Morgenausgabe � � 47.Iahrgang BSch�Ulich SS�U mnalB4 SM JB. tm Doraas zahlbar. Postbazug tSS TO. «inlchlirßlich«0Pfg.Pl>ltz»itll»i!». uub 72 Plz PaKbeftallgebühr»». ilualanb» abomiame« S.— TO. pro TO-m-t. Sa.Semirts*«rlchrinr wochintäz» 04) zweimal, Lonorag» und TOontaa» »iamal. die Abendausgaben für Berlin und IM Handel mit dem Titel.Der Abend", glluftrien» Beilagen.Boll «nd Zeit' und.liinderfreund". Ferner .Unierhaltung und Wiffen*..grruen- -------- inir..BN« in die .Jugeno-Borwarts" »ltnlerhaltung ui Mwme".»Teeb, Bücherwelt" und P> Berliner Volksblatt Mittwoch 1. Januar 1930 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Sit« l» l p altig, Nanpareilleze-v 80 Pfennig. Rellam« eil» B-ich.. mart.„Sleine Anzeigen' dos ettz druckte Wort Zd Pfennig lzuläffig zw« ledruckte Worte>, jede» weitere Wort 1Z Pfennig. Sielleiigeluch« da»«rf» Wort IS Pfennig, fedes weitere War" lv Pfennig. Worte über U> Duchstadee zählen für zwei Worte, ilrbeilzineifl Keile SO Pfennig, gamilienanzeige» SCL.' 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHan.. gefchäj» Lindenftrahe 3. wochentäglich »on SVg bis 17 Uhr. Äentralovsan der«Kozialdemokrattschen Kartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 klernlprecheri Töabotl 292— 297 Selefliomm-Aiit.: Sozialdemokra» Berlin. Borwärts-Verlag G. m. b. H. Poslfcheckkonlo: Berlin 37536.— Bankkonlv: Bank der Arbeiter. Anaeflelltea und Beamten, Wallstr 65 Dt B u Dite-Gel. Devosilenkakie Lindenstr S. Das Volkswohl vor allem! Rückblick und Nasblick/ vonRadoifWisscii. Der Direktor deS Jnfcrnafionalen Arbellsamts, Genosse Albert Thomas, hat einmal in seiner geistvollen Art die Sozialpolitik mit einem Schiff verglichen, das mühsam durch die aufgeregten Wellen sich vorwärts- kämpft. Will der Steuermann sein Ziel erreichen, so muß er von Zeit zu Zeil den Standort seines Fahrzeuges feststellen. So muß auch der Sozialpoliliker sich von Zeit zu Zeil über den Stand der Dinge nüchtern klar werden, das Erreichte feststellen, die Widerstände abschätzen, neue Zsele abstecken. . Ein Rückblick auf das Zahr 1929 in sozialpolitischer Hinsicht lehrt uns die Richtigkeit des Bildes, das Albert Thomas gebraucht hat. Die deutsche Sozialpolitik hat in diesem Zahr mühsam mit vielen Schwierigkeiten, mit Naturgewalten, mit der Finanznot des Reiches und mit den Wellen der sozialen Reaktion zu kämpfen gehabt, Die sie zurückzuwerfen drohten: sie hat aber, das kann man im Ergebnis sagen, im ganzen ihre Position gehalten, ja manchen Schritt neuen Geländes erobert. Der unerbittlich strenge und ungewöhnlich lange Winter 1328 hat dem?ah? 1929 sein'Siegel aufgedrückt. Er rief eine unvorsehbare Woge der Arbeitslosigkeit hervor, die während des ganzen Jahres nicht recht abebbte, so däß' auch in den Sommer- und Herbstmonalen 1323 ständig 133 3v3 bis 233 333 Arbeitslose mehr unterstützt werden'muhten äls'Ig?8. Der Umfang der Arbeits- losigkeit ebenso wie ihre Dauer warf alle Finanzberech- nungen der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung über den Haufen. Das war natürlich Wasser auf die Wühlen der Kreise, die schon lange auf einen günstigen Augenblick zum Angriff auf die Arbeitslosenver- s i ch e r u n g warteten. Ein unerträglicher Leistungsabbau wurde gefordert. Die Sozialdemokratie nahm bei dem nun ausbrechenden Kampf von vornherein getreu ihren Grundsätzen eine unzweideutige Haltung ein. Sie war bereit, im Intereffe der Versicherung wie auch der Versicherten an der Beseitigung vorhandener Mißstände mitzuarbeiten: wenn sie auch die Behauptungen über diese Mißstände für geflissenllich übertrieben hielt. Darüber hinaus war sie, freilich schweren Herzens, bereit, der finanziellen Notlage Rechnung zu tragen und durch Neuregelung der Versicherung für die Saisonarbeiter und einiger anderer Punkte sowie durch eine Beitrags- erhöhung(die natürlich für die Arbeiter nicht weniger fühlbar ist. als für die Arbeitgeber) das finanzielle Glesch- gewicht der Versicherung wieder herzustellen. Sie lehnte dagegen eine Sanierung ausschließlich dusch Leistungs- oboau auf Kosten der Arbeitslosen entschieden ab. Die einzelnen Phasen des Kampfes über die Reform der Arbeitslosenversicherung sind bekannt. Die Sozial- demckratie konnte ihren Standpunkt erfolgreich ver- leidigen und die ihr zunächst unerträglich erscheinenden Reformvorschläge so gestalten, daß umgekehrt die Kreise. die den Abbau am eifrigsten betrieben hatten, schwer enttäuscht wurden. Und die Beitragserhöhung, die im Oktober noch abgelehnt wurde, ist vor wenigen Tagen be- fchlossen worden— eine nachträgliche Rechtfertigung unseres Slandounktes. Eine gute Seite hat das an sich unerfreuliche Kapitel der Reform der Arbeitslosen- Versicherung: es hat sich dabei gezeigt, wie fest der Gedanke der Versicherung als solcher verankert Ist. Damit komme ich auf den Kampf um den Versiche- ruugSgcdanken überhaupt, auf den bekannten„Frevel am Volke", den die Versicherung angeblich bedeuten soll. Die öffentliche Meinung hat. das glaube ich sagen zu können, die kleinen und großen Pronheten dieses Schlagworts, die noch zu Anfang 1929 kräftig ihre Werbetrommel rührten, im arohen und ganzen rundweg abgelehnt, wie fle auch im Reichstag keinen nennenswerten Widerhall fanden. Vor Erschütterungen und finanziellen Kata- ftroohen sind die übrigen Zweige der Sozialversicherung im Jahre 1929 verschont geolieben: nur in der Knappschaft bestanden die geldlichen Schwierigkeiten fort, die in der Abnahme der aktiven Belegschaftsmitglieder einerseits, in der Zunahme der Pensionäre andererseits begründet sind. Das Reich ist hier mit Zuschüssen aus den Erträgnissen der Lohnsteuer helfend eingesprungen. Andererseits haben auch die Träger der Invalidenversicherung dem Reich mit einem größeren Darlehn eholfen— eine Mahnahme, die in der Finanznot des eichs eine gewisse Berechtigung fand, die aber für die Versicherung doch schwerwiegende Nachteile hatte. In ge R Den B-pbeilernJ Von Sruno Schänlank. Schlag, WeEherz, in gewalligem Taktl Wir sind die Tropfen in deinen Üdern. Wir brausen gewallig durch Sisen und Quadern, Wir sind die fand, die das Schicksal packt Schlag zu. schlag zu. du Hammer der WeRl Schmiedel das Tfeujahr in heißem Wollen. Gaßi die Vergangnen hadern und grollen, Formel die Srde. wie sie euch gefällt Blljahr ward ein bögen im Zeäendom. Bauel das neue in dolzeren Sireben, becki euch zu doppeltkühnem Srleben. Blgibei der Srde lebendiger Strom 7 Singl eurer Zeil einen feurigen Sang. Hirne voll Qluien. Hände voll Schwielen 1 ßaßl nur die Feigen sich ducken und schielen, Dröhni aller Knechischafi den Uniergangl Vorwärts 1 Rufwärisl Straff i euch zur Tdl Flachi das Jahr zum feurigen Slreiier, Vorwärts J Aufwärts I Slürmel ihr weiter, Schmiedel der Well den Rrheilerslaail der Kronkenversicherung konnten die Bor- schriften über die Wochenhilse ausgebaut werden. In der Invalidenversicherung brachte ein Gesetz vom 12. Juli 1929 eine gewisse Erhöhung der Steigerungsbeträge, die für die vor der Geldentwertung gezahlten Beiträge gewährt werden. Nach demselben Gesetz erhalten künftig die Rente auch die Hinterbliebenen solcher Versicherten, die nach der Einführung der Hinterbliebenenversicherung keine Beiträge mehr geleistet haben. In der Unfallversicherung wirkte sich die wesentliche Ausdehnung der versicherungspflichtigen Betriebe aus, die Dezember 1928 beschlossen worden war: der Kreis der Berufskrankheiten, die den Betriebsunfällen gleichstehen, wurde erweitert. In der Angestelltenverstcherung erfuhr der Versicherungsschutz einen Ausbau dadurch, daß die Wartezeit grundsätzlich auf 63 Bettragsmonate herab- gesetz wurde. Außerdem wird nunmehr in Anerkennun der besonderen, aus den Arbeitsmarktverhältnissen ergehendep Notlage der älteren Angestellten die Berufs- unfähigkeit für die Dauer der Arbeitslosigkeit angenom- ..------- UBPLer™"" men für Versicherte, die das 63. Lebensjahr bereits über- � ritten haben und seit mindestens einem Jahr ununter- rochen arbeitslos styd. Ferner ist der der Verstcherungs- pflicht in der Angestelltenverstcherung unterliegende Personenkreis etwas erweitert worden. Echlletzlich ist in fö den letzten Tagen des abgelaufenen Jahres dem Reichstag eine weitere umfangreiche Novelle zur Angestelltenver- sicherung vorgelegt worden. Mese soll eine Neuorgani- sation der Aeichsversicherungsanstalt für Angestellte im Sinne einer Stärkuno der Selbstverwaltung sowie Ver- besserungen der Versicherungsleistungen bringen. Einen in seiner tatsächlichen Bedeutung häusig wcht genügend gewürdigten Fortschritt auf dem Wege der Schadenvergütung zur Schadenverhütung stellen die Richtlinien über die Gesundheitsfürsorge in der versicherten Bevölke- rung dar, die Anfang 1929 veröffentlicht wurden. Diese Richtlinien regeln im Interesse der Hebung der Volks- gesundheit die Zusammenarbeit der Versicherungsträger untereinander und mit den Trägern der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege, mit den Gesundheitsbehörden, der Aerzteschaft usw. Auf dem Gebiet des Arbeitsschutzes brachte das abgelaufene Jahr u. a. die Verordnung über die Ein- führung des sanitären Achtstundentages in derZementindustrie. Die Entwürfe des Arbeitsschutzgesetzes, des Bergarbeitsgesetzes, des Hausgehilfen- gesetzes und des Berufsausbildungsgesetzes wurden dem Reichstag bzw. dem Reichsrat vorgelegt. Alle Entwürfe schließen zweifellos soziale Fortschritte in sich, wenn eS auch nicht niöglich war, sie von vornherein so zu gestalten. daß sie allen Wünschen der Arbeiterschaft entsprächen. Auch der Entwurf eines Gesetzes zur unbedingten R a* t i f i k a t i o n des Washingtoner Äbkom-i mens über den Achtstundentag ist dem Reichsrat vor<< gelegt worden. Mit dieser Vorlage, die der verewigte Reichsaußenminister Stresemann wenige Tage vor seinem Tode noch mitunterzeichnet hatte, ist einem alten� dringenden Verlangen der Sozialdemokratie endlich Rechnung getragen worden. In diesem Zusammenhange sei erwähnt, daß Deutschland sich 1929 erfolgreich und eifrig an dem roßen Werk der Internationalen Sozialpolitik beteiligt t: Es stellte den Präsidenten der 13. Arbeitskonferenz. und der Ratifikation von sechs Internationalen Arbeits- übereinkommen durch Deutschland hat der Reichstag zugestimmt. Was das Lohngebiet anlangt, so hat natürlich der überaus schlechte Zustand des Arbeitsmarktes und die ungünstige Lage vieler Industrien den wünschenswerten Lohnanstieg gehemmt. Immerhin ist nicht nur ein Ad- sinken des Lohnniveaus verhindert, sondern im all- gemeinen eine gewisse Hebung der Reallöhne erzielt worden. Das erscheint auch vom volkswirtschaftlichen Standpunkt durcyaus vertretbar, da gerade das letzte Jahr wieder den Beweis dafür erbracht hat, daß der Arbeitsmarkt nicht mehr in jeder Beziehung ein richtiger Gradmesser für die Prosperität der Wirtschaft ist. Dazu liegen die Verhältnisse bei den einzelnen Industriezweigen zu verschieden, dazu sind auch die Einflüsse der Ratio- nalisierung auf dem Arbeitsmarkt zu vielseitig und zu stark. Das Schlichtungswesen bildete auch 1929 ein Angrifssobjekt, wie sich z. B. bei den Verhandlungen der 't für soziale Reform in Mannheim zeigte. )enkschriften und Aber konkrete Form haben die Angriffe auch dieses Jahr nicht angenommen, abgesehen von De". Entschließungen der Verbände im Blätterwald ist es, was diese Frage anlangt, in letzter Zeit merklich ruhiger geworden. Auf dem Gebiet der Versorgung der Kriegsopfer und der Kleinrentner konnten leider trotz vielfacher Bemühungen lm Hinblick auf die Lage der Reichsfinanzen nicht die wünschenswerten Fortschritte erzielt werden. Günstig scheinen dagegen die Ergebnisse des Baujahres 1929 zu werden. Wie in den Vor- jähren dürften unter tatkräftiger Mitwirkung der Bau- genossenschaften, Bauhütten usw. weit mehr Wohnungen erstellt worden sein, als in den Vorkriegsjahren zu Zeiten der gepriesenen freien Wohnungswirtschaft— ein Beweis dafür, daß wir auf dem richtigen Wege sind. Erfreulich ist, daß gerade die für die minderbemittclle Bevölkerung jcff'mmfen Kleinwohnungen eine Immer stSröere Berück-- sicytigung in den Bauprpgrammen erfahren haben. Auf dem Gebiet des Wohnungsbaues machte sich freilich die ungeheure Kapitalknappheit schon 1929 bedrohlich be- merkbar. Der Entwicklung des Baujahres 1939 kann man daher nur mit einer-gewissen Sorge entgegensehen. Damit bin ich am Schlüsse meiner Ausführungen. nämlich bei dem Ausblick angelangt. Wie wird es dem Sch�nlein der Sozialpolitik künftig ergehen, welchen Kurs soll es steuern? Für uns Sozialdemokraten kann es nur die eine Auffassung geben, die ein unbedingtes Be- Kenntnis zur Sozialpolitik ist. Sozialpolitik trotz allem, ja gerade wegen der Notlage unseresVorKes! Keine Kapitulation vor dem A b b a u w L n s ch e n Z Wir dürfen uns keiner Täuschung darüber hingeben, daß die Finanznot des Reiches auch von uns große Opfer verlangen wird, wie sie sie auch schon früher verlangt hat. Auf das Tempo der Entwicklung, au Grenze und Maß der Sozialvolitik wird diese Ftnanzno� nicht ohne Folgen bletben. Nicht aber darf sie zum Stillstand oder gar zum Rückschritt führen. Dazu ist die Gesundheit und die Ar- beitskraft der arbeitenden Bevölkerung ein zu kostbares Gut. Wenn eS 1929 gelungen ist, nicht nur der sozialpolitischen Reaktion einen festen Damm entgegenzusetzen. sondern auch manchen Fortschritt zu erzielen, so ist dies zum guten Teil dem e n t s ch l o s s e n e n W i l l e n der Gewerkschaften zu verdanken, die eine recht günstige Aufwärtsentwicklung zu verzeichnen haben. Es ist schon oft ausgesprochen worden, daß Sozialdemokratie und Gewerkschaften eins sind. Solange dieses Wort gilt. kann man der sozialpolitischen Entwicklung getrost ent- gegensehenl Der Kampf der Demokratie. Aeujahrsibetrachwagen/ vo» o«« Landsberg. Der Wanderer, der auf steilem Pfade zur Höhe klettert, läßt gerne einen Blick zurückschweifen. Er mißt mit den Augen den zurückgelegten Weg und schreitet froh des hinler ihm liegenden Stückes, das ex gemeistert hat, mit frischer Kraft weiter. So wollen wir auch am siahresende Rückschau halten, und uns Rechenschaft ablegen über das, was wir er- reicht h a b e n, ehe wir den Kampf wieder aufnehmen, den wir führen wollen und müssen, solange wir leben. Das erste, was wir feststellen können, ist, daß d i e deutsche Republik sich weiter gefestigt hat. Die Spaltung der Deutschnationalen Bölkspartei beweist es auf das deutlichste. Sie ist nicht allein durch die negativen Führertalente Hugenbergs herbeigeführt worden, sondern hauptsächlich durch die Erkenntnis der jüngeren und politisch einsichtigeren Elemente der Partei, daß der Bestand der republikanischen Staalsform zu gut gesichert ist. als daß diejenigen, die an und im Staate mitarbeiten wollen, vernünftig handelten, wenn sie sich weiterhin mit dem romantischen Ideal der Monarchie beschweren wollten. Gewiß, in den Reihen der bürger- lisyen Parteien sind, von den Demokraten abgesehen, die Männer nicht zahlreich, die im Herzen Republikaner sind. Aber über Beweggründe wird nicht abgestimmt, und ein von der Vernunft diktiertes Bekenntnis zur Republik ist nicht ohne Wert, beweift es doch die Aussichtslosigkeit der Monarckie. Nicht die Republik /lllein, sondern die demokratische Republik ist unserpolitischesIdeal. Wir�-haben es verwirklicht. In deir Zeiten des.Ohrig- keitsstaales konnte man in unseren Reihen nichl'felten sagen-hören, die SOzialdeinokratle steht eher den ersten al�den zweiten Teil ihres Programms verwirklicht, also eher die Sozialisierung als die Demokratisierung. In diesem Scherzwort spiegelte sich die Tatsache wider, daß der alte Staat viel zu fest verankert schien, als daß ein Punkt zu erkennen gewesen wäre, von dem aus feine längst notwendig gewordene Umwandlung in einen Bollrsstaat hätte angebahnt werden können. Ein ge- walliger Orkan hat ihn entwurzelt. Derselbe Sturm hat unsere Bolkskraft, unsere Wirtschaft, unsere Unabhängig. keit auf das Schwerste beeinträchtigt. Aber das deutsche Volk hat seine Tüchtigkeit bewiesen, indem es den Glauben an sich selb st behielt. Es hat sich von den Machthabern, die es ins Elend geführt hatten, kühl verabschiedet und hat sein Schicksal in die eigenen Hände genommen. Bei der Schaffung des neuen Deutschland hat es eine staalsmännische Einsicht bewiesen, die genügen sollte, denen den Mund zu verschließen, die törichterweise die Mittelmäßigkeit als einen hervorstehenden Zug der Demokralle bezeichnen. Ein übermäßiges Abgleiten nach links würde sehr bald zu einer ebenso starken Rückwärts- dewegung geführt haben Denn auch in der Politik gilt das Pendelgesetz. Die von ihrem Druck befreiten Volksmassen haben die Folgen genau erwogen, und haben bei der Schaffung der Grundlagen des neuen Etaales eine weise Mäßigung bewiesen, der es zu danken ist, daß die Demokratie in Deutschland ebenso wie die Republik selbst von denen, die ihr innerllch widerstreben, als etwas Notwendiges und U n a b- änderliches anerkannt wird. Nur Männer, die dle geistige Bescheidenheit übertreiben, können noch an die Möglichkeit der Wiederherstellung des allen Staates glauben. Das große Verdienst der Verfassung der deutschen Republik ist, daß sie nur das durchaus Erforderliche geschaffen hat, daß die Männer, die sie lleben, den Fuß rmr auf Boden gesetzt haben, den sie genau kannten, und Schritte unterlassen haben, die. well die Zeit für sie nicht reif war, sehr bald ungeschehen hätten gemacht werden müssen. AuS den Reihen der KPD. ertönt der böhnischeRuf:„Es hat sich im neuen Deutsch- I a n d gegen das alte nichts geändert!" Bei denjenigen Ihrer Führer, die in der Zeit des Obrigkeitsstaates Gelbe, Agitatoren der Vaterlandspartel, Offiziere in dar Truppe des Generals von der Goltz im Baltikum oder anderwärts im Gefolge des Kosakenhauplmanns Skoro- £adzki gewesen sind, ist die Geringschätzung der Demo- ratie begreiflich, die sie von jeher gehaßt haben. Sie haben die Uniform gewechselt, sind aber sich selbst trau geblieben. lZVnen indessen, die früher Sozialdemokraten waren, sind wir zu sagen berechtigt, daß nicht wir, wie sie so oft behaupten, unsere Ideale verraten haben, sondern daß sie Abtrünnige sind. Denn die deutsche Sozial- Demokratie ist stets eine demokratische, iie demokratische Partei Deutschlands gewesen. Die Kommunisten aber sind Feinde der Demokratie. Sie mögen endlich aufhören, uns zu versichern, daß sie das, was sie als die Diktatur des Proletariats bezeichnen, nur für ein Uebergangsstadium halten. In Wirklichkeit denken die deutschen BolschewisteN so wenig wie ihre russischen Chefs und Gebieter an die Verwirklichung der Demokratie. Sie wollen ihre Herrschaft ü b e r d a s V o l k für die Dauer begründen. Eine Diktatur Thälmanns oder Piecks ist uns aber nicht minder unsympathisch wie jede andere. Es hat sich in Deutschland nichts geändert? Nun, die Kleinigkeit ist doch immerhin zu verzeichnen, daß wir aus Untertanen zu Staatsbürgern geworden sind. Daß das Volk die E n t- s ch? i d u n g über Krieg oderFrieden hat. daß es über dle Möglichkeit verfügt, iy allen vertretenen Körperschaften die Männer seines Vertrauens zu entsenden, daß es seine Regierung bestimmen und abberufen darf, kurz, daß die Staats- gewalt vom Volk ausgeht. Den Wert dieser Errungenschaften kann nur der bestreiten, der dem Volk die Fähigkeit abspricht, von leinen Rechten Gebrauch zu machen,"der also das Volk mißachtet. Wer die Ent- sagungen des alten Regimes, wer dle Unterdrückung der Arbeiterklasse, die Äechtung ganzer Volkskeile, die Knebelung der Presse, die Schikanierung oppositioneller Organisationen, die gewerkschafts- und streikfeindliche Hallung der Organe des Obrigkeitsstaates, die Verbote aller friedlichen Demonstrationen und dem allen gegenüber die s6)rqnken1ose Privilegisierung einer in jeder Beziehung beschränkten Kaste im Gedächtnis hat. die für den Staat von ehemals charakteristisch war. kann nur bitter lächeln über den Unverstand oder die Unehrlichkeit, die sich der Anerkennung des Neuen und Großen verschließt, das geworden ist. Di« Sozialdemokratie betrachtet den Sieg der Demokratie nicht als den Abschluß, sondern nur als eine wichtige Etappe der geschichtlichen E n t w i ck l u n g. In der Brust ihrer Bekenner hat dos Ideal einer klassenlosen Gesellschaft, einer Mensch. heit ohne Not und ohne Unwissenheit, einer Aristokratie, die das Ganze umfaßt, seine Stätte. Aber wir erwarten die U m w a n d l u n g der kapitalistischen in die sozial! st ische Gesellschaft nicht von dem Willen irgendeines Autokraten, nicht von der Anwendung mittelalterlicher Methoden, also nicht von Todes-. urteilen und Verschickungen, sondern von dem Willen d e r V o l k s m a s s e n, die zur Erkenntnis dessen, was ihnen frommt, gelangt sind. Demokratie ist Wissen! Demokratie ist Klarheit! Demokratie ist Willen! Die durch ihre Schule hindurchgegangenen Staatsbürger, deren erdrückende Mehrheit durch die Verwirk- lichung der Ideale dos Sozialismus nicht nur nichts verloren, sondern alles gewinnen kann, wird der Sozialdemokratie in wachsender Zahl auf dem Wege fohen» den sie weist. Je gefestigter die demokratischen Einrich- tungen unseres Landes sind, um so näher werden wir am Ziele sein. Diese unsere Erkenntnis weist uns die Wegrichtung, die wir im kommenden Iah? e t n zu f ch l ao e n haben. �•''M: Möge es ein Jahr gre�er, nachhaltig«? Erfolge sein! Deutschland und der Völkerbund. Eurtius fetzt Eirefemanns Arbeit fort. Reichslrußenmimst«? Dr. Turtius hat der Monatsschrift ..Dolkerbnnd' einen Aussatz zur verfiigung gestellt, in dem er folgen. des ausführt: In meiner bisherigen amtlichen Stellung hatte ich bereits Ge- legenheit, die Tätigkeit des Völkerbunds, soweit sie sich aus Wirt- schaftsfragen bezog, näh«r zu verfolgen. Mit Genugtuung kann ah feststellen, wieviel Arbeit der Völkerbund aus diesem Gebiete fchon geleistet hat. Lebhaft begrüße ich auch das für die nächsten Jahr« festgesetzt« wirtschaftlich« Aktionsprogramm, das die Herstellung eine» möglichst universellen Zollfriedens durch gemeinsames etappenwaifss Vorgehen erstrebt. Der Wirtfchaftsfried« ist vielleicht da» wichtigste E'ement des Friedens überhaupt. Handelt es stch hier darum, die Völker in ihren materiellen Lebensbedürsnisien zufriedenzustellen, so gilt es srellich nicht minder, die geistige Befriedung zu betreiben. <£» mutz sich zeigen, ob der Völkerbund das Problem der Miudecheilen, dieses Neuland der inlernaklonalen polltit, zu « überwinden Imstande ist. Ich weiß, datz das zu Ende gehende Jahr Fortschritte gezeitigt hat und datz einige nicht unwesentlich« Verbesserungen bei der BeHand» lung von Minderheitsdeschwerden eingetreten sind. Es ist mir aber auch nicht unbekannt, daß über die allgemeinen Pflichten de» Vö kerbunds gegenüber den Minderheiten noch Melnungsver- schiebenheiten übrig blieben. Ist wirtschaftliche und geistige Zufriedenheit Vorläufer und Voraussetzung jenes politischen Frieden», der in der feierlichen A«ch- tung de» Krieges seinen Ausdruck fand, so ist es nun Sache dz» Völkerbunde», die logischen Folgerungen au» diesem be- d-utsamen Akt zu ziehen. Di« wichtigste Konsequenz ist die Ent. iptcklung zur friedlichen Lösung aller internationalen Streitijsteite»- Als Deutfch'and 1927 di« Fatultativtlaussl des Status des Ständigen Internationalen D-richtshoies im Haag zeichnete, hatte man tqum zu hassen gewagt, daß schön nach zwei Jahren während einer einigen Bundesversammlung nicht weniger als 16 Staaten unserem Beispiel folgen würden. Der Ausbau des Systems zur sricMichen Lösung aller Streitigkeiten ist auf gutem Weg«. Es bleibt noch viel zu tun, es ist aber auch schon viel getan. Der Völkerbund kann mit S e- nugtuung auf diese sein« Arbeit blicken. Möge es dem Bunde vergönnt sein, daß man bald ähnliche» von seiner Arbeit an der internationalen Abrüstung sagen kann. Ich will mich nicht den Pessimisten anschließen, die den Völkerbund hier vor einem unlösbaren Problem stehen sehen. Wer dem Bund in dieser Frage nicht vertraut, negiert letzten End«» den Völkerbund überhaupt Nur wer sich positiv und fortschrittlich zum Bund« stellt, kann ihn auch fördern. Der Völkerbund, in dem Regierungsvertreter das Wort zu führen berufen find, und wo das natürliche Beharrung»- vermögen leicht den Ausschlag gibt, wird Deulschlaud stet» aus selten de» JortschrUl» finden. Deutschlands Bestreb«» seit seinem Eintritt in den Bing» k» September 1926 war es, für«ine Vertiefung de» Völkerbund» gedankens und für die Vervollkommnung des heutigen Völkerbünde» zu wirken. In dem Nachruf, den der Generalsekretär de» Völler» bunde» meinem so früh verstorbenen Ansisvorgänger gewidmet hat. würdigt Sir Eric Drummond di« Verdienst« Dr. Stresemann» um den VAkerbund, für den dieser„mit allen seinen Kräften und mit dem ganzen hohen Ideallsinus seines schöpferischen Geistes bis in die letzten Tage feines aufopfernden Leben» trotz feiner schweren Krankheit gewirkt" habe. Diese Wort« sind ein Beweis dafür, welche Stellung Dr. Stresemann sich und seinem Da ler lande in dem großen inlcrnaticnalen Gremium in Gens zu schassen gewutzi hak. Di« von ihm so«rfolgreich vertretene völkerbundpolitik. die sich frei hielt von unerfüllbaren Illusionen und Schritt für Schritt erreich» bare prallische Ziel« anstrebt«, werde auch ich fortzusetzen bestrebt sein. Lehte Vorb?rei■• Deutsch-französisches Abkommen. Deutsches Eigentum in Marokko freigegeben. pari», 31. Dezember. von amklicher deutscher Seite in pari» wird mitgeteilt: Der deutsche Botschafter von h o e s ch und der französische Außen- minister B r! a n d haben am heutigen Dienstag«l« Abkommen über die Einstellung der Liquidaiiau derlschen vermögen» unterzeichnet. Das Abkommen wird in den nächsten Tagen ver- öfsenllichl werden. Besonders wertvoll Ist die Rückgabe de» deut- schev Eigentums io Marokko. Protest gegen das deuM-estglifche Abkommen.. Dsx S« u t s chp �wKd« m der ad- schließenden Jahresversammlung.cher. Vexeinigung vom„Ehrbaren Kaufmahn" in HA'ni'b ür g scharf k?itlfi«rt' UNd die Reichs regle- rung aufgefordert,«s auf kernen Fall vorbehaltlos und ohne Protest anzunehmen. Paris vermutet große Schwierigkeiten. parlch 31. Dezember.(Eigenbericht.) Nach den Verhandlungen mit Iaspar. mit den Vertretern der an den Ostreparationen interessierten Staaten und mit dem englische» Schatzamt tagte Dienstag, früh unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik ein Ministerrat, in dem Tardieu und Vriand über diese Verhandlungen und über den Stand der Ostreparationsfrage. rese- rierten. Nach Ausführungen des Ärbeitsministers Loucheur und des Finanzministers Cheron stellte der Ministerrat einmütig fest, daß d«r Standpunkt der Regierung mit den letzten Erklärungen Tardieu» und Vriand« in d«r Kammer identisch ist. Zwei Stunden vor Abreise der Delegation nach dem Haag wird d«r Ministerrat nochmals gu- sammentreten. Ueber di« Haltung der französischen Delegation im� Haag wfrd da» fttengste Stillschweigen' bewahrt." Alles"deutet daraufhin, daß man sich ip Paris über den Verlauf der zweiten Konferenz l e i n e» Jllusl o neu hingibt und Man sich aus äu ß e r o ry e tri lich schwierige Verhandlüngen im Haag gefaßt wacht. Als die g«> sährlichsten Klippen«erden nach wie vor di« O st r e p a r at i o n s, frage und di« Statuten der Reparationsbant angesehen und e» geht das Gerücht, daß Eaillaux seinen aktivistischen Prinzipien gemäß d«n Ehrgeiz Hab«, bei den kommenden Verhandlungen, an Schneidigkeit und Iittransigenz dem„eisernen Schatzkanzier" (Snowden) um nichts nachzustehen. Kein akademisches Vorrecht für Kafchemmenbiüder. Als sich vor einiger Zeit Hochschulbuben in der Universität so betrugen, daß Polizei eingreifen mutzte, haben die' Deutschnationalen Im Landtag durch Kleine Anfrage Beschwerde darüber geführt, daß di« Polizei das Seldstverwaltungsrecht der Universität verletzt habe. Innenminister G r z e s i n s t i erwiderte jetzt darauf: „Nach gellendem Recht bestehen für di« Ausübung Polizei- licher Befugnisse innerhalb der Universitäten keine Aus- nahmen von der allgemeinen Zuständigkest der Polizei. Ein polizeiliches Einschreiten aus Universität«boden ist daher von einer oorgängigen Genehmigung �vder von einem ausdrückst che» Er- suchen der Universitätsbehörden nicht abhängig. Im vor- liegenden Falle war das Eingreifen der Polizei durch di« drohend« Gefahr des Hausfriedensbruch? sowie von S a ch» beschädigungen und Körperverletzungen veramaßt und gerechtfertigt. D>!« der Universität voviehaltenen Selbstper- waiti'irgsrecht« wurden dadurch nicht berührt." Wäre nur nach hinz-uzufügen, daß die Mitschuldigen und Per- teidiger kgl. altpreußischer Hochschtlunfretheit die letzten wären, die sich jetzt als Sachwalter akademischer Freiheit auftun dürsten. Die Wohnungsnot in Sachsen. Dem Reichsrat zur Beachtung empfohlen. Dresden. 31. Dezember.(Eigenbericht.) Am 31. Mai 1920 fand in Sachsen eine Wohnungszählung statt, deren Ergebnisse jetzt vorliegen. Es wurden insgesamt 15S 676 Wohnungsuchende gezählt. Davon besitzen 49 764 ein« eigen« Familienwohnung, suchen aber aus den verschiedensten Gründen eine andere Wohnung. 193 632 W o h n u n g s u ch e n d e sind nicht im Besitz einer eigenen Familtenwohnung. Die Zahl der dring? lichsten Fälle, in denen drei- oder mehrköpfig« Familien ge» trennt oder in Untermiete wohnen, umfaßt nicht weniger als 49 629 Wohnungsuchend«. Bezieht man diese Zahl der dringen- den nötigen Wohnungen auf di« Einwohnerzahl, so ergeben sich auf je 1999 Einwohner 9,94 solcher Wohnung?! ose». Die geplatzte Neklamerakeie. Oderth- das Opter. Die Proberakete der Hugenberaschen Ufa und des Prof Oberih, die vom Ostseebad Horst aus aufsteigen sollte,' wird ihren Flug nicht antreten! Mitten in di« reklamehaften Ankündigungen der Ufa hinein, die bereits von der Postraket« nach Amerika redeten, kamen seinerzeit Nachrichten über finanziell« Schwierig» kelten, dazu die Slnlündigung, daß die Ufa zunächst nicht die Rakete, wohl aber einen Raketenbettel starten wollt«. Nun erjährt man in vier Zeilen, daß Pros. Oberth«inen Nervenzusammenbruch erlitten habe und in seine Heimat Sieben. bürgen abgereist sei, wo er vorläufig.zu bleiben gedenke. Damit ist das Experiment zu Ende, eine der größten Reklameblasen der Hugenbergschen Ufo ist schmäh» lich zerplatzt. Mit Bedauern muß man feststellen, daß Fritz Lang, der Regisseur der Ufa. das Ansehen und den Wissenschaft- lich«» Ruf des Raketenforschers Oberth zu Reklomezwecken dis- kreditieren ließ. Der Rame Oberths war gut genug, um für Fritz Lang Retlame zu machen. Nachdem der finanzielle Untergrund dieser Ufa-Reklvm«blase zusammengebrochen ist, kann der miß- brauchte Gelehrte wieder vom Schauplatz abtreten— mit einem Nervenzusammenbruch. Der moralische Zusammenbruch jedoch wird ihn �ii ch t treffen! Em frommer Neujahrswunsch. Aber ist er ersü'.lbar? Hugenbergs„Nachtausgabe" hat zu Silvester die verschiedenen Rechtsparteien im Berliner Rathau» nach ihren Neujahrswünschen S«fragt. Deutschnationale, Dolksparteiler und Nationalsozialisten oben ihr denn auch bereitwilligst ihren Herzensschrein«rschlosien— und ebenso die Wirtschoftspartei. Ihr Neujahrswunsch ist epi- grammatisch in der folgenden Ueberschrist zusammengefaßt: Ole Wlrlsdialtsparfei verlang: Mehr Verständnis! JJoa(�tavive» ordneten F. R e i n s. Ein Kompliment für den Stadtverordneten Rems ist das nun wirklich nicht! Hoffentlich bemüht er sich—.entsprechend Um Wunsche seiner Partei—, im neuen Jahr mehr Verständnis auszubringen! Wenn es ihm auch schwer fällt! Llnser neuer Roman. Afuizio Azevedos Roman„Ein brasilianifch-es Mietshaus", mit dessen Veröffentlichung wir heut« begwnrn. führt uns in ein Milieu, da? der großen Mehrzahl unserer Le-er fremd sein dürfte. Zustände und Menschen werden geschildert die dem Europäer nicht, nur. räumlich,.sondern auch kulturell unendlich fern liegen. Und doch gelmgt es der Kunst de» Dichters, die Er. etgnisie und die Menschen uns verständlich und lebendig zu mach«,. Wir lernen mit brasÄionischen Kleinbürgern Handwerkern. Ar- britern/ Gaunern, Dirnen und Zuhältern denken und fühlen. Wir nehmen Anteil an ihren Schicksalen, am Auf- und Zlbstieg der Familien, am verdienten und unverdienten Glück und Unglück, an dem ganzen wimmelnden Treiben, das in buntester Vielgestaltigteit äußerlich zusammengehalten von den Mauern einer Nestgen. ständig wachsenden Mietskaserne, an uns vorüberzieht. f 5000 Hungernde wanken dahin... Elend im indischen Hochwaffergebiei. Salk�kta, im Dezember,(ffiigenberidjt.) Not in den indischen Ueberschwenimungsgebieten ist auf das höc�i« gestiegen. Der Wassergefahr folgere Mißernten und Viehseuchen haben die Bevölkerung an den Rand des Ruins gebracht. Die private Hilfstätigkeit ist außerstande, auch nur die elementarsten Bedürfnisse zu befriedigen, die bureauiratifchc Moschine hat verjagt. Di« Verzweiflung hat die Bauern des Noftandsgebietes zu einem Schritt veranlaßt, der bis jetzt in diesem von politischen und sozialen Bewegungen nur sehr wenig berührten Teil« Indiens einzig dasteht. 5000 Bauern aus meilenweit entlegenen Dörfern zogen ge. schloffen nach der Distriklshauplstadt Brahmanbanw, um den Verwaltungsbehörden ihre Beschwerden vorzubringen. Ihr Zug ist eine furchtbare Qual gewesen, die Ausgehungerten konn- ten sich nur mühsam an Stöcken fortschleppen und. wie Augenzeugen berichten, war der Anblick dieser Masse von ausgemergelten Gestalten grauenerregend. Die Demonstranten versammelten sich vor einem an der Peripherie der Stadt liegenden Tempel und zogen vor dos Ber- waltungsgebäuds, wo sie den Diftviktskommissar zu sprechen oer- langten. Da er abwesend war, lagerten die Demonstranten vor seiner Privatwohnung, wo ihre Führer nach dem Eintreffen des Beamten darauf hinwiesen, daß die Ueberschwemmungen die Ernte vernichtet haben und daß sie gezwungen waren, ihr Saar- getreide aufzuzehren. Die Not ist so groß, daß zahlreiche Familien in den abgelegeneren Dörfern seit Monaten höchstens ein- mal in der Woche eine kümmerliche Mahlzeit haben. Noch mehr- stündiger Auseinandersetzung versprach der Distriktskommissar fchne'lle Hilss durch G e l d v o r s ch ü ss e, worauf die Demonstranten ruhig abmarschierten. DI« Anstrengungen des Marsches und das stundenlange Warleu hallen die feil Monaken unlerernährlen Menschen derart er- schöpft, daß viele von ihnen ohnmächllg aus deu Straßen zusammenbrachen. 5n Brahmanbania mußte durch freiwillige Spenden eine öffentlich« Speisung organisiert werden, um die Entträfteten wenigstens so weit zu erfrischen, daß sie den Marsch nach Hause wieder antreten konnten. Kongreßmehrheit verurteilt Attentate. Lahore, 3t. Dezember. Nach einer Aussprache von anderchalbstündiger Dauer hat der Indische Naionalkongreh m.t 042 gegen 792 Stimmen die von Gandhi befürwortete�-Entschließung angenchnmen�.die den®om- beyanschlag auf den Sonderzug des-Vizekönjgs wer u r t e i l t und� den Vizekönig und seine Begleiter zu ihrer- glücklichen Errettung beglückwünscht. Gandhi hatte die Entschließung als P r ü f st e I n für die Hak tuug des Kongresse» bezeichnet. An fori unterstützt« die Eni' schließung und erklärte, daß die Freiheit niemals durch derartige Ausschreitungen erobert worden sei. Studenten im Zuschauerraum schwenkten rote Flaggen und erhoben durch laute Zurufe Protest gegen diese Feststellung. Ansari erwiderte, daß sogar die Kam- munisten die Gewalttätigkeit einzelner Personen verurteilten und nur die Gewaltmaßnahmen der Masse für gerechtfertigt hielten. Wie aus Madras gemeldet wird, Ist Dr. V a r a d a r a j u l u l Naidu, ein bekanntes und einflußreiches Mitglied der nationalen Bewegung, mit Rücksicht auf die radikalen Beschlüsse des Nationa- listenkongvesses in Lahore, die er als Selbstmord bezeichnete, zurück- getreten. Die Polizeiaktion im Archipel. Amsterdam, Zl. Dezember.(Eigenbericht.) Wegen der angeblichen 21 ufsdonds plane sind in Batavia, Bandung und Tjimah! olle verfügbaren Truppen zusommengezogen, in Batavia 50, in Bandung 41 und in Pekalongan 42 Haussuchungen vorgenommen worden. In Garost habe die Polizei das Archiv der intonefifchen Nationalpartei beschlagnahmt und ihr Der- waltungegebäud« unter Bewachung gestellt. Die Polizei hak nach amtlicher Mitteilung überall Befehl. nöllgensalls mit Gewalt vorzugehen und Ausschreilungen im Seime zu ersticken. sstr Scheribon soll der Hauptvorstand der indonesischen National- parte! in Schutzhaft genommen worden sein und alle Verhafteten bei ihrer Vernehtvunq gestanden haben, als politisches Ziel den Swrz der niederländischen Oberherrschast zu verfolgen. Auch an anderen Plätzen sind zahlreiche Intellektuelle ver- haftet worden. Andere Berichte besagen, daß als Beginn der Erhebung die Nacht vom 28. zum 29. Dezember ausersehen war. Das indonesische � Blatt„Keng Po* in Batavia meint, daß die bisherige Untersuchung � keinen Anlaß zu strafrichterlichen Maßnahmen geben können. Die' linksstehende indonesische Press« ist über das Auftreten der Behör-' den stark beunruhigt und fordert Aufklärung über den Tatdestand. Das Auftreten der Polizei, das einer förmlichen Jagd gleich- komme, fei voreilig und unbegründet. Abbau der spanischen Oikiaiur. General Primo he Rioera hat dem Montag abend abgeholleiten Kabinettsrot den Entwurf eines an die Oeffentlichkeit gerichteten Manifestes unterbreitet, das morgen in der Zeitung„La Nacion* erscheinen soll. Ueber die endgültig« Fassung des Moni» festes soll sich der heut« unter dem Vorsitz des Königs zusammen- tretende Kobinettsrat schlüssig werden. Gtaatslheater. >.Harte Aanvagea* vaa Myher. Das Gilvesterstück de» Staatsthea t« r» spielte zwischen den Seilen des Boxrings. Dos Publikum entschied Knock- out gegen den Autor und pfiff, um sich wenigstens auf eigene Faust zu amüsieren. dl. H. Oer Mörder Mirbachs hingerichiet. Nach elf Jahren— als Trohlist! Nach einem Moskauer Bericht der„Kölnischen Zoitung* ist dort am 22. Dezember der ehemalige Tjchekist B l j u m k i n durch Er- schießen hingerichtet worden. Der Grund seiner Verfolgung war sein« Teilnahme an der Geheimorgamsation der Trotzkisten. Dieser B l j u m k i n hat im Juli 1918 den ersten deutsch«» Botschafter in Moskau, Graf Mirbach, ermordet. Der Mörd«? war damals linker Sozialrevolutionär. Diese Partei war anfänglich mit den Bolschcwiti koaliert, gehörte auch der Sowjetregierung an, schied jedoch wegen der Unterwerfung unter das kaiierkiche deutsche Friedensdiktat und wegen des zunehmenden blutigen Terrors aus. Die Ermordung des Grafen Mirbach sollte offenbar den Frieden mit Deutschland brechen und die Boljchewiki in die schwerst« Der- legenhest bringen. Diese Folge trat nicht ein, Blsumkin aber llef frei herum, bis er jetzt wegen Staatsoerbrechens, nämlich Auflehnung gegen die allerhöchste Person— wie es unterm Zarismus hieß, jetzt also gegen das Zik, das Stalinfche Zentralkomitee, oerhostet und er» schössen wurde. Oie Kirche in Sowz'eirußland. Verfolgung erzeugt Glaubense.fer, Riga, 31. Dezember.(Eigenbericht.) In Sowjetrußland sind bisher von den rund 50 000 Kirchen. Synagogen, Moscheen und anderen Gotteshäusern nach einer Sta, tistik des Gcwerkschaftsblattes„T r u d*(Die Arbeit) bisher 2000 zuschlössen worden. In vielen Bezirken gibt es keine Gotteshaus mehr Die ehemaligen Kirchen sind größtenteils zu Schulen o«»» Kinos umgebaut worden. Der Kamps der Bolschewisten gegen Religion und Kirche hat zur Folge, ebenfalls nach dem.�Trud*. daß besonders innerhalb der Arbeiterschaft«in starker religiöser Aufschwung zu ver- zeichnen ist. Die kirchlichen Organisationen nützen diese Situation durch eifrig« Propaganda aus, stellen sich mehr und mehr um, erklären sich für die Sowjetregierung und zeigen sich bereit, mit ihr zusammenzuarbeiten. In vielen Gotteshäusern sind Bilder Lenins, Rykows und Stalins zusehen. Der Kampf der Bolschewisten gegen die Kirchen geht aber iveiter. Die Stadl Belgrad darf ihren Derbrauchssteuerplan nicht durch. führen, deshalb ist der Bürgermeister Sa wtschit sch zurückgetreten. Er soll durch einen General ersetzt werden! Unruhen lo der äquakorialen Negerrepublik Nigeria mit Plirn- derungen und größeren Ausschreitungen werden über London ge- meldet. Militär soll kampflos zurückgewichen fein. Der Naflonalsozlallst Schneer aus Bad Ems war bereits im i. Sommer vom Limburger Schöffengericht wegen Vergehens gegen das Republikschutzgesetz verurteilt worden. In der Leruftingsver- Handlung wurde bekannt, daß der Angeklagte in einer Wirtschast u. a. ausgerufen hatte, Stresemann habe einen Meineid geleistet und in der heutigen Republik könne jeder Schust Minister werden. Der Angeklagte wurde am Dienstag wegen Derletzung des§ 8 des BepubstkjchutzgeseHes zu 1 Monat Gefängnis verurteilt. '(Gewerksehaftliches stehe 4. — U.ALI,....... I liJJjJi-iJ----. Üfrantnjorllid)«r Tslrtii: vi.«ort«eye»: WirtschaN:<». XUaatliTtnj• ScnKrttdiaftsbeistguna; 3. Stein«: iZeuilleton: IL ft. 3>äW«; Lokats» nnb Sonfliats 5ti* florttäW: Sneeiaen: Id.®Ia dem Boten die Uhren aushändigen und verschwindet dami! durch einen zweiten Ausgang. Wohlweislich wählt er nur Häuser, in denen das Warten eines Mannes auf dein Flur nicht auffällt. Bisher sind über ein Dutzend Fälle bekannt geworden, in denen der Betrüger jedesmal mehrere wertvolle Uhren erbeutet hat. Nach der übereinstimmenden Beschreibung ist er zwischen 35 und 50 Jahren alt, 1,05 Meter groß, hat dunkles lockiges Haar und trug stets einen auf Taille gearbeiteten Paletot und Anzug. Mit- teilungon, die geeignet sind, ihm das Handwerk zu legen, erbittet die D i e n st st e l l e V 3 im Polizeipräsidium. Revisionsverhandlunff im Prozeh Halsmann. Die Revision sverhandlung über d-s Nichtigkeits- beschwerde im zweiten Halsmann-Prozeß ist vom Obersten Gerichts- Hof auf dem 21. Januar in Innsbruck anberaumt worden. Es wird in össentlicher Sitzung entschieden werden. Die nächste Ausgabe des»Vorwäils« erscheint infolge des Noujahrtagcs erst am Donnerstag abend als„Spätausgabe". Brandkatastrophe im Kino! so Kinder niedergetreten und erstickt. Londou, 3t. Dezember 1V2S. I« Paisleh in der Nähe von Glasgow eretg- nete sich Dienstag nachmittag ein furchtbarer Kino- b r a n d. dem nach einer ersten vorläufigen amtlichen Feststellung 69 Kinder im Alter von 16 Monaten bis zu 1-1 Jahren zum Opfer gefallen sind. Man befürchtet jedoch, daß sich die Zahl der Todesopfer auf acht- z i g erhöhen wird. Die unglücklichen Kinder gehören zumeist Arbeiterfamilien an. Ueber den Brand liegen folgende Einzelheiten vor: Im C l e n e o e- Kino in Paisleh, einer Jndu- stricstadt in der Nähe von Glasgow, brach aus vor» läufig noch nicht feststehender Ursache Feuer ans. Auf die Alarmsignale stürzte« alle Kinder den Ans- gängen zu. Als die Flammen ans dem Vorführungs- räum hervorschlugen, entstand eine ungeheure Panik. Das Kino füllte sich schnell mit Rauchwolken. Bei dem allgemeinen Andrang zu den Ausgängen wurde -ine große Anzahl Kinder niedergetreten, so daß die Polizei und die Feuerwehr später die größte Mühe hatte, die Bewußtlosen und Verletzten zu bergen. Jas Kraukenhaus sind insgesamt 1S6 Kinder ein- geliefert worden, von denen jedoch nur«in ganz kleiner Teil ernstere Verletzungen davongetragen hat. Ein Augenzeuge gibt folgende Schilderung der Katastrophe: Als Ich einen der Eingänge lo der von dichten Rauch- wölken gefüllte« Halle erreicht halte, versuchte ein Polizist vergeblich. in die von Panik ergriffenen Kinder Ordnung zu bringen. Am Ausgang zu den beiden Haupttreppen, die von der Tribüne führen, lagen die niedergetretenen Kinder, wie ich später selbst zusammen mit den Polizisten feststellte, zu sechs übereinander. Als sich die Nachricht von der Katastrophe verbreitete, eilten Zivi- listen in großer Zahl zur h i l s e l e i st u n g herbei. Auf Leitern erreichten sie die Hoffenster, die sie einschlugen. Bon dort ließen sie sich in den Saal hinab. Ein Arzl war gleichfalls schnell zur Stelle und eine größere Anzahl der niedergetretenen Sinder tonnte in Sicherheil gebrachl werden. Der Krantenwagendienst erwies sich später als unzureichend. Ein Straßenbahnwagen leistete hilfedicuste in der Beförderung der Toten und verlshten nach dem nahegelegenen Alexandra-Krankenhaus. Die dort in Gang befindliche Weihnachtsfeier wurde sofort unterbrochen. Inzwischen war dringender Hilferuf an sämtliche Aerzle ergangen und in kurzer Zeit war ausreichende medizinische Hilfe zur Stelle. In zahl- reichen Fällen kam diese jedoch bereits zu spät. Alan befürchtet, daß sich unter den Trümmern des durch den Brand fast vollständig zerstörten Kinos noch eine Anzahl weilerer Sinderleichen befinden. OerLnveniurausverkauf beginnt. Rege ung durch Äersügung des Polizeipräsidenten. Der Polizeipräsident von Beckin hat auf Grund des Z 7 Absatz 2 und S des Gesetzes voni 17. Juni 1909 gegen den unlameren Wettbewerb(RGBl. S. 499 ff.) nach Anhörung der Industrie- und Handelskammer zu Berlin, iowie der Handwerkskammer zu Berlin für den Ockspvlizeibezirk Berlin eine endgültige Regelung des Ausoerkaufswefens, sowie der Saison- und Inventurausverkäufe getroffen. Den Bestimmungen über die Regelung des Ausverkaufs unterliegen Gesamt- und Teilausverkäuse, sowie Ausverkäufe in Form von Ber- steigerungen durch Wareninhiber Oder deren Vertreter, wenn st« in öffentlichen Bekanntmachungen oder Mitteilungen an einen größeren Personenkreis angekündigt werden und wegen baulicher Veränderungen des Geschäftsraumes, Geschästsverlegung. Geschäfts- Übertragung, Auseinandersetzung, Geschästedeend�gung oder wegen Aufgabe eines oder mehrerer Warengattungen erfolgt. Einem Ausverkauf stehen in gleicher Weife angekündigie Verkäufe gleich, wenn die Ankündigung nach der Berkehrsauffassung als Hinweis auf den Ausverkauf der genannten Art zu deuten ist. Derartige Ausverkäufe sind rechtzeitig vor der An- k Ü n d i g u n g schrifllich unter Angab« des Grundes, des Beginns, sowie des Orts,, an dsn der Auaoerkauf. stattfinden soll, der Jndu st r i e- und Handels kämmet... zu V e rl i n, Dorochcen- straße 8. anzuzeigen. Bor Beginn.des Ausverkaufs ist der Industrie. und Handelskammer ein vollständiges übersichtliches Ver- ze i ch n! s der für den Ausoerkauf bestimmten Waren einzureichen. Di« Industrie- und Handelskammer hat für die Durchführung der Anordnung über die Regelung der Aueverkäufe in den Mitteilungen der Handelskammer zu Berlin vom 10. Sepicniber 1929 Richtlinien veröffentkicht. Danach muß dl« Anzeige spätestens fünf Tage vor Beginn des Ansverlaufes bei der Industrie- und Handels- kammer eingereicht werden. Der alljährliche, zweiwöchige Inventurausverkauf hat gemäß Anordnung des Polizeipräsidenten vom 12. November 1929 in der Zeit vom 2. Januar bi» 15 Februar statt- zufinden. Die zeitliche Bestimmung für den olliähckichen, dreiwöchigen Saisonausverkauf, der gemäß Anordnung des Polizeipräft- denken vom 4. Mai 1929 in die Zeil vom 1. bis 31. August verlegt worden ist, bleibt bestehen._ Dan? ber Gefangenen. Aus der Strafanstalt Gollnow in Pommern er. hielten wir von einem Gefangenen folgendes ergreifende Schreion: Am Sonntag vor Weihnachten wurde uns von dem A r- beitergesangverein„Vorwärts" eine Stunde der Freude und des Vergessens geboten. llnt°r der Leitung seines Dirigenten Herrn Ehorletters Hoffmann verschönten uns die Darbietungen unsere Einsamkeit. Herrlich klangen die Tön« des Marsches„Heck Europa" durch die bis auf den letzten Platz vollbesetzte Kirche Wir fühlten, daß die Musiker ihr Bestes hergaben, um uns zu erfreuen. Abwechslung war reichlich vorhanden. Gemischter Chor. Männer. chor und Orchester wechselten ab. Zum Schluß des überaus gut gelungenen Konzertes wurde der Straußsche Walzer„An der schönen blauen Donau" vom Männerchor mit Orchestcibegleitung vorgetragen. Der Applaus war derart stark, daß der Herr Chor- l«iter nicht anders konnte, als das Stück zu wiederholen. Nach einigen Worten des Anstalisdirektors ehrten die Gefangenen den Verein, indem sich all« van ihren Plätzen erhoben. Mit frölstichem Grüßen verließ der Verein„Vorwärts", für uns leider nur zu früh, den Raum und für uns begann wieder die Alltäglichkeit der Ge- fangenschaft. Jedoch ging jeder mit erhobenem Herzen in die Ein- samteit seiner Zelle zurück.- Wir alle werden diese herrlichen Stirn- den nie vergessen. A. S. LLkbcrschtvemmung im Waldfriedhof. Von einein ständigen Friedhofsbesucher des Waldfried» Hofs in Stahnsdorf wird uns geschrieben: Im vergangenen Herbst ha't« sich vor dem Eingang.zum Wilmersdorfer Teil des Waldfriedhofs in Stahnsdorf ein Wasser- t ü m p e l gebildet, der den Zufahrtcweg aus etwa 150 Schritt u n- passierbar machte. Das Wasser stand so hoch, daß es die Trilll'vstter der Autos überflutete und sogar in die Kühler eindrang. Besonders gefahrvoll wurde der Zustand im Winter, wo die Wag«., durch die Eisdecke brachen. Für den Fußgängerverkehr befindet sich neben dem Fahrweg ein schmaler Fußweg, der im Frühjahr während der. Zchuceschinelze. ebenfalls üb e rf l ut et war uich nur über brückenartig gelcgts Bohlen begangen.roerdc» Bis jetzt ist an den. Weg nichts geändert, so daß?u befürchten ist. daß sich, auch tu diesem Jahr« diese.unhaltbaren Mißstände wledpichalen werden. Weinwerbewoche Berlm 1930. In der F u n th all e am Kaiserdamm wird am 31. Dezember die Deutsche Weinwerbewoche Berlin 1939 eröffnet. D e Ve.o.i- staltung ist aus«ine Anregung des deutschen Weinbauverb n es zurückzuführen, der mit Rücksicht auf di« Ernteergebnisse der Jahre 1928 und 1929 und das Vordringen der ausländischen Wein« in diesem Jahre die Veranstaltung besonder-r Weinpropaganoaunrrr- nchmungen im Interesse der deutschen Winzer als unerläßlich«rckärt hat. Der Berliner WeinhanM hat in Verbindung mit dem R-ü-d-'. ausschuß für Weinpropaganda bereits in den Jahren 1927 und 1928 gemeinschaftlich mit dem Ausstellungs-, Messe- und Frembenver- kchrsamt der Stadt Berlin Werbeveranstaltungen für den deutschen Wein durchgeführt und sein« bedeutendsten Miigl edrfirmen haben sich auch in diesem Jahre bereit erklärt, an der neuen Leranstaiturg teilzunehmen, um den Absatz deutscher Wein« zu fördern. Es soll der Bevölkerung vor Augen geführt werden, daß der Genuß t«,». schen Weines keinen Luxus darstellr. Die an der Deutschen Wei l- werbewoche Berlin 1930 beteiligten Firmen haben in den gesamten Räumen des Funkhauses am Kafferdamm ein Weindors richtet, das eine glückliche Illustration süddeutschen Lebens daist. llt. Sprechchor für Proleloris�e Feierstunden. Die näck-ste Nebungs- stunde findet am Donnerstag. 9. Januar(nicht am 2. Januar), statt. vrbeltsgemelnslt-asl sür Forst'chuh und Rawrlnndei mittags 10 Ugr am Bahnhos FriedrichShagen. Gäste willtominen. kg Inn 2 Januar. J g 1 Pos/en Daunendecken teiitr OauneiuUii. di'/i.'t» Farlien, mit klalnaa faklarn. 1» Dausen, ACt-rn. 150.200...............«rc?.75 Steppdecken Sitin-ObcriBitB,"T* qo Iii dir»r3Ba Farbe».........' Kunatseidener Damasl-Spiojel.iter- fO OB. »chiedcna Farben, 150x200..... 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Ztlrlf.. le.jeeVcb.lbl «I.eter_••••••••••• �'Nachttisch I??.6."»':?".- �-/«"hxehenijen psQ len a n d e C K e«it Tlr nnd Sehubkaate? 15 OO Gobelin- llonter.»• r seb iedee« A er»\A/ a c r» h U«'''_ J— Deseiae, mit Freesen....... � v* aL S C H it Q m m O d 6 «. onnklera Marmor, linv«..» r\c. bn.chriubapieiel n. FaneUe-Iee 95.— D i v MetalSbetiftalSsn mit Lacklorungsmängeln, 00X190 cm teilwcl.c 991/ O_ herab- U$ 4M4S /, O sereUtl „.,,. Faeeltegle« Kmder-Holzbett stelle ■fl EliltfebiDei .16.75 echt Chevpeou echf Chevp. Kai bieder * Ofiginal Gcody-Weit r amcpiKa m Wolfpusche Damen- Strümpfe AC prltaa ,-�ko..... Fe«* Damen• Strümpfe prima küniUlcie Waschseid« od. prima 5e'dennor, Paar � � Herren-Socken AC 5eMenflor od, Kunstsaide. P.••# Herren-Socken QK Ror-jaevurd........ Psal INVENTUR-AUSVERKAUF Die Feuerwehr am Silvesterabend. Alarme über Alarme... 3ki der f&erilnet Feuensehr ging der Hl>chbctr!«b rufe alljährlich zur Jahreswende schon recht frühzeitig los. Von den Nachmittagsstunden an bis ht die Nachtstunden hinein liefen unauf- hörlich Alarme ein. Bis um 22 Uhr rückten die Löfchziige in den verschiedenen Stadtteilen annähernd neunzigmal aus. E x- plofionen von Ieucrwerkstörpern. Kaxvsr- giftungen. Weihnachtsbaum- und Zimmerbränüc waren in der Hauptsache die Ursachen der zahllosen Alarme. An der Ecke Drake- und Pransestraße in Lichter- seid« explodierten gegen 16 Uhr in einem Verkaufswagen aus noch ungeklärter Ursache zahlreiche Feuerwerkskörper. Dabei erlitt der Händler Friedrich Dietrich aus der Schlohstraße 92 in Steglitz so schwere Brandwunden, daß er durch die Feuerwehr in das Lichterfclder Kreiskrankenhaus gebracht werden mußte. Der Wagen brannte völlig nieder. Aehnliche Explosionen von Feuer- werkstörpern erfolgten in einem Popiergeschäfi in der Rathaus- straß« 77 in M a r i e n d o r f. in der Dresdener Straße 96, in der Scharreirftraße 13 in Charwttcnburg und in der Eiienacher Straß« 63 in Schvneberg. Zum großen Teil wurden die Laden- einrichtungen schwer beschädigt und die Fensterscheiben durch den Luftdruck zertrümmert. In einem Falle erlitt ein Kind Brand- wunden iin Gesicht. Gefährlichere Formen drohte ein Feuer anzunehmen, das gestern abend kurz nach 17 Uhr im H e i z k e l l e r der alten Dorf- kirch« in Britz, Kirchstrahe 4. durch Herauefallende glühende Kohle- teilchen entstanden war. Eine ungewöhnlich starke Raucheirtwicklung erschwert« die Loscharbeiten und zwei Züge der Feuerwehr holten über«ine Stunde angestrengt zu tun, um den Brand auf seinen Herd zu beschränken. Auch im Schulwesen muß gespart werden. Der Finanzlage der Stadt Rechnung tragend, sind auch auf dem Gebiete des Schulwesens Sparmaßnahmen angeordnet worden. Selbstverständlich wird hierdurch die Bereitstellimg von Mitteln für die Durchsührung des stundenplanmäßigen Unterrichts nicht berührt. Auch die zur ordnungsmäßigen Säuberung der Schulräume, zum Oelen der Fußböden usw. er- forderlichen Beträge stehen fernerhin zur Verfügung Nicht un- bedingt erforderliche Ausgaben sind dagegen zurückgestellt und dementsprechend auch die Schulleiter angewiesen worden, ersparte Beträge zurückzuzahlen.__ Nenjahrsgliickwünsche an Hindenburg. Bürgermeister S ch o l tz und Stadtverordnctenvorstehcr Haß haben dem Reichspräsidenten von Hinbenburg im Namen der beiden städtischen Körperschaften zum Jahreswechsel die herzlichsten Glückwünsche telegraphisch ausgesprochen. Angst vor der Papageienkrankheit. Ausbreitung nicht zu befürchten. Kriminalkommissar Seinemeyer, der bekannte Leiter des A u t o m o b i ld« z e r n a t s blickt am l. Januar 1939 auf eine fiinsunddrelßlgjährige Tätigkeit im Polizeipräsidium .zurück. Cr ist ein Äruninalist ter alten Schule und den Krasr- sahrern Berlins durch seine Tätigkeft sehr bekannt.' Kommissar Semerneyer- ist der Vater der leider viel zu früh verstorbenen genialen und liebenswürdigen Opernsängerin Meto Sememeyer. In den kehlen lagen sind bekanntlich in Groß-Berlln von mehreren Kreisärzten den Gesuodhcitsdehörden Meldungen von Erkrankungen zugegangen, die nach Ansicht der Ausflchlsärzte aus P s i l t a c o s i s zurückgeführt we.den Das Hauptgesundheitsamt der Stadt Verlin und das Baklcriologische lleberwachungslnstitu» in Westend haben sofort Unter- suchungen vorgenommen, die allerdings noch nicht abgeschlossen sind. Schon jetzt läßt sich jedoch sagen, daß augenblicklich bei den meisten Papagelenbesihern eine, sörmlichc Psychose besteht und daß Erkäl- lungskrankheilcn, wie Grippe, Lungeneolzündung usw. in Wohnungen, in denen Papageis» gehalten werden, sast immer aus diese Tiere zurückgesührt werden. Taljächlich ist bisher lediglich in dem 5all des Dahlemer projessors Papageienkrankheit festgestellt worden, während in allen anderen Fällen bisher kein Beweis sür das Austreten von psittacosis erbracht Ist. lieber die Papageienkrankheit und die Möglichkeit der Verbrei- tung in Berlin erhalten wir von dem Tierarzt des Berliner Zoologischen Gartens Dr. W. Arendsce sehr interessante Mitteilun- gen, da der Berliner Zoo jährlich Hunderte von Popoge'cn einfühlt und weiterleitet. Dr. Arendsee erklärt:„Die Meldungen über das plötzliche Austreten von Papageienkrankheiten in allen Stadtteilen Berlins werden von den Gesundheitsbehörden selbstverständlich auf das sorgfältigste verfolgt und jeder einzelne Fall wird bakteriologisch untersucht, ob talsächlich Psittacosis vor- liegt. Es herrscht in den Kreisen der Papageienbesitzer augenblicklich die Befürchtung, daß auch ihre Tier«, selbst wenn es sich um Vögel handelt, die seit Jahren in den Familien gehalten werden, infiziert seien, und so werden tä glich jetzt Hunderte von Papa- geien den amtlichen Stellen und den Tierärzten zur Beobachtung überwiesen. Die Papageienkrankheit ist eine in Berlin bi'her un- bekannte tropische Infektionskrankheit. Der BeUliner Z o o l o- gisch« Garten, der jährlich viele Hunderte von Papageien aus Afftka und aus Brasilien einführt, hat bisher in all den Jahren noch nicht einen einzigen Fall von Psittacosis beobachten können. Dabei werden alle aus den Tropen eintreffenden Vögel— nicht nur Papageien— unmittelbar nach der Ankunft in ein Quarantäne- haus gebracht und dort vier Wochen lang auf das sorgsälfgste überwacht, wobei täglich chemische und bakteriolog sche Proben vorgenommen werden. Es ist an sich recht schwer, Psittacosis festzu- stellen, da diese Krankheitserreger zur sogenannten Koligruppe ge- hören und artgleich sind mit der P a r a t h y p h e V. Meist äußern sich die Erkrankungen der Papageien, die von Psittacosis befallen find, darin, daß die Tiere die Flügel hängen lassen, kein« Nahrung zu sich nehmen und heftig atmen. In der medizinischen Literatur finden sich kaum Fälle/äus denen hervorgeht, daß die Psittacosis bei Menschen denselben Verlauf nimmt wie bei den Papageien. Die Wissenschast steht hier vor Neuland und man muß, da auch in Brasilien und in Afrika bisher keine Feststellungen darüber getroffen sind, daß die Papageientrankhut sich epidemisch in der Bevölkerung ausgebreitet hat, sehr vorsichtig mit der Annahme sein, daß gerode in Berlin mehrere Seuchenherde zur gleichen Zeit ent- standen seien. Bemerkenswert ist vor allem die Tatsache, daß bisher aus keiner anderen Stadt Meldungen über das Auftreten von Psittacosis zu verzeichnen sind, obwohl kaum anzunehmen ist, daß die gleichzeitig mit den Papageien aus Dahlem importierten anderen Vögel nun gerade alle noch Berlin verkauft sein sollen. Immerhin ist Vorsicht überall dort zu beobachten, wo un.ängst Papageien gekauft worden sind, vor allen Dingen sollte man ver- meiden, die Tiere das Gesicht oder gar die Lippen eines Menschen berühren zu lassen, da— was leider viel zu wenig bekannt ftt— auf diese Art und Weise sehr häufig Tuberkucosis übertragen wird. Die Papageicnbesitzer sollten, wenn sie die Käsige von frisch impor- tierten Vögeln oder gar die Tiere selbst berührt haben, es keines- wegs verabscheuen, sich die Hände gründlich zu waschen oder bester noch zu desinfizieren. Die bakteriologischen Untersuchungen des Hygienisch-Batterio- logischen Instituts in Westend sind noch immer nicht abge- schlössen. Bei Papageien, die an Psittacosts erkrankt si.id, finden sich gewöhnlich in der Leber grauweise Knötchen an. Die Tierärztliche Hochschul« hat eine Anzahl von Papageien zur Sek- tion erhalten, da im Interesse der Bekämpfung der Papageienkcank- heit in jedem Falle nachgeprüft werden soll, ob die Tiers an dieser vorläufig noch recht rätselhaften Krankheit verstorben sind. ErkrankungSläUe jetzt auch in Altona. Das Presseamt der Stadt Altona teilt mit: D'e Papageienkrankheit ist nunmehr auch in slJtona in sechs Fällen festgestellt worden. Im Altonaer Krankenchause sind in den letzten vier Wochen Kranke zur Beobachtung gekommen, die Erscheinungen von Lungenentzündung zeigten, aber in ihren» allgemeinen Ver- halten so eigentümlich waren, daß das Bild mit keinem der Bilder übereinstimmte, die die verschiedenen Formen von Lungen- entzündungen aufweisen. Die Annahme der Aerzte, daß hier eine neue Krantheit vorlieg«, hat sich dahin bestät.gi, daß es sich in der Tat um die„Papageienkrankheit" handele. Die Er- krankungssälle, die im Altonaer Krankenhause beobachtet wurden, zerfallen in drei Gruppen. Die erst« Gruppe betraf ein Ehepaar, das gleichzeitig erkrankte. Die Krankheit des Ehemannes führte sehr schnell zum Tode. B«> dem Ehemann, Sei in sehr schwerem Erkrankungszustaird zur Aufnahme kam und eine besondere Bc- Handlung und Pflege brauchte, st e ck t e n sich de- Stationsarzt und die leitende Stationsschwester an. Die beiden anderen Gruppen betreffen einen Mann und eine Frau. Beide Kranken befinden sich jedoch auf dem Wege der Heilung. Der Mord an dem Leipziger Schnlknaben aufgeklärt. Der der Mittäterschaft am Abtnaundorfer Mord beschuldigte und verhaftete 23 Jahre alt« B a u e r hat vor der Staatsanwaltschaft in Leipzig ein volles Geständnis abeglegt. Er gibt zu, mit dem ebenfalls verhafteten 29jähr>gen Lutz den Schulknaben Hnidek im Park im Jahre lst28 gemeinschaftlich ermordet zu haben. Die von ihm gemachten Angaben decken sich mit denen, die Lutz bereits gemocht hat, so daß der Mord fetzt völlig g c- klärt ist. aticb Sei ijrci Z« WERTHEIM Leipziger Str.(Versand-Abt.) Königstr- Rosenthaler Str. Moritzplatz Bedeutende Preisherabsetzung in fast allen Abteilungen «e* Besondere Posten: Beiderwand Baumwolle, indanthrenfarbig, bunt-« farbig, Streifen, für Kleider u. Dekorationen, jetzt Meter"»JO Samt'Flanell 0.68 Kleidcr'Schotten...... jetzt Meter 0.68 Kleiderstoffe Äe�fSÄMetcr 0.98 Crepe de Chine bedIuckte KuSidAWr 1.45 HdvCha reine Seide........ jetzt Meter 1.85 Toilc de Soie reine Seide...Jetzt Meter 2.60 Crepe de Chine reine Se!de' ÄeIK 3.25 Köper- Vclvct ca. 70 cm breit, jetzt Meter 3.90 Damcnkleider Sportform, Phanfasiesfoffe Damenklcider woiistoifc_________ Damenkleider. CrSpe Caid, Popeline usw. 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Das ist kein Grund für Sozialisten, nicht in die Regierung zu gehen, roohl aber ein Grund, die Gegnerschaft des Bankkapitals bei der Abschätzung ihrer C/folge in Betracht zu ziehen. Doch handelt e« sich bei einer Koalitionsrtg'erung nicht allein um die innere, sondern auch um die äussere Po- litik. Ja. fest dem Weltkrieg werden die Geschicke der Staaten immer enger mst einander verbunden und von ein- ander abhängig. Die Außenpolitik wird jetzt die entscheidende Seite der Gesamtpolitik. In bezuq auf sie sind aber die bürgerlichen Schichten selbst aufs t>?fste gespalten in eine fried- liebende und eine gewalttätige Richtung. Da vermag das sozialistische Proletariat Grosses. Entscheidendes zu erreichen, wenn es sich mit der einen Richtung verbindet und die andere lahmlegt. Es vermag dadurch Bürgerkriege und selbst Welt- kr'eqe zu verhüten. Solche Erfolge werden auch auf Arbeiter wirken, die heute noch den Kommunisten nachlaufen. Wegen d'sler internationalen Bedeutung verfolgen die Sozialisten aller Länder mit gelvanntestem Interesse die Diskussionen unierer französischen Genossen. Auf dem kommenden franzö- si'chen Kongreß wird eine Enticheidung fallen, nicht bloß für Frankreich, sondern für die Welt. Natürlich kann es sich auf diesem Kongreß nicht darum handeln, der Parlamentsfraktion den Auftrag zu erteilen, eine Koalstion�reg'erung herbeizuführen. Das A n ft r e b-e n einer solchen Regierung ist nach wie vor bedenklich. Es kann n»? die Frage entschieden werden, ob nicht der Fraktion, die Möglichkeit zu geben sei. in eine solche Regierung«in- zutreten, wenn sie durch eine besondere Situation dazu g e- drängt oder dazu eingeladen wird, das heißt, wenn sich die politischen Verhältnisse derart gestalten, daß durch die'en Emtritt entweder grobe Vorteste in der inneren oder äusseren Politik für unser« Sache erzielt oder drohende De- fahren abgewendet werden. Es könnte bei den heutigen gespannten Verhältnissen in aller Welt höchst verhängnisvoll werden, wenn nnfer« Fraktion in dem für das euronäifche Festland entscheidenden Staate. in Frankreich, vom Parteitag dazu verurteilt würde, bei grossen Cnt'cheidungen mit verschränkten Armen tatlos zu- zuiehen, wenn die Situation und die Machtverhaltnisse ihr gestatten, kraftvoll einzuwirken und auf den Staatsapparat entscheidenden Einfluß zu üben. Eine Umfrage Aber das Alkoholverbok, veranstaltet von der Siattoerwaltung New Britaiu im Staat« Connecticut Ist von der Mehrheit der befragten Stadtverwaltungen und der lokalen Polizei- behörden des Staates Connecticut dahin beantwortet worden, daß das Alkoholverbot in seiner gegenwärtigen Farm ein gründ- kicher Fehlschlag sei. E» bringe dem Lande- nur schwer« Nachteile.,■ Za ValSstlna entfalten Banditen ein« lebhaft« Tätigkeit. Bei dem Dorfe Pardieh zwischen Eafed und Akta griffen st« sieben arabisch« Balizerbeamt« an. Maskierte Ate gelo gerer hielten eine» von Jaffa nach Jerusalem iahrenden Kraktoxmen an. Opfer an M«,lch,nlj>ben ffc. nicht zu. bellagen. Dem Baiidsten gelang»s, u n- behelligt zu eiutommen." Bilanz der Oemokraien. Ein sehr bescheidenes ZukunfiSzlel. In der Reujahrsausgabe des„Demokratischen Zeitung»- dienst" untersucht der demokratische Reichstagsabgeordnete Anton Erkelenz die Lage der Demokratischen Partei. Er geht davon aus, daß die Demokratische Partei bei der Wahl zur Nationalversammlung 75 Mgndate erhielt und die drsttstärkst« Partei war. Aber Erkelenz gesteht zu, daß Vitt Masse dieser Wähler in Wirklichkeit nicht auf die politische Grundidee der Demokratie eingestellt war, sondern die große Stimmenzahl„entsprach überwiegend der Angst vor der So- zialdemokratie, der Angst vor der Revolution" Als dies« Sorge vorbei war, fand ein großer Teil zu den asten Bor- urteilen zurück. Erkelenz macht darauf aufmerksam, daß da»«Funda, ment" der fortschrittlichen Volkspartei vor dem Kriege kleinbürgerliche Kreise waren, die zum Teil noch unter dem Einfluß der achtundvierziger Ideen standen. Nach Erfüllung des demokratischen Staates wandten sich diese Kreise des kleinbürgerlichen Radikalismus aber von den er- erbten Jeden ab und bildeten die Wirtschaftspartei. Statt „Jdeenpolitik" begannen sie— so drückt Erkelenz sich aus— „Klassenpolitik" zu betreiben. In Wirklichkeit haben sie auch vor dem Krieg— man denke an den„Kommunalfreisinn"— Interessen- und Klassenpolitik getrieben. Rur tun sie es jetzt ohne jede ideologische Verbrämung. Bei Erkenntnis dieser Sachlage rechnet Erkelenz nicht mit der baldigen Bildung einer großen liberalen Partei, auch nicht durch Verschmelzung mit anderen Mittel» Parteien(Volkspartei. Wirtschaftspartei), wozu diese ja auch wenig geneigt sind. Er sieht das Verdienst der Demo- traten mehr in ihrer historischen Leistung um die Deutsche Republik, die er mit dem Einfluß der Nationalliberalen auf die Reichsgründung von 1870 vergleicht. Dabei möchte er freilich gern der Demokratischen Partei die historische Leistung zuweisen, die in Wirklichkeit von der Sozialdemokratie voll- bracht worden ist. Erkelenz schreibt nämlich: Wenn heute die Sozialdemokratie mit zur staatserhaltenden Partei geworben ist, dann ist das n i ch t zuletzt«ine Frucht Naumannscher Erziehungsarbeit, die wir in diesen elf Iahren in die Praxis umgesetzt haben. Pom porteiegoisttschen Standpunkte au« wäre e« vielleicht für die Demokratische Partei besser gewesen, wenn dl« Sozialdemokratie in ihren asten radi» kalistischen Bahnen der Vorkriegs zeit stecken g«. blieben wäre. Dann wäre die Sozialdemokratie nicht so stark gewachsen und dann hätte die Deinokratisch« Partei viel brauch- barer« Elemente behalten, dt« nach und nach auch zur So�laldemo- kratifchen Partei übergegangen sind..-..' Bei aller Werkschätzung des verstorbenen Naumann müssen wir doch erklären, daß Erkelenz die Bedeutung dieses Mannes für die Sosialdemckratie gewaltig übe-r- schätzt. Naumann ist überdies sehr bald nach der Re- volution gestorben und hat in der Demokratischen Partei kaum noch mittun können. Er konnte es um so weniger, ak» Erkelenz ja ganz richtig betont, daß damals die Demokratlfche Partei das Sammelbecken für alle vom So- zi allste»schreck Befallenen war und überdles' ihr eigentliches Rückgrat im Kl e i n b ü r g e r t u m hatte. Durch die Aaltung. die sich, logisch aus dieser Zusammensetzung ergab, hat die Demokratische Darier da» Pertrauen, der Ar- bestnehmerschichten, soweit sie es dapwls besaß, in kürzester Zeit eingebüßt. Ist es doch auf ihren ausschlaggebenden Ein- fluß zurückzuführen, wenn in der Weimarer Nersassung wichtige sozialpolitische Forderungen bloße Verheißungen blieben, die bis heute ihrer Erfüllung Herren, während das Privateigentum mit jener Zähigkeit perankert' wurde, die später jede gerechte Regelung der sürstlichen und standesherr- lichen Ansprüche fast zur Unmöglichkeit inachtei Wenn Erkelenz das Ziel der Demokratischen Partei darin sieht„sich selbst zu erhasten bis zu dem Tage, an dem die großen Trennungen und Zusammenfügunqen möglich sind", so ist dqe kein überwästigendes Ziel. Aber es sind wohl überhaupt dieZeitenporbei.in denen such eine bemo- krgtisch orientierte Partei von kapitalistischem Grundcharakter noch auf große Gefolgschaft anderer Kreise rechnen kann. Das amiliche Neujahr. Kundgebungen und Smpfäng?. WT2. gibt folgend« Erlasse bekannt: An die Wehrmacht'. De? Deutschen Wehrmacht. Reichsheer und Reichsniarin««nt- biet« ich zum Jahreswechsel meine herzlichsten Glückwünsche. Tut weiterhin in Gehorsam und treuer Pflichtersülluna Cur« Schuldigkeit. Der Reichspräsident: von chindcnburg. Der Reichswehrminister: G r o e n e r. An die Reichswehr!> Allen Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften. Beamten» Angestellten und Arbeitern wünsche ich ein gutes neues Jahr. Schwere Entscheidungen im Innern und. nach ouße» stehen dem deutschen Volke bevor, lieber dem Streik des Tages, über Klassen und Ständen, über politischen Parteien und Bünden. dienen wir allein dein Staat, der Deutschen Republik. Das Reich zu schützen und zu erhalten, war und bieibt erste Anfz-.che der Reichswehr. Diele Aufgabe fordert Zusammenstehen im Glauben und im Wollen. Je wirrer die Zeiten, um so fester die Wehr! G r o e n e r, Reichswehrminister. An das Reichsheerl 1 Allen Angehörigen des Reithsheeres meinen Dank für die Ar» beit iin vergangenen Jahr und ein herzliches Glückauf für 1930. I« Gehorsam und Vertrauen ruht die Kraft der Armee. Aus dies«»» Fundament wollen wir im neuen Jahre wciterbauen.- Heye, General der Infanterie und Ches der chesresleitlmg. s An die Reichs marine!)!' • Belm Jahreswechsel spreche ich allen Angehörigen der Reichs» marine meinen Donk für die treue Mitarbeit und meine beste« Wünsche sür das neue Jahr aus. Selbstlos« Pflichtersüllung und treu» Kameradschaft sollen auchi im neuen Jahre unser Leitstern sein im Dienst sür unser« gsliebtt.' Wasfe, für unser Volk und Voterland. Rae der, Admiral. Dr. h. e.. Chef der Marinelettung. Der Reichspräsident empfing cun Dtenslag den Reichsminlstetl' der Finanzen a. D. Dr. Hilf« r ding in Abschiedsaudisnz.& nahm anschliessend den Antrittsbesuch des neuernannten Rcichs' wirtschastsminister» Robert Schmidt entgegen. Später«mpfipls der Reichspräsident den Reichsminist«? de? Auswärtigen Dr. Cur- ttu» zum Vortrag. * ..General. der Chef der,.Heeresleitung, ist. ziw <5« n eralv b«* ft e n befWert wprben....) 1'" n"".. J. I__ i-* i w.,.« I ! Bruchteile gespalten! Ueberzeugen Sie sich seihst! «f Nur einige Beispiele: ,« Kfacler-Strünipfe r«ia« Welle,«aara Ackt billig, Grflssc« vxi» QU Ein Posten Dawcn-Ströinpfe In»ersckileäeren Qua»- g% Uten, x. T- mit klolnen K 1 1 PI. Fehlwo, solange Vorret Damen- Hausschuhe StoflstjilOpfer.»eblQmt, gfc MT mit guter Kord»] w hie, UKm Pf. beeogäsee MlU...... VQjsPf. Ein Poeten Sandaletten ta Terscble denen AnsfOh- ................ 6,00, KW 4" Unsere 65 Schaulenster geben Ihnen einen Aas- gehnitt aus unseren völlig einzig dastehenden Inventur-Angeboten! 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Oer Kampf gegen diese Politik bleibt für uns onf der Tagesordnung� Belastend für den wirtschaftlichen Ausblick ist nun vor allen Dingen die drohende Verjchärsung durch den Zwang zur Einschrän- kung von Ausgaben aus Grund der schlechten Finanzlage von Reich, Ländern und Gemeinden, dbr im konjunkturell ungün- stigstcn Augenblick sowohl Wahnungsbauteii. als auch industrielle und Bcrkehrsbautcn hemmen wird und damit auch indirekt den Be- schäftigungsgrad der privaten Lieferindustrien zu verschlechtern droht. Die Politik der K o n> u n k t u r a u s g l c i ch u n g, die ein Interesse der Arbeiterschaft ist und in der Elemente sozialistischer Wirtschaftspolitik stecken, ist schwer gehemmt, wenn nicht unterbunden, durch die finanziell« Aktionsunfähigkeit der öffentlichen Körper schaftsn. Wir werden um jede mögliche Einzelheit z. B. auf dem Gebiete der Vauwirtschaft zu kämpfen haben, aber wir können die Augen vor der Tatsache der leeren öffentlichen Kassen, der drückenden schwebenden Schulden nicht verschließen. Die ökonomische Politik der Arbeiterklasse erfordert einen reichen Staat und reiche Gemeinden: im besonderen die Konsunkturpolitik, die in hohem Maße eine Politik der Kapitallenkung ist, kann nicht von Mächten getrieben werden, die anstatt Kapital in Freiheit zu lenken, als drängende Borger an die Türen der Kapitalmärkte pochen müssen. „Weiland war die Hauptstütze des Thrones der Glaube, beutmtagc ist es der Ä r e d i j. Beklagte man ehemals die Schuld der Welt, so sieht man jetzt mit Grausen aus die Schulden." Dieser Schopenhauersche Satz gilt nicht nur für Throne, sondern auch für demokratische Gemeinwesen. Wir sind jetzt in einer schweren Periode der Hemmung und wir müssen, um sie zu überwinden und um zu lernen, uns klar darüber sein, wie sie entstand, welche gehler (auch von unserer Seile) gemacht wurden. Es ist«in alter und durchaus richtiger Grundsatz der Finanz- Politik, daß laufende Ausgaben össentlicher Körperschaften durch laufende Einnahmen(Steuern, Abgaben, Zölle) gedeckt sein müsien, daß aber einmalige Ausgaben, die dauernden produktiven oder Produkt ionsfördernden Zwecken dienen, durch An- leihen, deren Dienst Jahrzehnte belasten kaim. finanziert werden dürfen. Diesem Grundsatz entstammt die Teilung in ordentlichen und außerordentlichen Haushalt. Er hat für die öffentliche und private Finanzgebarung von Werken sein« Berechtigung. Nach ihm hat man auch in den letzten Iahren gewirtschastet. Ich glaube, daß sehr iven-g falsche Ausgaben gemacht worden find. Nur eine Kleinig- keil hat man vernachlässigt. Man hat die nach dem genannten Grund- satz gerechtfertigte und ordnungsmäßig bewilligt« Anleihe wie eine Äon Neichswirkfchafisminister Robert(Schmidt. Eine Volkswirtschaft ist so lange nicht gesund, als Arbeilskröfle und Industrieanlagen in großem Umfange feiern müssen. Sicher ist Kapitalmangel mit der Folge hoher Flnssähe ein ernstes Hinder- n!» aus dem Wege zur volkswirtschaftlichen Gesundung. Bei einer großen Zahl feiernder Arbeilskräsle und großen Masicn ungenügend denohter Industrieanlagen mühte aber eine VZirlschasts- und Finanzpolitik scheitern, die die Förderung der privolwirlschafllichen Kapilalbildung sich allein zum Ziel sehen würde. Das Ziel der deutschen Rationalisierung war die Massen- erzeugung zu billigsten kosten bei möglichst völliger Ausnutzung der Industrieanlagen. Obwohl das Rlosseneinkommcn seil dem Beginn der Rationalisierung In Deutschland gestiegen ist und obwohl eine günstige Weltkonjunktur die Entwicklung des deutschen Exportes sehr förderte, fand dennoch die erhöhte Leistungsfähigkeil der deutschen Industrie keinen genügend großen Markt und noch keine ausreichende Renlabllijierung. Aus dieser kritischen Silualion kann verstärkte Kapilalbildung in den privaten Betrieben allein nicht herausführen. Aus welchem Wege diese einseUige Bereicherung der Privalwirlschasl auch erstrebt wird, so könnte sie doch nur zur Verschiebung vorhandenen Kapitals, nicht zur Schaffung neuen Kapitals führen. Im Gegenteil muß eine solche einfache Verlagerung des Reichtums die inländische Kaufkraft und die Renlabililät der Betriebe weiter schwächen, ohne daß die Konkurreazsähigkeit aus dem Wellmarkt und damit die Kapilalbildung aus dem Export gefördert werden könnte. So bleibt, um die Arbeitslosigkeit zu überwinden und die brach- liegenden Industrieanlagen rentabel zu beschästigen, nur der weg einer weiteren Stärkung der inländischen Massenkaufkrast, die bei fortgesetzter RationalisicrHng auch durch eine Senkung der Preise erfolgen kann. Ein starker Znnenmarkl ist auch für dl« Ausfuhr- sähigkeit van entscheidender Bedeutung. Darüber hinaus muß der Staat durch Verbilligung der öffentlichen Leistungen und durch Ver. ringerung der handelshemmnisfe zur schnelleren Gesundung der Gesamtwirlschast beitragen. Jedenfalls kann verstärkte private Kapilalbildung nicht am Ansang dieses Weges stehen, sie kann nur ein Ziel der damit begonnenen Entwicklung sein. aufgenommene, realisierte behandelt. Man hat die ungewöhnliche Situation, die gewiß durch Dr. Schachts Sperrpolitik verschlimmert worden ist, nicht gewürdigt. Man hat nicht für reguläre Ausfüllung der Kassen gesorgt, man hat nicht die an sich durchaus nicht falschen Ausgaben entsprechend den Finanzierungsmöglichkeiten abgebremst, sondern die langfristige Ausgab« mit kurzfristigem Kredit finanziert. Man tat es in der Hoffnung, die kurzfristigen Darlehen bald in lang- sristige Anleihen umwandeln zu können. Die Hoffnung erfüllte sich nicht, aber die kurzfristigen-Darlehen wurden s ö l l i g! Man mußte um Prolongationen betteln, man kam so in peinliche Abhängigkeiten. Man wurde schwach und wir brauchen für unsere Wirtschaftspolitit vor ollem starke öffentliche Körperschaften. Es kommt nickst darauf an, die Schuldfroge auszuwerfen. Ali«? es gilt zu lernen. Man muß Realitäten Rechnung tragen, auch wenn sie sehr unbequem sind. Wenn man es nicht tut, wird die Situation nur immer schlechter für die Verwirklichung unserer aktuellen Wirtlchaftsaufgaben. Besteht dieser Will« oder die Eni- schlußiähigkett immer in Ausreichendem Maße? Ich fürchte, nein! Sonst hätten unsere Genossen im Berliner Rachaus Ausgaben, die jeder von uns wünschte, bei leerar Kasse nicht bewilligen dürfen. Der Erfolg war nicht Geld für die Arbettslosen, sondern Zwangs- oelwaitung für die Berliner Sladtwirtschaft. Das ist eine Schlappe. Kein Unglück, wenn wir aus den Peinlichkeiten lernen. Der Klassenkampf um die Demokratisierung der Wirtschaft erfordert alle Aospaanung der Kräfte. Er erfordert aber auch von allen Trägern von Verantmortung wirtschaftliches Lernen, wir werden lerne», das ist unsere unpoekische Reujahrs. betrachtuvg. Oer Llnfug der Schuhzölle. «Starke Ausfuhrsteigerung bei sinkender Einfuhr. Ein erbstterter Kamps hat in den letzten Wochen im Reichstag um die Heraufsetzung ddr Schuhzöll« stattgesunden. Im Rahmen des neuen Zollprogramms'ist'es der bürgerlichen Mehrheit gelungen, gegen den heftigst?« Widerstand der Sozial- demokroten im Handelspolitischen Ausschuß des Reichstages eine Aufstockung der deutschen Schuhzölle um 59 Proz. durchzudrucken. Dieser Beschluß der bürgerlichen Reichstagsmehrheit ist ange-. ficht» der starken Ausdehnung der Ausfuhr von deutschen Schuh- V. sabr.ikatcn bei gleichzeitig sinkercher Einfuhr Äs grober Unfug in votkswirtschafllicher wie handeispolttischcr Beziehung anzusehen. Es' ist zuzugeben, daß die Lage der Schuhindustrie in Deutschland� in den letzten beiden Jahren alles andere als erfreulich war. Die Schuharbeiter hatten unter einer ständigen Arbeitslosig- keit zu leiden, die sich viel drückender auswirkte, als in allen an- deren Industriezweigen. Auch die Bilanz des deutschen Schuh- außcnhandels war schlecht. Im Jahre 1927 stand einer Aus- fuhr von 2,28 Millionen Paar eine Emsuhr nach Deutschland von fast 3 Millionen Paar gegenüber. Im folgenden Jahr war die Einfuhr ausländischer Schuhe mit 4,2 Millionen Paar sogar mehr als doppelt so hoch, als die Ausfuhr deutscher Fa- brckate. Grundfalsch aber war der Hinweis der deutschen Schuhfabrik kanten, daß die Einfuhr aus dem Ausland« die Massenarbeitslosigkeit in der deutschen Schuhardeiterschaft ver- schuldet habe. Von 105 000 Schuharbeitern in Deutschland waren im Sommer etwa 35 000 arbeitslos. Bei völliger Drosselung der ausländischen Einfuhr würden aber bestenfalls 4000 Schuh- arbeiter mehr Befchäfttgung finden» die Massenarbeitslosigkeit da- durch also kaum gemildert werden. Die Wurzeln der Arbeitslosigkeit waren vielmehr in der schnellen Mechanisierung der Fabrikation und der mangelhaften Kaufkraft der deutschen Bevölkerung zu suchen. Die gewerkschaftlichen und parlamentarischen Vertreter der Ar- beiterschaft hatten sich daher bereits im Frühjahr dieses Jahres bei Veröffentlichung der Aollerhöhungswünsche der Fabrikanten gegen diese Politik gewandt. Inzwischen aber ist ein überraschender und grundlegender Umschwung im Außenhandel der Schuh- industrie«ingetreten- Schon im ersten Halbjahr 1929 war die Ein- fuhr von 3 auf l.g Millionen Paar, also aus fast die Häiste der entsprechenden Zeit 1928 zusammengeschrumpft, während die AMuhr leicht von 1 auf 1,17 Millionen Paar angestiegen war. In den folgenden fünf Monaten aber, von Juli bis Novem- der 1929, setzte sich die Ausfuhrsteigerung bei gleichzeitig sinkender Einsuhr in weitaus schnellerem Tempo fort. Es stellt« sich Einfuhr Ausfuhr Juli.. August. September Oktober. November �.jonuor ipt'Q* Jahres ist im September eine Steigerung der Ausfuhr um 65,7 Proz., im Oktober sogar ury mehr als 128 Pro�. und im November eine Steigerung um 65,3 Proz. eingetreten. Im Monatedurchschnitt September bis November ist also eine rund 90prozentige Ausfuhr st e i g c r u n g deutscher Leder- schuhe festzustellen. In den abgelaufenen elf Monaten dieses Jahres ergibt sich«ine Mehrausfuhr von fast 426 506 Paar und wert- Mäßig ein Au sfuhrüberschuß von 7,13 Millionen Mark Die kurzsichtige und handelspolitisch sehr schädliche st u r e Zollpolitik der bürgerlichen Parteien im Reichs- tqg richtet sich angesichts dieser sprechenden Zahlen von selbst. Ein setier Gilvesterkarpfen. Schöfferhoff-Binöing-Bräu zahlt TV Prot. Dividende. Ein Stloestergeschenk, wie es sich gehört, beschert das Schöffe rch off- BiNding Bürgerbräu seinen Aktionären mit einer Dividende von 26 Proz. Wie gewöhnlich werden die Brauunternehmer und ihre Aktionäre wieder schreien, daß diese Dividende bei dem hohen Kursstand der Aktien(ietzt 264 Proz.) nichts Besonderes sei, aber dieses Ablenkungsmanöver wirkt bei dieser Brauerei schon ganz und gar nicht. Abgesehen davon, daß die Brauaktien nur deswegen ihre Rekordhöhe behalten können, well die Unternehmen Rekord- gewinne erzielen, erhalten die Aktionäre dieser Gesellschaft diese fette Dividende auf Aktien, die sie im vergangenen Jahr zum Teil geschenkt- erhielten. Die Profite bei der Schöfferhoff- Binding-Brauerei waren im Aorjahre so hoch, daß' sie außer 20 Proz. Dividende auch noch ihren Aktionären den Nennwert der Aktien„aufstempeln" konnten, so daß die Aktionäre 1928 Ane tat- sächliche Verzinsung von 78 Proz. ihres Kapitals ein- streichen konnten.— So sieht die wahre Lage einer Industrie aus, deren prominente Vertreter von einer Zerschlagung durch die staatliche Steuerpolitik faseln. Wer ist OiNov, Read& Go? Die Morganbank 1928 unter den amerikanischen Ankeihe- häasern erst an zehnter Stelle. Wir haben vor einigen Tagen ausführlich über das Banthaus Dillon, Read u. Co. berichtet, das für das Deutsche Reich die von Dr. Schacht zerschlagene Anleihe besorgen sollte und das auf dem amerikanischen Anleihemarkt scharfer Konkurrenz mit dem Bankhaus von John Pierpont Morgan steht. Nach einer New Porker 'Meldung war Dillon, Read u. Co. in den ersten elf Monaten des Jahres 1929 wieder sehr stark an der Vermittlung von in- und aus- ländischen Anleihen beteiligt. Wie sich aus folgender Tabelle ergibt, stand Dillon, Read u. Co. neben charris, Fordes u. Co. an der Spitze der Anleihehäuser. Harris, Fordes u Co. Dillon, Read u. Co. National City Co.. Lee, Hiqginson u Co. Blair Corp..... 36'.7 Mill Dollar 233.0. 232.6. 205.7„ 202,8, Vom Bankhaus Morgan heißt es in dieser Meldung:„Erwähnt sei noch, daß dos Bankhaus I. F. Morgan u. Co.. das in setner Eigenschaft als Anwärter auf die kommenden Reparalionsemtssionen zu dem Sichel t ern der VerhaMungen über Men atnetfkatttschcy Reichskredit w efe n.tl i ch beigetragen hat, mit einem Emissionsbetrag von- 156,6 Millionen Dollar erst an zehnter Stelle unter den Emission: Häusern Amerikas erscheint. Die Morgan-Bank nimmt allerdings insofern- eine Sonderstellung ein, als sie im Emissionsgeschäft Im Gegensatz zu fast allen anderen Banken nur als Konsortialführerin auftritt und sich vrinzspiell an keiner Emission beteiligt, bei der eine andere Bank die Führung Hai." Die Herren der schwarzen Diamanten. Mne Z�analisie der Koblenmaanateo. Das Rheinisch- Westfälische Kohle nstjndi tat veröffentlicht die Iahresbetei la g u n g s z i f f e r n. der ihm angeschlossenen Zechen für den Stichtag des 1. Oktober 1929. die eine vorläufige Beteiligung von 137,45 Millionen Tonnen Kohle, 40,30 Millionen Tonnen Koks und 8.46 Millionen Tonnen Briketts ergeben. Die Verb rauchsbeteiligung wird mit 28,53 Mll- lionen Tannen ausgewiesen. Die'vom Syndikat veröffentlichten Zahlen beweisen, wie stark unsere Industrie heute syndiziert, kartelliert und ver- trustet ist. Auf die Bereinigten Stahlwerk«(Ruhr- trust) entfällt eine Kohlenbeteiligung von 25,88 Millionen Tonnen. Die Bereinigten Stahlwerke bilden aber mit dem Gelsenkirchen- konzern(3,1 Millionen Tonnen Kohlenbeteiligung), Rheinstahl (6 Millionen Tonnen), Auguste Viktoria(100 000 Tonnen), dem Siumm-Konzern(1,37 Millionen Tonnen) mit König Wilhelm, Essener Bergwerkverein.(2 Millionen Tonnen) und der Gewerkschait der Zeche Heinrich(375 000 Tonnen) einen Berkaussverein. In diesem Verkaussverein ist eine Beteiligung von 38,96 Millionen Tonnen zufaminengefaßt. Nun hat Geksenkirchen vor einigen Tagen vom Henfchel-Konzern, Kassel, die Essaner Steinkohlenbergwerk« mit einer Berkaufsbeteiligung von 5.41 Millionen Tonnen Kohle über- nommen, so daß der Rührt ruh im Synditat über eine Quote von ungefähr 44,38 Millionen Tonnen verfügt. Also ein Drittel der ganzen Beteiligung entfällt auf den Ruhrtrust. An zweiter Stell« steht der preußische Staat mit dem Hiberniakonzern(6.92 Millionen Tonnen) und der Bergwerks A.-G. Recklmgshaufen(6,28 Millionen Tonnen). Insgesamt verfügt der preußische Staat damit über ein« Quvt« von 13,20 Millionen Tonnen. Der Harpenkanzern allein hat eine Quote von 9,12 Millionen Tonnen. Die Beteiligung steigert« sich durch den Anteil der Gewerkschosttn Siebenplaneten und Biktorie-Lünen aus 11 Mil- [tonen Tonnen. Demgegenüber ist der Krupp-Konzern einschließlich der Gewerkschaft Konstantm der Große(3,8 Millionen Tonnen) im Besitze einer Quote von 6,21 Millionen Tonnen. Da dem Krupp-Konzern auch die Gewerkschaft Emscher-Lippe zuzurechnen ist, steigert sich sein« Quote aus 8,65 Millionen Tonnen. Für die Klöckner- Werke wird eine Beteiligung von 4,26 MU- lionen Tonnen ausgewiesen, für H o e s ch einschließlich Köln- Neuesien, Tr'er, eine solch« von 6,94 Millionen Tonnen, für den Lothringer Konzern 5 Millionen Tonnen, für die Deutsche Erdöl A.-G einschließlich Magdeburger Bergwerks- aktiengefellschaft 4.14 Millionen Tonnen und für Sachsen- Mansfeld 1,44 Millionen Tonnen. »MflSozi-l! 1 hJ riafmdunam s-aw eise SozialistischeArbeiterjugendGr.-Verlm Ostelbische Braunkohle. Ein fchwe gsamer LahreSdericht. Die Gewinn- und Verlustrechnung des Osteibischen Braunkohlensyndikats für dos Jahr 1928/N gleicht sich mit 3,14 Millionen Mark aus. Die allgemeinen Unkosten werden mit 3,12 Millionen Mark angegeben Don einer Durchleuchtung dieser Unkosten, die angesichts der Vorfall« ivährend der letzten Mo- nate noch dringend zu wünschen gewesen wäre(wir denken dabei an die Braunkohlensuboentionen für die Rechtsparteien), wird abge- sehen. Selbstverständlich stimmt das Braunkohlensyndikat auch in das Unternehmergeschrei ein,„wonach die deutsch« Wirtschast statt der erhofften Erleichterungen noch weiter gesteigerte Leistungen auf lvirtschafts- und sozialpolitischein Gebiet übernehmen mußt«". Das Syndikat hätte besser getan, wenn es sich mit den im Reichskohlenrat und in der Oeffentlichkeit aufgeworfenen Fragen der Ueber- gewinne derHändlerorganisativnen usw. beschäftigt hätte. Darüber sagt ober dos Syndikat kein Wort. Wie gut die F r o st k o n j u n k t u r in der oft elbischen Braun. kohle war. beweisen aber folgende stattsttfche Angaben: Die gesamt« deutsche Braunkohlenförderung steigerte sich von 152,5 Millionen Tonnen im Jahne 1927/28 aus 164 Millionen Tonnen. An dieser Förderung war das ostelbisch« Braunkohlen- syndikat mit 44,6 Millionen Tonnen gegenüber 42,5 Millionen Tonnen im Jahre 1927/28 beteiligt. Die Förderung des Ostelbischen Braunkohlensyndikats machte im Jahre 1928/29 fast 189 Proz. der Förderung von 1913/i4 aus. Die Brikeiterzeugung erhöhte sich von 11V Millionen Tonnen im Jahr« 1927/23 auf 12V l Mil- lionen Tonnen. Insgesamt gelang es dem Syndikat, eine um 4,2 Proz. gestiegene Erzeugung unterzubringen. Dafür war der wachsende Anteil des Ostelbifchen Brikett» an der Hausbrandversorgung ausschlaggebend. Ueber das neuc Geschäftsjahr 1920/30 wird gejagt, daß nennen»- werte Vorrat« an Lritetts denn Lerbrairchsr nicht vorhanden und die Lägsr der Kohlenhändler geräumt waren. Das kühl« Frühjahr, die Vorteil« der Sommerpreife und die gelegentlich der Kältewelle im Februar 1929 gemachten Erfahrungen hätten«ine stark« Ab- nähme im Sommr 1929 oeranlaßt. Die Produktion konnte bis jetzt voll abgerufen werden. Die Reichsiisdexziffer für die Lebenshaltungskosten(Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung. Bekleidung und„sonstiger Be- darf") belauft sich nach den Feststellungen des Stattstischen Reichs- amts für den DurÄchnitt des Monats Dezember auf 152,6 gegenüber 153,0 Proz. im Bormnnat: sie ist somit um 0,4 Proz. zurückgegangen. Dieser Rückgang ist aus«ine Senkung der Ernährungsausgaben zurückzuführen: insbesondere haben die Preise für Milch und Butter sowie für Fleisch nachgegeben. Die Indexziffern für die einzelnen Gruppen betragen(1913/14 gleich 100): für Ernährung 152,2, für Wohnung 126,7, für Heizung und Beleuchtung I52A sür Bekleidung 170,3, für den„sonstigen Bedarf" einschließlich Verkehr 192V- Der Fiskus als Forstbesiher. Der preußische Landuürtschasts- minister hat dem Preußischen Landtag einen Nachweis über die Veränderungen des Grundbesitzes der Staats- for st Verwaltungen zugehen lasten, nach dem sich der staatliche Forstbasitz in der Zeit vom 31. März 1925 bis Cnfce März 1929 um 75 237 Hektar vermehrt hat. Der Gesamtflächeninhalt der Staatsforsten stellte sich Ende März 1929 auf 2 469 931 Hektar. Für die neu angekauften Forstgnmdstücke in einem Ausmaß von 9771 Hektar sind mehr als 5 Millionen Mark, durchschnittlich sür einen Hektar 537 M. ausgegeben wordeis. Weiterer staatlicher Forstbesitz wurde durch Tausch, bzw. Zusammen- legung oder Ablösung gewonnen. Der Staat hat bei diesen Transaktionen auch rund 2000 Hektar Forstland verkaust und dafür mit 4,6 Millionen einen besonders hohen Preis erzielt. für diese Zdibrtt nur an da« Zuzendselreiariar 68. Cindcnftratc Z SAZ.-Zunabilckdencker! Sannta«, 5. Januar, 0'/ Ilhr, wichtla« Zusammen- tunk im Jugendheim, EW.. Lindrustr. 4,». I. EAJ.-MUgliedshuch vor- gcigen! Di««erichteboaen n»w 4. Quartal müssen umgehcud einacsuildt werben. Tedding, St. Heute Treffpuickt zur Fahrt 8 Ul>r Bhs. Weddlng. Zahresmilgliederversammlungeu. Donnerstag. 13'- Uhr. Oraniendnrnee Tor: Schule Elisabethk-rchür. tS.— Statten: Heim Lorging- Eck« Eraunstra««.— Fallvlnli l: Schule Sonnendurger Str. Zu.—«ardaft U: Heim Danzlger S!r. 82. Eingang I.— SchZnhauser Varstndt: Schule Sonnen. burger Str. 20.— jtottbusscr Tor: Heim Lrlgcr Str. 27—80.— Nöpcnicker Viertel: Schule Wrangelftr. t28.— Silmerodors: Hei« Wilhelm-au- 128: „Vüraerlichc oder proletarische Moral?" ffierdetKjiri Prenzlauer B«:g: Die angesetzte Sprechchorvrobe fällt aus. Bcrbrbezirl Strukölln: Alle Gruppen mllilc:: in der Zeit von 18—1« Uhr im Partciselrclariat, Fulda slratzr, die Filmlocttn für den 12. Januar abholen. Vorträge, Vereme und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Roi-Gold" fc SelchS'toitel'»: Kerlln E 14. SedaNIansir 87- 88 Hot 2. Tr. Vrenzlaner Berg: Donnerstag, 2. Januar, ltameradfcklaftspcrsamm- lunaen um 20 Uhr: flaut. Nordiap bei E-.t-schm.dt. cto.o.sche Strotze 2«. flaut. Vallan bei rogel. Jadlonsk str».- StztafUm: Sfttlfag. 5-tgnuar an Uhr. Zu« I. Eeneraloersautmluna. Neuwahl, int Lokal Cccnat. WiLbaw.AI.7-.Str. Z. Erscheinen Dtti»'.- Lichtenderg: Freitag Z Januar. 20 Uhr:«am. Nummelsdurg:«-tzung bei Zrunn. TUrrschm d.ltr.«",n- (tvustao Tempel; Sitzung bei flam. Hönow, Jranlsurter Allee.63. Erschciucn Dflicht. Verband«he-rchtoresorm. Sitz Berlin. GcschMsüclle: flüttigswusterhamen. Schütte-Lanz-Str. 2. Sauptoersammlung Fretta«. 3. Januar, 20 Uhr. im Restaurant„Zum alten Askauier", Scrltn SW. 11. 1 Treppe. Tagesord.tung. 1.>. echenschaitsberi»! für das Jahr 1829. Lorstandmrahl. 2. Unterausschutz. �Äti�aTür-enp d...«olonne««rlin. Mitgliedsbuch von !Z«lis B u b l i tz sowie Armbinde 852 sind pctlotcn gegangen. Verdes w.rd �'�Die Z«ie �Arbeit« r.Stenogia»hen,Blreinignng Srotz.Verlin hat es üch seit nunmehr 20 Jahren zur Ausgabe gemacht, allen di« Erlernung und Pklr� der Stenographie in Irich'-Ncr Weil- zu«rmofllichen durch Anfänger, und fartHilhunvsturft. Unsere A-faunerlurs« lo der �cich«kuizschrjft bc« nnen nr der Woche vom ZZ. bis 18. Januar, und trcxtT: Norv-n: Dlenstag. 14� Januar, « ütatze 7. All« flnese beginnen IS'- Uhr. Die Atwtelduim erfolgt, am �rücn Abend in den genannte» Vez�ten. Da- fluttusgeld de.rngt �emschttetzuch Lehrmatcrialbelieferung für Erwachsene 10 M., für Jugendliche>„30.vi., Erwerb-lose zahlen 50 Proz. der angegebenen Sätze. Der Mona sbettrag zu unseren ssoctschrittskursen beträgt für Ernrnchsen« 1 M., w- Iugendl che 75 Pf. Jedes M tglted erhält monatlich unsere Zeiychritt.Der Echo ftgrno�e gratis und darf unser« ssortzchri.-skurie unentgeltlich besuchen sowie die Verein-bibliothel benutzen. Schriftliche Anfragen beantwortet W. Riedel. Berlin-Spandau. Bustermarler Str. 10 1._ Verein ehemalige. Pelizeiheantter. Betl.n«II« chemal.flen Poltzetbcam- ten treffen s.ch am Montag. 8. Januar. 20 Uhr tn Unthals Sictqucllc, Am «eidendamm 1, zur Jahresversammlung. Dcrhinder e I nie. ess.n ten senden ihre Adresse zur ferneren Benachrichtigung an Isranz Arndt, SW. 61. Enlaurr Stratze 20. Gäüe wAkommru...._,.. � .Stnrmoogel", Zlugrerhand de? Berktätigen. Bezieksgeuppe flrenzberg: Am i. Januar. 19 W Uhr. im Restaurant.srriofenichlötzöhen. Derltn«W. 29. ssriesenstr 14, Werdcoortrag. Interessenten. Parteigenossen und Retchsbanlter- Mitglieder smd besonders eingeladen. Anschliegend gesellige» Beisammensein. � �Mei'chskezschrist-eoeiR«erlin-Moadit. Donnerstag.«-22 Uhr. Anfängtr.. IZortgeschrlttene., Redeschrist�>ehrgLnge. Rathenover Str. 8». Auskunft bei K. �aern, Berlin NW.?1. Wiclefitr. 21. � m Verein«hewaliger Schnlee d-r flnadeUfchnl» der Jüdisch«» fhemeind»,«. V. begründet 1900. ScschSftostelle: D. Lazarus. Elfässer Etr 9. Rord-n 165N Der Verein begeht am 12. Januar sein 80. Ststwngsseft. Alle ehemaligen«chüler werden gebeten, ihr« Adresse der Eeschilstsstelle mitzuteilen. Wen» der alljährliche Znnentnranooerkans stattfindet, heißt«S kür die Saustrou früh aufsiehen. zoltig in dir. Stadt zu fahren und überall Umschau zu halten, wo dill.a und gut zu iausen ist. Wrr die Geschäfte der»inna Werth'im besucht, wird finden, datz bei dem Znventuravsverkaus außergewoon. lich günstige flaufgelegenheiten«edoten werden. In fast allen Abteilung:» sind nicht nur die nach vorhandenen Winirrworen. sondern auch a»»--- den- bestände ganz wesentlich im Preis« h-radaes.at. ein« PeNchtigung»er .Schaufenster zeigt, welche flaufvorteile hier gebo'.en werden und uxti man pplwendig gebrauchen konnte..„„ Großer Atieveelaus der bei der ZnoenJiraufnahme festgestellten Waren. bestände der Atiienacsellsckmft Barr Sobn, flleiderwcrke und Summ Mäntel. sabrik in Berlin 31.4, Ehausseestr. 20-30. 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Iauvar 1930 Oer Gewerffchafiskampf 1929 Rück- und Ausblick an der Jahreswende. 1930. 192? war nicht, wl« dl« Unternchmerpresie, unterstützt vom Institut für Konjunkturforschung, immer wieder behauptet hat, ein Jahr krisenhafter Wirtschaft Aber es war Zweifels- frei ein Jahr der zunehmenden Arbeitslosigkeit. Die nun seit Jahren schon anhaltend« starke Nachfrage nach Leih- kapital für die Industrie zu Jnveslierungszwecken beweist am besten, daß der Beschäftigungsgrad der Industrie ein guter fft. Wenn die Nochfrage dos Angebot übersteigt, so ist das keineswges, wie in Umkehrung von Ursache und Wirkung behauptet wird, ein Beweis für den Rückgang der Konjunktur, sondern umgekehrt, ein Beweis dafür, daß die Industrie zu Jnoestierungszwecken m e h r Kapital verbrauchen als sie bekommen kömrte. Daher auch die wirtschaftlich ungesund« Finanzierung über laufende Betriebseinnahmen, die eine der Ursachen der hohen Arbeitslosigkeit ist. Denn je größer der Kapitalanteil am Produktionsergebnis, desto geringer die Kaufkrast der arbeitenden Massen. 193(1 droht nun wirNich ein Jahr der Wirtschaftskrise zu werden, wenn der chronischen Arbeitslosigkeit nicht ernsthaft zu » Leibe gegangen wird. Aus die Dauer kann keine volk''wirkschafl Millionen von Arbeilssähigen unproduktiv durchschleppen, ohne selbst dabei Schoden zu nehmen. Auf die Dauer werden auch die Gewerkschaften dlese chronische und krisenhafte Zlrbeitslosigkeit nicht ertragen können, ohne daß ihre Position ernsthafr zeichwacht wird. Das große Heer von Arbeitslosen wirkt nicht nur demorals- sierend auf die Arbeitenden, es drückt auch auf olle Verhandlungen � über die Gestaltung der Lohn- und Arbeitsbedingungen. Wenn man b-'/enkt, daß selbst in den Monaten Juli. A u g u st und S e p- t e m b e r 1929 die Arbeitslosigkeit in den sogenannten Saison- gewerben mehr als 9 Proz. betrug, wozu noch 6,Z Proz. Kurz- arbeiter kommen, wenn man berücksichtigt, daß in den sogmannten Konjunkturgruppendie Arbeitslosigkeit nur wenig niedriger war, die Kurzarbeit dagegen größer, so ist dos«in Zustand, der auf die Dauer die schwersten Folgen für die Gewerkschaften haben muß. Es zeugt für die außerordentliche Widerstands- und Anz'ehungs- kraft der freien Gewerkschaften, wsnn trotz dieser ungeheuren Arbeits- losigkeit im Jahr« 1929 ein Rückgang in der Mitgliederzahl nicht «ingetreten, ja sogar«ine weitere Zunahme zu verzeichnen ist. Gewiß ist diese Zunahme bescheidener als die des Jahres 1928. Die dem Allgemeinen Deutschen Gewer kschastsbund angeschlossenen Organisationen dürften ihre Miigliederzahl von 4 866 9? 6 zu Jahresbeginn auf schätzungsweise annähernd fünf M 111 tone m gesteigert.. haben. Auch beim A f A- B u n d ist eine Zustohme der Mitgliederzahl zu beobachten. Und zwar verläuft die>« MitU ederzunabme in einer regelmäßig aufsteigenden Kurve. Von rund 411 vgl) Mckgüedern am 1. Juli 1928 stieg die Mitgliederzahl aus 439 000 am 1. Juli 1979 und hat schätzungsweise am Jahresschluß 455 000 erreicht. Auch im Allgemeinen Deutschen Be- amtenbund ist eine gleichmäßige Mitgl'ederzunahme, besonders bei den Steuer-, Kommunal-. Zoll-, Polizei- und Postbeamten zu konstatieren. Insgesamt dürsten dU freien Gewerkschaften am Jahresschluß über 5 600 000 Milzlieder haben. Sie haben damit zwar nicht den Höchststand der Nachkriegs. zeit wieder erreicht, jedoch darf man nicht vergesien, daß die Anzahl der Beschäftigten infolge der außerordentlichen Arbeitslosigkeit gegenüber diesem Höchststand zurückgegangen ist. Die Erfahrungen des letzten Jahres zwingen die Gewerkschaften, sich der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit besonders zu widmen. Das abgelaufene Jahr stand an sich schon s.hr stark unter dem Einfluß dieser Arbeitslosigkeit. Die Unternehmer ocr- suchten, in der für das deutsche Unternehmertum charakteristischen kurzsichtigen und egoistischen Weis« die Arbeitslosigkeit als soziales Kampfmittel zu benutzen. Die bürgerliche Press« hallte während der fürchterlichen Winterperiod« wieder von dem Geschrei der..sinkenden Arbeitsmoral". Die unglaublichsten Lügen- märchen wurden verbreitet zu dem Zweck, den Arbeitslosen die Unterstützung zu kürzen oder ganz zu entziehen. Das Arbeitslosen- Versicherungsgesetz sollte zu diesem Zweck seines sozialen Charakters entkleidet, die Risiken der verschiedenen Jndustriegruppen sollten in ebenso viele kleine Dersicherungsunternehrnungen nach den Grund- jätzen der Privatversicherung aufgeteilt werden. Daß das Unternehmertum— auf weit« Sicht gesehen— mit einer solchen Politik nur den Ast absägt, auf' dem es sitzt, fällt den Herren im Reichsverband der Deutschen Industrie und der Vereini- gung der Deutschen Arbeitgeberverbände nicht«in. Denn diese Herren sind nicht zuerst Mrlschaster, sondern Pollfiter, und zwar Politiker der rückständigsten Sorte. Während ihre Betriebe sich revolutionär umgestalten, während die gesamte Volkswirtschaft durch die technische und organisatorische Rationalisierung umge- krempelt wird und damit wirtschaftlich, moralisch und polftisch dos gesamte Volksleben bestimmend beeinflußt, stehen die Herren vom Reichsoerband und der Bereinigung mit rückgewandtem Gesicht und sehnen sich nach der„guten alten Zeit", in der sie sich wahrscheinlich weniger wohl fühlen würden als in der Gegenwart. Wären die führenden Unternehmer nickst zuerst reaktionäre Politiker, sondern vorausschauende Wirtschafter(auch Ford ist als Politiker ein oer- schrobener Reaktionär, der aber in die Fordschc Wirt- schaft nichts dreinzureden hat), dann hä'ten sie alles in Bewegung gesetzt, um dos Sparkapital vor seiner Vernichtung durch die Inflation zu retten. Aber die Herrschaften machten damals „Außenpolitik". Jetzt stöhnen sie über die nrangelndc Kopital- bitdung. Da sie vor allem reaktionäre Politiker sind, schreien sie über soziale Belastung, noch Steuerabbau, Abbau der Sozialver- sicherung usw. Alle wirtschastlichen Notwendigkeiten, die im Zuge der Entwicklung unvermeidlich auch soziale Fortschritte sind, müssen in Deutschland deshalb dem Unternehmertum a u j g c- z w u n g e n werden. Sie können nur im Kampf gegen das Unternehmertum durchgesetzt und gehalten werden. Dorum kann auch eine Regie- rung, in der Sozialdemokraten mitregicren, nicht sozialpolitische Neuerungen durchführen, wenn sie dabei nicht entschieden gestützt und getrieben wird von den Gewerkschaften. Rückschauend ist es. daher nicht überraschend, dos Iahresergebnis der Gewerkschaftsbewegung nicht gerade überwältigend zu finden. Sozialpolitisch war es vor allem angefüllt mit dem Kampf um die Herabdrückung der Arbeitslosigkeit. Dies aber ist in erster Linie eine Finanzfrage. Herabsetzung der Altersgrenze in der Invalidenversicherung. HinaUssctzung des schulpflichtigen Alters, Förderung des Wohnungsbaues, also Arbeitsbeschaffung und Ent- lastung des Arbeitsmarkts durch Ausscheidung der Jüngsten und Mten, sind Fragen, die nur gelöst werden können, wenn der Staats- säckel gut gefüllt ist. Wie«s aber damit stand, weiß man. Statt dessen mußte das ganze Jahr über um die Aufrechterhaltung der Arbeitslosenversicherung gekämpft werden. Wenn dies auch in der Hauptsache gelang— nicht ohne Abstriche und nicht ohne das Op'er einer Beitragserhöhung— so hat dieser defensive Kampf uns nicht vorwärts bringen können. Der A f A- B u n d hat positive Erfolge errungen. Es ist ihm gelungen, für arbeitslose Angestellte, die das 60. Jahr vollendet haben, den Rentenanspruch aus der Angestelltenversiche- rung durchzusetzen, desgleichen den erhöhten Kündtgungs- schütz für älter« Angestellte, schließlich einen Erlaß, wonach die Behörden bei Bedarf von den Arbeitsämtern die älteren A n g e st e l l t e n bevorzugen sollen. Es wäre schon sehr viel ge- wonnen, wenn diese Errungenschaften auch für die Arbeiter durch- gesetzt wären. Lohnpolilisch war das?ahr erfolgreich, obne daß-s notwendig wgr. außerordentlich schwere Kämpfe zu führen, trotz der ungünstigen Arbeitemarktlage. Der M herfolg auk der ganzen Linie, den die Unternehmer im Vorjahr« mit ihren Massenaussperrungen hatten, haben die Scharfmacher in den Hinter- grund gedrangt. So konnte besonders die große Lohnbewegung im Frühjahr erfolgreich und ohne schwere Opfer abgeschlossen werden. Nur in der Textilindustrie kam es zu größeren Kämpfen. Das Gesamtergebnis dieser Kämpfe brachte nach der Lohnstatistik des ADGB. eine durchschnittliche L o h n st c l g e l u n g für männliche Vollarbciter von 102,2 Ps. pro Stunde am 1. Januar auf 105,3 Pf. am 1. Juli 1929 oder 3» Proz., während der Index der Lebens- Haltungskosten im gleichen Zeitraum sich um 0,8 Proz. erhöhte. Nach der amtlichen Lohnstatistik für den gleichen Zeitraum war die Steigerung der Reallöhne ungefähr gleich groß. Im zweiten Halbjahr dürfte eine weitere, wenn auch etwas geringe« Steigerung der Reallöhne durchgesetzt worden sein. Für normal« Zeiten wäre«ine j Steigerung des Reallohnes von mehr als 3 Proz. innerhalb eines Jahres ein durchaus befriedigender Erfolg. Aber dia Zeiten der Massenarbeitslosigkeit und der Ueberrationalisierung sind eben nicht normal. Freilich darf nicht übersehen werden, daß eben diese Massenarbeitslosigkeit den Kampf um die Steigerung der Real« löhne außerordentlich erschwert. Weniger als in den letzten Iahren wurde der Kampf erschwert durch die kommunistischen Quertreibereien. Die Uebertreibungen det> KPD. haben in steigendem Matz« zu ihrer Ausschaltung aus der Gewerkschaftsbewegung geführt. Gewiß kann di« KPD. den Gewerkschaften noch schweren Schaden dadurch zufügen, i daß sie politisch und wirtschaftlich die Unorganisierten gegen di« Organisierten ausspielt. Aber innerhalb der Gewerkschaften selbst geht der Einfluß der KPD. gerade durch diese Taktik immer ineht zurück., i Trotz der riesigen Arbeitslosigkeit, die die Finanzen der Gewerk» schaften schwer belasten, ist die. � Amanzkraft der Gewerkschaften welter gewachsen.'. Davon zeugt nicht nur der Ausbau der Unterstützungseinrichiunge» durch Einführung der Invalidenuntcrstützung. Auch die finanzteil stärker« Fundierung der von den Gewerkschaften getragenen Unter« nehmungen(Arbeiterbank, Dewog usw.) zeugen dafür. Die Eigen« einrichtungen der Gewerkschaften(Berbandshäuser, Schulen, Ferien« heim« usw.) übertreffen heute die kühnsten Träume der Gewerk« schafter vor 25 Jahren. Auch die Zusammenballung der Gewerk« schaften zu immer stärkeren Gruppen entspricht dieser Entwicklung. Nach dem Anschluß der Glaser und Porzellanarbeiter an den Fabrik« arbeiterverband, nach dem Zusammenschluß der Verbände der Nah» rungsmitel- und Getränkearbeiter, tritt am 1. Januar nunmehr der Gesamtoerband mit rund 700 009 Mitgliedern In Aktion. Auch hier ist die Entwicklung noch lange nicht äbgeschlolsm. Dieser organisatorische Rationalisierungeprozeß hat vor allem den Zweck, die Stoßkraft der Gewerkschaften zu erhöhen. Deeh lb können wir dem neuen Jahre, das ein Jahr des Kampfes gegen dick Arbeitslosigkeit oder des Rückschritts sein wird, mit Zuversicht- entgegensehen. Die Berliner Arbeitskämpfe. Gin Crfo'gsjahr der Gewerkschaften. Ein Rückblick auf die Lohn- und Tar'sbewegungen in Berlin zeigt, daß die freien Gewerkschaften trotz der ihre Aklioität hemmenden Arbeitslosigkeit ganz ansehnliche Er- folge erringen konnten. Zu umfangreichen Streiks ist es nicht gekommen. Für die Beurteilung gewerkschaftlicher Erfo'ge ist ober nicht die Zahl der Streiks und der daran Beteiligten ausschlag- gebend, sondern die Beantwortung der Frag«, ob lohn- und tarif- politische Erfolge erzielt wurden und ob der Gewinn den Ein- satz an Kräften lohnte. Wenn man den Ausgang der Berliner Lohn- und Tarif- bewegungen im verflossenen Jahr kritisch rückschauend betrachtet, muß man zu der Fessstellung kommen, daß die Gewerkschaften m i t wenig Opfern beachtliche Erfolge erstritten haben. Diese Behauptung läßt sich an einer gedrängten Uebersicht über die wich- tigsten Bewegungen im Vorjahre am besten beweisen Gleich zu Beginn des Jahres, im Januar, wartete der Vertehrsbund mit einem durchschlagenden Erfolg auf. Er setzte für die Berliner Droschkenchauffeure die seit Jahren erstrebte Gewährung eines Garanticlohnes von 8 M. pro Tag durch, den die Droschkenfuhrunternehmer ihren Fahrern jetzt am Jahresschluß wieder streitig machen möchten. Nach dem Wunsche der Unternehmer soll der Ehauffcur wieder, wie vor dem Tarifabschluß im Januar 1929, nur prozentual an der Bruttoeinnahme beteiligt sein. Di« Treibriemensattler beendeten am 21. Januar einen einwöchigen Streik, nachdem ihnen die Unternehmer in freier Der- einbarung ein« Erhöhung de«. Stundenlöhne von � 1,15 M. auf 1,20 M. zugestanden und sich verpflichtet hatten, keine Maßrego- langen vorzunehmen. Dem Metallarbeiterverband gelang es gleichfalls im Januar, für die Arbeiter der Berliner Stempel- Industrie, wo schon seit langer Zeit kein Tarif mehr bestand. wieder einen Manteltarif abzuschließen, in deni die 4 8 sl'u n d i g e Arbeitszeit verankert ist und der den Arbeitern einen Anspruch auf Ueberstundenzuschlag, Urlaub usw. sichert. Für die Arbeiter im Dunggroßhandel wurde nn Februar vom Berkehrsbund durch einen Vergleich ein« wöchentliche Lohnerhöhung um 5 M. erwirkt. Unter Mithilse des gleichen Verbandes wurde am 1. März für die Arbeiter der Ver- k e h r s- A.- G. eine einheitliche Ruhelohnkassc geschaffen, die den Prioatunternchmen als Borbild dienen kann. Die fast hundertprozentig im Verband der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter organisierten Berliner Mühlenarbeiter er- zielten im März nach einem einwöchigen Streik eine Lohnerhöhung um 2,50 M. Ebenfalls im März wurde das Tarifregister erweitert durch den Metallarbeilerverband, der für die seit 1922 tariflose Branche der Bureaumasch inenmechaniker wieder einen Lohn- und Manteltarif abschloß. Die Fbühjahrslohnbewegung der Kämmerer- und der städtischen Werksarbeiter brachte in zwei Etappen eine Erhöhung der Stundenlöhn« um 7 Pf. In der Z i g a- rettenindustrie wurde die Lohnbewegung durch einen Schieds- spruch beendet, der die Löhne der verschiedenen Arbeitergruppcn um außergewöhnikhkiUiaeSsifcAte Herren taeeo-Ansugsr färb'?, rern. Cb« viot 63.- 78.- 88.- 98.« cito,, blau..84.- 86.- 112.- Aband-AnsuKi icbwarx 108.- Wln-tor-U loter, Rernust. Chcr. od Flausch? 8.- 88.-84- 108- Oabardlne-Mantc I, imprägniert 78.»«.Plaid 88— - 1 die. Marke„Nl- #|| tkolAOvboncloe' yT| 08— ISO- b ErmcQiqunq auf alle ferTiqen ___ Waren mit Aus« 'nähme der Sonder-Anqebote. Damen 8chnolc«Qrarbelt Kostüm,*. Te 1 mit Pelzbog. Serie i— IV 48- 88- 88-78- Mantol oder Ulster, s. Teil ganz auf Crepe de Cb ne, _ 8er e 1 28- 8er e 11 48- SW-Ansuar Serie I 88- U 68- Pullovor oder Weslo Serie T 8— Ser e IT 12— Pariser u. eigens ModaKo t.Te I unt�r Einkaufspreis Knaben 8portan*ugr. Jahre6-S,9-ll,12-14 Serie 1 18- 17— 18— Sommer- od. Wlnto«-Ulster Jabre 3-6 7-9 10-14 Serie I 18- 17- 18- Skianauy, Jahre 3-7. 8-10. 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Sastwirts» gemcrbe wurde im Apxil ein neuer Manteltartf abge- schlössen, der gegenüber dem bisherigen Tarif ganz erhebliche Der» besserungen in der' Urlaubsregelung,'der Lehrlingsfrage, der Aus- hitfsarbeit usw. brachte. Im April wurde an Lohnerhöhungen ferner erreicht: sgr die L a nd scha f tsg är t n e r 7 bis 10 Pf. pro Stunde, für die D r a u e r insgesamt 3 M. pro Woche, die Mobeltrans» porlarbeiter 3 M bzw. 4.20 M. pro Woche, die Kar« ton na g e na r b e i t« r S Pf. pro Stund« in der Spitze, die W e t a l la r b et t e r in den Betrieben des Verbandes Berliner Metallindustrieller 4 bis 6 Pf., die Bauarbeiter 0 bis 7 Pf. Bei der V e r k e h r s- A.- G. erhielt dos technisch« Personal«ine Zulage von 5 Pf. und das Verkehrspersonal von 3 Pf. Daneben wurde noch für das Fahrpersonal die Arbeitszeit um täglich eine halbe Stunde verkürzt und ein entsprechender Lohnausgleich gewährt. Dem Z e nt ra l o« r b a nd der Angestellten gelang es. Nach sahrelanger Tariflosigkeit für die Angestellten in der Ziga- rettenindustrie ab/1. April die Gehälter wieder tariflich fest- zulegen. Im Mai wurde für die H a n d« l s a r b« i t e r im Einzel- Handel der Achtstundentag erobert, desgleichen für die Bäckerei- arbeit er. denen daneben noch eine Lohnerhöhung«m 1,50 M. bzw. 2,50 M. pro Woche zugesprochen wurde. Im Juni erwirkten die Kohlenarb elter durch den Schlich. tungsausschuß eine Zulag« von S Pf. pro Stund«, die Bau- klempner und die Rohrleger in freier Vereinbarung in zwei Etappen 11 Pf. und die Glaser ebenfalls in zwei Abschnitten g Pfennig. Die Speditlonsarbeiter«thielten im(Juli durch Schiedsspruch insgesamt 3,50 M. Zulage pro Woche, die Arbeiter der KuwertmaschineninduftrI« 8 Pf pro Stunde und die Arbeiter im Röhrenhandel 2 und 3 M. pro Woche. Die Bauklempner traten zur Abwehr von Verschlechterungen ihres Manteltarifs am 17. Juli in den Streit, den sie am 19. August erfolgreich beendeten. Am 23. Juli entbrannte der Kampf in der Bau- und Geldfchrankbronche, der zuerst von den A n g«» stellten um die Aufbesserung ihrer Gehälter aufgenommen wurde und der am 26. Juli durch die Arbeitsniederlegung der Bauschlosser oerschärst wurde, die ebenfalls eine Erhöhung ihrer Löhne forderten. Der Angestelltenstreit endete am 7. August mit einem bindenden Schiedsspruch, der ein« Gehaltserhöhung um 7 bis 12M Proz. vorsah. Di« Arbeiter nahmen am 26. August die Arbeit wieder auf. da die Abstimmung Wer einen Schiedsspruch, der im Abstand von stebe» Monaten ein« Lohnerhöhung von utsgefaml 8 Pf. brachte, nicht dr» erforderliche Mehrheit zur Wetterführung de» Streikes ergab. Die Berliner Töpfer erhielten ab 1. Oktober durch Schieds- fpruch ein« Lohnzulage von 8 Pf., die Metallformer ab 16. September 4 Pf., die Tapezierer ab 21. September in drei Etappen 8 Pf., die Angestellten der Bertiner Metall- i n d u st r i e durch frei« Vereinbarung 7 Proz.. die Buchbinder in einigen Fabriken der Luxuspopierbronche nach einem Streik 5 Proz., die Vauanfchläger insgesamt 8 Pf. Im Berliner Gast Wirtsgewerbe wurden durch«inen Schiedsspruch am 28. September die Garantie löhne der Kellner monatlich um 20 bis 24 M. erhöht und die Wochenlöhne des übrigen Personals um 1 M. bis 3,15 M Die größte Lohnbewegung im vierten Quartal war die für das Personal per Berliner B e r k e hr s- A.> G., die für die Der- kehrsarbeiter den fett langem erstrebten Einheitslohn und pro Beschäftigten«in« durchschnittliche Lohnerhöhung von 4.1 Pf. pro Stund« brachte. Die Erfolg« der freien Gewerkschaften haben die KPD. nicht ruhen lassen. Auch sie verfuchte. in„Gewerkfchaftspolitik' zu machen, nnt dem..Erfolg", daß einige taufend Arbeiter nutzlos oftmals viel« Wochen um ihren Verdienst und teilweise um ihren Arbeitsplatz kamen. Es sei in diesem Zusammenhang nur erinnert an den tom- munistischen Rohrlegerstreit, die wilden Bouarbeiterstreiks, dckN Streik im Walzwerk Hennigsdorf, bei Termafit, Tema. Lorenz, Loewe-Radio/ den Wohlfahrtsarbeiterstreik vor der Nosemberwohl usw. Ein Vergleich mtt diesen„revolutionären" Streiks zeigt, daß erfolgreiche Kämpf« nur durch die Gewerkschaften geführt werden können. Die Lebenslage der Berliner Arbeiterschaft ist im verflossenen Jahre nur durch die Gewerkschaften verbessert worden. Und so wird es auch im neuen Jahr« bleiben. » O. Schindler. Am Schaliwerk der Arbeitstrast. 0 1 Norvea 0012. Zum Arbeitsamt Berlin-Mitte gehören sämtliche Arbeitsnachweis«, die Facharbeiter und Angestellt« für ganz Berlin vermitteln Wer also einen Maurer,«inen Kellner, einen Bäcker, einen Buch- Halter, eine Näherin, eine Sprachlehrerin, ein« StenAlypistin von einem Arbettsmni erhalten will, muß sich ohne Rücksicht darauf, oh seine. Wohnung bzw. sein Betrieb sich in Spandau, Tegel oder Weißens«« befindet, an das Arbeitsamt SerNa-Alilte«ende». Di« einzelnen Vermullungsstellen dieses Arbeitsamtes sind nun über das ganz« Stadtgebiet zerstreut. Mancher Zeitverlust, manche Kosten und mancher Aerger sind bisher dadurch entstanden, daß diese Stellen nicht miteinander verbunden waren, sondern jede einzelne ehren besonderen Ferrrsprechanschluh, ihr« besonderc Te- lephonnummer besaß und obendrein im Fernsprechverzeichnis viel- leicht noch schwer zu finden war. Es ist nun dem Arbettsamt Berlin-Mitte gelungen, eine Fernsprechzentrale in dem bekannten Arbeitsnachmeis- gebäud« Gormannstraße 13 zu erhalten. Diese ist mit sämliichen Dienststellen des Arbeiisomtes verbunden. An Stelle der bisherigen zahlreichen Fernsprechnummern tritt vom 1. Januar 1930 ab eine einzige Sammelnummer für 80 Po st Haupt- anschlüsse unter v I Norden 0017. Alle Stellen des Arbeitsamtes Bsrlin-Mitt« stich von diesem Zeit- punkt ab nur noch unter dieser Nummer zu erreichen. Wer also Facharbeiter und Angestellte benöttgt, braucht zukünftig nur noch diese Nummer anzurufen. Er erhält hier aber auch Verbindungen mit der Derufsberatungcstelle Mitte, der Abteilung Arbeitslosen- Versicherung des Arbeitsamtes Berlin-Mitte usw. Also notieren Sie bttte: Arbeitsami Berlin-Mitte nur unter v 1 Norden 0017(O I Norden nuhl nuhl siebännzähn). »�reie Gewerkschafis-Zuaend Berlin Moram, Tonncrstoa. 2. Januar, 19W Uhr. taarn dir Srupp.n: Wldbioa! etiibt. Iua ndhc'm Orlhstr. 10. r-eimbtfprrdiuna.»erSand». bucklontrolle.— Bt-abit- Elädt. Jtua.'ndhrim Lrhrter Str. 18—19. »eimbcfptcdiuna uni Mugkabend.— est>äflcn: Erup??nhclm?!eich?ni>«rg«r Ltraßc 06({TeucimelirtKiua).. Le mbcsprcchuna.»er.andsbudla.ltrolle.— Tempilh»!: Srupvenhe m twcum German astr. 4— 6. Der Suaona. zum Iuqcndhcim ertplat durch den Einaana auf der Hinteren'Sri'« der Schule, GWIrag«. feeintlefptedjuna,»rinat veimausweise und DerSandsditdier m.t. -- Ges»»db>nn»eni Jugendheim liote Schule, gaienburaer Str. 2. feei-npe- sprechuna:..Wie sind w.r in» neue Jahr arrutscht.— Schdnewrid«! Iuoend» heim Riedcrschönewe.de. Berliner Str. 31! Mädchenschule), it» Keller, be m. befprechuna. de'mauemrise und Verdandsdiicher milprinaen.— Rppcnidi Iua ndhe m Grünauer Sit. 5. fit'jn&efpttch.unq:.-Tütf&rd auf da» Jahr NiSS". — granlwri«, Ale«! Zuaendhs m isrankfurter Alle« 307ch nd.15 Ufr. 4 kleine Preise. VolKsbtmne fliit« taliloviittT 8 Uhr Afl&re Dreylus Schauspiel von H. J. Rehfiscb und W. Herzog Regle H. D Kenfer Staaueaaraai Pia» aar sapatiik Vb Uhr OleTfirhanne Braut 10 aalet ata itunuaartaaB "A Uhr OIiGarfenl'iil!« StiatUdiiller-ni. 8 Uhr ?o und so. so goritdorwind Direktion >r. Robert Klelr reBtsehes (ODSller-Tlieal Barbarossa 3937 8-/. Uhr JEiir. iweUn" Regie: Gustav Härtung. IntarvliT mda: Souper von FranzMolnat Jsgia: deiiiHüjri Birlinir Mit D6nhoH 170 t-.JTJluTEnabTP« Seltsames ZwisiöeBsplßl Oeolsdin Tteaiei l>.I Norden 12310 Tägl. 8'/« Uhr Der Kaiser V.Amerika von Bernard Shaw Reg.: Max Reinhardt Kammerspiele D. I Norden 12 310 Täglich«-/. Uhr D6sir6 Komödie von Sascha Guitry Regie: Leo Mittler. Die Komödie II Blsmck.2414r7SI6 Täglich 8'/. Uhr fem renke! gehoü von Knut Hamsun Regie. MaxRelnhardt Dl a. ÜDlIaiidQilplatz Vorvk. 10.2. Kl. 2001 Täglich Uht fiositpltf das Oasumsa Ttuian DleMms »s,le Mai»ki-Üinll. Lessing- -Iheatep Norden 1084« Tägl. SVi Uhr /iiug Roter Ad.er Schauspiel von An ermayer Tfianon-TlLws,K,ur F. glich 81/8 Uhr Dir sisutiM. Utäerfolc HeUöiri)«er. Schwank inäAkten Neujahr Uhr Vhh äVeniosditsliaaii] fe iai?r tifsfläUL mb» Koinlsche Oper rr«Btd)Str.104. Msrkiu 1401 43311.| Allabendlich 8''. Uhr HuBIa di Bulla| Schwank von Arnold und Beeb Lustspselhaus F riedrichstr. 236k Bergmann 2922/23. 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Ein rotbackiger freundlicher Westfolc, seit Monaten auf der Walze; ein Hallenser, sür die Feiertage zu Besuch in Berlin; ein zünftiger Wanderbursche, Maurergeselle—, alle drei nächtigten Ins heute im O b d a ch. dann fetzte man sie vor die Diir. Der grötzic Teil der übrigen Jungens sind Ausreißer, aus den» Elternhause, aus Fürsorgeanstaltcn, von der Lehrstelle Sie wurden von der Polizei ausgcgrisfen oder vom Wohlfahrtsamt am Polizei. Präsidium hierher gewiesen. Die gute Stimmung hilft über die Seelennöte hinweg; die Erzieher sind freundlich, die Käme- roden gesellig und schließlich ist es doch Silvester. Trotzdem: Gitter an den Fenstern. Ilm Mitternocht werden die G.ocken das Neue Jahr einläuten, die Straßen voll Menschen sein und zu Haus« wird Blei gegossen werden. Da beschleicht einen doch etwas wie Heimweh; man denkt an die Nächsten, an Geschwister und Eltern. So mancher Ausreißer denkt still und inmz an seine Mutter. Wie aber, wenn weder Vater noch Mutter leben. Zum Beispiel derjungeBöcker. ErhattcineErinnerung ' mehr an die Eltern, ist bei Onkel und Tante großgeworden, war in der letzten Zeit arbeitslos; so machte er sich auf nach B e r- bin, heimlich, um seine Tante nicht aufzuregen. Ein junger Schlosser, seine Eltern sind längst tot. Er arbeitete in der Nähe von Berlin, kam ohne Papiere hierher, die Festtag« zu verbringen. Ein Fünfzehnjähriger, ein Berliner Junge, wegen häuslicher Per. hältnljse vom Jugendamt früh in Pfleg« gegeben, Dater und Mutter starben, der Fünfzehnjährig« war aus eigene Füße gestellt, verlor sein« Stellung, wollte jn der.Herberg« zur Heimat übernachten und wurde hierhergebracht. Ein kräftiger Neunzehnjähriger, von Beruf Schweizer, Brust und Arm voll Tätowierungen, läßt sich nicht gern ausfragen. Das stnd die Elternlosen. Andere gibt es, die wohl eine Mutter haben, die aber vielleicht zu Hans dennoch keine Heimat finden konnten. Ihr Neujahrsgruß gilt bestimmt der Mutter. E i n d ü n n e s, b l a s l es B ü r s ch- lein von kaum 15 Jahren, zum vierten Male aus dun Haufe aus- gerissen—.wegen der Eltern", sagt er; der Datcr prügelte, die Mutter schützte den Jungen nicht; diesmal nahm er eiwos Geld mit, es reichte gerade für die Reife aus einer sächsischen Stadt hier- her. Er kommt in Fürsorg«.„W e g e n de s Stiefvaters bin ich ausgerissen*, sogt ein anderer, ein fester Junge, der geborene Komiker. Er ist mit einem Zirkus mitgegangen, als dummer August und macht ihn ganz vortrefflich den Jungens vor, mit Kreide und Schmiyk«. W« gen des.B atxrs verließ ein 17jähriger Ost- drestfe. bps Eltepiibötzs. Crf chü tzt e die Mut t er vor dessen� M i ß h o ndlu n g e n."�Jefe? gÄ>st du' aus dem' Haitz« Vsagte'Ser" Baier. Ein Wanderzirkus mit vierzig Wagen befand sich gerade im heimatlichen Orte. Der Jung« zog als Kellner mit. kam bis Berlin, wurde hier ungerechtfertigter Weife des Schokoladsndieb- stahls bezichtigt. Nichts auffälliges an dem regelmäßig geschnittenen Gesicht. Er war Tischlerlehrling und nwchte Schiffszimmer- mann werden. In ein richtiges Verhältnis zur Mutier tonnte der jung« Magdeburger nicht kommen. Sein Bater war im Kriege ge° fallen. Der Junge mußte in«in Kriegswaisenhaus. So mancher Streich liegt hinter ilzm. Mit unters chlogenem Geld kam er nach Berlin. Vielleicht hält er sich doch auf der Stellung, die man sür ihn bereits gefunden.... Immer wieder sind es kleine Unterschlagungen, die oft notgedrungen, schon in der Absicht, das Elternhaus zu ver- lassen, begangen werden. Ein Siebzehnjähriger aus Süddeutsch- land ist bereits zum zweitenmal im Jugendheim Im Sammer war ex mit 400 M. durchgebrannt. Sein Vater hatte ihi� abgeholt. lind vor einigen Tagen wiederholt er das Spiel: wieder ist er mit 400 M. nach Berlin gekommen. Gleich am nächsten Tag hat man »hn„g« k a p p t*. Er weint bittere Tränen. Ein junger Kauf- mann aus der Pfalz, wohlerzogen uid nicht unintelligent, hat 100 M. unterschlagen. Das Reisegeld für ihn ist bereits«in- g etrvsten. Einem 15jährigcn Thüringer gestcl es nicht auf der Glasfabrik. Das nett ausschauende Bürschlein lieh sich Prospekte von Filmateliers kommen, nahm feiner Tante 13 M. weg _ und brannte nach Berlin durch. In Lichterseld« wölbe er Anstellung 'finden.— Ein ISjähriger Sachse. Bä-kergeselle, hält es nirgends lange aus. Ein Bursche, der für die Fürsorgeerziehung viel zu f ch a d o i st und doch soll er hin.„Fürsorge" ist immer das l« tz t« Mittel. Nicht selten das einzige, das übrig bleibt. Wenn man aber hier die slüchiigen Fürsorgezöglinge sieht, so sagt man sich erneut: Vorsicht mit der Fürsorge- c r z i c h u n g! Da ist z. B. ein 1 7 j a h r i g c r B a d c n s e r. Zuerst war er in der Fürsorgeanstalt in W.: er brannte immer wieder durch; kam in eine Anstalt sür„schwer erzichbare Ju n g e n".„Mit dem Direktor konnte man da über alles sprechen", sagt er. Trotzdem riß er nach Berlin aus. Ein anderer Für- sorgezögling aus einer konfessionellen Anstall in der Röhe von Berlin ist bereits viele Male davongelaufen, er macht kein Hehl voraus, daß er auch diesmal nicht dableiben wird. Nach«in Fürsorgezögling aus derselben Anstalt. Und schließlich— die k e s s e n Berliner Jungens. Durchaus keine schlim- men Burschen— schlimm sind aber ihre häuslichen Ber- hält ni s je, schlimm die Straße, schlimm, da es die jungen Leute nie ein« Jugendorganisation angehört haben, in der sie vielleicht Rückhalt gefunden hätten... Silvester im Jugendheim des Polizeipräsidiums! Jugend ver- gißt leicht, denkt nicht an den nächsten Tag, freut sich des Augenblicks und bedarf nur ein wenig Liebe, um sich g r borgen zu fühlen. Die fehlte in der Schule, fehlte zu Haus«. Uni) doch: des Ausreißers Ncujahrsgruß gilt der Mutter— sofern er eine besitzt,... D. U. Hundert Jahre Hundesteuer. Ursprünglich eingeführt zur Bekämpfung der Tollwut. Steuern sind niemals beliebt, wenigstens nicht bei denen, die sie zahlen sollen. Zu den unbeliebtesten Steuern aber gehört die Hundesteuer— das werden uns alle, die einen Hund haben, ohne weiteres bestätigen. Mit sicherlich nicht freudigen Empfmdungen werden s i e das„Jubiläum" begrüßen, das die Steuersinder Berlins jetzt zur Verherrlichung der Hundesteuer„feiern" könnten. Bor hundert Jahren, am t. Januar 1830, wurde in Berlin die Hunde st euer eingeführt, nachdem im Jahre 1828 die Stadtverwaltung bei der Staatsbehörde die Zu- loiiung einer solchen Steuer beantragt hatte und dann im April 1829 durch Kabinettsorder des Königs die Genehmigung erteilt worden war. Die neue Steuer war so unbeliebt, daß Adalbert von Chamisso, der in Berlin lebte, sie in seinem Gedicht„Der Bettler und sein Hund" scharf angriff und brandmarkte.„Drei Thaler bezahlen sür einen Hund? Da schlag« dos Wetter mich gleich in den Grund!" klagt ergrimmt der Betller, dem solche Steuer sür seinen treuen Begleiter unerschwinglich ist. Drei Thaler im Jahr betrug damals die Hundesteuer. Das bedeutete, wenn man den damaligen Geldwert berücksichtigt, gewiß nicht weniger als der heutige Hundcsteuerbetrag. Die Einnahmen aus der Hundesteuer sollten zu„gemeinnützigen Zwecken" verwendet werden, vor allem zu Beihilfen sür Hauseigentümer, die nach den Kabinellsorders von 1825 und 1928 angeholten wurden, die Bürgersteige mit Granit- platten(„Troittoirs") zu belegen. Als den eigentlichen Grund und Zweck der Einführung einer Hundesteuer gab man an, daß durch sie die Zahl der Hunde verringert und hiermit die Berbreitung der Tollwut vusgehalten werden solle. Zur Schonung derjenigen, die für ihren Gewerbetrieb oder zur Bewachung einen Hund Hollen mußten, wurde in diesen Fällen die Steuer erlailen. Wahrschein- m. batlc..a,tch Ehamijjo?.Pettser,jüx seliWi K'rd die St�enreihest. erlangt. Die gewünschte und von der Steuer erwartete Vermin de- rung der Hunde wurde zunächst erreicht. Sie war im ersten Jahre so stark, daß die Zahl der Berliner Hunde(einschließlich steuerfreie/ von 1830 bis 1831 von 5942 auf 4441, um reichlich 25 Proz., zurückging. Dann folgte eine weitere, aber langsamere Verminderung bis 1835, wo es in Berlin nur noch 3339 Hunde gab. Danach aber setzte ein«»eue und den Bevölkerungszuwachs stark überschreitende Vermehrung ein, so daß in 1840 schon wieder 4307 Hunde, in 1845 bereits 6395 Hunde, in 1850 sogar 9742 Hunde gezählt wurden. Aehnlich hat man auch in neuerer Zeit beobachtet, daß nach einer Erhöhung der Hundesteuer zunächst eine sehr n-ertliche Verminderung der Hundezahl eintrat, aber bald wieder eine neue Vermehrung folgte. Zur Zeit hat die Viermillionen- stadt Berlin über eine DiertelmiRon Hunde. Im Jahre 1830, wo 5942 Hund« gezähll wurden, hatte das damalige Berlin 247 500 Mutter, sofern er eine besitzt....■■■ Am Donxicrsi«tf, dem 0. Januar 1930, Uhr. Im großen Saal des JLehrcrvcrelxuhaiues, Alcxandcrplalz: Vortrag: abend: „IHroBetarftscSae Dialftifuimg*' Vortragender Genosse Dr. Karl Schröder./ Der MVolkichor Lichtenberg" wird diese Veranstaltung mit Kampfliedern umrahmen./ Preis der Eintritlskartc 30 Pfennig.> Jede Inhaberin einer Karte ist berechtigt, sich nach der Verenstaltuncl an einer Verlosung zu beteiligen. Auf fedc 50, Eintrittskarte entfällt eine Buchprämie des»BQcherkrelses". ✓ Karten sind im Frauensekretariat des Bexirksverbandes Linden str. 3. 2. Hof, 2 Treppen rechts, Zimmer 4, in der Buchhandlung Dtetz, Llndenstr. 2, Im „Bücherkrels", Berlin SW., Delle- Alliance-Platz 7/5, I Treppe und Im Zigarrcngeschä t Horsdb, Berlin SO,, Engelufer 25/26(uewerk- sebaitshaos) zu haben. Das Frauensekretariat. Wie stand es um den Kampf gegen die Berbreitung der Tollwut, den die Hundesteuer unterstützen sollte? Der Mogistrat jener Zeit war der Anjicht„ daß hier der Erfolg nicht ausgeblieben sei. Nach Ermitllungen des Polizeipräsidiums wurden in Berlin im Jahre 1829 noch 24 Personen durch tolle Hunde ge- bissen(bei einer Bevölkerung von noch nicht einer Biertelmillion). Jm Jahre 1830 wurde der Polizei kein einziger Fall dieser Art bekannt, und. danach kamen in Berlin Verletzungen von Menschen durch wutkranke Hund« nur noch vereinzelt vor.?kur vorübergehend stieg die Zahl wieder in den Jahren 1836 und 1837, wo 7 und 4 Fälle festgestellt wurden. Jn 1836 war ein toller Hund herrenlos in die Stodt gelangt und hatte andere Hunde gebissen, so daß 26 wutkronke Hunde an die Ticrarzneischule überwiesen werden mußten. .Heut« verspricht man sich Erfolg im Kampfe gegen die Der. breitung der Hundetollimü nicht so sehr von der Hundesteuer als von der Hundesperre. Auch sie, die ja jetzt glücklich wieder endet, ist reichlich unbeliebt. Die Hundesteuer ober ist geblieben und hat nun schon hundert Jahre hindurch bei allen Steuerreformen sich behauptet. Mtselhaster Tod eines Zwillingspaares Im Kinoerwagen leblos aufgefunden. Der rätselhaste Tod eines drei Monate ollen Zwillings. - paare» beschäftigt die Spondaver Kriminalpolizei. Jn der Seegefeld er Straße 134 in Spandau be- wohnt der Arbeiter G. cine kleine, aus Stube und Küche besteh-nd« Wohnung. E. ist noch nickst lang« nerheiratet, der Etz« entsproß,«in .Zwillingspaar,- die-jetzt-drei M-mwte-tOxm- M a r g o t und-R u-k-h.- Die beiden kleinen Kinder hatten ihre Schlalsiötte in einem Kinder» wagen, der im Schlafzimiiicr der Eltern stand. Als Frau G. heul« früh aufftand, um die Kleinen zu besorgen, mußte sie zu ihrem Schrecken feststellen, daß sie leblas im Wagen lagen. Die Frau rief sosort einen benachbarten Arzt herbei, der zwar den To» der Zwillinge feststellen, aber nicht die Todesursache ermittelt» konnte. Irgendwelche äußeren Anzeichen für einen Gas- oder Er- stickungstod waren nicht zu ertcniien. Die kleinen Leichen wurden von der Kriminalpolizei besckstag» nahmt und zur Obduktion nach der Helle in der Gatower Straße gebracht. Die Typhuskranke gestorben. Sine Ausbreitung der Seuche nicht zu befürchten. Die im F r a u e u g e s ä n g n i» in der Barnimftraße an p a r a- l y p h u s erkrankte Gefangene, Frau lv„ ist im Lause des Sonnabend abend im Krankenhaus am Urban gestorben. Wie wir hören, haben sich im Fraueng esängnis in der Barnimstraße bisher keine weiteren Anzeichen von einer Ausbreitung der Seuche de- merkbar gemocht, so daß die Vermutung, daß die Bazillen in die Anstall eingeschleppt worden sind, ihre Bestätigung zu finden scheint. Beurlaubung im Magistrat. Stadtmedizinalrat Professor Dr. von D r i g a l s k i ist vom 30. Dezember 1929. bis 13. Januar 1930 beurlaubt. Die Vertretung ist wie folgt geregelt: In dem Vorsitz der Deputation für das Gesundheitswesen: Stadtrat Dr. Richter; in. dem Vorsitz des Stadtamts für Leibesübungen: Stadtschulrat N y d a h l.. Inventur Ausverkauf Auf Burdio ÄÄ®" Grcße Preisermäßigung »nartiktl ausgenommen).......................................... mini iiiiiiii i iw— iiwiairwn— w—— uiuimwuiii ii 1 «rkenartik») ausgenommen) Wer wirklidi sparen will beim Einkauf guter Herren' und Knabenkleidung, der geht tut Stdmfoadthoff Gc rhraudicnshrtmc 8*9 An der Pchrikirchc Abonniert den„Vorwärts", öas Blatt der Kopf- und Handarbeiter! Ich nbtmmcre den„Vorwärts�(und die Abend- ausgäbe für Berlin„Der Abend') init den illustrierten Bei- lagen„Volk und Zeit' und„Kinderfreund', sowie den Bei- lagen„Unterhaltung und Wissen',„Frauenstimme'„Technik', „Blirk in die Buchcrwelt" und„Iugend-Borwärts" in Groß- Berlin täglich frei ins Haus (Monatlich 3.00 Mk.. wöchentlich SS Pf.) Name:. Wohnung: Ausfüllen und einsenden an den Verlag des„vorwärts", Berlin SV? öS, Lindenslrafie 3. parisinachrichien fürGroß-Berlin Linsendungen für dlese Rubrik sind Berlin SW«8, Lindenstresie 3, stet» an da» Bezirkeselretaria, ■i. Hos, 2 Treppen rechts, zu richten Kulturtagung des Bezirksausschusses für sozialistische Bildungsarbeit, Berlin. Connlag, 5. Januar, van g— II Illsr. im Plenarsaal des Berliner Nashause«, Eingang äönigstrahc. . Tagesordnung: I. Vortrag der Ecnoiftn Prof. Anna Siems«»!„BosiolifHfcht Bildungsidee und Bi lonngsausgab«'. 2. Vortrag des Cccnoiica Alexander Stein:„Die Praxi» der sazialistischen Bildungrardeit in Berlin'. 3. Au,spra>te. Alle an. sox'alistischcr Bildungsarbeit Interessierte sind hierzu eingeladen. Vartribuch legs:im!ert.____ Außerordentlicher Bezirksparteitag. Alis Beschluß des Erweiterten Bezirksvorstandes findet am Sonntag, dein 26. Januar, 9 Uhr. im Plenarsaal des Preußischen Siaatsrals, Leipziger Straße Z, ein aufscrordentlichet: Bczirksparteitag mit folgender Tagesordnung statt: 1. Die Finanznot der Gemeinden. Referent: Sladlkämmerer Bruno Asch(Franksurk a. M.j. ?. Aussprache. 3. Abänderungsanlräge zum Sioiut. Zu diesem außerordentlichen Bezirkspartcitag entsendet jede Abteilung dieselbe Anzahl Delegierter wie 1929. Soweit Neu- wählen �in den Zlbtoilungen noch nicht stattgesunden haben, töimen auch die bisherigen Delegierten mit der Vertretung beauftragt werden. Mandatsformular« werden den Abteilungen rechtzeitig zugehen Namen und Adressen der Delegierten sind dem Bezirkssekretariat mitzuteilen. Weviel Delegierte sede Abisilung zu wählen hat, ist auf dem Bertcilungsplan„Mitteilungen Nr. 1, Januar 1329'. ersichtlich. Der Bezirksvorstand. t.«rci» Pr-nxlaucr Berg. Eihuna des engeren Krcisvorktande« mit samt. liSen Abteilungsleitern am Freitag. Z. Januar, IS Ubr. bei tUug, Dan- ziger etc. 71. 13. SUti» Tcmpclhos. Der BarbercitungsuntcrriKt fllr dl« Zugenbwcihe sindrt an lcdem Donnerstag von I(H8 Uhr in der 7. Polksschule, Mar cndorf, König ftraüe, slatt. Dlc Kenosscn wollen ihr« Kinder und auch Kinder von Bekannten dorthin schicken. It. Srci» Reukelln. Donnerstag, 2. Januar, um ISZb Uhr. Slhung de» er. wcirerten Kreisvorstandc» in alter gusanimcnsehuns mit der Fraktion im Rathaus. Heute, Mittwoch. 1. Januar. 21. Abt. Achtung, Bczirksfilhrcr! Wegen Iahre»schlusi sofort abrechne«. Morgen, Donnerstag. 2. Januar. 12. Abt. 12U Uhr bei Cchrn'fct, Wiclefsir. 17, Funltionärsitzung. Stellung- nahine snr NeuwabI des Ab'cilungsrorstandcs. 23. Abr. W/i Uhr wichtig« Funktionitrsihung bei Grunewaldt, Kamerunec Strasic l». 3». Abt. Ig�b Uhr wickitige Funktionärsthung bei Pohst, Lnchener Str. 103, � Ecke Etargarder Etrane. 81. Abt. Bildungckrci» jüngerer Dartcigenosicn: 2l>V. Ubr Rcsiaurant«lab«, Handjervstrasie. Arbeilsgcmeinschaft des Kommunistischen Manifestes lFort- 134. Abt. Buch. 20 Ubr bei s opfert, am Bahnhof, Lorsiandssihung mit siimt, lichen Funktionären. Areitag. 3. Januar. 1. Abt. 30 Uhr bei Spiegel. Ackerst!. I, Funktionärsisiung. Stellungnahme zur Neuwahl de» Abteilunasvorstandco. 3. Abt. igVi Uhr im Ecwcrkfchastshaus, Engeluser 24—23, Saal z. wichtige Ftpiklionärsibung. 34. Allt. EDD. Funkt'onäre der 12. Erupp« im Freiderkerverband treffen sich um 20 Uhr!m bekannten Lokal, Simon-Dach-Strasie. Wichtige Zusammen. kuns:. Süreibmatcr al mitbringen. 81. Abt. Lharlotlenburg. 20 Ubr bei Lehmann, Känigsweg 8, Funktionär- siWir.g. 79. Abt. Schrneberg. 20 Uhr Funktionärsihung bei Grunow, Geßlerstr. 13. Wichtige Dageeortnun« 83. Abt. len-pclhrf. 20 Uhr erweiterte Borstandssihung bei Pommcrcning, Berliner Sir. 100. Neukölln. 92. Abt. 19H Uhr bei Wolfs. Kalser-Frirdrich-Str. 178. Funktdnär. fthung. ks. Abt. 20 Uhr bei Keusch. Iägerstr. 10, Borstandsnhung.--- 98. Abt. 19'� Uhr bei kohann, Wipperftr. 18—19. Funktdnarsthung.— 97. Abt. I9Vb Uhr bei Rohr, Eiegfredstrasie. Funltionärsihung. 191. Abt. Treptow. 1914 Uhr in der Vorwilrrs-Spcd.tion lbrachstr. so Vor. standssihung. 106. Abt. Faha n!»tbal. 19!b Uhr bei Botho, Stube nrauchstr. 11, Sihung färnt. sicher FunkFonLre. Lichtenberg. U7. Abt. 19-4 Uhr bei Pflug Funkiionärsihung.— 11«. Abt 19-4 Uhr bei kartmann, Irenen. Ecke Rasenfelder Straße. Funkt onär» sihung. Wichtige Dageeo-dnunq. Erscheinen V.fl-cht.— 11». Abt. 20 Uhr bei Barh. Mcllentorsstraßc. wichtige Fun.ktdnärsihun«. 128. dl» 139. Abt. Vankaw. 23's Uhr Funktionärsihung In Klemm» Bicrhallcn, Berliner Eirabe. Borstandssihung ebendort um 18-4 Uhr. „Wie wird die Welt in 89 Jahren aussehen?"— eine Frag«. die noch in seder Gegenwart interessant war. Ingenieur Hans Dominik entwars ein Zukunftsbild von verlockenden Far- den, das eine von der Technik bereichert« Erde zeigte. Die letzten dreißig Jahre haben uns crstai-niich« Entheck-neen>wd Elsin-in- gen gebracht: weshalb sollten die nächsten sünszig Jahre weniger fruchtbar sein? Die Frage, ob die Menschen diese technische Erobe- rung der Welt sich zum Hell oder Unheil auswerten werden, muß freilich offen bleiben.— Intendant Dr. Hans F l e s ch gab einen „Rückblick ans PViten' ai'-f(SrcfnnlPe des Iah'es 1929. Es war, wie er selbst erklärend und entschuldigend ausführte, wenioer eine Funkjahresfchau als eine Andeutung der sunktechnifchen Möglich- keiten daiür. Schade, daß man nicht diesmal schon die markantesten Geschehnisse des alten Jahres noch einmal zu einem anschaulichen Gesamtbild zusammengefaßt erlebte.— Das Abendprogramm war interessant und abwechselungs reich. Te*. Sonnabend. 4. Januar. I. Abt. 19-4 Uhr Funktionärsthung bei Lehmann, Bgrtcist�������� il 28. Abt. Siuterfcst in de- Berolina-Fests-len. Sif-»odaui«r Alle« 28..�3 Grohc» Piagramm. Sintrittokarteo ,u 78 Pf. sind bei alle» Funk--; 3 tionärea erhältlich. All- Senasfinnen und Senasien find sreundlichst � eingeladen.-( 31. Abt. Eharlattevburg. 20 Übe im Jugendheim Rosinenstr. 4 Funkflonär, sihung. Achlung! Eine halb« Stund« früher Sihung he» Abteilung». vorstände« ebcnbsrt. ArauBnoeransialtungen. 9. Krei» Wi1mee»dars. Donnertlea. 2. Januar. Besichtigung de, Frauenkunde. musc-ms Im Eiicilicn.Krank.'nhaus- Eharlottenburg. Berllner Str. lZ7. D-e Führung hat Prof. Licpmann Ubernomuien. Trenpunlt dorgelbst um 2«. Kre-��Reinick-rbsrf fAgitatio» und ArdeiterwohlsahetZ. Dienstag. 7. Januar. 20 Uhr. Im Iug-ndheim Tegel. Echöneberger Straße, wichtige ssun!:'onär'nncnstjzi?na. � �, v«--r k � v 68. Tkbt �olsnfct. Alle föcnoTinncn beteil:«« sicy an der durch da» ssvau"nrunt>:mvsen« im CLeilien-Krankeniznus, Ebnrwttmbvrg Berliner Strafte 187. am Tonncr»taa. 2. Januar. Treffpunkt 19�4 Udr dortselbst. 74. �bt. �eblendorf. Ter Frau�ab�' b findet nicht am 2. Ianrar. sondern vorau-sichtlich eine Woche später sta l. Nähere M-tteilun« und schrsstliche Einladi-ng-n cx'olqrn noch. Karten für d e K-rs.Schröber.VeranNaltung am 9. Januar sin» c'lweder bei der tSenossin Oske oder bei der Genossin Schneider an�uford-rn. � � 136. Abt. Aeiuickendorf OA. Der Diskutierabend am 2. Januar Mt aus. Bezirksausschuß für Arbellerwohlfahrk. 4. Kreil Pren'l»«».»er«. am Donnerstag. 2 Januar� bc, Klufle. Danz'�r Str. 71. Unbcdinatcs Crfchcirttu sämtlicher Helfer und Helfe- rinn-n ist erforderlich. �... o. Preis W'lmer-dirf. Bcslchtiquna di-s Traue!-kund�museums im Cae'.llen, Kr-nk-nlause. Ebar'oU-bi'ra. Ber'inft Str. 187. am �onnfrs'oa, 2 flan-ar. ffübcrna durch Herrn Prozessor Liermann. Tre-f- punf t IBVi dort. Um rege Beteiligung und pünktliches Erscheinen wird g:detcn. Junflsozialisten. Gruppe Fliebrichebain! Dsnrer»-aa. 2.?ani'«r. 19 llhr. stn Iugendh-'M Tilsiter Sir 4. Mitgliiderver-ammlung. Anschl'eß'nb Portrag über de eng» lickni Arbc-t der Pariei. SAZ.�enosicn und ältere Parteigenossen sind eb:i» fall» freundlichst eingeladen. Geburtskage. Jubiläen usw. 7. Abt. Ilnscre» Genossen Vit»«,- 1. Schaeab-rststr.«.»n» Vit» » i l l- x. P fingst«. 13, zu ihrem ZOlähr gen P-rt«illlb!l-»m d>« hrrxlichstea ßlä'r-fi- f'"c 24. AM.' Unserem Gerei-en Wilbelm«a»»«o».«««Is—aw« Ztvnsi« 217.»'« berxlickflin Glückwünsche»n« 2Z-ährla«n Parte, nb'länm. 28. Abt. Ilrlereni lirim G-nnlien Max D a« t c l. Ehnriner Ate. 4», xu seinem 83. Gebur�etage«n 2. Januar d c herxli�ften GIMmg»!'*« in»er kallnun», ihn roch r-'t o!?le Jahre gclund und munter w!« t.sher tu unseren Reihen begrüßen ,« können. Sterbetafcl der Groß- Berliner Partei- Organisation s 8 Abt. Am 28. Dexembex verstarb an der Pra'etarierkrankhcit im 8g Lct"n»Iahre unser che'o'c Kurt Duehring. Annenstt. 48. Ehre seinem Andenke»! Die Bestattung hat bereit» statlgefunden. weflerdcrichl»ex östen!I-chen wrklcrd-cnst'tellr Berlin nn» Um-mend sNachdi verb Tests be->er. teils n o kisi. kübler. stellenwe'ie Nachtsröste. srischr Ncit- bis Notd-rcslwinde.— Fsie teulschland! Bielsach heiter, nur vereinzelt noch clivas Nicdetschlag, lüdler, nachts bänfig Frost. 5 NiÄirtichies I 1 rtftoatiesser Für die Cesundheitl Ftehinger Ters&nüstellt, Berlin-f II SchODeberjer btr. 16«. Tel. Lüuo» 82SG»I K W&: f mmr-\ %' � IrSKnSe,. 92-„«Ar. H AS d.;n Mindcs 55. J9� H'f. r. Smyma-Teppich scho�ei-e.mecn.Gualii'"'' Karkenfobrikat. moderne Musi. ca 300.■ WsZLe jW. Riesen mengen Bettvorlagen Ein Posken einfbrbiS-Velpor allererstes Mark-Fabrikat ta52«11� acaW-120 Riesen posken.. Läuferstaffe Boucle Haapgorn.rrio5orJ\& 7\ . 770.1 terstrmvfter A!!� U�£lÄ33: jev h/. Bn ßissenposken*1 1. Möbelbezugsioffe oderne u.Stilmustar, in ollen. W Farben. Mokekt m.Seidcng!anz.W3ll- mpkekk, Wollplüsch, Mohair, Stopel Leinenplüsch u. Ramie, z-T.m. kl. »70 68. W»1S,»i-i-rS,« • 90■- 2t.50■- 11.85 .. ErqPosbca einfarbige Velours geeignet zum Ausieaen v-gantRäum. a Treppen r.T.mikki.WebunrecjeimaSigi caTDU �'•U-SOjetn 6A5 EmT�iesenDÖskerw" _ ßiesenmenqsn Boucle-Teppiche in allen Größen u. 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Anna Böhllng nebst Brüdern. $$ ihfr tlk Mk 55 bis zu den feinsten Persianern, Bisam, Nuttia u.and.Fellsrfen■' Deutsche Pefzindustrre bU Kursfirai u am Spittelmgrkt F1XIAI.E*: Taeentrlenftrssse 13a. Potadsiaer Strasse TV, Potsdamer Strasse 27b, Martln-Luther-Strass« 91, Haupistrasse 2", Orunewaldsirasse 46, Landsberger Sirasse 64, Könijrstrass« 27, Cbausseestrasse 1, Oranieu Strasse 33, Wilsnacker Strasse 19; r.harlottcnburg. Berliner Strasse 126, Wilmersdorler Nfiiköllv, Bergst risse 13, und in allen grösseren Deutschlands und im Ausland. Ol t-ü-SH? i», Strasse 58; j so Städten J H«in Kapitän- Kautabak sctimeckt mir doch am besten! /A j/m, (0-*' f/f* BANK UNO SPARKASSB AU.1B ARBEITNEHMER FILIALEN: BOCHUM/ BREMEN- BRESLAU/ DRESOEN- HAMBURG- FRANKFURT A. M., HANNOVER' MÜNCHEN f SAARSRÜCKEN BANK DER ARBEITER, ANGESTELLTEN UND BEAMTEN,« BERLIN 11«. WALLSTRASSE ES ;<□»» :«□>! »«□»; )d f EPPICH GROSSER INVENTURAUSVERKAUF ab 2. Januar zu rücksichtslos herabgesetzten Preisen. 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Januar 1930 Unterhaltung und ÄNissen Beilage des Vorwärts Jlnnin IVegner: Sur cli die Wüfie mn Schnee Schnee. Schnee, Schnee. Der Nebel draußen»ctmifchl sich mit den weißen Aeckcrn. Man nickt über einem Buche ein und öffnet erst wieder nack) cm oder zwei Stunden schläfrig die Augen, blickt in dos gleiche undurchdringliche Weiß wie gegen eine Wund. Hinter dieser grauen unabsehbaren Schneestcppe muß der Kaukasus beginnen. Jemand im Zuge spricht vom Elbrus. aber nion kam» ihn nicht sehen. Hundert, zweihundert Kilometer südwärts muß die Sonne glühen, müssen reife Orangen in den Zweigen hängen. Dorf, Wold, Teich, Wege, alles verschwindet unter dem Schnee. Mit ihrer unabsehbaren weihen Weile nimmt die russische Ebene jene Einförmigkeit und Größe an, wie sie nur noch das Meer und die Wüste besitzen. Die Dächer der Bauern- biiücn sind mit bereiftem Gros und Kräutern bewachsen, als trügen sie weißes Haar in der Stirn. Ein einsamer Schlitten zieht über die endlos« Fläch« wie ein schleichender Wolf. Ich wollte in Wlodikawstos den Zug verlassen und mit dem Postwagen über die grusinische Heerstraße nach Tiflis fahren? aber der strenge Winter dieses Jahres hat alle Schluchten und Pösic mit Schnee verschüttet. Ich werde die grusinische Heerftresze, das Eis- haupt. des Kasbek nicht sehen. Ich hatte davon geträumt, mit Tscherkessen in den Bergen um ein Feuer zu liegen, ich dachte an wirbelnde Mossentäuze und den Knall von Gewehrschüssen, der in den Schluchten verhallt, und an den heißen Blick dieser fremden Frauen, der uns unerwartet aus einem stillen Weg durch ein ob- geschiedenes Darf die Seele versengt. All dies werde ich wahrscheinlich nieiuals erleben. Seit zwei Togen habe ich den Zug nicht mehr verlassen. Man lebt hiei« wie in einem fahrenden Hause: aber man wird auch müde durch dos ewige Schaukeln des Zuges wie ein Kind in der Wiege und möchte immerzu schlafen. Die Leute im Zuge gleichen den Reisenden in einem Schiffe auf hoher See; fast alle kennen einander. Man begegnet sich im Speisewagen oder auf den Bahnsteigen der seltenen Stationen. Dann tritt man«inen Augenblick ins Freie. Die Eisenbahnwagen dampfen in der Kälte wie Teemaschinen, und die Passagiere eilen mit den neugesülltcn kochenden Teekesseln den ver- lassenen Bahnsteig entlang, um eilig wieder in den vereisten Wagen zu oerschwinden. .Heute mittag saß ich zu Tisch dem persischen Prinzen Ar fa d gegenüber. Ein alter und eiller Mann, voll französischer Höflich- keit, der Bertreter Persiens beim Bölkerbund, der von Genf nach Teheran zurückkehrt. In seiner Gesellschaft befinden sich zwei jung« Perser, die in Paris studierten, junge Leute der Aristokratie, die stets unordentlich und ohne Kragen umherlaufen. Gestern abend machte ich die Bekanntschaft eines jungen Armeniers aus Datum, eines früheren Revolutionärs, der 1918 nrit Joffe aus Deutschland ausgewiesei, wurde. Er befand sich aus der russische» Batschaft bei einer Besprechung mit Karl Lieb- knccht und Rosa Luxenrburg, als man sie festnahm. Seitdem ist er in der ganzen West gewesen, in Paris, in der Schweiz, in Italien. In seiner modernen Pariser Kleidung mit dem steifen Hut sieht er mehr wie ein amerikanischer Geschäftsmann als ein russischer Revolutionär aus. Seit acht Jahren kehrt er zum erstenmal nach Rußland zurück. voll von Erwartungen. Aber man merkt es seinem jungen Gesicht an. daß er trotz der drei Tag« seines Hierseins schon Enttäuschungen erlebt hat. Er oerbirgt sein Erstaunen nicht über die große Zahl der Arbeitslosen, denen«r überall begegnet, über die ungerechte Berteiluug der Wohnung«« und Aemter. Ein liebenswürdiger, zugleich bisterer Zug spiest dabei um den Mund des jungen Armeniers. Es dämmert. Ich blicke noch immer hinaus auf dos stille Schneeland. Die Wolken haben den Himmel verlassen, und zum ersten Male in Rußland erblicke ich die Sonne. Unter ihrem Glänzen nimmt die verschneite Landschaft etwas Zartes und Frühlings- baftcs an. Mitten im Felde steht eine völlig mit Eis bedeckte Pappel, steil und«infam wie eine weiße Zypresse. Ms ich am nächsten Morgen aufwache, bin ich nicht niehr allein. Ein altes Spiel Karten, Zigareltcutasche. russische Zeitschriften. fallen nacheinander an mir vorbei aus die Erde. Ein junoer magenkranker Schauspieler, der in der Stacht eingestiegen ist. liegt üb«r mir. Er. ist der Unternehmer des russischen Dichters M a j a k o w s k y,«in blasses schorsgcschnistenes Gesicht mit spärlichem Blondhaar. Majokowsky, ein revolutionärer Lyriker und Futurist, befindet sich auf einer Bortragsreise noch dem Süden. Seltsames Land der Arbeiter und Bauern, das einem Lyriker für jede Vorlesung zmeihunderlsünfzig Rubel zähst und dessen Säle immer gefüllt sind! Eine Stunde später treffe ich Majakawsky selbst im Gange des Zuges, wo er wie ein gefangener Bär an den Wagenfenstern entlangstreicht, die Hände in de» Taschen seiner breiten, ein wenig auf die Füße schleppenden Hose. Eine mächtige Gestalt inst kraft- vollen Armen, könnte er weit eher der Unternehmer seines kranken Impresarios fein. Sein kurzgeschorener Kopf, das kantige viereckige und glattrasiert« Gesicht erinnern mehr an einen Amerikaner als an einen Russen. Ms Majakowsky mich in mein Tagebuch schreiben sieht, sogt er in einem ausgezeichneten Englisch:„Sie arbeiten den ganzen Tag. Sie müssen viel Geld verdienen!"(Ich denke an seine zweihundert- sünfzig Rubel.) Er erzählt mir. daß er für jede Zeile in einer russischen Zeitung eüien Rudel erhält, ein gewöhnlicher Schrift- sleller aber nur fünfzig Kopeken.„Ist das kommunistisch?" frage ich ihn. Er:„Ein großer Schriftsteller ist ein« große Fabrik und ein kleiner nur eine kleine. Deshalb muß er auch mehr vcr- oienen!" Ich erwidere nichts darauf. Etwas später fragt er mich, welche neuen russischen Schriststeller in das Deut sä?« übersetzt sind. Ich erwähn: G l a d k o w.„Wird er viel gelesen?"—„Ja."—„0, er ist ein sehr schlechter Schriftsteller!" Auch daraus erwidere ich nichts. Ich sehe ihn an und denke, daß dieser gewastige, fast vi«r. eckige Mund west eher imstande scheint, mächtig zu brüllen, als zarte Verse zu singen. Em fäustetrommelnder Gorilla mit einer lyrischen Tonpfeife im Mund! � Regen. Wir hallen im Dunkel ans einer kleinen Station. Hier muß das Kaspischc Meer begmi«n. Wasser tropft die noch immer schneebedeckten Dächer hinab, große Pfützen aus den vireisten Bahnsteigen. Allmählich schimmert die blauschwarze Erde durch die dünner werdende Schneedecke hindurch. Bewaisnete Posten begleiten unseren Zug. Aus jeder Station verschließen die Schaffner ängstlich die Fenster. Große Kohlen- stück« werden von innen vor die Wagentüren gewälzt. Die zcr- lumpten Gestalten der heimatlosen Kinder, die in Rußland noch immer die Züge nach dem Süden begleiten, streifen bettelnd und stehlend ini Dunkeln an den Wogen heran. Es sind zwei oder drei verwahrlost« Knaben mit alten Sport- mützen, die ich fest heule mo-gen immer wieder auf jeder Station aus ihrem geheimnisvollen Schlupfwinkel in dem eisernen Räder- gestell unter dem Wagen austauchen sehe. Sie öffnen jedes alte Stück Papier und greifen nach jeder sortgewarfenen Apfelsinen- schale, um daran zu kernen. Einer wurde soeben auf dem Bahnhos von einem Polizisten festgenommen. An dem zu langen Aermcl seines kotschwarzen Rockes zerrend, fletscht er in dem beschmutzten Gesicht voll Wut wie eine kleine Ratte gegen den Polizisten die Zähne und schreit: „Du, wenn du mich nicht losläßt, beiße ich dich in die Hand... ich habe die Syphilis, und dann mußt dn auch verrkcken!" Die dritte Nacht. Wir sitzen noch immer spät im Speisewogen. dessen Tische schon abgeräumt sind. Der alte persische Prinz erhebt sich mühsam, um sich schlafen zu legen. Ein französischer Ingenieur, der nach Teheran will, und der armenische Genosse unterholten sich über Kolumbien. Sie sind sich irgendwo dort oben in dieser schrecklichsten Stadt der Erde, die von viertausend Dirnen unter zwanzigtausend Menschen bewohnt wird, einmal in einem Hotel begegnet. Die Kellner klappern mit den Messern. Der Zug rauscht. Die Mehrzahl der Menschen im Zuge schlafen schon. Wie Gepäckstücke liegen sie in der dritten Klasse in ihre Decken zusammen- gerollt aus den Holzprstschen. Windeln sind unter dem Wagendach aufgehängt. Ei» Kind weint. Die Nacht draußen ist grau, so finster, als führe der Zug durch einen endlosen Tunnel. Eine Brücke donnert. Ein paar Steine draußen hocken wie frierende Raben auf den Gräben. Die eiserne 5>zrmonika des Zuges singt. Ä a k u. Bier Uhr früh. Der Zug hält, fährt wieder weiter� Ich bin zu müde, um aufzustehen. Es ist so schön, im Zuge zy liegen und zu träumen. Oeltürmc, Sanddünen. Den Kops aufgestützt, blicke ich durch das Fenster. Ich hatte mir die Ufer des Kaspischen Meeres nicht so flach vorgestellt. Kamclkarawonen begleiten den Zug im Ufer fand und bleiben zurück. Die Schatten der Dampfwolken liege» auf der besonnten Erde und ziehen uns wie eine zweite Karawane entgegen. Tatarische Dörfer stecken im Schmutz, Schweine wälzen sich und Kinder planschen in den Pfützen. Hier trogen die Bäume noch Blätter, ein« septembergrünc Wiese breitet sich aus. Vom Winter bin ich in den Herbst gc- konnnen, es ist, als erlebte man die Jahreszeilen rückuüirts. Fahre ich weiter, werde ich noch einmal in den Frühling kommen. Der Himmel ist rein und blau geworden. Ei» heller Sonnenstrahl hängt spielend zum Fenster herein wie«ine Strähne. blonde» Haares. Anlon Tfriicdtoir: Nie'Ueuiahrmtärlyrer Die Straßen erinnern an ein goldumrahmtcs Bild der Hölle. Man könnte glauben, die Hauptstadt sei vom Feinde belagert, wenn die Hausbesorger und Schutzleute nicht so festlich drein- schauen würden. Schlitten und Wagen huschen mst Gepolter und Gerassel hin und her... Auf dem Gclsstcig lösten die Gratulanten mst heraushängenden Zungen ui-d starren Augen... Plötzlich ertönt ein schriller Polizeipsisf- Was ist denn los? Man eilt nach der Stelle hin, wo sich die Meng« staut. „Nicht stehen bleiben! Bitte weiter gelten! Hier gibt es nichts zum Gaiscn! Habt ihr noch nie einen Toten gefohen, was? Marsch!..." Bai einer Toreinfahrt liegt am Gehsteig ein gutgekleideter Mann in einein Biberpelz und neuen Galosch«»..Neben seinem todblassen, frisch rasiertem Gesicht die zerbrochene Brille. Sein Biberpelz hat sich geöfinet und ein« Frackfalle, mit«incm Stanislouporden darauf, lugt hervor. Der Mann atmet schwer und langsam: seine Augen sind geschlossen... „Mein Herr!" rüttelt dos Wachorgan den Unbekannten an, „gnädiger Herr, das Liegen hicn.ist verboten! Euer Wohlgeboren!" Doch der Herr gibt tciven Laut von sich. Als es dem Polizisten nicht gelingt, den Herrn aufzurichten, wird der Mann.«ms das Korn- missariat getragen. „Schauen Sie sich, bitte, die Hosen an!" sagt der Inspektor zum Polizeiarzt, der sich bemüht, den Kranken auszuziehen.„Die kosten sicherlich sechzig Rubel. Und die Weste ist auch großartig.'Nach den Hosen zu urteilen, dürfte es sicherlich ein Adliger sein..." Nach längerem Liegen und ausgiebigem Baldriangenuh erholt sich der Herr ollmählich. Man erfährt, daß er der Regierungsrat Gcrasim Kusiniz Sinkletejesf ist. „Haben Sie Schmerzen?" fragt ihn der Polizeiarzt. „Prosit Neujahr, wünsche alles Gute..." stammelt der Herr, wobei er zur Decke hinaussiarrt und schwer atmet. „Prosit! Prosit! Aber... was für Beschwerden haben Sie? Wieso sind Sie gestürzt? Erinnern Sie sich doch! Haben Sie viel Wein getrunken?" „Nein..." „Was war denn die Ursache Ihres plötzlichen Unwohlseins?" „Ich kam aus der Fassung... Ich... ich habe Besuche abge- stattet..." „Waren Sie bei vielen Bekannten?" „N... ein, nicht besonders... Wie ich vom Hochamt nach Hause zurückgekommen bin, habe ich«inen Te« getrunken und mich alsbald zu Nikolai Michailowitsch begeben. War doch meine Pflicht, meinen Namen in das Gratulatiansbuch einzutragen... Von ihm bin ich zun, Katschaloff gegangen. Natürlich habe ich mich auch dort unterschrieben, wobei ich mich noch gut erinnern kann, daß im Vor- Zlminer mich der Wind, arg durchzogen hat.. Vom Katschaloff war mein Weg zum Iwan Jwanowitsch. Ließ mich dort«bensalls ins Buch eintragen." „Es ist noch ein Herr gebracht worden", meldet der dienst- habende Polizist. „Vom Iwan Jwanowstsch"— setzt Sinkletejesf fort—„zu dem Kausinann Ehryinoff sind bloß einige Schritte. Bin also hinauf- gegangen, um der Familie zu gratulieren. Wurde natürlich gleich eingeladen, anläßllch des Feiertages etwas zu mir zu nehmen... Wie soll man da Nicht trinten? Eine Beleidigung wäre es gewesen, wenn ich abgelehnt Hölle. Habe bloß drei Gläschen und hinterher Wurst gegessen. Bon dort ging ich zum Lichodejeff... Ein lieber Mann.. „Und sind Sie überall hin zu Fuß gegongen?" „Jawohl, Herr Doktor, zu Fuß... Nun habe ich mich auch beim Lichodejeff in das Gratulationsbuch eintragen lassen und bin von dort zur Pelageja Emeljanowna gegongen. Weiß genau, daß sie mir mit herrlichem Kaffee aufgewartet hat... Van Pelageja Emeljanowna machte ich einen Sprung zum Obleuchow, der gerade seinen Namenstag feierte... Der olle Freund zwang mich, dem sobelhasten Kuchen energisch zuzusprechen.;." „Ein Ossizier und zwei Beamte sind eingeliefert worden", meldet der diensthabende Polizist „Hab also den Kinche» vertilgt", setzt Sinkletejesf sort,„mit einigen Gläschen Kognak die Kehle angefeuchtet und mich auf den- Weg>zum Jsjumoff gemacht. Das kalle Bier, das ich bei ihm getrunken habe, hat meinem Hasse nicht besonders gut getan... Dann mußt« ich meine Nichte Nastja besuchen, di« mir mst einer Tasse Schokolade auswortet«... Von der Nichte Nistja bin ich zu Liapkin gegangen. Wi« ich mich inzwischen gefühlt habe? Ausgezeichnet, Herr Doktor! Kann mich noch erinnern, daß ich später bei dem Oberst Poroschloff war, wo ich mich glänzend unterhielt... Der brave Hausherr zwang mich, einige Maschen Wodka zu trinken und hinterher heißa Würstchen und Kraut zu essen... War fortwährend gut gelaunt und fühlte mich ausgezeichnet... Erst nach dem Besuche bei Ryschlow merkte ich im Kopse was... eine Dämmerung.A ich wurde schwach... Weiß nickst, warum..." „Sie sind abgespannt... Ruhen Sic sich ein wenig aus. Dann werden wir Sie nach Hause bringen lassen." „Dorf nicht noch Hause", stöhnt Sinkletejesf.„Muß noch meinen Schwiegervater, den Exekutor, Ratalja Egerowna und viele andere besuchen." „Sie dürfen keine Besuche mehr machen." „Unmöglich... Wie kann man denn zum Neuen Jahr nicht gratulieren gehen? Dos ist doch meine Pflicht... Lossen Sic mich gehen, Herr Doktor halten Sie mich nicht gefangen.. Sinkletejesf steht aiff und blickt aus sein« Kleider. „Fahren Sie nach Hause, wenn Sic wollend meint der Arzt, An weitere Besuche ist doch nicht mehr zu denken.." „Tut nichts: der Allmächtige wird mir schon helfen..." seufzt Sinkletejesf.„Ich werde schön longsam marschieren..." Er zieht sich lange an, hüllt sich In seinen Pelz und verkißt unsicheren Schrilles dos Kommissariat. „Noch fünf Personen sind eingeliefert worden", meldet der Wach- mann.„Wo soll man die nur alle hinlegen?" , �(D«uM nen 6. Dorissoff 1: S>ie Eiben von PolerseU An der Straße, die van Weilheim in Oberbayern nach de? uralten Kullurstätte von Wessobrunn führt, liegen in dem ersten Hochmoorgebiet am Abhang eines dunkel bewaldeten Höhenzuges die wenigen Häuser der Ortschaft Paterzell, und in dieser Landschaft von tiefernster Schönheit findet sich der größte Eibenwald, den wir gegenwärtig innerhalb der deutschen Grenzen besitzen. Seitdem der „Ziesbusch" der Tuchlcr Heide mit seinen 5500 Eiben mit großen Teilen westprcußischen Landes für Deutschland verlorengegangen ist, steht dieser Eibenwald mit seinen etwa 2700 Stämmen an erster Stelle. Diesem Naturdenkmal, dos wie eine Vision aus ferner Ver- gangenheit anmutet, widmet Hermann Schoepf in' der bei Hugo Bermühler in Berlin erscheinenden Monatsschrift„Der Natur- forscher"«ine eingehende Schilderung. Die Eibe, die eine übrig- gebliebene bezeichnende Form der diluvialen Nadelhölzer ist, genoß bei den allen Deutschen eine besondere Verehrung, die noch heute in alten Sagen fortlebt. Vom Eibenholzbogen schwirrten schon die Pfeile steinzelllicher«schützen, und die Landsknechte haben aus ihnen ihre Annbrüste geschossen. Der Eibenwald von Paterzell ist für die Wissenschaft erst vor kurzem entdeckt worden und wurde 1908 zum Schutzgebiet erklärt. Di« ältesten der heute nach stehenden Stämme zählen etwa 700 Jahre. Der ganze Wald besteht vorwiegend aus Fichten, Tannen uiü) Rotbuchen, zwischen denen als linterwuchs die Eiben auftreten, da sie ja in der Regel nur im Schatten der großen Waldbäuine gedeihen. Immerhin wäre der Ausdruck„Unterholz" für viele dieser Bäume, die einen Umfang bis zu 2'/i Meter und Höhen bis zu 12 Meter erreichen, nicht angebracht. Die Paterzeller Elben sind meist sehr verwitterte, unter Sturm und Schneedruck eigenartig ausgebildete Bäume, und so ist es erfreulich, daß sich in dem sorgfältig geschonten Nachwuchs freudiges junges Leben zeigt. Wenn einst die l)cutigen vielhundertjährigen Allen nicht mehr stehen werden, dann sind an ihr« Stelle die stattlichen Jungbäume getreten, die den Ruhm dieses allertümlichen Waldbestairdes noch lange erhalten werden. Ein wenig bekanniss lUosseuerzeugnis Ostosiens. Wer heute durch die Mandschurei reist, wird«inen Eindruck van der gewaltigen Bedeutung erhalten, die die Kultur der Sojabohne für den fernen Osten besitzt. Ueberall türmen sich in den wichtigen Verkehrs- und Verschissungsorten gewallig« Berge von Säcken mit Sojabohnen. Gan.z besonders im Hafen von Dairen in der Mandschurei wird der Fremde die Ueberzeugung gewinnen, daß sich nahezu die gesamte Ausfuhr um die Sojaerzeugnisse dreht. Hier werden im Hasen selbst die Sojabohnen gereinigt und eingesackt, um dann sogleich in den Laderäumen der Frachtschiffe verstaut zu werden. Auch die großen gepreßten runden Platten der Sojabohnen, die sog. Bohnenkuchen, kann man hier in riesigen Mengen ousgWapell sehen. Sie bilden als vortreffliches Wehfutter ein wichtiges Ausfuhrgut, während das aus den Sojabohnen gewonnene Sojaöl z. B. auf dem deutschen Markt hauptsächlich bei der Margarmeherstellung Verwendung findet. Bon der wachsenden Bedeutung des Sojamehls auch für den europäischen Verbrauch werden nur die wenigsten Menschen«ine Ahnung hoben. 1909 war die Sojabohne auf d«n europäischen Markt noch so gut wie unbekannt. 1927 wurden allein in Deutschland schon 576 000 Tonnen Sojamehl eingeführt, �und 1928 bereits nicht viel weniger als 1 Million Tannen! Das Sojamehl dient nicht nur als allgemeines Nohrnngsmiitel im fernen Osten, sondern es wird aus der Sojabohne auch eine recht wohlschmeckende Bohnensauce bereitet, die auch den Weg nach Europa gesunden Hot und Z. B. die Grund- läge der Tunken bildet, mit denen man Beefsteaks, Ragouts ufiv. würzt.■, Jaroslar fflafchek: Wie Herr Aingulin das Verkrauen meines vaier». meiner Mutter, des Hundes und des Dienstmädchens mißbrauchte. Mein Papa ärgert sich nicht gern, denn er sucht gern Ruhe, uni zufrieden verdauen zu können. Er ist sehr brav, hat rote, ge- survde Gesichtsfarbe und ist Statthattereibeamter. Am Nachmittag kommt er um halb drei zu Tisch. Er ißt bis viertel vier, dann zündet er sich eine Pfeife an, logt sich aufs Kanapee, laßt die Pfeife fallen und schläft bis fünf. Dann geht er ins Kaffeehaus, wo er bis sechs Uhr bleibt. Im Kaffeehaus trinkt er einen Schwarzen. raucht eine Zigarre und schaut im Spielzimmer zu. wie man Karten spielt, damit er sich nicht mit dem Lesen von Zeitungen anstrengen muß. Dann geht er m sein Restaurant zum Abendessen, trinkt dort seine vier Glas Bier und hört zu, was man ringsherum erzählt. Um zehn Uhr kommt er stets nach Hause, legt sich sofort hin und schläft bis halb acht, um welche Zeit er im Bett Kaffee trinkt. Um acht Ulzr geht er ins Bureau. Mama ist jung und hübsch. Sie ist üm zwanzig Jahre jünger als Papa und immer, wenn ein junger Herr zu uns kommt, schickt sie mich mit dem Dienstmädchen fort. Der Herr ist'ein Bekannter von unserem Papa und hört nianchmal mit Ihm im Wirtshaus zu, was ringsherum erzählt wird. Einmal, als ich plötzlich das Zimmer betrat, in dem er sich mit Mama be» fand, sah ich, daß sie ihm auf dem Schoß saß. Ich fragte ihn, ob Mama schwer sei. Er sagte nein und suchte etwas in der Tasche. Da reichte ihm Mama ihr Portemonnaie, er nahm eine Krone heraus und gab sie mir. Als er dann gegangen war, nahm Mama sie mir wieder fort und sagte, Papa würde sich sehr über mich ärgern, wenn sie ihm sagte, daß ich von Herrn Fingulin eine Krone genommen habe. Ich dürfe niemals Geld von ihm nehmen, denn der arme Papa, der so viel Sorge» habe, würde sich tränken, einen so ungezogenen Jungen zu haben! Mama ist zi» jedem sehr brav. Jeden streichelt sie und gibt ihm einen Kuß. Sie streicheU mich, Papa mch Herrn Fingulin, ja sogar unseren Hund und am meisten küßt sie mich und Herrn Fingulin. Weim Papa nach Hause kommt, trinkt er etwas Kognak, legt sich sofort zu Bett und spricht nicht erst viel mit uns. Dafür aber der Herr Fingulin. Der kommt sogar am Abend zu uns, wenn Papa im Wirtshaus ist und sitzt mit Mama im Dunkeln. Ich muß in der Küche sein, denn wenn Ich rnit ihnen im Dunkeln säße, würden mir auf der Nase Federn wachsen, sagt Mama, und nieinand könnte mich dann gern haben. Einmal, als Papa aus dem Wirtshaus nach Hause kam, fragte ich ihn:..Papa, ist das wahr, daß mir Federn auf der Nase wachsen würden, wenn ich im Dunkeln sitze?"—„Freilich, Bubi," sagte Papa. Immer, wenn ich ihn nach etwas frage, sagt er:„Freilich, Bubi!" Eiunial fragte ich ibn, ob Magja Herrn Fingulin gern habe und er sagte:„Freilich, Bubi!" Ab und zu kommt er mit Herrn Fiugulni früher aus dem Wirtshaus' und dann trinkt Herr Fingulin bei uns Bier und Wein. Papa legt sich zu Bett und bittet Herrn Fingulin, noch ein Weilchen bei Mama zu bleiben und sie zu unterhalten, was dieser tut, ohne jemals nein zu sagen. Papa sperren wir immer im Schlafzimmer ein, damit er sich nicht fürchtet, und dann schicken sie mich zu Bett und ich bete für Herrn Fingulin. . ifteiV; kam ich mit dem Dienstmädchen vom Spaziergang nach Hatifc ßls- cs schon dunkel war, wie Mama besohlen hatte. Aber Mama war noch picht zu Hause, nicht einmal Herr. Fingulin war de. Wir öffneten die Zimmcrtür und machten Licht. Dann gingen wir durch alle Zimmer, aber nirgends waren sie. , Das Mädchen sagte, das wolle chr nicht recht gefallen. Mir zvar's egal. Mama kam noch immer nicht. Dann ging das Mädchen �fort und sperrte mich ein. Mir war's egal und ich begann Unfug zu treiben. Ich spielte Klavier, bis ich genug davon hatte und dann wartete ich. Roch immer kam niemand, nicht einmal Mama, und unser Hund war auch weg. Dann kam Papa und klingelte. Als ihm niemand össnete, schloß er schnaubend auf. legte im Bor- zimmer den- Winterrock ab und kam ins Zimmer, wo ich im Schaukelstuhl faß. Ich ging zu ihm und sagte ihm. Mama sei weg, Herr Fingulin sei weg. das'Mädchen fei weg und der Hund auch. Zuerst sagte Papa nichts, aber dann jagte er:„Warten wir!" Er jttzte sich an de» Tisch und schickte mich in die Speisekammer, Wein holen. Ich fand die Schlüssel nicht und brachte deshalb keinen Wein. .Papa sagte:„Auch das noch!", zündete sich die Pfeif« an und wir warteten. So laßen wir lange und niemand kam. Papa fängt an, im Zimmer auf und ab zu gehen und sagt: ,TNa ja, srellich, wird schon so sein!" Er setzt sich in den Schaukelstuhl, schaukelt eine Meile, dann stopft er sicb abermals die Pfeife� beginnt die Stiefel auszuziehen und sagt:„Wir warten bis zwei Uhr und dann legen wfr uns schlasen. Morgen werden wir im Kaffeehaus frühstücken." Wir warteten also bis zwei Uhr und legten uns dann zu Bett. Papa leufzte und jagte im Bett:„Das will mir nicht in den Kopf geheu" < Wir schliefen, bis ich plötzlich erwachte, weil Papa im Bett sprach:„Es ist schon so! Das Geld wird woh! auch weg fein!" Im Schlaszimmer haben wir eine kleine Kassa. Papa kroch aus dem Bett und ging zu der Kasse, öffnete sie, schaute hinein, kroch wieder ins Bett und sagte:„Ich Hab mirV ja gedacht, das Geld ist auch weg!" Ich hatte ebenfalls m einer Sparbüchs« acht Kreuzer, deshalb begann ich zu weinen und fragte, ob die Sparbüchse auch weg sei Mipo sagte, die Sparbüchse sei da und ich war froh und schlief wieder em. Dann weckte nvch Papa abermals, als er zu sich sprach: Es gibt Augenblicke � im Menschenleben, in denen auch ein Rind- pieh verrückt werden könnte!" Das sagte Papa vor Mamas Kleider. schranke Der steht gerade mir gegenüber und daher sah ich. daß er leet war. Nebenan steht Papas Schrank, er öffnet ihn ebenfalls, aber dort war alles in Ordnung und Papa sagte:„Sie passen ihm nicht, deshalb hat er sie hiergelassen." Ich meldet« mich:„Gelt Papa, Herr Fingulin ist ein braver Herr?" Papa schaute mich eine Weile an und dann sagte er wie immer: „Freilich. Bubi, aber schlw schön!"— Ich schllet also wie�r ein und Papa legte sich ebenfalls zu Betl. Am Morgen«eckte er mich und es machte uns viel Mühe, Wasser zu Helen. Als wir uns gewaschen hatten, fragte ich, wo Mama. Herr Fingulin. das Mädchen und der Hund seien.. Papa sagte, sie hätten einen Aue flug gemacht und den Hund mitgenommen und wir würden sie suchen. Nach dem Kaffee gingen wir in ein großes Gebäude. Dort waren lauter Schutz'eute und Herren in Mützen. In einem Zimmer schrieb man fortwährend etwas und Napa sprach mst ihnen. Einer von den Herren streichelte mir den Kopf. Papa hörte zu sprechen auf. und der Herr fragte mich, wie es gewesen sei, als Herr Fin- gulin zu uns kam. wenn Papa nicht zu Hause war. Ich sagte ihm also, daß mir aus der Rase Federn gewachsm wären, wenn ich Sine Zum ilienlragödie im Dunkeln gesessen hätte und wie mir Mama einmal eine Krone fortgenommen habe, daß mir Herr Fingulin die Krone gegeben, daß ich aber nie wieder etwas von chm genommen habe, well Papa sich ärgert, wenn ich ein ungezogener Junge bin. Das schrieben sie ebenfalls nieder und sagten Papa, daß dies Amtsgeheimnis sei. worauf Papa mit mir in eine Konditorei ging und mir einen Baukasten kaufte, damit ich mit ihm sptete Das Mittagessen ließen wir uns aus dem Restaurant holen und ich freute mich, well ich den Baukasten hatte. Am Abend kam irgendein Herr und sagte. er sei von der Polizei und man habe Mama mit Herrn Fingulin. dem Mädchen und dem Hund in Budweis erwischt und schicke sie zurück. Als er dies bestellt hatte, schlug Papa die Hände zusammen und rief:„Gottlob, daß ich sie wieder zu Hause haben werde, so wäre ich im Amt gär nicht» wert!" Und so erwarte» wir heut« Mama. Die Rückkehr Herrn ssinoulln« mit Hund. Mama und Dienstmädchen. Ich sagte bereit-, daß ich und Papa Herrn Fingulin. das Dienstmädchen und den Hund erwarteten. Am meisten freute ich mich aus Herrn Fingulin, well er mit Mama svrtgelaufen war, und Papa sagte:„Ich werde ihm zeigen, mein« Güte und meine Frau zu mißbrauchen!" Ich fragt« Papa, ob Herr Fingulin ouch�den Hund und das Mädchen mißbraucht habe. Papa sagt«, Herr Fin» gulin sei zu allein fähig, einmal, wenn ich größer sein werde, würde ich darüber nachdenken. Inzwischen möge ich zu Bett gehen. Ich legte mich hin und dachte schon darüber nach, denn mir tat nach dem Zuckerwerk der Bauch weh. DesHall» konnte ich auch lange nicht einschlafen. Ich hörte Papa im Zimmer auf und ab gehen und zu sich sagen:„Meine goldene Frau, wer hätte das in dir vermutet!" Dann ging Papa zum Klavier und begann darauf zu klimpern, so wie ich es tue, wenn ich unseren Hund ärgern will. Dann schloß Papa das Klavier wieder, ging im Zimmer herum, erat zu meinem Bett und sagt«:„Der ganze Herr Fingulin. Wo hatte ich die Augen, ich Rindvieh!" Ich war froh, daß Papa schimpfte und tat, als ob ich schliefe, bis ich schließlich wirklich einschlief. Nach einiger Zeit weckte mich irgendein Gespräch im Speise- zimmer. Mama war bereits zu Hause. Ich lief im hernb schnurstracks zu ihr. Auch Herr Fingulin war da. Sofort umarmte ich Herrn Fingulin und auch Mama. Der Hund war auch mit ihnen gekommen und dos Mädchen stand in der Tür, kniete jede Weile nieder, weinte und schrie: ,,Gnä' Herr,»«rzeihen Sie'» mir, ich konnte die gnä' Frau nicht verlassen, ich Hab' über sie gewacht!" Gnä' Herr, um Himmelswillen Mit' ich Sie, ich bin rein unschuldig in dieser Hinsicht. Die gnä' Frau hat gesagt, daß Herr Fingulin in Budweis«ine alte Tante hat, die trank ist. und well Herr Fin- gulin so unselbständig ist und niemanden pflegen kann und sich sllrchiet, irgendwohin zu reisen, fahr« sie mit ihm. um lhm zu roten—- um Hlmmelswtllen bitt' ich Si«. gnä' Herr! Ach, mein himmlischer Vater, haben wir mit dem Hund was ausgestanden! Fortwährend hat er geknurrt und den ganzen Tag über gefressen. Wir haben uns, um Himmelswillen bitt' ich Sie, gnä' Herr, auf der Reise Wurst gekauft. Das Luder hat uns die hülste aufgefressen und im Äupee hat's drei Pfützen und zwei Haufen gemacht, um Himmelswillen bitt' ich Sie, gnä' Herr!" hierauf begann sie auf den Knien zum nächsten Stich! zu rutseden, setzte ssch auf ihn und schneuzte sich in den Unterrock. Herr Fingulin hustete und fragte Papa, ob er keine Zigarre habe. Papa brachte Zigarren, aber Herr Fingulin hatte nicht einmal Streichhölzer und so zündete Papa selbst ihm die Zigarve an. Dabei sprachen sie nicht miteinander. Herr Fingulin schaute Papa ans die Schuhe, der Hund schaute von Papa aus Mama, von Mama auf Herrn Fingulin und wedelte freudig mit dem Schweif. Schließlich fragte ich Herrn Finglin, wie es ihm in Budweis ergangen sei. Gleich danach nahm mich Papa an der Hand und führte mich ln die Küche. Der Hund kam mir noch. In der Küche hörte ich. wie Herr Fingulin sagte:„Geehrter Herr! Als Ehrenmann Hab« ich mir erlaubt, ebenfalls heraufzu- kommen, um mich zu entschuldigen, daß ich die gnädig« Frau zu meiner armen kranlen Tante nach Budweis mitgenommen habe. Glauben Sie mir, nie mehr werde ich einen Hund auf Reisen mit- nehmen. Ihr Hund ist ein Luder und mit allen Salben gerieben. Wir fuhren über Wesely und im Bahnhossrcstaurant haben wir Krenwürstel gegessen. Gute Würstel---- „Aber Kren hat's für zwei Kreuzer nicht viel gegeben," unter- brach ihn Mama. „Aber er war gut," sagte Herr Fingulin,„mancher Kren beißt recht unangenehm. Dieser Kren aber hat nicht gebissen, sondern hott« einen angenehmen, süßlichen Geschmack. Um also nicht zu vergessen! Während wir die Krenwürstel aßen, hatte sich Ihr Hund einem Tisch mit kalten Leberwürsten genähert. Er schaut herum, entschließt sich schnell und schwupps! Gleich zwei hat er sich ge- nommen. Aehnliche Streich« hat er uns einige gespielt. Nicht ein- mal in der Nacht hat er Ruh« gegeben. Jedes Kreischen hat ihn geweckt, er hat wie toll gebellt und das ganze Hotel heraus- getrommelt. In Tabor, wo wir die erste Nacht geschlafen haben. hat er da» Stubenmädchen gebissen, als es uns den Kaffee zum Bett brachte. Glücklicherweise hat sie sich mit fünf Kronen zufrieden- gegeben." „Gnä' Herr, um himmelswillcn ich bitt' Sie," ließ sich weinend das Dienstmädchen vernehmen," glauben Sie mir, es ist ein gräß- licher Hund!" Papa ging im Zimmer auf und ab, hielt sich den Kopf und sagte:„Das entschuldigt nichts!" Herr Fingulin erhob sich ebenfalls, ging im Zimmer herum und sag«:„Jeder Dackel ist so. hochgeehrter Herr. Er ist hinler- listig, schlau, wo er was erwischt, frißt er's auf und läuft weg. Mein Bruder hat auch einen Dackel gehabt und der hat überall. wohin er gekommen ist, entweder angemacht oder etwas gestohlen." Papa jagte hieraus seufzend:„Mein Gott, mein Gottl" Mama siel ein, ob nicht Wein zu Hause sei, da wir doch Besuch«hatten! Papa brachte also eine Flasche und das Mädchen brachte Gläser. Dann goß Mama ein und Herr Fmgulin stieß mtt Papa an und sagte:„Aus Ihre Gesundheit, Herr Oberosfizial!" Papa trank aus und ging schon wieder lm Zimmer auf und ab, immer schneller und schneller, je länger es dauerte, desto schneller, bis er an einer Stelle den Teppich zusammenrollte und Mama sich ärgerte, daß der Teppich so ruiniert werde. Schließlich setzte sich Papa zu Tisch und begann davon zu sprechen, ob sie daran gedacht hätten, daß Gottes Gebot ckautet:„Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib." Wer daran denken sollte, dos sagte Papa nicht, auch nicht, warum man das Weib nicht begehren sollte Er sagte nur gleich darauf, daß er sich in Herrn Fingulin getäuscht habe, er habe gemeint, Herr Fingulin sei sein Freund. Herr Fingulin antwortete hierauf, er könne immer mtt seiner Freundschaft rechnen und wenn nicht diese arme, alle, kranke Tante in Budweis wäre, wären sie nirgends hingefahren. Sie hätten aber beide von der Reise genug. Der Hund sei ein überflüssiger Ballast gewesen. „Cr hat uns gräßliche Schande gemacht," sagte Mama.„In Budweis ist er' schamlos und unverschämt auf alle Hunde los- gegangen und als ich ihm eins mtt dem Regenschirm versetzten wollte, sprang er beiseite und der Regenschinn zerbrach am Pflaster." Dann schentte sich Herr Fingulin abermals Wein ein, trank ans, nahm feinen Hut, reichte Papa die Hand und wünschte chm gute Nacht. Als er von Papa Abschied nahm, sagte er:„Seien Sie mir nicht böse, aber wenn ich Ihnen raten darf— geben Sie de» Hund weg!"— So ließ Papa also den Hund zum Schinder schaffen— damit ihn Herr Fingulin, wenn er zu uns zieht, nicht fortwährend vor den Augen hat. lSi-zis bercchtist« U°d«rsebm>a vn 9»« Steinet.) Hermann Hüll: 3)08 Zier im Xeben der Sträflinge Von den Insassen der Gefängnisse und Zuchthäuser ist von jeher der Wunsch geäußert worden, sich in ihrer eintönigen Einsamkeit irgendein Tier halten zu dürfen: aber stet» wurde chnen der Wunsch von den maßgebenden Strafvallzugsbehörden mtt der Begründung. so etwa» sei mtt der bestehenden Hausordnung nicht in Einklang zu bringen, abgeschlagen. Daher kam e« schließlich, daß sich bald einige Sträflinge einfach darüber hinwegsetzten, sich ohne Crtaubm» Tier« beschafften und sich damit die Zeit vertrieben. Ost gingen sie hierbrt mtt großer List zu Werk«.— So ließ sich zum Beispiel ein Gefangener von seinen 'Angehörigen, die er in der Sprechstunde dazu oeranlaßt hatte, ein Kanarienvvgelpärchen, das in ein Säckchen gebunden war, über die Ringmauer in das hohe Gras de» Anftaitchofes werfen, gerade um die Zeit, wo er sich an dem gemeinsamen Rundgang der Sträflinge beteiligen mußte. Unbemerkt Hab er das Säckchen auf, oerbarg es unter seinem Rock und bracht« so die Vögelchen schadlos In seine Zell«. Ein kleiner holz käsig, den er sich vorher aus feinem Zellen- putztasten angefertigt hatte, nahm sie auf. Zwar saßen sie in den ersten Tagen traurig aus der Stange, aber schon' noch einer Woche, als sie sich an ihre neue Umgebung gewöhnt hatten, wurden sie munter und hüpften lustig im Käfig herum. Das Hähnchen sing sogar an zu singen. Morgens, wenn noch alles still war. war e» im ganzen Haufe zu hören, und bald wußte es jeder Sträfling. Da» Futter ließ er sich genau so besorgen wie di« Dögelchen. Jeden Monat flog um die bewußte Zeit ein Beutel mit Hans und Rübsamen und der- gleichen über die Mauer. Ein Jahr später hatte das Pärchen, nach und nach, neun Junge gezeugt, die sich tadellos entwickelten. Als st« groß genug waren, und die Hähnchen, die sich darunter befanden, eifrig versuchten zu singen, verschenkte si« der Besitzer an Mtt- gefangene. Der Anstaltsletter, der eines Tages von den vielen Vögeln, die sich immer mehr vermehrten, erfuhr, war sprachlos und könnte sich nicht erklären, auf welche Weis« die Sträflinge die gefiederte Schar in die Strafanstalt geschmuggelt hatten, und da er ein Menschenfreund war, drückte er ein Auge zu und ließ den Sündern die Vögelchen, zumal sie ihm selber Freud« machte». Roch schlauer als dieser ging ein anderer Gefangener zu Werk«. Seit vielen Jahren saß er schon in Einzelhaft und hatte da» ein- tönige Sträflingsleben längst zur Genüge überbekommen. Ständig überlegte er, wie er sich Abwechselung verschaffen könnte. Zunächst sing er Niegen, riß ihnen d!« Flügel aus und gab sis einer großen Spinne, die sich zwischen den Gittefftangen sein«» Zellensenstsrs ihr Netz gespannt hatte und aufmerksam in der Ecke auf Beute lauerte. zu fressen. Stundenlang konnte er davorstehen und dem räuberischen Tierchen zuschauen. Doch kalte Tage kamen und oertrieben es. Da kam er schließlich auf den Gedanken, sich einen Sperling oder einen anderen Vogel zu fangen. Eine Rolle starkes Garn und ein dünner hotzreis sollten hierzu dienen. Beides befaß er bereits. Sorgfälllg Überspan, Ue er den Reisen mit zahlreichen Garnfäden, befestigte daran einige Dutzend Schlingen und legte ihn so vor sein Fenster, nachdem er darunter zerriebene« Brot und gekochte Kartoffeln gestreut Halle.— Schon nach einigen Tagen Halle sich ein Vogel, ein hiedscher Buchfink, in dieser Vorrichtung gefangen. *» * Aber nicht nur Bogel sind hinter Schloß und Riegel ein be- liebtes Spielzeug der Gefangenen, sondern auch andere Tiere, be- sondere Mäuse, Grillen, Schmetterlinge und Käser. Ein Gefangener lzatte sich sogar einen Hamster zu verschaffen gewußt und lehrte ihn allerlei ulkige Kunststücke. Als der Anftaitslsiter davon erfuhr, befahl er einem Wachtmeister, dem Gefangenen das Tier weg- zunehmen. Darauf begab sich der Beamte auf die Suche, konnte «s aber mtt dem besten Willen nicht finden. Und als er es schließlich eine» Tages doch erblickte und es fassen wollte, biß es ilzm fauchend in den Finger und verschwand unter einem Hausen Arbeitsmaterirl. Der Wachtmeister mächte seinem Vorgesetzten davon Meldung und gab die Hamster ,030 auf. Aehnlich wie diesem erging es noch einem anderen Gefangenen. Er hatte sich ein Pärchen Mäuse beschafft, welch?» sich in kurzer Zeit so vermehrte, daß er nicht mehr wußte, wo er das Futter hernehmen sollte, und«in Gestank in d«r Zelle herrschte, daß es nicht mehr auszuhalten war. Er entschloß sich deshalb, wenn auch ungern, einige seiner Liebling« zu verschenken. Ein großer Tiersreund, ein zu lebenslänglicher Strafe Verurteilter, nahm sie dankend entgegen. Dl« anderen, die jener dressiert hatte, nahm er später mit in die Freiheit, um damit durch öffentliches Austreten sein Brot zu ver- dienen. Reben diesen gibt es noch zahlreiche andere Beispiele, aus denen man ebenfalls ersehen kann, wie sich bei dem gefangenen Menschen die Lieb« zum Tier, auch wenn es noch so verachtet und unscheinbar ist, bemerkbar macht. Ost ist beim ihm die 2' ehe zum Tiere so groß, daß er seinetwegen stdes Opfer zu bringen vermag und jedes hinder- nis aus dem Wegs zu räumen versteht. Inzwischen ist es dem Gefangenen leichter gemacht worden, er hat es nicht mehr nötig, sich ohne Erlaubnis Tiere zu beschaffen. Vor einiger Zell ist die neue Strasvollzugsordnung in Kraft getreten. Nach ihr darf jeder Sträfling, der sich einwandfrei führt, Singvögel, Ziersische. Salamander oder ähnliches halten. Unzweifelhaft wird mtt dieser Vergünstigung, die wirtlich eine große Hafterleichterung bedeutet, viel erreicht, zur Veredelung der Sträfling sscel« beigetragen werden. Herren-Schnör« Stiefel in solider Modiart und au» gutem Rindbox. Ausnohmeprei» Sehr aefölliger Spangenschuh, eine besondere Leistung... Herren-Halbschuhe, btOUA oder schwarz Rindbox. Lockhalbschuh für Herren,' modern» Ausführung, w Spangenschuhe, feinfarbig oder lack. 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Es lebe die freie Seglerschastl Lucia und Grete!— unsere beiden Bordmädels: die sind Kreolinnen geworden— braun und schwarz find sie gebrannt: von der Tropenfonne Jentral-Amerikas! O jeruM' jerum: jassum— Freunde in der Heimat— die Sonne hier: tagsüber ist sie der Menschen Feind— Zentral- Amerika ist'n Backoten die Sonne heizt ein— und die Menschen werden gebraten Das Schönst« find hier die Nächte— wenn Donna Pacifica sich von ihrem blau- seidenen Belle erhebt— mit den schlanken Händen zum Himmel « hinauslangt— sich da die goldene Krone herabhol'— und sich aufs schwarzoiolette Haar setzt. Dann singt Donna Pacifica ihr Bac- chantenlied— sie singt wie eine Sirene— und tn den Ballhäusern Balboa Citys tanzen dann die Mulattinnen— und die langb rüstigen Zambamädchen: Mischling« aus Indianern und Negern. Jawohl --- in Balboa City wird getanzt— Nacht für Nacht: Seeleute und Sirenen! Donna Pacifica singt— die hohe Brandung— und alle Palmbäume singen-- auch die Eulen! Ich sagte euch— daß es uns allen fünfen noch gut ginge— aber einen Trauerfall haben wir doch zu oerzeichnen— einer von unserer Bordfamilie fehlt: der Mbaturco ist fort— unser Freund, unser Liebling, der Bordhund: der istrianisch« lustige Zottelspitz. Ihr weint— ihr fragt— wieso der Mbaturco zu Tcde kam? Onkel Atlantik hat ihn gefressen: in der Karibischen See hat Onkel At'antik den Albaturco von Deck gerissen: in einem schweren Orkan! Annes Hündchen— Lucia und Gretel haben drei Tage nichts ge> gessen— von wegen dem 5) und und von wegen der Seekrankheit. Ja: ja: ja: Onkel Atlantik hat uns zum Abschied noch mal bös aufgespielt— all« Register seiner Sturmorgel hatte er ausge» rissen— er trompetete wie eine wilde Elefantenderde— in den Dschungeln von Jndia-Eastl(Da kommen wir auch noch hin: Donna Pacifica hat uns das versprechen.) So: jetzt erzählen wir die Reise der Ordnung nach— immer eines schön hinter dem anderen: Erlebiiis um Erlebnis: Freud« um Freude! Das zum Leben notwendige Leid, dos frühstücken wir morgens alleine. In Briefen wandelt man nich' gerne im Schatten — die Schatten sind dafür da: um mit dem eigenen Herzen Zwo- sprach« zu halten. Stimmt's— oder nicht? Alfs— die Reise! Bor der Wut Onkel Atlantiks rettet« sich unser freier Segelkutter in den �asen von Colon. Land Panama. Amerika Mille. In Colon lag.Lady Bim". Und an Bord der .Lady Bim" lag Mister Bim— im Deckstuhl, die schwarze Ha< vanna in den goldenen Zähnen. Di«„Lady Bim" führt« am Heck die Pank«« flagge— das rotweißgestreist« Schnupftuch das Henker- tuch Saccos und Banzellis. Die.Lady Bim" war unschulösweih — am ganzen äußeren Leibe-- drinnen? Und goldene Bord- leisten hatte die„Lady Bim", sogar einen goldenen Funnel— einen goldgelb angestrichenen Schornstein. Die„Lady Bim" war eine amerikanische Luxusjacht— wir warfen ihr langfeits Anker. Mister Btm aus„Lady Bim" ward neugierig— er sprang aus seinein Deckstuhl auf— er warf seine schwarze Zigarre vor den Bug unseres„Lampo"— und mit goldenem Finger wies er auf unsere Flagge— die im Winde lustig knatterte und tanzte—„die ruote F agg thcre, uas is duas?"— so rief uns Mister Bim zu. Und unser Bordskapitän, Amigo Bortolo. der antwortete dem Pankee:„Die ruote Flagg— duas is die Froihoit!"„Ao— is if?"— knurrte Mister Bim durch di« blaue Nase. Wir:„Des, sure!"„Sicherlichl" Dann sah Mister Bim unsere Mädels— die Gretel und di« Lucia— da hatte es ihn gleich gepackt, den Mister Bim— nun ward er rot, wie unsere Flagge— rot ward er im ganzen Antlitz. Um der Schönheit unserer Mädchen willen. Nur seine Nase blieb blau. Mister Bim kam zu uns an Bord—— wir gingen später zu ihm aus die„Lady"— und dann war es abgemacht, die„Lady" nimmt uns seitwärts— sie schleppt uns durch den Kanal— durch den Panamastich— von Ost nach West— hin nach Balboa: der pazifischen Kanalstadt— allwo wir jetzt auf der Reede liegen— am Herzen der Donna Pacifica. Der Canale de Panama: Freunde— das größte technisch« Werk der Welt! Diese Schleusen, diese Dämme, die nackten Gc- birgswände— die links und rechts vom Kanal schräg aussteigen— und dann die Seen— die Binnenfeen, die der Kanal tief durch- schneidet, Lagunengewässer— ringoher die paradiesisch« Landschaft: Palmeninjeln, Bananenküsten— schnell« Vögel, bunt und schrei- hälsigi Aus dem Jrisblau des Gatunsee» steigt auf der marmorne Obelisk: das Denkmal der Arbeitshelden, der Tagelöhner die beim Bau des Kanal« ihr Leben ließen— getötet vom Fieber, getötet von den Moskitos. lüiOOO tote Indios, 10 000 tote Chinesen, 5000 tote Italiener. All ihre Namen stehen blutrot aus dem weißen Obelisken— der aus dem Jrisblau des Gatunsees schlank aussteigt. Ehre den i>elden der Arbeit! Mister Bim aber sagte:„uas hoißt Ihre, uir Dantees huaben bizahlt, duas is ualles!".Und er weist mit goldenem Finger auf den Obelisken der Arbe'tshelden--- da wechselt die Szene, der Obelisk versinkt, fort ist das Denkmal der Arbeit— wo es eben noch ragte, da zeigt uns nun Mister Bims Goldfinger«in« knallgelbe Festungsanlagc— zwölf Riesengefchütze, steil zum Himmel: wie Teleskope, wie astronomische Rohre— so lang und so gewaltig:„there" sagt Mister Bim—.chuas da, duas is uein buesseres Duenkmal, rnoney rules the worldl" Geld und Kanonen beherrschen die Welt.„I am. dlistcr Lim." In Stadt Balboa kamen wir dann in Fühlung zu einem Panamefen. Er war Hafenmeister. Don Pedro hieß er. Er er- zählte uns von seinem Lande. Die Republik Panama ist groß wie Bayern. Boyern hat 7>s Millionen Menschen. Panama nur eine halb« Million. Davon sind 50(00 Dollblutindianer: Indio« und Jndias. llttd 30000 pechschwarz« Neger. Unsere Wirischasi— er- zähll Don Pedro, ist nicht unser« Wirtschast: der Kantee und der Engländer wirtschaften tn unserem Lande. Aer Engländer gräbt auf Gold, Silber, Kupfer und Zinn— mit feinem Kapital: nor limited! Der Daickee baut Bananen, Kafsee. Kakao und Kautschuk — auf unserem Boden baut er: mit Negern, die er aus den An- tillen herbeifubr, moderne Sklaven— an der Kette des ungenügen- den Lohnes. So sprach Don Pedro— der Hafenmeister von Bat- boa. Wir sagten: Don Petra, wehrt euch doch—. Schüttelt die blondhaarigen Läuse ab.— Womit? frug Do» Petra: wir haben kein Militär. Der frei« Panamenscr-Geist wird vom Geiste der Monroedoktrin meuchlings gewürgt. Monroe: Amerika den Pan- kees!— Wir srugen erstaunt: Ihr habt kein Militär?— Nein, wozu? Könnten wir den Schissslanonen der USA trotzen? Sicher nicht. Die Republik Panama hat keine Soldaten An bewaffneter Macht hat sie nur 80 Polizeioffiziere und 800 Polizisten— nicht mehr. Das genügt. Militär: nein. Don Pedro drückte uns hart und zitternd die Hand, sein Auge blitzte: aber etwas haben wir, sagte er— das uns dereinst groß und stark machen wird, dieses: das Feuer unserer Seele! Der Wille zu wirtschaftlicher Freiheit gärt und glüht in Panamas Aultanen! Wir werden uns der blcm- den Läuse nicht mit Waffen erwehren— sondern unser Glaub« au Menschenrecht und Sozialismus, der wird uns befreien! Panamas Vulkane«erden den Dankee verbremic». Geld durchschneidet Berg« — aber Freigeist hebt Kontinente.-- Wer hat da soeben ge lacht—? Mister Bim lachte:„That's all nonsense—- rnoney rules the world— Geld begeistert die Welt." Wer hat nun recht— Don Pedro oder Mister Bim? Denkt mcll drüber nach. So, Seglersreunde, für heute genug! Uebermorgen fahren wir ab—> Donna Pacifica verspricht uns ihre Gunst— ihr heißer Sirenenatem will uns nach Süden wehen— wir segeln zur Insel Robinson— von dorb aus schreiben wir euch mal wieder. Lebt oll« recht herzlich wohl. Im Palmbaum singt der Wind: Freiheit! In euren Tannenbäumen wird es wohl ebenso singen? Adios. arniei! Krokodile In der Sahara. Obschvn die Saharo jetzt«ine Wüste ist, hat es früher dort reichlich Wasser gegeben. Die großen Flüsse vermochten dort ober nid>t bis zum Meer vorzudringen, wie der Nil in Aegypten: sie verloren sich vielmehr im Innern des Landes, dos dann später ausgetrocknet ist. Daß es früher dort Walser gegeben hat. ersieht man aus der Tatsache, daß Tilho die Ueberreste eines Krokodils sowohl im Tibesti-Mafsio als auch im Hoggar auf- gefunden hat. Es gab auch Elefanten in der Sahara, und zivar bis zum Atlasgebirge. Wald aus dem Walde. In den Tropen gibt es einen„Wald auf dem Walde. Die sogenannten Epiphyten sind solche Pflaruen, die auf dem Boden des Urwaldes wegen Lichtmangel nicht gedeihen. Sie wählen deshalb ihren Standort auf anderen Bäumen, ohne jedoch ihre Nahrung aus diesen zu nehmen. Die Epiphyten jinh also keine Parasiten, sondern sie wachsen des Lichtes wegen auf anderen Bäumen. DI« meisten Eisenbahnunfälle ereignen sich in den Dereinigten Staaten. Die jährlichen Todesopfer des Schienenstrangs betragen durchschnittlich 800O0 bis 90 000. Relativ ist die Zahl der tödlichen Unglücksfälle— auf die Zahl der Reisenden bezogen— etwa sechs- mal!o groß wie in Deutschland, die der Verletzten sogar zwanzig- mal so groß. Pantelefmon ttomanoff: ifäojHflfltfltffßtl9 Der Hausmeister saß auf cinan Hocker zwischen an, Boden verstreuten Leberabsällen und flickte seine Schuhe. Auf einem zweiten Hocker, ihm gegenüber, saß der Heiger vom Rschborhaus« in einem alten Mantel und mit rußgeschwärzten Hauben. „Die Musikantenfrau von Nr. 30 war da." sagte, ins Zimmer tretRrd, die Frau des Hausmeisters, ein kleines Frauchen in einem onoßen warmen, auf dem Rucken zusammengebundenen Tuch.„Sic bittet dich, um Christi willen, chr etwas Holz zu hacken. Der Hausmeister antwortete nichts, betrachret« aufmerksam ein Stück Leder, das er aus einem Äasten genommen hatte, warf es zurück und begann �nach einem passenden Stück zu suchen... „(£s tut einem leid, wenn man sie nur ansieht," sagte die All«. sich an den Heizer wendend,„sie hat kein« Kraft, Holz zu hocken. und der Mann darf nicht wegen seiner Musik„ sogt sie. Wäsche kann sie nicht waschen, Brot backen kann sie auch nicht. Neulich Hab ich ihr den Teig geknetet." „Solche Kostgänger können wir gerade brauchen, eine Plag« Gottes," sagte der Hausmeister. „Ja, wer von Kindheit auf nichts Rechtes gelernt hat, der Hot «s jetzt nicht leicht," sagte der Heizer kopfschüttelnd. „Das ist wirklich ein Unglück mit denen," fuhr die All« fort, indem.sie. das Tiich abnahm und es auf den Tisch warf.„Und da sagt man, das sei eine Berühmtheit." „Mit dieser Berühintheit lockt man jetzt keinen Hund vom Ofen," sagte der Hausmeister.„Wenn man lein Holz hacken kann, die Berühmtheit wärmt nicht." „Herr du mein Gott, in ihrer WohwJug ist eine Kälte, ein Schmutz... Was da nicht alles in dem einen Zimmer herumliegt: Körbe und Koffer und Geschirr; also wahrhaftig, wie noch einem Schiffbruch sieht es da aus." „Verdient er denn gar nichts mit der Musik?" „Heutzutage verdient nur der. der arbeitet. Aber bei denen geht«s das ganze Leben so mit dideldum und tralala." „Warum soll man sich nicht auch vergnügen," sagte der Heizer weich.„Gott mit ihnen, sie tun niemand was Böses." „Sollen sie doch spielen, da hat keiner was dagegen, aber olles hat seine Zeit. Jetzt ist aber ein« ernste Zeit, und sie..." Der Heizer wollte etwas erwidern, aber der Hausmo'ftcr. unter- brach ihn: „Neulich gab es noch ein Unglück: dos Rohr in ihrem eisernen Ofen mar kaputtgegangen. Wieder kam sie gelaufen: Flick ihnen das Rohr. Sehn sie wohl, Hab ich gesagt, wenn ihr Mann was gelernt hätte, wärs besser, so ist es schlimm für ihn und den andern fällt er zur Last. Also, was meinst du, das hat sie übel genommen. Cr arbeitet fein ganzes Leben, sogt sie, ganz Europa kennt ihn. Sie zittert« sogar-ulüv schwamm in Tränen."■ „Und wie sie neulich, die Aermste, immer nach unserm Fleisch geschielt hat, mein Mann hat dach vom Lande Schweinefleisch mit- gebracht. Ich sagte: was schauen Sie? Da wurde sie rot und ging." „Es geht, ihnen hall gegen den Strich, daß man sie früher in den Himmel gehoben hat. und jetzt sollen sie Holz hacken," bemerkte d» Hausmeister.„Wer arbeitet, hat auch setzt warm und sott zu essen. Zum Beispiel die Wäscherin, was die für einen Haufen Geld verdien:." „Ja," weil das eine notwendig« Sache ist." „Na ja. das ist es eben." „In unserem Hause wohntauch eine Schauspiele rm," sagt«. der Heizer lächelnd,„ich hob vergessen wie. sie heißt... Bon der sagt man auch, daß sie seinerzeit in ganz Europa bekannt war. Herrgott, Ausländer, kamen zu chr.gefahren, und wieviel Blumen die bekan... In den Zeitungen konnte man von ihr lesen, wie sie ging, wie sie saß..." „Jetzt, Brüder, sind die Blumen abgeschafft." „Sie gehen wohl unter keine Kategorie?" „So ist es." „Im Herbst haben sie versucht, in eine Kategorie mit den Arbeitern zu kommen. Um mehr Brot zu bekommen." „Sollen mal erst arbeiten," sagte der Hausmeister,„alle wollen sie Kostgänger sein. „Herrgott, die wollen doch auch essen," sagte die Ali«. „Wenn man all« Nichtstuer siütern soll, dann können die arbeitenden Menschen auch alle verhungern.". „Da schau, jetzt kommt sie wieder," sagte die Ave, durchs Fenster blickend. „Ach Teufel, die geben keine Ruh. Laß sie nicht herein, sag, ich bin nicht zu Hause." Die Hausmeistersfrau ging verlegen hinaus. Aus dem Nor- zimmer ertönt« eine aufgeregte Frauenstimme: Um Christi willen, wenigstens etwas, mein Mann darf nicht hacken, er hat heute abend ein Konzert. Wir erfrieren ja." „Sollen sie sich nicht mit Musik abgeben, dann werden sie auch nicht erfrieren," brummte der Hausmeister. „Aber das ist doch für euch, Hotteulotten, Tier«, ihr! O mein Gott!" schrie die Frauenstimme aus dem Vorzimmer und die Außentür fiel ins Schloß. Di« Alte trat, zu Tränen gerührt, ins Zimmer. .„Hab ich dir nicht gesagt, laß sie nicht herein," schrie der Haus- meister wütend. „Sie ist doch nur ins Vorzimmer gekommen..." „Auch ins Vorzimmr darf man sie nicht lasten.„Für euch"..., selbst drängen sie sich einem auf und dann wird ntan noch beschimpft." „Da... da kommt er selbst mit dem Beil hinaus." All« gingen ans Fenster und salzen hitums. Aus der Tür des Vorderhauses trat ein Herr mit langen grauen Haaren, einen Hut auf dem Kopf. In den Händen trug er ein Beil und einen Birkcnklotz. „Na, Gott sei gelobt, dos erstemal, daß der eine Arbeit in die Hand nimmt," sagte der Hausmeister. Der grauhaarige Herr stellt« den Klotz auf den Boden, besah aus irgeirdeincm Grunde erst seine Hände und fing an Holz zu hacken. Die Hausmeisterin seufzte tief und sagte: „Das ist nur ein Jammer, daß die nicht von Kindheit auf zu richtiger Arbeit angehallen sind. lAus dem AusNlchen übertragen von Alma L«ver«.l Ein Friedhos subtropischer Tiere In Sibirien. Bei den Grab unosarbeiten, die in Kasakstan ausgeführt werden, stieß man auch aus die Anlagen eines Tierfriedbofes. Die Freilegung der Skelette ergab, daß man hier einen Friedhof subtropischer Tiere freigelegt hatte, also tierische Bewohner Sibiriens aufgefuirden hatte, die dieses Land vor nicht fernen geylogischen Zellen bewohnten, als hier noch subtropisches Klima herrscht«. Die Un�ersuchungsarbellen werden an Ort und Stelle von einem großen Kreise von Fach- gelehrten sortgesetzt. Qlbl es Jiaiushohe*' �Vellen? Man hört immer wieder von Leuten, die übers Meer fuhren, besonders wenn sie ein kleines Schiff benutzten, von„haus"- und „turmhohen" Wellen erzählen. Gibt es aber wirklich haus- und turmhohe Wogen? Seit man begonnen hat, die Höhe der Wellen nach wissenschaftlichen, besonders photogrammetrifchen Verfahren zu anessen, ist man immer mißtrauischer in der Beurteilung solcher Bo- richte geworden. Denn das Ergebnis dieser, mit großer Genauigke.t durch viele Jahr« hindurch geführten Untersuchungen war über- . laschend. Es zeigte nämlich, daß die Durchschulltstvellenhohe, d. h. die Entfernung zwischen dem tiefsten Punkt des Wellentals und dem höchsten Punkt des Wellenbergs, bei schwerem Sturm nur etwa 6 Meter beträgt, und daß selbst die allerhöchsten Wogen bei einem solchen Sturm im Atlantischen Ozean«ine Höhe von S Metern kaum je überschreiten. Bei ganz ungewöhnlich heftigen Stürmen im Großen Ozean kann allerdings in fellenen Fällen auch einmal die Dnrchfchnittshöhe 9 Meter betragen, während dann einzelne aus- nahmsweife mochtige Wellen ein Maximum von 13� Metern cr- reichen. In den Meeren der südlichen Halbkugel will mqn sogar Wogxn von lö Meter Höhe beobachtet haben. Dos sind indessen Wellen- höhen, die der gewöhnliche Sterbliche glücklicherweis« kaum je zu Ee- ficht bekommt. Selbst int gefürchteten Golf von Biskaya pflegen die Wogen auch bei schwerem Wetter eine Höh« von 8 Metern io gut wie nie zu überschreiten; sie sind also weder„türm"- noch„haus- hoch", würden vielmehr— an einem vielftöckigen Etagenhaus gc- messen— ein Schilf eben bis zur Grenze des zweiten und dritten Gesthosics emporheben. Dabei sind auch solche Wogen noch durchaus aus die weiten, offenen Ozeane, beschränkt, so auf den Atlantik, den Pazifik und ganz besonders auf die Meer« der südlichen Halbkugel, In kleineren, rings von Ländern umgebenen Meeren dagegen sinkt die maximal« Wellenhöh« noch wesentlich weller herab. So erreichen die Wogen des Millelmeere's noch Höchsterhebnngen von 4K Metern, die der Nordsee von 4, der Ostsee gar nur von 2 bis 3 Metern! Die türkische Regierung kündigt fetzt einen Gesetzentwurf an. nach dem der bisherige wöchentliche und auf Freitag gelegene Feiertag in der Türkei auf Sonntag, verlegt werden soll. Diese Maßnahme wird mit wirsichalklichen Motiven, insbesondere mit Rücksicht auf die Feiertagsgepflagcnheiten in Europa begründet. Der Kormoran in Ostpreußen kam in den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts noch in verhältnismäßig zahlreichen Kolonien vor. Bon all diesen Kolonien hell sich ober nur eine einzig« bis in unsere Tage erhallen, nämlich die Siedlung cuts dem Lindenwerder lln Mahrungsee(Kreis Osterodes. Seit wann und wie lang« die Vögel hier genistet haben, wissen wir nicht: doch waren iii den 80er Jahren aui dem Lindenwerder Kormoran« häutig; wurden jedoch in den folgenden Jahren von den Fischcreipächterir abgeschossen und vertrieben. Lange Zeit galten dann die Kormorane als von dieler Stell«, dem letzten ostpreußilchen Brutplatzc, ver- IchWunden. Erst seit etwa 1919 stellten sie sich zum Brüten'auf der Insel wieder ein, und in der Folgezell wuchs die Zahl der Bruti paar« außerordentlich rasch und war dank der umfassenden und geradezu vorbildlichen Schutzmaßnahmen des Oberanumamts Görtz in den Jahren 1928 und 1929 schon aus mindesten» 200 Paare ge- stiegen. Damit dürfte jetzt aus dem Lindenwerder die größte Kor« morankolonie bestehen, die überhaupt in Deutschland vorkommt. Wo diese Böget außerhalb der Brutzeit bleiben, wissen wir noch nicht. Darüt-er muß erst die Beringuna zahlreicher Innerer in den Horlten Aufklärung geben. Anld-einend streichen sie nach Berlosien des Bruk- plgtzes innerhalb der Provinz nicht viel umher, sonst müßten sie «mh auf anderen Seen öfters bemerkt werden. Noch wie vor muß der Kormoran für die ostpreußischen Gewässer abgesehen vom Mahrungsee und vielleicht einigen Nachbarseen, als Ausnahmeer-. schainung gellen...........- SSerlin 8.. Oraniensir,*64/65 Sßerlin 11., Reinickendorfer Strafe 21 Charlollenburff, Rosinenslraße'J SSerlin 0� frankfurter JlUcc 60 Rertin IL, Rrunnensirafte 188/100(Spe&ialhaus f, Herrenbekleidung)