BERLIN Sienstag 7. Januar 1930 10 Pf. Nr. 10 B5 47. Jahrgang erscheint täglich außer Sonntags. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Beplg«prei« beide Ausgaben 8SPf. pro Woche, LMM. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW 68, LindenKr.s SftnJauigaßß xlßh Anteigenprei«: Die einspaltige Nonpareillejeile so Pf.. Reklamezeil« ö M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b.H., Berlin Nr. 87686. Fernsprecher: Dönboss 2SS bis SS? Oollaranleihe für die BVG. Vor dem Abschluß eines-tOO-MMionen-Mark-Krediis. Fälscher und Nationalhelden. Oer zweite Tag im Tscherwonzenfabrikanten-prozeß. Sic Verllner Verkehrs-AMengesellschafi fBVG.) steht seit län- gerer Zeil mit einem amerikouischcn Lonkenkousor. lium wegen Gewährung eines langfristigen Auslauda- tredilen in Verbindung. Diese Verhandlungen sind setzt in ein eulscheidendes Stadium getreten. Es Haudell sich um einen Betrag von 25 Millionen Dollar. Die uähereu Bedingungen der Anleihe find allerdings bisher nicht bekannt. Der Abschluß des Kredites ist noch nicht völlig perfekt. Zedoch werden die Aussichleo allerdings äußerst günstig beurteilt. Wie wlr ersahreu, hat ein deutsches Bankenkonsorlium. es soll sich um den Danal- konzern handelt, der BVG. aus Grund des günstigen Standes der Verhandtungen bereits cmcn vorschuh gemährt. Verkehrsrekordjahr-1929. Das zweite Lahr im Zeichen des EinheltSfahrscheineS. Nachdem bereits die Reichsbahn mitgeteilt hat, daß sie im Stadt?, Ring- und Vorortverkehr eine Steigerung pon zirkg 6.5 Pro;, an Fahrgästen;>r verzeichnen hat. ergibt sich nunmehr aus den Schätzungen der Verkehrsergebnisse der BVG., daß hier ungefähr derselbe Prozentsatz an Vertchrszunahme gegen- über l9W zu verzeichnen ist. Es war das zweite Jahr im Zeichen dos Einheitsfahr« f ch e i n s und eines weiteren Ausbaues des Liniennetzes. Nach vor- läufigen Schätzungen betrug der G e s a m t v« r t c h r aus Schnell- bahn, Omnibus und Straßenbahn im Jahre 1929 zirka 148Z M i l- lioncn Fahrgäste gegenüber 1390 Millionen im Vorjahr. Das ist also eine Zunahme von zirka 9 2 Millionen Fahrgästen. Im Jahre 19Z8 betrug die Steigerung zirka 10 Pro;., während sie sich für 1929 aus 6,6 Proz. beläust. Das Tempo der Zunahme hat also nachgelösten. Der Anteil der drei verschiedenen Verkehrsmitt.ch an dieser Gesamtzahl hat sich nur unwesentlich zugunsten des Omnibusses verschoben Die Straßenbahn beförderte mehr als 63 pro;, aller Fahrgäste Bemerkenswert war. daß lest dem Früh. ling ydcr Omnibus fast regelmäßig mehr Fahrgäste beförderte als die Schnellbahn feine Folge der in diesem Jahre in großer Zahl«in- geführten Dreiaäster und gedeckten Wagen), allerdings zum Schluß des Jahres, von Oktober ab, waren die Ergebnisse von Schnellbahn und Omnibus ziemlich gleich Infolgedessen schneidet im Gesamtergebnis die Schnellbahn noch mit einem Mehr von einigen Mllio- nen Fahrgästen bester ab als der Omnibus. Insgesamt wurden schätzungsweise von der Straßenbahn 928 Millionen, vom Omnibus Z7Z Millionen und von der Schnell. bohn 279 Millionen Personen befördert Der v e r t c h r s r e i ch st e Monat des Jahres(Dezember ist hierbei nicht berücksichtigt) war der Oktober. Tariferhöhung auch in Paris. Kommunalisierung der Verkehrsmittel wird geforderi. Paris, 7. Januar.(Eigenbericht.) Di« zum 1. Januar beschlossene Erhöhung der Tarife sllr Unter- grundbahn, Aulobus, Straßenbahn, Gas, Wasser und Elektrizitäk ist auf einer Sitzung der Sozialistischen Partei des Seine-Departc- ments eingehend besprochen worden. Abg. Fiancette, der zugleich Stadtverordneter in Paris ist, erklärte, die Erhöhung sei u n v e r- weidlich gewesen. Da in den städtischen Verkehrs-, Wasser- und Lichtbetrieben der Lohnonteil 70 Prozent der Kosten betrage, hätten nur so die notwendigen Lohnaufbesserungen durchgeführt werden können In der Aussprache wurde wiederHoll hepvor- gehoben, daß die Erhöhung der Tarife in den Derbraucherkreiscn scharien Protest ausgelöst habe. Es wurde sine Entschließung ongenoinmen. in der die K o m m u n a l i s i e r u n g der Pariser Verkehrsmittel gefordert wird. Die Verträge mit den Unter- nchmungsgesellschaftcn sicherten diesen zu hohe Gewinne. (Strafantrag(Severings. Gegen lügnerische Behauptungen der„Noten Fahne�. Der Reichsinnenminister hat gegen die„Rote Fahne', die dieser Tage zweimal die Behauptung ausstellte, das vom.Hamburger An- zeiger" veröffentlichlc kommunistische Geheimrundschreiben sei im Auftrage Severings vom Presseroserenten des Ministeriums gefälscht «orden. Strafantrag gestellt. Die heutige Morgensihung- geHärte dem Angeklagten S a d a. lhierolchwtli. Es war ganz unterhalleud. S. ist nicht aus den Mund gefallen. Er ergänzte In gutem Deutsch, was karumidfe gestern zwischen Pakhos und Ausregung vergessen Halle. Er legte die politischen Zusammenhänge seines Vaterlandes dar, beging dabei kleine Geschichtssälschungen, spritzte ein wenig Gisl gegen die Sozialdemokratie Georgien», erhob karumidfe zu einem nationalen Heros und erzählte, in welcher Weife er und fein« Freunde unter Ehrhardt» Fittichen de v t s ch n a t i o n a le Politik getrieben haben. Sq sicher er seine kleine Geschichlssälschungen vornimmt, so unsicher wird er. als er von seiner Teilnahme an den Tscherwonzcnsälschungen erzählt. Bosstius Sädothiero schwill ist in, Jahre 1899 als Sohn eil«? Obcringenieurs gebo�m, kam im Jahr« 1917 noch Deutschland, besuchte die geschlossene Mittelschule i» Ettal i n Bayern, kehrte nach Tiflis zurück, hatte kurze Zeit Anstellung in einer Kon- stantinopeler Bank und war im Jahre 19Z1 wieder in Deutschland. hielt sich zuerst in Wien aus, sodann in Hamburg, wo er statt einer Stellung eine Bvaut fand, studierte in Wien Technik und kam im Jahre 19ZZ nach München. Hier wurde er gegen om Monatsgehalt von 100 M. Privatsekretäx bei dem„Fürsten" Ver. mont Awalofs. Gleichzeitig war er mit der Herstellung eines geor- gisch-deutschen Wörterbuches beschäftigt. Vorsitzender: Was hatten Sie denn als Privatschreiär des„Fürsten" Awalofs zu tun? An- geklagter: Ich hatte die Korrespondenz mit seinen politischen Freun- den zu erledigen. In diese Zeit fällt auch die Ausnahme der Bc- Ziehungen des Angeklagten mit dem Kaukasischen Komitee in Paris, das mit Ehrhardt in Verbindung stand. S. fuhr zweimal nach Paris, wo er auch den georgischen Nationali- sten Kedijuo kennenlernte. Sadathieraschwili schildert nun die poli- tischen Zusammenhänge in seinem Voterlando. Im Jahre 1917 marschierten im Kaukasus deutsche Truppen ein. Sie wurden von der Bevölkerung ols Befreier empfangen, sie unterstützten Georgien in seinem Kampfe gegen die Türkei. Als die Enteute den Befehl gab, die deutschen Truppen zu internieren, wurden sie in mit Blumen geschmückten Zügen bis gn die Grenze gebracht. Die Entente rächte sich dafür, indem sie die armenische Armee in deren Marsch gegen Tiflis unterstützt«. Die Armenier Wiarden von den Georgiern geschlagen, mußten aber ihren Vormarsch angesichts Eng- lands Drohungen einstellen. Nach der Okkupation Georgiens gegen die Sowjettruppen wurde im Lgndc ein paritätisches Komitee für die Befreiung Georgiens gegründet, dem sämtliche Parteien, die Sozialdemokratie eingeschlossen, unterstellt waren. Die menschewi- stische Regierung, so behauptet S., habe aber gegen die Oberhoheit dieses Komitees agitiert, habe im Jahre 1924 den Aufstailli gegen die Sowjetregierung provoziert und später, als sie sah, wieviel blutige Opfer es dem georgischen Volke gekostet, versucht, mit der S o w j e t r e g i c r u n g i u Beziehungen zu treten. Diese habe aber erklärt, sie wolle nur mit Karumidse verhandeln. Der Präsident der georgischen bolschewistischen Regierung Eliawa sei mit einem Flugzeug ins Ausländ gekommen und habe mit Karumidfe eine Unterredung gehabt. Ueber den Inhalt dieser Besprechung will er nichts sogen, darüber würde Karumidse sprechen. Georgisch-deutfchnational. Nach dem Ausstände, fährt der Angeklagte fort, wurde eine geeinte nationale Front gdschassen, die ein« nationale Politik befolgen sollte. Karumidse war einer der Führer. Er»ahm in Deutschland die Fühlung mit denjenigen Mäimern, die«r seit dem Einmarsch im Jahre 1917 kannte und kam durch diese auch zu den rechtsgerichteten Parteien. Während diese den Georgiern Militär- technische Hilfe leisten sollten, wurde ein« moralische Unterstützung bei den Mittelparteien gesucht. Die Ausgabe ging dahin, die Sowjetregierung zu stürzen. Das deut'chc Volk war aber allzu zersplittert, die nattonalen Georgier sahen sich verpflichtet, im Interesse der ve- kämpsung der Kommunisten in Deutschland die deutsche nationale Politik zu unterstützen, die Möglichkeit der Einsetzung einer natio- nalen Regierung zu schassen.. Karumidse habe aus diesem Grunde Dr. Weber sowohl wichtige Dokumente als auch In fvrmationen über verschieden« Stellen in Rußland und im Ausland geliefert. Vorsitzender: Und das falsche Geld sollte eben als Mittel im Kampfe dienen? Wieviel Geld brauchten Sie? Und was wollten Sie mit dem alten Geld« erreichen? Angeklagter: Einerseits hosslen wir in Sowjetrußland eine Znslation zu verursachen, andererseits Mißtrauen gegen den Ischerwonetz zu erwecken und die Sowjelregierung auch in ihrem Handel mit persischen und lürkischen kousleulen zu zwingen, mit Dollar zu zahlen. Das Falschgeld sollte im Orient gedruckt werden. Vorsitzender: Erzähle» Sic, wie sind Sie mit Karumidse bekannt geworden? Angeklagter:?li2 Privatsekrctär Awalvffs fungierte ich einmal ols Dolmetscher bei einer Unterredung zwischen ihm und Karumids«. Karumidse sondierte den Boden, ob ich für ihn zu brauchen sei und weihte mich in die Falschgeldsabrikation ein. Er bat mich, die Druckerei zu besuche», in der Schneider und Kipping or- betteten. Ich fand, daß ihre Arbeit äußerst schmutzig ist und sogte ä)ie&älfcher vor Qerichl * "Der Angeklagte tKarumidfe (vom Unk*) im Terhör. 3)er DorfUxende, Amtege ridUsral 3)r. tfarlenbergt" (redilg). KarmnUise, daß hier abgebrochen werden müsse. Schneider war an Karmrwdse von Dr. Weber empfohlen. Ob Weber wußte, daß in München Folf ch gelb gedruckt wurde, weiß ich nicht. Ich habe an den Drucken des Münchener Falschgeldes keinen Anteil. Der Vorsitzende hält nun aber sowohl seine Aussagen als auch die Aussagen des abwesenden Schneider vor, aus denen sich ergibt, daß er auch an den Mllnchener falschen Tscherwonzcn wohl beteiligt ivar. Er soll nach Auesage Schneiders ihm auch Klischees abge- nommen und zürückgegeben haben. So hatte er z. B. die Nume- riermafchine reparieren lassen. Richtig aktiv wurde er bereits bei den Vorbereitungen zu dem Falschbruck in Frankfurt a. M. Er bestellte etwa 100 Teilklischee», hatte viele Scherereien mit der Vignette, bestellte die Briefformulare mit dem Kopf „Direktor der Türklsch-persischen Bank", holte als Nassan Oglu— unter diesem türkischen Namen war er seinerzeit nach Deutschland eingereist— auf Grund eines gefälschten Brieses bei der Firma Tetting das neu« Wasserzeichenpapier ab, suchte in Frankfurt a. M. einen gewissen Raketta auf. den er bei Awolosf tennengelernt hatte, dieser empfahl ihm den Buchhändler Boehl als.zuverlässigen Mann, er stellte in dessen Keller die Kisten mit Wasserzeichenpapier unter und erhielt von ihm auch d'« Adresse des Druckereibesitzers Schmidt. Schneider hatte unterdessen in München das Drucken der Tscherwonzen einge- stellt, er war seüien Austraggebern böse, willigt« aber, als sie niemand anderen fanden— er hatte eben erst über sich einen Kon- kurs ergehen lassen müssen— ein, das Drucken in Frankfurt zu übernehmen. Erst auf dem Bahnhof ersah er aus der Fahrkarte, wohin er fahren soll. Auch Dr. Weber fand sich beim Abgang des Zuges ein. Schneider hatte sich in Frankfurt a. M. unter dem Namen Schwarz eingeführt, Schneider hieß von nun an Müller. Die Schmidtschen Maschinen erwiesen sich als unzulänglich, es wurden neue herbeigeschosst, und das Drucken konnte losgehen. Als Becker in Berlin beim Abstoßen der Tscherwonzen verHaftel wurde, war es mit der ganzen Herrlichkeit zu Ende. Nach der Pause ist die Reihe an Dr. W e b e r. Der Berteidiger bat, seMellen zu dürfen, daß sein Mandant nicht mit dem Borsitzenden des Bundes Oberland identisch sei. Beamieninternationale im Haag. Neue Stufe gewerkschastttcher EntWickelung. Weiterbau der U-Bahn. Gesundbrunnen Neukölln und Frankfurter Allee. Bon der Stillegung städtischer Bauten werden, wie wir von der Berliner verkchrsaktiengescllschast etsahren, die in Bau befindlichen Anlergrirndbahnlinien nicht betroffen. Insbesondere sollen die Strecken Gesundbrunnen— Neukölln und die .frankfurter Allee fertiggestellt werden. Bei der Gesund- brunncnstrecke sind es die Bauten unter dem Alexanderplah und unter der Zannowihbrücke. die aus technischen Gründen nicht still- gelegt werden. Bei der Iarniowihbrucke Handell es sich bekanntlich um die gleichzeitige Anlertunnelung der Spree imd der Stadlbahn: das Liegenlassen dieses Bauabschnittes würde, abgesehen von dem verfall der bereits fertigen Arbeiten, auch ungeheure kosten sür die Trockenholtung verursachen. Am Alexanderplah stehen die Bauarbeiten sowieso vor dem Abschluß. Bei beiden Linien wurde die Gesamlstrecke schon bei Beginn der Arbellen in mehrere Unterab- schnitte geteilt, die man glelchzeltig in Angriff nahm, so daß seht also nur noch die sogenannten Verbindungsstück« serligqestcllt werden müssen. Da auch ohne die seht cingetrelene finanz- kalamüät auf der Strecke Gesuadbrunnei»— Neukölln der Betrieb elwa im März d. 3. zur Erösfnung stand, so hol sich die BVG. enl- schlössen, die Strecke unter ollen Umständen weiter zu bauen. Man erreicht damit glelchzeltig, daß die Zinszahlungen aus dem Betrieb der Strecke gedeckt werden können, während bei einer Stillegung des Baues Elatmittcl in Anspruch genommen werden müßten. Aehnlich verhält es sich mit der Sirecke durch die Jranksurler Allee. Feudalherren gegen Labour. Aegyptischer Nationalismus drapiert Wirtschafisinteressen. Kairo, im Januar.(Eigenbericht.) Die S uda»frage ist mit einem Male wieder in dos Zentrum der anglo-ägyptischen Auseinander- setzungen getreten. Der englische.high-Tommissicner hat mit Nahas Pascha m Assuan eine eingehende Besprechung über den Sudan gehabt, in der Nahas Pascha noch einmal die Wünsch« des Wafd präzisiert hat. Die Wünsche der ägyptischen Nationalisten in bezug aus den Sudan sind unter dem �Eindruck chres Wahlsieges sehr ausschweifend geworden und gehen bedeutend über das Maß dessen hinaus, was die Labourregierung bei den gegenwärtigen Stimmungen in England zu konzedieren imstynd« ist. Sir Percy Lorraine hat sich noch einmal bemüht, den Führer der Nätionatisten davon zu überzeugen, daß sich die englischen Zugeständnisse vor- läufig aus die Frage der prinzipiellen Anerkennung der ägyptischen Souveränilöt beschränken müssen und daß die Verhält- nisse England vorläufig noch dazu zwingen, die Kontrolle über die Verwaltung und über die Sicherheit des mit Hilfe englischen Kapitals in Ealwicklung begriffenen Landes auszuüben. Seine Arguniente haben Nahas Pascha nicht zu überzeugen vermocht, denn die Politik des Wafd in der Sudanfrage ist völlig in die Hände von Großgrundbesitzern wie Prinz Omar Toussun geraten, denen angesichts der augenblicklichen Baum- w o l l k r i s« der Wettbewerb der englischen Baumwollpslanzuirgs- gesellschasten im Sudan unangenehn«r ist als je. Sie haben sich deshalb mit dem Mantel des radikalen Nationalismus drapiert irnb fordern die Aushebung des anglo-ägyptifchen Kondominismus zugunsten der ägyptischen Alleinherrschaft, um die ägyptische Land- Wirtschaft aus diesem Umwege von dem gefährlichen Rivalen de- freien zu können. Beeinflußt von dieser Einstellung seiner mächtigen Parteigenossen hat sich Nahas Pascha' Sir Percy Lorrain« gegen- über ganz unerwartet sehrablehnend gezeigt und eine K r i s i s der anglo-ägyptischen Verhandlungen ist damit wieder in den Bereich der Möglichkeiten gerückt. Zum mindesten besteht di« Gefahr, daß der Zeitpunkt sür den Beginn der verbiMichen Auesprache auf unbestimmte Zeit verschoben werden muß, weil«s sich als not- wendig erweist, die heikle Angelegenheit noch einmal vertraulich zu diskutieren. Der Ausbruch von Unruhen dn Sudan steht mit dem Ausbruch des ffiampses im Dunkol in engem Zusammen- hang. Das Merkwürdige dabei ist, daß«r zu gleicher Zell den Unentwegten in beiden Lagern Wasser auf ihre Mühlen liefert und daß er hüben wie drüben willkommenen Anlaß bietet, im trüben zu fischen. Die Kairo-Siudenten randalieren. Solro, 7. Januar. D-c Aktivität der ägyptischen Studenten macht der neuen ägyptischen Regierung viel zu schassen. Durch die nachgiebige hal- Die steigende Bedeutung inte�ationaler Politik zwingt auch die Beamten, immer mehr ihre Forderungen im Lichte internationaler Zusammenhänge zu sehen und zu behandeln Wenn die französische Beamtenschast in Paris ein« Niederlage erleidet, dann horchen wir in Berlin auf und fangen an, uns Gcdanken darüber zu machen, was wir selber tun würden, wenn uns das gleiche Schicksal träfe. So wächst außerhalb aller Phraseologie und Pose zwangsläufig ein« natürlich« Solidarität, die sich als haltbares Fundament für die immer stärker werdende Bindung der Beamienschast aller Länder erweist. Auch die für den 8. und g. Januar 1S30 in den Haag anberaumte Bureausitzung der Internationale von Beamten und Angestellten im össentllcheu Dienst (IBA.) will oorbereiiende Arbeit sür di« Beschreitung neuer Weg« leisten. Der erste von dem Nürnberger Kongreß der Beamten- internationale im Jahr« 1927 ausgehende Anstoß zur Einschaltung der Beamtenfrage in das Aufgabengebiet des Jnternaticnalen Arbeitsamts hat vor allem bei Albert Thomas, dem klugen Direktor des Amts, und feinen Mitarbeitern vollstes Berständnis ge- fanden. Di« in einer von Thomas veranlaßten Aussprache führender Beamten in Gens im April 1928 gegebenen Anregungen sind durch- weg gut ausgenommen worden. Die Ergebnisse liegen zum Test bereits in Denkschriften vor, so z. B. eine Denkschrifr über die Arbeitszeit der Beamten in den verschiedenen Ländern, eine airdere über die Erteilung von Schwangerschaftsurlaub an verheiratete Beamtinnen und endlich eine brüte Denkschrift über das den Beamten in Verwaltung und öffentlichen Betrieben gewährte Maß von Mitbestimmungsrecht. In der Haager Sitzung wird zweifellos eine lebhafte Er- örterung dieser mit im Bordergrund der beamtenpolitischen Forde- rungen stehenden Fragen erfolgen. Ein kurzer Einblick in die Denk- schristen des Internationalen Arbeitsamts zeigt zwar, daß noch nicht alle Feinheiten der Untersuchung festgehalten worden sind, daß aber dennoch zum erstenmal eine stabile Grundlage für tiefergehende Diskussionen geschaffen wurde. Die übrigen im Haag zu behandelnden Fragen beziehen sich aus die Z u> a m m e n- arbeit mit anderen internationalen Beamtcnorganisationen, z. B. mit der Internationalen Föderation des Personals in ösfentlichen Diensten und Betrieben, dem Berufssetretoriat der Lehrer, sowie mit der Internationale des Post-, Telegraphen- und Telephonpersonals. Internationale Fragen lassen sich nicht im Handumdrchen lösen, vor allem aber nicht Organisationsfragen, bei deren Lösung fast immer mit Ueberwiudung von Schwierigkeiten gerechnet werden muß, die in der Führerschaft liegen. Immerhin aber darf festgestellt werden, daß die Beamteninternatlonale mit der Beschreitung des Weges zur Konzentration der Kräfte der Entwicklung die Bahn frei macht. Man wird nicht übersehen dürfen, daß international« Be- amtenbewegung nicht in allen Punkten gleichgestellt werden kann auf internationale Arbeiterbewegung. Bor ollem aber lassen die deutschen Beamtenverhältnisse kaum ein Eilzugstempo in der Fortbildung der internationalen Beamtenbewcgung zu. Der Prozeß der„Belichtung der Gehirne" ist noch längst nicht abgeschlossen. Deshalb hat es auch keinen Sinn, von der unmittelbar zu erreichenden Cinschwenkung der Beamten- bewcgung in die große, so viele Jahrzehnte früher gewordene Ar- beiterbewegung zu träumen, um hinterher einen Sturz aus allen Himmeln erleben zu müssen. Hier kann nur vorsichtig« Etappen- arbeit voranbringen. Eine dieser Etappen bildet die Lösung der Frag« der offr- ziellen Anerkennung der Beamreninternationale durch di« Zentrale der interna.. onalen Arbeiterbewegung, den I n t« r n a t i o- nal e n Gewerkschaftsbund in Amsterdem(5GB.). Aengst- liche Gemüter werden auch in der Behandlung dieser Frage gleich wieder eine Bedrohung der„parteipolitischen Neutralität" wittern. Ganz zu Unrecht: denn einmal untersteht der IGB. nicht dem Diktat einer Partei, und dann ist er verpflichtet, gewer k- s ch a f t l i ch orientierte Arbeit zu leisten, ohne sich in seinen Eni- schließungen parteimäßig binden zu lassen. Di« Anerkennung der Beamteninternationale durch di« offizielle Stelle der internationalen Arbesterbewegung ist aber für beide Teile von grundlegender Bedeutung. Daß der IGB. diese Meinung ver- tritt, hat er auf seinem Pariser Kongreß im Jahre 1927 bewiesen durch nahezu einstimmige Annahme einer Entschließung, in der die organisakorische Gleichstellung der Beamtenbewegnng mit der Arbeiter- und Angestelltenbewegung betont wurde. Einer der wichtigsten Beratungspunkte der Haoger Bureau- sitzung der Beamteninternational« ist die Vorbereitung ihres dritten Kongresses in Genf im August 1930. Mst allem Vorbedacht ist als Tagungsort Genf als Sitz des Internationalen Arbestsamts gewählt worden. Schon heut« darf damit gerechnet werden, daß neben dem eigentlichen Kongreß eine große öffent- liche Kundgebung das Kernstück der Tagung bilden wiri». Es gilt, auch auf internationalem Boden die innere Verbun- denheit von Arbeitern, Angestellten und Beam- ten als Arbeitnehmer zu dokumentieren. In diesem Be- kenntnis steckt ein Stück Zukunftssicherung des Berufsbeamtentums aller Länder. Ulbert BsIIcenbere. Hing früherer Wafdregierungen gegenüber den Studenten bestärkt, senden die Studierenden der Universitäten zahlreich« Abordnungen inst einer Reih« von Wünschen an die einzelnen Minister. Gestern sst es in diesem Zusammenhange zwischen Polizei und Studenten vor dem Königspolast zu-Inem Zusammen st oh ge- kommen. Di« Studenten griffen die Polizei mit Steinen an und verwundeten eine Anzahl von ihnen. Es gelang der Polizei jedoch schließlich, die Studenten zu zerstreuen. Drei Bcrhastungen wur�n vcrgenominen. Die Studenten haben bei dem ägyptischen Innen- Minister gegen dag Lorgehen der Polizei Protest erhoben und mst dem Streik gedroht.__ Schnellzug stürzt von derBrücke LT Tote, 20 Schwerverlehte in Algler. Paris, 7. Janwar.(Eigenbericht.) Wie Havas avS Tunis nieldct, ist der Schnellzug Tunis— Konstantin in der Niche feiner Endstation verunglückt. Bei der Fahrt über eine Brücke entgleiste die Maschine. Tie Brücke stürzte ein und riß Lokomotive, Postwagen und zwei Personenwagen mit sich in eine etwa 3 0 Meter tiefe Schlucht. Bei dem Unglück sollen ISPersoueugetStet und 30 schwerverletzt worden sein. Nähere Einzelheiten stehen noch ans. Vagabund des Schienenstrangs. Von Köln nach Aerlin unter dem Wagen. Beim Einlaufen des Kölner Personenzuges, der heut« morgen um S.4S Uhr auf dem Bahnhof Friedrich st roßc eintraf, sahen Beamte der Vohnhofsstreise unter den wenigen Fahrgästen einen Mann, der seinem Aeußeren nach unmöglich die Fahrt in einem Abteil zurückgelegt haben tonnt«. Er war im Gesicht so schwarz wie ein Mohr und seine Kleidung über und über mit Staub bedeckt. Die Beamten hiellen den sonderbaren Reisenden an und es stellt« sich bald heraus, daß sie einen Bagabunden des Schienen- strangs erwischt hatten. Der Angehaltene, ein 27 Jahre aller Gustav G r o t h hott«, wie er angab, am Montag um 13 Uhr auf d�n Kölner H'auptbahnhof den Zug bestiegen und zunächst Unter- schlupf aus den Achsfedern unter einem Premserhäuschen ge- sucht. Er hofft«, während der Fahrt oder eines Aufenthalts auf einer Station unbemerkt in das Häuschen hinaufsteigen und es sich dort bequem machen zu können. Daraus wurde nichts, denn das Häuschen war verschlossen und Gustav mußte aus sein reichlich hartes Lager auf den Federn zurückkriechen. In dieser Stellung legte er die fast 19stündige Fahrt nach Berlin zurück. Steinchcn und Sand flogen ihm natürlich reichlich ins Gesicht und auf die Kleidung. Wie d�r Mann erklärt, hat er derartige Schwarzsahrten lchon öfter gemacht. Einmal„reiste" it auf diese Weise von Warschau nach Parle. Groth ist der Kriminalpolizei einge- liefert worden, di« ihn dem Wohlfahrtsamt zuführen wird. Die„Verschwörung" gegen die Flotte. Oer Flottenagent Shearer vor leeren Bänken. New Azek. 7. Januar. Ein« klein« Entläuschung wurde Shearer, der„größte Soch- verständig« sür Seefragen", wie er sich nennt, zuteil. Zu einem Bortrog über die Flottenpolitik der letzien Jahre waren kaum 330 Personen in der 3000 Personen fassenden Halle des Carnegie Instituts erschienen. Bon diesen 350 Besuchern halle die Hälfte nur ihren Platz bezahll. Die anderen waren gratis hereingelassen worden. Sheorers angekündigten.Enthüllungen" über die„inter- nationale Verschwörung gegen die amerikanisch« Kriegsflolle", wie er die Seeoersicherungsverhandlungcn nennt, erwiesen sich als alt« Geschichten, die man von den Verhandlungen vor dem Untersuchungsausschuß des Senats schon längst kennt. Er überschüttete seine Gegner, vor allem Borah und Hughes, sowie viele andere Senatoren mit Schmähworten, stellte sich selbst als Patriot hin, der nur für sein Vaterland gearbeitet habe. Gleichheit unter Tage. Die europäische Sozialregelung im Kohlenbergbau.— Das Rr ichsarbeitsm inister um in Genf. Genf. 7. Januar.(Eigenbericht.) Auf der Kohlenlonferenz legte Ministerialdirektor S i ß l e r vom Reichsarbellsnünisterium, der die Generaldebatte über die inter- national« Regelung der Arbestszeit in den Gruben eröffnete, den Standpunkt der deutschen Regierung dar. Er erklärte, die deutsche Regierung begrüß« es lebhaft, daß die Fragt der Arbestszeit im Bergbau unter Tage international geregell werden soll. Sie werde ihr mögliches tun, um das baldige Zustandekommen e'nes umfassenden Abkommens zu unterstützen. Der vom Arbeitsamt vor- gelegte Entwurf bilde eine vorzüglich« Grundlage, es müsse jedoch auch der Braunkohlenbergbau, sowest es sich dabei um die Arbeit unter Tag« Handel«, in die Neuregelung einbezogen werden. Der Vorschlag, das Achtstundentagabkommen von Washington auf den Bergbau auszudehnen, fei unpraktisch. Die Arbeitszest im Bergbau müsse durch ein besonderes Abkommen geregelt werden. Bei der Arbeitsdcmer unter Tage sei die deutsche Regierung der Auffassung, daß die Gefahren und Schwierigtesten der Arbest unbe> dingte Berücksichtigung finden müssen. Die Soontagsarbeit müsse verboten werden. Die Beschäftigung von Frauen und Jugendlichen unter Tage sei ebenfalls für eine tnter- nationale Regelung reif: diese Frag« könne eventuell in einem besonderen Abkommen geregell werden. 25 Millionen für Flughäfen. parlamentarische Kritik in LlSA. am Militärbudget. Mashtnglon. 7. Januar. Der Kongreß ist gestern zu seiner ersten Sitzung nach Wc h- nachten zusammengetreten. In dieser Sitzung wurde der B u d- getooranschlag des Kriegsmini st eriums verteilt, der «ine Erhöhung der Mllitärausgaben um mehr als 6 Millioncn Doltgr vorsieht gegenüber dem letzten Finanzjahr. Diese Mehraue- gab« ist in erster Linie für die Errichtung neuer Flughäfen bestimmt. In den Wandelgängen de- Repräsentantenhauses wird diese Erhöhung lebhaft kommentiert und zahlreich- Protest« dagegen erhoben. � Ot-o ZehmsJ Wie wir erfahren, ist heute vormittag der Hauptkassierer des Deutschen Textilarbeiter-Perbandes, Genosse Otto Zehms, verstarb«». Zehms, der kurz vor Vollendung des kl. Lebensjahres stand, war gelernter Posamentier und seit 1905 im Textstarbestei-Berband angestellt. Er genoß nicht nur in seinen engeren Berufskreisen großes Ansehen. Vor zwei Jahren verlor Zehms bei«inem Bahn- Unfall im Harz seine Gallin, während er selber gerettet wurde. Geschichten nach Neujahr. Von Walter Appelt. Umtausch nach Neujahr. „Sie missen owr fiel Geld Hamm."' „Warum dn?" „Weil Sie jetzt noch so«intoofen kenn. Was issn in denn Batet?" „Da iss mei Wechnachden drinne son meiner Schwester Seid die den Widdwer geheirahd hat sor zw«« Iohrn seiddem isi die immer so nowel. Die hat mir Beddwäsche geschenkt, also brtma. Aeh wahrer Schdaad." Unn da loofense wohl nu iewrall rmn drmU unn zeigens« dn Leiden?" „Nee. Die will ich umdauschen. Die hat doch extra gesagt, wenn'ch liewer was andres drfor Hamm wollde. da kennt'ch die Wäsche umdauschen." „Awr wenn das solche feine Kwalidäd ih, da däht ich die be- Halden." „Nee. ich bausch s« ahm um." „Sie Hamm wohl genug Beddwäsche?" „Um Goddeswillnl Gutfense nr mal uns« BsSden anl Rs ja, mier sinn doch nu zwans'g Jahre srheirahd, da iß ahm nich mehr alles so in Lahde. 2Iwr mit der Beddwäsche. mr schämt sich bald. daß mrsch sagt: da iß bei uns bald Maddäi an letzten Was denken se denn, wenn mier de Nacht mal enn unruhigen Draum Hamm, unn mter schdrambeln ä bissel, da liegen mier offn blanken Modratzen. Unn was die Zudecken sinn, da gucken ooch iewrall de Jhnelds (Jnlets) raus. Mier kenn doch iewrhaubt niemandn in unser Schlaf- zimmer fiehrn. S letzte anschändg« bisiel Zeich das hat meine Dochder mitgenomm. wo die fortgemacht ih. nach Ketschenbroda in Schdellung. Die kann nämlich in keen fremden Bedd« schlafen." „Wie ald isin die?" „Die werd sibbzn." „Drum." „Was dn: drum?" „Ach, ich meene bloß." „Was meen Sie blotz?" „Ich meene, da werd die das schon noch lern Awr mier sinn gans aus unfern Dehma gekomm. Was ich fragen wollde: wenn Sie so necd'g Beddwäsche brauchen, warum dauschen sn die da um? Di« iß ihn' wohl zu guhd fr alle Dahge? Sie wolln wohl liewr welche zum Schdrabeziern Hamm?" „Nee, die bausch ich um gegen enn Fogelbauer, mit ä baar Zwerchbabbegein drinne. Das iß doch das Scheene, daß meine Schwester das in Warnhaus gekoost hat, da kriegt mr doch alles. Außer denn Fogelbauer nemm ich noch enn« Kristallwahs«, unn enn Bunktroller, unn seidne Schdrumbenbänder.." „öaudsr solchen Luxus? Da däht ich awr liewer die Bedd- wüsche beHalden. Wo Ihre so schlecht iß. Was sagt» da ihr Mann drzu? „Mei Mann, der weeß doch das noch garnich, daß ich die Bedd- wasche gekriegt habb. Das biich ich denn nich gl«! off de Nase. Awr wegen denn bausch ich se doch um." „Wegen ihrn Mann?" „Jawohl. Beddwäsche muß der mir nämlich sowiso koosen, wenn unsre mal garnich mehr geht. Awr zu enn Fogelbauer, unn zu enn Bunktroller däht der mir doch in gansen Lähm kee Gelb gähm.,..." Ausverkauf. „Du, Mann, bist du mir guhd? „Ach, du ärgerst mich doch egal so." „Awr du kenntst mir drwegen guhd sinn. Wo ich Heide soflel Geld geschbart habb." „Wie hasten das gemacht?" S gtbbt wohl wieder mal bloß g«. wärmt« Sauerkraridbriehe Heid« middag?" „Das weeß'ch noch nich. Awr jedenfalls habb ich Heide fuffz'g Mark geschbart." „Mach keen Sätchaß! Das iß doch garnich meeglich." „Das iß schon meeglich. S iß doch Jnfendur-Aussrkaus. Tiste, da kost zum Beischbiel«nne Scheßlongdecke anschdad dreiß'ch Mark bloß een' zwanz'g. Das sinn nein Mark geschbart. Unn ä baar Schdorhs(Stores) kosten onschdadd zwans'g Mark bloß lernz. Das stnn sechs Mark geschbart. Mach zusomm schon fufszn. Unn enn« Brongsefiguhr offs Bissee kost sogar zwels Mark weniger wie sonst, unn«nne Barfiemschbritz«..." „Awr Frau, das werfchle doch hofsendlich nich alles gekoofl Hamm. Das sind doch lauder iewrfliss'ge Sachen. Enne Scheßlong- decke habb'ch dr erscht geschenkt, unn Schdohr? Hammer doch ooch s Wechsel, unn sone Brongsefiguhr, da haste doch selwer immer gesagt, das wärn bloß Dreckfönger. Unn volldens enne Barfiem- schbritze.. „Tiste, ich habbs doch glei gesagt, du bist mir nich guhd. Eich Männern kammersch weih Godd' nich recht machen. Da denkt mr nu, de freist dich wer weeß wie sehr, well ich sofiel Geld geschbart habb, unn nu iß drsch wiedr nich recht. Am liebsten däht'ch das ganfe Zeich wieder fortschaffen." „Da schaff? doch fort, da bin ich ooch nich beese driewer." „Bein Ausfrkaus dauschense doch nischt um." ,F)a läßt« dr ahm dei Geld wiedergähm." „Das machnfe erscht recht nich" „Wiefiel hast« denn iewrhaubt bezahlt?" „Hundertdreiß'ch.Mark. „Die hallst« dir wohl geschbart?" „Ich mechte mal wissen, son was. Awr wenn du mir guhd wärfchi..." „Was war dn da?" „Da dähdste drwegen nich schimpfen. Das habb ich nämlich son mein Werdschastßgeld son denn Monod genomm." „Nu. wie hasten dir das gedacht?" „Ich habb gedacht, daß du dich ahm ä bisiel nrt einschränkst." „Menschenskind, da haste doch bloß noch zwans'g Mark ierwrig." „Woher denn? Die hall'ch doch schon ausgegähm. eh der Aus- frkauf losging." „Fon was wolln mier dn da lähm bis zum erschien?" „Das isi deine Sache. Mich geht das nischt an. Ich habb Heid« fufsz'g Mark geschbart..." Vierzehn Tage nach Weihnachten. ,Aamm Sie Ihrn Kristboom schon abgeleert?" „Was heeßt abgeleert? Droff iß nischt mehr." „Also Hamm sn ähm schonn abgeleert. Mier wolln unsern morgen ableern. Ferzn Dage lassen micrn immer schdeh». S iß ja eegendlich Bleedsinn, denn das Zeich schmeckt ja nachher doch nich mehr. Awr wie die Kinder sinn,— die fressen doch die Ringeln unn die Biskwiibräzeln glei so, wie se sinn. Das Wachs, was da droff- gedrobbt iß fon' Lichtern, da denken dt«, s iß Zucker Nackter liegt'sn nadierlich wer weeß wie schwer in Magen unn s« heiln«en de Ohrn soll. Zlwr Frnunfi nemmse drwegen nich an. Da Hamm Sie wohl Ihrn Boom schonn lange abgeleert?" „Ich sags doch: mier hamm'n iewrhaubt noch nich abgeleert." „Ich denke, s iß nischt mehr droff?" „Nee, droff iß nischt mehr. Das heeht: oia. Silwersäden unn Lameddo." „Awr de Fresserei iß runder. Ja, Sie sinn ahm zu nochgiewig. Denkense denn, unsre Kinder Hamm nich ooch dorwiert, dasse mal was abmachen kenn? Das geht schonn seidn Hellgen Ahm!?. Awr nischt gabst Mier Hamms nich erloobt. Di« Meegens nt erwarben!" „Mier Hamms ooch nich erloobt." „Nu he, da däht ich war mein« Kinder grien unn blau dachen, wenn die heemlich das Zeich runderfressen dähten." „Las sagen Sie so." u „Das sag ich nich bloß so! Das däht ich ooch machen." „Das iß noch nich raus. Wenn die Krnder so durch'triem sinn... Sehnse, bei uns iß das so: eones Morgens, da war der Boom leer. Bis in de eiferschde Ecke, was Schoklahd« war oder Biskwit, das war runder. Awr was meens« denn, was die durchtriemne Bucht gesagt Hai? Schdelln sich doch die zwee'e mitn unschuldgsten Mien' son dr Welt hin, unn grinsen ä baar scheinheil'ge Drahn', unn sagen: Ach, Mamma, mier wolln drsch nr offen lagen: du hasts doch selwer gesägt, wenn mier nich folgen dähten. da däht dr Weih- nachdsmann das ganfe Zeich fon Boom wieder wegholn. Eist«, unn gestern, da wollden mier alle Heede mitr Eisenbahn schbieln. unn da Hamm mier uns gefchridden, werfe offzihn derj, unn jeder wolldse zuerschi offziehn, unn da Hamm mierse un» gegenseit'g aus» Händen gerubbi, unn nu gehise iewerhaubt nich mehr. Unn nu haste wärklich recht gehabbt: jetzt hat der Rubbrecht das ganfe Freßzeich fon Kristboom wiedergeholt." „Also so eine Idee!" „Na ja. so«ine Idee! Awr kennj« da filleickt was machen?" Giftmischer. Wildgewoi Vene Spießer als Revolutionäre. Bor mehr als drei Jahrzehnten wurde die Streitfrage in der deutschen Gewerkschaftsbewegung entschieden, ob die Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen durch Tarifverträge anzustreben sei oder nicht. Nur in sich geschlossenen freigewerkschafllich orgaui, sierten Berufsgruppen, die sich im Kampfe mit dem Unter- nehmertum durchgesetzt hallen, war es möglich, zu Tauf- Vertragsverhandlungen zu kommen und zum Abschluß von Tarif- Verträgen. Die meisten Gewerkschaften mußten erst um ihre Anerkennung durch das Untcrnehme:tum als vertragefäh'ge Partner ringen, bevor an ein« tarifliche Regelung zu denken war. Kommunistische Gewerkschastsstrategen, die. wie Werter, im Lager der Gelben ihre gewerkfchasllg'gnerische und ge- werkschaftsfeindliche Schulung fanden, brauchen von all den Kämpfen, die der Tarifvertragrpsriode voraufgingen, wie von den Kämpfen um kne Ausgestaltung der Tarifverträge nichts zu wissen. Um so unsinniger können sie heute die Gewerkschaften als reformistisch beg ifern. sie als „I o z i a l f a s ch i st i s ch" beschimpfen, weil sie an der tarifvertrag- lichen Festsetzung der Lohn- und Arbeitsbedingungen festhallen und die abgeschlossenen Tarifverträge einhalten. Die„revolutionäre" Gewcrkschaftsoppasition der Werter und Konsorten möchten die gewerkschafilich«�Entwicklung zurück- schrauben in die Z:it ihres Kindheitsaltsrs. wo die Bewegung alles war und das Ziel selten erreicht wurde und auch dann nur bis zum nächsten Konjunkturrückgang, in eine Zell, in der wilde Streiks oft das einzige Mittel war. aus der Ohnmacht heraus- zukommen und Lust zu schnappen.„Zwischrntarifliche" Forderun- gen brauchten damals nicht gestellt, Tarifbruch nicht verübt zu wer- den, weil die Gewerkschaften von jedweder tariflichen Bindung voll- ständig frei waren. Die„revolutionäre Gewerkschafteopposition", deren„Probleme" wir gestern aufzeigten, macht heute in einer Polemik grgen unsere Ausführungen das Eingeständnis: „Die ersten Schritte der Gewerkschaftsopposition... haben bisher noch keine direkten materiellen Erfolge den kämpfenden Gruppen gebracht.... Wir wissen, daß der Weg zum Sieg durch Niederlagen führt." Nun, an Niederlagen hat es ja den„Revolutionären" um Merker und Niederkirchner bisher nach nicht gef.hlt Dem Unternehmertum haben die Revolutionäre gelegentlich einige vorüber- gehende Ungelegenheiten bereitet, doch den Zweck haben sie in allen Fällen erreicht, die Gewerkschaften mehr oder min- der zu schädigen. Wie steht es denn aber mit der„revolutionär-n" Gewerkschaft-- opposllionsstrategie? Haben nicht die wlld streckenden revolullo- nären Rohrleger und Helfer unter der glorreichen Führung von Niederkirchner den Abschluß eines Tarifverkrags von den Unter- nehmern gefordert, haben sie nicht die Unternehmer um VerHand- lungen ersucht über ihr« tarifvertraglichen Forderungen?„Revo- l u t i o n ä r" war doch nur das Ziel, den Deutschen Metallarbeitsr- verband als Tarifoertragskontrahent auszuschalten und sich selber an seine Stelle zu setzen. Im Gegensatz zu den Gelben, den Revolutionären und wie alle gewerkschastsfeindlichen Richtungen sich auch bezeichnen mögen, weiß seder Abc-Schütze in der Gewerkschaft, daß der Erfolg im ge- werkjchastlichen Kampf« in erster. Linie von der Stärke und Ge- schlössen heit der sreigewerkschasllichen Organisation abhängig ist. Damit natürlich auch die Sestallung der Tarifverträge. Die gefchick- testen Unterhändler der Gewerkschaften sind machtlos, wenn sie nicht ein« imponierend« Organisation hmter sich haben, wenn die Unternehmer nicht davon überzeugt sind, daß sie Gefahr laufen, nach verlustreichem Kampfe mindestens dasselbe zugestehen zu müsien, was sie sich in den Verhandlungen abringen lassen. Die revolutionären Giftmischer, die pomphast verkünden. ihr Weg führe„über den Kadaver des Soztalfaschis- m u s". über dl« Zerschlagung der Gewerks chasten. sie suchen die Gewerkschaften durch Zersplitterung in ihrer Kampfkraft zu schwächen. Sie erreichen eine Säuberung der Gewerks chasten von gewerk- schastsfeiudlicheu Elementen und damit ein« inner« Erstarkung der Gewerkschaften. Damll überlassen wir die revolutionären Nieder- lagenstrategen ihren weiteren Niederlagen. Hurra Gurmenia! (An der Gedächtniskirche zu singen.) Hurra, du aufgetakelt Weib, Hurra, Gurmenia! Wie schön mit vollgestopftem Leib saß man doch früher da. Bei Lichterfllll und Saxophon. Wie«soff man sroh den Sekt, Da plötzlich— horch— welch dumpfer Ton hat dich emporgeschreckt? U wah, u wah, Gurmenia! Du dachtest nicht an Zank und Streit, Nur an Amüsemang. Mll einem Mal, da fuhr die Pleit' mang dein Vergnügen mang. Um die Gedächtniskirch« rum brach Panikstimmung aus, Und seuszend schlich das Publikum aus dem verwaisten Haus. U wah. u wah, Gurmenia! Doch trau auf Schacht und halt« stand, bleib du getrost und froh! Der Stadt Berlin, dem deutschen Land geht's gerade ebenso. Das Auge darum kühn empor: Sanieren wird man ja Dich und das Reich— wie nie zuvor, Hurra Gurmenia! Hurra, hurra. Germania! �ovattzsa. Tardieus Abreise wird angekündigi. pari». 7. Januar. Wie aus dem Haag gemeldet wird, hat Ministerpräsident T a r d i e u die Absicht, den Haag am Montag zu verlassen, um sich nach Paris zu begeben und der Wahl des Kammerbureau« beizu- wohnen. Sollte hie Konferenz bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht beendet sein, so würde Tardieu für den llnterzeichnungsakt nach dem Haag zurückkehren. Vriand fährt voraussichtlich am Frellag nach Genf. Geht Leßner ab? Bei den maßgebenden Instanzen des Kultus- und Finanz- Ministeriums hat gestern ein« Beratung stattgefunden, in der die Frage behandell worden sein soll, ob es sich empfiehlt, den Inten- danten Ießner zu veranlassen, noch vor Ablauf seines bis zum Jahr« •19M reichenden Kontrakts auf seine direktoriale Tätigkell am Staats- theater zu verzichten und sich auf Regiearbeiten zu beschränken. Ein definitiver Beschluß ist noch nicht gefaßt worden. Als Räch- folger Ießners kämen der Darmstädter Intendant Karl Ebert oder Gustav Härtung, der Direktor des Berliner Renaissance- thealers, in Frage._ Alte Schlager aus neu verarbeitet. Doltsoperette im Waihalla-Theater. Gaston Briese und George Burghardt haben für das Walhalla-Theater eine Bolksoperette„So lang noch untern Linden" zusammengebraut: die wesentlichst« Substanz dieses Werkes bilden alt« Schlager von Walter Kollo mit den dazugehörigen Texten von Haller, Rideamus und Willi Wolfs. Es ist«in Stück mit Seltensprüngen und Keßheit und«in bißchen Senti- Mentalität. Die Kritik hat zu dem Werk und der Aufführung nichts zu bemerken. Das Publikum amüsierte sich.— nl— „Das Drama in der Gegenwart." Im ersten seiner vier Vortragsabende, zu denen die B e r l i n e r Volksbühne In den Bürgersaal des Rathauses einlud, schilderte Julius Bab, was das dromallsche Theater der Gegenwart von Rußland und Amerika zu erhoffen hat. Bad zeigte in großen historischen Perspektiven, wie das russisch« Theater zu Anfang des Jahrhunders, mll Stanislawski als Thealerkünstler und Tschechow als dramatischen Dichter, in klassisch-naturalistischer Form die Unter- gangssllmmung des Bürgertum» festhielt. Der stegende Bolschewi«- mus begriff, daß da» Theater eine großartig« Waffe zur Beeia. stussung der Massen sei: Meyerhold organisiert« das krnmnunistische Agllationstheater, dessen trockene sozial« Rhetorik ober auf die Dauer nicht fesseln konnte, da das Drama seine lebendige Ur- sprüngtichkell immer wieder von dem Glauben an die Kraft des Menschen, nicht des bloßen Apparats, bezieht. Diese Einsicht, jetzt auch von Meyerhold ausgesprochen, läßt erwarten, daß Rußland nach zahlreichen unproduktiven Versuchen(Lunatscharski u. a.) der Well eine neu« ftarle Dramatik bringen wird. Amerika Hai— im Gegensatz zu Rußland— bereits schöne Ergebnisse gezeitigt. Dort setzt« vor ungefähr zehn Iahren eine temperamentvolle Opposllionsbewegung gegen die Broadway- Geschäftstheater ein, praktisch organisiert durch eine„Theatergilde" und eine junge Schauspielertruppe. Noch anfänglicher Abhängigkeit vom europäischen Theater bildete sich schließlich ein besonderer amerikanischer Theaterstil heraus, vor allem dank der schöpferischen Arbeit Eugene O'Neills. Dieser, der Sohn eines Schauspielers, nacheinander Matrose, Hafenarbeiter, Packer, Farmer, schreibt in zehn Iahren vierzig Stücke: Brennpunkte lebendiger Wirklichkeit. mcktterorisch-theaterfroh wie Shakespeare. Babs Referat, von prächtigem rhythmischem Schwung getragen, fand die herrliche Zustimmung einer kleinen Hörerschaft. W. Sch. Oer Große Gtaatspreis für Maler. Der Wettbewerb um den Großen Staatspreis der preußischen Akademie der Künste für Maler ist entschieden worden. Der Große Staatspreis wurde dem Maler Walter Meyer. Vax verliehen. Di« Wettbewerbsarbeiten sind vom 7. bis 13. Januar einschließlich täglich von 10 bis 16 Uhr in der Akademie der Künste, Pariser Platz 4, öffentlich ausgestellt. Sven Lauge gestorben. Der bekannte dänische Schriftsteller und Dramatiker Sven Lange ist am Montag abend im Alter von 61 Iahren an einer Influenza gestorben. Der Verstorben«, der sich auch als Literatur- und Theaterkritdker«inen Nomen gemacht hat, schrieb eine ganze Reihe von dramatischen Werten, darunter„Sam- son und Delila",„Die Stimme der Unmündigen"„Liebe und Tod" usw.__ Vilm» Mönckeberg liest hölderstn. Der von der B o l k« b g v n e 0. SS. angekllndigl« Leleadend von Irene Triesch mutz in sola« einer Erkrankung der KunsUerm pcrickoben werden. Dafür wird Im vürgerlaal de« Raitjaule« am 8 Januar. 20 Uhr. vilma Mönckebeig Dichtungen Hölderlin« vartraaen. Die für den Triesch-Abend gelösten Kart» n bebalken ihre Gültigkeit, weitere Karten zum Presse von NM M. am Saaleingang. Vesterrelchssch-Veullcher Valksduvd. Hofrat Max Millenkovich, M arald. Burgtbealerdireltor i. R. au« Wien, spricht am 8., 20'i, Uhr. in der Deutlchen Gefellichaft lS ch a d o w ti r. 6/7) über: .Deutscher Keift in Oesterreich". Anlchliehend gesellige» Beisammensein. Käste, auch Damen, willkommen! Anmeldungen an die Seschäsl« stelle de« Dollsbund«, Berlin KS 40, Kronprinzenuser IS. erbeten. Frankreich in Marokko. Ruhe vor dem Sturm? Rabat, Anfang Ioimar. �Eigenbericht.) Trotz äußere» Ruhe ist die Lage Frankreichs i n M a> r a i k o weit davon entfernt, erfreulich zu fein. Zwar haben sich bei dem Ueberfall bei Ait Uakub größere militärische Unglücksfalle nicht ereignet. Das liegt jedoch weniger an der Zurückhaltirng de? französischen Oberkommandos, das sowohl neue Mlnschenopser wie den schlechten Eindruck derartiger Borkommnisse in Frankreich so- wie im Auslände vermeiden will. Das französische Prestige hat durch diesen Zwielichtzustond auch bei den offiziell unterworfenen Stämmen sehr gelitten und die Rebellen rüsten zu neuen Taten für den Beginn des Frühjahrs. Obwohl die Aufftändifchen im ganzen über kaum mehr als 800s> bewaffnete Männer verfügen und obwohl sie einer ag Gesamtstärke ganz bedeutend stärkeren Macht gegenüberstehen, ermöglicht ihnen das'französische System, bei Zusammenstößen stets mit großer numerischer Ueberlegenhcit aufzutreten. Die französische cheeresleitirng in Marokko bedient sich nämlich noch inimer der Methoden des alten Kolonial- k r i e g e s und versucht mit Hilfe zahlreicher kleiner in Block- Häusern und Forts detachierter Abteilungen das unruhige Gebiet durch einen Kordon abzuschnüren. Das System stößt jedoch auf große Schwierigkeiten, denn die fronzösischen Truppen stehen einem mit modernen Waffen ausgerüsteten Gegner gegenüber, der neben der Gleichheit der Ausrüstung über den Vor- teil der genauen Kenntnis der örtlichen Bedingungen verfügt. Der Schwerpunkt der gegenwärtigen Kämpf« liegt in dem G e b i r g s- lande am Rande der.zwischen Algier und Marokko liegenden Wüstenzone, das an die Leistungsiähigkcit europäischer Truppen unerhörte Anforderungen stellt. Sowohl die Verproviantierung wie die Wasserversorgung sind ungeheuer schwer, und die Auto- mobilkalonnen, die die Zufuhren nach den Außenposten befördern, bilden ein beliebtes Objekt der lleberfälle. Auf Grund zuverlässiger Schätzungen betragen die französischen Verluste in den letzten Z Monoken mehr als 500 Tole. über lOO Verwundete und gegen ZO Gefangene allein bei den regulären Truppen. Ueber die Einbußen der„freiwilligen" Eingeborenen kontingente und der Verkehrstruppen liegen keine näheren Angaben vor. Von den Experten der marokkanischen Besatzungsarmee wird als Mittel zur völligen Niederwerfung des Ausstandes eine Mo- dernisierung ihrer Kampfmittel nach dem Vorbilde der englischen Kolonialtruppen verlangt und der Ersatz der Infanterie durch Panzeraütodetachemcnts und der Kavallerie durch Flieger gefordert.* Di« Mechanisierung der Armee hat zur ersten Voraussetzung die Anlage eines Systems von Auto. st r a ß e n und von Flugzeug st ützpunkten. Es besteht jedoch wenig Aussicht für die Durchführung einer solchen Reform, da Mittel für diese Zwecke kqum bewilligt werden dürften. Gefährdet wird die Situation durch eine im Unteroffi- zierkorps und den Offizieren niederen Grades herrscheiche Mißstimmung Wer ihre Benachteiligung« der BesoSmng gegenüber den tunesischen und algerischen Garnisonen, die, trotzdem sie sich in dauerndem Friedenszustand befinden, erheblich besser gestellt sind. Auch die U nt e r k u n f t s oe r h ä ltn isse in den städtischen Garnisonen liegen für die wichtigsten Kategorien der De- sotzungsarmee sehr im argen. Die hohen Mieten zwingen nnttlcre und untere Offiziere, für sich und ihre Familien Wohnungen in den Cingeborencnvicrteln unter häufig höchst ungünstigen Bedingungen zu suchen. Das Zusammenwirken aller dieser Umstände beeinflußt die Stimmung in der Besatzungsarineo höchst ungünstig, was um so be- drohlicher ist, als militärische Machtmittel das einzig tragbare Fun- darnent der französischen Herrschaft in Marokko stnd. Unverstand und Nachgeben gegen die Wünsche des Großkapitals, das in der Wirtschaftspolitik nichts weiter sucht als hohe Dividenden für die Pariser Aktionäre und in den Eingeborenen Objekte für kolonialen Raubbau» machen die Verhältnisse Marokkos immer unerquicklicher. Für eine Politik der starken Hand fehlt es Frankreich an Mitteln, für eine Politik der Verständigung an Größe und Auf. richtigkeit und für«ine Politik des wirtschaftlichen Aufbaus durch Förderung der Eingebarenen an Initiative Und einem positiven Programm. So braut sich allmählich, aber unabwendbar in Frank- reichs aussichtsreichstem, aber gleichzeitig schwierigstem Besitz dank dem Versagen des alten Kolonialsystems ein böses Wetter zu- sammen, das Frankreich in nicht allzu ferner Zukunft noch schwere Sorgen bereiten dürft«. LerairNvortl.»üt die Redaktion: Woltgaaz BerlinxA terlin. iigen: r». Stock«. vorwärts Buch. Berlin. Lerlaz: Borwarts Bertas<5. m b x-ntui. uuu�u... druckeret und Berlasoanltalt Paul Singer& So. Berlin®3B 88. Lindeniirak- 5 Kiers» 1 Beilage. Die Preise bis in ihre Bruchfeile öespalfen! lieberzeugen Sie sich selbsf! Unsere Läger sind wieder aufgefüllt! Hier nur einige Beispiele: diu Porten Kinder- Strijmpfe «norm billig, reine Wolle CS II GrBsse inndt............. 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Musikalische Leitung; Theo Mackebeo. —— Sinselttz C1, 0801 0. 2913/84.— Volksbühne fneattr an Bilovoliti 8 Uhr Affäre Dreytus Schauspiel von H. J. Rehflscb und W. Herzog Regie H. D Kenter Staat!. Sdiiller-Tli. S Uhr soundso, so geht der wind staaisnpei gm Platz der Bepobllk 8 Uhr Die verkaufte Braut ibealar am sailfltaatnianm >->/. Uhr DieGarteMe Oeotidies Theater D.I. Norden 12310 Tägl.81/« Uhr Der Kaiser V.Amerika von Bejnard Shaw Reg.: Max Reinhardt Kammerspiele D. I Norden 12 310 Täglich 8';. Uhr DAsir6 Komödie von Sascha Guitry Regie: Leo Mittler. Die Komödie Jl Blsmck.24I4/7S16 Täglich 8'/« Uhr Vom Tenfel geholt von Knut Hamsun Regie Max Reinhardt Kieiues Ttieat. Merkur 16�4 Täglich 8'/. Uhr Max Adalbert in Pas ParfUm meiner Frau Lustsp. v. Leo Lenz Direktion >r. Robert Klein Deutsches Iflnstler-Theat Barbarossa 3937 8-/. Uhr Jas, ml dre." Regie: Gustav Hortung. Virtar wird;t;«bra: Souper von FranzMolnar itigii: Utlu Hilper Berlin» Theater Dönhoff 170 ViSUhr Ende Il>° Seltsames Zvismenspie Oll Vorvk. 10-2. Kf. 2001 Täglich S1'« Uht Gostsptel des Deuisdien Tdeaiers Die Fledem« Reoie: Mix fleinhanlt. Barnowsky-BDliDen Theater in der KOeiggrätzer StraOe Täglich«'h Uhr Die erste mrs. semy mit Fmzi massary Komödienhaus Täfiiich m Uhr Der Logner und d e Nonns mit CUPl 00 tz Theater d. Wedeot Täglich S'i. Uhr; Hold Stadl Lemberg Musik vort Gilbert Käthe Dor»cb Leo SchOlzrndori WM " Uallnarfl ir- Theater WillnrflinlinlnbJS. Alex. 4692. Täglich Uhr Revolte im Erzieftungsiiaus. Komische Oper Fried richstr- 104. Merkur 1401/4330. Alläfrendlich 8Vi U. Sdmsk m tnuU bd4 int. Lustspjeibaus Friedrlchstr. 236. Bergmann 2922 23. Allabendlich 8>/z U Wiegenlied Lathfi«) tot Lidlslw Fuhr. TOcat. a. KdttB.Tur Kottb. Str. 6 Tägi. 8 Uhr aucbSonnt. nachm. 31).; Elite- •Enger. lanuar- Programm Lachschlager Die Bnxc der Pandora. Netropol-Th. 8V» Uhr Das Land des Lächelns Vera Schwarz, Richard Taohcr Musik vyn F ranz Lchär, Philharmonie 8 Uhr Wagner-ibend des Philharm. Orch Dirlo. Prot. I. Prower Eintritt] Mk Planetarium || am Zoo i Vnllai. Jatdumsiäilir Stnh 3.3 BarbarossaäS'O Ib'äUbr Pia Wintar- starnbildaf. 18-/4 Uhr 0 20", Uh, Markwardig» Slanw(tinn oTwirgc) Eintritt i Mark. Kinder SO Pf. Mittwochs halbe Kassenpreise. WWW Diraktian: Dr. Marlin Zicktl WWW Komische Oper Frtedrtdiitr.lOA Merkur 1401/4380. Wicdertraffming nach«allatlnd. Umbau Täglich 8-/4 Uhr Uraufführung Hulla di Bulla Schwank von Arnold und Bach mit Guido Thlolscaor, Fritz Schulz. Hainr. Sehralb, Eugaa Curg Hüde H Idabrand, Marcot Walter, fiarrlun. Flink, Bahmer. Wenek Lustspielhaus Friedrichstr. 23ft.' Brrcni.-nn 2922/23. Täglich 8-/» Uhr ..WlsecfAmllesa** Lustspiel vöo Ladislaus Fodor Käthe Haack, Nora Orager, Paul HeidemanB, Bariscb, Martha M. Nawea, Qondi, Storm, PlaUn, Beckmann. 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Jeden Sonnabend nachm 5 Uhr » Sonntag, 230, Der gestiefelte Kater Tbeater L d. Bebrenstr. 53-54 A 4 Zentrum 926 927 8»/t Uhr ... Vater sein, dagegen sebr Sonntag auch nachm. 4 Uhr(halbe Pr.) Reichshailen-Theater Abends HJ Sonntag nadtm. OD Das grobe lanuar-Progr. der Sleltiner-sanfter BilletttesteUno?«) Zntno II XU OönhoFf-Brottl: Das ramlUan-Tarteto 10 Nomtneni. Koninrt, Tanz TSgiidi abends 8 Uhr: Das große I Programm? j VorverkAuf A. WcrthBlm u. ClreuskaM«. Tel. Nord.840 Inserate im Vorwärts bringen Erfolg I Lessiog-Theater Norden 10846 T�gU Uhr flieg Roter Adier Schauspiel von Angermayer Operettenhaus Alto Jabobstr.. 0,32 (Zentral- Theater) Täglich l»,« Uhi Der Soldat der marie Gustav Matzoer, Bora Krach, Erich Borchen, der Köllig de« Jazz. r�HiUEQ-lEif? U-Bahs BennanwUP IrgnU SM : 108, U in den bayr. 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Zu beziehen durch die Botenfrauen und Ausgabestellen des.Vorwärts", sowie direkt vom Verlag. {Beilage Dienstag, 7. Januar 1930 JfrrMwnft 5— wie hehanden man zucKemranKe? Von Ewald Böhm Die Zuckerkrankheit(Diabetes) ist eine Erkrankung des Blutes infolge mang«�haster Funktion gewisser Stoffwechsel- organe. Eine entscheidende Rolle jpieli hier die iL a u ch s p c i che l- d r ü s c. deren Zwischengeweb«. die 1869 von Äingerhans eut- oeckte» Inseln, ein �Inkre:�(innere Absonderung) in die Blutbahn abgeben. Dieses bewirkt, daß ein Teil der mit der Nahrung aus- genommenen Zuckerstoffe, der sogenannten Kohlehydrate(Ber- bindungen»011 Kohlen- und Wasserstoff), in der Leber in der Form von Glykogen aufgespeichert wird. Die Lober oersorgt dann je nach dem Bedarf der verschiedenen Organe das Blut mit der erforderlichen Menge von Zucker. Der Abbauvorgang des Gly- kogens der Leber wird durch ein Inkret der Nebenniere, das Adre- n a l i n. besorgt. Dieser Mechanismus arbeitet aber nur bei normaler-Tätigkeit der Bauchspeicheldrüse mit der erforderlichen Regelmäßigkeit. Bei der Zuckerkrankheit ist diese Regulierungsfunktion gestört, die Leber enthält zu wenig Glykogen und das Blut infolgedessen zuviel Zucker. Ein solches Ergebnis rührt entweder von einer Erkrankung der Leber her, die den ihr zugeführten Zucker nicht in genügend Glykogen verwandeln kann, oder von einer Ueberfunktion der Nebenniere, deren vermehrtes Adrenalin der Lgber zuviel Glykogen entzieht oder aber(und dies in den meisten Fällen) von einer Unterfunktion der Bauchspeicheldrüse. Die fehlerhafte Zusammensetzung des Blutes, d. h. sein er- höhtcr Zuckergehalt(zirka 300 Kubikzentimeter anstatt zirka IN Kubikzentimeter), und die dadurch bewirkte mangelhafte Er- nährung der Gewebe verursachen Störungen des gesamten Organismus und vorwiegend allgemeine Symptome. Bei den Zuckerkranken zeigen sich rasch« Ermüdung, Mattigkeit und Amagerung bei jedoch gutem Appetit: der Durst ist ungewöhnlich gesteigert und die Menge des Urins ebenfalls. Daneben stellt sich sehr häufig starkes Ivcken der zu trockenen Haut ein, bisweilen auch Ausschläge und Furunkulose und nicht selten Nervenschmerzen und Störungen des Sehvermögens. Der Nachweis der Zuckerkrankheit gelingt hstcht durch eine Untersuchung des Urins, in den bei einer gewissen Stärke der Blut- zuckervennehrung der Zucker vom Blut aus übertritt. Die Behandlung der Zuckerkranken muh nach dem Gesag- ien natürlich eine Verminderung des Blutzuckers an- streben. In leichteren Fällen behandelt man die Kranken auch heute noch in erster Linie mit TM ä t. Die Kohlehydratfütterung ist in höherem Maße einzuschränken. Während der Gesunde täglich zirka ZtX) Gramm Kohlehydrate zu sich nimmt, ist diese Menge dein, Zuckerkranken auf 8g bis 100 Gramm zu verkleinern. An Stelle solcher Nahrung, wie Mehlspeisen und Hülsenfrüchte, hat der Kranke viel grünes Gemüse und eiweiß- und fetthaltige Speisen(Fleisch, Fisch, Speck, Eier, Butter)-zu wählen. Ein« völlige Entziehung der Kohlehydrate ist natürlich nicht möglich, und sie würde auch zu schweren Störungen sichren,»peil eine gewisse Menge dieser Stöfs«' zur richtigen LerarHcitung.der Fette erforderlich ist. Neben der Diät wird jetzt mich S y n t h a l i n B verabreicht, ein neues Hormon- Präparat, dos innerlich eingenommen wiro und das die Glykogen- oufspeicherung der Leber fördert. In schwereren Fällen, in denen der Urin über 2 Pro.z. Zucker enthält und im Blut womöglich noch Azeton und Oxybutter- säure enthalten sind, behandelt man mit Insulin. cin«m seit 1923 bewährten Extrakt der Bauchspeicheldrüse, das ebenfalls die mangelhaft« Glykogenfpeichernng in der Leber vermehrt und dadurch den Blutzucker vermindert. Das Insulin wird nach Einheiten einer bestimmten Wirksamkeit berechnet und je nachher Schwere der Er- krankung in verschiedenen Mengen unter die Haut(subkutan) ein- gespritzt. Bei ganz untercrnährten Patienten ist die Jnsulinfrage eine Crnährungsfrage und es muß durch die Insulinbehandlung zu- nächst eine Gewichtszunahme erzielt werden. Insulin und Syntha- lln sind überhaupt keine 5>eilmittcl, sondern gute Hilfsmittel, indem stark heruntergekommene Zuckerkranke durch reichlichere Nahrungs- aufnähme an Gewicht zunehmen. Eine gute Ernährung ist bei der Zuckerkrankheit um so wich- tiger, als diese Patienten ihre Nerven besonders schonen müssen. Deshalb sollen sie auch vor Aufregungen bewahrt werden. «ine in heutiger Zeit leider nur schwer durchzuführende Vorschrift. Auch auf die Hautpflege und besonders auf die sorgsame Bc- Handlung von Ausschlägen ist zu achten. Da Wunden von Zuckerkranken nur sehr schwer beilen, so muß ein solcher Patient vor einer eventuell notwendigen Operalion«rst durch Insulin blutzuckerarm gemacht werden. Die Zuckerkrankheit ist heut« noch nicht eigentlich heilbar, man kann durch geeignete Behandlung nur Verschlimmerungen vermeiden und erhebliche Besserungen erzielen. Die Krankheit ist individuell sehr verschieden. Viel« Kranke halten bis zu 30 Iahren und länger bei leiblichem Wohlbesinden dabei aus. Namentlich, wenn die Patienten dauernd mit Insulin bespeist w-r- den, so kann man ihr Leben um Jahrzehnte verlängern. Vsfloi'ans LlobesmOhe Die uenusie bei der Fortpflanzung Keine Maschine arbeitet mit einem Wirkungsgrad von 100 Proz. Ueberall treten unerwünschte Nebenerscheinungen auf, die die auf den Zweck gerichtete Mühe wenigstens teilweise durchkreuzen und„zu Abfall" führen. Ein Ofen führt sogar nur jammervoll wenig der Wärme des aufgewandten Brennstoffs der Ermärnmng des Ziminers zu; das meiste fliegt ungenutzt zum Schornstein hinaus. Aber selbst Vorgänge in der Natu r geschehen geivöhnlich nicht mit einem vollständigen Wirkungsgrad. Grotesk sind sogar die Verlust- bei der Fortpflanzung von Pflanzen und Tiere». Die Millionen und aber Millionen ausgestreuten Sporen der Pilze gehen fast olle zugrunde, und nur wenige keimen zu neuen Pilzen auf. Auch beim Mensche» ist es nickst anders. Aber selbst diejenigen, die zur Keimung gelangen, sind noch nicht gesichert. Denn unsere Vevölkerungsstotistrt verzeichnet im Deurschen Rgich durch- fchnittlich jährlich 40 000 Totgeborelle. Wenn man bedenkt, welches Matz von Mühe, Leid und Sorgfalt sie in erster Linie den betrcsfendei� Müttern unnütz verursachen, so wird man sich erst der ennnenten sozialen Bedeutung der Totgeborenenquate bc- mußt. Bildet doch dieses Abslerben eines Bruchteils des menschlichen Nachwuchses noch im Mutterleibe sozusagen eine Vorstufe zu der Säuglingssterblichkeit, die uns fo sehr beschäftigt hat und�-noch immer weitest gehender Beachtung bedarf. Die große Regelmäßigkeit der Totgeborenenquote scheint dafür zu sprechen, daß dieser Erscheinung eine naturgesetzlichc Bedeutung zukommt. Das ifi� jedoch nur bis zu einem gewissen Grad« der Fall. Wie die Säuglingssterblichkeit«in« der Hauptsache nach soziale Erscheinung ist, so trifft dos auch bei den Tot- geburteil zu. Die traurige wirtschnftlichc Lage der Mutter ist oft davon schuld, daß sie aus ihre» Zustand nicht diefcnige Rücksicht nehmen kann, die das in ihr sprossende Leben nun einmal verlangt. Sie muß oft für ihren Lebensunterhoft schwer arbeiten und kann sich nicht die notwendige Ruh« und Erholung gönnen. Leider stellen sich der Statistik dieser Erfchcinung selbst erheb- liche Hindernisse in den Weg. Die Grenze zwischen Abortus und Totgeburt ist oft nicht leicht zu ziehen, ebenfo wie andererseits schwer zu beurteilen ist, ob ein Kind„in der Geburt" oder„kurz nach der- selben" gestorben ist. Wieder andere Umstände, z. B. religiös« Vorstellungen, wirken hindernd auf die Richtigkeit der statistischen Erfassung. Eine Totgeburt gilt in vielen Gegenden als ein viel größeres Unglück der Familie als ein Tod des Neugeborenen kurze Zeit nach der Geburt, wo dann immer noch Gelegenheit gegeben ist. das Kind notzutoufen. Solchen Empfindungen kommt z. B. auch hie Hebamme gern nach. Die offizielle Statistik verzeichnet jetzt 3,1 Proz. Tot- geborene. Verfolgt man diese Zahl durch längere Zeiträume, so findet man ein fast vollständiges Gleichbleiben. Milte des verflossenen Jahrhunderts waren es 4 Proz. Die Zahl hat dann namentlich in den achtziger Iahren abgenommen und fiel bis 1913 auf 2,9 Krieg und Nachkriegszeit haben dann eine Erhöhung� bis' auf 3,!i Prozi gebracht, und neuerdings ist die Zahl wieder' etwas im Abflauen begriffen. Das langsame Abnehmen der Zahl der Totgeburten mit fort- schreitender Zeit spricht eigentlich dafür, daß auch sozial« und wirk- schaftliche Einflüsse am Werk sind. Denn die Zeiten, in denen die Tatgeburtenzohlcn geringer gewesen sind, waren im wesentlichen auch wirtschostlich günstigere Jahre. Und im ganzen Hot sicher auch der Fortschritt in der Hygiene und der Geburtshilfe vor- teilhaft gewirkt. Einen erheblichen Einfluß auf die Zahl der Totgeburten übt dos Alter der Mütter aus. Dies« Erkenntnis fußt auf umfang- reichen Zlrheitcn des Rcichsstatistischen Anfts. Danach jtn£ in den steigenden Altersgruppen der Mütter von fünf zu fünf Iahren stets auch höhere Anteil« der Totgeburten an den gesamten Geburten- zahlen beobachtbar. Auch bei steigender Gel>urtenhäusigk!eit wird die Zahl der Totgeburten größer, was ebenfalls auf sozial« Einflüsse hinweist. Die Frauen, die nur einmal geboren haben, sind der Gefahr der Totgebnrien viel weniger ausgesetzt als diefenigen, die mehrmals und s« h r h ä u s i g Kinder zur Welt gebracht hoben. Die Frauen mit großem Kiirdcrsegen sind eben immer weniger in der Loge, ihrem Körper während der Schwangerschaft die nötige Ruhe und Pfteg« zu gönnen. Aus der anderen Seit« ist allerdings auch der durch häufige Geburten geichwüchte Organismus der Mirtter weit weniger zum normalen Austragen des empfangenen Kindes befähigt. Sehr merkwürdig ist die außerordentlich« Gefährdung der männlichen Frucht. Wir wissen, daß bei den meisten zkvili- sicrten Völkern ein Knobenüberschuß geboren wird, daß jedoch der jung« männliche Organispms der Säuglingssterblichkeit stärker aus- gesetzt ist als der weibliche. In noch viel höherem Maße aber zeigt sich das bei den Totgsburton. Die Zahl der totgeborenen Knaben ist viel größer als die der totgeborenen Mädchen. Im Iahte 1907 wurden im Deutschen Reich 21 öOO Knaben totgeboren, aber nur 16 800 Mädchen. Auf 100 totgeborene Mädchen kamen also nicht wcirigcr als 127 totgeborene Knaben. Diese Cr- scheinung ist geradezu erschreckend. Zwar ist der Satz in früherer Zeit noch viel größer gewesen als jetzt, und der alte Statistiker Wappäus Hot aus älteren Berechnungen sogar dos Verhältnis IG) zu 140 abgeleitet. In südlichcrcn Ländern ist es ungünstiger als bei uns, namentlich in Oesterreich und Italien, aber auch m Belgien, wogegen das nördliche Holland eiwas günstiger dasteht. Es scheinen aber doch wirklich nn wesentlichen natürlich« Umstände zu sein, die die viel größer« Lebensgefährdung des jungen männlichen Organismus herbeiführt. Der den Geburtsvorgong er- schwerend« größere Umfang des mäimlichcn Fötus dürft« zur Ev- klärung dieser Erscheinung vielleicht genügen. Ebenso ist die Tatjoche. daß bei den Mehrlingsgeburten häufiger Totgeburten vor- kommen, physiologisch leicht erklärlich: sie sind um zwei Drittel zahl- reicher als bei«miachm Geburten. Die Anteile der sozialen Faktoren sprechen sich wieder bei der Betrachtung des Einslussas aus, den die eheliche und die uneheliche Geburt erfährt. Uneheliche Mütter sind gm eigenen Körper durchschnittlich größeren Ge'ähr- düngen ausgesetzt als die ehelichen. Es ist daher auch kein Wunder, daß die Totgeborenenquote bei den unehelichen Kindern größer Ist, als bei den ehelichen. 1927 mochten die Totgelmrten bei den Un- ehelichen 4,7 Proz. aus. Dieser Satz ist damit sogar noch höher als in der Vorkriegszeit. Darin prägt sich die ganze ungünstige Stellung der unehelichen Mütter aus, die- eben nicht in der Laxe sind, sich vor der Geburt"genügend' zu schoncit. Deshalb ist auch der Unterschied der Knahen- und-Mädchentotgeburten bei den Unehelichen Nicht so groß wie iiN ganzen. Auf'100 uneheliche Mädchen- wtyeburten entfallen 123 männliche. Es ist bemerkenswert, wie wenig dies« wichtigen Zahlen und ihre bis ins einzelne gehende statistische Verfolgung den Aerzten und den Hypothefemnochern über das Geschlecht des zu envärtenden jungen Menschen Gelegenheit zu Untersuchungen gegeben habe». Man müßte meinen, daß gerode die Bersalgung solcher Dinge nach ollen möglichen Richtungen bedeutsame Ausschlüsse Zu dieser Frage geben könnten. Zum mindesten müssen sich daraus Gesichtsvunkte ergeben, die zeigen könnten, in welcher Richtung sich die Forschungen und Untersuchungen bewegen müßten. Felix Linke. Beinleiden SenMDC. Kramptadern and iMldrscnennelgnscnaiOre Zu Bcinlciden neigen ganz besonders solche Personen, welche durch ihren Beruf zu längcrem ununterbrochenen Stehen ge- zwungen stich»der ein übernormales Körpergewicht haben. Das Fußgewölbe ist dann der andauernden Belastung durch das Gewicht des Körpers nicht gewachsen, es gibt nach/ und so entstehen anatomische Veränderungen des Fußskeleits, wie Senkfuß, Spreiz- fuß und Knickfuß. Infolge dieser anatomischen Veränderungen wird die«lutzlrkulation des Beines gestört. Das Blut in den Blutadern wird gestaut, d!e Blutadern erweitern sich, treten hervor und so kommt es zur Krampfaderb'ldung. Ganz befoichers leidet die Blutzirtulativn im unteren Drittel des Unterschenkels. Hier ist deswegen der Liebling-sitz der Krampfaderslcchten(Ekzem) und der Krampsäder- g e s ch w ü r«(offenes Bein). Weiter führen anatomische Ber- änderungen des Fußes zu chronischen Entzündungen der Fuß- und Kniegelenke, weiche sich durch Knirschen und Knacken bei Be° wegungen des Fußes und des Unterschenkels bemerkbar machen. Ist es bereits zu stärkerer Keaiizpiaketbildimg gekommen, so können diese durch Einspritzung geeigneter Mittel, durch sogenannte Krampfader Verödung beseitigt werden. Durch die Ein- s spcttztmg wird die Krampfader an der betreffenden Stell« künstlich I entzündet, blutleer gemacht. Dadurch wird die Krampfader zu einem harten Knoten umgewandelt und verschwindet in einigen Wochen vollständig. Diese Einspritzungen sind schmerzlos, es ent- steht lediglich kurz nach dem«Einstich c'n Krampf, der wenige Sekunden dauert. Irgendwelche Gefahr ist bei dieser Behandlung nicht vorhanden, auch sind keinerlei nachteilige Folgen zu be- fürchten, vorausgesetzt, daß für die' Einspritzungen das richtige Mittel gewählt wird. Natürlich erfordert diese Behandlung genau« KLttntnis der Behandlungstcchnik. Nach Verödung der vorhoi�iencn Krampfadern geben die so behandelten Personen übereinstimmend an, daß sie viel leichter gehen können. Etwa vorhandene Unter- schentclgeschwüre heilen oft in überraschend kurzer Zeit noch Ber- ödung der benachbarlen Krampfodern. Nicht augebracht sind Kranrpsaderverödungen bei Personen, welche kurz vorher an Venenentzündung des Beines erkrankt waren und bei Leuten von über 60 bis 6? Iahren. Hier find, ebenso wie bei ausgedehnten Unterschcnkelgeschwüren die so- genannten plastischen St ütz-Gehver bände angebracht. Das erkrankte Bein wird von den Zehen bis zum Knie und darüber mit einer besonders präparierten Binde fest umwickelt, die Tage bis Wochen liegen bleibt. So werden wieder annähernd normal« Blutzirkulationsverhältnisse hergestellt, welche die.Heilung der Unterschenkelgeschwüre begünstigen und andere vorhandene Be- scktwerden beseitigen. � Wie bei den meisten Krankheilen ist auch bei Beinleidon Bor» beugen leichter als Heilen. Jeder, der Auftreten von Schmerzen in den Füßen und Unterschenkeln oder beginnende Krampfaderbildung bemerkt, wende sich möglichst frühzeitig an den Arzt. Durch Verordnung richtig sitzender Einlegesohlen können Verschlimmerungen mit Sicherheit verhindert und schon bestehende Beschwerden beseitigt werden. Hr. in eck. Mayc-Zachart. Der Kampf gegen uelKsseuchen Im Deutschen Reich rechnet man gegenwärtig auf einen Quadrat- kilometer der mittleren Industriebezirke 136, der stark bevölkerten zwischen 3M und 360 und auf die landwirtschaftlichen Bezirke nur 10,2 bis 12,0 von 100 an Bewohnern. Durch dieses Zusammen- drängen der Bevölkerung aus eine verhältnismäßig klein« Wohnfläche wird dys Kutturniveau besonders bei der gegenwärtigen Wirtschast»- lgg« stark gesenkt. Wohnungsnot, Arbeitslosigkeit und nicht zuletzt auch die Förderung von Bolkskrankheiten sind schließlich dag Fazit einer solchen Entwicklung. Dieser Zustand wird am besten durch Zahicmnäßigkcit einer der schlimmsten Bolkskrankheiten, der Tubertülofe, bewiesen. In Berlin wurde die Sterbezisser 1926 von 10 000 EmwoHitem durchschnittlich aus 10,9 Proz. geschätzt. Hieran sind di« proletarischen Bezirke stärker beteiligt als die westlichen. Wedding und Frisdrich-lMN haben durchschnittlich 12 bis 15 Proz. Stcrbefälle, während Steglitz. Friedenau und Wilmersdorf nur mit 6 bis 8 Proz. in Ftage kommen. Noch schlimmer wirken sich aber die Gegensätze aus, wenn die Sterblich- keitszifter inst der Höhe des Einkommens in Vergleich ge- zogen wird. Hamburg hat vor einigen Iahren folgend« Feststellung gemacht: Don 1000 Einwohnern starben an Lungentuberkulosc bei einem Entkommen von 900 bis 1200 M. 3Z Proz., bis 2000 M. 3,6 Proz., bis 3600 M. 2,9 Proz.. bis 5000 M. 2,6 Proz, bis 10 000 M. 1,2 Proz. bis 25 000 M. l'o Proz. und bis 50 000 M. nur 0,7 Proz. Darüber hinaus kommt erst bei 1500 Einwohnern ein Sterbefäll. In der vorstehenden Berechnung spielen die schlechten Wohnung«- und ErnährungsverhÄtwissc di« Hauptrolle. Wenn trotz- dem die Sterbe, zisser von 23 Proz. im Jahre 1918 auf 10,9 Proz. im Jahre 1926 von 10 000 Einwohnern gesenkt wurde,«ine Senkung, di« gegen die niedrigsten Zahlen der Vorkriegszeit von 13,8 Proz. mit rund 3 Proz. niedriger steht, wird der Beweis gebracht, daß in der Nachkriegszeit die Bekämpfung der Tirberkulose eiiic der wichtigsten Ausgaben ist. trotz der starken Iirdusirke- cntwicklung den Volkslörper gesund zu erhalten. In der Vorkriegszeit wurden 14 Jahre gebraucht, um diese Volksseuch« von 28,35 im Jahre 1890 aus 13,8 im Jahre 1914, während nach dem Kriege trotz der schtoierigen Wirtschaftslage nur 8 Jahre gebraucht wurden, um den Stand von 23 Prozent im Jahr« 1918 auf 10,9 Proz. im Jahre 1926 von 10 000 Ein- wohnern zu senken. Diese Entwicklung wäre nicht möglich, wenn nicht in der Nachkriegszeit neben einer erfolgreichen hygienischen Volksbelehrung auch eine durchgreifend« Tuberkuldsensürsorge eingesetzt hätte. Krankenkassen, Versicherungsanstalten und koinmunale Gesundheitsämter in Verbindung mit den Wohlfohrtsämtern sorgen nicht nur füt Krankenhaüsbehandlung und Heiloerschickung, sondern gerade in der vorbeugenden Fürsorge, d. h. m jedem Fall, wo die Tuberkulose in einem Ansangsstadium fesiigestellt wird, werden Maßregeln getroffen, einen Heilprozeß, selbst für solche, die weder einer ÄrankenkSsse noch einer Versicherung angehören, duxchzusühren. In Berlin wurden im Jahre 1926 durch' die städtisch« Tu,berkulosenfürsorge 93244 Personen ambulant und 41849 Erwachsene sowie 137 065 Kinder in HeilstÄten, Bädern und Heimen, ohn« die in den Krankenhäuserst, behandelten, wozu, die Gefundheits- und Wohlfahrtsämter erheblich« Kosten beigesteuerl haben. Das Gebiet der Gesundheitstürsorge darf sich natürlich nicht nur auf eine dieser bösartigen Volkskränkhesten beschränken, sondern es liegt im Intevesse der Volksgeftmdheii, wenn jede Krankheit einer vorbeugen den Maßregel unterliegt. Durchgreifend wird sie erst in allen Fällen fein, wenn die soziale Gesetzgebung im Sinn« einer vernünftigen MenschenökouoiNie ausgebaut ist. Eugen Rosemann. WM (5. Fortsetzung.) 70. Bild: Bor dem Magistrat. aufblenden: Hofer. hinter einem Mauervorsprung, beobachtet, als starre er auf«in für ihn versunkenes Paradies, wie bi« Beamten nach Bureau- schlufj fortgehen. Wir sehen, wir er, die Augen entgeistert aufgerissen, in das leere Gebäude schleicht. 70. Bild: Leerer Korridor durch den Höfer schleicht, auf die schon bekannte Dur seines früheren Bureaus zu. Seine Körperhaltung und sein Gesichtsousdruck werden immer entgeisterter, er schleicht schließlich auf den Zehenspitzen, wenn er die Tür erreicht. In diesem Zustand größter Herzensangst und tiefster Sehnsucht nach seinem versunkenen Leben öffnet er vorsichtig wie«in Dieb sehr longsam die Tür und streckt nur Oberkörper und Kopf hinein. 7 2. Bild: Bureau. Wir sehen Höfers Gesicht, in dem die unerfüllbare Sehnsucht steht. Langsam zieht er die Tür wieder zu. 73. Bild: Korridor. Höser steht wieder im Korridor vor der Tür seines Bureaus. Plötzlich kommt in seine Haltung und in sein Gesicht ein wir irr anmutender Ausdruck: er schleicht, mit den Armen balancierend, auf den Zehenspitzen weiter zurück, wendet sich um steht wieder mit dem Gesicht zur Tür und reckt sich plötzlich straff aus: Gesicht und Haltung gleichen jetzt vollkommen dem Magistratsbeamten Höfer, wie er früher war. So geht er. erfüllt von der Autorität, die ihm das Bewußtsein seiner Stellung verliehen hat, auf die Tür zu. sHöser» ganzes Tun und Handeln ist von dieser Sekunde haar- genau so, wie e» vor seinem Zusammenbruch wdr, er spielt und gaukelt sich selber vor, es fei ihm das Schreckliche nicht geschehen.) 74. Bild: Bureau. Höfer tritt ein, geht auf sein Pult zu, hängt sein« Manschetten auf die zwei Nägel an der Wand. Di« total verschmutzten und aus- gefransten Manschetten werden gezeigt. Er überblickt seinen Schreibtisch, als handle es sich darum, einen Schlachtplan zu entwerfen, läßt sich wohlig und pedantisch auf dem Sesiel nieder, rückt die schon ganz gerade liegenden Schreibuten- silicn gerade, zieht Schutzärmel über, legt Kanzleipapier zurecht usw. Schließlich will er zu schreiben beginnen. Da stürzt ein Traumbild in ihm zusammen, sein Kopf fällt auf die verschränkten Arme, auf die Schreibplatte. Wir sehen den' im Weinen zuckenden Oberkörper. 7 8. Bild: Fähre. aulblenden: Die Fähre mit dem alten zittrigen Fährwart und Marie gleitet bei untergehender Sonn« uferwärt». 7H. Bild: Im Stall. Höfer, entkräftet, todesbereit, taumelnd wie«in Betrunkener, schleppt einen alten Klstendeckel und zwei alte Fußbodenbohlen, die im Stall umherliegen, zum Eingang, verrammelt ihn, indem er noch die Hack«, mit der er den Mörder niedergeschlagen har, von innen dagegen stemmt, stopft die Kartoffelsäck« in die Luken, rafft Stroh zusammen. Sein« Augen stieren weit aus den Höhlen heraus. 77. Btld: In der Näh« de» Stalles. Marie kommt,«ine Zigarette rauchend, den Weg von der Fähr« her. Jetzt bleibt sie stehen und nimmt Witterung wie«in Tier, das Gefahr fühlt. 7 8. Bild: Stalleingang von außen. Rauch und Flammen quirlen aus den Lücken heraus. Marie kommt ins Bild, da puffen schon die Flammen durch den »och stärker quirlenden Nauch. Nun trist zum ersten Mal« in Erscheinung, welche Entschlossenheit und Todesverachtung in diesem gleichgülttgen, an sich zarten Mädchen stecken. Marie stemmt sich gegen den verrammelten Eingang. Sie tritt zurück und stößt, in Rauch und Flammen gehüllt, ohne Rücksicht aus den Schmerz, mtt ganzer Wucht solange mit der Schulter gegen das Hindernis, bis sie selbst zusammen mit den Brettern und brennenden Säcken in den flammenlodernden Stall stürzt. 70. Bild: Im Stall. Wart« stürzt durch den gewastsam geöffneten Eingang in den slammenlodernden Stall und mtt den brennenden Brestern und Säcken zu Boden. Mst einer Umsicht, Schnelligkeit und Cntschlosserchest ohnegleichen, schleudert sie, selbst von Flammen umloht, das breimende Material zur Tür hinaus. Ihr Lüsterfetzen ist teilweis« von ihrem Körper heruntergebrannt. Kopfhaar« Wimpern und Augenbrauen sind versengt, das ganze Gesicht ist rauchgeschwärzt. Si« ficht sich in wilder Erregung und muskelgespannt um, erdlickl den in dem flammenden Stroh liegenden Höser, macht zweimal vergebens den Versuch, bi» zu ihm zu gelangen. Jetzt erst gelingt«» ihr. Mst ihrer letzten Kraft zerrt sie ihn. der am Boden nachschleift, au? dem Stall heraus. 80. Bild: Vor dem Stall. Marie sinkt, selbst am Ende ihrer Kraft, halb ohnmächtig und ganz unpathetisch neben dem Geresteten auf den Boden. 8!. Bild: Zimmer des Untersuchungsrichters. Der Mörder wird vernommen. Vor dem Untersuchungsrichter auf dem Tisch liegen die wieder her- beigeschafsten Schmuckstück«. Der Richter vergleicht an Hand der mst Hilfe der Zofe im Mord- zimmer aufgenommenen Liste und sagt: „Wollen Sie nicht gutwillig gestehen, an wen Sie den fehlenden Brillantring verkauft haben?" Der Mörder, mit verschlossenem Gesicht, schüttelt kaum bemerkbar den Kopf und zuckt dann die Schuller. 8 2. Bild: Im Stall. Das Innere ausgebrannt, rauchgeschwärzt, aber der Fußboden schon wieder notdürftig aufgcimumt. Höfer liegt, verwüstet, dem Tode nah, apathisch glotzend, am Boden. Marie kommt, unter jedem Arm ein Schilfbündcl. Das Gehen fällt ihr schwer. Man sieht ihrem Gesicht an, daß sie Schmerzen hat. Sie breitet das Schstf auf den Boden, zieh: Höfer, der automatisch msthiljt, mühsam auf das Lager herüber, alles schon mst einem leisen Gefühlsinteresse. Während Höfer mst geschlossenen Augen liegt, ftickt sie eii«: alle Pferdedecke, die fast ganz entzweigerissen ist, in der Weis«, daß sie einen Nagel aus der Wand herauszieht, Löcher in die Deck« verbohrt und so die Decke notdürftig mst Bindfaden gebrauchsfähig macht. Dabei blickt sie immer zwischendurch besorgt auf Höfer. �, In ihrem Gesicht ist eine bisher nie an ihr gesehene Weichheit, zugleich aber auch«in Staunen darüber, daß sie derartige Gefühle hat. Außerdem macht sie während des Flickens kleine sorgsame Be» wegungen, indem sie Schilf unter seinen Kopf legt und es später nochmals etwa� bequemer für ihn richtet. Höfer schlägt, während sie gesenkten Kopfes näht, die Augen auf und betrachtet Marie. Auch in seinem Blick und in seinem Geficht entsteht der Ausdruck der Weickcheit. So sieht«r sie an. Und als Mari« den Kopf hebt, blicken sie ein« Sekunde lang einander in die Augen. Beide wissen plötzlich, daß jeder für den andern durch die ganz« Wüschest chres Daseins hindurch ein Gefühl gewonnen hat. Und beide sehen gleich- zestig zur Seite: sie schämen sich, ertappt worden zu sein. Marie will die Decke über Höfer breiten und sinkt plötzlich: schmerzstöhnend, zurück, greift mst beiden Händen vorsichtig an ihr nacktes Bein, oberhalb des Knies, wo ein« handgroße, schwer« Brandwunde ist. In Höfer, der die Wunde sieht, kehrt mst einem Schlag das Leben zurück. Er zuckt in Sitzstellung empor, starrt auf die Brandwunde und springt auf. Marie, schon sast bewußtlos vor Schmerz, deutet auf die Wunde und stöhnt: „Oel!" Höfer, entsetzt, sieht sich verzweifelt um(woher soll er Oel nehmen?), greift in die Westentasche nach Geld. Es ist natürlich teins da. Marie, die vollkommen flach auf dem Boden liegt» zieht den Brillantring vom Finger: „Verkauf ihn beim Platzwirt!" Höfer nimmt den Ring, stürzt aus dem Stall hinaus, kommt noch- mals eilig zurück, breitet die Deck« über Marie, in deren Gesicht«in kaum bemerkbares Lächeln des Glückes entsteht und wieder oerzuckt. Höser stürzt fort.(Fortsetzung folgt)" WAS DER TAG BRINGT. Eine Einweihungsrede. Serenissimus langweilt sich, Klutersdorf, fein Adjutant, leistet ihm dabei Gesellschaft. „Aeh, Klutersdorf, was erzählen!" „Zu Befehl, Hoheit. Denkmalselnweihung in T. war höchst komisch.„Halle ehrenvolle Aufgabe, Prinzem Joachim Rede zu soufflieren. Steh also neben dem Prinzen und sage leise vor: Per- ehrte Anwesend«... Der Prinz laut: Verehrte Anwesende... ... gestatten Sie... gestatten Sie... daß ich Ihnen... daß ich Ihnen... meine herzlichsten Glückwünsche darbringe... meine herzlichsten Glückwünsch« darbringe. Wie schon so oft... wie schon oft... bei Festlichkeiten... bei Festlichkeiten... B i»+4e n..." Der Prinz beugt sich zu mir:„Wie bitte?" „Bällen, Kgl. Hoheit, Bällen!" Der Prinz laut:„Wau, wau!" Serenissimus ftimnst herzhaft in Klutersdorfs Lachen ein. Dann, nach einer Weste:„Sagen Sie mal. Klutersdorf, warum sollte denn der Prinz bellen?" ll. Eine neue Zahlungsart, Eine neue Zahlungsart hat sich ein Kaufmann in Ziegelhüllen in der Tschechoslowakei zurechtgelegt. Zluf eindringliche Mahnungen einer seit langem außenstehenden Schuld sandte er an ein« Papierwarenfabrik in Mariaschein folgendes Schriftstück: „Im Besitz« ihrer wiederholten Mahnung vom 6. November 1020. Sie haben es scheinbar sehr notwendig, es folgt ein« Mahnung auf die andere. Ich mußte doch auch fast über ein halbes Jahr auf die bestellt« Ware warten, obwohl ich dies« oft dringend benötigte. Also bitte! Sie müssen sich eben auch ein bißchen gedulden. Uebrigens muß ich Si« davon in Kenntnis setzen, daß ich mir die Zahlungs- leistungen so«ingerichtet habe, daß ich all« Rechnungen in ein Schub- fach lege. Allmonatlich findet dann unter sämtlichen Rechnung«,- eine Ziehung statt. Jen« Rechnung, die gezogen wird, wird bezahl E» sei bemerkt, daß immer nur eine Rechnung gezogen wird Ich sehe mich daher veranlaßt, Sie darauf aufmerksam zu machen: Sollten Sie mich trotz meiner Warnung wiederHoll mahnen, so seh« ich mich gezwungen, Sie von sämtlichen Ziehungen auszuschließen.— lviit vorzüglicher Hochachtung....." Das größte Kohlenbecken der Welt, Die unter Leitung des Professors Wedermkow stehende Expe- dition nach Nordsibirien hat das Kohlenbecken von Turgus unter- sucht und fand die Behauptung des amerikanischen Geographen ie.oo 16.30 ls.oo I«.Z0 19.00 20.00 20.30 2JU0 21.« Dienstag, 7. Januar. Berti«. Stunde mit Büchern,„Tawilienschickselt Im Rom»n."(Am Mikraphcm: Dr- Max Hochdorf.) Von Lcipzitr. Operettennachmittag. Sportarzt Dr HeiB; Grenze« jugendlicher Leistungsiihigkeiten. Prof. Dr. Hans Reichcnbaeh: Das Licht. Unterhsitungsmusik. Programm der Aktuellen Abteilung. Lieder von Schubert.(Lotte Walter; am flilgtl: Prot. Brutto Waller.) (Sprecher: Crfirterunge« Ober Dichtung und Musik fritta Brod.) Renaissance-Theater:„Pariser Lehe«-". Sprecher: Friedrich Bursebell, KOuigswnsterhauf««. I6Jft Von Leipzig: Nacbmjttagskonjert.- IT..» Hau» Tessmer: Dichlerstund». frank Thiel:„Der Wag zur rrelheit''„ 18.00 Mersmann: Musikverstehen. I8J0 Franzasiseli für Fortgcsebrittene- 18.55 Archlvrat Dr. Recke: Polen, die neue Macht tro Osten. 20.00 Claudio Arrau spielt. I. Bach: Partita A-Mo!I.— 2. Llsztt») dedx d'eau» t la vlile d'Este: b) Sonetto 104 del Petrarca; e) Au bord d une soqrce-v i. Dcbussy: a) Lea coIUncs d'Anacapri; b) Minstreis: c) La soirde dans Ordnade; d) Pegx d'artiiidc. 20.45 Unterhaltungskonzert- Horrabi, der dieses Becken das größte der Erde genannt hat, be- stätigt. Die Berechnungen ergaben, daß der Inhalt des Borkommens auf mehr als 4S0 Milliarden Tonnen abbaufähige Kohl« betragen dürft«./ Das Rätsel der Elefantenfriedhöfe. Da äußerst selten die Leichen von Elefanten gesunden werden, die eines natürlichen Todes gestorben sind, andererseits aber die Zahl der durch Menschenhand getöteten Elefanten nicht im entferntesten an die Zahl der wirklich eingehenden Elefanten hertuireicht, entstand die Legende der Elesantenfriedhöfe, das sollen weit« Ge- biete sein, in die. sich die Elefanten begeben, wenn sie ihr Ende her- annahen fühlen, in die aber noch nie eines Menschen Fuß ein- gedrungen sei. Diese Darstellung scheint durch neuere Forschungen widerlegt. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die allen, kranken oder verwundeten Elefanten fast ausschließlich im Wasser ihr Ende finden. Der Eelfant hat ein starkes Wasserbedürfnis, das sich in Krankheitszeiten noch steigert. Man kann deshalb annehmen, daß die Elesanten vor ihrem Tode noch ihr Durstgefühl löschen oder ein erfrischendes Bad nehmen wollen und dabei ihr Ende finden. Die Leichen versinken dann im Wasser und sind menschlichen Augen entzogen. Ein eigenartiger'Unfall. Carmen Orejano, eine hübsche zwölfjährige Brasilianerin, lebte mit ihrer Muller in der Kaffeestadt Sanws. Eines Tages waren die beiden auf dem Wege zum Friedhof zum Grabe des Daters, als plötzlich ein großer Aasgeier aus der Lust herabstürzte, sich im Stromkabel der Straßenbahn verfing und es zerriß. Ein herabfallendes Kabelende traf das Mädchen und tötet« es. Von USA. nach Kanada. Auf der letzten Generaloersammlung der Kanadischen Pacific- Bahn wurde festgestellt, daß täglich etwa 100 Einwohner der Ber- einigten Staaten sich nach Kanada begeben, um sich dort dauernd niederzulassen. In den ersten neun Monaten des Jahres 1929 be- trug die Zahl der von USA. nach Kanada auswandernden Personen 28 396, während aus Großbritannien 59 726 Personen nach Kanada tamen. Was mancher nicht weiß. Der englische Journalist Arthur Brisbane, der Leitartikler der Hearst-Presse ist, erhält für feine vier bis sechs oierzigzeiligen Artikel. die er in der Woche schreibt, im Jahr 300 000 Dollar, während der Präsident der Bertinigten Staaten nur 100000 Dollar im Jahr an Gehalt bezieht. * Die öffentlichen Pariser Badeanstalten und Schwimmhallen müssen, einer Verordnung aus der Zeit Napoleon I. zujolge. Montags geschlossen bleiben. * Im 17. Jahrhundert bestrafte man uneheliche Müller dadurtti. daß man sse zwang, in kurzen oder hinten ausgeschnittenen Röcken herumzulaufen. Noch im Seligenstädter Landrecht vom Jahre 1690 heißt es wörtlich:„Und die sraoe sal den sun umb die Kirchen tragen, wollen und barfuß und sal man ir har hinden an den haubet abgeschniden und ir rock hinden abjniden."— Die Zeiten haben sich geändert. * Mussolini hat kürzlich in Italien nicht nur die öffentliche Hin- rich'ung wieder eingeführt, sondern auch den Ehebruch unter sehr harte Strafe stellen lassen. Wer dort zukünftig die Ehe bricht, wird mst 18 Iahren bis zu lebenslänglichem Gefängnis bestraft. Ob aber deshalb der Ehebruch in Italien aufhört? * Unsere gewöhnliche Stangenbohne wächst in Norddeutschland ohne jedes künstliche Zutun in der Stunde reichlich zwei Millimeter. Mst dem Mikroskop sind Teilchen sichtbar bis Z80millionstel Millimeter: mst dem UUramikroskop jedoch schon solche bis zu fünf- zehnmillionstel. Dem chemischen Molekül de» Blutsarbstoffes wird ein Durchmesser von fünfmillionstel Millimeter zugeschrieben. Ein Haus am Uedersee. Das Ferienheim und die Herberte der Naturfreunde. Wer von Eberswalde kom- mend die Orte S ch ö p f u r t h und Steinfurth passiert, findet in ihnen eine Jndustriearbeitersied- lung mit ländlichem Anstrich in einer nicht gerode ansprechenden Gegend. Hüttenwerke und Be- triebe der Metallindustrie begleiten den wandernden Großstädter von Eberswalde an; wer mehr von feiner sonntäglichen Erholungs- tour haben will, muß den Hohen- zollernkanal überschreiten und den Schritt in die Schorsheide lenken, die ihre südliche Begrenzung etwa am Kanal findet. Berg und Tal senden Ausläufer bis nach Schäpfurth-Steinfurth hin, aber sie sind nicht die dicht be- waldeten, sanft ansteigenden oder jäh abfallenden Erhebungen in der herrlichen, wildb ewohntcn Schorfheide. Erst am Uedersee, dem schmalen, aber schier end- losen See in einer Talsenke, beginnt die Natur Industrieanlagen und Menschensiedlungen abzuschiitteln, um sich dem Wanderer rein und unverfälscht darzubieten. Das haben die Naturfreunde, die im„T o u r i st e n v e r ei n die Naturfreunde"(Zentrale Wien— es gibt auch kam- munistifche Parteiorganisationen ähnlichen Namens!) zusammen« geschlossen sind, seit langem entdeckt; sie haben von einem Freund ihrer Bestrebungen Land am See erhalten und haben dort vor «inigen Jahren eine primitiv« Unterkunftsbaracke errichtet, die aber längst nicht mehr den Ansprüchen genügte. E i n H e i m. ein Haus, fest, massiv, groß genug für viele, wenn auch nicht für alle Natursucher, wünschte man sich— nach langer, langer Zeit, nach Hangen Freiwillige Rohrleger bei der Arbeil. und Bangen, besonders nach der finanziellen Seit« hin, ist dieses Haus erbaut worden. Dieser Tage zeigten es Gauleiter Bulan und Baurat Marczi- n o w f k i, der Archrtekt, den Vertretern der Arbeiterpress«. Zwei Geschosse hoch und 3S Meter lang ist der Bau, der Mittelteil trögt vorn, mit dem Blick auf See und gegenüberliegender Waldung, eine Terrasse, die der Sammelpunkt der rastenden Besucher werden wird. Der rechte Hausflügel soll als Ferienheim dienen; hier stehen in vielen Einzelzimmern Betten für Ferienbesucher zur Verfügung, die bei voller Pension zu sehr billigen Preisen beherbergt werden sollen. Links im Hause ist in den beiden Etagen die Hgrberge für Wanderer, also Einzelübernachter, eingerichtet. Verpflegung und Erfvischung soll auch denen geboten werden, eine große Küche im Erdgeschoß steht ihnen für Selbstbereitung und für Mossen- verpflegung zur Verfügung, während die Küche für die Feriengäste im ersten Stock liegt. Mustergültig hat der Architekt für die hygienische Ausgestaltung des Hauses gesorgt. Fließendes warmes und kaltes Wasser in allen Stockwerken, Bäder, Brausen, Waschkabinen, Toiletten sind vorhanden, elektrisches Licht und Zen- tralheizung werden die Behaglichkeit erhöhen und den Betrieb auch im Winter ermöglichen. Der geräumige Spißboden ist für Notlager im großen Umfange auszunutzen. Praktische Solidarität der Mitglieder untereinander und der Arbeiterorganisationen dem Derein gegenüber haben das Wert er- möglicht. Jeden Sonntag arbeiten Kolonnen freiwilliger Arbeiter aus Mitgliederkreisen an der Fertigstellung: Man sah neun Mann bei Rohrlegerarbeiten, sieben Mann als„Strippenzieher" sich be- tätigen. Wem sein Berus eine direkte Arbeitsmöglichkeit nicht gab. hantiert« mit Spaten und Kipplore. Pfingsten soll das Haus geweiht werden, Bauherr, Handwerker und Mitglieder sind festen Willens dazu. Das Wetter darf nicht kälter werden, sonst hält der Putz nicht, sagt Maurermeister S e e g e r — selbst die Wintersportler unter den Mitgliedern haben im Interesse des Heimbaues dem zugestimmt. U. Jk Denunzianten oder Verrüdcte?, Zum HallUnSUUrtfUSt Die KPD. als Polizciangcber. ©er Vorsitzende des Arbeiter-Turn- und Sportbundes hat in einer Pvesienotiz(die der„Abend" am 20 �Dezember veröffentlichte) die Bundesvereine gewarnt, die von Staats wegen aufgelösten Rot- Front« Abteilungen aufzunehmen. Daß die KPD. oersucht, die Rot-Front-Leute in die Bundesverein« hinein- zuschieben, um dort Mehrheiten für de» kommunistischen Sportverband zu bekommen, hat in einem Falle zum Ausschluß von 62 früheren Mitgliedern des verbotenen Rot-Frontkämpfer-Buirdes durch den Arbeiter-Turn- und Sportbund geführt. Der Vorsitzende de» Arbeiter-Turn- und Sportbundes schrieb in der Pressenotiz dazu wörtlich:„Wenn ich den Namen des Ortes(nachweisbar nicht nur der einzig«) nicht nenne, so gebietet mir das mein proleta- risches Bewußtsein, das bei den Kommunisten mit der Laterne zu suchen ist." Der kommunistische Parteipressedienst hatte min nichts Eiligeres zu tun, als drei Tage später in seiner Ausgabe Nr. 297 bekannt- zugeben, daß es sich bei dem Ausschluß der ehemaligen Rotfwnt- kämpser um den Arbeiter-Turn- und Sportverein Erfurt handelt. Diese Nachricht ist auch veröffentlicht worden. Besser« Helfer als die KPD.-Zentrale in Berlin kann sich die Polizei wirklich nicht mehr wünschen! » Die kvmmunisttsche Press« bringt mit Batkenüberschristen Aus- züg« aus einem Urteil des Landgerichts Berlin über einen Streitfall im Arbsiter-Sportverein Strausberg- Berlin. Die KPD.-Press« meint, das Urteil solle die„Demokratie im Arbeiler-Tnrn- und Spurtbund vernichtend kennzeichnen". In Wirklichkeit ist dieser Prozeß noch gar nicht abgeschlossen, sondern schwebt noch. Bei dieser Gelegenheit eine Frag« an die kommunistischen Zeiwngen: Warum berichten sie nicht über die anderen Urteile in Prozessen, die von ihren Gesinnungsleuten gegen Bundestreue des Arbeiter-Turn- und Sportbundes und anderer Sport- und Kultürverbände bei den Gerichten anhängig gemacht wurden? Wie wäre es denn z. B. mit dem Abdruck des Landgerichts- urteils in Sachen des kommunistischen Berliner Sport- kartclls, vertreten durch den abgehalsterten KPD.-Sportsekretär Zobel und den kommunistischen Rechtsanwalt Somter-Berltn gegen den Geschäftsführer des Berliner ZK.-Kartells und gegen die Bank für Arbeiter und Angestellte? Da wurde entschieden, daß das Kommumstenkartell nicht die rechtmäßige Fortsetzung des von der ZK. aufgelösten alten Kartells ist, sondern ein neuer Laden! Des weiteren, daß das Kommunistenkartell die Räume in der Lands- berger Straße unrechtmäßig benutzt und auch kein Anrecht auf das Sparkonto des allen ZK.-Kartells hat! Wie war es denn bei den Freidenkern? Da fehlle den Kommunisten der Mut zur eigenen Courage, und sie zagen ihr« Klage gegen den Freidenker« verband vor dem Reichsgericht zurück! Um ihre Leute bei der Stange zu halten, müssen sich die kommunistischen Spalter der Sport- und Kutturverbände nun schon an die Ausschlachtung eines schwebenden Verfahrens in einem Vereinsstreit hängen. 1». Januar, IS Uhr, Sportpalast Einlaßkarten Im VorTerkauf) LlchleBberger Sir. 3(GcdiUli- stelle FTttB.). Wegner* Vcr.fnshauj, Frankfurter Allee ISO und KOalgtbcrger Straße 3-0 C. Sport renlralr"). Deutsche Eishockey-Meisterschaft Vom 10« bis 13. Januar im Sportpalast. Vor den W'mterkampfspielen kommt noch die deutsche Eis- Hockey-Mei st erschuft zum Austrag. Die Durchführung ist in diesem Jahre dem Berliner Schlittfchuh-Club übertragen. Die Kamps« sind auf Freitag, Sonnabend, Sonntag und Montag(10. bis 13 Januar) im Berliner Sportpalast angesetzt. Sechs Mannschaften haben ihre Meldungen abgegeben. Außer dem Titelverteidiger, Berliner Schlittschuh-Club haben als zweite Berliner Mannschaft der L. f. T. S. u. S. Brandenburg, dann der bayerische Eishockeymeisterverein für Eissport Füssen, Sport- fhrf) Rießers«, sowie aus Ostpreußen V. f. Bewegungsspiele König-- berg und V. f. Leibesübungen Rastenburg genannt. Die sechs Mannschaften sind in zwei Gruppen eingeteilt worden. Zu Gruppe 1 geHöven: D. f. E. Füssen, D. f. B. Königsberg und BSC., während Sportklub Rießersee, 55. f. L. Rastenburg und V. f. T. S. u. S. Brandenburg die Gruppe 2 bilden. In jeder Kruppe spielt jeder gegen jeden. Die Gruppensieger treten um die Entscheidung an, während die Zweitbesten jeder Gruppe den 3. und 4, Platz unter sich ausmachen werden. Radsporfliches Allerlei. Erich Möller fuhr auf der P a r i s e r Winterbahn ein große- Rennen. Er stortele mit Walter Sawall, Linart, Wynsdau, Torice!l> und Jaeger in der„Wintermeisterschajt der ausländischen Slehcr". Ter Hannoveraner gewann den ersten Vorlauf über 25 Kilometer sicher gegen Linart und Toricelli, während sich Sawall den zweiten gegen Wynsdau und Jaeger sicherte. Möller, Sawall, Linart und Wynsdau hatten sich so für den Endlauf, der über 49 Kilometer ging, qualifiziert, lind hier war Möller unter der glänzenden Führung seines amerikanischen Schrittmachers Carman nicht zu schlagen. In der Bahnrekordzeit 34:94,4 beendete er den Lauf als sicherer Sieger. Zwei Runden zurück folgte Wynsdau. Je eine weitere halbe Runde zurück belegten Sawall und Linart den dritten bzw. den vierten Platz.— In Köln gewannen die Italiener Dinale-de Martini ein 19°Meilen-Rennen mit Rundenvorsprung in 1:43:38,2. Wissel holte sich das 19-Kilomet«r-Punktefahren, mährend der erste Platz im Fliegerkampf an Oßmella fiel. Der Rheinländer hatte hier die Gegnerschaft von Rausch, Ehmer, Pijnenburg, Charlier und de Martini. * Eine D e u t j ch l a n d- R u n d f a h r t in zehn Etappen will der Jndustrieverband für Berufsfahrer-Strahenrennen(Ibus) in der Zeit vom 4. bis 25. Mai veranstalten. Die Durchführung haben der BDR. und die VDRV. gemeinsam übernommen. Die Strecke zählt 2599 Kilometer, Start und Ziel ist in Berlin.— Im April ist „Berlin— Kottbue— Berlin" und im Juni ein« Harzrundfahrt niit Start und Ziel in Magdeburg geplant. Eine am 25. Januar in Berlin stattfindende Hauptversammlung des Ibus wird alle Einzel- heilen festlegen.— Radsportverbände und Industrie wollen also endlich Frieden schließen. Die Herren der Straße dürfen ob dieser guten Aussicht auf Wiederbeschäftigung aufatmen! Ein böses Mißgeschick ist dem bekannten schweizerische» Berussstraßenfahrer Albert Meyer widerfahren. Der Schafshauser stürzte bei einem Bahnrennen in Deutschland so unglücklich, daß er jetzt trotz monatelanger Behandlung«In 2luge Hai einbüßen müssen. Canadas neuer Triumph. Vor 6000 Zuschauern, der größten Besucherzahl, die auf der Wiener Kunsteisbahn je versammelt war, lieferten sich am Man- tag abend Kanadas Eishockeymannschaft und«ine kam- dinierte Mannschaft aus Spielern des Wiener Eislaufvereins und des Lawntennisklub-Prag einen ungemein spannenden Kampf. Die Kanadier gewannen auch dieses Spiel— es war das zehnte innerhalb 12 Tagen—, und zwar mit 5:2(2:2, 3:0, 0:0) Toren. Für die Leute aus Uedersee waren Clayto», Park, Hut- chinson und Armstrong(2) erfolgreich, während die beiden Treffer für die Kombinierten von dem in Wien lebenden bekannten Kann- dier Blake Watson erzielt wurden. «SoU''-RennLahrer! Di« Traimnysabend« der Rennfahrer von„Tslidarität" fiichcn jeden Donnerstag. 19'/, Uhr in der Turnhall«, Berlin, Köpenicker Straße 125, statt. Räch Beendigung der Schulferien� ist im neuen Jahr der erst« Tvainingsabend Donnerstag, 9. Januar. Allen Rennfahrern ist hier Gelegenheit geboten, auch auf Apparaten zu trat nleren und den„Solidaritäts"-Rennsa'hreni sich anzuschließen. Aus- nahmen können in jeder Sitzung und an jedem Trainülgsabend erfolgen. Beitrag bis zu 18 Jahren 75 Pf., über 18 Jahre 2,20 M vierteljährlich. Meldungen auch in der Geschäftsstelle bei R. Meinen, Berlin SO 16, Brückenftr. 5b, r. Stil. IV, und bei Kurt Kowall.', Königgrätzer Stt. 191. Schwimmwarleiehrstunde im 3. Bezirk. Die Wassersponsparl? im 3. Bezirk des 1. Kreises AISB. veranstaltet am 12. Januar 19 Uhr einen Schwimm wartekursus für alle Bczirk-ver- eine in der Preußischen Hochschule für Leibesübungen, Spandau, Radelandstr. 59. Geboten wird u. a. Ergänzungssport, Kunst- springen und Ruckenschwimmen und ein Vortrug über Kunstspün- gen. In der Lehrstunde solle» die Frauen bei genügender Veteili- gung besonders zusammengefaßt und ausgebildet werde». Die Ruder- und Kannoereine des Bezirks sind besonders eingeladen. Xcarpelbaf. Am Donncrsiag, 9. Januar. Turuodcnd, JurntiüCo Alarichuraßc. Am 13. Januar tpollen wir unsere Kinde rabteiiung erdksncn, und bitten alle mit und sympathisierenden Genossen, ihre Sinder zu dein Tur, mdend zu schufen. Turnzciten: Montag und I'oiinerdtaa oon 18—18'.. Uhr Kinder, 20—22 Uhr Männer uiU> grauen. Bezirldtartel Panlaw. Die Nartcllvereinc beteiligen sich Mittwoch. Ii. Januar, an dem Besuch des Archtos von Dr. Magnus Sirschfeld. An schließend Vortrag itder„öeruaittüt". Unkostenbeiirag 30 Pf. Trcffpuutt: In den gelten, Ecke Beethoornslraöe, nm lS?t Uhr. Auf Hochtour in den Oefztaler Alpen Die Abteilung Tiergarten des Touristcnvereins„Die Natur. freunde" veranstaltet im Jugendheim. Lehrter Straße 18/19. am Donnerstag. 0. Januar, 29 Uhr. einen Lichtbildervortrag „Unser heimatlicher Wold", Der. Cintritt ist frei. Gäste herzlich willkommen. A. S. TNünchen, 5. Januar. Das Wetter in den Alpen hat sich doch noch aufgeklärt. Die Sonne Hot sich den Weg durch die dichten Schneewolken gebahnt, die weiße Schneedecke glitzert Im hellsten Lichte. Der„Deutsche W i n t e r s p o r t v« r b a n d", der mit 49 Sportlern«Ine Fahrt in die Oetztaler Alpen unternommen hat, kann doch noch sein« Ski- läufer auf Hochtouren führen. Von den sonnenbeschieiienen Hängen poltern die Lawinen zu Tal. Di« Somie hat den Schnee zermürbt, die Schneebretter reißen ab. Die Bergführer mahnen immer noch zur Vorsicht. Das Er- gcbms einer letzten Beratung mit der Fahrtenleitung löst unter den Sportlern große Freude aus: Am nächsten Tage soll die erste Hoch tour beginnen. Emen Tag vorher wird noch ein- mal am Uebungshang angeseilt geübt. Die Mannschaften sind bald zusammengestellt, in hochalpiner Ausrüstung mit Seilen und Ei»- pickeln und Proviant für zwei Tage wird am nächsten Morgen losgestisgen. Die untergefchnalltcn Felle erleichtern den Aufstieg. Ueber Obergurgl wird der Rotmoasfemer und dann der Gurglcr Ferner angestiegen. Bi» zum Gletscherbruch geht es noch ohne Seil, dann steigen immer drei oder vier Skiläufer angeseilt durch den Bruch weiter. Immer steiler fuhrt der Weg über lawinen- gefährliche Häng« am Schwärzenkaimn entlang zur Karlsruher Hütte, die 2883 Meter hoch liegt. In sieben Stunden sind die 1199 Meter Höhenunteifchied erstiegen. Müde sinkt alles auf die horten Pritschen, in der Hoffnung, die schwerste Arbeit der Hoch- tour geleistet zu haben. Am nächsten Morgen zwingt Neuschnee zur Umkehr. Di« Führer mahnen zur Eile und in tollem Tempo wird zu Tal gefahren. Ueber Harsch, Firn und Neuschnee lenkt der Skiläufer seine Bretter, oftmals ist das Tempo so scharf, daß nur noch ein Hinwerfen retten kann. Schußfahrt aus Schußfahrt soigt und am Nachmittag sind die ersten Teilnehmer wieder am Mohrenhäufl.— Am gleichen Tage waren einige Sportler bis zum Rotmoosferner gestiegen, auch sie kehrten frühzeitig zurück. Zwei von ihnen hatten sich durch die große Kälte die Füße erfroren. Am nächsten Morgen sind so ziemlich alle Sportler wieder auf den Brettern, ein Teil steigt zum Wurmkogel hoch, die anderen durchstreifen das Tal. Die Springer fahren nach Obergurgl und üben fleißig aus den großen Schanzen, die sie sich dort gebaut lKiben. Die zwei letzten Tage nutzt eine Gruppe aus zu eine'.' Tour zur Karlsruher Hütte. Mit banger Sorge werden die Sportler von der Fahrtenloitung zurückerwartet, denn Neuschnee hat wieder die Hänge lawinengesährlich gemacht. Am 4. Januar in der Frühe werden die Bretter zum letzte»- mal untergeschnallt; in sausender Schußfahrt geht c? durch das Gurglcr Tal nach Zwieselstein, wo bereit» Autos warten, die alle nach dem Bahnhof Oetztal bringen und am gleichen Tage über Innsbruck. Kufstein führt sie der D-Zug der Heimat entgegen nach München. Dort ist noch einmal Station und am nächsten Morgen verschwinden die Berge, durch die Ebene braust der Zug»och Berlin und bringt 49 Sportler zurück, die die Weihnachtsfeiertag« ausgenutzt haben, um hineinzusteigen in die Wuudcrw.'lt der schiree verhangenen Alpen, um den Blick über die Höhen hinweg zu richte», um einmal fern des Großstadtlärms in der tinverdorbenen Natu.' j der Alpen zu sein. fflte SiemHein 3 ei er Unter üSild yibl eine Jluyen- hlicii sauf nähme ton der geffrigen ißemfiein Jeicr im Jtauje des XeichsiagsprSfi deuten, tn steigt den aehlsly jährigen tßernftein neben dem Xeichslagspr&fidenlen X ö b e und dem 9teiehr. kamter 711 Uli e i. Nicht nur Papageien... auch afrikanisches Pferdehaar ist gefährlich. 3m ZeilMer d«r Papageienkrantheil sei aus eine andere Gefahr hingeiviesen, die durch eine Verhandlung vor dem Landgericht Lielefeld beleuchtet wurde. Der Prozeß, der jetzt iein Ende erreicht hat. schivebte nahezu vier 3ahrc. Der Kläger hatte sich bei einem P o l st e r m e i st c r zwei Klubsessel arbeiten lasten. Wie dies sehr häusig gemacht wird, hatte der Äk�ister zum Polstern der Tcsscl das sogenannte„Crin d'AsriqUe, eine Art afritanisches Pserdehaar, verwendet. Nachdem die Sessel in Gebrauch gcummuen waren, zeigte sich, daß sie täglich ran einer dicken Staubschicht bedeckt waren, die trotz allen Staabwischens immer wieder austauchte. Die nähere Untersuchung der sonderbaren„Staubschicht" ergab, da sie ans Milbe» b c- stand. Der Satrlermeister nahm daraushin einen der gclieserten Sessel zurück. Der Besitzer des übriggebliebenen zweiten Sessels wußte iiir einige Zeit verreisen und als er nach Hause zurücklehrte, harrte seiner eine neue Ueberraschung. Nicht nur der zweite Klubsessel war Über und über mit Milben bedeckt, sondern auch die ganze Wohnung zeigt« die ominöse„Staubschicht". Was nicht weiter verwunderlich ist, wenn inan hört, daß die Lebensausgabc der nur einen halben Millimeter großen weiblichen Milben in der Hauptsache darin besteht, allerschnellsteiis 30 Eier zu legen und dann zu sterben. D« Männchen, die nur halb so groß sind wie die Weibchen, sterben schon noch der Befruchtung. Der Besitzer des Klubsessels und„Herr der Miibcn" sührte die Ber- scuchung seiner Wohnung aus die Verwendung des Erin d'Asrique c.Is Polstermaterial zurück. Er bracht« mehrere Gutachten bei, rn denen übereinstimmsitd bescheinigt wurde, daß sich die unangenehmen Milben cbei�nnt Vorliebe in jenem asrikanischen Pserdehaar bilden. Die Ausrottung der Mikben machte einige Schwierigkeiten, denn ein« weitere unangenehme Eigenschaft der Milben ist ihre groß« Zähig- keit. Dein Besitzer blieb nicht anderes übrig, als zunächst sein« Woh- rncng den Milben allein zu überlassen und dann«inen Kammerjäger zu einem Großkampstag zu bestellen. Auf diese Weise gelang es dann mit vieler Mühe und giftigen Gasen, die Wohnung wieder milbenfrei zu bekommen. Der Sessel wurde zurückgegeben und der Käufer oerlangte von dem Meister Ersatz des ihm entstandenen Schodens, den er mit etwa 130 M. bezifferte. Er behauptete, daß bei der Gefährlichkeit des Erin d'Afrique der Sattlermeister dieses Material nicht zum Polstern der Klubsessel hätte bemitzcn dürfen. Das Gericht letzter Instanz schloß sich im wesentlichen der Auf- fassung des Klägers an, wenn es auch nicht allgemein die Verwendung des Criii d'Afrique, in dem sich die verschiedenen Milbenorten mit Vorliebe ansiedeln, als ein Verschulden ansah. Das Gericht ver- langt aber, daß der Sattlermeister, der afrikanisch« Pferdehaore als Polftermotcrial verwendet, seinen Kunden auf die Milben- gefahr hinweist und Verhaltungsnmßregcln gibt. Da im vor- liegenden Fall auch den Kläger ein gewisses Verschulden traf, da er die Klubsessel in einen feuchten Raum, der für die Vermehrung der Milben besonders günstig ist, ausgestellt hatte, wurden ihm nur etwa vier Fünftel der eingeklagten Schadenssumme zugesprochen. Siamesen und Verser. Daß heute, in der Zeit des wirischastlichen Mißvergnügens, eine Ausstellung wegen Ueberfüllung geschlossen werden muß, kommt so gut wie gar nicht vor, aber in der Kotzen- a u s st e l l u n g, die im N a t i o n o l h o f in der Bülowstroße stall- fand, war das verschiedene Male der Fall. Die Schautustigen standen aus der Straße Schlange, um truppweise hincingelalsen zu iverden und dann in einem furchtbore» Gedränge und Geschiebe die aus- gestellten Kytzenschönheiten zu sehen. Der Ortsgruppe Berlin der Vereinigung der Kogensoeundc Deutschlands e. D., gelang es notür- mg}, jfoOJJZ fRBWfc d&jerrrpjjEW!"jUT Av. ixbuwiuiäj*, doch Tiere, die in England bereits mehrere Schönheitspreise danwx getragen haben. Es konkurrierten die Hauskatzen mit den Angora und de» Peksern und den von Neugierige» regelrecht umlagerten Siamesen. Deren Herkunst ist bekanntlich sagemmuvoHen und innner und immer wieder taucht die Frage auf:„Stammen sie wirtlich voi» siamesischen Tempelkatzen ab?" Doch, wie dem auch sei, ob ihr Dasein nun im Schatten eines religiösen Kults stand oder nicht, das Land Siain hat ein« derart ursprüngliche und dem Europäer so wenig erschlossene Tierwelt, daß die kleinen Sicnnesen zu Recht Aufmerksamkeit errege» können. Aber es ist nicht nur die Freude an der Katze, es sind auch die verschiedenen gemeinsarnpu Interessen und die Möglichkeit, sich Über eine zweckentsprechende Tierhaltung zu unterrichieri, die die vielen Besucher zum Kommen veranlaßtcn. Parlament der Kaufmannsjugend. .Keichsjugendkonferenz des 3dA. Ii» Rcichswirtschastsrat zu Berlin tagt am 9. Februar 1933 die 4. Reichsjugendkonserenz des Zemralverbandes der?lnge,'telltcn. Man kann mit vollem Recht von einem..Parlament der-Kaufinanns- fugend" sprechen, denn der Jugend im ZdA. isr im weitesten Maße die Möglichkeit des Eigenlebens gegeben. So werdezi deirn am 9. Februar Hunderte von Vertretern der Jugend ans allen Teilen des Reiches zu ernster Beratung zusanimenkommen. Drei Jahre sind seit der letzten Jugendkonfcren; in Dresden verflossen. In dieser Zeit hat die Entwicklung der Pugendarbeit des ZdA. einen glänzenden Aufschwung genoinmen. Die Zahl der Jugendmitglicder stieg von 20 000 auf 30 000. die Zahl der Jugendgruppen von 173 auf 270. Im gleichen Maße stieg auch die Auflage der Monatsschrift„Jugendblätter des ZdA.". Sie beträgt zur Zeit über.34 000. Ungeheuer groß ist die Zahl der von den einzelnen Jugendgruppen durchgeführten Veranstaltungen. D e Besucherzahl dieser Veranstaltungen betrug im Jahre 1.928 beispirls- weise 326 000. Besonders ließ sich der ZdA. die berufliche Ausbildung seiner Jugendmitglieder augelegen sein. Die in dm Bcrichtsbogen der Gruppen angegebenen Zahlen geben hiervon ein beredtes Zeugnis.— In der Berichiezcit fand auch dqp 3. Re-chs- jugcndtag in Frankfurt a. M. statt. 7000 Kausmannsleh�inge waren dabei. Erstmalig wurde an der Preußischen Hochschule sür Leides- Übungen ein Jugendleiter-Kursus veranstaltet, der sich über zwei Wachen erstreckte..-, fiieroon und nnch von vielem anderen wird aus der berichtet werden. In einem Vcsttrag von Dr. Otto S u b r über „Die Zlngestelltenjugend in der Wirtschaii" wird auch die Stellung- nähme der sreigewerkichastlichen Angeslelltenjugend zum Bcrujs- ausbildungsgesetz begründet werden. Znqrnieur Velken 30 3ahre all. Ingenieur Nelken, der verdienstvolle Kriminalist und Gerichrs'achverstandige. wurde am 4 Januar-50 Jahre alt. Als Borkämpier des Lorbeugungs- gedankens steht Nelken seit vielen Jahren in erster Reche. A u f se».ne Anregung hin wurden die„Amtlichen Be- ratungs stellen gegen Einbruch und Diebstahl" an den Polizeipräsidien' ins Leben gerufen. Er ist n. o. mich Schöpfer des ersten deutschen Kraminallehr f i l m s. Sein zuletzt erichienenes Buch„Publikum und Ver- brechen" hol ihn weitesten Kreisen bekannt gemacht. Zn Wien hak die Arbeilsloiiqkeil in der zweiten Dezemberhälicc enorm zugenommen. Die Zahl der Unterstützten stieg um 10 322. Das sind 6917 Unterstützte mehr als zu Beginn des vorigen Jahres. ©OG Potsdamer Strafe 35 Dfe Lady ron der Strafe mit William Bryd. Jetts Bosdal Die Sdi leiert inrerin mit Evelyn Holt, Harry Hardt Rhclnstrafjc 14 kÄIeIJU Verlängert! Da* Madel mit der PeilaAc mit Anny Ondra Zeichen im Sform(6 Akte) Odcon, Potsdamer Str. 75 Sejne. Gelangen r mit Milion 5111», Dorolhy Nadiaill Rintlniin, der Kdaig der Wildnis (6 Akte) Turmstratjc 12 X'crlängcrt! Di« wef�e Hölle ran PI* Palfi rnit Leni Rlefenctahl, örwitav Dierel Jugendliche haben Zutritt Alcxandcrstr. 39-40 (Patia�c) Den zsneen Tag geöffnet Der Würger, Sensalionsfilm(6 Akte! Irene Ryrhcrgnei grntze Liebe mit Merl« Jncobinl, Franz Lederer § wriinth»f»at M «/„Ii. Woch. 5.45. 7, 0 05 W Clt-mno Stgs. 3, S, 7, 9 Ulir Mt-Moahit 99 Zille-Gedcnkfüm: Mutier Krausen« Fahrt in« Glück Sdilöter-Thcatcr Schlöterstr. 17 W 6.30. 9 Uhr, Stg. 3 Uhr 3 Schlager; Die Halbwüchsigen Da* Mädchen au* Fruco Der Ritter von Texas Wiime7»dor���� AtriUm Bcba-Palast KaiseraMee, Ecke Berliner Straße Beginn: Täglich 7. 9.15 Uhr Sonnabend und Sonntag; 5, 7, 9.15 Uhr j Uraufführung: Der Erzieher meiner Tochter mit Harry Liedikc, Dolly Daries Bühnentchau Alhambra � I Schöneberg, Hauptstr. 30 Menschen arsenal Pamir, das Dach der Well Bühnen* ch au Titania(Uf. /SeSberg) HaupisiraBe 49 Beginn ab ftJO Uhr Die weihe Hülle von Pix PalO Beiprogramm Ost«n fbf» T i Mariendorter. Sonnt 3 U. I la" i-I Ucfatzptclc lug.-Vorst ChaussccstraBe 30A Bühnenzdian Die weihe Hülle vob Pix Palü Beiprogramm U Südosten M Filmeck v-g.w.,�.s.,h3u Skalitzer Straße, am Qortitzer Bahnhof A tl n nii e d. erste deutsche Ton- u. Sprechfilm Luisen-Theater sonX'iv. Rcichenbcrger Str. 34 Jagendtragödie m. Fritz Kampers Der König der Wälder Lübncnschau Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Trinen, die id> dir geweint mit Wilhelm Dfeterle Ehl Hnndeleben mit Charlie Chaplin Auf der BQHne: Die Inicrnationale Varletescfaaa Comenius-Lichtspicle Memeler Straße 67 Wochcnt. 6. Sbd.SU. Sonntags 3 Uhr große Jugendvorstellung Somnambul(Die Hellseherin) Detektiv ans Liehe mit W. Fairhanks TIglicb 3, 4.1S, 7. 9,15 Die Kamera Unter den Linden 14 Der Biberpelz(n.Gerh. Hauptmann) Eine Nacht in London mit L. Harre/ Passage-Lichtspiele Unter den ünden 22(Passage) Titonia-Palast Das �roße Lichtspielhaus derdty* Beginn ah 2 Uhr Züntrum 6082 Hoch verrat Das Müdel mit der Peitsche Weidcnhof-Lichtsp. Ab der W'eidendammbrflcke Frledrfchstr- 136 Woch. 12, Sonnt. 3 U Die Gardedira Ich hat»' mein Herz ins Aalobus verloren » Mo.bii j Artushof-Lichtspiclc Film- und Bühneiucbau Perieberger Str. 29 und Stendaler Str. Schützet enre Tüdster Der Kampt em d' U Friedenau M Kronen-Liditspicle Rhelnstr. 65 Woch. 7, 9, Sonnt ab S U. Der Band der drei m. Jonny Joga Dax MAdcl ans der Tanzbar »» Heglitz. Schioßstr. S. Ecke Gutsmuthsstr. Beg,; 6J0. 9U. Sonntags: 4, 6�0, 9 u. Der Jazzs&qgpr als Ton- nnd Sprech film mit AI Jo.son Sll Wochentags ab 6 15 U. IlUDUa Sonntags ab 4 U. Kottbubser Damm 92 Mutier Krausens Fahrt Ins Glück (Zille-Oedenkfilm) Bühaenschao Excelsior Wochen t ab 6.15 U. Sonntags ab 4 U. Kaisar-Friedr.-Str. 191 Bflhncnschan Die Well In Flammen mit Richard Barthelmes ätem, Hennannstrache 49 Wochent. ab 6,15 U, Sbd. u. Stg. atz 4 U- Muilcr Krausen* Fahrt In« Glück (Zille-Film) Germania-Palast Frankfurter Allee 314, Beginn der Vorstellungen: Wochentags ab 5, 7 9 Uhr Sonntags ab 3, 5, 7, 9 Uhr Der gewaltige deutsche Tonfilm Atlantic Hauptrolle Frllz Kortner Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 131 Des großen Erfolges weg verlängert: Die Herria nnd tbr Knecht mit Hcnny Porten Concordia-Palast Andreasstraße 64 Beginn 6 Uhr Die weige Hülle von Pix Palü Beiprogramm— Bühaenschao Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70 D. Fahrt Ins Feuer m- Vllma Baaky Der Mann, der nicht liebt Gute Bühnen schau W FrfdrtchsfW M Kino Busch AU-Friedrichsfelde 3 Das gewisse Etwas m Clara Bow Anfrofar im Janggesellenhelm mit Siegfried Arno, Cor, Gerron Elysium GuSJpS«i) HasselwerderstraBe 17 Varietüschno Zwei fange Herzen mit Barbara Kent Zwischen Spree and Pnnkc(Zills) Nordost«! „Elysium-' Prenzlauer Allee 56 W.5 S 3U. Dich hab' Ich geliebt I Der große Sprech- und Tonfilm V WelOnnzen b Schloßpark Film. Bühne Sergner Allee 205—210 Der Frosch mit der Maske Franca am Abgrund m. Big« Brink VwteUschna Norden Alhambra MQllerstraße 136, Ecke Seestraße Frauen am Abgrund mit Elga Brink Ein Hundeleben mit Chaplin Bühne Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 80 W« 6, Stg. 430 U. Erpressung mit Anny Ondra Die Achtzehn|£brlgen Colosseum Schönhauser Allee 123 Wtgs. ab 550 Uhr Stgs. ab 3 Uhr Der gewaltige Ton- u Sprechfilm: Atlantic mit Fritz Kortner Pratcr-Lichtsp äcl-Palast Kastanlcnallee 7-8 Bühnensehau Wochentags 5,30, Sonntags 4 Uhr Eros In Ketten mit Maly Delschaff, W. SIczak Atlantic City, der große Uacherfolg Gala-Liditbühne Usedomstr. 14 Anf.6,8.30. SS, 7, 9 U. Die Verbannten Die Prinzessin oad ihr Narr Noadc's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Wtg. S U-. Stg. 4 U. Sonntags 2,30 U.t Jugendvorstellung Die weihe Hülle von Pix Palü Menschenleben In Gefahr Pharus-Liditspicle Müllerstraße 142 W. SV« U. Stg. 4 U Hcnny Porten« Leben und Laufbahn(Querschnittfilm, 7 Akte) Die Jagd nach Pharao* Leuchter „Rialto" Film u. Bühne Rcinickendprler Str. 14(am Wcddlngj Ich bab mein Hers im Aulobus ver'.oren \jn Rampen*' cht Bühne. Gen. lern an auf dem Kopl W ccsiimibrufMien> „Alhambra" Badstraße 58 Die Nibelungen L and II. Beide Teile in einer Vorstellung Bühnensehau Baiischmieder- Lichtsp Badstraße 16 Grohe Bfihnenzchac 2ille-Füm; Malier Kransens Fahrt Ins Glück Humboldt-Theater Badstraße 16 Bühnensdiaw Spiel am den Mann m. Liane Haid Der Benzinjunge m. Bobby Borns Kristall-Palast Prinrenallee 1—6 Gr. Bühnensehau Zlllc-Film: Mutier Krausens Fahrt in» Glück Kampf um Mitternacht a podkow* Palast-Theater Lichtsp. Breite Straße 21 a W. 6.30, Sbd. 5,30, Stgs. 4 Uhr Fran im Talar mit Frllz Kortner Verirrte lugend Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Bühnenschau W. 6-30 U, Sbd. 5 30 U.. Stgs. 4 U. Rosen blühen auf dem Heidegrah Beiprogramm Film-Palast Sinsen Blankenburger Straße< W. 6.30, 9 U. Stg. 4.30, 6.45, 9 U. Die verschwundene Frau schützt Enre Tüchler Bürgergartcn-Lichtsp. Hauptstraße 51 Film- u. Bühncusdian Giftgas m. Frllr Kortner, LImI Arna, Die Fahrt in* Feuer • T*g*'* «Kosmos" Filmbühne riauputr. 6 W. ab 6 Stgs. ab 4.1 j U. Die Docks von New York Der Bund der drei Auf der Bühne: Die Wciulranb* vom Wintergarten Filmpalast Tegel Babnhdfstr. 2 W. 6. S'a. Stg. 4>7. 6'a. 6», Des groß. Erfolges weg. veriangeit: Die veche Hölle von Pix Pald Bühne: LorcLys Tierreich Union-Theater Hauptstraße 5 Beg. Wtg. 6,"ftU. Stg. 4» ,.6, 8-t,U. Die Todcztahrl Im Weltrekord Funkzauber mit Werner Kräng a WwnlsaGorF> Reg, W. 6. 8.3, 4'.,. 6'-, 8-, U. Fiimpalast Stg jöezliner Straße 59 I Ab Freitag: Die weiße Hülle von Pia Palü Auf der Bühne: TIsiiaWL» Um