann. -;a ßie Ellern sind zu den Kindern übergegangen.?lls Esthers'Bater die volle Wahrheit erfuhr, fiel e« ins Sofa und lag wie leblos da. Sie dachten olle, ihn Kätte vor Zorn der Schlag gerührt. Aber er kam zu sich und mar nicht be- schädigt. Das Glück battc den Mann bewußtlos gemacht. Daß seinem Kind solch ein Glück noch passierte... Aber bald darauf belcun er doch Zweifel. Er sonnte seiner Tochter JfaifpUfe oeimeit, böse Beispiele, um abzuschrecken— also Romane mit unglücklichem Schluß. Er hatte schon einige solcher Verbindungen unglücklich enden sehen." „Was heißt das", sagt leise der Mann, und er häll die Ruder still in den Händen", jede neue Verbindung ist neu, und ihre Entwicklung wird immer neu von den beiden be- stimmten Menschen bestimmt." „Aber es gibt Beispiele und Erfahrung.. sagt das Mädchen. „Danach darf man nicht sehen", sagt leise der Mann, „danach darf man nicht fragen. Rur sich selber fragen und glauben, und tun, was man selber will." „Das haben die beiden ja auch getan", sagt das Mädchen. „Sie sind den Eltern davon und nach Hessen gefahren, und da schrieben die Eltern ihr Ja hinterher. Unsere Zukunft, hat Hans zu Esther gesagt, blüht aus Irenes Vergangenheit; ohne Irene wären wir beide unglücklich geworden," „Irene? war Irene nicht seine Schwester?" „Ja, seine Schwester, de Castros Frau." �„De Castro", sagt leise der Mann und sieht seitwärts aufs Master.„Wie geht es der Frau?" „Sie lebt bei ihren Ellern, sie hat ja das Kind. Hans meint, ihrem Einfluß vor allem sei es zu danken, daß die Ellern sich so entschieden haben." „Und nun lebt sie aus dem Schloß und für das Kind.. „Ja, das tut sie wohl.. D'r Mann bewegt jetzt lebhaft die Ruder. Dann werden seine Anno sangsom. und dann hält er ein. „O", sagt er plötzlich und greift ins Master. Ein Ruder ist ihm ausgeglitten. Indmn er es zu fasten sucht, fragt er das Madchen:„Und unser Roman?" Da? Mädchen schweigt. ..W r müssen auf em gsückliches Ende bedacht fein", sagt der M'-.rni und lacht und versucht da? Ruder zu haschen „Lasten Sie uns dos Ende gleichgültig bleiben", sagt das Mädchen mit ihrer gleichgülligen Stimme. Der Mann hat das Ruder noch nicht erwischt.„Rein", sagt er daim,„Gleichgültigkeit ist die schlimmste aller Sünden." „Mag sein", sagt das Mädchen,„ober wir wollen darüber nun schweigen." „Rein", sagt er, und hat immer noch nicht das Ruder gefangen...das fällt mir nicht em. einfach still zu fem—* „Aber ich will, ich will!" ruft das Mädchen laut,„daß Sie mich nicht quälen." „Und ich will", ruft der Mann, und läßt das Rud« treiben, wohin es will, und sieht sie nur an,„daß Sie alles. was hinter Ihnen liegt, vergessen so wie ich— so wie ich das Ruder vergcsten habe", fetzt er leise hinzu und lacht. „Das weiß ich", sagt das Mädchen mit schmalen Lippen, „daß Sie gar nicht zu oergesten brauchen. Sie haben so gut das„was hinter mir liegt" verstanden", sagt sie hart und ist bleich,„daß Ihre Gedanken deswegen Sie nicht hindern, mir gut zu fein." „Das wissen Sie", fragt er leise und sieht sie an.„wid doch wollen Sie, daß ich schweige?" „Ja!" ruft das Mädchen,„das will ich, Sie sollen nun nichts mehr sagen, denn Sie wissen nach gar nichts, nein, das schlimmste wissen Sie nicht—" Der Mann steht sie an, immer weiter sieht er sie an; das Gesicht, trotz seiner gebräunten Haut, wird nun bleich, und in dem graublauen Blick spiegelt sich glänzend das helle Wasser. Da schüttelt das Mädchen langsam den Kopf.„Rem", sagt sie.„das nicht, dos ist es nicht. Aber— aß ich noch Pflegerin war— meine Brüste find gänzlich verbrannt." Schweigen Das Boot treibt ganz langsam weller.— „Das weiß ich", sagt leise der Mann. „Das misten Sie?" Das Mädchen starrt ihm groß ms Gesicht. Seine Augen sind hell und gut wie von Glück. „Ja, das weiß ich", sagt er noch einmal. Das wird nun bis ans Ende für mich ein Rätsel bleiben. ob er es wirklich schon wußte?— Aber sie fragt ihn»ficht. woher«r«s wisse... Rein, sie will keine Antwort auf ihre schweigende Frag«, sie starrt ihm noch immer groß ins Ge. ficht. Und ist es nicht gleich, so oder so? Sein Ja ist Ja. gestern wie heute und heute wie morgen. Sei» Ja ist wrchl in Ewigkell Ja. Ihr Blick brennt noch mtmer in feinem Gesicht. Aber feine Augen haben eine eigentümliche Macht, sie fangen dos Brennen wie das Wasser die Wut und löschen e» einfach und milde aus. Ihr Blick sinkt zu. „Ja", sagt sie.„dann... jetzt ist alles«ut" „Run müsse» wir unser Ruder wch-n". i■? rc Whmn und steht aufs Waffer hwavs. hanea mit eiitfadjerm Wwibläufigc« Schaust«llunH«n daneben mör« den llnterrtofjmi! r.g cn wie der U!cp oder fitmoporf viel von ihrem Anreiz verlieren. Das eigentlich« Volt verkehrt ia an solchen Orten nicht in Massen, und die anderen, denen dos Geld los« sitzt, können es hier ohne Beschwerden löswerden. Wie war es Keim Stralauer krischSligfest? Der riesig« Menschenz» ström während her letzten t Söhre tonnte auch einen starken Zuzug.zweifelhafter Elenrente befürchten lassen. Nichts davon ist einaetrcten. Von Volksfesten halten tne Lichtscheuen med Skandalniacher sich fern. Sie bevor- zuaen dauernd« Äurmnelplatze, wo sie unter sich sind. Es geht aber mal»! zu weit, den ständigen Schaustellern aus solchen Blähen eine enge VerKriiderung mit öanhagel und Berbrechernxlt nachzusagen. Sie kümmern sich im großen und ganzen nicht um die dunklen Geschäfte ihrer Kunden, wenn sie vielleicht auch manches erfahren. was das Tageslicht scheut, und müssen ein ziemfich scharfes Regiment f«>r«n. um von Semalttätigkeiten abzuschrecken und der Botiz« inSgllchst wenig Ankah zum Einschreiten zu geben. * Die 5kunst geht noch Brot. Jede Kunst, auch die kleinst« mit einem Schuß Talmi.„Was madyt die Kunst?" So heißt es auch im Jargon der Schausteller und ihrer artistischen Helfer. In außer- deutschen Großstädten ist die Dergnügungsporkerei noch viel stärker ausgeprägt als bei uns Man begreift es, daß die deutschen Schau- steller den von wichtigeren Interessen diktierten allmählichen Abbau eines Teile» ihrer Bcrussinöglichkeiten fürchten. Alles ist in Fluß. innner mochtvoller drängt es vorwärts nach Volksbildung, nicht rückwärts nach Derbildung. Die Unterhaltung mit eiirfachston Mitteln, wie ste der Schausteller bietet, mag dabei bestehen bleiben. Mord nach sieben Jahren aufgeklärt Ein Täier verhafiei, der zweite noch gesucht. r Cm schweres verbreche«, da» vor mehr als sieben Zehren an einem betagte» Geschmkfierpaar in Nen- Felteuweld« bei Särwalde in der Neumort verübt wurde, und wie«wachem Leser noch erinnerlich sei» wird, großes Aussehe««regt«, heck fehl seine Aufklärung gesunden. Einer der Täter konnte verhaftet«erde«, der zweit« wird«»ach gesucht. Beide Mörder sind polnische *»** 4,,,:«« >c*ntnrr. Am Sonntag, dem 5. Mär? 1922, gegen ö Uhr«achmrttoy», srand der damals 58 Jahr« alte Landwirt Reinheld Werbe« Ten» mit seiner eh» Jahr jüngeren Schwester Anna auf dem Hof ihres Anwesens und beide sägten Holz. Plötzlich erschienen zwei Männer aus dem Hose, die da» Geschwisterpaar an der Aussprach« sofort eck» polnisch« Schnitter erkannte. Sie oerlangten von de» alten Leuten die Schlüssel zum Wohnhause, das sie durchsuchen wollte»». Derbelow und seine Schwester versucht«« nun. t«n Männern vorzureden, daß die.Herrschaft" nicht da und sie sevtst nur Dtenstleute seien. Die Täter ivaren aber mit den Nerhöttnisien vertraut. Sie streckten de« Bruder durch eine« Kopsschoß und die Schwester durch es«« Brnstschvß mcder. 5« dem Glaub««, daß beide tot seien, schleiften st« die Körper auf de» Dunghause» und bedeckte» st« n»t Mist. Darm schlüge» die TÄte? die Fensterscheiben«in und hausten in dar Wohnung wie die Himnen. Was ste nicht wegschleppen konnten, schlugen sie kurz wü» kleni. Unter den Betten fanden steZIOOOPapiermark in barem Gelbe. Außerdem stahlen sie noch Lebensnriktel und Sstidungsstück«. Die Durchsuchung und Ausraubung des Hauses teaette etwa eine Stund«. Inzwischen war die Schwester Anno. d»e«cht tot war,«Zeder zu sich gekommen und au» dem schauer- lich«» Grab unter dem Misthaufen heroorgekrochen. M«hr»nols zu- sanimenbrechend, schleppte sie sich nach dem nächsten Wirtschastshaf Stelirbochsgrund und berichtete hier von der Bluttat. Trotzdem man mit Pferd und Wagen sofort nach dem Tatort eilte, waren die Skr- breche? schon verschwunden. Verbelow konnte nur als Leiche hervorgeholt werden. Die Schwester wurde ins Krankenhaus gebrocht, dort sofort operiert und lebt noch heute. All« Nachforschungen, die die zuständigen Po- lizeibehörden nach den Mördern anstellten, blieben ergebnislos. Dann wurde vor etwa einem halben Jahre vom Gericht in N« u st r e l i tz ein Pole wagen Bandendieb st ahls zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Bei den Verhören kam es zutage, daß er damals in der Nähe des Tatortes gearbeitet hatte. Als Täter kam er nicht in Frage, er hatte ober von dem Morde gehört. Zwei andere Schnitter, die Franz und M i chel heißen sollten, hätten damals über die Sache gesprochen. Diese beiden ober waren wie vom Erdboden verschwundeir. Nach vieler Mühe gelairg es, auch die Namen zu ermitteln. Es handelte sich um den jetzt 33 Jahre alten Franz Saezmorek und den gleichaltrigen Michael Kaezinsky der aber mit richtigem Noinett Lozia heißt. Koez- morek wurde bald gefunden. Er faß im Gefängnis in Kott» du s. wo er drei Jahre sieben Monate ivegen Diebstahls zu ver- büßen hatte. Am 22. November dieses Jahres sollte er«rllasstn werden. Er wollte dann gleich noch Polen abreisen. Wenige Tag« vor senior Entlassung hatte man ihn ausgespürt. Bei einer Skr- nehenung bestritt er olles und wollte von nichts mehr wissen, ver- wickelte stch aber in derartige Widersprüche, daß an feiner Schuld nicht titehr zu zweifeln ist. Es wurde gegen ihn sofort Hastbefehl erlassen. Nach nicht ermittelt ist de?.zweite Täter. Michael Kaezinsky alias Lozia. Nachrichten über den Aufenthalt de» Gesuchten«bittet die Inspektion A de« Berliner Polizei Präsidiums. Ver Weihuachisverkehr. Saaz Verli» avf de« Veinea. Entsprechend de« schlecht»* Witterung, die den Verkehr nach «ichnNhalb stark beeinträchtigte, sind die SN-rliner Nahverkehrsmittel der BSG. äußerst stark benutzt worden. Am Heiligabend wurde eine der höchst«« Tagesleistungen, die bisher de« BVG. zu verzeichnen hatte, erreicht. Es wurden insgesamt 4.ä3< Millionen Fahrgäste befördert, vmt denen 2,794 die Straßenbahn, 786 000 den Omnibus und 854 000 die Schnell- txchn benutzten, von den beiden Weihnachtsseiertagcn wios wieder der zweite den größten Verkehr aus. Am 26. Dezember Wurden von den St<>dt°„ Ring- und Damtdnhnett 1 200 000 Personen, von der BVG. 3 020000 Fahrgäste gezählt. Am 1. Weih- »achtsseiertog war di« Gesamtbesörderungszisfer der Stadt-, Ring- »nd Vorortbahn 1 100 Ott), der Straßenbahn, Schnellbahn und des Llutoonmibus Z 763 000. Di» drei neuen Bahnhös« aus der Zehlendorfer Ber- kängerungsstreck« bt» Krumme Lanka wiesen bereits einen besonders lebhaften Verkehr auf. Es benutzten die drei neuen Bahnhöfe am J. Feiertag etwa 13 000 Parsonen, am 2. Feiortag etwa 15 500 Personen. Dagegen war die Strecke R u h l e b e n— S t a d! o n sehr »««ig besucht. Es iichven ab Bahnhof Nzchrleben am 1. Feiertag ikirr 800, am Z. Feiertag etwas über 1000 Personen. Schühi unsere Grünanlagen. tatabe müssen von den Anpflanzungen ferngehalken Verden. ffün? wenig beachtete Bestimmung der Berliner Straßen. »rdnung vom 15. Januor 1929 sieht vor. daß i» den öffentlichen Park- und G rünanlagen Hunde an der Lein» zu führen und vvu Anpflanzungen usw. fernzuhalten sind. Diese Bestimmung ist. wie zahlreiche Klage« der Zlufstchts- beomten utK> Parkwächter erkennen lassen, den meisten Hunde- b« sitze rn anscheinend nicht bekannt. Da beim Einschreiten des Auffichtspetfonals die Meimtng attfkonnnt, daß es sich um ein i'gk-rose? Vorgehen der' Behörden handelt, sei darauf hingewiesen, daß diese Maßnahmen den praktsschen Zweck verfolgen, das Der- scheuchen ber in den Anlogen nistenden Vogelwelt und der di« Teiche der, Anlagen belebenden Wasservägel(Wildenten. Wasser- sifchner) zu verhüten, sowie die durch Au-schorren von Pflanzen oft «en'rsaOhten Schäden zu vermeiden. Dos Publikum sollte daher diese» Bestanmunaen vollstes Berständjiis entgegenbringen. da hierdurch die der Erholung dienenden Anlogen geschützt wet-det» sollen. Der Geldverkehr der Weltstadt. Welch« Bedautung Berlin als Sitz des zentralen Noten- Vfiztitts. der NeicheSank. sowie der größten Bonken Deutschlondz für Pen Geldverkehr erlangt bat. ergibt stch aus einer Zusammen- stellung über den Verkehr beim Berliner Postscheckamt. hie zugleich Zeugnis davon ablegt, in welchem Maß« der bargeid- -oft Zahlungsverkehr zugenommen hat Noch Mittelwitg der Ob er. postdirettion Derbn wurden w sämtlichen deutschen Postscheck- ämtern sin Jahr« 1928 vund 450 Millionen Gutschrifton im De- vage von 78 Milliarden Marl und 282 Millionen Oostschrfsten im Betrage vmi> 7?H Milliarden Mark gebucht. Don. diesem riefen- hasten Geidverkehr entfallen aus das. Postscheckomt Berlin alle?» 20,3 Prozet.t aller Gutschriften jowi« 1SR Prozent allar Lastschriften. SSas die �hl der Postscheckkonten betrifft, f» woran im Iah« 1928 bei sämtlichen deutschen Postscheckämtern etwa 950 000 vorhanden, «m de«» 14*8 Prozent auf das Postscheckamt Bert« entfiele«. PioKCZENrEIKK vcrazuteUei vom Arbeiter» Kultur• KerteU Berlin«an Vonntsa» 4eu 20. Dezember, vom>UUtz« von 11»12 Uhr. tu Berliner Rnnckfunb ES WERDE LICHT! Wacht auf! Aus.Die Mejstevstneer"....... Richard Vaenar Gemischter Chor 0ro«.3erlin, Leitung Georg Schumann Vorspruch fDas Morgenrot det neuen Tages)... Ferdinand LassaNe Oesproehen von Athen Florath Morgenrot, dein heilig Glühen......... Otto de Nobel Gemischter Chor QroS-Berltn Ein weltseschichtilcher Sennanaufrang Ansprache: Dr. Rudolf Breitseh ei d, M. d- R. Morgenhymne(Robert Reinick)....... Georg Henschel Ich will es wagen(Heinrich LerscH........ Wilhelm Knöchel Sturm, mein Geselle iKarl Liebknecht),....... James Simon Gesungen von Richard Klcwib: Mensch im Eisen........ Heinrich Lersch Nein, mitten nur im Volksgewüht........... Arno HoU Sonnenwende.................. Ludwig Lessen Rezitationen, gesprochen von Albert Florath Brflder, zur Sonne, zur Freiheit........ Hermann Scherchea Gemischter Chor OroO-Betrm Irreführung der Wohnuugsucheuden. Sin gvies Seschsist: Vermittlung„beschlagnahmefreier� Wohnungen. Ein durch kostspielig« Ncklam« bekannter Wohnung»-„Sterlag" veröffentlichte vor einigen Tagen in großer 2luf machung folgende Ankündigung: ,55000 Wohnungen sowie Räum« aller, Art haben wir im Jahre 1929 unseren Kunden angeboten. Der, größte Teil ist de- reits vermieteL Es gelangen im Jahre 1930 weitere 75000 bis 80000 Wohnungen sowie Räume aller Art ebenfalls zur Der- mietung. Bester Semcis dafür, daß wir fast alle zur Stermietung ge- langenden Ol'jekta zur SZernriltlung an.Hand haften." De? Leier dieser Mitteilung, der als Laie nicht schon durch die ungehaur« Zahl und die Sterbindung von Wohnungen mit„Räumen aller Art" stutzig gemacht worden ist. müßte eigentlich miß- troutsch werden, wenn er liest, daß der„Verlog" schon heute weiß, wieviel„Wohnungen sowie Räum« aller Art" durch ihn im Jahre 1930„zur Vermietung gelangen werden"! Leider wird der tatsächliche Sachverhalt— wie aus zahllosen schriftlichen und mündlichen Beschwerden an das Zentral Wohnungsamt hervor- geht— van nieten Mohnungfuchenden noch nnmer nicht durch- schaut. Selbstverständlich ist sowohl dar hier tn Frag« kommende „Serlag" als auch jeder ander« Vermittler in der Lag«, tvohnungs- amtsftete, also meist sehr teure Wohnungen, nicht nur„anzubieten", sondern sogar mit Erfolg zu vennitteln. Di« Zahl dieser Wohnungen ist jedoch im Vergleich zu den durch di« Wohnungsämter bewirtschof- toten und nur durch sie— ohne jede Barmittlertafigkeit— zu mietenden Wohirungen so gering, daß st« kaum«in« Rolle spielt. Zudem sind diese„bcschlognahmesreien" Wohnungen im all- gemeinen so teuer, daß sie fi? die Allgemeinheit der Wohnung. suchend?» überhaupt nicht mehr in Frage kommen, zumal die hierbei last stet, ganz überülussige Inanspruchnahme eines Vermittlers di« Sache noch weiter verteuert. Da» Fest der stlbenu« Hoch zeit setern heute die Eheleute Her- mann vnd Anna Fischer. Baerwaldstr. 41. Wir sprechen dem Paar, da« seit Jahrzchnten zu den treuen Nbonn-�n des„Bor- märte' gehört, an dieser Stell« unsere herzlickst-'n Glückwünsche au». Verbrecherskandal in New Uort. Ein Otadtrichter als Protektor einer Mörderbande. Am 9. Dezember hatte der demokratische Klub des Stadtteils Bronx in New Aork zu Ehren seines Mitglieds des New Yorker Stadtrichters Vitell, der als Stadtrichter wiedergewählt worden war, ein Galodiner veranstaltet. Während des Diner- brach Mötzlich«ine, Bands von Verbrechern ein. übersiel die Gäste und zwang ste mit vorgehaltenem Revolver, Geld und Schmuck herauszugeben. Nunmehr stellt sich zur ollgetneinen Verblüffung und Empörung heraus, daß mit Kenntnis des ehrenwerten Herrn Stadl- richters Vitcll der Präsident des Klubs der A n st i s t e r d e s R a u b- Überfalls war. Der Ueberfall während des, Festessens war nur fingiert. Der Klubprösident hatte nämlich zwei ihm unbequeme »andenführer durch einen anderen Landitem ermorden lassen, dem er dafür schriflich 20 000 Dollar versprochen hatte. Der Herr Prösi- dent wollte dieses ihn sehr kompromittierende Schriftstück gern zu- rückHaben. Außerdem hotte er auch, nur 5000 Dollar statt. 20 000 gezahlt und der gedungene Mörder hatte gedroht, die ganze Er- schichte der Polizei zu verroten, wenn er nicht die restliche» 15000 Dollar bekommen würde. Unter dem Vorwand, ihm diese 15000 Dollar aus dem Bankett ouszuzahsen. war der Mörder verlockt war- den, dos Fest zu besuchen. Die Gäste Ivurden nur zum Schein über- fallen und beraubt. In der Hauptsache sollte dem Mörder das ge- fährlich« Dokument abgenommen werden, was auch gelang. Ins Rollen kam die Sache durch eine Zeugenaussage eines Detektivs Johnsen, der vor dem New-Yorter Polizeichef Erooer Whalen aus- gesagt Haft«, daß ihn Richter Ditell an jenem Festabend verhindert habe, mit dem Revolver gegen di« Einbrecher vorzugehen. Richter Ditell und der Derbrecherchef befinden stch noch m Freiheit. Bis- her hat sich ergeben, daß der Richter Vitell der Protektor einer Verbrechergesellschaft war. di« den Namen Sizilianische nationale Vereinigung führt. � Fünf Todesopfer des Gifes. Vi«? Kinder und ihr Helfer ertrunken. würzburg, 27. Dezember. Zn dem Ivürzburg benachbarten Margclshöchheim tum- weiten sich heute«achmiltag vier Knaben im Aller von neun bis zeh« Zahrev auf dem dünnen Eise eines alten Arme» de» Malus. Die Kinder brachen ei» und aus ihr« Hilferufe eilte der io der Nähe b-schäftigle 30 Jahre alte Vitus Wittstod« herbei, um die Sind« zu retten. Dabei fand d« Retter selbst de» Tod im wost«. Auch die vier Knaben«kranken. Am Heiligabend sollie er in Arrest. Wie die Reichswehr flraft— Selbstmord eines Zieiterei. Steffin, 27. Dezember.(Eigenbericht.) Der IKjährige Reiter Daus van der 4. Eskadron des Reiter- regimsat» 5 in S t v( p brachte stch am Heiligabend euren Bauchschuß bei. an dessen Folgen« inztvischan gestorben ist. Daus war wegen Dtebstahl» zu 14 Tagen verscharsten Arrest«» vsrqrteilt wordan. Dies«.Straf» sollte« ausgexrchn.'t am H t t l i is ob tftt'b" ötttretea..Offerckar wt» Derzweillun? Über dkos« unmenschliche Anordnung der zuftändstzen militari. schen Dienststelle hat sich Daus den tödlichen Schuß beigab roch Wieder zwei Todesopfer des Verkehrs. Der Straßenverkehr Hot gestern nachmittag wieder Zwei Todesopfer gefordert. Vor tem Haust Rhein st raße 33 in Steglitz wollte der 70johrig« Ehomfeur Robert Genauck aus der Holsteinischen Straße 34 in Steglitz bei» Fahrdounn iilvr» schreiten. Der Greis übersah einen herannoher.dcii Sttoßenb ahn- wogen der Linie 174 und wurde Übersohren. Mit schweren Ver- tetzungen wura« G zur Rettungsstelle 43 gebracht, wo e i n- s ch a s t für das Berliner Kraftdroschkengewerbe wird jsgt neuerdings der Vorschlag gemacht, den Draschkenfahrern das Recht einzuräumen, während der Fahrt durch einen Polizcibe- atmen die Personalien des Fahrgastes dann feststellen zu lassen, wenn der Chauffeur aus irgendeinem Grunde berechtigte Ursache zum Mißtrauen zu haben glaubt oder der Fahrgast als Ziel eine besonders abgelegene Gegend nennt. Man glaubt, daß der Fahrgast, der nichts Böses im Schilde führt, sich dieser Formalität wohl unterwerfen würden Andererseits würde dadurch vermieden, daß angesichts der letzten Verbrechen die Kraftdroschken- sührer vielleicht Fahrten nach weiter entfernten und abgelegenen Kegenden abzulehnen versuchen werden, wie die» in der letzten Zeit bäufiger vavgekommen ist. Die Arbeitsgemeinschaft wird sich Anfang Januar mit diesem Problem anläßlich chrer nächsten Zusammenkunft beschäftigen und stch nach einer Beschlußfassung mit den zuständigen Behörden ms Einvernehmen setzen. Kommt eine Lospreiserhöhung? Der Beirat der Preußisch. Süddeutschen Staat». l o t t« r i e, der im Beisein des Vorsitzenden des Staatenausschusses in Berlin tagte, nahm in feiner Sitzung zu der ursprünglich be- schlösse nen. aber inzwischen ausgesetzten Lospreiserhöhung Stellung. Die in der Oeffentlichkeit umlaufenden Mitteilungen. daß der Staatenausschuß der Staatslotterie getagt und die Reform- plane der Lotterie abgelehnt Hot. sind falsch Es hat lediglich eine Besprechung zwischen dem preußischen Finanzininister und den Finanzministern der süddeutschen Länder unter Hinzuziehung der Fachreserctiten und von Sachverständigen stattgefunden. In dieser Besprechung ist ein R e f o r m p l o n weder angenommen noch abgelehnt worden. Die Lospreiserhöhung wurde deshalb ausgesetzt, weil noch weitere Verhandlungen über die Art der Reform er- forderlich geworden sind. Gn Jahr Gchaufpieserheim. Bor einigen Togen feierte das Schauspielerheim der Deirfschen Jühnengenossenschast in Berlin. Anhaltstr. 3, seinen«insähngan Geburtstag. Die Gründung dieses Heims war eine Tat des Bsr- kiner Bezirksausschusses. 27L1ö Mittag, und Abendessen sind bis zum l. Dezember verabreicht worden. Da» bedeutet, daß durchschnittlich 150 Schauspieler und Schauspielerinnen sich für 60 Pf. j att essen konnten. Das Essen ist ausgezeichnet. Äm letzten Monat erfarderle die Bewirtung einen Zuschuß von IfiOO Mark. Die Räume sind freundlich und anheimelnd. Da die Rot der Schau- spiele? noch immer nicht obnswmt, wird das Bestehen des Schau- spielerheims wach lange eine unbedingte Notwendigkeit fem.. Ein besondere» Lab verdient in diesem Zufctwnerchang die gesamte Skr- l'nder Schauspückerschaft, die in vorbildlicher Solida tff-ä'i" b-tech die Erträgnisse vieler Schausplelernachtvarstellungen das Fori. bestehen de. Heim» ermöglich hat. Für die Zukunft wäre es wünschenswert, daß auch dieOrtsverbäude im Reich sichum die Erstlenz dieses Heims, in dem auch ihre Mitglieder Aufnahme finden, küomiern würden._ Der Botenschwindler ist wieder da! Der bekannte Schwindstr, der stets beim Einsetzen d« Weih- nachiskoufzeit in Berlin auftritt, hat auch dieses Jahr schon wieder ein che Gastrollen gegeben. Er macht, besonders in Spezialgcschästen, größere Einkäufe, die ihm durch Boten in ein« bezeichnete Wohnung gebracht werden sollen, wo er bezahlen will. Unter allen möglichen Vorspiegelungen, kleine Besorgungen und Versprechungen von Ezlratrinkgeldern, versieht es der Gauner, den Boten unter- weg? d e Pakete abzuluchsen und damit zu oerschwinden. Wnhmina und Rom« sind natürlich erfunden. Der Gauner, der sich „Dr. M e? e r" nannte, ist etwa 40 Jahre alt, hat schwarzes-Haar und trug einen eleganten Gehrockpaletot. Bor ihm sei gewarnt. Da» Wisse».schafflich.hvmanltare Komitee, im Jahr- lstst? von Dr. Magnus Hirschfeld gegründet, seit 1925 Präsidialorgani- sation des Kartells zur Reform des Sexualstrafrechts, hat sich eine» neuen Porsitzenden gegeben. Sanitätsrat Hirschseid trat, seinem Wunsch entsprechend, von der Leitung zurück, die er 3 2 Jahre lang innehatte. Zu seinem Nachfolger wurde der Nerven- arzt und Kulturresormer Sanitätsrat Dr. Otto Iuliusburger gewählt. Dem neuen Vorstand gehören ferner an der Strafver- teidiger Neckstsonwalt Dr. Fritz F i o t o, Friedrich H a u p t st e i n, Benroltungslelter des Instituts für Sexualwissenschaft, der Frauen- arzt Dr..Heinrich S t a b e l u. a. Der neue Vorstand amtiert bis 1332. Dos Bureau des Disserschaststchchumanitären Komitees ist nach SD. 68. Zimmcrstraße 3/4, verlegt. „Proletarische Dichtung." Donnerstag, deu 3. Januar 1930, 19S Uhr, im großen Saal des Lehrcrveveinshausts, Alexander- platz: Vortrogsabend„Proletarische Dichtung". Vortragender: Ge- nosse Dr. Karl Schröder. Der„Volkschor Qickstenberg" wird diese Veranstaltung mit Kampfliedern umrahmen. Preis der Eintritts- karte 30 Pst Jede Jnhas>erin einer Karte ist berechtigt, sich noch der Veranstaltung an einer Verlosung zu beteiligen. Auf jede 59 Eintritlsk/rte cMföllt eine Buchprämie des„Bnchcrkreises". Karten sind im FrauenUkretariat des Bezirkeverbondes, Linden» siraße 3 2. Host 2 Treppen reckts, Zimnter 4. in der Bnchhond- lung Di'etz. Lindenstr. 2, im„Luchert reis", ZW.. Aclle.Alllancc» Platz 7 ich und im Zigarrengc schäst Horsch. SQ.. Engeluser(Gewert- schaftshous), zu haben. Das Frauensekretariat. Landeskonserenz der Paale-Zlon in ventschland. Am Sonn- abe�> dem 4. und Sonntag, dem 5. Januar 1330 findet in Berlin 7. Landeskonferenz der jüdischen sozialdemokra- tischen Arbeiterorganisation Poalc-Zion In Deutschland statt. Tagesordnung: Sonnabeich, den 4. Januar. abends öffentliche Eröffnungskundzebung. Ansprache Eduard Bern. stein. Di« Lage in Palästina. Ref.: B. Kotzenekson(Tech-Anio). Di« Lage in unserer Weltbewegung. Ref.: A. Reiß(Warschau), Generalsekretär des Weltverbandes. Sonntag, den 5. Januar: Bericht des Zentralkomitees. Ref.: L. Eisenstadt. Unser« Ge- memdepolitit. Ref.: Dr. Oskar Cohn. Die Aufgaben der PZ. im deutschen Zionismus. Ref.: M. Lew, Hamburg: Korreferent: Dr. S. Kaleko, Berlin. Aussprache, Resolutionen und Abstimmun- gen, Wahlen, Verschiedenes. Nähere Auskünfte: Sekretariat Pools- Zion, Berlin Nr. 24. Augnststr. 17. Tel. Norden 33 85. AugcnzenAen gesucht! Am Montag, dem 16. Dezember, nach Schluß der Funktivnäroersammlung in der Teltower Straß«, wurde der Leiter der 117. Abteilung, Gen. Fritz Berger, auf dem Nachl)ou.scweae, in der Belle-Alliancec-Straße, in der Nähe des Warenhauses Tictz. beim Ueberfchreiten des Fahrdommes von einem Auto überfahren. Genosse Berger liegt im Krankenhaus und wird dort längere Zeit zubringen müssen. Augenzeugen des Porfalles werden gebeten, ihre Adresse an Frau Mari« D e r g« r, Berlin- Lichtenberg, Karlshorster Str. 4 v. 2 Tr., bekanntzugeben. Porto oder Fahrgeld wird vergütet Wer»III eintn Lrbraasg(4t Packr rattntaAcnT Aa See Brrlrhr»» ctbcitcrfdjult, 3t. 81, Äikerftr.(77(Siiftt am(bcitcnploli), soll dei fleitantnb« Sctelllmnm ob 8. Januar ISA» ein Srhrgonfi für Packer ring«. richtet werb-n. Der Unterricht wird von«rknbrrnen Dockmristrrn au« der Glos- und Porzellan.. MSbel-, ftonfrftieu» und.Erportbranche erteilt werden. Er(oll t Wochenstunden urnsoffcn und an ie zwei Abenden, entweder Montag mid Donnerstag oder Dienstag und greitag ro» IS— St llbr stattsindeu. Do« Schulgeld beträgt für das Vier-eljabr Januar— März lütt» 8 M. und dg Pf. EinschreibegebÜbr. Anmeldungen und goblungen werden im Bureau der Tchule in der Zrit von bis löVt llbr entgegrugenoimnen.— Borfchnle fSr Ehauileure. Ebenso soll an derselben Schule zu gleicher Zeit ein Bortursus >!lr Ebauffeure eingerichtet werden,«elebrt werden soll: l. Bau der Kraft- iabrzeug», 2. Etärungen und deren Beseitigung. 3. Sesedliche und politische Borschristen. Dauer de« Kursu». Schulgeld und Anmeldungen siehe obigen Lebrgang für Packer.__ Vortrage, Vereine und Versammlungen. # Reichsbanner„Schwarz-Rot�Solb". DeschZitssielle: Berlin S 14. Eebasiianftr 37—88. Las i. Er, Rei»!ckendors-Oft skomeradschafs). Sonnabend, 28 Dezember,«e- mütliche» Beisammensein mit Angebäoigen im Beekebeslokal Kitlne, Rrsidenistr. 9. Kameraden und Gäste beeilich eingeladen. Begann 30 llbr.— krenzberg. Dlantag, 80. Dezember. 19 llbr. Abrechne» Set ftufl- kasflerer bei Krepp. Planusee. 30 Ufte erweiterte Boestandssidung ebenda. Belchalartell Republik. Sportplab griedeichsselde. Die Kameraden treffen sich am Dienstag, dem 81. Dezember, mit ihren Angehärigen um 19 Uhr im Dereinsbaus zur Eiloesierseier. Betein für«inheit.lurzichrist Renlöll». Dienstag und ffeeita« von 50 bi» 22 Uhr Anfänger., ssortgefchrittenen., z»edeschrift.LebrqSnge im Kaiser-ssried- rich-Beasgumnasium, Neukälln. kaiier-isricdrich'Str. 208. Deutscher Arbeitet-AbtHneuten-Bund, Bezirtsgrupre Kreuzbetg. Zusammen» kunit am 28. Dezrmber. 1914 llbr. im Jugendheim Lindenstr. 4, 8. 1 Treppe. Thema:„Der Senl Lintig.?ohlreichr Beteiligung erwünscht. freireligiöse Gemeinde. Sonntag. 11 Uhr. Bavpelallee 15, Bartraa de, Herrn E. Wittbauer!.Ostosiatische geistige Kultur". Harmonium: Träume (Wagner). Gäste unlUommen._ VeNerberich! der äffenfllchen Wetterdienststelle Berlin and Umgegend (Nachdr. ßerfi.). BcIBg, zunächst noch leichte Regensälle, mild.— 3ür Vriilschland: Im Osten und Süden»irlsach regnerisch, im übrigen Reiche «twa» unbeständig, zeitweise Regen. Im Küstengebiet srisch« bi» starte Südwest- bi» Westwinde. Der Hörer möchte am zweiten Feiertag zu gern wisse«, ob die Herren Hussong upd Jhertnz, die über das Thema„Politisches Theatex' debattieren, nä'n einer vorsorglichen Fünkleitung hinter Gitter beWmakst worden sink». Jeden Augenblick glaubt man. Ohrfeigen vakschen zu hören. Es erhEbt sich ein üeblichez Liebes- buett, ui dem beide Pariner gleichzeitig ihre kleinen Arien fingen. Selten hat der Rundfunk feinen Horerii sine so ungetrübt«, heitere Unterhaltung geboten. Da wurden Männer zu Hyänen. Jhering übernimnrt die Rolle eines Heldsnbaritons, der sich an allerlei Trivialitäten erfreut, während Hussong als schüchterner aber hart- nackiger Tenor immer wieder erklärt, er kenne das politische Theater überhaupt nicht. Und scheinbar gilt er aus diesem Grunde als besonders benisencr Iniervret. Kein Mensch begreist den tieferen Zweck dieser Vcranstalrung. der nur darin.zu bestehen scheint, daß erwachsene Männer plötzlich das Kind in sich entdecken. Dialoge sind gut, weil sie ein Thema von verschiedenen Gesichts- punkten beleuchten, sie werden zwecklos, wenn die Vortragenden nicht einmal die elementarsten Regeln der Höfllchkeit beherrschen. die wenigstens verlangen, daß man den Gegner auch einmal zu Wort kommen läßt. Ernster verläuft der erste Feiertag. Aus der Staatsoper Unter den Linden wird„A i d a" übertragen. Die Sendung bedeutet nach Toscanini eine Enttäuschung. Außer Schlußnus als Amonasw und der Anmcris der Arndt-Ober bleiben die Sänger blaß. Der Dresdener Tenor Max Hirz«! verfügt über ein« schon«, große und weiche Stimme, die aber bei entscheidenden Stellen wie dem Todes- dueft ohne Ausdruck ist. Hinzu kommt die Schwierigkeit bei der Uebertragung des Finales aus dem zweiten Akt, wo genau wie bei dem Gastspiel der Mailänder Scala, die Chöre zu keiner Gesamt- Wirkung kommen. Dieser schwierige Ensemblesatz muß schließlich durck? die verteilto Aufstellung des Chors auf der Bühne scheitern. Vielleicht ließen sich diese Mängel bei einer Sendung aus dem Funkhaus vermeiden. Sonst bleibt noch ein Schallplattenkonzert Caruso-Gigli zu erwähnen, das klar die Unterschiede zwischen diesen beiden erlesenen Sängern demonstriert und ein Vortrag Prof. Wilhelm Doegens, der Stimmen großer Männer der Gegenwart unter anderem auch die des verstorbenen Noichspräsidenten Cbert bringt. Nur der Dortrag Doegens, die Art seiner Rede, bedeutet keinen Genuß. Gut in diesem Jahr das Abendkonzert mit Kompositionen Haydns und Pergolesis am Heiligabend. Am Freitag spricht Karl Figdor über„Der Jou rn a I ist a ls Berichterstatter'. Es ist eine interessante Plauderei, die an «in paar Beispielen aus der Tätigkeit großer Reporter die Struktur dieses Penises ouf.ze'tgt. ein Vortrag, der schein rein inhaltlich fesselt. Das Problem des Oellampfes m Mexiko behandelt Prof. Alfons G o l d f ch in i d t in seinem Zylws„M«xiko und P e t r o- l e u tu. In dem vorletzten Vortrag kommt er aus den Lebens- stände rd des indianischen, merikansschen Landarbeiters zu sprechen, aus die Lerschlechterung der Wahrung, der ganzen Bewertung der Anbeitsl röste und aus die steigende Teuerung,� clrte_ Folge der Jndustriealtsierung durch die USA„ vn ganzen ein« Situation, dl« heute fast nicht mehr erträglich ist. Die Abendveranstaltung kabaret- tistischer Art trägt den Titel„Die Schule von Wuchsn ach s'. Erfinder und Regisseur ist Willi Schaeffers. Ein« hübsch«, originelle Einkleidung eines Kabarettabends, der sich auch sonst durch Witz und Einfälle auszeichnet. F. Sch. parieinachrichien i®| für Groß-Berlw stet» MW»«, Beztet»seseetorte> T. s»s, 2 Treppen eeSt». zu eichten. Ctafeabnagcn für diese Rnbrlt st»d Berit» SW SS. Llndenlteaße 3. 5. ftreU ffricdtUScSaia. Heute, S»»»abend, 2*. Dezember. 18 llhr. Krakti»»». k't»»«(nicht wt, trrtimlich angeaeben, gn»Ui»»Srfi8u»a), und»m t««be Sit»»« de» krei»»arstande» ntü sämtlichen«bteilaawleitern in der Markuestr. 4L, Zimmer ZA. 18.»rel« WeiZensee. Heute. Eonnabend. 2». Dezember, IS Uhr, bei Galla«. Lebberstrasie. wichtige Borstandssidung mit allen Abteilungsleitern. Heule, Souuabend, ZS. Dezember. 8. Abt. Die DezirkssUhrer rechne» ihre sämtlichen Wertbestänb« von 18 llbr ad. 5. Abt. ISl? llbr Weibnachtsseier im Rosentchaler Hof. Nosentbaler Str. 11/12. 8. Abt. Die vezirkssMree rechnen bi, Montag. 80. Dezember, mit dem Kassierer ab. Material ist mitzubringen. a. Abt Hum-roole, Zabre-ende Im grobe» Saale der Äochschvl. W dranerel,«umimer Strafe. Mitwietee.de! llll-Teio, Gesangvereiu W Z.Morgengrauen-, Mitglied de» Deutscheu Arbeiter-Sängerbnede,. Soori- m S II»».einikWI'- Musil.«raloft 18 llbr. Eintrttt elos� lieblich Tanz M g 75 Bi. Die arbeit olosen»nd iool/den«arteigenossen melden sich beute ss-s W..htr sie»»o» 18—19 llbr bei« Kassierer im groben Saale der W 13 Sochschnlbrouerel. StempeNarte»ad Mitgliedobnch dient al»«»«weis. 7-3 W»»e Genosse» find mit ibre» Angehärigen, Freunden und«nmpatbi. M M sierende» freu üblichst eingeladen. � l!>! � ZZ. Abt. Die Bezirkes!!!» ree rechnen bis 18 lllir und morgen, Sonntag, von 9 ins 18 llbr, mit dem Kassieree ab. Eventuell Beetreiee schicken. 39. Abt. gm tzugendheim, Belle-Allianee-Plasi t, Weibnachtsbescherung pilnlt- lim 18 Ithr unter freundlicher SRitiuirfunfl der Kinderfreunde, der Ge» nofftn Griebel Sa? imb des Gesangvereins»Collbaritdt". Musikvorträae: Violin« und Klavier. fL VbL SdeukSLn. Abrechnuna«Her SeahfoHftrn und Abstimmen der Kartei bei» AbteilungsLasster«. Morgen. Sonnkag, ZS. Dezember. 44. Abt. Jubilar-»nb Wribnacht»feier Im große» Saale nnb—. si!»«aal 8 de» GewerslchafUluiute,. Sngelnfer 24—35. Ansprache! Karl O m Ketsch» ld.«asienäs/n-ng II U»r. Anfang 17 llbr.«Intrittotaeten zum W W Preise»«» 75 P«. sin» bei alle» Bezirtossibrern erbältlich. All«»e. W N»ossi»»e»»nb Senosie» sind berzlichv eingeladen. Zrauenveranstaltung. 137. Ad4. Aelnlchendorf-Vesi. Heute, 30 llbr. gefellige» Beisammensein im Balksba»». Schaenwebeestr. 114. Kuchen mitbringen. Dezirksomsschuß für Arbeilerwohlfahrt.* 3 Koei« Wedding. Am Montag, dem 30. Dezember, 19 llbr, im Ledigen» beim Schbnftedtstr. 1, V. Stock, kurze Sitzung aller MitgNeber. Tagesordnung: Stellungnabme zur Wahl der Bürgerdeputierten. Arbeitsgemeluschofk der Sindersreunde Groß-SerNn. Gruppe �fttedrich Gbert-'. Bezirk Brenzlauer Berg oeransialtet am Tonn» tag. dem 29. Dezember, eine ffabrt nach Beenan. Treffpunkt(Ot alle Kinder 8 llbr Babnbos Schönbauser Allee. 00 Pf. isahrgeld mitbringen. Geburtstage, Zubiläeu usw. 42. tzlbt. Unserem langsäbeige» Genossen Kermaon Aischer und seiner Ebefrau. Barrwaldstr. 41, zur Silberbachzeit die derzlichsten SlückioLnsche. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei«Organisation| 18. Abt. Am Sonntag, dem 23. Dezember, verstarb unerwartet unser Ge» nosse Otto Benuin. Die Partei verNert tu ihm einen tapferen Kämpfer. Ehre sainem Andenken. Die ÄnäsS>erung hat dereit» stattgefunden. 102. Abt. Banmschnlenweg. Am 22. Dezember verstarb nach langem schweren Krankenlager unser Genosse Paul Schaust im 62. Leben»iabr. Die E'.ndkchrrun» findet. beute. Eonnabend. um llM llbr. Im KrematvrtilW Baum- schulenwea. statt. Ilm rege Beteiligung wird gebeten. Der Borsiand. SoziaWcheArbeiterjugendGr.'Verlin Ms '.linsendimaen säe diese Dudrss nm an da« Zuaendlefeetaetot Strite«W08. CO"--- LMdenstraße 9 Fallplatz Is Zieuiabrosabrt. s-Tage�Aihrt. und Sonntagsteilnebmer Tress- punkt Eannodend. 28. Dezember. Whi llbr. Bahnhof Schönhauser Aloe. Silvestertreffpunkt 19 llbr ebendort. HAMBURG-AMERIKA LINIE von HAMBURG direkt nach KANADA NÄCHSTE PASSAGIER. ABFAHRTEN e D.„THURINGIA"... 9. Jon. M.S.«ST. LOUIS"... Zt. Febr. O..WESTPHAUA-., Ö.Mflr* 0..CLEVEIAND-. 12. AABnt M. S.«ST. LOUIS"... 28. Mörz M-l�ILWAUKEE" 4. April AUSWANDERER »ILtldtN SICH WIOIN Acut IINSIIHIITIN ZU WINDtN ANi HAMBURG-AMERIKA UNI E, HAMBURG 1, ALSTEROAMM SS oder die Vcrtretuna in Berlin, WS, Unier den Linden S, Fernsprecher: Zentrum 9155 6, 9197,9, W 50.»m Zoo, Härder berestr. ZOa-e, Fernsprecher; Barbarossa 0814 und dOH, Poseidon Schiffahrt A-Q, Potsdamer Str. 103a Roiweine PsciM abueht. Plimeti» 1928 Kaüstädter.......... O�S 1928 Dürkheimer Fmmtmf 4.'Ä0 1928 TJtiel...... 4.30 1928 Montagne......... 4.20 1928 Haut Barhiet....... 4.30 1927 Castilion............ 4.4EO 1927 Chateau Medac...» 4.SS 1927 St. Julien............ 2.00 1925 Chat Cantenac..... 2.30 1928 Chat Emiion....... 2.50 1925 Chat St Georges«■— 2.20 Burgunder 1926er Maccm......... 3.00 , Morgan........... 2.30 1923 Fleurie........... 2.00 Bordeaux watfr 1926 Graves.............. 2.30 1926 Haut Sautemes-.... 2.00 1916 Chat, des Koches*... 8.30 Größer Wein- Verkauf v o m F aß BUte Gefäße mitbringen Gef tügei u. Wild SUdweine 1 arragona........... Samos.............. Malaga».»»»»»»»»»» Mushat pleA.. 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It.. 4U>0 Samos................... it.. 4.20 bdalaga.................xjl*. 4.20 Muskat................. it.. 4.45 Douro Portwein........ it.. 2.40 Wermout--------------- u. 4�0 Dürkheimer........... it.. 0.95 Kallstadter............ it.. 4.40 Hisel h***- aae............. it.. 4.40 Johannisheerwein....... it.. 0�5 Heidelbeerwein......... it.. 4.40 Stachdheerwem......... it.. 4.40 Spirituosen ..................... Jam. Kum.vMBjri.�neseviS.OO Jam. Rum-v««Ji*.t5%•hrisa» Vj2.4C JamRumrVmsAo. sova Fi*«<.»2.68 Jam. Kum o*. TTk'A Fi«eoe VtßJSO Arrafe-Verschn, Fie*>2.40 Burgund, a. s&�PmuA'ijisjso%S.40 Schweden-Punsch'AFI«l«% 2,90 Weinbrand v,Fie.e»v, 2.Al Weinbrand BtaarAmmnesmdLOO Weinbrand l«e»«e»'AFi»e»v�25 Kahlbaum JW.Vifisa» Vi9.40 Gorhatschow-Ukam'hflsm 2-30 BerLGetreiderSamnd'hruMv, 2.55 Crystoll-Eiskümm VtFie«v»2.5S Goldwasser rit.i»«AJi»je v, 2�0 Blutorange. ViFi us v. 2�0 Aller Wachholder t Lamiu*Ac 4U60 Edelkom /Cenub... i lt.?! 4L90 Aquavü................. fl 4U95 Zur Bowle Ananas f**........ pm.•> 4.40 Ananas asAMmsm»tAh. 4120 Pfirsiche Vw».........imi»Ml«. Perlanggn 61« nnseron n«M«o LebensinlMel-Kalolog v.«b X t»» Mamfc IM« Ü'BAHN UO EHERMANN P LATZ"DE R HAßSTADT-HAH NW Öl | Sonnab., 2S. IX Staats-OpEr Unter d. Linden A.-V. MO Wa Uhr Turnus U W Uhr Miän Slaats-Oper 1 Am Pl.d.Repubi. R�S. 197 19"r Uhr Die laoMie Staat). Sdiansph. on Genitarmenruarkt A.-V. 257 20 Uhr Slaatl.Scliiller-!liBater.Cliarlth. ,20 Uhr Kabale unfl Liebe Pniset-GM. TS|L 2 TntaS. 5 ul»'/, Utr Baibarwa I25B Wotals.: 5 11. 50 PL-3 H. Uatnv-Saiuu. RafKs. Stanle? n. Mar. Perm i* Co.. Herrn& Partnar mw. INTERNAT. Tägi. 5 u. 815 S(mBL!.$a.tu Alax. E.4.80A6 VARIETE Theater L d. Beörenstr. 53-54 8'i. Uhr ... Vsler 8eln, dsgegeo �edr Dez grok« i bsiekzkolisn-Theater Abends fsl Sonntag nachm.[T] leihnaclits-ProBramm der siefflner-sanger 3L Dezember Ot. 51 Tester-Ulfc-Vorsteli. Dönhorf-Brottl; Varielt— Tan?- Konren ZI.! p« iHatrafitMli Silmtirieiir 8 Qhr> zentr. 2818• Banaen erlaabi 1 16 Original Lawrence Tiilar-Qirls 1 und weitere Varietd- Neuheiten Sonnabend u. Sonntag Je 2 Voratellungen po kr'--- Operettenhaas Alte Jabobstr.;0/32 (Icntrsl- Tbcatrr) Täglich«b. Uhr Oer Soldat der Maris Gusut Mauncr, Dor« Brach, Erich Horcbert, der Kfinlg des Jazz. und» Uhr. kleine Preise. VolKsbttline ISsatar anStloviilati 8 Uhr ansrs Dreylus Schauspiel von H. J. Rebfisch und W. Herzog Regie: H. D. Kenten StaatLSdiiller-Th. 8 Uhr KaMeiLllelie Ogfltsdi» Met 5.1. Norden 12310 Tägi. S'A Uhr Der Kaiser v.AMerlka von Bernard Shaw Reg- Max Reinhardt Thut 8. KOitb-Tor Kottb. Str. 6 Tägi. 8 Uhr aucbSonnt. nachm. 3U.; Elite- ' sanger. 0» einzig dastehenoa, vlalHitiga Mfwlhwclito-Pr. Kanmiersplele D.I. Norden 12310 Täglich 8-/« Uhr Dösir 6 Komödie von Sascha Guitry. Regie: Leo Mittler. Residenz-Theater Kgst.228 Blumenst.9 Täglich 8»;» Uhr OisKrooe iinWii TbltaL mit Musik xTanz. Rundfunkhörer halbe Preise. Kleines Ideal. Merkur 1624 Täglich 8V« Uhr Max Adalbert in Das ParNiw meiner Frau Lustsp». Leo Lenz Planeiarlani mma mm ZOO mmm ferläns. isrdjmiirziii ilrsjt B S Barbarossa5378 IS' i Uhr DieWIntar- atanblldM 1SW. Uhr Oer»tarn der Weinen. 20'h Uhr Oer Planet Jupiter. Lintritt 1 Mark. Kinder 50 Pf Mittwochs halbe Kassenpreise. Die Komödie |1 Bismck-241 4/7516 Täglich m Uhr Ttm Teufel geholt von Knut Hamsun Regie. Max Reinhardt Ih. a. Hullendortplatz Vorvk. 10- i Kf. 2001 Täglich Skz Uhr eiu&pUi des Heafsmen Tbeaien Die Mn Rsüie; Mai Se'r.hanlt. GROSSES SCHAUSPIELHAUS 8 Uhr: Silvester Beglno 7 Uhr 3 Musketiere Regie: ERIK CHARELL 3 SamitflB QU dm. ungek. bnlks Pr. Renaissance-Theater TS glich SV. Uhr PARISER LEBEN Operette von Offenbach. Regie: Gustav Härtung. Musikalische Leitung; Theo.Mackeben. - Steinolatz C I. 0901 u. 2583,84.— Kinovskj-BotaiaD Theater in de. KSeiggritzer StrtE. Täglich«Vz Uhr Öls erste mrs. selby mit Fmn Komödienhaus Täglich VU Uhr Der Lpgner und die Nonne mit curt 8ötz 100 (crvxa Oaittongs-.Kabatt- n.ReMamemarken gegen Nachahmung gcsetzl. gesch. ferflgt seitSS Jahi als Spezialität. Conrad MOUer Leipzi:- Schkeuditz Lustspleluaos Frfedrlchstr. 2S6 Bergmann 2922 Täglich 8Vi Uhr Wiegenlied Lustspiel von Ladislaus Fodor. -yWEUEOWELK- Arnold Sdiolz» U-Ikeli» Hermennplaiz• Heeenheldo 888-tl* SIlvesier-Ball ■n Ober-Bavern Tf Mo ■ I O Utur• Anf< t tftar MUtwoib, den L Jaznsar 1980 Erwinuflo der monchener BocKDiersaison Orotr Oduenbralerel» Sdiwctneediloziileo e Teuis Dfeiutage» aonaabeeds and Sonntags 7 KapetlemJ Aef der Bflhnei Neue AttraldioBeal 80 bapr. Mädeln I Einlab vodientags» Uhr» Sonntag« 4 Uhr WWW Dlraktiae: Dr. Werve Unkel mm Komische Oper Friediiclntr.104. Ucrlnir 1401.4330. WiedcrerOffmmi.ach vnllsUnd. Umbea Täglich S>/. Uhr Uraufführung Hulla di Bulla Schwank von Arnold ond Bach mit Guide Th falscher, Fritz Schulz. Heinr. Sehroth, Eggea Burg Hilde Hildebrtnd, Margot Walter. Qarrisan, Fiiok. Böhmer. Wcnck So. n- und Fetor aga nachm. 4 Uhr: frau ofcwei Kiiss» Lustspielhaus Kriedrichstr. 2%. Bergmann 2922.' 23. Täglich SV« Uhr .. SVaedenllesel" Lustspird von Ledisians Fodor Kittie Hsetk. Merz Gregor, Paul HeideinjnD, Benseh, Martha M. Mawcs. Gondi, Stenn, Piatee, Beckmann, Fucha Vorvarkeur in beiden Häusern nb 10 Uhr ununterbrochen. ROSE -THEATER Kr- Teleph-, Strefio 139 Alexander 3422 u. 3494 Direktion Jr. Robert Klein Deutsches lanstler-Tbetl Barbarsesa 3937 krSUhr Ende 11" Seltsames Zvlsmensplel luie: ütittHnjeti Montag, den 30 7 Vi Uhr Zum L Maie Jni. zwBi.iie" ond Ja per" von M o 1 n a r Oönhoft 170 SU Uhr Ende'MI Letzte Aafföhrungen Rfigerulart tür Herro Oasion. Regie. Forster Larnnaga Ab l. Januar Sdiieamei ZwisöiEUfDiei Diealer ö. Westeos Täglich Hotel Sfadl Lemberg Käthe Ooradi Lee ScfaQ zendori Lessing-liteater Norden 10846 Tägi. S>U Uhr riiag Boter Adler Sehautpieivon Ancermayer Melropol-Tö. S1/* Uhr Das Land des Lächelns Veri» Sdivarz, Hldiard Tauber Musik von Franz Lehär Trianon-Hi�r T-r glich S>/« Uhr Sie Tervelgerl die Anssage ciisaboth Sirickrod! Kurl Et«)'. Täglich 8» Uhr Sonntags 5L18 und 9 Ubr Die csardastorstin CroJe Operette von Emmeridi UMl Für die Kinder: Sonnabend, den 21 Dezember 5 Uhr Frau Holle Sonntag, den 29. Dercraber Z30 Uhr „Max und Moritz" und dar WaUiDachkemaam Vorverkauf für die nächsten 8 Tage täglich von 11—1 Uhr vorm. und von 4— 9 Uhr abends. CASU10-THEATER _ Lothringer»trage 87. Der neue Schlagerl Famiiis Hannemann und ein erstkL» Prograzum FQr unsere Leser Qotscbeia für I— 4 Personen Fazrteuil nur US M, Sessel L75 M. sonstige Preise: Parkett u. Rang>180 M. Es ist neu erschienen: Kinderland 1930 Ein Jahrbuch für Arbeiter- binder in Stadt und Land. Rmdi fllustriert. Farbige Bilder beleben das Buch. Sprudelnde Lebensfreude vom ersten bis zum letzten Blatt Die Kinder haben selbst daran mitgearbeitet Das Kin- deriand kostet I.SO HM. Zu beziehen durch die Botenfrauen und Ausgabestellen des„Vorwärts", sowie direkt vom Verlag. Gomwbeud 28 Dezember �929 Beilage des Vorwäris Hals über Kopf stürzt« ich mich ins Ojckäen. Deshalb ward auch mein Farnilisnleben cn der Wurzel verdorrt. Ein« Richtigkeit wurde mir Anlaß zur Ehe. Ich hatte auf der Ärcharewka«ine Arbettshose gekauft, sie auf der Stell« angezogen !-nd lirich geradeswegs zur Arbeit begeben. Als ich au» der Fabrik beim gehe, steht da plötzlich ein Fuder Holz quer über dem Straßen- lehn gleise und kann weder vor noch rüikwärts. Halt, ich will dem Fuhrmann kameradschaftlich beistechen, denk« iich Ich greif« zu, spann« den Körper an, der Wagen kommt ins Rollen— doch aus der Hose springen die Knöpfe. Der Fuhrmann ruft etwas, wohl feinen Dank, doch ich raff« schleunigst nnt beiden Händen die Hos« unter dem Mantel zusammen und renn« davon. Etliche der Darüber. gehenden lachen: .Lauft Bürger/ so rasch du kannst, du verpestest die Lust." Ich war über die Matzen verwirrt. Lief in meine Wohnung. näht« Knöpf« ein urül dacht« bei mir: „Bin doch ein unglüeklicher Mensch. Habe nicht einmal jemand, der mir die Hosenknöpf« annäht. Ich will heiraten, und alles Elend wird am End« haben. Ich will es verraten, am Ausgange der Stadt verkauft« ein kleines weibliches Wesen Aepfel- Darja Sem-. nowna mit Namen. Ein molliges Weibchen. Rundliches Gesichtchen, ebenmäßig« Ras«. Gar manchnral schon hatte ich die Angel nach hr ausgeworfen. Ich pflegte heranzutreten, mich nach dem Preise der Aepfel zu erkundigen. Ich feilscht«, befühlt« nacheinander sämt-- liche Aepfel und kaufte für 5 Kopeken. Sie lacht«, und ihr« koketten Blicke sprachen:— ich weiß schon, nach welcher Art Aepfel du Verlangen trägst. Als ich mich zur Heirat entschlossen hatte, legte ich die neue Bluse an, kämmt« die Haarsträhnen glatt, wusch die Hände und eilte dem Ausgange der Stadt zu. Ich trat heran: „Daraf Semenowna, wann sind Sie mit Ihrem Handel fertig?" „Na, es kommt ganz darauf an, zu welchem Behuf«. Ich bin mein eigener Herr, und außer meiner alten Mutter in Bogorodfk habe ich ttiemaud." „Auch ich bin wie ein Grashelm im freien Feld«. Ich besitze nicht einmal ein« alte Mutter. Darja Semenowna. können wir uns nicht daraufhin miteinander verbinden?" „Es kommt ganz darauf an, in welch«« Sinn« das gemeint ist." „Im allerernsteften Sinne. Obgleich zahlreiche Modchen mir nachstellten, beachtete ich sie nicht. Doch Sie sind em solides Weibchen. Und solche habe ich von jeher angebetet. Das religiös« Opium des Popen brauchen wir«cht, doch bin ich bereit zur Eintragung im Standesamt." .LVenn es so steht, bin auch ich bereit. Sie glücklich zu machen." Also ist e» beschlossen und nichts weiter dazu zu sagen. Am nächsten Tag« trugen wir uns«in. Mein« neugebacken« Gattin schleppte ein Bündel Kleidungsstücke herbei, legt« das Feder- '.stufst aufs Bett, hängte Musselingardinen ans Fenster, stelltet einen ditsiertden Blumentopf drauf—«s war ein Bergn-ügen. Ich erwache morgens— und höre den Petroleumkocher rauschen. Ich stehe ans..-- her Tee ist bereit. Da ist««, das Gluck der Eehe, denk« ich. Ich stehe auf. reibe mir den Schlaf aus den Augen und— was seh« ich: am Tisch« sitzt ein zehnjähriges Bürfchchen und nagt an einem Apfel. „Was hat das zu bedeuten? Wohl«in Gratulant au» der Der- wandtschast?" „Rein." sagt mein« Frau.„«» ist mein leiblicher Sohn. Hat bis fetzt bei feiner Großmutter, meiner alten Mutter, gewohnt." Mit«wem Schlag« gerieten all« meine Gefühl« i- Aufruhr. „Nette Bescherung! Weshalb, teuerste Gattin, haben Sie vorher nichts davon verlaut«, lassen?" „Du hast mich ja nicht danach gefragt! Und im übrigen blieb auch kewe Zelt dazu. Mr hatten es gar zu eilig, zusammen- 'ukommen. Aber beunruhig« dich nicht. Ich bekomme von meinem ersten Mann genügend Mittel, um ihn ernähren zu können." Meine Aufregung steigerte sich. Ich griff noch der Mütze und eckte zur Arbeit. Ich komme heim von der Arbeit— ich schaue— o Wunder! Statt ewes Bürfchchens sitzen zwei am Tisch«. „Was soll das nun heißen?" frag« ich. „Nun, da» ist mein zweiter Bub. Hat bei«wer Bauerfrau g«. wohnt. So rege dich doch nicht auf. Ach bekomme genug von meinem zweiten Mann zu seinem Unterhakt." Was war da zu tun? Aergeriich spi« ich aus, schlug d!« Tür ins Schloß und begab mich zu meinem Freund« Mitja. Mitja faß hinter semer Strickmaschwe und drehte aus Leibeskräften. Er blickte mich an und rief: „2lT>. mein Leber Freund. Es ging da» Gerücht, du fslst ge- storben oder verheiratet. Gehen mir in die Bierstube?" „Mir liegt nichts an der Bierstube nach dem, was mich betroffen hat." Und ich erzählt« Mitja alle» bis in die kleinst«, Einzelheiten. Mitja fchürtekte den Kopf und sagt«: „Das Weib hat dich um den kleinen Nnger gewickelt, Pawel Kusmilfch. Sie wird dir noch ein halbe« Dutzend Sprößling« in« Haus bringen. Mußt etwas dagegen ausspielen." „Dagegen ausspielen? Soll ich sie etwa durchblouen, was das �euq häst?� '„Durchbläuen gilt nicht in solchem Falle. Da kannst du mit dem Gesetz w Konflikt geraten. Du mußt«ine Gegenlist«Hinnen. Ileberraschi si« dich mit ein paar Sprößlingen, so bescher« du ihr ein paar dagegen." „Aus welch« Weife?" „Bist du bereit,-in halbes Dutzend Bier zu spendieren'? So lege dich aufs Bett, warte ein Stündchen, ich will einen Gang unter- nehmen und dir Zw«« Söhnchen besorgen." Bereitwillig legte ick mich aist» Bett. Mitia grist nach der Mütze und ging. Etwa ein« Stunde mochte verstrichen sein, als er wieder erschien. Und mit ihm ein paar zerlumpt« Burschen. Einer in gänzlich zerfetztem Mantel, der vis an We Ferien reichte. Der andere, in einer zerrissenen Frauenjack«, steckt« nacktfüßig in Gummischuhen. BÄd« hotten Gesichter wie Schornsteinfeger. Beide rochen nach Hunden. „Ra. sind die Halunken gut?" fragt« Mttsa. "äne habe ich mir am Kursker Vahnhot ausgesucht. Hob« ihnen unterwegs all«? emgsfchärst. Sie werde« dich nnt Papachen anreden 'Mt> dich nicht verraten Der da heißt Mifcha und der ander« ocnxchjka.' Mischa tritt zu mir uud saak. Jvu. bärtiger pnkA. Hab dein» Angst. Wr werden sich nicht oen-esn. Doch sin« Bsdwyung: wir verlang«: weder Schuhe noch Keldung, dach«ff«, w«tzen töchffg And du darfst deinem % dcarpoft; Pamüte Weibsbild nicht erlauben, uns zu hauen. Zur Bekräftigung der Be kanntfchaft gib ein« Zigarette zum besten." Ich gab ihnen Zigaretten und hieß sie mit mir gehen Wir waren da. Meine teure Gattin warf einen Blick auf si« und erstarrte. „Was sind denn das für Bogelscheuchen?" „Ganz und gar nicht. Das sind mein« Kinder von der ersten Frau. Haben bei einem Bauernweib gewohnt." Ein Teeglas flog an die Wand, indes sie schrie: „Schmierige Ferkel host du mir ins Haus gebracht, zerlumpt« Burschen." „Jawohl. Ich bekomm« keine genügenden Mittel für den Unterhalt., Aber si« sind mein Blut und damit Bastal" � Schwer schlug die bebend« Gattin aufs Bett hin und kehrt« das Gesicht der Wand zu. Da log sie wie ein Klumpen. Mischka und Sawoßjka hatten sich an den Tisch herangemacht. Sie hatten Löffel gesunden und schmausten. Das Weib lag da, lag eine Weil«, erhob sich zu guter Letzt und sprach: „Da wir einmal Mann und Weib sind, dürfen wir das Familien- glück nicht zerstören. Ich will meine Kinder wieder zur Großmutter schicken, und du sollst die deinen fortschicken." Aha, denk« ich, das hat gesessen! „Wenn es so steht, bin ich einverstanden," und ich wdlkt« den Burschen:„Geht wieder zur Bauernfrau, hier habt ihr fünf Kopeken für Aepfeft" Da begann der Tanz! Mischka sprang hoch und winselt«: „Ach, du bärtiger Kater! Wir gedachten bis zum Frühsahr bei dir in. Kost zu bleiben, und du jagst uns hinaus. Tantchen, ninun doch das Oseneisen und bläu den bärtigen Teufel durch. Er hat dich betrogen und uns veranlaßt, Theater zu spielen. Wir sind gor nicht seine Kinder, fondern Obdachlose." Da sprang auch schon meine Gemahlin auf und offenbart« plötzlich ihr« Raubt iernotur: „Oho," schrie sie,„gleich zu Beginn unseres Zusammenlebens schmiedest du Intrigen! Ich stelle morgen den Eh-scheidungsantrag. Drei Männer Hab« ich gehabt, doch solch einen ausländischen Götzen Hab« ich bis jetzt nicht gesehen. Ich bleibe keinen Augenblick länger hier." Sie ritz die Lorhänge von den Fenstern, packte ihren Kram zu- sammen, das Pfühl, ritz die Kinder an sich und war fort. Mischka und Sawoßjka streckten mir die Zungen heraus und verschwanden hinterher. Die duftende Blüte im Blumentopf am Fenster war alles, was zurückgeblieben war vom ehelichen. Glück. So., ihr Brüder, war mein Familienleben verdorrt an der Wurzel. tDmtsch von®ofi6o Zioksntbalö Anna Schwabacher: 3)ie JCucea in Jimeriha Paulin« Lucca, als Primadonna am Berliner Opernhaus lange Jahre hindurch von den Spreeathenen, auf Händen getragen— buchftätckich genommen von ihrer Theatergarderob« bis an ihre draußen wartende Equipage—, fasziniert« durch ihr Aeußercs wie durch ihr innerlich Teil. Aeußerluh, sie kreierte Moden, lancierte solch« aus Paris und Wien und bot selbst der Modekönigin Eugenie, Kaiserin von Frankreich, oft Trotz, indem si« deren letzte Mode- schrei« umschuf und immer entzückend darin aussah. Gleich ihrem Aeußeren schillert« sie auch von innen heraus in tausend bunten Farben. Aber sie riß alles hin. selbst in chren bitterbösen Launen, wenn sie z. B. hinter den Kuliss-n schalt, sich mit Dorlieb« mit der Mathilde Mallinger in Eiserfüchteleien anlegte und ihren höchsten Trumpf ausspielte mit den Worten:„So, heut hob' i's letztemol in die Berkner Hosoper g'sungen. damit ihr's wißt." Und eines Tages führte die figürlich klein«, aber sehr resolut« Dame diesen Entschluß aus, wurde kontraktbrüchig und floh noch Amerika. Das Hauptmotiv dazu war folgendes: eines Abends stand sie als Cherubim in Figaros Hochzelt mit ihrer ebenfalls herrlichen Partnerin, der von ihr eifersüchtig befehdeten Mallinger, als Su- sänne gemeinsam auf den Breitern des damals königlichen Berliner Opernhauses. Da begann ein« der Lucca feindlich gesinnte Clique-4 «S gab längst schon ein« solche—«ist leise, danu crefzendo zu zischen. Die Lucca hält inne uni» blickt nnt ihren berühmt schönen Augen starr und stumm ins Auditorium. Das Zischen verstärkt sich. Und als jetzt die Susanne der Zdolle gemäß den Cherubim fragt:„Nun. was gibt's Neues, Cherubim," da tritt Cherubim— Lucca—, die übrigens in dieser Pagenrolle besonders süß ausiah. ganz dicht an die Rampe und schleudert dies« Wort« ins Publikum:„Ungezogen- Heiken gibt's." Und verläßt die Bühne. Erscheint auch nicht wieder. Tiefe Bestürzung im Zuschauerraum und im Orchester. Da tritt die weitaus stärker« Partei der Lucca-Schwärmer totkräftig in Er- scheinung. Ein immer mehr daherbraufendes Klatschen erstickt die Zifcher und endet nicht, bis die kleine, groß« Diva erscheint. Wieder tritt sie an die Rampe und ruft mit schallender Stimme:„Ich bin mir keines Unrechts bewußt und sehe nicht«in, warum ich mich beleidigen lassen soll." Hierauf ging die Aufführung weiter. Di« Zukunft zeigt«, daß die Lucca nicht nur temperamentvoll, sondern auch diplomatisch war. Sic trat ihren Urlaub an, ruhig, als fei nichts geschehen. Sie kehrt«, wie alljährlich, alz herrlichstes, buntestes. fröhlich Koloraturen zwitscherndes Sommervöglein im Lon- doncr Convcntgardeirtheater ein und absolviert« zum Entzücken der Briten ihr Gastspiel als Valentin« in den Hugenotten, als Normo. Nachtwandlerin, als Gretchen, Lucio usw. Aber eines Morgen» gab es in Berlin nur ein Tagesgespräch, verursacht durch einen Brief der Lucca au den Redakteur des„3er- liner Fremdenblobes" und in diesem führenden und meistgelesenen Blatt abgedruckt. Raummangels wegen kann dieser uns ganz vor- liegende Brief hier nur im Auszug wiedergegeben werden: Liverpool, 31. August 1872. Sehr geehrter Herr Redakteur! Wenn Sie dies« Zeile» erhalten, bin ich längst überm Meer, doch kann ich nicht scheiden von einer Stadt, die mein« Heimat ge- worden ist. so sehr, daß ich die alt« vergessen hatte, ohne Abschied zu nehmen, ohne mein« Gründe darzutun einem Publikum gegen- über, dos mich stets verwöhnt und mit Güte überschüttet hat... Umnöglich kann ich mich aber ähnlichen Vorgängen wieder aus- fetzen, wie den vorigen Winter von einer Partei arrangierten... Darum bitte ich herzlich, Herr Redakteur, meinen lieben Berlinern meinen innigsten, aufrichtigsten Dank für alle Liebe und Güte, mein herzlichstes Lebewohl zuzurufen,.. Nun leben Sie wohl usw. Paulin« Luffa. Ein« von der Generali ntenfcanz am 17. September gleichen Jahres vervfsenllichte Bekanntmachung verurteilt« den reizenden Ausreißer zu einer getmltigen Konixntionalstrof« Sie wurde ihr nicht drückend Denn wir hören über ihren brillanten Vertrag mit Direktor Maretzek in New Jork folgendes:„Bei nur viermaligem Auttrete.n wöchentlich pro Abend 200 Pfund Sterling, das sind IG» M., nebit Teilung dos Ueberschusses einer gewissen Einnahme. Dazu ein fashionables Haus, Diene.rfchast und Equipage zur Der- süguiig, freier Unterhalt ihres Hausstandes." Die energisch« Diva wacht auch im Privatleben von Amerika aus tadul» rasa: sie laßt sich von ihre« geliebten Hascherl", wi« st« ihren fast überlebensgroßen Gatten, den Baron n Rhoden, zu nennen pflegte, scheiden und heiratet drüben den Mastw t». Wallhofe«. vom Schreiben war bU Lucra teil« groß« F'neundin. daher ist ein Brief von ihr eine Rarität.. Einiges ans einem solchen au? New Fork sei hier im Auszug wisdergsgeben. Er stammt aus d«m Iah« 18?? und richtet sich an Ihren Lehr« llschmann»ach Wie«. V««cychö darin, daß ihr die ersten zwei Monate 440ÖÖ Dollar «ingebracht hatte«, so daß sie hoff«,»ach zwei Salfons ihren söhn- Ilchen Wunsch ausführen und der Bühne Batet sagen zu können. In richtiger Selbsterkenntnis fetzt sie gleich hinzu:„Ich seh« Sic darüber lochen." Bei ihrem Naturell, ganz gefüllt von Theaterblut, blieb diese Ide« ohne Verwirklichung. Erst viel, viel später. Noch locken viel zu sehr die Abwechslungen des Leben» in Amerika und sie begeistert sich an Experimenten, die jenseits der Norm und der Alllagsfvrm liegen. So ladet sie sich eines Tages einen Trupp Siouxindianer in die Hall« ihres Palastes zum fife oclock«in. Em Te« mit allen Finessen, wobei es, wi« bei der kleinen Primadonna üblich, auch an Ehompagner keineswegs fehlte. Di« Söhne der Prärie fuhren vierspännig vor und der Dal- metscher trat in Erscheinung. Die Lucca empfing sie als Schloß- Herrin in ihrer Gretchentracht. Dick und schwer fielen ihr« schwarz- seidigen Zöpfe über hellblaues Tuch mit. schwarzem Seideusomt. Dann kamen die Erfrischungen. Der Sekt inspirierte die braven Rothäute zu einigen Nationalgesängen. Dann baten sie stürmisch die„Wiener Nachtigall" mn ein Lied und lauschten begeistert den Klängen der Gounodschen Schmuckarie. Nim war die Diva so lange bereits die grotzc Sängerin, Gattin. Mutter und crncrifanifchc Bürgerin, daß es-ihr nur«ins noch wer: erschien, zu durchleben die Partie eiücr Thenterdirekwrin. Und zwai mit sich selbst als Star: Rasch löst« sie Ihren Bertrag und pachtete das Tacon-Theater in Habana. Die Idee war nicht schleckst, gestaltete sich auch anfangs verheißungsvoll. Aber die Diva hatte nicht mit ihrer Eifersucht auf die nun einmal notwendige Gegenspieler!» auf der Bühne gerechnet. Und bald hatte sie mit der Mursla als Partner ia und Mitdirektorin Affären, die wir vielleicht am besten definieren, wen» wir si« als Lorahnungen unserer heutigen Bar- kämpf« bezeichnen. Nach einem Defizit von 9000 Dollar kehrt die Lucca reumütig nach Europa zurück. Ungebrochen war das Metall ihrer herrlichen Stimme und der Charme ihrer Persönlichkeit. Und wir entnehmen den Kritiken jener Tage, daß/ als der all« Kaiser 1880 die Lucca von Wie», wo sie bereits wieder alles entzückt batic, nach Berlin an die Hofoper berief, bei ihrem ersten Wiedcrauftreten dort alles„sich vor Freude wie närrisch gebärdet«.. Die Erfindungen der SEukunfi Ford und Gdifon, dt« beiden Erfinder, find von M. K. Wischart über die Erfindungen befragt worden, die sie für die Zukunft als besonders notwendig ansehen, und ihre Antworten weichen in der Zeitschrift„Modern Mechanics" mitgeteilt. Ford ließ sich nicht so aus Einzelheiten ein, sondern gab einig« allgemeiner« Gesichtspunkt«. „Wir leben bereit» in einem bequemen Zeitatter", sagte er,„aber cs ist noch lange nicht so bequem, wie es fem könnte. Wr sind erst am Anfang. Di«, die da meinen, wir hätten schon da» wahr« Mo> schinenzeitaltcr erreicht, werden nach viel« Ueberraschungen erleben. Las wirkliche Zeitalter der Maschine, in das wir eben eingetreten sind, wird weniger lärmend fein, schöner, gerechter und bessere Lebensbedingungen schaffen als heutzutage." lieber die nächsten Aufgaben dar Erfinder befragt, meint« Ford:„Wenn der junge Mann von heute etwas schaffen will, was groß« Zukunft hat, so wird er sich mit dem Flugzeug beschäftigen müssen und vor allem mit der Flugmoschin«. Die Jugend von heut« hat sich noch nicht einmal klar gemacht, welche Art von Moschinen das Flugzeug braucht. Dos erinnert mich an die Zeit meiner Anfänge. Ich dacht« damals nur an Dampfmaschinen, weil sie bei den Lokomotiven ver- wendet wurden. Erst nach vielen Versuchen wandt« ich mich der Gasmaschine zu. So ist es auch natürlich, daß unsere jungen Leute denken, daß Flugzeuge durch Gasmaschinen angetrieben werden müssen: sie denken so, weil die Kraftwagen Gasmasckstwen haben. Aber«Ines Tages wird ein junger Mann kommen, der wird ent- decken, daß die Gasmaschinen noch nicht das Ende darstellen. Nie- wand weiß heute schon, wie die Flugmaschine der Zutuust aussehen wird, aber si« wird große Verbcsserungen, ja ganz andere Formen ausweisen, und bei unseren Versuchen-in Bo-uchorn mit der Diesel. maschrn« haben wir schon manche vielversprechenden Aussichten für die Zukunft gewonnen. Für diese Moschinen wird man einen Brenn- stoss verwenden, der vier- bis fünfmal soviel Kräfte erzeugt wie der gegenwärtige. Wir werde» dann eb Flugzeug bekommen, dos eine Landung mit einer Geschwindigkeit von etwa 100 Sllometern In der Stund« bewältigen kann. Jeder Mann, der«in« zu schwer« Arbeit zu leisten hat. wird fich bemühen, diese Arbeit leichter zu gestalten, und so werden wir zu neuen Arbeitsformen gelangen. Große Wand- lungen stehen gewiß schon für die Zukunft bevor. So werden die Stöwte nrtt Elettristiät gehet xt werden, und man wird die Häuser besser isolieren, so daß sie im Lvnnner kühler sind und im Winter sich leichter heizen lassen. Warum erfindet«in junger Mann nicht ein« Form der Küche, dl« 10Ö Personen ernähren kann. Dann wer. den wir Fußböden co» Gummi haben, und auch die Ströhen werden «tt Gummi ßelegt werden." Entthronte Gottheiten. Ein Australier schaut sich Amerika an. Vor lurzem ist im Londoner Vorlag« George Allen u. Uruntn llrd. ein sensationelles Kuck) unter dem Titel„Gin Australier schaut sich Amerika an" Australien looks at America) erschienen. chugh Grant Adam, der Verfasser, kommt auf Grund eingehender Studien und Erfahrungen zu ganz anderen Ergebnissen, als dies bis jetzt meist der Fall war. Mr. Adam, der Redakteur einer der größten australischen Zeitungen, begleitete eine van der australischen Regierung entsandte Delegation, bestehend aus vier Vertrete nt des Kapitals und vier der Arbeit, auf ihrer Studienreise nach den Vereinigten Staaten. Dabei konnte er vieles sehen, was andere, oberflächlichere Beobachter der amerikanischen Zustände nicht zu sehen bekamen. Besonders viel sckrcibt Mr. Adam über die Lage der amerikanischen Arbeiterschaft, wobei er die althergebrachte Meinung von dem außerordentlichen Wohlstand« der Arbeiter jenseits des Ozeans verwirst. Di« Ergebnisse seiner Beobachtungen kann man folgendermaßen zusammenfassen: Die Arbeiter in den Industriezweigen mit Massenproduktion können in zwei Gruppen eingeteilt werden— die gelernten und die ungelernten. Obwohl diese Ein- t�ilung etwas künstlich erscheint, sst sie grundlegend für das Verständnis der Arbeitsmethoden in der Massenproduktion, der die Vereinigten Staaten«inen großen Teil ihrer schnellen Entwicklung auf industriellem Gebiet oerdanken. Wenig« gelernte Leute sind notwendig, um die Maschinen zu produzieren und imstande zu halten. Nicht nur gibt es keinen Platz für die Anwendung von Oualitäts- arbeit, es gibt gar keine Möglichkeit, davon Gebrauch zu machen. Wenn die gegenwärtigen Methoden in der Industrie noch weiter an- gewandt werden, so wird immer ein« große Nachfrage nach ungelernten Kräften bestehen. Wenn diese Methoden nun noch weitere Industriezweige erfassen, wenn technische Erfindungen das Wirkungsgebiet der gelernten Arbeit noch mehr einschränken, so werden mindestens alle neu zukommenden Arbeiter gezwungen sein, sich der Gruppe der ungelernten Arbeiter an- zuschließen. Mit der raschen Verminderung der Nachfrage nach qualifizierten Kräften verlieren die Arbeiter eine ihrer wichtigsten Waffen zur Erzwingung der Lohnerhöhungen. Das Verhältnis der Zahl der gelernten zu den ungelernten Arbeitern.ist 1:9.' Die zweite Gruppe umfaßt viele Arbeiter, die es zu einer großen Fertigkeit in' einem gewissen mechanischen Vorgang gebracht haben. Die Wirkungsgebiete der einzelnen 'Arbeiter sind jedoch so vereinfacht und die Arbeitsvorgänge so mechanisch geworden, daß das ursprüngliche Element der Fer- t i g k e i t schon ganz ausgeschaltet ist. Auf diese Weise kommt es auch, daß ein Arbeiter, der eine wichtige Maschine bedienen muh, es nicht ungerecht findet, wenn er zu den ungelernten Arbeltern mitaezählt und als solcher bezahlt wird. Der mittlere Wochenlohn für einen„ungelernten" Arbeiter beträgt 109 bis 129 Mark bei 50 Wochanstunden. Der mittlere Wochenlohn der gelernten Arbeiter beträgt dagegen 1(59 bis 200 Mark die Woche, da, wa die gelernte Arbeit mit einer starken gewerkschaftlichen Organisation verbunden ist. wie z. B. bet den Bauarbeitern, steigt der Lohn bis zu 400 Mark die Woche/ ..Die Reihen der ungelernten Arbeiter in den Industriezweigen m,t Massenproduktion werden meist mit Einwanderern au»- gefüllt, die weder über ein« gewisse Bildung noch irgendwelche Fertig. keiien verfugen. Seit der Einführung von Einwanderuagsquoten werden in den Werken Arbeiter ohne Rücksicht auf ihre chautfarb« angenommen, während früher die Chinesen und die Reger nur schwerlich w der Industrie Eingang finden tonnten. Ein amerikanischer Arbeiter, der einen wocheuloho von 129 Mark bekommt, kann wegen der hohen Preise nicht besser leb«, als ein australischer Arbeiter mit S0 Mark oder ein europäischer mit einer noch geringeren Summe. Trotz der Einwanderungsquoten hat sich bis jetzt kein Mangel an ungelernten Kräften bemerkbar gemacht, denn die Massen- Produktion verbraucht mehr als irgendein anderer Wirtschaftszweig ungelernte Kräfte. Dies erklärt sich daraus, daß die Löhne für ungelernte Arbeit in den Industriezweigen mit Massen- Produktion höher sind als in anderen Industrien. Mit wenigen Ausnahmen fehlt in den Industriezweigen mit Massenproduktion eine gewerkschaftliche Organisation. Sie haben keinen Einfluß auf die Bestimmung der Löhne, der Arbeitszeit und der Arbeitsbedingungen. Sie haben keinen Schutz vor der Willkür des Zlrbeitgebers. Obwohl sich die Gewerkschaften bewußt sind, daß die Zustände tu der ZNassenproduttioa unerträglich- sind, haben sie nicht die Möglichkeit, die in diesen Industriezweigen beschäftigten Arbeiter gewerkschaftlich zu organisieren. Di« Gründe dafür sind, daß dort viele Arbeiter aus rückständigen Ländern ein« gewandert sind und die Unternehmer Gcwerkschaftsbildung sab»- tieren. In den Zweigen mit Massenproduktion sind Unterbrechungen der Arbeit nicht selten, da in den Bereinigten Staaten eine soziale Gesetzgebung fast ganz fehlt, so daß die Arbeitgeber die Kräfte jederzeit entlassen oder neu anwerben können. Somit sst eine gewisse Stabilisierung der Produktion nicht notwendig. Daher kommt es auch, daß die Zahl der in der Industrie Beschäftigten je nach der Jahreszeit und der Konjunktur Unterschied« bis zu 1 0 0 P r o z. aufweisen kann. Von dem Augenblick an, wo er die Fabrik betritt, bis in die Abendstunden bildet der Arbeiter bei der Massenproduktion im wahren Sinne des Wortes einea Teil der Alaschiue. die er bedienen soll. Wenn er eine bestimmte Norm bei der Akkord- arbeit einmal nicht erreicht, so wird er wegen Untauglich keit ent- lassen. Bei der Massenproduktion herrscht im allgemeinen das Prin- zip der Akkordarbeit, die aus dem Arbeiter das Letzte herausholt. Da eine moderne soziale Gesetzgebung in den Per- einigten Staaten fehlt, so ist auch eine soziale Versicherung der Ar- beiter nicht vorhanden. Statt dessen machen die Unternehmer großzügige Gesten, indem sie Häuser für die Arbeitnehmer bauen, ihnen Arzthilfe zur Verfügung stellen,«ine Maßnahm«, die an der völligen Abhängigkeit der Arbeiter vom Unternehmer nichts ändert. Durch fein Buch versucht also H. G. Adam das BUd des „Wohlstandes des amerikanischen Arbeiters" durch statistische Angaben und die Rückschlüsse aus eigenen Beobachtungen im wahren Licht« zu zeigen. Besonders für die deutsch« Oeffentlichkeit wäre das Buch von Nutzen, da hier, mehr als irgendwo. ein« falsche Vorstellung von Amerika herrscht und die Verhältnkss« in der Wirtschast hitfBerekWgkät Staat«, nur im' rosigsten Acht cmz«s«h«n werden. Daran sedenfall» läßt das durchaus' sachliche Buch keinen Zweifel, daß in dem freiesten Land« der Welt die Arbeiterschaft den Auswüchsen des Kapitalismus gegenüber unfreier und wehrloser gegenübersteht als in den europäischen Indirftrieländern. Prof. Totornianr. Gefährdete Auslandsanleihen. Es handelt sich aber„nur" um private Indvfirieanleihen. Seck Jahren ist in Deutschland die öffentlich« ausländisch« Kapitalbeschaffung unter Kuratel gestellt. Dies« Kuratel ist längst als vlllkswirtschaftlicher Unfug erkannt. Sie wird aber fortgesetzt und soll sogar verschärft werden. Oeffentliche Ausländsanleihen sind bisher noch nicht notleidend geworden. Der öfs«ntllch« Kredit Deutichlands ist im Ausland bisher noch nicht durch die öffentliche Wirtschaft»- und Fütanzfährung, sondern höchsten« durch die Führung der Beratungsstelle gefährdet worden. Di« öffentlichen Zins- und Tilgungsoerpflichtungen gegenüber dem Ausland wurden bis- her ohne Ausnahm« fristgemäß erfüllt. Eine Kontroll« der pri- naten Kapitalbeschaffung im Ausland wurde„selbftver- ständlich' bisher noch nicht für notwendig gehalten, obwohl der deutsche Kredit im Ausland durch notleidend«erdende Privat- cm leihen murdestens ebenso stark bedroht wird wie durch öffentliche. Jetzt liegen an einem Tag« von zwei größeren Privat- i i r m« n Meldungen vor. wonach diese mit ausländifchen Bank- häusorn vsrhondsln müssen, weil st« Anleiheverpflich- tungen nicht nachkommen können, bzw.«in« Aenderung der Tilgungsverpflichtungen wünschen. Nach einer Meldung aus Amsterdam sind die Inhaber einer 7prozentigen Obligationsanleihe der Heyl-Beringer Farbenfabriken A.-G., Berlin, benachrichtigt worden, daß dies« nicht in der Lage sei, die fälligen Ianuarabschnitte der Anleihe zu zahlen. Es handelt sich um«ine Iprozentrg« Wandelanleihe von 3/5 Millionen holländischen Gulden oder 6,12 Millionen Mark, die vor einig«« Jahren aufgenommen und hypothekarisch gesichert wurde. Die cheql-Beringer Farben- fnbriksn A.-G-, im Jahre 1926 durch den Zusammenschluß zweier sehr aller deutscher Farbenfabriken entstanden, hatten noch 1927 und 1929 zur Durchführung einer umfassenden Expansionspolitik 'hr Kapital auf 14:3 Millionen Mark erhöht. Dividenden mürben noch nicht bezahlt. Im zweiten Fall Handell es sich ebenfalls um zwei Gulden- onleihen. und zwar der Rhenania Ossag Mineralölmerke A-G. in Düsseldorf. Hier sollen die holländischen Gläu- biger einer Verschiebung der Anleiherückzahlung zustimmen, wofür als Gegenleistung die Uebernahmc der Kapitalertragssteuer bzw. eine spätere Erhöhung der jährlichen Tilgungsrate durch den deut- schen Konzern angeboten wird. Im Fall Heyl-Bermger ist dt« Hallond-Anleih« ganz offenbar notleidend und die Kredttschädlgung sür die deutsch« Privat- Wirtschaft llegt auf der Hand. Im Fall« Rhenania-Ossag lassen sich die Gründe des geforderten Tllgungsauffchubes nicht erkennen'. die Beunruhigung der Anleihegläubiger und ein« daraus folgende Kreditgef ährdung sind aber unvermeidlich. Wir sind überzeugt, daß die deu�che Privatwirtschaft und die bürgerlich« Finanzpress« von dielen durchaus bedenklichen Tatsachen kaum anders als res«- ricrend Notiz nehmen werden. Würde ea sich um öffentliche An- isthen handeln, so wäre de« Geschrei«» kein«»de! yteue Schwierigkeiten mit polen. Schweinettnfohr und Sondelsverirag. Die deutsch polnischen H and« l« v e r trag s o« r- Handlungen in Warschau sind durch die neuen polnischen Forde- rungen in der Frage der Schwein«ausfuhr wiederum insStocken g«raten. Wi« die„Gazeta Posska" hierzu schreibt, seien sich beide B«r> Handlungspartner über die Höhe des polnische» Schwemeausfuhr- kontingents und seine Steigerung in den solgenden Jahren völlig einig. Jedoch hälle wegen der von deutscher Seit« gemachten Einschränkungen bishex ein» Einigung noch nicht erzielt werden können. Dies« Einschränkungen bestehen darin, daß der Verkauf von polnischem Schweinefleisch nur an die von der deutschen Regierung bezeichneten Fleischfabriken erfolgen dürfe und die Ausftchr lebender Schwein« sich ausschließlich auf dem Seemeg vollziehen solle. Auf polnischer Seite wird hiergegen gellend gomacht. daß die von Deutschland vorgeschlagene Ausfuhrmethode von den in den übrigen polnischen Handelsverträgen beobachteten Grundsätze abweiche und keineSicherheitfürdi« restlose Uebernalpne des theoretisch zuerkannten Kontingents durch die deutschen Fleischiabriken gewähre. Auch der zweite Punkt sei im Hinblick aus die Unrentabilität(?) und Unsicherheit des Seeweges nicht anwendbar. Der polnisch« Bevollmächtigte habe daher gefordert, da» unauogenutzt geblieben« Restkontingant unter Beobachtung der veterinärpolizeilichen Bvr. schrfften aus dem freien deutschen Markt zu verkeatsen. Da dl« deutsche Delegation diesen polnischen Borschlag nicht an- nehmen konnte, Polen andererseits aber au» grundsätzlichen Er. wägungsn an seiner Forderung festhält, hat der polnisch« Bevvll- mächtigte der deuffchen Vertretung mitteilen müssen, daß unter diesen Umständen«in Abschluß des Handelsvertrages nicht zu- stände kommen könne. Neues Gold iu der Reichsbauk. Vorbereitung«» auf den Iahreekschwsi. Man wird die Entwicklung der Reichebankgeschäst« in der nächsten Zeit mit größerer Aufmerksamkeit oerfolgen müssen. Nach- dem die Reichsbank die Auslandsanleih« des Reiche» unmöglich gemacht hat. muß der Iillandskrsdit des Reiches zum Jahrs»evd« im wesentlichen durch die direkt« oder indirekt« Inanspruchnahme der Reichsbant seine geldmarktmäßig« Deckung finden. Aehnllche» gilt für hen Kredit der Stadt Berlin, dessen Deckung«entgsten» toilweffe«bensall» durch Rückgriff« aus den Kredit der R«ich»bani erfolgen wird. D«r Wochenausweis der Reichsbant vom 23. Dezember, der über die vorletzt« Iabreswoche berichtet, läßt van einer besonderen Inanspruchnahme der Reichtbankmittel noch wenig erkennen. Wenn sich die Wechselbestände um 65,7 auf 2156,5 Millionen, dt« Bestände an Reichsschatzwechseln mv 24 aus 34 Millionen erhöht haheR, sio b nu ich» man darr» noch istcht mehr al» den Begmn einer normalen Borsorg« für den Jahresschluß zu erblicken. Abgesehen davon tst aber im ganzen von«in« stärkeren Inanspruchnahme der Reichsdank»och nicht die Red«. Die Lonckavddarlehen haben nämlich in der dritte» Dezemberwoche um lOL aus 98 Millionen n o est abgenommen, und die unverzinslichen fremden Gelder out Girokonto zeigen mit 448.4 Millionen sogar noch«in« Zunahm« um ; 46L Millionen. Der Umlauf an Reichsbantnoten hat sich zudenr noch verringert: er ging um 9.9 auf 4�79 Millionen zurück— bei einer Erhöhung des Umlaufs an Rentsndank- scheinen um S,2 Millionen Mark, so daß der Notenumlauf in der dritten Dazemberwoch« sogar noch«twas geringer war als zur gleichen Zeit de» Vorjahres. Beachtlich sst. daß die Reichsbank ihre Währung»- referven verstärkt und damit die Unterlogen für ihre Kredit- oewährung erweitert hat. Di« Goldbestände sind um 17,5 aui 2.264.7 Millionen und die Bestände an Deckungsdevifen um 15 air 495,7 Millionen Mark gestiegen. Entsprechend verbesterte sich die Deckung. Durch Gold allein waren die Noten am 23. Dezember mit 49.5 gegen 49 Proz. in der Borwoche gedeckt, durch Gold und deckungsföhige Devisen mit 58,3 bzm. 1)7,5 Proz. Baukzusammeubruche überall. Neue Rankpleitea in Oeutfchlaut».— Bei der Lvtticher Bank groß« Verluste. »ir hob«« gestern von dem Zusammenbruch der Bant Chaudoir in Lüttich berichtet, der den Rücktritt des belgi schen Ministers Tschoffen zur Folg« gehabt hat und von dem man erwartet, daß«r nur der Vorläufer weiterer Bankenzuiamm) bräche in Belgien sein werde. Bei dem Kapital von 49 Millionen Franken soll dte Lätticher Bank Verlust« von 59 bis 89 Millionen Franken erlitten hoben, so daß auch die Gut- haben der Einleger bedroht sind. Aber auch aus Deutschland werden neue Bonlenzusomwen bräche gemeldet. In Berlin hat die seit 1856 bestehend« private Bantsirma Siegfried Brann ihr« Zahlungen eingestellt, wo- auch auf der Börse Beunruhigung hervorgerufen hat. Buchmäßig soll der Status der Bank aktiv sein, so daß die Schwierigkeiten au' das Einfrieren bzw. auf dt« Unelnbringlichkeit gewährter Kredite zurückzuführen ist. In M ü n ch e n sst das Bankhaus Heinrich Eckert. das in der Provinz eine größere Anzahl von Filialen und Agen tuten unterhält, zahlungsunfähig geworden und hat Antrag auf gr richtlichen Vergleich geftellt. Hier wird die Zahlungseinstellung auf größer« Abhebungen und auf den Rückgang der Einlagen zurück- geführt. In Magdeburg sst die Bankfirma H. L. Baust in Schwierigkeiten geraten und auch hier wird mit den Gläubigern ein Vergleich angestrebt. Mißwirtschaft des PrioaUapitals? Der bürgerliche Blätterwald schweigt zu diesem Thema. Eine kommunale Werks-A.-G. in Oresöeu. Die Erkenntnis, daß kommunale Verfoegungsb«triebe Zweck mäßig nicht än städtischen Haushalt, sondern selbständig in der Form von Gesellschaften verwaltet werden, setzt sich immer stärket durch. Wie der.Dresdner Anzeiger" meldet, will auch d« Stadl Dresden ihren Werken dU Form von Aktiengelellschasten geben � Di« neu zu schaffenden Aktien sollen w der Hand der Stadt Dr» den bleiben Beschs ufssa ssung d-rrüber soll noch nur Behrrssckssust erfolgen.. tq auf cia voller 5aht oassorkausi Di« 5L-®, für Zellstoffe und Daviersabrikatidn tn Aschaffenburg,«fasir Erzführenden ZeMofftonzern««a~ des Unternehmens. «tt nähere Thttfübrnrnm üim hie ___________________ Wie bei dem FcLunÄste�ReinheZ». Konzern und der Waldhos-Grupp« bot auch da» Afchaffenburge, Großumernehmen von Jahr zu Jal,r steigend« Ümslltze zu verzeichnen. Di« Zellstoff Produktion stieg fest 1926 bis 1978 von rund 179 999 auf 18S 599 Tonnen. Holzstoff von 4679«ms fast 6299 Ttümen. Sprit von 88655 auf ZS»59 Tonnen. während die Popierproduktio» mit<1 874 Tonn», stabit blich. Bei einer lstiftungsfähigkeit von 218000 Tonnen Zeüstor nähert sich also die Produttion bald der Kapazität»««»«. Wie die Vutwallung noch mitteilt, sst da» Untemchrnen für das ganze kommend« Jahr 1989 mit seiner Zellstoffproduktion ausverkauft. Der Gaspreis für das von der Standaufnahme im Januar 1930 ab entnommene Gas wird auf nptsnnig für das Kubikmeter festgesetzt Der neue Gaspreis wird also zum ersten Male im Februar 1930 erhoben. Die Bestimmungen überRabatt- gewehrung und über Gasmesser- mlete aus der Bekanntmachung j vom 1. Oktober 1924 bleiben bestehen. Berlin, den 16. Dezember 1929. Berliner Städtisciie Saswerhe AHI.-Ges Der Vorstand