BERLIN Montag 6. Januar 1930 Der Abend Erfcheint täglich außer Sonntags. Bugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW68, Lindenstr. 3 Spätausgabe des„ Vorwärts 66 10 Pf. Nr. 8 B4 47. Jahrgang Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Vf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Vostfcheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37 536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Das gefälschte Ruffengeld. Internationaler Fälscherprozeß in Moabit. Vor dem Schöffengezicht Berlin- Mitte begann heute morgen bei großem Andrang von Berichterstattern und Publifum unter Vorsitz des Amtsgerichtsrats Wartenberg die Berhandlung gegen die georgischen Tscherwonzenfälscher. Die Unflage wird vom Oberstaatsanwalt Tehlaw und dem Staatsanwaltschaftsrat Krüneberg vertreten. Die Verteidigung liegt in Händen der Berliner Rechtsanwälte Dr. Bär und Dr. Sad und der Münchener Rechtsanwälte Dr. Jung, Dr. Menz und Dr. Froschberg. Bon den Angeklagten sind erschienen Sadathierafchwili, karumidje, Dr. Weber, der Buchhändler Böhle, Bell, Sipping, Schmidt. Der Angeklagte Schneider, der Drucker, fehlt. Ein Krankheitsatteft ist nicht eingegangen. Ingenieur Dr. Weber hat aber von der Frau des Angeklagten briefliche Mitteilung, daß ihr Mann an Gelenkrheumatismus und einem Herzklappenfehler daniederliegt. Der Oberstaatsanwalt beantragt Abtrennung des Verfahrens gegen Schneider. Dr. Sad bittet, sich doch mit München telephonisch in Berbindung zu setzen. Das Gericht beschließt, das Berfahren gegen Schneider abzufrennen und auch den Angeklagten Küpping zu entlassen, deffen Anklage mit Schneider eng im Zusammenhang fteht. Rechtsanwalt Dr. Froschbach rügt für seinen Mandanten Schmidt und Rechtsanwalt Dr. Menz für den Angeklagten Dr. Weber die Zuständigkeit des Berliner Gerichts. Der Druck der olten Tscherwonzen habe in München stattgefunden, die angeklagten Zeugen wohnen gleichfalls in München, man habe also fünftlich die Möglichkeit gesucht, die Zuständigkeit des Münchener Gerichts auszuschließen. Man habe einfach dem diesbezüglichen Wunsche der Gowjetregierung entsprochen. Der Vorsitzende: Glauben Sie, daß die Berliner Richter weniger objektiv sein würden als die deutschen? Rechtsanwalt Dr. Menz: Das glaube ich nicht. Ich bin von der Objektivität der Berufsrichter überzeugt, die Laienrichter fenne ich nicht, aber die Atmosphäre in München ist eine ganz andere als in Berlin, und so haben die Angeklagten Interesse daran, in München abgeurteilt zu werden. Rechtsanwalt Dr. Beer, der Berteidiger der beiden Georgier, begrüßt seinerseits das internationale Forum des Berliner Gerichts. Der Oberstaatsanwalt spricht sich für die Zuständigkeit des Berliner Gerichts aus, denn die Verbreitung der Tscherwonzen habe hier stattgefunden. Das Gericht lehnt den Antrag der Verteidigung ab. Nach Verlesung des Eröffnungsbeschlusses tommt als erster Angeklagter Schalwa Karumidse zu Wort. Er spricht russisch und wird von einem schlechten Dolmetscher unterstützt. Er ist im Jahre 1887 in einem kleinen Ort Georgiens geboren, hat in Tiflis das Gymnasium besucht, in Moskau Geschichte und Landwirtschaft studiert und ist vom Jahre 1911 an in Tiflis an einer höheren Schule als Lehrer für Geschichte tätig gewesen. Am politischen Leben Georgiens nahm er innerhalb verschiedener kultureller Institutionen teil und ging während des Krieges als Mitglied der Liga der Fremdvölker in Rußland nach Deutschland. Das Komitee der Liga reicht unter seiner Mitwirkung eine Dentschrift an Wilson ein, in der die Lage der Minderheiten in Rußland geschildert wurde. Das war im Mai 1915. Der Angetlagte schildert ausführlich seine Tätigkeit nach der Selbständigkeitserflärung Georgiens und betont ganz besonders die Sympathien Deutschlands für ein unabhängiges Georgien. Er wurde in die Nationalversammlung gewählt, wurde Mitbegründer der Nationaldemokratischen Partei und Vorstandsmitglied einer Reihe wirtschaftlicher Inftitutionen. Nach der Okkupation Georgiens durch die Sowjetregierung fam er im Jahre 1921 nach Deutschland. Er wollte hier auf Grund von Verbindungen mit verschiedenen deutichen Persönlichkeiten woher er diese Verbindungen hatte, und welcher Art seine Tätigkeit während des Krieges in Deutschland gewesen ist, verweigerte er die Aussage für ein unabhängiges Georgien werben, gleichzeitig auch in wirtschaftliche Beziehungen zu deutschen Industriellen treten. In Deutschland sei aber nichts zu erreichen gewesen, da es wirtschaftlich selbst in äußerst gedrückter Lage war; die Sympathien für Georgien feien aber nach wie vor groß gewesen. Deutschland sei das einzige Land, erklärte der Angeklagte, das auch nach der Ottupation Georgiens durch die Sowjetregierung feine Selb ständigkeit nach wie vor anerkannt habe, es eriftiere tein Schrift. stück, das diese Anerkennung anmulliere Der Borsitzende macht den anwesenden Bertreter des Auswärtigen Amtes darauf aufmerksam, daß er beim Oberstaatsanwalt Einspruch erheben könne, sobald etwas zur Sprache kommen sollte, das im staatlichen Interesse zu unterbleiben hätte. Der Vertreter des Auswärtigen Amts erklärt bet dieser Gelegenheit, daß die Be( Fortsegung auf der 2. Seite.) Weiterführung städtischer Bauten. Die Bauarbeiterschaft fordert Arbeit! Die Organisationen der Berliner Bauarbeiter in Verbindung mit dem Bunde der technischen Angestellten und Beamten haben an den Oberpräsidenten und an die städtischen Körperschaften folgende Eingabe gerichtet: Am Sonnabend, dem 4. Januar, hat der Magistrat der Reichshauptstadt beschlossen, in Befolgung des Erlasses des Herrn Oberpräsidenten die Weiterarbeit an einer Reihe städtischer Bauvorhaben mit sofortiger Wirkung einzustellen. Nach diesem Beschluß sollen die für den Rest des laufenden tatjahres für Neubauten im Hochbau noch vorgesehenen Mittel von vornherein um 25 Proz. gefürzt werden. Hierdurch entsteht allein bis Ende März des laufenden Jahres ein Auftragsausfall pon 20 Millionen Mark, d. h. ein Lohnausfall für die Arbiter. schaft von mindestens 6 Millionen Mart. Weitere Kürzungen hat sich der Magistrat vorbehalten. Die Beschlüsse des Magistrats fallen in eine Zeit ohnehin start rüdgängiger Bautonjunktur. Bereits am 6. Januar 1930 waren in Berlin, trotz der milden Bitterung, 4692 Maurer, 3500 3immerer, 5819 Bauhilfsarbeiter, 1048 Dachdecker arbeitslos gemeldet. Das ist zusammen ein gutes Driffel der gesamten Berliner Bauarbeiterschaft. Wenn die Einstellung auf den städtischen Hochbaustellen tatsächlich in größerem Ausmaß durchgeführt wird, müssen weitere Tausende von Facharbeitern arbeitslos werden.. Aehnlich mie um die Bauarbeiterschaft, ist es um die technischen Angestellten bestellt. Die auch in diesem Berufszweige beträchtliche Arbeitslosigkeit wird durch die Maßnahmen des Magistrats insofern noch verstärkt, als auch die Vorbereitung kommender Bauvorhaben unterbleiben soll. Die Maßnahmen des Magistrats werden im wesentlichen die Bauarbeiterschaft und die Angestellten treffen. Die Unternehmerschaft dagegen wird auf Grund ihrer Ver träge ihre Verdienstausfälle wenn nicht auf dem Wege des Vererstattet bekommen. gleichs, so auf dem Wege der Klage 1 Diese Tatsache zwingt zu der Feststellung, daß es sich um eine Irreführung der Deffentlichkeit handelt. wenn der Beschluß des Magistrats als„ Ersparnismaßnahme" bezeichnet wird. In Birk lichkeit handelt es sich, ganz im Gegenteil, um eine Verteuerung Der Hugenbergblock. rally DNVP Seldte Hugenberg Hitler HUGENBERGBLOCK Er bröckelt weiter ab. EW der bereits begonnenen Bauten. Eine weitere Verteuerung findet dadurch statt, daß außer den Entschädigungen an die Unternehmerfchaft die Zinszahlungen für das bereits festgelegte Baukapital nutzlos weiter zu leisten sind. Schließlich bedürfen unvollendete Bauten besonderer Schutzmaßnahmen, die auch erhebliche Kosten verursachen; hierin liegt eine dritte Quelle der Verteuerung. In Wahrung des wohlverstandenen Eigeninteresses der Reichshauptstadt Berlin und des Interesses der Bauarbeiterschaft und der Angestelltenschaft sehen sich die unterzeichneten Organisationen genötigt, gegen den durch den Schrift des Herrn Oberpräsidenten veranlaßten Beschluß Verwahrung einzulegen. Bund der technischen Angestellten, Ortsverwaltung Berlin. Quensel. Für die freigewerkschaftlichen Verbände des Baugewerbes: Baugewerkschaft Berlin des Deutschen Baugewerksbundes. Drügemüller. Eine Aufgabe für den Haag. Aenderung des Reichsbantflatuis. Die Verhandlungen im Haag werden an den materiellen Lasten, die Deutschland in Zukunft zu fragen haben wird, Wesentliches nicht mehr ändern fönnen. Aber eines könnten sie uns bringen: nämlich die Befreiung der deutschen Wirtschaft von der Diktatur des Reichsbanfpräsidenten. Daß sich diese Diktatur mehr und mehr zum Verhängnis auswirkt, ist nicht nur im Inland allgemein fühlbar geworden, es wird auch im Ausland vielfach erkannt. Aber gerade das Ausland trägt Schuld an dieser Diktatur, denn es war der Dames Plan, der dem Reichsbankpräsidenten diese überragende Stellung verliehen hatte. = Wenn der Young Plan nun das Reichsbantstatut nur insoweit ändert, daß die Ausländer ausscheiden, der deutschen Regierung aber das Recht auf Abberufung des Reichsbantpräsidenten nicht zurückgegeben wird, dann bleibt der Reichsbankpräsident wie bisher ein mit außerordentlichen Bollmachten ausgestatteter Beauftragter des Finanzkapitals, und die deutsche Regierung wird zu immer neuen Kapitulationen por ihm genötigt sein. Die gegenwärtigen Berhandlungen im Haag bieten vielleicht die letzte Gelegenheit zur Beseitigung dieses unwürdi gen und verfassungswidrigen Zustandes. Die Formel gegen die Sanktionen. Die Konferenz gesichert sagt Paris. Haag, 6. Januar.( Eigenbericht.) Am Sonntag ist, wie in den letzten Tagen, in direkten Besprechungen zwischen einzelnen deutschen und französischen Ministern die Frage der Abschaffung des theoretischen Rechtes auf Santtionen für den Fall einer böswilligen nichtausführung der Reparationsverpflichtungen durch Deutschland erörtert worden. Dem Vernehmen nach haben diefe Besprechungen einen erfolgverheißenden Berlauf genommen. Eine Entscheidung ist nicht vor 43 Stunden zu erwarten. Paris, 6. Januar.( Eigenbericht.) Im Haag jcheint nach der übereinstimmenden Darstellung der Bariser Presse zwischen Deutschland und den Gläubigern volle prinzipielle Einigung hergestellt worden zu sein. Der Matin" betont, eine Wiederbejegung des Rheinlandes, eine Wieberauferstehung der Reparationsfommission oder die Anwendung irgendwelcher Zwangsmaßnahmen seien feineswegs geplant. Es sei lediglich vorgesehen, die lastenfrei zu haltenden Reichseinnahmen aus gewissen Zöllen und Verbrauchssteuern sowie aus der Reichsbahn eventuell direkt zu erheben. Es sei in Aussicht genommen, als Stichtag für die deutschen Zahlungen jeweils den 15. des Fälligfeitsmonats zu nehmen. Das gefälschte Ruffengeld. Aftion gegen den Wirtschaftsfrieg. ( Fortsetzung von der 1. Seite.) hauptung des Angeklagten im letzten Buntt nicht it im men fönne, da ja Deutschland die Sowjetregierung anerkenne. Der Angeklagte fährt in seinen Ausführungen fort: Im Jahre 1922 wurde er dem Botschafter Maltzahn vorgestellt, auf furze Zeit ging er nach Konstantinopel und kehrte dann nach Deutschland zurück. Bei den nationalen Kreisen fand er jetzt Berständnis. Er beschloß mun, unabhängig von irgendeiner Partei, sein Ziel, ein felbſtändiges Georgien wiederherzustellen, zu verfolgen. Der Kampf mußte von nun an der bolichemistischen Regierung gelten. Borsigender: Wie sind Sie auf den Plan gekommen, Tscherwonzen zu fälschen? Hatten Sie nicht etwa die Budapester Frankfälschungen zum Muster genommen? Angeklagter: Im Kampfe gegen die Sowjetregierung brauchte ich Geldmittel. Aus der Geschichte wußte ich, daß Regierungen und Staaten, schon öfters zu Geldfälschungen gegriffen haben. Es lag mir daran, eine großangelegte Aftion gegen die Sowjetregierung ins Leben zu rufen. Das Geld war nicht nur für Georgien bestimmt. Vorsitzender: Wieviel Geld brauchten Sie? Angeklagtes: Es mußte der neuen Regierung die Möglichkeit gegeben werden, sich sechs Monate lang zu halten, ohne die Steuerkräfte des Bolles in Anspruch zu nehmen. Vorsitzender: Wer gab Ihnen das Geld zu den Fälschungen. Angeklagter: Jch verweigere dar. über die Aussage. Borsigender: Hatten Sie eigenes Bermögen? Sie haben behauptet, in der Bank 50 000 Dollar liegen mögen? Sie haben behauptet, in der Bant 50 000 Dollar liegen zu haben. Angeklagter: Jetzt habe ich nichts. Der Vorsitzende verliest aus der Anklagefchrift die Ereignisse, die der Drucklegung der Tscherwonzenfälschungen vorausgegangen sind. Ein gewisser Heuß hat dem Angeklagten Karumidie unter falschem Namen die Bekanntschaft mit der Papierfabrit Bedent vermittelt, Bedenk verlangte eine Bescheinigung. Es wurde ihm eine angeblich von der Türkisch- Persischen Bant ausgestellte Bescheinigung in franzöfischer Sprache vorgelegt; sie war gefälscht. Der Vertrag, der auf 32 000 Mark lautete, wurde abgeschlossen. Das Papier geliefert. Anfangs bestand die Absicht, Noten von 1, 5 und 10 Tscherwonzen zu drucken. Von den 5- Tscherwonez- Noten wurde abgesehen, da die Sowjetregierung ihre Emission einschränken. Klischees für diese Noten wurden jedoch bestellt. Sämtliche Teilklischees erhielt der Angeflagte aus Prag. In München wurden sie zu Farbenklischees zusammengestellt. Die Numeriermaschine besorgte ein russischer Inge. nieur, der an der Handelsvertretung angestellt war. Der Vorsigende will wissen, ob Dr. Weber darin eingeweiht war, daß die Tscherwonzen in Deutschland gedruckt werden sollten. Angeklagter: Die Tscherwonzen sollten außerhalb Deutschlands gedruckt werden. Hier sollten nur sämtliche technischen Vorbereitungen getroffen werden. Es mußten aber Probedrucke stattfinden. Als dann die ersten Noten fertig waren und sich nicht als genügend gut erwiesen, mußte weitergedruckt werden. Die Scheine sollten so gut werden, daß auch die Sowjetbeamten nicht imftande sein sollten, fie als falsch zu erkennen. Briand und Henderson fahren nach Genf- Curtius Aufgabe. dem Wie der Petit Parifien" mitteilt, wird Briand am 3alesti Ratsvorsitzender Freitag die Haager Konferenz verlassen, um sich über Paris zur Genfer Ratstagung zu begeben. Der englische Außenminister Henderson wird mit bekanntlich Staatssekretär Dalton direkt von London nach Genf fahren. Ob Dr. Curtius den Haag Ende der Woche verlaffen kann, steht noch dahin. Auf der Tagesordnung der Januarberatung steht jedenfalls die weltwirtschaftlich ungemein bedeutsame Konferenz über den Zollwaffenstillstand, über deren Einberufung der Rat beschließen muß. Da Deutschland das Referat über Weltwirtschaftsfragen hat, liegt die Entscheidung hierüber vor nehmlich in der Hand des deutschen Außenministers. Die Sachlage ist insofern fompliziert geworden, als bisher nur europäische Staaten sich zu dem Waffenstillstand, wenn auch vielfach mit Vorbehalten, bereit gefunden haben. So wird im Januar nicht über die Zollfriedenskonferenz im allgemeinen, sondern zugleich über die Entstehung einer besonderen europäischen Wirtschaftszusammenarbeit entschieden. Da Deutschland als größter mitteleuropäischer Staat am meisten von den kommenden Genfer Entscheidungen betroffen wird, liegt es auf der Hand, daß der deutsche kann, wenn die Haager Konferenz wider alles Erwarten eine Außenminister nur dann seine Reise nach Genf aufgeben frisenhafte Zuspigung erfahren sollte. * Wie aus dem Haag gemeldet wird, beabsichtigt Reichsaußenminister Curtius an der Tagung des Bölkerbundsrates, die am 13. Januar in Genf beginnt, teilzunehmen, falls die Verhandlungen der Haager Konferenz seine Abwesenheit für einige Tage erlauben sollten. Er hat die Absicht, in Genf mit dem polnischen Außenminister Baleffi die verschiedenen auf deutscher Seite gewünschten Abänderungen und Verbesserungen des deutsch- polnischen LiquidaDie Abänderungsbestrebungen tionsabkommens zu behandeln. richten sich auf das Wiederkaufsrecht, nicht jedoch auf das bei der Haager Konferenz niedergelegte Hauptabkommen. Der polnische Außenminister Zalesti hat der deutschen Regierung mit teilen lassen, daß er zu Berhandlungen während der Genfer Rats tagung bereit sei. Ultimo oder Monatsanfang? Bann Deutschland zahlen soll. V. Sch. Haag, 6. Januar.( Eigenbericht.) Am Montag vormittag fand eine große und wichtige Zusammenkunft der sechs einladenden Mächte statt, die bis Redaktionsschluß noch andauert. Es sollen von den Experten noch nicht entschiedene fein Bollpeffimismus. Warschau, 6. Januar. Aus der großen Rede, die der polnische Außenminister Zaleski am Sonnabend in seiner Privatwohnung vor Vertretern der Presse gehalten hat, verdienen seine Ausführungen zur Frage des 3011friedens nachgetragen zu werden. Die Einberufung der großen internationalen Konferenz, auf der die Verpflichtung zur Nichterhöhung der bestehenden Zölle von den beteiligten Staaten auf mehrere Jahre fibernommen werden soll, steht bekanntlich auf der Tagesordnung der Januarsession des Bölkerbundrates, die unter dem Borsiz Zalestis stattfinden wird. Als Aeußerungen des neuen Ratspräsidenten müssen die Bemerkungen Zaleskis un je weniger ermutigend wirten. Unumwunden erklärte der polnische Außenminister, daß die Frage eines Zollwassenstillstandes„ richt mit Optimismus" betrachtet werden könne und daß die geplante Konferenz mit großen Schwierigteiten zu fämpfen haben werde. Auf wirtschaftlichem Gebiet fei für die Arbeiten des Bölkerbundes große Vorsicht geboten, da es hier gelte, die widerstrebenden Intereifen in einer Weise auszugleichen, daß weder der Gewinn noch die Berluste nur einigen wenigen Staaten zufielen. Zur Begründung seiner Auffassung verwies Zaleski auf den ergebnislosen Ablauf der neuerlichen Völkerbundskonferenzen über Aufhebung der Ein- und rechts. Diese beiden vom polnischen Außenminister angeführten Ausfuhrverbote und internationale Regelung des FremdenBeispiele geben um so mehr zu denken, als es bekanntlich gerade Polen gewesen ist, dessen Haltung in hohem Maße zum Scheitern der erwähnten Konferenzen beigetragen hat. Frankreichs Polenfreundschaft mit Deutschland. Warschau, 6. Januar.( Eigenbericht.) In einer Preffekonferenz erklärte Außenminifter 3 aleski anläßlich der Haager Konferenz und der bevorstehenden Bölkerbundsratstagung, daß das wichtigste Friedensproblem für Polen die gleichzeitige Regelung der Beziehungen zwischen dem Deutschen Reich, Frankreich und Polen fei. Eine deutsch- französische Annäherung erwede in Polen feineswegs Befürchtungen, sondern liege vielmehr in der Linie der polnischen Politik, da hierdurch eine deutsch- polnische Annäherung erleichtert würde. regierung genehme Persönlichkeiten" weiter abtreten. Ließen sie die Frist verstreichen, dann fielen die Güter dem Staate zu. Gegen diese Erklärung des Quai d'Orsay erheben die franzöfischen reaktionären Blätter heftigsten Protest. Sie betonen, daß es den Deutschen, namentlich den Brüdern Mannesmann ein leichtes fei, innerhalb der genannten Frist Strohmänner zur Erhaltung ihrer Güter zu finden. Streitpunkt endgültig bereinigt werden. Der wichtigste dieser Die mißverstandenen Richter Bochums. Die Abnahme des Papiers fand durch Steinheil statt.( Er ist jetzt flüchtig.) Da dieser aber sehr unvorsichtig war, sah man von seiner Beteiligung ab. Der Vorsitzende will wissen, ob Schneider( dem Drucker) bekannt gewesen sei, daß er falsche Noten drucke. Angezahlt werden sollen. Diese Frage ist von nicht zu unterschäßender Plagter: Ich möchte bezüglich sämtlicher deutschen Angeklagten jagen, daß ich es ganz besonders schwer empfinde; sie auf der Anflagebant sehen zu müssen. In materieller Hinsicht habe ich sie in teiner Weise für die Sache interessieren können. Sie haben aus bloßer Sympathie für die georgische Sache gehandelt. Dr. Weber war bereits früher mit voller Aufopferung für Georgien tätig. Schneider ist von mir laut Druckertaris bezahlt worden. Hier fommt es zu einem 1703wischenfalls stor der an eine ähnliche Situation im Orloff- Prozeß erinnert. Der Berteidigung wird von verschiedenen Seiten die Mitteilung gemacht, daß der Dolmetscher äußerst mangelhaft übersebe. Der Borsigende läßt eine Pause eintreten, damit ein zweiter Dolmetscher herbeigeschafft werden könne. Der Verhandlung wohnt u. a. der frühere Berliner Gesandte der georgischen Regierung Dr. Achmeteli bei. Französischer Kreuzer gestrandet. Die ganze Befagung gerettet. Paris, 6. Januar.( Eigenbericht.) Der französische Panzerkreuzer„ Edgar Quinet" ist am Sonnabend nachmittag infolge heftigen Nebels am Kap Blanc in der Nähe von Oran an der algerischen Küfte gestrandet. Das Schiff hatte eine aus 900 köpfen bestehende Mannschaft und 100 Marinejchüler an Bord; fie fonnten noch im Laufe der Nacht durch zwei hilfsschiffe gerettet werden. Lungenpest in Tunis. Bisher 39 Tote. Mailand, 6. Januar. Nach einem Bericht der„ Stampa", find in Tunis der Lungenpest bisher 39 Personen zum Opfer gefallen. Die Behörden haben strenge Maßnahmen ergriffen zur Jjolierung des Anftedungsherdes. Im Lazarelt von Rabat wurden über 300 Personen mit verdächtigen Krankheitserscheinungen isoliert. Die Schulen find geschlossen worden. Die ersten Pestfälle, die sich unter funesischen Arabern ereigneten, werden darauf zurüdgeführt, daß sie mit Landsleuten in Matmata in Süd- Tunesien verkehrt hatten, wo ein Einfall von Mäusen die Ernte beschädigt hatte. Autobusunglück bei Wittenberge. 12 Personen verletzt. Wittenberge, 6. Januar. Gestern nachmittag fuhr ein Wagen der Linie der Witten berger Stadtomnibusgesellschaft, die den Verkehr zwischen Wittenberge und Weifen vermittelt, auf der Weisener Chaussee infolge Bersagens der Steuerung gegen einen Baum. Nur durch die Geiftesgegenwart des Fahrers, der am schwersten verletzt murde, blieben die Insassen vor einem Sturz von der hohen Chauffeeböschung bewahrt. Der Anprail gegen den Baum war so starf, daß zwölf Jajaffen des Wagens verlegt wurden. Mit Hilfe von Kraftwagen brachte man die Berunglückten sofort in das Wittenerger Strankenhaus. Die Belezten haben hauptsächlich Schnitt. wunden, Hautabschürfungen, Arm- und Beinbrüche davongetragen. Punkte ist die Frage, an welchem Tage die Monatsraten be Bedeutung, weil bei den großen in Frage kommenden Summen die Zinsen, die durch einen früheren Zahlungstermin Deutschland verloren gehen, alles in allem schließlich viele Millionen ausmachen. Diese Frage war bereits am allerlegten Tage der Pariser Sachverständigenverhandlungen von französischer Seite aufgeworfen, aber infolge des deutschen Widerstandes nicht entschieden worden. Wäh rend der Haager August- Konferenz ist darüber ebenfalls nicht ge sprochen worden. Erst neuerdings wurde dieser Punkt in den Pariser Komiteeverhandlungen wieder angeschnitten. Ein neuer Borstoß wurde nun wieder unternommen: Anstatt der Pränumerando- Zahlungen, die sie zunächst gefordert hatten, regten die Franzosen nun den 15. eines jeden Monats als Zahlungstag an, aber auch dieses haben die Deutschen als eine neue zusätzliche Belastung, die durch nichts gerechtfertigt fet, entschieden abgelehnt. Indessen scheint es, daß den verantwortlichen französischen Delegierten bei der nicht gerade vornehmen Art ihrer Beamtenexperten, auf Umwegen neue Vorteile zu ergatten, selbst nicht wohl zu Mute ist, und es besteht Aussicht, daß sie diesen Vorstoß ihrer Sachverständigen nicht mit aller Energie unterstüßen werden, so daß es schließlich bei den Postnumerando- Zahlungen bleiben wird. Gelbft Mussolini glaubt nicht an den nahen Krieg. London, 6. Januar. Mit den Aussichten des Weltfriedens im Jahre 1930 befaßt sich der italienische Diktator Mussolini eingehend in einem Artikel der Sunday Referee". Obwohl die Kriegsbudgets der verschiedenen großen Staaten recht beträchtlich seien und die Welt einer großen Rüstungstammer gleiche, glaubt Mussolini doch, daß die Friedensbewegung im Jahre 1930 weiter gestärkt würde. Man dürfe aber keinen allzu großen Optimismus zur Schau tragen, angesichts der zahlreichen Gefahrenquellen, besonders der unruhigen Lage auf dem Balkan und im fernen Osten. Die Jnder bleiben im Amt. Maffenbontott beschlossen- aber nicht durchgeführt. London, 6. Januar. Der Aufforderung des allindischen Kongresses an alle mit glieder des Kongresses in Regierungsstellen, ihre Aemter in lleber einstimmung mit den Kongreßbeschlüssen niederzulegen, sind bisher nur wenige Mitglieder der Kongreßpartei nachgekommen. Den äußeren Anzeichen nach zu urteilen, scheint ein Massen austritt von Indern aus der Zentral- und den Provinzialregierungen nicht zu erwarten zu sein. Inzwischen gehen die Bemühungen der einzelnen Gruppen der Kongreßparteien fort, für die auf dem allindischen Kongreß gefaßten Beschlüsse Unterstügung im Lande zu suchen oder gegen sie Stellung zu nehmen und sie als undurchführbar hinzustellen. Kein deutscher Besitz in Maroffo. Paris, 6. Januar.( Eigenbericht.) Eine offizielle Beruhigungsnotiz. Der Amtliche Preußische Pressedienst schreibt: An Stelle der vor einiger Zeit eingegangener Essener Zeitschrift Das freie Wort", deren journalistische Methoden wiederholt den Gegenstand parlamentarischer Erörterungen bildeten, erscheint in Effen seit einiger Zeit eine neue Zeitschrift Neue Front", deren Tendeng nationalsozialistisch ist. Mehrere sozialdemokra tische Landtagsabgeordnete beschäftigten sich ausführlich in einer Kleinen Anfrage mit dieser Zeitschrift, die, wie sie ausführten, ins befondere von der Inseratenerpressung lebe. Standalgeschichten in der Zeitschrift erschienen, melde sich bei der bea treffenden Persönlichkeit ein Inseratenafquisiteur und stelle gegen einen genügenden Injeratenauftrag Richterscheinen des Artikels in Aussicht. Ein solcher Atquisiteur fei vor einiger Zeit bei einem Inhaber einer Bochumer Firma erschienen und habe ihm erklärt, daß ein entlassener Angestellter der Firma Material über ihn geliefert habe. Der Rebatteur der„ Neuen Front", Herr Wagner, Mitglied des Reichstags, sowie der Geschäftsführer Boß seien auf solches Material besonders scharf. Der betreffende Inhaber habe sich jedoch nicht einschüchtern lassen, sondern seinen Rechtsanwalt beauftragt, den Erlaß einer einstweiligen Berfügung herbeizuführen, durch die der ,, Neuen Front" die Veröffentlichung des Artitels untersagt werden sollte. In der Anfrage wurde nun ausgeführt, daß der Anwalt die größten Schwierigkeiten gehabt habe, den Erlaß einer einstweiligen Berfügung zu erreichen. Offenbar seien die Bochumer Richter durch die publizistischen Methoden der Neuen Front" so eingeschüchtert, daß fie jeden Borwand suchen, um sich der Beschäftigung mit diesem Blatt zu entziehen. Das Staatsministerium wurde gefragt, was es zu tun gedente, um die Bochumer Gerichtsbehörden zu pflichtmäßigem Verhalten gegenüber der Neuen Front" zu veranlassen und jerner um pflichtmäßig handelnde Richter gegen die zu erwartenden Angriffe und Beileidigungen dieses Blattes zu schüßen. Wie der Amtliche Breußische Pressedienst" mitteilt, beantwortet der Preußische Justizminister die Anfrage folgendermaßen: " ,, Nach den angestellten Ermittelungen haben die Richter in Bochum es nicht abgelehnt, sich mit dem Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung gegen die Neue Front" zu befassen. Der Sachbearbeiter bei dem Landgericht war gerade mit einer Beweis aufnahme beschäftigt; der Borsigende der Ziviltammer, an den sich der Rechtsanwalt darauf wandte, mies, weil er eine Entscheidung der Kammer erst für den folgenden Tag in Aussicht stellen konnte, auf die für Eilfälle vorgesehene Zuständigkeit des Amtsgerichts hin. Auch bei dem Amtsgericht hielt der Dezernent zufällig Termine in dringenden Sachen ab. Er hat aber alsbald nach deren Beendigung die Brüfung und Bearbeitung des Antrages vorgenommen und noch am felben Tage entschieden. Die Annahme, daß die beteiligten Bochumer Richter sich der Beschäftigung mit dem Antrage gegen die Neue Front" zu entziehen gesucht hätten, dürfte darauf beruhen, daß der Rechtsanwalt Aeußerungen der Richter misverstanden hat. Ein Anlaß zu einem Einschreiten gegen die mit der Sache befaßten Richter hat sich nicht ergeben. Auch ist bisher ein Bedürfnis zu besonderen Maßnahmen zum Schuße der Richter gegen Angriffe und Beleidigungen durch die Zeitung nicht hervorgetreten. Im Bedarfsfall würden die bestehenden Gelege ausreichende Handhaben bieten." Zu der Weldung des Vorwärts", wonach der fürzlich zwischen dem deutschen Botschafter von Hoesch und Briand unterzeichnete In der Anfrage maren Aeußerungen der in Frage komdeutsch- französische Liquidationsvertrag die Rückgabe des ehemaligen menden Richter im Wortlaut mitgeteilt, die sehr gravierend deutschen Befizes in Maroffo norfehe, erflärte das französische Aus- waren. Das ist nun alles das berühmte., Mißverständ= wärtige Amt, daß die Rückgabe der deutschen Güter an eine wichtige ris". Es märe zu wünschen, daß die Angelegenheit mit Bedingung gefnüpit set: die deutschen Inhaber müßten die dieser offiziellen Beruhigungsnota nicht ihr Bewenden hat, Güter innerhalb einer Frist von sechs Monaten an ,, der Marotto-| sondern daß wirklich volle Aufklärung geschaffen wird. Ehrungen für Eduard Bernstein Die Palucca und ihre Tanzgruppe. Sein Heim ein Blumengarten.- Fackelzug am Vorabend. Dem greisen Vorkämpfer des Sozialismus Eduard Bern stein wurden heute aus Anlaß seines 80. Geburtstages reiche Be= weise der Verehrung und der Freundschaft zuteil. Sein Heim in der Bozener Straße in Schöneberg verwandelte sich schon früh in einen Blumengarten. Der sozialdemokratische Parteivorstand, der Bezirksverband Berlin, Redaktion und Verlag des Vorwärts", die Reichstagsfraktion und zahllose befreundete Verbände ließen burch Abordnungen ihre Wünsche für den Jubilar aussprechen. Fern und Nah liefen ununterbrochen telegraphische briefliche Glückwünsche ein. * Bon und Matinee der Volksbühne im Theater am Bülowplatz. Die Palucca ist ein Wunder auf der Tanzbühne, heute wie| eine recht notwendige technische Korrektur. Die Kunst der Balucca Publikum eine Unbekannte war. am ersten Tag, da sie noch Gret Palucca hieß und dem großen ist im wesentlichen heiter, und es passen zu ihr gewiß nich: Gesichter Als selbständige Tänzerin riß von fanatischer Ernsthaftigkeit. Aber es ist ein Unterschied zwischen sie beim ersten Auftreten ihre Zuschauer hin; man jubelte ihr stürmisch einem Lächeln, das unbewußt aus dem Innersten herausstrahlt und zu. Ihr Name wurde ein Begriff. Es ist schwer, fich gegen die einem Lächeln, das bewußt an das Publikum adressiert ist. Anforderungen eines so glänzenden Anfangs zu behaupten. Die Balucca aber übertraf noch beinahe bei jeder ihrer Beranstaltungen alle Erwartungen, die man ihr entgegenbrachte. Ihre Technik war von Anfang an fertig. Der Reichtum ihrer Kunst ist unerschöpflich. Selbst ihre alten Tänze werden nie Routine, sind immer wieder neu empfunden, neu nuanciert. Die Palucca mit dem scheinbar so flar durchfichtigen, primitiven Kindergesicht, erwacht erst im Tanz. Sie wird hundertfältig, immer wieder eine andere, in der Mimit, im Körperausbrud, im Tanzerleben. Ein Ton, ein Rhythmus, eine Farbenstimmung scheinen sie zu entzünden. Sie flammt darin empor, ganz davon gepadt, ganz an das Kunstwert hingegeben. Nach einem Tanz glaubt man die Balucca zu lennen nach hundert Tänzen weiß man, daß man sie nie kennen wird. Denn die Balucca ist ohne Ehrgeiz, der sie einer bestimmten fünstlerischen Richtung Reichsarbeitsminister Wissell beglückwünschte den Genoffen zutreiben müßte. Sie ist ohne Talent, das fie in einen bestimmten Bernstein mit folgendem Schreiben: Tanzstil zwingen würde. Die Balucca ist ein Genie, und das Kunstwert, der Tanz, ist ihr Leben. Im Berliner Rundfunk gedachte am Sonntag Reichstags: präsident Löbe des Tages in einer fein empfundenen Rede, in der er Eduard Bernstein, dessen Freund und Schüler er sich nannte, als Wissenschaftler, als Politiker und Dor allem als Kämpfer würdigte. Gerade Bernsteins ritterliche Art, die politische Klinge zu führen, empfahl er allen zur Nacheiferung, die selbst im politischen Kampfe stehen. Von dieser Vornehmheit der Gesinnung sollten auch jene lernen, die den politischen Kampf als verrohend und charakterverderbend hinzustellen pflegen. * ,, Verehrter, lieber Genosse Bernstein. Wenn ich auch hoffe, Ihnen heute abend persönlich die Hand drücken zu können, so möchte ich doch auch noch auf diesem Wege Ihnen fagen, daß ich Ihrer anläßlich Ihres 80. Geburtstages in aufrichtiger Verehrung gebente. Ich will in diesen Zeilen, die so gar keinen offiziellen Anstrich haben sollen, nicht alle Ihre Verdienste um den Sozialismus und um die Sozialdemokratische Partei hervorheben, aber es drängt mich, Ihnen auszusprechen, wie sehr das große Vorbild, das Sie gegeben haben. Ihr Idealismus, Ihre Güte und Menschenfreundlichfeit, Ihr Glaube an den endlichen Sieg der Idee, an die soziale Gerechtigkeit und an den Völkerfrieden mich stets mit Bewunderung und Dankbarkeit erfüllt haben. Daß Ihnen noch manches Jahr un getrübter geistiger Frische beschieden sein möge, das ist der Wunsch, den ich für Sie und für den Sozialismus hege." * mie In der Volksbühnenmatinee tanzte sie mit ihrer Gruppe. Bei aller Schönheit der Gruppentänze wird doch in ihnen die unüberbrückbare Kluft zwischen Tanzbegabungen und dem Tanzwunder einer Balucca deutlich. Die prachtvolle Erattheit, die vielseitige Ausdrucdsmöglichkeit der Tanzgruppe empfindet man eigentlich nur, wenn die Balucca nicht darunter ist. Dann, wie etwa in der fröhlichen Bewegtheit des Spiels", wie in dem Trio Temperamentvoll", in der Ausgelassenheit des Intermezzo s", hat man' eine reine Freude an dem Können der Gruppe. Und man spürt, welch eine gute Lehrerin die Palucca ist: trotz der glänzenden Präzision der Technik bei allen Darbietun gen sind die Temperamente der Tänzerinnen frei von jede: Schablone geblieben, ja, ihre Verschiedenheit dient gerade dazu, dem Tanz echtes Leben einzuhauchen. Wenn man allerdings Fräulein Ko= rinet das stereotype Girllächeln abgewöhnen würde, so wäre das bestimmt keine Vergewaltigung eines Temperaments, sondern nur Das Antlitz der Zeit. Bon Dr. Paul F. Schmidt. Am Sonntag abend brachte die Schöneberger Partei organisation in Verbindung mit der Arbeiterjugend und den„ Roten Falken" dem Jubilar einen Fackelzug. Am Bahnhof Ebersstraße sammelten sich die Parteifreunde und die Arbeiterjungen und mädel, die roten Fahnen mehten dem Zuge voran, der durch das Bayernviertel nach der Bozener Straße zog. Dort erwarteten Tausende von Menschen die anmarschierenden Massen. Eduard Bernstein stand auf seinem Balkon, ihm zur Seite hatten sich Arbeiterjungen mit Fackeln aufgestellt. Frohe Begrüßungen aus der Menge wechselten mit Hochrufen auf den alten Führer. Vor dem Hause marschierten die Fackelträger auf. Reichszehnten hat er ein umfassendes Material von allerlei Köpfen, aus tagsabgeordneter Wendt richtete herzliche Worte an das greise Geburtstagstind. Bewegt dantte Eduard Bernstein für die Ehrung. Durch die abenddunklen Straßen ertlang der Kampfgefang der Partei ,, Auf, Sozialisten, schließt die Reihen!" Die Abteilung Schöneberg IV der Sozialisti. fchen Arbeiterjugend hat Eduard Bernstein schriftlich um die Genehmigung ersucht, in Zukunft den Namen Gruppe„ Eduard Bernstein führen zu dürfen. Hinweg mit der Blockade! Sozialistischer Abrüftungsvorstoß im Haag. Haag, 6. Januar.( Eigenbericht.) Die Abrüstungstommission der Sozialistischen Arbeiterinternationale hat anläßlich der Londoner Seeabrüstungstonferenz das Gesamtproblem der Abrüstung geprüft und eine Entschließung zur Borlage an die Eretutive beschlossen, in der es heißt: ,, Die SAI. ist der Ansicht, daß die Londoner Konferenz nicht nur zu einer Beseitigung des Wettrüstens zur See in jenen Kategorien führen muß, die von der Washingtoner Konferenz nicht erfaßt worden sind, sondern auch darüber hinaus zu einer fühlbaren Herabjehung unter das allgemeine Ausmaß der bestehenden Rüffungen. Die Herabjegung aller Kategorien innerhalb der Gesamttonnage ist in der Tat das einzige Mittel, um Rüstungssteigerungen in ge= wissen Kategorien zu Lasten anderer zu verhindern. Die SAJ. erklärt, daß die Londoner Konferenz nur dann dauernden Wert für den Kampf gegen die Rüstungen zur See haben wird, wenn sie ihr Bert im Rahmen der allgemeinen Drganisation des Friedens zu vollenden weiß, die in Genf verfolgt wird. Nur in diesem Rahmen kann das Problem der Freiheit der Meere eine zufriedenstellende Lösung finden. Die in London vertretenen Mächte müssen auf dieses Recht der Sonderblockade verzichten, das ebenso als internationales Verbrechen zu erklären ist, wie daß der Völkerbundspakt und der Pariser Patt hinsichtlich des Krieges fun. Das offene Meer darf nur durch internationalen Vertrag und auf Grund eines Beschlusses des Völkerbundes geschlossen werden, um einen friedensbrecherischen Staat den Frieden auf3u3 win gen, einem Staat, der zum Angreifer wird, indem er jeden Berjuch der friedlichen Beilegung eines Konfliktes ablehnt und zum Kriege schreitet. Die Einschränkung der Rüstungen zur See dart jedoch auch nicht mit dem Hinweis auf den vorhandenen Zusammenhang zwischen den Rüstungen zu Wasser, zu Lande und in der Luft aufgehalten werden. Die SAI. stellt fest, daß die britische Arbeiterregierung durch Lord Robert Cecil ihre Absicht kundgeton hat, zur Frage der Herabsetzung der Rüstungen zu Land und in der Luft um fafsendere Vorschläge zu machen oder wieder aufzunehmen, als fie die tonfervative Regierung formuliert hat. Die sozialistischen Arbeiter werden daher die Aktionen der britischen Arbeiteregierung fraftvoll unterstüßen und darüber wachen, daß die anderen Regierungen in teiner Form einer Prestigepolitik und insbesondere nicht den Versuchen des faschistischen Italiens erliegen, die darauf hinauslaufen, die Londoner Konferenz zum Scheitern zu bringen." = Ein Photograph stellt sich die Aufgabe, den deutschen Menschen des 20. Jahrhunderts mit der Kamera festzuhalten; in zwei Jahrallen Ständen, Altersklassen und Berufen zufammengebracht. Aus dem ungeheuren Borrat sind einstweilen 60 Tafeln ausgewählt und mit einer knapp und flug zupackenden Einleitung von Döblin veröffentlicht.*) Die meisten Aufnahmen sind charaktervoll und gelungen. Sander geht auf das Wesentliche des Menschen aus und gibt Abbilder der Gesellschaft in dem Sinn, wie sie etwa Budowlin in seinen Filmen gibt: vom Leben gezeichnete, ins Leben ge wachsene Charaktere der Gegenwart. Es ist ein Genuß, den Band zu durchblättern. Aber es besteht ein Bedenten gegen diese Art, das ,, Antlig der Zeit" darstellen zu wollen. Wir haben eine Hochflut von unübertrefflichen, in jeder Hinsicht maßgeblichen Erzeugnissen der modernen Photographie. Wir können auch gar nicht genug Dofumente der Lichtchemie bekommen aber man muß verlangen daß sie dokumen tarisch bleiben und nicht den Ehrgeiz haben, Kunst oder Wissenschaft oder, wie in diesem Falle, Soziologie zu werden oder zu ersetzen. Das Antlitz der Zeit" tann niemals die Kamera geben, Denn, es ist sehr einfach und einleuchtend, aber es muß immer mal wieder gesagt werden: die Kamera zeigt durchaus mur den Moment, und dazu den von Licht, Tageszeit, Stimmung und tausend zufälligkeiten bedingten Moment beim Aufnehmen eines Menschen; fie ist in einem extremen Sinn subjektiv, und das gilt für den einzelnen, von dem jeden Tag zwanzig Aufnahmen gemacht werden müßten, um den Durchschnitt eines Jahres aus tausenden zu destillieren und damit vielleicht das Antlig dieses einen Menschen photographisch festzustellen. Wie steht es nun mit dem Antlig unserer 60 Millionen deutscher Zeitgenossen? Sander ist ein aus gezeichneter Photograph, er hat seine Beispiele gut ausgewählt, wie viel tausend Versuche mögen unter den Tisch gefallen sein. Aber sollen diese 60 Beispiele ein Querschnitt durch unsere Nation sein? Bauerngesichter vielleicht und einige Proletariertypen. Darüber hinaus ist alles nur Stichprobe aus Individualitäten willkürlichster Wahl. Tenor, Kräuterheilkundiger, Revolutionär, Boger solche Beispiele, die feinerlei fogiate Maßgeblichteit besigen( im Photo erst recht nicht) und andere führen das Auslejeprinzip ad absurdum ( während sie als Aufnahmen hinreißend find)! Wo liegt der Fehler? Am wenigsten beim Photographen; er liegt da, wo ihn sogar die überragende Intelligenz von Döblin nicht gesucht hat, in der Verwechslung des Dokumentarischen der Photographie mit dem Darstellerischen der Kunst. Das Antlig einer Zeit, und auch der unserigen, fann nur ein Künstler geben, der die notwendige Austeje vorher trifft. Gerade Döblin, der Schöpfer des gewiß ebenso individualifierten wie typischen Proletariers Franz Biberkopf, der im gleichen Moment das Kodensierte eines Jahrhundertsschnitts und die Kleinmalerei bestimmter Situationen darzureichen vermag, follte das wissen. Um beim Anschaulichen zu bleiben, muß man an die ganz andere Durchschlagskraft der Charafierifierung eines Borträtmalers denken. Die wahre Identität zwischen Modell und Borträt tann nur der große Künstler schaffen, und er gibt mit dieser Aehnlichkeit der vergänglichen Züge auch all das Unvergängliche von Charafter, Beruf, Beitgefühl, sozialem, geistigem, sittlichem Milieu, das den Menschen erst zum Repräsentanten seines Geschlechts und seiner 3eit macht. Sein Geheimnis ist, von Ort und Zeit zu abstrahieren, das heißt, über das Momentane hinweg. daß jedem Menschen in bestimmter Situation anhaftet, wenn ihn die Banalität des Alltags und der Kamera überrascht, die Bersönlichkeit als Aus druck ihrer Epoche, ihrer Kaste, ihrer Gesellschaft zu erkennen und Damit das wahre Antlig der Zeit" zu schaffen. " *) August Sander: Antlig der Zeit. 60 Photos Verlag. 1929, fie, ohne es zu wollen, immer den Tanz an sich. Dabei fügt sie sich Wenn die Balucca bei den Gruppentänzen mitw.rft, jo reißt völlig anspruchslos ein, stellt oft genug eine Schülerin in den Vordergrund. Aber die unerhörte Stärke des künstlerischen Erlebens, die Don ihr ausstrahlt, macht sie doch immer zum Mutelpunkt des Tanzes. Sie sollte deshalb in diesen gemeinsamen Tänzen auch immer von vornherein der Mittelpunkt sein. Nur dann kann die prachtvolle Geschlossenheit der tänzerischen Kompositionen voll zur Geltung fommen. Sehr start wirfte das Duett Allegretto" mit Else Baros, die sich vollkommen der Balucca im gefühlsmäßigen miterleben anfchmiegt. Gerade in den Mctiven der Spiegelbewegung führte die Weichheit und Klarheit des Mitempfindens zu einem wundervollen Einklang. Ein Duett mit der fertigsten und selbständigsten Balucca- Schülerin Lotte Goslar war der ausdrudsreichste der gemeinsamen Tänze. Lotte Gosfor machte ihrer Meisterin Ehre. Nach den noch etwas zu sehr durchdachten Anfangsgesten glitt sie völlig in den Tanz hinein, der in ewigen sehnsüchtigen Auseinanderstreben das Suchen zweier Menschen nach einander variiert. In einer fleinen Handbewegung zitterte zörlich werbende Kraft; unendliche Trauer der Einsamkeit sprach aus einem langsamen Sich- erheben. Ein Tango" der Palucca war der Höhepunkt der Matinee. Der Körper der Tänzerin raste in wilder Leidenschaftlichkeit über die Bühne. Man zitterte vor der furchtbaren Spannung, von der die Palucca durch diesen Tanz geschleudert wurde. Die letzte, höchste Grenze des fünstlerischen Ausdrucks, des künstlerischen Erlebens war hier erreicht. Es schien, als müsse sich die Tänzerin an diesem Werk auflösen. Das Haus raste Beifall; und schließlich erflangen irgendwelche Klaviertöne, die untergingen im Rhythmus der Klatschenden Hände, und die Palucca tanzte, noch im Kostüm zum Tango, eine Zugabe, übermütig, spielerisch, voll dankbarer Heiterfeit. Sie ist ein Wunder. Trude E. Schulz. Nationalistische Stinkbomben. In der Lübeder Boltsbühne wurden bei der Aufführung von Credés Bert:§ 218, Gequälte Menschen", von Rationalsozialisten Stinkbomben geworfen. Da nur eine der Bomben losging, blieb der nationalistische Gestank auf den ersten Rang beschränkt. Die Lümmel fonnten leider nicht ermittelt werden. Urheberschutz für Inszen erungen. Die Leitung der Wiener Oper hat bei den zuständigen Stellen Schritte unternommen, um die Inszenierung und die musikalische Einrichtung ihrer Aufführungen urheberrechtlich zu schützen. Damit wird eine Aktion eingeleitet, die aus den Kreisen der Regisseure seit langem verlangt wird, und deren Besprechung einer der Hauptpunkte des im nächsten Jahr in Wien stattfindenden internationalen Schauspieler- Kongresses fein wird. Die bestehenden Bestimmungen über den Schutz geistigen Eigentums, die durch die Entwicklung technischer Kunstdarbietungen längst als unzulänglich erwiesen sind, sollen nunmehr auch auf den urheberrechtlichen Schutz von Inszenierungen erweitert werden. Die maßgeblichen Kreise bereiten dahingehende Borschläge vor, um sie durch die Fachorganisationen den Regierungen ihrer Länder zu unterbreiten. Man hofft, daß durch die Schritte der Wiener Operndirektion sich die erste praktische Basis für den geplanten Gesetzesporschlag ergeben und daß auf den nächstjährigen Schauspielerfongreß eine internationale Regelung der Fragen des Urheberrechtsschutzes für Inszenierungen gefunden wird. Ein van Dyck gestohlen. Ein bekannter Brüsseler Bilderhändler hatte zur Ausstellung nach London eines seiner wertvollsten Bilder von van Dyd geschickt, das einen Wert von fünf Millionen Frank darstellt. Als er nach einigen Tagen noch nicht von der Ankunft seines Bildes unterrichtet war, wandte er sich an die Speditionsfirma, die Erfundigungen einzog. Am Dienstag erhielt der Bilderhändler endlich von London die telegraphische Mitteilung, daß die Kiste wohl angekommen sei, daß sie aber unterwegs geöffnet und das Bild aus dem Rahmen geschnitten wurde. Die Photographie des Bildes wurde sofort an sämtliche belgischen und englischen Beitungen gedrahtet, um die Wiederherbeischaffung zu erleichtern. Bei dem Bild handelt es sich um eine Madonna mit Kind, umgeben von Engeln. Bis jetzt konnte noch nicht festgestellt werden, ob das Bild sich bei der Zollrevision noch in seinem Rahmen befand oder erst nachher während des Transportes nach London gestohlen wurde. Bergson über die Komif im Film. In einer Neuauflage seines Rire" wird Henri, Bergson ein Kapitel dazu benußen, die Komit im Film zu analysieren, und sich dabei besonders mit Buster Keaton befassen, dessen Filme ihm den Gebanten gegeben haben, sich mit diesem Problem auseinanderzusezen. In der Lit. Welt", die die Mitteilung bringt, wird darauf hingewiesen, daß der amerikanische Schauspieler erst nach jahre. langem Arbeiten und Experimentieren berühmt geworden ist, und daß seine von Anfang bis zu Ende durchdachte Kunst, möge er nun Bergson gelesen haben oder nicht, in der Tat mie eine Nutzanwendung von dessen Theorie des Lachens wirft. Historische Schriftftüde in Leningrad gefunden. Wie aus Mostau amilich gemeldet wird, murden in Leningrad in einem ehemaligen faiserlichen Schloß wichtige historische Schriftstücke aufgefunden, darunter das Tagebuch Kaiser Nitolaus 1. sowie Briefe der letzten russischen Zarin und Wilhelms II. Die Schrif: stüde werden in allernächster Zeit vom russischen Staatsverlag veröffentlicht werden, Cebenserinnerungen Cujo Brentanos. Wie Professor Lujo Brentano in einem Dantschreiben, mit dem er die Glückwünsche seiner Die nächste Tagung der Abrüstungsfommission wird unmittelbar deutscher Menschen, München, Transmarl- Berlag und Kurt Wolff Baterstadt Aschaffenburg zu feinem 85. Geburtstage erwidert, mitvor der Märztagung der refutive der 3nternationale stattfinden. Wetter für Berlin: Zeitweise nebelig, fonit trocken und heiter, nachts leichter Frost, Tagestemperaturen über Mull, schwache Luftbewegung. Für Devtfhland: Im größeren Teile des Reichs, abgefehen von örtlichen Nebelbildungen, ziemlich beiter und troden, allgemeiner Nachtfrost, Tagestemperaturen jedoch über Null liegend. Deffentliche Museumsführungen. Sonntag, 12. San.. 10 Uhr: Raifer. Friedrich uieum. Dr. Schmidt über Frühislamische Stunft i 902 feum für Bollerfunde II, Dr. von Jennh über Die Ger manen". Zeilnehmer farten 50 Bf. vor Beginn am Eingang Die Wochentageführungen finden Freitags, 11 Uhr, und zwar vom 17. Januar bis 21. Februar im Saijer Friedrich Museum und bom 28. Februar bis 28. März in ber appptifchen Abteilung im Neuen Museum statt. Teilnehmertarten je 1 RL. Bor Beginn am Eingang. teilt, arbeitet er gegenwärtig an Aufzeichnungen über sein Leben. Die Alademie der Künffe vetar ftaltet aus Anlaß des 60. Geburtstages ibres Mitgliedes Ernst Bar Lad eine Ausstellung von Werken dieses Stünstlers. Die Gtöffnung wird am 8. Januar erfolgen. Der Ball der Genossenschaft Deuficher Bühnen- Angehörigen findet am 11. bei Stroll zugunsten der obliabitsfaffen der Bühnengenossenschait ftatt. Starten an ben Theaterfaffen bei Wertheim, Tieg. Kadewe, Karitadt und im Balbureau im Haufe der Bühnengenossenschaft, Steithstr. 11. Lifebestellungen und Rünftlerfarten nur im Ballbureau. Der Bürgerblock von Chemnitz. Demofraten im Bunde mit Hakenkreuzlern.- Kommunisten a's Schildhalter der Realtion. Im Chemnizer Stadtparlament figen 31 Bürgerliche, 21 Sozialdemokraten und 9 Kommunisten. Bei der Vorsteherwahl stimmte der Bürgerblock geschlossen für den Demokraten Schiersand und schaltete die Sozialdemokratie entgegen allem parlamentarischen Brauch aus. Die sozialdemokratische Frattion gab daraufhin eine Erklärung ab, in der es heißt: ,, Die enge Wahlgemeinschaft zwischen Hafenfreuzlern, Demokraten und übrigen tapitalistischen Fraktionen rückt auch den wahren Charakter der sog. Nationalsozialistischen Partei selbst vor unerfahrenen Wählern in das rechte Licht. Die Demokraten haben ihre Stimmen für die Vorsteherwahl den Parteien angeboten um den Preis eines Stadtratsman= dats für einen jüdischen Unternehmer und Großindustriellen. Die sonst so antisemitischen Nationalsozialisten machen dieses Geschäft mit, um damit der verhaßten Sozialdemofratie einen Dolchstoß zu verseßen und die Chemnizer Arbeiterklasse eines sozial wichtigen Postens zu berauben. Damit ist vor der Chemnizer Einwohnerschaft ganz offen und eindrucksvoll dokumen tiert, daß legten Endes nicht Judenhaß, sondern flassenmäßig empfundener Arbeiterhaß die Triebfeder dieser fapitalistischen Partei ist, die sich zur Irreführung urteilslofer Wähler bewußt wahrheitswidrig als sozialistische Arbeiterpartei" bezeichnet. Die fozialdemokratische Frattion stellt fest, daß schon bei der Bildung des Präsidiums die fapitalistische Mehrheit des neuen Kollegiums den brutalen Willen bekundet, ihre neuerworbene Macht hemmungslos anzuwenden gegen die Interessen ber arbeitenden Einwohnerschaft, gegen das Wohl der Unbemittelten und Hilfsbedürftigen und gegen die politische Meinung der sozialistisch gesinnten Arbeiterschaft. Die sozialdemokratische Fraktion erhebt aber in dieser für die proletarischen Wähler der Stadt Chemnitz niederdrückenden und beschämenden Stunde gegen die Kommunistische Partei ron neuem den schweren Bormurf, daß sie durch ihre arbeiter. feindliche Taktik und durch die unverantwortliche Ablehnung der Listenverbindung zur Stadtverordnetenwahl die Linksmehrheit im Chemnitzer Stadtparlament Icichtfertig aufs Spiel gesetzt und praktisch die bürgerlich fapitalistische Mehrheit verschuldet hat. S Die sozialdemokratische Fraktion stellt weiter mit Bedauern fest, daß die kommunistische Fraktion, die noch vor einem Jahre den sozialdemokratischen Stadtverordneten Borsteher mit wählte und vor wenigen Tagen die Wahl eines fommunistischen Stadtrates mit Hilfe der Sozialdemokraten ohne politische Bedenken hinnahm, heute plötzlich sich durch neue Tagesbefehl e Don Berlin auf Grund der Wendetaktik dazu fommandieren ließ, die Bahl eines Sozialdemokraten zum ersten Vorsteher ais untragbar abzulehnen Erst durch dieses tlassenverräterische Verhalten der Kommunisten, jeit Bochen schon im Rämpfer" öffentlich angekündigt, ist der Chemnizer fapitalistisch- faschistischen Reaktion der Mut geworden zu ihrem frechen Anschlag auf die Arbeiterflaffe. Die politische Berantwortung für diesen traurigen Erfolg des Bürgertums gegen die Chemnißer Arbeiterschaft fällt somit in ihrer ganzen Schwere auf die Kommunistische Partei." Die beiden Demokraten, die sich mit den Hafentre uz ( ern verbündet hatten, sind Reichsbannerleute, der eine von ihnen, den man einst als glühenden Demokraten und flammenden Republifaner schäßte, zweiter Gauführer des Reichsbanners. 11nd mun: Arm in Arm mit den Hitler- Leuten! Der Gau Chemniz des ,, Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold" hat daraufhin beim Bundesvorstand in Magdeburg gegen den de mo= fratischen Stadtverordneten Nordsied, der dem Gauverstand angehört, ein Ausschlußverfahren beantragt, weil Nordsieck in der tonstituierenden Sigung des Stadtparlaments für die Wahl des Nationalsozialisten als Schrift führer geftimmt hat. Gru Verständigung im Haag. Unser Bild zeigt die deutsche und die franzöfifche Delegation im Haag nach einer friedlichen Aussprache. Von links nach rechts: Staatssekretär Schubert( hinten), Reichsminister Dr. Wirth, Wirtschaftsminister Robert Schmidt, ministerpräsident Tardieu. Finanzminister Chéron( Geficht teilweise verdeckt), Außenminister Curtius, Finanzminister Dr. Moldenhauer, Außenminister Briand, Slaatsfekretär P ünder, Prof. Hesnard. Umschwung in Polen. is 190 Eine Folge vielverlästerter ,, Einmischung". Warschau, 6. Januar.( Eigenbericht.) Der polnische Sozialistenführer Dr. Hermann Diamand schreibt im Robotnik" gegen das Gefchrei von Einmengung", das die Butschistenpresse erhoben hat, als Europa feine Meinung über die Behandlung des Sejm äußerte: ventionspolitik betreiben, die sie in ihrem eigenen Lande auf das schärffte bekämpfen. Muffolini hat erst fürzlich in Warschau die Maßregelung eines polnischen Senators verlangt, der es gewagt hatte, den italienischen Diktator in einem Artikel zu fritisieren, und in Berlin forderte er die Streichung einzelner Säße in dem Drama Angermayers. Der polnische Gesandte Knoll verlangte in Berlin die Bestrafung des„ Vorwärts". Die antiparlamentarische Politik der polnischen Regierung, auf eine Minderheit im Sejm geftüßt, hat die Aufmerksamkeit des Auslandes auf Polen gerichtet. Das übrige Europa verstand die Gefahr, die dem polnischen Parlamentarismus drohte und brach das höfliche Schweigen. Alle europäischen Länder- mit Ausnahme derjenigen, und hinter den Kulissen? Ich weiß nicht, welcher fremde Diplo mat nach dem Eindringen der Offiziere in den Sejm das Außendie von der Dittatur terrorisiert werden, und gerade diejenigen mit höchst er kultur, besitzen demokratische Verfassun- ministerium in Warschau besuchte aber mir ist aus bester Quelle gen und verfolgen als höchftes Ziel die Erhaltung des Friedens.| bekannt, daß eines Tages der englische Gesandte in Wien den Die Nachbarschaft Rußlands fann innerpolitische Unruhen in Polen zu internationalen Konflikten werden lassen, deren Ausdehnung nicht abzusehen ist. Revolutionäre Gewerkschaftsarbeit." gemeinsame Sache aller Revolutionäre ohne Rücksicht auf ihre NatioDie Probleme der Losowsfi und Merter. Der Zentralrat der Roten Gewerkschaftsinternationale hat in [ ziner lezten Plenarsizung nach den Referaten von Losowski und Merker über die Ergebnisse und Aussichten der Wirtschaftsfämpfe einen Aufguß der kommunistischen Quertreibereien als die Probleme der revolutionären Gewerkschaftsarbeit" ausgegeben. Die Moskauer dekretieren: Bundeskanzler aufsuchte und daß einige Stunden danach ein Kommuniqué mitteilte, daß der Verfassungsstreit auf dem Rechis wege beigelegt werden würde. In Polen ist keinerlei Rommuniqué erschienen, aber es tann festgestellt werden, daß seit der Veröffentlichung des Schreibens der Labour Party und des französischen Abg. Loquin an den Sejmmarschall eine Aenderung in den politischen Methoden der Machthaber eingetreten ist. Obwohl nichts vorhergesagt werden fann, besteht die Hoffnung, daß die demokratischen Grundsätze in Polen zur Geltung gelangen werden. Die bisherige Uebermacht der Minderheit über die Mehrheit beruht nicht auf der Ueberlegenheit des Intellekts, sondern darauf, daß die Minderheit um sich Elemente gesammelt hat, denen im politischen Leben keine undemokratischen Auslandes, die Hoffnung Berechtigung erhalten, daß die Rechtmäßigkeit in das öffentliche Leben Polens wiederfehren, das Recht des Volkes über die Willkür einzelner triumphieren wird. Bolen nimmt in Europa eine Ausnahmeftellung ein. Die tra ditionelle Liebe der Polen zur Freiheit tommt in den Borstellungen der zivilisierten Welt zum Ausdrud: Amerika hat den Polen, die für Amerikas Freiheit gefämpft haben, Denkmäler errichtet, in der internationalen Literatur lebt noch die Erinnerung an die Aufstände gegen die Unterdrücker, ein freies Polen war die nalität. Ein freies Polen, das seinen Bürgern Menschenwürde und rechte garantiert, war die Idee, die das gesamte demokra tische Europa verfocht. So tam es zu den Einmengungen" fremder Länder in Bolens innere Angelegenheiten, und eine solche Einmittelbare Teilnahme gebührt. Es hat, dank der Intervention des mengung war es auch, als auf der internationalen Konferenz in Stockholm 1917 der spätere sozialistische Ministerpräsident Bran ting die Forderungen Bolens vertrat und erklärte: ,, Europa baut Bolen auf!" Jezt aber sind es nicht mehr innerpolitische Borgänge, die das übrige Europa zu einer Stellungnahme gegenüber Polen veranlaßten, sondern B Dinge, die auf die Weltpolitif Einfluß nehmen, Dinge, die zur allgemeinen Sorge werden und das höfliche Schweigen mit Rücksicht auf die Allgemeinheit unterbrechen müssen. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen der gespannten Kämpfe gibt es teine reinen Wirtschaftsstreits. Diese Lage stellt auf die Tagesordnung das Problem des politischen Massenstreifs. Die einzige Kraft, die den wirtschaftlichen und politischen Streit zu leiten berufen ist, sind die Gewerkschaftsopposition und die revolutionären Verbände. Der reformistische Gewerkschaftsapparat schreitet ununterbrochen den Weg zum Faschismus. Die Im übrigen sind auch die Kreuzzüge, ist auch das Unternehmen reformistische Gewerkschaftsbureaukratie ist von einer heimlichen Napoleons I. eine Einmengung in fremde innerpolitische Angelegen Sabotage der Streits zu einer offenen Werbung von Streifheiten gewesen; aber während es damals die Regierungen waren, brechern und zur direkten Organisierung polizeilicher Ueberfäll auf Streifende und ihre Streilleitungen übergegangen. Die Gewerkschaftsbureaukratie führt ihre streitbrecherische Arbeit in trauter Arbeitsgemeinschaft mit den rechten Renegaten, wie den Walcher und Enderle, durch." Es ist allerdings ein Problem, die Dinge, die sich in der tommunistischen Bresse so leicht auf den Kopf stellen laffen, in der Pragis auf den Kopf zu stellen. Nicht die Gewerkschaften sind zur Führung der wirtschaftlichen Kämpfe berufen, sondern nachdem sie von der RGI. abberufen wurden die fommunistische Opposition in den Gewerkschaften und die„ revolutionären Verbände", wie die von Niederkirchner und Repschlager. Es mag in tommunistischem Sinne auch ein Problem" fein, durch Anzettelung wilder Streifs gegen die Gewerkschaften, deren Abwehr als Streifbruch auszuschreien. In Wirklichkeit ist es jedoch mur eine widerliche und niederträchtige Demagogie, die allzu durch sichtig ist, als daß sie von denkenden Arbeitern nicht durchschaut find es heute die Völker selbst, die intervenieren, wodurch gleich zeitig jeder Verdacht einer egoistischen Beeinflussung fortfällt. Auch der Charakter der Interventionen ist ein anderer geworden; sie geschehen heute auf geistigem Gebiet und ihr Hilfsmittel ist die Lite ratur. Dabei sind es gerade diejenigen Länder, die eine InterSozialfaschismus eine tiefe und breite Kluft bestehe oder sogar, daß der Sozialfaschismus gegen den Faschismus fämpfe," ist nach Lofowiti reinster Opportunismus". ,, Lassen wir die„ Revolutionäre" ihre durch und durch unwahrhaftigen Probleme" weiter wälzen. Wir müssen jedoch jederzeit bereit sein, den Herrschaften gehörig auf die Finger zu flopf n sobald fie dazu übergehen, allerlei Unfug zu machen und den Gewerkschaften in den Rüden zu fallen. Bartel gegen Beamtenbummel. Warschau, 6. Januar.( Ost- Expreß.) Eine gute Presse hat sich der neue Ministerpräsiden Bartel durch seinen ersten Erlaß an sämtliche Ministerien verschafft, worin er scharf den Disziplinmangel im Beamtentörper rügt. Der Erlaß stellt fest, daß Beamte sich oft während der Dienſtſtunden in Restaurants und Cafés aufhalten. Wiederholt hätten Beamte, die öffentliche Lokale, namentlich nachts, besuchten, den Grundsah ver letzt, der von einem Beamten die Wahrung des Ansehens seines Standes auch außerhalb des Dienstes verlangt. Die strenge Ermahnung Bartels veranlaßt die Blätter, daran zu erinnern, daß in letzter Zeit häufig durch den Nachtbummel von Staatsbeamten Aergernis erregt worden sei. | Petljura und Lewitzki im polnischen Solde, weshalb sollte nicht auch er, das Oberhaupt der ukrainischen Kojalenrepublit, mächtige Gönner mit goldgefülltem Sädel suchen. So beschloß die Regierung der Ukrainischen Kosakenrepublit" in ihrer Sigung vom 14. Juni 1929, im Namen des Präsidiums der Utrainischen Staatsverbandes in Frankreich, des Präsidiums des Verbandes der Utrainer, der ausländischen Legion und des obersten Kommandos des ukrainischen Rosafentums, die Annäherung der Ukraine an Deutschland. Sie beschloß ferner, an die Leiter der deutschen nationalen Organisationen werden könnte Die Ueberfälle der kommunistischen Stoßtrupps Schnorrerbriefe an deutsche Industrielle das Ersuchen zu richten, fie in ihrem Stampfe van die Selbständigkeit auf gewerkschaftlich organisierte, zu tariflichen. Lohnbedingungen arbeitende Rohrleger sind noch in frischer Erinnerung, als daß sie ins Gegenteil umgebogen werden könnten. Zu dem Versuch dazu gehört die ganze Underfrorenheit eines Losowski und die Frucht der gelben Erziehung eines Merter. Ueber die Bedeutung von Walcher und Enderle in der deutschen Gewerkschaftsbewegung scheint der RGI. von Merter nicht richtig informiert worden zu sein. Um seine eigene Wichtigmacherei zu be. tonen, gebraucht Merker den problematisch konstruierten Triumph über die beiden gewerkschaftsgeschulten und erfahrenen Ausgeschloffenen" Der ungefrönte Opereiten- Hetman der Ukraine. Die Lorbeeren des 3aren aller Reußen Kyrill laffen den Het den ,, Het man der gesamten Utraine am linken und rechien User des Dnjepr und Haupt der Kosaten" 3. v on Boltawez Ostraniza nicht schlafen. 7 Wie Miljukows Pariser Blatt erzählt, hat er seine Residenz in der Nähe von Paris aufgeschlagen eine Heiman- Kanzlei errichtet, Minister" und Sekretäre ernannt. Er verleiht Orden, Generalswürden, Fürstentitel und schließt, Staatsverträge über die Ausbeutung von Eisenbahnen als zukünftiger Herrscher des ukrainischen Ein weiteres Problem besteht darin, die heute noch als Sozial- Staates. Natürlich läßt er sich für all das bezahlen, denn er braucht faschisten beschimpften Gewerkschafter direft als Faschisten zu be Geld. Und weil er Geld braucht, ist ihm jedes Mittel recht. Gedeihen schimpfen. Die Auffassung, daß zwischen dem Faschismus und dem| feine Konkurrenten, die Oberhäupter der„ Ukrainischen Volksrepublik" der Ukraine durch Geldzuwendungen zu unterstützen, sie zu bitten, auch bei in Frage fommenden vermögenden Bersönlichkeiten Schritte zu unternehmen- alles natürlich im Interesse des deutschen Boltes!" Das Ersuchen hatte leider wenig Erfolg In der Staatsfizung wurden einige Wochen später die Antworten auf die Schreiben verlesen, die an 34 deutsche Persönlichkeiten gerichtet waren. Nur ein gewiffer von Rurffel(?) in Minden hatte eine Reinigkeit gespendet. Die Antwort Briands an die Operettenregierung der Ukraine ist leider nicht bekannt geworden. Berantwortl, für die Redaktion: Wolfgang Schwarz. Berlin: Anzeigen: Th. Glode, Berlin Berlag: Borwärts Berlag G. m b SH.. Berlin. Drud: Borwärts Buchbruderei und Verlagsanstalt Baul Singer& Co. Berlin S18 68. Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Beilage Montag, 6. Januar 1930 Der Abend Snadausgabe des Vorwärts Strafentlassene berichten... Aus Briefen ehemaliger Strafgefangener Trotz aller Reformversprechungen und bestrebungen will man eins noch immer nicht verstehen: der neue Strafvollzug wird ohne Gefängnisfürsorger nie Wirklichkeit werden. Zählen Hamburg und insbesondere Thüringen bereits seit langem mehrere Fürsorger, so befizt Preußen bis heute nur einen einzigen in der Jugendstrafanstalt Wittlich. Und auch dieser einzige Fürsorger wird nicht vom Staate, sondern von einer privaten Stiftung befoldet. Fürsorgeinspektor Blum, vom Direktor Bleidt in jeder Weise unterstützt, hatte durch seine Tätigkeit den schlagenden Beweis erbracht, wie unbedingt notwendig eine derartige Fürsorge ist, soll der Anstaltsaufenthalt überhaupt nachhaltige erzieherische Birtung ausüben. Die Gefangenen- und Entlassenenfürsorge der Strafanstalt Wittlich begann im Jahre 1913. Fürsorgeinspektor Blum machte damals seine erste Dienstreise; er besuchte seine Schüß linge. Seit 1925 wiederholt er die Reisen in viermonatlichen Abständen. Seine Fürsorgeorganisation steht bereits gefestigt da. Er verfügt an verschiedenen Orten über eine Anzahl von Ver trauensleuten, die die Entlassenen betreuen. Fürsorgestellen, Arbeitsnachweise und Pfarrämter fommen thm in jeder Hinsicht entgegen. Der Entlassene und der Fürsorger Die Fürsorgearbeit nach der Entlassung bildet nur die Fortsetzung der Fürsorgearbeit im Gefängnis. Es gilt, die jungen Leute in günstigem Milieu unterzubringen; umfomehr, als nur 50 Pro3. mit guten Aussichten die Anstalt verlassen und es unter den Entlassenen viele ehemalige Fürsorgezöglinge gibt. Trotzdem machen die Rückfälle nur etma 10 bis 15 Proz. aus. Ihren stärksten und schönsten Ausdruck erhält die Fürsorgetätigkeit der Anstalt in den vielen Tausenden Den Briefen der jungen Menschen an ihren Fürsorgeinspektor. Sie wenden sich an ihn in allen ihren Nöten selbst nach vielen Jahren. Sie sprechen zu ihm, wie zu ihrem guten Freunde. Sind die Briefe voll aufrichtiger Freundschaft für den Fürsorgeinspektor, so enthalten sie auch immer wieder freundliche Grüße für den Direktor und die übrigen Anstaltsbeamten, wie Lehrer, Meister usw. So schreibt z. B. einer: ,, Vergaß ich Sie in der Zeit? Mehr als zehn angefangene Briefe, hundert, hundert Gedanken, die in dieser Zeit Ihnen gehörten, sagen Ihnen, daß ich Ihrer gedachte. In einem zweiten Briefe desselben Schreibers heißt es: Ihr restloses Verstehen meiner Empfindungen und meines Lebens hat Sie mir im Laufe der Zeit so nahe gebracht, wie nie einen anderen Menschen. Gewiß spielt dabei auch die Dankbarkeit eine Rolle, die ich Ihnen für das Vertrauen, das Sie mit dem Gefangenen Tchenften, schulde 4 Ein anderer Strafentlassener schreibt:„ Es besrembet mich sehr, daß ich von Ihnen jetzt mit Sie angeredet werde Warum? Bin ich in Ihrer Gunst gesunken..? Unser erstes Reiseziel( er meint sich und seine Braut) wird Wittlich sein. Ein dritter Briefschreiber bedankt sich für die vermittelte Arbeit und sagt:„ Ich weiß, daß ich mich am meisten dankbar zeige, indem ich meiner Mutter ein guter Sohn bleibe, was ich auch stets halten werde." Diese Briefe ließen sich beliebig vermehren. Es spricht aus ihnen immer die gleiche starte Bindung zum Fürsorger. Sie allein ift der feste Grund, auf dem die Fürsorgetätigkeit aufgebaut werden kann. Es gibt auch junge Menschen, die dem Fürsorger im Gefängnis mit unüberwindbarem Mißtrauen gegenüberstehen; erst dessen Sorge um fic, nach ihrer Entlassung, macht aus dem Saulus einen Paulus. So schreibt zum Beispiel einer: So lange ich noch im Gefängnis war, fonnte ich mir nie jo recht flar über den Wert des Fürsorgers werden. Nachdem ich aber Ihre Wohltaten min schon seit Wochen in einem so großen Maße genieße, ist es mir so recht zum Bewußtsein gekommen, daß durch Ihre Person und durch Ihre Tätigkeit unheimlich viel Muttertränen getrocknet werden Noch kein Mensch auf der Erde hat mich zu jo viel Dant verpflichtet..." Der Schrei nach Arbeit ehrlich bleiben will, teine Arbeit da ist." Und schließlich| Menschen ist, der drei Jahre dem Verkehr entzogen war und nun frohlockend im neunten Brief: Der Herr hat mich selbst auf sein Bureau bestellt, das tut er sonst bei feinem Arbeiter. Er sagt, er hätte niemand gebraucht, aber er wolle mir helfen, und ich sollte mich bei Ihnen bedanken." Neue Nöte Hat aber ein solcher Strafentlassener mit Hilfe des Fürsorgers endlich Arbeit gefunden, so sind dann noch lange nicht alle Hindernisse überwunden. Immer wieder stellen sich neue ein. ,, Meine Berzweiflung ist groß", schreibt einer aus einer großen füddeutschen Stadt. Ich kann Ihnen kaum noch schreiben. Man weiß nämlich bei uns im Geschäft, daß ich im Gefängnis war, wenn auch nicht wo, und wie lange. Der Betriebsrat hat sich bei der Polizei erfundigt, wo ich gewohnt hätte und da hat er erfahren, daß ich in der Strafanstalt war. Wie mir ist, kann ich gar nicht schreiben.. 4 Wie häufig sind doch die Fälle, in denen der Entlassene wieder brotlos wird, weil seine Kollegen mit einem Gefängnisbruder" nicht arbeiten wollen! Immer wieder bitten die Entlassenen um Bescheinigungen über Absolvierung eines Teils der Lehrlingszeit ohne Angabe daß es im Gefängnis gewesen ist. Selbst Einundzwanzig jährige scheuen nicht davor zurück, noch die Gesellenprüfung anzustreben. Ein Fürsorgezögling schreibt: Troß aller Bemühungen noch teine Arbeit und fämpfe jetzt bald mit der Berzweiflung, denn Müßiggang ist aller Baster Anfang. Wenn ich auch Für forgezögling war, so möchte ich doch nicht auf den Weg zurückcmmen, den ich gegangen bin." plöglich unter die Menschen gestellt wird.. Wo ich meinen Entlassungsschein vorzeigen mußte, hatte ich nur Verachtung und Mißtrauen zum Erfolg flach vielen Jahren.. Aus Trier, aus Duisburg, aus Düsseldorf, Köln, Frantfurt a. M., Bonn, Worms von überal! her fommen die Bitten, den Schreibern Stellung zu, besorgen, und von überall her kommen auch die Dankschreiben für besorgte Arbeit, Mitteilungen über Beförderungen, Wohlergehen usw. Gerät aber irgendeiner von den früheren 3öglingen in Not, durch unglückliche Berkettung der Umstände oder durch Leichtsinn, so ist es wieder der Für forger, an den sie sich vertrauensvoll wenden ja selbst nach vielen Jahren. Da ist zum Beispiel einer, schon im Jahre 1921 entlassen; sechs Jahre später wendet ei sich wieder an den. Für forger. Mag sein, daß die Arbeitsmethoden der Jugendstrafanstalt Wittlich nicht in allen Einzelheiten auch anderswo anwendbar sind; natürlich ist die Gefangenenfürsorge machtlos ohne straff aus gebaute Entlassenen fürsorge der städtischen Wohl. fahrtsämter. Eine so starke Bindung aber wie sie zwischen Für forger und Gefangenen in der Strafanstalt selbst entsteht, wird in der Freiheit zwischen dem Entlassenen und dem ihn Betreuenden nur in den seltensten Fällen möglich sein. Für viele der straffällig Gewordenen ist aber die persönliche einmalige Bindung an den Gefängnisfürsorger die wichtigste Boraussetzung ihrer Resoziali sierung. Das verstanden zu haben, ist das Verdienst der Gefängnis- und Entlassenenfürsorge der Strafanstait Wittlich und der wenigen anderen deutschen Strafanstalten, die den gleichen Beg Leo Rosenthal, Ein anderer:„ Es ist schwer, zu beschreiben, wie es einem beschritten haben. Dr. Werner Peiser: 30 Jahre BGB. dem Arbeitnehmer wenigstens in einem gewissen Umfange zu er möglichen. Die Gesetzgebung über das Arbeitsrecht endlich be deutet letzten Endes nichts anderes als eine Untermauerung der brüchig gewordenen Vorschriften des BGB. über den Dienstvertrag. Und hier sind wir an einem Bunft angelangt, bei dem wir uns einen Augenblid aushalten müssen. Gerade in den letzten Jahren ist eine Fülle von Gesezen geschaffen worden, die dem Zweck dient, das bürgerliche Recht zu modernisieren und zu reformieren, es den geänderten wirtschaftlichen Verhältnissen einigermaßen anzupassen. Die Weiterentwicklung und Umgestaltung der kapitalistischen Birt fchaft verlangte so stürmisch eine Anpassung des Gesetzes, daß der Gesetzgeber sich diesen kategorischen Forderungen der Wirtschaft einfach nicht entziehen konnte, wenn er nicht ein Chaos im Ablauf des täglichen Lebens befürchten mußte. Am 1. Jamuar 1930 waren 30 Jahre seit dem Tage verflossen, Irung geschaffen werden, um die Ausführung dieses Paragraphen an dem das Bürgerliche Gesetzbuch in Kraft trat, nachdem es bereits vier Jahre vorher seine endgültige Gestalt erhalten hatte. In jahre langen Beratungen, die unter Hinzuziehung der ersten Juristen Deutschlands von den damals maßgebenden parlamentarischen Körperschaften, dem Reichstag und dem Bundesrat, gepflogen wurden, war ein Gesez zustande gekommen, das als einheitliches Ganze für die Dauer bestimmt zu sein schien. Durch die Einführung des BGB. wurde einer ungeheuren Rechtszer iplitterung, die zu unerträglichen Spannungen geführt hatte, das Ende bereitet, und so sehr die älteren Juristen, die nun alle plöglich umiernen mußten, stöhnten, und so wenig sie sich anfangs in die neuen Verhältnisse zu schicken wußten die Tatsache, daß das deutsche Zivilrecht hier zum ersten Male seine Kodifikation, seine gefeßliche Zusammenfassung fand, wurde allgemein begrüßt. Das Jahr 1871 hatte die politische Einigung Deutschlands gebracht, und wenigstens. auf dem Gebiet des Strafrechts war das Reichsstrafgesetzbuch, dessen Geburtsjahr gleichfalls 1871 ist, auf dem Fuß gefolgt. Acht Jahre später, im Jahre 1879, folgte die Zusammen fassung von Strafprozeß und Zivilprozeß in eigenen Ordnungen sowie ein neues Gerichtsverfassungsgeseh; bis zur Zusammenfassung des bürgerlichen Rechts aber vergingen nochmals 21 Jahre. Man kann sich heute nur schwer vorstellen, von welcher umwälzenden Bedeutung das Gesetzwerk mar. Der alte Grundsatz Reichsrecht bricht Landrecht" war zum ersten Male verwirklicht. Wie einfach erschien noch das Mietwesen zur Zeit der Einführung des BGB., und wie kompliziert wurde die Sachlage durch die alle bisherigen Berhältnisse revolutionierenden Vorgänge während des Krieges und vor allem nach dem Kriege und während der Inflation. Auch hier war der wirtschaftliche 3 wang stär ter als die rechtlichen Gegebenheiten. Man tam mit den alten Bestimmungen nicht mehr aus, und es wurden zahlreiche neue Gesetze geschaffen, von denen hier nur das Wohnungsmangelgefeß, das Mieterschußgefeß, die Verordnungen über die Einrichtung von Wohnungs und Mieteinigungsämtern ge nannt seien, die in ihrer Gesamtheit ein richtiges neues Wohnrecht bilden und die Vorschriften des BGB. nur noch gewissermaßen als Grundlage bestehen lassen. Ueberhaupt fann man sagen, daß die zahlreichen ergänzenden und abändernden Vorschriften, die man in ihrer Gesamtheit als Novellengefeßgebung" bezeichnet, die Tendenz haben, ausgleichendes Recht an Stelle des bisherigen gleichen" Rechtes zu schaffen, wie es viele Jahre vor dem Kriege schon der öfterreichische Soziologe Selety gefordert hatte. Schon damals war dieser Gelehrte zu der Erkenntnis gekommen, daß alle schönen Sätze über Gleichberechtigung Redensarten bleiben müssen, solange wenige wirtschaftlich Starke der großen Masse der wirtschaftlich Schwa chen gegenüberstehen. Wenn wir heute das BGB. mit seinen 2385 Paragraphen und seinem Einführungsgesetz von 218 Artikeln betrachten, so müssen wir feststellen, daß die Zeit in das Antlig dieses Gefeßwertes mindestens ebenso tiefe Spuren eingegraben hat, wie dreißig Jahre fie in den Zügen eines Menschen hinterlassen. Die beginnende Entwicklung zum hoch kapitalistischen System prägte 1871 den Gesetzen feinen Stempel auf. Gewiß war der Eigentumsbegriff, wie ihn das Der größte Teil der Briefe dreht sich selbstverständlich um die Römische Recht geschaffen, wie er durch die Rezeption", durch die Arbeit. Hier müssen der Fürsorger und der Entlassene im gleichen Aufnahme des Römischen Rechts in Deutschland im 15. und 16. Jahr Maße Geduld aufbringen. Immer wieder stoßen die Entlassenen hundert neu eingeführt war, wenigstens in seiner starrsten Form auf Mißtrauen; sie wechseln in einem fort die Arbeitsstellen, zer- überwunden; aber der Geist der Pandekten, des Justinianschen fiören durch irgendeine Unehrlichkeit die mühevolle Arbeits- Gesetzbuches war durch jahrhundertelange Tradition in Deutschland Die veränderten Zeiten haben mit gesteigerter Lebhaftigkeit in vermittlungsaufbautätigkeit des Fürsorgers und sind nicht selten ge- noch allzu lebendig, als daß er gerade auf dem Gebiet des Zivilrechts zwungen, Wochen hindurch von einem Ort zum anderen zu laufen. hätte verdrängt werden können. Und wie das zur Zeit in Kraft den letzten Jahren an Vorschriften des Gesetzbuches gerüttelt, bie bis sie Arbeit finden. Ich werde von einem Tag auf den befindliche Strafgesetzbuch gewisse Bergehen gegen das furz zuvor noch als sein eherner Bestand gegolfen hatten Erinnert anderen vertröstet", berichtet ein Berzweifelter, und jeden Eigentum strenger ahndet als Körperverlegungen, jei nur an die Neuregelung der Rechtsstellung des unTag so viel herumgeschickt, daß die Schuhe, die Sie mir gaben, schon so wurden dem Eigentumsschutz im bürgerlichen Recht besonders ehelichen Kindes, die den gerade auf diesem Gebiet erheblich längst faputt find... Ach, lieber Herr Fürsorgeinspektor: Sie umfassende Bestimmungen gewidmet. So mußte mit Notwendigkeit abgewandelten gesellschaftlichen Auffassungen der Gegenwart anglauben gar nicht, wie satt ich diese Lauferei und die Vertröstereien das neue Gesetzbuch eines der Instrumente werden, mit denen sich zugleichen war, sowie an die Kämpfe um eine Reform der Ehehabe, ich möchte am liebsten mich von der Welt schaffen. die herrschende Klasse, die den Sieg über Frankreich als ihr Wertscheidung. Bekanntlich gilt für eine Scheidung der Ehe ausmit der einzigen Ausnahme der unheilbaren GeistesWas ich Ihnen versprochen habe, das halte ich lieber will ich veransah und verherrlichte, zum Schuh ihrer privatwirt schließlich das sogenannte Verschuldensprinzip". d. h. es muß, hungern. In einem weiteren Briefe desselben jungen Menschaftlichen Interessen umgab. um eine Ehe lösen zu können auf einer Seite ein Verschulden mie schen es ist bereits der vierte heißt es: Ich habe das Rumbummeln jetzt wirklich satt. Ich sehe schon, ein bestrafter Ehebruch, Lebensnachstellung, bösliche Berlassung, pflicht und fittenMensch wird überall verstoßen widriges Verhalten vorliegen, während andere Gesichtspunkte, wie nochmals inständig, besorgen Sie mir doch Arbeit Endlich etwa die bis zum Jahre 1900 in Geltung befindliche ,, unüberwindbat er Arbeit bekommen: Ach, wie glücklich haben Sie mich und liche Abneigung", als ehetrennend nicht mehr anerkannt werden. wie erinnerlich, stand vor einiger Zeit die Frage der erleichterten meine Mutter gemacht, jetzt habe ich wieder Spaß am Leben, wenn ich auch jeden Tag zwölf Stunden Chefcheidung auf der Tagung des Rechtsausschusses des Reichstages, und es waren die sozialdemokratischen Vertreier, die arbeiten muß, so sehe ich doch das Leben mit frohen Augen an." Ein anderer Strafentlassener schickt in Abständen von zwei bis brei Tagen hintereinander neun Briefe Da heißt es im zweiten Briefe: Die Herren zuden mur immer mit den Achseln und sagen, wir tönnen Ihnen auch nicht helfen Hätte ich nur gewußt, Aber ich bitte Sie " " daß es so schlecht hier ist, dann hätte ich fieber auf meine Straf aussegung verzichtet... Ich kann meiner Mutter und meiner Schwester nicht länger zur Last fallen In einem dritten Briefe: ,, Wenn ich noch lange so herumlaufen muß und dann cines Tages nichts mehr am Leibe habe, dam tomme ich doch Im schließlich wieder auf unglüdliche Gedanken achten Briefe: Nun gehe ich aber auf tein Wohlfahrtsamt und nirgends mehr hin, es ist traurig, daß für einen, der wohl im Gefängnis war, sich aber doch bessern will und immer Diesen Geist finden wir in nahezu allen Bestimmungen des BGB. wieder. Man wies voller Stolz auf die Tatsache hin, daß etwa in seinem zweiten Buch, dem Recht der Schuldverhält. nisse, die gleichen Vorschriften für Arbeitgeber und Arbeitnehmer in den Bestimmungen über den Dienstvertrag niedergelegt waren. Bei oberflächlicher Betrachtung schten die Vorschrift des § 626, nach der das Dienstverhältnis von jedem Zeile ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist gekündigt werden kann, wenn ein wichtiger Grund vorliegt, ein gewaltiger sozialer Fortschritt zu sein. man übersah hierbei nur oder wollte übersehen- daß der Arbeitnehmer von diesem schönen auf dem Papier verbürgten Recht nur in der Theorie Gebrauch machen konnte; denn was half ihm die verbriefte Zusage auf sofortige Arbeitsniederlegung bei irgendwelchen Mißbräuchen seitens des Arbeitgebers, wenn er in dem gleichen Augenblid, in dem er von dieser Befugnis Gebrauch machte, sich der Erwerbslosigkeit und damit dem Verhungern ausgesetzt sah! Es mußte erst die Revolution von 1918 fommen und mit ihr das Betriebsrätegeset vom Januar 1920, es mußte ferner das Reichsgesetz über die Arbeitslosenversiche frankheit fich mit besonderer Leidenschaftlichkeit für eine Abänderung der be stehenden starren Vorschriften einjezten. Die Vertreter des Zentrums verstanden es noch einmal, diese Frage, die für große massen des deutschen Volkes von entscheidender Bedeutung, ist unter Hinweis auf ihre weltanschauliche Gebundenheit zur Vertagung zu bringen. Aber es ist fein Zweifel, daß auf die Dauer die Reform nicht aufzuhalten sein wird. Auch die Zukunft wird umgestalten, was sich im Lauf der ökonomischen Entwicklung als abänderungsreif erweisen wird. Dem dreißigjährigen Jubilar geben wir als Wunsch für seine Zukunft die Hoffnung auf den Weg, daß er sich organisch dem demokratischen und fozialen Prozeß eingliedern möge, in dessen Mitte wir in der Gegenwart stehen. . Die Entglowren von Leonhard Frank 60. Bild: Auf der Fähre ( 4. Fortseßung.) die in der Mitte des Wassers zurückfahrt. Auf ihr läßt sich der zuhälter übersetzen, die Rechte hängt über Bord und gleitet durch das Wasser. Er macht ein unecht gleichgültiges Geficht, betrachtet die nasse Hand, die er aus dem Wasser zieht, reibt daran, weil doch noch Blut daran ist. Ein vorsichtiger Blid fällt auf den Fährmann. Dann läßt er die Hand wieder überhängen und durch das Wasser gleiten. 61. Bild: Das Zimmer der Morbtommiffion im Polizeipräsidium. Die Meldung des Mordes in der Rauchstraße 36 erfolgt. Der Polizeiapparat spielt. Die Beamten brechen auf. 62. Bild: Bor dem Polizeipräsidium. 66. Bild: Antleidezimmer der Baronin. Die Mordkommission ist in Tätigkeit. Die 3ofe wird eben vernommen. Le Während Höfer die Konservenbüchse zum Mund führt und zu trinfen beginnt, bricht Marie ein Stüd von dem Fisch ab und st gleichgültigen Gesichts, ohne Höfer zu beachten. Da fällt ihr Blick auf einen großen Brillantring im Stroh, den der Mörder während des Ringens verloren hat Ohne zu erstaunen, hebt sie ihn auf, betrachtet ihn faum, schiebt ihn auf den Finger und ist weiter. abblenden. aufblenden: 69. Bild: 3m, Plazmirt". Das Lokal ist, wie immer in den Morgenstunden, richt ganz besetzt. Es wird Kaffee getrunken. Unter den Anwesenden ist der Mörder. Auch der Baron ist noch da. Marie fommt, gefolgt von dem apathischen Höser Der Baron, zu dem sich Neuangekommene gesetzt haben und ihren Raffee schlürfen, sagt, das stereotype Thema dieser Nacht erzählend: Es war meine Stiefmutter. Ist das nicht gemein?" Er redet weiter: Da sage ich zu ihr: Ich habe doch kein Geld." Ein Verzeichnis der fehelnden Schmuckstücke wird nach Aussage der In die Tür des Lokals tritt der Kriminalkommissar, der die Mord3ofe angelegt. 67. Bild: Bor dem Plazmirt". Es ist heller Tag. Der Zuhälter geht auf die Kneipe zu. Andere fröftelnde Gestalten gehen hinein. 68. Bild: Im Stall. Zwischen vier Backsteinen auf dem Boden brennt ein fleines Holzfeuer. Marie tniet davor. Auf zwei Astgabeln liegt der Fisch, durch den der Länge nach ein dünner Stod gezogen ist. So brät Márie den Fisch. Das Auto mit der Mordkommission fährt aus dem Präsidium weg. Höfer hoďt am Pfosten. 63. Bild: Landestelle der Fähre. Der Zuhälter steigt aus der Fähre aus. Andere Personen, Arbeiter, warten und steigen jetzt in die Fähre ein, die wieder vom Ufer abſtößt. Der Zuhälter steht allein. Seine Hand greift in die Tasche. Er betrachtet die geraubten Schmucksachen. Er sieht hinüber, wo der Stall, in dem Marie haust, zu sehen ist. Ein Zug der Entschlossen. heit fommt in das Gesicht des Zuhälters: Jezt wird Marie ihm nicht widerstehen können. Er steckt den Schmuck wieder ein und geht in der Richtung des Stalles. 64. Bild: Vor dem Stall Der Zuhälter schleicht um den Stall herum 65. Bild: Im Stall. Marie und Höfer in genau derselben Stellung, wie wir fie verlassen haben. Marie schläft, mit dem Rüden zu. Höfer, der apathisch am Bfosten hoct, schlaflos. nige In den Türrahmen tritt der Zuhälter. Er sieht zuerst im Halbdunkel den am Pfosten hodenden Höfer. Diefes Häuschen Unglüd beachtet er gar nicht. Nun entdeckt er Marie im Stroh. Er geht auf sie zu, die wie ein feinnerviges Tier, das im Schlaf gestört wird, bligartig in Sigstellung emporfährt. Als sie den Zuhälter erkennt, sagt sie unwirsch: ,, Hol dich der Teufel!" dreht sich weg und legt sich wieder mit dem Rücken zu ihm und Höfer hin. Der Zuhälter geht um sie herum, so daß er jetzt ihr Gesicht sieht. Läßt sich vor ihm im Stroh auf die knie nieder, flüstert eindringlich auf Marie ein, die nicht reagiert. Da rüttelt er fie. Sie schlägt bös die Augen auf, blidt ihn drohend an. Er greift in die Tasche, zeigt ihr die Schmucksachen in einer Art und Weise, als sagte er: daß alles ihr gehöre, wenn sie ihm zu willen sei. Auf Marie macht das nicht den geringsten Eindruck. Sie will ihre Ruhe haben, vor allem von ihm nichts wissen. Der Mann ist wie vor den Kopf geschlagen. Da nicht einmal der Schmuck seine Wirkung bt, hat er sozusagen umsonst jemand umgebracht. Ihn padt plöglich eine besinnungslose But: Er will sein Ziel erreichen. Er stürzt über Marie her: Ein phantastisches Ringen im Stroh, bei dem nicht Schläge für Marie, sondern die Bergewaltigung Maries das Ziel ist. Sie beißt ihn in die Hand. Er brüllt vor Schmerz auf. tämpft weiter mit ihr, und da er förperlich doch der Stärkere ist, fann er, halb über ihr liegend, sein Ziel fast erreichen. Trobem sie sich mit äußerster Kraft wehrt. Höfer hat zwischendurch den Kopf gehoben, öd und blöd hingestarrt und, ohne sich zu rühren, den Kopf wieder finten laffen. Jetzt aber geschieht folgendes: Höfer erhebt sich ganz langjam, greift ganz langsam nach dem nächsten Gegenstand in seiner Nähe, nach eine Hade mit langem Stiel. Hebt sie ganz langsam hoch auf und läßt sie, während sein Kopi zwischen den hoch erhobenen Armen kraftlos hin und her schwankt ohne eine Spur von Interesse und Attivität im Gesicht auf die Schulter des Mörders niedersausen Er tut das ganze so, als ob ein ihm ganz unbekannter, fremder Wille in ihm tätig wäre. Der Mörder fällt zur Seite. Sein Gesicht ist schmerzverzerrt. Marie erhebt sich. Höfer hat die Hacke fallenlassen, steht schlaff da: Er ist sich offenbar gar nicht bewußt. was er getan hat. Marie steht an der Wand, mit den Händen auf dem Rüden und blickt, Stirn und Augenbrauen zusammengezogen, aus schmalem Augenipalt voller Widerwillen und unterdrüdtem 3orn auf den Mörder. der sich schmerzerfüllt aufrichtet und wortlos, wie ein ge.. schlagener Hund, aus dem Stall hinaussd wantt. Marie lehnt noch an der Wand. Ihr Gesicht entspannt sich. Sie betrachtet Höfer. Reineswegs etwa dankbar für die Rettung oder erstaunt, sondern schon wieder ihrer großen Gleichgültigkeit ver. fallen. In dieser Gemütsverfassung legt sie sich wieder zum Schlaf nieder ins Stroh. Worauf auch Höfer sich wieder hinhockt, zuerst mit dem Rüden gegen den Pfosten gelehnt. Dann aber, als wäre durch seine Tat doch ein Funke Leben in ihm entstanden. macht er eine Bendung mit dem Oberkörper erbwärts und legt sich ebenfalls hin. Jetzt liegen beide fo, daß Marie den Rücken Höfers fieht. Marie hat die Augen offen. Eine Spur des Interesses tommt in ihr Gesicht nur eine Spur. Sie erhebt sich. breitet den Kartoffelsad über Höfer. der es gar nicht merft, und legt sich wieder nieder( Sie but bas nicht etwa aus Dankbarkeit oder aus einem unmittelbaren Gefühl der Güte, fondern eben nur deshalb, weil es doch natürlicher und praktischer ist, daß der Kartoffelsad seine Verwendung findet.) abblenden. Marie tommt mit dem Fisch und der alten Konservenbüchse, die dampft, zu ihm, läßt sich nieder, bricht den gebratenen Fisch in zwei Hälften, reicht eine Hälfte Höfer, der sie automatisch nimmt. Sie trinkt einige Schlude aus der Konservenbüchse, reicht sie Höfer. ( Noch ist das Spiel von ihr so, daß keinerlei Empfindung der Fürsorglichkeit oder gar Liebe zu merken ist: für sie ist Höfer noch immer der zufällig anwesende Genosse des Elends, dem sie etwas zu effen gibt, weil er gerade da ist.) tommission geleitet hat, mit einer Anzahl Beamten, die entsicherten Revolver in Brusthöhe: Hände hoch! Alle Anwesenden heben die Hände hoch. Das gleichgültige Gesicht Maries zwischen den er hobenen Händen. Das erstaunte und verdatterte Gesicht des Barons. Das verschlossene und verdächtige Gesicht des Mörders. Höfer hat die Hände nicht hochgehoben. Ihm ist das unbekannt. Der Kommissar brüllt ihn an und verlangt wütend und drohend, daß Höfer die Hände hochhebt. Jeßt hebt auch Höfer langsam die Hände, ohne zu wissen, warum er das tun foll Einige Individuen werden sofort visitiert Unter ihnen auch der Mörder, bei dem der Schmuck gefunden wird. Er wird gefesselt. Die Abführung des Mörders macht weiter feinen Eindruck. Die Anwesenden sehen dem Mörder und der abziehenden Beamten nur ein paar Sekunden nach. Man merkt, sie reden noch etwas darüber. Marie hebt den Kopf, sieht den abziehenden Kriminalbeamten nur eine halbe Sekunde lang nachdenklich nach, sieht turz den Ring an ihrer Hand an, dann nochmals auf die Kriminalbeamten: sie hat den Zusammenhang begriffen. Sie zuckt faum bemerkbar mit der Schulter und trinkt ihren Kaffee. abblenden. WAS DER TAG BRINGT. Die höchste Hängebrücke der Welt. Zurzeit ist man bei Canon Ciin im nordamerikanischen Bundesstaat Colorado mit dem Bau einer Hängebrüde beschäftigt, die den Abgrund der Royal Gorgo" überspannt und als das höchste Baumerf dieser Art zu gelten hat, wenn man die Höhe von der Talfohle der Schlucht bis zur Brüde mißt. Diese Höhe beträgt 320,8 Meter und wird damit die doppelte Höhe ihrer füdfranzösischen Rivalin erreichen, die bisher den Höhereford der Hängebrücken hielt. Die höchste Stützweite dieser neuen Grand- Canon- Brücke wird 268,4 Meter, ihre Gesamtlänge 384,3 Meter betragen. Von ihrer über fechs Meter breiten Fahrbahn eröffnet sich die Aussicht auf die Baffer des in weiter Ferne und gähnender Tiefe rauschenden Arfanjas River und auf die Schienengleise einer der westlichen Eisenbahnlinien. Auf jeder Seite der Schlucht erhebt sich ein 52,5 Meter hoher Stahlturm.. Chausseen als Wegweiser für Flugzeuge. Das amerikanische Handelsministerium hat in einem Erla Richtlinien fr die Wegezeichen an den Chauffeen herausgegeben. Danach müssen fünftighin die Zeichen bis 1 Meter hoch sein und in Abständen von je 20 Kilometern aufgestellt werden. Die Chausseen follen fünftighin nicht nur dem Verkehr auf der Landstraße dienen, sondern auch Wegezeichen für die Luftfahrzeuge sem. Der Neuordnung liegt die Forderung der Luftfahrabteilung zugrunde, daß die Chausseen auch in der Luft deutlich erkennbar sein müssen. Ein Baby wiegt 600 Gramm. ( Fortsetzung folgt.) Stolz des Säuglingsheims, in dem sie geboren wurde; freilich ist ihre Größe noch weit von der normalen entfernt, und sie ist ein fleines Wunder, das nach einer Meldung des Pester Naplo" in der nächsten Sitzung des Budapester Aerztevereins vorgeführt werden soll. Eine Millionenstadt- auf dem Papier. Einer der bekanntesten New- Yorker Architekten hat der Regierung in Washington einen bis ins Bleinste ausgearbeiteten Ent murf bes vollständigen Neubaues einer Millionenstadt vorgelegt, der Fabrifen, Anlagen und Wohnhäuser für eine Million Menschen bezugsfertig errichtet vorsieht Die Stadt soll im Pittsburger Industrierevier, das bekanntlich noch ungeheure unerfchloffene KohlenDie Bautosten betragen fchätze aufweist. aufgestellt werden. mehrere Milliarden Dollar, doch bezeigen die großen Induſtriefonzerne an dem Projekt großes Interesse, so daß das Zustandetommen dieses gigantischen Projekts nicht ausgeschlossen ist. Edison nicht der Ertinder der Glühlampe. In diesen Tagen ließ der elektrotechnische Verein Hannover am Geburtshaus des Erfinders der Glühlampe eine Gedenktafel und eine Glühlampe, tie immer leuchten soll, anbringen; denn nicht der deshalb viel gefeierte Thomas Edison ist der Erfinder dieses Beleuchtungsgegenstandes, sondern der in Springe bei Hannover ge= borene Deutsche Heinrich Goebel. Bereits fünfundzwanzig Jahre früher wie Edison führt, Goebel den New- Yorkern seine Erfindung bor. Sein Urheberrecht mußte daher sogar von einem amerikanischen Als das winzigste Kind, das jemals von normalgroßen Eltern Gericht anerkannt werden. Leider hat er aber den Wert seiner Ergezeugt wurde, gilt ein ungarisches Baby Manci B., das die Auf- findung verkannt; denn die beiden Glühlampen, die er an einen merksamkeit der Aerziemelt fesselt. Als Manci, das Töchterch'n wagen montiert hatte, mit dem er allabendlich durch die Neweines jüdischen Schmiedes, in einem Budapester Säuglingsheim das Dorfer Straßen fuhr, dienten ihm nicht zu Beleuchtungs-, sondern Licht der Welt erblickte, stellte man fest, daß dieser sonst wohl zu Reklame- und Werbezwecken. Den Beiriebsstoff für die Lampen ausgebildete Liliputfäugling nur 600 Gramm Dieses nehm Goebel aus mehreren Elementen, tie er selbst zusammengestellt Gewicht verringerte sich in den ersten Lebenstagen noch bis auf hette; denn die Dynamomaschine Werner von Siemens war damals 550 Gramm, aber die Kleine wurde durch Blutübertragung von noch nicht erfunden. ihrer Mutter und ihrem Vater am Leben erhalten. Im Alter von mog. brei Wochen betrug Mancis Größe 12% 301L Aber dann ent. widelte sich die winzige Dame sehr befriedigend und ist heute der RUNDFUNK AM Montag, 6. Januar. Berlin. ABEND 16.05 Dr. Gustav Abb: Die Staatsbibliothek Unter den Linden. 16.30 1. Philipp Jarnach: Sonatine für Flöte und Klavier.( Erich Schröder, Flöte und Julius Bürger, Klavier.) 2. Hans Schröder: Kantale für Sopran, Flöte und Viola nach Gedichten von Hans Much( Uraufführung). ( Margot Hinnenberg Lefèbre, Sopran; Erich Schröder, Flöte, und Hans Mahlke, Viola.) 3. Max Reger: Lieder.( Margot Hinnenberg Lefèbre.) 4. Max Reger: Suite für Viola allein G- Moll, op. 131d, Nr. 1.( Hans Mahlke. Am Flügel: Julius Burger.) 17.30 Jugendstunde( Die Erzählung): Otto Ernst Hesse.( Sprecher: Der Autor.) 18.00 Filmregisseur F. A. Dupont: Die Welt hinter der Kamera. 18.30 Prof. D. Dr. Martin Dibelius, Heidelberg: Die ökonomische Bewegung der Gegenwart. 19.00 Unterhaltungsmusik. 20.00 Unterhaltungsmusik. 20.30 Von Leipzig: Sinfoniekonzert. Dir.: Szendrei. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. 22.30 Funk- Tanz Unterricht für Fortgeschrittene. 16.00 Englisch. Königswusterhausen. 17.30 Prof. Dr. E. Steinhard. Prag: Andreas Hammerschmidt. 18.00 Georg Foerster: Ethische Strömungen der Gegenwart. 18.30 Englisch für Anfänger. 18-55 Oberförster v. d. Recke: Die Aushaltung und der Verkauf des Holzes. 19.20 Langen: Neuzeitliches Siedlungswesen. 20.00 Graf Hermann Keyserlingk: Gegenwartsfragen. Ost und West." 20.40 Unterhaltungsmusik. 21.00 Aus..Die tote Tante und andere Begebenheiten", Einaktérzyklus von Curt Goetz, Regie: Gerd Fricke, Ein künstlicher Kehlkopf. Der Mechanifer Hermann Schulenburg aus Milwaukee, dem vor einiger Zeit der Kehlkopf entfernt werden mußte, hat sich einen neuen Kehlkopf gebaut, mit dem er jetzt völlig normal sprechen fonn. Für Experimente, bei denen ihm ein Arzt sowie ein Ingenieur affiftierten, hat Schulenburg zwar seine ganzen Ersparnisse in Höhe von 10 000 Dollar ausgeneben, erhielt aber, als er den wissenschaftlichen Kapazitäten New Yorks den künstlichen Kehlkopf vorführte, die zehnfache Summe ausbezahlt. Debut des tschechoslowakischen Henkers. Im nächsten Jahr sollte die Tschechoslowakei das fünfzigjährige Jubiläum der Nichtvollstreckung der Todesstrafe feiern. Nun wird aber daraus nichts. Bor wenigen Tagen wurde der Mörder Bognar von dem neuen Henter der Tschechoslowatei Broumaisti hingeridytet Die Presse verbreitete sich ausführlich über dies Debut des Scarfrichters. Man las da, welche Kleidung er trug man ersuchte ihn um Interviews, schilderte in allen Einzelheiten den letzten Augenblic des Mörders, sein Verhalten in der Zelle und auf dem Schafott. Schade um das verspielte Jubiläum. Prüge strate in Readclitt. Wie überall in der Welt, machte es auch in Readcliff den Jungen Spaß, aus fremden Gärten Früchte zu flauen Die Erziehungsmethoden aber, die der Richter gegen diese Jungenstreiche wählte, werden zum Glüd nicht überall in der Welt angewandt Dieser Mann aus dem vorigen Jahrhundert erklärte sich bereit, den llebeltätern die Strafe zu erlaffen, falls die Eltern sie in Gegenwart eines staatlichen Bertreters züchtigen wollten. Die Eltern, froh, daß fle so wohlfeil wegfamen, erklärten sich dazu bersir Um 3 Uhr", sagte der Richter, müssen Sie mit den Stuter an Ort und Steffe sein. Das Gericht verfügt nicht über das erforderliche Strafwerf. zeug." Bei der Züchtigung waren Gerichtsschreiber und zwei Gemät romänner anwesend. Die Eltern züchtigten. Ein moderner Pädagoge, diefer Richter. Arbeitersportspiele am Sonntag. Handball Fußball Hockey. Auf dem Dominifus- Platz standen sich im Arbeiterhand.| Spiel wird noch schneller, die Ostmannschaft wird jetzt auch gena. ball Schöneberg und ASC. gegenüber. Schöneberg gelang es, den Anwurf von ASC. sofort abzunehmen und sich in ASC.s Hälfte festzusetzen. Der Erfolg stellte sich dann auch nach acht Minuten ein, indem Rechtsaußen zum Führungstar einsenden fonnte. Der ASC.- Sturm stattete dem Schöneberger Heiligtum öfters Besuche Handball: Kaulsdort- Neukölln 5: 2. Aber die Vorlagen fommen zu scharf und können nicht recht ou genutzt werden. Noch einmal kommt West vor, Mittel und Halblintestürmer spielen gut durch, und mit einem präzis angesetzten. Rückhandschuß sitzt das dritte Tor. Das Spiel wird jetzt volliom men verteilt und offen, ohne daß bis zur Pause noch ein zählbarer Erfolg fällt. Nach dem Wiederbeginn schließt sich auch der Oststurm mehr zusammen und bald soll der Erfolg nicht ausbleiben. Eine vorgelegte Flanke von rechts wird an lintsaußen weiterge leitet, dieser gibt furz ab und halblinks schleẞt unhaltbar zum ersten Gegentor ein. In einer knappen Minute sitzt die Ostmannschaft erneut vor dem Westtor, halbfints spielt sich gut frei und schießt zum zweiten Tor für Ost ein. Nun macht sich aber doch mehr das unerhört schnelle Tempo allgemein bemerkbar. Zehn Minuten vor Schluß wird noch einmal eine vom Läufer eingeleit.te Chance, ein genau vom Mittelstürmer aufgenommener Ball, vom Halblinfen zum vierten und legten Tor für Weft verwandelt. Die Westmannschaft war alles in allem die bessere Partie und hatte ihre besondere Stüße in dem erst als Läufer und dann als rechten Berteidiger spielenden Mann aus Mariendorf und weiter chaim Mittelstürmer aus Moabit sowie ihren beiden Halbstürmern aus Nordring. Der übrige Teil paßte sich sehr gut ein und bildete zusammen das Ganze für den schönen Erfolg Die Ostmannschaft war durch einige Absager etwas schwächer, aber sie deswegen einen Bersager zu nennen, wäre ungerecht. Das Zusammenspiel tam etwas schwer zustande, vielleicht gerade durch die einzig gut arbei tende Abwehr des Gegners. Ihre Hauptstüße war die Läuferreihe und hiervon wieder der sehr junge rechte Läufer aus Nordring. Beiter wären noch hervorzuheben der linke Verteidiger und der Halblinke Stürmer aus dem Athletik- Sportklub sowie der Linksaußen, der Mittel- und linke Läufer und Torwächter aus Oftring. ab, der Erfolg blieb aus. Nach weiteren zehn Minuten gelang es dem Mittelstürmer freistehend das zweitemal einzusenden. Einige Minuten vor der Pause konnte der ASC.- Halbrechte das erste Tor buchen. In der zweiten Halbzeit waren sich beide Mannschaften gleichwertig; nach zehn Minuten stellte denn auch ASC.s Halblinfer den Ausgleich her, aber Schöneberg holte noch ein Tor auf. Das Spiel war lebhaft und flott, alle Spieler waren auf ihren Bosten. Der ASC.- Sturm zeigte etwas viel Kombination, die mur auf den Mittelstürmer zugeschnitten war. Auch tamen alle Schüsse faft genau auf den Mann, wodurch weitere Erfolge ausblieben. Die Beiderseitigen Hintermannschaften waren gut auf dem Posten. Die 2. Frauenmannschaft gemann gegen Moabit 1 mit 2: 0( 0: 0) bei sehr engem Mittelfeldspiel. 2. Männer gegen Gotol 1: 1( 1: 0). 3. Männer gegen Wilmersdorf 2 1: 4( 1: 2). -1. Jugend gegen Zehlendorf 8: 1( 2: 1). 2. Jugend gegen Oberspree 0: 4( 0: 2). FIGB.- Neukölln( Männer) verlor gegen FTGB.- Kaulsdorf mnt 2: 5( 1: 1). Schuld an der Niederlage war das zerfahrene Spiel der Neuköllner und die schlechte Abwehrarbeit der Neuköllner Berteidigung. Im Feldspiel waren die Neuköllner überlegen. Raulsdorf hatte einen besser zusammenarbeitenden Sturm, der schnelle Durchbrüche herbeiführte, die zum Erfolg beitrugen. Die Raulsdorfer Berteidigung war manchmal etwas hart. -Die Frauen gewannen gegen Wilmersdorf 2: 1( 1: 0). 1. Jugend gegen Köpenid 10: 3( 0: 2). 2. Jugend gegen Röpenid 2 2: 7( 2: 5). - ARBEITER FUSSBALL Resultate vom 5. Januar. Frauen- Hockey: Tennis Ro- Ostring 3: 0. Im voraufgegangenen Frauenspiel fonnten die Spiele rinnen von Tennis Rot einen Erfolg von 3: 0 gegen Ostring her ausholen. Engler. 70 Meter ges'anden! Skispringen in Johann- Georgenstadt. Am gestrigen Sonntag standen sich in Jüterbog der dortige Fußballverein und Trebbin gegenüber. Es war das erste Ausfcheidungsspiel um die Berechtigung für die Kreisklasse. Trebbin gewann fnapp aber sicher mit 4: 3. Die Gesellschaftsspiele nahmen folgenden Ausgang: Karo gegen Schöneberg 8: 0 Die Eröffnungs- Stispringen auf der Hans- Heinze- Schanze in Saronia gegen Weißensee 2: 7- Oberspree gegen Herzfelbe 3: 2- Johann- Georgenstadt gingen bei prächtigfiem Wetter im Beisein von Eiche- Köpenick gegen Butab 6: 1, allerdings mußte Butab ohne den etwa 5000 Zuschauern vor sich und gestalteten sich zu einem ausvorzüglichen Torwart spielen. Als Erfaß dafür hütete der Torwart gezeichneten sportlichen Erfolge. Da die Schneeverhältnisse recht der zweiten Mannschaft Köpenid das Tor. Tempelhof gemann gute waren, betam man die herrlichsten Sprünge zu sehen. Der gegen Romames 6: 0 Barwärts- Wedding gegen Reinidendorf seit Jahresfrist in Prag bomizulierende Norweger Siegmund Ruub 4: 4 Potsdam gegen Werder 3: 1- Saponia II gegen Weißen- war seinen Mitbewerbern weit überlegen. Er gewann in der fee II 1: 0 Oberspree II gegen Herzfelde II 3: 3 Eiche II Hauptflaffe mit Sprüngen von 60 und 63 Meter, außer Konkurrenz gegen Butab II 2: 1- Gagonia II Jugend gegen Weißensee 0: 2- führte er fogar prachtvoll gestandene Sprünge von 66 und 70 Meter Eiche gegen Kegin 0: 0 Jüterbog gegen Luckenwalde 5: 0 vor, die die Zuschauer in hellfte Begeisterung verfetten. Der Ein Vorwärts gegen Lichtenberg I 3: 1. heimische Czermat brachte es außer Konkurrenz auf 56 Meter. Walter Blas I- Klingenthal fam bei einem 58- Meter- Sprung zu Fall. ** FIGB., Bezirk Stralau. Die Generalversammlung findet nicht wie angegeben, sondern bereits morgen, Dienstag, 20 Uhr, bei Bollenbach, Alt- Stralau 8, statt. Hockey. Stadtspiel Ost- Wes 4: 2( 3: 0). Bei schönstern Better fonnte das Werbespiel der Hoden sparte bes 1. Kreises im Arbeiter- Zuth- und Sportbund stattfinden Den zahlreich erstienenen Zuschauern wurde ein mitreißend schöns Spiel vorgeführt. Leußerite Schnelligkeit, gute Technit und eine feltene Stocksicherheit ließen tlar erkennen, daß das Hoc.yspiel in der Arbeitersportbewegung feften Boden gewonnen und sich bereits zu guter Höhe emporgeschraubt hat. Bon Beginn an hat die Bestmannschaft ein kleines Plus. Der Sturm findet sich schnell zusammen und zeigt in vorbildlicher Art gut vorgetragene Angriffe. In der zwölften Minute gibt ter rechte Läufer der Westmannschaft einen guten Baß an den Rechtsaußen, halbrechts verlängert mit scharfem Schuß zum unhaltbaren Ior. Die Berteidigung des Ostens hat flott zu tun, der Oftsturm wird jezt etwas besser, tommt auch wiederholt gut vor, ohne aber einen Erfolg zu erzielen. Da die elegante und sehr bewegliche Weftoer teidigung immer im letzten Augenblich wieder rettend e'ngreift. Wte der ist Best mit einem sehr gefährlichen Angriff vor fem Dfitor. Halblinks schießt, ein Verteidiger springt dazwischen und hoh( pringt der Ball an dem mattgejezten Torwächter vorbei ins Neß. Das 18. Berliner. Hallensportfest. H Gestern fand das 18. Hallensportfest des Berbandes Brandenburgischer Athletitvereine statt Im ganzen gesehen war es eine gelungene Beranstaltung. Eine fajt einstündige Pause zm ichen den Bor- und Hauptkämpfen versuchte das Bublifum burs R. fe nach Siefe" auszufüllen. Endlich trat dann auch die Musikkapelle ( wie sich das für einen bürgerlichen Berrin geziemt!) in Action. Die Entscheidungen brachten harte Kämpfe. Die Bendelstafette war besonders spannend. Alle Mannschaften des Endlaufs me hielten sehr gut. Nur Brustmette trennte am 3iel Bar Kochba von Lib. und Schöneberger I. u. S. C. Auch die 4 × 400 Meter Staffel feßte die Zuschauer in helle Erregung. Durch Sturz im Gedränge des letzten Wechsels tam SCC um die Chancen. BSE. jing im 3ief den Schöneberger L. u. S. C. ab. I. Der Sprinterdreifampi war eine Riete, weil zwei Läufer zur Wiederholung des ersten Laufes wegen Bodenunebenheten nicht antraten. Daduro fühlte sich die Gelerie bewogen, ihre Meinung fund zu tun: Jubel einerfcits. Bf iftonzert andererseits folgten ben Läufen des Spri terfampfes. Man tann wirtli von einem Drifampi( preden, denn nur drei Mann liefen. Bei den Sonteroorf hurgen ernteten die „ Poliz sten" den stärksten Beifall für firaffe Uebungen nach kom. mando. Für den nötigen unpolitischen" Einbrud sorgten die Na Honalisten mit ihrem antisemitischen Su- hu!"- Gebrüll in der großen Stafette und auch vorher, sobald ein jüdischer Sportler die Spige eroberte. Nachstehend die Resultate: 1000- Meter- Hauptlausen: 60- Meter- Hürden Olympische 1050 Meter: 1. Bar- Rochba 61,5; 2. Tib. 1. 23ichmann 2,57( 60C.); 2. Kaufmann( bannover). Laufen: 1. Echulze( Poliaci-Ep.- B); 2. Defchetnic( DEC.). Staffel für B, C, D- Vereine: 1. P- Bank 3,54; 2. Terest. Sprinter- Dreifampf: 1. Jonathannover; 2. Gillmefter G'oip.. 5 × 1 Runbe: 1. Brdbg. Kraftfport- Berb. 56.4: 2. Dtsch. Rani Berb. Leichtgewichts- Ringlampf: 1@tume; 2. Henschel( Seros). 4 × 400 Meter: 1. BEC. 3: 41,9.; 2. Echbg. 5. u. G.-C. 3000- meter- anridaftelauf: 1. Bemag 10: 4,00; 2. AEG. 3x1000 Sefer: 1. ECC. 8: 7,00; 2. DEC. 8: 9. 3000 meter: 1. Bolze- HamTrg 2. Betri- Sannover. 23 2 9aben: 1. GCC. 18: 88.2; 2. DEC. Sta: BGB. gegen DHC. 52. Arbeiterringer im Serienkampf. In der Turnhalle Friedrichsfelde, Rummelsburger Straße, f. den Freunden des Ringfampfsportes Freitag, 10. Januar, 20 Uh, ein besonders sportlicher Gemiß bevor. Die A- Mannschaften der Bereine Lichtenberg Friedrichsfelde 04 und Alt. Wedding 83 treffen im fälligen Serienringtampf aufeinander. Die Alt- Wedding- Ringer, die am 15. Dezember in Kampi gegen Luckenwalte wegen Gewichtsschwierigkeiten zwei Klassen nicht besetzen fonnten, wurden dadurch verhältnismäßig hoch 17:11 von den Luckenwaldern geschlagen. Inzwischen sind die Schwierigkeiten behoben und so treten sich die Mannschaften in allen Gewichtsklassen wie folgt gegenüber: Alt- Wedding. Fliegengewicht: Buttig. Bantamgewicht: König. Federgewicht: Rohsmann. Leichtgewicht: Weŋhe. Leichtmittelgewicht: Edert. Schwermittelgewicht: Michael. Schwergewicht: Rosenkranz. Lichtenberg- Friedrichsfelde. Fliegengewicht: Borchert. Bantamgewicht: Spliestößer. Federgewicht: Willi Binder. Leichtgewicht: Treuber. Leichtmittelgewicht: Paul Binde: Schwermittelgewicht: Walloscheck. Schwergewicht: Krecklow. Ganz besonders fann man auf das Abschneiden von W. Binder gespannt sein; seine bisherigen Starts fonnte er stets in furzer Zeit mit einem Sieg beenden. Im Leichtgewicht wird es der hervorragende Wenhe wohl nicht allzu schwer haben, denn an Technik steht dieser Ringer einzig da. Die ewigen Revalen P. Binder und Eckert treffen erneut zusammen, B. wird wohl alle Mühe haben, um zehn Minuten gegen E. zu bestehen. Der Bundesmeister im Seben, Wallofcheck, wird sich seit langer Zeit wieder mal auf der Matte betätigen. Db er gegen Michael seinen Mann stehen wird, muß erst der Kampf zeigen. Der Kampf im Schwergewicht ist völlig offen. Im Fliegengewicht muß man dem Alt- Wedding- Mann unbe= dingt eine größere Chance zusprechen, da er bebeutend mehr Ringererfahrung befigt als Borchert. Wie sich der von seinem Unfall erst Dor furzem genesene Bantamgewichtsringer Spliestößer mit König abfinden wird, ist eine offene Sache. Alles in allem steht dem Intereffenten des Ringfampfsportes ein Kampfabend bevor, der alle Künste des edlen Ringfampfsportes zeigen wird. Kreisschule des ATSB. Die Uebungsklassen der Kreisschule beginnen im neuen Jahre wieder ihre Tätigkeit. und zwar die Männerklasse am Montag, 6. Januar, 20 Uhr, in Treptow, Bouchestr. 75; ebenso die Knabenund Mädchenflasse am selben Tage, um 18 Uhr, in der gleichen Halle. Diese drei Klassen üben jeden Montag. Die Turnerinnenflaffe übt jeden Mittwoch, 20 Uhr. Biederbeginn 8. Januar in Friedenau, Rubensstraße, Fontaneschule. Die neugegründete Jugendficffe übt jeden Mittwoch in Weißenfee, Lyzeum, Tassostraße Beginn 8. Januar, 20 Uhr. Die Schwimmerinnenklasse in Lichtenberg, Pfarrstraße, jeden Mittwoch. Beginn 8. Januar, 20 Uhr. Für alle Klassen müssen die Bereine und Abteilungen wieder neue Kräfte aus ihren Reihen entfenden, die mindestens ein Jahr regelmäßig die Schule besuchen fönnen. Vereinsarbeit ist für diese Teilnehmer an den betreffenden Tagen zurückzustellen. 3. A.: Georg Gradite. Skikurse im Harz. Der Deutsche Wintersportverband veranstaltet vom 25. Januar bis 2. Februar Gtiturje für Anfänger und Fortgeschrittene in Tanne( Fochharz), zu dem alle Republikanerinnen und Republikaner zugelassen werden. Gesamtpreis einschl. aller Un fosten 55 M. Anmeldungen bis 10. Januar sind zu richten an das Sefretariat, Berlin SW 68, Martgrafenstraße 22, Tel. A 7, Dönhoff 7876. Weber das Thema Wintersport im Harz" hält Bürgermeister Wagenschwanz aus Tanne am Freitag, 17. Januar, 20 Uhr im Bürgerfaal des Berliner Rathauses, Königstraße, einen Lichtbildervortrag. Eintritt frei. Die Berliner Fußballmannschaft, die auf ihrer Reise nach München, Mailand und Paris bereits in den beiden erstgenannten Orten geschlagen wurde, mußte auch gestern in Paris mit 6: 4 Loren den Barifern das Feld überlassen- Das Fußballspiel hier muß die ausgezeichnete Reportage Alfred Brauns erwurde auch auf den Berliner Rundfunt übertragen, und wähnt werden. Braun ließ den Hörer alle Phasen des Kampfes mitempfinden, verstand dramatisch zu steigern und verstand es, ein lebenssprühendes, anschauliches Bild zu übermitteln. Bundestreue Vereine teilen mit: Touristenverein Die Raturfreunde", Zentrale Bien. Abt. Friebrichshain: Dienstag, 7. Januar. 20 Uhr, Frankfurter Allee 307: Generalversammlung ( Reuwahlen). Hbt. Rorben: Dienstag, 7. Januar, 20 Uhr, Connenburger Straße 20: wangtofer Abend. Wht. Webbing: Dienstag, 7. Januar, 20 Uhr, Turiner Ede Ceeftraße: Was ihr wollt". Abt. Lichtenrabe: Diens tag, 7. Januar. 20 Uhr, bei Dehlam, Bahnhof Ede Goigstraße: Catirischer Abend. Jugendgruppe Often: Mttwoch, 8. Januar, 20 Uhr, Goßlerstr. 61: Geschäftliches( Reumabi). Abt. Brenzlauer Berg: Tonnerstag, 9. Januar, 20 Uhr, Fanaiger Etc. 62, Barade II: Lichtbildervortrag( Go'tichar). Abt. Menton, Jugendgruppe: Dienstag, 7. Januar, 20 Uhr, Flughafenfte. 68: Heimbelpredung, bt. Cefunbbrunnen: Tonnerstag, 9. Januar, 20 Uhr. Pant Ede Bielenstraße: Generalversammlung. Abt. Tiergarten: Donners top. 9. Jangor, 20 Uhr, Rebeter Gtt. 18/19, Lichtbilbezportrag: Unser heimatlicher Bald". bt. Bid tenberg: Tonnerstag, 9. Sanuar, 20 Uhr, Gunterstr. 44: guft ger Abend. b. Cibreft: Tonnerstag, 9. Januar: Besuch des BlancReturturbide Abteilung: Donnerstag, 9. Januar, 20 Uhr, Jabannisftr, 15: Bie tam ich zur Returerfomninis?" tariums. Zenuiz- Rot Groß- Berlin. Funktionärtonferens Dienstag, 7. Januar. Uhr Bernerchener Schloß", Bernenchener Ede Elbinger Straße. TZGB.- port. 10. Januar, 19% Uhr, gemeinsamer Spor'abend aller Bealle beim Besit! Bedding. Leffing- edule, Tanfftraße( Bahnhof Webbing). Best Weften: Der Bereinsgeneralversammlung wegen findet die BezirksFidezt, ftat, Bezirk Cübost- Treptow: Diensiag, 7. Januar, beginnt wieder jahresserfammlung nicht heute, fonbern Montag, 13. Januar, 20 Uhr, bei bas Turnen für alle Abteilungen. R.- B.Bozwärts". Dienstag, 7. Jan., 19 Uhr, Gymnastit, Turnhalle Solfeiftr.: Baffintubern ber Anfänger und Frauen. Mittwoch, 8. Jan., 18 Uhr: Jugendabteilung: 191 Uhr Bablauftraining vom Footshaus; 20 Uhr Sigung der Frou nabteilung bei Soffmann, Riefholaftraße 21. Donnerstag, 9. Januar. 19 Uhr: Baffinrubern ber älteren Mannschaften. Fueling, 10 anuar, 19 Uhr: Poffintubern ber anfangerabrellung II unb 20 Uhr Fragen. Sonntag. 12. Janrar: Tartte ber Anfänger nach R.Br's. Abfahrt 838 Uhr Mörliger Bahnhof. Conntagsrildfahrlotte bis Teupin löfen und Partie der übrigen Trngen rach Stefenfee- tcarsberg. fahrt 710 Uhr Schleicher Pathu hof( rener Pahnstein). Conta stiid ahriarte bis icfentes on. Stort. tag, 18 Janar, 20 Uhr: Bere'nstechn Zerfisung im Gemerticaitshaus Sam'mbe und ab alipie merb forbert helantaegeben. Penisfetartell Friebrichain. Montaa. 6. Janrar, Kartelfikuna bet Gaul. Porhonener Ftc. 114. Brzichts, Reuwahlen. Fragebogen mitbringen. Freie Frberez unb Sannfahrez, 1. Arets. Ritimod), 8. Sanuar, 20 Uhr. Grattenausfubigung im Sadeichen Sof", Rofenthaler Cir, 41. Menschenelend vorm Richter. Ein Beitrag zum Kapitel soziale Rechtspflege". Der Milchmarder. Nichts ist für den Richter so gefährlich wie Routine; deshalb tut ihm nichts notwendiger als Kritit. Denn jeder Fall ist einEin 23jähriger Kaufmann mit intelligentem Gesichtsausdruck, malig einmalig wie der Schmerz, das Leid, die Pein. biaß, nervös, furzsichtig. Im Zuhörerraum seine Mutter. Der Die Lebens- und Vernunftwidrigkeit der Paragraphen kann nur junge Mann hat vor Wohnungstüren stehende Milchflaschen menschlich- verständnisvolle Auslegung und Anwendung der Gesetze und Zeitungen gestohlen. Als er ertappt wurde, waren es mildern. Daher die Pflicht des Berichterstatters, die Im zwei Fläschchen Sahne, zwet Fläschchen Milch und vier Zeitungen, ponderabilien" der Gerichtsverhandlung in sich aufzunehmen und sie die er entwendet hatte. Die Milch hat er für sich und seine Braut in ihrer Wirkung auf den angeklagten Mitmenschen, abzuwägen. verbraucht. Er ist seit 1% Jahren arbeitslos, auch seine Und nichts freut ihn mehr, als wenn er durch wirklich einfüh- Braut hat keine Beschäftigung; sie erhält Wohlfahrtsunterstügung, lende Rechtspflege befriedigt den Gerichtssaal verlassen kann. Dunger und schwerer" Diebstahl. Ein junger Arbeiter, Bollwaise, wird an einem Sonnabend frank geschrieben. Am Mittwoch der nächsten Woche fann er erst sein erstes Krankengeld abheben 9 M. Am Sonnabend ist aber die Miete fällig. Mit seinem Kleiderschrankschlüssel öffnet cr das Spind im Zimmer der Wirtin, entnimmt ihm ein zweiteiliges Obstbesteck und erbricht auch eine für Waisen bestimmte Sparbüchse mit 50 Bf. Das Obstbested verpfändet er für 2 M.; für das Geld kauft er Wurst und Brot. Einige Tage später stellt er sich der Polizei; er bittet um Unterkunft und Berpflegung. Also kommt die Sache vor den Schnellrichter. Die Geschädigte ist bereits im Besitz der Pfandleihequittung, von einer Anzeige sieht sie ab. Der Staatsanwalt beantragt drei Monate Gefängnis; die Mindeststrafe bei schwerem" Diebstahl hier das Deffnen eines Schrantes mit einem Schlüssel und Erbrechen von Behältnissen, d. h. der Sparbüchse. Im letzten Augen blick stellt der Richter fest, daß der Wert des Obstbestedes 2 M. beträgt und stellt das.Berfahren auf Grund des§ 248 a ein, denn: menn jemand aus Not unbedeutende Werte entwendet, so tann er wegen der Tat nur bei erfolgter Anzeige belangt werden. Die verdunkelte Loge. Luxus- Tanzpaläfte und ihre Gäste. Erft fürzlich veröffentlichten wir eine Schilderung, die ein Bild von dem nächtlichen Leben und Treiben in den großen eleganten Zanzlokalen des Berliner Westens gab. Bor einigen Tagen fand nun vor dem Arbeitsgericht eine Verhandlung statt, die die Zustände in den Cuguspaläffen erneut beleuchtete. Der Beklagte, Besizer eines befannten Tanzpalastes im westlichen Berlin, begann seine Ausführungen im Arbeitsge: richt mit den Worten: Bunächst stelle ich Antrag auf Ausschluß der Deffentlichkeit wegen Gefährdung der Sittlichkeit und zugleich beantrage ich, die Presse auszuschließen, damit durch Beröffentlichungen nicht mein Unternehmen geschädigt werden Tönnte. Ich muß Rücksicht nehmen auf die bei mir verkehrenden Gäste, es verfehren bei mir die bekanntesten Persönlichkeiten Berlins und Jogar Mitglieder der Hohenzollernfamilie." Mit diesen Ausführungen hatte der Beklagte vielleicht sogar die Wahrheit gesagt, denn das Lokal hat schon einmal Berühmtheit erlangt durch gewisse Exzesse, in deren Mittelpunkt Herr Subtoff stand. Trotzdem gab das Arbeitsgericht dem Antrag nicht statt. Und so wurde denn die Frage, ob der Geschäftsführer der Unzucht Theater, Lichtspiele usw. Montag. 6. 1. Staats- Oper Unter d. Linden A.-V. 6 20 Uhr Der Barbier von Sevilla Staats- Oper Am Pl.d.Republ. Vorst. 4 1912 Uhr Montag, 6. 1. Städt. Oper Bismarckstr. 19% Uhr Geschlossene Vorstellung Staatl. Schausph. am Gendarmenmarkt R.-S. 67 20 Uhr Der fliegende Don Carlos Holländer Staatl. Schiller- Theater, Charith. 20 Uhr Hans im Schnakenloch SCALA er dagegen nicht. Eigentlich liegt hier Mundraub vor. Das Gericht verurteilt den Milch- und Zeitungsmarder zu 10 Tagen Gefängnis unter Anrechnung von 4 Tagen Polizeihaft. Auch dieses jungen Menschen wird sich ebenso wie des ersten das Pflegeamt annehmen. Die Tochter des Polizeisekretärs. Ihr Vater war Polizeiobersekretär. Sie ist Köchin und hat einmal eine Strafe erhalten, die der Richter, um sie vor der Deffent lichkeit zu schonen, nicht verliest. Neben ihr auf der Anklagebant ein etwa 50jähriger Mann, beschränkt und schwerhörig. Ob er sie angesprochen oder sie ihn, steht nicht fest. Sie hatte an dem Tage etwa bis 15 Uhr gearbeitet und dann eins über den Durst getrunken, das soll ihr öfters passieren. Der Mann ging mit ihr in eine andere Kneipe und hier bestellte sie Bier und Schnaps. Als bezahlt werden sollte, hatte keiner von den beiden Geld. Die Zeche machte 1,95 M.; der Wirt ließ sie als 3e ch preller verZeche machte 1,95 m.; der Wirt ließ sie als 3ech preller ver. haften. Das Gericht stellte das Verfahren auf Grund des§ 153 wegen der geringen Schuld und des unbedeutenden Gegenstandes ein. Der Richter gab der Angeklagten den Rat, die Zeche nachträglich zu bezahlen. Ich tue es noch heute abend," sagte die Tochter des Polizeiobersekretärs. Borschub" geleistet und damit einen Grund zur fristlosen Entlaffung gegeben hatte, in aller Deffentlichkeit verhandelt. Die Verhandlung lieferte einen lehrreichen Beitrag zur Sittenge: schichte des„, reichen" Berlins. Zunächst wurde erörtert, daß in dem Lokal 45,, Damen" angestellt sind, die teinen Pfennig Gehalt bekommen, trotzdem aber pünktlich zum Dienst anzutreten haben. Sie unterstehen der Leitung eines eigens für sie zur Beaufsichtigung angestellten Herrn und haben vor allen Dingen immer in tabel. ofer Sleidung zu erscheinen. Zwei dieser Damen" waren vor Gericht erschienen, beide hatten Berfianermäntel mit Nerzfragen oder Opossumfragen an und unter diesen, ein fleines Bermögen darstellenden Mänteln, teure Gesellschaftskleider. Diese Damen" haben die Gäste zu ,, unterhalten". Ihr Verdienst, von dem sie die fostspielige Garderobe zu bezahlen haben, besteht in dem Tischgeld", das sie von den Gästen des feudalen Lokals ,, herausarbeiten" müssen. In der Verhandlung wurde noch beiläufig erwähnt, daß in letzter Zeit neunzehn solcher Damen entlassen werden mußten, weil sie beim Herausarbeiten" des„ Tischgeldes" zu groß zügig vorgegangen und die Gäste regelrecht ausgeraubt hatten. = An einem Abend saßen drei dieser ,, Damen" an einem Tisch in der Bar mit einem der Gäste zusammen. Plötzlich wandten sie sich an den Herrn Geschäftsführer mit dem Ersuchen, ihnen eine be fondere Loge zu überlassen. Der geschäftsführende Direktor wies eine Loge an. Dann hatte er eme Unterhaltung mit dem Gaft, Komische Oper Volksbühne Lessing- Theater Friedrichstr. 104. Theater am Bülowplatz 8 Uhr Affäre Dreyfus Schauspiel von H. J. Rehfisch und W. Herzog Regie: H. D. Kenter. Staatl. Schiller- Th. 8 Uhr Hans im Norden 10846 Tägl. 8 Uhr Flieg Roter Adler Schauspiel von Angermayer Merkur 1401/4330, Allabendlich 814 U. Hulla di Bulla Schwank von Arnold und Bach. Lustspielhaus Theater d. Westens Friedrichstr. 236. Täglich 8 Uhr: Hotel Stadi Bergmann 2922/23. Allabendlich 812 U.) Winter Garten* 8.15 Uhr Zentr. 2019 Rauchen erlaubt Original 16 Lawrence Tiller- Girls Paul Westermeyer, Ernest& Yvonne etc. Sonnabend u. Sonntag je 2 Vorstellungen 4 und.15 Uhr. 4 kleine Preise. Lembers Wiegenlied ROSE Musik von Gilbert. Käthe Dorsch Leo Schützendorf Lustspiel von Ladislaus Fedor. Schnakenloch Kleines Theat. Barnowsky- Bahnen Staatsoper am Platz der Repablik 7½ Uhr Der fliegende Holländer Theater am Schimbauerdamm 814 Uhr Die Gartenlaube Tagl. 2 Vorstell. Deutsches Theater 5 und 82 Uhr Barbarossa 9256, Preise 1-6 M. Wochenfg.: 5 U. 50 Pf.- 3 M. 16 Forster- Girls, Cortini, 3 Swifts usw. PLAZA Tägi. 5 u. 815 Sonnt. 2, 5 u. 8 INTERNAT. VARIETÉ Alex. 8066 D.1. Norden 12310 Tägl. 8 Uhr Merkur 1624 Täglich 84 Uhr Max Adalbert in Das Parfüm meiner Frau Lustsp v. Leo Lenz Metropol- Th. 814 Uhr Das Land des Lächelns Vera Schwarz, Richard Tauber Musik von Theater in der Königgrätzer Straße Täglich 8 Uhr Die erste Mrs. Selby mit Fritzi massary Komödienhaus Täglich 8 Uhr Der Lügner und d.e Monne mit Curt Götz Der Kaiser Franz Lehár Operettenhaus Planetarium Alte Jabobstr. 20/32 v.Amerika am Zoo von Bernard Shaw Verläng. Joachimsthaler Straß Reg: Max Reinhardt B. 5. Barbarossa 5578 Kammerspiele positiv- Ausstellung 16 bis 19 Uhr DiaAbendhimmel D. 1. Norden 12 310 19 bis 19% Uhr Der Täglich 8 Uhr Désiré Komödie GROSSES SCHAUSPIELHAUS von Sascha Guitry. 8 Uhr ( Zentral- Theater) Täglich 14 Uhr der Marie Der Soldat Gustav Matzner, 20% Uhr Das Weltall Dora Hrach, Erich im Lichtbild: Die Borchert, der König Milchstraße. des Jazz. Gr. Frankfurter -THEATER Straße 132 Teleph.: Alexander 3422 u. 3494 Täglich 815 Uhr: Sonntags 5.15 und 9 Uhr Die Czardasfürstin Große Operette von Emmerich Kálmán. Jeden Mittwoch nachm. 5 Uhr ,, Max und Moritz" und der Weihnachtsmann Jeden Sonnabend nachm. 5 Uhr Sonntag 230 " " Der gestiefelte Kater Direktion Dr. Robert Klein Deutsches Künstler- Theat. Barbarossa 3937 8 Uhr „ Eins, zwei, dre." Regie: Gustav Hartung. Vorher wird gegeben: Souper von Franz Molnar Regie: Heinz Hilpert Berliner Theater Dönhoff 170 3/48 Uhr Ende 1110 Seltsames Zwischenspiel Wallner- Theater Wallnertheaterstraße 35. Alex. 4592. Täglich 8% Uhr Revolte im Erziehungshaus. 8% Uhr CASINO- THEATER 8 Uhr Theat. a. Kotth.Tor Lothringer Straße 37. Der neue Schlager! Familie Hannemann und ein erstkl. buntes Programm Für unsere Leser jutschein für 1-4 Personen Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M Fauteuil nur 1.25 M., Sessel 1.75 M., Kottb. Str. 6 Tägl. 8 Uhr auchSonnt. nachm.3 U.: Elitesänger. JanuarProgramm Lachschlager Die Buxe der Pandora. Regie: Loo Mister, theater 1. d. Behrenstr. 53-54 NEUE WELT 3 Musketiere Die Komödie Regie: ERIK CHARELL Sonntag nadm. ungek. halbe Pr. 11 Bismck.2414/ 7516 Täglich 8 Uhr Vom Teufel geholt von Knut Hamsun Regie: Max Reinhardt. Renaissance- Theater Th. a. Hollendorfplatz Täglich 8 Uhr PARISER LEBEN Operette von Offenbach. Regie: Gustav Hartung. Musikalische Leitung: Theo Mackeben. Steinplatz C1, 0901 u. 2583/84. Vorvk. 10-2. Kf. 2001 Täglich 8 Uhr Gastspiel des Deutschen Theaters Die Fledermaus Regie: Max Reinhardt, A 4 Zentrum 926 927 81 Uhr . Vater sein, dagegen sehr Heute auch nachr. 4 Uhr( ermäß. Pr.) Abends Reichshallen- Theater Sonn ag nachm. E Das große Januar- Progr. der Stettiner- Sänger Billettbestellungen Zentrum 11 263 Dönhoff- Brett!: Das Famillen- Varieté 10 Nummern, Konzert, Tanz U- Bahn Hermannplatz Arnold Scholz Täglich Hasenheide 108/14 Grosses Bockbierfest in den bayr. Alpen und grosser Alpenball. 7 Kapellen. Neue Dekorationen. 50 bayrische Madin Ein'aß: Wochentags 6 Uhr, Sonntags 4 Uhr. Dienstag, den 7. Januar 1930 Gr. Ochsenbraterei auf dem Riesenlukullus und Prämiierung des feschesten Wintersportgirls. 3 Geldpreise: 75 50, 25 RM. der das Bedürfnis verspürte, sich mit drei Damen zurückzuziehen. Dieser wünschte, daß das Licht in der Loge gelöscht würde. Selbstverständlich entsprach der Direktor diesem Wunsch. Er war es gemöhnt, seine Gäste nur auf ihre Zahlungsfähigkeit zu tagieren, sonst traute er niemand etwas Schlechtes zu. Auch in diesem Fall hatte er sich nicht getäuscht, denn in der verdunkelten Loge wurde sofort französischer Seft und russischer Raviar bestellt. Die Zeche belief sich in unglaublich furzer Zeit auf etwa 200 m., womit Sie Bornehmheit des Gastes ohne weiteres einwandfrei erwiesen war. Aber dann begannen die Musiker ,, lange Hälse" zu machen, und da nicht genügend Sett getrunken wurde, erhellte der Direktor wieder die Loge, worauf der Gast sofort das Lokal verließ. Am anderen Tag wurde der Direftor fristlos entlassen, weil er„ der Unzucht Vorschub" geleistet hätte, wie der Besizer des Lokals erklärte, der übrigens noch mehrere, gleichartige Lokale im Berliner Westen besitzt. Der Geschäftsführer fühlte sich schuldlos, denn die Damen" hatten ihm erklärt, daß sie feine Unzucht" in der Coge getrieben hätten. Das Gericht unterstellte die ,, Unzucht" als erwiesen und verurteilte troßdem den Besizer, an seinen Direktor noch vier Monatsgehälter in Höhe von je 1750 m. zu zahien. Denn, so sagte der Richter in der Urteilsbegründung, in Lokalen, wo 45 Damen zur Unterhaltung der Gäste ohne Gehalt angestellt sind, ist es üblich, daß sich die männlichen Besucher diesen Damen gegenüber gewisse Freiheiten herausnehmen. Wenn es da wirklich zu Intimitäten in der Loge gekommen ist, so wäre das nichts Außergewöhnliches und jedenfalls kein Grund zur Entlassung des Geschäftsführers. Liebestragödie in Pankow. Schupowachtmeister erschießt seine Geliebte und sich selbst Am Sonntag abend spielte sich in der Flora str. 20 in Pankow eine furchtbare Liebestragödie ab. Dort erschoß der 29jährige Polizeioberwachtmeister Hermann Hayden aus der Wilhelm- Kuhr- Straße 83 seine gleichalfrige Geliebte Frau Margarete Praß und brachte sich dann felbst einen tödlichen Schuß in den Kopf bei. Frau Praß war verheiratet und ihr Mann, der früher eine Gastwirtschaft betrieb, befand sich seit Wochen in einer Heilanstalt. In der Zwischenzeit nahm Frau P. zu dem Polizeioberwachtmeister Hayden, den sie von früher her fannte, Beziehungen auf. Das Ver= hältnis gestaltete sich bald sehr innig, und als Braß über Neujahr einige Tage in Pankow weilte, bat ihn seine Frau, sie freizugeben. Der Mann weigerte sich jedoch. Vor zwei Tagen fehrte P. wieder in die Anstalt zurüd. Am Sonntag war Frau P. allein in der Wohnung, am Nachmittag empfing sie den Besuch Handens und beide beschlossen, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Mit seiner Dienstpistole führte Hayden die Tat aus. Zehn Jahre der GPU. entgangen. Mostau, 6. Januar. Bom Sowjetgericht in Grosny ist ein gewisser ufanow zum Tode verurteilt worden, der zur Zeit der Bürgerkriege sich als ,, Weißgardist" betätigt, in den weißen Armeen eine bedeutende Rolle gespielt und damals die Hinrichtung zahlreicher Bolschewiten veranlaßt hat. Es war ihm gelungen, unter angenommenem Namen fich zehn Jahre hindurch unerfannt innerhalb der Sowjetgrenzen aufzuhalten und allen Nachforschungen der Ticheka, der heutigen GPU., zu entgehen, bis er jetzt verhaftet wurde. Direktion: Dr, Martin Zickel Komische Oper Friedrichstr.104. Merkur 1401/4330. Wiedereröffnung nach vollständ. Umbau Täglich 8% Uhr Uraufführung Möbelläufer merte Krebit und bar Möbelbazar, große Auswahl, fleine Preise! Beispielsweise: Schlafzimmer 455,-. 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