BERLIN Sonnabend 28. Sezember 1929 erfchei«ttSslicha«»erS»««t«s«. Zugleich Äb-ndautgab« de«»Vorwärts�. Bezugspreis beide Autzabea 8ö Pf. pro Woche, S�oM. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW 68, Liadenstr. 3 10 Pf. Nr. 607 B 302 46. Lahrgang A»i«ise«prei<: Die eknspaltise Nonpareillezeil« 9» Pf., Reklamezeile ü M. Ermäßigungen nach Tarif. PoKscheckkonto: VortoSrti-Verlag G. m. b.H.. Berlin Nr.Z7SZ6. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Schacht nicht delegiert. Cr geht nicht nach dem Haag.— Meinungsverschiedenheiten der Regierung. mit Cm Drama auf See. Meuterei und Hinrichtung auf einem französischen Kreuzer. Aufstoird teilnahm und die Offiziere in ihrer Angst vor einem dem russischen P o t e m k i n- Ausstand ähnlichen Schicksal einen Hilferuf nach dein anderen sandten. Der amerikanische Kreuzer eilte mit Volldamps herbei und„besänftigte" die Aufständischen vor der Hand mit der Drohung, das Schiff zu versenken. Im Angesicht der drohenden Kanonen kapitulierten die srairzösischen Matrosen, die sich anscheinend nicht stark genug suhlten, mit der moderneren „Pittsburgh" den Kamps auszunehmen. Bon da an ging alles Schlag auf Schlag. Die unmittelbare Folge der Ergebung mar die Einsetzung eines auhcrordent- lichcn Kriegsgerichtes, dos Die ReirhSregieruug fetzte heute ihre Beratungen über die Vorbereitung der Haager Konferenz fort. Serr S ch a est t nahm abermals an diesen Beratungen teil. Es steht nunmehr fest, da st Herr Schacht der deutschen Delegation für den Haag n i«h t angehören wird. Er hat geglaubt, der Reichsregieruug für die bevorstehenden Verhandlungen Richtlinien und Bedin- gunge» aufzwingen zu rönnen, und das Spiel fortzusetzen, das er bei der Sabotierung der Ueberbrückungsanleih« getrieben hat. Herr Schacht hat geglaubt, seine törichte Tatttt bei den Pariser Verhandlungen, die beinahe zur Sprengung geführt hätte, könnte im Haag wiederholt werden. Die Rcichsregierung hat diese Ansichten einmütig für un«ög- lich gehalten. Da» Ergebnis ist» dast Herr Schacht nicht delegiert worden ist. Von den sozialdemokratische« Ministern reist Wirt» schaftsminister Robert Schmidt nach dem Haag. Die deutsche Delegation. Die Rcichsregierung hak die deutsche Delegation zur Haag« tzonscrenz in folgender Zusammensetzung beschlossen: Reichsautzenminister Dr. C u r l i u s. Reichsminister für die besetzten Gebiete Dr. w i r t h. Reichsfiaanzmiuificr Dr. IN o l d e n» Hauer. Reichswirlschostsminister Robert Schmidt. Als hauptsachver ständiger geht Dr. Melchior mit: soweit die Veralungen über die internationale Vank es erforderlich erscheinen lassen, wird auf Anforderung der Delegation auch Reichs- bankpräsident Dr. Schacht an der Konferenz teilnehmen. Im übrigen geht aus Vorschlag Dr. Schachts das Mitglied der Reichsbankleitung, Geh. Aiaanzrat Dr. v o ck e. mit. Dos Reichsautzenministerium wird durch Staatssekretär Schubert und durch die Ministerialdirektoren G a u tz und R i t- > c r vertreten, das Reichssinanzministerium durch den heule zum Staatssekretär ernannten Dr. Sch äffer und durch Ministe- rialdircktor Dorn, das Ministerium für die besehten Gebiete durch Ministerialdirektor Miller, die Reichskanzlei durch Miaisterial- direklor? ü n d e r und die' preffeabteilung der Rcichsregierung durch Ministerialdirektor Z e ch l i n. popih' Nachfolger. Dr Schäffer zum Staatssekretär ernannt. Der Ministerialdirektor im Reichswirtschastsministerium Dr. Schäffer ist vom Reichspräsidenten zum Staatssekretär im Reichsfinanzministerium ernannt worden. Schäffer steht im 44. Lebensjahre und ist parteipolitisch nicht gebunden. Hungersnot in Niederländisch-Zndien. -tOOOO Menschen vom Hungertod bedroht. Amsterdam. 28. Dezember. Nach Meldungen aus Batavia ist im westlichen Teil der Insel Flore» unter der eingeborenen Bevölkerung eine große Hungersnot ausgebrochen, da die Ernte durch Ratteuscharen zum große« Teil vernichtet wurde. Nachdem im Oktober bereits 30S Menschen gestorben seien, habe sich die Notlage, wie berichtet wird. sehr verschlimmert, und zurzeit würden rund 10 0 0 0 Personen vom Hungertode bedroht. Tie Be- Hörden habe« Maßnahme» zur Bekämpfung der Hungers» not ergriffe», und aus Ost-Java sind Reis- und Mais- laduuge» nach dem Huugergebiet verschifft worden. Die bulgarische Regierung hat anläßlich des bevorstehenden orthodoxen Weihnachtsfestes 153 Züülgefongene und 100 Militär- gefangene begnadigt. Unter ihnen befindet sich kein einziger politischer Häftling. Die Rcgicrungsprcsie begründet dos damit. daß fast alle politischen Gefangenen von der letzten Amnestie ersaßt worden seien. Die Arbeiterpresse stellt das entschieden in Abrede. New Jork, 28. Dezember.(Eigenbericht.) Bor einiger Zeit erschien in der amerikanischen Presse folgende Meldung:„Aus dem französischen Panzerkreuzer Waldeck Rousseau(Wasserverdrängung 11 000 sonnen) brach in der z wollen Oktoberwochc in den chinesischen Gewässern in der Nähe von Amoy eine Meuterei aus, der nur mit Hilfe des vom Kapitän des Woldeck Rousseau radio- telegraphisch herbeigerufenen amerikanischen Kreuzers Pills- burgh (Wasserverdrängung 13 40ft Tonnen) unterdrückt werden konnte." Nichts weiter. Ein undurchdringlicher Schleier hing über den Geschehnissen,� die von de» Marineministericn der Bereinigten Stödten und Frankreichs verschwiegen wurden. Jetzt sind durch die Erzählungen der Matrosen des„Pitts- burgh" einige Tatsachen an die Oessentlichkeit gelangt, die ein Licht auf die Tragödie, an Bord des„Waldeck Rousseau" werfen. Daraus geht hervor, daß der größte Teil der Besatzung an dem Konzessionskabineit in polen. Bartels plane. Warschau, 28. Dezember. Prosesior Bartel soll heute mit der Kabinettsbildung zum Abschluß gelangen. Wie verlautet, wird der Posten eines Vize- Ministerpräsidenten geschaffen und Kosciallowjki, dem Führer der Linksgruppe im Regievungsblock, übertragen werden. Für das Innenministerium kommt Graf Dunin-Borlowsti, ehemals Wojewode von Posen, vor allein in Betracht, der als l i b e- r a l e r Politiker auch in der Minderheitenfrage gilt. Im„Lager der Obersten" sieht man dem Kabinett Bartel recht mißtrauisch entgegen. Man fürchtet dort, daß„d?c starke Hand" fehle» wird. Bartel war zur Zeit der Premierschost PUsudskis Mze- Ministerpräsident und wurde wegen Partamentsfreundlichkeit abge- setzt. Dunin-Borkowski— die Adelstitel sind durch die polnische Dersassung abgeschafft— ist ein bedeutender Historiler und Philosoph. Als Wojewode von Posen wurde er Ende September d. I. abgesetzt, weil auch er nicht den„Mann der starken Hand" mimte. Er kennt zuviel von deutscher Wissenschast, als daß er die Verfolgung der deutschen Sprache in Posen im Sinne der Chauvi- nisten hätte treiben können. Da er aus Ostgalizien stammt, kennt er auch dos ukrainische Volkstum: wenn dieses auch in scharfem Gegensatz gegen die polnischen Großgrundbesitzer und Beamten steht, zumal die Ukrainer in ihrer Masse Kleinbauern und Feld- arbeiier sind, so tonn eine verständige, nichtchouvinistische Staats- Politik diesen Gegensatz stark mildern. Gerade jetzt wäre die Ge- legenheit dazu, gerade da, in einer Zeit, wo die Lage der sowjet- russischen Bauern das Verlangen ihrer gleichnationalen Klassen- genossen in den Nachbarstaaten, Sowjetbürger zu werden, dem Nullpunkt nahegebracht haben dürste. Kammerarbett bis Sonntag. Krankreich schließt kein Konkordat/ Nüstungskämpfe Manns Paris, 28. Dezember.(Eigenbericht.) Das Budget des Auswärtigen Amtes ist am Freitag von der Kammer In einer Nachtsitzung ohne weitere Schwierigkeiten erledigt worden. Vorher erklärte Briand, daß zwischen Frankreich und dem Vatikan keinerlei Verhandlungen über den Abschluß eines Konkordates schwebten. Zum Schluß der Sitzung beschloß die Kammer noch, am Sonn- abend und Sonntag zu tagen und am Sonntag abend spätestens ihr« Sitzungsperiode abzuschließen. Am Sonnabend vormittag soll zunächst das Flottenbauprogramn'.>ur das Jahr 1930 und die Organisation der französischen Grenzbejestigungen behandelt i die beiden Führer des Ausstandcs zum Tode durch den Strang verurteilte. Das Urteil wurde an Ort und Stelle voll« streckt. Vor den Augen der gesamten Besatzungen beider Kreuzer wurde» die beiden französischen Matrosen an Bord des„Waldcck Rousseau" gehängt. Alle am Aufstand beteiligten Matrosen wurde» späterhin abgelöst und sind vor ein französisches Marinegcricht ge- stellt worden, über dessen Urteilssprüche bisher nichts bekannt ist. werden. Am Nachmittag soll die Diskussion über die Jnter- pellotionen zur Organisation und Kontrolle der internationalen Zahlungsbank folgen. Dies« Jnterpellationsdebatte droht den alten Streit zwischen Briand und der überpatriotischen Oppo- sition wieder einmal von vorn beginnen zu lassen. Aber nach der Niederlage am Freitag dürste den Marin, Mandel und Genossen die Kampseslust etwas vergangen sein. Bezeichnend ist, daß sowohl Marin wie Reib«! sich am Freitag bei der entscheidenden Ber- trauensabstimmung der Stinrme enthalten habe». Am Sonntag wird die Kammer u. a. noch die für dea 1. Januar 1930 in Kraft zu setzenden Steuererleichterun- g e n in Höhe von 1,15 Milliarden genehmigen. Emigrantenmord an einem Spitzel. Paris, 28. Dezember.(Eigenbericht.) Von dem Pariser Schwurgericht wurde der italienische Republi- kaner und Emigrant P a v a n zu zehn Jahren Zuchthaus vcrur- teilt. Pavan hatte im vergangenen Jahre den faschistischen Spitzel S a v o r e l l i durch einen Revolverschuß ermordet. Die Prozeß- Verhandlung entwarf das übliche Bild der politischen Kämpfe zwischen italienischen Emigranten und den zahlreichen Spitzeln Mussolinis. Pavan, der schon vor seiner Ausreise aus Italien unter den übelsten Verfolgungen zu leiden hatte, erklärt seine Tat damit, daß er zu oerzweifelt gewesen sei, um zu erkennen, daß auch Savorelli, den er als«inen republikanischen Führer augesehen habe, nichts anderes gewesen sei als ein faschistischer Agent. Heute würde er allerdings seine Tat nicht mehr begehen, denn er sehe ihre voll» kommen« Nutzlosigkeit ein. Die Geschworenen billigten ihm mildernde Umstände zu, bejahten aber die Schuldfragc aus Mord.„Es wäre besser gewesen"— erklärte der Angeklagte nach Dcrtündung des Urteils—„wenn man mich gleich zum Tode ver- urteilt hätte." Tragödie im Schleusenhaus. Hamburger Wärter erschießt Frau, Kind und sich selbst. Hamburg, 2?. Dezember.' Ein furchtbares Familiendrama hat sich in der vergangenen Nacht im Schleusenhäuschen am Brookthor abgespielt. Als heute früh der Schleusenwärter Bergandcr abgelöst werden sollte, wurden e r und seine Frau In dem wärterhäuschen am Fußboden liegend erschossen aufgefunden. Die neun- jährige Tochter lag mit einer schweren Verletzung durch einen Schläfcnschuß besinnungslos auf dem Bett. Sic starb bald nach der Sinlieferung ins Krankenhaus. Die Beweggründe der Tot sind noch unbekannt. Sichert den Wohnungsbau. Rsichsrat und Hauszinkisteaerrückflüsse. !l!clch dem Reichsgcsel; über den Geldentwertungsairsgleich bei gebauten GruitdWcken vom I. Juni 1926. wird die G c b ä u d e e n t- i chu ldung sst e.u e r o u s"z i n s st e n e r) als Steuer auf den Jnslatiorö�etcm» der Hauslvsitzer erhoben. Praktisch trägt diese Steuer der Miere.", und der Hausl'esitzer ist nur der Vermittler zum Finanzamt-. Llls om 1. Iaiuwr 1928 der Hausbesitzer den Zinssatz der ausgewerteten Hypotheken von 3 auf S Proz.«rhöhen muhte, wurde dies der Pol�waich, die Mieten im Jahre 192? auf 129 Proz. der Friedensmiete zu erhöhen. Damit wurde bestätigt, daß d i e Mieter die ganze Au f we r t u n g s l a p zu tragen haben. Deshalb haben die Mieter auch das größte Interesse an der richtigen Verwendung der Neuer. Sie erbringt etwa 1699 Mil- lioncn pro Jahr imd sticht zur Zuten Hälfte den Ländern und Ge- mcinde» zur Deckung ihres Finanzbcdarss zu, der Rest dient dem Wohnungsbau. vi» Ende 1920 dürsten ans dqx hausziussteuer 4 VuUiarden viork für den ILohnungsbcw verwendet worden fein. Wird die Hauszingsteusr weiterhin, in gleicher Höhe für den Woh- »ui�sbau verwendet, dann steigt die Summe in zehn Jahren auf ciwa 12 Milliarden Mark. Das ist für den Wohnungsbau der Zrstunft ein beträchtliches Kopstal. Die Hauszinsstouerhypotheken werden nur mit der Auflage der Tilgung, teilweise auch der Verzinsung, gegeben. Die Sätze betragen 1 bis 2 Proz. der Hypothckcnsumve. Die Rückflüsse aus Til- gung und Verzinsung betragen jetzt pro Jahr 39 bis 49 Millionen Mark und werden auf 129 bis 130 Millionen Mark pro Jahr an- steigen. Diese Rückflüsse dem Wohnungsbau zu sichern, war das Ziel des Reichstags. Das hat er in seinem, am 13. März 1928 einstimmig beschlossenen Wohnungsbau- progragnm zum Ausdruck gebracht. Dort heiHt es: „Hie Rückflüsse(Zinck- und Anzortisationsrate) aus Haus- z i n sftemer h ypot he keu und Darlehen sind ausschließlich für den Kleinwohpungsbau sowie zur Verzinsuag und Til- qung der; für diesen Zweit erforderlichen Anleihen zu verwen- doii: kainesfalls dürfenfie zurDeckung vonVer- wolturegsaufggben der Län.dcr und Gemeinden benutzt werden." Unter Mißachtung dieses Beschlusses setzte Preußen 12X' Mil- liotzen Mark der Rückflüsse in den Etat für 1939 zur Schulden- dcckung, also s.ür Verwaltungsausgaben, ein. Hiergegen wandte sich der Reichstag. Da das Wohnungsbauprogramm nur eine Entschließung darstellt, so galt es nunmehr bindepd durch Gesetz die Rück- slüsse für de» Wohnungsbau zu sichern. Es war notwendig, dem ersten Mißbrauch zu begegnen, damit Nachahmungen unterbunden wurden und ein großes Kapital nicht auf Nimmerwiedersehen in den großen Veriupltungstopf verschwindet, statt für den Wohnungs- bau zur VerfllguiP zu stehen. So entstand fc:r Gesetzentwurf zur Sicherung der Rückflüsse aus. der Hauszins st euer für den Sied- litngs» und Wohnungsbau, der am 29. Dezember vom Reichstag in dritter Lesung angenommen wurde. Nun wurde der Reichsrat mobil gemacht. Er erhob auch Ein- spruch gegen den Beschluß des Reichstags. In der Begründung machte der Reichsrat geltend, daß die Steuer den Ländern zustel>e. die sie beliebig verwenden könnten und daß das neue Gesetz in die 'Neuregelung des Finanzausgleichs vorab eingreife. Beide Einwände sind salsch und irresührcnd. Das Gesetz über den Gelivntwertiingsausgleich bei bebauten Grundstücken ist ecn Reichsgesatz. Es überläßt zwar den Ländern und Gemeinden �«Erhebung der Stenern, bindet aber ihren Verwendungszweck. Für den Finanzbcdarf find 29— 39, f ü r den Wohnungsbau 13—29 vom Hundert der Friedensmiete zu verwenden. Das Gesetz bestimmt ober weiter, daß. wenn die Mieten erhohl werden, in diesem Falle von dem INchrerlrag der Mieten höchstens ein Fünftel für den allgemeinen Finanzbedarf beansprucht wenden darf. Dieser Fall trat 1927 ein, denn die Mieten wurden auf 129 vom Hundert der Friedensmiete erhöht und der Anteil für den Woh- iiiingsbou stieg auf 29 vom Hltndcrt der Friedcnsmietc, das heißt, auf die Hälft« der Hauszin-steuer. Den Ländern blieb also nur das Recht, m ehr für den Wohnungsbau van der Hauszinssteucr bereitzustellen. War dieser Teil einmal festgelegt, so war er für den Wohnungsbau z w e ck gebunden und mußten auch die Rückflüsse aus diesem Teil wieder für den Wohnungsbau verwendet werden. Dies sicherzustellen, ist der Zweck des neuen Gesetzes. Es ist also falsch, daß es im Enressen der Länder steht, die Rückflüsse beliebig zu verwenden. Noch irreführender ist die Behauptung des Reichsrats, daß das neue Gesetz vorab in den Finanzausgleich eingreift. An dem gegenwärtigen Stande des Finanzausgleichs wird nichts geändert. Für den künftigen Finanzausgleich erstrebt der Reichstag durch die von ihm beschlossenen Richtlinien für den Wnh. nungsbau den vollen Ertrag der Hauszinssteuer für den Woh- nungsbau zu verwenden, was kaum ohne anderen Steuerersatz möglich sein dürfte. Bei der Auffassung des Reichstags dürfte kaum zu erwarten sein, daß er noch größere Teile der Hauszinssteuer oder die Rückflüsse für den Finanzbedarf der Länder bereitstellen wird. Das würde den Wohnungsbau zum Erliegen bringen und die Zlrbeitslosigkeit steigern. Darum ist das Vorgehen des Reichs- rats zweck- und nutzlos. Aller Voraussicht nach wird der Reichstag mit mehr als Zweidrittelmehr- heit den Einspruch zurückweisen und die zweckwidrige Verwendung der Rückflüsse unter- binden. Ricbsrck stipinslci. Neuland entdeckt. Erfolg der Norwegia Expedition im Südpolargebiet. Oslo, 28. Dezember. Der Fliegerkapitän Riiser-Larjen von der Nor- wegia- Expedition teilt mit, daß er zusammen mit Kapitän Liiüow-Holm im v a a k o n- VlI.-Meer im Züdpolargebict zwischen Goatsland und Endcrbh- land neues Land entdeckt hat, das sie für Nor- wegen in Besitz genommen haben. Die beiden Flieger verließen die„Norwegia" im Flugzeug und ginge« auf einer offenen Stelle im Wasser nieder. Hier- auf begaben fie sich auf Skiern an Land, hißte» die nor- wex-ische Alap.qe und flogen dann zum Schiff zurück. Eine Steuerbescherung. Das amerikanische Schatzamt beglückte die Slcwerzahler mit der Rückvergütung v»n 199 Millionen Dollar zuviel gezahlter Steuern. Weihnachtefeier des S&esEirksamh Treptow für 500 Waifenkinder, Das Sektglas ins Gesicht. Ein Bild in Grau aus dem modernen Vergnügungsbetrieb. Wie die großen eleganten Tanzlokale ihre Eintänzer haben, die sich der ohne mäimliche Begleitung gekommenen tanzlustigen Damen annehmen müssen, so haben sie auch ihr« Ei n t ä n z e- rinnen, die umgekehrt die Pflicht haben, sich der allein gekom- menen oft weniger tanz- als vergnügungslustigen älteren Herren anzunehmen. Diese Eintänzerinnen sind nichts anderes als Am- mierdamen, die die Kavaliere im Interesse der Unternehmer zu tüch- tigern und kostspieligem Alhoholkonsum anhalten müssen, während sie selbst, meist ohne Gehalt angestellt, auf Prostitution angewiesen sind. Wenn dann ein armes Mädel in einem Augen- blick der Lerzweiflung und des Zornes einem allzu aufdrinzlichen Kavalier grob kommt, dann wird es einfach auf die Straße ge- warfen und das Amtsgericht sagt, wie der folgende Vorfall be- weist. Ja und Amen dazu. Elegant gekleidet, gut frisiert, tadellos manikürt, so müssen die Eintänzerinnen allabendlich zum Dienst antreten, der lediglich darin besteht, mit gut angezogenen Herren auf Anordnung der Geschäfts- leitung zu tanzen und möglichst viel Sekt und Wein zu trinken. Beim oberflächlichen Hinschauen erscheint der Berus der Eintchizerin geradezu beneidenswert. Aber so ganz beneidenswert ist dieses Leben doch nicht, denn auch hier ist die leidige Geldfrage von großer Bedeutung. Das Gehalt der Eintänzerin bezahlt gewöhnlich nicht der Chef, für den sie tanzen muß. Der Elzef verlangt wohl, daß sie stets elegant gekleidet zum Dienst erscheint, aber woher' sie das Geld für die Garderobe nimmt, interessiert ihn nicht. Meist ist es so, daß die Eintänzerinnen„Tischgeld" machen imisslkff, d. h. daß sie von den Herren mit denen sie auf Anordnung der Ge- schäftsleitung tanzen und trinken müssen, sich G e l d» s ch e n k e n lassen. Vielsoch bekommen sie auch eine gewiss« Umsatzprovi- sion vom Unternehmer ausbezahlt, dann müssen sie aber auch die Vorwürfe einstecken, wenn sie die Gäste nicht stark genug zum Trinken animieren. Rur in Ausnahmefällen kommt es vor, daß die Eintänzerinnen «ine feste Tagesgage erhalten, die sich dann zwischen 1 bis S M. bewegt. Bon dieser Entlohnung müssen die Eintänzerinnen ihren Garderobcnaufwand bestreiten, denn wenn sie etwa in nicht hoch- elegantem Bollkleid erscheinen würden, würden sie sofort aus dem Lokal gewiesen werden. Der Haupterwerb der Eintänzerinnen liegt in der Zeit nach Schluß des Lokals, wenn sie von den Kavalieren, die sie im Lokal kennengelernt hoben, noch weiter eingeladen werden. Aber das weiß selbstverständlich der Ehef der Eintänzerinnen nicht, der reinen Herzens glaubt, daß sich seine Damen für die Gage von 1 Vi. pro Tag elegant kleiden und noch soviel von dem Geld erübrigen können, wie sie zum Leben brauchen. Der Chef der Eintänzerinnen würde jeden, der ihn als Kuppler oder Zuhälter zu bezeichnen wagt, wegen Beleidigung verklagen. Jenny war eine Eintänzerin, wie sie zahlreich in den Groß- städten zu finden sind. Sie gehörte sozusagen zur ersten Klaffe, denn sie bezog ein festes Monatsgehalt von 123 M. Dafür ober war sie auf«ine feste Ar b c i t s z e i t verpflichtet und durfte nicht während der Geschäftsstunden, wie ihre Kolleginnen, mit einem Kavalier das Lokal verlassen, um dann nach einer Stunde wiederzukommen. Ihren Nebenerwerb, der der Haupterwerb jeder Eintänzerin ist, mußte sie ausschließlich in der Zeit nach 3 Uhr nachts betreiben. Jennys Unglück war es, daß sie etwas melancho- lischer war als ihre Kolleginnen. Alle diese Mädel haben gewöhn- lich im Jahr eine Zeit, in der das „heulende Elend" über sie hereinbricht. Und da sind gerade die letzten Wochen des Jahres, in denen alle möglichen Erinnerungen geweckt weichen, besonders gefährlich. Da passierte es, daß Jenny, die auf Anord- nung ihres Chefs mit einem etwas ältlichen, aber offenbor sehr reichen Kavalier zusammen saß und gehörig kneipte, plötzlich von jener namenlosen Sehnsucht gepackt wurde. Ihr ganzes buntes,.1 Scheindasein und die zahlreichen und eindringlichen Anträge ihres„ Kavaliers ekelten sie derart an, daß sie das voll« Sektgläs ihrem Gegenüber ins Gesicht warf und heulend davon lief. Einen Augenblick herrschte im Lokal infolge dieses Auftritts eine peinliche Stille, denn Jennys Kolleginnen befanden sich alle mehr oder minder in der gleichen Stimmung. Aber dann brach, auf Anordnung des Herrn Chefs, eine besondere Lustigkest aus. hervorgerufen von den Tanzmädchen und der Kapelle. So wurde die Situation in dem vornehmen Tanzlokal gerettet. Nur für Jenny hatte der Fall noch ein unangenehmes Nachspiel. Sic wurde fristlos entlassen. und als sie wenigstens ihr« 125 M. Monatsgehalt vor dem Arbeits- gericht«inklagte, wurde sie mit ihrer Klage abgewiesen. Das scheinbar so elegante vornehme Tanzlokal zeigte hier seine wahre Fassade: die Fassade eines ordinären und brutalen Unternehmers, der nicht einmal so viel Anstand besitzt, einem armen auf die Straße gehetzten Tanzmädchen 123 M. mit auf den Weg zu geben. Erziehung zum prügeln. Gewalttätigkeiten von Kindern und Erwachsenen. Wie man in den Wald hineinrttst, so schallt es heraus... Die Alten prügeln die Jungen, die Jungs prügeln sich untereinander, und wenn sie all geworden, prügeln sie ihre Jungen. Auf einem der häßlichen Höfe einer Mietkaserne spiest ein Dreizehnjähriger mit einem Siebenjährigen. Wie oft bei Kindern, wird aus dem Spiel Streit. Der Kleine wirft noch dem Großen mit Glasscherben, der Große prügelt den Kleinen durch. D»r weint bittere Tränen, seine Mutter eilt herbei und verprügelt den großen Jungen. Die Mutter des Dreizehnjährigen will sich das nicht gefallen lassen: sie erstattet gegen die Mutter des Kleinen Strafanzeige wegen tätlicher Beleidigung. Also stehen die beiden Mütter und die beiden Jungen vor dem Amts- richter Berlin-Mitte. Er oersucht, die streitenden Parteien zu be- schwichttgen, aber weder der Dreizehnjährige noch seine Mutter wollen etwas von einem Bergleich hören. Die Mutter des Kleinen verteidigt sich aber auf ganz eigenartige Weise. Sie erklärt, daß die Mutter des Großen ihren Jungen derart prügelte, daß sie, die Mutter des Kleinen sich sogar genötigt gesehen habe, das Jugendamt mobil zu machen.„Und da prügeln Sie selbst den Dre.zehn- jährigen?" ironisiert der Richter und verurteilt die Frau zu 39 Mark Geld st rase. Eine Straße im Norden. Mitternacht. Eine Kolonne Arbeiter reißt dos Pflaster auf. Steine fallen laut polternd zu Baden. Nebnean führt eine Kolonne Monteure Reparatur- arbeiten an den Drähten der elektrischen Straßenbahn ays. Der untere Teil des Wagenturms ist unbewacht. Drei Brüder kommen des Weges daher. Sämtlich vorbestraft. Der eine der Drei bleibt Schmiere stehen. Die beiden anderen nähern sich dem Waaenwrm und entnehmen ihm schnell neuen und alten Kupferdraht. Der Kölonnensührer der Straßenarbei'er bemerkt es.„Legt zurück den Draht," ruft er ihnen hinüber. Der Obermonteur wird auf den Streit aufmerksam Steigt schnell die schmale Treppe vom oberen Teil des Wagenturms herunter. Die Rowdys empfangen ihn mit dem L ö t k o l b en, zertrümmern ihm den Kiefer und schlagen ihm die Zähne aus. Jetzt merken auch die Monteure, die aus der oberen Plattform sind, daß unten etwas los ist. Auch sie steigen einzeln die jchmole Treppe herunter und jeder von ihnen wird von den Schlägen der Rowdys empfangen. Das Geräusch der Pflasterarbeit übertönt die Schlägeret am Wagenturm. Die Straßenarboiter werden aber schließlich doch herbeigeholt und sind gerade dabei, die drei Rowdys zu umzingeln, als es diesen gelingt, zu entwischen. Sie werden aber aus ihren Betten geHoll, oerhaftet und stehen nun vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte unter Anklage der Körperverletzung. Die Strafe lautet bund 4 Monate Gefängnis für die ersten beiden und 6 Wochen Gefängnis sür den Drillen. Wer weiß, ob nicht auch sie in ihrer Kindheit tüchtig geprügelt wurden. Jetzt prügeln sie selber. Weinvergiftungen in Madrid. 3n einer hiesigen Irrenanstalt erkrankten zahlreiche Personen nach dem Genuß von wein an Vergiftungserscheinungen. Ein Krankenwärter, ein Diener und zwei Geisteskranke sind bereits unter surchlbaren Schmerzen gestorben. Sieben palienten schweben noch in Lebensgefahr und 15 weitere liegen schwer krank danieder. Die Untersuchung ergab, daß ein Diener den Wein aus versehen in ein Gesäß gefüllt halte, das vorher ein arsenhaltiges Mittel zur Vernichtung von Insekten entHallen Halle. Durchsuchung eines Kommunistenlokals. Der Polizeipräsident teilt mit: „Wiederholte Ueb erfülle aus politisch Andersdenkende, die ihren Aus gong von dem kommunistischen Derkehrslokol von Potratz in Schöneberg, Sedanstraße 53, genommen hatten, führten gestern Abend zu einer Durchsuchung des Lokals durch die Abteilung I A des Polizeipräsidiums. Die im Lokal anwesenden Personen wurden nach ihrer Feststellung auf dem zuständigen Polizeirevier wieder entlassen. Beschlag. nahmt wurden u. o. drei Vervielfältigungsapparate und Handsatzmaterial in Setzkästen, die offenbar zur Her- stelliing von gleichfalls belchlaanahmlen presfegetzwidrigen Druckschriften bestimmt nearcn. Beschlagnahmt wurden ferner Druckschristen. Die jungen Franzosen in der Politik Mr ein geeintes Europa. Paris, Ende Dezember 1929. In Frankreich ist es stets bisher üblich gewesen, daß man erst im hohen Alter zur politischen Mach: komm:. Poincare, Barthou, Briand, Millerand, von Cfemenocau ganz zu schweigen, kamen erst in einem Alter an die Regierung, in dem man sich in anderen Ländern schon vom politischen Leben wieder zurückzieht. Tardieu wurde verschiedentlich als junge Srast begrüßt, und tatsächlich sind die meisten Minister seines Kabinetts erst»ngesähr 50 Jahre alt. Frühere Minister wie der Senator Henry de Jouvenel und der Abgeordnet« Anatole de Monzie oder Ministerpräsident- schaftskandidaten wie Paul-Boncour, Daladier oder Elementel gelten als Ausnahmen, als„junge Politiker". Doch werden dies« wicher von der jüngsten Generation unterstützt. Die jungen Wen- sehen, die bei Kriegsbeginn im Jahre 1914 zwischen 14 und 17 Jahre alt waren und die während des Krieges zunächst das patriotische Geschrei mitmachten, treten immer mehr mit eigenen Ansprüchen und eigenen Rechten aus. Sie leben in den Ideen völliger Unabhängigkeit. Gegen sie stemmte sich nach Kriegsende meist die Kriegsteilnehmergeneration, die ebenfalls sich besonders geltend zu machen suchte. Diese nach Kriegsende Zwanzigjährigen verhielten sich auch den politischen Parteien gegenüber zunächst ablehnend. Sie sahen die älteren Leute in'den Parteien in den alten Ideen weiterleben. Sie aber hatten keine Vorkriegsidecn, weil sie damals noch zu jung waren, und so mangelte allen französischen Parteien gegen 1920 zunächst der Nachwuchs. Dieser ging entweder zum Handel oder zur Industrie oder zur Literatur und Kunst oder gar zu den Großstadtamüsements. Ein kleiner Teil jedoch wyllte sich mit den Gegenwartsproblemen auseinandersetzen, veranstaltete Bersammlun- gen mit interessanten Vorträgen über die junge Generation und aildete besondere Iugendgruppen. Dies« hatten meist gleich von vornherein eine europäische Tendenz. Um die indes wieder ver- schwundene Gruppe„L'Essort"(„Die Anstrengung") gruppierten sich viele, denen an einer dcuisch-sronzöstschen Verständigung etwas gelegen war und die schon 1920 mit jungen deutschen Pazifisten in Korrespondenz traten. Als dann 1924 die reaktionären Politiker durch die Links- wählen davongejagt wurden und iMcrnationolerc Gedanken in die französische Politik kamen, da näherten sich die jungen Menschen den politischen Parteien: dies gilt vtellcicht vor allem für die Radikale Partei, die im Innersten konjervotio ist. Es hatte aber sofort seinen Einfluß auch auf alle anderen Parteien. Ueberau begann langsam die Jugend im Rahmen der alten Parteien aufzu- kommen und gegen Altes zu protestieren. Sie gaben als Parole aus, daß man gor nicht laut genug seine Jugend aus- schreien kann. In der Radikalen Partei gruppieren sich heutzutage die Junge» um den Abgeordneten Jean Montigny. der das vorangegangene Briand-Äabinett zu Fall brachte, was von der Jugend aller Parteien als ein Erfolg ihres Strebens mehr oder weniger be- grüßt wurde, und um Jean Luchaire, Redakteur an der„Volonte" und Herausgeber einer besonderen Jugendzeitschrift„Rotre Tcmps" („Unsere Zeit"), die schon im vierten Jahrgang erscheint und 150 junge Mitarbeiter der verschiedensten Parteien hat.„Roire Temps" tritt für die Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich und für die Schaffung eines geeinten Europas ein. Auch auf dem letzten sozialistischen Kongreß von Nancy im Juni dieses Jahres wurde zum ersten Male von den Ideen der französischen Jungsozialisten gesprochen. Die Sozialisten, die „weniger als 40 Jahre alt sind"— so lautete der Ausdruck in Nancy— traten geeint mit neuen Ansprüchen auf. So kommt es, daß heutzutage bereits in allen französischen Parteien die jungen Leute beginnen, einen größeren Einfluß auszuüben als die älteren Diese„jungen Mannschaften" bilden, wie Jean Luchaire kürzlich cimnal sagte, gewissermaßen die Freimaurerschaft innerHoll' der Parteien aus der Basis eines gemeinsamen Alters, ein Ideen- laboratorium, auf welches das Alter immer mehr Rücksicht nehmen muß. Xurt I�enr. Revolution, Revolution! Die Revolution der Prinzen und Freiherr«. Wir lesen in der„Deutschen Zeitung": „Deutschs Adlige! Wer greift mit an? Greift mutig zur Waffe und stellt Euch im gemein- samen Kamps dorthin, wo Euer Adel Euch verpflichtet. Euren Mann zu stehen. Nicht träumen, nicht kritisierend die Zeit verichwäßen, sollt Ihr jungen Adligen! Heute gilt es Revolutionär zu sein, wie unsere großen Vorbilder: Hutten, Kleist, Schill, Stein und der junge Bismarck! gez. Friedrich Christian Prinz zu Schaumburg-Lippe, gez. Kuno Freiherr von Eltz-Rübenach, gez. Wilhelm Freiherr von Ketteler, gez. Johann Ludwig von Eichborn, gez. Graf Heinrich Georg Fink von Finkenstein, gez Joachim von Veörzy, gez. Franz Egon Frei- Herr von Landsberg." Die Revolution der Prinzen. Grafen und Freiherren wird sicherlich Deutschland erretten! Ob diese Jungen jemals begreifen werden, wie komisch ihr Revolutionsgeschrei ist? Ltnglücklicher Kleptomane. Einer, der stiehlt, und weiß nicht warum. Es gibt nicht nur Frauen, die von dem unseligen THtf» besessen sind, nutzlose Dinge in Warenhäusern zu entwenden, sonoern auch Männer, schwere Hysteriker, erblich belastet, die unter einem furcht- baren Zwang stehen. Stand da neulich vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte solch ein Unglücklicher. Ein anständiger Mensch, guter Ehemann und Vater, Photograph von Berus, in auskömmlichen Ver- Hältnissen lebend, und trotzdem wegen Warenhausdiebstahls mehr- fach bestraft. Er nahm eben olles an sich, was ihn gerade reizte: Nägel. Schlösser, Bilderrahmen, eine Flasche Rum, die noch heute in seinem Schrank unberührt steht, usw. usw. Seine Frau machte ihm die schwersten Vorwürfe, sie begleitete ihn stets bei seinen Aus- gängen— es half alles nichts. Vor anderthalb Iahren kam es erneut zum Diebstahl: eben hatte er eine Bewährungsivist erhalten, 24 Stunden später beging er einen neuen Diebstahl. Diesmal waren es G r a m m o p h o n p l a t t e n. die es ihm angetan hatten. Wohl in der Aufregung ließ er eine der Platten fallen und wurde gefaßt. Dem Kleptomanen zur Seite stand Saniläisrot Dr. Magnus H i r s ch f e l d: das war sein Glück. Nun wußte man, weshalb dieser unglückselige Mann nicht anders konnte. Sechs Familien- Mitglieder, darunter«in Bruder, ein Onkel, zwei Tan- t e n»rußten ins Irrenhaus. Er selbst litt bereits als Kind an krankhaftem Wandertrieb und lief wiederholt dem Elrernhause davon. Später bereiste er ganz Demschland. ernährte sich durch Gelegenheitsarbeiten, obgleich er es im Hause seines Vaters, eine» sächsischen Zahnarztes, anders gewohnt war. Er erlernte schließlich den Berus eines Photographen und ließ sich in Verlin nieder, heiratete und— stahl weiter. Dreimal beging er Selbstmordversuche, im letzten Augenblick wurde er von seiner Frau gerettet. Wälircnd des Krieges kam er mehrfach in Heilstätten, und stünde ihm nicht jcgt seine Frau beiseite, meinte der Sachverständige, er befände sich wohl dort, wo sechs seiner Ver- wandten geendet haben. Der Angeklagte könne eben für seine Handlungsweise nicht verantwortlich gemacht werden. Das Gericht sprach den Photographen frei. welker für Verlin: Wolkiges Wetter mit fortdauernder Nieder- fchlagsneigung. Temperaturen mehrere Grade über Rull.— Für Deutschland: Im östlichen Binnenland noch Nachtfröste, sonst all- gemein wenig Acnderung des bestehenden Witterungscharokters. Theater der Woche. Vom 2S. Dezember bis 6. Januar. Volksbühne. ZS»«ter a«?Sü>»pl»tz: Die AkfSrc Drenfus. Slaatstheater. U-t-i hu{Uhu: 20. V-rstt-I. 30. So'cntaoolitt. n und 2. Berstepelt. Die ichöne Gafotcio. 1. MoisterfinHer. 3.(£d)a»tain: Familie Lannemon».— Srblahpark.Tbeatee Steglih: Mgseott-ben.— Dbeater ia der Bchrcnstrahe ö— 5«:.,. Vater sein, dagegen iehr.— »»interaarte«. Vlaaa, Sral«: Internatianales Variete.— Sieichshalle« Tbeater: Stettiner Sänger.— Theater am ToUdafict Tor: Slitc-Sänger.— Theater in der»lasterstrahr: Schneider Wibbel. Theater mit wechselndem Spielplan. Berliner Theater: TO., 30.. 31. Reserviert für Seren Saston. Ab 1. Seit. somcs Zwischenspiel. Nachmilkagsvorslellunoeu: Bolkabühne. Theater am Büiawvla«: 20.. l., z. Di- Affäre Drevfus.— Tbeatcr om Balle« darfvlah: TO., 3. Vet«rch«ns Mondfahrf.— Theater in her flüniggtälter Ttrah«: 29., 1.. 3. Winnetou.— Tomödieuhaua: 20. Thariens Tome.— Deutsch«» Bollsthaatr«: 29., ö. Die Gnida.—»»mische Over: 5 grau ohne flufi.— Rof«. Theater: 1.. 5., 17'/, Uhr: Die Czardas- flirstsn. 17 Uhr: grau Soll». 5., Uig Uhr: ätigs und Rorih und der Weibnochtsmann.— Schlahvarf. Thuter Steglih: 20.. I.. z. Anncliesc von �essau s Peterchen, ManMahrt—«iutergartcn: 29., 3, Inter. nationale» Variete— Blau. Srala: Internationales Variete— Zteich» hallen. Theater:?0.. 3. Stettiner Länger.— Thuter am»ottbuffrr Tor: 29.. Z. Elite Sänger.— Thuter i» dar»loftustuh«.»rudrrtbeater: 28..« Uhr: Schneewittchen. 20.. 3 Uhr: Botiäpvchgn: 3 Uhr: Mit dem ZcvpeNu in» Märchenland 1..« Uhr: BoMpvchen. t.! Uhr: Aschenbrödel. 3.. 3 Uhr: Aschenbrödel: d Uhr: Stet dem Zeppelin INS Märchenland. Erslausführunoea der Woche: Montag,»per am P Iah der Republik: Die perkauft«»vaut.— Deutsche»»ünstler- Theater: Sist».»»«i drei. Souper.— Die»»- tag. Staataoper Unter den Linden: Berfiegelt. Die schöne Eeiathe«. Echauspielhau«: Sartc Bandage«.— Schiller- Theater: Sa und so. so grht der Wind. llusereu Leser« ,ur Ztaibricht. dah wir von seht ob auch da» Programm vom iiilmpalast Sevuirgsdori. Berliner Str. 39. in unserer Ainotairl ver. vsfcntlichen. Da» Riuaprogurnm da»»aueu Lichtspieitdaatar».totma'. Taget. Kappt- stzotr S. fmSen unfere Leser DienÄvg und Trettag ia der SinatofeL Operettenabende im Berliner Westen. „Hotel Stadt Lemberg", das war«in Film, den sie nach einem Roman gedreht haben. Nun haben sie, nach dem Erfolg des Films, auch schon ein« Operette daraus gemacht. Sie spielt 1915. Es hat damals, man erinnert sich, Krieg in dcr Welt gegeben. Welt- krieg als Operette: Kritik erübrigt sich. Hat sich's wenigstens gelohnt, die„große Zeit" als Milieu zu bemühen? Es sollre, meint man, zu einem wirksamen' Stoff gereicht haben. Diese drei Akte schlagen den Rekord der Langweiligkeit. Man spürt den Segen dcr neuen Opcrettenkultur, mit dcr die Brüder Rotter uns beglücken wollen. Operette der neuen Vornehmheit. Ob russischer General oder unga- rischer Oberleutnant oder galizisch-jüdischcr Hotelportier, alle haben, olles hat diesen faden Ton von vorgeblicher Verhaltenheit, Ge- dämpstheit, Resigniertheit, dieses Verinnerlichitun den ganzen Abend. ... es ist nicht leicht zu ertragen. Jean Gilbert, der dazu die Musik gibt, macht das gewiß intelligenter als Lehar und weniger prätenziös wie Oskar Strauß, diesmal freilich mit bemerkenswertem Aufwand chg Altbekanntem und Abgegriffenem: Kurzer Höhepunkt: als Einlage im zweiten Akt die Produktion der Glazerosf-Tanz- truppe, begleitet vom Romanofs-Bololaika-Orchester. Carl Jökcn crsingt sich mit seinem sympathischen, hellen Tenor«inen Tauber- Applaus. Und gewinnend durch echte Menschlichkeit ein für Berlin neuer Mann: Sigi Hofer. Schützendorfs künstlich ge- lockertes Opernpathos läuft so leer wie die Handlung, die sich zwischen ihm und Käte Dorsch begibt. Auf deren Persönlichkeit scheint diese zugeschnitten— noch dem Bild, dys Operettenleute von der Herr- lichen Schauspielerin haben. Sie sollte sich nicht länger an Aus- gaben verschwenden, die keine sind. Auch der Publikumsersolg, zieht man den Anteil der Claque ab, ist diesmal im Theater des Westens ausgeblieben. Nach der geistig unreinlichen, künstlerisch unehrlichen, mit lächer- lichen Ansprüchen aufgezogenen Sache wirkt die alt«„Geisha" erfrischend und durchaus erfreulich. Um die Jahrhundertwende war das ein europäischer Erfolg. Englische Operettenmelodien von 1890, brüische Marineoffiziere im fernen Osten, japanische Teehausmädchen, sehr nahe geht uns das olles freilich nicht. Ader nett und sauber wie die Musik von Sidney Jones ist auch die Ausführung im Deutschen Volkstheater am Zoo, das mit seinen bsscheide- neren Eintrittspreisen nicht just an das Unterhaltungsbedürjnis des Kurfürstendammviertels appelliert. Kein Prominentenaufgebot für die Besetzung, die hübsch singende Genta Guszalevicz von der Staatsoper darf sich hier als Star fühlen. Der liebenswürdige, tänzerisch begabte Karl Stepanek fällt auf und hat einen Extra- ersolg: dazu Gerd Richters wahrhaft geschmackvolle Bühnen- bildär: kein aufregender, doch alles in allem«in angenehmer Abend. Und das ist unter Berliner Operettenabenden immerhin ungewöhn- l-ch K. P. Turksib. Marmorhaus. Das Programm läßt, was seine Reichhaltigkeit anbelangt, nichts zu wünschen übrig. Zuerst macht man Entdeckungssahrten, die in die Altmark führen und jede Einheit vermissen lassen. Dieser Mangel an Geschlossenheit ist freilich noch nicht so schlimm, wie das Lieb- äugeln mit dem Kitsch. Denn Maskeraden, welche die Königin Luise und Militärcinzüg« verflossener Zeit auferstehen lassen, gehören nicht mehr in den Städte- und Landschaftsfilm von heute. Die Wochenschau bringt einen interessanten Rückblick auf unsere Mierlebniss« des schwindenden Jahres. Die Rusien bescheren uns in dein Film„2l u f den Hund gekommen" die entzückende Verfilmung einer Novelle von Tschc- chow. Der Regisieur I. B. Protasanow wird tatsächlich rein bildlich dem großen russischen Schriftsteller gerecht. Diese Verfilmung ist ohne Text unmöglich, aber die große Harmonie zwischen Text und Wort hat man sonst noch nie so empfinden können. Das ist ein Kabinettstück und zugleich der Weg neuer Erfolge jür den stummen Film. Als Hauptfilm läuft„X u r I s i b", ein Werk, das anläßlich einer Inter«ssentenoorst«llung im„Vorwärts" schon gewürdigt wurde. Der Regisseur W- A. Turin schuf filmisch ein Meisterwerk, das in rest- los« Hingabe den sowsetrussischen Kplonialinteressen dient. Sowjet- rußland hat Hunger nach turkestanischer Baumwolle, Sowjetrußland baut, dank der schier übermenschlichen Zlufopferung vieler un- genylmter Menschen die Bahn, die Ausfuhr der turkestanischen Baumwolle und Einfuhr des sibirischen Getreides und Holzes er- möglicht. Turkcstan soll nur Baumwolle bauen, Sibirien will Brot und Holz liesern und Sowjetrußland bekommt so die Aushungerungs- Möglichkeit eines gangen Volkes in die Hand.«. b. Münchener Giaaisiheaier. Hermann Heinz O r t n e r s dramatische Legende„Tobias Wunderlich", am Münchener S t a a t s t h e a t e r ans- geführt fand Beifall bei alt und jung. Im Kampf dieses Wunder- lichen gegen seine Gemeinde, dcr eine Heiligenstaiue dcr Barbara nach Amerika versteigert, läßt Ortncr ein stark grau in grau über- maltes Bild einer sehr verkommenen Gemeinde erstehen. Der Holz- schulzmacher Tobias, der fromm diese Heilige seiner Kirch« im Herzen trägt, steht vereinsamt und als Narr verhöhnt in einer veramerika- nisterten Welt. Di« heilig« Legende einer zum Leben erwachten gotischen Figur ist in Ortners Dramatisierung stark— zu stark— von Realismen durchsetzt, so daß das im Stoff begründete Märchen- hafte zurückgedrängt erscheint. Im übrigen aber ist dieser Dichter ein« dramatische Begabung, die sich hier in der verständnisvollen Spielleitung Himer entschieden kundtat. Alfred Mayer. ■i Eine Reichsbapdirektion. In Berlin wird am 1. April 193» ein« Reichsbaudireition er- richtet, die als einheitliche Bauocrwaltung die bishertgen Reichsbau- behörden der Reichsstellen zusammenfaßt. Diese besonder« Reichs- behördc erhält die Bauangelegenhcitcn der Dienstgebäud« de» Reichs- Präsidenten, des Reichstages, des Reichskanzlers und der Reichs- minffterien(mit Ausnahme des Reichspostnünisteriums und des Reichswehrministeriums, die eigene Baubehörden besitzen und behalten) sowie der Vertretungen des Deutschen Reiches im Auslände übertragen. Di«„Reichsbaudirektion" wird dem Reichsminister der Finanzen unmittelbar unterstellt, entsprechend dem Zustand in Preußen, wo die Staaisbauverwaltung seit 1918/19 gleichfalls an das Finanzministeritim übergegangen ist. Um die Kalenderreform in Rußland. Wie aus Moskau gemeldet wird, wurde am Freitag unter dem Vorsitz des Kommissars für Volksbildung. Bubnaw, eine Sitzung über die Aenderung des russischen Kalenders abgehalten. Die russischen wissenschaftlichen Organisationen haben folgende drei Entwürfe eingereicht: Nach dem ersten Entwurf soll das Jahr aus zwölf Monaten zu je dreißig Tagen bestehen. Außerdem sollen dem Kalenderjahr fünf Tage als Rcvolutionsfcierkgo eingefügt werden/' Der zweite Entwurf sieht vor. daß die Monate Januar und Mörz cinunddreißig Tage, April und Oktober zweiunddreiß'ig Tage und die übrigen Monate je dreißig Tage haben sollen. Dcr dritte Eni- myrf will das heutige Kalendersystem unverändert lassen, ober eine Woche soll nur aus fünf Tagen bestehen. Der Volkskommissar erklärte. daß der dritte Entwurf wahrscheinlich von der Sowjetregic- tung angenommen werde, da er om meisten den Interessen der Re- gierung Rechnung trage. Weiter« Beschlüsse über die Aenderung des Kalenderjahres sind vorläufig noch nicht gefaßt worden. Alle Stadlruine» aus einer aus dem Ozean aufgetauchten Insel. Einer New-Aorker Meldung zufolge haben die vom ainerikaniichen Marinedepartement ausgesandten drei Torpedobootzerstörer das Ge- rücht bestätigt gesunden, daß in der Nähe der zu der Bahama- Gruppe gehörenden Insel New Providence durch Seebeben eine neue Insel cnsstanden ist. Auf der Insel, die auf keiner See- karte verzeichnet ist, finden sich Ruinen einer alten Stadt, die eine große Anzahl Einwohner gehabt haben muß und wahrscheinlich bercüz vor der Entdeckung Amerikas bestanden hat. Nunmehr wird eine wissenschaftliche Expedition vorbereitet, die die Ruinen unter- suchen soll. Die englische Kirche und das Gesundbelen. Der Erzbischof von Canterbury hat ein Komitee von sechs hervorragenden Geistlichen ernannt, die eine ärztliche Untersuchung aus wissenschaftlicher Grund- löge über das Gcjundbctcn veranstalten sollen. Ein großer Teil des englischen Klerus steht dem Gcsundbeten sympathisch gegenüber. Die kirchliche Untersuchäingskommiision wird hervorragende Vertreter des Gefundbetens und insbesondere auch medizinische Fachgelehrte zu ihrer Untersuchung hinzuziehen. Theoler om Zlolleudorsplatz. Die Silveilerausiührung der„stledcrmsuS" in dex Festspielinfzenierung Max Reinhardt« beginnt um lg Uhr. palucca»od Gruppe bestreiten die 4. diesjährige Tan, matinee d e r B o I k s b ü b n e E. V. die am Sonntag, dem L. Januar, lly, Uhr vormittaaS im Tbeatcr am Bülowplatz stattfindet. Berechtigungskarten zur Plahvcrlosung 1,30 Mark. kFür Richlmitglieder im Theater 0,50 Mar! Nachzahlung). Platzkarten 2. 3 und 4 Mark. BerauworU. fiir die Redaktion: Saitgang£4) man. Berlin: Anzeigen: Zd. aioic Berti». B erlag: Borwart» Verlag G. nt. b. Berlin. Druck: varwiirts Duo-. druckerei rmd Berlagaaullalt Daul Singer& Co., Berlin ES 58, Lindenstrahr.1 Smitt 1 Sonnab., 28. 12. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 290 18', s Uhr Staats-Oper Am Pl.d.Republ. R.-S. 197 191/2 Uhr Die ZinMite Sonnab� 28. 12. StädL Oper Bismarcks tr. Turnus II 19 Uhr TasDhän Staatl.SdiaBsph. am Geadarmenmarld A.-V, 257 20 Uhr Staatl.Seliiller-Ttiealer,Giiaritb. 20 Uhr Kabale ond liebe Q#. 1(mtaS Sa« Vkmr tsdaraua 1» Preise 1- 6 H. Viidiuh|.;5D.S0Pf.-3H. MsinT-BaUolt, Katka. Staslur b. Übt. Ptremn& Co., Bent t Partner usw. Theater i. d. Behrenstr. 53-54 8'U Uhr ... Vater sein, dagegen sehr Reichshallen-Theater Abend»[IT] Senntag nachm.[T] Das groSeWeihnachts- Programm der Siemner-san�cr 31. Dezember: Gr. Stlvester-UIk-Vorst«II. Dönhoff-B rettl: Variet«— Tanz— Konzert 31.: Di» aH» tmlitimelle Sümtnhiir VolKsbUhne rtiealer amBQIowDlali 8 Uhr flftäre Dreytus Schauspiel von H. J. Rehfisch und W. Herzog Regie: H. D. Kentcr. Staat). Sdiiller-'fii- 8 Uhr Residenz-Theatet K'gsf-228 Blumens t.9 Täglich SV« Uhr Volksst. mit Musik D.Tanz. Rundfunkhörer halbe Preise. larnowsky-IlilluieB Theater in dar KOniggrätzar StraBe Täglich 8-/- Uhr Die erste hlrSaSeiby mit FHlzt mosoory KomSdienbaus Täglich 8V< Uhr Der Lugner und die Nonne mit CUPt Götz Oentsdies Theater D.I. Norden 12310 Tägl. 8-/. Uhr Der Kaiser v.Amerika von Bernard Shaw Reg.; Max Reinhardt Kammerspiele D.I. Norden 12310 Täglich 8V« Uhr DAsir6 Komödie von Sascha Guitry. Regie: Leo Mittler. Die Komödie J1 Bismck.2414/7S16 Täglich 8t»,83f« Der gewaltigste Tonfilm; The einging Faol mit AI Jolaou Toofilmnelprogr« Auf der Bühne: Holländer-Trio Union-Theater Hauptstraße 3 Beg. Wtg. 8 U. Stg. 5, 7Ju Lockendes GUt mit Paul Richter Die Rache der Verlassenen mit T. Tylez Filmpalast Berliner Straße 59 Der Draufgänger mit 5yd Chaplin Jenseits der Sirsie mit Lissi Arn» Anf der Bühne: Uoliäuder-Trla föeilagc Sonnabend, 28. Dezember 1929 DcrjUntiÖ StiäLuiXgaße jfa VoncifÖ Nachts 11 Uhr MtUlerftraHe. Onkel Pelle hat längst dl« Psorten seines Rummels geschlossen,'aber immer noch stehen die Scharen der Besucher in Gruppen beieinander, streitend und lärmend, junges Volk meist, Arbeiter und Fabrikmädchen. Aus der anderen Seite schiebt sich die Mauer des alten sS a r n i so n f r i e d h o s s aus der Front nüchterner Miethäuser ein paar Meter weit auf den Bürgersleig vor. In den halbblinden Butzenscheiben der Leichenhalle spiegelt sich trüb« das Licht der Lnlcrnen. Hier gibt es nur wenige Passanten, in langen Zwischen- räumen donnern die Strahcnbahnen vorüber. So war es möglich, daß jemand den Ruf hörte: Ein Besinnlicher muß es gewesen sein, einer, der noch über seine eigen« Furcht und Hofsnung hinaus- denken konnte. Er wird stehen geblieben sein und lauschend den Kopf durch das eiserne Gitter aus der Mauer gezwängt haben. Bold standen Hunderte neben ihm und taten das gleiche, all« die Rummelplatzgäste von drüben, denen sich nach Schluß der Kinos die Masse derer zugesellte, di« dort an Mord und Berbrcchen das Gruseln gelernt hatten— Kleinbürger, Kommis, Laden- und Geschäfts- sräuleins. Die hohen, starken Speere des Gitters wurden zu eine« Magneten, der die Menschen zu sich hin Zwang wie Stecknadeln auf dem Fußboden einer Schneiderwerkstatt. Dort klebten nun die Mcnschentrauben und stierten entsetzt aus die gotischen Fenster der grauven'taubtcn Halle und lauschten und von Zeit zu Zeit ging ein Schauder über sie hin und entpreßte ihrem Munde Schreckensruf«. ,,Was ist hier los?" fragte ein dicker Herr, der des Weges kam. „Quatsch i« et," lallte ein betrunkener Arbeiter hinter ihm. „Katzen werden hinten uss den ollen Jräbcrn Hochzeit halten. Wär' nich det erstemal, daß de Leite daraus'n Jefpensterdanz machen!" Ein junges Mädchen klärte den Frager auf, leise, scheu:„E i n Kind ruft aus der Leichenhalle!" Und wirklich— tönte es da nicht wieder, hoch oben aus einer LllftungsLsjnung der Fenster, zitternd, wie voller Todesbangen� Deutlich vernahm es der dicke Herr:„Mamaa— Mamaa!" Eben noch belustigt durch die drastische Deutung des Betrunkenen wurde er jetzt von einer grauenhaften Vorstellung gebannt: ein Kindersarg in der Rächt der Totenkammer, ein Mädchen darin in langem weißen Hemd aus todesähnlichem Starrkrampf zum Leben crwachr„Mein Gott— vielleicht den Sargdeckel über sich?" E? war das gleiche Bild, das die Menschenmasten neben ihm. vor ihm. hinter ihm in einer einzigen, übermächtigen Empfindung Kujammenjchlotz. Den dicken Herrn allein zwang sie zur Tat. „Wohnt denn da kein Totengräber oder j» was?" viej er. —>«a* mn ib« fefe ftotaar „Bis die kommt, is det Meechen er- stickt!" tönte es rauh aus der Menge. „Dann handeln wir selbst. Es muß einer über das Gitter klettern, ein Fenster einschlagen und einsteigen.. „Iawoll— Hausfriedensbruch!" „Unsinn!" belehrte der Dicke,„wenn es gilt, höheres Gut zu retten, kann das geringere geschädigt werden. Das Straf- gesetzbuch sieht solche Fälle vor. Also— wer wagt es? Ich selber werde es kaum fertig kriegen— ja. ich bin zu dick dazu— aber ich trete für den Mann ein, wenn Weiterungen daraus entstehen sollten!" Zwei, drei Burschen erklommen den Zaun, hielten aber ein damit, als jetzt von der Rückseite der Halle her wütendes Hundebellcn«rscholl. Der Dicke reichte dem obersten seinen narbigen Bmnbusstock hinaus:„Immer feste auf den Schädel! Sowas darf uns nicht abhalten. Es geht um ein Menschen- leben. Wenn's eine Hose kostet— ich zahl sie!" Run schien der Bann gebrochen, der dies« nächtliche Szene beherrschte, nun kam Leben hinein, Wille zur Tat, ja— Freude am Abenteuer. Schon hatte der jung« Mensch vorsichtig ein Bein über die Speerspitzen des Gitters gehoben und war im Begriff, das andere nachzuziel)«», um den Sprung in die jenseitige Tiefe zu wagen, da ertönte die barsche Stimme eines Schupowachtmeisters: „Auseinandergehen hiecll Was?! Ein Kind ist im Sarg aufgewacht!?" Die grollende Forderung v«r- klang in erschrockenem Zweifel. „Ja, dos.nehmen wir an!" erklärte der Dick« als Wortführer der Masse.„Jedenfalls muß die Sache klargestellt werden. Das Haus schdffit unbewölkt. Die Riste klingen dumpf wie durch einen Sargdeckel. Hören Sie— jetzt U"—..... Der Beamte hörte... und wurde bleich. „Kann doch der Wachtmecsta riebotlcttern. Seine Kugelspritz- wird die Köters schon kirre kricjen!" Der Wachtmeister zögerte indesten. Er war sichtlich erleichtert, alz der Dicke dem Rufer aus dem Hintergrund statt seiner antwortete: „Die Uniform dürfte den Herrn zu sehr behindern. Auch ist es gefährlich, mit der Schußwaffe zu klettern. Los, springen Sie junger Mann. Run kann Ihnen erst recht nichts passieren!" Mit einem„Hoppla!" ließ sich der Bursche auf den weichen Gartenboden fallen, und zwei drei andere folgten ihm nach. Gelenkt von den Zurufen draußen rüttelten sie an der seitlichen Tür der Hall«, klopften die Fenster ab, ob sich eins öjfnen lieh« und machten schließlich Ansialten, einer auf des anderen Schulter zu klettern, um vielleicht durch die Lüftungsöffnung in die Halle sehen zu können. „Nich so lange Umstände!" kommandierte der dicke Herr,„den Stock gefaßt und ein« Scheibe eingeschlagen!" Abep che sein Befehl ausgeführt werden konnte, hat sich ein Menschenpaar zielsicher durch die Masse der Zuschauer gedrängt: ein Schlüsselbund klirrt. „Na solche Frechheit!" jagt der Mann, der in den anständigen aber ungeschickt geschnittenen Anzug des Kleinbürgers steckt. Die junge Vrau neben, ihm. adrett und modisch, zeigt ein höhnisches Lachen. Sie kommen gerade noch zur rechten Zeit, um das Zerschlagen des Hallenfensters zu verhindern: „Verfluchter Lümmel!" ruft der Mann. Noch weiß keiner, in welcher Funktion das Paar sich den Zugang durch das Friedhofstor erschlossen hat. Es gibt ein wüstes Durch- «inanderschreien. Nur der dicke Herr übersieht die Sachlage: „Wenn das der Friedhofswärter ist.�so soll er feststellen, was«s mit den Rufen für eine Bewandtnis hat!" „Ich brauche hier gar nichts festzustellen," trotzt der Angcrodete zurück, rot vor Erregung.„Aber den Herrn Wachtmeister ersuche ich in aller Form, diesen Einbrecher hier fest zu- nehmen!" Er deutele aus den Burschen am Fenster der Halle. Ein Aufschrei der Empörung eint jetzt die Hundert« van Zaun- gästen von neuem und erschreckt die Frau des Wärters und össnet ihr tat Mund zur EntjchuLugtwg:„Wir wäre» tat Änw, nachher noch zu einem Glas Bier. Unsere Kleine ist noch nicht daran gewöhnt, allein zu bleiben. Sie ist wohl aufgewacht und hat dann Angst bekommen. Es schallt so merkwürdig im Haus..." „Saubere Eltern, die ins Kino jehn und ihre Klccne bei die Leichen oll««« lassen!" „Was wissen Sie denn! Sind ja gar keine Leichen da. Die Halle ist leer!" „Also," sagt der Beamte, jetzt wieder ganz Herr der Situation, „die Sache ist aufgeklärt. Es ist nicht der geringste Grund mehr, hier stehen zu bleiben!" Dem jungen Mann aber, der noch den Tateifer in seinem gut- mütigen Gesicht stehen hat, und der noch den Stock des dicken Herrn umfaßt, legt der ijüter der Ordnung die Hand auf die Schulter: „Sie kommen mit auf die Woche!" Da ersaßt den dicken Herrn ein heiliger Zorn:„Was— auf die Wache? Den braven Jungen, der nur ausgeführt hat, was«in- fochstc Menschenpflicht war? Da nehmen Sie uns bitte alle mit. Wir hatten ja nur die Gelenkigkeit nicht wie er, sanft wären»ir alle miteinander über den Zaun gesprungen. Das wäre ja noch schöner,� zumal da Sic ja selbst nichts dagegen hatten. Heist Wacht' Nteister!" Der Sprecher nahm dem ganz verdatterten Burschen den 'Stock aus der Hand, stieß damil zornig auf das Pflaster unlFDWcrte: „Wenn einer hier verhaftet werden soll, bin ich es!" „Bravo, bravo!" erschallte es,„es gibt Hoch noch Männer w Berlin!" Und eine mächtige Woge des Protestes brandete gegen den Beamten an, der mit dem Siftierten davongehen wollte. Plötzlich blieb er stehen, tat einen Griff nach seinem Revolver und schrie: „Zurück— ob er ich mache von der Waffe Gebrauch. Wissen Sie, was Widerstand gegen die Slaatsgcwalt ist?" Da blieb der Dicke stehen, riß die Augen auf und begann dann .zu lach««, daß ihm Wangen rnrd Kinn zitterten:„Das wäre aller- dings die Höhe. Nun vielleicht noch einen nieder- knallen!" Er wandte sich um und Hab den Arm abwehrend gegen die Nachdrängen- den:„Reizen wir die bewaffnete Macht nicht weiter, mein« Herren. Ich gehe morgen nnd melde die Sache auf dem Revier zu Protokoll. Aber ein paar Adressen hätte ich gern!" Während er die ihm von allen Seiten gebotenen Adressen einsam- melte, siel es ihm plötzlich ein:„Herrgott— ich kriege ja keine Bahn mehr!" Er sah eine in Stadtrichtung jähren, rannt« nach und sprang aus. Der nächtliche Spuk war zu Ende. »»* Bleibt noch das freundlichere Nach- spiel zu erwähnen: anderen Morgens auf dem zuständigen Polizeirevier des Wedding. Der Vorsteher, ein Lcut- nant, groß, schlank, verbmdlich, bitter den dicken Herrn Platz zu nehmen: „Aha, die Massenpsnchose van gestern nacht. Ich bin im Bilde. Die Totenauserst«hung! Nein, nein, gar nicht zum Lachen: Ein sehr sympathischer Zug unserer Berliner. Immer hilfsbereit, immer die Augen und Ohren offen. In Ehikogo können die Banditen?rei Schritte von der Hauptverkehrsstraße einen Menschen niederknallen ohne daß sich eine Hand gegen sie rührt.— Der Totemvärter war etwas aufgeregt. Das ist natürlich kein Hausfriedensbruch. Der Wachtmeister? Nun. ein älterer wäre weniger schroff vorgegangen Er verfügt noch nicht über genügend psychologische Erfahrung. Die Sache ist erledizr. Für alle Beteiligten, auch für ihren Schützling. Meinen ergebensten Dank für ihren Besuch!" Auf dem Korridor draußen trocknete sich der dicke Herr den Schweiß von der Stirn:„Neudsutschland" tochfllte er,«acfmCich, mchchoft eqreukch.. ,* M*ks. (5. grorijchung.) Sich schnell bückend» hob Fticreslölcr den Knüppel auf und sprang wie eine Feder wieder auf die Füße. Aber er hatte nicht die geringste Gchonee gegenüber seinem großen, wendigen Gegner, der ihm mit einem Keulerrschlag den Arm lähmte, so daß das Messer aus der machtlos gewordenen chand glitt und mit der Spitze im Sand stecken blieb. Und min bekam Toon Utclmann, der „Schnaps",«ine Tracht Prügel, wovon er gewiß während seines schlimmsten Alpdrückens nicht geträumt hatte. Lustig tanzte der Knüppel aus seinem Rücken, auf den Armen, der Brust und dem sich windenden chinterteil. und als Fliereflöter es sott hatte, schlug er mit mächtigem AusHalen feines langen Armes die Beine unter ihm weg, und plumps, log der betrunkene Raufbold am Boden, die Augen geschlossen, Schaum und Blut auf den weichgeschlagenen Lippen, ächzend vor Schmerz, halb bewußtlos und total erschöpft. Mit großen, gläsernen Augen hatte die Frau die Züchtigung mit angesehen, erstaunt, ungläubig und vollkommen in Verwirrung. Das kleine Mädchen unterm Apfelbaum hatte ein schadenfrohes und rohes Lächeln im geschwollenen und zerschlagenen Gesicht, einen Blick wilder Wuf zu dem niedergeschlagenen Unmenschen. Und Mereyntje stand nach immer auf derselben Stelle, unbeweglich, wi« festgenagelt, mit weitgeöffnetem Munde, nickst wissend, ob er lachen oder weinen sollte. Seine Knie zitterten und sein« Augen waren trübe. Er dachte an Krug, und ein« tödliche Angst, Fliereflöter könnte den rohen Säufer totgeschlagen haben, überfiel ihn. Dann würde auch er ins Gc- fänanis müssen.... er auch... wieder ein Freund ins Gefängnis? Fliereflöter hob die Frau, indem er sie unter die Arme faßt«, von der Erde auf. Mit einer müden Bewegung strich sie sich das Haar aus dem Gesicht und wankte. Er hielt sie an den Schultern ausrecht und sagte lächelnd: „So!... das wäre auch wieder überstanden. Ich glaube, ich tom gerade zur rechten Zeit, was, Mütt«rchen?� Tränen liefen im Ueberfluß über ihr mageres, gelbes Gesicht, uiiid klagend rief sie: „Warum hast du ihn nicht gleich totgeschlagen, diesen Blutsauger... Du hättest es ruhig tun können... Er wollte dir doch mit dem Messer zu Leibe!" „Ich bin kein Schlächter von Beruf," lachte er lustig, als ob nichts weiter gewesen wäre als ein freundschaftliche Balgerei.„Bor- läufig gehügt dos. Geh nun hinein und nimm das Messer mit. Ein Schwamm kalten Wasser? wird euren Gesichtern gut tun. Mit deinem Alten muß ich erst noch ein paar Worte reden.' Folgsam nahm die Frau das Kind an der �and „Komm, Miele... wir gehen hinein." Auf der Türschwelle drehte sie sich um. sah Fliereflöter an, schluchzte und ging schweigend hinein. Hinter ihr fiel die Tür ins Schloß. Fliereflöter lächelte, setzte sich zu seinem Widersacher ins Gras und stopfte sich gemütlich eine Pfeife. Zögernd kam Mereyntje, noch immer an allen Gliedern zitternd, näher. Scheu von der Seite sah er auf das bwtig« Gesicht des unschädlich gemachten„Schnaps". „Sei nur nicht ängstlich, Mereyntje," sagte Fliereflöter freund- lich,„und setze dich ruhig zu mir. Dieser brave Mann ist noch lange nicht tot. Dem fehlte nur«ine gute Tracht Prügel, um bessere Manieren zu lernen. Bist du erschrocken?" Mit zitternder Stimme stotterte Mereyntje: „Ich dachte, daß du ihn totgeschlagen hättest... und dann auch in» Gefängnis müßtest... genau wie..." „Ja, ja." rief Fliereflöter, ihm eilig ins Wort fallend,„aber so verrückt biir ich nicht, Iyngc... es ist nichts passiert. Wer was verdient, muß was kriegen." Der Geschlagen« ächzt« schwerer und öffnete träg die Augen. Fliereflöter faßte ihn an den Schuttern, hob ihn in sitzende Stellung und sagte ulkig: „Ha. guten Morgen, Toontje! Ausgeschlafen, Junge?" Toon brummte eine unverständliche Verwünschung und sah durch die geschwollenen Augenlider seinen Besieger falsch an. Er stützte sich auf den einen Arm, um sitzen zu können. Der ander« hing schlaff an ihm herab. „Das ist morgen schon viel, viel besser," tröstete Fliereflöter ihn, ,.yyd übermorgen kyrntst du mit dieser Klque schon wieder einen hinter die Binde gießen!" „Verreck' doch, altes Mistoieh!" brummt« Toon. „Du bist ein undankbarer Hund!" tadelte ihn Fliereflöter gemüt- lich.„Wenn ich nicht dazwischengesprungen wäre, würdest du jetzt reif sein sür die schwedischen Gardinen, denke ich. Du bist ein famoser Kerl. Toon! Du tatest immer so, als meintest du, daß derjenige, der die kräftigsten Hiebe austeilt, immer recht hätte. Und nun, wo ich die kräftigsten Hiebe ausgeteilt habe, nun bist du wieder nicht zu- irieden." „Ich werde dich zu finden wissen," drohte der verhöhnte „Schnaps", einen Klumpen Blut ins Gras spuckend. „Jederzeit gern bereit," antwortete Fliereflöter freundlich. „Wenn du denkst, daß du noch nicht genug gekriegt hast, gut, du kannst dir jederzeit den Rest holen." Seine Stimme blieb unoer- ändert gleichmäßig, aber doch log eine schwer« Drohung dahin, als er fortsuhr- „Aber eins wollt« ich dir noch sagen. Darum blieb ich hier, bis d» wieder dein« Fünfe beisammen hattest: Um kleine Kinder und eine �Fra», die schwanger geht, zu schlagen, bist du ein viel zu starker Bär. Wenn du fühlst, daß du mit äller Gewalt schlagen mußt, gut, komm dann mal ins Dorf und erzähl' mir das. Dann soll es dir an der Gelegenheit dazu nicht mangeln, das verspreche ich dir hoch und heilig. 'Aber wenn du je wieder dos Herz in, Leibe haben solltest, deine Frau und deine Kinder.zu mißhandaln, dann komm« ich zurück: aber verlaß dich drauf, daß dann wohl der Doktor geholt worden muß." ,Lch moch' mir vor dir noch lange nicht in die Hose," brummte Top», aber es war«in seiger Blick in seinen falschen Augen. Fliereflöter kollert« ein Lachen. „Das wäre auch noch tchönerl" fpattetc er.„So ein großer. strammer Raufbold. Aber eben darum mußt du deine Pfoten von Fi-auen und Kindern lassen, verstehst du. Feigling«, nichts anderes als Feiglinge sind es, die die Schwächeren schlagen, die sich selber nicht wehren köniicv. Gut, Junge, ich denke, du wirst es selber am besten wissen. Ich für mein Teil halte mich an die Vereinbarung. Bei der ersten leisten Gelegenheit, wo mir zu Ohren kommt, daß du deine Alte wieder oerhaucu hast, siehst du mich hier oder irgendwo anders, und dann spendiere ich dir einige Mollen, wie sie dir noch keiner im Leben spendiert hat. Komm, Mereyntje, wir wollen diesen liebevollen Hausvater nicht länger mit Predigten belästigen. Mahl- zeit, Toon: schönen Dank sür alles." „Krieg' die Krätze!" fluchte„Schnaps". „Du bist reichlich unfreundlich, Toontje," klagte Fliereflöter. „Dreck statt Dank. Na gut, so ist halt die Welt... Komm, Mereyntje." Er nahm sein zitterndes Freundchen an der Hand, und eilig liefen sie den Weg entlang, dem Dorf« zu. » Mereyntje hielt Fliereslöters Hand krampfhaft fest. Er zitterte noch vor Aufregung und fein Herz schlug laut. Bewundernd sah er zu seinem Freund auf, der vor sich hin lachte. Seufzend lovte er ihn: „Donnerkiel. Fliereflöter, du kannst aber zuhauen!" „Es gehört nicht viel dazu, Mereyntje," erklärte ihm dieser,„du hast nur dafür zu sorgen, daß du gut triffst und daß der andere dich nicht trifft, das ist alles." „Ja, aber ich hatte doch mächtigen Dampf," bekannte Mereyntje ängstlich.„So«in häßlicher, falscher Teufel, wie„Schnaps" ist! Jeder hat Angst vor ihm." „Ja, siehst du," erklärte Fliereflöter,„ich hatte wohl auch ein bißchen Angst, ober ich dachte: wenn Mereyntje sieht, daß ich verliere, wird er gewiß einen Stein aufheben und ihn dem niederträchtigen „Schnaps" an seinen gemeinen Schädel Wersen. Das würdest du doch sicher getan haben?" Nun Fliereflöter es sagte, glaubte auch Mereyntje es, und das hätte selbstverständlich den Kampf doch zum Vorteil seines Freundes entschieden. Hinterher betrachtet, war es eigentlich schade, daß es sich nicht als notwendig erwiesen hatte. Das wäre etwas gewesen, wenn«r im Dorf seinen Schulkameraden so nebenbei hätte erzählen können: „Wir haben mit„Schnaps" gefochten.. wir haben's ihm ober mächtig gegeben!..." Wenn er jedoch plötzlich wieder an die Möglichkeit dachte, daß er später dem boshaften Barbaren allein begegnen könnte, und dieser seine Niederlage an ihm röchen würde, brach ihm, allein schon bei der Vorstellung einer solchen Begegnung, der Schweiß aus den Poren. Und deshalb ging er auf die vermeintliche Hilfeleistung doch lieber nicht näher ein und sagte leichthin: .Geh! Du bist ganz gut alleine fertig geworden... du brauchst „.mich ja gar nicht." Fliereflöter lachte. „Nein," sogt« er,„diesmal nicht. Aber es ist doch«in beruhigen- des Gefühl, wenn man einen Kameladen bei sich hat, der es für einen aufnimmt, wenn man in die Patsche gerät." „Ich laß' einen Kameraden nie im Stich." versicherte Mereyntje tapfer. „Bravo!" rief Fliereflöter.„Das läßt sich hören, Donner- wetter!" Und während sie den Deich hinanliefen, der zum Dorf führte, legte er den Arm um Mereyntjes Schulter und sang aus vollem Halse: „Wir sind geschworene Kameraden! Wir werden einander nie verraten, Wir sind die Männer von der Infanterie... Bon der dritten Kompanie." Und Mereyntje, eng an das Bein seines Freundes gelehnt, das lächelnde Gesichtchen cmporgewondt, in dessen freundliche Augen schauend, sang luftig mit. und hüpfte vor Vergnügen. Als das Lied zu Ende war, meint« er: ..Erzähl' doch bitte-in Märchen, Flieresläter! Du bist mir doch noch eins schuldig, weißt du?", „Das könnte ich machen, gewiß," antworiel« dieser.„Laß mal sehen... hast du das Märchen von den Elfen schon gehört?" „Nein, erzähl' es bitte." Fliereflöter hüstelte und gebürdete sich, als ob er die Acrinel einer Soutane hoch zöge, genau wie es der Pfarrer tat, wenn er feine Predigt begann: „Du mußt denn wissen. Mereyntje, daß ich geboren bin im Jahre Elfhunderwndelf, abends um elfuhrelf den elften November. der der elfte Monat des Jahres ist, nicht wahr! Und ich war dos elfte Kind, siehst du, und meine Eltern wohnten in der elften Straße. Nummer elf vom Elfendorf." Mereyntje sah ihn verstört an und sagte zurechtweisend. „Nun mußt du keinen Blödsinn auskramen, Fliereflöter. Was ist denn das für ein langweiliges Märchen?" (Schluß folgt.) Lonvadeod, 28. Dezember. Berlin- 16.05 Erich Rejer, Ess->n; Zwnnri* Kilometer Schornsteine 16.30 Untcrhaltunssmusik. 17.35 ca.„Wichtige Kleinigkeiten'' von Pcm. 19-00 Humor im Lied. 19.30 Fritx Böhme: Volkstenz und Tanzkunst. 20.00„Die Monenburger". Posse mit Qesans in 7 Bildern von D. Kaiisch und A. Wtirauch. Nach den Abendmeldungen bis 0.30: Tanzmusik. • KöDigswusterhausen. 16.30 Naclunittagskonten voo Hamburg. 17.30 Bürgermeister a. D HeBIein: Das Bcrufsbeamtcntum in der Pressekritik. 18. CO Das proletarische familienleben.(Znlegesprich zwischen einem Amtalt und einer Arbeiterfrau.) 19.00 Stille Stunde. 20. CO Alte Musik. I. Bach: Sonate D-Dur I'ür C-Moil f5r Cembalo allein.— 2. Artosti: Senate für Viola d'amore und Cembalo. 3 Mozart: Sonate C-Dur ritr Cembalo allein.— d. Maydn: Sonate itir Violine und Cembelo (Alice Ehlers. Cembalo und Prof. Josef Wolfsthai. Viola d'amore und Violine). 21.C0 Sinfonischer Jazz. Sonntag. 29. Dezember. Berlin. T.CO FuakgyniDastik. 8.00 Für den Landuirt. 9.00 Morgenfeier. 10.00 Wettervorhersage. 11.00 Morgenfeier, veranstaltet vom Arbeiter-Kultur-Kartell Berlin. 12.00 Theater des Westens: Literarische Veraastalttmg der Universum-Bücherei: Die Aufgaben des Schriftstellers in unserer Zeil. Es liest: Fritz Kortner. Es sprechen; Johannes R. Becher, Bert Brecht. Alfred Döblin, Manfred Georg, Herbert Ihering, Alfred Kerr, Oerhart Pohl, F. C, Weiskopf. 13.00 Mittagskonzert. 14.30 Dr. Dolittles Abenteuer. IX.„Silveslcr". 15.30 Karl Valentiu(Schallplaltcn). 16 30 Unterhaltungsmusik. 18.00 Carl Spilteler(gest. 29. Dezember 1924). Einleitung: Dieter Bassermann. (Leseptobcn: Hans Schweikart.) 18.30 Boltslav, Martinu. Sextett für FlSte, Oboe, Klarinette, 3 Fagotte und Klavier.(Uriefthbrnng.) 19.00 Rainer Maria Rilke.(Zu seinem Tadestag.)(Sprechers Dr. H- Simon. Eckart.) 19.10 Max Laurischkus(gesl. 7. Oktober 1929).„Aus Litauen'1, oft. 23, Suite für Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott und Horn. 19.30 Tagesglossen.(Gesprochen von Alfred Kerr) 20.00 Philharmonie: OrchcsterkonrerU Dir.: Prof. Julius Prüerer.(Berliner Philharmonisches Orchester.) AttschlieBend: Zeit. Weiter, Tagesnachrichten, Sport Anschließend bis 0.30 Tanzmusik. Königs* usterhaese». 16.00 Dr. med- Fritz Qötzky; Zu spätes Aufsein des Kindes. 18.00 Dr. A. Ehrenstein: Chinesische Prosa. 18,30 Dr. von Verschuer: Zvrillingsiorschnng und Vererben g. 18.55 Dr. Herbert Graf: Theatereindrücke aus Rußland. 19.30 Franz Fischer: Franz Nordau:„Konveotionale Ugai der Kaiturraznsch- heit". 20.00 Von Leipzig; Militirkonzert. 21.00 1. Haydn: Lerchenquart eit D-Dur. Intermezzo: Zehn Minuten Oörres (Sprecher: Erwin Kaiser).— 2. Mozart: Streichquartett G-Dur(K.-V. 387);(Carl Steiner. I. Vioilne; Willi Steiner, 2. Violine; Fritz Steiner. Viola; Adolf Steiner, Cello.) Rätsel-Ecke des„Abend". miimraimiiinmiinmminBimnmmmiiimiiniimmtimiiiimimiirainuimniiniuftiaBimßiminBitijstii Silbenkreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Satzzeichen: 2. Geschäftspleite: 4. Erbteil; 7. Saiteninstrument: 9. fchweiz. Münze: 11. Leergewicht: 12. Wettlauf; 13. Anlage: 14. Baustoff: 15. Türverschluß: 19. Monat: 20. Naturerscheinung: 21. Eingang.— Senkrecht: 1. Gemeinde: 3. Börsenbericht: 5. Männername: 0. Baum: 8. Urkunde: 9. elektr. Gerät: 10. Ueberfall: lö. Meeresgott: 17. Gesellschaftsspiel: 18. Frauenname.»st. Vorsetzaufgabe. Dichterin wunde im nächsten Jahre chr hun- ä vollenden?— Wir erfohrqn es. wenn wir vor 'tchenden Wörter einen neuen Anfangsbuchstaben setzen und dies« Buchstaben dann aneinanderreihen.— Otze. Horn. Euter, Lias. Wald. Ase. Stern, Acht. Sprit. Ruder, Ernst, Tage, Hein, Tat. Iren«. Ulm, Unger, Strich, Eid, Rauch. Ida, Elle. Essen. hl. Kapselrätsel. Dsn Wörtern Globetrotter, Betrüger, Ehrlichkeit, Frohsinn, Wocksenenddampfer, Obliegenheit, Güter, Kardinal, Lesezirkel, Lehrer, Brandenburg sind je drei aufeinanderfolgende Buchstaben zu«nt- nehmen, die aneinandergereiht einen Sinnspruch von Goethe ergeben. k_ kr, dertstes jodes der Gruppenrätsel. In nebenstehender Figur ist jeder Strich durch eine der untenstehenden Buchstabengruppen zu besetzen, um Wörter folgender Bedeutung zu bilden: 1. Wagenschuppen: 2. Fahne: 3. Wein aus der Gironde: 4. Metall-Legierung: 5. Intrige: ti. Landschaft in der Provinz Brandenburg: 7. Witz, Humor: 8. Wasserpflanze Bei richtiger Lösung nennt die mittelste senkrechte Buchstaben- gruppe ein Schauspiel von Gotthold Ephraim Lessing.— Die Buchstabengruppen sind: AV BA BA BA BR ER E5 GR HE IM KA KA LH LM MI NN ON RE RN RZ 55 SC US ZH. hl. (Auflösung der Rätsel nächsten Dienstag.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Osala: 5. Skutari: 8. Hela: 10. Bade: 12. Berlin: 13. Anatom: 17. Einhorn: 21 Don: 23. Trave: 24. Gas; 25. Bach: 26. Glas: 27. Alibi: 28. Leck: 29. Oslo: 30. Emil: 32. Alfen; 33. Erna; 36. Pan; 39. Nil: 40. Wall: 42. Brom: 44. Leder; 45. Romeo; 46. Liga: 47. Iltah: 48. Großbritannien.— Senkrecht: 1. Okuli: 2. Sudan: 3. Koaba: 4. Orion: 6. Ehre; 7. Netz: 9. Else: II. Dahn: 12. Bund; 14. Mai-: 15. Chamisso; 16. Gobelin: 18. Ithata: 19. Region: 20. Nashorn: 22. Nagel: 24. Gaste: 30. Epilog; 31. Mode: 34. Nixe: 35. Alboin: 37. Paris: 38. Koran: 40. Wels: 41. Lear: 42. Blut, 43. Mohn. Ergänzungsrätsel: Koch— Salz— Hering, Personal _«Lhas— Ar, zt. Jugend Heini— Arbeit. Tat— Ort—- Gchoii, — SchopeichMer. Silbenrätsel: k Sultan: 2 Ohoüsfr 3. Lasel: 4. Artori«: 5. Lllienthol: 6. Dachau; 7. von«,: 8. Uhu: 9. Valladolid: 19.««.- fait»; 11. Rabelais: 12. Themistokles: 13. R-nI: 14. Adele: 15. llwarow; 16 Sauerland: 17. Tegel; 18. Spinoza. 19. Orilicb.— „Sobald du vertraust, sobald weißt du'' zu leben."(Goethe. Abbau: Neger— Eger— Ger— er. _ Geographisches Rätsel: Kreta, Zser Lorch. Zitjlieit. Münster, Amur. Neumark, Delhi, Siam, Ehile. Haspe, Asien, Reuß. Oder,— Kilimandscharo. Nr. 607 46. Jahrgang Sonnabend 28. Dezember 1929 Tonfilm Der Schall wird photographiert Der Lonfilm marschiert. Der alte Gedanke— er ist so alt wie der Tonsilm selbst—, die Lichtbildwicdcrgabe durch eine Wieder- csabc der Noturgeräusche oder eine mit dem Film selbst verbundene musikalische Untermalung lebendiger zu gestalten, ist zur Wirklich- keit geworden. Manchem technisch Interessierten, der das neueste Wunderwerk der Technik an Zluge und Ohr vorüberziehen läßt, drängl sich damit unmittelbar die Frage aus, wie man des Problems Herr'geworden ist, wie der Tonfilm zustande koinmt und wie man ihn wiedergibt. Die einfachste Form des Tonfilms ist die Verbindung �von Schallplatte und Film. Man zeichnet die Geräusche, Worte, Töne KtaDgfflnnrfottergsbe-Apparatar mit Plattenteller dtch bcDofckHen währe, � txch Ftlmaufirahme mit der üblichen phonographische» ZKesnahmeapparatur auf Wachsplattcn auf und stellt« üblicher Weste Schollplatte» her, die man bei der Wieder- gäbe gleichzeitig mit dem Film ablaufen läßt. Dabei ist es natür- lich sehr wichtig, daß die Wiedergabe von Bild und Ton zeitlich haarscharf übereinftinmit, damit die optische» und akustischen Ein- drücke genau zustwimcnfallcn. Es werden besondere Vorrichtungen erforderlich, ine den absolliten Gleichlauf(die sogenannte„Syn- chrmserungh von Filmprojektor und Schallplattenapparat sicherstellen. der gleichzeitige Beginn beider Apparate muß gewährleistet sein;>mch muß für eme übergangslose Wiedergabe mehrerer Schall- platten hintereinander gesorgt werden. Das alles läßt sich imche- sriedigeicher Weise durchführen. Schwierigkeiten ergeben sich nur, wenn der Film reißt und unter Wegschneiden einiger Bilder zu- fmnmengeklebt werden muß: aus der Platte lasieit sich natürlich nicht irgendwelche Stücke entfernen, der Gleichlaus wird gestört und bleibt es ein für allemal. Man ist daher schon seil laimer Zeit bestrebt, den Ton aus dem Filmband selbst zu fixieren. Fällt dann ein Stück Heraus, so treten zwar in der Wiedergabe sprungartige Uebergänge auf, der Gleich- lauf von Bild und Ton bleibt aber ge- wahrt. Man hat zunächst versucht, die Schallschwingungen auf dein Filmstreifen selbst— ähnlich wie in die Wachsplatten einzugravieren, aber das Zelluloid ist infolge seiner Zähigkeit nicht recht dazu geeignet. Di« Lösung des Problems brachte die p h o t o g r a p h i s che Schallaufzeichnung. Der deutsche Physiker Ernst R u h m e r hat sie zum erstenmal durchgeführt, und drei deutsche Techniker. Logt, Engl und M a s o l l c. haben mit ihrer chilfe vor nunmehr rund sieben Jahren den ersten echten Tonfilm der Welt geschossen. Dann setzte allem- halben in der Welt eine lebhafte Eni. wicklungsorbeii ein: sie brachte erhebliche Verbesserungen und hat den Tonfilm publikumsreif gemacht. Das Grundprinzip ist das gleiche geblieben. Es beruht auf der an sich recht ein- fach erscheinenden Totsache, daß man die Schallschwingungen der Musik, der Sprache, der Geräusche usw. sür die Auf- nchwe des Films in chelligkeits- fchwaukungen einer Glüh- l a m p e umformt, die man photo- graphisch auf dem Film als aufeinanderfolgende. wehr oder weniger starke Schwärzungen festhält. Bei der Wiedergabe vollzieht sich der Vorgang in um- gekehrter Richtung: Die Schwärzungs� unterschiede des To nstre ifans wer- Lln Pllmotpeiken den in chelligkeits fchwaukungen und diese wieder in Schallschwingungen umgeformt. Das alles geschieht auf elektrischem Wege, und zwar sind es zwei Geräte, die die„Seele" der Tonfilmtechnik bilden: die Kerr- ze ll e und die p h o t o« l e k t r i fche Z e l l e. Die erste spielt bei der Aufnahme des Tonfilms die entscheidende Rolle, die letzte bei jenser Wiedergabe. Die Kerrzelle wandelt die der Sprache oder Musik entsprechenden Stromschwankungen, die das Mikrophon(in der uns von, Telephon her geläufigen Weife) liefert, in Helligkeit-- fchwankmigen um, indem sie das Licht einer gleichmäßig brennenden Glühlampe— jenen Stromschwankungen entsprechend— mehr oder -veniger stark hindurchtreten läßt. Man wirft es nur auf einen nur >/«» Millimeter breiten Spalt, an den: der Film(ein besonderer Film für die Tonausnohme) mit gleichbleibender Geschwindigkeit (und zwar genau der gleichen, wie sie der Film in der Aufnahme- tamera besitzt) vorbeigeführt wird. Der Spalt bildet sich dabei als eine Aufeinanderfolge zahlloser feiner Striche, die bald Heller, bald dunkler sind(„Intensitätsstreifen"), auf dein Film ab. Diesen Tonfilm kopiert man mit dem negativen Bildfilm zusammen auf einen gemeinsamen Positivsilm, und zwar so, daß der Tonfilm als s chinaler Streifen von etwa 3 Milli- meter Breite innerhalb der Perforation neben den Bildern einher- läuft. Bei der Wiedergabe richtet man das Licht einer gleichmäßig brennenden Laiiipe durch einen ebensolchen Spalt, wie er bei der Aufnahme verwendet wird, auf den Tonstreifen, das durchfallende Licht, das nun— je nach dem Schwärzungsgrad der Intensitäts- st reisen— m rascher Folge mehr oder weniger stark geschwärzt wird, fällt auf eine photographijche Zelle, die es in elektrische Strom- schwankungen uniwandelt. Diese bringt uns schließlich ein Laut- spreche r als Schallschwingungen zu Gehör. Natürlich sind sowohl bei der Aufnahme wie bei der Wiedergabe Verstärkercinrichtungen erforderlich, auch muß der Tonstreisen gegen den Bildstreifen um ein gewisses Maß versetzt sein: denn der Film wird im Projektor bekanntlich ruckartig sortbewegt, für die Tonwiedergabe ist aber ein ganz gleichmäßiges Vorbeiführen des Filnis am Lichtspalt erforder- lich. Die jeweilige Tonpartie befindet sich daher nicht neben der zugehörigen Vildportie, sondern folgt ihr im Abstand von etwa 36 Zentimeter. Die Güte des Tonfilms läßt für anspruchsvolle Hörer natürlich heute noch einiges zu wünschen übrig. Auch der Tonsilm wird, wie der stumme Film, eine Zeit ständiger Verbesserung und Vervollkommnung durchmachen müssen. Schon heute sind die Studien hierfür bei der K l a n g f i l m g e s e l l s ch a s t, die in Deutschland die Aufnahme- und Wiedergabeapparate baut, eifrig i« Gang. Für den Tonfilm ist natürlich die Aufnahme von aktuellen Wochenereig- nissen in Bild und Klang von besonderen: Interesse. Zu diesem Zweck hat die Klmigsilmgesellschast ein Tonfilmausnahmeauto ein- gerichtet. Der Wagen enthält neben den vom Motor aus aufladbare a Batterien eine vollständige Tornnisnahmeeinrichinng mit zwei Mikro» Tonfilmaufnahmen mit Klangfilmgorät p honen und zwei Bildkameras, mm denen eine zwischen den Mikrophonen und die zweite auf den: zu einer Plattform ausgebildeten Dach des Wagens aufgestellt ist. Das Auto, von dem aus auch>m Fahren Aufnahmen gemacht werden können, hat sich auf einer Fahrt von mehr als 300 Kilomeier in den steirstchen Alpen sehr gut bewährt. hn. Byrds Südpolexpedition und die Funktechnik Die Teilnehmer an der Byrds che n Südpalexpedilion finden auch in der endlosen Polarnacht durch ständige Funkverbindung mit der Außenwelt ai»genchn:e Zerstreuung. Sie begnügen sich aber nicht mit dem Empfang der ihnen gebotenen besonderen Rundfunk- Programme, sondern nutzen ihre geographische Position auch für wissenschaftliche Beobachtungen über Radioempfang aus. In erster Reihe lassen sie es sich— in Zusammenarbeit mit der ainertkanischen Weslinghousc-Gesellschaft— angelegen sein, da- Rätsel der stillen oder„toten" Zonen zu lösen, die denn Rundfunk- empfang so häufig auftreten. Bekanntlich gibt es ja gewisse Bezirke von geringem Umfang, innerhalb deren manche Rundfunkstationeik nur schwor oder gar nicht hörbar sind, während sie rings herum vorzüglich empfangen werden. Derartige„stumme" Zonen entstehen manchmal durch Besonderheiten der Bodengestaltung, während andere wieder keine-- wegs so leicht zu erklären sind, sondern, wie nian neuerdings anzu- nehmen geneigt ist, auf Rechnung der Heavisideschicht, jener vermutlich die Erde umgebenden Magnetschicht, kommen, die sür Radiowelleu undurchdringlich ist, und diese daher aus die Erde zurückspiegelt. An manchen Stellen, namentlich bei großer Eni- permmg von der Sendestation, dürfte der Empfang vor ollem von reflektierten Wellen bestritten werden, nxchrciid an anderen Stellen nur direkter Empfang in Frage konnnt. Daß es lum ditrch eventuelles ZufammenireHen der direkten WellensenSmng mit den von der 5)eavisideschicht gespiegelten Wellen zu vollkommener Störung des Empfanges kommen' kann, ist schon auf den ersten Blick durchaus einleuchtend: ja, man könnte sich denken, daß auch die bekannten Schwunderscheinui�en(„F a d i n g") auf ähnliche Weife zu erklären sind. Nach den bisher angestellten Versuchen verläuft die Heavisideschicht in etwa 330 Kilometer Tkkrchschniitseiltfernung von der Erdoberfläche: doch besteht Grund zu der Annahme, daß sie entweder am Nord- oder Südpol oder auch au beiden, bis dicht an die Erde herankommt und diese vielleicht gar berührt. Die jetzt angestellten Versuche sind in erster Reihe zur Prüfung dieser Pennutung bestimmt. Vor allem wird bei den Ver- suchen ein unter dem Namen O f i s o bekanntes Instrument nach Art des Oszillographeu benutzt, das photographische Aufzeichnungen von Radiosignalen und anderen elektrischen Wellen herstellt und so empfindlich ist, daß es Zeitunterschiede von wenigen Millionsteln Sekunde zu inesien gestattet. Mittels dieses Instrumentes kaim der Empfang von direkt«intreffenden ebenso wie der von echoartigen, d. h. gespiegelten Radiosignalen ausgezeichnet werde». Durch Messung der zwischen beiden Empfängen liegenden Zeildifferenz kann man dann die Höhe der Heavisideschicht in Nähe des Südpols feststellen. Ing. Hanfon, der Radiotechnlker der Expedition, hat bereits umfangreiche Versuche dieser Art angestellt und zu diesem Zwecke auch unter den.schwierigsten Temperaturvcrhöltnissen— bei so großer KAtc, daß die Trockenbatterien unter-dem Hemd getragen und dadurch vor Einfrieren geschützt werden mußten— Schlittenfahrten aus ziemliche Entfernung vom Winterlager unternommen. Auf Grund der bei dieser Gelegenheit erzielten vorläufigen Er- gebnisse hat er donn mit der Sendestation KDKA. die Sendung eines besonders kräftigen und langen Signals verabredet, dos einmal auf Welle 23,4 Meter und außerdem auf der gewöhnlichen Rnndfunkwcllc gesendet wird. Zur Kontrolle seiner— vorläufig noch nicht bekannt- gegebenen— Versuchsergebnisse hat H a n f o n auch einen Teil des Rundfunkuntcrhaltungsprogranmis init dein„Osifis" aufge- nonunen. Dieses Program», besteht im wesentlichen ans Grmmnophonplatten, die muh besonderen, Verfahren elektrisch auf- genommen sind. Dr. A. Gradenwitz. Fiimauinahmen von Betuegungsvorgängen Der Film dient in der Technik der Darstellung bekannter Tatsachen und Erscheinungen und ihrer Zusammenhänge, darüber hin- aus aber der Erforschung unbekannter Gebiete. Seine Bedeutung für den ersteren Zweck ist durch die Möglichkeit der Wiedergabe von Bewegungsvorgängen überhaupt gekennzeichnet: siir de» zweiten dadurch, daß man solche Vorgänge fast unbegrenzt schnell auf- nehmen und sehr langsam wiedergebe,, kann. Die richiigc An- wcndung des Films auf beiden Hauptgebieten erfordert aber eine genaue Kenntnis aller Eigenschaften des Films und der zur Auf- »ahme und Wiedergabe nötigen Einrichtungen. Außerdem die Kenntnis der Grenzen der-Darstelliingsmöglichkeit, insbesondere da. wo der Film nicht mehr allein, sondern in Verbindung mit den, gesprochenen Wort angewendet wird. Weiterhin ist für den Hersteller guter technischer Filme volle Beherrschung der Fachfragen des zu behandelnden Gegenstandes und der typische» Filmstilistik notwendig. Eine einfache Zusammenarbeit zwischen einem guten Fachwissenschaftler ohne siltmfche Kenntnisse und einem guten Film- iechnikcr ohne fachwissenjchastliche Kenntnisse reicht nicht aus. Eine besondere Rolle spielt, wie oben erwähnt, der Film als Zeildehner oder Zeitraffer(ähnlich»vic das Mikroskop für die Rmimdehnung). Für diesen Zweck gibt es heute schon Vorrichtungen, die bis zu 2000 Bilder in einer Sekunde aufnehmen. Solche, die bis zu 30 0 0 00 Bilder in einer Sekunde aufnehmen können, sind i», Bau. Der Funkenkinematograph gibt Bildreihen mit drei Millionen Aufnahme in einer Sekunde. Mit Hilfe dieses Funkenkinematographe» sind bereits Bilde, reihen aufgenommen worden, bei denen die Zeit zwischen zwei Bildern eine drein, illion stel Sekunde betrug. Derartig kurze Zeitabstände zwischen den auf- einauöerfolgeiideu Bilder» sind kein unnötiger Luxus, sondern zur Untersuchung vieler technischer Vorgänge erforderlich. Als Beispiel sei nur das Schleifen erwähnt. Ein Schleisspa» von einem Milli meter Längs wird bei 30 Meter Unitangegefchwindigkeit in einer dreißigtausendstel Sekunde erzeugt. Sollen vo» diese», Vorgang zehn Einzelbilder aufgenommen werden, so müssen dieselben in Abstände,, von einer dreihundertiausendstel Sekunde misgenomme» werden. Aehnlich liege» die Verhältnisse bei Störungsvorgänge», elektrischen Schaltvo/gängcn. im elektrischen Schweißlichtbogen usw. Hier kann überall der Film wichtige und neue Erkennrn nisse erschließen. aft Wilmersdorf, die 2. Miinnennonnschaft gegen Weitzenfee-Schwinnner 1 um 13 vi Uhr nnd die 1. Maiiiischaft gegen FTGB.-Neukölln 1 um 1430 Uhr.— Im Volkspark Rehberge spielen um 10 Uhr Frei« Kanu-Union gegen FTGB.-Ruder- bezirk und um 15 Uhr FTGB.-Wedding 2 gegen Wilmersdorf 1. Wettere Spiele: Schweifsterne gegen Ruderverein 1924 um 10 Uhr im Stadion, Köpenick, Wendenschloßstraße: FTGB.-Rosenthal gegen Sportverein Moabit um 12 Uhr im Humboldthai»: Nauen 1 gegen FTGB.-Nordring- Sportler 2 in Nauen: Erkner 2 gegen Fußballklub Oberspree 1 m» 12 Uhr in Erkner: Zossen 1 gegen FTGB.- Neukölln 2 um 15 Uhr in Zossen: Bornstedt 1 gegen Wedding 3 inn 13)4 Uhr in Bornstedt: FTGB.-Süden 3 gegen Sokol 1 um lO1/» Uhr in Friedemm, Ofsenbacher Straße, miö Katkberge 1 gegen Wilmersdorf 2 um 14 Uhr m Koltbergc. Frauen: Velten gegen Schönow»in 14 Uhr in Velten und Bohnsdorf gegen Moabit um 14>4 Uhr in Bohnsdorf. Die Kämpfe im«Ständigen Ring". Der„Ständige Boxring" wickelt« gestern abend in den Spichernsälen sein« 06. Veranstaltung und damit den letzten Box- abend im alten Jahre ab. Der Abend wurde mit dem Kampf Fritz Kracht-Hambnrg(69) gegen Rudi Beicr-Mühlhausen(67,5) eingeleitet. Kracht geivann de« Kamps, in dem beide Boxer herzlich wenig zeigten, nach Punkten. Zu einem unberechtigten Punktsieg tam in dem nachfolgenden Treffen der Hannoperaner Hermann Heise(53,2) Über Georg Psitzner-Berlin(54). In allen Runden wirkte Psitzner frischer, und er war stets der Treibende. Wenn auch Heise einige Male klar durchkam, langte es nie zu einem Punktsiege. Ein vorzeitiges Ende nahm die Begegnung Paul Vogcl-Bcrlin(74,4) gegen Heinrich Trollnuimi-Haiinover(70,6). Trollmami griff be- rcits in der ersten Runde sehr stürmisch an und Vogel mußte viel mit erkemcharer Wirkung einstecken. I« der zweiten. Runde, als Ringrichter Koch die Gegner trennen wollte, landete Trollniann einen Kinnhaken, der Vogel über die Zeit auf die Bretter warf. Bielleicht hatte Vogel eine Disqualifikation seines Gegners envarlet, bierzn lag aber durchaus kein Grund vor. Einen klaren Punktsieg errang Franz Boja-Dortmund(72) über Emil Koska-Gleiwitz(74.2i. Boia boxte gegen früher recht sauber und er scheint auch technisch verbessert zu sein. Im Schlußkampf siegte Gustav Eder-Dortnnind (66,8) über Otto Lauer-Saarbrückcn(71,8) trotz des erheblichen Ilebergcwichtes des Saarbrückers einwandfrei nach Punkten. Eine goldene Uhr, die von einem Gönner des Borringes für den besten Techniker des Abends gestiftet worden war, wurde Eder zuerkannt. 50 Jahre Sdiülerr udersport. Im nächsten Jahre kann das Schülerrudern sein 50. Be- standjubiläum feiern. Aus kleinen Anfängen hervorgegangen (Primancrschülerrnderverein in Rendsburg, gegründet 28. Mai 1880, und Olzlauer Schülcrruderverein, gegründet 1. Juni 1880 von Dr. Lampe) hat es sich gegen Ende des vorige« und zu Beginn dieses Jahrhunderts zu einem wichtigen Faktor des deutschen Ruder- sports entwickelt. Der Verband der Leiter imd Leiterinnen Prcußi- scher Schülerruder-Vereinigungen, Bezirk II Brandenburg, hat bereits das Programm für die Jubiläumsfeierlichkeiten entworfen. Den Haupttag des Festes bildet der 14. Juni, au dem sich vormittags die Protektoren zur Jubiläumslaguiig versammeln, während am Nachmittag ein« große Auffahrt der männlichen pnd weiblichen Ruderjugend auf der Potsdamer Regattastrecke(Templiner See) vor sich geht. Nach der Landung der Boote folgt der groß« Festakt im Stadion, der mit einer GesaUenen-Ehruiig verknüpft ist. Der 12. Juni ist als Empfangs- und Begrüßnngslag der aus dem Reiche eintreffenden Äungruderer gedacht. Radsportiiehes Allerlei. Kilian und Pützfeld, die bekannten westdeutschen Bundes- amateure, sind Bcrufssahrer geworden. Beide sind gute Fohrer und wußten sich besonders in Mannschaftsrennen oft zu behaupten. Sie wollen nun gleich ein Sechstagerennen mitbestreiten und haben bereits einen Vertrag für die Dortmunder Sechstage— 10. bis 16. Januar— in Händen.— Wie bereits mitgeteilt, ist für Berlin ein neues Sechstagerennen in Sicht. Es soll— vorbehaltlich der Zustimmung der DDR.-Generalversammlung— am 28. Februar begiimen. Vorher werden noch die Berufsfahrer an zwei Renn- tagen starten. Auch die Amateur« sollen noch Gelegenheit haben, das Holzooal in der Potsdamer Straße zu befahren. Am 6. März ist ober endgültig Schluß mit der zweiten„Winter"radsportsaison! Darm rufen schon die Sommerbahnen... Die Belgische Rads parkt iga. die die W e l t m c i st e r s ch a f t e n für 1930 in Brüssel durchführt, gibt jetzt iolgende Zeitein- teilung bckannl: Sannabend, 23. August, vorm.: Sonimcrkongrcß der UEJ.: nachm.: Vorläufe zur FlieAer-Äjxllmeistxrschaft der Amateure und Berussfahrer, Soemtag. 24. August: Endläufe der beiden Fliegerwelmietzterfchaften: Donnerstag, 28. August: Vor- laufe zur Steher-Weltmeisterschast: Sonnabend, 30. August: Straßen- Weltmeisterschaft sllr Amateure und Berufsfahrer: Sonntag, 31. August: Endlaus der Steherweltmeistcrschast. Saarbrücken soll auf der Kuppe des Schauzeirberges eine Radrennbahn bekommen. Alle Borarbeiten find erledigt. Die Zementbahn soll 333 Meter lang werden mit einer Kurvenüber- höhung von 45 Grad. Die ersten Rennen sind im Frühjahr 1930 geplant. Sportler und Eisenbahnfahrt. Neue Fahrbestimmungen. Einige neue Verfügungen der ReichÄmhn, die mich tief ins sporrlich« Leben, vor allem der Jugendarbeit, eingreifen, erfordern größke Beachtung in allen Arbeitcrsportorganisationen. Die Beförderung von Sportgeräten auf Entfernungen bis zu 130 Kilometer ist jetzt neu geregelt. Danach kömien ans Fohrradkarlen als Gepäck abgegeben werden: a) unverpackte einsitzige Zweiräder(außer Kraftfahrrädeni und Fahr- rädern mit ausgebautem Hilfsmotor): b) Schneeschuhe sowie ein- oder zweisitzige Rodekichlitten: c) Faltboote, zerlegt und im Rucksack und in Taschen zu einem Gepäckstück verpackt. Faltboote dürfen in Personenwogen— auch in solchen für Reisende mit Trag- laste»— nicht mehr mitgenommen werden. Die Kosten der Fahr- karten betragen 30 Pf.(bis 25 Kilometer), 50 Pf.(bis 100 Kilo- meter) und 80 Pi.(bis 150 Kilometer): Geltungsdauer vier Tage. Züge, die am Sonnabend oder an de» Tagen vor Feiertagen bereits vor 12 Uhr abfahren, können init Sonntagsrückfahrkarten benutzt werden, wenn bis zur erste» Station, die nach 12 Uhr passiert wird, ein« allgemeingültige Fahrkarte gelöst wird: dabei ist es gleichgülng, ob der Zug auf dieser Station hält. Zur Fahrpreis- e r m ä ß i g u n g für I u g e n d p f 1 e g e f a h r t e n ist für 1930 die Bestimmung getroste», daß die jetzt in den Händen der Jugend- pflegevereine besiildliche und für 1929 geltende blau« Ausweiskarte auch für 1930 Gültigkeit behält. Neue Airträgs haben also nur bisher nicht anerkannte Bereine an die bekannten Stellen(über Deziris- und Landesjugendaint an den Oberpräsidenten) zu leiten. Weiterhin tritt die Erleichterung in Kraft, daß noch Vorliegen der neuen Vordrucke die jeweilige Vereinsleitung die Führerausweije ausstellt uiw die Abstenrpelmrg vom zuständigen Jugendomr erfolgen sonn. Bei Fahrten, die über den deutschen Grenzbereich hinaus nach Oesterreich ausgedehnt werden sollen, gelten schon seit dein 31. Juli die auch für Deutschland in bezug auf Fahrpreisermäßigung zutreffenden Bestinmmnge»»nd die hierzu ausgegebenen Ausweist. Die Fahrt kaiin also meistens durchgehend, eventuell mit Vermittlung der Grenzübertriltsftation erfolgen. Auch m Oesterreich gilt danach bei einer Mindestteilnehmerzahl von zehn Personen die Fahrpreis- ermäßignng von 30 Proz. Das wollen Gesinnungskämpfer sein! In Westdeutschland ist der Sportverein Schwärz- Weiß- Düsseldorf-Wersten vom kommunistischen Sportoerband wieder zurückgekehrt zmn Arbeiter-Turn- und Sportbund. In der entscheidenden Vereinsoersammlung hatten sich drei Mitglieder durch ihre Gegnerschaft zum llebertritt in den Arbeiter-Turn- und Sportbund außerhalb des Vereins gestellt. Von den kommunistischen Sportlern wurde daraufhin ein ganz schändlicher Streich verübt. Sie holten in der Nacht vom 13. zum 14. Dezember die Vereins- eigenen Fsßbatttove von Schwarz-Weiß vom SpieffeS» mt verschleppten sie in eine entlegene Wirtschaft. Als die Polizei sie am 14. Dezensticr nachmittags vorfand, waren sie bis auf eine Querlatte zu Brennholz zerschlagen. Da sich die bundes» treuen Mitglieder vorsehen, vor die Fäuste der sich„Einheitssront- sportlcr" nennenden Kommunisten zu kommen, zeigen diese nun ihr« „Einheitssreundlichkeit" durch Diebstahl und oandalistische Vernich» tung von Lereinseigentum der Bundestreuen. Neue kücher. „Aus meinem Tagebuch." Alfred S i e b e r t schrieb dieses Tage- buch, er, der als löjöhriger Waisenknabe in die Redoktion des „Sporn" eintrat und bis aui den heutigen Tag,� dos find über 51 Jahr«, dem Pferdesport treu blieb. Alfred Sieben ist kein Anhänger unserer Weltanschauung. Aber in einem Milieu der tausendfachen Versuchungen ging er�unbeirrt feinen Weg, und sein Tagebuch schrieb er fernab jeder Sem an an, weshalb er es auch im' Selbstverlag. Alfred Siebe rt. Berlin NW 7, S ch a d c> w st r a ß e 8, erscheinen lassen muß. Der Verfasser hat viel zu erzählen, er weiß nicht nur, wie es in Berlin war, er hat die Entwicklung jeder Provinzbahu mitgemacht, und keiner der be- deutenden'Reitersleute der letzten 30 Jahre blieb ihm ein un- bekannter. Der Tagebuchschreibcr, der nun an der techmelle des biblischen Alters steht, hat seinen goldenen Humor nicht verloren. Nett erzählt er von seinem Gönner und Lehrer, dem Rittmeister 'Andre, der einst, als wertvolle englische Vollblutpferde verlost wurden, 150 Lose taufte, um ein Buch„Bon der Bechai�ilung des Pferdes" zu gewinnen, das er selbst verfaßt hatte. Dieser Andre war es auch, der dem jungen«siebert, als er eine TcUenvettc verlor, jagte„Mein Sohn, wetten verdirbt den Charakter, hier hast du deinen Verlust wieder, ober versprich mir, ine wieder Kt wetten." Das war im Jahre 1879 und das Versprechen ist nie gebrochen worden. Der bewußte Taler wird sogar noch heute als Talisman betrachtet. Der Autor hat als Sports ournalist einen mühevollen Weg zurückgelegt: denn schnell mußte matt auch früher arbestsn, nur' standen die'ost mehr als primitiven Verhältnisse dieser Fixigkeit entgegen. Er hat den Engländersimmel mitgemacht, wo man in Deittschtaud nur den englischen Berufsreiter gelten ließ, und bestes deutsches Reitermaterial glatt verkam, sobald es nicht der Oniziers- castc angehörte. Damals war auch die Zeit, wo �kein Herren- reiter �uscumnen mit einem Berufsreuer in den Sattel stelgen durste. Der Pferdesport war eben(niedere Dienste ausgeichlopen) nur eine Betätigiingsinöglichkeit für den hohen Adel und die Oft'- ziere. Für manchen, der bloß als Wetter die Rennbahn kennt (und ihrer sind mehr als man glauben mochte), ist gerade dlpur schlichte Tattachenbericht, der ohne Tendenz, aber im Geiste der aktiven Rcnnsportleute geschrieben ist, von Wert. c. b. Sehraus in Mariendorf. Der letzte Tag der�Wechnachtsvergn» staltunq bringt morgen. Sonntag, gleichzeitig den«aisonichluß Am 3. Januar werden die Reimen nach Ruhleben verlegt. Beginn der Rennen 13 Uhr. Thunberg zieht sich zurück. Finnlands mehrfacher Weltmeifler im Eisschnelläufen. Clus Thunberg, der sich zurzeit m Davps aufhält, erklärte im Laufe einer Unterredung, daß er sich binneit kurzem vom Eislauft pari ztirückziehen werde. Sörsenabzug beim„Foul". Eine beachteirswert« Neuerung hak die N e w- P o r k c r B° x k o m m i s s i o n ftir das ihr unterstellte Gebiet«ingeführt. Da sich die Fälle gehäuft haben, daß Boxkämpie durch Disqualifikation ein vorzeitiges Ende nahmen, wurde vcrmgt. daß in Zukunft von der oereiinUten Börse des schuld-geu nur wn der Zcchl der gekämpsten Runden entsprechender Teil ausgezay.t wird,_ Ruder, nnd JUimumZn 1i>e«, t.«. Sandtxritmo'ins»»«: Sni-r im«'!*- iiirfcr Stadion tum 10-11 Uhr oeaen Schweibern-. Trcftvuickt«N-Uhr '" z'rrir'zaltbootiadrcr Brrlia. Silvrsterfster in.Gnssow"..8>n qriinr» nindc" gahroerblndnna ob Göriider Bahnbof 7.11, 8.11, 0.31 Uhr bis Sonics» wnstrrliause». dort Auto bis Gussow benuttcn.(Säfte wiMommrn. Subcrocrcin.«orwärts-. Dienstaa. 3t. Tcwmbir. eilocftfvteicr im Bootshaus. Sonnta-I. ä. Januar, 16 Uhr, Mitalicdervcrsammluu-I IM Boot». ''""soutiftenBtmn.Di««otursroundr", Gruppr Brr-»t»urr«rra. Soxnlaa. 2g. Dezember, gahrt nach zeohnau. Treffpunkt S Uhr Stetbncr Barorr» dahnhof. 8egelflugscbu1e Qrunau. Arbeiter, beamte, Alcademiher beim 5egeItUig. Auf Veranlassung des Oberpräsidenle» der Provinz Rieder jchlesien hol die Schlesiergruppe des Venlschen euft- lahrt-Verbandes e. V., Sitz Breslau 2, Gorlenstr. 74(Landes- Haus). Bericht über ihre letzte Lehrgangstäligkeit erstattet. Der Amtliche Preußische Pressedienst entnimmt diesem Be. richt solgende Angaben: Die S e g e l s l u g s ch u l e in Grünau besteht fünf Jahre und wird noch den Grundsätzen des Deutschen Luitfahrt-Bcrban- des e. B. geleitet. Die Schule liegt im Ricsengcbirge. Grünau, ein Dorf von 2020 Einwohnern, ist am Fuße des Bober-Katzboch-Ge- lnrges 4 Kilometer nördlich Hirschberg gelegen. Von hier führt der Weg in etwa 25 Minuten zu dem Galgen borg, 560 Meter über dein Meer«, 200 Meter über Grünau, Hier steht die neue Flug- halle, die im Frühjahr 1929 erbaut wurde. Das Gelände um die Halle herum ist von der Schlesiergruppe käuflich erworben. Das hier nach soft allen Windrichtungen verlaufende, ausgezeichnete Schulgebände ist auf zehn Jahre gepachtet worden. Die Hänge ver- laufen»ach Süden und Westen, nach Osten und nach Norden flach, und sind frei von störenden Hindernissen. Ihnen verdankt die Schule ihre großen Ersolge nicht minder als der günstigen meteorologischen Lage, so daß in Grünau der Schülbeirieb nur ganz selten ausfallen muß,— ein Vorzug, der nicht hoch genug ge wertet werden kann. Die Schule besitzt in der allen halle Werkstätten mst elektrisch betriebenen Holz- bearbeitungsmaschinen. Sie ist in der Loge, den Flugpark selbst herzustellen und Ausbessc- rungen in allerkürzester Zeit auszuführen, so daß der Schulbetrieb an Maschinenmongel nie zu leiden hat. Die Normung des Flug- geräts und die Haltung genügend großer Vorräte an Ersatzteilen trägt hierzu wesentlich bei. Die Unterbringung in der Schule er- folgt kasernenmäßig. Zehn Betten stehen in der asten Halle, sechs Betten in einer wetterfesten Hütte auf dem Galgenberg. Dieses Quartier ist besonders begehrt. Zwölf Betten stehen in zwei ge- mieteten Räumen im Gerichtskretscham. Für weitere Schüler oder auf Wunsch werden im Dorfe Bauernquartiere gemietet. Zluf diese Weise ist die Lebenshaltung denkbar billig. In vollster Eintracht leben in Grünau Lehrer aller Gattungen vom jungen Sportlehrer bts zum 49jährigen Studienrat, Akademiker und Handwerker. Beamte und e r w e r b s. lose Arbeiter nebeneinander Dafür, daß letztere auch eine Ausbildung im Segelfli.'g erfahren können, haben eine Anzahl schlesischer Stadt- und Landkreise dadurch gesorgt, daß sie Frei- jtelle» bei der Schule durch Gewährung entspreche nder Mittel auf Die schufen. Zehn Studenten erhalten jährlich freie Ausbildung Kosten der Selbstverwaltiing der Provinz Niedcrschlesien. Schüler eines Lehrgangs werden in Gruppen unterteilt. Sie müssen mindestens acht Mann, höchstens jwölf Mann stark sein. Die Schul« bemüht sich, die Einteilung der Zeiten so vorzunehmen, daß nach getaner Arbeit genügend Zeit zur Erholung und zum Besuche de» Riesen- und Isergebirges bleibt. An Sonntagen ruht daher der Betrieb. Das Schulgeld von 100 M. muß vor dein Beginn des Lehrganges auf das Konto der Schlesiergruppe des Deutschen Lust» fahrt-Vecbandes bei der Filiole der Darmstädter- und Nationalbank. Breslau 1. Ring 30(Postscheckkonto Breslau Nr. 666), einge.zahlt fein. In das Schulgeld eingeschlossen ist Wohnung, Beheizung, Pe- lruchtung und Unfallversicherung. Beschädigungen der Flugzeuge gehe» zu Lasten der Schule. Die Schule stellt serner kostenlos, so- ineit ihr dies irgend möglich ist, Pferd« zum Herausichleppen der Maschinen. Durch diese Maßnahmen kommen die Flugzeuge schneller wieder zmn Start und die Schüler öfter zum Fliegen. Jeder Schüler kommt täglich mehrfach dazu, den Weg auf den Galgen- bei g von etwa 200 Meter Höhenunterschied zu leisten. wer körperlichen Anstrengungen nicht gewachsen ist. bleibt daher besser zu hause. Die Schulung liegt in den Händen bewährter Piloten mit long- jähriger Erfahrung, die ständig sich in eigener Uebung hasten. Die vielen Schulmänner aller Gattungen, die in Grünau wieder Schüler wurden, stellen den Fluglehrern das beste Zeugnis über ihre Lehr- befähigung aus. Der Schulbetrieb kann dos ganze Jahr fortgesetzt werden. Aus wirtschaftlichen Gründen werden in den Monaten November bis Jamtor Lehrgänge nicht abgehalten. Für Fremde des Schneeschuhsports sind die Kurse im Februar und März be- sonders.zu empfehlen. Der letzte Lehrgang für Anfänger lies in der Zeit vom 14. Oktober bis 9. November. Die Gesamtflugzest war 2:35:15 Stunden. Der gleichzeitige Lehrgong für Fortgeschrittene hatte neun Teilnehmer. Es wurden 98 Flüge mit einer Gesamt- flugzest von 3:9,5 Stunden ausgeführt. Sege'flug in Holland. Der Segelflug. der in Deutschland seine Meister Hot, findet auch in Holland Interesse. Auf Einladung der Königlisch Nieder- tändsichen Vereinigung für Luftschiffahrt hat der bekannte deutsche Segelflieger und Fliigzeugtonstntktcur A. Lippisch dos Gelände in Holland geprüii� Da der Segelflug hügeliges Gelände mit auf- steigendem Wind benötigt, kommt 0, Holland vor oll cm die äußere Dünenkette in Frage. Lippisch wird einen genauen Bericht über die Möglichletten des Scgelftuges in Holland verfassen.