BERLIN Montag 30. Dezember 1929 10 Pf. Nr. 609 B 303 46. Lahrgang Erscheint tZglich angerEonotagt. Augle ch Abendaucgab« des.Vorwtrtt'. Bezuz«rreit beide Ausgaben«5 Pf. pro Woche. pro Monat. Viedaktion und Erredilion! BerlinSWss.LindeniÄ.s SfuUauiqfajße xlto Suietzeiiprei«: Die einspaltige Noupareilleieil« so Pf.. Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto! Vorwärts-Verlag E. m. b.H.. Berlin Nr. 37SZk>. Fernsprecher: Dönboff'ZvS bis W? Kleinkrieg der Mordparteien. Gowjetdolch und Hakenkreuzrevolver in Berlin. Ein blnliger Skraheukampf spielte sich in der Sonntag.) vachi In der Görliher Strohe Zwischen Kommunisten und! Hakeukreuzlcrn ab. Zahlreiche Schüsse wurden abgefeuert und| vier llrbeiter. die de? kommunistischen Partei angehören. sanken schwerverleht zu Boden. Nach allem hat e» bisher den ilnschem, als ob es sich um einen regelrecht vorbereiteten lieber. fall der faschistischen Mordbuben aus die kommunistischen Gegner handelt. Die Schwervertehten fanden im Bethanien-Krankenhaus Aufnahme. In dein chanse Görlitzer Strahe 58, in der Nähe des Görlitzer Bahnhofes, befindet sich ein Schanklokol, in dein hauptsächlich Ztoinmunisten oerkehren. Gegen Vil Uhr verließen mehrer« kom- rnumstrsche Arbeiter die Gaststätte, um heimzukehren. In diesem Augenblick kam eine Horde von Nationalsozialisten, zum Teil In Ilin'orm, vorbei. Es gab sogleich eine heftige Auseinandersetzung, fre dann einen schlimmen Ausgang nahm. Die.Hakenkreuzler, alle schwer bewaffnet, zogen plötzlich Pistolen hervor, und er- pssnelen ein wütendes Jejuet Bis ihxe HHfcfÜKtet. Die irbciicr Wolter Neumann aus der Oppelner«traße und Schalin[Ii aus der Dresdener Straße brachen durch Brust-, Rücken- und Kopfschüsse schwerverletzt und blutüberströmt zusammen. Als den Bedrängten aus dem Lokal Gestmurngsgenossen zu Hilf« eilten, wurden auch sie mit Schüssen empfangen. Hierbei wurden zwei weitere Arbeiter, Erwin Schwel aus der Christianiastvaße und £>;to Esser aus der Petristraße durch Fußschüsse verletzt. Die Angreiser flüchteten darauf in Richtung Wiener Straße. Beamte des Ueberfallkommandas nahmen ihre Verfolgung auf und es gelang lhtten, vier 5er mutmaßlichen Täter in einem Lokal in der Wiener Straße zu ermitteln und festzunehmen. Sie gehören sämtlich der Nationalsozialistischen Partei an. Die Festgenommenen wurden ins Präsideum gebracht und dort heute vormittag einem eingehenden Verhör unterzogen.'Sie spielen selbstverständlich die Harmlosen und bestreiten, an der Schießerei teilgenommen zu haben. Man schenkt ihren Angaben aber wenig Glauben, zumal zwei von ihnen von einem Jeugen mit Sicherheit als Revolverschützen er- tonnt worden sind. Nach dem bisherigen Stande der Untersuchung scheint es bereits ernnefen, daß die Hatenkreuzler die Angreifer gewesen sind. Sehr interessant war die Feststellung, daß einer der mutmaßlichen Täter noch bis zum Januar des Jahres dein in- zwischen verbotenen Rotsronttämpferbund angehört hat. Die politische Polizei hat die Ermittlungen nach den übrigen Tätern, es soll sich noch um etwa 10 bis 12 Personen handeln, aufgenommen. Im Laufe des Tages hofft man auch einen Teil der Verletzten ver-nehmen zu können. * In einem anderen Falle wurde in Tc m p e lh o f ein National- sozialist von Kommunisten niedergestochen. Vor der Haus« Frie. d r i ch- Ä o r l- S t r a ß e 17 fielen der ZZjährige Karl P a b st und ein gewisser Alfted Borth alz, die beide der KPD. angehören. in der Sonnabendnacht über den Lljöhrigcn Nationalsozialisten Ba rtell aus der Schwerinstraße in Mariendorf her und verletzten ihn durch einen Messerstich in den Hals schwer. B. wurde ins Josephskrankenhaus gebracht. Die beiden Täter wurden in Gewahrsam genommen. Der Schauplatz einer weiteren Schlägerei zwischen Kommunisten und Rechtsradikalen war eine Gastwirtschaft in derTauroggener Straße. Hierbei wurde der 21jährige Arbeiter Riemer aus der Osnabrücker Straße durch einen Streifschuß am Bein verletzt. Mehrere andere an der Schlägerei Beteiligte erlitten Kopsverlegungen. Der Angeschossene nmßte ins Westend-Krankenhaus gebracht werden. 19 Personen wurden ins Polizeipräsidium gebracht, davon konnten bisher 17»nach ihrer Vernehmung wieder entlassen worden. politische Mörder verhaftet. Angehörige ver Kommunistischen Luaend. Halle, SO. Dezember. Wegen Ermordung des Handlungsgehilfen Otto Kuffner, der. wie mitgeteilt, auf offener Straße durch mehrere Messerstiche schwer verletzt wurde und im Krankenhaus verstorben ist. hat die Kriminalpolizei eine Anzahl Verhaftungen vorgenommen. Iii' er dm Verh.ilteteu befinden sich auch einige junge Leute, die bereits eingestanden haben, Küsfer überfallen und niedergeschlagen zu haben. Cs handelt sich um Angehörige der kommunistischen ßud astijaschijtische» Jugend. Ein Sonntag der Stürme. Verheerungen überall.- Schiffe in Not. Der gestrige Sonntag, der letzte im allen Jahr, hat für de« enropäischen Kontinent. Deutschland. Hol» land. Belgien. Frankreich, teilweise auch für England, schwer« Stürme gebracht, die sich an einigen Stelle« katastrophal auswirkten. Kircheneinsturz in Dortmund. Dortmund, ZO. Dezember. In Dortmund hat ein orkanartiger Sturm, der am Sonntag über Westdeutschland hinwegbrauste, schweren Schoden angerichtc'. Gegen Mittag stürzte die im Vau begrlfsene Kirche der Petri- Nitokai-Gemeinde infolge des Sturmes ein. Dez Ältchewiiiibau, der aus Eisenbeton ausgeführt rvirt), war bereits bis zur Höhe von 30 Meter gediehen. Man hatte gerade damit begannen, die Holzverschalungen der seitlichen Tragpsciler und die Deckenverstrebungen mit Beton auszugießen, so daß das in zweimonatiger Arbeit hergestellte Werk ein Opfer des Sturmes wurde. Der Roh- bau des Kirchenschisses mitsamt dem Chor ist wie ein Kartenhaus zusammengestürzt und bildet einen wüsten Trünimerhaufen. Nur die Rohkonstruktia» der Tauskapelle und der Sakristei blieben unversehrt. Der Schaden wird aus 50 000 bis 60 000 Mark geschätzt. Menschenleben sind nicht zu beklagen, da die'Arbeit am Sonntag ruhte. ZUnnster, 30 Dezember. Der in der Sannabenlmacht einsetzende orkanartige Sturm, der den ganzen Sonntag über anhielt, hat in M ii» st e r u n d U m- gebung schwer« Verheerungen angerichtet. In Münster selbst wurde n. a. der etwa 20 Meter hohe Schornstein einer Getreidemühle umgelegt. Auch ein großer Neubau, der im Eisen- gerüft bereits stand, wurde vom Slurin vollständig umgebrochen. Die an der einen Seite des Baues bereit? fertige Mauer wurde völlig niedergelegt. Personen wurden nicht verletzt. Orkan über Belgien. Brüssel, 30. Dezeiitber. In ganz Belgien wütete am Sonntag ei» gewaltiger Sturm, wie man ihn seit langer Jeit nicht erlebt hat. Aus allen leiten des Lande» werden schwere Sturmschäden gemeldet. Das Dach der St.-Gudulo-Kirche ist zum größten Tell abgedeckt worden. Im Wold« von Soigncs bei Brüssel lmt der Sturm zahlreiche alte Bäume entwurzelt. An vielen Stellen find die Telegraphenstangen Der zu Haus Gelaffene „Letzt muß ich hier wieder auspacken und ich wollte doch erst im Haag— auspacken!" auf die Gleise gestürzt und machen jeden Verkehr unmöglich. Dos schwere Siein kreuz auf der Kirche St. Henri in Brn-ssel ist herabgestürzt. Eines der Türmchen der Kirche in Eosselics bei Eharleiai wurde vom Sturm glott abgerissen. I» Mouscrvn wurde ein Arbeiter von einem Klavier erdrückt, das er aus einen Rollwagen geladen hatte, den der Sturm umstürzte. Ueberallher wird gemeldet, daß Persanen durch herabstürzende Schornsteine und Dachziegel oerletzt wurden. Die Feuerwehr ist dauernd unterwegs, um die Straßen freizumachen. In den Höfen von Antwerpen und O st e n d c wurde» viele Schiffe beschödlgl. Erst gegen'Abend legte sich der Sturm. Ein Aron stürzt auf Schlepper. pari», 30. Dezember. Das schwere Unwetter, das während des Sonntag» an der fran- zösischen Küste wütete, hat in L e-H a v r e einen schweren Unfall zur Folge gehabt. Der furchtbare Sturm stürzte einen im Hafen flehenden Kran um, der auf einen Schleppdampfer fiel. Der Schleppdampfer sank s o s o r l und riß drei?N e n- scheu mit sich in die Tiefe. An der Küste muhte jeder Schiffsverkehr eingestellt werden und alle Fernfprechleilungen sehten aus.» Dos furchtbare Unweiter, das in der'Nacht zum Souvlag übcr Nordfrankreich eingebrochen war und in den Mittagsstunden de-- Sonntags bedeutend nachgelassen hatte, nahm am Nachmittag wieder an Stärke zu. Aus den verschiedensten Teilen des Landes werd n schwere Sturmschäden gemeldet. In der Gegend von Litt« wurde der Zugverkehr durch den lierrschcnde» Sturm stark behindert. In Lille selbst hat das Unwetter zwei TNenfchenlebeu gefordert. Drei Personen, die sich zur Messe begeben wollten, wurden von einem umstürzenden 15 Meter hohen Baum so unglücklich getrosten, daß zwei Personen sofort tot waren, während die dritte mit schweren Verletzungen in das Krankenhaus eingeliefert wurde. In A n o i n- Calais wurde durch den Sturm ein Eisenbahnwagen umgestürzt, wobei vier Reisende verletzt wurden. Das Dach des Wagens wurde 40 Meter weit fortgetragen. In Saint Omer stürzte kurz vor Beginn der Hauptmesse der Glocken» u r m der Kirche zusammen. Aus Lorient wird gemeldet, daß der eng- tische Segler„Pouzee" mit 12 Mann an Bord mit zertrümmert n Mosten auf dem Meere treibe und dringende Notrufe au-gesondt hob«. Noch einem Telegramm aus Marseille befindet sich der belgische Dampfer„Moroc" in der Nähe von Tunis in Seenot Folgenschwerer Hauseinsturz London, 30. Dezember Nord- und Mittel-England sowie dos Kanalgcbict sind nm Sonntag erneut von heftigen Stürmen, begleitet van starken Regen- fällen, heimgesucht worden. Zn Illanchesier stürzte ein haus Vtn, wobei zwei Personen gelötet und vier Personen leicht verletzt wurde«. Der Sturm hat ein ganzes Dach abgedeckt, das mit großer Wucht auf das Haus, insbesandcrc die Vorderfront, zurück- siel. Durch die starken Regengüsse ist die Themse erneut stark im Steigen begriffen. Der Schistsoerkchr im Kanal weist große Bei- spötungen aus. Der Flugverkehr noch Paris imißl« �'gestillt werden, Heimwehr-pabst. «r hat sieben Lahre widerrechtlich Pension bez�'.n-, Zur Angelegenheit der Pensionszahlung an den Heimwehr» führer Pabst erfahren wir, daß dos deutsche Äbr.suGt I.'.ns- brutf bereits vor einigen Jahren an die Landesregierung von Tirol die amtliche Anfrage gerichtet hat, vb Herr Pabst deutschösterrelchischcr Staatsbürger geworden sen Die Tiroler Landesregierung hat darauf geantwortet, Pabst sei nicht Bürger der Republik Oesterreich. Zu dieser unrichtigen Auskunft der Tiroler Landesre�e- rmtcT sei bemerkt, daß die Landesregierung unter chnstlichsozio.er Leitung steht und daß der Landeshauptmann Dr. Stumpf bei jeder Gelegenheit feiner Begeisterung für die Heimwehr Ausdruck gibt, die überdies von der Landesregierung geradezu als«ine Landeseilirichrung betrachtet und behandelt wird. Arbeiterschaft u Erfahrungen in Moskau, im Dezember 19Z9.(OE.) Das Problem des Nachwuchses gehört zu den akutesten Fragen der Sowjetpolitik. Besonders akut ist dieses Problem auf dem Gebiete des Berwaltungsapparates des Sowjet- staates. Di« Bedeutung de» Nachwuchsproblems in Rußland ist um so größer, als der Staats- und Parteiapparat eine ungeheure Aus- dehnung besitzt und die Mannigfaltigkeit und Größe der staatlichen Aufgaben in ständigem Wachsen begriffen sind. Nach 12 Iahren Sowjetregime ist der Behördenapparat in Rußland trotz allv „Säuberungen" noch immer sehr stark mit bürgerlichen Elementen durchsetzt. Bielfach müssen sogar bei einer„Säuberung" aus- gemerzt« Beamte bis auf weiteres auf ihren Posten belassen werden, weil es an geeigneten Ersotzkräften proletarischer Herkunft fehlt. Die in der Sowjetpresse angeführten Beispiele zeigen, daß Partei und Regierung bei der„Proletarisierung des Verwaltungsaparates", die heute die Losung des Tages ist, die Leute nehmen, wo sie sie finden. Bor kurzem ist der frühere Chauffeur des Finanzkommissars zum„wissenschaftlichen Mitarbeiter der Abteilung für Finanzpolitik" des Finanzkommissariats der Sowjetunion ernannt worden und „knabbert", wie die Sowjetpress« sich ausdrückt, eifrig am Finanzplan der Sowjetindustrie herum. Ein ungelernter Arbeiter ist über Nacht zum Chefinspektor der Budgetoerwaltung geworden, ein früherer Straßenbahnsührer bekleidet jetzt einen verantwortlichen Posten in der Steuerabteilung. Di«„Proletarisierung des Berwaltungsapparates" wird in Sowjetrußland gegenwärtig in forciertem Tempo durchgeführt. Zu- nächst kommen die Kommunaloerwaltungen an die Reihe, vor allem die Moskauer Kommunaloe rwaltung. Zur Zeit arbeiten bereits 510 aus der Arbeiterschaft aufgerückte Beamte in den Moskauer Kommunalbehörden. Im Jahre 1930 sollen weitere 561 Arbeiter zu Kommunalbeamten ernannt werden, darunter 74 in der Moskauer Stadtbank, 93 in der städtischen Verkehrsgesellschaft usw. Die meisten dieser Arbeiter haben eine 10- bis 25jährigc Dienstzeit in den Industriebetrieben hinter sich. Der Berwaltung-apparot der Sowjet- union soll im Laufe der nächsten vier bis fünf Monate rund 15 000 Arbeiter als Beamte aufnehmen, darunter vor allem Metallarbeiter, Textilarbeiter und Eisenbahner. Di« Auswohl erfolgt durch die ört- lichen Gewertschaftsoerbände, die engültige Entscheidung auf Grund der vorgelegten Liste durch dm Zentralrat der Sowjetgewerkschasten. Da ein Teil der für Beamtenslellen vorgesehenen Arbeiter Gewerk- schaftsfunltionäre sind, so müssen die Reihen der Gewerkschost»- funktionäre durch Arbeiter aus den Betrieben ergänzt werden. Für die„Aufgerückten", wie das russische Schlagwort für Arbeiter lautet, die zu Beamten befördert werden, werden zahlreiche Lehr- id Verwaisung Sowjetrußland. k u rs« eingerichtet in denen sie sich fsir ühre weitere Tätigkeit am. bilden sollen. Nun gestaltet sich tzj« Tätigkeit dieser.Aufgerückten" vielfach zu einem wahren Martyrium». Bei ,d«m überaus! niedrigen Bildung-- stand der russischen Arb�kerschaft gelingt es nur schwer, durch zeit- lich eng begrenzt« Lehrgänge für: die Berwaltungsarheit geeignete Kräfte zu gewinnen. Die ü» Bcpmtenstellen eingarückten Arbeiter fühlen sich daher in der Regel infolge ihrer mangelhaften Bor- bereitung so unsicher, daß sie oielßach nach einiger Zeit den Wunsch äußern, ihrer Stellung«mhabm zw werden. Durch die Ernennung van zahlreichen Arbeitern zu Beamten hoffte die Sowjetregicrung auch den bureautratischen Schlendrian mindestens zu einem Teil zu beseitigeq und«inen frischen Zug in die Tätigkeit de� B e h ö rd«in zu bringen. Die Erfolge auf diesem Gebiet sind jedpch sehr gering. Die Stellung der „Aufgerückten" in den Sawfetbetzörden wird, auch abgesehen von ihrer mangelhasten Vorbild qng. vkelfach dadurch völlig unertröglich, daß die Kollegen und Untergebenen mit allen Mitteln versuche», ihnen das Leben schwer zu mpchen und sie herauszugraulen. Bereits in sehr zahlreichen Fällen hat dies dazu geführt, daß der ausgerückte Arbeiter in«ine ander« Behörde auf einen weniger exponierten Posten versetzt wurde, wo ihm. meistens untergeordnet« Arbeiten zu- gewiesen wurden. Wiederholt. Hot aber dieser Oamps ein tragisches Ende genommen. Di« Sowsetpreffe berichtet immer wieder von aus dem Arbeiterstande hervorgegangene» Sowjetbemnten, die aus Der- zweftlung Selbstmord verübt haben. Dabei betlagt sich die Sowjet- presse darüber, daß die Spitz«» der Behörden und die Parteiorganisationen die aufgerückten Arbeiter bei ihrem Kampf gegen den bureaukratischen Apparat in keiner Weise unterstützen. Vielfach haben die Parteizellen der einzelnen Sowsetbehörden sogar die wildeste Hetze gegen aufgerückt« Arbeiter ruhig mit angesehen, ohne einzugreifen» während in einzelnen Fällen sogar der verfolgte Arbeiter mit Wissen der Parteiorganisation kurzer- Hand entlassen wurde. Auch die Verdienstmöglichkeiten der aufgerückten Arbeiter werden vielfach stark beschnitten. Nach Mitteilungen der russischen Gewerkschaftspresse sind die An- stifter der Hetz« gegen die„Aufgerückten" häusig sogar in den Reihen der Arbeiterschast selbst zu suchen.„Der Aufgerückte g«ht einen Leidensweg", heißt es in einer Zuschrift an das Zentral- organ der Sowjetgewerkschasten �Trvd",„niemand hilft ihm. oll« freuen sich über sein« Mißerfolg«." Die Sowjetpress« kimfcigt«nergische Maßnahmen zur Beseitigung dieser Uebelstönde an. Es bleibt aber fraglich, ob es angesichts des ungeheuren Buroaukratismus im russischen Verwaltungsapparat, ohne einschneidend« Maßnahmen, die nach Lage der Dinge nicht immer möglich sind, gelingen wird, hier wirkungsvolle Zlbhilfe zu schaffen. Das Obuch-Ookvment. Echtheit bestritten.— Aber was ist Praxis? Der demokratische„Hamburger Anzeiger" hat ein Dokument wiedergegeben, in dem das Organisationsbureau des Zentralkomitees der KPD., gez. O b u ch, zu erhöhter Aktivität«rufruft. Die„Rote Fahne" bezeichnet dieses Dokument als eine Fälschung. Das würde natürlich an sich noch gar nichts beweisen: jedoch fallen in dem Dokument einige Ausdrücke auf, die selbst für einen kommunistischen Stilisten ungewöhnlich blödsinnig sind. Wenn es z. B. heißt, die Erregung der Arbeitslosen sei„künstlich zu steigern" oder Polizei und Militär seien zu„demoralisieren", so stutzt man und fragt sich. ob der kommunistijihe Rechtsanwalt O b u ch wirklich in so plumper Weise dem Siaatsanwalt Material geliefert haben kann. Obuch selbst erklärt, baß er niemals ein derartiges Schriftstück unter- zeichnet habe. Mqg nion also die Echtheit des i» Hamburg veröffentlichten Dokrnnems dohmgeilellt lassen, ja kann auf der anderen Seite zar nichc bestritten vierten, daß die KPD. tagtäglich in seinem Sinne handelt. Was sie mit den Arbeitslosen treibt, ist so arg, daß es schon de» offenen Protest der Rechtskommunisten herausfordert. So wendet sich das Ofsenbacher„Bolksrecht" in einer Besprechung der Frankfurter Krawalle zunächst gegen die Polizei, um dann jedoch fortzufahren: „Wir verurteile» mit gleicher Schärfe, wenn die Frankfurter KPD.-Fllhrung in eitlem Selbstbetrug die Sache der Arbeiterschaft durch unsinniges»nd unpoiitiflhes Geschimpfe zu einer Angelegen- heit einiger Rowdys macht. Wo waren klar«, fachliche Parolen? Mit Grammaphanplatten-Schwüren:„Wer macht uns frei?— die Kommunistische Partei!" ist's ni«hl getan. Daß der Apparat der Thälmann-Partei nur die„Stimme der Straße" als Machtfaktoren proklamiert, ist der Beweis einer be- denklichen Ohnmaihi: denn schon, wenn der Herr Poiizeiprösident seinen Leutnants die völlige Herrschaft über die Straße anvertraute, muß es klar werden, wer trotz allen revolutionären Geschreis die Macht hat! Der Ausnahmezustand in Frankfurt zeigte den äugen- blickiichen Herrn der Lage! Die„Macht" der radikalen Phrase Ist leerer 5«hall, und je hysterischer solche politischen Narren schreien, um so sicherer sunklioniert dl« Polizeimaschine." So die rechtskommunistische Zeitschrift! Den Kommunisten gemigt es aber nicht, die Arbeitslosen in völlig sinnlose Zusaminenstöße mit der Polizei.zu treiben. Auf dem Kreuzer„Emden" ist es zu geringfügigen Insubordinationen gekommen, die mit fünf Wochen Arrest geahndet wurden. Das ist nun der„Roten Fahne" zu wenig. Sic schreibt: Den revolutionären Zlrl'eitern seien die Unruhen auf der „Emden" ein Mahnruf zur Beherzigung der Weisung des 1 l. Weltkongresses der Komintern zu viel stärkerer anti- militaristischer Arbeit al» bisher. Blickk noch Frankreich, wo die Konimunistische Partei engste Derbindung mit zahlreichen Reginrentern der Armee und last allen Kriegsschiffen hat, wo erst dieser Tage wieder auf dein Großkreuzer„Waldeck-Rousseau" ein regelrechter Ausstand ausbrach, den die französische Admiralität nur mit Hilfe amerikanischer Schlachtschiffe niederwerfen tonnte und mit der standrechtliche« Tötung zweier Matrosen beantwortete! Wenn Warte noch einen Sinn haben, wünscht das kommu- Kistifche Z-iitralorga» es auch in Deutschland so weit zu bringen, daß ein paar Matrosen gehängt oder erschossen werden. �.-w- Die Rechtspresse benützt das Obuch-Dokuinent zu einer Hetze gez'ea di«� Sozialdemokratie.„Umer den, Einftuh des RcichriMieriininisters und des preußischen Inneminnister«," schreibt Hi gcnberas„MoMag",„ist monatelang gegenüber der Kam- munistischen Partei die größte Rücksicht gezeigt worden." Und die„Kreuz-Zeitung" pflichtet heftig bei: „Die Staatcgewalt, verkörpert im Reiche durch den sozialistischen Jnnenniinister S e v e r I n g, im größten Bundesstaat Preußm durch den cbeiisalls sozialistischen Innenminister G r z e s i n s k i, hat sich allen Sturmzeichen gegenüber bisher blind und taub gesielll. Was will schon das Verbot des Rotfronlbundcs grcß besagen. lTZiin seine Durchführung so lasch gehandhabt wird, wie B. im raten Preußen. Die gelegentliche„Sistierung" von ein paar uniformierte,, Mlisikattten oder hier und da eine Polizeirazzia mit meist blamablem Ausgang, darüber hinaus hat die Staatsgewalt nicht gewagt, ihrem Willen Geltung zu verschaifen. Man hat guten Grund, an diesem Willen überhaupt zu zweifeln" ' Die Herrschasien von rechts täten gut. auf Ihre Freunde um Hitler zu achten, die sich an Pulschlüsternheit von den Kommu- nisten»ich! übertreifen lassen. Die sozialdemokratischen Minister weiden im Kamps gegen das putichistiiche Wahnsinneireiben beider Extreme ihre Pflicht tun. sie können dabei der Zustimmung aller oernünstigen Arbeiter sicher sein. Die rote Jahne aus Ulk. Die„Revolte" auf Kreuzer Emden. Die„Rote Fahne" hat in ihrer Sonntagnummer eine Sensation, näinlich ein» Meuterei auf dem deutschen Kriegsjchisf „Emde n" behaupter. Dazu teilt das Reichswehrministerium mit, es sei durchaus unrichtig, daß Mamischaften dieses Schiffes die sojorlijse Rückiahrt nach Deutschland zuin Weihnachtssesl oerlangt und sich gegen die Nichterfüllung dieser Forderung empört hätten. Wahr sei lediglich, daß einige Matrosen, zum Teil in an- getrunkenem Zustand. Sotdatenlieder gesungen und schließlich auch dl« Internationale angestimmt hätte«: zwei dieser Matrosen hatten aus Ulk«in rotes Taschentuch an einen der Mäste, jedoch nicht am Flaggenmast, befestigt. Obgleich das Schisfskonimando»nd auch die Beteiligten selbst die Sache keineswegs ernst genommen, ist«in Kriegsgericht eingesetzt worden, das jedoch gleichfalls die Angelegenheit sehr milde und vor allem nicht als eine Gehorsamsverweigerung angesehen hätte. Einer der llfjatrosen wurde freigesprochen, zwei andere zu je fünf Wochen verschärften Arrest verurieelt. Auto in den �hein gestürzt. Zwei Personen getötet. e w m« r l ch. so. Dezember. In der Nacht zum Sonntag sauste ein mit füas Personen besetzte» Nllelsauto in voller Fahrt am Hafentopf die steile Böschung hinunter, prallte dort gegen eine Mauer uod stürzte in den Rhein, allerding» an einer seichten Stelle, so daß das «ulo noch aus dem Wasser herausragle. Der Zollbeamte Arndt und ein Fräulein Bau mann kountea nur al» Leichen geborgen werden, während zwei«eitere Insassen mit leben»gefähr- ftch« Beefatzmig» in» fitauCeahau» geschafft murfcn. Das fünfte Kabinett Bartel. Oer neue Inftizminister— früher Verbannter. Warschau. 30. Dezember.. Wie am Sonntag aus dem Jagdschloß Spatz» gemekded wirb.-hat der polnische Staatspräsident die Ernennung des neuen Kabinetts Bartel bereits amtlich vollzogen. Professor Bortel hatte sich am Sonntag früh mit der fertigen Ministerliste nach Spala bageben, nachdem die Zusammenfetzung der Regierung am Sonnabendabend die Billigung Marschall Pilsudskis gefunden hatte. Im neuen Ka- bineit sind nur vier Mlnlsterposten neu beseht worden, während die übrigen in den bisherigen Händen bleiben. An die Stelle des Innenministers General Skladlowjki tritt der wolhynifche Wojswode Henry I o z e w f k i, an die Stelle des Justiz- Ministers Ear der Präsident des Warschauer Appcllhofes Felix D u t k i c w i c z, an die Stelle des Landwirtschafisministers Niezabyt- lowfki der bisherige Unterstaatssekretär im Landwirtschaftsministerium Viktor L o s n i e w f k i und an die Stelle des Ministers für öfsent- liche Arbeiten Moraczewski der Lemberger Hachschulproseflor Maxi- niilian M a t a k i e m i c z. Der neue Innenminister Jozcwski stammt aus Kiew und war während des Krieges Kommandant der polnischen Militärorgani- sation Marschall Pilsudskis in der G r o h- U k r a i n e. Im Jahre 1919 gehörte er dem ukrainischen Kabinelt des Hetmanns Petljura als Bszeminister für polnische Angelegenheiten an. Nach dem Pilsudski-Umsturz war er Kabinettsches des Ministerpräsidenten Bartel und wurde im vorigen Jahre zum Wojewoden ernannt. Der Gerichtspräsident Dutkiewicz ist unter russischer Herrschast zweimal wegen verschwörerlätigkeil nach Sibirien verbannt worden. In dem zum Marschall Pilsudski in schärsster Opposition stehenden Kabinett Grabski war er Unterstaatssekretär des Innern und gilt jetzt als parteilos. Professor Matatiewicz gehört dem Lehr- körpcr der Lembcrgcr Technischen Hochschule an und ist bisher politisch nicht hervorgetreten. Der zurücktretende Innenminister, General Skladkowski, geht wieder in de» aktiven Militärdienst über und erhält einen Posten im Kriegsministerium. Nationalflagge für Indien. Indien nimmt an den VerfassungSberatungen nicht teil. c a h o r e. 30. Dezember. Anläßlich der Erössnung des Indischen Nationalistischen Kongresses erfolgte'als symbolischer Erüsfnungsakt die hissung der sogenannten indischen Nationalflagge durch den Präsidenten de» Kongresses Nehru. Etwa 30 000 Inder, darunter auch 5000 Frauen, wohnten der Szene bei. die große Begeisterung auslöste und mit dem Rufe..Es lebe die Revolution" ausgenommen wurde. Schließlich durchbrachen die Zuschauermossen den Polizei- kordon. Der leitende Ausschuß des Kongresses hat sich in zehnstündigen Beratungen mit dem Antrag Gandhi» beschäftigt, in dem bekanntlich das Eintreten für die vollständige Unabhängigkeit Indiens gefordert und die Teilnahme an den geplanten Londoner Beratungen am runden Tisch abgelehnt wird. Die Entschließung wurde mft 1S8 gegen 89 Stimmen angenommen, während ein Zu- iatzantrag des extremen NationaNsten Base verworfen wurde, der für die sofortige vollständige Aufhebung der Beziehungen zu Eng- land. für die Schaffung einer G e g e n r e g i e ru n g. für die Or- ganrsation des Generalstreiks sowie des Boykotts aller staatlichen und gemeindlichen Körperschaften und Gerichtshöfe«ingetreten war. Die Entschließung de» Ausschusse« wird nunmehr da» Plenum des Kongresses zu beschäftigen habe». Seegefecht mit Attoholschmugglern. Die flüchtende Mannschaft seht die Alkoholfässer in Brand Xew Jork, 30. Dezember. .. wi« au» Newport(Rhode-Iafel» gemeldet wird, ist es in den dortigen Gewässern zwischen Alfoholf chmnggel- schissen und küfienwachschisfeu zu einem regelrechten See- zefecht gekommen, bei dem es Dole und verwundet« gab. Das Küstenwachschiff Nr. 2S0 hatte«in Alkoholschmuggetschiff entdeckt, das im Begriff« war, SOO Kisten Alkohol auf«n schnellfahrendes Motorboot umzuladen und an Land bringen zu lassen. Da» Wachboot eröffnete sofort«in heftiges Maschinen- gewehrfeuer, durch das drei Mann der Besatzung des Schmuggelschiffe« getötet und ein vietter leicht verletzt wurden. Ein weiteres Küstenwachschifs saßt« zwei weitere Schmuggelschiffc ab, deren eines britischer Nationalität ist und etwa 4000 Kisten Alkohol an Bord hatte, die von der slüchtenden Mannschaft jedoch vorher in Brand gesteckt worden waren. Das aicher« Schmuggel- schiff war die amerikanische Schaluppe„Roamer". die eine Ladung von 500 Kisten nicht mehr an den Mann bringen konnte. Auch der Mannschaft dieses Schiffes gelang es. zu entkomme». Die Beschlagnahme bzw. Unschädlichmachung dieser drei wert- vollen Ladungen war das Ergebnis eines umfassenden Planes, der den Strom von für die Neujahrfeiern geschmuggeltem Alkohol. wenn nicht zum Versiegen, so doch zum mindesten«indänmien sollte. Jedes verfügbare Küstenfahrzeug war zur Abwehr oufge- boten worden. Der Wert der bejchlagnahntten Alkoholmengen wird auf 2,4 Millionen Mark geschätzt. Todesfahri des Tennismeisters. Mit dem Auto gegen eine Straßenbahn gerast Der deutsche Tennisspork hat einen schweren Perlust erlitten. Der ZSjährige Tennismeister Hans Moldenhauer fand am Sonnabend bei einem Ankcmnfall im Grunewald den Tod.» lieber den Hergang des schweren Unglücks wird folgendes bekannt. Hans Moldenhauer hatte sich am Sonnabend mit einig«» Freund«»! und Sportsleuten im Klubhaus feine» Derein s im Grunewald'ausgehalten. Au später Stunde trat er mit zwei Klubkam« rad«n und einer bekannten Dame in seinem viersitzigen Cabriolett die Heimfahrt an. In schneller Fahrt fuhr Moldenhauer, der selbst am Steuer saß, durch die Königsallee. Etwa an der Kreuzung Wallot- und Herbertstraße überholt« der Tennismeister in schr schnellem Tempo«in vor ihm fahrendes Privatauto. Er muhte dabei weit nach links ausblegen und geriet auf' den Gleis- körper der Straßenbahn. In biesem Augenblick kam aus entgegengesetzter Richtung«in Straßenbahnwagen der Linie 176 heran. Sowohl Moidenhauer, wie auch der Führer der Straßenbahn versuchten zu bremsen. Mit angezogenen Brems«» raste da» Aula auf dem schlüpfrigen Fahrdamm buchstäblich in dic Straßenbahn hinein. Das Auto wurde völlig zertrümmert. Moldenhauer wurde so unglücklich im Führersitz eingequetscht, daß er erst von der alarmierten Feuerwehr befreit werden konnte. Zusammen mit zwei weiteren schwer verletzten Insassen, einem ?6j ährigen Fräulein Flebbenhau» aus der Klopstockstraße und dem 48jährig«n Maler Hans Lau, schaffte man ihn in das Wil- msrsdorfer Krankenhaus in der Achenbachstraße Dort ist Moidenhauer am Sonntag abend, ohne da» Bewußtsein wiedererlangt zu haben, gestorben. Da» Befinden der anderen Verunglückten gib' bisher zu Besorgnissen keinen Anlaß. Zn Berowo an der südslawisch-bulgarischen Grenze wurdm zr- Frauen verhaftet, die aus Bulgarien mit dem Auftrag gskrn- sein sollen, den Oberstleutnant Milosewic zu ermorden. Di« Fr-a haben angeblich gestanden, daß sie dazu von den Konntatichi» dünge« wurde». Llm Mexikos Oel. Bemerkungen zu B. Travens neuen Roman„Die weiße Rose" Umgeben von den ungeheueren mexikanischen Arealen der Condor Oil Comp liegt die große Hazienda eines Indianers. Jahr- fnmdertelong war sie iSgentum der Ahnen, und der Betrieb hat sich seit der Eroberung des Landes durch Fernando Cortez Daum geändert. Das Tempo der Zeit verschonte diese Besitzung. Man kennt nicht die moderne Mechanisierung, man kennt nicht die Forde- rungen einer industrialisierten Zivilisation, man lernte nicht den lategorischen Imperativ der Gegenwart„to rnakc moncy". Der Herr Hazinto Aanysz lebt mit allen seinen Arbeitern in einem patriarchalischen Verhältnis. Man lebt und stört niemand, und dos ist genug. Aber dies« Hazienda verfügt über die reichsten Oelquellen des Landes, und da der Generaldirektor der Condor Oil, Mr. Callrns, gerade für seine Geliebte eine Villa im Gesamtwert von einer M:l> lion Dollars erstanden hat, muß da» Defizit im Privatkonto gedeckt werden, und deshalb fällt der Besitz„Die weiße Rose" an den Pe- lroleumtrust, weil Senor Hazinto nicht gutwillig verkaufen will, nicht einmal für eine fantastische Summe, wird er durch willige Or- gane des Mr. Collins beseitigt und gefälschte Rechtstitel sprechen der Compagme den Besitz der Hazienda z». Der Großkapitalismus ist noch nie vor einem Verbrechen zurückgeschreckt. Dies ist, knapp an- oeteutet. der Inhalt des neuesten Trovenschen Romans„D» e w e, ß e R o s e", der kürzlich in der Büchergilde„Gutenberg" erschienen ist. Ein buntes, fantastisches, spannendes Buch, dos dabei in jeder Zeile sachlicher ist als die Reportagen jener europäischen Schriftsteller, die in dem naiven Glauben leben, die sogenannte Sachlichkeit in Erbpacht genommen zu haben. Trooen begnügt sich nicht mit der Struktur der Oberfläche, mit der Beschreibung, er leuchtet dohmter. er sucht, die verknüpfenden Fäden zu entdecken, die das ganze System des Kapitalismus zusammenhalten, er will den inneren Kern der Erscheinungen enthüllen, und weil er von diesem Bestreben be- Ksien ist, gibt er auch den Gegnern recht, indem er sie nur als Kristallisationen einer irrsimiigen Zeit wertet, als Menschen, die ihren Willen nur in cnggczogenen Grenzen entfalten dürfen. Ein Mr. Collins kann nicht anders handeln. Stände er mit seiner ziel- sicheren Energie, mit seinem starken Berstand auf der anderen Seite. dann könnte er vielleicht einer derjenige» sein, die das kapitalistische System erfolgreich zertrüinn«rn Helsen, aber unter anderen Sternen geboren, wird er zum Instrument in den Händen der goßen Truste, ob er will oder nicht. Geld bedeutet eine Aerpslichtung, der sich niemand entziehen darf. Mr. Collips hat einige Geliebte, weniger aus erotischem Bedürfnis, sondern weil die Welt es von ihm ver- langt, und je schöner, i« gebildeter und anspruchsvoller diese mis- gehalten« Frau ist, desto höher steigt das eigene Ansehen. Di« Männlein, die über Krieg und Frieden, über Tod und Leben der Menschheit entscheiden, sind eben im Grunde ihres Herzens un- wissende Kinder, die durch jeden Scheid geblendet werden. Und dieser seltsam« Bruch rvird noch unterstrichen durch den Kontrast von Beruf und Privatleben. Die Beherrscher der Wall- street, die am Narrenseil einer Frau tanzen, sind imstande, durch eine Transaktion, die in keiner Beziehung mit den Gesetzen zu- sammenstößt, die Preise für die notwendigsten Existenzmittel um das Zehnfache in die Höhe zu treiben und das Proletariat in das größte Elend zu stürzen. In diesem Bruch liegt gleichzeitig ein groteskes Moment, das aber ins Tragische hineinragt. Es sind primitive Wesen, trotz aller äußerlicher Kompliziertheit, die vielleicht gerade aus ihrer Primitivität den Mut zur absoluten Rücksichtslosigkeit schöpfen Um folgendes geht es: Die Gesellschaft ist verrottet und reis zum Fall. Wo jedoch find die Kröste, die«ine bessere Zeit her- beiführen können? Traven findet sie hier wie auch in seinen anderen Werken in der Unverbrauchtheit des Indios, der heute noch dahindämmert und sich im Zustand des Erwachens befindet. Er ist der kommende Hei- land. Seine Reinheit, eine Arbestsfreudigkest und sein ihm von der Natur mitgegebenes soziales Empfinden werden einmal die Welt erlösen, werden den Drachen des Kapitalismus erschlagen. Mag sein! Alles, was sich auf die Zukunft bezieht, bleibt Utopie. Aber Traven vergißt eins, den ethischen Willen des weißen Proletariats, er über- sieht, daß hier außerordentlich wirksame Kräfte am Werk sind. Hinter einer rein sachlich arbeitenden Gestaltungskraft oerbirgt sich bei Traven der Lyriker, der Romantiker Rousseouscher Prägung, der Kulturmensch, der sich nach der Reinheit der Natur sehnt. Die Frage ist nur die, ob diese Reinheit überhaupt aus der Welt zu finden ist. Dem kapitalistischen Betrieb kontrastiert Traven die Raturver- bundenheit des Indianers, der instinktstchcr dahinlebt und dem Geld und Oel gleichgültige Dinge bleiben. Die Liebe zur Scholle, zur Heimat ist das Grundnwtio dieses Romans. Der weiße Mensch muß zu allen möglichen Narkotika greisen, muh sich an dem Rausch der Macht und des Geldes begeistern, weil er nicht mehr weiß, wo- hin er gehört und weil er deshalb seine innere Leere überdecken will. Schon im.Land des Frühlinge" und nn„Schatz in der Sierra Mudre" war dieses Thema angeschlagen worden. Hier erscheint es voll instrumentiert. Wenn auch Mr. Collins siegt, einmal wird«r und die Seinen unterliegen, da Kultur stärker ist als Zivilisation. Mexikos Oel wird zum Symbol der Korruption, der Entartung >-nd des Verbrechens, und die Hazienda des Hazinto vertritt die Idee des Natürlichen, dos noch nicht vom Gedanken beherrscht ist und deshalb jenseits von Gut uiid Böse steht. Traven wächst jedoch immer mehr zu einem Dichter, der die Ideen sieht, die sich in der Welt bekämpsen, wobei zu bemerken ist, daß er sie manchmal aus sonderbarer Perspektive erblickt. Das einzelne Individuum ist nichts weiter als deren Ausdruck, ein winziges, bedeutungsloses Atom, mich wenn es sich einbildet, die Welt zu beherrsche», und so wird „Die weiß« Rose" zu einem Satirspiel aus den Kapitalismus, aui die selbstherrliche Persönlichkeit, denn mir in der Gemeinschaft lebt di« Erfüllung. ll. Seh.. Hundertachtzehn Symphonien. Eine Anregung für den Rundfunk. 118 Symphonien— soviel hat angeblich Josef Haydn ge» schrieben. Vielleicht, bei einigen wirb die Echtheit angezweifelt, waren es auch nur 104; es ist schon lange her. er ist bald 120 Jahr« tot. Heber 100 Symphonien also jedenfalls— wer kennt sie all«? Wer hat st« alle gehört? Keiner von uns. Denn wo stich sie alle zu hören? Nirgend». Es stich immer wieder dieselben, die in unseren Konzertsälen gespielt werden: die..Abschiedssymphonie". die„Oxfordsymphonie', die„mit dem Paukenschlag', di«„mit dem Pautenwirbel'. und dazu noch«in halbe« oder ganzes Dutzend. Aber dies« 104 oder 118 Symphonien sind ja nur«in be- scherdener Teil des Riesenwerts, das Haydn der Nachwelt, also nn», hinterlassen hat; da gibt es noch 77 Streichquartette, 68 Trios, 12 Biotin-, 33 Klavierfonaten. 20 Klavier-, 9 Violinkonzerte, 24 Opern, 14 Messen. 13 Offertorien, Oratorien, Kantaten, Motetten, Ariels Tänze, Mörsch« uich, Gott weiß, was noch alles. Im Ernst, wer weiß davon? In wessen Bewußtsein lebt eine klar« Vor» stellung von der imgehenren, unabsehbaren Fülle an Meister- musik, die vom achtzehnten Jahrhundert bis in die Mitte des neunzehnten von Deutschen hervorgebracht worden ist? Gewiß, viel davon ist„überlebt', vieles gilt als überlebt— weil es nirgend» mehr zu Ningenbem Leben erweckt wird. Dos meiste ist tot für bi» Lebenden, und es lebt nur noch in der Musikgeschichte, in Archiven. Katalogen, Gesamtausgaben. Alt» Bilder hängt man in Museen, und das mit Recht; denn Bilder wollen gesehen werden. Akt« Musik begräbt man in Bibliotheken, und da, mit Unrecht; denn Musik muß gehört werden. Man sollte einmal dies« große deutsch« Musik- geschtcht» au» ihrem Papierdasein erlösen. Und da» wäre«ine würdige,«ine wahrhaft grandiose Aufgabe für den Rundfunk: da» ganze Schossen der deutschen Meister von Bach bis Beethoven in tönenden Gesamtausgaben neu er- stehen zu lassen. Ein Bildungswerk ohnegleichen wäre das, und dazu ein Denkmol kultureller Repräsentation, das kein Volk der Erde uns nachmacht: denn die„große Musik' war nun einmal eine deutsch« Spezialität. Ein Statistiker müßte ausrechnen, wie viel« Stunden man braucht«, um nacheinander alles zu spielen, was die deutschen Klassiker an Musik zu Papier gebracht haben; viele tausend Stunden würden wohl herausko-mmen. Das Rundfunkjahr hat. knapp ge. rechnet. 2000 Stunden; ein ganzes Jahr würde nicht entfernt aus- reichen— und wenn, unmöglicher Gedanke, nichts anderes gesandt würdet Aber e, ist klar, daß sich'? hier um Arbeit aus Jahre. Jahrzehnt« hinau» handelte; als Werk«ner Generation müßte sie begonnen werden. An Stelle langer Konzerte, die den Rundstmk- Hörer ermüden, täglich, das ganz« Jahr hindurch, ein« halbe Stunde klassischer Musik— nicht mehr als eine halb, Stunde— Montag: Bach; Dienstag: Händel.; Mttwoch: Gluck.; Donnerstag:.Haydn; Freitag: Mozart; Sonnabend: Beethoven; so sollten, langsam-stetig. dies« ledenden„Gesammelten Werke' sich abrollen, ein endloses Filmbond deutscher Musikgeschichte. Wie in diesem Plan groß« Oratorien, symphonisch« Wfflzer von Stundendauer unterzubringen pich, soll unsere letzte Sorge sei»; und Hauptwerke der Welt- kteratur. wie Backs Passionen, die neun Be-rhoven-Symphonicn. würde man öfter—„außer der Reihe'— bringen können; und später oder zwischendurch auch noch andsre als nur ser.e Sechs: In gewissenhafter Auswahl vor-bachijche Meister und- die Romamiker xach Beekhoven. Aus einzelnen Zyklen ließe sich da in geschickter Gegenüberstellung Woche für Woche«in buntes, abwechslungsreiches Programm aufbauen, daß keiner, der für Mistik empfänglich ist, sich zu beklagen hätte. Immechin, für wen das alles? So wenig es heut««inen Hörer gibt. d«r johrau», jahrein, jeden Tag sein« sechs Stunden Rund- sunt absitzh so wenig würde es einen geben, der in der Lage war«. und dem es nicht hie und da zu viel würde, der Führung durch di« deutsche Musik in all ihren Etappen zu folgen, nicht«in« So- nate, nicht ein Quartett auszulassen. Aber daraus kommt es nicht an. Was der Rundfunk bietet, soll sür all«, aber nicht alles, nicht jede Stund« kann und muß für jeden fein. Wer betrachtet jedes Bild in einer Gemäldegalerie, jedes Stück in einem Museum? Wir haben Museen und Galerien, manchem genügt das Bewußtsein, daß wir sie haben. So wird jeder, mag er täglich zuhören oder nicht, um dies« halbe Stunde klassischer Musik wissen, er wird wissen, wann sozusagen dieses historisch« Musik museum ihm osjensteht. Nicht jeder Wir beginnen am Dienstag im Romanteil des„Abend" mit dem Abdruck einer Novelle von Jßeonhard&rank. Wie in seinem bisherigen Schaffen, den Roinanen„Die Räuberbande",„Das Oditf urier Männerquartett",„Die Ursache",„Der Bürger" und der Erzählung„Karl und Anna". steht auch im Mittelpunkt dieser Novelle der Kampf gegen die Bürgerltehkeit, geboren aus einem sehr lebendigen Rechts- und Freiheitsempfinden heraus. Die l'roblematik der hürgerlidien Gesellschaft, die aus dem Menschen ein Stück seelenloser Maschine tnadii, wird an einem kleinen Beamten aufgezeigt. Wenn dieser gute Bürger durch ein tragikomisches Versäumnis aus seiner Laufbahn und aus seinem pedantischen AlHagstroii hcraus- gerissen wird, wenn er durch dieses Ereignis„entgleist", so ist das für ihn das Signal zum Aufbruch in eine andere Welt, in eine Welt der Befreiung und Erlösung, in der er erst recht eigentlich sein Ith und seine Seele findet, wie audi die Dirne, die die Schicksalsgenossin des entgleisten Bürgers wird, erst durch das Au ftergewöhnlidie der Ereignisse sich in ihr Mensdisein hineintastet. Es ist eigentlich eine Irreführung, Leonhard Franks „3)ie SntgleiHen" schlechthin eine Novelle zu nennen. Romansdirif tsteUcr ursprünglich, drängt et Leonhard Frank schon seit längerer Zeit zur dramatischen Form hin. So hat er seine„Räuberbande" und„Karl und Anna" nachträglich für die Bühne und für den Film bearheitej. Bei den„Entgleisten' hat er sofort die. Form des Fihunianuskripts gewählt. Das gibt dieser Novelle ihre Eigenart und eine besondere. Art r rm Lebendigkeit. An die Stelle der Erzählung tritt die Bilderfolge: man belauscht sozusagen den Magistrats- bcamten Höfer und seine soziale Umwelt unmittelbar. Es ist ein Verdienst des Verlages von Reimar II ohbing, Berlin, das Filmmanuskripl in Buchform herausgegeben und so der breiten Oe ff entlich keil zugänglich eewacht heben, wie es ja ii barhaupt mänteheiismert wäre. wie das Hühnendrama nudi das wertvolle Filmmanuskripl als Diditung zu behandeln. Sicherlich würde dag mit ein Weg sein, die Stagnation des Filmt zu überwinden, wind alle» Höpen, ober es wird«tae Sache für olle, für di« Gr samtheit der Rundsunkhörer sein; also sür das ganze deutjche Volt (und, bald vielleicht, auch für das ganze..Ausland', soweit es am deutschen Leben teilnimmt). Man soll nicht einwenden, daß«in Unternehmen von so weiter zeillicher Ausdehnung in der Tat nicht mehr als«in Ganzes könnte erfaßt werden. Auch der„rnoderrie" Mensch, auch der von seinem „amerikanischen" Lcbenstempo gehetzte Großstädter bewahrt, io wollen wir hoffen, die Fähigkeit, Großes in großem Zusammen- hang zu erleben. Denn, beruht endlich nicht alles, was wir„B i l- dung",„Kultur" nennen, auf dieser wunderbar scheinenden Fähigkeit, zum einheitliche» Erlebnis wachsen zu lassen, zu einem unverlierbaren Ganzen zu verarbeiten, was sich stückweis«, in Teil- eindrücken, in unzähligen Einzelerlebnissen vollzieht? Doch freilich, wer würde überhaupt„von Anfang an" dabei gewesen sein? Be- ginnend am Tage der ersten Symphonie: wer von den Hörern, L:r auch bei der letzten dabei sein wird? Wir wissen nicht, wer wird in fünf Iahren Rur-dsunkhörer sein, der's heute ist. Aber schon nach«in paar Jahren würde ja, als Ganzes betrachtet, hiests Werk, von dem wir reden, dieses unablässig sich erneuernd« Riefen- werk deutscher Musikvergangenheit, sür viele ein Gastzes ohne An- fang geworden sein; und also, für den Rundfunk ein wohrhast zeit- loses Unternehmen, ein Beginnen ohne Ende. Es wäre Pro- gramm für immer; eine Tradition würde geschaffen, vor- bestimmend für unabsehbare Zeiten. Der Rundfunk wird es nicht schaffen können? Aber gewiß: wöchentlich drei Stunden Musik vorzubereiten, das wird doch nicht zuviel Arbeit geben. Man sollte einmal, versuchsweise, einen An- fang machen: zum Beispiel mit den 118 Symphonien von Haydn— oder, scicn wir genügsam, wir wollen uns mit den 104 zufrieden gebin. deren Echtheit nicht angefochten wird Jede ist ein Bergnügen; man spielt nur«in« etwa ied«n Donnerstag von sechs bis halb stellen: gerade in zwei Iahren wären wir durch. Und der Grund wäre zu einem Kulturmonument gelegt, mit dem Deutsch land sich vor dem Jahrhundert könnte sehen— das heißt: hören lassen. ixiaii? PrinxOieirri. „Sie Herrm und ihr Knecht." Titania-palast. Aus dem gleichnamigen Roma» Georg Engels hat Friedrich Raff«in rührseliges Filmmanuskript gemacht, das aber H e n n y Porten Gelegenheit gibt, eine reife und große Geftaltungskunst zu zeigen. Die ersten Tage des Weltkrieges. In einem Dorf an der russischen Grenz» liegt ein Kosakenregiment einquartiert. Der Chef. ein Großfürst,'wohnt mit seinen Offizieren im Gutshaus. Dieser Kommandeur ist ein Ausbund aller guten Eigenschaften, und es kommt, wie es In einem richtigen Film eben komme» muß, der Held gewinnt das Herz der deutschen Gutssrau, die später, als er nach der Schlacht bei Tannenberg auf der Flucht erschossen wird, an der Bahre zusammenbricht. Der Regisseur Richard Oswald legt den Hauplatzent aus die Entwicklung der Liebesgeschichte, und zwar bleibt der Mann dabei farblos, vielleicht well Jgo Sym noch nicht die Fähigkeit besitzt, seelisch« Affekte glaubhast auszudrücken,«ine gute Haltung täuscht darüber nicht hinweg. Deswegen ermüdet allmählich her Film, trotzdem Henny Parten wundervoll« Nuancen findet und einen Menschen aus einem Guß darstellt. Ist übrigen» die Porten jetzt derart mit Starallüren gesegnet, daß sie keinen gleich- weytigen Partner neben sich duldet? Der Krieg bildet den Rahmen. Oswald, der früher für die große Dekoratton schwärmte, zeigt hier eine erstaunliche Zurück- Haltung. Nur ein paar kurze Szenen skizzieren den Bölkerwahnfinn, und diese Szenen klingen in der Frage aus: Wozu das Morden! Gut sind die Typen, gut ist die Regie, weil sie das Eharakte- ristische einer Szene herausmodelliert. Das Ganze jedoch zeigt einen zu trägen nnd zähen Fluß.— t. ,/Oas kleine Fräulein Li." (Thalia-Theater.) Die China-Operette blüht. Mit Lehärs immer lächelndem Tauber fing es an; die etwas ältlich geworden«„Geisha" des braven Sidney Jones wurde wieder ans Tageslicht gezerrt: nun bring: das Thalia-Theater eine Uraufführung:„Das kleine Fräulein Li". Musik von Märt:» Knopf, Text von Bruno Hardt-Warden und Hermann Feiner. Sehr viel Neues ist den Berfassern des Textbuches nicht eingefallen, und so haben sie alles bereits Dagewesene— einschließlich der„Madame Buttorfly"— gemixt und es mit einem Vor- und Nachspiel garniert, Diese Garnierung erweist sich als ungenießbar. Man täte gut daran, sie zu entfernen. Man entferne weiter das allzu heftig« Durchein- ander auf der Bühne. Man wird von dem vielen sinnlosen Ge- zappel auf dem kleinen Raum ganz schkrank. Was dann übrig bleibt, dürste sür das Thalia-Theater«in Zugstück werden Denn die Hauptrollen sind mit gut singenden und spielenden Kräften be- setzt— Grete Freund. Elly H o s f m a n n. Gustav Wilson, Peter Hoenselaer», sogar die prächtig« Kät« König hat man sich geholt und Knopfs hübsche, slott«. bisweilen sogar originelle Musik kommt dadurch gut zur Geltung. Di« komische Herma Lu- dassy als emanzipiertes Mannweib bot»in besonderes Ver- gnügen,-I*. „Lausbübchens Weihnachtsfahrt". Kleines Theater. In wund«rschön«n Bühnenbildern, ober»iner sehr holperigen Derssprachc von E. tf. H. Bergner erzählt man die Geschichte vom ungezogenen Engel Gabriel, der strafweis« ein Jahr aus die Erde versetzt wird. Dort bessert er sich und wird zur Weihnachtszeit in Gnaden wieder aufgenommen. Daß dabei der ausgestoßene Engel auf der Erde allerlei erleben muß, ist ja selbstomstäirdiich, trotzdem rechtfertigen sich die willkürlichen Uebergänge nicht, die gar zu weit davon entfernt sind, ein« richtige Handlung zu entwickeln. Berthold Reißigs Regie verrät liebevolle Mühe, darum ist es wirklich schade, daß er dem modernen Kindertheater so fremd gegenübersteht. Er verwendet sein Können an veraltetem Schlendrian Hannel« Ma'ierzak ist irrechtestes Theaterblut.«in Theaterkind, wie man es netter kaum findet. Rur schade, daß diese» kleine Ding beim Berfallentgegenmhmen schvn die Allir»H de ganz großen Soubretten hat. e. K Kür ein Keinrich'Heine-Oenkmal. Die Stadt Düsseldorf beabsichtigt setzt«rnsllich. bßn Dichter Heinrich.Hein« ein würdiges Denkmal zu setzen. Z» dem Elm, ausschuß zählen die besten Rainen aus der Literatur-, intd Kun weit. Geldspenden nehmen- all» Banken und Bankgeschsäfte an.■ sie an das Reichsbankgirokonto her Gtadthauptkasse Düste'' weiterleiten. 2)i*e deulfche Delegati im Staag ! Curlius, Metchsauftenmlntfier Uloldenhauer, Xeictuftnanxmlnljler Stöbert Schmidt, Xetchsirirljchaftsmlnifter Stirth, WnlUer f. d. befetzlen geMeie Die Politik in den Schulbüchern. Gin Jahrzehnt der Entwicklung.— Kirche und Obrigkeitsstaat. Es gehört zu den Schlagworten unserer Zeit, daß die Revolution von 1918 die Schute„politisiert' Hab«. Allzugern wird der Erlaß Wilhelms II. vom 1. Mai 1889 über- sehen, der die Schul« zum Kampfmstrument gegen die Arbeiter- schuft machte und sie anwies: „Die Betehrung über die Verderblichkeit der Sozialdemokratie hat hierbei, ohne in eine nähere Erörterung der sozialistischen Theorien einzutreten, an der chand des gefunden Menschenverstandes zu erfolgen. Die Unmöglichkeit der sozialistischen Bestrebungen ist an den positiven Zielen der Sozialdeinokratic nachzuweisen." Wenn diese bewußte Politisierung der Schule vielfach nicht gefühlt wurde, dann log dos an der damaligen chomogenitäl der führenden Beamten» und Telehrtenschicht. Die Schul« kann im wesentlichen nichts anders sein, als ein Aus- druck der in der Gesellschaft wirkeirden Kräfte, sie kann ihr nicht voraus sein, sie kann nicht weiter, nicht hormonischer, nicht glücklicher sein als jene. So wie die politischen Kämpf« von 1818 jäh in die Scheinruhe der scharf disziplinierten Schule einbrachen— stellte doch «n Königsbergcr Regierungserlaß noch kurz vor der Revolution von 1818 selbst die.P r i v a t b i b l i o t h« t c n der Lehrer unter 'die Aussichs der Schulinspektion!— so weckte die llmwälzung von 1918 überall pädagogische Kämpf«, die sich bis dahin in abseitigen Zirkeln, ziemlich fern der größeren Oeffentlichkeit abgespielt halten. Es sind die Kräfte der Jugendbcwcgu n g auf der einen Seite, di« des Sozialismus auf der anderen, die, bisher gestaut oder tm Verborgenen wühlend, für den normalen Philologen nicht wahr- nchmbar gewesen waren. Nun brachen sie in das allgemeine Bewußtsein ein, überall zur Stellungnahme in positiven: oder ' negativem Sinne zwingend. Der Ab'chniti„Bildung uich Schule' in der Reichs Verfassung und insonderheit die Artikel 116 bis 119 find ein Spiegelbild des großen politischen Ringens im Sommer 1919. Das Zentrum erzwang mit allgemeinen politischen Mitteln «ine Berücksichtigung seiner Fardcnmgcn. Das eigentliche schulpoliiisch« Leben spielte sich fortan fast ausschließlich in den Ländern ab, nachdem das Reich auf weitere wirkliche Initiative Verzicht«! hotte. Bielclicht ist es das Zeichen eines stiller gewordenen, aber einheitlicher fühlenden Volkes, daß neuerdings erkennbar« Anfänge zum Ausbau eines R« i ch s k u l t u r m i n i st« r l u m s zu beobachten sind. Die Schulen der deutschen Länder verteilen sich etrva derart, daß von den höheren Schulen die hälsle ans Preußen, ein Viertel ems die drei süddeutschen Staaten und das lehte Viertel aus sämtliche anderen Länder entfällt. Die süddeutschen Staaten haben also verhältnismäßig das reichste höhere Schulwesen: Württemberg mit seinen 2Vi Millionen Einwohnern hat über 200 höhere Schulen. Bayern entwickelte «in völlig selbständiges Schulwesen mit cigencn Büchern. Der vcr- hältnismößig günstigen Gestaltung der höheren Schulen steht in Bayern die ungünstigste Entwicklung der Volksschulen gegenüber. !1tach der„Allgemeinen Deutschen Lchrerzeitnng" vom 9. Dezember 1928 sind die Durchschnittsschülerzahlen in Bayern in gel eil teil Schulen: ,1817 Klassen mit 5t bis 60 Schülern 2098 Klassen mit Ol bis 70 Schülern 1841 Klassen mit 71 bis 121 und mehr Schülern- In ungeteilten Schulen: 653 Klassen mit 51 bis 60 Schülern 451 Klassen mit 61 bis 70 Schülern 496 Klassen mit 71 bis 121 und mehr Schülern. Das bayerisch« Konkordat omn 15. Januar 1925 wurde angenommen von der Bayerischen Voltspartei, den Deutschnationalen mit dem Bauernbund(173 Stimmen) gegen Demokraten, Sozialdemokraten und die Mehrheit der Völkischen(52 Stimmen). Dies Konkordat lieferte die Volksschulen restlos dem Gruppenintcress« aus: „Der Unterricht und die Erziehung der Kiiü�r an den katholischen Volksschulen wird nur solchen Lehrkräften anvertraut werden, die geeignet und bereit sind, in vertassiger- Weise in der katholischen Religionslehre zu umerrichten und im Geiste des katholischen Glaubens zu erziehen.'(Artikel 5. ff 1.)„Sollte einer der genannten Lehrer von dern Diözesanbischose wegen seiner Lehre oder wegen seines sittlichen Vechaltens aus triftigen Gründen beanstandet werden, so wird die Stoatsregicrung unbeschadet seiner staatsdienerlichcn Rechte alsbald aus andere ZLeise für einen ent- iprechenden Ersatz sorgen.'(Artikel 3§ 2.) Nimmt man zu diesen Mahnahmen rechtspolitisch-klcrikaler Schul- Herrschast den Erlaß der bayerischen Regierung vom 2. Januar 1923 hinzu, der da verlangt, die Lehrerschaft solle bei jeder sich bietenden Gelegenheil im Unterricht auf den„Diktatfrieden von Versailles' und die„Lüge von der Schuld Deutschlands am Weltkriege" hin- weisen, so hat man das Bild einer parteipolitisch fest gebundenen Schule, die nur in den nicht theologisch bestimmten Disziplinen der höheren Schule(Mittelschule) etwas Bewegungsfreiheit besitzt. Dieser Pendelausschlag nach rechts ist als Gegenstoß gegen die kurze Zeit Eisnerscher Herrschakt in München zu begreifen, a l s Parallele zu den Vorgängen in Ungarn und Italien. Mit der Ucberwindung der Inflation geht in Deutsch- Innd überall au die Festigung der schulischen Verhältnisse Hand in Hand. Die charatter.schen bayerischen Geschichts- und Lesebücher spi-neln diesen Vorgang wider. Die— im Vergleich mit de» e �r:r\— wertoollsten s-id das Geschichtsbuch von Sich und das L.-stbuch„Lieb Heimatland'. Bei Stich interessiert die Absage an die prevß'lch-denksche Geschichtsauffossnng. selbst der Siebenjährige Krieg wird kritisch gesehen, vielleicht war er kein reiner Verteidigungskrieg. Die neue Staatsform wird also gewürdigt:„So loben wir nunmehr innerhalb der republikanischen Staatsform, die wie die Monarchie ihre Licht- und Schattenseiten hat. Jedenfalls aber stellt sie an den einzelnen Volksgenossen, dem sie so große Rechte und Aussichten gibt, auch höhere Anspruch e." Natürlich wird in diesem Buch die Dolchstoßlegende gepflegt. Der Ausklong des Lesebuchs„Lieb Heimatland'(Band 6) gibt Bilder aus dem Weltkrieg. Im„Letzten Marsch" heißt es: „Der Krieg ist vorbei und verloren, der Mord im Land beginnt." Es folgt Hindcnburgs Abschied mit dem bösen Dolchstoß-Wort (Siegsrieb-Hagen): weiter Trostworte von Hans Thoma. Und dann wieder harte Worte von Wilhelm Stapel:„Ein jegliches Volk will feine Freiheit und einem jeglichen ist die Freiheit bestimmt. So laßt uns in Liebe hassen und im Hasse lieben! Laßt uns erbarmungslos kämpfen für die Frecheil und laßt uns Liebe üben von Mensch zu Mensch!" Schließlich Warnckes andeutungsrnches Aergeltungsgedicht:„Einmal kommt für dich die Stunde." In den mitteldeutschen Ländern hat es Versuche zu grundsätz- licher Neugestaltung gegeben, so in Sachsen(Fleißner). Thüringen(Greil), Braunschweig(Stölzcl), Hessen lStrecker). Der Versuch in Thüringen war eine kurze Episode: ähnlich, wenn auch milder, die Ansänge in Hessen. Braun- schweig hat nach schweren Schwankungen von neuem einen An- lauf zur Reform genommen: Sachjen hat dank seiner lebendigen Lchrerschasr die jeweiligen politischen Schwankungen in den Volts- schulen ohne allzu große Schäden überstanden: in den höheren Schulen feierten die Philologen gelegentlich merkwürdige Triumphe, so al» der Lehrplan des Sächsischen Philologen- Vereins 1922 versuchsweise eingeführt wurde. Nach diesem Lehrplan sollen die Schüler 240 Jahreszahlen lernen, daruaker die Kc- qierungszohle» der deutschen Kaiser und preußischen Herrscher von 1648—1918 nur zur„Orientierung",„aus die Würdigkeit der Fürsten lammt es dabei gar nicht an". Für. die Oberprima heißt es:„Selbstverständlich sind dabei die Leistungen der genialen Heersührer, besonders die mythische Größe Hindeickurgs, ebenso zu würdigen wie die der Truppen." Im staaiskundlichen Teil wird gelehrt:„Der wahre Vorteil des Staates alleinige Richtschnur des Handelns für den Staatsmann." „Staat erfüllt von Lebens- und Machttrieb."„Krieg letztes und sittliches Mittel, die Ehre und das Ansehen des Staates zu wahren." „Aufopferung für das Vaterland zu ollen Zeiten der schönste und chreimollstc Tod." Soviel Formulierungen, soviel Unklarheiten, soviel Gelegen- Helten und geradezu Auffordeningen zu rechtspolitischcr Pcopagairda. Finden solche Gcschichtslchrpläne nach«ntsprechriidc Unterstützung im Deutschen durch Lektüre von Kleists„Herrmannsschlacht", im Französischen von Lamartines Schilderung der Ermordung Marals durch Charlotte Eorday, im Englischen von Earlyle usw.— dann haben wir eine konzentrische B c c i n s l u s s u n g in: Sinne einer bestimmten parteipolitischen Gruppe, die für sich in'Anspruch nimmt, nur das Allgemeininteresse zu vertreten. Siegfried Kawcrau. Verfehlte Heimwehr-Gpekulation. Anschlag gegen die Gewerkschasten trifft die Christlichen. Linz. 30. Dezember. Im landwirtschaftlichen Kasino hielt Jochberger von den christ- lichen Gewerkschaften Obcrösterrcichs eine» Vortrog über die Slcl. lung der christlichen Gewerkschoslcn zu den heimwchrcn und den unabhängigen Gewerkschaften. Die Schaffung der sogenannten..unabhängigen Gewerkschaften". so erklärte der Redner, zwing» die christlichen. Gewerlschaiten zur schärfsten Abwehrstellung. Man schwäche nicht die Sozialdcmo- traten, raube aber der christlichen Gewerkschostsbewcgnng die Freiheit und die weitere Entwicklung. Der angeblici?«(!) Kamps gegen den Sozialismus richte sich bedauerlicherweise nicht gegen diesen. sondern gegen die christlichen Gewerkschaslen. wie man es in Salz, bürg, Steiermark, Nieder- und Oberöfterreich feststellen könne. In der Aussprache kam zum Zlusdrnck, daß rnohl an der heim- mchrbcwegung nniznarbcitcn sei, daß man aber auf der Hut sein und durch restlose Aufklärungsarbeit verhindern müsse, daß die Heimwehren die unabhängigen Gewerkschaften weiterhin be- günstigten. * Also: die Helm wehren suchen zur Bekämpfung der freien Gewerkschaften„pnabhänoige" Gewerlschaften zu gründen. Da sich aber die freigewerkschastlich org.inisi.Trten Arbeiter für die Heimwehr- Gewerkschaften nicht einsangen lassen. spüren die Christlichen die neue Konkurrenz und wenden sich dagegen. Sie wollen„an der Heimwchrbcwcg'mg niZlardeiten". wenn diese ihr gelbes Projekt der Gründung„unabhängiger Ge- werkschasten' aufgibt und für die Christlichen Propaganda macht. Man schlägt sich und oerträgt sich. Die Allmacht der Weltfinanz. Kritik an derNeparationsbank. Hochdruckarbeitder Kammer Paris. 30. Dezember.(Eigenbericht.) Die Kammer hat am Sonnabendabend die Gesetzentwürfe für die Landwirtschaft, für den Weinbau, für Algerien, für die Stickstoff- industrie und dergleichen durchgepeitscht. In der Nacht zum Sonn-- tag hat sie schließlich noch der Regierung bei der Interpellation?- debatte über die Organisation uyd die Kontrolle der Internationalen Reparationsbank ein Vkrtrauensootum mit 316 gegen 271 Stimmen erteilt. Im Verlairf der Debatte übte vor ollem der sozialistische Ab- geordnete Brunet an dem Statutentwnrf der künftigen Reparation-- dank scharfe Kritik. Er verwies darauf, daß diese Bank die All- macht der Hochfinanz in Europa endgültig einrichten werde. Das Kapital werde sich in dieser Bant zum Halbgott erheben. Finanz- minister Cheron beschränkte sich in seiner Antwort darauf, lediglich eine Kommentierung der in Baden-Badcn ausgearbeiteten Statuten zu liefern. Tardien betonte, daß die Zahlungsbank nichts anderes fei als ein Kartell der großen Emissionsbanken. Diese Ausgab« hätte man nicht den Privatbanken geben können. Die Hauptsache an der Laick sei, daß das Reparationsproblem aus der politischen Atmo- sphäre herausgehoben und in di« rein finanzielle hinübergeleitct werde. Am Sonntag beschäftigte sich die Kammer den ganzen Tag über mit der Erhöhung der B e a m t e n g e h ä l t« r. Die Finanz- kommission hatte ursprünglich beantragt, dos Minimalgehalt auf 9000 Franken festzusetzen, hatte sich dann aber auf Drängen des Finanzministers Cheron damit begnügt, diese Erhöhung in zwei Etappen, di« erste bis zum 31. März 1931, durchzuführen.� Die Beamtenverbände haben gegen diese Regelung sofort Protest er- hoben. Der sozialistische Abgeordnete Piquemal wiederHolle ihr« Kritik am Sonntag im Plenum der Kammer. Die Diskussion wurde derart lebhaft, daß sich Tardien zu Beginn der Nachmittagssitzung veranlaßt sah, der Kammer anzukündigen, daß sie sich unbedingt b e- eilen müsse, weil er sie doch am Somrtagabend in di« Ferien schicken werde, gleichgültig, ob sie mit ihrem Arbeitspensum fertig sei oder nicht. Sie müsse dam: schließlich die Verantwortung dafür tragen, wenn sie nicht noch rechtzeitig die 1,25 Milliarden Steuer- ermößigungen für den 1. Jmtuar genehmigen könne. 200 Millionen Steuererleichterung. Paris, 30. Dezember.(Eigenbericht.)' Tardien hat Kammer und Senat am Montagmorgcn um 314 Ilhr bis zum 14. Januar in die Ferien geschickt. Die letzten Beratungen verliefen nicht ohne Schwierigkeiten, zu« mal die Linksparteien ein gemeinsames, großes Steuerreform- Programm eingebracht hatten. Unter der üblichen Drohung, daß die Regierung jede Steuererleichterung ablehnen werde, brachte Minister- Präsident Tardien das Parlament dazu, den Antrag der Regierung unverändert anzunehmen. Das Regierungsprojekt, das insgesamt 1,45 Milliarden Franken an Steuerermäßigungen vorsieht. wurde schließlich mit 465 Stimmen bei Stimmenthaltung der Sozialisten und eines Teils der Radikalen angenommen. Der Senat stimmte den Steuerermäßigungen ebenfalls zu. Ausbau des Zentralflughafens. ?Iur die notwendigsten Erweiterungsbauten können durch- geführt werde». Die schwierige Finanzlage Berlins hat auch auf das«oc längerer Zeit aagelegke Programm für den allmählichen Ausbau des Zenlralflughafen» auf dem Tempel- h o f e r Feld hemmend gewirkt. Es wird im kommenden Jahr« nicht möglich fein, alle diejenigen Bauten auszuführen, die ursprünglich für 1930 von der Flughofen- gesellschaft geplant waren. Rur die notwendig st cnErweite« rungsarbeiten, soweit sie die Entwicklung des Luftverkehrs imbedingt verlangt, sollen in Angriff genommen werden. Dabei handelt es sich vor allem um eine Vergrößerung des Flug- Hasenterrains an der Südgrenze des Platzes, wo zirka 100 000 Quadratmeter des dort befindlichen Kicingartcngeiändcs hin- zugenommen werden sollen. Von dem ersten Plan, diese Erweite- rnng an der Südostecke vorzunehmen, ist man auf Grund von Gut- achten der Versuchsanstalt für Luftfahrt und der Vereinigung der Flugzeugführer abgekommen, da erfahrungsgemäß di« häufig auf- tretenden Winde aus Nordwest oder Nordost eine Verlegung des Startplatzes etwa in die Mitte der Südgrenze notwendig»nach«». Man wird also in das Kleingartengeländ« ein Traper von etwa 250 Meier Tiefe und einer größten Prelle von � 500 Meter einschneiden. Außerdem soll noch für Starts in der Südnvrdrichtung 1 an der Ostgrenze des Flughafens eine besondere betonlert- l Startbahn von 200 Meter Länge und 40 Meter Breite ong-iegt werden, di« bis etwa 60 Meter an den nördlichen Zaun des Flug Platzes heranführen wird. Die baulichen Erweiterungen werden in dem kommeirden Jahre, soweit das Verwaltungsgebäude in Frage kommt, sich lediglich auf die Errichtung eines besonderen Zollraumes für eine schnelle Zollabfertigung der Fluggäste beschränken. Die Flughafen st raße wird m ihrem nach Neukölln führenden Teil bekanntlich durch Hinzunahmc eines Streifens vom Garnisonfriedhof verbreitert werden, damit dann die bisher am ! Flughafen endigende Straßenbahnlinie bis nach Neukölln weit:«- geführt werden kann. Diese Arbeiten werden voraussichtlich i-n Frühjahr durchgeführt werden.. Schnelle Justiz. In Bandjcrmasin auf W e st b o r n e o wurde der niederländische Hauptmann Quant während der Inspektion eines Dorfes von zwei Eingeborenen ermordet. Die Täter wurden sofort nach ihrer Ergreifung hingerichtet. Gin gefahrlicher Cpilepiiker. Ein potsöamer ittaubüberfatt aufgeklart. Am Sonnabendnachmittag wurde auf einem Wiesenwege, der nördlich von Drewitz zu einer Abdecker« in Potsdam führt, die 17 Jahre alle Kontoristin Else Volkmann angefallen und be- raubt. Der lieberfall hat sich als schwerer herausgestellt, als moir zunächst annahm. Das junge Mädchen war von einem Burschen niedergeschlagen und mit einer großen Schee« bearbeitet worden. Das Absuchen des Geländes blieb erfolglos, die Beamten konnten aber feststellen, daß aus der Landesanstalt, die dort in der i Nähe Legt, am selben Tage gegen 4 Uhr nachmittags ein 16 Jahrs alter Jnla sie Ernst G o rt f ch a 1 k entwichen war. Um die Türen zu öirnen, hatte er eine lange m der Anstalt gestohlene Schere bemrtzt. Gottschalk ist gemeingeföhrlichcr.Epileptik e.r, der vor einem Jahr aul der Landstraße bei Treuertdrietzen ebenfalls ein junges Mädchen überfiel und durch Messerstiche schwer verletzte. Am Bonntag kam vom Brauhausberg die Meldung, daß dort ein junger Bursche durch sein scheues Wesen in den Straßen ausgefallen I sei. Ausg-sandie Kriminalbeamte tonn'en ihn bald ausfindig machen und festnehmen. Es war in der Tot Gottschalk. Cr trägt ein ganz verstörtes Wesen zur Schau. Bei ihm wurde noch die blutige Scher« gefunden und das geraubte Äöffcrchen mit Inhalt r' &et1a4e Moniag, 30. Dezember 1929 SprMMZ Stialaul&xße A& Im Frachtzug zum Pazifik Jumperfahrt durch die Rocky Mountains Oft schon hatte ich die Gestatten auf den vorbeifahrenden Güterzügen von meinem Arbeitsplatz aus betrachtet und endlich packte auch mich das Verlangen, auf diese ungewöhnlich«, aber billige Art noch der Hasenstadt Vancouver am pazifischen Ozean zu fahren. Bis dahin waren es von meinem jetzigen Aufent- haltsort m dem sonnigen Tale des Ocanagan etwa Zvg Meilen, das sind ungefähr 500 Kilometer, also immerhin eine längere Fahrt, die sorgfältig vorbereitet werden mutzte, zumal mehrere Punkte zu überwinden waren, wo Polizeibeamte auf uns seltsam« Der- gnügungsreiseiHde warteten. Um so verständnisvoller verhielt sich das Bahnpersonal unserem Reisedrang gegenüber; wir wurden unterstützt, statt dah etwas gegen uns unternommen wurde, wie wir es eigentlich erwartet'hatten. Als kompetente Auskunstsstell« für gute Verbindungen hatte man mir die Lokomotivführer angegeben, und eines schönen Abends, als dos geruhsame Leben gar zu bequem wurde und die Berge in der Ferne zu sehr lockten, lenkte ich meine Schritt« nach dem Lokomotivschuppen der kleinen Station und fragte nach dem nächsten Zug, der gen Westen fuhr. Obgleich eigentlich der Eintritt in diese Räume verboten war, erwidert« mir«in Arbeiter freundlicher als mancher deutsche SchoUerbeamte:..Meinen Tie einen Fracht, oder Personenzug, Herr? Dos ncnnt man in Amerika Dienst am Kunden, und selbst als ich mich für das „ireight jumpen", wie hier das Frachtzugfahren heitzt, entschied, sagt« er:„Um halb zwölf Uhr diese Nacht wird ein Zug abfahren, Lokomotive Nr. 3204, recht gute Reise." Abfahrt So packt« ich schnell meine notwendigsten Utensilien in«inen Packsack, zog den Overall über und trottete in der Dunkelheit dem Fauchen der Lokomotiven zu. In dem gespenstig! n Schwarz einer sternenlosen Sommernacht verkroch ich mich zwischen die Bal» k c n eines offenen Güterwagens und sah zunächst zu, wie die Kohlenwagen gefüllt wurden. Wasier ausgepumpt wuide und eine umständliche Rangierung vor sich ging. Nach drei Stunden Warten endlich, ich war schon ziemlich steif gefroren, tönte die Hupe der Lokomotive dreimal, das Zeichen zur Abfahrt, wie mir Eingeweihte vorher erklärt hatten. Zu meinem Schrecken aber mutzte ich feststellen, dotz die Maschine sich nicht vor meinem Zug befand/ sondern aus dem nächsten Gleis, und schon rückten die Wogen mit mächtigein Krach an. Zum Glück gibt es aus den amerikanischen Bahnhöfen nirgends Absperrungen. Schnell sprang ich zum richtigen Gleis und kletterte die Leiter an einem Kohlen- ni a je n hinaui. Mit einem Schwung flog der Rucksack hinein, ich jelber folgte lar.gjam. und vorsichtig. In der Eile hatte ich aber nicht achtgegeben, dah ich direkt h'ntcr der Lokomotive war. Und nun rieselte«in schwarzer Schnurr von Kohlenstaub auf mich nieder. Ich kau rtc mich zunächst zujaminen, wartete, bis es Heller wurde, und unternahm dann eine waoholsige Kletterei über verschiedene Waggons nach hüllen, wo es bester auszuhalten war. Lachend sahen mir die Be- amten zu und fragten mich nach meinem Reiseziel. Ich erfuhr, dotz dieie ichöncn leeren Wagen nicht lange mein Domizil sein sollten, denn sie sollten in der nächsten grötzeren Stadt, einer Kohlenmine in den Eascadc Mountains, abgehängt werden. Vorläufig war es jedenfalls sehr bequem, die Sonne kam langsam hinter den Bergen hervor und wir fuhren gemütlich i ni in c r höher in das Gebirge hinein. Die geordneten Obstseldcr des Okanagantolcs hörten bald auf und die Wildnis dcs kanadischen Hinterlandes breitete sich zu beiden Seiten der Linie aus. Niedriger Busch und später 30— 40 Meter hohe Zedern« w ö l d e r bildeten«in undurchdringliches Hindernis, in das bis heute nur Trapper und Fischer ihre Wege geschlagen haben. Meilenweit geht es so weiter, ohne jee.iich« Siedlung, und wenn wirklich eine Station kommt, dann ist es eine kleine Holzhlltte mit ein paar anderen Häusern in der Nähe. Erst noch f ii n i Stunden Fahrt hielten wir in P r> n c e- tön, dein ersten Dioisionspunkt. Sorgfältig lugte ich über den Rand nach den verdächtigen Policemen aus, ober niemand war an einem solch friedlichen Sommcrmorgen zu sehen. Da wir hier länger« Z«t stehen sollte»,»och ich frech aus meinem Bersteck heraus und begab mich in den nächsten Drink st ore, um von meinem winzigen Barbestand 40 Cents für einen Eistrank anzu- leg«» und für die kommend« Fahrt ein kleines Prooiantpaket zu kaufen. Wie erschrak ich aber, als gerade in diesem Laden e i n Blauer seine langweilige Runde durch«ine Eiskrem« würste. Ich nahm an.«r würde mich gleich festnehntien. Schliehlich aber kehrte die Besinnung zurück und ich dachte mir, er wird dir schlich- lih nicht an der Nase absehen können, auf welche Weis« ich nach hier gekommen bin, schmutzig waren alle Arbeiter. Frech ging ich mit meinem Paket wieder dem Bahnhofsgebäude zu und sah, wie der lange Blaue langsam nach Mainstreet schlenderte. Ich kehrte des. halb in einem großen Bogen.zu meinem Spezialabteil zurück und war heilfroh, als es endlich weiterging. Ich bekomme Gesellschaft Während des Anfahrens fliegt plötzlich noch ein Rucksack herein und ihm folgt ein Mann. nach Art der kanadischen Arbeiter, mit buntkarierten Windbreakern und weiten, blauen Hosen be- Neidet Ich erfahre schnell, daß dieser rothaarige Jrländer das gleiche R«is«zlel hat wie ich und ebenfalls in der großen Stadt Arbeit suchen will. Er ist einer der zahlreichen W a n d e r- a r b« i t e r. die das ganze Land mehrmals im Jahre durchqueren und immer auf der Such« nach einer lohnenden Beschäftigung sind. oerdienen in der Weizenernte sehr gut. geben aber ihr Geld ebenso schnell wieder aus. Nur durch di« Führung dieses routi- werten..Jumpers' bin ich später weiter gekommen. Zunächst hieß es auf der nächsten Station umsteigen, denn' unser« Wagen wurden abgekuppelt. Da olle anderen hob'» Waggons versiegelt waren, mutzten wir auf dem Dache Platz neb 07N Es wurde zwar manchmal sehr lustig und ich bekam an den mblrnchen Kurven, die in starkem Tempo genommen wurden. Atcnibetlemmungen, im übrigen war dieser Platz aber dem be- schränkten Raum in den Waggons vorzuziehen. Bollkomm«n Kalt- blutige legen fich«q da» Dach, schaue« i» de» Himmel und schlaft« langsam«in, bis sie durch einen mächtigen Ruck aus ihren wilden Bagabundenträumen geweckt werden. Für mich war es der idealste Aussichtspunkt, ich konnte sehen, wie sich der Zug longsam durch die Wälder krümmte und immer wieder neu« Hinderniste über- wand. Diese Herrlichkeit hatte aber bald ein End«, da d«r Güterzug nicht mehr weiterging und wir auf den in einigen Stunden an» kommenden Personenzug warten mutzten. Vielleicht ergab sich da eine Gelegenheit, mitzukommen. Mittlerweile waren noch zwei Jumper erschienen. Vorsichtig krochen wir an dem Rand der G«leise entlang zu den Schienen, wo der Expreß einlaufen mutzte. Alle jammerten über den schlechten Verdienst in diesem Jahre. Wie immer, ist die Stadt die letzte Zuflucht. Als der K o n t i n e n t a l z u g mit niäch/gein Schnaufen und Heulen einlief(er bringt alle zwei Tage bumes Leben in dies« einsamen Gegenden), liefen wir schnell ein Stück voraus, dann auf die andere Seite des Bahnsteiges und kletterten auf den Tender, wo Platz genug für uns war. Es war aber auch weit gefährlicher als auf dem Frachtzug: es heitzt, noch in beträchtlicher Fahrt abspringen und wieder hinaufklettern, wenn der Zug wieder im Fahren ist. Es gibt immerhin 3 0 Tage Gefängnis für dos„Derbrechen", als Blinder mitzufahren. Mir wurde deshalb zu geschrien, nicht nach hinten zu sehen, sondern dem Zug den Rücken zu kehren, damit man nicht erkannt wird und eventuell schnell entkommen kann. Es begann jetzt das schönste Stück der Fahrt durch das wild- romantische Tal des Frajerriver. Fünfzig bis hundert Meter unter uns rauschte der Bach und von beiden Seiten stürzien Wasser- fälle von den Bergen herab. Streckcnweit schützen Galerien die Bahnlinie vor Steinschlag und Lawinen, und mit Schrecken passier- ten wir die vielen Tunnels, bis wir schwarz wie Neger waren. Wunderwerke der Technik sind die schwindelnd hohen Brücken, es ist eine wahrhaft geniale Leistung, die Bahnlinie durch dies« ungeheuren Hindernisse, die die Natur bietet, zu legen, und es muh ein feierlicher Moment gewesen sein, als sich die Arbeiter von Osten und Westen zum ersten Male trafen und die letzte Ver- bindungsschienc gelegt wurde. u, In Hope, einer kleinen Touristen« und Kohlenstadt, zogen wir es vor, unsere Eisenbahnreise abzubrechen und uns den Rest gelegentlich von Autos mitnehmen zu lassen, da es zu gefährlich ist, in den Bahnhof einer großen Stadt als Blinder einzuiohrsn, und so kam es, daß iä) in einem fabelhaften sechs- zqlindrigcn Chrysler in Vancouver ankam mit dem stolzen Gefühl, ein« meiner schönsten und billigsten aber auch gefährlichsten und obenteuersichsten Fahrten gemacht zu haben. xsrl Möller, zur Ze-t Brit..Col. Hallo, Sowjethino! Wie in Russland gedreht wird Je länger Regisseur. Operateur, literarischer Bearbeiter und Schanjpicler in ter abgeschlossenen Welt des Filmateliers arbeiten desto mehr tritt das wirkliche Leben hinter sie zurück. Die Frische der Lebensousicssung � geht in der professionellen Routine unter. Technische Fertigkeit und Berufskenntnis aber müssen in demselben Augenblick uirfrilchtbar werden, in dem die Beobachtungssähigkeit und die Lebendigkeit der Eimällc nachlassen. Am deutlichsten tritt dieser Erftarriingsprozeß des Films in Westeuropa zutage. Wenn die Sowjet-Unio» bisher von ihm im ollgemeinen verschont wurde, so hat das seinen Grund darin, daß dort Regisseur, Operateur, literarischer Bearbeiter und Schauspieler von der Abgejchlossenyeil des Projessionellc» perschaut geblieben sind. Zwei Betspiele niöge» die Arbeitsweise der russischen Film- Hersteller verdeutlichen. Nehmen wir an, bei der literarischen Ab- ieilung eines russischen Filmnnternehmens laufen zwei Fistiient- würfe ein. Der eine behandelt das Leben in einer Moskauer Fabrik, der andere spteit m einem sibirischen Völtentaimn. Die Ideen der beiden Entwürfe sind an und siir sich gut. Aber technisch müssen sie vollkomnum neu bearbeitet werden. Ehe das Unternehmen an diese Arbeit geht, wird sich die lite- rarische Abteilung an Arbeiter jener Industriebranche wenden, in deren Milieu der betreffende Film spielt. Einige dieser Arbeiter, die Vertreter der literarischen Abteilung, der Regisseur und der Hersteller des Drehbuches, setzen sich an einen Tisch, man verliest das Manuskript, bespricht es»iid merkt sich genau, was die Ar- beiter an der Sache auszusetzen und was sie vor- zuschlagen haben. Fast immer sind die Bemerkungen des Arbeiterauditoriuins sachlich bemerkenswert, da sie aus der Kennt- nis dcs Milieus hervorgehen mch die sozialen und psychologischen Hinlergründe dieses Milieus plötzlich deutlich Machen. So ist es höusig" genug vorgekommen, daß aus dem trockenen Schema einer Szencnfolge im Laufe einer derartigen Debatte ci.i hinreißendes Stück Leben wurde. Bei dem Fümentwurf, der aus dem Leben des sibirischen Volksstammes genommen ist, sind die Schwierigkeiten größer. Hier werden Wiiienschmtlcr und Sachkenner hinzugezogen, die die ersten Ratschläge für cinc Durchführung des Films geben. Ist der Filmentwurf so weit gediehe, y dann wird er dem „künstlerischen Rot" des betreffenden Filmunternehmens vorgelegt, lind dos ist bei der heutigen Lage in Sowjetrutzlauch di« schlimmste Etappe auf dein Instanzenweg, da die künstlerischen Räte nichts anderes sind als die politische Kontrolle des Partciapparates. Der politische Auftrag, als der jeder Film angesehen wird, tritt hier sehr kraß in Erscheinung. Oit genug geschieht es, daß im'olge der Bemängelung� dieser Instanz die Lebenswahrheit dem ideologischen Schema geopsert wird. „Falls die Tatsachen der Ideologie widersprechen— um so schlimmer für die Taffacheu," heitzt es in Svmjetrutzland. Hat der Entwurf die Kontrolle des künstlerischen Rats pas- siert, dann gehen Regisseur, der Hersteller des Drehbuches und der Operateur an die Ausarbeitung des Films. Die Gruppe, die den Auftrag hat, das Leben in der Fabrik zu drehen, begibt sich in die cntspiechende Moskauer Fabrik, die zweite nach Sibirien zu dem Volksstamm, in dessen Milieu der Film spielt. Dos Milieu, die Arbeit, die Gewohnheiten, die Typen und das Leben werden in allen Einzelheiten studiert. Dieses Studium geht so weit, daß sich Regisseur, ltterariscber Bearbeiter und Operateur selbst in jede Einzelheit der majchinellen Einrichtung der Fabrik vertiefen; die Maschine soll ja nicht Staffage und Spielzeug,'sie soll kein Theaterrequisit sein, sondern im Film ihre eigene Logik und ihre eigene Gesetzmäßigkeit entfalten, die für den Ablauf des Films non beroarragender Bedeutung ist. Auch die mitspielenden Schauspieler müsien sich durchaus in das Milieu versenken, aus dem der- aus sie ihre Rollen spielen sollen. Die Fabrikarbeiter selbst werden herangezogen und die begabtesten unter ihnen mit in den Dienst des Films gestellt, um eine möglichst große Lebens- nähe zu erreichen. Diese vorbereitende Arbeit nimmt durchschnilt- lich 3 bis 5 Monate in Anspruch. Erst dann geht man an die cigciitliche Ausnahme. Ist der Film in seiner rohen Montage fertig, dann führt ih» de? Ztegisleur de« Arbeiter» der Aabrit vor, Ost setzt es bei dieser Gelegenheit ein« horte Kritik: denn der Arbeiter, der sein« Fabrik in jahrelanger täglicher Arbeit bis in alle Einzelheiten.könnt, merkt sehr genau, wo der Film lebcnsunwohr wirkt. Dann heitzt ez eben, Ergänzungen und Korrekturen vor- nehmen. Erst wenn es so weit ist, erfolgt die erste öffentliche Prüfung. Das geschieht meist in der Weise, daß die zuständige Filiale der Gesellschaft der Freunde der s o w j c t ist i s ch e n Kinema- t o g r a p h i e(ODSK.) neben Vertretern der Presse, der Künstler- und Oiteratenorganisationen und der Gewerkjchastsmitglieder ein- geladen werden. Nach der Dorführung erfolgt ciuc ausg:sbige Diskuffioii, in deren Verlauf Regisseur, Operateur und literarischer Bearbeiter nicht immer einen leichten Stand höben. Sind sie klug. so werden sie auch dl? Korrekturen irnd Vorschläge dieses Zu- schauergremiimis beachicn,. und es geschieht selten, daß der Fach- mann ohne Anregung dlesc Prüsungsoorführung verlätzt. Die be- knnntesten russischen Filmregisseure und Opernteure verdanken diesen öisentlichen Prüfungen und Diskussionen i>'?r Bestes. Diese Art des Arbeitens gab ihren Filme» die überwältigende Lebensnahe und die erschütternde Ueberzeugungskraft. Es ist seltsam, daß die Praxis im hochkapitalistischen Amerika der in der Sowjet-iliiion üblichen Arbeitsweise sehr ähnlich Ist. Auch dort wird, wenn auch in etwas veränderter Form mit Probe- aufführungen gearbeitet, auch dort erfolgt eine.dcu:crndc statistische und unmitielbore Beobachtung des Zuschaiieraeschmacks. Deutschland, Frankreich und Engloisd müssen mit ihrer Film- Produktion ins Hmiertreffen geraten, wenn sie sich dieser Pro- duktioii-weise nicht anzupassen verstehen. Wenn ein Kreis von Filmfachlcuten, der den Alltag des Durchichnittsmenschen nicht kennt, die Filmprodukiion von seinem grünen Tisch aus regelt, muß auf die Dauer eine Eni'reiutmng zwischen Ftlinproduzeuten unh Film- konstimenten«intreten, die nicht ohne Folgen bleiben kann. Der deutsch« Film wird deshalb gut luu, die praktische Verbindung mit dem Leben und mit der Masse herzustellen. .Mexiinclcr Gidoni. Berlin als Bierstadt Vom Verein der Brauereien Berlins und der Umgegend wird uns ZU dem Artikel„Berlin in der Welt vuran— als Bierstcdt nämlich!" geschrieben: Es ist richtig, dotz Berlin heule die bedeutendste Bierproduktionsstätte Deutschlands ist. Aber Berlin hat auch die größte Einwohnerzahl, drei- und viermal mehr als die anderen Großstädte Deutschlands. Dazu gehen sehr beträchtliche Mengen in i Berlin gebrauten Bieres hinaus nach Brandeicharg, Poumiern. Mecklenburg und cmaren-ende Gebiete sowie nach Schlesien, Mitteldeutschland, ganz wesentlich mehr � als nach Berlin cingciührt wird. Zu der Zahl der in Berlin bestehenden G a st m i r t s cha f t e n ist zu bemerken, daß in einer Weltstadt mit ihrem großen und regen Fremdenverkehr naturgemäß eine grötzore Anzahl von Gaststätten aus den Kops der Bevölkerung entfällt als an anderen Plätzen Im übrigen geht di« Zahl der Wirtichasten in Berlin ständig zurück. Die Swgniaiung und rückläufige Bewegung dtr Anzahl der Gastwinjchastcn und der erteilten Konzessionen ist daraus zurückzu führen, daß die Behörden bei d«r Konzessionserteilung äußerst sorgsältig vorgehen und die Bedürfnisse sehr streng prüfen. Die zuständigen Organisationen' des Gaftwirtsgewcrbes sprechen sich energisch gegen die unbegründete Neuerteilung von Konzessionen oder den Erwerb von Gastwirtschaften zu spekulativ.?» Zwecken aus. Auch di« Brauereien und olle Angehörigen des ihnen nahe- stehenden Gastwirtkgewerbes sind— wie wiederholt zum Ausdruck gebracht ist— Gegner jeden Alkohol in i tz b ra n ch- und haben eitle auf eine sackchch« und zweckdienliche Bekämpfung des Alkohol- mißbrauchs gerichteten Bestrebungen stets unterstützt. Lediglich zur Richtigstellung sei noch bemerkt, daß neben den gezahlten G emeindeb ler steuern die Brauereien Berlins an Reichsbier steuern im Jahre 1027 rund 40 Millionen und im Jahre 1923' rund 44 Millionen Mark, das heitzt an Biersteuern ,:llcin etwa 54 Millionen Mark zahlten. Rechnet man die sonstigen Steuern hinzu, so ergibt sich im Jahr ein Gejamtsteuerauskommen aus den Berliner Brauereien von über 75 Million« Mark. (Schluß.) „Geduld, ein bißchen Geduld. Junge/ mahnte ihn Fliereflätcr. „Es ist gar kein Blödsinn, sondern wirklich passiert! Du mußt nur gut zuhören, es wird ulkig genug. Ms ich elf Tag« und elf Nächte oll war, bekam ich morgens, els Minuten vor elf, elf Krämpfe hinter. einander. Verflixt. Junge, das war aber was! Es kamen elf Nach- barsfrauen gelaufen, und die gaben elf verschieden« Sheil-nütel an, um mich wieder gesund zu machen. Eine schlug elf Kreuze über meinem Kopf, wieder eine andere goß mir elf Kellen voll Wasser über den Bauch. Ich gab elf laute Schreie von mir und ließ elf leichte Winde fliegen, ob der elf Schreckschüsse, die ich bekam..* Mereyntj« prustete vor Lachen. Und Fliereflöter erzählte immer noch weiter. Immer wieder kam die Zahl Elf in der verrückten Er- Zählung vor. und die Berwicklungen waren schon mehr als sonderbar. Mereyntjes Verstimmung war bald gewichen, und er mußte immer- zu lachen: manchmal stieß er dabei helle Schreie des Entzückens aus. wenn Fliereflöter mit dem ernstesten Gesicht der Welt den größten Unsinn auskramte. Aber plötzlich wurde die Erzählung unterbrochen durch«ine schrille Stimme, die rief: „Fliereflöter!... cheda!... Fliereflöter/ Die beiden Bummler, in ihre Erzählung vertieft, standen mit einem Ruck still. Unten am Deich, nahe am Zaun eines Baucrnhoses, sahen sie eine stramme, blonde Maid, die ihnen mit entblößtem Arm winkte. „Wir wollen mal hingehen und sehen, was das schöne Weibs- bild von uns will/ sagt« der Küster, und er lief sogleich den Abhang hinunter. Mereyntj» folgte ihm brummend, bedauernd, daß die ulkige Geschichte so jäh abgebrochen wurde. „ihallo! Mieke!" grüßte Fliereflöter.„Was willst du von mir? ... Ist dein Bett abends vielleicht zu kalt, um allein darin zu schlafen?" .„Verrücktes Huhn!" schalt Mieke: aber sie lachte, ganz und gar nicht böse ob seines Scherzes.„Nein, es ist wegen Vater. Er hat feinen Fuß verletzt, heute früh im Pferdestall. Ich habe dich im Dorf schon überall gesucht, aber du warst nirgends zu finden. Möchtest du nicht mal Baters Fuß besprechen?" „Unter einer Bedingung." setzte Flierestöter ernsthast fest. „Und die ist?" fragte das Mädchen etwas verzagt. „Daß du zu mir kommst, Mieke. wenn du Hein Knie oder so was ähnliches verletzt hast, und dich von mir besprechen läßt." Nun brach Miel« in ein schrille» Lachen aus, gab dem frechen Küster einen Schubs gegen den Arm und warf zurück: „Das ist gut, aber dann muß der Herr Pfarrer dabei fein." „Du darfft die Heiligen nicht in Versuchung bringen," belehrte er sie gestrenge und ging auf das Haus zu. Bauer Glück lag im Bett und sah beängstigt auf die Eintretenden. Es dunkelt« bereits in dem großen Zimmer, und Mereyntj» bemertte mit Erstaunen, daß die Wände ganz bedeckt waren mit bemalten Fliesen. Als seine Augen etwas an das Dunkel gewöhnt waren, sah er, daß über dem Kamin ein richtiges Gemälde zu sehen war aus lauter glänzenden Fliesen: ein abnorm großer Kanarienvogel in einem ruudköpfigen Hund und einer Katze, die mit dummen, stieren Augen das arme Tierchen belauerten. Aber viel Zeit, sich umzu- sehen, wurde ihm nicht gelassen, denn sein Freund rief ihn zu sich: „Komm doch mal her, Mereyntje, und halte mir eine Weile das Weihwasser." Und zum Dauern und seiner Tochter sagte er erklärend: „Das ist besser, siehst du. denn Mereyntje ist Mesnerknabe: das erhöht die Kraft." Mereyntje errötete verlegen und fühlt« sich kolossal wichtig, ob- wohl er überhaupt nicht wußte, was geschehen sollte, und er war ein wenig angstlich bei dem geheimnisvollen Getue vor der dunklen Bettnische. Aber nichtsdestoweniger kam er eilig hinzu und hielt mit beiden Händen das Gefäß mit trübem Weihwasser, worin ein kleiner vertrockneter Palmenzweig schwamm, der am Sonnabend vor Palm- sonntag vom Hern: Pfarrer selbst geweiht worden war. Aus dem Bett hing das Bein des Bauern, bis an die Wade entblöst, wo die blaue Unterhose mit Bändern zugeknöpft war. Das Bein war unglaublich schmutzig:«s klebt« voller Krusten und Schuppen schwarzen Dreckes, und fast der ganze Fuß war völlig ichwarz, nur hie und da war ein helles Fleckchen; ein kümmerlicher Beweis, daß Bauer Glück wirklich zur weihen Rasse gehörte. Es roch entsetzlich in der Nähe des Beines, dessen Knöchel tüchtig ge- sch»'ollen war. Mereyntej gruselte es. und angeekelt wandte er den Ko|.f ob. um das schmutzige, übelriechende Bein nicht zu sehen. Aber die mysteriösen Handlungen seines Freundes machten, daß er doch wieder neugierig die Augen dorthin richtet«. Fliereflöter hatte den Hut abgenommen. Er tupfte die Fingerspitzen Ins Weih- ivasser und spritzte einige Tropfen auf den geschwollenen Knöchel, murmelte unverständliche Wort« und machte beschwörende Gebärden. die immer wieder mit einem segnenden Kreuz endeten, indem er zwei Fing« in die Höhe hob, wie es der Priester beim„Benedittue" tat. Es dauerte eine ganz« Welle. Der Bauer sah ängstlich und mit ichmerzlich verzogenem Mund zu dem Wunder, doktor auf. Mieke stand, die Hände vor der Brust gefaltet, dabei, und Mereyntje, der ehrfurchtsvoll das Weihwasser hielt, war voll frommer Andacht. Nun führte Fliereflöter unverhofft mit den beiden segnenden Fingern einen derben Schlag auf den gesclnvollenen Knöchel aus, und der Bauer schrie gellend auf, daß Mereyntje vor Schreck beinah« das Weihwasser fallen ließ, und die Tochter, erschrocken zurückweichend, ebenfalls laut aufschrie. „Sst!" sagte Fliereflöter unbeirrt und murmelt« und segnei« weiter. Der Bauer oerbiß, die Zähne aufeinander pressend, den Schmerz. Die Augen quollen ihm gefährlich aus dem roten Gesicht. Endlich nahm Fliereflöter das Palmenzweiglein aus dem Gefäß, sprenkelte mit umständlicher Gebärde Weihwasser auf das Bein und auf das Gesicht des Bauern, schwang es über Miele, die ein Kreuz schlug, und über Mereyntje, der ob der kühlen Tropfen blinzelte. Fliere- i>öter tunkte es abermals ein, benetzte das zuckende Gesicht des Bauern, bis«s glänzte und vom billigen Wasser troff, und alsdai'» lxrach er feierlich mit schwerer Stimm«: .Dominus vodiscnw." Mechanisch antwortete Mereyntje: „Hit cum spiritn tuo." „Jesu, audi nos/ „Jesu, o.xaudi nos." „Agnes Dei, qui tollis peccata mundi." „Miserere nobis." „Gloria patri et filio et spiritui sancto." „Sicut erat et in principio et nunc et Semper et in saecula saeculorum." „Amen!" „Fertig!" rief Fliereflöter.„Unter die Decke mit deiner Pfote." Seufzend zog der Bauer sein ekliges Bein unter die Decke, wischte sich mit dem Bettzipfel das Gesicht und fragte kleinlaut: „Und wann wird es nun wieder in Ordnung fem. Fliereflöter?" „Wenn deine Seele nicht allzusehr mit Sünden beladen ist, kannst du morgen abend aufstehen," entschied dieser.„Du hast Glück gehabt, daß ich gerade einen Mesnerknaben bei mir hatte, sonst hätte es wo- möglich ein paar Tage länger dauern können. Und nun, Mieke, nachher gleich eine nasse lange Binde fest um den Knöchel gewickelt, dann ist es bald wieder in Ordnung." „Was bin ich dir schuldig?" fragte der Dauer. „Wieviel Pferde hast du im Stall?" Der Verletzte sah ihn verwundert an. Schließlich sagt« er: „Fünfzehn." „Dann macht es... warte mal... fünfundzwanzig Cents pro Pferd... das ist drei Gulden fünfundsiebzig." „Das ist ein teures Heilmittel," klagte der Bauer. „So, meinst du? Laß dann in Zukunft den Dokror holen," schnauzte Merefßter ihn wütend an.„Jteia kannst du vierzehn Tage liegen und fünfzig Gulden bezahlen." „Es ist aber doch ein rasch verdientes Geld," beharrt« der Bauer trotzig. „Wenn du ober die geistige Kraft, die dazu nötig ist, mit ein- berechnest, ist es geradezu geschenkt," bellte chn Fliereflöter an.„Aber es wird dir nicht heilsam sein. Wer. so zu feilschen: denn wenn du nicht freudig zahlst, kann es passieren, daß die Genesung viel länger dauert." Der Bauer brummte noch etwas zwischen den Zähnen, doch bald zog er eine fett« Börse unter dem Kopfkissen hervor und zählt« mit süßsaurer Miene seine drei Gulden fünfundsiebzig Cents in Fliere- flöters Hand. Der ließ das Geld gleichgültig in die Hosentasch? gleiten, brummt« einen Gruß und verließ das Zimmer. In der großen Küche goß Mieke ihnen eine Tasse heißen Kaffee ein und strich für jeden einige knusperige Aniszwiebäcke Mereyntje bekam auch noch Zucker darauf, und obendrein steckt« das sre-'dlichc Bauernmöbel ihm ein SUberstück in die Hand als Anerkennung für die Hilfe beim schwierigen Besprechen. Sein ganzes Gesicht strahlte vor Glück und Zufriedenheit. Fliereflöter blickte lächelnd auf den kleinen verklärten Freund. Ms sie ihren Kaffee und Zwieback genossen hatten, erhob sich Fliereflöter. „Also Miel«, dos ist abgemacht, was? Du kommst bald mal zu mir, dein Knie besprechen zu lassen. Es braucht gar nicht sehr ver- letzt zu sein/ „Häng' dich auf, häßlicher Affe!" lacht« Mieke. und Mereymje lachte mit, well ihm der rohe Ausdruck im Munde eines Modchens so komisch klang. „Nun, aus Wiedersehen!" grüßt« Fliereflöter.„Und wickle die Binde recht sest. Wenn der Alte nicht laut brüllt, taugt es nicht." Draußen begann Mereyntj« sofort zu fragen: „Hast du ihn nun wirklich geheilt. Fliereflöter?" „Wenn es Gott gefällt, ja." grinst« der Küster. .Ist das schwer, besprechen?" „Wenn du es einmal kannst, geht es. Möchtest du es auch lernen?" „Wäre das möglich?" „Na, das hat noch«ine Weile Zeit. Aber dein Latein hat schon sehr viel Gutes getan, da kannst du dich draus verlassen!" Mereyntje dachte eine Weile nach. Dann sagt« er weltklug: „Wir haben auf jeden Fall tüchtig Geld damit verdient!" „Und darum dreht sich doch schließlich alles! Komm, Mereyntje, halten wir uns ein bißchen dazu, denn der Schufter hat den Angelus schon lange geläutet." WAS DER TAG BRINGT. «MiiiuniiiiniiiiimiintiinmiiiiiiimmiiiimiiMiiinRinin>iuiDniiiiraimmiiimiiiinimiumniiranmniiniiiiiiiiiniiiniiiiiiiiii»iituiiiuiHiniiuniraiiui>imiimiimmiininitM«w Ein Volk ohne Sprache. Auf einer Forschungsreise des Prosessors Richard Wagner in die Waldgebiete des westlichen Bolivien wurde«in Jndianerstamm entdeckt, der auf einer Kulturstufe steht, die man fast al» prä- historisch bezeichnen kann. Feuerwaffen sind den Eurugua— so heißt der Stamm— gänzlich unbekannt. Sie sind ober geschickt in der Handhabung von Bogen und Wurfspießen. Da sie keine Ge» rät« kennen, transportieren sie das Wasser in riesigen Blattern, Unkundig einer Sprache flirtv das- rinztm" Bei stss'chigMqsüeikkek Zeichen und unartikulierte Schrei«. Der kürzeste Schitfsweg Amerika— Ostasien. Mehr als 300 Jahre nach Hudsons vergedlichien Bersuchen, die nördliche Durchfahrt von Amerika nach Ostasien zu finden, ist es jetzt der im Jahre 1670 gegründeten Hudsonbaikompagnie gelungen. die so lange gesuchte Verbindung herzustellen. Wie dem„New Park Herald" aus Montreal geschrieben wird, hat das Schiff„Boy Chimo", welches im vergangenen Frühsommer Vanconocr verlieh, Ende August die Cambridge Bay an der Südküste von Victorialand erreicht. Bereits ein Jahr vorher war das Schiff„Fort James" von Neu-Schottland und Neufundland abgefahren und nach einer mühsamen Reise durch die Davisstraße. die Baffinsbai, um den nördlichen Teil des Boffinslandes herum und durch den Lancaster- sund auf der Somersetinsel gelandet. Bon dort fuhr es durch die Franklinstraße zum Kap Adelaide, dem magnetischen Pol auf der Halbinsel Boothia Felix weiter, um in Gjörharbour auf König Wilhelmland zu überwintern. Als es dann sein« Reise nach Com- bridge Bay fortsetzen wollte, wurde es durch einen Sturm an die Küste geworfen, wobei sein Steuer zerbrach und die Weiterfahrt unmöglich wurde. Zwischen ihm und dein in Cambridge Bay liegenden„Bay Chimo" wurde nun durch den Motorschnner„Fort Macpherson", der als Post- und Forschungsdampfer die arktischen Gebiete durchfährt, ein ständiger Verkehr unterholten und auf diese W«ise durch die drei Schiffe jene Verbindung zwischen der Ost- und Westküste Kanadas geschaff«». die schon Hudson selbst gesucht hatte und die das Hauptziel bei Gründung der Hudfonkompagnis im Jahre 1670 gewesen war. Wie nun«in Mitglied dieser Kompagnie, da» bi» Pont? Inlet an der Nordwettküste von Bafsinsland vor- gedrungen Ist, in Montreal berichtet, ist zugleich eine Radioverbin- Montag. 30. Dezember. Berlin. 16.05 Hans Borowik: Lticbtatblctik im Winter. 16-30 1. Bacli; Praiadiara und Fi�e.— 2. Beethoven: Sonate E-Moll. op. 90. — 3. Schubert-Lisit: Soir6e de Vitnne.(Kläre Köhniein am Mügel.) 17.00 Josef B. Foersler(eeb. 30. Dezember I8S9): Kompositionen. 17.30 Crawlschwimmen.(Sprecher: Paul Kellner.) 18.00 Stunde mit Büchern; Lebensgeschichten von Wissenschaftlern und Künstlern".(Am Mikrophon: Dr. Heinrich Lberle.) 18.30 Prof. D. Hinderer:„Kirche und Oeffentlichkcitswllle". 19.00 Unterhaltungsmusik. 20.30„Stunde des Qruscins". Milw.: Gertrud Eysold, Wolfgang Hoffmann- Harnisch. 21.15 I. Else Oeyring: Quintett für Klarinette, tnci Violinen, Viola und Cello- (Erstaufführung.)— 2. Karl Stamiti: Quartett Es-Dur, op. 8. Kr. 4, für Violine. Viola. Cello und Klarinette.(Konr.c- imei�lcr Maorits van den Breg, I. V|oiine; Konzertmeis'-r Olaf W. Qrundvaldscn, 2. Violine; Lorenz Hüber, Viola: Joseph Schuster, Cello: Ernst fischet, Klarinette. 22.30 Funk-Tanz-UDterrlcht Aaachlieteod bis 0.30: Tanzmusik. Künlgsu-usterbausen. I&XIO Dr. Fritz Kielt: Pädagogische Besinnnngsstunde, 17.30 Dr. Leo Balet; Alle Flütenmusik. 18.00 Dr. Franz Mayer: Chemie im täglichen Leben. 18-30 Englisch für Anfänger. 18.05 Dr. Müller-Lenhartzr Die Leistangsprüfung in der Tierzucht.• 19.30 Von Leipzig: Millücker-Feier. 2JJM Von Breslau:„Fantasien im Bremer Ratskeller", nach Wilhelm Hauff. dung mit den beiden Schiffen, dem„Boy Chimo" und dem„Fort James" gelungen, die von Ponds Inlet zu dem Marinedepartement Fort Churchill an der Mündung des Churchillfwsse» führt, so daß die beiden an den vorgeschobenen Enden Nordamerikas befindlichen Dampfer in stetem Radioverkehr mit der Außenwelt stehen. Viermal zu Puß um die Erde. Einer der populärsten Londoner tritt nach Z7jöhrig«r Dienstzei: tit bWi' Richestaffd. fTtTlfTB- S Aftap, ekn Poktbkite im Buckingham Polace. Kurz nach König Georgs Thornbesteigung betrat er als erster Postbote den Buckingham Palace, in dessen Korridoren er dann 37 Jahre lang seinen Dienst versah. Auf diesen täglichen Dienstgängen hat W. I. May«ine Strecke zurückgelegt, die ihn viermal rund um den Erdball geführt hätte. Chauffeure am Pranger. Die Bukarest« Stadtverwaltung geht mit besonder» drastischen Mitteln gegen fahrlässig« Chauffeur«, die einen Straßenunfall her- vorgerusen haben, jetzt vor. Vom Gericht verurteilt« Chauffeure werden mit aus dem Rücken zusammengebundenen Händen von zwei Verkehrspolizisten durch die Straßen geführt mit einem Schild auf der Brust, auf dem Delikt und Höhe der verhängten Strafe angegeben sind.' 26 Mitlionarinnen. In USA. zahlen nur 3,45 Proz. der Gesamtbeoölkerung Ein- kommensteuer. Nach der amtlichen Statistik der omertkonisch.n Regierung über die Steuereingänge im abgelaufenen Fiskaljahr beträgt die Zahl der Amerkiner, die aus einem Vermögen van 1 Million Dollar Einkommensteuer bezahlen, Äll, was gegenüber dem Vorsahr einen Zuwachs von 53 darstellt tteberraschen muß dabei die Tatsache, daß 26 der neuen Millionäre Frauen sind, von denen drei noch unoermähtt sind. Außerhalb der Reihe dieser Multimillionäre stehen eis Personen, die Einkommen von über 5 Millionen Dollar im Jahr« veiHeuern. Diese seltenen Aus- nahmen werden als„Uebermillionäre" bezeichnei. In dieser Bar- zugsklosse fehlen die Frauen, deren größtes Einkommen zwischea drei und vier Millionen Dollar schwankt. Da das Ministerium gesetzlich verpflichtet ist. die Rainen der Steuerzahler g-h.'im zu halten, ist man außerstande, die Namen der Steuerzahler zu er- fahren. Was den Wthnsitz dieser Krösusse anbelangt, so verzcich>»'l der Staat New York die größte Zahl mit 136. an zweiter Stelle steht Pennsyloanien mit einer Gesamtzahl von 31. Verkehrstunnels auch in Paris? Aud) Paris schickt sich an, zur Bewältigung des Stroßeiwerkehrz zu dem Mittel Unterirdischer Straßen sein«' Zuflucht ,u nehmen. Aus Grund eines Berichts van Berkehrsingenieuren bat der Prasekt des caeine-Dcpartcments, Rcnord.«in Programm für die Ausgestaltung b« Pariser Verkehrsweg« aufgesteltt. das ialgend: Punkte vorsieht: Umgestallung sämtlicher Straßenbahnen in den Haupt- verkch:»Zentren zu llntergrundbahnen, Verbreiterung der Set»?- brücken und«traßcn in den allen Stadtniertein, und schließlich Er- bauung von Ilnlergrundstraßen für den Durchgangsverkehr zur Eni- lastung der inneren Stadieilc. Luxusgefängnisse in USA. In einem Prozeß inst Rew-Yorker Rumschmugglern kam zur Sprache, daß für die im letzten Jahre verhafteten Leiter bestimmter Schmugglerunternehimingen besonder« Abteilungen im Gefängnis eingerichtet worden sind. Nach Ansicht des Gerichtes waren es geradezu Luxusgefängnifle, die sich durch nichts von einem erstklassigen Hotel unterschieden. Ein Führer einer dieser Schmuggel- gesellschasten erklärte, der Ausenthalt im Gefängnis hätte ihm etwa NM Dollar im Monat gekostet. Darunter waren allerding» Aus- gaben für Gesellschaften, die auf Veranlassung der Gefängnisbebörde zur Unterhaltung eingeladen worden waren. Ein Spaziergang in Begleitung der Wärter außerhalb de» Gefängnisse« kostet« pro Tag 1000 Dollar. b. Leider war aber die Unterfiützungs- arbeit der Läuferreihe recht mangelhaft. Vollständig allein mußte der Sturm arbeiten und er konnte erst nach 10 Minuten dos zweitc- mal einsenden. Beide Mannschaften wurden fetzt neyvös, der Schiedsrichter mußte viel eingreifen. Kurz vor Schluß gelang es Köpenicks Halbrechten, durch einen Flachball ein Unentschieden sicherzustellen. Köpenick zeigte einen geschlosseneren Aufbau und ein flüssigeres Spiel. Eine Ausnahme machte der Halblinke, der in seiner Spiel- weis« viel zu langsam war. Hier konnte er damit durchkomme», da Neuköllns Läuferreihe ausfiel.— Die zweite Männermannschaft verlor gegen Neptun-Weißensee 1 6:4(3:0). Ebenso mußten sich die Frauen der Freien Turnerschaft Wilmersdorf mit 2:0(1: 0) beugen.— FTGB.-Süden 3 verlor gegen Sokol 1 mit 3: 2(1: 1), während der ASE. 1 die FTGB.-Kaulsdorf 1 mit 7:1(2:0) abfertigen konnte.— FTGB.-Rofenthal und Sportverein Moabit trennten sich 2:0(2: 0). Von einem regulären Spiel kann hier nicht gesprochen werden, denn die Spieler hatten dein Stand- vermögen und machten oft Rutschpartien. Bon der weißen Falbe der Hosen war nachher nichts mehr zu sehen. Arbciicr-Hockcy. Auf den vollkommen durchnäßten und grundlosen Spielplätzen fielen die meisten Hockeyspiele aus. Nur auf dem Platz in der Normannenstraße kamen beide Spiele zum Austrag. Der Bezirk O st r i n g I der Freien Turnerschaft Groß-Berlin konnte er- wartungsgemäß gegen den Sportverein Moabit I siegen. 3: 0 lautet« das Ergebnis— ein bißchen veichlich hoch, denn so viel schlechter waren die Moabiter nicht. Nebenbei hatte die Mannschaft auch reichlich Pech. Ihr Sturmspiel war lebendig, schnell und forsch, wobei vielleicht der Rechtsaußen etwas abfiel. Die Läuferreihe reichte nicht an die Ostrings heran. Die Verteidigung arbeitete sauber, gut und verhältnismäßig stocksicher. Ostrings Sturm war allzu ungenau im Zuspiel und ließ jegliches SIellungsspiel ver- missen. Die einzelnen Spieler wurden stets gedeckt durch das sehr engmaschig« Spiel, zumal Ostring es leicht in der Hand hatte, infolge der sehr schnellen Flügelleute,«in recht weit auseinander- gezogenes Stellung�piel zu zeigen.— Im Spiel Oft ring Ii— Athletik Sport Elub 3 siegten erster« 6: 1. „O st— W« st", das infolge des anhaltenden Tauwetters am zweiten Weihnachtstog ausfiel, wird auf Sonntag. S. Januar, ver- legt. Es findet auf dem gleichen Platz in der Laskerftroße statt. Dia Mamrschastsaujftellung-bleibt init � wenigen �Ausnahmen bestehen. Spielbeginn 14 Uhr, vorher spielen zwei Damenmannschaften. Klarheit bei den Athleten 1 Gegen die komroanislisdien Spalter. Im neuerbauten Bundesheim waren kürzlich die Leiter der Kreise des Arbeitcr-Athleten» Bundes versanunelt, um zu dem von der Sportabteilung der KPD. befohlenen S p a l t u n g s- beseht Stellung zu nehmen und die dadurch geschaffen« Lag« zu besprechen. Di« Vertreter des 10. Kreises(Saargebiet) und 16. Kreises(Württemberg) waren nicht zugelassen. Di« Kreistagebe- schlüjf« des 19. Kreises widersprechen fett Beginn der Spaltungs- methcd« den Beschlüssen des Bundestages und stammten oll« aus dem Parteibureau der KPD. Dem Vertreter des 16. Kreises mußt« b t Teilnahm« versagt werden, weil sein« ganze Einstellung und Fiandlungsweis««Ine Kette von Verstößen gegen die Beschlüsse des Bundestage» war. Er war der Fabrikant der Mißtrouensreso- lutionen gegen den Vorstand und Sympochteertlärungen für die wegen Bundesschädigui� ausgeschlosienen Vereine. Er hat Kämpfe mit solchen arrangiert und gesührt�dabei sich in Ansprachen und durch schriftlich« Abhaicdlungen im Blatt des ehemaligen 4. Kreises < Berlin) in Gegensatz zur Organisation gestellt. Weck er sich„mü Stolz" zur Opposition(lies: Ausgeschlossene) zähl», wie er schrift- liäi versichert, wird«r durch einstimmigen Beschluß der Krcisleiter zur Kcnsterenz nicht zugelassen. Roch eingehendem Bericht des Buicdcsvorsitzenden �trumf- Magdl-burg, dem ein« lange Debatte folgte, on der sich oll« Kreis- l'iter beteiligten, kam folgende Entschließung einstimmig, ohne j.de Enthaltung, zur Annahme: Die kreislelterkonserenz billigt die TNaßnobmen de« Bundesvorstandes und bestätigt, daß diese den Beschlüssen de» Bundes- lege* entsprechen. Die Einheil unserer vrqantiation sördert nur ber. wer Ireu zu ihr hält und diese Beschlüsse anerkennt und danach Handell. Somit haben die Kreisvorstände den Weg gezeigt, den der Vorstand weiterhin zu gehen Hot. Es ist kein Platz mehr im Ar- boiter Athleten-Bund für Schädlinge, die im Auliroge ihrer politi- scben Partei Spoltungsbelehse dnrchzuiühren verluchen. Sie sollen zu ihrer„Inieresiengrmeinlchaft" gehcn, die der Deckmantel für die patcntomtlich geichützte alleinige„Stlollentompiorganisation der Ar- bciterarh'eten" ist, die ebeniolls unter dem Namen„Arbeiter- 1 thlcten Bund e. V." feit Monaten im Trüben fischt und Der- r/rrung unter den Vereinen des Bundes anzurichän sucht. Im Arbciler-Arhletcn-Burd e V. herrscht nun Klarheit. Er wird kein Tummelplatz polüischer Sireber sein, sondern sich weilerhin im großen Ralimen der Arbeitersportverbände in der Z e n t r a l t o m- Mission i ü r Arbeitersport, und Körperpflege be- mühen, für dl« körperliche und geistige Ertüchtigung der Arbeiter- tlasse zu wirken._ Eishockey Kanada gegen Schweden. Pcrlin'st tatsächlich die Eiehockeyzentrale Europa». Nicht nur daß"amtliche aus dem Kontinent führende» Mannschaften während der Saison sich im Sportpalast, vorstellen, auch das„E i» h o ck e y> derby zwischen den Kanadiern und Schweden, dl« die weitaus stärkste Kampfeinheit Europas darstellen, findet in»erlin statt. Die Begegnung war ursprünglich in Stockholm vorgesehen. doch mußte sie wegen der ungünstigen Witterungsoerhäktnisse nach Berlin verleg: werden. Da die Schweden den offiziellen Weltmeister- schaftskämpfen In Chamonir fernbleiben, fällt die eigentliche Eni- fcheidung der Weltmeisterschaft mit diesem Treffen bereits vorher. Die Schweden kommen in stärkster Besetzung, mit der kompletten Nationalmannschaft. Die Kämpfe(Vor- und Rückspiel) finden am Donnerstag und Freitag dieser Wochelm Sportpalost statt. BVG. fördert den Wintersport. Skier auch auf der U-Bahn zugelassen. Die U-Bahn überraschte die Berliner Wintersportler mit der unangenehmen Nachricht, daß Stier auch in diesem Jahre auf die U-Bahnen nicht mitgetcommcn werden dürfen. Da die U-Bahn für viel« nicht nur benutzt werden muß, um an Reichsbahnhöse zu ge- langen, sondern auch neben der Eisenbahn das Hauptoerkehrsmittel für den Wintersportler ist. um in das Skigebiet Grunewald zu kommen, war diese Nachricht um so schmerzlicher. Die neu- erössnete Grunewoldlinie war also für die Skifahrer gesperrt. Der Deutsche Wintersportverband, die Spitzenorganisation 413 Menschenleben gerettet. Durch die Mitglieder des Arbeiler-Mafser-Reltungs- d i« a st e» wurden nach den bi» zum 21. Dezember beim Arbeiter- Turn- und Sporlbund in Leipzig vorliegenden Berichten im Zahre 1029 423 Menschen vom Tode des Ertrinkens ge- rettet. Bei weiteren 24 Bettungsverluchen waren die angestellten Wiederbelebungsversuch« trotz hinzugezogener ärzllicher Hilfe nicht »an Ersolg. Außerdem wurden durch die AMBD.-Mannschaslen noch fSnf Ertrunkene gelandet. der republikanischen Wintersportler, beantragt« die Aufhebung dieses den Wintersport hindernden Verbots und erhielt nachstehendes Schreiben: Obwohl Schneeschuhe insolq« ihrer Länge und sonstigen Be- «chafsenheit bnhandlich sind und unter Umständen, besonders beim Ein- und Aussteigen, die Möglichkeit einer Gefährdung oder gar Verletzung anderer Fahrgäste nicht ausgeschlossen ist, soll tzn Inleresie der Sporttveibeilbcn aus Ihren Antrag in diesem Winter- dalbjahr die Mitnahme von Schneeschuhen in den 'iüagen der U-Bahn zunächst einmal versuchsweilc zuge- lassen werden. Damit ist in Berlin«ine bedeutende Erleichterung für den Wintersport geschaffen worden, die die Berliner dankbar anerkennen werden. Es ist nun die Pflicht der Berliner Skiläufer, bei ihren Fahrten mit Sportgeräten in gebührender Weis« aus die anderen Mitreisenden Rücksicht zu nehmen, damit das Entgegenkommen der BVG. auch für die kommenden Jahre aufrechterhalten bleibt. Fraktion der Unorganisierten! Wie„Sport und Spiel', das offizielle Organ des Berliner Kreises im kommunistischen Sportoerband vom letzten Kreistag be- richtet, wurde dort festgestellt, daß sich im Berliner Kreis des kom- mumstischen Sportverbandes eine„Fraktion der Unorga- nisierten" gebildet hat, die Kämpfe gegen die in der KPD. organisierten Sportler führt. Die Geister, die man freudig rief, wird man jetzt nicht los. Die Unorganisierten, die über alles ver- herrlichten Stützen bei KPD.-Aktionen, meutern also. Man kann der KPD. zu ihren unorganisierten Hilfstruppen nur gratulieren! Um die Volksgesundheit. Gesundheitspolitischer Kongreß in Dresden. Der Verband Volksgesündheit(Zentralorganisation für Gesundheitspflege, Heilkunde. Lebensreform und Frcikörpcr- kultur) hat beschlossen, in der Zeit vom 21. bis 24. Juni 1930 an- läßlich des Stattfindens der Internationalen Hygieneausstellung einen Gesundheitspolitischen Kongreß nach Dresden einzuberufen. Die Vorarbeiten dazu sind berefts im vollen Gange, in Kür.ze werden die ersten Einladungen ergehen und zur Mitarbeit aufrufen. Die gegenwärtigen wirtschaftlichen und sozialen Verhtiltnisse hoben unvermeidlich einen gesundheitlichen Niedergang des arbeiten- den Volkes zur Folge, dem Kongreß kommt deshalb«ine große B- deutung zu. Er hat sich vor allem zur Ausgabe gestellt, die werk- tätig« Bevölkerung zur Bestimmung ihres gesundheitlichen Schicks ,ls aufzurufen und die Grundlage für ein einheitliches Vorgehen aller on der Hebung der Gesundheit des arbeitenden Volkes beteiligten Vereinigungen zu schaffen. Von Reich. Staat und Kommunen wird der Kongreß eine Politik fordern, die den„gesunden Menschen" zum Ziel hat. Der Leitung des Verbandes Volksgesundheit ist es gellungen, sich die Mitwirkung namhafter Referenten zu sichern: Dr. Friedrich Wolf-Stuttgart: Dr. Margarete Steginmin-Dresdv», M. d. R.: Dr. Helene Stoecker, Vorsitzende des Bundes für Mutter- schütz und Sexualreform. Berlin: Dr. R. Kraut, Direktor der Deut- schon Reichshaupistelle gegen den Alkohoiismus: Prof. Dr. Groi zahn-Berlin, Prof. der sozialen Hygiene: l)r. med. Julian Marcus«» München: Oberbürgermeister Klimpel-Freital: Regicrungsmedizinai- rat Dr. Boeters-Zwickau i. Sa.; Prof. Paul Oestreich, Vorsitzender des Bundes Entschiedener Schulresormer: Lehrer Hermann Schmidt- Leipzig: Prof. Dr. Stan Ruzicka, Prof. der Hygiene an der Uni- versität Bratislava(Tschechoslowakei). Auch mit der Zusage des Ernährungsforschers Dr. med. Hindhede-Kopenhagen ist zu rechnen. Die Berbaiidsleitung wird sich bei der Einladung der Delegier- ten namentlich an die in Frage kommenden Gesuirdheitsorgmnsa- tionen, Kultur-, Sport- und Jugendverbünde. Parteien, Gewerk- schasten, Krankenkassen, Landesversicherungsanstalten sowie die zu- ständigen Reichs- und Lairdesbehörden und die Kommune» wenden. Den Abschluß des Kongresses soll eine große Bolkskundgebung bilden. Klemer Sport. Fußballkampf München— Berlin. Die Wettspielreise der Ber- liner Fußballmannschaft nach München, Mailand und Paris begann nicht gerade sehr veeheißungsvoll, denn die Vertreter der Reichs Hauptstadt wurden in München mit nicht weniger als 6:1(3: 0> Toren geschlagen. Dabei war die Vorstellung der Berliner eine nicht so schlechte, wie das Resultat es ausdrückt. München gewann ver- dient, ein Ergebnis 4: 1 hätte den gezeigten Leistungen jedoch eher entsprochen. Autorennen mit Totalisator. Der„International Spotting Club" und der Automobil-Club von Monaco haben die Absicht, bei dem am 6. April in den Straßen Monacos zum Austrag gelangen den Geschwindigkeitsrennen um den„Großen Preis von Monaco" einen Totalisotorbetrieb einzusichten. Vom Erfolg wird es abhängen, ob man den Totalisatorbetrieb in Frankreich allgemein bei Automobilrennen einführen wird. Wintersportlandkarten und-führcr. Das Museum für Leibesübungen besitzt in seiner Bücherei, Berlin W. 8, Wil- helmsiraße 91, eine große Anzahl Wintersporttarten und Stisührer über alle deutschen Wintersportgebiete, die in den Geschäftsstundcn (von 9 bis 3, Sonnabends von 9 bis 1) eingesehen werden können. Auf Wunsch wird auch an Hand geeigneter Unterlagen Auskunft über Wintersportplätzc erteilt. ' Schneelauslehrgong im Tugendkammhaus„Rübezahl". Wie der Ämtliche Preußische Pressedieirst mitteilt, findet auf Veranlassung des preußischen Ministeriums für Voltswohlfahrt in der Zeit vom 9. bis 18. Januar 1930 im Iugendkammhaus„Rübezahl" am Epindlcr- paß im Riesengebirge ein Schneelauflchrgang für Iugendpfleger und- f ü h r e r(-innen) aus den Ostpravinzen statt. Zugelassen sind 30 Teilnehmer aus den Regierungsbezirken Königsberg. Gumbinnen, Allenstein, Marienwerder, Schneidemühl. Stettin, KösliN, Potsdam, Berlin-Stadt, Frankfurt a. d. O.. Breslau und Liegnitz. Die Leitung liegt in den Händen pädagogisch und stitechnisch geschulter Kräfte. „Proles", Verein lür Körperkultur. Entsprechend unserer Mitteilung vom Montag, 23. Dezember, sei darauf hingewiesen, daß die Gymnastikstunden nicht in der Friedrich- straße, sondern in der Halle Friedenstr. 31(Nähe Landsberger Platz) am Sonnabend. 4. Januar 1930, 20 Uhr, beginnen. Am Neujahrstog um 13 Uhr Treff Bahnhof Warschauer Straße zur Partie nach Hirschgarten. Gäste willkommen. Nähere Auskunft erteilt die Geschäftsstelle Karl Kienbaum. SO 3g, Rounynstr. 6, Telefon Alex(L. 4) 2533. . Neue Bücher. Der Vundeskolender 1930 de« Arbeiter-Turn- und Sportbundes ist mehr als ein bloßer Notizkalender. Schon dos Kalendorium ent- hält wichtige Termine aller Kreise. Textlich bringt das Büchlein interessante Aussätze über die Vereinsbewegung der letzten Jahre und die besonderen Leistungen der Turnsparte. Dazu folgen noch die umfangreichen Angaben über die Höchstleistungen aller Sparten cm Bundesgebiet und die Bundesmeister im Fußball, Handball, Raff-' ball. Schlagball, Faustball, Trommeiball. Ueber Fußball berichten mehrere Aufsätze mit Tabellen. Auch die Wasscrsportbewegung wird nicht vergessen. Wenn dann im diesjährigen Kalender noch die Be- stimmungen über die Unfallunterstüftung. serner sämtliche ausgeschriebenen Lehrgänge an der Arbeiter-Turn- und Sportschule in Leipzig entHallen sind, kann dieser Bundeskalender tatsäd,iiäi als einer der besten bezeichnet werden. Adresicnmatcrial aller Bundes-, Kreis- und Bezirksfunktionäre und Anschriften der Sozialistischen Arbeiter-Sport-Internationale sind vorhanden. Der Kalender ist vom Arbeiter-Turnverlag Leipzig für 1 M. zu beziehen. O. � Arbeiter-R«»-«ab Aeaftfabre»»Vnvb„BoIiboiitSf, Ctiefltuaao ftrev Berli». 12 Januar im(BexoetfidloftSfiaus Mltaliedrivcrsammlung sämtlicher Abieilunaen Grrii-Z-erlin«. Anschließend ffilm: Kroßmacht„Solidarität". Nki. lammen sein. Anfan« 15 Ute. Mital>ed-.l»«rge. Trefsountt 13 Ufic Zialmdoi Krilnau.— Adt.«dailotten- bnra. Kefteralversammlunq Tonnkt-iati, 2. Januar. 20 Uhr. bei Stcilrnr. Wilmef-dorser Sit. 21.— Motorsahrcrabteilun« griedrichshain. Donnrrslaä S Januar, 20 Uhr, Sitzung in den Ilortuna-Sälen, Strauoberqer Str. 3 Guie Erfahrungen mit Sem S-Lthr-LaSenschluß tZrgebttis einer Umfrage im Fle fchergewerbe. Die„Fl�ischer-V-rbands�eitunq" hnt ihre Berichterstatter in allen'größeren Städten auszejordert, sich bei den Fleischemeistern über die Auswirkring des K-Uhr- Ladenschlusses am Weihnachtsabend zu informieren. Die Antworten lauten meist durchaus günstig. Aus Augeburg und den Ziachbarorten wird berichte', daß sich der chilhr-Ladenjchluß gau; gut durchführen ließ Be'.lin:„Das Geschäft war am Heiligabend zu schaffen und auch das Publikum hülle sich aus den früheren Ladenschluß eingestellt.. In Braunschweig nxir die verkürzte Verkaufszeit ohne nach- kciligen Einfluß aus den Umsah. In Dresden hatte die Kundschaft schon vor 6 Uhr ihre Einkäufe gemacht. Allan(d. h. die Geichästeinhaber) kann sagen, daß man dem 6-ilhr-Lndciischluß am Heiligabend... nicht mehr schroff ablehnend gegenübersteht. In Essen sind i» der Zeit zwischen 5 und b Uhr nur noch vereinzelte Kinder erschienen. Der frühere Ladenschluß in Franksurl a. Bl. hat die Einnahmen des Tages in keiner Weise beeinslußt.„Teilweise wurde sogar der Wunsch laut, daß in Zuki-nft am 24. Dezember ohne Tischpause .durchgearbeitet wird, um bereits um 2 oder 3 Uhr die Geschäfte schließen zu können." Aus Gleiwitz wird über eine Umfrage in den Grenz- städten Oberschlesiens berichtet, daß der ä-Uhr-Schluß sich nicht ungünstig auf die Geschaststätigkeit der Fleischereien ausgewirkt hat. In Görlih fiel die eine Stunde, die früher geschloffen werde» mußte, durchaus nicht ins Gewicht. Für den Landkreis gilt das- stlbe. Während in Hagen i. W. offenbar die Wirkung schlechte» Geschäftsganges in der Industrie»nt der des früheren Schlusses zu- sammengeworfen wurde, ist in Halle o. d. S. der Ladenschluß um t» Uhr von allen Kollegen mit Freude begrüßt worden. In Hamburg, wo man wie in Hagen dem früheren Ladenschluß feindlich gegenüberstand, mußte man doch zugeben, daß«ine nennenswerte Schädigung des Gewerbes nicht eingetreten ist. In Hannover war der ä-Uhr-Schluß„im allgemeineil nicht nachteilig". Vielfach wird über ein schlechtes Weihnachtsgeschäft gekkagi. lvt« in Ä5Tn unv München, doch wird dies auf die ungünstige wirtschaftliche Lage zurückgeführt, weniger auf die frühere Schluß- zeit. In Königsberg i. Pr. war man mit dem früheren Schluß recht zufrieden. Kurzum, irgendwelche geschäftliche Nochteile lalsen sich durch den 6-Uhr-Ladenschlnß nicht nochweisen. Das Publikum hatte sich— wie auch aus Magdeburg ausdrücklich berichtet wird— darauf eingestellt. Noch stets hat sich gezeigt, daß die Furcht vor Reformen u n- begründet und der Widerstand gegen sie unberechtigt war. So manch« Erleichterung für die Ladeninhaber und das Angestellten- personal wänc»och möglich, wenn dem nicht die Konkurrenzsurch: im Wege stände� Ist die Regelung erst gesetzlich, dann gehis. Kein Mangel an Musikern. Selbst nicht zu Silvester. Die Ortsverwaltung B�rii» des Deutschen Musiker- verbaudcs schreibt uns: Im vergangenen Jahre wurde die Mitteilung verbreitet, daß für Silvester keine Musiker mehr zur Verfügung stände». Wir weisen darauf hin, daß die Zlrbeils- l o f i g k e i t unter den Berussmufikern derartig katastrophal ist, daß von einem ZNaugel an Musikecu keine Rede sein kann. Bei dieser Gelegenheit möchten wir nicht verhehlen, daß die ungeheure Arbeitslosigkeit der Berufsmusiker dadurch heroorgerusen worden ist, daß die Arbeitgeber Ausländer, Beamte und Neben- berufler bevorzugen, weil dadurch Sozialabgaben erspart werden. Lohnerhöhung der französischen Eisenbahner. Paris, 30. Dezember. Der Direktionsausschuß der großen französische» Eisenbahn- gesellschosten hat«n« Lohnerhöhung der Eifenbohnarbeiter mit Gültigkeit ob. 1. Januar 1930 beschlossen, die für dos Mindestgehalt 300 Franken ausmacht. Mekler sür Berlin: Fortdauer des veränderlichen Wetters,.zeit- weiss Regen, noch ziemlich mild, frische westliche Winde. Für Deutsch. lond: lleberoll unbeständig, vielfach Regen, Temperaturen immer noch über normal. HprMpnh ist die Spätausgabe des..vorwäris". Das Blatt ist bei de« Straßenhändlern, an den Zeitungskiosken und in den Bahns Hofsbuchhandlungen zum preise von 10 pf. zu haben. Außerordentlich vorteilhaft ist ein Abouaemenl des ..vorwärts", dessen Lesern der„Abend" ohne besondere ver-- gntung ins Haus geliefert wird,„vorwärts" und„Abend", von denen 12 Aummern wöchentlich erscheinen, kosten zu� sammen nur 85 Pf. die Woche oder 3,(50 M. den Monat. Ich abonniere den„Vorwäris"(und die Abend ausgab? illr Berlin„Der Abend") mil den illustrierten Beilagen„Volt und Zeit" und„Kinderireund". iowie den Bei- lagen„Unterhaltung und Wisse»".„Frauenstimme",„Technik" ..Blick in die Bücherwelt" und„Iugend-Dorwärts" in Groß Berlin täglich irei ins haus. lMonatlich 3,60 Mk., wöchentlich 85 Pf.) Name: Wohnung -trahe Nr- hof— Ouergeb.— Seilcnst— Tr. tinls— rechl- Ausfüllen und einsenden an den Verlag des„vorwärts" Berlin SW(58. Lindenslraße 3. Sttantooc».'lic die Redaüion: Doliqang Schwarz. Vrrlin: Injtiacn: Zd. E-IoSr, Berlin Verlag: Borwärl» Lerlag G. m b S.. Berlin. Druck: Vorwäris Buch» druckcrel und Berlaasanllait Paul Sing.-r k- Co. Berlin Si«r»u l Beilage. sffl 63 Liudcnslrake 3. "r""" | TUeai ZUea.hr. Lichtspiele usw. Montag, 30. 12. Staafs-Oper Unter d. Linden A.-V. 292 19 Uhr Rosen- kavalier Staals-Oper Arn Pl.d.Republ. Vorat III 19V» Uhr Die verliaofte Draot Montag, 30 12 Stadt. Oper Bisrnarckstr. U'VUhr Desjiiotsene VorsteilDO] Staatl.SdiaDspb. am Gendarmenmarkt IL-S. 66 20 Uhr Staatl. Seliiller-Tlieater.Ctiarltl). 20 Uhr Hans Im Schnakenloch Mz>» Oiraktion; Dr. Martin Zickel M» Komische Oper B Frtadrlchstr lOa. Merkur 1401 4330. B WiadererBffnung nach rollaUnd. Umbau | Täglich«>.. Uhr Uraufführung 1 Hulia di Bulla Schwank von Arnold und Bach mit Guido Thielscner, Eui Burg. Q] Fritz Schulz. Heinr. Schroth, Eugen Hilde Hildebrand, Margot Walter, Qarriton, Flink, Böhmer, Wenck So. n- und Feier ags nachm. 4 Uhr: Frau ohne Kuss I Lustspielhaus Friedricbslr. 2's>(x. Borgmann 2922 2?. Täglich SV« Uhr .. WlcttSenlied" Lnstepiel von Ladislaus Podor Käthe Haatk, Nora Gregor, Paul Heidemann, Bertseb, Martha M. Howe». 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Sdiiller-Tb. 8 Uhr Hans im Sctinahenioch siaaitopimni Piau der Rnnmik 7 Vi Uhr Die verkaufte Braut Iheater am smillbanenlainai 8V< Uhr nieGatlealaalie SeoUdiet Tbeater 0.1. Norden 12 310 Tägl. 8*/« Uhr Der Kaiser v. Amerika von Bcrnard Shaw Reg- Max Reinhardt Kamuierspiele 0.1. Norden 12310 Täglich SV- Uhr D6sir 6 Komödie von Sascha Ouitry Regie: Leo Mittler. Die Komödie |1 Bismck. 2414/7516 Täglich 8V. Uhr Vom Teufel geholt von KnuC Hamsun Regie# M a x Reinhardt. Operettentiaus Alte Jabobstr. 30/32 (Zcniral-Thealer) Täglich SV. Uhr Der Soldat der marie Gustav Malzner, Bora Urach, Erich Borchen, der König des Jazz. Sitvester 5 Uhr Friederike Direktion !>r. Robert KIcir Deutsches KOnstler-Theal. Barbarossa 3937 Heute 71/i Uhr Zum 1. Male „Ein?, zwei, dre" Regie; Härtung Vorher Soupsr von M o 1 n a r lagii: Btiu Hilpert Berliaefllieater Dönhoff 170 i'/iUhi Ende Von Vorlefxle Anfführnn g RetBruiert für Herrn Oaston. Ab 1. Januar Selisames zwitdiencpiei h Uhr• 7»nn. 1810» Baadion trlaadi 16 Original lawranea Tiller-Qitls und weitere Variefd- Neuheiten K A B A Pur-BöTiiaim IAM BAHN Tägi. 5 u.«IS Sonnl. 2.8 n8u | Al.x. E. 4. 8066 VARIETE mmwoen, den 1. Januar 3 Uorsteiiunsen 2. B und d.is Ohr Reichshallen-Theater Abend» QT] Sonntag nachm. and am I. Januar 1950, 3 Uhr Das nroSe Pronramm Slefflner- sanier 31. Dezember Gr. Sl rester-LTk-Vorstrll. DönHoff-Brettl: Var el»- Tanz- Konzert 31.: Dil lüi In4tte«lll Sibtsfirfeiar Prt'iut-EH. Tig.} ivitan. 5 Hl 9'/, Ut IvHmH t2St Vototg.; 5 B. 50 PL-3 H. Letzte 2 Taget MatraT-salisn. Kafka, Stanley a. Übt, Purszo 1 6 Co., Barst& Partner usw. Renaissance-Theater Täglich SV« Uhr Slivcatcp 7 L'hp PARISER LEBEN Operette von Offenbach. Regie; Gustav Härtung. 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