BERLIN Sonnabend 4. Januar 1930 10 Pf. Nr. 6 B3 47. Lahrgang f! 4 a 4 1* � Vr 4! 8 ff t t\f ff f � s n i e i s« n, r e i«: Die elnsr-ltige N-npareill XLßO ff wOfU/tX�YÖ»-ftsch-ckkonto- Dorwärts-Derlag 0. m. b.H.. Kedaktion und Eppedttton; Dcrl.nSW6S.Lmdenßr.S/ jj Berlin Nr. 37ö3S. Fernsprecher: Dknbvri«S bis«r? Lockspitzel an der Arbeit. Liebesdienste der französischen Polizei für den Faschismus. Locaruo. 4. Januar. Unter den Faschisten herrscht große Freude über die Nachrichten aus Parisb Dieselbe Presse, die bisher nicht genug Gift gegen Frankreich spritzen konnte, ist jetzt voll des Lobes für die sran- zöfisch« Regierung, die durch ihr„rechtzeitiges Eingreifen" irgendein furchtbares Verbrechen vereitelt hätte. Um die Sache nach ganz ins Schauerliche zu rücken, wird hinzugefügt, daß der Geldgeber der Attentäter niemand geringerer als die S o w j e t r e g i e- r u n g wäre. Daß Cianca, Tarchiani und Sardelli ein Attentat vorbereitet haben sollen, ist in superlativem Maße unwahrscheinlich, nach dazu ein demonstratives Attentat gegen die Delegation in Genf, das große Verluste an Menschenleben herbeiführen mußte. Seit Mussolini zum Drdnungsmann geworden ist. hat dieses hinschlachten Unbeteiligter in sozialistischen Kreisen nie einen Anhänger gefunden, ebenso wenig wie in denen der bürgerlichen Demokratie, zu der Cianca und Tarchiani gehören. Es handelt sich nicht um junge H e i ß k ö p f a sondern um Männer nahe der Fünfzig, Cianca und Tarchiani sind in bürgerlichen Verhältnissen und in W o h l st a>i d ausg« wachse», liaben jeder Frau und vier Kinder: Sardelli hat seine Frau und sein Töchterchen noch heute in Italien, wo er als Sekretär des Transportarbeitprverbandes in Rom. lebte, bis ihm im November 1926 seine Wohnung verwüstet und geplündert wurde und er ins Ausland floh, um dem Zwongsdomizil zu entgehen. Weder ihre theoretische Einstellung— Sardelli ist Einheitssozialist— noch ihr« persönliche Lebenslage rechts-rtigen die Vermutung, daß sie sich zu Dynamitarden ousgebildet haben sollten. Und nun gar mit russischem Gelds! Wo doch die russisch« Diktatur von allen Staate» Europas die innigste» Beziehungen zum Faschismus unterhält, mit ihm am nächsten ver- wandt, am meisten um seine Dauer besorgt ist! Uns scheint dies« Episode des Kesseltreibens gegen die Emigranten ziemlich schlecht erfunden. Wir verhehlen uns ganz und gar nicht, daß eine Situation der Rechtlosigkeit, wie die des italienischen Volkes, den Akten der GcwaU den Weg' bereitet. Das ist eine geschichtliche Erfahrung, die psychologisch mir allzu erklärlich ist. aber uns will es scheinen, als pflegt« die Geschichte sich hierfür anderer Werkzeug«.zu be- dienen. Daß sich reise Männer und erfahren« Politiker ein« Dynamit- sammlung anlegen, und zwar in der Weis«, daß die. Polizei das schon von Ansang an weiß und verfolgen kann, erinnert an das„Allentat Zanibonis". von dem auch die Polizei eher wußte als der Altenläter. Ileberhaupt läßt die Sache allerhand Erinnerungen in uns aussteigen. Ist nicht gleich«ach dem Attentat Zanibonis im Hause eines in Rom lebenden Journalisten ein sich als.Kommunist" ausgebendes Indi- viduum erschienen, um des langen und breiten über die U n- verm eidlichkeit weiterer Attentate zu sprechen, und Ist nicht dieser„Kommunist" heute ein hoher Würdenträger des Faschismus? Ist nicht im Jahre 192ö«in kommunistischer Abgeordneter durch einen hohen Staatsbeamten gewarnt worden, daß di« Polizei den Befehl Hab«, ihm Bomben ios Haus zu schmuggeln? Wissen nicht Dutzende von Personen in Rom. daß die„Aufmachung" eines solchen Attentats daran gescheitert Ist. daß den Polizisten die Sache zu schuftig erschien? Es gehört A-r Tragödie jeder Emigrat' on, daß sich Spitzel in ihre Reihen schleichen. In der heutigen Phase des Faschisyms, wo für Mussolini die Unterstützung durch das Ausland das Wichtigste ist, wo ihm das italienische Volk als der besiegte, nicht mehr zu fürchtende Feind gilt und alle seine Angriffe sich gegen die Emigranten richten. brauchtMussoliniAtten- täte im Ausland, mir seine Widersacher o«s ihren Asylen zu vertreiben. Die Bomben Ciancas, Tarchianis und Sardellis i ollen diesem Bedürfnis abhelfen. Wie denkt die sran,zösischc Regierung über die ihr in dieser Angelegenheit zugedacht« Rolle? Ein Mussolini-Oenkmal sollte gesprenat werden. Paris. 4 Januar.(Eigenbericht.) Die Nachforschungen»ach dem antifaschistischen Komplott, die] die Pariser Polizei nach der Berhoituno der drei Emigranten be-! gönnen hat. haben in Marseille zu der Festnahme eines gewissen S ch i a v e t t i geführt, bei den, einige Briefe di Rosas vorgefunden wurden, der in Brüssel das Revolverattentat auf den italienischen Kronprinzen verübt hat. Da die Briefe jedoch nichts Belastendes enthielten, wurde der Sistiertc wieder freigelassen i. Der.Quatidicn" berichtet, daß die bei Cianca vorgefundenen politische Blutrache. Soll es so in Rerlin weitergehen? Der von uns in der Morgenausgabe veröffentlichte Polizeibe- richt über die Schießereien am Görlitzer Bahnhof charakterisiert die Anstände, die sich zwischen den Anhängern der radikalen Gruppen herausgebildet lzaben. Das Ganze erinnert stark an die Blutrache, wie sie bei unzivilisicrten Völkerstömmcn üblich ist. Wann dort der A. den B. schwer beleidigt und dann der B. den A. im Jähzorn niedersticht, so ist die gesamte Sippe des Zl. zur Blutrache an A. oerpflichtet, nach dessen Ermordung nun wieder feine Sippe zur Blutrache gegen die Sippe des A. schreitet, was dann zu einer nicht abreißenden Kette von Mordsy zwischen beiden Familien führt. .In unserem Falle ist die Rolle der etwas altmodisch gewordenen Sippen aus die radikalen K a m p s v e r b ä n d c übergegangen Sonst spielt sich alles in der gleichen Weise ab: irgendwo im Norden oder Süden haben Konrmuniste» Nationalsozialisten, überfallen. Darauf beschließen im Osten nationälsoziakistische„Sturmabtei- langen", ihrerseits den Kommunisten:,eins auszuwischen". Dos ge- schießt in der Art, daß«in Dutzend Manns das Schießeisen locker in der. Tasche, vor dem kommunistischen Lerkehrslokal Aufstellung nehmen, durch einen Spion di« Anwesenheit des Gegners erkunden, um dann«in wohlgezieltes Schnellfeuer auf die chcrauKkoinmendeü zu eröfsnen. Die Fortsetzung ist schon dai die„Rote Fahne" rust nunmehr ihre Anhänger zu Rache und Gewalttätigkeit gegen die Nazis auf: sie schlägt unter anderem in nicht mißz»verstehender Weise vor, dem«rtrantten Nazihäuptling Göbbels an dessen Krankenlager„einen Besuch abzustatten". Die Frage ist, ob das so weitergehen soll und kann. Man wende nicht ein. daß sich auch früher junge Leute unter allen möglichen Vorwänden und Formen gerauft und gebalgt haben. Diese Auseinandersetzungen geschahen mit Faust und Knüppel, äußerstenfalls einmal mit dem Messer. Aber die Ausbeutung der jugendlichen Rairfinftintte zu angeblich„politischen" Zwecken Hot dazu geführt, daß jetzt Revolver und Dolch die Normalwaffen geworden sind. Zugleich� ist der Zusammenhalt der früher nur lose durch Freundschaft. Nachborschast usw. verbundenen Gruppen viel strasser und mititärischer geworden, damit ist automatisch die Energie der Kämpfe wie die Zahl der Kämpsenden gewaltig gesteigert. Die Schwere der Verletzungen, die Zahl der Todes- o p f e r reden eine deutliche Sprache. Just vor einem Jahre mar ganz Berlin entsetzt, als di« organi- sserte„Unterwelt" mit ihren Ringvereinen gelegentlich der I m m e r t r e u- S ch l a ch t in die Erscheinung trat. Der Kamps, der sich damals zwischen den Jmmcrtrcuen und den Zimmerleuten abspielte, war gewiß blutig. Er hat aber vichk mehr, sondern weniger Opfer gekostet als die drei oder vier politischen Zusammenstöße am letzten Sonntag des vergangenen Zohres. Im Fall Immertreu kam es zu einem Ausgleich, der blutige Kampf hat keine Fortsetzung gesunden. Dagegen zeig«» im Falle chitler-Rotsront beide Parteien den ausgesprochenen Willen, bei jeder künstigen Gelegenheit von neuem übereinander herzusallc». Trotzdem regt sich Berlin hierüber nicht den zwanzigsten Teil so aus wie über die Inrmertrcu-Schlacht, die im Grunde nur eine private Keilerei großen Stils war. Gerade die Presse, die sich im Immertrcu-Fall nicht genug über die mangelnde Sicherheit in den Straßen Berlins entrüsten konnte, steht den politischen Schießereien mit völliger Gelassenheit gegemibcr. Dabei ist klar, daß diese Form der politischen Ausein- oirdersetzung so rasch wie möglich verschwinden muß und daß es der Energie aller Vernünftigen bedarf, um die Totschläge- reicn zwischen verhetzten Jugendliche» zuni Aufhören zu bringe». Leider gibt es ober Erwachsene genug, die Oel ins Feuer gieße», anstatt den ihnen erreichbaren Jugendlichen klarzumachen, daß ibr «rraßenbrigantentuni mit Politik nichts zu tun hat. Das„Rundschreiben" von Hamburg. In dem demokratischen„szanrbnrger Anzeiger" wurde, wie erinnerlich, vor kurzem ein angebliches Rundschrelben des Org.- Bureaus der tomirninistifchen Zentrale veröffentlicht, an dessen Echtheit im„Vorwäris" sofort Zweifel geäußert wurden. Die Kommunistische Partei hat lärmend die Echtheit des Dvku- ments bestritten und«s als eine Fälschung hingestellt. Bei der vielfachen Spitzeltätigkcit, die innerhalb der KPD. Brauch ist, wäre ein« solche Fälschung nicht einmal etwas besonders Auifallcndes. Aber der„Roten Fahne" genügt es nicht, die Echtheit eines koni- munistischcn Kulturdokumcnts einmal mit Erfolg abstreiten zu können. Sie greift selbst zu einer neuen Fälschung, durch die si« ihre„Entrüstung" selbst entwertet. In der„Fahne" wird nämlich— dreispaltig auf der Titelseite!— die Behauptung ausgestellt, das angebliche Rundschreiben des Rechlsanroaits Obuch fei im R e i ch s m i n i st e r i u m des Innern h c rg c st e U t und durch den sozialdemokratische» Preffereserentcn ch a u b a ch. der bis vor kurzem Redakteur am„chamburger Echo" war, deni„chain- burger Anzeiger" in di« Hand gespielt worden! Um diese blöde Behauptung glcNibhast zu machen, wird chaubach zunächst als Ausbund aller Schlechtigkeiten und als Freund des „Hamburger Anzeigers" hingestellt. Aber trotzdem bleibt die„Enthüllung" der„Fahne" nichts anderes als ein grober Schwindel. Selbstverständlich, daß chaubach so wenig wie das übrige Reichs- inn«nmlnisterium, vor allem wie Minister Severing selbst etwas von den Vorgängen in Hamburg wußle. Wi« aber wäre es, wenn der„Nachrichtendienst der Korn- munistischen Partei"-— das heißt die kommunistllche Spitzel- zentrale— einmal seine Aufmerksamkeit auf die Möglichkeil lenken wollte, daß ein K o w m u n i st s e l b st dem bürgerlich-demo- kratischen„Hamburger Anzeiger" das Dokument gebracht habe? Ist«r so sicher, daß seine eigenen Krcakuren nicht falsche wie echt« Dokument« verhökern? Sprengstosspaket« keineswegs, wie behauptet worden war, zu Attentaten gegen die italienisch« Bölkerbundsdelegation in Gens bestimmt gewesen seien. Cianca habe vielmehr ohne Wissen seiner beiden Mstverchasteten das Mussolini-Denkmal in Bologna in die Lust sprengen wollen, dos in Erinnerung an das angebliche Attentat des jungen Comboni errichtet worden war. Drohbriefe gegen Nitti-Äerleger. London, 4 Januar. Di« Verlegersirma Putnom Sons, New Vvrk und London, bei der demnächst das Puch Francesko Nittis erscheinen wird, das seine Flucht von der Etrasinsel Liszari beschreibt, hat aus Parssrr iaschisti- scheu Kreisen Drohbriese erhalten des Inhalts, daß die Bureau- räum« der Firma in New$0� in die Lyft gesprengt werden würden, wenn die Veröffentlichung erfolg-n sollt«. Einer der Teilhaber der Firma. George Putnom, der in dem Briese ebenfalls bedroht wurde, erhielt bei seiner gestrigen Abfahrt von London nach New Pork den Schutz eines Geheimpolizist«!. Skpreßzug überrennt Autobus. Neun Schüler ums Leben gekommen. New Park. 4. Januar. Bei wooster im Staate Ohio ilberranntc der P e n n f y I- oania-Expreß bei einem Eisenbahnübergang einen Schnell. autobus. Der Zusammenstoß mar s» heftig, daß der Autobus 100 Meter«ei« fortgeschleudert wurde. Bei dem Unglück kamen neun Schüler ums Leben, eine größere Anzahl wurde schwer verletzt. Die amerikanische Staatsschuld betrug am Jahresende l6,3 Milliarden Dollar gegenüber Milliarden im Vorjahre. Kanada hat 62 FamilitN der schwedisch-russische» Flüchtlinge, die im Sommer 1929 aus der Ukraine auswanderten und seitdem in Schweden wohnen, di« Einwanderung erlaubt. Es wurden l-Z9 966 Dollar zur Verfügung gestellt, die als'Anleihe sür di« Reise und die Niederlassung in Kanada dienen, sollen. Stillegung städtischer Bauten. Beschlüsse des Magistrats 3n der außerordeatlicheo Magist rakssihung. die .'ute vormittag stattfand, beriet der Magistrat in der zweite« Lesung Me Stillegung oder Einschränkung derjenigen Vvulen, deren Veiterführung aus Sparsamkeitsgründen zurzeit nicht möglich ist. Er ließ sich hierbei, wie Bürgermeister Scholh bereit, aus der gestrigen pressekonfereaz ausführte, in erster Linie von dem Sesichtspunkl leiten, ob die Jertlgslellung von uahezu vollendeten Sauten Ersparnisse im lausenden haushall bringen würde, ob vorliegende vertrüge und bereits vergebene Arbeiten eine Still- legung unmöglich nmchteu und ob gegebenenfalls durch Verhandlungen mit der betreffenden Sauflrma ein Einvernehmen zu erzielen sei. Bei der großen' Fülle der noch im Gang befindlichen Bauten können die Beschlüsse im einzelnen erst später betannt gegeben werdem Auf dem Messegelände srtlen nur die bereits im Bau befindlichen und schon für die„Grüne Woche" vorgesehenen hallen sertiggestellt und der hierdurch entstehende Funkgarten durch ein« einfache Tergolakonstruktion abgeschlossen werden Die K o st e n für die letztere Anlage soll die Messegesellschait übernehmen. Alle anderen Bau- und Geländearbeiten außerhalb dieses hallen- Vierecks werden sofort« i n g« st« l l t. Oie Epidemie im Flüchtlingslager. In Möllen und prenzlau ist alles gesund. Der Gesundheilszuslond der deulschrussischen Auswanderer in den Lager« Möllen mll 1100 und Prenzlau mit 1600 Zn- fassen ist gut. Es sind zwar aach dorl einige leichlere Mafernfälle aufgelreten, jedoch ohne Komplikationen. Bon den rund 3000 Insassen des Lagers h a m m e r st e i n sind 1600 Kinder. Die öl Tadesfälle sind auf Strepto- kokten-Angina, nicht auf Masern zurückzuführen. Die Flucht- lingskinder sind zumeist unterernährt, da sie besonders während der Wochen und Monat«, die sie in den Vororten von Moskau ver- bringen mußten, nur unzureichend ernährt werden konnten und Milch fast gar nicht erhiellen. Nach ärztlicher Annahm« ist die Epidemie im Abflauen. Die sanitären Maßnahmen in den Lagern sind selbst- verständlich von den Medizinalbehörden getroffen worden. Der Abtransport der Flüchtlinge aus Mölln und Prenz- lau nach Brasilien, Argentinien' oder Kanada dürfte nächste Woche beginnen. Sowohl der kanadische Eimvanderungsarzt in.Hamburg wie der Arzt im Dienst der brasilianischen Einwände- rungsbehörde haben sich in beiden Lagern von dem guten Gesund- heitszustand der Insassen überzeugt. Die Ueberfahrkoste» werden ziun Teil vorgeschossen, zum Teil von brasllianischen Staaten, der Eanadian Pacific Essenbahn, den Mennoniten usw. aufgebracht. Gegenüber Behauptungen russsscher und deutscher Kam- inunistenblätter erklärt das Reichskomnrissariat. daß nicht einer der Auswanderer den Wunsch geäußert hat, nach Rußland zurückzu- kehren. Sic sind alle froh, dem Sowjetparadies entgangen zu sein. Cumberlands Schatz soll jetzi ausgelost werden! Wölfls Bureau weiß aus Hannover folgende Neuigkeit zu melden: Der Heimatbund Niedersachsen beschäftigte sich in einer Sitzung, an der auch die Landtagsabgeordneten Dr. Schuster und Mohrbotter teilnahmen, mit dem Beschluß des Hannover- ichen Bürgervorsteherkollegs, dm Ankauf des Weifen- ichatzes und der Herrenhäuser Gärten nicht zu genehmigen. In U ed erei nstimmung mit allm an der Sitzung Beteiligten will der hemmtbund an dm hannoverschen Oberbürgermesster Dr. Mmge mit der Bitte herantretm, bei der St a a ts r« g« e r u n g die Ge- nehmigung zu einer Lotterie jür die Aufbringung von Mitteln zum Erwerb des Weifenschatzes nachzusuchen. Dr. Menge soll westerhin gebeten werden, beim herzoghause Brau«- kchweig-Lüneburg eine längere hinausschiebuug de« Termins für die Beendigung der Verkaufsoerhandlungen zu erwirken und dar- über hinaus den preußischen Staat zu besonderem finan- ziellen Entgegenkommen zu veranlassen, etwa durch her- gäbe einer verbilligten Anleihe. Der Heimatbund selbst beabsichtigt, in VerHand lungm mit der sozialdemokratischen Fraktion in Hannover einzutreten und außerdem einen Appell an kapital.- träft ige Kreise de« In- und Auslandes zu richten, um diese für die Aufbringung von Mitteln zu interessieren. Wie kommt der e i m a t b u n d" zu kapitalkräftigen Kreisen des Auslandes? Und wie soll der Oberbürgermeister von han- nover. ausgezeichnet durch«in wirkliches Mißtrauensvotum, mit dem ..herzoghause" verhandeln, das nicht mehr besteht? Oer Kampf um die Religionsfreiheit. Geschlossene Kirchen in Charkow.— Abtrünnige Rabbiner. Moskau. 4. Januar. Der Stadtsowjet von Charkow hat die Schließung der elf größten Kirchen der ukrainischen Hauptstadt verfügt. Unter diesen Kirchen befindet sich auch die Kathedrale, das größte kirch- liehe Gebäude der Stadt. Die Glocken der Kirchen sind, wie das jetzt bei allen derartigen Maßnohmen üblich ist, zum Einschmelzen bestimmt worden. Der oerschärfte Kampf gegen die Religion in allen Ländern der Sowjetunion, von dem auch die jüdischen Gemeinden in stärkstem Maß betroffen werden, hat zur Folge, daß in manchen Fällen die Geistlichen ihren Beruf aufgeben. Das in Moskau er- icheinrndc kommunistische jüdische Blatt„Emes" vsröflenllicht die Briese von fünf Rabbinern, die sich von ihrem Berns und ihrer oeistlichen Würde lossagen, da sie �erkannt hätten, daß die Religion nur der Gehiruvernebelung der werktätigen Massen zu dienen bestimmt ist". Der ehemalige Rabbiner Mose» Awunow geht sogar so well, seinen Entschluß zum Eintritt in den..Verband der Gottlosen" bekanntzugeben. Der„Emes" äußert aber doch gewisse Bedenken wegen dieser radikalen„Bekehrung" de» Rabbiners und kann den Verdacht nicht unterdrücken, daß er als Wolf im Schafspelz sich in die Massen der Werttätigen ein- schleichen wall«, um dort nicht antireligiös«, sondern religiöse Propa- oanda zu treiben. kein Sowjelgebäude in London. Die Berka ndlunacn über den Eiwerb eines Lotschaftsgebäudes für die Sowjetreqierung in London imd gescheitert. Sowjetrußland wird sich damit begnügen, ein möbliertes Haus im Westen London» zu mieten Die Bepublik Schwenien. Geheimnisse der neutralen Straßen zwischen Deutschland und Polen. So wenig bekannt den meisten Inlandsdeutschen die totsächlichen Verhältnisse an der über 1000 Kilometer langen neuen Ost- grenze sind, so unbekannt dürft« auch die G« i ch i ch t e der Republik Schwenten sein. Oer Name ist allerdings in keinem Geschichtsbuch erwähnt und auch der Kreis B o m st, in dem diese Zwergrepublik ihr kurzes achtmonatiges Dasein gefristet hat, dürste nur bei den nicht aus der Ostmark stammenden Deutschen in mehr oder weniger angenehmer Erinnerung sein, die mit dem Bomster Wein nähere Bekannt- schast gemacht haben. Der Kreis Bomst ist heute Grenzkreis im südlichen Teil der neuen Provinz Grenzmark-Posen-West- preußen Im Osten dieses Kreises liegt der hsstorische Ort S ch w e n- t« n, dessen Geschichte aus süngst vergangener Zeit hier wieder- gegeben werden soll. Es war im Januar 1019. als die Polen in die deutschen Teile der Provinz Posen einfielen und bis hart an die branden- burgische Grenze vordrangen. Das' Dorf Schwenten.«in« große Gemeinde von 1150 Köpfen, lag bald im Mittelpunkt der er- bittsrten Grenzkämpfe, und um dem Schicksal der Nachbarstädte und Genieinden, die von den Polen bereits besetzt waren, zu entgehen, erklärte sich der Ort Schwenten mit den Nachbarorten Kreutz, Rüden und Witz als neutrale Republik. Diese Liliputaner- Republik, gegen die Lippe-Detmold eine Weltmacht darstellt, erreichte tatsächlich eine Anebtennung ihrer Selbständigkeit vom Deutschen Reich und von Polen. Reichspräsident und Außennnmster in einer Person wurde der Herr Pastor, den Reichswehrmimster und Generalseldmorschall stellte der Oberförster und der Gemeindevorsteher übernahm das Jnoenministerwm. Eine eigene Brotversorgung wurde organisiert. Di« Bauern mußten an das Innenministerium" Getreide abliesern, und dieses stellt eigene Brotkarten für die Bürger der Republik Schwenten aus. Da das kleine Land- chen Durchgangsgebiet zwischen Deutschland und Polen darstellt, mußte auch das„Außenministerium" die Paßregelung in die Hand nehmen. Mit dem großen Kirchensicgel bewaffnet stellte der „Stresemann Schwcntcns", der Herr Psarrer, Reisepässe und amtlich« Ausweise aus, die von den beiden Großmächten voll und ganz anerkannt wurden. Auch das Rcichswehrministenum bekam zu tun, denn alle deutschen und polnischen Soldolen, die in das Ge- biet der Republik Schwenten gerieten, wurden von der Schwentener Reichswehr entwoifnet. Dolle acht Monate konnte dieses Zwergländchcn seine Unab- hängigkeit bewahren und entging damit dem Schicksal Dutzend er deutscher Städte und Gemeinden in Posen-Westpreußen, wie in Niederschlesien, die von der famosen Grenzziehungskommsssion unter Mitzochtung des Selbstbestimmungsrechts der Bevölkerung vom Mutterland abgerissen wurden. Im August 1919 erbat die Regie- rung der Republik Schwenten den Einmorsch densscher Truppen und schloß sich dem Deusschen Reich wieder an. Dem einmütigen Be- kenntnis der gesamten Bevölkerung konnten sich auch die„Sachver- ständigen" der Grenzkommission— darunter Japaner und Süd- aineriianer— nicht entziehen, und mußten wohi und übet die Angliederung der freien Republik Schwenten an das Deutsche Reich als vollzogene Tatsache hinnehmen. So hat die rasche Ensschlußsähigkeit einiger tüchtiger Männer in der Aufruhrzeit zu einem vollen Erfolge des Deutschtums geführt, ohne daß ein Tropfen Blut vergossen wurde. Bon den unzähligen Zerreißungs schaden an der Ostgrenze, den zerschnittenen Bahnlinien, abgeschnürten Chausseen, auseinandergerissenen Städten und Landbezirken soll hier nicht die Rede sein, denn dieser Zustand ist kein Kurioium. sondern die Folge politischer Gewalttätigkeit und wirtschaftlichen llnsinns. Aber das Grenz kuriösum der neutralen Straßen, die man an ver- schiedenen Stellen der Ostgrenze trifft, soll noch kurz erwähnt wer- den. In diesem oder jenem Grenztreis gelang: man plötzlich auf eine Straß«, die bald rechts bald links einen deutschen und einen polnischen Grenzstein aufweist. Neutrale Straße. Eine Fülle von Geheimnissen mnschwsbt diese neutralen Grenz- straßen. Wird eine solch« Straße ausbesserungsbedürftig, so er- hebt sich sofort die Frage: Wer soll? harte Nüsse für Advokaten des internationalen Rechts gibt es be! folgenden, leicht möglichen Porfällen zu knacken: Wenn ein polnischer Staatsangehöriger auf der neutralen Straß« von einem deutschen Fuhrwerk angefahren wird oder umgekehrt, wenn ferner wegen schlechten Zustand es dieser Straße Fuhrwerk« zu Bruch kommen, wer entschä- d i g t» c n, welches Verkehrsrecht, welche Ensschädlgungsfötze kommen da zur Anwendung? hofientlich werden die juriftsschcn Instanzen, die diese ver- zwickten Fragen zu entscheiden haben, sinnvollere und vöinünftiger« Sprüche fällen, als die aus„Sachverständigen" zusammengesetzte Grenzziehungskommsssion von 1919. R. B. Großfeuer im Kapitol! Oie Flammen waren eine Meile weit zu sehen. Washington, 4. Januar. Gestern um IS Uhr bemerkte«an Feuer in, Kapitol. dem amerikanischen Parlamentsgebaude. Der Brand war im Archibzimmer des Repräsentanten- Hauses entstanden. Auf die Großfeuermelduug hin eilte sofort die gesamt« Feuerwehr durch die Peuushlvauia-Avenue zur Brandstelle, Flammen und Rauch, die vom Sapitol aufstiege«, konnte mau fast eiue Melle weit scheu. Augenscheinlich hatte das Feuer bereits seit eiuigeu Stunde» geschwelt. Zuerst war es schwierig, an den Brandherd herauzukomme». da die Bureauturen geschlossen war««. Bald nach der föma �arlAtnenUgebäuäe in IVafhJnglon Vutdeckuug des Feuers loderte» die Flamme« 10 Meter über der tkapitolkuppel empor. Gegen %20 Uhr gab der Brauddirektor die Meldung aus, das» die Gefahr vorüber und das Feuer vollkommen lokali- siert sei. Der Ursprung des Feuers im siidwestlichen Flügel des Kapitals ist noch nicht aufgeklärt, da der im Archiozirnmer. dem Ausgang des Feuers, mit der Auflrsschung der Wandmalereien beschäftigte Künstler durch den Rauch ohnmächtig wurde und noch nicht vernehmungsfähig ist. Ver Sachschaden wird ans 50 000 Dollar geschätzt. Das Atelier des Künstlers brannte vollkommen aus. wobei mehrere Gebäude-Modelle und zehn wertvolle Ge- mälde zerstört wurden. Dogegen konnten sämtliche Dokumente gerettet werden. Der Bau selbst Ist nicht wesentlich beschädigt worden. Todessturz eines Generalarztes. Kopfüber aus dem Fenster in den Hof. Der 72jährige Generalarzt a. V. Zerdtaond Laufs, der seit längerer Zeit unter Ohnmachlsansällen zu leiden hatte, wurde heute morgen, gegen S14 Uhr. von einem Unwohlsein befallen. Er trat an«in ossenes Fenster seiner im Zwesten Stockwerk des Hauses Sqbelstraß« ZI belegenen Wohnung, verlor hter plötzlich da» Bewußtsein und stürzte kopfüber in den hos hinab, wo er mit eine« Schädelbruch tot liegen blieb. Ueber den tragischen Fall erhalten wir noch ialgevde Dar- stellung; Gegen WlO Uhr saß der alte Herr mit seine: Frau und Tochter zusammen am Frichstuckstisch. Plötzlich bekam er Atembeschwerden und er oill« ans Fenster, um frische Luft herein» zulassen. Kaum hatte er das Fenster geöffnet, als er plötzlich einen Schwindelansall bekam und kopfüber aus dem Zwesten Stockwerk auf den Hof hinabstürzte. Der Tod trat auf der Stelle ein. Der Verunglückte stand während des Weltkrieges als Generalarzt an ver- antwortlicher Stelle. * In einem Nervenanfall stürzte sich gegen 9 Uhr früh die kljcchrige Kontoristin Ponar Polack aus dem Fenster chrer m der vierten Etage gelegenen Wohnung in die Tiefe. Die Lebensmüde starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Messerstiche statt Wirtfchastsgeld. Oer Täter will sinnlos betrunken gewesen sein. Eine blutige Famllienszeue, die große Aufregung heroor. rief, spielte sich am Freilagabend im Hause Grünberger Straße 14 in Lichtenberg ab. hier wohnt der 39 Jahre alte Schlächter Ernst Borchardt. Seine 20 Jahre olle Frau Gertrud hat sich von ihm getrennt und ist mit ihren beiden Kindern zu ihrer Mutter nach der Residenz. straße 78 übergesiedelt. Am Freitagabend suchte fem« Frau chn in der Grünberger Straße auf und verlangte Wirtschaft». g e l d. Er weigert» sich, erklärte sich znr Zahlung nur bereit, wenn die Schwiegermutter die Eheleute und die Kinder wieder allein ließ«. Mann und Frau gerieten in Strest, der schließlich in Tätlich- ketten ausartete. Die Frau flüchtet« die Trepp« hinunter, der wütende Mann mtt einem Messer hinterher. Auf dem Hof Holle er die Frau ein und bracht« ihr in der Wut mehrere Schnitt» Verletzungen an Kopf, hals und Brust bei. Die Haus- bewohner eilten setzt zu hilf«, überwältigten den Mann und nahmen ihm das Messer weg. Di« Frau wurde nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht, wo der Arzt die Verletzungen als ziemlich schwer erkannte. Borchardt wurde festgenommen. Er be- hauptet, daß er sinnlos betrunken gewesen sei und von nichts misse. Oer Geist Gchachis über dem Haag. pariser Sorgen— milde Formeln für die Sanktionen. Pari». 4- Januar.(Eigenbericht.) Nach der ersten Fühlungnohn« im Haag legt die gesamte Pa- rsser Presse der deusschen Delegation gegenüber ein gewisses Mißtrauen an den Tag. Alle Blätter bis in die Reihen der bürger- lichen Linken hinein erklären ihre Besorgnis, daß der„G e i st Schacht«" die Konferenz in Flammen setzen und die deutsche Delegation diesem„Feuergeist" nicht den genügenden Widerstand entgegensetzen werde. Der Antrag des Reichsaußenministers Eur- tius. daß der deutsch- polnische Liguldattonsvertrag nur als Anhang zur haager Vereinbarung angesehen werden soll wird als erster Beweis für die„leicht zweideutige" Haltung der deusschen Delegation betrachtet. Was die Sanktionsfrage angeht, so erklären alle Blätter über- «instimmend, daß man aus dem Vlwng-Plan kein Diktat machen, sich aber doch gegen„brutale Zahlungsverweigerung" sichern wolle. Man beabsichtige für die Sanktionsbestimmungen solch milde Formeln zu suchen, daß, wie der„Excslsior" ert'ärt. die Emp- findlichkeit Deutschlands nicht verletzt werde. Die Reichsregierung könne sie auf jeden Fast annehmen, erklärte Sauerwein im„Ma- tin", wenn sie sich als Herr zu Haufe fühl« Racheakt eines ausgesperrten Mieters. Pari». I Januar.(Eigenbericht.) Ein Steinbrucharbeiter In Sa int es, dem fein« Wohnung gekündigt worden war. hat sich an dem Hausbesitzer furchthar gerächt, indem er in dem Haus» nicßt weniger als fünf D q n a- mitpatrvnen zur Explosion brachte Das ganze Haus wurde zertrümmert. Der rachjüchug« Mieter wurde durch ein großes Trümmerstück selbst mtt erschlagen. Eduard Bernsteins Wirken. Zu seinem 80. Geburtstage. Eine Festschrift P. Kampsfineyers:„Eduard Bernstein und der sozialistische Aufbau", die im Verlag I..fj. W. Dietz Nächst, Berlin, soeben erschien, charoflcrifiert an der Hand eines bisher noch nicht erschlossenen Materials aus dem Geheim- archio des preußischen Staates und aus dem Archiv der Sozial- demokratischen Partei das ernst« Ritigen Bernsteins um eine folge- richtige demokratifch-sozialistische Weltanschauung. Für das Denken und Handeln Bernsteins merden zuerst die von einem tiefen ethischen Pathos beseelten Grundgedanken L a s s a l l e s bestimmend, die dieser große Agitator in seinem „Arbciterprogrgmm" ausgesprochen hat. Dann stürmen auf Bern- stein die kritischen Ideen Eugen Dührings über das kapitalistische Wirrschaftssystem und den Staatssozialismus ein. In Zürich arbeitet sich Bernstein zu einem konsequenten Marxismus durch, für den er nun die Kopfe der sozialdemokratischen Arbeiter- schast zu erobern sucht. In London eröffnet stich ihm der Einblick in die Weltwirtschaft und W e l t p o l i t i k des gewalligen britischen Imperiums. Der Glaube an den schnellen lata. strophalen Zusammenbruch des Kapitalismus wankt und schwankt in ihm. und die Borstellung oon der großen Anpassungsfähigkeit des kapitalistischen Wirtschaftssystems beginnt sein ökonomisches Denken zu beherrschen. In seiner„B orau ss e ßu n g des Soztalis- m u s" baut er ein innfassenbes Programm des sozialen A u f b a u s auf, das sich aber in dem preußisch-deutschen Obrigkeit?- 3>as Gefängnis Harri des Käufers 3)ie frühere ITHlHärfirafanflaU am VempeUwfer 3teld foll felsi als überflüffig verkauft irerden staut in allgemeinen nicht durchsetzen kann. Die politischen und sozialen Gegensätze spitzen sich 1905 und namentlich 1914 vor dem Weltkrieg fast katastrophal zu. In der Revolution von 1918 wird in Deutschland der demokratische Staat geboren, der endlich freie Bahn für die große Umwälzung des Kapitalismus in den Sozialis- mus schafft. Kampsfmeyer betont das' unvergängliche Verdienst Bern» st e i u s, die Bedeutung der wirtschaftlichen und politischen Selbst- oerwaltungsorganisationen der Arbeiterschaft für die praktische Gestaltung des Soziatismus ut das rechte Licht gesetzt zu haben. Der Gedanke der wtbtschaftlichen Macht- eroberung steht im Mittelpunkt des Lernsteinschen Aufbauprogramms, das heut« in den Tagen der wachsenden polltischen Herrschaft der Arbeiterklasse«ine wirkliche Schöpferkraft erlangt hat. Diese Schrift Kampfsmeyers ist eine verdienstvoll« Arbeit um die Geschieht« des Sozialismus in seiner praktischen Gestaltung. Billige Stadt. Inv,nsor-Aasverkäufe im größten Stil. Grellfarbme vielgestaltige Fähnlein and Standarten, Ziffern in ub erdunensionaler Größe und auffälligster Gestalt beherrschen das Scraßenbild. Kreuz und quer find die Schaufenster mst bunt- schreienden Papierstreifen beklebt, das lockt und winkt, dos flimmert und schreit!„Halb verschenkt"„Noch nicht dagewesen",„Nicht zu überbieten". Der Riesenreklameseldzug. der seine Attacke aus die Gemüter der Kauf- und Schaulustigen restet, lind magisch ange- .zogen, leicht chloroformiert van all dem Wust sensationeller Preis- angebote. durchzieht der Menschheit weiblicher Teil Straßen und Geschäfte, stöbert und wühlt, wägt und feilscht an den Bertoufs- ständen, befragt ein nimmerermüdendes Berkaufspersonal aus Herz und Nieren nach Güte, jileidsamkest und Haltbarkeit des Gebotenen. Der Auftakt der Ääuferprozession war in den ersten Togen durch dos schlechte Wetter stark beeinträchtigt, ober als«s bester wurde, kam alles in hellen Scharen, und einzelne Kaufhäuser mußten allzu großen Andranges wegen zeitweise die Türen schließen. Was gibt es aber auch nicht alles: Für 45 Pf. ein Paar Damen- strümpfe, für 28 Pf.«in Paar Herrensocken, für 95 Pf.«inen tot- schicken Damenhut, Kleiderstoff« schon von 36 Pf. das Meter angefangen! All diese lebenswichtigen und gar zu verlockend billigen Artiket zu Bergen ausgetürmt, in allen möglichen Farben und Mustern vorhanden, haben denn auch ihre Reflektanten, und es gehören schon mehr als flinke Hände, Beine und Augen dazu, das Heer der Seher, Wühler und Käufer zu bedienen und— zu beob- achten. Auch in den Schuhläden ist das Gedränge groß, und tausend mehr oder minder süße Beinchen strecken sich dem Verkäufer, ver- langend nach preiswertem Schuhwerk, entgegen Auch hier wird das Menschenmöglichste geboten: Für 4 Mark ein Paar Damen- schuhe, für 7 Mark ein Paar Hcrrenschuhe. Wenn auch nicht für die Ewiglest, aber im Moment doch schön und billig! Der Psenmg steht wieder ganz hoch im Kurs, man rechnet und rechnet, und so haben fast ausschließlich dis ganz billigen Dinge Absatzmöglichkeit. Man kann aber auch größere Kleidungsstück« wirklich preiswert erstehen. Abendtleibchen gibt es schon sehr hübsche für 10 Mark, Stoffkleider zum selb«i Preis« und auch noch billiger, und für 80 Mark gibt e» schon emen ganzen Pelzmantel, den Wunschtraum aller kleine» und kleinsten Modebeflissenen. Am Stoffloger wird ein Kostenvoranschlag verfaßt: Wieviel Stoff brauch« ich für ein Kleid? 5 Meter, das Meter zu 40 Pfennig, macht ganz« 2 Mark. gebaut wird es in eigener Regie Gemacht, der Kauf wird getätigt. Am Abend, wenn die Lichter flammen, dann sind Straßen und Verkaufsläden in ihrer überreichen Dekoration«in einziges bunt- schillerndes zahlender chwobenes Warenlager. Oer Völkerbund vom Mein. Von Hans Bauer. Eine der hinreißendsten Szenen aus dem Arsenal der Großfitme ist jene, wo in der„Großen Parade" das französische Etappen- liebchen des am«riko>»schen Soldaten sich beim plößlichen Frontalarm an das Lastauto hängt, das den Geliehten in die Feuerhöll« entführt: oll« Liebesfehmucht, allen Liebesschmerz, alle Liebesverzweis- lung der Welt im Antlitz. Die Französin und der Amerikaner waren sozusagen verbündet: aber dos ist Nebensache. Es Hot während des Krieges die zartesten, die innigsten Beziehungen tausendfach auch Zwischen den im militärischen Sinne feindlichen Lagern gegeben— und das war schön und gut so, denn«s war das Natürliche. Ur- sprüngliche, mehrend der Haß und der Kampf das Unnatürlich«, Eni- stellte, Aufgezwungene waren. Es ist nur selbstverständlich, daß auch die Rheinland öesetzung nach dem Kriege allerhand Paarungen internationalen Charakters zuwege gebracht hat. Gewiß, die Engländer und Franzosen kamen als Feind«, aber dos war eine politische Wertung und hindert« nicht, daß viel« Frauen des Rheinlandes herausfanden, di« Liebe sei ein« Anzelogenhest, die sich weder an di« Normen der Kabinetts- beschlüste, noch an die giftigen Moralbegriff« zu holten Hobe, wie sie in einem um den Ausschluß fremdländischer sexueller Konkurrenz besorgten Teil der rheinischen Nationalistenpress« zum Ausdruck gebracht wurden. Die Konsequenz dieser sich jenseits oon Gut und Böse befindenden Unrmremgenommenhest gegenüber der Naiivnalitär des Liebespartners waren jedoch, außer vergnügten Stunden, 15 000 Babys, oon denen wir hassen wollen, daß sie gesund und munter sind. Gewiß haben sie aber keine Ahnung davon, wie sehr sie, die„kleinen Ursachen", große Wirkungen aus die Aufwerfung oon Problemen des internationalen Rechts ausgeübt haben. Ihre Erzeuger stehen nämlich erstens nicht meljr am Rhein und.Zwestens auf dem Standpunkt, daß sie wohl für dos Vaterwerden, über nicht für das Vaterbleiben zuständig seien. Die englischen wie die sran- zösischen Däter bringen gleichermaßen papieren« Argumente vor, nach denen die Rechte, die sie bei den Müttern der Babys genoi... nicht durch Pflichten«rgänzl zu werden brauchen, die sie hinterher .gr übernehmen haben. Das ist nicht recht von den Bätenr, es ist sogar schäbig: aber immerhin zählt, wie die Liebe selbst, so auch das Bemühen, sich der Finanzierung ihrer Felgen nach Möglichkeit zu entziehen, weniger zu den Absondeilichkeiten natimraler Eigenort. als vielmehr zu den an Raum, Zeit und Staats.zugehörigkeik nicht gebundenen Eigentümlichkeiten menschlicher Seelenhaltung schlechthin. In dieser Situation lzaben die rheinischen Frauenverbände mobil gemacht und sind gewillt, die Sache bis vor den Völkerbund zu bringen. Wie wäre es, wenn man in Genf sich zu einer großartigen Geste aufraffte, wenn man sagte:„Der Völkerbund, wie ihn der Rat der Völker bildet, ist leider noch immer«ine reichlich unvollkommene und brüchige Institution, alter jener andere Völkerbund, der am Rhein zwischen deutschen Frauen und französischen und englischen Männern geschlossen wurde, der ist eine überaus bluterfüllte Wirk- lichkest gewesen, an der wir uns ein Vorbild nehmen wollen! Der Genfer Völkerbund beglückwünscht den rheinischen Völkerbund und garantiert van sich aus dessen sichtbarsten Mantsestationen, den 15 000 Babys, Verptlegung und Erziehung bis zu ihrem sechzebmm Lebensjahre. Gleichzeitig spricht er die.Hoffnung aus, daß die jungen Menschen, die er unter sein Protektorat nimmt, sich immer dessen bewußt bleiben, daß deutsches und französisches und deutsches und englisches Aut gleichermaßen in ihren Adern fließen und daß sie mehreren Vaterländern angehören, deren jedes das gleich« Recht auf ihre voll« Liebe besitzt... Leiber wird der Genfer Völkerbund nicht ja sprechen, sondern sich hinter ein« sastleere Formel verkriechen, die sein« Inkompetenz ausspricht, und wir müssen froh sein, wenn er unter Verzicht auf die Finanzierung von Besatznngs folgen wenigftens seiner-Haupt- aufgäbe gerecht wird, die Besatzungs u r s a ch e n aus der Welt zu schaffen. „Herrin der Liebe." Gloria-palaft. Unter Pfeifen und Gelächter starb dieser amerikanische Film. Die Ursachen für sein frühes Hinscheiden sind mannigsache. Die Anknüpfung des Manuskripts an einen in angelsächsischen Ländern berühmten Roman macht vor einem deutschen Publikum natürlich keinen Eindruck. Die deutsche Bearbeitung scheint auch nicht sehr glücklich zu sein, manche Szenen wirken unverständlich oder sogar komisch. Aber die Hauptschuld liegt an dem Film selber: dieser englische Gesellschaftsroman, der in der vornehmen Welt spielt, und nichts, aber auch rein gor nichts als die trogisch endende Liebes- geschichte zweier Menschen schildert, ist ganz unsilmisch. Abgesehen von ein paar schönen nächtlichen Stimmungsbildern bietet er bild- lich nichts als Dialogszenen. Die jungen Leute die sich seit Kind- heit lieben, aber durch die Konventionen der Gesellschaft nicht zu- einanderkommen können, vermögen uns auch in der Darstellung des nun schon legendären Liebespaares Greta Garbo und John Gilbert in keiner Werse zu interessieren, und auch die Beisiguren sind bis auf einen jungen Alkoholiker des FairbankS jr. sehr bloß. Der Versuch eines psychologischen Films Ist daher als Niete zu buchen.' r. Wie Anselm Beuerbach starb. Anselm Feuerbach ist vor kurzem bei der 100. Wiederkehr seines Geburtstages als einer der großen Meister der deutschen Kunst ge- feiert worden. Als er aber am 4. Januar 1880— vor einem halben Jahrhundert— in Venedig an. den Folgen einer Herzlöhmung da- hinschied, da war er dort ganz unbekannt, denn er hatte sich in seiner tragischen Dereinjamung vollkommen von der Welt abgeschlossen und nur noch mst seinem Rohmenmachcr und Bergvldcr verkehrt. Der Wirt des Hotels Luna, in dem er wohnte, hörte davon, daß der unbekannte„Xedesco" krank auf seinem Zimmer liege und begab sich zu ihm. inn ihm zu raten, er solle einen Arzt holen lassen. Aber Feuerbach wandt« ihm den Rücken mst den bitteren Worten: „Eure Aerzt« sind ebensolche Esel wie unsere!" Als dann der Tod «ingetreten war,' erklärt« der deutsche Konsul,-er habe den Namen „Anselm Feuerbach" noch nie nennen hören. Ein« schön illustriert« Ausgabe von Feuerbachs klassischer Auto- biogrvphie„Sein Derniächtnis" ist kürzlich bei Th. Knaur Nachf., Berlin, erschienen.(2,85 M. geb.) S. Laadecker, der Begründer der Philharmonie, ist im 74. Lebensjahre gestorben. Er baut« in den 80er Iahren die Roll- ichlsttschuhbahn in der Bernburger Straße in die heutige Phil- Harmonie um und erweitert« sie später durch den Beethoven-Saal. Aus der ehemaligen Bilse-Kapellc entwickelte sich das Philharmo- nische Orchester, das hier seine» Sitz aufschlug. Die Philharmonie wurde so— nach Londoner und Wiener Muster— für das Berliner Konzertleben führend. Ein javanisches Schlagzeugorchesler in der Hochschale. Die grsß. artige Instrumentensammlung der Hochschule für Musik in Berlin- Charlottenburg hat als kostbare Bereicherung die Instruniente�cines vollständigen javanischen Schlagzeugorchesters lGarnelan) aus der Hand eines einheimischen Fürsten erworben, darunter allein mehr als 40 abgestimmte Gongs von einer in Europa unbekannten Klang- Pracht. Der Gamelan hat eines der ältesten Tonsysteme der Welt restgehalten: die Oktave ist in fünf gleiche Stufen von der Größe eines Fünfvierteltons geteill. El» Friedensmuseum iu New Jork. Die in New Uork schon lange bestehende Sammlung für Gegenstände„friedfertiger Künste" fi jetzt in«in eigenes Museum übergeführt worden, das zu einem riedensmufeum ausgestaltet werden soll, v!« Sammlung umfaßt die ersten Konstruktionen technischer Ersindungen, wie da» erste Auto, die erste Bogqermnschin«. die ersten Konstruktionen Marconis für die drahtlose Telegraphie und soll in der ganzen Welt die Erstkonstruktionen sammeln, deren allgemeine Anwendung Völker- verbindend wurde. Di« berühmtesten lebenden Erfinder, wie Ford, Edison usw., habe» sich dem Arbeitsausschuß des Museums zur Verfügung gestellt. Das neue Sühnenjahrbuch, herausgegeben von der Genosjenichajt Deutscher Bühnenongshongen, ist wie alljährlich wisder erschienen. Neben dem bisherigen reichen In hall kommt als neu« Spart« die ..Statistische Uebtrsicht über deutsche Theater und deren Spielzeiten" hinzu. An Beiträgen bringt da» Jahrbuch diesmal«ine Betrachtung „Die künstlerisch« Situation des deutschen Theater" oon Emil Lind. Alafitchronlk. Die öffentliche Hauvtvrobe ,um IV. Druno-Walter- Konzert, i» ttelchem Martin Maller soliftiich mitwirtt, findet Sonntag. oormiltagS II'.'. Ilhr, in d« Philharmonie statt. Sine groh» deotsche knnNLN»ste«»ng in verlin. Hir. Sommer 1931 findet unter storderunq de« Prenböcken Minister» für Wisjenschast. Kunst und Volksbildung die erste, groß« deutsche Kunstausstellung in Berlin nach dem kkriege statt. Die Ausstellung wird veranstaltet in der Potsdamer Orangerie. Das Rätsel der südafrikanischen Kultur lieber die bisherigen Ergebnisse der Expedition, die Leo Fco den! us seit Jahren zur Ersorschung der siüwf titanischen Frühkulturen durchsührl. ist bisher in Deutschland wenig bekannt ge worden. Ilm so größeres Interesse haben die Arbeiten des Kultur. sorfchers in der englisäzen und der südafrikanischen Presse gefunden. Handelt es sich doch bei diesen Arbeiten um«ine Frage, an der die Südafrikaner den größten Anteil nehmen! Di« ersten eingehenden Mitteilungen über die Arbeitsweise des Gelehrten macht nun Dr. Rhotert in der„Umschau". Es sind hauptsächlich zwei Kulturgüter, deren Alter und Bedeutung umstritten sind: die Simbabwe-Ruinen und die Fels- bildmalereien. Die rätselhaften Runien, di« sich über ein 'vertes Land zwischen Sambesi und Limpopo erstrecken, stellen gewaltige Bauwerfe aus losen, aber kunstvoll geschichteten Steinen dar, die man früher für Befestigungsbauten hiell, in denen man letzt aber einen Kultbau mit gewundenen„Prazessionsgängen" zwischen hohen Mauern sieht. Nach seiner„Knlturkreistheorie" betrachtet Frobenius dieses Denkmal nicht wie alle bisherigen Forscher isoliert, sondern in weitem Zusammenhang, und zu diesem Zwecke bat er neben den alten Bergwerksanlagen, die zweifellos die wirt- schaftlichen Grundlage der südafrikanischen Ruinenkultur bildeten, und den von ihm in mühevoller Arbeit gesammelten Volkserzäh- lungen und Märchen in erster Linie die über einen großen Teil Südafrikas verbreiteten Felsbilddarstellungen herangezogen. Diese merkwürdigen Malereien und Zeichnungen wurden kopiert, photo- graphiert und geographisch ausgenommen, so daß jetzt ein umfang- reiches Material zusammengebracht ist. Es ergeben sich drei verschiedene Stilarlen in diesen Werken: 1. Darstellungen oon einzelnen Tieren, die als Umriß oder flächen- liaft in den Stein gehauen sind: 2. Szenen des menschlichen Lebens. die in bunten Farben aus Sandstein gemalt sind, und S. sakrale Darstellungen, meist von Menschen m feierlicher Haltung, mit sym- bolischer Bedeutung, di« sich aus der Mytssenüberlieferung erklären läßt. Diese Bilder kommen in Grobhöhlen innerhalb des Ruinen- gebietes vor und flehen zweifellos mit dieser Kultur in Zusammen- hang. Während die stechen anderen Stiltypen, die hauptsächlich stn südlichen Südafrika angetroffen werden, völlig den nordasrikanischen Felsbildern gleichen, find diese Darstellungen dtz? Rinnengebietes mit vorderasiatischen oder indischen Stilformen nali« verwandt, ebenso wie die Muster von aufgefundenen Topsscherben und die Laute» von Simbabwe und anderen Ruinen, die sonst in Afrika nicht ihresgleichen finden. Frobenius, der fetzt noch Vorderindien gereift Ist. um dort seine Forschungen fortzusetzen, hofft, hier eine Bestätigung für die Annahme solcher Zusammenhäng« zu finden. Die Ozeanreise einer Flasche. Eine Reise, die wohl die längste ist, die einer Flasche im nöcd lichen Stillen Ozean möglich ist, ist jetzt oon einer treibenden Flasche zurückgelegt worden. Es handelt sich dabei, wie Dr. Ahrens im „Naturforscher" mitteilt, um eine Flasche, die am 25. September !927 oon einem Offizier des amerisamschen Dampfers.Mngsbury' im 25 Grad 32 Minuten nördlicher Breite und 113 Grad 35 Minuten westlicher Länge über Bord geworfen wurde. Nach 17 Monaten wurde die Flasche am 12. Februar 1929 in den Gewässern der Philippinen in ungefähr 9 Grad 51 Minuten nordlicher Breite und 127 Grad 1 Minute ostlicher Länge aufgefischt. Sie war von Süd». lalisornien bis zu den Philippinen- 7200 Seemeilen oder 13 363 Kilometer weit geschwommen. Die längst« Flaschen- fahrt, die bisher dem Hydrognaphifchen Zlmt der Vereinigte» Staaten bekannt geworden ist, erstreckte sich über 19 030 Kilo- mcter und ging vom 31. Mai 1904 bi» zum 19. Mai 1909 oon einer Stelle im südlichen Indischen Ozean bis zur Spitze des Kap Horn. Die z wettlängst« Fahrt erfolgte in derselben Gegend über 18559 Kilometer. Solche Fahrten sind aber nur in den südlichen Gewässern möglich, während für den nördlichen Stille» Ozean die Fahrt van 13363 Kilometer die längste ist, die bisher verzeichne» wurde. Mchelfoa lebt! Wie der Jüdischen Telegraphenagentur aus New Aork telegraphiert wird, ist die vor einigen Togen in der europäischen Press« verbreitet gewesene Nachricht, daß der berühmt« amerikanische Physiker und Nobelpreisträger Albert Abraham Michelso» verstorben ist. falsch. Der 77 Jahre zählende Gelehri- war vor einigen Monaten an einer Lungenentzündung ertrar sein Zustand war sehr ernsl, besserte sich aber w der Folge: er r eher auch heute noch das Bett hüten Fosqen einer Schlägerei. In der Notwehr niedergefchosien.. Emen schlimmen Ausgong nahm gestern nachmittag«in« «chlägerei, die sich zwischen mehreren Personen an der Ecke See- und Togostrahe im Norden Berlins abspielte. Aus bisher noch nicht ganz geklärter Ursache kam es dort zwischen acht Männern zu einein Wortwechsel, der bald in erne wüste Schlägerei ausartete. Zwei Schutzpolizeibeomte, die des Weges kamen, versuchten in den Streit vermittelnd einzu- greisen. Jetzt wandten sich sowohl die Angegriffenen wie die An- greiser gegen die Beamten und schlugen aus sie ein. Einer der Nowdys griff plötzlich in seine Gesäßtasche und rief dabei einem der Beamten zu, daß er schießen werde. In hoch st er Notwehr inachte der Beamte jetzt von seiner Dienstwaffe Gebrauch und feuerte einen Schuß ab. Tnt Kugel dräng dem Zljährigen Hans Demut aus der Scestr. 162 in die Brust. Schweroerletzt wurde er ins Wrchow-Krankenhaus gebracht, wo er kurze Zeit nach seiner Auf- nähme starb. Mehr Wissen von der Gesundheit! Vor Jahrzehnten begannen die Krankenkassen durch öfsentliche Borträge die breite Mass« des Volkes über fragen der Gesundheitspflege aufzuklären. Heut« wird diese Aufklärungsarbeit, die das Verantwortung?- gefühl stärkt und zu. den Grundlagen der Volksgesundheit g.'- hört, auch von den Behörden als Pflicht erkannt. In mehreren der Verwaltungsbezirke Berlins haben in den letzten Iahren die Bezirks- ämter soziakhygienifche Ausstellungen veranstaltet, die von der Be- völkerung viel beachtet wurden. Am Montag eröffnete im Äer- waltungsbezirk Wilmersdorf der sozialhygienische Ortsausschuß des Bezirksamtes eine soziolhygienische Ausstellung im Stadthaus an der Kaiserallee. Sie bietet, aus zwei Sonder- gebiete sich beschränkend, in Bildern, Modellen und Tabsllm eine reich« Fülle von Belehrung über Pflege und Ernährung des Kindes und über Gefahren d-s Alkohols. Sehr beachtenswert ist auch eine Abteilung über Erdkunde. Die im Be- zirk arbeitenden Ortskrankenkassen für Wilmersdorf und für Schmargendorf und die Landesverficherungsanstalt Berlin haben sich an den Bemühungen, diese Ausstellung zustande zu bringen, be- teiligt. Bei der Eröffnungsfeier waren Vertreter der Bezirkskörpsr- schaffen, der Stadtverwaltung, der Krankenkassen usw. anwesend. Besonders Mütter und solche, die es werden wollen, sollten nicht unterlassen, die Ausstellung.zu besuchen. Sie bleibt bis einschließlich 13. Januar geöffnet und kann an alle« Tagen in den Stunden von 8 bis 14 Uhr und an allen Tagen, außer M'tt- wach, in den Stunden von 16 bis 22 Uhr unentgeltlich besucht werden. *j»e �Gehaq-Nachrichten�. Di« G e Hag, Gemeinnützige Heimstätten Spar- und Vau- Aktiengesellschaft, als Tochtergefellschoft der De wog, die frei- gewerkschaftliche Wichnungssürsorgegesellschaff für Berlin, versendet jetzt an alle ihr nahestehenden Personen und Organisationen ein monatlich erscheinendes Mitteilungsblatt, die„G e h a g- R a ch- richten". Alle Angsiegenheffen, die den gemeinwirffchaftlichen Wohnungsbau im allgemeinen und die Gehag im besonderen angehen, sollen hier in knappster Form behandelt werden. Für die Schaffung des Blattes war das Bestreben invßgebend. mit den Freunden und Förderern des Berliner sreigewerkschaftkichen Wohnungsbaus(das Organ der Zentralstelle, der De wo g, ist be- tenntlich die Hcüvmionofsfchrift„Wohnungs-ZStr�chrtst�) oft« und enger in Verbindung zu kommen. Unter einer Genorolüberschrist „Wodurch der Wohnungsbau und damit die Miete verteuert wird*, yM man laufend über alles berichten, was zu einer Erhöhung der Herstellungskosten und der Finanz ierungskosten führt. In der ersten Nummer der„Gehag-Nach richten" wird em Artikel„Wer kann in den Besitz einer Gehag-Wahnung gelangen" auch einen größeren Leserkreis mterefsisren. Die Anschrift der Gehag, die dos Mitteilungsblatt an Interessenten kostenlos ab- gibt, ist: Berlin SO. 16, Köpenicker Straß« 80/�2. Gin Kind mit zwei Köpfen geboren. In Lodz ist ein lebendes Kind mit zw« Köpfen geboren worden. Da beide Köpfe Gehirnmosf« enthalten, ist ein operativer Eingriff unmöglich. Di« Aerzte halten die Mißgeburt nicht für lebensfähig._ Die Gültigkeit der Wahl vom November. Nachdem vom Magistrat in« ordnungsmäßige Vollziehung der am 17. November stattgefundenen Wahlen noch den bestehenden Verordnungen festgestellt worden ist, hat nunmehr die Stadt- verordnetenoersammlung über die Gültigkeit der Wahlen und die erhobenen Einsprüche.zu beschließen. Der Magfftrot läßt deshalb der Stodtoerordnetenvevfammlung jetzt nnt einer Vorlag«») sämtliche Wahlvorschlög«, b) dos Heft des StodtwahLeitsrs. c) Itz Heft« der Kreiswahlleiter, . Sonr-auda.»et Dudelsackp�tfet U>.»Otts ffinimnem. 11. Madame Buttetfln. 12. Tannbiwset. 13. Die EntnStung aus dem Serail.._____. Dt« am Platz der SttmMtl: 3. Don Giovanni. I. Set sltegettde Sollandet. 7 UN» 12. Sie ncrfmiftc Braut. 8. Sic Klcdcrmau«. 9. Sans Setltntz. lö.!ti»cTtfi. u. Evanischc Stunde. Der arme Matrose. Ängelique. 1Z.«awme. Slobtiftf-c Oper; 3. Sic Meistersinger von Nürnberg. 8. Eln Maskenball. 7. Sie.zaubsrflötc. 8. Der Tenor. 9. Tannb-iuscr. 10. Togca. 11. Krdclt-. 12. Sie Sock�eir»es Tigaro. 13. Geschlossene Vorstelluna. Schaulpielban« am Sendarme-m-rkt! 3.. 7.. 9. u. 12. Sorke Bandagen. S. n. 13. Don ssarlos. 8. Wollensteins Lager. Die Piceolomrnr. 10. Sre Gesvenster. U. Dallensteins Tod..,„... Schiller. Tbeoicri 3.. 7.. 9. und 12. So und so. so g-bt der Wind. e.. 10. Sans im Schnakenloch. 8.. 11. und 13. Sabal c und Liebe. Theater mit festem Spielplan. Theater am Schiktbauerdamm: Sie Kartenlaube.— Thalia. Tbeater: Das kleine ssraokein Li.- Deutsche, Tbeater: Der.«taiser von Aorer'.ka.—»ammer. spiele: Desire— Die»omöbie: Lom Teutel geboll.— Theater«m SUfle«. dorf platt: Die Tlkdermau?.— Theater in der»öniggratzer Straße! Die erste Mr, Selbn.-«omödienhaus: Der Lüaner und die Nonne.— Kroße» Schau. spielbans: Die 3 Musketiere.- Tbeater de,«este»»- SaUI Stadt Lemberg. — Deutsche» Boll»tbeaier: Die Seisba.-«omische Dper: Sulla dt Bulla.— Deutsche,«tLaftlertheater: Gins. ewki. drei und Souper.— Lustlptelhau.: Wiegenlied- Sesswq.Tbeatrr: Bis 9. THeo roter Adler. Ab. 10 Dre Affäre Dreufus.— Tbeater in der Bebrenstraße 33—54:... Bat» senr. dagegen sehr.- Triaaon.Tbeater: Der Meisterborer.— zeutral-Theader: D» Soldat der Marie.- Reteopal-Tbeater: Das Land des Lächelns.— Berliner Theater: Seltsame,?»ischensviel.—«leine, Theater: Das Parfüm meiner �rau.— Renaissanre.Theater: Pariser Leben.- Rose. Theater: Sic_ Ciardasfürwn.— Sastno-Theater. ssemifie Sannemann.— Theater r» der Slostefftiaße: Schne der Wibbel.. Schloßparkt beater Steqli«: Masrpttchep.-«t�segart-m, JZlaia. Skala: Internationales Da riet«.— Neich,b>alcn. Tbeater: Stettiner«anger. — Tbeater am«ottbusser Tor: Klite. Sänger. Hachmittagsvorstellungeii: BoU,büb»e. Theater am»ül-mplatz: 3. Die Affäre Dr�kus. 12. �«>1- >3 Musketiere.- Deutsche,«oNstheater: 3. D,e Geisha.—«omtsche Dper. 5.. 12. Irau ohne Kuß.— Theater i» der Bebrensrraße 53 �54: 5.. 1.. ... Bater sein, daoegen.ehr. Role.Theater: 8. Mor und Morch und der Weihnachtsmann. 11. 17 Uhr. und 12. 14'. Uhr. Bergesttetelte Kater, o.. 1„. 17'» Uhr. Dir KsardasfUrstin.— Theater in der»losterstraße! 4.. h.. 11. 18 Uhr. und 12. 13 Uhr. Aschenbrodel. 3.. 12. 17 Uhr. Mit dem 3er>ve>lN ins Märchenland.- Schloßparttbeat» Steglitz: 5. Anneltetc mm.Dessau. 12. 2»ßseo«t»en.- Wintergarten: 11.. 12.?nternat,onales.Bamete.~ Platm, Skala: Internationales Variete.— Ne ich,hallen.Tbeater: 3., 1-. Stettiner Sänger.— Theater am«ottbusser Tat: 5., 13. Klrteüöonqer. Erstoiufführuag der Woche: Dan»er»tag. Z-IIsbllhn«! Apollo BrunneuSraße. «4» Kilometer Bahnfahrt ohne Aufenthalt. Für de« S chn e ll zu g so er keh r zwischen London und Edinburg— Glasgow ist soeben ein« neue Lokomotive fertiggestellt worden, die die 643 Kilometer lang« Strecke ohne Unterbrechung n«t voller Geschwindigkeit zurücklegen wird. .Volk und Zeit*, unsere illustrierte Wochenschrift, und .Der Sindttfreuad* liegen der heutigen Postauflage bei. Wetter für Berlin: Wechselnd«, weist stärkere Bewölkung bei südlichen Winden, etwas ffchler, ohne erhebliche Niederschläge. Für Deutschland: In der südlichen Hälfte zeitweise heiter, tagsüber Mild. im übrigen Reiche meist stärker bewölkt, aber nur vereinzelte leicht« Regeniäll«. BerantworN. stir die Redaktion:«ullgaag Mamn. Berlin: Anzeigen: Tb. Slwfr, Berlin Verlag: Larwärts Verlag G. m b. H.. Berlin. Drutt: Larmärt» Buä>» druckerei und Berlagsanstalt Paul Eiuger& Co. Berlin£38 68, Linien strafte 3. Sierzu 1 Beilage. ,N Ur. LichlspteU usw| MiL-X.U..—. onnab. 4. I. Statis-Oper Unter ä. Linden A.-V. 4 19'/, Uhr Der Slaats-Oper Am Pl.d.ReDUbI. R.-S. 199 19',! Uhr Sonnab.. 4 I. Stadt Oper Bismarcks tr. Tur/ius III '20 Uhr DerTenor Staat). Sdiansph. un 6«advmenn>rlil A.-V. 4 Ju Uhr Harte Bandagen Staatl.SehllierTlieater,Cliaritli. 20 Uhr Sa und so, so geht der Wind Tlol. 2 VerateM. 5 und S:/t Uh r Bsrbtron, 9256, IPnistl-SM. Wodunt?.: 5 tl. 51 M.-3 B. 18 r«n<«r-Glr'i. Contai. 3 svtin usw. ptAZA Tigl.» u.»IS Soul J. i l 8U _ Alex. 8088 | INTERNAT. VARIETfe I heater 1. d. Behrenstr. 53-54 A 4 Zentrum 928 927 8<;4 Uhr Ueber 100 Mali ... Vater sein, dagegen sehr Sonntag auch naebm. 4 Uhr(ermäB. Pr.) Renaissance-Theater Täglich S'.', Uhr PARISER LEBEN Operaita von Offanbach. Regie: Gustav Härtung. Musikalische Leitung; Theo Mackebeii. — StBlnplitz Gl. 0901 u. 3833/84.- MM Direktion- Dr. llartln Zickel WMW Komische Oper Fnadrldutr.l 04 Merkur 1401 4330. WiaderarSKnung nach«ollcUnd. Umbau Täglich 8>/. Uhr Uraufführung Hulla di Bulla Schwank von Arnold und Bceh gut Guido Thlalaenar. Frltx Schult. Hcinr. Schreib. Eucm Our,. Hilde HlUchranä, Margot Weiter. Qarrlcnn. Flink, Sab mar. Wanck d rtlirtess Udis. 4(UT: Prau ohne Kussl Lustspielhaus Friedrichstr. 238. Bergmano 2922/23. Täglich 8h« Uhr Lustspiel van Ladislaus Fodor Käthe Hsack, Mars Ore�t Paul Heidemann, Banseb, Marths M. Nnwnt. Sandi, Stern. Pisten, Bsc« manu Fuchs Vorvarkau' in beiden HSuvarn ab 10 Uhr ununterbrochen. Relchshailen•Theater Absads GD Sonntag naffim. CS Das oroDe lanoar-Progr. der sfemner-samicr BlldtatehegM In Inn II HZ Oönhetf-Brattl: Bas rualUta-THltit 1t«ismmsni. KoniiFl. Ins GROSSES SCHAUüPIELHAU«) 8 Uhr: 3 Musketier« Regie; ERIK CHARELL H Sflsau, sidUL aasak. him Pr, I 1 Winker ★ Garren* 8.15 ützi /an it. 2810 BaaffiBH erianbi I Original 10 Lawranea TiHar-Birls I Paal VaslannsTSL(nusl 6 Yvonne alt. I Sonnsband u. Sonntag la 3 Vorctnliun�s I 4 und.19 Uhr. 4 kleine Preist. I ROSE TIIEATBD Cr- Prsaklanet •THcATEK straBc 192 Teleph.: Alexander 3422 u..KU Täglich 8g Uhr: Sonntags S.Iä und 9 Uhr Die czardastfirstin Grate Opattte«m Eoniriit MIihb. Jeden Mittwoch nachm. 5 Uhr „Max und Moritz� und dar Woihnachtsmonn Jeden Sonnabend nachm. 5 Uhr „ Sonntag„ 230„ Der gestiefelte Kater ToiKsDUnne khestir imniivgliti 8 Uhr Aftare Dreyfos Schauspiel von H. J. Rehfiwb und W. Hersag Regie H. O. Kcnter. Sfaall.Sdiiller-Tli- 8 Uhr so und so. so geht der Wind »' v," CASINQ-THEATER 8,1 � i l.othrinaer Strshe 47. Der neue Schlagerl Famllte Hannemann and ein erslkl. buntes Programm Für unsere Leser iutschein für 1—4 Pertonen Fauteuil nur 1.25 M„ Sessel 1.75 M„ Sonstige Preise- Parkeft u. Kan« OÄI M VM-M Prankfurlcr Alias 313-314 ATLANTIC der groate deutsche TONFILM (Die ersdiahenMle Darstellung der unvergehüchen TUaoic-Katastrophe) Hauptdarsteller; Fritz Kortner Lucia Mannheim Elsa Wagner Wim Faust Heinrich schroth Auf der Bühne ParsOnllchas Auftraten des atiemalig. Seeoffiziers reiz von Fellnau der als Ucb erleben der d r Titanic- Katastrophe seine persfinlichen Eindrücke schildert Baglnnt S, 7, 9 Uhr Direktion >r. Robert Kleie Oentsehes KODStlcr-Theal. Barbarossa 3937 8>'. Uhr .Iiis, nei, In." Regie: Gustav Härtung. f Itter vir< fiutei: Souper von Franz Molnai »Mi,! Hiisr Riiifn Berlioer Ttieater Dönhoff 170 s'iSUbr Endcll11' Seitsanes Zwisdicnspißl Operettenhaos Alte Jabobstr. 30/32 j(Zeairal- Theater) Täglich 8V, Uhr Oer seidat dar Mähe Gustav Mauser, Dora Urach. Erich Bordiert, der König des Jazt. Planetarlaiii — am Zoo o-m» ürlän. ßacki-Msie Steh B.S Barbarossa 5578 16';. Uhr Dia Winter- Sternbilder ISV, Uhr Dar Plaaat lupMar. > 20''« Uhr Dop Lügner und die nonne m cum setz Ib. a..Holleiidorfplgti Vorvk. 10-2 Kt 2001 Täglich 8't< Uhr Sasisptel das Oentsdien Tbcaiars Die FlEdciaiis Mo iwnbinü. Komiscne Oper Friedrichstr. 104. Merkur 1401/4330. Allabendlich SV'i U. Sulla dl Ha Sdivnk voo AreoM wi toöi. Lustspielhaus Friedriclvstr. 236. Bergmann 2922 23. Allabendlich SVs U Wiegenlied lishiul«n ladhhn lader. Norden 10846 Tägl. 8-. Uhr ril«9 Roter Adler Schauspiel von Angermayer Kleines Toeat Merkur 1624 Täglich 8Va Uht Max Adalbert in Das Parffim meiner Frau Lustsp v. Leo Lenz TISUL 1. KflllD.TOl Kottb. Mr. 6 Tägl. 8 Uhr auchSonnt. nach in. 3 U.: UH«. sanger. lanuar- Programm Lachschläger Die Bax- der Paodora. ■IHtUECbÜlT? | D-Ms Dtmasolitz InaM SAotz Bistuliclilt 101, U{ Täglich Grosses Bochbierfesi ist den bayr. Alpen und grosser Alpenball. jNIu.— tat Mmtimtg.— SD bayrisd» Madlo.{ Einlaß 6 Uhr Anfang 7 Uhr NetropoMli. »Vi Uhr Das Land des Uedems Vera Schwarz, Richard Tauber Musik von Franz Lehir, M\n i. Westens Täglich S'n Uhr: Höfel Stadl Lemberö Musik von Gilbert. KUfac Donch Leo Schölrcndorf TriuoD-TlLMS,kr Täglich 81.« Uhr Bei smatiM. Udurfoln! Der Heisterboxer. Schwank in 3 Akten. icfendcrs wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in derGcsamt. auf läge des „Varwäri,* und trotzdem nblltuttl M.m Kapitän- Kautabak schmeckt mir doch am besten! Sonntag, den 5. Januar mittags 12 Uhr Es ist erschienen: Der sozialdemokratische Abreißkalender1930 In Kopfertiefdract hergestellt 768 leiten stark.& bringt historische Daten ans der Ar- bciterbewe�nngjistronomische Angaben(Sonnenanf-u. unter» , Mondphasen, Plane ten- e usw.). Gute Bilder Zen den Kalender, so daß er in jedem Haushalt, in jedem Büro eine Zierde darstellt. Der Kalender kostet 2» R werben lassen.. Er ist körperlich gesund aus dem Grauen der Schlachten zurückgekehrt und schreibt der Schwester von seinen Er- fahrungen an der Front:„Nicht«in Wort von Demokratie. Nvhm oder Patriotismus, dafür schrieb er von Märschen in Wasser und Schlamm, der mst dem Blut seiner Kameroden vermischt war. Er könne nicht vergessen, was er gesehen Hobe, und erwache nachts aus Träumen, in denen er den Krieg noch einmal durchlebe." Dan Smedley gehörte zu den Angeworbenen, deneli man Land ver- *) Agnes Smedley. Ein« Frau allein. Mein Lebens- roman. 1929. Frantsurter Societäts-Druckerci G. m. b. H.. Abtei» fewg■ Buchverlag, Frankfurt a. M.. sprachen hatte für ihre Dienste. Er bekam es— „trockenes Wüstenland, ohne Wasser, und dazu keinen Pfeunig Geld: um es bewässern und bewirtschaften zu können,— Stein« statt Brot. Nichts als seine nackten Hände besitzt er, um in dieser Wüste zu arbeiten. Das alt« Lied vom Dank des Baterlandes!" Dans Brief schließt:„Ich weiß nicht, wie du über den Krieg denkst, doch ich glaube nicht, daß du dafür bist, denn sonst wärst du nicht im Gr- fängnis gewesen. Eins kann ich sagen,— wenn der nächste Krieg kommt, mache ich nicht mit. Sie sollen mich nur an die Wand stellen und erschießen, aber ich wach« nicht mit." In der Tat, Agnes Smedley hat während des Kriege? die Zellen und Mauern der amerikanischen Geiängnisse kennen gelernt. Aus dem Krankenhaus heraus hat man sie verhaftet und wegen Verdachtes der Spionage für den Feind hinters Gitter ge- schleppt. An der Universität hatte sie indische Nationalisten kennen gelernt, die ihr von der Knechtschaft ihrer Heimat berichteten. Für die Freiheit entflammt, wo immer sie unterdrückt oder bedroht war, hat sie sich der indischen Freiheitsbewegung ange- schlössen. England, der Herr Indiens, und die Vereinigten Staaten waren.Kriegsverbündete, also verfolgte man in Amerika die Kämpfer für die Befreiung Indiens als deutsch« Agenten. Die Zustände im Gesängms sind barbarisch, sind menschenunwürdig. Die Zelle ist eisig kalt, das Klosett ist zerbrochen. Sie erhält keine Decke, kein Essen, kein Wasser. Sie fiebert, Husten reißt durch die Lungen. Täglich wird sie ver- hört, rohe Beamte mißhandeln sie, Polizisten beschimpfen sie als Hure. Die Folter der modernen gerichtlichen Inquisition von lügne- rischer Milde bis zu brutaler Härte wird an ihr vollführt. Sie bleibt fest, mit keiner Silbe verrät sie ihre indischen Freunde. Sie ist nie eine deutsche Spionin gewesen. Verruchter Gedanke, daß eine Agnes Smedley dem preußischen Militarismus dient! Man wirft sie in? Gefängnis zu den Kriminellen, neue Monate'der Qual be- ginnen. Bei Kriegsende entläßt Mansie ohneSpruchund' ohne Entschädigung. Kaum wieder frei, stürzt sie sich von neuem in den Komps sür den Sozialismus, ouirüstelnd in Wort und Schrift, Mißstände geißelnd, Bedrohten und Eingekerkerten helfend. Nicht immer brauchen wir Agnes Smedley.zu folgen, nicht in allem müssen wir ihr zustimmen. Vom Geiühl geleitet, verliert sie nicht sckten den Blick für das Maß der Dinge. Aber eins bewundern wir an ihr, und für eins danken wir ihr.' Das ist der straft« un- erschlltterlichcr Mut, mit dem sie, die ganz von unten kam, ihren steilen beschwerlichen Weg nach oben ging, nicht für sich ollein nur, sondern ftir uns, für das Proletariat. Ilennivg Duderstadt. 3)ie Jlffäre ZOreyfus Sine gefdiichüiche Erinnerung/ Ton wiax Mochdorf In der Volksbühne wird augenblicklich ein Dreyfus-Schoufpiel aufgeführt. Hauptmann Dreyfus tritt nicht selbst auf. Die beiden Lersasser wollen nur zeigen, in welche Erregumz das ganze politisch und geistig interessiette Frankreich durch die Aftäre geriet. Liberole und Sozialisten kämpften sür den Generalstabsoff, zier, dem als einem„Hochverräter" die Epauletten abgerissen wurden. Dann setzte der Kampf der Meinungen erst recht ein. und die französischen Sozialisten standen in vorderster Reihe. Am 29. September 1894 wird Dreysus nach der Teuselsinsel verschickt, ans CebenszeiL Im November 1898 wird die Revision des Prozesses ange- ordnet. Was in diesen vier Jahren die Sozialisten Frankreichs er- schütterte, war ein ungeheurer Ge w i sse n s k a m p f, der den Sozialismus der ganzen Meli anging. Der französische Sozialist Jean I a u r e s. lftr Histpriker. �der Philosoph, der Respriüist, trat auf den Plan. Die Ansprüchl! der franzosischen Sozialisten sollton ohne Rast angemeldet werden, obwohl nur eine Affäre der bürger- lichen Republik ausgetragen wurde. Jaurcs will verhindern, daß die Aermsten des Volkes sich noch traurigere Armut aufbürden, indem sie auf die Teilnahme an diesem Kampf um das bürgerlich« Recht verzichten. Es gilt, die' M i n o r i- t ä t der fortschrittlichsten Bourgeoisie gegen die reak- tionärste Bürgerkiasse zu schützen. Es gilt, irgendwie richtig auszulegen die Devise von Karl Marx: Mit dem Proletariat gegen die Bourgeoisie, doch mit der Bourgeoisie gegen Junker und Pfoften. Das Zitat stimmt nicht vollkommen. Doch es paßt vorzüglich für den Augenblick. Die Junker— das waren die französischen Militärs, die ge- wallsam die Augen schlössen, um einen Sündenbock ins Unglück zu stoßen und so ihre eigene Macht zu retten. Junker und Pfaffen, also auf royalistischen und bonoparlistischen Traditionen und auf adligem Grundbesitz hockende Aristokratie der Geburt und der politischen Prätentionen, mußten zusammen mit der priesterlichea Hilfstruppe getroffen werden, die den jüdischen Hauptmann auch deswegen haßten, weil sie meinten, daß er einer ihnen .landesfremden Rasse angehöre. Selbst Jules Eues de, im Streit um dm Reformismus unerbittlich gegen die versöhnenden und hoffnungsvollen Propheten und Taktiker des sozialen Kampfes, sprang auch üi die Reihen der Dreyfusards hinein. Er vereinigte seine spitzige Stimme mit den Brusttönen des Jean Iaures, dessen humanitären Idealismus er bisher abgelehnt hatte. lftur einen Augenblick machte sich Julcs Guesde lustig über jene Proletarier, die ein moralisches Gerät anbrachten, um die Flecken von der kapitalistischen Sonne abzuwaschen. Aber Saures argumentierte: Nicht die kapitalistische Sonn« hat sleckeickos zu bleiben, sondern der Glorienschein des Proletariats darf nicht verdunkelt werden, indem das Proletariat sich weigert, den Kamps ums Recht zu führen, und sei es auch im Bunde mit seinen bisherigen Wider- sachern. Jules Guesde war bald vollständig mit dieser Denkungsart einverstanden, soweit es sich um die Dreyftis-Affär« handelte. Die astronomisch lautere Moral hat sich vor dem hellsten Ideal zu erhalten, sonst wird das Proletariat der Komplice des politischen Henkers, der sein Eisen über Frankreich schwingt. Diesem Schlacht- ruf, der alle anderen Einwände und Bedenken zerschmetterte, fügten sich schließlich auch Guesde und sein engerer Parteifreund V a i l l a n t. Auch ein anderer'Mann, der eigentlich kein polllisches Ziel verteidigt«, sondern nur mit dem Instinkt ftir die allgemeine Gerech- tigkeit begabt war, nämlich Emile Zola', mischte sich ein. Er schrieb seinen Brief:„Ich klag« an", und Guesde nannte den Brief Zolas .die größte revolutionäre Tal des Zahrhunderls". Dreyfus wurde rehabilitiert. Das französische Recht und das Nadirrecht gewannen das Prestige zurück, das sie verloren hatten. Auch in Deutschland zweifelte kein Sozialist an der Un- schuld des Hauptmanns Dreyfus. Nur konnten manche es nicht ver- stehen, daß die französischen Parteigenossen sich so leiddnschastlich sür diese Affäre einsetzten, die ihnen nichts anderes als ein gewöhn- licher. im bürgerlichen Klassenstaat gar nicht seltener Iustizskandal zu sein schien. Besonders die Radikalen äußerten ihr« Bedenken. Sie wandten sich nicht gegen den auch ihrer Meinung nach msschul- big verurteilten Generalstabshouplniann, st« meinten nur, es wäre eine übertriebene SonlimentaNtät. diese bürgerliche Staatsafföre zu einer sozialistischen Weltangetegen» heit oufzubouschen. Darum lehnten sie es ab, sich in die Aftäre mit jener Humanitären Beredsamkeit einzumischen, die Iaures und Jules Guesde aufgeboten hotten. Besonders Rofa Luxemburg konnte sich nicht genug tun in dem Bemühen, die ganze Affäre als einen ganz unwesentlichen„Familienzwist" in der bürgerlich- parlamentarischen Republik Frankreich hinzustellen. Sie wurde auch besonders durch die Taftachz zurückgestoßen, daß alle in die„Affäre" verwickellen durch Gerichtsurteil bestraften Persönlichkeiten ihre B«- g n a d i g u n g«rhislten, und daß also nach dem lauten Lärm der Parteien, die»m grundlegende Prinzipien der Justiz zu streiten vorgaben, sehr bald ein lahmes Versöhnung?» kampramiß geschlossen wurde. Diese Aufsassung brächte die deutsche Sozialrevoluttonärin m die Formel: Wenn England durch die Festig- feit seiner bürgerlichen Eini ichttmgen- imponiäten kann,.sso. mich Frankreich durch seine veri-ükt» bii»»»rli<">» Grau-rn er» regen". Man vergesse nicyl, c-ap au.u, sie hre Erörterung in der sozialistischen Internationale ein neues und be» feuerndes Element in den Streit zwischen Reformisten und Radi- kolen gebracht wurde. Es wird stets für die Charakteristik van Iaures merkwürdig bleiben, daß der Begriff ider Demokratie für ihn mehr als einen blaß politische» Sinn behalten sollt.-. Frankreich ' wurde durd) die Aftäre erdbebenmäßig aufgewühlt, und Jaurfts wünscht«, daß die Menschheit aus dieser Naturkatastrophe geläutert hervorgehe. Deshalb nannte er denn auch die Zeitung, die er bald nachher gründete, L'H uman.it e, d i c M e u s ch h c"i t. Die französischen Sozialisten stellten bald Männer ihrer Partei für ein Ministerium der bürgerlichen Republik. Iaurös war es, der diese Entscheidung mit allen Mitteln s.-ines Ein» flusses sördcrte und verteidigte. Noch waren diese sozialistischen Minister in bürgerlichen Regierungen Männer, die von den Re- formftten laut gelobt, von den Radikalen als Kompromißpolitiler und besonders als Deserteure an der Sache des Proletariats schwer angegriffen wurden. Es war wiederum I o u r d s. der dos wich- tigste Gedankenmaterial zur Klärung des Problems lieferte, das bisher als unlösbar gegolten hatte. Cr führte aus: „Gewiß, die heutige Gesellschaft ist in Kapitalisten und Pro» letarier zerrissen. Doch gleichzeitig droht ihr die Gefahr, daß alle Mächte der Vergangenheit wiederkehren, die Barbarei des Feu» dalismus und die Allmacht der Kirche Dorum ist es ? sticht des sozialistischen Proletariats, mit den bürgerlichen Parteien zu gehen, wenn die republikanische Freiheit und die Gewissensfreiheit und die Geiftesfreih.-it auf dein, Spiele steh-cn, und wen» die alten Borurteile wicd.-rerwachcii, die nichts anderes erwecke!, als Rassenhaß und die entsetzlichen Religionskriege vergangener Jahrhunderte." Jaurtzs sah sehr weit, als er diese Parteimoral und Partei» taktik oerlangte. Und vor allem: es sprechen oll diese Aeußerungen, die er im Anschluß an die Affäre tat, sür die Hi�t-herziokeit seines demokratischen Gefühls. Dabei war es ihm ganz gleichgültig, ob der Generaistab: Haupt- mann, für dessen Recht er kämpfte, zu den sympathischen Männern gerechnet werhen mußte oder nicht. Wir wissen nämlich heut«, daß viele der bürgerlichen und sozialistischen Dreyfusards in ihr.m Schützling einen Mann sahen, dessen Charakter und Leben:form«n ihnen sehr unbehaglich waren. Dos hmdertc sie allerdings nicht, die Sache des Rechts über di« in ihrem Recht beein» trachtigte Person zu stellen. Die intimen Gespräche, die Jean Wartet, Clemeneeaus Privatsek.retär, mit seinem Herrn führte und die er eben veröffentlicht, liefern zu diesem interessanten psychologischen Thema seltsame Aufklärungen: Clemenceau würde es nach seinem streitbaren Temperament gern gesehen haben, wenn Dreyfus seinen Gegnern mit der Faust ins Gesicht geschlagen hätte, anstatt sich unglücklich und bedrückt zu ducken. Clemenceau urteilt, daß Dreyfus weniger gewesen ftt als seine große Sache. Clemenceau beklagt sich in der Unterhaltung mit feinem Intimus, daß kein„Fluidum" van dem Kapitän ausstrahlte. Trotzdem machten er und Jaurfts sein« Sache zu der ihrigen. Es ist wiederum Clemenceau, der seinen Vertrauten daran erinnert, daß ganz Frank- reich und darüber hinaus die ganze gerechtdenkeiche Menschheit von diesem„Lichte"„hypnotisiert" wurde». ■&0M (3. Forts«tzu�) 4 7. LUd: Di« V o r st a d t st r a ß e. Durch die'Abenddämmerung irrt chrifer im Zustand völliger Apathie. 48. Bild- Vor dem.,P l a tz m i r t". Die Ladern« über dem Eingang vor dem Lokal wird angezündet. Hier steht Mari«. Typen g«hen an ihr vorbei ins Lokal. chöfar stoßt auf sie, sieht sie leer an. Mar!« sagt, den l«er«n Blick wiedergebend, lasch- . Hast du Geld?" und holt die tfsand hin. chöfer greift automatisch in die Tasche- Geldstücke liegen aus seiner f'achen lhand. Marie nimmt sie gleichgültig, geht ins Lokal. Er folgt ihr. sich willenlos anschließend, aus einem ihm ganz unbe- wußten Instinkt. 49. Bildt Im„Platz wirt". Tie Zlirrtnumg ist jetzt am Abend im Gegensatz.zu gestern in der Morgenstunde ein« ganz andere. Die Bänke sind dicht besetzt. Auf- geregt, laut, mit heftigen sgebärden, sprechen die Gast« miteinander. Es wird getrunken und geschrien, gelocht und geschimpft. Der Total- eiudruck ist so, als ob die hier airwesenden verkommenen und tnU gleisten Eristen.zen dem Leben noch das Letzte entreißen wollten, bevor sie von der Faust des Schicksals gepackt werden: also auf- geregte Gruppen, zwischendurch einzeln« in Apathie, verkommene, in sich versunkene Männer und Weiber, die hoffnungslos vor sich hinstieren. Aus einem Podium ein Klavierspieler. Am Schanktisch steht der athletische 5?«raus|chme>ßcr, der wortlos, I» der ihm charakteristischen Weis«, Personen, die sich den Auserrt- l.olt hier verschsrzt haben, an die Luft befördert- Er packt sie mit der linken.s>md am Kragen, mit der rechten am Hosenbodtn und schleudert sie frei durch die Luft zur Tür hinaus. Niemand der in der Nähe Sitzenden regt sich auch nur im geringsten darüber aus. Inmitten des uiwufhärlichcn Tumultes sitzt Marie, neben ihr chSfre»«» sich zusomm-ng-funken, ganz willenlos. Den beiden gegenüber sitzt der gefährlich aussehend« Mensch aus Bild 2, der dort. Marie begehrend, sich ihr genähert Hot und von ihr abgewiesen wuro«. Reben ihm sitzt ein« junge Dirne, die Ellen- bogen ausgestützt, da» Gesicht in den Händen. Velde schweigen vorstockt, wie zwei Menschen, die Streit miteinander gehabt haben Ohne jeden ersichtlichen Grund ichlagt der Mann, der gleich ihr mit aufgestützten Ellenbogen gesessen hat, dem Mädchen ins. Gesicht. Sie nimmt Tage in Berlin vorhanden« Gruridlast des Stromnetzes liefern soll,.und serner, weil die Kohlenstaubscuerung des Klingenbcrg-Werkrs zu Klagen der Anwohner über Flugaschcnbelästigung gesnhrt hat. Die Fundierungsarbeiten, die wegen ungünstiger Badenverhättnisse sehr schwierig waren, wurden in fast zwei Monaten durchgeführt, und bereits im Herbst 1939 soll das Werk mit mehr als all Proz. seiner Gesamtleistung in Betrieb genommen werden, während das ganze Werk mit insgesamt 230 900 Kilowatt bis zum Herbst 1931 vetrievs- fertig fein soll. Hier ist eine andere Höchstdruckdampsaiilage zu nennen, die km Novenrber bei der Jlse-Bergbau-Aktiengescllschast in der Riederlousitz in Betrieb genommen wurde. Die Dampfaulage arbeitet mit 125 Atmosphäreu-Ueberdruck. Wenige Wochen vorher wurde einer der höchsten Schornsteine Deutschlands iertiggestcllt. Er ist beim Leipziger Fernheizwerk errichtet und 155 Meter hoch. Auf einem Eis«nbeton»iterwerk von 32 Meter erhebt sich die genumerle sräuie von 124 Meter Höhe, die am Fuß eine Wandstärke von eines Junlersfchen Potentes vom Jahr 1910 dar. Damals schon lieh sich Junkers ein„Nur-Flügel-Flugzeug" patentieren, und jetzt darf der Historiker wohl behaupten, daß olle bisherigen Itinkcrs-Flug- zeuge— selbst die großen und viel bewunderten dreimotorigen— nur Etappen eines genialen Gedankens und seiner Aussühnung waren! Im Anfang des kommenden Jahres soll das„ftiegende Haus" .zeigen, was er kann. Glück aufl ihm und seinem Schöpser!— Was dt« G 38 für den Lvftoerkehr zu Lande darstellt, das ist für den Luftverkehr über Wasser das Flngbool von Dr.- Claudius D o r n i e r, das die Typenbezeichnung Do. X. trägt. Hier fei einmal verraten, daß das Luftschiff„Graf Zeppelin' und das Flug. baot Do. X eigentlich miteinander verwandt sind, wenn auch etwas entfernt. Denn Dr. Dornier war jahrelang Mitarbeiter des Grafen Zeppelin, und dieser stellte dem Vater des Do. X im Jahr 1914 in großzügigerweise Geld zur Perfügung. so daß Dr. Dornier sich selbständig machen und den Grundstock des heutigen Unternehmens — das natürlich manch« Wandlung durchgemacht hat— legen konnte. — Aber ein Ereignis ist am sausenden Webstuhl der Zeit im Februar kaum gehört worden: Das Knattern und Brummen eines Schwerölmotors rm Flugzeug über dem Dessauer Flugplatz der Junkers-Werkc. Wohin diese Versuche führen, ist heute noch nicht abzusehen, aber selbst dieser erst« Versuch verdient beachtet zu Vierden. Der Segelslug hat Riefeirfortschnttc gemacht. Im April ist Rodert K r o n f« ld in der Rhön bis aus 1275 Meter hinaufgesegelt. und zur selben Zeit war schon ein schwonzlnscs«egelflugzeug der Rbän.Rositten.Gesellschaft im Bau, das beachtenswerte Erfolg« er- zielte und im Herbst bei seinem Berliner Besuch viele Neugierige zum Tempelhofer Flughasen zag. Weniger bedeutungsvoll für die Gegenwart als die Groß- leistungen" im Flugwesen, aber dafür um so. origineller sind die Versuche diese» Jahres, ein Flugzeug durch Raketcnkrofk anzutreiben, und die Kraft der Rakete zur Vorwärtsbewegung eines Schlittens zu verwenden: dies geschah am 22. Januar durch Max Valier zu München. Bezeichnend für unsere Zeit ist die Anwendung.zweier ganz verschiedener Mittel zur Zeitersparnis. Ich meine die Vereinigung von Schiff und Flugzeug. Nicht nur, daß die„Bremen' das „Blaue Band' erwarb, dem ruhelosen Gegenwartsmenschen ist selbst die große Schiffsgeschwindigkeit der„Bremen' nicht ausreichend, und so startet ein« Tagereise vom Ziel entfernt mit Hilfe eines Druckluftkatapultes auf dem in voller Fahrt befindlichen Dampfer ein Flugzeug, das viele Stunden vor dem Schiss landen kann. Die Anwendung des Katapultes zum Start von Flugzeugen ist bereits mchrcre Jahre alt, aber am 29. Juni startete so ein H e i n k e l- Flugzeu g zum erstenmal aus-lniyn Dampfet, aus der„Bremen'. Im Juni 1929 wurde zum erstenmal der Voith- Schneider- Propeller als Schiffsantrieb bei Potsdam öffentlich gezeigt Dieser Propeller, der von dem Wiener Ingenieur Ernst Schneider konstruiert und von der Maschinenfabrik Boich in Heidenheim gebaut wurde, stellt einen ganz neuartigen Schiffsantrieb>ar. der zugleich Schiffssteuer ist. Das bei Potsdam vorgeführte Schiff, der„Tor- queo 1', ist 13 Meter lang. Der Propeller sigt etwa in der Mitte der hinteren Schiff'shälfte am Kiel des Bootes, und er wirkt so. daß das Schiff bei voller Fahrt auf etwa 12 Meter abstoppen kann, daß fiodeme ffhern brück e „Kottbuffer Tor', eröffnet worden. Zu Anfang des Jahres wurden bei der Reichsbahndirektion Halle o. S. die ersten Kohlenstaub- lokomotiven zur Erprobung im Güter.zugdienst elngestellt. Im September mchm die Reichsbahn den ersten„Turmwagen" in Bc- trieb, der eine kombinierte elektrische Lokomotive darstellt, und zwar in der Weise kombiniert, daß det Wagen sowohl für Strom- abnähme aus Oberleitungen eingerichtet ist, als auch Aklumulatoreu- antrieb besitzt, so daß er auch auf Strecken ohne Oberleiwng fahren kann. Am 18. Mai ist in Berlin in der Winlerseldtstraß« ein neues Fernamt eröffnet worden. Hier werde» mehr als IGOO Beamte beschäftigt. Es ist eine der größten Fernoerniiitlungsstellen det Welt. Pom Rundfunk fei hier die Einführung des Bildfunks in das Tagesprogramm erwähnt, doch wird er bald aus dem Programm wieder versckzwindeit. Dann ist am 29. Mai in Berlin in unmittel- barer Nähe des Funkturms der Grundstein zum Neubau des Rclchs- Rundfunkgebäudes gelegt worden, darin die Reichs-Rundfunk-Gefell- fchaft, die Zentralstelle des deutschen Rundfunks, ihren Sitz haben wird und die in Berlin beftndlichen Sender untergebracht werden sollen. Ende August wurde der Weltrundfunkfeuder Köitigswuster- hausen in Betrieb genonmmt. Las Jahr 1929 ist für Deutschland auch das Geburtsjahr des Tousilms. Außer den ersten ausländische»' Vorführungen— der erste amerikanische Tonfilm„Sinzing Fool' tDer singende Narr) wurde am 3. Juni in Berlin als erster in Deutschland aufgeführt — wurde am 1. Mai in Ncubabclsberg mit dem Bau des ersten deutschen Tonfilmauffiahmeateliers begonnen. Bemerkenswert ist die am 6. Juli vom Verband Deutscher Elektrotechniker zu Aachen veranstaltet« erste iulerualional«„Fern- lagung', an der außer Deutschland die Lander Oesterreich. Ungarn und Holland teilnahmen. D>c ausländischen Kongreß- teilnchmer brauchten nicht, wie das bei internationalen Tagungen bisher üblich war, zum Hauptversammlungsort zu fahren, sondern nur bis zu den Hauptstädten ihrer Länder, also Wien, Budapest und Haag. Auf telephontschein Wege wurden nun die Verstrmm- fungen, die in den vier Kongreßstädten stattfanden, in den anderen Orfen hörbor gemacht. Wenn also ein Ungar in Budapest sprach, dann konnten ihn die Deutschen in Aachen, die Oesterreicher in Wien und die Holländer im Haag hören, ja, aus diese Weis« konnten sogar die Diskussionen erledigt und Rede und Gegenrede übertragen werden! Die erste HSchsldrackrcsjelanloge nach dem System Betijau (Benson-Kessel) wurde in den Siemrnswerken am 15. Juli>n Betrieb genommen. Die Anlage enthält' eine Kohlenstanb-Ausbereitungs- anlag«, die Kesselanlage für Kohlenstaubfeuerung und die Elektro- filteranloge zur Rauchgasentstanbung, wobei die Rauchgase zur Trocknung der Kahle verwendet werden. In dem im Westen Berlins im Bau befindlichen Großkraftwerk— zur Entlastung des im Osten der Stadt gelegenen Großkraftwerks Klingenberg— sollten ursprünglich Beirson-Höchstdruckkesielönlagen eingebaut werdeii, doch hat man sich«ntschlosien, hiervon abzusehen, weil die zwar äußerst rationell arbeitenden Benson-Keisel bis zur Fertigstellung des„kvest- kraflwerkes" technisch noch nicht so durchgebildet. werden können, daß man ein ganzes Großkraftwerk nach diesem System ausstatten könnte. Auch die Kohlenstaubfeuerung wird keine Anwendung 90 Zentimetern hat! Der Atißendurchmesser am Fuß der Söul« beträgt 11,28 Meter, während er oben 7,20 Meter mißt. Dann brachte das Jahr 1929 de» Abschluß eäier hervorragenden Jugenieurleisttiug: Die Inbetriebnahme des Ivasserkraftmerkes am Shcnmonfluß, das ganz Irland mit elektrischem Strom versorgen soll. Gilbert W. Feltlliaus. Im Lause des vergangenen Jahres wurde die gröhie Funk- station der Dell in Nogoya m Japan in Bittrieb genommen. Der von Telefrmken erbaute Maschincnfenber hat eine Leistung von 150 000 Milliampere In der Antenne. Diese Energie wird vön V'iner Hochfrequenzmaschine von 050 KW. erzeugt. In Deutschland wird der Weltrundsunkfender in Königs, vufter- hausen eröffnet, der auf einer Wellenlänge von 31,38 Meter arbeitet« Unter den technischen Bauten, die in Deutschland vollendet wur- den, ist auch d-e Schleuse bei Fürstenberg o. d. Oder zu nennen, die einen Höhcminterschied von 14,8 Meter überwindet und dadurch drei hintereinandrrliegende Schleusen entbehrlich macht. Dadurch wurde der Weg durch den Oder— Spree-Kanal für die Schiffahrt nicht unerheblich abgekürzt. In England erreicht« Kapitän Orlabar aus dem Flugzeug „Supermarine S 6" die geradezu phantastische Geschwindigkeit von 000 Kilometern in der Stuirde. Für Deutschland war der 3. Februar des oergongene» Jahres aus dem Gebiete der Lustfahrt ein wichtiger Gedenktag. Die deutsche Lustsahrt konnte ihr lOjähriges Bestehen feiern. Während im Jahre 1919 die Flugstreckenleistung 580 000 Kilomeicr betrug, ist sie in- zwischen auf fast 10 Millionen gewachsen. Die Zd>! der Passagier« und die Menge des beförderten Gepäcks sind dementsprechend ständig gestiegen. Di« Verbesserung der nautischen Geräte gestaltet auch ins Bestiegen solcher Strecken, die keine durchgebildete Boden- organisatlmi besitzen. Bemerkenswert sind die Flüge der Deutsche» Lufthansa nach den Kanarischen Inseln, die zunächst vollen Ersolg versprochen, dann aber mit dem Tod zweier hervorragender Piloten anläßlich der Katastrophe de» Flugzeugs„Teneriffa" einen trauri- gen Abschluß fanden. Zum Schluß möge noch daran erinnert werde», daß die elek- trifche Eisenbahn am j. Mai vergangenen Jahres ein Altec von 50 Zahre» erreicht hatte. Auf der Gewerbeausstellung, die 1879 in Ber-lin slatlstind, führte Werner von Siemens eine kleine, zu Rund- fahrten auf dem Ausstellungsgelände eingerichtete Eisenbahn vor. Auf Grund der hier erzielten Erfolg? wurdet, alsbald>» der Welt elektrische Bahnen gebaut. Die Eletlrisizierung der Eisenbahn feiert lzeute ihre größten Triumphe. Der elektrisehe Beirieb bietet gegenüber jedem anderen große Vorteile, denen nur cht Nachteil gegenübersteht, daß die ganze Anlag? van einer zentralen Kraft- quelle abhängig ist. Heute übersehen wir bereits diese Entwicklung, und wenn auch das technische Jahr 1929 keine in ähnlichem Sinne wirkende wälzende Erfindung brachte, so zeigte es doch auf so vielen Gebieten Spitzenleistungen, daß man hier mit Recht von technischen Wunder- werken sprechen kann. Von uns Sozialisten aber wird die Technik erst dann als Befreierin anerkannt werden können, wenn sie aus den Fesseln des Kapitalismus erlöst ist und befreit»an allem Profit- streben dem Wohle oller dient. [\ lr,ln> \ i-S-T! , Bremen Eine Jahresbilanz. Das gro$e Hilfswerk der Berliner Arbeitersamariicr. Die skrofs orgonisierlen Berliner Arbeiiersama- r i l e r können wieder einmal aus ein Zahr anstrengendster Arbeil aber auch auf ein Jahr des Erfolges zurückblicken. Dienst am Bolke, Dienst a» jedem aus der Bevölkerung, heißt noch intmer die Devise der Arbeitersamariter. Großes ist bisher dank dem Opfermut, dank der Uneigennützigkeit der Mitglieder ge- leistet worden, aber es wird nicht haltgemacht an den« Ausbau dieses Hilfswerkes zum Wohle des Bolksgonzen. Wenn der Arbeitersaniariterbnnd jetzt mit einem Tätigkeilsbericht über das alte Jahr an die Oeffentlichkeit tritt, so legen imponierende Zahlen ein beredtes Zeugnis darüber ab, wie notwendig diese Arbeiterinstitution in Berlin ist. Er liefert aber auch gleichzeitig den. Beweis dafür, wie vielseitig die Tätigkeit der Samariter, wie aufreibend ihr Dienst ist. Es ist erst wenige Wochen her, daß die Berliner Arbeitersamariter einem Teil der Berliner Presse von ihrem schweren Doseinskampf Mitteilung machen mußten. Es ging damals um ein großes Liebeswerk, um die Erhaltung und den Aus- bau der ausgezeichnet geleiteten Rettungsstation am Tegeler See in Saatwinkel. Aus kleinsten Anfängen heraus ist dort ein» imposante Rettungsstation am Südufer des Sees entstanden, die heute über drei große schnellfohrende Motorrettungsboote verfügte Wie unendlich schwer es war, das alles dort draußen in mühevoller, opferfreudiger Arbeit zu schaffen, davon kann sich ein Außenstehen- der nur schwer eine Vorstellung machen. Welcher Berliner Hot noch nicht die Arbeitersamariter bei ihrem Dienst beobachtet, wenn sie an heißen Sommertagen bei drückender Hitze mit ihren Pflaster- kästen an den Usern der Berliner Gewässer entlangpatrouillierten, um hier und dort hilfsbereit einzugreifen? Wieviel Schmerz und wieviel Unheil ist durch diese Wackeren, die immer nur an andere, niemals an sich selbst denken, schon verhütet und gelindert worden. Rund 4 0 0 0 0 D i e n st stu n d e n sind im vergangenen Jahr im sogenannten„W asserstraßendienst" geleistet worden. 40 000 Dienststunden, das sind 5000 achstündige Arbeitstage, ein geradezu gewaltiger Arbeitsaufwand! Unter„sonstige Dienste"' sind im Tätigkeitsbericht 51 228 Dienst- stunden verzeichnet. Ein ungefähres Bild vckn der Belastung jedes einzelne» Mitgliedes kann sich der Leser selbst machen, wenn er erfährt, daß die Mitgliedzahl des AGB. in Berlin rund 1000 beträgt. Auf Sportplätzen und in Turnhallen wurden über 30 000 Dienststunden geleistet. In 3416 Fällen mußten die Arbeiter- samariter helfend eingreifen, Verunglückten Verbände anlege», sie wiederbeleben und in schweren Fällen den Transport zum Arzt oder zum Krankenhaus ausführen. Gerade an dieser Stelle sei gleich- zeitig eine dringende Bitte der Arbeitersamariter an die Arbeiter- sportvereine weitergeleitet. Es ist für die Zukunft dringend er- forderlich, daß die Verein« rechtzeitig um die Entsendung van Samaritern bitten, wenn es ihnen nicht passieren soll, daß ihnen durch zu späte Anfordentstgen von der Geschäftsstelle, Amt Norden ZZ 40 eine Absage zuteil werden muß. Der Bericht verzeichnet weiter: Oeffentliche Dienststunden 0268, Gewerkschaftsdienst 11 704, Parteidienste 18 184 und Eisenbahn!» enste 9600 Stunden. Hinzu kommen Transport« zur Wohnung 215. zum Arzt 137. zum Krankenhaus 241, zur Wahl 1200, zur Unsollstation 95. Diverse 150, insgesamt 2038 Transporte. Erste Hilse wurde bei 10 913 Unfällen geleistet. Eine besondere Rubrik nimmt die kranken- vnd Havswirtschafkspflege ein. Zur Zeit sind ständig'37 Genossinnen unterwegs, die in.Haus- halten armer, unbemittelter Proletarier, in denen die Frauen krank oder bettlägerig sind, auf Ordnung und!Reinlichkeit sehen, das Essen kochen, kleine ABE-Schützen zur Schule bringen usw. Und das olles erfolgt völlig unentgeltlich. Mit diesen Diensten ist die Arbeit des Arbeitersamariters fedoch noch keineswegs ab- geschlossen. Es heißt mit der Zeit mitgehen und darum sind Fort- bildungskurse. Uebungsabende und Lehrturse für An- fänger unter ärztlicher und fachmännischer Leitung notwendig. * So arbeitet der Arbeiter-Samariter-Bund im Dienste der Allgemeinheit, selbstlos, ohne Anspruch auf Lobhudelei, ohne militä- rische Organisation wie bürgerliche Verbände, aber mit dem be- scheidenen Wunsch nach öffentlicher Anerkennung durch kommunal« und staatliche Behörden. Die Spiele am 5. Januar. Die Herbstserie der Arbeiter-Handballer ist beendet, der größte Teil der Mannschofte» steht sich in Gesellschaftsspielen gegenüber. Velten fährt nach Luckenwald«, es spielen die 3. Männer gegen die 1. Abteilung um 11 Uhr, di« 2. Männer gegen Sport- abte>l»ng 2 uin 121-- Uhr, die gleichen Frauen um 13.40 Uhr und die 1. Männer um 14?- Uhr. Hennigsdorf empfängt FTGB.-Nord- ring-Tumeri die 2. Mannschaften spielen ,um 12?i> Uhr, die Frauen mn 13.40 Uhr und die l. Männer uni 14?-- Uhr. In Mahlsdpis, Hönower Chaussee, spielen Cintracht-Mahlsdors 2. Männer gegen Ruderverein Vorwärts 2 um 13. Uhr, di.' Frauen gegen. FTGL.- Adlershof um 14 Uhr»nd die 1. Männer gegen Vorwärts 1 um 14 Uhr. In Schöneberg, Dominilüsplotz, spielen Schöneberg 2. Männer gegen Sokol 1 um 10 Uhr, die 2. Frauen gegen Moabit 1 Ujid die 1. Männer gegen ASC. 1 um 14 Uhr. Charlottenburg- Schwimmer empfängt im Volkspark Jungfernheide FTGB.- Rorden 3; es spielen die 2. Mannschaften um 10 Uhr und die 1. Mannschaften uni 11 Uhr. In Tegel, Graf-Rädern-Korso, spielen Wilmersdorf gegen Moabit uni 12 Uhr, Tegel 2 gegen Nordring- Sportler 2 um 13?-- Uhr und die 1. Vkbnnschafren um 14?- Uhr. FTGB.-Neurölln spielt im Neuköllner Stadion(Platz 1) mit den Frauen gegen Wilmersdorf um 11 Uhr und mit den Männern gegen FTGB.'Kaulsdorf um 12 Uhr. Berlin 12 trifft sich mit Nowawes im Lichterfelder Stadion: die 1. Männer spiele» gegen Nowawes 2 um 13 Uhr und die l. Frauen um 14°?- Uhr. In Nofenthal, Haupt- straße. spiele» FTGB.-Rosenthal 1 gegeif FTGL.-Süden 2 um 11 Uhr und FTGB.-Kanu gegen Schweissterne um 12 Uhr. FTGB.- Wedding(Frauen) trifft sich mit Süden im Bolkspark Rehberge: es spielen die 2. Mannschaften um 14 Uhr und die 1. Mannschaften um 14.50 Uhr. Weitere Spiele: Köpenick l gegen Süden 1 um 14?4 Uhr in Köpenick, Wendenschloßstraße(Vereinsplatz): Weißcnsee-Schwim- mer gegen Bernau um 10 Uhr im Volkspark Wcißenfee: Kalkbergc 1 gegen Erkner 2 um 14 Uhr in Kalkberge: Klausdorf gegen FTGB.- hl�rdoft um 14 Uhr in Klausdorf: FTGL.-Reinickeudorf-W.'st gegen Neukölln 2 um 14 Uhr in Reinickendorf, Scharnweberstraße: Born- stedi gegen Erkner um 14!� Uhr in Bornstedt und FTGB.-Oder- spree 1 gegen Wedding 2 um 14?- Uhr in Oberschöneweide, Straße alt der Wuhlhdde. Frauen: Bohnsdorf gegen Nordost um 14'- Uhr in Bohnsdorf, Schulzendorfer Straße: Temüs-Rot l gegen Neukölln 2 um 10 Uhr im Lichtenberger Stadion Das Eishockey- Rückspiel. Kanada war um Klassen besser. In dem Rückspiel der kanadischen Wclteishockey- in e i st e r gegen die Schweden im Sportpalast zeigt« es sich wieder, daß die famosen Kanadier aus Toronto auf dem ganzen Erdball keinen Gegner zu fürchten haben. Sie waren den Schweden um Klassen überlegen. Die große Sporthalle war bei dem Revanchekampf wieder völlig ausverkauft. Hotten sich die Kanadier am Bortage mit einem 2: 0-Erfolg begnügt, stellten sie gestern abend dos Resultat auf 6: 0 für sich. Den überseeischen Gästen war non dem schweren Kampf wenig anzumerken, dagegen machte die schwedisch« Mannlchast eilte» nicht ganz frischen Eindruck. Die schwedischen Stürmer waren vi e l zu langsam, und die Verteidigung war nicht aus dem Posten. Im ersten Spieldrittel sielen für Konada zwei Tore. Beide Mole war es Granl, der die Scheibe einlenkte. Im zweiten Drittel trat die große Ueberleoenheit der Kanadier noch mehr in Erscheinung. Eine Kombination von Elayton-Grant sühne zum brüten, und ein Durch- bruch von Clayton zum vierten Tor. Wenige Augenblicke daraus gelang es Elayion abermals, alles zu' überrennen und das fünfte Tor zu erzielen. Mit 3:0 für Kanada ging e-ei» das letzte Dr'ttel. Die Sä.'weden zeigten auch im letzten Abschnitt lein genaues Zu- sanimenspie'. Dil lag der Ehrentreffsr so-ujage» in der Luft, aber jede Gelegenheit, blieb üng�nsitzl oder wurde meisterhaft verpaßt. Schließlich war Kanada im letzten Teil des Spieles noch«imnol erfolgreich. Der schnelle Hutchinst» ging gut durch and sandte unfehlbar ein. Mit 6:0 für Kanada wurde da» Spiel abgepfiffen. In den Pausen Zeigten sich in Kunstloufvorführungen Rittberger und das deutsche Meisterpaar Kishauer-Gaste. Der Sport in Zahlen. Deuiscfae Reicfasstatistik. Dem soeben erschienenen Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich 1929 entnehmen wir folgende llebcrsicht über die Zahl der Sportvereine und ihrer Mitglieder: Danach hatten die im Deutschen Reichsaueschuß für Leibes? Übungen zufammengefchlosienen Turnverbände am 1. Jonuar 1929 1963 792 Mitglieder, die sich auf 13 600 Bereine verteilten, wäh- rend aus den der Zentralkommission für Arbeitersport und Körper- pslege angeschloffenen Arbeiter-Turn- und Sportbund einschließlich Nieder- und Oberösterreich 6886 Vereine mit insgesamt 738 038 Mitgliedern entfallen. Dabei ist zu berücksichtigen, daß im Arbeiter- Turn- und Sportbund fast nur aktive Sportler organisiert find, während die bürgerlichen Sportverbände recht viel Papiersoldaten haben. Leicht-, Schwerathletik- und andere Kampstportoerbände, wozu auch die Fechterverbände, Schützen- und Keglerverbände zählen, waren im Reichsausschuß 10 216 Vereine mit insgesamt (1 055 170 Mitgliedern, während unter Zentralkommission lediglich der Arbeiter-Athleten-Bund mit 1205 Vereinen, die einen Mitgliederbestand von 45 200 Personen haben, aufgeführt ist. Die Wosiersportverbände, einschließlich Ruderer, Kanufahrer, Schwimmer und Segler treten im Reichsausschuß mit 2593 Vereinen und 319 936 Mitgliedern aus, während die Freien Ruderer und Kanuicchrer mit 130 Vereinen, die 6000 Mitglieder zählen, aufwarten können. Der Freie Seglerbund ist mit 27 Vereinen und 1861 Mitgliedern aus- geführt. Die Rotts ahr er- und Vaschbnenspor In erbklnd e, maga die rod und Autoklubs gehören, sind im Reichsausschuß mit 5480 Sc» einen und 306 019 Mitgliedern vertreten, während unter Zentral» kommrssion der Arbeiter-Radfahrerbund„Solidarität" mit rund 5000 Ortsgruppen, die 250000 Mitglieder zählen, vertreten ifc Wanderoerbände sind im Reichsausschuß 635 Vereine nwt 277 500 Mitglieder gemeldet und di«„Naturfreunde" sind mit 968 De» einen und 78 248 Mitgliedern angegeben. Hoppegarten und GrunewalcL Mehr Rennen an Sonn- und Feiertagen. Union-Klub und Berliner Rennvercin veröffentlichen jetzt Vit Ausschreibungen für den ersten Teil ihrer Iahresprogramm«, und zwar Hoppegarten für zehn, Grunewald für neun Tage. Em Blick bestätigt, daß, wie angekündigt, erhebliche Abstriche an den Rennpreisen gemacht worden sind, doch ist insofern ein kleiner Ausgleich geschaffen, als an Sann- und Feiertagen acht Rennen ge- laufen werden. Da die Programme fast mit dem Vorjahre über- einstimmen, kann man leicht einen Vergleich ziehen. Der vorjährige Hoppegortener Eröffnungstag sah 30 200 Mark au Preisen vor, diesmal werden am l. Mai nur 26 000 Mark vergeben, was eine Reduzierung um 14 Proz. bedeutet. Wie ein« rote Linie ziehen sich die Abstriche durch sämtliche zehn Renntage. Van den Haupt- prüfungen werden Henckel-Rennen(21 500 Mark) am 11. Mai. Iubiläumspreis(21 500 Mark) am 18. Mai, Hindenburg-Rennen und Preis der Diana(je 21 500 Mark) am 1. Juni, Union-Renncn (34 000 Mark) am 9. Juni gelaufen. Aehnlich sieht es bei den Rennen im Grunewald aus. Auch hier werden vorläufig an jedem Sonn- und Feiertag acht Rennen ge» laufen. Das erste größere Ereignis ist dos Podbielski-Rennen am 15. Juni, das von 16 200 auf 10800 Mark herabgesetzt worden ist. Im«Ständigen Ring*. Der gestrige Kampfaberid des„Ständigen Boxringe s� in den Spichern-Sölen stand im Zeichen guter und harter Kämpfe. Gleich das erste Treffen nahm einen stürmischen Verlauf. Hans Swart-Wilhelmshaven(86,6) siegte über Hein Uffelmarm-Barmcu (88,2) nach Punkten. Bedauerlicherweise gab«s in einigen Rundeir recht unschöne Momente, und beide Borer werden in Zukunst sauberer arbeiten müssen, wenn sie sich die Sympathien der Berliner Baxgemeiirde erringen wollen. Karl Walter-Berlin(85), der im Training mit Diener viel zugelernt hat, beherrschte den Dortmunder Hans Bischoff(90) in jeder Runde. Die kurzen Haken- und Stoppstöße des sehr wendigen Walter zeigten bei Bischoff stark« Wirkung. Der Punktsieg Walters stand nie in Frage. Heinz Heeser II-Aobl«nz (78,6) und Otto Hölzel-Hamm(78,2) trennten sich unentschieden. Holzel mar leicht im Vorteil, und das Urteil war für Heeser daher etwas schmeichelhaft. Topferen Widerstand leistete der klein« Kölner Dan Schink(60) dem Hamburger Herbert Ulrich(61), der emei» Punktsieg für sich sieherstellen konnte. Im Schlußkampf gab es nach eine kleine Uebrrojchung. Rudolf Boguhn-Berlin(65,5) brachte seinen Gegner Williy Bolz-Berlin(68,9) durch einen Aufwärtshaken gegen die Kinnspitze in der zweiten Runde über die Zeit zu Bodo», Kommunistische Märchen. Die Leipziger Arbeitersportler haben vom kommunistffchen A» beitarsportverein Fichte- Berlin über den Größenwahnsinu der Führungsstrotegen praktischen Anschauungsunterricht erhalten. Zu diesem Genuß hat die Leipziger Arbeitersportler das Organ der KPD.-Opposition, die„A r b e i t e r- P o l i t i k", verholsen. Wir entnehmen dem Blatt folgendes: „Kommen da kürzlich zwei Fichte-Hockeyspieler spät abends nach dem Eiche-Sportplatz in Leipzig. Nach ihren Wünschen befragt. erklären sie, daß sie am folgenden Tag mit ihrer Mannschaft gegen „Eiche" spielen sollen. Die Eiche-Hockeymannschaft hatte ober jhr Spiel mit einem bundestreuen Verein abgeschlossen, da ja der Turn- und Sportverein„Eiche"-Leipzig geschlossen zum Bunde steht. Dies wurde den beiden Berliner Hockeyleuten gesagt, und dabei stellte sich. im Gespräch heraus, daß man in Berlin und wahrscheinlich auch anderswo erzählt: Der Verein„Eiche-Leipzig steht bei der Oppo-- sirion! Die Aufklärung, daß von den 890 Eiche-Mitgliedern ganz« acht Mann bei den Ausgeschlossenen seien, wuroe mit folgendem bezeichnenden Ausspruch quittiert:„Wir müssen ja in Berlin glauben, was uns dort erzählt wird." Die Leipziger Arbeitersportler haben bei diesem Borgang eine« guten Maßstob für den tatsächlichen Wert der mit� großen Schlag- Zeilen angekündigten Erfolge der kommunistischen Spalter erhalten. Aschcnhahn-Motorradrcnnen— eine Gefahr für den Motorradsport? müssen, daß durch die Verquickung von Sport und Geschäft ersterer eine starke Einbuße erleidet, ja oit genug aus das Niveau von Zirkusvorstellungen herabgedrückt wird. Hundereiine», Ringkämpfe, Kunstflugveranstaltungen haben das bereits gezeigt. Ohne die Dirt- Track-Rennen grundsätzlich zu verneinen, besteht aber durch sie sür den Motorradsport die gleiche Gefahr. E- ist deshalb dringend zu fordern, daß sich die Beteiligten— sowohl Veranstalter wie Teilnehmer— für keinerlei Machenschaslen hergeben, die nach„Schie- bung" riechen. Auch das Publikum sollte durch Wachsamkeit etwaige unsaubere Vorgänge schon im Keim ersticken Helsen. Schon lange ist ja der Motorradsport kein Amateursport mehr, denn die weit- aus größte Zahl der Motorradsahror, die sich an Rennoeranstaltungen beteiligen, stehen in industriellen Diensten, sei es nun für Motor- radfobriken, Reisenfabriken, Oelfirmen oder anderen. Soweit da die sportliche Sauberkeit hochgehalten wird, kann man kaum jemand einen Vorwurf machen, dem: es gibt nur herzlich wenige, die die Kosten zur Beteiligung an den großen Rennoeranstaltungen aus eigener Tasche bezahlen können. Ist auch heut« das Motorrad'N seiner Hauptsache ein Gebrauchs fahrzeug geworden, so ist eine gewisie sportliche Rat« mit ihm verknüpft. Deshalb ist auch die erzeugende Industrie an Motorradrennen, Prüfungsfahrten ganz anders interessiert als beispielsweise die Automobilsirmen an Auto» mobilrennen. Sind diese Veranstaltungen in ihrem Sinn und Zweck von den Dirt-Track-Rennen auch grundverschieden, so können sie doch schließlich durch letztere bedroht werden, weil die Aschen- bahnrennen den Fahrern allgemein höhere Einnahmen bieten können. als dies bei ausgesprochenen Sportveranstaltungen der Fall ist. Da aber die Mehrzahl der Motorradfahrer nicht auf Rosen gebettet ist, besteht durchaus die Möglichkeit, daß immer mehr von ihnen zu den Dirt-Track-Rennen abwandern und dadurch schließlich die große» Veranstaltungen hinsichtlich der Beteiligung sowohl«ine quantitative wie auck, eine qualitative Einbuße erleiden werden. Und dos ist letzten Endes der Anfang vom Ende des Motorrod- jportes. Geschäft und Sport sind und bleiben immer«in sehe zweffchneiGga Schwert.£rkz Wittcktad. Man entsinnt sich noch, daß im vergangenen Jahre aus Eng- land die sogenannten„D i r t- T r a ck"- R e n»« n auch nach Deutschland verpflanzt worden sind, wo si« besonders in Hamburg «ine Pslegestätt« fanden. In Stellingen wurde«ine Bahn errichtet, die In ihrer Durchbildung sür den genannten Zweck als muster- gültig angesprochen werden muß. W!« in England, so erfreuen sich auch in Hamburg diese Rennen unter den breiten Volksschichten größter Beliebtheit. Billige Eintrittspreise ermöglichten weitesten Kreisen den Besuch, der ständig ein ausgezeichneter war. Sehr schnell haben sich an der Alster dies« Motorradrennen auf Kunst- bahnen—„Dreckbahnen"— populär gemacht. In dem nun begonnenen Jahr dürsten die Dirt-Track-Rennen auch in anderen deutschen Städten abgehalten werden. Einige haben sogar nach vor Jahresschluß den Ansang gemacht. Auch über Ber- liner Projekte ist inzwischen manches in die Oeffentlichkeit gedrungen. Tatsache ist jedensalls, daß die Olympia-Bahn«»"Plötzen- see sür dies« Zwecke umgebaut ynd hergerichtet wird. und daß dort demnächst dies« Aschcnbahnrennen mit Motorrädern gefahren werden. Daß nunmehr die Veranstallerin der Hamburger Dirt-Track-Rennen trotz des immer ausgezeichneten Besuches bei ihren Veranstaltungen finanziell zusammengebrochen ist, wirft ein Licht darauf, daß«in solches Unternehmen auch nach Wirtschaft- l i ch e n Grundsätzen gelestet werben muß. Das teilweise güstige Slroßenrennoerbat im vorigen Jahre hat in Deuischlayb immer mehr den Ruf nqch Motorradbahnrennen laut werde» lassen. Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club und der Deutsche Motorfahrer-Verband hatten im vorigen Jahre ge- meinsam mehrer« Bahnrennen In Mariendon und i» Ruhleben mit bestem Eriolg durchgeführt, deren Fortsetzung auch sür dieses Jahr geplant ist. Bei diesen Rennen ist bisher stets der spart- l! ch e Eharakteö gewahrt worden. Wie das künki'.g wird, stnuh abgewartet werden. Dabei ist aber nicht zu übersehen daß die nun auch sür Berlin geplanten Dirt-Track-Rennen mehr oder weniger für aste Teile ein geschäftliches Unternehmen darstellen. Plan hat auf CuBtimfneteu ich»» äff--------- m# SeiatonuHu