BERLIN Zreitag Z. Januar 1930 10 Pf. Nr. 4 47. Jahrgang LrscheivttSglich au|er0e«ttt<$i. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben Sä Pf. pro Woche. S.60M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW 68, LindeuKr.s ti Uuiekzenpreis: Die einspaltige Nonparellleteil« �. 80 Pf., Sleklamejeile S M. Ermäßigungen«ach Tarif. Postscheckkonto: Dorwärts-Verlag G. m. b.H.. Berlin Nr. 87536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Flugzeug rast in Flugzeug. Zehn Filmschauspieler stürzen ins Meer. London, 3. Zanuerr. Aus Eauto Mouica in Rnliforniau wird ei« furchlbure» Flugzeugunglück gemeldet, dem zehn Per» foaen zum Cd f e r gefallen sind. Zwei für die Aufnahme eines FilmS für die Fox-Gefellfchaft be- nutzte Flugzeuge stießen in einer Höhe von etwa ftav Metern mit voller Wucht zusammen und stürzten in den Ttillen Lzea« ab. Fn den beiden Flugzeugen hatten sich zehn Personen be- suuden. die alle umS Leben gekommen sind. Bisher wur- den drei Tote geborgen. Mehr als 20 Schnellboote fuhren sofort nach dem Absturz zur Durchführung der isiettungsarbeiten aus, die jedoch außerordentlich fchwie- rig waren, da das Meer an dieser Stelle mit Schling- pflanzen aller Art übersät ist und die beiden abgestürzten Flugzeuge infolgedessen von den Schlinggewächsen voll- kommen eingeschlossen waren. Unter den Toten befindet sich auch der Produktionsleiter HawkS, der Gatte der Schauspielerin Martz Astor. Heber das Flugzeugunglück werden noch folgende Einzelheiten bekannt:-.-. � Die Fox-Filmgesellschaft hatte zwei Stimson- Detroit- Maschinen gemietet, um für den Film„Solche Männer fiud gefährlich' Trickaufnahmen zu machen. In einer höhe von etwa 700 Metern stießen die beiden Flugzeuge zusammen und stürzten ins Meer. Eine der beiden Maschinen brennt e beim A b st u r z lichterloh. Vor dem Unglück kreiste über den beiden Maschinen ein drittes Flugzeug, von dem aus ein Fallschirmabsprünz stattfinden sollte.(In Anlehnung an das geheimnisvolle Der- schwinden des bekannten Brüsseler Bankiers Löwenstein ist das Manuskript veriaht.) Der Vorgang sollte von den niedriger fliegen- den Flugzeugen ausgenommen werden. Der Schauspieler, der den Sprung in die Tiefe wagen sollte, war bereits' absprungbereit, als der Führer des oberen Flugzeuges plötzlich bemerkte, daß eines der beiden anderen Flugzeuge gegen die«onne fliegend buchstäblich in das zweite Flugzeug hineinstürzte. Offenbar Ist der Führer der Unglücksmoschine von der Sonne geblendet worden. Nach mehreren Stunden Suchens wurden sämtliche Leichen geborgen. Der leitende Direktor Hawks, der ebenfalls unter den Opfern ist. ist. nüc; berstts gemeldet, der Gatte der Filmschauspielerin Mary Astor. die während der Katastrophe in Los Angeles in einem Lustspiel austrat und unter den Zuschauern wahre Lachstürme entfesselte. Optimismus im Haag. Erste Fühlungnahme Tarvieu-Snowden. V. Sch. Den Haag. 3. Januar.(Eigenbericht.) Die deutsche Delegation mit den Reichsministeri: C u r t i u s. M o l d e n h a u e r. W i r t h und Robert Schmidt an der Spitze »ras heute vormittag mit dem sahrplanmäßigen Zuge aus Berlin im chaag ein. Mit der französischen Delegation kamen die Minister Tardicu. Briand. C heran und Loucheur an. Das Programm der Ostreparationen stcht insofern gegenwartig im Bordergrund des Interesses, ols es bisher ungelöst sit und nun die Frage austaucht, ob man sich bemü'>e, zunächst diese Angelegenheit restlos ins reine zu bringen oder ob man unabhängig davon die noch zwischen den kleinen Mächten schwebenden Fragen erledigen will. Es wird versichert, daß in Oesterreich und neuerdings auch in Belgien einiges bereits perfekt ist. Nur mit Ungarn wird noch hartnackig gerungen, dennoch besteht bei den Groß- mächten allgemein die Neigung vorwärts zu kommen und die definitive Lösung der Ostreparationen abzuwarten. Es dürft« in. einer Besprechung beraten werden, die heute nach- mittag um 2 Uhr Zwischen den Delegierten der einladenden Möchte vor der Eröffnungssitzung vereinl.art ist. Eine erste eingehende Fühlungnahme hat heute mittag bereits zwischen Tardieu und Snowden stattgefunden. Aus französischer Seite wird versichert, daß ernste Konflikte aus dieser.haager Schlußkonferenz nicht befürchtet werden»nd daß Ende dernach st en Wochealles geregelt sein werde. Indessen wird man gut tun, vorsichtshalber abzuwarten, mwiewett der Optimismus berechtigt ist. Die Gemeindereakiion in Sachsen Im Geiste des Bürgerblocks. Rücktritt des Leipziger Oberbürgermeisters. Leipzig, Z. Januar.(Eigenbericht.) Der Leipziger Oberbürgermeister Dr. Rothe ha: den stödi!- schen Kollegien sein Rücktrittsgesuch eingereicht. Dr. Rothe war auf Lebenszeit gewählt, er wird am lä. April aus dem Amte scheiden Der Leipziger Oberbürgermeister ist ein gehässiger Feind der Arbeiterbewegung, ein Vorkämpfer des Lürgerblocks. Cr hat seiner Gegnerschaft gegen die Arbeilerreg�e- rung bgi der Einführung sozialdemokratischer Ratsmitglioder wiedei- holt öffentlich Ausdruck verliehen, er war bei den letzten Gemeinde- wählen Haupteinpeitscher der Bürger front. Nach- dem die Gcmeindewahlen die Mehrheit des Vürgertilms in der Stadtverordnetenversammlung sichergestellt haben, glaubt er den Posten"einem neuen bürgerlichen Oberbürgermeister frei machen zu können._ Bürgerblock von Demokraten bis zu Hakenkreuzlern Ehcmnlh, 3: Januar.(Eigenbericht.) Die von den Nationalsozialisten bis zu den'Demo- kraten reichend« bürgerliche Arbeitsgemein- f ch a f t des Chemnitzer Stadtparlaments wählte am Donnerstag abend den demokratischen Stadtverordneten Schier- sand zum ersten Stadwerordnetcnvorsteher. Die sozialdemokratische Fraktion lehnte nach der Wahl des Demokraten jede Beteiligung an dem Präsidium ab, da ihr entgegen allen parlamentarischen Gc- pslogenheiten als stärkste Fraktion das Amt des�ersten Vorstehers vorenthalten wurde. Mesenverschwörung� gegen Faschismus Llntersuchungen in Frankreich.- Proteste der Linken. Paris. 3. Zanuar.(Eigenbericht.) vi« pariser pasizei scheint entschlassen zu sein, die Verhaftung der drei italienischen Emigranten Tarchiani. ttiar.ca und Sardelli als die Ausdeckung einer groß angelegten Verschwörung erscheinen zu lassen. Am Donnerstag wurden in den italienischen Kolonien in Lyon. Marseille und Nizza zahlreiche Unlcrsuchuvge« und Vernehmungen vorgenommen, um die Mitwisser an dem angeblich gegen die italienische Völkerbundsdelegatiou in Genf geplanten Vombenattevtal ausfindig zu machen. Vorläufig haben alle diese Bemühungen zu keinem praktischen Ergebnis gesührt. dafür mehren sich aber die Proteste sämtlicher Linksparteien. Der sozialistische „Populaire" erklärt, daß sich die pariser Polizei wirklich bestens um den Faschismus und seine Propaganda verdient gemacht habe. Die„Kepublique" ist der Ansicht, daß man das Komplott lediglich zu politischen Zwecken ausgeheckt habe, um damit dem Faschismus einen Gefallen zu tun und ihn im Haag und in London an die Teste Frankreichs zu bringe,». Die„Volant:" protestiert dagegen, daß Italienische Detektive aus sranzösischem Boden die Verhafteten be- spihetl und ihre Briefe unterschlagen hätten, wozu weder sie odrr gar die Italienische Bolschasl kein Recht gehabt hätten. Für das Ansehen Frankreichs sei es mehr als peinlich, wenn die sranzöjische Polizei seht von der faschistischen presse mit ebenso unberechtigten wie verletzenden Lobsprüchen überhäuft werde. Konflikt mit Herriot beigelegt. pari«, Z. Januar.(Eigenbericht.) Der Konflikt zwischen herriot und der sozialistischen Fraktion im Staptrai von Lyon ist beigelegt wordett. Der, sozialistische Red- »er Fenrier, der seinerzeit die Demisslonsdröhung hernots. veranlaßt hatte, erklärte, daß«r gegen die Amtsführung herriot« als Bürgermeister nichts einzuwenden habe, daß er aber nach wie vor strengste Kontrolle bei der Vergebung aller städtischen Arbeiten fordere, damit jedes„Trinkgeldgeschäft" unmöglich gemacht werde. Einstimmig wurde dann die Auflegung einer neuen Stadt- a n l e i h e in höhe von 3ZIZ Millionen beschlossen, die zur Per.- besserung dqr städtischen Werke und zur Vergrößerung des Messe- palastes bestimmt sind. Lieber 1,5 Millionen Arbeitslose Starke Zunahme im Dezember. Die Zahl der hauptuntrrstützuugsempsänger in der Arbeitslosenversicherung ha» In der ersten Dezemberhälstc eine verstärkte Zunahme— nämlich um 233 000 Personen oder fast 20 pro,. — erfahren. Am J5. Dezember wurden somit rund l,4 Millionen Personen in der Arbeitslosenversicherung unterstützt, davon rund l.l Million Männer und rund 300 000 Frauen. Zn der Krisenunlerstützung besandeu sich Mitte Dezember 194 000 Personen. Di« Zunahme gegenüber dem letzten Stichtag (30. November) belies sich aus 4 Prozent. Deutscher Geschäststräger in Irland. Der neuernannt« deutsche Geschäftsträger für den irischen Freistaat, der bisherige deutsche Generalkonsul in Dublin, von Dehn, hat dem irischen Auß'N.nirnster seine Beglaubigungsschreiben überreicht. r«r i •ßas Strandbad Wannsee rrhäU eine Promenade, die ffch in einer XSnge ron 12SO Itteier Icrraffntför mig am Strand hinaiehl. i \ Das Geheimnis der Milchpreise. Kousumv«rem und Mlchhündkr im Kamps. Die Flucht vor Hugenberg. Etwa 45000 Austritte aus seiner Partei. L«it Wochen HÄt die Austritt svewcgung aus der Deutschnatio- i;alcn Partei an. In unterrichteten Kreisen wird die Zahl der seit >>ugs>rbergs Führung aus dem deutschnattonalen Lager geflüchteten Mitglieder auf annähernd 45000 beziffert. Neuerdings sind wieder mehrere leitende Persönlichkeiten der christlichen Gemerk- schafien Ostpreußens mit dem Bemerken aus der Deutschnationalen Partei ausgetreten, daß sie zu der gegenwärtigen Führung der Partei, d. h. zu Hilgenberg, kein Vertrauen haben. Bombenwerfer an Hindenburg. Erst Bomben, dann heuchlerisches Hilfegeschrei. kiel. 3. Januar(Eigenbericht.) Die Führer der schleswig-holsteinischen Land- noltbewcgung haben das Neue Jahr mit einem schlechten Wig begonnen. Sie richteten an den Reichspräsidenten von Hindenburg einen Brief, in deni sie einleitend darauf »erweisen, daß HIndenburgs Wahl ihnen die Hoffnung auf Er- rcttung aus ihrer Not gegeben hatte. Aber fünf Jahre sef Hinden- bürg Reichspräsident, und nun müßten sie rufen:„Bater hilf, wir find in Todesnot. Horst Du uns denn nichts Sie oerweisen auf die primos schwieriger Stand , Hinauf bin ich gekommen,- aber wie komme ich wieder hinunter?!� „Verzweiflungstat", wofür 15 deutsche Männer in engen Zellen schmachten, und sie richten an den Reichspräsidenten den dringenden Ruf,«den Sterbeschrei des deutschen Bauern- und Land- ookkes zu hören und persönlich einzugreifen, damit das System es nicht oernichte. Wir haben nicht mehr viel Zeit, und der Vernichtungswille des Feindes ist groß". Die Landvoltführer betonen, daß sie kernen dürren Briefbefcheid des Sekretariats der Reichs- kanzlei wünschen.„Wir wollen den Machrspruch einer starken Führe rpers ö nlichke it> die spricht: Bis hierher und nicht weiter! Achter Sifenbahnanfchlag in Braunfchweig. Oer Täter noch immer unbekannt. Brnunschweig, 2. Januar. Doimdrstag nachmittag wurde auf denZug Braun schweig — Ö ifhorn zwischen dem Vorortbahnhof Querum und dein Bahnhof Wenden kurz hinter dein Querumer Wald wiederum ein Anschlag oerübt. Es ist dies der achte innerhalb von zwei Mo- noten. Nachdem die Täter vergeblich»ersucht hatten, die in der Nähe des Totortes stehenden Warnungstafeln, die mit schweren Eisenschienen fest in die Erde oerankert sind, umzureißen und auf die Schienen zu legen, hatten sie von einer in der Nähe befindlichen Brücke einen Sockel aus Steln im Gewicht von etwa einem Zentner losgeschlagen und aus die Schienen gelegt. Der von Wenden nach Braunschweig fahrend« Zug hat dieses Hindernis mir dem Schienen- rämner etwa 30 Meter weit mitgeschleift und langsam zermalmt. Bon den Tätern fehlt jede Spur. Trotz des eifrigen Zusammenarbeitens seitens der Krimmalpolitizei mit der Bahnschutzpolizei der Reichsbahndirektion Magdeburg, die seit Wochen in Bvaunschweig zusammengezogen ist und von der etwa 80 Beamte täglich zu jeder Zeit das Gebiet der Lraunschweiger Bahnen irbstreifen, ist es noch nicht gelungen, einen der Täter festzustellen oder irgendwelche Anhaltspunkte zu bekommen. Oer„Pennbruder". Vor der Gerichtsschranke steht ein dürftiges alles Männchen. Bescheiden, fast ängstlich blicken ein Paar alle müde Äugen aus dem zerfurchten wettergegerbten Gesicht. Ein zer° j ch l i s s« n e r Anzug von undefinierbarer Farbe schlollert um die bagere Gestalt, verwelkte Hände mit langen, krallenartigen Finger- nageln drehen in rascher Bewegung einen arg zerbeulten Hut. Ein alter Landstreicher, ein„Pennbruder", em Schutz- und Heimatloser steht hier und soll sich verantworten. Er ist verdächtigt, einen Zunstgenossen nachts in einer Scheune, wo sie beide fchiiesen, erwürgt und beraub? z» haben. Der Richter verliest den Tat- b e st a n d: Angeklagter und Toter sind zwei verloren« Existenzen, vis Arbeiter oder Kuhflltterer verdingten sie sich zeitweise bei Bauern Kam der Sommer, dann warfen sie die Arbeit hin und gingen auf die Walze. Zur Zeit der Tat Halle der Ermordet« gerade seine Stellung ausgegeben gehabt, weil er genügend Ersparnisie gesammelt hallo, um über den Sommer hinweg zu kommen Am Abend ballen dann die beiden zusammen in der Dorfschänkc getrunken, am nächsten Morgen lag einer von ihnen tot un Stroh. Run ward der andere des Mordes verdächtigt. Er bestreitet die Tat: und wenn man ihm ins Gesicht sieht, dann glaubt man fast an seine Unschuld- Aber vielleicht täusch«, auch nur die gleich- uitigen, alten Gesichtszüge, vielleicht schlummert hinter diesen 'lläfrig drcinblickendon Augen allerlei böser Will«, vielleicht woh- n grausame Gedern den hinter der vielfältig gestrichellen Stirn. ruhig-bcjormenem Tonfall erzähll er den Hergang der Dinge: habe mit dem anderen getrunken, zum Schluß seien sie ins Die deutsche W i rtf ch a st s e u q u e tc hat jetzt einen Bericht über die Untersuchung des Handels mit Milch und Milchprodukten veröffentlicht.(Derlegi bei E. S. Mittler und Sohn, Berlin.) Im Laufe der Untersuchung fielen die v e r s ch i e- denen Milchpreise in einer mitteldeutschen Stadt aus. Um die Verschiedenheit der Preisbildung zu erklären, wurden drei Sach- verständige vernommen. Der erste Sachverständige, den den Enquete- bericht mit MI bezeichnet, ist der verleter des Konsumvereins in der erwähnten mitteldeutschen Stadt. Die beiden anderen Sachverständigen, in der Enquete MK und ML gcaatiiit, find Milchgroßhändler(Großmolkereien). Aus der iontradiktoto- rischen Vernehmung geben wir folgend« bezeichnende Stellen wieder: Borsitzender des Enqueteausschusses: Herr Sach- verständiger MI. der Enqueteausschuß hat Sie hierher geladen, weil sich bei der Vernehmung eines Milchhändlers aus Ihrer Stadt herausgestellt hat, daß Ihr Konsumverein dasselbe Quantum Milch für 28 Pfennige liefert, dos von den Milchhändlern für 31 Pfennige und von einer Großmollerei für 32 Pfennige verkauft wird. Dies« Differenz ist uns um so wehr ausgefallen, als Ihr Konsumverein noch 5 Proz. zurückuergütet. Wie erklären Sie sich die Differenz zwischen Ihren Preisen und den Preisen des privatwirtschaftlichen Handels? SachosrständigerMI legt zahlenmäßig dar. daß der von ihm vertretene.Konsumverein die Milch zudcnselbenPreisen einkauft wie die privaten Händler. Vorsitzender: Wie kommen die anderen Mllchhändler zu der Behauptung, daß bei Ihnen die Milch anders behandelt wird? Sachverständiger MI: Diese Behauptung müssen die Milchhändler wider besseres Wisien aufstellen: denn die Mllchhändler haben ja früher die Milch von derselben Molkerei bezogen, von der wir sie heute beziehen. Unsere Mitglieder oerlangten, daß wir ihnen auch Milch lieferten. Wir setzten uns zu diesem Zwecke mit einigen Molkereien in Verbindung. Wir wollten zunächst bescheiden an- sangen und wenige hundert Liter Milch verteilen. Als die Einzel- Händler davon erfuhren, sind st« gegen uns Sturm gelaufen. Sie haben gedroht, die Molkereien zu boykottieren, wenn sie deu Konsumverein mit Milch beliefern wurde«. Das ging ungefähr 6 bis 8 Monat« lang. In dieser Zeit haben uns die Einzelhändler jede Molkerei streitig gemacht. Schließlich haben wir unser« jetzigen Lieferanten in die Hand bekommen. Diese Molkereien haben sich trotz der Anfeindungen der Händler bereit erklärt, an uns zu liefern. Das war auch ganz klug: denn unser Hauptlieferant liefert heute an uns well über 10 000 Liter pro Tag. Wir haben im Monat März einen Umsatz von 408 000 Litern gehabt. Vorsitzender: Als die Qualität Ihrer Milch angezweifelt wurde, ist u. a. auch angeführt worden, daß Sie von einer Land- molkerei beziehest, welche die. M i Ich nicht s 0« r st k l asfi g be- handelt wie die großen Molkereien in Ihrer Stadt. Sachverständiger MI: Unser Lieseraill hat dieselben Maschinest, dieselbe Milch, dieselbe Arbellsmethode wie die Liefe» ranten des privaten Einzelhandels. Vorsitzender: Halten Sie die Qualität Ihrer Milch irgend. wie für geringer als die der anderen Milchhändler? Sachverständiger MI: Im Gegenteil, wir behaupten. daß unsere Milch im Durchschnitt einen höheren Fettgehalt hat als die Milch des privaten Einzelhändlers. Vorsitzender: Es ist doch auffällig, daß Ihre Kalkulation immer unter dem allgemeinen Verkaufspreis bleibt. Sachverständiger MI: Der Verkaufspreis ist eben von den Molkereien sehr hoch festgesetzt. Borsitzender: Die Milchhändler Ihrer Stadt haben uns folgende Rechnung.Aufgemacht: Zu einer Zeit, als der Verkaufspreis im Einzelhandel 3l Pfennige war, erhielt der Landwirt 21 Pfennig«. Stretten gekommen. In der Nacht schlief der andere sehr unruhig, schlug um sich und es wäre zu heftigem Wortwechsel ge- kommen. Am Morgen hätte er sich von seinem Lager erhoben und wäre sortgegangen, ohne sich um den arideren zu bekümmern. Stunden später fand er in seinem Reserverock, den er über dem Arm trug,«in« fremde Taschenuhr. Run hat das Gericht zu prüfen, ob die Behauptungen des An- geklagten auf Wahrheit beruhen: es besteht nämlich außer dem Mordverdacht noch die Möglichkeit, daß der ander«,«in schwächlicher. tränklicher Mensch, eines natürlichen Todes gestorben ist. Die Zeugen werden vernommen: derb«, vierschrötige Bauernge st altem trapsen auf schweren Stiefeln herein, auch Frauen sind darunter. Mißtrauisch betrachten sie den Angeklagten von allen Seiten. Ein Mensch, der keine Bleibe, keinen Besitz und vor allem kein« richtige Arbeit hat. der wie ein Zigeuner von heute aus morgen lebt und dem Zufall die Verantwortung für sein Fort- kommen überläßt, dem trauen sie unbedenklich alles Schlechte zu. Für diese Menschen gibt es keine krummen, verschnörkelten Daseins- weg«: sie kennen nur die breit ausgefahren« Straße täglichen mühe- vollen Schaffens, auf der Generation um Generation sich ihren Weg bahnt. Der Wirt, als dessen letzte Gäste die beiden an jenen, Abend das Lokal verlicßen, ein gutmütiger Dicker mit wässrig- schwimmenden Aeuglein, ist vielleicht der einzige, der nicht so ganz- sich von der Schuld des Angeklagten überzeugt ist, und er wirft ihn, im Vorübergehen einen freundlich-ausmunternden Blick zu. Aber der Alte bemerkt weder das Wohlwollen des einen noch das starke Mißtrauen der anderen. Stumpf blickt er vor sich hin: nicht verzweifell und nicht haßerfüllt, sondern gleichgültig, als ginge ihn das alles gar nichts an. Zwölf Jahre Zuchthaus wegen Raubes mit Todeserfolg lautet das Urteil. Zluch jetzt bleibt der Alt« gefaßt wie bisher. Die Menschen, die feinen Prang«, aufrichten halfen, sehen jetzt, nach dem Erfolg ihrer Tat, verstört, fast schuldbewußl drein: als ob es ihnen leid täte, was sie da angerichtet haben: auch der Richter wirst kurz einen mitleidigen Blick auf den armseligen Alten. Segen den Slaatramvallschaslsral vr. Willy wasmuudl von der Staatsanwaltschaft I ist, wie jetzt erst bekannt wird, vor einiger Zeit vom G enerolstaatsanroa lt beim Kammer- gsricht ein DW sllinaroerfahren eingeleitet worden, in dem seine Bezlehungen zu de» Gebrüdern Sklarek einer Nachprüfung unterzogen werden sollen. Swatsanwalts cha i tsra t Dr. Wasmundt ist bis zum Abschluß dieses Verfahrens, in dem bereits einige Zeugen vernommen worden sind, beurlaubt worden. Der Großhändler nimmt 25 Pfennige und der Einzelhändler ver- kauft mll 31 Pfennigen. Das ist also je Liter Milch vom Landwirt bis zum Einzelhändler eine Visserenz von 10 Pfennigen. Wenn man nun IX Pfennige für die molkereimaßigc Bearbeitung abzieht, dann bleiben 8',4 Pfennige Nutzen je Liter. Sie nehmen nur 20 Pfennige, während Sie selbst 22!-? Pfennige bezahlen. Da beträgt die Differenz also nur Pfennig«. Sachverständiger MI: Das sind 22,4 Proz. vom Ber- kaufswert. Das ist doch ein sehr hoher Nutzen. Vorsitzender: Ein Sachverständiger hat ganz glatt be- hauptet, daß Sie bei der Milch mit Verlust arbeiten müssen. Sachverständiger MI: Dazu kann ich nur bemerken, daß wir glücklich wären, wenn wir aus all« Waren 22,4 Prozent Bruttonutzen hätten. (Es folgt die Vernehmung der beiden Sachverständigen MK und ML. Der Sachverständig« MI verläßt während der Zeit den Raum.)* Sachverständiger M.K: Der Konsumverein bshondelt gerade die Milchfrage als eine politische Frage. Ebenso wie er schon im vorigen Jahre und vor zwei Iahren dos Brot um 10 Pfennige billiger abgegeben hat als die privaten Bäckereien, so benutzt er auch die Milch dazu, um Mitglieder heranzuziehen. Sachverständiger ML: Der Konsumverein bezahlt auch einen Teil der Steuern nicht. Der EachverstäntUge MI wird wieder zugelassen und erklärt aus Befragen des Vorsitzenden, daß der Konsumverein kein« Körperschaftssteuer bezahl«. Lorsitzender: Das ist natürlich ein Borteil und einer der Grund«, weshalb der Konsumverein Rabatt ausschütten kann. Aber für die Frage des Bruttoertrages kommt das nicht in Betracht. Nun, Herr Sachverständiger MI. meinen die Herren MK und ML, daß es sich bei Ihren Preisfestsetzungen im Grunde« genommen um etwas Politisches handelt. Sachverständiger MI: Wenn wir den Preis nehmen würden, den die Milchhändler und Molkereien in meiner Stadt' nehmen, und es würde bekannt werden, daß wir einen derartigen Prozentsatz Lruttonutzen an der Milch haben, dann würden unsere Mitglieder fragen, wozu haben wir denn eine wirtschastlich« Organi- sation. die uns Vorteile bieten soll. Man beschästigt sich dann mit der Bildung des Einzel- handelsmtlchpreises. Sachverständiger MK: Der wird zusammen mit dem Alllchhaudel vereinbart, and Zwar sa. daß jeder dabei insofern auskommen kann und soll, als et eine gewisse Verzinsung für sein Investiertes Kapital hat. Lorsitzender: Sie richten sich nach den Preisen des Einzel- Handelsverbandes und nehmen immer einen Pfennig mehr. Wie motivieren Sie das? Sachverständiger MK gibt eines ausweichende Aritwon. Dorsitzender: Wie wird eigentlich der E inzelhandels prei s festegesetzt? Sachverständiger ML: Das kann ich nicht beurteilen, aus welcher Grundlage der Preis festgestellt wird. Vorsitzender: Sie wissen gar nicht, wie der Preis istr den Milchhandel festgesetzt wird, wissen aber genau, daß Sie einen Pfennig mehr Unkosten haben. Im Lause der Vernehmung äußert sich der Sachverständige MI dahin, daß in seiner Stadt viele Einzelhändler mit zu geringen Verkaussmengen zugelassen seien. All« diese Händler aber, die sich mit täglich 60 bis 90 Litern beschäftigen, sollen nach der Ausfassung des Cinzelharüielsoerbandes existenzfähig sein."Im wetteren ergibt sich, daß die Einzelhändler ein Drittel der Milch obn« jede Bearbeitung ab setzen. Der Sach- verständig« MK bezeugt selbst, daß die Händler zum großen Teil Milch zu demselben Preis verkaufen, die nicht bearbeitet ist. Au»-der Untersuchung geht klipp und klar hervor, daß die billigeren Preis« der Konsumvereine aus der besseren Organi- sa t i 0 n und aus einer geringer P r 0 fi tqu 0 t« beruhen. Oer Raubüberfall auf den Kaffenboien. Einer, der ans dem Zuchthaus nicht herauskommt! vor dem Schöfscngerlchl Berltn-vlttte wurde heul« einer der HauplteUnehmer aa dem mit seltener Dreistigkeit unternommenen Raubübersall auf einem kassenbolen abgeurteilt. Der Raubübersall ereignete sich, wie erinnerlich sein durste, am 4. Februar 1SZ? am hellen Tage morgens um 9 Uhr In der belebten Bafhcnorocr Straße. Der Kassenbote Friesecke hotte von der Bank Gelder für die Erwerbslosenfürsorge abgehoben. Zwei Männer waren ihm auf dem Wege gefolgt. Der«ine schlug den Boten zu Baden, während der andere ihm die Geldtasche zu entreißen suchte. Der Kassenbote hatte aber die Geistesgegenwart, seine Geldtasche krampfhast festzuhalten. Inzwischen war auch das Publikum schon auf den Vorfall aufmerksam geworden, so daß die beiden Raube/ ohne ihre Deute in eine am Tatort haltende Autodroschke sprangen und flüchteten. Der Chauffeur, ein gewisser Riefenstahl, der an dem Raubüberfall mit beteiligt war, wurde bald ermittelt und ist auch bereits abgeurteilt worden. Nunmehr hatte sich wegen gemelnscha'l liehen versuchten schweren Raubes ein zweiter der drei Spießgesellen Albert Gulski, vor dem Strafrichter zu verantworten. G ist ein berüchtigter Schwerverbrecher und gehört zu den gefährlichsten Einbrechern Berlins. Er war damals aus der Stral- Haft beurlaubt gewesen, sollt« aber wieder ins Zuchthaus zurück und hielt sich verborgen. Ein gewisser Watter, den er in dem Zuchthaus kennengelernt hatte, inachte ihm den Vorschlag, gemeinsam mit ihm den Äassenboten zu überfallen. Gulski vermtttelle noch die Hilfe des Autochausseurs, um nach verübter Tat jlüchlen zu können. Walter war es. der den Kassenboten niederschlug. Gulski wurde erst jetzt im Zuchthaus, wo sr gegenwärtig stu: zahlreiche Einbrüche eine sechsjährig« Zuchthausstrafe zu verbüßen hat, erkundet. Er war geständig und wurde heute zu zwei Iahren Zucht- Haus oerurteilt. vi« Schildtroteninsel. Der brttifche Botjchaster und otaatf- letretar Stimson unterzeichneten ein Abkommen, das die Grenz- fraqen.zwischen den Philippinen und Bntisch-Nordborneo regelt. Dadurch wird das Besitzrecht der Vereinigten Staaten auf die Schild- kröteninsel anerkannt: jedoch wird diele Insel auch weiterhin von Großbritannien verwaltet werden. 20. Krei» Setvickendors(Agitation und Arbeiter moblsahrli. Heute, Freitag, den 3. Januar 1930. Funktionärinnensignng im Jugendheim Tegel, Schöneberger Str. 3. I Kindestötung aus Mitleid. Well sich niemand um das Kleine tnmmerle. Mit einer schweren Schußwunde in der Herzgegend wurde cun Sonnabend, dem 14. Dezember, gegen U Uhr der 27 Jahr« alte Arbeiter Robert Palmert aus Rangsdorf im Wartesaal dritter Älasso des Potsdamer Bahnhofes bewußtlos aufgefunden. Palmer, gab an, daß er von Räubern airgeschossen worden sei. Am folgenden Sanntag fand man aber in Rangsdorf auf dem Friedhof die Leiche des drei Jahre alten Paul Palmert, des Sohnes des Ar- beiters. Das Kind war erschossen. Der Vater ist inzwischen im Elifabeth-Krantenhaus so weit her- gestellt, daß er von der Kriminalpolizei vernommen werden konnte. Er blieb zunächst bei seiner Darstellung von dem räuberischen Heber- fall. Gestern aber legte er ein umfassendes Geständnis ab und schildert«, wie er zu der Tat gekommen war. Der kleine Paul war sein uneheliches Kind, das er init seiner Braut hatte. Er hatte jetzt die Absicht, das Mädchen zu heiraten und sparte looiel er konnte. Inzwischen hatte aber die Braut ein zweites Kind von einem anderen Manne bekommen. Zu allem Unglück wurde Palmert von einem Unfall heimgesucht, der ihn in der Erwerbstütigkeit zunächst hinderte. Jetzt faßte er den Entschluß, aus dem Leben zu scheiden. Den kleinen Paul wollte er mitnehmen, weil er sah. daß sich niemand recht um das Kind kümmerte, und es trotz des Geldes, das er dazu hergab, schlecht ernährt wurde. Am Sonnabend holte er es angeblich zu einem Spaziergang von seiner Braut ab und erschoß es dann, als es vor Schwäche auf seinem Arm eingeschlasen war. Er selbst fand nicht gleidi den Mut, sich auch zu röten. Er irrte erst eine Weile umher und brachte sich dann die Schußverletzung bei, die aber nicht tödlich wirkte. Palmert befindet sich vorläufig noch im Staats krankenhaus. Ende der gewerblichen Stellenvermittlung. Das Gesetz über die gewerbsmäßig« Stellenvermittlung ist abgelaufen und der staatliche, öffentliche, gemeinnütz'gc Arbeitsnachweis für olle Berufskategorien beherrscht das Feld. Die gesetzlich festgelegte Existenz der Gesindevermieter reicht bis auf das Jahr lZPl zurück: damals galt als Voraussetzung der Gcwerbeausübung obrigkeitliche Anstellung oder Konzession, und den Polizeibehörden war dos Recht zur Festsetzung der Taxen vorbehalten: späterhin wurde die Bedürfnisfragc von der Konzessionserteilung abhängig gemacht, Vermsttlergebühren wuroen behördlich festgesetzt und es etlfftanden weitere Schutzmaßnahmen für die Stellungsuchende, r. Als dann nach Jahren mühevollster sozialer Arbeit die städtischen unentgeltlichen Arbeitsnachweise geschassen wurden, war es dem Arbeitsuchenden mögsich. kostenlo- in den Besitz einer Stellung zu gelangen. Im Oktober 1328 wurden die städtischen Arbeitsnach- weise vom Reich übernommen und jetzt, nach Ablauf der privaten, gewerbsmäßigen Bermiltlertästgteit, wird die gesamte Stellen- Vermittlung unentgeltlich ausgeübt werden. Daß die privaten Vermitllcr gegen die Aufhebung ihrer Existenz Sturm lausen, ist selbstverständlich: schließlich sind aber die betreffenden Paragraphen<§K 48 und 55 des Arbeitsnachweisgesetzes vom 22. Juli 1322 und 16. Juli 1327) den„Gewerbsmäßigen" längst bekannt, so daß sie genügend Zeit hatten, sich eine einwandfreiere Erwerbs- tätigkest zu suchen. Das gesamte Stellenvermittlungswesen unter dt« Verwaltung t-f Reichs zu bringen, mir zweiselhafiea„paritätischen" Arbeits- rochweisen uad den Junmigsarbeitsnachweiien aufzuräumen, wird bestimmt kein leichtes Stück Arbest sein und noch auf allerhand Schwierigkeiten stoßen. Die öffentliche Arbestsvernrittlung muß sich dennoch durchsetzen. Sie wird objektiv gehandhabt und kann den besonderen Anforderungen der einzelnen Berufe durchaus ge- recht werden. Der öffentliche Arbeitsnachweis ist bestrebt, den rechten Mann an den rechten Platz zu bringen. - Die gewerbsmäßige Stellenvermittlung hatte nur noch einige Bedeutung für die Hausfrauen und die Hausangestellten, zum Teil auch sür die Landarbeiter. Leider fehlt es bei den Hausange- stellten noch an der notwendigen gewerkschaftlichen Organisation. Das zeigen deutlich die Klagen vor dem Arbeitsgericht, wobei Ber- hä'.inisse aufgedeckt werden, die mitunter noch an die Zeiten der Leibeigerffchoft erinnern. Der Zenlralverband der Hausangestellten ist mit Erfolg bemüht, hierin gründlichen Wandel zu schassen. Der gewmbsmäßigen Stellenvermittlung aber wird, ihre Nutz- nießer ausgenommen, niemand eine Trän« nachweinen. Di- Galgenfrist, dj« ihr noch gesetzt war, ist abgelaufen C. K. Koalition«!- und Sozialpolitik. Gruadsöhe und Forderungen der Sozialdemokratie. Das Januarheft der„Gesellschaft" beginnt imt einer Situations- anolqse von Decker, der die letzten Wochen politischen Lebens in der For. mel.Koalitionskrämpfe zusammenfaßt. Decker zeigt darin die Möglichkesten und Grenzen jeder Koolstionspolitik für die Sozial- temokratie. Drei große grundsätzliche Aussätze aus verschiedenen Sphären des sozialen Lebens stoßen van konkreten Einzelsragen zu grundsätzlichen sozialistischen Forderungen und Erwägungen vor. Hermberg veröffentlicht seinen Bortrag, den er aus der Heidel- bcrger Boikshachschullehrertagung im oergangenen Jahre gehalten hatte und der große« Aufsehen erregte, über die Möglichkest proletarischer Bildungsarbeit. Es wäre erfreulich, wenn sich an diese grundsätzliche Ausführung«in« lebhafte Diskussion an- schlösse. Ferner behandelt Croner die Grundzüge einer Theorie proletarischer Sozialpolitik. Nachdem er kurz die Funktionen der Sozialpolstik behandelt und in einem praktischen Exkurs über die Sozialoersicherung schreibt, gelangt er in einem dritten Teil über Funltionserwestcrung der Sozialpolstik und den Gegenstoß des Unternehmertums zu einer scharf herausgearbeiteten Beschrei- bung der gegenwärtigen Situation. Der drsttc grundsätzliche und praktisch« Artikel wird von dem italienischen Genossen Treues geliefert, der das herrschende polstische System in Italien zu einer Besinnung über Funktion und Sinn der Gewoltentcilung für die Tozioldemokratie benutzt. Ein finanzpolstischer Aufsatz von Bruno Asch über Finanzausgleich und Gemeinden nimmt«nt- schieden Stellung gegen die vorgeschlagen« Kopfsteuer im Nahmen der Finonzreforni. Zur geistesgeschichllichen und geisteswissenschoft- lichen Suirntirn, des Sozialismus sind zwei Beiträge— einer aus der alten, einer aus der jungen Generation— un Januarheft enthalten. Genosse Kautsky hat in unermüdlicher Teilnahme an der Arbest der„Gesellschaft"«men Nachruf für Eugen Dietzgen bei- gesteuert, und Marcuse bespricht im Rahm«, eine» großen Auf- s atzes das Buch de» Genossen Eiegfrred M�rck über die Dialekttk in der modernen Philosophie. Er benutzt diesen Anlaß zu einer grund- sätzlichen Besinnung über die Dialektik im geistigen System des Sozialismus. Unter den Mitorbellern an den Bücherbesprechungen seien genannt Braunchal, Colm. Lütkens, Birnbaum, Rinner, Kehr, Kirchheimer. Mendelsohn, Wendel. Moderne Bauten in Deutschland. Von Dr. Paul F. Schmidt. In einem früheren Aussatz(„ivorrn.* Nr. 605') wurden die sozialen, ethischen und technischen Bedingungen erörtert, die zur Ent- stehung der modernen Baukunst, des sagenannten Funktionalismus. geführt haben. Dieser stärkste, nämlich architektonische Ausdruck einer neuen Gesinnung und Vorbote aufrichtigerer Menfchhest hat sich endgültig durchgesetzt: es gibt, wenigstens in Deutschland und Holland, aber auch in anderen Ländern Mittel- und Nordeuropas, keine prinzipiellen Widerstände mehr gegen das Bauen aus dem Geist« des Raumes. In Deutschland vor allem, dos uns hier angeht, werden tatsächlich alle wichtigen Ausgaben, die künsUerisch ernst zu nehmen sind, funktional gebaut, und es will etwas bedeuten, daß sich angesehene Architekten der Vorkriegsgeneration zu der neuen Anschauung dekamst haben: Poelzig und Behrens(in Häusern der Stuttgarter Weißenhoffiedlung), Bruno Paul (Kathremer-Hochhaus, Berlin). Schumacher(Wahnhotel in Köln), Straumer(Reichskanzterplatz. Berlin). Mebcs(Wohnhaus- bläcke in Neukölln). Van der anderen Seite aus ist daran zu erinnern, daß sin- zelnc Pioniere den Sinn der Neugestaltung schon vor dem Kriege voll erfaßt hatten. In diesen hervorragenden Baumeistern war das Gefühl des Umschwungs von 1910 an so mächtig geworden, daß sie die verschiedensten Ausgaden im heutig«, Sinne angefaßt haben: teils formal, wie Joses Hoffman» in Wen(z.B. in dem ausgezeichneten Sanatorium PÜrkersdorf 1910), Poelzig(in einem Wohnblock in Breslau 1910: der Laubaner Fabrik 1911: am vollkommensten im Wasserturm Pos«, 1913). H. Tessenow (Dalcroze-Schule in Hellerau-Dresden) und Adolf Laos (Michaelerhaus in Wien 1912): teils konstruktiv, bisweilen wohl von den Betonarchstekten Frankreichs angeregt, wie Max Berg (Breslauer Jahrhunderthalle 1313, dem größten Rundbau Deutsch- lands. in reiner Betonkonstruktion), Bruno Taut(Leipziger Ausstellungspavillon für den Stahlwerksoerband 1913, in Ersen und Glas, allerdings noch mst vertikaler, beinahe klassischer Tendenz) und G r o p i u s in Verbindung mst Adolk Meyer(Fagus- Werke in Alfeld, 1913 begonnen: der erst« vollkommene Eisen-Glas» Bau neuen Stils in Deutschland, und die Kölner Werkbundbauten 1314). Für diese so wohl begonnenen und vielverheißenden Ansätze bedeutete der Krieg das radikale Ende. 1919 mußte von vorn an- gefangen werden. Deutschland war von der Welt abgeschnitten— die inzwischen erheblich weit er gekommen war— und lag in einem schweren Fiebcrzuswnd, der sich archstektonisch auch sofort in einer alles Maß übersteigenden Phamastik äußert«: Kunst war hier, wie ünmer, deutlichstes Abbild des geistigen Zustand« im ganzen Volk. Gerade bei den heute führenden Architekten begegnen wir in jenen Jahren den merlwürdigsten Unternehmungen. Da sie nichts zu bauen bekamen(es war ja kein Geld da), verfielen sie auf uto- pistische Träiunereien: Bruno Taut auf eine extreme Glasarchitektur, die sich bis zum Umbau von Gebirgen steigert«, Brüder Luckhardt. Mendelsohn wst> ander« aus die verwegensten Luftgebild«, halb zweckbefrest« Bauen an sich, halb Riesenskulptur, aus Beton zu kneten; alles auf dem geduldigen Papier. Diese Frei- Übungen hasten nichts mit der Wirklichkeit zu tun und haben auch auf da« praktische Wirken ihrer Schöpfer keinen Emiluh geübt. Charakteristisch für die rasche Wandlung zu den strengen Forde- rangen der Baukunst und zur funktionellen Ehrlichlksit sind dann die Eistwicklirrigsstufen dieser Führer, die binnen wenigen Jahren an praktischen'Ausgaben zur-Höhe und Reife ihrer Schaffenstraft führen. Die Inflationsfahre beziehen den llrnschroung in sich. Taut wurde zum Stadtbaurat von der sozialistischen Berwaltuug Magdeburg berufen, machte zuerst durch sein« wilden Farben- erperimente an allerlei Bauten von sich reden, fand sich aber sehr bald vor ernsten Aufgaben der Wohnungsfürsorg« zu seinem eigent- lichen Gebiet durch: dem Bau von Massenquartieren für das arbeitende Volk, in Berlin sortgesetzt zu riesiger Ausdehnung seiner Tätigkeit(er hat seit 1924 hier die ausgedehnteste Tätigkest für Miethausblöcke und Siedlungen entfaltet). W. und H. Luckhardt bauten noch 1921«in Landhaus in„cxpressionisti- schen" Kristallsormen. im nächsten Jahr war bereits ihr sunkftona- listisches Gefühl in einer Zwvlshausgruppe in Dalstem bis zu rest- loser Sachlichkeit gediehen, seither haben sie sich zu den typischsten Vertretern des Wohn- und Geschäftshausbaus mst eleganter Hori- zoiitalgliederung entwickelt: Höhepunkt ihr großartiger Entwurf für den Alexanderplatz-Umbau in Barlin. Lollends ist Erich Mendelsohn rasch und konsequent zu einem eigenen, kaum von außen her beeinflußten Stil gelangt. Noch der„Einstein-Turm". da» Astxophysikalische Institut bei Potsdam von 1920, ist das große Beispiel der phantastischen, aus dem Nichts schöpfenden Ausdrucks- ide«, wie aus bildsamem Ton plastisch geformt, reiner Betonbau. Der erste sachlich« Auftrog sah ihn berests auf der Höhe seines funk- tionalen Schaffens: die Steiubsrgschc Huffabrik in Luckenwaffi»: von 1921, der Erstlingsbau des neuen Stils in Deutschland, eine in der großen Linie wie in allen Einzelheiten glänzend gelöste Ausgabe, der Arbest selber das passende Gehäuse zu errichten, ein hnqienisch. fabrikmäßig, archstektonisch vpllkommen gelungenes Werk. Seitdem ist Mendelsohn vor ollem auf dem Gebiet des Kaufhauses zum Meister der Zmeckarchiielinr geworden, von Bau zu Bau reifer gsworde». Unsere Bautätigkeit, sowest st« als stilbildend in Betracht kommt. verteilt sich gleichmäßig auf den Arbests- und den Wohnbau. Man kann von beiden Arten eine überraschende Fülle gelungener Werke nennen. Betrachten wir zunächst die Fabritbauten. Hier war vor dem Kriege am stärksten oorgcarbestet, vor allem von Peter Behrens(AEG. in Berlin). Der Funktionalismus hat bisher hier nicht viele Gelegenheiten geftmiici,: selbst Mendelsohn hat außer Luckenwalde nur die Textstwerke in Wüstegiersdorf umge- baut und einen höchst großartigen Entwurf für Textilwerke in Leningrad geliefert, dessen'Ausführung nicht sicher scheint. Ein kleiner Bau, die Keramische Fabrik in Wandsbek, von Karl Schneider, ist eins der wenigen ausgeführtei, Musterwerkc: sonst haben Alfred Fischer(in einigen Zechenbautendes Ruhr- gebiets) und der jüngst gestorbene Adol f Me y« r(in den Stodti- schen Gas- und Elctoizstätswerken Frankfurts) Meisterstücke rein technisch orientierter Fabrikanlagen gegeben, deren ästhetische Be- deutung in ihrer industriellen Zweckdienlichkest liegt. Großstädtische Geschäftsbauten sind in sehr viel großer« Zahl entstanden. Berlin ging voran mit sinngemäßen Umbaute« von Fassaden(durch Brüder Luckhardt: Hmipttyp doi Telschowihaus am Potsdamer Platz: Entwürfe für den Alexander- platz und den Iostywrm) und die bahnbrechenden Umbauten von Mosse und Herpich durch C. Mendelsohn. Dieser hat dann der Typus des horizontal betonten Glassenfter-Houses in vielen Neu- bauten bis zur letzten Konsequenz durchführen köimen, vor allem in Kaufhäusern von Nürnberg. Duisburg, Stuttgart und Breslau (Petersdorf, die glänzendste und kühnste Lösung). Die in ihrer Folgerichtigkeit der Beton-Glas-Konstruktion am weitesten vorge- schritten«« Entwürfe von Mies man der Rohe sind leider immer noch Modell« geblieben. In seinem Geiste hat Oßwald einen schlanten Turmbau von 13 Stockwerken für das Togblatt in Stuttgart ausgezeichnet durchgeführt: schwerfälliger und nicht kom- promißlos sind Bartnings Elektro-Thermit-Gebäud« in Tempel- Hof und das elegante Kathremer-Hochhaus von Bruno Paul in der Potsdamer Straß«: vorzüglich gegliedert der riesige Bureau- block Alfred Fischers in Gelffenkirchen. Auf dem Gebiet öffentlicher Bauten sind an vielen Orten Standerrdleistungen zu erwähnen: besonders harmonisch und großzügig, well hier wirklich für soziale Bedürfnisse in kollektivem Geiste geschossen wurde. Das bahnbrechende Werk ist das Dessauer Bcuihaus von Gropius, ein Beispiel modernster Betonkonstruk- tion und ausschweifender Verwendung von Glaswänden: dos kühnste und erhabenste: der Entwurf Le Corbusiers für den Völkerbundspalast in Genf. Man muß dieses großartige Projekt auch in diesem ZufammeNhang erwähnen, obwohl es von einem Franzosen stammt, well es die Idee der neuen Kunst an einem ganz großen Auftrag vorbildlich und mit leuchtender Ueberzeugungskroft vortrüge und eben darum von den Banausen des VöEerbundes nicht zur Ausführung bestimmt worden ist. Boa ästhetischem Geiste radikaler Aufrichtigkeit ist die gewaltige Markthalle für Frankfurt am Mai» von M. Elsäss« r und die Bmidesschule des ADGB bei Bernau von Hannes Meyer in Konstruktion und Bau crscheinung beseelt und, auf einem anderen, dem Luxus näheren Gebiet die blendende Leistung des Universum-Fllmihsoters(Kur fürstendamm, Berlin) von Mendelsohn, die vor allem durch ihre Deleuchtungskunst verführt. Nicht ohne Einschlag traditioneller Gemütswerte die an sich vortrefflichen Bauten Bartnings (Musithvim Frankfurt a. d. O., Kinderklinik in Lichterfelde), Max T a u t s Buchdrucker-Gewerkschaftshous in Berlin, mit Skulpturen von Delling, und Abels Kölner Ausstellungsbauten von 1928, ein bemerkenswertes Muster reizvoller Kompromißwirkungsn. Sehr für sich steht der vornehme Flügelbau für die Reichswehr in Bres- lau von Saloisberg und die Bauten auf dem mecklenburgischen Gut Garkau von H. Höring, einem unserer stärksten und viel zu wenig beschäftigten Architekten, dessen Pläne sür dos Reichs- tagsforum in Berlin grundlegende Bedeutung besitzen. Der moderne Kirchenbau steht noch völlig aus dem Stand- punkt des Experiments: außer Bartnings radikalen Versuchen ist als gelungene Leistung nur Karl Mosers Antoniuskirche zu nennen, die auf Stlitveizcr Gebiet in Basel steht. Das strengste Bekenntnis zur Moderne hat der Franzose P c r r e t in der Beton- Glas-Kirche zu Raincy abgelegt. „Phantome des Glücks* Mozartsoal. Das Thema ist nicht neu und die einzelnen Szenen werden zu lang ausgespielt. Außerdem geben sie nicht immer Wesmlliches. Der Regisseur Reinhold Schünzel verliebt sich in gut gesehenen Einzelheiten, die den Ablauf der Handlung oft hemmen. Zuviel Revue, vielleicht, well der Film als Tonfilm deklariert wird und sich gerade diese Dinge für eine musikalische Nntermalung gut eig- neu. Trotzdem entsteht ein kultiviertes Werk, das sogar«ine seelische Ausdeutung der Vorgänge versucht, und dies ist das Verdienst des russischen Schauspielers Michael T s ch e ch o f f. Er gestaltet einen Menschen, der sich sür eine Frau ruiniert, einen abseitigen, schüchternen Mann in guter, wirtschaftlicher Position. einen Phantasten, der die geliebte Frau mll rauschendem Luxus umgeben will. Aber selbst der Direktor einer renommierten Versicherungsgesellschaft ist kein Magnat. Unterschlagung ist die Folg« einer schweisenden Phantasie, Gefängnis und Deportation bllden das Nachspiel, und der Ausklang deutet auf ein bescheiden gewordenes Glück hin. Tschechosf verlebendigt diesen Mann jenseits jeder Schablope. Er fügt Mosaik an Mosaik, aber er saht alle Details zu einer Einheit zusammen. Cr durchdringt trotz liebevoller, naturalistischer Zeichnung den Menschen von innen heraus. Die Regte sucht das Stimmungsmäßige einer Szene, sucht um die Darsteller Atmosphäre zu schaffen. Bor allem aber versteht es Schünzel. die synchronisierten Chansons an die richtige Stelle zu setzen. Sie erwachsen aus der Handlung und sind nie Selbsrzweck. Karin Bell verfügt neben ihrer blonden Süße über genug Zurück- Haltung und Talent, um sich gegen Tschechoff zu behaupten. F. Sei. Da» Drama ta Sohle»!» und Amerika lautet da» Thema eine« Bor« traee», den OlulwS Bab Sonntag. 8 Uhr, auf Einladmia der Volksbühne im Rai Haufe hält. Dem Bortrag folgen am 12., 10. und 26. Januar»eitere Ausführungen über.Da» Drama tu her Gegenwart'. freundlicher kleiner Opernabend. Linden-Oper. Zwei heitere Einakter in ber Lindenoper, für den Silvesterabend gestellt und zusammengestellt:„Versiegelt" und„Die sehön« Galathä«". Auch die erste Wiederholung findet und entläßt das Haus in freundlichster Stimmung. Irgendwelche„Probleme" gibt so wenig wie Franz v. Suppe» Operettchen Leo Blechs Lustspieloper dem heutigen Hörer, zu lösen. Suppe, einer schon historischen Epoche an- gehörend, und sür sein« Person als Begründer der österreichischen Operette ein wenig zur historischen Figur geworden, hat es zur Stunde gewiß leichter zu bestehen. Seine„Gala theo", Urbild der Gattung, deren kläglichsten Verfall wir erleben, profitiert vom Vergleich mst dem, was sich heute Operette nennt. Eine liebenswürdig«, angenehm«, künstterisch sauber« Sache war das damals. „Versiegelt" besteht die gefährlichere Probe: nach zwanzig Jahren nicht„veraltet" zu fein. Musterbeispiel des musikalischen Konüidienstlls und Konversationstons, der in den„Meistersingern" vorgebildet war. Die Poesie der Libretristen frellich, von ihrem Humor nicht erst zu reden. Grundstimmung munterer Lleinbürger- lichkest ist nicht jedermanns Sache. Aber die Partstur, reich an reizvollem Detail, so sparsam an Misteln wie im Ausdruck, schein: von derselben, zugleich unfehlbar sicheren und wunderbar leichten Hand geschrieben, die den Lpernkapellmeister Blech auszeichnet. In dessen Zeich«, steht der ganze Wend; und im Zeichen der Berliner Operrgemeiuschaft. Hauptdarsteller aus allen drei Häuern (— nur für intimes Opernspiel hat Berlin kein»—): in„Berstegeli" Latte Schöne, von der neuerdings in Notizen und Plakate« ein bißchen viel hergemacht wird, kleine Stimme. Milche Erscheinung: und Herbert Qannfen, immer vornehm in der gesanglichen Haltung, diesmal überraschend in der freundkchen Lustspielfigur/ die er auf die Bühne stellt. Als Galathea Margret Z a h l. die so hübsch singt wie sie aussieht: neben ihr Else Ruziczta und Marc-i Wittrisch; und vor allem Waldemar Henke. iv F Uli MMMMMM MM WWW U WA 'HMWÄ V»W U WW. XMVLMöM fatumtUrc X�or�ciiC' (JenHiUi� hmxlbi�wük' iPruM/ Jfc&ktd&m/ oMmmaa� tTcitkahiuny KsmIAA KAUFHAUS DES ■MnENi Wöstens o-m-b-h Crosse Frankfurterstr. Bekleidung Wäsche Schuhwaren Teppiche Gardinen Ecke Wassmannstr. S b«IIMkuuiiw Mb«b MS M JMiw 1 neu« ttifBebtt l» TS 1 Mu« ttifSapiel, as Mg, l»ellerUhr-Zetger. SSM«, I neaeftUfinSta«, SV Mg. 1 neuer U ,r«!Rtna, lv Psz. 1 neu« llhr-GchlSffel 5 Psz. Neue VSaren 1 dl grißt. Slnin, geaaa reguliert. E.l*l«l»ls 14 ItlibDiier Slrate 14 "~(Nähe Kottbuuer Tor) lllB-Piigos zur Niete WäO, Ansbachers tr.l BlnmßBspßnüßD jeb« Art lief tri pcelsBect Panl vollst» oatm. Robert Meyer Marianaautrefte» Ecke Raunynstraße Zlmt Mordipl. losos. PWMIÄI! kWlUMS llk IIIS III Sil! 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Lichterfelder Festsäle Zetale idorfusr SRraOe S Oelconon» Otto Sclilllftnä feshäle für 1500 Telephon: Lichterfelde eiipilteten Btooen für Veran- staltnig«! jeder Ort/ Bodueitssäle/ Vsreinsz Einer tOr 20 bis 300 Personen ©iOÖ Potsdamer Strafe 35 Der Bond der Drei mit Jenny Ingo Vogatref(7 Akt«; Tonfilm• Ein Sprache mit in Ton Mix dentsdber Rhemstra|el4 k&'Ä) Das MSdel mit der Peits .6,81.7. Stg.4t.'4,6%.8',,s Die weiße HOUe von Piz Palü Bühne; Lorctlys Tierreich Union-Theater Hauptstraße 3 Beg. Wtg. 6, RVs U. Stg- 4Vi,61/2 83 t U- _ Latin mit Carmen oai Cowboy mit Tom Mix Quartier König Cc Hennieseierr Fiimpalast stg. M Beiliner Straße 59 AI Jolson singt und spricht In The Staging Fool(Der singende Narr)- Tonfilmbeiprogramm Bühnenschan i Aeflagc Freitag» A. Januar 1930 ZprMimö SimJaitUaA Ja l�urttWf Vor Tasc dieben wird gewarnt! Bild t: a) Taschendieb(Zieher) b) Taschendieb(Decker) c) Das Opfer Bild 2: a) Allein arbeitender Taschendieb, b) das Opfer Der®nmb dafür, daß immer noch ein nicht unerheblicher Teil der Reisenden aus der Eisenbahn bestohsen wird, liegt nicht allein in dem teilwersen Ueberhandnehmen des internationalen Verbrecher- tum in den Zügen, sondern auch in der Unachtsamkeit der Reisenden selbst. Einem aufmerksamen Beobachter fällt es nicht allzu schwer, festzustellen, daß viel« Reisende in geradezu unverant- wortlich leichtfertiger Weise mit ihrem Eigentum umgehen. Man sieht, wie Reisende beim Bezahlen ihrer Fahrkarten und Gepäck- frachten im stärksten Gedränge arglos ihre Geldbörsen neben sich legen oder das am Schalter zurückerhaltene Geld in die äußere Rock- taschc stecken! Wenn dies« Fehler in der Hauptsache dem männlichen Geschlecht eigen sind, so machen die Frauen die gleichen oder ähnliche. Bei ihnen beobachtet man vor allem, daß sie ihre Handtasche offen- stehen lassen! Natürlich kann von jedermann die obenliegendc Geld- börse gesehen werden. Andere Reisende wieder knöpfen ihre Röcke und Mäntel nicht zu und lassen so Uhrketten und zum Teil auch Brieftaschen sehen. Abgesehen davon, daß sie in diesen Fällen wem- ger druckempfindlich sind als sonst, bedarf es unter diesen wie auch den bereits angeführten Umständen keiner besonderen Kunstfertigkeit, mn die gewünschte Brieftasche. Geldbörse oder Uhr.zu stehlen. Das gleiche läßt sich auch für Fälle behaupten, in denen reisende Frauen die Plätze mit ihrer Handtasche belegen und sich dann am Fenster oder gar auf dem Bahnsteig von ihrer Begleitung oerabschieden. Ebenso herrscht unter ihnen die üble Angewohnheit des Tragens der Handtasche am Tragriemen, statt den Arm durch den Riemen zu stecken und die Tasche dann unter dem Arm zu tragen! Gerade durch diese Leichtfertigkeit werden die Frauen, die ja überhaupt den größten Prozentsatz unter den Opfern der O-Zugdieb.' bilden, de- stöhlen. Auch tes Unbeaufsichtigtlass en des Gepäcks in den Zügen und rnff den Bahnsteigen ist manchem Reisenden schon zum Verhängnis geworden. Allzu große Vertrauensseligkeit auf der Reif« Fremden gegenüber bringt eben leicht Schechen mit sich. So ist z. B. das Unwesen der wilden Gepäckträger ebenfalls eine Gefahr für solche Rei- sende, denen diese Art Gauner, die ähnlich wie die Taschendiebe unter der harmlosesten Maske an ihre Opfer herantreten, erbeuten in der Regel wertvolle?« Objekte als dies«. Der weitaus gefähr- lichste dieserv-Zugdiebe ist der Taschendieb. Zur Beurteilung des Grades der Gefährlichkeit hat man bei Taschendieben zwischen internationa- len. interlokalen und lokalen Taschendieben zu unterscheiden. Der internationale reisende Taschendieb ist der in- telligenteste und daher auch am meisten zu fürchtende. Beheimatet ist er gewöhnlich in Polen, Ungarn, Oester- reich und Rumänien und ist in der Regel in den Herkunstsländern der Taschendieb«, so be- sonders in Polen, ka- sernenartig untergebracht. Hierdurch ist narurlich eine viel engere und intimere persönliche Geweinschast untereinander bedingt, deren Folgen ein Von-ünander-Lernen und ein gegenseitiger Austausch der auf dem Gebiete des Taschandieb- stahls gesammelten Erfahrungen ist. Es wird vielfach angenommen, daß die internationalen Taschen- diebe in Lodz(Polen) eine Schule unterhalten, in der sie in alle einschlägigen Tricks von allen routinierten Lunftgenossen cingc- weiht werden und die sie an lebenden und toten Modellen(Puppen in Lebensgröße) ausführen müssen. Zweifelsfrei Ist dieses meines Wissens jedoch noch nicht erwiesen, aber bei der mitunter an Vir- tuosität grenzenden Geschicklichkeit soft anzunehmen! Einige B'.'der mögen die Tricks der Toschenkssebe o�läitern. ' Die beiden Taschendiebe aus Bild l, die sich in diesem Falle �ps das Stehlen von tlhren gelegt hoben, stellten während Bild 3: a) Taschendieb Zieher, b) and c) Decker, d) das Opfer der Fahrt durch geschickt« Beobachtungen bei dem Reifenden fest, daß die in seinem Besitz befindliche Uhr einen hohen Wert hotte. Der geeignete Augenblick, die Uhr zu„ziehen", war dciher�KÜni Auz- bzw. Umsteigen des Reisenden gegeben. Während der sogenannte „Z i e h e r* vor dem Opfer aufging, drängte sein Komplice, der „Decker", mit einem Koffer hinter dem Reisenden schaff dem Ausgang zu. Das Opfer wurde also in die Mitte genommen. Un- mittelbar vor der Wagcntür angekommen, dreht der Zieher sich plötzlich um und versucht, unter dem Dorwand, etwas vergessen zu hoben, wieder in das Innere des Wagens zu gelangen. Dieser Moment ist für den nachdrängenden Decker dos Signal. das Opfer durch Püffe mit dem Koffer efftens d r u ck u n- empfindlich zu machen und zweitens es zu„klemmen", d. h. dem Reifenden wird für einen Augenblick die Bewegungsfreiheit genommen, wodurch er abgelenkt wird. Nun drängt der Zieher seitlich am Opfer vorbei und zieht die Uhr mit der linken Hand, während er mit dem rechten Arm, über den er eine Reisedecke hängen bat, die Sicht des Opfers nach der Uhr selbst deckt. Auf Bild 2 handelt es sich um einen allein arbeitenden Taschendieb. der also gleichzeitig Zieher und Decker ist. Die aus vier Taschendieben bestehende Kolonne auf Bild 3. Zieher und drei Decker, hat den zu bestchlenden Reisenden beim Bezahlen seiner Fahrkarte am Schalter bereits beobachtet und fest- gestellt, daß er dann die Brieftasche in die Gesäßtasche steckte. Das beim Einsteigen auf dem Bahnsteig« entstandene Ge- dränge wird von zwei Deckern in der üblichen Weise noch mehr veffchärft, während der dritte Decker im Wageninnern stehen bleibt und damit verhindert, daß das Opfer durch allzu schnelles Einsteigen sich dem Griff des Zichers entzieht. BUd 4 Hot rein instruktiven Charakter und zeigt, wie man reisen und wie man'nicht reffen soll. Das«ffte sich der Wagentür nähernde Paar trägt die Handtasche am Bügel bzw. läßt Mantel und Jackett offen, so daß den Dieben hierdurch in ihrer Arbeitsweise wesentlich Borschub geleistet wird. Das darauf folgende P»wr trägt richtigerweifc die Handtasche unter dem Arm bzw. hat Jackett und Mantel gut zugeknöpst. Hierdurch ist die Beraubungsmöglichkeit erheblich herabgemindert. Dieses erkennen auch die anwesenden Bild 4: a) Zieher, b) und c) Decker, I. und 2. Faisch.es Verhaltent 3. and 4. Richtiges Verhalten! Diebe(Decker), die ihrem Zieher nur einen„Tipp" auf das eist« Paar geben. Adalbert Hoffmatm, Taschendiebstahlkommando beim Sicherheitsdienst der Reichsbahn- direktton Hannover. Temperenx nicht Abstinenz! Eine Erwiderung zum Thema: Alkohol Der im„Abend" vom 16. Dezember 1929 veröffentlichte Artikel des Genosse» Heinz Krüger fordert, besonders in feinem Schluß- .jag, zu schärfstem Widerspruch heraus. Wenn sich der Artikel in den fochliiHm Bahnen, wie die in den„Berliner Wirffchafisberichtcn" vom 14. Juli 1929 von Herrn Dr. Treitfchke gemachten Aus- führungen bewegen würde, fo wäre kaum etwas dazu zu sagen. Da aber auch hier wieder die alten, schon vergilbten Ladenhüter über die„nachhaltigsten sozialen Schäden" hervorgeholt werden, so wollen wir freigewerkschaftlich organffierten Angestellten und Ar- beiter der Brauindustrie ebenfalls an dieser Stelle erklären, dass die Ding« denn doch anders aussehen. Diese primitive Dar- stclwng, die für olles sozial« Elend der Jetztzeit nur den Alkohol und wie der Genosse Krüger behauptet, besonders das Bier verantwortlich machen will, löst doch ollmählich selbst bei den Aermsten im Geiste nur noch ungetrübteste Heiterkeit aus. Die Herren Abstinenttpi sollten doch mit dieser Art von Beweisführung «Mich einmal aufhören. Vielleicht wird auch hier wieder, wie schon oft der Vorwurf erhoben, wir seien vorn Alkaholkapital bestochen! das soll uns aber nicht hindern, auszusprechen, was ist. Vielleicht äußert sich also der Genosse Krüger mal darüber, wie er sich in Deutschland die Durchführung der Trockenlegungstendenzen des Arbeiter-Abftmentenbundcs dentt, noch dazu bei der derzeitigen Wirtschaftslage. Millionen von Volksgenossen finden heute in der deutschen Brouindustrie und den von ihr gespeisten Industrien Brot und Lohn. Vielleicht verraten uns die Herren Abstinenzler, was sie dafür als Ersatz bieten, oder ist nicht die Arbeitslosigkeit schon groß genug?— Solange es ein« gut florierende Brauiriduftrie heute noch gibt, ist sie ja wohl als inelkende Kuh gerade gut, doch wenn in Deutschland die Wirtschafts- läge wieder in Blüte ist, dann her mit der Trockenlegung! Man erspare mir die Charakterisierung einer solchen Einstellung. Von der Bedeutung der Brauindustrie sürdi« Landwirt- s ch a f t scheint dem Genossen Krüger auch nichts bekannt zu sein. Beläuft sich doch der Gesamtbedari an Braugerste aus mehr als 12 Millionen Doppelzentner. und an Hopsen aus rund 230000 Zentner, und diese Mengen werden zum gröhlen Teile aus der inländischen Erzeugung gedeckt. Rechnet man beides zusaminen, so übersteigt der Einkauf der Brauereien bei der heimi- scheu Landwirtschaft 300 Millionen Mark. Bei einer Gesomtanbau- fläche der Braugerste von rund 230000 Hektar wäre eine erzwungene Einstelliung der Bierbrauereien, welche ja bekanntlich von den radi- kalen Anhängern der Abstinenz gefordert wird, für die Landwirt- schast von unabsehbaren Folgen. Wie eingehendere Untersuchungen lehren, kommt bei einem Ersatz der Braugerste durch andere Kultur. pslanjen stets«ine Verschlechterung der Bodenrente heraus, sei es durch Ertrogsminderung. Beeinträchtigung der Jrucht- folge oder Störung der landwirtschaftlichen Arbeilsvertessung. welche naturgemäß ein« Verteuerung der Erzeugung zur Folge haben muh. — Beim Hopfen ist die Lage des Produzenten in jeder Hinsicht noch kritischer, da der Anbau sehr großen Arbeitsauswand und Kosten erfordert, und der Hopsenbauer noch ständig von der Vernichtung seiner Ernte durch die Penorospora bedroht ist. Trockenlegungsvergleich« mit den Vereinigten Staaten sind voll- kommen abwegig, da das Bier dort notkswirffchafttich sowrchl als auch als Gemißmittel der breiten Massen nie die Bedeutung gehabt hat wie in Deutschland. Es wierd vielleicht hierauf etwas über die Segnungen bor Prohibition entgegen«! werden; wer jedoch die Dinge drüben aufmerksemr verfolgt, wird wissen, daß sich in den Vereinigten Staaten heut« jeder, der die notigen Mittel hat, Alkohol in jeder Form und Menge beschaffen kann, und wer das Geld dazu nicht besitzt, brant sich selbst ein undefinierbares Zeug zusammen, das dann die schlimmsten gesundheitlichen Schädi;» her- vorruft. Gerade die Trocken l ü n g der Vereinigten Staaten hat ja bekanntermaßen ein dos ganz Land mnjaffendes Schleichhändler- und He h le r g e w e r b e hrrvorgcrpscn, das zur schlimmsten Korruption und Lockerung aller ge- fiihrr hat. Nach Meinung des Genossen Krüger trägt an dem täglichen Verkehrsunfälle ii immer wieder zum Teil.„König Alkohol" die Schuld. Nun steht ja statistisch fest, daß in Berlin die Zähl der täglichen Verkehrsunfälle durchaus nicht größer ist— eher geringer— als in den gleich großen amerikanischen Hauptstädten.— Noch Ansicht des Genossen Krugsr mehrt sich täglich an den Türen der Gastwirtschaften die Zähl der hungern- den Frauen und Kinder, denen der Fluch des Alkabols Tränen sthtt Brat bietet. Derartige Bilder dürften mahl mir in der Phantasie des Genossen Krüger existieren, ondcrc hoben sie wohl kaum beob- achtet. Oder gibt es in New Jork und London keine Elendsquartierc mit all ihren Begleitcffchcinungcn wie etwa in Berlin? Bei einem bedeutend größeren Biciumiag vor dem Kriege war doch die Lebenshaltung des deutschen Arbeiters«ine wesentlich bessere als heute. Daß die Trunksucht zu bekämpfen ist, darüber besteht wohl unter verständigen Mensche«! keine Meinungsveffchiedenheit. Diese hemmungslose, vollkommen verzerrende Propaganda der Abstinenz- vereine muß jedoch auf das Entschiedenste abgelehnt werden. Jedes Nahriings- und Genußmittel im Uebermoh genossen ist schließlich schädlich. Gcheimrat Professor Dr. Orth. Direk'or des Patholog. Instituts der Universität Verlin, sagt in der Zeitschrift„Tuberculosis" in einer umfassenden Arbeit über Zllkohol und Tuberkulose u. o.: .. und leider hat gerade in dem Kamp»« gegen den Mo- holisinns maßlafc Uebertreibung und kritikleses Nachbeten un- bewiesener Behauptungen unermeßlichen Schaden, gestiftet." Prof. Dr. Binsmangcr- Jena schrieb in der„Schweiz. Med. Wochenschrift"? „Denn die Taffachc ist. trotz widersprechender Laborotoriums- versuche unbestreitbar, daß geringe Mengen alkabolijcker Getränke nicht nur keinen Schaden stiften, sondern anregend am Körper und Geist wirken nnd zur Erhöhung der Lewmssreudigkeit führen können. Nicht Abstinenz, sondern Temperenz. das ist die Selbst- crziehung zur Mäßigung, sollen wir Aerzte vredigen usw." Am Schluß seiner Ausführungen stößt der Genosse Krüger nochmals einen gewaltige» Schlachtruf gegen den„König Altohol" aus und fordert Partei und Gewerkschaften zur Hilfe auf. Vielleicht auch den Verband der Nahrungsnnttel- und Getränkearbeiter mit seinen Hunderttausenden von Mitgliedern oder die sehr stark srei- gewcrkschasllich organisierten Angestellten der Brauindustrie? Oder vielleicht auch die Gewerkschaftsbrancrci in Süddeutfchlond? Soll vielleicht im Gewerkschaitshaus nur noch Brause und Selters verabfolgt werden? Ich glaube aber, daß sick> auch die anderen Gewerkschast«« in ihrer überwältigenden Mehrzahl für einen derartigen.Kamps", der ja schließlich ein Kampf gegen die eigenen Volksgenossen wäre, besten? bedanken werden. Die Arbeiter und Angestellten der Brouindustrie werden deshalb stets dafür eiittreteri, daß dem deutschen Arbeiter nicht der Genuß seines Bieres unmöglich gemacht und ihm das bißchen Daseinsfreude mehr und mehr geraubt wird. Ist es doch heute schon beinahe so, daß dos Bier zu einem Luxusgetränk der wohlhabenden Klassen wird, weil es kür die Massen deräorbeitendbn Bevölkerung bei der dauernden Erhöhung der Bier- steuer kaum noch erschwinglich ist. Zum Schluß sei daher nochmals betont, wir freigewerkschaftllch organffierten Arbeiter und Angestellten werden uns gegen alle Mucker wenden, seien sie nun aus dem Lager der Kirche oder der Abstinenz- apostel. Beide bedrohen unsere Existenz, sie werden uns auf dem Posten finden. O. Rähigcr, Vorsitzender der Sektion Brauereiongestellte. im Zeutrolverband der Angestellten. «SM (2. Öorife�uirg.) Snfött imfl* iinfrjr ojus d«n L«tt, mitsamt dan Deckelt. fällt, in ji« verwütalt. zu Lotten, kämmt nicht frei, strmnpst und schnellt. Stürzt m die Üiof«. zum Rasierapparat, nimmt die Rasierseiie. ergveist die Aahnbürste statt deK Rasier Pinsels, taucht sie in» Wafler. reibt die Seif« an ihr. bemerkt den Irrtum, mint d«« Zahnbürste fort, nimmt den Rasier- pinsss. seift ihn«>n. der Pinsvl fallt ihm aus der tfand, rollt unter das Bett. chqfar muß ihn auf allen Bieren hervwcholen. tief unter das Bett kriechen. (Dorf nicht komisch wirken, sondern«her mitleiderregend.) 27. Sild: Das Magistratsbureau. Biel« Leute an den Schaltern. 7ln chlifers Schaltor oorn am Fanirer der Briefträger, andere Wartande um ihn. Ihr« Gaduld ist zu Ände. Sie beginnen an die Scheibe zu klopjen, trompaln mit den Füßen. Die Laamtsn. die ihr« eigenen Parteien abfertigen, blicken streng.' Einer hebt warnend die chand nach draußen, zieht das Fenster hoch u,ch sagt: „Ich mache Sie darauf aafmerttam, daß Rahestörung Strafe nach sich sieht.'" Das Schalterfenster klappt zu.> Do platzt der Zorn im Wartoraum. Trommelwirllel gegen das Schatterfemter. Schimpffanfare. Zurufs fliegen in Schrift durch das Bild. Slus der Dir seines Zimmers tritt betroffen der Lorsteher. Ein Beamter klärt ihn aus. 88. Bild: Amtskabine des Bureaudiener». In einer Ecke steht ein Kosten mit vielen Bierflaschen. Aborle, Mappen unterm Arm. tnmml eilig herein, wie zwischen, durch, sucht nach einer Flasche, die er schon in Benutzung hat, tut einen tüchtigen Schluck. Dabei fällt sein Blick auf hie Schalttafel, aus der«in« Zimmernummer fällt. Er klappt die Flasche zu, eist ab. 29. Bild: Das Magistratsbureau. In den Knäuel vor Schalter P.-U drängt sich Aberl«, schafft Ruh« und sagt energffch: „Bilden Sie eine Reihe— links antreten und später rechts abtreten— damit Sie in Ordnung abgefertigt werden können, wenn es so weit ist!" Di« Leute wagen nickst, zu widersprochen. 30. Bild: Das Zimmer kiöfers. 37. Bild: Das Magistratsbureau. D?öfer kommt, atemlos, mit schweißfeuchtsr Stirn,.ffut schtei auf dem Kopf, herein, drängt sich durch, geht durch die Schal terttrr m den Pultraum, wodurch die draußen wartenden Parteien tst« Ankunft des Ersehnten erkennen und darauf dcmenffprechcnd reagieren. Erregt, rattos. schiebt er sein Schaltcrfenster hoch Der Briefiräger will sein Anliegen vorbringen, streckt ihm den Zettel hin. Viele -ffänd« strecken Zettel vor. Da sieht lläfer nach der Tür de» Vorstehers, klappt das Fenster wieder herunter, geht aus die Tür zu.(Zuerst mstß er sein Zu- spätloinmen e.rNSren) Da» ist den Wartenden denn doch zu viel. Ein«ntrüsteies challa. wieder trommeln sie gegen die Scheibe. so daß chöser einen'Augenblick an der Tür stehen bleibt.'Aber er muh zuerst zum Borstehtr, er klinkt die Tür gut. 3 8. Bild: Das Zimmer des Bureauporst eher s. Tamnelnd vor Erschppfung tritt Höf«? zu seinem Vorgesetzten an da» Pult. Der sieht ihn durch seine goldene Brill« an. Hoser stottert: „Ich habe, wie seit 18 Jahren, auch gestern die Uhr sorgsam aulgefngen, aber offenbar..." Der Vorsteher unterbricht ihn, deutet horchend auf de» Lärm draußen. 39.«ild: Das M a g i st ra t s b U r e a u. Tumult Ein besonders Beherzter wagt es, die Tür In den Pultrmim auf- zureißcn. Man drängt ihn zurück, schiebt den Riegel vor. Di« Schalterwand worfelt unter de» Fäusten der Andrängenden, die ihrer Empörung ffeien Lauf lasten.. 4 0. Bild: Das Zimmer des Bureau Vorstehers. Hufer ist über den Tumult völlig außer Fassung. Er sagt etwas mit bebenden Lippen. Der Vorsteher antwortet, nxrhrenö er aufsteht: „Sie hätten eben rechtzeitig kommen müssen." Da, ist für chofer ein tödlick)er Schlag. Er schwankt. Der Vorsteher öffnet die Tür. iL Bild: Das'Magistratgbureau Der Vorftehee.n der Tür gibt laut einen Befehl(der Tumult legt sich): „Alle Herren beteiligen sich sofort an der Erledigung der Buchstaben P bis U! Branostimmung bei den Wartenden. 4 2. Bild: Dos Zimmer des L o r st e h« r s. Die Tür in das Bureau steht offen. Der Vorsteher ist im Bureau sichtbar. .ftöfer hat den Befehl gehört, sein Mund steht weit offen. Er gel i toimielnd. schwankend in da? Bureau. 43. Bild: Da; Magistraksbureau. ftäfer. aus dem Zimmer des Vorstehers taumelnd, sieht entgeisteit die Kollegen bei seiner Arbeit. Sein Leben stürzt gleichsam em. Den Hut noch immer schief auf dem Kops, schwankt er hinaus, ein für imnrer erledigter Mann. Der Vorsteher überzeugt sich, daß die Abfertigung her Wartenden glatt nnr sich geht. Er putzt seine Brille. Ein'Ausdruck von Oe- suhl für.Höf er ist nicht zu erkennen. 4 4. Bild: Vor dem Magistrotsgeboude. Höfer kommt heraus. Er sieht auf da« Gebäude.zurück, lange. Er spricht vor sich hin: „Sie hätten eben rechtzeitig kommen müssen.. Er sinkt in sich zusammen und geht, um nie mehr wiederzukehren. Ein Vorübergehender starrt ihm oerwundert nach. Abblenden. Aalblenden. Stall. Im Stall, der Marie ol» UntersckLupf dient. Marie perloscht das zwischen aufgestellten Bocksteinen glimmende Holzfever. Sie stellt ein«. alte Konservenbüchse, in der sie etwas kochte, fort, nachdem sie den Rest des Inhalts ausgetrunken hat. Dann geht sie. 46. Bild: An der Fähre. Marie kommt zur Fähre, die von einem allen gebrechlichen Fähr- wart bedien» wird. Ein paar Leute steigen eben in die Föhre. Der All« kennt Marie. Er ruft sie an, ob sie mitfahmn will und winkt ihr gutmütig: man muß aus semer Art, wie er Marie mit- fahren läßt, den Eindruck gewinnen, daß er sich von ihr nichts für die Uebersahrt bezahlen läßt. Sonnenuntergang über dem Wasser.(Fortsetzung fplgt) 4 5. Bild: UMS DER TAG BRINGT. wuiunninmnnmmimnnwniimiiMfflinftmmcimnDuanim»iiumnmmmmiinuBfflffiiin»mmmfflramitnnuiiiinmtimHiiuiiiiinimiiumiflnniiHDinaoimmiNH«M Höser ist rasiert, nimmt die Zahnbürste, hält sie gewohnheitsmäßig � gegen das Licht, will«ine Borste herausziehen, besinnt sich aber. taucht die Bürste schnell in» Wasserglas, putzt die Zähne, schmeckt die Rasierseife, wirft die Zahnbürste fort, spült den Mimd aus. (Alles in großer Eile und Erregimg.) 31. Bild: Das Zimmer des Bure au vor st«her?. Der Barsteher sogt zu Aberl«. der vor ihm steht: „Erkundigen Sie sich.' Vielleicht ist er krank." Aberle geht dienstbeflissen, elligst. 32. Bild: Die Kabine de» Bureau dieners. Alberl« koimm eiligst, greift wach feiner Mütze, will schon fortlaufen, sieht die Bierflaschen, kann e» sich nicht versagen, noch einen Schluck zu tun. 33. Bild: Das Zimmer Höfers. .Hörer in hilfloser Ausregung, kann den Kragenknops nicht schließen. Hastig und unordentlich bindet er di« Krawatte. holt die Spirituxflasche, wie er es gewohnt sit. greift nach dem Tee- kesiel, besinnt sich, daß es dafür heute zu spät ist. iinordentlich angezogen, verstört, stürzt er davon. 3 4. Bild: Die V o r sta dtst r ah.. Höser, irr vor Aufregung,«llk in phantastischen Sprüngen durch die Straße, die Krawatte flattert aus der Weste. 35. Bild: Vor einem Schaufenster mit schrägem Seiten- s p i« g e k. Höfer kommt ins Bild, steht sich im Spiegel des Schaufensters, bleidi atemlos stehen, versucht die Krawatte in Ordnung zu bringen. Es gelingt nicht, sein« Hände haben zwanzig Finger. Aberle kommt eilig. Höser sieht ihn. erschrickt maßlos, als ab dos tragische Schicksal schon seinen Ansang nahm«. Er will nicht von Aberle gesehen werden, drückt sich in die Schau» sensterecke. Aberle ellt vorbei. Höser sagt davon. 36. Bild: Vor einer Schulthsiß- Kneipe. Aberle ist fast schon vorbei, sieht plötzlich hl« Kneipe, stockt, biegt im selben Moment im scharten Winkel ab und rast im selben Tempo in die Kneipe hinein. I Weltausstellung Chikago 19SS. Die Wellausstellung, die im Jahre 1933 in Ehitago abgehalten werden wird, soll nach Mitteilungen, die jetzt über die Dorbereitun- gen der Organisation bekannt werden, echt amerikanische Dimensionen annehmen. Man schätzt, daß insgesamt etwa 800 Millionen Mark ausgegeben werden müssen, um die Ausstellung in dem Rahmen, den man vor hat, aufzuziehen. Die der Ausstellung zugrunde ge- legte Idee ist die Verherrlichung der wissenschaftlichen Fortschrttt« des letzten Jahrhunderts. Es sollen die Einwirkungen reiner und angewandter Wissenschaft auf die industrielle Entwick- lung während der letzten hundert Jahre gezeigt werden. Die missen- schaftlichen Erkenntnisse und die Vorgänge in der Natur, wie z. B. bei der Bildung des Blattgrüns in der Pflanze unter der Einwir, lung des Sonnenlicht?, bei dem Heranreifen der Ernte usw- sollen Freitag, 3. Januar. Berlin. !6.(» tmil Püchau; Die Maske Jes Mimen. HiJu Unterhaltunitsniusik. 17-30 JucetiJstundc: Die Flöte. 18.00„Berliner Logenden", von Cwald Wüsten-(Sprecher: Der Autor.) 18.30 Prof. Dr. Qeorg Wejener: QrundzUre der Oeopolitik. 10.00 Musik aus den Bersen.« 19.30 Das neue Buch. 19.80 Das Interview der Woche. 30-00 Heitere Utitcrhaltanj. 31.00 InternelionaJer Proerammaastauscli zwischen Deutschland, Beltien und Cnsiand. Von Köln: Haydn: IV. Londoner Sinionie.(Orchester des West. deutschen Rundtunks. Li«.: Dr. W. Buschkötter.) hfie Anschließend: Von Brüssel:!. Qrdtry; Ouv. de ITpreuve villaieoisc-— 2. Orölry; Air du iusemeut de Midas. Sirdnado de Tamamant talonx (Solist: M. Maurice Wayaandt. professeur an Conservatolro Royal de Braxelies).~ 3. Dauses villareoiscs.(Orchester der Radio beisigue. Lili.: Rend Pelüer.) Anschließend: Von London: Püree»: 4. Akt aus.Xair Ouecn".(Mitv,; Elsie Suddaby. Astra Desmond. Frank Tltterton. Fester Rlchardsnn, Rund» iunk.Slnfonle-Orchester. Fuolcchnr.) AnschlieOend Trocken-Ski-Oehtnigeii(Dr. Chrialian Pteil). AnschileSend. Sportnachrichten. 77.30 Untsrhaitunssratisik. V ös i sssr«» t er h»« een. 1WO Oberschutrat Dr. W. HOhuer; Höheres Unterrichts« M«n in den Vor. Moiiteo Staates. 1630 NachiBittagskouiBrf vos Lelpot- 17.30 Mersmann: Oesprlche flb»' Musik 16.00 MBUer-Jaboaeh: Das rinanilahr 1575. 1&30 Enjliseh für Fortsesohriweee. 1A.S5 Prot. Qilrtier: Weberei, 19J0 WlseanschaftHeher Vortrag fßr Aerstc- 70.00 Proeramn) dar AV-fneTleo Abteitong. 70.30 Unter hakiio tsmoitk- 71.00 Zehn Minuten: Herr,'..Hin Kasack, i Sprecher: Der Autor.) 71.10..König David." Sinifn«scher Psalm in drei Teilen, von A/thtv Honegser. Lig.: Cornau» Bronsjeest. Dirlg.t M. A! brecht. Solisten! Margarete Oldea. Alt: Ingrid Bredeck. Sopran; Hendrik Appels, Tenor. Chor und Orchester der Funkstunde Berlin. hierbei ein« große Rolle spielen und im Zusanmumhony damit sollen all« die Möglichkeiten gezeigt werden, die sich der chemischen In- dustrie für die Einwirkung des Menschen auf diese natürlichen Vor- gäng« zur Förderung des Fortschritts eröffnen. Die Gebäude, die die Ausstellung beherbergen, sollen sich meil«nlang an den Ufern des Michiganjees hinziehen und auch auf eigens zu diesem Zweck errichteten tunstlickien Inseln im See untergebracht werden. Eine verrückte Ameise. Von einer Ameise mit einer Gehimgeschwulst berichtet Dr. Robert Staeger. Nach eurer Mitteillmg der Frankfurter„Um« ichau" fiel ihm hei der Beobachtung einer Kolonie gewöhiilicher Ameisen ein Tier auf, das immer im Kreise herumlief. Es griff Mitglieder feiner Kolonie an. die ihm in den Weg kamen, und be- trug fickz überhaupt ganz ungewöhnlich. Das Tierckzen lief immer im Kreise noch recht» und begann nach wenigen Tagen seine Fühler mrd Füße nachzuschleppen. Staeger. dem dieses sellsame Verhalten mrsgesallen war, tätet« die Anreise und schickte sie zur Untersuchung dem Züricher Anretsensorscher Dr. Rudolf Brun. Bei der mlkroskopi- sehen Untersuchung stellte sich heraus, daß sich in der linken Seite des Gehirns der Ameise«ine Geschwulst befand. Aus diesem Be- sunde geht hervor, daß in dem Ameisengehirn, das nicht größer als ein kleiner Stecknadelknopf ist, die Nervenbündel ebenso ül'erkreuz verlaufen wie im Gehirn des Menschen, so daß auch bei der Ameise eine Erkvantung auf der linken Gehirnseit« Hemmungen der Glied- maßen an der rechten Seite des Körpers hervorruft. Dr. Rumpiers 10 OOO'PS-FIugzeug. lieber die Pläne des deutschen Flugzeugkonstrukteurs Dr. Rump- ter für die Erbauuyg eines Riesenflugzeuges, das den Donner Do. X. an Größe noch übemeffeir und bei 35 Mann Besatzung 135 Passagiere befördern soll, werden durch Meldungen aus Amerika näher« Einzelheiten bekannt. Das Rumplerjch« Riesenflugzeug soll zehn Motore zu je 1000 PS, insgesamt also 10 000 PS haben, gegenüber den 4000 PS von Do. X. Die Motore sollen im rückwärtigen Teil des Flügels umergebracht werden, wo sie die Druckpropeller treiben. Im vorderen Teil des Flügels sollen die Passag! er tabinen und die Unterkiinflsräume für die Bemannung eingebaut werden. Die Passagierkabinen sollen für je sechs Sitze eingerichtet und mit einem Glasdach versehen werden nach vorwärts ist ebenso ein Ausblick vorgesehen. Bon dein rückwärtigen Test des Flügels, wo sich d'k Motoren befinden, soll dieser Teil des Flügels durch einen belonberen Gäng. eine Art Promenadendeck, getrennt sein. Die Benzimanks hat Dr. Rumpler in seinen Plänen in die Schwinmrtonk» vericgi. Ebesch Heilung durch Hypnose. 2» Doris fand«in Scheidungsprozeß nach vierjähriger Dauer sein«, Abschluß, der deshalb interessant ist. weil der auf Scheidung klagend, Ehemann behauptete, daß er gegen seinen Willen unter dem suggestiven Einfluß eines Verwandten sein« Frau geheiratet hätte. Der Kläger befand sich in einem Sanatorrum und hier he- handette ihn ein Arzt, der ihm durch Suggestion den Willen aus- gezwungen habe, eine Dame seiner Verwandttthnft zu heiraten. Es konnte durch Zeugenousfage festgestellt werden, daß kurz« Zeit nach der fitchlicheit Trauung der Ehemann vollständig überrascht war von der Tatsache, daß er eben geheiratet hatte und daß er im Zustande schwerster Hypnose gehandelt haben mußte. -ARBEjWL rumALL Spiele am 5. Jonaar. Nachdem der letzte Sonntag nur wenig Klaicheit über die zu- künftige Gestaltung der neugebildelen Kreistlafse gebracht Hai, wird am kommenden Sonntag die Gntscheldnng sollen. In Spandau trifft Butab, einer der Meister der 2. Klasse, auf den au der vierten Stell« stehenden der Abteilung B der 1. Klasse. In Jüterbog stehen sich der dortig« Fußballklub und der Meister der Abteilung C, wahrscheinlich Spandau 23 oder Saxonia, gegenüber. Luckenwalde III und Havelberg, der Elbemeister, spielen in Lücken- waldc, Heßheide. An Gesellschaftsspielen sind solgende Trejs«» verein- bort: Saxonia gegen Weißensee aus dem Exerzierplatz Schönhauser Allee. Germania gegen Freie Scholle in Pankow. Karow gegen Schönow in Karow. Porwärte-Wedding gegen FTGB.-Pankow.— II. M a n n s cha f i« n: Saxonia gegen Weißease«. Wansdorf gegen Germania. Karow gegen Ältglictzen.— Jugend: Eiche-Köpenick gegen Ketzin. Vorwärts 2 gegen Werder. Neukölln gegen Lichtenberg II 2. Saxonia gegen Lichtenberg I. Lichtenberg II I gegen Vorwärts l. Wansdorf gegen Spandau 23. Weißensee gegen Saxonia Z- Schönebcrg gegen Eich« 2- Beginn der Spiele: 1. Mannschaften 1t Uhr. 2. Mann- !chaft«n 12,13 Uhr. 1. Jugend 11 Uhr. 2- Jugend 10 Uhr. Arbcifer-Hockcy. Die am zwecken Weihnachtsselertag ousgeiallenen Werbespiele der Arbeiter- Tennis- und Hockey-Varcinigung finden numnehr am Sonntag, 3. Januar, auf dem Sportplatz Ost in der Laskerstraße statt. Qas Frauenspiel wird von den Mannschaften Tcnnis-Rot- Ostring bestritten, während die Bezirksmannlchaften in der bekannten Aufstellitllg antreten. Spielbeginn ist 1Z Uhr für dos Frouenfpiel und 1-t Uhr für dos Bezirkstretf«». Alle Arbeiterfportler und Jnter- «ifenten sind«ingeladen. Am Montag. 6. Januar, 20 Uhr, Schiedsrichterfitzung bei Bäsch- nick, Sonnenbnrger Str. 10. Es sind pro Mannschaft zwei Vertreter zu entsenden. Der nächste Vertretertag findet Mitrwoch, H. Januar, 20 Uhr. bei Wegner, Frankfurter Allee 236, statt. Kanada— Schweden 2: 0. Das grohe Eishockey im Sportpalast. Da die Schweden zu den Europa- und Weltmeistcrschaftskänipscn nach Chamonix k«ine Vertretung schicken, so hatte es der Sportpulast übernommen, die schwedisch« N a t> o n a l m u n n j ch o f t mit den kanadischen Eishockeyspielern zu einigen Kämpfen in Berlin zusammenzubringen. Gestern fand vor einem vollbesetzten Haus« das erst« Spiel statt, das die Kanadier erst im letzten Spieldritt«! mit 2: V für sich entscheiden konnten. Man sah«inen ganz großen Kampf. Die hervorragende Spiel- stärke der Schweden nötigte den Kanadiern die Hergäbe ihres ganzen sportlichen Könnens ab. Wenn die Schweden in Sucksdorjf nicht einen so hervorragenden Torsteher gehabt hätten, wäre das Spiel vielleicht gefährlicher sür sie gewesen: so aber rannten di« Kanadier, besonders im zweiten und letzten SpieldrUtel, meist veryeblich auf das schwedische Tor an. Die Gäste aus Toronto zeigten auch gestern wieder thr�geradezu fabelhaftes Kombinatlonsoermögen und ihre unerhörte Schnelligkeit, der die Schweden durchaus nicht gewachsen waren. Obwohl der von seiner früheren Tätigkeit beim Berliner 'SchMtfchlchvub her bekannte Schwede Johanjsrm sein möglichstes in Alleingängen tat, fand er doch bei seinen Mitstürmern nicht die Unterstützung, die nötig gewesen wäre, um die kanadische Verteidi- gung und auch de» Sturm zu überwältigen. Ganz besonders in der Störungsarbcit leisteten die Kanadier Hervorragendes— allerdings auch im körperlichen Spiel— und mehr als einmal prallten die Spieler so heftig aneinander, daß der Kamps neutralisiert werden mußte. Wie Sucksdorif von den Schweden, so hielt auch der kanadische Tor- wart einfach alles. Mehr als ciniiwl mußt« er sämtlich« Teile seines Körpers dazu benutzen, die Scheibe abzuwehren, aber immer verstand er es. sein Heiligtum zu schützen. Bei gröherkr Schnelligkeit hätten di« Schweden durchaus ein Unentschieden herausholen könne». Das Spiel wurde von der Berliner Eishockeygemcinde lebhaft applau- diert, es findet heute, Freitag, abend eine Vicrtelstiind« nach 8 Uhr als Rückspiel seine Wiederholung. Die erste Wanderung im neuen Jabr! Das gab erstaunt« Gesichter bei verschieden- u Spaziergänge:» und vor allen bei den Einheimischen, am Neusahrstag, in Friedrichs- Hagen! Komoren etwa di« Berliner schon bis hierlier mit ihren bc— rüchi igten Demonstrationen? Aber ste sehen eigentlich alle recht friedlich aus. Der Haufen wächst lawinenartig: 300 sind bereits über- schritten! Der Geiaxtg verstummt, ein flotter Marsch erklingt, der Aug setzt sich in Bewegung und im ilotten Tempo geht's durch märkischen Wald. Dos ist frolzes Singen und Klingen: Die Arbeiter- tirrner und-fportler machen noch alten. Brauch ihre Neujahrs- Wanderung. Dem Rnse des Musikkorps der Freien Turnerschofl Grotz-Berlin- waren die größten FTGB.-Bezirke, Süden und Neukölln-Brig, freudig gefolgt. Und alle Achtung— der umsichtig« Dirigeirt Wälier hat scuic 25 Mann starke Kapelle gut im Zug. Tagsüber in Bureau oder Werkstatt, wurde tn der knappen Freizeit ein« gut besetzte Turnerkapelle ausgebildet. Festgefügt im organisatorischen Äufban hat das FTGB.-Mnstkkorps bereits eine stattliche Fahl von treuen Freunden um sich gesrmnnelt, und heute zieht die frohe Schar durch Wald und Feld. Das Wetter gestatte!»och kein längeres Benrreilen im Freien, drum geht's heut« in che gastlichen Räume des Waldschlößchens Rahnsdorf. Beim dampfenden Kaffee herrsch! bald harmonische Geselligkeit und heiterer Frohsinn. Gemeinsame Gestings, Unterhaltungskonzert und mancherlei Kurzweil lasten bald echte, rechte Turne rgemiitlichksit aufkommen, wobei auch Jung und Alt dos Tanz- dem schwingen können. Mit einigen Nachzügler» sind mindestens 400 vergnügt« Gesichter zu schauen. Und darin sind sich oll« einig: dieses Neujahrstreffe» wird zur ständigen Einrichtung und fotort im Termintalender angeichrieben! Noch hat es lang« Zeit bis zur nächsten Fahrt und darum besuchen alle Freunde der Musik und solider Geselligkeit die regelmäßigen Uebungssnmden des FTGB.-Musikkorps: jeden Dienstag, ab 20 Uhr, im Neuköllner Dsreinshous Neukölln, Hermannftr'oßs 11, dicht am Hermannplatz. Das Blas- und Streichorchester erwartet jeden Musikfreund, auch wenn er noch keine Notenkenntniste besitzt. Mer nach gefaßtem Entschluß nicht erst lang« warten, sondern sofort hinkommen oder sich erkundigen beim Vorsitzenden Karl Mahnecke, Eharkottenburg, Haeselerstraß« 16 ö. Arbeitcrschach. Im Mannschaftsturnier 1929/30 treffen in der O-Gruppe in Runde 2 am Sonntag, 3. Januar, folgende Verein« zusammen: Pankow I— Kreuzberz II, Lokal Kober. Pankow, Berliner Ecke Pri»z-Hei nrich-St ra ße: Weißensee II— Friedrichshoin II. Lokal Gallas, Weißensee, Berliner Allee Ecke Lchderstraße: Friedrich? felde I— Olciifölln II, Lokal Hempel, Friedrichsselde, Gudrunstraße 1. Resultat der 1. Runde: Nsuköll» II— Weißensee n 2H:2K-; Friedrichs Hain II— Pankow 14:1: Kreuzberg II— Prenzl. Berg II 3: 2. Resultate sind zu senden an®. Werwichki, Planuser 91. Vornotieren! Arbciterhallensportfest am 19. Januar. Di« Vorbereitungen für das große Hallo nfportf« st der Llrb eiterfchaft im Sportpalast schreiten rüstig vorwärts. Die ersten Meldungen sind bereits eingetroffen. In die Liste der �lus- «ärtigen haben sich, außer den schon früher an dieser Stelle Pe kcmntgegebenen, die Wassersportler Magdeburgs eingetragen, io daß mit etwa 200 Teilnehmern aus dem Reich zu rechnen ick. Die Kämpfe versprechen ein„Nürnberg in der Halle" zu werden, do viele Bmidesmeister am Start erscheine». Der Aehnkmupftmister Naumarm-Leipzig startet im Hürdenlauf und im Hvchiprung, er trifft hier aus den Bundesnreister Görsch vom Berliner Athletik- Spartclub. Ein kkrffisches Rennen oer spricht der 1000.?l!eter-Lauj der.�-Klaffe zu werden. Fast alle Teilnehmer de? 80V-Meter- Endlaufes In Nürnberg durften cm Ablauf versammelt sein, hinzu kommt noch Wognar-Lripzig. Eine sportliche Delikatesse steht, also in Aussicht. Die Leitung hat sich ferner entschlossen die besten Sprinter des Reiches in einem Sprintcrdreikampf zu vereinige». Bei drei Läufen ist der Kämpf ausgeglichener und nur der wirklich hefte Mann wird die Siegespmikte auf sich vereinigen. Eine Sport revu«„Berlin vorwärts marsch" sowie musikalische Dar bietungen werden zur weiteren llnterhastung aller Besucher beitragen. Den Mitgliedern der Arbeiterorganisationen ist daher der Besuch des großen iirtrrestanten Winterfestes der Arbeitersparller bestens zu empfehlen. * Schafft Quartiere jum ftallenfportfest! Vereine und Interessen- ten werden gebeten, sofort Unterbringungsmöglichkeiten mit genauer Adrestenaugabe des Ouartiergcbers für 200 auswärtige Arbeiter- fportler an Erich Lippert, Lichtenberg, Kiielaftr. 27.'>, zu melden mit der Angabe, ob männlicher oder weiblicher Gast gewünscht wird. Ls kommt kein Winter. Winierkomptspiclc in Gefahr! Das unbeständige Wmtcrwclter hat bereits de» Aussall oder eine Verlegung vieler Beranstattungen ans allen mögliche» Winter- sportgebieten zur Folge gehabt, jedoch handelte es sich zumeist noch um Wettköinpfc, die über örtliches Interesse kaum hinausgingen. Jetzt aber geraten die ersten Großveranstaltungen in Gefahr, und da in allererster Lim« die Deutschen Winterkamps spiele, die sür die Tage vom 11. bis 19. Januar nach Krnminhübcl angesetzt sind. In den höhere» Lagen des Riefengebirges sind zwar einige Kältegrad« zu verzeichnen und auf dem Kamm ist auch Neuschnee gefallen, aber in den Tälern sind die Wintersportmöglichkeiten gleich null. Borlänsig bleibt nichts weiter übrig, als besseres Winter- weiter abzuwarten, doch ist der Organisationsaueschuß bereits i» Besprechungen eingetreten, um Mahnahmen für eine eventuell not- wendig werdend« Verlegung der Kampfspiele zu treffen. Sollte der von ollen WInrersportlcrn sehnsüchtig erwartete Wettermnsckchrg bis zum 8. Januar nicht eintreten, dann ist eine Hinausschiebung der Kampffpiele unvermeidlich. Als neuer Termin käme in diesem Falle ms Die Preise bis in ihre I Bruchteile gespalten! lieberzeugen Sie sich selbsf! Nur einige Beispiele; Rinder-Strümpfe reine Welle, enorm blUig, Grösse 1 nock 5 60 Unsere 65 Schaufenster geben Ihnen einen Aus- schniii aus unseren völlig einzig dastehenden Inventur-Angeboten! 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Es ist zu diesen, Zweck eine Kommission beauftragt worden, die Grundlagen zu schaffen für gemeinsame Ver-> anstaltungen der großen SegecksportverbSnde Deutschlands im Jahrs 1930. Dritte norddeutsche Meisterschaften im Skilauf. Wie der Amt- liche Preutzische Pressedienst mitteilt, hat der Sportausschuh des Norddeutscheu Skiverbandes die diesjährigen norddeuttchen Ski- Meisterschaften für den ersten«chnee-Sonnabend undie im Ortsieil qeli'�'nk'n Ab. teilungen findet die Ial)rrns. Bctfer anih«uß ?u9»ntwmt«in« EiAftSoetferte«»»igt.__. «»beitei SchStzk- B-nd. SanrUao. i Ioni�zr. 0 llbr.?««n. und»Imn» leliberfchi-ften. ötKirtplaü �tiedridisteMvt. Dienst«,. 7. 3«ttuot. 20 Uhr, �ofÄfn. und Augelschiehen kici Lntian. Nrildrrstc. 1S-18. zTGV. g-rtikeunq»rr Su�ero�riitlich«» Man'««. u! Gcichutlssirlle abliolcn. grrie Audrrcr und ttannlahrrr. t. Arrl«. Tecknckerdduua Montag. 5. r-ammt, �0 Uhr.(Srwrrrrchaft-tkaus. Stciti äußbalvcrci» WrißriiI» Das Sidunaolakal botindat Nch ndt bor Jan:. 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